Leo September / Oktober 2021

blumediengruppe
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MÜNCHEN

SEPTEMBER / OKTOBER 2021 І HEFT 175

POLITIK

Bundestagswahl

2021

MÜNCHEN

Wir haben die

queeren Wiesn-

Alternativen!

MUSIK

MARK

FORSTER

im exklusiven Gespräch

INTERVIEWS: KEVIN KÜHNERT, FABIAN HART, WRABEL, BAMBI MERCURY,

DANIEL ZILLMANN, MELISSA ETHERIDGE, IMANY, HARRY MACQUEEN


Ihre Wohlfühl-Apotheke in München

Schwerpunkt HIV

• Seit über 10 Jahren geben wir unser Bestes für die Beratung und

pharmazeutische Versorgung von HIV-Patienten. Wir haben Ihre

HIV-Medikamente auf Lager!

• Wir haben den „1. Preis für Gesundheitsvorsorge in der Apotheke

bei Beratung von HIV-Patienten“ vom WIPIG (Wissenschaftliches Institut für

Prävention im Gesundheitswesen der Bayerischen Landesapothekerkammer, www.wipig.de)

im November 2011 verliehen bekommen.

• Wir sind Mitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und

Hepatitis-kompetenter Apotheken e.V. (DAHKA)

Wittelsbacher Apotheke

Lindwurmstr. 97, 80337 München, Tel. 089-53 78 44

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 8.00 bis 20.00 Uhr

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Intro 3

Inhalt

SZENE

KULTUR

REGIONAL

4 Szene

14 Politik

22 Kultur

38 Essen & Trinken

30 Stadtplan

32 Style

LEBEN

Gesundheit

E-Life

Film

Musik

Kunst

Buch

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epaper.männer.media

Alle Magazine kostenlos

und digital!

eine vollgepackte Ausgabe liegt vor euch. So voll, dass wir

uns hier kurzfassen müssen. Machen wir: Bitte lasst euch

impfen und bitte geht wählen. Beides hilft LGBTIQ* als

marginalisierter Minderheit in besonderem Maße. In München

fällt die Wiesn wieder aus – doch kein Grund zur Schockstarre:

Wir haben viele Ideen für euren goldenen Herbst!

Deine LEO und männer* Redaktion

Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

www.männer.media, www.leo-magazin.de,

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IMPRESSUM

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Dr. med. Werner Becker · Dr. med. Ramona Pauli · Dr. med. Marcel Lee

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4 Szene

CSD MÜNCHEN:

NACHLESE UND

AUSBLICK

Welch ein WOCHENENDE!

Fast schon ein „richtiger“ Pride

– das konnte man meinen,

wenn man am CSD-Samstag

in der Münchner Innenstadt

unterwegs war.

Über sechzig queere Initiativen hatten

sich hier an Demospots präsentiert

und Tausende Besucher*innen waren

gekommen, um das Gespräch zu suchen,

das Miteinander zu erleben, Solidarität zu

demonstrieren und (ein wenig) zu feiern.

Großen Zulauf hatte auch die Kulturbühne

in Resls Kollektivgarten, die am Samstag

von 12 bis 20 Uhr auf der Theresienwiese

bis zu 800 Leute zu einem mehrstündigen

Livemusik-Programm zusammenbrachte.

„Gemeinsam mit Freund*innen gute Musik

hören, draußen, bei Sonnenschein – die

Stimmung war gut“, beschreibt das Orga-

Team die Atmosphäre. Und das, obwohl

Tanzen ja gar nicht erlaubt war. Die Radl-

Demo, die am Sonntag sternförmig von

fünf Startpunkten außerhalb des Stadtzentrums

zur gemeinsamen Abschlusskundgebung

auf der Theresienwiese lief,

versammelte knapp 1.000 Menschen unter

dem Regenbogen. Mehr waren aufgrund

der Infektionsschutzmaßnahmen nicht

zugelassen. Der Stimmung tat das keinen

Abbruch. Wer es vorzog, den CSD von

der Couch aus zu verfolgen, konnte am

Freitagabend und Samstag den ganzen

Tag den CSD-Livestream einschalten, bei

dem LEO-Chefredakteur Bernd Müller

zusammen mit Performance-Künstlerin

und DJ* BiMän ein anspruchsvolles und

abwechslungsreiches Programm mit Talks,

Interviews, Shows und Videos aus der

Community präsentierte.


Szene 5

FOTOS: ERWIN HARBECK, KORNELIJA RADE, FRANK ZUBER

MEHR MUNICH PRIDE AB 2022

Der Erfolg der beiden Pandemie-Jahre

wird den Münchner CSD auch in Zukunft

prägen. „Wir wollen die Elemente, wie

wir sie in der Corona-Zeit erleben,

also dezentrale Demo-Aktion und

Live-Stream, in Zukunft mit denen

kombinieren, die wir seit Jahren vom CSD

kennen und schätzen wie PolitParade,

RathausClubbing und Straßenfest“, so

CSD-Geschäftsführer und Orga-Chef

Alex Kluge. Doch damit nicht genug: Der

Munich Pride soll vom 2. bis 17. Juli 2022

über drei Wochenenden gehen und zwei

PrideWeeks beinhalten. Größer, vielfältiger,

sichtbarer – mehr Botschaft, mehr

Miteinander, mehr Spaß! So könnte man

das Credo zusammenfassen, auf das sich

die fünf Gesellschaftervereine Münchner

Aids-Hilfe, Sub, LeTRA, Rosa Liste und

diversity für die Zukunft geeinigt haben.

Alles unter der Voraussetzung, dass die

Coronasituation im nächsten Sommer im

Griff ist. Wir freuen uns schon jetzt auf

den Munich Pride 2022! *bm

Infos und Bilder: www.csdmuenchen.de

Privat und geschäftlich

bestens versorgt!

Dietmar Holzapfel

und Josef Sattler,

Deutsche Eiche.

CITY

CONTEST

2021

IN MÜNCHEN

GESCHÄFTSKUNDEN

BERATUNG & SERVICE

Test: Februar 2021

Im Test: 8 Banken

2 Jahre in Folge

CITY

CONTEST

2021

IN MÜNCHEN

PRIVATKUNDEN

BERATUNG & SERVICE

Test: Februar 2021

Im Test: 12 Banken

3 Jahre in Folge


6 Szene

UNITED QUEENS

OF MUNICH

FOTO: UQOM.DE

Drags auf KUSCHELKURS

Zum CSD präsentierten sich die

„United Queens of Munich“, eine

Gruppe von sieben Münchner Drags, die

künftig unter gemeinsamer Flagge und

dem Musketier-Motto „Eine für alle – alle

für eine“ durch die Community streifen

wollen.

Noch vor fünf Jahren war die Münchner

Drag-Szene ziemlich überschaubar, abseits

hoher Feiertage wie CSD musste man

die farbenfrohen Gestalten mit der Lupe

suchen. Das hat sich deutlich geändert:

Heute sind Drags aus der Community nicht

mehr wegzudenken – und das ist auch

gut so! Doch wo viele sind, gibt es auch

Konkurrenz, Wettbewerb und Neid, kurz:

Stutenbissigkeit statt Schwesternliebe. So

entwickelte sich beispielsweise in sozialen

Medien so manch Kommentar, der über

die (absolut Drag-typische) spitze Zunge

hinausgeht, zum echten Aufreger. Ein

Versuch zu mehr Miteinander wurde zum

diesjährigen CSD unternommen. „United

Queens of Munich“ heißt eine Gruppe

von derzeit acht Drags, die sich primär aus

Teilnehmerinnen der Wahl zur „Seligen

Münchner Maikönigin“ zusammensetzt:

Mareijke van der Hur, Tiffy Tölle, Betty Pearl,

Daphny Ryan, Miss Sissi Sippi, Agnetha

Blossom, Claire Morningwood sowie die

unverwüstliche Zeremonienmeisterin Brini

Olsen präsentieren sich auf der neuen Website.

„Wir wollen so einiges erreichen, auch

‚diverse‘ Brücken schlagen, um das queere

Miteinander zu zeigen und zu erleben“,

so Mareijke van der Hur, Sprecherin des

Teams. Das ist zwar recht nebulös, gibt aber

die Richtung vor: Unity in der Community.

Wer die Szene kennt, weiß, dass das ein

anspruchsvolles Unterfangen sein kann,

denn manchmal hält Paillettenkleber besser

als die Bande der Drag-Freundschaften.

Aber einen Versuch ist es wert! *bm

www.uqom.de

LGBTIQ*-GEMEINSCHAFTSGRABSTÄTTE

Ruhen unterm Regenbogen

Für viele Menschen in der Community

ist das klassische Familiengrab

schon lange keine passende Form der

Bestattung mehr.

So entstand die Idee einer Münchner

LGBTIQ*-Gemeinschaftsgrabstätte. „Als

Ausdruck der Achtung vor der Würde des

Menschen über den Tod hinaus und in

dem Bewusstsein, dass über Jahrhunderte

diese Würde LGBTIQ*-Personen von Seiten

der Gesellschaft abgesprochen worden

ist, erachten wir es für angemessen, den

Verstorbenen die Möglichkeit einer angemessenen

Bestattung zu bieten“, so Peter

Priller, Mitarbeiter des queeren Seniorenprojekts

rosa Alter, das diese Aktion initiiert

hatte. Um die Community von Anfang an

mit einzubeziehen, hat rosa Alter einen

Fragebogen entwickelt, der anonym und

für alle Teilnehmer*innen unverbindlich

ist. Wer sich für das Thema interessiert

und mitgestalten möchte, wendet sich an

info@rosa-alter.de. Den Fragebogen kann

man auf der Seite der Münchner Aids-Hilfe

(Stichwort: Aktuelles) downloaden:

www.muenchner-aidshilfe.de. *bm


Szene 7

KAUFBEUREN FEIERT CSD

Pride-Premiere

im Allgäu

Schön, dass immer wieder

neue Pride-Veranstaltungen

organisiert werden, selbst in den

schwierigen Zeiten von Corona. So

wird vom 12. bis 18. September der

erste Allgäu Pride in der 45.000

Einwohner zählenden Stadt Kaufbeuren

stattfinden.

Der entsprechende Verein wurde

bereits vor einem Jahr gegründet,

doch erst heuer lässt die Pandemie

Veranstaltungen zu. „Menschenmassen

wollen wir auch noch gar

nicht mobilisieren“, so Vorstandsmitglied

Florian Bodendörfer, „aber

wir merken, das Thema interessiert

die Leute.“ Das gilt auch für den

CSU-Bürgermeister Stefan Bosse,

der die Schirmherrschaft übernommen

hat. Das Pride-Team hat eine

ganze Pride-Woche auf die Beine

gestellt mit Theateraufführung,

Kinoabend oder einer Diskussionsrunde.

Höhepunkt ist die Demo

am 18. September, auf die ein

Straßenfest mit Livebands und DJ

auf dem Spitalhof folgen soll. „Dieser

Event steht coronatechnisch

allerdings noch auf der Kippe“, so

Florian. Immerhin: Ein erster Schritt

ist getan. Künftig soll der Allgäu

Pride rotieren und alljährlich in einer

anderen Stadt der Region gefeiert

werden. Detaillierte Infos zum Pride

2021 gibt’s zeitnah auf der Website.

Wir drücken die Daumen für eine

gelungene Premiere! *bm

www.allgaeu-pride.de

www.hellabrunn.de


8 Szene

FOTO: MARK KAMIN

NEUE ANGEBOTE BEIM TANZTEAM

Let’s Dance!

Kontaktsportarten in geschlossenen Räumen hatten es

zu Lockdown-Zeiten wirklich schwer, so traf Corona auch

die Tänzerinnen und Tänzer von Team München besonders

hart. Doch seit dem Frühsommer darf (unter bestimmten

Voraussetzungen) auch wieder getanzt werden. Und die

Stimmung ist so gut, dass ab Mitte September neue Einsteigerkurse

angeboten werden. Wer also Lust auf Paartanz

verspürt, ist hier richtig: Gesellschaftstänze (Standard/Latein)

gibt’s ab Mitte September immer freitags, Tango Argentino

mittwochabends. *bm

Anmeldung und Information: tanzen@teammuenchen.de,

www.teammuenchen.de/tanzen

TECHNO-TEMPEL MACHT DICHT

Harry Klein vor dem Aus

Es ist geradezu ein Schock für Partygänger

und Fans gehobener Techno-

Kultur: Dem Harry Klein droht das Aus.

Dort, wo der international bekannte Klub

seit 2003 residiert, soll 2022 ein Hotel mit

276 Zimmern entstehen. Der Mietvertrag

läuft Ende März kommenden Jahres aus,

dann muss sich der Techno-Tempel eine

neue Heimat suchen. Die entsprechenden

Pläne der Sonnenstraße Immobilien

GmbH sind freilich nicht neu. Bereits seit

2018 ist bekannt, dass das Areal einem

Hotelkomplex weichen wird, woraufhin die

Partylocations Jack Rabbit und X-Cess das

Eckgebäude an der Sonnenstraße bereits

verließen. Wie es mit dem Harry Klein,

das pandemiebedingt seit fast eineinhalb

Jahren geschlossen ist, weitergeht, ist zur

Zeit noch völlig unklar. „Wir schauen uns

um“, so Klubchef und Booker

Peter Fleming. Immerhin:

Dass die Party in der

Sonnenstraße 8 über den

März 2022 weitergeht, gilt

als wahrscheinlich, denn

die architektonischen

Pläne des Münchner Unternehmers

Harry Habermann

fielen in der Stadtgestaltungskommission

durch – es

muss also noch nachgebessert

werden und das dauert bekanntlich

seine Zeit. Dennoch: Langfristig

planen muss das Harry-Team woanders.

Wir drücken schon jetzt die Daumen,

dass dieser renommierte und engagierte

Klub, der nicht zuletzt dank des „Garry

Klein“-Mittwochs auch eine feste Größe

in der queeren Community Münchens ist,

in einer neuen Location eine großartige

Zukunft findet. *bm

www.harrkleinclub.com

FOTO: HARRY KLEIN

RUN FOR LIFE

Stop and Go

FOTO: MARK KAMIN

Nachdem der Run for Life im vergangenen Jahr virtuell

stattgefunden hat und die Läuferinnen und Läufer eine

individuelle Strecke allein absolviert haben, soll es am 12.

September wieder einen gemeinsamen Laufevent zugunsten

der Münchner Aids-Hilfe geben.Außer dem Termin

stand allerdings bei Redaktionsschluss noch nicht viel fest.

Zu unsicher sei die Coronalage und die daraus resultierende

Zahl der Teilnehmer*innen, so Adam Tolnay-Knefely, der

den beliebten Benefizlauf durch den Englischen Garten seit

vielen Jahren organisiert. Ein Event wie in den Jahren vor der

Pandemie sei in diesem Jahr jedenfalls noch nicht machbar,

doch man versuche alles, so viele Menschen wie möglich

teilhaben zu lassen. Wer dabei sein möchte, erfährt alles

Wissenswerte zeitnah auf der Webseite oder im Facebook-

Kanal des Run for Life. *bm

12.9., www.runforlife.de


SPANIEN

DAS HAST DU

DIR VERDIENT!

WWW.SPAIN.INFO

SITGES ª TORREMOLINOS ª BENIDORM ª GRAN CANARIA ª BARCELONA ª IBIZA

VALENCIA ª EXTREMADURA ª SEVILLA ª BILBAO ª SAN SEBASTIAN ª MADRID


10 Szene

EVENTS ZUR OKTOBERFESTZEIT

WIESN – da war

doch was …

Auch in diesem Jahr fällt das größte

Volksfest der Welt Corona zum Opfer.

Das löst Trauer auch in der queeren

Community aus, sind doch der weltbekannte

GaySunday in der Bräurosl

oder der Fischer-Vroni-Montag für viele

unersetzliche Highlights des Jahres.

Doch ganz ohne Wiesnstimmung muss

niemand auskommen: In der Knödelalm

im Werksviertel geht’s so richtig zünftig

zu: Hier lädt das Team von „Sweet to

be gay“ am 23.9. von 18 bis 22 Uhr zur

Wiesngaudi, gefolgt von DJ-Sounds

bis 2 Uhr (www.stgb-party.com). Eine

Reservierung ist natürlich erforderlich.

Etwas ruhiger dürfte es am 16. September

ab 18 Uhr auf der Dachterrasse

der Deutschen Eiche zugehen, wo die

Besucher ein „Pseudo-Wiesn-Warm-Up“

erwartet. Auch im Edelheiss oder Nil

kramt man die Oktoberfest-Demo

hervor und spielt ab Mitte September

Wiesn-Hits. Apropos Nil: Hier ist am

16.9. ab 16:30 Uhr ein Schäfflertanz

auf der Hans-Sachs-Straße geplant,

das Sub macht am 2. Oktober ab 19

Uhr einen Fetischabend mit Wiesnbier.

Viele weitere Locations werden sich der

Tradition nicht entziehen. Daher lohnt es

sich, die Krachlederne aus dem Schrank

zu holen, auch wenn sie wieder nicht

auf der Theresienwiese getragen werden

kann. *bm


Szene 11

FOTO: SCHWUHPLATTLER

SCHUHPLATTLING FOR BEGINNERS

Schnupper-Platteln

Ruhpoldinger, Ambosspolka und Fünferschlag – bitte,

was? Wenn du wissen willst, was sich dahinter verbirgt,

dann komm zur Schnupper-Plattlprobe am Samstag,

dem 23. Oktober, um 15 Uhr im Hofbräuhaus. Dort

geben die Schwuhplattler, die 2022 ihr 25-jähriges

Jubiläum feiern, einen Crashkurs im Schuhplatteln

– modern und weltoffen, unterhaltsam und

trotzdem sportlich! Die Teilnahme ist

kostenlos, Anmeldung unter: info@

schwuhplattler.de. *bm

FOTO: TRACEY DASH

TRAVESTIE-DINNERSHOW

Gmade Wiesn

Die gute Tradition der Wiesn-Travestie-

Shows halten in diesem Jahr Tracy

Dash und Dean DeVille in Ehren: Sie

präsentieren am 24. und 25.9. ihre

„Gmade Wiesn“ in der Knödelalm

am Ostbahnhof. Zu Comedy,

Entertainment, guter Laune und einer

bunten Show gibt’s ein Drei-Gänge-

Menü – und jede Menge flüssigen

Treibstoff. Das Ticket kostet 65 Euro,

Reservierung unter travestie.show@

web.de. *bm

24. + 25.9., Knödelalm, Friedenstr. 12,

18:15 Uhr

FOTO: KNÖDELALM

Haus & Hotel

Termin nach Vereinbarung

• Ganzkörpermassage

• Po Relax Massage

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12 Szene

INTERVIEW

FOTO: KAI SISTEMICH

BAMBI MERCURY:

Podcast mit Candy Crash

FOTO: JENS OELLERMANN

Gleich zwei Größen aus der

queeren Community und

Social-Media-Welt haben sich zusammengetan,

um bei audible.de mit

einem queeren Podcast aufzuklären

und zu unterhalten. Wir sprachen

über das Format mit Bambi Mercury,

der einen Hälfte von „Mehr Glitzer!“.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Das Lustige daran ist, dass Candy und ich

uns schon seit ca. acht Jahren kennen … Sie

hatte die Idee „Let’s do a podcast“, und mit

wem kann sie mit am besten schnattern?

Mit mir! Eigentlich sage ich ja immer zuerst

Nein, aber da habe ich sofort zugesagt.

Warum sagst du immer erst Nein?

Das ist so eine Art Sicherheit, ein Schutz.

(grinst) Na, zusagen kann man dann immer

noch. Es hat dann noch ein Jahr gedauert,

bis wir tatsächlich live gegangen sind.

Der Name ist „Mehr Glitzer!“, aber wie

ich dich kenne, geht es dabei nicht nur

um Oberflächlichkeiten.

