Juni 2021
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24. Jahrgang<br />
<strong>Juni</strong> <strong>2021</strong><br />
2,10 €, davon 1,- €<br />
für den Verkäufer<br />
UNABHÄNGIGE STRASSENZEITUNG FÜR FREIBURG UND DAS UMLAND<br />
ZUR UNTERSTÜTZUNG VON MENSCHEN IN SOZIALEN NOTLAGEN<br />
DIE GESCHICHTEN DES LEBENS<br />
Ein Jahr StreetPeople – Zeit für ein kleines Resümee<br />
900 JAHRE ARMUT IN FREIBURG<br />
Armenwesen und Pflege in Freiburg (Teil 6)<br />
ALLMENDE<br />
Ein ökologisches und soziales Wohnprojekt
INHALT<br />
3<br />
VORWORT<br />
23<br />
VERKÄUFERVORSTELLUNG<br />
4<br />
RECHT AUF STADT<br />
24<br />
BUCHBESPRECHUNG<br />
6<br />
STREETPEOPLE<br />
25<br />
KOCHEN<br />
10<br />
IM GESPRÄCH MIT...<br />
26<br />
SPORT<br />
12<br />
900 JAHRE ARMUT IN FREIBURG<br />
28<br />
KRIMI 15. FOLGE<br />
18<br />
EIN SOZIALES WOHNPROJEKT<br />
30<br />
RÄTSEL<br />
20<br />
WIR WOLLTEN DAS ANDERE<br />
31<br />
ÜBER UNS<br />
22<br />
MEINE ZEIT IM FERDI-HAUS<br />
OHNE IHRE UNTERSTÜTZUNG<br />
GEHT ES NICHT<br />
Liebe LeserInnen,<br />
um weiterhin eine<br />
interessante Straßenzeitung<br />
produzieren und Menschen<br />
durch ihren Verkauf einen<br />
Zuverdienst ermöglichen<br />
zu können, benötigen<br />
wir Ihre Hilfe.<br />
Vielen Dank!<br />
Spendenkonto:<br />
DER FREIeBÜRGER e. V.<br />
IBAN: DE80 6809 0000 0002 4773 27<br />
BIC: GENODE61FR1<br />
Denken Sie bitte daran, bei einer Überweisung Ihren Namen<br />
und Ihre Anschrift für eine Spendenbescheinigung anzugeben.<br />
2<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
Liebe LeserInnen,<br />
es ist fast geschafft! Wie es aussieht, liegt die Pandemie in<br />
den letzten Zügen. Es wird zwar noch eine ganze Zeit dauern,<br />
bis unser Leben wieder so verläuft, wie es vor Corona<br />
war, aber man kann in den letzten Wochen doch schon<br />
sichtbare Verbesserungen feststellen.<br />
Und das alles kurz vor Sommerbeginn – falls es denn einen<br />
gibt, woran mich dieses Schmuddelwetter ein wenig<br />
zweifeln lässt. Die Geschäfte in der Stadt sind, zumindest<br />
teilweise, wieder geöffnet. Man kann wieder Familienausflüge<br />
auf den Mundenhof unternehmen. Selbst in der<br />
Gastronomie werden zaghaft die ersten Lokale wieder<br />
eröffnet. Die meisten Menschen sind glücklich, dass sie<br />
endlich wieder all das tun dürfen, was ihnen über ein Jahr<br />
verwehrt war. Anderen tat das Jahr Ruhepause gut und<br />
sie haben die Zeit daheim in irgendeiner Weise sinnvoll<br />
genutzt und wieder anderen war alles ziemlich egal.<br />
Zur letzten Gruppe kann ich mich zählen, denn mit<br />
Ausnahme der Maske, die nach zwei oder drei Stunden<br />
Tragen wirklich lästig ist, haben mich die Maßnahmen eigentlich<br />
nicht weiter beschränkt. Da ich im Wald lebe, war<br />
ich die gesamte Zeit über an der frischen Luft, weswegen<br />
mich die Ausgangssperre nicht wirklich tangierte. Die Geschäftsschließungen<br />
betrafen mich auch nicht sonderlich,<br />
denn mit den paar Euro Grundsicherung macht Shoppen<br />
gehen nicht wirklich Spaß. Im Homeoffice arbeite ich eh<br />
schon seit ein paar Jahren und Restaurant- oder Kneipenbesuche...<br />
siehe Shoppen gehen! Aber natürlich bin auch<br />
ich froh, denn endlich kann ich wieder Freunde treffen<br />
und das war natürlich nicht zu ersetzen. Machen wir also<br />
alle zusammen das Beste daraus und halten uns noch<br />
eine Weile an die paar Regeln, die es noch gibt, damit<br />
die Infektionszahlen auch weiterhin in Richtung NULL<br />
marschieren!<br />
Keinen Sommer wird es für deutsche PolitikerInnen<br />
geben, schließlich steht gleich zum Herbstbeginn die Bundestagswahl<br />
an und die Frage, wer uns danach regiert,<br />
war seit langem nicht so offen wie in diesem Jahr. Also<br />
werden die Parteien den Sommer über im Wahlkampf<br />
stecken, das heißt so viel Schlechtes wie möglich über den<br />
Gegner oder die Gegnerin ans Tageslicht bringen und sich<br />
gegenseitig mit Dreck bewerfen. Angefangen hat man damit<br />
ja schon. Erstaunlich ist, dass fast alle Parteien so besorgt<br />
sind, dass Grün oder Rot an die Macht kommt, dass<br />
sie die Bevölkerung jetzt schon davor warnen. Die beiden<br />
werden einfach in eine Schublade gesteckt und dann wird<br />
gemeckert. Egal, ob die Herren nun Söder, Laschet oder<br />
Lindner heißen, es fällt ihnen nichts Besseres ein, als das<br />
Volk darauf einzuschwören, dass alles in Ordnung sei, so<br />
wie es jetzt ist. Doch dabei spricht aus allen die Angst, am<br />
Ende nichts mit dem Regieren zu tun zu haben. Da wird<br />
bei Frau Baerbock unversteuertes Geld gefunden und<br />
auch Herr Lauterbach hat nicht angegebene Honorare im<br />
Keller liegen. Das ist eine Schlagzeile wert, auch wenn es<br />
sich als harmlos herausstellt. Wenn weiter so gegraben<br />
wird, taucht bestimmt auch die Maskenaffäre der CDU<br />
wieder auf und fliegt denen um die Ohren! Denn: Wie<br />
man in den Wald hinein ruft...!<br />
Und wir haben noch etwas geschafft – wir sind wieder ein<br />
Jahr älter geworden! Am 1. <strong>Juni</strong> 1998 erschien die erste<br />
Ausgabe des FREIeBÜRGER und somit halten Sie jetzt die<br />
erste Ausgabe des 24. Jahrgangs in der Hand. Das ist fast<br />
ein Vierteljahrhundert und ich muss immer wieder staunen.<br />
Manchmal denke ich an unsere Anfänge zurück, an<br />
provisorische Büroräume, mangelnde Kenntnisse und oft<br />
fehlende Technik und dann nehme ich aktuelle Ausgaben<br />
in die Hand und muss sagen, dass ich schon ein bisschen<br />
stolz bin. Darauf, wie wir uns weiterentwickelt haben und<br />
was unser „Chaoshaufen“ erreicht hat.<br />
Ihnen wünschen wir wieder viel Spaß beim Lesen und<br />
bleiben Sie uns auch weiter treu!<br />
Setz dich ein für Meinungsfreiheit<br />
und Menschenrechte.<br />
amnesty.de/mitmachen<br />
Carsten<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 3
FREIBURG – STADT FÜR ALLE?!<br />
DISKUSSIONEN UM „SOZIALE MISCHUNG“ VON<br />
STADTVIERTELN VERFEHLEN DAS PROBLEM<br />
Aus der bisherigen Wohnung ins Ungewisse verdrängt<br />
werden oder in beengten, gesundheitsschädlichen, hässlichen<br />
Verhältnissen wohnen bleiben? Das ist, zugespitzt,<br />
die Alternative, vor der ärmere Menschen stehen, während<br />
wissenschaftliche und politische Diskussionen um<br />
den Ansatz der „sozialen Mischung“ geführt werden...<br />
Mit „sozialer (Durch-)Mischung“ ist gemeint, dass Menschen<br />
aus gesellschaftlich (meist ökonomisch oder rassistisch)<br />
benachteiligten Schichten und solche aus privilegierteren<br />
Schichten im selben Stadtviertel wohnen. In der<br />
Praxis bedeutet das oft, dass in Vierteln, die von ärmeren<br />
Menschen bewohnt werden, höherpreisige Wohnungen<br />
angeboten werden, sodass diese nur noch von wohlhabenderen<br />
Menschen bezogen werden können. Prinzipiell<br />
könnte eine soziale Mischung aber auch durch die<br />
Schaffung günstigeren Wohnraums in „reichen“ Wohngegenden<br />
stattfinden – nur steht das in der Regel nicht<br />
zur Debatte. Problematisiert werden meist nur „arme“<br />
Viertel.<br />
DAS PROBLEM IST DIE ARMUT<br />
Mildert soziale Durchmischung negative Effekte der<br />
Armut oder ist sie nur ein anderes Wort für Gentrifizierung<br />
und damit abzulehnen? In dieser Kontroverse drohen<br />
beide Seiten manchmal zu ignorieren, was Tom Slater<br />
so auf den Punkt bringt: Nicht die Wohngegend bestimmt<br />
die Lebenschancen, sondern „die Lebenschancen bestimmen,<br />
wo du wohnst“. Diese Lebenschancen sind durch<br />
den sozioökonomischen Status bedingt. Kern des Problems<br />
ist also die Armut selbst, egal ob die Armen „durchmischt“<br />
mit Reicheren leben oder von ihnen segregiert.<br />
Bisweilen wird angeführt, Wohngebiete mit ausschließlich<br />
günstigen Mieten zu planen sei ungerecht, denn<br />
die Wohnungsnot betreffe ja alle, nicht nur die Armen<br />
– insbesondere „die Mittelschicht“ dürfe nicht vergessen<br />
werden. Die feindseligere Variante behauptet, ärmere<br />
Menschen würden die Hässlichkeit ihrer Wohngegenden<br />
selbst durch Nachlässigkeit und Vandalismus verantworten,<br />
während Wohneigentum zu pfleglichem Verhalten<br />
führe. Im nächsten Schritt wird Ärmeren eine höhere<br />
Kriminalität unterstellt. Die pauschale Verknüpfung von<br />
Armut mit erhöhter Kriminalität ist kriminologisch nicht<br />
haltbar. Die Suggestion, es brauche auch Wohnungen für<br />
RECHT-AUF-STADT-NEWSLETTER<br />
Mit unserem RaS-Newsletter<br />
informieren wir einmal im Monat<br />
über„Recht auf Stadt“-Themen.<br />
info@rechtaufstadt-freiburg.de<br />
Homepage: www.rechtaufstadt-freiburg.de<br />
Termine und Links<br />
Arbeitsrechtliches Corona-FAQ:<br />
www.fau.org/kaempfe-und-kampagnen/corona<br />
Aktuelle Termine: tacker.fr<br />
die Mittelschicht, ist irreführend – schon weil der formale<br />
Anspruch auf eine Sozialwohnung weiter in diese Mittelschicht<br />
hineinreicht, als vielen bewusst ist. Aber zudem,<br />
weil Menschen mit höherem und stabilem Einkommen<br />
selbstverständlich auch bei günstigeren Angeboten auf<br />
dem Wohnungsmarkt im Vorteil sind. Hohe Einlagen als<br />
Eintrittsbedingung von Wohnungsgenossenschaften<br />
sind nur ein Beispiel. Jede teurere Wohnung in einem<br />
Stadtviertel mit bisher niedrigeren Mieten bedeutet eine<br />
bezahlbare Wohnung weniger für ärmere Menschen und<br />
somit einen unmittelbaren Nachteil für sie.<br />
Sollten daher arme und reiche Viertel einfach so bleiben,<br />
wie sie sind? Die einen leben auf engem Raum, Lärm und<br />
Abgasen viel befahrener Straßen ausgesetzt, in schlecht<br />
instandgesetzten Wohnungen, womöglich mit Schimmel<br />
oder Legionellen belastet oder von ausfallenden Heizungen<br />
geplagt. Und die anderen in der großzügigen Etagenwohnung<br />
der Gründerzeitvilla oder im eigenen Haus, mit<br />
Garten oder mit Balkon auf die verkehrsberuhigte Fahrradstraße.<br />
Warum werden diese Unterschiede als selbstverständlich<br />
hingenommen? Ist schönes Wohnen nur als<br />
Wohnen der Reichen denkbar und somit für Ärmere nur<br />
negativ, als Gefahr der eigenen Vertreibung?<br />
Die soziale Ungleichheit lässt sich nicht dadurch lösen,<br />
dass Arme und Reiche anders in der Stadt verteilt werden,<br />
sondern indem der Reichtum umverteilt wird. Und das ist<br />
innerhalb des Kapitalismus unmöglich. Gutes Wohnen<br />
für alle bedarf eines anderen Wirtschaftssystems. Das ist<br />
– obwohl ständig das Gegenteil behauptet wird – realistischer<br />
als kleinteilige Reformversuche, die an den Zwängen<br />
des Marktes scheitern müssen.<br />
4<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
STADT-FÜR-ALLE-NACHRICHTEN ( RÜCKBLICK VOM 15. APRIL BIS 15. MAI )<br />
[FR] UNTERKUNFTSGEBÜHREN VERFASSUNGSWIDRIG?<br />
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat die<br />
Unterkunftsgebühren für Geflüchtete in Bayern für<br />
unwirksam und verfassungswidrig erklärt. 355,14 Euro<br />
werden in Bayern von Flüchtlingen für ein Einzelzimmer<br />
verlangt. Der VGH spricht von Mietwucher. In Freiburg<br />
werden für ein Einzelzimmer im Wohnheim für Geflüchtete,<br />
aber auch für Obdachlose, 515 Euro verlangt; mit<br />
„Privilegierung“, also einer Gebührenminderung um 40 %<br />
für Personen mit eigenem Einkommen, immer noch 309<br />
Euro. Der VGH hat die Hoffnung ausgedrückt, dass es<br />
zukünftig eine Festsetzung der Gebühren gibt, die sich<br />
ausschließlich am niedrigen Standard der Unterkünfte<br />
orientiert und deren Höhe in Anbetracht der tatsächlichen<br />
Kosten lediglich symbolisch sein sollte. Höchste<br />
Zeit, auch in Freiburg die viel zu hohen Gebühren fürs<br />
schlechte „Wohnen“ drastisch zu reduzieren.<br />
[FR] VONOVIA-MIETERINNEN OHNE WASSER UND<br />
STROM<br />
Die Vonovia-Häuser im Auggener Weg in Freiburg-Weingarten<br />
werden endlich saniert. Ohne den Druck der<br />
MieterInnen wäre das wohl nicht passiert. Die Sanierung<br />
scheint die Vonovia SE aber wieder möglichst billig,<br />
schlampig und mit schlechter Kommunikation durchzuführen.<br />
Eine Mietpartei war 14 Tage lang ohne Strom, eine<br />
andere acht Tage ohne Wasser.<br />
[FR] IMMOBILIENPREISE STEIGEN WEITER<br />
Auch in der Corona-Pandemie sind die Immobilienpreise<br />
in Freiburg weiter gestiegen. Eine Neubauwohnung kostete<br />
durchschnittlich 6.539 Euro/m², Studierendenwohnungen<br />
lagen bei 7.000 Euro/m². 822 Bestandswohnungen<br />
wurden für durchschnittlich 4.300 Euro/m² verkauft.<br />
2009 lagen 61 % der Verkäufe noch unter 2.000 Euro/m²,<br />
im vergangenen Jahr waren es nur noch 1,3 %. Auch die<br />
Preise für Häuser sind noch einmal gestiegen.<br />
[FR] RACIAL PROFILING AM STÜHLINGER KIRCHPLATZ<br />
Die Freiburger Polizei sorgt mit ihrer ständigen Präsenz<br />
immer wieder dafür, dass auf dem Stühlinger Kirchplatz,<br />
der bei vielen NutzerInnen gerade tagsüber sehr beliebt<br />
ist, ein Unsicherheitsgefühl aufkommt. Von den zahlreichen<br />
Polizeikontrollen auf dem Platz sind insbesondere<br />
Schwarze Menschen betroffen. Mitte April wurde nun<br />
ein weißer Jurastudent kontrolliert. Als Grund der Kontrolle<br />
gaben die Polizisten jedoch an, er sei „gerade an<br />
dem Schwarzen vorbeigelaufen“. Der Jurastudent will<br />
nun gegen die Kontrolle juristisch vorgehen. Staatliche<br />
Maßnahmen dürften laut Grundgesetz nicht von der<br />
