Kindergipfel Handbuch

Naturfreundejugend

Handbuch für Projekte der politischen Partizipation am Beispiel des Kindergipfels. Mit Tipps und Beispielen, wie eine Partizipationsveranstaltung auf Regional-, Landes- und Bundesebene organisiert werden kann.

Der Kindergipfel ist eine Partizipationsveranstaltung für Kinder und Jugendliche. Als Expert*innen für ihr eigenes Lebensumfeld stehen sie hier im Mittelpunkt und entscheiden, wie bessere Politik für junge Menschen aussehen sollte. Damit ein Kindergipfel- Projekt von möglichst vielen Akteur*innen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit organisiert werden kann, werden in diesem
Handbuch Tipps und Beispiele für die Regional-, Landes- und Bundesebene gegeben.

Gleichzeitig ist das Projekt modular konzipiert. So kann – je nach Möglichkeiten und Ressourcen – eine passende Umsetzung geplant werden. Komplettiert wird das Handbuch durch Beiträge von Jugendlichen und ihren politischen Forderungen aus dem aktuellen Kindergipfel.

Der

KINDER

GIPFEL

Handbuch

für Projekte der politischen

Partizipation von Kindern und

Jugendlichen

Wir machen die

Politik

von morgen


Inhalt

1 Einleitung 5

2 Der Kindergipfel 8

Das Konzept 8

Die Planung 10

3 Die sechs Module des Kindergipfel-Prozesses 12

Vorbereitungen 12

Regionalkonferenzen 16

Erhebungen und andere Online-Formate 17

Kindergipfel und Zukunftsvertrag 18

Öffentlichkeitsarbeit 20

Evaluation 22

4 Kommunale Mitwirkungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche 25

5 Der Kinder- und Jugendrat 2021 - Mitglieder, Themen und Ergebnisse 26

Anhang 34

HANDBUCH KINDERGIPFEL

3


Wahlen

Wählen erst ab 18?

Ungerecht!

Klimawandel

1 Einleitung

Der

KINDER

GIPFEL

Kinder und Jugendliche werden an politischen Entscheidungen und Weichenstellungen

so gut wie gar nicht beteiligt. Zudem scheint es keine (politische) Mehrheit dafür zu

geben, dass sich das ändert. Dies kann man gut an den langen und unfruchtbaren Debatten

zur Absenkung des Wahlalters sehen. Auch die Diskussion um die Verankerung der

Kinderrechte im Grundgesetz wird bereits seit bald 30 Jahren geführt, nachdem 1992 die

UN-Kinderrechtskonvention auch in der Bundesrepublik in Kraft getreten ist. Aktuelle

Vorschläge für eine Grundgesetzänderung greifen immer noch zu kurz, denn sie beschränken

sich darauf, dass Kindern und Jugendlichen rechtliches Gehör geschenkt wird. Das ist

bereits grundgesetzlich garantiert. Was hingegen fehlt, ist die Verankerung eines umfassenden

Beteiligungsrechtes.

Zukunftsvertrag

Rechtsextremismus?

Nicht mit uns!

Der Bund der Alevitischen Jugendlichen in

Deutschland (BDAJ) fordert die Verankerung

von Kinderrechten im Grundgesetz, wovon

besonders das Recht auf Gehör und Beteiligung

sowie das Recht aller Kinder auf

Beteiligung an allen sie betreffenden Entscheidungen

hervorzuheben sind. Schutz

und Stärkung der Beteiligungsrechte und

der Rolle von Kindern und Jugendlichen als

handelnde Subjekte stehen für den BDAJ

dabei im Mittelpunkt. Die Naturfreundejugend

Deutschlands setzt sich zudem für

ein aktives Wahlrecht auf allen politischen

Ebenen für alle Menschen – unabhängig

von Alter und Herkunft – ein. Damit wird

nicht nur die Teilhabe aller – eben auch

minderjährigen – Menschen in diesem Land

gewährleistet. Vielmehr ist dies auch ein

elementarer Baustein für die Akzeptanz der

Demokratie, denn es bindet jede*n Bürger*in

in die demokratische Willensbildung mit ein.

Gemeinsam setzen wir mit dem Kindergipfel

unsere Überzeugungen der unbedingten

Partizipation von Kindern und Jugendlichen

in die Tat um.

BDAJ

Der Bund der alevitischen Jugendlichen

in Deutschland e. V. (BDAJ) vertritt derzeit

die Interessen von ca. 78.000 alevitischen

Jugendlichen in Deutschland.

Inhaltlich orientieren sich der BDAJ sowie

seine Untergliederungen an dem humanistisch-sozialen

Weltbild der Alevit*innen,

das von Gleichberechtigung, Nächstenliebe,

Gleichstellung der Geschlechter, Bildung

und Wissenschaft geprägt ist. Der

Verband setzt sich für einen jugend-integrationsspezifischen

Ansatz ein, der seine

Mitglieder in die Lage versetzen soll, sich

als gleichberechtigten Teil der deutschen

Gesellschaft wahrzunehmen und an dieser

in den verschiedensten Bereichen zu

partizipieren. Als Jugendverband hat der

BDAJ den Anspruch sich aus der Rolle der

Migrant*innenjugendselbstorganisation

hin zu einem Verband zu emanzipieren, der

von der breiten Öffentlichkeit als gleichberechtigter

und ernstzunehmender Partner

wahrgenommen wird.

www.bdaj.de

4

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 5


NFJD

Die Naturfreundejugend Deutschlands ist

1926 als Jugendorganisation der Naturfreunde

entstanden. Aus ihrer sozialistischen

Tradition und als Verband der Arbeiter*innenbewegung

fühlt sie sich den

Werten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität

verpflichtet. Die Naturfreundejugend

Deutschlands setzt sich seit jeher für die

Demokratisierung aller Lebensbereiche ein.

Sie will den Kapitalismus und seine sozialen

und ökologischen Widersprüche überwinden

und strebt eine sozialistische Demokratie

im Sinne einer humanistischen,

solidarischen, freiheitlichen und demokratischen

Gesellschaftsordnung an. Unsere

Ideale und Visionen lassen sich nur in einer

vielfältigen Gesellschaft verwirklichen, die

nationale Grenzen und Sichtweisen überwunden

hat. Daher sind interkultureller

Dialog und Respekt Grundsätze unserer

Arbeit. Die Naturfreundejugend Deutschlands

ist parteipolitisch unabhängig, aber

keineswegs politisch neutral.

www.naturfreundejugend.de

Der erste bundesweite Kindergipfel fand

1991 in der Frankfurter Paulskirche statt.

Seit dem Jahr 2000 wird der Kindergipfel

in regelmäßigen Abständen von der Naturfreundejugend

Deutschlands organisiert.

Dabei arbeitet sie immer wieder auch mit

Partner*innenorganisationen zusammen, wie

etwa aktuell mit dem BDAJ. Der Kindergipfel

rückt die Vorstellungen, Wünsche und Forderungen

junger Menschen in den Blick. Sie

sind die besten Expert*innen für ihr Lebensumfeld

und für die Zukunft, die sie sich wünschen.

Im Rahmen des Kindergipfels diskutieren

sie dies mit Politiker*innen und anderen

Entscheidungsträger*innen. Politiker*innen

von der Kommunal- bis zur Europapolitik

haben sich dort schon im Austausch mit den

Kindern und Jugendlichen zur Umsetzung

verschiedenster Forderungen verpflichtet. Im

Gegenzug haben sich die jungen Kindergipfel-Teilnehmer*innen

Selbstverpflichtungen

auferlegt. Denn Demokratie lebt vom Mitmachen,

von Partizipation auf allen Ebenen

und in jedem Teil der Gesellschaft. Kinder

und Jugendliche sind sich darüber bewusst

und gehen mit ihren gemeinschaftlich erarbeiteten

Forderungen und Selbstverpflichtungen

in eine Vorleistung gegenüber Politik

und Gesellschaft. Ihnen fehlt aber die bedingungslose

Anerkennung ihrer souveränen

Willensbildung – die implizite Grundforderung

eines jeden Kindergipfels.

Die vorliegende Broschüre ist unter dem

Eindruck der Corona-Pandemie entstanden.

