Festspielzeit Sommer 2021
Das Magazin der Bregenzer Festspiele
Das Magazin der Bregenzer Festspiele
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DAS MAGAZIN DER<br />
BREGENZER FESTSPIELE<br />
FESTSPIEL<br />
ZEIT<br />
AUSGABE 4 | BREGENZER FESTSPIELE 21. JULI – 22. AUGUST <strong>2021</strong><br />
»VON ROSSINI<br />
IST MIR ALLES RECHT«<br />
Brigitte Fassbaender inszeniert<br />
Die Italienerin in Algier<br />
im Opernstudio am Kornmarkt<br />
DIE WELT DER KLÄNGE<br />
AM COMPUTER<br />
Musikinformatiker Thomas<br />
Hummel entwickelt<br />
für Wind ganz neue Klänge<br />
IN JEDER HÖHE ÜBER<br />
SICH HINAUSWACHSEN<br />
Effektvolle Stunts als gut<br />
dosierte Würze in Rigoletto<br />
auf der Seebühne
8<br />
Die Welt der Klänge<br />
am Computer<br />
Uraufführung durch und durch:<br />
Thomas Hummel entwickelt für<br />
Wind ganz neue Orgelklänge<br />
INHALT<br />
4<br />
»Von Rossini ist<br />
mir alles recht«<br />
Brigitte Fassbaender inszeniert<br />
Die Italienerin in Algier im<br />
Opernstudio am Kornmarkt<br />
15<br />
Leben, Tod und<br />
alles dazwischen<br />
7<br />
Die Meisterklasse<br />
als Talenteschmiede<br />
Nachwuchsförderung bei den<br />
Bregenzer Festspielen<br />
12<br />
Ausweitung<br />
der Grenzen<br />
Thomas Larcher im Konzert des<br />
Symphonieorchester Vorarlberg<br />
Silvia Costas Ihr seid bereits<br />
eingeschifft – ein künstlerischer<br />
Spaziergang durch Bregenz<br />
16<br />
Programmübersicht<br />
Das Programm der Bregenzer<br />
Festspiele <strong>2021</strong> im Überblick<br />
2
18<br />
Das ganze KUB ist<br />
Bild und Klang<br />
24<br />
In jeder Höhe über<br />
sich hinauswachsen<br />
Das Kunsthaus Bregenz lädt<br />
zum Entdecken ein<br />
Effektvolle Stunts als gut<br />
dosierte Würze auf der Seebühne<br />
30<br />
Bregenzer<br />
Festspiele 2022<br />
INHALT<br />
Japan auf der Seebühne,<br />
Sibirien im Festspielhaus<br />
20<br />
Blasmusik von<br />
ihrer besten Seite<br />
Das große Abschlusskonzert des<br />
Internationalen Blasmusikcamps<br />
22<br />
Sicher in den<br />
Festspielsommer<br />
28<br />
Von der Idee<br />
zur Premiere<br />
Ein Blick ins Festspiel-Fotoalbum<br />
von Rigoletto<br />
Impressum<br />
BREGENZER FESTSPIELE GMBH<br />
Platz der Wiener Symphoniker 1<br />
6900 Bregenz | Austria<br />
T +43 5574 407-5<br />
www.bregenzerfestspiele.com<br />
Herausgeber Bregenzer Festspiele GmbH<br />
Intendantin Elisabeth Sobotka<br />
Redaktion Kathrin Grabher, Lisa Kloos, Ingrid Lughofer<br />
Gestaltung moodley brand identity |<br />
Bregenzer Festspiele – Kathrin Grabher<br />
Druck Buchdruckerei Lustenau<br />
Lektorat Thorsten Bayer Text<br />
Tex te Elisabeth Merklein (S. 4 ff.) | Bregenzer Festspiele<br />
(S. 7, S. 20 f., S. 22 f., S. 28) | Jutta Berger (S. 8 ff.) | Esther<br />
Pirchner (S. 12 ff.) | Stephanie Gräve (S. 15) | Bregenzer<br />
Festspiele, KUB (S. 19) | Dallmayr Kaffee (S. 21 r.) | Erich<br />
Nyffenegger (S. 24 ff.)<br />
Abbildungsnachweise Anja Köhler, andereart (Titelbild –<br />
Rigoletto, S. 2 r. o., S. 3 l. o., S. 3 l. u., S. 15, S. 20, S. 29 r. u.) |<br />
Marc Gilsdorf (S. 2 o. l, S. 4) | moodley brand identity<br />
(S. 2 u. l., S. 3 r., S. 6, S. 30 f.) | bobdo (S. 2 m. o., S. 9, S. 11) |<br />
Dietmar Mathis (S. 2 m. u., S. 14, S. 29 o. l., S. 29 m.) | Lisa<br />
Mathis (2 r. u., S. 3 m. u., S. 28 u.) | Karl Forster (S. 3 m. o.,<br />
S. 7, S. 24, S. 26, S. 27) | Heritage-Images / The Print<br />
Collector / akg-images (S. 10) | Richard Haughton (S. 13) |<br />
Foto: Markus Tretter / Courtesy of the artist und Marian<br />
Goodman Gallery © Anri Sala, Bildrecht Wien, <strong>2021</strong>,<br />
Kunsthaus Bregenz (S. 18) | Dallmayr Kaffee (S. 21) | Marcel<br />
Hagen, studio22 (S. 23)<br />
Erschienen im Juli <strong>2021</strong>. Es gelten die<br />
AGB der Bregenzer Festspiele GmbH.<br />
Änderungen vorbehalten.<br />
Fragen und Antworten rund<br />
um das Sicherheitskonzept<br />
zu Covid-19<br />
Wir möchten darauf hinweisen, dass uns alle<br />
Geschlechter gleich wichtig sind, selbst wenn<br />
es uns manchmal nicht gelingen sollte, dies<br />
auch schriftlich auszudrücken.<br />
3
OPERNSTUDIO AM KORNMARKT
»VON ROSSINI IST<br />
MIR ALLES RECHT«<br />
Eine Meisterin inszeniert ein Meisterwerk: Brigitte Fassbaender erarbeitet<br />
Gioachino Rossinis Die Italienerin in Algier mit den jungen Solistinnen und<br />
Solisten des Opernstudios. Im Interview verrät die Ausnahmekünstlerin, worauf<br />
sie sich dabei am meisten freut und wo Fallstricke lauern, warum ein guter Sänger<br />
nicht nur singen können muss und wie ihre Memoiren sie verändert haben.<br />
DIE ITALIENERIN IN ALGIER<br />
Frau Fassbaender, wie haben Sie<br />
als bekennender Workaholic<br />
die Zeit des coronabedingten<br />
Kultur-Lockdowns erlebt? Wie geht<br />
es Ihnen?<br />
Brigitte Fassbaender: Der Kultur-<br />
Lockdown musste sein – am<br />
schlimmsten davon betroffen waren<br />
und sind freischaffende Künstlerinnen<br />
und Künstler, deren Existenz<br />
die Bühne ist. Viele Chancen konnten<br />
nicht wahrgenommen werden,<br />
viele Verpflichtungen wurden abgesagt.<br />
Wer durchgehalten hat, wird<br />
hoffentlich durch erneute Angebote<br />
belohnt! Mir selbst geht es gut: Ich<br />
war noch nie in meinem Leben so viel<br />
zu Hause und habe das genossen.<br />
Bei den Bregenzer Festspielen<br />
bringen Sie nun Gioachino Rossinis<br />
Oper Die Italienerin in Algier auf<br />
die Bühne. Was hat Sie an diesem<br />
Werk gereizt?<br />
Ich habe mir das Werk zwar nicht<br />
ausgesucht, das obliegt der Intendanz<br />
– aber da ich Rossini-Fan bin,<br />
ist mir alles von ihm recht! Brillante<br />
Musik, tolle Rollen, temperamentvolles<br />
Geschehen, skurrile Komik<br />
mit Möglichkeiten zu Ernst und<br />
Tiefe: Was will man mehr? Die<br />
Italienerin in Algier ist ein ziemlich<br />
abgehobenes, verrücktes Stück in<br />
typischer Rossini-Turbulenz.<br />
Wie legen Sie Ihre Inszenierung<br />
an? Und wo sehen Sie bei dem Stück<br />
die größte Herausforderung für<br />
die Regie?<br />
Wie immer bei Rossini sind die<br />
endlosen Ensembleszenen und<br />
Finali die größte Herausforderung.<br />
Die müssen sprachlich rasant und<br />
mit großem stimmlichen Einsatz<br />
von den Sängerinnen und Sängern<br />
bewältigt werden. Darauf muss die<br />
Regie Rücksicht nehmen, ohne aber<br />
5<br />
das Tempo der Aktion zu stark zu<br />
drosseln. Wie – und ob – das gelingt,<br />
ist jedes Mal ein Vabanquespiel …<br />
Haben Sie eine Lieblingsszene?<br />
Noch nicht! Das kommt nämlich<br />
sehr auf die Mitspielerinnen und<br />
Mitspieler an: Ich lasse mich immer<br />
von den Akteuren inspirieren, deren<br />
Fantasie ich wiederum »anheize«.<br />
Das erste Finale ist genial – mal<br />
sehen, was daraus wird!<br />
Die Produktion entsteht zusammen<br />
mit den jungen Solistinnen und Solisten<br />
des Opernstudios, das Sie bereits<br />
zum fünften Mal als Mentorin begleiten.<br />
Worauf legen Sie bei der Arbeit<br />
mit dem musikalischen Nachwuchs<br />
besonderen Wert?<br />
Entscheidend ist, dass die Sängerinnen<br />
und Sänger erkennen, wie
»Die Italienerin in Algier<br />
ist ein ziemlich verrücktes<br />
Stück in typischer<br />
Rossini-Turbulenz.«<br />
BRIGITTE FASSBAENDER<br />
OPERNSTUDIO AM KORNMARKT<br />
wichtig ihr eigener Beitrag zur<br />
Entstehung des Ganzen ist. Und sie<br />
müssen für die Sache brennen und<br />
verstehen, dass sie auch schauspielerisch<br />
gefordert werden. Das Singen<br />
sollte selbstverständlich sein.<br />
Woran erkennen Sie ein Talent?<br />
Und wie wird aus einem Talent eine<br />
große Künstlerpersönlichkeit?<br />
Die erste Voraussetzung, um den<br />
Beruf des Sängers oder der Sängerin<br />
zu wählen, muss ein hervorragendes<br />
Stimmmaterial sein, unter<br />
allen Umständen. Dazu kommen<br />
dann eine möglichst hohe Musikalität,<br />
Charisma, Fleiß und Konzentration<br />
auf die Sache. Eine Künstlerpersönlichkeit<br />
wird man nur durch<br />
solides Können und souveräne<br />
Beherrschung seiner Mittel, sodass<br />
man zum Interpreten heranwächst.<br />
Vor zwei Jahren haben Sie Ihre<br />
Memoiren veröffentlicht, im Rahmen<br />
der Festspielgespräche werden<br />
Sie am 7. August daraus lesen. Wie<br />
haben Sie den Schreibprozess, die<br />
Auseinandersetzung mit der eigenen<br />
Biografie empfunden?<br />
Als Titel haben Sie ein Zitat aus<br />
Richard Strauss’ Rosenkavalier<br />
gewählt: »Komm’ aus dem Staunen<br />
nicht heraus«. Worüber staunen Sie<br />
rückblickend am meisten?<br />
Ich staune, was aus mir geworden<br />
ist, mit sehr viel harter Arbeit, Fleiß<br />
