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Klimagazin 01-2021 Vorschau

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KLIMAGAZIN

„MIT

ZUKUNFTS-

FÄHIGKEIT

LÄSST SICH

VIEL GELD

VERDIENEN“

Wie

Kristina Jeromin

das Finanz system

umkrempeln will

#Nachhaltigleben

#GrüneGründer

#Nullwachstum

#RenditeohneReue

#Finanzwende

#QuartettArt

Ausgabe 1 • Juni/Juli 2021

Auslaufmodell

Fleisch?

Kulturkampf auf

Messers Schneide


Klimaneutral ist gut.

Klimapositiv ist besser.

hipp-klimapositiv.de

Seit 10 Jahren stellen wir unsere Gläschen

klimaneutral* her. Heute sind sie klimapositiv.

Klimapositiv bedeutet, dass bei HiPP mehr Treibhausgase ausgeglichen

werden als verursacht. Wir sparen nicht nur Emissionen ein – wir helfen

auch der Natur, CO 2

wieder aus der Luft zu holen. Zum Beispiel, indem

wir die Artenvielfalt schützen und mit unserem biologischen Anbau

für gesunde Böden sorgen.

Dafür stehe ich mit meinem Namen.

*HiPP Werk mit CO 2

-neutraler Energiebilanz seit 2011 durch erneuerbare Energie und Klimaprojekte.


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

was wir essen und tragen oder nutzen,

hängt mit der Natur und dem Klima auf diesem Planeten

zusammen. Früher gab es die Wirtschaft und irgendwo daneben

den Umweltschutz. Heute können wir das nicht mehr auseinanderdenken.

Wir sind als Gesellschaft mitten in einem Lernprozess

und wir sollten uns beeilen. Denn das, was wir bewahren

wollen, verändert sich gerade dramatisch.

Vieles spricht jedenfalls dafür,

dass ein Umdenken stattfindet.

Denn das Finanzsystem wird

gerade zum Motor für die Entwicklung

hin zu einer grünen

Wirtschaft. Nach dem Willen

der EU sollen zukünftig neue

Regeln klären, welche Investitionen

wirklich nachhaltig sind.

Und das betrifft unser Geld – vom

Kleinanleger bis hin zu Großinvestoren.

Dass dieses Thema

überhaupt nicht langweilig ist,

möchten wir Ihnen mit diesem

Schwerpunktheft beweisen.

Wir blicken mit unserem Leitartikel

auf die großen Veränderungen

und ordnen ein, was es mit

der nachhaltigen Entwicklung

des Finanzsystems auf sich hat.

Wir berichten hautnah darüber,

was es bedeutet, sein Erspartes

ohne Vorwissen nachhaltig anzulegen.

Und wir schauen auf

die spannenden Entwicklungen

in der boomenden Industrie für

Fleischersatzprodukte und

„Clean Meat“ und fragen, ob sie

tatsächlich ein Gamechanger

für das Klima sind. Denn immer

dann, wenn die CO2-Kurve nach

unten geht, stimmt die Richtung.

Mit dem neuen Klimagazin

möchten wir Ihnen Wissenswertes

rund um Klima- und Umweltschutz

informativ und dabei

unterhaltend näherbringen.

Da der Trendbegriff „Nachhaltigkeit“

nicht geschützt ist, braucht

es eine fundierte, unideologische

und lebensnahe Aufbereitung.

Als Redaktion haben wir in den

vergangenen Monaten lebhafte

Diskussionen über die Heftentwicklung

geführt, mit sehr

viel Freude um diese Ausgabe

gerungen und wir hoffen, dass

Ihnen das neue Klimagazin

gefällt. Schreiben Sie mir an

klimagazin@burda.com, damit

wir von Ihren Meinungen lernen

können.

Herzlich

Ihre Sweelin Heuss

Redaktionsleiterin

#Haltung #Zukunft #Umdenken Fotos: Cover: LÊMRICH Editorial: Henning Kretschmer

03


INHALT

Klimagazin – N o 1 Juni/Juli 2021

Editorial _03

Impressum _25

06

Artwork: Albeniz Rodriguez; Fotos: Dominic Episcopo, Tibor Bozi@laifphoto, Joerg Lehmann/eatbetter

04

MISSION POSSIBLE

Keine Zeit mehr verlieren.

Erst mit der Veränderung

des Finanzsystems kann

die Erdüberhitzung erfolg -

reich bekämpft werden

10

RENDITE OHNE REUE

Wie ich auszog, mit meinem

Geld die Welt zu retten.

