Sehnsucht nach Heimat - Trachtenkultur im Füssener Land

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Trachtenkultur

im Füssener Land


SEHNSUCHT

NACH HEIMAT

Trachtenkultur im Füssener Land

Begleitheft zur Sonderausstellung

im Museum der Stadt Füssen

30. Juli 2021 bis 27. Februar 2022

Ausstellungsveranstalter:

Museum der Stadt Füssen und

Trachtenkultur-Beratung Bezirk Schwaben

Ausstellungsgestaltung: Studio Erika, Kempten

Ausstellungsbau: e-w-enture, München

Technik und Audio: VT-Media, Roßhaupten

Trachtenschmuck: Tracht & Sach, Neubeuern

Texte: Monika Hoede M.A., Trachtenkultur-

Beratung Bezirk Schwaben & Richard Hartmann

Redaktion: Dr. Anton Englert & Richard Hartmann

Titelbild: Studio Erika, Kempten

Fotos (Großformate):

Thomas Rimili, Aufnahmeort Magnus-Park Füssen

Herausgeber und Herstellung:

Allgäuer Zeitungsverlag GmbH

Heisinger Straße 14, 87437 Kempten

© 2021 bei Allgäuer Zeitungsverlag GmbH.

Nachdruck und Vervielfältigung nur

in Absprache mit dem Verlag.

Das Museum der Stadt Füssen und die Trachtenkultur-Beratung

des Bezirks Schwaben danken ihren Ausstellungspartnern:

GTuHV D’Neuschwanstoaner Stamm Füssen e.V.

TV D’Falkenstoaner e.V.

TV Burg Hopfen e.V.

Musikverein Harmonie Füssen

Musikkapelle Hopfen am See

Musikkapelle Weißensee

Allgäuer Heimatwerk

Beratung: Prof. Dr. Klaus Wolf, Universität Augsburg & Alexander

Karl Wandinger, Zentrum für Trachtengewand des Bezirks Oberbayern

Die Ausstellung wird dankenswerterweise unterstützt von:

Die objektschonende LED-Beleuchtung

der Sonderausstellungsräume und

die neuen Ausstellungsvitrinen werden

gefördert vom Deutschen Verband für

Archäologie und der Beauftragten der

Bundesregierung für Kultur und Medien

aufgrund eines Beschlusses des Deutschen

Bundestages.

REGIO Allgäu e.V.


INHALT

Ursprünge5

Vereine und ihre Trachten 11

Genau betrachtet 23

Im Wandel der Zeit 27

Trachtlerleben37

Macht mit! 45


Verliebt inTracht?

Wir auch!

Als Mitveranstalter der Ausstellung

Sehnsucht nach Heimat“ heißt Sie

die Trachtenkultur-Beratung des

Bezirks Schwaben herzlich willkommen.

2021

*

Sie sind Trachtenneuling?

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Schwaben. Egal, ob Sie sich

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Trachtenkultur Schwabens

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URSPRÜNGE


6 Ursprünge

SEHNSUCHT NACH HEIMAT

Heimat bedeutet für jeden etwas anderes. Unter

diesem Begriff wird die Verbundenheit mit einer

Region, einem Dialekt, mit Freunden und Familie verstanden.

Für die Trachtenvereine aus Füssen, Hopfen

und Weißensee steht dabei das Allgäu als Sinnbild

für ihre ganz eigene “Huamat”.

Die Geschichte Füssens erlebte im 19. Jahrhundert

einen starken Umschwung. Die Industrialisierung

hielt Einzug, gleichzeitig entwickelte sich die Stadt

zu einem Urlaubsort. Zugezogene Arbeiter suchten

nach ihrer eigenen, neuen Heimat. Diese Entwicklung

führte am 17. November 1900 zur Gründung des

ersten Trachtenvereins im Füssener Land. Gemeinschaftserlebnis,

Geselligkeit und Schuhplatteln in

freundschaftlicher Runde waren dabei Antrieb und

Motivation.

Die Ausstellung zeigt die Gebirgstracht der örtlichen

Trachtenvereine und wie sie ihre Sehnsucht nach

Heimat mit Leben erfüllen. Mit ihrer Liebe zu Tradition

und Bräuchen bereichern sie unter dem Leitspruch

„Sitt‘ und Tracht der Alten wollen wir erhalten“

bis heute die Kultur im Ortsgebiet. So tragen sie

seit über einem Jahrhundert zum gesellschaftlichen

Leben in Stadt und Land bei.

EINE STADT IM WANDEL

Seit 1861 prägte die „Mechanische Seilerwarenfabrik Füssen“

die soziale Entwicklung der Stadt. Die später auch

“Hanfwerke” genannte Fabrik zog Arbeitssuchende von weit

her an. Sie kamen aus Bayern, Österreich und Böhmen und

fanden in Füssen Arbeit und eine neue Heimat.

Mit der Fabrik als größtem Arbeitgeber entwickelten sich

neue Berufszweige und Möglichkeiten. Den Arbeitern bot

sich die Chance für sozialen Aufstieg. Fabrikunternehmer

sahen sich zu Beginn der Industrialisierung umfassend in der

Verantwortung für ihre Mitarbeiter. So entstand Ende des

19. Jahrhunderts ein neues Stadtviertel mit Werkswohnungen

für die schnell wachsende Zahl an Fabrikarbeitern mit

ihren Familien.

Die zu einem großen Teil zugezogene Arbeiterbevölkerung

hatte mit den alteingesessenen Bürgern wenig gemein und

entwickelte ihre eigene Freizeitkultur. Das Bedürfnis, sich

am neuen Wohnort heimisch zu fühlen, führte zur Gründung

des ersten Füssener Trachtenvereins.

▶ Mechanische Seilerwarenfabrik Füssen um 1905.

Aus der Belegschaft der Hanfwerke gründete

sich der erste Füssener Trachtenverein


Ursprünge

7

DIE ENTDECKUNG DER FREIZEIT

Das Aufblühen des Vereinslebens ist eng mit der Industrialisierung

verknüpft. Fest gefügte ständische

Strukturen für Adelige, Bürger, Arbeiter und Bauern,

bislang einflussreiche Faktoren für das wirtschaftliche

und gesellschaftliche Leben im Königreich Bayern,

verloren zunehmend an Bedeutung.

Im Unterschied zur landwirtschaftlich geprägten

Lebenswelt brachte die Fabrikarbeit mit streng

festgelegten Arbeitszeiten „freie“ Zeit mit sich.

Die Gründung von Vereinen bot den Menschen am

Feierabend die Gelegenheit zu geselligen Treffen

mit Gleichgesinnten.