und glückhaften Konstellationen.<br />
Und wie logisch sich mein Weg nach<br />
dem Singen fortentwickelt hat. Aber<br />
am meisten staune ich – dankbar –<br />
darüber, dass ich immer noch gefragt<br />
bin und Theater machen darf.<br />
OPERNSTUDIO AM KORNMARKT<br />
DIE ITALIENERIN IN ALGIER<br />
Gioachino Rossini<br />
Komische Oper in zwei Akten (1813) |<br />
Libretto von Angelo Anelli |<br />
In italienischer Sprache mit<br />
deutschen Übertiteln<br />
Premiere<br />
16. August <strong>2021</strong> – 19.30 Uhr<br />
Vorstellungen<br />
18., 20. und 21. August – 19.30 Uhr |<br />
Theater am Kornmarkt<br />
Als Bewältigung eines Verdrängungsprozesses.<br />
Ich hatte nie Zeit<br />
– und auch Scheu –, mich mit meiner<br />
Vergangenheit und der Entwicklung<br />
meines Lebensweges auseinanderzusetzen.<br />
Das war ein spannender,<br />
oft aber auch schmerzlicher und<br />
subtiler Vorgang.<br />
Präsentiert von<br />
GrECo Internaonal<br />
Risiko- und<br />
Versicherungsmanagement<br />
VMG Versicherungsmakler<br />
In Kooperation mit<br />
6
DIE MEISTERKLASSE<br />
ALS TALENTESCHMIEDE<br />
BEREITS ZUM FÜNFTEN MAL IST BRIGITTE FASSBAENDER ALS<br />
GESANGSPÄDAGOGIN FÜR JUNGE KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER<br />
IN BREGENZ ZU GAST<br />
Nur 18 Tage soll Gioachino<br />
Rossini gebraucht haben,<br />
um Die Italienerin in Algier<br />
zu komponieren – zumindest laut<br />
eigener Aussage. Für den erst<br />
21-Jährigen war die Uraufführung<br />
in Venedig 1813 ein voller Erfolg.<br />
Seine Opera buffa erzählt die<br />
Geschichte der schönen Isabella,<br />
die ihren Geliebten Lindoro trickreich<br />
aus den Fängen Mustafas zu<br />
befreien versucht, der allerdings<br />
selbst ein Auge auf die temperamentvolle<br />
Italienerin geworfen hat.<br />
DIE ITALIENERIN IN ALGIER<br />
Die Bregenzer Festspiele zeigen<br />
Rossinis spritzige Komödie im<br />
Rahmen ihres Opernstudios, das<br />
jungen Talenten die Möglichkeit<br />
gibt, große Rollen in einer geschützten<br />
Atmosphäre zu erarbeiten und<br />
Bühnenerfahrung zu sammeln.<br />
Seit 2015, mit Beginn der Intendanz<br />
von Elisabeth Sobotka, gibt<br />
es diese Form der Nachwuchsförderung<br />
in Bregenz. Bereits zum<br />
fünften Mal unterstützt Brigitte<br />
Fassbaender das Opernstudio als<br />
Mentorin und Leiterin der Meisterklasse.<br />
Ihre Bühnenerfahrung an<br />
junge Sängerinnen und Sänger<br />
weiterzugeben, sie zu fordern<br />
und fördern, ist für die gefragte<br />
Gesangspädagogin eine Herzensangelegenheit.<br />
Leidenschaftlich<br />
und einfühlsam, aber auch streng<br />
und hartnäckig arbeitet sie mit<br />
den jungen Talenten an Technik,<br />
Stil und Interpretation.<br />
Am 15. Juli <strong>2021</strong> fand die öffentliche Meisterklasse von Brigitte Fassbaender statt, bei der<br />
das Publikum die faszinierende und anstrengende Arbeit mit und an der menschlichen<br />
Stimme miterleben konnte.<br />
Dieses Jahr sind das Alberto<br />
Comes (Mustafa), Sarah Yang<br />
(Elvira), Florence Losseau (Zulma),<br />
Hubert Kowalczyk (Haly), Spencer<br />
Britten (Lindoro), Maria Barakova<br />
(Isabella) und Pierpaolo Martella<br />
(Taddeo) – noch vor den szenischen<br />
Proben zur Italienerin in Algier<br />
konnten sie in Brigitte Fassbaenders<br />
Meisterklasse vertiefen, worauf<br />
es für eine große Gesangskarriere<br />
ankommt.<br />
Nach dem großen Erfolg von<br />
Der Barbier von Sevilla 2018 ist<br />
Die Italienerin in Algier bereits<br />
das zweite Rossini-Werk, das die<br />
Kammersängerin im Bregenzer<br />
Opernstudio nicht nur pädagogisch<br />
begleitet, sondern auch selbst inszeniert.<br />
Am 16. August feiert das turbulente<br />
Liebesabenteuer Premiere.<br />
BRIGITTE FASSBAENDER<br />
ist eine der renommiertesten<br />
Künstlerinnen unserer<br />
Zeit. Ihre internationale Karriere<br />
als Mezzosopranistin führte<br />
sie an alle bedeutenden Opern-<br />
häuser der Welt, über 350<br />
Einspielungen dokumentieren<br />
die Stimmkunst der vielfach<br />
preisgekrönten Kammersängerin.<br />
Seit 1995 widmet sie sich<br />
ganz der Regie: Inzwischen hat<br />
die gebürtige Berlinerin<br />
über 60 Inszenierungen auf die<br />
Bühne gebracht.<br />
7
WERKSTATTBÜHNE<br />
DIE WELT DER<br />
KLÄNGE AM<br />
COMPUTER<br />
WIE DIE ORGEL FÜR DIE OPER WIND IST AUCH DEREN STEUERUNG<br />
EINE NEUENTWICKLUNG. DIE INNOVATION STAMMT VON THOMAS HUMMEL,<br />
MUSIKINFORMATIKER IM EXPERIMENTALSTUDIO DES SWR.<br />
8
WIND
WERKSTATTBÜHNE<br />
In einen Wald aus Klängen und<br />
Geräuschen wird diesen <strong>Sommer</strong><br />
das Publikum von Alexander<br />
Moosbruggers Oper Wind eintauchen.<br />
Orgelpfeifen in unterschiedlichen<br />
Größen machen – wirklichen<br />
Bäumen gleich – die Werkstattbühne<br />
zur klingenden Traumwelt<br />
des Poliphilo. 172 Orgelpfeifen<br />
arrangieren die bildende Künstlerin<br />
Flaka Haliti, der Komponist sowie<br />
die Experten von Rieger-Orgelbau<br />
zu einem geheimnisvollen Raum für<br />
Mitwirkende und Publikum.<br />
Die Zahl 172 erinnert an die 172<br />
Holzschnitte, die das der Oper zugrunde<br />
liegende Renaissance-Buch<br />
Hypnerotomachia Poliphili zum<br />
Gesamtkunstwerk machen. Die<br />
172 Orgelpfeifen aus Metall und<br />
Holz, eine jede unterschiedlich in<br />
Klang und Größe, haben nicht nur<br />
die Orgelbauer der Firma Rieger<br />
viel Denk- und Handarbeit gekostet.<br />
Auch die Informatik war gefordert.<br />
An den Schnittstellen zwischen<br />
Informatik und Musik arbeitet<br />
Thomas Hummel, Musikinformatiker<br />
und Forscher im Experimental-<br />
studio des Festspielpartners SWR.<br />
Er begleitete den Entstehungsprozess<br />
des Werkes von Beginn an.<br />
Zur Unterstützung von Alexander<br />
Moosbrugger entwickelte Thomas<br />
Hummel, der selbst Komposition<br />
studiert hat, ein Orgel-Simulationsprogramm.<br />
Für die Aufführung erarbeitete<br />
der Informatiker die Steuerung<br />
des Instrumentes. Auf der<br />
Werkstattbühne wird er mit elektronischen<br />
Befehlen dafür sorgen, dass<br />
das Instrument die von Alexander<br />
Moosbrugger geschaffene Musik in<br />
gewünschter Form wiedergibt.<br />
EINE ORGEL WIRD SIMULIERT<br />
Eine virtuelle Doppelgängerin der<br />
Orgel zu schaffen, war notwendig,<br />
»weil der Prototyp dieser neuen<br />
Orgel ja noch nicht aufgebaut war,<br />
als wir mit der Produktion begonnen<br />
haben«, sagt Hummel. »Mit<br />
der Simulation konnte der Komponist<br />
auch ohne das Instrument<br />
arbeiten.« Eine Orgel könne man<br />
klanglich virtuell ersetzen, sagt der<br />
Informatiker, »schwieriger ist es<br />
bei den Ventilöffnungen, die können<br />
wir nur zu 50 Prozent simulieren.«<br />
Den Klang der Ventilöffnungen<br />
nachzuahmen, war die Hauptaufgabe<br />
bei diesem außergewöhnlichen<br />
Projekt. Die Herausforderung<br />
bei der Entwicklung dieser<br />
elektronischen Feinsteuerung ist<br />
das Ausschöpfen des gesamten<br />
Klangspektrums einer Orgelpfeife.<br />
Im Unterschied zur mechanischen<br />
Orgel, bei der eine Taste ganz oder<br />
gar nicht gedrückt wird, können<br />
die Ventile über den Computer<br />
»nur ein ganz kleines bisschen<br />
oder auch ganz geöffnet werden«,<br />
erklärt Thomas Hummel. »Je<br />
nach Öffnungsgrad der Ventile<br />
entstehen dann sehr ungewöhnliche<br />
Klänge.«<br />
Was einfach klingt, war für den<br />
Informatiker aber Knochenarbeit.<br />
Denn um den tatsächlichen Klängen<br />
oder Geräuschen nahezukommen,<br />
müsse man den Grad der Ventilöffnung<br />
ganz genau kontrollieren<br />
können. »Ich musste also etwas<br />
programmieren, um den Öffnungsgrad<br />
der Ventile hörbar zu machen.«<br />
Dafür fehlte dem leidenschaftlichen<br />
Datensammler aber das notwendige<br />
Klangmaterial.<br />
DIE VIRTUALISIERUNG<br />
DER MUSIKER<br />
Thomas Hummel griff neben Audiodateien<br />
von Alexander Moosbruggers<br />
Berliner Orgel auf Material aus<br />
seiner eigenen Sample-Datenbank<br />
zurück. Für conTimbre, sein virtuelles<br />
Orchester der Neuen Musik,<br />
hatte Hummel über die Jahre<br />
mehr als 87.000 Klänge und über<br />
4.000 Spieltechniken für 160 Musikinstrumente<br />
gesammelt.<br />
In dem 1499 erschienenen Roman Hypnerotomachia Poliphili wandelt Poliphilo in seinem<br />
Liebestraum durch einen geheimnisvollen Wald. Das Werk und seine 172 Abbildungen<br />
inspirierten die bildende Künstlerin Flaka Haliti und den Komponisten Alexander Moosbrugger<br />
zu ihrer Oper Wind.<br />
»Virtualisierung der Musiker«<br />
nennt er seine Sammlung scherzhaft.<br />
Für Wind wurde er bei den<br />