Ein Erfahrungsbericht von Fabian

Franke, der als ökologischer

Kleinanleger Orientierung sucht

16

RAT VOM EXPERTEN

Welche Fehler grüne Anleger

vermeiden sollten.

UniCredit-Chefanleger

Philip Gisdakis im Interview

18

QUARTETT DER

KLIMARETTER

Gute Karten für unsere Welt.

Supertrumpf, Top Ass und Co.

– mit welchen Klima-Promis

gewinnt man aktuell das Spiel?

22

DIE GELD-GRÜNE

Auf dem Weg nach Berlin.

Neu-Politikerin Kristina Jeromin

will das deutsche Finanzsystem

nachhaltig aufstellen

26

WELL DONE ODER BLUTIG?

Kulturkampf auf

Messers Schneide.

Werden wir in 30 Jahren keine

Tiere mehr essen? Ein Porträt

der lukrativen Kampfzone

32

EINE FRAGE – DREI

ANTWORTEN

„Oft ist unklar, ob grüne

Investments die Welt wirklich

grüner machen. Sollte ich nicht

besser klassisch investieren

und stattdessen für nachhaltige

Projekte spenden?“

Es antworten: Green-Invest-

Spezialistin Angela McClellan,

Aktienexperte Christian W. Röhl

und Finanzökonom Marco Wilkens


Carla Reemtsma

34

„DEIN GELD

IST DEIN

STIMM -

ZETTEL.

JEDES VER-

DAMMTE

MAL.

ALLES

LIEBE.

DEIN

KAPITA -

LISMUS.“

(unbekannt)

37

Ali Güngörmüs

38

DAS IST DOCH FAIRKOCHT!

Starkoch Ali Güngörmüs

kocht ein Menü aus den besten

nachhaltigen Food-Anlagen

DAS DEBATTEN-DUELL

Wie viel Wirtschaftswachstum

verträgt die Welt – und taugt

CO2-Kompensation als

Ablasshandel?

Streitgespräch zwischen

Aktivistin Carla Reemtsma und

Planetly-Gründerin Anna Alex

MACHT’S MAL GUT…

Neun Fragen an das gehypte

grüne Start-up Tomorrow GmbH.

Werte statt Wachstum:

Gründer Michael Schweikart

verspricht, das Geld seiner

Kunden sinnstiftend anzulegen.

Kann das gut gehen?

42

BLATTSCHLUSS

Die Reise, die mich für immer

veränderte. Ein Gastbeitrag von

Polarforscher Arved Fuchs

05


MISSION POSSIBLE

Geld für eine grüne Welt

Leitartikel Autor: Mathias Ohanian #NachhaltigesFinanzsystem #Verantwortung #BillionenfürsKlima Foto: Aaron Tilley Photography

06

Um die Klimaziele von

Paris zu erreichen,

müssen Billionen von

Euros mobilisiert

werden. Immer

deutlicher wird: Erst

ein nachhaltiges

Finanzsystem wird die

Erdüberhitzung

stoppen können

Smoking, charmantes Lächeln, angegraute

Schläfen. Der Mann, der

das große Kapital im Kampf gegen

den Klimakollaps vereinen soll,

wirkt wie aus einem James-Bond-

Film entstiegen. Mark Carney

kommt in Vorbereitung der diesjährigen

Weltklimakonferenz eine

Schlüsselrolle zu. Was lange nicht

zusammenpasste, soll der smarte

Kanadier endlich zusammenführen.

Seine Mission als UN-Sondergesandter:

den Finanzsektor dazu

zu bringen, künftig mehr Initiativen

gegen den Klimawandel zu finanzieren.

Große Investoren wie

Versicherungen und Fonds, die das Ersparte von Milliarden

Kleinanlegern managen, sollen mit einem neuen

Finanzimperativ den Druck erhöhen.

KLIMASCHUTZ MIT DER SPRACHE DES GELDES

Denn nach wie vor internalisieren Millionen Unternehmen

nicht die oft immensen Folgekosten ihrer Geschäftsaktivitäten

für die Umwelt. Immer deutlicher

wird: Erst ein nachhaltiges Finanzsystem wird der zentrale

Hebel sein, um die Transformation der Wirtschaft

voranzutreiben. Denn um die Pariser Klimaschutzziele

zu erreichen, muss gewaltig geklotzt werden: Allein

im europäischen Energiesektor liegt die zu schließende

Investitionslücke gemäß EU-Rat bei 180 Milliarden

Euro – jedes Jahr. Und wo die Politik bislang versagt, da

liegt die Hoffnung zunehmend auf der oft gescholtenen

Finanzwirtschaft. Allein, weil sich dort die Gewissheit

breitmacht: Bekommen wir den Klimawandel

nicht in den Griff, bekommen wir vielleicht schon bald

keine Rendite mehr ab.

