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Zdirekt! 02-2021

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DAS FACHMAGAZIN FÜR ZEITARBEIT 02/2021

RICHTUNGSWAHL

FÜR ZEITARBEIT


2

EDITORIAL

Zeitarbeitsbranche braucht

politische Planungssicherheit

In den vergangenen fünf Legislaturperioden standen

stets auch Veränderungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes

(AÜG) auf der Tagesordnung des Bundestages.

Mal ging es um Liberalisierungen, wie die

Abschaffung der Höchstüberlassungsdauer, mal gab es

Anpassungen an EU-Richtlinien, dann wurde eine Lohnunterschranke

allgemeinverbindlich normiert oder mit

der letzten AÜG-Reform wieder eine Rolle rückwärts

mit vormaligen Restriktionen vorgenommen. Selbst ein

faktisches Einsatzverbot von Zeitarbeit in der Fleischindustrie

war leider kein Tabu mehr – wie bislang nur im

Bauhauptgewerbe grundsätzlich vorgesehen.

Dieses Hü und Hott führt dazu, dass die Personaldienstleistungsbranche

immer wieder in den Fokus von kontroversen

Debatten gerät und der Eindruck vermittelt

wird, hier gehe es um Akteure, die stets neu gesetzlich

eingehegt werden müssten. Anlass für die Aktivitäten

des Gesetzgebers waren aber nur einzelne krasse

Vorfälle, wie etwa bei Schlecker oder Tönnies, die verallgemeinert

wurden, um Handlungsdruck zu rechtfertigen.

Nach dem Motto: mitgehangen, mitgefangen.

Zum Leidwesen aller anständig arbeitenden Zeitarbeitsunternehmen.

Wird sich diese fatale Ungewissheit in der „Quo-vadis-

Frage“ auch in der nächsten Wahlperiode einstellen?

Schaut man in die Programme der Parteien zur Bundestagswahl

findet man ein breites Spektrum an Forderungen

– vom Verbot der „Leiharbeit“ über Einsatzquoten

beziehungsweise Entgeltregelungen („Equal pay nebst

Flexibilitätsprämien“) und Abschaffung der Tariföffnungsklausel

bis zum Erhalt des Status quo oder vorsichtigen

Reformschritten, wie die Abschaffung der

Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten. Als Branchen-Arbeitgeberverband

sind wir parteipolitisch

neutral und rufen nicht zur Stimmabgabe für eine bestimmte

Partei auf. Aber wir haben klare Auffassungen,

welche positiven Beiträge die Zeitarbeit für den

Beschäftigungsmarkt und die Gesellschaft insgesamt

leisten kann, wenn bestimmte Leitplanken beachtet

werden. Diese haben wir in Wahlprüfsteinen an die

Parteien und Kandidaten für den neuen Bundestag

zusammengefasst.

Die Bundesregierung steht vor gewaltigen Aufgaben.

Es geht nicht nur um den Klimawandel, sondern auch

um den grundlegenden (digitalen) Strukturwandel in

der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt. Eigentlich

wären für solche Probleme die Mehrheiten einer kompromissfähigen,

großen, aber nicht nur dualen Koalition

nötig. Fest steht aus unserer Sicht: Wer die Wege in die

Zeitarbeit zukünftig noch schmaler machen will, wer

Verbotsschilder auf diesen Pfaden aufstellen will oder

Zerrbilder über unsere Branche entwirft, der verspielt

die Integrationschancen vieler Menschen und handelt

auch volkswirtschaftlich unverantwortlich. Denn gerade

auch in der Corona-Pandemie haben wir wieder

gezeigt: Wir sind nicht das Problem, sondern wichtiger

Bestandteil von Lösungen. Die Branche steht für Flexibilität

und (tarifierte) Sicherheit und hat es verdient,

auch von der Politik als (schadstofffreier) Antriebsmotor

gefördert, statt gedrosselt zu werden.

RA Werner Stolz | iGZ-Hauptgeschäftsführer


Z direkt! 02/2021

INHALT 3

Inhalt

EDITORIAL ..................................................................................................... 2

KOMPAKT ...................................................................................................... 4

TITELTHEMA

Richtungswahl für Zeitarbeit – was wäre wenn ........................................... 6

Zeitarbeit im Bundestagswahlkampf – was der iGZ fordert ........................ 8

Wahlprogramme im Check – die Rolle der Zeitarbeit ................................ 11

Kanzlerkandidaten im Check – wer wo überzeugt .................................... 14

Bundestagswahlkampf 2021 – die Sicht des Wahlforschers ...................... 18

Wahlkämpfe der Vergangenheit – Rezzo Schlauch blickt zurück.................... 20

So funktioniert politisches Engagement ..................................................... 22

Wahlkampf in der Zeitarbeit – ein Ortsbesuch .......................................... 24

Vorsicht – Vorurteile gegen die Zeitarbeit .................................................. 26

Erfolgsmodell Zeitarbeit – mit Bundestagsabgeordneten diskutiert ........ 28

GASTBEITRAG

Die Causa Fleisch – wie sie Prof. Thüsing sieht .......................................... 30

CORONAKRISE

Optimistisch trotz Umsatzeinbußen ...............................................................

DIGITAL UNTERWEGS

iGZ-Mitgliederversammlung – Schubert bestätigt ..................................... 35

iGZ-Bundeskongress – live aus dem Greenscreen-Studio .......................... 36

iGZ-Bundeskongress – Ich glaub`, mein Schwein pfeift ............................. 38

iGZ-Forum Personalmanagement – das neue Normal ............................... 40

32

BILDUNG

Zeitarbeit in der Handball-Bundesliga ......................................................... 42

PDK: Vier neue Azubi-Botschafter .............................................................. 44

Sommer der Berufsausbildung – Mitmachen gewollt ............................... 46

AKTIV

Werbefläche für den guten Zweck – Kunst auf dem Rad ......................... 48

Matchtime-personal.de – passende Zeitarbeitnehmer finden .................. 50

Die in diesem Text verwendeten Personenbezeichnungen erfolgen geschlechterunabhängig. Sie werden ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwendet.


4

KOMPAKT

Zdirekt! für mediaV-Award nominiert

DAS FACHMAGAZIN FÜR ZEITARBEIT 02/2020

LICHTBLICKE

in der Coronakrise

Gleich für zwei Kategorien ist der iGZ für den mediaV-Award

nominiert: für die beste Verbandszeitschrift und für das beste

Titelbild. In der ersten Hochphase der Pandemie hatte sich

der iGZ dazu entschlossen, Lichtblicke für die Zeitarbeit in

der Coronakrise zu suchen und abzubilden. Das Titelbild der

Ausgabe 2/2020 zeigt unter dem Motto „Lichtblicke in der

Coronakrise“ echte Gesichter von Zeitarbeitskräften aus der

Kampagne „Zeitarbeit: Eine gute Wahl. In der Krise.“ – ganz

so wie unsere Branche ist: vielseitig, kompetent und flexibel.

Die Zdirekt! erfüllt den klassischen Anspruch eines Verbandsmagazins,

über News aus dem Verbandsleben zu berichten.

Als Fachmagazin beleuchtet es aber vor allem arbeitsmarktpolitisch

relevante Themen und liefert Handlungshilfen für

Personaldienstleister.

CORONA-SCHATTEN:

Kommt ein Verbot der Zeitarbeit

in der Fleischwirtschaft?

Mit dem mediaV-Award – ausgelobt vom Fachmagazin Verbändereport

– werden herausragende Kommunikationsprojekte

von Verbänden und

Organisationen geehrt. Die

Verleihung findet am 30. August

statt.

Nominiert für Beste Zeitschrift/

Bestes Magazin 2021

Evaluation der AÜG-Reform

Vor vier Jahren ist das Gesetz zur Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes

(AÜG) in Kraft getreten. Gemäß § 20

AÜG wird es derzeit im Auftrag des Bundesministeriums für

Arbeit und Soziales (BMAS) evaluiert und die Wirksamkeit der

Neuregelung des Gesetzes überprüft. Durchgeführt wird der

Forschungsauftrag von der Bietergemeinschaft Institut für Angewandte

Wirtschaftsforschung (IAW) an der Universität Tübingen

und dem infas – Institut für angewandte Sozialforschung. Der

iGZ hat den mitverantwortlichen Kooperationspartner Prof. Dr.

Lutz Bellmann nach einem Zwischenstand gefragt. Die Antwort:

„Unser Vertrag mit dem BMAS legt fest, dass die Bearbeiter des

Forschungsvorhabens bis zu einer Veröffentlichung durch das

Ministerium zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.“ Ergebnisse aus den Befragungen von Zeitarbeitsunternehmen

und -kräften, Kundenbetrieben, Branchenexperten sowie Arbeitgeberverbänden und

Gewerkschaften werden also wohl erst im kommenden Jahr veröffentlicht.


Z direkt! 02/2021

KOMPAKT 5

DER iGZ-PODCAST

ZUR ZEITARBEIT

Die neueste Episode des iGZ-Verbandspodcasts steht

ganz im Zeichen der Veränderung. Auf zu neuen Ufern

hat sich Marcel Speker gemacht: Der bisherige Leiter

des iGZ-Fachbereichs Kommunikation verlässt den Verband

nach mehr als zehn Jahren und übernimmt die

Leitung des Ludwig-Windthorst-Hauses in Lingen, einer

der größten Heimvolkshochschulen in Niedersachsen.

Verbandelt-Gastgeberin Sara Schwedmann sprach mit

ihm über seine Erfahrungen in der Zeitarbeit, darüber,

was die Branche ausmacht und wo er ihre und die

Zukunft des iGZ sieht. Zu hören auf allen gängigen

Podcast-Portalen!

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6

TITELTHEMA

RICHTUNGSWAHL

FÜR ZEITARBEIT

Richtungswahl – was ist das eigentlich? Per Definition

eine Wahl, von der eine Wende in der

politischen Richtung erwartet wird. Wird die

Bundestagswahl am 26. September eine Richtungswahl

sein? Fakt ist: Die Ära Merkel endet.

Doch wer schreibt dann neue Geschichte im Bundeskanzleramt?

Und wie steht derjenige – oder

diejenige – zur Zeitarbeit?


Z direkt! 01/2021

TITELTHEMA 7

Nicht der Wind bestimmt die Richtung, sondern die

Stellung der Segel – das wissen nicht nur Könner von

Halsen und Wenden. Das Sprichwort dient als Metapher

für so viele Themen und Herausforderungen unserer

Zeit – und zeigt gleichzeitig aber auch auf, dass

jeder Einzelne seinen Beitrag leisten kann. Für unsere

Zukunft macht es einen Unterschied, welchen Kurs wir

heute setzen – egal, ob uns der Wind ins Gesicht bläst,

er von der Seite kommt, er kalt und nass ist oder uns

im besten Fall von hinten antreibt. Im September wählt

Deutschland eine neue Regierung – und damit eine

neue Zukunft. Eine Richtungswahl für unsere Branche,

denn die Mächte an der Entscheidungs-Pinne – um im

Boot zu bleiben – werden danach andere sein.

Umso wichtiger ist es, im Vorfeld der Wahl allen (potenziellen)

politischen Beteiligten klarzumachen, was

die Zeitarbeit ist und wofür wir als Branche stehen.

Zeitarbeit als flexible Beschäftigungsform ist ein unverzichtbares

Element in der modernen Arbeitswelt. Sie

ermöglicht es den Unternehmen und der Wirtschaft,

effizient und flexibel auf eine volatile Nachfrage zu

reagieren und sich gleichzeitig auch bestmöglich zu

spezialisieren. Dazu bedarf es aber guter, moderner und

kluger Rahmenbedingungen. Unternehmen brauchen

Zutrauen und Freiraum, sie brauchen Luft zum Atmen,

Experimentieren und Wachsen, statt immer neuer Regularien

und Vorschriften.

Laut einer Blitzumfrage des Marktforschungsunternehmens

Lünendonk & Hossenfelder zu Beginn dieses Jahres

rechnet ein Drittel der befragten Personaldienstleister

mit einer weiteren Regulierung der Zeitarbeit nach der

Bundestagswahl. Von einer Liberalisierung gehen hingegen

14 Prozent aus. Dieser „geschäftsfreundlichere“

Ansatz wird vor allem von CDU / CSU und FDP erwartet,

wohingegen regulierende Maßnahmen mit einer Regierungsbeteiligung

von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN, Die

Linke oder SPD in Verbindung gebracht werden.

Wie stark soll der Staat in den Arbeitsmarkt eingreifen

und wie viel überlässt er den Marktkräften sowie den

Tarifparteien und Sozialpartnern? Vor allem an diesem

Punkt scheiden sich die Ansichten der politischen Parteien:

SPD und Grüne setzen auf klare staatliche Reglementierung.

Ihre Wahlprogramme überschneiden sich

in einigen Punkten, angefangen bei der Forderung nach

zwölf Euro Mindestlohn über ein Recht auf Homeoffice

und Weiterbildung bis hin zur härteren Regulierung der

Zeitarbeit, wie Equal Pay ab dem ersten Tag. Die Union

von CDU / CSU will flexible Arbeitsverhältnisse wie Zeitarbeit,

Werkverträge und sachgrundlos befristete Jobs

weitgehend beibehalten. Die Liberalen der FDP wollen

die Zeitarbeit erleichtern.

Letzteres begrüßt der iGZ natürlich. Denn die Coronakrise

hat die Zeitarbeitsbranche hart getroffen. So langsam

geht es wieder aufwärts: Nach dem coronabedingten

Rückgang sind derzeit viele Unternehmen wieder verstärkt

auf Mitarbeitersuche, wie das Beschäftigungsbarometer

des Münchner Forschungsinstituts ifo zeigt. Vor

allem Betriebe aus dem Maschinenbau und der Elektroindustrie

wollen demnach neue Stellen schaffen und

besetzen. Aber auch im Handel macht sich nach ifo-

Angaben vorsichtig eine positive Tendenz bemerkbar.

Eine Bundestagswahl ist vor allem auch eine Personenwahl.

Längst bringen sich die aussichtsreichsten

Kandidaten in Stellung – oder versuchen, nicht allzu

sehr in den Gegenwind aus gegnerischer Richtung zu

geraten. Wie zuletzt die Grünen-Spitzenkandidatin Annalena

Baerbock, die sich nach den Plagiatsvorwürfen

in einer Glaubwürdigkeitsdiskussion wiederfindet. Wie

die einzelnen Kanzlerkandidaten zum Thema Zeitarbeit

stehen, lesen Sie auf den folgenden Seiten. Aber auch

Wahlforscher Jürgen W. Falter kommt zu Wort und

ordnet den Wahlkampf ein – und wir blicken mit dem

ehemaligen Grünen-Politiker Rezzo Schlauch – dem Co-

Architekten der Arbeitsmarktreformen unter „Mister

Zeitarbeit“ Wolfgang Clement – auf die Wahlkämpfe

der vergangenen zwanzig Jahre zurück. Der Wahlkampf

in der Zeitarbeit vor Ort und wie sich Zeitarbeitsunternehmen

für die Branche politisch engagieren können,

sind weitere Themen dieser Zdirekt!-Ausgabe. Auf unserer

Doppelseite in der Heftmitte räumen wir mit Vorurteilen

gegen die Zeitarbeit auf – plakativ, auch zum

Aufhängen an jede (Wahl-)Büro-Wand. Nicht der Wind

bestimmt die Richtung, sondern die Stellung der Segel.

Setzen wir die Segel und Leinen los in Richtung beste

Zukunft für die Zeitarbeit. SaS


8

TITELTHEMA

Zeitarbeit im

Bundestagswahlkampf

Im September wird ein neuer Bundestag gewählt – in einer Zeit, in der wirtschaftlicher

Aufschwung nach der Coronakrise zwingend notwendig ist. Deutschland hat

den stärksten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts seit Beginn der vierteljährlichen

Berechnungen im Jahr 1970 erlebt, die strukturelle Arbeitslosigkeit steigt und

die Staatsverschuldung hat ein neues Rekordhoch erreicht. Für den Interessenverband

Deutscher Zeitarbeitsunternehmen ist klar: Deutschland muss alle Kräfte

bündeln, um schnell aus der Rezession zu gelangen und die Schäden für den

Arbeitsmarkt, besonders für

Geringqualifizierte,

so klein wie möglich

zu halten.

Vor diesem Hintergrund stellt der iGZ folgende arbeitsmarktpolitische

Forderungen für den kommenden Bundestagswahlkampf:

Erfolgsmodell Zeitarbeit fördern

Im dringend benötigten Wiederaufschwung nach der Coronakrise

sind die Unternehmen auf flexible Instrumente angewiesen, um

Wachstum abzusichern. Die Zeitarbeit gewährleistet dies mit tariflich

geregelter Sicherheit für die Beschäftigten. Dieses Erfolgsmodell muss

gefördert werden.

Diskussion um sektorale Einsatzverbote beenden

Viele Menschen wählen bewusst die Beschäftigungsform Zeitarbeit.

