The Red Bulletin 09/21 AT

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ÖSTERREICH

SEPTEMBER 2021

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UNSER

ERSTES

MAL

PIZZERA & JAUS

Das Power-Pop-Duo

über Liebe, Rausch

und Gänsehaut-

Momente

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

Paul Pizzera und Otto Jaus,

gemalt in Öl auf Leinwand.

Von Philip Burke, exklusiv

für The Red Bulletin.


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Die KTM 890 DUKE R liefert genau das, was du von einer „R“ erwartest. Eine angriffslustige

Sitzposition wie auf der Rennstrecke, WP-Federung aus dem Rennsport und beeindruckende

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Gezeigte Fahrszenen bitte nicht nachahmen, Schutzkleidung tragen und die anwendbaren Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung beachten!

Die abgebildeten Fahrzeuge können in einzelnen Details vom Serienmodell abweichen und zeigen teilweise Sonderausstattung gegen Mehrpreis.


E D I T O R I A L

WILLKOMMEN

EIN HEFT

WIE GEMALT

PIZZERA & JAUS

ALS ÖLGEMÄLDE

Seit Anfang der Achtzigerjahre

malt US-Künstler

Philip Burke (o.) Topstars

für internationale Magazine

– für uns hat er das

heimische Pop-Duo Pizzera

& Jaus auf Leinwand

verewigt. Ab Seite 40.

Wo anfangen, wenn es gilt, eine Ausgabe einzugeigen,

die vor bunter Vielfalt strotzt? Wir

machen es uns leicht: Wir beginnen dort, wo es

besonders farbig zugeht: „Mit dem Pauli das

Stadion zu zerlegen, das wäre herrlich“, sagt

Otto Jaus von, ja, Pizzera & Jaus. Im Interview

spricht das Erfolgsduo, das Ende August im

Steinbruch von St. Margarethen bei Red Bull

Jukebox auf der Bühne stehen wird, über erste

Male. Illustriert wurden die beiden – ebenfalls

zum ersten Mal – von einem, der sonst Musiklegenden

pinselt, etwa Miles Davis, Franz Zappa

oder Kurt Cobain: nämlich vom New Yorker

Künstler Philip Burke. Was wir noch zu bieten

haben: das erwachsen gewordene Mountainbike-Wunderkind

Vali Höll, die visionäre

Designerin Flora Miranda und den erhellenden

Regisseur David Schalko.

Gute Unterhaltung

mit der neuen Ausgabe

von The Red Bulletin!

Die Redaktion

FLORA MIRANDAS

MODE-VISIONEN

Die Salzburger Designerin

Flora Miranda hat eine klare

Vorstellung von der Zukunft

der Mode – Science-Fiction ist

nichts dagegen: ab Seite 62.

KÖNIG DER

WELLEN

Fotograf Ben Thouard

fasziniert die Schönheit

großer Wellen –

die allerschönsten

findet er vor Tahiti.

Ab Seite 20.

121

Hektar misst das Areal

des American-Football-

Stadions in Inglewood,

es ist damit fast dreimal

so groß wie der

Vatikan. Mehr Zahlen

zur NFL auf Seite 14.

PHILIP BURKE (COVER) BEN THOUARD

4 THE RED BULLETIN


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gemäß Vertragsbedingungen. Nur bei teilnehmenden Händlern,

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INHALT

The Red Bulletin

im September 2021

COVERSTORY

40 PIZZERA & JAUS

Das Duo hat es mit Schmäh,

Charme und Musik auf die

großen Bühnen geschafft.

Ein Gespräch über Anfänge.

PORTFOLIO

20 KÖNIG DER WELLEN

Der französische Fotograf

Ben Thouard ist auf große

Wellen spezialisiert – und

auf die Surfer darauf.

FUSSBALL

34 KICK IT LIKE KARISHMA

Wie eine 24-jährige Pakistani

ihre Heimat dank der Kraft

des Fußballs zum Besseren

verändern will.

FILM

36 FRÖHLICHE

WUNSCHLOSIGKEIT

David Schalko über seine

neue TV-Serie und einen

idealen Lebenszustand.

ARCHÄOLOGIE

38 MAN SPÜRT SO RICHTIG,

DASS MAN LEBT

Terry Madenholm ist Model

und Archäologin – eine

interessante Kombination.

BIKE

48 SUPER-GIRL

Mountainbike-Wunderkind

Valentina Höll: Nicht mal eine

Verletzung kann sie bremsen.

STREETBALL

54 KÄFIG VOLLER HELDEN

Ein legendärer Basketballplatz

in New York – wo der Sport

mehr als nur ein Spiel ist.

FASHION

62 ZUKUNFT DER MODE

Eine 30-jährige Salzburgerin

als Fashion-Visionärin. Sie

macht Fiktion zum Faktum.

GUIDE

Tipps für ein Leben

abseits des Alltäglichen

73 REISEN. Ein Genuss-Wochenende

mit dem E-Bike in Südtirol.

78 UHREN. Ein Chronograph, der über

und unter Wasser gute Figur macht.

80 E-MOBILITÄT. Vier Zweirad-

Kategorien mit Zukunft.

82 LESESTOFF. Der unbarmherzige

Samariter & andere Serien-Helden.

86 TIPPS & TRENDS. Die Empfehlungen

der Redaktion.

88 RED BULL FLUGTAG UND

KALENDER. Wichtige Termine.

92 BOULEVARD DER HELDEN.

Michael Köhlmeier über eine

Begegnung zwischen Bob Dylan

und Schachgenie Bobby Fischer.

48

EINBLICK Bikerin Vali Höll erzählt, warum ein

schwerer Sturz ihr Leben positiv verändert hat.

62

AUSBLICK Designerin Flora Miranda zeigt eine

Modewelt, in der Science-Fiction Realität wird.

36

PHILIPP HORAK, NORMAN KONRAD, KLAUS PICHLER, ANTHONY GEATHERS

8 GALLERY

14 ZAHLEN, BITTE!

16 FUNDSTÜCK

18 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW

96 IMPRESSUM

98 CARTOON

DURCHBLICK Regisseur David Schalko verrät,

warum das Leben einer Kuh für ihn reizvoll ist.

6 THE RED BULLETIN


54

KRAFTPLATZ

Ein Basketballkäfig

in New York zieht

Menschen in ihren

Bann – weil der Sport

hier neue Bedeutung

bekommt.

THE RED BULLETIN 7


DENIS KLERO/RED BULL CONTENT POOL


LOS ANGELES, USA

Traumsprung

Schaut super aus, wie sich der russische

Freeride-Pionier Pavel Alekhin hier von

sämtlichen physikalischen Zwängen

befreit und locker über alle Berge hüpft.

Aber bevor ihr fragt: Nein, natürlich ist

das nicht wahr. Aber von Alekhins Landsmann,

dem Fotografen und Photoshop-

Zauberer Denis Klero, gut ausgedacht und

gut gemacht. „Ich wollte den echten

Sprung in Los Angeles in einer künstlichen

Traumkulisse zeigen“, sagt Klero.

„Und Pavels Talent ist ja tatsächlich über

den Wolken.“ Traumhafte Bilder: klero.ru

9


LANDMANNALAUGAR,

ISLAND

Gemälde

aus Eis

Der kalifornische Fotograf Chris Burkard

hat an Bord einer Cessna (ein Flugzeug

wie das kleine gelbe Ding auf dem Foto,

das unter Burkards Maschine durchflog)

die mächtigen Gletschersysteme im

Hochland Islands aus der Vogelperspektive

dokumentiert, um ihre betörende

Schönheit festzuhalten. Sein Bildband

„At Glacier’s End“ soll die Menschheit

daran erinnern, dass die Erderwärmung

diese Naturdenkmäler für immer

zum Verschwinden bringen könnte.

Mehr Impressionen: atglaciersend.com


GOLF VON FINNLAND

Leuchtturmprojekt

Leuchttürme wie dieses 40 Meter

hohe Exemplar nahe der russischen

Metropole St. Petersburg

haben eine noble Aufgabe: Sie

bieten den Menschen auf hoher

See beruhigende Orientierung.

Manchmal machen sie aber auch

einfach nur Spaß: zum Beispiel,

wenn BASE-Jumper Semjon

Lazarev von ihnen runterspringt.

Mehr Fotos von Victor Sukhorukov:

tankizt.com; Instagram: @tankizt

CHRIS BURKARD, VICTOR SUKHORUKOV/RED BULL ILLUME DAVYDD CHONG

11


YOSEMITE-TAL,

KALIFORNIEN, USA

Mittagspause

Dieser doch etwas ausgesetzte Ruheplatz

befindet sich mitten in der be rühmten

Salathé-Wand des ikonischen Granitfelsens

El Capitan im Yosemite- Nationalpark

in Kalifornien. Das Foto – es zeigt

die Bergkameraden des deutschen Fotografen

und Kletterers Alexander Wick –

ist eine Hommage an eine Aufnahme,

die der amerikanische Kletterpionier

Tom Frost bei der Erstbesteigung der

Wand im Jahr 1961 geschossen hat.

Instagram: @alex.ander.wick


ALEXANDER WICK/RED BULL ILLUME DAVYDD CHONG

13


Z A H L E N , B I T T E !

NFL

Die Welt ist ein Eierlaberl

Kaum eine Sportart ist derart auf Statistiken fixiert wie American Football.

Zum Start der 102. NFL-Saison: legendäre Quarterbacks, ein Rekordbuch

mit fast 900 Seiten und ein Stadion, größer als der Vatikan.

1

Spieler schaffte es, Fußball-

Meister in Europa und NFL-

Champion zu werden: Der

Österreicher „Wembley-Toni“

Fritsch gewann mit Rapid

Wien (1964, 1967, 1968) und

den Dallas Cowboys (1972).

100.000.000.000

Dollar, plus/minus, umgerechnet

gut 84 Milliarden

Euro, kassiert die NFL für die

TV-Rechte von 2023 bis 2033.

2

weibliche Referees werden

für die Einhaltung der Regeln

sorgen. Ganz neu im Job ist

Maia Chaka, die erste Afroamerikanerin

in der Position

eines „On-Field Official“.

121

Hektar (299 Acres) umfasst

das Areal des SoFi Stadium

in Inglewood, Kalifornien.

Zum Vergleich: Der Vatikan

misst 44 Hektar (109 Acres).

39

Jahre alt war der gebürtige

Norweger Einar Magnus „Bill“

Irgens, als er 1921 als bisher

ältester Spieler seinen ersten

Punkt in der NFL machte.

965

Einträge umfasst eine Google-Liste

von NFL-Rekorden. Das jährlich erscheinende

„Record and Fact Book“

der NFL hat mittlerweile 872 Seiten.

100.000

Dollar Preisgeld bekommt der Sieger der „Big Data Bowl“:

Die NFL stellt Daten („Next Gen Stats“) zur Verfügung und

sucht so nach neuen nützlichen Statistik-Varianten.

77

der 100 meistgesehenen TV-Shows der

USA in den vergangenen fünf Jahren

waren NFL-Spiele. Und: 24 der Top 25

drehten sich um Football.

3

Quarterbacks – Brett Favre,

Peyton Manning, Drew Brees

– haben gegen alle 32 NFL-

Teams zumindest ein Spiel

gewonnen. Heuer könnte

Superstar Tom Brady in diesen

erlauchten Kreis aufsteigen.

24.960

Bälle muss Ausrüster

Wilson Sporting Goods

pro Saison mindestens

zur Verfügung stellen,

780 für jedes der 32 Teams.

99

Yards (90,5 m) muss ein

Spieler maximal bis zum

Touchdown laufen. Erst zwei

schafften die volle Strecke:

Tony Dorsett (1985) und

Derrick Henry (2018).

16,8

Millionen Dollar (14,2 Mio.

Euro) zahlten Google und

Amazon 2020 für 90 Werbesekunden

beim Superbowl.

GETTY IMAGES (3), PICTUREDESK.COM CLAUDIA MEITERT HANNES KROPIK

14 THE RED BULLETIN


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ist eine der besten

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gewann 23 Grand-

Slam-Turniere.

SERENA WILLIAMS

Früchte des Zorns

Von der amerikanischen Tenniskönigin im Finale der US Open zertrümmerter Schläger, 2018

Es gibt viele Dinge, die Serena Williams ausgezeichnet kann, Verlieren zählt nicht dazu: Als sie im Finale der

US Open im September 2018 gegen die junge Japanerin Naomi Ōsaka begriff, dass sie wohl nicht gewinnen

würde, setzte es einen ihrer berüchtigten Wutausbrüche. Die Folge: drei Verwarnungen vom Schiedsrichter.

Von der zweiten erzählt der mit einem wuchtigen Schlag zum emotionalen Ventil umfunktionierte Schläger

oben. Im Tennis-Regelbuch heißt so was „Schlägermissbrauch“ und kostete 3000 Dollar Strafe.

GOLDIN AUCTIONS, GETTY IMAGES

16 THE RED BULLETIN


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D A S F I K T I V E P H I L O S O P H E N - I N T E R V I E W

EPIKUR SAGT:

„So lernst du die Kunst

der Freude“

Glücklich sein ist der Sinn des Lebens. Aber wie ist wirkliche

Freude zu finden? Der alte Grieche Epikur meint

in unserem fiktiven Interview mit Christoph Quarch: nur,

indem man nicht krampfhaft nach ihr sucht.

the red bulletin: Herr Epikur, Sie haben behauptet,

der Sinn des menschlichen Lebens

bestehe darin, Lust und Freude zu empfinden.

In der Welt von heute gibt es

viele Menschen, die viel Zeit und

Geld dafür aufwenden, extreme

Erfahrungen zu machen, um extrem

viel Spaß zu haben. Etwa,

indem sie mit einem Seil am Fuß

von einer Brücke springen.

Was halten Sie davon?

epikur: Keine Ahnung, ich habe so

etwas noch nie ausprobiert. Wer sich

zu meiner Zeit selbst erproben wollte,

konnte das bei einem unserer vielen

Kriege tun. Aber das war nie so

mein Ding. Ich habe es vorgezogen,

in meinem Garten zu lustwandeln,

gute Gespräche zu führen und mich

am Licht der Sonne zu erfreuen.

Aber Sie haben doch gesagt,

wir Menschen täten gut daran,

ein Leben der Freude zu führen.

Wenn jemand Freude daran hat, extreme Herausforderungen

zu bestehen, dann ist das doch etwas

Gutes, oder?

Jaja, ich weiß, was Sie meinen, aber so einfach ist es

nicht. Nicht überall, wo Freude draufsteht, ist auch

Freude drin. Vorderhand sieht es doch so aus: Sie

nehmen sich etwas vor, artikulieren einen Wunsch.

Und siehe da, es kommt so, wie Sie es wollten, und

dann freuen Sie sich. Das war’s. Und was dann?

Na ja, man freut sich, und wenn die Freude nachlässt,

gibt es bestimmt ein nächstes Ziel, das man

sich setzt. Und wenn man auch das erreicht hat,

dann ist die Freude doppelt so groß.

Im Gegenteil, mein Freund, die Freude wird schwächer.

Erst unmerklich, aber dann umso mehr. Und weißt du,

warum? Weil deine Freude nicht mehr frei ist. Besser:

weil du nicht mehr frei bist. Du verhedderst dich im

Hamsterrad, brauchst immer neue Anreize, immer

neue Wünsche, immer neue Ziele. Klar, du freust dich,

wenn du wieder einmal etwas erreicht hast, aber diese

„Das Geheimnis

liegt darin, so zu leben,

dass man sich

an allem freut, was ist,

und nicht an dem,

was man will.“

Freude verpufft so schnell, wie sie kam. Und noch

während sie verpufft, wirst du immer abhängiger

von deinen kleinen Kicks der erfüllten Wünsche. Bis

du auf die glorreiche Idee kommst, deine Ziele immer

größer und extremer werden zu lassen – in der Hoffnung,

dass auch die Freude dann extremer wird. Was

aber nicht passiert. Stattdessen kannst du dich

irgendwann gar nicht mehr freuen: Fünfzig

Kilometer gelaufen? Okay, dann sechzig.

Sechzig Kilometer gelaufen? Okay,

dann siebzig. Das nimmt kein Ende,

außer du fällst vorher tot um.

Hm, aber dann wäre Freude ja

so etwas wie eine Droge, die

einen irgendwann in den Abgrund

stürzt. Und die Lust an Extremerfahrungen

wäre das Symptom

einer gesteigerten Abhängigkeit.

Könnte sein, ja. Und deshalb ist

es so wichtig, beizeiten die Kunst

der Freude zu lernen. Darum ging

es in meinen Büchern.

Und worin besteht diese Kunst

der Freude?

Vor allem darin, sich an den Dingen

zu erfreuen, die wirklich zu

einem passen – die irgendwie

naturgemäß und unbegrenzt vorhanden sind. Wie

gesagt: Ich habe immer die größte Freude, wenn ich

mit guten Freunden durch meinen Garten schlendere .

Denn ich bin dann völlig frei davon, irgendetwas

Tolles oder Extremes erfahren zu müssen. Ich bin

dann auch frei von Angst und Sorge. Ich glaube, das

ganze Geheimnis der Freude liegt darin, so zu leben,

dass man sich an allem freut, was ist, und nicht an

dem, was man will. Du möchtest dich freuen? Dann

hör auf, dich freuen zu wollen!

EPIKUR (um 341 – 271/270 v. Chr.) gilt als Philosoph der Freude.

Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Im Gegenteil: Zu

allen Zeiten war er die Hassfigur von Moralpredigern, die ihn als

Ahnherrn eines zügellosen Hedonismus verdammten. Tatsächlich

ging es Epikur aber nicht um ein Maximum an Spaß, sondern

um Selbstgenügsamkeit, die das Leben so nimmt, wie es ist.

CHRISTOPH QUARCH, 57, ist deutscher Philosoph, Gründer

der Neuen Platonischen Akademie (akademie-3.org) und

Autor zahlreicher philosophischer Bücher. Zuletzt erschienen:

„Kann ich? Darf ich? Soll ich? Philosophische Antworten

auf alltäg liche Fragen“, legenda Q, 2021.

DR. CHRISTOPH QUARCH BENE ROHLMANN

18 THE RED BULLETIN


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P O R T F O L I O

20 THE RED BULLETIN


König

der

Wellen

Der französische Fotograf

Ben Thouard macht unglaubliche

Bilder von riesigen Wellen an der

Küste von Tahiti. Und von

Menschen, die mutig genug sind,

sie zu reiten. Hier erzählt er,

wie seine Kunstfotos entstehen.

Protokoll PIERRE HENRY CAMY

Wisch und weg

Teahupo‘o, Juni 2016

„Das Foto von Matahi Drollet, den man

den Prinz von Teahupo‘o nennt, habe ich

mit einer langen Verschlusszeit gemacht.

Das ist ästhetisch, aber kompliziert, denn

irgendwas im Bild sollte scharf sein. Man

braucht für solche Bilder Glück, aber mehr

noch Entschlossenheit. Ich bin tausendmal

gescheitert, bevor mir dieses Foto gelang.“

THE RED BULLETIN 21


P O R T F O L I O

22 THE RED BULLETIN


Brecher

aus Glas

Nordküste

Tahitis,

Dezember 2015

„Sonnenaufgang. Im

Hintergrund ist eine

Klippe, deshalb wirkt

der Strand schwarz.

