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CDU-Magazin Einblick (Ausgabe 13) - Thema: Innovation

Das politische Magazin der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages

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MAGAZIN DER <strong>CDU</strong>-FRAKTION DES SÄCHSISCHEN LANDTAGES AUSGABE <strong>13</strong><br />

NEUES WAGEN<br />

Wie <strong>Innovation</strong>en Sachsen voranbringen<br />

Halbleiter<br />

So geht es weiter<br />

mit Silicon Saxony<br />

Schule<br />

Das hat Sachsen<br />

aus Corona gelernt<br />

Sicherheit<br />

Wie die Polizei von<br />

morgen arbeitet


In|no|va|ti|on, die<br />

Wortart: Substantiv, feminin<br />

Wortherkunft: von lateinisch innovare „erneuern“ abgeleitet, wörtliche Übersetzung: „Neuerung“<br />

oder „Erneuerung“<br />

Bedeutungen: 1. geplante und kontrollierte Veränderung, Neuerung in einem sozialen System durch<br />

Anwendung neuer Ideen und Techniken; „politische <strong>Innovation</strong>“ 2. Einführung von etwas Neuem;<br />

Neuerung; Reform<br />

Definition<br />

Die <strong>Innovation</strong> ist ein willentlicher und gezielter Veränderungsprozess hin zu etwas Erstmaligem,<br />

„Neuem“. Ursprünglich in der Wirtschaftswissenschaft mit der Theorie der <strong>Innovation</strong>en (Joseph<br />

Schumpeter) eingeführt, hat sich der Begriff in den vergangenen Jahren auch auf andere Lebensbereiche<br />

wie Politik, Gesellschaft und Wissenschaft ausgedehnt. Zugrunde liegt immer der kreative Denkprozess,<br />

der durch die neuartige Verknüpfung von Wissen, Produkten, Dienstleistungen und Verfahren<br />

die <strong>Innovation</strong> hervorbringt.<br />

In der sächsischen Landespolitik wird die <strong>Innovation</strong> in Wirtschaft und Wissenschaft durch die „<strong>Innovation</strong>sstrategie<br />

des Freistaates Sachsen“ vorangetrieben. So will Sachsen Land der erfolgreichen<br />

Innovatoren sein, seine Position in globalen Wertschöpfungsketten durch Spitzenleistungen festigen<br />

und ausbauen, die <strong>Innovation</strong>skultur in Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft stärken<br />

und Magnet für kluge Köpfe aus aller Welt sein.<br />

EDITORIAL<br />

„Sachsen ist das Land der Tüftler und Erfinder,<br />

der Macher und Denker“, heißt es<br />

auf der Internetseite der Aktion „So geht<br />

sächsisch“. Und wie recht sie haben! Viele<br />

<strong>Innovation</strong>en kamen in der Vergangenheit<br />

aus dem Freistaat und haben von hier aus<br />

die Welt verändert.<br />

Damals waren es Alltagsdinge, die den<br />

Menschen das Leben vereinfachten. Egal<br />

ob der Kaffeefilter, die Zahnpasta oder der<br />

Die fleißigsten Erfinder<br />

Ostdeutschlands sitzen<br />

heute in Sachsen!<br />

Büstenhalter. Und wie sieht es heute aus?<br />

Im vergangenen Jahr meldeten laut Deutschen<br />

Patent- und Markenamt sächsische<br />

Tüftler insgesamt 641 Erfindungen für ein<br />

Patent an. Die fleißigsten Erfinder Ostdeutschlands<br />

sitzen demnach in Sachsen!<br />

Damit das so bleibt, unterstützen wir mit<br />

zahlreichen Förderprogrammen Sachsens<br />

INHALT<br />

12<br />

17<br />

20<br />

24<br />

26<br />

30<br />

33<br />

35<br />

„Der Sachse ist konsequenter“<br />

Lars Rohwer über den sächsischen Erfindergeist<br />

Geld vom Freistaat<br />

Wissenschaftsetat wird aufgestockt<br />

Leicht-Gewicht<br />

Verbundstoffe aus Chemnitz verändern die Welt<br />

Gründen im Grünen<br />

Manuel Dudczig erstellt virtuelle Räume<br />

Hilfe auf Knopfdruck<br />

DIGADES bietet Sicherheitssysteme für Motorradfahrer<br />

Wir verändern die Welt<br />

Sächsische Unternehmen sind nachhaltig und innovativ<br />

Vom VEB zum innovativen Weltmarktführer<br />

Die Geschichte von Theegarten-Pactec aus Dresden<br />

Im Abgang fruchtig<br />

Susanne Gebhardt arbeitet mit heimischen Weinen<br />

junge Forscher und Unternehmer in allen<br />

Phasen des <strong>Innovation</strong>sprozesses, damit<br />

letztlich deren innovative Produkte, Prozesse<br />

oder Dienstleistungen auch zur Marktreife<br />

gelangen. Schließlich wollen wir nicht<br />

nur tolle Ideen fördern, sondern auch deren<br />

Wertschöpfung im Freistaat Sachsen unterstützen<br />

und Sachsens jungen Unternehmen<br />

gute Voraussetzungen im nationalen<br />

und internationalen Wettbewerb bieten.<br />

Im Interview ab Seite 12 dieses EIN-<br />

BLICK-<strong>Magazin</strong>s erklärt mein Fraktionskollege<br />

und Digitalpolitiker Lars<br />

Rohwer: „Die Welt wartet nicht auf<br />

uns!“ Das ist uns als <strong>CDU</strong> absolut<br />

bewusst. Wir orientieren deshalb unsere<br />

Förderpolitik daran, ein möglichst gutes<br />

Gründerklima im Freistaat zu schaffen.<br />

Auch wenn hier in den letzten Jahren<br />

schon eine ganze Menge passiert ist, am<br />

Ziel sind wir noch lange nicht. Es fehlt<br />

weiterhin an notwendigen Wagniskapitalgebern,<br />

die bürokratischen Anforderungen<br />

an junge Unternehmen sind noch<br />

Die intelligente Fabrik<br />

Bosch eröffnet neue Chip-Fabrik<br />

immer zu hoch und es braucht steuerliche<br />

Anreize – sowohl für Investoren als auch<br />

für Gründer – sich aktiv ins Abenteuer<br />

Gründung zu stürzen. Es bleibt also auch<br />

politisch noch viel zu tun.<br />

Die vielen Porträts im aktuellen Heft<br />

von erfolgreichen Gründern aus Sachsen<br />

sollen zeigen, wie vielfältig die<br />

Gründerszene in Sachsen ist – von der<br />

Lausitz bis in Erzgebirge.<br />

Ihr Christian Hartmann<br />

Fraktionsvorsitzender<br />

<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages<br />

Wir bauen Handyzukunft<br />

In Sachsen entsteht die Zukunft des mobilen Internets<br />

Mit Hightech aufs Feld<br />

<strong>Einblick</strong> in die Komplexität der Landwirtschaft<br />

Die Bambi-Retter<br />

Unterwegs mit der Drohnenstaffel des ASB Dresden<br />

Hier forscht die Polizei!<br />

Zu Besuch im InnoLab der sächsischen Polizei<br />

Mit Begeisterung Neues lernen<br />

Die Digitalisierung in sächsischen Schulen schreitet voran<br />

Augenärzte im Fokus<br />

Helios-Klinikum Plauen lockt Fachmediziner in die Region<br />

Der Soundtrack Sachsens<br />

Felix Räuber sucht nach dem Klang seiner Heimat<br />

IMPRESSUM Herausgeber: <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages, Bernhard-von-Lindenau-Platz 1, 01067 Dresden, Telefon 0351 493-5501, www.cdu-fraktion-sachsen.de Redaktion: Christian Fischer (V.i.S.d.P.), STAWOWY, Chris Brinkmann Fotos: Claudia<br />

Jacquemin (3); Adobe Stock: patpitchaya (17), luchschenF (22), ASDF (22), peach_fotolia (22), aapsky (22), James Thew (22), sdecoret (22), Dusko (23), daria_serdtseva (23), fotomek (23), muratart (23), Климов Максим (23), Papin_Lab (23), Wellnhofer Designs (23),<br />

SFIO CRACHO (23), tonaquatic (30), Lakee MNP (41), Alexander Hilgenberg (46-47) NDABCREATIVITY (55); Basti Tóth whatsyourplan.de (52); Alexander Fuhrmann (1, 2, 4-5, 7, 8-9, 12-<strong>13</strong>, 14-15, 16, 17, 24, 30-31, 34-35, 38-39, 42-43, 44-45, 48-49, 53, 54, 56); TU<br />

Chemnitz (20-21); SLUB Dresden / Deutsche Fotothek / Richard Petersen (10-11); Infografik Basti Tóth whatsyourplan.de (18-19), TVNOW / Bernd-Michael Maurer (5); PR Mushroom Productions (6-7); Technische Sammlungen Dresden, TSD_K01465 (10); PR MERGE<br />

(21); Europäisches Patentamt (25); Greenhouse Production (25); PR Digades (26-28); PR AEF (29); PR Watttron (31); PR Skeleton Technologies (31-32); PR Theegarten Pactec (33-34); PR Cosmira (36); Sächsische Staatskanzlei (36); PR Meyer-Burger (36); PR etage8/<br />

Mormor Aktivmöbel (37); Bosch Media Service (39); Newsroom Vodafone (40); PR futureSAX (41); TU Bergakademie Freiberg (46); SMR_KLT (46); Christina Hille/Hofkäserei Meißgeier (47); Jörg Lorentz/ Holger Gasse (47); Photo by Nasser Berzane/ABACAPRESS.<br />

COM (50); Leipziger Gruppe (51); Sächsisches Kultusministerium (55); PR Helios Klinikum Aue (57); PR Wundera (57), Jens Weber (58); Tobias Ritz (58); Henriette Uhlig (58); Stefan Flad / Saxony5 (59); PR Lausitz - Life and Technology (59); Wikipedia/ Elke Wetzig<br />

(Elya) (60); Michael Wagner (64-65); PR Staffbase (66) Druck: Druckerei Oskar Görner GmbH, Melanchthonstra e 1–7, 09126 Chemnitz Veröffentlichung: Juli 2021 Diese Publikation dient der Information über die parlamentarische Arbeit der <strong>CDU</strong>-Fraktion des<br />

Sächsischen Landtages. Eine Verwendung für Parteienwerbung oder im Wahlkampf ist nicht zulässig.<br />

38<br />

40<br />

42<br />

44<br />

46<br />

52<br />

56<br />

64


EINE HAUTNAHE IDEE<br />

Vom Hobby zum Produkt – das ist die Geschichte des Bodywallet,<br />

ein Geldbeutel als Pflaster. Erfinder Christian Schranz ist<br />

begeisterter Surfer. Vor Corona ritt er oft auf den Wellen dieser<br />

Welt. „Dabei ist mir die Idee gekommen“, erzählt er. Schranz<br />

kaufte sich eine Maschine und begann in Handarbeit Prototypen<br />

zu entwickeln. Sein Ziel: ein praktischer Geldbeutel für<br />

Sport, Freizeit und Urlaub, der nicht verloren geht und beim<br />

Sport nicht stört. Wie ein Pflaster. Für das marktreife Produkt<br />

war dann der Vertrieb zu organisieren. „Mein Business-Partner<br />

Axel Kosuch hat eine Werbefirma, über ihn läuft das Geschäft“,<br />

erzählt Schranz. Bundesweit bekannt sind die beiden durch<br />

ihren Auftritt bei der Fernsehsendung „Höhle der Löwen“ geworden.<br />

Auch wenn dort die Suche nach Investoren gescheitert<br />

ist, wollen die beiden weitermachen. Aber: „Die Bürokratie<br />

und das Steueraufkommen machen es Unternehmern in<br />

Deutschland schwer“, bedauert Christian Schranz. Er hofft auf<br />

gründungsfreundlichere Anreize aus der Politik.<br />

Mehr Infos: www.bodywallet.de<br />

Bei der VOX-Sendung „Höhle der Löwen“ unterzog Investor Dr.<br />

Georg Kofler die „Bodywallet“-Geldbörse gleich einem Praxistest.<br />

[Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer].<br />

4 5


EINE SCHNELLE IDEE<br />

ZAHLEN & FAKTEN<br />

641 PATENTE<br />

wurden 2020 in Sachsen angemeldet, bundesweit<br />

waren es insgesamt 42.260<br />

Erzgebirge und Holzkunst: Da denkt man zunächst an Schwibbogen<br />

oder Räuchermänner. Nicht so Steven und Vanessa<br />

Busch. Die beiden machten in Sehmatal-Sehma bei Annaberg-Buchholz<br />

ihren Traum von der eigenen Marke wahr.<br />

Als „Mushroom Production“ stellen sie nachhaltige Skier her.<br />

„Sachsen ist für uns ein toller Standort. Besonders aber das<br />

Erzgebirge! Wir haben hier noch richtig Winter und mit dem<br />

Fichtel- und dem Keilberg, zwei über 1.000 Meter hohe Berge,<br />

an denen Wintersport von Dezember bis April möglich ist“,<br />

sagt Steven Busch. Ihre Produkte überzeugen in Funktionalität<br />

und Aussehen. Mit dem Freeride Touring-Ski „Exit World“<br />

gewannen die beiden Gründer aus dem Erzgebirge 2018 beim<br />

Sächsischen Staatspreis für Design. „Viele Unternehmen haben<br />

in Sachsen das Licht der Welt erblickt und jede Region<br />

setzt dabei eigene Schwerpunkte und nutzt die lokalen Besonderheiten.<br />

So steht im Erzgebirge auch der Wintersport im unternehmerischen<br />

Fokus. Solche Firmen sorgen für neue Jobs in<br />

Sachsen und über 600 Patentanmeldungen jedes Jahr belegen<br />

die sächsische <strong>Innovation</strong>skraft. So sichern wir nicht zuletzt<br />

auch die wirtschaftliche Zukunft im ländlichen Raum!“, freut<br />

sich der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Oliver Fritzsche.<br />

19.491 FIRMEN<br />

wurden im vergangenen Jahr am <strong>Innovation</strong>sstandort<br />

Sachsen gegründet<br />

86 PERSONEN<br />

von 10.000 Einwohner gründen laut Gründungsmonitor<br />

der KfW in Sachsen ein Unternehmen<br />

1.310 JOBS<br />

sind im vergangenen Jahr in Sachsen durch<br />

Firmen-Ansiedlungen geschaffen worden<br />

Mehr Infos: www.mushroom-ski.de<br />

Oliver Fritzsche<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

STOLZ AUF DIE GRÜNDER<br />

„Wir sind stolz auf so innovative Firmen<br />

wie ,mushroom productions‘, die<br />

mit handgefertigten Ski und Snowboards<br />

für Naturverbundenheit, Freiheit<br />

und Unabhängigkeit stehen.“<br />

„Ohne Know-how im Handwerk und ohne eine einzige Maschine<br />

starteten wir 2016 ins Abenteuer“, erzählt Sven Busch. „Nun produzieren<br />

wir jede Saison eine handgefertigte Kleinserie.“ 2018<br />

gewann die junge Firma sogar den Sächsischen Design-Preis!<br />

6<br />

7


EINE SAUBERE IDEE<br />

Kreativität + Alltagsproblem = Lösung! Die Dresdnerin Sandy<br />

Csisko mit ihrem „Portable Garbage Bin“ zeigt, dass Not ganz<br />

schön erfinderisch machen kann. Die Entwicklung der eigenen<br />

Idee ist ihr bei Spaziergängen an der Elbe gekommen:<br />

„Leider gibt es in Dresden nur wenige Mülleimer. Die die es<br />

gibt, sind oft voll. Ich wollte bei Spaziergängen mit meinem<br />

Hund nicht die ganze Zeit die Kotbeutel herumtragen“, erklärt<br />

die Erfinderin. Aus einem handelsüblichen Plastikrohr<br />

und einem Gurt baute sie kurzerhand ihren mobilen Mülleimer.<br />

„Dann noch ein Aufkleber drauf und fertig“, sagt Csisko.<br />

Die ersten handgemachten Eimer verschenkte sie an Freunde<br />

und Bekannte. „Jetzt sind 80 Stück auch im Internet zu<br />

kaufen. Das ist ein schöner Nebenerwerb“, erzählt sie stolz.<br />

Der tragbare Gassieimer kann aber auch noch an anderer<br />

Stelle helfen: „Die Eimer eignen sich nicht nur für Hundehaufen.<br />

Sie können auch als normale Mülleimer in der Freizeit<br />

genutzt werden“, sagt Sandy Csisko.<br />

Mehr Infos: bit.ly/trashbagtogo<br />

8 9


PFIFFIGE SACHSEN<br />

EROBERTEN IM<br />

KALTEN KRIEG<br />

DEN WELTMARKT<br />

Die Entwicklung der Spiegelreflexkamera<br />

dauerte Jahrezehnte<br />

und zahlreiche Modellestufen. Die<br />

Exakta 500 wurde gemeinsam mit<br />

ähnlichen Modellen über 73.000<br />

mal hergestellt und von Dresden<br />

aus in die ganze Welt verkauft.<br />

Die Geschichte der Fotografie nimmt in Sachsen eine Wendung.<br />

Mit Spiegelreflexkameras kann jeder tolle Fotos machen<br />

Das wissen die Wenigsten: Auch die Spiegelreflexkamera kommt aus Sachsen.<br />

Zwar gab es bereits seit 1861 in England erste Versuche. Den technischen Durchbruch<br />

schafften allerdings die Sachsen! Die Kine Exakta gilt als erste Kleinbild-Spiegelreflexkamera<br />

der Welt, die in Serie produziert wurde. Vorgestellt<br />

wurde sie 1936 von der Dresdner Firma Ihagee auf der Leipziger Buchmesse. Die<br />

Produktion wurde 1949 eingestellt. Es folgten neue Modelle: Zwischen Juni 1969<br />

und Dezember 1970 zum Beispiel die Exakta 500 (Foto).<br />

Die Firma Ihagee war aber nicht das einzige sächsische Unternehmen für Spiegelreflexkameras.<br />

Bereits 1926 wurde ebenfalls in Dresden die Firma Zeiss Ikon<br />

gegründet. Weitere Betriebe folgten über die Jahre. In den Technischen Sammlungen<br />

Dresden kann man die historischen Wunderwerke bestaunen. Hier finden<br />

sich Apparate vom Kamera-Werk Niedersedlitz, dem VEB Kamera- und Kinowerke<br />

Dresden oder dem VEB Pentacon. Die Namen sind ein Verweis auf die Zeit<br />

der DDR. Die Entwicklungserfolge aus den 30er Jahren führten die Volkseigenen<br />

Betriebe und Kombinate weiter.<br />

Auch im kalten Krieg wurden in Sachsen Spiegelreflexkameras entwickelt und verkauft.<br />

Die Kamera-Werke Niedersedlitz exportierten nach ihrer Übernahme durch Pentacon<br />

zum Beispiel das Modell Praktica nach Westdeutschland. Der Versandhändler<br />

Quelle verkaufte das Modell unter dem Namen RevueFlex. Sächsische Spiegelreflexkameras<br />

waren damit nicht nur in der DDR beliebt. Auch im Westen Deutschlands und<br />

im weiteren Ausland eroberte die Technik aus dem Freistaat die Welt.<br />

Jörg Kieswetter<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

ENTWICKLUNGSLEISTUNG<br />

„Ich bin stolz auf die damaligen sächsischen<br />

Entwicklungsleistungen und<br />

freue mich, dass wir auch gegenwärtig<br />

als Erfinder und Entwickler weltweit<br />

durch das Silicon Saxony als<br />

sogenannten Quantensprung für die<br />

digitale Fotografie bekannt sind.“<br />

10 11


„DER SACHSE IST<br />

KONSEOUENTER!“<br />

Der Wirtschaftspolitiker Lars Rohwer spricht im<br />

Interview über die eigenwilligen Sachsen und<br />

ihren Erfindergeist – und was die Politik dafür<br />

tun kann, den Standort voranzubringen<br />

Was ist für Sie innovativ?<br />

Lars Rohwer: „Innovativ ist immer ein neuer Weg, den man so<br />

auf den ersten Blick nicht gesehen hat. Und wenn jemand zwei<br />

verschiedene Dinge neu zusammenbringt, sodass es eine neue<br />

Funktion ergibt …“<br />

... zum Beispiel?<br />

„Wir sitzen hier am Flughafen. Keine fünf Kilometer von hier wurde<br />

im Jahr 1838 die ’Saxonia’ gebaut – die berühmte Eisenbahn<br />

von Leipzig nach Dresden. Dabei hat man eine Dampfmaschine,<br />

die sonst in Fabriken stand, auf Schienen gepackt und ist mit ihr<br />

losgefahren. Das hat die Mobilität nachhaltig verändert.“<br />

Was können wir aus dieser Geschichte lernen?<br />

„Wir müssen uns immer wieder fragen: Was kann man neu zusammenbringen?<br />

Was kann man besser voranbringen? Welche<br />

anderen Wege als die eingelaufenen Pfade gibt es? Wie geht es<br />

günstiger und besser? Wie kann ich etwas vereinfachen? Das<br />

sind die Treiber der <strong>Innovation</strong>!“<br />

Wir haben uns auf dem Flughafen Dresden getroffen.<br />

Warum ist das ein <strong>Innovation</strong>sstandort für Sie?<br />

„Wenn wir die <strong>Innovation</strong>en aus Sachsen für uns allein behalten<br />

würden, bleiben wir stecken. Wir müssen sie nach außen bringen<br />

und uns dem Wettbewerb stellen. Nur so entsteht aus einer innovativen<br />

Idee vielleicht auch das serienmäßige Produkt.“<br />

Lars Rohwer weiß: Eine erfolgreiche Ansiedlungspolitik<br />

wie auch die Weiterentwicklung der bestehenden Wirtschaft<br />

benötigen die richtigen Rahmenbedingungen.<br />

Dazu zählen Vertrauen in den Standort und die Politik.<br />

12 <strong>13</strong>


Zur Person<br />

Lars Rohwer kam am 1. Februar 1972 in Dresden zur Welt. Nach<br />

dem Abitur begann er 1991 eine Ausbildung zum Bankkaufmann<br />

in Stuttgart. Nach der Prüfung 1993 kehrte er nach<br />

Sachsen zurück und arbeitete zunächst als Finanzberater, bis<br />

er 1998 für die <strong>CDU</strong> in den Sächsischen Landtag einzog. Dort<br />

vertritt er bis heute den Wahlkreis 46 (Dresden 6). Aktuell ist<br />

er Energie- und Umweltpolitischer Sprecher der <strong>CDU</strong>-Landtagsfraktion,<br />

