MAGNIFICAT Oktober 2021

butzonbercker

OKTOBER 2021


Zum Titelbild

Heilung des Blinden am Teich Schiloach

Egbert-Codex, Reichenau um 980–990,

Stadtbibliothek Trier, Hs. 24, fol. 50r,

© Stadtbibliothek / Stadtarchiv Trier, Foto: Anja Runkel

Der Egbert-Codex gehört zu den wichtigsten Handschriften der ottonischen

Buchmalerei, insbesondere der Reichenauer Schule, und bietet den ältesten

erhaltenen Bilderzyklus zum Leben Jesu in Buchform. Es sind 51 Miniaturen,

welche die Perikopen aus den vier Evangelien, die in der Reihenfolge

des Kirchenjahres angeordnet sind (es handelt sich also um ein Evangelistar),

bebildern. Hinzu kommen vier Evangelistenbilder und ein Widmungsbild mit

Widmungsgedicht. Insgesamt besteht der Codex aus 165 Pergamentblättern im

Format 27 x 21 cm. Die Schlichtheit der Kompositionen und Finesse der Farbabstufungen,

die Zentrierung auf das Heilshandeln Christi und die spirituelle

Tiefendimension der Miniaturen faszinieren bis heute.

Der Codex wurde wahrscheinlich zwischen 980 und 990 im Auftrag von

Erzbischof Egbert von Trier (reg. 977–993) geschaffen. Im Widmungsgedicht

auf fol. 1v ist es die „glückliche Au“, die Egbert das Buch darbringt, weshalb

die ausführende Werkstatt auf der Reichenau zu suchen ist (die Mönche Kerald

und Heribert sind auf fol. 2r gemeinsam mit dem Erzbischof abgebildet).

Da aber sieben Miniaturen vom Gregormeister (vgl. MAGNIFICAT September

2017) stammen, der in Trier gewirkt hat, sind Reichenauer und Trierer Anteile

im Codex vorhanden und in ihrer Zuordnung umstritten.

Unter Erzbischof Egbert kam der Codex wahrscheinlich in den Dom, später

in das Stift St. Paulin in Trier. Seit 1810 befindet er sich in der Stadtbibliothek

in Trier.

Unser Titelbild zeigt eine Blindenheilung. Einem Blindgeborenen öffnet Jesus

die Augen und dieser erkennt den Herrn als das Licht der Welt (vgl. Joh 9, 5).

Heinz Detlef Stäps


Ich glaube, Herr

dass du mir irgendwann

die Augen öffnest

und ich dich sehe

wer du bist

für mich

und ich langsam

beginne

zu glauben

Heinz Detlef Stäps

Heilung des Blinden am Teich Schiloach

Egbert-Codex, Reichenau um 980–990,

Stadtbibliothek Trier, Hs. 24, fol. 50r,

© Stadtbibliothek / Stadtarchiv Trier, Foto: Anja Runkel

Karte aus: MAGNIFICAT. Das Stundenbuch, Ausgabe: Oktober 2021

© Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer, www.magnificat.de


Benedictus

epriesen sei der Herr, der Gott Israels! *

Denn er hat sein Volk besucht und ihm

Erlösung geschaffen;

er hat uns einen starken Retter erweckt *

im Hause seines Knechtes David.

So hat er verheißen von alters her *

durch den Mund seiner heiligen Propheten.

Er hat uns errettet vor unsern Feinden *

und aus der Hand aller, die uns hassen;

er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet /

und an seinen heiligen Bund gedacht, *

an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;

er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, /

ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit *

vor seinem Angesicht all unsre Tage.

Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; /

denn du wirst dem Herrn vorangehn *

und ihm den Weg bereiten.

Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken *

in der Vergebung der Sünden.

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes *

wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,

um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen

und im Schatten des Todes, *

und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *

und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit *

und in Ewigkeit. Amen.

Lk 1, 68–79 – VIII. Ton, vgl. GL 1975 681 · KG 267,

alternative Melodie im V. Ton: vgl. GL 617, 2


Magnificat

eine Seele preist die Größe des Herrn, *

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd

hat er geschaut. *

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, *

und sein Name ist heilig.

Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht *

über alle, die ihn fürchten.

Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: *

Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;

er stürzt die Mächtigen vom Thron *

und erhöht die Niedrigen.

Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben *

und lässt die Reichen leer ausgehn.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an *

und denkt an sein Erbarmen,

das er unsern Vätern verheißen hat, *

Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Ehre sei dem Vater ...

Lk 1, 46–55 – IX. Ton, vgl. GL 631, 4 · GL 1975 689 · KG 274

Nunc dimittis

un lässt du, Herr, deinen Knecht, *

wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.

Denn meine Augen haben das Heil gesehen, *

das du vor allen Völkern bereitet hast,

ein Licht, das die Heiden erleuchtet, *

und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Ehre sei dem Vater ...

Lk 2, 29–32 – III. Ton, vgl. GL 665, 3 · GL 1975 700, 3 · KG 290


Oktober 2021

Versöhnung und Aufbruch

Aufbruch Schöpfung

Siehe, nun mache ich etwas Neues.

Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?

Buch Jesaja – Kapitel 43, Vers 19

VERLAG BUTZON & BERCKER KEVELAER


Jahresthema 2

Versöhnung und Aufbruch

Dezember 2020

Januar 2021

Februar 2021

März 2021

Die Heilige Woche 2021

April 2021

Mai 2021

Juni 2021

Juli 2021

August 2021

September 2021

Oktober 2021

November 2021

Aufbruch Gottes

Aufbruch der Völker

Aufbruch durch Versöhnung

Aufbruch aus Schuld und Sünde

Aufbruch durch Erlösung

Aufbruch in die Freiheit

Aufbruch in versöhnte Verschiedenheit

Aufbruch zu mir selbst

Auf-brechen

Kompromiss als Aufbruch

Konziliarer Aufbruch

Aufbruch Schöpfung

Aufbrechen – Ankommen

MAGNIFICAT IN CORONA-ZEITEN

Aktuelle Informationen und Hinweise finden Sie im

Internet unter https://www.magnificat-das-stundenbuch.de/de/corona.html


3

Inhalt

Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

Das Bild im Blick

Heilende Begegnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

Morgengebet, Texte zur Eucharistiefeier, Abendgebet 10

Marienandacht

Maria fühlt und leidet mit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335

Thema des Monats

Aufbruch Schöpfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 345

Unter die Lupe genommen

Schonen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 348

Das Buch der Natur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 351

Singt dem Herrn ein neues Lied

Gott gab uns Atem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 354

Engagiertes Christsein

Tierschutz als Gebot Gottes: Albert Knapp . . . . . . . . . . 357

Die Mitte erschließen

Reform liturgischer Bücher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 360

Themen und Termine

Gebetsanliegen des Papstes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73

Selige des Monats: Maria Restituta Kafka . . . . . . . . . . . 364

Bibel und Liturgie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 366

Schöpfungszeit feiern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 367


Inhalt 4

150 Jahre Raphaelswerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369

Aktiv gegen Hunger: Welternährungstag . . . . . . . . . . . . 371

Zeugnis für das Leben: Weltmissionssonntag . . . . . . . . . 372

Synodaler Weg beginnt weltweit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 375

Gottesdienste im ZDF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 377

DOMRADIO.DE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 377

Gebete und Gesänge

Confiteor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17

Erbarme dich, Herr, unser Gott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

Eröffnung von Morgen- und Abendgebet . . . . . . . . . . . 378

Marianische Antiphon Salve Regina . . . . . . . . . . . . . . . 379

Namenstagskalender . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 380

Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 382

Leserservice . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 383

Quellennachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 384

Abkürzungen:

GL: Gotteslob 2013

GL 1975: Gotteslob 1975

KG: Kath. Gebet- und Gesangbuch der deutschsprachigen Schweiz

EG: Evangelisches Gesangbuch

MAGNIFICAT wird aus reinem Dünndruckpapier hergestellt und verbraucht

daher 50 % weniger Nutzholz und Energie als herkömmliches

Papier. Dünndruckpapier ist ein idealer Recycling-Rohstoff und leistet

somit einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Umwelt.

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5Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Mein Theologiestudium in einem Lektüreseminar mit Martin

Heideggers Sein und Zeit zu beginnen, war ein durchaus

anstrengender, aber auch prägender Einstieg. Geworfensein

und Sein zum Tode sind zwei zentrale Grundgedanken. Heidegger

sieht darin Grundgegebenheiten menschlicher Existenz:

Ich erfahre mich als in die Welt geworfen, doch wird mein Leben

im Vorausblick auf sein Ende zur Möglichkeit und Aufgabe,

ganz ich selbst zu werden. So bedeutend dieser Blick Heideggers

auf menschliche Lebenswirklichkeit für das 20. Jahrhundert geworden

ist, so vielfältig ist die Kritik, die er erfahren hat. Mir

kommt es besonders auf einen Gedanken Hannah Arendts an,

den sie in ihrem Buch Vita activa oder Vom tätigen Leben entfaltet

hat. Arendt betont im Gegensatz zu ihrem Lehrer das Geborensein.

In Anknüpfung an Augustinus erkennt sie darin das

Wunder des Menschseins – dass Menschen geboren werden,

ermöglicht ihnen einen radikal neuen Anfang. Vom Beginn des

Lebens her gesehen, kommen wir Menschen in elementarer

Offenheit in eine Welt, die scheinbar unendliche Möglichkeiten

bietet. Völlig angewiesen auf andere, sind wir von vornherein

angelegt auf Beziehung, Vertrauen und Zusammenwirken. Damit

ist aus meiner Sicht eine Tür aufgestoßen, um eine allzu

individualistische Deutung des Lebens von seinem Ende her zu

überwinden. Denn wenn ich diese Grunddimension lebe, wird

es nicht mehr so sehr darum gehen, wie ich selbst am Ende

dastehe, sondern um die Frage, was durch mein Tun und Lassen

in der Gemeinschaft wachsen kann, in der ich lebe. Dieser

Blickwechsel ermöglicht Hoffnung und Gelassenheit: Ich werde

zum Mit-Schöpfer Gottes. Was ich für andere tue und mit ihnen

wirke, schafft Verbindungen, die weiter tragen, die Zukunft

gründen – ein Aufbruch auch über meinen persönlichen Tod

hinaus.

Ihr Johannes Bernhard Uphus


Das Bild im Blick 6

Heilende Begegnung

Joh 9, 1–38

Der Egbert-Codex zeigt die Miniatur auf unserem Titelbild

vor dem Beginn der Perikope Joh 9, 1–38 zum Mittwoch

der vierten Fastenwoche.

Christus im Zentrum

Christus bildet das klare Zentrum der Miniatur, um aber die

Komposition spannungsvoller aufzubauen, hat der Maler ihn

leicht aus der Mitte nach links gerückt. Wie in den meisten

Miniaturen des Codex (außer in den Passionsszenen) trägt Jesus

ein violettes Obergewand mit goldenen Säumen über einem

hellen Untergewand. Dem goldenen Nimbus ist ein Kreuz eingezeichnet

und über dem Kopf steht in goldenen griechischen

Buchstaben „IHC XPS“ – Jesus Christus. Der klassische Kontrapost

(das linke Bein als Standbein und das rechte als Spielbein

bringen gleichzeitig Ruhe und Bewegung in die Christusfigur)

macht deutlich, dass der Maler an antiken Vorbildern geschult

wurde. Und so zeigen auch die Arme den Wechsel zwischen

ruhender linker Seite (in der linken Hand hält er das Evangelienbuch)

und bewegter rechter Seite. Dieser rechte Arm ist aber

weit ausgestreckt und dem blindgeborenen Mann zugewandt.

Der Redegestus steht für Jesu Aufforderung: „Geh und wasch

dich im Teich Schiloach!“ (Joh 9, 7) Zusätzlich schaut der Herr

ihn direkt an, er ist ihm ganz zugewandt. Der Blinde (über

seinem Kopf steht „CAECVS“ – Blinder) steht leicht gebeugt

vor Jesus, die Beine in Schrittstellung, der Blindenstab gibt ihm

Halt. Als Zeichen seiner Blindheit hat er die Augen geschlossen

und zeigt mit der rechten Hand darauf. Er trägt eine rot leuchtende

kurze Tunika. Ein Tuch ist um seinen Kopf gewickelt (dies

findet sich auch bei dem Blinden auf fol. 31r des Codex), womit


7

Das Bild im Blick

wohl ein Schutz gemeint ist, falls der Blinde den Kopf anstieß.

Auf der linken Seite stehen zwei Apostel („APLI“, vgl. Innenkarte),

zuvorderst Petrus mit hinweisender Geste. Alle Personen

übertreten mit ihren Füßen den gemalten Rahmen, der wie

immer im Egbert-Codex aus einem Purpurstreifen mit goldenen

Rhomben und Strichen besteht.

Ein antiker Brunnen

Der Bibeltext legt nahe, dass der Teich Schiloach nicht weit von

der Stelle der Begegnung zwischen Jesus und dem Blinden entfernt

war. Der Maler lässt hinter dem Blinden einen hohen gemauerten

Turm aufragen, dessen ovale Öffnung blaues Wasser

zeigt. Daneben ist eine ebenfalls gemauerte schlanke Säule zu

sehen, auf der ein Pfau Wasser in den Brunnentrog speit. Die

ungewöhnliche Konstruktion ist überschrieben: „AQVEDVC-

TVS SYLOAE“ (Aquädukt Schiloach). Es ist schon erstaunlich,

dass ein Teich als Brunnen dargestellt und dieser dann als Aquädukt

bezeichnet wird. Hier ist aber mit Händen zu greifen, wie

groß in der Buchmalerei des ausgehenden ersten Jahrtausends

noch die Verbindungen zur antiken Kunst waren. Denn auch

wenn der Pfau (Symbol des Ewigen Lebens) in schönen Farben

leuchtet, ist damit wohl eine bronzene Brunnenfigur gemeint,

wie die beiden berühmten Bronzepfauen im Cortile della Pigna

(Vatikanische Museen). Für lange Zeit dienten diese beiden vergoldeten

Figuren vor dem Petersdom der Verzierung des sogenannten

Cantaro, eines Brunnens für die Waschung der Pilger.

Wie der Maler gerade auf diese ausgefallene Idee kam, wissen

wir nicht, aber vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass Jesus

auf den Boden spuckte (vgl. Joh 9, 6), was er sich darzustellen

nicht getraute, was er aber anklingen lässt durch den Wasser

spuckenden Pfau.

Eine weitere Reminiszenz an die Antike zeigt der Hintergrund

der Miniatur. Er besteht aus einem mehrstreifigen Farbverlauf,


Das Bild im Blick 8

der von Erdtönen unten bis zu Himmelsfarben oben changiert

und in Pastellfarben den handelnden Personen im Vordergrund

mit den starken Farben ihrer Gewänder nicht „die Show

stiehlt“. Dieser schafft aber eine Hintergrundfolie, die sozusagen

die Luft sichtbar macht, und der Handlung im Vordergrund

Stütze und Atmosphäre gibt (auch wenn die von der Rückseite

durchscheinenden Buchstaben dies etwas stören). Diese atmosphärisch

geschichteten Farbgründe begegnen uns schon in der

antiken Buchmalerei und werden vom Egbert-Codex in die Reichenauer

Buchmalerei übertragen.

Die Hand Jesu

„Handlung“ ist hier ganz wörtlich zu verstehen: Jesus machte

aus seinem Speichel mit dem Staub der Erde einen Teig und

strich ihn dem Blinden auf die Augen (vgl. Joh 9, 6). Dies ist hier

zwar nicht zu sehen, aber dennoch bildet die Hand Jesu die Mitte

der Komposition und wird, wie oben gezeigt, verbunden mit

dem Wort Jesu an den blinden Mann. Dieser zeigt eine parallele

Stellung seines Unterarms und seiner Finger, auch wenn diese

wohl auf seine Blindheit hinweisen. Es entsteht so ein Dialog

(auch wenn der Blinde erst später in der Geschichte spricht);

der Bedürftigkeit des Menschen antwortet der Sohn Gottes mit

seinem heilmachenden Wort. Dass dieses Wort nicht einfach

in eine ferne Vergangenheit hineingesprochen wurde und dort

verpufft ist, deutet das Evangelienbuch an, das der Herr in der

linken Hand hält (auf anderen Miniaturen des Codex besser zu

erkennen): das Wort ist Fleisch geworden in Jesus Christus (vgl.

Joh 1, 14), aber es ist auch Buch geworden und so ist es uns bis

heute geschenkt, dass wir ein Buch wie den Egbert-Codex, aber

auch jede andere Bibel, aufschlagen und uns in dieses heilende

Wort Gottes fallen lassen können.

In der johanneischen Konstruktion der Perikope steht das

Wort im Zentrum, dass Jesus das Licht der Welt ist (vgl. Joh


9

Das Bild im Blick

9, 5). Der Blindgeborene hat niemals Licht sehen können, bis

der Herr ihm die Augen öffnet und damit selbst für den Blinden

zum Licht wird. Dieser antwortet mit dem Zeugnis gegenüber

den Pharisäern, dass Jesus ein Prophet ist (vgl. Joh 9, 17), und

später bei einer zweiten Begegnung mit seinem Heiland mit

dem langsam in ihm gewachsenen Glaubenszeugnis: „Ich glaube,

Herr“ (Joh 9, 38). Die Begegnung mit Jesus hat den Mann

verändert, er kann nicht nur mit seinen Augen sehen, sondern

er kann nun auch an den „Menschensohn“ glauben und diesen

Glauben gegenüber dessen Feinden bezeugen; er sieht nun

auch mit seinem Herzen, wer sein Herr ist, das Licht der Welt.

Heinz Detlef Stäps


Freitag, 1. Oktober 2021

Heilige Theresia vom Kinde Jesus

Herz-Jesu-Freitag

Theresia von Lisieux (1873–1897) stammte aus der Normandie

(Frankreich). Ihr Ordensname war „Theresia vom Kinde Jesus“.

Zur Unterscheidung von der „großen“ Teresa von Ávila wird sie

auch die „kleine“ Theresia genannt. Schon früh wollte sie in den

Karmel eintreten, erhielt aber erst 1888 die kirchliche Erlaubnis

dazu. 1890 legte sie ihre Gelübde ab. 1895 brachte sie sich als

„Ganzopfer der Liebe des gnädigen Gottes“ dar. Ihre autobiografischen

Aufzeichnungen „Geschichte einer Seele“ beschreiben ihren

Weg der Hingabe an Gott und die Mitmenschen, die sich gerade in

den kleinen Gesten des alltäglichen Lebens äußert. Sie nennt ihn

den „kleinen Weg“ des Menschen, der sich im Bewusstsein seiner

geistlichen Armut mit leeren Händen vor Gott sieht, von dem er

sich alles schenken lassen muss. Sie betont, dass die Liebe zu Gott

an der Liebe zum Nächsten gemessen wird und eine unendlich

barmherzige Liebe Gottes auch die Sünder erwartet. Die letzten

Jahre ihres Lebens waren von körperlichen und seelischen Leiden

geprägt. Theresia wurde 1925 heiliggesprochen. 1997 wurde sie

zur Kirchenlehrerin erhoben.

Schrifttexte: Lesung: Jes 66, 10–14c; Evangelium: Mt 18, 1–5

Namenstag: hl. Piatus von Tournai (Platon, Märtyrer, † um 300) ·

hl. Romanus der Melode (byz. Hymnendichter, † um 560) · hl. Bavo

von Gent (Benediktiner, † vor 659) · hl. Giselbert von Zusmarshausen

(Hirte, 11. Jh.) · sel. Werner von Wilten (Prämonstratenser, † 1332)

Ökumenischer Gedenktag: Obhut der Gottesgebärerin (slaw. Orthodoxie)

· Anthony Ashley Cooper, 7. Earl of Shaftesbury (brit. Sozialreformer,

1801–1885)


11

Freitag, 1. Oktober · Morgen

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit.

Amen. Halleluja.

Hymnus

Herr, öffne mir die Herzenstür,

zieh mein Herz durch dein Wort zu dir,

lass mich dein Wort bewahren rein,

lass mich dein Kind und Erbe sein.

Dein Wort bewegt des Herzens Grund,

dein Wort macht Leib und Seel gesund,

dein Wort ist’s, das mein Herz erfreut,

dein Wort gibt Trost und Seligkeit.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn,

dem Heilgen Geist in einem Thron;

der Heiligen Dreieinigkeit

sei Lob und Preis in Ewigkeit.

Johann Olearius 1671

EG 197 · Melodie: GL 147 · GL 1975 516 · KG 199

Psalm 147 Verse 12–20

Jerusalem, preise den Herrn, *

lobsinge, Zion, deinem Gott!

Denn er hat die Riegel deiner Tore fest gemacht, *

die Kinder in deiner Mitte gesegnet;

er verschafft deinen Grenzen Frieden *

und sättigt dich mit bestem Weizen.

Er sendet sein Wort zur Erde, *

rasch eilt sein Befehl dahin.


Morgen · Freitag, 1. Oktober 12

Er spendet Schnee wie Wolle, *

streut den Reif aus wie Asche.

Eis wirft er herab in Brocken, *

vor seiner Kälte erstarren die Wasser.

Er sendet sein Wort aus, und sie schmelzen, *

er lässt den Wind wehen, dann rieseln die Wasser.

Er verkündet Jakob sein Wort, *

Israel seine Gesetze und Rechte.

An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, *

keinem sonst seine Rechte verkündet.

Ehre sei dem Vater ...

Unendlich liebender Gott, segne die Kinder in unserer Mitte.

Bring das Eis in uns zum Schmelzen und gib, dass wir ihnen

ähnlich werden.

Lesung Röm 8, 15–16

Ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven

macht, sodass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern

ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht,

den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist

selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Benedictus, Magnificat und Nunc dimittis finden Sie auf einem heraustrennbaren

Gebetsblatt am Anfang des Heftes. Die dazugehörigen Antiphonen werden

jeweils vor und nach diesen Gesängen aus dem Evangelium gebetet.

Antiphon zum Benedictus:

Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie

die Kinder, kommt ihr nicht in das Himmelreich.

Bitten

Du unser Vater, als deine geliebten Kinder möchtest du uns an

dich drücken. Wir bitten dich:


13

Freitag, 1. Oktober · Eucharistie

A: Hilf uns umkehren zu dir.

– Wenn wir mehr unserem Können als deiner Güte vertrauen.

– Wenn wir angesichts des Leids auf der Erde an dir zweifeln.

– Wenn wir uns selbst wegen unserer Schwächen und Fehler

nicht annehmen können.

Vaterunser

Oration

Großer Gott, du rufst Menschen in deine Nähe, die nichts von

sich selbst erwarten, sondern alles von dir erhoffen. Führe uns

den Weg der Demut und der Gotteskindschaft, den du der heiligen

Theresia gezeigt hast. Vollende auf ihre Fürsprache auch

unser Leben in deiner Herrlichkeit und lass uns dein Antlitz

schauen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,

unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Bei d e n Orationen, die mit „Darum bitten wir durch Jesus Christus“ enden,

soll die oben angegebene abschließende Formel gebetet werden.

Der gütige Gott festige die Riegel unserer Tore

und segne die Kinder in unserer Mitte;

er verschaffe unseren Grenzen Frieden

und stärke uns durch sein Wort.

Nach Ps 147, 13–14

Texte zur Eucharistiefeier

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Einführung zur Bahnlesung aus dem Buch Baruch

Das Buch Baruch hat seinen Namen von dem Gefährten des Propheten Jeremia.

Baruch, der Gesegnete, stand als Schreiber in Jeremias Dienst. Das

Buch Baruch ist in vier Abschnitte gegliedert (1, 1–14; 1, 15–3, 8; 3, 9–4, 4;


Eucharistie · Freitag, 1. Oktober 14

4, 5–5, 9). Die Einleitung hat ganz Israel vor Augen stehen: Neues Heil gilt

auch für Jerusalem! Die Krise von 586 v. Chr. sucht das Buch theologisch zu

verarbeiten. Nach allen eigenen Verfehlungen und nach grausamen Enttäuschungen

soll Gottes Verheißung für das Volk Wirklichkeit werden. Nur JHWH

kennt den Weg zur Weisheit, doch seine Tora, die er Israel verliehen hat, weist

den Weg. Habt Vertrauen!

Lesung aus dem Buch Baruch Bar 1, 15–22

Der Herr, unser Gott, ist im Recht; uns aber treibt es bis

heute die Schamröte ins Gesicht, den Leuten von Juda und

den Bewohnern Jerusalems, unseren Königen und Beamten,

unseren Priestern und Propheten und unseren Vätern; denn

wir haben gegen den Herrn gesündigt und ihm nicht gehorcht.

Wir haben auf die Stimme des Herrn, unseres Gottes, nicht

gehört und die Gebote nicht befolgt, die der Herr uns vorgelegt

hat.

Von dem Tag an, als der Herr unsere Väter aus Ägypten herausführte,

bis auf den heutigen Tag waren wir ungehorsam gegen

den Herrn, unseren Gott. Wir hörten sehr bald nicht mehr

auf seine Stimme. So hefteten sich an uns das Unheil und der

Fluch, den der Herr durch seinen Diener Mose androhen ließ

am Tag, als er unsere Väter aus Ägypten herausführte, um uns

ein Land zu geben, in dem Milch und Honig fließen, und so ist

es noch heute.

Wir haben nicht auf die Stimme des Herrn, unseres Gottes,

gehört und auf alle Reden der Propheten, die er zu uns gesandt

hat. Jeder von uns folgte der Neigung seines bösen Herzens; wir

dienten anderen Göttern und taten, was dem Herrn, unserem

Gott, missfällt.

Impuls zur Lesung

„Worauf sollen wir hören?“ So fragt ein Gedicht von Lothar

Zenetti (1926–2019). Am Anfang des Buches Baruch steht ein

Schuldbekenntnis: Wir haben auf alles Mögliche gehört; auf

die Stimme Gottes haben wir nicht gehört. Haben wir sie nicht

gehört? Wir haben in unserem Leben allerlei Schwerpunkte


15

Freitag, 1. Oktober · Eucharistie

gesetzt; Gottes Weisung ist dabei nicht ins Gewicht gefallen.

„Worauf sollen wir hören?“ Die Antwort lautet in dem Lied

aus dem 20. Jahrhundert ebenso wie im biblischen Baruch-

Buch: „E i n Wort ist wahr.“ Wir tappen nicht orientierungslos

im Finstern. Es ist ja nicht so, als sei Gott wortlos und stumm

geblieben. Durch den Mund prophetischer Menschen, durch

seine stets bekräftigte und stets erneuerte Lebensweisung, die

Tora, hat er unermüdlich die Stimme erhoben und mit den

Menschen Kontakt aufgenommen. Er spricht uns an. Lassen

wir uns ansprechen? Gott schenkt uns seine Stimme. Lassen

wir uns einstimmen? Stimmen wir ein. Was stimmt? In unserem

Lied heißt es am Ende, einfach und schwer zugleich: „Die

Liebe zählt.“

Antwortpsalm Ps 79, 1–5.8–9

Kehrvers: Um deines Namens willen, Herr, befreie uns!

Gott, die Heiden sind eingedrungen in dein Erbe, /

sie haben deinen heiligen Tempel entweiht *

und Jerusalem in Trümmer gelegt.

Die Leichen deiner Knechte haben sie

zum Fraß gegeben den Vögeln des Himmels, *

die Leiber deiner Frommen den Tieren des Feldes. – Kehrvers

Ihr Blut haben sie wie Wasser vergossen rings um Jerusalem, *

und keiner hat sie begraben.

Zum Schimpf sind wir geworden

in den Augen der Nachbarn, *

zu Spott und Hohn bei allen,

die rings um uns wohnen. – Kehrvers

Wie lange noch, Herr? Willst du auf ewig zürnen? *

Wie lange noch wird dein Eifer lodern wie Feuer?

Rechne uns die Schuld der Vorfahren nicht an! /

Mit deinem Erbarmen komm uns eilends entgegen! *

Denn wir sind sehr erniedrigt. – Kehrvers


Abend · Freitag, 1. Oktober 16

Um der Ehre deines Namens willen *

hilf uns, du Gott unsres Heils!

Um deines Namens willen reiß uns heraus *

und vergib uns die Sünden!

Kehrvers: Um deines Namens willen, Herr, befreie uns!

Kehrvers vgl. Vers 9b, ferner GL 48, 1 (I. Ton) oder GL 1975 529, 1 (II. Ton)

oder KG 396, 2 (IV. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

vgl. Ps 95, 7d.8a

Wenn ihr heute seine Stimme hört, verhärtet nicht euer Herz!

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 10, 13–16

In jener Zeit sprach Jesus: Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida!

Wenn einst in Tyrus und Sidon die Wunder geschehen

wären, die bei euch geschehen sind – man hätte dort in Sack

und Asche Buße getan. Tyrus und Sidon wird es beim Gericht

nicht so schlimm ergehen wie euch.

Und du, Kafarnaum, meinst du etwa, du wirst bis zum Himmel

erhoben? Nein, in die Unterwelt wirst du hinabgeworfen.

Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der

lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der

mich gesandt hat.

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Die vollständige Fassung der Eröffnungen von Morgen- und Abendgebet finden

Sie mit Noten auf Seite 378.


17

Freitag, 1. Oktober · Abend

Innehalten am Abend

Es ist der Liebe eigen, auf tausend verschiedene Weisen zu

wirken.

Theresia vom Kinde Jesu (Heilige des Tages)

• Auf welche Weise kann ich heute meinen Nächsten liebevoll

begegnen?

• Wen kann ich – zum Beispiel mit einem Anruf – überraschen?

Confiteor – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und allen Brüdern und

Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe –

ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken – durch

meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.

Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen

und euch, Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei

Gott, unserem Herrn.

Hymnus

So nimm denn meine Hände und führe mich

bis an mein selig Ende und ewiglich.

Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt:

wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz

und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz.

Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind:

es will die Augen schließen und glauben blind.

Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht,

du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht:

so nimm denn meine Hände und führe mich

bis an mein selig Ende und ewiglich!

Julie Hausmann 1862 – EG 376


Abend · Freitag, 1. Oktober 18

Psalm 116 Verse 1–9

Ich liebe den Herrn; *

denn er hat mein lautes Flehen gehört

und sein Ohr mir zugeneigt *

an dem Tag, als ich zu ihm rief.

Mich umfingen die Fesseln des Todes, /

mich befielen die Ängste der Unterwelt, *

mich trafen Bedrängnis und Kummer.

Da rief ich den Namen des Herrn an: *

„Ach Herr, rette mein Leben!“

Der Herr ist gnädig und gerecht, *

unser Gott ist barmherzig.

Der Herr behütet die schlichten Herzen; *

ich war in Not, und er brachte mir Hilfe.

Komm wieder zur Ruhe, mein Herz! *

Denn der Herr hat dir Gutes getan.

Ja, du hast mein Leben dem Tod entrissen, /

meine Tränen getrocknet, *

meinen Fuß bewahrt vor dem Gleiten.

So gehe ich meinen Weg vor dem Herrn *

im Land der Lebenden.

Ehre sei dem Vater ...

Wir lieben dich, Vater! Du hörst unser Flehen. Behüte uns in

aller Not und lass uns zur Ruhe kommen bei dir.

Lesung Eph 4, 32 – 5, 2

Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander,

weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat. Ahmt Gott

nach als seine geliebten Kinder und liebt einander, weil auch

Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe

und Opfer, das Gott gefällt.


19

Freitag, 1. Oktober · Abend

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Freut euch und jubelt; denn eure Namen sind im Himmel verzeichnet.

Fürbitten

Am Gedenktag der Heiligen Theresia von Lisieux bitten wir für

alle Menschen, deren Tun von der Liebe Gottes durchdrungen ist:

V: Gott, du bist die Liebe, A: wir bitten dich, erhöre uns.

– Wir beten für die Eltern von kranken oder behinderten Kindern,

die oft Tag und Nacht gefordert sind.

– Wir beten für die Berufstätigen, die ihre Überzeugungen nicht

dem eigenen Vorteil und Fortkommen opfern.

– Wir beten für alle, die alt gewordenen Verwandten oder Nachbarn

die Treue halten und ihnen Anteil am Leben geben.

Vaterunser

Oration

Großer Gott, du rufst Menschen in deine Nähe, die nichts von

sich selbst erwarten, sondern alles von dir erhoffen. Führe uns

den Weg der Demut und der Gotteskindschaft, den du der heiligen

Theresia gezeigt hast. Vollende auf ihre Fürsprache auch

unser Leben in deiner Herrlichkeit und lass uns dein Antlitz

schauen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Deinen Frieden, Herr, gib uns vom Himmel,

und dein Friede bleibe in unseren Herzen.

Lass uns schlafen in Frieden und wachen in dir,

auf dass wir vor keinem Grauen der Nacht uns fürchten.

Alkuin

Salve Regina (Seite 379)


Samstag, 2. Oktober 2021

Heilige Schutzengel

Im Hinblick auf die Schutzengel hält sich die Kirche an das, was

die Bibel über das Wirken der Engel in der Geschichte des Volkes

Gottes sagt. Die Lehre von den Schutzengeln ist nie in einer offiziellen

Entscheidung dargelegt worden.

Gottes Schutz durch seine Engel besingt der Psalmist (vgl. Ps

91, 10–12), erfährt der junge Tobias (vgl. Tob 5, 17), und Jesus

spricht von Gottes Schutz für jeden einzelnen Menschen: „Hütet

euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich

sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines

himmlischen Vaters.“ (Mt 18, 10) Als Petrus aus dem Kerker befreit

wird, erkennt er dankbar: „Jetzt weiß ich, dass der Herr seinen

Engel gesandt hat und mich der Hand des Herodes entrissen hat.“

(Apg 12, 11)

Zusammen mit der Verehrung des Erzengels Michael verbreitete

sich im 15. und 16. Jahrhundert die liturgische Verehrung

der Schutzengel. Die bildhafte Darstellung des Schutzengels erfreut

sich seit dem 16. Jahrhundert großer Beliebtheit. Dabei ist

es wichtig, den Engel nicht zu verniedlichen, denn in ihm drückt

sich Gottes Sorge um den Menschen aus. Die Tatsache, dass es

Menschen gibt, die zwar an die Existenz von Engeln, aber nicht an

Gott glauben, weist vielleicht auf die im Menschen tief verankerte

Sehnsucht nach einem persönlichen Schutz hin.

Ursprünglich wurde das Fest der Schutzengel am Michaelsfest

mitgefeiert. Papst Pius X. legte den 2. Oktober als eigenen Gedenktag

fest.

Schrifttexte:

Alternative Lesung: Ex 23, 20–23a; Evangelium: Mt 18, 1–5.10

Namenstag: hl. Beregis von St-Hubert (Kaplan Pippins des Mittleren,

Klostergründer, † nach 725) · Petrus, Hermann und Jakob von Neuzelle

(Zisterzienser, Märtyrer, † 1429)


21

Samstag, 2. Oktober · Morgen

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Dem Schöpfer-Gott sei Dank gebracht,

dass er zum Lobe seiner Macht

das Engelheer erschaffen hat

und sie uns schickt zu Hilf und Rat.

Lass, Herr, die Engel bei uns sein

und schick sie in die Welt hinein

mit deiner gnadenvollen Macht,

dass sie uns schützen Tag und Nacht.

Lass in der Engel Hochgesang

einstimmen uns das Leben lang,

und lass uns einst in Ewigkeit

teilnehmen an der Herrlichkeit.

Neues Stundenbuch

Melodie: GL 539 · GL 1975 605 · KG 781 · EG 142

Psalm 91

Wer im Schutz des Höchsten wohnt *

und ruht im Schatten des Allmächtigen,

der sagt zum Herrn: /

„Du bist für mich Zuflucht und Burg, *

mein Gott, dem ich vertraue.“

Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers *

und aus allem Verderben.

Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, /

unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, *

Schild und Schutz ist dir seine Treue.


Morgen · Samstag, 2. Oktober 22

Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht

nicht zu fürchten, *

noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt,

nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, *

vor der Seuche, die wütet am Mittag.

Fallen auch tausend zu deiner Seite, /

dir zur Rechten zehnmal tausend, *

so wird es doch dich nicht treffen.

Ja, du wirst es sehen mit eigenen Augen, *

wirst zuschauen, wie den Frevlern vergolten wird.

Denn der Herr ist deine Zuflucht, *

du hast dir den Höchsten als Schutz erwählt.

Dir begegnet kein Unheil, *

kein Unglück naht deinem Zelt.

Denn er befiehlt seinen Engeln, *

dich zu behüten auf all deinen Wegen.

Sie tragen dich auf ihren Händen, *

damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt;

du schreitest über Löwen und Nattern, *

trittst auf Löwen und Drachen.

„Weil er an mir hängt, will ich ihn retten; *

ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen.

Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören. /

Ich bin bei ihm in der Not, *

befreie ihn und bringe ihn zu Ehren.

Ich sättige ihn mit langem Leben *

und lasse ihn schauen mein Heil.“

Ehre sei dem Vater ...

Du unser Schild und unsere Burg, bewahre uns im Vertrauen zu

dir und mach uns zu Boten deines Friedens.


23

Samstag, 2. Oktober · Morgen

Lesung Apg 5, 17–20

Voll Eifersucht erhoben sich der Hohepriester und alle, die

auf seiner Seite standen, nämlich die Partei der Sadduzäer.

Sie ließen die Apostel verhaften und in das öffentliche Gefängnis

werfen. Ein Engel des Herrn aber öffnete nachts die Gefängnistore,

führte sie heraus und sagte: Geht, tretet im Tempel auf

und verkündet dem Volk alle Worte dieses Lebens!

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Sie alle sind dienende Geister, ausgesandt, um denen zu helfen,

denen das Heil zuteilwerden soll.

Bitten

Gepriesen sei Gott, der uns auf Schritt und Tritt begleitet. Zu

ihm rufen wir:

A: Führe uns deine Wege.

– Dass wir dir heute ein Stück näherkommen.

– Dass wir offen und hilfsbereit mit unseren Mitmenschen umgehen.

– Dass wir nicht resignieren, wenn wir Ablehnung erfahren.

Vaterunser

Oration

Gott, in deiner Vorsehung sorgst du für alles, was du geschaffen

hast. Sende uns deine heiligen Engel zu Hilfe, dass sie uns behüten

auf allen unseren Wegen, und gib uns in der Gemeinschaft

mit ihnen deine ewige Freude. Darum bitten wir durch Jesus

Christus.

Gott im Himmel möge uns sicher führen

und uns sicher und gesund zurückbringen.


Eucharistie · Samstag, 2. Oktober 24

Sein guter Engel gehe mit uns.

Er möge uns gut auf unserem Weg führen,

dass wir wohlbehalten heimkehren.

Nach Tob 5, 17.22

Texte zur Eucharistiefeier

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch Baruch Bar 4, 5–12.27–29

Hab Vertrauen, mein Volk, du trägst den Namen Israel. Ihr

wurdet verkauft an die Völker, doch nicht zur Vernichtung.

Weil ihr Gott erzürnt habt, wurdet ihr den Feinden preisgegeben.

Denn ihr habt euren Schöpfer zum Zorn gereizt, da ihr den

Dämonen und nicht Gott Opfer darbrachtet. Euren Ernährer

habt ihr vergessen, den ewigen Gott. Ihr habt auch Jerusalem

betrübt, die euch aufzog.

Denn sie hat mit angesehen, wie Gottes Zorn über euch hereinbrach;

da sprach sie: Hört, ihr Nachbarn Zions! Gott hat

großes Leid über mich gebracht. Denn ich musste sehen, dass

meine Söhne und Töchter verschleppt wurden, wie es der Ewige

über sie verhängt hat. Mit Freude habe ich sie großgezogen,

mit Weinen und Klagen musste ich sie ziehen lassen.

Keiner juble, dass ich Witwe bin und von so vielen verlassen;

der Sünden meiner Kinder wegen bin ich vereinsamt, denn sie

sind abgewichen vom Gesetz Gottes.

Habt Vertrauen, meine Kinder, schreit zu Gott! Denn er, der

es verhängt hat, wird wieder an euch denken. Wie euer Sinn

auf den Abfall von Gott gerichtet war, so zeigt nun zehnfachen

Eifer, umzukehren und ihn zu suchen. Er, der über euch das

Unheil gebracht hat, wird mit eurer Rettung euch ewige Freude

bringen.


25

Samstag, 2. Oktober · Eucharistie

Impuls zur Lesung

Hab Vertrauen, du trägst den Namen Israel! Dies ruft im zweiten

Jahrhundert vor Christus der Verfasser des Buches Baruch

den verunsicherten Glaubensgeschwistern zu. Israel, Gottes

Ehrenname für sein Volk. Hab Vertrauen, du trägst den Namen

Israel? In gar nicht so fernen, aber umso finstereren Zeiten war

es hochbedrohlich, diesen Namen zu tragen. Jakobs biblischer

Ehrenname (Gen 32, 29) wurde im 20. Jahrhundert während

der Herrschaft des Nationalsozialismus als denunzierender

Namenszusatz all jenen Männern aufgezwungen, die der NS-

Staat als jüdisch definierte. Du trägst den Namen Israel. Diesen

Namen im amtlichen Ausweisdokument stehen zu haben,

bei Frauen war es der Name Sarah, kam einer schweren Stigmatisierung

und am Ende, millionenfach, einem Todesurteil

gleich. Wem kann einer, wem kann eine nach einer solchen

Erfahrung noch trauen? Hab Vertrauen, du trägst den Namen

Israel! Hierzulande gilt schon wieder: Fürchte dich – du trägst

den Namen Israel. Vertrauen aufbauen oder Versehrte verängstigen:

Wir alle sind gefragt.

Antwortpsalm Ps 69, 33–37

Kehrvers:

Der Herr hört auf die Armen.

Schaut her, ihr Gebeugten, und freut euch; *

ihr, die ihr Gott sucht: euer Herz lebe auf!

Denn der Herr hört auf die Armen, *

er verachtet die Gefangenen nicht. – Kehrvers

Himmel und Erde sollen ihn rühmen, *

die Meere und was sich in ihnen regt.

Denn Gott wird Zion retten, *

wird Judas Städte neu erbauen. – Kehrvers

Seine Knechte werden dort wohnen *

und das Land besitzen,


Abend · Samstag, 2. Oktober 26

ihre Nachkommen sollen es erben; *

wer seinen Namen liebt, soll darin wohnen.

Kehrvers:

Der Herr hört auf die Armen.

Kehrvers siehe Vers 34a, ferner GL 76, 1 (I. Ton) oder GL 1975 698, 1

oder KG 287 (II. Ton)

Ruf vor dem Evangelium Ps 103, 21

Halleluja. Halleluja.

Lobt den Herrn, all seine Scharen, seine Diener, die seinen Willen

vollziehen!

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus Mt 18, 1–5.10

In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist

im Himmelreich der Größte?

Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte:

Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die

Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich

der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt,

der nimmt mich auf.

Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten!

Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht

meines himmlischen Vaters.

Abendgebet am Vorabend

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


27

Samstag, 2. Oktober · Abend

Hymnus

Wir sind gemeinsam auf schwankender Fahrt,

manchmal sehr mutig und manchmal verzagt,

manchmal im Zweifel, gäbe es nicht

eine Ankunft: den Hafen der Zuversicht.

Wir sind zusammen in Wetter und Wind,

manchmal beladen und manchmal geschwind,

manchmal am Boden, gäbe es nicht

eine Ankunft: den Hafen der Zuversicht.

Wir sind getragen von einem Boot,

manchmal voll Freude und manchmal voll Not,

manchmal am Ende, gäbe es nicht

eine Ankunft: den Hafen der Zuversicht.

Text und Musik: Okko Herlyn,

alle Rechte im tvd-Verlag Düsseldorf, 1999

Canticum

Röm 8, 31b–35.37–38a.39b

Antiphon:

Die Antiphon wird zu Beginn und am Ende eines Canticums gebetet.

Weder Tod noch Leben können uns scheiden von der Liebe Gottes,

die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Redaktion Magnificat nach Röm 8, 38–39

Ist Gott für uns, *

wer ist dann gegen uns?

Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, /

sondern ihn für uns alle hingegeben – *

wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? /

Gott ist es, der gerecht macht. *

Wer kann sie verurteilen?

Christus Jesus, der gestorben ist,

mehr noch: der auferweckt worden ist, *

sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.


Abend · Samstag, 2. Oktober 28

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? /

Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, *

Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?

Doch all das überwinden wir durch den, *

der uns geliebt hat.

Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben

noch irgendeine andere Kreatur /

können uns scheiden von der Liebe Gottes, *

die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Ehre sei dem Vater ...

Antiphon:

Weder Tod noch Leben können uns scheiden von der Liebe Gottes,

die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

Redaktion Magnificat nach Röm 8, 38–39

Lesung Gal 5, 26; 6, 2

Wir wollen nicht prahlen, nicht miteinander streiten und

einander nichts nachtragen. Einer trage des anderen Last;

so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Gott sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich

will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.

Fürbitten

Lasst uns beten zu Gott, der uns Menschen nach seinem Bild

geschaffen hat:

V: Ewiger Ursprung des Lebens, A: höre unsere Bitten.

Für die Heranwachsenden, die den Zauber der Liebe zum ersten

Mal empfinden;

– sei du ihnen nah und bewahre sie, dass sie nicht einer leeren

Illusion erliegen.


29

Samstag, 2. Oktober · Abend

Für die Ehepartner, denen das Auf und Ab des Alltags zusetzt;

– erweise ihnen deine Treue und lass sie immer neu zueinanderfinden.

Für alle, die um deinetwillen die Ehelosigkeit gewählt haben;

– lass ihre Freiheit, für dein Reich zu wirken, wieder größere

Anerkennung finden.

Für die Menschen, die in ihrem Bemühen um ihren Partner,

ihre Partnerin gescheitert sind;

– heile ihre Wunden und lass sie spüren, dass du sie weiterträgst.

Für alle Verstorbenen, deren Tod einen Partner einsam zurücklässt;

– führe die Getrennten zusammen in deiner Herrlichkeit.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du gibst uns in deiner Güte mehr, als wir

verdienen, und Größeres, als wir erbitten. Nimm weg, was

unser Gewissen belastet, und schenke uns jenen Frieden, den

nur deine Barmherzigkeit geben kann. Darum bitten wir durch

Jesus Christus.

Der Herr des Himmels möge uns glücklich geleiten

und uns in Frieden auf unseren Wegen führen.

Mögen wir alle zusammen glücklich werden

alle Tage unseres Lebens!

Nach Tob 10, 11.13

Salve Regina (Seite 379)


Von Woche zu Woche · Samstag, 2. Oktober 30

Von Woche zu Woche

Eben-bürtigkeit

(zu Gen 2, 18–24)

Gegen alle Klischees:

in Gottes Schöpfungsordnung

ist nicht Über- oder Unterordnung,

sondern der Ebenbürtigkeit

Grund gelegt!

Gott erkennt,

dass Adam, dem Erdenwesen,

Entscheidendes fehlt,

dass sein Leben glücke:

ein wahres Gegenüber,

ebenbürtig, ihm gleich!

Mensch und Mensch: füreinander geschaffen.

Gemeinsam überwinden sie

menschliche Verlorenheit

in der geschenkten und schenkenden

partnerschaftlichen Liebe.

„Es ist nicht gut,

dass der Mensch allein bleibt“,

so urteilt der Schöpfer

im ersten Buch der Bibel:

Ja, Gottes Schöpfung ist gut!

Dorothee Sandherr-Klemp


3. Oktober 2021

27. Sonntag im Jahreskreis

Namenstag: hl. Dionysius vom Areopag (Bischof, † 96) · hl. Niketius

von Trier (Bischof, † um 566) · hl. Leodegar von Autun (Lutgar, Léger,

Bischof, Märtyrer, † 679) · hl. Ewald (angelsächs. Glaubensboten gleichen

Namens, Märtyrer in Westfalen, † um 695) · sel. Utto von Metten

(Udo, Benediktiner, 9. Jh.) · Irmgard von Baindt (Zisterzienserin, 13. Jh.)

Ökumenischer Gedenktag: George Bell (brit. Bischof, Ökumeniker,

Friedensstifter, 1883–1958)

Tag der deutschen Einheit

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Du führst uns zusammen,

du vereinst uns in deinem Bund.

Gott Israels, wir loben deinen Namen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen

leg ich meinen Tag in deine Hand.

Sei mein Heute, sei mein gläubig Morgen,

sei mein Gestern, das ich überwand.


Morgen · Sonntag, 3. Oktober 32

Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen –

bin aus deinem Mosaik ein Stein.

Wirst mich an die rechte Stelle legen –

deinen Händen bette ich mich ein.

Edith Stein (1891–1942) zugeschrieben

Psalm 145 Verse 13c–21

Der Herr ist treu in all seinen Worten, *

voll Huld in all seinen Taten.

Der Herr stützt alle, die fallen, *

und richtet alle Gebeugten auf.

Aller Augen warten auf dich, *

und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit.

Du öffnest deine Hand *

und sättigst alles, was lebt, nach deinem Gefallen.

Gerecht ist der Herr in allem, was er tut, *

voll Huld in all seinen Werken.

Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, *

allen, die zu ihm aufrichtig rufen.