virtuellen Bläsern fündig. »Die<br />
ganz leicht geöffnetenVentile von<br />
Alexanders Orgel hörten sich für<br />
mich an wie der gehauchte Klang<br />
von Holzbläsern, von Flöten und<br />
Klarinetten.« Der Tüftler mischte<br />
Orgel und Holzbläser, »nach einigen<br />
Wochen Arbeit hat die Simulation<br />
schließlich funktioniert.«<br />
10
WIND<br />
Gemeinsam mit Alexander Moosbrugger entwickelt Thomas Hummel für Wind ganz<br />
neue Orgelklänge. Wie in der Romanvorlage bilden die Orgelpfeifen auf der Bühne<br />
einen atmenden Wald aus Klang und Wind.<br />
Für die Steuerung der Ventilöffnung<br />
galt es, eine Software<br />
zu entwickeln, die ohne riesige<br />
Datenmengen jede einzelne der<br />
172 Orgelpfeifen natürlich klingen<br />
lässt. »Da hatte Corona sogar was<br />
Gutes«, sinniert Hummel, »durch<br />
den Ausfall der Konzerte hatte<br />
ich Zeit, über Möglichkeiten zur<br />
Vereinfachung nachzudenken<br />
und dann alle Problemfelder abzuarbeiten.<br />
So konnte ich eine<br />
Feinsteuerung für dieses neue<br />
Instrument entwickeln«.<br />
KEINE NERDS, SONDERN MUSIKER<br />
Thomas Hummel und sein Kollege<br />
Maurice Oeser werden die Aufführungen<br />
von Wind als Klangregisseure<br />
mitgestalten. Die Synchronisation<br />
von Computer und Ensemble gehört<br />
zu ihren Aufgaben. Sie werden dafür<br />
verantwortlich sein, dass Klänge<br />
und Orgelsequenzen im richtigen<br />
Augenblick ausgelöst werden. Sehr<br />
viel Konzentration erfordere diese<br />
Arbeit, sagt Hummel: »Als Klangregisseur<br />
muss man sehr gut hinhören<br />
und sehr gut Partitur lesen<br />
können. Man muss alle Instrumente<br />
und die Musikerinnen und Musiker<br />
sehr genau kennen.« Man sei Teil<br />
des Ensembles: »Es ist, als würde<br />
man ein Instrument nur mit dem<br />
Kopf spielen.«<br />
Thomas Hummel und Maurice<br />
Oeser sind aber nicht die Nerds<br />
im Hintergrund. Sie verstehen sich<br />
als »Musiker, die mitmusizieren«.<br />
Sie werden für Wind auf der Bühne<br />
klassische Live-Elektronik-Parts<br />
gestalten, über ihre Computer<br />
Klänge erzeugen und verfremden.<br />
Und damit die geheimnisvolle Welt<br />
des Poliphilo noch ein bisschen<br />
rätselhafter machen.<br />
WERKSTATTBÜHNE<br />
WIND<br />
Alexander Moosbrugger<br />
Oper | Text vom Komponisten<br />
nach Francesco Colonnas<br />
Hypnerotomachia Poliphili<br />
in der Übersetzung von Thomas<br />
Reiser und Joscelyn Godwin |<br />
Uraufführung<br />
Premiere<br />
19. August <strong>2021</strong> – 20.00 Uhr<br />
Vorstellungen<br />
20. und 21. August – 20.00 Uhr |<br />
Werkstattbühne<br />
11
FESTSPIELHAUS<br />
AUSWEITUNG<br />
DER GRENZEN<br />
A Line above the Sky lautet der Untertitel zu Thomas Larchers dritter Symphonie,<br />
die bei den Bregenzer Festspielen erstmals live vor Publikum aufgeführt wird.<br />
Die Komposition ist das Hauptwerk im ersten Festspielkonzert, das der junge<br />
Chefdirigent des Symphonieorchesters Vorarlberg Leo McFall leitet. Er setzt<br />
Larcher in Beziehung zu Ludwig van Beethoven und Joseph Haydn.<br />
12
Es ist ein Konzert der Anfänge<br />
und der Verbindungen: Bei<br />
der Matinee am 22. August<br />
dirigiert der Brite Leo McFall zum<br />
ersten Mal bei den Bregenzer Festspielen<br />
ein Orchesterkonzert und<br />
hat dabei unter anderem Joseph<br />
Haydns erstes in England komponiertes<br />
Werk, die Sinfonia concertante<br />
Hob. I:105, aufs Programm<br />
gesetzt. Konzertmeister Paweł<br />
Zalejski und Fagottistin Heidrun<br />
Wirth-Metzler vom Symphonieorchester<br />
Vorarlberg sowie die<br />
Gäste Mathias Johansen (Violoncello)<br />
und Viola Wilmsen (Oboe)<br />
sind darin als Solisten zu hören.<br />
Thomas Larcher, dessen Oper<br />
Das Jagdgewehr nach der Uraufführung<br />
bei den Bregenzer Festspielen<br />
2018 beim Aldeburgh<br />
Festival zu sehen war, kehrt mit<br />
einem neuen Orchesterwerk an<br />
den Bodensee zurück. Der Konzert-Auftakt<br />
kommt von Ludwig<br />
van Beethoven: Die Ouvertüre zu<br />
Egmont op. 84, komponiert als<br />
Eröffnungsmusik zum Trauerspiel<br />
von Johann Wolfgang Goethe, führt<br />
längst auch ein eigenständiges<br />
Leben als Konzertstück.<br />
Ballards in den Dolomiten und eine<br />
der außermusikalischen Quellen,<br />
die der österreichische Komponist<br />
in seine Werke einfließen lässt.<br />
Andere sind literarischer Natur<br />
wie die Gedichte von Ingeborg<br />
Bachmann (Alle Tage, 2010–15),<br />
leiten sich aus einem Film ab (Böse<br />
Zellen nach Barbara Albrecht,<br />
2006|07) oder aus den Nachrichten<br />
wie die der fortdauernden Flüchtlingskatastrophe<br />
im Mittelmeer<br />
(Kenotaph, 2015|16). Es wäre verführerisch,<br />
im Fall von A Line above<br />
the Sky aus den Tönen und Klängen<br />
steil abfallende Felswände oder<br />
die gezackte Linie einer Bergkette<br />
vor dem Himmel heraushören zu<br />
wollen. Doch es entspricht nicht der<br />
Absicht des Komponisten. Denn mit<br />
Programmmusik haben Larchers<br />
Werke nichts zu tun. Im Fall der<br />
dritten Symphonie geht es vielmehr<br />
um die elementaren Dinge: um das<br />
Leben in all seiner Intensität, um<br />
Tod und Trauer.<br />
VIELFALT UND OFFENHEIT<br />
Fragt man Larcher nach musikalischen<br />
Hintergründen und<br />
Einflüssen, dann erfährt man von<br />
einem weit gefassten Zugang zu<br />
verschiedenen Epochen und Genres.<br />
Sein musikalisches Fundament<br />
bildet eine frühe, professionelle<br />
Auseinandersetzung mit Klassik<br />
und Romantik. Doch wenn es darum<br />
geht, unbekanntes Terrain zu erkunden,<br />
kennt er – von der Alten Musik<br />
bis hin zu ganz aktuellen Entwicklungen<br />
– nur wenig Begrenzungen.<br />
In Bezug auf das 20. Jahrhundert<br />
etwa sei er vor allem »amerikanisch<br />
geprägt, durch Jazz und Steve<br />
Reich, John Adams, in Europa Béla<br />
Bartók und György Ligeti«. In einer<br />
Tradition der Spätromantik wie<br />
etwa des symphonischen Werks<br />
Gustav Mahlers oder der seriellen<br />
Musik aus der zweiten Hälfte des<br />
20. Jahrhunderts sieht er sich<br />
selbst hingegen kaum.<br />
Dementsprechend schreibt<br />
Larcher für Interpreten – Solisten,<br />
Kammer- und Orchestermusiker –,<br />
die eine klassische Ausbildung<br />
haben und zugleich dafür offen<br />
sind, darüber hinauszugehen.<br />
Das Symphonieorchester Vorarlberg<br />
gehört ebenso dazu wie das<br />
Concertgebouw Amsterdam, das<br />
Philharmonische Orchester Brno,<br />
ORCHESTERKONZERTE<br />
MUSIK ÜBER DIE<br />
ELEMENTAREN DINGE<br />
In Egmont tritt der Titelheld so<br />
bedingungslos für die Freiheit<br />
seines Volkes ein, dass er schließlich<br />
den Tod findet. Der britische<br />
Extremkletterer Tom Ballard nahm<br />
sich hingegen die individuelle Freiheit,<br />
in den Bergen an die äußersten<br />
Grenzen zu gehen – und bezahlte<br />
seine uneingeschränkte Risikobereitschaft<br />
2019 mit dem Leben.<br />
A Line above the Sky, der Untertitel<br />
zu Thomas Larchers dritter<br />
Symphonie, bezieht sich darauf. Es<br />
ist der Name einer extrem schwierigen,<br />
überhängenden Kletterroute<br />
Zum ersten Mal bringen die Bregenzer Festspiele Thomas Larchers dritte Symphonie<br />
auf die Konzertbühne.<br />
13
ORCHESTERKONZERTE<br />
ORCHESTERKONZERT<br />
SYMPHONIEORCHESTER<br />
VORARLBERG<br />
Dirigent Leo McFall<br />
Violine Paweł Zalejski<br />
Violoncello Mathias Johansen<br />
Oboe Viola Wilmsen<br />
Fagott Heidrun Wirth-Metzler<br />
Ludwig van Beethoven Ouvertüre<br />
zu Egmont op. 84<br />
Joseph Haydn Sinfonia<br />
concertante Hob. I:105<br />
Thomas Larcher Symphonie<br />
Nr. 3 – ÖEA – Erste Aufführung<br />
auf der Bühne<br />
22. August <strong>2021</strong> – 11.00 Uhr |<br />
Festspielhaus<br />
Die Orchesterkonzerte<br />
werden präsentiert von<br />
das Sveriges Radios Symfoniorkester,<br />
das City of Birmingham Symphony<br />
Orchestra und das Orquesta<br />
Sinfónicade Castilla y León. Sie alle<br />
gemeinsam haben die Symphonie<br />
Nr. 3 in Auftrag gegeben und führen<br />
sie der Reihe nach auf. Man müsse<br />
die Musiker dort abholen, wo sie sich<br />
wohlfühlen, meint Larcher und geht<br />
genauer darauf ein, wohin der Weg<br />
von dort aus führt. Er erlaubt sich,<br />
bekannte musikalische Formen<br />
neu zu denken und weitet häufig bei<br />
Orchester- und Ensemblewerken<br />
die Besetzung aus. In der dritten<br />
Symphonie sind neben Streichern<br />
und Bläsern beispielsweise ein<br />
Akkordeon, ein präpariertes Klavier<br />
und eine erweiterte Rhythmusgruppe<br />
aus vier Schlagwerkern zu<br />
hören. Krach oder Geräuschmusik<br />
