Wirtschafts-News II 2021 Mainz

Wirtschaftsnews

2,80 €

AUSGABE IV/ II/21 15

Mainz

WN-Spezial


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Vorwort

3

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

kurz vor der Bundestagswahl ist der Ausgang erstmals

seit knapp zwei Jahrzehnten kaum absehbar. Überall dort,

wo es keine Mehrheitswahlsysteme gibt, wie etwa im

Vereinten Königreich, zerfasern Parlamente und Parteisysteme.

In den meisten Fällen, so auch in Deutschland,

begann es mit dem Druck von links auf die sozialdemokratischen

Parteien. In Frankreich etwa holten die Sozialdemokraten,

jene Partei, die Mitterand und Hollande

stellte, bei den Präsidentschaftswahlen gerade noch knapp

6,4 %. In den Niederlanden zeichnet sich für die Sozialdemokratie

ein ähnliches Bild. Einstmals Volkspartei, errungen

sie in diesem Jahr gar weniger als 6 % der Stimmen. Doch

betroffen von dieser Entwicklung sind längst nicht mehr

nur Sozialdemokraten. Auch die Konservativen müssen

nunmehr um Mehrheiten bangen, da der Druck von rechts

allerorten zunimmt. Während die Erosion der Volksparteien

in vielen Ländern Europas seit langer Zeit in vollem Gang

ist, verblieb in Deutschland ein Gravitationsfeld in der

konservativen Mitte. Doch wird es Bestand haben? Und

was sind die Ursachen für die Zerfaserung von Parteien

und Parlamenten?

Fragt man Ökonomen und Soziologen, machen sie als

Ursache hierfür die Individualisierung der Gesellschaft,

die Fragmentierung der Öffentlichkeit und Diversifizierung

von Arbeitsmarkt und Arbeitsverhältnissen aus. In der

Folge entstand die Strukturreformbedürftigkeit ganzer

Lebens- und Arbeitsbereiche. Es mag eine Ironie der Geschichte

sein, dass sich hierbei zwei Kurven übereinanderlegen,

die antizyklisch agieren. So fiel es ausgerechnet

einer SPD geführten Regierung zu, der vorerst letzten

mit einem Wahlergebnis jenseits der 35 %, eine Sozialreform

durchzuführen, die sich im Kern mit Angebotspolitik

befasste und mithin an die Lobby der Arbeitgeber

richtete. Die Korrekturen von Gerhard Schröders Agenda

2010 erfolgten zwar auch durch die SPD als mitregierende

Partei, ja setzte sie sie gar durch, wie den Mindestlohn,

werden aber allgemein der CDU zugeschrieben.

Milieuentkopplung ist seither das Schlagwort bei der

politisch-soziologischen Ursachenforschung. Und ja, die

einstmaligen gesellschaftlichen Gruppen glaubten ihre

politischen Vertretungen verloren zu haben. Die polarisierende

wie gleichermaßen beruhigende Unterteilung

zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden begann

zunächst in Nordrhein-Westfalen zu erodieren.

Vorausgegangen waren der dortige Strukturwandel und

die entsprechende Sozialreform von Johannes Rau als

dienstlängstem Ministerpräsidenten der Bundesrepublik,

der in seinem Bundesland eine absolute Mehrheit noch

erlebte. Diffuse Themenfindung, unklare Ansprache, mangelnde

Empathie und zunehmend verwässerte Parteikonturen

schon in den Neunzigerjahren ebneten den Weg

für noch tiefere Milieuentkopplung und erste Flügelbildungen

zu Anfang der Nullerjahre, zunächst auf der linken

Seite.

„Zukunft der Arbeit“ ist mit Sicherheit ein solch diffuser

Begriff. Auch Bezeichnungen wie „New Work“ oder „Arbeit

4.0“ machen es nicht besser. Doch vor allen Dingen letzterer,

Arbeit 4.0, gibt Aufschluss über die historische

Einordnung. Dabei wiederholt sich ein Prozess so zuverlässig,

wie ein Uhrwerk. Vor Milieuabwanderungen steht

die Veränderung der Lebensumstände und Bedingungen,

auch in ihrer Grundsätzlichkeit. Strukturreformen sind

– aus welchen Beweggründen auch immer – die politische

Reaktion darauf. Und zwischen vermeintlichem Bewusstseinswandel

und wahrhafter Strukturreform wabert für

gewöhnlich eine Blase voller Buzzwords, Schlagwörter

und – je nach Aggregatzustand der jeweiligen Akteure

– irrlichternder Gedanken. Doch auch das gehört dazu,

denn sie erwecken Emotionen. Angst, Hoffnung, Zweifel,

Enthusiasmus – all dies mag Nährboden für Populismus

sein, doch es kann auch der Beginn einer Idee, ja einer

veritablen Reform sein. Klarheit über die politischen Interessen

der Akteure gibt nicht nur Aufschluss darüber,

wes Geistes Kind ein jeder ist, sondern verhilft Parteien

zu Konturschärfe.

Es gab wohl kaum eine Wahl in den vergangenen Jahrzehnten,

die so spannungsgeladen war. Arbeit 4.0, New

Work, Zukunft der Arbeit oder wie man es auch nennen

will, ist das zentrale Thema, denn untrennbar verbunden

damit sind Umwelt- und Klimafragen.

Ob eine eingeengte Rose, die sich wehrt, wie auf dem

Wiesbadener Titel zu sehen, weil ihr die Lebensgrundlage

entzogen wird, ein Umweltthema oder ein sozio-ökonomisches

ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Doch

am Ende des Tages ist es einerlei, denn beide Wege führen

zum selben Ergebnis: Reformbedarf.

Haben Sie einen schönen Spätsommer.

Herzlichst,

Ihr Bernd Wildemann


Inhalt

4

W N


SPEZIAL

Zukunft der Arbeit

Der Mensch im Mittelpunkt und andere Utopien 6

Was kann die Politik – Tabea Rößner 10

Was kann die Politik – Christian Baldauf 13

Die schöne neue Arbeitswelt – ein Gastbeitrag von David Dietz 18

Mehr als ein Modewort: Resilienz –

Krisenbewältigung für Unternehmen 20

Unternehmen haben eine gesellschaftliche Funktion 24

Veränderung und Aufbrauch –

ein Gastbeitrag von Alexander Schweitzer 28


W N Gesundheit

Expertenforum – Sport und Bewegung bei Krebs 54

Feste Zähne an einem Tag – Zahnärzte Flonheim 56

Gehör finden - Koch Hörakustik 58

Möglichkeiten der Körperstraffung – Fort Malakoff Klinik 60

Strahlentherapie bei Prostatakrebs

Strahlentherapie RheinMainNahe· Seite 62

Pendelschwung –

frisches Bier, schaler Wein und heulende Gitarren 30

Persönliche und individuelle Beratung – Argentur für Arbeit 34

OeBiX-Studie: Schlechtes Zeugnis für Ökonomische Bildung 36

Maßgeschneidertes Geschäftskonto – Sparkasse Mainz 40

B2B-Netzwerkmesse KONEKT kehrt zurück 42

Spendenaufruf Sparkasse Mainz/PM 45

Sale-and-Lease-Back – eine Finanzierungsoption für KMU? 46

"Das einzig Notwendige ist Offenheit" – Wirtschafts und Kunst 48

Zwischen abstrakter und figurativer Darstellung

– Schwarze & Art 52

Volksbank Immobilien Alzey-Worms – VR-Immobilien 63

Zu Besuch bei Kinderzahnäztin "Kamilla" – Kamilla 64

Konflikte vermeiden, persönliche Bindung stärken

– Daniela Schäfer 66

Neue Flexibilität für temporäre Räume –

Isinger und Merz 67

Aufgegabelt: Resilienz – die Kunst der Widerstandskraft 68

Johanns VeloWelt: "Es rollt" 70

"Um zu helfen und zu trösten" – Sulfrian 74

Eigenheim in Vollholz – Degreif 76

Unternehmer-Paare in belastenden Situationen

– Karin Dölla-Höhfeld 78

Drei Jahre DSGVO 80


WN-Spezial

Zunkunft der Arbeit · Seite 6 – 28

5

Kunst und Wirtschaft · Seite 48

OeBiX-Gesamtindex und -Teilindizes im Vergleich OeBiX-Gesamtindex zum Bundesdurchschnitt, -Teilindizes in % im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, in %

Stand: 31.03.2021; Quelle: Die OeBiX-Studie, Hg. Flossbach von Storch Stiftung in Kooperation mit IÖB Oldenburg

Ziel:

Stand: 31.03.2021; Quelle: Die OeBiX-Studie, Hg. Flossbach von Storch Stiftung in Kooperation vollwertiges mit IÖB Oldenburg Nebenfach

Wirtschaft

23,15%

Gesamtindex 45,40%

45,68%

57,50%

Teilindex Schule 48,50%

26,35%

23,15%

Gesamtindex 45,40%

45,68%

57,50%

Teilindex Schule 48,50%

26,35%

16,75%

39,20%

16,75%

39,20%

Teilindex Lehrkräftebildung

Teilindex Lehrkräftebildung

22,03%

22,03%

30% 0% 20%

10% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 10

0% 10% 20%

30% 40% 50% 60%

Rheinland-Pfalz

Bundesdurchschnitt

Rheinland-Pfalz

Bundesdurchschnitt

Hessen

Hessen

Sparkasse Mainz · Seite 40

Schlechtes Zeugnis: Ökonomische Bildung · Seite 36

Fort Malakoff Klinik · Seite 60 Strahlentherapie RheinMainNahe· Seite 62

Feste Zähne an einem Tag – Zahnärzte Flonheim · Seite 56


6

„Der Mensch im Mittelpunkt”

und andere Utopien

Die Zukunft der Arbeitswelt

Warum sollte irgendein Mensch es genießen, morgens in aller Frühe aus dem warmen Bett zu springen,

sich anzuziehen, sich kaltes Wasser ins Gesicht zu kippen und sich in einen vollkommen unnötigen Stau

zu stellen? Nur um sich dann, am Arbeitsplatz angekommen, vorschreiben zu lassen, was richtig und

falsch ist. Sehr häufig leider auch, ohne die eigenen Interessen und Fähigkeiten gezielt und in Eigenverantwortung

einsetzen zu dürfen? Ein Einblick in die menschliche Seite des Geschäfts und die Notwendigkeit,

unser Verständnis von Arbeitswelt zu renovieren.

Ähnlich wie in einem menschlichen Organismus

müssen die einzelnen Organe in einem Unternehmen

sinnvoll miteinander in Verbindung

stehen – ihre Fähigkeiten sind spezialisiert, doch

erst das Zusammenspiel befähigt uns, zu denken

und uns erfolgreich anzupassen. Seit die

erste Form des Lebens erschien, dauerte es 4,1

Milliarden Jahre Evolution, damit der menschliche

Körper, wie wir ihn heute kennen, zu dem

wurde, was er ist. 4,1 Milliarden Jahre kontinuierlicher

Mutationen, Anpassungen und Verbesserungen,

um in einer Welt ständiger Änderung

zu überleben. Die Natur hatte bis dato

Erfolg – Zeit für uns, die größtenteils noch aus

dem Taylorismus stammenden „Organe“ und

„Hierarchien“ anzupassen.

„Das haben wir schon immer so gemacht!“

Den Unternehmen könnte das Verständnis

helfen, die Digitalisierung nicht als IT-Thema,

sondern als „Menschen-Thema“ zu verstehen.

Denn wer schlechte Prozesse digitalisiert, der

hat am Ende – ganz richtig – schlechte digitale

Prozesse. Momentan konzentriert man sich

aber häufig zu stark darauf, Menschen und ihr

Verhalten zu ändern, indem man ihnen sagt

oder sie schult, wie sie sein sollen. Man passt

eher Menschen an die Software an, nicht die

Software an die realen Bedürfnisse. Dabei ist

das Zielbild häufig ungenügend beschrieben

oder sogar schon veraltet, da interne und externe

Einflüsse die Bedingungen geändert haben.

Die Kompetenzen der Einzelnen werden

nur teilweise wertgeschätzt und „angezapft“.

Das demotiviert. Die gleichen Menschen, die

häufig durch diese Vorgehensweisen zur Unselbstständigkeit

„erzogen“ wurden, sollen nun

aber die Pläne selbstständig umsetzen.

Im Alltag ist es häufig nicht so einfach, die Wirkungen

des selbstständigen Handelns abzusehen.

Wenn wir A machen, geschehen B, C

und D und weil C geschieht, geschieht auch noch

E und spätestens dann verlieren wir den Überblick

über die Wirkung unseres Handelns. Alles,

was wir machen, ist verknüpft mit so vielen

anderen Dingen, die kurz davor, kurz danach

oder sogar gleichzeitig mit unserem Tun geschehen,

das eine sichere Planung nahezu unmöglich

wird. Leider werden die Abhängigkeiten

im beruflichen Alltag nicht immer und nur unzureichend

wahrgenommen. Damit die Kontrolle

des Systems einfacher wird, sind wir es

gewohnt, nur eine Teilaufgabe der Wertschöp-


W N


SPEZIAL

Zukunft der Arbeit

7

fung zu sehen und zu erledigen. Wir denken

sehr stark in „Abteilungen“. Daher muss die

Führung zukünftig sehr feine Antennen entwickeln

und wahrnehmen, welches die Treiber

und Barrieren für eine erfolgreiche Umsetzung

sind und entsprechende Verantwortlichkeiten

fair auf viele Schultern verteilen.

Da haben wir nun den Salat!

Um Verantwortung zu verteilen, muss man

einen Teil davon abgeben und das führte bisher

nicht unbedingt zu Bestnoten für Führungskräfte.

Ganz im Gegenteil. Wir haben eine „Kultur

der Supermänner und Superfrauen" geschaffen

und diese sollen gefälligst immer beste

Entscheidungen für alle treffen – auch wenn

die Welt und die Unternehmen immer komplexer

agieren.

Die Beziehungen zwischen Menschen reduzieren

Komplexität, Fehleinschätzungen

und Kosten

Es ist weitgehend die Art der Interaktionen

zwischen Individuen, Gruppen, Führungspersonen

und der Umwelt, die die vorherrschende

Kultur bestimmen. Wenn wir zum Beispiel mehr

Innovation in unseren Organisationen haben

wollen, sollten wir mit höchster Priorität daran

arbeiten, die Art und Weise zu ändern, wie Menschen

und Dinge miteinander verbunden sind.

Die Art ihrer Interaktionen (z. B. wie wir Meetings

durchführen), hat einen größeren Einfluss auf

uns als der Versuch, Menschen zu schulen,

kreativer oder kollaborativer zu sein.

Werden Mitarbeitende in die Entscheidungsfindung

stärker involviert, wird ihr Bewusstsein

für das Gesamtbild und die Rolle, die sie einzeln

und/oder kollektiv spielen können und sollen,

erweitert. Damit werden ihre Bereitschaft und

ihr Engagement gestärkt. Notwendiger Wandel

wird plötzlich verständlich und machbar. Dieser

Mentalitätswandel und die damit verbundenen

Verhaltensweisen werden nicht nur durch eine

Steigerung des Wohlbefindens und des Engagements

der Mitarbeiter belohnt, sondern auch

durch die Verbesserung der Effektivität und

damit der Produktivität der Teams in der Organisation!

Organisationen denken nicht. Jedoch denken

sie nicht, weil sie es nicht wollen, sondern weil

Über Julien Lemal

Nach 15 Jahren als Ingenieur und Manager

in internationalen Konzernen der

Automobilindustrie geht er seit 2 Jahren

seiner Leidenschaft für die Entwicklung

von Menschen, Organisationen und

neuen Arbeitsweisen als selbstständiger

Coach und Trainer nach. Mit seinem

menschzentrierten Ansatz, geprägt von

Achtsamkeit und emotionaler

Intelligenz, legt er einen

besonderen Fokus auf

Selbstbewusstsein, Sinn

und Kommunikation, um

Wohlbefinden und Motivation

sowie Kreativität

und Zusammenarbeit in

Teams und Organisationen

zu fördern.


8

sie es nicht können! Daher müssen Menschen

dies tun. Da gibt es Menschen, die unabhängig

von ihrer Abteilungszugehörigkeit besonders

kreativ, umsetzungsstark oder ausdauernd sind,

andere sind neugierig, starke Netzwerker oder

Analytiker. Die Geschäftsführung und der Führungskreis

sollten diese Merkmale der Teams

kennen und versuchen, sie optimal einzusetzen.

So entsteht produktive soziale Interaktion, die

bisher nicht visualisiert oder ausreichend verstanden

wird, die aber in der Praxis einen massiven

Einfluss auf den Unternehmenserfolg hat.

Es geht darum, ein dynamisches, sich in ständigem

Wandel befindliches, aus Menschen bestehendes

System objektiv zu bewerten. Danach

können Rückschlüsse für die eigene und die

Unternehmensentwicklung getroffen werden,

um die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg zu steigern.

Hier haben Unternehmen ein riesiges Potenzial

zu heben. Denn eine förderliche Interaktion

von Menschen reduziert die Komplexität,

reduziert Fehleinschätzungen, Fehler und damit

auch Kosten.

Unternehmen müssen den menschlichen

Austausch visualisieren – dann wissen sie

was zu tun ist

Ein Schlüssel dafür ist die Analyse des "Organisationsverhaltens"

– das Wissen darüber, wie

Menschen, Führungskräfte und Teams sich

verhalten und interagieren – wie die optimale

subjektive Ordnung in einem organisationalen

Kontext aussehen kann und woran sie sich

dabei orientieren soll.

Das Erkennen des Organisationsverhaltens

liefert „Organisationsdesigns“, die die Menschen,

ihre Bedürfnisse und Ideen, ihre Kompetenzen

und Fähigkeiten und ihren Austausch visualisieren.

Denn nur, wenn sich die Organisationsmitglieder

tatsächlich förderlich verhalten,

förderlich interagieren, ihre Verhaltensweisen

hin und wieder anpassen, hat die organisationale

Entwicklung Aussicht auf Erfolg. Darüber

hinaus wird durch die Überwachung des Fortschritts,

durch die Bewertung der Auswirkungen

Über Dr. Daniel Nummer

Dr. Daniel Nummer ist Experte für Organisationsentwicklung,

Führung und Personalmanagement und war über

15 Jahre u.a. in der Geschäftsleitung und Verantwortung

für börsendotierte Unternehmen in der Diagnostik-, Labor-

und Pharmaindustrie tätig. Als Autor, Dozent und

Geschäftsführer der PREDICTA|ME GmbH nutzt er seine

Fähigkeiten und Erfahrungen, um Unternehmensleistung

zu vitalisieren. Der "Faktor Mensch“ wird von ihm als

größtes Potenzial eines langfristig erfolgreichen Unternehmertums

angesehen. Die Studie und Analyse des

Organisationsverhaltens liefert dabei einen objektiven

Einblick. Kontinuierliche Handlungsvorschläge für Unternehmen

führen zur "selbst-lernenden Organisation".


9

und gegebenenfalls durch Anpassung neuer

Maßnahmen sichergestellt, dass sich das gesamte

Organisationsverhalten kontinuierlich

auf ein gesünderes Niveau entwickelt.

Es ist daher unbedingt erforderlich, dass diese

Dynamik zwischen Menschen sowie deren zentrale

und dezentrale Steuerung gut beherrscht

wird. Einige renommierte Autoren wie Otto

Sharmer oder Frederic Laloux sprechen von

einem „System, das sich selbst wahrnimmt“.

Dies bedeutet, dass das System, das im Fall

von Organisationen, Einzelpersonen, Teams,

Führungskräfte und Abteilungen umfasst, sich

seines Zustands bewusst werden muss. Durch

das Erkennen von Verhaltensweisen und der

Qualität der Interaktionen kann die Zusammenarbeit

und Produktivität förderlich gesteuert

werden.

Mit anderen Worten: Die Entwicklung einer

Sensibilität für individuelle und kollektive Zwecke

ist dringend notwendig. Diese Sensibilität

fördert ein gemeinsames Verständnis dafür,

dass jeder für das Ergebnis verantwortlich ist.

Egal, ob es die Qualität eines Produkts oder

eine erbrachte Dienstleistung betrifft, die Atmosphäre

und die Kultur am Arbeitsplatz oder

noch darüber hinaus die möglichen Auswirkungen

auf die Umwelt und die Gesellschaft.

Jedes Unternehmen, ob klein oder groß, sollte

seine Organisation in vier Dimensionen begreifen:

Ein Einblick in den „Faktor Mensch“ des Unternehmens,

bringt Treiber und Barrieren schneller

zum Vorschein. So könnten Produktivität

und Zufriedenheit gesteigert werden. Die In-

teraktion von Führungskräften und Mitarbeitenden

wird nachhaltig und wertschöpfender.

Daraus ergibt sich ein organisatorischer Kreislauf,

der Umsatz und Gewinn steigern kann und

Kosten reduziert. Indem Unternehmen einen

kontinuierlichen Überblick erhalten, können sie

ihre Entwicklung systematisch und auf den

unterschiedlichen Ebenen angehen. Organisationen

werden dann eine Kultur schaffen, in

der sich jede Person, jedes Team und jeder

Manager, in seinem eigenen Tempo zum Wohle

aller entwickeln kann.

Wenn die Bedürfnisse eines jeden, aber auch

ihre Verantwortung von und für die gesamte

Organisation als gleich wichtig angesehen werden,

dann wird ein tugendhafter Kreis entstehen

und sich selbst anfeuern. Dies wird die

Grundlage einer lebendigen Organisation sein.

Und der Boden unserer zukünftigen Zivilisation

– denn Verhalten schafft Verhältnisse.

BWN

Fotos: mz.pred.foto, Julien Lemal

● Individuelle Passung – Mensch, Aufgabe,

Fähigkeit, Interesse

● Zusammenarbeit – Kommunikation,

Interaktion, Austausch, Vertrauen

● Führungsverhalten – situativ förderliche Steuerung

und Anleitung

● Werte – Sinn der Normen und Regeln im

Unternehmen


Was kann die Politik?

10

Die Zukunft der Arbeit aus unterschiedlichen Perspektiven

Längst ist klar, dass sich die Gesellschaft so stark im Wandel befindet, wie lange nicht zuvor. Die demographische

Entwicklung, eine stärker zusammenwachsende Welt, der Klimawandel, die Energiefrage und

das Ringen um soziale Gerechtigkeit sind dabei die starken Trigger. Ein Bewusstsein dafür gibt es nicht

erst seit der Corona-Krise. Dies zeigen zahlreiche Projekte und Förderprogramme, wie etwa eines des

Bundesministeriums für Forschung und Bildung (BmBF) unter dem Titel „Arbeit der Zukunft“, das von

2014 bis 2020 mit einem Volumen von 1 Mrd. Euro lief. Doch wie groß ist das Delta zwischen Bewusstsein

und faktischer Veränderung? Die Pandemie, auch das ist längst klar, legt den Finger in die Wunde

und zeigt auf, wo die Schwachstellen liegen. Welche gesellschaftlichen Veränderungen sind dabei unausweichlich?

Wie verändert sich Arbeit? Was kann die Politik unternehmen, um sich vertiefenden Gräben

innerhalb der Gesellschaft entgegenzuwirken?

Ein Interview mit der Mainzerin Tabea

Rößner, Mitglied des Bundestages für

Bündnis90/Die Grünen und Christian

Baldauf, dem Fraktionsvorsitzenden der

CDU im rheinland-pfälzischen Landtag

Wirtschafts-News: Frau Rößner, ich erinnere

mich an ein längeres Gespräch mit Ihnen aus

dem Sommer 2019 in der Mainzer Neustadt

inmitten des Oberbürgermeister-Wahlkampfs.

Wir unterhielten uns darüber, wie es dazu kam,

dass Sie Politik machen, über Ihre berufliche

Karriere jenseits der Politik und über Ihre Be-

weggründe, Politik zu machen im Allgemeinen.

So erzählten Sie mir etwa von

den verlorenen Landtagswahlen

in Rheinland-Pfalz

im Jahr 2006. Gleichzeitig

war Ihre Position beim

ZDF bereits neu vergeben.

Sie haben also die Erfahrung

von Unsicherheit im

Leben gemacht. Beim

Thema „Arbeit 4.0“

geht es darum, ziale Sicherheit zu

sogewährleisten

und Arbeitsprozesse neu zu denken. Gleichzeitig

dürfen Investitionen und Innovationen nicht

ausgebremst werden. Während der Corona-

Krise hat schon die Debatte um Homeoffice

gezeigt, wie schmal der Grat ist. Das ist ein

Ringen zwischen Angebots- und Nachfragepolitik

und mithin zwischen Arbeitnehmern und

Arbeitgebern. Entlang welcher Linie sollte die

Debatte verlaufen?

Tabea Rößner: Sie haben die wesentlichen, die

Debatte bestimmenden Konfliktlinien beschrieben.

Es muss darum gehen, die Wirtschaft

klimaneutral zu gestalten. Denn Klimaneutralität

ist die entscheidende Größe auf den Märkten

der Zukunft. Im Mittelpunkt steht dabei die

Frage, wer hier die Nase vorn hat. Wer die industriellen

Standards festlegt und wer Lösungen

bietet für die großen Fragen unserer Zeit.

Im Rahmen des damit einhergehenden Strukturwandels

der Arbeitswelt muss die Gewährleistung

von sozialer Sicherheit einhergehen.

Die ganzheitliche Bewältigung dieser Herausforderungen

ist das zentrale Anliegen grüner

Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialpolitik.

Es gibt zahlreiche mittelständische und große

Unternehmen aller Branchen, die das bereits

vormachen – und zwar indem Arbeitnehmer:innen

und Arbeitgeber:innen an einem Strang ziehen.

Tabea Rößner

Mitglied des Bundestages für Bündnis90/Die Grünen.


W N


SPEZIAL

Zukunft der Arbeit

11

Auch das ist eine Form von Innovation und

Investition, die sich für alle auszahlt. Natürlich

gibt es auch Unternehmen, die noch einen weiten

Weg vor sich haben. Die Politik muss sie

bei diesem Prozess unterstützen und den Rahmen

vorgeben. Zweifelsohne wird das nicht

immer konfliktfrei möglich sein. Je besser es

der Politik gelingt, das notwenige, gemeinsame

Ziel und die damit verbundenen Veränderungen

zu artikulieren, desto konfliktärmer werden wir

die Herausforderungen stemmen können. Ein

gemeinsamer Rahmen gibt Beschäftigten Sicherheit

und garantiert Unternehmen, die sich

der klimaneutralen Produktion verschreiben,

die notwendige Planungssicherheit für den

Umbau. Denn gerade Unternehmen mit längeren

Investitionszyklen brauchen diese Gewissheit,

um in der Transformationsphase im internationalen

Wettbewerb keine Nachteile zu

erleiden. Dies gilt insbesondere, wenn der CO2-

Preis in anderen Regionen der Welt nicht greift.

Wirtschafts-News: Viele Ökonomen reden gerade

von großen Chancen, die der Entwicklungsdruck

und die Erkenntnisse der Corona-Zeit

böten. Gemeint sind flexibilisierte Arbeitsmodelle,

sowie der Einsatz neuer Technologien. Gleichzeitig

bedeutet dies Arbeitsverdichtung und

mithin den Wegfall von Arbeitsplätzen. Psychologen

und Mediziner warnen mit Verweis auf

signifikante Kennzahlen vor unverträglichem

Druck. Wo sehen Sie Chancen und Risiken eines

derartigen Strukturwandels? Wie lange der Strukturwandel

in Ihrem Herkunftsland Nordrhein-

Westfalen dauerte, zeigten die Bemühungen von

Johannes Rau in den neunziger Jahren. Wie

lassen sich die Härten eines solchen Transformationsprozesses

für Betroffene abfedern?

Tabea Rößner: Soziale Gestaltung der Arbeitsverhältnisse

unter veränderten Rahmenbedingungen

heißt nicht, die Menschen unter immer

größeren Arbeitsdruck zu setzen. Vielmehr

müssen die Chancen genutzt werden, die der

Wandelprozess bietet, damit Arbeitsverhältnisse

auf die individuellen Lebensentwürfe der

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angepasst

werden können, ohne sie in die Falle des Immerim-Dienst-zu-Sein

laufen zu lassen. Die ständige

Erreichbarkeit durch die Digitalisierung

erhöht den Arbeitsdruck. Gleichzeitig freuen

sich Beschäftigte, dass sie in ihrer Arbeitszeit

flexibler sind oder wie jetzt in der Pandemie

auch für Sitzungen nicht aufwändige Reisen

unternehmen zu müssen. Deshalb brauchen

Unternehmen und ihre Beschäftigten klare Regeln.

Beispielsweise werden in einigen Unternehmen

die Server ab einer bestimmten Uhrzeit

ausgeschaltet.

Man muss den Menschen ihre Ängste nehmen,

wenn sie befürchten, mit ihren erlernten Fähigkeiten

nicht mehr gebraucht zu werden. Es

werden ja nicht nur bisherige Arbeitsplätze

wegfallen, es werden neue Arbeitsplätze entstehen,

und zwar nicht nur solche für

Spezialist:innen im Digitalbereich. Von öffentlicher

Seite müssen die Menschen - wie ja auch

die Unternehmen - im Wandelprozess unterstützt

werden, sie müssen insbesondere durch Weiterbildung-

und Umschulungsangebote auf den

Stand gebracht werden, in veränderten Jobs

und veränderten Arbeitsverhältnissen ihren

Platz zu finden. Die weitere Digitalisierung unserer

Gesellschaft ist unausweichlich. Mit einer

Bundesregierung, die das akzeptiert, rechtzeitig

antizipiert und nicht ständig hinterherhechelt,

können die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

abgefedert und durch entsprechende Impulse

auch für Arbeitnehmer:innen in die richtige

Richtung gelenkt werden.

Wirtschafts-News: Wie immer zu Zeiten eines

Strukturwandels geht es um Entfremdung und


12

sich vertiefenden Gräben. Dies zeigte zuletzt

die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Neben

der Erkenntnis, dass die CDU stärkste Kraft

wurde, ging die AFD im Vergleich zur vorangegangenen

Wahl als stabil hervor, währenddessen

die Grünen kaum Gehör finden. In einer

Auseinandersetzung bei der Sendung „Anne

Will“ von Sonntag, 06.06.2021 zwischen den

beiden Parteichefs, Robert Habeck und Tino

Chrupalla war die Kritik hörbar, die Ideen der

Grünen, insbesondere im Hinblick auf CO2-

Bepreisung seien zu kompliziert, die Menschen

würden es nicht verstehen. Hier zeichnete sich

eine Linie ab, die man – pointiert dargestellt

– reaktionär-pragmatisch einerseits und visionär-dogmatisch

andererseits nennen kann.

Wie pragmatisch kann man sein, wenn es um

den Klimaschutz geht, wie dogmatisch, wenn

es um die Gewährleistung sozialer Sicherheit

geht?

