CDU-Magazin Einblick (Ausgabe 13) - Thema: Innovation
Das politische Magazin der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages
Das politische Magazin der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages
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MAGAZIN DER <strong>CDU</strong>-FRAKTION DES SÄCHSISCHEN LANDTAGES AUSGABE <strong>13</strong><br />
NEUES WAGEN<br />
Wie <strong>Innovation</strong>en Sachsen voranbringen<br />
Halbleiter<br />
So geht es weiter<br />
mit Silicon Saxony<br />
Schule<br />
Das hat Sachsen<br />
aus Corona gelernt<br />
Sicherheit<br />
Wie die Polizei von<br />
morgen arbeitet
In|no|va|ti|on, die<br />
Wortart: Substantiv, feminin<br />
Wortherkunft: von lateinisch innovare „erneuern“ abgeleitet, wörtliche Übersetzung: „Neuerung“<br />
oder „Erneuerung“<br />
Bedeutungen: 1. geplante und kontrollierte Veränderung, Neuerung in einem sozialen System durch<br />
Anwendung neuer Ideen und Techniken; „politische <strong>Innovation</strong>“ 2. Einführung von etwas Neuem;<br />
Neuerung; Reform<br />
Definition<br />
Die <strong>Innovation</strong> ist ein willentlicher und gezielter Veränderungsprozess hin zu etwas Erstmaligem,<br />
„Neuem“. Ursprünglich in der Wirtschaftswissenschaft mit der Theorie der <strong>Innovation</strong>en (Joseph<br />
Schumpeter) eingeführt, hat sich der Begriff in den vergangenen Jahren auch auf andere Lebensbereiche<br />
wie Politik, Gesellschaft und Wissenschaft ausgedehnt. Zugrunde liegt immer der kreative Denkprozess,<br />
der durch die neuartige Verknüpfung von Wissen, Produkten, Dienstleistungen und Verfahren<br />
die <strong>Innovation</strong> hervorbringt.<br />
In der sächsischen Landespolitik wird die <strong>Innovation</strong> in Wirtschaft und Wissenschaft durch die „<strong>Innovation</strong>sstrategie<br />
des Freistaates Sachsen“ vorangetrieben. So will Sachsen Land der erfolgreichen<br />
Innovatoren sein, seine Position in globalen Wertschöpfungsketten durch Spitzenleistungen festigen<br />
und ausbauen, die <strong>Innovation</strong>skultur in Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft stärken<br />
und Magnet für kluge Köpfe aus aller Welt sein.<br />
EDITORIAL<br />
„Sachsen ist das Land der Tüftler und Erfinder,<br />
der Macher und Denker“, heißt es<br />
auf der Internetseite der Aktion „So geht<br />
sächsisch“. Und wie recht sie haben! Viele<br />
<strong>Innovation</strong>en kamen in der Vergangenheit<br />
aus dem Freistaat und haben von hier aus<br />
die Welt verändert.<br />
Damals waren es Alltagsdinge, die den<br />
Menschen das Leben vereinfachten. Egal<br />
ob der Kaffeefilter, die Zahnpasta oder der<br />
Die fleißigsten Erfinder<br />
Ostdeutschlands sitzen<br />
heute in Sachsen!<br />
Büstenhalter. Und wie sieht es heute aus?<br />
Im vergangenen Jahr meldeten laut Deutschen<br />
Patent- und Markenamt sächsische<br />
Tüftler insgesamt 641 Erfindungen für ein<br />
Patent an. Die fleißigsten Erfinder Ostdeutschlands<br />
sitzen demnach in Sachsen!<br />
Damit das so bleibt, unterstützen wir mit<br />
zahlreichen Förderprogrammen Sachsens<br />
INHALT<br />
12<br />
17<br />
20<br />
24<br />
26<br />
30<br />
33<br />
35<br />
„Der Sachse ist konsequenter“<br />
Lars Rohwer über den sächsischen Erfindergeist<br />
Geld vom Freistaat<br />
Wissenschaftsetat wird aufgestockt<br />
Leicht-Gewicht<br />
Verbundstoffe aus Chemnitz verändern die Welt<br />
Gründen im Grünen<br />
Manuel Dudczig erstellt virtuelle Räume<br />
Hilfe auf Knopfdruck<br />
DIGADES bietet Sicherheitssysteme für Motorradfahrer<br />
Wir verändern die Welt<br />
Sächsische Unternehmen sind nachhaltig und innovativ<br />
Vom VEB zum innovativen Weltmarktführer<br />
Die Geschichte von Theegarten-Pactec aus Dresden<br />
Im Abgang fruchtig<br />
Susanne Gebhardt arbeitet mit heimischen Weinen<br />
junge Forscher und Unternehmer in allen<br />
Phasen des <strong>Innovation</strong>sprozesses, damit<br />
letztlich deren innovative Produkte, Prozesse<br />
oder Dienstleistungen auch zur Marktreife<br />
gelangen. Schließlich wollen wir nicht<br />
nur tolle Ideen fördern, sondern auch deren<br />
Wertschöpfung im Freistaat Sachsen unterstützen<br />
und Sachsens jungen Unternehmen<br />
gute Voraussetzungen im nationalen<br />
und internationalen Wettbewerb bieten.<br />
Im Interview ab Seite 12 dieses EIN-<br />
BLICK-<strong>Magazin</strong>s erklärt mein Fraktionskollege<br />
und Digitalpolitiker Lars<br />
Rohwer: „Die Welt wartet nicht auf<br />
uns!“ Das ist uns als <strong>CDU</strong> absolut<br />
bewusst. Wir orientieren deshalb unsere<br />
Förderpolitik daran, ein möglichst gutes<br />
Gründerklima im Freistaat zu schaffen.<br />
Auch wenn hier in den letzten Jahren<br />
schon eine ganze Menge passiert ist, am<br />
Ziel sind wir noch lange nicht. Es fehlt<br />
weiterhin an notwendigen Wagniskapitalgebern,<br />
die bürokratischen Anforderungen<br />
an junge Unternehmen sind noch<br />
Die intelligente Fabrik<br />
Bosch eröffnet neue Chip-Fabrik<br />
immer zu hoch und es braucht steuerliche<br />
Anreize – sowohl für Investoren als auch<br />
für Gründer – sich aktiv ins Abenteuer<br />
Gründung zu stürzen. Es bleibt also auch<br />
politisch noch viel zu tun.<br />
Die vielen Porträts im aktuellen Heft<br />
von erfolgreichen Gründern aus Sachsen<br />
sollen zeigen, wie vielfältig die<br />
Gründerszene in Sachsen ist – von der<br />
Lausitz bis in Erzgebirge.<br />
Ihr Christian Hartmann<br />
Fraktionsvorsitzender<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages<br />
Wir bauen Handyzukunft<br />
In Sachsen entsteht die Zukunft des mobilen Internets<br />
Mit Hightech aufs Feld<br />
<strong>Einblick</strong> in die Komplexität der Landwirtschaft<br />
Die Bambi-Retter<br />
Unterwegs mit der Drohnenstaffel des ASB Dresden<br />
Hier forscht die Polizei!<br />
Zu Besuch im InnoLab der sächsischen Polizei<br />
Mit Begeisterung Neues lernen<br />
Die Digitalisierung in sächsischen Schulen schreitet voran<br />
Augenärzte im Fokus<br />
Helios-Klinikum Plauen lockt Fachmediziner in die Region<br />
Der Soundtrack Sachsens<br />
Felix Räuber sucht nach dem Klang seiner Heimat<br />
IMPRESSUM Herausgeber: <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages, Bernhard-von-Lindenau-Platz 1, 01067 Dresden, Telefon 0351 493-5501, www.cdu-fraktion-sachsen.de Redaktion: Christian Fischer (V.i.S.d.P.), STAWOWY, Chris Brinkmann Fotos: Claudia<br />
Jacquemin (3); Adobe Stock: patpitchaya (17), luchschenF (22), ASDF (22), peach_fotolia (22), aapsky (22), James Thew (22), sdecoret (22), Dusko (23), daria_serdtseva (23), fotomek (23), muratart (23), Климов Максим (23), Papin_Lab (23), Wellnhofer Designs (23),<br />
SFIO CRACHO (23), tonaquatic (30), Lakee MNP (41), Alexander Hilgenberg (46-47) NDABCREATIVITY (55); Basti Tóth whatsyourplan.de (52); Alexander Fuhrmann (1, 2, 4-5, 7, 8-9, 12-<strong>13</strong>, 14-15, 16, 17, 24, 30-31, 34-35, 38-39, 42-43, 44-45, 48-49, 53, 54, 56); TU<br />
Chemnitz (20-21); SLUB Dresden / Deutsche Fotothek / Richard Petersen (10-11); Infografik Basti Tóth whatsyourplan.de (18-19), TVNOW / Bernd-Michael Maurer (5); PR Mushroom Productions (6-7); Technische Sammlungen Dresden, TSD_K01465 (10); PR MERGE<br />
(21); Europäisches Patentamt (25); Greenhouse Production (25); PR Digades (26-28); PR AEF (29); PR Watttron (31); PR Skeleton Technologies (31-32); PR Theegarten Pactec (33-34); PR Cosmira (36); Sächsische Staatskanzlei (36); PR Meyer-Burger (36); PR etage8/<br />
Mormor Aktivmöbel (37); Bosch Media Service (39); Newsroom Vodafone (40); PR futureSAX (41); TU Bergakademie Freiberg (46); SMR_KLT (46); Christina Hille/Hofkäserei Meißgeier (47); Jörg Lorentz/ Holger Gasse (47); Photo by Nasser Berzane/ABACAPRESS.<br />
COM (50); Leipziger Gruppe (51); Sächsisches Kultusministerium (55); PR Helios Klinikum Aue (57); PR Wundera (57), Jens Weber (58); Tobias Ritz (58); Henriette Uhlig (58); Stefan Flad / Saxony5 (59); PR Lausitz - Life and Technology (59); Wikipedia/ Elke Wetzig<br />
(Elya) (60); Michael Wagner (64-65); PR Staffbase (66) Druck: Druckerei Oskar Görner GmbH, Melanchthonstra e 1–7, 09126 Chemnitz Veröffentlichung: Juli 2021 Diese Publikation dient der Information über die parlamentarische Arbeit der <strong>CDU</strong>-Fraktion des<br />
Sächsischen Landtages. Eine Verwendung für Parteienwerbung oder im Wahlkampf ist nicht zulässig.<br />
38<br />
40<br />
42<br />
44<br />
46<br />
52<br />
56<br />
64
EINE HAUTNAHE IDEE<br />
Vom Hobby zum Produkt – das ist die Geschichte des Bodywallet,<br />
ein Geldbeutel als Pflaster. Erfinder Christian Schranz ist<br />
begeisterter Surfer. Vor Corona ritt er oft auf den Wellen dieser<br />
Welt. „Dabei ist mir die Idee gekommen“, erzählt er. Schranz<br />
kaufte sich eine Maschine und begann in Handarbeit Prototypen<br />
zu entwickeln. Sein Ziel: ein praktischer Geldbeutel für<br />
Sport, Freizeit und Urlaub, der nicht verloren geht und beim<br />
Sport nicht stört. Wie ein Pflaster. Für das marktreife Produkt<br />
war dann der Vertrieb zu organisieren. „Mein Business-Partner<br />
Axel Kosuch hat eine Werbefirma, über ihn läuft das Geschäft“,<br />
erzählt Schranz. Bundesweit bekannt sind die beiden durch<br />
ihren Auftritt bei der Fernsehsendung „Höhle der Löwen“ geworden.<br />
Auch wenn dort die Suche nach Investoren gescheitert<br />
ist, wollen die beiden weitermachen. Aber: „Die Bürokratie<br />
und das Steueraufkommen machen es Unternehmern in<br />
Deutschland schwer“, bedauert Christian Schranz. Er hofft auf<br />
gründungsfreundlichere Anreize aus der Politik.<br />
Mehr Infos: www.bodywallet.de<br />
Bei der VOX-Sendung „Höhle der Löwen“ unterzog Investor Dr.<br />
Georg Kofler die „Bodywallet“-Geldbörse gleich einem Praxistest.<br />
[Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer].<br />
4 5
EINE SCHNELLE IDEE<br />
ZAHLEN & FAKTEN<br />
641 PATENTE<br />
wurden 2020 in Sachsen angemeldet, bundesweit<br />
waren es insgesamt 42.260<br />
Erzgebirge und Holzkunst: Da denkt man zunächst an Schwibbogen<br />
oder Räuchermänner. Nicht so Steven und Vanessa<br />
Busch. Die beiden machten in Sehmatal-Sehma bei Annaberg-Buchholz<br />
ihren Traum von der eigenen Marke wahr.<br />
Als „Mushroom Production“ stellen sie nachhaltige Skier her.<br />
„Sachsen ist für uns ein toller Standort. Besonders aber das<br />
Erzgebirge! Wir haben hier noch richtig Winter und mit dem<br />
Fichtel- und dem Keilberg, zwei über 1.000 Meter hohe Berge,<br />
an denen Wintersport von Dezember bis April möglich ist“,<br />
sagt Steven Busch. Ihre Produkte überzeugen in Funktionalität<br />
und Aussehen. Mit dem Freeride Touring-Ski „Exit World“<br />
gewannen die beiden Gründer aus dem Erzgebirge 2018 beim<br />
Sächsischen Staatspreis für Design. „Viele Unternehmen haben<br />
in Sachsen das Licht der Welt erblickt und jede Region<br />
setzt dabei eigene Schwerpunkte und nutzt die lokalen Besonderheiten.<br />
So steht im Erzgebirge auch der Wintersport im unternehmerischen<br />
Fokus. Solche Firmen sorgen für neue Jobs in<br />
Sachsen und über 600 Patentanmeldungen jedes Jahr belegen<br />
die sächsische <strong>Innovation</strong>skraft. So sichern wir nicht zuletzt<br />
auch die wirtschaftliche Zukunft im ländlichen Raum!“, freut<br />
sich der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Oliver Fritzsche.<br />
19.491 FIRMEN<br />
wurden im vergangenen Jahr am <strong>Innovation</strong>sstandort<br />
Sachsen gegründet<br />
86 PERSONEN<br />
von 10.000 Einwohner gründen laut Gründungsmonitor<br />
der KfW in Sachsen ein Unternehmen<br />
1.310 JOBS<br />
sind im vergangenen Jahr in Sachsen durch<br />
Firmen-Ansiedlungen geschaffen worden<br />
Mehr Infos: www.mushroom-ski.de<br />
Oliver Fritzsche<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
STOLZ AUF DIE GRÜNDER<br />
„Wir sind stolz auf so innovative Firmen<br />
wie ,mushroom productions‘, die<br />
mit handgefertigten Ski und Snowboards<br />
für Naturverbundenheit, Freiheit<br />
und Unabhängigkeit stehen.“<br />
„Ohne Know-how im Handwerk und ohne eine einzige Maschine<br />
starteten wir 2016 ins Abenteuer“, erzählt Sven Busch. „Nun produzieren<br />
wir jede Saison eine handgefertigte Kleinserie.“ 2018<br />
gewann die junge Firma sogar den Sächsischen Design-Preis!<br />
6<br />
7
EINE SAUBERE IDEE<br />
Kreativität + Alltagsproblem = Lösung! Die Dresdnerin Sandy<br />
Csisko mit ihrem „Portable Garbage Bin“ zeigt, dass Not ganz<br />
schön erfinderisch machen kann. Die Entwicklung der eigenen<br />
Idee ist ihr bei Spaziergängen an der Elbe gekommen:<br />
„Leider gibt es in Dresden nur wenige Mülleimer. Die die es<br />
gibt, sind oft voll. Ich wollte bei Spaziergängen mit meinem<br />
Hund nicht die ganze Zeit die Kotbeutel herumtragen“, erklärt<br />
die Erfinderin. Aus einem handelsüblichen Plastikrohr<br />
und einem Gurt baute sie kurzerhand ihren mobilen Mülleimer.<br />
„Dann noch ein Aufkleber drauf und fertig“, sagt Csisko.<br />
Die ersten handgemachten Eimer verschenkte sie an Freunde<br />
und Bekannte. „Jetzt sind 80 Stück auch im Internet zu<br />
kaufen. Das ist ein schöner Nebenerwerb“, erzählt sie stolz.<br />
Der tragbare Gassieimer kann aber auch noch an anderer<br />
Stelle helfen: „Die Eimer eignen sich nicht nur für Hundehaufen.<br />
Sie können auch als normale Mülleimer in der Freizeit<br />
genutzt werden“, sagt Sandy Csisko.<br />
Mehr Infos: bit.ly/trashbagtogo<br />
8 9
PFIFFIGE SACHSEN<br />
EROBERTEN IM<br />
KALTEN KRIEG<br />
DEN WELTMARKT<br />
Die Entwicklung der Spiegelreflexkamera<br />
dauerte Jahrezehnte<br />
und zahlreiche Modellestufen. Die<br />
Exakta 500 wurde gemeinsam mit<br />
ähnlichen Modellen über 73.000<br />
mal hergestellt und von Dresden<br />
aus in die ganze Welt verkauft.<br />
Die Geschichte der Fotografie nimmt in Sachsen eine Wendung.<br />
Mit Spiegelreflexkameras kann jeder tolle Fotos machen<br />
Das wissen die Wenigsten: Auch die Spiegelreflexkamera kommt aus Sachsen.<br />
Zwar gab es bereits seit 1861 in England erste Versuche. Den technischen Durchbruch<br />
schafften allerdings die Sachsen! Die Kine Exakta gilt als erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera<br />
der Welt, die in Serie produziert wurde. Vorgestellt<br />
wurde sie 1936 von der Dresdner Firma Ihagee auf der Leipziger Buchmesse. Die<br />
Produktion wurde 1949 eingestellt. Es folgten neue Modelle: Zwischen Juni 1969<br />
und Dezember 1970 zum Beispiel die Exakta 500 (Foto).<br />
Die Firma Ihagee war aber nicht das einzige sächsische Unternehmen für Spiegelreflexkameras.<br />
Bereits 1926 wurde ebenfalls in Dresden die Firma Zeiss Ikon<br />
gegründet. Weitere Betriebe folgten über die Jahre. In den Technischen Sammlungen<br />
Dresden kann man die historischen Wunderwerke bestaunen. Hier finden<br />
sich Apparate vom Kamera-Werk Niedersedlitz, dem VEB Kamera- und Kinowerke<br />
Dresden oder dem VEB Pentacon. Die Namen sind ein Verweis auf die Zeit<br />
der DDR. Die Entwicklungserfolge aus den 30er Jahren führten die Volkseigenen<br />
Betriebe und Kombinate weiter.<br />
Auch im kalten Krieg wurden in Sachsen Spiegelreflexkameras entwickelt und verkauft.<br />
Die Kamera-Werke Niedersedlitz exportierten nach ihrer Übernahme durch Pentacon<br />
zum Beispiel das Modell Praktica nach Westdeutschland. Der Versandhändler<br />
Quelle verkaufte das Modell unter dem Namen RevueFlex. Sächsische Spiegelreflexkameras<br />
waren damit nicht nur in der DDR beliebt. Auch im Westen Deutschlands und<br />
im weiteren Ausland eroberte die Technik aus dem Freistaat die Welt.<br />
Jörg Kieswetter<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
ENTWICKLUNGSLEISTUNG<br />
„Ich bin stolz auf die damaligen sächsischen<br />
Entwicklungsleistungen und<br />
freue mich, dass wir auch gegenwärtig<br />
als Erfinder und Entwickler weltweit<br />
durch das Silicon Saxony als<br />
sogenannten Quantensprung für die<br />
digitale Fotografie bekannt sind.“<br />
10 11
„DER SACHSE IST<br />
KONSEOUENTER!“<br />
Der Wirtschaftspolitiker Lars Rohwer spricht im<br />
Interview über die eigenwilligen Sachsen und<br />
ihren Erfindergeist – und was die Politik dafür<br />
tun kann, den Standort voranzubringen<br />
Was ist für Sie innovativ?<br />
Lars Rohwer: „Innovativ ist immer ein neuer Weg, den man so<br />
auf den ersten Blick nicht gesehen hat. Und wenn jemand zwei<br />
verschiedene Dinge neu zusammenbringt, sodass es eine neue<br />
Funktion ergibt …“<br />
... zum Beispiel?<br />
„Wir sitzen hier am Flughafen. Keine fünf Kilometer von hier wurde<br />
im Jahr 1838 die ’Saxonia’ gebaut – die berühmte Eisenbahn<br />
von Leipzig nach Dresden. Dabei hat man eine Dampfmaschine,<br />
die sonst in Fabriken stand, auf Schienen gepackt und ist mit ihr<br />
losgefahren. Das hat die Mobilität nachhaltig verändert.“<br />
Was können wir aus dieser Geschichte lernen?<br />
„Wir müssen uns immer wieder fragen: Was kann man neu zusammenbringen?<br />
Was kann man besser voranbringen? Welche<br />
anderen Wege als die eingelaufenen Pfade gibt es? Wie geht es<br />
günstiger und besser? Wie kann ich etwas vereinfachen? Das<br />
sind die Treiber der <strong>Innovation</strong>!“<br />
Wir haben uns auf dem Flughafen Dresden getroffen.<br />
Warum ist das ein <strong>Innovation</strong>sstandort für Sie?<br />