„Mehr Glitzer!“ ist einer der wenigen queeren

Podcasts auf audible.de, diese Plattform

muss man nutzen. Wir sprechen über

Themen, die uns beschäftigen, Themen aus

unserer queeren (Community-)Bubble und

darüber hinaus. Wir beziehen auch unsere

Zuhörer mit ein, so haben wir die „Queen of

the Week“ oder auch die „Question of the

Week“. Themen sind unter anderem: Familie,

Pride, Dating, aber auch Tod. Wir wollen

aufklären und unterhalten. Lustig wird es

dann, wenn Candy mich nicht ausreden lässt

… Oder mir lustige Gemeinheiten an den

Kopf wirft.

Lustige Gemeinheiten, gibt es die

denn? Bodyshaming zum Beispiel galt

lange als lustig.

Ja, bei uns ist das eher shade, wir mögen

einander und necken nur etwas mit viel

Liebe. Ein KLEINES Fünkchen Wahrheit

mag drinstecken, aber es geht nie in die

verletzende Richtung. Bodyshaming oder

Age Shaming geht gar nicht, auch nicht,

dass man das weibliche Geschlechtsteil

herabwürdigt und als Schimpfwort benutzt.

Da musste ja die ganze Szene viel

lernen, dass das nicht geht. Wie stehst

du zu Themen wie Cancel Culture?

Das „F-Wort“ war eine Zeit lang

dauerpräsent bei Dragqueens.

Die Awareness ist heute viel größer, man hat

dazugelernt. Cancel Culture mag ich nicht,

denn jeder, der sich wirklich weiterentwickelt

hat, soll stattfinden. Ein gewisser Lernprozess

muss aber passieren … Auch ich habe in

meiner Jugend Dinge gesagt, die ich heute

überhaupt nicht mehr sagen und denken

würde. Man muss aber zu seinen Fehlern

stehen und sie nicht auf andere schieben

oder Ausreden suchen. Eine Kommunikation

muss stattfinden, ich finde es wichtig,

Leute mitzunehmen und aufzuklären, nur

abzusägen und in eine Ecke zu stellen, oder

gar im Internet zu hetzen, geht nicht.

Es gibt auch Menschen, mit denen ich

negative Erfahrungen gesammelt habe und

auch in Zukunft nicht mehr zusammenarbeiten

will. Aber ich wünsche ihnen nichts

Schlechtes, keinen Ausschluss, ich hoffe,

dass sie aus ihren Fehlern lernen und etwas

Gutes entsteht. Unsere Community will

von anderen tolerant behandelt werden,

wir wollen (fast) alle das Gleiche, aber

gehen mitunter intolerant miteinander

um. Bestimmte Gender-Rollen, Rassismus,

Altersdiskriminierung …

*Interview: Michael Rädel


MEAT GIRLS IM RATHAUS

Dietl meets Drags

Oberbürgermeister

Szene 13

Am Vorabend des CSD empfing Münchens 3. Bürgermeisterin

Verena Dietl die Drags Janisha Jones, Pasta Paris

und Dean DeVille im Rathaus. Eine Stunde lang plauderte

die Politikerin in entspannter Atmosphäre mit den Meat

Girls über Themen der Community. „Wir waren positiv

überrascht von Frau Dietls Nahbarkeit, Transparenz und

Offenheit“, so Dean DeVille. Eine Fortsetzung ist nicht

ausgeschlossen. *bm

Wir machen uns stark!

Für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*,

inter* und queere Menschen

Als Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTIQ*

ist es unser Ziel, die LGBTIQ*-Community in München

zu stärken und Benachteiligungen abzubauen.

Wir machen uns stark. Für LGBTIQ*.

Mehr Informationen unter:

muenchen.de/lgbti

WORKSHOP DER KOORDINIERUNGSSTELLE

LGBTIQ* in der

Arbeitswelt

Am 23. Oktober bietet die städtische Koordinierungsstelle

für LGBTI* wieder einen Workshop zum

Thema queere Menschen in der Arbeitswelt an. Wie

kann man das Coming-out am Arbeitsplatz gestalten,

wie persönliche Vorstellungen, Erfahrungen

und Werte einbringen, wie mit Mobbingsituationen

umgehen? Diese und andere Fragen werden hier

behandelt. Der Workshop wird angeleitet von Dr.

Claudia Krell und Sebastian Kempf, Anmeldeschluss

ist der 14. Oktober, die Teilnahme ist kostenlos. *bm

23.10., 10 – 17 Uhr, Anmeldung:

lgbti@muenchen.de oder Tel. 089 233-22542

Ist die Welle noch so steil,

a bisserl was geht allerweil.

www.az-muenchen.de/abo


14 Politik

KOLUMMNE VON

FELIX MÜLLER

FOTO: ERWIN HARBECK

Der Regenbogen-Wahlkampf

In seiner kommunalpolitischen Kolumne

schreibt AZ-Lokalchef Felix

Müller dieses Mal über Knatsch um die

queere Fahne in Münchner Norden, neue

Windräder für die Stadt – und den Wiederaufbau

des Uhrmacherhäusls in Giesing.

Wer ist ein Linker und wer ein Rechter,

ja, das ist in diesen Zeiten manchmal

gar nicht mehr so einfach auseinanderzuhalten.

Einer, der sich weit von

vielen in seiner Partei entfernt hat, ist der

SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post.

Er gibt den Law-and-Order-Hardliner,

der viel näher bei den Leuten ist als das

Establishment seiner Partei.

Und er scheut sich auch nicht vor so

mancher Provokation. In seinem Wahlkreis

hat Post die Regenbogenfahne plakatiert

– und dazu „Vielfalt“ geschrieben und ein

durchgestrichenes „Cancel Culture“. Gegen

angebliche Sprechverbote also – gewissermaßen

gegen die in der Community,

die sich für sensible Sprache einsetzen?

Aus dem queeren München habe sie viele

Beschwerden über diese Plakate gehört,

sagte Posts Gegenkandidatin im Norden

der Stadt, Doris Wagner von den Grünen,

der AZ. Post missbrauche das Symbol,

schimpfte sie in dem Interview. Post

selbst wehrte sich, ein „kleiner Teil der

Gesellschaft schreibe der Mehrheit vor,

wie sie zu sprechen und sich zu verhalten

habe. „Ich möchte mit meinem Plakat

deutlich machen: Wer so alle abkanzeln

will und zum Schweigen bringen möchte,

die nicht seine Meinung teilen,

steht nicht für die Vielfalt der

Regenbogenfahne.“

Nun ja. Posts Provokationen

werden künftig wohl deutlich

weniger Menschen

erreichen. Seine Partei hat

ihn bei der Listenaufstellung

durchrasseln lassen,

dass er das Direktmandat

im Münchner Norden erringt,

gilt als sehr unwahrscheinlich.

Im Bundestagswahlkampf spielt

heuer das erste Mal auch das Klima eine

größere Rolle. Und auch im Rathaus hat

mancher das Thema für sich entdeckt,

der es früher nur für alternatives Gedöns

gehalten hätte. Die CSU, zum Beispiel,

streicht sich jetzt grün, will als besonders

öko gelten und fiel kürzlich durch einen

unerwarteten Vorstoß auf. Sie fordert neue

Windräder – auch im Stadtgebiet. Das

könnte durchaus interessante Debatten

nach sich ziehen, falls die Stadtwerke, die

spontan ablehnend reagierten, doch einen

Bedarf sehen – und die CSU vor Ort in den

Vierteln beweisen darf, wie ernst es ihr mit

dem Projekt ist. Das Windrad um die Ecke:

In den Nachbarschaften der dicht bebauten

Stadt dürfte das schließlich wenig

Begeisterung nach sich ziehen, selbst

wenn es „nur“ um Standorte wie

in Autobahn-Nähe in Riem

gehen sollte.

Mitten in der Stadt, in

Alt-Giesing, hat der

Abriss des historischen

Uhrmacherhäusls für

Aufregung gesorgt. Hier

haben die Aktivisten vor Ort

und die Stadt München nun

einen Teil-Erfolg errungen, denn

der Verwaltungsgerichtshof urteilte,

dass das Uhrmacherhäusl wieder aufgebaut

werden muss (wenn auch nicht in der

alten Bausubstanz). „Ich bin überaus froh

über das gesprochene Urteil“, teilte OB

Dieter Reiter (SPD) mit. „Es bestätigt, dass

man Profitgier nicht gegen jedes Recht

mit der Abrissbirne durchsetzen kann.“

Die Macht der Investoren ein bisschen

eingebremst – das wäre aus Sicht vieler

Münchner wohl eine gute Nachricht …

FOTO: PRIVAT


15

Wir helfen und

informieren gerne.

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16 Politik

FOTO: SPD

INTERVIEW

KEVIN KÜHNERT:

„Da würde ich den Job völlig falsch verstehen“

Kevin Kühnert, stellvertretender

Bundesvorsitzender

der SPD, brachte als Vorsitzender

der Jusos mit seiner Ablehnung einer

Koalition mit der Union die SPD

und ein bisschen auch die Bundesrepublik

ins Wanken. Warum er

im September als Direktkandidat

des größten Regenbogenkiezes der

Republik bei der Bundestagswahl

antritt und was er über Identitätspolitik

denkt.

Bundesweit so richtig aufwärts mit

der Bekanntheit ging es für dich als

GroKo-Kritiker. Wie ist deine Bilanz

der Legislaturperiode?

Meine Bewertung, ob es sinnvoll war,

diese Koalition zu machen, hat sich nicht

geändert. Auch nicht dreieinhalb Jahre

später. Es gab damals Argumente dafür und

dagegen. Ich würde sagen, queerpolitische

Argumente gab es schon damals nicht

dafür. Das hat auch niemand von denen

behauptet, die für eine Große Koalition

gewesen sind. Das ist einfach die alte Leier:

Hast du Konservative mit in der Regierung,

dann bist du gesellschaftspolitisch immer

fünf Gänge zu langsam. Es ist auch egal, ob

es die SPD oder die Grünen trifft. Mit CDU

und CSU geht es nicht um das Aushandeln

„ihr kriegt was, wir kriegen was“, sondern

darum, dass die grundsätzlich ideologische

Probleme mit dem ganzen Themenfeld

haben. Ich finde es wichtig, das noch mal

rauszuarbeiten. Es geht nicht um eine

Systemfrage des Steuersystems oder

des Rentensystems, sondern wirklich um

Grundüberzeugungen und menschenrechtliche

Fragen.

Wie ist die Bilanz zu bewerten? Gucken

wir kurz auf die Haben-Seite, das geht ja

relativ fix, muss man sagen. Was sicherlich

gut ist, sind die Fortschritte beim Thema

Konversionstherapien. Es ist sehr gut, dass

das für Minderjährige verboten ist. Darüber

hinaus ist es zumindest deutlich erschwert

worden. Es gab ein gemeinsames Interesse

auch bei den Koalitionspartnern. Viel mehr

war mit der Union nicht möglich.

Wie können wir gegen Hassgewalt

besser vorgehen?

Wir brauchen, was die Statistiken im Bereich

der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit

angeht, eine deutlich trennschärfere

Erfassung. Es ist ein sensibler Bereich, weil

wir gleichzeitig aufpassen müssen, dass

wir hier nicht zwangsouten. Aber wenn

jemand, der selbst zum Opfer geworden ist

und ganz klar sagt, dass die Tat auf dieses

Merkmal zurückzuführen ist, dass man das

als homophob oder transphob fassen kann,

dann ist das spätestens der Moment, in dem

das einbezogen werden sollte.

Das heißt übrigens im Gegenzug auch, dass

wir uns von antiquierten Begrifflichkeiten

wie „fremdenfeindlich“ oder Ähnlichem,

die völlig unqualifiziert und auch unwissenschaftlich

sind, dass wir uns von denen

verabschieden müssen in diesen Statistiken.

Schlimm genug, dass die Verbrechen

stattfinden. Aber das Mindeste ist ja, dass

wir versuchen, daraus zu lernen, welche

Häufungen treten auf, an welchen Orten.

Weil man daraus Lehren ziehen kann, was in

der Bildungsarbeit, in der Präventionsarbeit

und so weiter stattfinden muss. Dafür

muss ich aber ein präzises Lagebild haben,

mit welchen Einstellungsmustern ich es

eigentlich zu tun habe, und die Statistiken,

die wir haben, die geben das im Moment

nicht immer her. Ich habe übrigens ja neben

den Kriminalstatistiken auch noch die Möglichkeit,

anonymisierte Register zu schaffen.

Wir arbeiten hier in Berlin beispielsweise in

den Bezirken mit solchen Registerstellen.

Das heißt, dort kann man Vorfälle auch

dann melden, wenn man – warum auch

immer – sich nicht an die Polizei wendet.

Es gibt zum Beispiel Menschen, die aus

rassistischen Motiven angegriffen werden,

die sich nicht bei der Polizei melden, weil sie

einen ungeklärten Aufenthaltsstatus haben

und nicht zu einer Behörde gehen wollen.

Die können das aber anonym einreichen, das

wird erfasst und wir sehen trotzdem, mit

welchem Ausmaß an Problem wir es zu tun

haben. Ich glaube, darum geht’s im Bereich

homophober und transphober Gewalt auch.


Politik 17

Warum willst Du in den Bundestag?

Na ja. Ich bin, solange ich denken kann, ein politischer

Mensch, und wenn du anfängst dich zu engagieren, dann

merkst du, dass die Probleme und Ungerechtigkeiten bzw.

deren Lösungsmöglichkeiten immer weiter auf höhere

Ebenen wandern. Wenn man sich nicht mit dem Status

quo zufriedengeben will, wie ich, und dann andere auf

diesen Ebenen auch leidenschaftlich kritisiert für die Art,

wie sie Politik machen, für die Entscheidung, die sie treffen,

dann muss man sich konsequenterweise irgendwann die

Frage stellen: Willst du das dann nicht selber machen?

Das ist so bei meinem Entschluss gewesen, in eine Partei

zu gehen und Kommunalpolitik zu machen, und jetzt,

nachdem ich ein paar Jahre auch ein Gesicht in der Bundespolitik

bin, ist es so beim Entschluss, für den Bundestag

zu kandidieren. Bei mir zu Hause in Berlin-Tempelhof-

Schöneberg. Das ist mein Geburtsbezirk und es ist doch

ein schöner Zufall, als schwuler Mann in Schöneberg

zu leben, zu Hause zu sein und für diesen Bezirk Politik

machen zu können.

Übrigens sieht man an meinem Wahlkreis letztlich auch,

wie absurd diese Identitätspolitik-Debatte ist.

Es geht eben nicht um irgendeine obskure Minderheit,

sondern, wenn ich in Schöneberg unterwegs bin, dann

geht es an manchen Straßenecken am Nollendorfplatz,

in den ganzen Seitenstraßen, da geht es um die dominierende

Kiezkultur. Deswegen ist das nicht ein Thema unter

„ferner liefen“. Wer Abgeordneter für Tempelhof-Schöneberg

sein will, der vertritt den größten Regenbogenkiez,

den wir in Deutschland haben, und daraus leitet sich

eine Verantwortung ab, das als Themenfeld zu begreifen,

in dem es für Millionen Menschen in Deutschland um

Gerechtigkeitsfragen geht: Um Selbstbestimmungsrechte,

um Blutspendefragen, die noch nicht anständig beantwortet

sind. Um Gewaltprävention, Aufklärungsprojekte,

um die Rechte von Regenbogenfamilien und so weiter

und so fort. Ohne das im Blick zu haben, könnte ich nicht

Abgeordneter in diesem Wahlkreis sein. Da würde ich den

Job völlig falsch verstehen.

Welches wäre dein Wunschministerium?

Ich will jetzt keine Politiker-Antwort geben, darum mache

ich einen Disclaimer vorneweg. (lacht) Also: Ich strebe

nach der Wahl kein Ministeramt an. Definitiv nicht. Aber ich

will trotzdem antworten, weil aus der Antwort kann man

ja inhaltlich was ersehen. Und ich bin da in der Antwort

auch wirklich ganz klassischer Sozialdemokrat. Wenn

ich es aussuchen müsste, würde ich mich immer für ein

Amt als Arbeits- und Sozialminister entscheiden. Ich bin

weiterhin davon überzeugt, dass in der Gesellschaft, so

wie wir sie heute erleben, immer noch ganz vieles über

Arbeit und über das Einkommen aus Arbeit definiert ist

und das auch den Status von Menschen beschreibt – ob

wir das gut oder schlecht finden, dahingestellt. Aber du

hast es vorhin richtigerweise auch erwähnt: Persönliche

Merkmale, die auch Diskriminierungsmerkmale sind, haben

in aller Regel lineare Auswirkung auf Karrierewege, auf

Einkommensverhältnisse. Das heißt, es hat auch Auswirkungen

auf Renteneinkünfte, spätere Altersarmut und so

weiter. Also die Frage, wie Teilhabe am Arbeitsmarkt und

soziale Absicherung aussieht, ist und bleibt die Grundlage

für gesellschaftliche Teilhabe bei uns. Und deswegen ist

das für einen Sozi immer der Dreh- und Angelpunkt und

eben gerade kein Widerspruch zur Teilhabefrage von zum

Beispiel Minderheiten.

Dr. med. Ass. jur. David A. John

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Sonnenstraße 16

80331 München

Tel: +49 (0) 89-592127

Fax: +49 (0) 89-5501944

info@orthopaede-muc.de

www.orthopaede-muc.de

*Interview: Christian Knuth


18 Politik

CSD

statt CSU

Das hatten die Grünen doch schon

mal. Ist das nicht aus der Zeit

gefallen? Leider nein.

Man möchte sagen, es ist aktueller denn

je. Denn der CSD ist in erster Linie eine

politische Demonstration, die Gleichstellung

für und Akzeptanz von queeren Menschen

fordert. Beides wird von der Union und insbesondere

der CSU blockiert. Josef Schmid

war als zweiter Bürgermeister in München bis

2018 noch ein moderner, queerfreundlicher

Kommunalpolitiker. Seit seinem Einzug in

den Landtag ist davon nichts übrig geblieben.

Wie alle anderen CSU-Abgeordneten

lehnt er alle Initiativen der demokratischen

Opposition ab. Die Antworten auf unzählige

Anfragen der grünen Abgeordneten Tessa

Ganserer belegen die Ignoranz der Staatsregierung.

Unzählige Anträge wurden aus

Ideologie abgelehnt, nach dem Motto: Wir

haben nichts gegen queere Menschen, aber

in Bayern gibt es halt keine.

Und dennoch hat der permanente Druck

minimale Wirkung gezeigt:

■ Zum ersten Mal in der Geschichte Bayerns

gab es nach der von den Grünen

initiierten Sachverständigenanhörung

zur Situation queerer Menschen in

Bayern einen LGBTIQ*-Finanzposten

im Haushalt – freilich Peanuts.

■ Zum ersten Mal legte die CSU-geführte

Koalition einen queerpolitischen Antrag

vor – freilich inhaltlich und fachlich als

lasch zu bezeichnen.

■ Doch in den Wahlprogrammen von CDU

und CSU, back to the roots: Kein Wort

zu queeren Menschen. Zum IDAHOBIT

gab sich die Union queerfreundlich, um

postwendend ein Selbstbestimmungsgesetz

als Ersatz für ein veraltetes

Transsexuellengesetz abzulehnen.

Söder geht mit Regenbogenmaske zur

EM in der Allianz-Arena, den Landtag

am CSD beflaggen geht aber nicht.

Aus der Union ist queerpolitisch

nichts rauszuholen. Dabei gibt es viele

Baustellen: das Transsexuellengesetz,

das faktische Blutspendeverbot, die

Stiefkindadoption … Gleichstellung für

LGBTIQ* muss endgültig umgesetzt

werden. Ohne starke Grüne wird es in

Deutschland mit LGBTIQ*-Rechten nicht

vorangehen.


Politik 19

BAYERN FÖRDERT LGBTIQ*-STRUKTUREN

Überfälliger Schritt

Der Freistaat will sich künftig verstärkt um

die Belange von LGBTIQ* kümmern.

Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner

kündigte an, knapp 209.000 Euro „für den

Aufbau und Ausbau eines starken und effizienten

Netzwerkes zur Verbesserung der

Beratungsstrukturen für LSBTIQ*-Personen

in Bayern“ zur Verfügung zu stellen. Konkret

sollen mit dem Geld Fachkräfte, die in ihrem

Beruf auch mit dieser Personengruppe

arbeiten, geschult, informiert und sensibilisiert

werden. „Für den Freistaat ein echter

Schritt nach vorn“, so Dr. Tobias Oliveira

Weismantel, Geschäftsführer der Münchner

Aids-Hilfe. Zusammen mit den Kolleg*innen

der Vereine Lesbentelefon, Sub und Fliederlich

Nürnberg ist er für den Aufbau der

entsprechenden Unterstützungsstruktur

und des bayernweiten Fortbildungsangebots

für Fachkräfte verantwortlich. Mit den

208.834 Euro, die für dieses Modellprojekt

bis Dezember 2023 zur Verfügung gestellt

werden, wollen sie jetzt beginnen, die

Lücken in der Versorgung queerer Menschen

zu schließen. Ein guter, aber auch ein

überfälliger Schritt. *bm

FOTO: BERND MÜLLER

Tobias Oliveira Weismantel (Münchner Aids-Hilfe) mit Diana Horn-Greif

(Lesbentelefon) und Kai Kundrath (Sub e. V.)

CSD

statt

CSU.

gruene-muenchen.de


20 Politik

INTERVIEW

FABIAN HART im Talk mit

SVEN LEHMANN

Schwulsein und Männlichkeit in der Politik,

immer noch zwei Themen, die provozieren.

Der Bundestagsabgeordnete und Sprecher für

Queerpolitik der GRÜNEN sprach mit dem VOGUE-

Kolumnisten und Podcaster Fabian Hart unter

anderem darüber. Und für uns nahm sich Fabian

Zeit für einen Chat.

Worin besteht die Kunst, mit einem Politiker über

Ernstes unterhaltsam zu plaudern?

Ein konkretes Thema hilft dabei, und das ist im Falle von

„Zart Bleiben“ eben Männlichkeiten. Wir alle sind geprägt

von Geschlechterrollen und geschlechtsspezifischen

Zuschreibungen und entweder damit beschäftigt, sie

einzuhalten oder uns von ihnen zu lösen. Gerade Politiker

repräsentieren ein sehr klassisches Männerbild, das sich

vom Anzug bis zur Rhetorik bis zur Faust aufs Rednerpult

etabliert hat – und durch die Tatsache, dass die Menschen,

die in unserer Gesellschaft mehrheitlich Macht ausüben,

heterosexuelle, weiße Männer sind.

Wie kamst du auf Sven Lehmann als Gast?

Sven Lehmann ist Sprecher für Queer- und Sozialpolitik im

Bundestag und ich fand es spannend, von ihm zu hören,

wie er sich selbst wahrnimmt in dieser „Arena traditioneller

Männlichkeit“ – wie er das deutsche Parlament selbst

bezeichnet. Ich habe ihn aufgefordert, sich mit Männlichkeit

in der Politik auseinanderzusetzen, mit der seiner

Kollegen, aber vor allem auch mit seiner eigenen. Inwiefern

muss er mitspielen, Teil dieses Männerbundes sein, und

inwiefern „gefährdet“ er dieses Machtverhältnis durch seine

politischen Schwerpunkte und seine Homosexualität?

Immerhin unterdrückt traditionelle Männlichkeit auch

homosexuelle Männer … aber nicht nur. Traditionelle

Männlichkeit (be)trifft alle …

Inwiefern?

Traditionelle Männlichkeit trifft uns insofern alle, als dass

sie alle Personen unterdrückt. Frauen, aber auch inter, trans

und nichtbinäre Menschen – die sich also nicht in dieses

„Mann-Frau“-Schema einordnen können oder wollen.

Und auch Homosexuelle und Bisexuelle. Vor allem aber

schwule Männer, weil homosexuelle Männer traditionelle

Männlichkeit per se gefährden. Als Mann beim Sex zum

„Gefäß“ werden ist nach traditioneller Männlichkeit das

„Sich-zur-Frau-Degradieren“. Nicht umsonst wird uns

eingebläut: Mann = starkes Geschlecht, Frau = schwaches

Geschlecht. Es ist eine Herabsetzung für traditionelle

Männlichkeit, als Mann feminin besetzte Eigenschaften zu

verkörpern. Das betrifft nicht nur die Sexualität, sondern

sich als Mann zu schminken zum Beispiel! Das ist ein

Ergebnis des Patriarchats, in dem wir leben, der in unserer

Gesellschaft bestehenden Machtstruktur, in der Männern

die sozial dominante Stellung zugeschrieben wird. Aber

auch Männer mit anderer/anderen Marginalisierung(en)


Politik 21

FOTOS: SELBSTPORTRÄTS

CHRISTIAN LINDNER

ES GIBT VIEL ZU TUN!

Die Ehe für alle war erst der Anfang. Wir machen uns stark für:

- Blutspendeverbot aufheben

- Artikel 3 Grundgesetz ergänzen

- Hasskriminalität bekämpfen

- Selbstbestimmungsgesetz statt TSG

- Regenbogenfamilien stärken

- LSBTI-Menschenrechte weltweit schützen

- Schulaufklärung ausbauen

„scheitern“ an traditioneller Männlichkeit. Männer mit

Behinderung beispielsweise oder diejenigen, die aufgrund

ihrer Größe, Stimme oder Hautfarbe nicht dem traditionellen

„Bild von einem Mann“ entsprechen können: groß,

muskulös, dominant, heterosexuell und eben auch weiß ...

Aber traditionelle Männlichkeit trifft auch Männer, die nach

einem klassisch traditionellen Männlichkeitsbild leben und

das „Privileg“ haben, diese Voraussetzungen erfüllen zu

können: Der Druck auf diese Männer, sich gefälligst auch

wie solche zu verhalten, Stärke zu zeigen, Bizeps und Mut

zu beweisen, ordentlich was aushalten zu können, alles und

alle im Griff zu haben, bedeutet eben zwangsläufig auch,

dass Gefühle zulassen, andere Emotionen als Wut und

Ärger zeigen und Schwäche zugeben zur Herausforderung

werden – oder zum Tabu. Wenn große Jungs nicht weinen

dürfen – wohin dann mit der Trauer, Enttäuschung, Angst?

Immer der Überlegene sein – wirtschaftlich, körperlich –

sexuell, mental –, das kann ja nicht gesund sein.

Wie durchlebst du eigentlich gerade die Corona-

Pandemie, was hilft dir, was nervt?

Ich habe das Glück, dass ich von zu Hause aus arbeiten und

mich voll und ganz darauf konzentrieren kann. Wenn ich

da an meine Schwester denke, die mit zwei Kids zu Hause

sitzt, zwischen ihrem Job und Homeschooling – dann kann

ich mich nicht beschweren. Und weil wir hier bei blu sind –

ich nehme auch das Bodily Distancing sehr ernst. Ich wurde

sogar schon von Grindr verbannt, weil ich ab und zu mit

Jungs geschrieben habe, aber es nie zu einem Treffen kam

– weil ich nicht date in der Pandemie. Da müssen mich zwei

Personen wohl als „Fake“ gemeldet haben, weil ich wegen

„Impersonation“ gesperrt wurde. Schwules Datingverhalten

– das ist schon wieder einen eigenen Podcast wert.

*Interview: Michael Rädel

AM 26. SEPTEMBER:

FREIE DEMOKRATEN

Mehr unter fdp.de/vielzutun

gruene.de

Voller Einsatz

für echte Selbstbestimmung

und

gleiche Rechte.

Hier geht es zum Talk: open.spotify.com/fabianhart

Mehr Features dieser Art auf

instagram.com/blumediengruppe


22 Kultur

AUSSTELLUNG BEI MÜNCHENSTIFT

Mut der Generationen

Zurzeit ist bei MÜNCHENSTIFT

die Ausstellung „Mut der Generationen.

Lesbisches Selbstverständnis im

Wandel der Zeit“ zu sehen.

Gezeigt werden Porträts lesbischer

Frauen unterschiedlicher Generationen

in einer Ausstellung über Mut, Sichtbarkeit

und Selbstverständnis. Für die

Umsetzung wurden die Fotografin Bethel

Fath und die Ethnologin Gertraud Rieger

beauftragt. Sie wollten wissen: Wie sehen

lesbische Frauen heute die Welt und wie

schaut die Welt auf sie? Welche Lebensentwürfe

sind denkbar und wie wollen

Lesben die Zukunft und ihr Leben im

Alter gestalten? Am Ausstellungsprojekt

nahmen zwanzig Frauen im Alter von 17

bis 87 Jahren teil. Der Clou: Die Frauen

waren sich zuvor noch nie begegnet. „Wir

veranstalteten sozusagen eine Art Blind

Date. Dies führte zu höchst spannenden

und aufschlussreichen Dialogen“, erinnert

sich Gertraud Rieger. „Mutige und großartige

Frauen zeigen sich und strahlen

Selbstbewusstsein und Zufriedenheit aus

und präsentieren sich in einer Pluralität,

die bisherige verbreitete Vorstellungen

über Lebensgestaltung erneuert und

bereichert.“

Die städtische MÜNCHENSTIFT GmbH,

die sieben Alten- und Pflegeheime

betreibt, hat sich mit der Schaffung ihrer

Stabsstelle Vielfalt ganz bewusst dieser

Zielgruppe geöffnet. Seit 2014 finden

in Häusern von MÜNCHENSTIFT immer

wieder Veranstaltungen mit queeren

Schwerpunkten statt. Die Ausstellung ist

in der MÜNCHENSTIFT-Hauptverwaltung

Kirchseeoner Straße sowie im Haus Heilig

Geist am Dom-Pedro-Platz in Neuhausen

zu sehen. *bm

www.muenchenstift.de

FOTO: BETHEL FATH

AUSSTELLUNG ZUR MÜNCHNER KLUBKULTUR

Party im Museum

„Das waren noch Zeiten!“ Dieser Satz

dürfte vielen Besucherinnen und Besuchern

der aktuellen Ausstellung „Nachts.

Clubkultur in München“ über die Lippen

kommen. Denn im Stadtmuseum

werden verloren geglaubte Orte wieder

zum Leben erweckt. Objekte, Einrichtungsgegenstände

und Fotografien aus

dem Club Morizz, dem Ultraschall II,

dem Flughafen Riem, dem Kunstpark

Ost oder der Registratur erinnern an

typische und außergewöhnliche Nächte

FOTO: STADTMUSEUM ARCHIV

vergangener Zeiten – wie sie auch die

queere Community erlebte. „Nachts“

stellt die Stars und Ereignisse vor, die

die popkulturelle Blütezeit der Stadt

München prägten. So wird auch an

Freddie Mercurys Geburtstagsfeier

im Mrs. Henderson 1985 erinnert

(Bild). Sound- und Videoinstallationen

lassen die Gäste Musik und Bässe der

vergangenen Jahrzehnte spüren. Was

in Coronazeiten nicht geht, nämlich

ein Streifzug durch das nächtliche

Klubleben, wird hier möglich. Nur die

Öffnungszeiten sind leider gar nichts für

Nachtschwärmer … *bm

Täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr,

St.-Jakobs-Platz 1,

www.muenchner-stadtmuseum.de


WO DIE

NATUR

NOCH

IN ORDNUNG

IST?

In Ihrem Esszimmer.

TEAM 7 München, www.team7-muenchen.de

TEAM 7 Stuttgart, www.team7-stuttgart.de

TEAM 7 Frankfurt, www.team7-frankfurt.de

TEAM 7 Berlin, www.team7-berlin.de

TEAM 7 Hamburg City, www.team7-hamburg.de

TEAM 7 Düsseldorf, www.team7-duesseldorf.de

TEAM 7 Münster, www.team7-muenster.com


24 Kultur

FOTOS: MINDJAZZ PICTURES

PUBLIKUMSPREIS

FÜR „TRANS – I GOT LIVE“

AUSGEZEICHNET!

Es ist schon eine kleine Sensation:

Beim Filmfest München

gewann der Film „Trans – I Got

Life“, der sieben bayerische

trans* Menschen über mehrere Jahre

begleitet, den Publikumspreis von Süddeutscher

Zeitung und Bayern 2.

Schon nach der Premiere riss es

die Besucher*innen von den Sitzen:

stehende Ovationen für den Streifen

und die Regisseurinnen Imogen Kimmel

und Doris Metz sowie die anwesenden

Darsteller*innen. Doch damit nicht genug:

Die Dokumentation über sieben trans*

Menschen berührte so sehr, dass sie sogar

den Publikumspreis beim 38. Filmfest

München gewann. Der Film zeigt, wie

vielseitig die Wege von Transition aussehen

können und mit welchen Hürden sie

oft gespickt sind. Die Protagonist*innen

sprechen offen über ihre sehr persönlichen,

sehr unterschiedlichen Erfahrungen

mit ihrer Umwelt und den eigenen

Identitätskonflikten. Nicht zuletzt punktet

der Film mit Einblicken in den medizinischen

Vorgang geschlechtsangleichender

OPs. Achtung, nichts für allzu zarte

Gemüter! *bm

„Trans – I Got Life“ ist ab 23. September

in den Kinos zu sehen, den Trailer gibt es

auf unserer Webseite.

Außerdem verlosen wir dort Tickets:

männer.media/gewinne.

STAATSOPER

Septemberfest

Zum Auftakt der Spielzeit präsentiert die Bayerische Staatsoper

ein neues Festival: Das „Septemberfest“ feiert zehn Tage lang

die Eröffnung der Spielzeit mit einem vielseitigen und exzellenten

Programm aus Oper, Ballett und Liederabend. „Höchste

künstlerische Qualität soll für alle zugänglich und erlebbar

sein“, so umschreibt der designierte Staatsintendant

Serge Dorny eines seiner wichtigsten Ziele. Zur Eröffnung

des Septemberfests am 17.9. singt Jonas Kaufmann im

Oper-für-alle-Konzert des Bayerischen Staatsorchesters.

Besondere Highlights sind das künstlerisch-kulinarische

Bühnen-Dinner (21.9.) oder die Brunnenhoffeste (18./19.9.),

die täglich sieben Stunden lang den Kosmos Oper vorstellen

– open air und bei freiem Eintritt. *bm

Szene aus

„Paradigma“ –

Choreografien

von Sharon

Eyal/Gai

Behar, Liam

Scarlett

und Russell

Maliphant

FOTO: WILFRIED HÖSL

17. – 27.9., www.staatsoper.de


JUBILÄUM

Liebevolle Homophobie?

„Da hilft nur eins: Ouzo!“

Bevor sich jetzt alle Seiten aufregen: Leo freut sich über die Diskussion zu

Cancel Culture und über die Sensibilisierung der Gesellschaft. Leo freut sich

trotz und sogar gerade deswegen besonders über die Neuinszenierung der umjubelten

Musicalversion von Bully Herbigs „Der Schuh des Manitu“ am Deutschen Theater.

Ja, der Film, der am 13. Juli 2001 in den

deutschen Kinos startete, reproduziert

rückwirkend betrachtet Ressentiments

„efiminierter Tunten“ („Winnetouch“)

und mag auf den einen oder die

andere darum einfach unlustig oder

gar „homophob“ wirken. Das sei diesen

Kritiker*innen zugestanden und ihnen

sei, wie bei jedem kreativen Kulturbeitrag

und frei nach Peter Lustig in Löwenzahn

– Gött*in habe in selig – empfohlen:

„Einfach abschalten“ beziehungsweise

übersetzt auf das Musical im Theater,

„einfach nicht hingehen“. Die dritte

Variante stammt von „Dimitri Stoupakis“

aus dem Film: „Da hilft nur eins: Ouzo!“

Dem Großteil der Menschen, die Freude

am Lachen, im Falle der Leo Leser*innen

wohl vielfach mit dem Zusatz „über sich

selbst“ haben, sei dagegen eine dringendes

„Hingehen!“ entgegengerufen. Das

Team hinter der Musicalversion hat mit

Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth

ein kongeniales Meisterduo der queeren

Massenunterhaltung als Liederschreiber,

die am Hamburger Schmidt Theater

schon für unzählige Hits gesorgt

haben. Dort fast immer mit queeren

Untertönen, oft aber auch ganz offensiv

„schwul“. In Anführungszeichen, weil es

bei ihren Liedern und Inszenierung eben

meist nicht um ein Statement zum

großen Ganzen geht. So werden auch

in „Der Schuh des Manitu“ auf wirklich

liebevolle Weise nur kleine Eigenheiten

einer großen Zahl homosexueller

Männer zärtlich zitiert. Die meisten die

sich da in Teilen ihrer Persönlichkeit

wiederfinden, werden mindestens

schmunzeln, meistens aber schallend

und schrill (hihi) lachen müssen. Von

oben herab und abschätzig, ist das nie

und wer das so rezipiert, sollte sich lieber

selbst über seine Koordinaten Gedanken

machen.

Also liebe Szene, ganz deutlich:

Lasst euch den Spaß am über euch

selber Lachen nicht von ein paar

Miesepeter*innen verderben. Das hätten

„Winnetouch“ und Abahachi und Bully

Herbig und auch das Team des Deutschen

Theaters so gar nicht verdient.

*Christian Knuth

13.10.21 – 9.1.22, Der Schuh des

Manitu, Deutsches Theater München,

Schwanthalerstraße 13, Karten und

Infos unter www.deutsches-theater.de

Alle 11 Minuten 1)

verliebt sich ein

Single mit

1) Hochrechnung aus Nutzerbefragung 2016, Deutschland


26 Kultur

PLASTIKEN

Alex Gordenkov: von Russland nach Madeira

Auf Madeira entstehen diese erotischen,

irgendwie märchenhaften

Plastiken und Malereien der beiden Künstler

Alex Gordenkov und Alex Evanov. Wir

fragten bei Alex Gordenkov nach.

Mit welchem Material arbeitest du?

Oder ihr?

Ich habe alle Skulpturen, die auf meiner

Website zu sehen sind, gemacht. Normalerweise

arbeite ich mit Ton, der nach

der Lufttrocknung gebrannt wird, aber ich

kann in meiner Kunst neben Mohair auch

einige moderne Materialien wie Jesmonit,

Harze und Epoxide verwenden, um Haare

zu imitieren. Meine Gemälde male ich mit

Öl, Acryl und Aquarellfarben. Die Skulpturen

werden von Hand mit Öl und Acryl oder

mit Auf- und Unterglasurfarben bemalt,

bevor sie zum Brennen in den Keramikofen

kommen.

Mein Mann Alex Evanov arbeitet mit Kunstglas

und produziert spezielle Teile, etwa

Details aus geschmolzenem Kunstglas,

die für meine skulpturalen Kunstwerke

notwendig sind, Engelsflügel zum Beispiel,

Kronen, Augen usw. Er stellt auch die

Tonplatten her, die ich später bemale.

Beeinflusst eure Sexualität eure

Kunst?

Ohne jede Frage ist sie die Antriebskraft.

Warum lebt ihr auf Madeira?

Wir haben vor acht Jahren, als 2013 die

homophoben Gesetze in Russland in Kraft

getreten sind, unsere Heimat verlassen und

sind nach Portugal, wo man zum Beispiel

schon legal heiraten konnte, gezogen. Und

von allen Regionen Portugals erschien uns

Madeira als die schönste! Wunderschöne

Natur und freundliche Menschen. Inzwischen

sind wir auch Portugiesen.

*Interview: Michael Rädel

www.artbyalexandalex.com,

www.instagram.com/alex.gordenkov

AUSSTELLUNG GREG GORMAN

„It´s Not About Me“

Am 30. September eröffnet die Münchner Galerie IMMAGIS ART PHO-

TOGRAPHY die neueste Ausstellung des legendären us-amerikanischen

Fotografen Greg Gorman. Unter dem Titel „It’s Not About Me“ zeigt

die Schau feinste Porträt- und Starfotografie aus 50 Jahren seines

Schaffens. Hollywood-Ikonen, Schauspielerinnen, Sänger – die Liste der

Prominenten, die der heute 72-Jährige vor der Kamera hatte, ist schier

endlos. Und immer bewies er ein Händchen für perfekte Stimmung,

Timing und Licht. Auf diese Weise wurden seine Porträts zu Meilensteinen

der zeitgenössischen Fotografie. Die Ausstellung ist in München bis

30.11. und erstmals außerhalb den Vereinigten Staaten zu sehen. *bm

Mick Jagger + Bette Midler III, NYC, 1983© Greg Gorman,

courtesy IMMAGIS ART PHOTOGRAPHY

30.9. – 30.11., IMMAGIS ART PHOTOGRAPHY, Blütenstr. 1, Opening: 30.9. 19 Uhr in Anwesenheit des Künstlers.