In Füssen gab es um 1900 u.a. einen Theaterclub,

einen Rauchclub, einen Kasinoverein und den Böhmisch-Slawischen

Verein. Seit dem 17. November

1900 gehörte auch der Alpenclub Edelweiß & Almenrausch

dazu. Den festen Kern dieses Vereins bildeten

anfangs vorwiegend junge Fabrikarbeiter mit dem

Ziel, die Gebirgstracht zu pflegen und dabei Geselligkeit

zu pflegen. Dazu zählte auch das bisher ungewohnte

Tragen dieser Tracht in der Öffentlichkeit.

BAYERISCHER ADEL

IN GEBIRGSTRACHT

Seit den 1830er Jahren weilte die bayerische

Königsfamilie oft im Füssener Land und verbrachte

viel Zeit auf Schloss Hohenschwangau. Prinzregent

Luitpold nannte es scherzhaft das „Allerhöchste

Hoflager“. In der Umgebung befanden sich die

königlichen Jagdreviere, die er jedes Jahr bis ins

hohe Alter durchstreifte.

Die Wittelsbacher Regenten trugen kurze Lederhose

und Joppe auf der Jagd. So demonstrierte u.a.

Prinzregent Luitpold bei vielen Gelegenheiten seine

Volksnähe und Naturverbundenheit. Er ließ sich auch

entsprechend porträtieren. Bald ahmten Adel und

Bürgertum diese neue Gepflogenheit nach.

▼ Touristen, Sommerfrischler, Alpinisten

und Hochadel (hier Prinzregent Luitpold)

genießen das Füssener Land in Tracht


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VEREINE

UND IHRE

TRACHTEN


12 Vereine und ihre Trachten

TRACHTENVEREINE

UND GAUVERBÄNDE

1883 wurde in Bayrischzell der erste Trachtenverein

in Bayern gegründet. 1898 folgten Arbeiter der

Immenstädter Bindfadenfabrik mit der Gründung des

ersten Allgäuer Trachtenvereins. Am 17. November

1900 schlossen sich junge Fabrikarbeiter aus Oberbayern

und Füssen zusammen, um den Alpenclub

Edelweiß & Almenrausch als ersten Gebirgstrachtenerhaltungsverein

im weiteren Umkreis ins Leben zu

rufen.

In Folge entstanden in der Region weitere Trachtenvereine

in Trauchgau (1905), Buching (1907), Wies

(1908) sowie in Schwangau und Prem (beide 1909).

Die Vereine schlossen sich bald in größeren Interessenverbänden

zusammen. 1908 wurde der Lechgau-Verband

von sieben Trachtenvereinen ins Leben

gerufen, darunter als Gründungsmitglied der 1905 in

D’Neuschwanstoaner umbenannte Füssener Urverein.

Aufgrund der stark anwachsenden Zahl an Vereinen

entstand 1920 der Obere Lechgau-Verband mit Sitz

in Füssen, dem bis 1954 alle vier Vereine aus dem

Füssener Land beitraten. Der Obere Lechgau-Verband

feierte 2020 seinen 100. Geburtstag. Bis heute

findet die jährliche Verbandstagung in Füssen statt.

▶ Fähnrich und Begleiter

mit der Gaustandarte vor dem

Hochaltar der Wieskirche


Vereine und ihre Trachten 13

GEBIRGSTRACHTEN- UND

HEIMATVEREIN D´NEUSCHWANSTOANER

STAMM FÜSSEN E.V.

▲ Dieses Bild entstand 1907 anlässlich der Fahnenweihe

der Neuschwanstoaner am Steinbruch am Kalvarienberg

Der „Alpenclub Edelweiß & Almenrausch“ wurde am

17. November 1900 gegründet. Der Vereinszweck bezog

sich anfangs neben der Brauchtumspflege auch auf den

Alpinismus: „Sitten und Trachten unserer Alpen hier unter

jugendlichen Touristen zu erarbeiten: d. hßt. Schuhplatln,

Alpenlieder u. Jodler zu üben und ins Blühen zu bringen.

Der Bergtracht sich widmen: Kurze Hosen, Lodenjoppe und

grünen Hut zu tragen.“*

Seine Gründungsmitglieder stammten vorwiegend aus der

Arbeiterschaft der ortsansässigen Mechanischen Seilerwarenfabrik.

Ihr erstes Vereinsheim befand sich auf dem

Fabrikgelände im Gasthaus Mineralbad, der so genannten

„Gifthütte“.

Am 4. Februar 1905 wurde der Alpenclub nach dem bekannten

Königsschloss in „D’Neuschwanstoaner“ umbenannt:

„Der Grund obliegt darin, weil die gesammte Mitgliederzahl

diesen obigen Namen für unsere Vereinigung zweckmäßiger

halten und zugleich, daß wir auch andere umliegenden Gebirgstrachten

Vereine ähnlich werden.“* (*Auszug Protokollbuch

I Alpenclub Edelweiß & Almenrausch)

▲ Das Gruppenbild entstand 2017 anlässlich des 90. Gaufestes des

Oberen Lechgau-Verbands im Kaisersaal des Barockklosters St. Mang

Entsprechend den Bräuchen der Trachtenvereine weisen

sich die Neuschwanstoaner mit dem Zusatz „Stamm“ als

ältester Verein in der Region aus.


14 Vereine und ihre Trachten

1. FÜSSENER TRACHT- UND

HEIMAT-VEREIN ALMRAUSCH

FÜSSEN E.V.

Am 19. Februar 1910 wurde der „Trachten-Verein Almrausch“

im Gasthaus Neuschwanstein gegründet. Einige

seiner Mitglieder waren bereits in Immenstädter

Trachtenvereinen oder bei den Neuschwanstoanern

aktiv gewesen. Mit dem Namen „Almrausch“ bezogen

sie sich auf den Namen des Füssener Ursprungvereins

“Edelweiß und Almenrausch” von 1900.

Ihren Vereinszweck formulierten sie folgendermaßen:

„Pflege der Musik und des Volksgesangs, Auffrischung

der Volkstracht, Unterhaltung im geselligen

Kreis und Übung in den Nationaltänzen, unter Ausschluss

aller politischen und religiösen Tendenzen.“

(Auszug Gründungsprotokoll TV Almrausch 1910)

Seit 1925 tragen die Mitglieder die „Lechtaler

Tracht“. Dazu gehört eine blaugrüne Joppe mit

grünem Stehkragen und Hirschhornknöpfen.

▲ Der Trachtenverein

um 1931 vor beliebter

Bergkulisse mit Blick auf

Füssen und die Stadtmauer

▶ Die Jugend in

grüner Gebirgstracht


Vereine und ihre Trachten 15

TRACHTEN- UND HEIMATVEREIN

D´FALKENSTOANER E.V.