Die Wünsche derer, die ihn fürchten, erfüllt er, *

er hört ihr Schreien und rettet sie.

Alle, die ihn lieben, behütet der Herr, *

doch alle Frevler vernichtet er.

Mein Mund verkünde das Lob des Herrn. *

Alles, was lebt, preise seinen heiligen Namen immer und ewig!

Ehre sei dem Vater ...

Du gibst uns zur rechten Zeit, was uns nottut. Öffne uns die

Augen, Gott, damit wir sehen, wo du uns die Hand reichst. Tritt

ein in unser Leben; denn wir warten auf dich.


33

Sonntag, 3. Oktober · Morgen

Lesung

Gal 4, 4a.5b–6

Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, damit wir

die Sohnschaft erlangten. Weil ihr aber Söhne seid, sandte

Gott den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft:

Abba, Vater.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der kommt

nicht hinein.

Bitten

Jesus, du selbst bist Kind geworden und hast uns aufgefordert,

das Gottesreich anzunehmen wie ein Kind. Wir bitten dich:

A: Lehre uns, die Kinder zu achten.

In ihrer Offenheit und Unmittelbarkeit sind die Kinder uns Erwachsenen

eine ständige Herausforderung;

– lass uns diese Herausforderung annehmen, dass wir innerlich

jung bleiben.

Angewiesen wie Kinder auf Erwachsene sind, halten sie uns

den Spiegel vor;

– gib, dass wir ihre Botschaft verstehen und uns ganz dem Vater

anvertrauen.

Das Herz der Kinder ist so leicht zu gewinnen, wenn man auf

sie eingeht und mit ihnen scherzt;

– erhalte uns Fröhlichkeit und Spontaneität, dass wir den Kindern

verbunden bleiben.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du gibst uns in deiner Güte mehr, als wir

verdienen, und Größeres, als wir erbitten. Nimm weg, was


Eucharistie · Sonntag, 3. Oktober 34

unser Gewissen belastet, und schenke uns jenen Frieden, den

nur deine Barmherzigkeit geben kann. Darum bitten wir durch

Jesus Christus.

Der barmherzige Vater segne uns und unsere Kinder,

er halte Streit und Entzweiung von uns fern

und bewahre uns in seiner Liebe.

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 145, 381, 403, 417, 442, 452 · KG 202, 236,

502, 528, 599

Gloria

Deiner Macht ist das All unterworfen, Herr,

und niemand kann sich dir widersetzen;

denn du hast Himmel und Erde gemacht

und alles, was wir unter dem Himmel bestaunen.

Du bist der Herr über alles.

Est 13, 9–11 (Vulgata)

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch Genesis Gen 2, 18–24

Gott, der HERR, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch

allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig

ist.

Gott, der HERR, formte aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes

und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen

zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der

Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte sein Name

sein. Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels

und allen Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen

ebenbürtig war, fand er nicht.


35

Sonntag, 3. Oktober · Eucharistie

Da ließ Gott, der HERR, einen tiefen Schlaf auf den Menschen

fallen, sodass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss

ihre Stelle mit Fleisch. Gott, der HERR, baute aus der

Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und

führte sie dem Menschen zu. Und der Mensch sprach: Das endlich

ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.

Frau soll sie genannt werden; denn vom Mann ist sie genommen.

Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und hängt seiner

Frau an und sie werden e i n Fleisch.

Impuls zur Lesung

Zum Tag der deutschen Einheit gerade diese Lesung „… und

sie werden e i n Fleisch“! Ich erinnere mich an den Tag des

Mauerfalls 1989, an die mutigen Leipziger Demonstrationen,

die ihm vorausgingen und ihn erstritten; ohne Gewalt, gegen

Gewalt. Und gegen die Todesangst vor unberechenbarer staatlicher

Gewalt. Damals wurde nicht feindselig gegen missliebige

Menschen protestiert, sondern gegen die Menschenfeindschaft

eines illegitimen Regimes. Ob Ost und West seitdem

„ein Fleisch“ geworden sind? Eher (noch) nicht. Bei aller Liebe.

Und doch: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich

will ihm eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig ist.“ Die Bibel

ist alles andere als ein dickes altes Buch mit frommen Sprüchen.

Sie ist eine bleibende Herausforderung.

Antwortpsalm Ps 128

Kehrvers:

Der HERR segne uns alle Tage unseres Lebens.

Selig jeder, der den HERRN fürchtet, *

der auf seinen Wegen geht!

Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen; *

selig bist du – es wird dir gut ergehn. – Kehrvers


Eucharistie · Sonntag, 3. Oktober 36

Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock *

im Innern deines Hauses.

Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder *

rings um deinen Tisch herum.

Kehrvers:

Der HERR segne uns alle Tage unseres Lebens.

Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den HERRN fürchtet. *

Es segne dich der HERR vom Zion her.

Du sollst schauen das Glück Jerusalems

alle Tage deines Lebens. /

Du sollst schauen die Kinder deiner Kinder. *

Friede über Israel! – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 5, ferner GL 71, 1 (VIII. Ton) oder GL 1975 477 (V. Ton)

oder KG 606 (VII. Ton)

Lesung aus dem Hebräerbrief Hebr 2, 9–11

Schwestern und Brüder! Den, der ein wenig unter die Engel

erniedrigt war, Jesus, ihn sehen wir um seines Todesleidens

willen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; es war nämlich Gottes

gnädiger Wille, dass er für alle den Tod erlitt.

Denn es war angemessen, dass Gott, für den und durch den

das All ist und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen wollte,

den Urheber ihres Heils durch Leiden vollendete.

Denn er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen

alle aus Einem; darum schämt er sich nicht, sie Brüder zu nennen.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

1 Joh 4, 12b

Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe

ist in uns vollendet.

Halleluja.


37

Sonntag, 3. Oktober · Eucharistie

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 10, 2–16

Kurzfassung: Mk 10, 2–12

In jener Zeit kamen Pharisäer zu Jesus und fragten: Ist es einem

Mann erlaubt, seine Frau aus der Ehe zu entlassen? Damit

wollten sie ihn versuchen.

Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie

sagten: Mose hat gestattet, eine Scheidungsurkunde auszustellen

und die Frau aus der Ehe zu entlassen.

Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat

er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber

hat Gott sie männlich und weiblich erschaffen. Darum wird

der Mann Vater und Mutter verlassen und die zwei werden

e i n Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern e i n

Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch

nicht trennen.

Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. Er

antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine

andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Und wenn sie

ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet,

begeht sie Ehebruch.

Da brachte man Kinder zu ihm, damit er sie berühre. Die

Jünger aber wiesen die Leute zurecht. Als Jesus das sah, wurde

er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen;

hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört

das Reich Gottes. Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes

nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die

Hände auf und segnete sie.

Credo


Eucharistie · Sonntag, 3. Oktober 38

Gabengebet

Allmächtiger Gott, nimm die Gaben an, die wir nach deinem

Willen darbringen. Vollende in uns das Werk der Erlösung und

der Heiligung durch die Geheimnisse, die wir zu deiner Verherrlichung

feiern. Darum bitten wir durch Christus, unseren

Herrn.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater,

allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Denn

wir erkennen deine Herrlichkeit in dem, was du an uns getan

hast: Du bist uns mit der Macht deiner Gottheit zu Hilfe gekommen

und hast uns durch deinen menschgewordenen Sohn Rettung

und Heil gebracht aus unserer menschlichen Sterblichkeit.

So kam uns aus unserer Vergänglichkeit das unvergängliche

Leben durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn preisen

wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den

Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Kommunionvers vgl. 1 Kor 10, 17

E i n Brot ist es, darum sind wir viele e i n Leib. Denn wir alle

haben teil an dem einen Brot und dem einen Kelch.

Schlussgebet

Gott und Vater, du reichst uns das Brot des Lebens und den

Kelch der Freude. Gestalte uns nach dem Bild deines Sohnes,

der im Sakrament unsere Speise geworden ist. Darum bitten

wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Der allmächtige Gott gewähre euch Segen und Heil; er offenbare

euch die Wege seiner Weisheit.


39

Sonntag, 3. Oktober · Auslegung

Er stärke euren Glauben durch sein Wort und schenke euch

die Gnade, nach seinen Geboten zu leben, damit in allem sein

Wille geschehe.

Er lenke eure Schritte auf den Weg des Friedens; er mache

euch beharrlich im Guten und vollende euch in der Liebe.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Auslegung zum Sonntagsevangelium

Von Peter Köster

D

iese Szene ist auf dem Hintergrund der Rechtlosigkeit zu

sehen, mit der zur Zeit Jesu die Frau dem Mann in der

Scheidungsfrage gegenüberstand. Das Scheidungsrecht war ein

Privileg der Männer. Frauen konnten nur in ganz wenigen Fällen

die Scheidung von ihrem Mann verlangen. wenn ein Mann

seine Frau verstieß, hatte das für sie meist erhebliche soziale

Folgen.

Jesus weiß um die Willkürmöglichkeiten, die dieses Herrschaftsrecht

den Männern gegenüber „ihren“ Frauen einräumt.

Er weiß, wie viel Erniedrigung und Entwürdigung vielen Frauen

zugefügt wird. Schon um 20 v. Chr. hat Rabbi Schammai mit

seiner strengen Auslegung von Dtn 24, 1 die Frauen vor den

Männern schützen wollen.

Peter Köster SJ (Theologe, geistlicher Lehrer, * 1936),

aus: Ders., Lebensorientierung am Markus-Evangelium.

Eine geistliche Auslegung auf fachexegetischer Grundlage,

© EOS Verlag, St. Ottilien, 2010, 153–154


Abend · Sonntag, 3. Oktober 40

Hymnus

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Freuet euch im Herren allewege!

Abermals vernehmt es: Freuet euch!

Dass er Hand in Hand zum Bund euch lege,

neigt sich Gott zu euch vom Himmelreich.

Eure Liebe, die euch hier verbindet,

ist von seiner Liebeshuld verklärt.

Wo in Gott der Mensch zum Menschen findet,

ist der Segen stets noch eingekehrt.

Lasst die Lindigkeit, die ihr erfahren,

kund sein allen Menschen, die ihr zählt.

Kündet fortan von dem Wunderbaren,

das in dieser Stunde euch beseelt.

Euer Gott ist unter euch getreten!

Segnend war Er euren Herzen nah!

Ja, in euren Taten und Gebeten

sei bezeugt, was euch von Ihm geschah.

Sorget nichts! Vielmehr in allen Dingen

dürft ihr alles, was euch je bedrängt,

in Gebet und Flehen vor Ihn bringen,

der als Vater hört, als König schenkt.

Sorget nichts! Ihr kennt den Wundertäter!

Er weiß alles, was ihr hofft und bangt!

Der Mensch tritt vor Gott als rechter Beter,

der im Bitten schon voll Freude dankt.

Und der Friede Gottes, welcher höher

als Vernunft und Erdenweisheit ist,


41

Sonntag, 3. Oktober · Abend

sei in eurem Bund euch täglich näher

und bewahre euch in Jesu Christ.

Er bewahre euer Herz und Sinne!

Gottes Friede sei euch zum Geleit!

Er sei mit euch heute zum Beginne;

er vollende euch in Ewigkeit!

Freut euch. Doch die Freude aller Frommen

kenne auch der Freude tiefsten Grund.

Gott wird einst in Christo wiederkommen!

Dann erfüllt sich erst der letzte Bund!

Er, der nah war, wird noch einmal nahen.

Seine Herrschaft wird ohn’ Ende sein.

Die sein Reich schon hier im Glauben sahen,

holt der König dann mit Ehren ein.

Jochen Klepper (1903–1942), Hochzeitslied

Psalm 111

Den Herrn will ich preisen von ganzem Herzen *

im Kreis der Frommen, inmitten der Gemeinde.

Groß sind die Werke des Herrn, *

kostbar allen, die sich an ihnen freuen.

Er waltet in Hoheit und Pracht, *

seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer.

Er hat ein Gedächtnis an seine Wunder gestiftet, *

der Herr ist gnädig und barmherzig.

Er gibt denen Speise, die ihn fürchten, *

an seinen Bund denkt er auf ewig.

Er hat seinem Volk seine machtvollen Taten kundgetan, *

um ihm das Erbe der Völker zu geben.

Die Werke seiner Hände sind gerecht und beständig, *

all seine Gebote sind verlässlich.

Sie stehen fest für immer und ewig, *

geschaffen in Treue und Redlichkeit.


Abend · Sonntag, 3. Oktober 42

Er gewährte seinem Volk Erlösung /

und bestimmte seinen Bund für ewige Zeiten. *

Furchtgebietend ist sein Name und heilig.

Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit; /

alle, die danach leben, sind klug. *

Sein Ruhm hat Bestand für immer.

Ehre sei dem Vater ...

Ja, Herr der Geschichte, deine machtvollen Taten hast du uns

kundgetan. Segne uns, dass wir dir voll Freude dienen und deinem

Bund die Treue halten.

Lesung Eph 4, 23–24

Erneuert euren Geist und Sinn! Zieht den neuen Menschen

an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit

und Heiligkeit.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Darum verlässt

der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und

sie sind nicht mehr zwei, sondern eins.

Fürbitten

Gütiger Vater, wir bitten dich heute besonders für die Familien

in unserem Land und in der Welt:

A: Schenke ihnen deine Liebe.

Auch wenn Treue wieder höher geschätzt wird, scheitern doch

viele Ehen daran, sie konkret zu leben;

– schenke den Eheleuten die Gnade, ihr Ja zueinander schon im

Geringsten, Alltäglichsten einzulösen.

In unseren westlichen Gesellschaften können Eltern und Kinder

immer weniger Zeit miteinander verbringen;


43

Sonntag, 3. Oktober · Abend

– segne die gemeinsamen Stunden mit deiner Gegenwart, dass

sie zu Kraftquellen für den Alltag werden.

In vielen Ländern der Welt gewährt einzig die Familie eine gewisse

soziale Sicherheit;

– bewahre sie vor Schädigung durch Aids, Kriege und wirtschaftliche

Globalisierung.

Wir Lebenden können kaum erfassen, wie sehr wir uns den

Vorfahren verdanken;

– lass unsere Verstorbenen sich an der Frucht ihres Lebenseinsatzes

freuen.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du gibst uns in deiner Güte mehr, als wir

verdienen, und Größeres, als wir erbitten. Nimm weg, was

unser Gewissen belastet, und schenke uns jenen Frieden, den

nur deine Barmherzigkeit geben kann. Darum bitten wir durch

Jesus Christus.

Der Gott der Geduld und des Trostes schenke uns,

eines Sinnes untereinander zu sein, Christus Jesus gemäß,

damit wir Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus,

einmütig und mit einem Munde preisen.

Vgl. Röm 15, 5–6

Salve Regina (Seite 379)


Montag, 4. Oktober 2021

Heiliger Franz von Assisi

Franz von Assisi (1181/82–1226), ein Sohn reicher Eltern, führte

in den ersten 25 Jahren seines Lebens ein unbeschwertes,

verschwenderisches Leben, bis sich durch Gefangenschaft und

schwere Krankheit eine geistige Wende vollzog. Er trennte sich radikal

vom Reichtum seiner Familie und führte fortan ein Leben als

armer Wanderprediger. Man hielt ihn zunächst für verrückt, doch

sein tiefer Ernst, seine große Liebe zu Gott und den Menschen

und zu jedem Geschöpf beeindruckte die Menschen immer mehr.

Zahlreiche gleichgesinnte junge Männer schlossen sich ihm an.

Mit ihnen gründete er den Orden der Minderbrüder, der späteren

Franziskaner. Mit Klara von Assisi gründete er einen „zweiten“

Orden, den Orden der Klarissen, und schließlich wegen des großen

Andrangs von Laien den „Dritten Orden“, eine Laiengemeinschaft.

Ein besonderes Geschenk, das von seiner Liebe zu allen Geschöpfen

zeugt, hat er uns in seinem „Sonnengesang“ hinterlassen. Es

ist überliefert, dass er zwei Jahre vor seinem Tod die Wundmale

Jesu empfing. Die Entbehrungen und die Erschöpfung zehrten an

seiner Gesundheit. So waren die letzten Jahre seines Lebens von

Krankheit und Leiden geprägt.

Schrifttexte: Lesung: Gal 6, 14–18; Evangelium: Mt 11, 25–30

Namenstag: hl. Marsus von Auxerre (Glaubensbote in Gallien, 3./4.

Jh.) · hl. Aurea (Benediktinerin, † 665) · sel. Franz Xaver Seelos (Redemptorist,

Seelsorger in den USA, † 1867)

Ökumenischer Gedenktag: Rembrandt van Rijn (nl. Maler, 1606–1669)

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


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Montag, 4. Oktober · Morgen

Hymnus

Zu diesem Lied finden Sie eine Auslegung auf den Seiten 354–

357.

Gott gab uns Atem, damit wir leben.

Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.

Gott hat uns diese Erde gegeben,

dass wir auf ihr die Zeit bestehn.

Gott gab uns Ohren, damit wir hören.

Er gab uns Worte, dass wir verstehn.

Gott will nicht diese Erde zerstören.

Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Gott gab uns Hände, damit wir handeln.

Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.

Gott will mit uns die Erde verwandeln.

Wir können neu ins Leben gehn.

Text: Eckart Bücken 1982, Melodie: Fritz Baltruweit 1982

© Strube Verlag, München – GL 468 · EG 432

Psalm 50 Verse 7–15

„Höre, mein Volk, ich rede. /

Israel, ich klage dich an, *

ich, der ich dein Gott bin.

Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, *

deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.

Doch nehme ich von dir Stiere nicht an *

noch Böcke aus deinen Hürden.

Denn mir gehört alles Getier des Waldes, *

das Wild auf den Bergen zu Tausenden.

Ich kenne alle Vögel des Himmels, *

was sich regt auf dem Feld, ist mein eigen.

Hätte ich Hunger, ich brauchte es dir nicht zu sagen, *

denn mein ist die Welt und was sie erfüllt.


Morgen · Montag, 4. Oktober 46

Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen *

und das Blut von Böcken trinken?

Bring Gott als Opfer dein Lob, *

und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!

Rufe mich an am Tag der Not; *

dann rette ich dich, und du wirst mich ehren.“

Ehre sei dem Vater ...

Alles, was uns umgibt, ist dein Eigentum. Du unser Schöpfer, wir

danken dir für deine Güte. An dir richten wir unser Leben aus.

Lesung 2 Kor 8, 9

Ihr wisst, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan

hat: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch

durch seine Armut reich zu machen.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Franziskus, arm und gering auf Erden, zieht reich in den Himmel

ein, und festlicher Gesang erklingt zu seiner Ehre.

Bitten

Gott, unser Reichtum und unsere Freude kommen von dir. Wir

bitten dich:

A: Schenke uns deinen Geist.

– Hilf uns erkennen, wie arm wir Menschen ausnahmslos vor

dir sind.

– Gib uns den Mut, zu dieser Einsicht zu stehen, und an nichts

Materielles unser Herz zu hängen.

– Lass uns spüren, wie nah du uns bist, wenn wir für unsere

Mitmenschen da sind.

Vaterunser


47

Montag, 4. Oktober · Eucharistie

Oration

Gott, du Vater der Armen, du hast den heiligen Franz von Assisi

auserwählt, in vollkommener Armut und Demut Christus

ähnlich zu werden. Mache uns bereit, auf den Spuren des heiligen

Franz deinem Sohn nachzufolgen, damit wir in Freude

und Liebe mit dir verbunden bleiben. Darum bitten wir durch

Jesus Christus.

Gnade und unvergängliches Leben sei mit allen,

die Jesus Christus, unseren Herrn, lieben.

Eph 6, 24

Texte zur Eucharistiefeier

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Einführung zur Bahnlesung aus dem Buch Jona

Die Entstehung des biblischen Jona-Buches wird auf die zweite Hälfte des vierten

oder auf den Beginn des dritten Jahrhunderts v. Chr. datiert. Das Hosea-

Buch bezeichnet das Volk Israel in Kap. 7, 11 und in Kap. 11, 11 als Taube

(hebräisch: jona), Israels typische Reaktion auf Gottes Zuwendung ist ein ständiges

Davonlaufen. Auch der Protagonist des Buches Jona läuft vor Gott davon.

Er läuft zwar nicht anderen Göttern nach, doch mit dem einen und einzigen

Gott, der die ganze Schöpfung liebt und leitet, lehnt Jona letztlich sein eigenes

Leben ab. Jona soll auf Gottes Geheiß mit einer Gerichtsbotschaft nach Ninive

gehen, in die ehemalige assyrische Hauptstadt nordöstlich von Israel. Doch

Jona, die Taube mit dem starken Fluchtimpuls, macht sich stattdessen wortlos

auf den gefährlichen Weg in den äußersten Westen, nach Tarschisch, dem südspanischen

Tarteus. – Das Buch Jona wird gerne als religiöses Kinderbuch eingesetzt.

Die märchenhaften Elemente, das Motiv des verschlingenden großen

Fisches, der dunkle, bergende Fischbauch, der sagenhaft schnell wachsende

Rizinus, sprechen dafür. Und doch wäre das kleine Werk unterschätzt und

missverstanden, begriffe man es nur als biblisches Märchen für die Kleinen.

Das Buch Jona ist eine lehrhafte Erzählung, die nicht historische Ereignisse

und Gestalten vergegenwärtigen, sondern lebensbedeutsame theologische

Fragen provozieren will. Die oft wunderbaren Züge wie auch die bisweilen

geradezu humoristisch überzeichneten Züge der Geschehnisse sind bewusst


Eucharistie · Montag, 4. Oktober 48

eingesetzt. Das zweite Kapitel enthält die berühmte Fischepisode und einen

Psalm, den Jona im Bauch des Fisches betet: „Aus der Tiefe der Unterwelt

schrie ich um Hilfe / … Du hast mich in die Tiefe geworfen, / in das Herz

der Meere“, und endet mit wunderbarer Rettung: „Da befahl der Herr dem

Fisch, Jona ans Land zu speien.“ (2, 11) Jona, der Gott fliehen wollte, beklagt

in diesem Gebet „de profundis“ seine Verstoßung aus Gottes Nähe, die er nun

erfleht und zu ersehnen lernt, denn „Vom Herrn kommt die Rettung“! (2, 10)

Lesung aus dem Buch Jona Jona 1, 1 – 2, 1.11

Das Wort des Herrn erging an Jona, den Sohn Amittais:

Mach dich auf den Weg, und geh nach Ninive, in die große

Stadt, und droh ihr das Strafgericht an! Denn die Kunde von

ihrer Schlechtigkeit ist bis zu mir heraufgedrungen.

Jona machte sich auf den Weg; doch er wollte nach Tarschisch

fliehen, weit weg vom Herrn. Er ging also nach Jafo hinab und

fand dort ein Schiff, das nach Tarschisch fuhr. Er bezahlte das

Fahrgeld und ging an Bord, um nach Tarschisch mitzufahren,

weit weg vom Herrn.

Aber der Herr ließ auf dem Meer einen heftigen Wind losbrechen;

es entstand ein gewaltiger Seesturm, und das Schiff

drohte auseinanderzubrechen. Die Seeleute bekamen Angst,

und jeder schrie zu seinem Gott um Hilfe. Sie warfen sogar die

Ladung ins Meer, damit das Schiff leichter wurde.

Jona war in den untersten Raum des Schiffes hinabgestiegen,

hatte sich hingelegt und schlief fest. Der Kapitän ging zu ihm

und sagte: Wie kannst du schlafen? Steh auf, ruf deinen Gott

an; vielleicht denkt dieser Gott an uns, sodass wir nicht untergehen.

Dann sagten sie zueinander: Kommt, wir wollen das Los werfen,

um zu erfahren, wer an diesem unserem Unheil schuld ist.

Sie warfen das Los, und es fiel auf Jona.

Da fragten sie ihn: Sag uns, was treibst du für ein Gewerbe,

und woher kommst du, aus welchem Land und aus welchem

Volk? Er antwortete ihnen: Ich bin ein Hebräer und verehre

Jahwe, den Gott des Himmels, der das Meer und das Festland

gemacht hat.


49

Montag, 4. Oktober · Eucharistie

Da bekamen die Männer große Angst und sagten zu ihm: Warum

hast du das getan? Denn sie erfuhren, dass er vor Jahwe auf

der Flucht war; er hatte es ihnen erzählt. Und sie sagten zu ihm:

Was sollen wir mit dir machen, damit das Meer sich beruhigt

und uns verschont? Denn das Meer wurde immer stürmischer.

Jona antwortete ihnen: Nehmt mich und werft mich ins

Meer, damit das Meer sich beruhigt und euch verschont. Denn

ich weiß, dass dieser gewaltige Sturm durch meine Schuld über

euch gekommen ist. Die Männer aber ruderten mit aller Kraft,

um wieder an Land zu kommen; doch sie richteten nichts aus,

denn das Meer stürmte immer heftiger gegen sie an. Da riefen

sie zu Jahwe: Ach Herr, lass uns nicht untergehen wegen dieses

Mannes, und rechne uns, was wir jetzt tun, nicht als Vergehen

an unschuldigem Blut an. Denn wie du wolltest, Herr, so hast

du gehandelt.

Dann nahmen sie Jona und warfen ihn ins Meer, und das

Meer hörte auf zu toben. Da ergriff die Männer große Furcht

vor Jahwe, und sie schlachteten für Jahwe ein Opfer und machten

ihm viele Gelübde.

Der Herr aber schickte einen großen Fisch, der Jona verschlang.

Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches.

Da befahl der Herr dem Fisch, Jona ans Land zu speien.

Impuls zur Lesung

Ein Abgrund, aus dem wir nie und nimmer emporkommen

können. Eine Tiefe, die so viel tiefer taucht als das Empfinden,

unten zu sein und nicht mehr oben. Die Bibel erzählt von einem

Menschen, den es an einen solchen Ort verschlagen hat.

Es ist Jona, der widerwillige Prophet, der flüchtige Rufer. Der

Weltstadt Ninive – das heutige, grausam geschlagene Mosul

– sollte er die Botschaft des Herrn überbringen. Ninive aber

ist der Mittelpunkt eines machtlüsternen Reiches, ein Ort der

Finsternis. Was wird Gottes Wort da ausrichten können, und

wozu soll Jona es ausrichten, bei Gefahr für Leib und Leben?

Doch der Prophet, der sich aus dem Staub machen will, treibt


Eucharistie · Montag, 4. Oktober 50

geradewegs in die nasse Katastrophe hinein. Jona sucht den

stillen Winkel und landet im stürmischen Meer. Wird sich das

Unwetter noch beruhigen? Wer kann den Sturm stillen? Werden

fremde Schiffer ihn an Bord nehmen? Doch was sich naht,

ist nicht rasche Rettung. Es ist von ungeahnter Unheimlichkeit.

Ein Meeresungeheuer kommt und verschlingt den ganzen

Mann. Drei Tage und drei Nächte wird er in der Tiefe bleiben.

Lebendigen Leibes begraben in der Todeszelle. Der die lärmende

Stadt mied, ist nun von aller Welt verlassen, ganz allein.

Doch der Arm des Herrn, dem der Prophet nichts zugetraut

hat, er reicht bis in die Tiefen der Meere, bis in die Eingeweide

von Ungeheuern. Er erreicht den Todgeweihten, schon zu den

Toten Gezählten. Der Fischbauch wird zur bergenden Höhle

und zugleich zur rettenden Hand. Licht, Luft und festes Land

werden dem Gottesflüchtling geschenkt. Eine Taufe, eine neue

Geburt. Deus semper maior; Gott ist größer. Nimm die Gaben

an!

Antwortpsalm Jona 2, 3–6.8.10

Kehrvers:

Du holtest mich lebendig herauf aus dem Grab, Herr, mein Gott.

In meiner Not rief ich zum Herrn, *

und er erhörte mich.

Aus der Tiefe der Unterwelt schrie ich um Hilfe,*

und du hörtest mein Rufen. – Kehrvers

Du hast mich in die Tiefe geworfen, in das Herz der Meere; *

mich umschlossen die Fluten,

all deine Wellen und Wogen *

schlugen über mir zusammen. – Kehrvers

Ich dachte: Ich bin aus deiner Nähe verstoßen. *

Wie kann ich deinen heiligen Tempel wieder erblicken?

Das Wasser reichte mir bis an die Kehle, *

die Urflut umschloss mich. – Kehrvers


51

Montag, 4. Oktober · Eucharistie

Als mir der Atem schwand, dachte ich an den Herrn, *

und mein Gebet drang zu dir, zu deinem heiligen Tempel.

Ich will dir opfern und laut dein Lob verkünden. /

Was ich gelobt habe, will ich erfüllen. *

Vom Herrn kommt die Rettung. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 7c, ferner GL 629, 1 · KG 607 (I. Ton) oder GL 1975 172, 4

oder 527, 6 (II. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Joh 13, 34ac

So spricht der Herr: Ein neues Gebot gebe ich euch: Wie ich

euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 10, 25–37

In jener Zeit wollte ein Gesetzeslehrer Jesus auf die Probe stellen.

Er fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige

Leben zu gewinnen? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz?

Was liest du dort? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen

Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner

Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du

lieben wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet.

Handle danach, und du wirst leben.

Der Gesetzeslehrer wollte seine Frage rechtfertigen und sagte

zu Jesus: Und wer ist mein Nächster?

Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem

nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie

plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie

weg und ließen ihn halbtot liegen.

Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn

und ging weiter. Auch ein Levit kam zu der Stelle; er sah ihn

und ging weiter.

Dann kam ein Mann aus Samarien, der auf der Reise war. Als

er ihn sah, hatte er Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein


Abend · Montag, 4. Oktober 52

auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein

Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.

Am andern Morgen holte er zwei Denare hervor, gab sie

dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn

brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Was meinst du: Wer von diesen dreien hat sich als der Nächste

dessen erwiesen, der von den Räubern überfallen wurde?

Der Gesetzeslehrer antwortete: Der, der barmherzig an ihm

gehandelt hat.

Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle genauso!

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Ein Sonnenstrahl reicht hin, viel Dunkel zu erhellen.

Franz von Assisi (Heiliger des Tages)

• Eine Freundlichkeit kann alles ändern: Wo konnte ich genau

das erfahren?

• Was soll heute hell werden?

Confiteor (Seite 17) – oder:

V: Erbarme dich, Herr, unser Gott, erbarme dich.

A: Denn wir haben vor dir gesündigt.

V: Erweise, Herr, uns deine Huld.

A: Und schenke uns dein Heil.


53

Montag, 4. Oktober · Abend

Hymnus

Wo Liebe ist und Weisheit,

ist nicht Angst und Unerfahrenheit.

Wo Geduld ist und Demut,

ist nicht Zorn noch Erregung.

Wo Armut ist und Freude,

ist nicht Gier noch Geiz.

Wo Stille ist und Besinnlichkeit,

ist nicht Unruhe noch Ziellosigkeit.

Wo Barmherzigkeit ist und Bescheidenheit,

ist nicht Überfluss noch Härte.

Franz von Assisi

Psalm 123

Ich erhebe meine Augen zu dir, *

der du hoch im Himmel thronst.

Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, *

wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin,

so schauen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott, *

bis er uns gnädig ist.

Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig, *

denn übersatt sind wir vom Hohn der Spötter,

übersatt ist unsre Seele von ihrem Spott, *

von der Verachtung der Stolzen.

Ehre sei dem Vater ...

Die Menschen, die dir dienen, verborgener Gott, werden oft

belächelt wegen ihrer Treue zu dir. Erweise allen, die dich nicht

kennen, deine Gnade. Zeig ihnen dein Antlitz.


Abend · Montag, 4. Oktober 54

Lesung Röm 6, 22

Jetzt, da ihr aus der Macht der Sünde befreit wurdet und zu

Sklaven Gottes geworden seid, habt ihr einen Gewinn, der zu

eurer Heiligung führt und das ewige Leben bringt.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Im Kreuze unseres Herrn Jesus Christus muss ich mich rühmen,

denn ich trage die Male Jesu an meinem Leib.

Fürbitten

Am Gedenktag des heiligen Franziskus rufen wir zu Gott, dem

Freund des Lebens:

V: Du unser Schöpfer, A: höre unser Rufen.

– Wir beten für alle, die dankbar sind für deine gute Schöpfung

und die ihr eigenes Verhalten, ihren eigenen Konsum überdenken.

– Wir bitten für die Umweltaktivistinnen und -aktivisten, die in

vielen Ländern an Leib und Leben bedroht werden.

– Wir beten für die jungen Menschen in Freiwilligendiensten,

die sich öffnen für Mensch und Natur.

– Wir bitten für alle, die durch eine Krankheit ans Zimmer gefesselt

sind und sich nach der Natur, der noch wärmenden

Sonne, den Vogelstimmen und den vielfältigen Farben des

Herbstes sehnen.

– Wir beten für alle, für die Tod kein Bruder, sondern Bedrohung

ist, und für alle, die plötzlich aus dem Leben gerissen

werden.

Vaterunser


55

Montag, 4. Oktober · Abend

Oration

Gott, du Vater der Armen, du hast den heiligen Franz von Assisi

auserwählt, in vollkommener Armut und Demut Christus

ähnlich zu werden. Mache uns bereit, auf den Spuren des heiligen

Franz deinem Sohn nachzufolgen, damit wir in Freude

und Liebe mit dir verbunden bleiben. Darum bitten wir durch

Jesus Christus.

Unser Schöpfer und Erlöser schenke uns Frieden

und gebe uns Anteil an allem Guten.

Er segne uns im Kreuz seines Sohnes.

Nach Franz von Assisi

Salve Regina (Seite 379)


Dienstag, 5. Oktober 2021

Heilige Faustina Kowalska

Maria Faustina (eig. Faustyna) Kowalska (1905–1938) wurde

als Helena Kowalska in Glogowiec in Polen geboren. Sie trat

1925 in die Kongregation der „Schwestern der Muttergottes von

der Barmherzigkeit“ in Krakau ein und starb dort 1938 an Tuberkulose.

Als ihr Lebensthema erkannte sie in mystischer Schau den

Auftrag, Apostelin der Barmherzigkeit Gottes zu sein. So setzte sie

sich u. a. für die Einführung des „Sonntags der göttlichen Barmherzigkeit“

ein. Vor ihrem Tod legte Sr. Faustina die Konstitution

für eine neue Ordensgemeinschaft fest, die 1947 gegründet wurde.

Karoł Wojtyła förderte schon als Erzbischof von Krakau den Selig-

und Heiligsprechungsprozess von Maria Faustina Kowalska, die

er 1993 als Johannes Paul II. selig- und im Jahr 2000 heiliggesprochen

hat. Papst Franziskus erinnerte 2015 „an die große Apostelin

der Barmherzigkeit“.

Schrifttexte: Lesung: Eph 3, 14–19; Evangelium: Mt 11, 25–30

Namenstag: hl. Placidus von Subiaco (Schüler Benedikts, 6. Jh.) · hl.

Meinolf von Böddeken (Klostergründer, Archidiakon, holte die Reliquien

des hl. Liborius nach Paderborn, † 857) · hl. Anna Schäffer

(Mystikerin, † 1925)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Herr, dein Wort, die edle Gabe,

diesen Schatz erhalte mir;

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


57

Dienstag, 5. Oktober · Morgen

denn ich zieh es aller Habe

und dem größten Reichtum für.

Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten,

worauf soll der Glaube ruhn?

Mir ist’s nicht um tausend Welten,

aber um dein Wort zu tun.

Halleluja, Ja und Amen!

Herr, du wollest auf mich sehn,

dass ich mög in deinem Namen

fest bei deinem Worte stehn.

Lass mich eifrig sein beflissen,

dir zu dienen früh und spat

und zugleich zu deinen Füßen

sitzen, wie Maria tat.

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf 1725 (1. Str.),

Christian Gregor 1778, nach Joachim Neander 1680 (2. Str.)

EG 198

Psalm 85 Verse 2–14

Einst hast du, Herr, dein Land begnadet *

und Jakobs Unglück gewendet,

hast deinem Volk die Schuld vergeben, *

all seine Sünden zugedeckt,

hast zurückgezogen deinen ganzen Grimm *

und deinen glühenden Zorn gedämpft.

Gott, unser Retter, richte uns wieder auf, *

lass von deinem Unmut gegen uns ab!

Willst du uns ewig zürnen, *

soll dein Zorn dauern von Geschlecht zu Geschlecht?

Willst du uns nicht wieder beleben, *

sodass dein Volk sich an dir freuen kann?

Erweise uns, Herr, deine Huld *

und gewähre uns dein Heil!


Morgen · Dienstag, 5. Oktober 58

Ich will hören, was Gott redet: /

Frieden verkündet der Herr seinem Volk *

und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen.

Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten. *

Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land!

Es begegnen einander Huld und Treue; *

Gerechtigkeit und Friede küssen sich.

Treue sprosst aus der Erde hervor; *

Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.

Auch spendet der Herr dann Segen, *

und unser Land gibt seinen Ertrag.

Gerechtigkeit geht vor ihm her, *

und Heil folgt der Spur seiner Schritte.

Ehre sei dem Vater ...

Unsere Welt ist voll von Krieg und Verderben, und wir selbst

ändern nur wenig daran. Lass ab von deinem Zorn, bewege uns

zur Umkehr. Belebe uns neu, du unsere Hoffnung!

Lesung 1 Joh 4, 14–15

Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn

gesandt hat als den Retter der Welt. Wer bekennt, dass Jesus

der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott, und er bleibt in Gott.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Einen starken Retter hat der Herr uns erweckt, wie er verheißen

hat durch den Mund seiner Propheten.

Bitten

Gott, du willst die Welt durch unser Handeln zu einem menschlicheren

Ort machen. Wir bitten dich:

A: Bring unser Licht zum Leuchten!


59

Dienstag, 5. Oktober · Eucharistie

– Dass wir wahrnehmen, was um uns herum geschieht.

– Dass wir uns Zeit nehmen für Menschen, die uns brauchen.

– Dass wir erkennen, wie viel ein Wort, eine Geste vermag.

Vaterunser

Oration

Gott, du hast uns geboten, auf deinen geliebten Sohn zu hören.

Nähre uns mit deinem Wort und reinige die Augen unseres

Geistes, damit wir fähig werden, deine Herrlichkeit zu erkennen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Herr, unser Gott. Wir danken dir für das Geschenk dieser Zusammenkunft.

Sie hält in uns lebendig, was wir allein vergessen

und verlieren würden. Zeig uns heute neu den Sinn unseres

Lebens. Festige unsere Gemeinschaft mit dir und miteinander.

Schenk uns den Geist deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus,

der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und

herrscht in alle Ewigkeit.

Lesung aus dem Buch Jona Jona 3, 1–10

Das Wort des Herrn erging zum zweiten Mal an Jona: Mach

dich auf den Weg, und geh nach Ninive, in die große Stadt,

und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde. Jona machte

sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie der Herr es ihm

befohlen hatte.


Eucharistie · Dienstag, 5. Oktober 60

Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei

Tage, um sie zu durchqueren. Jona begann, in die Stadt hineinzugehen;

er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage,

und Ninive ist zerstört!

Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten

aus, und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an.

Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte,

stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab,

hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche.

Er ließ in Ninive ausrufen: Befehl des Königs und seiner Großen:

Alle Menschen und Tiere, Rinder, Schafe und Ziegen, sollen

nichts essen, nicht weiden und kein Wasser trinken. Sie

sollen sich in Bußgewänder hüllen, Menschen und Tiere. Sie

sollen laut zu Gott rufen, und jeder soll umkehren und sich von

seinen bösen Taten abwenden und von dem Unrecht, das an

seinen Händen klebt.

Wer weiß, vielleicht reut es Gott wieder, und er lässt ab von

seinem glühenden Zorn, sodass wir nicht zugrunde gehen.

Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und

sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil,

das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung

nicht aus.

Impuls zur Lesung

Ein Gott der Rache? Das hättest du wohl gerne. Ja, manchmal

hätten wir das gerne. Ach, Jona. Ach, Ninive. Ninive, die

gottlose Großstadt, zeigt sich märchenhaft groß im Glauben.

Zuerst alles verdorben, verrückt und verkehrt, voller Unrecht

und Gewalttat, nun einhellige Einkehr und Umkehr? Wie passt

das zusammen? Hat der Herr sich getäuscht? Jona, Prediger

des Gotteszorns, ist enttäuscht. Er sieht sich getäuscht. Niemanden

abschreiben! Das ist die Botschaft, deren unwilliger

Überbringer der Gerichtsprophet ist. Niemanden abschreiben.

Auf krummen Zeilen schreibt Gott gerade.


61

Dienstag, 5. Oktober · Eucharistie

Antwortpsalm

Ps 130, 1–7a.8

Kehrvers:

Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten, Herr, wer könnte

bestehen?

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: *

Herr, höre meine Stimme!

Wende dein Ohr mir zu, *

achte auf mein lautes Flehen! – Kehrvers

Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten, *

Herr, wer könnte bestehen?

Doch bei dir ist Vergebung, *

damit man in Ehrfurcht dir dient. – Kehrvers

Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, *

ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.

Meine Seele wartet auf den Herrn *

mehr als die Wächter auf den Morgen. – Kehrvers

Mehr als die Wächter auf den Morgen *

soll Israel harren auf den Herrn.

Ja, er wird Israel erlösen *

von all seinen Sünden. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 3, ferner GL 518 · GL 1975 191, 1 · KG 400 (VII. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Lk 11, 28

Halleluja. Halleluja.

Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 10, 38–42

In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf, und eine Frau namens

Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die

Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte

seinen Worten zu.


Abend · Dienstag, 5. Oktober 62

Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn

zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich

nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt?

Sag ihr doch, sie soll mir helfen!

Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen

und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das

Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört,

treibt man zurück.

Benjamin Britten (englischer Komponist, Dirigent und Pianist, 1913–976)

• In welchem Bereich habe ich Freude am Weiterlernen?

• Wo neige ich eher zur Stagnation?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Der Erde Schöpfer und ihr Herr,

du hast geschieden Meer und Land;

du hast die Flut zurückgedämmt

und gabst der Erde festen Grund,

dass sie uns sprieße gute Saat

und schön sei durch der Blumen Pracht,

dass sie, von reifen Früchten schwer,

uns Nahrung geb zur rechten Zeit.


63

Dienstag, 5. Oktober · Abend

Des Herzens Erdreich ist versengt:

Im Tau der Gnade schaff es neu.

Es öffne, Herr, sich deinem Wort

und nehm die Saat in Freuden auf.

Dies schenk uns, Vater voller Macht,

und du, sein Sohn und Ebenbild,

die ihr in Einheit mit dem Geist

die Schöpfung zur Vollendung führt. Amen.

Nach: Telluris ingens conditor; 7.–8. Jahrhundert

Melodie: GL 469 – altern. Melodie: GL 144 · GL 1975 474 · KG 40 · EG 288

Psalm 125

Wer auf den Herrn vertraut, steht fest wie der Zionsberg, *

der niemals wankt, der ewig bleibt.

Wie Berge Jerusalem rings umgeben, *

so ist der Herr um sein Volk, von nun an auf ewig.

Das Zepter des Frevlers soll nicht auf dem Erbland der

Gerechten lasten, *

damit die Hand der Gerechten nicht nach Unrecht greift.

Herr, tu Gutes den Guten, *

den Menschen mit redlichem Herzen!

Doch wer auf krumme Wege abbiegt, /

den jage, Herr, samt den Frevlern davon! *

Frieden über Israel!

Ehre sei dem Vater ...

Du unser Schutz und unser Friede, halte deine Hand über unsere

Stadt und unser Land, dass kein Unheil sie erreicht. Lass

deine Güte und Treue unter uns wachsen.

Lesung Röm 12, 9–12

Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet

fest am Guten. Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan,

übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in


Abend · Dienstag, 5. Oktober 64

eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem

Herrn! Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis,

beharrlich im Gebet!

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Mein Geist jubelt über Gott, meinen Herrn und meinen Retter.

Fürbitten

Jesus ruft, wen er will, unabhängig von sozialem Status, Geschlecht,

Herkunft: „Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr

nicht genommen werden“, so hören wir heute im Evangelium.

Wir bitten für alle, die Jesu Ruf hören:

V: Gott der Weite, A: erneuere unser Denken.

– Um die Möglichkeit und die Kraft, diesem Ruf treu zu folgen.

– Um die Bereitschaft, zu hören und Gottes Wort aufzunehmen.

– Um die Freude, Jesu Botschaft zu teilen.

– Um einen langen Atem im Dienst der Verkündigung.

– Um die Freiheit, auch eigene Wünsche und Hoffnungen nicht

zu übersehen.

Vaterunser

Oration

Gütiger Gott, unser Abendgebet steige zu dir empor, und dein

Segen komme auf uns herab, damit wir mit deiner Hilfe das Heil

erlangen und frei werden, hier und auf ewig. Darum bitten wir

durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Mittwoch, 6. Oktober 2021

Heiliger Bruno

Bruno (um 1030–1101) stammte aus Köln. Er studierte in Köln

und Reims, wurde Stiftsherr in St. Kunibert (Köln) und übernahm

1057 die Domschule in Reims. Einer seiner Schüler war der

spätere Papst Urban II. 1081 wurde Bruno zum Erzbischof von

Reims gewählt, musste jedoch zugunsten eines anderen Kandidaten

zurücktreten. 1083 ging er mit zwei Gefährten nach Frankreich,

wo er bei Abt Robert von Molesme Mönch wurde und eine

Eremitensiedlung einrichtete. 1084 erhielt er die Möglichkeit, sich

mit sechs Gefährten in der Chartreuse (Cartusia), einer Wildnis in

der Nähe von Grenoble, als Einsiedler niederzulassen. Die Männer

lebten dort in Armut und strenger Askese. Zu den Regeln gehörte

ein absolutes Schweigegebot, das nur eine Verständigung durch

Zeichen erlaubte. Nur nachts kamen sie zusammen, feierten die

Messe und sangen Gregorianische Choräle. Aus dieser Gemeinschaft

entstand der Kartäuserorden. Später gründete Bruno in Kalabrien

weitere Kartäusereremitorien.

Schrifttexte: Lesung: Phil 3, 8–14; Evangelium: Lk 9, 57–62

Namenstag: Isaak und Jakob (biblische Gestalten) · hl. Fides von Agen

(Märtyrerin, † um 307) · hl. Renatus von Angers (René, Bischof, 4./5.

Jh.) · hl. Adalbero von Würzburg (Bischof, † 1090)

Ökumenischer Gedenktag: William Tyndale (brit. Bibelübersetzer, um

1484–1536)

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Morgen · Mittwoch, 6. Oktober 66

Hymnus

Die güldne Sonne voll Freud und Wonne

bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen

ein herzerquickendes, liebliches Licht.

Mein Haupt und Glieder, die lagen danieder;

aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,

schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

Mein Auge schauet, was Gott gebauet

zu seinen Ehren und uns zu lehren,

wie sein Vermögen sei mächtig und groß,

und wo die Frommen dann sollen hinkommen,

wann sie mit Frieden von hinnen geschieden

aus dieser Erde vergänglichem Schoß.

Abend und Morgen sind seine Sorgen;

segnen und mehren, Unglück verwehren

sind seine Werke und Taten allein.

Wenn wir uns legen, so ist er zugegen;

wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen

über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

Alles vergehet, Gott aber stehet

ohn alles Wanken; seine Gedanken,

sein Wort und Wille hat ewigen Grund.

Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden,

heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen,

halten uns zeitlich und ewig gesund.

Paul Gerhardt († 1676) – GL 704 (Anhang Rottenburg-Stuttgart) ·

GL 1975 (Anhänge) · EG 449 (mehr Strophen)

Canticum

Antiphon:

Selig, wer rechtschaffen lebt und die Wahrheit sagt.

Ihr in der Ferne, hört, was ich tue; *

ihr in der Nähe, erkennt meine Kraft!

Jes 33, 13–15a.16


67

Mittwoch, 6. Oktober · Morgen

Die Sünder in Zion beginnen zu zittern, *

ein Schauder erfasst die ruchlosen Menschen.

Wer von uns hält es aus neben dem verzehrenden Feuer, *

wer von uns hält es aus neben der ewigen Glut?

Wer rechtschaffen lebt und immer die Wahrheit sagt, /

der wird auf den Bergen wohnen, *

Felsenburgen sind seine Zuflucht;

man reicht ihm sein Brot, *

und seine Wasserquelle versiegt nicht.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung

Jes 65, 1b–3a

Ich sagte: Hier bin ich, hier bin ich! Den ganzen Tag streckte

ich meine Hände aus nach einem abtrünnigen Volk, das einen

Weg ging, der nicht gut war, nach seinen eigenen Plänen, nach

einem Volk, das in seinem Trotz mich ständig ärgert.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Vollende an uns dein Erbarmen, o Herr, und denk an deinen

heiligen Bund.

Bitten

Jesus, du machst uns Mut, vor den Vater zu tragen, was immer

uns bewegt. Wir bitten dich:

A: Herr, öffne unser Herz und unsere Lippen.

Du hast deine Jünger beten gelehrt;

– lass in uns wachsen, um was wir bitten sollen.

Lass uns in schwierigen Situationen nicht kopflos werden;

– hilf, dass wir uns gerade dann ganz dem Vater zuwenden.