Die ersten Sonnenstrahlen

fallen über

die Klippe und brin gen

den Wellenkamm zum

Leuchten, als wäre er

aus Glas. Dass dich so

eine Welle erwischt,

willst du wirklich

nicht. Sie kann dich

zerquetschen.“

THE RED BULLETIN 23


P O R T F O L I O

Warten auf die Welle

Teahupo‘o, Mai 2019

„Diese beiden Fotos sind unmittelbar nacheinander

entstanden: Sechs Uhr früh, die Morgenbrise bläst

den Schaum vom Wellenkamm, davor wartende Surfer,

flaches Licht erleuchtet die Szene. So wie hier arbeite

ich viel vom Jet-Ski aus, das macht mich flexibler.“

24 THE RED BULLETIN


Der unbekannte Surfer

Teahupo‘o, Mai 2019

„Man muss auf die Welle warten, im richtigen Moment

tauchen, sich umdrehen, Einstellungen und Bildausschnitt

wählen und abdrücken. Ich weiß bis heute

nicht, wer der Surfer auf dem Bild ist – von unten sieht

es jedenfalls aus, als würde er fliegen.“

THE RED BULLETIN 25


P O R T F O L I O

26 THE RED BULLETIN


Notausgang

Adrian Buchan,

Teahupo‘o,

August 2017

„Viele halten die

Teahupo‘o-Welle für die

gefährlichste der Welt –

wegen ihrer Größe, ihrer

Kraft und weil sie über

einem scharfen Korallenriff

bricht. Eigentlich

wollte ich den Australier

Adrian Buchan in der Tube

fotografieren, doch dann

nahm er den Notausgang

durch die brechende Welle.

So entstand dieses ungewöhnliche

Foto: Adrian

steht zwar noch auf dem

Brett, aber unter Wasser.“

THE RED BULLETIN 27


P O R T F O L I O

Im Bauch des

Ungeheuers

Matahi Drollet,

Teahupo‘o, Juli 2015

„Diese Wellen waren

so groß, dass die Surfer

mit dem Jet-Ski hineingebracht

wurden. Trotzdem

surft der Tahitianer

Drollet nur mit der Kraft

seiner Arme, er schafft es

mit Müh und Not über dieses

Monster. Ich befinde

mich auf einem Boot ganz

nah dran. Mein Erfolg

hängt vom Kapitän ab.

Aber die Fischer kennen

die Teahupo‘o-Welle

wirklich gut.“

28 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 29


P O R T F O L I O

Im Blindflug

William Aliotti, Teahupo‘o, April 2016

„Ganz nah an der Action: Ich bin genau unter dem Kamm

der Welle, die kurz davor ist, auf meine Kamera zu krachen.

Ich bin schon vollständig unter Wasser, aber mein Arm mit

der Kamera ist noch oben, um die Aufnahme zu machen.

Ich schieße blind, nur so bekomme ich das Foto – Sekundenbruchteile

bevor alles explodiert.“

30 THE RED BULLETIN


Majestätische Kurve

Südküste Tahitis, April 2020

„Neben meiner Arbeit als Surf-Fotograf begann ich mich

für Orte zu interessieren, wo die Wellen unglaubliche

Formen annehmen. Ein 300-Millimeter-Teleobjektiv ist

zwar zum Schwimmen nicht sehr praktisch, erlaubt es

mir aber, die Welle mit all ihren Details abzubilden.“

THE RED BULLETIN 31


P O R T F O L I O

Die große Waschmaschine

Teahupo‘o, September 2017

„Das ist eine Teahupo‘o-Welle von unten. Wenn der

Wellenkamm bricht und auf die Wasseroberfläche donnert,

nimmt er Luft mit. Unter Wasser entstehen dann diese

turbinenartigen Strukturen. Es ist hypnotisierend,

ich bin regelrecht besessen von diesem Phänomen –

es ist auch Thema meines nächsten Buches.“

32 THE RED BULLETIN


DER FOTOGRAF

„Was mich an Wellen fasziniert?

Sie erlauben es, auf einem einzigen

Bild Ästhetik, Kraft oder

einfach nur Schönheit festzuhalten“,

sagt Ben Thouard, 35,

2019 Gesamt sieger des Fotowettbewerbs

Red Bull Illume. Thouard, geboren

in Südfrankreich, entdeckte seine Leidenschaft

fürs Fotografieren über das Windsurfen und ein

Praktikum bei Bernard Biancotto, einem Pionier

der Windsurf-Fotografie. Mit neunzehn verwirklichte

er seinen Traum und ging nach Hawaii, um

dort mit einem selbst gebauten, wasserdichten

Kameragehäuse Windsurf-Fotos zu machen.

Drei Jahre später, 2008, fuhr er weiter in die Südsee

– nach Tahiti. „Es war Liebe auf den ersten

Blick“, erinnert sich Thouard. „Die Kultur, die

Menschen, die Qualität der Wellen, die Klarheit

des Wassers und das häufig wechselnde Licht.“

Er blieb und konzentrierte sich auf Fotos von

Surfern auf Big Waves. In den letzten Jahren

lässt er immer öfter die Surfer weg und widmet

sich der puren Schönheit der Welle.

Ben Thouards erster Bildband („Surface“) ist 2018 erschienen.

Sein neues Buch wird im November erwartet. benthouard.com

Die perfekte Welle

Tahiti, Mai 2019

„Man hat mich gefragt, ob ich dieses Foto

bearbeitet habe. Nein, überhaupt nicht!

Das ist eine Stunde vor Sonnenaufgang,

hinter uns ein Berg, wir schauen Richtung

Sonne, der ablandige Wind bläst Gischt

von der Welle. Das erzeugt ein Lichtspiel

aus Wasser und Wind.“

THE RED BULLETIN 33


Fußball

Karishma Ali

hat im Hochland von Pakistan einen Sportklub für Mädchen

gegründet und es auf die Bestenliste des US-Magazins

„Forbes“ geschafft. Ihr nächstes Projekt? Ein Stadion bauen.

Text ALEXANDRA ZAGALSKY

Foto ABUZAR MIR

Vor fünf Jahren feierte Karishma

Ali eine bittersüße Premiere: Das

damals 19-jährige Fußballtalent war

die erste Frau aus ihrem Heimatbezirk

Chitral, die an einem großen

Sportwettbewerb im Ausland teilnahm

– bei den muslimischen Jubilee

Games in Dubai. Ali, seit ihrem

neunten Lebensjahr Fußballfan,

hatte in der Highschool in Pakistans

Hauptstadt Islamabad Fußballspielen

gelernt, wo die Teilnahme von Mädchen

am Turnunterricht liberaler

gesehen wurde als sonst im Land.

Als die pakistanischen Fußballerinnen

in Dubai auch noch die

Silbermedaille gewannen, kehrte sie

mit dem festen Entschluss zurück,

mehr Frauen zum Sport zu ermutigen.

Sie organisierte ein kleines, niederschwelliges

Trainingslager und

rechnete mit bescheidenem Zulauf.

Zu ihrer Überraschung erschienen

mehr als 50 Mädchen zum Training.

Doch das hatte seinen Preis:

Chitral – eine abgelegene Gebirgsregion

im Norden Pakistans – ist

außer gewöhnlich konservativ und

patriarchalisch geprägt. Prompt wurde

Ali Ziel von Beschimpfungen und

Drohungen im Netz. „Damals überforderten

mich der viele Hass und

die harsche Kritik“, erinnert sich die

24-Jährige. „Ich habe mich Nacht

für Nacht in den Schlaf geweint.“

Dennoch ließ sie sich nicht entmutigen.

2018 gründete sie den

Chitral Women’s Sports Club. Heute

sind über 200 Frauen im Alter zwischen

8 und 16 Jahren Mitglied in

dem Verein. Die Aktion erregte weltweit

Aufsehen, sodass es Karishma

Ali 2019 auf die Bestenliste „30 unter

30 in Asien“ des US-Wirtschaftsmagazins

„Forbes“ schaffte.

Inzwischen hat sie in Islamabad

einen Abschluss der University of

London in Business und Management

gemacht und will diesen nutzen,

um die Infrastruktur für Sport in der

Region Chitral weiter zu verbessern.

„Ich möchte ein Stadion für diese

Mädchen bauen und den Sportklub

in viele andere Täler tragen“, sagt

sie. „Veränderung passiert nicht

über Nacht, aber Fußball ist mehr

als nur ein Spiel. Er ist ein Werkzeug,

das positive Veränderung

in die Gemeinschaften bringt.“

the red bulletin: Fußball drängt

sich jetzt als Hobby für ein Mädchen

in Chitral nicht gerade auf …

karishma ali: Das habe ich meinem

Vater zu verdanken. Seit 2006

schauen wir zusammen die WM,

und danach war ich draußen und

hab gekickt, was das Zeug hielt.

Mein Vater ist sehr aufgeschlossen.

Er hat 2002 die erste englische

Schule in Chitral mitbegründet.

Wenn Eltern ihre Söhne dort ausbilden

lassen wollten, mussten sie

auch ihre Töchter anmelden.

Hast du geahnt, wie beliebt dein

Fußballtrainingslager sein würde?

Ich habe nur 20 Anmeldeformulare

drucken lassen, aber die Mädels

haben sie fotokopiert, sodass die

Gruppe viel, viel größer wurde. Mir

wurde bewusst, dass sie bereit sind,

für ihre Rechte zu kämpfen, und

dass ich ihnen dabei helfen konnte.

Und wie hat sich das dann zu

einem Sportklub entwickelt?

Die Spielerinnen, mit denen ich

arbeite, kommen aus 40 verschiedenen

Dörfern. Manche von ihnen

mussten bis zu zwei Stunden zu

Fuß gehen. 2019 gewannen wir ein

Stipendium, mit dem wir Geländewagen

für den Transport zum Platz

und zurück mieten konnten. Dadurch

haben sich die Mitgliederzahlen

verdoppelt. Chitral hat die höchste

Selbstmordrate in ganz Pakistan,

die meisten Betroffenen sind junge

Frauen. Viele Mädchen kommen aus

benachteiligten Situationen, der

Fußball ermöglicht ihnen neue Perspektiven

und eine Gemeinschaft.

Dein Engagement hat dich auf die

„Forbes“-Liste der „30 unter 30“

Asiens gebracht …

Ich war stolz, meinen Namen neben

so inspirierenden Menschen wie

Naomi Ōsaka (japanische Tennisspielerin;

Anm.) zu sehen. Als Erstes

habe ich meinen Vater angerufen,

der seine Tränen nicht zurückhalten

konnte. Vorher hatte man mich für

verrückt gehalten, aber als ich die

erste Bewohnerin von Chitral im

„Forbes“ war, machte ich plötzlich

Schlagzeilen in Pakistan. Das hat

die Wahrnehmung von Frauen

im Sport zum Besseren verändert.

Trotzdem: Die Trolle im Netz

haben sich schon versammelt …

Wissen Sie was? Wenn die seinerzeit

mein 19-jähriges Ich nicht aufhalten

konnten, schaffen sie es

heute erst recht nicht. Heute bin

ich verrückt genug. Da stellt man

sich mir besser nicht in den Weg.

Twitter: @karishmaAli22

34 THE RED BULLETIN


„Manche

Spielerinnen

gingen zwei

Stunden lang

zu Fuß, um zu

trainieren.“

Fußball-Pionierin Karishma Ali, 24,

hier im Dress ihrer pakistanischen

Heimatregion Chitral, glaubt an

die Macht des Sports.

THE RED BULLETIN 35


Film

David Schalko

meint, dass fröhliche Wunschlosigkeit der ideale

Lebenszustand ist. Deshalb wünscht sich der Autor

und Filmemacher das Leben einer Kuh.

Interview RÜDIGER STURM

Foto KLAUS PICHLER

In seiner absurd-komischen TV-Serie

„Ich und die anderen“ beschreibt

Autor David Schalko allerhand

(Irr-)Wege auf der Suche nach dem

Glück. Hier erklärt der 48-Jährige,

warum das Ego einem guten Leben

oft im Weg steht, warum er Müdigkeit

gut findet und ein Leben als

Wiederkäuer für erfreulich hielte.

the red bulletin: Ihre Serie

„Ich und die anderen“ handelt

von einem Mann, dessen Wünsche

einer nach dem anderen erfüllt

werden. Ist das eine Voraussetzung

dafür, um glücklich zu werden?

david schalko: Nicht unbedingt.

Man muss sich dabei bewusst machen,

dass man in Wünsche etwas

hineinprojiziert. Zum Beispiel glaubt

man, dass man mit einem großen

Haus automatisch glücklicher ist.

Das stimmt nicht. Am besten geht

es mir, wenn ich gar nichts will.

Die fröhliche Wunschlosigkeit ist

der Idealzustand.

Wie erreicht man den?

Dazu gehört die Auflösung des Egos.

Man muss erkennen, dass das Ego

nicht ein Freund ist, den man füttern

soll, sondern dass es vielen

Dingen im Weg steht. Eigentlich

ist es nur eine Illusion, wenn man

buddhistisch argumentiert.

Und Sie haben kein Ego mehr?

Doch, schon. Mein Ego ist hartnäckig.

Aber ich habe gelernt, es zu hinterfragen.

Sobald ein Mensch denken

kann, fängt er an, sich mit den großen

Fragen auseinanderzusetzen:

Wer ist man? Ist man das Ego? In

welcher Situation befindet man sich

in diesem Universum?

Der Buddhismus meint ja, dass

wir uns von unseren Begierden

lösen sollen. Wollen Sie das auch?

Ich glaube nicht, dass die Begierden

das Problem sind, sondern das

Anhaften daran. Wenn man das zu

seinem Lebensinhalt macht und daran

festhält, dann ist das die Ursache

von sehr viel Leid. Und weil wir so

am Leben hängen und ein obsessives

Verhältnis zu unserem Eigentum

haben, tun wir uns auch mit dem

Sterben so schwer.

Hinter Ihnen sehen wir eine

prachtvolle Bücherwand. Das

heißt, die könnten Sie so einfach

aufgeben?

So buddhistisch eingestellt bin ich

dann doch wieder nicht.

Sie schreiben immer wieder über

Menschen, die sich nach oberflächlicher

Wunscherfüllung sehnen.

Eines Ihrer nächsten Projekte

ist ein Film über die Ibiza-Affäre.

Woher kommen die Begierden

Ihrer Charaktere eigentlich?

Das sind oft Menschen, die nach

Liebe suchen, um weniger einsam

zu sein. Natürlich hat jede Figur auch

andere Facetten, aber im Prinzip

steht dieser Antrieb im Mittelpunkt.

Was ist für Sie wahre Liebe?

Es gibt viele unterschiedliche Arten.

Die allumfassendste Liebe ist die,

bei der man jemand anderen mehr

liebt als sich. Das heißt, man gibt

sein eigenes Ego auf.

Wo erleben Sie die?

Am nächsten komme ich diesem

Zustand bei meinen Kindern. Man

stellt seine eigenen Interessen

gegenüber ihren zurück. Denn die

Aufgabe als Elternteil ist, sie zu

unterstützen, dass sie diejenigen

werden können, die sie werden wollen,

und zwar in aller Freiheit, mit

Selbstbewusstsein, aber auch mit

der Umsicht anderen gegenüber.

Allerdings scheint dieses Leben

recht anstrengend. Sie wirken ein

bisschen müde …

Ich bin schon mein ganzes Leben

lang müde. Für mich ist Müdigkeit

kein negativer Zustand. Dabei entwickelt

man eine komische Gelassenheit,

weil man für zu viele Dinge

zu müde ist. Man zieht sich dadurch

automatisch in sich zurück, und das

ist gar nicht so schlecht.

Und wenn jemand Sie unbedingt

antreiben will?

Dann werde ich noch müder.

Sie wirken ja sehr genügsam.

Nehmen wir an, Sie würden

wiedergeboren, wie die Buddhisten

glauben. Wäre Ihnen

ein Dasein als Tier lieber?

Ich muss anmerken, dass ich nicht

an Wiedergeburt glaube. Aber der

Philosoph Friedrich Nietzsche sagte:

„Alle guten Dinge haben etwas Lässiges

und liegen wie Kühe auf der

Wiese.“ Und die wiederkäuende Kuh

auf der Wiese ist schon ein gutes

Bild für Zufriedenheit.

„Ich und die anderen“ läuft seit 29. Juli

auf Sky.

36 THE RED BULLETIN


„Ich bin schon

mein ganzes

Leben lang

müde.“

Regisseur Schalko, 48, hier

beim Foto‐Shoot in Wien, empfindet

das nicht unbedingt negativ.

THE RED BULLETIN 37


Archäologie

Terry Madenholm

hat zwei interessante Jobs: Sie ist Archäologin und nebenbei

gefragtes Model. Hier erklärt die 31-Jährige, wie sie antike

Inka-Siedlungen mittels Drohnentechnik retten will.

Text RACHAEL SIGEE

Foto CHRIS SAUNDERS

Wir erreichen Terry Madenholm

in ihrer Pariser Wohnung. Sie steckt

gerade mitten in den Vorbereitungen

für eine Rettungsaktion: Es geht um

die Ausgrabung einer über 500 Jahre

alten Inka-Siedlung in der Provinz

Cotopaxi in Ecuador, die von Klimawandel,

Bebauungsplänen und – besonders

unberechenbar – einem seit

2015 aktiven Vulkan bedroht ist. Die

31-Jährige gehört zu einem Team,

das diesen Kulturschatz mittels

modernster Drohnentechnologie

und digitaler 3D-Rekonstruktion im

allerletzten Moment für die Nachwelt

bewahren will.

Madenholm, in Stockholm geboren

und in Polen aufgewachsen,

hat in Paris aber noch andere Sachen

zu tun: Sie stand bereits für Werbekampagnen

so schillernder Marken

wie L’Oréal, Clarins oder L’Occitane

als Model vor der Kamera. Ursprünglich

dienten ihr solche Jobs nur

zur Finanzierung des Archäologiestudiums.

Doch die Modelkarriere

nahm derart schnell Fahrt auf, dass

sie ihre Zeit heute zu gleichen Teilen

zwischen Ausgrabungen und Fotoshootings

aufteilt. „Ich sehe mich

als Archäologin, die zufällig auch

modelt“, sagt Madenholm. „Immer,

wenn ich bei Ausgrabungen etwas

finde, erscheint es mir wie eine

Reise in die Vergangenheit. Indem

ich verschwitzt und voll Schlamm

meine Hände in die Erde stecke,

starte ich eine Zeitmaschine.“

the red bulletin: Wie fühlt

es sich an, bei Ausgrabungen

mitzumachen?

terry madenholm: Es ist eine

intensive Erfahrung und erfordert

viel Durchhaltevermögen und Demut,

weil man seine Ziele nicht immer erreicht.

Manchmal sucht man monateoder

sogar jahrelang nach etwas,

das dann nicht so ergiebig ist wie erhofft.

Abgesehen davon sind die Ausgrabungen

sehr anstrengend. Man

kämpft ständig mit sich selbst und

geht an seine Grenzen. Aber genau

das mag ich an der Archäologie:

Man spürt so richtig, dass man lebt.

Wie kartieren und bewahren Sie

antike Stätten?

Mit Tools wie LiDAR, das steht für

Light Detection and Ranging. Es

funktioniert im Grunde ganz einfach:

Ein Laser tastet die Erdoberfläche

ab und erzeugt ein 3D-Bild

dessen, was darunter versteckt liegt.

Diese Werkzeuge sind in der Archäologie

ziemlich neu, aber sie bringen

uns schneller voran. Die Drohnen

verschaffen uns einen besseren Überblick

über die Ausgrabungsstätte,

sodass wir mit unseren Aufzeichnungen

schneller fertig sind.

Was bedeutet diese Technologie

für die Zukunft der Archäologie?

Sie kann neue Perspektiven eröffnen.