ist trotzdem nicht zu erwarten,<br />
vielmehr ein Spannungsbogen, dem<br />
man sich nicht entziehen kann.<br />
Larcher geht sehr präzise mit den<br />
einzelnen Stimmen und Instrumentengruppen<br />
um, mit Tempi, Modulation<br />
und Rhythmus, mit Schönheit<br />
und Dramatik.<br />
EINES ERGIBT SICH AUS<br />
DEM ANDEREN<br />
Besucherinnen und Besucher,<br />
die bei den Bregenzer Festspielen<br />
2018 Thomas Larchers Oper Das<br />
Jagdgewehr gehört haben, kennen<br />
bereits Larchers Stil: In seinen<br />
Kompositionen ergibt sich eines<br />
aus dem anderen, sie entwickeln<br />
sich ständig fort. Sie gewinnen und<br />
halten die Aufmerksamkeit des<br />
Publikums ganz selbstverständlich,<br />
ohne heroische Motive und große<br />
Gesten. Im Mai 2020 hätten Oper<br />
und dritte Symphonie im Rahmen<br />
einer Larcher-Personale in Amsterdam<br />
gespielt werden sollen, doch<br />
über die erste Opernprobe kam<br />
das Ensemble aufgrund der<br />
Covid-19-Pandemie nicht hinaus.<br />
So war es am Philharmonischen<br />
Orchester Brno unter der Leitung<br />
seines Dirigenten Dennis Russel<br />
Davies, A Line above the Sky im<br />
Februar <strong>2021</strong> erstmals, doch ohne<br />
Publikum, aufzuführen. Larcher<br />
lobt das tiefe Verständnis für die<br />
Komposition und die stimmige<br />
Interpretation, die Orchester und<br />
Dirigent dem Werk angedeihen<br />
ließen. Kein Zweifel bestehe für ihn<br />
auch daran, dass sich Leo McFall<br />
und das Symphonieorchester<br />
Vorarlberg der dritten Symphonie<br />
mit ähnlicher Präzision, Virtuosität<br />
und Offenheit annähern wie ihre<br />
Kollegen aus Brno. Sie machen es<br />
dem Bregenzer Publikum endlich<br />
möglich, tief in dieses neue symphonische<br />
Werk Thomas Larchers<br />
einzutauchen.<br />
14
LEBEN, TOD UND<br />
ALLES DAZWISCHEN<br />
SILVIA COSTAS IHR SEID BEREITS EINGESCHIFFT NIMMT DAS PUBLIKUM<br />
MIT AUF EINEN UNRUHIGEN WEG VOM SEE IN DIE STADT.<br />
Es ist eine ungewöhnliche Produktion,<br />
die Silvia Costa für<br />
Bregenz kreiert: Sie lädt das<br />
Publikum zu einem künstlerischen<br />
Spaziergang am See entlang, verbindet<br />
vier Arbeiten in Festspielhaus,<br />
vorarlberg museum, Landestheater<br />
und Kunsthaus zu einem<br />
Gesamtprojekt.<br />
IHR SEID BEREITS EINGESCHIFFT<br />
Die Reise beginnt im Seestudio des<br />
Festspielhauses: Zu todessehnsüchtigen<br />
Orgelklängen der Ausnahmemusikerin<br />
Kali Malone, live gespielt<br />
von Johannes Hämmerle, entwickelt<br />
sich eine Performance. Vier<br />
Tänzerinnen bemühen sich um einen<br />
Jungen, der den Tod im Wasser<br />
gefunden hat; ein melancholisches,<br />
doch nicht hoffnungsloses Bild<br />
und als Kulisse der See, der hinter<br />
großen Glasfenstern mal ruhig, mal<br />
bedrohlich erscheint.<br />
Die zweite Station ist der Panoramaraum<br />
des vorarlberg museums:<br />
Auch hier ist der See eindrucksvolles<br />
Hintergrundbild, das Publikum<br />
verfolgt die Performance eines<br />
Mädchens, dessen Körper seltsame<br />
Veränderungen zeigt: ein Spiel um<br />
Versehrtsein und Vergänglichkeit,<br />
im berührenden Kontrast zur<br />
lebensfrohen Präsenz der Tänzerin.<br />
Die Box des Landestheaters wird<br />
Ort für eine Klanginstallation zu<br />
Aischylos’ Der gefesselte Prometheus:<br />
Prometheus hat sich den Göttern<br />
widersetzt und den Menschen das<br />
Feuer gebracht. Seine Tat wurde für<br />
Station zwei des künstlerischen Spaziergangs im Panoramaraum des vorarlberg museum<br />
die Menschheit zum Lebens- und<br />
Freiheitsquell, doch musste er grausam<br />
dafür büßen ... ein junger Mann,<br />
der fast eins scheint mit dem Raum,<br />
stellt sich der tönenden Maschinerie.<br />
Vierte Station ist das KUB Sammlungsschaufenster<br />
im Postgebäude.<br />
Hier trifft das Publikum auf je drei<br />
Generationen zweier Familien aus<br />
Vorarlberg: ein Bild für den ewigen<br />
Kreislauf des Lebens, aber auch<br />
für Liebe und Zusammenhalt. Und<br />
wiederum steht das Panorama im<br />
Mittelpunkt.<br />
Silvia Costa ist eine Künstlerin aus<br />
Treviso, die in zahlreichen Inszenierungen,<br />
Performances und Installationen<br />
eine ganz eigene, visuellpoetische<br />
Sprache entwickelt hat.<br />
Seit 2006 war sie künstlerische<br />
Mitarbeiterin von Romeo Castellucci,<br />
zeichnete u. a. mitverantwortlich<br />
für seine preisgekrönte Salome bei<br />
den Salzburger Festspielen. Am<br />
Vorarlberger Landestheater hat<br />
Costa Spiel von Samuel Beckett und<br />
Wry Smile Dry Sob inszeniert; <strong>2021</strong><br />
brachte sie Regiearbeiten unter anderem<br />
am Residenztheater München<br />
und am Festival d‘Aix-en-Provence<br />
zur Premiere.<br />
IHR SEID BEREITS<br />
EINGESCHIFFT<br />
Silvia Costa<br />
13., 14. & 15. August <strong>2021</strong> –<br />
16.00 Uhr<br />
Seestudio | Festspielhaus,<br />
vorarlberg museum, Vorarlberger<br />
Landestheater, KUB Sammlungsschaufenster<br />
15
PROGRAMM<br />
ÜBERSICHT<br />
AUGUST<br />
SPIELPLAN AUGUST <strong>2021</strong><br />
SPIEL AUF DEM SEE<br />
RIGOLETTO<br />
Giuseppe Verdi<br />
Musikalische Leitung Julia Jones,<br />
Daniel Cohen<br />
Inszenierung Philipp Stölzl<br />
1., 3., 4., 5., 6., 7., 8., 10., 11., 12.,<br />
13., 14., 15., 17., 18., 19., 20.,<br />
21. und 22. August – 21.00 Uhr<br />
OPER IM FESTSPIELHAUS<br />
NERO<br />
Arrigo Boito<br />
Musikalische Leitung Dirk Kaftan<br />
Inszenierung Olivier Tambosi<br />
2. August – 19.30 Uhr<br />
THEATER KOSMOS<br />
LOHN DER NACHT<br />
Bernhard Studlar<br />
Inszenierung Jana Vetten<br />
5., 6. und 7. August – 20.00 Uhr<br />
OPERNSTUDIO AM KORNMARKT<br />
DIE ITALIENERIN IN ALGIER<br />
Gioachino Rossini<br />
Musikalische Leitung Jonathan Brandani<br />
Inszenierung Brigitte Fassbaender<br />
16., 18., 20. und 21. August – 19.30 Uhr<br />
WERKSTATTBÜHNE<br />
WIND<br />
Alexander Moosbrugger<br />
Raum Flaka Haliti<br />
Musikalische Leitung Michael Wendeberg<br />
19., 20. und 21. August – 20.00 Uhr<br />
SEESTUDIO | FESTSPIELHAUS<br />
MUSIK & POESIE<br />
1. August – 19.30 Uhr<br />
VERDI – BOITO – FACCIO<br />
HABE-Quartett<br />
Sprecher Olaf A. Schmitt<br />
8. August – 19.30 Uhr<br />
GOLD – GELD – GIER<br />
Erzähler Michael Köhlmeier<br />
Klavier Gabriel Meloni<br />
FESTSPIELHAUS<br />
ALLES NICHT WAHR<br />
Mit Liedern von Georg Kreisler<br />
Puppenspiel | Gesang | Rezitation<br />
Nikolaus Habjan<br />
Musicbanda Franui<br />
11. August – 17.30 Uhr
TICKET CENTER<br />
T +43 5574 407-5<br />
ticket@bregenzerfestspiele.com<br />
www.bregenzerfestspiele.com<br />
SEESTUDIO | FESTSPIELHAUS<br />
IHR SEID BEREITS EINGESCHIFFT<br />
4 Arbeiten von Silvia Costa<br />
13., 14. und 15. August – 16.00 Uhr<br />
KUNSTHAUS BREGENZ<br />
KONZERT IM KUB<br />
THE PRESENT<br />
10. August – 21.00 Uhr<br />
FESTSPIELHAUS<br />
ORCHESTERKONZERTE<br />
WIENER SYMPHONIKER<br />
1. August – 11.00 Uhr<br />
Dirigent Andrés Orozco-Estrada<br />
Szenische Einrichtung Johannes Erath<br />
Richard Wagner Das Rheingold<br />
8. August – 11.00 Uhr<br />
Dirigent Omer Meir Wellber<br />
Charles Ives The Unanswered Question<br />
Richard Strauss Konzert für Oboe und Orchester<br />
Anton Bruckner Symphonie Nr. 6 A-Dur<br />
FESTSPIELHAUS<br />
ORCHESTERKONZERT<br />
SYMPHONIE ORCHESTER VORARLBERG<br />
22. August – 11.00 Uhr<br />
Dirigent Leo McFall<br />
Ludwig van Beethoven Ouvertüre zu Egmont op. 84<br />
Joseph Haydn Sinfonia concertante Hob. I:105<br />
Thomas Larcher Symphonie Nr. 3<br />
KINDER- & JUGENDPROGRAMM<br />
CROSSCULTURE<br />
BRASS EROICO BLASORCHESTERMATINEE<br />
Musikalische Leitung Martin Kerschbaum<br />
Absolventinnen und Absolventen<br />
des 5. Internationalen Blasmusik-Camps<br />
Dozenten der Wiener Symphoniker<br />
15. August – 11.00 Uhr<br />
FESTSPIELHAUS<br />
FESTSPIELGESPRÄCHE<br />
Festspielfrühstücke im Seefoyer<br />
Julia Jones 1. August – 9.30 Uhr<br />
Hanna Herfurtner 15. August – 9.30 Uhr<br />
Lesung im Seestudio<br />
Kammersängerin Brigitte Fassbaender<br />
liest aus ihrer Biografie<br />
Komm' aus dem Staunen nicht heraus<br />
7. August – 11.00 Uhr<br />
SPIELPLAN AUGUST <strong>2021</strong>
DAS GANZE KUB IST<br />
BILD UND KLANG<br />
DIE SOMMERAUSSTELLUNG DES KUNSTHAUS BREGENZ BIETET ERNEUT<br />
EINEN SPANNENDEN RAHMEN FÜR MUSIKALISCHE KOSTBARKEITEN<br />
KUNSTHAUS BREGENZ<br />
Anri Sala Time No Longer, <strong>2021</strong><br />
18
In der letzten Festspielwoche,<br />
wenn draußen am See die letzten<br />
Vorstellungen über die Bühne<br />
gehen, gibt es an anderen Spielstätten<br />
des Festivals noch einmal<br />
gänzlich Neues zu erleben. Seit<br />