In der Gemeinde Weißensee ließ sich 1921 eine weitere

Gruppe von der Trachtenbewegung anstecken

und gründete den Verein D’Falkenstoaner. Im Unterschied

zur Stadt Füssen und ihrer wachsenden Fabrikarbeiterschaft

bildeten dort Gastwirte, Mitglieder

des Verschönerungsvereins und als Novum auch

Landwirte den Kern der Gründungsmitglieder.

Die Falkenstoaner formulierten schon in ihrer Gründungsurkunde

vom 31. August 1921 ihren regionalen

Anspruch bei der Vereinskleidung, nämlich die „Erhaltung

der Gebirgstracht des Allgäuer Gebietes“

und übernahmen damit die Vorgaben des Oberen

Lechgau-Verbands zu einem zunehmend einheitlichen

Erscheinungsbild der Tracht.

Seit der Eingemeindung der Gemeinde Weißensee

nach Füssen im Jahr 1978 kommt den Falkenstoanern

eine besondere Bedeutung in der Erhaltung der

dörflichen Identität zu.

▲ Vermutlich das erste

Vereinsfoto in den 1930er Jahren

◀ Gruppenbild in Allgäuer

Gebirgstracht von 2002


16 Vereine und ihre Trachten

TRACHTEN- UND HEIMATVEREIN

BURG HOPFEN E.V.

Am 6. April 1935 schlossen sich 15 junge Männer

und Frauen aus Bauern- und Handwerkerfamilien

zum Gebirgstrachten-Erhaltungs-Verein Burg Hopfen

zusammen. Die meisten waren freundschaftlich oder

verwandtschaftlich miteinander verbunden und

bereits geübt im Schuhplatteln und Musizieren.

Zu einer Zeit extremer staatlicher Kontrolle und

Gleichschaltung waren die Gründung und das Fortbestehen

von Trachtenvereinen nur deshalb möglich,

weil ihre heimatverbundene Tätigkeit der damaligen

NS-Ideologie entsprach.

▲ 1935 entstand das erste Vereinsfoto.

Der geblümte Rock der Frauen wurde bereits zwei Jahre später ersetzt

Die erste, selbst gestaltete Tracht aus geblümtem

Rock und bestickter Schürze aus der Gründungszeit

wurde bereits ein Jahr später abgelegt, als der

Trachtenverein Burg Hopfen die Trachtenvorschriften

des Oberen Lechgau-Verbands übernahm.

Zusammen mit weiteren Vereinen richtet Burg Hopfen

seit Jahrzehnten die Dorffeste am Hopfensee

aus und trägt damit zur Erhaltung der Identität der

1978 nach Füssen eingemeindeten Ortschaft bei.

▲ Gruppenbild in Allgäuer Gebirgstracht von 2013


Vereine und ihre Trachten 17

HISTORISCHES FIASSAR BÜRGERGWAND

Die ursprünglich aus Oberbayern stammende Gebirgstracht wurde unter dem

seit 1935 tätigen schwäbischen Bezirksheimatpfleger Dr. Alfred Weitnauer in den

1950er Jahren in Frage gestellt: Welche Kleidung ist traditionell, welche passt zur

Region? Seitdem diskutieren Trachtenvereine, ob sie an der seit über 100 Jahren

angestammten Gebirgstracht festhalten oder auf die Suche nach einheimischen

Vorbildern gehen sollen, insofern sich diese noch rekonstruieren lassen.

2017 setzten die Trachtler vom Neuschwanstoaner Stamm einen lang gehegten

Wunsch um und schufen sich eine zweite Ausstattung in der Mode des Biedermeier:

das „Historische Fiassar Bürgergwand“ mit goldenen Radhauben,

Knickzylindern und Gehröcken. Es kommt vor allem an Fronleichnam, beim jährlichen

Magnus-Fest in der Stadtpfarrkirche St. Mang und bei repräsentativen

Aufgaben zu Ehren. Vieles an dieser individuell gestalteten Tracht wird von den

Mitgliedern selbst gefertigt. Fortbildungskurse werden in Zusammenarbeit mit

der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben angeboten.

▼ Mitglieder im Historischen Fiassar Bürgergwand.

Bilderserie zur Kalenderausgabe 2018 im Barockkloster

St. Mang, Sakristei St. Mang und St. Anna Kapelle


18 Vereine und ihre Trachten

MUSIKANTEN UND IHR „HÄS“

Auch die Musikkapellen und Schützenvereine im

Füssener Ortsgebiet tragen ihr eigenes „Häs“, ihr

eigenes Gewand. Der Entwicklungsprozess dieser

Trachten gibt dabei einen beeindruckenden Einblick

in mehr als 200 Jahre schwäbische Modegeschichte.

Der Musikverein Harmonie Füssen kann seine Wurzeln

bis 1814 zurückverfolgen. Damals rekrutierte

sich aus den Reihen der Bürgerwehr eine Musikkapelle,

die bei allen Anlässen in Uniform aufspielte.

Am 14. Februar 1864 gab sie sich als Musikgesellschaft

Harmonie ihre ersten Statuten. Heute trägt

der 1925 als Nachfolger gegründete Musikverein

Harmonie Füssen eine schwäbische Tracht in den

schwarz-goldenen Wappenfarben Füssens.

Die Musikkapelle Weißensee hatte bereits 1875

eine Vorgängerkapelle. Sie spielte bei sämtlichen

Festen auf, unter anderem beim Geburtstagsfest

des Prinzregenten Luitpold von Bayern. In den

1950er Jahren propagierte Bezirksheimatpfleger

Alfred Weitnauer mit Hilfe großzügiger Fördergelder

des Bezirks Schwaben die Einführung einer

erneuerten Tracht mit schwäbisch-roten Farben.

Die Musikkapelle Weißensee trägt deshalb rote

Westen oder Mieder.

Bei der Musikkapelle Hopfen wurde 1924 eine Uniform

mit Schildmütze getragen. 1979 übernahm die

Musikkapelle die erneuerte schwäbische Tracht mit

braunen Joppen, roten Westen und Kniebundhosen.