Alle Teile der Gesellschaft sind in dieser Zeit

wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg in

Bedrängnis geraten. Die Auswirkungen für

Kinder und Jugendliche sind aber besonders

dramatisch. Es trifft sie in einer sehr

vulnerablen Lebensphase, in der sich die

Persönlichkeit stark entwickelt und in der

die Weichen für das Leben in Eigenverantwortung

gestellt werden. Ein bestimmendes

Merkmal dieser Phase ist zudem, dass die

Perspektive auf Zeit eine ganz andere ist, als

bei Erwachsenen. Ein Jahr voller Einschränkungen

wird als noch länger und belastender

wahrgenommen, als es den Älteren schon

vorkommt. Umso bemerkenswerter ist, wie

sich der Kinder- und Jugendrat des aktuellen

Kindergipfel-Projekts nicht hat entmutigen

lassen. Fast zwei Jahre haben sie das Projekt

begleitet, gestaltet und immer wieder neu

erfunden. Vieles, was sich die jugendlichen

Ratsmitglieder vorgenommen hatten, konnte

aufgrund der Pandemie nicht realisiert

werden. Dafür haben sie sich neue Formate

ausgedacht, wie sich Kinder und Jugendliche

mehr Gehör verschaffen können, um ihre

Forderungen durchzusetzen.

In der vorliegenden Publikation führt der aktuelle

Kinder- und Jugendrat durch die Methoden

und Themen des Kindergipfels 2021.

Nicht alles davon konnte realisiert werden,

gerade die zentrale Kindergipfel-Veranstaltung

war in der Pandemie nicht umzusetzen.

Dafür sind neue Bausteine hinzugekommen,

die auch für kommende Kindergipfel wichtige

Beiträge ermöglichen können. Dazu gehören

etwa Online-Formate wie Umfragen

oder gemeinsame Videokonferenzen des

Rats. Gleichzeitig ist deutlich geworden, wie

unersetzbar das persönliche Aufeinandertreffen

und Austauschen ist. Digitale Formate

und virtuelle Treffen können immer nur

ein kleiner Baustein von partizipatorischen

Kinder- und Jugendprojekten sein. Sie leben

vor allem vom interaktiven Drumherum, dem

Ungeplanten, dem Spontanen und Unvorhergesehenen

während persönlicher Treffen.

Diese Lebendigkeit schlägt sich auch unmittelbar

in den politischen Forderungen nieder.

Worum geht es beim Kindergipfel ?

Als junger Mensch bist du der*die beste

Expert*in für dein Leben – deswegen sollst du

entscheiden, was anders laufen muss und wie

bessere Politik für Kinder und Jugendliche

aussehen sollte.

6

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 7


2 Der Kindergipfel

Das Konzept

»Kinder reden, Erwachsene hören zu«.

Das war seit jeher das Motto des Kindergipfels,

denn junge Menschen werden nach wie

vor nicht richtig angehört. Beim Kindergipfel

stehen Kinder und Jugendliche deswegen

im Mittelpunkt: Sie geben die richtungsweisenden

Impulse, wir Erwachsenen helfen

ihnen bei der Umsetzung. So wird die im

Alltag erlebte Beziehung von Kindern und

Jugendlichen zu Erwachsenen auf den Kopf

gestellt. Dies ermöglicht jungen Menschen

neue Handlungsfelder und Erfahrungen des

Empowerments und der Selbstwirksamkeit.

In der Eröffnung von Möglichkeiten, die sie

vorher nicht hatten, werden sie aktiv und

übernehmen Verantwortung. Die Erfolgserlebnisse

aus diesem Prozess sind daher besonders

nachhaltig.

Auch die Beschäftigung mit den Schwerpunktthemen

verläuft selbstbestimmt. Die

Mitglieder eines Kinder- und Jugendrats, der

den Kindergipfel vor allem inhaltlich vorbereitet,

erarbeiten gemeinsam Workshops zu

Fragestellungen, die ihnen wichtig sind. Sie

erfahren dabei eine vorbehaltlose Anerkennung

der Themen, die ihnen wichtig sind –

und damit eine bedingungslose Wertschätzung

ihrer Gestaltungskompetenz. Durch

emanzipatorische Ansätze des Kindergipfels

werden die jungen Expert*innen – denn das

sind sie in vielerlei Hinsicht – ermutigt und

geschult, ihre Sichtweisen weiter auszuformulieren,

öffentlich zu vertreten und Ergebnisse

einzufordern. Sie erlernen dabei Argumentationskompetenzen,

die ihnen auch in

späteren Debatten helfen werden. Zu späterem

Engagement wird es ziemlich sicher

kommen, denn die Ratsmitglieder, ebenso

wie die weiteren Teilnehmenden, sind ohne

Zweifel hochpolitische, gesellschaftskritische

junge Menschen. Der Kindergipfel

nimmt sie darin ernst und unterstützt ihr Engagement

– für konkrete Lösungen genauso

wie für richtungsweisende Visionen.

Kinder- und Jugendpartizipation darf nicht

auf wenige medial aufbereitete Events beschränkt

werden. Stattdessen müssen junge

Menschen selbst darauf Einfluss nehmen

können, wo und wie sie beteiligt werden –

und das mit langfristiger Perspektive. Partizipation

setzt Kompetenzen zur Selbstorganisation

und Mitgestaltung voraus, die in der

schulischen Umgebung nicht ausreichend

gefördert werden. Non-formale Angebote

und das Lernen in der Peer-Group sind deshalb

sehr wichtig. Jungen Menschen muss

Wissen zu Partizipationsmöglichkeiten im

konkreten Lebensumfeld und zu demokratischem

Engagement vermittelt werden. Gerade

Jugendverbände können hierfür niedrigschwellige

Angebote bereitstellen.

Die Erfahrung der eigenen Wirksamkeit in

Partizipationsprozessen ist grundlegend für

die Sozialisation und von großer Bedeutung

für die Übernahme gesellschaftlicher

Verantwortung. Dies gilt gleichermaßen für

junge Menschen mit und ohne Flucht- und

Migrationsgeschichte. Dem gesellschaftlichen

Engagement und der demokratischen

Mitwirkung, insbesondere von jungen Menschen

mit Flucht- und Migrationsgeschichte,

muss zu mehr öffentlicher Sichtbarkeit

verholfen werden. Zu häufig wird in den

Medien nur über die Lebenswelten der Kinder

und Jugendlichen gesprochen, zu selten

werden sie selbst in die Debatten einbezogen

und ihre Stimmen gehört. Es gilt, alle jungen

Menschen stärker in Diskussionen über

das Zusammenleben in einer vielfältigen,

von Migration geprägten Gesellschaft einzubeziehen.

Der Kindergipfel zeigt hierbei

exemplarisch auf, wie echte Partizipation

organisiert werden kann und er liefert eine

Blaupause dafür, wie junge Menschen mit

und ohne Flucht- oder Migrationsgeschichte

in gesellschaftliche Debatten eingebunden

werden können.

Autokratie?

Macht verteilen!

Wir engagieren uns

gegen

Rassismus

8

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 9


Die Planung

Der Kindergipfel ist eine Partizipationsveranstaltung

für junge Menschen, unabhängig

davon, ob sie in einer jugendverbandlichen

Struktur organisiert sind oder nicht. Für den

Organisationsprozess braucht es aber eine

starke demokratische Struktur, wie sie nur

überregional verankerte Jugendverbände

gewährleisten können. Damit ein Kindergipfel-Projekt

von möglichst vielen Akteur*innen

auf den unterschiedlichen Verbandsebenen

durchgeführt werden kann, werden

in dieser Publikation Tipps und Beispiele für

die Regional-, Landes- und Bundesebene

gegeben. So kannst du je nach deinen Möglichkeiten

eine für dich passende Umsetzung

planen. Dazu gehört auch die Option, die

Reihenfolge der Maßnahmen zu variieren.

Regionalkonferenzen (Seite 16) kannst du

bspw. vor oder nach dem Kindergipfel stattfinden

lassen. Was das für Auswirkungen für

dein Projekt hat, kannst du in Kapitel „Kindergipfel

und Zukunftsvertrag“ (Seite 18)

nachlesen.

nehmenden Kindern und Jugendlichen sowie

Gäst*innen aus der Politik. Kinder und

Jugendliche sind die besten Expert*innen für

ihr Leben, weswegen sie beim Kindergipfel

im Zentrum stehen und nach Möglichkeit

alles selbst entscheiden. Die erwachsenen

Teamer*innen helfen dem Kinder- und Jugendrat

vor allem bei der Umsetzung ihrer

Ideen und den notwendigen Rahmenbedingungen.