„Wenn wir die <strong>Innovation</strong>en aus Sachsen für uns allein behalten<br />
würden, bleiben wir stecken. Wir müssen sie nach außen bringen<br />
und uns dem Wettbewerb stellen. Nur so entsteht aus einer innovativen<br />
Idee vielleicht auch das serienmäßige Produkt.“<br />
Lars Rohwer weiß: Eine erfolgreiche Ansiedlungspolitik<br />
wie auch die Weiterentwicklung der bestehenden Wirtschaft<br />
benötigen die richtigen Rahmenbedingungen.<br />
Dazu zählen Vertrauen in den Standort und die Politik.<br />
12 <strong>13</strong>
Zur Person<br />
Lars Rohwer kam am 1. Februar 1972 in Dresden zur Welt. Nach<br />
dem Abitur begann er 1991 eine Ausbildung zum Bankkaufmann<br />
in Stuttgart. Nach der Prüfung 1993 kehrte er nach<br />
Sachsen zurück und arbeitete zunächst als Finanzberater, bis<br />
er 1998 für die <strong>CDU</strong> in den Sächsischen Landtag einzog. Dort<br />
vertritt er bis heute den Wahlkreis 46 (Dresden 6). Aktuell ist<br />
er Energie- und Umweltpolitischer Sprecher der <strong>CDU</strong>-Landtagsfraktion,<br />
Mitglied im Haushalts- und Finanzausschuss<br />
sowie im Ausschuss Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Rohwer<br />
ist außerdem u. a. Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes<br />
in Dresden, Erster Vize-Präsident des Dresdner SC sowie Präsident<br />
der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung<br />
(SLfG). Lars Rohwer ist verheiratet und hat zwei Kinder.<br />
Warum ist Sachen so ein Land der Erfinder? Sind wir<br />
pfiffiger als andere?<br />
„Der Sachse ist konsequenter! Er akzeptiert nicht einfach nur das,<br />
was man uns sagt. Das Motto: ,Das war immer schon so‘, akzeptiert<br />
er nicht. Der Sachse sagt: Da muss es noch einen Weg geben.<br />
Er gibt sich nicht einfach zufrieden. Und deshalb erfindet er immer<br />
wieder Dinge und kommt wieder voran.“<br />
Es heißt ja, Not macht erfinderisch – was ist da dran?<br />
„Manche <strong>Innovation</strong> war einfach notwendig. Zum Beispiel wurde<br />
im Erzgebirge im 17. Jahrhundert viel Holz für Stollen gebraucht,<br />
aber auch für die Schmelzhütten und zu Hause zum Heizen.<br />
Schnell war klar, dass der Wald endlich ist. Deshalb hat 17<strong>13</strong> der<br />
Oberbergmann Hans Carl von Carlowitz die Nachhaltigkeit erfunden<br />
– also einen langfristig angelegten verantwortungsbewussten<br />
Umgang mit der knappen Ressource Holz.“<br />
Wie kam so ein königlicher Beamter damals auf so<br />
eine neumodische Idee?<br />
„Weil er einen kritischen Geist hatte. Und der sagte halt: So geht<br />
es doch nicht weiter! Wir müssen auch daran denken, dass die<br />
nächsten Generationen Holz haben. Also können wir nur so viel<br />
fällen, wie wir wieder einpflanzen. Typisch Sachsen halt!“<br />
Wir sitzen am Flughafen, was macht der kritische sächsische<br />
Geist derzeit beim <strong>Thema</strong> Inlandsflüge?<br />
„Der verteufelt nicht einfach den Binnenflugverkehr. Sondern<br />
der Sachse überlegt, wie kriegen wir das besser hin. Hier im Umfeld<br />
des Flughafens macht eine Firma genau das und forscht am<br />
Kerosin der Zukunft.“<br />
Unweit von hier schlägt auch das Herz der sächsischen<br />
Chip-Industrie ...<br />
„… man kann es sogar von hier aus sehen! Dieses Silicon Saxony<br />
hat viel verändert. Durch Infineon und AMD wurde Dresden<br />
ein Punkt auf der Hightech-Weltkarte. Heute kommt jeder dritte<br />
Chip, der in Europa verbaut wird, aus Dresden. Und sie sind überall<br />
drin – vom Auto bis zur Waschmaschine.“<br />
Kann man sich auf dem Erfolg ausruhen?<br />
„Mitnichten! Wir wissen, dass in der Chip-Industrie alle sieben<br />
Jahre die Produktionsanlagen getauscht werden müssen, weil<br />
einfach die nächste Chip-Generation auf den Markt kommt.<br />
Es bleibt immer ein Wettlauf, dann wieder dabei zu sein. Hier<br />
in Dresden wird Zukunft hergestellt. Aber es sind nicht nur die<br />
Chips, auch die Zulieferindustrie kommt heute aus Sachsen und<br />
die vermarktet ihre Produkte weltweit.“<br />
„Die Welt wartet nicht auf uns.“<br />
Lars Rohwer, <strong>CDU</strong>-Digitalpolitiker<br />
Was bringen die ganzen <strong>Innovation</strong>en den Menschen<br />
hier vor Ort?<br />
„<strong>Innovation</strong>en bringen und erhalten Jobs! In unserem einzigartigen<br />
<strong>Innovation</strong>scluster forschen Wissenschaftler heute schon an<br />
Dingen, die morgen eine Arbeitsplatzsicherung und übermorgen<br />
eine Zukunftssicherung für Menschen im Strukturwandel sind.“<br />
Und der Strukturwandel bleibt für uns immer aktuell?<br />
„In den letzten 70 Jahren Bundesrepublik war es so: Die Deutschen<br />
haben etwas erfunden, dann produziert und es blieb<br />
dann immer dabei. Das stimmt so nicht mehr. Da bin ich bei<br />
Herbert Grönemeyer. Der sang: ,Bleibt alles anders‘. Es wird ein<br />
permanenter Wandel werden und wir müssen uns immer wieder<br />
neu darauf einstellen.“<br />
Wo tun wir das denn gerade?<br />
„Zum Beispiel bei der Solarindustrie. Nehmen wir die Firma<br />
Meyer Burger, ein Schweizer Unternehmen. In Hohenstein-<br />
Ernsthal haben sie Solarzellen entwickelt, die einen um 25 Prozent<br />
höheren Ertrag aus Sonnenlicht herausholen. Wir sind damit<br />
den chinesischen Produkten drei Jahre voraus!“<br />
Was kann Politik machen, um solche Prozesse voranzutreiben?<br />
„Politik muss die berühmten Rahmenbedingungen schaffen.<br />
Das sind Forschungseinheiten, eine innovative Umgebung für<br />
Universitäten und wir brauchen unbedingt Weltoffenheit. Denn<br />
nur so kommen die Wissenschaftler und Ingenieure zu uns, die<br />
es braucht, um ein neues Produkt zu kreieren. Und wir brauchen<br />
natürlich das nötige Kleingeld dafür.”<br />
Im Doppelhaushalt wurde auch sehr viel Geld für die<br />
industrienahe Forschung bereitgestellt?<br />
„Das ist die Unterstützung der Industrie, eine eigene Forschung<br />
zu betreiben. Wir haben nach wie vor in unseren Unternehmen<br />
zu wenig Forschungsanteil. Der Umsatz ist noch nicht so hoch,<br />
dass das von selbst gelingt. Mit dieser staatlichen Unterstützung<br />
können die Firmen wettbewerbsfähig bleiben und immer<br />
wieder an die Spitze kommen.“<br />
Wo sehen Sie Sachsen in 20 Jahren?<br />
„Im Jahr 2041 haben wir hoffentlich den Strukturwandel erfolgreich<br />
gestaltet. Es ist ja für die Menschen der zweite Strukturwandel<br />
nach dem Zusammenbruch der DDR.“<br />
Wie wichtig ist da das Vertrauen in <strong>Innovation</strong>en?<br />
„Das Vertrauen gehört unmittelbar dazu! Zum Beispiel das <strong>Thema</strong><br />
Elektro-Auto: Ich höre da ganz viel Skepsis. Das darf man nicht<br />
übersehen! Aber Sachsen wird gerade zum Zentrum der Elektromobilität.<br />
Wir müssen das Vertrauen in diese Technologie stärken.<br />
Also müssen wir uns alle auch ein bisschen bewegen.“<br />
14 15
Schauen wir einmal ins Digitale. War die Corona-Krise<br />
ein Katalysator für neue Entwicklungen?<br />
„Sie hat gezeigt, wie wichtig Anbindung, Ausstattung und Kompetenz<br />
für digitale Arbeitsweisen geworden ist. So zum Beispiel<br />
für Schüler, Lehrer oder Eltern. Da hat jeder gemerkt, wo unsere<br />
Baustellen liegen. Ich möchte Digital-Unterricht auch flächendeckend<br />
anbieten. Wenn ich aber irgendwo in der Lausitz sitze und<br />
habe kein Breitband und null Empfang, dann wird das so nichts.“<br />
Was hat Politik daraus gelernt?<br />
„Wir können nicht erst 20 Jahre warten. Ich glaube, der Ausbau<br />
geht schneller. Wir haben ja schon die Erfahrung aus der ersten<br />
Ausbaustufe, mit den sogenannten weißen Flecken. Gemachte<br />
Fehler können jetzt beim Ausbau der grauen Flecken vermieden<br />
werden. Es wird also schneller gehen. Aber dann komme ich wieder<br />
zu dem <strong>Thema</strong> Vertrauen zurück.“<br />
Inwieweit?<br />
„Wenn die Lehrerin kein Vertrauen darin hat, dass sie eine Klasse<br />
auch digital gut unterrichten kann, wird sie in der analogen Welt<br />
ihre Wagenburg bauen. Wir müssen hier auch Lehrer fit machen!“<br />
Welche Vorteile sehen Sie im digitalen Unterricht?<br />
„Vielleicht sitzen demnächst dank digitaler Lösungen nicht mehr<br />
28 Schüler im Unterricht, sondern nur noch die Hälfte, und für<br />
die andere ist eine Selbstverständlichkeit, von zu Hause dabei zu<br />
sein und zu lernen. Digitaler Unterricht muss aber dafür definitiv<br />
mehr sein als das Verteilen von schlechten Kopien und PDFs.“<br />
Was stellen Sie sich vor?<br />
„Es ist heute für viele Erwachsene schon eine Selbstverständlichkeit,<br />
an einer Videokonferenz teilzunehmen, während man von A<br />
nach B fährt. Es wird auch für Kinder normal, zum Beispiel während<br />
des Weges zum Sport, an einer digitalen Bildungseinheit<br />
teilzunehmen.“<br />
Wie werden sich Arbeitswelten verändern?<br />
„Genauso wie das schulische Leben sich verändern wird, wird<br />
es auch die Arbeitswelt. Mit meinem Büro habe ich dieses Jahr<br />
nur eine einzige Besprechung in Präsenz gemacht. Alles andere<br />
haben wir digital abgehalten. Am Anfang war es für alle ungewohnt.<br />
Aber jetzt ist eine Selbstverständlichkeit geworden und<br />
macht vieles einfacher.“<br />
Wie passt eigentlich innovativ und konservativ zusammen?<br />
„Wir müssen uns immer wieder neu auf den Weg machen.<br />
Das ist für mich als Konservativer die richtige Beschreibung<br />
von dem, was Fortschritt ist. Es muss nicht alles anders werden,<br />
sondern wir schauen uns die Dinge genau an. Wenn es<br />
bessere Wege gibt, dann müssen wir diese gehen. Die Welt<br />
wartet nicht auf uns.“<br />
GELD VOM FREISTAAT<br />
Der neue Doppelhaushalt sorgt für ein Gründerklima im Freistaat Sachsen und fördert<br />
gezielt <strong>Innovation</strong>en. Der Wissenschaftsetat ist um 44,4 Mio. Euro aufgestockt worden<br />
In Sachsen verbinden sich seit Jahrhunderten Tradition und Bei der Sächsischen Aufbaubank gibt es aktuell 26 Programme<br />
Hightech, regionale Wirtschaft und exzellente Wissenschaft im Bereich „Forschung, <strong>Innovation</strong> & Technologie“. Zum Beispiel<br />
können Forschungseinrichtungen mit der „Validierungs-<br />
kooperieren. Hier herrschen beste Studienbedingungen für<br />
die über 100.000 Studenten. Die Forschung und Lehre sind die förderung“ für 18 Monate bis zu 250.000 Euro bekommen, um<br />
Grundlage für später erfolgreiche Start-ups und <strong>Innovation</strong>en! Ideen zu marktreifen Produkten zu entwickeln. Für Kleine und<br />
mittelständische Unternehmen gibt es unter anderem eine<br />
Deshalb hat sich die <strong>CDU</strong>-Fraktion im Landtag auch für mehr „Technologietransferförderung“. Und für Start-ups kann es bis<br />
Geld in diesem Bereich starkgemacht. „Wir haben den Wissenschaftsetat<br />
im Doppelhaushalt um rund 44,4 Mio. Euro für rung innovativer Produkte“ über EU-Mittel geben.<br />
zu 150.000 Euro Zuschuss aus dem Programm „Markteinfüh-<br />
dieses und kommendes Jahr aufgestockt. Damit wächst er auf<br />
rund 3,78 Mrd. Euro“, sagt <strong>CDU</strong>-Wissenschaftspolitiker Oliver Der <strong>CDU</strong>-Finanzpolitiker Georg-Ludwig von Breitenbuch<br />
Fritzsche. Für die <strong>CDU</strong> bleibt auch die Landesforschungsförderung<br />
ein Schwerpunkt. „Im Doppelhaushalt stocken wir diese Ausgangspunkte für wirtschaftliche Entwicklung und da-<br />
erklärt: „<strong>Innovation</strong>en und technischer Fortschritt sind<br />
mit insgesamt 45 Mio. Euro weiter auf.“ Mit diesen Geldern mit für unseren Wohlstand. Deshalb unterstützen wir Forschung<br />
und Entwicklung mit Mitteln aus dem Haushalt.<br />
wird der Wissenstransfer in Forschungs- und Wirtschaftsbereichen<br />
unterstützt. So können sächsische Unternehmen <strong>Innovation</strong>spotenziale<br />
heben und im Wettbewerb bestehen. ten Strategie verbunden<br />
Dieses muss mit einer abgestimmten, langfristig angeleg-<br />
sein.“<br />
„Im Jahr 2041 haben wir hoffentlich den<br />
Strukturwandel erfolgreich gestaltet.<br />
Es ist ja für die Menschen der zweite<br />
Strukturwandel nach dem Zusammenbruch<br />
der DDR“, sagt Rohwer. <strong>Innovation</strong>en<br />
gehören unmittelbar dazu, sagt<br />
er, denn: „Es wird einen permanenten<br />
Wandel geben und wir müssen uns immer<br />
wieder neu darauf einstellen.“<br />
Georg-Ludwig von Breitenbuch<br />
<strong>CDU</strong>-Finanzpolitiker<br />
Auf Initiative der <strong>CDU</strong>-Fraktion<br />
sind der Wissenschaftsetat und<br />
die Landesforschungsförderung<br />
im neuen Doppelhaushalt weiter<br />
aufgestockt worden.<br />
FÜR DEN WOHLSTAND<br />
„<strong>Innovation</strong>en und technischer Fortschritt<br />
sind Ausgangspunkte für<br />
wirtschaftliche Entwicklung und damit<br />
für unseren Wohlstand.“<br />
16<br />
17
FORSCHERLAND UND<br />
INNOVATIONSSTANDORT<br />
Sachsen ist Wissenschaftsstandort. Vier staatliche Universitäten, fünf<br />
Hochschulen für angewandte Wissenschaft und eine große Anzahl<br />
außeruniversitärer Einrichtungen bringen das Land voran<br />
LEIPZIG<br />
Universität Leipzig, Hochschule für Musik und Theater<br />
„Felix Mendelssohn Bartholdy“, Hochschule für Grafik und<br />
Buchkunst, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur,<br />
Studienakademie<br />
LEIPZIG<br />
3 Institute der Max-Planck-Gesellschaft, 5 Institute der<br />
Leibniz-Gemeinschaft, 2 Institute der Fraunhofer-Gesellschaft,<br />
1 Helmholtz-Zentrum, 1 Helmholtz-Institut, 1 Landesforschungseinrichtung,<br />
1 Forschungszentrum (iDiv)<br />
MITTWEIDA<br />
Hochschule Mittweida<br />
MEINSBERG/WALDHEIM<br />
1 Landesforschungseinrichtung<br />
CHEMNITZ<br />
Technische Universität Chemnitz<br />
MITTWEIDA<br />
1 Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft<br />
GLAUCHAU<br />
Studienakademie Glauchau<br />
CHEMNITZ<br />
2 Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, 1 Forschungszent-<br />
LEIPZIG<br />
A 38<br />
Glauchau<br />
Zwickau<br />
A 72<br />
A 72<br />
A 4<br />
A 14<br />
Mittweida<br />
A 4<br />
CHEMNITZ<br />
Riesa<br />
Freiberg<br />
A <strong>13</strong><br />
DRESDEN<br />
A 17<br />
Bautzen<br />
A 4<br />
Zittau<br />
Görlitz<br />
ZWICKAU<br />
Westsächsische Hochschule Zwickau<br />
PLAUEN<br />
Studienakademie Plauen<br />
BREITENBRUNN<br />
Studienakademie Breitenbrunn<br />
FREIBERG<br />
Technische Universität Bergakademie Freiberg<br />
DRESDEN<br />
Technische Universität Dresden, Hochschule für Bildende<br />
Künste, Hochschule für Musik Carl Maria von Weber,<br />
Palucca Hochschule für Tanz, Hochschule für Technik und<br />
Wirtschaft, Studienakademie<br />
rum (MERGE)<br />
ZWICKAU<br />
1 Fraunhofer-Anwendungszentrum<br />
FREIBERG<br />
2 Standorte der Fraunhofer-Gesell., 1 Helmholtz-Institut<br />
DRESDEN<br />
3 Institute und Zentrum für Systembiologie der Max-<br />
Planck-Gesellschaft, 3 Institute der Leibniz-Gemeinschaft,<br />
1 Außenstelle der Leibniz-Gemeinschaft, 11 Einrichtungen<br />
der Fraunhofer-Gesellschaft, 1 Helmholtz-Zentrum, 1 Außenstelle<br />
eines Helmholtz-Zentrums, 3 Deutsche Zentren<br />
der Gesundheitsforschung, 1 Standort des Nationalen Zentrums<br />
für Tumorerkrankungen, 5 Landesforschungseinrichtungen,<br />
1 Standort der Universität der Vereinten Nationen,<br />
4 Forschungszentren (CRTD, cfaed, DIGS-BB, OncoRay)<br />
Plauen<br />
Breitenbrunn<br />
BAUTZEN<br />
Studienakademie Bautzen<br />
ZITTAU<br />
2 Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft<br />
ZITTAU/GÖRLITZ<br />
Hochschule Zittau/Görlitz<br />
GÖRLITZ<br />
1 Außenstelle der Leibniz-Gemeinschaft, 1 Einrichtung der<br />
RIESA<br />
Studienakademie Riesa<br />
Fraunhofer-Gesellschaft<br />
BAUTZEN<br />
1 Landesforschungseinrichtung<br />
18 19
LEICHT-GEWICHT<br />
An der TU Chemnitz arbeiten Forscher an den Leichtbau-Verbundstoffen<br />
der Zukunft. Ihre Technologie wird die Welt verändern<br />
© TU Chemnitz<br />
Prof. Dr. Kroll brennt für seinen Beruf: In der Fertigungshalle<br />
werden neue Verfahren erprobt,<br />
die die massentaugliche Herstellung neuer<br />
Verbundstoffe ermöglichen sollen. Dazu zählen<br />
kunststoffverstärkte Textilien genauso wie<br />
Leichtbaustrukturen mit extremer Stabilität.<br />
Insgesamt laufen aktuell über 230 Projekte im<br />
Forschungscluster MERGE.<br />
DAS IST EIN CLUSTER<br />
Cluster (englisch für ‚Traube', ‚Bündel', ‚Schwarm', oder<br />
‚Ballung') ist ein Konzept der Wirtschaftsförderung. Regionale<br />
Unternehmensnetzwerke werden durch die Politik<br />
geschaffen und gefördert und in Verbindung miteinander<br />
und der Wissenschaft gebracht. Bekannt wurde der Begriff<br />
durch den Wissenschaftler Michael E. Porter.<br />
Er schrieb 1990 über nationale Wettbewerbsvorteile und<br />
definierte einen Cluster als räumliche Konzentration von<br />
Unternehmen, spezialisierten Zulieferern, Dienstleistern,<br />
Firmen verwandter Branchen und Einrichtungen wie<br />
Universitäten und Unternehmensverbänden, die in einer<br />
Wertschöpfungskette miteinander verbunden sind. Die<br />
Akteure eines Clusters können in Konkurrenz zueinander<br />
stehen, aber eben auch in bestimmten Bereichen miteinander<br />
kooperieren und so voneinander profitieren. Bei der<br />
Cluster-Bildung gibt es ganz unterschiedliche Konzepte:<br />
Manche Cluster werden auch durch wissenschaftliche Einrichtungen<br />
vorangetrieben.<br />
Was haben Kunststoff, Metall, Textil und Smart Systems<br />