Gleichwohl gibt es in politischen Bereichen Tendenzen, sektorale

Einsatzverbote für die Arbeitnehmerüberlassung zu fordern. Diese

Diskussionen müssen beendet werden.

Zeitarbeitsverbot in Bauhauptgewerbe und Fleischindustrie

beseitigen

Im Bauhauptgewerbe gibt es immer noch ein faktisches Zeitarbeitsverbot,

ebenso bei der Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen und

in der Fleischindustrie. Diese antiquierten und verfassungsrechtlich

zweifelhaften Branchenrestriktionen müssen aufgehoben werden.

Höchstüberlassungsdauer abschaffen

Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft hat ergeben, dass

rund ein Drittel der Zeitarbeitskräfte wegen der Höchstüberlassungsdauer

aus ihrem Kundeneinsatz abgemeldet worden ist – verbunden

mit Gehaltseinbußen. Die Höchstüberlassungsdauer muss abgeschafft

werden.


Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 9

Kurzarbeit generell für die Zeitarbeit öffnen

In der Coronakrise hat sich die monatliche Auszahlung

von Kurzarbeitergeld an bis zu 142.000 Beschäftigte

der Zeitarbeitsbranche als das effektivste Mittel erwiesen,

um Arbeitsplätze auch in dieser Branche zu erhalten.

Das Instrument muss auch regulär für die Zeitarbeit

geöffnet werden.

Schriftform- durch Textformerfordernis ersetzen

Das Schriftformerfordernis im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

ist ein Relikt aus analogen Zeiten. Der

Ersatz durch Textform würde jegliche Kontrollmöglichkeiten

erhalten und zugleich enormen bürokratischen

Aufwand beseitigen. Die Schriftform muss durch eine

zeitgemäße Textform ersetzt werden.

(Nach-)Qualifizierung fördern

Zeitarbeit ist eine wichtige Integrationshilfe für Berufseinsteiger,

Migranten, Flüchtlinge, Geringqualifizierte,

(Langzeit-)Arbeitslose etc. Die (Nach-)Qualifizierung

dieser Personenkreise muss intensiv gefördert werden.

Tarifverträge respektieren

Die Zeitarbeitsbranche zeichnet sich durch ein flächendeckendes,

gut austariertes System von Tarifverträgen

aus. Im Interesse der Tarifautonomie müssen diese Regeln

zwischen DGB-Gewerkschaften und den Arbeitgeberverbänden

iGZ und BAP ohne weitere gesetzliche

Eingriffe respektiert werden.

WAHLPRÜFSTEINE AN

PARTEIEN VERSCHICKT

Der iGZ hat seine Forderungen als Wahlprüfsteine

an die Parteien verschickt. Über deren

Reaktionen wird der Verband beizeiten berichten.

Die Parteien haben

aber vorab im iGZ-Blog

Stellung bezogen – die

Blogbeiträge sind zu

lesen unter www.igzeitarbeit.de/presse/

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Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 11

Bundestagswahl 2021

Was die Parteien wollen

Die Parteien haben ihre Programme für die Bundestagswahl am 26. September beschlossen.

Der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen hat sich die

Programme näher angeschaut – mit der Frage: Welche Rolle spielt die Zeitarbeit in

den politischen Planungen? Das Ergebnis: Zeitarbeit nimmt bei allen Parteien eine

wichtige Rolle ein. Bei der Ausgestaltung dieser Rolle gehen die Meinungen aber weit

auseinander. Dass es Veränderungen für die Zeitarbeitsbranche in der kommenden

Legislaturperiode geben wird, steht also fest. Die Richtung jedoch ist offen!

© Deutscher Bundestag | Thomas Trutschel | photothek.net


12

TITELTHEMA

Aus Respekt vor deiner Zukunft.

Zeitarbeitnehmer sollen ab dem ersten Tag den gleichen Lohn wie Festangestellte

erhalten. Zudem soll es mehr „echte“ Mitbestimmungsrechte

beim Einsatz von Zeitarbeit geben.

»Zeitarbeit wird zu Unrecht von der SPD ins

Visier genommen. Anstatt die restriktiven

Schrauben fester zu ziehen, müssten endlich ihre

nachhaltigen Integrationserfolge anerkannt werden.

Kein anderer Wirtschaftszweig hat im vergangenen

Jahr so vielen Langzeitarbeitslosen den

Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt ermöglicht wie

die Zeitarbeitsbranche.«

Das Programm für Stabilität und Erneuerung.

Gemeinsam für ein modernes Deutschland.

Die Union will Zeitarbeit erhalten. Sie betont, dass

Zeitarbeit eine wichtige Brücke in den Arbeitsmarkt

für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose darstellt.

Zudem wählen immer mehr Fachkräfte eine

Tätigkeit in der Zeitarbeitsbranche. Konjunkturelle

Schwankungen machen die Zeitarbeit zu einem

wichtigen Flexibilisierungselement auf dem Arbeitsmarkt,

welches nahezu vollständig tarifvertraglich

geregelt ist.

»Es ist erfreulich, dass die CDU die vielfältigen und wichtigen Funktionen

von Zeitarbeit auf dem Arbeitsmarkt wertschätzt. Richtig ist, dass in Zeiten

einer globalisierten Weltwirtschaft und volatiler Märkte, Flexibilisierungsinstrumente

wie Zeitarbeit für deutsche Unternehmen unabdingbar geworden sind. Mit Blick

auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel braucht es dennoch weitere Deregulierungsschritte,

damit die Zeitarbeit ihr volles Potenzial entfalten kann.«


Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 13

Deutschland. Alles ist drin.

Zeitarbeitnehmer sollen vom ersten Tag an den gleichen

Lohn für gleiche Arbeit bekommen wie Stammbeschäftigte.

Dazu kommt eine Flexibilitätsprämie.

»Die Vorteile und Errungenschaften von Zeitarbeit für Beschäftigte und

Unternehmen erkennen die Grünen nicht an. Anstatt dessen reduzieren

sie Zeitarbeit auf das Abdecken von Auftragsspitzen und rechtfertigen damit weitere

Regulierungsschritte. Es gibt aber nicht die eine Kernfunktion von Zeitarbeit.

Vielmehr müssen die zahlreichen Funktionen für die unterschiedlichen Akteure –

getreu der iGZ-Vision ›wählen, nutzen, wertschätzen‹ – Grundlage für eine

Entfesselung der Zeitarbeit sein. Wenn die Grünen eine stärkere Eindämmung

flexibler Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit fordern, aber gleichzeitig mehr Arbeitszeitsouveränität

für Beschäftigte etablieren wollen, entsteht ein Zielkonflikt.

Wahlarbeitszeitmodelle für Arbeitnehmer schaffen Flexibilitäts-Mehrbedarfe bei

Unternehmen. Für diesen Konflikt fehlt den Grünen bisher eine Antwort.«

Nie gab es mehr zu tun.

Die Freien Demokraten wollen die Tarifautonomie

in der Arbeitnehmerüberlassung stärken. Um die

Integrationsfunktion der Zeitarbeit in den Arbeitsmarkt

zu verbessern, planen sie gesetzliche Sondervorschriften,

wie die Höchstüberlassungsdauer,

aufzuheben.

»Der iGZ begrüßt die Position der FDP, dass Zeitarbeit dieselbe

Wertschätzung erfahren sollte, wie jede andere sozialversicherungspflichtige

Beschäftigung auch. Die Einschätzung,

dass Zeitarbeit Teilhabe für die Beschäftigten und Flexibilität für

die Unternehmen sichert, ist richtig und sollte breitere Anerkennung

erfahren.« DS


14

TITELTHEMA

Kanzlerkandidaten im Check:

Wer wo überzeugt

Am 26. September haben wir alle als Wähler die Qual der Wahl: Wer soll auf Bundeskanzlerin

Angela Merkel folgen? Die vier Kanzler-Kandidaten der großen Volksparteien

Bündnis 90 / Die Grünen, CDU / CSU, FDP und SPD stellen wir hier kurz vor –

und beleuchten auch, wie sie zur Zeitarbeit stehen.

Olaf Scholz

„Scholzomat“ kann im politischen Geschäft nicht als

liebevoller Kosename verstanden werden. 2003 bekam

Olaf Scholz den Titel, da er Textbausteine auf

Knopfdruck wiedergab – und zwar erkennbar. Dem

Hamburger fällt es schwer, eine mitreißende politische

Story zu erzählen, hinter der sich Massen versammeln

können. Zwar sind Äußerungen aus seiner Juso-Zeit

bekannt, die der Jobbeschreibung eines Jungsozialisten

entsprechen: Die „kapitalistische Ökonomie“ wollte

er „überwinden“ und die Bundesrepublik kritisierte er

als „europäische Hochburg des Großkapitals“. Seiner

Natur entsprach aber eher seine nachfolgende, grundsolide

Existenz als langjähriger Anwalt und als Politiker,

der die Tour durch die Parteiinstanzen ohne größere

Auffälligkeiten durchlief.

Das Rampenlicht erreichte ihn 2002, von Gerhard

Schröder zum Generalsekretär ernannt. Schon damals

verkündete dieser, Scholz „habe das Zeug zum Kanzler“.

Ausgerechnet in der Hochzeit der Agenda 2010 bekam

der Hamburger die Aufgabe, „die Sachentscheidungen

der vergangenen Jahre (zu) ideologisieren“, wie er es

selbst formulierte. Es gab wohl nichts, das ihm weniger

gelegen hätte. Seine Wiederwahl mit nur 52,6 Prozent

war die Quittung. Nach dem Rücktritt Gerhard Schröders

als SPD-Vorsitzender 2004 verschwand Scholz wieder

von der prominenten Bühne. Überwintert wurde fleißig

und sachkundig in der zweiten Reihe in Bundestagsfraktion

und Parteivorstand sowie kurzzeitig als Innensenator

Hamburgs. Bundeskanzlerin Merkel, die als Synonym

für Kompromisse hinter

den Kulissen gelten kann

und deren Sache visionäre

Rhetorik auch nicht ist,

wird es begrüßt haben, als

die SPD Olaf Scholz 2007 für das sozialdemokratische

Schlüsselressort Arbeit und Soziales im Bund auserkor.

Hiernach, von 2011 bis 2018, die Regierung des kleinen

Stadtstaats Hamburg zu führen, entsprach Scholz wohl

sehr. Dennoch zog es ihn 2018 zurück nach Berlin in das

mächtige Amt des Bundesfinanzministers – und zur erfolglosen

Kandidatur um den SPD-Vorsitz.

Solide im Hintergrund – so war Olaf Scholz bisher erfolgreich

und so wurde er Kanzlerkandidat. Grundsätzlich

dem moderaten SPD-Lager zugehörig, war sein

arbeitsmarktpolitisches Wirken von der Finanz- und

Wirtschaftskrise geprägt. Staatliche Hilfen in schwierigen

Zeiten waren ihm bereits vor Corona vertraut. Die

Schröder-Reformen hat er detailorientiert und nüchtern

verteidigt. Kürzlich sprach er kritisch von „Leasingkräften“,

„also einer Art Leiharbeit“ in der Pflege. Als Aktenwurm

sollte er mehr Detailwissen vortragen. BT

Foto: Bundseministerium für Finanzen


Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 15

Armin Laschet

„Wir müssen uns nicht nur hinterher in die Augen

schauen, sondern gemeinsam kämpfen.“ Markus Söder

hat verloren. Armin Laschet ist Kanzlerkandidat der Union.

Geht es nach ihm, wird er im September Chef der

Bundesregierung, wie er vorher Ministerpräsident von

Nordrhein-Westfalen und CDU-Parteivorsitzender geworden

ist. Einfach stehenbleiben, wenn es hart wird.

„Seine große Stärke sind die vielen Ideen, die er tagtäglich

hat, doch mangelt es ihm gelegentlich an Durchsetzung“,

heißt es in seinem Horoskop. Ein Beispiel

gibt der Spitzenkandidat gleich mit dem Brücken-Lockdown,

schnell in die TV-Kamera geworfen, doch von

der Kanzlerin gestoppt. Typisch für den Wassermann-

Geborenen, doch er steht auch für Offenheit. „Transparenz“

möchte der 60-Jährige, „Lebendigkeit in der

Demokratie“, den „Dialog“. „Das Leben der Menschen

konkret verbessern!“ – „Nicht nur reden, sondern zuhören

– entscheiden und handeln.“ Dies seien die drei

Leitlinien, die ihn prägen, sagt der Ex-Jurastudent, der

von seiner Geburt bis heute in Aachen lebt, sein braunes

Reihenhaus nicht tauschen möchte und Bodenständigkeit

als Image verkauft.

„Die Zukunft der Menschen gestalten“ will der ehemalige

Integrations- und Familienminister von NRW. Seine

Erfahrungen in diesen zentralen Fragen könnten helfen.

Denn die Nach-Pandemiezeiten werden die alten Fragen

wieder auf die Tagesordnung setzen: Fachkräftemangel,

Integration der Migranten, Frauenförderung und

das Klima. Hier hält sich Laschet als Ministerpräsent des

größten Bundeslandes mit Kohlebau-Problemen bisher

im Hintergrund. Oder wenn es um Skandale geht: Als

beim Fleischverarbeiter Tönnies Corona ausbrach, deckte

der breite Rücken seines Arbeits- und Gesundheitsministers

Karl-Josef Laumann den Chef. Armin Laschet

ist auf seine Art ein „politisches Phänomen“. Die meisten

Politiker hätten ihre Ambitionen bereits begraben,

erst musste er Friedrich Merz beim Kampf um die CDU-

Spitze aus dem Weg räumen, dann Söder. Bei seinem

Coup, den ambitionierten Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn zum Verzicht zu bewegen, zeigte er seinen

Machtinstinkt. Laschet ließ den bayerischen Ministerpräsidenten

Söder auf das Berliner Spielfeld laufen, der

riss den Ball an sich. Doch Laschet verzögerte das Spiel,

ließ immer wieder quer spielen, bis der Bayer endlich

wieder an die CDU abgab. Dass Laschet Friedrich Merz

jetzt in sein Team holt, wieder ein Pass in die Tiefe,

diesmal der CDU, denn nur gemeinsam können die

Unionisten das Spiel noch gewinnen. Abpfiff ist am 26.

September um 18 Uhr. AR

Foto: CDU / Laurence Chaperon


16

TITELTHEMA

Annalena Baerbock

„Ja, ich war noch nie Kanzlerin, auch noch nie Ministerin.“

Aber die Politik lebe vom Wechsel. „Ich trete an

für Erneuerung, für den Status quo stehen andere.“ Annalena

Baerbock ist selbstbewusst. Negatives kann die

erste Kanzlerkandidatin von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

ausblenden und punktet damit: „Sie hat vermutlich dieselbe

Qualität wie Angela Merkel, immer unterschätzt

worden zu sein“, schreibt die französische Tageszeitung

„Liberation“.

© www.gruene.de

Die Brandenburgerin hält auch nach der historischen

Kandidatenkür mit – oder gegen – Robert Habeck, den

charismatischen, regierungserfahrenen Nordländer,

an ihrem Leitspruch fest: Ehrlichkeit, Transparenz und

Toleranz. Erst 2005 steigt Baerbock bei den Grünen

ein, parallel zum Masterstudium an der renommierten

Londoner „School of Economics“. 2013 geht es in

den Bundestag, seit 2018 ist die Mutter zweier Töchter

Parteichefin – neben Habeck, ehemals Umweltminister

in Schleswig-Holstein. Jetzt soll die 40-Jährige Bundeskanzlerin

werden. Bis zu 28 Prozent erringen die

Grünen in Umfragen, da kann es auch einer erfahrenen

Trampolinspringerin schwindelig werden.

Nur wer das Vertrauen der Bürger genießt, wird gewählt.

Nur wer sich auf seine Minister verlassen kann,

bleibt Regierungschef. An elf Landesregierungen sind

die Grünen beteiligt, die CDU / CSU bringt es nur auf

acht. Kaum eine Machtoption geht ohne die Klimaverfechter,

die es vom linken Rand in die bürgerliche

Mitte geschafft haben. Vorbei die Zeit als Farbbeutel in

Delegiertenversammlungen auf Vordenker wie Joschka

Fischer flogen, heute werden linke Krawalle wie am 1.

Mai scharf kritisiert. „Barrikaden anzuzünden und gewaltsam

auf Polizistinnen und Polizisten loszugehen, ist

kriminell und in keinster Weise akzeptabel“, kommentierte

Baerbock. Noch setzen die Grünen nicht überall

derartige Ausrufezeichen. Das Wahlprogramm kommt

unkonkret daher, eine Lernerfahrung aus dem Wahlkampf

2017, wo die Grünen vorher alles durchgerechnet

hatten und jede Zahl zerpflückt wurde. „Deutschland.

Alles ist drin“ heißt trotzdem der Titel. Und er ist variabel.