▼ Musikverein Harmonie, Musikkapelle Weißensee, Musikkapelle Hopfen am See


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GENAU

BETRACHTET


24 Genau betrachtet

EINTAUCHEN IN

DEN TRACHTLERKOSMOS

Die ritualisierten Handlungen der Trachtler werden von allen Beteiligten

verstanden, sie sind eingeübt, werden regelmäßig praktiziert

und stärken die Zusammengehörigkeit:

Aufnahme

Fahne

Patenschaft

Freud & Leid

Ballotage-Kasten, Bürgen

Fahnenkuss, Fahne senken,

Fahnenkreuzzeichen

Patenbitte („Scheitlknien“),

Anstandsbesuche

Taufe („Weisad“), Hochzeit und

Jubiläen (Ehrenspalier, Ehrentanz),

Tod (Vereinstrauer, Trauertracht)

Verabschiedung „Treu dem alten Brauch“

Vereinsspruch

„Sitt‘ und Tracht der Alten

wollen wir erhalten“

D‘Falkenstoaner

DIE WELT DER RITUALE

Auch bei den Trachtenvereinen prägen wiederkehrende

Rituale mit ihrer eigenen Ordnung

von Gesten, Handlungen und Sprachformeln

die Gemeinschaft.

Rituale allgemein sind regelmäßig wiederkehrende,

in Form und Ablauf allen bekannten

Handlungen. Sie vermitteln Zusammengehörigkeitsgefühl

bei den Teilnehmenden. Sie fördern

Gemeinschaft und haben wegen ihrer Vertrautheit

teilweise entlastende Funktion beim

Interagieren der Individuen einer Gesellschaft.

Die Wiederkehr der immer gleichen und miteinander

erlebten Rituale schaffen dabei mit

ihrer Symbolkraft Vertrauen, das Gefühl von

Verlässlichkeit, Zuversicht, Zusammengehörigkeit

und Trost.

Vorsprecher:

„Gmiatla“

„Gmiatla“

„Sammer im Berg“

„Hera duabba eis“

„Wen?“

„D’Neuschwanstoaner“

Neuschwanstoaner Stamm

Alle:

„Samma“

„Bleima“

„Und im Tal“

„Überall“

„Uns!“

Hut heben, juchzen

▶ Dieses vermutlich erste Gruppenbild von 1907 der

Neuschwanstoaner und weiterer Personen wurde vor

dem Lammkeller, der sogenannten Alten Blockhütte,

aufgenommen, die ab 1904 als Vereinslokal diente. Die

Kraxe mit Vereinstafel ist auf mehreren Vereinsfotos

verewigt


Genau betrachtet 25

GEBIRGSTRACHT MIESBACHER TRACHT

Die Miesbacher Tracht ist die bekannteste Variante

der Gebirgstracht. Das wundert nicht, denn bereits

Mitte des 19. Jahrhunderts erlangte die Miesbacher

Gesellschaft „Die Gemüthlichkeit“ durch den Zuspruch

des Königshauses hohen Bekanntheitsgrad.

Ihre Tanzdarbietungen wurden viel beachtet.

Zur gleichen Zeit erlebte die Kleidungsproduktion

mit der Verbreitung der Nähmaschine eine Revolution.

Konfektionäre, die mehrere Größen eines Modells

produzierten, trugen dazu bei, dass Gebirgstracht

durch den Postboten von München und Miesbach bis

nach Füssen gelangen konnte.

Das bekannteste Merkmal der Miesbacher Männertracht

ist die aufwendig bestickte graue Joppe. Sie

wird mit der handgeführten Stickmaschine mit Kettstichen

bestickt. Genau wie die üppigen Stickereien

auf den Lederhosen sind die Besätze und Stickarbeiten

an den Jacken das Ergebnis kreativer Handwerker,

die es verstanden, ihre Weiterentwicklungen an

den Geschmack der Trachtler anzupassen.

Durch die kostengünstigere Produktion und Vermarktung

als Konfektionsware entwickelte sich ein

Trachtenbild, das für Veränderungen nicht mehr so

offen war wie zuvor.


26

Genau betrachtet

EINHEITLICHE TRACHT

Anfang des 20. Jahrhunderts erfuhr die Trachtenbewegung

großen Zuspruch und vielerorts gründeten sich

neue Vereine. Wichtiger Bestandteil aller Gründungsstatuten

war die Festlegung der einheitlichen Vereinstracht.

Sie war sichtbares Zeichen der Zusammengehörigkeit.

Die Politik förderte die Verbände bei der Einführung

von „authentischer“ Tracht mit „typischen“ Merkmalen

für einen Ort oder eine Region. Stück um Stück einigten

sich die Mitglieder auf gleiche Kleidungselemente.

Dies führte im Laufe der Zeit dazu, dass die uneinheitliche

Gebirgstracht zu „einer“ einheitlichen Vereinstracht

umgewandelt wurde.

Konsequent übernahmen 1908 der Lechgau-Verband

und 1912 der Allgäuer Gau-Verband bei ihren Gründungen

entsprechende Kleiderordnungen und trugen

dazu bei, Vereinstrachten noch stärker zu definieren.

Der Allgäuer Gau-Verband führte – um der oberbayerischen

Gebirgstracht Miesbacher Art eine Alternative

entgegenzusetzen – bewusst eine anders gestaltete

Allgäuer Tracht ein.

1925 beschloss auch der Obere Lechgau-Verband, den

unterschiedlichen Gebirgstrachten in seinem Gebiet

mit einer markanten Mode-Änderung eine gemeinsame

regionale Prägung zu geben: Die graue bestickte Männerjoppe

wurde durch die blau- oder forstgrüne Joppe

ersetzt und war plötzlich „typisch“ für das Allgäu.

TRACHT IM WANDEL

Anfänglich orientierten sich die beiden ersten Trachtenvereine Füssens

noch an Oberbayern: In beiden Vereinen gab es die so genannte

Miesbacher Tracht. Die Männer trugen graue Joppen zur kurzen

Lederhose sowie knöchelhohe Stiefel. Die Frauen schwarze Mieder,

knöchellange Röcke, weiße Schürzen. Männer wie Frauen trugen den

„Scheibling“ genannten grünen Filzhut mit unterschiedlich großer

Krempe.

Doch bald ergab sich ein erstes Allgäuer Spezifikum bei den beiden

Füssener Vereinen: im Gegensatz zu Seidentüchern in Oberbayern

wurden die Tücher in Füssen anfänglich mit gemalten Alpenblumen

verziert.

Am 18. Januar 1925 legte der Obere

Lechgau-Verband dann einheitliche

Richtlinien für die Männertracht fest.