Wir können plötzlich größere, mutigere

Fragen stellen. Ich glaube, die

Geschichte der alten Kulturen wird

neu zu schreiben sein. Monumente

und Artefakte können mittels 3D-

Nachbildungen originalgetreu für die

Nachwelt bewahrt und für Publikum

zugänglich gemacht werden. So wird

die Archäologie auch demokratisiert:

Jeder kann sich die Stätten ansehen,

ohne selbst hinzufahren.

Was war für Sie der bisherige

Höhepunkt Ihrer Karriere als

Archäologin?

Die Entdeckung eines zweitausend

Jahre alten Rings an der Küste von

Tel Aviv. Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten

Monate an einem Projekt und

träumen die ganze Zeit nur davon,

etwas Großartiges zu finden. Dann,

im letzten Moment, kurz bevor das

Projekt in die Winterpause geht, finden

Sie plötzlich diesen Ring unter

der Erde! Es fühlte sich irgendwie an,

als hätte jemand den Ring vor zweitausend

Jahren fallen lassen, damit

ich ihn finde. Wenn man so ein persönliches

Stück findet, dann spinnt

man sofort eine Geschichte darüber,

wer ihn gefertigt, wer ihn getragen

hat. In meinem Kopf entstand das

Bild eines dicken Kaufmanns, denn

der Ring war riesig, und ich konnte

ihn leicht über zwei Finger ziehen.

Was erhoffen Sie sich in Zukunft

für Ihre Arbeit?

Überraschungen – die sind das Beste

an der Archäologie. Denken Sie nur

an die Ausgrabungen von Pompeji

in Italien. Die Historiker waren ursprünglich

überzeugt, dass der Vesuv

am 24. August 79 n. Chr. ausgebrochen

sei. Dann wurde 2018 eine alte

Inschrift in Kohle entdeckt, aus der

hervorging, dass der Ausbruch zwei

Monate später statt gefunden hatte.

Daran sieht man, dass Archäologen

und Historiker manchmal falschliegen.

Diese Geschichte spricht mich

sehr an. Ich will einfach Überraschungen

erleben. Ich will von meinen

Funden so richtig umgehauen

werden!

Terry Madenholm ist Projektpartnerin von

Drone Archaeology: dronearchaeology.com

38 THE RED BULLETIN


„Was ich an der

Archäologie

mag? Man

spürt so richtig,

dass man lebt.“

Terry Madenholm, hier an der

Aus grabungsstätte La Cave aux Fées

in Brueil-en-Vexin bei Paris, über

die Faszination ihres Hauptberufs

THE RED BULLETIN 39


Musik

„Mit dem Pauli

das Stadion

zu zerlegen,

das wäre

herrlich!“

Das Pop-Duo PIZZERA & JAUS hat es mit einer

Mischung aus Schmäh und Musik auf die ganz großen

Bühnen geschafft. Hier erzählen sie von den Meilensteinen

ihrer Karriere. Ein Gespräch über den Sinn

von Lampenfieber, das Geheimnis guter Witze

und das Gefühl, vor 100.000 Leuten zu spielen.

Interview WOLFGANG WIESER

Artwork PHILIP BURKE

40 THE RED BULLETIN


ZWEI WIE PECH

UND SCHWEFEL

Paul Pizzera (li.) und

Otto Jaus, gemalt von

US-Künstler Philip

Burke. Irgendwann

stellten sie fest, dass

sie zu zweit stärker

sind als allein. Seither

geht’s bergauf.

41


Musik

Die beiden bündeln ihre Superkräfte.

Paul ist ein Schmähbruder,

der die Pointen nur so

aus dem Ärmel schüttelt, Otto

ein Vollblutmusiker, der schon

als Neunjähriger bei den Wiener

Sängerknaben gesungen hat. Ihre Songs

sind das Beste aus beiden Welten – gewitzte

Melodien sozusagen. Seit 2015 singen Paul

Pizzera, 33, und Otto Jaus, 38, über alles,

was Herz und Hirn Freude macht. Bereits ihr

dritter Song, „Jedermann“, wurde zum Mega­

Hit. Seither ist das Duo auf den ganz großen

Bühnen zu sehen.

Am 27. August stehen Pizzera & Jaus

im Steinbruch in St. Margarethen im Burgenland

im Mittelpunkt einer einzigartigen Show:

Red Bull Jukebox. Sie werden dabei jene

Songs spielen, die ihre Fans zuvor ausgewählt

haben (siehe Kasten auf S. 45).

Im neuen the red bulletin-Podcast „Mein

erstes Mal“ sprechen wir mit den beiden über

wichtige Schritte auf ihrem Weg zum Erfolg.

Und weil jeder Witz nicht nur eine Pointe, sondern

auch einen Anfang hat, fragen wir die

beiden nach ersten Lachern, ersten Auftritten

und ihrem ersten Top-Hit.

THE RED BULLETIN: Erinnert ihr

euch noch an das erste Mal, als über

euch so gelacht wurde, dass ihr stolz

darauf wart?

Paul pizzera: Auf jeden Fall. Das war

in einem Chrysler im Death Valley in

den USA, wo ich in jungen Jahren den

„Bongo Boy“ von der EAV zum Besten

gegeben hab. Ich glaube, das war die

Initialzündung dafür, dass es mir taugt,

wenn ich gelobt werde. Bei dir (zu Otto

Jaus; Anm.) wird dieser Moment wahrscheinlich

bei den Sängerknaben gewesen

sein, oder?

Otto jaus: Ich weiß es nicht genau,

muss ich ehrlich sagen. Woran ich mich

wirklich erinnern kann, war, dass ich

bei der Heimfahrt von der Schule immer

der Buskasperl war. Ich weiß nicht, wie

das funktioniert hat, aber ich habe gelesen,

was in einem Orangensaft packerl

drinnen ist. Und das habe ich kommentiert

– frag mich nicht, wie! ich kann

mich nur erinnern, dass die letzten drei

Reihen gelacht haben.

Paul: Lustig, dass es bei uns beiden

Vehikel waren. Wir sind uns einig, dass

jede und jeder, der sich auf eine Bühne

stellt, ein bisschen einen Schaden hat.

Also, es ist wahrscheinlich ein Aufmerksamkeitsdrang.

Ich finde das aber absolut

legitim – wir bescheren ja anderen Leuten

eine gute Zeit.

Otto: Die Erfahrung, die mir den Weg

gewiesen hat, war meine Zeit bei den

Wiener Sängerknaben, weil ich da das

erste Mal gemerkt habe, wie es ist, auf

der Bühne zu stehen. Ich war Solist bei

den Sängerknaben, und der erste Solo­

Auftritt war eine Katastrophe. Und

dann haben sie mir das Solo wieder weggenommen.

Ist aber eh wieder gekommen,

und ich habe schon mit gekriegt:

Das ist leiwand, die schauen alle auf

dich, dann kannst du zeigen, was du

42 THE RED BULLETIN


kannst. Und du merkst: Angst haben ist

ganz schlecht. Nervös sein ist richtig.

Du denkst, lasst mich raus, ich will das!

Dann kommst du raus, und dann funktioniert

das meistens voll leiwand.

Paul: Das kann ich nur unterschreiben.

Nicht umsonst heißt es, dass ein Bogen

gespannt sein muss, damit ein Pfeil weit

fliegen kann. Wenn man nicht nervös

ist, dann ist man seiner selbst zu sicher,

wenn man auf die Bühne geht. Und wenn

man Angst hat, dann kann man nicht so

gut sein, wie man es sein könnte. Du

warst sicher auch sehr nervös vor diesem

Gespräch mit uns, kaschierst es aber

hervorragend. Ich freu mich wahnsinnig

darauf, wieder nervös sein zu dürfen.

Das ist ja auch ein Privileg, wieder auf

die Bühne zu gehen.

Braucht witzig sein auch Übung –

oder reicht Talent?

Paul: Große Frage, halleluja! Ich glaube,

dass alles Übung braucht, oder? Talent

ist schön und gut, wenn man es hat –

dann funktioniert es durch Übung

schneller.

„Ich wollte unbedingt wissen,

wie ich vor Publikum ankomme.

Da sind wir bei diesem Spagat

aus Neugier und Selbstbewusstsein

– man will einfach

wissen, wie man wirkt.“

PAUL PIZZERA

Wann ist euch klar geworden, dass

man tatsächlich üben muss und sich

nicht nur aufs Talent verlassen darf?

Otto: Ich glaube, uns war von Anfang

an klar, dass wir üben müssen. Und es

macht ja auch Spaß. Hätten wir in den

vergangenen fünfzehn Monaten nicht

geübt, wäre ich psychisch nicht dort, wo

ich jetzt bin.

Paul: Wenn ich es jetzt biografisch betrachte,

war es bei mir immer so, dass

ich gewusst habe, dass ich alles im Zuge

des Übens noch besser machen kann.

Was war das Schönste bei eurem

ersten Mal auf der Bühne, oder war

da ohnehin nur Angst?

THE RED BULLETIN 43


Musik

Paul: Bei mir war es hauptsächlich

Angst. Aber ich wollte halt unbedingt

wissen, wie ich ankomme. Da sind wir

bei diesem Spagat aus Neugier und

Selbstbewusstsein – man will einfach

wissen, wie man wirkt. Ja, das war

heftig und mit ganz hohem Puls.

Das war bei einem Poetry Slam, also

bei so etwas wie einem Wettbewerb

für moderne Gedichte.

Paul: Das war ein Text, der nur aus

Werbeslogans bestanden hat, und justament

habe ich damit an dem Abend

gewonnen. Wie war das bei dir bei den

Sängerknaben?

Otto: Ich habe keine Ahnung, ich

kann es nicht sagen. Ich kann dir nicht

einmal sagen, wo der erste Auftritt

war, das ist so lange her. Ich weiß es

nicht mehr.

Wie kann man seinen ersten Auftritt

bei den Sängerknaben vergessen?

Otto: Ich habe wirklich sehr, sehr

viele Auftritte gehabt.

Zwei Auftritte, bei denen ich annehme,

dass ihr euch beide dran erinnern

könnt: Was war besser – Donauinsel

oder Burgtheater?

Paul: Das Donauinselfest ist so ein prestigeträchtiges

Gelände, und Burgtheater

ist einfach geil, da sind immer angesoffene

Proleten. Nein, im Ernst: Burgtheater ist

natürlich ein Ritterschlag, wunderschön

und cool. Und die Donauinsel – das war

schon richtig gestört. Wenn du von einem

Motorboot abgeholt und hinter die Bühne

geführt wirst und weißt, da sind dann

hunderttausend Leute. Ich war noch nie

so nervös wie dort, glaube ich.

„Einmal im Jahr, wenn die Tour

vorbei ist, fahren wir zu zweit

wohin. Abseits des Trubels –

nicht, um zu proben, sondern

nur, um zu zweit zu sein.“

OTTO JAUS

Otto: Das war auch der einzige Auftritt,

bei dem wir von der Bühne

44 THE RED BULLETIN


unter gegangen sind und gesagt haben,

bitte lasst jetzt niemanden zu uns. Niemanden.

Wir wollen einfach nur für uns

sein. Wir sind dann zehn, fünfzehn Minuten

nur dagesessen und haben keinen

Ton rausgebracht.

Wenn ihr an diesen Tag zurückdenkt,

wie ist der überhaupt abgelaufen?

Steht man da nicht schon mit einem

seltsamen Gefühl auf?

Paul: Du schläfst schweißgebadet ein

vor so einem Auftritt. Dann: ganz normale

Routine, ein bisschen sporteln,

was essen, Soundcheck, noch einmal

ins Hotel, versuchen zu schlafen, aber

das ist eben nicht gegangen.

Otto: Einsingen im Hotelzimmer,

zweieinhalb Stunden warten, während

die anderen noch spielen – das ist

schiach.

Was ist ein guter Witz? Erzähl uns

doch einen!

Paul: Gute Witze sind primitivgründig.

Das heißt, sie haben eine intellektuelle

Ebene und sind trotzdem etwas lasziv.

Aber erzählen willst du keinen?

Paul: Ach so, sicher, klar. Harry steht an

der Hofer-Kasse, legt auf: eine Banane,

ein Joghurt, eine Semmel. Die Kassiererin

sagt: „Sie sind Single, gell?“ Sagt er: „Ja,

stimmt – weil ich so wenig einkaufe?“

Sagt sie: „Nein, weil Sie so schiach sind.“

Herrlich, ich liebe so was! Mir gefällt das

halt sehr gut.

Vermisst ihr einander auch manchmal?

Otto: Natürlich, na sicher, es gibt auch

SMS-Nachrichten, wo wir schreiben:

Oida, ich vermisse dich schon richtig.

Einmal im Jahr, wenn die Tour vorbei ist,

fahren wir auch zu zweit wohin. Abseits

des Trubels – nicht, um zu proben, sondern

einfach nur, um zu zweit sein.

Aber ihr teilt euch dann nicht ein

Doppel bett oder so?

Paul: Haben wir auch schon gemacht.

Nur, wir zwei sind halt … also, ich bin

starker Schnarcher.

Otto: Ja, und ich schnarche auch.

Aber wenn der Herr Pizzera neben dir

zu schnarchen anfängt, ei, das ist …

Ihr habt euch vor Jahren bei einer

Rauchpause kennengelernt, und du,

Otto, glaube ich, sagst immer, das

war Liebe auf den ersten Tschick.

Otto: Also wir zwei sagen das.

PHILIPP CARL RIEDL/RED BULL CONTENT POOL

Müsst ihr eure Pointen vorher testen,

oder seid ihr euch schon sicher, dass

sie funk tionieren?

Paul: Man testet die Pointen auf jeden

Fall. Ist auch gut so, beruhigt einen auch.

Meistens ist es so: Wir schreiben und

müssen selber lachen. Es ist aber auch

schon vorgekommen, dass wir uns dachten,

das ist eine Kaiserwuchtel – und

dann wurde sie mit der großen Stille

abgestraft.

Otto: Stimmt, aber das ist Teil der

Erfahrung.

Könnt ihr auch Witze machen, wenn

ihr traurig seid?

Paul: Gerade dann. Das ist das Wichtigste.

Also, jede Komödie braucht unbedingt

auch eine Tragödie. Denn es

gibt gute Witze und liebe. In den wirklich

guten Witzen, da passiert meistens

auch was Böses.

RED BULL JUKEBOX

MIT PIZZERA & JAUS

Bei Red Bull Jukebox bestimmen die Fans per

Voting (online und live), welche Songs Pizzera &

Jaus spielen. Und in welcher Form – als Rap

oder Reggae, mit Beatboxer oder a cappella.

Die perfekte Location für das einzigartige

Experiment ist der Steinbruch St. Margarethen

im Burgenland. Termin: 27. August

redbull.com/jukebox

Beschreib uns doch bitte einmal diese

nahezu einzig artige Liebe: Wie war

das, dieser erste Tschick, den ihr gemeinsam

geraucht habt?

Paul: Ich bin einmal gefragt worden, was

passiert wäre, wenn ich Nichtraucher gewesen

wäre, da habe ich gesagt: Für den

Otto hätte ich zu rauchen angefangen.

Sehr schön.

Otto: Es war so, dass wir gemerkt haben,

dass der jeweils andere Kompetenzen besitzt,

die man selber nicht hat, die man

aber gern hätte – wo wir gemerkt haben:

Zu zweit werden wir auf jeden Fall höher

springen können als allein.

Paul: Wir haben uns noch an dem

Abend die Hand gegeben und gesagt:

Das ziehen wir durch.

Wenn man nun das erste Mal hört,

dass man Nummer eins in der

THE RED BULLETIN 45


Musik

Hitparade ist, was geht da eigentlich

in einem vor?

Paul: Ich war mit einem Zahn weniger

und einem gebrochenen Haxen auf

der Wiesen in München und habe rund

drei Promille gehabt und habe mir nicht

erklären können, ob das jetzt stimmt

oder ob mich wer verarscht.

Auf welches erste Mal in der Zukunft

freut ihr euch?

KURT COBAIN, FRANK ZAPPA, MILES DAVIS Philip Burke hat praktisch

alle Stars des Musik-Biz gemalt – hauptsächlich für das Magazin „Rolling Stone“.

Otto: Stadion. Vollgas. Zu zweit mit

dem Pauli das Wiener Stadion zu zerlegen,

das wäre herrlich. Auf dieses erste

Mal würde ich mich sehr freuen. Ich

würde mir natürlich auch in die Hosen

kacken, aber ich würde mich sehr freuen,

also beruflich gesehen.

Geht noch was drüber übers Stadion?

Freudetechnisch, meine ich jetzt.

Paul: Das erste Mal mit einer Frau

eine längere Beziehung haben als

mit dem Otto – auf das freue ich mich

schon sehr.

„MEIN ERSTES MAL“

IST DIE RED BULLETIN-PODCAST-SERIE,

in der Helden über ihre Anfänge sprechen.

Die aktuelle Folge mit Pizzera & Jaus gibt’s

im Podcast-Kanal von The Red Bulletin.

Zu finden auf allen gängigen

Platt formen wie Spotify

und auf redbulletin.com/

podcast

Rock ’n’ Roll mit Pinsel

Der Mann, der Pizzera & Jaus für uns gemalt hat,

ist selbst ein Star: der New Yorker Maler Philip Burke.

Andy Warhol, so heißt es,

sei ein Fan von Philip

Burke gewesen, als der

Anfang der Achtzigerjahre

in New York seine ersten

Zeichnungen im Magazin

„Vanity Fair“ veröffentlichte;

etwas später hat

Burke den Gottvater der

Pop-Art sogar porträtiert.

Heute ist Philip Burke, 65,

selbst eine lebende Legende des

Rock ’n’ Roll: Seit 1989 hat er alle

wesentlichen Köpfe des Musikgeschäfts

für den „Rolling Stone“

in Öl auf Leinwand verewigt, aber

Philip Burke

auch Topstars aus Politik

und Schauspiel – und zwar

in einer Art, wie es Fotos

beim besten Willen nicht

vermögen, nämlich so,

dass in den Bildnissen

auch der Charakter der

Porträtierten sichtbar wird.

Für seine unverwechselbaren

Gemälde bedient sich der

bekennende Buddhist gar nicht

der schlechtesten Vorbilder: Als

Inspiration, sagt er, hätten ihm

die Arbeiten von Künstlern wie

van Gogh, Matisse, Picasso oder

Modigliani gedient.

46 THE RED BULLETIN


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Bike

EINE GANZ NORMALE JUNGE FRAU …

… bis sie aufs Rad steigt. Vali Höll ist erst neunzehn,

aber schon die schnellste Mountainbikerin Österreichs,

vielleicht sogar der Welt. Außerdem kann sie spontan tricksen,

wie hier beim Shooting in ihrer Heimat Saalbach.

48 THE RED BULLETIN


Super-Girl

VALENTINA „VALI“ HÖLL galt als Mountainbike-Wunderkind.

Voriges Jahr bei der Heim-WM hatten alle erwartet, dass sie sich zur

Weltmeisterin krönen würde. Doch dann verletzte sie sich im Training.

Ein Glück, sagt Höll: Denn jetzt weiß sie, wie man wieder aufsteht.

Text WERNER JESSNER

Fotos PHILIPP HORAK


Bike

sprung-Schanze

Skikönigin Lindsey Vonn

wollte immer auf einer Herren-Strecke

gegen Männer fahren. Für die 19-jährige

Mountainbike-Downhillerin Vali Höll ist

so etwas ganz normal. Im Mountainbike-

Downhill gibt es nur eine Strecke, und

die ist einfach eine Männer-Strecke. Eine

Wilde-Männer- Strecke, die TV-Kameras

wollen es so: Doppelsprünge, steile Wurzelpassagen,

mehrere Meter tiefe Drops,

und doch erfordert es gewaltigen technischen

Aufwand, wie er für die Übertragungen

des UCI Mountainbike World Cup

auf redbull.com/bike betrieben wird, um

das unfassbare Können und den Speed

der Athleten einigermaßen wirklichkeitsgetreu

abbilden zu können.