Als das Bundesverfassungsgericht den Berliner Mietendeckel

kippte, rutschte die Forderung gleich auf die

Liste der Grünen. Angst, dass unpopuläre Forderungen

wie „Fünf Mark für den Liter Benzin“ oder der „Veggie-

Day“ den Marsch an die Regierungsspitze noch aufhalten

kann, weisen die Wahlkampfstrategen von sich. Im

Arbeitsmarktprogramm zeigt sich vieles identisch mit

der SPD: 12 Euro Mindestlohn, Ende der Befristungen,

Eindämmung der Werkverträge und Equal Pay plus Flexizulage

für Zeitarbeitnehmer. Dieser Punkt wird bei

Koalitionsverhandlungen von Annalena Baerbock zu

Grün-Rot-Rot sehr kurz werden. AR


Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 17

Christian Lindner

Wer in den 2000er Jahren Politikwissenschaft in Bonn

studiert hat, konnte im Hörsaal auf Christian Lindner

treffen. Um den späteren FDP-Vorsitzenden zu verstehen,

dürften neben Porsche und Start-Up andere

Schlaglichter aus dieser Zeit bedeutender sein. In einem

Sammelband über Föderalismustheorien schrieb er

seinerzeit: „Frühere Phasen der Staatenbildung lassen

„institutionelle Sedimente“ zurück, die eine von den

Ausgangsbedingungen unabhängige, selbstreproduktive

Stabilität gewinnen und eo ipso nur Strukturvariationen

erlauben.“

Die theoretisch fundierte Vogelperspektive entspricht

seinem Grundwesen und begleitete seinen rasanten

politischen Aufstieg (2004: Landesgeneralsekretär

NRW, 2009: Bundesgeneralsekretär, 2012: Landesvorsitzender

NRW, 2013: Bundesvorsitzender, 2017: Fraktionsvorsitzender

im Bundestag). Der 42-Jährige kennt

den Teich, in dem er schwimmt und spricht mitunter

mehr über den Teich als über dessen kleine Fische. Deren

Belange kümmern ihn, Faszination lösen sie jedoch

erst über ihre Interaktion mit dem Teich aus. Stets in

Führungspositionen waren die großen Linien seine Materie,

weniger die Detailregelungen.

Zufälle und ein taktisch kluger Rücktritt als Generalsekretär

ließen ihn stets als Retter und nicht als

Machtdrängler auftreten. 2012 führte der gebürtige

Wermelskirchener seine Partei in NRW gegen einen

Krisentrend mit starkem Ergebnis in den Landtag und

2017 gelang ihm als Bundesvorsitzender der Wiedereinzug

in den Bundestag. Die ersten „Jamaika“-Koalitionsverhandlungen

der Bundesgeschichte endeten sodann

mit dem Satz: „Es ist besser nicht zu regieren, als falsch

zu regieren.“

Hier stehen Christian Lindner und die FDP (beide darum

kämpfend, nicht als identisch wahrgenommen zu werden)

nun: Die FDP wurde aus der Versenkung geholt,

theoretisch wieder grundiert, aber von der Bundesregierung

ferngehalten. Lindner wird gegebenenfalls

zeigen müssen, wie er und seine FDP in Regierungsverantwortung

agieren. Die Arbeitsmarktpolitik hat

Lindner mitunter in seine großen liberalen Linien integriert:

Marx´ großer Fehler sei es gewesen, Arbeit nur als

Mittel zum Broterwerb zu betrachten, vielmehr könne

der Mensch durch sie auch zur Persönlichkeit reifen.

Freiraum, Bildungsmöglichkeiten und Respekt vor jeder

Leistung verkündet er als Grundprinzipien. Zeitarbeit,

äußerte er einmal, sei „vor allem ein wichtiges Instrument

zur Arbeitsmarktintegration. […] Insbesondere

für geringer qualifizierte Bewerber ist dies eine große

Chance.“ Richtig, aber noch lange nicht alles – es könnte

größer gedacht werden. BT

Foto: www.christian-lindner.de


18

TITELTHEMA

Interview

Bundestagswahlkampf 2021

So einen Wahlkampf wie für diese Bundestagswahl hat es zuvor noch nie gegeben:

Bedingt durch die Coronapandemie können die Parteien ihre Wähler kaum über die

üblichen Wege und Kanäle erreichen, Wahlkampfveranstaltungen vor Ort finden –

wenn überhaupt – nur im kleinen Rahmen statt. Der Wahlkampf wird immer digitaler

und medialer. Zdirekt!-Chefredakteurin Sara Schwedmann sprach mit Wahlforscher

Professor Jürgen W. Falter über die Bundestagswahl und die Bedeutung der

Zeitarbeit im Wahlkampf.

Prof. Falter, Sie haben einige Bundestagswahlkämpfe

erlebt. Was für ein Bundestagswahlkampf

ist 2021 – inmitten der Pandemie – möglich?

Das wird sehr davon abhängen, wie die Umfrage-Lage

aussieht – ob sich möglicherweise so etwas wie die

Chance einer Grün-Rot-Roten Mehrheit abzeichnet.

Dann werden wir mit Sicherheit einen Lagerwahlkampf

bekommen: auf der einen Seite CDU, CSU und FDP, auf

der anderen Seite Grüne, SPD und Linke. Denn eines

ist sicher, wenn die Grünen die Chance haben, das

Kanzleramt zu besetzen, dann werden sie diese Chance

wahrnehmen. Und zwar egal, in welcher Koalition.

Wie schätzen Sie die Chancen der Grünen ein?

Werden wir die erste grüne Bundeskanzlerin erleben?

Das ist heute sehr schwer zu sagen. Generell würde

ich sagen, die Unionsparteien werden wieder stärkste

Partei. Das zeichnet sich sehr klar und deutlich ab. Aber

das heißt ja nicht, dass es nicht Mehrheiten jenseits

der Union geben könnte. Da könnte ich mir schon vorstellen,

dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit wenigen

Prozentpunkten Unterschied gibt – zwischen auf der

einen Seite Grün-Rot-Rot, auf der anderen Seite die

anderen Parteien

Der Klimawandel ist eines der großen Themen dieser

Bundestagswahl. Welche Bedeutung messen

Sie der Zeitarbeit im Bundestagswahlkampf bei?

In ihrer Verzweiflung greifen SPD und Linke dieses

Thema auf, weil ihnen nichts anderes einfällt. Aber es

ist doch eher ein peripheres Thema in der aktuellen

Debatte-Lage. Hubertus Heil wird sicherlich sein Heil

darin suchen, das Thema Zeitarbeit zu instrumentalisieren.

Aber das ist etwas, was die Leute eigentlich nicht

wirklich interessiert im Augenblick. Da sind ganz andere

Dinge wichtig. Die Folgen der Klimapolitik brennen

© JGU | Foto Hartmann


Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 19

den Menschen unter den Nägeln und nagen an den

Geldbeuteln. In Sachsen-Anhalt haben wir erlebt, dass

man mit den Ankündigungen von teureren Kraft- und

Heizstoffen die Wähler verschreckt. Und das wird sie

viel stärker bewegen als die Frage, ob es Zeitarbeit gibt

und wie die organisiert ist. Die meisten kapieren gar

nicht, dass das ein Flexibilitätsmoment in unserem Arbeitsmarkt

ist, ohne den wir viel schlechter darstünden.

Zur Zeitarbeit haben Viele eine Meinung, aber nur

Wenige wissen tatsächlich, wie sie funktioniert.

Wenn man sich die Gesetze der Vergangenheit

anschaut, hat man den Eindruck, dass sich die

Politik nicht selten eher an der gesellschaftlichen

Meinung als an den Branchenrealitäten orientiert.

Wird Symbolpolitik dieser Art ein Phänomen sein,

an das wir uns alle gewöhnen müssen?

Das ist auf jeden Fall nicht weniger geworden als früher.

Symbolpolitik haben wir eigentlich immer schon

gehabt. Aber es ist auch das blinde Befolgen von Strömungen

der öffentlichen oder auch der veröffentlichten

Meinung. Denken Sie nur an den zweiten Atomausstieg

nach der Havarie des Kraftwerks in Japan aufgrund der

durch ein Seebeben ausgelösten Flutwelle. Das war

eine nachträglich gesehen zu schnelle Reaktion auf eine

unzweifelhaft gegen die Atomkraft mobilisierte öffentliche

Meinung und sicherlich eine Fehlentscheidung, da

keinerlei Szenarien zugrunde lagen, wie der Ausstieg im

Einzelnen bewerkstelligt werden könnte. Wir sind selbst

heute noch nicht so weit, dass wir garantieren können,

dass 2022 Bayern auch dann dauerhaft mit Strom versorgt

wird, wenn die Franzosen ihren Strom selbst brauchen.

Diese Art von Symbolpolitik und das Reagieren

der Politik auf Strömungen der öffentlichen Meinung

hat es immer schon gegeben, das wird es auch weitergeben.

Die Diskussionen in den sozialen Netzwerken

verstärken dies mittlerweile erheblich. Wenn da einige

Hunderttausende einen Shitstorm entfachen, ist das

trotz allem nur ein Bruchteil der gesamten Bevölkerung.

Das ist streng genommen kaum wahlrelevant, trotzdem

springt die Politik regelmäßig darauf an.

So wie in der Fleischindustrie und dem Verbot der

Zeitarbeit.

Ja, aber da gibt es ja zumindest noch etwas Hoffnung,

da laufen noch die Verfassungsbeschwerden. Die Zeitarbeit

hat es auch schon ein paar Mal erlebt, große

Worte und Verbote, und es gibt sie immer noch. Wo es

notwendig ist, wenn Spitzen da sind oder bei vorübergehenden

Engpässen, kann man die Leute ja nicht auf

Dauer einstellen. Da holt man sich die Spezialisten dann

lieber auf diese Weise für zwei Jahre ins Haus.

Fast alle Parteien tun sich im Wahljahr schwer,

auch weil sie am Corona-Krisentisch von Bund

und Ländern sitzen. Viele Defizite sind sichtbar

geworden. Kann eine Partei trotzdem ein Aufbruchssignal

senden?

Ja, die Grünen versuchen, ein Aufbruchssignal zu senden,

was aber nach hinten losgehen kann, wenn die

Menschen merken, wie sehr das wirklich in ihr persönliches

Leben eingreift – vor allem auf dem Land. Das

Ende des Verbrennungsmotors bis 2030 oder vielleicht

noch früher zu fordern, ist technologieblind und ideologisch.

Vernünftig wäre zu sagen, wir haben bestimmte

Grenzwerte, die bis 2030 eingehalten werden müssen.

Liebe Automobilindustrie, wie Ihr das macht, ist uns

egal, ob mit dem Verbrenner oder mit der Batterie oder

mit Wasserstoff, aber Ihr müsst es machen. Das wäre

technologieoffene Politik.

Welche Bedeutung kommt bei dieser Bundestagswahl

den Wechselwählern zu? Werden sie noch

mehr als in der Vergangenheit das Zünglein an

der Waage sein?

Die Zahl der potenziellen Wechselwähler ist gestiegen.

Das hat etwas damit zu tun, dass alte Gewissheiten

so nicht mehr existieren – beispielsweise die Gewissheit:

Ein Gewerkschafter kann nur SPD wählen oder

ein praktizierender Katholik kann nur CDU wählen.

Das ist bestenfalls noch eine unverbindliche Leitlinie.

Es gibt mehr Abweichungen davon als früher, und es

gibt viel weniger Gewerkschafter und praktizierende

Katholiken. Das heißt also, das Wechselwählerpotenzial

ist größer geworden, die Parteibindungen sind längst

nicht mehr so ausgeprägt. Daher spielen Kandidaten

und aktuelle politische Streitfragen eine größere Rolle

als früher. Ich rechne durchaus damit, dass die Zahl der

Wechselwähler im Vergleich zu früheren Wahlen nochmals

steigt. SaS

Das gesamte Interview lesen Sie auf

https://ig-zeitarbeit.de/presse/artikel/

bundestagswahlkampf-2021

Jürgen Falter ist einer der renommiertesten deutschen Politikwissenschaftler.

Der 77-Jährige hat eine Forschungsprofessur an der

Universität Mainz inne und ist durch zahllose Fernsehauftritte als

Wahl- und Parteienforscher bekannt. Falter bekleidete zuvor Professuren

an der Hochschule der Bundeswehr München, der Freien

Universität Berlin und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.


20

TITELTHEMA

Interview

Bundestagswahlkämpfe

1998, 2021 und dazwischen

In der Zeit der rot-grünen Regierungskoalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder

prägte er die Politik von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN entscheidend mit: Rezzo Schlauch.

Von 1998 bis 2002 führte Schlauch gemeinsam mit Kerstin Müller die grüne Bundestagsfraktion,

von 2002 bis 2005 war Schlauch Parlamentarischer Staatssekretär

im Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft unter Superminister Wolfgang

Clement. In mehr als 40 Jahren politischem Engagement hat Schlauch viel erlebt –

unter anderem die Agenda 2010 mit tiefgreifenden Arbeitsmarktreformen auch für

die Zeitarbeit. Im Zdirekt!-Interview mit Benjamin Teutmeyer, stellvertretender iGZ-

Fachbereichsleiter Politische Grundsatzfragen, schaut er zurück – und nach vorn.

Foto: Wilhelm Betz Fotografie

Sie haben insgesamt elf Bundestagswahlen miterlebt,

seitdem Sie 1980 Parteimitglied wurden.

Wie hat sich der Wahlkampf in der Zeit verändert?

Im Vergleich zu den 80iger Jahren-Wahlkämpfen

haben wir es heute mit einer komplett anderen öffentlichen

Kommunikation zu tun. Die direkte Kommunikation

zwischen Kandidat*innen und Bürger*innen

im Straßenwahlkampf, in Veranstaltungssälen in Bierzelten

und auf Marktplätzen ist weitgehend einem

medial ausgetragenen Wahlkampf gewichen mit den

Eigendynamiken der elektronischen Plattformen vom

Shitstorm bis zum anonymen Versuch vom Ausland,

auf das Wahlkampfgeschehen Einfluss zu nehmen.


Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 21

Die Bundestagswahl 1998 führte zur ersten

Regierungsbeteiligung von BÜNDNIS 90 / DIE

GRÜNEN im Bund und erstmals wurde eine Bundesregierung

vollständig abgewählt. Was ist

Ihnen aus diesem Wahlkampf als besonders prägend

in Erinnerung geblieben?

Dass überall eine Wechselstimmung zum Greifen war.

Bei allen Verdiensten von Kanzler Kohl um die Wiedervereinigung

und die europäische Einigung, die

Leute hatten die Nase von 16 Jahren Kanzlerschaft

gestrichen voll, sie wollten den Wechsel. Ähnliches

ist mindestens im jetzigen Vorwahlkampf zu spüren;

heute aber nicht in erster Linie an Personen sondern

an Inhalten wie bspw. dem Klimawandel festgemacht.

Wenn Sie ehrlich in sich gehen: 1998 hätte Ihnen

jemand gesagt, im Jahr 2021 wird sich ein beachtlicher

Teil des Wahlkampfes auf Ihrem Handy

abspielen – wie hätten Sie reagiert?

Dieser Jemand*in hätte ich den Vogel gezeigt, ein

Wahlkampf ohne direkte Kommunikation mit den

Wähler*innen wäre für mich unvorstellbar gewesen

und wenn ich es heute nochmal damit zu tun hätte,

würde ich alles dran setzen, um diese Ebene der direkten

Auseinandersetzung so weit wie möglich herzustellen.

Wenn Sie ehrlich bleiben: Und wenn Ihnen 1998

jemand gesagt, im Jahr 2021 kann eine grüne

Kandidatin Bundeskanzlerin werden – hätten Sie

es geglaubt?

Aus baden-württembergischer Perspektive hatten wir

mehrheitlich zu dieser (Macht) Frage schon von früh

an einen etwas beherzteren Zugang als in anderen Regionen

der Republik. Wir hatten „Keine Angst vor der

Macht“ und haben schon immer das Ziel gehabt, aus

der 10 Prozent Zone nach oben auszubrechen.

1998 soll ein späterer Bundeskanzler gesagt haben,

zum Gewinnen brauche er „BILD, BAMS und

Glotze“. Lässt sich heute analog sagen: „Zum Gewinnen

brauche ich das Internet (sonst nichts)?

Der Spruch war schon damals ein typischer Schröder

und wird in seiner von Ihnen abgewandelten Form

nicht richtiger. Gerade in Zeiten in der die höchste

Währung einer Politiker*in Glaubwürdigkeit und Vertrauen

ist. Wenn Internetaktivitäten nicht durch persönliches

Engagement für politische Inhalte und das

Gemeinwohl und direkte Kommunikation unterfüttert

wird, wird es mit dem Gewinnen nichts.

Sie waren unter „Mister Zeitarbeit“, wie der Stern

Superminister Wolfgang Clement nannte, Staatssekretär

und gelten als Co-Architekt von Arbeitsmarktreformen,

wie auch der Tariföffnung für

die Zeitarbeit. Wie sehen Sie die Entwicklung der

Branche und welche Bedeutung messen Sie der

Zeitarbeit im Bundestagswahlkampf bei?