Gib, dass wir die Antwort des Vaters verstehen,

– und mach uns bereit, für seine Hilfe zu danken.


Eucharistie · Mittwoch, 6. Oktober 68

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, deine Weisheit hat uns erschaffen, und deine

Vorsehung leitet uns. Lass dein heiliges Licht in unseren Herzen

leuchten, damit wir in allem, was wir heute sinnen und tun, dir

in Treue dienen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Du, der du uns deinen Namen genannt und uns Mut gemacht

hast, dich anzusprechen, wir kommen zu dir und sagen: Gott,

unser Vater, wir danken dir, dass du für uns da bist. Hilf uns,

dass auch wir für dich leben – und für die Menschen, in denen

du uns begegnest. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Buch Jona Jona 3, 10b; 4, 1–11

Gott reute das Unheil, das er den Leuten angedroht hatte,

und er führte die Drohung nicht aus.

Das missfiel Jona ganz und gar, und er wurde zornig. Er betete

zum Herrn und sagte: Ach Herr, habe ich das nicht schon

gesagt, als ich noch daheim war? Eben darum wollte ich ja nach

Tarschisch fliehen; denn ich wusste, dass du ein gnädiger und

barmherziger Gott bist, langmütig und reich an Huld und dass

deine Drohungen dich reuen.

Darum nimm mir jetzt lieber das Leben, Herr! Denn es ist für

mich besser zu sterben als zu leben. Da erwiderte der Herr: Ist

es recht von dir, zornig zu sein?


69

Mittwoch, 6. Oktober · Eucharistie

Da verließ Jona die Stadt und setzte sich östlich vor der Stadt

nieder. Er machte sich dort ein Laubdach und setzte sich in

seinen Schatten, um abzuwarten, was mit der Stadt geschah.

Da ließ Gott, der Herr, einen Rizinusstrauch über Jona emporwachsen,

der seinem Kopf Schatten geben und seinen Ärger

vertreiben sollte. Jona freute sich sehr über den Rizinusstrauch.

Als aber am nächsten Tag die Morgenröte heraufzog, schickte

Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, sodass er

verdorrte.

Und als die Sonne aufging, schickte Gott einen heißen Ostwind.

Die Sonne stach Jona auf den Kopf, sodass er fast ohnmächtig

wurde. Da wünschte er sich den Tod und sagte: Es ist

besser für mich zu sterben als zu leben.

Gott aber fragte Jona: Ist es recht von dir, wegen des Rizinusstrauches

zornig zu sein? Er antwortete: Ja, es ist recht, dass

ich zornig bin und mir den Tod wünsche.

Darauf sagte der Herr: Dir ist es leid um den Rizinusstrauch,

für den du nicht gearbeitet und den du nicht großgezogen hast.

Über Nacht war er da, über Nacht ist er eingegangen.

Mir aber sollte es nicht leid sein um Ninive, die große Stadt,

in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die

nicht einmal rechts und links unterscheiden können – und außerdem

so viel Vieh?

Impuls zur Lesung

Jona wird böse, weil Ninive nicht mehr böse ist. Weil Gott Ninive

nicht mehr böse ist. Nun ist es heraus: Die Ahnung, dass am

Ende nicht eine eindrucksvolle Strafaktion, sondern ein Umdenken

der Übeltäter und Gottes grenzenlose Gnade stehen

könnten, war Jonas Fluchtmotiv. Wenn wir an das Leid denken,

das die Großkopferten der Mega-Stadt mit ihrem ausbeuterischen

Lebensstil über unendlich viele Menschen gebracht

haben, dann ist Jonas Haltung mehr als verständlich. Lenken

wir den Blick auf die Bereitschaft aller, ganz neu anzufangen,

dann freuen wir uns mit ihnen über des Herrn Barmherzig-


Eucharistie · Mittwoch, 6. Oktober 70

keit. Und schauen wir genau hin: Gott gibt sich nicht bloß alle

Mühe mit Ninive. Erfindungsreich und geduldig wirbt er auch

um Jona, den verstörten Gotteskrieger, um s e i n e Einsicht,

um s e i n e Umkehr. Wer den Verlust einer einzigen Grünpflanze,

die ihm gerade einmal über den Kopf gewachsen ist,

kaum verschmerzt, der wird doch auch das Unbegreifliche begreifen:

Die schlimme, die jetzt umkehrwillige Stadt, und alles

Leben in ihr, ist dem Herrn ans Herz gewachsen. Gott hat sein

Herz in Ninive verloren!

Antwortpsalm Ps 86, 3–6.9–10

Kehrvers:

Voll Langmut bist du, Herr, und reich an Huld und Treue.

Du bist mein Gott. Sei mir gnädig, o Herr! *

Den ganzen Tag rufe ich zu dir.

Herr, erfreue deinen Knecht; *

denn ich erhebe meine Seele zu dir. – Kehrvers

Herr, du bist gütig und bereit zu verzeihen, *

für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade.

Herr, vernimm mein Beten, *

achte auf mein lautes Flehen! – Kehrvers

Alle Völker kommen und beten dich an, *

sie geben, Herr, deinem Namen die Ehre.

Denn du bist groß und tust Wunder; *

du allein bist Gott. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 15b, ferner GL 517 · GL 1975 527, 5 · KG 613 (IV. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Röm 8, 15bc

Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den

Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!

Halleluja.


71

Mittwoch, 6. Oktober · Abend

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 11, 1–4

Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet

hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns

beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da

sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:

Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib

uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere

Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist.

Und führe uns nicht in Versuchung.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Courage ist gut. Ausdauer ist besser.

Theodor Fontane (deutscher Dichter, 1819–1898)

• Wo liegen meine Stärken?

• Kann ich couragiert handeln und mit Ausdauer dabeibleiben?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Vater unser im Himmelreich,

der du uns alle heißest gleich

Brüder sein und dich rufen an

und willst das Beten von uns han:

gib, dass nicht bet allein der Mund,

hilf, dass es geh von Herzensgrund.


Abend · Mittwoch, 6. Oktober 72

Geheiligt werd der Name dein,

dein Wort bei uns hilf halten rein,

dass auch wir leben heiliglich,

nach deinem Namen würdiglich.

Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr,

das arm verführet Volk bekehr.

Es komm dein Reich in dieser Zeit

und dort hernach in Ewigkeit.

Der Heilig Geist uns wohne bei

mit seinen Gaben mancherlei;

des Satans Zorn und groß Gewalt

zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.

Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich

auf Erden wie im Himmelreich.

Gib uns Geduld in Leidenszeit,

gehorsam sein in Lieb und Leid;

wehr und steu’r allem Fleisch und Blut,

das wider deinen Willen tut.

Martin Luther 1539

EG 344, Strophen 1–4

Psalm 70 Verse 2–6

Gott, komm herbei, um mich zu retten, *

Herr, eile mir zu Hilfe!

In Schmach und Schande sollen alle fallen, *

die mir nach dem Leben trachten.

Zurückweichen sollen sie und vor Scham erröten, *

die sich über mein Unglück freuen.

Beschämt sollen sich alle abwenden, die lachen und höhnen *

und sagen: „Dir geschieht recht.“

Alle, die dich suchen, frohlocken; *

sie mögen sich freuen in dir.


73

Mittwoch, 6. Oktober · Abend

Die dein Heil lieben, sollen immer sagen: *

„Groß ist Gott, der Herr.“

Ich aber bin arm und gebeugt. *

Eile, o Gott, mir zu Hilfe!

Meine Hilfe und mein Retter bist du. *

Herr, säume doch nicht!

Ehre sei dem Vater ...

Du unser Retter, wir lieben dein Heil. Lass uns nie müde werden,

dich zu suchen.

Lesung vgl. Jer 3, 12.14a

Kehrt zurück – Spruch des Herrn. Ich schaue euch nicht

mehr zornig an; denn ich bin gütig, ich trage nicht ewig

nach. Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne – Spruch des Herrn.

Nunc dimittis – Lobgesang des Simeon

Antiphon zum Nunc dimittis:

Sei unser Heil, o Herr, wenn wir wachen, und unser Schutz,

wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen

in seinem Frieden.

Fürbitten (Gebetsanliegen des Papstes)

– Beten wir, dass alle Getauften für das Evangelium eintreten

und bereit sind für die Sendung eines Lebens, das die Freude

an der Frohen Botschaft bezeugt.

Näheres zu diesem Gebetsanliegen erfahren Sie auf www.magnificat.de/aktuelles.

Vaterunser


Abend · Mittwoch, 6. Oktober 74

Oration

Herr Jesus Christus, du bist gütig und von Herzen demütig. Das

Joch, das du denen auflegst, die dir nachfolgen, ist nicht drückend,

und deine Last ist leicht. Nimm gnädig an, was wir uns

heute vorgenommen und was wir vollbracht haben. Erneuere

uns durch die Ruhe der Nacht und mache uns morgen eifriger

in deinem Dienst. Der du lebst und herrschest in alle Ewigkeit.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Donnerstag, 7. Oktober 2021

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz

Das Rosenkranzgebet ist ein meditatives Gebet, das wichtige

Stationen des Lebens Jesu zum Inhalt hat. Parallel zum Psalmengebet

im Brevier der Priester und in den Klöstern (der Psalter

umfasst 150 Psalmen) entwickelte sich das Rosenkranzgebet als

sogenanntes „Laien-Brevier“ (150 Ave Maria). Heute ist das Rosenkranzgebet

weitgehend ein Bittgebet. Der Name Rosenkranz weist

noch auf die ursprüngliche Bedeutung hin. In der Zeit des Minnesangs

brachte man seiner „Dame“ oder „Unserer Lieben Frau“ einen

Blumenkranz oder ein Minnegedicht als Gabe dar, „Rosarium“

genannt. So wurde der Rosenkranz ursprünglich als Minnedienst

verstanden. Seine jetzige Form erhielt er im 15. Jahrhundert.

Verbreitet wurde das Gebet durch verschiedene Orden, besonders

durch die Dominikaner, die Rosenkranzbruderschaften gründeten.

In den Bedrohungen der Türkenkriege rief Pius V. zum

Rosenkranzgebet auf. Als Dank für den Sieg in der Seeschlacht

bei Lepanto am 7. Oktober 1571 führte er das Fest „Maria vom

Sieg“ ein, das nach dem endgültigen Sieg bei Peterwardein/Ungarn

(1716) als „Rosenkranzfest“ auf die ganze Kirche ausgedehnt

wurde. Im Rosenkranz meditieren die Betenden die sogenannten

freudenreichen, schmerzhaften oder glorreichen Geheimnisse des

Lebens Jesu, die durch Papst Johannes Paul II. um die lichtreichen

Geheimnisse erweitert wurden.

Schrifttexte: Lesung: Apg 1, 12–14; Evangelium: Lk 1, 26–38

Namenstag: Rosa (Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz) · hl. Justina

von Padua (Märtyrerin, † um 304) · hl. Gerold von Köln (Pilger,

† 1241) · sel. Georg von Pfronten-Kreuzegg (Kapuziner, † 1762)


Morgen · Donnerstag, 7. Oktober 76

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

O Maria, Gnadenvolle, schönste Zier der Himmelsaun,

blicke huldvoll auf uns nieder, die wir kindlich dir vertraun!

Tu uns deine Hilfe kund, segne, Mutter, unsern Bund!

Segne, Mutter, segne, Mutter, segne, Mutter, unsern Bund!

Dich zu lieben, dir zu dienen, dir als Vorbild immerdar,

treu im Leben nachzuwandeln, hat vereint sich unsre Schar.

Lieb und Lob aus Herz und Mund bringt dir, Mutter, unser Bund.

Segne, Mutter, segne, Mutter, segne, Mutter, unsern Bund!

Durch dich hoffen wir zu siegen, die der Schlange Haupt zertrat;

ob auch Stürme uns umtoben, ob auch schwere Prüfung naht,

dir vertraut als festem Grund, Gottesmutter, unser Bund!

Segne, Mutter, segne, Mutter, segne, Mutter, unsern Bund!

Ulm 1900 – GL 966 (Anhang Bozen-Brixen)

Canticum Jes 40, 10–17

Antiphon:

Der kommt mit Macht und mit ihm sein Siegespreis.

Seht, Gott, der Herr, kommt mit Macht, *

er herrscht mit starkem Arm.

Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: *

Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her.

Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, *

er sammelt sie mit starker Hand.

Die Lämmer trägt er auf dem Arm, *

die Mutterschafe führt er behutsam.


77

Donnerstag, 7. Oktober · Morgen

Wer misst das Meer mit der hohlen Hand? *

Wer kann mit der ausgespannten Hand den Himmel vermessen?

Wer misst den Staub der Erde mit einem Scheffel? /

Wer wiegt die Berge mit einer Waage *

und mit Gewichten die Hügel?

Wer bestimmt den Geist des Herrn? *

Wer kann sein Berater sein und ihn unterrichten?

Wen fragt er um Rat, *

und wer vermittelt ihm Einsicht?

Wer kann ihn über die Pfade des Rechts belehren? *

Wer lehrt ihn das Wissen

und zeigt ihm den Weg der Erkenntnis?

Seht, die Völker sind wie ein Tropfen am Eimer, /

sie gelten so viel wie ein Stäubchen auf der Waage. *

Ganze Inseln wiegen nicht mehr als ein Sandkorn.

Der Libanon reicht nicht aus für das Brennholz, *

sein Wild genügt nicht für die Opfer.

Alle Völker sind vor Gott wie ein Nichts, *

für ihn sind sie wertlos und nichtig.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung

Röm 12, 17a.19b–21

Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Denn in der Schrift

steht: Mein ist die Rache, spricht der Herr. Vielmehr: Wenn

dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib

ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen

auf sein Haupt. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern

besiege das Böse durch das Gute.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Selige Mutter, reinste Jungfrau, glorreiche Königin der Welt,

lass alle deine Hilfe erfahren, die dieses heilige Fest begehen.


Eucharistie · Donnerstag, 7. Oktober 78

Bitten

Lasst uns beten zu Gott, der Maria zur Mutter seines Sohnes

berufen hat:

A: Höre unsere Bitten.

– Dass wir in unseren Kindern die Begabungen zur Entfaltung

bringen, die du ihnen geschenkt hast.

– Dass wir die Ereignisse, die uns heute begegnen, achtsam in

uns aufnehmen und in unserem Herzen bewegen.

– Dass wir auch dann, wenn es uns schwer wird, an deinem

Weg festhalten.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.

Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung

Christi, deines Sohnes, erkannt. Höre auf die Fürsprache der

seligen Jungfrau Maria und führe uns durch sein Leiden und

Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir

durch ihn, Jesus Christus.

Der Gott unserer Hoffnung schütze uns,

er breite über uns allen Segen und Frieden des Himmels.

Texte zur Eucharistiefeier

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch Maleachi Mal 3, 13–20a

Was ihr über mich sagt, ist kühn, spricht der Herr. Doch

ihr fragt: Was sagen wir denn über dich? Ihr sagt: Es hat

keinen Sinn, Gott zu dienen. Was haben wir davon, wenn wir


79

Donnerstag, 7. Oktober · Eucharistie

auf seine Anordnungen achten und vor dem Herrn der Heere in

Trauergewändern umhergehen?

Darum preisen wir die Überheblichen glücklich, denn die

Frevler haben Erfolg; sie stellen Gott auf die Probe und kommen

doch straflos davon. –

Darüber redeten die miteinander, die den Herrn fürchten.

Der Herr horchte auf und hörte hin, und man schrieb vor ihm

ein Buch, das alle in Erinnerung hält, die den Herrn fürchten

und seinen Namen achten.

Sie werden an dem Tag, den ich herbeiführe – spricht der

Herr der Heere –, mein besonderes Eigentum sein. Ich werde

gut zu ihnen sein, wie ein Mann gut ist zu seinem Sohn,

der ihm dient. Dann werdet ihr wieder den Unterschied sehen

zwischen dem Gerechten und dem, der Unrecht tut, zwischen

dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.

Denn seht, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen: Da werden

alle Überheblichen und Frevler zu Spreu, und der Tag, der

kommt, wird sie verbrennen, spricht der Herr der Heere. Weder

Wurzel noch Zweig wird ihnen bleiben.

Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne

der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen Heilung.

Antwortpsalm Ps 1, 1–4.6

Kehrvers:

Gesegnet, wer auf den Herrn sich verlässt.

Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, /

nicht auf dem Weg der Sünder geht, *

nicht im Kreis der Spötter sitzt,

sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, *

über seine Weisung nachsinnt

bei Tag und bei Nacht. – Kehrvers

Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, /

der zur rechten Zeit seine Frucht bringt *

und dessen Blätter nicht welken.


Eucharistie · Donnerstag, 7. Oktober 80

Alles, was er tut, *

wird ihm gut gelingen.

Kehrvers:

Gesegnet, wer auf den Herrn sich verlässt.

Nicht so die Frevler: *

Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, *

der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Jer 17, 7, ferner GL 31, 1 oder GL 1975 708, 1

oder KG 606 (IV. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

vgl. Apg 16, 14b

Herr, öffne uns das Herz, dass wir auf die Worte deines Sohnes

hören.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 11, 5–13

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer von

euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und

sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde,

der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm

nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten:

Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und

meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und

dir etwas geben?

Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und

ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch

wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er

braucht.

Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht,

dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.

Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer


81

Donnerstag, 7. Oktober · Abend

anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der

seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet,

oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?

Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt,

was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen

Geist denen geben, die ihn bitten.

Impuls zum Evangelium

Kennen Sie Eltern, die ihre hungrigen Kinder mit Skorpionen

und Schlangen abspeisen? Nicht persönlich, nehme ich an.

Zur Zeit Jesu wird es kaum anders gewesen sein. Ist die Frage

„Ist unter euch ...?“ also rein rhetorisch? Denken wir einmal

nicht an die Eltern. Stellen wir uns vor, wir seien das hungrige

Kind. Wie selbstverständlich ist es uns, zu bitten? Wie gewiss

sind wir, das Erbetene zu erhalten? Fisch und Ei sind nährstoffreiche

Lebensmittel, wichtige Mittel zum Leben. Schlange und

Skorpion sind gefährliche, todbringende Wesen. An Fischen

und Eiern mangelt es bei uns nicht. Aber es gibt Lebens-Mittel,

Mittel zum Leben, die in unserem wohlhabenden Land und

in unserem eigenen Leben Mangelware sind. Jede und jeder

von uns hat Hunger – nach Aufmerksamkeit und Zuneigung,

nach Wohlwollen und Geduld. Ich glaube, wir haben nicht viel

Übung darin, um solche Fische und Eier zu bitten. Fürchten

wir, Skorpione und Schlangen zu erhalten, wenn wir unseren

Mangel eingestehen? Freundlichkeit und Beachtung, Großzügigkeit

und Geduld: Jesus macht uns Mut, um das zu bitten,

was wir zum Leben brauchen wie das tägliche Brot.

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Abend · Donnerstag, 7. Oktober 82

Innehalten am Abend

Wir würden weit mehr gewinnen, wenn wir uns zeigten, wie

wir sind, als bei dem Versuch, das zu scheinen, was wir nicht

sind.

François VI. de La Rochefoucauld (eigentlich französischer Offizier; Literat

und Vertreter der aphoristischen französischen Moralisten; 1613–1680)

• Wie will ich mich zeigen?

• Was will ich eher verbergen?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir,

o heilige Gottesmutter,

verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten,

sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren.

O du glorreiche und gebenedeite Jungfrau,

unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin,

versöhne uns mit deinem Sohne,

empfiehl uns deinem Sohne,

stelle uns vor deinem Sohne.

ältestes Mariengebet

GL 5, 7 · KG 778, 5

Psalm 132 Verse 11–18

Der Herr hat David geschworen, *

einen Eid, den er niemals brechen wird:

„Einen Spross aus deinem Geschlecht *

will ich setzen auf deinen Thron.

Wenn deine Söhne meinen Bund bewahren, *

mein Zeugnis, das ich sie lehre,

dann sollen auch ihre Söhne *

auf deinem Thron sitzen für immer.“


83

Donnerstag, 7. Oktober · Abend

Denn der Herr hat den Zion erwählt, *

ihn zu seinem Wohnsitz erkoren:

„Das ist für immer der Ort meiner Ruhe; *

hier will ich wohnen, ich hab ihn erkoren.

Zions Nahrung will ich reichlich segnen, *

mit Brot seine Armen sättigen.

Seine Priester will ich bekleiden mit Heil, *

seine Frommen sollen jauchzen und jubeln.

Dort lasse ich Davids Macht erstarken *

und stelle für meinen Gesalbten ein Licht auf.

Ich bedecke seine Feinde mit Schande; *

doch auf ihm erglänzt seine Krone.“

Ehre sei dem Vater ...

Blick auf Zion, den Ort deiner Wohnung, Gott des Friedens.

Entzünde ein Licht deinem Volk und sättige seine Armen.

Lesung Zef 3, 14.15b

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke

von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der König Israels,

der Herr, ist in deiner Mitte.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen

und sann darüber nach.

Fürbitten

Gott des Friedens und Beschützer der Armen, in den zurückliegenden

Jahren ist uns schmerzlich klar geworden, wie brüchig

unsere vermeintliche Sicherheit ist. Am 450. Jahrestag der Seeschlacht

bei Lepanto rufen wir zu dir:

A: Hilf uns, Wege zu den Erniedrigten zu finden.


Abend · Donnerstag, 7. Oktober 84

Du hast die Gaben der Schöpfung allen Menschen zugedacht;

– lass uns Bewohner der Industrieländer um der Hungernden

willen auf Entbehrliches verzichten.

A: Hilf uns, Wege zu den Erniedrigten zu finden.

Auf dich hin hast du uns Menschen geschaffen;

– lass die Angehörigen der verschiedenen Religionen vertrauensvoll

ihre Erfahrungen mit dir austauschen, dass sie gemeinsam

dem Frieden dienen.

In Menschen wie Frère Roger oder Mutter Teresa ist die heilbringende

Kraft dessen aufgeleuchtet, der vor deinem Angesicht

lebt;

– lass uns hektische Leistungsmenschen zur Ruhe finden, dass

wir deine Stimme wieder hören.

Wie viele Menschen sterben täglich an Unterernährung, Krankheiten

und den Auswirkungen der Kriege;

– lass uns an sie und an den Schmerz ihrer Angehörigen denken,

wenn wir für unsere Verstorbenen bitten.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein.

Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung

Christi, deines Sohnes, erkannt. Höre auf die Fürsprache der

seligen Jungfrau Maria und führe uns durch sein Leiden und

Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir

durch ihn, Jesus Christus.

Gewähr uns die Gnade, Gott,

zu entfalten, was du in uns angelegt hast.

Mach uns stark gegen Verletzungen

und mutig im Einsatz für Gerechtigkeit.

Salve Regina (Seite 379)


Freitag, 8. Oktober 2021

Namenstag: hl. Pelagia von Jerusalem (Büßerin, † 280) · hl. Demetrius

von Thessaloniki (Märtyrer, † um 306) · sel. Gunther von Regensburg

(Benediktiner, † 940) · Viktrizius Weiß (Kapuziner, Seelsorger, † 1924)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Unsere Hoffnung gründet in der Liebe,

die Gott im Bund uns Menschen zugesagt.

Vor unsren Augen steht der Regenbogen,

Treue von Gott für Noah und für uns.

Herr, deine Liebe ist uns Kraft zu leben.

Sie schenkt uns weiten Raum

und gibt uns ein Zuhaus.

Unsere Sehnsucht gründet in der Treue,

die Gott im Bund uns Menschen zugesagt.

Zwölfzahl der Stämme, Enden eines Kreuzes,

Israels Bund, im Sinai verbürgt.

Herr, deine Liebe ist uns Kraft zu leben ...

Herr, unser Friede gründet in der Botschaft,

die Gott im Bund uns Menschen zugesagt.

Balken des Kreuzes, Auferstehung Christi,

Zeichen der Liebe, die Versöhnung schenkt.

Herr, deine Liebe ist uns Kraft zu leben ...

Lied vom Regenbogenkreuz (Dormitio Jerusalem), Verfasserschaft unbekannt


Morgen · Freitag, 8. Oktober 86

Canticum Jer 14, 17b–21

Antiphon:

Herr, wir erkennen unsere Schuld; wir haben gegen dich gesündigt.

Meine Augen fließen über von Tränen *

bei Tag und bei Nacht und finden keine Ruhe.

Denn großes Verderben brach herein /

über die Jungfrau, die Tochter meines Volkes, *

eine unheilbare Wunde.

Gehe ich aufs Feld hinaus – *

seht, vom Schwert Durchbohrte!

Komme ich in die Stadt – *

seht, vom Hunger Gequälte!

Ja, auch Propheten und Priester werden verschleppt *

in ein Land, das sie nicht kennen.

Hast du denn Juda ganz verworfen, *

wurde dir Zion zum Abscheu?

Warum hast du uns so geschlagen, *

dass es für uns keine Heilung mehr gibt?

Wir hofften auf Heil, doch kommt nichts Gutes, *

auf die Zeit der Heilung, doch ach, nur Schrecken!

Wir erkennen, Herr, unser Unrecht, /

die Schuld unsrer Väter: *

Ja, wir haben gegen dich gesündigt.

Um deines Namens willen verschmähe nicht, /

verstoß nicht den Thron deiner Herrlichkeit! *

Gedenke deines Bundes mit uns und löse ihn nicht!

Ehre sei dem Vater ...

Lesung 2 Kor 12, 9b–10

Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft

Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine


87

Freitag, 8. Oktober · Eucharistie

Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und

Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach

bin, dann bin ich stark.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Der Herr hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen.

Bitten

Du unser Gott und Schöpfer, wenn wir dich ehren, kann dein

Friede bei uns einziehen. Wir bitten dich:

A: Gib uns deinen Segen.

– Dass wir intensiver aus dir leben.

– Dass wir erkennen, wo du uns heute brauchst.

– Dass dein Geist uns mit unseren Mitmenschen verbindet.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Vater, komm in unser Herz und erleuchte es durch

dein Licht, damit wir deine Weisungen erkennen und dir als

unserem König folgen auf dem Weg, den du uns führst. Darum

bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Allmächtiger, ewiger Gott, in der Menschwerdung deines Sohnes

hat alles menschliche Streben nach dir seinen Ursprung und

kommt darin zur Vollendung. Lass uns zu Christus gehören, in


Eucharistie · Freitag, 8. Oktober 88

dem das Heil aller Menschen begründet ist, der in der Einheit

des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Einführung zur Bahnlesung aus dem Buch Joël

Große Erzählkunst. Das zweite Kapitel der Joëlschrift spricht den Leser unmittelbar

an. Kunstvoll komponiert ist dieses biblische Buch, reflektiert und

bewusst, und doch alles andere als blutleer, abstrakt und grau. Vermutlich

ist es in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts v. Chr. entstanden. Zwei

große Teile lassen sich unterscheiden, 1, 2 – 2, 17 und 2, 18 – 4, 21. Im ersten

Teil wird ein dramatisiertes Szenario des näher rückenden, bedrohlichen

JHWH–Tages für Juda und besonders für Jerusalem entwickelt. Der zweite Teil

stellt in mehreren Schritten die Hoffnungsperspektive vor Augen, die sich aus

der Umkehr der Menschen und Gottes selbst ergibt. Die Vorstellung von der

Geistausgießung in 3, 1–5 wird in der Predigt des Petrus in Apg 2, 17–21 aufgegriffen

werden. Der Tag des Herrn ist und bleibt der Tag der Entscheidung.

Hoffnung auf Rettung liegt in der Umkehr zu ihm.

Lesung aus dem Buch Joël Joël 1, 13–15; 2, 1–2

Legt Trauer an und klagt, ihr Priester! Jammert, ihr Diener

des Altars! Kommt, verbringt die Nacht im Trauergewand,

ihr Diener meines Gottes! Denn Speiseopfer und Trankopfer

bleiben dem Haus eures Gottes versagt.

Ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus!

Versammelt die Ältesten und alle Bewohner des Landes beim

Haus des Herrn, eures Gottes, und schreit zum Herrn: Weh,

was für ein Tag! Denn der Tag des Herrn ist nahe; er kommt mit

der Allgewalt des Allmächtigen.

Auf dem Zion stoßt in das Horn, schlagt Lärm auf meinem

heiligen Berg! Alle Bewohner des Landes sollen zittern; denn es

kommt der Tag des Herrn, ja, er ist nahe, der Tag des Dunkels

und der Finsternis, der Tag der Wolken und Wetter.

Wie das Morgenrot, das sich über die Berge hinbreitet, kommt

ein Volk, groß und gewaltig, wie es vor ihm noch nie eines gab

und nach ihm keines mehr geben wird bis zu den fernsten Geschlechtern.


89

Freitag, 8. Oktober · Eucharistie

Antwortpsalm Ps 9, 2–3.6.16.8–9

Kehrvers: Der Herr richtet den Erdkreis gerecht.

Ich will dir danken, Herr, aus ganzem Herzen, *

verkünden will ich all deine Wunder.

Ich will jauchzen und an dir mich freuen, *

für dich, du Höchster, will ich singen und spielen. – Kehrvers

Du hast die Völker bedroht, die Frevler vernichtet, *

ihren Namen gelöscht für immer und ewig.

Völker versanken in der Grube, die sie selber gegraben; *

im Netz, das sie heimlich gelegt,

hat ihr Fuß sich verfangen. – Kehrvers

Der Herr thront für ewig; *

er stellt seinen Thron auf zum Gericht.

Er richtet den Erdkreis gerecht, *

er spricht den Völkern das Urteil, das sie verdienen. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 9a, ferner GL 64, 1 (II. Ton) oder GL 1975 745, 1 (I. Ton)

oder KG 500, 6 (V. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Joh 12, 31b.32

Halleluja. Halleluja.

So spricht der Herr: Jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen,

und wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich

alle an mich ziehen.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 11, 14–26

In jener Zeit trieb Jesus einen Dämon aus, der stumm war. Als

der Dämon den Stummen verlassen hatte, konnte der Mann

reden. Alle Leute staunten. Einige von ihnen aber sagten: Mit

Hilfe von Beelzebul, dem Anführer der Dämonen, treibt er die

Dämonen aus. Andere wollten ihn auf die Probe stellen und

forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.


Eucharistie · Freitag, 8. Oktober 90

Doch er wusste, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Jedes

Reich, das in sich gespalten ist, wird veröden, und ein Haus

ums andere stürzt ein. Wenn also der Satan mit sich selbst im

Streit liegt, wie kann sein Reich dann Bestand haben? Ihr sagt

doch, dass ich die Dämonen mit Hilfe von Beelzebul austreibe.

Wenn ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen

treiben dann eure Anhänger sie aus? Sie selbst also sprechen

euch das Urteil. Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger

Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch

gekommen.

Solange ein bewaffneter starker Mann seinen Hof bewacht,

ist sein Besitz sicher; wenn ihn aber ein Stärkerer angreift und

besiegt, dann nimmt ihm der Stärkere all seine Waffen weg, auf

die er sich verlassen hat, und verteilt die Beute.

Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir

sammelt, der zerstreut.

Ein unreiner Geist, der einen Menschen verlassen hat, wandert

durch die Wüste und sucht einen Ort, wo er bleiben kann.

Wenn er keinen findet, sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren,

das ich verlassen habe.

Und wenn er es bei seiner Rückkehr sauber und geschmückt

antrifft, dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch

schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich

nieder. So wird es mit diesem Menschen am Ende schlimmer

werden als vorher.

Impuls zum Evangelium

In dem großen Pfingsthymnus „Veni Creator Spiritus“ (Komm,

Schöpfer Geist) wird der Heilige Geist als „digitus paternae

dexterae“, als „Finger der rechten Hand des Vaters“, gepriesen.

Dieser schöpferisch wirksame Gottesfinger verleiht Jesus die

Macht, Leidende zu heilen und Besessene zu befreien. Getaufte

sind Geistbegabte: Augen auf in unserem Leben für Gottes

Fingerzeige!


91

Freitag, 8. Oktober · Abend

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.

Friedrich Hölderlin (deutscher Dichter 1770–1843)

• Das Rettende – auf welche Weise konnte ich es in meinem

Leben schon erfahren?

• Wie handele ich im Ernstfall, im Moment einer Gefahr?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Wenn man der Sonne nachschaut,

wie sie untergeht,

denkt man an die,

bei denen’s wieder Morgen wird.

In deiner Christenheit

wird’s Abend, Herr.

Das Morgenlicht ist müd’.

Es geht woanders wieder auf.

Die Meere tun sich wieder auf,

die Feuersäule geht,

und vom gelobten Land

weiß niemand, wo es ist.

Doch jeden Abend ist’s

erreicht. Das Mahl


Abend · Freitag, 8. Oktober 92

wird aufgetischt,

als ob’s das letzte wär’. Amen.

Neues Stundenbuch

Canticum vgl. 1 Petr 1, 3–9

Antiphon:

Gottes Macht behütet euch durch den Glauben, damit ihr das

Heil erlangt, das am Ende der Zeit offenbart werden soll.

Gepriesen sei der Gott und Vater

unseres Herrn Jesus Christus: *

Er hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren,

damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi

von den Toten *

eine lebendige Hoffnung haben

und das unzerstörbare, makellose

und unvergängliche Erbe empfangen, *

das im Himmel für euch aufbewahrt ist.

Gottes Macht behütet euch durch den Glauben, /

damit ihr das Heil erlangt, *

das am Ende der Zeit offenbart werden soll.

Deshalb seid ihr voll Freude,*

obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit

unter mancherlei Prüfungen leiden müsst.

Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, /

und es wird sich zeigen, *

dass er wertvoller ist als Gold, das doch vergänglich ist.

So wird eurem Glauben

Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil *

bei der Offenbarung Jesu Christi.

Ihn habt ihr nicht gesehen, *

und dennoch liebt ihr ihn;

ihr seht ihn auch jetzt nicht; *

aber ihr glaubt an ihn


93

Freitag, 8. Oktober · Abend

und jubelt in unsagbarer Freude, *

da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung Jak 1, 2–4

Seid voll Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen

geratet! Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens

Ausdauer bewirkt. Die Ausdauer aber soll zu einem vollendeten

Werk führen; denn so werdet ihr vollendet und untadelig

sein, es wird euch nichts mehr fehlen.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Der Herr nimmt sich seiner Kinder an und denkt an sein Erbarmen.

Fürbitten

Gott des Bundes, du willst, dass wir Menschen in Eintracht miteinander

leben, statt uns zu bekriegen. Wir bitten dich:

A: Schenke uns deinen Frieden.

– Bewahre uns davor, Unrecht und Gewalt als unabwendbar

hinzunehmen.

– Lass niemand sich im Recht wähnen, der sich gegen jemand

durchgesetzt und ihn dadurch gedemütigt hat.

– Sieh auf alle Menschen, die in unserer Welt benachteiligt

oder entwürdigt werden.

– Nimm alle Verstorbenen, die ihr Leben in deinen Dienst gestellt

haben, in deine ewige Freude auf.

Vaterunser


Abend · Freitag, 8. Oktober 94

Oration

Herr, heiliger Vater, du hast deinen Sohn Jesus Christus zum

Lösegeld für unser Heil gemacht. Hilf uns, so zu leben, dass wir

durch die Teilnahme an seinem Leiden die Kraft seiner Auferstehung

erfahren. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Samstag, 9. Oktober 2021

Heiliger Dionysius und Gefährten

Heiliger Johannes Leonardi

Dionysius wurde nach einem Bericht von Gregor von Tours im

dritten Jahrhundert mit weiteren Gefährten von Papst Fabianus

als Glaubensbote nach Gallien geschickt. Er war vermutlich der

erste Bischof von Paris, dem römischen Lutetia. Auf Veranlassung

des damaligen römischen Gouverneurs soll er später aufgrund seines

Glaubens verhaftet und mit dem Schwert enthauptet worden

sein. Auch seine Gefährten Rustikus und Eleutherius werden als

Märtyrer erwähnt. Dionysius ist ein Nationalheiliger Frankreichs

und wird zu den 14 Nothelfern gezählt.

Schrifttexte: Lesung: 2 Kor 6, 4–10; Evangelium: Mt 5, 13–16

Johannes Leonardi (1541–1609) lebte in Italien. Er wurde 1573

Priester. 1574 gründete er die „Bruderschaft der christlichen Lehre“

zur Erziehung der Jugend und die „Kongregation reformierter

Priester“, die späteren „Regularkleriker der Mutter Gottes“, für die

Seelsorge und die Unterweisung der Armen. In Rom gründete er

ein Missionskolleg, förderte das Schul- und Krankenhauswesen

und reformierte im Auftrag des Papstes verschiedene Kongregationen.

Schrifttexte: Lesung: 2 Kor 4, 1–2.5–7; Evangelium: Lk 5, 1–11

Namenstag: Abraham und Sara (biblische Gestalten) · hl. Theofrid von

Amiens (erster Abt in Corbie, Bischof, † nach 683) · sel. Gunther von

Thüringen (Benediktiner, Einsiedler, Glaubensbote im Bayerischen

Wald, † 1045) · sel. Sibylle von Gages (Zisterzienserin, † um 1250) ·

Emanuela Theresia von Bayern (Klarissin, † 1750) · hl. John Henry

Newman (engl. Theologe, Konvertit, Kardinal, † 1890)


Morgen · Samstag, 9. Oktober 96

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Zuflucht ist bei dem alten Gott

und unter den ewigen Armen,

die dich erschaffen, erhalten, geführt,

auch wo dein Herz es nicht dankbar gespürt.

Was soll noch Sorge, Zweifel, gar Spott?

Gott will sich deiner erbarmen.

Gott hat dich erkürt.

Gottes Güte ist ohne Ziel.

Voll Treue sind Gottes Gedanken.

Ob sich dein Wesen gewandelt von Grund,

ob dein Geschick sich geändert zur Stund,

und welch ein neues Los dir auch fiel –

Gott kennt kein Weichen und Wanken.

Gott hält seinen Bund.

Gott ist Hilfe, Rat, Trost und Schild.

Er bleibt, der er war. Du sollst hoffen.

Ward dir der härteste Kampf auferlegt,

traf dich auch Leid, wie noch keiner es trägt,

und Jammer, den noch niemand gestillt –

Gott hält die Arme dir offen.

Gott heilt, die er schlägt.

Gottes Arme sind Halt und Rast.

Sie möchten dich liebend umfangen.

Was dich auch ängste, sie bleiben dein Hort.

Was dich auch binde, sie tragen dich fort.


97

Samstag, 9. Oktober · Morgen

Und hat die Welt dich bitter gehasst –

Gott lässt dich Frieden erlangen.

Gott gab dir sein Wort.

Wo die Welt nur das Ende sieht,

lässt Gott auch die Müden beginnen.

Wer in den ewigen Armen geruht,

wacht neu gestärkt, voller Kräfte und Mut.

Selbst wo der Kühnste zagend entflieht,

will er die Krone gewinnen,

das ewige Gut.

Jochen Klepper (1903–1942), Zur Jahreswende

Psalm 117

Lobet den Herrn, alle Völker, *

preist ihn, alle Nationen!

Denn mächtig waltet über uns seine Huld, *

die Treue des Herrn währt in Ewigkeit.

Ehre sei dem Vater ...

Deine Güte und Huld ist der Grund, auf dem wir stehen. Gott,

unser Fels, alle Völker sollen dich loben.

Lesung Phil 2, 14–15

Tut alles ohne Murren und Bedenken, damit ihr rein und

ohne Tadel seid, Kinder Gottes ohne Makel mitten in einer

verdorbenen und verwirrten Generation, unter der ihr als Lichter

in der Welt leuchtet.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Licht aus der Höhe, leuchte allen, die in Finsternis sind und im

Schatten des Todes.


Eucharistie · Samstag, 9. Oktober 98

Bitten

Gepriesen sei Gott, der uns zu Zeugen des Evangeliums berufen

hat. Ihn bitten wir:

A: Stärke unsern Glauben.

– Dass wir nicht müde werden zu berichten, wie du an uns

gehandelt hast.

– Dass wir Vertrauen bewahren, auch wenn nicht aufzugehen

scheint, was wir gesät haben.

– Dass wir lernen, mit den uns Anvertrauten und mit uns selbst

Geduld zu haben.

Vaterunser

Oration

Gott, du Quell und Ursprung unseres Heils, mach unser ganzes

Leben zu einem Loblied deiner Herrlichkeit, damit wir einst

im Himmel dich preisen können ohne Ende. Darum bitten wir

durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott. Wir danken dir, dass du uns hier zusammengeführt hast.

Lass uns erkennen, was wir sind. Lass uns glauben, was wir

beten. Lass uns tun, was du uns sagst. Darum bitten wir durch

Jesus Christus.


99

Samstag, 9. Oktober · Eucharistie

Lesung aus dem Buch Joël Joël 4, 12–21

So spricht der Herr: Die Völker sollen aufbrechen und heraufziehen

zum Tal Joschafat. Denn dort will ich zu Gericht

sitzen über alle Völker ringsum. Schwingt die Sichel; denn die

Ernte ist reif. Kommt, tretet die Kelter; denn sie ist voll, die

Tröge fließen über. Denn ihre Bosheit ist groß.

Getöse und Getümmel herrscht im Tal der Entscheidung;

denn der Tag des Herrn ist nahe im Tal der Entscheidung. Sonne

und Mond verfinstern sich, die Sterne halten ihr Licht zurück.

Der Herr brüllt vom Zion her, aus Jerusalem dröhnt seine Stimme,

sodass Himmel und Erde erbeben. Doch für sein Volk ist

der Herr eine Zuflucht, er ist eine Burg für Israels Söhne.

Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr, euer Gott, bin

und dass ich auf dem Zion wohne, meinem heiligen Berg. Jerusalem

wird heilig sein, Fremde werden nie mehr hindurchziehen.

An jenem Tag triefen die Berge von Wein, die Hügel fließen

über von Milch, und in allen Bächen Judas strömt Wasser. Eine

Quelle entspringt im Haus des Herrn und tränkt das Schittim-

Tal.

Ägypten wird zur Wüste, Edom wird zur verödeten Steppe,

wegen der Gewalttat an Judas Söhnen, in deren Land sie unschuldiges

Blut vergossen.

Juda aber bleibt für immer bewohnt, und Jerusalem besteht

von Geschlecht zu Geschlecht, ich erkläre ihr Blut für unschuldig,

das ich vorher nicht für unschuldig erklärte, und der Herr

wohnt auf dem Zion.

Antwortpsalm Ps 97, 1–2.5–6.11–12

Kehrvers:

Ihr Gerechten, freut euch am Herrn!

Der Herr ist König. Die Erde frohlocke. *

Freuen sollen sich die vielen Inseln.


Eucharistie · Samstag, 9. Oktober 100

Rings um ihn her sind Wolken und Dunkel, *

Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Throns.

Kehrvers:

Ihr Gerechten, freut euch am Herrn!

Berge schmelzen wie Wachs vor dem Herrn, *

vor dem Antlitz des Herrschers aller Welt.

Seine Gerechtigkeit verkünden die Himmel, *

seine Herrlichkeit schauen alle Völker. – Kehrvers

Ein Licht erstrahlt den Gerechten *

und Freude den Menschen mit redlichem Herzen.

Ihr Gerechten, freut euch am Herrn, *

und lobt seinen heiligen Namen! – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 12a, ferner GL 56, 1 · GL 1975 722, 1 · KG 623 (V. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Lk 11, 28

Halleluja. Halleluja.

Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 11, 27–28

In jener Zeit, als Jesus zum Volk redete, rief eine Frau aus der

Menge ihm zu: Selig die Frau, deren Leib dich getragen und

deren Brust dich genährt hat.

Er aber erwiderte: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes

hören und es befolgen.

Impuls zum Evangelium

Ein klares Wort, das die gläubige Frau aus der Menge auf ihrem

künftigen Glaubensweg leiten und begleiten wird. Ein

befreiendes Wort. Maria hat nicht einfach biografisch Glück

gehabt, sie hat nicht einfach das große Los gezogen, indem sie

die Mutter Jesu wurde. Dieses Los fällt vielmehr allen zu, die


101

Samstag, 9. Oktober · Abend

Leib und Leben Gott öffnen. Dabei geht es nicht darum, Leib

und Seele, leibliche und geistliche Fruchtbarkeit gegeneinander

auszuspielen. Denn wo anders sollte Gottes Wort denn verspürt

und verwirklicht werden als in dieser unserer leiblichen

Existenz?

Hymnus

Abendgebet am Vorabend

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

O Jesu Christe, wahres Licht,

erleuchte, die dich kennen nicht,

und bringe sie zu deiner Herd,

dass ihre Seel auch selig werd.

Lass alle, die im Finstern gehn,

die Sonne deiner Gnade sehn;

und wer den Weg verloren hat,

den suche du mit deiner Gnad.

Den Tauben öffne das Gehör,

die Stummen richtig reden lehr,

dass sie bekennen mögen frei,

was ihres Herzens Glaube sei.

Erleuchte, die da sind verblendt,

bring heim, die sich von dir getrennt,

versammle, die zerstreuet gehn,

mach feste, die im Zweifel stehn.

So werden alle wir zugleich

auf Erden und im Himmelreich


Abend · Samstag, 9. Oktober 102

hier zeitlich und dort ewiglich

für solche Gnade preisen dich.

Johann Heermann 1630/AÖL 1971

GL 485 · GL 1975 643 · EG 72

Canticum

vgl. Joh 1, 1–5.9–12ab.14

Antiphon:

Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.

Redaktion Magnificat nach Joh 1, 12

Im Anfang war das Wort, /

und das Wort war bei Gott, *

und das Wort war Gott.

Im Anfang war es bei Gott. /

Alles ist durch das Wort geworden, *

und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.

In ihm war das Leben, *

und das Leben war das Licht der Menschen.

Und das Licht leuchtet in der Finsternis, *

und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Und das Wort war das wahre Licht, *

das jeden Menschen erleuchtet.

Er war in der Welt, /

und die Welt ist durch ihn geworden, *

aber die Welt erkannte ihn nicht.

Er kam in sein Eigentum, *

aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Allen aber, die ihn aufnahmen, *

gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.

Und das Wort ist Fleisch geworden *

und hat unter uns gewohnt,


103

Samstag, 9. Oktober · Abend

und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, /

die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, *

voll Gnade und Wahrheit.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung 1 Joh 1, 1–2

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir

mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was

unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir, vom Wort

des Lebens sprechen wir. Denn das Leben wurde offenbart; wir

haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige

Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Die Weisheit zog ich dem Lichte vor; denn nie erlischt der

Glanz, der von ihr ausstrahlt.

Fürbitten

Jesus Christus, unser Licht, du bist die Hoffnung der ganzen

Erde. Wir bitten dich:

A: Lass uns deine Stimme hören.

Du hast die Armen seliggepriesen;

– lass sie offene Hände und Herzen finden.

Du hast Kranke geheilt und Besessene befreit;

– lass sie nicht ohne Beistand bleiben.

Du hast den Menschen ihre Sünden vergeben;

– lass die Kraft der Versöhnung in unserer Welt wirksam werden.

Du hast Tote ins Leben gerufen;

– belebe die Verstorbenen neu in deinem Reich.


Abend · Samstag, 9. Oktober 104

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, deine Gnade komme uns zuvor und begleite

uns, damit wir dein Wort im Herzen bewahren und immer bereit

sind, das Gute zu tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Gott lasse unsere Liebe immer noch reicher werden

an Einsicht und jedem Verständnis,

damit wir beurteilen können, worauf es ankommt,

und rein und ohne Tadel sind für den Tag Christi.

Vgl. Phil 1, 9.10

Salve Regina (Seite 379)


105

Samstag, 9. Oktober · Von Woche zu Woche

Von Woche zu Woche

Lebendig, kraftvoll, schärfer

Lebendig, kraftvoll, schärfer

Was hält mich wach

und lebendig?

Was verbindet mich mit mir selbst?

Was stärkt und kräftigt mich?

Was lässt mich klarer erkennen,

tiefer blicken, schärfer sehen?

Lebendig, kraftvoll, schärfer

Was erwarte ich

von der Heiligen Schrift,

von den Worten der Bibel?

Was vernehme ich von Gottes Wort?

Was wirkt das zugesagte Wort

bei mir, in meinem Leben?

(zu Hebr 4, 12–13)

Lebendig, kraftvoll, schärfer

Dieses Bibelwort weiß:

Die Erfahrung Gottes,

sie lässt nicht unberührt,

sie fordert mich heraus,

sie fordert mich ein,

sie fordert mich, ich selbst zu sein.

Dorothee Sandherr-Klemp


10. Oktober 2021

28. Sonntag im Jahreskreis

Namenstag: hl. Gereon von Köln (Angehöriger der Thebäischen Legion,

Märtyrer, 3. Jh.) · hl. Kassius und hl. Florentius (Angehörige der Thebäischen

Legion, Märtyrer in Bonn, 3. Jh.) · hl. Viktor von Xanten (Angehöriger

der Thebäischen Legion, Märtyrer, 3. Jh.) · sel. Tuto von Regensburg

(Benediktiner, † 930) · Jakob Spiegel (Zisterzienser, † 1642) · hl.

Daniel Comboni (Afrikamissionar, Ordensgründer, † 1881)

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Du sättigst uns am Morgen mit deiner Huld.