Hautfarbe abhängig sein. Der Betroffene stellt auch die<br />
Verfassungsmäßigkeit der Passage des Polizeigesetzes<br />
in Frage, die der Einstufung des Kirchplatzes als „gefährlicher<br />
Ort“ zugrunde liegt. Eine Kontrolle stigmatisiere<br />
und stelle einen erheblichen Eingriff in das Recht auf<br />
informationelle Selbstbestimmung dar. Da die Möglichkeit<br />
der verdachtsunabhängigen Kontrolle z. B. nicht auf<br />
die Verfolgung von schweren Straftaten beschränkt wird,<br />
sei die Regelung unverhältnismäßig. Auch die über Jahre<br />
andauernden Kontrollen zeigten, dass es an der gesetzlich<br />
notwendigen zeitlichen Einschränkung und Bestimmtheit<br />
fehle.<br />
[FR] BAUVEREIN BREISGAU ERHÖHT DIE MIETEN<br />
Obwohl zahlreiche MieterInnen in der Corona-Pandemie<br />
von Erwerbslosigkeit betroffen oder bedroht sind<br />
oder aufgrund von Kurzarbeit weniger Geld in der<br />
Tasche haben, erhöht die „Genossenschaft“ Bauverein<br />
Breisgau eG ihre Mieten um 8 %. Im letzten Jahr hatte<br />
es aufgrund der Krise ein Mietmoratorium gegeben.<br />
Ansonsten erhöht der Bauverein alle drei Jahre die Mieten<br />
um 5 bis 10 % und betätigt sich so als Mietpreistreiber. Im<br />
Neubau liegen die Genossenschaftsmieten beim Bauverein<br />
bei 10 Euro/m². Die Begründung der Mieterhöhungen,<br />
man brauche Kapital für Sanierung und Neubau, ist<br />
angesichts der komfortablen Finanzlage des Bauvereins<br />
und der niedrigen Zinsen eine Frechheit gegenüber den<br />
eigenen GenossInnen.<br />
[FR] SOZIALE UND BAULICHE ERHALTUNGSSATZUNG IM<br />
FAMILIENHEIMQUARTIER?<br />
Obwohl die Befragung eines Gutachters schon lange ergeben<br />
hat, dass alle Voraussetzungen für eine soziale und<br />
bauliche Erhaltungssatzung im Familienheimquartier am<br />
Wiehre-Bahnhof vorliegen, ist von Seiten der Stadtverwaltung<br />
noch nichts in diese Richtung unternommen worden.<br />
Die Stadtverwaltung und offenbar auch die Grünen<br />
setzen weiter auf eine Einigung mit der Genossenschaft,<br />
die gerne hochpreisig neu baut. Einen langfristigen<br />
Schutz für die MieterInnen vor dem Abriss ihrer Häuser<br />
gibt es nur mit einer sozialen und baulichen Erhaltungssatzung<br />
und einer demokratischen Übernahme der<br />
Genossenschaft durch die GenossInnen.<br />
[FR] KTS BEKOMMT GELD ZURÜCK<br />
Das autonome Zentrum KTS hat über 3,5 Jahre nach der<br />
illegalen Razzia in Zusammenhang mit dem Verbot des<br />
konstruierten Vereins Indymedia Linksunten Geld und<br />
Asservate zurückbekommen. Es ging laut KTS um mehr<br />
als 30.000 Euro. „Natürlich gab es nie einen Linksunten-Verein.<br />
Ein linksradikales Medienprojekt ist das<br />
Gegenteil deutscher Vereinsmeierei und die KTS ist sowas<br />
wie die Antithese eines Vereinsheims.“ Seit der Razzia soll<br />
es mehrere Anwerbeversuche durch den Verfassungsschutz,<br />
auch gegenüber Minderjährigen, gegeben haben.<br />
Weiterführende Links zu den Meldungen findet ihr wie<br />
immer auf der Homepage<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 5
StreetPeople<br />
Eine Reportage<br />
über die Menschen<br />
auf der Straße
DIE GESCHICHTEN DES LEBENS<br />
Ein Jahr SteetPeople – Zeit für ein kleines Resümee<br />
Im <strong>Juni</strong> 2020 erschien das erste Mal StreetPeople hier im<br />
FREIeBÜRGER. Es war mir ein Anliegen, einige der Menschen<br />
kennenzulernen, die mir bei meinen Streifzügen<br />
durch Freiburg begegnen. Darüber hinaus wollte ich Sie<br />
als LeserIn an diesen Begegnungen teilhaben lassen.<br />
Somit entstand StreetPeople. Dass dieses Format funktioniert,<br />
zeigt uns die große positive Resonanz, die wir auch<br />
heute noch erfahren dürfen.<br />
Mittlerweile erscheint diese Reportagereihe jeden Monat<br />
in unserer Zeitung, mit einem neuen Artikel über die<br />
Menschen der Straße. Über Menschen, die auf der Straße<br />
leben und über jene, die diese Menschen bestmöglich<br />
unterstützen. Man sagt, dass aller Anfang schwer sei und<br />
das kann ich auch so bestätigen, wenn ich mich daran<br />
zurückerinnere, wie unüberbrückbar es mir zu Beginn<br />
erschien, auf Menschen zuzugehen und sie zu bitten, sich<br />
mit mir zu unterhalten. Darüber hinaus, das Erzählte in<br />
einem Artikel niederzuschreiben und zu veröffentlichen.<br />
meine GesprächspartnerInnen, wenn sie später den<br />
Artikel zum Gegenlesen erhalten, noch bevor er publiziert<br />
wird. Nicht selten höre ich sodann Worte der Verwunderung;<br />
das hätten sie sonst so noch niemandem erzählt.<br />
Obgleich die Unterhaltungen auch oftmals sehr lange<br />
und ausführlich sind, so habe ich für den daraus entstehenden<br />
Artikel lediglich vier Seiten zur Verfügung. Daher<br />
muss ich immer sorgfältig auswählen, was ich an die<br />
Leserschaft weitergebe. Und dabei geht es nicht nur um<br />
das Wesentliche, sondern vielmehr auch um die Pietät an<br />
sich.<br />
Man bedenke dabei: In StreetPeople geht es nicht um<br />
Smalltalk, sondern um die Geschichten, die das Leben<br />
schreibt. Es geht um Gewalt, zerrüttete Familien, Krankheiten<br />
und das nackte Überleben. Doch dies ist nur ein<br />
Teil des Ganzen. In meinen Unterhaltungen durfte ich<br />
auch sehr viel Erfreuliches über Glück, Lebensfreude und<br />
Gemeinschaft erfahren, was ich zunächst so nicht erwartet<br />
hatte.<br />
Es ist und bleibt für mich beeindruckend, wie rasch eine<br />
Unterhaltung von einer gewissen Oberflächlichkeit auf<br />
eine ganz persönliche Ebene wechselt, wenn das gegenseitige<br />
Vertrauen vorhanden ist und man sich auf Augenhöhe<br />
begegnet. Diese Erfahrung machen übrigens auch<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 7
In der Regel erfahre ich sehr viel aus der Vergangenheit<br />
meiner GesprächspartnerInnen. Oftmals tragische Entwicklungen<br />
und Geschehnisse, die selbst mich, als Außenstehenden,<br />
emotional sehr bewegen. Ob und wie ich diese<br />
Informationen sodann veröffentliche, muss ich jedes<br />
mal aufs Neue entscheiden. Grundsätzlich behandle ich<br />
nicht nur meine GesprächspartnerInnen mit dem nötigen<br />
Respekt, sondern auch das, was sie mir anvertrauen.<br />
Dass ich mit dieser Meinung nicht falsch liege, zeigen mir<br />
die heute bestehenden Freundschaften mit Menschen,<br />
die mir zuvor fremd waren und die im Grunde nicht viel<br />
anders sind, als ich selbst bin. Auch sie haben, wie ich,<br />
eine Vergangenheit und ein Leben, welches sie mit bestem<br />
Wissen und Gewissen bestreiten.<br />
Für mich als Journalist ist StreetPeople heute nicht mehr<br />
nur ein Arbeitsprojekt, sondern eine Lebensbereicherung<br />
gleichermaßen. Zunächst hatte ich die Befürchtung, dass<br />
mich einige der zum Teil sehr tragischen Geschichten persönlich<br />
sehr in Anspruch nehmen könnten. Natürlich bin<br />
ich Profi genug, um zu wissen, dass eine gewisse Distanz<br />
in diesem Beruf notwendig ist. Doch ist diese Distanz für<br />
mich auch grundlegend zu wahren? Dies war die große<br />
Frage im Hintergrund. Relativ bald entstand jedoch eine<br />
Entwicklung, die so nicht ersichtlich war. Mein Fokus der<br />
Betrachtung verschob sich vom Negativen ins Positive.<br />
Damit will ich sagen, dass für mich heute nicht etwaige<br />
schwere Schicksale von Bedeutung sind, sondern das, was<br />
die betreffenden Menschen daraus gemacht haben und<br />
worin sie sich aufgehoben und geborgen fühlen.<br />
Nicht jeder, der Hilfe benötigt, ist im eigentlichen Sinne<br />
hilflos und nicht jeder, der Hilfe leistet, hat diesbezüglich<br />
alles in der Hand. Also kommt es darauf an, wie Menschen<br />
damit umgehen und was sie daraus machen. Der<br />
eine mit mehr, die andere mit weniger Erfolg, jedoch<br />
jede(r) auf seine eigene ganz kreative Art und Weise.<br />
Diese Sichtweise zu erfahren hat mein eigenes Leben sehr<br />
bereichert und ich versuche auch immer wieder, einen<br />
großen Teil dieser Erfahrung in meine Artikel einfließen<br />
zu lassen. Das ist in der Tat nicht ganz einfach, da es<br />
sich hierbei um etwas handelt, das man in der Regel nur<br />
erfahren kann, wenn man einem Menschen auf einer<br />
ganz persönlichen Ebene begegnet.<br />
Ob diese Sichtweise von mir tatsächlich immer so vermittelt<br />
werden kann, wie ich es mir vorstelle, kann ich selbst<br />
allerdings nicht bestätigen, da ich als Autor meiner Texte<br />
logisch nicht unvoreingenommen bin. Was ich jedoch<br />
sagen kann ist, dass wir in der Redaktion eine äußerst<br />
positive Resonanz auf StreetPeople erfahren, die wir uns<br />
so nicht hätten vorstellen können.<br />
8<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
Daher möchte ich Ihnen hier nicht nur von meinen eigenen<br />
Erfahrungen berichten, sondern auch von Entwicklungen,<br />
die durch diese Artikel entstanden sind und die<br />
durch Sie als LeserIn überhaupt erst ermöglicht wurden.<br />
So hat zum Beispiel einer der von mir vorgestellten Persönlichkeiten<br />
heute, nach über 20 Jahren Wohnungslosigkeit,<br />
wieder ein Dach über dem Kopf. Zuvor nicht gesehen<br />
worden, so konnten Sie durch StreetPeople Anteil an seinem<br />
Leben nehmen und ihn kennenlernen. Sie durften,<br />
genauso wie ich, erfahren, was diesen Menschen wirklich<br />
ausmacht. Nicht etwa seine Äußerlichkeit und seine<br />
finanzielle Armut, sondern sein Reichtum an Mut und<br />
unbeugsamen Lebenswillen. Die Geschichte seines Lebens<br />
bewegte die Menschen so sehr, dass etwas geschah, von<br />
dem vor allem er selbst nicht mehr zu träumen wagte.<br />
Jemand, der ihm völlig fremd war, gab ihm eine echte<br />
Chance, die er dankend annahm.<br />
Wenn wir uns heute begegnen und ein bisschen über den<br />
Alltag quatschen, dann freue ich mich sehr darüber, überhaupt<br />
noch die Möglichkeit dazu zu haben. Denn aufgrund<br />
seines gesundheitlichen Zustands war die Wahrscheinlichkeit<br />
damals sehr hoch, dass er den kommenden<br />
Winter auf der Straße nicht mehr überlebt hätte.<br />
Auch das Leben anderer Personen wurde durch das<br />
Erscheinen von StreetPeople auf eine Weise verändert, die<br />
so zuvor nicht absehbar war. Unter anderem gab es diverse<br />
Job- und Unterstützungsangebote sowie die Aussicht<br />
auf eigenen Wohnraum. Dinge, die zuvor als unmöglich<br />
erschienen, ragten nun in greifbarer Nähe. Was mir<br />
jedoch viel bemerkenswerter erscheint, das liegt im Detail<br />
verborgen. Menschen begegnen einander, und zwar offen<br />
und vorurteilsfrei. Und diese Begegnungen sind eine<br />
Bereicherung für jeden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es<br />
sich lediglich um einen freundlichen Gruß handelt oder<br />
um ein Angebot der gegenseitigen Hilfeleistung. Es sind<br />
die Begegnungen selbst, auf die es ankommt und darauf,<br />
dass diese stattfinden.<br />
Was ist also das Fazit, das wir am Ende ziehen können<br />
und als Redaktion auch ziehen müssen? StreetPeople war<br />
ein Projekt, von dem keiner genau wusste, ob es die Leserschaft<br />
überhaupt interessiert. Durch die vielen positiven<br />
Resonanzen unserer LeserInnen ist uns deutlich gemacht<br />
worden, dass StreetPeople auch weiterhin ein fester<br />
Bestandteil unserer Zeitung bleiben darf. Dafür möchten<br />
wir uns bei Ihnen ganz herzlich bedanken und Ihnen auf<br />
diese Weise auch weiterhin viel Freude mit diesem Format<br />
wünschen.<br />
Darüber hinaus möchte ich als Autor dieser Reihe noch<br />
einen ganz persönlichen Dank an meinen lieben Kollegen<br />
Felix Groteloh aussprechen, der mich mit seiner Fotografie<br />
in meiner Arbeit begleitet. StreetPeople lebt nicht nur<br />
durch die unglaublichen und wunderbaren Lebenseindrücke<br />
meiner GesprächspartnerInnen, sondern auch<br />
durch die Ausdrücklichkeit seiner Fotografien. Als ich ihn<br />
damals fragte, ob er sich vorstellen könnte, ein solches<br />
Projekt zu begleiten, sagte er ohne zu zögern zu und ist<br />
bis heute mit an Bord.<br />
Und wenn ich schon einmal dabei bin, einen lieben Dank<br />
an: Franziska, Björn, Stefan & Andreas, Carsten, Willibert,<br />
Lucas, Sarah, Ann, Christine, Morris & Javiera, sowie an<br />
Karsten, Oliver, Ekki & Conny.<br />
Text: Harry Bejol<br />
Fotos: Felix Groteloh<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 9
lässt wie er ist, jeder Tag anders ist und die redaktionellen<br />
Aufgaben sehr abwechslungsreich sind. Ich habe in dieser<br />
Zeit noch mehr gelernt, Menschen – unabhängig aus welcher<br />
sozialen Schicht sie auch kommen – auf Augenhöhe,<br />
gleichberechtigt, gleichwertig und ebenbürtig zu begegnen.<br />
Ich freue mich jeden Tag aufs neue, für den FREIeBÜRGER<br />
zu arbeiten und mich motiviert auf neue Menschen, Gespräche<br />
und Ideen einzulassen.<br />
Wie und warum bist Du Redakteur geworden?<br />
Studiert habe ich vor vielen Jahren Grafik-Design. Nach<br />
meinem Studium 1993 war ich ab 1994 dreizehn Jahre in<br />
Düsseldorf und anschließend in Griechenland. Als ich im<br />
Jahr 2010 wieder nach Freiburg zurückkam (bedingt durch<br />
die Auswirkungen der damaligen Wirtschaftskrise) und<br />
erstmal ohne Job da stand, machte ich durch das Jobcenter<br />
gefördert eine Ausbildung zum Webdesigner. Danach bekam<br />
ich über das Jobcenter die Möglichkeit, in der Redaktion<br />
vom FREIeBÜRGER einen Minijob zu machen. „Toll!“,<br />
dachte ich mir, da mich Gedrucktes schon immer fasziniert<br />