FOTOAUSSTELLUNG IM SUB

Cruising mit Charme

FOTO: ALEXANDER DEEG

„Lebt euer sexuelles Verlangen frei und

lustvoll aus, habt Spaß daran und seid

einfach so wie ihr seid!“ Das ist die Botschaft,

die von der Safety-Aktionsgruppe

(S’AG), dem Präventionsteam von Sub und

Münchner Aids-Hilfe, im Oktober einmal

mehr in die schwule Szene ausgesendet

wird. Seit über einem Jahr arbeiten deren

Ehrenamtliche an der neuen Ausstellung

„Cruising – Männer*, die Sex mit Männern*

haben“, für die Fotograf Alexander Deeg

ganz unterschiedliche Männer aus der

Community lustvoll und augenzwinkernd

an verschiedenen Cruisingorten in Szene

gesetzt hat. Eine Ausstellung, die nicht nur

Spaß macht, sondern auch von Sexpositivität,

schwulem Selbstbewusstsein und

Body Neutrality erzählt. Nicht zuletzt wird

klar: Bei Fragen zu Safer Sex informiert

euch die S’AG, damit ihr euch beim

Cruisen keine Gedanken darüber machen

müsst. *bm

16. – 30.10., Sub-Zentrum, Müllerstr. 14,

www.facebook.com/

safetyaktionsgruppe


Kultur 27

GAYBOYS

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FOTO: QFFM

QUEER FILM FESTIVAL MÜNCHEN

Kino trotz(t) Corona

Vom 13. bis 17. Oktober findet das 6. Queer Film

Festival München (QFFM) statt – so viel ist sicher,

viel mehr allerdings auch nicht.

Geschuldet ist die Situation, wie könnte es anders sein,

der Corona-Lage, die genauere Planungen nicht zulässt.

„Wir hoffen natürlich, dass so viel wie möglich vor Ort

stattfinden kann“, so Bernadette Huber aus dem Orga-

Team, „es wird aber in jedem Fall auch eine Auswahl an

Filmen online zur Verfügung stehen.“ Inhaltlich wird

wieder eine große Bandbreite geboten: Neben dem

Langfilm-Hauptprogramm ist die „Midnight Madness“-

Schiene mit einem Horror-Programm zu sehen, außerdem

gibt es ein internationales und deutschsprachiges

Kurzfilmprogramm sowie dokumentarische Beiträge.

Die Corona-Unsicherheit hat auch zur Folge, dass noch

kein detailliertes Rahmenprogramm feststeht. In diesem

Jahr sind Filmgespräche unter anderem mit Queer Asia –

einem asiatischen Kollektiv, das ein Kurzfilmprogramm

kuratiert – und eine Diskussion zur Kampagne von

#ActOut geplant. Was geht und was nicht, erfahrt ihr

auf der Website des Filmfestivals. *bm

13. – 17.10., www.qffm.de


28 ESSEN & TRINKEN

FOTO: COCOPARISIENNE / PIXABAY / CO0

GASTRO IM SPÄTSOMMER

mit Heimathafen-Feeling

Klar, München strahlt eh. Aber wenn der Spätsommer Einzug hält in unserer schönen Stadt, lässt es sich nochmal

besonders gut hier aushalten. Alle, die jedoch schon von herbstlicher Melancholie gejagt werden, können in Münchens

Gastro-Heimathäfen der Szene nochmal Energie und tanken. *jb

KÖSTLICHE TRAUBEN IM WEINHEIM

Schwabings Hochburg des guten

Geschmacks ist nicht nur innerhalb der

Szene definitiv das Weinheim. Andreas

und Helmut, die seit 2018 das Weinheim

gemeinsam betreuen, brennen für die

Traube. So gibt es im Weinheim nicht nur

feine Küche von Küchenchef Norman,

sondern auch tolle und überraschende

Weine, die das Weinheim in enger

Zusammenarbeit mit Jungwinzern nach

München holt.

Das Weinheim / Bauerstraße 2 /

Di - Do 17-23 Uhr, Fr u. Sa 17-0 Uhr

COOL UND HAUSGEMACHT

IM LADEN

So minimalistisch der Name so clean zeigt

sich auch das Lokal selber. Warum sollte

es auch mit Effekthascherei auftrumpfen

wollen, wenn das Essen im Laden schon so

toll ist. Hausgemacht, unkompliziert und

sympathisch zeigt sich das Angebot im

Laden, vom Frühstück bis zur Tageskarte.

Gerade bei unsicheren Wetterverhältnissen

lässt es sich dort auch in den

überdachten Schanigärten gut aushalten.

Laden / Türkenstraße 37 / Mo - Fr 12-22

Uhr, Sa u.So 9-22 Uhr /

www.zumladen.de

WUNDERBARE GASTLICHKEIT IM SCHILLER-BRÄU

Authentisch-bayerische Wirtschaften, in denen man der Hektik der Stadt

entfliehen kann, werden auch in München weniger. Zum Glück gibt es das

Schiller-Bräu, das Kristina und Ninja Höfler mit Herz und Know-How betreiben. Zur

innovativ-münchnerischen Küche gibt es auch einige tolle Events. Zum Beispiel

wird Münchens Alt-OB Christian Ude am 18. September ins Schillerbräu, um ein

Wiesnbier-Fass anzuzapfen.

Schiller-Bräu / Schillerstraße 23 / Di - Sa 16-0 Uhr / www.schiller-braeu.de

TERRASSE DELUXE IN DER KÜCHE IM KRAFTWERK

Ein besonderes Schmuckstück der Münchner Gastro ist die Küche im Kraftwerk

im KARE-Haupthaus. Das liegt zwar nicht gerade in Innenstadtnähe, aber das

queer-freundliche Lokal lockt dafür umso mehr mit einer tollen Cuisine und einer

Dachterrasse, die als schönste Terrasse Münchens ausgezeichnet wurde.

Die Küche im Kraftwerk / Drygalski-Allee 25 / Mo - Fr 11-22 Uhr, Sa 10-22 Uhr /

www.diekuecheimkraftwerk.de

QUEERE SELIGKEIT AM HOLZPLATZ

Dass das Gute oft so nah liegt, wusste schon Goethe. Und auch gerade im

Glockenbachviertel stimmt der Sinnspruch. Zeit also, mit dem Holzplatz einem der

Knotenpunkte des Viertels einen Besuch abzustatten. Egal ob leckere Kuchen und

guter Kaffee im Café Tabula Rasa oder ehrliche Burger im bunten Schanigarten des

München ’72: Man verliebt sich sofort wieder neu ins Viertel und kann dabei auch

noch einen Blick auf die berühmteste Klappe der Bundesrepublik werfen, die mit

Porträts von Fassbinder und Mercury toll gestaltet wurde.

Café Tabula Rasa / Holzstraße 18 / Di - Fr 10-22 Uhr, Sa 10-19 Uhr /

www.cafetabularasa.de

München 72 / Holzstraße 16 / Di - Fr 17-0 Uhr, Sa 10-0 Uhr, So 10-23 Uhr /

www.muenchen72.de/


Rund um die Uhr offen!

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Wir haben ein riesiges Warensortiment

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U

30 Stadtplan

CityGuide

10

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Ottostr.

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36

APOTHEKEN

1. Isartor Apotheke,

Isartorplatz 6, (089) 2199290,

www.isartor-apotheke.de

2. Regenbogen Apotheke,

Sonnenstr. 33, (089) 593659,

www.hieristsgesund.de

3. Wittelsbacher Apotheke,

Lindwurmstr. 97, (089) 537844,

www.wittelsbacher-apotheke.de

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4. Gemeinschaftspraxis am Isartor

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Innere Medizin, Infektiologie),

Dr. Werner Becker, Dr. Ramona

Pauli, Dr. Marcel Lee,

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5. Dr. Timo Bachmann (Zahnarzt)

Schweigerstr. 4, (089) 663242,

www.timobachmann.de

• Dr. Ulrich Kastenbauer (Allgemeinmedizin,

Infektiologie),

Ainmillerstr. 26, (089) 333863,

www.infektiologie-schwabing.de

• Wolf Schuck (Facharzt für

Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde),

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Str. 154, (089) 595131,

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8. Garry Klein,

Sonnenstr. 8

• Klosterklub,

Lindwurmstr. 122

9. Ksar Barclub,

Müllerstr. 31

10. NY.C,

Elisenstr. 3

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11. Bruno´s, GayLifeStyle,

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12. Optik Vogel e.K., Optik,

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13. Reithofer Fachmarkt,

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Reichenbachstr. 31

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Sa. 10-14 Uhr

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14. Rosa-Reisen,

Hans-Sachs-Str. 22

15. Team7,

Herzogspitalstr. 3

BEAUTY

16. Massage Munich

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Studio Tal 30, 0175 6175255,

www.massage-munich.com

MÜNCHEN HBF S

Häberlstr.

Bayerstr.

SZENE

17. Buddy, Corneliusstr. 32

18. CAMP, Bar, Reisingerstr.15

19. Deutsche Eiche, GaySauna,

Reichenbachstr. 13

• Duplexx, Theresienstr. 130

20. Diburnium,

Thalkirchner Str. 5

O7, 20 (Quadrate), Mannheim

www.galileo-sauna.de

3

Schwanthalerstr.

45

23

Schillerstr.

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Landwehrstr.

Pettenkofferstr.

Nußbaumstr.

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35

Lindwurmst.

34

8

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18

Sonnenstr.

12

Thalkirchner Str.

Herzog-Wilhelm-Str.

• Erotixx, Poccistr. 2 und

Rosenheimer Str. 81

• Herrensauna am Hauptbahnhof,

Dachauerstraße 9a

• Schwabinger Mensauna,

GaySauna, Düsseldorfer Str. 7

22. Spexter Erotic-Store,

Müllerstr. 54

• UnderGround des MLC,

Machtlfingerstr. 28

UNTERKUNFT

19. Deutsche Eiche, Hotel,

Reichenbachstr. 13

23. Hotel Brunnenhof,

Schillerstr. 36,

www.brunnenhof.de

ESSEN & TRINKEN

24. Café im Sub,

Müllerstr. 14

19. Deutsche Eiche,

Reichenbachstr. 13

25. Edelheiss Bar,

Pestalozzistr. 6

Pestalozzistr.

26. Eiscafé Eismeer,

Pestalozzistr. 21

27. Jenny was a friend of mine,

Holzstr. 14

28. Kiosk an der Reichenbachbrücke,

Fraunhoferstr. 46

2

29. Kraftwerk,

Thalkirchnerstr. 4

30. Moro Restaurant,

Müllerstr. 30

31. NiL,

Hans-Sachs-Str. 2

• Prosecco,

Theklastr. 4,

www.prosecco-munich.de

• Self Bar/Restaurant,

Schäftlarnstr. 62,

www.self-bar.de

Neuhauser Str.

Damenstiftstr.

U SENDLINGER TOR

11 29 22

25

20

89

26

27

15

47

Blumenstr.

Müllerstr.

Maxburgstr.

Hans-Sachs-Str.

Oberanger

Unter Anger

43

30

4246

9

31

39

14

Färbergraben

Blumenstr.

MARIENPLATZ U S

Rindermarkt

40

24

41

3948

Müllerstr.

Fraunhoferstr.

Corneliusstr.

Klenzestr.

FRAUENHOFERST. U

KULTUR

33. Bayerische Staatsoper,

Max-Joseph-Platz 2,

www.bayerische-staatsoper.de

Erhardtstr.

34. City Filmtheater, Kino,

Sonnenstr. 12,

www.city-kinos.de

35. Deutsches Theater,

Schwanthalerstr. 13,

www.deutsches-theater.de

• Gasteig (Philharmonie),

Rosenheimer Str. 5,

www.gasteig.de

• GOP Varieté-Theater,

Maximilianstr. 47,

www.variete.de

• Kultur im Schlachthof,

Zenettistr. 9,

www.im-schlachthof.de

36. Kunsthalle München,

heatinerstr. 8

• Lenbachhaus -

Städtische Galerie,

Luisenstr. 33,

www.lenbachhaus.de

• Museum Brandhorst,

Theresienstr. 35a

37. Münchner Kammerspiele,

Maximilianstr. 26-28,

www.muenchnerkammerspiele.de

• Münchner

Philharmoniker,

Rosenheimer Str. 5

• Münchner Volkstheater,

Brienner Str. 50,

www.muenchnervolkstheater.de

38. Staatstheater am

Gärtnerplatz,

Gärtnerplatz 3, (089) 202411,

www.staatstheater-amgaertnerplatz.de

• Tierpark Hellabrun,

Tierparkstr. 20

Gärtnerplatz

38

Reichenbachstr. Reichenbachstr.

28

13

RAT & TAT

• Caritas Ambulanter Hospiz

ienst, Queer-Sprechstunde,

jeden 1. Montag im Monat,

ASZ Isarvorstadt,

Hans-Sachs-Str. 14,

caritas-hospizdienst@

barmherzige-muenchen.de

19

Frauenstr.

Rumfordstr.

Buttermelcherstr.

17

Baaderstr.

Reichenbachbrücke

ISAR

33

Maximilianstr.

16

Tal

Steindorfstr.

Corneliusbrücke

5

39. Diversity Jugendzentrum,

Blumenstr. 11,

www.diversity-muenchen.de

40. Gay Outdoor Club

München e.V.,

Sportverein,

Müllerstr. 14,

www.gocmuenchen.de

• Isarhechte e.V.,

Sportverein, Meindlstr. 11a,

www.isarhechte.de

41. Koordinierungsstelle zur

Gleichstellung von LGBTI*,

Angertorstr. 7

(Eingang Müllerstraße)

42. LeTRa,

Blumenstr. 29,

www.letra.de

43. Marikas Beratungsstelle für

anschaffende junge Männer,

Dreimühlenstr. 1,

www.marikas.de

44. Münchner Aids-Hilfe,

Lindwurmstr. 71,

www.aidshilfe-muenchen.de

45. Münchner Regenbogen-

Stiftung, Angertorstr. 7

(Eingang Müllerstr.)

46. Rechtsanwälte Schuster

& Riedl, Eisenmannstr. 4

(Fußgängerzone),

(089) 23888930,

www.ra-srk.de

• Regenbogenfamilien,

Fach- und Beratungsstelle,

Saarstr. 5/II, (089) 46224606

www.regenbogenfamilienmuenchen.de

47. Sub e.V.,

Müllerstr. 14,

info@subonline.org

48. Team München, Sportverein,

Rumfordstr. 39

www.teammuenchen.de

• TransMann e.V.,

Parzivalstr. 41,

www.transmann.de

37

Isartorpl.

ISARTOR S

49

1

4


31

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32 Style

NACHGEFRAGT

GEORGIJ MAERKI

„… russische Knödel …“

Aufmerksam wurden wir auf

den trainierten Burschen

durch eine Modestrecke von kust.

Georgij Maerki ist aber mehr als

„nur“ ein Model. Wir chatteten mit

dem Balletttänzer.

Uns wurde gesagt, dass du gerne

kochst und sogar als Koch arbeitest.

Hast du ein Lieblingsessen?

Nicht wirklich ein Lieblingsessen, aber wenn

ich mich für etwas entscheiden würde, wäre

es ein Gericht, das viele Emotionen und

Erinnerungen in mir auslöst. Es wären wahrscheinlich

die hausgemachten Pelmeni von

meiner Mutter. Pelmeni ist ein traditioneller

russischer Knödel mit Fleischfüllung.

Wie oft gehst du als Tänzer in der

Woche zum Sport?

Früher habe ich jeden Tag trainiert, als ich

eine Tanzkarriere anstrebte. Jetzt tanze

ich, wenn es die Zeit erlaubt, was leider

ziemlich selten vorkommt, weil ich als Koch

arbeite und es lange dauert.

Wie kamst du zu kust.?

Freunde von mir, die bereits mit dem Label

zusammengearbeitet haben, haben mich

empfohlen. Und anscheinend hat kust.

etwas in mir gesehen, das auch mir sehr

gefällt.

Was magst du an dieser Marke am

meisten?

Ich liebe die Marke und wenn ich ehrlich

bin, gefällt mir all das am besten, was

Jakub, der Gründer von kust., macht. Jakub

ist mit viel Leidenschaft dabei und das

gefällt mir sehr. Er macht es nicht wegen

des Geldes, sondern weil es ihm wirklich

Freude bereitet! Und mir macht es sehr viel

Spaß mit ihm zu arbeiten – ich habe immer

Lust auf ein Fotoshooting.

FOTO: WWW.KUST.COM

*Interview: Michael Rädel

ÜBER DAS LABEL

Handgemachte und nachhaltig in Europa

gefertigte Bekleidung, die gibt es dank

kust. nun auch aus unserem Nachbarland

Polen. Inspiriert sei diese klassische

Mode für den Mann* von der Heimatstadt

des Label-Chefs, vom schönen

Ostseebad Sopot. 2017 ging es los mit

der Unterwäschemarke, die wahrlich eine

sexy Optik als Bildsprache gewählt hat.

Alles purer Zucker fürs Auge! Und alles

ein bisschen RETRO ... Zudem eine gute

Motivation, wieder mehr Sport zu machen,

denn eins ist sicher: Diese trainierten

Models leben nicht von Chips, Bratwurst,

Schokolade und Kuchen. Und wenn doch,

dann machen sie eben genug Sport, um

diesen Genuss auszugleichen. Trotzdem

gilt: Jeder Körper ist schön, nur wohlfühlen

musst du dich. *rä

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Advertorial 33

OUTDOOR

AKTIV UND DRAUSSEN

Lust auf frische Luft? Mit der neuen Lifestyle- und

Active-Kollektion von Tchibo steht dem Outdoor-

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Wetter ist kein Grund mehr, den geplanten

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34 STYLE

SALONE DEL

MOBILE.MILANO 2021

Mailänder Möbelmesse ist zurück

FOTOS: SALONE DEL MOBILE.MILANO / ALESSANDRO RUSSOTTI

Wie wichtig das Wohlbefinden

in den eigenen vier Wänden ist,

haben die letzen 18 Monate

eindrucksvoll unter Beweis

gestellt.

Dementsprechend sollte die Inneneinrichtung

stimmen. Nachdem wir letztes

Jahr auf die weltweit größte Möbelmesse

verzichten mussten, ist der Mailänder

Salone del Mobile zurück. Vom 5. bis 10.

September hat die Messe ihre Pforten für

alle Besucher geöffnet.

Dabei hat der Salone in seiner 60.

Ausgabe erstmals alle Produktkategorien

unter einem Dach. Von der Möbelausstellung

über Workplace-, Küchen- und

Badezimmer-Innovationen über die

Lichtausstellung Euroluce oder die

Wohnaccessoires-Ausstellung— an der

Mailänder Möbelmesse kommt kein

Interior-Liebhaber vorbei.

Salone del Mobile.Milano 2021,

5. - 10.9.2021, Fiera Milano, Strada

Statale del Sempione, Rho-Milano,

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Gesundheit

INTERVIEW

FATFIGHTER_IN:

Mäks Roßmöller über Coronabäuche

und sexuelles Kapital

FOTO: JUNO ROSENHAUS

Die Pandemie macht wieder

Sommerpause. Natürlich

nicht der Virus selbst, aber die

Menschen atmen durch und hoffen,

dass alles vorbei ist. Unkenruf: ist es

nicht. Der nächste Winter kommt.

Also lieber vorbereiten und die Zeit

nutzen, mit sich selbst ins Reine zu

kommen. Ein Gespräch über Glückshormone,

Genuss und Körperfett.

Warum leidet Mensch darunter, zum

Beispiel „fett“ zu sein?