Wir wollen jubeln und uns freuen all unsre Tage.

Vgl. Ps 90, 14

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Hymnus

1. Christus – mächtiger Gott!

Du, Allherrscher der Schöpfung,

lenkst die kreisenden Welten –

wandelst auf Wogen,

wendest die Stürme –

rufst deine Engel,

zwingst die Dämonen –

König der Welt!

Allem verleihst du das Sein,

Wort des allmächtigen Vaters!


107

2. Christus – Heiland der Welt!

Aus dem Schoße des Vaters

steigst du rettend hernieder:

wirst unser Bruder,

teilst unsre Armut –

trägst unsre Leiden,

tilgst unsre Sünden –

hebst uns empor:

Erster des neuen Geschlechts,

das du erlöst und geheiligt.

Sonntag, 10. Oktober · Morgen

3. Christus – göttliches Haupt!

Wie der Weinstock die Reben

nährst du uns, deine Glieder:

senkst in die Seelen

göttliches Leben,

einigst die Völker

in deiner Kirche

heiligem Leib.

Zieh uns auf ewig an dich,

Mittler unsterblichen Lebens!

Zeitgenössisch

Psalm 24

Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, *

der Erdkreis und seine Bewohner.

Denn er hat ihn auf Meere gegründet, *

ihn über Strömen befestigt.

Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, *

wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?

Der reine Hände hat und ein lauteres Herz, *

der nicht betrügt und keinen Meineid schwört.

Er wird Segen empfangen vom Herrn *

und Heil von Gott, seinem Helfer.

Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, *

die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs.

Ihr Tore, hebt euch nach oben, /

hebt euch, ihr uralten Pforten; *

denn es kommt der König der Herrlichkeit.

Wer ist der König der Herrlichkeit? *

Der Herr, stark und gewaltig,

der Herr, mächtig im Kampf.


Morgen · Sonntag, 10. Oktober 108

Ihr Tore, hebt euch nach oben, /

hebt euch, ihr uralten Pforten; *

denn es kommt der König der Herrlichkeit.

Wer ist der König der Herrlichkeit? *

Der Herr der Heerscharen,

er ist der König der Herrlichkeit.

Ehre sei dem Vater ...

Heiliger Gott, du kommst den Menschen nahe, die ein reines

Herz haben. Befreie uns von allem, was uns von dir fernhält,

und schenke uns deinen Segen.

Lesung Jer 29, 11.13.14

Ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe – Spruch

des Herrn –, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn

ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben. Sucht ihr

mich, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach

mir fragt, lasse ich mich von euch finden – Spruch des Herrn.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen; dann

komm und folge mir nach!

Bitten

Wer sich für dich entscheidet, Jesus, den forderst du ganz; doch

niemand setzt du unter Druck. Wir bitten dich:

A: Hilf uns, dir zu folgen.

Wenn wir uns zu sehr in unseren Gewohnheiten eingerichtet

haben,

– führ du uns aus den alten Gleisen.

Wenn wir verwirrt sind und vor Sorgen den Weg nicht mehr

sehen,

– zeig du uns den nächsten Schritt.


109

Sonntag, 10. Oktober · Eucharistie

Wenn Menschen uns abweisen und von dir nichts wissen wollen,

– gib uns Geduld und Vertrauen.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, deine Gnade komme uns zuvor und begleite

uns, damit wir dein Wort im Herzen bewahren und immer bereit

sind, das Gute zu tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Segne uns, Gott,

segne unser Miteinander.

Mit dir im Bund lass uns leben.

Schenk uns Freude, die ausstrahlt.

Gloria

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 81, 360, 365, 435, 455, 461 · KG 40, 43,

206, 544, 745

Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten,

Herr, wer könnte bestehen?

Doch bei dir ist Vergebung, Gott Israels.

Ps 130, 3–4

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch der Weisheit Weish 7, 7–11

Ich betete und es wurde mir Klugheit gegeben; ich flehte und

der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Zeptern und

Thronen vor, Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit

ihr.


Eucharistie · Sonntag, 10. Oktober 110

Einen unschätzbaren Edelstein stellte ich ihr nicht gleich;

denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand und

Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm.

Mehr als Gesundheit und Schönheit liebte ich sie und zog

ihren Besitz dem Lichte vor; denn niemals erlischt der Glanz,

der von ihr ausstrahlt.

Zugleich mit ihr kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer

waren in ihren Händen.

Impuls zur Lesung

Als unsterbliche Götter und unschlagbare Heilande ließen sich

die römischen Herrscher verehren. Das Buch der Weisheit betont

hingegen die Sterblichkeit, Endlichkeit und Fehlbarkeit

aller Menschen, auch der Größten und Glänzendsten. Dennoch,

oder gerade darum, ist die Botschaft weder resigniert

noch düster, sondern voll froher Zuversicht: Wer von ganzem

Herzen um Gottes eigenen Geist bittet, wer sich mutig dieser

Weisheit anvertraut, kann auf Grandiosität und Glamour verzichten

– und gewinnt Licht und Leben in Fülle.

Antwortpsalm Ps 90, 12–17

Kehrvers:

Sättige uns, Herr, mit deiner Huld! Dann werden wir jubeln und

uns freuen.

Unsere Tage zu zählen, lehre uns! *

Dann gewinnen wir ein weises Herz.

Kehre doch um, HERR! – Wie lange noch? *

Um deiner Knechte willen lass es dich reuen! – Kehrvers

Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! *

Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.

Erfreue uns so viele Tage, wie du uns gebeugt hast, *

so viele Jahre, wie wir Unheil sahn. – Kehrvers

Dein Wirken werde sichtbar an deinen Knechten *

und deine Pracht an ihren Kindern.


111

Sonntag, 10. Oktober · Eucharistie

Güte und Schönheit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns! /

Lass gedeihen das Werk unsrer Hände, *

ja, das Werk unsrer Hände lass gedeihen! – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 14, ferner GL 50, 1 oder KG 85, 4 (I. Ton)

oder GL 1975 712, 1 (VI. Ton)

Lesung aus dem Hebräerbrief Hebr 4, 12–13

Lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes

zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung

von Seele und Geist, von Gelenken und Mark; es richtet über

die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein

Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den

Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.

Ruf vor dem Evangelium Mt 5, 3

Halleluja. Halleluja.

Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 10, 17–30

Kurzfassung: Mk 10, 17–27

In jener Zeit lief ein Mann auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die

Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das

ewige Leben zu erben?

Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist

gut außer der eine Gott. Du kennst doch die Gebote: Du sollst

nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen,

du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen;

ehre deinen Vater und deine Mutter!

Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von

Jugend an befolgt.

Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte: Eines fehlt dir

noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du

wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge


Eucharistie · Sonntag, 10. Oktober 112

mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und

ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.

Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer

ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu

kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus

aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer

ist es, in das Reich Gottes zu kommen! Leichter geht ein Kamel

durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes

gelangt.

Sie aber gerieten über alle Maßen außer sich vor Schrecken

und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden?

Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich,

aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.

Da sagte Petrus zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und

sind dir nachgefolgt.

Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen

und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder,

Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat,

wird das Hundertfache dafür empfangen. Jetzt in dieser Zeit

wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter, Kinder

und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der

kommenden Welt das ewige Leben.

Credo

Gabengebet

Herr und Gott, nimm die Gebete und Opfergaben deiner Gläubigen

an. Lass uns diese heilige Feier mit ganzer Hingabe begehen,

damit wir einst das Leben in der Herrlichkeit des Himmels

erlangen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

Wir danken dir, Vater im Himmel, und rühmen dich durch unseren

Herrn Jesus Christus. Denn durch seine Geburt hat er den

Menschen erneuert, durch sein Leiden unsere Sünden getilgt,


113

Sonntag, 10. Oktober · Auslegung

in seiner Auferstehung den Weg zum Leben erschlossen und

in seiner Auffahrt zu dir das Tor des Himmels geöffnet. Durch

ihn rühmen dich deine Erlösten und singen mit den Chören der

Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

Kommunionvers Ps 34, 11

Reiche müssen darben und hungern. Wer aber den Herrn sucht,

braucht kein Gut zu entbehren.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott, in der heiligen Opferfeier nährst du deine

Gläubigen mit dem Leib und dem Blut deines Sohnes. Gib uns

durch dieses Sakrament auch Anteil am göttlichen Leben. Darum

bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns tröstet

in jeder Not, segne euch und lenke eure Tage in seinem Frieden.

Er bewahre euch vor aller Verwirrung und festige eure Herzen

in seiner Liebe.

In diesem Leben mache er euch reich an guten Werken; und

im künftigen sei er selbst euer unvergänglicher Lohn.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Auslegung zum Sonntagsevangelium

Von Johannes Chrysostomus

E

s ist doch eine Frage wert, warum der Herr ihn liebte, obwohl

er ihm dann nicht folgte. Das heißt doch, dass er der

Liebe wert war, weil er in seinem bisherigen Leben die Gebote

von Jugend an befolgt hatte. Gegen Ende zu büßte er nicht die


Abend · Sonntag, 10. Oktober 114

frühere Liebe ein, gelangte aber auch nicht zur Vollkommenheit.

Wenn er auch das Maß des Menschen nicht überschritt,

da er der Vollkommenheit Christi nicht folgte, so war er doch

keines Vergehens schuldig; denn er hielt das Gesetz, wie es einem

Menschen nur möglich ist. Und darin liebte ihn Christus.

Johannes Chrysostomus (Patriarch von Konstantinopel, Kirchenvater,

354–407), hier nach: Thomas von Aquin, Catena Aurea. Kommentar zu den

Evangelien im Jahreskreis, hg. v. Marianne Schlosser und Florian Kolbinger,

© EOS Verlag, St. Ottilien, 2. Auflage 2012, 503

Hymnus

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Herr, öffne Ohren und das Herz,

dass wir das Wort recht fassen,

in Lieb und Leid, in Freud und Schmerz

es außer Acht nicht lassen;

dass wir nicht Hörer nur allein,

dass wir des Wortes Täter sein,

Frucht hundertfältig bringen.

Nach David Denicke 1603–1680

GL 845 (Anhang Limburg)

Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte, *

nichts wird mir fehlen.

Er lässt mich lagern auf grünen Auen *

und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.


115

Sonntag, 10. Oktober · Abend

Er stillt mein Verlangen; *

er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.

Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, *

ich fürchte kein Unheil;

denn du bist bei mir, *

dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.

Du deckst mir den Tisch *

vor den Augen meiner Feinde.

Du salbst mein Haupt mit Öl, *

du füllst mir reichlich den Becher.

Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang, *

und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Ehre sei dem Vater ...

Lebendiger Gott, nach deiner Gegenwart haben wir Verlangen.

Du lässt uns zur Ruhe kommen. Leite uns auf deinen Wegen,

lass uns ganz aus dir leben.

Lesung Hebr 12, 22–24

Ihr seid zum Berg Zion hingetreten, zur Stadt des lebendigen

Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln,

zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft

der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott,

dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten,

zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus, und zum Blut

der Besprengung, das mächtiger ruft als das Blut Abels.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Wer um meinetwillen alles verlässt, wird das Hundertfache dafür

empfangen und das ewige Leben erlangen.


Abend · Sonntag, 10. Oktober 116

Fürbitten

„Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für

Gott ist alles möglich.“ Das Evangelium ermutigt uns heute, die

Grenzen unseres Rechnens und Berechnens zu überdenken. So

bitten wir:

V: Großer Gott, A: höre unser Rufen.

Für alle, die mutlos geworden sind.

– Und für alle, die ihnen Kraft geben und sie ermutigen.

Für alle, die die Last einer Krankheit tragen.

– Und für alle, die sie nicht vergessen.

Für alle, die sich ausgeschlossen, ja gemobbt fühlen.

– Und für alle, die den Kreis nicht zu klein ziehen.

Für alle, die Fehler gemacht und Schuld auf sich geladen haben.

– Und für alle, die ihnen helfen, ihre Schuld einzugestehen und

Wege der Versöhnung zu gehen.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, deine Gnade komme uns zuvor und begleite

uns, damit wir dein Wort im Herzen bewahren und immer bereit

sind, das Gute zu tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Gott unserer Hoffnung schütze uns,

er breite über uns allen Segen und Frieden des Himmels.

Salve Regina (Seite 379)


Montag, 11. Oktober 2021

Heiliger Johannes XXIII.

Angelo Guiseppe Roncalli wurde 1881 in Sotto il Monte bei

Bergamo geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen mit

12 Geschwistern auf. Durch die Förderung des Gemeindepfarrers

kam der begabte Junge ins Priesterseminar. Seine theologischen

Studien absolvierte er in Rom. Nach seiner Priesterweihe 1904 und

einer Zeit als Sekretär seines Heimatbischofs lehrte Angelo Guiseppe

Roncalli am Priesterseminar in Bergamo. 1915 wurde er zum

Militärdienst eingezogen und 1916 verwundet; bis 1919 war er Sanitätssoldat

und Militärseelsorger.

1921 wurde er in die vatikanische Kongregation für die Evangelisierung

der Völker berufen, 1922 in den Generalat des Päpstlichen

Werkes der Glaubensverbreitung. Nach Stationen als Apostolischer

Visitator 1925 und als Apostolischer Delegat 1934 wurde er 1944

Apostolischer Nuntius für Paris. 1953 erhob ihn der Papst zum Kardinal

und ernannte ihn zum Patriarchen von Venedig. Am 28. Oktober

1958 wurde er zum Papst gewählt. Seine Menschenfreundlichkeit

öffnete ihm die Herzen. Im Januar 1959 kündete Papst

Johannes XXIII. ein Ökumenisches Konzil an, das am 11. Oktober

1962 im Vatikan feierlich eröffnet und mit großer Aufmerksamkeit

von der Weltöffentlichkeit begleitet wurde. Roncallis Mut zu

historischen Veränderungen, seine bahnbrechenden Schritte hin

zur Ökumene und zum „Aggiornamento“, zum Heutigwerden der

Kirche, waren beispielhaft wie seine persönliche Bescheidenheit:

An seinem Krönungstag stellte sich Papst Johannes mit Bezug auf

seinen Taufnamen der Weltöffentlichkeit mit den Worten vor: „Ich

bin Josef, euer Bruder.“ (Gen 54, 4) Er starb am 3. Juni 1963. Durch

Papst Franziskus wurde er am 27. April 2014 heiliggesprochen.

Schrifttexte: Lesung: Ez 34, 11–16; Evangelium: Joh 21, 1.15–17

Namenstag: hl. Ethelburg von Barking (Benediktinerin, † 664) · hl.

Jodokus (Jobst, Jost, Einsiedler, † um 669) · hl. Bruno von Köln (Bischof,

† 965) · sel. Jakob Griesinger von Ulm (Dominikaner, Glasmaler,

† 1491)


Morgen · Montag, 11. Oktober 118

Ökumenischer Gedenktag: Huldrych Zwingli (Zürcher Reformator,

1484–1531)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Du bist erhaben über die ganze Schöpfung.

Wie kann ich dich loben?

Wie können Worte dich rühmen?

Wie kann ein Verstand dich begreifen?

Du allein bist unaussprechlich.

Und doch ist alles, was sprechen kann,

das Werk deiner Schöpfung.

Du allein bist unerkennbar.

Und doch ist alles, was erkannt werden kann,

das Werk deiner Schöpfung.

Alle Geschöpfe lobpreisen dich mit lauter Stimme,

jene, welche sprechen können,

und jene, welche nicht sprechen können.

Alle Geschöpfe rühmen dich,

jene, welche denken können,

und jene, welche nicht denken können.

Ja, vor dir vereinen sich alle Wünsche

sowie die Leiden aller Menschen.

Alle Geschöpfe beten zu dir,

jedes Wesen, das deine Zeichen


119

Montag, 11. Oktober · Morgen

zu erkennen vermag,

stimmt ein Loblied an.

Gregor von Nazianz (um 329–390)

Übertragung aus: Rüdiger von Voss/Ellen und Gerhard Ringshausen (Hg.),

Kleines Stundenbuch für wache Zeitgenossen, Freiburg 1998, 128,

© bei den Herausgebern

Psalm 119

Deine Vorschriften sind der Bewunderung wert; *

darum bewahrt sie mein Herz.

Die Erklärung deiner Worte bringt Erleuchtung, *

den Unerfahrenen schenkt sie Einsicht.

Weit öffne ich meinen Mund

und lechze nach deinen Geboten; *

denn nach ihnen hab ich Verlangen.

Wende dich mir zu, sei mir gnädig, *

wie es denen gebührt, die deinen Namen lieben.

Festige meine Schritte, wie du es verheißen hast. *

Lass kein Unrecht über mich herrschen!

Erlöse mich aus der Gewalt der Menschen; *

dann will ich deine Befehle halten.

Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht *

und lehre mich deine Gesetze!

Tränenbäche strömen aus meinen Augen, *

weil man dein Gesetz nicht befolgt.

Ehre sei dem Vater ...

Verse 129–136 Pe

Gerechter gütiger Gott, wir sehnen uns nach deinen Geboten.

Wende dich uns zu und sende uns dein Wort, dass es bei uns

bleibt und uns auf deinen Wegen führt.


Morgen · Montag, 11. Oktober 120

Lesung Jes 43, 1

Jetzt aber – so spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob,

und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich

habe dich losgekauft, ich habe dich beim Namen gerufen, du

gehörst mir.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels. Er hat uns besucht und

befreit.

Bitten

Im Geist seines Sohnes hat Gott seinen Segen auf uns gelegt,

und wir dürfen ihn weitergeben. Darum lasst uns beten:

A: Mach uns zu Boten deiner Güte.

– Dass wir uns vor niemandem verschließen, der uns braucht.

– Dass wir unseren Blick mehr auf das Verbindende als auf das

Trennende richten.

– Dass wir uns in allem auf deinen Beistand verlassen.

Vaterunser

Oration

Gott, du hast den Menschen die Erde anvertraut, sie zu hüten

und zu bebauen, und lässt die Sonne über ihnen aufgehen,

damit sie ihnen leuchte. Gib, dass unser Tagewerk gelinge, zu

deiner Ehre und zum Wohl unseres Nächsten. Darum bitten

wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.


121

Montag, 11. Oktober · Eucharistie

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott des Lebens. Durch die Auferstehung deines Sohnes wissen

wir: Der Tod ist überwunden, der Weg zu dir steht offen, unser

Leben ist unvergänglich. Hilf uns, in dieser Gewissheit unser

Leben anzunehmen und daraus zu machen, was du von uns

erwartest. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Einführung zur Bahnlesung aus dem Römerbrief

Den Brief an die wachsende römische Gemeinde hat Paulus am Wendepunkt

seines missionarischen Wirkens verfasst. Seine Arbeit im Osten des Reiches

sieht der Apostel als beendet an und will nun im Westen, speziell in Spanien,

die Verkündigung fortsetzen. Zuvor will er nach Jerusalem reisen, um Spenden

zu übergeben. Damit soll materielle Not der Urgemeinde gelindert, aber auch

deren heilsgeschichtlicher Vorrang anerkannt werden. Vor allem möchte Paulus

jedoch so das gefährdete Band zwischen Juden- und Heidenchristen festigen.

Vermutlich schrieb Paulus den Römerbrief in Korinth im Frühjahr 56 n.

Chr., Überbringerin war die Diakonin Phoebe. Paulus stellt sich im Römerbrief

mit seiner Theologie ausführlich vor, da er den wenigsten römischen Christen

persönlich bekannt war und ihre Unterstützung für die geplante Spanienmission

und in seinem Jerusalemer Anliegen benötigte. Die mehrheitlich aus dem

Osten des Reiches stammenden römischen Christen waren in der Abfassungszeit

des Briefes in selbstständigen Hausgemeinden organisiert, viele Gemeindeaufgaben

wurden von Frauen wahrgenommen. Im Römerbrief müht sich

Paulus, mit der römischen Gemeinde zu einem Einverständnis zu gelangen

und seine Theologie als sachgemäße Auslegung des christlichen Glaubens darzulegen:

Allein im heilbringenden Evangelium offenbart sich die Gerechtigkeit

Gottes all denen, die an Jesus Christus glauben, seien es Juden oder Griechen.

Allein im Christusgeschehen offenbarte sich die von Gott ausgehende und

im Glauben zugeeignete Gerechtigkeit, die allein aus Gnade den Menschen

rechtfertigt. In Röm 9–11 ringt Paulus darum, die unbedingte Treue Gottes

zu seinem Volk Israel zu erweisen. Die Erwählung Israels, die Verheißungen

an die Väter und die Bundesschlüsse haben Bestand! Wenn Gott nicht bei

seinen großen Zusagen und Verheißungen bleibt, wie könnte dann glaubhaft

das Evangelium verkündet werden?


Eucharistie · Montag, 11. Oktober 122

Lesung aus dem Römerbrief Röm 1, 1–7

Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, auserwählt,

das Evangelium Gottes zu verkündigen, das er durch

seine Propheten im Voraus verheißen hat in den heiligen Schriften:

das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach

geboren ist als Nachkomme Davids, der dem Geist der Heiligkeit

nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung

von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus,

unserem Herrn.

Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um

in seinem Namen alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu

führen; zu ihnen gehört auch ihr, die ihr von Jesus Christus

berufen seid.

An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater,

und dem Herrn Jesus Christus.

Antwortpsalm Ps 98, 1–4

Kehrvers:

Der Herr hat sein Heil enthüllt vor den Augen der Völker.

Singet dem Herrn ein neues Lied; *

denn er hat wunderbare Taten vollbracht.

Er hat mit seiner Rechten geholfen *

und mit seinem heiligen Arm. – Kehrvers

Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht *

und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.

Er dachte an seine Huld *

und an seine Treue zum Hause Israel. – Kehrvers

Alle Enden der Erde *

sahen das Heil unsres Gottes.

Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde, *

freut euch, jubelt und singt! – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 2, ferner GL 55, 1 oder GL 1975 149, 1 · KG 363 (VIII. Ton)


123

Montag, 11. Oktober · Eucharistie

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

vgl. Ps 95, 7d.8a

Wenn ihr heute seine Stimme hört, verhärtet nicht euer Herz!

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 11, 29–32

In jener Zeit, als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, sagte

er: Diese Generation ist böse. Sie fordert ein Zeichen; aber es

wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona.

Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen

war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation

sein.

Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen die Männer

dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam

vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier

aber ist einer, der mehr ist als Salomo.

Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese

Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich

nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr

ist als Jona.

Impuls zum Evangelium

Eine Umwertung aller Werte: Anders als erwartet, wird im

Endgericht nicht die Gruppe mit Erwählungsgarantie Maßstab

für die Völker sein – ausgerechnet von den Leuten aus der notorisch

sündigen Großstadt Ninive wird sie in den Schatten gestellt.

Doch es kommt noch schlimmer. Eine fremde Frau wird

vor Gericht auftreten und die einheimischen Männer beschämen.

Denn anders als viele, die Jesu Botschaft gegenüber taub

bleiben, haben die heidnischen Niniviten dem Gottesmann

Jona gut zugehört und im letzten Moment die Notbremse gezogen,

und Sabas Herrscherin hat aus eigenem Antrieb den

weisen König Salomo aufgesucht, seine Größe anerkannt und

von ganzem Herzen einen Gott gelobt, der nicht der ihre war.


Abend · Montag, 11. Oktober 124

Lukas schreibt auch für uns! Sind nicht auch wir durch religiöse

Tradition und Information gut präpariert? Doch wie sieht es

wirklich aus? Bewegt uns die geistliche Neugier einer Königin

von Saba? Fangen wir neu an wie die Einwohner von Ninive,

damit auch unsere Begegnung mit dem König Funken schlägt!

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Das Bewusstsein meiner Unzulänglichkeit erhält mich in der

Einfachheit und erspart es mir, lächerlich zu werden.

Papst Johannes XXIII. (Heiliger des Tages)

• Wo nehme ich die Haltung moralischer Überlegenheit oder

moralischen Rigorismus wahr?

• Was bewirkt eine solche Haltung?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Os justi meditabitur sapientiam:

et lingua ejus loquetur judicium.

Lex Dei ejus in corde ipsius:

et non supplantabuntur gressus ejus.

Alleluia.

Der Mund des Gerechten bewegt Worte der Weisheit,

und seine Zunge redet, was recht ist.

Er hat die Weisung seines Gottes im Herzen,


125

seine Schritte wanken nicht.

Halleluja.

Montag, 11. Oktober · Abend

Psalm 37, 30–31,

Text zur Motette von Anton Bruckner

Psalm 86

Wende dein Ohr mir zu, erhöre mich, Herr! *

Denn ich bin arm und gebeugt.

Beschütze mich, denn ich bin dir ergeben! *

Hilf deinem Knecht, der dir vertraut!

Du bist mein Gott. Sei mir gnädig, o Herr! *

Den ganzen Tag rufe ich zu dir.

Herr, erfreue deinen Knecht; *

denn ich erhebe meine Seele zu dir.

Herr, du bist gütig und bereit zu verzeihen, *

für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade.

Herr, vernimm mein Beten, *

achte auf mein lautes Flehen!

Am Tag meiner Not rufe ich zu dir; *

denn du wirst mich erhören.

Herr, unter den Göttern ist keiner wie du, *

und nichts gleicht den Werken, die du geschaffen hast.

Alle Völker kommen und beten dich an, *

sie geben, Herr, deinem Namen die Ehre.

Denn du bist groß und tust Wunder; *

du allein bist Gott.

Weise mir, Herr, deinen Weg; *

ich will ihn gehen in Treue zu dir.

Richte mein Herz darauf hin, *

allein deinen Namen zu fürchten!

Ich will dir danken, Herr, mein Gott, aus ganzem Herzen, *

will deinen Namen ehren immer und ewig.


Abend · Montag, 11. Oktober 126

Du hast mich den Tiefen des Totenreichs entrissen. *

Denn groß ist über mir deine Huld.

Gott, freche Menschen haben sich gegen mich erhoben, /

die Rotte der Gewalttäter trachtet mir nach dem Leben; *

doch dich haben sie nicht vor Augen.

Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, *

du bist langmütig, reich an Huld und Treue.

Wende dich mir zu und sei mir gnädig, /

gib deinem Knecht wieder Kraft *

und hilf dem Sohn deiner Magd!

Tu ein Zeichen und schenke mir Glück! /

Alle, die mich hassen, sollen es sehen und sich schämen, *

weil du, Herr, mich gerettet und getröstet hast.

Ehre sei dem Vater ...

Wir danken dir, Ewiger, für deine Güte. Du rufst uns, du erhältst

uns am Leben. Lass unser Loblied Fleisch annehmen in

Taten der Liebe und des Erbarmens.

Lesung Kol 3, 16

Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei

euch. Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit!

Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie

sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade.

Nunc dimittis – Lobgesang des Simeon

Antiphon zum Nunc dimittis:

Sei unser Heil, o Herr, wenn wir wachen, und unser Schutz,

wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen

in seinem Frieden.

Fürbitten

Am 125. Todestag des fest im Glauben verwurzelten Komponisten

Anton Bruckner bitten wir:


127

Montag, 11. Oktober · Abend

V: Du Gott des Lebens, A: lass uns dich loben.

– Dass wir im Singen der Psalmen in Geist, Seele und Leib von

deinem Segen durchdrungen werden.

– Dass die Vielfalt geistlicher Musik unser gottesdienstliches

und kulturelles Leben bereichert.

– Dass die Kirchenmusiker und alle, die sich musikalisch einbringen,

ihren Dienst mit Freude erfüllen.

– Dass die Musiker, die durch die Pandemie ihre Auftrittsmöglichkeiten

eingebüßt haben, gute Wege finden, ihren Lebensunterhalt

zu sichern.

– Dass unser Lobgesang mit all seinen Unsicherheiten und

Missklängen sich mit dem der Engel verbindet und etwas von

deiner Wirklichkeit spürbar werden lässt.

Vaterunser

Oration

Herr, schenke uns eine ruhige Nacht und erholsamen Schlaf.

Was wir heute durch Wort und Werk an Gutem ausgesät haben,

das lass Wurzel schlagen und wachsen und heranreifen für die

ewige Ernte. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Dienstag, 12. Oktober 2021

Namenstag: hl. Maximilian von Celeia († um 284) · hl. Edistus (Horestes,

Märtyrer, † um 304) · hl. Edwin (König von Northumbrien,

Märtyrer, † 633) · hl. Herlind von Aldeneyk (Benediktinerin, † um

750) · sel. Gottfried von Arnstein (Prämonstratenser, † 1151) · Jakob

Rem (Jesuit, Gründer der ersten Marianischen Kongregation in

Deutschland, † 1618) · Willi Graf (Mitglied der Weißen Rose, † 1943) ·

Otto Müller (Diözesanpräses der KAB in Köln, Gegner des Nationalsozialismus,

† 1944)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Erhör, o Gott, mein Flehen,

hab auf mein Beten Acht.

Du sahst von fern mich stehen,

ich rief aus dunkler Nacht.

Auf eines Felsens Höhe

erheb mich gnädiglich.

Auf dich ich hoffend sehe:

Du lenkst und leitest mich.

Du bist gleich einem Turme,

den nie der Feind bezwang.

Ich weiche keinem Sturme,

bei dir ist mir nicht bang.

In deinem Zelt bewahren

willst du mich immerdar.


129

Dienstag, 12. Oktober · Morgen

Mich hütet vor Gefahren

dein schirmend Flügelpaar.

Mein Bitten hast erhöret,

mein Gott, in Gnaden du.

Wer deinen Namen ehret,

dem fällt dein Erbe zu.

So schenke langes Leben

dem, der sich dir geweiht;

wollst Jahr um Jahr ihm geben,

ihn segnen allezeit.

Vor Gottes Angesichte

steh er in Ewigkeit.

Es wird ja nie zunichte

des Herrn Barmherzigkeit.

So will dein Lied ich singen,

wie ich es dir versprach,

mein Lobesopfer bringen

von Neuem Tag um Tag.

Edith Stein (1891–1942) zugeschrieben, 1936, nach Psalm 61

GL 439 · GL 1975 302

Psalm 101

Von Gnade und Recht will ich singen; *

dir, o Herr, will ich spielen.

Ich will auf den Weg der Bewährten achten. /

Wann kommst du zu mir? *

Ich lebe in der Stille meines Hauses mit lauterem Herzen.

Ich richte mein Auge nicht auf Schändliches; *

ich hasse es, Unrecht zu tun, es soll nicht an mir haften.

Falschheit sei meinem Herzen fern; *

ich will das Böse nicht kennen.

Wer den Nächsten heimlich verleumdet, *

den bring ich zum Schweigen.


Morgen · Dienstag, 12. Oktober 130

Stolze Augen und hochmütige Herzen *

kann ich nicht ertragen.

Meine Augen suchen die Treuen im Land; /

sie sollen bei mir wohnen. *

Wer auf rechten Wegen geht, der darf mir dienen.

In meinem Haus soll kein Betrüger wohnen; *

kein Lügner kann vor meinen Augen bestehen.

Morgen für Morgen spreche ich das Urteil

über die Frevler im Land, *

um in der Stadt des Herrn alle auszurotten, die Unrecht tun.

Ehre sei dem Vater ...

Du bist uns immer und überall nah, lebendiger Gott. Wenn wir

beten, komm uns entgegen. Lass uns zur Ruhe kommen bei dir.

Lesung Jes 55, 1

Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein

Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst, kommt

und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Aus den Händen aller, die uns hassen, errette uns, o Herr.

Bitten

Heiliger dreifaltiger Gott, am 130. Geburtstag der heiligen Edith

Stein bitten wir dich:

A: Schenke uns göttliches Leben.

– Dass wir ganz in dir, unserem ewigen Ursprung, verwurzelt

sind.

– Dass wir uns dir öffnen, Feuer grenzenloser Liebe.

– Dass wir dich, schöpferisches Wort, in uns aufnehmen und

unseren Mitmenschen weitersagen.


131

Dienstag, 12. Oktober · Eucharistie

Vaterunser

Oration

Ursprungloser, unendlicher Gott, seit alters gibst du dich uns

Menschen zu erkennen. Lass uns heute neu deiner Gegenwart

innewerden, und verwandle unser Denken und Tun in der Begegnung

mit dir. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Redaktion Magnificat

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Heiliger Gott, du liebst die Unschuld und schenkst sie dem Sünder

zurück, der reumütig zu dir heimkehrt. Wende unser Herz

zu dir und schenke uns neuen Eifer im Heiligen Geist, damit wir

im Glauben standhaft bleiben und stets bereit sind, das Gute zu

tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Römerbrief Röm 1, 16–25

Schwestern und Brüder! Ich schäme mich des Evangeliums

nicht: Es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt,

zuerst den Juden, aber ebenso den Griechen. Denn im Evangelium

wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum

Glauben, wie es in der Schrift heißt: Der aus Glauben Gerechte

wird leben.

Der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart wider

alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die

Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Denn was man

von Gott erkennen kann, ist ihnen offenbar; Gott hat es ihnen

offenbart. Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare


Eucharistie · Dienstag, 12. Oktober 132

Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft

wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind

sie unentschuldbar.

Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt

und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit,

und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Sie behaupteten,

weise zu sein, und wurden zu Toren. Sie vertauschten

die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit Bildern, die

einen vergänglichen Menschen und fliegende, vierfüßige und

kriechende Tiere darstellen.

Darum lieferte Gott sie durch die Begierden ihres Herzens der

Unreinheit aus, sodass sie ihren Leib durch ihr eigenes Tun entehrten.

Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie

beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers

– gepriesen ist er in Ewigkeit. Amen.

Impuls zur Lesung

Der Apostel warnt davor, Geschöpfe, und die Schöpfungen von

Geschöpfen, mit dem Schöpfer zu verwechseln, ihnen das an

Verehrung entgegenzubringen, was Gott allein zukommt. Für

Paulus bedeutet Sünde genau dies: „die Herrlichkeit des unvergänglichen

Gottes mit Bildern, die einen vergänglichen Menschen

und fliegende, vierfüßige und kriechende Tiere darstellen“,

zu vertauschen. Die von uns wie Götter verehrten Bilder

sehen vermutlich etwas anders aus, jedenfalls auf den ersten

Blick: Leistungsfähigkeit, Sicherheit, Reichtum, Perfektion,

oder Jugend, Schönheit, Erfolg. Und doch bleibt die Mahnung

gültig: Sündigen heißt sich und andere täuschen, indem man

Endliches für unendlich, Bedingtes für unbedingt, Begrenztes

für grenzenlos hält. Was ist der Ausweg? Abkehr von der Welt,

Sicherheitsabstand, Gleichgültigkeit gegenüber der Schöpfung

und den Geschöpfen? Der Weg des Schöpfers von Himmel und

Erde ist das nicht. Die französische Philosophin Simone Weil

(1909–1943) hat Gottes Gegenprogramm, sein Rettungspro-


133

Dienstag, 12. Oktober · Eucharistie

gramm, so auf den Punkt gebracht: „Gott liebt unendlich die

endlichen Dinge als endliche.“

Antwortpsalm Ps 19, 2–5b

Kehrvers:

Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes.

Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, *

vom Werk seiner Hände kündet das Firmament.

Ein Tag sagt es dem andern, *

eine Nacht tut es der andern kund. – Kehrvers

Ohne Worte und ohne Reden, *

unhörbar bleibt ihre Stimme.

Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, *

ihre Kunde bis zu den Enden der Erde. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 2a, ferner GL 35, 1 (VII. Ton) oder GL 1975 529, 6

oder 713, 1 (VIII. Ton) oder KG 639 (VI. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Hebr 4, 12

Halleluja. Halleluja.

Lebendig ist das Wort Gottes und kraftvoll. Es richtet über die

Regungen und Gedanken der Herzen.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 11, 37–41

In jener Zeit lud ein Pharisäer Jesus zum Essen ein. Jesus ging

zu ihm und setzte sich zu Tisch. Als der Pharisäer sah, dass er

sich vor dem Essen nicht die Hände wusch, war er verwundert.

Da sagte der Herr zu ihm: O ihr Pharisäer! Ihr haltet zwar Becher

und Teller außen sauber, innen aber seid ihr voll Raubgier

und Bosheit. Ihr Unverständigen! Hat nicht der, der das Äußere

schuf, auch das Innere geschaffen?

Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für

euch alles rein.


Abend · Dienstag, 12. Oktober 134

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Der Mensch ist dazu berufen, in seinem Innersten zu leben

und sich selbst so in die Hand zu nehmen, wie es nur von hier

aus möglich ist; nur von hier aus ist auch die rechte Auseinandersetzung

mit der Welt möglich.

Heute ist der 130. Geburtstag von Edith Stein.

• Was sind die Triebfedern meines Lebens?

• Kenne ich Menschen, die in besonderer Weise aus ihrem

„Innersten“ leben?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Ein reines Herz, Herr, schaff in mir,

schließ zu der Sünde Tor und Tür;

vertreibe sie und lass nicht zu,

dass sie in meinem Herzen ruh.

Dir öffn ich, Jesu, meine Tür,

ach komm und wohne du bei mir;

treib all Unreinigkeit hinaus

aus deinem Tempel, deinem Haus.

Lass deines guten Geistes Licht

und dein hell glänzend Angesicht

erleuchten mein Herz und Gemüt,

o Brunnen unerschöpfter Güt,


135

Dienstag, 12. Oktober · Abend

und mache dann mein Herz zugleich

an Himmelsglut und Segen reich;

gib Weisheit, Stärke, Rat, Verstand

aus deiner milden Gnadenhand.

So will ich deines Namens Ruhm

ausbreiten als dein Eigentum

und dieses achten für Gewinn,

wenn ich nur dir ergeben bin.

Heinrich Georg Neuß 1703

EG 389 – Melodie: GL 485 · GL 1975 643 · KG 512

Psalm 137 Verse 1–6

An den Strömen von Babel, /

da saßen wir und weinten, *

wenn wir an Zion dachten.

Wir hängten unsere Harfen *

an die Weiden in jenem Land.

Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder, /

unsere Peiniger forderten Jubel: *

„Singt uns Lieder vom Zion!“

Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn, *

fern, auf fremder Erde?

Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, *

dann soll mir die rechte Hand verdorren.

Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, /

wenn ich an dich nicht mehr denke, *

wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe.

Ehre sei dem Vater ...

Wo du uns nah bist, Gott, lebt unser Herz auf. Schenke uns in

der Wirrnis des Alltags Momente, in denen wir spüren, dass du

uns trägst.


Abend · Dienstag, 12. Oktober 136

Lesung 1 Thess 3, 12–13

Der Herr lasse euch wachsen und reich werden in der Liebe

zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben, damit

euer Herz gefestigt wird und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor

Gott, unserem Vater, wenn Jesus, unser Herr, mit allen seinen

Heiligen kommt.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Großes hat an mir getan der Mächtige, sein Name ist heilig.

Fürbitten

„Hat nicht der, der das Äußere schuf, auch das Innere geschaffen?“

Jesus lenkt unseren Blick von der glatten Oberfläche vermeintlicher

Frömmigkeit auf das Innere. Wir bitten ihn:

V: Christus, höre uns. A: Christus, erhöre uns.

Für die Kirche:

– um die Kraft, der Versuchung von Macht und Glanz zu widerstehen

und aus der Mitte der Botschaft Jesu zu leben.

Für die Menschen in Armut und Not:

– um tatkräftige Hilfe, die ihnen ein Leben in Würde ermöglicht.

Für alle, die sich für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen:

– um solidarische Hilfe, um Unterstützung und Bestärkung.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, nimm unser Abendlob an. Gib, dass wir allezeit

im Herzen bewahren, was wir mit den Lippen bekennen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Mittwoch, 13. Oktober 2021

Namenstag: hl. Lubentius von Kobern (4./5. Jh.) · hl. Sintpert von Augsburg

(Simbert, Bischof, † um 807) · hl. Gerald von Aurillac (Klostergründer,

† 909) · hl. Koloman (irischer Pilger, ermordet bei Wien, † 1012)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Komm, Heil’ger Geist, vom ew’gen Thron,

eins mit dem Vater und dem Sohn;

durchwirke unsre Seele ganz

mit deiner Gottheit Kraft und Glanz.

Erfüll mit heil’ger Leidenschaft

Geist, Zunge, Sinn und Lebenskraft;

mach stark in uns der Liebe Macht,

dass sie der Brüder Herz entfacht.

Lass gläubig uns den Vater sehn,

sein Ebenbild, den Sohn, verstehn

und dir vertraun, der uns durchdringt

und uns das Leben Gottes bringt. Amen.

Nach: Nunc, Sancte, nobis Spiritus; Ambrosius (?), † 397

Melodie: GL 342 · GL 1975 241 · KG 481

Psalm 108 Verse 2–14

Mein Herz ist bereit, o Gott, /

mein Herz ist bereit, *

ich will dir singen und spielen.


Morgen · Mittwoch, 13. Oktober 138

Wach auf, meine Seele! /

Wacht auf, Harfe und Saitenspiel! *

Ich will das Morgenrot wecken.

Ich will dich vor den Völkern preisen, Herr, *

dir vor den Nationen lobsingen.

Denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, *

deine Treue, so weit die Wolken ziehn.

Erheb dich über die Himmel, o Gott! *

Deine Herrlichkeit erscheine über der ganzen Erde.

Hilf mit deiner Rechten, erhöre uns, *

damit die gerettet werden, die du so sehr liebst.

Gott hat in seinem Heiligtum gesprochen: /

„Ich will triumphieren, will Sichem verteilen *

und das Tal von Sukkot vermessen.

Mein ist Gilead, mein auch Manasse, /

Efraim ist der Helm auf meinem Haupt, *

Juda mein Herrscherstab.

Doch Moab ist mein Waschbecken, /

auf Edom werfe ich meinen Schuh, *

ich triumphiere über das Land der Philister.“

Wer führt mich hin zu der befestigten Stadt, *

wer wird mich nach Edom geleiten?

Gott, hast denn du uns verworfen? *

Du ziehst ja nicht aus, o Gott, mit unsern Heeren.

Bring uns doch Hilfe im Kampf mit dem Feind! *

Denn die Hilfe von Menschen ist nutzlos.

Mit Gott werden wir Großes vollbringen; *

er selbst wird unsere Feinde zertreten.

Ehre sei dem Vater ...

Unser Herz ist bereit, unser Gott, wir wollen dir singen und

spielen. Möge unser Loblied das Morgenrot wecken. Deine

Herrlichkeit erscheine über der ganzen Erde.


139

Mittwoch, 13. Oktober · Morgen

Lesung Dtn 4, 39–40a

Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Jahwe

ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner

sonst. Daher sollst du auf seine Gesetze und seine Gebote

achten, auf die ich dich heute verpflichte.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Dienet dem Herrn in Heiligkeit, denn er befreit uns aus der

Hand unserer Feinde.

Bitten

Uns Glaubende hat Gott durch Jesus Christus zu seinem Volk

gemacht. Darum lasst uns zu ihm rufen:

A: Schenke uns den Geist der Einheit und des Friedens.

– Damit wir deine Gerechtigkeit in unserer Welt bezeugen.

– Damit unser Vertrauen auf deine Güte im Dienst an unseren

Mitmenschen sichtbar wird.

– Damit in den Wüsten dieser Zeit unsere Hoffnung überspringt.

Vaterunser

Oration

Herr, gedenke deines heiligen Bundes, den das Blut des Lammes

neu besiegelt hat. Schenke deinem Volk die Vergebung der

Sünden und mehre sein Heil Tag für Tag, bis zur Vollendung der

Erlösung. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.


Eucharistie · Mittwoch, 13. Oktober 140

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott, unser Schöpfer. Die Gegensätze in der Welt klagen uns

an: Reichtum und Not, Hunger und Überfluss, Sorglosigkeit und

Leid stehen gegeneinander. Hilf du uns allen, dass wir aufhören,

die Gegensätze zu verschärfen, und anfangen, einander

Brüder und Schwestern zu sein. Darum bitten wir durch Jesus

Christus.

Lesung aus dem Römerbrief Röm 2, 1–11

Du bist unentschuldbar – wer du auch bist, Mensch –, wenn

du richtest. Denn worin du den andern richtest, darin verurteilst

du dich selber, da du, der Richtende, dasselbe tust. Wir

wissen aber, dass Gottes Gericht über alle, die solche Dinge tun,

der Wahrheit entspricht.

Meinst du etwa, du könntest dem Gericht Gottes entrinnen,

wenn du die richtest, die solche Dinge tun, und dasselbe tust

wie sie? Verachtest du etwa den Reichtum seiner Güte, Geduld

und Langmut? Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr

treibt?

Weil du aber starrsinnig bist und dein Herz nicht umkehrt,

sammelst du Zorn gegen dich für den „Tag des Zornes“, den Tag

der Offenbarung von Gottes gerechtem Gericht.

Er wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen: denen,

die beharrlich Gutes tun und Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit

erstreben, gibt er ewiges Leben, denen aber, die

selbstsüchtig nicht der Wahrheit, sondern der Ungerechtigkeit

gehorchen, widerfährt Zorn und Grimm.

Not und Bedrängnis wird jeden Menschen treffen, der das

Böse tut, zuerst den Juden, aber ebenso den Griechen; Herrlichkeit,

Ehre und Friede werden jedem zuteil, der das Gute tut,

zuerst dem Juden, aber ebenso dem Griechen; denn Gott richtet

ohne Ansehen der Person.


141

Mittwoch, 13. Oktober · Eucharistie

Impuls zur Lesung

Ganz schön herb: Du bist unentschuldbar, wenn du über andere

richtest. Du heuchelst, du lebst doch nicht anders. Keine

Frohbotschaft für die Gotteskrieger aller Zeiten. Und doch

Evangelium, befreiende, beflügelnde Nachricht von Gott her,

„Ehre und Friede werden jedem zuteil, der das Gute tut, zuerst

dem Juden, aber ebenso dem Griechen; denn Gott richtet ohne

Ansehen der Person“.

Antwortpsalm Ps 62, 2–3.6–9

Kehrvers:

Gott wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen.

Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, *

von ihm kommt mir Hilfe.

Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; *

darum werde ich nicht wanken. – Kehrvers

Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; *

denn von ihm kommt meine Hoffnung.

Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; *

darum werde ich nicht wanken. – Kehrvers

Bei Gott ist mein Heil, meine Ehre; *

Gott ist mein schützender Fels, meine Zuflucht.

Vertrau ihm, Volk Gottes, zu jeder Zeit! /

Schüttet euer Herz vor ihm aus! *

Denn Gott ist unsere Zuflucht. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 13b, ferner GL 64, 1 (II. Ton) oder GL 1975 745, 1 (I. Ton)

oder KG 500, 6 (V. Ton)

Ruf vor dem Evangelium Joh 10, 27

Halleluja. Halleluja.

So spricht der Herr: Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich

kenne sie, und sie folgen mir.

Halleluja.


Abend · Mittwoch, 13. Oktober 142

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 11, 42–46

In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch Pharisäern! Ihr gebt

den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse,

die Gerechtigkeit aber und die Liebe zu Gott vergesst ihr. Man

muss das eine tun, ohne das andere zu unterlassen.

Weh euch Pharisäern! Ihr wollt in den Synagogen den vordersten

Sitz haben und auf den Straßen und Plätzen von allen

gegrüßt werden.

Weh euch: Ihr seid wie Gräber, die man nicht mehr sieht; die

Leute gehen darüber, ohne es zu merken.

Darauf erwiderte ihm ein Gesetzeslehrer: Meister, damit

beleidigst du auch uns. Er antwortete: Weh auch euch Gesetzeslehrern!

Ihr ladet den Menschen Lasten auf, die sie kaum

tragen können, selbst aber rührt ihr keinen Finger dafür.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Was bedürften wir irgend der Freunde, wenn wir ihrer niemals

bedürften? Sie wären ja die unnützesten Geschöpfe auf der

Welt … und glichen lieblichen Instrumenten, die in ihren Kästen

an der Wand hängen und ihre Töne für sich selbst behalten.

William Shakespeare (englischer Dramatiker, 1564–1616)

• Bei wem wage ich es, um einen Freundschaftsdienst zu bitten?

• Wer findet in Sorge und Not bei mir ein offenes Ohr?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)


143

Mittwoch, 13. Oktober · Abend

Hymnus

Du Gott des Himmels, heil’ger Herr,

du hast das hohe Firmament

durch der Gestirne lichte Zier

mit feuerfarbnem Glanz geschmückt.

Du schufst am vierten Schöpfungstag

der Sonne goldnes Flammenrad,

du gabst dem Monde sein Gesetz,

den Sternen wiesest du die Bahn.

Und wie die Sonne steigt und sinkt,

so wird es Tag, so wird es Nacht;

und Mond und Sterne machen kund

den Wechsel und das Maß der Zeit.

Erleuchte, Herr, auch unser Herz.

Wir sind befleckt; mach du uns rein.

Zerbrich die Ketten unsrer Schuld

und nimm von uns des Bösen Last.

Dies schenk uns, Vater voller Macht,

und du, sein Sohn und Ebenbild,

die ihr in Einheit mit dem Geist

die Schöpfung zur Vollendung führt. Amen.

Nach: Caeli Deus sanctissime; 7.–8. Jahrhundert

Melodie: GL 90 · GL 1975 704 · KG 679 · EG 469

Psalm 94 Verse 12–23

Wohl dem Mann, den du, Herr, erziehst, *

den du mit deiner Weisung belehrst.