gemeinsam? Im Forschungscluster MERGE an der<br />
TU Chemnitz werden sie im wahrsten Sinne des Wortes<br />
in Verbindung gebracht. Denn hier befasst man sich mit<br />
grundlegenden Fragen des Leichtbaus. Bislang noch getrennte<br />
Schweißtechnologien für Elektrofahrzeuge. „Leichtbau<br />
ist eine Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz“, sagt<br />
Prof. Dr. Lothar Kroll, Leiter der Professur Strukturleichtbau<br />
und Kunststoffverarbeitung (SLK) und Koordinator<br />
der Zentralen Einrichtung MERGE. „Das ist eine Game-<br />
wichtsreduzierung im Fahrzeugbau Kohlendioxidausstoß<br />
reduziert werden kann. So stelle ich mir praktisch angewandten<br />
Klimaschutz vor, der unsere sächsische Wirtschaft<br />
international wettbewerbsfähig macht!“ MERGE ist<br />
dabei eine besondere Erfolgsgeschichte gelungen: 2012 bis<br />
mittleren Unternehmen zusammen, die sich keine eigene<br />
Forschungseinrichtung leisten konnten. Nach 2019 wurde<br />
MERGE zur zentralen Einrichtung der TU Chemnitz. Es gab<br />
rund 35 Mio. Euro vom Freistaat dazu – die Leichtbau-Allianz<br />
Sachsen wurde „ein Leuchtturm für den Freistaat“,<br />
Fertigungsprozesse und Basistechnologien werchanger-Technologie,<br />
die dazu beitragen kann, den<br />
2019 war das Projekt deutschlandweit das erste Bundes-<br />
sagt Prof. Kroll. Einer, der über Deutschland hinaus strahlt.<br />
den zusammengeführt, damit neue Herstellungsverfahren<br />
entstehen – etwa für textilverstärkte Kunststoffe.<br />
CO2-Ausstoß vielfach zu reduzieren!“ Auch die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Ines Saborowski ist begeistert: „Das Forschungscluster<br />
exzellenzcluster auf dem Gebiet der Leichtbauforschung.<br />
Mit rund 40 Mio. Euro von der Deutschen Forschungsge-<br />
Gerade erst wurde „Amulett“ angeschoben, ein großes<br />
Netzwerk-Projekt der EU mit mehr als 1.700 potentziellen<br />
Heraus kommen dann noch leichtere und sicherere<br />
MERGE beweist durch seinen<br />
meinschaft gefördert, forschten über 100 Wissenschaftler Partnern, das am 1. September startet. Die Leitung der euroexzellenzcluster<br />
Feuerwehrhelme, Windräder oder auch neue<br />
Erfinder- und Entwicklergeist, wie durch Ge-<br />
und Techniker zum <strong>Thema</strong> und arbeiteten mit kleinen und paweiten Leichtbau-Allianz liegt – natürlich – in Chemnitz.<br />
Ines Saborowski<br />
<strong>CDU</strong>-Wirtschaftspolitikerin<br />
20 21
ZUSAMMEN SIND<br />
SIE STARK<br />
GEFÖRDERTE KOOPERATIONS-<br />
NETZWERKE IN SACHSEN<br />
Kooperationsnetzwerke sind kurzfristiger und lokaler angelegt.<br />
Sie sollen bei der „Erhöhung der <strong>Innovation</strong>skraft und<br />
Wettbewerbsfähigkeit“ helfen<br />
Um im Wettbewerb bestehen zu<br />
können, sind Kooperationen wichtig.<br />
Der Freistaat Sachsen fördert<br />
einige von ihnen<br />
Die Globalisierung führt zu neuen Herausforderungen<br />
für Unternehmer und Forscher. Neue Ideen<br />
müssen schnell zur Marktreife gebracht werden.<br />
Um in diesem Wettstreit der <strong>Innovation</strong>en zu bestehen,<br />
braucht es Zusammenarbeit und Wissensaustausch.<br />
Im Freistaat Sachsen gibt es zwei<br />
Wege, wie Zusammenschlüsse von Unternehmen<br />
und Forschungseinrichtungen unterstützt werden:<br />
Kooperationsnetzwerke und <strong>Innovation</strong>scluster.<br />
HZWO – ANTRIEB FÜR SACHSEN<br />
In diesem <strong>Innovation</strong>scluster finden<br />
sich sächsische Unternehmen mit Forschungseinrichtungen<br />
zusammen. Ziel<br />
ist die Entwicklung neuer Antriebe mit<br />
Brennstoffzellen und Wasserstoff.<br />
SMART MEDICAL DEVICES AND<br />
THERAPIES<br />
Unternehmen aus dem Gesundheitsund<br />
Pharmaziebereich erhalten hier<br />
Unterstützung bei der Zertifizierung<br />
von Produkten und beim Marktzugang.<br />
HEALTH.TEXTIL 4.0<br />
In einer grenzüberschreitenden<br />
Kooperation mit Tschechien sollen in<br />
diesem Netzwerk innovative Textilien<br />
für die Gesundheitswirtschaft entwickelt<br />
und erprobt werden.<br />
NETZWERK SÜDWEST-<br />
SACHSEN DIGITAL<br />
Das Netzwerk will Unternehmen und<br />
Institutionen in Südwestsachsen bei der<br />
Digitalisierung unterstützen. Das soll die<br />
wirtschaftliche Infrastruktur stärken.<br />
ENERGY SAXONY<br />
Der geförderte Verein will die Energietechnologie,<br />
Elektromobilität und<br />
Digitalisierung in Sachsen voranbringen.<br />
Der Fokus liegt auf der Vermarktung<br />
von Spitzentechnologie.<br />
Kooperationsnetzwerke sind eher kurzfristig gedacht<br />
und meist auf lokaler Ebene aktiv. <strong>Innovation</strong>scluster<br />
dagegen zielen auf eine längere und<br />
mindestens sachsenweite Zusammenarbeit. Laut<br />
Richtlinie dienen Cluster der „branchenübergreifenden<br />
oder interregionalen Vernetzung zur Aktivierung<br />
der Marktchancen technologischer Potenziale<br />
im Freistaat Sachsen“.<br />
Aktuell werden in Sachsen acht Kooperationsnetzwerke<br />
und sechs <strong>Innovation</strong>scluster gefördert. Sie<br />
bilden die Vielfalt der sächsischen Wirtschaft und<br />
Forschungslandschaft ab.<br />
GEFÖRDERTE INNOVATIONS-<br />
CLUSTER IN SACHSEN<br />
SET4FUTURE<br />
Technologische <strong>Innovation</strong>en sollen<br />
Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Attraktivität<br />
des Verkehrsträgers Schiene,<br />
vor allem im Bereich des Regionalverkehrs<br />
und des ÖPNV, steigern.<br />
SENSORIK SACHSEN<br />
Die in Sachsen ansässigen Unternehmen<br />
und Forschungseinrichtungen<br />
im Bereich der Sensorik wollen sich<br />
mit diesem <strong>Innovation</strong>scluster auch<br />
digital vernetzen.<br />
INITIATIVE SUPPLY CHAIN<br />
EXCELLENCE SAXONY<br />
In diesem Netzwerk sollen die Kooperationen,<br />
die Internationalisierung und<br />
die Geschäftsmodelle in der Luft- und<br />
Raumfahrt weiterentwickelt werden.<br />
LESSIE<br />
Diese Kooperationsnetzwerk von<br />
KMUs, Technologielieferanten und Beratern<br />
ist auf das Schaffen von Smart<br />
Services, sogenannten datenbasierten<br />
Dienstleistungen, ausgerichtet.<br />
AGRONYM<br />
Im Selbstverständnis sieht sich der<br />
geförderte Verein als Plattform für<br />
den Austausch über technische Neuerungen<br />
und Entwicklungen in der<br />
Landwirtschaft.<br />
<strong>Innovation</strong>scluster sind in Sachsen auf eine längere und mindestens<br />
sachsenweite Zusammenarbeit angelegt. Sie dienen der<br />
branchenübergreifenden oder interregionalen Vernetzung.<br />
22<br />
SMART INFRASTRUCTURE HUB<br />
Das Cluster bringt Unternehmen und<br />
Forscher aus den Bereichen Energie,<br />
Smart City und E-Health zusammen.<br />
SMART SYSTEMS HUB<br />
In diesem Cluster wird der Ausbau<br />
des Internets der Dinge gefördert.<br />
Dazu sind über 450 Partner aus den<br />
Schlüsselbereichen Hardware, Software<br />
und Konnektivität verbunden.<br />
STARTNET<br />
Einheitliche Standards und Vorgaben<br />
für thermoplastische Faserverbunde,<br />
die etwa im Autobau oder auch Baugewerbe<br />
eingesetzt werden, sind das<br />
Ziel dieses Kooperationsnetzwerkes.<br />
BUILDING 3D<br />
Um den Ausbau des 3D-Drucks voranzutreiben,<br />
schaut dieser Zusammenschluss<br />
auf neue Verfahren, moderne<br />
Geschäftsmodelle und fortschrittliche<br />
Wertschöpfungsketten.
GRÜNDEN IM GRÜNEN<br />
In einer mittelsächsischen Gemeinde arbeitet Manuel Dudczig in virtuellen Räumen, die<br />
Produkte und Prototypen Kunden noch vor der Produktion näherbringen können<br />
Wenn das nicht mal eine entspannte Gründer-Atmosphäre<br />
ist! Auf der Wiese hinter dem Bauernhof der rund 2.800 Einwohner<br />
zählenden Gemeinde Königshain-Wiederau in Mittelsachsen<br />
hat Manuel Dudczig seinen Laptop auf einen Gartentisch<br />
aufgebaut. Hinter ihm liegt ein Lavendelfeld. „Das ist<br />
mein Homeoffice“, sagt der Gründer der Firma VRENDEX stolz.<br />
Seine innovative Geschäftsidee: Mittels modernster Technik<br />
Produkte, Prototypen und Prozesse erlebbar machen, bevor sie<br />
real werden. Dafür nutzt er Virtual-Reality-Brillen, 3D-Visualisierungen<br />
und 360-Grad-Aufnahmen. 2019 hat der wissenschaftliche<br />
Mitarbeiter der TU Chemnitz seinen Traum von der<br />
eigenen Firma verwirklicht. Im selben Jahr wurde er für den<br />
Sächsischen Gründerpreis nominiert. Ein Jahr später überzeugte<br />
Dudczig Volkswagen und war mit vier internationalen Startups<br />
beim „Future Mobility Inkubator“ des Autobauers dabei.<br />
Jetzt hat VRENDEX den renommierten „German Brand Award“<br />
für die Umsetzung des virtuellen Weihnachtsmarktes<br />
in Seiffen gewonnen. Wegen der Corona-Pandemie<br />
Thomas Schmidt<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter & Regionalminister<br />
konnte der 2020 nur digital stattfinden. Vor der Kulisse des erzgebirgischen<br />
Spielzeugdorfes shoppten so die Nutzer in 14 verschiedenen<br />
Hütten bei 44 sächsischen Manufakturen online.<br />
„Angereichert wird das Erlebnis durch <strong>Einblick</strong>e in Werkstätten<br />
und in lokale Kultur und Lebensart. Videos zeigen, wie die<br />
Produkte entstehen, Hersteller senden persönliche Botschaften,<br />
Musik und Lichter bringen die Weihnachtsstimmung<br />
nach Hause“, heißt es in der Preis-Begründung.<br />
Gründen im Grünen – wie einfach ist das? „Die Breitbandanbindung<br />
ist eine Herausforderung“, sagt Manuel Dudczig.<br />
Doch die Vorteile auf dem Land überwiegen. „Wenn ich eine<br />
kreative Idee brauch, geh ich raus und habe die Ruhe dazu.“<br />
Das sieht auch Sachsens Regionalminister und Landtagsabgeordneter<br />
Thomas Schmidt so: „Start-ups wie VRENDEX zeigen,<br />
dass <strong>Innovation</strong> nicht allein in Hochschulen und Großstädten<br />
zu Hause ist, sondern auch im ländlichen Raum. Hier wird<br />
Hochtechnologie von engagierten Unternehmern ganz praktisch<br />
umgesetzt. Sachsen bleibt auch weiterhin das Land der<br />
Erfinder und Macher.“<br />
PREIS FÜR OLED-ERFINDER<br />
Der OLED-Pionier Prof. Karl Leo aus Dresden ist für sein „Lebenswerk“<br />
mit dem Europäischen Erfinderpreis 2021 ausgezeichnet worden.<br />
Seine bahnbrechende Arbeit auf dem Gebiet der organischen Halbleiter<br />
habe die Elektroindustrie grundlegend verändert. Die Auszeichnung<br />
des Europäisches Patentamts (EPA) ist einer der renommiertesten<br />
<strong>Innovation</strong>spreise Europas.<br />
INNOVATION MIT TRADITION<br />
5 TIPPS<br />
FÜR DAS GRÜNDEN<br />
SAXEED unterstützt sächsische Start-ups bei<br />
den ersten Schritten. Seit sieben Jahren ist Dirk<br />
Liebers in dem Gründernetzwerk einer der Berater.<br />
Er gibt fünf Tipps für den erfolgreichen Unternehmenseinstieg.<br />
TIPP 1: EINEN INNEREN ANTRIEB HABEN<br />
„Der Entschluss zum Gründen muss von Beginn<br />
an klar sein. Die Erfahrung zeigt: Wer sein Ziel<br />
nicht zu 100 Prozent verfolgt, der wird mit seiner<br />
Idee scheitern.“<br />
TIPP 2: WISSEN UND ERFAHRUNG AUSBAUEN<br />
„Fortbildungen sind wichtig! Dies kann sich auf<br />
neue Entwicklungen zum Produkt oder Technologien<br />
beziehen, aber auch auf Wissen über den Markt.“<br />
TIPP 3: VIEL ZEIT MITBRINGEN<br />
„Ein Riesenthema und häufig unterschätzt: 60 bis<br />
80 Stunden Arbeit in der Woche sind bei Neugründungen<br />
üblich. Die Familie und Freunde müssen<br />
daher die Gründung mittragen.“<br />
TIPP 4: KAPITAL BESCHAFFEN<br />
„Eine marktfähige Idee mit durchdachtem Businessplan<br />
findet in der Regel eine Finanzierung.<br />
Allerdings müssen Gründerinnen und Gründer<br />
auch bereit sein, eigenes Geld in die Firma zu<br />
stecken. Gerade die Gründungskosten, der Notar<br />
und die Erstausstattung müssen häufig selbst<br />
bezahlt werden.“<br />
Manuel Dudczig sitzt mit seiner Virtual-Reality-Brille<br />
am Laptop. Der Gründer der Firma VREN-<br />
DEX studierte zuerst Sozialpädagogik in Mittweida<br />
und dann in Chemnitz Maschinenbau.<br />
Der Dresdener Gründer des Edel-Gins „Juniper Jack“, Jörg Fiedler, entwickelte<br />
mit einem Künstler aus Leipzig eine Art-Edition aus drei Vasen.<br />
Diese kommen aus der traditionsreichen Porzellanmanufaktur<br />
Meissen. Die erste Vase gefüllt mit Gin erschien Ende 2020, die zweite<br />
Anfang 2021 und war binnen vier Stunden ausverkauft. Die dritte Vase<br />
soll Ende dieses Jahres erscheinen.<br />
TIPP 5: NETZWERKE STÄRKEN<br />
„Vitamin N ist sehr wichtig. Wissen, Erfahrungen<br />
und Kapital kommen häufig aus dem Netzwerk.<br />
Wer zur richtigen Zeit die richtigen Leute kennenlernt,<br />
der hat häufig einen Vorteil.“<br />
Link: www.saxeed.net<br />
24<br />
25
„dguard“ verschafft Motorradfahrern mit einem<br />
Knopfdruck Kontakt mit der Rettungsstelle (112)<br />
und übermittelt dorthin automatisch die aktuelle<br />
Position – auch wenn der Motorradfahrer gerade<br />
nicht ansprechbar ist.<br />
Inzwischen beschäftigt DIGADES etwa 160 Mitarbeiter. Die<br />
eigentümergeführte GmbH erwirtschaftete 2020 etwa 19,2<br />
Mio. Euro. In einem wachsenden Markt investiert das sächsische<br />
Unternehmen bewusst. „In das kürzlich in Betrieb<br />
genommene Entwicklungszentrum wurden 7,5 Mio. Euro<br />
investiert, um künftig weiter die Nase vorn zu haben und<br />
innovative Produkte und Anwendungen in der Automotive-Elektronik<br />
erfolgreich am Markt zu positionieren“, freut<br />
sich Stephan Meyer.<br />
Wichtig dabei: Das Unternehmen bleibt im Familienbesitz.<br />
Als Gründer Lutz Berger Ende Februar 2021 die Geschäftsführung<br />
aufgab, übernahmen seine Söhne Sascha und Tim<br />
Berger das Unternehmen. „Damit gehen wir als Familienunternehmen<br />
einen wichtigen Schritt für Kontinuität,<br />
Stabilität und Wachstum auch in Zukunft. Ich möchte mich<br />
an dieser Stelle bei all unseren Mitarbeitern für die vielen<br />
schönen gemeinsamen Erlebnisse und Erfolge in den zurückliegenden<br />
Jahren, sowie die tatkräftige Unterstützung<br />
bedanken. Meine aktive Zeit bei DIGADES hat mir viel Freude<br />
bereitet und mir immer das Gefühl gegeben, auf jeden persönlich,<br />
als Team und als DIGADES-Familie bauen zu können“,<br />
erklärte Lutz Berger zur Übergabe.<br />
Im März eröffnete DIGADES das neue Entwicklungszentrum. Auf drei Stockwerken<br />
mit 2.260 qmNutzfläche haben die Entwicklungsabteilung und entwicklungsnahe<br />
Bereiche wie das Projektmangement oder auch der Vertrieb ihren Platz gefunden.<br />
7.5 Mio. Euro investierte das Unternehmen in den Neubau.<br />
HILFE AUF<br />
KNOPFDRUCK<br />
Das intelligente Motorrad-Notrufsystem von DIGADES aus Zittau ruft automatisch<br />
Hilfe bei Unfällen. Neuestes Produkt der Firma ist ein Corona-Warn-Buzzer<br />
Familiengeführt und ein sogenannter Hidden Champion, schichte des familiengeführten <strong>Innovation</strong>sunternehmens<br />
also ein heimlicher Weltmarkführer – das ist DIGADES. Gegründet<br />
wurde das Unternehmen 1991 von Lutz Berger mit begann“, sagt der Zittauer <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Stephan Meyer.<br />
in Zittau, das als Garagenfirma und Hochschulausgründung<br />
sechs weiteren Gesellschaftern in Kittlitz bei Löbau. Über die Zu den Produkten von DIGADES gehören Bedienelemente mit<br />
Jahre wurde aus dem Büro für Ingenieurdienstleistungen ein Sonderfunktionen, Komfort- und Sicherheitselektronik und<br />
internationaler Automobilzulieferer.<br />
Hochleistungs-Fernbediensysteme für Geschäftskunden als<br />
auch eigens für den Endkunden entwickelte und produzierte<br />
Heute wird an den drei Standorten in Zittau, Dresden und Elektroniklösungen, beispielsweise Sicherheitselektronik für<br />
Nordhausen produziert. „DIGADES ist eine tolle Erfolgsge-<br />
Motorradfahrer.<br />
Seine Söhne sind für die Aufgabe gut vorbereitet. „Wir<br />
freuen uns auf diese Herausforderung und wollen mit unseren<br />
Mitarbeitern die Entwicklung von DIGADES auch weiterhin<br />
aktiv gestalten. Gemeinsam wollen wir in unserer Region<br />
etwas bewegen und unsere Kunden mit innovativen Ideen<br />
überzeugen, die das Leben der Menschen einfacher, komfortabler<br />
und sicherer machen“, sagt Sascha Berger. Sein Bruder<br />
Tim ergänzt: „Gleichzeitig danken wir unserem Vater, der das<br />
Unternehmen in den zurückliegenden Jahren geprägt und<br />
damit ein starkes Fundament für die Zukunft gelegt hat.“<br />
Weltweit bekannt ist DIGADES für sein Sicherheitssystem<br />
„dguard“. Mit diesem können Motorradfahrer per GPS und<br />
GSM positionsgenau Rettungskräfte an einen Unfallort rufen.<br />
Mitte vergangenen Jahres kam eine neue Version des intelligenten<br />
Notrufsystems auf den Markt. Mit dieser können<br />
Motoradfahrer „dguard“ nun auch selbst nachrüsten.<br />
Die Entwicklung neuer Produkte ist wichtig für das Unternehmen.<br />
„DIGADES steht für Unternehmermut und feste Verwurzelung<br />
in unserer Heimat. Wir tun gut daran, die Bedingungen<br />
für das weitere Wachstum durch Technologieförderung und<br />
die Stärkung unseres Hochschulstandortes im Dreiländereck<br />
weiter zu verbessern“, sagst <strong>CDU</strong>-Politiker Meyer.<br />
Die Firma arbeitet dabei auch als Systemlieferant auf Bestellung. Rund 1,2 Mio. Baugruppen<br />
„mit hohen spezifischen Anforderungen“ entstehen so jedes Jahr – manuell<br />
oder auch vollautomatisiert. DIGADES kann dabei die Kapazitäten problemlos<br />
und kurzfristig erweitern.<br />
26 27