Wichtig ist es zu verstehen, dass die Sicht

auf den eigenen Körper ganz viel damit

zu tun hat, wieviel sexuelles Kapital ich

habe. Ich glaube, dass das in der Schwulenszene

besonders verbreitet ist, weil

Homosexualität bis 1969 komplett und

bis 1994 noch teilweise kriminalisiert war

unter dem Paragrafen 175. Die Befreiung

aus dieser Unterdrückung macht Sexualität

von schwulen Männern immer ein

Stück weit politisch. Das ist glaube ich

einer der Gründe, warum sie – und auch

zu Recht – einen so großen Stellenwert

hat. Unter den gängigen Schönheits- und

Liebesnormen wird dieses sexuelle Kapital

aber weniger, wenn der Körper mehr

wird. Deswegen ist es total wichtig, sich

selber mit der Frage zu beschäftigen, wie

es mir mit und in meinem Körper geht,

wenn Attraktivität nicht im Mittelpunkt

steht.

Kannst Du das erläutern?

Die Frage, die mensch sich stellt, wenn

er darüber nachdenkt, wie es ihm in

seinem Körper geht ist die, ob mensch

sich schön findet. Ich bin aktivistisch

unterwegs, um Wege zu zeigen, wie du

dich mit einer Wertschätzung im eigenen

Körper verankern kannst, die unabhängiger

davon ist, ob du dich oder ob andere dich

attraktiv finden. Denn nur weil wer weiße,

ableisierte und dünne Schönheitsnormen

ablehnt, heißt das nicht dass wer sich im

eigenen Körper wohl fühlt.

Wie gehst du vor?

Einerseits biete ich Körperkurse namens

„Fettgewebe begegnen“ an, in denen

ich meine Favorite Fat Facts teile

und Fettgewebe ins Spüren bringe.

Andererseits arbeite ich therapeutisch mit

Einzelpersonen, z.B. im Format „Reclaim

your Body_Fat“. Es beinhaltet 10 Sessions

um eine wertschöpfende Beziehung zu

dem eigenen Körper und Fettgewebe zu

etablieren. Unabhängig vom konkreten

Beispiel Coronabauch oder hochgewichtigen

Menschen ist diese Arbeit eigentlich

für jede*n Menschen geboten, weil wir alle

älter werden.


Was meinst du?

Über die Jahre verlieren wir alle unser

sexuelles Kapital Stück für Stück. Das ist

einfach ein Fakt, da Schönheitsnormen

so stark an Jugend geknüpft sind. Ich

habe schon oft von älteren schwulen

Männern gehört, „früher war ich sexy, alle

wollten mich und jetzt bin ich plötzlich

unsichtbar“. Besonders wenn du daran

gewöhnt bist diese Aufmerksamkeit zu

bekommen und sie dann wegfällt und du

das an diesem oder jenem Körperbereich

fest machst, ist es enorm schwierig,

diese eben beschriebene Beziehung

aufzubauen.

Kannst du es trotzdem versuchen,

uns plastischer zu erklären?

Es geht um folgende Fragen: Was macht

es mit mir, meinen Körper außerhalb

von Sexualität zu spüren? Wann und wie

berühre ich ihn?

Woran merke ich, was er braucht? Was

wäre anders, wenn mein Körper mir ein

zuhause ist? Wie wäre unsere Beziehung,

wenn ich meinen Körper und mich

nicht als von einander getrennt denke?

Oft fühlt es sich so an, als gäbe es da

meinen Körper und dann gibt es diese

Fettschicht drumherum. Und die gehört

nicht so richtig zu mir. Was natürlich

überhaupt nicht wahr ist. In meinen

Fettgewebs-Workshops geht es zum

Beispiel explizit darum, sich wirkliches

Wissen darüber anzueignen, was dieses

Gewebe alles für mich macht und wie es

aufgebaut ist. Im nächsten Schritt dann

darum, dass man sich damit verbindet,

es integriert als Teil des Körpers.

Warum schwankt denn bei

so vielen der Fettanteil im

Körper? Warum besonders in der

Pandemie?

Oft wird vergessen, dass das Fett – ob

mehr oder weniger davon gerade

vorhanden ist – nicht ohne Grund

da ist. Um das zu regulieren, werden

Kalorien gezählt, die rein gehen und die

rausgehen, dann wird ein Strich drunter

gemacht und das Ergebnis entscheidet,

ob ich zu- oder abnehme. Das ist in

dieser unterkomplexen Form überhaupt

nicht angemessen. Der Fettstoffwechsel

hat zum Beispiel ganz viel mit unserem

Hormonsystem zu tun und Stress spielt

dabei eine riesige Rolle. Und damit

kommen wir zur Pandemie: Die bedeutet

Stress für den Körper, weil wir uns oft

und lange Zeit im Angstmodus befinden.

Vielleicht noch verstärkt, weil wir einsam

und mit diesen Ängsten alleine sind. In

diesem Angstmodus versucht der Körper

unser Überleben zu sichern. Er wird

sparsamer und lagert ein bisschen mehr

ein. Und eigentlich würde sich das auch

wieder geben, wenn die Angst nachlässt.

Aber?

Wenn jetzt, in dieser Situation angefangen

wird, Diäten zu machen, bedeutet

das für den Körper wieder Stress.

Der führt wieder zur Anlagerung von

Überlebensreserven.

Der Jo-Jo-Effekt? Entschuldige

den Frauenmagazin-Jargon.

(Lacht) Genau. Mit der Bewegung ist es

übrigens das Gleiche. Bewegung wird

mit Abnehmen und Dünnwerden gleichgesetzt.

Und durch diese Verknüpfung

wird etwas, das eigentlich ein Quell von

Freude sein und hormonell Glücksgefühle

auslösen sollte, zu einem Mittel

zum Zweck. Zu einer Art Zwang, der

keinen Spaß mehr macht und der dann

auch wegen der unheimlichen Überwindungskraft,

die es braucht, gegen diesen

Zwang anzukommen, irgendwann sein

gelassen wird. Und was passiert dann?

Du bist gestresst, frustriert und „frisst“

vielleicht diesen Frust im wahrsten

Sinne in dich rein, was danach zu einer

weiteren Frustration führt so nach dem

Schema „was bin ich eigentlich für eine

Gierlappen“.

Es ist ein

Geburtsrecht des

Menschen, Aufmerksamkeit

und Liebe zu

bekommen.

Und wie verhindere ich diese

Abläufe?

In den zehn Sessions ist das ein großer

Themenbereich. Was brauche ich wirklich?

Woher weiß ich eigentlich, dass ich

essen will? Woher weiß ich eigentlich,

dass ich Bewegung brauche? Woher

weiß ich, dass ich Schlaf brauche? Eine

Spürnase für diese körperlichen Signale

zu trainieren.

Helfen da nicht die Fitness-Smart-

Gadgets ganz gut?

Nee. Im Gegenteil. Die Dinger führen

letztendlich dazu, dass du weniger von

deinem Körper wahrnimmst und mehr

wahrnimmst, was da auf einem Display

steht. Wenn du dich selbst erfahrbar

machst, dann merkst du viel besser, was

du, was dein Körper braucht. Das kann

dann manchmal die Schokolade sein,

aber es kommt in meinen Kursen immer

wieder zu der Erkenntnis, dass ihnen

das gar nicht so gut schmeckt, wie sie

immer dachten. Weil sie vielleicht immer

hungrig und unterzuckert dazu gegriffen

Gesundheit

haben. Wie gesagt. Es ist ein Spürnasentraining.

Letztendlich geht es darum, die

Handlungsmöglichkeiten der Menschen

zu erhöhen, um sich selber mit dem was

und wie sind, okay zu fühlen. Auf dem

Weg dahin geht es gar nicht so sehr um

die Sessions selber, sondern die Zeit

dazwischen. Was verändert sich konkret,

was ist wirksam für mich und meinen

Körper und wie bekomme ich es hin,

diese Trennung aufzuheben.

Ich danke dir! Hast du noch ein

Schlusswort für uns?

Ja. Es gibt einen Dreiklang, den ich sehr

spannend finde: „Ich bin attraktiv“, „ich

werde begehrt“ und „ich bin liebenswert“.

Es ist glaube ich ein Geburtsrecht des

Menschen Aufmerksamkeit und Liebe

zu bekommen. Das bedeutet, dass die

Aussortierung nach Attraktivität im

Widerspruch zu diesem Geburtsrecht

steht. Im Widerspruch dazu geliebt zu

werden und zu lieben. Da bekommt

die Arbeit am Körper eine politische

Dimension. Es wird meiner Erfahrung

nach viel schwerer, andere Körper und

Menschen abzuwerten, wenn du anders

mit deinem eigenen Körper im Bezug

bist. Das heißt nicht, dass du dich in alle

verlieben musst: das wäre Quatsch. Aber:

Es eröffnet dir Wege, auf respektvolle

Art und Weise, die eigene Angst vor

dem Verlust von sexuellen Kapital

nicht darüber auszutarieren, indem du

andere Menschen abwertest. Und das

ist glaube ich auch eine Pflicht, gerade

innerhalb einer marginalisierten Gruppe,

aber auch grundsätzlich: dass wir uns

mit Wertschätzungen, Zärtlichkeit und

Freundlichkeit begegnen.

*Interview: Christian Knuth

INFO

Mäks’ Pronomen

Ber ist ein nichtbinäres Pronomen,

das an eine fette queere Männlichkeit

referiert, angelehnt an die schwule

Bärenszene. An tätigkeitsbezogene

Substantive wird ‚_in‘ angehängt, wie

zum Beispiel bei Autor_in.

Die damit einhergehende sprachliche

Irritation und zärtliche Verstörung der

Zweigeschlechtlichkeit ist ausdrücklich

erwünscht.

Alle Angebote sind in Berlin

(Ostkreuz) oder online möglich. Mehr

Infos über systemische Therapie/

Beratung, Workshops und Fortbildungen

hier: www.maeks.me


Gesundheit

SCHLAU ZU HIV

PSYCHE UND DRUMRUM

Wie belastend ist HIV heute noch?

Als HIV vor 40 Jahren das erste Mal

benannt wurde, konnte die Diagnose

als sicheres Todesurteil gelten. Heute ist

die Erkrankung eine gut behandelbare

chronische Virus-Infektion geworden, bei

der in der Regel eine Tabletteneinnahme

pro Tag für eine robuste Virus-Kontrolle

ausreicht. Aber reicht der medizinische

Fortschritt aus, um die Infektion heute

nicht mehr als Belastung zu empfinden?

Was ist mit Stigmatisierung, Angst vor

dem Alter und Depression? Wir haben mit

Dr. Christian Perro, Facharzt für Psychiatrie

und Psychotherapie in Hamburg-

Eppendorf, gesprochen, mit welchen Problemen

Menschen mit HIV zu ihm kommen,

was die Gründe für die Probleme sind und

was er empfiehlt, um mit HIV psychisch

gut zu leben.

Sie betreuen Menschen mit HIV. Mit

welchen Problemen kommen diese

zu Ihnen und wie unterscheiden sich

diese von denen anderer Klienten in

Ihrer Praxis?

Wegen der Diagnose HIV alleine kommt

heute eigentlich kaum mehr jemand in

die Praxis. Kommt es zu einer heftigen

psychischen Reaktion auf die Erstdiagnose,

wenn das Ergebnis mitgeteilt wird, wird dies

meistens von den Schwerpunktpraxen und

Beratungsstellen wie Aidshilfen oder hier

in Hamburg Hein & Fiete abgefangen. Hier

in der Praxis treffen wir auf Menschen, die

eher ausgeprägte, anhaltende Symptome

zeigen, primär Angststörungen und Depressionen.

Unterschiede gibt es insofern als es

sich meist um männliche Patienten im Alter

Ende 20 bis Mitte 40 handelt.

Menschen mit HIV scheinen häufiger

unter Depressionen zu leiden. Was

sind die Ursachen? Ein veränderter

Stoffwechsel durch Virus oder

Therapie? Eigenes Erleben der

Erkrankung oder vielleicht Erfahrungen

mit der Umwelt?

In der Regel sind die Ursachen vielfältig,

nach wie vor lässt sich die genaue Ursache

einer Depression nicht bestimmen.

Neuere Studien gibt es kaum. Bezüglich

der Angstsymptomatik handelt es sich

meist um eine Stressreaktion. Statistisch

gesehen haben MSM (A. d. R.: Männer, die

Sex mit Männern haben, Bisexuelle und

Schwule) grundsätzlich ein höheres Risiko,

psychisch zu erkranken, also Depressionen

zu entwickeln. Wir gehen davon aus, dass

das Risiko bei HIV-Positiven, psychisch zu

erkranken, etwa doppelt so hoch ist wie bei

Menschen ohne HIV.

Die Gründe sind vielfältig: Stresssituationen

jeder Art, Soziale Isolation, belastendes

Umfeld aber wohl auch eine genetische

Verletzlichkeit spielt eine Rolle. Was ich

immer wieder erlebe in der Praxis ist, dass

die HIV-Erkrankung vordergründig erst

einmal gar keine Rolle für den Besuch der

Praxis zu spielen scheint. Man muss das

oft erfragen oder es stellt sich im Zusammenhang

mit anderen Fragen heraus. Es ist

nicht das erste, was Patienten sagen, aber

unterbewusst spielt es doch häufig eine

große Rolle. Die Leute ziehen sich mehr

zurück, sie haben größere Ängste in der

Partnerwahl, Angst vor Zurückweisung oder

eine Scheu Sex zu haben, eine Beziehung

aufzubauen. Davon etwas abgrenzen

würde ich die Angststörungen. Ich erlebe

bei den Betroffenen, dass Angst- und

Panikattacken als Ausdruck einer Stressreaktion

auftreten, oder dass sie durch

HIV bis ins Depressive abgleiten. HIV bleibt

einfach eine einschneidende Lebensveränderung

- egal wie gut es heute therapierbar

ist. Wenn das dann zum Beispiel auch mit

beruflichen Faktoren korreliert, dann wird

das eine Stressreaktion, die Panik auslösen

kann.

Was empfehlen Sie Menschen mit

HIV, um mit dem Virus psychisch

möglichst unbelastet zu leben?

Eigentlich die Klassiker eines gesunden

Lebensstils, einer guten Work-Live-Balance,

wie man heute so schön sagt: Ein gutes

soziales Netzwerk, Bewegung, gesunde

Ernährung und ein aktiver Umgang mit der

Infektion sind hilfreich. Also nicht so tun, als

würde sich nichts ändern, als wäre nichts.

Grundsätzlicher Risikofaktoren wie unregelmäßigem

Schlafverhalten und regelmäßigem

Alkohol- und Drogengebrauch sollte

man sich bewusst sein. Und wenn man

wirklich einmal in eine Krise gerät, sich auch

nicht scheuen, eine Form der Behandlung

aufzunehmen. Darüber reden hilft in den

meisten Fällen – und ggf. können auch

kurzfristig Medikamente hilfreich sein.

*Interview: Christian Knuth


DE-HIV-2020-09-0034 | Agenturfoto. Mit Model gestellt.


E-Life

PARTNERSCHAFT

Digitalisierung des

FLIRTS

FOTO: JOHAN MOUCHET / UNSPLASH / CC0

Online-Flirten und Sexting waren

noch nie so in Mode wie in

Zeiten der Corona-Pandemie.

Virtuelle Datingplattfomen

sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Alleine bei ROMEO tummeln

sich über zwei Millionen Paarungswillige

regelmäßig und auch „Sexting“ wird

vor allem bei jungen Menschen immer

beliebter. Zeit, sich den „Yeahs“ und den

„No-Nos“ des Online-Datings zu widmen.

Was ist erlaubt und was geht gar nicht?

Torsos, Torsos, wohin das Auge reicht

Dein Profilbild ist das Erste, was andere

User von dir zu sehen bekommen. Dein

Aushängeschild quasi. Daher lohnt es

sich, genau zu überlegen, wie du dich

vorstellen willst. Viele User setzen auf

den gesichtslosen Torso samt Sixpack

und angespannten Oberarmen. Das kann

dich um kurz nach Mitternacht und auf

der Suche nach einem schnellen Date

schon sehr weit bringen. Bist du aber an

mehr als nur Sex interessiert, solltest du

in jedem Fall folgende Regeln beachten:

1. Gesicht zeigen. Verschwommene

Aufnahmen aus zwanzig Meter Entfernung

und Profilfotos mit Sonnenbrille

lassen schnell die Frage aufkommen:

„Was hat der zu verbergen?“ Und nicht

vergessen: Immer recht freundlich,

denn nichts ist sexyer als ein schönes

Lächeln. 2. It’s all about you. So sehr du

deine beste Freundin liebst, auf deinem

Datingprofil hat sie nichts verloren. 3.

Gib dir ein bisschen Mühe. Achte auf

den Hintergrund, richte deine Haare und

sorge für vernünftiges Licht. Auf einem

JOEL DE VRIEND / UNSPLASH / CC0

echten Date tauchst du ja auch nicht in

Sweatpants und T-Shirt auf (es sei denn,

das ist dein Fetisch).

JA, NEIN, VIELLEICHT

Besonders Grindr, aber auch Tinder

und andere Apps, dienen heute viel

mehr der Suche nach Mr. Right Now als

nach Prince Charming, mit dem wir in

den Sonnenuntergang reiten. Unsere

Gesellschaft als Ganzes ist sexpositiver

geworden und Slutshaming gar kein

oder kaum noch ein Thema. Gut so. Und

deshalb brauchst du auch gar nicht lange

um den heißen Brei herumreden, wenn

es dir nur um das Eine geht. Wer mit

der Tür ins Haus fällt, vermeidet, dass

beim Gegenüber falsche Erwartungen

geweckt werden, und ihr beide vergeudet

eure wertvolle Zeit nicht. Am besten

gibst du schon im Profil an, ob du

nach der großen Liebe oder einem

One-Night-Stand suchst.

SCHWANZBILDER

Ah, das gute alte „Dick Pic“. Von

manchen nur zu gern empfangen (und


von einigen trophäenartig gesammelt und archiviert),

fühlen sich andere überrumpelt und sogar

angeekelt, wenn sie ungefragt Nacktbilder erhalten.

Deshalb immer das Okay des anderen einholen,

bevor du dein bestes Stück präsentierst. Häufig

kannst du auch schon am Ton der Konversation

erkennen, ob der andere an deinen Gurkenporträts

interessiert ist. Im Zweifel hebst du dir die Überraschung

einfach für ein Treffen im echten Leben auf.

Oldschool, aber so viel spannender.

Für Weltentdecker

NA PRALINE, BRAUCHST DU NOCH NE FÜLLUNG?

Wer kennt sie nicht, die Anmachsprüche, die schon

zu Schulzeiten nicht funktioniert haben? Und da

gab es bei den allermeisten noch nicht einmal

Suchmaschinen, mit deren Hilfe man ganz einfach

elegante Alternativen zu „Wenn Menschen Bäume

wären, wärst du eine Augenweide“ hätte finden

können. Phrasen wie diese funktionieren nur dann,

wenn sie mit dem Leben und den Vorlieben des

Empfängers ganz dicht verknüpft sind. Besser: Auf

Floskeln verzichten und ein simples „Hallo“ in den

Kosmos schmeißen.

GHOSTING

Ghosting, also das abrupte Ende einer

Konversation ohne Vorwarnung oder

erkennbaren Grund, ist ziemlich

kacke und gehört zu den Negativ-

Trends der Online-Dating-Welt.

Wenn du merkst, dass es doch nicht

passt, verabschiede dich und wünsche

deinem Chat-Partner noch viel

Erfolg bei der weiteren Suche. Alles

andere ist uncool.

SEI DU SELBST

Für keine andere persönliche Information gilt dies

so sehr wie für das Alter. Wir alle – manch einer

mehr als andere – verspüren den Druck, möglichst

jugendlich und alterslos daherzukommen, dennoch

lohnt es sich nicht, beim eigenen Geburtsjahr zu

schwindeln. Vor allem dann, wenn du ernsthaftes

Interesse an der Person hast, der du gerade

etwas vorzugaukeln versuchst. Früher oder später

kommt’s ja doch raus – also Butter bei die Fische.