Diese wurden beim Neuschwanstoaner

Stamm eine Woche später

veröffentlicht – deren Protokollbuch

vermerkt hierzu:

„II. Punkt: Oberer Lechgautracht: Die

Obere Lechgautracht besteht aus:

Haferlschuhe, lange grüne Strümpfe,

grün gestickter Lederhose, grüne

Weste mit Silberknöpfe, Leinenhemd

mit Umlegkragen, Forstgrüne Joppe,

Dunkelgrünen Hut.“

▶ Darstellung einer Miesbacher

Gebirgstracht um 1900


27

IM WANDEL

DER ZEIT


28 Im Wandel der Zeit

„WAS MER WELLAT“ – VEREINSZIELE

In den Gründungsstatuten der Vereine stehen Gebirgstracht

und Brauchtumspflege im Vordergrund. Für den Urverein Edelweiß

& Almenrausch gehörten Schuhplatteln, Alpenlieder und

Jodler dazu. Der Almrausch verstand darunter anfangs auch

„Nationaltänze und Musik“. Und die Falkenstoaner wollten zusätzlich

das „Sittenspiel“ (Theater) pflegen.

Das Gründungsprotokoll des Füssener Urvereins formuliert

darüber hinaus bereits 1900 ein richtungsweisendes Ziel

zu seiner zukünftigen Jugendarbeit: „Unterzeichnete haben

sich entschloßen eine Vereinigung jugendlicher Touristen u.

Freunde unserer Burgen unter obigen Namen zu gründen und

am 17. November 1900 / deßen Gründung vorgenommen.“

Zwecke des Vereins sind: Sitten u. Trachten unserer Alpen

unter jugendlichen Touristen zu erarbeiten.“ Ein Novum unter

Trachtenvereinen in dieser Zeit.

Bis zum heutigen Tag pflegen die Trachtenvereine ihre gelebten

Bräuche, die traditionell dem Kirchenjahr folgen. Dazu gehören

die Teilnahme an Prozessionen, Wallfahrten sowie natürlich

auch Tanz und Gesang bei weltlichen Festen.

Mit neuen Zielen stellen sich die Trachtenvereine heute den

stetig ändernden gesellschaftlichen Grundlagen, um den Fortbestand

ihrer Vereinsarbeit zu sichern.

▶ Gründungsurkunde von 1900. Anfangs tauchen die Bezeichnungen

„Alpenrausch“ und „Almenrausch“ abwechselnd auf. Almenrausch ist

der bairische Name für die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron

hirsutum)


Im Wandel der Zeit 29

HERAUSFORDERUNGEN

In der wechselvollen Geschichte des 20. Jahrhunderts

schafften es die Trachtenvereine immer

wieder, ihre Traditionen an neue Herausforderungen

anzupassen.

Die Globalisierung des 21. Jahrhunderts führt zu

einer Rückbesinnung auf Heimat und eigene Wurzeln

und erzeugt damit neuen Antrieb für das persönliche

Engagement in der Trachtenbewegung.

▼ Anfangs anstößig – heute gerne gesehen –

Fronleichnams-Prozession in kurzen Hosen. Trachtler

vom Neuschwanstoaner Stamm am Füssener Schrannenplatz

SYMBIOSE VON KIRCHE

UND TRACHTENVEREINEN

Als um 1900 noch „Sittlichkeitsvereine“ die öffentliche

Meinung prägten, gab es vereinzelte Kritik an

den “Kniehöslern”. Dies lag wohl auch daran, dass

gemäß der damals vorherrschenden Kleiderordnung

nackte Knie als unschicklich galten. Im Vatikan hielt

diese Auffassung noch bis zur Amtszeit des bayerischen

Papstes Benedikt XVI. an.

Bald bereicherten die Trachtler jedoch Prozessionen

und kirchliche Feste. Heute sind sie bei Fronleichnams-Prozessionen

und Wallfahrten nicht mehr

wegzudenken. Umgekehrt sind auch Gaufeste ohne

Festgottesdienst nicht vorstellbar.


30 Im Wandel der Zeit

MÄNNERMANGEL, FRAUENEMANZIPATION

Der I. Weltkrieg bedeutete für die noch jungen Trachtenvereine

eine schwerwiegende Prüfung. Es galt, die Vereinstätigkeit

aufrecht zu erhalten.

Gemäß damaliger Rechtslage waren Frauen bis zum Ende

der Monarchie nicht wahlberechtigt. Sie wurden in den

Vereinen zwar als Mitglieder geführt, zahlten jedoch keinen

Mitgliedsbeitrag. Die Satzungen sahen für Frauen keine

Posten in Vorstandschaft und Ausschuss vor. Dies änderte

sich erst, als viele männliche Trachtler eingezogen wurden

und nicht mehr zurückkehrten.

Bald waren die weiblichen Mitglieder beim Neuschwanstoaner

Stamm bei Vereinssitzungen in der Mehrzahl und

zahlten Beiträge, um ihren Trachtlern die Trachtenzeitung

an die Front zu schicken. Erstmals wird das Protokollbuch

zwischen 1916 und 1918 von einer stellvertretenden Schriftführerin

geführt. Und von Mai bis Dezember 1918 sorgte

sogar eine Vereinsdienerin für die Kommunikation unter den

Mitgliedern. Beim Almrausch verwaltete Michael Singer, als

einzig in Füssen verbliebenes männliches Mitglied, über vier

Jahre lang den Verein. Ab den 1920er Jahren fanden sich

schließlich im Vereinsausschuss beider Vereine auch Frauen.

Heute ist es geradezu selbstverständlich, dass in allen

Vereinen Frauen wichtige Positionen einnehmen und auch

als Vorständinnen ihre Vereine leiten.

WENN TAUSENDER

ZU MILLIARDEN WERDEN

1923 bestimmte die Inflation das Vereins- und Verbandsleben.

Mitgliederbeiträge und Gagen stiegen

ins Unermessliche. Die Vereine waren finanziell

kaum noch handlungsfähig. Bei ihrer Gründung 1921

verlangten D’Falkenstoaner als Aufnahmegebühr

noch 5 Mark. Zwei Jahre später setzte der Verein

dafür 200.000 Mark an. Weitere drei Wochen

später legte der Neuschwanstoaner Stamm seine

Aufnahmegebühr auf 4 Millionen Mark fest. Beim

Almrausch betrug sie kurz darauf schon 60 Milliarden

Mark.

Die Vereine behalfen sich in der Geldnot mit Naturalienzahlungen.

D’Falkenstoaner sammelten unter

den Vereinsmitgliedern 10 Zentner Kartoffeln, um

die Gage für zwei Musiker zu bezahlen. Die Aufnahmegebühr

setzen die Vereine auf 1 Maß Bier fest,

den Mitgliedsbeitrag auf eine Halbe. Davon flossen

20 Liter als monatliche Zahlung an den Oberen

Lechgau-Verband.