In Zeiten der Nahezu-Vollbeschäftigung, wie sie vor

Beginn der Pandemie über einen langen Zeitraum anhielt,

ist die Zeitarbeit naturgemäß nicht so stark im öffentlichen

Fokus, es sei denn es kommt in bestimmten

Bereichen zu arbeitsrechtlich und sozial skandalösen

Zuständen wie in der Fleischindustrie. Es sollte im ureigensten

Interesse der in der Zeitarbeit engagierten

Firmen und der Firmen die Zeitarbeit nachfragen sein,

solche Entwicklungen erst gar nicht zu zulassen.

Immer wieder gibt es Versuche, die mit dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

bewirkte Deregulierung

und Flexibilisierung der Zeitarbeit

wieder aufzuheben. Inwieweit sollte sie aus Ihrer

Sicht vielmehr als Medium der Qualifizierung und

Weiterbildung weiterentwickelt anstatt eingeschränkt

werden?

Wenn Deregulierung und Flexibilisierung in der Praxis

für die Betroffenen zu unhaltbaren bis skandalösen

Strukturen wie in der Fleischindustrie führen, ist der Gesetzgeber

gefordert, wie auch geschehen, zu intervenieren.

Qualifizierung und Weiterbildung haben einen

guten Klang, kommen aber, um beim Beispiel Fleischindustrie

zu bleiben, nur für ganz wenige in Betracht

und sind in diesem Bereich Augenwischerei. In solch

problematischen Sparten geht es darum, möglichst

soziale und arbeitsrechtliche vergleichbare Standards

herzustellen, um prekäre Arbeitsverhältnisse zu vermeiden.

Etwas anderes gilt im Bereich, in dem Facharbeiter

im Rahmen von Zeitarbeit eingesetzt werden. Dort ist

Qualifizierung und Weiterbildung ein wichtiger Ansatz

um „Zeit- oder Leiharbeit“ zu überwinden und den Betroffenen,

wenn sie es wollen, dauerhafte betriebliche

Arbeitsverhältnisse zu ermöglichen. BT

Rezzo Schlauch ist studierter Rechtsanwalt und Historiker. Der

73-Jährige ist seit 1980 Mitglied der Partei BÜNDINIS 90 / DIE

GRÜNEN. Von 1984 bis 1994 war er Mitglied der Grünen des

Landtages von Baden-Württemberg und von 1994 bis 2005

Mitglied des Bundestages. Er führte die Grünen von 1998 bis

2002 als Bundesfraktionsvorsitzender an, bevor er 2002 Parlamentarischer

Staatssekretär im Wirtschaftsministerium unter

Wolfgang Clement wurde. Im Jahr 2005 zog sich Schlauch aus

der Politik zurück.


22

TITELTHEMA

Tipps für politisches Engagement

Arbeit statt Rampenlicht

DIE ARBEIT EINES

BUNDESTAGSABGEORDNETEN

Wahlkreisabgeordnete erleben zeitliche und inhaltliche

Überforderung als Normalität. Es kann nicht anders sein,

denn buchstäblich die ganze Welt ist ihr Arbeitsgebiet.

Spezialisierung und Filterung sind die Schlüssel, um arbeitsfähig

zu bleiben. Hier können Sie ansetzen, denn

Wahlkreisabgeordnete sehen Sie als Kunden.

Parlamentarische Aufgaben

Wahlkreisaufgaben

Wahlkreisabgeordnete und Kandidaten für dieses Mandat verwenden einen überwiegenden Teil ihrer Zeit mit Wahlkreisarbeit.

Die Tätigkeit in den Parlamenten ist hochspezialisiert, im Wahlkreis sind sie ausnahmslos für alles zuständig.

Hier sind Abgeordnete mit Bus, Bahn und Jeans unterwegs – Arbeit statt Glamour.

DIE BUNDESTAGSFRAKTION

FRAKTIONSVORSTAND

SPRECHER für Themengebiete

2–3 Referenten

Abgeordneter

Referenten

Abgeordneter

Referenten

Abgeordneter

Referenten

Der Weg der Information: Vom Wahlkreis zu den Entscheidern

In Parteien und deren Parlamentsfraktionen sind sehr wenige Experten für Fachfragen zuständig. Wenn Abgeordnete

Wünsche aus ihren Wahlkreisen bearbeiten müssen, leiten sie die Anliegen an diese Experten weiter – hier werden sie

in fachliche Zusammenhänge sowie in die Beschlusslage der Partei- und Fraktionsgremien eingeordnet. Wenn diesen

Experten eine kritische Masse ähnlicher Eingaben auffällt, legen sie die kritischen Punkte den Fachpolitikern auf Führungsebene

vor. Auf diesem Weg können Anliegen aus der gelebten Praxis aus jedem Wahlkreis über die Filterfunktionen

Druck auf die Entscheidungsträger ausüben. Nehmen auch Sie dieses Recht wahr! DS/BT


Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 23

Was Sie sich fragen sollten

Kandidaten und Abgeordnete wollen vor allem eines: gegenüber Medien und Öffentlichkeit

ihre eigene Geschichte erzählen. Denn auch sie wissen, mithilfe von Geschichten

können Informationen besser aufgenommen und langfristig im Gedächtnis

verankert werden. Damit das gelingt, besteht Ihre Aufgabe in Gesprächen nicht nur

darin, mit Fakten zu glänzen. Mindestens genauso wichtig ist es, Antworten auf die

zentralen Fragen der Politiker zu finden. Die Herausforderung für Sie lautet also: Wie

kann ich mit meinen Anliegen und Botschaften Kandidaten und Abgeordneten helfen,

ihre Geschichte besser zu erzählen?

Auf diese Fragen suchen Kandidaten und Abgeordnete

fortlaufend Antworten für ihre eigene Geschichte:

Wer bin ich?

Warum tue ich, was ich tue?

Wofür bin ich hier?

Was kannst du von mir lernen?

Wem habe ich geholfen?

Versuchen Sie im Gespräch, Antworten zu finden, indem

Sie sich bei der Vorbereitung fragen:

Welche Werte und Überzeugungen hat der Kandidat/

Abgeordnete und welche Anknüpfungspunkte gibt es

zu meinen Argumenten?

Welche Maßnahmen hat der Kandidat/Abgeordnete

(auch seine Partei) bereits umgesetzt und wie haben

diese auf mich persönlich und/oder meine Anliegen

gewirkt?

Welche politischen Ziele hat sich der Kandidat/Abgeordnete

gesteckt und welche Rolle spielen meine Anliegen

dabei?

Welche neuen Aspekte (auch Erfahrungen) kann ich

aus dem Gespräch mit dem Kandidaten/Abgeordneten

mitnehmen?

Wie kann ich dem Kandidaten/Abgeordneten vermitteln,

dass er mir mit dem Gespräch oder in der Vergangenheit

geholfen hat?


24

TITELTHEMA

Wahlkampf in der Zeitarbeit

In Coronazeiten ist auch der Wahlkampf ein anderer. Große Veranstaltungen, zu denen

Menschenmassen zusammenkommen, wird es in diesem Jahr kaum geben. Die

Parteien konzentrieren sich auf den digitalen Wahlkampf mit Diskussionsrunden,

Fernsehdebatten nach Vorbild der amerikanischen Elefantenrunden und Infomaterialien

auf Websites und per Video. Im kleinen Kreis und immer unter Einhaltung

aller Corona-Schutzmaßnahmen sind aber auch persönliche Treffen möglich – so

wie bei iGZ-Mitglied Armon in Rheinland-Pfalz.

Patrick Schnieder (links) und Bruno Hebel (rechts)

Pünktlich um 10 Uhr biegt der Kombi auf den Parkplatz

der Zeitarbeitsfirma Armon in Wittlich. Ein Mann im

grauen Anzug steigt aus und wird von Niederlassungsleiter

Bruno Hebel begrüßt. Es ist der parlamentarische

Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Patrick Schnieder. In der Unions-Fraktion läuft so gut

wie nichts ohne ihn: Als „PGF“ ist er eine der wichtigsten

Personen innerhalb der Fraktion und enger Mitarbeiter

des Fraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus. In

abgedunkelten Limousinen fährt ihn die Fahrbereitschaft

des Deutschen Bundestags in Berlin von Termin

zu Termin. In aller Regel sind die Parlamentswochen

eng durchgetaktet – eine Besprechung jagt die nächste.

Mit so einer wichtigen Persönlichkeit kommt man nicht

„einfach so“ ins Gespräch, sollte man meinen.

Stimmt aber nicht. Denn das deutsche Wahlsystem sieht

mit dem Wahlkreis-Prinzip vor, dass jede Bürgerin und

jeder Bürger einen eigenen regionalen Vertreter in Berlin

haben. Und ganz egal, wie wichtig sie in Berlin sein

mögen: Jede Bundestagsabgeordnete und jeder Bundestagsabgeordneter

weiß, dass sie nur dann sicher im

nächsten Bundestag wieder vertreten sein werden, wenn

sie ihren Wahlkreis auch bei der nächsten Bundestagswahl

direkt gewinnen. Patrick Schnieder nimmt das sehr

ernst. Auf seiner Homepage kann man ein „Schwätzchen

mit Schnieder“ vereinbaren. Er sagt: „Der Kontakt

zu meiner Heimat und den Menschen, die ich in Berlin

vertrete, ist mir sehr wichtig. Deshalb nutze ich jede Gelegenheit,

die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger kennenzulernen,

gemeinsam nach politischen Lösungen zu

suchen und diese dann auch in die Realität umzusetzen.“

Das kann Armon-Niederlassungsleiter Bruno Hebel bestätigen.

Über Instagram war er im April dieses Jahres

mit dem Politiker in Kontakt getreten: „Patrick Schnieder

hatte in einem Post dafür geworben, Unternehmensansiedlungen

bei uns vor Ort zu erleichtern. Ich hatte

dann in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass wir

schon jetzt viel zu wenige Arbeitskräfte haben und dass

ich ihn gern dazu einmal sprechen würde. Noch am selben

Tag hatte ich über Instagram die Gesprächszusage


Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 25

von Herrn Schnieder.“ Sicherlich mag es nicht hinderlich

gewesen sein, dass Schnieder bereits im vergangenen

Bundestagswahlkampf Bruno Hebel einen Besuch abgestattet

hatte. Doch auch hier hatte Hebel die Initiative

ergriffen: „Ich hatte ihn einfach mal angemailt. Man hat

ja immer ein Thema.“ Damals seien es die Zeitarbeitsrestriktionen

im Bauhauptgewerbe gewesen, über die

er mit dem Politiker sprechen wollte. „Meine Meinung

ist, dass die Politik insgesamt zu wenig über Zeitarbeit

weiß“, beschreibt Hebel seine Motivation.

„Das ist genau der richtige Weg“, freut sich Andrea

Resigkeit, Leiterin des iGZ-Hauptstadtbüros. „Wir empfehlen

den Mitgliedsunternehmen in der Tat, direkt mit

den Abgeordneten Kontakt aufzunehmen. Und das

funktioniert über die Wahlkreis-Kontakte in aller Regel

am besten.“ Der Verband selbst ist gegenüber seinen

Ansprechpartnern, den Fachpolitikern, natürlich auch

im Wahlkampf aktiv. Allerdings sei die Direktansprache

durch Unternehmerinnen und Unternehmer, die aus ihrer

eigenen Tätigkeit noch authentischer berichten können,

dadurch nicht zu ersetzen. Der iGZ unterstützt seine

Mitgliedsunternehmen durch entsprechende Materialien

sowie bei der Pressearbeit und durch eine anschließende

Berichterstattung in unseren Verbandsmedien, ergänzt

Pressesprecher Wolfram Linke. „Wir haben die Erfahrung

gemacht, dass insbesondere auch Kandidaten, die einen

Amtsinhaber herausfordern, dankbar für solche Termine

sind, weil sie sich natürlich auch erstmal bekannt machen

müssen und wollen“, so Linke. Außerdem erinnert

er daran, dass „der Kandidat von heute nicht selten der

Amtsinhaber von morgen ist.“

In diesem Sinne ruft Resigkeit die iGZ-Mitglieder auf,

ähnlich aktiv zu werden, auf die Abgeordneten oder

Kandidaten vor Ort zuzugehen und um Gesprächstermine

zu bitten: „Nur wenn es uns gelingt, mehr Hintergrundwissen

und Positivbeispiele über die Zeitarbeit bei

den politisch Handelnden zu verankern, sind wir letztlich

besser vor falschen oder schädlichen politischen

Beschlüssen geschützt.“

Bei Patrick Schnieder in Wittlich ist die Botschaft angekommen.

„Zeitarbeit ist bedeutsam für unseren Arbeitsmarkt.

Sie ist wichtig für die Integration in den

Arbeitsmarkt, sie ist wichtig als Rekrutierungselement

für Unternehmen und sie kann zu Flexibilisierung beitragen“,

sagte der parlamentarische Geschäftsführer

der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bei dem Termin zu

Bruno Hebel. Und so stand es schließlich auch in der

Pressemitteilung. MS


26

TITELTHEMA

Vorsicht – Vorurteile!

Vorurteile gegenüber Zeitarbeit gibt es zu Genüge – ob aufgrund von ideologischen

Überzeugungen, anekdotischer Evidenz oder dem oft zur Schau getragenen Zeitgeist

„meinungsreich, aber kenntnisarm“. Grund genug, um mit den fünf schlimmsten

Vorurteilen aufzuräumen.

»Zeitarbeit ersetzt Stammpersonal.« Falsch!

Der Anteil der Zeitarbeit an der Gesamtwirtschaft reduzierte sich von 2017 bis 2019 von 2,8 auf 2,3 Prozent.

Gleichzeitig stieg die Gesamtbeschäftigung.

2017 1.032.221

37.181.750

2018

2019

1.000.520

895.472

37.839.474

38.294.803

Anzahl der Zeitarbeitskräfte Zahl der Beschäftigten insgesamt

Quelle: Bundesagentur für Arbeit | Juni 2020

»Zeitarbeitskräfte sind die Ersten, die in

der Pandemie entlassen werden.« Falsch!

In der Coronakrise wurden im Vergleich zu 2019 weniger Beschäftigte von Zeitarbeitsbetrieben arbeitslos gemeldet

und mehr Langzeitarbeitslose fanden in der Zeitarbeitsbranche einen neuen Job.

NEU

ARBEITSLOS

GEMELDETE

2019 / 2020

ANTEIL

AN ALLEN EHEMALS

LANGZEITARBEITSLOSEN

2020

ZEITARBEITSBRANCHE

Nov. 2019

ZEITARBEITSBRANCHE

28.000 Jan. 2020 9,9 %

Nov. 2020 20.000

Dez. 2020 21,6 %

Quelle: Bundesagentur für Arbeit | März 2021 Quelle: Bundesagentur für Arbeit | März 2021


Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 27

»Zeitarbeitskräfte sind unterbezahlt.« Falsch!

Die bundeseinheitliche Lohnuntergrenze

in der Zeitarbeit beträgt

10,45 Euro pro Stunde und liegt

somit deutlich über dem gesetzlichen

Mindestlohn. Zusätzlich

gibt es tarifliche Branchenzuschläge,

Urlaubs- und Weihnachtsgeld,

Mehrarbeitszuschläge und einen

Gewerkschaftsbonus. Quelle: Tarifverträge iGZ-DGB-Tarifgemeinschaft 2020–2022

»Zeitarbeit ist keine gute Arbeit.« Falsch!

Zeitarbeit unterliegt den arbeits- und arbeitsschutzrechtlichen Regelungen wie andere Arbeitsverhältnisse auch.

93%

88%

der Zeitarbeitnehmer

sind sozialversicherungspflichtig

beschäftigt.

der Zeitarbeitsverhältnisse

sind tarifiert.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit | Juni 2020 Quelle: Statistisches Bundesamt | April 2018

»Der Einsatz von Zeitarbeitskräften in der

Pflege hat massiv zugenommen.« Falsch!

Der Anteil von Zeitarbeitskräften in der Pflege ist unterdurchschnittlich

niedrig und seit Juni 2018 leicht gesunken.

2,07 %

ZEITARBEITSKRÄFTE IN DER PFLEGE

Juni 2018

Juni 2020

35.828

35.661

Zeitarbeitskräfte

in

der Pflege

2020

Quelle: Bundesagentur für Arbeit | Juni 2020

DS


28

TITELTHEMA

Erfolgsmodell Zeitarbeit

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) hat eine digitale Kongress-

Reihe für neue Bundestagsabgeordnete organisiert. Unter der Moderation von

vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt werden seit Mai mehrere digitale

Runden in den Regionen angeboten, um mit den neu nominierten Bundestagsabgeordneten

aller Parteien über die Vor- und Nachteile der Zeitarbeit zu diskutieren.

Bei einer Veranstaltung war auch der iGZ dabei.