Tabea Rößner: Ich weiß nicht, ob man die Konfliktlinie

zwischen reaktionär-pragmatisch und

visionär-dogmatisch ziehen kann. Meiner Ansicht

nach geht es eher um reaktionär-dogmatisch

versus visionär-pragmatisch. Für letzteres

stehen wir Grünen. Die CO2-Bepreisung, die

es ja bereits länger gibt und die ja auch die

anderen Parteien befürworten, ist so kompliziert

nicht. Es geht darum, über einen Marktmechanismus

den CO2-Ausstoß zu verteuern, um

Anreize zu mehr Klimaneutralität zu setzen.

Und glauben Sie mir: Die Menschen sind nicht,

wie die AfD es ihnen unterstellt, zu dumm, um

diesen Mechanismus zu verstehen. Wir sind

aber die einzigen, die ein Konzept zur sozialen

Abfederung der CO2-Verteuerung haben. Denn

mit dem Energiegeld werden die Einnahmen

durch den CO2-Preis an die Menschen pro Kopf

zurückgegeben. Das heißt, diejenigen, die zu

den Besserverdienenden gehören und auch

einen deutlich höheren CO2-Fußabdruck hinterlassen,

werden belastet, und diejenigen mit

einem schmalen Geldbeutel und einem geringeren

Energieverbrauch werden profitieren.

Eines ist klar: Wenn wir den Klimawandel nicht

ernst nehmen und nicht alles tun, um Klimaneutralität

zu erreichen, werden wir ganz andere

Probleme haben.

Wirtschafts-News: Arbeitsmarktpolitik unterliegt

immer einem Pendelschwung, der eine Reaktion

ist auf die Korrelation zwischen Nachfrageund

Angebotspolitik einerseits und Indizien wie

Lohnstückkosten und Investitionsvolumen

andererseits. Gerhard Schröders Agenda 2010

war in diesem Zusammenhang eine Zäsur.

Darauf folgten Korrekturen in Gestalt von arbeitnehmerfreundlicher

Politik. In der Folge sank

das Investitionsvolumen und die Lohnstückkosten

stiegen an. Unter normalen Umständen

wäre demnach nun eine Zeit der Angebotspolitik

zu erwarten. Dies jedoch scheint derzeit

kaum vorstellbar, da ein noch stärkerer Wegfall

von Arbeitsplätzen zu befürchten wäre. Wie

lässt sich dieses Dilemma auflösen?

Tabea Rößner: Wenn ich den von ihnen beschriebenen

Zyklus zugrunde lege, dann kann

Ihre Einschätzung, es wäre kaum vorstellbar,

den stärkeren Wegfall von Arbeitsplätzen zu

verantworten, auch heißen, dass die Zeit für

einen Wechsel zu einer mehr angebotsorientierten

Politik nicht reif sei. Mal ganz davon

abgesehen, was die Phase der Angebotspolitik

für Arbeit und Leben bedeutet hat: das Drücken

der Lohnkosten, ständige Rationalisierung, prekäre

Arbeitsverhältnisse etc. Ziel müsste ja

vielmehr sein, durch eine verhältnismäßig ausgewogenen

Arbeits-, Sozial- und Wirtschaftspolitik

die Pendelbewegungen abzuschwächen.

Im Rahmen des Strukturwandelprozesses müssen

wir einen Ausgleich finden zwischen Wettbewerbsinteressen

der Wirtschaft und Arbeitnehmerinteressen

am Bestehen und Erhalt von

Arbeitsplätzen, in denen sie sich entfalten

können und die nicht ihr ganzes Leben in Besitz

nehmen. Der Wandel der Wirtschaft ist unaus-


13

weichlich, er bietet aber eben auch Chancen.

Wir werden viel investieren müssen für den

Umbau der Wirtschaft. Dafür planen wir Grüne

500 Mrd. Euro ein. Innovation muss gefördert

werden. In diesem Wandel besteht die Chance,

den Ausgleich zu schaffen.

Wirtschafts-News: In der vergangenen Ausgabe

dieses Heftes sprachen wir über einen vermeintlichen

Bewusstseinswandel als Folge der

Pandemie. Nachhaltigkeit, Klimaschutz und

soziale Gerechtigkeit waren die Schlagworte.

Gastautorin Stefanie Maasland schrieb von

einer disruptiven Krise mit der Notwendigkeit,

Eigenverantwortung zu übernehmen, da es

Top-down-Lösungen nicht geben werde. Doch

allzu oft ist ein Bewusstseinswandel von Rückschritten

geprägt; der wohl prominenteste

Rückschritt in Deutschland war der Ausstieg

des Atomausstieges. Erst der GAU von Fukushima

führte zu einer Rückbesinnung auf die

eigentlichen Ziele, nicht zunächst ein wahrhafter

Bewusstseinswandel. Zwar war dies eine

Top-down-Lösung, nicht aber vernunftsgeprägt,

sondern durch eine Katastrophe erzwungen.

Überträgt man nun den Gedanken der Eigenverantwortung

auf das Thema „Arbeit 4.0“,

würde es bedeuten müssen, dass Investoren

auf Rendite verzichten und Arbeitnehmer auf

starre Arbeitszeiten und Verträge, um den Weg

in der Mitte zu finden. Ist dies vorstellbar oder

naiv, anzunehmen?

Tabea Rößner: Ein schönes Beispiel kann man

hier aus der Region anführen. Bei den Planungen

für den Bau des Kohlekraftwerks hat ein

Bewusstseinswandel stattgefunden. Viele Menschen

haben sich zusammengeschlossen und

daran mitgewirkt, dass der Kohlekraftwerksbau

verhindert wurde. Daher befürworte ich auch

Top Down-Lösungen nicht. Der Bewusstseinswandel

muss in der Gesellschaft stattfinden,

aber dafür kann und muss es Anreize durch

staatliche und gesellschaftliche Akteure geben.

Im Rahmen des Austarierens der neuen schafts- und Arbeitsverhältnisse müssen si-

Wirtcherlich

Arbeitnehmer:innen wie Arbeitgeber:innen

Verantwortung übernehmen. Gerade die Mitsprache

der Arbeitnehmer:innen ist doch ein

Eckpfeiler der sozialen Marktwirtschaft. Sie hat

unser Land stark gemacht. Das wissen auch

die Unternehmen. Gleichzeitig gibt es auch solche,

die eine Mitsprache aktiv zu verhindern

versuchen. Das ist nicht im Sinne unseres über

Jahrzehnte gewachsenen Gesellschaftsvertrags,

untergräbt die soziale Verantwortung der Unternehmen

und schadet langfristig allen Teilhabenden.

Deshalb müssen die Aushandlungsprozesse

zwischen Arbeitnehmer:innen und

Arbeitgeber:innen unter vernünftigen Zielsetzungen

moderiert werden. Da sind die Tarifvertragsparteien

in der Pflicht, aber auch der

Staat wird als Regulierer und Impulsgeber eine

Rolle spielen und in manchem Fall nötig sein.

BWN

Foto: Tabea Rößner

Über das gleiche Thema, beleuchtet aus

anderen Perspektiven, sprachen wir mit

dem Fraktionsvorsitzenden der CDU im

rheinland-pfälzischen Landtag Christian

Baldauf.

Wirtschafts-News: Herr Baldauf, eines der großen

Bilder, das die Corona-Krise erzeugt hat,

ist, dass viele Fäden, zumeist beklagenswerter

Zustände, in einem Handlungsstrang zusammenlaufen

und erst unter großem Druck projektiert

wurden. Zwar gibt es Gedanken und

Programme wie das des BmBF schon seit längerer

Zeit, doch es stellte sich heraus, dass sie


14

in der Vergangenheit nicht umsetzbar waren,

da Teilbereiche unterbudgetiert, unterbesetzt

oder ihrer Betrachtung mit unzureichender

Gedankenflexibilität bedacht wurden. Darunter

rangieren die großen Themen der Zukunft, etwa

Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Energie, föderale

Strukturen, Gesundheit und Pflege und

eben Arbeit und Wirtschaft. Letzteres nimmt

unter der Bezeichnung „Arbeit 4.0“ oder „New

Work“ besondere Bedeutung ein. Wie nehmen

Sie als Politiker und Jurist mit Schwerpunkt

Arbeitsrecht den aktuellen Diskurs im Hinblick

auf die Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern

wahr? Wo muss die Demarkationslinie

verlaufen, die sicherstellt, dass Arbeitgeber

Investitionsanreize haben und

gleichzeitig Arbeitnehmer ihre gesamten Ressourcen

ausschöpfen können und wollen?

Christian Baldauf: Die Pandemie hat große Teile

unserer Wirtschaft in der Tat in eine existenzgefährdende

Krise gestürzt. Zur Wahrheit gehört

aber auch, dass Rheinland-Pfalz schon lange

vor Corona in eine Rezession geraten ist. Im Jahr

2019 lag Rheinland-Pfalz beim Wachstum des

Bruttoinlandsproduktes mit einem Minus von

1,3% auf dem letzten Platz unter allen Bundesländern.

Dass das entgegen der Behauptung der

Landesregierung nicht auf einen Einmaleffekt

zurückzuführen ist, zeigen die tatsächlichen

Zahlen: Kein einziges Mal konnte Rheinland-Pfalz

in den zurückliegenden fünf Jahren stärker wachsen

als der deutsche Vergleichswert. Hier zeigt

sich, dass die Wirtschaftspolitik

der Landesregierung zu

wenig eigene Impulse setzt hat.

ge-

Es sind doch die Visionen

und die Tatkraft unserer

Unternehmerinnen und

Unternehmer, die gemeinsam

mit dem Engagement

der Arbeitnehmerin-

nen und Arbeitnehmer die Kraft unserer Wirtschaft

ausmachen. Unternehmerische Selbstverantwortung

ist hier ein entscheidendes Stichwort

– auch beim Umgang mit dem Thema Arbeitsrecht.

Die Unternehmen haben doch ein absolutes

Eigeninteresse daran, dass ihre Beschäftigten

gesund und motiviert sind. Und in fast allen

Fällen können die Betriebe vor Ort – zusammen

mit einer starken Mitbestimmung durch die Arbeitnehmerinnen

und Arbeitnehmer – am besten

entscheiden, wie sie die Zusammenarbeit

gestalten wollen. Deshalb treten wir als Union

den immer weiter um sich greifenden Regulierungstendenzen

von Rot und Grün entgegen.

Wir sollten keine zusätzlichen Ziegelsteine draufpacken,

sondern müssen entlasten.

Hierzu gibt es verschiedene Schlagworte. Bürokratieabbau

und Arbeitsrecht sind untrennbar

miteinander verbunden. Jetzt wird immer wieder

von einem Bürokratiemoratorium gesprochen.

Doch das hilft herzlich wenig, wenn sich die Politik

nicht auch daran hält. Das Recht auf Homeoffice

sei hier als Beispiel genannt. Es ist doch

vollkommen sinnfrei, wenn wir Milliarden in die

Hand nehmen, um unsere Betriebe zu stützen

und ihnen im nächsten Moment Knüppel zwischen

die Beine werfen. Wir werden es nur aus

dieser Krise schaffen, wenn wir auf mehr Eigenverantwortung

und Selbstverantwortung in den

Betrieben setzen.

Wirtschafts-News: Zentraler Punkt der aktuellen

Debatte ist Homeoffice. Ich erinnere mich

an ein Gespräch mit Ihnen im Rahmen der Veranstaltung

MIT-Veranstaltung „Beschleunigt

Corona die Digitalisierung?“ im Mainzer Hyatt

Regency Hotel am 17.11.2020. Dort fragte ich

Sie, ob der Gesetzgeber involviert sein sollte

oder dies zwischen den handelnden Parteien,

also Arbeitgeber und Arbeitnehmer, geklärt

werden solle. Damals antworteten Sie mit Ihrer

klaren Haltung, dies sei eine Sache zwischen

Arbeitgeber und Arbeitnehmer, der Gesetzgeber

sei hier nicht gefragt. Nun geht die aktuelle

Christian Baldauf, Fraktionsvorsitzenden der CDU

im rheinland-pfälzischen Landtag


15

Debatte in eine andere Richtung. Wie bewerten

Sie diese Tendenz?

Christian Baldauf: Ich bleibe bei meiner Position.

Wir sollten auf die Tarifpartnerschaft vertrauen.

In vielen Unternehmen gibt es bereits

heute solche Regelungen und täglich kommen

neue hinzu. Die Menschen vor Ort wissen besser,

welche Vereinbarungen sinnvoll sind und

brauchen keinen Staat, der sie belehrt. Das

sehen übrigens viele Gewerkschaften genauso!

Dazu muss man immer auch sagen, dass es

viele Berufe gibt, bei denen schlicht kein Homeoffice

möglich ist. Die Menschen in der Pflege,

Handwerker oder Industriearbeiter schauen zu

Recht mit einer gewissen Skepsis auf diese

Debatte. Sie dürfen wir dabei nicht Außen vor

lassen.

Wirtschafts-News: Die Debatte um die Ruhetage

zu Ostern hat gezeigt, wie stark die Eingriffe

unter anderem ins Arbeitsrecht bei der

Frage um Homeoffice sind. Glauben Sie, dass

womöglich doch eine gesetzliche Regelung für

Bereiche wie Homeoffice notwendig sein wird?

Christian Baldauf: Nein, die Politik sollte nichts

regeln, was in den allermeisten Betrieben bereits

gut funktioniert.

Wirtschafts-News: Bei der Benennung als „Arbeit

4.0“ oder historisch betrachtet „Industrie

4.0“ indiziert die Zahl an sich die sozioökonomische

Bedeutung. Wie schon zuvor ist auch

nun davon auszugehen, dass Arbeitsplätze und

Berufe wegfallen oder ganz aussterben, dafür

neue hinzukommen. Welche Steuerungselemente

sind notwendig, um für eine positive

Bilanz zu sorgen?

Christian Baldauf: Nach der Pandemie wird nicht

alles anders sein, doch wir werden neuen Mut

und neuen Tatendrang brauchen. Die soziale

Marktwirtschaft hat uns gezeigt, dass wir die

Kräfte des Marktes zum Gemeinwohl aller nutzen

können.

Es ist die Verbindung von wirtschaftlicher Stärke

und sozialer Sicherheit, die die soziale Marktwirtschaft

ausmacht. Und ich möchte es immer

wieder betonen: Nur wer wirtschaftlich stark

ist, kann sich um die Schwächsten in der Gesellschaft

kümmern. Das ist Verpflichtung und

Aufgabe zugleich. Wir werden in dieser Legislaturperiode

deshalb immer wieder die Perspektive

jener Menschen einbringen, die die

Wertschöpfung in unserem Land sicherstellen.

Und das bedeutet nicht Politik für die Reichen.

Sondern es bedeutet Politik für die Menschen,

die früh aufstehen und als Facharbeiter arbeiten.

Jene Menschen, die sich mehr und mehr

im Stich gelassen fühlen. Alle Ideen einer Gesellschaft

ohne Wachstum hören sich aus der

wohlsituierten 4-Zimmer-Altbauwohnung gut

an. Doch für die Menschen, die für sich und ihre

Familien ein besseres Morgen schaffen wollen,

ist es schlicht Hochmut.

Fakt ist, infolge von Corona und des Strukturwandels

werden auch Unternehmen aus dem

Markt ausscheiden und Menschen ihren Arbeitsplatz

verlieren. Umso wichtiger sind der

Erhalt und die Unterstützung der wirtschaftlichen

Dynamik. Wir müssen der Wirtschaft und

den Menschen eine neue Perspektive bieten.

Hier sage ich noch einmal: Dazu braucht es mehr

Mut zu Selbstverantwortung in den Betrieben

und weniger staatliche Regulierung.

Dazu kommt, dass wir Forschung und Entwicklung

stärken und besser mit der Wirtschaft

verzahnen müssen. Wir müssen Zukunftsbranchen

wie z.B. die künstliche Intelligenz oder die

Biotechnologie konsequent fördern.

Wirtschafts-News: Genau, wie bei der Frage

nach der Demarkationslinie im Diskurs zwischen

Arbeitnehmer und Arbeitgeber, wird es auch

gesamtgesellschaftlich um die Linie der Umverteilung

gehen. Unbestritten ist wohl, dass


16

gerade im produzierenden Gewerbe zahlreiche

Arbeitsplätze durch Maschinisierung entfallen

werden. Als regulierende Maßnahme sprachen

sich bereits vor einigen Jahren Unternehmer

und Manager wie Bill Gates und Deutsche Post-

Chef Frank Appel für eine Roboter-Steuer aus.

Ökonomen dagegen kritisieren den Gedanken

als innovationsbremsend. Wie stehen Sie zu

dieser Frage oder umgekehrt, wo sehen Sie

Potenziale, einem bedeutsamen Wegfall von

Arbeitskräften mit all seinen Peripherieeffekten

entgegenzuwirken?

Christian Baldauf: Natürlich ist uns allen bewusst:

Es braucht einen neuen Ansatz beim

Erhalt des Wohlstands und der Schaffung neuen

Wohlstands. Für die CDU lautet die Antwort:

die soziale nachhaltige Wirtschaft, in der Wachstum

und Ressourcenverbrauch entkoppelt werden.

Für dieses emissionsfreie Wirtschaften

brauchen wir kreative Betriebe. Damit die Unternehmen

ihren Beitrag leisten können, muss

die Politik einen Rahmen mit verlässlichen

Investitionsbedingungen schaffen, nicht weniger

aber eben auch nicht mehr.

Der europäische Green Deal schafft zahlreiche

neue Möglichkeiten für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

Während es zwar zu einem

signifikanten Wegfall ganzer Produkt- und

Technologiekategorien kommen wird, sorgt dies

gleichzeitig für die Entstehung neuer Wachstums-

und Arbeitsmärkte der nächsten Generation.

Deutschland und Rheinland-Pfalz verfügen

bereits heute über viele

Spitzentechnologien, diese gilt es in den nächsten

Jahren auszubauen und zu stärken.

einzig durch eigene Programme finanzieren

kann. Auf Initiative führender deutscher Unternehmen

werden bereits Methoden entwickelt

und pilotiert, um den Kerngedanken einer ganzheitlichen

Wertoptimierung in Bilanzen zu integrieren.

Hierbei müssen neben dem ökonomischen

Wert auch der durch Unternehmen

geschaffene gesellschaftliche und ökologische

Mehrwert berechnet und transparent gemacht

werden. Auch diese Arten von Innovationen

sollten wir gezielt vorantreiben und fördern.

Neuen Abgaben stehe ich sehr skeptisch gegenüber,

zumindest in deren Einführungsphase.

Ich sehe neue Technologien vor allem als

Möglichmacher, damit wir Wachstum, Wohlstand

und Klimaschutz in der Zeit nach der Pandemie

vereinen können. Denn auch wenn dies manche

nicht hören wollen: Innovationen sind der bessere

Klimaschützer als Verzicht. Seit 1990 hat

Rheinland-Pfalz seine CO2-Emissionen um 37%

reduziert. Rund 80% dieser Reduktion gehen

auf Prozessoptimierungen der Chemie (Vermeidung

von Lachgas) zurück. Und die auf uns

zukommenden Innovationen werden noch einmal

größer sein.

BWN

Foto: Christian Baldauf

Auch im Bereich Green Finance gibt es spannende

Ideen. Angesicht der enormen Investi-

tionsaufwendungen für diese nachhaltige

Transformation bedarf es marktwirtschaftlicher

Lösungsansätze unter Einbindung des Kapitalmarktes.

Es ist ein Trugschluss zu glauben,

dass der Staat die Transformation der Wirtschaft


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DIE ZUKUNFT DER

ARBEIT

17

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18

Die schöne neue

Arbeitswelt und ihre Grenzen

Ein Gastbeitrag von David Dietz

„Zukunft der Arbeit“, „Arbeit 4.0“ oder eben „New

Work“ – alle diese Schlagworte beschreiben mit

mehr oder weniger konzeptionellem Überbau,

wie unser Arbeitsleben künftig aussehen soll.

Interessanterweise hat sich unter den drei vorgenannten

Begriffen selbst eine kleine Branche

entwickelt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

erforschen Trends über Arbeitsweisen

in einer Zukunft, die ja eigentlich längst begonnen

hat, Coaches wollen Unternehmen wie Arbeitnehmerinnen

und Arbeitnehmer für das New

Work-Zeitalter fit machen und Möbelhäuser

bieten Lösungen für das „neue Büro“; auch für

das neue Büro zu Hause. Und dabei sind noch

nicht einmal die zahllosen Social-Media-Unternehmerinnen

und -unternehmer einbezogen,

deren Angebote sich in der digitalen Sphäre

finden. Wer bei Instagram dem Hashtag #newwork

folgt, der findet über 1,6 Millionen Beiträge.

Die Relevanz ist demnach gegeben und ein

dazugehöriger Markt auch.

Den Begriff „New Work“ prägte vor allem der

deutsche Sozialphilosoph Frithjof Bergmann, der

im Mai dieses Jahres im Alter von 90 Jahren

verstorben ist. Analog zu den ebenfalls

genannten „Arbeit 4.0“ und

der „Zukunft der Arbeit“ geht es

um eine neue Arbeitskultur und

neue Arbeitsprozesse in einer

internationalisierten und digitalisierten

Welt.

Die Grundannahme

ist, denke ich, gegeben.

Wir leben in

einer Situation, in

der nicht nur Waren

und Dienstleistungen

im

Wettbewerb extrem flexibel sind und für viele

Akteure am Markt nicht mehr nur regional begrenzt

zur Verfügung stehen. Gleiches gilt vielmehr

auch am Personalmarkt, auf dem Unternehmen

gut ausgebildete und mobile Menschen

weltweit für sich gewinnen können. Auch sind

unsere Arbeitsprozesse in vielfältiger Weise digitalisiert.

Im vergangenen Jahr haben ich und

viele meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

darüber gemurrt, dass wir mit Teilen der öffentlichen

Verwaltung mittels Fax kommuniziert

haben. Das bedeutet im Umkehrschluss aber,

dass dieser für uns eher lästige als tragische

Vorgang die Standards der digitalen Kommunikation,

an die wir uns mittlerweile gewöhnt haben,

hervorhebt. Zu meiner Zeit als Pressesprecher

hätte ich ohne Messenger-Dienste und

Social Media sicherlich weniger Wirkung erzielen

können.

Doch wie bei so vielen Trends und Entwicklungen

sind unterschiedliche Ausprägungen in verschiedenen

Branchen zu verzeichnen. Als Geschäftsführer

zweier Unternehmen der Sozial- und

Gesundheitswirtschaft, deren Geschäftsmodelle

auf der Versorgung, Unterstützung und Pflege

von Menschen mit entsprechenden Bedarfen

beruht, erlebe ich Veränderung und gleichzeitig

das notwendige Festhalten an Bewährtem.

Die Lebenshilfe Mainz-Bingen betreibt Einrichtungen

und bietet Dienstleistungen an für Menschen

mit zumeist kognitiven Einschränkungen.

Von der Kindertagesstätte bis zur Seniorentagesbetreuung,

von der Begleitung beeinträchtigter

Schülerinnen und Schüler bis zum Leben

in stationären Wohnformen arbeiten mehr als

300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit mehr

als 550 Kundinnen und Kunden tagtäglich eng

zusammen, um größtmögliche Selbstbestimmtheit

dieser Menschen zu garantieren.


W N


SPEZIAL

Zukunft der Arbeit

19

In einem solchen Setting sind die Möglichkeiten

von digitalisierten Arbeitsprozessen endlicher

als in der Industrie oder bei sonstigen Dienstleistungen,

wie beispielsweise im Bereich der

Kommunikation. Auch, wenn New Work tatsächlich

sehr viel mehr umfasst als die Digitalisierung

der Arbeitswelt – wie zum Beispiel flexible

Arbeits(zeit)modelle, Vereibarkeit von Arbeit und

Familie oder anderen Lebensbereichen, kulturelle

Aspekte und Hierarchien – so lassen sich

für unsere Branche der Sozial- und Gesundheitswirtschaft

insbesondere an diesem Beispiel die

Grenzen neuer Entwicklungen aufzeigen.

Natürlich nutzen auch wir im Rahmen weiter

steigender Dokumentationspflichten in der Eingliederungshilfe

und der Pflege zunehmend ITbasierte

Lösungen. Die Kommunikation in unserem

Pflegedienst basiert auf internen

Messengerlösungen, sofern Telefonate und

Videocalls nicht die Mittel der Wahl sind. Die

Verwaltung, insbesondere die Finanzbuchhaltung,

das Controlling und die Personalabteilung arbeiten

hybrid mit digitalen Programmen, aber

eben auch mit den klassisch ausgedruckten

Papierseiten. Die Installation eines neuen Betriebssystems

samt darauf basierenden Anwendungen

und Cloud-Lösungen hat die Pandemie

zunichte gemacht. Wenn ein Investitionsstopp

notwendig ist, weil wir und unsere Kostenträger

auf Sicht fahren müssen, wie es seit März 2020

der Fall ist, fällt auch die dringend notwendige

weitergehende Digitalisierung unserer Arbeitsprozesse

diesem zum Opfer.

Der entscheidende Punkt ist aber: unsere Dienstleistungen

erfordern schlicht und ergreifend

physische Nähe und nicht zuletzt auch Empathie.

Der Einsatz der so genannten Pflegeroboter und

von Anwendungen künstlicher Intelligenz (KI)

werden immer bedeutendere Ergänzungen unserer

Leistungen. Dies gilt natürlich vor allem

auch für diejenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

die über viel Erfahrung verfügen, aber

deren körperliche Fähigkeiten mit den Bedarfen

unserer Kundinnen und Kunden nicht auf Dauer

mithalten können. Daher werden uns die

technischen Möglichkeiten die Arbeit am Bett,

in der KiTa und unseren anderen Tätigkeitsfeldern

die Arbeit weiter erleichtern, aber den „Faktor

Mensch“ zum Glück nicht ersetzen können. Damit

werden wir auch künftig über Vergütungsfragen

mit den Kostenträgern ringen, wir werden

weiterhin arbeits- und tarifrechtliche Diskussionen

mit den Betriebsräten führen und für die

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Pflegetouren

mit der bestmöglichen Effektivität ermitteln.

Dabei werden uns KI-Lösungen helfen, die die

Leitungskräfte im Home-Office anwenden. Unsere

Kolleginnen und Kollegen im Betreuungsund

Pflegedienst werden derweil genau das tun,

was sie immer getan haben – betreuen und

pflegen; in unseren Einrichtungen und bei den

Menschen zu Hause.

Text & Foto: David Dietz

Über David Dietz:

David Dietz, 39, hat berufliche Erfahrungen im rheinland-pfälzischen Landtag gesammelt, bevor

er im Gesundheits- und Arbeitsministerium in Mainz tätig war. Als Pressesprecher der Landespflegekammer

war er am Aufbau der größten Heilberufskammer in Rheinland-Pfalz beteiligt und

ist seit 2018 Geschäftsführer der Lebenshilfe Mainz-Bingen GmbH, ein Multikomplexträger mit

300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Seit 2019 ist er außerdem Geschäftsführer des ambulanten

Pflegedienstes Lebenshilfe Mainz-Bingen Hausengel GmbH. Dietz, der Vater eines Sohnes

ist, engagiert sich als Kreis- und Fraktionsvorsitzender der FDP Mainz und ist Mitglied des Landesvorstands

seiner Partei.


Mehr als ein Modewort

20

Resilienz

Krisenbewältigung für Unternehmen als zentrale Funktion

Die Krisenbewältigung nimmt für Menschen und Unternehmen eine immer zentralere Rolle ein. Neben

den Auseinandersetzungen mit den üblichen Herausforderungen muss auf die besonderen Umstände

der Zeit reagiert werden. Was Resilienz mit Zukunft der Arbeit und allgemeiner Krisenbewältigung zu

tun hat, erklären die Wissenschaftlerinnen Dr. Donya Gilan und Dr. Isabella Helmreich im Gespräch mit

der Wirtschafts-News.

Nicht nur die Corona-Krise, sondern auch die

Klimakrise und die fortscheitende Digitalisierung

wirken sich auf das Wie, Wo und Warum der

Arbeit aus. Die Arbeitswelt von morgen wird

sicherlich eine andere sein als die von heute.

Die Krisen der Zeit, die einen gesellschaftlichen

Wandel unabdingbar machen, sind nicht nur

„Alle wollen

widerstandsfähiger werden”

medizinische, ökonomische und ökologische,

sondern auch psychologische. So ist es nicht

verwunderlich, dass Resilienz ein aktuelles

Modewort ist. Alle wollen widerstandsfähiger

werden, mit Stress besser umgehen

sowie Krisen schneller und ohne

langfristige Schäden bewältigen können.

Im Unternehmenskontext haben

vor allem die Unternehmensberatungen

das Thema für sich entdeckt.

Zeit, sich mit dem Begriff Resilienz

und dessen Tiefe genauer auseinanderzusetzen.

Europaweit einzigartiges

Forschungszentrum

Dr. Donya Gilan, Psychologin und Expertin für

den Themenkomplex Anpassung an Krisen und

neue Lebensumwelten leitet gemeinsam mit

Dr. Isabella Helmreich, Psychologische Psychotherapeutin

und Expertin für Gesundheitsprävention,

den Bereich Resilienz und Gesellschaft

des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung

(LIR) in Mainz. Die zentralen Anliegen der in

„Resilienz ist die Fähigkeit

zur Aufrechterhaltung oder

Wiederherstellung

psychischer Gesundheit”

dieser Art europaweit einzigartigen gemeinnützig

tätigen Forschungseinrichtung sind: Resilienzmechanismen

neurowissenschaftlich zu

verstehen, entsprechend fundierte Interventionen

zur Förderung von Resilienz zu entwickeln

und darauf hinzuwirken, Lebens- und Arbeitsumfelder

so zu verändern, dass Resilienz gestärkt

Dr. Donya Gilan,

Leiterin Resilienz und Gesellschaft des LIR, Mainz


W N


SPEZIAL

Zukunft der Arbeit

21

wird. Resilienz definiert das LIR als „die Fähigkeit

zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung

psychischer Gesundheit während oder nach

stressvollen Lebensereignissen“.

Der überforderte Mensch

„Heute existiert eine Fülle an Stressoren, sei

es durch die Pandemie, Globalisierung, Migration,

Digitalisierung, den Klimawandel oder die

enorme Vernetzung von Arbeitsabläufen. Ein

Bombardement an Reizen. Das macht die Stärkung

der Resilienz heute nötiger als je zuvor“,

„Ein Bombardement an Reizen”

erklärt Dr. Donya Gilan. Abgesehen von der

Schnelllebigkeit und der Komplexität unserer Zeit

würden – verstärkt durch die Pandemie – die

Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zusehends

verschwinden. „Die Digitalisierung bringt

es mit sich, dass viele den Laptop abends noch

einmal aufschlagen“, so Gilan. Die reale Interaktion

sei oft nicht mehr notwendig und vieles ad

hoc ohne Planung machbar. Das hätte Vor-, aber

auch Nachteile. „Insbesondere in der Wirtschaft

wird oft erwartet, in Echtzeit zu reagieren und

zu handeln – das erfordert eine enorme Flexibilität

und zieht eine Überforderung der Menschen

nach sich. Auch Bereiche wie Pflege sind nicht

erst seit Corona überstrapaziert.“

Selbstoptimierungswahn

Umso wichtiger sei es zu erkennen, ergänzt Dr.