DIE ZUKUNFT DER<br />
LUFTFAHRT KOMMT<br />
„Digitaler Schutzengel“ nennt das Unternehmen sein Produkt<br />
„dguard“. Das intelligente Notrufsystem kann auch<br />
Hilfe holen, wenn der Motorradfahrer selbst nicht mehr<br />
ansprechbar ist. Automatisch übermittelt es den Standort<br />
an die Notrufstelle. Das Gerät hilft aber auch, wenn man<br />
als Ersthelfer an einer Unfallstelle eintrifft.<br />
AUS KAMENZ<br />
Kamenz gelangt zu neuen Höhen. Auf dem<br />
Verkehrslandeplatz wird die Zukunft des<br />
Fliegens mitentwickelt<br />
Auf dem Flugplatz Kamenz und in der Lausitz werden<br />
künftig Tests zur Anwendung von Drohnen und Datenübertragung<br />
sowie Aufgaben im Sicherheitsmanagement<br />
bei Drohnenanwendungen durchgeführt.<br />
Für Aufsehen sorgte dabei zuletzt der Corona-Warn-Buzzer.<br />
Das autoschlüsselgroße Warnsystem soll bei der Bekämpfung<br />
der Pandemie helfen. Entwickelt wurde dieser von DI-<br />
GADES gemeinsam mit dem Barkhausen Institut Dresden,<br />
der Exelonix GmbH aus Dresden und FEP Fahrzeugelektrik<br />
Pirna. „Wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden, die datenschutzkonform<br />
auch Personen in die elektronische Kontaktverfolgung<br />
einbinden kann, die entweder kein Smartphone<br />
besitzen oder die App nicht nutzen möchten“, erklärt<br />
Sascha Berger. Getestet wurde der Buzzer mit Hilfe von 2.500<br />
Probanden im sächsischen Augustusburg.<br />
Stephan Meyer<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
EINE ERFOLGSGESCHICHTE<br />
„DIGADES ist eine tolle Erfolgsgeschichte<br />
eines familiengeführten<br />
<strong>Innovation</strong>sunternehmens in Zittau,<br />
das als Garagenfirma und Hochschulausgründung<br />
begann.“<br />
Das kleine elektronische Warnsystem soll an Orten zum<br />
Einsatz kommen, wo Personen auf engem Raum und ohne<br />
Smartphone zusammentreffen. Denkbar wäre so die Anwendung<br />
für Kita- und Grundschulkinder sowie Senioren.<br />
Wichtig ist hier aber auch der Datenschutz.<br />
Der Corona-Warn-Buzzer wird zwar als App ohne Smartphone<br />
bezeichnet. Aber im Gegensatz dazu legt er auf die Privatsphäre<br />
seiner Nutzer hohen Wert. So werden seine Daten z.B.<br />
nicht auf Server in Übersee gespeichert. Auch eine direkte<br />
Verbindung zum Internet ist nicht nötig.<br />
Die Spezialisten von DIGADES<br />
entwickeln auch elektronische<br />
Steuergeräte auf Bestellung.<br />
Mit den Brüdern Wright lernte der Mensch fliegen. Das war zu<br />
Beginn des 20. Jahrhunderts. Seitdem sind viele Jahre vergangenen.<br />
Aus den leichten Gleitflugzeugen der Anfangsjahre<br />
sind tonnenschwere Jumbojets geworden. Die<br />
Entwicklung ist aber noch lange nicht am Ende.<br />
Heute geht es um Drohnen, umweltfreundliche<br />
Antriebe und Flugtaxis.<br />
„Die Zukunft der Luftfahrt beginnt in Sachsen. Und zwar direkt<br />
bei uns in Kamenz“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Aloysius Mikwauschk.<br />
Auf dem Verkehrslandeplatz wurde Anfang 2020 das<br />
Forschungs- und Flugerprobungszentrum für autonomes und<br />
elektrisches Fliegen (AEF) gegründet. Beteiligt sind verschiedene<br />
Fraunhofer-Institute, Universitäten und internationale<br />
Partner. Sie wollen gemeinsam zum Beispiel Wasserstoffantriebe<br />
für Flugzeuge oder Navigationsgeräte mit künstlicher<br />
Intelligenz entwickeln. „Schon 9 Monate nach der Gründung<br />
kann AEF erste Erfolge und Alleinstellungsmerkmale in Sachsen<br />
mit tollen Aussichten und Perspektiven aufzeigen und<br />
nachweisen“, sagt Thomas Ernstberger, Mitbegründer und<br />
Geschäftsführer der AEF. Eines dieser erfolgreichen Projekte<br />
ist die Steuerung von Drohnen über eine 5G-Verbidnung. „Das<br />
Ergebnis ist beeindruckend. In Kooperation mit unseren Partnern<br />
können wir Tests zur Anwendung von Drohnen und dem<br />
Sicherheitsmanagement bei Drohnenanwendungen durchführen“,<br />
freut sich Thomas Ernstberger. In den kommenden<br />
Monaten wird zum Beispiel ein neuer Flughangar in Betrieb<br />
genommen. „Wir sind in der Lausitz bei der Entwicklung neuer<br />
Produkte für die Luftfahrt zukunftssicher aufgestellt“,<br />
sagt <strong>CDU</strong>-Politiker Mikwauschk.<br />
28<br />
Aloysius Mikwauschk<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
29
Der Klima- und Umweltschutz steht derzeit<br />
im Fokus. In Sachsen leisten innovative<br />
Unternehmen Pionierarbeit. Ihr Engagement<br />
zahlt sich aus<br />
Unternehmer Gerhard Wilhelm gründete im Landkreis<br />
Leipzig seine Firma. Er ist spezialisiert auf den<br />
Anbau von Spirulina-Algen (Kreis).<br />
Spirulina platensis ist grün-blau, einen halben Millimeter<br />
lang und windet sich um die eigene Achse. Diese kleine<br />
Alge hat es ganz groß in sich: Mit ihren 2075 Wirkstoffen<br />
ist Spirulina eine wahre Nährstoffbombe und wurde bereits<br />
von den Azteken und Mayas als Nahrungs- und Heilmittel<br />
verwendet. Am chinesischen Hof galt sie als Delikatesse.<br />
2009 hatte der Unternehmer Gerhard Wilhelm in der<br />
knapp 3.800-Einwohner-Gemeinde Thallwitz im Landkreis<br />
Leipzig die Idee, die Spirulina-Alge zu züchten. „Eigentlich<br />
wollte ich an Biogas-Anlagen Algenfarmen koppeln, um<br />
mit ihnen das Kohlendioxid zu nutzen. Eine super Idee, aber<br />
nicht realisierbar, wie sich herausstellte“, erzählt er.<br />
Gerhard Wilhelm mit Tochter Stephanie Borchers<br />
WIR<br />
VERÄNDERN<br />
DIE WELT<br />
zum Positiven<br />
Auch wenn das Konzept nicht aufging, Wilhelm gab nicht<br />
auf. „Wir hatten ja schon die Algenproduktion entwickelt. Mit<br />
meinem Freund Peter Helbig, einem Heilpraktiker aus Wurzen,<br />
gingen wir an nutzbare Produkte.“ 2016 war die Firma<br />
EUSPIRON gegründet und ein Gewächshaus im Gewerbegebiet<br />
gebaut. Hier werden die Spirulina-Algen in Wasserbecken<br />
nach einem patentierten Verfahren gezüchtet. Das hat<br />
Wilhelm mit der Fakultät für Biowissenschaften an der Uni<br />
Leipzig und mit Dr. Svetlana König vom Helmholtz-Zentrum<br />
für Umweltforschung entwickelt. Danach kann die Alge<br />
erntefrisch verarbeitet werden. So bleiben ihre Inhaltsstoffe<br />
für Therapie- und Kosmetikprodukte erhalten.<br />
Wilhelms Tochter Stephanie Borchers hat im vergangenen<br />
Jahr die Geschäftsführung von EUSPIRON übernommen. Sie<br />
sagt stolz: „Unser Algenpad mit der erntefrischen Spirulina<br />
gab es noch nicht. Wir sind die Einzigen, die es zur äußeren<br />
Anwendung frisch anbieten.“ Bis zu sechs Tage ist es<br />
im Kühlschrank haltbar. EUSPIRON liegt im Wahlkreis des<br />
Wurzener <strong>CDU</strong>-Abgeordneten Kay Ritter. Er unterstützt die<br />
Macher und sagt: „Das Unternehmen zeigt, wie innovativ<br />
der ländliche Raum ist! Mit kleinen Algen verändert Gründer<br />
Gerhard Wilhelm die Welt vom Landkreis Leipzig aus.“<br />
WATTTRON BEFASST SICH MIT VERPACKUNGEN<br />
Von Entwicklungserfolgen weiß auch die TU-Dresden-Ausgründung<br />
Watttron zu berichten. 2016 erfolgte der große<br />
Marcus Stein und Ton Knipscheer von Watttron<br />
CEO Taavi Madiberk und Chairman Oliver Ahlberg von Skeleton Technologies<br />
30 31
Schritt. Das Freitaler Unternehmen bietet innovative Verpackungsmaschinen<br />
an. „Unsere digitalen Systeme sind zum<br />
Beispiel in der Lage festzustellen, wenn die Siegelfolie beim<br />
Joghurtbecher nicht an der richtigen Position platziert ist<br />
und dadurch das Verschließen nicht reibungslos durchgeführt<br />
werden kann“, erklärt Kathrin Eckhardt, Marketing-<br />
Managerin bei Watttron.<br />
Die Entwicklung bleibt hier aber nicht stehen. Der Umweltschutz<br />
rückt gerade in den Fokus. „Alles dreht sich um das<br />
<strong>Thema</strong> Nachhaltigkeit. Es geht um die Vorgaben und Ziele<br />
der EU, wonach große Hersteller angehalten sind, bis 2030<br />
auf 100 Prozent recyclebare Verpackungen umzustellen“,<br />
schaut Kathrin Eckhardt voraus. Auch Watttron kündigte<br />
daher an, mit Plastikverpackungen bewusster umzugehen.<br />
die Produkte von Skeleton Technologies im Automobilbereich,<br />
im Transportgewerbe und in der Industrie. Investoren<br />
unterstützten das Unternehmen mit 140 Mio. Euro. Damit<br />
will Skeleton Technologies bis 2023 globaler Marktführer<br />
werden. Mit einem Standort in Tallinn ist die Firma bereits<br />
international vertreten.<br />
Weltweit Vorbild in der Technologie-Entwicklung zu werden<br />
ist für Skeleton Technologies ein wichtiges Ziel. „Der<br />
Klimawandel ist die größte Geschäftsmöglichkeit seit der<br />
Revolution durch das Internet und Europa hat die Chance,<br />
hier wegweisend zu sein. Die neuen Decacorns werden aus<br />
den Bereichen Cleantech sowie Greentech kommen und wir<br />
müssen europäische Firmen dazu befähigen, unter ihnen zu<br />
sein“, schreibt CEO Taavi Madiberk im firmeneigenen Blog.<br />
VOM VEB<br />
ZUM INNOVATIVEN<br />
WELTMARKTFÜHRER<br />
SKELETON SPEICHERT ENERGIE<br />
Energie zu sparen ist das große Ziel von Skeleton Technologies.<br />
Das Unternehmen aus Großröhrsdorf produziert Ultrakondensatoren.<br />
Durch eine höhere Energiedichte sind die<br />
leistungsstärker als herkömmliche Speicher. Die Speicher<br />
des Unternehmens konkurrieren dabei gegen<br />
Lithium-Ionen-Batterien. Eingesetzt werden<br />
Kay Ritter<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
Als Experte sprach der Unternehmer mit anderen Gründerinnen<br />
und Gründern auf dem European Next Gen Innovators<br />
Summit 21 unter anderem über technische Souveränität<br />
und die grüne Transformation. Als Mitglied der<br />
Unicorn Group unterstützt Skeleton Technologies auf europäischer<br />
Ebene den Willen, führend in Lösungen gegen den<br />
Klimawandel zu werden.<br />
In der Produktion von Skeleton Technologies in<br />
Großröhrsdorf im Landkreis Bautzen werden die<br />
Module und Zellen ausführlich getestet. Die hohe<br />
Qualität ist für die lange Lebensdauer der Akkumulatoren<br />
verantwortlich.<br />
Einst kauften Ost und West Verpackungsmaschinen aus Dresden. Nach<br />
der Wiedervereinigung wurde die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben<br />
Die Verpackungsmaschinen<br />
aus Dresden<br />
waren schon vor der<br />
Wende bekannt.<br />
Wann haben Sie Ihr letztes Ricola-Bonbon genascht? Hätten<br />
Sie dabei gedacht, dass es von einer Maschine aus Dresden<br />
verpackt wurde? Und zwar einer, die bei „Theegarten-Pactec“<br />
gebaut wurde. Die Firma hat sich auf das Verpacken<br />
von kleinen Süßwaren spezialisiert und ist in ihrer Nische<br />
sogar Weltmarktführer!<br />
Alles begann vor rund 200 Jahren. Damals war Sachsen ein<br />
wichtiger Standort der Schokoladenproduktion. Über die Elbe<br />
kam der Grundstoff Kakao preiswert und schnell von Hamburg<br />
nach Dresden. Mit der aufkommenden industriellen<br />
Fertigung kam die Nachfrage nach maschineller Verpackung<br />
des Naschwerkes. Bis dahin lief das aufwendig von Hand.<br />
Die allerersten Maschinenfabriken dafür waren die Freitaler<br />
„Spezialmaschinen- und Wachspapierfabrik Otto Hänsel“<br />
und die Dresdner „Spezialmaschinenfabrik Max Loesch“.<br />
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1950 aus diesen Traditionsfirmen<br />
der VEB Schokoladen- und Verpackungsmaschinen<br />
Dresden, kurz Schokopack. 1972 wurde er zum<br />
32<br />
33
Nagema stand für Nahrungs- und Genussmittel Maschinenebau.<br />
Theegarten-Patec residiert heute in einem modernen Neubau in Dresden.<br />
Der geschäftsführende Gesellschafter Markus Rustler im Betrieb<br />
VEB Verpackungsmaschinenbau Dresden und war bis 1990<br />
Leitbetrieb des Kombinates Nagema. Das beschäftigte am<br />
Ende rund 21.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete Waren im<br />
Wert von 1,5 Mrd. Mark sowie ein Exportvolumen von rund 1<br />
Mrd. Valuta-Mark im Ostblock.<br />
Dann kam die Wiedervereinigung. Das Kombinat Nagema<br />
wurde zu einer Aktiengesellschaft. Im Rahmen einer Neustrukturierung<br />
löste sich 1991 der VEB Verpackungsmaschinenbau<br />
Dresden als Pactec GmbH heraus. Und schon gaben<br />
sich die Interessenten die Klinke in die Hand.<br />
Dabei waren große Firmen wie Bosch, Krupp und Rowema.<br />
Auch das Kölner Familienunternehmen Rose-Theegarten<br />
suchte das Gespräch – mit Erfolg! Da es kaum Überschneidungen<br />
bei den Maschinen gab, hoffte man auf Synergieeffekte.<br />
So entstand die „Theegarten-Pactec“. Anders als in<br />
vielen Branchen wurde der Dresdner Standort nicht zur verlängerten<br />
Werkbank, die irgendwann dichtgemacht wurde.<br />
Denn bald war klar, dass die Synergieeffekte ausbleiben.<br />
Deshalb entschied sich 1997 die Firma von Köln nach Dresden<br />
zu ziehen. Heute ist Markus Rustler geschäftsführender<br />
Gesellschafter in vierter Generation. Er sagt: „Hier in Dresden<br />
waren die Voraussetzungen besser und das Know-how<br />
der Mitarbeiter größer.“ Heute hat er 400 Mitarbeiter.<br />
Wie schafft man es, Weltmarktführer zu werden? Auch<br />
wenn die Nische klein ist, geht dies nur mit <strong>Innovation</strong>en.<br />
„Dafür ist der deutsche Mittelstand berühmt“, sagt<br />
Geschäftsführer Markus Rustler. Sein unternehmerischer<br />
Ansatz: „Wir wollen immer Technologieführer, aber nicht<br />
Preisführer sein.“ Ein Konzept, dass aufgeht. Die traditionell<br />
guten Beziehungen von Theegarten in den Westen und Pactec<br />
in den Osten ergänzten sich perfekt und trugen ihren<br />
Teil zu einem globalen Erfolg bei.<br />
Im Wahlkreis des Dresdner <strong>CDU</strong>-Abgeordneten Martin Modschiedler<br />
befindet sich „Theegarten-Pactec“. Er sagt: „Das mittelständische<br />
Familienunternehmen ist eine deutsch-deutsche<br />
Erfolgsgeschichte und ein wichtiger Arbeitgeber in<br />
Dresden. Er überzeugt durch innovative Ideen, den Einsatz<br />
neuester Technologien und mit Ingenieurskunst<br />
auf höchstem Niveau. So geht sächsisch!“<br />
Martin Modschiedler<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
IM ABGANG<br />
FRUCHTIG<br />
Kenner wissen schon lange: Wein ist<br />
vielseitig. Jetzt kann man den edlen Tropfen<br />
allerdings sogar kauen. Das ist auch für<br />
Sommeliers etwas Neues<br />
Die Liebe steckt im Detail. In Handarbeit füllt und wiegt<br />
Susanne Gebhardt ihre Weingummis ab. Es ist viel zu tun.<br />
Seit der ersten Produktion Anfang 2021 ist der ElbWeingummi<br />
sehr beliebt geworden. Die Besonderheit: echter Wein<br />
aus der Region. „Ich habe ursprünglich nach einem Weg<br />
gesucht, Wein und Saft von kleinen Winzern zu vermarkten<br />
und zu verwenden“, erklärt Susanne Gebhardt ihre Idee.<br />
Am Rezept für die Weingummis arbeitete die Jungunternehmerin<br />
mehrere Jahre. Bereits 2018 kam ihr die Idee. Ihr<br />
Ziel war: Naschen mit Genuss und Verantwortung. Auf der<br />
einen Seite nutzt Susanne Gebhardt Trauben vom Weinberg<br />
der Familie. Auf der anderen Seite kauft sie Weine und<br />
Säfte dazu. „Die Winzer der Weinbaugemeinschaft Cossebaude/Merbitz<br />
sind zum Beispiel gute Partner“, sagt Susanne<br />
Gebhardt. Nachhaltig ist nicht nur die Produktion,<br />
sondern auch das Engagement des sächsischen ElbWeingummis.<br />
Drei Prozent des jährlichen Umsatzes gehen in<br />
den Erhalt der Natur im Elbtal.<br />
Die Produktion des Weingummis hat ihren Sitz in einer<br />
alten Meißner Fleischerei gefunden. Als Einzelunternehmerin<br />
steht Susanne Gebhardt bisher allein in der Küche.<br />
„Im August fängt unser erster Mitarbeiter an“, freut sie<br />
sich. Dann wird die Wintersaison geplant. Auf die freut sich<br />
auch die Meißener <strong>CDU</strong>-Angeordnete Daniela Kuge. Sie<br />
sagt: „Es ist toll, was Susanne Gebhardt aus unserem leckeren<br />
Wein macht. Das ist eine tolle Idee, die dazu auch noch<br />
schmeckt. Wir brauchen mehr so engagierte Gründerinnen<br />
wie sie. Dafür setze ich mich im Landtag ein.“<br />
Die Weingummis sind erst der Anfang. Schon<br />
zum Winter sollen noch Weingelee mit Schokolade<br />
ummantelt und gefüllte Domino-Steine<br />
dazukommen, verrät Susanne Gebhardt.<br />
Ihr Markenzeichen: Sie verwendet nur Wein<br />
und Saft aus der Region.<br />
34<br />
35
DA STAUNT DER PRÄSIDENT<br />
DESIGN MIT HALT<br />
Menschen werden immer älter. Damit verändert sich auch, wie wir wohnen. Das<br />
Leipziger Designbüro etage8 will diesen Wandel mit Möbeln gestalten<br />
INNOVATIVE MASCHE<br />
STS Textiles aus Grünbach hat einen<br />
Stoff erfunden, der kühlt und wärmt<br />
Heimtextilien und Stoffe für den Automobilbereich,<br />
das ist das Gebiet von STS Textiles. Aber<br />
die Firma aus Grünbach im Vogtland setzt auch auf<br />
<strong>Innovation</strong>. Drei Jahre tüftelte das Team an einem<br />
Gewebe, das thermische Energie speichern und<br />
nach Bedarf kühlen oder wärmen kann. Das Ergebnis:<br />
ein wahrer Wunderstoff aus Paraffin, einem<br />
synthetischen Wachs, der Fassaden zuverlässig<br />
dämmt oder am Körper vor extremer Kälte und<br />
Hitze schützt. Die umweltschonende Entwicklung<br />
brachte dem Unternehmen mehrere Auszeichnungen,<br />
darunter als „Top-Innovator“. Geschäftsführer<br />
Markus Tutsch sagt: „Sachen hat die höchste Dichte<br />
an Forschungseinrichtungen und Hochschulen<br />
in unserem Schwerpunkt europaweit. Diese Struktur<br />
erlaubt es uns, Anforderungen und Trends aus<br />
dem Markt aufzunehmen“. Der Parlamentarische<br />