Nachvollziehbar ist es ohnehin nicht,

schon gar nicht vor Ort. Um beim Ski-Vergleich

zu bleiben: Gute Skifahrer werden

die Streif in Kitzbühel schon einigermaßen

unfallfrei runterrutschen können. Es ist

zwar steil und eisig und die Hose voll,

aber mit Querstellen und Kantenreinhauen

wird der Amateur nach etlichen

Minuten oben an der Hausbergkante

auftauchen und ein paar weitere danach

vielleicht unbeschadet unten im Ziel.

Auf der Downhill-Weltcup-Strecke

in Leogang ist das für normalsterbliche

Mountainbiker unmöglich, vor allem im

Regen. Da gibt es ein paar Passagen, auf

denen du keine sprichwörtlichen Kanten

in den Untergrund rammen und runterrutschen

kannst. Da gibt es Sprünge, die

setzen eine gewisse Geschwindigkeit voraus,

um zu funktionieren. Um abermals

ein Winter-Bild zu gebrauchen: Es ist

eher keine Lösung, sich auf einer Ski-

mit drei Meter Anlauf

zu begnügen, weil man sich vor der Geschwindigkeit

von ganz oben fürchtet.

Wer oben nicht weiß, was er tut, wird

unten aufprallen wie ein Stein.

In Leogang gibt es gleich ein paar

solcher Stellen, die selbst unter perfekten

Bedingungen ein großes Herz brauchen.

Im normalen Betrieb sind diese Sprünge,

mitten im Bikepark gelegen, für die Allgemeinheit

gesperrt, das zuständige Rote

Kreuz Salzburg, Dienststelle Saalfelden,

dankt herzlich. Geöffnet sind sie ausschließlich

bei Rennen, denn die Profis

wissen, was sie tun. Profis hier bitte als

gegenderte Variante zu verstehen, Frauen

und Männer gleichermaßen (und wir

legen für Lindsey Vonns unerfüllten

Traum eine kleine Gedenksekunde ein).

Was aber, wenn es regnet? „Dann

haben wir auch die Hosen voll“, grinst

Vali Höll, schon jetzt, mit neunzehn, die

beste Downhillerin, die Österreich jemals

hatte. Staatsmeisterin ohnehin, Junioren-

Weltcup-Dominatorin, Junioren-Weltmeisterin.

Noch so ein Spezifikum im

Downhill: Nachwuchs-Racer fahren auf

derselben Strecke wie die Großen. Daher

sind die Zeiten 1:1 vergleichbar. In Vali

Hölls Fall heißt das: Das Mädel bewegte

sich mit siebzehn in der absoluten Weltspitze

und wäre in jedem Rennen, das sie

bei den Juniorinnen gewann, in der Elite-

Kategorie zumindest auf dem Podest der

ersten drei gestanden.

Ein Sprung im Regen im vorletzten

Training zerstörte ihren WM-Traum

Und genau so war die Erwartungshaltung

vor der WM 2020 auf der Heimstrecke

in Leogang: „Erstes Rennen in der Elite-

Kategorie: Das gewinnst du, Vali. Locker!“

Immerhin stammt Höll aus Saalbach,

gelegen an der Südflanke jenes Berges,

an dessen Nordseite, in Leogang, sie sich

zur jüngsten Weltmeisterin krönen sollte.

Auf den ersten Blick war klar: Niemand

Was aber, wenn

es regnet? „Dann

haben wir auch

die Hosen voll.“

fährt so wie Vali Höll. Sie dominierte

sämtliche Trainingsläufe – bis zu diesem

einen Sprung im vorletzten Lauf vor dem

großen Moment.

Der lange und schmerzhafte

Weg zurück

Die Erde hatte sich in eine klebrige Masse

verwandelt, die die Reifen festhielt. Was

die nötige Geschwindigkeit verhinderte.

Der Sprung ging vier Meter hoch, fünfzehn

Meter weit, Detonation bei der

Landung, ohne zu stürzen. Das Sprunggelenk

zahlte die Rechnung.

Krankenhaus statt Goldmedaille.

Schmerzen statt Triumph.

Operation statt Siegesfeier.

Reha statt Weltreise.

Und es kam noch schlimmer: Selbst

nach wochenlangem Schuften im Red Bull

Athlete Performance Center in Thalgau

(„eine perfekte Zeit, viele Sportler aus

anderen Disziplinen getroffen, von früh

bis spät einzig an meinem Comeback gearbeitet,

statt wie früher zwischen Lernen

für die Matura die nötigen Stunden reinzuzwicken“),

selbst unter optimalen Bedingungen

also war mit diesem Sprunggelenk

nicht an Radfahren zu denken.

Nein, das war kein psychisches Problem:

„Im Kopf wollte ich nichts mehr,

als endlich wieder aufs Downhill-Bike

zu steigen und Gas zu geben“, erinnert

sich Vali. „Die Schraube im Sprunggelenk

musste raus, um es wieder so abwinkeln

zu können, wie ich es für meinen Sport

brauche.“ Ärzte wurden konsultiert, dann

wurde entschieden: Ja, wir operieren

noch einmal. Es sei kein schwieriger Entschluss

gewesen, sich so knapp vor Saisonbeginn

noch einmal unters Messer zu

legen, erzählt Vali. „Ich hatte ja erlebt,

welche Fortschritte unter perfekten Bedingungen

in wenigen Wochen möglich

sind.“ Bereits am Abend nach der OP versuchte

sie, das verletzte Bein leicht zu

belasten: „Beim Zähneputzen. Nach diesen

drei Minuten wusste ich: Nun bin ich

auf dem Weg zurück.“

Sobald es ging, setzte sie sich ins Auto

und fuhr nach Frankreich. Dort wartete

ihr Team auf sie – ihr neues Team. Nach

sieben Jahren bei YT – das Unternehmen

aus Bayern hatte das Über-Talent bereits

mit dreizehn (!) unter Vertrag genommen

– hatte sie für ihr erstes, richtiges Profi-

Jahr (nach dem verkorksten letzten mit

Sturz und vergebener WM-Medaille) für

ein neues Team unterschrieben. Mehr als

50 THE RED BULLETIN


HIMMEL UND HÖLLE

Nachdenklich in Saalbach:

Seit der Verletzung weiß Vali,

wie knapp Triumph und

Nieder lage beieinanderliegen.

Valis Sprung geht

vier Meter hoch,

fünfzehn Meter weit,

Detonation

bei der Landung.


„In unserem Sport

wird es dich immer

wieder mal auf

die Pfeife hauen.

Einmal ist keinmal.“

WIRBELWIND

Immer für einen Spaß

zu haben: Hier hat unser

Fotograf Vali Höll zum

Headbangen gebracht.


Bike

BARTOSZ WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL

das: Sie hatte alle Angebote namhafter

Rennställe ausgeschlagen und darauf

beharrt, nach ihren eigenen Regeln zu

spielen. So wie Lindsey Vonn nicht mit

dem regulären US-Ski-Team arbeitete,

sondern mit ihrem Privattrainer Robert

Trenkwalder, so baute sich die 19-jährige

Mountainbikerin ihre Mannschaft nach

ihren Bedürfnissen und Wünschen. Reklamierte

langjährige Vertraute wie Patentante

Angie (einst selbst erfolgreiche

Racerin) als persönliche Assistentin ins

Team, um den Rücken frei zu haben fürs

Rennfahren. Hielt vieljährigen Sponsoren,

die sie in großen Teams hätte aufgeben

müssen, die Treue und integrierte sie in

die neue Struktur. Fand mit US-Hersteller

Trek einen Branchenriesen als Rahmenhersteller,

der nicht jeden Cent zweimal

umdrehen muss. Bekam mit zwei hungrigen

männlichen Junioren Teamkollegen,

an deren Speed sie sich messen kann. Bereits

beim ersten Roll-out in Frankreich

mit dem neuen Material erkannte die

Salzburgerin, dass sie wieder die Alte

war. Vielleicht sogar mehr als das.

Die Begleichung einer

offenen Rechnung

Der Auftakt zur Saison 2021 des UCI

Mountainbike World Cup fand in Leogang

statt. Ausgerechnet auf jener Strecke, die

ihr ein halbes Jahr zuvor zum Verhängnis

geworden war. Natürlich regnete es auch

wieder. Der teuflische Sprung war bis

zum zweiten Trainingstag gesperrt, für

Männer wie für Frauen gleichermaßen.

Er war unspringbar. An diesem Tag hätte

er mit ziemlicher Sicherheit Karrieren beenden

können. Als er geöffnet wurde, war

klar, dass Vali nun eine Rechnung begleichen

musste: sie gegen die Strecke in Leogang.

Wenn du auch nur an einer Stelle

kneifst, brauchst du dich erst gar nicht

an den Start zu stellen, so Hölls Logik.

Sogar die Tageszeitungen berichteten

und bauten mit Patriotismus Druck auf:

Vali möge doch „für Österreich“ gewinnen.

Die Saalbacherin fängt mit so einem

Konstrukt allerdings herzlich wenig an.

„Aus welchem Land ich komme, ist doch

sekundär“, sagt sie und zuckt mit den

Schultern. „Ich gewinne in erster Linie

für mich, meine Freunde, meine Familie,

mein Team. Den Heim-Aspekt habe ich

eigentlich nicht als zusätzlichen Druck

wahrgenommen, nein.“

Und der Sprung? Angst oder wenigstens

Respekt davor? „Weder noch. Okay,

Beim Comeback muss

Vali zweimal stark

sein: auf der Strecke

und auf Instagram.

vielleicht doch Respekt. Im letzten Jahr

war ich einfach zu langsam, daher der

Sturz. Heuer war der Regen stärker, der

Schlamm dadurch weicher. Ich wusste,

dass sich das ausgeht, wenn ich vorher

zwei-, dreimal g’scheit reintrete.“

Sie sprang, landete, dann war erst einmal

nichts. Und dann hörte man einen

Schrei unter dem Helm, einen Schrei der

Erleichterung. Da war also doch etwas

passiert in der Athletin Höll, mental.

Vali 1, Sprung 0, und so würde das

künftig auch bleiben.

Was hast du dir gedacht, als du gelandet

bist? „Ich war schon erleichtert.

Ich wusste ja, dass ich es kann, aber nach

dem Sturz brauchte ich eben auch die

Bestätigung im richtigen Leben. Darum

auch der Schrei.“

Und dass ausgerechnet die Heim- zur

Schicksalsstrecke wurde, war dir echt

egal? „Klar kennen mich in Saalbach/

Leogang mehr Menschen als auf den

anderen Stationen im UCI Mountainbike

World Cup, aber eigentlich hat sich das

soziale Element eines Athleten ohnehin

schon längst ins Internet verlagert.“

Vali Höll ist mit ihren 19 Jahren ein

digital native, obwohl sie den ganzen Tag

draußen ist. Sie ist damit aufgewachsen,

dass Sponsoren digitale Präsenz verlangen.

Sie kennt es nicht anders. Die Zahl

der Follower ist genauso eine Währung

wie die Zeit im letzten Rennen, bloß

weitaus unfairer. Zwischen Startgatter

und Lichtschranke im Ziel hast du als

Mountainbiker nicht nur den Lenker in

der Hand, sondern auch dein Schicksal.

In den digitalen Zwischenräumen mit

ihren dunklen Ecken voller Trolle nicht.

Guter Rat von

einer Bike-Legende

Wenn du nach acht Stunden Schinderei

auf dem Weg zum Comeback abends in

den Kommentaren auf Instagram lesen

musst, dass du es ohnehin nicht bringst,

dann musst du ein zweites Mal stark sein.

„Ich kann nicht behaupten, dass mich

das anspornen würde. Es ärgert mich

auch nicht wirklich. Ich empfinde es bloß

als lästig und ermüdend.“

In dieser schwierigen Situation holte

sich Vali Höll Rat bei der Besten. Ihrem

Vorbild, von dem sie sich als Kind Autogramme

geholt hatte. Die ihr zur lieben

Freundin geworden war: der fünffachen

Weltmeisterin, sechsfachen World-Cup-

Gesamtsiegerin und Trägerin des Laureus

World Sports Award, Rachel Atherton.

„Sie hat mir gesagt, was für sie in schwierigen

Situationen, von Verletzung bis

Shitstorm, wichtig war und wie sie den

Fokus behalten hat, indem sie nach vorn

geschaut hat auf den nächsten Tag, an

dem sie aufs Bike kann. Wie sie ein Jahrzehnt

lang mit Situationen umgegangen

ist, die ich jetzt zum ersten Mal erlebe,

bewundere ich sehr.“

Auf das große Duell zwischen der

dominanten Downhillerin des letzten

Jahrzehnts und dem Super-Talent aus

Österreich müssen die Fans dennoch

verzichten: Rachel wurde im Juli Mutter.

Vali ist das nur recht: „Ich weiß nicht, ob

ich gegen Rachel voll hätte fahren können.

Da ist noch immer zu viel Respekt.“

Was hast du aus dem Sturz in Leogang

mit seiner Verletzung und dem Weg

zurück gelernt? Vali Höll: „In unserem

Sport wird es dich immer wieder mal

auf die Pfeife hauen. Einmal ist keinmal.“

Und dann? „Dann stehst du auf und

machst weiter.“

Mehr Vali in allen Lagen auf Instagram:

@valihoell

VALI HÖLLS RASANTE

BIKE-KARRIERE

Eine dreiteilige Doku zeigt ihren

kometenhaften Aufstieg

„Past – Presence – Future“ zeigt Valis

Weg von der Doppelweltmeisterschaft

bei den Junioren in die UCI Weltcup-Elite.

Inklusive Comeback nach der Sprunggelenksverletzung.

Ab 28. Juli bei

Red Bull TV. redbull.com/valihoell

THE RED BULLETIN 53


Basketballspiel im

Käfig an der West 4th

Street in New York:

Die Enge des Kult-

Platzes sorgt für

intensive Stimmung.

54

EIN KÄFIG


Streetball

West 4th Street

ist New Yorks

legendärster

Basketballplatz.

Stars wie Denzel

Washington pilgern

an seine Zäune,

Spieler aller Ethnien

kämpfen in hitzigen

Partien um Respekt.

Zu Besuch an einem

Ort, der für viel mehr

steht als Sport.

Text DAVE HOWARD

Fotos ANTHONY GEATHERS

VOLLER HELDEN


D

Basketball-Cracks beim Einlauf zu einem Summer-Leagues-Playoff-Match:

Das Spiel im Käfig „körperbetont“ zu nennen ist eine krasse Untertreibung.

Der Käfig belohnt diejenigen,

die ohne viel Platz gute Würfe

oder Rebounds zustande bringen.

er Platz ist klein

Das ist das Offensichtliche, wenn man

den West 4th Street Park in New York City

betritt. Würde man die Drei-Punkte-Linie

auf NBA-Distanz setzen – als Zugeständnis

für die Profis, die hier manchmal

trainieren –, läge sie fast schon am Mittelkreis.

Schaut man sich eines der großen

Summer-Leagues-Matches im Cage an,

dem „Käfig“, wie dieser sagenumwobene

Platz genannt wird, kommt es einem

manchmal vor, als hätten Riesen einen

Kinderspielplatz überrannt.

Versucht man herauszufinden, inwieweit

die Maße des Platzes tatsächlich

von den regulären abweichen, wird es

interessant. Google wirft unterschiedlichste

Schätzungen aus, von „ein bisschen

kleiner als die Norm“ (das steht auf

der offiziellen Homepage des New Yorker

Parks) bis hin zur „Hälfte des Standards

von 94 Fuß“ (28,65 Meter). Auch die

Legenden des Käfigs äußern sich ausweichend:

Die Spiele können sich schon

eng anfühlen, hört man da, sogar ein bisschen

klaustrophobisch. Kenny Graham,

Gründer der „Summer Leagues“, die den

West 4th zu einem Streetball-Hotspot

und einem weltbekannten Geheimtipp

für Touristen gemacht haben, zuckt

nur mit den Schultern und antwortet,

dem grünen Rechteck seien schon „viele

Größen nachgesagt“ worden. „Das lieben

die Leute ja so an diesem Platz.“ Warum

mit dem Maßband in der Hand den ganzen

Spaß verderben, scheint er sagen zu

wollen.

Die ungewöhnlichen Abmessungen

tragen zur Aura des Ortes bei, aber nicht

nur: Sie verändern tatsächlich das Spiel.

Wer auf Geschwindigkeit und Wendigkeit

setzt, hat ein Problem, denn alle sind so

eng zusammengepfercht, dass es sich anfühlt,

als wären doppelt so viele Spieler

auf dem Feld wie sonst. Der Zaun, der

das Spielfeld umschließt, verstärkt den

Eindruck der Enge noch. Der Käfig belohnt

diejenigen, die ohne viel Platz gute

Würfe oder Rebounds zustande bringen

oder die, besser noch, sich selbst Platz

verschaffen können in jener Zone, die die

Veteranen einst „Death Valley“ nannten.

Das Spiel hier „körperbetont“ zu nennen

ist eine gewaltige Untertreibung.

Und da das hier New York ist, sind

einige der Zuschauer, die sich von außen

an den Zaun drücken, Zwischenrufer,

und sie lassen es dich wissen, wenn du

Mist baust. Jason Curry ist der Gründer

und Präsident von Big Apple Basketball.

Als er klein war, schaute er seinem Vater

zu, der hier an spontanen Freundschaftsmatches

teilnahm, sogenannten Pickup

Games. Später spielte Curry selbst und

trainierte Spitzenspieler im West 4th.

Nach einem Fehler, den er hier machte,

dachte er: „Der wäre mir besser an jedem

anderen Ort passiert.“ Viele Leute

täten sich schwer im West 4th, weil der

Platz so eng ist, erklärt er. „Es ist fast wie

das Gesetz des Dschungels. Man darf in

keiner Hinsicht eine Schwäche zeigen,

sonst machen sie dich platt.“

Der Platz ist eine große Bühne

Als Kenny Graham 1976 auf diesen Ort

stieß und bei Spontan-Matches mitspielte,

56 THE RED BULLETIN


Streetball

Spielszenen aus

dem Käfig: Hier

zählen Können,

Härte und Respekt.

Im letzten Viertel

dieses knappen Spiels

ist die Spannung auf

dem Platz und daneben

förmlich zu greifen.

THE RED BULLETIN 57


Angriff gestoppt:

Das wilde Spiel im

New Yorker Käfig

brachte zahlreiche

lokale Stars hervor.

Hip-Hop-Größen schauen regelmäßig

vorbei. EA Sports baute den Court

für ein Computerspiel nach.

58 THE RED BULLETIN


Streetball

spürte er sofort, dass der Platz anders

war. Graham war als Lebensmittellieferant

viel unter wegs. Im Gegensatz zu den

typischen Basketballplätzen in New York,

auf denen nur Leute aus dem Viertel anzutreffen

waren, kamen hier Spieler aus

allen Teilen der Stadt zusammen – und

das heißt: Spieler aus der ganzen Welt.

„Du triffst hier auch heute noch Juden,

Italiener, Iren, Schwarze, Native Ame ricans,

alles Mögliche“, sagt Graham. „In

keinem anderen Park im ganzen Land

hast du so eine Diversität.“

Die besondere Lage spielt natürlich

auch eine Rolle. Die meisten Outdoor-

Basketballplätze New Yorks verstecken

sich in entlegenen Winkeln der Stadt,

aber der West 4th liegt in Greenwich

Village, an der 6th Avenue, einer der

großen Verkehrsadern Manhattans.