hat. Das FREIeBÜRGER-Team und ich verstanden uns auf<br />
Anhieb richtig gut, ich schrieb dann auch nach kurzer Zeit<br />
dank der lieben Micha meinen ersten Artikel und fand alles<br />
dort sehr spannend. Nach einem Jahr bot mir das Team<br />
(der Verein) eine Festanstellung an und so kam es, dass ich<br />
vom Grafik-Designer als Quereinsteiger Redakteur wurde.<br />
Ja, alles ist möglich! Meine Herausforderung ist, den Leser<br />
und die Leserin stets aufs Neue zu überraschen, mit Leidenschaft,<br />
harter Arbeit, Humor und neuen Einblicken.<br />
IM GESPRÄCH MIT...<br />
Oliver Matthes<br />
Foto: H. Bejol<br />
Oliver Matthes ist seit Ende 2013 ein Teil der FREIeBÜRGER<br />
Redaktion. Vom Grafik-Design als Quereinsteiger in den<br />
Journalismus. Einige von Ihnen haben bestimmt schon<br />
mal einen Artikel und eine seiner monatlichen VerkäuferInnen-Vorstellung<br />
gelesen oder hatten ein nettes<br />
Gespräch mit Ihm am Telefon. Er ist Redakteur und unter<br />
anderem auch zuständig für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit.<br />
Du bist seit fast acht Jahren ein Teil des FREIeBÜRGER-<br />
Teams. Eine lange Zeit! Kannst Du uns kurz in wenigen<br />
Sätzen erklären, was Dir Deine Arbeit für dieses Projekt<br />
bedeutet?<br />
Ich kann es manchmal selbst nicht glauben, aber es stimmt<br />
– demnächst bin ich seit acht Jahren ein Teil des FREIe-<br />
BÜRGER-Teams. Bisher eine meiner schönsten beruflichen<br />
Reisen in einem tollen Team, in dem jeder den anderen sein<br />
Welche Aufgaben übernimmst Du in der Redaktion?<br />
Im FREIeBÜRGER-Redaktionsteam gibt es keine Rangordnung.<br />
Der organisatorische Ablauf und die Arbeitsverteilung,<br />
wer macht was, wird im Team fair besprochen und<br />
festgelegt. Meine Aufgaben? Zum einen schnappe ich mir<br />
jeden Monat eine Verkäuferin oder einen Verkäufer für die<br />
monatliche Rubrik „Verkäufervorstellung“, um den FREIe-<br />
BÜRGER-LeserInnen im Laufe der Zeit alle unsere VerkäuferInnen<br />
vorzustellen. Zum anderen liegt mir der Bereich<br />
Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit) sehr am Herzen, die<br />
Öffentlichkeitsarbeit direkt von Mensch zu Mensch. Durch<br />
Infostände und Informationsveranstaltungen wollen wir<br />
auf unseren Verein und die Straßenzeitung aufmerksam<br />
machen, um in Zukunft noch mehr Menschen in sozialen<br />
Notlagen zu erreichen. Ansonsten schaue ich auch immer,<br />
wo ich spontan einspringen und unterstützen kann... Teamwork<br />
halt!<br />
Was sind deine persönlichen Stärken und Schwächen?<br />
Also meine Stärken: Ich bin teamfähig, lernbereit, verantwortungsbewusst<br />
und kritikfähig, um nur ein paar Eigenschaften<br />
zu nennen. Meine Schwächen: Kommasetzung,<br />
starker Kaffee (niemals mehr als zwei Tassen in der Redaktion<br />
trinken...) und Haribo!<br />
10<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
Was liest, hörst oder schaust Du morgens als erstes?<br />
Zum Missfallen einiger weniger Redaktionsmitglieder: das<br />
Frühstücksfernsehen auf Sat1. Ich möchte eben morgens<br />
direkt nach dem Aufstehen lieber mit leichter „Klatsch und<br />
Tratsch“-Kost wach werden. Die anspruchsvollen Themen<br />
habe ich ja in der Redaktion. Auf die richtige Dosierung<br />
kommt es an.<br />
Was macht dich wütend oder ungeduldig?<br />
Dummheit und Intoleranz. In der täglichen Arbeit und im<br />
Privatleben ist es oftmals die einschleichende Bequemlichkeit<br />
– bei mir und manchmal auch bei anderen.<br />
Welche sozialen Medien und/oder Netzwerke nutzt Du<br />
und wofür?<br />
Ich bin eher „Old School“ – Mitglied bin ich bei Facebook<br />
und Instagram. TikTok? Also ich kenne nur Tic Tac! Selbst<br />
poste ich jedoch nur sehr selten etwas. Es langweilt mich<br />
sehr schnell. Ansonsten ist Facebook für den FREIeBÜRGER<br />
eine praktische Sache, um unsere „Fans“ zusätzlich zur<br />
FREIeBÜRGER-Zeitung mit kurzen Videclips oder aktuellen<br />
News zu unterhalten und zu informieren.<br />
Was sind Deine drei Lieblinge unter den Zeitungen, Sendungen<br />
und Websites?<br />
Die Zeitschrift Max (1991-2008) und der FREIeBÜRGER natürlich.<br />
Sendungen über Kunst, Städte & Länder, Musik und<br />
Geschichte. Und meine Lieblingswebsites sind die von:<br />
FREIeBÜRGER, Ei-nzigartig und Madonnalicious.<br />
Mit wem würdest Du gerne einen Tag die Rolle tauschen?<br />
Mit der Queen of Pop Madonna! Ich bin seit Anfang der<br />
80er Jahre ein Fan. Ich bewundere den nicht aufhörenden<br />
Ehrgeiz, die Disziplin und ihr Talent, sich immer wieder neu<br />
zu erfinden!<br />
Im nächsten Leben wirst Du...?<br />
...auch beim FREIeBÜRGER arbeiten, noch mehr Sport machen<br />
und weniger naschen.<br />
Was machst Du in deiner Freizeit, was sind Deine<br />
Hobbys?<br />
Am allerliebsten schwinge ich mich bei gutem Wetter auf<br />
mein Mountainbike und fahre hoch in den Schwarzwald.<br />
Raus aus der Stadt und die Ruhe in der Natur genießen.<br />
Ohne mein Mountainbike wäre ich nur ein halber Mensch.<br />
Ich fahre einfach nicht gerne mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.<br />
Das war vor der Corona-Krise schon so, hat sich<br />
jetzt aber dadurch noch verstärkt.<br />
Was ist für Dich der schönste Ort in Freiburg?<br />
Und welcher der hässlichste?<br />
Ein schöner Ort für mich in Freiburg liegt oberhalb des<br />
Stadtteils Wiehre im wunderschönen Sternwald. Dieser<br />
märchenhafte Ausblick vom Freiburger Wasserschlössle<br />
runter auf die Stadt lädt einfach zum Relaxen und Verweilen<br />
ein. Der schönste Ort in Freiburg jedoch ist am Wochenende<br />
in meinem Bett, einfach mal „fünfe gerade sein<br />
lassen“ und Dauer-Netflixen.<br />
Der hässlichste Ort für mich ist nach wie vor der Platz der<br />
Alten Synagoge. Jetzt hat Freiburg schon wenig innerstädtische<br />
Plätze, nach dem Münsterplatz ist der Platz der Alten<br />
Synagoge der zweitgrößte. Er wurde vor einigen Jahren<br />
umgestaltet. Aus einem einladenden Ort zum Musik hören<br />
oder einfach nur zum auf der großen Rasenfläche in der<br />
Sonne Dösen wurde ein kalter grauer Platz aus Granit mit<br />
wenig Grün, der einer Betonwüste gleicht. Und das in der<br />
„Green City Freiburg“!<br />
Was wünschst Du Freiburg?<br />
Ich lebe gerne in Freiburg und liebe diese Stadt. Ich wünsche<br />
mir vor allem bezahlbaren Wohnraum für alle Einkommensschichten<br />
in Freiburg, denn auch ich würde<br />
mich gerne in naher Zukunft etwas vergrößern, von einer<br />
Mini-Einzimmerwohnung in lauter Lage in eine etwas größere<br />
Zweizimmerwohnung in ruhiger Lage. Des Weiteren<br />
wünsche ich Freiburg eine Stadtpolitik, die die Bürger und<br />
Bürgerinnen wirklich vertritt und auf sie eingeht, zum Beispiel<br />
durch mehr Volksentscheide. Und auf jeden Fall mehr<br />
öffentliche Plätze, die zum Verweilen einladen und Raum<br />
für Kultur, denn Kultur braucht Platz.<br />
Was wünscht Du dem FREIeBÜRGER?<br />
Ich wünsche dem FREIeBÜRGER, der jetzt am 1. <strong>Juni</strong> <strong>2021</strong><br />
seinen 23. Geburtstag feiert, erst mal alles Gute für die<br />
Zukunft und sage vielen Dank an alle, die uns in diesen 23<br />
Jahren unterstützt und durch Höhen und Tiefen begleitet<br />
haben. Wir haben in den vergangenen 23 Jahren gelernt,<br />
wie man eine Zeitung macht, und dass das Schreiben<br />
auch Veränderungen schaffen kann. Solange in unserer<br />
Gesellschaft die Schere zwischen Arm und Reich immer<br />
weiter auseinanderdriftet, es Menschen gibt, die durch das<br />
löchrig gewordene soziale Netz fallen und die Lebensunterhaltungskosten<br />
von Jahr zu Jahr immer weiter so rasant<br />
steigen, so lange wird der FREIeBÜRGER weiterhin zum<br />
Stadtbild Freiburgs gehören und gehören müssen, damit<br />
die Menschen in sozialen Notlagen besser über die Runden<br />
kommen. Ich wünsche dem FREIeBÜRGER in erster Linie,<br />
dass auch weiterhin so viele tolle engagierte Menschen<br />
(Ehrenamtliche, SpenderInnen, MitgliederInnen und Schreiberlinge<br />
etc.) das Projekt unterstützen, damit wir auch in<br />
Zukunft armutsbetroffenen Menschen eine Perspektive<br />
geben können, ihre Lebensumstände zu verbessern.<br />
Oliver, wir sagen Danke für das tolle Gespräch, wünschen<br />
Dir alles Gute und bleib so wie Du bist.<br />
Ekki<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 11
Abb.: Stillleben mit Käse und Obst, 1612 – Nicolaes Gillis<br />
900 JAHRE ARMUT IN FREIBURG<br />
Armenwesen und Pflege in Freiburg (Teil 6)<br />
Foto: Wikipedia<br />
In der letzten Ausgabe habe ich über den Fortgang im<br />
„Großen Spital“ berichtet, aber auch darüber, welches<br />
Leben die Armen und Bedürftigen im mittelalterlichen<br />
Freiburg führten. In dieser Ausgabe schreibe ich über das<br />
Heiliggeistspital am Ausgang des Mittelalters. Ebenso<br />
erfahren Sie etwas über die Unterkunft, Verpflegung und<br />
Ernährung im großen Spital sowie über die schrittweise<br />
Trennung der Spitalinsassen in Arm und Reich.<br />
HEILIGGEISTSPITAL AN DER SCHWELLE ZUR NEUZEIT<br />
In der letzten Ausgabe bin ich bei den Kosten stehen<br />
geblieben, die das Leben im Spital so mit sich brachten.<br />
Der Unterhalt eines solchen Hospitals kostete natürlich<br />
eine Menge Geld. Und auch wenn das Heiliggeistspital<br />
bzw. die Heiliggeiststiftung nicht gerade ohne Vermögen<br />
dastand, musste man auch hier schauen, dass die Finanzen<br />
und Almosen sinnvoll, aber auch sparsam verteilt<br />
wurden, um allem gerecht zu werden. Zwar verfügte das<br />
Freiburger Heiliggeistspital in und außerhalb der Stadt<br />
über beträchtlichen Besitz an Land, Wald und Einkünften<br />
aus Bauernhöfen und auch das Spendeneinkommen war<br />
ganz gut, doch so ein Spital samt BewohnerInnen und<br />
Angestellten verschlang eine riesige Menge Geld.<br />
Um den Überblick über die vielen verschiedenen Geldtöpfe<br />
zu behalten, wurde schon seit Bestehen des Heiliggeistspitals<br />
Buch geführt über sämtliche Einnahmen und Ausgaben,<br />
die man hatte. Dazu wurden Rechnungsbücher<br />
geschrieben, für die der Spitalmeister zuständig war, der<br />
dabei allerdings vom Spitalschreiber unterstützt wurde,<br />
welcher die eigentliche Arbeit verrichten musste. Die Bücher<br />
wurden peinlich genau geführt, schließlich wurden<br />
sie in regelmäßigen Abständen vom Stadtrat kontrolliert<br />
(meist jährlich). Neben den Ausgaben wurden auch sämtliche<br />
Einnahmen aus den eigenen Wirtschaftsbetrieben,<br />
Kosten für Unterkunft und Verpflegung der Spitalinsassen<br />
und auch die Personalkosten aufgelistet.<br />
Neben den normalen Rechnungsbüchern wurden auch<br />
sogenannte Jahresbücher erstellt, anhand derer man<br />
das Leben und Wirken im Heiliggeistspital über den<br />
Zeitraum eines Jahres nachvollziehen kann. Zahlreiche<br />
der Rechnungs- und Jahrbücher des Heiliggeistspital aus<br />
12<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
verschiedenen Jahrhunderten sind erhalten geblieben<br />
und können noch heute vom Leben des mittelalterlichen<br />
Freiburg zeugen. Sie befinden sich im Stadtarchiv Freiburg<br />
in der Grünwälderstraße.<br />
In den Büchern erfährt man einiges über Anschaffungen<br />
des Spitals sowie über Erbschaften und Schenkungen, die<br />
das Spital erhalten hat. Da kann man dann überrascht<br />
sein, wie viele der wohlhabenden BürgerInnen der Heiliggeiststiftung<br />
Schenkungen an Land und Besitz gemacht<br />
bzw. das Spital im Testament reichlich bedacht haben.<br />
Da auch Erwerb und Erhalt von Kleidung, Nahrungsmitteln<br />
usw. aufgeführt sind, kann man sich auch von der<br />
Ernährung der BewohnerInnen ein gutes Bild machen. So<br />
erfährt man z. B., dass im 16. Jahrhundert ein großer Teil<br />
der Ausgaben für Nahrungsmittel auf Rindfleisch entfiel.<br />
Bei den gesamten Fleischkosten macht Rindfleisch fast<br />
90 % aus, das kann man sich bei den heutigen Preisen<br />
nicht vorstellen. Vielleicht lag der hohe Anteil an Rind<br />
daran, dass die spitalseigenen Bauernhöfe und Landgüter<br />
selbst genug Geflügel- und Schweinefleisch produzierten,<br />
sodass man nur Rindfleisch einkaufen musste. Auch<br />
Fisch wurde regelmäßig und viel eingekauft, obwohl das<br />
Spital natürlich auch eigene Fischgründe hatte. Da aber<br />
im Spital die Religion weiterhin einen hohen Stellenwert<br />
besaß, musste man sich natürlich auch bei den Speisen<br />
an christliche Regeln halten. So gab es natürlich freitags,<br />
an Fastentagen sowie zu den üblichen Fastenzeiten kein<br />
Fleisch. Deshalb der hohe Fischverbrauch, wie es in den<br />
Klöstern auch üblich war oder bis heute noch ist. Die<br />
meisten anderen Nahrungsmittel wie Eier, Butter, Gemüse<br />
und Obst, Getreide, teilweise Fleisch, Wein und anderes<br />
konnte man in den eigenen Landgütern selbst erwirtschaften<br />
und solange es keine Missernten oder Seuchen<br />
gab, konnte man gut davon leben. Gab es allerdings durch<br />
die eben genannten Gründe, durch Krieg oder irgendwelche<br />
anderen Katastrophen Hungersnöte, dann war das<br />
Hospital mehr denn je auf Spenden, Schenkungen oder<br />
Erbschaften angewiesen. Man konnte die Versorgung der<br />
SpitalbewohnerInnen nicht einstellen, auch wenn natürlich<br />
in solchen Zeiten die Rationen etwas knapper bemessen<br />
waren. Meist wurde dabei natürlich beim Essen für<br />