Du bewahrst ihn vor bösen Tagen, *

bis man dem Frevler die Grube gräbt.

Ja, der Herr wird sein Volk nicht verstoßen *

und niemals sein Erbe verlassen.

Nun spricht man wieder Recht nach Gerechtigkeit; *

ihr folgen alle Menschen mit redlichem Herzen.


Abend · Mittwoch, 13. Oktober 144

Wer wird sich für mich gegen die Frevler erheben, *

wer steht für mich ein gegen den, der Unrecht tut?

Wäre nicht der Herr meine Hilfe, *

bald würde ich im Land des Schweigens wohnen.

Wenn ich sage: „Mein Fuß gleitet aus“, *

dann stützt mich, Herr, deine Huld.

Mehren sich die Sorgen des Herzens, *

so erquickt dein Trost meine Seele.

Kann sich mit dir der bestechliche Richter verbünden, *

der willkürlich straft, gegen das Gesetz?

Sie wollen das Leben des Gerechten vernichten *

und verurteilen schuldlose Menschen.

Doch meine Burg ist der Herr, *

mein Gott ist der Fels meiner Zuflucht.

Er wird ihnen ihr Unrecht vergelten /

und sie wegen ihrer Bosheit vernichten; *

vernichten wird sie der Herr, unser Gott.

Ehre sei dem Vater ...

Wer deiner Weisung folgt, den bewahrst du vor Bösem. Lass

deine Gerechtigkeit in uns wachsen, Gott. Du unser Richter,

erweise uns deine Huld.

Lesung 1 Joh 2, 3–6

Wenn wir die Gebote Christi halten, erkennen wir, dass wir

ihn erkannt haben. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt!, aber

seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner, und die Wahrheit ist

nicht in ihm. Wer sich aber an sein Wort hält, in dem ist die

Gottesliebe wahrhaft vollendet. Wir erkennen daran, dass wir

in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibt, muss auch leben,

wie er gelebt hat.


145

Mittwoch, 13. Oktober · Abend

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Machtvolle Taten vollbringt der Herr, er zerstreut, die im Herzen

voll Hochmut sind.

Fürbitten

Die Lesung des heutigen Tages spricht eine klare Sprache: „Du

bist unentschuldbar – wer du auch bist, Mensch –, wenn du

richtest.“ Doch damals wie heute scheint das Urteilen über andere

selbstverständliches Recht zu sein. Darum rufen wir:

V: Erbarmender Gott, A: wir bitten dich, erhöre uns.

– Für die Kinder und Jugendlichen weltweit, die eingeschüchtert

und wegen kleinster Vergehen hart bestraft werden.

– Für die Frauen weltweit, die verstoßen werden, wenn sie –

auch nach Vergewaltigungen – ungewollt schwanger sind.

– Für die Menschen, die aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft

oder Hautfarbe abgewertet und bedroht werden.

– Für alle, die im Berufsalltag unter Überheblichkeit und Fehlurteilen

leiden.

– Für alle, die eigene Vorurteile überwinden und mit neuen

Augen auf ihr Gegenüber schauen.

Vaterunser

Oration

Gütiger Gott, du sättigst die Hungernden, die zu dir rufen. Gedenke

deiner Huld und schenke unserer Armut den Reichtum

deiner Gaben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Donnerstag, 14. Oktober 2021

Heiliger Kallistus I.

Kallistus (Kalixtus) war ein besonders lebensfroher und aktiver

Papst der frühen Christenheit. Er wurde im zweiten Jahrhundert

geboren und starb 222. Er war ein ehemaliger Sklave, den Papst

Zephyrinus zum Diakon erhob und mit der Verwaltung der Begräbnisstätten

an der Via Appia betraute. Diese heißen deshalb noch heute

Kallistus-(Kalixtus-)Katakomben. Nach dem Tode des Zephyrinus

wurde Kallistus vom Klerus und Volk von Rom zu dessen Nachfolger

(Papst Kallistus I.) gewählt. Das stieß auf den Widerstand konservativer

Kreise, die ihn zu Unrecht der Irrlehren und der Laxheit

beschuldigten und Hippolyt zum Gegenpapst wählten. Damit kam

es zum ersten Schisma in der Papstgeschichte. Kallistus konnte sich

gegen Hippolyt durchsetzen. Er bekämpfte Irrlehren, trat für eine

mildere Bußpraxis ein und erlaubte die Ehe zwischen hochgestellten

Römerinnen und Sklaven. Als Erster ließ er Kirchen mit Malereien

ausschmücken. Späteren Legenden zufolge starb er als Märtyrer.

Schrifttexte: Lesung: 1 Petr 5, 1–4; Evangelium: Lk 22, 24–30

Namenstag: hl. Fortunata (Märtyrerin) · Hildegund von Münchaurach

(† um 1100)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Du hast vereint in allen Zonen

uns, die du liebtest je und je;

wir bitten, Herr, lass bei uns wohnen


147

Donnerstag, 14. Oktober · Morgen

den Geist der Gnade aus der Höh.

Sieh an, es beugen voll Vertrauen

all deine Kinder ihre Knie,

du wollest ihre Hoffnung schauen,

tritt, Vater, heute unter sie.

Und der Verheißungen gedenke,

vereinige uns durch den Geist

und schaffe, dass er Frieden schenke,

und lehr, wie man dich Vater heißt.

Mach unsre blinden Augen sehen,

mach unsre toten Herzen neu,

gib Stimmen du zu Lob und Flehen

und ein Bekenntnis, wahr und treu.

Verbreite deine frohe Kunde

vom Anfang bis zum Niedergang,

mach alle uns zu einem Munde,

aus tausenden ein Lobgesang!

Dein starker Arm zusammenbringe

die Völkerwelt von nah und fern,

dass sie am Kreuz ihr Loblied singe

dir, Jesus Christus, ihrem Herrn!

J.-M. de Carbon-Ferrière 1823, Rév. 1977; deutsch von

Johann Christoph Hampe 1950, © Rechtsnachfolge J. C. Hampe

EG Rheinland/Westfalen/Lippe 60

Psalm 44 Verse 2–9

Gott, wir hörten es mit eigenen Ohren, *

unsere Väter erzählten uns

von dem Werk, das du in ihren Tagen vollbracht hast, *

in den Tagen der Vorzeit.

Mit eigener Hand hast du Völker vertrieben, *

sie aber eingepflanzt.

Du hast Nationen zerschlagen, *

sie aber ausgesät.


Morgen · Donnerstag, 14. Oktober 148

Denn sie gewannen das Land nicht mit ihrem Schwert, *

noch verschaffte ihr Arm ihnen den Sieg;

nein, deine Rechte war es,

dein Arm und dein leuchtendes Angesicht; *

denn du hattest an ihnen Gefallen.

Du, mein König und mein Gott, *

du bist es, der Jakob den Sieg verleiht.

Mit dir stoßen wir unsere Bedränger nieder, *

in deinem Namen zertreten wir unsere Gegner.

Denn ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen, *

noch kann mein Schwert mir helfen;

nein, du hast uns vor unsern Bedrängern gerettet; *

alle, die uns hassen, bedeckst du mit Schande.

Wir rühmen uns Gottes den ganzen Tag *

und preisen deinen Namen auf ewig.

Ehre sei dem Vater ...

Für deine Sache, Gott des Lebens, lohnt es sich zu streiten. Lass

uns dein Angesicht leuchten und hilf uns auf in Bedrängnis.

Lesung Röm 8, 18–21

Die Leiden der gegenwärtigen Zeit bedeuten nichts im Vergleich

zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.

Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden

der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit

unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch

den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung:

auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit

werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Lass uns, Herr, dein Heil erfahren und vergib uns unsere Sünden.


149

Donnerstag, 14. Oktober · Eucharistie

Bitten

Gott, unser Heil, von deinen Dienerinnen und Dienern erwartest

du Treue zu deinem Wort. Wir bitten dich:

A: Bewahre uns in deiner Gnade.

– Lass uns eintreten für dein Recht, wo Unrecht geschieht.

– Gib uns Mut, das Evangelium zu leben, wo man sich über den

Glauben lustig macht.

– Wecke unseren Sinn und lass uns erkennen, wann eine helfende

Tat mehr von dir sagt als ein Wort.

Vaterunser

Oration

Herr, lass uns heute und immerdar bedenken, dass wir erlöst

und aus Feindeshand befreit sind. Gib, dass wir dir furchtlos

dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit alle Tage unseres Lebens.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Verborgener Gott. Du lässt uns Menschen gewähren, du wartest

und greifst nicht ein. Du gibst uns Zeit, du öffnest uns Wege,

du redest zu uns in Langmut und Liebe. Wir danken dir für

deine Geduld. Bring uns heute zur Besinnung. Mach uns offen

für dich. Lass die ganze verlorene Menschheit hinfinden zu dir.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Eucharistie · Donnerstag, 14. Oktober 150

Lesung aus dem Römerbrief Röm 3, 21–30a

Schwestern und Brüder! Jetzt ist unabhängig vom Gesetz die

Gerechtigkeit Gottes offenbart worden, bezeugt vom Gesetz

und von den Propheten: die Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben

an Jesus Christus, offenbart für alle, die glauben.

Denn es gibt keinen Unterschied: Alle haben gesündigt und

die Herrlichkeit Gottes verloren.

Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner

Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. Ihn hat Gott dazu

bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam

durch Glauben. So erweist Gott seine Gerechtigkeit durch die

Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit seiner Geduld,

begangen wurden; er erweist seine Gerechtigkeit in der gegenwärtigen

Zeit, um zu zeigen, dass er gerecht ist und den gerecht

macht, der an Jesus glaubt.

Kann man sich da noch rühmen? Das ist ausgeschlossen.

Durch welches Gesetz? Durch das der Werke? Nein, durch das

Gesetz des Glaubens. Denn wir sind der Überzeugung, dass der

Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken

des Gesetzes.

Ist denn Gott nur der Gott der Juden, nicht auch der Heiden?

Ja, auch der Heiden, da doch gilt: Gott ist „der Eine“.

Impuls zur Lesung

Die feinen Unterschiede, wir brauchen sie wie das täglich’

Brot. Wir sind anders, wir sind besser. Nicht nur graduell, sondern

prinzipiell. Paulus macht einen Strich durch unsere narzisstischen

Rechnungen. Anders als die deutsche Übersetzung

lässt der griechische Text offen, ob Gottes Gerechtigkeit durch

den Glauben an Jesus Christus offenbar wird – oder durch

den Glauben Jesu Christi. Das eine ist aber vom anderen nicht

zu trennen, weil wir durch unseren Glauben an Christus an

seinem Vertrauen in den Vater teilhaben und so Kinder Gottes

werden. Durch unseren Glauben an ihn und mit ihm werden

wir zu Gerechten gemacht: Jesus, der Christus, ist unser Zu-


151

Donnerstag, 14. Oktober · Eucharistie

gang zu Gott – zu seiner Lebensart. Das heißt, zu einem Leben

im befreienden Verzicht auf die „feinen Unterschiede“.

Antwortpsalm Ps 130, 1–6b

Kehrvers: Beim Herrn ist die Huld, bei ihm ist Erlösung in Fülle.

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: *

Herr, höre meine Stimme!

Wende dein Ohr mir zu, *

achte auf mein lautes Flehen! – Kehrvers

Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten, *

Herr, wer könnte bestehen?

Doch bei dir ist Vergebung, *

damit man in Ehrfurcht dir dient. – Kehrvers

Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele, *

ich warte voll Vertrauen auf sein Wort.

Meine Seele wartet auf den Herrn *

mehr als die Wächter auf den Morgen. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 7bc, ferner GL 518 · GL 1975 191, 1 · KG 400 (VII. Ton)

Ruf vor dem Evangelium Joh 14, 6

Halleluja. Halleluja.

So spricht der Herr: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das

Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 11, 47–54

In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch! Ihr errichtet Denkmäler

für die Propheten, die von euren Vätern umgebracht wurden.

Damit bestätigt und billigt ihr, was eure Väter getan haben. Sie

haben die Propheten umgebracht, ihr errichtet ihnen Bauten.

Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten

und Apostel zu ihnen senden, und sie werden einige


Abend · Donnerstag, 14. Oktober 152

von ihnen töten und andere verfolgen, damit das Blut aller Propheten,

das seit der Erschaffung der Welt vergossen worden ist,

an dieser Generation gerächt wird, vom Blut Abels bis zum Blut

des Zacharias, der im Vorhof zwischen Altar und Tempel umgebracht

wurde. Ja, das sage ich euch: An dieser Generation wird

es gerächt werden.

Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel der Tür

zur Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen,

und die, die hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert.

Als Jesus das Haus verlassen hatte, begannen die Schriftgelehrten

und die Pharisäer, ihn mit vielerlei Fragen hartnäckig

zu bedrängen; sie versuchten, ihm eine Falle zu stellen, damit

er sich in seinen eigenen Worten verfange.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Fällt ein Reicher, so heißt es: ein Unfall. Fällt ein Armer, so

heißt es: Er ist betrunken.

Aus der Türkei

• Wo nehme ich eine solch ungute Verbindung von Unglück

und unterstellter Schuld wahr?

• Was kann ich einer solchen Haltung entgegensetzen?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)


153

Donnerstag, 14. Oktober · Abend

Hymnus

Aufrührer zurechtweisen.

Mutlose trösten.

Schwache auffangen.

Widersacher widerlegen.

Hinterhältige meiden.

Unerfahrene lehren.

Träge motivieren.

Widerspenstige bändigen.

Hochmütige bremsen.

Verzweifelnde aufrichten.

Streitende befrieden.

Mittellose unterstützen.

Bedrängte befreien.

Gute bestärken.

Schlechte ertragen.

Alle lieben.

Aurelius Augustinus (Bischof von Hippo, Kirchenlehrer, 354–430),

sermo 340, 3 (in die ordinationis suae, am Tag seiner Bischofsweihe)

Psalm 144 Verse 1–8

Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist, *

der meine Hände den Kampf gelehrt hat, meine Finger den

Krieg.

Du bist meine Huld und Burg, *

meine Festung, mein Retter,

mein Schild, dem ich vertraue. *

Er macht mir Völker untertan.

Herr, was ist der Mensch, dass du dich um ihn kümmerst, *

des Menschen Kind, dass du es beachtest?

Der Mensch gleicht einem Hauch, *

seine Tage sind wie ein flüchtiger Schatten.


Abend · Donnerstag, 14. Oktober 154

Herr, neig deinen Himmel und steig herab, *

rühre die Berge an, sodass sie rauchen!

Schleudre Blitze und zerstreue die Feinde, *

schieß deine Pfeile ab und jag sie dahin!

Streck deine Hände aus der Höhe herab und befreie mich; /

reiß mich heraus aus gewaltigen Wassern, *

aus der Hand der Fremden!

Alles, was ihr Mund sagt, ist Lüge, *

Meineide schwört ihre Rechte.

Ehre sei dem Vater ...

In deinem Sohn bist du zu uns herabgestiegen, unermesslicher

Gott. Er wurde ein Mensch wie wir, um mit uns zu leben und

für uns zu sterben. Wer sind wir, dass du zu uns kommst? Lass

deine barmherzige Liebe uns erfüllen.

Lesung Kol 1, 23

Ihr müsst unerschütterlich und unbeugsam am Glauben festhalten

und dürft euch nicht von der Hoffnung abbringen lassen,

die euch das Evangelium schenkt. In der ganzen Schöpfung

unter dem Himmel wurde das Evangelium verkündigt; und ihr

habt es gehört.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Selig, die hungern nach der Gerechtigkeit; der Herr wird sie

sättigen und mit seinen Gaben beschenken.

Fürbitten

Richten wir unseren Blick auf die vielen Menschen weltweit,

die weder eine feste Beschäftigung haben noch über ein gesichertes

Einkommen verfügen. Bitten wir unseren Schöpfer:

V: Guter gerechter Gott, A: weise uns deine Wege.


155

Donnerstag, 14. Oktober · Abend

– Steh den vielen bei, deren Kampf um den Lebensunterhalt

immer schwieriger wird.

– Stärke alle, die sich für nachhaltiges, am Gemeinwohl orientiertes

Arbeiten einsetzen.

– Blick auf die Frauen, die bei uns als Haushaltshilfe arbeiten,

um ihre Familien in der Ferne zu versorgen.

– Gib uns Bewohnern der Industrieländer einen wachen Sinn

dafür, wo wir mit Energie und anderen Ressourcen sparsamer

umgehen können.

– Gedenke der Menschen, die weltweit als Fremdarbeiter ausgebeutet

werden und in der Fremde ums Leben kommen.

Vaterunser

Oration

Herr, höre auf unser Abendgebet. Gib, dass wir dem Beispiel

deines Sohnes folgen und in Geduld einander jene Liebe erweisen,

die er den Seinen am Abend vor seinem Leiden erwiesen

hat. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Freitag, 15. Oktober 2021

Heilige Theresia von Jesus (von Ávila)

Theresia von Jesus (Teresa von Ávila), geboren am 28.3.1515 in

Ávila, trat 1535 in das Kloster der Karmelitinnen ihrer Heimatstadt

ein. Nach einer Zeit ernster Erkrankung wurden ihr erstmals

mystische Erfahrungen zuteil. 1560 legte sie das Gelübde ab, stets

das Vollkommenere zu tun und die Ordensregel treu zu befolgen.

Sie gründete in den Jahren 1562–1578 viele Reformklöster, unterstützt

von Johannes vom Kreuz, der den männlichen Zweig der

Karmeliten erneuerte.

Berühmt wurde sie durch ihre geistlichen Schriften. In der „Seelenburg“,

ihrem Hauptwerk, spricht sie von ihren mystischen

Erlebnissen, im „Weg der Vollkommenheit“ legt sie den Weg des

„inneren Betens“ dar: „Lass es also niemals in Ordnung sein, Herr,

dass einer, der dich lobt und sich daranmacht, mit dir zu sprechen,

das nur mit dem Mund tut.“

Am 4. Oktober 1582 starb Theresia in Alba de Tormes, wurde

1622 heiliggesprochen und 1970 zusammen mit Katharina von Siena

zur Kirchenlehrerin erhoben.

Schrifttexte: Lesung: Röm 8, 22–27; Evangelium: Joh 15, 1–8

Namenstag: hl. Thekla von Kitzingen (Äbtissin, † um 790) · sel. Aurelia

von Regensburg (Reklusin bei St. Emmeram, † 1027)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Schönheit, die du überstrahlest

alles, was sonst Schönheit heißt,


157

Freitag, 15. Oktober · Morgen

schaffst ohn’ Wunden herbe Schmerzen,

machest ohne Schmerz die Liebe

aller Kreatur zunichte.

O du Band, das du verbindest

zwei so ganz verschied’ne Dinge;

wie doch kommt’s, dass du dich lösest,

da gebund’ne Kraft du leihest,

selbst das Übel gutzuheißen?

Was kein Sein hat, das verbindest

mit dem Sein du, das nie endet.

Du vollendest, nie vollendend,

liebest da, wo nichts zu lieben.

Unsrem Nichts verleih’st du Größe.

Theresia von Jesus (von Ávila)

Canticum Jes 62, 4–7

Antiphon:

Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein

Gott über dich.

Nicht länger nennt man dich „Die Verlassene“, *

und dein Land nicht mehr „Das Ödland“,

sondern man nennt dich „Meine Wonne“ *

und dein Land „Die Vermählte“.

Denn der Herr hat an dir seine Freude, *

und dein Land wird mit ihm vermählt.

Wie der junge Mann sich mit der Jungfrau vermählt, *

so vermählt sich mit dir dein Erbauer.

Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, *

so freut sich dein Gott über dich.

Auf deine Mauern, Jerusalem, stelle ich Wächter. *

Weder bei Tag noch bei Nacht dürfen sie schweigen.


Morgen · Freitag, 15. Oktober 158

Ihr, die ihr den Herrn an Zion erinnern sollt, *

gönnt euch keine Ruhe!

Lasst auch ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufbaut, *

bis er es auf der ganzen Erde berühmt macht.

Ehre sei dem Vater ...

Antiphon:

Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein

Gott über dich.

Lesung Kol 3, 14–15

Liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält

und vollkommen macht. In eurem Herzen herrsche

der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen

Leibes. Seid dankbar!

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

In der Freiheit von Begierden besteht alles Glück, das man sich

im Leben wünschen kann; denn wer nichts mehr wünscht, besitzt

alles.

Redaktion Magnificat nach Theresia von Jesus

Bitten

Gott, unser Leben, gegen viele Widerstände hat Theresia ihre

Überzeugung von deiner Gegenwart in uns vertreten. Wir bitten

dich:

A: Gib uns die Gnade, deine Stimme zu vernehmen.

– In unserer Sehnsucht nach erfülltem Leben.

– Im Ein und Aus unseres Atmens.

– Im Pulsschlag unseres Herzens.

Vaterunser


159

Freitag, 15. Oktober · Eucharistie

Oration

Allmächtiger Gott, du hast die heilige Theresia von Jesus durch

deinen Geist erweckt und sie der Kirche als Lehrmeisterin des

Weges zur Vollkommenheit geschenkt. Gib, dass wir in ihren

Schriften Nahrung für unser geistliches Leben finden. Durchdringe

uns mit der Gewissheit, dass du allein genügst, und entzünde

in uns das Verlangen nach Heiligkeit. Darum bitten wir

durch Jesus Christus.

Der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt,

bewahre unsere Herzen und unsere Gedanken

in Christus Jesus, unserem Herrn.

Vgl. Phil 4, 7

Texte zur Eucharistiefeier

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Römerbrief Röm 4, 1–8

Schwestern und Brüder! Müssen wir nicht fragen: Was hat

unser leiblicher Stammvater Abraham erlangt? Wenn Abraham

aufgrund von Werken Gerechtigkeit erlangt hat, dann hat

er zwar Ruhm, aber nicht vor Gott.

Denn die Schrift sagt: Abraham glaubte Gott, und das wurde

ihm als Gerechtigkeit angerechnet.

Dem, der Werke tut, werden diese nicht aus Gnade angerechnet,

sondern er bekommt den Lohn, der ihm zusteht. Dem aber,

der keine Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen

gerecht macht, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet.

Auch David preist den Menschen selig, dem Gott Gerechtigkeit

unabhängig von Werken anrechnet: Selig sind die, deren


Eucharistie · Freitag, 15. Oktober 160

Frevel vergeben und deren Sünden bedeckt sind. Selig ist der

Mensch, dem der Herr die Sünde nicht anrechnet.

Impuls zur Lesung

Trau, schau, wem. Abraham glaubte Gott – und das wurde ihm

als Gerechtigkeit angerechnet. So argumentiert Paulus hier mit

der Heiligen Schrift (Gen 15, 6). Gott trauen – bedingungslos

auf seine Zusage setzen, hier: dass die schmerzlich vermisste

Nachkommenschaft so zahlreich sein werde wie die Sterne am

Himmel (Gen 15, 5). Ist das nicht bodenlos? Zudem ist Abraham

gottlos (Röm 5, 6), als Gott ihm seine Zuneigung schenkt;

grundlos. Aber dieser Boden – trägt.

Antwortpsalm Ps 32, 1–2.5.10–11

Kehrvers:

Du bist mein Schutz, o Herr, du rettest mich und hüllst mich

in Jubel.

Wohl dem, dessen Frevel vergeben *

und dessen Sünde bedeckt ist.

Wohl dem Menschen,

dem der Herr die Schuld nicht zur Last legt *

und dessen Herz keine Falschheit kennt. – Kehrvers

Ich bekannte dir meine Sünde *

und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir.

Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen. *

Und du hast mir die Schuld vergeben. – Kehrvers

Der Frevler leidet viele Schmerzen, *

doch wer dem Herrn vertraut,

den wird er mit seiner Huld umgeben.

Freut euch am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten, *

jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen! – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 7, ferner GL 517 · GL 1975 527, 5 · KG 613 (IV. Ton)


161

Freitag, 15. Oktober · Abend

Ruf vor dem Evangelium Ps 33, 22

Halleluja. Halleluja.

Lass deine Güte über uns walten, o Herr, denn wir schauen aus

nach dir.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 12, 1–7

In jener Zeit strömten Tausende von Menschen zusammen,

sodass es ein gefährliches Gedränge gab. Jesus wandte sich

zuerst an seine Jünger und sagte: Hütet euch vor dem Sauerteig

der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei.

Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen,

was nicht bekannt wird. Deshalb wird man alles, was

ihr im Dunkeln redet, am hellen Tag hören, und was ihr einander

hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man

auf den Dächern verkünden.

Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor

denen, die den Leib töten, euch aber sonst nichts tun können.

Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet euch vor

dem, der nicht nur töten kann, sondern die Macht hat, euch

auch noch in die Hölle zu werfen. Ja, das sage ich euch: Ihn sollt

ihr fürchten.

Verkauft man nicht fünf Spatzen für ein paar Pfennig? Und

doch vergisst Gott nicht einen von ihnen. Bei euch aber sind

sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.

Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Abend · Freitag, 15. Oktober 162

Innehalten am Abend

Besser eine kurze Zeit der Betrachtung, die zu entscheidenden

Entschlüssen führt, als jahrelanges Betrachten, bei dem niemals

ein Entschluss herauskommt.

Theresia von Jesus (Heilige des Tages)

• Wo wünsche ich mir weniger Zaudern und klareres Vorangehen?

• Wie gelingt es mir, meine eigenen, notwendigen Entschlüsse

zu fassen?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Nada te turbe,

nada te espante.

Quien a Dios tiene,

nada le falta.

Nada te turbe,

nada te espante.

Sólo Dios basta.

Nichts soll dich stören,

nichts dich erschrecken.

Wer sich an Gott hält,

dem wird nichts fehlen.

Nichts soll dich stören,

nichts dich erschrecken.

Gott allein erfüllt.

Theresia von Jesus (von Ávila)

Psalm 119

Fürsten verfolgen mich ohne Grund, *

doch mein Herz fürchtet nur dein Wort.

Verse 161–168 Schin


163

Freitag, 15. Oktober · Abend

Ich freue mich über deine Verheißung *

wie einer, der reiche Beute gemacht hat.

Ich hasse die Lüge, sie ist mir ein Greuel, *

doch deine Weisung habe ich lieb.

Siebenmal am Tag singe ich dein Lob *

wegen deiner gerechten Entscheide.

Alle, die deine Weisung lieben, empfangen Heil in Fülle; *

es trifft sie kein Unheil.

Herr, ich hoffe auf deine Hilfe *

und befolge deine Gebote.

Meine Seele beachtet, was du gebietest, *

und liebt es von Herzen.

Ich folge deinen Vorschriften und Befehlen; *

denn alle meine Wege liegen offen vor dir.

Ehre sei dem Vater ...

Wir lieben deine Weisung, gütiger Vater, sie ist unser Heil. In

allem, was wir tun, werde dein Wille verwirklicht. Mach unser

Leben zu einem Loblied deiner Güte.

Lesung Röm 8, 1–2

Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus

Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, des Lebens in

Christus Jesus, hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und

des Todes.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Richtet eure Augen auf euch selbst und blickt tief in euch hinein!

Da werdet ihr euren Meister finden, der euch seinen Beistand

nicht vorenthalten wird.

Redaktion Magnificat nach Theresia von Jesus


Abend · Freitag, 15. Oktober 164

Fürbitten

Gepriesen sei Jesus Christus, der durch die heilige Theresia die

Macht seiner Liebe erwiesen hat:

A: Sende uns deinen Geist.

Wer zu lieben vermag wie du, verändert die Welt;

– schenke auch unserer Zeit Menschen wie Theresia.

Deine Menschenliebe gründete im Bewusstsein der Barmherzigkeit

des Vaters;

– lass die Menschen erfahren, dass sie von Gott vorbehaltlos

angenommen sind.

Vollkommenheit erscheint vielen wie ein unerreichbarer Gipfel,

der unendliche Anstrengung erfordert;

– befreie uns durch die Einsicht, dass wir zur Vollkommenheit

allererst auf deine Stimme achten müssen.

Wen deine Liebe erfüllt, der vermag den Tod trotz seiner Schrecken

vertrauend anzunehmen;

– erweise an unseren Verstorbenen deine rettende Macht.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du hast die heilige Theresia von Jesus durch

deinen Geist erweckt und sie der Kirche als Lehrmeisterin des

Weges zur Vollkommenheit geschenkt. Gib, dass wir in ihren

Schriften Nahrung für unser geistliches Leben finden. Durchdringe

uns mit der Gewissheit, dass du allein genügst, und entzünde

in uns das Verlangen nach Heiligkeit. Darum bitten wir

durch Jesus Christus.

Segne uns, Gott des Lebens, und hilf uns dich finden.

Du bist uns doch allezeit nah.

Salve Regina (Seite 379)


Samstag, 16. Oktober 2021

Heilige Hedwig von Andechs

Heiliger Gallus

Heilige Margareta Maria Alacoque

Hedwig (1174–1243), die Schutzpatronin Schlesiens, war eine

Tochter des Grafen von Andechs-Meran und Tante der heiligen

Elisabeth von Thüringen. Mit 12 oder 13 Jahren nahm Herzog

Heinrich I. von Schlesien sie zur Frau. Sie wurde Mutter von sieben

Kindern, bewog ihren Mann dann aber 1209, mit ihr zusammen

das Gelübde der Enthaltsamkeit abzulegen. Mit Heinrich förderte

Hedwig die Einwurzelung christlichen Gedankenguts in ihrem

Lande. Sie unterstützte die Armen, pflegte Kranke. Sie gründete

Frauenklöster und half verschiedenen Orden bei der Gründung

von Niederlassungen. Nach dem Tod ihres Mannes (1238) zog sie

sich in das von ihr gegründete Kloster Trebnitz zurück. Dort führte

sie bis zu ihrem Tod ein strenges asketisches Leben.

Schrifttexte: Lesung: Gal 6, 7b–10; Evangelium: Mk 10, 42–45

Der irische Mönch Gallus (um 550 – um 640) kam um 590

mit Kolumban und weiteren Mönchen über das Frankenreich

nach Alemannien. Bei ihren Missionsversuchen wurden sie immer

wieder vertrieben und wanderten so bis in die Bodenseegegend.

Hier missionierten sie mehrere Jahre. Dann zog Kolumban weiter

nach Italien, während Gallus blieb und mit einigen Gefährten eine

Einsiedelei erbaute. Gallus war sehr geachtet wegen seiner Frömmigkeit,

Menschenliebe und Naturverbundenheit. Das Ansinnen,

Abt oder Bischof zu werden, lehnte er ab und blieb in seiner Einsiedelei.

Dort starb er im hohen Alter von etwa 95 Jahren. Aus der

kleinen Einsiedelei entwickelte sich später das bedeutende Benediktinerkloster

St. Gallen.

Schrifttexte: Lesung: Gen 12, 1–4a; Evangelium: Mt 19, 27–29

Auf die Bemühungen der Margareta Maria Alacoque (1647–1690)

geht die Einführung des Herz-Jesu-Freitags und des Herz-Jesu-


Morgen · Samstag, 16. Oktober 166

Festes zurück. Margareta lebte in Burgund. Schon früh hatte sie den

Wunsch, Ordensfrau zu werden, den sie 1671 gegen den Widerstand

ihrer Familie durchsetzte. Sie trat in den „Orden der Heimsuchung

Mariens“ (Salesianerinnen) ein. Sie hatte Visionen, in denen sie

den Auftrag erhielt, sich für die besondere Verehrung des Herzens

Jesu einzusetzen. Ihre mystischen Erlebnisse stießen bei ihren Mitschwestern

und Oberinnen auf Misstrauen. Voll Geduld ertrug sie

Ablehnung und Demütigungen. Es dauerte lange, bis an die Echtheit

ihrer Visionen geglaubt wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts führte

Papst Pius IX. das Herz-Jesu-Fest für die Gesamtkirche ein.

Schrifttexte: Lesung: Eph 3,14–19; Evangelium: Mt 11,25–30

Namenstag: hl. Longinus der Hauptmann (1. Jh.) · hl. Lullus (Benediktiner,

Schüler des Bonifatius, Bischof von Mainz, † 786) · hl. Heriburg

(Benediktinerin, Schwester Liudgers, erste Äbtissin in Nottuln,

† nach 834) · sel. Luitgard von Wittichen (Franziskaner-Terziarin,

Klostergründerin, † 1348) · hl. Gerhard Majella (it. Redemptorist,

† 1755) · Maria Sophie Watteyne (Ordensfrau, † 1895)

Heute wird in vielen Kirchen das Hochfest vom Jahrestag der Kirchweihe

begangen.

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Gott in der Höhe, du wirkst Wunder,

gepriesen sei dein Name!

Lebendiger Gott, deine Güte kennt keine Grenzen,

gepriesen sei dein Name!

Wie dich im Himmel die Engel anbeten

und ohne Ende dein Lob singen,

so beten wir auch auf der Erde:

Gepriesen sei dein Name!


167

Samstag, 16. Oktober · Morgen

Gott, du Sieger über unsere Finsternis,

gepriesen sei dein Name!

Gott, du beugst dich über unsere Schwachheit,

gepriesen sei dein Name!

Deine Liebe ist unsere Hoffnung,

deine Güte gibt uns die Unschuld zurück,

von dir allein kommt das Licht:

Gepriesen sei dein Name!

Heiliger Gott, du machst uns frei,

gepriesen sei dein Name!

Gott, treu in deinen Verheißungen,

gepriesen sei dein Name!

Deine Kirche betet dich in Schweigen an

und verkündet aller Welt dein befreiendes Handeln.

Aus unseren Herzen steigt ein Gebet empor:

Gepriesen sei dein Name!

Aus: Reinhard Lettmann,

Trommler der Auferstehung. Ermutigung zum Glauben, 23 f.,

© 2005 Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer, www.bube.de

Canticum Ez 36, 24–28

Antiphon:

Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist.

Ich hole euch heraus aus den Völkern, /

ich sammle euch aus allen Ländern *

und bringe euch in euer Land.

Ich gieße reines Wasser über euch aus,

dann werdet ihr rein. *

Ich reinige euch von aller Unreinheit, von all euren Götzen.

Ich schenke euch ein neues Herz *

und lege einen neuen Geist in euch.

Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust *

und gebe euch ein Herz von Fleisch.


Morgen · Samstag, 16. Oktober 168

Ich lege meinen Geist in euch /

und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt, *

auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.

Dann werdet ihr in dem Lande wohnen, *

das ich euren Vätern gab.

Ihr werdet mein Volk sein, *

und ich werde euer Gott sein.

Ehre sei dem Vater ...

Antiphon:

Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist.

Lesung 2 Petr 3, 13–14

Gottes Verheißung gemäß erwarten wir einen neuen Himmel

und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt.

Weil ihr das erwartet, liebe Brüder, bemüht euch darum, von

ihm ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden!

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Herr, lenke unsre Schritte auf den Weg des Friedens.

Bitten

Gott, durch den Glauben machst du uns zu Abrahams Kindern.

Wir bitten dich:

A: Ruf uns hinaus in deine Weite.

– Dass wir eingefahrene Lebens- und Denkgewohnheiten verlassen.

– Dass wir in allem, was wir tun, auf deinen Beistand bauen.

– Dass wir bereit sind, deinen Weg auch dann zu gehen, wenn

er uns dunkel erscheint.


169

Samstag, 16. Oktober · Eucharistie

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du wahres Licht und ewiger Tag, du schenkst

uns im Kreislauf der Zeit immer wieder einen neuen Morgen.

Vertreibe die Nacht des Bösen und erleuchte unser Herz durch

den hellen Glanz deines Kommens. Darum bitten wir durch

Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott, du hast die Herzen deiner Gläubigen durch die Erleuchtung

des Heiligen Geistes gelehrt. Gib, dass wir in diesem Geist

erkennen, was recht ist, und allezeit seinen Trost und seine Hilfe

erfahren. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Römerbrief Röm 4, 13.16–18

Schwestern und Brüder! Abraham und seine Nachkommen

erhielten nicht aufgrund des Gesetzes die Verheißung, Erben

der Welt zu sein, sondern aufgrund der Glaubensgerechtigkeit.

Deshalb gilt: „aus Glauben“, damit auch gilt: „aus Gnade“. Nur

so bleibt die Verheißung für alle Nachkommen gültig, nicht nur

für die, welche das Gesetz haben, sondern auch für die, welche

wie Abraham den Glauben haben.

Nach dem Schriftwort: Ich habe dich zum Vater vieler Völker

bestimmt, ist er unser aller Vater vor Gott, dem er geglaubt hat,

dem Gott, der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist,

ins Dasein ruft.


Eucharistie · Samstag, 16. Oktober 170

Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, dass er

der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich

werden deine Nachkommen sein.

Impuls zur Lesung

Gott gibt einem Menschen sein Ja-Wort – und wendet sich gerade

so der ganzen Menschheit zu. Für Paulus ist Abraham Vater

aller Glaubenden. Abraham, ein uralter Mann; seine Frau

Sara kann nach menschlichem Ermessen keine Kinder mehr

gebären, als Gott ihm verheißt, Vater einer Menge von Völkern

zu werden (Gen 17, 5). Klingt es nicht wie Hohn, wenn der

Herr ihn als Vater anredet? Doch Gott hat Abraham sein Wort

gegeben. Und Abraham hält sich an Gottes Wort, denn Gott

hält Wort. Und bei Gott ist kein Ding unmöglich. Abraham

glaubt – es. Glaubt – ihm. Vertraut diesem Anderen. Realistisch

im Blick auf die eigene Begrenztheit, mutig im Blick auf

Gottes Kraft: So wird Abraham Vater aller Glaubenden; Vater

derer, die sich trauen, dem ganz Anderen zu vertrauen.

Antwortpsalm Ps 105, 6–9.42–43

Kehrvers: Halleluja – oder:

Der Herr ist unser Gott; ewig denkt er an seinen Bund.

Bedenkt es, ihr Nachkommen seines Knechtes Abraham, *

ihr Kinder Jakobs, die er erwählt hat.

Er, der Herr, ist unser Gott. *

Seine Herrschaft umgreift die Erde. – Kehrvers

Ewig denkt er an seinen Bund, *

an das Wort, das er gegeben hat für tausend Geschlechter,

an den Bund, den er mit Abraham geschlossen, *

an den Eid, den er Isaak geschworen hat. – Kehrvers

Er dachte an sein heiliges Wort *

und an Abraham, seinen Knecht.


171

Samstag, 16. Oktober · Abend

Er führte sein Volk heraus in Freude, *

seine Erwählten in Jubel. – Kehrvers

Kehrvers siehe Verse 7a.8a,

ferner GL 60, 1 · GL 1975 233, 7 · KG 271 (VI. Ton)

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

vgl. Joh 15, 26b.27a

So spricht der Herr: Der Geist der Wahrheit wird Zeugnis geben

für mich, und auch ihr sollt Zeugen sein.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 12, 8–12

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich sage euch:

Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird

sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen.

Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor

den Engeln Gottes verleugnet werden.

Jedem, der etwas gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben

werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird

nicht vergeben.

Wenn man euch vor die Gerichte der Synagogen und vor die

Herrscher und Machthaber schleppt, dann macht euch keine

Sorgen, wie ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt. Denn

der Heilige Geist wird euch in der gleichen Stunde eingeben,

was ihr sagen müsst.

Abendgebet am Vorabend

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Abend · Samstag, 16. Oktober 172

Hymnus

Sieh nieder und erbarme dich,

o Gott, auf den wir hoffen!

Dein Volk zu dir erhebet sich,

von Angst und Not getroffen.

Herr! Zeige uns dein Angesicht,

dass wir von dir uns wenden nicht,

o Gott, auf den wir hoffen.

Gott, ohne dich herrscht Leid und Tod,

du bists, auf den wir bauen.

Vom Bösen überall bedroht,

dir, Herr, allein wir trauen.

Ohn deine Hilfe fallen wir,

denn vieles treibt uns weg von dir,

o Gott, auf den wir bauen.

Lobt alle Gott, er hilft uns gern!

Laut preiset seinen Namen!

Hofft all auf ihn, singt all dem Herrn,

singt: Halleluja! Amen.

Und wenn ein Mensch sein Sünd bereut,

darüber sich der Himmel freut

und preiset Gottes Namen.

Trier 1846, Neufassung Trier 1974 (Nikolaus Föhr),

GL 834 (Anhang Trier)

Psalm 134

Wohlan, nun preiset den Herrn, *

all ihr Knechte des Herrn,

die ihr steht im Hause des Herrn *

zu nächtlicher Stunde.

Erhebt eure Hände zum Heiligtum *

und preiset den Herrn!


173

Samstag, 16. Oktober · Abend

Es segne dich der Herr vom Zion her, *

der Herr, der Himmel und Erde gemacht hat.

Ehre sei dem Vater ...

Wir preisen dich, ewiger Gott; du rufst uns und führst uns zusammen.

Dir wenden wir uns zu, wo immer wir gerade sind:

Segne uns, deine Kinder.

Lesung Dtn 4, 29b–31

Du wirst den Herrn, deinen Gott, finden, wenn du dich mit

ganzem Herzen und mit ganzer Seele um ihn bemühst.

Wenn du in Not bist, werden alle diese Worte dich finden. In

späteren Tagen wirst du zum Herrn, deinem Gott, zurückkehren

und auf seine Stimme hören. Denn der Herr, dein Gott, ist

ein barmherziger Gott. Er lässt dich nicht fallen und gibt dich

nicht dem Verderben preis und vergisst nicht den Bund mit den

Vätern, den er ihnen beschworen hat.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Lasst uns mit Zuversicht hintreten zum Thron der Gnade, damit

wir Erbarmen finden.

Fürbitten

Barmherziger Gott, du hörst das Rufen deiner Getreuen. Wir

bitten dich:

A: Verschaffe uns Recht, du unser Vater.

Auch heute werden die Armen immer ärmer;

– lass sie nicht mutlos werden und gebiete ihren Ausbeutern

Einhalt.

Ältere Menschen werden bei uns zusehends an den Rand gedrängt

und vereinsamen;

– hilf uns, ihre Lebenserfahrung schätzen zu lernen, und befreie

uns von törichtem Jugendkult.


Abend · Samstag, 16. Oktober 174

Kinderreiche Familien sind bei uns in vieler Hinsicht benachteiligt;

– gib, dass sie in unserer Gesellschaft als Lernorte gegenseitiger

Verantwortung gewürdigt werden.

A: Verschaffe uns Recht, du unser Vater.

Du tröstest die Trauernden;

– vereine sie mit ihren verstorbenen Angehörigen durch deine

Leben schaffende Gnade.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du bist unser Herr und Gebieter. Mach unseren

Willen bereit, deinen Weisungen zu folgen, und gib uns

ein Herz, das dir aufrichtig dient. Darum bitten wir durch Jesus

Christus.

Friede sei mit den Brüdern und Schwestern,

Liebe und Glaube von Gott, dem Vater,

und Jesus Christus, dem Herrn.

Nach Eph 6, 23

Salve Regina (Seite 379)


175

Samstag, 16. Oktober · Von Woche zu Woche

Von Woche zu Woche

Gottesknecht: ohne Gewalt

(zu Jes 53, 10–11)

Trostreich ist diese Botschaft

in Zeiten der Selbstoptimierung:

immer leistungsfähig, lächelnd,

mit aller Gewalt ganz oben!

Doch wer ist dieser gerechte,

gewaltlose Gottesknecht,

gedemütigt und doch

gesättigt an Erkenntnis?

Nachdem er so vieles ertrug,

erblickt er das Licht.

Christlicher Glaube liest hier

die Ankündigung des Weges Jesu.

Wir alle können den Trost lesen,

dass, wer ganz in Gottes Dienst steht,

keine Gewalt braucht,

sondern den Gang der Gewalt

durchbricht.

Dorothee Sandherr-Klemp


17. Oktober 2021

29. Sonntag im Jahreskreis

Namenstag: hl. Ignatius von Antiochia (Bischof, Märtyrer, † um 115) ·

Anselm von Wien (Franziskaner, † 1535) · sel. Contardo Ferrini (Jurist,

Rechtswissenschaftler, † 1902)

Welttag gegen Armut und Ausgrenzung

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Wir wollen Ausschau halten nach dir.

Lass deine Güte über uns walten, o Gott.

Nach Ps 33, 22

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Seht, wie die Schatten dunkler Nacht verblassen:

Rötliches Leuchten strahlt am frühen Himmel.

Bitten wir innig mit vereinter Stimme

Gott, den Allmächt’gen!

Dass er sich unser liebevoll erbarme,

Heil uns gewähre, unsre Trägheit banne


177

Sonntag, 17. Oktober · Morgen

und uns als Vater einst in Güte schenke

himmlisches Erbe.

Lob sei dem Vater auf dem höchsten Throne,

Lob sei dem Sohne, Gott aus Gott geboren,

Lob sei dem Geiste, der von beiden ausgeht,

immer und ewig. Amen.

Nach: Ecce iam noctis tenuatur umbra; karolingisch

Melodie: GL 484 · GL 1975 634 · KG 143 · EG 227

Psalm 1

Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, /

nicht auf dem Weg der Sünder geht, *

nicht im Kreis der Spötter sitzt,

sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, *

über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.

Er ist wie ein Baum, *

der an Wasserbächen gepflanzt ist,

der zur rechten Zeit seine Frucht bringt *

und dessen Blätter nicht welken.

Alles, was er tut, *

wird ihm gut gelingen.

Nicht so die Frevler: *

Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.

Darum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen *

noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, *

der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund.

Ehre sei dem Vater ...

Ewiger Gott, du kennst den Weg der Gerechten und lässt sie

nicht zugrunde gehen. Gib, dass wir deinem Sohn froh und

getrost nachfolgen, damit wir Frucht bringen zur rechten Zeit.


Morgen · Sonntag, 17. Oktober 178

Lesung Eph 4, 32 – 5, 2

Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander,

weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat. Ahmt Gott

nach als seine geliebten Kinder und liebt einander, weil auch

Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe

und Opfer, das Gott gefällt.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Wer bei euch groß sein will, soll euer Diener sein; und wer bei

euch der Erste sein will, der sei der Sklave aller.

Bitten

Gepriesen sei Jesus Christus, der gekommen ist, um zu dienen.

Zu ihm lasst uns rufen:

A: Lass uns deinem Beispiel folgen.

Hungernde hast du gesättigt;

– mach uns bereit zu teilen.

Trauernde hast du getröstet;

– lass uns die Sorgen unserer Mitmenschen spüren.

Kranke hast du geheilt;

– gib, dass wir niemand mit seinen Leiden allein lassen.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du bist unser Herr und Gebieter. Mach unseren

Willen bereit, deinen Weisungen zu folgen, und gib uns

ein Herz, das dir aufrichtig dient. Darum bitten wir durch Jesus

Christus.

Du Gott des Bundes,

du lässt unter den Deinen Netzwerke der Liebe wachsen.

Segne alle, mit denen wir verbunden sind,


179

Sonntag, 17. Oktober · Eucharistie

und hilf uns, den Suchenden Halt zu geben.

Denn dir gehen wir gemeinsam entgegen.

Gloria

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 292, 358, 371, 449, 479, 551 · KG 137,

202, 204, 209, 388

Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich.

Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!

Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges,

birg mich im Schatten deiner Flügel.

Ps 17, 6.8

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch Jesaja Jes 53, 10–11

Der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten.

Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt, wird

er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem HERRN gefällt,

wird durch seine Hand gelingen.

Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich

an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen

gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.

Impuls zur Lesung

Wer in Gottes Dienst steht, wendet keine Gewalt an, lässt andere

nicht leiden. Vielmehr ist er oder sie gerufen, in Gottes Namen

die grausame Spirale der Gewalt zu unterbrechen, sogar

dazu, die Schuld anderer mitzutragen, ja zu tragen. Das ist Gottesdienst.

Die Jesus-Gemeinschaft gehörte noch zum Verband

der Synagogen, als sie die Gottesknechtlieder des Propheten


Eucharistie · Sonntag, 17. Oktober 180

Jesaja erstmals von Jesus her und auf ihn hin auslegte. Das

vierte Gottesknechtlied spricht von Gott und Mensch wegweisend

und mit großer Erschließungskraft: „Mein Knecht, der

gerechte, macht die vielen gerecht.“

Antwortpsalm Ps 33, 4–5.18–20.22

Kehrvers: Lass deine Huld über uns walten, o HERR!

Das Wort des HERRN ist redlich, *

all sein Tun ist verlässlich.

Er liebt Gerechtigkeit und Recht, *

erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde. – Kehrvers

Siehe, das Auge des HERRN ruht auf denen,

die ihn fürchten, *

die seine Huld erwarten,

dass er ihre Seele dem Tod entreiße *

und, wenn sie hungern, sie am Leben erhalte. – Kehrvers

Unsre Seele hofft auf den HERRN; *

er ist unsre Hilfe und unser Schild.

Lass deine Huld über uns walten, o HERR, *

wie wir auf dich hofften! – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 22, ferner GL 64, 1 (II. Ton) oder GL 1975 745, 1 (I. Ton)

oder KG 500, 6 (V. Ton)

Lesung aus dem Hebräerbrief Hebr 4, 14–16

Schwestern und Brüder! Da wir nun einen erhabenen Hohepriester

haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus,

den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten. Wir

haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte

mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir

versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat.

Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der

Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe

erlangen zur rechten Zeit!


181

Sonntag, 17. Oktober · Eucharistie

Ruf vor dem Evangelium vgl. Mk 10, 45

Halleluja. Halleluja.

Der Menschensohn ist gekommen, um zu dienen und sein Leben

hinzugeben als Lösegeld für viele.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 10, 35–45

Kurzfassung: Mk 10, 42–45

In jener Zeit traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus,

zu Jesus und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns

eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie

sagten zu ihm: Lass in deiner Herrlichkeit einen von uns rechts

und den andern links neben dir sitzen!

Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr

den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen,

mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können

es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den

ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde.

Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken

habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die es

bestimmt ist.

Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich

über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und

sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker

unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen.

Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch

groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der

Erste sein will, soll der Sklave aller sein.

Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich

dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben

als Lösegeld für viele.

Credo


Eucharistie · Sonntag, 17. Oktober 182

Gabengebet

Hilf uns, Herr, dass wir den Dienst am Altar mit freiem Herzen

vollziehen. Befreie uns durch diese Feier von aller Schuld, damit

wir rein werden und dir gefallen. Darum bitten wir durch

Christus, unseren Herrn.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu

danken und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben. Denn

du hast die Welt mit all ihren Kräften ins Dasein gerufen und

sie dem Wechsel der Zeit unterworfen. Den Menschen aber

hast du auf dein Bild hin geschaffen und ihm das Werk deiner

Allmacht übergeben. Du hast ihn bestimmt, über die Erde zu

herrschen, dir, seinem Herrn und Schöpfer, zu dienen und das

Lob deiner großen Taten zu verkünden durch unseren Herrn

Jesus Christus. Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln,

den Thronen und Mächten und mit all den Scharen des

himmlischen Heeres den Hochgesang von deiner göttlichen

Herrlichkeit.

Kommunionvers Ps 33, 18–19

Das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren,

die nach seiner Güte ausschauen. Denn er will sie dem Tod

entreißen und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott, gib, dass die heiligen Geheimnisse, die wir

gefeiert haben, in uns Frucht bringen. Schenke uns Tag für Tag,

was wir zum Leben brauchen, und führe uns zur ewigen Vollendung.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Gott, der allmächtige Vater, segne euch; er bewahre euch vor

Unheil und Schaden.


183

Sonntag, 17. Oktober · Auslegung

Er öffne eure Herzen für sein göttliches Wort und bereite sie

für die unvergänglichen Freuden.

Er lasse euch erkennen, was zum Heile dient, und führe euch

auf dem Weg seiner Gebote zur Gemeinschaft der Heiligen.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Auslegung zum Sonntagsevangelium

Von Eugen Biser

W

enn es in den Paulusbriefen dann aber heißt, dass er unser

Friede, unser Befreier und unsere Hoffnung ist, begreifen

wir staunend, dass wir ja noch mehr als durch all dies

durch ihn selbst beschenkt sind. Zuinnerst besteht sein Dienst

somit in seiner Zuwendung, seinem Heilswillen und letztlich in

der Hilfe, die er nach Kierkegaard — selber ist. Kaum braucht

dem hinzugefügt zu werden, dass diese Einsicht dazu angetan

ist, unserem Verhältnis zu Jesus einen neuen Impuls zu geben,

den Impuls der Dankbarkeit. Er sollte keinen Anlass haben, wie

im Fall der zehn von ihm geheilten Aussätzigen, von denen

nur einer zu ihm zurückfand, um ihm seine Dankbarkeit zu

erweisen, zu fragen: „Wo sind denn die übrigen neun?“ Nein,

wir sollten uns vor Augen halten, dass wir das Beste unseres

Lebens, das, was diesem Leben Glanz, Würde, Zukunft und Inhalt

verleiht, ihm zu danken haben, und wir sollten ihm das in

unserem Verhältnis zu ihm, also in unserem Gebet, dann auch

zum Ausdruck bringen.

Dann würden wir aber auch eine neue Motivation für unser

Verhalten gewinnen. Denn als Beschenkte sind wir, ohne dass

uns das eigens geboten werden müsste, von innen her angehalten,

etwas von unserem Glück an andere weiterzugeben,

besonders an Menschen, die sich vom Leben enttäuscht fühlen

und Gefahr laufen, sich resignierend in sich zurückzuziehen.


Abend · Sonntag, 17. Oktober 184

Ihnen schulden wir unseren Zuspruch und unsere Zuwendung,

und dies im Bewusstsein, dass wir auf unverdiente Weise durch

den beschenkt sind, der sich selbst das Himmelsbrot, also die

Himmelsgabe, genannt hat. Wenn der Türmer in Goethes Faust

von sich sagt: Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt, so gilt

von ihm, unvergleichlich bewegender: Zum Dienen geboren,

zum Helfen bestellt.

Eugen Biser (dt. Theologe, 1918–2014),

aus: Ders., Gott für uns. Predigten zum Lesejahr B,

Düsseldorf 1996, 144–145,

© Eugen-Biser-Stiftung, München

Hymnus

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Wir danken dir, Herr Jesu Christ,

dass du vom Tod erstanden bist

und hast dem Tod zerstört sein Macht

und uns zum Leben wiederbracht.

Halleluja.

Wir bitten dich durch deine Gnad:

nimm von uns unsre Missetat

und hilf uns durch die Güte dein,

dass wir dein treuen Diener sein.

Halleluja.

Gott Vater in dem höchsten Thron

samt seinem eingebornen Sohn,

dem Heilgen Geist in gleicher Weis


185

Sonntag, 17. Oktober · Abend

in Ewigkeit sei Lob und Preis!

Halleluja.

Nikolaus Herman 1560 (Str. 1), Thomas Hartmann 1604 (Str. 2), Kaspar

Stolzhagen 1591 (Str. 3), – EG 107 · Melodie: GL 1975 225

Canticum

vgl. Offb 19, 1b.2a.5b.6b–7

Antiphon:

Der Herr, unser Gott, ist König, er, der Herrscher über das All.

Halleluja.

Halleluja.

Das Heil und die Herrlichkeit

und die Macht ist bei unserm Gott. *

Seine Urteile sind wahr und gerecht. Halleluja.

Halleluja.

Preist unsern Gott, all seine Knechte *

und alle, die ihn fürchten, Große und Kleine! Halleluja.

Halleluja.

Denn König geworden ist der Herr, unser Gott, *

der Herrscher über die ganze Schöpfung. Halleluja.

Halleluja.

Wir wollen uns freuen und jubeln *

und ihm die Ehre erweisen. Halleluja.

Halleluja.

Denn gekommen ist die Hochzeit des Lammes, *

und seine Frau hat sich bereit gemacht. Halleluja.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung Phil 2, 2b–4

Seid eines Sinnes, einander in Liebe verbunden, einmütig und

einträchtig! Tut nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei,

sondern in Demut schätze einer den anderen höher ein als sich

selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch

auf das der anderen.


Abend · Sonntag, 17. Oktober 186

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu

lassen, sondern um zu dienen und um sein Leben hinzugeben

als Lösegeld für viele.

Fürbitten

Am heutigen Welttag gegen Armut und Ausgrenzung bitten wir:

V: Liebender Gott, A: hab Erbarmen.

– Mit allen, die unter Kriegen und terroristischer Bedrohung

leiden.

– Mit allen, die ihre Häuser, Familien, Freunde, ihre Heimat

verlassen mussten.

– Mit allen, die unter härtesten Bedingungen auf Feldern, in

Fabriken, in Haushalten und Steinbrüchen arbeiten.

– Mit allen, die auf der Straße leben müssen.

– Mit allen, die diese Menschen nicht vergessen und ihnen

durch tatkräftige Hilfe, durch solidarische Spenden, durch Patenschaften

und Projekte neue Perspektiven eröffnen.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger Gott, du bist unser Herr und Gebieter. Mach unseren

Willen bereit, deinen Weisungen zu folgen, und gib uns

ein Herz, das dir aufrichtig dient. Darum bitten wir durch Jesus

Christus.

Der barmherzige Gott behüte unser Leben,

er gebe uns Gesundheit an Leib und Seele

und schenke uns sein Heil.

Salve Regina (Seite 379)


ukas

Montag

18. Oktober 2021

Lukas, der Verfasser des dritten Evangeliums und der Apostelgeschichte,

stammte vermutlich aus Antiochia in Syrien, wo er als

Arzt tätig war. Wann er selbst zum Glauben fand und ob er Jesus

persönlich begegnet ist, wissen wir nicht. In der Einleitung seines

Evangeliums (Lk 1, 1–4) zählt er sich nicht zu den Augenzeugen des

Lebens Jesu. Er schreibt sein Evangelium vor allem für Heidenchristen.

Der Überlieferung zufolge begleitete er zeitweise den Apostel

Paulus auf seinen Missionsreisen und auch während seiner römischen

Gefangenschaft. Für die heutige Forschung ist jedoch der Begleiter

des Paulus nicht mit dem Evangelisten Lukas identisch.

In seinem Evangelium stellt Lukas seinen Leserinnen und Lesern

besonders die „barmherzige Liebe unseres Gottes“ (Lk 1, 78) vor Augen.

Die Liebe Gottes zu den Randexistenzen der Gesellschaft, zu allen

Menschen in Not, ist deshalb sein großes Thema. Ihm verdanken

wir u. a. die Gleichnisse vom „barmherzigen Samariter“ (Lk 10, 25–

37) und vom „barmherzigen Vater“ (Lk 15, 11–32). Er spricht auch

mehr über den Heiligen Geist, über das Gebet und über Maria als

Markus und Matthäus. Sein Symbol als Evangelist ist der Stier.

Nach dem Tod des Paulus in Rom (67) soll Lukas in Achaia gewirkt

haben, wo er sein Evangelium verfasst hat. Hierfür konnte er auf

den Text des Markusevangeliums und weitere Quellen zurückgreifen,

die er jedoch eigenständig verarbeitete. In der Apostelgeschichte

schildert er die Entstehung und Entfaltung der jungen Kirche unter

dem Wirken des Heiligen Geistes. Der Überlieferung zufolge starb er

im Alter von 84 Jahren in Böotien. Offen bleibt, ob er eines friedlichen

Todes oder als Märtyrer gestorben ist. Seine Gebeine sollen 357

nach Konstantinopel und später nach Padua überführt worden sein.

Ein Teil seines Kopfes befindet sich im Veitsdom in Prag, der andere

Teil im Panteleimon-Kloster auf dem Athos.

Namenstag: hl. Petrus von Alcántara (Franziskaner, † 1562)


Morgen · Montag, 18. Oktober 188

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Danken sollen dir, Herr, all deine Werke

und deine Frommen dich preisen.

Ps 145, 10

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Ihr Knechte Gottes, preist den Herren,

helft, seinen Namen zu verehren!

Des Herren Nam sei benedeit

nun und in alle Ewigkeit!

Sein Name muss gepriesen werden,

so weit die Sonne leucht’ auf Erden,

und hoch erhaben ragt sein Thron

weit über alle Nation.

Wer ist wie Gott, der droben trohnet,

der über allen Himmeln wohnet

und nieder auf die Erde sieht,

dem alles kund, was da geschieht?

Kaspar Ulenberg (1549–1617)

Psalm 9 Verse 12–21

Singt dem Herrn, der thront auf dem Zion, *

verkündet unter den Völkern seine Taten!

Denn er, der jede Blutschuld rächt, denkt an die Armen, *

und ihren Notschrei vergisst er nicht.

Sei mir gnädig in meiner Not; *

Herr, sieh doch, wie sie mich hassen!


189

Montag, 18. Oktober · Morgen

Führ mich herauf von den Pforten des Todes, /

damit ich all deinen Ruhm verkünde in den Toren von Zion *

und frohlocke, weil du mir hilfst.

Völker versanken in der Grube, die sie selber gegraben; *

im Netz, das sie heimlich gelegt, hat ihr Fuß sich verfangen.

Kundgetan hat sich der Herr: Er hielt sein Gericht; *

im eigenen Werk hat sich der Frevler verstrickt.

Hinabfahren müssen die Frevler zum Totenreich, *

alle Heiden, die Gott vergessen.

Doch der Arme ist nicht auf ewig vergessen, *

des Elenden Hoffnung ist nicht für immer verloren.

Erheb dich, Herr, damit nicht der Mensch triumphiert, *

damit die Völker gerichtet werden vor deinem Angesicht.

Wirf Schrecken auf sie, o Herr! *

Erkennen sollen die Völker: Sie sind nur Menschen.

Ehre sei dem Vater ...

Du denkst an die Armen, Gott, ihre Not vergisst du nicht. Dein

Lob wollen wir singen, den Menschen deine Taten verkünden.

Lesung Weish 11, 23–24a

Herr, du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst,

und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit

sie sich bekehren. Du liebst alles, was ist, und verabscheust

nichts von allem, was du gemacht hast.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Lukas, ein Bote des Evangeliums, hat uns Christus verkündet,

das Licht, das aufstrahlt aus der Höhe.


Eucharistie · Montag, 18. Oktober 190

Bitten

Lukas hat uns besonders Jesu Liebe zu den Menschen verkündet.

Darum lasst uns rufen:

V: Christus Jesus, A: höre unsere Bitten.

– Entfalte in uns die heilende Kraft deiner Zuwendung zu den

Menschen.

– Nimm uns die Scheu, uns der Außenseiter und Benachteiligten

anzunehmen.

– Lass durch die Gesänge, die Lukas uns überliefert hat, immer

neu das Lob des Vaters in uns erklingen.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, du hast den Evangelisten Lukas auserwählt,

in Wort und Schrift das Geheimnis deiner Liebe zu den Armen

zu verkünden. Gib, dass alle, die sich Christen nennen, ein

Herz und eine Seele sind, und lass alle Völker der Erde das Heil

schauen, das du ihnen bereitet hast. Darum bitten wir durch

Christus, unseren Herrn.

Unser Heiland Jesus Christus

öffne uns Augen, Ohren und Herz,

damit wir in seinem Sinne handeln.

Gloria

Eucharistiefeier

Willkommen ist der Freudenbote,

der den Frieden ankündigt,

der gute Nachricht bringt und die Rettung verheißt.

Jes 52, 7


191

Montag, 18. Oktober · Eucharistie

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem zweiten Timotheusbrief 2 Tim 4, 10–17b

Mein Sohn! Demas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen

und ist nach Thessalonich gegangen; Kreszenz ging

nach Galatien, Titus nach Dalmatien. Nur Lukas ist noch bei

mir.

Bring Markus mit, denn er wird mir ein guter Helfer sein.

Tychikus habe ich nach Ephesus geschickt. Wenn du kommst,

bring den Mantel mit, den ich in Troas bei Karpus gelassen

habe, auch die Bücher, vor allem die Pergamente.

Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses getan; der Herr

wird ihm vergelten, wie es seine Taten verdienen. Nimm auch

du dich vor ihm in Acht, denn er hat unsere Lehre heftig bekämpft.

Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten;

alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht

angerechnet werden.

Aber der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit

durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden

sie hören.

Impuls zur Lesung

Wer war Paulus? Ein religiöser Feuerkopf, ein frommer Unruhegeist,

der Menschen begeistern, aber auch vor den Kopf

stoßen konnte, der liebevolle und zärtliche Worte zu finden

vermochte, aber auch harte Konflikte nicht gescheut hat. Paulus,

aus dem hellenistischen Judentum in Tarsus stammender

Pharisäer mit römischem Bürgerrecht, Zeuge des e i n e n

Gottes und Apostel Jesu Christi, passt in kein Klischee. Eine

prägende Lebenswende hat Paulus erfahren, doch ist er alles

andere als ein Wendehals. Zweifellos führte er sein Leben konsequent

im Zeichen der Einheit von Gottes- und Menschenliebe.

Wie die Propheten Jeremia und Jesaja weiß er sich vom

Mutterleib an gerufen, Gottes Bote zu sein. Christus selbst hat


Eucharistie · Montag, 18. Oktober 192

ihn neu auf den Weg geschickt, von Stadt zu Stadt, von Land zu

Land. Wer war Paulus? Die heutige Brieflesung zeigt uns einen

Menschen, der sich für die Menschen verausgabt und gerade

so Gott die Ehre gibt.

Antwortpsalm

Ps 145, 10–13b.17–18

Kehrvers:

Deine Heiligen, o Herr, künden von der Herrlichkeit deines Königtums.

Danken sollen dir, Herr, all deine Werke *

und deine Frommen dich preisen.

Sie sollen von der Herrlichkeit deines Königtums reden, *

sollen sprechen von deiner Macht. – Kehrvers

Sie sollen den Menschen

deine machtvollen Taten verkünden *

und den herrlichen Glanz deines Königtums.

Dein Königtum ist ein Königtum für ewige Zeiten, *

deine Herrschaft währt

von Geschlecht zu Geschlecht. – Kehrvers

Gerecht ist der Herr in allem, was er tut, *

voll Huld in all seinen Werken.

Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, *

allen, die zu ihm aufrichtig rufen. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 12a, ferner GL 454 oder KG 36 (VI. Ton)

oder GL 1975 529, 6 (II. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Joh 15, 16

Halleluja. Halleluja.

So spricht der Herr: Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt,

dass ihr Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.

Halleluja.


193

Montag, 18. Oktober · Eucharistie

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 10, 1–9

In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger

aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften,

in die er selbst gehen wollte.

Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig

Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte

auszusenden.

Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.

Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine

Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem

Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird

der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls

wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und

trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht

auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!

Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so

esst, was man euch vorsetzt. Heilt die Kranken, die dort sind,

und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.

Gabengebet

Herr, unser Gott, heile unsere Schwächen in diesem Opfer, das

wir am Fest des heiligen Lukas feiern, und gib uns durch das

heilige Sakrament die Kraft, dir in Freiheit zu dienen und zur

unvergänglichen Herrlichkeit zu gelangen. Darum bitten wir

durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu

danken durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn hast

du die Kirche auf das Fundament der Apostel gegründet, damit

sie bis ans Ende der Tage fortbestehe als Zeichen deiner Herrlichkeit

und allen Menschen die Botschaft des Heiles verkünde.

Darum preisen wir das Werk deiner Liebe und singen mit den

Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.


Abend · Montag, 18. Oktober 194

Kommunionvers Lk 10, 1.9

Der Herr schickte seine Jünger voraus in alle Städte und trug

ihnen auf, zu verkündigen: Das Reich Gottes ist euch nahe.

Schlussgebet

Allmächtiger Gott, das Brot des Lebens, das wir von deinem Altar

empfangen haben, heilige uns. Es festige uns im Glauben an

die Frohe Botschaft, die der heilige Lukas verkündet hat. Darum

bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Der allmächtige Gott segne euch durch unseren Herrn Jesus

Christus, der seine Kirche auf das Fundament der Apostel gegründet

hat.

Der heilige Lukas hat mit Freimut das Evangelium Christi verkündet;

Gott stärke euch durch seine Botschaft zum Zeugnis für

die Wahrheit.

Das Beispiel der Apostel festige euch im Glauben, ihre Fürsprache

geleite euch zur ewigen Heimat.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Innehalten am Abend

Freunde finden ist leicht.

Sie behalten schwer.

Aus Russland


195

Montag, 18. Oktober · Abend

• Welche Freundschaften sind mir „abhandengekommen“?

• Wie kann ich eine Freundschaft wiederbeleben – und den

ersten Schritt gehen?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Von Lob erschalle hoch erfreut

der Himmel und die Erde heut;

in hehrem Lied mach jeder Mund

die Ehre der Apostel kund.

Ihr Leuchten für die Christenwelt,

vom Herrn als Richter aufgestellt,

erhebet unsres Herzens Flehn

zu Gott dem Vater in den Höhn.

In Jesu Namen schließet ihr

und machet auf des Himmels Tür;

nehmet durch Jesu Gnadenwort

von uns das Band der Sünden fort.

Durch Gottes Kraft, die euch verliehn,

macht euer Wort die Krankheit fliehn;

belebt auch unsren trägen Sinn

und lenket ihn zum Himmel hin,

dass, wenn die Zeit ihr End erreicht

und Christus sich als Richter zeigt,

auch wir uns ewig hoch erfreun,

teilhaftig eures Lohns zu sein.

Dem Vater und zugleich dem Sohn,

dir, Tröster Geist auf Gottes Thron,

sei Lob und Dank und Preis geweiht

von nun an bis in Ewigkeit.

Joseph Mohr, nach: Exsultet orbis gaudiis, 10. Jahrhundert

KG 788 · Alternative Melodie: GL 339


Abend · Montag, 18. Oktober 196

Canticum vgl. Eph 1, 3–10

Antiphon:

Das Geheimnis seines Willens hat Gott uns kundgetan: in der

Fülle der Zeiten alles in Christus zu vereinen.

Gepriesen sei Gott, *

der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus.

Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet *

durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel.

Denn in ihm hat er uns erwählt

vor der Erschaffung der Welt, *

damit wir heilig und untadelig leben vor Gott;

er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, *

seine Söhne zu werden durch Jesus Christus

und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, *

zum Lob seiner herrlichen Gnade.

Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn; /

durch sein Blut haben wir die Erlösung,

die Vergebung der Sünden *

nach dem Reichtum seiner Gnade.

Durch sie hat er uns reich beschenkt *

mit aller Weisheit und Einsicht

und hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, *

wie er es gnädig im Voraus bestimmt hat:

die Fülle der Zeiten heraufzuführen in Christus *

und alles, was im Himmel und auf Erden ist,

in ihm zu vereinen.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung 2 Kor 1, 3–5

Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn,

der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tröstet

uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle


197

Montag, 18. Oktober · Abend

zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir

von Gott getröstet werden. Wie uns nämlich die Leiden Christi

überreich zuteilgeworden sind, so wird uns durch Christus

auch überreicher Trost zuteil.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

In seinem heiligen Bericht hat Lukas uns Christi Güte und Erbarmen

bezeugt, darum preist ihn heute die ganze Kirche.

Fürbitten

Gott der Völker, als gottesfürchtiger Heide ist Lukas zum Glauben

an deinen Sohn Christus Jesus gekommen. Wir rufen zu

dir:

A: Lass alle Menschen zu dir finden.

Segne dein Volk Israel;

– gib allen Juden den Mut, deine Güte und Treue in unserer

Welt zu bezeugen.

Stärke den Papst und die Bischöfe in deinem Dienst;

– schenke ihnen Worte, die die Menschen in ihrer Lebenswelt

erreichen.

Steh den Ärzten in ihrer Sorge um die Gesundheit ihrer Patienten

zur Seite;

– hilf ihnen, eine Atmosphäre des Vertrauens und Angenommenseins

zu schaffen.

Bewege die Herzen der Künstler;

– lass sie die Geheimnisse des Lebens in wahrhaftiger und anrührender

Weise zum Ausdruck bringen.

Nimm unsere Verstorbenen bei der Hand

– und lass sie auf ewig dein Angesicht schauen.

Vaterunser


Abend · Montag, 18. Oktober 198

Oration

Herr, unser Gott, du hast den Evangelisten Lukas auserwählt,

in Wort und Schrift das Geheimnis deiner Liebe zu den Armen

zu verkünden. Gib, dass alle, die sich Christen nennen, ein

Herz und eine Seele sind, und lass alle Völker der Erde das Heil

schauen, das du ihnen bereitet hast. Darum bitten wir durch

Christus, unseren Herrn.

Salve Regina (Seite 379)

Gnade sei mit uns und Friede

von Gott, unserem Vater,

und dem Herrn Jesus Christus.

Vgl. 1 Kor 1, 3


Dienstag, 19. Oktober 2021

Heiliger Johannes de Brébeuf, heiliger Isaak

Jogues und Gefährten

Heiliger Paul vom Kreuz

Johannes de Brébeuf und Isaak Jogues gehörten zu den ersten

Märtyrern Nordamerikas, die 1930 heiliggesprochen wurden.

Der Jesuit Jean de Brébeuf (1593–1649) ging 1625 nach Kanada,

um den Indianerstamm der Huronen zu missionieren. Er baute

dort die ersten Missionsstationen der Jesuiten auf. Er verfasste ein

Wörterbuch, eine Grammatik und einen Katechismus in der Sprache

der Huronen. Nach einem Überfall auf eine Huronenmissionsstation

durch die Irokesen erlitt er mit einigen Gefährten einen

qualvollen Tod am Marterpfahl.

Auch der Jesuit Isaak Jogues (1607–1646) kam als Indianermissionar

nach Kanada (1636). Er wirkte dort am Huron-See in

Missionsstationen, die Jean de Brébeuf gegründet hatte. Auch er

wurde von Irokesen gefangen genommen und gefoltert. Es gelang

ihm, viele seiner Peiniger zu bekehren und zu taufen. Nach langer

qualvoller Gefangenschaft konnte er fliehen und nach Frankreich

zurückkehren. Schon ein Jahr später ging er wieder nach Kanada

und wurde mit der Vermittlung zwischen den Franzosen und dem

Indianerstamm der Mohawks betraut. Nach anfänglichen Erfolgen

kam es zu erneuten Konflikten, bei denen er gefangen genommen

und von Mohawks nach grausamer Marter erschlagen wurde.

Schrifttexte: Lesung: 2 Kor 4, 7–15; Evangelium: Mt 28, 16–20

Paul vom Kreuz (1694–1775) war mystisch begnadet und einer

der erfolgreichsten Prediger des 18. Jahrhunderts. Als Neunzehnjähriger

erkannte er seine Berufung. Er begann ein Leben

voll strenger Bußpraktiken. 1725 ging er nach Rom und erhielt

von Papst Benedikt XIII. mündlich die Erlaubnis, Gefährten um

sich zu sammeln. 1727 wurde er zum Priester geweiht. 1731 erteilte

ihm Papst Klemens XII. die Erlaubnis zur Missionspredigt.

1737 entstand in Orbetello die erste Niederlassung der von ihm


Morgen · Dienstag, 19. Oktober 200

gegründeten „Kongregation vom Leiden Christi“ (Passionisten),

deren Mitglieder (Priester und Laienbrüder) Gebet und Predigt,

Kontemplation und aktives apostolisches Leben miteinander verbinden.

Die von Paul verfasste Ordensregel wurde zunächst wegen

ihrer großen Strenge vom Papst abgelehnt und erst später in einer

milderen Fassung genehmigt. 1771 entstand das erste Kloster des

weiblichen Zweigs, der Passionistinnen. Die Leidensmystik Pauls

war von der spätmittelalterlichen Mystik geprägt und ließ ihn bis

zu seinem Tod in unerbittlicher Strenge gegen sich selbst leben.

Schrifttexte: Lesung: 1 Kor 1, 18–25; Evangelium: Mt 16, 24–27

Namenstag: hl. Frideswida von Oxford (Frieda, Klostergründerin,

† 735) · sel. Jerzy Popiełuszko (poln. Priester im Widerstand gegen

das kommunistische Regime, Märtyrer, † 1984)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Lass mich, o Herr, in allen Dingen

auf deinen Willen sehn und dir mich weihn;

gib selbst das Wollen und Vollbringen

und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.

Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;

dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

Gib meinem Glauben Mut und Stärke

und lass ihn in der Liebe tätig sein,

dass man an seinen Früchten merke,

er sei kein eitler Traum und falscher Schein.

Er stärke mich in meiner Pilgerschaft

und gebe mir zum Kampf und Siege Kraft.


201

Dienstag, 19. Oktober · Morgen

Lass mich, solang ich hier soll leben,

in gut und bösen Tagen sein vergnügt

und deinem Willen mich ergeben,

der mir zum Besten alles weislich fügt;

gib Furcht und Demut, wann du mich beglückst,

Geduld und Trost, wann du mir Trübsal schickst.

Ach, hilf mir beten, wachen, ringen,

so will ich dir, wenn ich den Lauf vollbracht,

stets Dank und Ruhm und Ehre bringen,

dir, der du alles hast so wohl gemacht.

Dann werd ich heilig, rein und dir geweiht,

dein Lob verkündigen in Ewigkeit.

Georg Joachim Zollikofer 1766

EG 414

Canticum

Tob 13, 2–5b.7c–9

Antiphon:

Preist den Herrn der Gerechtigkeit, rühmt den ewigen König.

Gepriesen sei Gott, der in Ewigkeit lebt, *

sein Königtum sei gepriesen!

Er züchtigt und hat auch wieder Erbarmen, /

er führt hinab in die Unterwelt

und führt auch wieder zum Leben. *

Niemand kann seiner Macht entfliehen.

Bekennt euch zu ihm vor allen Völkern, ihr Kinder Israels, *

denn er selbst hat uns unter die Völker zerstreut.

Verkündet dort seine erhabene Größe, *

preist ihn laut vor allem, was lebt.

Denn er ist unser Herr und Gott, *

er ist unser Vater in alle Ewigkeit.

Er züchtigt uns wegen unsrer Sünden, *

doch hat er auch wieder Erbarmen.


Morgen · Dienstag, 19. Oktober 202

Preist den Herrn der Gerechtigkeit, *

rühmt den ewigen König!

Ich bekenne mich zum Herrn im Land der Verbannung, *

ich bezeuge den Sündern seine Macht und erhabene Größe.

Kehrt um, ihr Sünder; /

tut, was recht ist in seinen Augen! *

Vielleicht ist er gnädig und hat mit euch Erbarmen.

Ich will meinen Gott rühmen, den König des Himmels, *

meine Seele freut sich über die erhabene Größe meines Gottes.

Ehre sei dem Vater ...

Antiphon:

Preist den Herrn der Gerechtigkeit, rühmt den ewigen König.

Lesung

Röm 13, 11b–13a

Die Stunde ist gekommen, sich vom Schlaf zu erheben. Denn

jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig

wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst

uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen

des Lichts! Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Einen starken Retter hat der Herr uns erweckt, wie er verheißen

hat durch den Mund seiner Propheten.

Bitten

Gepriesen sei Gott, der uns an seinen Tisch ruft und uns dienen

will. Ihn lasst uns bitten:

A: Halte uns wach für dein Kommen.

Unsern Gürtel lass uns nicht ablegen,

– damit wir bereit sind, dorthin zu gehen, wo du uns brauchst.

Unsere Lampen lass uns nicht ausgehen,


203

Dienstag, 19. Oktober · Eucharistie

– damit wir den Menschen leuchten, die dich suchen.

An der Tür lass uns auf dich warten,

– damit wir dir öffnen, wenn du anklopfst.

Vaterunser

Oration

Herr, neige dein Ohr und vernimm das Morgengebet deiner

Gläubigen. Erhelle und heile, was in der Tiefe unseres Herzens

krank ist, damit kein Begehren uns in seinem Bann gefangen

hält, die wir erleuchtet wurden durch das Licht der himmlischen

Gnade. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Barmherziger Gott, du selber weckst in uns das Verlangen, dir

zu dienen. Heilige uns durch Werke der Buße, erleuchte und

stärke uns, damit wir treu den Weg deiner Gebote gehen. Darum

bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Römerbrief Röm 5, 12.15b.17–19.20b–21

Schwestern und Brüder! Durch einen einzigen Menschen

kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod,

und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil

alle sündigten.

Sind durch die Übertretung des einen die vielen dem Tod anheimgefallen,

so ist erst recht die Gnade Gottes und die Gabe,

die durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus

bewirkt worden ist, den vielen reichlich zuteilgeworden.


Eucharistie · Dienstag, 19. Oktober 204

Ist durch die Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft

gekommen, durch diesen einen, so werden erst recht alle, denen

die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteilwurde,

leben und herrschen durch den einen, Jesus Christus.

Wie es also durch die Übertretung eines Einzigen für alle

Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die

gerechte Tat eines Einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung

kommen, die Leben gibt. Wie durch den Ungehorsam

des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden

auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten

gemacht werden.

Wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß

geworden. Denn wie die Sünde herrschte und zum Tod

führte, so soll auch die Gnade herrschen und durch Gerechtigkeit

zu ewigem Leben führen, durch Jesus Christus, unseren

Herrn.

Antwortpsalm Ps 40, 7–10.17

Kehrvers:

Mein Gott, ich komme; deinen Willen zu tun, macht mir Freude.

An Schlacht- und Speiseopfern hast du kein Gefallen, *

Brand- und Sündopfer forderst du nicht.

Doch das Gehör hast du mir eingepflanzt; /

darum sage ich: Ja, ich komme. *

In dieser Schriftrolle steht,

was an mir geschehen ist. – Kehrvers

Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude, *

deine Weisung trag ich im Herzen.

Gerechtigkeit verkünde ich in großer Gemeinde, *

meine Lippen verschließe ich nicht;

Herr, du weißt es. – Kehrvers

Alle, die dich suchen, frohlocken; *

sie mögen sich freuen in dir.


205

Dienstag, 19. Oktober · Eucharistie

Die dein Heil lieben, sollen immer sagen: *

Groß ist Gott, der Herr. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Verse 8a.9a, ferner GL 31, 1 (IV. Ton)

oder GL 1975 528, 1 · KG 794 (I. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Lk 21, 36

Halleluja. Halleluja.

Wacht und betet allezeit, damit ihr hintreten könnt vor den

Menschensohn.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 12, 35–38

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Legt euren Gürtel

nicht ab, und lasst eure Lampen brennen! Seid wie Menschen,

die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit

ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft.

Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt!

Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz

nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.

Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache

und findet sie wach – selig sind sie.

Impuls zum Evangelium

Sept sur sept (sieben von sieben), das habe ich in den 80er-

Jahren in Paris kennengelernt. In der Bundesrepublik herrschten

damals rigide Ladenschlusszeiten. Diese Entgrenzung ist

in Zeiten des Internets zur Normalität geworden. Es geht rund;

rund um die Uhr. Das mit einem Gürtel geraffte lange Untergewand

signalisierte in der Welt Jesu: bei der Arbeit. Die

Nacht, die um sechs Uhr abends mit dem Entzünden der Lampe

beginnt, teilt Lukas in drei vierstündige Wachen ein. Wie

die Hirten in der Heiligen Nacht die erste Ankunft des Herrn

nicht verschliefen (Lk 2, 8), so sollen die Jünger und Jüngerinnen

seine zweite Ankunft wach erwarten. Und dann? Von


Abend · Dienstag, 19. Oktober 206

ihrem Herrn bedient zu werden, davon konnten die treuesten

der treuen Diener nicht träumen. Und dennoch wird es ihnen

hier verheißen. Das Reich Gottes verändert die Welt.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Man lässt sich gewöhnlich lieber durch Gründe überzeugen,

die man selbst gefunden hat, als durch solche, die andern zu

Sinn gekommen sind.

Blaise Pascal (Naturwissenschaftler und christlicher Mystiker, 1623–1662)

• Wie offen bin ich für die Argumente anderer, gerade wenn

ich mir meiner Sache recht sicher bin?

• Was hilft mir, andere Argumente anzuhören und zu erwägen?

Confiteor (Seite 17), Erbarme dich (Seite 52) – oder:

V: Wie lange noch, Herr? Willst du auf ewig zürnen?

A: Wie lange noch wird dein Eifer lodern wie Feuer?

V: Rechne uns die Schuld nicht an!

A: Mit deinem Erbarmen komm uns eilends entgegen!

V: Um der Ehre deines Namens willen hilf uns, du Gott unsres

Heils!

A: Um deines Namens willen reiß uns heraus und vergib uns

die Sünden!

Vgl. Ps 79, 5–9


207

Dienstag, 19. Oktober · Abend

Hymnus

Bevor des Tages Licht vergeht,

o Herr der Welt, hör dies Gebet:

Behüte uns in dieser Nacht

durch deine große Güt’ und Macht.

Hüllt Schlaf die müden Glieder ein,

lass uns in dir geborgen sein

und mach am Morgen uns bereit

zum Lobe deiner Herrlichkeit.

Dank dir, o Vater, reich an Macht,

der über uns voll Güte wacht

und mit dem Sohn und Heil’gen Geist

des Lebens Fülle uns verheißt. Amen.

1. Strophe nach: Te lucis ante terminum; 5.–6. Jahrhundert

2. Strophe nach: Christe precamur, adnue; 6. Jahrhundert

Melodie: GL 663 · GL 1975 696 · KG 284 – alternative Melodie: EG 469

Psalm 13 Verse 2–6

Wie lange noch, Herr, vergisst du mich ganz? *

Wie lange noch verbirgst du dein Gesicht vor mir?

Wie lange noch muss ich Schmerzen ertragen

in meiner Seele, /

in meinem Herzen Kummer Tag für Tag? *

Wie lange noch darf mein Feind über mich triumphieren?

Blick doch her, erhöre mich, Herr, mein Gott, *

erleuchte meine Augen, damit ich nicht entschlafe und sterbe,

damit mein Feind nicht sagen kann: *

„Ich habe ihn überwältigt“,

damit meine Gegner nicht jubeln, *

weil ich ihnen erlegen bin.

Ich aber baue auf deine Huld, *

mein Herz soll über deine Hilfe frohlocken.


Abend · Dienstag, 19. Oktober 208

Singen will ich dem Herrn, *

weil er mir Gutes getan hat.

Ehre sei dem Vater ...

Blick doch her, erhöre uns, Gott! Wie lange noch verbirgst du

dich? Komm, erleuchte unsere Augen, sei uns nah mit deinem

Licht.

Lesung 1 Kor 15, 22–23

Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig

gemacht werden. Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge:

Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt,

alle, die zu ihm gehören.

Nunc dimittis – Lobgesang des Simeon

Antiphon zum Nunc dimittis:

Sei unser Heil, o Herr, wenn wir wachen, und unser Schutz,

wenn wir schlafen; damit wir wachen mit Christus und ruhen

in seinem Frieden.

Fürbitten

Gepriesen sei der Gott Israels, denn seine Huld währt ewig. Zu

ihm lasst uns beten:

A: Kyrie, eleison.

Für alle, die nach dem Sinn ihres Lebens suchen;

– lass sie deine Gegenwart erfahren.

Für die Angehörigen der Weltreligionen,

– dass sie gemeinsam dem Frieden dienen.

Für diejenigen unter uns, die ihren Mitmenschen übel mitspielen;

– dass sie ihren Irrtum erkennen und von ihrem Tun ablassen.

Für alle Verstorbenen, die in ihrem Leben nicht zu dir gefunden

haben;


209

Dienstag, 19. Oktober · Abend

– lass keinen noch so kleinen Keim des Glaubens verloren sein.

Vaterunser

Oration

Herr, gütiger Vater, sei du unsere Leuchte im Dunkel der Nacht.

Gib, dass wir in Frieden schlafen, damit wir uns beim Anbruch

des neuen Tages in deinem Namen freudig erheben. Darum bitten

wir durch Christus, unseren Herrn.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Mittwoch, 20. Oktober 2021

Heiliger Wendelin

Wendelin war der Überlieferung nach ein iroschottischer Königssohn,

der um die Mitte des sechsten Jahrhunderts auf

der Suche nach einem Ort, an dem er Gott dienen konnte, bis nach

Trier kam. Die zahlreichen Legenden, die sich um seine Person

ranken, verdunkeln das historische Bild. So soll er in den Vogesen

zunächst als Hirte und später als Einsiedler gelebt haben. Ungewiss

ist, ob er tatsächlich Gründer und Abt des Klosters Tholey (Saarland)

war. Der Ort St. Wendel, wo sein Grab um das Jahr 1000

bezeugt ist, verdankt ihm seinen Namen.

Schrifttexte: Lesung: 1 Kor 1, 26–31; Evangelium: Mt 19, 27–29

Namenstag: hl. Cornelius (biblische Gestalt) · hl. Vitalis von Salzburg

(Benediktiner, Bischof, Glaubensbote im Pinzgau, † um 730) · Johanna

Merzenich (Ordensfrau, † 1652) · sel. Jakob Franz Kern (österr.

Prämonstratenser, † 1924)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Selig sind, die Armut leben,

die ein Lied vom Himmel singen.

Selig sind, die Trauer tragen,

die im Tod das Leben finden.

Selig sind, die Ohnmacht wagen,

die ihr Land ins Morgen führen.


211

Mittwoch, 20. Oktober · Morgen

Selig sind, die Hunger leiden,

die im Schrei gesättigt werden.

Selig sind, die hier verzeihen,

die ein Licht der Hoffnung werden.

Selig sind die tief Verletzten,

die der Welt die Wunden heilen.

Selig sind, die Frieden stiften,

die den Hass mit Liebe binden.

Selig sind, die weitersehen,

Gottes Namen weitertragen.

Text: Thomas Laubach; Musik: Thomas Quast,

aus: Gib der Hoffnung ein Gesicht, 1989,

alle Rechte im tvd-Verlag, Düsseldorf

Psalm 18 Verse 8–20

Es wankte und schwankte die Erde, /

die Grundfesten der Berge erbebten. *

Sie wankten, denn sein Zorn war entbrannt.

Rauch stieg aus seiner Nase auf, /

aus seinem Mund kam verzehrendes Feuer, *

glühende Kohlen sprühten aus von ihm.

Er neigte den Himmel und fuhr herab, *

zu seinen Füßen dunkle Wolken.

Er fuhr auf dem Kerub und flog daher; *

er schwebte auf den Flügeln des Windes.

Er hüllte sich in Finsternis, *

in dunkles Wasser und dichtes Gewölk wie in ein Zelt.

Von seinem Glanz erstrahlten die Wolken, *

Hagel fiel nieder und glühende Kohlen.

Da ließ der Herr den Donner im Himmel erdröhnen, *

der Höchste ließ seine Stimme erschallen.

Er schoss seine Pfeile und streute sie, *

er schleuderte Blitze und jagte sie dahin.


Morgen · Mittwoch, 20. Oktober 212

Da wurden sichtbar die Tiefen des Meeres, *

die Grundfesten der Erde wurden entblößt

vor deinem Drohen, Herr, *

vor dem Schnauben deines zornigen Atems.

Er griff aus der Höhe herab und fasste mich, *

zog mich heraus aus gewaltigen Wassern.

Er entriss mich meinen mächtigen Feinden, *

die stärker waren als ich und mich hassten.

Sie überfielen mich am Tag meines Unheils, *

doch der Herr wurde mein Halt.

Er führte mich hinaus ins Weite, *

er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.

Ehre sei dem Vater ...

Gepriesen bist du, Herrscher des Alls: du erhebst dich gegen die

Starken und schaffst den Schwachen weiten Raum. Öffne uns

Augen und Ohren, dass wir merken, wo du unsere Stimme und

unser mutiges Handeln brauchst.

Lesung

Tob 4, 15a.16a.18–19a

Was dir selbst verhasst ist, das mute auch einem anderen

nicht zu! Gib dem Hungrigen von deinem Brot und dem

Nackten von deinen Kleidern. Such nur bei Verständigen Rat;

einen brauchbaren Ratschlag verachte nicht! Preise Gott, den

Herrn, zu jeder Zeit; bitte ihn, dass dein Weg geradeaus führt

und dass alles, was du tust und planst, ein gutes Ende nimmt.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Vollende an uns dein Erbarmen, o Herr, und denk an deinen

heiligen Bund.


213

Mittwoch, 20. Oktober · Eucharistie

Bitten

Gepriesen sei Gott, der uns neues Leben schenken will. Zu ihm

lasst uns rufen:

A: Überwinde unsere Grenzen.

– Dass wir dich nicht überhören, wenn du heute zu uns sprichst.

– Dass wir unsere Mitmenschen durch ein tröstendes Wort

oder einen tauglichen Rat ermutigen.

– Dass wir sehen, wo es gerade auf uns und unsere Fähigkeiten

ankommt.

Vaterunser

Oration

Erhöre uns, Gott, unser Heiland, und gib, dass wir in deinem

Lichte leben und die Wahrheit tun; denn als Kinder des Lichtes

sind wir aus dir geboren. Mache uns zu deinen Zeugen unter

den Menschen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Herr, unser Gott, sende uns den Geist der Einsicht, der Wahrheit

und des Friedens. Lass uns erkennen, was du von uns verlangst,

und gib uns die Bereitschaft, einmütig zu erfüllen, was

wir als deinen Auftrag erkannt haben. Darum bitten wir durch

Jesus Christus.


Eucharistie · Mittwoch, 20. Oktober 214

Lesung aus dem Römerbrief Röm 6, 12–18

Schwestern und Brüder! Die Sünde soll euren sterblichen Leib

nicht mehr beherrschen, und seinen Begierden sollt ihr nicht

gehorchen. Stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung

als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch Gott zur

Verfügung als Menschen, die vom Tod zum Leben gekommen

sind, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit in den

Dienst Gottes. Die Sünde soll nicht über euch herrschen; denn

ihr steht nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.

Heißt das nun, dass wir sündigen dürfen, weil wir nicht unter

dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs! Ihr

wisst doch: Wenn ihr euch als Sklaven zum Gehorsam verpflichtet,

dann seid ihr Sklaven dessen, dem ihr gehorchen müsst; ihr

seid entweder Sklaven der Sünde, die zum Tod führt, oder des

Gehorsams, der zur Gerechtigkeit führt.

Gott aber sei Dank; denn ihr wart Sklaven der Sünde, seid

jedoch von Herzen der Lehre gehorsam geworden, an die ihr

übergeben wurdet. Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit

und seid zu Sklaven der Gerechtigkeit geworden.

Impuls zur Lesung

Befreiung? Geht das überhaupt, in dieser unserer verdrehten

Menschenwelt? In meinem Leben? Oder gibt es, realistisch gesehen,

immer nur eine Art Herrschaftswechsel: Früher habe

ich das geglaubt, an diese Götter und Gurus, heute glaube

ich an andere Helden und Heilsbringer. Paulus spricht hier,

eigentlich eine veritable Provokation, vom Wechsel unseres

Lebens als „Sklaven der Sünde“ zur neuen Existenz als „Sklaven

der Gerechtigkeit“. Die identische Wortwahl (Sklave bleibt

Sklave) provoziert – und soll es. Wo Gott der Herr ist, wo Gerechtigkeit

herrscht, da fallen alle Herrschaftsverhältnisse wie

Kartenhäuser zusammen. Da wird der Mensch, der den Herrschaftswechsel

wagt, von innen her frei. Und das hat ungeahnte

Folgen – für unsere so oft furchtbar verdrehte, ungerechte

Menschenwelt.


215

Mittwoch, 20. Oktober · Eucharistie

Antwortpsalm Ps 124

Kehrvers:

Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn.

Hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt *

– so soll Israel sagen –,

hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt, *

als sich gegen uns Menschen erhoben. – Kehrvers

Sie hätten uns lebendig verschlungen, *

als gegen uns ihr Zorn entbrannt war.

Dann hätten die Wasser uns weggespült, *

hätte sich über uns ein Wildbach ergossen. – Kehrvers

Die Wasser hätten sich über uns ergossen, *

die wilden und wogenden Wasser.

Gelobt sei der Herr, *

der uns nicht ihren Zähnen als Beute überließ. – Kehrvers

Unsre Seele ist wie ein Vogel

dem Netz des Jägers entkommen; *

das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.

Unsre Hilfe steht im Namen des Herrn, *

der Himmel und Erde gemacht hat. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 8a, ferner GL 60, 1 (VI. Ton)

oder GL 1975 528, 2 · KG 385, 7 (IV. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Mt 24, 42a.44

Halleluja. Halleluja.

Seid wachsam und haltet euch bereit! Denn der Menschensohn

kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 12, 39–48

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Bedenkt: Wenn

der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb


Abend · Mittwoch, 20. Oktober 216

kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.

Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn

kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur

uns oder auch all die anderen?

Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter,

den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde

zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt?

Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn

er kommt! Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter

seines ganzen Vermögens machen.

Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange

nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen;

wenn er isst und trinkt und sich berauscht, dann wird der

Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet,

und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird

ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen

zuweisen.

Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber

nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele

Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu

kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge

bekommen.

Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert

werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man

umso mehr verlangen.

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


217

Mittwoch, 20. Oktober · Abend

Innehalten am Abend

In Not gegeben ist doppelt gegeben.

Aus der Ukraine

• Habe ich oder jemand aus meiner Familie diese Erfahrung

von Hilfe in der Not machen können?

• Wer ist heute in Not – wem könnte ich helfen?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Du Gott des Himmels, heil’ger Herr,

du hast das hohe Firmament

durch der Gestirne lichte Zier

mit feuerfarbnem Glanz geschmückt.

Du schufst am vierten Schöpfungstag

der Sonne goldnes Flammenrad,

du gabst dem Monde sein Gesetz,

den Sternen wiesest du die Bahn.

Und wie die Sonne steigt und sinkt,

so wird es Tag, so wird es Nacht;

und Mond und Sterne machen kund

den Wechsel und das Maß der Zeit.

Erleuchte, Herr, auch unser Herz.

Wir sind befleckt; mach du uns rein.

Zerbrich die Ketten unsrer Schuld

und nimm von uns des Bösen Last.

Dies schenk uns, Vater voller Macht,

und du, sein Sohn und Ebenbild,

die ihr in Einheit mit dem Geist

die Schöpfung zur Vollendung führt. Amen.