Auch sonst tust du dir und allen potenziellen

Partnern keinen Gefallen, wenn du dich als jemand

ausgibst, der du nicht bist. Du gehst gerne zum

Angeln? Super, dann schick doch mal ein Foto von

deinem letzten Fang und schau, wie der andere

reagiert. Beißt er an, kannst du sicher sein, dass er

echtes Interesse hat. Lässt er dich zappeln, kannst

du getrost weiterziehen.

NICHT AUFREGEN

Politik und Religion können spannende Themen für

eine spätere Unterhaltung sein und zu lebhaften

Konversationen führen. Im Online-Chat solltest

du um diese beiden Aufreger allerdings einen

Bogen machen.

NICHT ENTMUTIGEN LASSEN

Lass dich von unbeantworteten Nachrichten und

dem Meer von nackten Torsos nicht verunsichern.

Hinter jedem Sixpack schlägt ein Herz, das erobert

werden will. *Felix Just

QR-Code mit

dem Smartphone

scannen

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E-Life

MOBILITÄT

FOTO: RANDY TARAMPI / UNSPLASH / CO0

E-BIKE, E-SCOOTER

& FAHRRAD:

Führerscheinpflicht für alle!

„Sie hat noch das Smartphone an

die Ersthelfenden gegeben und

darum gebeten, ihre Arbeitsstelle anzurufen.

Sie würde es wohl nicht rechtzeitig

schaffen. Wenige Minuten später war sie

tot.“ Eine Augenzeugenaussage zu einem

schrecklichen LKW-Fahrradunfall mitten

im Prenzlauer Berg aus diesem Sommer.

Und trauriger Alltag in den Großstädten

der Republik. Die folgenden Zeilen sind

ein Appell an alle Teilnehmer*innen des

Straßenverkehrs und die Politik.

BEOBACHTUNGEN EINES ELEKTRO-​

KLEINSTFAHRZEUG FÜHRENDEN

Seit mehr als einem Jahr bin ich

regelmäßig mit einem E-Scooter auf

Berlins Straßen unterwegs. Die oft

belächelten oder ob des gedankenlosen

Umgangs dummer Menschen zurecht

verhassten Elektrokleinstfahrzeuge sind

mein Fortbewegungsmittel der Wahl, weil

sie zum einen angenehm agil und zum

anderen – für mich sehr wichtig – bei

20 Kilometern pro Stunde gedrosselt

unterwegs sind.

Eine Geschwindigkeit, die auf Strecken

über zwei Kilometern ungefähr der

Durchschnittsgeschwindigkeit der Fahrradfahrenden

entspricht. Eine Geschwindigkeit,

bei der die Kontrolle über das

Fahrzeug in unvorhersehbaren Situationen

leicht fällt. Eine Geschwindigkeit, bei

der im Falle des Falles ein Helm und eine

Jeans vor lebensgefährlichen Verletzungen

ausreichend schützen.

Was ich tagtäglich auf den Fahrradstreifen

erlebe ist einerseits manchmal

amüsant, meistens aber unfassbar

leichtsinnig und gefährlich, in vielen

Fällen sogar einfach dumm. Es fahren

offenbar tausende Mitbürger*innen auf

Zweirädern durch die Weltgeschichte,

die noch nie etwas von einer Straßenverkehrsordnung,

von Rechts vor

Links oder einem Schulterblick gehört

haben. Die nicht einmal wissen wie sie

im Notfall ihre Bremsanlagen richtig

bedienen, um sich und ihr Gefährt zum

Stehen zu bekommen. Und es gibt

natürlich die Vollidioten die, wenn sie

PS-starke Megaknautschzonen führen,

an Ampeln Beschleunigungswettkämpfe

austrügen und auf Autobahnen auf

der Überholspur drängelnd andere

Verkehrsteilnehmer*innen nötigten. Diese

Vollidioten – meist männlich – wissen oft,

dass ihr Zweirad kein amtliches Kennzeichen

hat und fahren daher ohne Angst

vor Strafverfolgung rücksichtslos über

Rot und schneiden wen auch immer sie

wollen, wann sie wollen. Alle zusammen

erzeugen ein Gemenge, dass – so glaube

ich – viel mehr zu Unfällen führt, als

fehlende Abbiegeassistenten bei LKW.

Diese sollten ohne Frage endlich auch in

der Nachrüstung Pflicht sein, aber:

Eine grundsätzliche Versicherungs- und

Führerscheinpflicht für alle beräderten

Verkehrsteilnehmer*innen, wird meiner

Meinung nach immer unerlässlicher,

desto größer ihr Anteil am Gesamtstraßenverkehr

wird. Elektrokleinstfahrzeuge

und die noch fünf Kilometer pro Stunde

schnelleren E-Bikes beschleunigen

diesen Transformationsprozess und

die Debatte über seine Regelung muss

dringend geführt werden! *ck


„Ich bin

verheiratet,

Sex-positiv,

Pädagoge und

Gläubig.“

Christoph

# HIVersity

Weil ich mehr bin als

nur HIV-positiv: LiVLife.de

NP-DE-HVU-ADVT-210002; 07/2021


Film

INTERVIEW

HARRY MACQUEEN –

SUPERNOVA

Harry Macqueen, geboren

1984 in London, begann

seine Karriere als Schauspieler und

stand erstmals für den Film „Ich &

Orson Welles“ von Richard Linklater

vor der Kamera. 2014 brachte er mit

dem zarten Freundschaftsdrama

„Hinterland“ seinen ersten eigenen

Film als Regisseur und Drehbuchautor

ins Kino (und spielte auch gleich

die Hauptrolle). Für seinen zweiten

Film, „Supernova“ (ab 14.10. in den

deutschen Kinos), konnte er nun

Colin Firth und Stanley Tucci als

Hauptdarsteller gewinnen, die als

schwules Paar brillieren.

Mr. Macqueen, Ihr neuer Film

„Supernova“ handelt von einer

schwulen Langzeitbeziehung, und

einer der beiden Protagonisten ist

an einer frühen Form von Demenz

erkrankt. Haben Sie als junger

Regisseur von 37 Jahren einen persönlichen

Bezug zu der Thematik?

Vor ungefähr sechs Jahren erkrankte

jemand in meinem näheren Umfeld an der

Krankheit, deswegen ist diese Geschichte

für mich eine wirklich persönliche Angelegenheit.

Ich habe viel Zeit mit Menschen

verbracht, die an Demenz leiden, und viel

über diese Krankheit gelernt. Das war

eine Erfahrung, die mich tief bewegt und

sicherlich mein Leben und meinen Blick

darauf verändert hat.

Und der Film ist jetzt Ihr Weg, das zu

verarbeiten?

Vielleicht kann man das so sagen. Aber

ich wollte auch davon erzählen, wie sich

die Liebe verändert, wenn wir uns dem

Lebensende nähern, und was es mit einer

Beziehung macht, wenn man weiß, dass

die zu Ende geht. Und natürlich, welche

ganz speziellen Auswirkungen diese

schwierige und komplexe Krankheit nicht

nur auf den Betroffenen hat, sondern auch

auf die Menschen und Beziehungen in

seinem Leben.

Viele junge Filmemacher halten sich

erst einmal lieber an autobiografisch

inspirierte Geschichten ...

Klar, weil es einem natürlich leichter fällt,

über etwas zu schreiben, das man selbst

erlebt hat und aus erster Hand kennt. Und

es war auch eine echte Herausforderung,

die Geschichte in meinem Film so authentisch

und subtil wie möglich zu erzählen,

denn weder bin ich in dem Alter meiner

Protagonisten noch habe ich Demenz am

eigenen Leib erlebt. Aber dem wollte ich

mich stellen, weil mir das Thema so am

Herzen liegt. Also recherchiert man dann


Film

FOTOS: 2020 BRITISH BROADCASTING CORPORATION, THE BRITISH FILM INSTITUTE, SUPERNOVA FILM LTD.

eben, verbringt Zeit mit Betroffenen und

hört zu – und geht mit der größtmöglichen

Empathie an die Sache heran.

Warum war es Ihnen wichtig, dass im

Zentrum nicht ein heterosexuelles

Paar, sondern zwei Männer stehen?

Die Themen des Films sind natürlich

eigentlich sehr universell. Liebe im

Angesicht des Todes oder auch die Frage,

was es heißt, sich wirklich um jemanden

zu kümmern, den wir lieben – das kann

jeder nachvollziehen, deswegen hätte man

die Geschichte natürlich auch mit einem

Mann und einer Frau erzählen können.

Dass ich mich für ein schwules Paar

entschieden habe, ändert nichts – und es

ändert doch alles.

In welchem Sinne?

Für mich als Künstler ist es wichtig, dass

meine Arbeit progressiv und mindestens

auf der Höhe der Zeit ist, statt in alten

Strukturen verfangen zu sein. Deswegen

stand von Anfang an ein gleichgeschlechtliches

Paar im Zentrum meiner Geschichte.

Und im Zentrum steht ihre Beziehung,

nicht ihre sexuelle Orientierung, die im

Gegenteil nicht einmal thematisiert oder

kommentiert wird. Diese absolute Selbstverständlichkeit

und Normalität, zumal

bei zwei Männern dieses Alters, sieht

man im Kino immer noch viel zu selten,

deswegen hat die Entscheidung für diese

Protagonisten in meinen Augen durchaus

eine Relevanz.

Gerade weil man Geschichten dieser

Art noch immer eher selten sieht,

bekommen sie quasi automatisch

das Label „Queer Cinema“ verpasst.

Fühlt man sich als Filmemacher

da nicht sehr in eine Schublade

gepresst?

Natürlich bin ich mir bewusst, dass das

passieren kann. Aber ich vertraue darauf,

dass meine Geschichte die Kraft hat,

solche Labels auch zu sprengen. Denn

jedes Kunstwerk steht für sich und sollte

sich durch nichts beschränken lassen.

Gleichzeitig gehören solche Kategorien

immer auch zur Vermarktung eines Films

dazu und können dabei helfen, bestimmte

Türen zu öffnen und Zielgruppen zu

finden. Überhaupt freue ich mich natürlich,

wenn ein queeres Publikum den Film für

sich reklamiert und sich darin wiederfindet.

Wie haben Sie sich eigentlich für

Colin Firth und Stanley Tucci als

die perfekten Hauptdarsteller

entschieden?

Mit meiner tollen Casting-Agentin habe

ich eine ganze Reihe toller Schauspieler

durchgesprochen, und wir kamen

früh auf den Gedanken, dass

es reizvoll sein könnte,

wenn nur einer der

beiden Männer Engländer

ist. Wir hatten

dann das Glück,

dass wir Stanley das

Drehbuch zukommen

lassen konnten und er

auch Zeit hatte, es zu

lesen. Er war sehr angetan,

und als wir uns trafen,

erzählte er mir, dass Colin

Firth einer seiner besten Freunde

sei, was für eine derart intime Geschichte

natürlich unglaublich hilfreich war. Und es

stellte sich dann heraus, dass er Colin das

Skript sogar schon weitergeleitet hatte

und der interessiert war. Es ging also alles

ganz schnell und ich hatte wirklich riesiges

Glück. Mir ist sehr bewusst, dass ich

vermutlich nie wieder einen Film drehen

werde, bei dem das alles so einfach und

problemlos laufen wird.

Die beiden sind fantastische

Schauspieler, aber eben auch

heterosexuell. Haben Sie sich

darüber Gedanken gemacht? Die

Frage, wer welche Rollen spielen

sollte und welche Chancen damit

womöglich unterprivilegierten

Schauspieler*innen verbaut werden,

wird ja derzeit heftig diskutiert.

Dass wir solche Fragen diskutieren, finde

ich auch unglaublich wichtig, und ich

finde, es liegt in der Verantwortung von

uns Regisseur*innen, dass wir uns da

auch wirklich Gedanken drüber machen.

Bei der Besetzung aller Rollen und der

Zusammenstellung des Teams müssen

wir dafür sorgen, dass größtmögliche

Offenheit in alle Richtungen herrscht

und jeder eine Chance bekommt. Aber

dann geht es natürlich auch darum, die

bestmöglichen oder bestgeeigneten

Mitstreiter*innen

für ein Projekt zu

finden. Das waren für

die Hauptrollen in

meinem Fall Stanley

und Colin. Und zwar

nicht nur, weil sie

schauspielerisch

fantastisch sind.

Sondern?

Weil es mir, wie gesagt,

eine Herzensangelegenheit

war, Sichtbarkeit und

Selbstverständlichkeit herzustellen für

eine Geschichte mit einem schwulen Paar

im Zentrum. Und natürlich helfen zwei

so prominente Hauptdarsteller wie die

beiden enorm dabei, einen kleinen Film

„Supernova“ auf ein ganz anderes Niveau zu

heben, wenn es darum geht, möglichst viel

Aufmerksamkeit zu erregen und ein großes

Publikum zu erreichen. Aus diesem Grund

alleine hätte ich nicht besetzt. Aber sie

waren eben auch perfekt für diese Rollen.

*Interview: Patrick Heidmann


Film

FOTOS: KAICHEN LI

INTERVIEW

DANIEL ZILLMANN:

„Andere Eltern“ und Gendern

Dieser gebürtige Berliner ist

bundesweit durch TV- und

Kinofilme populär geworden. Für

uns nahm sich der Schauspieler

Daniel Zillmann etwas Zeit, um

über die aktuelle Serie „Andere

Eltern“ – dort spielt er den queeren

Malte, der ein Frauenpaar für

Nachwuchs sucht – und Gendern,

Regenbogenfamilien und Social

Media zu sprechen.

In der Serie bist du ein schwuler Mann

mit Kinderwunsch. Wie stehst du privat

zum Thema Regenbogenfamilien?

Finde ich wunderbar! Ich selber habe gar

keinen Kinderwunsch, freue mich aber über

all die Kinder um mich herum und sehe auch

sehr glückliche Kinder in diesen Familien.

Freust du dich, dass dies in einer ZDF-

Serie thematisiert wird?

Ja, als Art Erweiterung des Familienkonzepts.

Das finde ich ganz toll bei „Andere Eltern“,

dass das aufgegriffen wird. Natürlich

machen wir uns auch über manche Situationen

lustig. Generell nimmt die Serie

junge Eltern unter die Lupe, die alles richtig

machen wollen. Die Serie ist eine lustige und

interessante Reise für Malte …

Sich lustig machen, ist heute „gefährlich“

geworden. In Zeiten von Social

Media wird immer heftig diskutiert.

Wann steigst du ein? Oder nie?

Ich finde, Humor ist immer die beste Waffe.

Mit Humor kann man ganz viel erreichen,

gemeinsam zu lachen ist etwas wunderbar


Film

Verbindendes. Streiten ist auch gut, aber gerade hat man

das Gefühl, dass die Leute oft aggressiv sind, ohne auf einen

gemeinsamen Nenner kommen zu wollen. Lachen verbindet.

Das Aufeinander-Einschlagen finde ich furchtbar. Öffentlich

würde ich nicht streiten, ich brauche Harmonie, ich suche

immer das nicht öffentliche Gespräch, die Diskussion führe

ich dann privat … Früher hat man am Abendbrottisch beim

Rotwein debattiert. Aber Social Media ist eigentlich eine

schöne Sache und ich sehe auch immer wieder Postings,

die mich berühren und die auch etwas bewegen. Ich denke,

die Leute haben gerade das Bedürfnis nach Klärung, nach

Gleichberechtigung auf allen möglichen Leveln. Ab und zu

muss es mal knallen, auch bei mir als harmoniebedürftigem

Menschen.

„Andere Eltern“ ist nicht deine erste Serie, was

schätzt du an dem Format Serie allgemein?

Das Schöne an Serien ist, dass man viel mehr Zeit für die

Figuren hat. Auch Nebenrollen bekommen eigene Handlungen.

Wenn sie schön erzählt sind, ist das eine tolle Sache. Die

Figuren können atmen … Bei „Andere Eltern“ wussten wir am

Morgen nicht, was wir drehen, da haben wir nur improvisiert,

das war enorm spannend. Die Figuren entwickeln sich in

Serien … Das kann aber auch die Krux sein, manchmal denkt

man sich auch: Zwei oder drei Folgen weniger wäre gut

gewesen. Ich selbst habe aber jahrelang „Unter der Sonne

Kaliforniens“ geschaut und bin da richtig eingetaucht.

Man kennt dich auch aus Märchenfilmen. Wie frei ist

man da als Schauspieler?

Bei „Zwerg Nase“ spiele ich einen unsympathischen und

durchgeknallten Herrscher, im Kopf hatte ich Ursula, die

Meerhexe von „Arielle“, oder auch die Herzkönigin von „Alice

im Wunderland“. Das war wirklich herausfordernd. Das hatte

etwas von Theater, aber auch von einem großen Kinofilm. Es

war unglaublich toll!

BAYERN 2 & SZ

PUBLIKUMSPREIS

E I N F I L M V O N

Imogen Kimmel & Doris Metz

i got life

MINDJAZZ-PICTURES.DE/TRANS

AB 23. SEPTEMBER IM KINO

„rüttelt auf und ist dabei vital, tief und humorvoll.

TRANS – I GOT LIFE feiert wunderbare Menschen.“

BR Kinokino

Märchen haben immer auch eine Botschaft. Muss

Kultur immer auch eine Botschaft haben? Oder ist

„Rote Rosen“ auch okay?

Ich würde keine Daily Soap machen. Aber es ist für alles genug

Platz, alles hat seine Daseinsberechtigung. Ich fühle mich in

sämtlichen Formaten wohl … Es ist magic, wenn eine Botschaft

subtil transportiert wird. Bei „Zwergnase“ geht es zum

Beispiel um ein Kind, das verzaubert wird und mit Buckeln

und riesiger Nase innerlich wachsen muss. Für mich als Body-

Positivity-Verfechter ein tolles Thema. Du hast dein Päckchen

mitbekommen, mach was draus. Das mache ich schon mein

ganzes Leben lang. Mein Purpose ist Singen, Schauspielern

und Entertainen. Früher haben die Leute wirklich mal zu mir

gesagt: Du bist doch zu dick zum Fernsehen. Oder zu gay.

Schnauze! Ich mache das, was ich mache, weil ich es liebe

und auch kann. Mittlerweile sagt mir das keiner mehr.

Abschließend noch deine Meinung zum Gendern.

Prinzipiell halte ich es schon mein Leben lang so für mich:

Wenn ich mit einer Person rede und die sagt mir: „Ich fühle

mich ausgeschlossen, wenn du dies und jenes sagst, fühle

mich angegriffen oder diskriminiert“, dann – und das ist

meine Natur – achte ich darauf, das zu beachten. Und

dazuzulernen. In so einer Phase befinden wir uns gerade.

Wir sprechen nicht mehr so wie zu Goethes Zeiten! Sprache

verändert sich, Deutsch hat sich immer verändert. Man kann

sich auch mal öffnen, es tut ja keinem weh, es wird inkludiert,

nicht ausgeschlossen.

*Interview: Michael Rädel

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Seit 20 Jahren in der Community bekannt unter ebab

KINO

Drei Freunde

aus Norwegen

a-ha schrieben Popgeschichte mit zu Klassikern

gewordenen Hits wie „The Sun Always Shines on

T.V.“, „Stay on These Roads“, „Foot of the Mountain“,

„Summer Moved On“ und natürlich „Take On Me“. Das

tat der Freundschaft aber nicht immer gut.

Als „Hornissennest“ bezeichnete etwa Magne

Furuholmen den Vorgang, wenn das Trio an neuer Musik

arbeiten würde. Er wolle nichts Neues mehr aufnehmen:

„Am Ende schlagen wir uns nur die Köpfe ein“. a-ha –

das waren/sind Pål Waaktaar-Savoy (Gitarre, Chor),

Magne Furuholmen (Keyboard, Chor) und Sänger Morten

Harket –, drei Freunde, die 1982 eine Band gründeten,

schon 1983 einen Plattenvertrag hatten – und den

Druck, einen Hit zu landen. Das schafften sie dann kurz

darauf mit „Take On Me“. Ab 1985 waren a-ha plötzlich

Teenager-Idole und Poster-Boys und sangen erfolgreich

für einen James-Bond-Streifen die Hymne („The Living

Daylights“ 1987 für „James Bond 007 – Der Hauch des

Todes“). Die drei Musiker landeten mit Singles wie „Crying

in the Rain“, „Dark Is the Night“, „Move to Memphis“

und „Touchy!“ Hit auf Hit. Doch Mitte der Neunziger

wollten Magne, Pål und Morten erst mal nicht mehr: zu

groß der Druck, der Stress, der Terz innerhalb der Band ...