Als Organisator*in und Gruppenleiter*in

hältst du alle Fäden in der Hand. Wie

du einen Kinder- und Jugendrat gründen

kannst, erfährst du auf Seite 12.

Weitere Unterstützung kann der Kinder- und

Jugendrat durch Teamer*innen bekommen.

Auch sie helfen dem Rat, seine Vorstellungen

umzusetzen. Zudem sind Teamer*innen

unverzichtbar bei der Durchführung des

Kindergipfels. Als junge Erwachsene können

sie nämlich Verantwortung übernehmen und

mit ihrer Erfahrung die einzelnen Arbeitsgruppen

unterstützen. Wie du Teamer*innen

finden und vor allem durch Qualifizierung

stärken kannst, findest du auf Seite 13.

erhalten, in der du ihn durchführen möchtest.

Dafür solltest du so früh wie möglich Kontakt

zu den Bürgermeister*innen aufnehmen

und versuchen, sie als Schirmherr*innen für

den Kindergipfel zu gewinnen. Mit ihrer Unterstützung

kannst du dann im besten Fall

repräsentative Einrichtungen der Stadt oder

Gemeinde für die Abschlussveranstaltung

des Kindergipfels und die Diskussion der

Ergebnisse mit den Politiker*innen nutzen.

Ein besonderer, demokratisch geprägter Ort

wertet den Abschluss des Zukunftsvertrags

für alle Beteiligten nochmals auf. Gerade

für Kinder und Jugendliche, die noch nicht

an demokratischer Willensbildung teilhaben

konnten, ist das eine besondere Erfahrung.

Für einen feierlichen Rahmen und die Außenwirkung

deiner Veranstaltung kann das

sehr förderlich sein. Erfahre mehr dazu im

Kapitel „Kindergipfel und Zukunftsvertrag“

(Seite 18).

Der Kindergipfel will etwas bewirken. Ob ihm

das gelungen ist, solltest du zum Abschluss

in einer Evaluation deines Projekts herausfinden.

Dabei richtet sich der Blick nicht nur

auf die Kinder und Jugendlichen des Rats

und der zahlreichen Teilnehmenden. Vielmehr

sollte auch überprüft werden, inwieweit

sich die Politiker*innen an ihre Zusagen

gehalten haben, die sie dem Kindergipfel

gegenüber machten. Wie du das am besten

umsetzt, erfährst du auf Seite 22.

Zu einem Kindergipfel-Projekt gehört immer

ein Kinder- und Jugendrat sowie eine

Hauptveranstaltung »Kindergipfel« mit teil-

Wichtige Unterstützung für den Kindergipfel

kannst du auch von der Gemeinde oder Stadt

Ein Kindergipfel braucht Öffentlichkeitsarbeit.

Zum einen, damit die Kinder und Jugendlichen

gehört werden, zum anderen, damit

auch positiver Druck auf Politiker*innen ausgeübt

werden kann. Auf was du dabei achten

solltest, findest du ab Seite 20.

Nicht nur die öffentliche Aufmerksamkeit,

sondern auch eine möglichst breite Einbindung

von Kindern und Jugendlichen,

kann durch die Umsetzung geeigneter

Online-Formate unterstützt werden.

So können junge Menschen erreicht

und gehört werden, zu denen bisher

kein direkter Zugang, etwa durch Einbindung

in den ausrichtenden Verband,

bestand. Auf Seite 17 kannst du die

wichtigsten Punkte dazu nachlesen.

Junge Teamer*innen des BDAJ

und der Naturfreundejugend

unterstützen den Kinder- und

Jugendrat bei der Durchführung

des Kindergipfels. Sie werden

dafür auf einem eigenen Seminar

geschult und vorbereitet.

10

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 11


3 Die sechs Module des

Kindergipfel-Prozesses

Die Module des Kindergipfels

Vorbereitungen

Ein Kindergipfel besteht nicht nur aus der zentralen Veranstaltung des Gipfels, sondern

aus einer Reihe von Maßnahmen, die den Gipfel vor- oder nachbereiten. In der vorliegenden

Publikation wird der Kindergipfel in Modulen vorgestellt, deren Reihenfolge zum

Teil variiert werden kann. So kannst du auf verschiedene Bedingungen oder Wünsche in

deiner Projektplanung eingehen. Nur die Bildung des Kinder- und Jugendrats muss ganz

zu Beginn erfolgen.

REGIONALKONFERENZEN

ONLINE-ERHEBUNGEN

/-FORMATE

Vorbereitungen

KINDER- UND JUGENDRAT FINDEN UND STÄRKEN

Am Anfang eines jeden Kindergipfelprozesses steht die Bildung eines Kinder- und Jugendrats.

Er entscheidet mit eurer Hilfe über die Themen, die Ausrichtung und Ausgestaltung

des Kindergipfels, er ist der partizipatorische Kern. Je nachdem, auf welcher Ebene (regional,

landes-, bundesweit) du einen Kindergipfel durchführen möchtest oder in welche Verbandsstrukturen

du eingebunden bist, eignet sich ein anderes Vorgehen bei der Bildung des Kinder-

und Jugendrats. Er kann aus einer bestehenden Gruppe gebildet werden, was sich oft

auf der regionalen Ebene anbietet, etwa in deiner Ortsgruppe. Dort kennst du in der Regel

die Mitglieder und kannst die Bildung eines Rats bei persönlichen Treffen initiieren. Auf Landes-

oder Bundesebene bietet sich eine Ausschreibung der Plätze an, auf die sich Kinder und

Jugendliche bewerben können. Die Bewerbung ist auch eine geeignete Methode, wenn du

Teilnehmende über deinen Verband hinaus suchst. Mit ihrer Hilfe kannst du die Motivation

und Interessen der Teilnehmenden einschätzen, aber auch ihren Wissensstand. Während der

gemeinsamen Arbeit an eurem Kindergipfelprojekt werden alle Beteiligten viel lernen. Es ist

aber wichtig, dass der Wissensstand und Erfahrungsschatz der Ratsmitglieder nicht zu unterschiedlich

ist, um Überforderung oder auch

Langeweile zu vermeiden. Der Rat sollte also

relativ altershomogen sein. In einer Gruppe,

die du gut kennst, wirst du die unterschiedlichen

Voraussetzungen vielleicht auch gut

abfedern können. Bei neuen Gruppen hast du

dafür möglicherweise nicht die Kapazitäten.

Wenn du deinen Kinder- und Jugendrat gefunden

hast, muss er sich aber vielleicht noch

selbst finden. Plant gemeinsame Aktionen

oder gar ein ganzes Wochenende, auf dem

sich alle untereinander kennenlernen. Beim

ersten Treffen sollte die Gruppenbildung im

Zentrum stehen.

»Kinder- und

Jugendrat«

» Alter: etwa zwei Jahre älter als die

Zielgruppe der Teilnehmenden;

möglichst altershomogen

» Größe: sechs bis zwölf Kinder oder

Jugendliche

» Auswahl: bestehende Gruppe (auf

Regionalebene) oder Bewerbung (auf

Landes- oder Bundesebene)

» Dauer der Treffen: je ein Wochenende

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Evaluation

KINDERGIPFEL UND

ZUKUNFTSVERTRAG

TEAMER*INNEN FINDEN UND STÄRKEN

Teamer*innen helfen nicht nur dem Kinder- und Jugendrat bei der Formulierung seiner Vorstellungen

und bei der Erarbeitung der Workshops. Sie können dich auch bei der Planung und

Durchführung der Veranstaltungen unterstützen. Ohne Teamer*innen ist ein großes Kindergipfel-Treffen

nicht durchführbar, weswegen du früh auf die Suche nach ihnen gehen solltest.

Vielleicht gibt es in deiner Ortsgruppe junge Erwachsene, die schon einmal geteamt haben

oder das gerne ausprobieren möchten. Ansonsten kann dir bestimmt dein Landesverband oder

der örtliche Jugendring mit Kontakten weiterhelfen.