dem Frühjahr 2015 haben die Bregenzer<br />
Festspiele in Zusammenarbeit<br />
mit dem Kunsthaus Bregenz<br />
mehrere Einblicke in die Entstehung<br />
der Oper Wind von Alexander<br />
Moosbrugger und Flaka Haliti<br />
geboten.<br />
DER LIEBE AUF DER SPUR<br />
Die Vorlage für Wind lieferte<br />
der 1499 erschienenen Roman<br />
Hypnerotomachia Poliphili von<br />
Francesco Colonna. Darin träumt<br />
Poliphilo von seiner geliebten Polia<br />
und wandelt auf der Suche nach ihr<br />
durch eine wahrlich utopische Welt:<br />
ein fantastischer Garten, bezaubernde<br />
Tiere, lieblich plätschernde<br />
Wasser, Musen und Nymphen.<br />
Auch im Konzert im KUB begibt<br />
sich die Sängerin Hanna Herfurtner,<br />
die in Wind die Polia verkörpert,<br />
mit dem schlafenden Helden auf die<br />
Reise durch seinen Traumgarten.<br />
Mit ihrem Ensemble THE PRESENT<br />
verknüpft sie Alte und Neue Musik<br />
und spürt im KUB musikalisch der<br />
großen Liebe nach, begleitet von<br />
der Sehnsucht nach vergangenen<br />
goldenen Zeiten. Neben Kompositionen<br />
des 15. und 16. Jahrhunderts<br />
von Josquin Desprez, Luca<br />
Marenzio, Carlo Gesualdo, Cipriano<br />
di Rore und Claudio Monteverdi<br />
erklingen auch zeitgenössische<br />
Töne von Wolfgang Heiniger, eine<br />
Uraufführung von Sidney Corbett,<br />
Musik der jungen preisgekrönten<br />
Komponistin Catherine Lamb und<br />
von Lucia Ronchetti. In ihren 2013<br />
entstandenen Blumenstudien interpretierte<br />
sie Madrigale von Carlo<br />
Gesualdo neu und formte sie unter<br />
anderem mit Texten wie der Elegie<br />
Die Metamorphose der Pflanzen von<br />
Johann Wolfgang Goethe zu einem<br />
neuen Werk.<br />
ANRI SALA IN DER<br />
KUB SOMMERAUSSTELLUNG<br />
Zeitgleich mit den Bregenzer<br />
Festspielen präsentiert das KUB<br />
auch seine <strong>Sommer</strong>ausstellung,<br />
die in diesem Jahr dem Künstler<br />
Anri Sala gewidmet ist. Salas<br />
transformativen, zeitbasierten<br />
Werke entwickeln sich aus einem<br />
dichten Beziehungsnetz zwischen<br />
Klang, Bild und Architektur. Ein<br />
wiederkehrendes Medium in der<br />
Ausstellung ist der Film. Dabei<br />
gibt es bei Sala im Gegensatz zum<br />
herkömmlichen Kino kein stringentes<br />
Narrativ oder gar Schauspielerinnen<br />
und Schauspieler – es<br />
sind vielmehr musikalische Stücke,<br />
die in den Arbeiten zu Protagonistinnen<br />
und Protagonisten werden.<br />
Das Filmische entsteht aus dem<br />
Musikalischen und nicht, wie üblich,<br />
umgekehrt. Dabei tauchen die<br />
Besucherinnen und Besucher in<br />
ein bildhaft-akustisches Raumerlebnis<br />
ein.<br />
Das KUB mit seiner auratischen<br />
Präsenz und besonderen Akustik<br />
bietet den perfekten Resonanzkörper<br />
für die Kunst Anri Salas, die<br />
stets den Ausstellungsraum miteinbezieht.<br />
Dabei geht es ihm nicht<br />
darum, einfach auf den gegebenen<br />
Raum zu reagieren, sondern darum,<br />
die Bedingungen dafür herzustellen,<br />
dass die verschiedenen Arbeiten<br />
miteinander und mit dem Publikum<br />
in Beziehung treten können.<br />
In der Ausstellung in Bregenz<br />
sind neuere und gänzlich neue<br />
Werke zu sehen. Ein Plattenspieler,<br />
freischwebend in einer verlassenen<br />
Raumkapsel, eine Gartenschnecke,<br />
die sich langsam über einen Violabogen<br />
bewegt, das leise Scharf und<br />
Unscharf der Architektur, eine<br />
alte Druckwalze, deren metallenes<br />
Muster in gespenstische Töne übersetzt<br />
wird. All dies sind Elemente<br />
und Bilder, die Anri Sala einsetzt,<br />
um bestehende Bedeutungszusammenhänge<br />
zu hinterfragen.<br />
KONZERT IM KUB<br />
10. August <strong>2021</strong> – 21.00 Uhr<br />
THE PRESENT<br />
Sopran Hanna Herfurtner,<br />
Olivia Stahn<br />
Alt Amélie Saadia<br />
Tenor Tim Karweick<br />
Bass Felix Schwandtke<br />
Theorbe Lee Santana<br />
KUB <strong>2021</strong>.03<br />
ANRI SALA<br />
Die Ausstellung ist noch<br />
bis zum 10. Oktober <strong>2021</strong><br />
zu erleben.<br />
www.kunsthaus-bregenz.at<br />
KUB ÖFFNUNGSZEITEN<br />
Täglich geöffnet 10.00 – 18.00 Uhr<br />
Donnerstag 10.00 – 20.00 Uhr<br />
Kostenlose Kurzeinführungen<br />
während der <strong>Festspielzeit</strong><br />
Donnerstag – Sonntag, jeweils<br />
um 16.00 Uhr<br />
www.kunsthaus-bregenz.at<br />
KONZERT IM KUB<br />
19
BLASMUSIK<br />
VON IHRER<br />
BESTEN SEITE<br />
CROSSCULTURE<br />
DAS GROSSE ABSCHLUSSKONZERT<br />
DES FÜNFTEN INTERNATIONALEN BLASMUSIKCAMPS
Quelle der<br />
Inspiration<br />
Anregende Begegnungen,<br />
gemeinsames Lernen mit<br />
Gleichgesinnten und das<br />
Erlebnis eines Konzertauftritts<br />
bei den Bregenzer Festspielen –<br />
mit diesen Aussichten und jeder<br />
Menge Spaß beim Proben lockt<br />
der Vorarlberger Blasmusikverband<br />
diesen <strong>Sommer</strong> bereits zum<br />
fünften Mal rund 80 Menschen<br />
aus ganz Österreich, dem benachbarten<br />
Ausland und aus der Ukraine<br />
zum IBC, dem Internationalen<br />
Blasmusikcamp.<br />
Ins Leben gerufen, um sehr<br />
guten Amateurmusikerinnen und<br />
-musikern das Spielen von symphonischer<br />
Blasmusik in großer<br />
Besetzung und ohne »Festzeltcharakter«<br />
zu ermöglichen, hat<br />
sich das IBC in der Szene mittlerweile<br />
als Fixpunkt etabliert.<br />
Am Camp teilnehmen können<br />
Menschen jeden Alters, die ihr<br />
Instrument auf dem Niveau des<br />
goldenen Leistungsabzeichen<br />
beherrschen.<br />
Unter der Leitung von Martin<br />
Kerschbaum erarbeiten die Teilnehmerinnen<br />
und Teilnehmer an<br />
fünf Tagen ein anspruchsvolles<br />
und abwechslungsreiches Konzertprogramm.<br />
Begleitet werden<br />
sie dabei von Dozenten der Wiener<br />
Symphoniker, die neben<br />
Können auch Einblicke in den<br />
Alltag eines Orchesters vermitteln.<br />
Krönender Abschluss der<br />
intensiven Probenwoche ist das<br />
Konzert im Rahmen der Bregenzer<br />
Festspiele, das dieses Jahr unter<br />
dem Titel Brass Eroico steht.<br />
Passend festlich und »heroisch«<br />
eröffnet wird die Matinee mit<br />
James Barnes Symphonischer<br />
Ouvertüre, die dieser zur Feier<br />
des 50-jährigen Jubiläums der<br />
United States Air Force Band<br />
komponierte. Nach Ludwig van<br />
Beethovens Marsch Nr. 1 in F-Dur,<br />
bekannt als Yorck'scher Marsch,<br />
spannt die Matinee einen Bogen<br />
zum weiteren Programm der Bregenzer<br />
Festspiele und präsentiert<br />
Einblicke in die Musik von Arrigo<br />
Boitos Nero und Giuseppe Verdis<br />
Rigoletto. Mitreißende Melodien<br />
von Benny Goodman und Glenn<br />
Miller, Werke von Alfred Reed,<br />
Franz von Suppè zeigen die<br />
Vielfalt der im Camp erarbeiteten<br />
Werke. Erstmals wird beim IBC<br />
mit Intrada Jubilo auch ein Werk<br />
des Komponisten und Symphoniker-Klarinettisten<br />
Martin Rainer<br />
einstudiert. Wie der Dirigent<br />
Martin Kerschbaum ist auch er<br />
Musiker bei den Wiener Symphonikern<br />
und gemeinsam mit<br />
den engagierten Dozenten des<br />
Spitzenorchesters das beste<br />
Beispiel, dass sich Blasmusik und<br />
ein Symphonisches Orchester<br />
perfekt ergänzen können.<br />
KINDER- & JUGENDPROGRAMM<br />
CROSSCULTURE<br />
BRASS EROICO<br />
BLASORCHESTERMATINEE<br />
Musikalische Leitung Martin<br />
Kerschbaum<br />
Absolventinnen und Absolventen<br />
des 5. Internationalen<br />
Blasmusik-Camps, Dozenten<br />
der Wiener Symphoniker<br />
15. August <strong>2021</strong> – 11.00 Uhr |<br />
Festspielhaus<br />
Wer der Nachwelt 39<br />
Opern hinterlässt, ist<br />
zweifelsohne ein Genie:<br />
Gioachino Rossini. Er beherrschte<br />
das Handwerk der Komposition und<br />
sprudelte vor Einfällen. Sein Sinn<br />
für fantasievollen Humor ist legendär.<br />
So bezeichnete der Meister<br />
seine Sammlung kleiner Spätwerke<br />
für Klavier selbst als »Alterssünden«.<br />
Die Stücke tragen Namen, wie<br />
»Gefolterter Walzer«, »Asthmatische<br />
Etüde« oder »Fehlgeburt<br />
einer Polka-Mazurka«. Rossinis<br />
Gespür für witzige, lautmalerische<br />
Effekte und ironische Situationskomik<br />
schwingt auch in seiner Oper<br />
Die Italienerin von Algier mit.<br />
Diese Gratwanderung zwischen<br />
Professionalität und Spaß inspiriert<br />
uns: Aus jeder Kaffeebohne<br />
holen wir mit viel Herzblut und<br />
Handwerkskunst die Aromen und<br />
Noten heraus, die in ihr stecken.<br />
Spielerisch leicht experimentieren<br />
wir mit neuen Zubereitungsarten,<br />
Latte Art und Kreationen. So legen<br />
wir im <strong>Sommer</strong> unseren Espresso<br />
gerne mal auf (Vanille-)Eis. Schon<br />
probiert?<br />
Dallmayr wünscht Ihnen viel<br />