Die U-Bahn-Station West 4th Street ist

ein Knotenpunkt für das öffentliche Verkehrsnetz

– ein Ausgang befindet sich

gleich neben dem Platz. „Es ist fast, als

würdest du mitten am Broadway spielen“,

meint Jason Curry. „Alle Augen sind auf

dich gerichtet.“

Die Spiele hier ziehen schon lange

Passanten an. Irgendwann in den Sechzigern

gab es schon einmal eine Liga, die

aber nur ein paar Jahre überlebte. Als

einige Trainer entschieden, die West 4th

League neu zu organisieren, erkannte

Kenny Graham das Potenzial für etwas

Großes. Er heuerte bei der Liga an und

stieg innerhalb von zwei Jahren zu ihrem

Co-Commissioner und Direktor auf.

In diesen Funktionen zeigte sich

Grahams Händchen für den Aufbau

einer Marke. Er schuf „Kenny Graham’s

West 4th Street Pro-Classic“ mit eigenem

Logo und Merchandising. In den frühen

Achtzigern zogen die Summer Leagues

immer größere Namen aus der College-

Liga, selbst aus dem Profi-Lager an. Die

Sache schaukelte sich hoch: Je höher das

Niveau, desto mehr Publikum kam, und

so wurden die Namen noch größer. Sogar

Julius Erving alias Dr. J, in den Siebzigern

einer der Überflieger der NBA, stopfte

damals ein paar Körbe im Käfig.

Schon bald beehrten nicht mehr nur

New Yorker Spieler den winzigen Platz.

Jason Curry erinnert sich, wie einmal

vor etwa zehn Jahren plötzlich NBA-Star

Dwight Howard auftauchte – es war zu

jener Zeit, als er als aufregendster Spieler

der Welt gefeiert wurde –, nur um sich

ein Match anzuschauen. Die Popkultur

folgte. Die Hollywoodstars Denzel Wa-

„Es ist fast so, als würdest du

mitten am Broadway spielen – alle

Augen sind auf dich gerichtet.“

shington und Spike Lee waren da. Hip-

Hop-Größen schauen vor bei, und Werbespots

für nationale Kam pagnen werden

hier gedreht. Wer es persönlich nicht

auf den West 4th schafft, kann sich dort

virtu ell austoben: im Video spiel „NBA

Street V3“ von EA Sports.

Die Pandemie zwang den Summer

Leagues eine einjährige Pause auf.

Wenn die Stadt wieder voller Leben ist,

werden sich auch wieder Touristen zu

den Stamm-Zuschauern am Käfig gesellen.

Graham wird Kappen und Trikots

verkaufen an Menschen aus Südkorea,

Norwegen und Brasilien und ihnen das

Gefühl geben, genau hier im Zentrum

der Basketballwelt zu sein.

Der Platz ist ein Fluchtort

Jack Ryan wuchs als Basketball-Wilder in

Brooklyn auf. Als er zwölf Jahre alt war,

konnte ihm kein Gleichaltriger mehr das

Wasser reichen, sein vier Jahre älterer

Bruder ließ ihn bei seinen Freunden

mitspielen. Als er auch die an die Wand

spielte, fand Ryan, dass es an der Zeit

sei, sich in Manhattan zu messen. „Ich

sagte mir, okay, mal sehen, wie gut ich

wirklich bin“, erinnert er sich. Wo er

hingehen musste, war klar: in den Park

an der West 4th Street.

So nahm die Legende von „Black

Jack“ Ryan in den Achtzigern ihren Anfang.

Ryan wurde auch dafür berühmt,

dass er Angebote von Colleges und aus

der NBA in den Wind schlug – seine

Unreife und eine schwierige Kindheit

trugen sicherlich viel dazu bei. Der

Kose name seines Vaters für ihn war ein

F-Wort, sein eigentliches Zuhause war

der West 4th. Black Jack und der Platz

waren wie füreinander geschaffen.

Einmal flog er wegen zu viel Show aus

einem College-Team, aber Streetball

funktioniert anders: Im Käfig war sein

aufreizendes Spiel eine Waffe.

Gegen Phil Sellers, einen ehemaligen

Profi der Detroit Pistons, machte Ryan

Zuseher am Zaun an der West 4th Street: Beleidigungen gehören hier zum guten Ton.

THE RED BULLETIN 59


Streetball

einmal 44 Punkte. Als ihn ein Freund

darauf ansprach, antwortete er: „Wer

ist Phil Sellers?“ Von dem Hall-of-Fame-

Mitglied Chris Mullin, auch eine New

Yorker Basketball-Legende, ist das Statement

überliefert, Black Jack sei der

beste Werfer, den er außerhalb der NBA

je gesehen habe. Hier im West 4th umgab

Ryan eine Familie, das spürte er.

Hier war Beständigkeit: Dass der Punktezähler

Omar vor den Spielen immer

viel zu viel billiges Bier trank und sich

prompt verzählte, sodass Graham ihn

korrigieren musste, änderte nichts daran,

dass Omar weiterhin für die Punkte verantwortlich

blieb. Ryan gefiel das. Die

Sticheleien des Sprechers, der ballettgleiche

Wettkampf, Kenny Grahams

strenge Regeln gegen Gewalt – das alles

sorgte für Stabilität in einer sonst völlig

instabilen Welt.

Jack Ryan war MVP („most valuable

player“ – der wertvollste Spieler) in einer

der Ligen, auf seiner Wade prangt ein

Tattoo des West-4th-Logos. Und er trifft

sich immer noch mit Leo, Sherm, Doc

– all den Männern, mit denen er Freundschaft

geschlossen hat in seinen fast

vierzig Jahren auf dem Platz. „Jetzt, da

ich älter bin, ist das meine Familie“, sagt

Ryan. „West 4th Street ist mein zweites

Zuhause. Mein Hinterhof.“

Der Platz ist eine Gemeinschaft

Das mag seltsam klingen, denn das Spiel

ist so körperbetont, dass es sich an der

Gleich geht’s los: Zwei Spieler der New Yorker Männerliga sind bereit für das Spiel.

Alle Animositäten verpuffen

in dem Moment, in dem sich alle

zum nächsten Match versammeln.

Grenze zu offener Feindseligkeit bewegt.

Nach einigen Schlägereien hat Kenny

Graham Nulltoleranzregeln aufgestellt.

Wer gegen sie verstößt, kann des Platzes

verwiesen werden.

Aber es gibt eine große Wertschätzung

zwischen den Spielern. Alle mühsam

erarbeiteten, liebevoll gehegten Animositäten

verpuffen in dem Moment,

in dem sich alle zur nächsten Runde,

zum nächsten Match versammeln. „Bei

aller Härte herrscht ein unglaublicher

Kameradschaftsgeist“, sagt Jason Curry.

„Jedem, der auf den Platz geht, wird

Respekt entgegengebracht.“ Die Leute

passen aufeinander auf.

Die Spiele im Käfig sind für viele ein

wichtiger Teil ihres Lebens. 70 Teams

treten hier in Ligen gegeneinander an: je

20 für Männer und High-School-Schüler,

16 für Frauen, 14 für Nachwuchsteams.

Graham, heute 69, zeigt keine Ermüdungserscheinungen,

obwohl er erklärt,

im Ruhestand zu sein. Im West 4th, so

sagt er, „sieht man die Früchte meiner

Arbeit“. Im Moment versucht er, die

Magie dieses Ortes, die multikulturelle

Mischung des Käfigs in die Welt hinauszutragen.

Er arbeitet mit Offiziellen

aus der Dominikanischen Republik an

einem Austauschprogramm.

Für ihn war das während der Pandemie

vielleicht auch ein guter Zeitvertreib.

Bald jedoch wird alles wieder

so sein wie früher: Die Spieler werden

auftauchen, so verlässlich, dass man die

Uhr nach ihnen stellen könnte. Die Fans,

die während der Summer Leagues Abend

für Abend denselben Platz am Zaun

besetzen, werden ihre Posten wieder

einnehmen.

Den Käfig gibt es jetzt schon so lange,

dass er Teil von Familien geschichten

geworden ist: Generationen kommen

gemeinsam. Eltern reichen die Erfahrung

des Spielens oder Zuschauens im West

4th wie ein Erbstück feierlich an ihre

Kinder weiter. Der Platz ist also noch etwas:

eine Zeitkapsel.

Mit den Jahrzehnten verändert sich

Manhattan, es verwandelt sich immer

wieder, nimmt ständig neue Formen an.

Gebäude werden abgerissen und gebaut,

Restaurants wechseln den Besitzer und

die Identität, Parks verwahrlosen und

werden wiedergeboren.

Aber dieses kleine Rechteck, das da

irgendwie in Greenwich Village hineingequetscht

wurde? Dieser Käfig, so scheint

es, ist für die Ewigkeit.

60 THE RED BULLETIN


Hier teilen sich zwei

Schüler mannschaften

den Platz, der viel kleiner

ist als ein normales

Basketballfeld.

Fast jedes Match

ist intensiv, aber der

Höhepunkt sind die

All-Star-Games – wie

hier im Bild: Da spielen

die Besten der Saison

gegeneinander.

THE RED BULLETIN 61


AVANTGARDE

Designerin Flora

Miranda, 30, in ihrem

Modell „Avatar“. Das

Gitter dieser Kreation

aus Merinowolle lässt

sich auf Wunsch

verändern.


Fashion

Für ihre Kreationen

schreibt die österreichische

Designerin FLORA MIRANDA

Computer-Codes, lässt

Kleider aus Silikon wachsen

und malt Kunst auf Netze.

Hier erzählt die Visionärin,

warum wir bald alle Science-

Fiction auf der Haut tragen.

Text WOLFGANG WIESER

Fotos NORMAN KONRAD

ICH HABE DIE

ZUKUNFT

DER MODE

GESEHEN

ERINNERUNG

Auf diesem Bild trägt

Flora das Kleid „Memory“

aus der Kollektion

„Hyper real“. Es ist aus

schwarzem Baum wollsatin

geschneidert. Das

mit Silikon be strichene

Netzmaterial ist schleierartig

eingearbeitet.

63


NETZWERK

Flora Miranda bemalt

Netze mit Silikonfarbe.

„Diese Technik

habe ich selbst entwickelt“,

sagt sie.


Fashion

P

Prolog

Flora Miranda macht einen Schritt zurück. Noch einen.

Sie braucht Distanz, um sich näherzukommen. Sie betrachtet

das feinmaschige Netz, das in ihrem Atelier

hängt. Zweieinhalb Meter ist es hoch, eineinhalb breit.

Jetzt neigt sie den Kopf leicht nach links, tritt wieder

näher. Mit einer Spachtel streicht sie über die Fläche,

trägt mit Farbe vermischtes Silikon auf. „Diese Technik

habe ich selbst entwickelt“, sagt Flora.

Flora Miranda ist Modedesignerin von Beruf, aber

eigentlich ist sie Visionärin, zu Hause an der Schnittstelle

von Mode und Kunst. Sie ist 1990 in Salzburg in

eine Künstlerfamilie geboren worden, lebt aber jetzt im

belgischen Antwerpen. 2016 wird sie bei den Austrian

Fashion Awards von einer internationalen Jury mit

dem „Outstandig Artist Award“ ausgezeichnet: „Sie

erschafft“, befand die Jury, „eine gänzlich neue, vom

Experiment mit Materialien, Produktionstechniken

und Verfahren inspirierte Mode-Utopie.“

Ihr Zugang sei eine Art interdisziplinäre künstlerische

Grundlagenforschung für die Zukunft der Mode:

„So bringt sie eine gänzlich neue Ästhetik mit überraschender

visueller Wirkung hervor, die in der vom

Zitat dominierten Modewelt eine originäre, eigenständige

Position einnimmt.“

Das Silikon tropft für einige Stunden. Alles fließt.

Sackt ein paar Zentimeter nach unten, findet seinen

Weg auf dem Netz, „ziemlich unkontrolliert“, sagt die

Künstlerin. Jetzt spachtelt sie ihr Gesicht, ein Selbst­

porträt. Sie sieht ernst aus. Noch aber ist sie nicht fertig.

„Den Mund musste ich dreimal malen. Weil alles fließt,

war er anfangs zehn Zentimeter unterhalb der Stelle, an

der er eigentlich sein sollte.“

Die Arbeit an dem Bild streamt Flora über Instagram.

„Es ist ein Ausdruck dieser Zeit, in der man mit sich

selbst konfrontiert ist wie niemals zuvor. Man sieht nur

sich selbst, gleichzeitig ist es eine Erinnerung an die

Außenwelt.“

Wochen später postet Flora ein Bild aus der arabischen

Ausgabe der Modezeitschrift „Harper’s Bazaar“.

Ihr Selbstporträt ist dort Teil einer sonnenuntergangsorangen

Fashion-Inszenierung, und Flora sieht darauf

aus wie eine selbstbewusste Fee aus einem futuristischen

Märchen.

Außerdem vereint das Bild alles, was der 30-jährigen

Designerin für ihre Arbeit wichtig ist: Mode und Kunst,

Vergangenheit und Zukunft, Kontinuität und Veränderung

– vor allem Veränderung oder präziser: Transformation,

Verwandlung. Wobei jeder dieser Begriffe die

anderen braucht, weil sie alle Floras Welt ausmachen.

Oder wie sie selbst sagt: „Meine Kleider sind die Sammlung

meiner Gedanken.“

Hier erzählt sie selbst ihre Geschichte; erklärt, warum

sie sich intensiv mit Programmieren beschäftigt,

und teilt eine Mode-Vision, die dermaßen Science­

Fiction zu sein scheint, dass man sie erst mit einem

ungläubigen Lächeln vernimmt, bevor man sich fasziniert

in Floras Fantasien wiederfindet.

Kapitel 1: Jeder ist ein Alien

„Ich habe schon mit vier Jahren bei Ausstellungen geholfen,

Keilrahmen für Bilder zusammenzuhämmern.

Später bin ich mit meinem Vater zu Künstlerresidenzen

(Plätze für kreatives Arbeiten, Anm.) gereist. Wir haben

dort gemeinsam viel Zeit verbracht. Aufgewachsen bin

ich in Salzburg – in einer Familie, in der Kunst ganz

wichtig ist. Ich bin sehr froh über diesen Reichtum,

den ich da mitbekommen habe.

Mein Vater (Wolfgang Seierl, Anm.) hat Gitarre und

Malerei studiert und organisiert seit Jahren das KomponistInnenforum

Mittersill – ein Festival, das dem Komponisten

Anton Webern gewidmet ist. Als Kind habe ich

dort Kabel getragen, als Jugendliche das Essen serviert.

„Meine Kleider sind die

Sammlung meiner Gedanken.“

THE RED BULLETIN 65


Fashion

„Ich stecke mein gesamtes Geld

in meine Mode-Kreationen.“

PRESS RESET

So heißt die Debüt-Kollektion

von Flora Miranda aus dem

Jahr 2016 – hier der Hosenanzug

„Delete Yourself“

und das Kleid „Spectral“,

beides aus Silikon.

Erst später bin ich draufgekommen, welch wichtige

Künstler da oft anwesend waren. Wahrscheinlich fällt

es mir deshalb noch heute leicht, mit Menschen aus der

Kunst zu arbeiten. Zu der Zeit bin ich schon ins Musische

Gymnasium gegangen. Da gab es Zwölfjährige, die

am Mozarteum studiert haben. Ich habe gemalt, ich war

begabt, und ich wurde gefördert. Jeder von uns Schülerinnen

und Schülern war ein Charakter. Die Kreativität

hat uns einander aber nicht nähergebracht. Man fühlt

sich trotzdem wie ein Alien, wenn man nicht die Dinge

tut, die Zwölfjährige normalerweise machen.

Ich bin immer noch sehr kontrolliert, aber ich versuche,

das aufzubrechen. Das Wort, das mir in unserem

letzten Gespräch nicht eingefallen ist, war Individualismus.

Man wird in diesem künstlerischen Bereich zum

Individualisten geformt. Das ist etwas, wo ich gemerkt

habe, dass es nicht in jeder Situation guttut. Um gemeinsam

mit anderen Leuten zu arbeiten, ist es notwendig,

sich einzugliedern. Beides ist wichtig für mich. Aber es

ist eine Herausforderung, zu erkennen, dass man nicht

immer der sein muss, der speziell ist.

Heute besteht mein Alltag nur daraus, mit Menschen

zu arbeiten, deswegen ist diese Fähigkeit für mich ganz

entscheidend. Der Individualismus ist wichtig, um ein

stilistisches Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln und

sich so von anderen Designern weltweit abzuheben.

Es ist andererseits aber schon auch wichtig, dass

man das weiß, dass am Ende das Zusammensein am

schönsten ist. Ich mag in meiner Art eigen sein. Aber

ich bin sehr gerne mit Menschen zusammen.“

Flora Miranda geht zum Studium nach Antwerpen,

Belgien. Die Königliche Akademie der schönen Künste

gilt als Avantgarde-Hochburg. Ihre bekanntesten Absolventen

sind die „Antwerp Six“, allesamt weltberühmte

Modedesigner: Dries van Noten, Ann Demeulemeester,

Walter van Beirendonck, Dirk Bikkembergs, Marina Yee

und Dirk van Saene. Aber auch Martin Margiela, Haider

Ackermann und Kris Van Assche haben hier studiert.

Nach ihrem Abschluss arbeitet Flora für die niederländische

Designerin Iris van Herpen, später gründet

sie ihr eigenes Label.

66 THE RED BULLETIN


KREATIVER

KOPF

Flora Miranda mit

Selbstporträt

„Memories“:

daheim zwischen

Mode und Kunst

„Ich bin immer noch sehr kontrolliert,

aber ich versuche, das aufzubrechen.“


Fashion

„Kunst regt dich an, dein

Leben zu hinterfragen.“

HEISSER STOFF

Flora experimentiert gern

mit Materialien (hier: ein

Silikonkleid), was ihren

Entwürfen anziehende

Sinnlichkeit verleiht.

Kapitel 2: Ins Extrem gehen

„Für mich hat die Kunst eine wichtige Rolle in der Gesellschaft.

Ihre Aufgabe ist es, Freiräume zu schaffen,

wo unsere Realität reflektiert wird. Wo man Zeit hat,

zu schauen, zu denken und seine eigenen Ansichten zu

entwickeln. Dafür darf der Künstler ins Extrem gehen,

das Gewohnte reizen, damit er mir die Gelegenheit

gibt, mein Leben zu hinterfragen.

Ich möchte solch einen Raum in der Mode schaffen.

Natürlich nicht immer. Mode kann auch sehr angewandt

sein, also einfach nur die Haut schützen. Es kommt

immer darauf an, wofür sie gedacht ist. Ich verfolge

verschiedene Richtungen. Einerseits will ich eben Freiräume

schaffen, und da denke ich schon, dass meine

Kreationen der Kunst nahe sind.

Andererseits habe ich auch Stücke, die einfach tragbar

sind. Für spezielle Gelegenheiten schlüpfe ich auch

in Couture-Stücke, nur meine skulpturalen Stücke trage

ich eher nicht, ich bin ja keine Performance-Künstlerin.

Ich trage übrigens sehr viel Kleidung, die mir gegeben

wurde. Wenn anderen Leuten ihre Kleidung nicht mehr

passt, finde ich es gut, sie zu tragen. Mein Fokus liegt

woanders. Ich stecke mein gesamtes Geld in meine Kreationen.