Isabella Helmreich, dass die Frage der Resilienz

nicht nur eine individuelle Sache, sondern insbesondere

auch eine des Arbeitgebers sei. „Krisenbewältigung

sollte eine zentrale Funktion

in Unternehmen haben“. Zu gerne würde die

Verantwortung auf das Individuum abgewälzt.

Es herrsche oft noch die Einstellung: „Mitarbeiter

müssten sich jetzt mal resilienter machen,

noch mehr aus sich herausholen, ihre ganzen

„Resilienz darf nicht zu

einem neoliberalen

Konstrukt verkommen.”

Ressourcen noch viel besser nutzen, um eben

produktiver zu sein – ganz im Sinne des ‚Selbstoptimierungswahns‘.

Wir sagen ganz klar“,

so Helmreich, „das bedeutet Resilienz nicht“.

Gilan unterstreicht das: „Resilienz darf nicht zu

einem neoliberalen Konstrukt verkommen.“ Das

sei eine ganz wichtige Kritik für die Weiterentwicklung

eines nachhaltigen Resilienz-Konzepts.

Resilienzfaktoren

„Natürlich“, erklärt Helmreich weiter, „solle jeder

versuchen, seine Ressourcen und Resilienzfaktoren

möglichst optimal zu nutzen. „Selbstfürsorge,

das heißt, auf sich zu achten und

Grenzen zu setzen, ist dabei jedoch genauso

wichtig, wie die Verantwortung des Arbeitgebers,

resilienzförderliche Arbeitsumwelten zur Ver-

fügung zu stellen, sodass jeder

sein individuelles Potenzial

auch entfalten kann.“ Die

trainierbaren Resilienzfaktoren

haben Gilan und

Helmreich ausführlich

in ihrem gerade erschienen

Buch “Resilienz.

Die Kunst der

Widerstandskraft“*

aufgeführt. Zu den

Faktoren, die Re-

Dr. Isaabella Helmreich,

Leiterin Resilienz und Gesellschaft des LIR, Mainz


22

silienz stärken, gehören demnach: Aktives Coping,

Selbstwirksamkeit, Selbstwertgefühl, Optimismus,

soziale Unterstützung, kognitive

Flexibilität, positive Emotionen, Hardiness, Kohärenzgefühl

und Sinn/Bedeutung im Leben

sehen.

„Auch Führungskräfte müssen

dahin trainiert werden”

„Auch Führungskräfte müssen dahin trainiert

werden, resilient mit sich und anderen umzugehen“,

erläutert Helmreich. „Wenn Führungskräfte

sich selbst ausbeuten, ist es kein Wunder,

wenn sie ihren Mitarbeitern dasselbe Los

zukommen lassen. Daher ist es wichtig, die

Spirale in die andere Richtung zu drehen und

das Bewusstsein dafür zu schärfen.“

Verhaltens- und Verhältnisprävention

Weiter gedacht dient es der Gesellschaft, die

nicht nur für jeden Burn-out und jede Erkrankung,

die mit Ausbeutung einhergeht, in doppelter

Hinsicht zahlt: zum einen für die Krankheitskosten,

zum anderen für das verlorene Potenzial,

das in vielen Bereichen dringend benötigt wird.

„Authentisch führen”

„Authentisch führen“ sei, so Gilan, „der Begriff,

der hier dazugehöre.“ Sinnvoll sei es zukünftig

bei der Verhaltens- und der Verhältnisprävention

anzusetzen und Führungskräfte auf die

modernen, auf die Forschung basierenden gesunden

Führungsstile, zu schulen – dazu gehöre

ebenfalls eine gute Fehlerkultur sowie die

Teilhabe aller Mitarbeiter als eine der wichtigsten

Faktoren für ein gesundes Unternehmen.

Krise als Chance

„Resilienz bedeutet: Krise als Chance zu sehen“,

sagt Helmreich und zeigt sich erfreut darüber,

dass Belastungsgefährdungen heute nicht mehr

nur auf körperliche Beanspruchungen ausgerichtet

seien, zum Beispiel, ob der Arbeitsplatz

rückengrecht ausgestattet sei. „Wir sehen derzeit

in der psychischen Gesundheit eine enorme

Weiterentwicklung. Die Macht der Psyche

und die verheerenden Folgen, wenn sie leidet,

werden mehr und mehr wahrgenommen. Der

Trend geht eindeutig zur Gesundheitsfürsorge

auch in diesem Bereich“, stellt Helmreich fest.

„Der Trend geht eindeutig zur

Gesundheitsfürsorge”

Wachsender Bedarf

Die Bedarfe an Resilienztrainings seien durch

die neuen Entwicklungen enorm gewachsen,

erläutert Gilan. Wären vor wenigen Jahren Kommunikation,

Teambuilding, Umgang mit Kritik

die klassischen Themen gewesen, seien es jetzt

resilientes Führen, das umschließe ein ganzheitliches

und nachhaltiges Denken und Handeln.

Das Thema Emotionen, ihre Signalwirkungen

und wie mit Empathie souverän geführt

werden könne, rücke dabei verstärkt in das

Bewusstsein.

Hinter Resilienz steckt – wie die Psychologinnen

erläutern – mehr als ein Modewort oder eine

geheimnisvolle Kraft: Es ist eine Kompetenz,

die erlernt werden kann. Profitieren können

einzelne Menschen, Unternehmen und die Gesellschaft.

Resilienz: eine Kompetenz,

die erlernt werden kann


23

„Die Pandemie hat auch gezeigt, wenn eine

Gesellschaft zusammenarbeitet und zusammenhält,

kann ganz viel bewirkt werden.

Wie viel Macht sie hat, Dinge zu verändern, hat

man daran gesehen, dass wir zusammen weniger

CO2 ausgestoßen haben und wie viel sich

in dieser relativ kurzen Zeit in der Natur verändert

hat. Meine Lieblingsmeldungen: In der

Lagune von Venedig schwimmen jetzt wieder

Delphine und in den asiatischen Städten kann

man den Himmel sehen“ – Dr. Isabella Helmreich

Sam

Fotos: LIR, Mainz

MEHR INFORMATIONEN

Das LIR bietet ein Kompetenz- und Beratungszentrum

sowie eine Resilienz-Ambulanz für Bürger:innen

Zu den wissenschaftsbasierten

Dienstleistungen gehören

• Vorträge und Schulungen zur zielgruppenspezifischen

Wissensvermittlung über Gesundheit, Resilienz

und resilienzfördernde Präventionsmaßnahmen

• Beratung und Workshops für Betriebe und Institutionen

hinsichtlich resilienzfördernder Präventionsmaßnahmen

• Entwicklung bedarfsorientierter, zielgruppenspezifischer

Resilienztrainings

Kontakt

Wissenschaftsbasierte Dienstleistungen

Sandra Lenz · Tel.: +49 (0)6131 89448-03

E-Mail: sandra.lenz@lir-mainz.de

Resilienz-Ambulanz:

Melanie Lathomus · Tel: 06131-89448-17

Email: melanie.lathomus@lir-mainz.de

Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) gGmbH

Wallstraße 7 · 55122 Mainz

www.lir-mainz.de

„Resilienz ist ein aktiver und dynamischer Prozess und kein starres

Persönlichkeitsmerkmal.“ Quelle: Leibniz-Institut für Resilienzforschung, Mainz

* Die Neuerscheinung Resilienz - die Kunst der Widerstandskraft.

Was die Wissenschaft dazu sagt von

Dr. Donya Gilan, Dr. Isabella Helmreich und Dr. Omar

Hahad stellen wir auf Seite 68 der Wirtschafts-News vor.


24

Nicht nur das „Was“ diskutieren,

sondern nach dem „Warum“ fragen.

Sandra Happel, Interview

Unternehmen stehen dieser Tage vor gewaltigen

Herausforderungen. Dabei geht es um

einen Strukturwandel, der längst im Gange ist.

Die Pandemie, das ist längst bekannt, legte

dabei nur den Finger in die Wunde und wirkte

wir ein Beschleuniger. Wie lange der Strukturwandel

bereits andauert, dokumentieren hierzulande

zwei prominente Beispiele. Das eine

ist die Politik von Johannes Rau in seiner Rolle

als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen,

das andere Gerhard Schröders Agenda

2010. Vergleicht man die Paradigmen beider

Programme, wird man feststellen, dass sich hier

Angebots- und Nachfragepolitik gegenüberstehen.

Während es in Raus Strukturwandel vor

allen Dingen darum ging, soziale Härten abzufedern,

ging es bei der Agenda 2010 darum,

Lohnstückkosten zu senken und das Investitionsvolumen

im Land anzukurbeln. Ein weiterer

Unterschied ist ebenso klar: Das eine war

eine Strukturreform und das andere – die Agenda

2010 – eine Sozialreform als politische Reaktion

auf sich ändernde Märkte, Berufe und

Arbeitsverhältnisse. Beispiele, auch großer

Unternehmen, die die Transformationsphase

der Nullerjahre nicht überstanden haben, gibt

es zuhauf. Auch nun ändern sich Märkte, Arbeitsverhältnisse

und mithin Geschäftsmodelle

– nur viel, viel schneller. Wie können Unternehmen

sich auf diese Zeit einstellen? Was

sollten sie beachten, um die Übergangsphase

gut zu überstehen? Ein Gespräch mit der Mainzer

Unternehmensberaterin Sandra Happel.

Wirtschafts-News: Frau Happel, Sie beraten

nationale und internationale Unternehmen. Ihre

Beratungsleistung dabei ist eine Mischung aus

klassischer Strategieberatung einerseits und

Coachingelementen andererseits. Auch so genannte

„Soft Skills“ sind Teil Ihrer Beratung.

Was ist in dieser Zeit besonders gefragt von

Ihren Kunden, was von Ihnen mehr anempfohlen?

In welcher Gewichtung zwischen Persönlichkeitsberatung

und Controlling treten Sie an

Ihre Kunden heran?

Sandra Happel: Wir arbeiten primär mit KMU,

also Unternehmen, die im privaten Besitz sind

oder noch vom Inhaber geführt werden. Die

Persönlichkeit, Werte und Historie der Inhaber

spielt in solchen Unternehmenskulturen immer

eine entscheidende Rolle. Gerade bei Unternehmen,

in denen der Inhaber auch Geschäftsführer

ist und damit das Unternehmen mit seinen

Werten repräsentiert, wird eine Führungs- und

Transformationsstrategie nur dann erfolgreich

umgesetzt, wenn sie von dem Inhaber konsequent

geführt und authentisch gelebt wird.

Deswegen muss die Persönlichkeitsberatung

mit in die strategische Unternehmensentwicklung

einbezogen werden.

Das Bewusstsein des Unternehmers über diesen

„Abstrahleffekt“ und die Wahrnehmung der

Mitarbeiter, Kunden und Stakeholder ist der

erste relevante Knowing Point für eine stabile

und zukunftssichere Unternehmenssteuerung.

Eine umfassende Analyse der Softskills des

Führungsteams erweitert die strategischen

Stellschrauben der Unternehmensführung um

wichtige Erkenntnisse und schafft durch die

richtige Evaluation und Ableitung von Maßnahmen

eine effektive Vorgehensweise.


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SPEZIAL

Zukunft der Arbeit

25

Wir starten mit unseren Kunden stets mit einem

zielorientierten und effizienten Status Quo-

Prozess, in dem sowohl die relevanten Unternehmensparameter

als auch die Persönlichkeiten,

Kompetenzen und Werte identifiziert

und analysiert werden. Zu welchen Anteilen wir

dann in der weiterführenden Beratung Schwerpunkte

legen, entscheiden wir in Hinblick auf

den Unternehmensbedarf individuell.

Wirtschafts-News: In der nahen Zukunft ist

damit zu rechnen, dass Unternehmen in Havarie

geraten werden. Entweder, weil sie sich

durch einen Transformationsprozess zwängen

müssen oder weil sie ihr Geschäftsmodell gar

vollkommen ändern müssen. In beiden Fällen

ist enorme Liquidität erforderlich. Worauf sollten

Geschäftsführer solcher Unternehmen am

ehesten achten? Auf die Marktveränderungen?

Auf die Margen bei Aufträgen, um die Liquidität

im Auge zu behalten? Welchen Rat geben Sie

Unternehmen in solchen Situationen?

Sandra Happel: Die europäische Wirtschaft steckt

gedanklich teilweise noch in den 80er Jahren.

Während China und andere Märkte zwar wahrgenommen

werden, werden die massiven Innovationspotenziale

und Produktionskapazitäten

ignoriert. Investoren folgen den globalen

Trends kurzfristig, sodass sich oft schleichend

eine Abwärtsspirale in Gang setzt, die den Zugang

zu Kapital erschwert, sobald man Anschluss

verloren hat. Allein darin liegt bereits eine nicht

zu unterschätzende Gefahr.

„Zeit ist zu einem immensem

Druckfaktor geworden.”

Sandra Happel: Bereits unter gewöhnlichen

Umständen scheitern etwa 79% der notwendigen

Transformationsprozesse aufgrund der

komplexen Anforderungen an das Management.

Markt und Ressourcen müssen neu bewertet,

Mitarbeiter überzeugt und motiviert, Kundenbedürfnisse

maßgeblich einbezogen und die

Transformation klar und konsequent vorangetrieben

werden. Das ist ohne externe Expertise

kaum zu bewältigen.

Durch die Pandemie sind zudem viele Unternehmen

plötzlich gezwungen, schnell neue

Geschäftsmodelle und Absatzmöglichkeiten zu

realisieren. Nach der langen Krisenzeit sind die

Ressourcen knapp, die Unsicherheit ist hingegen

im Führungsteam, bei Mitarbeitern, Kunden,

Lieferanten und Stakeholdern besonders hoch.

Zeit ist dadurch zu einem immensen Druckfaktor

geworden, der es den meisten Unternehmern

unmöglich macht, besonnen die drängende

Transformation umzusetzen. Gerade jetzt

ist es unerlässlich, nicht auf Hoffnung und

Vertrauen zu setzen, sondern sich rasch eine

realistische Kenntnis über alle Einflussfaktoren

und Engpässe zu verschaffen.

Wirtschafts-News: Ein Teil Ihrer Beratung befasst

sich mit Persönlichkeitsanalyse. Man kann

wohl vermuten, dass eben dies jetzt mehr denn

je gefragt ist, da sich Dinge in ihrer Grundsätzlichkeit

und mit enormer Geschwindigkeit verändern.

Auf welche Fähigkeiten und Eigenschaf-

ten kommt es bei Führungspersönlichkeiten in

dieser Zeit besonders an?

Sandra Happel: Eines vorweg:

Es gibt generell in

der Persönlichkeits- und

Kompetenzarbeit kein

„besser“ oder „schlechter“.

Unser Arbeitsansatz

bezieht die Kenntnis

der Persönlichkeits-,

Kompetenz- und Wertestrukturen

als strategischen

Trans-

formationspara-

Unternehmensberaterin Sandra Happel


26

meter ein und baut auf den individuellen

Stärken, Bedürfnissen und Erwartungen der

Führungspersönlichkeiten auf.

Zu einer zukunftsfähigen Positionierung führen

so viele individuelle Wege, wie es Unternehmen

gibt. Die Voraussetzung ist eine valide, konsistente

sowie authentische Transformationsstrategie.

Die wesentlichen Erfolgsfaktoren und

Kernthemen der Persönlichkeitsentwicklung

sind Führungskompetenz, Motivation, Disziplin

und Durchhaltevermögen.

Ohne die Kenntnis des menschlichen Systems

ist heute und gerade nach COVID keine zukunftssichere

Unternehmensführung und -entwicklung

mehr möglich. Unternehmer und Inhaber brauchen

heute das Wissen mehr denn je, wie Persönlichkeits-

und Werte-Systeme funktionieren.

Noch nie waren in der Führungsarbeit Beziehungskompetenzen

und die Kenntnis darüber,

welche Fähigkeiten und Persönlichkeiten an

welcher Stelle gebraucht werden, so wichtig.

Und genau das ist der Schlüssel unserer Beratung:

Nur wenn der Unternehmer bzw. das

Führungsteam weiß, wo die eigenen Kompetenzen

liegen, aber auch blinde Flecken, Optimierungspotenzial

und thematische Herausforderungen

reflektiert erkennt, können die

passenden Entscheidungen abgleitet werden,

um eine Transformation zum Erfolg zu führen.

Über Sandra Happel:

Sie plädiert dafür, nicht nur das „Was“ zu

diskutieren, sondern auch das „Warum“

zu hinterfragen. Sandra Happel studierte

in Mainz Wirtschaftswissenschaften und

ist seit 20 Jahren als Coach und Unternehmensberaterin

tätig. Ihre Expertise bezieht

sich auf die Beratung und das Coaching

von Geschäftsleitungen. Themen wie Zukunftssicherung,

Unternehmensführung,

Nachfolge, Veränderungs- und Umbruchssituationen

und das Coaching aller Beteiligten

stehen dabei im Mittelpunkt.

Wirtschafts-News: Mit dem Fraktionsvorsitzenden

der CDU im rheinland-pfälzischen Landtag,

Christian Baldauf und der Bundestagsabgeordneten

der Grünen, Tabea Rößner, sprachen

wir in diesem Heft ebenfalls über die Zukunft

der Arbeit. Schwerpunkte dabei waren unter

anderem sich ändernde Arbeitsprozesse innerhalb

der Unternehmen, wie etwa die Debatte

um Homeoffice. Wie nehmen Sie diese Kontroverse

wahr, wenn Sie mit Unternehmern und

Führungspersönlichkeiten reden? Wird sich ein

solches Modell künftig etablieren und in welcher

Weise sollten Arbeitsnehmer und Arbeitgeber

aufeinander zugehen?

Sandra Happel: Digitale Technologien verändern

die Arbeitswelt – dies fordert das Überdenken

von Prozessen und Führungskultur, da insbesondere

jüngere Mitarbeiter nicht mehr bereit

sind, in alten Modellen zu arbeiten. Dabei ist

es gerade für KMUs entscheidend, gute Talente

anzulocken und langfristig zu binden.

„Unternehmen haben eine

gesellschaftliche Funktion”

Ich plädiere dafür, nicht nur das „Was“ zu diskutieren,

sondern nach dem „Warum“ zu fragen.

Als Unternehmer pauschal für oder gegen eine

Maßnahme zu sein, ist nicht mehr zeitgemäß

und kann den Erfolg des Unternehmens gefährden.

Es gilt abzuwägen, welche Maßnahmen

effektiv sind und nicht, ob ich die Maßnahme

gut finde. Funktioniert die Wertschöpfung des

Unternehmens, welche Änderungen muss ich

wie anstoßen – das sind die Fragen, die ein Unternehmer

sich klar beantworten muss.

Unternehmen existieren nicht zum Selbstzweck.

Sie haben eine ökonomische und gesellschaftliche

Funktion, die sie nur erfüllen können, wenn

sie langfristig erfolgreich wirtschaften. Erfolgreiche

inhabergeführte Unternehmen machen

Gewinne, haben motivierte, gesunde Mitarbeiter,

sichern ihre Infrastruktur und sorgen für den

Fortbestand der eigenen Ressourcen.


27

Ist man von dieser ökomischen Grundlage überzeugt,

sind solche Fragen aus meiner Sicht politisch

nicht regulierbar. Es würden der Unternehmenssteuerung

wichtige Stellschrauben und

Entscheidungsfelder nicht mehr zur Verfügung

stehen und die Handlungsfähigkeit ganzer Geschäftsleitungen

einschränken. Was für einen

Konzern sinnvoll sein kann, kann für ein KMU

den Weg in die Zukunft unmöglich machen.

Wirtschafts-News: Als Betriebswirtin und Unternehmensberaterin

richtet sich Ihr Blick vor

allen Dingen auf Prozesse und Strukturen innerhalb

von Unternehmen. Gleichwohl ist eine

Umfeldbetrachtung für eine strategische Beratung

unabdingbar. Wie sich die volkswirtschaftliche

Gesamtlage entwickelt und welche

Lenkwirkung von der Politik kommt, ist von

entscheidender Bedeutung. Durch die Pandemie

sind die Belastungen für Staat und Unternehmen

gleichermaßen gewaltig gestiegen. Nie

waren in Deutschland die Sozialkosten höher

als jetzt, die Schuldenbremse ist bis auf Weiteres

ausgesetzt. Johannes Rau wurde in seiner

Zeit als Ministerpräsident von Nordrhein-

Westfalen dafür kritisiert, dass der

Strukturwandel zu lange gedauert habe, dafür

gelobt, dass er ihn sozialverträglich gestaltet

habe. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation

und welche Zeichen würden Sie von der Politik

erwarten?

Sandra Happel: Das ist eine sehr komplexe

Frage. Grundsätzlich bin ich der Auffassung,

dass Unternehmen als eigene Systeme so weit

wie möglich autark funktionieren müssen. Aus

meiner Sicht ist es Aufgabe und Verantwortung

unseres politischen Systems, die Rahmenbedingungen

für ein gesellschaftskonformes Wirtschaften

schaffen. Viele politische Diskussionen

werden aktuell mikroökomisch geführt: Home-

office ja oder nein? Subventionen für ein E-Bike?

Dabei wären die zu regelnden Fragen aus meiner

Sicht etwa: Wie verhindert die Politik ausbeuterische

Arbeitsmodelle und schafft einen

Rahmen für eine gesunde und de

wertschöpfen-

Arbeitspolitik?

„bereichernde Wissenstransfer-

Schnittstellen organisieren”

Je heterogener die unternehmerische Struktur

eines Landes ist, desto schwieriger wird die

Umsetzung einheitlicher Regelungen. Darin liegt

die größte Diskrepanz zwischen dem gesellschaftlichen

Bedürfnis nach politischer Regulierung

und der unternehmerischen Forderung

nach Selbstbestimmtheit. Konzerne funktionieren

nach anderen Regeln und Interessen als

KMUs – auf welcher Basis sollen also die Entscheidungen

getroffen werden, für welches

Unternehmen passen und wem langfristig

nutzen?

Im Rahmen der parteipolitischen Positionierungsziele

vermisse ich oft die Klarheit über

die eigentliche Verantwortung unserer Regierung.

Meine Forderung: Sich den Grenzen der Einflussnahme

bewusst zu werden und dennoch

bereichernde Wissenstransfer-Schnittstellen

zu allen gesellschaftlichen Bereichen organisieren.

Nur dann lässt sich beantworten, was

eine Regierung in Ausnahme- und Krisensituationen

tun muss, um das Land zu unterstützen

und zu stärken.

BWN

Fotos: Sergio Sandretto


Veränderung und Aufbruch

28

Ein Gastbeitrag von Alexander Schweitzer

Minister für Arbeit, Soziales,

Digitalisierung und Transformation

Der Begriff der Transformation ist zu Recht in

aller Munde. Wir alle erleben gerade, wie sich

unsere Arbeitswelt mit einer bisher nicht gekannten

Dynamik wandelt. Wenn wir von Transformation

sprechen, meinen wir deshalb auch

nicht einen einzelnen, sondern eine Vielzahl von

parallel ablaufenden Veränderungsprozessen.

Dazu gehören die Digitalisierung von Produktions-

und Arbeitsprozessen ebenso, wie der

notwendige Übergang hin zu einer klimaneutralen

Wirtschaftsweise. Es gehören aber auch

Veränderungen dazu, die uns schon lange begleiten,

wie etwa der demografische Wandel

oder die Globalisierung.

Keine Frage also: Wir leben in einer Zeit der

Veränderung und des Aufbruches von Strukturen.

Es geht heute darum, wichtige Weichen

für die Zukunft zu stellen. Nicht zuletzt die

Corona-Pandemie hat diesen Wandel noch

einmal auf eine neue Ebene gehoben und beschleunigt.

Es ist die Aufgabe der Politik, dass

wir diese Veränderungen nicht einfach nur zur

Kenntnis nehmen, sondern sie so gestalten,

dass alle davon profitieren können.

Ein zentraler Treiber der

Transformation ist die

Digitalisierung der Arbeitswelt.

Neue Techniken

nehmen uns

Arbeit ab und unterstützen

uns, vor allem

aber verändern sie

unseren Arbeitsalltag.

Viele Beschäftigte stellen sich die Frage, ob ihre

Arbeit, ob sie selbst künftig noch gebraucht

werden. Wir wissen, dass diese Ängste oftmals

unbegründet sind, dass wir aber gleichzeitig

dazu bereit sein müssen, uns und unsere Qualifikationen

weiterzuentwickeln. Dementsprechend

ist die kontinuierliche Weiterbildung ein

zentraler Aspekt der Transformation, die wir in

Rheinland-Pfalz auch finanziell umfassend

fördern.

„Mobiles Arbeiten dient

dem Klimaschutz”

Auch bei der Weiterbildung unterstützt uns die

Digitalisierung mit ihren vielfältigen Möglichkeiten

der Wissensvermittlung wie etwa Augmented

Reality oder Wikis. Die Digitalisierung

ermöglicht es uns aber beispielsweise auch, die

Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land

anzugleichen. Die Verfügbarkeit von schnellem

Internet in Kombination mit der Möglichkeit,

von zu Hause aus zu arbeiten, machen das

Wohnen auf dem Land immer attraktiver. Gleichzeitig

hat uns die Corona-Pandemie eindrücklich

gezeigt, wie sehr die digitale Transformation

und die Möglichkeiten des mobilen

Arbeitens dem Klimaschutz dienen können.

In der Pandemie sind die Chancen und Herausforderungen

der digitalen Arbeitswelt deutlich

geworden: Beschäftigte hatten im Homeoffice

mehr Zeit für sich und die Familie, der Stress

durch tägliches Pendeln entfiel vielfach.

Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Soziales,

Digitalisierung und Transformation


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SPEZIAL

Zukunft der Arbeit

29

Die Produktivität Ist oftmals gestiegen und

aktuelle Studien belegen, wie stark Homeoffice

und mobiles Arbeiten einen Beitrag zur Arbeitsund

damit natürlich auch Lebenszufriedenheit

leisten konnten. Gleichzeitig aber ist einmal

mehr klargeworden, wo die Herausforderungen

liegen und zwar sowohl für die Beschäftigten

als auch die Arbeitgeber. Für die Beschäftigten,

weil etwa eine größere Flexibilität bei der

Arbeitszeit nicht zu einer Entgrenzung von Arbeit

führen darf.

„Planungssicherheit für Beschäftigte

und Unternehmen”

Ebenso müssen wir Fragen nach Gesundheitsschutz

am Arbeitsplatz, Datensicherheit und

Datenschutz eindeutig beantworten und zwar

gerade dann, wenn wir über den Einsatz von

Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz sprechen.

Hier setze ich mich für klare Rahmenbedingungen

ein, um Beschäftigten und Unternehmen

die nötige Planungssicherheit zu geben. Gleichzeitig

unterstützen wir die Betriebs- und

Personalräte dabei, sich in den Themen der

Transformation fit zu machen.

Doch auch für Arbeitgeber bringt die digitale

Arbeitswelt neue Anforderungen mit sich, etwa

hinsichtlich einer veränderten Arbeitsorganisation

und Führungskultur. Dies gilt besonders

für die vielen kleinen und mittelständischen

Unternehmen (KMU), die Rheinland-Pfalz prägen.

Diese verfügen oftmals einfach nicht über

die notwendigen Ressourcen, um die Transformation

alleine stemmen zu können. Deshalb

unterstützen wir KMU und ihre Beschäftigten

bei diesen Fragen durch eigene Angebote oder

in Zusammenarbeit mit dem Bund. Ein Beispiel

dafür ist das neue „KI-Zukunftszentrum“, das

KMU bei der Einführung von KI-Anwendungen

zur Seite steht.

Die Transformation wird gerade zu einer Art

neuer Normalität. Allerdings – und auch das

gehört zur Wahrheit – ist das Bewusstsein um

die Herausforderungen und Chancen der Transformation

sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Vor allem hakt es an vielen Stellen daran, das,

was bereits als grundsätzlich richtig und wichtig

erkannt worden ist, auch in konkretes Handeln

zu übersetzen.

Deshalb bereiten wir aktuell die Einrichtung

einer Transformationsagentur vor, die über

Dialogformate dabei unterstützt, regionale Strategien

zur Gestaltung der Transformation zu

entwickeln. Die Agentur wird gleichzeitig allen

Beschäftigten, ihren Vertreterinnen und Vertretern

aber auch Unternehmen als Lotsin zur

Verfügung stehen. Sie bildet dabei die Schnittstelle

zu bereits bestehenden Angeboten des

Bundes, des Landes und unserer Partnerinnen

und Partner. Die Transformationsagentur ist

daher ein zentraler Baustein unserer Politik zur

zukunftsweisenden Gestaltung der Arbeitswelt

in Rheinland-Pfalz.

Text: Alexander Schweitzer

Foto: ©MASTD/Pulkowski


30

Pendelschwung

Frisches Bier, schaler Wein, heulende Gitarren

– in Pendelschwung debattieren Maasland und

Wildemann über Aktuelles aus dem Zeitgeschehen.

Die Verschiedenartigkeit beider sorgt dabei

zuverlässig für unterschiedliche Betrachtungsweisen,

Ansichten und Schlussfolgerungen.

Sagen Sie, Frau Maasland, Sie stehen doch auf

Rocknummern, oder? So musikalisch meine

ich. Wie ist´n das mit `ner langgezogenen, heulenden

Gitarre zwischen zwei Themen? Ist das

ein Puffer? Oder ne Überleitung zum nächsten

Thema? Oder ne Kompensation zwischen Hochdruck

und Tiefdruck? Denken Sie an Sultans

of Swing in der besten Fassung bei der Alchemy-Tour.

Was hat der Knopfler da gemacht?

War das ein Tanz auf der Gitarre oder ne Themenüberleitung.

Oder Bohemian Rhapsody

aus der Feder von Freddie Mercury. Wie mag

es wohl gelingen, so viele Themen in einem

Song zu vereinen? Und so mit Hoch- und Tiefdruck;

was machtn der Wind da eigentlich?

Ausgleichen? Ach und wo wir gerade reden,

wie kam es nur dazu, dass auf die Flower-

Power Punk folgte? Und auf die Härten der

Aufklärer nach kurzer Überleitung die Romantik?

Jetzt, da ich schreibe, frage ich mich, ob

die Überleiter, die Stürmer und Dränger, die

Gitarre waren? Sorry, dass ich Sie jetzt derartig

belagere, aber ich kenne niemanden sonst,

der Geisteswissenschaften und Musik kann.