Foto: vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Bertram Brossardt

Zu Beginn stellten Vertreter von Unternehmen ausführlich

in Praxisberichten dar, warum und in welchem Umfang

sie Personaldienstleistungen in Anspruch nehmen –

so etwa in der Auftaktveranstaltung Michael Ullrich,

Senior Vice President und Chief Financial Officer bei

Linde. Anschließend hatten die Parteivertreter Gelegenheit,

ihre jeweiligen arbeitsmarktpolitischen Positionen

vorzustellen.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Corona-Pandemie

auch die Arbeitswelt nachhaltig verändert habe.

Die fortschreitende Digitalisierung etwa hat durch die

Pandemie einen gewaltigen Schub erfahren. Das sei

eine Chance für alle – für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

gleichermaßen. Andere coronagetriebene Veränderungen

der Arbeitswelt sieht die Bayerische Wirtschaft

eher negativ, wie der vbw-Hauptgeschäftsführer Brossardt

im einleitenden Grundsatzreferat ausführte.

Nachfolgend einige wesentliche Passagen aus dieser

viel beachteten Rede:

» Uns allen muss bewusst sein: Flexible Beschäftigungsformen

wie Zeitarbeit sind für die Unternehmen in

unserem Land überlebenswichtig und dürfen nicht

weiter angetastet werden! Wir brauchen sie, wenn

wir gestärkt aus der Krise kommen und wirtschaftlich

erfolgreich bleiben wollen. In Anbetracht dieser weiterhin

kritischen Situation müssen wir alles daransetzen,

die Konjunktur in Schwung zu bekommen.

Mit Blick auf den Faktor Arbeit heißt das: Wir dürfen

nicht fesseln, wir müssen entfesseln! Wir dürfen nicht

unbeweglich und starr sein, wir müssen dynamisch

und flexibel werden! Wir dürfen nicht beschränken,

wir müssen Schranken beseitigen!


Z direkt! 02/2021

TITELTHEMA 29

Es gilt die Formel: Um das Tempo der wirtschaftlichen

Erholung zu intensivieren, müssen wir Beschäftigung

flexibilisieren. Das gilt im Übrigen auch mit Blick auf

die Befristungs- und Arbeitszeitregelungen. Eine verschärfte

Regulierung von Beschäftigung hingegen

wäre kontraproduktiv. Auch die Zeitarbeit steht zu

Unrecht in Verruf. Sie hat zwei Funktionen, die für

unsere Volkswirtschaft von immenser Bedeutung

sind: Zum einen ermöglicht Zeitarbeit den Unternehmen

beim Personaleinsatz höchste Flexibilität. Das

ist gerade jetzt, in der Krise, ungeheuer wichtig, damit

sich angeschlagene Firmen wieder aufrappeln

können. Zum anderen ist die Zeitarbeit aber auch

für viele Arbeitsuchende von existenziellem Wert:

Gerade Geringqualifizierte nutzen sie als Brücke in

den Arbeitsmarkt. Zwei Drittel derjenigen, die 2019

eine Tätigkeit als Zeitarbeitnehmer aufgenommen

haben, waren zuvor ohne Beschäftigung. 16 Prozent

waren länger als ein Jahr beschäftigungslos. Hinzu

kommt, dass viele Zeitarbeiterinnen und Zeitarbeiter

den Sprung in ein konventionelles Beschäftigungsverhältnis

schaffen. Diesen Beschäftigungsmotor dürfen

wir nicht einfach abwürgen!

Als vbw setzen wir uns deshalb dafür ein, die

Höchstüberlassungsdauer abzuschaffen – zumindest

in Krisenzeiten und den ersten Monaten der Erholung.

Denn Fakt ist doch: Wenn ein Zeitarbeitseinsatz

nur wegen der Höchstüberlassungsdauer beendet

wird, erhöht das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten

die Gefahr, arbeitslos zu werden. Das sollten wir verhindern!

Auch die ausufernde Bürokratie des 2017 reformierten

Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes muss

deutlich zurückgestutzt werden. Umfangreiche Melde-

und Hinweispflichten sind ebenso unnötig wie

das Schriftformerfordernis, das den Unternehmen

Zeit und Nerven kostet. Ein Textformerfordernis sollte

im 21. Jahrhundert völlig ausreichen!

Arbeit ist in Deutschland nicht nur teuer, sondern

auch an unzählige Vorgaben gebunden. Das wiederum

stellt eine ernstzunehmende Gefahr für den bislang

so robusten Arbeitsmarkt dar. Diese Stabilität ist

aber nicht gottgegeben! Das müssen wir uns immer

wieder vor Augen führen!

Die Unternehmen in Deutschland brauchen Luft zum

Atmen, um den Konjunktureinbruch zu überwinden,

Innovationen in Gang zu bringen und Arbeitsplätze

zu schaffen bzw. zu erhalten.

Kurzum: Flexibilität ist das Gebot der Stunde, um

in der Post-Corona-Zeit wieder auf die Beine zu

kommen. Wir sollten Zeitarbeit und Werkverträge

deshalb nicht dämonisieren, sondern sie als das betrachten,

was sie sind: Unverzichtbare Instrumente

aus dem Werkzeugkasten zum Wiedererstarken unseres

Corona-geschwächten Landes! « WS

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30

GASTBEITRAG

Verbot der Zeitarbeit in der Fleischwirtschaft

Der Ball liegt in Karlsruhe

Das Verbot von Zeitarbeit ist kühn und verfassungsrechtlich

wie europarechtlich nicht zu rechtfertigen.

Wer mir nicht glaubt, der mag einer Vielzahl von Arbeitsrechtlern

glauben – Professoren, Richtern, Anwälten,

allesamt Autoren und Herausgeber von Kommentaren

zum Arbeitgeberüberlassungsgesetz, Kenner der Materie:

Professor Dr. Burkhard Boemke, Professor Franz

Josef Düwell, Professor Dr. Stefan Greiner, Professor Dr.

Wolfgang Hamann, Professor Dr. Heinz-Jürgen Kalb, Dr.

Martin Kock, Professorin Dr. Anja Mengel, Dr. Guido

Motz, Professor Dr. Peter Schüren, Professor Dr. Rolf

Wank. Wir haben einen gemeinsamen Beitrag in der

Neuen Zeitschrift für Arbeitsrecht (NZA 2020, S. 1160

ff.) veröffentlicht, weil wir zwar das Ziel des Gesetzes

teilen, dafür jedoch geeignete und verhältnismäßige

Mittel einfordern. Dazu gehört das Verbot der Zeitarbeit

nicht. Zurecht ist man daher nach Karlsruhe gegangen:

Der Ball liegt damit beim Bundesverfassungsgericht.

Das hat Anträge auf einstweilige Anordnungen zwar

abgelehnt, hat aber klar gesagt, wie schwierig die

Rechtslage ist. In seinem Beschluss vom 29.12.2020

nahm es unter anderem auf diese Stellungnahme Bezug

und machte deutlich: „Die hier aufgeworfenen verfassungsrechtlichen

Fragen nicht nur der Regelung an

sich, sondern der Regelung, die ohne Übergangsfrist in

Kraft tritt […], bedürfen jedenfalls sorgfältiger Prüfung,

deren Ausgang offen ist.“

Die Kritik hat einen einfachen Grund: Sowohl der europäische

als auch der deutsche Gesetzgeber haben die

Zeitarbeit reguliert. Es existiert ein Erlaubnisvorbehalt,

der unseriöse Verleiher ausschließt. Seit 2017 besteht

zum Schutz vor Substituierung der Stammbelegschaft

eine Höchstüberlassungsdauer und zur sozialen Absicherung

der Zeitarbeitnehmer eine verbesserte Regelung

zur Gleichstellung mit Stammarbeitnehmern

(Equal-Pay-Gebot). Die Tätigkeit bei dem Entleiher unterliegt

den für den Betrieb des Entleihers geltenden

öffentlich-rechtlichen Vorschriften des Arbeitsschutzrechts;

die sich hieraus ergebenden Arbeitgeberpflichten

obliegen dem Entleiher. Der Betriebsinhaber ist

persönlich verantwortlich. Anders als bei Werkverträ-


Z direkt! 02/2021

GASTBEITRAG 31

gen kann nicht auf die Verantwortung eines Dritten verwiesen

werden. Es entsteht kein Überwachungs- und

Korrekturdefizit, wie es wegen der Werkvertragsketten

von den Zoll- und Arbeitsschutzbehörden beklagt wird;

denn der Betriebsinhaber ist als Entleiher vor Ort stets

„greifbar“. Ihm können die erforderlichen Maßnahmen

zur Abhilfe aufgegeben werden. Zudem sind die Zeitarbeitnehmer

seit fast 20 Jahren im Entleiherbetrieb

wahlberechtigt. Seit 2017 ist klargestellt, dass sie nicht

nur „wählen“, sondern auch für die Schwellenwerte der

Betriebsverfassung „zählen“. So ist sichergestellt, dass

der Betriebsrat sie gegenüber dem Betriebsinhaber vertreten

kann. Die tragenden Gründe, die für ein Verbot

der Werkverträge sprechen, gelten demnach nicht für

ein Zeitarbeitsverbot.

Die Gesetzesbegründung versucht, das Verbot mit dem

Hinweis zu rechtfertigen, die Einheit von Arbeitsvertragsarbeitgeber

und Weisungsgeber erleichtere die

Kontrolle von Arbeitsverstößen. Das mag zuweilen

stimmen – doch könnte man mit diesem Argument

jegliche Zeitarbeit in jeglicher Branche verbieten. Das

kann schon aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht

rechtens sein. Die Karlsruher Richter haben deutlich

gemacht, dass ein Verbot der Zeitarbeit ohne hinreichende

sachliche Gründe unzulässig ist. Zu Recht weist

das Gericht darauf hin, dass „Grundrechte nicht nur

nach Maßgabe dessen bestehen, was an Verwaltungseinrichtungen

vorhanden ist“. Führt die Aufstockung

von Kontrolleinrichtungen zur Gewährleistung eines

effektiven Schutzniveaus bei milderer Einschränkung,

so gebührt dieser unter dem Aspekt der Erforderlichkeit

der Vorrang. Vor allem aber ist das Verbot an den Vorgaben

des Artikel 4 der Leiharbeitsrichtlinie zu messen:

Es braucht hinreichende Gründe des Allgemeininteresses

für ein Verbot. Zu diesen Gründen gehören der

Schutz der Zeitarbeitnehmer, die Erfordernisse von Gesundheitsschutz

und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie

die Notwendigkeit, das reibungslose Funktionieren des

Arbeitsmarktes zu gewährleisten und Missbrauch der

Zeitarbeit zu verhüten. Und eben diese Gründe sind in

einer solchen Pauschalität nicht ersichtlich.

Mein Fazit ist eindeutig: Das Gesetz ist weder mit Verfassungs-

noch Europarecht zu vereinbaren. Das heißt

indes nicht, dass der Gesetzgeber nicht handeln kann –

und soll. Doch er sollte sich auf die Fehlentwicklungen

konzentrieren, die tatsächlich dem Arbeitnehmerschutz

entgegenstehen. Schon im Eckpunktepapier

des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom

20.5.2020 werden die Missstände benannt, denen

abgeholfen werden soll: „Überbelegungen und Wuchermieten,

Verstöße gegen Hygiene-, Abstands- und

Arbeitsschutzbestimmungen (insbesondere fehlende

Schutzausrüstung, zu geringer Sicherheitsabstand, keine

arbeitsmedizinische Versorgung) sowie Verstöße

gegen das Mindestlohn- und Arbeitszeitgesetz.“ Eben

daran ist anzuknüpfen. Deshalb täte der Gesetzgeber

gut daran, mutig voranzuschreiten, fokussiert auf das,

was wirklich hilft: mehr Kontrollen, präzisere Vorgaben

für angemessene Unterkünfte und für eine fälschungssichere

digitale Arbeitszeiterfassung, damit der Arbeitsund

Gesundheitsschutz gewährleistet und auch jede

Arbeitsstunde wirklich bezahlt wird. Das Verbot der

Zeitarbeit sollte nicht zum Beifang werden. Die Augen

richten sich auf Karlsruhe – ich bin gespannt.

Prof. Dr. Gregor Thüsing, Master of Laws (LL.M. Harvard), ist seit 2004

Lehrstuhlinhaber und Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht

der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. Thüsing besitzt die venia

legendi – Lehrberechtigung – für die Fächer Bürgerliches Recht, Arbeits-

und Sozialrecht, Rechtsvergleichung und Kirchenrecht. Er ist Autor

zahlreicher Fachpublikationen, vielfacher Sachverständiger im deutschen

Bundestag und nimmt regelmäßig in der Tagespresse zu aktuellen Fragen

des Arbeits- und Sozialrechts Stellung.


32

CORONAKRISE

Trotz Umsatzeinbußen

optimistisch in die Zukunft

Die Zeitarbeit gehört – neben der Gastronomie – zu den Branchen, die am schwersten

von der Coronakrise getroffen wurden. Dabei hatten und haben die Unternehmen

nicht nur mit den konjunkturellen Eintrübungen durch Lockdowns und damit verbundene

Auftragsrückgänge zu kämpfen: Bereits vor der Viruspandemie hatte sich die

wirtschaftliche Lage eingetrübt.

Weitere Stolpersteine – wie etwa das Verbot von Zeitarbeit

in der Fleischindustrie und die Beschränkungen

durch die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes

(Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten, Equal Pay

etc.) – sorgten zusätzlich für ausgeprägte Auftrags- und

damit Arbeitsplatzverluste in der Zeitarbeitsbranche. Einziger

Lichtblick: Das Kurzarbeitergeld wurde auch für die

Zeitarbeit gewährt und intensiv in Anspruch genommen.

In Zahlen ausgedrückt musste die Branche beispielsweise

im April 2020 zwischenzeitlich ein Minus von fast

110.000 Mitarbeitern im Vergleich zu April 2019 verkraften.

Über ein Drittel – 36,4 Prozent – der Zeitarbeitsunternehmen

beantragten in dieser Phase Kurzarbeit.

Auch das Zahlenwerk der aktuellen Lünendonk-Studie

2021 dokumentiert, welch’ tiefe Spuren diese größte

Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit hinterlassen hat.

Die Lünendonk & Hossenfelder GmbH errechnete für

2020 ein Marktvolumen von 27,2 Milliarden Euro, was

einem Minus von 12,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr

entspricht.

Firmen gaben auf oder fusionierten – das wirbelte vor

allem auch die Liste der Top 20 der Zeitarbeitsbranche

kräftig durcheinander: Marktführer ist unverändert

Randstad mit einem Umsatz von 1,56 Milliarden Euro.

Noch im Vorjahr verzeichnete das Unternehmen knapp

1,93 Milliarden Euro. Dem Umsatzrückgang von 19,0

Prozent steht ein Rückgang der Zeitarbeitnehmenden

von 22,2 Prozent gegenüber. Auf Rang zwei folgt wie

in den Vorjahren Adecco mit nun knapp 1,11 Milliarden

Euro (-17,2 Prozent). Erstmals seit 2015 ist Persona

Service aus Lüdenscheid mit einem Umsatz von 557

Millionen Euro (-21,4 Prozent) wieder auf Rang drei

gelistet. Persona tauscht den Listenplatz mit Manpower

(537 Millionen Euro, -26,7 Prozent). Neu auf Listenplatz

sechs ist House of HR Germany, die seit dem Zusammenschluss

von Timepartner und Zaquensis gemeinsam

berichten. Beide Unternehmen zusammen kommen auf

ein Umsatzminus von 56,5 Millionen Euro (-14,5 Prozent).

Hays Professional Solutions verzeichnet ebenfalls

einen Umsatzrückgang und erreicht nun 294,3 Millionen

Euro (-23,1 Prozent) und Rang sieben des Rankings.

-19,0 %

Randstad

-17,2 %

Adecco

-21,4 %

Persona Service

-26,7 %

Manpower

-14,5 %

House of HR Germany

-23,1 %

Hays Professional Solutions


Z direkt! 02/2021

CORONAKRISE 33

Amadeus FiRe + 20,2 %

Gi Group + 65,6 %

Es gibt aber auch Zeitarbeitsunternehmen, die für das abgelaufene Geschäftsjahr

ein Plus verbuchen. Zwei Unternehmen aus den Top 20 steigerten

den Umsatz. Sowohl von Amadeus FiRe (+20,2 Prozent und Rang 8,

2020: Rang 13) als auch von der Gi Group (+65,6 Prozent, Rang 17, 2020:

Rang 25) wurden übernommene Gesellschaften konsolidiert. Amadeus

FiRe ist damit erstmals in den Top 10 vertreten. Hier spiegelt sich wider,

was die Personaldienstleistungsbranche vor allem ausmacht: Vielfalt und

Flexibilität. Das schnelle Reagieren auf ständig sich ändernde Marktbedingungen

sorgte auch in Zeiten des Lockdowns dafür, dass die Zeitarbeit eine

wichtige Rolle in der Versorgung der Bevölkerung und der Sicherung von

Logistik spielte.