Mitglied im Haushalts- und Finanzausschuss<br />

sowie im Ausschuss Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Rohwer<br />

ist außerdem u. a. Vorsitzender des Deutschen Roten Kreuzes<br />

in Dresden, Erster Vize-Präsident des Dresdner SC sowie Präsident<br />

der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung<br />

(SLfG). Lars Rohwer ist verheiratet und hat zwei Kinder.<br />

Warum ist Sachen so ein Land der Erfinder? Sind wir<br />

pfiffiger als andere?<br />

„Der Sachse ist konsequenter! Er akzeptiert nicht einfach nur das,<br />

was man uns sagt. Das Motto: ,Das war immer schon so‘, akzeptiert<br />

er nicht. Der Sachse sagt: Da muss es noch einen Weg geben.<br />

Er gibt sich nicht einfach zufrieden. Und deshalb erfindet er immer<br />

wieder Dinge und kommt wieder voran.“<br />

Es heißt ja, Not macht erfinderisch – was ist da dran?<br />

„Manche <strong>Innovation</strong> war einfach notwendig. Zum Beispiel wurde<br />

im Erzgebirge im 17. Jahrhundert viel Holz für Stollen gebraucht,<br />

aber auch für die Schmelzhütten und zu Hause zum Heizen.<br />

Schnell war klar, dass der Wald endlich ist. Deshalb hat 17<strong>13</strong> der<br />

Oberbergmann Hans Carl von Carlowitz die Nachhaltigkeit erfunden<br />

– also einen langfristig angelegten verantwortungsbewussten<br />

Umgang mit der knappen Ressource Holz.“<br />

Wie kam so ein königlicher Beamter damals auf so<br />

eine neumodische Idee?<br />

„Weil er einen kritischen Geist hatte. Und der sagte halt: So geht<br />

es doch nicht weiter! Wir müssen auch daran denken, dass die<br />

nächsten Generationen Holz haben. Also können wir nur so viel<br />

fällen, wie wir wieder einpflanzen. Typisch Sachsen halt!“<br />

Wir sitzen am Flughafen, was macht der kritische sächsische<br />

Geist derzeit beim <strong>Thema</strong> Inlandsflüge?<br />

„Der verteufelt nicht einfach den Binnenflugverkehr. Sondern<br />

der Sachse überlegt, wie kriegen wir das besser hin. Hier im Umfeld<br />

des Flughafens macht eine Firma genau das und forscht am<br />

Kerosin der Zukunft.“<br />

Unweit von hier schlägt auch das Herz der sächsischen<br />

Chip-Industrie ...<br />

„… man kann es sogar von hier aus sehen! Dieses Silicon Saxony<br />

hat viel verändert. Durch Infineon und AMD wurde Dresden<br />

ein Punkt auf der Hightech-Weltkarte. Heute kommt jeder dritte<br />

Chip, der in Europa verbaut wird, aus Dresden. Und sie sind überall<br />

drin – vom Auto bis zur Waschmaschine.“<br />

Kann man sich auf dem Erfolg ausruhen?<br />

„Mitnichten! Wir wissen, dass in der Chip-Industrie alle sieben<br />

Jahre die Produktionsanlagen getauscht werden müssen, weil<br />

einfach die nächste Chip-Generation auf den Markt kommt.<br />

Es bleibt immer ein Wettlauf, dann wieder dabei zu sein. Hier<br />

in Dresden wird Zukunft hergestellt. Aber es sind nicht nur die<br />

Chips, auch die Zulieferindustrie kommt heute aus Sachsen und<br />

die vermarktet ihre Produkte weltweit.“<br />

„Die Welt wartet nicht auf uns.“<br />

Lars Rohwer, <strong>CDU</strong>-Digitalpolitiker<br />

Was bringen die ganzen <strong>Innovation</strong>en den Menschen<br />

hier vor Ort?<br />

„<strong>Innovation</strong>en bringen und erhalten Jobs! In unserem einzigartigen<br />

<strong>Innovation</strong>scluster forschen Wissenschaftler heute schon an<br />

Dingen, die morgen eine Arbeitsplatzsicherung und übermorgen<br />

eine Zukunftssicherung für Menschen im Strukturwandel sind.“<br />

Und der Strukturwandel bleibt für uns immer aktuell?<br />

„In den letzten 70 Jahren Bundesrepublik war es so: Die Deutschen<br />

haben etwas erfunden, dann produziert und es blieb<br />

dann immer dabei. Das stimmt so nicht mehr. Da bin ich bei<br />

Herbert Grönemeyer. Der sang: ,Bleibt alles anders‘. Es wird ein<br />

permanenter Wandel werden und wir müssen uns immer wieder<br />

neu darauf einstellen.“<br />

Wo tun wir das denn gerade?<br />

„Zum Beispiel bei der Solarindustrie. Nehmen wir die Firma<br />

Meyer Burger, ein Schweizer Unternehmen. In Hohenstein-<br />

Ernsthal haben sie Solarzellen entwickelt, die einen um 25 Prozent<br />

höheren Ertrag aus Sonnenlicht herausholen. Wir sind damit<br />

den chinesischen Produkten drei Jahre voraus!“<br />

Was kann Politik machen, um solche Prozesse voranzutreiben?<br />

„Politik muss die berühmten Rahmenbedingungen schaffen.<br />

Das sind Forschungseinheiten, eine innovative Umgebung für<br />

Universitäten und wir brauchen unbedingt Weltoffenheit. Denn<br />

nur so kommen die Wissenschaftler und Ingenieure zu uns, die<br />

es braucht, um ein neues Produkt zu kreieren. Und wir brauchen<br />

natürlich das nötige Kleingeld dafür.”<br />

Im Doppelhaushalt wurde auch sehr viel Geld für die<br />

industrienahe Forschung bereitgestellt?<br />

„Das ist die Unterstützung der Industrie, eine eigene Forschung<br />

zu betreiben. Wir haben nach wie vor in unseren Unternehmen<br />

zu wenig Forschungsanteil. Der Umsatz ist noch nicht so hoch,<br />

dass das von selbst gelingt. Mit dieser staatlichen Unterstützung<br />

können die Firmen wettbewerbsfähig bleiben und immer<br />

wieder an die Spitze kommen.“<br />

Wo sehen Sie Sachsen in 20 Jahren?<br />

„Im Jahr 2041 haben wir hoffentlich den Strukturwandel erfolgreich<br />

gestaltet. Es ist ja für die Menschen der zweite Strukturwandel<br />

nach dem Zusammenbruch der DDR.“<br />

Wie wichtig ist da das Vertrauen in <strong>Innovation</strong>en?<br />

„Das Vertrauen gehört unmittelbar dazu! Zum Beispiel das <strong>Thema</strong><br />

Elektro-Auto: Ich höre da ganz viel Skepsis. Das darf man nicht<br />

übersehen! Aber Sachsen wird gerade zum Zentrum der Elektromobilität.<br />

Wir müssen das Vertrauen in diese Technologie stärken.<br />

Also müssen wir uns alle auch ein bisschen bewegen.“<br />

14 15


Schauen wir einmal ins Digitale. War die Corona-Krise<br />

ein Katalysator für neue Entwicklungen?<br />

„Sie hat gezeigt, wie wichtig Anbindung, Ausstattung und Kompetenz<br />

für digitale Arbeitsweisen geworden ist. So zum Beispiel<br />

für Schüler, Lehrer oder Eltern. Da hat jeder gemerkt, wo unsere<br />

Baustellen liegen. Ich möchte Digital-Unterricht auch flächendeckend<br />

anbieten. Wenn ich aber irgendwo in der Lausitz sitze und<br />

habe kein Breitband und null Empfang, dann wird das so nichts.“<br />

Was hat Politik daraus gelernt?<br />

„Wir können nicht erst 20 Jahre warten. Ich glaube, der Ausbau<br />

geht schneller. Wir haben ja schon die Erfahrung aus der ersten<br />

Ausbaustufe, mit den sogenannten weißen Flecken. Gemachte<br />

Fehler können jetzt beim Ausbau der grauen Flecken vermieden<br />

werden. Es wird also schneller gehen. Aber dann komme ich wieder<br />

zu dem <strong>Thema</strong> Vertrauen zurück.“<br />

Inwieweit?<br />

„Wenn die Lehrerin kein Vertrauen darin hat, dass sie eine Klasse<br />

auch digital gut unterrichten kann, wird sie in der analogen Welt<br />

ihre Wagenburg bauen. Wir müssen hier auch Lehrer fit machen!“<br />

Welche Vorteile sehen Sie im digitalen Unterricht?<br />

„Vielleicht sitzen demnächst dank digitaler Lösungen nicht mehr<br />

28 Schüler im Unterricht, sondern nur noch die Hälfte, und für<br />

die andere ist eine Selbstverständlichkeit, von zu Hause dabei zu<br />

sein und zu lernen. Digitaler Unterricht muss aber dafür definitiv<br />

mehr sein als das Verteilen von schlechten Kopien und PDFs.“<br />

Was stellen Sie sich vor?<br />

„Es ist heute für viele Erwachsene schon eine Selbstverständlichkeit,<br />

an einer Videokonferenz teilzunehmen, während man von A<br />

nach B fährt. Es wird auch für Kinder normal, zum Beispiel während<br />

des Weges zum Sport, an einer digitalen Bildungseinheit<br />

teilzunehmen.“<br />

Wie werden sich Arbeitswelten verändern?<br />

„Genauso wie das schulische Leben sich verändern wird, wird<br />

es auch die Arbeitswelt. Mit meinem Büro habe ich dieses Jahr<br />

nur eine einzige Besprechung in Präsenz gemacht. Alles andere<br />

haben wir digital abgehalten. Am Anfang war es für alle ungewohnt.<br />

Aber jetzt ist eine Selbstverständlichkeit geworden und<br />

macht vieles einfacher.“<br />

Wie passt eigentlich innovativ und konservativ zusammen?<br />

„Wir müssen uns immer wieder neu auf den Weg machen.<br />

Das ist für mich als Konservativer die richtige Beschreibung<br />

von dem, was Fortschritt ist. Es muss nicht alles anders werden,<br />

sondern wir schauen uns die Dinge genau an. Wenn es<br />

bessere Wege gibt, dann müssen wir diese gehen. Die Welt<br />

wartet nicht auf uns.“<br />

GELD VOM FREISTAAT<br />

Der neue Doppelhaushalt sorgt für ein Gründerklima im Freistaat Sachsen und fördert<br />

gezielt <strong>Innovation</strong>en. Der Wissenschaftsetat ist um 44,4 Mio. Euro aufgestockt worden<br />

In Sachsen verbinden sich seit Jahrhunderten Tradition und Bei der Sächsischen Aufbaubank gibt es aktuell 26 Programme<br />

Hightech, regionale Wirtschaft und exzellente Wissenschaft im Bereich „Forschung, <strong>Innovation</strong> & Technologie“. Zum Beispiel<br />

können Forschungseinrichtungen mit der „Validierungs-<br />

kooperieren. Hier herrschen beste Studienbedingungen für<br />

die über 100.000 Studenten. Die Forschung und Lehre sind die förderung“ für 18 Monate bis zu 250.000 Euro bekommen, um<br />

Grundlage für später erfolgreiche Start-ups und <strong>Innovation</strong>en! Ideen zu marktreifen Produkten zu entwickeln. Für Kleine und<br />

mittelständische Unternehmen gibt es unter anderem eine<br />

Deshalb hat sich die <strong>CDU</strong>-Fraktion im Landtag auch für mehr „Technologietransferförderung“. Und für Start-ups kann es bis<br />

Geld in diesem Bereich starkgemacht. „Wir haben den Wissenschaftsetat<br />

im Doppelhaushalt um rund 44,4 Mio. Euro für rung innovativer Produkte“ über EU-Mittel geben.<br />

zu 150.000 Euro Zuschuss aus dem Programm „Markteinfüh-<br />

dieses und kommendes Jahr aufgestockt. Damit wächst er auf<br />

rund 3,78 Mrd. Euro“, sagt <strong>CDU</strong>-Wissenschaftspolitiker Oliver Der <strong>CDU</strong>-Finanzpolitiker Georg-Ludwig von Breitenbuch<br />

Fritzsche. Für die <strong>CDU</strong> bleibt auch die Landesforschungsförderung<br />

ein Schwerpunkt. „Im Doppelhaushalt stocken wir diese Ausgangspunkte für wirtschaftliche Entwicklung und da-<br />

erklärt: „<strong>Innovation</strong>en und technischer Fortschritt sind<br />

mit insgesamt 45 Mio. Euro weiter auf.“ Mit diesen Geldern mit für unseren Wohlstand. Deshalb unterstützen wir Forschung<br />

und Entwicklung mit Mitteln aus dem Haushalt.<br />

wird der Wissenstransfer in Forschungs- und Wirtschaftsbereichen<br />

unterstützt. So können sächsische Unternehmen <strong>Innovation</strong>spotenziale<br />

heben und im Wettbewerb bestehen. ten Strategie verbunden<br />

Dieses muss mit einer abgestimmten, langfristig angeleg-<br />

sein.“<br />

„Im Jahr 2041 haben wir hoffentlich den<br />

Strukturwandel erfolgreich gestaltet.<br />

Es ist ja für die Menschen der zweite<br />

Strukturwandel nach dem Zusammenbruch<br />

der DDR“, sagt Rohwer. <strong>Innovation</strong>en<br />

gehören unmittelbar dazu, sagt<br />

er, denn: „Es wird einen permanenten<br />

Wandel geben und wir müssen uns immer<br />

wieder neu darauf einstellen.“<br />

Georg-Ludwig von Breitenbuch<br />

<strong>CDU</strong>-Finanzpolitiker<br />

Auf Initiative der <strong>CDU</strong>-Fraktion<br />

sind der Wissenschaftsetat und<br />

die Landesforschungsförderung<br />

im neuen Doppelhaushalt weiter<br />

aufgestockt worden.<br />

FÜR DEN WOHLSTAND<br />

„<strong>Innovation</strong>en und technischer Fortschritt<br />

sind Ausgangspunkte für<br />

wirtschaftliche Entwicklung und damit<br />

für unseren Wohlstand.“<br />

16<br />

17


FORSCHERLAND UND<br />

INNOVATIONSSTANDORT<br />

Sachsen ist Wissenschaftsstandort. Vier staatliche Universitäten, fünf<br />

Hochschulen für angewandte Wissenschaft und eine große Anzahl<br />

außeruniversitärer Einrichtungen bringen das Land voran<br />

LEIPZIG<br />

Universität Leipzig, Hochschule für Musik und Theater<br />

„Felix Mendelssohn Bartholdy“, Hochschule für Grafik und<br />

Buchkunst, Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur,<br />

Studienakademie<br />

LEIPZIG<br />

3 Institute der Max-Planck-Gesellschaft, 5 Institute der<br />

Leibniz-Gemeinschaft, 2 Institute der Fraunhofer-Gesellschaft,<br />

1 Helmholtz-Zentrum, 1 Helmholtz-Institut, 1 Landesforschungseinrichtung,<br />

1 Forschungszentrum (iDiv)<br />

MITTWEIDA<br />

Hochschule Mittweida<br />

MEINSBERG/WALDHEIM<br />

1 Landesforschungseinrichtung<br />

CHEMNITZ<br />

Technische Universität Chemnitz<br />

MITTWEIDA<br />

1 Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft<br />

GLAUCHAU<br />

Studienakademie Glauchau<br />

CHEMNITZ<br />

2 Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, 1 Forschungszent-<br />

LEIPZIG<br />

A 38<br />

Glauchau<br />

Zwickau<br />

A 72<br />

A 72<br />

A 4<br />

A 14<br />

Mittweida<br />

A 4<br />

CHEMNITZ<br />

Riesa<br />

Freiberg<br />

A <strong>13</strong><br />

DRESDEN<br />

A 17<br />

Bautzen<br />

A 4<br />

Zittau<br />

Görlitz<br />

ZWICKAU<br />

Westsächsische Hochschule Zwickau<br />

PLAUEN<br />

Studienakademie Plauen<br />

BREITENBRUNN<br />

Studienakademie Breitenbrunn<br />

FREIBERG<br />

Technische Universität Bergakademie Freiberg<br />

DRESDEN<br />

Technische Universität Dresden, Hochschule für Bildende<br />

Künste, Hochschule für Musik Carl Maria von Weber,<br />

Palucca Hochschule für Tanz, Hochschule für Technik und<br />

Wirtschaft, Studienakademie<br />

rum (MERGE)<br />

ZWICKAU<br />

1 Fraunhofer-Anwendungszentrum<br />

FREIBERG<br />

2 Standorte der Fraunhofer-Gesell., 1 Helmholtz-Institut<br />

DRESDEN<br />

3 Institute und Zentrum für Systembiologie der Max-<br />

Planck-Gesellschaft, 3 Institute der Leibniz-Gemeinschaft,<br />

1 Außenstelle der Leibniz-Gemeinschaft, 11 Einrichtungen<br />

der Fraunhofer-Gesellschaft, 1 Helmholtz-Zentrum, 1 Außenstelle<br />

eines Helmholtz-Zentrums, 3 Deutsche Zentren<br />

der Gesundheitsforschung, 1 Standort des Nationalen Zentrums<br />

für Tumorerkrankungen, 5 Landesforschungseinrichtungen,<br />

1 Standort der Universität der Vereinten Nationen,<br />

4 Forschungszentren (CRTD, cfaed, DIGS-BB, OncoRay)<br />

Plauen<br />

Breitenbrunn<br />

BAUTZEN<br />

Studienakademie Bautzen<br />

ZITTAU<br />

2 Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft<br />

ZITTAU/GÖRLITZ<br />

Hochschule Zittau/Görlitz<br />

GÖRLITZ<br />

1 Außenstelle der Leibniz-Gemeinschaft, 1 Einrichtung der<br />

RIESA<br />

Studienakademie Riesa<br />

Fraunhofer-Gesellschaft<br />

BAUTZEN<br />

1 Landesforschungseinrichtung<br />

18 19


LEICHT-GEWICHT<br />

An der TU Chemnitz arbeiten Forscher an den Leichtbau-Verbundstoffen<br />

der Zukunft. Ihre Technologie wird die Welt verändern<br />

© TU Chemnitz<br />

Prof. Dr. Kroll brennt für seinen Beruf: In der Fertigungshalle<br />

werden neue Verfahren erprobt,<br />

die die massentaugliche Herstellung neuer<br />

Verbundstoffe ermöglichen sollen. Dazu zählen<br />

kunststoffverstärkte Textilien genauso wie<br />

Leichtbaustrukturen mit extremer Stabilität.<br />

Insgesamt laufen aktuell über 230 Projekte im<br />

Forschungscluster MERGE.<br />

DAS IST EIN CLUSTER<br />

Cluster (englisch für ‚Traube', ‚Bündel', ‚Schwarm', oder<br />

‚Ballung') ist ein Konzept der Wirtschaftsförderung. Regionale<br />

Unternehmensnetzwerke werden durch die Politik<br />

geschaffen und gefördert und in Verbindung miteinander<br />

und der Wissenschaft gebracht. Bekannt wurde der Begriff<br />

durch den Wissenschaftler Michael E. Porter.<br />

Er schrieb 1990 über nationale Wettbewerbsvorteile und<br />

definierte einen Cluster als räumliche Konzentration von<br />

Unternehmen, spezialisierten Zulieferern, Dienstleistern,<br />

Firmen verwandter Branchen und Einrichtungen wie<br />

Universitäten und Unternehmensverbänden, die in einer<br />

Wertschöpfungskette miteinander verbunden sind. Die<br />

Akteure eines Clusters können in Konkurrenz zueinander<br />

stehen, aber eben auch in bestimmten Bereichen miteinander<br />

kooperieren und so voneinander profitieren. Bei der<br />

Cluster-Bildung gibt es ganz unterschiedliche Konzepte:<br />

Manche Cluster werden auch durch wissenschaftliche Einrichtungen<br />

vorangetrieben.<br />

Was haben Kunststoff, Metall, Textil und Smart Systems<br />

gemeinsam? Im Forschungscluster MERGE an der<br />

TU Chemnitz werden sie im wahrsten Sinne des Wortes<br />

in Verbindung gebracht. Denn hier befasst man sich mit<br />

grundlegenden Fragen des Leichtbaus. Bislang noch getrennte<br />

Schweißtechnologien für Elektrofahrzeuge. „Leichtbau<br />

ist eine Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz“, sagt<br />

Prof. Dr. Lothar Kroll, Leiter der Professur Strukturleichtbau<br />

und Kunststoffverarbeitung (SLK) und Koordinator<br />

der Zentralen Einrichtung MERGE. „Das ist eine Game-<br />

wichtsreduzierung im Fahrzeugbau Kohlendioxidausstoß<br />

reduziert werden kann. So stelle ich mir praktisch angewandten<br />

Klimaschutz vor, der unsere sächsische Wirtschaft<br />

international wettbewerbsfähig macht!“ MERGE ist<br />

dabei eine besondere Erfolgsgeschichte gelungen: 2012 bis<br />

mittleren Unternehmen zusammen, die sich keine eigene<br />

Forschungseinrichtung leisten konnten. Nach 2019 wurde<br />

MERGE zur zentralen Einrichtung der TU Chemnitz. Es gab<br />

rund 35 Mio. Euro vom Freistaat dazu – die Leichtbau-Allianz<br />

Sachsen wurde „ein Leuchtturm für den Freistaat“,<br />

Fertigungsprozesse und Basistechnologien werchanger-Technologie,<br />

die dazu beitragen kann, den<br />

2019 war das Projekt deutschlandweit das erste Bundes-<br />

sagt Prof. Kroll. Einer, der über Deutschland hinaus strahlt.<br />

den zusammengeführt, damit neue Herstellungsverfahren<br />

entstehen – etwa für textilverstärkte Kunststoffe.<br />

CO2-Ausstoß vielfach zu reduzieren!“ Auch die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />

Ines Saborowski ist begeistert: „Das Forschungscluster<br />

exzellenzcluster auf dem Gebiet der Leichtbauforschung.<br />

Mit rund 40 Mio. Euro von der Deutschen Forschungsge-<br />

Gerade erst wurde „Amulett“ angeschoben, ein großes<br />

Netzwerk-Projekt der EU mit mehr als 1.700 potentziellen<br />

Heraus kommen dann noch leichtere und sicherere<br />

MERGE beweist durch seinen<br />

meinschaft gefördert, forschten über 100 Wissenschaftler Partnern, das am 1. September startet. Die Leitung der euroexzellenzcluster<br />

Feuerwehrhelme, Windräder oder auch neue<br />

Erfinder- und Entwicklergeist, wie durch Ge-<br />

und Techniker zum <strong>Thema</strong> und arbeiteten mit kleinen und paweiten Leichtbau-Allianz liegt – natürlich – in Chemnitz.<br />

Ines Saborowski<br />

<strong>CDU</strong>-Wirtschaftspolitikerin<br />

20 21


ZUSAMMEN SIND<br />

SIE STARK<br />

GEFÖRDERTE KOOPERATIONS-<br />

NETZWERKE IN SACHSEN<br />

Kooperationsnetzwerke sind kurzfristiger und lokaler angelegt.<br />

Sie sollen bei der „Erhöhung der <strong>Innovation</strong>skraft und<br />

Wettbewerbsfähigkeit“ helfen<br />

Um im Wettbewerb bestehen zu<br />

können, sind Kooperationen wichtig.<br />

Der Freistaat Sachsen fördert<br />

einige von ihnen<br />

Die Globalisierung führt zu neuen Herausforderungen<br />

für Unternehmer und Forscher. Neue Ideen<br />

müssen schnell zur Marktreife gebracht werden.<br />

Um in diesem Wettstreit der <strong>Innovation</strong>en zu bestehen,<br />

braucht es Zusammenarbeit und Wissensaustausch.<br />

Im Freistaat Sachsen gibt es zwei<br />

Wege, wie Zusammenschlüsse von Unternehmen<br />

und Forschungseinrichtungen unterstützt werden:<br />

Kooperationsnetzwerke und <strong>Innovation</strong>scluster.<br />

HZWO – ANTRIEB FÜR SACHSEN<br />

In diesem <strong>Innovation</strong>scluster finden<br />

sich sächsische Unternehmen mit Forschungseinrichtungen<br />

zusammen. Ziel<br />

ist die Entwicklung neuer Antriebe mit<br />

Brennstoffzellen und Wasserstoff.<br />

SMART MEDICAL DEVICES AND<br />

THERAPIES<br />

Unternehmen aus dem Gesundheitsund<br />

Pharmaziebereich erhalten hier<br />

Unterstützung bei der Zertifizierung<br />

von Produkten und beim Marktzugang.<br />

HEALTH.TEXTIL 4.0<br />

In einer grenzüberschreitenden<br />

Kooperation mit Tschechien sollen in<br />

diesem Netzwerk innovative Textilien<br />

für die Gesundheitswirtschaft entwickelt<br />

und erprobt werden.<br />

NETZWERK SÜDWEST-<br />

SACHSEN DIGITAL<br />

Das Netzwerk will Unternehmen und<br />

Institutionen in Südwestsachsen bei der<br />

Digitalisierung unterstützen. Das soll die<br />

wirtschaftliche Infrastruktur stärken.<br />

ENERGY SAXONY<br />

Der geförderte Verein will die Energietechnologie,<br />

Elektromobilität und<br />

Digitalisierung in Sachsen voranbringen.<br />

Der Fokus liegt auf der Vermarktung<br />

von Spitzentechnologie.<br />

Kooperationsnetzwerke sind eher kurzfristig gedacht<br />

und meist auf lokaler Ebene aktiv. <strong>Innovation</strong>scluster<br />

dagegen zielen auf eine längere und<br />

mindestens sachsenweite Zusammenarbeit. Laut<br />

Richtlinie dienen Cluster der „branchenübergreifenden<br />

oder interregionalen Vernetzung zur Aktivierung<br />

der Marktchancen technologischer Potenziale<br />

im Freistaat Sachsen“.<br />

Aktuell werden in Sachsen acht Kooperationsnetzwerke<br />

und sechs <strong>Innovation</strong>scluster gefördert. Sie<br />

bilden die Vielfalt der sächsischen Wirtschaft und<br />

Forschungslandschaft ab.<br />

GEFÖRDERTE INNOVATIONS-<br />

CLUSTER IN SACHSEN<br />

SET4FUTURE<br />

Technologische <strong>Innovation</strong>en sollen<br />

Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Attraktivität<br />

des Verkehrsträgers Schiene,<br />

vor allem im Bereich des Regionalverkehrs<br />

und des ÖPNV, steigern.<br />

SENSORIK SACHSEN<br />

Die in Sachsen ansässigen Unternehmen<br />

und Forschungseinrichtungen<br />

im Bereich der Sensorik wollen sich<br />

mit diesem <strong>Innovation</strong>scluster auch<br />

digital vernetzen.<br />

INITIATIVE SUPPLY CHAIN<br />

EXCELLENCE SAXONY<br />

In diesem Netzwerk sollen die Kooperationen,<br />

die Internationalisierung und<br />

die Geschäftsmodelle in der Luft- und<br />

Raumfahrt weiterentwickelt werden.<br />

LESSIE<br />

Diese Kooperationsnetzwerk von<br />

KMUs, Technologielieferanten und Beratern<br />

ist auf das Schaffen von Smart<br />

Services, sogenannten datenbasierten<br />

Dienstleistungen, ausgerichtet.<br />

AGRONYM<br />

Im Selbstverständnis sieht sich der<br />

geförderte Verein als Plattform für<br />

den Austausch über technische Neuerungen<br />

und Entwicklungen in der<br />

Landwirtschaft.<br />

<strong>Innovation</strong>scluster sind in Sachsen auf eine längere und mindestens<br />

sachsenweite Zusammenarbeit angelegt. Sie dienen der<br />

branchenübergreifenden oder interregionalen Vernetzung.<br />

22<br />

SMART INFRASTRUCTURE HUB<br />

Das Cluster bringt Unternehmen und<br />

Forscher aus den Bereichen Energie,<br />

Smart City und E-Health zusammen.<br />

SMART SYSTEMS HUB<br />

In diesem Cluster wird der Ausbau<br />

des Internets der Dinge gefördert.<br />

Dazu sind über 450 Partner aus den<br />

Schlüsselbereichen Hardware, Software<br />

und Konnektivität verbunden.<br />

STARTNET<br />

Einheitliche Standards und Vorgaben<br />

für thermoplastische Faserverbunde,<br />

die etwa im Autobau oder auch Baugewerbe<br />

eingesetzt werden, sind das<br />

Ziel dieses Kooperationsnetzwerkes.<br />

BUILDING 3D<br />

Um den Ausbau des 3D-Drucks voranzutreiben,<br />

schaut dieser Zusammenschluss<br />

auf neue Verfahren, moderne<br />

Geschäftsmodelle und fortschrittliche<br />

Wertschöpfungsketten.


GRÜNDEN IM GRÜNEN<br />

In einer mittelsächsischen Gemeinde arbeitet Manuel Dudczig in virtuellen Räumen, die<br />

Produkte und Prototypen Kunden noch vor der Produktion näherbringen können<br />

Wenn das nicht mal eine entspannte Gründer-Atmosphäre<br />

ist! Auf der Wiese hinter dem Bauernhof der rund 2.800 Einwohner<br />

zählenden Gemeinde Königshain-Wiederau in Mittelsachsen<br />

hat Manuel Dudczig seinen Laptop auf einen Gartentisch<br />

aufgebaut. Hinter ihm liegt ein Lavendelfeld. „Das ist<br />

mein Homeoffice“, sagt der Gründer der Firma VRENDEX stolz.<br />

Seine innovative Geschäftsidee: Mittels modernster Technik<br />

Produkte, Prototypen und Prozesse erlebbar machen, bevor sie<br />

real werden. Dafür nutzt er Virtual-Reality-Brillen, 3D-Visualisierungen<br />

und 360-Grad-Aufnahmen. 2019 hat der wissenschaftliche<br />

Mitarbeiter der TU Chemnitz seinen Traum von der<br />

eigenen Firma verwirklicht. Im selben Jahr wurde er für den<br />

Sächsischen Gründerpreis nominiert. Ein Jahr später überzeugte<br />

Dudczig Volkswagen und war mit vier internationalen Startups<br />

beim „Future Mobility Inkubator“ des Autobauers dabei.<br />

Jetzt hat VRENDEX den renommierten „German Brand Award“<br />

für die Umsetzung des virtuellen Weihnachtsmarktes<br />

in Seiffen gewonnen. Wegen der Corona-Pandemie<br />

Thomas Schmidt<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter & Regionalminister<br />

konnte der 2020 nur digital stattfinden. Vor der Kulisse des erzgebirgischen<br />

Spielzeugdorfes shoppten so die Nutzer in 14 verschiedenen<br />

Hütten bei 44 sächsischen Manufakturen online.<br />

„Angereichert wird das Erlebnis durch <strong>Einblick</strong>e in Werkstätten<br />

und in lokale Kultur und Lebensart. Videos zeigen, wie die<br />

Produkte entstehen, Hersteller senden persönliche Botschaften,<br />

Musik und Lichter bringen die Weihnachtsstimmung<br />

nach Hause“, heißt es in der Preis-Begründung.<br />

Gründen im Grünen – wie einfach ist das? „Die Breitbandanbindung<br />

ist eine Herausforderung“, sagt Manuel Dudczig.<br />

Doch die Vorteile auf dem Land überwiegen. „Wenn ich eine<br />

kreative Idee brauch, geh ich raus und habe die Ruhe dazu.“<br />

Das sieht auch Sachsens Regionalminister und Landtagsabgeordneter<br />

Thomas Schmidt so: „Start-ups wie VRENDEX zeigen,<br />

dass <strong>Innovation</strong> nicht allein in Hochschulen und Großstädten<br />

zu Hause ist, sondern auch im ländlichen Raum. Hier wird<br />

Hochtechnologie von engagierten Unternehmern ganz praktisch<br />

umgesetzt. Sachsen bleibt auch weiterhin das Land der<br />

Erfinder und Macher.“<br />

PREIS FÜR OLED-ERFINDER<br />

Der OLED-Pionier Prof. Karl Leo aus Dresden ist für sein „Lebenswerk“<br />

mit dem Europäischen Erfinderpreis 2021 ausgezeichnet worden.<br />

Seine bahnbrechende Arbeit auf dem Gebiet der organischen Halbleiter<br />

habe die Elektroindustrie grundlegend verändert. Die Auszeichnung<br />

des Europäisches Patentamts (EPA) ist einer der renommiertesten<br />

<strong>Innovation</strong>spreise Europas.<br />

INNOVATION MIT TRADITION<br />

5 TIPPS<br />

FÜR DAS GRÜNDEN<br />

SAXEED unterstützt sächsische Start-ups bei<br />

den ersten Schritten. Seit sieben Jahren ist Dirk<br />

Liebers in dem Gründernetzwerk einer der Berater.<br />

Er gibt fünf Tipps für den erfolgreichen Unternehmenseinstieg.<br />

TIPP 1: EINEN INNEREN ANTRIEB HABEN<br />

„Der Entschluss zum Gründen muss von Beginn<br />

an klar sein. Die Erfahrung zeigt: Wer sein Ziel<br />

nicht zu 100 Prozent verfolgt, der wird mit seiner<br />

Idee scheitern.“<br />

TIPP 2: WISSEN UND ERFAHRUNG AUSBAUEN<br />

„Fortbildungen sind wichtig! Dies kann sich auf<br />

neue Entwicklungen zum Produkt oder Technologien<br />

beziehen, aber auch auf Wissen über den Markt.“<br />

TIPP 3: VIEL ZEIT MITBRINGEN<br />

„Ein Riesenthema und häufig unterschätzt: 60 bis<br />

80 Stunden Arbeit in der Woche sind bei Neugründungen<br />

üblich. Die Familie und Freunde müssen<br />

daher die Gründung mittragen.“<br />

TIPP 4: KAPITAL BESCHAFFEN<br />

„Eine marktfähige Idee mit durchdachtem Businessplan<br />

findet in der Regel eine Finanzierung.<br />

Allerdings müssen Gründerinnen und Gründer<br />

auch bereit sein, eigenes Geld in die Firma zu<br />

stecken. Gerade die Gründungskosten, der Notar<br />

und die Erstausstattung müssen häufig selbst<br />

bezahlt werden.“<br />

Manuel Dudczig sitzt mit seiner Virtual-Reality-Brille<br />

am Laptop. Der Gründer der Firma VREN-<br />

DEX studierte zuerst Sozialpädagogik in Mittweida<br />

und dann in Chemnitz Maschinenbau.<br />

Der Dresdener Gründer des Edel-Gins „Juniper Jack“, Jörg Fiedler, entwickelte<br />

mit einem Künstler aus Leipzig eine Art-Edition aus drei Vasen.<br />

Diese kommen aus der traditionsreichen Porzellanmanufaktur<br />

Meissen. Die erste Vase gefüllt mit Gin erschien Ende 2020, die zweite<br />

Anfang 2021 und war binnen vier Stunden ausverkauft. Die dritte Vase<br />

soll Ende dieses Jahres erscheinen.<br />

TIPP 5: NETZWERKE STÄRKEN<br />

„Vitamin N ist sehr wichtig. Wissen, Erfahrungen<br />

und Kapital kommen häufig aus dem Netzwerk.<br />

Wer zur richtigen Zeit die richtigen Leute kennenlernt,<br />

der hat häufig einen Vorteil.“<br />

Link: www.saxeed.net<br />

24<br />

25


„dguard“ verschafft Motorradfahrern mit einem<br />

Knopfdruck Kontakt mit der Rettungsstelle (112)<br />

und übermittelt dorthin automatisch die aktuelle<br />

Position – auch wenn der Motorradfahrer gerade<br />

nicht ansprechbar ist.<br />

Inzwischen beschäftigt DIGADES etwa 160 Mitarbeiter. Die<br />

eigentümergeführte GmbH erwirtschaftete 2020 etwa 19,2<br />

Mio. Euro. In einem wachsenden Markt investiert das sächsische<br />

Unternehmen bewusst. „In das kürzlich in Betrieb<br />

genommene Entwicklungszentrum wurden 7,5 Mio. Euro<br />

investiert, um künftig weiter die Nase vorn zu haben und<br />

innovative Produkte und Anwendungen in der Automotive-Elektronik<br />

erfolgreich am Markt zu positionieren“, freut<br />

sich Stephan Meyer.<br />

Wichtig dabei: Das Unternehmen bleibt im Familienbesitz.<br />

Als Gründer Lutz Berger Ende Februar 2021 die Geschäftsführung<br />

aufgab, übernahmen seine Söhne Sascha und Tim<br />

Berger das Unternehmen. „Damit gehen wir als Familienunternehmen<br />

einen wichtigen Schritt für Kontinuität,<br />

Stabilität und Wachstum auch in Zukunft. Ich möchte mich<br />

an dieser Stelle bei all unseren Mitarbeitern für die vielen<br />

schönen gemeinsamen Erlebnisse und Erfolge in den zurückliegenden<br />

Jahren, sowie die tatkräftige Unterstützung<br />

bedanken. Meine aktive Zeit bei DIGADES hat mir viel Freude<br />

bereitet und mir immer das Gefühl gegeben, auf jeden persönlich,<br />

als Team und als DIGADES-Familie bauen zu können“,<br />

erklärte Lutz Berger zur Übergabe.<br />

Im März eröffnete DIGADES das neue Entwicklungszentrum. Auf drei Stockwerken<br />

mit 2.260 qmNutzfläche haben die Entwicklungsabteilung und entwicklungsnahe<br />

Bereiche wie das Projektmangement oder auch der Vertrieb ihren Platz gefunden.<br />

7.5 Mio. Euro investierte das Unternehmen in den Neubau.<br />

HILFE AUF<br />

KNOPFDRUCK<br />

Das intelligente Motorrad-Notrufsystem von DIGADES aus Zittau ruft automatisch<br />

Hilfe bei Unfällen. Neuestes Produkt der Firma ist ein Corona-Warn-Buzzer<br />

Familiengeführt und ein sogenannter Hidden Champion, schichte des familiengeführten <strong>Innovation</strong>sunternehmens<br />

also ein heimlicher Weltmarkführer – das ist DIGADES. Gegründet<br />

wurde das Unternehmen 1991 von Lutz Berger mit begann“, sagt der Zittauer <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Stephan Meyer.<br />

in Zittau, das als Garagenfirma und Hochschulausgründung<br />

sechs weiteren Gesellschaftern in Kittlitz bei Löbau. Über die Zu den Produkten von DIGADES gehören Bedienelemente mit<br />

Jahre wurde aus dem Büro für Ingenieurdienstleistungen ein Sonderfunktionen, Komfort- und Sicherheitselektronik und<br />

internationaler Automobilzulieferer.<br />

Hochleistungs-Fernbediensysteme für Geschäftskunden als<br />

auch eigens für den Endkunden entwickelte und produzierte<br />

Heute wird an den drei Standorten in Zittau, Dresden und Elektroniklösungen, beispielsweise Sicherheitselektronik für<br />

Nordhausen produziert. „DIGADES ist eine tolle Erfolgsge-<br />

Motorradfahrer.<br />

Seine Söhne sind für die Aufgabe gut vorbereitet. „Wir<br />

freuen uns auf diese Herausforderung und wollen mit unseren<br />

Mitarbeitern die Entwicklung von DIGADES auch weiterhin<br />

aktiv gestalten. Gemeinsam wollen wir in unserer Region<br />

etwas bewegen und unsere Kunden mit innovativen Ideen<br />

überzeugen, die das Leben der Menschen einfacher, komfortabler<br />

und sicherer machen“, sagt Sascha Berger. Sein Bruder<br />

Tim ergänzt: „Gleichzeitig danken wir unserem Vater, der das<br />

Unternehmen in den zurückliegenden Jahren geprägt und<br />

damit ein starkes Fundament für die Zukunft gelegt hat.“<br />

Weltweit bekannt ist DIGADES für sein Sicherheitssystem<br />

„dguard“. Mit diesem können Motorradfahrer per GPS und<br />

GSM positionsgenau Rettungskräfte an einen Unfallort rufen.<br />

Mitte vergangenen Jahres kam eine neue Version des intelligenten<br />

Notrufsystems auf den Markt. Mit dieser können<br />

Motoradfahrer „dguard“ nun auch selbst nachrüsten.<br />

Die Entwicklung neuer Produkte ist wichtig für das Unternehmen.<br />

„DIGADES steht für Unternehmermut und feste Verwurzelung<br />

in unserer Heimat. Wir tun gut daran, die Bedingungen<br />

für das weitere Wachstum durch Technologieförderung und<br />

die Stärkung unseres Hochschulstandortes im Dreiländereck<br />

weiter zu verbessern“, sagst <strong>CDU</strong>-Politiker Meyer.<br />

Die Firma arbeitet dabei auch als Systemlieferant auf Bestellung. Rund 1,2 Mio. Baugruppen<br />