Im Wandel der Zeit 31

„GLEICHSCHALTUNG“

Die nationalsozialistische Regierung griff

bereits 1933 in die Selbstverwaltung der

Trachtenvereine ein. Vereinsvorsitzende

hießen nun „Vereinsführer“. Vereine und

Verbände wurden “gleichgeschaltet”, das

bedeutete unter anderem, dass Vereine

einem Verband angeschlossen sein mussten.

So wurden bereits 1933 D’Falkenstoaner,

bis dahin ein „wilder Verein“ ohne

Anschluss, dem Oberen Lechgau-Verband

angegliedert. Doch auch der Obere

Lechgau-Verband unterlag der Gleichschaltung,

er ging 1936 im Schwäbischen

Trachtenbund auf und wurde als regionale

Einheit in „Heimatgebiet Oberer Lech“ umbenannt.

Zu guter Letzt wurde 1938 der

Almrausch, bis dahin Mitglied im Lechgau-

Verband, diesem „Heimatgebiet“ angeschlossen.

Wie in ganz Bayern sollte so auch in

Füssen nur noch eine einzige „Trachtengemeinschaft“

existieren. Mit Duldung

des Füssener NSDAP-Ortsgruppenleiters

wurden letztendlich die Trachtenvereine

Almrausch und Neuschwanstoaner Stamm

nicht zusammengelegt.

▲ Seit der „Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat“ vom Februar 1933 war die

Versammlungsfreiheit stark eingeschränkt. Unpolitische Vereine durften noch öffentliche

Umzüge veranstalten, wurden jedoch verpflichtet, die neue Reichsflagge zu zeigen.

Foto eines Festwagens der Falkenstoaner um 1937, auf dem Fahnen mit dem Hakenkreuz,

den bayerischen Farben und den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot prangen


32 Im Wandel der Zeit

DIKTATUR UND KRIEG

Das Vereinsleben wurde im Krieg stark von nationalsozialistischen

Vorgaben bestimmt: Bei Trachtenfesten wurden

Gottesdienste verboten, der Festplatz musste mit Hakenkreuzfahnen

„geschmückt“ sein, an der Vereinsfahne war

ein Fahnenband mit Hakenkreuz verpflichtend, Weihnachtsfeiern

waren untersagt.

Im Sinne der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“

wurden die gleichgeschalteten Trachtenvereine der „Kraft

durch Freude“-Organisation angegliedert. Deren mit Sonderzügen

anreisende Urlaubsgäste sollten mit „Begrüßungs-,

Heimat- und Gebirglerabenden“ unterhalten werden.

Selbst Namen und Gruß änderten sich: aus dem Vorstand

wurde ein “Vereinsführer”, aus dem Trachtenverein eine

“Trachtengemeinschaft” und anstelle des Vereinsspruchs

„Treu dem alten Brauch“ schlossen Versammlungen mit

einem „dreifachen Sieg Heil auf den Führer“.

Während des II. Weltkrieges war ein Großteil der männlichen

Vereinsmitglieder als Soldaten eingezogen. Bei vereinzelten

„volkstümlichen Abenden“ standen daher nur „ältere

Plattler“ aus Füssen und Schwangau gemeinsam auf der

Bühne vor einem Publikum aus Einheimischen, verwundeten

Soldaten und Kriegsevakuierten.

Nach 1940 schlief das Vereinsleben kriegsbedingt fast vollständig

ein.

LIZENZ ZUM NEUSTART

Nach dem Kriegsende 1945 durften Vereine

nicht zusammenkommen und vor allem nicht

auftreten. Erst zwei Jahre später kam es zu

Erleichterungen.

Die Entnazifizierung durch die US-amerikanische

Militärverwaltung betraf auch die

Trachtenvereine. Jeder Verein musste sich

lizenzieren lassen. Zwischen 1947 und 1948

wurde jedes Mitglied quartalsweise in Listen

namentlich erfasst und durch das Landratsamt

Füssen geprüft. Die politische Unbelastetheit

musste von fünf Bürgen aus dem

Verein bezeugt werden.

Betrachtete die Militärregierung die Trachtenvereine

zuerst skeptisch, änderte sich

dieses Bild allmählich. So traten schließlich

die Füssener Trachtler zur Unterhaltung der

amerikanischen Soldaten auf und mitwirkende

Kinder kamen zum ersten Mal wieder in

den Genuss von „Schogglaad“.

Dieses kulturelle Zusammentreffen hinterließ

bleibende Eindrücke, die bis heute das

Deutschlandbild in den USA prägen.


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TRACHTLER-

LEBEN


38 Trachtlerleben

PFLICHT UND KÜR – GUT ORGANISIERT

Die Vereinsarbeit bringt bürokratische Pflichten mit

sich. Seit 1900 sind diese im Bürgerlichen Gesetzbuch

festgehalten und später durch das Vereinsund

Versammlungsrecht ergänzt worden. Dazu

gehören Satzungen, Mitgliederversammlungen und

Wahlen zur Vorstandschaft und zum Ausschuss.

Die meist in geheimer Wahl gekürten Vorstands- und

Ausschussmitglieder nehmen u.a. folgende Positionen

als Ehrenämter ein:

1. und 2. Vorstand, 1. und 2. Schriftführer,

1. und 2. Kassier, 1. und 2. Vorplattler,

1. und 2. Jugendleiter, Organisator, Ältestenvertreter,

Inventarverwalter, Trachtenwart, Fähnrich

Sie organisieren viele

Veranstaltungen im Vereinsjahr:

Mitgliederbetreuung, Freud & Leid (Taufen, Hochzeiten,

Jubiläen, Beerdigungen), Jugendarbeit, Proben

von Jugend und Aktiven, Näh- und Handarbeiten, Anschaffung

und Pflege der Tracht, Instandhaltung des

Inventars, Teilnahmen an weltlichen und kirchlichen

Veranstaltungen, Heimatabende und weitere Auftritte,

Öffentlichkeitsarbeit, Kontakt mit Behörden und

Förderern, solide Finanzplanung

▶ Der Ballotagekasten wurde 1924 von Bernhard Klopfer

bemalt und von ihm und den Mitgliedern Filser und

Schwenk gestiftet. Mit Hilfe dieses Ballotagekastens

wird heute noch geheim über die Aufnahme von neuen

Mitgliedern abgestimmt. Jedes Mitglied wirft mit beiden

Händen je eine schwarze und eine weiße Kugel in die

beiden Trichter. Landet eine weiße Kugel im schwarzen

Fach oder umgekehrt, bedeutet dies ein „Nein“


Trachtlerleben 39

D’JUGEND

Seit den frühen 1930er Jahren treten auch die Kinder

der Mitglieder in Tracht auf. Der Neuschwanstoaner

Stamm bildete 1933 und Burg Hopfen 1938 eine eigene

Jugendgruppe für die Auftritte bei den Heimatabenden.