Mein Label habe ich gegründet, weil ich erkannt

habe, dass kaum jemand für die Avantgarde der

Mode steht. Deshalb habe ich auch in Antwerpen studiert,

weil ich mit meinem künstlerischen Hintergrund

die Kreativität in der Mode hochhalten wollte.

Ich arbeite sehr eklektisch, ich habe nicht diese eine

Arbeitsweise. Ausgangspunkt ist bei meinen Kreationen

immer ein Thema, ein Konzept. Das hat immer mit dem

digitalen Dasein des Menschen zu tun, gepaart mit Materialstudien.

Ich habe ständig Ideen, um die herum

sich Menschen, Bücher, Musik, visuelle Formen akkumulieren,

bis sie so etwas wie eine Traube bilden – und

auf einmal ist ein Thema bereit, umgesetzt zu werden.“

Das Ergebnis sind Kleider, die oft wie Skulpturen wirken.

Kreationen, die aus langwieriger Denkarbeit entstehen,

aus der Beschäftigung mit Mathematik und

ihrer Übersetzung in Computer-Codes. Sie sind aber

keineswegs ein ausschließlich intellektuelles Vergnügen,

im Gegenteil: Viele ihrer Arbeiten bergen eine anziehende

Sinnlichkeit. Flora Miranda zeigt sie seit 2018

bei den Haute-Couture-Schauen in Paris, manche haben

den Weg in Museen gefunden, internationale Künstler-

Stylisten (etwa von Lady Gaga, Miley Cyrus, Sita Abellan,

M.I.A.) lieben ihre aufregenden Looks.

Kapitel 3: Wer programmieren kann,

gewinnt Freiheit

„Ich bin insgesamt eher chaotisch, deshalb versuche ich,

strukturiert zu arbeiten. Ich fange jeden Tag spätestens

um 9 Uhr an. Ich arbeite den Großteil meines Lebens.

Erst während des Lockdowns habe ich herausgefunden,

dass ich auch etwas anderes kann als arbeiten. Vorher

gab es in meinem Hirn nicht die Möglichkeit, etwas

anderes zu tun.

Schon seit vielen Jahren frage ich mich, wo sich unsere

Gesellschaft hinbewegt mit all dem Produzieren,

Analysieren und dem Nutzen von Daten. Und ich finde,

um kreativ damit umzugehen, muss man die Sprache,

mit der diese Daten gemanagt werden, beherrschen.

Ich fühle mich machtlos, wenn ich nicht programmieren

kann. Indem man programmiert, gewinnt man

68 THE RED BULLETIN


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Robert verzeiht Eva ihren

Seitensprung mit Wien.

Endlich wieder gemeinsam auf der Donauinsel sporteln!

Eva ist zwar in Robert verliebt, aber auch in Wien. Daher verzeiht er ihr den Seitensprung mit seiner

Lieblingsstadt. Wer sich an die 3G-Regel hält, kann ganz unbeschwert Sport treiben und sich so in

unsere Sommerangebote verlieben. Alle Sportangebote findest du unter sommer.wien.gv.at.

Corona ist noch nicht vorbei! Teste dich regelmäßig und lass dich impfen.

sommer.wien.gv.at


Fashion

MUSEUMSREIF

Flora im Modemuseum Hasselt,

Belgien. Sie trägt ihre Kreation

„Memory“ und hält das Kleid

„Radiation“ im Arm. Im Hintergrund:

Museumsstücke

anderer Designer.

„Mich fasziniert der Gedanke, dass etwas fluide ist,

dass ich ein Kleidungsstück morphen kann.“

Freiheit. Ich bin deshalb auch an Datenvisualisierung

interessiert, weil ich mir gerne vorstelle, dass der Körper

aus Daten besteht. Es erweitert die Fantasie, das Immaterielle

ist etwas, was den Menschen auf viele Arten

fasziniert. Wir sehnen uns danach, die Last des Körpers

hinter uns zu lassen.

Der Gedanke ist nichts Neues, das hat nichts mit Spiritualität

zu tun, sondern mit Wissenschaft. Mich interessiert,

was man mit den Daten anfangen kann.

Meine ‚IT Pieces‘ sind ein erster großer Schritt. Das

hat nichts mit It-Girls zu tun, sondern steht für Information

Technology. Es sind veränderbare Kleidungs stücke,

die auf persönliche Daten reagieren.

Konkretes Beispiel: Ich könnte beispielsweise diesen

Text analysieren und aus den Gefühlen, die darin vorkommen,

aus Tausenden von Liedern eine Songzeile für

ein T-Shirt destillieren.

Meine Kreation ‚Avatar‘, die es als Pullover, als Kleid

und als Abendkleid gibt, ist von den Avataren in ‚Second

Life‘ (einer virtuellen Welt, in der echte Menschen als

künstliche Figuren auftreten, Anm.) inspiriert. In meinem

Online-Shop lässt sich das Design, eine Gitterstruktur,

verändern. Diese veränderte Gitterstruktur wiederum

lässt den Körper anders aussehen – üppiger oder weniger

kurvig, ganz nach Belieben.

Ich habe eine ganz bestimmte Idee von der Zukunft

der Mode. Meine Vision ist, dass sich datengetriebene

Kleidungsstücke abhängig von Trägerin und Träger ändern

und dass es auch am Betrachter liegt, was er zu

sehen bekommt. Mich fasziniert, wenn etwas fluide ist

– dass ich ein Kleidungsstück morphen, es also fließend

verändern kann. Ich glaube, dass die digitale Welt uns

diesen Wunsch erfüllen kann.“

Epilog

Frage: Wirst du das noch erleben?

„Das kommt darauf an, wie hart ich arbeite.“

Mehr Flora Miranda in allen Lagen auf Instagram: @floramirandaofficial

oder auf ihrer Webseite: floramiranda.com

MAKE-UP: LAURA NOBEN

70 THE RED BULLETIN


VERLEIHT FLÜÜÜGEL.

AUCH MIT DEM GESCHMACK VON KAKTUSFRUCHT.


A N Z E I G E

must-haves

1

2

3

4

1 GOURMET-PIONIER

Am 4. Juli feierte der Jahrhundert koch

Eckart Witzigmann seinen 80. Geburtstag.

Zu diesem Anlass ist ein zweibändiges

Buch über sein Werk und seine

Visionen erschienen. Band eins gibt

Einblicke in das Leben des Sternekochs

sowie seinen Zugang zum Kochen

und Essen. Band zwei beinhaltet

Rezepte von Witzigmann selbst und

von 25 seiner Schüler – unter anderem

Johann Lafer und Alfons Schuhbeck.

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2 KITEKURSE FÜR JEDES LEVEL

Du bist motiviert, die Trendsportart

Kiten zu erlernen? Dann bist du bei

Kiteriders genau richtig. Abgestimmt

auf dein Können, findest du hier den

Kitekurs, der zu dir passt – egal ob

Schnupperkurs oder Freestylestunde.

Durch das stehtiefe Wasser am Neusiedler

See ist ein optimaler Lernerfolg

garantiert. Am Top-Kitespot Podersdorf,

1 Stunde von Wien entfernt, wird

Lifestyle mit guter Laune vereint.

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3 PACKABLE BLAZER

Funktion trifft Eleganz: Der Relaxed Fit

Blazer von AlphaTauri sieht nicht nur

chic aus, sondern ist dank der wasserdichten

Oberschicht auch bestens

ausgestattet, um für laue Sommernächte

vorbereitet zu sein. Perfekt

fürs Office, überzeugt er aber auch auf

jeder After-Work-Party und lässt sich

dank praktischem Packable System

ganz schnell in der eigenen Reißverschlusstasche

verstauen.

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4 LEBENSFREUDE PUR

Der beste Kaffee der Welt kommt von

dort, wo die Wiege der Kaffeekultur

ist: aus Ostafrika. Im idealen Klima

von Bauernfamilien in eigenen Gärten

großgezogen, in der Dorfgemeinschaft

partnerschaftlich geerntet. Das ist

die Zukunft des Kaffees: ursprünglich,

fair, ökologisch, nachhaltig. Pure

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genießen!

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GUIDE

Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

EIN GENUSS­

WOCHENENDE

IN DEN

DOLOMITEN

Trial-Mountainbiker

Tom Öhler, 38, setzt sich

entspannt aufs E-Bike

und erweitert übers

Wochenende seine

innere Landkarte

von Südtirol.

KIRSTEN SÖRRIES HANNES KROPIK

Tom Öhler am Peitlerkofel.

Er lässt sich mit

dem E-Bike in knapp

zweieinhalb Stunden

umrunden.

73


GUIDE

Reisen

„Mit dem E-Bike kannst

du Gegenden erkunden,

die du mit dem normalen

Bike so schnell nicht

erreichst.“

Tom Öhler über die Wahl seines

Fahrrads für die Wochenend-

Genusstour durch Südtirol

B

eim Schlafen habe ich es gern

etwas kühler, deshalb parke ich

meinen Camper lieber ein Stück

weiter oben am Berg. Wildcamping ist

in Südtirol zwar nicht erlaubt, aber wer –

wie ich – in Gasthöfen einkehrt und höflich

fragt, findet meistens recht leicht

ein ruhiges Platzerl.

Ich starte mein Wochenende in den

Dolomiten mit einem wunderschönen

Blick hinunter vom Würzjoch. Ich veranstalte

seit einigen Jahren immer wieder

Fahrtechnikcamps hier in dieser Gegend.

Deshalb kenne ich mich schon ganz gut

aus, aber ich will noch weitere Spots

kennenlernen und damit meine innere

Landkarte Südtirols vergrößern.

Für diesen Zweck eignet sich das

E‐Mountainbike perfekt: Du kannst Gegenden

erkunden, die du mit dem normalen

Bike nicht so schnell erreichst.

Mit dem E-MTB schaffe ich das, was

sonst eine Tagestour ist, in zwei bis drei

Stunden – und finde trotzdem noch die

Muße, den Blick schweifen zu lassen und

die herrliche Landschaft zu genießen.

Meine erste Tour führt mich vom

Würzjoch einmal um den 2.875 Meter hohen

Peitlerkofel herum. Ich genieße diese

flotte Runde – würde sie aber nur wirklich

geübten Bikern empfehlen: In der Abfahrt

geht es über eine exponierte Scharte, die

doch gehobene Anforderungen an die

Fahrtechnik stellt.

Südtirol bietet perfekte Bedingungen

für Mountainbiker. Ich verbringe hier im

Frühjahr und Spätherbst viel Zeit, wenn

Durch das wilde Nigertal: eine geschmeidige Abfahrt auf dem Carezza Bike Trail

Kurze Entspannungspause

vor der letzten

Etappe durch den

Rosengarten: Tom

genießt den feinen Ausblick

ins Eggental.

74 THE RED BULLETIN


SÜDTIROL

Bozen

Italien

Wohin soll’s

gehen?

Südlich des Brenners liegt

ein wahres Bike-Paradies.

Die Dolomiten mit ihren vielen

kleinen Seitentälern bieten

abwechslungsreiche

Trails jeder Schwierigkeitsstufe

– egal, ob Uphill oder

Downhill.

Tom Öhler bietet über seine

Homepage smooth.at

und über facebook.com/

tomoehler regelmäßig

Rom

Fahrtechnikcamps an. Wie

atemberaubend der Wahl-

Tiroler fährt, wenn er es

ernst meint, seht ihr auf

redbull.at, Stichwort „Tom

Oehler rides the Dolomites“.

Nächstgelegener internationaler

Flughafen:

Bozen, Innsbruck

Toms

tollste Trails

Drei Highlights aus Tom Öhlers

Wochenend-Ausflug

KIRSTEN SÖRRIES HANNES KROPIK

bei mir zu Hause im Stubaital zu viel

Schnee auf den Trails liegt. Der feine

Kiesel auf den Schotterwegen ist manchmal

ein bisschen rutschig, aber nicht so

scharfkantig wie zum Beispiel rund um

den Gardasee. Die geschmeidigen Wanderwege

kommen meinem verspielten

Fahrstil generell entgegen.

Pushen auf dem E-Bike

Prinzipiell macht es für mich keinen

Unterschied, ob ich motorisiert oder

mit reiner Muskelkraft unterwegs bin.

Mein E-Bike, ein Liteville 301 CE, wiegt

rund 22 Kilo. Durch seinen niedrigen

Schwerpunkt liegt es bergab wie ein

Brett, ohne dabei behäbig zu sein.

Oben: Wheelie auf der neuen Hängebrücke im

Fassatal, sie führt von der Liftstation zum Karersee.

Unten: Tom vor dem Peitlerkofel.

1. BRIXEN BIKEPARK

Im Brixen Bikepark auf der Plose gibt

es vier Downhill-Trails. Tom Öhlers

Favorit ist die „Palm Pro Line“: „Ein

anspruchsvoller Mix aus natürlichem

Trail und handgebauten Hindernissen

auf 2,5 Kilometer Länge. 265 Höhenmeter,

11 Prozent Neigung.

plose.org/sommer/brixen-bikepark-2.html

2. NIGERTAL

Der Carezza Bike Trail durch das

Nigertal, 20 Minuten mit dem Auto

von Bozen entfernt, bietet mehr als

20 Sprünge, 45 Steilkurven sowie

eine 1,8 Kilometer lange Pumpline.

carezza.it/de/Sommer/Carezza-

Bike-Trail

3. FASSATAL

Top im Fassatal ist der Trail vom

Karer pass über Wanderwege nach

Soraga di Fassa, zurück über Schotterstraßen

Richtung Karersee und

über alte Steige zur Talstation der

Carezza- Bahn. „740 Höhenmeter

uphill, 1.280 Höhenmeter downhill

auf 26 Kilo metern. Hier ist selbst auf

dem E‐Bike gute Kondition gefragt.“

THE RED BULLETIN 75


GUIDE

Reisen

Der 2.875 Meter hohe Peitlerkofel in seiner ganzen Schönheit: Er ist der höchste Gipfel der Peitlerkofelgruppe.

Es wäre verlockend, wegen der

Motor unterstützung einfach die Beine

baumeln zu lassen. Aber das interessiert

mich nicht. Ich fahre das E-Bike

noch aktiver als das Bio-Bike: Jede Unebenheit

nutze ich zu meinem Vorteil;

ich pushe, pushe, pushe.

Spannender Bike-Park

Vom Peitlerkofel fahre ich mit dem

Camper weiter zur Plose, einem Gebirgsstock

in den Lüsner Bergen. Dort

liegt der Brixen Bikepark mit vier unterschiedlich

schwierigen Mountainbike-

Strecken. Neben den gebauten Trails

gibt es auch schöne natürliche Herausforderungen.

Bergauf nehme ich den

Lift. Ich bin ja zum Vergnügen hier.

Dass ich mich hier wie zu Hause fühle,

hat familiäre Gründe: Ich bin zwar in

Linz zur Welt gekommen, aber mein

Opa väterlicherseits war Südtiroler. Er

stammte aus Ritten, ganz in der Nähe

meiner abschließenden Tour, bei der

ich den Rosengarten erkunde. Was so

„Bei 22 Kilo überlegst

du es dir zweimal,

ob du das Bike

schultern möchtest.“

Tom Öhler steigt auch bergauf selten ab.

lieblich klingt, ist ein rund acht Kilometer

langes Bergmassiv an der Grenze

Südtirols zum Trentino.

Das E-Bike schenkt mir zusätzliche

Freiheiten. Die Motorunterstützung erlaubt

es mir, Anstiege zu nehmen, die

ich rein aus Muskelkraft kaum fahren

könnte. Gerade bergauf kommen mir

meine Erfahrungen aus dem Motorrad-

Trial zugute: Ich weiß, wie ich Hindernisse

anfahren muss, um vielleicht doch

noch ein paar Höhenmeter zusätzlich

fahren zu können. Angesichts der 22 Kilo

überlegst du es dir zweimal, ob du

das E-Bike wirklich schultern möchtest.

Bevor ich wieder heimfahre, gönne

ich mir noch den Anstieg hinauf zur

Laurins Lounge. Dort genieße ich auf

über 2.300 Meter Seehöhe ein großartiges

Rote-Rüben-Risotto und den

grandiosen Fernblick.

Dann steige ich noch einmal auf

mein E-Bike und drehe ein paar letzte

Runden auf dem Carezza Bike Trail.

Mehr über Tom Öhler: smooth.at

KIRSTEN SÖRRIES HANNES KROPIK

76 THE RED BULLETIN


Kleine Abenteuer.

Große Momente.

www.tirol.at


GUIDE

Uhren

LONGINES HYDROCONQUEST

Grüne Welle

Eine wunderschöne Begleiterin für den nächsten

Tauchgang: Dieses Longines-Modell vereint Eleganz,

Sportlichkeit und technische Perfektion.

Mit einer Wasserdichtigkeit von 30 bar eignet

sich die HydroConquest wirklich zum Tauchen.

Das Edelstahlgehäuse misst 41 Millimeter im Durchmesser,

Gehäuseboden und Krone sind verschraubt.

Besonders elegant: Das mattgrüne Zifferblatt und

die Lünette mit Keramikeinlage stehen in feinem

Kontrast zu Zeigern, Lünettenrand und Krone,

sämtlich vergoldet. Preis: 1680 Euro; longines.com

AHOI!

Volle Kraft voraus –

das grüne Kautschukarmband

dieser

Taucheruhr ist perfekt

auf Zifferblatt und

Keramik-Lünette

abgestimmt.

WOLFGANG WIESER

78 THE RED BULLETIN


ÖSTERREICHS

GRÖSSTE BIKE-REGION

über 80km Lines & Trails - 9 Bergbahnen - 7 Berge

bike.saalbach.com


GUIDE

E-Mobilität

Null Knatterton

Damit wir alle weniger im Stau stehen, müssen mehr Menschen

auf zwei Rädern unterwegs sein – idealerweise elektrisch. Wir zeigen

die vier einspurigen Kategorien mit Zukunft. Text WERNER JESSNER

FÜR DIE STADT ELEKTRISCH

HUSQVARNA E-PILEN

Vorteil: erwachsenes Motorrad für emissionsloses Pendeln

Man muss schon zweimal hinschauen, um den Unterschied zwischen

der Husqvarna Vitpilen (mit Verbrennungsmotor) und der E-Pilen

zu entdecken. Die E‐Pilen fliegt mit 11 PS (8 kW) auch für Besitzer

eines Auto-Führerscheins mit Code 111 (ohne Prüfung, aber mit zusätzlichen

Fahrstunden) bis zu 100 Kilometer weit. Das prädestiniert

sie sowohl zum Pendeln als auch für das reine City-Abenteuer.

HUSQVARNA-MOTORCYCLES.COM, GASGAS.COM, VESPA.COM,

80 THE RED BULLETIN


FÜR SPORTLER

GASGAS ENDURO CROSS

Vorteil: morgens mit dem Fahrrad

ins Büro, abends über Trails zurück

E-Mountainbikes machen bergauf so viel

Spaß wie normale Bikes nur bergab. Entscheidend

ist, dass Fahrwerk und Bremsen

auf das höhere Gewicht abgestimmt sind

und der Motor durch sanften Leistungseinsatz

ein möglichst natürliches Fahrgefühl

herstellt. Bikes wie das Enduro

Cross von GASGAS sind für jedes Gelände

gewappnet. Mit so einem Bike machen

Umwege erst so richtig Spaß.

STATT EINES MOPEDS

VESPA ELETTRICA

Vorteil: wie ein Moped – aber lautlos

und mit besserer Beschleunigung

Kids wissen gleich, warum: Wer sich in der

Klasse bis 45 km/h (rote Nummerntafel)

für E-Mobilität entscheidet, kann ziemlich

sicher sein, dass die Eltern nicht hören,

wann genau man nach Hause kommt.