„mit hohen spezifischen Anforderungen“ entstehen so jedes Jahr – manuell<br />

oder auch vollautomatisiert. DIGADES kann dabei die Kapazitäten problemlos<br />

und kurzfristig erweitern.<br />

26 27


DIE ZUKUNFT DER<br />

LUFTFAHRT KOMMT<br />

„Digitaler Schutzengel“ nennt das Unternehmen sein Produkt<br />

„dguard“. Das intelligente Notrufsystem kann auch<br />

Hilfe holen, wenn der Motorradfahrer selbst nicht mehr<br />

ansprechbar ist. Automatisch übermittelt es den Standort<br />

an die Notrufstelle. Das Gerät hilft aber auch, wenn man<br />

als Ersthelfer an einer Unfallstelle eintrifft.<br />

AUS KAMENZ<br />

Kamenz gelangt zu neuen Höhen. Auf dem<br />

Verkehrslandeplatz wird die Zukunft des<br />

Fliegens mitentwickelt<br />

Auf dem Flugplatz Kamenz und in der Lausitz werden<br />

künftig Tests zur Anwendung von Drohnen und Datenübertragung<br />

sowie Aufgaben im Sicherheitsmanagement<br />

bei Drohnenanwendungen durchgeführt.<br />

Für Aufsehen sorgte dabei zuletzt der Corona-Warn-Buzzer.<br />

Das autoschlüsselgroße Warnsystem soll bei der Bekämpfung<br />

der Pandemie helfen. Entwickelt wurde dieser von DI-<br />

GADES gemeinsam mit dem Barkhausen Institut Dresden,<br />

der Exelonix GmbH aus Dresden und FEP Fahrzeugelektrik<br />

Pirna. „Wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden, die datenschutzkonform<br />

auch Personen in die elektronische Kontaktverfolgung<br />

einbinden kann, die entweder kein Smartphone<br />

besitzen oder die App nicht nutzen möchten“, erklärt<br />

Sascha Berger. Getestet wurde der Buzzer mit Hilfe von 2.500<br />

Probanden im sächsischen Augustusburg.<br />

Stephan Meyer<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

EINE ERFOLGSGESCHICHTE<br />

„DIGADES ist eine tolle Erfolgsgeschichte<br />

eines familiengeführten<br />

<strong>Innovation</strong>sunternehmens in Zittau,<br />

das als Garagenfirma und Hochschulausgründung<br />

begann.“<br />

Das kleine elektronische Warnsystem soll an Orten zum<br />

Einsatz kommen, wo Personen auf engem Raum und ohne<br />

Smartphone zusammentreffen. Denkbar wäre so die Anwendung<br />

für Kita- und Grundschulkinder sowie Senioren.<br />

Wichtig ist hier aber auch der Datenschutz.<br />

Der Corona-Warn-Buzzer wird zwar als App ohne Smartphone<br />

bezeichnet. Aber im Gegensatz dazu legt er auf die Privatsphäre<br />

seiner Nutzer hohen Wert. So werden seine Daten z.B.<br />

nicht auf Server in Übersee gespeichert. Auch eine direkte<br />

Verbindung zum Internet ist nicht nötig.<br />

Die Spezialisten von DIGADES<br />

entwickeln auch elektronische<br />

Steuergeräte auf Bestellung.<br />

Mit den Brüdern Wright lernte der Mensch fliegen. Das war zu<br />

Beginn des 20. Jahrhunderts. Seitdem sind viele Jahre vergangenen.<br />

Aus den leichten Gleitflugzeugen der Anfangsjahre<br />

sind tonnenschwere Jumbojets geworden. Die<br />

Entwicklung ist aber noch lange nicht am Ende.<br />

Heute geht es um Drohnen, umweltfreundliche<br />

Antriebe und Flugtaxis.<br />

„Die Zukunft der Luftfahrt beginnt in Sachsen. Und zwar direkt<br />

bei uns in Kamenz“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Aloysius Mikwauschk.<br />

Auf dem Verkehrslandeplatz wurde Anfang 2020 das<br />

Forschungs- und Flugerprobungszentrum für autonomes und<br />

elektrisches Fliegen (AEF) gegründet. Beteiligt sind verschiedene<br />

Fraunhofer-Institute, Universitäten und internationale<br />

Partner. Sie wollen gemeinsam zum Beispiel Wasserstoffantriebe<br />

für Flugzeuge oder Navigationsgeräte mit künstlicher<br />

Intelligenz entwickeln. „Schon 9 Monate nach der Gründung<br />

kann AEF erste Erfolge und Alleinstellungsmerkmale in Sachsen<br />

mit tollen Aussichten und Perspektiven aufzeigen und<br />

nachweisen“, sagt Thomas Ernstberger, Mitbegründer und<br />

Geschäftsführer der AEF. Eines dieser erfolgreichen Projekte<br />

ist die Steuerung von Drohnen über eine 5G-Verbidnung. „Das<br />

Ergebnis ist beeindruckend. In Kooperation mit unseren Partnern<br />

können wir Tests zur Anwendung von Drohnen und dem<br />

Sicherheitsmanagement bei Drohnenanwendungen durchführen“,<br />

freut sich Thomas Ernstberger. In den kommenden<br />

Monaten wird zum Beispiel ein neuer Flughangar in Betrieb<br />

genommen. „Wir sind in der Lausitz bei der Entwicklung neuer<br />

Produkte für die Luftfahrt zukunftssicher aufgestellt“,<br />

sagt <strong>CDU</strong>-Politiker Mikwauschk.<br />

28<br />

Aloysius Mikwauschk<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

29


Der Klima- und Umweltschutz steht derzeit<br />

im Fokus. In Sachsen leisten innovative<br />

Unternehmen Pionierarbeit. Ihr Engagement<br />

zahlt sich aus<br />

Unternehmer Gerhard Wilhelm gründete im Landkreis<br />

Leipzig seine Firma. Er ist spezialisiert auf den<br />

Anbau von Spirulina-Algen (Kreis).<br />

Spirulina platensis ist grün-blau, einen halben Millimeter<br />

lang und windet sich um die eigene Achse. Diese kleine<br />

Alge hat es ganz groß in sich: Mit ihren 2075 Wirkstoffen<br />

ist Spirulina eine wahre Nährstoffbombe und wurde bereits<br />

von den Azteken und Mayas als Nahrungs- und Heilmittel<br />

verwendet. Am chinesischen Hof galt sie als Delikatesse.<br />

2009 hatte der Unternehmer Gerhard Wilhelm in der<br />

knapp 3.800-Einwohner-Gemeinde Thallwitz im Landkreis<br />

Leipzig die Idee, die Spirulina-Alge zu züchten. „Eigentlich<br />

wollte ich an Biogas-Anlagen Algenfarmen koppeln, um<br />

mit ihnen das Kohlendioxid zu nutzen. Eine super Idee, aber<br />

nicht realisierbar, wie sich herausstellte“, erzählt er.<br />

Gerhard Wilhelm mit Tochter Stephanie Borchers<br />

WIR<br />

VERÄNDERN<br />

DIE WELT<br />

zum Positiven<br />

Auch wenn das Konzept nicht aufging, Wilhelm gab nicht<br />

auf. „Wir hatten ja schon die Algenproduktion entwickelt. Mit<br />

meinem Freund Peter Helbig, einem Heilpraktiker aus Wurzen,<br />

gingen wir an nutzbare Produkte.“ 2016 war die Firma<br />

EUSPIRON gegründet und ein Gewächshaus im Gewerbegebiet<br />

gebaut. Hier werden die Spirulina-Algen in Wasserbecken<br />

nach einem patentierten Verfahren gezüchtet. Das hat<br />

Wilhelm mit der Fakultät für Biowissenschaften an der Uni<br />

Leipzig und mit Dr. Svetlana König vom Helmholtz-Zentrum<br />

für Umweltforschung entwickelt. Danach kann die Alge<br />

erntefrisch verarbeitet werden. So bleiben ihre Inhaltsstoffe<br />

für Therapie- und Kosmetikprodukte erhalten.<br />

Wilhelms Tochter Stephanie Borchers hat im vergangenen<br />

Jahr die Geschäftsführung von EUSPIRON übernommen. Sie<br />

sagt stolz: „Unser Algenpad mit der erntefrischen Spirulina<br />

gab es noch nicht. Wir sind die Einzigen, die es zur äußeren<br />

Anwendung frisch anbieten.“ Bis zu sechs Tage ist es<br />

im Kühlschrank haltbar. EUSPIRON liegt im Wahlkreis des<br />

Wurzener <strong>CDU</strong>-Abgeordneten Kay Ritter. Er unterstützt die<br />

Macher und sagt: „Das Unternehmen zeigt, wie innovativ<br />

der ländliche Raum ist! Mit kleinen Algen verändert Gründer<br />

Gerhard Wilhelm die Welt vom Landkreis Leipzig aus.“<br />

WATTTRON BEFASST SICH MIT VERPACKUNGEN<br />

Von Entwicklungserfolgen weiß auch die TU-Dresden-Ausgründung<br />

Watttron zu berichten. 2016 erfolgte der große<br />

Marcus Stein und Ton Knipscheer von Watttron<br />

CEO Taavi Madiberk und Chairman Oliver Ahlberg von Skeleton Technologies<br />

30 31


Schritt. Das Freitaler Unternehmen bietet innovative Verpackungsmaschinen<br />

an. „Unsere digitalen Systeme sind zum<br />

Beispiel in der Lage festzustellen, wenn die Siegelfolie beim<br />

Joghurtbecher nicht an der richtigen Position platziert ist<br />

und dadurch das Verschließen nicht reibungslos durchgeführt<br />

werden kann“, erklärt Kathrin Eckhardt, Marketing-<br />

Managerin bei Watttron.<br />

Die Entwicklung bleibt hier aber nicht stehen. Der Umweltschutz<br />

rückt gerade in den Fokus. „Alles dreht sich um das<br />

<strong>Thema</strong> Nachhaltigkeit. Es geht um die Vorgaben und Ziele<br />

der EU, wonach große Hersteller angehalten sind, bis 2030<br />

auf 100 Prozent recyclebare Verpackungen umzustellen“,<br />

schaut Kathrin Eckhardt voraus. Auch Watttron kündigte<br />

daher an, mit Plastikverpackungen bewusster umzugehen.<br />

die Produkte von Skeleton Technologies im Automobilbereich,<br />

im Transportgewerbe und in der Industrie. Investoren<br />

unterstützten das Unternehmen mit 140 Mio. Euro. Damit<br />

will Skeleton Technologies bis 2023 globaler Marktführer<br />

werden. Mit einem Standort in Tallinn ist die Firma bereits<br />

international vertreten.<br />

Weltweit Vorbild in der Technologie-Entwicklung zu werden<br />

ist für Skeleton Technologies ein wichtiges Ziel. „Der<br />

Klimawandel ist die größte Geschäftsmöglichkeit seit der<br />

Revolution durch das Internet und Europa hat die Chance,<br />

hier wegweisend zu sein. Die neuen Decacorns werden aus<br />

den Bereichen Cleantech sowie Greentech kommen und wir<br />

müssen europäische Firmen dazu befähigen, unter ihnen zu<br />

sein“, schreibt CEO Taavi Madiberk im firmeneigenen Blog.<br />

VOM VEB<br />

ZUM INNOVATIVEN<br />

WELTMARKTFÜHRER<br />

SKELETON SPEICHERT ENERGIE<br />

Energie zu sparen ist das große Ziel von Skeleton Technologies.<br />

Das Unternehmen aus Großröhrsdorf produziert Ultrakondensatoren.<br />

Durch eine höhere Energiedichte sind die<br />

leistungsstärker als herkömmliche Speicher. Die Speicher<br />

des Unternehmens konkurrieren dabei gegen<br />

Lithium-Ionen-Batterien. Eingesetzt werden<br />

Kay Ritter<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

Als Experte sprach der Unternehmer mit anderen Gründerinnen<br />

und Gründern auf dem European Next Gen Innovators<br />

Summit 21 unter anderem über technische Souveränität<br />

und die grüne Transformation. Als Mitglied der<br />

Unicorn Group unterstützt Skeleton Technologies auf europäischer<br />

Ebene den Willen, führend in Lösungen gegen den<br />

Klimawandel zu werden.<br />

In der Produktion von Skeleton Technologies in<br />

Großröhrsdorf im Landkreis Bautzen werden die<br />

Module und Zellen ausführlich getestet. Die hohe<br />

Qualität ist für die lange Lebensdauer der Akkumulatoren<br />

verantwortlich.<br />

Einst kauften Ost und West Verpackungsmaschinen aus Dresden. Nach<br />

der Wiedervereinigung wurde die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben<br />

Die Verpackungsmaschinen<br />

aus Dresden<br />

waren schon vor der<br />

Wende bekannt.<br />

Wann haben Sie Ihr letztes Ricola-Bonbon genascht? Hätten<br />

Sie dabei gedacht, dass es von einer Maschine aus Dresden<br />

verpackt wurde? Und zwar einer, die bei „Theegarten-Pactec“<br />

gebaut wurde. Die Firma hat sich auf das Verpacken<br />

von kleinen Süßwaren spezialisiert und ist in ihrer Nische<br />

sogar Weltmarktführer!<br />

Alles begann vor rund 200 Jahren. Damals war Sachsen ein<br />

wichtiger Standort der Schokoladenproduktion. Über die Elbe<br />

kam der Grundstoff Kakao preiswert und schnell von Hamburg<br />

nach Dresden. Mit der aufkommenden industriellen<br />

Fertigung kam die Nachfrage nach maschineller Verpackung<br />

des Naschwerkes. Bis dahin lief das aufwendig von Hand.<br />

Die allerersten Maschinenfabriken dafür waren die Freitaler<br />

„Spezialmaschinen- und Wachspapierfabrik Otto Hänsel“<br />

und die Dresdner „Spezialmaschinenfabrik Max Loesch“.<br />

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1950 aus diesen Traditionsfirmen<br />

der VEB Schokoladen- und Verpackungsmaschinen<br />

Dresden, kurz Schokopack. 1972 wurde er zum<br />

32<br />

33


Nagema stand für Nahrungs- und Genussmittel Maschinenebau.<br />

Theegarten-Patec residiert heute in einem modernen Neubau in Dresden.<br />

Der geschäftsführende Gesellschafter Markus Rustler im Betrieb<br />

VEB Verpackungsmaschinenbau Dresden und war bis 1990<br />

Leitbetrieb des Kombinates Nagema. Das beschäftigte am<br />

Ende rund 21.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete Waren im<br />

Wert von 1,5 Mrd. Mark sowie ein Exportvolumen von rund 1<br />

Mrd. Valuta-Mark im Ostblock.<br />

Dann kam die Wiedervereinigung. Das Kombinat Nagema<br />

wurde zu einer Aktiengesellschaft. Im Rahmen einer Neustrukturierung<br />

löste sich 1991 der VEB Verpackungsmaschinenbau<br />

Dresden als Pactec GmbH heraus. Und schon gaben<br />

sich die Interessenten die Klinke in die Hand.<br />

Dabei waren große Firmen wie Bosch, Krupp und Rowema.<br />

Auch das Kölner Familienunternehmen Rose-Theegarten<br />

suchte das Gespräch – mit Erfolg! Da es kaum Überschneidungen<br />

bei den Maschinen gab, hoffte man auf Synergieeffekte.<br />

So entstand die „Theegarten-Pactec“. Anders als in<br />

vielen Branchen wurde der Dresdner Standort nicht zur verlängerten<br />

Werkbank, die irgendwann dichtgemacht wurde.<br />

Denn bald war klar, dass die Synergieeffekte ausbleiben.<br />

Deshalb entschied sich 1997 die Firma von Köln nach Dresden<br />

zu ziehen. Heute ist Markus Rustler geschäftsführender<br />

Gesellschafter in vierter Generation. Er sagt: „Hier in Dresden<br />

waren die Voraussetzungen besser und das Know-how<br />

der Mitarbeiter größer.“ Heute hat er 400 Mitarbeiter.<br />

Wie schafft man es, Weltmarktführer zu werden? Auch<br />

wenn die Nische klein ist, geht dies nur mit <strong>Innovation</strong>en.<br />

„Dafür ist der deutsche Mittelstand berühmt“, sagt<br />

Geschäftsführer Markus Rustler. Sein unternehmerischer<br />

Ansatz: „Wir wollen immer Technologieführer, aber nicht<br />

Preisführer sein.“ Ein Konzept, dass aufgeht. Die traditionell<br />

guten Beziehungen von Theegarten in den Westen und Pactec<br />

in den Osten ergänzten sich perfekt und trugen ihren<br />

Teil zu einem globalen Erfolg bei.<br />

Im Wahlkreis des Dresdner <strong>CDU</strong>-Abgeordneten Martin Modschiedler<br />

befindet sich „Theegarten-Pactec“. Er sagt: „Das mittelständische<br />

Familienunternehmen ist eine deutsch-deutsche<br />

Erfolgsgeschichte und ein wichtiger Arbeitgeber in<br />

Dresden. Er überzeugt durch innovative Ideen, den Einsatz<br />

neuester Technologien und mit Ingenieurskunst<br />

auf höchstem Niveau. So geht sächsisch!“<br />

Martin Modschiedler<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

IM ABGANG<br />

FRUCHTIG<br />

Kenner wissen schon lange: Wein ist<br />

vielseitig. Jetzt kann man den edlen Tropfen<br />

allerdings sogar kauen. Das ist auch für<br />

Sommeliers etwas Neues<br />

Die Liebe steckt im Detail. In Handarbeit füllt und wiegt<br />

Susanne Gebhardt ihre Weingummis ab. Es ist viel zu tun.<br />

Seit der ersten Produktion Anfang 2021 ist der ElbWeingummi<br />

sehr beliebt geworden. Die Besonderheit: echter Wein<br />

aus der Region. „Ich habe ursprünglich nach einem Weg<br />

gesucht, Wein und Saft von kleinen Winzern zu vermarkten<br />

und zu verwenden“, erklärt Susanne Gebhardt ihre Idee.<br />

Am Rezept für die Weingummis arbeitete die Jungunternehmerin<br />

mehrere Jahre. Bereits 2018 kam ihr die Idee. Ihr<br />

Ziel war: Naschen mit Genuss und Verantwortung. Auf der<br />

einen Seite nutzt Susanne Gebhardt Trauben vom Weinberg<br />

der Familie. Auf der anderen Seite kauft sie Weine und<br />

Säfte dazu. „Die Winzer der Weinbaugemeinschaft Cossebaude/Merbitz<br />

sind zum Beispiel gute Partner“, sagt Susanne<br />

Gebhardt. Nachhaltig ist nicht nur die Produktion,<br />

sondern auch das Engagement des sächsischen ElbWeingummis.<br />

Drei Prozent des jährlichen Umsatzes gehen in<br />

den Erhalt der Natur im Elbtal.<br />

Die Produktion des Weingummis hat ihren Sitz in einer<br />

alten Meißner Fleischerei gefunden. Als Einzelunternehmerin<br />

steht Susanne Gebhardt bisher allein in der Küche.<br />

„Im August fängt unser erster Mitarbeiter an“, freut sie<br />

sich. Dann wird die Wintersaison geplant. Auf die freut sich<br />

auch die Meißener <strong>CDU</strong>-Angeordnete Daniela Kuge. Sie<br />

sagt: „Es ist toll, was Susanne Gebhardt aus unserem leckeren<br />

Wein macht. Das ist eine tolle Idee, die dazu auch noch<br />

schmeckt. Wir brauchen mehr so engagierte Gründerinnen<br />

wie sie. Dafür setze ich mich im Landtag ein.“<br />

Die Weingummis sind erst der Anfang. Schon<br />

zum Winter sollen noch Weingelee mit Schokolade<br />

ummantelt und gefüllte Domino-Steine<br />

dazukommen, verrät Susanne Gebhardt.<br />

Ihr Markenzeichen: Sie verwendet nur Wein<br />

und Saft aus der Region.<br />

34<br />

35


DA STAUNT DER PRÄSIDENT<br />

DESIGN MIT HALT<br />

Menschen werden immer älter. Damit verändert sich auch, wie wir wohnen. Das<br />