die Ärmeren gespart, die Reichen hatten ja meist teuer<br />
bezahlt für ihre Verpflegung. Bekannt ist auch, dass in solchen<br />
mageren Zeiten Straßensammlungen durchgeführt<br />
wurden. Dabei zogen Leute aus dem Heiliggeistspital mit<br />
einer Art Handkarren, dem sogenannten Bettelkarren,<br />
durch die Straßen, gingen von Haus zu Haus und baten<br />
um Unterstützung für die Armen und Kranken. Meist<br />
waren es ein paar der ärmeren SpitalbewohnerInnen und<br />
ein oder zwei Spitalpfleger oder andere MitarbeiterInnen<br />
zur Kontrolle. Dank der Armutsgebote in der Bibel und<br />
der Gottesfurcht der Freiburger BürgerInnen hatten diese<br />
Straßensammlungen auch meist Erfolg.<br />
UNTERKUNFT, VERPFLEGUNG UND ERNÄHRUNG<br />
IM „GROSSEN SPITAL“<br />
In einer der letzten Ausgaben habe ich erwähnt, dass<br />
durch den steigenden „Pfründeneinkauf“ der wohlhabenden<br />
BürgerInnen ins Spital auch hier eine Spaltung<br />
in Arm und Reich erfolgte, was auch bald für jeden<br />
sichtbar wurde. Auch hier kann man sich anhand der<br />
erhaltenen Bücher davon überzeugen, wie groß die Unterschiede<br />
bei den Unterkünften waren oder wer welche<br />
Speisen bekam.<br />
Der Einkauf von wohlhabenden Menschen als Pfründner<br />
nahm bald so große Ausmaße an, dass sich die<br />
Stadt gezwungen sah, noch ein weiteres Spital zu bauen.<br />
Dieses lag etwas abseits der Stadtmitte und sollte<br />
die Heimstatt der Armen werden, die sich eine Pfründe<br />
nicht leisten konnten. Deshalb hatte es im Volk auch<br />
bald den Namen Armenhospital weg, doch dazu später<br />
mehr. Darüber, wie viel eine Pfründe im Freiburger Heiliggeistspital<br />
genau kostete, gibt es verschiedene Angaben.<br />
Wahrscheinlich war das auch davon abhängig, wie<br />
viel das Geld gerade wert war, über wie viel Kapital die<br />
Heiliggeiststiftung verfügte oder unter welchen Herrschaftsverhältnissen<br />
man gerade lebte. Ich habe ein<br />
Modell ausgewählt, in dem die Kosten für die verschiedenen<br />
„Güteklassen“ der Unterbringung klar verständlich<br />
aufgeführt wurden. Danach betrugen die Kosten<br />
für eine Herrenpfründe zwischen 200 und 250 Gulden<br />
Abb.: Erste urkundliche Erwähnung der Heiliggeistspitalstiftung<br />
in einer Urkunde von Graf Konrad I. von Freiburg<br />
und der Stadt Freiburg (1255)<br />
Foto: Reproduktion Urkunde ,Stadtarchiv Freiburg im Breisgau / wikipedia CC-BY-SA-2.5<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 13
Foto: Wikipedia<br />
Abb.: Mittelalterliches Krankenhaus im Kloster. Unten links werden von Nonnen Leichen zur Beerdigung eingenäht<br />
pro Person, was damals schon eine gehörige Summe darstellte.<br />
Das sind wie gesagt die Einzelkosten, wollte sich<br />
ein wohlhabendes Ehepaar für den Lebensabend einkaufen,<br />
betrugen die Kosten etwa das doppelte! Die Summe<br />
konnte in bar, aber auch als Liegenschaft bezahlt werden,<br />
oder aber man setzte die Stiftung als Universalerben ein.<br />
Bei der Herrenpfründe standen den BewohnerInnen mindestens<br />
zwei Zimmer zu, zu den Mahlzeiten saßen sie mit<br />
anderen Herrenpfründnern am Tisch des Spitalmeisters<br />
und natürlich wurden die feinsten Speisen aufgetischt.<br />
Im Prinzip mussten sich die wohlhabenderen BürgerInnen<br />
Freiburgs nicht allzu groß einschränken in ihrem<br />
Lebensstandard.<br />
Die Mittelpfründner mussten da schon mit deutlich weniger<br />
Komfort auskommen. Sie verfügten aber auch über<br />
eine eigene Kammer, das Essen war etwas weniger und<br />
nicht ganz so ausgewogen, aber es war immer noch eine<br />
ansehnliche Versorgung. Zwischen 100 und 150 Gulden<br />
mussten die Pfründner hierfür zahlen und auch hier<br />
konnte per Testament gezahlt werden. Auch hierfür gibt<br />
es in den Rechnungsbüchern des Spitals reichlich Nachweise,<br />
wie z. B. der Bürger Jakob Oberriedt, der für sich<br />
und seine Ehefrau jeweils eine Mittelpfründe erwarb und<br />
insgesamt 240 Gulden in bar bezahlte.<br />
Eine Armenpfründe kostete im Freiburger Hospital ungefähr<br />
50 Gulden und enthielt die Unterbringung im<br />
Gemeinschaftsschlafsaal und natürlich deutlich weniger<br />
und qualitativ minderwertigeres Essen. Darunter gab<br />
es aber auch noch eine Klasse, die nämlich, für die solche<br />
Einrichtungen ursprünglich gegründet wurden, die<br />
BettlerInnen, die Kranken und die armen Alten. Auch sie<br />
schliefen im Gemeinschaftssaal, doch wenn das Haus voll<br />
war, mussten sie auch schon mal auf dem Flur übernachten.<br />
Große Ansprüche konnten die Menschen dieser Gruppe<br />
nicht stellen, schließlich hatten sie für nichts bezahlt<br />
und verfügten auch über keinerlei Werte, die sie nach ihrem<br />
Tod der Stiftung hinterlassen konnten.<br />
Selbstverständlich überprüften der Spitalmeister und<br />
sein Schreiber die wirtschaftlichen Verhältnisse der<br />
Pfründner vor ihrem Spitaleinzug genau, sodass ein Betrug<br />
hier fast unmöglich war. Es kam aber auch vor, dass<br />
reiche BürgerInnen für einen Armen eine Pfründe zahlten<br />
oder der Rat der Stadt das Spital anwies, eine bestimmte<br />
Person aufzunehmen. Die Gründe dafür waren vielseitig<br />
und sind im einzelnen nicht mehr nachzuvollziehen.<br />
Anhand der Rechnungsbücher konnte man ja erfahren,<br />
mit welchen Lebensmitteln die Spitalinsassen versorgt<br />
wurden. Daraus kann man ersehen, dass die Ernährung<br />
14<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
der BewohnerInnen doch abwechslungsreich und<br />
vielfältig war, auch wenn die Angaben sich oft auf die<br />
Herrenklasse bezogen. Natürlich habe ich keine exakten<br />
Wochenspeisepläne des damaligen Spitals, aber man<br />
kann sich schon einen groben Überblick verschaffen, wer<br />
wie viel und was zu essen bekam. Kohlenhydrate bezog<br />
man damals fast ausschließlich aus Getreide. Die hier im<br />
Breisgau überwiegend angebauten Sorten waren damals<br />
Weizen und Roggen. Weiter gab es reichlich Gemüse wie<br />
Hülsenfrüchte, Kohl und Salat, aber auch Obst, das man<br />
zusätzlich noch für den Winter trocknete.<br />
Auch Salz musste das Spital reichlich einkaufen. Man benötigte<br />
es zum Würzen der Speisen, aber auch zum Konservieren<br />
von Nahrungsmitteln wie Fleisch, Speck oder<br />
Kraut. In den Büchern ist sogar noch eine Liste von damals<br />
erhalten, in der die verschiedenen Klassen und die ihnen<br />
zustehenden Rationen an Lebensmitteln aufgeführt sind.<br />
In diesem „Brod- Wein- und Kuchelregister des Heil. Geistes-Spithal“<br />
wurde das Verpflegungssystem des Hospitals<br />
sogar in fünf Klassen unterteilt. So bekam die Herrenpfründe<br />
oder auch 1. Klasse an jedem Mittag ein viergängiges<br />
Menü, welches aus einer Suppe, einer Fleischspeise,<br />
danach Gemüse mit Fleischeinlage und einem weiteren<br />
Fleischgericht bestand. An Fastentagen kam Fisch in allen<br />
möglichen Varianten auf den Tisch, aber auch Schnecken<br />
oder z. B. Froschschenkel wurden gereicht. Dazu gab es<br />
dann Nudeln oder Klöße und Gemüse, Salate oder Obst.<br />
In der 2. Klasse der besseren Mittelpfründner waren die<br />
Mahlzeiten ähnlich, nur mit einigen Abstrichen an der<br />
Menge. Klasse 3, die geringeren Mittelpfründner, musste<br />
sich dagegen in der Menge schon deutlicher beschränken<br />
und das Essen war auch nicht mehr so vielfältig wie<br />
bei den beiden ersten. Noch weniger Vielfalt und einen<br />
deutlich geringeren Fleischanteil bekamen diejenigen,<br />
die zwar arm waren, sich aber eine kleine Armenpfründe<br />
leisten konnten. Die ganz armen Insassen, die sich keine<br />
eigenen Pfründe leisten konnten, waren auf Almosen<br />
angewiesen und bekamen oftmals auch wirklich nur das,<br />
was die oberen Schichten von ihren Mahlzeiten übrig<br />
ließen.<br />
SCHRITTWEISE TRENNUNG IN ARM UND REICH<br />
Bereits im 14. Jahrhundert erfolgte eine schrittweise<br />
Trennung der Spitalinsassen in Arm und Reich. Dafür gab<br />
es verschiedene Gründe: die bereits erwähnten Käufe von<br />
Pfründen seitens der wohlhabenden BürgerInnen, auf<br />
der anderen Seite stieg natürlich auch die Zahl der Armen<br />
stetig. Bald überstieg dann die Zahl der armen BewohnerInnen<br />
die Zahl der freien Plätze deutlich und auch mit<br />
Mehrbelegung der Armenschlafsäle reichte es nicht mehr.<br />
Auch für Kranke und von den verschiedenen Seuchen<br />
befallene Menschen brauchte man separate Plätze. Alsbald<br />
sah sich die Stadt nun gezwungen, weitere Häuser<br />
für die Armenversorgung bereitzustellen.<br />
Abb.: Das Siegel der Heiliggeistspitalstiftung als Mosaik<br />
Wann genau das erste „Armenspital“ in Freiburg eröffnet<br />
wurde, ist so genau gar nicht überliefert. Fest steht wohl<br />
nur, dass es sich in der Neuburg befand. Laut Stadtbüchern<br />
muss es aber bereits 1347 zwei Spitäler in Freiburg<br />
gegeben haben, denn es existiert ein Eintrag über die<br />
Hinterlassenschaft des reichen Freiburger Kaufherrn Johannes<br />
Snewlin aus dem selben Jahr, die besagt, dass sein<br />
Vermögen zu drei gleichen Teilen an das Münster, an das<br />
Heiliggeistspital und an das Armenspital gehen sollte.<br />
Welche Einrichtungen für Arme und Kranke es sonst noch<br />
gab und auf welche Weise die Menschen dort behandelt<br />
und versorgt wurden, lesen Sie im nächsten Teil.<br />
Ich bedanke mich beim Stadtarchiv Freiburg, der Waisenhausstiftung,<br />
Gerlinde Kurzbach und Professor Pompey.<br />
Quellen:<br />
Freiburger Armenfond vom Mittelalter zur Gegenwart<br />
Geschichte der Stadt Freiburg<br />
Geschichte des Armenwesen<br />
Freiburg zu Fuß<br />
Geschichte des Heiliggeistspitals<br />
Heiliggeiststiftung in Freiburg im Breisgau<br />
Foto: Andreas Schwarzkopf, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons<br />
Carsten<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 15
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16<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 17
Foto: Lukas Karl<br />
ALLMENDE<br />
Ein ökologisches und soziales Wohnprojekt<br />
Die Projektgruppe Allmende plant in Gundelfingen ein<br />
ökologisches und soziales Wohnprojekt als Projektinitiative<br />
des Mietshäuser Syndikats. Unter einem Dach sollen<br />
für 60 bis 70 Menschen unterschiedlichsten Alters selbstverwaltete<br />
und dauerhaft bezahlbare und attraktive<br />
Mietwohnungen und Gemeinschaftsflächen entstehen.<br />
Aktuell sind wir eine bunt gemischte Gruppe von ca. 20<br />
Erwachsenen und 10 Kindern. Es gibt Einzelpersonen,<br />
Paare und Familien in verschiedensten Lebenslagen und<br />
Berufen. Uns verbindet der Wunsch nach dem Leben in<br />
einer ökologisch-nachhaltigen und sozialen Gemeinschaft,<br />
in der wir gegenseitig füreinander Verantwortung<br />
übernehmen, voneinander lernen und uns im Alltag<br />
unterstützen.<br />
Brigitte Röder (AG Öffentlichkeit): „Die Allmende hilft sich<br />
jetzt schon gegenseitig, das ist ein schönes Gefühl. Als ich<br />
gerade neu dabei war, bin ich an einem Arbeitswochenende<br />
gestürzt und habe mir das Knie verletzt. Ein Paar hat mich<br />
ins Krankenhaus gefahren, andere haben ein leckeres Essen<br />
gekocht. Während des Lockdown habe ich für die Kinder der<br />
Familien virtuell Geschichten vorgelesen.“<br />
Wir organisieren uns in der Allmende in Arbeitsgruppen<br />
– z. B. AG Bau, Finanzen, Formales, Öffentlichkeit, Interne<br />
Kommunikation und Soziales. Alle Mitglieder sind gleichberechtigt,<br />
wir haben keinen Chef, sondern entscheiden<br />
im Team. Schon jetzt ist uns wichtig, dass wir trotz der<br />
vielen Arbeit zusammenwachsen und unsere Gruppenprozesse<br />
stärken.<br />
So haben wir neben den wöchentlichen Arbeitstreffen<br />
einmal im Monat ein Sozialplenum, an dem Konflikte,<br />
(potenzielle) Streitpunkte und schwierige Themen Gehör<br />
finden. Außerdem treffen wir uns einmal im Monat zu<br />
einem Freizeittreffen, an dem wir schöne und entspannte<br />
Zeit miteinander verbringen. Kinder gehören für uns<br />
genauso selbstverständlich zur Gruppe wie Erwachsene.<br />
Dadurch werden Treffen lauter und bunter und dauern<br />
manchmal auch länger.<br />
18<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
Verena Färber (AG Interne Kommunikation und Soziales):<br />
„Bei den Sozialplena können auch mal ordentlich die Fetzen<br />
fliegen. Das soll so sein, denn wenn man so eng zusammenarbeitet<br />
und später lebt, muss man auch streiten können.“<br />
Im November 2020 haben wir einen Optionsvertrag für<br />
ein Grundstück in Gundelfingen unterzeichnet und<br />
haben nun bis Ende des Jahres <strong>2021</strong> Zeit, es zu kaufen. Bei<br />
der Allmende sind eigene finanzielle Mittel keine Voraussetzung,<br />
um BewohnerIn zu werden. Trotzdem brauchen<br />
wir natürlich „Eigenkapital“ für den Grundstückskauf<br />
und den Hausbau. Dafür sammeln wir Direktkredite in<br />
Form von Nachrangdarlehen. Direktkredite sind Gelder,<br />
die zum Beispiel Privatpersonen, Gruppen oder Firmen<br />
dem Wohnprojekt unter festen Konditionen wie Zinssatz<br />
und Laufzeit leihen. Die weitere Finanzierung des Projekts<br />
erfolgt über Förderungen für sozialen Wohnungsbau,<br />
Barrierefreiheit und Energieeffizienz sowie einen Hausbankkredit.<br />
Stefan Orth (AG Finanzen): „Bei uns melden sich Menschen,<br />
die ihr Geld lieber bei einem lokalen und nachhaltigen<br />