Seitdem gehören Tanz und Gesang der „Buaba

und Fehla“ zum festen Unterhaltungsprogramm bei

Veranstaltungen.

Die Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen in

das Vereinsleben trägt nicht nur zur Popularität der

Veranstaltungen bei. Die Kinder wachsen im Verein

auf und erfahren Freundschaften für ihr ganzes Leben.

Der Verein gewinnt damit eine weitere Generation

und sichert seine Zukunft.

Die Jugendarbeit wird von ehrenamtlichen Jugendleitern

gestaltet, die regelmäßig unter gesetzlichen Vorgaben

fortgebildet werden. Sie schulen die Kinder in

Tanz-, Musik- und Gesangsproben und vermitteln ihnen

das Wissen über Tracht und Brauchtum.

Bei Proben, Auftritten und der Teilnahme an Festzügen

und Prozessionen wachsen die Kinder in spielerischer

Weise in das Vereinsleben hinein.

▼ Trachtlerkinder aus Füssen, Hopfen,

Weißensee und Schwangau zeigen ihr Können bei der

Abschlussveranstaltung des Projektes MundART WERTvoll

2016 im Bayerischen Landtag


40 Trachtlerleben

LEHRSTUNDEN

Vor dem großen Auftritt müssen Schuhplattler- und

Figurentänze erst einmal erlernt werden. Wer keine

Plattlerkollegen aus anderen Ortschaften kannte, die

einem die Tänze beibringen konnten, griff früher auf

Fotografien mit Beschreibung zurück.

Bereits 1907 brachte August Neubauer vom Trachtenverein

Alpinia Salzburg, bebilderte Übungsanleitungen

auf den Markt. Fast zwei Jahrzehnte später tat es

ihm Sepp Pfleger vom Trachtenverein Almrausch aus

Peißenberg nach. Er schuf neue Tänze wie 1927 den

Kronentanz oder übernahm Choreografien anderer

Trachtler. Diese publizierte er über das Fotohaus Hofer

aus Weilheim.

Die Anleitungen waren begehrt in Trachtlerkreisen.

Auch der Neuschwanstoaner Stamm nutzte die beliebten

Bildkarten zum Einüben neuer Tänze und vermittelte

diese an weitere Gauvereine. Darunter befinden

sich Beschreibungen des Zweisteyrers, Dreisteyrers,

Sechsertanzes, Sterntanzes und des Holzknechttanzes.

Heutzutage sind Tanzanleitungen als Videos im Internet

zu finden. Es gibt sogar eine Plattler-App fürs

Smartphone, die das Schuhplatteln-Lernen unterstützen

soll.

PLATTLER UND FIGURENTÄNZE

Schuhplatteln, Dirndldrehen und Figurentänze bilden

neben der Pflege der Gebirgstracht das Herzstück

der Vereinsarbeit. Selbst Kinder- und Jugendgruppen

erlernen bereits Schuhplattler und Figurentänze wie

Mühlradl, Sternen- oder Kronentanz sowie den Füssener

Sechser-Tanz.

Im gesamten Alpenraum gab es auch vor 1900 eine

Art von Werbetänzen. Mit Gründung der Trachtenvereine

importierten die teilweise aus Oberbayern

stammenden Gründungsmitglieder auch ihre Tänze ins

Allgäu. Beim Repertoire orientierte man sich deshalb

an oberbayerischen Schuhplattlern, die zu Beginn des

20. Jahrhunderts beliebt waren, wie der Haushamer,

Wendelstoaner oder Werdenfelser.

Die zentrale Bedeutung dieser Tänze für die Vereine

wird deutlich am Posten des Vorplattlers. Er nimmt als

Vortänzer einen festen Platz in der Vorstandschaft ein.

Geprobt wird wöchentlich, die Weitergabe der Tradition

erfolgt ausschließlich mündlich. Die Tänze werden

von ihm ausgewählt und bis zur Bühnenreife gelehrt.


Trachtlerleben 41

HEIMATABENDE

Heimatabende sind bei den Füssener Vereinen fester

Teil des Vereinslebens und stellen gleichzeitig eine der

wichtigsten Einnahmequellen für den Verein dar.

Die Proben für die Heimatabende schmieden die

Tänzer und Tänzerinnen zusammen – hier entstehen

Freundschaften fürs Leben. Heute bieten Heimatabende

den Vereinen oft die einzige Möglichkeit, ihre Tänze

und Brauchtumspflege zu präsentieren.

Die anfangs „Gebirgler-Abende“ genannten Heimatabende

wurden frühzeitig in die kommunalen Fremdenverkehrsprogramme

aufgenommen. Vor dem II.

Weltkrieg erlangten die Heimatabende außerdem

große Beliebtheit bei den in Sonderzügen angereisten

Urlaubern des NS-Freizeitwerks „Kraft durch Freude“.

In der Nachkriegszeit boten die Heimatabende der

Trachtenvereine außer den Urlaubsgästen auch den in

Füssen stationierten US- und Bundeswehr-Soldaten

Geselligkeit und Unterhaltung.

Zahlenmäßig erreichten die Heimatabende in den

1970er und 1980er Jahren im Kurhaus Füssen, im Haus

Hopfensee und bei den Weißenseer Seefesten ihre

höchste Zahl mit bis zu 70 Auftritten in der Saison.

Derzeit finden unter der Marke Füssen Tourismus und

Marketing regelmäßig von den Vereinen gestaltete

Heimatabende statt.

◀ Trachtenpaar beim Zweisteyrer


42 Trachtlerleben

PREISPLATTLN

Das Schuhplatteln ist in seiner archaischen Urform ein

intimer Werbetanz zwischen Mann und Frau. Die Frau

dreht sich dabei wie ein Kreisel um den Mann. Dieser

versucht mit kunstvollen Schlägen und Figuren und

seiner Fertigkeit die Aufmerksamkeit der Partnerin zu

erzielen. Dieser Tanz wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts

durch die Vereine in Form gebracht und neu

choreographiert für bis zu sechs Paare.

Diese im Alpenraum besonders ausgeprägte Tanzform

erfordert Koordinationsvermögen, Kondition und

Gruppendynamik. Ein über alle Maßen anspruchsvoller

und kräfteraubender Tanzsport: Nicht nur das präzise

Plattln der Männer auf Lederhose und Schuhsohlen,

auch das Drehen der Frauen bedarf jahrelanger gemeinsamer

Übung.