Genuss und eine wunderbare<br />
<strong>Festspielzeit</strong>!<br />
BRASS EROICO | FESTSPIEL-PARTNER<br />
21
SICHER IN DEN<br />
FESTSPIELSOMMER<br />
FRAGEN UND ANTWORTEN RUND UM IHREN FESTSPIELBESUCH UND<br />
DAS COVID-19-PRÄVENTIONSKONZEPT DER BREGENZER FESTSPIELE<br />
BREGENZER FESTSPIELE<br />
Genuss und Sicherheit gehören<br />
diesen <strong>Sommer</strong> bei<br />
Veranstaltungen zusammen.<br />
Damit keines von beiden zu<br />
kurz kommt, haben die Bregenzer<br />
Festspiele auf Basis der Regelungen<br />
der österreichischen Regierung und<br />
in enger Abstimmung mit Behörden,<br />
Expertinnen und Experten ein<br />
Präventionskonzept erarbeitet.<br />
Nachstehend finden Sie alle Informationen<br />
rund um Ihren Besuch im<br />
Zusammenhang mit Covid-19.<br />
Welche Einlassregelungen<br />
gelten für die Veranstaltungen<br />
im Festspielsommer?<br />
Für die Teilnahme an den Veranstaltungen<br />
müssen alle Festspielgäste<br />
geimpft, genesen oder getestet sein.<br />
Eine entsprechende Kontrolle findet<br />
an Spielabenden am Vorplatz des<br />
Festspielhauses statt. Ein amtlicher<br />
Lichtbildausweis sowie einer der<br />
folgenden Nachweise, ausgestellt in<br />
englischer oder deutscher Sprache,<br />
ist verpflichtend vorzuweisen:<br />
GETESTET Alle Gäste verpflichten<br />
sich dazu, einen von offizieller Stelle<br />
zertifizierten Test auf SARS-CoV-2<br />
mit negativem Ergebnis vorzuweisen.<br />
Gültig sind zertifizierte Selbsttests<br />
(24 h), von medizinischem Personal<br />
durchgeführte Antigen-Tests (48 h)<br />
und PCR-Tests (72 h). Der Nachweis<br />
kann in digitaler oder ausgedruckter<br />
Form vorgelegt werden.<br />
GENESEN Ausgenommen von der<br />
Testpflicht sind Personen, die in<br />
den vergangenen sechs Monaten an<br />
Covid-19 erkrankt sind. Folgende<br />
Möglichkeiten eines Nachweises<br />
stehen zur Verfügung: ärztliche<br />
Bestätigung, Nachweis über neutralisierende<br />
Antikörper (für einen<br />
Zeitraum von drei Monaten), behördlicher<br />
Absonderungsbescheid<br />
(nach § 4 Abs. 18 EpiG).<br />
GEIMPFT Ab dem 22. Tag nach der<br />
ersten Impfung ist der Impfnachweis<br />
als Einlassdokument gültig.<br />
Als Nachweis gilt ein offizielles<br />
Impfdokument, das zum Zeitpunkt<br />
des Besuchs gültig ist.<br />
Welche Regelungen gelten<br />
diesbezüglich für Kinder?<br />
Auch für Kinder ab 12 Jahren ist<br />
ein Einlass nur mit einem dieser<br />
drei Nachweise (getestet, genesen,<br />
geimpft) möglich.<br />
Welche Testmöglichkeiten gibt<br />
es vor Ort?<br />
Neben den offiziellen Teststraßen<br />
bieten auch diverse Apotheken Tests<br />
auf SARS-CoV-2 an. Tagesaktuelle<br />
Testmöglichkeiten in Bregenz und<br />
in ganz Vorarlberg finden Sie auf<br />
www.bregenz.travel/corona bzw.<br />
www.vorarlberg.at/vorarlbergtestet.<br />
Die Bregenzer Festspiele verfügen<br />
über keine eigene Teststation.<br />
Welche Hygienemaßnahmen<br />
gelten für die Veranstaltungen<br />
im Festspielsommer?<br />
Es gelten die zum Zeitpunkt der<br />
Veranstaltungen vorgeschriebenen<br />
Abstands- und Hygienevorschriften.<br />
Durch den Nachweis der »3G«<br />
(getestet, genesen, geimpft) entfällt<br />
für die Festspielbesucherinnen<br />
und Festspielbesucher die Maskenpflicht<br />
an allen Spielorten.<br />
Wie erfolgt die Platzierung der<br />
Besucherinnen und Besucher?<br />
Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen<br />
ist im Festspielsommer<br />
eine Vollbelegung der Spielstätten<br />
möglich. Daher werden alle Sitzplätze<br />
belegt.<br />
Werden meine Festspielkarten<br />
personalisiert?<br />
Beim Kartenkauf werden bereits<br />
folgende Daten des Käufers bzw. der<br />
Käuferin gemäß der Datenschutzerklärung<br />
erhoben und verarbeitet:<br />
Vorname, Nachname, Adresse,<br />
Telefonnummer und/oder E-Mail-<br />
Adresse. Bei Verdacht auf eine<br />
Infektion werden diese Daten an<br />
die Gesundheitsbehörde weitergegeben.<br />
Kartenkäufer verpflichten<br />
sich im Falle einer Covid-19-bedingten<br />
Kontaktnachverfolgung, alle<br />
Besucherinnen und Besucher seines<br />
Auftrags sowie der betreffenden<br />
22
Keine<br />
Veranstaltung<br />
ohne Karte!<br />
Veranstaltung zu benennen und<br />
die entsprechenden behördlichen<br />
Hinweise an diese weiterzuleiten.<br />
Eine Personalisierung der einzelnen<br />
Tickets wird nicht vorgenommen.<br />
Welche Stornobedingungen<br />
gelten für den Festspielsommer?<br />
Wenn aufgrund von Einreisebestimmungen<br />
bzw. der Quarantäneregelung<br />
eine Teilnahme an der<br />
Veranstaltung nicht möglich ist,<br />
erstatten die Bregenzer Festspiele<br />
den Kartenwert. Bitte wenden<br />
Sie sich in diesem Fall per Mail an<br />
ticket@bregenzerfestspiele.com.<br />
Bitte beachten Sie aber, dass bei<br />
einer Erkrankung bzw. einer Absonderung<br />
Tickets nicht zurückgenommen<br />
werden. Wir empfehlen<br />
diesbezüglich den individuellen<br />
Abschluss einer Reiseversicherung<br />
mit entsprechendem Ausfallschutz.<br />
Welche Bestimmungen gelten für<br />
die Einreise nach Österreich?<br />
Aktuelle Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen<br />
finden Sie auf<br />
der Website des Österreichischen<br />
Außenministeriums sowie auf der<br />
Seite von Österreich Tourismus:<br />
www.bmeia.gv.at | www.austria.info<br />
Wie verhalte ich mich, wenn<br />
Krankheitssymptome auftreten?<br />
Bei Auftreten von Krankheitssymptomen<br />
bitten wir Sie,<br />
Veranstaltungen fernzubleiben.<br />
Detaillierte Informationen zu<br />
möglichen Beschwerden bei einer<br />
Covid-19-Erkrankung finden Sie<br />
unter anderem auf der Seite des<br />
Österreichischen Gesundheitsportals:<br />
www.gesundheit.gv.at.<br />
Die hier angeführten Informationen<br />
basieren auf dem Stand<br />
zum Redaktionsschluss dieses<br />
Magazins. Bitte informieren Sie<br />
sich vor Ihrem Festspielbesuch<br />
über die aktuell gültigen Bestimmungen<br />
auf unserer Website<br />
www.bregenzerfestspiele.com<br />
Anders als in den Vorjahren<br />
benötigen Festspielgäste<br />
in diesem <strong>Sommer</strong> auch<br />
bei kostenlosen Veranstaltungen<br />
Karten. Sie garantieren, dass die<br />
limitierte Anzahl der Personen<br />
im Publikumsbereich nicht überschritten<br />
wird. Für folgende Veranstaltungen<br />
mit freiem Eintritt<br />
werden Karten ausgegeben:<br />
FESTSPIELGESPRÄCHE<br />
Gemeinsam mit dem ORF veranstaltet<br />
der Verein der Freunde<br />
der Bregenzer Festspiele auch<br />
heuer wieder Festspielfrühstücke<br />
mit Künstlerinnen und Künstlern.<br />
Am 1. August ist Rigoletto-Dirigentin<br />
Julia Jones zu Gast, am 15. August<br />
die Sängerin Hanna Herfurtner, die<br />
diesen <strong>Sommer</strong> als Polia in Wind<br />
sowie im Konzert im KUB zu erleben<br />
ist. Bereits um 9.00 Uhr öffnet das<br />
Seefoyer zum Frühstück, die Gespräche<br />
selbst dauern von 9.30 bis<br />
ca. 10.15 Uhr.<br />
Zusätzliche Einblicke in ein Leben<br />
auf der Bühne bietet Kammersängerin<br />
Brigitte Fassbaender am<br />
7. August mit einer Lesung aus ihrer<br />
Biografie Komm' aus dem Staunen<br />
nicht heraus.<br />
EINFÜHRUNGSVORTRÄGE<br />
Die Einführungsvorträge zu den<br />
Orchesterkonzerten finden jeweils<br />
45 Minuten vor Beginn des Konzertes<br />
statt. Für das Opernstudio am<br />
Kornmarkt und die Produktionen<br />
auf der Werkstattbühne werden<br />
dieses Jahr keine Einführungsvorträge<br />
angeboten.<br />
Karten erhalten Sie telefonisch unter<br />
+43 5574 407-5 sowie online unter<br />
www.bregenzerfestspiele.com.<br />
SICHER IN DEN FESTSPIELSOMMER<br />
23
SPIEL AUF DEM SEE<br />
24
IN JEDER HÖHE<br />
ÜBER SICH<br />
RIGOLETTO<br />
HINAUSWACHSEN<br />
EFFEKTVOLLE STUNTS SIND DIE BESONDERE WÜRZE DES SPIELS AUF DEM<br />
SEE. DOCH ZU VIEL DAVON KANN DEM GEIST DER INSZENIERUNG<br />
SCHADEN. VIVA FOSTER UND EMILIO DIAZ ÜBER DAS RICHTIGE MASS
SPIEL AUF DEM SEE<br />
Je mehr, umso besser? Höher,<br />
schneller, lauter um jeden<br />
Preis? Action über alles?<br />
Emilio Diaz, Stunt Supervisor auf<br />
der Seebühne bei der aktuellen Inszenierung<br />
von Rigoletto, schüttelt<br />
den Kopf: »Nein, nein – wir wollen<br />
das Publikum doch nicht schockieren,<br />
es überfordern. Im Mittelpunkt<br />
der Inszenierung steht das Werk.<br />
Wir sind dazu da, Stunts genau so<br />
zu temperieren, dass sie helfen,<br />
die Spannung zu unterstützen.«<br />
Aber das Spiel auf dem See sei kein<br />
Zirkus. Viva Forster, die am Ende<br />
der Inszenierung als Stunt-Frau und<br />
Double der Hauptfigur Gilda am<br />
stärksten gefordert ist, sieht das<br />