OSCAR ® -GEWINNER

COLIN FIRTH

OSCAR ® -NOMINIERTER

STANLEY TUCCI

Ein Film von HARRY MACQUEEN

FOTO: SALZGEBER

„Eine Ode an

die Kraft der Liebe:

herzzerreißend

und herzerwärmend.“

DEADLINE

FOTO: SHEILA ROCK

Erst 2000 standen sie wieder

an der Spitze der norwegischen

Charts, „Summer Moved On“

läutete das Comeback ein, mit

„Forever Not Yours“ und „Celice“

schafften sie bis zur immer noch

andauernden – immer mal wieder

unterbrochenen – Pause weitere

Nummer-eins-Hits in Europa,

nicht aber in den USA. Was ihnen

aber recht egal war, schließlich

funktionieren die USA in Sachen

Musik GANZ anders als der Rest der

Welt. a-ha sind ab Ende der 1980er

vor allem in Europa und UK in den

Charts und ein Phänomen – und

das reicht(e) ihnen auch.

Jetzt wurde diese äußerst spannende

Geschichte einer Truppe aus

Norwegen, die in den internationalen

Charts abräumte, mit vielen

Interviews, reich und schön retro

bebildert neu erzählt: „a-ha – The

Movie“. Mitte September startet

der Film von Thomas Robsahm

und Aslaug Holm in den Kinos. Ein

Muss für Fans und Freunde der

Popmusik. *rä

www.salzgeber.de

AB 14.10. IM KINO

/Supernova.DerFilm


Film

FOTO: ANTJE KRÖGER / MINDJAZZ PICTURES

EISHOCKEY-TRAINER MIK „PANCI“ IM BAD

KINO

„Trans ist kein Fluch

und keine Krankheit,

sondern ein Weg.“

Der Film „trans – I Got Life“ bietet selten gesehene, ehrliche

Einblicke in das häufig zerrissene Lebensgefühl von trans*

Menschen sowie in die komplexen psychischen, hormonellen

und chirurgischen Aspekte ihrer Transition.

Die Regisseurinnen Imogen Kimmel und Doris

Metz haben das Vertrauen von sieben Menschen

gewonnen, die sich dazu entschlossen

haben, ihren Weg zu gehen. „trans – I Got

Life“ destilliert aus den Lebensgeschichten

von sieben charismatischen Menschen das

weite Spektrum der Transidentität. Es ist eine

sinnliche Reise in die Zwischenwelten jenseits

festgeschriebener Geschlechternormen, in

intime Lebensräume und in die Chirurgie, die

zum Kreißsaal für eine zweite Geburt wird.

Subtil und vielschichtig wird dabei das Trans*-

Erleben auch auf die Bild- und Tonebene

übertragen. Der Kinodokumentarfilm ist ein

starkes Plädoyer dafür, dass wir Menschen uns

nicht mehr länger durch die 0,3 Prozent der

DNA definieren, die uns unterscheiden, sondern

durch die 99,7 Prozent, die uns verbinden.

Damit eröffnet er zugleich die gesellschaftliche

Debatte über eine Welt, in der die Geschlechter

nicht mehr schwarz-weiß festgeschrieben sind,

sondern als fluide aufgefasst werden „trans – I

Got Life“ betrifft und berührt alle, die in dieser

Welt leben. Willkommen im 21. Jahrhundert!

www.männer.media/gewinne

KINO

Gerichtsnotorisch

heterosexuell:

LIBERACE

FOTO: SALZGEBER

Aktuell kann man sich einmal mehr

mit dem Musiker beschäftigen, der

mit Glitzer, Make-up und Perücke zwar an

eine Dragqueen erinnerte, aber zeitlebens

auch mithilfe von Gerichten dagegen vorging,

wenn man ihn, den Frauenschwarm,

als schwul bezeichnete.

Und das, obwohl er von seinem Ex (erfolglos)

auf Unterhalt verklagt wurde und an

den Folgen seiner HIV-Infektion verstarb

– was natürlich erst vertuscht wurde.

Der „King of Bling“ Liberace war ein

Klavierkünstler, an dem sich die Geister

scheiden. Er tat NICHTS für die queere

Bewegung. Aber Wladziu Valentino

Liberace (1919 – 1987) trug gerne

Chinchillapelz und rosa Pfauenfedern,

Goldschmuck und behandelte seine

abgelegten Männer schlecht. Trotzdem

fasziniert er bis heute mit seinem Pomp,

seiner Lebenslüge und manche mögen

auch seine Musik. Kritiker nannten ihn

zeitlebens einen schlechten Pianisten und

schlimmen „Hollywood-Auswuchs“, aber

auch einen hervorragenden Entertainer,

die Sache mit den zwei Seiten zieht sich

durch sein Leben.

„The Glitter Man“, so sein Spitzname,

trat bei der „The Muppet Show“ auf,

begeisterte im TV mit seiner „The Liberace

Show“ und in Las Vegas, er cruiste in

Sexkinos (und war da, glaubt man den

Quellen recht schamlos) aber präsentierte

sich tagsüber dann doch lieber asexuell als

Omas Liebling. Aber er) trat auch mit Elvis

Presley auf und gab ihm sogar Ratschläge,

die befolgt wurden. Und er hatte auch

einen gewissen Sinn für Humor: „Schaut

es euch ruhig an“, soll er dem Publikum

zugerufen haben, das ihn aufgedonnert

in Luxusaccessoires zum Klavier stöckeln

sehen durfte, „Ihr habt schließlich dafür

bezahlt!“ Und nach der Show ging es wieder

per Chauffeur (angeblich auch seine

Sexpartner …) in der Limousine in schwule

Sexkinos. Oder ins goldene Bett zu einem

seiner Boys … gerade bringt Salzgeber

den Film „Look Me Over – Liberace“ von

Regisseur Jeremy J.P. Fekete in die Kinos.

Kein Spielfilm, eine Dokumentation mit

großartigen Interviews mit Zeitzeugen,

Konzertausschnitten und Spielfilmsequenzen.

Ein Film, den man sich gönnen

sollte. Große queere Geschichte, die viel

Tragik offenbar, aber auch schmunzeln

lässt. *rä

www.salzgeber.de


DATES. FREUNDE. LIEBE.

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und Transgender. Lade die App herunter oder logge dich in unsere Webseite ein.

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Musik

NACHGEFRAGT

MARK FORSTER:

„Ich haderte ein wenig“

Im Grunde ist Mark Forster

ein wandelnder Widerspruch.

Auf der einen Seite lässt

er seine Fans in den Songs

seines Albums „Musketiere“

ganz nah an sich heran, andererseits

beantwortet der Sänger in Interviews

grundsätzlich keine Fragen nach seiner

Partnerin oder seinem Familienstand.

„Obwohl ich keine Lust habe, bei

Frauke Ludowig zu sitzen oder meine

Küche zu zeigen“, erläutert er, „möchte

ich trotzdem absolut barrierefrei Musik

machen.“

Wer also in seinen Liedern genau

hinhört, realisiert ziemlich schnell: Der

38-Jährige scheint privat tatsächlich

angekommen zu sein. In der Pianoballade

„Daheim“ heißt es: „Freiheit

ist Frieden.“ Diese Zeile, sagt der

Wahlberliner, hätte auch der Songtitel

sein können: „Ich bin ein sehr freiheitsliebender

Typ und habe immer in der

Ferne mein Glück gesucht. Meine neue

Erkenntnis ist: Man kann Freiheit in sich

selber finden – indem man Frieden und

ein Zuhause findet.“

Ohne Zweifel genießt Mark Forster dieses

Lebensgefühl nun in vollen Zügen.

Er ist mit sich im Reinen, deswegen

8 CELLIST*INNEN &

EINE EINZIGARTIGE

STIMME

IMANY

VOODOO CELLO

ALBUM-RELEASE 03.09.21

DIGITAL & ALS CD

AUF TOUR

27.03.2022

BERLIN | Admiralspalast

28.03.2022

FRANKFURT | Alte Oper

29.03.2022

HAMBURG | Laeiszhalle

imanymusic.com


warf ihn die Coronakrise nicht komplett

aus der Bahn. Er holte halt für sich das

Beste aus dieser diffizilen Phase heraus.

Als Künstler ebenso wie als Mensch.

Weil die Lockdowns seine Konzertpläne

durchkreuzten, nahm er alternativ ein

Album auf. Und erkämpfte sich abseits

des Rampenlichts ein Stück Normalität.

„Ich bin fast zehn Jahre ständig getourt

und hätte freiwillig nie so eine lange

Pause gemacht“, räumt er ein. „Dabei

hat es mir wirklich gutgetan, endlich mal

über einen langen Zeitraum zu Hause zu

sein.“

Offenbar profitiert Mark Forster in

Sachen Liebe ebenfalls von dieser

Beständigkeit. „Heute, morgen und

übermorgen / An deiner Seite will ich

sein“, singt er in „Übermorgen“: „In

diesem Lied steckt ein bisschen Münchener

Freiheit, aber auch ein bisschen

Alphaville.“ Die Band aus Münster

stand vor allem bei der Musik Pate, die

Synthesizerklänge schlagen einen Bogen

zu den Achtzigern.

Den richtigen Sound zu finden, das war

für Mark Forster dieses Mal gar nicht so

leicht: „Ich haderte ein wenig mit der

Deutschpop-Welt. Irgendwie hatte ich

das Gefühl, dass sich da viele Sachen

wiederholt haben.“ In der Konsequenz

entschied der Sohn einer Polin und eines

Deutschen, sich neu auszuprobieren.

Mit einigen Gästen. Für das groovige

„Drei Uhr nachts“ steht ihm die Sängerin

Lea als Duettpartnerin zur Seite. „Kein

Feature ist zum Selbstzweck auf der

Platte“, stellt Mark Forster klar. „Alle

erfüllen eine ganz wichtige Rolle.“ Für

„Willst du mich“, das auf den Dancefloor

lockt, engagierte er mit Bedacht Mathea:

„Ich brauchte einfach eine Protagonistin,

die auf das antwortet, was ich erzähle.

Deshalb schildert Mathea die Dinge aus

der Sicht der Frau.“

Außerdem verstärken zwei recht

unterschiedliche Produzententeams

Mark Forster. Kitschkrieg machten

sich durch ihre Zusammenarbeit mit

Trettmann oder Peter Fox einen Namen

und verschreiben sich dem urbanen

Deutschrap. Sie veredeln „Leichtsinn“

mit lässigen Beats. Vize lieben dagegen

Slap House, daran lässt der Titel „Bist

du okay“ nicht den geringsten Zweifel.

„Der harte Techno symbolisiert für mich

Musik

etwas“, erklärt Mark Forster. „Er ist wie

ein Kampf mit sich selbst, ein Pochen

im Kopf.“ So liegen Musik und Inhalt auf

einer Wellenlänge. „Bist du okay“ handelt

nämlich von einer Person, die depressiv

ist. Sicher war es kein Zufall, dass dieser

Song aus der Coronazeit hervorging:

„Wer schon einen Hang zur Depression

hatte, wurde durch das pandemiebedingte

Alleinsein wahrscheinlich noch

ein paar Meter zurückgeworfen.

“Dagmar Leischow

Album out on Sept 24th 2021

The first album by LA top songwriter Wrabel featuring

the singles „nothing but the love“, „back to back (feat.

Eurovision winner Duncan Laurence)“ and „good“.

Wrabel’s co-writing/performance credits include

P!nk, Backstreet Boys, Ellie Goulding, Celeste,

Adam Lambert, Klingande, Marshmello,

Louis the Child a.o. His song “The Village”

has become an LGBTQ+ anthem.


Musik

NACHGEFRAGT

MELISSA

ETHERIDGE:

„Ich war nicht

immer treu“

„One Way Out“ ist zwar ein

neues Album der 60 Jahre

jungen Melissa Etheridge. Die Songs

allerdings sind halb so alt wie die

Musikerin selbst und klingen dementsprechend

ungestüm und wild.

Ein kurzes Telefonat.

„Hallo, hier ist Melissa“, meldet sich Melissa

Etheridge aus Los Angeles am Telefon. Sie

ist keine Frau der langen Umschweife „Die

Musik hat mir in den zurückliegenden ein

bis zwei Jahren geholfen, gesund zu bleiben“,

sagt sie gleich zu Beginn. „Ich wüsste

nicht, was ich hätte tun sollen oder was aus

mir geworden wäre, hätte ich nicht meine

Gitarre, meine Songs und meine Stimme

gehabt.“ Bis zu fünf Mal pro Woche trat sie

in der Phase der tiefen Corona-Tristesse

in ihrer Garage auf, unterstützt einzig und

allein von ihrer Frau Linda Wallem.

Die Pandemie war schon hart genug, doch

Etheridge (60) musste außerdem einen

persönlichen Schicksalsschlag verkraften.

Ihr Sohn Beckett, den sie mit ihrer Ex-Frau

Julie Cypher bekam und dessen leiblicher

Vater David Crosby war, starb mit 21 Jahren

an den Folgen einer Tablettensucht. Neue

Lieder habe sie Veröffentlichung ihres

jüngsten Studioalbums „The Medicine

Show“ unter den Umständen nicht

geschrieben. Dass mit „One Way Out“

jetzt dennoch ein neues Werk erscheint,

verdankt Melissa ihrem Archivierungs- und

Aufräumtrieb. Etheridge wühlte sich nach

und nach durch ihr bestens bestücktes

Archiv und förderte jene neun Songs

zutage, die sich wirklich top anhören.

Knusprig und wild, richtig schön rockig. Bei

„Save Myself“ zum Beispiel meint man, Tina

Turner rauszuhören, und dann natürlich

auch noch die Stones, und zwar in Form

des „Sympathy For the Devil“-Hu-Hus,

minimal variiert. Der Titelsong ist einfach

total knackig, „As Cool As You Try“ ist

ein rockharmonischer Song, den man

früher, als die Sender solche Musik noch

spielten, als Radiohit bezeichnet hätte.

„For The Last Time“ ist ein richtig schöner

Bluessong, „Wild Wild Wild“ verträumt

melancholisch und stimmlich stark, und die

Midtempo-Nummer „I’m No Angel Myself“

textlich keck. „In dem Song beschreibe ich

das Treffen mit einer alten Freundin, die

mit meiner damaligen Lebensgefährtin

geschlafen hat. Und ich stelle fest, dass

auch sie unter Beziehungsproblemen leidet,

und zwar heftigen.“ An dieser Stelle lacht

Etheridge. Das Lachen wird noch lauter, als

sie sagt: „Aber keine Sorge, auch ich war bei

weitem nicht immer treu.“

Man fragt sich natürlich, warum diese Lieder

nicht damals schon rausgekommen sind, als

Melissa sie geschrieben hat, in den späten

Achtzigern und frühen Neunzigern nämlich,

schon nach ihrem Debüt, aber noch vor

dem ganz großen Mainstreamerfolg mit

dem „Yes I Am“-Album 1993. Die Antwort:

„Ich dachte, die Songs wären zu ihrer Zeit

etwas zu forsch und direkt gewesen. Ich

war persönlich noch nicht so weit.“ Was

Melissa meint: Die Lieder erzählen von

lesbischer Liebe, doch sie selbst hatte sich

noch nicht geoutet, das geschah erst parallel

zu „Yes I Am“. Seitdem freilich ist Melissa

Etheridge, die sich nach mühsamem Beginn

als Bar- und Kleinclubsängerin mit zeitlosen

Hits wie „Come to My Window“ und „Like

the Way I Do“ zeitweise in die Riege der

Stadionrockerinnen emporgekämpft hatte,

eine unvermindert unerschrockene Ikone

der LGBTQ-Bewegung sowie eine Aktivistin

für linke Politik, Klima- und Tierschutz sowie

die medizinische Nutzung von Cannabis.

„Ich denke, ich habe das alles ganz gut

hinbekommen“, fasst sie ihr Schaffen

zusammen. „Als ich mein Coming Out

hatte, gab es kaum offen Homosexuelle

in der Rock- und Popmusik. Heute hebt

niemand mehr eine Augenbraue, wenn sich

jemand dazu bekennt, queer zu sein. Wenn

du möchtest, kannst du mich gerne eine

Pionierin nennen. Ich bin definitiv stolz und

dankbar, hunderttausenden von Menschen

den Mut gegeben zu haben, offen und

angstfrei als diejenigen zu leben, die sie

sind.“ *Interview: Steffen Rüth


Musik

POP

CLUESO „Album“

Hip-Hop? Pop? Die musikalische

Neuausrichtung von Clueso zeigte

sich bereits in den letzten Jahren, in

denen er ohne Scheuklappen oder

Distinktionsgehabe Songs mit Capital Bra

oder Majan produzierte, immer neugierig

auf neue Stile, neue KünstlerInnen und

Weiterentwicklung. Und so wird auch sein

Album mit dem programmatischen Titel

„ALBUM“, welches am 1. Oktober über

Epic Germany erscheint, wieder mit vielen

Überraschungen aufwarten und unter

Beweis stellen, dass Clueso auch nach

25 Jahren Karriere zu einem der spannendsten

und progressivsten Künstlern

Deutschlands gehört.

POP

Laura Mvula: „Pink Noise“

Aufgewachsen in einem kulturell

bildungsbürgerlich stimulierenden Umfeld

(„Als Kind habe ich schon Piano und Violine

gespielt, und das sogar wirklich gerne“) hat

Mvula die 1980er naturgemäß nur bedingt

in Echtzeit kennengelernt. „Aber sobald

ich mit dem prallen Pop der Dekade in

Berührung kam, habe ich ihn geliebt.“ Man

hört die Prägung ihrem dritten Album auf

grandiose Weise an. Jetzt scheint Laura

Mvula nicht nur heller als je zuvor, sondern

auch: Pretty in Pink. *S. Rüth

FOTO: M. RÄDEL

HOUSE

MAJESTIC X Boney M.

1975 gegründet, 1985/86

aufgelöst, dazwischen nonstop

Hits wie „Daddy Cool“, „Sunny“,

„Gotta Go Home“ sowie „Malaika“,

„Rivers of Babylon“ und „Felicidad

(Margherita)“. Das Projekt bestand

aus zwei wirklichen Sängerinnen (Liz

und Marcia), einem Tänzer (Bobby),

Frank Farians Stimme, einem Model

(Maizie) – und zwischen 1982 und

1986 noch aus einem zusätzlichen

Sänger (Reggie, er sang unter

anderem den Welthit „Kalimba De

Luna“). Heute touren noch einige

Revival-Bands erfolgreich um die

Welt, auch schaffen es Remixe und

Compilations immer wieder in die

Charts – fast jedes Jahr zum Beispiel

ihr Weihnachtsgospel „Mary’s Boy

Child/Oh My Lord“. 2021 landete ein

Remake von „Rasputin“ auf Platz 1

vieler Charts – unser Tipp! *rä


Musik

FOTO: EUGENIO RECUENCO

NACHGEFRAGT

Pop mit anderen Mitteln:

IMANY

Natürlich ist es gewagt, wenn

man seinen großen Erfolg mit

einem Dance-Remix hatte – dem

Hit „Don‘t Be So Shy“ von 2015, der

es mittlerweile auf über eine Milliarde

Aufrufe bringt – und sich nun auf

das Cello als Basis für neue Lieder

beschränkt.

Gleichzeitig sagt es viel darüber aus, mit

welchem Selbstbewusstsein Imany ihren

Weg geht. Weil es für sie ganz normal zu

sein scheint, Widerstände als Herausforderung

anzusehen und sich davon nicht aufhalten

zu lassen. „Da ich es geschafft habe,

Mutter zu werden, ohne meine Arbeit zu

vernachlässigen, beschloss ich, nicht mehr

zu zweifeln. Das heilige weibliche Feuer zu

akzeptieren, nicht als eine dominierende

Kraft, sondern als eine, auf die man bauen

kann. Was zählt, ist das, was Sinn macht.