Außerdem las ich aufmerksam einen Text von

Ihnen. Da sprachen Sie von disruptiver Krise

im Zusammenhang mit der Pandemie. Da haben

ja jetzt viele Leute im Heft wieder mitgeschrieben.

Haben Sie das gelesen? Da reden

die Leute über Homeoffice, die Veränderung

der Arbeitswelt im Allgemeinen und über einen

Paradigmenwechsel, der in der Politik stattfinden

muss. Zum Beispiel sagte der Alexander

Schweitzer, dass Beschäftige während

Corona keinen Pendelstress hatten und mehr

Zeit für die Familie. Gleichzeitig stellt er fest,

dass die Belastungen für Unternehmen derzeit

gewaltig sind. Ist Herr Schweitzer die Gitarre?

Frau Maasland?

Hm, diese Rolle kann er natürlich übernehmen,

wenn er will. Doch die interessantere

Frage ist ja vielmehr, welches Stück er spielt.

Und für welches Publikum. Wer nach neuer

Inspiration oder gar Disruption sucht, wird

für dieses Konzert möglichweise keinen Eintritt

zahlen. Denn dass Corona einerseits

Belastungen und andererseits Entlastungen

bringt, ist nach den ersten Empörungswellen

ja allgemein anerkannt. Jetzt darf man

gespannt sein, was die Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Gemeinschaft

daraus macht. Aktuell

macht es durchaus den Eindruck, dass

viele bei „New Work“ einfach mal mitreden

und dabei vor allem große Freude am Spiel

mit den dazugehörigen Buzzwords haben.

Aber die Beschäftigung mit dem Geist der

Prämisse „Jeder macht, was er wirklich wirklich

will“ jenseits einer schmerzlosen Oberfläche

scheint nicht so recht erstrebenswert.

Einzig bei David Dietz lässt sich die Radikalität

der New Work-Idee erkennen. Er legt


31

den Finger in die Wunden und zeigt, dass

sich eine wunderbare Idee und die harte

Realität noch ziemlich schulterzuckend gegenüberstehen.

Dem, der hinsehen will, legt

genau das schamlos offen, warum eine „Neue

Art des Arbeitens“ einfach nicht so richtig

in die Gänge kommen will.

Tja, da sagen Sie was, Frau Maasland. Lassen

Sie uns doch mal eintauchen in das Orchester

der Buzzwords, Notwendigkeiten, Dringlichkeiten,

Gitarren und Geigen und einen Tanz

wagen auf dem Parkett zwischen Macht und

Eitelkeit? Hab ich damit eigentlich recht, Frau

Maasland? Also, Sie wissen es, wann immer

es darum geht, Dinge in aller Tiefe hoch und

runter mit Innen- und Außenwirkung zu durchdenken,

frage ich Sie. Im Moment frage ich

mich, was wohl Otto von Bismarck gedacht

haben mag, als er die Sozialgesetzgebung auf

den Weg gebracht hat? Bitte, Frau Maasland,

ich höre Sie schon jetzt laut und deutlich. Das

war kein Buzzword, sondern ne Sozialreform.

Der war damals sowas Ähnliches, wie Johannes

Rau hundert Jahre später in Nordrhein-

Westfalen mit seiner Strukturreform, nur mit

anderen Vorzeichen. Ach, da fällt mir ein, kommen

Sie nicht daher? Anyway, Bismarcks Trigger

war, den Sozialisten, wie er sie nannte,

den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dass

er Wegbereiter der sozialen Marktwirtschaft

war, hat er nicht gewusst und noch weniger

gewollt. Ich frage mich demnach, ob nicht alles

mit Buzzwords mal anfängt? Also ja, irgendwann

kommen die Leute und finden, dass

es ohne Inhalte langweilig wird. Aber das kennen

wir ja schon von dem Digitalisierungs-

Blablabla. Und dennoch, steht vor dem fertigen

Gedanken, dem Konzept, nicht erstmal ein

großes Wort? Eines, das Emotionen auslöst.

Sie sagen das doch auch immer zu mir, ich

solle mehr darauf hören und achten. Schauen

Sie auf Berlin in der jüngsten Geschichte. Da

stand erst John F. Kennedy und sagte, er sei

ein Berliner und dann Ronald Reagan mit seinem

eindringlichen Appell an Gorbatschow, er

möge die Mauer einreißen. Zwischen Solidaritätsbekundung

und Aufforderung lagen Jahrzehnte.

Und noch ein paar Jahre Unrechtsstaat

zwischen Aufforderung und Wiedervereinigung.

Gerade erst hab ich mir bei Ihnen – vollkommen

zurecht – ein blaues Auge abgeholt, weil ich

Marketing und Kommunikation in einen Topf

geschmissen habe. Also was sollten wir machen,

Frau Maasland, wenn wir wissen, dass

es disruptiv und in der Folge Strukturwandel

bedürftig ist, wie sollten wir die Zeit zwischen

Buzzwords und echten Ideen und Konzepten

ausfüllen? Gehen wir am Rhein ein Bier trinken?

Ich lad Sie ein.

Ha, dieses Bier am Rhein haben Sie mir schon

vor 2 Jahren versprochen. Ist das damit auch

so ein Buzzword oder gar eine Buzzphrase?

Wie dem auch sei: Natürlich haben Sie recht

- alles Gute fängt mit dem Willen dazu und

dessen Bekundung an. Dann folgen die ersten

Schritte auf dem Weg. Doch ist der Weg

sachlich geplant oder entsteht er schlicht

beim Gehen? Und warum orientiert sich wer

in welche Richtung? Wer oder was motiviert

die Laufgeschwindigkeit? Es ist tatsächlich

die Frage nach Notwendigkeit und Dringlichkeit,

die hier den Ausschlag gibt. Wie

immer im Leben. Solange der Druck zur Veränderung

nicht groß genug ist, bleibt die

Bewegung aus oder zumindest lahm. So ist

es eben: „Das Gehirn ist eine faule Sau“, wie

es der Hirnforscher Hans-Georg Häusel so

plakativ wie treffend formuliert. Und unter

anderem deshalb wage ich die These, dass

die Zeit zwar reif für neue Konzepte, die ja

schon existieren, ist, es jedoch an der Umsetzung

weiter scheitert. Und zwar nicht,

weil die Konzepte schlecht sind, sondern weil

sich immer noch zu viele Menschen vor echtem

Wandel scheuen. Die atemraubende

Angst vor dem Verlust von materiellem

Wohlstand und Status ruft stimmgewaltige

Bewahrer auf den Plan, die fordern, das bestehende

Profitable zu stärken und als notwendig

erkannte Innovationen zähneknirschend


32

zu subventionieren – so würde dann schon

alles gut mit dem Klima und der sozialen

Ungerechtigkeit. Übertragen wir das doch

mal in ein Bild aus dem schwer gebeutelten

Pflegesektor: Es wäre also ok, wenn man

bestehende Wunden nicht kuriert und sogar

noch tiefer reißt, solange man parallel besseres

Verbandsmaterial entwickelt?! Sie

sehen, lieber Mensch, das macht mich durchaus

wütend. Falscher Ansatz, falsche Richtung.

Wir brauchen keine neuen Konzepte,

solange wir kein neues Mindset, eine neue

Haltung, den Dingen und vor allem den Menschen

gegenüber einnehmen. Sonst bleibt

es schlicht beim alten, schal gewordenen

Wein, den man versucht - in die vielzitierten

neuen Schläuche gegossen - als Premiumqualität

zu verkaufen.

Och Frau Maasland, ich finde jetzt kippen Sie

schalen Wein in frisches Bier. Ändert sich nicht

gerade alles? Ich merke es deutlich, Ihre schöne

Seele ereifert sich für das Gute. Der Klimawandel

und soziale Gerechtigkeit umtreiben

Sie. Aber beides sind doch Themen von Arbeit

4.0, oder nicht? Ok, zu lahm, zu inhaltsleer zu

oberflächlich, höre ich Sie sagen. Aber hat nicht

immerhin der Scholz jetzt einen großen Schritt

gemacht mit der weltweiten Unternehmenssteuer?

Jaja, ich weiß, ich weiß, schauen wir

mal, was davon am Ende übrig bleibt. Aber

das ist doch schon mal was, oder nicht? Und

wenn man dieser Tage Texte von Politikern

liest, die eher unter dem Stern „how predictable“

stehen, dann doch wohl deshalb, weil

die sich nicht trauen und auf Parteilinie bleiben

wollen. Eines erscheint mir vollkommen

klar, liebe Frau Maasland. Strukturen oder,

krasser noch, Änderungen daran folgen immer

einer schieren Logik. Das hat nichts mit Emotionen

zu tun. Will man also große Veränderungen,

muss man wirkmächtige Hebel in Gang

setzen. Und dann kurz warten. So eins, zwei

Jahrzehnte und schwups, sind sie da. Alles,

was dazwischen passiert, ist das Ringen um

die beste Hebelidee, den besten Zeitpunkt

einer solchen Idee und, wichtiger noch, um den,

der´s sagen darf. Das, was in der Zwischenzeit

stattfindet, gerade jetzt, das sind Emotionen.

Ich glaube das ist es, was Sie mit Buzzword

meinen; Kapriolen, irrlichternde Gedanken,

Himmelsstürmer und Hasardeure ganz gleich

von welcher Seite, ob von stimmgewaltigen

Bewahrern oder ehrgeizigen Progressiven. Das,

was in den kommenden Wochen bis September

stattfindet, ist ne Mischung aus Schauspiel

und Rockkonzert. Da hören Sie ne langgezogene,

heulende Gitarre voller Pathos, dann

sehen Sie schrille bis verstörende Auftritte von

Typen, bei denen Sie sich fragen, ob das gerade

ne Neuauflage von Top-Gun ist oder ein

deutscher Verteidigungsminister. Part of the

game, Frau Maasland, finden Sie nicht? Und

jetzt mal Hand auf´s Herz, Sie sind die Kommunikationsexpertin.

Ich bin der schlimmste

Dogmatiker unter dieser Sonne, doch frage ich

mich, was besser ist; eine emotional, ja vielleicht

populistisch angeschobene Strukturreform oder

eine, die nicht stattfindet?

Natürlich finden gerade massive Veränderungen

statt. Doch sollten wir achtgeben,

dass wir uns nicht tatsächlich der Panscherei

schuldig machen. Andererseits wird das

aber natürlich auch immer noch sehr gern

gekauft, dieses Misch-Zeug. Süffig, süß und

selten merkt man rechtzeitig, dass es knülle

und böse Kopfschmerzen macht. Merkste

was? Ich bleibe also lieber beim unverdünnten

Wein, in dem man ja bekanntlich

die Wahrheit findet, wenn man tief genug

ins Glas schaut. Und selbstverständlich würde

ich mich allzu gern dem Flow hingeben

und warten, bis Veränderung einfach passiert.

Aber weil das alle vor uns schon gemacht

haben, haben wir jetzt schlichtweg keine

mehr Zeit, abzuwarten bis sich alles wie

magisch zum Guten wendet. Meine politische

Utopie ist eine sinnzentrierte, die den Menschen

nicht als Faktor begreift, den es zu

managen gilt, sondern als maßgebliche Einflussgröße,

an der sich ausgerichtet wird.

Und zwar im Miteinander auf Augenhöhe

und nicht in den Rollen von Kümmerern und

Bedürftigen, von Wissenden und Ahnungslosen.

Hier schlummert er doch, der Geist

einer zukunftsfähigen Arbeitswelt! Ich denke,

die Aufgabe von uns Alten sollte nun sein,

den Weg für die jungen Gescheiten und Empathischen

zu bereiten oder zumindest nicht

auf ebendiesen rumzulungern und die Sicht

zu versperren. Wenn wir das als Gesellschaft

schaffen, kann ich mich auch entspannen,

Ihnen das mit der Kommunikation und den

Emotionen noch mal erläutern und warum

sachliche Logik eine Illusion ist. Vielleicht

trinke ich sogar ein Bier dazu, wenn die Gitarren

laut genug heulen.

STM, BWN


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34

„Persönliche und individuelle Beratung

für Arbeitssuchende ist unersetzbar“

Die Digitalisierung durchdringt die gesamte Arbeitswelt, sie verändert Berufe, Aufgaben und Tätigkeiten.

Unser Blick in die Zukunft darf dabei die Menschen nicht außen vorlassen, die entweder noch gar nicht

oder aktuell zumindest temporär nicht im Arbeitsprozess eingebunden sind. Welche Herausforderungen

ergeben sich aus den immer schneller werdenden Entwicklungen für Arbeitssuchende, WiedereinsteigerInnen

oder SchulabsolventInnen? Darüber sprachen wir mit Heike Strack, Chefin der Mainzer Agentur

für Arbeit.

Wirtschafts-News: Frau Strack, hat sich der berufliche

Start eines jungen Menschen stark verändert?

Heike Strack: Herauszufinden, wo die eigenen

Stärken und Talente liegen, woraus man Motivation

und Freude ziehen kann, daran hat sich

nichts Entscheidendes verändert. Neu sind hier

Informations- und Rekrutierungswege, Social

Media in all seinen Facetten, aber auch E-Recruiting

und Onboarding-Systeme. Was unsere

Beratungsfachkräfte bei Gesprächen heute allerdings

viel häufiger wahrnehmen, ist die Frage

nach den Zukunftsaussichten eines Berufes.

„Der Job-Futuromat des IAB

kann wertvolle Hilfe leisten”

Ein durchaus wichtiges Thema! Hier kann beispielsweise

der "Job-Futuromat" des Instituts

für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gute

Hilfe leisten, indem er auf das Substituierungspotential,

also das Ausmaß an Kompensation

durch KI & Co, eingeht. Unbestritten auch, dass

in Branchen, die bislang überwiegend durch

handwerkliche und praktische Fähigkeiten geprägt

sind, nun digitale Kompetenzen hinzukommen

müssen, sei es durch Nutzung vernetzter Sys-

teme, den Einsatz und die Handhabung modernster

Werkzeuge oder schlichtweg im Rahmen

einer Auftragsabwicklung innerhalb einer Einheit

oder deren Dokumentation. Aber: Jeder ist Kind

seiner Zeit, ein "Digital Native" kann und darf

über so manche Hürde eines "analogen Zeitgenossen"

gerne schmunzeln.

Wirtschafts-News: Und für Menschen, die

aktuell arbeitslos sind?

Heike Strack: Niemand übt heute noch ein Leben

lang seinen Beruf in der gleichen Art und Weise

aus, wie er ihn einst gelernt hat. Die Digitalisierung

verändert berufliche Anforderungen in

nahezu jedem Arbeitsumfeld. Nach Ansicht

mancher Fachleute verdoppelt sich das Wissen

der Menschheit mittlerweile innerhalb weniger

Jahre. Im Job heißt es daher fortwährend: am

Ball bleiben.Wer vielleicht längere Zeit nicht ge-

arbeitet hat, muss immer schneller Lücken

füllen. In unserer Beratung spielt das

Thema Anpassung und Weiterbildung

daher eine immer größere Rolle.

Die gute Nachricht hier ist, dass wir

finanziell gut ausgestattet sind, um

dort, wo es erforderlich ist, auch finanziell

zu unterstützen. Eine erste

„Wo es erforderlich ist, unterstützen

wir auch finanziell”

Ein Interview mit Heike Strack, Chefin der Arbeitsagentur Mainz


Orientierung geben übrigens unsere auf wissenschaftlicher

Basis entwickelten Online-Selbsterkundungstools,

die mit psychologischen Tests,

Selbsteinschätzungsverfahren, Informationsangeboten

und Suchmöglichkeiten ganz unabhängige

Impulse anbieten. Sie wurden sowohl für

die Berufsorientierung als auch für die Weiterentwicklung

konzipiert.

Wirtschafts-News: Viele Hausaufgaben gibt es

auch für den Arbeitgeber, oder?

Heike Strack: Neben den inhaltlich-fachlichen

Weichenstellungen kommt die Identifizierung

von Entwicklungspotenzial und -grenzen der

Beschäftigten hinzu. Hierarchien und Strukturen

sind oftmals neu zu denken, Formen der Arbeitserledigung

und Zielerreichung häufig neu

zu definieren. New Work erhebt selbst ethischmoralische

Fragen und umfasst die gesamte

Unternehmenskultur.

„Ich werde nicht müde,

auf die Möglichkeiten

des Qualifizierungschancengesetzes

hinzuweisen”

Was die Begleitung bei Fragen der Weiterbildung

von MitarbeiterInnen anbelangt, werde ich nicht

müde, auf die Möglichkeiten des Qualifizierungschancengesetzes

hinzuweisen. Mit dem Gesetz

wurden finanzielle Fördermittel festgelegt, die

Unternehmen nutzen können, um ihre MitarbeiterInnen

durch Weiterbildung auf die zukünftigen

Herausforderungen ihres Arbeitsfeldes

vorzubereiten. Wir beraten bei der Analyse der

Personalstruktur eines Unternehmens und unterstützen

bei der Beantragung der Förderleistungen.

Wirtschafts-News: Abschließend nun die Frage

nach Ihrem eigenen Arbeitsumfeld: Wie wird es

sich nach Ihrer Einschätzung verändern?

Heike Strack: Die Bundesagentur für Arbeit befindet

sich bereits seit geraumer Zeit in verschiedenen

Transformationsprozessen, sei es bei der

Nutzung von KI in der Antragsbearbeitung, beim

Ausbau der Online-Kommunikation, aber auch

bei der Digitalisierung interner Verfahren. Unsere

E-Serviceangebote wachsen kontinuierlich.

Wir stellen bereits jetzt Apps, Chatbots und

Online-Terminierungsangebote zur Verfügung.

Und als Arbeitgeber haben wir natürlich auch

bei uns selbst verschiedene Formen der Arbeit

- und damit auch Führungsbedingungen - im

Blickfeld. Krisenbedingt arbeiten beispielweise

auch bei uns viele Kollegen im Homeoffice.

Woran ich jedoch keinen Zweifel hege, ist, dass

persönliche und individuelle Beratung unersetzbar

ist, also das Gespräch und das Vertrauen

von Mensch zu Mensch. Das ist unser gesetzlicher

Auftrag und das Herzstück unserer Arbeit.

Hier werden wir in Zukunft noch viel stärker mit

unserer Expertise Arbeitssuchende unterstützen

und begleiten müssen.

Redaktion: S. K.

35

Selbsterkundungstools der Bundesagentur für Arbeit

Für Erwachsene:

New Plan - Kenne dein Können!

www.arbeitsagentur.de/newplan

Für Jugendliche:

CheckU

www.arbeitsagentur.de/bildung/welcheausbildung-welches-studium-passt

Lokale Beratungshotline im Erwerbsleben:

06131 248 705

Lokale Beratungshotline für Ausbildung

und Studium: 06131 248 799


36

Schlechtes Zeugnis für

Ökonomische Bildung

OeBiX-Studie zeigt Defizite in allen 16 Bundesländern

Fast eine Million junge Menschen haben diesen

Sommer das Ende ihrer Schulzeit erreicht. Auch

bei erfolgreichem Abschluss besitzen jedoch nur

die allerwenigsten Grundkenntnisse in Sachen

Wirtschaft. Die allermeisten Schüler:innen haben

bis dahin kein Unternehmen von innen gesehen

und wissen von wirtschaftlichen Dingen, die ihr

Leben begleiten und beeinflussen (werden) kaum

etwas. Das betrifft praktische Dinge wie Steuern,

Anlagen und Versicherungen genauso wie wirtschaftspolitische

Zusammenhänge.

„Als Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und

gesellschaftlicher Teilhabe hilft Ökonomische

Bildung Menschen dabei, sich in einer Vielzahl

von Lebenssituationen zurecht zu finden, Zusammenhänge

zu verstehen und Urteils-, Entscheidungs-

und Handlungskompetenzen zu

entwickeln. Dabei umfasst ökonomische Bildung

eine Vielzahl an Facetten: Finanzkompetenz

genauso wie Verbraucherbildung, Studien- und

Berufsorientierung, Entrepreneurship-Denken

und ein Gesamtverständnis ökonomischer und

wirtschaftspolitischer Zusammenhänge, das

für die demokratische Teilhabe unerlässlich ist.“

– Bündnis für Ökonomische Bildung (BÖB)

In einer Zeit, in der Pandemie und Klimawandel

den Finger in die Wunden der Welt legen, wird

zudem deutlich, wie essenziell das Verständnis

von Nachhaltigkeit ist. Marktwirtschaft bedeutet

auch, dass Konsumenten Verantwortung

übernehmen. Verbraucher haben großen Einfluss

auf Unternehmen und Märkte. Die Kaufentscheidungen

können z. B. zeigen, ob neben

einer Produktleistung auch das nachhaltige

Wirtschaften des Herstellers honoriert wird.

Dazu gehören Nachfragen wie: Wo und auf

welchem Weg kommt die Ware zu uns? Welche

Rohstoffe wurden verwendet? Unter welchen

Bedingungen wurde dieses Produkt hergestellt?

„Wirtschaft“ –

bundesweit kein einheitliches Fach

Von all dem steht bislang wenig in den schulischen

Lehrplänen. Auch wenn die Ökonomische

Allgemeinbildung in den vergangenen Jahren

an Bedeutung gewonnen hat, gibt es bundesweit

kein einheitliches Fach „Wirtschaft“. In den

meisten Bundesländern ist die Ökonomische

Bildung nicht als eigenes Fach verankert.

Die OeBiX-Studie belegt nun wissenschaftlich

die Sorge, die in 2019 zur Gründung des Bündnisses

Ökonomische Bildung Deutschland (BÖB)

führte: Ökonomische Bildung in Deutschland

ist defizitär. Die im Auftrag der Flossbach von

Storch Stiftung durchgeführte Studie zeigt, wie

häufig Schüler:innen in den 16 Bundesländern

ökonomische Bildung erhalten. Für das Ranking

haben die Wissenschaftler

des Instituts

für Ökonomische

Bildung der

Universität Oldenburg (IÖB) einen Index entwickelt,

der den quantitativen Umfang des Wirtschaftsunterrichts

an den Schulen sowie die

Verankerung in der Lehrkräfteausbildung an

den Hochschulen einbezieht. Dazu sagt Kurt

von Storch, Stifter und Vorsitzender des Kuratoriums,

Flossbach von Storch Stiftung: „Mit der

Ökonomische Bildung in

Deutschland ist defizitär.


37

OeBiX-Studie wollen wir den Verantwortlichen

im Bildungssystem Impulse geben. Die OeBiX-

Studie ist die Grundlage, auf der sich Lösungen

für die Ökonomische Bildung im föderalen Bildungssystem

entwickeln lassen, weil sie zeigt,

wo es schon ganz gut läuft und wo überall noch

Verbesserungspotenzial liegt.“

Das Ergebnis zeigt auffällige Unterschiede zwischen

den 16 Bundesländern. Obwohl die Kultusministerkonferenz,

die großen Wirtschaftsverbände

und Gewerkschaften bereits vor 18

Jahren das Ziel formulierten, Inhalte der Ökonomischen

Bildung an allen weiterführenden

Schulen angemessen und verpflichtend umzusetzen,

sind laut der

auffällige Unterschiede

zwischen den

16 Bundesländern

Studie alle 16 Bundesländer

bis heute weit

davon entfernt. Die

größten Defizite zeigen

sich an den Gymnasien,

die selbst in den drei Spitzenländern

nicht die Voraussetzungen für ein reguläres

Nebenfach erfüllen.

Letzter Platz für Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz belegt dabei im OeBiX-Gesamtindex

den letzten Platz. „Dies ist unter anderem

auf die mangelnde Verankerung Ökonomischer

Bildung in den weiterführenden allgemeinbildenden

Schulen zurückzuführen. In den entsprechenden,

für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtenden

Ankerfächern (Sozialkunde,

Gesellschaftslehre) spielen ökonomische Inhalte

eine untergeordnete Rolle. Im Einklang damit sind

auch wirtschaftswissenschaftliche und wirtschaftsdidaktische

Inhalte in den Studiengängen, in denen

Lehrkräfte für diese Fächer ausgebildet werden,

nicht gut verankert. Zudem gibt es an fast

allen Universitätsstandorten, mit Ausnahme von

Koblenz-Landau, keine wirtschaftsdidaktische

Professur. Am stärksten ist die Ökonomische

Bildung in Rheinland-Pfalz in der Realschule Plus

verankert. Hier gibt es ein eigenständiges Wahlpflichtfach

Wirtschaft (Wirtschaft und Verwaltung)“,

ergeben die Daten der Studie.

In einer Stellungnahme äußert das Ministerium

für Bildung RLP, dass die „Vermittlung von

Wirtschaftswissen in den allgemeinbildenden

Schulen in Rheinland-Pfalz als unverzichtbarer

Teil des Bildungsauftrages und demnach als

Querschnittsaufgabe für alle Fächer verankert“

sei. Dabei habe sich das Ministerium „bewusst

entschieden, die Ökonomische Bildung im allgemeinbildenden

Bereich nicht als eigenes Fach

zu gestalten.“ Die Vermittlung ökonomischer

Themen in diversen Fächern, Projekten und im

Zusammenwirken mit vielen Partnern habe

„vielmehr den Vorteil, dass die Querschnittsaufgabe

Ökonomische Bildung inhaltlich und

methodisch vielgestaltig umgesetzt werden

kann.“ Nach Ansicht des Ministeriums lernen

Schülerinnen und Schüler „auf diese Weise ein

breites Spektrum ökonomischer Aspekte und

zugleich die wechselseitigen Abhängigkeiten

wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, rechtlicher

und politischer Phänomene kennen und bilden

dadurch ein kritisch-reflektiertes Urteilsvermögen

aus.“

Mit anderen Worten: Ökonomische Bildung wird

in RLP als wichtig angesehen, soll aber mit einem

anderen Ansatz als in der OeBiX-Studie

gefordert erreicht werden. Das Ministerium

weist in diesem Zusammenhang auch noch

darauf hin, dass die Fachdidaktische Kommission

gerade erst das Lernfeld Wirtschaft bei

der Lehrplananpassung erheblich gestärkt habe,

etwa durch eine Erhöhung der Stundenzahl in

verschiedenen Fächern wie Erdkunde, Geschichte

und Sozialkunde.

Zur Einschätzung des Ministeriums kommentiert

Prof. Dr. Dirk Loerwald, Vorstandsmitglied

des BÖB und Professor für Ökonomische Bildung

an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

sowie Geschäftsführer des Instituts für Ökonomische

Bildung an der Universität Oldenburg:

„Die OeBiX-Studie zeigt klar auf, wo Verbesserungspotenzial

hinsichtlich der ökonomischen

Bildung an unseren Schulen und Hochschulen

liegt. Vor diesem Hintergrund würden wir uns

wünschen, dass Rheinland-Pfalz die Chance

nutzt und die Verankerung der ökonomischen


38

Bildung in der Schule sowie in der Lehrkräftebildung

auf die politische Agenda setzt. Ein

Grund für die Platzierung von Rheinland-Pfalz

liegt unserem Ermessen nach darin, dass ökonomische

Bildung als Unterrichtsprinzip verankert

wird. Das hat zur Folge, dass auch die

Lehrkräfteausbildung weder wirtschaftswissenschaftlich

noch wirtschaftsdidaktisch hinreichend

ökonomisch fundiert ist.“

Hessen liegt im Mittelfeld

Hessen hingegen liegt laut der OeBiX-Studie im

Mittelfeld (Platz acht): „An allen weiterführenden

allgemeinbildenden Schulen gibt es das Pflichtfach

Politik und Wirtschaft – in der Wirtschaftslehrkräftebildung

gibt es Optimierungspotenziale.

In Hessen können die Schülerinnen und

Schüler in der gymnasialen Oberstufe ein eigenständiges

Fach Wirtschaft wählen. An allen

weiterführenden allgemeinbildenden Schulformen

in Hessen wird das Pflichtfach Politik und Wirtschaft

unterrichtet, das zu 50 Prozent ökonomische

Inhalte umfasst. Optimierungspotenziale

bestehen in Hessen vor allem in der

Wirtschaftslehrkräftebildung. So gibt es an keinem

Hochschulstandort, an dem Wirtschaftslehrkräfte

ausgebildet werden, eine wirtschaftsdidaktische

Professur. Auch spielen

wirtschaftswissenschaftliche und wirtschaftsdidaktische

Inhalte in den Studiengängen eine

untergeordnete Rolle.“

Das Kultusministerium Hessen zeigte sich auf

Anfrage zufrieden mit den Ergebnissen der

OeBiX-Studie: „Es ist sehr erfreulich, dass Hessen

im Rahmen der OeBiX-Studie in Bezug auf

die ökonomische Bildung in mehreren Teilbereichen

sehr gute Ergebnisse erzielt hat.“

Hessen schneide „beispielsweise in den Erhebungskategorien,

die das Gymnasium betreffen,

überdurchschnittlich ab. Dies zeigt, dass die

bildungspolitischen Weichenstellungen der vergangenen

Jahre erfolgreich waren.“

Den bisher eingeschlagenen Weg gelte es laut

Ministerium „weiterzuverfolgen. Insbesondere

sollte künftig dabei schulformübergreifend die

Sekundarstufe I und die erste Phase der Lehrerausbildung

stärker in den Blick genommen

werden.“

Allerdings sieht man auch in Hessen die ökonomische

Bildung bevorzugt fächerübergreifend.

Das Ministerium erläutert dazu: „Die ökonomische

Bildung, die nicht nur Inhalte der Wirtschaftspolitik,

sondern auch die Finanz- und Verbraucherbildung

umfasst, zielt auf die Ausbildung

entsprechender Kompetenzen und betrifft nicht

nur ein Fach, sondern ist fachübergreifend zu

sehen.“ So würden „grundlegende ökonomische

Kompetenzen“ etwa auch in den Fächern Mathematik,

Geschichte, Religion oder Erdkunde

vermittelt. Als

Ökonomische Bildung

auch in Hessen bevorzugt

fächerübergreifend

Themen, die in

diesen Fächern

behandelt würden,

führt das

Ministerium unter

anderem Statistik, Wirtschaftsethik, Konsum

und Globalisierung auf.