Wie bei jedem Sport bilden Wettkämpfe einen Anreiz,

das Können zu perfektionieren. Durch die Wettbewerbe

im Einzel-, Gruppen- und Jugend-Preisplattln

erreichen Verband und Vereine, dass die in Füssen seit

1900 eingeführte Tradition des Schuhplattelns auch

weiterhin gepflegt wird.

Die dazu vom Oberen Lechgau-Verband aufgestellten

Richtlinien und Wertungstabellen für Männer, Frauen

und Gruppen sorgen dafür, dass das Preisplattln einheitlich

bewertet wird.

Die Bewertung ist streng: Die exakt abgestimmte Ausführung

der Schrittfolgen wird von den Preisrichtern

exakt bewertet. Die Gewinner bilden die “Gaugruppe”,

eine Formation der besten Tänzerinnen und Tänzer aus

allen 23 Vereinen.

Das jährliche Preisplattln wird jeweils vom Gau-Festverein

des Vorjahrs unter großem finanziellen und

personellen Aufwand ausgerichtet.

▶ Trachtenpaar beim Einfangen


Trachtlerleben 43

FEIERLICHE FAHNENWEIHE

Wichtigstes und herausragendes Symbol der Zusammengehörigkeit

ist die Vereinsfahne. Sie begleitet die

Mitglieder von der Hochzeit bis zum Grab. Wenn der

Verein „ausrückt“, versammeln sich die Mitglieder um

ihre weithin sichtbare Fahne, um ihr dann im Festzug

zu folgen.

Die Fahnenmutter bzw. Fahnenjungfrau sowie Fahnenbräute

begleiten die Fahne zur Kirche. Dort wird sie

feierlich an den Fähnrich und seine Fahnenabordnung

überreicht. Die Fahnenweihe erfolgt durch den Pfarrer

und stellt somit das Wirken des Vereins unter den

Schutz Gottes.

Als Pate steht bei der Fahnenweihe ein befreundeter

Verein mit seiner Fahne zur Seite. Die eingeladenen

Vereine überreichen dabei Geschenke und Fahnenbänder.

Ein Handbuch hilft dem Fähnrich, scherzhaft „schönster

Mann im Verein“ genannt, dass die ritualisierten

Handlungen exakt ausgeführt werden und der Verein

würdig repräsentiert wird.

▶ Fahnen der Trachtenvereine

im Füssener Ortsgebiet


44 Trachtlerleben

GAUFEST

Der jährliche Höhepunkt des Vereinslebens ist das

Gaufest, das über mehrere Tage gefeiert wird. Das

Fest beginnt am Freitagabend mit einem Volkstanz

mit mehreren „Tanzlmusiken“ oder einem Sternmarsch

der Ortsvereine zum Festzelt. Das liebevoll

dekorierte Festzelt bietet warme Mahlzeiten und

Getränke für bis zu 4.000 Personen.

Am Samstag eröffnet der Festverein den Gauheimatabend

mit dem Auftanz. Es folgen Festreden der

Schirmherren und Ehrentänze der 23 Gauvereine.

Traditionell endet der Abend mit dem vom Festverein

aufwändig einstudierten Kronentanz.

Böllerschüsse wecken den Festort am Sonntag in

der Frühe. Bald formiert sich der “Kirchzug” zum

Festgottesdienst unter freiem Himmel. Danach

ziehen die Trachtler zur Stärkung ins Festzelt,

wo die Trachtenjugend Ehrentänze aufführt.

Der große Festzug am Sonntagnachmittag stellt

dann für alle Beteiligten und den Ort eine logistische

Herausforderung dar. Bis zu 80 Vereine, 20 mehrspännige

Festkutschen und -wägen und 4.000 Trachtler

formieren sich zu einem über 4 km langen farbenprächtigen

Trachtenumzug vor den Augen von bis zu 15.000

Zuschauern. Anschließend klingt das Gaufest im prall

gefüllten Festzelt mit Ehrentänzen der Erwachsenen

und der Verleihung von diversen Preisen aus.

▼ Fotos von Gauheimatabenden, Gottesdienst und Festzug bei Gaufesten in Hopfen und Füssen


45

MACHT

MIT!


46 Macht mit!

NETZWERK IN TRACHT

Tracht verbindet: Selbst auf Reisen finden

sich überall Gleichgesinnte. Aus der anfänglichen

Gastfreundschaft ergeben sich leicht

gemeinsame Interessen und Projekte, privat

wie auch beruflich. Neben einer Geborgenheit

in der Fremde entwickelt sich dabei

auch der eigene Horizont. Auf diese Weise

sind sogar transatlantische Freundschaften

zwischen den Trachtlern entstanden.

Bis vor kurzem war der gedruckte Trachtenkalender

der zentrale Schlüssel zur

schnellen Kontaktaufnahme mit Trachtlern

außerhalb der Region. Heute erleichtern die

sozialen Medien die Kommunikation unter

Mitgliedern und befreundeten Vereinen auf

der ganzen Welt.

Wie schon zu ihrer Gründungszeit ist die

Mitgliedschaft in den Füssener Trachtenvereinen

für Menschen jeder Herkunft offen.

Alle, die Sehnsucht nach Heimat haben, sind

bei den Trachtlern herzlich willkommen:

www.burg-hopfen.de

www.falkenstoaner.de

www.neuschwanstoaner.de

▶ Mitglieder der

Falkenstoaner Weißensee


BILDNACHWEISE

Seiten 3, 5, 11, 23, 27, 37, 41, 42, 45, 46, 47

Thomas Rimili, Stötten

Seite 6

1. Neuschwanstoaner Stamm Füssen e. V.

2. Museum der Stadt Füssen, Inv.-Nr. 4521

Seite 7

1. Bruno Arnold, Füssen, 1907

2. + 3. Privatbesitz

4. Museum der Stadt Füssen, Inv.-Nr. 8858

Seiten 12, 43

Oberer-Lechgau-Verband, Füssen

Seiten 13, 17, 25, 29, 38, 44

Neuschwanstoaner Stamm Füssen e.V.

Seite 14

1. Füssener Tracht- und Heimat-Verein Almrausch Füssen e.V.

Seiten 15, 31, 44

Trachten- und Heimatverein D´Falkenstoaner e.V.

Seiten 16, 44

Trachten- und Heimatverein Burg Hopfen e.V.

Seite 18

1. Musikverein Harmonie Füssen

2. Musikkapelle Weißensee

3. Musikkapelle Hopfen am See

Seite 26

Trachtenkultur-Beratung Bezirk Schwaben,

Fotograf Georg Drexel

Seite 28

Stadtarchiv Füssen

Seite 39

Stiftung Wertebündnis Bayern

PFIAT UIB!

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