Leipziger Designbüro etage8 will diesen Wandel mit Möbeln gestalten<br />

INNOVATIVE MASCHE<br />

STS Textiles aus Grünbach hat einen<br />

Stoff erfunden, der kühlt und wärmt<br />

Heimtextilien und Stoffe für den Automobilbereich,<br />

das ist das Gebiet von STS Textiles. Aber<br />

die Firma aus Grünbach im Vogtland setzt auch auf<br />

<strong>Innovation</strong>. Drei Jahre tüftelte das Team an einem<br />

Gewebe, das thermische Energie speichern und<br />

nach Bedarf kühlen oder wärmen kann. Das Ergebnis:<br />

ein wahrer Wunderstoff aus Paraffin, einem<br />

synthetischen Wachs, der Fassaden zuverlässig<br />

dämmt oder am Körper vor extremer Kälte und<br />

Hitze schützt. Die umweltschonende Entwicklung<br />

brachte dem Unternehmen mehrere Auszeichnungen,<br />

darunter als „Top-Innovator“. Geschäftsführer<br />

Markus Tutsch sagt: „Sachen hat die höchste Dichte<br />

an Forschungseinrichtungen und Hochschulen<br />

in unserem Schwerpunkt europaweit. Diese Struktur<br />

erlaubt es uns, Anforderungen und Trends aus<br />

dem Markt aufzunehmen“. Der Parlamentarische<br />

Geschäftsführer der <strong>CDU</strong>-Fraktion, Sören Voigt,<br />

selbst aus dem Vogtland, ergänzt: „Die Textilindustrie<br />

hat im Vogtland eine lange Tradition. STS Textiles<br />

zeigt, wie modern und innovativ<br />

diese heute sein kann.“<br />

Sören Voigt<br />

Parlamentarischer Geschäftsführer<br />

1,2 Mrd. Euro hat Volkswagen in die E-Autofabrik in Zwickau investiert.<br />

Hier werden ausschließlich klimafreundliche Elektrofahrzeuge<br />

produziert. Bei seinem Besuch Ende Juni bekam Bundespräsident<br />

Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident<br />

Michael Kretschmer einen Eindruck davon, wie das Autoland Sachsen<br />

ein Kompetenzzentrum für Elektromobilität wird.<br />

WIEDER SOLAR AUS SACHSEN<br />

Die Schweizer Firma Meyer Burger hat im Mai in Freiberg ihre neue<br />

Produktionsstätte für Solarmodule eröffnet. Dafür hat der Maschinenbauer<br />

das Werk des 2018 pleitegegangenen Solarmodul-Herstellers<br />

„Solarworld“ übernommen, modernisiert und automatisiert. In Verbindung<br />

mit einem Solarzellenwerk in Thalheim (Sachsen-Anhalt)<br />

sollen in der Region langfristig 3.500 Arbeitsplätze entstehen.<br />

Selbstbestimmt Leben: ein Wunsch bis ins hohe Alter. Auch<br />

Menschen mit Bewegungseinschränkungen wollen eigenständig<br />

wohnen. Mit ihren Möbeln der Marke Mormor<br />

wollen die Kreativen von etage8 dies möglich machen. „Besondere<br />

Gestaltungselemente sorgen dabei nicht nur für<br />

ein sicheres Gefühl und mehr Bewegungsfreiheit,<br />

sondern verringern auch unnötige Stürze<br />

und Verletzungen“, sagt Benjamin Hein,<br />

Geschäftsführer und Mitbegründer von<br />

etage8. Das Leipziger Unternehmen<br />

setzt auf ein sicheres und langlebiges<br />

Design. „Gestaltung als Basis gibt uns die<br />

Möglichkeit, sinnvolle Funktionen in Produkte<br />

zu integrieren, ohne dass diese dabei<br />

in ihrer Optik stigmatisieren“, erklärt Hein.<br />

Ein Beispiel dafür ist der Tisch HALT (Foto).<br />

Die Möbel von Etage8 sollen älteren Menschen<br />

das Leben leichter machen. Die Bauteile<br />

werden ausschließlich in Deutschland<br />

hergestellt und montiert.<br />

„Er bietet durch einen komplett umlaufenden Handlauf aus<br />

Holz genau das, was schon im Namen steckt – sicheren Halt“,<br />

erklärt der Produktgestalter. Außerdem können an dem umlaufenden<br />

Handlauf einfache Gymnastikübungen gemacht<br />

werden. Mit ihren Produkten von Mormor gewann etage8<br />

bereits mehrere deutsche und internationale Preise. „Unsere<br />

Bauteile werden ausschließlich in Deutschland produziert.<br />

Zusammengesetzt und geprüft werden sie im Herzen<br />

Deutschlands bei uns in Leipzig“, erklärt Benjamin Hein<br />

den Arbeitsablauf. Der Leipziger <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />

Wolf-Dietrich Rost sagt: „Auf diese Firma können<br />

wir in Leipzig zu Recht stolz sein. Als <strong>CDU</strong> werden<br />

wir alles tun, damit solche Unternehmen<br />

in unserer Stadt ein kreatives<br />

Klima vorfinden und erfolgreich<br />

wachsen können.“<br />

36 37


DIE INTELLIGENTE<br />

FABRIK<br />

In Dresden hat Bosch die Chip-Fabrik der Zukunft eröffnet. Automatisiert, voll<br />

vernetzt, mit künstlicher Intelligenz gesteuert, setzt das Werk weltweit Maßstäbe<br />

In dem neuen Boschwerk werden Chips<br />

für das Internet der Dinge und die Autoindustrie<br />

gefertigt. Rund eine Milliarde<br />

Euro hat der Konzern in den Standort investiert.<br />

Später sollen hier einmal bis zu<br />

700 Mitarbeiter arbeiten. Der Branchenverband<br />

„Silicon Saxony“ wie auch die<br />

Politik erhoffen sich von der Eröffnung<br />

eine Sogwirkung in die Branche.<br />

„Die neue Chipfabrik ist gut für Europa, für Deutschland<br />

und für Sachsen“, sagt Sachsens Ministerpräsident Michael<br />

Kretschmer bei der Eröffnung. Denn die neue Zukunftsfabrik,<br />

wie sie auch genannt wird, setzt Maßstäbe – und hat<br />

damit eine Strahlkraft in die ganze Welt. „Mit der Ansiedlung<br />

des Halbleiter-Werkes von Bosch in Hellerau gewinnt der<br />

Mikroelektronikstandort Dresden weiter an Bedeutung. Silicon<br />

Saxony rückt ein weiteres Stück in die Weltspitze der<br />

Halbleiterindustrie vor“, sagt auch Christian Hartmann, Vorsitzender<br />

der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtags. Beide<br />

Politiker sind sich sicher, dass die neue Fabrik weitere<br />

Tech-Firmen in den Freistaat locken wird. Die<br />

Investitionen und Anstrengungen der vergangenen<br />

Jahrzehnte, Sachsen zu einem<br />

der bedeutendsten Standorte für Mikroelektronik<br />

in Europa zu entwickeln, haben<br />

sich gelohnt. Kretschmer: „Damit<br />

verbunden sind direkt und indirekt<br />

viele neue Arbeitsplätze<br />

in einer riesigen Wachstumsbranche.<br />

Die Milliardeninvestition<br />

stärkt<br />

Silicon Saxony und die<br />

gesamte europäische<br />

Halbleiterindustrie!“<br />

Christian Hartmann<br />

Fraktionsvorsitzender<br />

AN DIE WELTSPITZE<br />

„Silicon Saxony rückt damit ein<br />

weiteres Stück in die Weltspitze der<br />

Halbleiterindustrie vor.“<br />

Rund drei Jahre hat der Bau der Fabrik im Dresdner Norden<br />

gedauert. Labor- und Produktionsbereiche sowie Büros sind<br />

in einem dreistöckigen Gebäude vereint. Die Produktion der<br />

Chips verläuft hochautomatisiert und mit Unterstützung<br />

durch künstliche Intelligenz. Alle Daten der Halbleiterfabrik –<br />

von Anlagen, Sensoren und Produkten – werden in einem zentralen<br />

Datenspeicher gesammelt. Dann werden sie anschließend<br />

mit Methoden der künstlichen Intelligenz ausgewertet.<br />

Selbstoptimierende Algorithmen lernen dabei, aus den Daten<br />

Vorhersagen abzuleiten. So lassen sich Fertigungs- und Wartungsvorgänge<br />

in Echtzeit analysieren und kontinuierlich<br />

verbessern. „Ein Algorithmus erkennt beispielsweise selbst<br />

kleinste Auffälligkeiten an den Produkten, die durch spezifische<br />

Fehlerbilder, sogenannte Signaturen, auf den Wafern<br />

sichtbar werden. Die Ursachen werden sofort analysiert und<br />

Prozessabweichungen umgehend korrigiert, noch bevor sie<br />

die Zuverlässigkeit des Produktes beeinflussen können“, erklärt<br />

der Konzern in einer Mitteilung.<br />

Hinzu kommt: Das Werk hat einen „digitalen Zwilling“. Das ist<br />

ein dreidimensionales virutelles Modell, das aus rund einer<br />

halben Million 3D-Objekten besteht. Damit lassen sich Prozessoptimierungen<br />

und Umbaumaßnahmen planen, ohne<br />

in die laufende Fertigung einzugreifen. Das alles entsteht<br />

in Dresden, weil hier einfach die Voraussetzungen stimmen.<br />

„Ansiedlung und Bau der Fabrik sprechen für das große Vertrauen<br />

in den Hochtechnologiestandort Sachsen mit seinen<br />

erfahrenen und qualifizierten Fachleuten und dem hier über<br />

Jahrzehnte gewachsenen einzigartigen Netzwerk aus Halbleiterherstellern,<br />

Zulieferern, Dienstleistern, Hochschulen<br />

und Forschungseinrichtungen“, bestätigt Ministerpräsident<br />

Michael Kretschmer.<br />

Übrigens: Bosch ist auch Mitglied bei Silicon Saxony. Der<br />

eigenfinanzierte Verein ist mit rund 350 Mitgliedern das<br />

größte Hightechnetzwerk Sachsens und eines der größten<br />

Mikroelektronik- und IT-Cluster Deutschlands sowie Europas.<br />

Silicon Saxony verbindet seit seiner Gründung im Jahr 2000<br />

Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen/Universitäten,<br />

Forschungsinstitute, öffentliche Einrichtungen sowie<br />

branchenrelevante Start-ups. Übergeordnete Ziele sind der<br />

Ausbau sowie die Stärkung des führenden Mikroelektronikstandortes<br />

Europas als auch das Vorantreiben der parallel verlaufenden<br />

Entwicklung hin zu einem Softwareland Sachsen.<br />

In den Schutzbrillen der Mitarbeiter sind Kameras eingebaut. So können bei der<br />

Wartung der Maschinen Kollegen aus Stuttgart oder der ganzen Welt eingebunden<br />

werden.<br />

„Gut für Europa, für Deutschland und für Sachsen“, nennt Ministerpräsident<br />

Michael Kretschmer den Bau der Chipfabrik durch Bosch.<br />

38 39


WIR<br />

Vodafone hat verkündet, in Dresden ein<br />

Mobilfunk-Entwicklungszentrum zu bauen.<br />

BAUEN<br />

HANDY-<br />

ZUKUNFT<br />

Im Mai 2021 hat die Vodafone Group<br />

verkündet, ihren globalen Forschungsstandort<br />

mit mehr als 200 Mitarbeitern<br />

in Dresden zu eröffnen. Im Vorfeld der<br />

Entscheidung hatte das Unternehmen<br />

mit acht Städten in Europa gesprochen.<br />

Damit entstehen 200 Arbeitsplätze<br />

Dresden ist schon lange als Standort für den Mobilfunk der<br />

Zukunft bekannt. Hier wird an 5G und 6G geforscht – den<br />

nächsten Standards für die mobile Datenübertragung. Dadurch<br />

wird diese noch schneller und ohne Verzögerungen<br />

möglich. Das ist zum Beispiel für autonom gesteuerte Fahrzeuge<br />

sehr relevant. Zunächst kommt 5G. Durch die erhöhte<br />

Datenübertragung können zum Beispiel Produktionsprozesse<br />

automatisiert werden. „Nach den beiden Mobilfunk-<strong>Innovation</strong>sschüben<br />

,Sprache‘ und ,Breitband-Daten‘, bringt nun<br />

5G den dritten Schub, das ,taktile Internet‘. Das heißt, der<br />

Mobilfunk steht uns nun für die Fernsteuerung von realen<br />

und virtuellen Objekten zur Verfügung. Diese Vision ,Made<br />

in Saxony‘ meines Teams an der TU Dresden hat Anfang 2010<br />

die Welt begeistert und die Entwicklung von 5G maßgeblich<br />

beeinflusst“, sagt Prof. Gerhard Fettweis, Inhaber des Vodafone-Stiftungslehrstuhl<br />

für mobile Nachrichtensysteme.<br />

Seit 1994 forscht der Wissenschaftler in Dresden mit Mannesmann<br />

Mobilfunk, heute Vodafone, am Mobilfunk der<br />

Zukunft. „Nach mehr als 27 Jahren erfolgreicher Arbeit am<br />

Vodafone-Lehrstuhl hat sich der Telekommunikationskonzern<br />

nach einer europaweiten Ausschreibung nun wieder<br />

einmal für die sächsische Landeshauptstadt entschieden. Im<br />

Mai hat die Vodafone Group verkündet, einen globalen Forschungsstandort<br />

mit mehr als 200 Mitarbeitern in Dresden<br />

zu eröffnen. Hier soll gemeinsam mit starken Partnern aus<br />

der Industrie an Anwendungen für 5G und 6G geforscht und<br />

entwickelt werden“, freut sich Prof. Gerhard Fettweis.<br />

In dem neuen Kompetenz-Zentrum für Forschung, Entwicklung<br />

und <strong>Innovation</strong> sollen unter anderem innovative<br />

Anwendungen für Smart Mobility, selbstfahrende Autos,<br />

entwickelt werden. „Herzlichen Glückwunsch Dresden,<br />

Sachsen und Deutschland. Die Entscheidung ist ein weiteres<br />

starkes Bekenntnis zum Industriestandort im Herzen<br />

Europas“, sagt Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone<br />

Deutschland. „Es ist eine hervorragende Nachricht, dass Vodafone<br />

mit einem Forschungs- und Entwicklungszentrum<br />

nach Sachsen kommt. Dresden ist mit seiner technologiezentrierten<br />

Forschungs- und Wirtschaftsinfrastruktur die<br />

richtige Adresse für diese Ansiedlung“, sagt der Dresdner<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordnete Ingo Flemming.<br />

GRÜNDERINITIATIVE<br />

FUTURESAX<br />

<strong>Innovation</strong>en brauchen Plattformen. Das können Orte<br />

sein, an denen sich Menschen treffen. Oder Veranstaltungen,<br />

auf denen neue Ideen vorgestellt werden.<br />

futureSAX bietet beides. Die <strong>Innovation</strong>splattform des<br />

Freistaates Sachsen will branchenübergreifend Wirtschaft<br />

und Wissenschaft vernetzen. Außerdem soll die<br />

<strong>Innovation</strong>skraft des Freistaates mit seinen Unternehmen,<br />

Universitäten und Forschungseinrichtungen bekannt<br />

gemacht werden.<br />

Wichtig für futureSAX ist es, Gründer und Start-ups zu<br />

fördern. Dazu wurde der Wettbewerb InnoStartBonus initiiert.<br />

Seit 2019 können sich Interessierte innerhalb von<br />

sogenannten Calls, auch Förderrunden genannt, für eine<br />

Gründerförderung bewerben. Eine Expertenkommission<br />

bewertet, welche Ideen unterstützt werden. Die ausgewählten<br />

Bewerber erhalten anschließend für ein Jahr<br />

1.000 Euro monatlich. Zudem werden sie bei der Entwicklung<br />

ihres Geschäftsmodells und beim Aufbauen von<br />

Netzwerken unterstützt. In den bisherigen vier Ausschreibungsrunden<br />

gingen 377 Anmeldungen ein. 78 Gründerinnen<br />

und Gründer erhielten schließlich eine Förderung.<br />

Ingo Flemming<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

DIE RICHTIGE ADRESSE<br />

„Dresden ist mit seiner technologiezentrierten<br />

Forschungs- und Wirtschaftsinfrastruktur<br />

die richtige Adresse<br />

für diese Ansiedlung.“<br />

6G-HUB IN SACHSEN<br />

Dresden ist für den Mobilfunk der Zukunft ein zentraler<br />

Standort. An der Technischen Universität und in<br />

München wird nun ein neues Zentrum für 6G-Forschung<br />

aufgebaut. Die Leitung übernimmt Prof. Frank Fitzek, Inhaber<br />

der Telekom-Professur für Kommunikationsnetze.<br />

Im 6G-Hub soll die Kommunikation der Zukunft erforscht<br />

werden. Ein Beispiel: die Mensch-Roboter-Kollaboration.<br />

Besonders in der Industrie 4.0 könnten mit 6G Menschen<br />

ohne Probleme mit Maschinen interagieren.<br />

In der vor Kurzem begonnenen fünften Runde wurden<br />

Mitte Juni 18 Teams für den Zuschuss ausgewählt. „Ich<br />

bin wieder einmal begeistert von der Leidenschaft und<br />

Energie, mit der die potenziellen Gründerinnen und<br />

Gründer ihre innovativen Geschäftsideen präsentierten,<br />

und von ihrem Mut, diese in einer Unternehmung münden<br />

zu lassen. Das verdeutlicht erneut: Die sächsische<br />

<strong>Innovation</strong>skultur ist branchenübergreifend im gesamten<br />

Freistaat lebendig“, freut sich Marina Heimann, Geschäftsführerin<br />

der futureSAX GmbH.<br />

41


MIT HIGHTECH AUFS FELD<br />

Von wegen die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln! Heute muss ein<br />

erfolgreicher Landwirt modernste Technik bedienen können und hat im Traktor mehr<br />

als einen Computer dabei<br />

Auf diesem Bildschirm befindet sich die Einstellung<br />

für den Traktor. Hier kann der Fahrer<br />

den Tempomat, Reifendruckregelanlage, die<br />

Hydraulikleistung, das Radio oder auch die Belegung<br />

des Joysticks eingestellen.<br />

Auf dem Tablet werden die Daten des Traktors<br />

und des Arbeitsgerätes mit einer speziellen<br />

Software verarbeitet und Punkt genau gespeichert.<br />

Später kann der Landwirt so genau sehen,<br />

wieviel Dünger er an einer gewissen Stelle<br />

im Feld ausgebracht hat. Außerdem erfasst<br />

er so die Daten vom Traktor, etwa wie hoch der<br />

Kraftstoffverbrauch war oder wie die Flächenleistung<br />

pro Stunde war.<br />

Im Terminal des automatischen Lenksystems<br />

werden Fahrspuren angelegt, nach denen dann<br />

der Traktor fahren soll. Gleichzeitig ist er das<br />

Bindeglied zwischen der Traktorelektronik und<br />

dem Rechner des Arbeitsgerätes. Das Terminal<br />

steuert also anhand von Daten der Fläche die<br />

Ausbringmenge des Arbeitsgerätes. Die sogenannten<br />

Applikationskarten sind bunt hinterlegt,<br />

in jeder Zone variiert die Ausbringmenge.<br />

PRECISION FARMING<br />

(PRÄZISIONSLANDWIRTSCHAFT)<br />

Das ist die Zukunft: Traktoren und Mähdrescher fahren<br />

selbstständig, über Satelliten gesteuert, zentimetergenau.<br />

Da die zum Teil übergroßen und schlagkräftigen Maschinen<br />

am Tag bis zu 14 Stunden genauestens überwacht werden<br />

müssen, entlastet das den Landwirt. So können Betriebsmittel<br />

wie Pflanzenschutz und Dünger ohne Überlappungen<br />

präzise ausgebracht werden. Gleichzeitig wird Diesel<br />

gespart. Precision Farming heißt aber auch, dass mit Hilfe<br />

von Sensoren die Biomasse und dabei der Chlorophyllgehalt<br />

der Pflanzen gemessen werden können. So kann punktgenau<br />

gedüngt werden, auch das schützt die Umwelt.<br />

Der Laptop ist heute ständiger Begleiter im<br />

Traktor. Er beinhaltet verschiedenste Programme,<br />

um z.B. Aussaat und Dünger-Applikationskarten<br />

zu planen. Außerdem können Aufträge<br />

erstellt und danach die Daten auf die Traktoren<br />

mit den dazugehörigen Arbeitsgeräten<br />

geschickt werden.<br />

Dieser Monitor beinhaltet die Steuerung<br />

für das dazugehörige Arbeitsgerät. In diesem<br />

Fall ist es ein Universalstreuer. Einstellen<br />

lassen sich zum Beispiel die Arbeitsbreite<br />

und die Ausbringmenge.<br />

Der Joystick, auch Fahrhebel genannt, dient<br />

dazu, den Traktor in Bewegung zu setzen. Das<br />

läuft vergleichbar zum Automatikgetriebe bei<br />

einem Auto. Dazu kann man den Joystick aber<br />

auch frei belegen und z. B. das Arbeitsgerät am<br />

Traktor damit steuern. Auch die Hydraulik, die<br />

man braucht, um einen Hänger abzukippen,<br />

kann darüber gesteuert werden.<br />

Paul Kompe ist Landwirtschaftsmeister mit Leib und Seele. Der 27-Jährige arbeitet in einem Landwirtschaftsbetrieb<br />

in Fremdiswalde bei Grimma. Der Beruf ist eine Leidenschaft. Deshalb kümmert er sich als Vorsitzender<br />

des Vereins „Land schafft Verbindung Sachsen“ um die Belange der Bauern. In dieser Funktion spricht er auch<br />

regelmäßig mit der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtags. Der im November 2019 gegründete Verein setzt sich<br />

für eine moderne Landwirtschaft und die Zukunft auf dem Land ein.<br />

42 43


Die Drohnenstaffel des ASB Dresden e.V. verbindet ein<br />

beliebtes Hobby mit etwas extrem Nützlichem: Drohnen<br />

kommen zum Einsatz, um Menschen und Tiere zu<br />

schützen und mitunter Leben zu retten. Wer sich dafür<br />

interessiert: Die Drohnenstaffel bietet an, sich im<br />

Rahmen von Übungen auszutauschen, um die eigenen<br />

Fähigkeiten und Kenntnisse zu verbessern.<br />

Die Drohne vom Typ DJI Matrice 300 RTK sirrt in die Luft. Ausgestattet<br />

mit einer Wärmebildkamera wird sie gleich ein Feld<br />

ins Visier nehmen, um nach Rehkitzen zu fahnden. Denn die<br />

jungen Tiere haben noch keinen Fluchtinstinkt. Nähert sich<br />

etwa ein lärmender Mähdrescher mit seinen großen Schneidewerken,<br />

bleiben sie einfach in ihrer Graskuhle sitzen. Und<br />

sterben einen grausamen Tod.<br />

Bis zu 100.000 Rehkitze fallen laut Deutscher Wildtierstiftung<br />

jährlich bei der Grünfutterernte Mähmaschinen zum<br />

Opfer. Das Ablaufen der Felder aber wäre für viele Landwirtschaftsbetriebe<br />

viel zu zeitaufwendig und oft auch wenig<br />

erfolgreich. Die aktuell 15 ehrenamtlichen Einsatzkräfte des<br />

ASB-Regionalverbands Dresden, die für Drohneneinsätze<br />

ausgebildet sind, wollen genau hier helfen. „Durch unsere<br />

professionelle und hochwertige Einsatztechnik können unsere<br />

geschulten Einsatzkräfte schnell und effizient Rehkitze<br />

im hohen Gras und auf weitläufigen landwirtschaftlichen<br />

Flächen ausfindig machen – bei jeder Wetterlage“, heißt es<br />

in einem Werbeflyer für das Projekt.<br />

Mit Wärmebildkameras orten die freiwilligen Helfer des ASB die jungen Tiere<br />

und markieren den Standort. Kurz vor Beginn der Mahd werden die Tiere<br />

dann gerettet.<br />

DIE BAMBI-RETTER<br />

Bis zu 100.000 Rehkitze sterben jährlich unter Mähdreschern. Denn die jungen<br />