Geschäftsführer der <strong>CDU</strong>-Fraktion, Sören Voigt,<br />
selbst aus dem Vogtland, ergänzt: „Die Textilindustrie<br />
hat im Vogtland eine lange Tradition. STS Textiles<br />
zeigt, wie modern und innovativ<br />
diese heute sein kann.“<br />
Sören Voigt<br />
Parlamentarischer Geschäftsführer<br />
1,2 Mrd. Euro hat Volkswagen in die E-Autofabrik in Zwickau investiert.<br />
Hier werden ausschließlich klimafreundliche Elektrofahrzeuge<br />
produziert. Bei seinem Besuch Ende Juni bekam Bundespräsident<br />
Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident<br />
Michael Kretschmer einen Eindruck davon, wie das Autoland Sachsen<br />
ein Kompetenzzentrum für Elektromobilität wird.<br />
WIEDER SOLAR AUS SACHSEN<br />
Die Schweizer Firma Meyer Burger hat im Mai in Freiberg ihre neue<br />
Produktionsstätte für Solarmodule eröffnet. Dafür hat der Maschinenbauer<br />
das Werk des 2018 pleitegegangenen Solarmodul-Herstellers<br />
„Solarworld“ übernommen, modernisiert und automatisiert. In Verbindung<br />
mit einem Solarzellenwerk in Thalheim (Sachsen-Anhalt)<br />
sollen in der Region langfristig 3.500 Arbeitsplätze entstehen.<br />
Selbstbestimmt Leben: ein Wunsch bis ins hohe Alter. Auch<br />
Menschen mit Bewegungseinschränkungen wollen eigenständig<br />
wohnen. Mit ihren Möbeln der Marke Mormor<br />
wollen die Kreativen von etage8 dies möglich machen. „Besondere<br />
Gestaltungselemente sorgen dabei nicht nur für<br />
ein sicheres Gefühl und mehr Bewegungsfreiheit,<br />
sondern verringern auch unnötige Stürze<br />
und Verletzungen“, sagt Benjamin Hein,<br />
Geschäftsführer und Mitbegründer von<br />
etage8. Das Leipziger Unternehmen<br />
setzt auf ein sicheres und langlebiges<br />
Design. „Gestaltung als Basis gibt uns die<br />
Möglichkeit, sinnvolle Funktionen in Produkte<br />
zu integrieren, ohne dass diese dabei<br />
in ihrer Optik stigmatisieren“, erklärt Hein.<br />
Ein Beispiel dafür ist der Tisch HALT (Foto).<br />
Die Möbel von Etage8 sollen älteren Menschen<br />
das Leben leichter machen. Die Bauteile<br />
werden ausschließlich in Deutschland<br />
hergestellt und montiert.<br />
„Er bietet durch einen komplett umlaufenden Handlauf aus<br />
Holz genau das, was schon im Namen steckt – sicheren Halt“,<br />
erklärt der Produktgestalter. Außerdem können an dem umlaufenden<br />
Handlauf einfache Gymnastikübungen gemacht<br />
werden. Mit ihren Produkten von Mormor gewann etage8<br />
bereits mehrere deutsche und internationale Preise. „Unsere<br />
Bauteile werden ausschließlich in Deutschland produziert.<br />
Zusammengesetzt und geprüft werden sie im Herzen<br />
Deutschlands bei uns in Leipzig“, erklärt Benjamin Hein<br />
den Arbeitsablauf. Der Leipziger <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Wolf-Dietrich Rost sagt: „Auf diese Firma können<br />
wir in Leipzig zu Recht stolz sein. Als <strong>CDU</strong> werden<br />
wir alles tun, damit solche Unternehmen<br />
in unserer Stadt ein kreatives<br />
Klima vorfinden und erfolgreich<br />
wachsen können.“<br />
36 37
DIE INTELLIGENTE<br />
FABRIK<br />
In Dresden hat Bosch die Chip-Fabrik der Zukunft eröffnet. Automatisiert, voll<br />
vernetzt, mit künstlicher Intelligenz gesteuert, setzt das Werk weltweit Maßstäbe<br />
In dem neuen Boschwerk werden Chips<br />
für das Internet der Dinge und die Autoindustrie<br />
gefertigt. Rund eine Milliarde<br />
Euro hat der Konzern in den Standort investiert.<br />
Später sollen hier einmal bis zu<br />
700 Mitarbeiter arbeiten. Der Branchenverband<br />
„Silicon Saxony“ wie auch die<br />
Politik erhoffen sich von der Eröffnung<br />
eine Sogwirkung in die Branche.<br />
„Die neue Chipfabrik ist gut für Europa, für Deutschland<br />
und für Sachsen“, sagt Sachsens Ministerpräsident Michael<br />
Kretschmer bei der Eröffnung. Denn die neue Zukunftsfabrik,<br />
wie sie auch genannt wird, setzt Maßstäbe – und hat<br />
damit eine Strahlkraft in die ganze Welt. „Mit der Ansiedlung<br />
des Halbleiter-Werkes von Bosch in Hellerau gewinnt der<br />
Mikroelektronikstandort Dresden weiter an Bedeutung. Silicon<br />
Saxony rückt ein weiteres Stück in die Weltspitze der<br />
Halbleiterindustrie vor“, sagt auch Christian Hartmann, Vorsitzender<br />
der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtags. Beide<br />
Politiker sind sich sicher, dass die neue Fabrik weitere<br />
Tech-Firmen in den Freistaat locken wird. Die<br />
Investitionen und Anstrengungen der vergangenen<br />
Jahrzehnte, Sachsen zu einem<br />
der bedeutendsten Standorte für Mikroelektronik<br />
in Europa zu entwickeln, haben<br />
sich gelohnt. Kretschmer: „Damit<br />
verbunden sind direkt und indirekt<br />
viele neue Arbeitsplätze<br />
in einer riesigen Wachstumsbranche.<br />
Die Milliardeninvestition<br />
stärkt<br />
Silicon Saxony und die<br />
gesamte europäische<br />
Halbleiterindustrie!“<br />
Christian Hartmann<br />
Fraktionsvorsitzender<br />
AN DIE WELTSPITZE<br />
„Silicon Saxony rückt damit ein<br />
weiteres Stück in die Weltspitze der<br />
Halbleiterindustrie vor.“<br />
Rund drei Jahre hat der Bau der Fabrik im Dresdner Norden<br />
gedauert. Labor- und Produktionsbereiche sowie Büros sind<br />
in einem dreistöckigen Gebäude vereint. Die Produktion der<br />
Chips verläuft hochautomatisiert und mit Unterstützung<br />
durch künstliche Intelligenz. Alle Daten der Halbleiterfabrik –<br />
von Anlagen, Sensoren und Produkten – werden in einem zentralen<br />
Datenspeicher gesammelt. Dann werden sie anschließend<br />
mit Methoden der künstlichen Intelligenz ausgewertet.<br />
Selbstoptimierende Algorithmen lernen dabei, aus den Daten<br />
Vorhersagen abzuleiten. So lassen sich Fertigungs- und Wartungsvorgänge<br />
in Echtzeit analysieren und kontinuierlich<br />
verbessern. „Ein Algorithmus erkennt beispielsweise selbst<br />
kleinste Auffälligkeiten an den Produkten, die durch spezifische<br />
Fehlerbilder, sogenannte Signaturen, auf den Wafern<br />
sichtbar werden. Die Ursachen werden sofort analysiert und<br />
Prozessabweichungen umgehend korrigiert, noch bevor sie<br />
die Zuverlässigkeit des Produktes beeinflussen können“, erklärt<br />
der Konzern in einer Mitteilung.<br />
Hinzu kommt: Das Werk hat einen „digitalen Zwilling“. Das ist<br />
ein dreidimensionales virutelles Modell, das aus rund einer<br />
halben Million 3D-Objekten besteht. Damit lassen sich Prozessoptimierungen<br />
und Umbaumaßnahmen planen, ohne<br />
in die laufende Fertigung einzugreifen. Das alles entsteht<br />
in Dresden, weil hier einfach die Voraussetzungen stimmen.<br />
„Ansiedlung und Bau der Fabrik sprechen für das große Vertrauen<br />
in den Hochtechnologiestandort Sachsen mit seinen<br />
erfahrenen und qualifizierten Fachleuten und dem hier über<br />
Jahrzehnte gewachsenen einzigartigen Netzwerk aus Halbleiterherstellern,<br />
Zulieferern, Dienstleistern, Hochschulen<br />
und Forschungseinrichtungen“, bestätigt Ministerpräsident<br />
Michael Kretschmer.<br />
Übrigens: Bosch ist auch Mitglied bei Silicon Saxony. Der<br />
eigenfinanzierte Verein ist mit rund 350 Mitgliedern das<br />
größte Hightechnetzwerk Sachsens und eines der größten<br />
Mikroelektronik- und IT-Cluster Deutschlands sowie Europas.<br />
Silicon Saxony verbindet seit seiner Gründung im Jahr 2000<br />
Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen/Universitäten,<br />
Forschungsinstitute, öffentliche Einrichtungen sowie<br />
branchenrelevante Start-ups. Übergeordnete Ziele sind der<br />
Ausbau sowie die Stärkung des führenden Mikroelektronikstandortes<br />
Europas als auch das Vorantreiben der parallel verlaufenden<br />
Entwicklung hin zu einem Softwareland Sachsen.<br />
In den Schutzbrillen der Mitarbeiter sind Kameras eingebaut. So können bei der<br />
Wartung der Maschinen Kollegen aus Stuttgart oder der ganzen Welt eingebunden<br />
werden.<br />
„Gut für Europa, für Deutschland und für Sachsen“, nennt Ministerpräsident<br />
Michael Kretschmer den Bau der Chipfabrik durch Bosch.<br />
38 39
WIR<br />
Vodafone hat verkündet, in Dresden ein<br />
Mobilfunk-Entwicklungszentrum zu bauen.<br />
BAUEN<br />
HANDY-<br />
ZUKUNFT<br />
Im Mai 2021 hat die Vodafone Group<br />
verkündet, ihren globalen Forschungsstandort<br />
mit mehr als 200 Mitarbeitern<br />
in Dresden zu eröffnen. Im Vorfeld der<br />
Entscheidung hatte das Unternehmen<br />
mit acht Städten in Europa gesprochen.<br />
Damit entstehen 200 Arbeitsplätze<br />
Dresden ist schon lange als Standort für den Mobilfunk der<br />
Zukunft bekannt. Hier wird an 5G und 6G geforscht – den<br />
nächsten Standards für die mobile Datenübertragung. Dadurch<br />
wird diese noch schneller und ohne Verzögerungen<br />
möglich. Das ist zum Beispiel für autonom gesteuerte Fahrzeuge<br />
sehr relevant. Zunächst kommt 5G. Durch die erhöhte<br />
Datenübertragung können zum Beispiel Produktionsprozesse<br />
automatisiert werden. „Nach den beiden Mobilfunk-<strong>Innovation</strong>sschüben<br />
,Sprache‘ und ,Breitband-Daten‘, bringt nun<br />
5G den dritten Schub, das ,taktile Internet‘. Das heißt, der<br />
Mobilfunk steht uns nun für die Fernsteuerung von realen<br />
und virtuellen Objekten zur Verfügung. Diese Vision ,Made<br />
in Saxony‘ meines Teams an der TU Dresden hat Anfang 2010<br />
die Welt begeistert und die Entwicklung von 5G maßgeblich<br />
beeinflusst“, sagt Prof. Gerhard Fettweis, Inhaber des Vodafone-Stiftungslehrstuhl<br />
für mobile Nachrichtensysteme.<br />
Seit 1994 forscht der Wissenschaftler in Dresden mit Mannesmann<br />
Mobilfunk, heute Vodafone, am Mobilfunk der<br />
Zukunft. „Nach mehr als 27 Jahren erfolgreicher Arbeit am<br />
Vodafone-Lehrstuhl hat sich der Telekommunikationskonzern<br />
nach einer europaweiten Ausschreibung nun wieder<br />
einmal für die sächsische Landeshauptstadt entschieden. Im<br />
Mai hat die Vodafone Group verkündet, einen globalen Forschungsstandort<br />
mit mehr als 200 Mitarbeitern in Dresden<br />
zu eröffnen. Hier soll gemeinsam mit starken Partnern aus<br />
der Industrie an Anwendungen für 5G und 6G geforscht und<br />
entwickelt werden“, freut sich Prof. Gerhard Fettweis.<br />
In dem neuen Kompetenz-Zentrum für Forschung, Entwicklung<br />
und <strong>Innovation</strong> sollen unter anderem innovative<br />
Anwendungen für Smart Mobility, selbstfahrende Autos,<br />
entwickelt werden. „Herzlichen Glückwunsch Dresden,<br />
Sachsen und Deutschland. Die Entscheidung ist ein weiteres<br />
starkes Bekenntnis zum Industriestandort im Herzen<br />
Europas“, sagt Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone<br />
Deutschland. „Es ist eine hervorragende Nachricht, dass Vodafone<br />
mit einem Forschungs- und Entwicklungszentrum<br />
nach Sachsen kommt. Dresden ist mit seiner technologiezentrierten<br />
Forschungs- und Wirtschaftsinfrastruktur die<br />
richtige Adresse für diese Ansiedlung“, sagt der Dresdner<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordnete Ingo Flemming.<br />
GRÜNDERINITIATIVE<br />
FUTURESAX<br />
<strong>Innovation</strong>en brauchen Plattformen. Das können Orte<br />
sein, an denen sich Menschen treffen. Oder Veranstaltungen,<br />
auf denen neue Ideen vorgestellt werden.<br />
futureSAX bietet beides. Die <strong>Innovation</strong>splattform des<br />
Freistaates Sachsen will branchenübergreifend Wirtschaft<br />
und Wissenschaft vernetzen. Außerdem soll die<br />
<strong>Innovation</strong>skraft des Freistaates mit seinen Unternehmen,<br />
Universitäten und Forschungseinrichtungen bekannt<br />
gemacht werden.<br />
Wichtig für futureSAX ist es, Gründer und Start-ups zu<br />
fördern. Dazu wurde der Wettbewerb InnoStartBonus initiiert.<br />
Seit 2019 können sich Interessierte innerhalb von<br />
sogenannten Calls, auch Förderrunden genannt, für eine<br />
Gründerförderung bewerben. Eine Expertenkommission<br />
bewertet, welche Ideen unterstützt werden. Die ausgewählten<br />
Bewerber erhalten anschließend für ein Jahr<br />
1.000 Euro monatlich. Zudem werden sie bei der Entwicklung<br />
ihres Geschäftsmodells und beim Aufbauen von<br />
Netzwerken unterstützt. In den bisherigen vier Ausschreibungsrunden<br />
gingen 377 Anmeldungen ein. 78 Gründerinnen<br />
und Gründer erhielten schließlich eine Förderung.<br />
Ingo Flemming<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
DIE RICHTIGE ADRESSE<br />
„Dresden ist mit seiner technologiezentrierten<br />
Forschungs- und Wirtschaftsinfrastruktur<br />
die richtige Adresse<br />
für diese Ansiedlung.“<br />
6G-HUB IN SACHSEN<br />
Dresden ist für den Mobilfunk der Zukunft ein zentraler<br />
Standort. An der Technischen Universität und in<br />
München wird nun ein neues Zentrum für 6G-Forschung<br />
aufgebaut. Die Leitung übernimmt Prof. Frank Fitzek, Inhaber<br />
der Telekom-Professur für Kommunikationsnetze.<br />
Im 6G-Hub soll die Kommunikation der Zukunft erforscht<br />
werden. Ein Beispiel: die Mensch-Roboter-Kollaboration.<br />
Besonders in der Industrie 4.0 könnten mit 6G Menschen<br />
ohne Probleme mit Maschinen interagieren.<br />
In der vor Kurzem begonnenen fünften Runde wurden<br />
Mitte Juni 18 Teams für den Zuschuss ausgewählt. „Ich<br />
bin wieder einmal begeistert von der Leidenschaft und<br />
Energie, mit der die potenziellen Gründerinnen und<br />
Gründer ihre innovativen Geschäftsideen präsentierten,<br />
und von ihrem Mut, diese in einer Unternehmung münden<br />
zu lassen. Das verdeutlicht erneut: Die sächsische<br />
<strong>Innovation</strong>skultur ist branchenübergreifend im gesamten<br />
Freistaat lebendig“, freut sich Marina Heimann, Geschäftsführerin<br />
der futureSAX GmbH.<br />
41
MIT HIGHTECH AUFS FELD<br />
Von wegen die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln! Heute muss ein<br />
erfolgreicher Landwirt modernste Technik bedienen können und hat im Traktor mehr<br />
als einen Computer dabei<br />
Auf diesem Bildschirm befindet sich die Einstellung<br />
für den Traktor. Hier kann der Fahrer<br />
den Tempomat, Reifendruckregelanlage, die<br />
Hydraulikleistung, das Radio oder auch die Belegung<br />
des Joysticks eingestellen.<br />
Auf dem Tablet werden die Daten des Traktors<br />
und des Arbeitsgerätes mit einer speziellen<br />
Software verarbeitet und Punkt genau gespeichert.<br />
Später kann der Landwirt so genau sehen,<br />
wieviel Dünger er an einer gewissen Stelle<br />
im Feld ausgebracht hat. Außerdem erfasst<br />
er so die Daten vom Traktor, etwa wie hoch der<br />
Kraftstoffverbrauch war oder wie die Flächenleistung<br />
pro Stunde war.<br />
Im Terminal des automatischen Lenksystems<br />
werden Fahrspuren angelegt, nach denen dann<br />
der Traktor fahren soll. Gleichzeitig ist er das<br />
Bindeglied zwischen der Traktorelektronik und<br />
dem Rechner des Arbeitsgerätes. Das Terminal<br />
steuert also anhand von Daten der Fläche die<br />
Ausbringmenge des Arbeitsgerätes. Die sogenannten<br />
Applikationskarten sind bunt hinterlegt,<br />
in jeder Zone variiert die Ausbringmenge.<br />
PRECISION FARMING<br />
(PRÄZISIONSLANDWIRTSCHAFT)<br />
Das ist die Zukunft: Traktoren und Mähdrescher fahren<br />
selbstständig, über Satelliten gesteuert, zentimetergenau.<br />
Da die zum Teil übergroßen und schlagkräftigen Maschinen<br />
am Tag bis zu 14 Stunden genauestens überwacht werden<br />
müssen, entlastet das den Landwirt. So können Betriebsmittel<br />
wie Pflanzenschutz und Dünger ohne Überlappungen<br />
präzise ausgebracht werden. Gleichzeitig wird Diesel<br />
gespart. Precision Farming heißt aber auch, dass mit Hilfe<br />
von Sensoren die Biomasse und dabei der Chlorophyllgehalt<br />
der Pflanzen gemessen werden können. So kann punktgenau<br />
gedüngt werden, auch das schützt die Umwelt.<br />
Der Laptop ist heute ständiger Begleiter im<br />
Traktor. Er beinhaltet verschiedenste Programme,<br />
um z.B. Aussaat und Dünger-Applikationskarten<br />
zu planen. Außerdem können Aufträge<br />
erstellt und danach die Daten auf die Traktoren<br />
mit den dazugehörigen Arbeitsgeräten<br />
geschickt werden.<br />
Dieser Monitor beinhaltet die Steuerung<br />
für das dazugehörige Arbeitsgerät. In diesem<br />
Fall ist es ein Universalstreuer. Einstellen<br />
lassen sich zum Beispiel die Arbeitsbreite<br />
und die Ausbringmenge.<br />
Der Joystick, auch Fahrhebel genannt, dient<br />
dazu, den Traktor in Bewegung zu setzen. Das<br />
läuft vergleichbar zum Automatikgetriebe bei<br />
einem Auto. Dazu kann man den Joystick aber<br />
auch frei belegen und z. B. das Arbeitsgerät am<br />
Traktor damit steuern. Auch die Hydraulik, die<br />
man braucht, um einen Hänger abzukippen,<br />
kann darüber gesteuert werden.<br />
Paul Kompe ist Landwirtschaftsmeister mit Leib und Seele. Der 27-Jährige arbeitet in einem Landwirtschaftsbetrieb<br />
in Fremdiswalde bei Grimma. Der Beruf ist eine Leidenschaft. Deshalb kümmert er sich als Vorsitzender<br />
des Vereins „Land schafft Verbindung Sachsen“ um die Belange der Bauern. In dieser Funktion spricht er auch<br />
regelmäßig mit der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtags. Der im November 2019 gegründete Verein setzt sich<br />
für eine moderne Landwirtschaft und die Zukunft auf dem Land ein.<br />
42 43
Die Drohnenstaffel des ASB Dresden e.V. verbindet ein<br />
beliebtes Hobby mit etwas extrem Nützlichem: Drohnen<br />