Außerdem: Die Vespa kann einfach daheim

an einer elterlichen Steckdose auf geladen

werden, damit sind 95 Kilometer zum Nulltarif

drin – zumindest wenn man die Stromrechnung

nicht selbst bezahlen muss.

DURCH ENGSTE GASSEN

HUSQVARNA BLTZ CONCEPT

Vorteil: minimaler Platzbedarf, ideal an

der Schnittstelle zwischen öffentlichem

Verkehr und Individualmobilität

Von Tür zu Tür oder für die letzte Meile von

der Haltestelle bis nach Hause: Scooter

brauchen wenig Platz, sind daher gut

transportabel, leicht und schnell. Das Bltz

Concept von Husqvarna zeigt, wie cool das

aussehen kann: stabiles Fahrverhalten,

40 Kilometer Reichweite, 0,5 kW Leistung

und eine Spitze von 20 km/h. Da kann

man die Öffis mitunter ganz weglassen.

WO DER STROM

WOHNT

In der KTM Motohall

in Mattighofen läuft derzeit

eine Sonder ausstellung

zum Thema E-Mobilität auf

zwei Rädern. Nicht nur deshalb

lohnt sich ein Besuch.

ktm-motohall.com

THE RED BULLETIN 81


GUIDE

Lesestoff

ACTION-THRILLER

Der unbarmherzige

Samariter

US-Thrillerautor Gregg Hurwitz hat mit Evan Smoak einen Helden erschaffen,

der es gnadenlos krachen lässt. Doch das ist gar nicht so einfach, wie es klingt.

Text JAKOB HÜBNER

An den richtig harten

Typen haben sich

schon viele Autoren

die Zähne ausgebissen.

Dabei möchte man

ja meinen, es wäre eine vergleichsweise

leichte Übung,

einen Helden für einen Actionthriller

zu erschaffen. Man

nehme einen kantigen Kerl,

tunke ihn tief in eine elitäre

militärische Vergangenheit,

füge eine großkalibrige Knarre

hinzu, einmal durchladen,

und los geht’s! Aber so funktioniert

das nicht.

Tatsächlich sind sogenannte

„One Man Army“­

Thriller eine ziemlich heikle

Herausforderung, da sie sich

formal auf einem extrem

schmalen Grat bewegen.

Anders gesagt: Die Lächerlichkeit

ist immer nur einen

Schritt weit entfernt.

Die Kunst besteht darin,

eine notwendigerweise überzeichnete

Figur mit genügend

Tiefgang auszustatten, um sie

in einem realistischen Setting

zu verankern. Gelingt das

nicht, wird sie zur Karikatur.

Auf der anderen Seite lauert

der heimtückische Psycho-

Treibsand. Denn kaum eine

Romanfigur ist nervtötender

als ein Actionheld, der ständig

erklärt werden muss. Das

geht gar nicht. Man nimmt so

ein Buch ja schließlich nicht

aus dem Regal, weil gerade

kein Dostojewski zur Hand ist.

Nein, ein guter Thrillerheld

ist wie ein gutes Steak, nur

umgekehrt: innen scharf angebraten

und außen blutig.

Evan Smoak ist so ein Typ.

Er war einst Teil eines streng

geheimen US-Regierungsprogramms,

in dem Waisenkinder

rekrutiert und zu hocheffizienten

Killermaschinen

ausgebildet wurden. Ausgestattet

mit wasserdichten

Identitäten und nahezu grenzenlosen

finanziellen Mitteln,

räumen die „Orphans“ dort

auf, wo dem Staat die eigenen

VINZ SCHWARZBAUER

82 THE RED BULLETIN


Erster Absatz

aus „Rache der Orphans“

Das RoamZone ans Ohr gepresst, trat Evan rasch durch

die Tür seiner Penthousewohnung im Apartmenthochhaus

Castle Heights. Das Handy mit dem Gehäuse aus gehärtetem

Gummi und dem Display aus Gorilla Glass war so widerstandsfähig

wie ein Hockeypuck und im Prinzip nicht zurückzuverfolgen.

Jeder Anruf auf 1-855-2-NOWHERE wurde digitalisiert

und über ein Labyrinth von verschlüsselten VPN-Tunneln

über das Internet verschickt. Erst nachdem er per Software

von Vermittlungsstelle zu Vermittlungsstelle einmal rund

um den Globus geleitet worden war, kam er auf dem Roam­

Zone an. Evan meldete sich immer mit demselben Satz.

Brauchen Sie meine Hilfe?

BUCHTIPPS

Helden in Serie

Vier Thriller-Autoren, die keine Gefangenen

machen – außer bei den Lesern.

Gesetze im Weg stehen.

Als jedoch sein ehemaliger

Ausbildner und Mentor in Ungnade

fällt, steigt Evan aus

und verschwindet vom Radar.

Er leidet unter schlechtem Gewissen

und sehnt sich nach

Buße. Er wird zum „Nowhere

Man“, einer Art unsichtbarem

Schutzengel für Menschen,

die in Not geraten sind, sich

aber – aus welchen Gründen

auch immer – nicht an die Polizei

wenden können. Aus dem

Sünder wird ein Samariter –

allerdings einer ohne jede

Barmherzigkeit, dafür aber

mit einer spezialangefertigten

Wilson Combat im Kydex-

Hüftholster.

In der „Orphan“-Zentrale

haben sie freilich wenig Freude

mit einem freischaffenden

Profikiller aus den eigenen

Reihen und blasen zum großen

Halali – allen voran die

emotional nahe am Gefrierpunkt

angesiedelte Candy

McClure, die mit Evan noch

eine ganz persönliche Rechnung

offen hat …

Der US-Amerikaner Gregg

Hurwitz, 48, ist nicht nur als

Romanautor und Comictexter

(Marvel, DC) sehr erfolgreich,

sondern auch als Drehbuchschreiber.

Das merkt man.

Seine Evan-Smoak-Reihe –

„Orphan X“ (2016), „Projekt

Orphan“ (2017), „Die Rache

der Orphans“ (2018), „Die

Spur der Orphans“ (2019)

und „Das Vermächtnis der

Orphans“ (2021) – kommt wie

ein Hollywood­ Blockbuster

daher und überzeugt mit

einem wirklich guten Spannungsbogen.

Hurwitz hat ein

feines Gespür dafür, wann er

das Visier runterklappen und

Vollgas geben muss und wann

er Tempo rausnimmt, um den

Leser mit ein paar Hintergrundhappen

zu füttern.

Das ist umso bemerkenswerter,

als der Autor quer

durch alle fünf Bände mit

zwei parallel laufenden Storys

jongliert – auf der einen Seite

der jeweilige Auftrag des

„Nowhere Man“ und die interne

Jagd gesellschaft der

„ Orphans“ auf der anderen.

Die beiden Handlungsstränge

kommen einander zwar nur

selten in die Quere, aber wenn,

dann mit mächtig Zunder.

Stilistische Brillanz darf

man sich von einer Romanserie

dieser Gattung natürlich

nicht erwarten, wohl aber eine

präzise sprachliche Fokussierung

auf das Wesentliche:

Spannung bis zum Abwinken.

GREGG HURWITZ

„Evan Smoak“-Reihe

Deutsch von Mirga Nekvedavicius

HarperCollins

LEE CHILD

Der alljährliche Feiertag

für Thriller-Fans fiel heuer

auf den 26. Juli. Da erschien

der 23. Band der unwiderstehlichen

Jack-Reacher-

Reihe des britischen

Bestseller autors Lee Child.

Diesmal nimmt der härteste

Bluthund des Genres die

Fährte seines verstorbenen

Vaters auf, die ihn direkt

ins Fadenkreuz skrupelloser

Männer führt, die nicht

nur sprichwörtlich

über Leichen gehen …

„Der Spezialist“

(Blanvalet)

CHRIS LANDOW

Die bisher dreiteilige Romanreihe

rund um den Ex-Bundespolizisten

Ralf Parceval ist

eine echte Rarität. Denn hinter

dem Pseudonym Chris

Landow versteckt sich ein

deutscher Autor, der es offensichtlich

darauf anlegt,

mit voller Härte in ein englischsprachiges

Hoheitsgebiet

der Unterhaltungsliteratur

zu grätschen: den kompromisslosen

Action-Thriller.

Band 4 ist für Februar 2022

angekündigt.

„Parceval“-Serie

(Blanvalet)

STEPHEN HUNTER

Trotz erfolgreicher Hollywood-Verfilmung

von Teil 1

der Buchserie („Shooter“ mit

Mark Wahlberg in der Hauptrolle)

fristet Bob Lee Swagger

hierzulande ein Schattendasein

unter den Helden

der Hochspannungsliteratur.

Völlig zu Unrecht. Insgesamt

brachte US-Autor und

Pulitzer-Preisträger Stephen

Hunter den ehemaligen

Scharfschützen neunmal

in Stellung – und traf dabei

stets ins Schwarze.

„Swagger“-Serie

(Festa)

DAVID BALDACCI

Wenn es um knallharte

Einzelkämpfer geht, darf

David Baldacci nicht fehlen.

Mit einer Gesamtauflage

von über 40 Millionen

platzierte der Vielschreiber

aus Richmond, Virginia,

gleich mehrere einschlägige

Romanfiguren in den internationalen

Bestsellercharts.

Als Einstieg bietet sich

die „Will Robie“-Reihe an,

deren erster Teil den

nahe liegenden Titel

„Der Killer“ trägt.

„Will Robie“-Serie

(Bastei Lübbe)

THE RED BULLETIN 83


Innerhalb von 3 Stunden

kann der CUPRA

Leon e-HYBRID zu

Hause an der CUPRA

Ladestation aufgeladen

werden.

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Performance und den Vorteilen

der Elektromobilität – die

CUPRA e-HYBRID-Modelle stehen

für eine neue Art des Fahrens.

Wenn es um Elektrifizierung geht, verfolgt CUPRA

einen konsequenten Weg. Die spanische Performance-

Marke investiert damit ihren Einsatz für mehr Umweltschutz

und hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 Klimaneutralität

zu erreichen. Beispielhaft dafür stehen

der CUPRA Formentor, der CUPRA Leon und der

CUPRA Leon SP Kombi, die bereits als e-HYBRID-Versionen

erhältlich sind. Sie verbinden das Beste aus zwei

Welten: die Dynamik und Effizienz eines Elektromotors

mit der Reichweite eines Verbrennungsmotors.

CUPRA Leon 5-Türer

CUPRA Leon SP Kombi e-HYBRID

Scharfe Linien für einen dynamischen Look – dazu maximale

Leistung, neueste Technologie und hohe Sicherheit:

Der CUPRA Leon – als Fünftürer als auch als Sportstourer

– ist ein Blick in die Zukunft der Hybridmobilität. Ein

e-HYBRID-Motor mit bis zu 245 PS bei der Kombination

beider Motoren ermöglicht bis zu 60 Kilometer emissionsfreien

Fahrspaß. Verbunden mit einer Ausstattung, die

unter anderem Sportschalensitze, Voll-LED-Scheinwerfer,

ein sprachgesteuertes 10-Zoll-Navigationssystem mit

Panorama-Schwebebildschirm und einen Notfallassistenten

umfasst, verkörpert der CUPRA Leon die neue Definition

von e-HYBRID-Performance.

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Formentor jetzt

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CUPRA Formentor mit dem hochleistungsfähigen

e-HYBRID-Antrieb die Kraft eines 150 PS starken

1.4-TSI-Benzinmotors (110 kW) mit einem Elektromotor

(115 PS / 85 kW). Bei voller elektrischer Aufladung

ist so eine Systemleistung von 245 PS bei einer

rein elektrischen Reichweite von bis zu 58 Kilometern

möglich. Und auch in puncto Design und Konstruktion

setzt das ikonische Modell Maßstäbe für die Zukunft:

Es vereint kunstvoll Eleganz und Innovation mit purer

Dynamik. Darüber hinaus bietet das SUV-Coupé

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der Geschwindigkeit in die Welt der Elektrifizierung

zu tragen. Doch mit dem neuen vollelektrischen CUPRA

Born startet der spanische Autobauer in eine neue Ära.

Er besticht durch seine markante Eleganz und starke

Ausdruckskraft und vereint dynamische Nachhaltigkeit

mit bahnbrechender Innovation. Bis zu 231 PS und

545 Kilometer Reichweite beweisen, dass E-Mobilität

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SAUBERKEIT

MODE AUS FLASCHEN

Ein Bild, das klarmacht,

was die Mode von Ecoalf

auszeichnet: Für die aktuelle

Herbstkollektion verwendet

das Label aus Spanien

„Ocean Yarn“, also Garn

aus Plastikflaschen, die aus

dem Meer gefischt wurden.

ecoalf.com

WELTREISE IN BILDERN

AUSSTELLUNG DES FOTOGRAFEN STEVE McCURRY

Der Amerikaner Steve McCurry ist einer der besten Fotografen

der Welt – und das darf man durchaus wörtlich

nehmen. Wer seinem Blick fürs Wesentliche (im Bild:

Shaolin-Mönche in Zhengzhou) folgen will: In Graz sind

seine Bilder derzeit zu sehen. stevemccurrygraz.com

SONNENSCHUTZ

INKLUSIVE

Eingewebter

Kaffeesatz sorgt

für UV-Schutz

ALLE NEUNE!

Mit dem Ding

in der Tasche kann

einen nichts mehr

überraschen.

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Federzange, Messer, Flaschenöffner, Säge, Dosenöffner,

um nur ein paar der neun Tools aus verstärktem

Edelstahl zu nennen, die sich da in einem leuchtend

orangefarbenen Alleskönner verbergen. MacGyver

würde der Neid fressen. shop.landrover.de

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ECOALF.COM, SAINT LAURENT BY UNITED OPTICS,

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86


GUIDE

Tipps & Trends

VOLLER DURCHBLICK

SONNENBRILLE VON YVES SAINT LAURENT

Grüner wird’s nimmer: Diese Brille von Yves Saint

Laurent verrät stilistischen Durchblick: Die spezielle

Form (Rectangle) verleiht vor allem runden Gesichtern

besonderes Flair. unitedoptics.at

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AUFTRITT

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und rahmenloses

Glas

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Kopfüber ins Vergnügen: berührende Bilder, Armanis neue

Anzug-Definition und ein Star für die Ewigkeit.

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ERFUNDEN

GIORGIO ARMANIS VISION

Der Designer, der seit den

1970er-Jahren für stilvolle

Anzüge steht, definiert den

„Anzug“ in seiner Sommerkollektion

für 2022 neu: „Wir

kleiden uns entspannter. Ein

Anzug muss nicht länger aus

Blazer und Sakko bestehen –

auch Hemd und Hose können

ein ,Anzug‘ sein.“ armani.com

FÜR IMMER JUNG

„MARILYN & ME“: EIN ATEMBERAUBENDES BUCH

Lawrence Schiller war 25, als er beauftragt wurde, Weltstar

Marilyn Monroe zu fotografieren. Drei Monate später

war die Hollywood-Ikone tot. Die Geschichte dieser

denkwürdigen Fotosession inklusive über hundert Aufnahmen

ist jetzt als Bildband erschienen. taschen.com

THE RED BULLETIN 87


GUIDE

Red Bull Flugtag

Sieger beim Flugtag

2012 in Wien: der fliegende

DeLorean vom Team

„Back To The Future“.

COMEBACK DES KULT-EVENTS IN WIEN

Unglaubliche Flug-Objekte

Am 26. September findet in der Brigittenauer Bucht die verrückteste Flugshow

der Welt statt: der Red Bull Flugtag. Tollkühne Piloten präsentieren ihre

schrägen Flugkonstruktionen – und ziemlich unterhaltsame Wasserlandungen.

Ist das eine Sternschnuppe am Himmel?

Ist das Superman? Nein! Es ist eine fliegende

Bratwurst. Am 26. September

kommt der Red Bull Flugtag nach neun

Jahren endlich zurück nach Wien.

Dafür haben 40 Teams in den vergangenen

Monaten jeweils über 400 Stunden

in ihren Garagen getüftelt. Wichtig

ist, dass die Einzelteile im Wasser nicht

untergehen und die Flugobjekte nur

von Menschenkraft angetrieben werden.

Nicht erlaubt sind also zum Beispiel

Motoren, Batterien oder Gummibänder.

Auch Gänse sollten nicht vor den Flugkörper

gespannt werden.

In der Brigittenauer Bucht auf der

Wiener Donauinsel wollen Konstrukteure

und Piloten den Zuschauern nun zeigen,

ob ihre Kreationen fliegen. Dabei achtet

die Jury auf drei Dinge: die Flugweite, die

Kreativität im Design des Fluggeräts und

die Qualität des Show-Auftritts auf der

Rampe. Denn jedes Team führt vor dem

Start eine kleine Choreografie auf, was

auch das Publikum ordentlich anheizt.

Dann steigt der Pilot in sein Cockpit und

hebt ab. Na ja, er versucht es zumindest.

Auf dem letzten Flugtag in Wien 2012

holte sich das Team „Back To The Future“

den Titel. Die fünf Österreicher hatten

den legendären DeLorean aus dem

gleichnamigen Hollywoodfilm nachgebaut

und schafften eine Flugweite von

8,5 Metern. Pilot war damals Peter Pichler.

Antreten wird er dieses Jahr zwar

nicht, dafür aber zuschauen. Hier verrät

er fünf Gründe, warum man dieses Spektakel

nicht verpassen sollte.

Zahltag

Wie kalt ist das Wasser, und

wie groß sind die Flieger?

Die wichtigsten Zahlen

zum Flugtag im Überblick.

8 Meter

dürfen die Fluggeräte maximal

lang sein.

100.000

Zuschauer waren beim letzten

Flugtag in Wien dabei.

12 Grad

beträgt geschätzt die Temperatur

der Neuen Donau am Flugtag.

Kalte Füße sind also garantiert.

4 Mitglieder

umfasst jedes Team. Davon

drei Crew-Mitarbeiter und eine

arme Socke, die das Ding fliegt.

0 Bier

dürfen die Teilnehmer kippen,

um sich Mut anzutrinken. Alkoholisierte

werden disqualifiziert.

6 Meter

hoch ist die Flugrampe. Kommt

einem aber wie 60 Meter vor,

wenn man oben steht.

30 Sekunden

sollte die Show von jedem Team

auf der Rampe dauern.

120 Kilo

ist das Maximalgewicht, das

ein Fluggerät wiegen darf.

MIRJA GEH/RED BULL CONTENT POOL, MATTHIAS HESCHL/RED BULL CONTENT POOL, ERWIN POLANC/RED BULL CONTENT POOL,

FLO HAGENA/RED BULL CONTENT POOL, MATHIEU YOUNG/RED BULL CONTENT POOL, CHRIS GARRISON/RED BULL CONTENT POOL

88 THE RED BULLETIN


Der Schauplatz

Im Jahr 1992 hob in Wien das erste Flugobjekt

ab. Seither gab es über 150 Flugtage

in mehr als 70 Städten weltweit.

Der letzte in Wien liegt allerdings neun

Jahre zurück. „Endlich ist der Flugtag

wieder vor unserer Haustür. Wer weiß,

wann die nächste Gelegenheit kommt“,

sagt Ex-Pilot Pichler und fügt mit einem

Schmunzeln hinzu: „Außerdem ist niemand

so ausgeflippt wie die Österreicher.

Da kann man einiges erwarten von den

Teilnehmern.“

Der Spirit

40 Teams fliegen um den Sieg. Die Gewinner

bekommen eine Führung durch

den Hangar-7 inklusive einer Einladung

ins Restaurant Ikarus und einen Flug

mit den Flying Bulls. Zickenkrieg gibt es

trotzdem keinen unter den Teilnehmern.