Sven Schumann, Co-Vorsitzender des Bündnis

Ökonomische Bildung, sieht Hessen durchaus

auf einem guten Weg. Dennoch liege Hessen

„im Teilindex Schule bundesweit auf Platz vier

– obwohl auch hier nicht einmal 50 Prozent der

Anforderungen für ein normales Nebenfach erreicht

werden. Im Detail: Ökonomische Inhalte

Die vollständige Studie unter: www.oebix-studie.de

OeBiX-Gesamtindex und -Teilindizes im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, in %

Stand: 31.03.2021; Quelle: Die OeBiX-Studie, Hg. Flossbach von Storch Stiftung in Kooperation mit IÖB Oldenburg

Ziel:

vollwertiges Nebenfach

Wirtschaft

Gesamtindex

Teilindex Schule

Teilindex Lehrkräftebildung

23,15%

45,40%

45,68%

57,50%

48,50%

26,35%

16,75%

39,20%

22,03%

0% 20%

10% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%

Rheinland-Pfalz

Bundesdurchschnitt

Hessen


sind an allen weiterführenden allgemeinbildenden

Schulen verankert. Im gymnasialen Bereich

schneidet Hessen sogar überdurchschnittlich

ab.“ Er schränkt jedoch ein: „Während in der

Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe

das geforderte Maß von zwei Kontingentsstunden

sogar übererfüllt wird, werden in der gymnasialen

Mittelstufe die Stundenkontingente

anderer Nebenfächer allerdings nicht erreicht.

Im nicht-gymnasialen Bereich liegt die ökonomische

Bildung noch weiter zurück: für andere

Nebenfächer stehen hier mindestens doppelt

so viele Kontingentstunden zur Verfügung.“

Unser Fazit lautet: Es ruft dringend nach einem

vorbildlich konstruktiven Dialog zwischen

Wissenschaft, Politik und Praxis.

Weitere Informationen zur Studie

und dem Bündnis Ökonomische Bildung

Sam

39

Den fächerübergreifenden Ansatz, den Hessen

und RLP ähnlich verfolgen, sieht Schumann kritisch:

„Fächer wie Geschichte oder Religion können

zwar Wirtschaft als Thema bzw. Gegenstand

beinhalten, eine originäre ökonomische Perspektive

umfassen sie allerdings nicht.“ Für ihn stellt

ein eigenes Fach Wirtschaft die Ideallösung dar:

„Die Auseinandersetzung mit ökonomischen

Theorien und Modellen und die damit verknüpfte

Einnahme einer fachspezifischen ökonomischen

Perspektivierung kann auch deswegen nur über

ein Ankerfach für die ökonomische Bildung sichergestellt

werden, weil nur entsprechend ausgebildete

Lehrkräfte über die erforderlichen

wirtschaftswissenschaftlichen und wirtschaftsdidaktischen

Kompetenzen verfügen.“ Dies sei

in Hessen aber „ein wunder Punkt“.

Flossbach von Storch Stiftung

Ottoplatz 1 · 50679 Köln

Tel.: 0221 33880

www.flossbachvonstorch-stiftung.de

Mail: info@fvs-stiftung.de

Und so lautet Schumanns Fazit für Hessen, das

in ähnlicher Formulierung auch für RLP gelten

könnte: „Sollen die Lernenden gesellschaftliche

Themen wie den Klimawandel aus verschiedenen

Perspektiven betrachten, müssen sie das Denken

in diesen fachspezifischen Denk- und Erkenntnisweisen

erst einmal lernen.“ Loerwald

ergänzt: „Wirtschaftsunterricht und Unterricht

über Wirtschaft, das sind zwei unterschiedliche

Dinge, die oft durcheinandergebracht werden.

Überspitzt formuliert: Wenn ich im Kunstunterricht

einen Baum male, ist das noch lange kein

Bio-Unterricht.“

„Wenn ich im Kunstunterricht

einen Baum male,

ist das noch lange kein

Bio-Unterricht.“

www.boeb.net

In der nächsten Ausgabe: Die beiden

Co-Vorsitzenden des Bündnis Ökonomische

Bildung Deutschland, Verena

von Hugo und Sven Schumann, im

Interview mit der Wirtschafts-News

zum Thema „Ökonomische Bildung als

Grundlage zur Bewältigung der großen

gesellschaftlichen Herausforderungen

unserer Zeit“.


40

Das maßgeschneiderte Geschäftskonto

– eine Checkliste für Gründer und Selbständige

Wer den Schritt in die Selbständigkeit wagt, vielleicht sogar ein eigenes Unternehmen gründet,

braucht ein Geschäftskonto. Für Kapitalgesellschaften wie GmbHs und UGs ohnehin gesetzlich vorgeschrieben

schafft es auch bei Solo-Selbstständigen Transparenz in der seitens des Fiskus geforderten

Buchführung. Steuerberater appellieren deshalb eindringlich, privaten und geschäftlichen

Zahlungsverkehr von Anfang an zu trennen.

Neben den Filial- und Onlinebanken bieten auch

die sogenannten Fintechs eine Vielzahl unterschiedlichster

Kontomodelle an. Ein Geschäftsgirokonto

lässt sich überall schnell eröffnen,

die Wahl des Institutes, das den individuellen

Anforderungen auch langfristig in optimaler

Weise gerecht werden soll, will dennoch gut

überlegt sein. Ein späterer Wechsel ist in aller

Regel mit erheblichem organisatorischem Aufwand

verbunden. Mit der Abwicklung des Zahlungsverkehrs

steht das Geschäftskonto im

Zentrum der operativen Unternehmenstätigkeit.

Insbesondere bei den Filialinstituten ist mit

dem Konto auch ein breites Spektrum an wertvollen

Inklusivleistungen verbunden: hilfreiche

Zusatzfunktionen, individuelle Beratung, Service.

Billig ist selten gut –

das gilt auch für Geschäftskonten

Anders als es uns manche Werbekampagne

weismachen will, existiert das kostenlose Geschäftsgirokonto

in der Praxis ohnehin

nicht. Bei Betrachtung

der

Kosten für Buchungen,

Kontoauszüge,

Karten

sowie Ein- und

Auszahlungen von

Bargeld relativiert

sich ein Slogan wie

„null Euro monatliche

Kontoführungsgebühr“

sehr

rasch. Welche Krite-

rien bei der Auswahl eines maßgeschneiderten

Kontos wirklich ausschlaggebend sein sollten,

ist von den spezifischen Anforderungen des

jeweiligen Unternehmens abhängig. Nachstehend

die Checkliste der Sparkasse Mainz.

Individuelle persönliche Beratung

Beratungsbedarf fällt nicht nur in der Phase

einer Unternehmensgründung an. Bei der Sparkasse

Mainz wird jeder Firmenkunde von einem

festen Berater umfassend betreut. Und sollte

für spezielle Fragen – beispielsweise für Themen

in Heilberufen oder in der Landwirtschaft – mal

der Rat eines Fachspezialisten gefordert sein,

stellt er den Kontakt innerhalb des Hauses her.

Bargeldeinzahlungen

Für Unternehmen, die ihre Einnahmen auch in

Form von Bargeld erzielen, ist es wichtig, dasselbe

auf einfache Weise einzahlen zu können.

Ein Geschäftsgirokonto bei einer Direktbank

oder einem Fintech scheidet in diesen Fällen

daher von vornherein praktisch aus. Neben der

Möglichkeit am Schalter in einer Filiale, können

Kunden der Sparkasse Mainz die Bargeldeinzahlung

auch rund um die Uhr an speziell ausgerüsteten

Automaten vornehmen.

Bargeldauszahlung

Auch die Möglichkeit zur Auszahlung von Bargeld

kann ein wichtiges Kriterium für die Beurteilung

eines Geschäftskontos sein. Die Filialinstitute

mit ihrem flächendeckenden Netz an Geldautomaten

liegen damit wiederum klar im Vorteil.


Anzeige

41

Rechtsform

Nicht jedes Geschäftsgirokonto ist für jede

Rechtsform geeignet. Und längst nicht jeder

Anbieter deckt mit seinem Angebot alle Rechtsformen

ab. Die Sparkasse Mainz bietet Geschäftsgirokonten

für alle inländischen und

europäischen Rechtsformen an.

Branche und Umsatzgröße

Die Sparkasse Mainz berücksichtigt spezifische

Anforderungen mit den Kontomodellen Business

Classic, Business 20, Business 40 und Business

60. Mit dem Online-Tool Konto-Finder können

Firmenkunden herausfinden, welcher Kontotyp

für sie am besten geeignet ist.

sparkasse-mainz.de/kontofinder-fk

Ladengeschäfte und Onlineshops

Betreiber von Ladengeschäften genießen signifikante

Effizienzvorteile, wenn sie vom Geschäftskonto

über die Banking-Software bis hin zur

Hardware für die Bezahlvorgänge alles aus einer

Hand beziehen. Die Sparkasse Mainz bietet mit

Kartenlesegeräten und modernen Kassensystemen

sichere und kundenfreundliche Bezahlverfahren

an. Wer einen Onlineshop betreibt,

wird von der Sparkasse Mainz ebenfalls kompetent

unterstützt.

Finanzierungen und Fördermittel

Eine umfassende Finanzierungsberatung, die

auch das breite Spektrum an Fördermitteln berücksichtigt,

können nur Filialinstitute bieten.

Auch wenn eine Erhöhung des Kontokorrentrahmens

nötig wird, erweisen sich diese in aller

Regel unkomplizierter.

Fremdwährungen

Unternehmen mit Vertragspartnern im Ausland

brauchen oftmals ein Geschäftskonto, das auch

Fremdwährungen berücksichtigt – ohne ein

weiteres Konto im Ausland eröffnen zu müssen.

Die Sparkasse Mainz bietet Konten an, die auch

Zahlungsvorgänge in fremder Währung unterstützen.

Hinzu kommt jedoch noch ein weiterer, ungleich

wichtigerer Aspekt: Wie sieht das Gesamtpaket

des Geschäftsgirokontos aus? Wer bei der Wahl

seines Geschäftsgirokontos alleine auf die Kosten

schaut, wird zwangsläufig an anderer Stelle

Abstriche in Kauf nehmen müssen. Bei der

Beratungsqualität, bei den Finanzierungsdienstleistungen,

der Erreichbarkeit der Bank, einem

persönlichen Ansprechpartner oder der Bargeldverfügbarkeit.

Bei der Auswahl eines Geschäftskontos sollten

sich Freiberufler, Selbständige und Unternehmen

deswegen vor allem die Frage stellen: Welche

Serviceleistungen sind für mich wichtig und was

macht für mich eine gute Beratung aus? Die

Antwort auf diese Frage hilft dabei, bei der

Auswahl eines Geschäftskontos die richtige

Entscheidung zu treffen.

S. K.

sparkasse-mainz.de/kontofinder-fk


42

Endlich wieder live!

Die B2B-Netzwerkmesse KONEKT kehrt zurück.

6. KONEKT Rhein-Main am 26. August

in der Mainzer HALLE 45

Rückblickend auf ein Jahr 2020, das von coronabedingten

Absagen von Messen, Kongressen

und anderen „Business-to-Business“-Veranstaltungen

geprägt war, zeichnen sich aktuell

lang ersehnte Lockerungen für die vorgenannten

Veranstaltungen ab. Und das ist gut so.

Das Thema Arbeit 4.0 ist auch aus dem Bereich

der Live-Kommunikation nicht auszuklammern

und verändert auch die Arbeitswirklichkeit der

Veranstalter: Sind Messen in Zeiten von Audiound

Videokonferenzen, Messengerdiensten und

digitaler Plattformen überhaupt noch zeitgemäß?

Eine immer stärker werdende Flexibilisierung

der Arbeit hat längst Einzug gehalten. Mobiles

Arbeiten und Home-Office werden immer wichtiger

in der neuen Arbeitswelt. Wirkt eine Faceto-Face-Begegnung

zu einem festen Termin

und festen Zeiten nicht fast schon verstaubt?

Ganz und gar, nein. Denn auch in Zeiten von

Arbeit 4.0 ist die Persönlichkeit des Unternehmens

und der Mitarbeiter ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

So ist die KONEKT ein einzigartiges Entwicklungsbeispiel,

wie die Messe der Zukunft aussehen

kann. Sie ist ein Paradebeispiel, dass

Unternehmenskommunikation auch weiterhin

von dem persönlichen Gespräch und von einem

offenen Austausch leben wird. Seit 2017 entwickelt

sich die Netzwerkmesse zum Erfolgsmodell

in der „Business to Business“-Veranstaltungsriege.

Es sollte ein Format geschaffen

werden, das einen Austausch von Unternehmen

und Institutionen auf Augenhöhe ermöglicht.

Die klassische Messe ist oft kostspielig, zeitund

personalaufwendig und große Unternehmen

verdrängen die kleinen. Das alles macht die

KONEKT anders. Sie ist kurz: Nur vier + zwei

Stunden. Sie ist kostengünstig: Die Aussteller

entscheiden frei nach ihrer wirtschaftlichen

Leistungskraft über die Höhe des Standpreises,

der sogenannte Vertrauenspreis, der bereits bei

175 Euro beginnt. Und hier begegnen sich alle

auf Augenhöhe: Alle Aussteller haben eine einheitliche

Standfläche von 2 x 2 Metern. Hinzukommt

der Suche-Biete-Ansatz, um Ausstellern

und Besuchern konkrete Anknüpfungspunkte

zu bieten und die Kontaktaufnahmen

zu erleichtern sowie die Jobbörse. „Ausschlaggebend

war schon damals der

Ansatz, dass die Welt zwar ohne Suchmaschinen

nicht mehr vorstellbar ist,

wir dadurch aber oftmals die Chance

vertun, die Unternehmen und Dienstleister

in unserer unmittelbaren Nachbarschaft

zu finden“, wie Dr. Hanns-

Christian von Stockhausen,


43

Geschäftsführer der KONEKT GmbH, rückblickend

beschreibt. In Zeiten der Digitalisierung und

immer schnellerer Prozesse hat die KONEKT

ins Mark getroffen. Im Mittelpunkt steht der

branchenübergreifende Austausch des regionalen

Mittelstandes. Hier begegnen sich Startups,

Mittelständler, Industrie, Handwerk, Handel,

Verbände und Institutionen auf

Augenhöhe.

6. KONEKT Rhein-Main am 26. August

Bereits zum sechsten Mal kommen am 26.

August wieder über 100 Unternehmen aus der

Rhein-Main-Region zum intensiven Austausch

in der Heimstätte, der fast 5.000 Quadratmeter

großen Industrielocation HALLE 45 in Mainz

zusammen. Und das branchenübergreifend.

Denn die KONEKT ist keine Fachmesse, sondern

sie steht für den Dialog, für das Schaffen neuer

Synergien und Geschäftsbeziehungen – Im

Kunden- und im Dienstleisterverhältnis. Sie

verbindet die besten Eigenschaften einer Messe

mit denen eines Netzwerkevents. „Wer auf

der KONEKT an seinem Stand steht und wartet,

dass etwas passiert, der wird nicht glücklich.

Den Stand auch mal Stand sein lassen und sich

auf den Weg machen, die Mitaussteller kennenzulernen.

Wer diese Eigeninitiative beherrscht,

der hat die KONEKT verstanden“, erklärt Dr.

Hanns-Christian von Stockhausen, „Netzwerken

und sich überraschen lassen ist die Devise des

Tages.“

Von 16:00 bis 20:00 Uhr ist die Networking- und

Aussteller-Area eröffnet, bevor sich ab 20:00

Uhr die After Work im Foyer der HALLE 45 anschließt.

Im Suche-Biete-Bereich, der als eine

Art Schwarzes Brett dient, können Aussteller

konkrete Gesuche oder Angebote ausschreiben,

beispielsweise die Suche nach einer neuen Lagerfläche

oder ein aktuelles Finanzierungsangebot

für Elektroautos. In der KONEKT Jobbörse

kann jeder Aussteller zudem bis zu drei

Stellenangebote veröffentlichen. Diese werden

vorab auf der Website publiziert, so dass sich

jeder Interessierte bereits im Vorfeld ein Bild

von den teilnehmenden Unternehmen machen

kann. Die ideale Möglichkeit, um am 26. August

den potentiellen Arbeitgeber konkret anzusprechen.

Auch hier zeigt sich das breite Zielpublikum

der KONEKT, sie spricht jeden an, vom

Auszubildenden und Studenten bis zum Geschäftsführer.

Der Erfolg spiegelt sich auch in der Wiederholerquote

der Aussteller wider. Einige Aussteller

sind seit Anfang an dabei und schätzen die

Atmosphäre, wie Pascal Rück, Inhaber der Kommunikations-

und Marketingagentur wio., „für

mich ist die KONEKT das perfekte Netzwerkinstrument,

um bestehende Kontakte zu pflegen,

alte aufleben zu lassen und neue Kontakte

zu generieren. Wir werden zum sechsten

Mal dabei sein und freuen uns, unser Netzwerk

zu erweitern“. Unterstützung erfährt die KONEKT

auch in diesem Jahr von starken Partnern aus

der Wirtschaft und der Politik. So sind die In-


44

dustrie- und Handelskammer für Rheinhessen

und die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt

Mainz Partner der ersten Stunde. Goldsponsor

der 6. KONEKT Rhein-Main ist Drees

& Sommer, die als führendes europäisches

Beratungs-, Planungs- und Projektmanagementunternehmen

private und öffentliche

Bauherren sowie Investoren seit über 50 Jahren

begleiten und seit kurzem ihren Mainzer Standort

im Rheinkontor eröffnet haben.

Für Besucher und Aussteller bietet sich am 26.

August ab 16 Uhr endlich wieder die Möglichkeit

in entspannter Atmosphäre branchenübergreifende

und persönliche Kontakte zu machen und

die Basis zur Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen

zu schaffen. Die Anmeldung für

Unternehmen ist bis zum 8. August geöffnet.

KONEKT Netzwerk wächst weiter –

nur Corona konnte es stoppen

2017 erstmalig in der HALLE 45 in Mainz veranstaltet,

folgte die Expansion in weitere Städte

und Regionen: Mit Kaiserslautern, Darmstadt,

Siegen und Mainz wurde das neue Netzwerkevent

in 2019 bereits an vier Standorten durchgeführt

und konnte bei insgesamt zehn KONEKT-Events

rund 800 Unternehmen der unterschiedlichsten

Branchen zusammenbringen. 2021 wurde die

KONEKT als Franchisesystem ausgebaut und

um die Regionen Rhein-Mosel und Wonnegau

erweitert. Im August und September steht nun

ein kurz getaktetes KONEKT-Tripple an: Eine

Woche nach der 6. KONEKT Rhein-Main, folgt

zunächst die 2. KONEKT Südwestfalen am 2.

September in Siegen, bevor die 1. KONEKT Rhein-

Mosel am 9. September in Koblenz ihre Premiere

feiert. Alle Informationen und die Anmeldung

zu den Live-Events auf:

www.konekt-deutschland.de

6. KONEKT Rhein-Main

Fotos: Konekt GmbH

Termin: Donnerstag, 26. August 2021

Beginn: 16:00 Uhr,

ab 20:00 Uhr After Work

Veranstaltungsort: HALLE 45

Navi: Am Schützenweg

55120 Mainz

Anmeldung:

www.konekt-deutschland.de


Sparkassen Worms-Alzey-Ried und

Mainz spenden für Flutopfer

45

Gesamtbetrag von 114.000 Euro für Betroffene

Worms/Mainz, 23. Juli 2021 - Die Flutkatastrophen

der vergangenen Woche treffen Menschen

in verschiedenen Teilen Deutschlands mit einer

verheerenden Intensität. Menschen haben ihr

Leben verloren, ganze Ortschaften wurden von

den Wassermassen verwüstet. Besonders

schwere Schäden gibt es auch Rheinland-Pfalz,

wo die Naturkatastrophe zahlreiche Opfer gefordert

hat.

Um den Menschen vor Ort möglichst schnell

zu helfen, spenden die Sparkassen Worms-

Alzey-Ried und Mainz einen Gesamtbetrag in

Höhe von 114.000 Euro. Der gespendete Betrag

soll Flutopfern zur Verfügung gestellt werden,

um den Folgen der Überschwemmungen zu

begegnen.

Spendenkonto für die

Opfer der Flutkatastrophe

Die rheinland-pfälzischen Sparkassen

spenden gemeinsam für Opfer der Flutkatastrophe

eine Million Euro. Unter der

IBAN DE 78 5505 0120 0200 3006 06 hat

das Land Rheinland-Pfalz bei der Sparkasse

Mainz ein Spendenkonto für Hochwasseropfer

eingerichtet.

Mit dem Verwendungszweck „Katastrophenhilfe

Hochwasser“ kann jeder für

Betroffene spenden.

Das Vorstandsmitglied der Sparkasse Worms-

Alzey-Ried, Frank Belzer: „Die schockierenden

Bilder dieser Unwetterkatastrophe, wie sie unser

Land in diesem Ausmaß noch nie zuvor

gesehen hat, gehen uns allen sehr nahe. Es

braucht jetzt schnelle Hilfe einer starken Gemeinschaft.

Sparkassen stehen für die Nähe

zu den Menschen und das gilt ganz besonders

in Notzeiten. Deshalb haben wir schnell gehandelt

und die Spenden auf den Weg gebracht“.

Thorsten Mühl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse

Mainz, ist von den Geschehnissen betroffen:

„Wir schauen fassungslos in die Katastrophengebiete

und fühlen mit den Menschen,

denen in kürzester Zeit so viel Leid zugestoßen

ist. Das Ausmaß der Schäden ist noch nicht

abzuschätzen, der Wiederaufbau wird sehr viel

Zeit in Anspruch nehmen. Mit unserer Spende

senden wir ein Zeichen der Solidarität und wollen

helfen, einen kleinen Teil der größten Not

zu lindern.“


46

Sale-and-Lease-Back

eine Finanzierungsoption für KMU?

Sonja Petersen, Investmentvorstand der Deutschen Industrie REIT-AG, im Interview

Sale-and-Lease-Back wird für viele Unternehmen immer attraktiver. Welche Vorteile bietet diese Finanzierungsoption

kleinen und mittleren Unternehmen und für welche Anlässe eignet sie sich? Wirtschafts-

News hat nachgefragt.

Wirtschafts-News: Frau Petersen, Sie bieten

als Immobiliengesellschaft auch das Modell

Sale-and-Lease-Back an. Wo sehen Sie die

Vorteile für kleine und mittlere Unternehmen?

Sonja Petersen: Sale-und-Lease-Back kann

kleine und mittlere Unternehmen unterstützen.

Schließlich stehen diese heute vor zahlreichen

Herausforderungen wie Nachfolgen, Unternehmenszukäufen,

Digitalisierungsprojekten, Forschung

und Entwicklung oder Restrukturierungen.

Solche Maßnahmen sind meist mit hohem

finanziellem Aufwand verbunden. Das Eigenkapital

der Betriebe reicht dafür selten aus. Sind

zudem die Kreditlinien ausgeschöpft, steht auch

kein klassisches Darlehen zur Verfügung. In

dieser Situation bieten wir die Möglichkeit, das

nötige Kapital aus der eigenen Gewerbeimmo-

bilie zu gewinnen: Das Unternehmen

verkauft das Objekt an uns, mietet

es aber umgehend wieder

zurück. Dadurch werden tel frei und die Immobilie kann

Mittrotzdem

weiter genutzt

werden.

Wirtschafts-News: Aber sind

die Vorbehalte in den

Unternehmen, Eigentum

zu verkaufen,

nicht groß?

Sonja Petersen: Wer auf uns zukommt, hat sich

in der Regel bereits mit Verkaufsabsichten beschäftigt.

Daher müssen wir kaum Überzeugungsarbeit

leisten. Außerdem haben wir festgestellt,

dass bei der heutigen Unternehmer-Generation

ein Umdenken eingesetzt

hat. Viele wollen nicht mehr zwangsläufig am

Eigentum einer Firmenimmobilie festhalten.

Ihnen geht es eher um pragmatische Lösungen

und Handlungsspielraum. Sale-and-Lease-Back

bietet beispielsweise bei einer Nachfolge einen

praxisnahen Ansatz. Deshalb sind Betriebe

selbst bei familieninternen Übergaben meist

sehr offen. Und bei einer externen Nachfolge,

etwa durch Beteiligungsgesellschaften, wird es

oft regelrecht begrüßt, das Eigentum an der

Firmenimmobilie abgeben zu können.

Wirtschafts-News: In welcher Größenordnung

und von welchen Branchen wird Sale-and-

Lease-Back hauptsächlich genutzt?

Sonja Petersen: Das geht über alle Branchen

hinweg: von Metallverarbeitern über Transportlogistiker,

Automobilzulieferer bis hin zu Anlagenbauern.

Viele Unternehmen, die über eine

Light-Industrial-Immobilie verfügen, fragen uns

an – egal, ob kleinerer Handwerksbetrieb oder

größerer Mittelständler. Unsere Sale-and-

Lease-Back-Transaktionen bewegen sich meist

im Bereich von fünf bis 15 Millionen Euro. Diese

Volumina sind für Privatinvestoren häufig zu

Sonja Petersen, Investmentvorstand der

Deutschen Industrie REIT-AG, im Interview


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47

groß und für institutionelle Anbieter zu klein.

Damit sind wir einer von wenigen Partnern in

Deutschland, die Unternehmen eine Finanzierungsoption

in der Größenordnung anbieten.

Wirtschafts-News: Die Immobilie geht dabei

vollständig auf Sie über und fällt auch nach Ende

der Mietlaufzeit nicht an den ehemaligen Besitzer

zurück?

Sonja Petersen: Richtig, die Deutsche Industrie

REIT-AG wird zum hundertprozentigen Eigentümer,

die Immobilie verbleibt in unserem Bestand.

Wir können mit den Mieterinnen und Mietern

allerdings ein Vorkaufsrecht vereinbaren, sollte

eine Veräußerung des Objekts durch uns geplant

sein, was in der Praxis aber sehr selten vorkommt.

Am Ende der Vertragslaufzeit gibt es zudem die

Option, den Mietvertrag zu verlängern.

Wirtschafts-News: Welche Vorteile bietet Saleand-Lease-Back

Unternehmen?

Sonja Petersen: Da wir die Immobilien mit Eigenkapital

ankaufen, verhelfen wir Unternehmen

kurzfristig, innerhalb von vier bis sechs Wochen,

zu frischer Liquidität. Zudem können die Betriebe

die Immobilie wie gewohnt weiter nutzen.

Themen wie Instandhaltung, Versicherung und

Wartung bleiben in der Regel weiterhin Sache

der Firmen. Das wird oft präferiert, schließlich

hat man sich sein festes und verlässliches Netzwerk

vor Ort aufgebaut. Generell sind wir in

diesem Punkt aber flexibel. Sale-and-Lease-Back

ist für die Unternehmen zudem verlässlich planbar:

Die Miete steht in den meisten Fällen für

die kommenden 10 bis 15 Jahre fest.

Wirtschafts-News: Wie berechnen Sie generell

Ihre Kauf- und Vermietungspreise?

Sonja Petersen: Wir kaufen Objekte maximal zum

Zwölffachen der Jahresnettokaltmiete an. Die

Miete für das Lease-Back richten sich nach den

marktüblichen Preisen vor Ort und sind an den

Verbraucherpreisindex gekoppelt.

Wirtschafts-News: Und welche Voraussetzungen

müssen Firma und Immobilie für Sale-and-

Lease-Back erfüllen?

Sonja Petersen: Wir benötigen einige Unterlagen

und Informationen zum Gebäude und dem Unternehmen.

Wir prüfen etwa den Zustand der

Immobilie: Wie hoch ist der Sanierungs- und

Instandhaltungsgrad? Auch die Drittverwendungsfähigkeit

ist ein wichtiger Punkt. Zudem

fragen wir: Wie stabil steht das Unternehmen

da? Wie war die Situation in den vergangenen

drei Jahren? Wie sind die Zukunftsaussichten?

So lässt sich beurteilen, ob ein Objekt in unser

Portfolio passt und ob die Mietzahlungen angemessen

geleistet werden können.

Wirtschafts-News: Vielen Dank für das Interview

Frau Petersen!

Redaktion: L. S.

Foto: Deutsche Industrie REIT-AG

MEHR INFORMATIONEN

August-Bebel-Str. 68 · 14482 Potsdam

Ihre Ansprechpartnerin:

Liane Ilka Hartstock

Vertriebsmanagerin

Telefon: 0331- 7400 76 549

Mobil: 0170 – 899 45 16

Mail: lh@deutsche-industrie-reit.de

www.deutsche-industrie-reit.de


48

Kunst

und Wirtschaft

Die Beziehung zwischen Wirtschaft und Kunst steht heute im Spannungsverhältnis von Freiheit der

Kunst und Abhängigkeit von der Wirtschaft. Das eine kann zur Abschottung, das andere zur Funktionslosigkeit,

aber auch zu wechselseitigen Synergien führen. Kunst ist und war – in welcher Form auch

immer – ein Spiegel der Gesellschaft.

Wann immer es zu epochalen, gesellschaftlichen

Veränderungen kommt, drückt sich dies unweigerlich

in Kunst und Kultur aus. Eine der berühmtesten

Kulturepochen ist wohl die Renaissance

als Übergang zwischen Mittelalter und

Neuzeit. Das Bedürfnis nach geistiger Neuorientierung

findet hier verstärkt Ausdruck in Protest-

und Mahnhaltungen durch Kunst und

Literatur. Ein Korrektiv, das zumeist als Reaktion

auf zu starke Machtkonzentration und

Missstände sowie im Sinne der Aufklärung –

entsprechend der geistigen und wissenschaftlichen

Erkenntnisse – von Mäzenen gefördert

wurde. Vor einem halben Jahrtausend etwa war

es Michelangelos David, der zum Symbol der

freien Bürger von Florenz wurde. Leonardo da

Vincis Abendmahl legt Zeugnis ab von der Abkehr

kanonischer Apodiktik. Der Mensch selbst rückte

fortan in den Fokus. Der humanistische Gedanke

wurde damit zum Wegbereiter dieser

Epoche als Gegenreaktion auf eine machtgeprägte

Haltung von Fürsten und Kirche.

Das Prinzip hat sich auch über Jahrhunderte nicht

verändert. Rund ein halbes Jahrtausend später,

am 24.06.1995, war die Verhüllung des Deutschen

Reichstages durch das Künstlerehepaar Christo

und Jeanne-Claude abgeschlossen. Anders als

500 Jahre zuvor war es nun ein Parlament, der

Deutsche Bundestag, der über die Realisierung

des Projektes debattierte und sie schlussendlich

beschied. Doch auch hier ging es um die Erschaffung

eines Mahnsymbols gegen einen mehr als

vier Jahrzehnte bestehenden Unrechts- und

Überwachungsstaat.

In der florentinischen Renaissance war es das

Mäzenatentum, das die Entwicklung der Kunst

ermöglichte und beförderte. Mit Fug und Recht

kann man wohl sagen, dass vor allen Dingen die

Medici ein politisches Interesse an der Förderung

von Kunst und Architektur hatten. Dabei ging

es ihnen nicht nur um die Zurschaustellung ihres

Reichtums, sondern auch um die intellektuelle

Deutungshoheit. Beides zusammen mündet

in politischer Macht. Man muss nicht lange

nachdenken, um zu der Erkenntnis zu kommen,

dass dies zu Missbrauch und Verklärung führt.

500 Jahre später gibt es das Mäzenatentum

immer noch, doch gleichzeitig sind es öffentliche

Förderungen, die Kunst und Kultur erst ermöglichen,

um freie Künste auf den Weg zu bringen.