kommen zum Einsatz, um Menschen und Tiere zu<br />
schützen und mitunter Leben zu retten. Wer sich dafür<br />
interessiert: Die Drohnenstaffel bietet an, sich im<br />
Rahmen von Übungen auszutauschen, um die eigenen<br />
Fähigkeiten und Kenntnisse zu verbessern.<br />
Die Drohne vom Typ DJI Matrice 300 RTK sirrt in die Luft. Ausgestattet<br />
mit einer Wärmebildkamera wird sie gleich ein Feld<br />
ins Visier nehmen, um nach Rehkitzen zu fahnden. Denn die<br />
jungen Tiere haben noch keinen Fluchtinstinkt. Nähert sich<br />
etwa ein lärmender Mähdrescher mit seinen großen Schneidewerken,<br />
bleiben sie einfach in ihrer Graskuhle sitzen. Und<br />
sterben einen grausamen Tod.<br />
Bis zu 100.000 Rehkitze fallen laut Deutscher Wildtierstiftung<br />
jährlich bei der Grünfutterernte Mähmaschinen zum<br />
Opfer. Das Ablaufen der Felder aber wäre für viele Landwirtschaftsbetriebe<br />
viel zu zeitaufwendig und oft auch wenig<br />
erfolgreich. Die aktuell 15 ehrenamtlichen Einsatzkräfte des<br />
ASB-Regionalverbands Dresden, die für Drohneneinsätze<br />
ausgebildet sind, wollen genau hier helfen. „Durch unsere<br />
professionelle und hochwertige Einsatztechnik können unsere<br />
geschulten Einsatzkräfte schnell und effizient Rehkitze<br />
im hohen Gras und auf weitläufigen landwirtschaftlichen<br />
Flächen ausfindig machen – bei jeder Wetterlage“, heißt es<br />
in einem Werbeflyer für das Projekt.<br />
Mit Wärmebildkameras orten die freiwilligen Helfer des ASB die jungen Tiere<br />
und markieren den Standort. Kurz vor Beginn der Mahd werden die Tiere<br />
dann gerettet.<br />
DIE BAMBI-RETTER<br />
Bis zu 100.000 Rehkitze sterben jährlich unter Mähdreschern. Denn die jungen<br />
Tiere haben noch keinen Fluchtinstinkt und bleiben bei Gefahr einfach sitzen.<br />
Die 15 ehrenamtlichen Einsatzkräfte des ASB Dresden e.V. suchen in den Feldern<br />
mit Drohnen nach den Rehkitzen, um sie zu retten<br />
„Aus den Kabinen der modernen Hightech-Mähmaschinen<br />
kann der Fahrer versteckte Rehkitze in den dichten Grasbeständen<br />
oft nicht entdecken. Der Mähtod dieser Tiere war in<br />
der Vergangenheit oft die traurige Realität. Dies gilt es in Zukunft<br />
zu verhindern und dabei kann der Einsatz innovativer<br />
Technik helfen“, sagt die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Ines Springer. „Vor<br />
20 Jahren war an den Einsatz von Wärmebilddrohnen noch<br />
nicht zu denken. Heute werden diese finanziell gefördert und<br />
retten damit das Leben tausender Kitze. Artenschutz durch <strong>Innovation</strong><br />
– schon beeindruckend, wo moderne Technik heute<br />
zum Einsatz kommt.“<br />
Seit Mai hat die Drohnenstaffel insgesamt eine Fläche von<br />
310 Hektar in der Umgebung von Dresden abgesucht. Dabei<br />
konnten 14 Rehkitze gefunden und gerettet werden. Der<br />
Einsatz der Drohnenstaffel ist dabei für die landwirtschaftlichen<br />
Betriebe kostenlos – allerdings bitten die ASBler um eine<br />
Spende. Die hilft aber nicht nur den Rehkitzen: Denn das Drohnenteam<br />
ist auch für die Feuerwehr und den Katastrophenschutz<br />
im Einsatz.<br />
Ines Springer<br />
<strong>CDU</strong>-Agrarpolitikerin<br />
Rehkitze haben noch keinen Fluchtreflex. Deswegen bleiben sie, wenn sich Gefahr<br />
nähert, einfach in ihren Graskuhlen sitzen. Vom Mähdrescher aus sind sie<br />
nicht zu erkennen.<br />
44<br />
45
DIE ERFINDUNG DER<br />
Er legte den Grundstein: 17<strong>13</strong><br />
entwickelte der kurfürstlich-sächsische<br />
Kammer- und<br />
Bergrat Hans Carl von Carlowitz<br />
das Konzept der Nachhaltigkeit.<br />
Damals ging es erstmal<br />
nur ums Holz.<br />
NACHHALTIGKEIT<br />
Umweltschutz ist altbekannt. Bereits vor 300 Jahren wurde in Sachsen auf die<br />
vorhandenen Ressourcen geschaut. Durch neue Technologien ändern sich aber auch die<br />
Ansprüche. Der Freistaat fördert daher innovative Konzepte<br />
Nachhaltigkeit bedeutet, nur so viel Ressourcen zu verbrauchen,<br />
wie sie in der Natur auch natürlich nachwachsen Erzgebirge so viel Holz, dass es besorgniserregend wurde.<br />
Wissen ausgelöst. Zum anderen verschlang der Bergbau im<br />
können. Der Begriff wird in der Debatte über Umwelt- und Ziel von Hans Carl von Carlowitz war es, Regeln für die Nutzung<br />
der benötigten Ressourcen vorzugeben. Das grund-<br />
Naturschutz immer wieder verwendet – längst hat sich<br />
das Prinzip etabliert. Doch Nachhaltigkeit ist nicht nur ein legende Prinzip: Im Wald ist nur die Menge Holz zu schlagen,<br />
Modewort. Der Begriff hat eine lange Geschichte, die ihren die auch nachwachsen kann. Die Vorgaben von Hans Carl<br />
Ursprung in Sachsen hat. Denn bereits 17<strong>13</strong> schrieb Hans Carl von Carlowitz wurden in der Forstwirtschaft schnell zum<br />
von Carlowitz, kurfürstlich-sächsischer Kammer- und Bergrat,<br />
erstmals über Nachhaltigkeit. Der Oberberghauptmann mit der Industrialisierung. Bereits ab 1850 drohten auch ande-<br />
Standard. Weitere Beachtung erhielt die Nachhaltigkeit dann<br />
reagiert damit auf die Holznot in Sachsen. Zum einen wurde re Ressourcen und Energievorräte auszugehen. Die Forderung,<br />
sie durch im Dreißigjährigen Krieg verloren gegangenes auch hier nachhaltig zu wirken, häuften sich.<br />
„DAS IST SIMUL + “<br />
Nachhaltig ist auch simul + . Die Initiative wurde 2016 von<br />
Thomas Schmidt, Regionalentwicklungsminister und Landtagsabgeordneter,<br />
schon zu seiner Zeit als Umweltminister<br />
auf den Weg gebracht. „Die Zukunftsinitiative simul + setzt<br />
auf die bereits hohe Forschungskompetenz, die vielen innovativen,<br />
vor allem mittelständischen Unternehmen und weitere<br />
zahlreiche zukunftsorientierte Kräfte im Freistaat Sachsen",<br />
sagt er. Zentral sind drei Säulen: Wissenstransfer, Ideenwettbewerb<br />
sowie der <strong>Innovation</strong>Hub. „Dadurch entstanden zahlreiche<br />
Projekte, unter anderem zu Themen wie Smart Village,<br />
Smart City oder Smart Living sowie Bauen 4.0, Smart intelligent<br />
Building, intelligente Verkehrskonzepte und viele mehr",<br />
freut sich Thomas Schmidt.<br />
Der <strong>CDU</strong>-Agrarpolitiker Andreas Heinz: „Die forstliche Praxis<br />
der Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt des Handelns<br />
eines jeden Waldbesitzers. Sie stellt das Handlungsprinzip<br />
zur Ressourcen-Nutzung bei gleichzeitiger Bewahrung der<br />
wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen<br />
Regenerationsfähigkeit des Waldes dar. In Sachsens<br />
Wäldern wird das Prinzip vorbildlich umgesetzt und durch<br />
den Freistaat seit Jahrzehnten – nicht nur finanziell – unterstützt.<br />
Daran wollen wir, vor allem im Interesse kommender<br />
Generationen, auch in Zukunft festhalten.“<br />
Die „alte“ sächsische Erfindung spielt inzwischen eine größere<br />
Rolle denn je. Heute wird das Prinzip aber deutlich komplexer<br />
gedacht. Es geht nicht mehr nur um Holz, sondern um<br />
die Beziehung von Lebewesen zu ihrer Umwelt, die Befriedigung<br />
von Bedürfnissen und die dafür notwendigen Ressourcen<br />
und die soziale Verantwortung, die jeder Mensch selbst<br />
hat. Also um ein ausgeglichenes Verhältnis von Ökologie und<br />
Ökonomie. Nachhaltigkeit kann dafür eine Leitlinie sein.<br />
Andreas Heinz<br />
<strong>CDU</strong>-Agrarpolitiker<br />
VORBILDLICH UMGESETZT<br />
„In Sachsens Wäldern wird das<br />
Prinzip der Nachhaltigkeit vorbildlich<br />
umgesetzt und durch den Freistaat seit<br />
Jahrzehnten – nicht nur finanziell –<br />
unterstützt.“<br />
ZIEGENKÄSE MIT HERZ<br />
Mehrere Preise schon hat die Hofkäserei Meißgeier aus<br />
Langenbach bei Schneeberg gewonnen, darunter den <strong>Innovation</strong>spreis<br />
Vogtländische Landwirtschaft. Bis 2004<br />
zunächst im Nebengewerbe geführt, hält die Hofkäserei<br />
heute über 70 Ziegen in einer modernen Stallanlage mit<br />
Melkhaus. Die 20 verschiedenen Käsesorten werden<br />
überwiegend im Hofladen verkauft. Und in der Hofkäse-Schule<br />
können Besucher ihre eigenen Hofkäseherzen<br />
machen und am Ende mit nach Hause nehmen.<br />
MISSION BRATWURST<br />
Fleischer André Möllmer aus Leipzig-Mockau hat eine gesündere<br />
Bratwurst entwickelt. Forscher der Uni Leipzig bestätigen:<br />
Die Wurst enthält nicht nur ein Drittel weniger<br />
Fett, sondern auch zusätzliche Proteine vom Kürbis und<br />
weitere wichtige Nährstoffe. Außer im Ladengeschäft<br />
sind seine Produkte auch in Wurstkisten erhältlich –<br />
Automaten, die Möllmer in Leipzig aufgestellt hat.<br />
46<br />
47
HIER FORSCHT<br />
DIE POLIZEI!<br />
Im InnoLab des sächsischen Polizeiverwaltungsamtes<br />
tüfteln die Mitarbeiter an Einsatzmitteln von<br />
morgen. Dabei denken und arbeiten sie wie ein<br />
kleines Start-up. Ein Konzept, das ungewöhnlich<br />
ist und neugierige Blicke aus ganz Deutschland auf<br />
sich zieht<br />
Kriminaloberrat Ralf Köhler leitet das <strong>Innovation</strong>slabor<br />
für Digitalisierung der Sächsischen Polizei. Es<br />
ist das erste seiner Art. Hier werden Technologietrends<br />
erfasst und erprobt, ob und wie sie in den Arbeitsalltag<br />
der Polizei passen. „Wir arbeiten an maßgeschneiderten<br />
Produkten für die Polizisten auf der<br />
Straße, die man sich heute noch gar nicht vorstellen<br />
kann“, sagt Köhler.<br />
Alarm auf der Wache: ein Autounfall! Eine Funkstreife soll<br />
schnellstmöglich hin, die Beamten schnappen sich ihre Tablet-PCs.<br />
Noch bevor sie in ihren Streifenwagen einsteigen,<br />
hat die KI (künstliche Intelligenz) des Polizeirechners schon<br />
die schnellste Route an das Navi übertragen. Während der<br />
Wagen mit Blaulicht autonom zum Unfallort steuert, informieren<br />
sich die Beamten per Bordcomputer bereits über<br />
Details. Die Ampeln auf der Strecke werden vom zentralen<br />
Polizeicomputer automatisch auf grün geschaltet.<br />
Beim Ankommen scannt der Streifenwagen selbstständig<br />
die Umgebung, sammelt Informationen wie zum Beispiel<br />
die Kennzeichen der betroffenen Fahrzeuge. Die Software<br />
analysiert erste sichtbare Schäden, ruft den Abschleppservice<br />
und meldet sich bei der Leitstelle, während die Polizisten<br />
sich den verunfallten Personen widmen können.<br />
Klingt nach Science Fiction? Ein wenig. Aber wenn es nach<br />
Ralf Köhler geht, könnte das die Zukunft sein. Der Kriminaloberrat<br />
ist Chef des am 1. Januar 2020 in Dresden gegründeten<br />
<strong>Innovation</strong>slabors für Digitalisierung der Sächsischen<br />
Polizei – kurz InnoLab. Es war das erste seiner Art<br />
in Deutschland. Es soll Technologietrends erfassen sowie<br />
moderne Arbeitsweisen und Zukunftsvisionen hinsichtlich<br />
ihrer Chancen und Risiken beurteilen. Damit das gelingt,<br />
arbeitet das InnoLab wie ein echtes Start-up. Und das, obwohl<br />
es formal eine sogenannte Stabsstelle des Polizeiverwaltungsamtes<br />
ist.<br />
„Wir haben eine flache Hierarchie und arbeiten an maßgeschneiderten<br />
Produkten für die Polizisten auf der Straße,<br />
die man sich heute noch gar nicht vorstellen kann. Die<br />
Polizei Sachsen zählt damit zu den Vorreitern im öffentlichen<br />
Dienst“, erklärt Ralf Köhler. Er sucht sich mit seinem<br />
jungen Team entsprechende Partner aus Forschung und<br />
Wissenschaft. Vom Fraunhofer-Institut bis zur TU Bergakademie<br />
Freiberg. „Je nachdem, was wir für die einzelne Entwicklung<br />
brauchen.“ Dafür sei die Forschungslandschaft in<br />
Sachsen hervorragend.<br />
Eine wichtige Voraussetzung für das InnoLab ist es, mit den<br />
Beamten im Einsatz zu sprechen. Was würde ihnen wirklich<br />
bei der Arbeit helfen? Schon 30 Ideen hat Ralf Köhler dieses<br />
Jahr eingesammelt. „Wir haben uns eine Bewertungsmatrix<br />
erarbeitet, um entscheiden zu können, welche dieser Ideen<br />
wir weiter verfolgen“, erklärt Köhler. „Damit können wir beurteilen,<br />
was das Potenzial zur Pilotierung und schlussendlich<br />
zu einem konkreten Produkt hat.“<br />
48 49
Die Ideen, an denen das InnoLab der sächsischen<br />
Polizei arbeitet, kommen direkt aus dem Arbeitsalltag<br />
der Beamten im Einsatz. Dann wird geprüft, wie groß<br />
zum Beispiel der Aufwand ist und ob es wirklich<br />
Bedarf gibt, die Maßnahme umzusetzen. Aktuell gibt<br />
es auch die Überlegung, Roboter-Hunde zum Einsatz<br />
zu bringen, etwa bei der Erkundung von Objekten.<br />
WENN DER BUS<br />
VON ALLEIN KOMMT<br />
Zwischen dem S-Bahnhof Messe und dem BMW-Werk Leipzig fährt ab Herbst<br />
ein autonomer Bus – anders als sonst bei solchen Projekten mit 50km/h<br />
Rico Anton<br />
<strong>CDU</strong>-Innenpolitiker<br />
In der Bewertungsmatrix finden sich zwölf<br />
Überkategorien wie zum Beispiel Aufwand,<br />
Bevölkerungs- und Anwenderrelevanz mit jeweils<br />
durchschnittlich vier bis fünf zugeordneten Aspekten.<br />
„Daraus entsteht ein Score – und je nachdem landet eine Idee<br />
im Ranking weit oben oder wird verworfen. Die Matrix hilft<br />
dabei, Ideen zu bewerten.“ Die aussichtsreichsten Konzepte<br />
werden dann in einem „Entscheidungsboard“ beim Innenministerium<br />
vorgelegt, das die Umsetzung beschließt.<br />
Der Kriminaloberrat Ralf Köhler spricht nicht nur wie ein<br />
hipper Start-up-Gründer – er denkt auch genauso unkonventionell.<br />
Ist das Voraussetzung für den Job? Köhler: „Man<br />
braucht dafür viel Fantasie! Wir stellen uns immer die Frage,<br />
wie schaut der polizeiliche Alltag der Zukunft aus.“<br />
Derzeit arbeitet das InnoLab an zwei konkreten Ideen. Zum einen<br />
an einer Objekterkennungs-App für mobile Endgeräte. Mit<br />
Hilfe der Kamerafunktion soll diese gefährliche Gegenstände<br />
erkennen, wie zum Beispiel Waffenteile. „So können Beamte<br />
bei einer Kontrolle erkennen, ob das aufgefundene Teil zum<br />
Beispiel zu einer Waffe gehört und mit Checklisten dann rausfinden,<br />
ob der Besitzer gegen ein Gesetz verstößt“, so Köhler.<br />
Das zweite Projekt des InnoLabs entsteht in Kooperation<br />
mit der TU Bergakademie Freiberg und trägt den Namen<br />
„Samurai“. Es soll in der Lage sein, einen digitalen Zwilling<br />
eines Gebäudes zu erstellen. „Also eine virtuelle Kopie der<br />
Umwelt durch Verschmelzung von 3D-Scanning, Fotogrammetrie<br />
und Spektralfotografie. Das Ganze soll hochautomatisiert<br />
und autonom erfolgen“, erklärt Köhler. Der Polizei<br />
könnte dieser digitale Zwilling in schwierigen Lagen helfen.<br />
„Das SEK kann sich zum Beispiel auf der Anfahrt zu einem<br />
Einsatz schon im Zielgebäude orientieren und sogar etwas<br />
über die Beschaffenheit von Türen und Wänden erfahren“,<br />
so Köhler. Alles wurde dafür zuvor autonom aufgezeichnet.<br />
Hier könnte unter anderem der Roboter-Hund „Spot“ der<br />
Firma Boston Dynamics zum Einsatz kommen. Das New<br />
Yorker Police Department setzt heute schon auf den Helfer<br />
aus Aluminium und Stahl.<br />
Die Bergakademie erscheint als Partner für das Projekt auf<br />
den ersten Blick überraschend. Köhler: „Aber auch sie arbeiteten<br />
an der Idee des digitalen Zwillings für alte Bergwerkstollen.<br />
Zusammen können wir die Kompetenzen bündeln.“<br />
Und so setzt das InnoLab auf sächsischen Erfindergeist.<br />
Das Start-up innerhalb der Polizei weckt auch großes Interesse<br />
außerhalb des Freistaates. Andere Bundesländer sind<br />
auf das Dresdner InnoLab aufmerksam geworden, überlegen<br />
schon, eine vergleichbare Einrichtung selbst aufzubauen.<br />
Ein größeres Kompliment unter Kollegen können Ralf<br />
Köhler und seine Mitstreiter nicht bekommen.<br />
Dazu sagt der innenpolitische Sprecher der <strong>CDU</strong>-Fraktion,<br />
Rico Anton: „Das bundesweit bislang einmalige InnoLab ist<br />
ein echter Zugewinn für die sächsische Polizei. Hier geht es<br />
um konkrete Projekte, die es der Polizei ermöglichen, ihren<br />
Dienst noch besser auszuüben. Sie werden zukünftig Gefahren<br />
noch früher erkennen, strafbare Handlungen besser<br />
aufdecken und sich im Einsatz wirksamer schützen können.<br />
Deshalb war es uns als <strong>CDU</strong>-Fraktion auch wichtig, das InnoLab<br />
mit mehr Finanzmitteln auszustatten. <strong>Innovation</strong><br />
und Sicherheit gehen hier Hand in Hand.“<br />
Noch ist alles nur ein Experiment: Die <strong>13</strong>.000 Mitarbeiter<br />
der BMW Werke Leipzig können ab Herbst mit einem Bus<br />
von der S-Bahn-Haltestelle bis zur Arbeit und zurück fahren.<br />
Der Clou dabei ist, dass dieser autonom ohne Bussfahrer<br />
funktioniert. Nur zu Sicherheit ist in der Erprobungsphase<br />
immer einer Fahrer mit an Bord. Denn anders als bei<br />
solchen Projekten zum autonomen Fahren arbeitet man in<br />
Leipzig daran, dass die Busse mit bis zu 70 km/h unterwegs<br />
sind. 14 Partnerfirmen und Hochschulen haben sich für das<br />
Projekt „Absolut“ zusammengefunden, darunter die Leipziger<br />
Verkehrsbetriebe. Wenn alles wie geplant klappt, könnten<br />
die Busse ab 2022 auch im Stadtgebiet unterwegs sein.<br />
Zuvor aber sollen verschiedene Konzepte erprobt werden,<br />
Schon in naher Zukunft wird es möglich sein, sich<br />
autonom fahrende Busse via App zu bestellen. Damit<br />
die Busse aber nicht nur im Schneckentempo<br />
unterwegs sind, testet eine Gruppe von 14 Partnerfirmen<br />
und Hochschulen demnächst in Leipzig völlig<br />
autonom fahrende Busse, die bis zu 70km/h schnell<br />