„Ein Team hatte damals für den Bau

seines Fliegers Styroporplatten verwendet,

die beim Abladen aus dem Lkw

gebrochen sind. Da haben dann andere

Teams sofort geholfen“, erzählt Pichler.

Das Publikum

„Die Stimmung ist klasse“, sagt Peter

Pichler. „Das Publikum geht voll mit und

feuert jedes Team lautstark an.“ Bevor

es losgeht, können die Zuschauer den

Teilnehmern bei den letzten Feinjustierungen

an ihren Geräten über die Schulter

schauen. „Ich war damals extrem

angespannt. Aber ich hab versucht, so

viel wie möglich zu beantworten“, sagt

Pichler lachend.

Die Flugobjekte

„Das Niveau ist schon super“, so Flugtag-Veteran

Pichler. „Bei uns waren

„Manchmal muss man

einfach loslaufen

und wegspringen.“

Florian Ritt von Folkshilfe (o. re.) über die Idee

hinter dem Flugtag-Song „Wir heben heid o“

richtig gute Konzepte dabei, die wirklich

aufwendig zu bauen waren. Ein paar

sahen geil aus, aber du wusstest schon:

Die fliegen bestimmt nicht … Andere

hatten sogar ferngesteuerte Ruder an

den Tragflächen.“

Das Rahmenprogramm

Der offizielle Flugtag-Song kommt von der

Band Folkshilfe, die ihn am 26. September

auf der Bühne spielen wird. Die drei

Quetschn-Popper folgen damit DJ Ötzi,

der beim letzten Mal die Brigitten auer

Bucht beschallte. „Cool war der Auftritt

der Flying Bulls“, sagt Peter Pichler.

Fun Facts

Begebenheiten aus 150 Flugtagen

in mehr als 70 Städten weltweit.

STURM AUF HAMBURG

Nachdem der Flugtag in Deutschland

schon viermal in Berlin stattgefunden

hatte, übersiedelte er 2004 nach

Hamburg. Das löste einen Massenansturm

aus: 250.000 Menschen

kamen an den Grasbrookhafen, um

die tollkühnen Piloten zu sehen.

DIE RÜCKKEHR DER TEICHFLIEGER

Knapp 1000 Stunden bastelte ein

Team aus Wiesbaden an seinem

Fluggerät. Am Ende lohnte sich der

Einsatz: 2012 in Mainz schwebte der

Flieger 69,79 Meter weit. Damals ein

Rekord! Heute steht das Meisterstück

im Otto-Lilienthal-Museum in Anklam.

CHICKEN WHISPERER

Wer hat eigentlich gesagt, Hühner

könnten nicht fliegen? Fünf Luftund

Raumfahrt-Ingenieure bewiesen

2013 das Gegenteil und stellten in

Long Beach/USA mit ihrem „Chicken

Whis perer“ einen neuen Rekord auf:

78,5 Meter weit flog die Konstruktion.

Siegerehrung

vor neun Jahren.

„Die Stimmung

ist schon klasse“,

sagt der damalige

Siegerpilot

Peter Pichler (Mi.,

mit Sonnenbrille).

DIE FLIEGENDE KLOROLLE

In 29 Jahren haben wir viele kuriose

Fluggeräte gesehen. Zum Beispiel

The Nooper“, aufgetreten 2016 beim

Flugtag in Louisville/USA. Es handelte

sich dabei um eine gigantische Klopapierrolle.

Seitdem wissen wir:

Nooper ist ein englischer Ausdruck

für Menschen, die sich vollständig

entkleiden, bevor sie aufs WC gehen

– und Klopapier kann nicht fliegen.

THE RED BULLETIN 89


GUIDE

Kalender

11

September

WER GEWINNT DEN RED BULL DOLOMITENMANN?

Berglauf, Gleitschirmflug, Kajak- und Mountainbikefahrt – vier Spezialisten pro Team stellen sich

auch dieses Jahr wieder der gnadenlosen Strecke durch die Lienzer Dolomiten (links im Bild

sehen wir Berglauf-Ass Rémi Bonnet beim Bewerb 2020). Das Ziel: mit vereinten Kräften den Titel

„Dolomitenmann“ zu holen. Wie immer beginnt das Rennen mit dem 12-Kilometer-Lauf vom Hauptplatz

in Lienz (674 m) auf das Kühbodentörl (2441 m). Alle Infos: redbull.com/dolomitenmann

26

bis 28. August

DREI TAGE

ELECTRIC LOVE

Electric Love Festival in

Salzburg, das bedeutet

3-mal 12 Stunden Party

und Tanz mit den besten

DJs der Welt auf drei großen

Bühnen. In diesem

Jahr findet das Elektro-

Festival als „Boutique

Edition“ mit kleinen Einschränkungen

statt: So

gibt es maximal 10.000

Tickets pro Tag, und das

sonst übliche Campieren

am Gelände ist ebenfalls

nicht möglich. Aber allemal

besser als nichts.

electriclove.at

19

bis 21. August

ABTANZEN MIT BILDERBUCH

Ein Line-up, wie es schöner nicht sein könnte: Beim mittlerweile

legendären Frequency im Greenpark von St. Pölten treten nicht

nur Bilderbuch (o.) auf. Mit dabei sind auch AnnenMayKantereit,

Marshmello, RAF Camora, Yung Hurn, Bonez MC und die

Synthie-Quetscher von Folkshilfe. frequency.at

27

August

LEYYA LIVE

ERLEBEN

Mit dem Ohrwurm

„Superego“ haben

Sophie Lindinger (re.)

und Marco Kleebauer

alias Leyya einen Start

nach Maß hingelegt –

jetzt kann man das

Elektropop-Duo live auf

der FrischLuft-Bühne in

Linz erleben. posthof.at

13

bis 15. August

MOTOGP

AM SPIELBERG

Ein zweites Wochenende

mit purer Action: Nach

dem Michelin Grand Prix

of Styria folgt der Bitci

Motorrad Grand Prix von

Österreich. ServusTV

zeigt von Freitag bis

Sonntag alle Sessions

der Moto3, der Moto2

sowie der Königsklasse

MotoGP live. Infos zum

Renn wochenende unter:

motogp.servustv.com

CHRISTOPHER KELEMEN/RED BULL CONTENT POOL, HENDRICK SCHNEIDER, GABRIEL HYDEN, GOLD AND GOOSE/RED BULL CONTENT POOL

90 THE RED BULLETIN


RED BULL

FLUGTAG 2021.

26. SEPTEMBER 2021, BRIGITTENAUER BUCHT, WIEN

BOARDING: 10:00 UHR

redbullflugtag.at


B O U L E V A R D D E R H E L D E N

BOB DYLAN & BOBBY FISCHER

KÖNIGSSCHACH

Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten

inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit.

Folge 16: Der Sänger und der Schachweltmeister, Treffen zweier Exzentriker.

Robin Loggie, einer der Manager

von Bob Dylan, wollte dem

Rockstar zu dessen fünfundvierzigstem

Geburtstag eine Schachpartie

mit Weltmeister Bobby

Fischer vermitteln. Loggie hielt die Idee

geheim, selbst vor seiner Frau und deren

Sohn. Denn erstens war es nicht sicher,

ob er Erfolg haben würde, zweitens war

in Dylans unmittelbarer Umgebung eine

Art Wettbewerb ausgebrochen, der umso

kopfloser wurde, je näher der 24. Mai 1986

rückte: Wem gelingt es, dem Chef etwas

zu schenken, das ihn einigermaßen in

Erstaunen versetzt?

Es ging nicht um wertvolle Dinge, daran

lag diesem Mann nicht viel. Es ging darum, ihn zu

überraschen. Originalität! Der aufbrausenden Entscheidungswut

Dylans wäre es zuzutrauen gewesen

– so Loggie –, dass er als Dank die Hierarchie seines

Managements neu ordnete. Loggie war neu im Rockzirkus,

hatte aber bereits begriffen, dass Mister Dylan

den Gesetzen dieses Zirkus nicht folgte, ja dass er diese

geradezu verabscheute.

Er beauftragte eine Detektei in Santa Monica, den

Schachgroßmeister aufzuspüren und sich mit ihm in

Verbindung zu setzen, verschwieg aber, worum es sich

handelte. Mr. Bob Dylan wolle Mr. Bobby Fischer sprechen,

das war alles. Das musste genügen. Das würde

in aller Welt genügen, warum nicht beim originellsten

Schachspieler der Welt? Der Erfolg war prompt. Es

stellte sich heraus, dass Fischer Dylan ebenso bewunderte

wie Dylan Fischer. Die Detektei organisierte ein

Treffen zwischen Loggie und Fischer in Albuquerque,

New Mexico, und Loggie, der es gut verstand, Menschen

in die Augen zu sehen, trug dem Schachmeister

sein Anliegen in aller Offenheit vor: eine oder zwei

MICHAEL KÖHLMEIER

Der Vorarlberger

Bestsellerautor gilt

als bester Erzähler

deutscher Zunge.

Zuletzt erschienen:

„Die Märchen“,

816 Seiten, Verlag

Carl Hanser.

Partien auf einem Brett nach freier Wahl.

Fischer soll sehr aufgeregt gewesen sein,

berichtete der Manager.

Am 23. Mai 1986 holte Robin Loggie

Bobby Fischer mit einer Limousine am Flughafen

von Los Angeles ab, und sie fuhren

nach Malibu, wo sie in Loggies Haus in der

küstennahen Colony Road bis knapp vor

Mitternacht warteten. Fischer hatte ein Geschenk

mitgebracht, ein altes Schachspiel,

nicht sein erstes, aber sein zweites oder

drittes. Die Figuren waren so abgegriffen,

dass sich Schwarz und Weiß kaum mehr

voneinander unterschieden. Ein wertloses

Ding, aber durch den, der es gebraucht

hatte, wertvoll geworden: ein originelles

Geschenk. Loggie gab Fischer einige Instruktionen,

und schließlich fuhren sie hinaus zu Dylans Haus,

passierten die Wachen und betraten über den Strand

die Veranda.

Dylan sei allein gewesen. Er war auch nicht betrunken.

Loggie sagt, er sei auf der Veranda gesessen

und habe mit sich selbst Schach gespielt. Das habe er

damals oft getan.

Dylan erkannte Bobby Fischer sofort. Die Wirkung

war überwältigend. Auf beiden Seiten. Es seien

sich diese zwei Großen, diese Giganten, gegenübergestanden

wie kleine Fans – Dylan in einem

schmutzigen T-Shirt und Shorts mit grün-roten Rauten,

Fischer in dunklem Anzug, weißem Hemd und

Krawatte – und hätte nicht er, Loggie, eingegriffen,

hätte es geschehen können, dass gar nichts geredet

worden, dass gar nichts geschehen wäre.

Loggie nahm den beiden sehr vorsichtig, mit viel

Fingerspitzengefühl, die Schüchternheit. Er habe

Drinks gemixt, die beide abgelehnt, Witze gerissen,

MICHAEL KÖHLMEIER BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT GETTY IMAGES (2)

92 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 93


B O U L E V A R D D E R H E L D E N

über die sie nicht gelacht hätten. Schließlich habe er

Bobby Fischer an das Geschenk, nämlich dieses alte

Schachspiel, erinnert.

Das erste Spiel – noch auf Dylans Brett übrigens –

sei nichts weiter gewesen als ein Nachstellen der

Welt meisterschaftspartie Fischer gegen Spasski 1972.

Dylan kannte die Partie auswendig, und Fischer erinnerte

sich auch noch recht gut. Dylan fragte, ob es

unbescheiden wäre, wenn er seine Interpretationen

dazu abgäbe, und Fischer hörte aufmerksam zu.

Er gehe davon aus, sagte Dylan, so jedenfalls

offenbare sich ihm diese Partie, dass Fischer schon

nach den ersten acht bis zehn Zügen das Ende geahnt,

wenn nicht sogar schon vorausberechnet habe. Die

Partie ähnle in ihrem Aufbau einem Spielfilm aus den

dreißiger Jahren – eine überlange, flach ansteigende

Exposition, die plötzlich zum Höhepunkt aufschnellt

–, nämlich dort, wo Spasski seinen Springer zu opfern

glaubt, in Wahrheit jedoch sowohl den Springer verliert

als auch in der Folge den Turm blockiert, und das

Ganze, ohne Fischers Königsbauern zur Deckung der

Dame zu zwingen, wie Spasski es vermutlich geplant

hatte. Von da an, so Dylan, nehme die Partie einen

auch für den Laien voraussehbaren Verlauf, der zwar

kürzer, aber ähnlich flach abfalle, wie die Exposition

aufgestiegen sei. Zum Schluss: ein einfaches Matt

ohne Schnörkel.

Bobby Fischer gab ihm recht.

Dylan war begeistert – von der Partie und von

seiner Interpretation – und fragte, ob Fischer ihn zur

Gitarre singen hören wolle.

Loggie, der die beiden die ganze Zeit schweigend

betrachtet hatte, bat Dylan um den Vorzug, die

Gitarre aussuchen zu dürfen. Er ging ins Haus

und atmete erst eine Weile tief durch. Die Gitarren

waren überall verstreut, lagen auf einem Sofa und auf

dem Küchentisch, im Schlafzimmer neben dem Bett

standen gleich vier E-Gitarren, merkwürdigerweise

war aber kein Verstärker da. Er entschied sich für eine

alte Gibson, er meinte, die würde gut zu dem alten

Schachbrett mit den alten Figuren passen, das Bobby

Fischer mitgebracht hatte. Dylan hatte das Instrument

zu irgendeinem früheren Geburtstag von irgendjemandem

geschenkt bekommen, es hatte irgendwann

irgendeinem Bluesmusiker gehört, Loggie hatte vergessen,

wie der Musiker hieß.

Dylan spielte ein altes Lied und ein neues –

„To Ramona“ und „Dark Eyes“. Fischer habe zugehört,

die Beine weit von sich gestreckt, die Hände über dem

Gürtel gefaltet, die Augen geschlossen. Da sei alles

noch wunderbar gewesen.

„Bob Dylan spielte schnell

und nachlässig, es war ja

nur eine Formsache.“

Aber dann forderte Bobby Fischer Bob Dylan zu

einer Partie auf – so war es ausgemacht –, und zwar

auf ebenjenem alten Brett mit den abgegriffenen

Figuren. Dylan habe Weiß gezogen und die Partie

begonnen. Er habe schnell und nachlässig gespielt,

es sei ja nur eine Formsache gewesen, so sah es auch

Loggie. Eine Ehrensache, nichts Ernsthaftes, und es

sei auch nicht zu erwarten gewesen, dass mehr als

eine Partie gespielt werden würde und dann vielleicht

noch Revanche.

Fischer allerdings habe sich auf jeden Zug kon zentriert.

Es sei zwar keine Zeit ausgemacht worden, aber

er habe bei jedem Zug mehrere Minuten verstreichen

lassen, und Loggie dachte noch, es sei zwar anständig

von dem Großmeister, dass er seinen Gegner nicht

gleich vom Brett putzte; aber es kam ihm doch irgendwie

kindisch vor, mit wie viel Anstrengung er diese

Anständigkeit vorführte.

Um es kurz zu machen: Dylan gewann die Partie.

Gefreut habe er sich darüber nicht. Gewundert habe

er sich. Beide hätten sich gewundert. Und Loggie

wunderte sich auch. Die Stimmung sei nicht mehr

so besonders gewesen.

„Das ist ein Geburtstagsgeschenk wie eine Kaugummiblase“,

sagte Dylan. „Solange man sie für Vollgummi

hält, durchaus imponierend.“

Fischer versicherte, er habe ihn nicht absichtlich

gewinnen lassen, im Gegenteil, er habe Dylan

sogar bis zu den letzten vier Zügen zu jener Partie

gezwungen, die Bogoljubow und Reti 1925 in Baden-

Baden gespielt hätten. Einen Gegner zu einem bestimmten

Spiel zu zwingen sei bei weitem schwieriger,

als ein Spiel zu gewinnen. Erst beim viertletzten Zug

sei Dylan ausgebrochen, und er, Fischer, habe vermutet,

Dylan wolle ein Erstickungsmatt anstreben in der

Art von Budrich gegen Gumprich 1950, und er habe

sich rundum darauf eingestellt und dann …

„Ich bin ein Naiver“, sagte Dylan.

Mehr sagte er nicht.

Loggie stellte erneut die Figuren auf und drehte

das Brett um.

Dylan gewann wieder. Er wurde zornig. Diesmal

habe er sogar saumäßig gespielt, sagte er.

Fischer sagte gar nichts. Er schaute auch niemanden

an. Dylan nicht, Loggie nicht. Nur das Schachbrett

schaute er an.

„Vielleicht liegt es an den Figuren und an dem

schlechten Licht“, sagte Loggie. Er habe es ja nur

gut gemeint – reden, reden, locker sein, habe er sich

gedacht, wenn ich als das Arschloch aussteige, ist

alles gut. „Bei diesem schlechten Licht kann es doch

pas sieren, dass sich der eine oder andere bei den

Figuren vergreift und anstatt Schwarz Weiß zieht

oder umgekehrt.“

„Was heißt hier der eine oder der andere?“, fragte

Dylan, ziemlich scharf, den Kopf gesenkt, die Augen

blitzend. „Und wer, bitte, ist hier der eine und wer

der andere?“

94 THE RED BULLETIN


„Weiß und feucht im

Gesicht sei Bobby Fischer

dagesessen, die Hände

zu Fäusten geballt.“

Natürlich sei er, also Dylan, der eine und dieser,

also Fischer, der andere, habe ihm Loggie eilig

zugeflüstert.

Alle Lichter auf der Veranda wurden angezündet

und eine dritte Partie aufgelegt. Dylan gewann

abermals. Weiß und feucht im Gesicht sei Bobby

Fischer dagesessen, die Hände zu Fäusten geballt.

Dylan sei aufgesprungen, gleich nach seinem Matt-

Zug, und habe dem Korbsessel einen Tritt versetzt.

Fischer rührte sich nicht von der Stelle, zwischen

den Fäusten das Schachbrett, so saß er da. In seinem

schwarzen Anzug.

Und still war es auf der Veranda. Nur der Pazifik.

Nur der Pazifik.

Dylan ging auf und ab und kaute an seinen Fingernägeln,

und schließlich lief er zum Strand hinunter

und verschwand in der Dunkelheit.

„Sie müssen sich bei ihm entschuldigen“, sagte

Loggie zu Fischer. Bobby Fischer nickte kurz, erhob

sich und ging Dylan nach.

Was unten am Strand geschah, wusste Loggie nicht.

Er habe die beiden allein gelassen, das sei ja klar. Er

habe die Gitarre ins Haus zurückgestellt, die feuchte

Luft hätte ihr schaden können, er habe gewartet bis

gegen vier Uhr, dann habe er geseufzt und sei nach

Hause gegangen.

Michael Köhlmeiers Geschichten gibt es, von ihm selbst gelesen,

auch zum Anhören im Podcast-Kanal von The Red Bulletin.

Zu finden auf allen gängigen Plattformen wie Spotify und auf

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marco.nicoli@goldbach.com

THE RED BULLETIN

USA, ISSN 2308-586X

Länderredaktion

Peter Flax (Ltg.),

Nora O’Donnell

Lektorat

David Caplan

Publishing Management

Branden Peters

Media Network Communications

& Marketing Manager

Brandon Peters

Media Sales

Todd Peters,

todd.peters@redbull.com

Dave Szych,

dave.szych@redbull.com

Tanya Foster,

tanya.foster@redbull.com

96 THE RED BULLETIN


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Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 14. September 2021.

NICOLAS MAHLER

98 THE RED BULLETIN


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