Tiere haben noch keinen Fluchtinstinkt und bleiben bei Gefahr einfach sitzen.<br />

Die 15 ehrenamtlichen Einsatzkräfte des ASB Dresden e.V. suchen in den Feldern<br />

mit Drohnen nach den Rehkitzen, um sie zu retten<br />

„Aus den Kabinen der modernen Hightech-Mähmaschinen<br />

kann der Fahrer versteckte Rehkitze in den dichten Grasbeständen<br />

oft nicht entdecken. Der Mähtod dieser Tiere war in<br />

der Vergangenheit oft die traurige Realität. Dies gilt es in Zukunft<br />

zu verhindern und dabei kann der Einsatz innovativer<br />

Technik helfen“, sagt die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Ines Springer. „Vor<br />

20 Jahren war an den Einsatz von Wärmebilddrohnen noch<br />

nicht zu denken. Heute werden diese finanziell gefördert und<br />

retten damit das Leben tausender Kitze. Artenschutz durch <strong>Innovation</strong><br />

– schon beeindruckend, wo moderne Technik heute<br />

zum Einsatz kommt.“<br />

Seit Mai hat die Drohnenstaffel insgesamt eine Fläche von<br />

310 Hektar in der Umgebung von Dresden abgesucht. Dabei<br />

konnten 14 Rehkitze gefunden und gerettet werden. Der<br />

Einsatz der Drohnenstaffel ist dabei für die landwirtschaftlichen<br />

Betriebe kostenlos – allerdings bitten die ASBler um eine<br />

Spende. Die hilft aber nicht nur den Rehkitzen: Denn das Drohnenteam<br />

ist auch für die Feuerwehr und den Katastrophenschutz<br />

im Einsatz.<br />

Ines Springer<br />

<strong>CDU</strong>-Agrarpolitikerin<br />

Rehkitze haben noch keinen Fluchtreflex. Deswegen bleiben sie, wenn sich Gefahr<br />

nähert, einfach in ihren Graskuhlen sitzen. Vom Mähdrescher aus sind sie<br />

nicht zu erkennen.<br />

44<br />

45


DIE ERFINDUNG DER<br />

Er legte den Grundstein: 17<strong>13</strong><br />

entwickelte der kurfürstlich-sächsische<br />

Kammer- und<br />

Bergrat Hans Carl von Carlowitz<br />

das Konzept der Nachhaltigkeit.<br />

Damals ging es erstmal<br />

nur ums Holz.<br />

NACHHALTIGKEIT<br />

Umweltschutz ist altbekannt. Bereits vor 300 Jahren wurde in Sachsen auf die<br />

vorhandenen Ressourcen geschaut. Durch neue Technologien ändern sich aber auch die<br />

Ansprüche. Der Freistaat fördert daher innovative Konzepte<br />

Nachhaltigkeit bedeutet, nur so viel Ressourcen zu verbrauchen,<br />

wie sie in der Natur auch natürlich nachwachsen Erzgebirge so viel Holz, dass es besorgniserregend wurde.<br />

Wissen ausgelöst. Zum anderen verschlang der Bergbau im<br />

können. Der Begriff wird in der Debatte über Umwelt- und Ziel von Hans Carl von Carlowitz war es, Regeln für die Nutzung<br />

der benötigten Ressourcen vorzugeben. Das grund-<br />

Naturschutz immer wieder verwendet – längst hat sich<br />

das Prinzip etabliert. Doch Nachhaltigkeit ist nicht nur ein legende Prinzip: Im Wald ist nur die Menge Holz zu schlagen,<br />

Modewort. Der Begriff hat eine lange Geschichte, die ihren die auch nachwachsen kann. Die Vorgaben von Hans Carl<br />

Ursprung in Sachsen hat. Denn bereits 17<strong>13</strong> schrieb Hans Carl von Carlowitz wurden in der Forstwirtschaft schnell zum<br />

von Carlowitz, kurfürstlich-sächsischer Kammer- und Bergrat,<br />

erstmals über Nachhaltigkeit. Der Oberberghauptmann mit der Industrialisierung. Bereits ab 1850 drohten auch ande-<br />

Standard. Weitere Beachtung erhielt die Nachhaltigkeit dann<br />

reagiert damit auf die Holznot in Sachsen. Zum einen wurde re Ressourcen und Energievorräte auszugehen. Die Forderung,<br />

sie durch im Dreißigjährigen Krieg verloren gegangenes auch hier nachhaltig zu wirken, häuften sich.<br />

„DAS IST SIMUL + “<br />

Nachhaltig ist auch simul + . Die Initiative wurde 2016 von<br />

Thomas Schmidt, Regionalentwicklungsminister und Landtagsabgeordneter,<br />

schon zu seiner Zeit als Umweltminister<br />

auf den Weg gebracht. „Die Zukunftsinitiative simul + setzt<br />

auf die bereits hohe Forschungskompetenz, die vielen innovativen,<br />

vor allem mittelständischen Unternehmen und weitere<br />

zahlreiche zukunftsorientierte Kräfte im Freistaat Sachsen",<br />

sagt er. Zentral sind drei Säulen: Wissenstransfer, Ideenwettbewerb<br />

sowie der <strong>Innovation</strong>Hub. „Dadurch entstanden zahlreiche<br />

Projekte, unter anderem zu Themen wie Smart Village,<br />

Smart City oder Smart Living sowie Bauen 4.0, Smart intelligent<br />

Building, intelligente Verkehrskonzepte und viele mehr",<br />

freut sich Thomas Schmidt.<br />

Der <strong>CDU</strong>-Agrarpolitiker Andreas Heinz: „Die forstliche Praxis<br />

der Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt des Handelns<br />

eines jeden Waldbesitzers. Sie stellt das Handlungsprinzip<br />

zur Ressourcen-Nutzung bei gleichzeitiger Bewahrung der<br />

wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen<br />

Regenerationsfähigkeit des Waldes dar. In Sachsens<br />

Wäldern wird das Prinzip vorbildlich umgesetzt und durch<br />

den Freistaat seit Jahrzehnten – nicht nur finanziell – unterstützt.<br />

Daran wollen wir, vor allem im Interesse kommender<br />

Generationen, auch in Zukunft festhalten.“<br />

Die „alte“ sächsische Erfindung spielt inzwischen eine größere<br />

Rolle denn je. Heute wird das Prinzip aber deutlich komplexer<br />

gedacht. Es geht nicht mehr nur um Holz, sondern um<br />

die Beziehung von Lebewesen zu ihrer Umwelt, die Befriedigung<br />

von Bedürfnissen und die dafür notwendigen Ressourcen<br />

und die soziale Verantwortung, die jeder Mensch selbst<br />

hat. Also um ein ausgeglichenes Verhältnis von Ökologie und<br />

Ökonomie. Nachhaltigkeit kann dafür eine Leitlinie sein.<br />

Andreas Heinz<br />

<strong>CDU</strong>-Agrarpolitiker<br />

VORBILDLICH UMGESETZT<br />

„In Sachsens Wäldern wird das<br />

Prinzip der Nachhaltigkeit vorbildlich<br />

umgesetzt und durch den Freistaat seit<br />

Jahrzehnten – nicht nur finanziell –<br />

unterstützt.“<br />

ZIEGENKÄSE MIT HERZ<br />

Mehrere Preise schon hat die Hofkäserei Meißgeier aus<br />

Langenbach bei Schneeberg gewonnen, darunter den <strong>Innovation</strong>spreis<br />

Vogtländische Landwirtschaft. Bis 2004<br />

zunächst im Nebengewerbe geführt, hält die Hofkäserei<br />

heute über 70 Ziegen in einer modernen Stallanlage mit<br />

Melkhaus. Die 20 verschiedenen Käsesorten werden<br />

überwiegend im Hofladen verkauft. Und in der Hofkäse-Schule<br />

können Besucher ihre eigenen Hofkäseherzen<br />

machen und am Ende mit nach Hause nehmen.<br />

MISSION BRATWURST<br />

Fleischer André Möllmer aus Leipzig-Mockau hat eine gesündere<br />

Bratwurst entwickelt. Forscher der Uni Leipzig bestätigen:<br />

Die Wurst enthält nicht nur ein Drittel weniger<br />

Fett, sondern auch zusätzliche Proteine vom Kürbis und<br />

weitere wichtige Nährstoffe. Außer im Ladengeschäft<br />

sind seine Produkte auch in Wurstkisten erhältlich –<br />

Automaten, die Möllmer in Leipzig aufgestellt hat.<br />

46<br />

47


HIER FORSCHT<br />

DIE POLIZEI!<br />

Im InnoLab des sächsischen Polizeiverwaltungsamtes<br />

tüfteln die Mitarbeiter an Einsatzmitteln von<br />

morgen. Dabei denken und arbeiten sie wie ein<br />

kleines Start-up. Ein Konzept, das ungewöhnlich<br />

ist und neugierige Blicke aus ganz Deutschland auf<br />

sich zieht<br />

Kriminaloberrat Ralf Köhler leitet das <strong>Innovation</strong>slabor<br />

für Digitalisierung der Sächsischen Polizei. Es<br />

ist das erste seiner Art. Hier werden Technologietrends<br />

erfasst und erprobt, ob und wie sie in den Arbeitsalltag<br />

der Polizei passen. „Wir arbeiten an maßgeschneiderten<br />

Produkten für die Polizisten auf der<br />

Straße, die man sich heute noch gar nicht vorstellen<br />

kann“, sagt Köhler.<br />

Alarm auf der Wache: ein Autounfall! Eine Funkstreife soll<br />

schnellstmöglich hin, die Beamten schnappen sich ihre Tablet-PCs.<br />

Noch bevor sie in ihren Streifenwagen einsteigen,<br />

hat die KI (künstliche Intelligenz) des Polizeirechners schon<br />

die schnellste Route an das Navi übertragen. Während der<br />

Wagen mit Blaulicht autonom zum Unfallort steuert, informieren<br />

sich die Beamten per Bordcomputer bereits über<br />

Details. Die Ampeln auf der Strecke werden vom zentralen<br />

Polizeicomputer automatisch auf grün geschaltet.<br />

Beim Ankommen scannt der Streifenwagen selbstständig<br />

die Umgebung, sammelt Informationen wie zum Beispiel<br />

die Kennzeichen der betroffenen Fahrzeuge. Die Software<br />

analysiert erste sichtbare Schäden, ruft den Abschleppservice<br />

und meldet sich bei der Leitstelle, während die Polizisten<br />

sich den verunfallten Personen widmen können.<br />

Klingt nach Science Fiction? Ein wenig. Aber wenn es nach<br />

Ralf Köhler geht, könnte das die Zukunft sein. Der Kriminaloberrat<br />

ist Chef des am 1. Januar 2020 in Dresden gegründeten<br />

<strong>Innovation</strong>slabors für Digitalisierung der Sächsischen<br />

Polizei – kurz InnoLab. Es war das erste seiner Art<br />

in Deutschland. Es soll Technologietrends erfassen sowie<br />

moderne Arbeitsweisen und Zukunftsvisionen hinsichtlich<br />

ihrer Chancen und Risiken beurteilen. Damit das gelingt,<br />

arbeitet das InnoLab wie ein echtes Start-up. Und das, obwohl<br />

es formal eine sogenannte Stabsstelle des Polizeiverwaltungsamtes<br />

ist.<br />

„Wir haben eine flache Hierarchie und arbeiten an maßgeschneiderten<br />

Produkten für die Polizisten auf der Straße,<br />

die man sich heute noch gar nicht vorstellen kann. Die<br />

Polizei Sachsen zählt damit zu den Vorreitern im öffentlichen<br />

Dienst“, erklärt Ralf Köhler. Er sucht sich mit seinem<br />

jungen Team entsprechende Partner aus Forschung und<br />

Wissenschaft. Vom Fraunhofer-Institut bis zur TU Bergakademie<br />

Freiberg. „Je nachdem, was wir für die einzelne Entwicklung<br />

brauchen.“ Dafür sei die Forschungslandschaft in<br />

Sachsen hervorragend.<br />

Eine wichtige Voraussetzung für das InnoLab ist es, mit den<br />

Beamten im Einsatz zu sprechen. Was würde ihnen wirklich<br />

bei der Arbeit helfen? Schon 30 Ideen hat Ralf Köhler dieses<br />

Jahr eingesammelt. „Wir haben uns eine Bewertungsmatrix<br />

erarbeitet, um entscheiden zu können, welche dieser Ideen<br />

wir weiter verfolgen“, erklärt Köhler. „Damit können wir beurteilen,<br />

was das Potenzial zur Pilotierung und schlussendlich<br />

zu einem konkreten Produkt hat.“<br />

48 49


Die Ideen, an denen das InnoLab der sächsischen<br />

Polizei arbeitet, kommen direkt aus dem Arbeitsalltag<br />

der Beamten im Einsatz. Dann wird geprüft, wie groß<br />

zum Beispiel der Aufwand ist und ob es wirklich<br />

Bedarf gibt, die Maßnahme umzusetzen. Aktuell gibt<br />

es auch die Überlegung, Roboter-Hunde zum Einsatz<br />

zu bringen, etwa bei der Erkundung von Objekten.<br />

WENN DER BUS<br />

VON ALLEIN KOMMT<br />

Zwischen dem S-Bahnhof Messe und dem BMW-Werk Leipzig fährt ab Herbst<br />

ein autonomer Bus – anders als sonst bei solchen Projekten mit 50km/h<br />

Rico Anton<br />

<strong>CDU</strong>-Innenpolitiker<br />

In der Bewertungsmatrix finden sich zwölf<br />

Überkategorien wie zum Beispiel Aufwand,<br />

Bevölkerungs- und Anwenderrelevanz mit jeweils<br />

durchschnittlich vier bis fünf zugeordneten Aspekten.<br />

„Daraus entsteht ein Score – und je nachdem landet eine Idee<br />

im Ranking weit oben oder wird verworfen. Die Matrix hilft<br />

dabei, Ideen zu bewerten.“ Die aussichtsreichsten Konzepte<br />

werden dann in einem „Entscheidungsboard“ beim Innenministerium<br />

vorgelegt, das die Umsetzung beschließt.<br />

Der Kriminaloberrat Ralf Köhler spricht nicht nur wie ein<br />

hipper Start-up-Gründer – er denkt auch genauso unkonventionell.<br />

Ist das Voraussetzung für den Job? Köhler: „Man<br />

braucht dafür viel Fantasie! Wir stellen uns immer die Frage,<br />

wie schaut der polizeiliche Alltag der Zukunft aus.“<br />

Derzeit arbeitet das InnoLab an zwei konkreten Ideen. Zum einen<br />

an einer Objekterkennungs-App für mobile Endgeräte. Mit<br />

Hilfe der Kamerafunktion soll diese gefährliche Gegenstände<br />

erkennen, wie zum Beispiel Waffenteile. „So können Beamte<br />

bei einer Kontrolle erkennen, ob das aufgefundene Teil zum<br />

Beispiel zu einer Waffe gehört und mit Checklisten dann rausfinden,<br />

ob der Besitzer gegen ein Gesetz verstößt“, so Köhler.<br />

Das zweite Projekt des InnoLabs entsteht in Kooperation<br />

mit der TU Bergakademie Freiberg und trägt den Namen<br />

„Samurai“. Es soll in der Lage sein, einen digitalen Zwilling<br />

eines Gebäudes zu erstellen. „Also eine virtuelle Kopie der<br />

Umwelt durch Verschmelzung von 3D-Scanning, Fotogrammetrie<br />

und Spektralfotografie. Das Ganze soll hochautomatisiert<br />

und autonom erfolgen“, erklärt Köhler. Der Polizei<br />

könnte dieser digitale Zwilling in schwierigen Lagen helfen.<br />

„Das SEK kann sich zum Beispiel auf der Anfahrt zu einem<br />

Einsatz schon im Zielgebäude orientieren und sogar etwas<br />

über die Beschaffenheit von Türen und Wänden erfahren“,<br />

so Köhler. Alles wurde dafür zuvor autonom aufgezeichnet.<br />

Hier könnte unter anderem der Roboter-Hund „Spot“ der<br />

Firma Boston Dynamics zum Einsatz kommen. Das New<br />

Yorker Police Department setzt heute schon auf den Helfer<br />

aus Aluminium und Stahl.<br />

Die Bergakademie erscheint als Partner für das Projekt auf<br />

den ersten Blick überraschend. Köhler: „Aber auch sie arbeiteten<br />

an der Idee des digitalen Zwillings für alte Bergwerkstollen.<br />

Zusammen können wir die Kompetenzen bündeln.“<br />

Und so setzt das InnoLab auf sächsischen Erfindergeist.<br />

Das Start-up innerhalb der Polizei weckt auch großes Interesse<br />

außerhalb des Freistaates. Andere Bundesländer sind<br />

auf das Dresdner InnoLab aufmerksam geworden, überlegen<br />

schon, eine vergleichbare Einrichtung selbst aufzubauen.<br />

Ein größeres Kompliment unter Kollegen können Ralf<br />

Köhler und seine Mitstreiter nicht bekommen.<br />

Dazu sagt der innenpolitische Sprecher der <strong>CDU</strong>-Fraktion,<br />

Rico Anton: „Das bundesweit bislang einmalige InnoLab ist<br />

ein echter Zugewinn für die sächsische Polizei. Hier geht es<br />

um konkrete Projekte, die es der Polizei ermöglichen, ihren<br />

Dienst noch besser auszuüben. Sie werden zukünftig Gefahren<br />

noch früher erkennen, strafbare Handlungen besser<br />

aufdecken und sich im Einsatz wirksamer schützen können.<br />

Deshalb war es uns als <strong>CDU</strong>-Fraktion auch wichtig, das InnoLab<br />