Alle Teamer*innen – ob erfahren oder Anfänger*innen – sollten eine Teamer*innenschulung

bei dir durchlaufen. Hier erfahren sie alles, was für ihre Aufgabe wichtig ist: Die pädagogische

Konzeption, Betreuung Minderjähriger und Schutzkonzepte, Lösung von Konflikten,

Moderation von Workshops sowie den Zeitplan und Ablauf der geplanten Maßnahmen. Die

Schulung kann eigenständig, aber auch parallel zu einem Treffen des Kinder- und Jugendrats

durchgeführt werden. Das hätte den Vorteil, dass sich Teamer*innen und Ratsmitglieder persönlich

kennenlernen und für die nächsten Schritte direkt miteinander verabreden können.

„Bezüglich Inhalten und Standards kannst du dich an der Juleica (Jugendleiter*in-Card,

www.juleica.de) orientieren.“

12

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 13


14

»Methoden: Gruppe stärken«

Die Gruppe trifft sich zum ersten Mal? Hier ein paar Tipps für ein gelungenes Kennenlernen:

Sorge dafür, dass alle sich willkommen fühlen

Gib allen die Möglichkeit im eigenen Tempo »anzukommen«

Bereite Spiele vor, die keine große Überwindung kosten

Spieleideen für die Gruppe:

1. Wer bist du?

Es ist soweit. Die Gruppe sitzt im Kreis und so richtig kennt sich hier kaum jemand.

Was kannst du jetzt tun, um allen einen guten Start in die gemeinsame Zeit zu ermöglichen?

Nach einer ersten kurzen Begrüßungsrunde: Verteile nach dem Zufallsprinzip

Bonbons/Karten, die jeweils ein Paar ergeben. Teilnehmende mit einem gleichen Paar

dürfen sich nun gegenseitig interviewen und einen (vorgefertigten) Steckbrief ausfüllen.

Achte darauf, dass hier ungewöhnliche Fragen abgefragt werden. Das kann zu

interessanten Gesprächen unter den Gruppenmitgliedern führen. Wenn alle wieder in

der Runde zusammenkommen, dürfen die Paare sich gegenseitig vorstellen.

2. Tellerrand

Die Gruppe bewegt sich im Schritttempo durch den Raum. Auf dem Boden ist ein

großer Kreis markiert, der einen Teller darstellen soll. Lese verschiedene Aussagen

laut vor. Trifft eine Aussage auf ein Gruppenmitglied zu, dann muss sie*er schnell

auf den Tellerrand hüpfen. Die Personen, die auf dem Tellerrand stehen, sehen auch

andere Personen, die dort stehen, und nehmen Gemeinsamkeiten wahr. Beispiele für

Aussagen: Ich liebe Pizza; ich gehe gern schwimmen; ich spiele Playstation (usw.).

3. Ins Sprechen kommen:

Vor der Gruppe zu sprechen ist am ersten Tag gar nicht so einfach. Das Spiel »Whiskeymixer

und Wachsmaske« sorgt für erste Versprecher und lockert somit die Angst

sich zu verhaspeln oder vor der Gruppe zu blamieren. Im Kreis aufgestellt, gibt eine

Person ein Klatschen und ein lautes »Whiskeymixer« an die linke Person weiter, oder

»Wachsmaske« und ein Klatschen nach rechts. Versprecher sind vorprogrammiert und

erlaubt! Muss jedoch jemand lachen, dann darf die Person eine Runde um die Gruppe

laufen. Erhöhe die Schwierigkeit, indem quer durch die Gruppe ein »Messwechsel«

geschickt wird.

4. Motivieren/Wachmachen:

Befindet sich die Gruppe in einer Gruppenarbeit und du merkst, dass die Luft langsam

schwindet? Schnapp dir zwei Decken und einen weichen Ball. Teile die Gruppe

in 4er-Gruppen per Zufallsprinzip ein. Jeweils zwei Teams treten gegeneinander

an. Jedes Teammitglied erhält einen Deckenzipfel und hält ihn mit beiden Händen

fest. Jetzt geht es darum, den Ball mit der Decke hin und her zuschmeißen. Fällt der

Ball auf den Boden, so gibt es Punktabzug. Macht vorher 1-2 Testläufe. Erhöhe die

Schwierigkeitsstufe, indem das Sprechen verboten wird. Besprecht vorher die Regeln

und ob es etwas zu gewinnen gibt.

Viele weitere Methoden findest du unter www.naturfreundejugend.de/go/methoden.

UNTERSTÜTZUNG FINDEN

Schon zu Beginn deines Projektes solltest du dir weitere Unterstützung holen. Es haben sich

Partner*innenschaften mit der Gemeinde oder Stadt bewährt, in denen du den Kindergipfel

ausrichten wirst. Frage den*die Bügermeister*in an, ob er*sie Schirmherr*in für den Kindergipfel

werden möchte. In der Anfrage ist es wichtig, das Konzept des Kindergipfels vorzustellen

(ab Seite 8) und auch auf die geplante, ausführliche Öffentlichkeitsarbeit zu verweisen (Seite 20).

Gleichzeitig solltest du ebenfalls den konkreten Unterstützungsbedarf beschreiben. Dazu gehört

bspw. die Nutzung eines repräsentativen Raums zur Eröffnung und zur Abschlussveranstaltung

des Kindergipfels. Das kann etwa der Innenhof einer Kultureinrichtung, aber auch ein

Versammlungsraum im historischen Bürger*innenhaus sein. Das wirkt sich in zwei Richtungen

positiv aus: Die Teilnehmenden des Kindergipfels erfahren eine sichtbare Anerkennung und

fühlen sich durch einen besonderen Raum wertgeschätzt. Gleichzeitig verspricht dieser Rahmen

eine gute Außenwirkung für deine Öffentlichkeitsarbeit. Plane hier unbedingt eine gute

Fotodokumentation mit ein. Neben den Räumlichkeiten verspricht natürlich auch die Schirmherrschaft

eines*r Amtsträger*in Aufmerksamkeit, so dass möglichst viele Pressevertreter*innen

zu deiner Veranstaltung kommen und darüber berichten. Weitere Unterstützung kannst

du möglicherweise auch von lokalen Jugendringen oder -zentren erhalten. Sie können dir bei

der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten helfen oder diese selbst zur Verfügung stellen.

Die skizzierten Unterstützungsmöglichkeiten gelten für jede Ebene (lokal, regional, bundesweit),

auf der du deinen Kindergipfel ausrichtest. In größeren Städten wird es manchmal

schwer, den*die Bürgermeister*in als Schirmherr*in zu gewinnen. Lass dich von ausbleibenden

Antworten nicht entmutigen und bleib dran. Vielleicht kannst du parallel andere Unterstützer*innen

gewinnen, die dir mehr Gehör verschaffen, wie z.B. lokale Landtags-, Bundestagsoder

Europaabgeordnete. Vielleicht gibt es auch eine*n Sportler*in oder Künstler*in, die dein

Projekt gut findet und es offiziell unterstützen möchte.

Demokratie

Schule

In

klu

sion

HANDBUCH KINDERGIPFEL 15


16

KERNTHEMEN HERAUSARBEITEN

Die Mitglieder des Kinder- und Jugendrats

kommen oft mit den unterschiedlichsten Ideen

und Vorstellungen, aber auch unterschiedlichen

Persönlichkeiten zusammen. Hilf dem Rat dabei,

dass alle Mitglieder zu Wort kommen und sich

einbringen können. Im besten Fall gibt es keinerlei

Vorgaben für die Themenfindung und es

kann frei eingebracht werden, was jemandem

gerade am wichtigsten ist: Schule, Umweltverschmutzung,

Online-Mobbing, politische Systeme,

Klimawandel, Rassismus, Armut…

Manchmal ist die Möglichkeit, sich für alles

entscheiden zu können, auch etwas erschlagend.

Der Rat kann dann über ein gemeinsames

Motto beraten, unter dem sich die Themen der

einzelnen Mitglieder versammeln. Das Motto

kann als Ausgangspunkt für die Themenschwerpunkte

dienen, aber auch als Abschluss die

Klammer um die Einzelthemen bilden.