Projekt anlegen, als bei einer Bank. So kann jede und<br />
jeder einen Beitrag dazu leisten, ein praktisches Beispiel für<br />
zukunftsfähiges Wohnen entstehen zu lassen."<br />
Parallel läuft die Bauplanung zusammen mit unserem<br />
Wohnprojekt-erfahrenen Architekturbüro Kuhs. Die Allmende<br />
wird mit einem sehr hohen ökologischen Standard<br />
gebaut werden, dazu gehört etwa KfW-Effizienzhaus 40<br />
Plus (vergleichbar einem Passivhaus), Holzbau, Dachbegrünung<br />
und Solaranlage. Die architektonische Vorplanung<br />
ist abgeschlossen und der Bau soll im nächsten Jahr<br />
beginnen.<br />
Gabi Kiser (AG Finanzen): „Ich finde, wir sind eine tolle<br />
Gruppe, in der schon viele Freundschaften entstanden sind.<br />
Das motiviert auch für die viele Arbeit, die die Allmende<br />
mit sich bringt. Ich alleine könnte nie ein so großes Projekt<br />
stemmen.“<br />
Mehr als 50 % der Wohnungen werden sozial gefördert,<br />
sind also für Menschen mit niedrigerem Einkommen<br />
vorgesehen. Vier Wohnungen werden außerdem für Menschen<br />
von der Gundelfinger Kartei der Wohnungssuchenden<br />
freigehalten, also z. B. für Menschen mit Fluchterfahrung<br />
oder Menschen, die es auf dem Wohnungsmarkt<br />
schwerer haben. Unsere Gemeinschaftsflächen, die alle<br />
zukünftigen BewohnerInnen teilen, decken verschiedene<br />
Bedarfe des Alltags ab. Geplant sind z. B. gemeinschaftliche<br />
Wohnzimmer, Küche, Arbeits- und Gästezimmer. Auch<br />
möchten wir ruhige Räume von Bereichen abtrennen, in<br />
denen getobt und gespielt werden darf (soll) und so vielfältigen<br />
Raum für Austausch und Begegnung schaffen.<br />
Nina Peter (AG Öffentlichkeit): „Es kann ja nicht sein, dass<br />
sich nur Menschen, die geerbt haben, ihren Traum vom<br />
Wohnen erfüllen können. Wir wollen Menschen aus verschiedenen<br />
Lebensphasen und unterschiedlichen Einkommenssituationen<br />
attraktives Wohnen ermöglichen“<br />
Seit Anfang <strong>2021</strong> sind wir Teil des Mietshäuser Syndikats.<br />
Durch die rechtliche Konstruktion mit dem Syndikat – sowohl<br />
unser Hausverein als auch das Syndikat sind Gesellschafter<br />
der Allmende GmbH – ist der Verkauf des Hauses<br />
oder einzelner Wohnungen ausgeschlossen. Dadurch,<br />
dass die BewohnerInnen des Hauses ihre eigenen VermieterInnen<br />
sind und das Haus selbstverwalten, wird dauerhaft<br />
günstiger Miet-Wohnraum sichergestellt. Durch<br />
den Zusammenschluss mit dem Syndikat unterstützen<br />
uns ehrenamtlich tätige, erfahrene BeraterInnen und wir<br />
profitieren von einem solidarischen Netzwerk von über<br />
160 Wohnprojekten.<br />
Sowohl die geförderten als auch die frei finanzierten<br />
Wohnungen werden nach dem Standard für sozial geförderte<br />
Wohnungen gebaut. Denn sonst würde das Einkommen<br />
die Wohnungsgröße mitbestimmen und zu einem<br />
sozialen Ungleichgewicht führen – das möchten wir auf<br />
keinen Fall. Um die Gemeinschaftsräume zu realisieren,<br />
ohne mehr Fläche zu „verbrauchen“, wird zusätzlich<br />
von jeder Wohnung knapp 20 % der Fläche abgezogen.<br />
Konkret bedeutet das ca. 50 m 2 für eine 2-Personenwohnung<br />
und ca. 92 m 2 für eine 5-köpfige Familie. Wenn man<br />
allerdings alle Gemeinschaftsräume mitrechnet, vergrößert<br />
sich die nutzbare Fläche auf mehrere hundert Quadratmeter.<br />
Trotzdem liegen wir beim Flächenverbrauch<br />
bei unter 30 m 2 pro Person. Im Vergleich dazu liegt die<br />
durchschnittliche Pro-Kopf-Wohnfläche in Deutschland<br />
bei knapp 50 m 2 .<br />
Marie Hellgardt (AG Bau): „Durch die vielen gemeinschaftlich<br />
genutzten Räume sind sehr kleine private Wohnbereiche<br />
möglich, und wir bekommen insgesamt trotzdem eine<br />
hohe Wohnqualität.“<br />
Wir möchten viele alltägliche Dinge teilen, so sieht etwa<br />
unser Mobilitätskonzept das Teilen von PKW und Lastenrädern<br />
vor. Unser Wohnungstauschkonzept sieht vor, dass<br />
Menschen die Wohnung wechseln, wenn sich der Bedarf<br />
verändert. Wir möchten so erreichen, dass wir Wohnraum<br />
für eine gleichbleibende Zahl Menschen schaffen und<br />
außerdem den Mehrgenerationencharakter erhalten. Beispielsweise<br />
zieht ein Paar nach dem Auszug seiner Kinder<br />
in eine 2-Personenwohnung und gibt so Raum für eine<br />
neue Familie frei.<br />
Wenn alles so läuft wie geplant, möchten wir Ende 2023<br />
in unseren neuen Wohn(t)raum einziehen. Bis dahin<br />
bleibt einiges zu tun – wir freuen uns drauf!<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 19
WIR<br />
WOLLTEN<br />
DAS ANDERE<br />
Im EinsteinHaus am Ulmer Münster gibt es seit<br />
20 Jahren die DenkStätte Weiße Rose „wir wollten<br />
das andere“. In dieser Ausstellung werden 28<br />
Jugendliche porträtiert, die während der Zeit des<br />
Nationalsozialismus in Ulm lebten und mutig<br />
Widerstand leisteten in Form von u. a. Flugblätter<br />
verteilen, Plakate kleben oder den Eid auf Hitler<br />
verweigern. Anlässlich des 100. Geburtstages von<br />
Sophie Scholl am 9. Mai und der aktuellen Lage gab es<br />
bis Ende Mai in der Ulmer Innenstadt eine lehrreiche<br />
Wanderausstellung dazu.<br />
Foto: Pixabay<br />
Die Weiße Rose war eine Widerstandsgruppe, die zwischen<br />
<strong>Juni</strong> 1942 und Februar 1943 die Deutschen zum<br />
Widerstand gegen die Diktatur des Nationalsozialismus<br />
aufrief. Den inneren Kreis bildeten die bekannten<br />
Geschwister Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell,<br />
Willi Graf, Christoph Probst, Professor Kurt Huber<br />
sowie Traute Lafrenz. Am 18. Februar 1943 wurden Hans<br />
und Sophie Scholl beim Auslegen des 6. Flugblattes im<br />
Lichthof der Münchner Universität entdeckt und verhaftet.<br />
Der Volksgerichtshof verurteilte die Geschwister und<br />
Christoph Probst am 22. Februar 1943 zum Tode und noch<br />
am selben Tag wurden sie mit dem Fallbeil hingerichtet.<br />
Auch die anderen wurden verurteilt und hingerichtet.<br />
Ebenso wurden zahlreiche Unterstützende verurteilt, wie<br />
der Chemiestudent Hans Leipelt, der Ende Januar 1945<br />
hingerichtet wurde, gemeinsam mit Marie-Luise Jahn, die<br />
das 6. Flugblatt der Weißen Rose an Freunde in Hamburg<br />
weitergereicht hatte mit einer neuen Überschrift, nach<br />
dem einschneidenden Eindruck der ersten Hinrichtungen<br />
in München: „Und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“<br />
Neben der Weißen Rose gab es unzählige mutige Menschen,<br />
die Widerstand leisteten, wie z. B. Jonathan Stark.<br />
Dieser wuchs in der Ulmer Weststadt auf und gehörte<br />
den Zeugen Jehovas an. 1942 begann er seine Ausbildung<br />
zum Lithographen bei einer Ulmer Firma und wurde<br />
jedoch am 1. Oktober 1943 zum Reichsarbeiterdienst nach<br />
Dußlingen (bei Tübingen) einberufen. Damit begann sein<br />
Konflikt mit dem NS-Staat. Jonni, wie seine Eltern ihn<br />
nannten, weigerte sich beim Appell, die Hakenkreuzbinde<br />
anzulegen mit den Worten „Ich werde kein gebrochenes<br />
Kreuz an meinem Arm tragen“. Jehovas Zeugen trugen<br />
das Kreuz ausschließlich als religiöses Symbol. Die Zeugen<br />
Jehovas hatten bereits 1936 und 1937 in einer Resolution<br />
und einem Offenen Brief die Welt auf die Judenverfolgung<br />
in Deutschland aufmerksam gemacht. Jonathan<br />
Stark musste drei Tage in den Strafbunker. Danach wurde<br />
er der Gestapo übergeben. Über Stuttgart, das Jugendgefängnis<br />
Waiblingen und das Jugendkonzentrationslager<br />
Mohringen (Stadtbezirk bei Stuttgart) führte sein Weg in<br />
das berüchtigte Gestapo-Hauptquartier in der Prinz-Albrecht-Straße<br />
8 (heute Niederkirchnerstraße). Lange wurde<br />
Jonathan Starks Familie im Unklaren über sein Schicksal<br />
gelassen. Lediglich seine Wäschepakete, zum Teil blutverschmiert<br />
und in Seiten des „Völkischen Beobachters“ eingewickelt,<br />
gaben ein wenig Aufschluss. An den Rändern<br />
der NS-Parteizeitschrift entdeckte die Familie schwach<br />
geschriebene Zeilen von Jonni. Schlussendlich wurde<br />
Jonathan Stark ins Konzentrationslager Sachsenhausen<br />
verlegt. Die Mutter, sie war aus Ulm einbestellt worden,<br />
sah ihren Sohn zum letzten Mal und sollte ihn zum „Eid<br />
auf den Führer“ bewegen.<br />
20<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
Jonni jedoch sagte zu ihr: „Mutter, warum bist du gekommen?<br />
Versuche es nicht. Ich werde für das Reich Jesu<br />
sterben.“ Am 1. November 1944 wurde Jonathan Stark<br />
gehängt. Der Lagerinsasse, der ihm die Schlinge umlegen<br />
sollte, zögerte, ebenso der Lagerführer, der den Befehl<br />
geben sollte. „Warum zögert ihr? Für Jehova steht ein“,<br />
waren Jonathan Starks letzte Worte.<br />
„Mein Freund wollte mir noch Anfang 1934 einreden, er<br />
wisse genau, dass die Nazis nichts gegen „anständige“<br />
Juden wie mich hätten“, sagte einst Hans Lebrecht, dessen<br />
Leben sich im März 1933 nach dem Wahlsieg der NSDAP<br />
gravierend änderte. Hans Lebrecht war damals 17 Jahre alt<br />
und ging in Ulm zur Schule. Seine jüdische Religionszugehörigkeit<br />
spielte plötzlich eine Rolle. Zunächst nahmen<br />
er und sein Vater, Generaldirektor der Lederfabrik Gabriel<br />
Lebrecht AG in der Ulmer Wielandstraße, den Antisemitismus<br />
nicht ernst. Doch Ostern 1934, ein Jahr vor seinem<br />
Abitur, musste Hans Lebrecht die Ulmer Oberrealschule<br />
verlassen, da jüdische Schüler nicht mehr zum Abitur<br />
zugelassen wurden. Ein Jahr später wurde er zudem aus<br />
seinem Sportverein ausgeschlossen, denn seine Turnierriege<br />
“Spätzle“ wurde in die Hitlerjugend eingereiht. Um<br />
nicht völlig isoliert zu sein, beteiligte er sich an der Gründung<br />
einer jüdischen Jugendsportgruppe und trat dem<br />
deutsch-jüdischen Jugendbund bei. Mit diesen Jungen<br />
schlich er abends der HJ-Gruppe nach und riss antisemitische<br />
Hetzaufkleber wieder ab. 18 Monate nachdem<br />
Hans Lebrecht seine Ausbildung in Ulm begonnen hatte,<br />
musste er diese verlassen, weil er Jude war. Nur in einer<br />
oberschlesischen Maschinenfabrik konnte er sie fortsetzten.<br />
Dort nahm sein Leben eine entscheidende Wendung,<br />
weil er sich mit kommunistischen Arbeitern anfreundete,<br />
die im Widerstand waren. Ab 1937 bereitete sich Hans<br />
Lebrecht darauf vor, selbst Widerstand zu leisten. Zur<br />
Tarnung fuhr er an der Spitze einer Jugendgruppe nach<br />
Palästina. Damit galt er für die Nationalsozialisten als<br />
„Zionist“, als jemand, der die Auswanderung jüdischer<br />
BürgerInnen aus Deutschland organisierte. Ganz im Sinne<br />
der NS-Ideologie. Zur weiteren Tarnung arbeitete Hans<br />
Lebrecht zurück in Deutschland auf einem Gutshof in<br />
Oberschwaben, auf dem ausreisewillige Juden landwirtschaftlich<br />
ausgebildet wurden. So konnte er kommunistische<br />
GenossInnen und KZ-Flüchtlinge über die Schweizer<br />
Grenze schleusen. Ziel der Flüchtlinge war das Bataillon<br />
Thälmann, in dem Ausländer im Spanischen Bürgerkrieg<br />
gegen die Faschisten kämpften. Im September 1938 erhielt<br />
Hans Lebrecht eine Warnung von einem Arbeiter aus<br />
dem väterlichen Betrieb, dass er sofort aus Deutschland<br />
verschwinden müsse. Über den kommunistischen Widerstand<br />
erhielt er ein Visum für Palästina. Drei Tage später<br />
landete er in Haifa (im Norden von Israel). Seinen Eltern<br />
gelang noch 1941 die Ausreise. In Palästina heiratete<br />
Hans Lebrecht seine Ulmer Freundin Tesca Loewy, die 1937<br />
ausgewandert war. Hans Lebrecht verstarb im September<br />
2014 in einem Kibbuz nahe Haifa im Alter von 98 Jahren.<br />
Zeit seines Lebens pflegte er enge Kontakte in Ulm und<br />
besuchte seine Heimatstadt mehrmals.<br />
Erika Schmid wurde 1918 in Ulm geboren. Als vierzehnjährige<br />
Schülerin der Ulmer katholischen St.-Hildegard-Realschule<br />
wurde sie für den Heliandbund geworben. In diesem<br />
Bund für katholische Mädchen aus höheren Schulen<br />
ging es um eine „Neue Lebensgestaltung mit Christus“.<br />
Die Mitgliederinnen legten Wert auf Natürlichkeit, Wahrhaftigkeit,<br />
Selbstständigkeit und auch Hilfsbereitschaft.<br />
Die Mädchen eroberten sich einen Lebensstil, der bis<br />
dahin nur den Jungen in der bündischen Jugend vorbehalten<br />
war. Zu den Aktivitäten gehörten unter anderem<br />
Fahrten und Nachtwanderungen. Als äußere Zeichen trugen<br />
die Mädchen das Heliand-Abzeichen. Jede Stadt hatte<br />
ihren eigenen Banner. 1933 hatte der Bund in Deutschland<br />
1.600 Mitglieder, 1939 waren es 4.500. Schon bald nach<br />
der Machtergreifung war der Bund den Nationalsozialisten<br />
ein Dorn im Auge, da im Rahmen einer „Gleichschaltung“<br />
für die deutsche Jugend die Hitlerjugend und der<br />
Bund Deutscher Mädel (BDM) geschaffen wurden. Der<br />
Heliandbund wurde zwar nicht verboten, doch die Mädchen<br />
waren fortwährend verschiedenen Repressalien ausgesetzt.<br />
Schulische Leistungen wurden schlechter benotet,<br />
Mitschülerinnen beschimpften sie, zum Teil mussten<br />
Mitgliederinnen wie Hedwig Walter die Schule verlassen,<br />
da sie angeblich ein Hindernis der Klassengemeinschaft<br />
waren. „Die waren in ihrem NS-Wahn und ihrem<br />
BDM-Wahn natürlich vereinnahmt“, erinnerte sich Erika<br />
Schmid. Dazu kamen die Sorgen der Eltern. Erika Schmid<br />
war nicht bereit, die NS-Ideologie zu akzeptieren, ganz im<br />
Gegenteil, sie engagierte sich stärker im Heliandbund.<br />