Die Verbindung zwischen Kunst und Wirtschaft

besteht fortan, auch in enger Korrelation. Nur

die Paradigmen dabei haben sich geändert. Was

entstanden ist, ist ein Zusammen- und Auseinanderwachsen

gleichzeitig. Zwei scheinbar

vollkommen unterschiedliche Bereiche haben

ihre Komplementärhaftigkeit längst erkannt und

sich doch selbst mit einer Gewaltenteilung versehen.

Auch jetzt noch muss Kunst zugänglich


sein, muss anziehend sein, ja, sie muss schön

sein. Sie hat die Aufgabe, ihre Betrachter zu unterhalten.

Gleichzeitig, wichtiger noch, muss sie

erklären, Leitplanke und Leuchtturm sein. Und

in der schmerzhaftesten Form gehört auch das

Ertragen dazu.

Mit dem Zusammenhang von Kunst und Wirtschaft,

mit ihrem fragilen Dasein, der dringenden

Notwendigkeit zur Unabhängigkeit, sowie dem

Nutzen für die Wirtschaft wollen wir uns in dieser

Reihe befassen.

Gemeinsam mit der Galeristin, Kunstberaterin

und -vermittlerin Ilknur Özen aus Mainz wollen

wir uns dem Thema annähern.

„Die Politik müsste ein

unverkennbares Zeichen setzen“

Wirtschafts-News: Ilknur, Sie haben Philosophie

und Erziehungswissenschaften studiert. Nun

arbeiten Sie als Galeristin, Kunstberaterin und

-vermittlerin. Wie kam es dazu, dass Sie nicht

etwa im pädagogischen Bereich arbeiten, sondern

sich auf ein unplanbares und risikobehaftetes

Terrain begeben haben? Und welche Rolle

in Ihrem Beruf spielen die Philosophin und

Erziehungswissenschaftlerin?

Ilknur: Auch wenn es auf den ersten Blick für

einen Außenstehenden nicht ersichtlich ist, gibt

es einen durchgehenden roten Faden in meinem

Werdegang. Beispielsweise waren Kunst und

Philosophie zwei meiner Abiturprüfungsfächer,

was sich an meiner jetzigen Tätigkeit – der

Vermittlung kritischer zeitgenössischer Kunst

– klar widerspiegelt. Kunst, die das Menschsein,

aber auch die Freiheit, die Wahrheit und die

Liebe thematisiert, bedient sich denselben

Grundkategorien wie die Philosophie in meinem

Verständnis. Zudem habe ich mir mein Studium

sowohl kritisch als auch interdisziplinär

gestaltet (damals im Magisterstudium war das

noch möglich) und beispielsweise ergänzend

Medienphilosophie studiert. Die Schnittstelle

von Kunst und Philosophie hat mich damals

ergriffen und das ist bis heute so geblieben.

Vor allem die akademische Philosophie ist intellektuell,

linkshirnlastig, kalt und einsam ohne

ihre Schwester, die Kunst.

Die Kunst des Denkens und die Kunst des Sehens

auf der einen Seite, Persönlichkeitsbildung

und ästhetische Bildung auf der anderen Seite,

sind tragende Säulen meines Berufes. Ist das

ein unplanbares und risikoreiches Terrain? Ja,

definitiv. Aber mich interessiert nicht nur das

Mögliche, sondern und vor allem das vermeintlich

Unmögliche – sowohl im beruflich-geschäftlichen

Feld als auch im Bereich der geistigen

Weiterentwicklung des Menschen.

49

"Der letzte Abend", DENKSTAHL

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Wirtschafts-News: In Ihrem Beruf wird Ihnen

der Spannungsbogen zwischen Kunst und Wirtschaft,

zwischen gesellschaftlicher Notwendigkeit

und beschränkender Abhängigkeit bekannt

sein. Wie nehmen Sie dieses Verhältnis wahr?

Welche Forderungen würden Sie an die Politik

richten, um Unabhängigkeit einerseits und ein

gesichertes Kulturdasein anderseits zu ermöglichen?

Ilknur: Als Kunstvermittlerin plädiere ich für ein

echtes dialogisches Verhältnis zwischen Kunst

und Wirtschaft, so dass die nicht endende Debatte

um Kunst und Kommerz nach und nach

überwunden werden kann. Dafür bedarf es kreativer

Kooperationen. Die Frage stellt sich immer

wieder, ob Kunst überhaupt frei sein kann, wenn

zum einen der Künstler von wirtschaftlichen

Verhältnissen abhängig

ist und zum anderen die

Käufer dazu verleitet sind,

die Kunst zu missbrauchen,

um ihr Prestige und

ihre Macht zu demonstrieren.

Kunst braucht die Wirtschaft

und umgekehrt.

Kunst fördert Kreativität

und erweitert unsere

Sichtweise nur dann,

wenn sie frei ist. Unternehmen,

die Arbeit neu

denken und die unerlässliche

„Transformation“

nicht nur im Sinne der

Digitalisierung vorantreiben

wollen, kommen nicht

umhin, sich mit der Perspektive der Kunst zu

beschäftigen. Die Förderung von Kunst, Kreativität

und Kultur ist allerdings nicht mit den Bemühungen

der Mäzene und einiger bewussten

Unternehmen getan. Die Politik müsste ein

unverkennbares Zeichen setzten, um sich für

die Kunstfreiheit auszusprechen und die gesellschaftliche

Notwendigkeit von Kunst und Kultur

einzusetzen.

„Es bedarf kreativer

Kooperationen”

Wirtschafts-News: Sie sind Kunstberaterin und

-vermittlerin. Das insinuiert zwei Perspektiven.

Eine gedankliche Sicht, die von Ihnen ausgeht

und eine, die den Blick auf Ihre Kunden und

Künstler richtet. Liegen beide Perspektiven nahe

beieinander? Was beschäftigt Sie gedanklich in

diesem Bereich? Nach welchen Schwerpunkten

wählen Sie Ihre Künstler aus?

Ilknur: Aus der Vogelperspektive betrachtet, sind

alle genannten Ebenen miteinander verbunden.

Kunst ist das schöpferische Prinzip der Welt.

Meine Liebe zum Leben und zur Kunst potenziert

sich durch meine Sichtweise auf den Künstler

und die Kunden. Und dies ermöglicht mir meine

Aufgabe, mehr Schönheit in die Welt zu bringen.

In meinem eigensinnigen Galerie-Programm habe

ich einen, und zwar den einen Künstler; seit über

einem Jahrzehnt widme ich mich dem monumentalen

Werk des Frankfurter Künstlers AL

alias DENKSTAHL. Ich habe noch nicht alle 2000

Bilder von ihm gesehen und noch nicht alle 1000

Gedichte gelesen, obwohl

ich bereits mehrere

Bücher mit seinen

Werken publiziert habe.

Immer wieder geht es

ihm um einen stählernen

Denkanstoß. Seine

Worte haben mir

oft die Tränen entrissen,

seine Gedichte

mich tief im Herzen

getroffen. Es ist mir

eine große Ehre, die

DENKSTAHL Kunst dem

Betrachter und dessen

Botschaft dem Empfänger

nahe zu bringen.

Die spannende Biografie

des Denkers, Dichters

und Künstlers DENKSTAHL ist ein Beispiel

für den zeitgenössischen Phönix aus der Asche.

Sie erzählt die Geschichte einer gelungenen

Transformation. Das Kriterium, nach dem ich

einen Künstler auswähle? Er ist gleichzeitig ein

Lebenskünstler.

Wirtschafts-News: Niemand wird es häufiger

gehört haben, als Sie selbst, wenn Menschen

sagen, dass sie keine Ahnung von Kunst haben.

Wie begegnen Sie dieser Haltung? Oder umgekehrt,

welche Haltung empfehlen Sie Künstlern,

um dieser vermeintlichen Hemmschwelle entgegenzutreten?

Ilknur: Tatsächlich begegnet mir die Aussage „Ich

habe keine Ahnung von Kunst“ laufend. Es ist

überhaupt nichts Schlimmes, keine Ahnung von


einer Sache zu haben. Das ist meine Grundhaltung

dazu. In solchen Momenten suche ich andere

Berührungspunkte, über die wir im Gespräch

früher oder später doch bei der Kunst landen.

Je nach Tonlage kann ich schnell erkennen, ob

jemand trotzdem offen ist für eine neue Erfahrung,

die Erfahrung der Kunstbetrachtung und

des Kunstgenusses. Um sich auf die Kunst einzulassen

und sie auf sich wirken zu lassen, braucht

man kein Kunstkenner zu sein. Das einzig Notwendige

ist zunächst einmal „nur“ die Offenheit.

Natürlich vermittle ich dabei auch, wie wichtig

es ist, dass wir uns mit Kunst umgeben und uns

mit der Perspektive der Kunst bzw. des Künstlers

beschäftigen. Was wäre das Leben ohne

Kunst?! – diese Frage und Aussage bringt mein

Anliegen bestens zum Ausdruck.

„Das einzig Notwendige

ist Offenheit”

Ahnung von Kunst zu haben, bedeutet nicht,

kunsthistorisch bewandert zu sein. Kunstgeschichte

ist wichtig, keine Frage. Wichtiger ist

jedoch die Gegenwart – unsere Geschichte, die

wir jetzt gerade schreiben. Deshalb ist für mich

die am schwierigsten zugängliche, zeitgenössische

Kunst am spannendsten.

Künstlern empfehle ich im Allgemeinen, dass

sie ihre Werke nicht auf die Methodik und Technik,

also auf ihr handwerkliches Können, reduzieren,

sondern ihr Schaffen der Kunst des Lebens

widmen. Diese hat natürlich nicht nur das eigene

Leben im Sinn, sondern das Leben an sich,

also auch das große Ganze.

Wirtschafts-News: Kunst muss schön sein, sie

muss anziehen, sie muss verzaubern. Gleichzeitig

soll sie korrektiv sein, sie soll Leitplanke

und Wegweiser sein. Was befindet sich nach

Ihrer Meinung zwischen „soll“ und „muss“, also

zwischen Anforderung und Zielsetzung?

Ilknur: Nicht umsonst heißt es so treffend „Die

Schönheit liegt im Auge des Betrachters“. Über

das, was schön ist, scheiden sich jeher die Geister.

Manche fühlen sich gezwungen, sich zwischen

Schönheit und Wahrheit entscheiden zu müssen,

so als ob das Schöne und das Wahre zwei gegensätzliche

Qualitäten wären, die sich nicht

vereinen lassen. Dem begegne ich beispielsweise

im Zuge meiner Kunstberatung unmissverständlich.

Es kommt nicht selten vor, dass jemand

die kritischen DENKSTAHL Bilder gnadenlos

ehrlich findet, die Aussagen des Künstlers lobt

und die Wichtigkeit seines Schaffens betont, und

dennoch fast im gleichen Atemzug äußert, dass

er/sie sich diese Bilder jedoch nicht aufhängen

würde. Warum? Ich zitiere: „Lieber umgebe ich

mich in meinem Alltag mit schönen Happy-

Peppy Bildern, die mich positiv stimmen!“

„Wir haben einen Sinn für

das Wahre, Authentische

und Unverfälschte”

Während für die einen das Schöne und das Wahre

sich nicht vereinbaren lassen, empfinden

andere hingegen die Wahrheit als pure Schönheit.

Ist das nur eine Frage des Geschmacks? Natürlich

nicht! So wie wir einen Sinn für Humor haben,

haben wir auch einen Sinn für das Wahre,

Authentische und Unverfälschte. Wir haben

einen (verkümmerten) Sinn für das Schöne, eine

uns innewohnende Fähigkeit, Schönheit zu empfinden.

Daran darf, kann, soll und muss Kunst

erinnern. In diesem Rahmen stelle ich gerne die

Frage: Kann auch das schön sein, das uns anstachelt,

irritiert, provoziert, unser Denken auf

den Kopf und unsere Lebensweise in Frage stellt?

Über Ilknur Özen:

BWN

Fotos: GALERIE VOLLHERZIG

Kunst, die das Menschsein, aber auch die

Freiheit, die Wahrheit und die Liebe thematisiert,

bediene sich denselben Grundkategorien

wie die Philosophie, sagt Ilknur

Özen. Beides, Kunst und Philosophie, zieht

sich durch ihr Leben wie ein roter Faden.

An der Johannes-Gutenberg-Universität

in Mainz studierte sie Philosophie und

Erziehungswissenschaften. 2012 veröffentlichte

sie Ihre Magisterarbeit mit dem

Titel „Philosophie des Herzens“. Seither

ist sie in Mainz als Galeristin, Kunstberaterin

und -vermittlerin tätig. Zudem widmet

sie sich zeitgenössischer philosophischer

Kunst und setzt sich für Kunst- und

Kreativförderung ein.

51


52

SCHWARZE&ART

Reinhard F. Schwarze fühlt sich als „alter Mainzer“. Nach dem Abitur am Schlossgymnasium hat er an der

Gutenberg-Universität Bildende Kunst und Kunstgeschichte studiert. Heute lebt er in der Pfalz, unweit von Bad

Dürkheim an der Weinstraße in einer kleinen Winzergemeinde, wo er sich in der ehemaligen Dorfschmiede ein

Atelier eingerichtet hat.

In seinem künstlerischen Schaffen bewegt sich

Reinhard F. Schwarze zwischen abstrakter und

figurativer Darstellung, oftmals mit surrealistischem

Anklang. Fasziniert von Farben und

Linien, die ohne gegenständlichen Bezug ausschließlich

sich selbst ausdrücken, lässt ihn die

Bindung an das Gegenständliche trotzdem nie

richtig los. Bei jedem erneuten Betrachten seiner

Werke sollen neue Aspekte entdeckt werden,

die nicht nur erfreuen, sondern auch zum

Nachdenken inspirieren.

Schwarze arbeitet vorwiegend mit Farbstiften

auf mittelgroßen Papierformaten. Nicht selten

findet man in seinen Bildern auch Schriftzeichen

und Zahlen, mitunter sogar Zitate aus lyrischen

Texten. Bild- und Textelemente sind dann oftmals

nicht nur formal miteinander verwoben,

so dass zusätzlicher Raum für weiterführende

Gedanken entsteht. Thematisch dreht es sich

bei Schwarze um Maritimes sowie Eindrücke

aus der Natur, in unterschiedlichsten Konfigurationen

auch immer wieder um Menschen.

Inhaltliche Bezüge sind dabei meist nur angedeutet.

Neben dem Zeichnen ist Acrylmalerei ein

weiteres Ausdrucksmittel von Reinhard

F. Schwarze, außerdem gehört Gedrucktes

von Holz- und Linol-Druckstöcken

zu seinem Repertoire.

Let’s dance, 2020

Self-Isolation, 2020

S. K.

Reinhard F. Schwarze


„Ich will keine Kunst machen, mit der man nach

einmaligem Betrachten „fertig” ist. Mir geht es um Bilder,

die zum Wieder-Anschauen reizen, in denen man bei

jedem erneuten Betrachten immer wieder Dinge entdeckt,

worüber man nachdenken, oder an denen man

sich einfach nur erfreuen kann.”

53

Arbeiten von Reinhard F. Schwarze

sind im Herbst auf zwei

Ausstellungen zu sehen:

11. und 12. September 2021

„Offene Ateliers“

in der „Alten Schmiede“,

67273 Bobenheim am Berg

www.bbkrlp.de

Enkhuizen, 2019

18. und 19. September 2021

„kunstweg“ im „Blauen Rathaus“,

67278 Bockenheim

an der pfä lzischen Weinstraße

https://m.facebook.com/kunstweg

Kontaktdaten

Mail: schwarze@schwarzeplusart.de

Tel.: 0162-2543371

Reinhard F. Schwarze

„Alte Schmiede“ , Leininger Straße 24

67273 Bobenheim am Berg

www.schwarzeplusart.de

Mailied, 2020

SCHWARZE&ART


Wirtschafts

Gesundheit

News

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Sport und Bewegung bei Krebs

Unsere Expertin:

Dr. med. Gabriele Lochhas

Dr. med. Gabriele Lochhas ist Fachärztin für Strahlentherapie

und ltd. Fachärztin der Strahlentherapie RheinMainNahe am

Standort Rüsselsheim. Als Koordinatorin der Krebssportgruppe

am GPR-Klinikum Rüsselsheim ermutigt sie ihre Patienten,

während und nach einer Krebstherapie mit Sport und Bewegung

nach den jeweils individuellen Möglichkeiten aktiv zu bleiben.

.

WI-News: Seit 25 Jahren arbeiten Sie als Fachärztin

für Strahlentherapie. Ihr Schwerpunkt

liegt damit klar auf der technischen und somit

schulmedizinischen Therapie bei Krebs. Dennoch

setzen Sie sich seit langem ganz gezielt dafür

ein, dass Patienten bereits während der Krebsbehandlung

sportlich aktiv sein sollen. Was

spricht in dieser anstrengenden Lebensphase

für Sport und Bewegung?

Dr. G. Lochhas: Für die effektive Behandlung

von Krebs stehen die Strahlentherapie, die Chemo-

und Immuntherapie und die Operation zur

Verfügung. Sehr häufig werden diese Optionen

kombiniert oder folgen hintereinander. Da ist

es nachvollziehbar, dass die Therapie für die

betroffenen Patienten mitunter sehr anstrengend

und belastend ist. Dennoch ist eine reine

Schonung nicht sinnvoll. Vielmehr kann mit

moderater Bewegung oder leichtem Sport dem

chronischen Erschöpfungszustand (Fatigue),

der sich häufig bei einer Krebstherapie einstellt,

entgegengewirkt werden.

WI-News: Eine komplette Schonung, wie wir

es bei schweren Erkrankungen im Kopf haben,

ist also gar nicht ratsam?

Dr. G. Lochhas: Wenn es dem Patienten möglich

ist, sollte er in Bewegung bleiben. Natürlich

soll während der Therapie keine Überlastung

stattfinden, etwa durch schwere körperliche

Arbeit oder zusätzliche psychische Belastungen.

Bewegung und leichter Sport hingegen sind

ausdrücklich erlaubt. In der Strahlentherapie

RheinMainNahe informieren wir unsere Patienten

hierüber ausführlich. „Sport und Bewegung“

zählen zur Komplementären Onkologie. Diese

umfasst wissenschaftlich belegte Maßnahmen,

die die Nebenwirkungen von Krebstherapien

lindern.

WI-News: „Sport“ bei Krebs – das können sich

möglicherweise nicht alle Patienten vorstellen.

Denn es klingt nach einer weiteren Kraftanstrengung,

die kaum leistbar ist.


EXPERTENFORUM

55

Dr. G. Lochhas: Deshalb sprechen wir auch von

„Sport und Bewegungstherapie“. Es soll als

begleitende Maßnahme verstanden werden, die

jeder nach seinen Möglichkeiten und der Schwere

der jeweiligen Krebserkrankung durchführen

kann. Natürlich fällt es Menschen, die vor der

Diagnose bereits sportlich aktiv waren, leichter,

dies auch während einer Krebstherapie umzusetzen.

Dennoch sehen wir im Praxisalltag

immer wieder, dass auch Patienten, die vorher

keinen oder wenig Sport getrieben haben, definitiv

von Bewegung profitieren. Das Immunsystem

wird gestärkt, der chronische Erschöpfungszustand

(Fatigue) wird gelindert und

damit steigt die Lebensqualität.

WI-News: Sport und Bewegung bei Krebs schließen

sich also nicht aus, sondern sind vielmehr

eine gute Kombination, um die Nebenwirkungen

der Therapie aktiv zu lindern- Fr. Dr. Lochhas,

wir danken Ihnen für das Interview.

Sport- und Bewegungstherapie bei Krebs

– Wirksamkeit belegt

Erste beobachtende Studien der Universitätsmedizin

Heidelberg weisen darauf hin,

dass körperliches Training einen Einfluss

auf das Überleben und auf eine erneute

Krebserkrankung haben kann. Belegt werden

konnte in Studien, dass sich neben der

Lebensqualität auch therapie- und krankheitsbedingte

Nebenwirkungen durch eine

systematische Sport- und Bewegungstherapie

positiv beeinflussen lassen. Im Rahmen

einer Studie haben Wissenschaftler

der Deutschen Sporthochschule Köln und

der Uniklinik Köln im Centrum für Integrierte

Onkologie CIO Köln/Bonn belegen

können, dass sich angemessene Ausdauerbelastung

bei Krebspatienten positiv auf

die körpereigene Tumorabwehr auswirkt.

Redaktion: Christiane Gawlyta

www.strahlentherapie-rheinmainnahe.de


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EXPERTEN FÜR DAS GESAMTE

Das Team der Zahnärzte Flonheim Luka Klimaschewski & Dr. Andreas Pelster

Mit Implantaten feste

Zähne an einem Tag

Das Implantat-Zentrum in Flonheim (izf) wird

mit Luka Klimaschewski und Dr. Andreas Pelster

von zwei profilierten Experten geleitet. Bereits

mehrere tausend Implantate haben die Fachärzte

erfolgreich gesetzt und versorgt. So kann

die Praxis auf 15 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet

der Implantologie zurückblicken, Keramikimplantate

werden seit über 10 Jahren gesetzt. Nur

durch Fortbildung kann das Implantat-Zentrum

seine Patienten nach höchsten Qualitätsstandards

und neuester Technologie behandeln.

„Geprüfte Experten der Implantologie“.

Ergänzt wird die Erfahrung und das Know-how

der Zahnärzte durch aktuelle Technik. Die Praxis

verfügt über das beste 3D-Röntgengerät, das sich

durch die heute höchst mögliche Bildqualität auszeichnet,

wodurch auch kleinste Details zu erkennen

sind.

Eine umfassende und genaue Diagnose unter

Einsatz modernster 3D-Bildgebung, ist der Beginn

einer jeden Beratung. Es folgen möglichst schonende

Verfahren, sowie innovative und nachhaltige

Behandlungsmethoden in der Therapie. Eine

Besonderheit ist das zahntechnische Eigenlabor,

womit eine effiziente und reibungslose Kommunikation

zwischen Zahnarzt und Zahntechnikern

stattfinden kann. Da der Techniker den Patienten

persönlich kennenlernt, erhält der Patient nicht

nur perfekt funktionell passende Zähne, sondern

auch ein Ergebnis, das optimal und individuell auf

sein gesamtes Erscheinungsbild angepasst ist.

Patienten können sich daher sicher sein, dass der

Zahnersatz qualitativ hochwertig gefertigt wird

und schnell verfügbar ist. Auf diese Weise kann

die Praxis eine hochwertige und nachhaltige Vorsorge

und Versorgung ihrer Patienten sicherstellen

– unter einem Dach.

Redaktion: S. H.

Fotos: M. S.

„Im Mittelpunkt steht für uns immer die Patientenzufriedenheit.

Schmerzvermeidung bei Diagnose

und Therapie, nachhaltiger Behandlungserfolg

und optimale zeitliche Abläufe sind uns

ebenso wichtig wie die Rücksicht auf individuelle

Wünsche unserer Patienten“, erklärt Luka

Klimaschewski die Praxisphilosophie. Die Einrichtung

der Praxis ist modern: Jeder Behandlungsstuhl

ist mit digitalem Röntgen und einer

Intraoralkamera ausgestattet. Neben dem 3D-

Röntgenverfahren für eine aussagefähige Diagnostik

wird auch Laser für die schonende

Behandlung der Patienten genutzt. „Zahnmedizinische

Kompetenz, modernste Ausstattung

und optimierte Arbeitsabläufe resultieren schließlich

auch in Kostenvorteilen, die wir vorteilhaft

an unsere Patienten weitergeben“, fasst Dr.

Andreas Pelster zusammen.

Die Vorteile für den Patienten

auf einen Blick:

• Moderne Zahnheilkunde in einem Team

von Spezialisten unter einem Dach

• Bequeme und zinslose Ratenzahlung

für alle Patienten über das „Deutsche

Zahnärztliche Rechenzentrum“ (DZR)

• Die Praxis ist auch samstags geöffnet.

Das garantiert eine flexible Vereinbarung

von Behandlungszeiten.

• Ausreichend kostenlose Parkplätze

stehen zur Verfügung.

• Behandlungen sind auch mit entspannendem

Lachgas angstfrei möglich

• Eigenes zahntechnisches Labor

Zahnarzt

Luka Klimaschewski:

Geprüfter Experte der

Implantologie – DGOI

ICOI Diplomate

Dr. Andreas Pelster:

Geprüfter Experte der

Implantologie – DGOI

ICOI Diplomate

Zahnärztin

Denise Pulsack-Pytel:

Endodontologie, Parodontologie,

Ganzheitliche

Zahnheilkunde, Zahnärztliche

Schlafmedizin

Geprüfte Experten

der Implantologie

Deutsche Gesellschaft

für orale Implantologie

Geprüfte Experten der Implantologie – DGOI

Diplomates


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SPEKTRUM DER ZAHNMEDIZIN

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Metallfreie

Implantologie

Die beiden Zahnärzte und Implantologen erklären,

was man über ein Implantat wissen sollte:

Was ist ein Implantat?

Ein Implantat ist eine künstliche Zahnwurzel, die

dauerhaft mit dem Kiefer verbunden ist. Es dient

als Tragpfeiler für den Zahnersatz, der einzeln

oder als Brücke, fest verbunden oder herausnehmbar

aufgebaut sein kann.

Spüre ich ein Implantat im Alltag?

Im Gegensatz zum früher vorherrschenden

„künstlichen Gebiss“ ist ein Implantat mit keinerlei

Einschränkungen der Lebensqualität verbunden.

Die neuen Zähne fühlen sich an wie

gewachsen und sind ebenso belastbar wie die

natürlichen Zähne.

Aus welchen Materialien werden

Implantate hergestellt?

Ausgehend von den individuellen Gegebenheiten

und den Wünschen des Patienten bieten sich

zwei Materialien an. Titan und ganzheitliche

metallfreie Keramikimplantate.

Welche Vorteile haben metallfreie

Keramikimplantate?

Keramikimplantate bieten eine 100-prozentige

Biokompatibilität. Dies führt zu einer optimalen

Gewebeverträglichkeit mit besserer Zahnfleischanlagerung.

Zusätzlich besteht eine geringere

Plaqueanlagerungsaffinität und damit ein niedrigeres

Risiko für Zahnfleischentzündungen. Bei

Patienten mit sehr zartem Zahnfleisch ergibt

sich zusätzlich eine bessere Ästhetik.

Welche Nachteile haben Keramikimplantate?

Die Einheilung in den Knochen dauert länger.

Keramikimplantate gibt es erst seit einigen Jahren.

Wegen der kurzen Beobachtungsdauer und

kontinuierlichen Verbesserungen des Designs

gibt es nur wenige mehrjährige Studien über die

Erfolgsrate von Keramikimplantaten. Unsere

Erfahrung und die vorliegenden Studien zeigen

aber, dass prinzipiell Zirkonimplantate eine den

langjährig untersuchten Titanimplantaten vergleichbare

sehr gute Überlebensraten haben.

Leider sind Keramikimplantate wesentlich teurer

als Titanimplantate.

Wie kann ich in nur einer Sitzung feste

neue Zähne erhalten?

In vielen Fällen können die gerade gesetzten

Implantate direkt mit einer festen Brücke versorgt

werden. Die früher für die Einheilphase nötige,

herausnehmbare Übergangsprothese entfällt.

Welche Kriterien sollte die Diagnostik für eine

nachhaltig erfolgreiche Implantation erfüllen?

Nur mit dem 3D-Röntgenverfahren ist die Qualität

der Diagnostik zu erreichen, die wiederum

Voraussetzung für die Planung der Implantation

ist. Dieses auch als Digitale Volumen Tomographie

(DVT) bekannte Verfahren liefert auf schonende

Weise eine dreidimensionale Volumendarstellung

des gesamten Kiefer- und

Zahnbereichs, sowie Schnittbilder in allen drei

Ebenen. Dabei ist die Strahlenbelastung um ein

Vielfaches geringer, als bei der konventionellen

Computertomographie. Diese hochauflösenden

Aufnahmen helfen auch dem Patienten, die un-

terschiedlichen Behandlungsmethoden zu verstehen

und sich für die beste Lösung zu entscheiden.

Wie kann ich mich beraten lassen und erfahre

welche Kosten für die festen Zähne entstehen?

Wir bieten spezielle Beratungstermine, auch am

späten Abend und samstags. Hier besprechen

wir nach genauer Diagnostik in einer individuellen

Beratung, welche Lösungen die besten sind.

Für unsere implantologische Beratung entstehen

keinerlei Extrakosten.

Habe ich neben dem Implantologen

andere Behandler?

Nein. Sie haben einen Behandler und Ansprechpartner

von der ersten Beratung, dem Erstellen

des 3D-Bildes ihres Kiefers, dem Setzen der

Implantate bis zum Einsetzen des endgültigen

Zahnersatzes. Von Beginn an ist ein Techniker

unseres Praxislabors beteiligt. Der persönliche

Kontakt und die enge Zusammenarbeit von Behandler,

Patient und Zahntechniker ist ein wesentlicher

Faktor für unsere erfolgreichen Behandlungen.

Gibt es verschiedene Implantationsmethoden?

Ja, hier profitieren unsere Patienten von unserer

langjährigen und breitgefächerten Erfahrung in

allen Implantationstechniken. Aufgrund unserer

Diagnose und der Wünsche unserer Patienten

geben wir unsere Empfehlung. Dann entscheidet

unser Patient.

Zahnärzte Flonheim • Luka Klimaschewski & Dr. Andreas Pelster • Bornheimer Landstraße 8 • 55237 Flonheim

tel: 0 67 34 / 3 68 • fax: 0 67 34 / 9 13 21 15 • info@zahnaerzte-flonheim.de • www.zahnaerzte-flonheim.de


58

„Gehör finden“

Als sie früher ihre Oma umarmte, sagt Saskia Siegler-Koch, habe es immer gepiepst. Das Geräusch,

das die Hörakustikmeisterin meinte, entstammte einer Rückkopplung des Hörgeräts. Und helfen, erzählt

sie weiter, wollte sie ohnehin schon immer. Kaum verwunderlich also, dass sie sich nun um Menschen

mit Hörschwierigkeiten kümmert. Wie drängend die Probleme eben jener sind, können die meisten

nicht nachvollziehen. Kennt man es nicht anders, ist ein funktionstüchtiges Gehör eine Selbstverständlichkeit.

Doch die Alltagsschwierigkeiten und die Folgen daraus sind gravierend. Gut, dass es nunmehr

komfortable Lösungen gibt. Anders, als zu Zeiten von Rückkopplungen, unansehnlichen Ohrmuscheln

und dergleichen mehr.

Mehrwöchige Testzeit

Damit alle therapeutischen Maßnahmen fruchten

können, muss natürlich auch die Hardware funktionieren.