Regionalkonferenzen

Regionalkonferenzen können dem eigentlichen Kindergipfel vorausgehen und ihn mit vorbereiten,

oder sie finden nach dem Gipfel statt und tragen die Ergebnisse in die Breite. In

beiden Fällen eignen sich Tagesveranstaltungen am besten für die Durchführung. Sie lassen

sich einfacher organisieren und setzen die Teilnahmehürden relativ niedrig. Gleichzeitig wird

der Kreis der Teilnehmenden auf ein regionales Einzugsgebiet beschränkt. Das ist für den

Kindergipfel-Prozess aber von Vorteil, da es so das direkte Lebensumfeld der Kinder- und Jugendlichen

berührt. Die Auseinandersetzung mit den Themen findet hier weniger auf einer abstrakten

Ebene, als vielmehr mit persönlichem Bezug statt – nämlich in der Region, in der sie

zu Hause sind. Die Regionalkonferenzen bieten

grundsätzlich die Chance, mehr Kinder und

Jugendliche zu erreichen, als dies nur durch

einen zentralen Kindergipfel möglich wäre. Vor

Ort oder in der lokalen Umgebung kann ein

Angebot in der Regel einfacher wahrgenommen

werden. Hier erübrigen sich im besten Fall

Fragen der Fahrtwege und der Unterbringung.

»Treffen des Kinderund

Jugendrats«

» 1. Treffen: Kennenlernen, Gruppe

stärken und Themen besprechen;

Motto festlegen

» 2. Treffen: Themen vertiefen, Umsetzung

des Kindergipfels und/oder der

Regionalkonferenzen besprechen;

Kennenlernen der Teamer*innen

» 3. Treffen: Auswertung des Kindergipfels

bzw. der Regionalkonferenzen

und Vorbereitung der folgenden

Veranstaltungen

» 4. Treffen: Auswertung und gemeinsamer

Abschluss des gesamten Projekts

Regionalkonferenzen zur Vorbereitung widmen

sich am besten nur einem Workshopthema,

das von ein oder zwei Mitgliedern des

Kinder- und Jugendrats betreut wird. Es lassen

sich an einem Tag auch zwei Themen behandeln.

Aber du musst darauf achten, den Tag

nicht zu überladen und allen Beteiligten ge-

»Regionalkonferenzen«

» Alter der Teilnehmenden: etwa zwei

Jahre jünger als der Jugendrat; möglichst

keine allzu große Altersspanne

(etwa drei Jahre)

» Größe: zehn bis 25 Kinder oder

Jugendliche

» Auswahl: bestehende Gruppe,

freie Teilnahme

» Dauer: Tagesveranstaltung

nug Zeit zu geben. Die Ratsmitglieder stellen ihre Themen vor und diskutieren sie mit anderen

Kindern und Jugendlichen. Gemeinsam können erste Forderungen und Selbstverpflichtungen

erarbeitet werden, die später in den Gipfel mit einfließen. Zu einer Vorbereitungsveranstaltung

können auch Expert*innen eingeladen werden, die beim Verständnis der gewählten Themenkomplexe

helfen.

Regionalkonferenzen in der Resonanzphase nach dem Gipfel finden an verschiedenen Orten

in Deutschland statt, die jeweils wieder gemeinsam mit einem oder mehreren Mitgliedern des

Kinder- und Jugendrats initiiert werden. Hier geht es nun darum, die auf dem Gipfel erarbeiteten

Forderungen auch an Entscheidungsträger*innen vor Ort zu adressieren. Gleichzeitig

kann der auf dem Kindergipfel begonnene Prozess mit jungen Menschen aus dem Umfeld

der Teilnehmenden fortgeführt werden. Die Formate hierfür können vielfältig sein. Denkbar

sind zum Beispiel Infoveranstaltungen oder Zukunftskonferenzen in Vereinen oder Schulen zu

den Themen des Zukunftsvertrags. Hierbei können Lokalpolitiker*innen, aber auch Verwaltungen

oder Schulen eingebunden werden.

Erhebungen und andere Online-Formate

Der persönliche Austausch ist durch nichts zu ersetzen. Er ist aber immer mit einem hohen

zeitlichen wie organisatorischen und oft auch finanziellen Aufwand verbunden – erst recht,

wenn dein Projekt über eine Region hinausreicht. Online-Erhebungen bieten hier eine niedrigschwellige

Möglichkeit, Rückmeldungen zu deinem Projekt einzuholen. Sei es, um Entscheidungen

zum weiteren Vorgehen innerhalb des Jugendrats zu treffen, oder etwa um Stimmen

der Zielgruppe einzufangen.

Die Kernthemen deines Kindergipfel-Projekts

können so auch an Kinder und Jugendliche

herangetragen werden, die bisher nicht in

der Reichweite der persönlichen Ansprache

durch dich oder den Kinder- und Jugendrat

waren. Auch können so die Verbandsgrenzen

einfacher überwunden und junge Menschen

ohne Vereinszugehörigkeit erreicht werden,

deren Wünsche und Vorstellungen nun mit

in den Kindergipfel einfließen. Durch die

Einbeziehung möglichst vieler junger Stimmen

erfahren die Forderungen und Selbstverpflichtungen

in der Diskussion mit Politiker*innen

schließlich ein noch stärkeres

Gewicht.

»Online-

Erhebungen«

» Plattform: Einer der zahlreichen Anbieter

für Online-Fragebögen (werbefinanziert

oder durch Eigenmittel).

» Zielgruppe: Altersgruppe der Kindergipfel-Teilnehmenden

» Verbreitung: Über deine Social-Media​-​

Kanäle, Messenger-Gruppen oder

E-Mail-Verteiler

Die Fragebögen richten sich am besten an die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen,

die auch am Kindergipfel teilnehmen sollen. Verbreiten lassen sie sich über E-Mail-Verteiler,

Messenger-Gruppen und Social-Media-Kanäle. Die ersten beiden Verteiler sind in der Regel

Listen deiner Ortsgruppe oder deines Verbands, über die vor allem Multiplikator*innen wie

Teamer*innen, Ehren- und Hauptamtliche im Verein erreicht werden können. Sie können die

Fragebögen in ihre Kinder- und Jugendgruppen weiterleiten. Eine persönliche Ansprache von

Gruppenleiter*innen und anderen Multiplikator*innen wird dich hier oft weiterbringen.

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 17


Die Kommunikation über die Verbandsgrenzen hinaus ist etwas schwieriger, da du nicht einfach

Kontakte ohne deren Einwilligung anschreiben darfst. Über Social-Media-Kanäle kannst

du aber eine ganz andere Reichweite haben. Dafür kann es sich sogar lohnen, den Beitrag mit

deiner Online-Erhebung kostenpflichtig zu bewerben, um über deine Follower*innen hinaus

wahrgenommen zu werden. Bei den Social-Media-Kanälen muss beachtet werden, dass viele

Plattformen offiziell erst ab 14 Jahren genutzt werden dürfen. Die Realität sieht zwar oft

anders aus, die Nutzung dieser Kanäle sollte aber zur Altersgruppe der Kindergipfel-Teilnehmenden

passen bzw. vorrangig auch Multiplikator*innen ansprechen.

Kindergipfel und Zukunftsvertrag

Der Kindergipfel ist ein mehrtägiges Mitmach-Fest für Kinder und Jugendliche.

Er kann an zwei Tagen, einem ganzen Wochenende oder über ein

Wochenende mit Feier- und Brückentag auch vier- bis fünftägig durchgeführt

werden. Da der Kindergipfel in erster Linie durch den Kinder- und

Jugendrat gestaltet werden soll, kann er nicht ganz zu Beginn des gesamten

Projektes stattfinden. Der Rat muss sich zunächst finden, die Themen

festlegen und seine Vorstellungen konkretisieren, wie der Kindergipfel

ablaufen und wer eingeladen werden soll. So wird die größtmögliche

Partizipation von Kindern und Jugendlichen gewährleistet. Dafür ist auch

ausreichend Zeit zwischen dem ersten Treffen des Jugendrats und dem

Kindergipfel einzuplanen (mindestens neun Monate).

Mit

Mach

Fest

Ob der Kindergipfel in der Mitte oder gegen Ende der Projektlaufzeit durchgeführt wird, ist

zum einen abhängig von der Gesamtlaufzeit. Hast du nur ein Jahr oder gar weniger Zeit, wird

er eher am Ende liegen. Kannst du über 18 oder gar 24 Monate planen, kann der Kindergipfel

auch gut als zentrale Veranstaltung in der Mitte liegen. Die organisatorischen Schritte der

Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung sind zunächst gleich. Inhaltlich ergeben sich

jedoch ein paar Unterschiede, ob Regionalkonferenzen zur Vor- oder Nachbereitung durchgeführt,

oder ob die Forderungen und Selbstverpflichtungen in erster Linie während des Gipfels

erarbeitet werden (s. „Regionalkonferenzen“, Seite 16).