Sie leitete selbst eine Gruppe und wurde 1936 „Burgfrau“.<br />
Das hieß, dass Erika Schmid Stadtführerin war und damit<br />
verantwortlich für die Koordination aller Ulmer Gruppen.<br />
Sie tat dies einmal aus religiöser Überzeugung, zum anderen,<br />
weil das Leben im Heliandbund sie faszinierte. Sie<br />
weigerte sich konsequent, in den Bund Deutscher Mädel<br />
einzutreten. Auch ihre Mutter war strikt gegen eine Mitgliedschaft.<br />
Deswegen wurde es Erika Schmid verweigert,<br />
ihr Abitur zu machen. So konnte sie zunächst ihr Ziel, an<br />
einer Universität zu studieren, nicht realisieren. Für alle<br />
galt, dass die Mitgliedschaft tunlichst geheim gehalten<br />
wurde. Deshalb trugen die Mädchen ihre Heliand-Abzeichen<br />
zwar stolz, aber verdeckt unter dem Revers.<br />
Von 1946 bis 1978 arbeitete Erika Schmid als Geschäftsführerin<br />
an der Ulmer Volkshochschule. Zeit ihres Lebens<br />
engagierte sie sich weiter im Heliandbund. 2003 starb<br />
Erika Schmid in Ulm. Ihr zur Ehren ist eine Straße im Ulmer<br />
Ortsteil Böfingen nach ihr benannt worden.<br />
Rose Blue<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 21
MEINE ZEIT IM FERDINAND-WEISS-HAUS<br />
Foto: Felix Groteloh<br />
Wer bin ich? Wie bin ich hierhergekommen?<br />
Was mache ich hier, was<br />
nehme ich von hier mit?<br />
Zu diesen Fragen hat jede(r) im<br />
Ferdinand-Weiß-Haus, egal ob<br />
BesucherIn oder MitarbeiterIn,<br />
eine eigene, persönliche Antwort<br />
und Bezogenheit. Gerade weil sich<br />
diese Geschichten in ihren Erfahrungen und Erlebnissen<br />
unterscheiden, sind sie alle auf gleiche Weise einzigartig.<br />
Es gibt keinen Menschen zweimal´ – ein sehr logischer<br />
und nicht gerade abwegiger Gedanke. Trotzdem bleibt er<br />
einer meiner „Aha-Erlebnisse“, die ich bisher als FSJlerin<br />
im Ferdinand-Weiß-Haus, einer Tagesstätte für Menschen<br />
in Wohnungsnot, haben durfte.<br />
Um die oben gestellten Fragen mal selbst (zumindest<br />
ansatzweise) zu beantworten: Mein Name ist Pauline (19)<br />
und ich bin in und um Freiburg aufgewachsen. Nach dem<br />
Abi hat Corona meinem eigentlichen Plan („Genug Freiburg,<br />
ab ins Ausland!“) einen Strich durch die Rechnung<br />
gemacht. Also bin ich geblieben und auf der Suche nach<br />
einer sinnvollen Beschäftigung vor dem Studium auf das<br />
Ferdinand-Weiß-Haus gestoßen.<br />
Mit dem Thema Wohnungsnot hatte ich bis dahin kaum<br />
Berührungspunkte – das wollte ich gerne ändern. Schnell<br />
hat sich das Ferdinand-Weiß-Haus als die genau richtige<br />
Adresse herausgestellt.<br />
Hier im Ferdi erlebe ich Wohnungsnot als ein vielschichtiges,<br />
komplexes Problem, von dem die verschiedensten<br />
Menschen betroffen sind. Während der Öffnungszeiten<br />
findet man mich hauptsächlich an unserer Theke, dem<br />
Ort für Frühstück, Hygieneartikel, Schließfachschlüssel<br />
etc. Hierbei lerne ich Obdachlosigkeit aus einer alltäglichen<br />
Perspektive kennen und bin in Kontakt mit vielen<br />
unterschiedlichen Menschen. Immer wieder komme ich<br />
mit BesucherInnen ins Gespräch – eine bunte Mischung<br />
vom Quatschen über das Wetter und lustigen Situationen,<br />
bis hin zu ernsteren oder persönlichen Unterhaltungen,<br />
über die ich nicht selten noch später nachdenke.<br />
Gerade diese Gespräche schätze ich sehr wert, weil sie<br />
sich Pauschalität und Vorurteilen in den Weg stellen. Sie<br />
zeigen, auch wenn es auf der Hand liegt: Die Bezeichnung<br />
„in Wohnungsnot“ funktioniert nicht wie ein Stempel,<br />
der alles und jeden miteinander gleichsetzt. Im Gegenteil<br />
– hier begegnen sich Menschen mit individuellen Schicksalen<br />
und Persönlichkeiten und prägen den Begriff auf<br />
völlig unterschiedliche Weise. Diese Beobachtung zählt<br />
für mich zu den wertvollsten Erfahrungen im FWH.<br />
Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrungen, die<br />
meinen Blick auf Armut und Gesellschaft nachhaltig<br />
geprägt haben, sammeln durfte und darf. An dieser Stelle<br />
ein besonderes Dankeschön an das tolle Team vor Ort und<br />
insbesondere auch an OFF – den Freiburger Förderverein<br />
für Frauen in (Wohnungs-)Not – u. a., die dies durch ihre<br />
finanzielle Unterstützung ermöglicht haben.<br />
22<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
Engagiert für wohnungslose Menschen<br />
Essensausgabe <strong>Juni</strong> <strong>2021</strong><br />
27.06.<strong>2021</strong><br />
13 Uhr<br />
Auferstehungsgemeinde Littenweiler<br />
Kappeler Str. 1 / Straßenbahn 1 Richtung<br />
Littenweiler / Halt Laßbergstraße oder<br />
Zug Richtung Halt Bahnhof Littenweiler<br />
Die Gemeinde lädt ein zu einer Vesperpaketausgabe.<br />
Falls es die Corona-Lockerungen<br />
zulassen eventuell auch Suppe<br />
oder Kaffee & Kuchen, was aber nicht<br />
versprochen werden kann.<br />
Foto: E. Peters<br />
Es wird um die Einhaltung der bekannten<br />
Hygieneregeln gebeten!<br />
VERKÄUFER BALU<br />
Hallo, liebe LeserInnen, ich heiße Balu und möchte mich<br />
bei Ihnen kurz vorstellen: Ich bin ein freiheitsliebender<br />
Mensch und war deshalb viele Jahre auf der Straße unterwegs,<br />
unter anderem in Hamburg, wo ich die dortige<br />
Straßenzeitung Hinz&Kunzt verkauft habe. An anderen<br />
Orten habe ich Straßenmusik gemacht, denn Schnorren<br />
war nie so mein Ding! In meiner Freizeit spiele ich leidenschaftlich<br />
gerne Schach und gehe mit Mite viel raus<br />
in die Natur. Ich verkaufe den FREIeBÜRGER seit Februar<br />
<strong>2021</strong> und lebe in Freiburg. Aufmerksam auf den FREIeBÜR-<br />
GER wurde ich durch Daniel, einen Verkäufer-Kollegen.<br />
Mein Verkaufsplatz war am Anfang vor dem Rewe in der<br />
Talstraße. Mittlerweile verkaufe ich an wechselnden Plätzen<br />
in der Innenstadt täglich ab ca. 11 bis 17 Uhr mit einer<br />
Stunde Mittagspause dazwischen. Der Verkauf macht mir<br />
Spaß, ich bin an der frischen Luft und komme mit Leuten<br />
in Kontakt. Für die Zukunft wünsche ich mir und Mite vor<br />
allem Gesundheit. Ein Traum wäre ein kleines Häuschen<br />
auf dem Land mit großem Grundstück. Als Selbstversorger<br />
sein eigenes Gemüse und Obst anbauen und Nutztiere<br />
artgerecht halten, mit einem kleinen Hofladen, das<br />
wäre schon toll – und manchmal werden Träume war...<br />
joe AstrAy<br />
indiefolK, singer & songwriter<br />
fr, 18. juni <strong>2021</strong><br />
einlass 18:30<br />
albuM release<br />
show live<br />
iM artiK hof<br />
Anzeige<br />
Ein Dankeschön richte ich an meine KundInnen, bleiben<br />
Sie gesund und munter, und bis ganz bald!<br />
Ihr Balu<br />
Verein für notwendige Kulturelle MassnahMen e.V.<br />
HASLACHer STr ASSe 25 | 79115 freiBUrG<br />
www.slowclub-freiburg.de<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 23
Solche Folgen von Einsamkeit und Isolation sind laut<br />
Noreena Hertz Auswirkungen bestimmter Lebensumstände,<br />
die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen und<br />
von sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Faktoren<br />
bestimmt werden. Es sind komplexe gesellschaftliche<br />
Veränderungen durch das neoliberale Wirtschaftssystem,<br />
die zu Gefühlen der Entwurzelung, Ohnmacht und<br />
Isolation führen. Der Neoliberalismus hat Konkurrenzdenken<br />
und Eigennutz über das Gemeinwohl, Fürsorge und<br />
Solidarität gestellt. „Jeder ist sich selbst der nächste“ und<br />
„Geiz ist geil“ lauten die neoliberalen Botschaften, die<br />
uns zu selbstsüchtigen EgomanInnen machen. Eine solch<br />
ichbezogene Gesellschaft, in der das „Wir“ an Bedeutung<br />
verliert, ist unweigerlich eine einsame Gesellschaft.<br />
Noreena Hertz<br />
„Das Zeitalter der Einsamkeit“<br />
HarperCollins<br />
ISBN 978-3-7499-0115-9<br />
448 Seiten | 22 €<br />
DAS ZEITALTER DER EINSAMKEIT<br />
Buchbesprechung von utasch<br />
Laut Wikipedia bezeichnet der Begriff „Einsamkeit“ vor<br />
allem eine wahrgenommene Diskrepanz zwischen den<br />
gewünschten und den tatsächlich vorhandenen sozialen<br />
Beziehungen eines Menschen. Es handelt sich dabei um<br />
das subjektive Gefühl, dass die sozialen Kontakte nicht<br />
die gewünschte Qualität haben. Einsamkeit wird zumeist<br />
negativ bewertet, da es sich um eine Normabweichung<br />
oder einen Mangel zu handeln scheint. Für die Autorin<br />
Noreena Hertz ist Einsamkeit jedoch kein individuelles<br />
Versagen, sondern Teil einer globalen gesellschaftlichen<br />
Krise.<br />
In Japan gibt es SeniorInnen, die einen Aufenthalt im<br />
Gefängnis der Einsamkeit vorziehen und sich für Bagatelldelikte<br />
verurteilen lassen, um ihrer sozialen Isolation zu<br />
entfliehen. In den USA lässt sich für 40 Dollar pro Stunde<br />
eine Freundin oder ein Freund mieten. Der Service wird<br />
hauptsächlich von Karrieremenschen genutzt, die keine<br />
Zeit haben, um echte Freundschaften zu schließen. Und<br />
manche Menschen reden inzwischen öfter und lieber<br />
mit ihren virtuellen Assistentinnen Alexa und Siri als mit<br />
ihren NachbarInnen.<br />
Noreena Hertz erkundet ausführlich verschiedene<br />
Ursachen und Dimensionen von Einsamkeit. Evolutionsgeschichtlich<br />
sind wir auf Gemeinschaft programmiert.<br />
Ein Mangel an Freundschaft und Geborgenheit führt zu<br />
höheren Entzündungswerten, einer Schwächung des<br />
Immunsystems und Anfälligkeit für schwere Erkrankungen.<br />
Einsamkeit kann zu verminderter Empathie<br />
führen und das Vertrauen in die Mitmenschen senken. Im<br />
Zeitalter der Einsamkeit löst sich das Zugehörigkeitsgefühl<br />
zur Gesellschaft auf, was Misstrauen, Feindseligkeit<br />
und politische Polarisierung zur Folge hat. Armut und<br />
wirtschaftliche Unsicherheit erhöhen das Risiko der<br />
Ausgrenzungserfahrung. Auch die digitalen Kommunikationsformen<br />
führen zu weiterer Vereinzelung. Und die<br />
Anonymität der Metropolen mit ständiger Fluktuation<br />
der Nachbarschaft und Kontroll- und Bewertungssysteme<br />
an den Arbeitsplätzen tragen zusätzlich zur allgemeinen<br />
Bindungslosigkeit bei.<br />
Neben der umfangreichen Analyse der Einsamkeitskrise<br />
schlägt die Autorin auch konkrete Maßnahmen vor, um<br />
den verheerenden Folgen der Isolation zu begegnen.<br />
Auf individueller Ebene ist jedes Lächeln, jedes Wort der<br />
Anteilnahme und Akt der Hilfsbereitschaft von großem<br />
gesellschaftlichem Wert. StadtplanerInnen und Architekt-<br />
Innen sind bei der Schaffung von gemeinschaftsfördernden<br />
Stadtvierteln wichtig. Kommunen müssen öffentliche<br />
Räume fördern, die zur Begegnung einladen. Aufgabe<br />
der Politik ist es, möglichst viele Menschen in demokratische<br />
Prozesse einzubeziehen und so das Gefühl von<br />
Machtlosigkeit zu überwinden. Auch die Gewerkschaften<br />
sind wichtig, um den Kapitalismus mit Verantwortung,<br />
Fürsorge und Gerechtigkeit zu verbinden. Ob zukünftig<br />
der Einsatz von intelligenten Robotern zur Linderung von<br />
Einsamkeit beitragen kann, ist hingegen ungewiss.<br />
Lesen Sie diese brillante Analyse über das Zeitalter der<br />
Einsamkeit und die Kraft der Verbindung in einer zerfaserten<br />
Welt von Noreena Hertz!<br />
24<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
FRÜHSOMMERLICHE PASTA... BASTA!<br />
Foto: E. Peters<br />
Herzlich willkommen auf unserer Kochseite!<br />
Auch wenn der Frühsommer weiter auf sich warten lässt,<br />
wir in der FREIeBÜRGER-Redaktion holen ihn uns einfach<br />
auf den Teller. Eine Zitronen-Tomaten-Hähnchen-Pasta,<br />
da geht doch gleich die Sonne auf! Es gibt wohl kaum<br />
ein Essen, auf das sich so viele Menschen bedingungslos<br />
einigen können wie auf Pasta. Ob Penne, Spaghetti, Makkaroni<br />
oder Tortellini, die Vielfalt an Nudelsorten ist groß,<br />
die Auswahl an Soßen, die dazu serviert werden, ist noch<br />
größer. Bolognese, Carbonara, Tomatensoße, Pesto und<br />
Co. – da ist für jede(n) was dabei. Für unser Pastagericht<br />
nehmen wir die bekannteste Teigware Spaghetti, serviert<br />
in einer leichten fruchtigen Tomatensoße. Delizioso!<br />
Zutaten für 4 Personen:<br />
600 g Bio-Hähnchenfilet<br />
2 Zwiebeln<br />
7 Knoblauchzehen<br />
300 g Kirschtomaten<br />
400 g Spaghetti<br />
400 ml Hühnerbrühe<br />
100 g Schlagsahne<br />
1 Zitrone<br />
6 Stiele Basilikum<br />
4 Stiele Thymian<br />
2 Stiele Rosmarin<br />
25 g Parmesan<br />
20 g Mehl<br />
Olivenöl<br />
25 g Butter<br />
Zucker<br />
Salz & Pfeffer<br />
1 Gefrierbeutel<br />
Zubereitung:<br />
4 Stiele Thymian und 2 Stiele Rosmarin waschen und fein<br />
hacken. Zitronenschale abreiben, halbieren und auspressen.<br />
Zitronensaft und -schale, 1 TL Salz, 1 TL Pfeffer, ½ TL<br />
Zucker, 2 EL Olivenöl mit den Kräutern verrühren. Hähnchenfleisch<br />
in Würfel schneiden. Alles in einem Gefrierbeutel<br />
gut durchkneten und für 30 Min. kalt stellen.<br />
Tomaten waschen und halbieren. 2 EL Olivenöl in einer<br />
Pfanne erhitzen und die Tomaten anbraten, mit Salz &<br />
Pfeffer würzen und herausnehmen. Spaghetti in Salzwasser<br />
mit 3 Knoblauchzehen kochen. Die Zwiebeln fein würfeln<br />
und die 4 Knoblauchzehen fein hacken. 1 EL Olivenöl<br />
und Butter in die Pfanne mit dem Tomaten-Bratfett geben,<br />
erhitzen und die Zwiebeln und den Knoblauch glasig<br />
dünsten. Mit Mehl bestäuben, anschwitzen, mit Brühe<br />
und Sahne ablöschen. Aufkochen und unter Rühren ca.<br />