mit mehr Finanzmitteln auszustatten. <strong>Innovation</strong><br />

und Sicherheit gehen hier Hand in Hand.“<br />

Noch ist alles nur ein Experiment: Die <strong>13</strong>.000 Mitarbeiter<br />

der BMW Werke Leipzig können ab Herbst mit einem Bus<br />

von der S-Bahn-Haltestelle bis zur Arbeit und zurück fahren.<br />

Der Clou dabei ist, dass dieser autonom ohne Bussfahrer<br />

funktioniert. Nur zu Sicherheit ist in der Erprobungsphase<br />

immer einer Fahrer mit an Bord. Denn anders als bei<br />

solchen Projekten zum autonomen Fahren arbeitet man in<br />

Leipzig daran, dass die Busse mit bis zu 70 km/h unterwegs<br />

sind. 14 Partnerfirmen und Hochschulen haben sich für das<br />

Projekt „Absolut“ zusammengefunden, darunter die Leipziger<br />

Verkehrsbetriebe. Wenn alles wie geplant klappt, könnten<br />

die Busse ab 2022 auch im Stadtgebiet unterwegs sein.<br />

Zuvor aber sollen verschiedene Konzepte erprobt werden,<br />

Schon in naher Zukunft wird es möglich sein, sich<br />

autonom fahrende Busse via App zu bestellen. Damit<br />

die Busse aber nicht nur im Schneckentempo<br />

unterwegs sind, testet eine Gruppe von 14 Partnerfirmen<br />

und Hochschulen demnächst in Leipzig völlig<br />

autonom fahrende Busse, die bis zu 70km/h schnell<br />

werden können.<br />

neben dem Einsatz im Regelbetrieb etwa auch die bedarfsgerechte<br />

Rund-um-die-Uhr-Bestellung. Dafür muss ein<br />

Buchungs- und Informationsinterface entwickelt werden.<br />

Und schließlich wollen die Projektpartner wissen, wie die<br />

Nutzer auf solche Fahrzeuge reagieren und ob sie wirklich<br />

auch einsteigen. Der <strong>CDU</strong>-Verkehrspolitiker Andreas Nowak<br />

ist begeistert: „In Leipzig startet der ÖPNV der Zukunft.<br />

Mit den autonom fahrenden Bussen werden ganz neue Angebote<br />

möglich. Sie fahren dort, wo sich große Linienbusse<br />

nicht lohnen. Die Haltestelle wird abgeschafft und der Bus<br />

kommt fast bis vor die eigene Haustür. Das sind tolle neue<br />

Möglichkeiten, vor allem für die Gegenden im ländlichen<br />

Raum, wo heute noch gar nichts fährt.“<br />

Andreas Nowak<br />

<strong>CDU</strong>-Verkehrspolitiker<br />

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MIT BEGEISTERUNG<br />

NEUES LERNEN<br />

Die Digitalisierung der Schulen hat durch die Corona-<br />

Pandemie einen gewaltigen Schub bekommen<br />

Holger Gasse<br />

<strong>CDU</strong>-Bildungspolitiker<br />

„Die Corona-Pandemie sorgte für viele Einschränkungen.<br />

Sie beschleunigte aber auch<br />

den Fortschritt. Deutlich zu sehen ist das in<br />

Schulen. Das digitale Lernen war im Lockdown notwendig“,<br />

sagt <strong>CDU</strong>-Bildungspolitiker Holger Gasse. Zu Beginn gab es<br />

oft noch ein paar Probleme. Zum Beispiel war die Lernplattform<br />

„LernSax“ überfordert und technisch an ihre Grenzen<br />

geraten. Doch im weiteren Verlauf der Pandemie konnten<br />

die Fehler behoben werden. Fest steht: Der Freistaat ist bei<br />

der Digitalisierung von Schulen gut aufgestellt.<br />

Ein gutes Beispiel ist hierfür das Gymnasium in Dresden-<br />

Pieschen. Als sogenannte M.I.T-Schule ist diese auf Medienbildung<br />

ausgerichtet. Informatik und digitale Technologien<br />

gehören zu den Lernfächern. „Ab der 8. Klasse haben unsere<br />

Schüler keine Bücher mehr. Alle Lernmaterialien sind auf<br />

Tablets", erklärt Schulleiterin Kerstin Ines Müller.<br />

Das Gymnasium Dresden-Pieschen<br />

ist eine M.I.T.-Schule, das<br />

steht für „Medienbildung, Informatik,<br />

digitale Technologien“.<br />

Für sie ist die eingesetzte Technik aber kein Selbstzweck. „Bei<br />

der Digitalisierung von Schulen müssen Konzepte für eine<br />

lernförderliche, zielorientierte Nutzung der Medien entwickelt<br />

werden. Der Einsatz von Technik muss die Lernprozesse<br />

der Schüler und Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben<br />

in einer digitalisierten Welt entwickeln. Bei uns gibt es dafür<br />

ein neues Unterrichtsfach: Medienkunde und Kompetenztraining“,<br />

erzählt die Schulleiterin von der Praxis.<br />

Ein weiterer Faktor bei der Digitalisierung an Schulen:<br />

Technik ist nur so lange schön, wie sie auch funktioniert.<br />

„Jegliche IT-Ausstattung muss zuverlässig und sofort eingesetzt<br />

werden können. Lehrer haben in den kurzen Pausen<br />

zwischen den Unterrichtsstunden keine Zeit, Geräte zu<br />

starten, einzurichten, Fehler zu beheben. Die Maxime<br />

lautet: Alles, was nicht innerhalb von drei Minuten einsetzbar<br />

ist, wird von Lehrkräften selten bis gar nicht genutzt“,<br />

erzählt die Schulleiterin aus dem Alltag.<br />

Digitalisierung in Schulen ist für Kerstin Ines Müller wichtig.<br />

Sie kann aber aus Sicht der Schulleiterin kein Allheilmittel<br />

sein. „Lernen basiert auf Beziehungen, eine professionelle<br />

Lehrkraft ist unersetzlich. Ohne belastbare<br />

Lehrer-Schüler-Beziehungen gelingen Lern- und Entwicklungsprozesse<br />

kaum“, sagt die erfahrene Praktikerin.<br />

EIN HERZ FÜR MORGEN<br />

Online-Kurse, interaktive Tafeln und Tablets sind nur ein<br />

erster Schritt. Auch digitale Techniken wie virtuelle und<br />

erweiterte Realität findet den Weg ins Klassenzimmer.<br />

Dafür setzt sich das Leipziger Start-up Heartucate ein.<br />

„Mein Ziel war es, etwas zu entwickeln, mit dem Lernen auf<br />

Kooperation ausgerichtet wird“, sagt Gründerin Franziska<br />

Weser (Foto). Die studierte Medienpädagogin beschäftigt<br />

sich seit Längerem mit neuen Formen des Lernens. Gemeinsam<br />

mit der Lehrerin Anna Kirchberg kam ihr die<br />

Idee für Heartucate. Als junges Start-up nahmen die beiden<br />

2019 an einem Wettbewerb von Samsung teil. Ziel: Anwendungsfälle<br />

für 5G entwickeln. Mithilfe der TU Dresden<br />

und anderen Partnern aus der Wirtschaft entwickelten sie<br />

ein Lernspiel. In diesem können Schüler über computergenerierte<br />

Welten zu Zeit- und Weltreisenden werden.<br />

„Wir haben bereits eine erste Prototypendemo entwickelt,<br />

die gespielt werden kann“, sagt Franziska Weser. In der<br />

Beta-Version werden bis zu vier Schüler zu Polarforschenden.<br />

„Wir bringen damit moderne Wissenschaft in die<br />

Klassenzimmer“, freut sich die Gründerin.<br />

52 53


Das bestätigt auch ihr Kollege Dirk Rauthe, Schulleiter an der<br />

Erich-Viehweg-Oberschule Frankenberg. „Ich will die Schüler<br />

auch weiterhin vor Ort haben. Manches ist im digitalen Unterricht<br />

einfach nicht zu machen“, sagt Rauthe. Er ergänzt:<br />

„Es braucht einen guten Mix aus digital und analog. Rein digitales<br />

Lernen funktioniert nicht optimal.“ Der Schulleiter<br />

der Erich-Viehweg-Oberschule findet es daher wichtig, dass<br />

Sachsen in digitale Bildung investiert. Ein Punkt ist ihm dabei<br />

besonders wichtig: der Internet-Anschluss. „Nur mit Hardware<br />

allein werden wir nicht weit kommen. Es braucht auch<br />

einen gut ausgebauten Internet-Anschluss“, sagt er. „Vom<br />

Internet-Anschluss hängt ab, wie stabil ‚LernSax‘ und die Video-Konferenzen<br />

laufen. Zudem brauchen wir WLan, um die<br />

Schule zu vernetzen.“<br />

An der Erich-Viehweg-Oberschule gibt es mittlerweile drei<br />

Computerräume. Einige der Klassenzimmer sind mit PCs<br />

ausgestattet. Interaktive Tafeln ermöglichen neue Lernkonzepte.<br />

„Wir machen zudem virtuelle Dienstberatungen<br />

und Elterngespräche", erzählt Schulleiter Rauthe. Er selbst<br />

ist als Lehrer für Wirtschaft, Technik und Computer beim<br />

digitalen Unterricht vorn dabei. „Ich nutze in meinem Unterricht<br />

mit der 5.Klasse ‚LernSax‘, um den Schülern frühzeitig<br />

den Umgang damit beizubringen“, sagt der Dirk Rauthe.<br />

Iris Firmenich<br />

<strong>CDU</strong>-Bildungspolitikerin<br />

EIN SCHUB FÜR SCHULEN<br />

„Corona hat die Schulen in besonderer<br />

Weise gefordert. Wenn man dieser<br />

Pandemie etwas Positives abgewinnen<br />

kann, dann den Entwicklungsschub,<br />

den es dadurch bei der Anwendung<br />

digitaler Mittel gegeben hat. Die Erich-Viehweg-Oberschule<br />

Frankenberg<br />

beweist, wie es möglich ist, solche Krisen<br />

mit Pioniergeist zu meistern.“<br />

Dirk Rauthe ist Schulleiter an<br />

der Erich-Viehweg-Oberschule<br />

in Frankenberg. „Es braucht einen<br />

guten Mix aus digital und<br />

analog“, sagt er.<br />

3 FRAGEN AN KULTUSMINISTER<br />

CHRISTIAN PIWARZ<br />

WAS HABEN SACHSENS<br />

SCHULEN AUS CORONA GELERNT?<br />

Christian Piwarz: „Wir haben gelernt, dass kein noch so guter<br />

digitaler Distanzunterricht den Präsenzunterricht und die<br />

Schule als Ort des sozialen Austausches ersetzen kann. Die<br />

Zeit der Schulschließungen hat nicht nur zu Lernrückständen<br />

geführt, sondern auch zu seelischen Belastungen bei Kindern<br />

und Jugendlichen, deren Folgen nun zu Tage treten.“<br />

WIE GEHT ES JETZT WEITER?<br />

„Nach den Sommerferien wollen wir auf jeden Fall Schulen<br />

und Kita im Normalbetrieb öffnen. Natürlich werden wir<br />

auch weiterhin an den bekannten Infektionsschutzmaßnahmen<br />

festhalten müssen. Ich kann auch nicht ausschließen,<br />

dass zumindest temporär eine Masken- und Testpflicht,<br />

Wechselbetrieb oder eingeschränkter Regelbetrieb notwendig<br />

sein werden. Ziel muss aber sein, die Schulen offenzuhalten.<br />

Flächendeckende Schulschließungen, wie durch die<br />

Bundesnotbremse verursacht, darf es nicht mehr geben.“<br />

AUS SCHEITERN LERNEN<br />

So genannte FuckUp-Nights zeigen:<br />

Wer verliert, kann dabei auch gewinnen<br />

Mit einer Produktidee enttäuschen, Pleite gehen oder einen<br />

herben Rückschlag in der Karriere hinnehmen, gilt in<br />

Deutschland immer noch als Makel. Genau da setzen die<br />

Initiatoren der FuckUp-Nights aus Leipzig an. Für sie liegt<br />

in diesem Scheitern auch die Saat für den späteren Erfolg.<br />

Marco Weicholdt ist einer der Organisatoren dieser<br />

Veranstaltung. „Misserfolge gehören zu jedem kreativen<br />

und innovativen Prozess dazu“, sagt er. „Oft sind nur die<br />

Erfolge sichtbar, nicht die harte Arbeit und das häufige<br />

Scheitern davor. Essenz aller Geschichten: Wiederaufstehen.<br />

Gestärkt vorangehen und allen anderen etwas<br />

voraushaben.“ FuckUp-Nights gibt es in 67 Ländern und<br />

192 Städten. Seit Mai 2015 ist auch Leipzig dabei. Momentan<br />

pausiert die Veranstaltung in Leipzig – Corona<br />

ist schuld. Bis zu 400 Gästen sind sonst gekommen. Alle<br />

sechs bis acht Wochen fand ein Event an einem anderen<br />

Ort statt. Der sächsische Wissenschaftsminister und <strong>CDU</strong>-<br />

Lantagsabgeordnete Sebastian Gemkow sagt dazu: „Eine<br />

gute Geschäftsidee bedeutet nicht automatisch, dass sich<br />

der Erfolg auch einstellt. Es gibt einfach zu viele Einflussfaktoren,<br />

die dabei eine Rolle spielen. Das ist in der Forschung<br />

ganz genau so – nur ist hier das Scheitern fester Bestandteil<br />

des Schaffensprozesses. Kein Forscher weiß zu Beginn oder<br />

auch während eines Projekts, ob am Ende das erwartete<br />

Ergebnis steht. Wenn nicht, würde er oder sie dies aber nie<br />

als Scheitern empfinden. Sondern als lehrreiche Erfahrung,<br />

die zum Weitermachen motiviert.“ Die FuckUp-Nights zeigen<br />

genau das: Wer scheitert und wieder<br />

aufsteht, der kann auch erfolgreich sein.<br />

WELCHES IST FÜR SIE DIE WICHTIGSTE INNOVATION,<br />

DIE CORONA DEN SCHULEN GEBRACHT HAT?<br />

„Die Pandemie hat für einen enormen digitalen Schub an den<br />

Schulen gesorgt. Die Schule nach der Pandemie wird daher<br />

eine andere sein als vorher. Corona hat uns auch gezeigt, dass<br />

Schule eben nicht nur an der Schule stattfinden muss. Das<br />

Angebot ließe sich durch außerschulische Lernorte ausbauen.<br />

Gerade bei höheren Klassen stellt sich doch die Frage, was<br />

in der 5. oder 6. Stunde für einen Teil der Klasse mit digitaler<br />

Hilfe zu Hause erlernbar ist – während der andere Teil im<br />

Unterricht verbleibt. Über die Vorteile für Lehrer und Schüler<br />

durch einen solchen Maßnahmenmix müssen wir nach der<br />

Pandemie intensiv reden.<br />

Sebastian Gemkow<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter &<br />

Wissenschaftsminister<br />

Wer etwas mal so richtig vergeigt,<br />

der weiß es beim nächsten<br />

Mal besser. Der Austausch<br />

über das Scheitern ist dabei<br />

wertvoll, um Fehler in der Zukunft<br />

zu vermeiden.<br />

54<br />

55


en Möglichkeiten, viele wandten sich auch an die Augenklinik<br />

am Helios-Klinikum Plauen. „Die Not der Menschen ist<br />

kaum noch auszuhalten“, sagt Chefarzt Dr. Dirk Ehrich. „Wir<br />

AUGENÄRZTE<br />

IM FOKUS<br />

Chefarzt Dr. Dirk Ehrich behandelt<br />

gemeinsam mit sieben Augenärzten<br />

die Patienten aus der Region.<br />

„Die Not der Menschen ist kaum<br />

noch auszuhalten“, sagt er.<br />

sind völlig überlastet.“<br />

Laut KVS-Prognose könnte der Versorgungsgrad mit Augenärzten<br />

aber noch weiter zurückgehen und sogar auf unter<br />

40 Prozent sinken. Um dem Einhalt zu gebieten, haben sich<br />

KVS und das Helios Vogtland-Klinikum Plauen zusammengetan<br />

und ein Modellprojekt ins Leben gerufen.<br />

Am 2. August beginnen die Umbauarbeiten. Dann entsteht<br />

ein Augenärztliches Versorgungs- und Weiterbildungszentrum<br />

(AVWZ) in direkter Nachbarschaft zum Helios-<br />

Klinikum. Das Zentrum ist ein Modellprojekt und der Landtag<br />

hat beschlossen, es mit dem neuen Doppelhaushalt<br />

finanziell zu unterstützen. 650.000 Euro stehen dafür<br />

bereit. Es entstehen zwei neuen Praxen mit einer zentralen<br />

Anmeldung, vier Behandlungsräumen, zwei Wartebereichen<br />

und vier Untersuchungseinheiten. Bis Ende 2021 sollen<br />

die Umbauarbeiten abgeschlossen sein.<br />

KOLLEGE ROBOTER<br />

Am Helios-Klinikum Aue nimmt die minimal-invasive<br />

Chirurgie ohnehin mit Blick auf die Zahl der Eingriffe<br />

eine Vorreiterrolle ein. Mit dem Roboter namens<br />

„daVinci“ ist man dazu noch auf dem neuesten Stand der<br />

Technik. Bei der roboterassistierten OP-Methode wird<br />

der Arzt nicht ersetzt, sondern erhält vier weitere Arme –<br />

und damit viel größere Bewegungsfreiheit. Gesteuert<br />

wird der Roboter über eine Konsole vom Arzt, der dank<br />

hochauflösender Bildgebung und passgenauer Steuerung<br />

präziser arbeiten kann.<br />

Ein neues Weiterbildungszentrum am Helios-Klinikum<br />

Plauen soll Fachmediziner in die Region locken<br />

Sören Voigt<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter &<br />

Parlamentarischer Geschäftsführer<br />

EINNEUER ANSATZ<br />

„Die ärztliche Versorgung ist existenziell<br />

für den ländlichen Raum.<br />

Deshalb haben wir uns dafür eingesetzt,<br />

dass in diesem Jahr 650.000<br />

Euro bereitgestellt werden.“<br />

Patienten mit Augenproblemen haben es im Vogtland<br />

schon jetzt schwer, einen Termin beim Facharzt zu bekommen.<br />

Das könnte noch schlimmer werden. Denn dem Vogtlandkreis<br />

droht eine Unterversorgung mit Augenärzten.<br />

Zwar waren laut Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen<br />

(KVS) zum Stand 1. April 2020 „nur“ 2,5 Stellen unbesetzt, ein<br />

Jahr später waren es schon 6,25 Stellen. Der Versorgungsgrad<br />

ist also von 93,3 auf 65,4 Prozent gesunken.<br />

Der Grund dafür ist, dass in den vergangenen Jahren mehr<br />

und mehr Fachmediziner ihre Praxen aufgegeben haben –<br />

meist aus Altersgründen. Die Patienten suchten nach neu-<br />

Im Januar 2022 nehmen dann vier Assistenzärzte hoffentlich<br />

die Arbeit auf. Sie werden von Fachmedizinern der Augenklinik<br />

nebenan betreut. Dort arbeiten schon jetzt sieben Augenärzte<br />

unter Leitung des Chefarztes Ehrich. Eine weitere<br />

Augenärztin ist im Medizinischen Versorgungszentrum des<br />

Klinikums tätig. Die neuen Assistenzärzte, die dann im Versorgungs-<br />

und Weiterbildungszentrum Patienten behandeln<br />

und ihre eigene Ausbildung voranbringen, erhalten zusätzlich<br />

Unterstützung von drei Arzthelfern und einem Optiker. Die<br />

Kassenärztliche Vereinigung zahlt rund 5.200 Euro monatlich<br />

pro Assistenzarzt Gehaltszuschuss ans Klinikum.<br />

Der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Sören Voigt kommt aus dem Vogtland.<br />

Mit seinen Landtagskollegen Stephan Hösl und<br />

Andreas Heinz hat er sich im Haushaltsverfahren für die<br />

Finanzierung dieses Modellprojektes starkgemacht. Er sagt:<br />

„Die ärztliche Versorgung ist existenziell für den ländlichen<br />

Raum. Das Projekt ist ein neuer Ansatz für die Nachwuchsgewinnung.<br />

Ich hoffe sehr, dass die angehenden Augenärzte<br />

nach ihrer Weiterbildung auch für die Region in der Region<br />

bleiben werden.“<br />

THERAPIE PER APP<br />

„Physiotherapeut für die Hosentasche“, so bezeichnen<br />

die Entwickler der App eCovery ihre Erfindung. Patienten<br />

mit Hüft-, Knie- und Rückenproblemen können die<br />

App begleitend zur Therapie in der Vor-Ort-Betreuung<br />

oder auch als Standalone-Produkt nutzen. Zugleich ist so<br />

erstmals auch die Betreuung von Patienten vor, während<br />

und nach einer Operation lückenlos möglich. eCovery ist<br />

in Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Leipzig<br />

entwickelt worden. Gerade erst haben die Gründer einen<br />

großen IT-Dienstleister als Investor vermeldet.<br />

56<br />

57


DER STOFF AUS DEM<br />

DIE ZUKUNFT IST<br />

GEMEINSAM FÜR DAS KLIMA<br />

Für die naturfaserverstärkten Kunststoffe<br />

setzen die Forscher in dem<br />

Lausitzer <strong>Innovation</strong>snetzwerk auf<br />

pflanzliche Agrarabfälle wie Stängel,<br />

Stämme und Blätter.<br />

Eine zukunftsfähige Energieversorgung ist auch für die Mitarbeiter<br />

Herstellung eines Naturfaser-Kunststoff-Verbunds: Mit einem neuen<br />

Verfahren können die Agrarabfälle in feste Formen gepresst werden.<br />

Leicht, belastbar, energieeffizient und recyclebar: Im Foto ist die<br />

Nullserie biologisch abbaubarer Einwegschalen zu sehen.<br />

Die Forscher der Hochschule Zittau/<br />

Görlitz gestalten den Strukturwandel<br />

in der Lausitz mit<br />

„Neues entsteht, wo Altes vergeht: Dieser Kreislauf<br />

ist gerade in der Lausitz zu beobachten.<br />

Besonders die Hochschule Zittau/Görlitz tritt hier<br />

als <strong>Innovation</strong>streiber auf“, sagt der regionalpolitische<br />

Sprecher der <strong>CDU</strong>-Fraktion Ronny Wähner.<br />

Im <strong>Innovation</strong>snetzwerk LaNDER3 forschen seit<br />

2017 Wissenschaftler an naturfaserverstärkten<br />

Kunststoffen. Von der Fasergewinnung bis zum<br />

Recycling achten sie dabei auf Nachhaltigkeit.<br />

Das ist auch ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz.<br />

Denn Plastik ist ein echtes Problem,<br />

für das Alternativen gesucht werden. Denn der<br />

zur Herstellung notwendige Rohstoff Öl ist begrenzt.<br />

Auf der anderen Seite belastet Plastik die<br />

Umwelt. Für die naturfaserverstärkten Kunststoffe<br />

setzen die Forscher in dem Lausitzer <strong>Innovation</strong>snetzwerk<br />

auf pflanzliche Agrarabfälle<br />

wie Stängel, Stämme und Blätter. Mit einem<br />

neuartigen Verfahren können diese in feste<br />

Formen gepresst werden. „Es entstehen leichte,<br />

belastbare Materialien, die energieeffizient in<br />

Form gebracht, funktionsgerecht beschichtet<br />

und nach Gebrauch recycelt werden“, heißt es<br />

auf der Website der Initiative.<br />

LaNDER3 ist auf die Forschung und Entwicklung<br />

ausgelegt. Unterstützt wird das Bündnis durch neo.<br />

Net e.V. Der Verein sieht sich als Dachverband für<br />

alle, die an innovativen und zukunftsfähigen Ideen<br />

arbeiten. Durch den Transfer von Forschungsergebnissen<br />

in die Wirtschaft werden <strong>Innovation</strong>en<br />

geboren. Ein Beispiel: die Lausitzer Naturfaser<br />

Ebersbach UG. Das 2019 gegründete Unternehmen<br />

schaffte es zusammen mit Akteuren des <strong>Innovation</strong>snetzwerkes<br />