im Prinzip genauso wie ihr Kollege<br />
Emilio. Obwohl es für die 27-Jährige<br />
gar nicht wild genug zugehen kann,<br />
wie sie lachend versichert.<br />
DAS GEHEIMNIS AUS ENGLAND<br />
Eine große Portion Adrenalin hält<br />
dann auch die Schlussphase der<br />
Oper für Viva Foster bereit, wenn sie<br />
die Grenzen zwischen Himmel und<br />
Erde auslotet: Und das hat etwas mit<br />
Höhe zu tun, und zwar mit einer sehr<br />
respektablen. Genauer gesagt mit<br />
45 Metern, wenn Viva als Gilda in der<br />
Schlussszene in den Himmel über<br />
Bregenz entschwebt. »Eine Herausforderung,<br />
für die Schwindelfreiheit<br />
von Vorteil ist«, sagt die Stunt-Frau,<br />
die ursprünglich aus Neuseeland<br />
stammt und eigentlich von Ballett<br />
und Tanz kommt.<br />
Es ist eine Sache, als Bewegungsprofi<br />
mit viel Training in spektakulären<br />
Situation den Atem der<br />
Zuschauer stocken zu lassen – was<br />
aber ist mit den Darstellerinnen<br />
und Darstellern von Rigoletto, die<br />
Schauspiel und Gesang verbinden,<br />
aber keine Stunt-Leute sind? Und<br />
die trotzdem mit ungewöhnlichen<br />
Situationen zurecht kommen müssen,<br />
wenn sie ihr ganzes Herzblut in<br />
Stimme und Ausdruck legen, während<br />
ihnen der Wind in schwindelerregender<br />
Höhe um die Nase weht?<br />
»Das Geheimnis, um das gut hinzubekommen,<br />
heißt: Wendy«, erklärt<br />
Emilio. Wendy Hesketh-Ogilvie,<br />
um genau zu sein. Sie und ihr Mann<br />
Jamie Ogilvie sind an der Spitze<br />
des Stunt-Teams eng mit Regie,<br />
Bühnenbild und Dramaturgie verbunden,<br />
um innerhalb der Inszenierung<br />
das rechte Maß für Effekte zu<br />
finden. Beide betreiben in Liverpool<br />
das Wired Aerial Theatre. Diese<br />
Company übt die Kunst von Luftnummern<br />
im besten und wahrsten<br />
Sinne des Wortes aus. Denn die<br />
Akteure scheinen mit technischen<br />
Mitteln wie Bungee-Seilen in ihrer<br />
Performance die Schwerkraft<br />
tatsächlich hinter sich zu lassen.<br />
»Wendy kann die Künstlerinnen und<br />
Künstler in Rigoletto ermutigen,<br />
sie wachsen lassen«, sagt Emilio.<br />
Zu spüren, wie weit jemand bereit<br />
ist zu gehen – und ob er oder<br />
sie diesen Weg auch tatsächlich<br />
beschreiten kann oder sich damit<br />
überfordern würde, auch wenn die<br />
Bereitschaft da wäre, ihn zu gehen.<br />
Für all das brauche es einen besonderen<br />
Sinn. »Und den haben Wendy<br />
und Jamie.«<br />
SICHER VORBEREITET<br />
In den Fragen, die Höhe betreffen,<br />
bedeutet das konkret, etwa die verschiedenen<br />
Besetzungen der Gilda<br />
behutsam, aber zielgerichtet auf<br />
Momente vorzubereiten, in denen<br />
sie ihre Kunst sozusagen schwebend<br />
entfalten müssen. »Das ist<br />
sowohl ein körperlicher als auch ein<br />
psychischer Prozess«, weiß Emilio.<br />
Es beginnt in einem Probensaal, in<br />
dem die Sängerinnen und Sänger<br />
Schritt für Schritt an Höhe herangeführt<br />
werden, später auch auf der<br />
Seebühne selbst. »Es ist dann im<br />
Verlauf auch immer ein bisschen ein<br />
Wettbewerb im Team«, erzählt er.<br />
Immer wieder ein Stückchen über<br />
sich hinauszuwachsen und es selbst<br />
auch zu wagen, wenn der Kollege<br />
oder die Kollegin den nächsten Step<br />
erfolgreich gemeistert hat.<br />
Auf 15 Meter Höhe wagen sich die mutigen Gilda-Sängerinnen im Ballonkorb für die<br />
berühmte Arie »Caro nome«. Erst für das Abseilen in der darauf folgenden Entführungs-<br />
szene und für das große Finale kommt Viva Foster als Gilda-Double zum Einsatz.<br />
Insgesamt sind rund 20 Menschen<br />
Teil des Rigoletto-Stunt-Teams.<br />
Aber nicht jedes Mitglied hat eine<br />
so exponierte Aufgabe wie Viva<br />
Foster. »Wichtige Arbeit findet<br />
auch hinter den Kulissen statt«,<br />
sagt sie. Und Emilio ergänzt: »Da<br />
geht es um die technischen Fragen.«<br />
Wie ist ein Stunt gesichert? Ist das<br />
Material in bestem Zustand? Sind<br />
alle Vorkehrungen auch mehrfach<br />
überprüft, damit im Ernstfall ein<br />
Effekt vielleicht zwar schiefgeht –<br />
aber trotzdem vor allem niemand<br />
verletzt wird? All das im Blick zu<br />
behalten und dabei für das richtige<br />
26
Gemeinsam mit »Gilda« Viva<br />
Foster und Stunt Supervisor<br />
Emilio Diaz sorgen in Rigoletto<br />
über 20 Stuntleute, Artistinnen<br />
und Artisten für Bewegung<br />
auf der Bühne.<br />
RIGOLETTO<br />
Timing zu sorgen, während womöglich<br />
ein launisches Wetter noch im<br />
Laufe eines Abends kurzfristige<br />
Entscheidungen nötig macht, ist<br />
nichts für schwache Nerven.<br />
»Gerade wenn es ums Wetter geht,<br />
haben wir auf der Seebühne viele<br />
Dinge einfach nicht in der Hand«,<br />
sagt Emilio. Wenn jemand in den<br />
Seilen hänge und Wind um die<br />
Bühne brause, dann sei das von<br />
Seiten der Sicherheit her zwar<br />
kein großes Problem – »aber das<br />
Publikum wäre davon zu sehr<br />
gefangen, es würde sich Sorgen<br />
um die Stuntleute machen«, sagt<br />
Emilio, während Viva lächelt, weil<br />
sie gegen ein bisschen Wind für<br />
gewöhnlich nichts einzuwenden<br />
hat. Trotzdem: Zeichnen sich<br />
stärkere Böen ab, wird – im Zweifel<br />
nur wenige Minuten zuvor – der<br />
Stunt abgeblasen. Und die Inszenierung<br />
muss – vom Publikum unbemerkt<br />
– ohne ihn auskommen.<br />
BESTÄNDIG NEUES<br />
Pläne ändern sich also und manche<br />
Effekte, die im Zuge der Planungen<br />
zunächst für gut und spektakulär<br />
befunden werden, erweisen sich<br />
während der Proben auf der Bühne<br />
als eher mäßig. »Und sie verschwinden<br />
wieder«, sagt Emilio und nennt<br />
als Beispiel einen bestimmten<br />
Balance-Akt auf einem Seil, der in<br />
Rigoletto gestrichen worden sei.<br />
Zwar ist eine Inszenierung mit<br />
so vielen Details wie beim Spiel<br />
auf dem See fast wie ein lebendiger,<br />
dynamischer Organismus.<br />
Doch grundlegende Elemente des<br />
Stunt-Repertoires haben auch in<br />
der zweiten Spielsaison Bestand.<br />
Und wie beständig ist das Stunt-<br />
Team selbst? Muss sich das Team<br />
im Wiederholungsjahr auf eine<br />
komplett neue Mannschaft einstellen?<br />
Und damit praktisch wieder<br />
bei null beginnen? »Zum Glück<br />
nicht«, sagt Emilio. Und Viva<br />
schätzt, dass ungefähr 20 Prozent<br />
zum Wechsel der jeweiligen Spielzeit<br />
neu an Bord sind. »Ganz davon<br />
abgesehen, muss man nach einer<br />
so langen Winterpause immer erst<br />
wieder langsam in die verschiedenen<br />
Aufgaben hineinwachsen und<br />
viel trainieren.« Und gemeinsam<br />
mit der gesamte Crew in jeder Spielzeit<br />
wieder aufs Neue das richtige<br />
Maß finden. Um Zuschauer zwar<br />
in den Bann zu ziehen, sie zu verzaubern,<br />
ohne sie aber mit inflationären<br />
Effekten davon abzulenken,<br />
dass Rigoletto immer noch eine<br />
Oper ist und kein Action-Film.<br />
SPIEL AUF DEM SEE<br />
RIGOLETTO<br />
Giuseppe Verdi<br />
Oper in drei Akten (1851) | Libretto<br />
von Francesco Maria Piave nach<br />
Victor Hugos Le Roi s'amuse (1832) |<br />
In italienischer Sprache mit<br />
deutschen Übertiteln<br />
Alle Spieltermine finden Sie<br />
in der Heftmitte.<br />
Das Spiel auf dem See wird<br />
präsentiert von<br />
27
VON DER IDEE<br />
ZUR PREMIERE<br />
SPIEL AUF DEM SEE<br />
ALLE ZWEI JAHRE ERFINDEN DIE BREGENZER FESTSPIELE IHR SPIEL AUF DEM SEE<br />
VOLLKOMMEN NEU. WIE VIEL KÖPFCHEN, HANDWERK UND VOR ALLEM HERZBLUT<br />
IN JEDER INSZENIERUNG STECKT, LÄSST EIN BLICK INS FOTOALBUM ERAHNEN.<br />
Etwa dreieinhalb Jahre dauert der Prozess, der<br />
der Premiere einer neuen Inszenierung auf der<br />
Seebühne vorangeht. Zunächst wählt die Intendanz<br />
das Werk aus und sucht sich ihr Team für Regie<br />
und Bühnenbild. Dazu kommen die Verantwortlichen<br />
für alle anderen Teilbereiche wie Kostüm, Licht, Choreografie<br />
und musikalische Leitung. Gemeinsam bilden sie<br />
das »Leading Team«.<br />
Die imposanten Kulissen auf der Seebühne beginnen<br />
ganz klein, als bis ins Detail ausgearbeitete Modelle<br />
im Maßstab 1:100. Kann das künstlerische Team die<br />
Festspiel-Verantwortlichen von seinem Konzept überzeugen,<br />
beginnen die Technikabteilungen des Festivals<br />
mit der Planung und der Ausschreibung der einzelnen<br />
Gewerke. Für Rigoletto waren rund 40 externe Firmen<br />
an der Herstellung der Bühne beteiligt. Die Bauzeit<br />
im See beträgt rund zehn Monate. Mit dem Abbau der<br />
vorherigen Kulisse beginnt im fliegenden Wechsel der<br />
Aufbau für das neue Stück – alle zwei Jahre erhält die<br />
Seebühne ein neues Gesicht.<br />
Frühling 2017 – Der Aufbau für Carmen, das Spiel auf dem<br />