Dass gerade Carney hier federführend ist,

kommt nicht von ungefähr. Der Kanadier, verheiratet

mit einer engagierten Klimaaktivistin, spricht die

Sprache des Geldes. Lange agierte er an der Wall

Street, steuerte später die kanadische Wirtschaft als

oberster Währungshüter bemerkenswert unbeschadet

durch die Finanzkrise 2008, bevor er als Chef der

englischen Notenbank anheuerte und die Geldbranche

2015 erst wachrüttelte – mit einer heute historisch

zu nennenden Dinner Speech. Seitdem dämmert

der Finanzwelt, was Jugendliche weltweit seit Jahren

schon wissen und Carney an jenem Abend so formulierte:

„Wenn der Klimawandel erst einmal das bestimmende

Thema für Finanzstabilität geworden ist,

könnte es schon zu spät sein.“

Damit es eben nicht zu spät wird, braucht es Vorreiter.

Wie die Europäische Investitionsbank (EIB)


etwa, die sich vollständig auf das

Pariser Abkommen ausgerichtet

hat und bis 2030 grüne Investitionen

in Höhe von einer Billion Euro

auf den Weg bringen will. Eine

Idee, wohin die Reise gehen kann,

zeigt der bankinterne CO2-Schattenpreis.

Diese Größe gibt an, was die

Emission einer Tonne des Treibhausgases

kosten sollte, um die

Klimaziele der EU zu erreichen –

namentlich das Ziel von Netto-

Null-Emissionen bis 2050. Dafür

müsste der Preis bis 2030 zunächst

auf 250 Euro und bis 2050 gar auf

800 Euro pro Tonne klettern. „Damit

werden viele Projekte plötzlich

unrentabel, die zuvor noch vielversprechend

wirkten“, sagt Magdalena

Senn, Finanzmarktexpertin bei

der Bürgerbewegung Finanzwende.

Zum Vergleich: Am freien

Markt kostet die Erlaubnis, eine

Tonne Kohlendioxid auszustoßen,

heute rund 40 Euro.

TRANSPARENZ FÜR ANLEGER

Doch Preissignale allein sind keine

Lösung. Ebenso wenig moralische

Schelten für Eigenheimbesitzer,

SUV-Fans oder Fleisch-Aficionados.

Und selbst wenn die Finanzwirtschaft

umdenkt: Zu viel Zeit

ist bereits verloren. Es braucht

nachhaltige Politik, die endlich die

Wirtschaft in die Verantwortung

nimmt. Unternehmen sollten nicht

mehr nur ihren Aktionären verpflichtet

sein und über zurückliegende

Quartalsgewinne berichten,

sondern auch zukunftsgerichtet

über Klimarisiken, die ihren Geschäftsaktivitäten

innewohnen.

Mehr Transparenz benötigen

auch die Privatanleger. Auf dem

Weg Richtung Klimaneutralität

BILLIONEN

FÜRS KLIMA

Bis 2050 will

die EU klimaneutral

sein.

Dafür braucht es

Investitionen in

Billionenhöhe

markierte der 22. Juni des vergangenen Jahres einen

wichtigen Tag: Die an jenem Montag vorgestellte Taxonomie-Verordnung

der EU tritt 2022 in Kraft und

liefert eine Klassifizierung für nachhaltige Aktivitäten.

Und damit auch Orientierung für jeden Einzelnen.

Kein Raum mehr also für irreführende Vermarktung

vermeintlich grüner Geldanlagen? Wie

stark die Politik Greenwashing dann bekämpfen

wird, bleibt abzu warten. Höchste Zeit für eine beherzte

Umsetzung im Sinne der Verbraucher und

des Planeten ist es längst.

07


ieser Text

eigt evtl. Proleme

beim

ext an

Oderdelta


– wie hier im Oderdelta –



mindestens so viel Kohlen-


die



Seeadler

Der deutsche Wappenvogel

war durch Umweltgifte

und Eiersammler

fast ausgerottet.

Dank strengem Schutz

ist er


FÜR UNSEREN

WICHTIGSTEN SPEICHERPLATZ

Elch


Welt ist bei uns noch


Aus Polen kommend,

siedeln sich die ersten

wieder an.


01

Erfahrungsbericht Autor: Fabian Franke #GrüneGeldanlage #RenditeohneReue #Klimafonds Fotos: Fabian Franke

RENDITE

OHNE

REUE

Ein Erfahrungsbericht

10

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