Nach: Caeli Deus sanctissime; 7.–8. Jahrhundert

Melodie: GL 90 · GL 1975 704 · KG 679 · EG 469


Abend · Mittwoch, 20. Oktober 218

Psalm 27 Verse 1–6

Der Herr ist mein Licht und mein Heil: *

Vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist die Kraft meines Lebens: *

Vor wem sollte mir bangen?

Dringen Frevler auf mich ein, *

um mich zu verschlingen,

meine Bedränger und Feinde, *

sie müssen straucheln und fallen.

Mag ein Heer mich belagern: *

Mein Herz wird nicht verzagen.

Mag Krieg gegen mich toben: *

Ich bleibe dennoch voll Zuversicht.

Nur eines erbitte ich vom Herrn, *

danach verlangt mich:

Im Haus des Herrn zu wohnen *

alle Tage meines Lebens,

die Freundlichkeit des Herrn zu schauen *

und nachzusinnen in seinem Tempel.

Denn er birgt mich in seinem Haus *

am Tage des Unheils;

er beschirmt mich im Schutz seines Zeltes, *

er hebt mich auf einen Felsen empor.

Nun kann ich mein Haupt erheben *

über die Feinde, die mich umringen.

Ich will Opfer darbringen in seinem Zelt, Opfer mit Jubel; *

dem Herrn will ich singen und spielen.

Ehre sei dem Vater ...

Gott, du Kraft unseres Lebens, wie leicht verlässt uns der Mut.

Lass uns zu Hause sein bei dir, damit wir neu erstarken und

unseren Mitmenschen die Nahrung geben, die sie brauchen.


219

Mittwoch, 20. Oktober · Abend

Lesung Jak 1, 22.25

Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst

betrügt ihr euch selbst. Wer sich in das vollkommene Gesetz

der Freiheit vertieft und an ihm festhält, wer es nicht nur

hört, um es wieder zu vergessen, sondern danach handelt, der

wird durch sein Tun selig sein.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Großes hat an mir getan der Mächtige, sein Name ist heilig.

Fürbitten

Gelobt sei Gott, der uns ruft, seinem Frieden den Weg zu bereiten.

Zu ihm lasst uns beten:

A: Dein Reich komme.

Jedem von uns ist es aufgegeben, deine Güter schöpferisch zu

verwalten;

– hilf, dass alle Menschen ihre Möglichkeiten entdecken und

zum Wohl aller einsetzen.

Deinen Willen zu tun, befreit uns;

– lass die Menschen deine Stimme hören und ihr folgen.

Du führst uns Menschen zu gemeinsamem Handeln zusammen;

– mach alle, die sich dir anvertrauen, zu einem Netzwerk deiner

Liebe.

Der Krieg macht alle Beteiligten zu Verlierern;

– lass jeden Menschen erkennen, wo er selbst Frieden schaffen

kann.

Gedenke aller, die durch Gewalt zu Tode gekommen sind;

– schenke ihnen dein unvergängliches Leben.

Vaterunser


Abend · Mittwoch, 20. Oktober 220

Oration

Höre unser Gebet, o Herr, und beschütze uns bei Tag und bei

Nacht. Wir sind dem Wandel der Zeit unterworfen; schenke uns

festen Halt in dir, dem unwandelbaren Gott. Darum bitten wir

durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Donnerstag, 21. Oktober 2021

Heilige Ursula und Gefährtinnen

Ursula wurde vermutlich im 3. Jahrhundert in England geboren

und starb im 3./4. Jahrhundert in Köln. Über ihr Leben gibt

es zahlreiche Legenden, die den historischen Kern überdecken.

Diesen Legenden nach war Ursula eine englische Königstochter.

Obwohl sie Jungfräulichkeit gelobt hatte, wollte ihr Vater sie mit

einem heidnischen Prinzen vermählen. Sie erbat sich eine dreijährige

Frist für eine Wallfahrt nach Rom. Die Zahl ihrer vermutlich

elf Begleiterinnen wird wohl aufgrund eines Lesefehlers mit elftausend

genannt. Bei ihrer Rückkehr aus Rom soll sie mit ihren

Gefährtinnen in Köln von den Hunnen niedergemetzelt worden

sein. Eine Inschrift in der Ursulakirche in Köln weist auf eine alte

Basilika an dieser Stelle hin, die zu Ehren von Märtyrerjungfrauen

errichtet wurde. In der Nähe hatte man im 12. Jahrhundert

Grabstätten gefunden, die man Ursula und ihren Gefährtinnen zuordnete.

Tatsächlich handelte es sich dabei aber um ein römisches

Gräberfeld. Ursula ist die Stadtpatronin von Köln. Von hier aus verbreitete

sich ihre Verehrung über das ganze Abendland.

Schrifttexte: Lesung: Röm 8, 32b–39; Evangelium: Joh 15, 18–21

Namenstag: hl. Antonia (Märtyrerin, 4. Jh.) · hl. Clementine (Märtyrerin,

4. Jh.) · hl. Hilarion der Große (ägypt. Mönch, † 371) · sel. Karl

von Habsburg (letzter österr. Kaiser und König von Ungarn, † 1922)

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Morgen · Donnerstag, 21. Oktober 222

Hymnus

Ein feste Burg ist unser Gott,

ein gute Wehr und Waffen.

Er hilft uns frei aus aller Not,

die uns jetzt hat betroffen.

Der alt böse Feind

Mit Ernst er’s jetzt meint;

groß Macht und viel List

sein grausam Rüstung ist,

auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan,

wir sind gar bald verloren;

es streit’ für uns der rechte Mann,

den Gott hat selbst erkoren.

Fragst du, wer der ist?

Er heißt Jesus Christ,

der Herr Zebaoth,

und ist kein andrer Gott,

das Feld muss er behalten.

Martin Luther 1529 – EG 362, Strophen 1 und 2

Psalm 18 Verse 36–46

Du gabst mir deine Hilfe zum Schild, /

deine Rechte stützt mich; *

du neigst dich mir zu und machst mich groß.

Du schaffst meinen Schritten weiten Raum, *

meine Knöchel wanken nicht.

Ich verfolge meine Feinde und hole sie ein, *

ich kehre nicht um, bis sie vernichtet sind.

Ich schlage sie nieder; sie können sich nicht mehr erheben, *

sie fallen und liegen unter meinen Füßen.

Du hast mich zum Kampf mit Kraft umgürtet, *

hast alle in die Knie gezwungen, die sich gegen mich erhoben.


223

Donnerstag, 21. Oktober · Morgen

Meine Feinde hast du zur Flucht gezwungen; *

ich konnte die vernichten, die mich hassen.

Sie schreien, doch hilft ihnen niemand, *

sie schreien zum Herrn, doch er gibt keine Antwort.

Ich zermalme sie zu Staub vor dem Wind, *

schütte sie auf die Straße wie Unrat.

Du rettest mich vor zahllosem Kriegsvolk, *

du machst mich zum Haupt über ganze Völker.

Stämme, die ich früher nicht kannte, sind mir nun untertan. *

Sobald sie mich nur hören, gehorchen sie.

Mir huldigen die Söhne der Fremde, *

sie kommen zitternd aus ihren Burgen hervor.

Ehre sei dem Vater ...

Du machst uns groß, du schaffst uns Raum. Gott, unser Schild,

hilf uns in Klarheit und Güte überwinden, was sich deinem

Reich in den Weg stellt.

Lesung Jes 66, 1–2

So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron und die Erde

der Schemel für meine Füße. Was wäre das für ein Haus, das

ihr mir bauen könntet, was wäre das für ein Ort, an dem ich

ausruhen könnte? Denn all das hat meine Hand gemacht, es gehört

mir ja schon – Spruch des Herrn. Ich blicke auf den Armen

und Zerknirschten und auf den, der zittert vor meinem Wort.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Dienet dem Herrn in Heiligkeit, denn er befreit uns aus der

Hand unserer Feinde.

Bitten

Christus Jesus, du willst uns Gottes Fülle schenken. Wir bitten

dich:


Eucharistie · Donnerstag, 21. Oktober 224

A: Belebe uns neu.

– Mach uns dankbar für deine Gaben.

– Erhalte uns Räume der Stille, in denen wir zu dir und zueinander

finden.

– Entzünde dein Feuer in uns, dass wir unseren Mitmenschen

leuchten.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, am Abend, am Morgen und am

Mittag preisen wir deine göttliche Herrlichkeit und bitten: Vertreibe

aus unserem Herzen die Finsternis der Sünde, damit wir

zum wahren Licht gelangen, zu Christus, deinem Sohn, unserem

Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit

dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott, nach deinem geheimnisvollen Ratschluss lässt du die Kirche

am Leiden deines Sohnes teilhaben. Stärke unsere Brüder, die

wegen des Glaubens verfolgt werden. Gib ihnen Geduld und Liebe,

damit sie in ihrer Bedrängnis auf dich vertrauen und sich als

deine Zeugen bewähren. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Römerbrief Röm 6, 19–23

Schwestern und Brüder! Wegen eurer Schwachheit rede ich

nach Menschenweise: Wie ihr eure Glieder in den Dienst


225

Donnerstag, 21. Oktober · Eucharistie

der Unreinheit und der Gesetzlosigkeit gestellt habt, sodass ihr

gesetzlos wurdet, so stellt jetzt eure Glieder in den Dienst der

Gerechtigkeit, sodass ihr heilig werdet.

Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da wart ihr der Gerechtigkeit

gegenüber frei. Welchen Gewinn hattet ihr damals? Es

waren Dinge, deren ihr euch jetzt schämt; denn sie bringen

den Tod.

Jetzt, da ihr aus der Macht der Sünde befreit und zu Sklaven

Gottes geworden seid, habt ihr einen Gewinn, der zu eurer Heiligung

führt und das ewige Leben bringt. Denn der Lohn der

Sünde ist der Tod, die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in

Christus Jesus, unserem Herrn.

Antwortpsalm Ps 1, 1–4.6

Kehrvers:

Gesegnet, wer auf den Herrn sich verlässt.

Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, /

nicht auf dem Weg der Sünder geht, *

nicht im Kreis der Spötter sitzt,

sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, *

über seine Weisung nachsinnt

bei Tag und bei Nacht. – Kehrvers

Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, /

der zur rechten Zeit seine Frucht bringt *

und dessen Blätter nicht welken.

Alles, was er tut, *

wird ihm gut gelingen. – Kehrvers

Nicht so die Frevler: *

Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, *

der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Jer 17, 7, ferner GL 31,1 oder GL 1975 708, 1

oder KG 606 (IV. Ton)


Eucharistie · Donnerstag, 21. Oktober 226

Ruf vor dem Evangelium Phil 3, 8.9

Halleluja. Halleluja.

Ich habe alles aufgegeben, um Christus zu gewinnen und in

ihm zu sein.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 12, 49–53

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen,

um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es

würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden,

und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist.

Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu

bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.

Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im

gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden

gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den

Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter

und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen

ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die

Schwiegermutter.

Impuls zum Evangelium

Brandgefährlich. Vor einiger Zeit las ich im Lokalteil: Hinter

der Brandserie steckte ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr,

das sich endlich einmal beweisen wollte. Jesus ist keiner, der

sich etwas beweisen muss, keiner, der mutwillig mit dem Feuer

spielt, auch kein eiskalter Ästhet, der sich am grandiosen

Spiel der Flammen berauscht wie, so heißt es, Nero einst im

brennenden Rom. Das Feuer, das Jesus von Gottes Nahekommen

erhofft, das Feuer, das Jesus selbst bringt, will, was es

erfasst, nicht zerstören, sondern heilen, will Leben nicht auslöschen,

sondern entfachen. Zweifellos birgt Jesu Botschaft

von Gottes Nahen Zündstoff, sie ruft zur Entscheidung, bringt

lange schwelende Konflikte zum Ausbruch. Doch dieser Preis


227

Donnerstag, 21. Oktober · Abend

ist nicht zu hoch, versichert uns das Evangelium. Der Dornbusch,

der brennt, aber nicht verbrennt. Der biblische Gott ist

kein Feuerteufel. Frohe Botschaft, Botschaft des Friedens. Einladung

nicht zu Furcht und Hass, sondern Ermutigung zu Gottes

Neubeginn: „Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Ein Abend, an dem sich alle Anwesenden völlig einig sind, ist

ein verlorener Abend.

Albert Einstein (deutscher Physiker, 1879–1955)

• Beunruhigen mich Kontroversen oder beleben sie mich eher?

• Welche Erfahrungen habe ich damit gemacht?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Ich trau auf deine Hand,

dass sie mich wohl behüte,

weil alle deine Güte

und Liebe mir bekannt,

und dass ein sich’rer Hort

das Unheil von mir wende.

O Herr, in deine Hände!

Dies sei mein letztes Wort.

Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848)


Abend · Donnerstag, 21. Oktober 228

Psalm 25 Verse 1–11

Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. *

Mein Gott, auf dich vertraue ich.

Lass mich nicht scheitern, *

lass meine Feinde nicht triumphieren!

Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden; *

zuschanden wird, wer dir schnöde die Treue bricht.

Zeige mir, Herr, deine Wege, *

lehre mich deine Pfade!

Führe mich in deiner Treue und lehre mich; /

denn du bist der Gott meines Heiles. *

Auf dich hoffe ich allezeit.

Denk an dein Erbarmen, Herr, /

und an die Taten deiner Huld; *

denn sie bestehen seit Ewigkeit.

Denk nicht an meine Jugendsünden und meine Frevel! *

In deiner Huld denk an mich, Herr, denn du bist gütig.

Gut und gerecht ist der Herr, *

darum weist er die Irrenden auf den rechten Weg.

Die Demütigen leitet er nach seinem Recht, *

die Gebeugten lehrt er seinen Weg.

Alle Pfade des Herrn sind Huld und Treue *

denen, die seinen Bund und seine Gebote bewahren.

Um deines Namens willen, Herr, verzeih mir; *

denn meine Schuld ist groß.

Ehre sei dem Vater ...

Erhalte uns in deinem Bund, barmherziger Gott, und lehre uns

deinen Weg. Auf dich hoffen wir allezeit.

Lesung 1 Petr 1, 6–9

Ihr seid voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter

mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer


229

Donnerstag, 21. Oktober · Abend

Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller

ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich

ist. So wird eurem Glauben Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil

bei der Offenbarung Jesu Christi. Ihn habt ihr nicht gesehen,

und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber

ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer

Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen

werdet: euer Heil.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.

Fürbitten

Lasst uns beten zu Gott, der in seinem Sohn jeden Menschen

retten will:

V/A: Kyrie, eleison.

– Um Einsicht, wo auf andere herabgesehen wird.

– Um Beistand, wo jemand keinen Ausweg mehr sieht.

– Um Vergebungsbereitschaft, wo Menschen zerstritten sind.

Vaterunser

Oration

Gott, du bist unser Licht in der Nacht und schenkst uns nach

der Finsternis einen neuen Tag. Beschütze uns vor der Macht

des bösen Feindes, damit wir heil durch das Dunkel der kommenden

Nacht gelangen und am Morgen vor deinem Angesicht

dir Dank sagen können. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Freitag, 22. Oktober 2021

Heiliger Johannes Paul II.

K

aroł Wojtyła (1920–2005), der spätere Papst Johannes Paul II.,

wurde in Wadowice in der Nähe von Krakau geboren. Er

wuchs in einem tiefgläubigen Elternhaus auf. Während der Besatzung

Polens durch die Nationalsozialisten studierte er im Untergrund

Theologie. 1946 wurde er zum Priester geweiht. Es folgten

zwei Jahre Studium in Rom, wo er 1948 promovierte. Im selben

Jahr kehrte er als Vikar und Universitätsseelsorger nach Krakau

zurück. Ab 1951 nahm er seine Studien der Philosophie und Theologie

wieder auf und wurde Professor für Moraltheologie und Sozialethik

in Krakau und Lublin, 1958 Weihbischof in Krakau. 1964

folgte die Ernennung zum Erzbischof von Krakau und 1967 zum

Kardinal. 1978 wählte das Konklave Karoł Wojtyła zum Papst. Er

nahm den Namen Johannes Paul II. an und unterstrich damit die

Kontinuität zu seinen drei Vorgängern. Sein Pontifikat war mit fast

27 Jahren eines der längsten der Kirchengeschichte. In dieser Zeit

brachte er vieles auf den Weg: die Reform des Kanonischen Rechts

(abgeschlossen 1983), die Erarbeitung eines neuen „Katechismus

der Katholischen Kirche“ (1992), die Reorganisation der römischen

Kurie, Enzykliken und andere päpstliche Schreiben, zahlreiche

Heilig- und Seligsprechungen. Eine Aufhebung des Zölibats lehnte

er ab, ebenso die Frauenordination. Immer wieder sprach er

sich gegen Empfängnisverhütung und Abtreibung aus. Als erster

Papst unternahm er viele apostolische Reisen in alle Welt und begeisterte

aufgrund seines Charismas die Menschen. Er führte die

Weltjugendtage ein und förderte den Dialog mit den Juden und den

Repräsentanten anderer Religionen, die er zum Friedensgebet nach

Assisi einlud. Sein entschiedenes Eintreten gegen den Kommunismus

trug dazu bei, die kommunistische Herrschaft im gesamten

Ostblock zu beenden. Papst Johannes Paul II. überlebte ein Attentat,

bei dem er im Mai 1981 schwer verletzt wurde. Sein späteres

„öffentliches Leiden und Sterben“ bewegte die Menschen, die bei


231

Freitag, 22. Oktober · Morgen

seinem Begräbnis mit dem Ruf „Santo subito“ seine baldige Heiligsprechung

forderten. Sein Nachfolger Papst Benedikt XVI. folgte

diesem Wunsch, indem er auf die vorgeschriebene Fünfjahresfrist

verzichtete und sogleich den Kanonisierungsprozess einleitete. So

wurde Johannes Paul II. bereits im Mai 2011 selig- und im April

2014 heiliggesprochen. Als Gedenktag wurde der Tag seiner Amtseinführung,

der 22. Oktober, gewählt.

Schrifttexte: Lesung: Jes 52, 7–10; Evangelium: Joh 21, 15–17

Namenstag: hl. Cordula (Märtyrerin, 4. Jh.) · hl. Ingbert (Einsiedler im

Saarland, 6. Jh.) · Blandina Ridder (Kölner Cellitin, Röntgenschwester

im Bürgerhospital, † 1916)

Ökumenischer Gedenktag: Jeremias Gotthelf (Schweizer Schriftsteller,

1797–1854)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

In Gottes Namen fang ich an,

was mir zu tun gebühret;

mit Gott wird alles wohlgetan

und glücklich ausgeführet.

Was man in Gottes Namen tut,

ist allenthalben recht und gut

und kann uns auch gedeihen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Gott ist’s, der das Vermögen schafft,

was Gutes zu vollbringen;

er gibt uns Segen, Mut und Kraft

und lässt das Werk gelingen;


Morgen · Freitag, 22. Oktober 232

ist er mit uns und sein Gedeihn,

so muss der Zug gesegnet sein,

dass wir die Fülle haben.

Salomo Liskow (vor 1672) 1674

EG 494, Strophen 1 und 2

Melodie: GL 1975 226

Psalm 51 Verse 3–21

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, *

tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!

Wasch meine Schuld von mir ab *

und mach mich rein von meiner Sünde!

Denn ich erkenne meine bösen Taten, *

meine Sünde steht mir immer vor Augen.

Gegen dich allein habe ich gesündigt, *

ich habe getan, was dir missfällt.

So behältst du recht mit deinem Urteil, *

rein stehst du da als Richter.

Denn ich bin in Schuld geboren; *

in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.

Lauterer Sinn im Verborgenen gefällt dir, *

im Geheimen lehrst du mich Weisheit.

Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; *

wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.

Sättige mich mit Entzücken und Freude! *

Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast.

Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, *

tilge all meine Frevel!

Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz *

und gib mir einen neuen, beständigen Geist!

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht *

und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!


233

Freitag, 22. Oktober · Morgen

Mach mich wieder froh mit deinem Heil; *

mit einem willigen Geist rüste mich aus!

Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege, *

und die Sünder kehren um zu dir.

Befrei mich von Blutschuld, Herr, du Gott meines Heiles, *

dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit.

Herr, öffne mir die Lippen, *

und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden.

Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie dir geben; *

an Brandopfern hast du kein Gefallen.

Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, *

ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz

wirst du, Gott, nicht verschmähen.

In deiner Huld tu Gutes an Zion; *

bau die Mauern Jerusalems wieder auf!

Dann hast du Freude an rechten Opfern, /

an Brandopfern und Ganzopfern, *

dann opfert man Stiere auf deinem Altar.

Ehre sei dem Vater ...

Du richtest, treuer Gott, um das Unrecht zu tilgen. Reinige uns

durch deine Güte, und lass uns in deiner Gerechtigkeit leben.

Lesung 2 Kor 13, 4

Zwar wurde Christus in seiner Schwachheit gekreuzigt, aber

er lebt aus Gottes Kraft. Auch wir sind schwach in ihm, aber

wir werden zusammen mit ihm vor euren Augen aus Gottes

Kraft leben.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Der Herr hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen.


Eucharistie · Freitag, 22. Oktober 234

Bitten

Jesus hat seine Jünger aufgefordert, die Zeichen der Zeit wahrzunehmen

und sie zu deuten. Darum bitten wir:

V: Jesus, Meister, A: öffne uns die Augen.

– Dass wir uns an der Seite der jungen Generation mutig den

Herausforderungen des Klimawandels stellen.

– Dass wir die hohe Zahl von Erwerbslosen und prekär Beschäftigten

als Gelegenheit wahrnehmen, in unserer Gesellschaft

stärker auf das Miteinander zu achten und uns gegenseitig zu

helfen.

– Dass wir die fortschreitende Globalisierung als Chance nutzen,

weltweit größere Gerechtigkeit zu erreichen.

Vaterunser

Oration

Gott, durch das Licht deines Wortes vertreibst du das Dunkel

der Unwissenheit. Mehre in unserem Herzen die Kraft des

Glaubens, damit das Feuer, das deine Gnade in uns entfacht

hat, durch keine Anfechtung ausgelöscht wird. Darum bitten

wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gütiger Gott. Bei dir ist Freude über jeden Menschen, der umkehrt

und Buße tut. Denn du bist der Vater, der für alle ein Herz

hat. Lass uns darauf vertrauen und deinem Ruf folgen. Hilf uns,

dass auch wir einander vergeben, wie du uns vergibst. Darum

bitten wir durch Jesus Christus.


235

Freitag, 22. Oktober · Eucharistie

Lesung aus dem Römerbrief Röm 7, 18–25a

Schwestern und Brüder! Ich weiß, dass in mir, das heißt in

meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist bei mir

vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen.

Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das

ich nicht will.

Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht

mehr ich es, der so handelt, sondern die in mir wohnende Sünde.

Ich stoße also auf das Gesetz, dass in mir das Böse vorhanden

ist, obwohl ich das Gute tun will. Denn in meinem Innern

freue ich mich am Gesetz Gottes, ich sehe aber ein anderes Gesetz

in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meiner Vernunft

im Streit liegt und mich gefangen hält im Gesetz der Sünde, von

dem meine Glieder beherrscht werden.

Ich unglücklicher Mensch! Wer wird mich aus diesem dem

Tod verfallenen Leib erretten? Dank sei Gott durch Jesus Christus,

unseren Herrn!

Impuls zur Lesung

Ich kenne mich selbst nicht mehr! Der Apostel liefert eine

glasklare Analyse der conditio humana, unserer menschlichen

Grundsituation. Die Lage ist verfahren. Eigentlich wissen wir

es ja: Es wäre gut, anders zu leben, weniger ängstlich, weniger

egoistisch, weniger gierig. Gut wäre es, für uns selbst, für

die Menschengeschwister, für den ganzen Planeten. Ein Leben

nach Gottes Gebot, nach der Weisung und auf die Weise des

Schöpfers, der alle seine Geschöpfe gleichermaßen liebt. Aber

es klappt einfach nicht. Was hindert uns? Paulus nennt es das

Gesetz der Sünde. Was ist das für eine Macht, die in mir selbst

wirkt und mich doch von mir selbst, von Gott und von meinen

Nächsten entfremdet? Was auch immer es mit dieser Großmacht

auf sich hat – es ist vorbei. In seinem Christus Jesus

hat Gott ein für alle Mal befreiend an uns gehandelt. Können

wir dies anerkennen, dies von ganzem Herzen glauben? Dann

erkennen wir uns selbst.


Eucharistie · Freitag, 22. Oktober 236

Antwortpsalm Ps 119, 66.68.76–77.93–94

Kehrvers:

Herr, lehre mich deine Gesetze!

Lehre mich Erkenntnis und rechtes Urteil! *

Ich vertraue auf deine Gebote.

Du bist gut und wirkst Gutes. *

Lehre mich deine Gesetze! – Kehrvers

Tröste mich in deiner Huld, *

wie du es deinem Knecht verheißen hast.

Dein Erbarmen komme über mich, damit ich lebe; *

denn deine Weisung macht mich froh. – Kehrvers

Nie will ich deine Befehle vergessen; *

denn durch sie schenkst du mir Leben.

Ich bin dein, errette mich! *

Ich frage nach deinen Befehlen. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 68b, ferner GL 312, 7 · GL 1975 465 · KG 629

oder GL 1975 170, 1 (II. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Mt 11, 25

Halleluja. Halleluja.

Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde; du hast

die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 12, 54–59

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Sobald ihr im Westen

Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es

kommt so. Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird

heiß. Und es trifft ein. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde

und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die

Zeichen dieser Zeit nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon

von selbst das rechte Urteil?


237

Freitag, 22. Oktober · Abend

Wenn du mit deinem Gegner vor Gericht gehst, bemüh dich

noch auf dem Weg, dich mit ihm zu einigen. Sonst wird er dich

vor den Richter schleppen, und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener

übergeben, und der Gerichtsdiener wird dich ins

Gefängnis werfen.

Ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch

den letzten Pfennig bezahlt hast.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Religiöse Gemeinschaften sind verpflichtet, in aller Radikalität

ihre Ablehnung von Gewalt zum Ausdruck zu bringen.

Johannes Paul II. (Heiliger des Tages)

• Wo nehme ich heute verbale Gewalt und Aggressivität im

Bereich des Religiösen wahr?

• Was können wir, was kann ich gegen Abwertung anderer

tun?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Herr, zeige uns den Morgenstern

und führe uns zum Land des Friedens,

wo uns der Ewige erwartet,

der Ich-bin-da, der Gott für uns.

Herr, öffne uns das Lebensbuch,

darin die Namen stehn geschrieben,


Abend · Freitag, 22. Oktober 238

die uns der Ewige gegeben,

der Ich-bin-da, der Gott für uns.

Herr, sende uns in deine Welt

und deute uns der Zeiten Zeichen.

Es will der Ewige uns rufen,

der Ich-bin-da, der Gott für uns.

Herr, schließ uns auf das große Tor

zur neuen Stadt, zum Zelt der Liebe.

Dort lässt der Ewige uns wohnen,

der Ich-bin-da, der Gott für uns.

Herr, bitte uns an deinen Tisch,

an dem wir mit dir Hochzeit feiern.

Uns hat der Ewige geladen,

der Ich-bin-da, der Gott für uns.

Helmut Schlegel,

© 2015 Dehm Verlag, Limburg

Canticum Offb 15, 3b–4

Antiphon:

Alle Völker werden kommen und niederfallen vor dir, unserem

Gott und Herrn.

Groß und wunderbar sind deine Taten, *

Herr und Gott, du Herrscher über die ganze Schöpfung.

Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, *

du König der Völker.

Wer wird dich nicht fürchten, Herr, *

wer wird deinen Namen nicht preisen?

Denn du allein bist heilig: /

Alle Völker kommen und beten dich an; *

denn offenbar geworden sind deine gerechten Taten.

Ehre sei dem Vater ...


239

Freitag, 22. Oktober · Abend

Lesung Röm 15, 1–3

Wir müssen als die Starken die Schwäche derer tragen, die

schwach sind, und dürfen nicht für uns selbst leben. Jeder

von uns soll Rücksicht auf den Nächsten nehmen, um Gutes

zu tun und die Gemeinde aufzubauen. Denn auch Christus hat

nicht für sich selbst gelebt; in der Schrift heißt es vielmehr: Die

Schmähungen derer, die dich schmähen, haben mich getroffen.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Der Herr nimmt sich seiner Kinder an und denkt an sein Erbarmen.

Fürbitten

Die heutige Lesung greift eine urmenschliche Erfahrung auf:

„Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse,

das ich nicht will.“ Doch von Gott sind wir alle zum Guten gerufen

und bestärkt. So bitten wir ihn um seinen Beistand:

V: Gott des Lebens, A: hilf uns, das Gute zu tun.

Für alle, die ihre Lieblosigkeit bereuen und es anders, besser

machen wollen.

– Und für alle, die ein gutes und stärkendes Wort für andere

haben.

Für alle, die sich vom Glanz der Macht haben blenden lassen

und ihre Fehler erkennen.

– Und für alle, die solidarisch handeln und sich nicht über andere

erheben.

Für alle, die Opfer von Ausgrenzung und Mobbing geworden

sind.

– Und für alle, die sich mutig an ihre Seite stellen.

Für alle, die in der eigenen Familie übersehen und übergangen

werden.


Abend · Freitag, 22. Oktober 240

– Und für alle, die das ändern wollen und mit neuen Augen auf

sie schauen.

V: Gott des Lebens, A: hilf uns, das Gute zu tun.

Vaterunser

Oration

Herr, wir schauen hin auf das Kreuz deines Sohnes. Gib, dass

wir sein Leiden und Sterben besser verstehen und fähig werden,

sein Joch auf uns zu nehmen. Darum bitten wir durch ihn,

Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Samstag, 23. Oktober 2021

Heiliger Johannes von Capestrano

Johannes von Capestrano (1386–1456) gilt als einer der größten

Wanderprediger seines Jahrhunderts. Er lebte zunächst in Italien,

war dort Richter, bevor er dann Franziskaner von der strengen

Observanz wurde. Seine vierzigjährige Predigttätigkeit, die er 1417

begann, führte ihn durch Italien und Mitteleuropa. Er predigte fast

täglich. Die Massen strömten ihm zu, um ihn zu hören und bei

ihm zu beichten. Er wurde von Päpsten und Fürsten als Ratgeber

geschätzt. Er stiftete Frieden zwischen streitenden Parteien, gründete

Krankenhäuser, organisierte Sozialarbeit. Ab 1451 bemühte er

sich sehr erfolgreich um die Rekatholisierung der Hussiten. 1456

trug er als Kreuzzugprediger gegen die Türken mit zur Rettung

Belgrads bei. Er hinterließ viele theologische Schriften, Bußbücher

und Briefe.

Schrifttexte: Lesung: 2 Kor 5, 14–20; Evangelium: Lk 9, 57–62

Namenstag: hl. Severin von Köln (Bischof, † um 400) · hl. Oda (Mutter

Arnulfs von Metz, 7. Jh.)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

O Herr, unser Gott,

lehre uns, wir bitten dich,

die rechten Gewährungen

von dir zu erflehen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Morgen · Samstag, 23. Oktober 242

Steuere du das Schiff unseres Lebens hin zu dir,

du ruhiger Hafen aller sturmgepeitschten Seelen.

Zeige uns den Kurs, den wir zu nehmen haben.

Erneuere in uns den Geist der Willigkeit.

Lass deinen Geist unsere launischen Sinne zügeln

und führe und kräftige uns zu dem,

was unser wahres Gut ist:

deine Gesetze zu halten

und in all unseren Werken stets froh zu werden

deiner herrlichen und erquickenden Gegenwart.

Dein ist der Ruhm und Preis

von allen deinen Heiligen

immer und ewig.

Basilius von Caesarea

aus: Rüdiger von Voss/Ellen und Gerhard Ringshausen (Hg.),

Kleines Stundenbuch für wache Zeitgenossen,

© bei den Herausgebern

Canticum

Ex 15, 1b–4a.8–13.17–18

Antiphon:

Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist mein Retter.

Ich singe dem Herrn ein Lied, /

denn er ist hoch und erhaben. *

Rosse und Wagen warf er ins Meer.

Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, *

er ist für mich zum Retter geworden.

Er ist mein Gott, ihn will ich preisen; *

den Gott meines Vaters will ich rühmen.

Der Herr ist ein Krieger, /

Jahwe ist sein Name. *

Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer.

Du schnaubtest vor Zorn, da türmte sich Wasser, /

da standen Wogen als Wall, *

Fluten erstarrten im Herzen des Meeres.


243

Samstag, 23. Oktober · Morgen

Da sagte der Feind: Ich jage nach, hole ein. /

Ich teile die Beute, ich stille die Gier. *

Ich zücke mein Schwert, meine Hand jagt sie davon.

Da schnaubtest du Sturm. Das Meer deckte sie zu. *

Sie sanken wie Blei ins tosende Wasser.

Wer ist wie du unter den Göttern, o Herr? /

Wer ist wie du gewaltig und heilig, *

gepriesen als furchtbar, Wunder vollbringend?

Du strecktest deine Rechte aus, *

da verschlang sie die Erde.

Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast, *

du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung.

Du brachtest sie hin und pflanztest sie ein *

auf dem Berg deines Erbes.

Einen Ort, wo du thronst, Herr, hast du gemacht; *

ein Heiligtum, Herr, haben deine Hände gegründet.

Der Herr ist König *

für immer und ewig.

Ehre sei dem Vater ...

Lesung 2 Petr 1, 10–11

Meine Brüder, bemüht euch noch mehr darum, dass eure

Berufung und Erwählung Bestand hat! Wenn ihr das tut,

werdet ihr niemals scheitern. Dann wird euch in reichem Maß

gewährt, in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus

Christus einzutreten.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Licht aus der Höhe, leuchte allen, die in Finsternis sind und im

Schatten des Todes.


Eucharistie · Samstag, 23. Oktober 244

Bitten

Gott, unser Schöpfer, du willst, dass wir leben. Wir rufen zu dir:

A: In deiner Güte lass uns wachsen.

– Dass wir hinter uns lassen, was uns lähmt und niederdrückt.

– Dass wir Wurzeln schlagen in dir, der uns Leben schenkt.

– Dass unsere Lebenskraft ausstrahlt auf die Menschen um uns

her.

Vaterunser

Oration

Heiliger Gott, mache unser Herz hell durch den Glanz der Auferstehung

deines Sohnes, damit das Dunkel des Todes uns nicht

befalle und wir zum ewigen Licht gelangen. Darum bitten wir

durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Barmherziger Gott, hab Erbarmen mit uns und verschone uns,

da wir unsere Sünden vor dir bekennen. Verzeihe uns alle

Schuld und schenke uns deinen Frieden. Darum bitten wir

durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Römerbrief Röm 8, 1–11

Schwestern und Brüder! Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr

für die, welche in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des

Geistes und des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht

vom Gesetz der Sünde und des Todes.


245

Samstag, 23. Oktober · Eucharistie

Weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte,

sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches,

das unter der Macht der Sünde steht, zur Sühne für die Sünde,

um an seinem Fleisch die Sünde zu verurteilen; dies tat er, damit

die Forderung des Gesetzes durch uns erfüllt werde, die wir

nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben.

Denn alle, die vom Fleisch bestimmt sind, trachten nach dem,

was dem Fleisch entspricht, alle, die vom Geist bestimmt sind,

nach dem, was dem Geist entspricht.

Das Trachten des Fleisches führt zum Tod, das Trachten des

Geistes aber zu Leben und Frieden. Denn das Trachten des

Fleisches ist Feindschaft gegen Gott; es unterwirft sich nicht

dem Gesetz Gottes und kann es auch nicht. Wer vom Fleisch

bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen.

Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt,

da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer den Geist Christi

nicht hat, der gehört nicht zu ihm. Wenn Christus in euch ist,

dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber

ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit.

Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten

auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den

Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen,

durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Antwortpsalm Ps 24, 1–6

Kehrvers:

Aus allen Völkern hast du sie erwählt, die dein Antlitz suchen,

o Herr.

Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, *

der Erdkreis und seine Bewohner.

Denn er hat ihn auf Meere gegründet, *

ihn über Strömen befestigt. – Kehrvers

Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, *

wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?


Eucharistie · Samstag, 23. Oktober 246

Der reine Hände hat und ein lauteres Herz, *

der nicht betrügt und keinen Meineid schwört.

Kehrvers:

Aus allen Völkern hast du sie erwählt, die dein Antlitz suchen,

o Herr.

Er wird Segen empfangen vom Herrn *

und Heil von Gott, seinem Helfer.

Das sind die Menschen, die nach ihm fragen, *

die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 6, ferner GL 56, 1 · GL 1975 741, 1 · KG 623 (V. Ton)

oder GL 1975 645, 2 (VIII. Ton)

Ruf vor dem Evangelium Ez 33, 11

Halleluja. Halleluja.

So spricht Gott, der Herr: Ich habe kein Gefallen am Tod des

Schuldigen, sondern daran, dass er umkehrt auf seinem Weg

und am Leben bleibt.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 13, 1–9

In jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm

von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ,

sodass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte.

Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder

waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer

aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso

umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.

Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms

von Schiloach erschlagen wurden – meint ihr, dass nur sie

Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem

aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso

umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.


247

Samstag, 23. Oktober · Eucharistie

Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem

Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah,

ob er Früchte trug, fand er keine.

Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon

drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt,

und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden

seine Kraft nehmen?

Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch

stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.

Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann

lass ihn umhauen.

Impuls zum Evangelium

Corona. Der mutige Arzt, der im chinesischen Wuhan als einer

der Ersten die Seuche erkannte und gegen den massiven

Widerstand und alle Vertuschungsversuche der Behörden vor

ihr warnte, erlag ihr. Er starb nicht mit dem Virus, sondern an

ihm. Und das Virus starb nicht mit ihm, dem Virus geht’s gut.

Die einen kommen zu schwerem Schaden oder verlieren gar

ihr Leben, die anderen bleiben verschont. Warum? Die Freunde

Ijobs hatten ein einfaches Schema, um sein Unglück zu erklären:

Wo Leid, da Schuld. Diese Meinung war zur Zeit Jesu

weitverbreitet. Aber auch heute kann man ihr begegnen. „Von

nichts kommt nichts“ oder „bei der Lebensweise“ oder „die

wollten es ja nicht anders“, heißt es dann. Jesus leugnet nicht

die menschliche Verantwortung für das eigene Leben und für

das der anderen, im Gegenteil, doch er erteilt jeder menschenverachtenden

Sicht eine klare Absage. Nein, mein Überleben

ist nicht auf meine moralische Überlegenheit zurückzuführen.

Nein, Glück und Unglück sind auf dieser Welt blind verteilt,

und ein Hans – oder eine Grete – im Unglück hat nicht mehr

Schuld auf sich geladen als ein Hans oder eine Grete im Glück.

Sie alle ruft Jesus, Bote des leidenschaftlichen Vergebungswillens

des Herrn, sie alle ruft Jesus, drängend, zitternd, leidenschaftlich,

umzukehren und neu zu beginnen, ganz neu.


Abend · Samstag, 23. Oktober 248

Hymnus

Abendgebet am Vorabend

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Singt, singt dem Herren neue Lieder,

er ist’s allein, der Wunder tut.

Seht, seine Rechte sieget wieder,

sein heilger Arm gibt Kraft und Mut.

Wo sind nun alle unsre Leiden?

Der Herr schafft Ruh und Sicherheit;

er selber offenbart den Heiden

sein Recht und seine Herrlichkeit.

Der Herr gedenkt an sein Erbarmen,

und seine Wahrheit stehet fest;

er trägt sein Volk auf seinen Armen

und hilft, wenn alles uns verlässt.

Bald schaut der ganze Kreis der Erde,

wie unsers Gottes Huld erfreut.

Gott will, dass sie ein Eden werde;

rühm, Erde, Gottes Herrlichkeit!

Frohlocket, jauchzet, rühmet alle,

erhebet ihn mit Lobgesang!

Sein Lob tön im Posaunenschalle,

in Psalter- und in Harfenklang!

Auf, alle Völker, jauchzt zusammen,

Gott macht, dass jeder jauchzen kann;

sein Ruhm, sein Lob muss euch entflammen,

kommt, betet euren König an!


249

Samstag, 23. Oktober · Abend

Das Weltmeer brause aller Enden,

jauchzt, Erde, Menschen, jauchzt vereint!

Die Ströme klatschen wie mit Händen;

ihr Berge, hüpft, der Herr erscheint!

Er kommt, er naht sich, dass er richte

den Erdkreis in Gerechtigkeit

und zwischen Recht und Unrecht schlichte;

des sich die Unschuld ewig freut.

Matthias Jorissen 1798 – EG 286

Melodie: GL 385 · GL 1975 269 · KG 440

Canticum Phil 2, 6–11

Antiphon:

Vor dem Namen Jesu soll jedes Knie sich beugen im Himmel

und auf Erden. Halleluja.

Christus Jesus war Gott gleich, *

hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,

sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave *

und den Menschen gleich.

Sein Leben war das eines Menschen; /

er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, *

bis zum Tod am Kreuz.

Darum hat ihn Gott über alle erhöht /

und ihm den Namen verliehen, *

der größer ist als alle Namen,

damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde *

ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu

und jeder Mund bekennt: /

„Jesus Christus ist der Herr“ – *

zur Ehre Gottes, des Vaters.

Ehre sei dem Vater ...


Abend · Samstag, 23. Oktober 250

Lesung Kol 1, 2b–6

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater. Wir

danken Gott, dem Vater Jesu Christi, unseres Herrn, jedes

Mal, wenn wir für euch beten. Denn wir haben von eurem

Glauben an Christus Jesus gehört und von der Liebe, die ihr zu

allen Heiligen habt, weil im Himmel die Erfüllung eurer Hoffnung

für euch bereitliegt. Schon früher habt ihr davon gehört

durch das wahre Wort des Evangeliums, das zu euch gelangt ist.

Wie in der ganzen Welt, so trägt es auch bei euch Frucht und

wächst seit dem Tag, an dem ihr den Ruf der göttlichen Gnade

vernommen und in Wahrheit erkannt habt.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Der Herr sammelt sein Volk von den Enden der Erde und bringt

es heim. Auch die Blinden und Lahmen kehren zurück.

Fürbitten

Jesus sendet die Seinen auch heute zu den Völkern. Darum lasst

uns beten:

V: Jesus, Bruder aller Menschen,

A: lass ihnen dein Licht erstrahlen.

Behüte alle, die in der Mission tätig sind;

– lass sie ihr Friedenswerk in Ruhe und Sicherheit tun.

Segne die Menschen, die sich in aller Welt zu dir bekennen;

– mach sie zu Quellen deiner Güte.

Blick auf alle, die unter Krieg und sozialer Ungerechtigkeit leiden;

– lass die Konflikte in Thailand, Myanmar, Korea und Sri Lanka

ein gutes Ende finden.

Lass die Religionen Asiens gemeinsam dem Wohl der Menschen

dienen;


251

Samstag, 23. Oktober · Abend

– hilf den Tibetern und Uiguren, ihre Kultur und Tradition zu

bewahren.

Tröste alle, die um ihre Angehörigen trauern;

– lass niemanden, der sich für Gerechtigkeit eingesetzt hat, vergeblich

gestorben sein.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, mehre in uns den Glauben, die

Hoffnung und die Liebe. Gib uns die Gnade, zu lieben, was du

gebietest, damit wir erlangen, was du verheißen hast. Darum

bitten wir durch Jesus Christus.

Der Schöpfer des Alls und Herr der Zeiten

bewahre uns in seiner Liebe

und sei unser Schutz in der Nacht.

Salve Regina (Seite 379)


Von Woche zu Woche · Samstag, 23. Oktober 252

Von Woche zu Woche

Außenseiter, Spitzenreiter

(zu Mk 10, 46–52)

Bartimäus: blind, Außenseiter, Habenichts.

Hilflos in einer nur für Sehende hellen Welt.

Hell und heil ist für ihn gar nichts.

Und doch ist der an den Rand Gedrängte

einzigartig hellsichtig.

Erst einmal ist er, der Zaungast, laut.

Erst einmal ist er, der nur Geduldete, ungeduldig.

Er kennt seine Zwangslage:

Nur wenn er lästig ist, wird er gehört:

Doch die, die er braucht, fühlen sich belästigt.

Eine Zwickmühle, ein Teufelskreis,

eine ewige Zwangslage, eine Falle!

Bartimäus ist wütend,

Bartimäus muss alles schlucken,

muss seine Wut herunterschlucken.

Bartimäus ruft nach Jesus,

laut, und immer lauter,

er nimmt Ärger in Kauf.

Und Jesus?

Jesus wendet sich ihm zu!

Er hilft ihm wiederzufinden,

was er so gründlich verlernt hat,

Vertrauen und Selbstvertrauen:

Ich sehe dich!

Und Bartimäus – sieht!

Dorothee Sandherr-Klemp


24. Oktober 2021

30. Sonntag im Jahreskreis

Namenstag: hl. Arethas und Gefährten (Märtyrer im Jemen, † 523) · hl.

Evergislus (erster bekannter fränkischer Bischof von Köln, † vor 594) ·

hl. Antonius Maria Claret (Volksmissionar, Ordensgründer, † 1870)

Ökumenischer Gedenktag: Leonid von Optina (russ. Starez, 1768–

1841)

Heute ist Weltmissionssonntag.

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Sucht den Herrn und seine Macht, sucht sein Antlitz allezeit.

Ps 105, 4

Hymnus

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Du, des Vaters ewger Sohn, hast die Menschheit angenommen,

bist vom hohen Himmelsthron zu uns auf die Welt gekommen,

hast uns Gottes Gnad gebracht, von der Sünd uns frei gemacht.

Durch dich steht das Himmelstor allen, welche glauben, offen;

du stellst uns dem Vater vor, wenn wir kindlich auf dich hoffen;

du wirst kommen zum Gericht, wenn der letzte Tag anbricht.


Morgen · Sonntag, 24. Oktober 254

Herr, steh deinen Dienern bei, welche dich in Demut bitten.

Kauftest durch dein Blut uns frei, hast den Tod für uns gelitten;

nimm uns nach vollbrachtem Lauf zu dir in den Himmel auf.

Sieh dein Volk in Gnaden an. Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;

leit es auf der rechten Bahn, dass der Feind es nicht verderbe.

Führe es durch diese Zeit, nimm es auf in Ewigkeit.

Ignaz Franz 1771 nach dem „Te Deum“/AÖL 1973

GL 380 · GL 1975 257 · KG 175 · EG 331, Strophen 6–9

Psalm 104 Verse 1–12

Lobe den Herrn, meine Seele! /

Herr, mein Gott, wie groß bist du! *

Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.

Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, *

du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.

Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. /

Du nimmst dir die Wolken zum Wagen, *

du fährst einher auf den Flügeln des Sturmes.

Du machst dir die Winde zu Boten *

und lodernde Feuer zu deinen Dienern.

Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet; *

in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.

Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, *

die Wasser standen über den Bergen:

Sie wichen vor deinem Drohen zurück, *

sie flohen vor der Stimme deines Donners.

Da erhoben sich Berge und senkten sich Täler *

an den Ort, den du für sie bestimmt hast.

Du hast den Wassern eine Grenze gesetzt, /

die dürfen sie nicht überschreiten; *

nie wieder sollen sie die Erde bedecken.

Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern, *

sie eilen zwischen den Bergen dahin.


255

Sonntag, 24. Oktober · Morgen

Allen Tieren des Feldes spenden sie Trank, *

die Wildesel stillen ihren Durst daraus.

An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels, *

aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.

Ehre sei dem Vater ...

Heiliger Gott, du hast das All durch dein ewiges Wort erschaffen

und wirkst auch heute in deiner Schöpfung. Wecke unsere

Sinne, damit wir deine Spuren erkennen und deine Botschaft

an uns verstehen.

Lesung Am 4, 13

Siehe, er formt die Berge, er erschafft den Wind, er verkündet

den Menschen, was er im Sinn hat, er macht das Morgenrot

und die Finsternis, er schreitet über die Höhen der Erde dahin

– Jahwe, Gott der Heere, ist sein Name.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner! – Was willst du, was

soll ich für dich tun? – Rabbuni, ich möchte wieder sehen.

Bitten

Bitten wir Gott um offene Sinne für die Schönheit seiner Schöpfung:

A: Tu unsre Herzen auf.

– Dass wir deine Spuren in jedem Lebewesen, jedem deiner

Geschöpfe erkennen.

– Dass wir uns berühren lassen von der Art, wie dein Geheimnis

in anderen Kulturen zum Ausdruck kommt.

– Dass wir den Reichtum und die Tiefe von Kunst entdecken,

die uns zunächst schwer zugänglich scheint.

Vaterunser


Eucharistie · Sonntag, 24. Oktober 256

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, mehre in uns den Glauben, die

Hoffnung und die Liebe. Gib uns die Gnade, zu lieben, was du

gebietest, damit wir erlangen, was du verheißen hast. Darum

bitten wir durch Jesus Christus.

Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes

und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Vgl. 2 Kor 13, 13

Eucharistiefeier

Liedvorschläge: GL 395, 422, 436, 439, 471, 549 · KG 144, 218,

508, 544, 575, 705

Freuen sollen sich alle, die den Herrn suchen.

Sucht den Herrn und seine Macht, sucht sein Antlitz allezeit.