1 Min. köcheln lassen. Mit Salz & Pfeffer abschmecken. 1<br />
EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Hähnchenfleisch mit<br />
Marinade zufügen und bei mittl. Hitze ca. 4 Min. unter<br />
Wenden braten. Das Basilikum fein hacken. Die Spaghetti,<br />
die Tomaten und das Hähnchenfleisch unter die Soße<br />
mengen und kurz erhitzen. Auf großen Tellern anrichten<br />
und mit Basilikum und Parmesan bestreuen.<br />
Buon Appetito!<br />
Oliver & Ekki<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 25
man natürlich auch fragen: Was hätten die Frankfurter in<br />
der europäischen Königsklasse verloren? Da käme dann<br />
wieder die Jahreswertung ins Spiel. Der dritte in der diesjährigen<br />
Tabelle, der VfL Wolfsburg, wird da allerdings<br />
auch nicht unbedingt Bäume ausreißen. Für die Eintracht<br />
und Bayer Leverkusen bleibt aber wenigstens die Europa<br />
League, um sich zu beweisen. Da die noch nie von einem<br />
deutschen Verein gewonnen wurde, wäre es vielleicht mal<br />
an der Zeit...!<br />
Hallöchen, liebe Sportfreunde,<br />
so, die Fußballsaison in den Bundesligen ist vorbei, die<br />
Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele<br />
liegen vor uns, sodass es trotz Corona und Mistwetter<br />
vielleicht doch ein ganz unterhaltsamer Sommer werden<br />
kann. Zwar laufen noch die Finalspiele in den Europapokalwettbewerben,<br />
aber damit haben deutsche Vereine in<br />
dieser Saison nix zu tun. Wenn die deutschen Clubs noch<br />
ein paar Jahre so schlecht abschneiden, dann wird es eng<br />
in der 5-Jahreswertung und wir verlieren wieder einen<br />
Startplatz. Egal, bis dahin geht es noch eine Weile.<br />
In der Bundesliga haben tatsächlich die Bayern zum<br />
neunten Mal in Serie die Meisterschale geholt, daran<br />
konnten auch Dopingkontrollen, Coronatests oder Flüche<br />
nichts ändern. Am Ende war der Vorsprung der Münchner<br />
vor der Konkurrenz zwar ziemlich groß, aber gerade<br />
in dieser Saison hätte man die Bayern schlagen können.<br />
Zumindest RB Leipzig hatte mehrfach die Chance dazu.<br />
Denn in der Hinrunde hat der FCB den einen oder anderen<br />
unerwarteten Punkt liegengelassen, doch dann<br />
patzten die Sachsen halt auch. Mir kam es manchmal so<br />
vor, als hätten die Angst davor, Meister zu werden. Wer<br />
weiß, vielleicht wissen sie nicht, wohin sie mit einer solch<br />
großen Schale sollen, vielleicht wurden sie aber auch von<br />
militanten Bayernfans bedroht – keine Ahnung. Fakt ist:<br />
Immer wenn die Bayern schwächelten, taten es die Leipziger<br />
auch. Hier kann man nur hoffen, dass die Sachsen aus<br />
Fehlern lernen, damit sie einen 10. Bayern-Titel in Folge<br />
verhindern.<br />
Nach den beiden gab es fast bis zum letzten Spieltag ein<br />
enges Rennen um die verbleibenden beiden Champions<br />
League Plätze. Da haben es die Lüdenscheider tatsächlich<br />
kurz vor knapp geschafft, die Eintracht wegzuschubsen.<br />
Hätte ich echt nicht gedacht und gönnen tue ich ihnen<br />
das natürlich auch nicht! Auf der anderen Seite muss<br />
Und dann gibt es da ja noch die neu gegründete Conference<br />
League, in welcher der 1. FC Union antreten wird.<br />
Zwar haben die neben den Gladbachern auch den SC Freiburg<br />
vom internationalen Fleischtopf vertrieben, aber<br />
mich freut es trotzdem. Die Eisernen waren in der DDR ja<br />
nicht unbedingt ein Spitzenklub, die waren mehr in der<br />
zweiten Liga als in der Oberliga, aber sie waren sympathisch,<br />
weil ein Stück weit unabhängig vom System.<br />
Sie wurden irgendwann zum Kult, waren das St. Pauli der<br />
DDR. Jetzt sind sie vor zwei Jahren zum allerersten Mal<br />
in die höchste deutsche Klasse aufgestiegen, nicht gleich<br />
wieder abgestiegen und im zweiten Jahr stürmen sie<br />
nach Europa... Hut ab! Somit tritt in der kommenden Saison<br />
erstmals seit dem Mauerfall mehr als eine ostdeutsche<br />
Mannschaft in den Europapokalwettbewerben an!<br />
Zum Abstieg aus Liga 1 muss man wohl nicht mehr allzu<br />
viel sagen. Meine königsblauen Schalker konnten es gar<br />
nicht erwarten und haben sich den letzten Platz schon vor<br />
einigen Wochen gesichert. Der Abstieg war hochverdient<br />
und es war fast ein Durchmarsch vom ersten bis zum letzten<br />
Spieltag auf Rang 18. Der zweite Absteiger wurde erst<br />
am letzten Tag ermittelt, es traf den SV Werder Bremen.<br />
Die hatten es im letzten Spiel noch in der Hand gehabt,<br />
sie hätten nur gegen Gladbach gewinnen müssen. Haben<br />
sie aber nicht, und dass Köln gleichzeitig auch verliert,<br />
darauf konnten sie auch nicht bauen. Die spielten daheim<br />
gegen Schalke. Die Kölner haben sich in die Relegation<br />
gerettet und treten hier gegen Kiel an, die sich den sicher<br />
geglaubten Direktaufstieg noch nehmen ließen.<br />
In Liga 2 entschied sich am letzten Spieltag nur noch, wer<br />
direkt aufsteigt und wer in die Relegation muss. Und natürlich,<br />
wer die dritte Liga verstärkt! Dass die Fortuna und<br />
auch der HSV nicht wieder ins Oberhaus kommen und<br />
auch der Club aus Nürnberg nicht aufsteigen wird, stand<br />
schon länger fest. Nein, aufsteigen werden andere.<br />
Nach acht Jahren darf die Spielvereinigung Fürth mal<br />
wieder oben mitspielen und sogar elf Jahre mussten die<br />
Fans aus Bochum warten, bis sie mal wieder Aufsteigerlieder<br />
singen dürfen.<br />
Kiel muss wie gesagt nur noch gegen Köln gewinnen und<br />
dann spielen Sie zum ersten Mal im Oberhaus.<br />
26<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
Abb.: Union Berlin hat es geschafft – Die Köpenicker qualifizieren sich für die Europa Conference League <strong>2021</strong><br />
Foto: Leon Kuegeler / REUTERS<br />
Foto: Leon Kuegeler Livepic / REUTERS<br />
Aber die zweite Liga hat es in der kommenden Saison in<br />
sich, mehr als 30 deutsche Meistertitel und 12 DDR-Meistertitel<br />
werden sich dort tummeln, das dürfte die stärkste<br />
2. Liga aller Zeiten sein und meine Schalker und der<br />
SV Werder haben da ein gewaltiges Stück Arbeit vor sich,<br />
wenn sie den direkten Aufstieg erreichen wollen.<br />
Was gab es noch in der Bundesliga? Ach ja, 13 Trainer<br />
mussten in dieser Saison gehen, so einen Verschleiß an<br />
Übungsleitern gab es schon sehr lange nicht. Verwunderlich<br />
dabei ist, neben der Tatsache, dass Schalke allein fünf<br />
Trainer benötigte, dass alle Spitzenmannschaften ihren<br />
Coach austauschten bzw. deren Weggang am Saisonende<br />
bekannt gaben. Und natürlich wurde so etwas meistens<br />
kurz vorm Spieltag bekannt gegeben, sodass eine schöne,<br />
kreative Unsicherheit bei den Spielern entstand! Es ist<br />
ja auch blöd, der Trainer des Zweiten geht zum Meister,<br />
der Gladbacher Trainer geht zur anderen Borussia, der<br />
Erfolgstrainer der Eintracht geht dafür zur ersten Borussia<br />
usw. Der Hit ist aber, dass Hansi Flick, seines Zeichens<br />
Bayerntrainer, wegen eines Streits mit Sportchef Brazzo<br />
gehen musste. Der Flick hat mit den Bayern sechs Titel in<br />
einem Jahr geholt und was hat dieser Brazzo vorzuweisen?<br />
Aber auch gut, nun übernimmt Hansi die Nationalmannschaft,<br />
so verkehrt kann das auch nicht sein!<br />
Und dann gab es noch Lewandowski. Der hatte echt die<br />
Dreistigkeit, dem deutschen Torjäger-Idol Gerd Müller seinen<br />
ewigen Rekord zu klauen! Dabei sollte der Rekord, der<br />
fast 50 Jahre hielt, eigentlich für die Ewigkeit sein...<br />
In zwei Wochen beginnt nun mit einem Jahr Verspätung<br />
die EM, für Jogi Löw das letzte Turnier als Bundestrainer.<br />
Mit Frankreich, Portugal und Ungarn hat Deutschland<br />
schon mal eine heftige Gruppe erwischt, in der nur die<br />
ersten beiden weiterkommen. Da wird sich das deutsche<br />
Team mächtig steigern müssen, um nicht schon wieder<br />
nach der Vorrunde nach Hause fahren zu müssen. Ich<br />
glaube ja nicht, dass sie so etwas dem Weltmeistertrainer<br />
von 2014 zum Abschied schenken wollen, allerdings weiß<br />
ich andersrum auch nicht, wie sie die Vorrunde überstehen<br />
wollen mit dem derzeitigen Team und den in diesem<br />
Jahr gezeigten Leistungen...<br />
Zum Saisonende setzten sich natürlich auch überall<br />
wieder die Fußballbürokraten in Szene und machten mit<br />
blödsinnigen Vorschlägen auf sich aufmerksam, wie<br />
z. B. die WM alle zwei Jahre auszutragen?! Aber darüber<br />
schreibe ich beim nächsten Mal, das ist nämlich so blöd,<br />
das würde mir die Abstiegslaune versauen!<br />
Carsten<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 27
FOLGE 15<br />
Um den Hals der Leiche war ein Elektrokabel gewickelt<br />
worden. An einem Ende befand sich ein XLR-Stecker. Eine<br />
junge Kriminalbeamtin identifizierte es als ein Mikrofonkabel.<br />
Das andere Ende des dünnen, langen Kabels<br />
war abgerissen.<br />
Hinter dem Konzertsaal im Bürgerhaus „Am Seepark“ in<br />
Freiburg parkten jetzt keine Musikerfahrzeuge und LKWs<br />
mehr, sondern Einsatzfahrzeuge der Freiburger Polizei<br />
und die zivil aussehenden PKWs der Mordkommission.<br />
Die flatternden Bänder, mit denen das Gelände abgesperrt<br />
worden war, gaben im böigen Wind ein schnarrendes<br />
Geräusch von sich. Es klang wie das Surren eines<br />
australischen Bumerangs, der mit tödlicher Präzision auf<br />
sein Ziel zufliegt.<br />
Ein Spaziergänger, der mit seinem Hund Gassi gegangen<br />
war, wurde gerade befragt. „Aber ich bin doch hier nur<br />
einfach entlang gegangen, mein Hund hat mich in die<br />
Büsche gezogen“, sagte er. Der große Kriminalbeamte<br />
gab dem Zeugen seine Karte. „Hier, rufen Sie mich an,<br />
wenn Ihnen noch was einfällt“, sagte er. „Kommissar<br />
Steiner, Rudolph Steiner“, fügte er hinzu.<br />
Dann wandte er sich an die junge Kriminalbeamtin.<br />
„Helena, deine Entdeckung, was das für ein Kabel ist,<br />
führt uns zu den Musikern, die am Wochenende hier<br />
aufgetreten sind. Das Plakat habe ich vorne am Eingang<br />
gesehen. Stell fest, wo die sind! Das Publikum<br />
wird sich wohl in alle Winde zerstreut haben, da haben<br />
wir keine Chance. Ich geh mal rein. Vielleicht kann ich<br />
jemanden vom Personal auftreiben.“ Dann rief er ihr<br />
noch hinterher: „Lass vor allem nach dem anderen Ende<br />
suchen!“<br />
Wolf Hammer ließ seine digitale Assistentin die Türe<br />
öffnen. „Alexa, es hat geklingelt.“ Ihre metallische, unbeteiligt<br />
klingende Stimme drang aus den Lautsprechern<br />
in Mitchs großer Wohnung: „Darüber weiß ich<br />
leider nicht Bescheid.“ Wütend rief er: „Alexa, öffne die<br />
Wohnungstür!“ Es klickte. Die Tür schwang auf und gab<br />
den Blick frei auf zwei junge Leute, die ihm ihre Ausweise<br />
entgegenhielten. „Kriminalkommissarin Helena<br />
Petrowna“, stellte der junge Beamte seine Kollegin vor.<br />
Seinen Namen nannte er nicht. „Kommen Sie rein“, sagte<br />
Wolf. „Ich mache mir gerade einen Kaffee. Trinken Sie<br />
einen mit?“<br />
Die beiden nickten und setzten sich an den Bartresen<br />
in der Küche. Wolf machte sich an der Cappuccino-Maschine<br />
zu schaffen. „Sie haben einen englisch klingenden<br />
Vornamen, denn ‚Mitch‘ ist in Deutschland eher ungebräuchlich,<br />
Herr Zerek“, sagte die Beamtin. Wolf erinnerte<br />
sich an die Daten, die er von dem echten Musikmanager<br />
bekommen hatte.<br />
„Eigentlich heiße ich Mitchell Zerek. Ich bin der Sohn von<br />
Harry Zerek, er hatte in London ein Plattenstudio. Mein<br />
Vater kannte Sir Davis, den Inhaber der VMA, der Vitriola<br />
Music Agencies aus New York. Nach dem Tod meines Vaters<br />
bin ich zu ihm gegangen. Jetzt bin ich Manager für<br />
Europa.“<br />
„Und am Wochenende waren Sie im Seepark-Konzert“,<br />
sagte der Kriminalbeamte, der sich immer noch nicht<br />
vorgestellt hatte. Es klang wie ein Vorwurf. „Wann<br />
gingen Sie nach Hause?“ Wolf überlegte. Was wollten<br />
die? „Nach dem Konzert habe ich noch jemanden heimgefahren<br />
und dann bin ich ins Bett gegangen. Es war ein<br />
langer Tag.“<br />
28<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
Der junge Mann hatte anscheinend die Rolle des „bösen<br />
Cops“ übernommen. „Wieso lang?“, fragte er. „Ich war<br />
ja schon beim Soundcheck dabei, das war nachmittags,<br />
und nach dem Konzert haben wir noch den Saal ausgefegt.“<br />
Sofort merkte Wolf, dass das ein Fehler war. „Sie<br />
sagten ‚wir‘. Wer hat Ihnen geholfen?“ Er überlegte. „Dieselbe<br />
Person, die ich heimgebracht habe“, sagte er.<br />
Wolf dachte fieberhaft nach. Hatte Mary Sylvester etwas<br />
„angestellt“? Und wie sollte er nachweisen, dass er Mitch<br />
war? Lange würden sich die beiden von seiner Visitenkarte<br />
nicht täuschen lassen. „Wen haben Sie heimgefahren?“,<br />
fragte die Beamtin mit freundlicher Stimme.<br />
„Die Sängerin“, antwortete er. „Und wer hat Ihnen beim<br />
‚Fegen‘ geholfen?“, rief der Beamte. Da stimmte etwas<br />
nicht, dachte Wolf. Aber er sah keine Möglichkeit, etwas zu<br />
verschweigen: „Auch die Sängerin.“ Aber der junge Mann<br />
war nicht überzeugt. „Mary Sylvester fegt den Konzertsaal<br />
aus? Machen Sie sich nicht lächerlich!“, rief er boshaft.<br />
Wolf sah, dass die beiden ihre Tassen leergetrunken<br />
hatten. Er kämpfte mit sich, aber dann gewann seine<br />
Gastfreundschaft wieder die Oberhand: „Möchten Sie<br />
noch einen?“, fragte er. „Gerne“, sagte Frau Petrowna,<br />