Während die Zahlen in den produzierenden Wirtschaftszweigen – und hier

insbesondere der Autoindustrie – bereits vor drei Jahren langsam durch den

Strukturwandel in den Sinkflug gingen, ergaben sich plötzlich zusätzliche

Personalbedarfe in ganz anderen Sparten wie etwa im Pflegesektor oder in

Logistikbereichen. Dank des Kurzarbeitergeldes konnte die Branche zahlreiche

Arbeitskräfte halten, die nun sofort wieder einsatzbereit sind. Ähnlich

wie nach der Wirtschaftskrise 2011 steigt die Zahl der Aufträge – Zeitarbeit

wird häufig von den Kundenunternehmen genutzt, um flexibel auf die Auftragslage

reagieren zu können. Nun bleibt abzuwarten, ob – analog zur sich

stabilisierenden Wirtschaftslage im Jahr 2011 – auf die Zeitarbeit erneut

eine Übernahmewelle ihrer Zeitarbeitskräfte zurollt. Die aktuelle Erholung

am Arbeitsmarkt drückt sich nun an den Zahlen der Beschäftigten aus: Allein

im März dieses Jahres stieg die Zahl der Beschäftigten in der Zeitarbeitsbranche

um 22.300 auf insgesamt 682.900. Nach Lünendonk-

Einschätzung wird es aber noch eine Weile dauern, bis sich die Wirtschaft

von diesem Einschnitt wieder erholt haben wird. Die Branche erweist sich

nichtsdestotrotz einmal mehr als Frühindikator für die Wirtschaft. Insoweit

kann die Personaldienstleistungsbranche mit Optimismus in die Zukunft

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Z direkt! 02/2021

DIGITAL UNTERWEGS 35

iGZ-Mitgliederversammlung

Schubert bleibt im Amt

Nahezu einstimmig hat das virtuelle Plenum Irene Schubert als stellvertretende

iGZ-Bundesvorsitzende bestätigt. Die Unternehmerin hatte das Amt nach dem tragischen

Ableben ihrer Vorgängerin Manuela Schwarz zunächst kommissarisch übernommen.

Als Beisitzer rückte Walter Schäfer in den iGZ-Bundesvorstand.

Dass Zeitarbeit nicht nur in Sachen Flexibilität, sondern

auch bei der Digitalisierung ein echter Vorreiter ist, zeigte

die hohe Teilnehmerzahl von 209 bei der Mitgliederversammlung.

Zum Auftakt stellte der iGZ-Bundesvorsitzende

Christian Baumann den Rechenschaftsbericht 2021

vor, der auch unter www.ig-zeitarbeit.de nachgelesen

werden kann. Baumann hob – mit Blick auf die vielen

Behinderungen durch den Corona-Lockdown – unter

anderem besonders die enge Zusammenarbeit von

Haupt- und Ehrenamt im iGZ hervor, die von großer

Professionalität geprägt sei. In kurzen Einspielern stellten

sich die Mitglieder des iGZ-Bundesvorstands vor

und nahmen zu aktuellen Themen und Aufgabenfeldern

des Verbandes Stellung.

NEUEINTRITTE STABIL

Im Anschluss rief der Versammlungsleiter, iGZ-Hauptgeschäftsführer

Werner Stolz, den Finanzbericht auf, den

Vorstandsmitglied Martin Liebert vorstellte. Als erfreulich

bezeichnete Liebert die trotz Corona zu verzeichnende

Konstanz der Neueintritte. Nichtsdestotrotz sei ein Rückgang,

hauptsächlich durch die pandemiebedingten Insolvenzen,

zu verzeichnen – aktuell liege die Mitgliederzahl

bei 3.523. Dirk Wiesner bescheinigte dem Vorstand in

seiner Funktion als Rechnungsprüfer gemeinsam mit

Jaroslaw Kral denn auch einwandfreie Kassenführung

und beantragte Entlastung. Dem wurde ebenso einhellig

zugestimmt wie dem Haushaltsplan für das Jahr 2021.

RECHNUNGSPRÜFER UND TARIFKOMMISSION

Neben den Wahlen in den Bundesvorstand standen

auch die Neuwahlen von zwei Rechnungsprüfern auf

der Tagesordnung: Per virtuellem Abstimmungstool

wählten die Mitglieder Nicole Piontek und Jaroslaw Kral

ins Amt. Einen kleinen Wahlmarathon galt es unter dem

nächsten Programmpunkt zu bewältigen: In die Tarifkommission

gewählt wurden: Dr. Timm Eifler, Carsten

Ahrens, Ulrike Kücker, Martin Liebert, Vanessa Nier,

Robert Schäfer, Andreas Haßenewert, Volker Homburg,

Janne Maurer, Michael Bezverkhniy, Michael Haitz,

Gerriet Cornelius, Thomas Dick, Nicole Piontek, Florian

Meyer, Matthias Klösch, Lars Pogadl-Kamper, Ulrich

Angenendt, Frank Grossnick und Carsten Scholz. Als Ersatz

wurden gewählt: Maik Neumann, Jörg Jennerjahn,

Marc Papajewski, Walter Schäfer und Kai Rügge.

SATZUNG GEÄNDERT

Die Digitalisierung erfordert auch Anpassungen in der

Satzung des Interessenverbandes. Auf Antrag stimmten

die Mitglieder den Änderungen zu, die nun auch

Veranstaltungen und Versammlungen in digitaler Form

gewährleisten. Unter den Punkt Verschiedenes fiel die

Verabschiedung des Leiters der iGZ-Abteilung Kommunikation,

Marcel Speker, der nach zehn Jahren Verbandstätigkeit

den Job wechselt. WLI

Irene Schubert | Werner Stolz | Christian Baumann | Marcel Speker


36

DIGITAL UNTERWEGS

iGZ-Bundeskongress

Flexibilität entscheidet über

Sieg oder Niederlage

Mit Blick auf die Entwicklung der Coronapandemie und die Ausbreitung der Delta-

Variante hatte der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen entschieden,

auch seinen Bundeskongress digital auszutragen. Mehr als 300 Teilnehmer

wohnten dem Event bei, das aus einem Studio aus Emsdetten live gestreamt wurde.

Anke Plättner

Jana Schimke

Die Zeitarbeit hat die Coronapandemie bedingungslos

akzeptiert und flexibel auf die geänderten Bedingungen

reagiert, sagte der iGZ-Bundesvorsitzende Christian

Baumann zum Auftakt. Zahlreiche Mitarbeiter seien

qualifiziert und dann im Einzelhandel und den Gesundheitsämtern

eingesetzt worden. Demgegenüber stünden

zahlreiche Arbeitsplatzverluste in den Bereichen

Gastronomie und Produktion. Baumann schaute auch

nach vorn und erinnerte an die Bundestagswahl im

Herbst. „Wir sind in der Lage, unsere Bedingungen

mit den Sozialpartnern selbst zu gestalten und zu realisieren“,

reagierte er auf die teils abenteuerlichen Formulierungen

mancher Wahlprogramme zum Thema

Zeitarbeit. Der iGZ-Bundesvorsitzende forderte ein, das

hohe Gut der Tarifautonomie zu respektieren.

MASSIVE EINSCHRÄNKUNGEN

Unter dem Deckmantel der Schutzbedürftigkeit habe

es massive Einschränkungen der Zeitarbeit gegeben,

erinnerte er an das Zeitarbeitsverbot in der Fleischindustrie.

Dieser Logik sei nicht mehr zu folgen, die

Verfassungsbeschwerde gegen diese Regulierung die

logische Schlussfolgerung. „Die Verfügbarkeit von Flexibilität

wird über Sieg oder Niederlage der deutschen

Wirtschaft entscheiden“, unterstrich Baumann auf die

große Tragweite solch sensibler Entscheidungen. Worte,

die ankamen bei den über 300 Teilnehmern des

digitalen iGZ-Bundeskongresses, der ein abwechslungsreiches

Programm bot: Leonie Gebers, Staatssekretärin

im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, richtete

zunächst ein Grußwort an das digitale Forum. „Wir

Der iGZ dankt seinen Sponsoren


Z direkt! 02/2021

DIGITAL UNTERWEGS 37

kämpfen um jeden Arbeitsplatz. Wichtig dabei ist die

Kurzarbeit“, erläuterte die Staatssekretärin eingangs.

Das koste zwar viel Geld, sei aber richtig ausgegeben.

Trotz des Lockdowns sei es zahlreichen Unternehmen

möglich gewesen, damit ihre Mitarbeiterschaft zu halten.

In den Hintergrund, aber nicht verdrängt, habe

das Coronavirus die Aufgaben, die in den kommenden

Jahren auf der Agenda der Wirtschaft stehen. Unter anderem

sprach Gebers die Digitalisierung und die duale

Ausbildung an. Jetzt gelte es, Beschäftigungsfähigkeit

zu sichern, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren, setzte

sie auf Weiterbildung.

EIN WEITER WEG

Wie der Neustart nach Corona in der sozialen Marktwirtschaft

gelingt, erläuterte Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer

Gesamtmetall. Zander unterstrich das

enge Zusammengehen sowohl der beiden Branchen als

auch der Verbände. Es sei aber noch ein weiter Weg

bis zum Vorkrisenniveau 2018 meinte der Hauptgeschäftsführer

angesichts der konjunkturellen Einbrüche

wegen Corona. Für das aktuelle Jahr sei jedoch schon

ein schneller Aufholprozess zu vermerken. „Die Produktionserwartungen

stabilisieren sich auf hohem Niveau

und das ist auch für die Zeitarbeit eine gute Nachricht“,

zeigte sich Zander optimistisch. Das äußere sich zudem

in den rückläufigen Kurzarbeiterzahlen.

BRÜCKE IN DEN ARBEITSMARKT

Als „Chance“ bezeichnete Daniel Terzenbach, Vorstand

Regionen der Bundesagentur für Arbeit, die

Zeitarbeit hinsichtlich der aktuellen Herausforderungen

des Arbeitsmarktes: Nie zuvor habe es einen dermaßen

großen Einbruch in der Wirtschaft gegeben

wie mit der Coronapandemie im vergangenen Jahr.

Nicht nur, dass die Beschäftigtenzahlen innerhalb kürzester

Zeit massiv zurückgingen – auch habe es mit

sechs Millionen Anzeigen zur Kurzarbeit noch nie eine

so hohe Zahl dazu gegeben. In der Coronakrise habe

sich sowohl die Vorreiterrolle der Zeitarbeit als auch

deren Risiken gezeigt. Es sei absolut richtig gewesen,

das Instrument der Kurzarbeit in der Zeitarbeit einzusetzen,

betonte er die Rolle der Branche als Konjunkturbarometer.

In diesem Zusammenhang erinnerte er

daran, dass gerade die Zeitarbeit für Beschäftigte, die

sonst in der Wirtschaft keine Chance hätten, eine Brücke

in den Arbeitsmarkt sei.

INTERVIEWS MIT POLITIKERN

Im Schatten der Bundestagswahl sprach die Kongressmoderatorin

Anke Plättner mit den Vertretern der politischen

Parteien: Unter dem Titel „Ideale Impfdosis für

den Aufschwung – wie viel Zeitarbeit brauchen wir?“

kamen dabei Jana Schimke MdB CDU/CSU, Bernd Rützel

MdB SPD, Michael Theurer MdB FDP, sowie für die

Gewerkschaften Stefan Körzell DGB-Vorstandsmitglied,

und für den Zeitarbeitgeberverband Werner Stolz, iGZ-

Hauptgeschäftsführer, zu Wort. Mehr zu diesen Interviews

lesen Sie online auf www.ig-zeitarbeit.de.

„Krisen als wichtige Entkalkungsfunktion – Lektionen

für Unternehmen nach der Krise“ lautete das Thema

des Vortrags von Anja Förster, Bestsellerautorin und

Gründerin Rebels at Work. Krisen, so die Referentin,

haben auch eine hohe Nützlichkeit. Dass Krisen passieren,

könne man nicht verhindern – die Herausforderung

sei die Reaktion darauf. Es gelte, in die Offensive zu

gehen, um Veränderungskräfte freizusetzen. Dazu sei

„Z.F.D.B.“ notwendig, das stehe für „Zeit für die Birne“

und bedeute schlicht, alles technisches Gerät beiseite

zu schieben, um sich Zeit zum Nachdenken zu geben.

MENSCH, ÄRGERE DICH NICHT

Corona und die Nach-Merkel-Ära: Die Bundestagswahl

2021 unter neuen Vorzeichen betrachtete Hajo

Schumacher, Journalist, Buchautor und Moderator aus

journalistischer Sicht. Unter der Überschrift „Mensch,

ärgere Dich nicht“ spielte er die verschiedenen Möglichkeiten

des Wahlausgangs durch. Der ehemalige

Spiegelredakteur beleuchtete dabei auch die Politik der

vergangenen Jahre und deren Ergebnisse. Mit einem

Schlusswort beendete schließlich der iGZ-Bundesvorsitzende

Christian Baumann den iGZ-Bundeskongress.

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38

DIGITAL UNTERWEGS

iGZ-Bundeskongress

Ich glaub´, mein Schwein pfeift

Seit dem 1. April ist die Zeitarbeit in der Fleischindustrie verboten. Vier Zeitarbeitsunternehmen,

darunter zwei iGZ-Mitgliedsunternehmen, gehen dagegen rechtlich

vor und haben in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde eingelegt. Der Stand der Klagen

und das Für und Wider des Verbots der Zeitarbeit wurden auch beim iGZ-Bundeskongress

diskutiert – in einer Runde unter anderem mit Vertretern des Verbands

der Ernährungswirtschaft, der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Wissenschaftlern

und iGZ-Mitgliedsunternehmen.

Prof. Dr. Peter Schüren | RA Vehid Alemić | Roger Lothmann | Anke Plättner

„In der Geschäftsführung waren wir uns sofort einig,

gegen das Arbeitsschutzkontrollgesetz vorgehen zu

wollen und zu müssen. Das Verbot der Zeitarbeit in der

Fleischindustrie ist für uns nicht existenziell, aber uns

ist schon ein nicht unerheblicher Geldbetrag flöten gegangen“,

berichtete Roger Lothmann, Geschäftsführer

von iGZ-Mitglied TIMEPARTNER Personalmanagement

GmbH. „Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum wir

mit Werkverträgen in einen Topf geworfen und reglementiert

werden. Daher haben wir uns für den Weg

der Verfassungsbeschwerde entschieden.“ Unterstützung

bekam Lothmann von Arbeitswissenschaftler Prof.

Dr. Peter Schüren: „Das Vorgehen der Regierung ist

schlichtweg ineffektiv, weil das Gesetz einfach klotzig

draufhaut und Werkverträge und Zeitarbeit in ihrer

Gesamtheit verbietet. Wir hatten drei Problemzonen –

Arbeitszeit, Arbeitssicherheit und Wohnbedingungen.

Alle drei Dinge muss man separat betrachten und an

den einzelnen Stellschrauben drehen,“ sagte der Wissenschaftler

der Westfälischen Wilhelms-Universität

Münster. „Das ist auch möglich – ohne, dass ich den

Arbeitgeber wechsele.“


Z direkt! 02/2021

DIGITAL UNTERWEGS 39

SELBSTVERPFLICHTUNGEN AUS

GEWERKSCHAFTSSICHT WIRKUNGSLOS

Dr. Susanne Uhl von der Gewerkschaft Nahrung-

Genuss-Gaststätten hat da andere Erfahrungen gesammelt.

Sie berichtete auf Nachfrage von Moderatorin

Anke Plättner von überwiegend negativen Erlebnissen:

„Aus meiner Sicht war das Gesetz in der Situation die

einzige Möglichkeit. Ich begleite schon seit 2012 Menschen

in der Fleischindustrie. Und die ganzen Kodexe

und Selbstverpflichtungen haben dort nichts verbessert“,

so Uhl. Dass etwas gegen die Zustände getan

werden musste, darin war sich die Runde einig. „Wir

sagen auch nicht, dass das Arbeitsschutzkontrollgesetz

insgesamt Quatsch ist, wir begrüßen weitere Kontrollen.

Aber die Zeitarbeit zu verbieten, ist falsch, weil es

nun mal Unterschiede zwischen Werkverträgen und

Zeitarbeit gibt“, betonte iGZ-Geschäftsführer Martin

Dreyer. „Arbeitsschutz beispielsweise ist für uns ein

ganz wichtiges Thema. So haben wir innerhalb von

zehn Jahren die Unfallquote massiv senken können. Das

Gesetz ist für mich ein unverhältnismäßiger Eingriff.“

SOZIALPARTNERSCHAFTLICHE UND

TARIFLICHE LÖSUNGEN

Vehid Alemić appellierte für andere, gemeinsam erarbeitete

Lösungen. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands

der Ernährungswirtschaft e.V. (VdEW) unterstrich

beim iGZ-Bundeskongress: „Aus meiner Sicht wäre es

wesentlich effektiver, über sozialpartnerschaftliche und

tarifliche Lösungen gegen die Probleme vorzugehen.“

Die Fleischindustrie sei extrem heterogen. Eines habe

sie aber gemein: „Die Unternehmen der Branche leben

vor allem vom Saisongeschäft in den warmen Monaten.