Vgl. Ps 105, 3–4

Gloria

Tagesgebet (Oration des Morgengebetes)

Lesung aus dem Buch Jeremia Jer 31, 7–9

So spricht der HERR: Jubelt Jakob voll Freude zu und jauchzt

über das Haupt der Völker! Verkündet, lobsingt und sagt:

Rette, HERR, dein Volk, den Rest Israels!

Siehe, ich bringe sie heim aus dem Nordland und sammle

sie von den Enden der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme,

Schwangere und Wöchnerinnen; als große Gemeinde kehren

sie hierher zurück.

Weinend kommen sie und in Erbarmen geleite ich sie. Ich

führe sie an Wasserbäche, auf ebenem Weg, wo sie nicht straucheln.

Denn ich bin Vater für Israel und Efraim ist mein Erstgeborener.


257

Sonntag, 24. Oktober · Eucharistie

Impuls zur Lesung

Vulnerable Gruppen, dieses Wort haben wir in der Corona-

Krise gelernt: besonders verletzliche Menschen, hochbetagte

Menschen, Menschen mit schweren Vorerkrankungen. Die

sogenannte Trostschrift (Jeremia 30, 1 – 31, 40) bildet ein unverhofftes

Gegengewicht zu den schneidend scharfen Gerichtsworten,

die der Prophet den Menschen in Israel und Juda auszurichten

hat. Das Trostbüchlein des Jeremia, eine rettende

Insel in einem bedrohlich aufgewühlten Meer. Ein Aufatmen.

Was der Herr hier dem Volk ankündigt, trägt und heilt versehrte

und verletzliche Menschen – wie die Blinden und Lahmen,

die Schwangeren und Wöchnerinnen, von denen der Prophet

spricht – bis heute. Sich heimführen lassen, Stricke und Lasten

abwerfen, zusammenfinden, in Ruhe und Sicherheit leben dürfen,

getrost da sein in der Welt, von Angst befreit miteinander

leben. Gott will es. Warum gelingt uns das so selten?

Antwortpsalm Ps 126

Kehrvers:

Groß hat der HERR an uns gehandelt. Da waren wir voll Freude.

Als der HERR das Geschick Zions wendete, *

da waren wir wie Träumende.

Da füllte sich unser Mund mit Lachen *

und unsere Zunge mit Jubel. – Kehrvers

Da sagte man unter den Völkern: *

Groß hat der HERR an ihnen gehandelt!

Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt. *

Da waren wir voll Freude. – Kehrvers

Wende doch, HERR, unser Geschick *

wie die Bäche im Südland!

Die mit Tränen säen, *

werden mit Jubel ernten. – Kehrvers


Eucharistie · Sonntag, 24. Oktober 258

Sie gehen, ja gehen und weinen *

und tragen zur Aussaat den Samen.

Sie kommen, ja kommen mit Jubel *

und bringen ihre Garben.

Kehrvers:

Groß hat der HERR an uns gehandelt. Da waren wir voll Freude.

Kehrvers siehe Vers 3, ferner GL 69, 1 (IX. Ton)

oder GL 1975 753, 1 · KG 632 (II. Ton)

Lesung aus dem Hebräerbrief Hebr 5, 1–6

Jeder Hohepriester wird aus den Menschen genommen und

für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott, um Gaben

und Opfer für die Sünden darzubringen.

Er ist fähig, mit den Unwissenden und Irrenden mitzufühlen,

da er auch selbst behaftet ist mit Schwachheit, und dieser

Schwachheit wegen muss er wie für das Volk so auch für sich

selbst Sündopfer darbringen. Und keiner nimmt sich selbst diese

Würde, sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron.

So hat auch Christus sich nicht selbst die Würde verliehen,

Hohepriester zu werden, sondern der zu ihm gesprochen hat:

Mein Sohn bist du. Ich habe dich heute gezeugt, wie er auch an

anderer Stelle sagt: Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung

Melchisedeks.

Ruf vor dem Evangelium vgl. 2 Tim 1, 10

Halleluja. Halleluja.

Unser Retter Jesus Christus hat den Tod vernichtet und uns das

Licht des Lebens gebracht durch das Evangelium.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Markus Mk 10, 46b–52

In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen

Menschenmenge Jericho verließ, saß am Weg ein blinder


259

Sonntag, 24. Oktober · Eucharistie

Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass

es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab

Erbarmen mit mir! Viele befahlen ihm zu schweigen. Er aber

schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden

und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da

warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.

Und Jesus fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tue? Der Blinde

antwortete: Rabbuni, ich möchte sehen können.

Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dich gerettet.

Im gleichen Augenblick konnte er sehen und er folgte Jesus auf

seinem Weg nach.

Credo

Gabengebet

Allmächtiger Gott, sieh gnädig auf die Gaben, die wir darbringen,

und lass uns dieses Opfer so feiern, dass es dir zur Ehre

gereicht. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Präfation

In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater im Himmel, zu

danken und dich mit der ganzen Schöpfung zu loben. Denn

in dir leben wir, in dir bewegen wir uns und sind wir. Jeden

Tag erfahren wir aufs Neue das Wirken deiner Güte. Schon in

diesem Leben besitzen wir den Heiligen Geist, das Unterpfand

ewiger Herrlichkeit. Durch ihn hast du Jesus auferweckt von

den Toten und uns die sichere Hoffnung gegeben, dass sich an

uns das österliche Geheimnis vollendet. Darum preisen wir dich

mit allen Chören der Engel und singen vereint mit ihnen das

Lob deiner Herrlichkeit.

Kommunionvers Ps 20, 6

Wir jubeln über die Hilfe des Herrn. Wir frohlocken im Namen

unseres Gottes.


Auslegung · Sonntag, 24. Oktober 260

Schlussgebet

Herr, unser Gott, gib, dass deine Sakramente in uns das Heil

wirken, das sie enthalten, damit wir einst als unverhüllte Wirklichkeit

empfangen, was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Schlusssegen

Gott, unser Vater, segne euch mit allem Segen des Himmels,

damit ihr rein und heilig lebt vor seinem Angesicht.

Er lehre euch durch das Wort der Wahrheit; er bilde euer

Herz nach dem Evangelium Christi und gebe euch Anteil an

seiner Herrlichkeit.

Er schenke euch jene brüderliche Liebe, an der die Welt die

Jünger Christi erkennen soll.

Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der

Sohn † und der Heilige Geist.

Auslegung zum Sonntagsevangelium

Von Beda dem Ehrwürdigen

M

atthäus (20, 29–34) berichtet von zwei Blinden, die am

Weg saßen, zum Herrn riefen und ihr Augenlicht wiedererlangten.

Lukas (18, 35–43) dagegen erzählt, dass ein blinder

Mann unter denselben Umständen von ihm geheilt wurde, als

Jesus in Jericho ankam (Anm. d. Hrsg.: und nicht, als er die

Stadt verließ). Dabei wird niemand – oder zumindest keiner,

der Weisheit besitzt – annehmen, dass die Evangelisten in ihren

Schriften einander widersprechen, sondern vielmehr dass der

eine das näher ausführt, was der andere übergeht. Man muss

es also so verstehen, dass es Markus vor allem um diesen einen

Blinden ging. Das wird auch daran deutlich, dass er dessen Namen

und den seines Vaters überliefert.


261

Sonntag, 24. Oktober · Abend

Dass Jesus aber, als er nach Jericho kam, einem Blinden das

Augenlicht schenkte, als er aber von da wegging, zweien, das

deutet darauf hin, dass er vor seinem Leiden nur einem Volk,

den Juden, predigte, nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt

aber eröffnete er durch die Apostel den Juden und den

Heiden das Geheimnis seiner Menschheit und Gottheit. Markus

schreibt von dem einen Geheilten, weil er auf das Heil der Heiden

schaut: Das Beschriebene soll ein Beispiel für die Rettung

jener sein, die er durch seine Belehrung zum Glauben führt.

Matthäus dagegen schrieb sein Evangelium für diejenigen, die

aus den Juden zum Glauben gekommen waren; es sollte aber

auch den Heiden bekannt werden, und so berichtet er treffend

von zweien, denen das Licht geschenkt wurde.

Beda der Ehrwürdige (672/673–735,

englischer Benediktinermönch und Kirchenlehrer),

hier nach: Thomas von Aquin, Catena Aurea. Kommentar zu den Evangelien

im Jahreskreis, hg. v. Marianne Schlosser und Florian Kolbinger,

© EOS Verlag, St. Ottilien, 2. Auflage 2012, 507

Hymnus

jedem ende

wohnt ein anfang inne

hab den mut

über dich hinauszugehen

wage auch

dunkles zu sagen

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


Abend · Sonntag, 24. Oktober 262

trau dich

frei zu sein

freue dich

die zeit ist erfüllt mit licht

glaube bitte

dass du geliebt bist

höre doch

dein engel hält dein herz

lauf los

es ist lebenszeit

Michael Lehmler, © beim Autor

Psalm 115

Nicht uns, o Herr, bring zu Ehren, /

nicht uns, sondern deinen Namen, *

in deiner Huld und Treue!

Warum sollen die Völker sagen: *

„Wo ist denn ihr Gott?“

Unser Gott ist im Himmel; *

alles, was ihm gefällt, das vollbringt er.

Die Götzen der Völker sind nur Silber und Gold, *

ein Machwerk von Menschenhand.

Sie haben einen Mund und reden nicht, *

Augen und sehen nicht;

sie haben Ohren und hören nicht, *

eine Nase und riechen nicht;

mit ihren Händen können sie nicht greifen, /

mit den Füßen nicht gehen, *

sie bringen keinen Laut hervor aus ihrer Kehle.

Die sie gemacht haben, sollen ihrem Machwerk gleichen, *

alle, die den Götzen vertrauen.


263

Sonntag, 24. Oktober · Abend

Israel, vertrau auf den Herrn! *

Er ist für euch Helfer und Schild.

Haus Aaron, vertrau auf den Herrn! *

Er ist für euch Helfer und Schild.

Alle, die ihr den Herrn fürchtet, vertraut auf den Herrn! *

Er ist für euch Helfer und Schild.

Der Herr denkt an uns, er wird uns segnen, /

er wird das Haus Israel segnen, *

er wird das Haus Aaron segnen.

Der Herr wird alle segnen, die ihn fürchten, *

segnen Kleine und Große.

Es mehre euch der Herr, *

euch und eure Kinder!

Seid gesegnet vom Herrn, *

der Himmel und Erde gemacht hat!

Der Himmel ist der Himmel des Herrn, *

die Erde aber gab er den Menschen.

Tote können den Herrn nicht mehr loben, *

keiner, der ins Schweigen hinabfuhr.

Wir aber preisen den Herrn *

von nun an bis in Ewigkeit.

Ehre sei dem Vater ...

Dein Name werde geheiligt unter den Völkern, Gott Israels.

Segne alle, die dir vertrauen, und beschütze, die zu dir rufen.

Lass dein Reich unter uns wachsen.

Lesung Röm 1, 16b–17

Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der

glaubt, zuerst den Juden, aber ebenso den Griechen. Denn

im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus

Glauben zum Glauben, wie in der Schrift steht: Der aus Glauben

Gerechte wird leben.


Abend · Sonntag, 24. Oktober 264

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Jesus sprach: Dein Glaube hat dich geheilt. Da konnte der Blinde

wieder sehen und folgte ihm auf seinem Weg.

Fürbitten

Lasst uns beten zu Jesus Christus, der gekommen ist, um uns

zu heilen:

V: Du Helfer der Kranken, A: erhöre unser Gebet.

Stehe den Ärztinnen und Ärzten bei

– und lass sie den ganzen Menschen im Blick behalten.

Sei den psychisch Kranken nahe

– und führe uns zu denen, die unsere Hilfe brauchen.

Gedenke der vielen, die unter den Folgen der Corona-Pandemie

leiden;

– lindere ihre Not und hilf, die Krankheit einzudämmen.

Du bist die Auferstehung und das Leben;

– hilf uns die Furcht vor dem Tod überwinden und lass die

Verstorbenen deine Fülle genießen.

Vaterunser

Oration

Allmächtiger, ewiger Gott, mehre in uns den Glauben, die

Hoffnung und die Liebe. Gib uns die Gnade, zu lieben, was du

gebietest, damit wir erlangen, was du verheißen hast. Darum

bitten wir durch Jesus Christus.

Christus Jesus, der Auferstandene, komme den Seinen zu Hilfe.

In der ewigen Herrlichkeit zähle er uns seinen Heiligen zu.

Nach dem Te Deum

Salve Regina (Seite 379)


Montag, 25. Oktober 2021

Namenstag: hl. Krispin und hl. Krispinian (Märtyrer, † um 287) · hl.

Chrysanthus und hl. Daria (Märtyrer, † um 304) · hl. Gaudentius

(Bischof von Brescia, 5. Jh.) · sel. Ludwig III. von Arnstein (Prämonstratenser,

Klostergründer, † 1185)

Ökumenischer Gedenktag: Philipp Nicolai (dt. Dichter, 1556–1608)

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Wie liebst du mich doch,

mein Gott, du meine Liebe!

Wie liebst du mich,

indem du immer und überall

meiner gedenkst,

immer und überall

auf das Heil des Bedürftigen

und Armen bedacht bist,

nicht nur übermütigen Menschen,

sondern auch Engeln in der Höhe gegenüber!

Im Himmel wie auf Erden

richtest du, o Herr,

die mir Schaden zufügen,

und bezwingst,

die wider mich kämpfen;

allerorts kommst du mir zu Hilfe,

allerorts stehst du mir bei,

allerorts bist du zu meiner Rechten,


Morgen · Montag, 25. Oktober 266

damit ich nicht wanke.

Dafür will ich den Herrn preisen

mein Leben lang,

ich will meinem Gott lobsingen,

solange ich bin.

Bernhard von Clairvaux

Aus: ders., Sämtliche Werke, hg. v. Gerhard B. Winkler,

Bd. V, Tyrolia Innsbruck 1994, 253,

© ARGE St. Bernhard, Stift Wilhering, Linzer Str. 4, A-4073 Wilhering

Psalm 31 Verse 10–17

Herr, sei mir gnädig, denn mir ist angst; *

vor Gram zerfallen mir Auge, Seele und Leib.

In Kummer schwindet mein Leben dahin, *

meine Jahre verrinnen im Seufzen.

Meine Kraft ist ermattet im Elend, *

meine Glieder sind zerfallen.

Zum Spott geworden bin ich all meinen Feinden, /

ein Hohn den Nachbarn, ein Schrecken den Freunden; *

wer mich auf der Straße sieht, der flieht vor mir.

Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter, *

bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.

Ich höre das Zischeln der Menge – Grauen ringsum. /

Sie tun sich gegen mich zusammen; *

sie sinnen darauf, mir das Leben zu rauben.

Ich aber, Herr, ich vertraue dir, *

ich sage: „Du bist mein Gott.“

In deiner Hand liegt mein Geschick; *

entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger!

Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, *

hilf mir in deiner Güte!

Ehre sei dem Vater ...


267

Montag, 25. Oktober · Morgen

Treuer Gott, in deiner Güte stehst du uns bei. Gib uns offene

Augen und ein waches Herz, damit auch wir für jene da sind,

die uns brauchen.

Lesung 1 Joh 3, 23–24

Das ist das Gebot Gottes: Wir sollen an den Namen seines

Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es

seinem Gebot entspricht. Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott

und Gott in ihm. Und dass er in uns bleibt, erkennen wir an

dem Geist, den er uns gegeben hat.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels. Er hat uns besucht und

befreit.

Bitten

Lasst uns beten zu Christus Jesus, der sich jedem Menschen

zugewandt hat:

A: Gib uns ein fühlendes Herz.

– Dass wir spüren, wenn jemand uns braucht.

– Dass wir frei werden und uns denen, die uns begegnen, achtsam

zuwenden können.

– Dass wir nie um ein aufrichtendes Wort oder eine helfende

Geste verlegen sind.

Vaterunser

Oration

Herr, allmächtiger Gott, du hast uns diesen neuen Tag geschenkt.

Bewahre uns an ihm vor Unheil und Sünde und lenke

unsere Gedanken, Worte und Werke, dass wir stets deinen Willen

tun. Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Eucharistie · Montag, 25. Oktober 268

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott, unser Vater. Bedrückt vom Elend unserer Zeit, kommen

wir zu dir. Sieh auf die Not und Hilflosigkeit so vieler Menschen.

Lass sie an ihrem Schicksal nicht zerbrechen. Stärke unter

uns das Bewusstsein der Verantwortung füreinander, damit

wir anfangen, brüderlich zu teilen und einander beizustehn.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Römerbrief Röm 8, 12–17

Wir sind nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder, sodass wir

nach dem Fleisch leben müssten. Wenn ihr nach dem

Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist

die sündigen Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben.

Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne

Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu

Sklaven macht, sodass ihr euch immer noch fürchten müsstet,

sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen

macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!

So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder

Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind

Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden,

um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Impuls zur Lesung

Jesus bringt einen anderen Geist, eine andere Weisheit, die

Umwertung der Werte. „Fleisch“ im Sinne des Paulus ist die

Existenzweise, wie man so lebt, wenn man sich in die Schemata

dieser Welt hineinpressen lässt, wenn man sich von den


269

Montag, 25. Oktober · Eucharistie

Trends und Sachzwängen dieser Welt voll bestimmen und

treiben lässt. Daraus entsteht kein wirklicher Friede, keine tiefe

Freude, kein Sinn. Paulus denkt dabei nicht leibfeindlich:

Auch unser Leib kann der Verherrlichung Gottes dienen (1 Kor

6, 20). Aber es braucht dann einen Leib, der vom Geist durchtränkt

ist und als Frucht hervorbringt: Friede, Freude, Gerechtigkeit,

Güte, Menschenfreundlichkeit (Gal 5, 22 f.)!

Antwortpsalm

Kehrvers: Gott ist ein Gott, der uns Rettung bringt.

Gott steht auf, seine Feinde zerstieben; *

die ihn hassen, fliehen vor seinem Angesicht.

Ps 68, 2.4.6–7b.20–21

Die Gerechten aber freuen sich und jubeln vor Gott; *

sie jauchzen in heller Freude. – Kehrvers

Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen *

ist Gott in seiner heiligen Wohnung.

Gott bringt die Verlassenen heim, *

führt die Gefangenen hinaus in das Glück. – Kehrvers

Gepriesen sei der Herr, Tag für Tag! *

Gott trägt uns, er ist unsre Hilfe.

Gott ist ein Gott, der uns Rettung bringt, *

Gott, der Herr, führt uns heraus aus dem Tod. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 21a, ferner GL 69, 1 (IX. Ton)

oder GL 1975 753, 1 · KG 632 (II. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Joh 17, 17

Halleluja. Halleluja.

Dein Wort, o Herr, ist Wahrheit; heilige uns in der Wahrheit!

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 13, 10–17

In jener Zeit lehrte Jesus am Sabbat in einer Synagoge. Dort

saß eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie


Abend · Montag, 25. Oktober 270

von einem Dämon geplagt wurde; ihr Rücken war verkrümmt,

und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen.

Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist

von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im

gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott.

Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus

am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum

Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen,

nicht am Sabbat!

Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von

euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und

führt ihn zur Tränke?

Diese Tochter Abrahams aber, die der Satan schon seit achtzehn

Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit

werden dürfen?

Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschämt; das

ganze Volk aber freute sich über all die großen Taten, die er

vollbrachte.

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Tu einem Kind Ehre an, und es wird dir Ehre antun.

Aus Zimbabwe

• Wer hat mir als Kind Raum und Anregung zur Entwicklung

gegeben?

• Wodurch habe ich Wertschätzung erfahren?


271

Montag, 25. Oktober · Abend

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Der Tag neigt sich dem Abend zu,

wir wenden uns an Gott, den Herrn,

der als der Ew’gen Liebe Bild

in drei Personen Einer ist.

Er ist die Quelle unsrer Kraft,

wie Petrus uns vor Augen führt,

da er des Lahmen Hand erfasst

und ihn auf seine Füße stellt.

Als Jünger Christi rufen wir

die Macht des Namens Jesu an,

dass wir den guten Kampf bestehn

und aufrecht Gottes Wege gehn.

Den ew’gen Vater preisen wir

und Jesus Christus, seinen Sohn,

den Beistand auch, den Heil’gen Geist,

der uns erleuchtet, stärkt und führt. Amen.

Nach: Ternis horarum terminis; 7.–8. Jahrhundert

Melodie: GL 663 · GL 1975 696 · KG 284 – andere Melodie: EG 469

Psalm 40 Verse 2–9

Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn. *

Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.

Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens, *

aus Schlamm und Morast.

Er stellte meine Füße auf den Fels, *

machte fest meine Schritte.

Er legte mir ein neues Lied in den Mund, *

einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott.


Abend · Montag, 25. Oktober 272

Viele werden es sehen, sich in Ehrfurcht neigen *

und auf den Herrn vertrauen.

Wohl dem Mann, der auf den Herrn sein Vertrauen setzt, *

sich nicht zu den Stolzen hält noch zu treulosen Lügnern.

Zahlreich sind die Wunder, die du getan hast, /

und deine Pläne mit uns; *

Herr, mein Gott, nichts kommt dir gleich.

Wollte ich von ihnen künden und reden, *

es wären mehr, als man zählen kann.

An Schlacht- und Speiseopfern hast du kein Gefallen, *

Brand- und Sündopfer forderst du nicht.

Doch das Gehör hast du mir eingepflanzt; /

darum sage ich: Ja, ich komme. *

In dieser Schriftrolle steht, was an mir geschehen ist.

Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude, *

deine Weisung trag ich im Herzen.

Ehre sei dem Vater ...

Du unser Retter, die Menschen, die auf dich hoffen, lässt du

nicht zugrunde gehen. Öffne uns den Mund, dass wir dich preisen.

Mach uns zu Zeugen deiner Treue.

Lesung 1 Thess 2, 13

Wir danken Gott unablässig dafür, dass ihr das Wort Gottes,

das ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt,

nicht als Menschenwort, sondern – was es in Wahrheit ist – als

Gottes Wort angenommen habt; und jetzt ist es in euch, den

Gläubigen, wirksam.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Meine Seele preise dich allezeit, Gott, du mein Retter.


273

Montag, 25. Oktober · Abend

Fürbitten

Lasst uns beten zu Jesus Christus, dem Freund der Armen:

A: Komm und mach uns reich.

Du hast deine Kirche berufen, den Armen die frohe Botschaft

zu verkünden;

– hilf, dass alle Glaubenden den Notleidenden gütig begegnen.

In unserer Zeit richten viele ihr Streben hauptsächlich auf die

Mehrung ihres Vermögens;

– sende uns Frauen und Männer, die den anderen Menschen in

den Mittelpunkt stellen.

Du hast Lahme geheilt und ihnen eine eigenständige Zukunft

ermöglicht;

– wecke in den Gläubigen deine heilenden Kräfte, dass sie ihre

Mitmenschen aufrichten.

Du hast Trauernde getröstet und Tote zum Leben erweckt;

– schenke uns und unseren Verstorbenen die Fülle deines Lebens.

Vaterunser

Oration

Gott Israels, in deinem Sohn Jesus Christus hast du dich uns

zugewendet und uns dein Erbarmen erwiesen. Heile, was an

uns krank ist, und belebe, was erlahmt ist, damit unsere Freude

an deiner Güte hineinwirkt in unsere Welt. Darum bitten wir

durch Jesus Christus.

Redaktion Magnificat

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Dienstag, 26. Oktober 2021

Namenstag: hl. Amandus von Straßburg (Bischof, 4. Jh.) · hl. Witta

(Albuin, Bischof, † nach 760) · sel. Gerwich und sel. Wigand von

Waldsassen (Zisterzienser, 12. Jh.) · sel. Josephine Leroux (Klarissin,

Märtyrerin in der frz. Revolution, † 1794)

Ökumenischer Gedenktag: Demetrios von Thessaloniki (Märtyrer,

† 306)

Österreichischer Nationalfeiertag

Hymnus

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Nacht und Gewölk und Finsternis,

verworr’nes Chaos dieser Welt,

entweicht und flieht! Das Licht erscheint,

der Tag erhebt sich: Christus naht.

Jäh reißt der Erde Dunkel auf,

durchstoßen von der Sonne Strahl,

der Farben Fülle kehrt zurück

im hellen Glanz des Taggestirns.

So soll, was in uns dunkel ist,

was schwer uns auf dem Herzen liegt,

aufbrechen unter deinem Licht

und dir sich öffnen, Herr und Gott.

Dich, Christus, suchen wir allein

mit reinem, ungeteiltem Sinn,


275

Dienstag, 26. Oktober · Morgen

dir beugen willig wir das Knie

mit Bitten und mit Lobgesang.

Blick tief in unser Herz hinein,

sieh unser ganzes Leben an:

Noch manches Arge liegt in uns,

was nur dein Licht erhellen kann.

Dir, Christus, guter Herr und Gott,

dem ew’gen Vater, der uns liebt,

dem Heil’gen Geist, der bei uns ist,

sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.

Nach: Nox et tenebrae et nubila; Prudentius, † nach 405

Melodie: GL 297 · GL 1975 178 · KG 395 · EG 79

Canticum

Antiphon:

Sei unsere Hilfe, Herr, alle Tage unseres Lebens.

Ich sagte: In der Mitte meiner Tage /

muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, *

man raubt mir den Rest meiner Jahre.

Jes 38, 10–13a.14cd.17–20

Ich sagte: /

Ich darf den Herrn nicht mehr schauen

im Land der Lebenden, *

keinen Menschen mehr sehen bei den Bewohnern der Erde.

Meine Hütte bricht man über mir ab, *

man schafft sie weg wie das Zelt eines Hirten.

Wie ein Weber hast du mein Leben zu Ende gewoben, *

du schneidest mich ab wie ein fertig gewobenes Tuch.

Vom Anbruch des Tages bis in die Nacht

gibst du mich preis; *

bis zum Morgen schreie ich um Hilfe.

Meine Augen blicken ermattet nach oben: *

Ich bin in Not, Herr; steh mir bei!


Morgen · Dienstag, 26. Oktober 276

Du hast mich aus meiner bitteren Not gerettet, /

du hast mich vor dem tödlichen Abgrund bewahrt; *

denn all meine Sünden warfst du hinter deinen Rücken.

Ja, in der Unterwelt dankt man dir nicht, /

die Toten loben dich nicht; *

wer ins Grab gesunken ist,

kann nichts mehr von deiner Güte erhoffen.

Nur die Lebenden danken dir, wie ich am heutigen Tag. *

Von deiner Treue erzählt der Vater den Kindern.

Der Herr war bereit, mir zu helfen. *

Wir wollen singen und spielen im Haus des Herrn,

solange wir leben!

Ehre sei dem Vater ...

Antiphon:

Sei unsere Hilfe, Herr, alle Tage unseres Lebens.

Lesung 1 Thess 5, 4–5

Brüder, ihr lebt nicht im Finstern, sodass euch der Tag nicht

wie ein Dieb überraschen kann. Ihr alle seid Söhne des

Lichts und Söhne des Tages. Wir gehören nicht der Nacht und

nicht der Finsternis.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Aus den Händen aller, die uns hassen, errette uns, o Herr.

Bitten

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ So lautet einer der

bekanntesten Sätze des Frankfurter Philosophen Theodor Adorno.

Bitten wir um Sinn und Erfüllung:

A: Du unser Ursprung und Ziel, wir suchen dich.

– Das vielfache Leid unserer Mitgeschöpfe, ja der Schöpfung

selbst, lässt uns keine Ruhe.


277

Dienstag, 26. Oktober · Eucharistie

– Die Hoffnung auf eine Welt voll Gerechtigkeit und Menschenliebe

treibt uns um.

– Unsere Zeit zerrinnt uns zwischen den Fingern.

Vaterunser

Oration

Herr Jesus Christus, du wahres Licht, das alle Menschen erleuchtet,

damit sie das Heil finden, gib uns die Kraft, deinem

Frieden und deiner Gerechtigkeit den Weg zu bereiten. Der du

in der Einheit des Heiligen Geistes mit Gott dem Vater lebst und

herrschest in alle Ewigkeit.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, im Neuen Bund

berufst du aus allen Völkern dein Volk und führst es zusammen

im Heiligen Geist. Gib, dass deine Kirche ihrer Sendung

treu bleibt, dass sie ein Sauerteig ist für die Menschheit, die du

in Christus erneuern und zu deiner Familie umgestalten willst.

Darum bitten wir durch ihn, der in der Einheit des Heiligen

Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Lesung aus dem Römerbrief Röm 8, 18–25

Schwestern und Brüder! Ich bin überzeugt, dass die Leiden

der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der

Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die ganze

Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne

Gottes.


Eucharistie · Dienstag, 26. Oktober 278

Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus

eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat;

aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von

der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und

Herrlichkeit der Kinder Gottes.

Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen

Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl

wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem

Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres

Leibes als Söhne offenbar werden.

Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber,

die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man

auf etwas hoffen, das man sieht? Hoffen wir aber auf das, was

wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.

Antwortpsalm Ps 126

Kehrvers:

Großes hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich.

Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, *

da waren wir alle wie Träumende.

Da war unser Mund voll Lachen *

und unsere Zunge voll Jubel. – Kehrvers

Da sagte man unter den andern Völkern: *

„Der Herr hat an ihnen Großes getan.“

Ja, Großes hat der Herr an uns getan. *

Da waren wir fröhlich. – Kehrvers

Wende doch, Herr, unser Geschick, *

wie du versiegte Bäche wieder füllst im Südland.

Die mit Tränen säen, *

werden mit Jubel ernten. – Kehrvers

Sie gehen hin unter Tränen *

und tragen den Samen zur Aussaat.


279

Dienstag, 26. Oktober · Eucharistie

Sie kommen wieder mit Jubel *

und bringen ihre Garben ein. – Kehrvers

Kehrvers siehe Vers 3, ferner GL 69, 1 (IX. Ton)

oder GL 1975 753, 1 · KG 632 (II. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. Mt 11, 25

Halleluja. Halleluja.

Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde; du hast

die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 13, 18–21

In jener Zeit sprach Jesus: Wem ist das Reich Gottes ähnlich,

womit soll ich es vergleichen? Es ist wie ein Senfkorn, das

ein Mann in seinem Garten in die Erde steckte; es wuchs und

wurde zu einem Baum, und die Vögel des Himmels nisteten in

seinen Zweigen.

Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen?

Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen

Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.

Impuls zum Evangelium

So viel Mehl im Trog! Doch so gewiss ich letztlich bin, dass mir

das bisschen Sauerteig am Ende das ganze Mehl durchsäuern

wird, so zuversichtlich kann ich sein, dass Gott in meinem

Leben am Werk ist. Ich muss es nicht unablässig kontrollieren.

Ich sehe ja auch nicht ständig nach, ob sich das Mehl

bewegt. Ich bin ganz ruhig. Ich mache mir keine Sorgen. Ich

vertraue darauf: Es wird. Und ebenso vertraue ich darauf, dass

Gott da ist, in meiner Nähe, und dass seine Nähe wirkt. Es

wird. Weil ich nicht pausenlos grübeln und auch nicht ständig

den Teig untersuchen, mein Leben überprüfen muss, habe ich

Zeit, habe ich den Kopf und die Hände frei. Weil ich Vertrauen

habe, habe ich das Herz frei, bin ich frei.


Abend · Dienstag, 26. Oktober 280

Innehalten am Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Am besten erkennt man den Charakter eines Menschen bei

Geldangelegenheiten, beim Trinken und im Zorn.

Aus dem Talmud

• Habe ich mich schon einmal gründlich in einem Menschen

getäuscht?

• Bei wem habe ich eine positive Überraschung erleben können?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!

Die Luft ist still, als atmete man kaum,

Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,

Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!

Dies ist die Lese, die sie selber hält;

Denn heute löst sich von den Zweigen nur,

Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel (1813–1863)

Psalm 49 Verse 14–21

So geht es denen, die auf sich selbst vertrauen, *

und so ist das Ende derer, die sich in großen Worten gefallen.


281

Dienstag, 26. Oktober · Abend

Der Tod führt sie auf seine Weide wie Schafe, *

sie stürzen hinab zur Unterwelt.

Geradewegs sinken sie hinab in das Grab;

ihre Gestalt zerfällt, *

die Unterwelt wird ihre Wohnstatt.

Doch Gott wird mich loskaufen aus dem Reich des Todes, *

ja, er nimmt mich auf.

Lass dich nicht beirren, wenn einer reich wird *

und die Pracht seines Hauses sich mehrt;

denn im Tod nimmt er das alles nicht mit, *

seine Pracht steigt nicht mit ihm hinab.

Preist er sich im Leben auch glücklich und sagt zu sich: *

„Man lobt dich, weil du dir’s wohl sein lässt“,

so muss er doch zur Schar seiner Väter hinab, *

die das Licht nie mehr erblicken.

Der Mensch in Pracht, doch ohne Einsicht, *

er gleicht dem Vieh, das verstummt.

Ehre sei dem Vater ...

Gott, du Ursprung und Mitte unseres Lebens, nur wenn wir

umkehren und dir statt uns selbst vertrauen, werden wir Menschen

zueinanderfinden. Belebe uns neu und öffne unsere Herzen

und Hände für unsere Schwestern und Brüder.

Lesung Jes 61, 11

Wie die Erde die Saat wachsen lässt und der Garten die

Pflanzen hervorbringt, so bringt Gott, der Herr, Gerechtigkeit

hervor und Ruhm vor allen Völkern.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Großes hat an mir getan der Mächtige, sein Name ist heilig.


Abend · Dienstag, 26. Oktober 282

Fürbitten

Christus Jesus, Schöpferwort des ursprunglosen Gottes, wir bitten

dich:

A: Vollende das Werk der Erlösung.

– Führe die Menschen, die in Schuld verstrickt sind, zur Umkehr.

– Verlocke die Menschen durch die Faszination deiner Gerechtigkeit

und Liebe zum Glauben.

– Richte gerade, was in Jahrtausenden Menschheitsgeschichte

an Unheil geschehen ist.

– Belebe die Leiber neu, die im Schoß der Erde auf unvergängliches

Leben warten.

Vaterunser

Oration

Herr, unser Gott, dein ist der Tag, und dein ist die Nacht. Lass

Christus, die Sonne der Gerechtigkeit, in unseren Herzen nicht

untergehen, damit wir aus dem Dunkel dieser Zeit in das Licht

gelangen, in dem du wohnst. Darum bitten wir durch ihn, Jesus

Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


Mittwoch, 27. Oktober 2021

Namenstag: hl. Wolfhard von Verona (Einsiedler, † 1127)

Ökumenischer Gedenktag: Nestor von Thessaloniki (Märtyrer, † 306)

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Hymnus

Du bist der Morgen,

den meine Nächte

suchen.

Du bist die Sonne,

die in meinen Dunkelheiten

aufgeht.

Du bist der Anfang

hinter meinen Schlussstrichen,

du unermüdlicher Gott.

Bernhard Meuser, © beim Autor

Psalm 77 Verse 2–21

Ich rufe zu Gott, ich schreie, *

ich rufe zu Gott, bis er mich hört.

Am Tag meiner Not suche ich den Herrn; /

unablässig erhebe ich nachts meine Hände, *

meine Seele lässt sich nicht trösten.

Denke ich an Gott, muss ich seufzen; *

sinne ich nach, dann will mein Geist verzagen.


Morgen · Mittwoch, 27. Oktober 284

Du lässt mich nicht mehr schlafen; *

ich bin voll Unruhe und kann nicht reden.

Ich sinne nach über die Tage von einst, *

ich will denken an längst vergangene Jahre.

Mein Herz grübelt bei Nacht, *

ich sinne nach, es forscht mein Geist.

Wird der Herr mich denn auf ewig verstoßen *

und mir niemals mehr gnädig sein?

Hat seine Huld für immer ein Ende, *

ist seine Verheißung aufgehoben für alle Zeiten?

Hat Gott seine Gnade vergessen, *

im Zorn sein Erbarmen verschlossen?

Da sagte ich mir: „Das ist mein Schmerz, *

dass die Rechte des Höchsten so anders handelt.“

Ich denke an die Taten des Herrn, *

ich will denken an deine früheren Wunder.

Ich erwäge all deine Werke *

und will nachsinnen über deine Taten.

Gott, dein Weg ist heilig. *

Wo ist ein Gott, so groß wie unser Gott?

Du allein bist der Gott, der Wunder tut, *

du hast deine Macht den Völkern kundgetan.

Du hast mit starkem Arm dein Volk erlöst, *

die Kinder Jakobs und Josefs.

Die Wasser sahen dich, Gott, /

die Wasser sahen dich und bebten. *

Die Tiefen des Meeres tobten.

Die Wolken gossen ihr Wasser aus, /

das Gewölk ließ die Stimme dröhnen, *

auch deine Pfeile flogen dahin.


285

Mittwoch, 27. Oktober · Morgen

Dröhnend rollte dein Donner, /

Blitze erhellten den Erdkreis, *

die Erde bebte und wankte.

Durch das Meer ging dein Weg, /

dein Pfad durch gewaltige Wasser, *

doch niemand sah deine Spuren.

Du führtest dein Volk wie eine Herde *

durch die Hand von Mose und Aaron.

Ehre sei dem Vater ...

Wo ist ein Gott, so groß wie du? Wenn wir dein Wirken in unserem

Leben nicht zu sehen vermögen, rettender Gott, erweise

uns deine Treue.

Lesung Jer 31, 16–17

So spricht der Herr: Verwehre deiner Stimme die Klage und

deinen Augen die Tränen! Denn es gibt einen Lohn für deine

Mühe – Spruch des Herrn: Sie werden zurückkehren aus

dem Feindesland. Es gibt eine Hoffnung für deine Nachkommen

– Spruch des Herrn: Die Söhne werden zurückkehren in

ihre Heimat.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Dienet dem Herrn in Heiligkeit, denn er befreit uns aus der

Hand unserer Feinde.

Bitten

Bitten wir Gott um die Schönheit seines Erbarmens:

A: Öffne unsre Augen, Herr.

– Für die Menschen, die ein gutes Wort von uns brauchen.

– Für die Menschen, denen wir helfen können.

– Für die Menschen, mit denen wir uns schwertun.


Eucharistie · Mittwoch, 27. Oktober 286

Vaterunser

Oration

Gütiger Gott, lass es hellen Tag werden in unserem Herzen,

damit wir nicht in die Irre gehen, sondern auf dem Weg deiner

Gebote bleiben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil

und führe uns zum ewigen Leben.

Tagesgebet

Texte zur Eucharistiefeier

Ewiger Gott. Du selber hast uns hier zusammengeführt, um mit

uns zu reden und mit uns Mahl zu halten. Stärke in uns die

Zuversicht, dass diese Feier sich bei dir vollenden wird – in dem

Leben, das du uns heute versprichst und dessen Speise du uns

heute gibst. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus dem Römerbrief Röm 8, 26–30

Schwestern und Brüder! Der Geist nimmt sich unserer

Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter

Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein

mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können. Und Gott,

der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist:

Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.

Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum

Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen

sind; denn alle, die er im Voraus erkannt hat, hat er auch im

Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben,

damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.

Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und

die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber

gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.


287

Mittwoch, 27. Oktober · Eucharistie

Antwortpsalm Ps 13, 4–6

Kehrvers:

Herr, mein Gott, ich baue auf deine Huld.

Blick doch her, erhöre mich, Herr, mein Gott, *

erleuchte meine Augen, damit ich nicht entschlafe und sterbe,

damit mein Feind nicht sagen kann:

„Ich habe ihn überwältigt“, *

damit meine Gegner nicht jubeln,

weil ich ihnen erlegen bin. – Kehrvers

Ich aber baue auf deine Huld, *

mein Herz soll über deine Hilfe frohlocken.

Singen will ich dem Herrn, *

weil er mir Gutes getan hat. – Kehrvers

Kehrvers vgl. Vers 6a, ferner GL 77, 1 oder GL 1975 528, 4 · KG 631 (VII. Ton)

Ruf vor dem Evangelium vgl. 2 Thess 2, 14

Halleluja. Halleluja.

Durch das Evangelium hat Gott uns berufen zur Herrlichkeit

Jesu Christi, unseres Herrn.

Halleluja.

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas Lk 13, 22–30

In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von

Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.

Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet

werden?

Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die

enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen

hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.

Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt,

dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach

uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher

ihr seid.


Eucharistie · Mittwoch, 27. Oktober 288

Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und

getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber

wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid.

Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!

Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn

ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im

Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.

Und man wird von Osten und Westen und von Norden und

Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.

Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und

manche von den Ersten die Letzten.

Impuls zum Evangelium

Das Interesse an guten Plätzen ist auch heute ungebrochen,

doch über die Sitzordnung in Gottes Reich und die Zulassungsbedingungen

zum Heil debattiert man bei uns eher selten.

Oder hat sich die Angst, von Gottes Festmahl ausgeschlossen

zu werden und das Heil zu verwirken, nur bis zur Unkenntlichkeit

verkleidet? Der namenlose Mann, der Jesus eine Frage

stellt, sorgt sich sehr und zeigt es. Er starrt auf die – da ist er

sich sicher – kleine Schar derer, die gerettet werden, und fragt

sich unablässig, ob er dabei sein werde. Jesus antwortet ihm

nicht direkt. Er ermutigt den Mann nur, sich mit allen Kräften

für sein Anliegen einzusetzen. Damit sagt er nicht, dass

vor der Tür ein heilloses Gedränge herrscht, sodass man viele

Tricks und beide Ellenbogen bräuchte, um es über die Schwelle

zu schaffen. Vielmehr geht es um Ermutigung zum Glauben:

sich ganz der Fürsorge Gottes und der Führung Jesu anzuvertrauen.

Das wird dein Leben ändern.


289

Mittwoch, 27. Oktober · Abend

Abendgebet

O Gott, komm mir zu Hilfe.

Herr, eile, mir zu helfen.

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.

Innehalten am Abend

Die Zeit weilt, eilt, teilt und heilt.

Sprichwort

• Welches der vier der Zeit zugeschriebenen Verben erfahre

ich derzeit?

• Was bedeutet mir „Zeit“?

Confiteor (Seite 17) – oder – Erbarme dich (Seite 52)

Hymnus

Der Glanz verfällt, die Zeit flieht hin,

das Tagwerk zehrt an unsrer Kraft.

Herr, Gott, an den kein Abend rührt,

nimm uns Erschöpfte liebreich auf.

Wir gehn dahin wie Tag und Traum;

kein Wunsch hält unser Leben fest.

Dein Glanz, o Herr, erstrahle uns,

wenn unser kleines Licht erlischt.

Gewähr uns dies, o guter Gott,

du Vater, und du einz’ger Sohn,

die ihr mit ihm, dem Heil’gen Geist,

regiert durch Zeit und Ewigkeit. Amen.

Zeitgenössisch

Melodie: GL 90 · GL 1975 704 · KG 679 · EG 469


Abend · Mittwoch, 27. Oktober 290

Canticum Kol 1, 12–20

Antiphon:

Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen, und alles hat in

ihm Bestand.

Dankt dem Vater mit Freude! *

Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben

am Los der Heiligen, die im Licht sind.

Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen *

und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.

Durch ihn haben wir die Erlösung, *

die Vergebung der Sünden.

Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, *

der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.

Denn in ihm wurde alles erschaffen *

im Himmel und auf Erden,

das Sichtbare und das Unsichtbare, /

Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; *

alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.

Er ist vor aller Schöpfung, *

in ihm hat alles Bestand.

Er ist das Haupt des Leibes, *

der Leib aber ist die Kirche.

Er ist der Ursprung, /

der Erstgeborene der Toten; *

so hat er in allem den Vorrang.

Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, *

um durch ihn alles zu versöhnen.

Alles im Himmel und auf Erden

wollte er zu Christus führen, *

der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.

Ehre sei dem Vater ...


291

Mittwoch, 27. Oktober · Abend

Lesung vgl. 2 Thess 1, 6.7.10

Es entspricht der Gerechtigkeit Gottes, euch, den Bedrängten,

zusammen mit uns Ruhe zu schenken, wenn Jesus, der

Herr, sich vom Himmel her offenbart mit seinen mächtigen Engeln,

wenn er kommt, um inmitten seiner Heiligen gefeiert und

im Kreis aller derer bewundert zu werden, die den Glauben

angenommen haben.

Magnificat – Lobgesang Mariens

Antiphon zum Magnificat:

Machtvolle Taten vollbringt der Herr, er zerstreut, die im Herzen

voll Hochmut sind.

Fürbitten

Lasst uns beten zu Jesus Christus, der uns retten will:

V: Komm, Herr, A: wir warten auf dich.

– Für die Gefangenen, die keine Hoffnung auf Befreiung mehr

haben.

– Für die Hungernden, die nicht wissen, wovon sie sich heute

ernähren sollen.

– Für die Sterbenden, die Angst haben, ins Bodenlose zu fallen.

Vaterunser

Oration

Gott, dein Name ist heilig, und deine Barmherzigkeit wird gerühmt

von Geschlecht zu Geschlecht. Nimm das Abendgebet

deiner Kirche an und gib, dass in ihr dein Lobpreis niemals

verstumme. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende

gewähre uns der allmächtige Herr.

Salve Regina (Seite 379)


imon und Judas

Donnerstag

28. Oktober 2021

Der Beiname des Apostels Simon, „Zelotes“, weist darauf hin,

dass er vor seiner Berufung wohl Mitglied in der Gruppe der

Zeloten war, die mit Gewalt versuchten, die römische Besatzungsmacht

abzuschütteln. Dass Jesus ihn in den Kreis der Zwölf beruft,

zeigt: Das Reich Gottes steht allen offen. Simon ist nicht mit dem

„Herrenbruder“ Simon gleichzusetzen. Sein Wirkungsfeld als Glaubensbote

lag vermutlich in Palästina. Unklar ist, wann und wo er

gestorben ist.

Judas Thaddäus, der nur an einzelnen Stellen im Neuen Testament

erwähnt wird, gehört zu den weniger bekannten Aposteln.

Dass der Name Judas meistens nicht mit der vollen Bezeichnung

Judas Thaddäus genannt wird, hat in der kirchlichen Überlieferung

zu Verwirrungen geführt. Ob er den Judasbrief verfasst hat,

ist umstritten. Vermutlich war er der Sohn eines Jakobus, hat in

Vorderasien und Phönizien den Glauben verkündet und ist dort als

Märtyrer gestorben. Seine Verehrung als Helfer in aussichtslosen

Nöten stieg seit dem Ende des 18. Jahrhunderts stetig.

Namenstag: Alfred der Große (angelsächs. König, † 900)

Morgengebet

Herr, öffne meine Lippen.

Damit mein Mund dein Lob verkünde.

Dich, Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir.

Dich preist der glorreiche Chor der Apostel.

Aus dem Te Deum

Ehre sei dem Vater ... Halleluja.


293

Donnerstag, 28. Oktober · Morgen

Hymnus

Jerusalem, du selge Stadt,

die ewgen Frieden schauet,

die aus lebendgen Steinen hat

der Herr sich auferbauet!

Gleich einer Braut steigst du empor,

umgeben von der Engel Chor.

Wie glücklich bist du angetraut,

vom Vater ausgestattet,

und von dem Sohn als seine Braut

mit Gnaden überschattet.

O welche Pracht und Schönheit hat

die glanzerfüllte Gottesstadt!

Von Perlen schimmert hell das Tor,

geöffnet ist es allen,

die auf dem Tugendpfad empor

zu ihr mit Eifer wallen.

Wer mit dem Heiland leiden kann,

der kommt zu dieser Stadt hinan.

Lass dich, o Vater, immerfort

von dankerfüllten Chören

mit deinem eingebornen Wort

und deinem Geiste ehren.

Dir werde Ehre, Preis und Macht

in alle Ewigkeit gebracht!

Friedrich Spee

GL 893 · GL 1975 914 (Anhang Würzburg)

Psalm 119

Du hast deinem Knecht Gutes erwiesen, *

o Herr, nach deinem Wort.

Lehre mich Erkenntnis und rechtes Urteil! *

Ich vertraue auf deine Gebote.

Verse 65–72 Tet


Morgen · Donnerstag, 28. Oktober 294

Ehe ich gedemütigt wurde, ging mein Weg in die Irre; *

nun aber halte ich mich an deine Verheißung.

Du bist gut und wirkst Gutes. *

Lehre mich deine Gesetze!

Stolze verbreiten über mich Lügen, *

ich aber halte mich von ganzem Herzen an deine Befehle.

Abgestumpft und satt ist ihr Herz, *

ich aber ergötze mich an deiner Weisung.

Dass ich gedemütigt wurde, war für mich gut; *

denn so lernte ich deine Gesetze.

Die Weisung deines Mundes ist mir lieb, *

mehr als große Mengen von Gold und Silber.

Ehre sei dem Vater ...

Wir preisen dich, Gott, denn Tag für Tag erweist du uns deine

Güte. An deine Verheißung wollen wir uns halten.

Lesung Eph 2, 19–22

Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern

Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Ihr seid auf

das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein

ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau

zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im

Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung

Gottes erbaut.

Benedictus – Lobgesang des Zacharias

Antiphon zum Benedictus:

Auf zwölf Steine ist die heilige Stadt gegründet. Sie tragen die

Namen der Apostel des Lammes. Und das Lamm ist die Leuchte

der Stadt.