LaNDER3 der Hochschule Zittau/<br />

Görlitz, eine Technologie zur Massenproduktion<br />

naturfaserbasierter Einwegprodukte aufzusetzen<br />

und zur Marktreife zu führen. Damit kann unter<br />

anderem komplett biologisch abbaubares Wegwerfgeschirr<br />

durch die Forschung an Naturfasern<br />

hergestellt werden. In Zukunft soll das Verfahren<br />

„Made in der Oberlausitz" internationalisiert werden.<br />

In Südamerika, China oder Indien werden bei<br />

der Produktion von Kaffee oder Palmöl mehrere Megatonnen<br />

an Agrarabfällen verbrannt. Hier dient<br />

die <strong>Innovation</strong> von LaNDER3 nun dazu,<br />

auch diese Biomasse zu nutzen.<br />

Ronny Wähner<br />

<strong>CDU</strong>-Regionalentwicklungspolitiker<br />

von Saxony5 im CELSIUZ wichtig. Das CELSIUZ mit seinem sogenannten<br />

„Co-Creation-Lab“ für Versorgungsinfrastruktur in Zittau ist ein<br />

offener Raum für das Zusammenarbeiten von Gesellschaft und Wirtschaft.<br />

Es eignet sich auch hervorragend für die Vermittlung von und<br />

die Weiterarbeit an Forschungsergebnissen.<br />

WIRTSCHAFT STÄRKEN<br />

Neben LaNDER3 ist Lausitz–Life and Technology das zweite Netzwerk,<br />

das durch neo.Net e.V. unterstützt wird. Ziel ist es, durch den Zusammenschluss<br />

aus lokalen Unternehmen, Wissenschaftlern und Verwaltungen<br />

die Wirtschaftskraft in der Region nachhaltig zu stärken. Zudem<br />

stellt sich Lausitz–Life and Technology durch Fortbildungen dem<br />

Fachkräftemangel vor Ort entgegen.<br />

58 59


Sachsen war und ist bis heute ein Land der <strong>Innovation</strong>. Eine der für den Alltag der Menschen bis<br />

Große Kreisstadt Torgau lädt zum Verweilen ein - so wie im Café Katharina auf dem Marktplatz und<br />

dazu ein Latte Macchiato . Auch die Landesgartenausstellung im kommenden Jahr zeigt bereits<br />

vielfältige Vorboten. Kommen auch Sie in die Stadt der Renaissance und Reformation - es lohnt sich!<br />

heute wichtigste Erfi ndung ist dabei die der Dresdnerin Melitta Bentz: der Kaffeefi lter. Fast immer<br />

wenn ich morgens im Wahlkreis unterwegs bin, habe ich meinen Kaffeebecher dabei. Gerade vor<br />

wichtigen Gesprächen, wie hier am Sachsenring, ist ein Kaffee Gold wert.<br />

<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages #kaffeesachsen #EINBLICK<br />

Der Kaffeefilter ist heute nicht mehr wegzudenken. Vor 100 Jahren<br />

trank man ihn ohne – doch die Dresdner Hausfrau Melitta<br />

Bentz störte sich an den Krümeln. Also stanzte sie Löcher in einen<br />

Messingtopf und nahm Löschpapier. Der Kaffeefilter war geboren.<br />

Unterwegs auf Wahlkreistour von Neuhausen bis Großhartmannsdorf… Da gehört ein<br />

Zwischenstopp in Mulda im<br />

Cafe Flora unbedingt dazu. Zum Kaffee gab es natürlich das wohl<br />

weltbeste Erdbeereis!!!<br />

AUF EIN<br />

KÄFFCHEN MIT...<br />

… den Abgeordneten der <strong>CDU</strong>-Fraktion<br />

des Sächsischen Landtages<br />

Daran hatte die Dresdnerin Melitta Bentz wahrscheinlich<br />

nicht gedacht: Mehr als 100 Jahre nach ihrer Erfindung trinkt<br />

heute (fast) jeder Sachse sein „Schälchen Heeßen“ gefiltert.<br />

Auch die <strong>CDU</strong>-Abgeordneten im Landtag. Egal ob im Bürgergespräch,<br />

unterwegs bei Terminen, bei Besprechungen oder<br />

auch im Dresdner Landtag. Der Kaffee gehört dazu. Wir haben<br />

die Abgeordneten gebeten, einmal auf Facebook zu zeigen,<br />

wo sie ihren Kaffee am liebsten trinken. Zum Beispiel den<br />

<strong>CDU</strong>-Sozialpolitiker Alexander Dierks (gr. Foto) aus Chemnitz.<br />

Er sagt: „Ich habe die Bürobesprechung mit meinen Mitarbeitern<br />

ins Café Michaelis verlegt. Es ist ein wunderschönes Kaffeehaus<br />

mit tollen Kuchen. Und der Kaffee ist eine Wucht!“<br />

Diese Woche tagt das #Plenum im Sächsischen #Landtag und es gibt viel zu tun. Wichtig ist<br />

deshalb eine gute Vorbereitung, die ich am Anfang der Plenarwoche meist noch aus dem #Wahlkreisbüro<br />

machen kann und dann im Parlamentsbüro in Dresden fortsetze. Ein #Kaffee gehört<br />

hier dazu. #kaffeesachsen #EINBLICK<br />

www.jan-loeffl er.info<br />

Während der langen Tage im Landtag @cdu_slt bleibt auch mal Zeit, im Parlamentsbüro einen<br />

Kaffee zu trinken. Schließlich ist der Kaffeefilter eine sächsische Erfindung. Mein Büro leitet Sarah<br />

von Sachsen, der ich herzlich für ihre Unterstützung danke. Sie koordiniert meine Termine im Landtag<br />

und die vielen Anliegen aus dem Wahlkreis. Immer im Hintergrund dabei: meine Heimatstadt<br />

Olbernhau auf Holz. Sven Koerner Photografie #kaffeesachsen #EINBLICK #mittlereserzgebirge<br />

#erzgebirge #dieheimatvoranbringen #olbernhau #marienbergimerzgebirge #zschopau #sachsen<br />

Ein #Kaffee geht immer…<br />

Aus einer halben Stunde wurden zwei Stunden und ich habe soviel erfahren über die #Brotbackkunst,<br />

die Torsten Eckert im Hellerauer Marktbäcker betreibt. Jeden Monat gibt es ein anderes<br />

#BrotdesMonats. Bis zur Corona-Pandemie war er regelmäßig mit anderen Bäckern aus Sachsen.de<br />

in der #Welt unterwegs und hat (u.a. auch in #Japan)) das Wissen der BrotBackKunst vermittelt.<br />

Schaut mal in seinem Laden in #Hellerau auf einen Kaffee vorbei, die #Backstube ist direkt dahinter.<br />

Apropos Kaffee: Die Dresdnerin #Melitta #Bentz hat die Erfindung des #Kaffefilters gemacht.<br />

#<strong>Innovation</strong> aus #Sachsen Und wir #Kaffeesachsen lieben unser #SchälchenHeeßes.<br />

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Innovative Ideen aus dem Sachsenland. Es ist eigentlich undenkbar, in die Sitzung der @cdu_slt zu<br />

gehen, ohne vorher einen Kaffee im Büro getrunken zu haben. Danke an die Dresdnerin Melitta Bentz<br />

für die Erfindung des Kaffeefilters #kaffeesachsen #EINBLICK #kayritter<br />

Guten Morgen aus Dresden.<br />

Vor den Abgeordneten liegen zwei themenreiche Plenartage. Zum Start aber erstmal einen Kaffee zur<br />

Sondersitzung des Haushalts- und Finanzausschusses - heute soll der Landtag dem Sozialministerium<br />

die Mittel für den Weiterbetrieb der Impfzentren freigeben.<br />

#fürsachsen #kaffeesachsen #EINBLICK<br />

Wieder daheim! Der erste „Guten-Morgen-Kaffee“ im eigenen Garten nach 3 Wochen Reha<br />

schmeckt einfach am besten! Es ist schön zu sehen, wie alles blüht und grünt. Mein Mann Jens<br />

Kuge hat den Garten wirklich in ein Paradies verwandelt! Natürlich gibt’s bei uns den Kaffee aus der<br />

Kaffeerösterei Müller in einer Tasse der Porzellanmanufaktur Meissen.<br />

Nach einer überwiegend sitzenden Woche am Samstagmorgen ein paar Runden um die Talsperre<br />

- jetzt geht´s zum Bäcker und dann gibts Kaffee<br />

Kaffeepause in meinem Garten. Mein Lieblingsplatz zur Entspannung vom oft hektischen Alltag.<br />

Hier genieße ich in die Natur und Ruhe ... <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages #kaffeesachsen<br />

#EINBLICK<br />

...am heutigen Plenartag werde ich zum Strukturwandel sprechen.<br />

Zur Vorbereitung gehörten auch ein #kaffee und der Blick auf ein Heimatmotiv der #oberlausitz<br />

im Landtagsbüro.<br />

#kaffeesachsen #EINBLICK<br />

Heute konnte ich am virtuellen Digitalisierungsfrühstück der DATEC Netzwerke & Druckerlösungen<br />

GmbH teilnehmen. Bereits seit 1995 wächst die Firma kontinuierlich und zählt mittlerweile<br />

zu den führenden ganzheitlichen Lösungsanbietern für Outputmanagement-Lösungen. in ganz<br />

Deutschland. Hier im #Vogtland ansässig vertrauen Kunden der verschiedensten Wirtschaftsbereiche<br />

auf Erfahrung, Know-how und <strong>Innovation</strong>sgeist der DATEC GmbH. Und auch wenn virtuelles<br />

Kaffeetrinken die räumliche Gemeinschaft nicht ersetzen kann, zeigt das Meeting, dass wir Sachsen<br />

immer sehr kreativ und erfi nderisch sind.<br />

Sachsen war und ist bis heute ein Land der <strong>Innovation</strong>. Eine der für den Alltag der Menschen bis heute<br />

wichtige Erfindung hat die Dresdnerin Melitta Bentz gemacht: den Kaffeefilter. Als Kaffeesachse liebe<br />

ich meinen täglichen Kaffee und genieße ihn besonders nach getaner Gartenarbeit am Wochenende.<br />

<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages #kaffeesachsen #EINBLICK<br />

Sachsen verbindet Tradition & <strong>Innovation</strong>. Eine <strong>Innovation</strong>, die sich durchgesetzt hat, ist der in den erfundene Kaffeefilter<br />

Zu einer produktiven Bürobesprechung in meinem Wahlkreis gehört immer auch ein Kaffee … und<br />

Dresbei<br />

besonders hohen Temperaturen dann der Eiskaffee<br />

<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages #kaffeesachsen #<strong>Einblick</strong><br />

Mitten im schönen #Striesen, direkt am #Hüblerplatz, liegt mein #Wahlkreisbüro. Vor etwas<br />

mehr als einem Jahr bin ich gemeinsam mit meinem #Team hierher umgezogen.<br />

#Bürgergespräche, #Veranstaltungen, #Ausstellungen: Das alles war in den vergangenen<br />

Wochen aufgrund der Pandemie leider nicht möglich.<br />

Ich hoffe, dass mein Büro nun wieder zu einem lebendigen Dreh- und Angelpunkt für meine<br />

#Wahlkreisarbeit wird. Ich freue mich auf die Begegnungen und Gespräche - gern auch bei<br />

einer Tasse Kaffee! Die Einladung steht! #miteinanderreden #gemeinsammehrerreichen<br />

#kaffeesachsen #kaffeesachse #EINBLICK<br />

Von innovativen Ideen und den Menschen dahinter schreibt die Malerin Hanna Klose-Greger in<br />

ihrem Buch „Die Kutsche ohne Pferde“: Beispielsweise von Georg #Baumgarten als Luftschiffpionier<br />

und Vorbild für Zeppelin und von Louis #Tuchscherer als vielleicht Automobilbauer noch vor Carl<br />

Benz (allerdings strittig). Und was hat das mit #Kaffeesachsen zu tun? Melitta Bentz erfand den<br />

Kaffeefilter. Aber den kann ich hier nicht abbilden, weil ich - wenn überhaupt - Espresso trinke. Bei<br />

solchen Temperaturen wie heute. Und am liebsten in der 'Ewigen Stadt'.<br />

Kaffee, direkt aus der Grimmaer Kaffeerösterei — mmmmh<br />

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DER SOUNDTRACK<br />

SACHSENS<br />

„Wie klingt Heimat“ heißt das neue Projekt von Felix Räuber, der mit der Band Polarkreis 18<br />

(„Allein, Allein“) bekannt geworden ist. Sein Ziel ist, die Heimat akustisch einfangen<br />

„Ich begebe mich auf die Suche nach Menschen und deren<br />

Melodien, nach Bräuchen und Ritualen, die untrennbar mit<br />

unserer Geschichte verwoben sind. Mit dem Ziel, eine völlig<br />

neue, uns verbindende Musik zu erschaffen“. So stellt Felix<br />

Räuber den Besuchern seiner Webseite sein neues Filmprojekt<br />

vor. Insgesamt 10 Folgen sind geplant, die 2022 im Fernsehen<br />

zu sehen sein sollen. Die Idee entstand über den Wolken, auf<br />

der Heimreise von Nordkorea, wo ihn und seine Begleiter die<br />

Dauerbeschallung mit Propagandamusik nervte. Die beiden<br />

fragten sich, wie wohl ihre sächsische Heimat klingt – so<br />

entstand das Projekt „Wie klingt Heimat?“<br />

Zwei Jahre Vorbereitung stecken in dem Projekt. Jetzt zeichnen<br />

Räuber und seine Mitstreiter die Choräle der sorbischen<br />

Osterreiter genauso wie die Geräusche aus sächsischen Wäldern<br />

und Gebirgen auf, lauschen dem Braunkohlebagger und<br />

besuchen Handwerker im vogtländischen Musikerwinkel.<br />

„Er gießt dabei das unbeschreibliche Gefühl von Heimat in<br />

ein musikalisches Kunstwerk. Ich bin froh, dass der Freistaat<br />

Sachsen die Reihe ,Heimat‘ finanziell unterstützt und wir bald<br />

erleben können, wie unsere unterschiedlichen Regionen in<br />

Sachsen klingen!“, schwärmt Sachsens Kunstministerin<br />

und Lanstagsabgeordnete Barbara Klepsch.<br />

Barbara Klepsch<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordnete &<br />

Kulturministerin<br />

„Wie klingt Heimat?“ Der ehemalige Frontmann von<br />

Polarkreis 18, Felix Räuber, ist mit seinem Team in ganz<br />

Sachsen unterwegs, um Geräusche und Musik einzufangen.<br />

Der Braunkohlebagger gehört für ihn ebenso<br />

dazu wie die Morgendämmerung auf der Hochwaldbaude<br />

bei Oybin im Zittauer Gebirge. Das Ergebnis wird<br />

2022 im Fernsehen zu sehen sein.<br />

Mehr Infos unter: www.heimatlieder.net<br />

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VORGESTELLT:<br />

Apps sind aus dem Alltag der allermeisten Menschen nicht mehr wegzudenken.<br />

Wir stellen drei Applikationen für Smartphones vor, die in Sachsen<br />

entstanden sind<br />

DATING MADE IN DRESDEN<br />

In Europa nutzen über 60 Millionen Menschen LOVOO. Damit<br />

kommt aus Sachsen eines der führenden Sozialen Netzwerke.<br />

Die Dating-App wurde 2011 von dem gleichnamigen<br />

Dresdner Startup in Deutschland veröffentlicht. Heute<br />

ist LOVOO in 15 Sprachen weltweit verfügbar. Ansprechen<br />

möchten die Macher vor allem junge Menschen, eine Altersobergrenze<br />

gibt es aber nicht. Die Corona-Pandemie nutzte<br />

der Dresdner-App-Entwickler für ein neues Angebot: Neben<br />

Textnachrichten können die Nutzenden nun auch per Videochat<br />

im Kontakt bleiben. Mit einem Fond unterstützt das<br />

sächsische Internet-Unternehmen zudem junge Künstler.<br />

„Wir geben Freischaffenden und Singles eine Plattform, mit<br />

der wir gemeinsam die Einsamkeit bekämpfen und Mut und<br />

Lust auf die Zukunft machen“, sagt Florian Braunschweig,<br />

Geschäftsführer und einer der Gründer von LOVOO.<br />

Eric Dietrich<br />

<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />

WIR SIND SOFTWARELAND<br />

„Die Welt von morgen wird von Software<br />

und Apps geprägt sein. Sachsen ist schon heute<br />

ein führendes Softwareland. Im Alltag sehen wir<br />

oft nicht, wie viele innovative Programme und<br />

Apps im Freistaat entwickelt wurden. Wir setzen<br />

uns dafür ein, dass Sachsen weiter bei der Softwareentwicklung<br />

spitze bleibt!“<br />

TEAMPLANUNG AUS CHEMNITZ<br />

Mit seiner Mitarbeiter-App gehört Staffbase zu den führenden<br />

Anbietern für die interne Kommunikation. Das Unternehmen<br />

wurde 2014 in Chemnitz gegründet. Heute nutzen<br />

Konzerne wie DHL, T-Systems oder Viessmann die Software<br />

aus Sachsen. Obwohl das Unternehmen mittlerweile weltweit<br />

Büros hat, bleibt der Standort Sachsen besonders. „Wir<br />

haben hier die Chance, Räume wiederzubeleben, an der Bewerbung<br />

für die Kulturhauptstadt 2025 mitzuwirken und<br />

jungen Absolventen Jobs anzubieten“, erklärt Dr. Martin<br />

Böhringer, einer der Geschäftsführer und einer der Pioniere<br />

bei Staffbase. In der Zukunft sieht er den Markt noch weiter<br />

wachsen: „Es gab bislang keine Software für interne Kommunikation.<br />

Jetzt gibt es dieses neue Feld und auch die Budgets<br />

werden größer“, ist der Unternehmer überzeugt.<br />

APP IN DIE NATUR!<br />

Zunächst ein wissenschaftliches Gedankenspiel, ist Bird-<br />

Net heute eine beliebte Anwendung für Naturinteressierte.<br />

Entwickelt wurde die Vogelstimmen-App von Stefan Kahl,<br />

wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Medieninformatik<br />

an der TU Chemnitz. Dass er in seiner Promotion eine<br />

App entwickeln wird, plante der Wissenschaftler zunächst<br />

nicht. „Zu der Zeit war es sehr schwer, entsprechend große<br />

Datenmengen von alltäglichen Geräuschen zu bekommen.<br />

Zufällig konnten wir Kontakte zum Cornell Lab of Ornithology<br />

knüpfen und damit war die Idee geboren, die Audio-Analyse<br />

zunächst auf Vogelstimmen zu begrenzen“, erklärt der<br />

Forscher sein Projekt. BirdNet wurde weltweit bereits mehr<br />

als 1 Millionen mal heruntergeladen.<br />

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„Wenn ich die Menschen gefragt hätte,<br />

was sie wollen, hätten sie gesagt<br />

schnellere Pferde.“<br />

Herny Ford,<br />

Erfinder (1863–1947)<br />

„<strong>Innovation</strong> ist keine Pflicht – Überleben<br />

aber auch nicht.“<br />

Graham Horton,<br />

Professor und <strong>Innovation</strong>sberater (geb. 1962)<br />

„<strong>Innovation</strong> ist kein Schicksal, sondern<br />

Machsal.“<br />

Prof. Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger,<br />

Chemiker, Erfinder, Manager (*1939)<br />

„<strong>Innovation</strong>en – Ansichtskarten aus<br />

der Zukunft.“<br />

Thom Renzie,<br />

Autor (*1959)<br />

„Wirklich innovativ ist man nur dann,<br />

wenn mal etwas danebengegangen ist.“<br />

Woody Allen,<br />

Filmregisseur (*1935)<br />

cdu-fraktion-sachsen.de<br />

Tacheles! Politik im Klartext<br />

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