Als Großveranstaltung braucht der Kindergipfel viel Vorbereitung, mit der du schon ein Jahr

vorher beginnen solltest. Es müssen frühzeitig Räume und Unterkünfte gebucht, Partner*innen

gefunden und Gäst*innen eingeladen werden. Du solltest den Termin auch mit anderen

Vorhaben in deinem Verein und in deiner Stadt oder Gemeinde koordinieren, so dass es keine

nachteiligen Überschneidungen gibt. Vergiss nicht, deine Veranstaltung rechtzeitig zu bewerben

und die Anmeldung dafür zu öffnen, damit sich möglichst viele Teilnehmende finden. Sind

diese Fragen erst geklärt, kannst du dich ganz auf die Inhalte konzentrieren. Zur Auflockerung

gehören auch Angebote für Spiel und Spaß, die bei der Planung nicht zu kurz kommen dürfen.

Die Themen des Kindergipfels werden in den Forderungen und Selbstverpflichtungen der

Teilnehmenden verdichtet und im Zukunftsvertrag gebündelt. Forderungen werden an Politiker*innen

und andere Entscheidungsträger*innen gerichtet. Die Selbstverpflichtungen sind

Vorhaben der Kinder und Jugendlichen, ihren Beitrag zu einem bestimmten Thema zu leisten

und die Forderungen zu unterstützen. Nachdem sich alle Teilnehmenden des Kindergipfels auf

den Zukunftsvertrag geeinigt haben, wird er mit Politiker*innen diskutiert, die einzelne – oder

Ablauf des Kindergipfels

1 Workshops

Der Kinder- und Jugendrat hat auf seinen Treffen Themen vorbereitet, die in parallel

stattfindenden Workshops eigenständig von den Teilnehmenden behandelt werden. Dabei

leiten die Ratsmitglieder ihre eigenen Workshops. Um sich eingehend mit einem Thema

zu beschäftigen, sollte es keine Wechsel zwischen den einzelnen Workshopgruppen

geben. Nach der Einstiegsphase, in der sich die Gruppe zum Thema ausgetauscht hat,

können Expert*innen hinzukommen. Mit ihnen können alle offenen Fragen geklärt und

zusätzliche Fakten für die Forderungen eingeholt werden. Zum Abschluss entscheidet die

Gruppe gemeinsam, was das Ergebnis ihres Workshops sein soll: Es werden Forderungen

und Selbstverpflichtungen festgehalten.

Neben den Themenworkshops kann es auch Trainings- und Aktionsworkshops geben. Hier

lernen die Teilnehmenden, wie man mit Politiker*innen diskutiert, oder sie kreieren ein

gemeinsames Theater- oder Musikstück.

2 Zukunftsvertrag

Nach ihren Workshops kommen alle Teilnehmenden des Kindergipfels zusammen und

präsentieren den anderen Gruppen ihre Ergebnisse. Wichtig sind hier klare Ergebnisse

und Formulierungen, so dass die Zusagen von Politiker*innen später auch überprüfbar

sind. In einem großen Plenum wird über die Forderungen und Selbstverpflichtungen

schließlich von allen Kindern und Jugendlichen abgestimmt. Dabei geht es oft kontrovers

zu, weswegen für diesen Punkt ausreichend Zeit eingeplant werden sollte. Am Schluss

steht der Zukunftsvertrag, auf den sich alle geeinigt haben und der nun von den Teilnehmenden

unterzeichnet wird.

3 Diskussion mit Politiker*innen

Den Abschluss und Höhepunkt des Kindergipfels bildet die öffentliche Diskussion mit

Politiker*innen. Die kann als Podiumsdiskussion, aber auch in Kleingruppen stattfinden.

Den Schlusspunkt bildet aber immer die feierliche Überreichung des Zukunftsvertrags. Im

besten Fall unterstützt dich dabei die örtliche Gemeinde oder Stadt, indem sie den Kindergipfel

für die Abschlussveranstaltung in einen repräsentativen Raum einlädt. In diesem

Rahmen wird die Abschlussveranstaltung auch pressewirksamer. Je mehr öffentliche

Aufmerksamkeit der Kindergipfel erhält, desto eher halten die Entscheidungsträger*innen

auch ihre Versprechen ein. Zusätzliche Aufmerksamkeit kannst du auch selbst über

die Social-Media-Kanäle deiner jeweiligen Vereinsstruktur erzeugen. Als Organisator*in

musst du gleichzeitig darauf achten, dass der Kindergipfel nicht zu einer Aktion für die

Interessen von Erwachsenen oder gar einer parteipolitischen Veranstaltung wird.

18

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 19


auch alle – Forderungen annehmen können. Zur Diskussion kannst du ebenfalls Vertreter*innen

zivilgesellschaftlicher Gruppen einladen, aber auch aus Kultur, Wirtschaft und anderen Bereichen.

Öffentlichkeitsarbeit

Für den Erfolg eines Kindergipfels ist es wichtig, dass viele Leute davon erfahren. Die Idee sollte

möglichst weit verbreitet werden. Ohne Presse- und Öffentlichkeitsarbeit läuft nicht viel.

Hier ist die Fantasie und das Geschick der Organisator*innen und weiterer Projektbeteiligter

gefragt. Am besten erstellt man Flugblätter und Plakate zur Ankündigung des Kindergipfels.

In Geschäften, Banken, Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und öffentlichen Gebäuden

wie Museen, Kino, Theater und Büchereien kann man nachfragen, ob Plakate aufgehängt

werden dürfen. Besonders erfolgsversprechend ist Mundpropaganda: Weitersagen macht die

Veranstaltung bekannt. Deshalb sollte möglichst vielen Leuten davon erzählt werden, auch

denen, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Kindergipfel zu tun haben. Lehrer*innen,

die Schüler*innenvertretung, Schüler*innen- und Klassensprecher*innen können die Veranstaltung

ankündigen, möglichst auch durch den Lautsprecher der Schule. Vielleicht hat die

Schule eine Website oder weitere mediale Präsenzen, die zur Verbreitung des Kindergipfels

genutzt werden können.

Ein Kindergipfel sollte immer auch eine Internetpräsenz haben. Dabei kann es sich um eine

Unterseite auf den Seiten des Veranstaltenden (der Schule, der Stadt oder einer Umweltorganisation)

oder eine eigene Seite handeln. Im Internet sollten Termine, Themen und Gäst*innen

angekündigt und Informationen für die Presse abgelegt werden. Nach der Veranstaltung

eignet sich dieser Platz im Internet für den Zukunftsvertrag. Aktuelle Berichte und Fotos vom

Kindergipfel machen die Seite attraktiver. Diese sollten nach Möglichkeit auch von den Kindern

und Jugendlichen selbst erstellt werden.

Im Vorfeld des Kindergipfels kannst du schon einiges für eine gelungene Berichterstattung

vorbereiten. Dazu gehören Pressemitteilungen, eine rechtzeitige Einladung zur Berichterstat-

tung an Medienvertreter*innen und die Erstellung von Pressemappen. Sprich auch mit der

Pressestelle der Stadt oder Gemeinde, in der deine Veranstaltung stattfindet, die dich bei der

Bewerbung des Kindergipfels sicher gerne unterstützt.

Bei einer großen Veranstaltung lohnt es sich, ein eigenes „Kinderpressezentrum“ einzurichten,

in dem die Kinder und Jugendlichen des Gipfels ihre Berichte und Fotos der Veranstaltung

zusammentragen und online oder in einer Konferenzzeitung veröffentlichen. Außerdem kann

das Kinderpressezentrum Presseanfragen beantworten und die Mitwirkung der Kinder und

Jugendlichen bei der Verbreitung der Ergebnisse sicherstellen. Um die Forderungen der Kinder

und Jugendlichen zu verbreiten, ist es von großer Bedeutung, dass viele Journalist*innen und

Reporter*innen von Zeitungen, vom Fernsehen und vom Rundfunk den Kindergipfel besuchen,

um über die Aktion zu berichten. Journalist*innen kommen häufig, wenn Prominente

aus Politik und Wirtschaft dabei sind, oder wenn interessante Themen sie neugierig machen.