Aufgrund unterschiedlich gelagerter

Probleme einerseits, sowie verschiedener Lebensgewohnheiten

andererseits, ist individuelle Anpassung

unabdingbar. Grundlage der Anpassung

für ein Hörgerät ist zunächst ein aufwändiger

Hörtest. Ton- und Sprachaudiometrie geben dabei

Aufschluss über den Grad der Höreinschränkung.

Ebenso wichtig ist eine Art Anamnese. „Wir

klappern den Alltag des Kunden ab“, beschreibt

es Siegler-Koch. Dabei geht es um Abläufe, Gewohnheiten,

Hobbies, berufliche- und natürlich

gesundheitliche Aspekte. Etwa darum, ob jemand

viel telefoniert, gerne fernsieht, Musik hört oder

gar selbst musiziert. Letzte Unwägbarkeiten werden

dann durch eine mehrwöchige Testzeit beseitigt.

In dieser Zeit nimmt der Kunde mehrere

Geräte mit nach Hause und testet, welches ergonomischer

und klanglich angenehmer sowie

funktionstüchtiger ist.

Tragekomfort und Hörqualität

Einen Eindruck vom technischen Fortschritt der

Geräte kann man sich machen, wenn man sich

die Anpassungsmöglichkeiten an den Alltag des

Kunden ansieht. Was noch vor einigen Jahren

nicht mehr, als ein Klangverstärker war, ist heute

sowas Ähnliches, wie ein Tonstudio. Nur eben

kaum sichtbar. So ist es auf unterschiedlichen

Kanälen per Bluetooth koppelbar mit Fernseher,

PC, Handy oder anderen Gebrauchsgeräten. Individuell

einstellbar sind Lautstärke, Klangfarbe

und vieles mehr.

Ebenso bedeutsam ist die Ergonomie, die anatomische

Anpassung. Neben den Standardgeräten

gibt es so genannte Otoplastiken, individuell

angefertigte Ohrstücke. Die Fertigung dieser

Otoplastiken ist ein aufwändiger Prozess, der dem

Kunden ein besonders hohen Tragekomfort sicherstellt

und natürlich Hörqualität bietet. Hierzu

wird zunächst ein Abdruck von Ohrmuschel

Tinnitus /

Audiotherapie

Linderung von Ohrgeräuschen

und mit Hilfe von Audiotherapie

maximale Zufriedenheit

mit Ihren Hörsystemen

Hörgeräte

Optimierung

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nicht von uns sind.

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aus, um herauszufinden,

wie gut Sie mit den Hörgeräten

im Alltag zurecht kommen.


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59

Koch

Hörakustik

Oppenheim

unter den Top 100

und Gehörgang gemacht. Anschließend wird das

Bild als Scan an ein Labor gesandt, in dem das

Ohrstück gefertigt wird. Gleichzeitig sucht der

Kunde sich sein Wunschgerät aus, das schließlich

mit der Otoplastik zusammengefügt wird.

Hörakustikern

Deutschlands!

„Gehör finden“ viele bei Koch-Hörakustik. Ein

Gutteil der Kunden sind Menschen mit Altersschwerhörigkeit.

Doch ebenso darunter sind

Lärmgeschädigte und Menschen mit angeborener

oder vererbter Schwerhörigkeit. Zudem können

Krankheiten zu Schwerhörigkeit führen. Etwa

von Entzündungen, Masern oder Hirnhautentzündungen

sind häufig Kinder betroffen. Doch

auch Gehörknöchelversteifungen ziehen Probleme

beim Hören nach sich. Nicht selten, sagt Saskia

Siegler-Koch, sei ein vertrauensvolles Gespräch

der erste Schritt, die richtigen Maßnahmen zu

ergreifen. Auch das bedeutet, Gehör zu finden.

Redaktion: Koch Hörakustik

Fotos: B.W.

kontakt@koch-hoerakustik.de • www.koch-hoerakustik.de

Koch Hörakustik • Sant-Ambrogio-Ring 13b • 55276 Oppenheim • tel: 0 61 33 / 5 73 54 20

Koch Hörakustik • Ober-Saulheimer-Str. 25 • 55291 Saulheim • tel: 0 67 32 / 9 51 96 81

Koch Hörakustik • Bahnhofstr. 40 • 67547 Worms • tel: 0 62 41 / 8 49 96 60

Saskia Siegler-Koch, Hörakustikmeisterin


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dafür steht die Fort Malakoff Klinik. Angefangen von

der Sicherheit im neuen OP-Zentrum über den Einsatz

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Nachfrage nach qualitativ hochwertigen und

sicheren Eingriffen in der plastisch-ästhetischen Chirurgie

sowie bei den nicht operationen ästhetischen Behandlungen

können die erfahrenen Fachärztinnen und

Fachärzte in vollem Umfang nachkommen.

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Möglichkeiten der

Körperstraffung

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Endlich wieder rundum wohlfühlen! Dieser Wunsch ist absolut nachvollziehbar, wenn nach starkem Gewichtsverlust,

Schwangerschaft oder einer Fettabsaugung ein „Zuviel“ an Haut vorhanden ist. Wir sprachen mit dem Mainzer

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Dr. Martin Kürten über dieses Thema:

Wirtschafts-News: Herr Dr. Kürten,

die Bauchdeckenstraffung zählt

mittlerweile zu den häufigsten OPs,

was sind die Gründe?

Dr. M. Kürten: Mit Sport und Diäten

ist diesem Bereich kaum beizukommen,

denn hier haben wir eine große

Menge an Fettdepots. Und nach einer

starken Gewichtsabnahme oder

einer Schwangerschaft ist der Bauch

nicht einfach wieder flach und straff.

Daher kann bei einer Straffungsoperation die überschüssige

Haut entfernt und gleichzeitig noch vorhandene Fettdepots abgesaugt

werden. Bei der präzisen präoperativen Planung erfolgt

die Anzeichnung der Patienten im Stehen. Dabei werden die

neue Höhenposition des Bauchnabels und das zu entfernende

Hautareal zur Straffung markiert. Der Schnitt verläuft tief im

Unterbauchbereich und ist so angelegt, dass er später vollständig

von Unterwäsche oder Bademode verdeckt wird.

Wirtschafts-News: Auch bei den sogenannten „Winkearmen“

lässt sich durch Muskeltraining kaum etwas erreichen?

Dr. M. Kürten: Das erschlaffte Bindegewebe an den Oberarmen

wird oft als sehr störend empfunden. Hier spielen schlicht Alterungsprozesse

eine Rolle und ein Muskelaufbau kann nur vorbeugend

helfen. Ist das Gewebe bereits erschlafft, hilft nur eine

Operation. Hierbei handelt es sich um einen unkomplizierten

Eingriff, bei dem der Haut- und Fettüberschuss spindelförmig

an der Innenseite des Oberarmes entfernt und die Hautränder

mit einer nahezu unsichtbaren Naht wieder zusammengeführt

werden.

Wirtschafts-News: Neben der Behandlung einzelner Körperregionen

führen Sie bei ausgeprägten hängenden Hautpartien

nach starker Gewichtsabnahme auch ein komplettes Bodylift

durch:

Dr. M. Kürten: Hierbei unterscheidet man zwischen dem oberen

und dem unteren Bodylift. Wird die Haut an Oberarmen, Brust

und Rücken reduziert und gestrafft, spricht man vom oberen

Bodylift. Das untere Bodylift umfasst Bauch, Gesäß und Oberschenkel.

Einer Körperstraffung geht meist ein starker Gewichtsverlust

voraus, hier ist es nur allzu verständlich, dass die

Menschen sich nicht mit einem „neuen Problem“, nämlich hängenden

Hautpartien, abfinden wollen. Auch können einzelne

Bereiche, z.B. das Gesäß mit Eigenfett aufgepolstert werden.

Mit dieser Lipofilling-Methode werden sichere und natürliche

Ergebnisse erreicht.

Wirtschafts-News: Welche Möglichkeiten gibt es für Frauen, die

nach Schwangerschaft und Stillzeit unzufrieden mit ihrem Körper

sind?

Dr. M. Kürten: Durch das sogenannte „Mommy Makeover“ können

wir Frauen „ihren Körper“ zurückgeben. Mit einer Brust- und

Bauchdeckenstraffung ist dies sehr gut möglich. Grundsätzlich

müssen stark hängende oder schlaffe Hautpartien nicht hingenommen

werden. Erfahrene plastische Chirurgen sorgen mit

sicheren Methoden für eine ausgewogene Körpersilhouette und

helfen Menschen, sich in ihrem Körper wieder wohlzufühlen

Körperstraffung –

darauf sollten Sie achten:

Redaktion: Wirtschafts-News

Fotos: FMK

Eine erfolgreiche ästhetische Körperstraffung

erfordert umfassende Erfahrung

des Operateurs. Sämtliche notwendigen

Operationsmethoden und –techniken sollten vielfach

durchgeführt worden sein. Eine Körperstraffung

kann mit der Absaugung von vorhandenen

Fettdepots verbunden werden. Außerdem können

einzelne Körperpartien, z.B. das Gesäß mit Eigenfett

aufgepolstert werden (Lipofilling-Methode).

FORT MALAKOFF KLINIK

Private Fachklinik für plastische Chirurgie

Fort Malakoff Klinik Mainz • Rheinstraße 4K

D-55116 Mainz • Tel. +49 (0) 61 31-14 67 67

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Schonende und effektive Behandlung

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Schonend und sicher - Strahlentherapie bei Prostatakrebs

Die häufigste Krebserkrankung bei Männern ist das Prostatakarzinom. Wird diese Erkrankung festgestellt, stehen sehr effektive Behandlungsmöglichkeiten,

wie z. B. die Strahlentherapie zur Verfügung. Wirtschafts-News sprach mit der erfahrenen Strahlentherapeutin Dr. med Ute Metzmann:

Wirtschafts-News: Frau Dr. Metzmann, ab welchem Lebensalter ist ein Prostatakarzinom

wahrscheinlich?

Dr. U. Metzmann: Im Durchschnitt erkranken Männer um das 70. Lebensjahr

an einem Prostatakarzinom. Wie bei jeder Statistik gibt es aber auch hier Abweichungen

nach oben und nach unten. Obwohl diese Erkrankung vor dem

50. Lebensjahr eher selten ist, kommt es auf die familiäre Disposition an. Daher

sollte die Vorsorge bereits ab dem 40. Lebensjahr durchgeführt werden.

Wirtschafts-News: Wie sieht es mit den Heilungschancen aus?

Dr. U. Metzmann: Wird der Tumor in einem frühen Stadium erkannt, sind die

Heilungschancen sehr hoch. Die Erkrankung beschränkt sich dann noch auf

die Prostata und hat sich noch nicht auf andere Organe ausgebreitet. In sehr

frühen Stadien wird das Prostatakarzinom zunächst überwacht. Bei regelmäßigen

Untersuchungen wird dann der PSA-Wert kontrolliert.

Wirtschafts-News: Wann ist eine Behandlung nötig?

Dr. U. Metzmann: Ist der PSA-Wert gestiegen, wird entweder eine Strahlentherapie,

Operation oder Hormonbehandlung durchgeführt. Auch nach einer

Operation kann zusätzlich eine Strahlentherapie angezeigt sein. Dies ist dann

der Fall, wenn der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte oder er eine

gewisse Größe überschreitet.

Wirtschafts-News: Wie sicher ist die Strahlentherapie?

Dr. U. Metzmann: Bei der Strahlentherapie handelt es sich um eine sehr bewährte

und erfolgreiche Methode bei der effektiven Behandlung von Prostatakrebs.

Moderne Linearbeschleuniger verfügen über Techniken, die es ermöglichen,

die Strahlendosis gezielt im erkrankten Gewebe zu platzieren und

umliegende Organe weitgehend zu schonen. Die Strahlentherapie umfasst ca.

sieben Wochen mit 36 Behandlungstagen. Die einzelne Bestrahlung dauert

nur wenige Minuten und die Patienten sind in ihrem Alltag wenig eingeschränkt.

Wirtschafts-News: Und mit welchen Nebenwirkungen muss gerechnet werden?

Dr. U. Metzmann: Im Vergleich mit der Operation ist das Inkontinenzrisiko bei

der Strahlentherapie gering. Zudem sind die Patienten seltener von Erektionsstörungen

betroffen. Dennoch ist auch die Strahlentherapie nicht komplett

nebenwirkungsfrei. Beispielsweise können entzündliche Reaktionen von

Darm, Blase und Harnröhre auftreten, die sich in den meisten Fällen jedoch

wieder zurückbilden.

Im Überblick –

perkutane (von außen) Strahlentherapie bei Prostatakrebs:

IMRT/VMAT (intensitätsmodulierte Radiotherapie) – Die IMRT und VMAT

kommen zum Einsatz bei hohen Bestrahlungsdosen, die nahe an empfindlichen

Organen appliziert werden müssen. Dank dieser Techniken ist es möglich,

die Verteilung der Strahlendosis auf die Tumorregion zu konzentrieren.

IGRT (bildgesteuerte Strahlentherapie) – Während der Bestrahlung werden

Kontrollröntgen – oder CT-Bilder (CT = Computertomografie) erstellt.

Mögliche Verschiebungen, Lage- oder Größenänderungen des Tumors können

so erkannt werden und die Bestrahlung kann sofort angepasst werden.

Standort Mainz

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Standort Bad Kreuznach

Mühlenstraße 39a

55543 Bad Kreuznach

am Krankenhaus St. Marienwörth

Tel: 06 71 / 92 06 58-0

Dr. med. Ute Metzmann

Strahlentherapie RheinMainNahe

Neues, innovatives Bestrahlungsgerät - Halcyon Linac

Bildquelle: Strahlentherapie RheinMainNahe,

Urheber: Das Atelier, Gawlyta-PR

Therapien in den Praxen der Strahlentherapie RheinMainNahe:

Behandlung von Krebs, z.B. Brust-, Prostata-, Darm- und Lungenkrebs. Behandlung gutartiger

Erkrankungen, z.B. Fersensporn, Tennisellenbogen und aktivierte Arthrosen.

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64

Zu Besuch bei Kamilla

Kinder sind impulsiv, lassen sich von Gefühlen leiten und leben im Moment. Das macht das Leben mit

ihnen so schön – die Bewältigung bestimmter Termine aber ziemlich anstrengend. Der Zahnarztbesuch

ist ein typischer Termin, dem Kinder und Eltern in der Regel wenig freudig entgegensehen. Dass es auch

ganz anders gehen kann, zeigt ein Besuch in der Praxis für Kinder- und Jugendzahnheilkunde Kamilla von

Dr. med. dent. Sandra Goedecke.

Die Begrüßung ist herzlich, die Atmosphäre

freundlich und hell. Fantasievolle Wandbilder

und eine lebensgroße Kamillafigur, Känguru und

Praxismaskottchen, lenken Augen und Gedanken

der Kinder weg von Thema „Zahnarztbesuch“

und sorgen für Entspannung. Zu dem Leistungsspektrum

der Praxis gehört das gesamte Programm

moderner Kinder- und Jugendzahnheilkunde

– und noch ein bisschen mehr:

Prophylaxe für Schwangere, Desensibilisierung

und die Einbeziehung der „sprechenden Medizin“

beispielsweise.

Freude an der Behandlung von Kindern

Zahnärztin Dr. med. dent. Sandra Goedecke

passt in die heitere Umgebung ihrer Praxis. Sie

trägt ein orangenes Poloshirt, hat ein offenes

Lachen und eine entspannte Art. Ob sie denn

auch gute Nerven habe,

wollen wir wissen, doch

die Zahnärztin winkt

ab: „Die Arbeit mit

Kindern erfordert

nicht in erster Linie

gute Nerven. Man

braucht Freude daran

und einen Zu-

gang zu jedem

einzelnen, denn kein Kind gleich dem anderen.

Manche sind sehr offen, andere brauchen viel

mehr Zuspruch.“ Dr. Sandra Goedecke ist selbst

Mutter, weiß also gleich aus zwei Quellen, wovon

sie redet. Schon bald nach dem Studium

an der Universität Mainz habe sie sich auf die

Kinder- und Jugendzahnheilkunde spezialisiert

und ihrem Leben damit die entscheidende Richtung

gegeben, erzählt sie weiter. Eine Richtung,

der sie mit Freude weiter folgt, denn sie könne

sich, wie sie selbst sagt, kein besseres Arbeitsumfeld

vorstellen, als die Praxis, in der sie zusammen

mit zwei Kolleginnen sowie vier jungen

Praxisangestellten die kleinen Patienten

versorgt.

Die Angst vergeht –

der Zauber der Worte bleibt

Zahnärztinnen und Angestellte treten in der

Praxis Kamilla allen Kindern sensibel entgegen

und insbesondere sehr ängstliche Kinder profitieren

davon. „An dem Zahn hängt ein Mensch,

das darf ein Zahnarzt nie vergessen“ bringt Dr.

med. dent. Sandra Goedecke ihre Einstellung

lächelnd auf den Punkt. Die „sprechende Medizin“,

einem Konzept, das auf Kommunikation

zwischen dem Patienten und dem Arzt setzt,

ist deshalb bedeutsamer Bestandteil ihrer Be-

Dr. med. dent. Sandra Goedecke


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Das gibt es außerdem

NEUE BEHANDLUNGSMETHODE:

- Zahnbehandlung mit Laser -

Zu Ihrer SICHERHEIT:

· arbeiten wir nach einem

strikten Hygienekonzept

· ist das ganze Team geimpft

· ist die Praxis mit speziellen

Luftfiltergeräten ausgestattet.

bei Kamilla:

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Indoor-Spielplatz neidisch würde

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· einen Zauberstab und Seifenblasen!

U nd fü r die El t er n ga nz vi el e

Tipp s ru nd u ms T h ema

sinnvolles Naschen.

65

handlung. Bei Kamilla werden die Kinder bei

der Behandlung einbezogen und ihnen auf

spielerische Art das, was in ihrem Mund passiert,

erklärt. Denn Wissen nimmt Ängste und das

vor allem bei Kindern. Und: Wissen schafft Gesundheit.

Deswegen bietet Kamilla verschiedene

Behandlungen für Schwangere an, denn

bereits vor der Geburt kann man zur späteren

Zahngesundheit seines Kindes entscheidend

beitragen. Bei Kamilla sind eben alle Kinder von

0 bis 16 Jahren bestens aufgehoben.

Kinderzahnarztpraxis Kamilla

Dr. med. dent. Sandra Goedecke

Emmerich-Joseph-Straße 1 A – 55116 Mainz

tel: 0 61 31 / 22 22 93 – fax: 0 61 31 / 2 50 09 56

info@zauberhaftes-lachen.de

www.zauberhaftes-lachen.de

Redaktion: A.W.

Fotos: Kamilla

Öffnungszeiten (Termine nach Vereinbarung!)

Montag: 14:00 – 19:00 Uhr

Di., Mi., Do.: 09:00 – 13:00 Uhr & 14:00 – 18:00 Uhr

Freitag: 09:00 – 14:00 Uhr


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Systemisches Coaching

für Menschen und Unternehmen

Pflanzen haben ein ausgereiftes Netzwerk und betreiben eine schützende und wachstumsfördernde Kommunikation.

Ihr Dialog entsteht über ihre Wurzeln und dem damit verbundenem Pilzgeflecht. Botenstoffe werden

so weitergeleitet und dienen als Indikator z. B. für Schädlinge, Feuchtigkeit oder Dürre. So unterstützen sich die

Pflanzen gegenseitig und erhöhen stetig ihr Wachstum. Biologen und bezeichnen dieses natürliche Internet als

Wood Wide Web.

Wie gut ist das Netzwerk in Ihrem Unternehmen?

Unterstützen sich Ihre Mitarbeiter? Wie sieht es

mit der emotionalen Bindung zum Unternehmen

aus? Erwiesenermaßen zeichnet diese sich durch

motiviertes, zielführendes und effizientes Arbeiten

aus.

Mit ihrem Coaching sorgt Daniela Schäfer dafür,

dass das Netzwerk im Unternehmen (wieder)

funktioniert und die emotionale Bindung ans

Unternehmen wächst. Sie

analysiert, findet Konzeption

nach Augenmaß und begleitet

mit Herz und Verstand.

„Mit "change your perspective" spricht Daniela ein

zentrales Thema an, was nicht nur im Unternehmenskontext

wichtig ist, sondern auch auf der

persönlichen Ebene. Mit Ihrer lockeren aber verbindlichen

Art hat Sie uns aufgezeigt, wie man

Konfliktsituationen vermeidet und dabei persönliche

Beziehungen stärkt.“

– Matthias Kehl,

Geschäftsführer ORGA-SOFT Mainz

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Wunderbares Lesefutter

Donya Gilan,

Isabella Helmreich,

Omar Hahad

Resilienz

Die Kunst der Widerstandskraft

Was die Wissenschaft dazu sagt

Frisches Lesefutter erfreut aufgegabelt

in Rheinland-Pfalz und Hessen.

Unsere Redakteurin Sam entdeckt für Sie

interessante Bücher von Autorinnen und

Autoren aus der Region.

In der Neuerscheinung „Resilienz – die

Kunst der Widerstandskraft. Was die Wissenschaft

dazu sagt“ nehmen die Psychologin

Dr. Donya Gilan, die Psychologische

Psychotherapeutin Dr. Isabella Helmreich

und der Stressforscher Dr. Omar Hahad

die Leser:innen mit auf eine spannende

Reise rund um den Begriff Resilienz. Denn

die Fähigkeit zur Bewältigung schwieriger

Lebensverhältnisse und Krisen ist in unserer

herausfordernden Zeit nötiger denn

je. Im Gepäck des Autorenteams befindet

sich dabei die ganze Kompetenz aus ihrer

Arbeit am Leibniz-Institut für Resilienzforschung

(LIR) in Mainz.

Aufbruch der Entdeckungstour ist bei der

Mutter aller Wissenschaften, der Philosophie.

Die Autor:innen zeigen zunächst, dass

die Ideen über die Fähigkeit, die heute mit

Resilienz beschrieben wird, bereits Jahrhunderte

alt sind und dass die Frage, wie wir

als Menschen unser Leben gut bewä ltigen

kö nnen, eine lange Tradition hat.

Nach dem Kurztrip durch knapp 2500 Jahre

abendlä ndisches Gedankengut wenden

sich die Autorinnen den Ursprü ngen der

Forschungsgeschichte zu und erörtern den

Begriff Resilienz. Es folgt eine Beleuchtung

der Pionierstudien bis hin zum aktuellen

Forschungsgeschehen. Anhand eingängiger

Praxisbeispiele wird aufgezeigt, wie

Resilienzfaktoren helfen kö nnen, besondere

Herausforderungen des Lebens zu

meistern und Krisen als Chancen zu sehen:

„Manche einschneidenden Erlebnisse verändern

dein Leben! Zum Guten!“.

Auch die spannenden Fragen, inwiefern wir

Opfer unserer Gene sind, wie die Umwelt

uns beeinflusst und welche Möglichkeiten

der Handlungsfreiheit wir haben, kommen

dabei nicht zu kurz. Eingehend wird der aktuelle

Forschungsstand zu den Resilienzfaktoren

dargestellt und das Potenzial des

Resilienztrainings betrachtet. Denn Resilienz,

so die Autor:innen, „ist nicht nur ein

individuelles Thema, sondern ein mehrdimensionales,

institutionelles und gesellschaftliches“.

Das Werk übersetzt gelungen wissenschaftliche

Forschung in praktische Resilienz

und zeigt dabei sowohl Möglichkeiten

als auch Grenzen auf. Der attraktive Einstieg

und die leicht verständliche Sprache

machen Spaß an Wissenschaft und am

Lernen über die eigenen Möglichkeiten

sowie die Chancen von Unternehmen und

Gesellschaft.


„Das Grundrü stzeug fü r Resilienz

und den Umgang mit den Widrigkeiten

des Lebens ist eine gute

Stressbewä ltigung.“

69

„Angesichts der Komplexität

von Krisen und Umbrüchen sind

Individuen und Gesellschaften

aufgefordert, eine kollektive

bzw. gesellschaftliche Resilienz

zu entwickeln.“

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„Prämisse sei aber, ‚dass die jetzt ergriffenen Maßnahmen

nicht lediglich auf eine möglichst schnelle Wiederherstellung

des status ex ante abzielen, sondern eine weitsichtige und

nachhaltige Weiterentwicklung unserer Wirtschafts- und

Gesellschaftssysteme vorangetrieben wird‘.“

„Heute mehr denn je sind wir alle aufgefordert, die Fähigkeiten,

Rahmenbedingungen und Werte neu zu denken, die nötig sind, um

den existenziellen Wandel durch Umweltveränderung und soziale

Krisen zu bewältigen. Demokratie, Partizipation und Autonomie

sind dabei die zentralen Grundpfeiler.“

„Mehr als ein Modewort: Resilienz“ – die Autorinnen

im Gespräch mit der Wirtschafts-News auf Seite 20


Johanns VeloWelt

70

„Es rollt.”

Über gute Arbeit

Der Begründer des Begriffs „New Work“, Frithjof Bergmann, ist diesen Mai mit 91 Jahren verstorben. Er

wurde nicht müde, immer wieder zu betonen, dass man Arbeit tun sollte, „die man wirklich, wirklich will“.

Dass es sich lohnen kann, seine Ziele immer wieder zu überprüfen und sich neue Dinge zuzutrauen –

dafür ist Johanns VeloWelt ein gutes Beispiel.

Es sind meist auffällig kreative Menschen, deren

Geschäfte den gewissen Charme besitzen, der

den Ladenketten fehlt. Ihre Lebensgeschichte

ist von Resilienz und Weiterentwicklung geprägt.

Faktoren, die helfen, sich Berufswünsche erfüllen

zu können, die man wirklich, wirklich hat.

Johann Krafferts Anfangsidee von einem eigenen

Unternehmen in 2014 war: eine Arbeit mit Sinn,

in der die Begeisterung für eine Sache – dem

Fahrrad – mit Nachhaltigkeit verknüpft ist. Heute

bietet er in seinem Ladengeschäft in Kostheim

vom gebrauchten (Vintage-)Rad über das neue

E-Bike bis zu Reparaturen und Inspektionen auch

Restaurierungen sowie

Auf - und Umbau nach

Wunsch an. „Das ist

mein Traum“, erzählt er, „das Fahrrad

hat mich schon das ganze Leben lang

begeistert“.

„Das ist mein Traum.”

Der gewählte Unternehmensname

stieß allerdings zu Beginn auf

manche Kritik. „Das klingt viel

zu groß, da denkt man ja, da

steckt sonst etwas dahinter“,

bemängelte der Grafik-Designer,

der das Logo entwickeln sollte.

Aber gemäß dem Motto „Ich mach‘ mir die Welt,

wie sie mir gefällt“, taufte Johann die vorerst

nur 35 qm große Ladenfläche Johanns VeloWelt.

Aus den wenigen Quadratmetern wurden bald

zwei nebeneinanderliegende Läden an der Kostheimer

Hauptstraße

plus einer großen

Scheune im dahintergelegenen

Hof, in der zahlreiche Gebrauchträder

Platz finden. Die derzeitige Auftragslage

ließe sogar eine weitere Vergrößerung zu, erzählt

Johann. Er möchte seinen Laden jedoch gut im

Blick behalten und wägt sorgfältig die eventuell

nächsten Schritte ab.

„Das klingt viel zu groß”

Seinen Traum zu verwirklichen, hat Johann

mehrere Male gewagt, „denn Bedürfnisse ändern

sich mit Umständen, Erkenntnissen und auch

Möglichkeiten“. Die letzte berufliche Veränderung

geschah sogar „eher aus einer Notsitua-

tion“. Lange wisse man jedoch nicht wirklich,

was man will und wird von Meinungen

gesteuert, was denn gut für einen sei.

Der österreichisch-amerikanische Philosoph,

Frithjof Bergmann, würde diesem

Gedanken zustimmen. „Viele denken,

das Wollen der Menschen sei selbst-

„Räder verkaufe ich nur, wenn sie auch wirklich passen.

Da schaue ich genau hin.“ – Johann Kraffert (67) gibt die

Arbeit viel Energie, sodass er nicht vorhat, aufzuhören –

er hätte ja gerade erst angefangen, sagt er.


verständlich, aber ich behaupte das Gegenteil.“

Sein Konzept geht davon aus, dass die Menschen

nicht wissen, was sie wollen. „Das ist ein großer

Unterschied zu der Annahme, dass das

selbstverständlich

„Arbeit vermag uns auch

Energien zu schenken,

die zu besitzen wir uns nie

hätten träumen lassen.”

ist.“ Dem Begründer

des Begriffs

„New Work“ war

jedoch das Wissen

um das, „was

man wirklich,

wirklich will“ die Voraussetzung für eine neue

(Arbeits-)Kultur und bessere Gesellschaft. „Eine

Arbeit kann uns verkrüppeln und uns sogar

umbringen, aber das ist nur eine Möglichkeit.

Arbeit vermag uns auch Energien zu schenken,

die zu besitzen wir uns nie hätten träumen

lassen", verlautete er.

„Den meisten Menschen fehlt dieser Wegweiser.

Sie wissen erst gar nicht, wo sie anfangen

sollen, und geben deshalb schon vor Beginn

der Reise auf. Sie lassen sich einfach von der

Strömung tragen,

anstatt selbst den

Kurs zu bestimmen“,

erklärte jüngst John

Strelecky in einem Interview mit dem Harvard

Business manager. Der ehemalige Strategieberater

für Unternehmen und Bestsellerautor

(The Why Cafe, The Big five for Life – Leadership’s

greatest Secret, u. A.) hat mit seinem Team ein

Seminarkonzept entwickelt, das sich an Erwachsene

und Teenager sowie Unternehmer zur

Entwicklung von Lebens- bzw. Unternehmenszielen

wendet. Ein zentraler Gedanke ist das Erkennen

des eigenen Zwecks der Existenz (ZDE)

und diesen mit der Arbeit in Einklang zu bringen.

Dasselbe gelte für Unternehmen.

„Den meisten Menschen

fehlt dieser Wegweiser.”

Johanns Reise zur VeloWelt führte ihn in der

Tat durch viele Existenzfragen. „Das Leben ist

ein Prozess, in dem du mitbestimmen kannst,

aber oft auch Unterstützung

brauchst und

Glück hast“, erzählt er.