und auch der Namenlose streckte ihm seine Tasse hin.<br />
Es entstand eine Pause. Erst als alle einen Schluck getrunken<br />
und ihre Tassen wieder auf den Tresen gestellt<br />
hatten, begann die Beamtin zu sprechen.<br />
„Heute morgen wurde Serge Butz, ein Musiker aus<br />
Frankreich, tot aufgefunden. Wir haben Anlass zu<br />
glauben, dass ein Kapitalverbrechen vorliegt. Kannten<br />
Sie den Musiker?“, fragte sie. „Ich war bei den Proben<br />
nicht dabei“, begann er. „Und beim Soundcheck, also am<br />
Nachmittag, habe ich ihn zum ersten Mal in meinem<br />
Leben gesehen.“<br />
Jetzt griff der forsche junge Mann ein: „Aber Sie wurden<br />
zusammen gesehen. Und man hörte, wie Sie sich mit<br />
dem Opfer gestritten haben. Sie wurden laut, waren<br />
außer sich. Dafür haben wir Zeugen!“ Wolf erinnerte<br />
sich an den Barkeeper, der den Streit beobachtet hatte.<br />
Aber er erinnerte sich auch an einen Unbekannten, der<br />
so etwas wie einen grauen Hausmeisterkittel getragen<br />
hatte. Sein Gesicht war nicht zu sehen gewesen, weil<br />
der Mann sich von der Szene abgewandt hatte. Wollte er<br />
nicht erkannt werden?<br />
„Der Saxofonist saß an der Bar und hatte getrunken.<br />
Direkt vor dem Konzert. Als er mir einen Schnaps anbot,<br />
habe ich ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er noch<br />
spielen müsse.“ Das überzeugte den Beamten nicht.<br />
„Wir haben Zeugen für eine wütende Auseinandersetzung“,<br />
sagte er.<br />
Wolf erinnerte sich an den großen Mann mit dem<br />
blassen Gesicht. Er war ihm jetzt schon zwei Mal aufgefallen.<br />
Dabei wirkte er völlig unauffällig. Bis auf die<br />
Tatsache, dass er eine Affinität zur Musik hatte. Er liebte<br />
die Live-Musik und er interessierte sich für die Bühnenund<br />
Sound-Technik. Stets fummelte er an den Knöpfen<br />
und Reglern von Mischpulten herum, an denen er nichts<br />
verloren hatte. Wolf nahm sich vor, den Soundmann zu<br />
fragen. Hatte nicht seine Partnerin, als der Mann sich<br />
ans Mischpult drängelte, eine Grimasse geschnitten?<br />
Die beiden Kriminalbeamten wirkten unerfahren, fast<br />
naiv. Aber das konnte eine eingeübte Rolle sein, mit der<br />
sie die Verdächtigen ablenken wollten. Wenn sie etwas<br />
gegen ihn in der Hand hätten, würden sie nicht so locker<br />
bei ihm einen Kaffee trinken. Das war nur ein erstes Abtasten,<br />
ein Sondierungsgespräch, mehr nicht.<br />
„Wir werden die möglichen Zeugen noch genauer befragen.<br />
Halten Sie sich bitte in der näheren Umgebung<br />
auf, wir werden Sie noch zu einer Befragung ins Kommissariat<br />
bitten.“ Dann fiel dem Beamten noch etwas<br />
ein: „Könnten Sie sich ausweisen? Nur damit wir Ihre<br />
Personalien richtig aufgeschrieben haben. Vielleicht<br />
geben Sie uns auch Ihre Telefonnummern?“ Wolf gab<br />
ihnen Mitchs Personalausweis. Allein dadurch machte er<br />
sich strafbar.<br />
***<br />
Als die beiden gegangen waren, überlegte Wolf, was er<br />
jetzt tun könnte. Er konnte seinen Auftrag nicht offenlegen,<br />
und obwohl er den Namen von Lord Davis genannt<br />
hatte, war damit ja noch nichts verraten. Was<br />
aber sollte er mit dem Sektenführer anstellen? Er wollte<br />
„Seine Heiligkeit“ Alois dringend befragen.<br />
- Fortsetzung folgt -<br />
NEU!<br />
Wolf Hammer Krimi<br />
als audiobook<br />
Hörprobe: www.xinxii.de/killer-blues-kapitel-1-506510<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 29
WIR WERDEN DIE NUSS SCHON KNACKEN!<br />
WORTSPIEL-RÄTSEL<br />
von Carina<br />
Fett-umrandete Kästchen stellen den jeweiligen Lösungsbuchstaben des endgültigen<br />
Lösungswortes dar und zwar von oben nach unten gelesen. Sind pro Einzel-Lösung mehrere<br />
Kästchen fett umrandet, sind diese Buchstaben identisch! Alles klar? Na dann viel Spaß!<br />
Zur Beachtung: Ä/Ö/Ü = AE/OE/UE und ß = SS<br />
Heißa, liebe Kopfnuss-Fans!<br />
Endlich ist er da, der lang ersehnte Frühling! Die Bienen summen, die Rasenmäher brummen,<br />
alles grünt und blüht um uns herum. Nach den langen, dunklen, kalten Herbst- und<br />
Wintertagen verbessert sich endlich wieder die Laune und auch wir blühen auf, genießen<br />
die Sonne, Wärme und die prächtigen Farben der Natur, die so lange verschwunden waren.<br />
Nix wie raus und genießt es! Diesmal geht's hier um das Thema Pflanzen.<br />
Bleibt alle gesund und passt auf Euch auf!<br />
1. Grünanlage für Luftbewegung<br />
2. Planet mit Duftpflanzen<br />
3. Blasende Pflanze<br />
4. Blumenteile mit Feinstschmutz<br />
5. Edler Kopfschmuck für ein Holzgewächs<br />
6. Futterpflanze für erfreuliche Fügung<br />
7. Ein Säugetier-Gemüse<br />
8. Kondom-Gewächs<br />
9. Besteck für Baumteil<br />
10. Holzstab für Edelblume<br />
Lösungswort:<br />
Zu gewinnen für das korrekte Lösungswort:<br />
1.- 3. Preis je ein Gutschein unserer Wahl<br />
UND:<br />
Im Dezember <strong>2021</strong> wird von ALLEN korrekten<br />
Einsendungen ein zusätzlicher Gewinner gezogen,<br />
der eine besondere Überraschung erhält!<br />
Einsendeschluss<br />
ist der 28. <strong>Juni</strong> <strong>2021</strong><br />
(es gilt das Datum des Poststempels bzw. der E-Mail)<br />
E-Mails NUR mit Adressen-Angabe. Unsere Postanschrift findet Ihr<br />
im Impressum auf Seite 31. Teilnahmeberechtigt sind alle, außer die<br />
Mitglieder des Redaktionsteams. Wenn es mehr richtige Einsendungen als<br />
Gewinne gibt, entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.<br />
HOPPLA...<br />
Da viele unserer StammleserInnen auch große<br />
RätselfreundInnen sind, hat es in Freiburg ganz schnell<br />
die Runde gemacht, dass in unserem Mai-Rätsel<br />
die „Nuss“ nicht zu knacken war.<br />
Die Kästchen waren schon richtig, aber die<br />
dazugehörigen Fragen wurden von uns nicht<br />
ausgetauscht und waren die vom April-Rätsel...<br />
Wir entschuldigen uns vielmals<br />
für Ihren entgangenen Rätselspaß!<br />
30<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong>
ÜBER UNS<br />
Seit Jahren geht in unserer Gesellschaft die Schere zwischen<br />
Arm und Reich weiter auseinander. Besonders durch die<br />
Agenda 2010 und die damit verbundenen Hartz IV-Gesetze<br />
wurden Sozialleistungen abgesenkt. Die Lebenshaltungskosten<br />
steigen jedoch von Jahr zu Jahr. Viele Menschen kommen<br />
mit den Sozialleistungen nicht mehr aus oder fallen schon<br />
längst durch das ziemlich löchrig gewordene soziale Netz.<br />
Und heute kann jeder von Arbeitslosigkeit bedroht sein.<br />
Vereine und private Initiativen versuchen die Not, in welche<br />
immer mehr Menschen kommen, zu lindern und die Lücken<br />
im System zu schließen. Es gibt unterschiedliche nichtstaatliche<br />
Einrichtungen wie z. B. die Tafeln, welche sich um diese<br />
ständig wachsende Bevölkerungsgruppe kümmern. Oder<br />
eben die Straßenzeitungen wie der FREIeBÜRGER.<br />
In unserer Straßenzeitung möchten wir Themen aufgreifen,<br />
welche in den meisten Presseerzeugnissen oft zu kurz oder<br />
gar nicht auftauchen. Wir wollen mit dem Finger auf Missstände<br />
zeigen, interessante Initiativen vorstellen und kritisch<br />
die Entwicklung unserer Stadt begleiten. Wir schauen aus<br />
einer Perspektive von unten auf Sachverhalte und Probleme<br />
und kommen so zu ungewöhnlichen Einblicken und<br />
Ansichten. Damit tragen wir auch zur Vielfalt in der lokalen<br />
Presselandschaft bei.<br />
Gegründet wurde der Verein im Jahr 1998 von ehemaligen<br />
Wohnungslosen und deren Umfeld, deshalb kennen die<br />
MitarbeiterInnen die Probleme und Schwierigkeiten der<br />
VerkäuferInnen aus erster Hand. Ziel des Vereins ist es, dass<br />
Menschen durch den Verkauf der Straßenzeitung sich etwas<br />
hinzuverdienen können, sie durch den Verkauf ihren Tag<br />
strukturieren und beim Verkaufen neue Kontakte finden<br />
können. Wir sind eine klassische Straßenzeitung und geben<br />
unseren VerkäuferInnen die Möglichkeit, ihre knappen finanziellen<br />
Mittel durch den Verkauf unserer Straßenzeitung<br />
aufzubessern. 1 Euro (Verkaufspreis 2,10 Euro) pro Ausgabe<br />
und das Trinkgeld dürfen unsere VerkäuferInnen behalten.<br />
Es freut uns zum Beispiel sehr, dass sich einige wohnungslose<br />
Menschen über den Verkauf der Straßenzeitung eine neue<br />
Existenz aufbauen konnten. Heute haben diese Menschen<br />
einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz und eine<br />
Wohnung. Der FREIeBÜRGER unterstützt also Menschen<br />
in sozialen Notlagen. Zu unseren VerkäuferInnen gehören<br />
(ehemalige) Obdachlose, Arbeitslose, GeringverdienerInnen,<br />
RentnerInnen mit kleiner Rente, Menschen mit gesundheitlichen<br />
Problemen, BürgerInnen mit Handicap u. a. Unser Team<br />
besteht derzeit aus fünf MitarbeiterInnen. Die Entlohnung<br />
unserer MitarbeiterInnen ist äußerst knapp bemessen und<br />
unterscheidet sich aufgrund der geleisteten Arbeitszeit und<br />
Tätigkeit. Dazu kommt die Unterstützung durch ehrenamtliche<br />
HelferInnen. Leider können wir durch unsere Einnahmen<br />
die Kosten für unseren Verein, die Straßenzeitung und Löhne<br />
unserer MitarbeiterInnen nicht stemmen. Daher sind wir<br />
auch in Zukunft auf Unterstützung angewiesen.<br />
SIE KÖNNEN UNS UNTERSTÜTZEN:<br />
• durch den Kauf einer Straßenzeitung oder<br />
die Schaltung einer Werbeanzeige<br />
• durch eine Spende oder eine Fördermitgliedschaft<br />
• durch (langfristige) Förderung eines Arbeitsplatzes<br />
• durch Schreiben eines Artikels<br />
• indem Sie die Werbetrommel für unser<br />
Sozialprojekt rühren<br />
Helfen Sie mit, unser Sozialprojekt zu erhalten und weiter<br />
auszubauen. Helfen Sie uns, damit wir auch in Zukunft<br />
anderen Menschen helfen können.<br />
Impressum<br />
Herausgeber: DER FREIeBÜRGER e. V.<br />
V.i.S.d.P: Oliver Matthes<br />
Chefredakteur: Uli Herrmann († 08.03.2013)<br />
Titelbild: Ekkehard Peters (Fotos: Felix Groteloh)<br />
Layout: Ekkehard Peters<br />
An dieser Ausgabe haben mitgearbeitet:<br />
Carsten, Carina, Conny, Ekki, Felix, Harry,<br />
H. M. Schemske, Karsten, Oliver, Recht auf Stadt,<br />
Rose Blue, utasch und Gastschreiber<br />
Druck: Freiburger Druck GmbH & Co. KG<br />
Auflage: 5.000 | Erscheinung: monatlich<br />
Vereinsregister: Amtsgericht Freiburg | VR 3146<br />
Kontakt:<br />
DER FREIeBÜRGER e. V.<br />
Engelbergerstraße 3<br />
79106 Freiburg<br />
Tel.: 0761 / 319 65 25<br />
E-Mail: info@frei-e-buerger.de<br />
Öffnungszeiten: Mo - Do: 12 - 16 Uhr<br />
Fr: 12 - 15 Uhr<br />
Mitglied im Internationalen Netzwerk<br />
der Straßenzeitungen<br />
Der Nachdruck von Text und Bild (auch nur in Auszügen)<br />
sowie die Veröffentlichung im Internet sind nur nach<br />
Rücksprache und mit der Genehmigung der Redaktion<br />
erlaubt. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben<br />
nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.<br />
Die nächste Ausgabe des FREIeBÜRGER erscheint am:<br />
1. Juli <strong>2021</strong><br />
Aus gegebenen Anlass finden zurzeit keine<br />
öffentlichen Redaktionssitzungen statt!<br />
FREIeBÜRGER 06 | <strong>2021</strong> 31
Wie geht's weiter im<br />
Familienheimquartier?<br />
Wir haben immer wieder über den Kampf<br />
der Initiative "Wiehre für Alle" gegen den<br />
Abriss des Familienheimquartiers am<br />
Wiehre-Bahnhof berichtet. Im Frühjahr<br />
2019 gab es die Erfolgsmeldung, dass<br />
gegen den Willen der Familienheim-Genossenschaft<br />
die Voraussetzungen für eine<br />
bauliche und soziale Erhaltungssatzung<br />
geprüft werden solle. Ein externes Büro<br />
war mit einer vertiefenden Untersuchung<br />
des Plangebiets beauftragt worden. Seitdem<br />
hörte man nichts mehr. Nun ist klar,<br />
dass die Voraussetzungen für eine soziale<br />
und bauliche Erhaltungssatzung vorliegen.<br />
Setzen Oberbürgermeister Martin Horn und<br />
auch die Grünen trotzdem lieber auf eine<br />
Vereinbarung mit der Genossenschaft, die<br />
Gentrifizierung vorantreibt, die Wohnversorgung<br />
ärmerer Menschen völlig aus dem<br />
Blick verloren hat und undemokratisch gegen<br />
den Willen ihrer Genoss*innen agiert?<br />
Im <strong>Juni</strong> soll das weitere Vorgehen Thema<br />
im Gemeinderat sein.<br />
Wir bleiben dran:<br />
rdl.de/tag/familienheim<br />
Jeden 1 . Mittwoch des Monats: 1 2-1 3 Uhr<br />
FREIeBÜRGER im Mittagsmagazin 'Punkt 1 2'<br />
Rechte Chatgruppen in Deutschland,<br />
rassistische Polizeigewalt in den USA, die<br />
Diskussion um Racial Profiling – fast jede<br />
Woche dringen derzeit neue Artikel, Sendungen<br />
oder Podiumsdiskussionen an die<br />
Öffentlichkeit, die die verschiedenen Aspekte<br />
der Polizei kritisch beleuchten.<br />
Auch wir fragen uns: Was ist Polizei? Wieso<br />
ist Polizei? Und was könnte es stattdessen<br />
geben? Für die Podcastreihe “Sicherheit<br />
für wen?!” sprechen wir mit Personen,<br />
die von Polizeigewalt betroffen sind, fragen<br />
bei Initiativen und ja, natürlich auch bei der<br />
Polizei nach Antworten.<br />
Jeden dritten Mittwoch des Monats um 20<br />
Uhr bei Radio Dreyeckland. Falls Ihr selbst<br />
etwas zum Thema beizutragen habt oder<br />
Tipps für weitere Quellen und Interviewpartner*innen<br />
habt, dann meldet<br />
Euch: polizeirecherche@rdl.de<br />
Umfrage zu Racial<br />
Profiling in Freiburg:<br />
Hört, Macht, Unterstützt Radio Dreyeckland: 1 02,3 Mhz - Stream: rdl.de/live<br />
Radio Dreyeckland - Adlerstr. 1 2 79098 Freiburg