Natürlich hilft es, wenn ein*e prominente*r Schirmherr*in gewonnen wurde, der*die auch an

der Veranstaltung teilnimmt. Ein interessantes oder vielversprechendes Motto hilft ebenfalls

dabei, den Gipfel bekannter zu machen. Die Erfahrungen bei den bisherigen Kindergipfeln

haben gezeigt, dass die Pressevertreter*innen auch manchmal stören können. Vor allem, wenn

sie mit der Kamera kommen und Situationen nachstellen wollen, wird es häufig nervig.

Auf der anderen Seite sind sie wichtig, weil die Ideen des Kindergipfels durch sie das Gehör

der Öffentlichkeit finden: Also vorher mit ihnen reden. Am besten werden Journalist*innen zu

einigen Programmpunkten hinzugenommen und zu anderen nicht – und verdeutlicht, warum

so entschieden wurde. Sinnvoll ist auch eine Pressekonferenz, auf der ihnen das Wichtigste

mitgeteilt wird. Es hat sich bewährt, mit dem Kinder- und Jugendrat vorher zu besprechen,

wie mit der Presse umgegangen werden soll. So können Regeln aufgestellt und Zeichen vereinbart

werden, wenn ein Workshop ungestört arbeiten möchte.

Flyer

Pressekonferenz

Homepage

20

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 21


Evaluation

Nach einer bestimmten Zeit, etwa mehreren Monaten oder einem Jahr, sollte überprüft

werden, ob die Gäst*innen ihre Versprechen eingelöst haben. Dazu schreibt man sie an

und trägt anschließend die Antworten zusammen. Wenn es möglich ist, kannst du auch

ein persönliches Gespräch mit den Politiker*innen oder Prominenten organisieren, bei dem

die Kinder nachfragen, was aus ihren Forderungen geworden ist – am besten natürlich

gemeinsam mit der Presse.

Versuche, möglichst viele Berichte über den Kindergipfel in einem Pressespiegel zusammenzutragen

und verschaffe dir auch einen Überblick über Klickzahlen der Homepage- und

Social-Media-Beiträge. Die Medienpräsenz und -rezeption vermittelt nicht nur einen guten

Überblick darüber, welche Reichweite die Veranstaltung hatte. Du kannst so später Redakteur*innen

direkt mit Neuigkeiten zum Kindergipfel versorgen und dabei an den alten Berichten

anknüpfen. Nicht zuletzt ist die öffentliche Aufmerksamkeit auch für den Kinder- und

Jugendrat eine schöne Bestätigung.

Den Kinder- und Jugendrat solltest du ebenfalls regelmäßig um Rückmeldungen bitten, um

seine Stimmung im Blick zu behalten – aber auch, um seine Entwicklung und die Wirksamkeit

des Projektes festzuhalten. Dazu entwirfst du noch vor dem ersten Treffen mit dem Rat einen

Fragebogen, den er in dieser Form mindestens nach jedem Treffen beantwortet, bei langen

Abständen vielleicht auch zwischendurch. Das Ausfüllen sollte anonym erfolgen und auch

kritische Fragen zu den Treffen und Veranstaltungen berücksichtigen, etwa zur Organisation,

den Themen oder der Stimmung insgesamt. So gibst du dem Rat die Chance, möglichen Frust

loszuwerden und euch allen, ein besseres nächstes Treffen zu organisieren. Je nach Veranstaltung

sollten auch die Teamer*innen sowie die weiteren Teilnehmenden um ihr Feedback

gebeten werden.

Auswertung

Nach

fragen

22

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 23


4 Kommunale Mitwirkungsmöglichkeiten

für Kinder und Jugendliche

Während des Kindergipfels haben die Teilnehmenden viel darüber gelernt, wie sie ihre Forderungen

formulieren und mit Entscheidungsträger*innen diskutieren können. In der Nachbereitung

des Gipfels kann es auch darum gehen, ihr Engagement auf kommunaler Ebene weiter

zu unterstützen. Hier, in ihrem direkten Wirkumfeld, können Kinder und Jugendliche an ganz

konkreten Vorhaben arbeiten und im besten Fall anschaulich erleben, wie sie etwas erreichen

können.

Um Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu schaffen oder gar zu etablieren,

brauchen sie deine Unterstützung und weitere Verbündete. Da die Kommunen ganz

unterschiedlich aufgestellt sind, muss zunächst eine Bestandsaufnahme der Partizipationsmöglichkeiten

erfolgen. Gibt es bspw. Kinder- oder Jugendbeauftragte, vielleicht sogar schon

ein Kinder-, Schüler*innen- oder Jugendparlament? Fehlen solche etablierten Beteiligungsformate

noch, kann man sich auch an die Expert*innen in Jugendfreizeiteinrichtungen oder

Jugendgruppenleiter*innen aus den örtlichen Verbänden wenden. Sie kennen vielleicht weitere

gute Ansprechpartner*innen in der Kommune oder wissen von Partizipationsprojekten.

Wenn man auch hier nicht weiterkommt, so kann man auch die Sprechstunden der Kommunen

nutzen und direkt mit dem*der Bürgermeister*in oder zuständigen Leiter*innen in der

Verwaltung reden.

Mit den Ergebnissen des Kindergipfels, festgehalten im Zukunftsvertrag, können die Kinder

und Jugendlichen selbstbewusst auf die erarbeiteten Forderungen und Selbstverpflichtungen

zurückgreifen, die ihnen am wichtigsten sind. So haben sie ein konkretes Ziel vor Augen, dem

sie sich in ihrer Kommune widmen und für dessen Erreichung sie sich Verbündete suchen

können. Gerade wenn es noch keine festen Beteiligungsstrukturen gibt, darf es gerne auch ein

kleines Ziel sein. Ist der Prozess nämlich erst einmal bis zum Ende durchgespielt worden, dann

lässt er sich auch einfacher als neuer Standard etablieren.

Demokratie

Schule

In

klu

sion

24

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 25


5 Der Kinder- und Jugendrat 2021

Mitglieder, Themen und Ergebnisse

Eren:

Rassismus entgegenwirken

Forderungen der Teilnehmenden

Lehrkräfte sollten mehr geschult werden.

Oft schauen diese nämlich weg oder greifen in

der falschen Situation ein.

Es soll mehr schulische Veranstaltungen

geben, die auf die Ausgrenzung im Schulalltag

und ihre Folgen eingehen.

Serhat:

Für Inklusion - gegen

Ausgrenzung im Schulalltag

Forderungen der Teilnehmenden:

Rassismus höher bestrafen und das Thema

mehr (öffentlich) besprechen.

Einen höheren Wert auf die Teilhabe von

Menschen mit migrantischer Herkunft in den Alltag

bzw. die Politik legen.

Selbstverpflichtungen der Teilnehmenden:

Wenn ich mitbekomme, dass sich jemand

rassistisch äußert, werde ich dazwischen gehen.

Ich werde aktiv rassistische Szenarien wenn

möglich aufhalten oder minimieren.

Serhats Statement:

Ausgrenzung ist eine überwältigende

Kraft, die es zu minimieren gilt. Sie findet in

jeglicher Form statt und ist selbst im Tierreich

zu beobachten, weshalb es schon als

Normalität gilt. Mein Ziel ist es, diese vermeintliche

Normalität zu durchbrechen

und für ein besseres gesellschaftliches und

internationales Miteinander zu sorgen.

Selbstverpflichtungen der Teilnehmenden

Gerade als Älterer habe ich die Aufgabe

andere aufzuklären. Am besten direkt in der

gegebenen Situation.

Ich werde Menschen, die von (schulischer)

Ausgrenzung betroffen sind, mehr

miteinbeziehen und sie auch mal an der

Hand nehmen, um deren Angst vor der Überwindung

entgegenzuwirken.

Erens Statement:

Viele Kinder werden von ihren Eltern

rassistisch erzogen. So passiert es, dass es

rassistische Bemerkungen auch schon in

Schulen oder im Sport gibt. Schüler*innen

werden wegen ihrer Hautfarbe für ungepflegt

gehalten. Egal welche Hautfarbe

man hat oder welcher Religion man angehört,

wir sind alle Menschen!