Der Beginn von Johanns

Fahrrad-Leidenschaft

liegt weit in den 70er-

Jahren. Mit 13 Jahren fing er an, Straßenrennen

zu fahren, sehr erfolgreich. 5 Jahre fuhr er in

der B- und A-Jugend auf Bundesebene mit Didi

Thurau. „Der blonde Engel“, erinnert sich Johann,

„als der die Tour de France gefahren ist – da

„Das Leben ist

ein Prozess, in dem du

mitbestimmen kannst”

bekomme ich heute noch Gänsehaut“. Er selbst

wollte aber nicht in diese Richtung. „Ich hatte

zu viele andere Interessen.“

Johann studierte Sport und Politik bis es ihn

doch in das Handwerk zog und er „den schönen

Beruf des Schreiners“ lernte. Viele Jahre war er

erfolgreich freiberuflich – zuerst als Bühnenhandwerker,

dann als Bühnenmeister – für

öffentliche Fernsehsender tätig. Den Meister

für Veranstaltungstechnik besaß er mittlerweile

auch, den Sinn seiner Arbeit hinterfragte er

jedoch immer öfter. „Ein ökologisches Desaster,

Bühnen werden für Millionen gebaut und landen

im Müll“, sagt er heute rückblickend, dazu

käme eine Menge Stress.

Der berufliche Veränderungswunsch und der

Zufall brachten Johann zu einer Anstellung als

Fahrradtrainer für Grundschulen. Mehrere Jahre

untersuchte er dabei das gesamte Straßennetz

der Innenstadt Wiesbaden darauf, ob es

„dem Fahrrad war ich die

ganze Zeit immer viel näher

als anderen Dingen”

71


72

für ein Befahren durch Kinder mit dem Rad

taugt. Heraus kamen die „Schleichwege“ für den

sicheren Schulweg (www.schulsportverein.de/

schleichwege). Daneben gab er Mountain-Bike-

Trainings für ältere Schüler, Sportunterricht für

AGs und bildete sich zum Qigong-Lehrer fort.

In dieser Zeit kam die Idee des Gebrauchtfahrradhandels

mit Reparatur-Service, denn „dem

Fahrrad war ich die ganze Zeit immer viel näher

als anderen Dingen“. Zudem wollte er etwas

zur Nachhaltigkeit beisteuern. „Ein gutes Fahrrad

hält gepflegt ewig!“

Seit einiger Zeit bietet Johann auch E-Bikes der

ausgewählten holländischen Marke QWIC an,

„um immer mehr Leute auf das Rad zu bringen.

Besser mit dem E-Bike nach Mainz oder Wiesbaden

in die Stadt

„Besser mit dem E-Bike

nach Mainz oder

Wiesbaden in die Stadt

als mit dem Auto!”

als mit dem Auto!“,

lautet sein Appell.

Das sei im Sinne der

Umwelt und der

Gesundheit, denn

auch beim E-Bike

fahren werde das Herz-Kreislaufsystem in

Schwung gebracht. „Die neue Mobilität“ weiß

er, „macht Sinn und wird in den nächsten Jahren

noch zunehmen. Dem Bedarf an E-Bikes

bin ich aus Überzeugung gefolgt“. Und da mag

er sehr richtig liegen: Nachdem die Automesse

IAA den traditionsreichen Standort Frankfurt

verlassen hat, zieht nun die Fachmesse Eurobike

im Juli 2022 vom Bodensee an den Main.

Auch – und vor allem – aus Platzgründen.

Corona hätte die Leute vermehrt auf das Rad

gebracht. Infolgedessen stieg die Anzahl der

Hauptstraße 85

55246 Mainz-Kostheim

Tel.: 06134 2401010

www.johannsvelowelt.de

info@johannsvelowelt.de

Reparaturaufträge merkbar, erzählt Johann. Räder

würden in der VeloWelt nur verkauft, „wenn

sie auch wirklich passen“. Hier schaut er genau

hin. Die Stammkundschaft wachse dabei stetig,

„jeder, der mal bei uns war, kommt immer wieder“.

Die Werkstatt konnte auch während Corona

weiterbetrieben werden und somit war das

letzte sogar Johanns bisher bestes Geschäftsjahr.

„Es rollt“, stellt er zufrieden fest.

Im Dialog über die Zukunft der Arbeit geht es

nicht nur um ein Arbeiten in den neuen Produktionswelten

der Industrie 4.0. Es geht auch um

„gute Arbeit“, die Menschen dient – und weder

sie noch die Umwelt ausbeutet. „Zuverlässig Geld

verdienen mit etwas, das einem wirklich liegt

und gleichzeitig sich selbst dabei immer besser

zu gestalten – ein Thema, über das wir ein ganzes

Wochenende reden könnten“, sagt Johann

– und eines der Themen, die sicherlich dringend

zur allgemeinen Bildung gehören.

Sam

Fotos: Inga Steeg

Räder verkauft Johann nur,

„wenn sie auch wirklich passen”

„gute Arbeit”,

die Menschen dient

Johann ist autorisierter Fachhändler für E-Bikes von QWIC. In den letzten Jahren wurden zahlreiche QWIC-E-Bikes von

unabhängigen Testinstituten zu den besten E-Bikes des Jahres gewählt.


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Neue Flexibilität für temporäre Räume

ISIDesign®TrennWand – das TrennwandSystem für alle Fälle

73

Wer in einer Bestandsimmobilie kurzfristige räumliche

Veränderungen plant oder langfristig bei der Raumnutzung

flexibel bleiben will, landet zwangsläufig bei mobilen Trennwandsystemen.

Die patentierte und am Markt etablierte

Innovation ISIDesign®TrennWand der Isinger+Merz GmbH

in Wiesbaden-Nordenstadt passt zu allen Sanierungs- und

Umbaumaßnahmen in Büros, Kliniken, Schulen, Flughäfen

oder Bahnhöfen und ist ebenso ideal für Pop-up-Stores,

Shop in Shop-Projekte, Messen, Events und Kongresse.

Gesparter Aufwand heißt

gesparte Kosten

Äußerst vorteilhaft sind die geringen

Planungszeiten und die rasche Realisierung,

ohne Verzicht auf ästhetische

Qualität und funktionelle Vielfalt. ISIDesign®TrennWand

wird ohne Bodenanker,

ohne Verspachtelung und Verfugung,

also ohne Staub, Schmutz und lange

Trocknungszeit, nahezu geräuschlos

montiert. Im Vergleich zur herkömmlichen

Trockenbauweise lässt sich die Bauzeit

um über 50% reduzieren.

Individuelle Sonderwünsche sowie

nutzerspezifische Erweiterungen

Neben den vorgefertigten ISIDesign®

TrennWand-Standard-Elementen in bewährten

Rasterformaten werden in den

weitläufigen Werkstätten in Wiesbaden

auch beliebige Sonderwünsche einbaufertig

vorbereitet. Nutzerspezifisch erweitert

wird das Einsatzspektrum durch

modulare Zusatzelemente. Vitrinen,

Tische, Sideboards, Prospektregale, Fenster,

Türen, hinterleuchtete Grafikflächen

oder raffinierte Licht-Designs unterstützen

die praktische und optische Individualisierung.

Optional auch integrierte

Medientechnik

Leistungsfähige Medientechnik vom

Touchscreen bis zum Großbild-Monitor

machen ISIDesign®TrennWand sogar zum

medialen Alleskönner. Das ist bereits

TV-Studio-erprobt, nutzt aber auch jedem

klassischen Bürobetrieb. Eine Auskleidung

der Hohlräume mit Dämmvlies reduziert

den Schalldurchgang, während geschlitzte

Platten oder mikroperforierte Metallpanels

die Schallreflektion regeln und so

die Raumakustik optimieren.

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Mit dem Einsatz der ISIDesign®TrennWand

handelt der Bauherr aktiv umweltbewusst.

Weder Umbau noch Rückbau hinterlassen

Bauschutt, Entsorgungskosten fallen

nicht an. ISINGERMERZ bietet das

System wahlweise zur Miete, zum Kauf

oder in einer kostenoptimierten Leasingvariante

an und führt optional die kompletten

Montage- und Demontagearbeiten

durch, bei Bedarf einschließlich

professioneller Zwischenlagerung.

Redaktion: S. K.

Fotos: IsingerMerz

Trennwandmieten.de • Eine Marke der Isinger + Merz GmbH • Siemensstraße 13 • 65205 Wiesbaden • tel: 0 61 22 / 9099-500

info@trennwandmieten.de • www.trennwandmieten.de


74

Helfen um zu trösten

24 Stunden präsent – an 365 Tagen im Jahr

Wie die Geburt, so ist das Sterben untrennbar mit unserem Dasein verbunden. Das allgemeine

Wissen darum hilft im Trauerfall oft wenig weiter. Es ist unfassbar, wenn die Eltern,

Ehepartner, Großeltern, Freunde oder sogar das eigene Kind sterben. Schock und Trauer

setzen uns zu. Wie kommen wir mit unserem Schmerz zurecht? Wo finden wir Unterstützung

und Verständnis und in welche Hände wollen wir die anstehende Bestattung legen? In solch

schwierigen Zeiten braucht es Menschen, die empathisch entgegenkommen und professionell

unterstützen.

„Helfend zur Seite stehen, empathisch Trost

spenden und gleichzeitig professionell agieren“,

so beschreibt Paul Sulfrian senior die

hohen Anforderungen an seinen

Berufsstand. Gemeinsam

mit seinem Sohn Paul junior

und dessen Ehefrau Fabienne - beide Bestattermeister

- führt er seit 25 Jahren das

gleichnamige Alzeyer Bestattungsinstitut:

auf Abruf präsent, 24 Stunden an 365 Tagen

im Jahr.

Empathie und Professionalität

„Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt nicht

nur auf der handwerklichen Seite der Bestattung,

sondern ebenso in der Begleitung

der Hinterbliebenen. Wir wollen ihnen in

der schwierigen Zeit Hilfe und Stütze sein,

sie bei ihrem persönlichen Umgang mit Tod

und Trauer unterstützen“, erklärt Paul Sul-

„Wir denken an alles“

frian junior die Philosophie des Familienbetriebs.

Die Trauernden bei jeglichen Formalitäten

zu entlasten, mit ihnen Form und

Ablauf der Bestattung zu

besprechen und sie gegebenenfalls

auch in ihrer Trauer,

über die Bestattung hinaus, ein Stück weit

zu begleiten, gehören dabei zu den wichtigsten

Angeboten und Aufgaben des Hauses.

„Wir denken an alles.“

Das ausgeprägte Berufsethos, mehr als

fünfundzwanzig Jahre Praxiserfahrung von

Paul Sulfrian senior, seine vorausgegangene

Tätigkeit Rechtspflege, die Expertise von

Sohn und der Schwiegertochter sowie weiterer

qualifizierter Mitarbeiter – all das

stelle die Basis des Betriebes dar, welche

höchste Qualität ermöglicht. „Wir kümmern

uns um Erd-, Natur- und Feuerbestattungen,

stehen aber auch für individuelle For-


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men wie See- oder Diamantbestattungen

zur Verfügung“, führt der junge Bestatter

weiter aus.

Wohin mit der Trauer?

Mit dem „Haus der Begegnung“, einer stilvollen

Gründerzeitvilla in der Alzeyer Weinrufstraße

mit künstlerisch gestalteten

Innenwänden, hat die Familie Sulfrian der

Trauerkultur einen eigenen Ausdruck gegeben.

Die Räume strahlen Ruhe und Geborgenheit

aus. „Es sind Orte, an denen

Trauer sein darf“, so Paul Sulfrian senior.

Regelmäßig stattfindende Gesprächskreise

für Trauernde, Einzelbegleitung für Erwachsene,

Kinder und Jugendliche sowie

kulturelle Veranstaltungen runden das Bild

im „Haus der Begegnung“ ab - derzeit

selbstverständlich im Rahmen einer verantwortungsvollen

Umsetzung pandemiebedingter

Vorsichtsmaßnahmen. Für diese

Angebote steht der Diplompädagoge Dr.

Claus Maywald als ausgebildeter Trauerbegleiter

und angehender Fachberater für

„Orte, an denen Trauer

sein darf.“

Psychotraumatologie zur Verfügung. Auf

Wunsch übernimmt er auch die Aufgabe,

zusammen mit den Betroffenen eine passende

Trauerrede zu verfassen.

Unter der Voraussetzung, dass die Bekämpfung des Covid

19 auf Dauer erfolgreich ist, plant das Bestattungsinstitut

Sulfrian im Haus der Begegnung ab September

2021 sowohl seine Trauerangebote als auch seine kulturellen

Veranstaltungen wieder aufzunehmen.

Gesprächskreise für Trauernde

Die erste Runde des offenen wie auch des geschlossen

Gesprächskreises findet nach den Sommerferien am 2.9.

(offener GK) und am 16.9. (geschlossener GK) wieder statt.

Kulturprogramm im Haus der Begegnung

Vorschau 2021 und 2022

OKTOBER 2021

Wir feiern das Mexikanisches Totenfest

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Grundschule

Gau-Odernheim

DEZEMBER 2021

Weihnachtliches Musikprogramm

Hauskonzert mit dem Pianisten Wolfgang Nieß

MÄRZ 2022

Black Stories

Lesung mit dem Autor Jens Schuhmacher

75

Redaktion: S. K.

Fotos: Bernhard Oehler

BESTATTUNGSINSTITUT

SULFRIAN

365 Tage/24 Stunden

telefonisch erreichbar unter 06731 2564

55232 Alzey, Haus der Begegnung, Weinrufstraße 16

55239 Gau-Odernheim, Mainzer Straße 28

55597 Wöllstein, Ernst-Ludwig-Straße 14a

55283 Nierstein, Sironastraße 1

55286 Wörrstadt, Friedrich-Ebert-Straße 79

Haus der Begegnung Sulfrian in Alzey

E-Mail:

Webseite:

info@sulfrian-bestattungen.de

www.sulfrian-bestattungen.de


76

Ein Eigenheim in

Vollholz

Gut bedacht seit 1908 - die Zimmerei Degreif im rheinhessischen Stadecken-Elsheim blickt auf eine

langjährige Erfahrung zurück. Das Leistungsspektrum geht weit über den klassischen Dachstuhl hinaus.

Baubiologische und ökologische Aspekte gewinnen zunehmend an Bedeutung. Derzeit errichtet

man ein komplettes Einfamilienhaus in Vollholz.

Die mit der Planung und betraute Architektin

Petra Wiesner-Molitor beschreibt die Besonderheiten

des Projekts: „Es handelt sich um ein

individuell geplantes Vollholz-Haus des Südtiroler

Herstellers holzius“. Durch die Verwendung

von unverleimtem Holz in seiner Ursprünglichkeit

verbaue man praktisch keine Schadstoffe.

Somit sei der Grundstein für wohngesunde

Räumlichkeiten gelegt. Die natürliche Holzoberfläche

wirke ausgleichend bei Feuchtigkeit und

Hitze, sie strahle Wärme und Behaglichkeit aus.

Mit der Natur verbunden

Der Name holzius steht für konsequent ökologisches

Bauen mit Vollholz. Am Sitz des Herstellers

in Prad am Stilfserjoch setzt man auf

die Kraft der Natur, Nachhaltigkeit wird dort

vorbildlich gelebt. Die Produktion der

metall- und leimfreien Präzisions-Ele-

mente erfolgt ausschließlich mit turbelassenem, PEFC-zertifiziertem

nar-

Holz aus dem Alpenraum und berück-

sichtigt das Prinzip der Kreislaufwirtschaft. So

versteht es sich von selbst, dass die Elemente

zu 100 Prozent recyclebar sind.

Patentierte leim- und

metallfreie Konstruktion

„Traditionelle handwerkliche Verfahrensweisen

werden hier mit neuen Techniken kombiniert“,

lobt die Architektin die spezielle Konstruktionsweise

des von holzius entwickelten und patentierten

Vollholz-Bausystems. Die Verbindung der

massiven Holzelemente mittels Gratleisten

stehe für eine ganzheitlich durchdachte statische

und qualitativ hochwertige Lösung. Darüber hinaus

lasse sie dem Bauherrn Raum für vielseitige

Gestaltungsvarianten.

Versierter Handwerksbetrieb erforderlich

„Die vorgefertigten Vollholzelemente werden

passgenau auf die Baustelle geliefert, der Rohbau

kann innerhalb weniger Tage montiert wer-

Thorsten Degreif


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„Wir wollen gesunde Wohnräume

schaffen und intakte Lebensräume

erhalten. Auf diese Weise bringen

wir Mensch und Natur zusammen.”

77

holzius-Gründer und -Geschäftsführer

Herbert Niederfriniger

den“, so die Architektin Petra Wiesner-Molitor.

Jedes Gebäude sei dennoch als handwerkliches

Unikat anzusehen. Egal wie gut etwas vorab

durchdacht und geplant wurde, stehe und falle

die Qualität immer mit der Ausführung der beteiligten

Handwerker. Der Holzmassivbau bringe

spezifische Herausforderungen mit sich, die

kreativ an der Baustelle gemeistert werden

müssen. Gefragt sei ein hohes Maß an Begeisterung

für Innovationen, Leidenschaft für das

Zimmermannshandwerk sowie die Liebe zum

Baustoff Holz. Dies habe die Mannschaft der

Zimmerei Degreif von Anfang an in vorbildlicher

Weise eingebracht.

red s.k

www.holzius.com

Fotos:

Petra Wiesner-Molitor - Architektin, BDB und Baubiologin

www.ars-tectandi.de

Zimmerei Degreif • Thorsten Degreif • Kreuznacher Straße 21 • 55271 Stadecken-Elsheim • Tel.: 0 61 36 / 28 23

info@zimmerei-degreif.de • www.zimmerei-degreif.de


78

Gemeinsam stark an der Spitze

Wie Unternehmer-Paare in belastenden Situationen wachsen

Schritt 1:

Schritt 2:

Auszeit nehmen

und Ressourcen entdecken

Selbstführung erforschen

und Gestaltungskraft erhöhen

Schritt 3: Mut fassen und

Entscheidungen treffen

Schritt 4:

Schritt 5:

Experimente wagen und

Lösungen finden

Wachstum erleben und

Zukunft angehen

Im zweiten Teil ging es um Zwickmühlen-Situationen

und innere Ambivalenzen, wie man als

Chef Wege für sich findet, um aus der Ruhe

heraus zu agieren, und wieso ein Eingehen auf

die eigenen Bedürfnisse sich positiv auf das

Unternehmen auswirkt.

Hoffnung und Zuversicht machen mutig

Ein positiver Ausblick auf die Zukunft bringt heraus

aus Zögern und zu vorsichtigem Denken.

Mutige Entscheidungen werden dann möglich,

wenn Sie vertrauensvoll und gelassen glauben

können, dass die Dinge sich gut entwickeln. Und

dass Sie richtig und zielführend entscheiden

werden.

Dafür gibt es drei wichtige Booster:

• Eine dankbare Haltung kultivieren

Wie viele Dinge, Menschen, Situationen fallen

Ihnen auf Anhieb ein, für die Sie dankbar sind?

Noch nie darüber nachgedacht? Dann sollten Sie

jetzt damit anfangen. Studien haben gezeigt, dass

Dankbarkeit stark veränderungswirksam ist und

die Stimmung positiv beeinflusst. Dabei ist es

wichtig, nicht nur vom Kopf her verschiedene

Gründe aufzuzählen, warum es logisch ist, dankbar

zu sein, sondern sich auch mal auf die Spur

zu begeben, welches Gefühl in Ihnen damit verbunden

ist. Und dass Sie Dankbarkeit trainieren,

indem Sie sich jeden Tag damit befassen, wofür

Sie dankbar sind. Das können einfache, scheinbar

normale Dinge sein wie genug zu essen oder ein

Dach über dem Kopf. Oder Ihr Partner.

• Sich mit positiven Menschen umgeben

Mit wem man sich umgibt hat einen starken

Einfluss darauf, wie es einem geht. Menschen

mit einer optimistischen Grundhaltung lassen

einen selber positiver gestimmt sein. Deshalb:

Suchen Sie die Begegnung mit Menschen, in

deren Gegenwart Sie sich gut fühlen, die Ihnen

Kraft schenken, Sie inspirieren. Schätzen Sie die

privaten und beruflichen Beziehungen, die Sie

bereichern. Und begrenzen Sie den Kontakt zu

Menschen, die Ihnen nicht guttun.

Über die Autorin:

Karin Dölla-Höhfeld begleitet gemeinsam mit ihrem Mann Günther

Höhfeld Unternehmer-Paare in belastenden Situationen.

Sie unterstützen Doppelspitzen individuell mit einem strukturierten

Programm bei Schicksalsschlägen und persönlichen Krisen,

damit Kontrollerleben, Handlungsfähigkeit und Wohlbefinden

wiederhergestellt werden.

www.hoehfelds-hof.de • Höhfelds Hof • 55278 Dolgesheim


Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Artikel nur die männliche Form

verwendet. Selbstverständlich sind immer Frauen wie Männer gemeint.

79

• Vertrauen gewinnen durch persönlichen

Glauben und Spiritualität

Haben Sie einen Glauben? Gibt es für Sie eine

höhere Macht, die für Sie wichtig ist? Kommt

Spiritualität in Ihrem Leben vor? Egal, wie Sie

dazu stehen: Menschen, die ein Bewusstsein

dafür haben, dass sie Teil eines größeren Ganzen

sind, sind eher hoffnungsvoll und gehen zuversichtlich

voran. Sie haben etwas, das ihnen hilft,

vertrauensvoll in die Zukunft zu schauen. Gerade

in schwierigen Zeiten trägt das durch und

verstärkt besonnenes sinnvolles Entscheiden.

Praxis-Tipp 1:

Gehen Sie in die Natur! Und treffen Sie Entscheidungen

mit Kopf und Bauch.

Sprechen Sie mit Ihrem Partner über den Sinn,

den Sie beide für sich im Unternehmen finden.

Binden Sie Ihre Mitarbeiter ein. Lassen Sie sie

Infos und Ideen sammeln.

Die Natur befreit, weil sie nichts von uns will.

Gehen Sie raus ins Grüne, wenn Ihnen alles zuviel

wird. Und auch schon vorher. Üben Sie sich

in dieser Zeit im Monotasking und lassen Sie

alle anderen Aktivitäten sein, ob Handy oder

Joggen. Setzen Sie sich auf eine Bank, wo Sie

ungestört sind, und genießen Sie es.

Dann können Sie eine Entscheidung fokussiert

reflektieren, die von Ihnen gefordert ist. Wichtig:

Bedenken Sie nicht nur die Fakten, sondern binden

Sie auch Ihr Bauchgefühl mit ein - die, wie

Studien zeigen, entscheidende Instanz in jedem

Menschen. Schätzen Sie ein, zu wieviel Prozent

Sie positiv gestimmt sind bezüglich eines Handlungsschrittes

und zu wieviel Prozent negativ.

Der erste Wert zeigt Ihnen, ob die Richtung stimmt

und das Ziel generell das richtige ist. Die zweite

Einschätzung hilft Ihnen zu sehen, in welchem

Maß Sie noch Informationen brauchen, um dann

kraftvoll und sicher entscheiden zu können.

Praxis-Tipp 2:

Sprechen Sie mit Ihrem Partner über den Sinn,

den Sie beide für sich im Unternehmen finden.

Vielleicht haben Sie Ihre Firma selbst gegründet,

vielleicht haben Sie sie übernommen. Auf jeden

Fall hatten Sie wahrscheinlich gute Gründe, von

dem Sinn des Unternehmens überzeugt zu sein.

Irgendetwas schien Ihnen für Sie und für andere

Menschen einen Wert zu haben, hilfreich zu

sein. Ob Sie Bio-Lebensmittel herstellen, Dächer

decken oder Brunnen in Afrika bohren - Ihr Unternehmenszweck

hat Sie gereizt und zufrieden

gemacht.

Wann haben Sie darüber zuletzt mit Ihrem Partner

gesprochen? Nehmen Sie sich Zeit, vielleicht

im Grünen, und unterhalten Sie sich mit ihm,

mit ihr darüber. Sehen Sie beide den Sinn noch?

Ist er im Alltag verschüttet worden? Wie könnten

Sie ihn wiederbeleben? Was müsste vielleicht

verändert, angepasst werden? Kehren Sie zu den

Wurzeln zurück und besprechen Sie, wie Sie und

Ihre Firma wieder zum alten Feuer zurückfinden

können.

Praxis-Tipp 3:

Binden Sie Ihre Mitarbeiter ein. Lassen Sie sie

Infos und Ideen sammeln.

Menschen wollen gefragt werden und leisten

gern ihren Beitrag zum Großen, in das sie eingebunden

sind. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter mitgestalten,

indem Sie sie ermutigen, Ihre Ideen

einzubringen. Vielleicht bringen Sie einen Briefkasten

an, in den sie Verbesserungsvorschläge

einwerfen können? Sie werden nicht alles umsetzen,

gewinnen aber einen Fundus, aus dem

Sie schöpfen können.

Fragen Sie Ihre Mitarbeiter nach Informationen,

die hilfreich sein können. Jeder hat seine Fachgebiete,

auf denen er sich besonders gut auskennt

und auf dem neuesten Stand ist. Nutzen Sie

das. Sie sparen Zeit und externe Hilfe und fördern

gleichzeitig das Zusammengehörigkeitsgefühl

und das Engagement in Ihrer Belegschaft. Und

denken Sie ans Dankesagen. Wertschätzung tut

beiden Seiten gut - dem, der sie empfängt, und

dem, der sie gibt.

Text: Karin Dölla-Höhfeld


80

Drei Jahre DSGVO - wie hat sich der

Datenschutz in Betrieben entwickelt?

ein Gastbeitrag von Dorothea Ebbing

Am 25.5.2018 ist die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft getreten - Zeit

für einen kleinen Rückblick und Ausblick, wie die verbindlichen Regelungen in den Unternehmen

beachtet werden. Obwohl Datenschutz schon vorher gesetzlich geregelt war, begannen viele erst zu

diesem Stichtag, den Datenschutz umzusetzen.

Auf vielen Websites entstanden Datenschutzerklärungen,

teilweise von Woche zu Woche

umfangreicher. Statt den Artikel 7 der DSGVO

zu beachten, die Information in verständlicher

und leicht zugänglicher Form anzubieten, wurden

(und werden) verwirrende Textbausteinwüsten

präsentiert. Beim Bäcker und Arzt, bei

Newslettern, auf Messeständen - überall tauchten

mehr oder weniger verwirrende Datenschutzinformationsblätter

auf.

Mehr Information – besserer Datenschutz?

Fraglich.

In Betrieben wurden Verarbeitungsverzeichnisse

erstellt, technisch-organisatorische Maßnahmen

zur Datensicherheit formuliert - teilweise

auch umgesetzt - und Verträge mit

Auftragsverarbeitern geschlossen. Datenschutzbeauftragte

wurden berufen.

Allerdings zeigen Untersuchungen,

dass viele

Unternehmen beim

Datenschutz immer

noch schlecht aufgestellt

sind. Nur 37 %

der Unternehmen

geben an, dass sie den

Datenschutz vollständig umgesetzt haben, 6 %

räumen ein, gerade erst begonnen zu haben.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/917518/umfrage/

stand-der-umsetzung-der-dsgvo-durch-unternehmen-in-deutschland

Welche Schwierigkeiten sind entstanden?

• Es kostete enorme Anstrengungen in den

Unternehmen, um die Prozesse zu analysieren,

den Datenschutz umzusetzen und vor

allem zu dokumentieren. Die Rechtsunsicherheit

durch die neue Grundverordnung sorgte

dafür, dass hektische Aktivitäten gestartet

wurden, die oftmals auf halbem Wege abgebrochen

wurden.

• Unternehmen haben auf Innovationen und

sogar auf Marketingmaßnahmen wie Newsletter

oder Werbe-Mailings verzichtet, um

keine Datenschutzverstöße zu riskieren.

• Auch Verbraucher werden von unverständlichen

Datenschutzerklärungen überflutet und

mit unsinnigen Anfragen (Cookie-Banner,

Einwilligung in Selbstverständlichkeiten) genervt.

Dorothea Ebbing, GoFuture XP GmbH, berät KMU bei der Umsetzung der DSGVO


81

Was hat es gebracht?

• Die Transparenz bei der Verwendung von

personenbezogenen Daten ist gestiegen. Es

ist leichter geworden, über die eigenen Daten

selbst zu bestimmen.

• Personenbezogene Daten sind besser geschützt,

da viele Betriebe die Datensicherheit

erhöht haben.

• Aufmerksamkeit, Interesse und Verständnis

für Datenschutz sind gestiegen.

• Die Aufsichtsbehörden haben Bußgelder verhängt,

Gerichte haben Unternehmen zu Schadensersatzzahlungen

verurteilt, mitunter in

erschreckender Höhe.

DSGVO heute – und wie geht es weiter?

Inzwischen ist die DSGVO in den meisten Unternehmen

angekommen. Dennoch bleibt sie

ein Thema, das dauerhaft finanziellen und personellen

Ressourceneinsatz erfordert. Wie es

bei neuen gesetzlichen Regelungen üblich ist,

hat auch die DSGVO schon einige Änderungen

erlebt. Bestehende Konzepte müssen daher

regelmäßig überprüft werden. Jedes Unternehmen

ist gefordert, die DSGVO im Blick zu halten

und Ressourcen bereitzustellen, die der Größe

des Unternehmens entsprechen. Verstöße werden

mitunter empfindlich geahndet, beispielweise

mit 35 Mio € wegen Bespitzelung hunderter

Mitarbeiter; mit etwas mehr Augenmaß

in einem anderen Fall: 2.000 € Bußgeld für ein

Restaurant wegen unerlaubter Kameraüberwachung

des Gastraumes.

„Wenn ich das alles umsetzen

soll, mach ich meinen

Laden dicht!”

Zitat eines Teilnehmers an einer Informationsveranstaltung

zur DSGVO im Mai 2018

DGSVO-Dauerbaustelle durch externe Datenschutzbeauftragte

leicht beherrschbar

Die Dienstleistung externer Datenschutzbeauftragter

gilt für KMU als Mittel der Wahl. Mit

kalkulierbarem, der Größe des Unternehmens

angemessenem Aufwand können so finanzielle

Unternehmensschädigungen vermieden

werden. Anstelle eines internen Datenschutzbeauftragten

wird dabei ein interner Datenschutzkoordinator

eingesetzt, der mit einem

externen Datenschutzbeauftragten zusammenarbeitet.

In diesem Zusammenhang kommen

zunehmend auch Hilfsmittel zum Einsatz, die

die Beachtung der DSGVO erleichtern:

• Checklisten, mit denen Datenschutzkoordinatoren

den betrieblichen Datenschutz überwachen

• Online-Tools zur Unterstützung der DSGVO-

Dokumentation

• komplexe Managementsysteme, die eine abgestimmte

Umsetzung von DSGVO und anderen

Normen (z.B. ISO 27001 bzw. BSI IT-

Grundschutz) ermöglichen.


82

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Huck Media GbR

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Marcus Steinbrücker (M. S.)

Inga Steeg

Titelbild Mainz: Ramin Durani

Digitalisierung Titelbild Mainz:

Altstadt-Kopierladen · Neutorstraße 12

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Titelbild Wiesbaden: DENKSTAHL,

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Christiane Gawlyta

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Dr. Daniel Nummer

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Dorothea Ebbing

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of Oral Implantologists

Bornheimer Landstraße 8

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