See 2017/18, ist in vollem Gang. Nur noch wenige Monate<br />
dauert es bis zur Premiere! <br />
Ein wichtiges Etappenziel ist im April erreicht und<br />
wird mit dem traditionellen Richtfest gefeiert: Die<br />
wesentlichen Bühnen-Elemente sind montiert und es<br />
geht an die technischen Feinarbeiten. Bis zuletzt<br />
kitzelt das Team aus den technischen Möglichkeiten<br />
das Maximum heraus.<br />
Die szenischen Proben beginnen im Juni mit der Ankunft<br />
der Künstlerinnen und Künstler. Rund fünf Wochen<br />
dauert diese intensive Zeit, bei der alle Beteiligten sich<br />
mit den Besonderheiten der riesigen Bühne unter freiem<br />
Himmel vertraut machen.<br />
Im Juli schließlich ist es endlich soweit und es heißt:<br />
toi, toi, toi für die Premiere!<br />
Unterdessen hat man im Festspielhaus schon die weitere<br />
Zukunft im Auge: Das Regieteam präsentiert sein Konzept<br />
für das nächste Spiel auf dem See 2019: Rigoletto .<br />
28
Herbst 2018 – Nach zwei Jahren, mit dem Abbau der letzten<br />
Bühnenteile, ist aus Carmen ein Stück Festspielgeschichte<br />
geworden. Der Aufbau für Rigoletto läuft bereits. <br />
April 2019 – Ungewöhnliche Bühnenbilder erfordern eben-<br />
solche Lösungen: das letzte Kulissenteil für Rigoletto auf<br />
seinem Weg zur Bühne. <br />
RIGOLETTO<br />
Stück für Stück – hauptsächlich aus Stahl, Holz und Styropor –<br />
entstehen die Kulissenteile. <br />
Juni 2019|21 – Rund fünf Wochen dauern die Proben mit<br />
den Künstlerinnen und Künstlern. <br />
Winter|Frühling 2019 – Per Schiff und LKW werden die<br />
einzelnen Elemente zur Seebühne gebracht und an Ort<br />
und Stelle montiert. <br />
Juli 2019|21 – PREMIERE! Die Saison beginnt ... In einem<br />
zweiten Spieljahr startet am Tag nach der letzten Aufführung<br />
der Abbau – Rigoletto macht Platz für Madame Butterfly.<br />
29
BREGENZER FESTSPIELE 2022<br />
PROGRAMM<br />
VORSCHAU<br />
BREGENZER FESTSPIELE 2022<br />
SPIEL AUF DEM SEE<br />
MADAME<br />
BUTTERFLY<br />
GIACOMO PUCCINI<br />
Die japanische Geisha<br />
Cio-Cio-San, genannt<br />
Butterfly, schwelgt im<br />
Glück, als sie der amerikanische<br />
Marineleutnant Pinkerton zur<br />
Frau nimmt. Die Liebe findet ihren<br />
Höhepunkt in einem fulminanten<br />
Duett. Welten und Werte prallen<br />
aufeinander, denn während sich<br />
Pinkerton frei fühlt und zurück in<br />
seiner Heimat eine Amerikanerin<br />
heiratet, wartet Butterfly voll Liebe,<br />
Hoffnung und Sehnsucht drei Jahre<br />
lang auf die Rückkehr ihres Mannes<br />
– zusammen mit dem gemeinsamen<br />
Kind. Ihre berühmte Arie »Un bel<br />
dì vedremo« trifft mitten ins Herz.<br />
Als Pinkerton mit seiner amerikanischen<br />
Frau wieder auftaucht, fällt<br />
Cio-Cio-San eine unumstößliche<br />
Entscheidung.<br />
Giacomo Puccinis Madame Butterfly,<br />
eine der heute meistge spielten<br />
Opern, ist im Festspielsommer 2022<br />
zum ersten Mal auf der Seebühne<br />
zu erleben. Die musikalische Leitung<br />
übernimmt Enrique Mazzola, der<br />
auch für die Rigoletto-Einstudierung<br />
zuständig war. Regisseur Andreas<br />
Homoki, Intendant des Opernhauses<br />
Zürich, bringt ein international<br />
erfolg reiches Team mit, das im<br />
magischen Bühnenbild von Michael<br />
Levine mit feinen Landschaftsmalereien<br />
japanisches Flair an den<br />
Bodensee zaubert.<br />
Oper in drei Akten (1904) |<br />
Libretto von Luigi Illica<br />
und Giuseppe Giacosa |<br />
In italienischer Sprache<br />
mit deutschen Übertiteln<br />
30<br />
PREMIERE<br />
20. Juli 2022 – 21.15 Uhr<br />
VORSTELLUNGEN<br />
22., 23., 24., 26., 27., 28., 29.,<br />
30. & 31. Juli – 21.15 Uhr<br />
2., 4., 5., 6., 7., 9., 11., 12., 13., 14.,<br />
16., 17., 19., 20. & 21. August –<br />
21.00 Uhr<br />
Seebühne | Festspielhaus<br />
Musikalische Leitung Enrique Mazzola<br />
Inszenie rung Andreas Homoki<br />
Bühne Michael Levine<br />
Kostüme Antony McDonald<br />
Licht Franck Evin<br />
Video Luke Halls<br />
Choreographie Lucy Burge<br />
Bregenzer Festspielchor<br />
Prager Philharmonischer Chor<br />
Wiener Symphoniker
OPER IM FESTSPIELHAUS<br />
SIBIRIEN<br />
UMBERTO GIORDANO<br />
Es ist eine ungeheure Liebestat,<br />
wenn Stephana ihr Leben als<br />
Kurtisane im eleganten Stadtpalais<br />
in St. Petersburg aufgibt,<br />
um ihrer wahren Liebe Vassili ins<br />
sibirische Straflager zu folgen. Dort,<br />
in der Verbannung, wandelt sie sich<br />
zur unerschütterlichen Heldin.<br />
Die dichte Handlung, die Emotionalität<br />
der Figuren und den imposanten<br />
Chor zeichnet Umberto<br />
Giordano in seiner italienischen<br />
Oper Sibirien im Stil des Verismo.<br />
Faszinierende russische Klänge von<br />
der Zarenhymne bis zum volkstümlichen<br />
Lied der Wolga-Schlepper sind<br />
in die packende Musik eingebettet.<br />
Trotz des Lokalkolorits bedeutet<br />
Sibirien für Giordano, den<br />
Komponisten von Andrea Chénier<br />
und Fedora, ein allgemein gültiges<br />
mensch liches Drama: »Die Liebe<br />
und der Schmerz besitzen keine<br />
Nationalität.«<br />
Als Mitglied der »Giovane Scuola«,<br />
der Jungen Schule, wendet sich<br />
Giordano gegen Giuseppe Verdis<br />
Omnipräsenz in den Spielplänen,<br />
befeuert den Realismus auf der<br />
Opernbühne und orientiert sich<br />
an Richard Wagner und Jules<br />
Massenet. Siberia wurde 1903 an<br />
der Mailänder Scala anstelle<br />
Giacomo Puccinis verschobener<br />
Madame Butterfly uraufgeführt.<br />
Zwei junge Künstler aus Moskau<br />
bringen das mitreißende Werk<br />
ins Festspielhaus: der international<br />
aufstrebende Regisseur<br />
Vasily Barkhatov und Valentin<br />
Uryupin, der in Bregenz bereits<br />
Eugen Onegin dirigierte.<br />
PREMIERE<br />
21. Juli 2022 – 19.30 Uhr<br />
VORSTELLUNGEN<br />
24. Juli – 11.00 Uhr<br />
1. August – 19.30 Uhr<br />
Festspielhaus<br />
Musikalische Leitung Valentin<br />
Uryupin<br />
Inszenie rung Vasily Barkhatov<br />
Bühne Christian Schmidt<br />
Kostüme Nicole von Graevenitz<br />
Licht Alexander Sivaev<br />
Prager Philharmonischer Chor<br />
Wiener Symphoniker<br />
Tragödie in drei Akten (1903) |<br />
Libretto von Luigi Illica |<br />
In italienischer Sprache mit<br />
deutschen Übertiteln<br />
Koproduktion mit Theater Bonn<br />
VORSCHAU<br />
ORCHESTER<br />
KONZERTE<br />
Führt die Oper im Festspielhaus<br />
nach Sibirien, sind in<br />
den Orchesterkonzerten<br />
Meisterwerke russischer Komponisten<br />
zu hören: Neben Peter I.<br />
Tschaikowskis Der Sturm auf Werke<br />
von William Shakespeare präsentieren<br />
die Wiener Symphoniker Dmitri<br />
Schostakowitschs schicksalsgeladene<br />
und emotionale zehnte Symphonie<br />
sowie sein Cellokonzert, bei dem der<br />
in Vorarlberg aufgewachsene Kian<br />
Soltani erstmals mit den Wiener<br />
Symphonikern im Festspielhaus zu<br />
erleben ist. Im Anschluss taucht das<br />
Orchester in die Welt aus Tausendundeiner<br />
Nacht ein, die Nikolai<br />
Rimski-Korsakow in leuchtenden<br />
Klangfarben malt. Dessen Schüler<br />
Igor Strawinski gedachte ihm nach<br />
dessen Tod in seinem kurzen Stück<br />
Chant funèbre. Zu entdecken gibt<br />
es auch die faszinierende Klangwelt<br />
des japanischen Instruments Koto,<br />
wofür Malika Kishino ein Solokonzert<br />
schrieb. Der Blick auf das Bühnenbild<br />
von Madame Butterfly liefert die<br />
passende Kulisse.<br />
WIENER SYMPHONIKER<br />
25. Juli 2022 – 19.30 Uhr<br />
Dirigent Enrique Mazzola<br />
Werke von Peter I. Tschaikowski, Malika<br />
Kishino und Dmitri Schostakowisch<br />
31. Juli 2022 – 11.00 Uhr<br />
Dirigentin Karina Canellakis<br />
Werke von Ludwig van Beethoven und<br />
Richard Wagner<br />
8. August 2022 – 19.30 Uhr<br />
Dirigentin Marie Jacquot<br />
Werke von Peter I. Tschaikowski,<br />
Dmitri Schostakowisch und Nikolai<br />
Rimski-Korsakow<br />
SYMPHONIEORCHESTER<br />
VORARLBERG<br />
21. August 2022 – 11.00 Uhr<br />
Dirigent Leo McFall<br />
Werke von Igor Strawinski, Sergej<br />
Prokofjew und Peter I. Tschaikowski<br />
31
Gute Unterhaltung wünschen<br />
die Partner der Bregenzer Festspiele.<br />
HAUPTSPONSOREN<br />
GREEN ENERGY<br />
PARTNER<br />
PRODUKTIONSSPONSOREN<br />
GrECo International AG<br />
Hilti Foundation<br />
LIEBHERR-Turmdrehkrane<br />
Wiener Städtische Versicherung AG<br />
CO-SPONSOREN & PARTNER<br />
AGM<br />
Coca-Cola<br />
Dallmayr Kaffee<br />
Hendrick's Gin<br />
Kryolan<br />
Leica Camera<br />
Mohrenbrauerei<br />
Paul Mitchell<br />
Pfanner & Gutmann<br />
Rauch Fruchtsäfte<br />
Red Bull<br />
Ricola<br />
Römerquelle<br />
Schlumberger (Wein- und<br />
Sektkellerei)<br />
SUBVENTIONSGEBER<br />
PARTNER