26

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Kayra & Seif:

Klimawandel und Umwelt

Aziza:

Coronasituation für Kinder

und Jugendliche verbessern

Kayras Statement:

Mir wäre es wichtig, dass viele mitmachen

würden, auf die Forderungen

Rücksicht nehmen und versuchen, mit uns

etwas an der Umwelt zum Besseren zu

ändern.

Seifs Statement:

Der Klimawandel bringt nur Nachteile

mit sich. Wenn wir jetzt nichts verändern,

werden wir das irgendwann bereuen.

Forderungen der Teilnehmenden:

Uns zuhören, uns einbinden, uns mithelfen lassen,

unsere Ferienaktionen zulassen.

Generell sollte den Kindern mehr Aufmerksamkeit

geschenkt werden... die Belastung ist bei

uns nämlich am Höchsten!

Selbstverpflichtungen der Teilnehmenden:

Ich werde mehr meine Meinung sagen, mich

an die AHA-Regeln halten und älteren Menschen

helfen.

Ich werde mit Menschen wie Lehrer*innen reden

und Probleme klarstellen!

Bürgermeister*in werden.

Azizas Statement:

Forderungen der Teilnehmenden:

Bei recyclebarem Plastik ist es uns wichtig,

dass es mehr gibt, dass besser recycelt

wird, wie mit dem Flaschenpfandsystem.

Wir wollen, dass die Haltung der Tiere

verbessert wird, z.B. durch Subventionen und

andere Hilfen für Erzeuger*innen.

Umwelt, Gesundheit, elektrischer Strom

und ähnliche Themen als Fächer an Schulen

unterrichten lassen.

Selbstverpflichtungen der Teilnehmenden:

Ich werde mich mehr bei der Mülltrennung

anstrengen!

Ich werde mehr auf meine direkte Umwelt

achten, also Müll sammeln und auch

versuchen, mich vegan zu ernähren.

Ich werde auch bei Regen laufen.

Corona ist für uns Jugendliche und Kinder

eine sehr schwierige Phase. Wir haben

nicht mehr viele Möglichkeiten, irgendwas

zu machen, keine Freizeitaktivitäten oder

Ferienlager. Ich finde, man sollte sich auch

die Meinung der Kinder und Jugendlichen

anhören und eine gemeinsame Lösung für

uns finden.

28

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 29


Juri:

Gegen Autokratie und

Diktaturen

Forderungen der Teilnehmenden:

Politiker*innen sollen sich mehr für Freiheit

einsetzen.

Keine Waffenlieferungen in Diktaturen

und Krisengebiete machen. Und den Reichtum

gerechter verteilen.

Elias:

Forderungen der Teilnehmenden:

Die Aufklärung in Schulen sollte mehr

gefördert werden (z.B. Einladen von Betroffenen

rechtsextremer Gewalt).

Die Politik soll noch mehr gegen Rechtsextremismus

vorgehen.

Gegen Rechts(extremismus)

Selbstverpflichtungen der Teilnehmenden:

Ich werde in demokratischen Vereinen

mitarbeiten, in denen andere junge Menschen

sind.

Ich würde gerne wählen gehen (darf ich

noch nicht).

Elias‘ Statement:

Rechtsextremismus ist eine Gefahr, die

man nicht unterschätzen sollte. Mehr Aufklärung,

vor allem an Grundschulen und

weiterführenden Schulen, ist dringend nötig.

Nährboden für rechtes Gedankengut kann

schon früh entstehen.

Juris Statement:

Demokratie ist die beste aller Staatsformen,

weil sie die Macht auf viele verteilt.

Man muss sie aber lernen, am besten

so früh wie möglich.

Selbstverpflichtungen der Teilnehmenden:

Bei diskriminierenden Sprüchen werde

ich nicht schweigen, sondern mich diesen

klar entgegensetzen.

Ich werde durch ehrenamtliches Engagement

(z.B. in Jugendverbänden, Vereinen,

Schul-AGs) menschenfreundliche Einstellungen

fördern und stärken.

Ich werde meine Vorurteile hinterfragen.

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Forderungen der Teilnehmenden:

Schule muss viel digitaler werden.

Das Schulsystem sollte über alle Bundesländer

hinweg gleich sein.

Kayras Statement:

In der Schule gibt es Fächer, die manchen

Schüler*innen kaum etwas bringen

oder worin sie nicht gut sind. Ich wünsche

mir deswegen mehr Wahlmöglichkeiten

für Schüler*innen.

Gulezars Statement:

Selbstverpflichtungen der Teilnehmenden:

Ich werde mich mit eigenen Ideen einbringen

und mich für die Umsetzung dieser

einsetzen!

Ich werde mich mit Ratschlägen in Sachen

Digitalisierung einbringen, da Schüler*innen in

diesem Bereich mehr als die Lehrer*innen

wissen.

Moussa:

Wahlen

(für alle ermöglichen)

Forderungen der Teilnehmenden:

Kinder und Jugendliche sollen auch mitbestimmen

können, wer sie regiert.

Der Klimawandel wird mich am meisten betreffen,

also möchte ich jetzt die wählen können,

die wirklich etwas verändern. Das wäre nur gerecht.

Selbstverpflichtungen der Teilnehmenden:

Wenn ich darf, geh‘ ich immer wählen.

Ich werde mich vor jeder Wahl gut informieren.

In der gesamten Schullaufbahn werden

kaum zukunftsrelevante Probleme thematisiert,

stattdessen werden altmodische

Lernmethoden angewendet und die Schüler*innen

leiden unter enormem psychischen

Druck. Das muss sich ändern!

Moussas Statement:

Wer hier lebt, soll auch hier wählen

dürfen. Egal, wie alt jemand ist oder wo

man geboren wurde.«

Gulezar & Kayra:

Schulsystem verbessern

32

HANDBUCH KINDERGIPFEL HANDBUCH KINDERGIPFEL 33


IMPRESSUM

Der Kindergipfel 2021 ist

ein Kooperationsprojekt der

Naturfreundejugend Deutschlands

und dem

Danksagungen

Deniz

Fırat

Sezen Çakmak

Özge Erdoğan

Tamara Busch

Malte Grenz

Ardil Güner

Caner Güneş

Janik Holst

Issa Issa

Barış Kaçar

Carolin Klumpp

Pia Metzger

Arje Sarar

Haus der Jugendverbände

Anne Frank, Karlsruhe

Bund der Alevitischen Jugendlichen

in Deutschland (BDAJ)

Der Kindergipfel c/o

Naturfreundejugend Deutschlands,

Warschauer Straße 59a

10243 Berlin, Telefon 030 / 29 77 32 70

Telefax 030 / 29 77 32 80, info@kindergipfel.de

Gefördert vom

Redaktion: Severin Goerss, Ljuba Ljachowa,

Tobias Thiele (V.i.S.d.P.)

Herausgegeben durch:

Kinder- und Jugendwerk der Naturfreunde -

Verein zur Förderung der Naturfreundejugend

Deutschlands e.V.,

Warschauer Str. 59a, 10243 Berlin

Tel. 0 30 / 29 77 32 70

Fax: 0 30 / 29 77 32 80

info@naturfreundejugend.de

www.naturfreundejugend.de

www.kindergipfel.de

Layout: Nicole Jaecke, fija.de

Fotos: Naturfreundejugend Deutschlands, Bund

der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland,

Sezen Çakmak, Özge Erdoğan, Jugendrat

34

HANDBUCH KINDERGIPFEL


Der

KINDER

GIPFEL

Der Kindergipfel ist eine Partizipationsveranstaltung für Kinder

und Jugendliche. Als Expert*innen für ihr eigenes Lebensumfeld

stehen sie hier im Mittelpunkt und entscheiden, wie bessere Politik

für junge Menschen aussehen sollte. Damit ein Kindergipfel-​Projekt

von möglichst vielen Akteur*innen und Einrichtungen der Kinderund

Jugendarbeit organisiert werden kann, werden in diesem

Handbuch Tipps und Beispiele für die Regional-, Landes- und Bundesebene

gegeben. Gleichzeitig ist das Projekt modular konzipiert.

So kann – je nach Möglichkeiten und Ressourcen – eine passende

Umsetzung geplant werden. Komplettiert wird das Handbuch

durch Beiträge von Jugendlichen und ihren politischen Forderungen

aus dem aktuellen Kindergipfel.

kindergipfel.de

36

HANDBUCH KINDERGIPFEL

ISBN 978-3-921381-60-1

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