werden können.<br />
neben dem Einsatz im Regelbetrieb etwa auch die bedarfsgerechte<br />
Rund-um-die-Uhr-Bestellung. Dafür muss ein<br />
Buchungs- und Informationsinterface entwickelt werden.<br />
Und schließlich wollen die Projektpartner wissen, wie die<br />
Nutzer auf solche Fahrzeuge reagieren und ob sie wirklich<br />
auch einsteigen. Der <strong>CDU</strong>-Verkehrspolitiker Andreas Nowak<br />
ist begeistert: „In Leipzig startet der ÖPNV der Zukunft.<br />
Mit den autonom fahrenden Bussen werden ganz neue Angebote<br />
möglich. Sie fahren dort, wo sich große Linienbusse<br />
nicht lohnen. Die Haltestelle wird abgeschafft und der Bus<br />
kommt fast bis vor die eigene Haustür. Das sind tolle neue<br />
Möglichkeiten, vor allem für die Gegenden im ländlichen<br />
Raum, wo heute noch gar nichts fährt.“<br />
Andreas Nowak<br />
<strong>CDU</strong>-Verkehrspolitiker<br />
50 51
MIT BEGEISTERUNG<br />
NEUES LERNEN<br />
Die Digitalisierung der Schulen hat durch die Corona-<br />
Pandemie einen gewaltigen Schub bekommen<br />
Holger Gasse<br />
<strong>CDU</strong>-Bildungspolitiker<br />
„Die Corona-Pandemie sorgte für viele Einschränkungen.<br />
Sie beschleunigte aber auch<br />
den Fortschritt. Deutlich zu sehen ist das in<br />
Schulen. Das digitale Lernen war im Lockdown notwendig“,<br />
sagt <strong>CDU</strong>-Bildungspolitiker Holger Gasse. Zu Beginn gab es<br />
oft noch ein paar Probleme. Zum Beispiel war die Lernplattform<br />
„LernSax“ überfordert und technisch an ihre Grenzen<br />
geraten. Doch im weiteren Verlauf der Pandemie konnten<br />
die Fehler behoben werden. Fest steht: Der Freistaat ist bei<br />
der Digitalisierung von Schulen gut aufgestellt.<br />
Ein gutes Beispiel ist hierfür das Gymnasium in Dresden-<br />
Pieschen. Als sogenannte M.I.T-Schule ist diese auf Medienbildung<br />
ausgerichtet. Informatik und digitale Technologien<br />
gehören zu den Lernfächern. „Ab der 8. Klasse haben unsere<br />
Schüler keine Bücher mehr. Alle Lernmaterialien sind auf<br />
Tablets", erklärt Schulleiterin Kerstin Ines Müller.<br />
Das Gymnasium Dresden-Pieschen<br />
ist eine M.I.T.-Schule, das<br />
steht für „Medienbildung, Informatik,<br />
digitale Technologien“.<br />
Für sie ist die eingesetzte Technik aber kein Selbstzweck. „Bei<br />
der Digitalisierung von Schulen müssen Konzepte für eine<br />
lernförderliche, zielorientierte Nutzung der Medien entwickelt<br />
werden. Der Einsatz von Technik muss die Lernprozesse<br />
der Schüler und Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben<br />
in einer digitalisierten Welt entwickeln. Bei uns gibt es dafür<br />
ein neues Unterrichtsfach: Medienkunde und Kompetenztraining“,<br />
erzählt die Schulleiterin von der Praxis.<br />
Ein weiterer Faktor bei der Digitalisierung an Schulen:<br />
Technik ist nur so lange schön, wie sie auch funktioniert.<br />
„Jegliche IT-Ausstattung muss zuverlässig und sofort eingesetzt<br />
werden können. Lehrer haben in den kurzen Pausen<br />
zwischen den Unterrichtsstunden keine Zeit, Geräte zu<br />
starten, einzurichten, Fehler zu beheben. Die Maxime<br />
lautet: Alles, was nicht innerhalb von drei Minuten einsetzbar<br />
ist, wird von Lehrkräften selten bis gar nicht genutzt“,<br />
erzählt die Schulleiterin aus dem Alltag.<br />
Digitalisierung in Schulen ist für Kerstin Ines Müller wichtig.<br />
Sie kann aber aus Sicht der Schulleiterin kein Allheilmittel<br />
sein. „Lernen basiert auf Beziehungen, eine professionelle<br />
Lehrkraft ist unersetzlich. Ohne belastbare<br />
Lehrer-Schüler-Beziehungen gelingen Lern- und Entwicklungsprozesse<br />
kaum“, sagt die erfahrene Praktikerin.<br />
EIN HERZ FÜR MORGEN<br />
Online-Kurse, interaktive Tafeln und Tablets sind nur ein<br />
erster Schritt. Auch digitale Techniken wie virtuelle und<br />
erweiterte Realität findet den Weg ins Klassenzimmer.<br />
Dafür setzt sich das Leipziger Start-up Heartucate ein.<br />
„Mein Ziel war es, etwas zu entwickeln, mit dem Lernen auf<br />
Kooperation ausgerichtet wird“, sagt Gründerin Franziska<br />
Weser (Foto). Die studierte Medienpädagogin beschäftigt<br />
sich seit Längerem mit neuen Formen des Lernens. Gemeinsam<br />
mit der Lehrerin Anna Kirchberg kam ihr die<br />
Idee für Heartucate. Als junges Start-up nahmen die beiden<br />
2019 an einem Wettbewerb von Samsung teil. Ziel: Anwendungsfälle<br />
für 5G entwickeln. Mithilfe der TU Dresden<br />
und anderen Partnern aus der Wirtschaft entwickelten sie<br />
ein Lernspiel. In diesem können Schüler über computergenerierte<br />
Welten zu Zeit- und Weltreisenden werden.<br />
„Wir haben bereits eine erste Prototypendemo entwickelt,<br />
die gespielt werden kann“, sagt Franziska Weser. In der<br />
Beta-Version werden bis zu vier Schüler zu Polarforschenden.<br />
„Wir bringen damit moderne Wissenschaft in die<br />
Klassenzimmer“, freut sich die Gründerin.<br />
52 53
Das bestätigt auch ihr Kollege Dirk Rauthe, Schulleiter an der<br />
Erich-Viehweg-Oberschule Frankenberg. „Ich will die Schüler<br />
auch weiterhin vor Ort haben. Manches ist im digitalen Unterricht<br />
einfach nicht zu machen“, sagt Rauthe. Er ergänzt:<br />
„Es braucht einen guten Mix aus digital und analog. Rein digitales<br />
Lernen funktioniert nicht optimal.“ Der Schulleiter<br />
der Erich-Viehweg-Oberschule findet es daher wichtig, dass<br />
Sachsen in digitale Bildung investiert. Ein Punkt ist ihm dabei<br />
besonders wichtig: der Internet-Anschluss. „Nur mit Hardware<br />
allein werden wir nicht weit kommen. Es braucht auch<br />
einen gut ausgebauten Internet-Anschluss“, sagt er. „Vom<br />
Internet-Anschluss hängt ab, wie stabil ‚LernSax‘ und die Video-Konferenzen<br />
laufen. Zudem brauchen wir WLan, um die<br />
Schule zu vernetzen.“<br />
An der Erich-Viehweg-Oberschule gibt es mittlerweile drei<br />
Computerräume. Einige der Klassenzimmer sind mit PCs<br />
ausgestattet. Interaktive Tafeln ermöglichen neue Lernkonzepte.<br />
„Wir machen zudem virtuelle Dienstberatungen<br />
und Elterngespräche", erzählt Schulleiter Rauthe. Er selbst<br />
ist als Lehrer für Wirtschaft, Technik und Computer beim<br />
digitalen Unterricht vorn dabei. „Ich nutze in meinem Unterricht<br />
mit der 5.Klasse ‚LernSax‘, um den Schülern frühzeitig<br />
den Umgang damit beizubringen“, sagt der Dirk Rauthe.<br />
Iris Firmenich<br />
<strong>CDU</strong>-Bildungspolitikerin<br />
EIN SCHUB FÜR SCHULEN<br />
„Corona hat die Schulen in besonderer<br />
Weise gefordert. Wenn man dieser<br />
Pandemie etwas Positives abgewinnen<br />
kann, dann den Entwicklungsschub,<br />
den es dadurch bei der Anwendung<br />
digitaler Mittel gegeben hat. Die Erich-Viehweg-Oberschule<br />
Frankenberg<br />
beweist, wie es möglich ist, solche Krisen<br />
mit Pioniergeist zu meistern.“<br />
Dirk Rauthe ist Schulleiter an<br />
der Erich-Viehweg-Oberschule<br />
in Frankenberg. „Es braucht einen<br />
guten Mix aus digital und<br />
analog“, sagt er.<br />
3 FRAGEN AN KULTUSMINISTER<br />
CHRISTIAN PIWARZ<br />
WAS HABEN SACHSENS<br />
SCHULEN AUS CORONA GELERNT?<br />
Christian Piwarz: „Wir haben gelernt, dass kein noch so guter<br />
digitaler Distanzunterricht den Präsenzunterricht und die<br />
Schule als Ort des sozialen Austausches ersetzen kann. Die<br />
Zeit der Schulschließungen hat nicht nur zu Lernrückständen<br />
geführt, sondern auch zu seelischen Belastungen bei Kindern<br />
und Jugendlichen, deren Folgen nun zu Tage treten.“<br />
WIE GEHT ES JETZT WEITER?<br />
„Nach den Sommerferien wollen wir auf jeden Fall Schulen<br />
und Kita im Normalbetrieb öffnen. Natürlich werden wir<br />
auch weiterhin an den bekannten Infektionsschutzmaßnahmen<br />
festhalten müssen. Ich kann auch nicht ausschließen,<br />
dass zumindest temporär eine Masken- und Testpflicht,<br />
Wechselbetrieb oder eingeschränkter Regelbetrieb notwendig<br />
sein werden. Ziel muss aber sein, die Schulen offenzuhalten.<br />
Flächendeckende Schulschließungen, wie durch die<br />
Bundesnotbremse verursacht, darf es nicht mehr geben.“<br />
AUS SCHEITERN LERNEN<br />
So genannte FuckUp-Nights zeigen:<br />
Wer verliert, kann dabei auch gewinnen<br />
Mit einer Produktidee enttäuschen, Pleite gehen oder einen<br />
herben Rückschlag in der Karriere hinnehmen, gilt in<br />
Deutschland immer noch als Makel. Genau da setzen die<br />
Initiatoren der FuckUp-Nights aus Leipzig an. Für sie liegt<br />
in diesem Scheitern auch die Saat für den späteren Erfolg.<br />
Marco Weicholdt ist einer der Organisatoren dieser<br />
Veranstaltung. „Misserfolge gehören zu jedem kreativen<br />
und innovativen Prozess dazu“, sagt er. „Oft sind nur die<br />
Erfolge sichtbar, nicht die harte Arbeit und das häufige<br />
Scheitern davor. Essenz aller Geschichten: Wiederaufstehen.<br />
Gestärkt vorangehen und allen anderen etwas<br />
voraushaben.“ FuckUp-Nights gibt es in 67 Ländern und<br />
192 Städten. Seit Mai 2015 ist auch Leipzig dabei. Momentan<br />
pausiert die Veranstaltung in Leipzig – Corona<br />
ist schuld. Bis zu 400 Gästen sind sonst gekommen. Alle<br />
sechs bis acht Wochen fand ein Event an einem anderen<br />
Ort statt. Der sächsische Wissenschaftsminister und <strong>CDU</strong>-<br />
Lantagsabgeordnete Sebastian Gemkow sagt dazu: „Eine<br />
gute Geschäftsidee bedeutet nicht automatisch, dass sich<br />
der Erfolg auch einstellt. Es gibt einfach zu viele Einflussfaktoren,<br />
die dabei eine Rolle spielen. Das ist in der Forschung<br />
ganz genau so – nur ist hier das Scheitern fester Bestandteil<br />
des Schaffensprozesses. Kein Forscher weiß zu Beginn oder<br />
auch während eines Projekts, ob am Ende das erwartete<br />
Ergebnis steht. Wenn nicht, würde er oder sie dies aber nie<br />
als Scheitern empfinden. Sondern als lehrreiche Erfahrung,<br />
die zum Weitermachen motiviert.“ Die FuckUp-Nights zeigen<br />
genau das: Wer scheitert und wieder<br />
aufsteht, der kann auch erfolgreich sein.<br />
WELCHES IST FÜR SIE DIE WICHTIGSTE INNOVATION,<br />
DIE CORONA DEN SCHULEN GEBRACHT HAT?<br />
„Die Pandemie hat für einen enormen digitalen Schub an den<br />
Schulen gesorgt. Die Schule nach der Pandemie wird daher<br />
eine andere sein als vorher. Corona hat uns auch gezeigt, dass<br />
Schule eben nicht nur an der Schule stattfinden muss. Das<br />
Angebot ließe sich durch außerschulische Lernorte ausbauen.<br />
Gerade bei höheren Klassen stellt sich doch die Frage, was<br />
in der 5. oder 6. Stunde für einen Teil der Klasse mit digitaler<br />
Hilfe zu Hause erlernbar ist – während der andere Teil im<br />
Unterricht verbleibt. Über die Vorteile für Lehrer und Schüler<br />
durch einen solchen Maßnahmenmix müssen wir nach der<br />
Pandemie intensiv reden.<br />
Sebastian Gemkow<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter &<br />
Wissenschaftsminister<br />
Wer etwas mal so richtig vergeigt,<br />
der weiß es beim nächsten<br />
Mal besser. Der Austausch<br />
über das Scheitern ist dabei<br />
wertvoll, um Fehler in der Zukunft<br />
zu vermeiden.<br />
54<br />
55
en Möglichkeiten, viele wandten sich auch an die Augenklinik<br />
am Helios-Klinikum Plauen. „Die Not der Menschen ist<br />
kaum noch auszuhalten“, sagt Chefarzt Dr. Dirk Ehrich. „Wir<br />
AUGENÄRZTE<br />
IM FOKUS<br />
Chefarzt Dr. Dirk Ehrich behandelt<br />
gemeinsam mit sieben Augenärzten<br />
die Patienten aus der Region.<br />
„Die Not der Menschen ist kaum<br />
noch auszuhalten“, sagt er.<br />
sind völlig überlastet.“<br />
Laut KVS-Prognose könnte der Versorgungsgrad mit Augenärzten<br />
aber noch weiter zurückgehen und sogar auf unter<br />
40 Prozent sinken. Um dem Einhalt zu gebieten, haben sich<br />
KVS und das Helios Vogtland-Klinikum Plauen zusammengetan<br />
und ein Modellprojekt ins Leben gerufen.<br />
Am 2. August beginnen die Umbauarbeiten. Dann entsteht<br />
ein Augenärztliches Versorgungs- und Weiterbildungszentrum<br />
(AVWZ) in direkter Nachbarschaft zum Helios-<br />
Klinikum. Das Zentrum ist ein Modellprojekt und der Landtag<br />
hat beschlossen, es mit dem neuen Doppelhaushalt<br />
finanziell zu unterstützen. 650.000 Euro stehen dafür<br />
bereit. Es entstehen zwei neuen Praxen mit einer zentralen<br />
Anmeldung, vier Behandlungsräumen, zwei Wartebereichen<br />
und vier Untersuchungseinheiten. Bis Ende 2021 sollen<br />
die Umbauarbeiten abgeschlossen sein.<br />
KOLLEGE ROBOTER<br />
Am Helios-Klinikum Aue nimmt die minimal-invasive<br />
Chirurgie ohnehin mit Blick auf die Zahl der Eingriffe<br />
eine Vorreiterrolle ein. Mit dem Roboter namens<br />
„daVinci“ ist man dazu noch auf dem neuesten Stand der<br />
Technik. Bei der roboterassistierten OP-Methode wird<br />
der Arzt nicht ersetzt, sondern erhält vier weitere Arme –<br />
und damit viel größere Bewegungsfreiheit. Gesteuert<br />
wird der Roboter über eine Konsole vom Arzt, der dank<br />
hochauflösender Bildgebung und passgenauer Steuerung<br />
präziser arbeiten kann.<br />
Ein neues Weiterbildungszentrum am Helios-Klinikum<br />
Plauen soll Fachmediziner in die Region locken<br />
Sören Voigt<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter &<br />
Parlamentarischer Geschäftsführer<br />
EINNEUER ANSATZ<br />
„Die ärztliche Versorgung ist existenziell<br />
für den ländlichen Raum.<br />
Deshalb haben wir uns dafür eingesetzt,<br />
dass in diesem Jahr 650.000<br />
Euro bereitgestellt werden.“<br />
Patienten mit Augenproblemen haben es im Vogtland<br />
schon jetzt schwer, einen Termin beim Facharzt zu bekommen.<br />
Das könnte noch schlimmer werden. Denn dem Vogtlandkreis<br />
droht eine Unterversorgung mit Augenärzten.<br />
Zwar waren laut Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen<br />
(KVS) zum Stand 1. April 2020 „nur“ 2,5 Stellen unbesetzt, ein<br />
Jahr später waren es schon 6,25 Stellen. Der Versorgungsgrad<br />
ist also von 93,3 auf 65,4 Prozent gesunken.<br />
Der Grund dafür ist, dass in den vergangenen Jahren mehr<br />
und mehr Fachmediziner ihre Praxen aufgegeben haben –<br />
meist aus Altersgründen. Die Patienten suchten nach neu-<br />
Im Januar 2022 nehmen dann vier Assistenzärzte hoffentlich<br />
die Arbeit auf. Sie werden von Fachmedizinern der Augenklinik<br />
nebenan betreut. Dort arbeiten schon jetzt sieben Augenärzte<br />
unter Leitung des Chefarztes Ehrich. Eine weitere<br />
Augenärztin ist im Medizinischen Versorgungszentrum des<br />
Klinikums tätig. Die neuen Assistenzärzte, die dann im Versorgungs-<br />
und Weiterbildungszentrum Patienten behandeln<br />
und ihre eigene Ausbildung voranbringen, erhalten zusätzlich<br />
Unterstützung von drei Arzthelfern und einem Optiker. Die<br />
Kassenärztliche Vereinigung zahlt rund 5.200 Euro monatlich<br />
pro Assistenzarzt Gehaltszuschuss ans Klinikum.<br />
Der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Sören Voigt kommt aus dem Vogtland.<br />
Mit seinen Landtagskollegen Stephan Hösl und<br />
Andreas Heinz hat er sich im Haushaltsverfahren für die<br />
Finanzierung dieses Modellprojektes starkgemacht. Er sagt:<br />
„Die ärztliche Versorgung ist existenziell für den ländlichen<br />
Raum. Das Projekt ist ein neuer Ansatz für die Nachwuchsgewinnung.<br />
Ich hoffe sehr, dass die angehenden Augenärzte<br />
nach ihrer Weiterbildung auch für die Region in der Region<br />
bleiben werden.“<br />
THERAPIE PER APP<br />
„Physiotherapeut für die Hosentasche“, so bezeichnen<br />
die Entwickler der App eCovery ihre Erfindung. Patienten<br />
mit Hüft-, Knie- und Rückenproblemen können die<br />
App begleitend zur Therapie in der Vor-Ort-Betreuung<br />
oder auch als Standalone-Produkt nutzen. Zugleich ist so<br />
erstmals auch die Betreuung von Patienten vor, während<br />
und nach einer Operation lückenlos möglich. eCovery ist<br />
in Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Leipzig<br />
entwickelt worden. Gerade erst haben die Gründer einen<br />
großen IT-Dienstleister als Investor vermeldet.<br />
56<br />
57
DER STOFF AUS DEM<br />
DIE ZUKUNFT IST<br />
GEMEINSAM FÜR DAS KLIMA<br />
Für die naturfaserverstärkten Kunststoffe<br />
setzen die Forscher in dem<br />
Lausitzer <strong>Innovation</strong>snetzwerk auf<br />
pflanzliche Agrarabfälle wie Stängel,<br />
Stämme und Blätter.<br />
Eine zukunftsfähige Energieversorgung ist auch für die Mitarbeiter<br />
Herstellung eines Naturfaser-Kunststoff-Verbunds: Mit einem neuen<br />
Verfahren können die Agrarabfälle in feste Formen gepresst werden.<br />
Leicht, belastbar, energieeffizient und recyclebar: Im Foto ist die<br />
Nullserie biologisch abbaubarer Einwegschalen zu sehen.<br />
Die Forscher der Hochschule Zittau/<br />
Görlitz gestalten den Strukturwandel<br />
in der Lausitz mit<br />
„Neues entsteht, wo Altes vergeht: Dieser Kreislauf<br />
ist gerade in der Lausitz zu beobachten.<br />
Besonders die Hochschule Zittau/Görlitz tritt hier<br />
als <strong>Innovation</strong>streiber auf“, sagt der regionalpolitische<br />
Sprecher der <strong>CDU</strong>-Fraktion Ronny Wähner.<br />
Im <strong>Innovation</strong>snetzwerk LaNDER3 forschen seit<br />
2017 Wissenschaftler an naturfaserverstärkten<br />
Kunststoffen. Von der Fasergewinnung bis zum<br />
Recycling achten sie dabei auf Nachhaltigkeit.<br />
Das ist auch ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz.<br />
Denn Plastik ist ein echtes Problem,<br />