In der Grill-Saison brauchen wir temporär mehr

Mitarbeiter. Durch das Verbot der Zeitarbeit müssen wir

nun schauen, wie wir diesen Bedarf zeitlich begrenzt

decken – durch befristete Arbeitsverträge.“ Diese seien

allerdings für die Mitarbeiter deutlich schlechter als

Zeitarbeitsverträge und für die Unternehmen schwieriger

zu organisieren.

STEUERUNGSINSTRUMENTE FÜR

SAUBERE VERTRÄGE

Das Gesetz sei so nicht notwendig, ist sich Prof. Schüren

sicher: „Es gibt Steuerungsinstrumente, wie man die

Werkverträge sauber bekommt. Allein wenn die Arbeitszeit

sauber erfasst und diese Zeit auch bezahlt

würde, wäre die Lebenssituation der Menschen eine

ganz andere.“ Daran sollte gearbeitet werden. Das

Arbeitszeitgesetz zu nehmen und zu verbessern, das

könnten sie gemeinsam in der nächsten Legislaturperiode

angehen, lud Gewerkschaftlerin Uhl Professor

Schüren ein: „Es gibt vielfältige Probleme, wie dass die

Menschen in der Fleischindustrie trotz Krankschreibung

gezwungen werden, zu arbeiten, und die schlechte

Unterbringungssituation. Dagegen muss in der Gesamtheit

vorgegangen werden.“

GUTE ERFOLGSAUSSICHTEN FÜR

VERFASSUNGSKLAGE

Allen Mitarbeitern in der Fleischindustrie die besten

Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, liegt auch TIME-

PARTNER-Geschäftsführer Lothmann am Herzen: „Was

können wir besser machen? Wenn die Töpfe Werkvertrag

und Zeitarbeit klar auseinandergehalten würden,

hätten wir schon viel gewonnen. Ich habe in der

Fleischindustrie auch Werkverträge gesehen, die nicht

sauber waren. Klappern gehört zum Handwerk, wir

müssen an unserem Image arbeiten. Wir sind gut, wir

sind gut aufgestellt – und deshalb klagen wir auch,

weil wir unfair behandelt werden.“ Der Appell von

iGZ-Geschäftsführer Dreyer lautet: „Stellt gern mehr

Kontrolleure ein, denn wir haben nichts zu verbergen.

Aber mit einem Gesetz pauschal auf jegliche Zeitarbeit

draufzuhauen, ist einfach unverhältnismäßig.“ Ob das

Gericht in Karlsruhe dies genauso sieht? „Ich schätze

die Chancen der klagenden Zeitarbeitsunternehmen als

gut ein“, schloss Prof. Schüren die Diskussionsrunde.

„Voraussichtlich zu Anfang des neuen Jahres wird es

dazu aus Karlsruhe eine Entscheidung geben.“ SaS

Personaldienstleistung smarter managen


40

DIGITAL UNTERWEGS

iGZ-Forum Personalmanagement

Motivation durch

sinnvolle Arbeit

Mit neuen Ideen für neues Arbeiten beschäftigten sich die Referenten und rund 150

Teilnehmer des iGZ-Forums Personalmanagement via Internet: Ganz im Fokus des

Themas Bildung stand die digitale Veranstaltung, die von Clemens von Kleinsorgen,

stellvertretender Leiter iGZ-Fachbereich Bildung und Personal / Qualifizierung, und

Claudia Schütte, Organisations- und Personalentwicklung, iGZ-Fachbereich Bildung

und Personal/Qualifizierung, eröffnet wurde.

Clemens von Kleinsorgen

Lasse Rheingans

„Quo vadis, Bildung?“ fragten denn auch Irene Schubert,

stellvertretende iGZ-Bundesvorsitzende, und

Christian Bloom, Leiter des iGZ-Fachbereichs Bildung

und Personal / Qualifizierung, zum Auftakt – und lieferten

die Antwort gleich mit. „Bildung ist ganz hoch

angesiedelt und hat einen hohen Stellenwert im iGZ“,

betonte Bloom. Irene Schubert erinnerte in diesem Zusammenhang

an den Fachkräftemangel, auch daher

habe Bildung eine ganz hohe Priorität. Dabei spiele

die Digitalisierung eine große Rolle. Als Beispiel nannten

beide die neue digitalisierte iGZ-Lernplattform.

Bloom: „Wir haben das Präsenzangebot komplett auf

digital umgestellt und werden künftig gemischte Formate

anbieten.“

KOMPETENZEN WEITERENTWICKELN

„Ideenmanagement als Innovationstreiber“ lautete das

Thema von Dipl.-Ing. Hans-Rüdiger Munzke, „Mitarbeiter

mitnehmen und deren Kompetenzen weiterentwickeln“

sein Credo. Zum Motor des Erfolgs erläuterte der

Referent: „Das wahre Geheimnis des Erfolgs ist die Begeisterung.“

Es gelte, gute Ideen schnell zu erkennen,

sie richtig einzuordnen und damit Chancen zu nutzen.

Damit werde die Ertragskraft gesteigert, die Effizienz

verbessert und der Kundennutzen gemehrt.

VIELSCHICHTIGE DIGITALISIERUNG

Der Medienwissenschaftler Lasse Rheingans richtete

unter dem Titel „New Work – New Normal“ den Blick


Z direkt! 02/2021

DIGITAL UNTERWEGS 41

auf die moderne Arbeitswelt. Mit dem Arbeitszeitmodell

in seiner Agentur – weniger Stunden arbeiten bei

gleichem Gehalt – sorgte Rheingans bundesweit für

Aufsehen. Vieles sei im Wandel und im Umbruch verwies

er auf die Vielschichtigkeit von unter anderem

Internationalisierung und Digitalisierung. Die Verzahnung

verschiedenster Vorgänge erläuterte er anhand

des Rückgangs der Kaugummi-Umsätze seit Einführung

des iPhones – in der Langeweile wurde das Kauen

durch die neue Technik als Tätigkeit ersetzt. Durch

moderne Entwicklungen seien zahlreiche technische

Einrichtungen obsolet geworden, und das habe ganze

Wirtschaftszweige vielfach durcheinandergewirbelt.

Diese Entwicklung lasse sich nicht aufhalten: „Sie passiert,

und sie passiert immer schneller.“ Dem hinke die

Arbeitswelt oft noch hinterher. Massiv unter Beschuss

sei etwa der Handel, verwies Rheingans auf den Einfluss

von Amazon. Das wirke sich auch auf die Beschäftigten

aus. Burn-out, Work-Life-Balance und Teilzeitmodelle

seien Reaktionen auf diese Entwicklungen.

Längst finde auch eine neue Form der Auswahl statt:

„Die Millenials wollen nicht mehr für jeden arbeiten“, erläuterte

er, dass sich der Nachwuchs mittlerweile seinen

Arbeitgeber aussuche. Laut einer Untersuchung machen

70 Prozent der Mitarbeiter Dienst nach Vorschrift, 15

Prozent haben laut Rheingans eine emotionale Bindung

und sind engagiert, und 15 Prozent haben sich innerlich

komplett von ihrem Job verabschiedet. Rheingans

verwies auf lösungsorientierte Ansätze auf Basis eines

strukturierten Arbeitsablaufs, der auch Raum für kreative

Pausen lasse und Aussicht auf arbeitsfreie Zeiten biete.

SINNMÖGLICHKEITEN BIETEN

Was Führungskräfte zu sinnstiftender Arbeit beitragen

können, erklärte Prof. Dr. Nico Rose, Professor für

Wirtschaftspsychologie an der International School of

Management (ISM), den Teilnehmern aus seinem Homeoffice.

Zum Auftakt zitierte er den österreichischen Neurologen

und Psychiater, Viktor Frankl, der im Kontext

des Themas formulierte: „Wer Menschen motivieren will

und Leistung fordert, muss Sinnmöglichkeiten bieten.“

Der Mensch habe einen Willen zum Sinn und könne

nicht anders. Als „Quatsch“ bezeichnete er dabei die

Vorstellung, ein Unternehmen definiere das „Warum“

seiner Arbeit und schon funktioniere die Belegschaft

und das Arbeiten sei sinnvoll. Werde die Arbeit als sinnstiftend

empfunden, erzeuge das viele positive Effekte –

sie sei dann beispielsweise auch ein Schutzfaktor gegen

Depressionen. Laut einer Studie würden, so Rose,

90 Prozent Einkommenseinbußen hinnehmen, um eine

sinnvoller gestaltete Arbeit zu haben. Die Verzichtbereitschaft

reiche bis hin zu einem Viertel des Einkommens.

Anschließend ging´s in die Workshops: „Serious Gaming –

Trends, Vorteile und Praxisbeispiel“ lautete das Thema

von Christine Stütz, Senior Consultant bei HRpepper

GmbH & Co. KgaA. Über „Wert-volle Unternehmen =

Wert-volle Zeitarbeit. Workshop mit der LEGO® SERI-

OUS PLAY® Methode“ referierte Julian Kea, Serious

Games Facilitator und Team-Coach. Anna-Carina Kern,

Referentin und Trainerin am Institut der deutschen Wirtschaft

Akademie, beschäftigte sich mit „Nutzerzentrierte

Ideenfindung in HR: Mit Design Thinking das virtuelle

Onboarding-Erlebnis neugestalten“. WLI

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42

BILDUNG

Mit Zeitarbeit doppelten

Wurf gelandet

Handball und Zeitarbeit? Das hat doch nichts miteinander zu tun! Jannek Klein

beweist das Gegenteil: Der 22-Jährige ist Junioren-Nationalspieler und macht –

dank eines iGZ-Mitgliedsunternehmens – derzeit seine Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann.

Und er ist nicht der erste Bundesliga-Handballer, der seine

Zukunft in der Zeitarbeit sieht.

Jannek Klein (links) und Christian Klimek (rechts)

Der No-Look-Pass aus dem halbrechten Rückraum von

Jannek Klein an Kreisläufer Christian Klimek ist einstudiert

und kommt fast immer verlässlich an. Die beiden

Bundesliga-Handballer der Eulen Ludwigshafen verstehen

sich blind. Das gilt nicht nur „auf der Platte“,

sondern auch im Berufsleben: Beide arbeiten beim iGZ-

Mitgliedsunternehmen TIMEPARTNER und sitzen dort

Schreibtisch an Schreibtisch.

Der 22-jährige Klein hat im Handball schon viel erlebt:

Mit 15 Jahren zog er von zuhause in das Sportinternat

der SG Flensburg-Handewitt. Nach dem Realschul-Abschluss

begann er parallel zum Handball eine Ausbildung

zum Kaufmann für Bürokommunikation. Mit 19

Jahren wechselte er dann in die Jugend der Handballer

vom FC Barcelona. Eigentlich sollte er dort zwei Jahre

bleiben, doch nach einem Jahr löste er den Vertrag

wieder auf: „Das Training fand dort immer erst in den

Abendstunden statt. Jeden Tag einfach nur rumzugammeln

ist aber nicht mein Ding. Irgendwann hat man

auch am Strand alles gesehen. Deswegen wollte ich

wieder zurück nach Deutschland.“ So wechselte er zu

den Eulen Ludwigshafen, weil bei ihnen das Gesamtpaket

stimmte. Und zu diesem Paket gehörte auch das

Angebot eines der Sponsoren, dem Junioren-Nationalspieler

eine Ausbildung zu ermöglichen.


Z direkt! 02/2021

BILDUNG 43

„Dass wir die Eulen als Sponsor unterstützen, ist regional

und historisch gewachsen“, erklärt Thomas Dick,

Geschäftsführer von TIMEPARTNER. Er war früher als Regionalleiter

für diesen Bereich zuständig und hat die Partnerschaft

begründet: „Ich bin bei einer Veranstaltung

vor einigen Jahren zufällig dem jungen Christian Klimek

begegnet. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte, dass

er einen Ausbildungsplatz sucht. Ein paar Tage später hat

er bei uns im Büro den Ausbildungsvertrag unterschrieben“,

erinnert er sich. Als Klein vor seinem Wechsel nach

Ludwigshafen stand, kam der Verein wieder auf TIME-

PARTNER zu. „Als Personaldienstleister ist es doch klar,

dass wir den Verein bei der Berufsausbildung der Spieler

unterstützen“, sagt Dick. Insgesamt findet er, dass die

Eulen wunderbar zur Zeitarbeit und zu TIMEPARTNER

passen: „Die leben von ihrer Einstellung, sie machen das

Beste aus jeder Situation und geben nicht auf. Es ist die

Mentalität, die ich an dem Verein mag.“

Der Arbeitsalltag gestaltet sich so, dass sich die Arbeitszeiten

von Jannek Klein an seinen Trainings- und

Spielterminen orientierten. Aufgrund der in Flensburg

begonnenen Lehre konnte er die Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann

(PDK) auf zwei Jahre

verkürzen. Aktuell läuft es ganz gut für ihn: Die schriftlichen

PDK-Prüfungen hat er bereits bestanden und

auch bei den Eulen hat er seinen Vertrag verlängert. Die

Ausbildung ist für Klein wichtig: „Der Handballsport

ist schnell und hart. Gott sei Dank bin ich bislang von

schlimmeren Verletzungen verschont geblieben. Trotzdem

ist der PDK mein Plan B – auch für die Zeit nach der

Handball-Karriere.“ Deswegen wird er auch nach Abschluss

der Ausbildung mit 20 Stunden in Teilzeit, wie

Kollege Klimek, bei TIMEPARTNER bleiben. Darauf hat

er sich kürzlich mit Thomas Dick verständigt. Er ist froh,

dass Klimek und Klein bei TIMEPARTNER arbeiten: „Die

beiden sind kommunikativ, intelligent und haben eine

schnelle Auffassungsgabe. Das ist im Handball genauso

wichtig, wie bei uns.“ Insgesamt seien Leistungssportler

extrem diszipliniert.

Eindruck, er würde sich auf dem Erreichten ausruhen:

„Natürlich bin ich stolz auf das, was ich erreicht habe.

Aber für den dritten Platz bei der U21-Europameisterschaft

kann ich mir hier bei den Eulen auch nichts

kaufen. Da muss ich mich jede Woche im Training neu

beweisen.“ Im Ludwigshafener Bundesligakader ist er

einer der Jüngsten. Er weiß, dass ihm vor allen Dingen

Erfahrung fehlt: „Ich muss ruhiger, cleverer und selbstbewusster

werden. Manchmal bin ich noch zu ungestüm.

Und ich muss an meinem Körper arbeiten – in

der Bundesliga sind ganz schöne Brocken unterwegs.“

Doch er bekommt seine Einsatzzeiten. Immerhin 30

Saisontore stehen für den 22-Jährigen zu Buche, der

mittlerweile nicht nur im Angriff, sondern auch in der

Abwehr zum Zuge kommt. „Da helfen mir sicherlich

auch meine Erfahrungen aus Barcelona. In Spanien wird

ganz anders verteidigt als in Deutschland“, berichtet

Klein. „Während wir in Deutschland sehr robust zur

Sache gehen, lesen die Spanier das Angriffsspiel und

zwingen den Gegner zu Fehlern.“

Der 31-jährige Christian Klimek ist von dem jungen

Mitspieler überzeugt: „Er hat ein Riesenpotenzial. Für

sein Alter hat er ein sehr reifes Spielverständnis. Dazu

kommt, dass Jannek extrem diszipliniert und ehrgeizig

ist. Und das ist es, was den Unterschied macht, denn talentiert

sind Viele.“ Klimek und Klein sind aber nicht nur

Kollegen. Sie verbindet eine tiefe Männerfreundschaft:

„Wir haben in unserer Biografie so viele Parallelen, dass

ich mich in ganz vielen Punkten in ihm wiedererkenne“,

sagt Klimek, nicht ohne ziehväterlichen Stolz. MS

Jannek Klein ist zudem sehr reflektiert. Er kennt seine

Stärken und seine Schwächen ganz genau – und arbeitet

kontinuierlich daran. Zu keiner Zeit hat man den


44

BILDUNG

Neue PDK-Azubi-Botschafter

Aus 2 mach 4

Gut 400.000 Auszubildende haben im vergangenen Jahr – mitten in der Coronapandemie

– einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. Nach den neuesten Zahlen

des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung am Institut der Deutschen Wirtschaft

blieben knapp 60.000 Stellen unbesetzt, während etwa 78.000 Bewerber keinen

Ausbildungsplatz fanden. Seit den Jahr 2008 gehört die Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann

(PDK) zu den Top 100 der beliebtesten Berufsausbildungen

in Deutschland. Damit Auszubildende und Betriebe auch in Zukunft in diesem attraktiven

Ausbildungsverhältnis zusammenfinden, hat der iGZ einige Initiativen gestartet.

Jimmy Dervisi

Donika Shatrolli

Nach aktuellen Studien des IW wünschen sich Azubis

vor allem dreierlei von ihrem zukünftigen Arbeitgeber:

Sie möchten mehr erfahren über ihre Arbeitstätigkeiten,

mehr wissen über die Anforderungen im Beruf und

legen gleichzeitig Wert auf einen frühzeitigen persönlichen

Kontakt zum Unternehmen. Diese Anliegen erfüllt

der iGZ durch seine aktuellen PDK-Broschüren, vier

neue PDK-Azubi-Botschafter und die Einladung an alle

iGZ-Mitgliedsunternehmen, sich im August am bundesweiten

„Sommer der Berufsausbildung“ der Allianz für

Aus- und Weiterbildung zu beteiligen.

In den beiden Broschüren „An Bord der Zeitarbeit“ und

„Jetzt geht’s ab“ geht der iGZ allen wesentlichen Fragen

nach, die potenzielle PDK-Ausbilder und PDK-Auszubildende

haben. „Mit unseren Broschüren wollen wir

junge Menschen, ihre Eltern und Betriebe umfassend

informieren und dafür gewinnen, Ausbildungsverträge

abzuschließen“, erläutert Irene Schubert, stellvertretende

iGZ-Bundesvorsitzende. „Bei der Entscheidung

für einen Azubi geben Arbeitgeber den Startschuss für

einen längeren Prozess – dem ‚Onboarding‘“, ergänzt

sie. Genau dazu liefert die Ausbilder-Broschüre wertvolle

Tipps.

CIAO LAURA UND SERGEN

Bislang haben die zwei Auszubildenden Laura und

Sergen ihren Ausbildungsberuf auf der Internetseite

www.pdk-ausbildung.de und in den Social-Media-Kanälen

bei Instagram & Co. vorgestellt. Inzwischen haben

beide ihre Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen.

Daher berichten ab sofort die PDK-Auszubildenden

Tarek Abdul Ghani, Jimmy Dervisi, Donika Shatrolli und

Jana Sommerfeld über ihren Ausbildungsalltag. Sie

kommen aus verschiedenen Teilen Deutschlands, und

ihre Wege sind so vielfältig wie der Beruf selbst.


Z direkt! 02/2021

BILDUNG 45

Tarek Abdul Ghani

Jana Sommerfeld

Tarek Abdul Ghani ist 19 Jahre alt und kommt aus

Frankenthal in der Pfalz. Er fängt im Herbst mit der Ausbildung

an. Warum er sich für diese Ausbildung entschieden

hat? „Es macht mir Spaß, mit Menschen zu arbeiten,

der Beruf wird nie zur Routine und ich habe Tag für Tag

die Chance, Menschen in Arbeit zu bringen.“

Jana Sommerfeld hatte sich zunächst für eine ganz andere

berufliche Laufbahn entschieden. Nach dem Start

eines dualen Studiums im Finanzamt hat die 23-jährige

Wiesbadenerin die Weichen komplett neu gestellt: „Da

dies die einzige Ausbildung ist, bei der man den vollen

Fokus auf Personalthemen hat.“

Donika Shatrolli, ebenfalls 23 Jahre alt, hat als Disponentin

in der Sicherheitsbranche gearbeitet, bevor sie

in die Personaldienstleistung kam. „Die Ausbildung ist

immer abwechslungsreich“, erzählt die Koblenzerin.

Der schönste Moment in der Ausbildung ist für sie,

„wenn ein Bewerber, der die Hoffnung auf Arbeit

schon fast aufgegeben hat, durch uns eine neue Chance

erhält.“

Jimmy Dervisi hat vor dem Beginn seiner Ausbildung

ein halbes Jahr in Köln im Brühler Freizeitpark gearbeitet.

Was den 20-Jährigen bewegt hat, diesen

Berufsweg einzuschlagen? „Die Personalbranche hat

mich schon immer begeistert – außerdem sehe ich die

Ausbildung als Teil meiner weiteren Persönlichkeitsentwicklung.“

Worauf sich Jimmy Dervisi bei seiner

Tätigkeit am meisten freut? „Auf die tägliche Arbeit

mit den Bewerbern.“ BR

Mehr zur PDK-Ausbildung:

www.ig-zeitarbeit.de/bildung/pdk

www.pdk-ausbildung.de

Facebook:

@MachDeinDingPDK

Instagram:

@pdk_ausbildung

PDK-Broschüren bestellen:

www.ig-zeitarbeit.de/igz/shop


46

BILDUNG

Sommer der

Berufsausbildung

Die duale Ausbildung ist ein attraktiver Exportschlager „Made in Germany“. Von

Griechenland über Portugal bis hin zu Spanien gilt sie als Garant für gut ausgebildete

Fachkräfte und eine geringe Jugendarbeitslosigkeit. Doch aktuell ist es aufgrund der

Coronapandemie nicht leicht, Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt

zusammenzubringen. Erstmals seit der deutschen Einheit ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge

unter die 500.000er-Marke gesunken, während gleichzeitig weniger

junge Menschen einen Ausbildungsplatz suchten. Das betrifft auch den Ausbildungsgang

zum Personaldienstleistungskaufmann (PDK). Daher heißt es jetzt für Unternehmen

der Zeitarbeitsbranche, junge Bewerber möglichst gezielt anzusprechen.


Z direkt! 02/2021

BILDUNG 47

„Wir unterstützen Unternehmen bei der Sicherung ihres

Fachkräftenachwuchses. Die duale Ausbildung ist

ein wichtiger Faktor, um jungen Menschen eine zukunftsorientierte

Berufsperspektive zu ermöglichen“,

erläutert Yvonne Kohlmann, Geschäftsführerin von

SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland. Hilfe erhalten Unternehmen

durch den bundesweiten „Sommer der

Berufsausbildung", den die Partner der Allianz für Ausund

Weiterbildung initiiert haben. Die Allianz aus Bund,

Ländern, Sozialpartnern und der Bundesagentur für Arbeit

(BA) verfolgt das Ziel, möglichst vielen jungen Menschen

im Jahr 2021 eine Berufsausbildung im Betrieb zu

ermöglichen. Im Kern geht es darum, Schulabgänger,

ihre Familien sowie potenzielle Ausbildungsbetriebe

zusammenzubringen und so den Abschluss weiterer

Ausbildungsverträge zu ermöglichen.

AKTIVITÄTEN IM AUGUST

Dabei sollen Themen- und Aktionstage auf Bundesebene

von Partnern vor Ort regional aufgegriffen und in

die Praxis umgesetzt werden. Einzelne Allianz-Partner

haben eine Patenschaft für bestimmte Themen übernommen.

So unterstützt beispielsweise die Bundesvereinigung

der Deutschen Arbeitgeberverbände die BA

bei der Umsetzung des Themas „Deine Region bietet

dir viele spannende Berufe und Ausbildungen – lerne sie

im Betrieb kennen.“ Dazu werden im August zahlreiche

Aktivitäten stattfinden, bei denen sich auch iGZ-Mitgliedsunternehmen

einbringen können. „Unternehmen

leisten bei der Berufsentscheidung wertvolle Hilfe, indem

sie zum Tag der offenen Tür einladen oder Betriebspraktika

anbieten“, erläutert Yvonne Kohlmann.

GENERATION Z

Aber Ausbildungsbetriebe können noch mehr tun, um

junge Talente für sich zu gewinnen: Sie können die

Jahrgänge der Bewerber, die Generation Z, näher unter

die Lupe nehmen und auf sie eingehen. Mitglieder

der Generation Z sind um die Jahrtausendwende herum

bis in die 2010er-Jahre geboren und in einer Gesellschaft

aufgewachsen, in der man über das Internet

und in sozialen Medien kommunizieren, sich informieren

und sich selbst darstellen kann. Für sie ist es also

völlig normal, das Smartphone und das Internet zu

nutzen. Am liebsten greifen junge Menschen auf die

Angebote von YouTube, WhatsApp und Instagram zu.

Für die Kommunikation wird immer häufiger Snapchat

verwendet. Facebook ist mittlerweile eher etwas für

„alte Hasen“ und wird nur noch von wenigen jungen

Menschen aktiv genutzt.

ELTERNBETEILIGUNG

Mindestens ebenso wichtig sei es im diesjährigen

„Sommer der Berufsausbildung“ aber auch, so Yvonne

Kohlmann, die Eltern von Schulabgängern frühzeitig

mit ins Boot zu holen. Denn laut einer aktuellen Studie

des Meinungsforschungsinstituts YouGov gaben

76 Prozent der befragten Eltern an, keine Vorstellung

davon zu haben, welche Berufe es künftig geben wird.

„Dabei sind Eltern nach wie vor die wichtigsten Ratgeber

bei der Berufswahl“, so Kohlmann weiter. Mit

Blick auf Elternveranstaltungen im Betrieb empfiehlt die

Bildungsexpertin zu überlegen, wie Eltern am besten

erreicht werden können, welche Kommunikationskanäle

sich anbieten und ob zum Beispiel Schüler in die

Gestaltung der Einladungen einbezogen werden sollen.

LOGO-KOFFER

Um alle Aktivitäten, die als Teil des „Sommers der Berufsausbildung“

von den iGZ-Mitgliedsunternehmen

geplant sind, visuell kenntlich zu machen, stellt der iGZ

auf Wunsch den von SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland

zusammengestellten Logo-Koffer der Allianz für

Aus- und Weiterbildung zur Verfügung. Die darin enthaltenen

Dateien sind so gestaltet, dass Interessierte

auch ihre eigenen Logos mit dem des „Sommers der

Berufsausbildung“ kombinieren können. So segeln

alle Mitwirkenden in diesem Sommer unter einer Flagge!

Wenn iGZ-Mitglieder ihre Veranstaltung auf der

Deutschlandkarte sichtbar machen möchten, können

sie auch den entsprechenden Anmeldebogen beim

iGZ anfordern, ausfüllen und an die Verantwortlichen

im Bundeswirtschaftsministerium mailen. Diese stellen

die Veranstaltung dann auf der Deutschlandkarte ein.

BR

iGZ-Ansprechpartnerin

Bettina Richter

Digitale Bildung | Ausbildung

b.richter@ig-zeitarbeit.de

Tel. 0251 32262-172


48

AKTIV

Mitmach-Aktion des iGZ

Werbefläche für den guten Zweck

Im Rahmen seines gesellschaftlichen Engagements unterstützt der Verband einen gemeinnützigen

Verein oder eine Wohltätigkeitsorganisation, der oder die einem iGZ-

Mitgliedsunternehmen am Herzen liegt. Mit einer kostenlosen ganzseitigen Anzeige

in der Zdirekt! möchte der iGZ einerseits der Organisation bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit

helfen. Gleichzeitig unterstützt der Verband aber auch seine Leser dabei, sich in

ihrer Region stark zu machen. Voraussetzung ist, dass genauso wie in der Zeitarbeitsbranche

der Mensch im Mittelpunkt steht und die gemeinnützige Organisation einen

Bezug zum einreichenden Unternehmen beziehungsweise Leser hat.

Beim Rad- und Motorsportverein RMSV Concordia

Kirchehrenbach e. V. wird es akrobatisch, wenn die

jungen Kunstradfahrer ihre Vehikel besteigen. Es geht

dabei um einen sehr ästhetischen Sport, bei dem eine

oder zwei Personen auf einem speziell dafür gebauten

Hallenrad teils waghalsige Übungen vorführen. In

Kirchehrenbach trainieren die Kinder und Jugendlichen

mehrmals in der Woche, entsprechend hoch ist das

Niveau. Mit Faszination und Stolz erzählt iGZ-Regionalkreisleiter

Peter Schütz, dass der Verein es schon bei

vielen nationalen Wettkämpfen zu Auszeichnungen

gebracht hat.

GEMEINSCHAFT AUF ZWEI RÄDERN

Der Geschäftsführer des iGZ-Mitgliedsunternehmens

Bernhardt und Schütz Personaldienstleistungen mit

Hauptsitz in Erlangen hat besonders intensive Beziehungen

zum Verein: Seine drei Töchter fuhren jahrelang

leidenschaftlich und erfolgreich Kunstrad und engagieren

sich ehrenamtlich als Trainerinnen und im Vorstand.

„Wir waren mit der ganzen Familie häufig von freitags

bis sonntags auf Wettkämpfen unterwegs. Da wird man

versierter Kunstradfahrer, auch ohne das Rad zu besteigen“,

grinst Schütz. „Die Kunsträder, die zwischen

zwei- und dreitausend Euro kosten, werden vom Verein

gestellt. Dazu kommt die Sportkleidung, Fahrtkosten

zu Veranstaltungen, Verpflegung und vieles mehr. Für

uns war klar, dass wir mit unserem Unternehmen den

Verein unterstützen“, betont er. Bernhardt + Schütz

sponsert seit 1999 Trainingsanzüge und hilft zusammen

mit anderen regionalen Unternehmen finanziell, damit

der Kunstradverein die Aufgaben meistern kann. „Ich

finde es toll, dass der Verein die Kinder und Jugendlichen

bei ihrer Entwicklung begleitet. Hier lernen die

jungen Menschen Zusammenhalt und sich aufeinander

zu verlassen – wichtige Eigenschaften für ihre Zukunft“,

so Peter Schütz. Der RMSV sei ein reiner Amateursportverein,

bei dem es nicht um hohe Preisgelder gehe,

sondern soziale Aspekte im Vordergrund stünden. In

der Coronazeit fielen auch im Kunstradsport viele Gelegenheiten

weg, Sponsorengelder zu sammeln. Deshalb

freut sich der Verein über jede finanzielle Spritze.

MACHEN SIE MIT!

Möchten Sie auch einen Verein oder eine Organisation,

die sich dem guten Zweck verschrieben hat, mit einer

Anzeige in der Zdirekt! fördern? Der iGZ druckt kostenlos

die ganzseitige Anzeige im Wert von 3.000 Euro

ab und erläutert in einem kurzen Redaktionsbeitrag,

warum Ihr Unternehmen die Organisation unterstützt.

Die nächste Zdirekt! erscheint Ende September. Bitte

reichen Sie Ihre Vorschläge bis zum 16. August per

E-Mail unter presse@ig-zeitarbeit.de ein. Bei mehreren

Vorschlägen entscheidet das Los. Voraussetzung ist,

dass Sie in Ihrer E-Mail kurz diese Angaben machen:

Name, Adresse der Organisation

Was macht die Organisation?

Wie sind Sie auf die Organisation gestoßen bzw. was

verbindet Sie?

Was finden Sie an der Organisation besonders gut?

Ansprechpartner/in für den iGZ in der Organisation

Die Organisation sollte bereits über eine druckbare

Anzeige verfügen.

Das Branchenmagazin Zdirekt! erscheint quartalsweise

mit einer Auflage von bis zu 10.000 Exemplaren. Jede

Ausgabe wird online bis zu 40.000 Mal abgerufen und

erreicht eine Leserschaft aus Personaldienstleistern und

Entscheidern aus Politik, Bildung und Wirtschaft.


www.concordia-kirchehrenbach.de

SPENDENKONTO

Kontoinhaber: RMSV Concordia Kirchehrenbach e. V

VR Bank Bamberg-Forchheim

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Wer über die Zeitarbeit in der Pflege arbeitet, der hat sich ganz bewusst dazu entschieden,

immer wieder die Einrichtung, die Station, den Fachbereich oder auch

die Stadt zu wechseln. Während der Coronapandemie ist es allerdings ganz oft so,

dass wir wöchentlich oder auch tageweise immer wieder auf anderen Stationen

eingesetzt werden. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass ganze Stationen

geschlossen werden; oft wegen abgesagter Operationen oder krankheitsbedingten

Personalausfällen.

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sie über einen eingestellten Kundenbedarf automatisch per Mail informiert werden möchten. So können die Personaldienstleister

die Benachrichtigungsfunktion an ihre örtlichen und organisatorischen Besonderheiten anpassen. Unter dem Menüpunkt

„Personalfakten“ finden sich dazu ab sofort regelmäßig aktuelle Neuigkeiten, die auch für Personalabteilungen interessant sind.

Auf diesem Wege soll für noch mehr Kunden-Traffic auf der Seite gesorgt werden. Die Meldungen stammen aus einer Kooperation

mit der Zeitschrift Personalwirtschaft. MS

IMPRESSUM

Herausgeber

iGZ – Interessenverband Deutscher

Zeitarbeitsunternehmen e.V.

PortAL 10 | Albersloher Weg 10

48155 Münster

iGZ-Hauptstadtbüro Berlin

Schumannstr. 17

10117 Berlin

presse@ig-zeitarbeit.de

www.ig-zeitarbeit.de

Verantwortlich

Werner Stolz (WS)

Hauptgeschäftsführer

Chefredaktion

Sara Schwedmann (SaS)

Redaktion

George Buterus (GB)

Wolfram Linke (WLI)

Andrea Resigkeit (AR)

Marcel Speker (MS)

Texte

Bettina Richter (BR)

Jenny Rohlmann (JR)

Diandra Schlitt (DS)

Benjamin Teutmeyer (BT)

Art Direction

Tanja Kossack

Fotos

Timo Beylemans

Wolfram Linke

Sara Schwedmann

Druck

IVD GmbH & Co. KG

Wilhelmstraße 240

49475 Ibbenbüren

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