für das Alternativen gesucht werden. Denn der<br />
zur Herstellung notwendige Rohstoff Öl ist begrenzt.<br />
Auf der anderen Seite belastet Plastik die<br />
Umwelt. Für die naturfaserverstärkten Kunststoffe<br />
setzen die Forscher in dem Lausitzer <strong>Innovation</strong>snetzwerk<br />
auf pflanzliche Agrarabfälle<br />
wie Stängel, Stämme und Blätter. Mit einem<br />
neuartigen Verfahren können diese in feste<br />
Formen gepresst werden. „Es entstehen leichte,<br />
belastbare Materialien, die energieeffizient in<br />
Form gebracht, funktionsgerecht beschichtet<br />
und nach Gebrauch recycelt werden“, heißt es<br />
auf der Website der Initiative.<br />
LaNDER3 ist auf die Forschung und Entwicklung<br />
ausgelegt. Unterstützt wird das Bündnis durch neo.<br />
Net e.V. Der Verein sieht sich als Dachverband für<br />
alle, die an innovativen und zukunftsfähigen Ideen<br />
arbeiten. Durch den Transfer von Forschungsergebnissen<br />
in die Wirtschaft werden <strong>Innovation</strong>en<br />
geboren. Ein Beispiel: die Lausitzer Naturfaser<br />
Ebersbach UG. Das 2019 gegründete Unternehmen<br />
schaffte es zusammen mit Akteuren des <strong>Innovation</strong>snetzwerkes<br />
LaNDER3 der Hochschule Zittau/<br />
Görlitz, eine Technologie zur Massenproduktion<br />
naturfaserbasierter Einwegprodukte aufzusetzen<br />
und zur Marktreife zu führen. Damit kann unter<br />
anderem komplett biologisch abbaubares Wegwerfgeschirr<br />
durch die Forschung an Naturfasern<br />
hergestellt werden. In Zukunft soll das Verfahren<br />
„Made in der Oberlausitz" internationalisiert werden.<br />
In Südamerika, China oder Indien werden bei<br />
der Produktion von Kaffee oder Palmöl mehrere Megatonnen<br />
an Agrarabfällen verbrannt. Hier dient<br />
die <strong>Innovation</strong> von LaNDER3 nun dazu,<br />
auch diese Biomasse zu nutzen.<br />
Ronny Wähner<br />
<strong>CDU</strong>-Regionalentwicklungspolitiker<br />
von Saxony5 im CELSIUZ wichtig. Das CELSIUZ mit seinem sogenannten<br />
„Co-Creation-Lab“ für Versorgungsinfrastruktur in Zittau ist ein<br />
offener Raum für das Zusammenarbeiten von Gesellschaft und Wirtschaft.<br />
Es eignet sich auch hervorragend für die Vermittlung von und<br />
die Weiterarbeit an Forschungsergebnissen.<br />
WIRTSCHAFT STÄRKEN<br />
Neben LaNDER3 ist Lausitz–Life and Technology das zweite Netzwerk,<br />
das durch neo.Net e.V. unterstützt wird. Ziel ist es, durch den Zusammenschluss<br />
aus lokalen Unternehmen, Wissenschaftlern und Verwaltungen<br />
die Wirtschaftskraft in der Region nachhaltig zu stärken. Zudem<br />
stellt sich Lausitz–Life and Technology durch Fortbildungen dem<br />
Fachkräftemangel vor Ort entgegen.<br />
58 59
Sachsen war und ist bis heute ein Land der <strong>Innovation</strong>. Eine der für den Alltag der Menschen bis<br />
Große Kreisstadt Torgau lädt zum Verweilen ein - so wie im Café Katharina auf dem Marktplatz und<br />
dazu ein Latte Macchiato . Auch die Landesgartenausstellung im kommenden Jahr zeigt bereits<br />
vielfältige Vorboten. Kommen auch Sie in die Stadt der Renaissance und Reformation - es lohnt sich!<br />
heute wichtigste Erfi ndung ist dabei die der Dresdnerin Melitta Bentz: der Kaffeefi lter. Fast immer<br />
wenn ich morgens im Wahlkreis unterwegs bin, habe ich meinen Kaffeebecher dabei. Gerade vor<br />
wichtigen Gesprächen, wie hier am Sachsenring, ist ein Kaffee Gold wert.<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages #kaffeesachsen #EINBLICK<br />
Der Kaffeefilter ist heute nicht mehr wegzudenken. Vor 100 Jahren<br />
trank man ihn ohne – doch die Dresdner Hausfrau Melitta<br />
Bentz störte sich an den Krümeln. Also stanzte sie Löcher in einen<br />
Messingtopf und nahm Löschpapier. Der Kaffeefilter war geboren.<br />
Unterwegs auf Wahlkreistour von Neuhausen bis Großhartmannsdorf… Da gehört ein<br />
Zwischenstopp in Mulda im<br />
Cafe Flora unbedingt dazu. Zum Kaffee gab es natürlich das wohl<br />
weltbeste Erdbeereis!!!<br />
AUF EIN<br />
KÄFFCHEN MIT...<br />
… den Abgeordneten der <strong>CDU</strong>-Fraktion<br />
des Sächsischen Landtages<br />
Daran hatte die Dresdnerin Melitta Bentz wahrscheinlich<br />
nicht gedacht: Mehr als 100 Jahre nach ihrer Erfindung trinkt<br />
heute (fast) jeder Sachse sein „Schälchen Heeßen“ gefiltert.<br />
Auch die <strong>CDU</strong>-Abgeordneten im Landtag. Egal ob im Bürgergespräch,<br />
unterwegs bei Terminen, bei Besprechungen oder<br />
auch im Dresdner Landtag. Der Kaffee gehört dazu. Wir haben<br />
die Abgeordneten gebeten, einmal auf Facebook zu zeigen,<br />
wo sie ihren Kaffee am liebsten trinken. Zum Beispiel den<br />
<strong>CDU</strong>-Sozialpolitiker Alexander Dierks (gr. Foto) aus Chemnitz.<br />
Er sagt: „Ich habe die Bürobesprechung mit meinen Mitarbeitern<br />
ins Café Michaelis verlegt. Es ist ein wunderschönes Kaffeehaus<br />
mit tollen Kuchen. Und der Kaffee ist eine Wucht!“<br />
Diese Woche tagt das #Plenum im Sächsischen #Landtag und es gibt viel zu tun. Wichtig ist<br />
deshalb eine gute Vorbereitung, die ich am Anfang der Plenarwoche meist noch aus dem #Wahlkreisbüro<br />
machen kann und dann im Parlamentsbüro in Dresden fortsetze. Ein #Kaffee gehört<br />
hier dazu. #kaffeesachsen #EINBLICK<br />
www.jan-loeffl er.info<br />
Während der langen Tage im Landtag @cdu_slt bleibt auch mal Zeit, im Parlamentsbüro einen<br />
Kaffee zu trinken. Schließlich ist der Kaffeefilter eine sächsische Erfindung. Mein Büro leitet Sarah<br />
von Sachsen, der ich herzlich für ihre Unterstützung danke. Sie koordiniert meine Termine im Landtag<br />
und die vielen Anliegen aus dem Wahlkreis. Immer im Hintergrund dabei: meine Heimatstadt<br />
Olbernhau auf Holz. Sven Koerner Photografie #kaffeesachsen #EINBLICK #mittlereserzgebirge<br />
#erzgebirge #dieheimatvoranbringen #olbernhau #marienbergimerzgebirge #zschopau #sachsen<br />
Ein #Kaffee geht immer…<br />
Aus einer halben Stunde wurden zwei Stunden und ich habe soviel erfahren über die #Brotbackkunst,<br />
die Torsten Eckert im Hellerauer Marktbäcker betreibt. Jeden Monat gibt es ein anderes<br />
#BrotdesMonats. Bis zur Corona-Pandemie war er regelmäßig mit anderen Bäckern aus Sachsen.de<br />
in der #Welt unterwegs und hat (u.a. auch in #Japan)) das Wissen der BrotBackKunst vermittelt.<br />
Schaut mal in seinem Laden in #Hellerau auf einen Kaffee vorbei, die #Backstube ist direkt dahinter.<br />
Apropos Kaffee: Die Dresdnerin #Melitta #Bentz hat die Erfindung des #Kaffefilters gemacht.<br />
#<strong>Innovation</strong> aus #Sachsen Und wir #Kaffeesachsen lieben unser #SchälchenHeeßes.<br />
60 61
Innovative Ideen aus dem Sachsenland. Es ist eigentlich undenkbar, in die Sitzung der @cdu_slt zu<br />
gehen, ohne vorher einen Kaffee im Büro getrunken zu haben. Danke an die Dresdnerin Melitta Bentz<br />
für die Erfindung des Kaffeefilters #kaffeesachsen #EINBLICK #kayritter<br />
Guten Morgen aus Dresden.<br />
Vor den Abgeordneten liegen zwei themenreiche Plenartage. Zum Start aber erstmal einen Kaffee zur<br />
Sondersitzung des Haushalts- und Finanzausschusses - heute soll der Landtag dem Sozialministerium<br />
die Mittel für den Weiterbetrieb der Impfzentren freigeben.<br />
#fürsachsen #kaffeesachsen #EINBLICK<br />
Wieder daheim! Der erste „Guten-Morgen-Kaffee“ im eigenen Garten nach 3 Wochen Reha<br />
schmeckt einfach am besten! Es ist schön zu sehen, wie alles blüht und grünt. Mein Mann Jens<br />
Kuge hat den Garten wirklich in ein Paradies verwandelt! Natürlich gibt’s bei uns den Kaffee aus der<br />
Kaffeerösterei Müller in einer Tasse der Porzellanmanufaktur Meissen.<br />
Nach einer überwiegend sitzenden Woche am Samstagmorgen ein paar Runden um die Talsperre<br />
- jetzt geht´s zum Bäcker und dann gibts Kaffee<br />
Kaffeepause in meinem Garten. Mein Lieblingsplatz zur Entspannung vom oft hektischen Alltag.<br />
Hier genieße ich in die Natur und Ruhe ... <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages #kaffeesachsen<br />
#EINBLICK<br />
...am heutigen Plenartag werde ich zum Strukturwandel sprechen.<br />
Zur Vorbereitung gehörten auch ein #kaffee und der Blick auf ein Heimatmotiv der #oberlausitz<br />
im Landtagsbüro.<br />
#kaffeesachsen #EINBLICK<br />
Heute konnte ich am virtuellen Digitalisierungsfrühstück der DATEC Netzwerke & Druckerlösungen<br />
GmbH teilnehmen. Bereits seit 1995 wächst die Firma kontinuierlich und zählt mittlerweile<br />
zu den führenden ganzheitlichen Lösungsanbietern für Outputmanagement-Lösungen. in ganz<br />
Deutschland. Hier im #Vogtland ansässig vertrauen Kunden der verschiedensten Wirtschaftsbereiche<br />
auf Erfahrung, Know-how und <strong>Innovation</strong>sgeist der DATEC GmbH. Und auch wenn virtuelles<br />
Kaffeetrinken die räumliche Gemeinschaft nicht ersetzen kann, zeigt das Meeting, dass wir Sachsen<br />
immer sehr kreativ und erfi nderisch sind.<br />
Sachsen war und ist bis heute ein Land der <strong>Innovation</strong>. Eine der für den Alltag der Menschen bis heute<br />
wichtige Erfindung hat die Dresdnerin Melitta Bentz gemacht: den Kaffeefilter. Als Kaffeesachse liebe<br />
ich meinen täglichen Kaffee und genieße ihn besonders nach getaner Gartenarbeit am Wochenende.<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages #kaffeesachsen #EINBLICK<br />
Sachsen verbindet Tradition & <strong>Innovation</strong>. Eine <strong>Innovation</strong>, die sich durchgesetzt hat, ist der in den erfundene Kaffeefilter<br />
Zu einer produktiven Bürobesprechung in meinem Wahlkreis gehört immer auch ein Kaffee … und<br />
Dresbei<br />
besonders hohen Temperaturen dann der Eiskaffee<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages #kaffeesachsen #<strong>Einblick</strong><br />
Mitten im schönen #Striesen, direkt am #Hüblerplatz, liegt mein #Wahlkreisbüro. Vor etwas<br />
mehr als einem Jahr bin ich gemeinsam mit meinem #Team hierher umgezogen.<br />
#Bürgergespräche, #Veranstaltungen, #Ausstellungen: Das alles war in den vergangenen<br />
Wochen aufgrund der Pandemie leider nicht möglich.<br />
Ich hoffe, dass mein Büro nun wieder zu einem lebendigen Dreh- und Angelpunkt für meine<br />
#Wahlkreisarbeit wird. Ich freue mich auf die Begegnungen und Gespräche - gern auch bei<br />
einer Tasse Kaffee! Die Einladung steht! #miteinanderreden #gemeinsammehrerreichen<br />
#kaffeesachsen #kaffeesachse #EINBLICK<br />
Von innovativen Ideen und den Menschen dahinter schreibt die Malerin Hanna Klose-Greger in<br />
ihrem Buch „Die Kutsche ohne Pferde“: Beispielsweise von Georg #Baumgarten als Luftschiffpionier<br />
und Vorbild für Zeppelin und von Louis #Tuchscherer als vielleicht Automobilbauer noch vor Carl<br />
Benz (allerdings strittig). Und was hat das mit #Kaffeesachsen zu tun? Melitta Bentz erfand den<br />
Kaffeefilter. Aber den kann ich hier nicht abbilden, weil ich - wenn überhaupt - Espresso trinke. Bei<br />
solchen Temperaturen wie heute. Und am liebsten in der 'Ewigen Stadt'.<br />
Kaffee, direkt aus der Grimmaer Kaffeerösterei — mmmmh<br />
62 63
DER SOUNDTRACK<br />
SACHSENS<br />
„Wie klingt Heimat“ heißt das neue Projekt von Felix Räuber, der mit der Band Polarkreis 18<br />
(„Allein, Allein“) bekannt geworden ist. Sein Ziel ist, die Heimat akustisch einfangen<br />
„Ich begebe mich auf die Suche nach Menschen und deren<br />
Melodien, nach Bräuchen und Ritualen, die untrennbar mit<br />
unserer Geschichte verwoben sind. Mit dem Ziel, eine völlig<br />
neue, uns verbindende Musik zu erschaffen“. So stellt Felix<br />
Räuber den Besuchern seiner Webseite sein neues Filmprojekt<br />
vor. Insgesamt 10 Folgen sind geplant, die 2022 im Fernsehen<br />
zu sehen sein sollen. Die Idee entstand über den Wolken, auf<br />
der Heimreise von Nordkorea, wo ihn und seine Begleiter die<br />
Dauerbeschallung mit Propagandamusik nervte. Die beiden<br />
fragten sich, wie wohl ihre sächsische Heimat klingt – so<br />
entstand das Projekt „Wie klingt Heimat?“<br />
Zwei Jahre Vorbereitung stecken in dem Projekt. Jetzt zeichnen<br />
Räuber und seine Mitstreiter die Choräle der sorbischen<br />
Osterreiter genauso wie die Geräusche aus sächsischen Wäldern<br />
und Gebirgen auf, lauschen dem Braunkohlebagger und<br />
besuchen Handwerker im vogtländischen Musikerwinkel.<br />
„Er gießt dabei das unbeschreibliche Gefühl von Heimat in<br />
ein musikalisches Kunstwerk. Ich bin froh, dass der Freistaat<br />
Sachsen die Reihe ,Heimat‘ finanziell unterstützt und wir bald<br />
erleben können, wie unsere unterschiedlichen Regionen in<br />
Sachsen klingen!“, schwärmt Sachsens Kunstministerin<br />
und Lanstagsabgeordnete Barbara Klepsch.<br />
Barbara Klepsch<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordnete &<br />
Kulturministerin<br />
„Wie klingt Heimat?“ Der ehemalige Frontmann von<br />
Polarkreis 18, Felix Räuber, ist mit seinem Team in ganz<br />
Sachsen unterwegs, um Geräusche und Musik einzufangen.<br />
Der Braunkohlebagger gehört für ihn ebenso<br />
dazu wie die Morgendämmerung auf der Hochwaldbaude<br />
bei Oybin im Zittauer Gebirge. Das Ergebnis wird<br />
2022 im Fernsehen zu sehen sein.<br />
Mehr Infos unter: www.heimatlieder.net<br />
64 65
VORGESTELLT:<br />
Apps sind aus dem Alltag der allermeisten Menschen nicht mehr wegzudenken.<br />
Wir stellen drei Applikationen für Smartphones vor, die in Sachsen<br />
entstanden sind<br />
DATING MADE IN DRESDEN<br />
In Europa nutzen über 60 Millionen Menschen LOVOO. Damit<br />
kommt aus Sachsen eines der führenden Sozialen Netzwerke.<br />
Die Dating-App wurde 2011 von dem gleichnamigen<br />
Dresdner Startup in Deutschland veröffentlicht. Heute<br />
ist LOVOO in 15 Sprachen weltweit verfügbar. Ansprechen<br />
möchten die Macher vor allem junge Menschen, eine Altersobergrenze<br />
gibt es aber nicht. Die Corona-Pandemie nutzte<br />
der Dresdner-App-Entwickler für ein neues Angebot: Neben<br />
Textnachrichten können die Nutzenden nun auch per Videochat<br />
im Kontakt bleiben. Mit einem Fond unterstützt das<br />
sächsische Internet-Unternehmen zudem junge Künstler.<br />
„Wir geben Freischaffenden und Singles eine Plattform, mit<br />
der wir gemeinsam die Einsamkeit bekämpfen und Mut und<br />
Lust auf die Zukunft machen“, sagt Florian Braunschweig,<br />
Geschäftsführer und einer der Gründer von LOVOO.<br />
Eric Dietrich<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
WIR SIND SOFTWARELAND<br />
„Die Welt von morgen wird von Software<br />
und Apps geprägt sein. Sachsen ist schon heute<br />
ein führendes Softwareland. Im Alltag sehen wir<br />
oft nicht, wie viele innovative Programme und<br />
Apps im Freistaat entwickelt wurden. Wir setzen<br />
uns dafür ein, dass Sachsen weiter bei der Softwareentwicklung<br />
spitze bleibt!“<br />
TEAMPLANUNG AUS CHEMNITZ<br />
Mit seiner Mitarbeiter-App gehört Staffbase zu den führenden<br />
Anbietern für die interne Kommunikation. Das Unternehmen<br />
wurde 2014 in Chemnitz gegründet. Heute nutzen<br />
Konzerne wie DHL, T-Systems oder Viessmann die Software<br />
aus Sachsen. Obwohl das Unternehmen mittlerweile weltweit<br />
Büros hat, bleibt der Standort Sachsen besonders. „Wir<br />
haben hier die Chance, Räume wiederzubeleben, an der Bewerbung<br />
für die Kulturhauptstadt 2025 mitzuwirken und<br />
jungen Absolventen Jobs anzubieten“, erklärt Dr. Martin<br />
Böhringer, einer der Geschäftsführer und einer der Pioniere<br />
bei Staffbase. In der Zukunft sieht er den Markt noch weiter<br />
wachsen: „Es gab bislang keine Software für interne Kommunikation.<br />
Jetzt gibt es dieses neue Feld und auch die Budgets<br />
werden größer“, ist der Unternehmer überzeugt.<br />
APP IN DIE NATUR!<br />
Zunächst ein wissenschaftliches Gedankenspiel, ist Bird-<br />
Net heute eine beliebte Anwendung für Naturinteressierte.<br />
Entwickelt wurde die Vogelstimmen-App von Stefan Kahl,<br />
wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Medieninformatik<br />
an der TU Chemnitz. Dass er in seiner Promotion eine<br />
App entwickeln wird, plante der Wissenschaftler zunächst<br />
nicht. „Zu der Zeit war es sehr schwer, entsprechend große<br />
Datenmengen von alltäglichen Geräuschen zu bekommen.<br />
Zufällig konnten wir Kontakte zum Cornell Lab of Ornithology<br />
knüpfen und damit war die Idee geboren, die Audio-Analyse<br />
zunächst auf Vogelstimmen zu begrenzen“, erklärt der<br />
Forscher sein Projekt. BirdNet wurde weltweit bereits mehr<br />
als 1 Millionen mal heruntergeladen.<br />
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„Wenn ich die Menschen gefragt hätte,<br />
was sie wollen, hätten sie gesagt<br />
schnellere Pferde.“<br />
Herny Ford,<br />
Erfinder (1863–1947)<br />
„<strong>Innovation</strong> ist keine Pflicht – Überleben<br />
aber auch nicht.“<br />
Graham Horton,<br />
Professor und <strong>Innovation</strong>sberater (geb. 1962)<br />
„<strong>Innovation</strong> ist kein Schicksal, sondern<br />
Machsal.“<br />
Prof. Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger,<br />
Chemiker, Erfinder, Manager (*1939)<br />
„<strong>Innovation</strong>en – Ansichtskarten aus<br />
der Zukunft.“<br />
Thom Renzie,<br />
Autor (*1959)<br />
„Wirklich innovativ ist man nur dann,<br />
wenn mal etwas danebengegangen ist.“<br />
Woody Allen,<br />
Filmregisseur (*1935)<br />
cdu-fraktion-sachsen.de<br />
Tacheles! Politik im Klartext<br />
cdulandtagsfraktionsachsen<br />
@cdu_slt<br />
cdu_slt