Und es gibt nichts, was eine Frau nicht

tun kann.“ Was sie uns also auf „Voodoo

Cello“ präsentiert, entspricht ihr deshalb

– nach eigener Aussage – so viel mehr als

stampfende Klubbeats. Schon ihre ersten

beiden Alben schielten nicht in Richtung

Tanzfläche und so ist es nur konsequent,

dass auch die neuen Lieder allesamt subtile,

sinnliche Arrangements voller Gefühl und

Intensität sind. Doch dieses Mal werden sie

ausschließlich von acht Cellist*innen und

Imanys Stimme getragen. Auf den ersten

Blick klingt das nach einer gewagten Idee,

doch dieses Instrument hat die Fähigkeit

vieles auszudrücken – es kann ebenso kratzig

wie sanft, aggressiv oder einschmeichelt

klingen. Erst dadurch wird auch die eher

ordinäre Idee, ein Coveralbum aufzunehmen,

plötzlich zu einem lohnenden Projekt.

„Manchmal hat man den Eindruck, es sind

Blechblasinstrumente oder E-Gitarren … Als

würden sie herumgeistern.“

Natürlich steht und fällt ein solches

Album mit der Auswahl der zu covernden

Lieder. Es geht nicht nur um Bandbreite

und Vielfalt, sondern ebenso darum, alles

sinnvoll zusammenfinden zu lassen – zum

Beispiel die regelrecht brutale Version von

Blacks „Wonderful Life“ einer zärtlichen

und gutgelaunten Interpretation von Elton

Johns „I‘m Still Standing“ gegenüberzustellen.

Gerade so, als wären alle Songs schon

immer dafür vorgesehen gewesen, auf

einem Album zu erscheinen. Überhaupt –

auch wenn die Arrangements oft ziemlich

dramatisch und ernst klingen, zeigt sich in

der Zusammenstellung auch die Lockerheit

und der Humor des Projektes. Es grenzt ja

schon fast an Frechheit, „Total Eclipse of

the Heart“ auf diese Art neu aufzunehmen

und damit durchzukommen. Dazu gibt

es dann noch ebenso Madonnas „Like

a Virgin“ (ganz verträumt) wie „All the

Things She Said“ von TaTu (kantig), um

alles mit einem klassischen Ed Sheeran

abzuschmecken. Und sogar den oft (und

oft auch zu Recht) gescholtenen Imagine

Dragons wird neues Leben gegeben. „Es

ist alles ein bisschen verrückt!“, gibt Imany

gerne zu und erklärt: „Die Produktion ist

sehr komplex: acht identische Instrumente,

das ist technisch ziemlich aufwendig.“ Trotz

dieser Beschränkung wird es nicht einen

Moment langweilig: „Voodoo Cello“ ist Pop

mit anderen Mitteln.

Dass sie diesen besonderen Weg einschlug,

hatte übrigens viel damit zu tun, dass sie

seit ihrem letzten Projekt neue Extreme

des Lebens kennenlernte: das Glück und

die Intensität Mutter zu werden, ebenso

wie ein Burnout mit allen Konsequenzen

zu erleiden. Ihr Leben änderte sich, doch

anstatt zu versuchen, den alten Status Quo

wiederherzustellen, ließ sie sich darauf ein,

eine neue Herangehensweise zu finden.

Und genau das ist es, was dieses Coveralbum

zu einem Ereignis macht. *fis


UNDERGROUND

Keye Katcher:

„Wir alle Eins“

Seine aktuelle Single „It’s Gonna Be Good“

ist eine kleine Hymne! Keye Katcher ruft

in diesem Lied dazu auf, sich gemeinsam

zu unterstützen. „In guten Zeiten und vor

allem in ‚bad times‘ – wir sind Mensch und

stehen für uns ein“. Der queere Gassenhauer

wurde in einer Zeit geschrieben,

in der nicht nur der Berliner Künstler,

sondern wir alle viel positive Energie dringend

brauchen. Ende vergangenen Jahres

entstanden die ersten Skizzen, die Keye

auch damals schon ein Stück weit aus

dem tristen Pandemie-Blues holten und

ihm selbst eine optimistische Einstellung

für 2021 brachten. Für Oktober ist seine

EP „Wir alle Eins“ geplant.

KULT

Barbras Geheimtipps

und ein

Duett mit Kermit

Kein Scherz, die legendäre Musikerin

präsentiert auf ihrem neuen Album

„Release Me 2“ neben Hochkarätern

wie Barry Gibb (von den Bee Gees)

auch die grüne „The Muppet Show“-

Kultfigur, den grünen Frosch. Und das

beweist Barbras Sinn für Humor!

TIPP

DRANGSAL

„Exit Strategy“

Musik

Sein neues Album ist das Dokument

eines gereiften Künstlers. Drangsal

hat noch nie so frei musiziert und

so wandlungsreich gesungen wie

hier, und er hat auch noch nie so

wagemutig und schillernd getextet:

von der Gegenwart zurück in die

deutsche Romantik und wieder voran

bis zum restringierten Code der

Generation Z. „Exit Strategy“ ist reich

an Facetten, aber — das ist das Tolle

daran — es ist dabei nicht beliebig:

Alles passt aneinander, jede noch so

abseitig scheinende musikalische oder

lyrische Volte fügt sich bruchlos in ein

großes Bild.

FOTO: VIDEO.SIREN

„Release Me 2“ ist ein sehr abwechslungsreiches

und sehr, sehr interessantes

Album, findet man hier eben nicht

weltbekannte Klassiker wie „Tell Him“

mit Céline Dion oder „Woman in Love“

(mit den Bee Gees im Chor), sondern

Lieder, die bisher nicht erschienen

waren oder nur irgendwo mal zu hören

gewesen sind. Aber Barbra Streisand

sind sie wichtig – und das ist auch gut

so, denn jetzt können wir sie endlich

hören. „Release Me 2“ erscheint auf

CD, Vinyl und natürlich digital. *rä

DAS NEUE ALBUM

OUT NOW!

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UND TICKETS AUF

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Musik

INTERVIEW

WRABEL:

„Mein Coming-out war quälend“

FOTO: JAZZ ALALI

Stephen Wrabels Stern funkelnde

lange im Verborgenen. Jetzt veröffentlicht

der Pop-Singer/Songwriter nach

vier EPs sein erstes komplettes Album

„These Words Are All for You“.

„Ausnahmslos alle meine Songs kommen

aus der Tiefe meines Herzens“, erzählt

Wrabel via Zoom. „Wenn dir jemand sagt „Tut

mir leid, aber es fühlt sich nicht so passend

an für uns, was du da geschrieben hast“,

dann war das jedes Mal ein Stich ins Herz.

Ich bin in meiner Karriere und in meinem

Leben nicht selten verletzt worden. Aber

hier bin ich. Und hier bleibe ich jetzt auch.“

Der Weg bis hierher war kein einfacher für

Stephen Wrabel, 32, aus Los Angeles. Zwei

fertige Alben landeten im Giftschrank der

Plattenindustrie, er litt lange unter der einschneidenden

Trennung von seinem ersten

richtigen Freund, und noch dazu schleppte

er lange ein Alkoholproblem mit sich herum.

Seit sechs Jahren lebt er abstinent. Und

jetzt ist er endlich gekommen, der Moment,

in dem aus Wrabel, dem ewigen Talent und

nicht eingelöstem Versprechen endlich Wrabel,

der funkelnde Popstar wird. Auf seinem

Debütalbum „These Words Are All for You“

nimmt er uns mit in seine Welt. Und die

besteht aus epischen Refrains, schillernden

Arrangements, aus dramatischen Popballaden

und ganz kleinen, traurigen Songs wie

„Pale Blue Dot“. Aber auch aus euphorischen

Liebesbekundungen im Stil der aktuellen

Single „Nothing But Love“. „Einige der

Songs auf meiner Platte, etwa „Love Is Not

a Simple Thing to Lose“, sind schon fast

zehn Jahre alt. Aber ‚Nothing But Love“ war

das finale Mosaiksteinchen. Ich wollte die

Tatsache, dass ich glücklich verliebt bin,

in breiten, fetten Buchstaben auf diesem

Album in die Welt hinausposaunen.“

Wrabel kommt aus Houston in Texas. Seit

zehn Jahre lebt er in Los Angeles. Er ist

offen schwul und hat sein eigenes Label

„Big Gay Records“ getauft. Ein Statement.

„Meine sexuelle Identität ist ein großer Teil

von mir, und sie ist somit auch ein großer

Teil von dem, was ich kreiere. Auf diesem

Album schaue ich mir die Welt durch

meine eigene Linse an. Natürlich wünsche

ich mir, dass sich alle

mit diesen Liedern

verbunden fühlen, die

jemals verliebt, verlassen,

himmelhoch glücklich

oder am Boden betrübt

waren. Aber ich versuche,

die Gay-Community

so gut ich kann zu

vertreten, und ich gehe

echt offenherzig mit den

Erfahrungen um, die ich

durchgemacht habe.

Mein Anliegen ist, dass sich niemand allein

fühlt, völlig gleichgültig, wer er ist, wen sie

liebt, wie er oder sie sich identifiziert.“

Wrabel selbst wusste mit zehn, dass er

auf Jungs steht, hielt seine Sexualität aber

privat, bis er Anfang, Mitte 20 und nach

LA gezogen war, um dort seinen Fuß in die

Musikbranche zu bekommen. „Ich wuchs

in der Kirche auf. Ich bin gläubig, und ich

komme aus einer gläubigen Familie. Mir

wurde beigebracht, dass es unnatürlich

und sogar böse ist, homosexuell zu sein.

Heute kann ich zurückschauen und mich

an meine Jugend erinnern, ohne in Tränen

auszubrechen. Ich weiß, wie es ist, im

Versteck zu sitzen und zu denken ‚Etwas ist

fundamental falsch mit mir‘. Mein Comingout

war langsam und quälend. Bis ich 20

war, konnte ich nicht mal laut zu mir selbst

sagen, dass ich schwul bin.“

Zur Musik findet Wrabel, als er mit 15

das Album „Strange And Beautiful“ von

Aqualung alias Matt Hales für sich entdeckt.

„Diese Platte war mein sicherer Zufluchtsort

und meine Rettung. Nie zuvor oder danach

habe ich Musik gehört,

die mich so berührte.“

Inzwischen ist er mit

Hales befreundet,

aber auch mit Kesha

oder Pink, die beide

schon den einen oder

anderen seiner sensiblen,

wunderbaren Songs

eingekauft und aufgenommen

haben. Wrabels

bis zum Album größter

Erfolg aber war der 2017

veröffentlichte Song „The Village“ über

einen Teenager, der im falschen Geschlecht

lebt. Ich schrieb „The Village“, nachdem

ich auf meiner ersten Tour zwei Transkids

kennengelernt hatte. Meine ersten Fans!

Dieser Song bedeutet mir wirklich extrem

viel. Ich kenne Leute, die „The Village“ ihren

Eltern oder Großeltern vorgespielt, um ihnen

mitzuteilen, wozu ihnen bis dahin die Worte

gefehlt hatten.“

*Interview: Steffen Rüth


Musik

POP

„Neues“ von den SUGABABES

Die legendäre Girlgroup,

die mit den

meisten Hits, der 2000er

meldet sich zurück: die 1998

gegründeten Sugababes.

Sie waren ein Pop-Trio mit

vielen Umbesetzungen.

Siobhan (Bild oben rechts)

ging 2001 nach dem ersten

Album (Hits waren unter

anderem „Run for Cover“ und „Overload“), Heidi kam – und

mit ihr der ganz große Durchbruch, etwa mit „Hole in

the Head“, „Push the Button“ und „Round Round“. 2006

verließ Mutya das Trio, Amelle folgte, zusammen landete

man dann die UK-Nummer-1 „About You Now“ und Hits

wie „Get Sexy“. Keisha ging 2009, Jade legte los. Der

Erfolg blieb bis zur letzten Single 2010 „Wear My Kiss“.

Lustig zu wissen: Heidi sang davor bei der Urbesetzung

von Atomic Kitten. Mittlerweile sind die drei originalen

Sugababes wieder vereint, haben die Namensrechte und

zum 20. Geburtstag des ersten Albums genau das wieder

im Angebot. Mit bisher unveröffentlichten Liedern, allen

B-Seiten ** und Demoversionen ... Unsere Anspieltipps

sind „Overload“, „Little Lady Love“, „Girls’ Nite Out (Demo)“

und „Look at Me (Alternative Mix)“ und „One Touch (20

Year Anniversary Edition)“. Da freut sich der Fan! *rä

MELISSA ETHERIDGE

ONE WAY OUT

DAS NEUE ROCK ‘N‘ ROLL ALBUM

DER IKONISCHEN MUSIKERIN!

AB 17.09.21

ÜBERALL!

** Damals gab es Maxi-CDs. Darauf zu finden: das aktuelle Lied in

verschiedenen Versionen, manchmal ein Video dazu und meist ein

Bonustrack, eine B-Seite.

POP

Céline Dion, Leona Lewis

und Diane Warren

Die US-amerikanische

Komponistin Diane

Warren ist seit den 1980ern

beständig in den Charts.

Pop-Klassiker wie „Because

You Loved Me“ von Céline

Dion, „Nothing’s Gonna

Stop Us Now“ von Starship,

„I Get Weak“ von Belinda

Carlisle oder auch „Blame

It on the Rain“ von Milli

Vanilli gehen auf ihr Konto. Und auch „I Don’t Want to Miss

a Thing“ von Aerosmith. Vor wenigen Wochen erschien ihr

Debütalbum unter eigenem Namen: „The Cave Sessions,

Vol. 1“, mit dabei sind unter anderem Céline Dion, Leona

Lewis (großartig: „Old With Me“ zusammen mit James

Morrison), Paloma Faith und auch John Legend. Unsere

Anspieltipps sind das sommerlich-melancholische

„Seaside“ mit Rita Ora, die rotzige (von Hip-Hop geküsste)

Rock-Nummer „Drink You Away“ featuring Ty Dolla $ign

und die Ballade „Superwoman“ zusammen mit Céline

Dion. Ein Höhepunkt des Albums ist Diane Warrens

Zusammenarbeit mit John Legend „Where Is Your Heart“.

BERÜHREND! *rä


Cruise

POOL MIT GLASSCHIEBEDACH

SPORTSTUDIO & SPA

WATERFRONT RESTAURANTS

FKK-DECK

GAY CRUISE 2022

auf den Kanaren

Vom 8. bis 18. Februar 2022 sticht die Spartacus Cruise bei deutlich über 20 Grad im Schatten und acht Sonnenstunden

pro Tag in See. An Bord werden wieder zahlreiche Stars der Community wie ESC-Teilnehmer Jendrik sowie

bekannte DJs wie Chris Bekker und Rony für zehn Tage beste Urlaubsstimmung sorgen. Die Cruise wird ohne Social-

Distancing-Maßnahmen und Maskenpflicht durchgeführt, da Gäste und Crew geimpft sind.

KANAREN

Die Tour führt über die kleineren

kanarischen Inseln nach Madeira und

endet auf Gran Canaria. Teneriffa

wurde als zusätzlicher Halt mit

einer Übernachtung eingefügt. Der

Karneval auf Gran Canaria gehört

mit vielen hunderttausenden

Teilnehmenden zu den größten der

Welt und startet am 11. Februar, kurz

bevor die Spartacus Cruise in den

Hafen zurückkehrt. Er zieht sich mit

zahllosen Feierlichkeiten bis in den

März hinein. Das milde Klima und der

Einfluss der vielen Lateinamerikaner

machen ihn zur europäischen Variante

des brasilianischen Karnevals.

Zu den zahllosen Attraktionen gehört

auch die Drag-Queen-Gala mit ihrer

jährlichen Wahl des besten Auftritts.

Maspalomas spielt neben der

Hauptstadt Las Palmas eine große

Rolle als Austragungsort und der

Abschluss wird traditionell im Jumbo

Center gefeiert.

UMWELTFREUNDLICHES SCHIFF

Die Reederei hat die Dieselmotoren der Vasco da

Gama mit einer neuer Treibstoffanlage ausgestattet.

Nicko-Cruises ist der vierte Anbieter weltweit, der

mit einer hohen Investition seinen Antrieb auf die

schadstoffreduzierte Variante MGO (Marine Gas

Oil) umgerüstet hat. Außerdem hat das Schiff einen

Stickoxidkatalysator (SCR) auf Harnstoff-Wasser-

Basis erhalten. Zusätzlich wurde auf dem Schiff ein

neues Abwassersystem installiert, das Schwebstoffe

ohne Einsatz von Chemikalien auf null reduziert.

Mehr Infos unter www.spartacus.cruises


meine

gay

cruise

Gran Canaria - Madeira -

Lanzarote - La Palma - Gomera -

Gran Canaria

8. – 18. FEBRUAR 2022

www.spartacus.cruises


Kunst

PERFORMANCE

LA WURST

IST KUNST

Conchita Wurst wurde vom Wahl-Wiener

Künstler FJ Baur und der Fotografin

Hilde van Mas ikonisch zum Kunstwerk

transformiert.

FOTOS: HILDE VAN MAS UND FJ BAUR „LE GRAND BLEU“

In „Le grand bleu (Das große Blau)“ erleben wir die

Dragqueen, die Sängerin und „Eurovision Song

Contest“-Gewinnerin still, optisch hundertprozentig

verändert und: blau. Wie auch im wahren Leben erleben

wir they als „eine ruhige, besonnene Person, die

sich für Akzeptanz, Offenheit und Freiheit einsetzt

und diese lebt“, so die beiden Künstler auf Social

Media. WURST sei eine „neoneo-humanistische

Figur“, auf ein Skulpturenpodest geklettert und

mit Michelangelos David als „Marmorikone des

Humanismus“ und der menschlichen Freiheit in

Dialog tretend. „Die blaue Haut und die textilen

Anwendungen [...] bedecken den lebenden Körper;

es entsteht eine Oszillation zwischen Kunst und

Leben, materiell und transzendent.“ Ein durchaus

spannender und queer umgesetzter Denkanstoß,

der sicherlich viele provozieren wird. Und genau das

kann und soll Kunst ja auch (mal). *rä

www.hildevanmas.com, fjbaur.bigcartel.com,

conchitawurst.com


FOTOGRAFIE

ERIC LANUIT:

„MEN MEN MEN“

Kunst

Schwule Kunst, die durchaus

Referenzen an Größen wie Tom

of Finland, Bob Mizer oder auch David

LaChapelle aufweist.

Körperhaare, Muskeln, Bärte, Glatzen,

ein großer Penis ... Jede*r hat andere

Dinge, die am Mann als besonders erotisch

empfunden werden. Der Franzose

Eric Lanuit zeigt uns seine Gedanken

zum Thema Mann, umgesetzt in Kunst,

verarbeitet in einem prall-prächtigen

Bildband. Der Fotograf Eric Lanuit entführt

in seinem aktuellen Bildband in

eine schwule Welt voller prachtvoll und

mitunter auch erotisch inszenierter

Männer: Streuner, Machos, Denker und

Erleuchtete.

„MEN MEN MEN“ fokussiert sich dabei

nicht nur auf eine Typart Mann, dem

Künstler war es wichtig zu zeigen, wie

divers Männlichkeiten leben und aussehen

können. Mal fühlt man sich an alte

Meister der Renaissance erinnert, mal

flirtet Eric Lanuit mit der Fetischwelt

von Tom of Finland. Immer auf höchstem

Niveau, immer als eigenständige

Kunst, nie als Plagiat. Sein Buch kann

auch als Statement zur Diskussion

über das männliche Rollenverständnis

im Jahr 2021 verstanden werden. Muss

es aber nicht, man kann diesen Bildband

auch einfach genießen. Auf über

160 Seiten und 21 x 21 cm groß, erfüllt

dieses fette Ding (der vollständige

Name des Buches ist übrigens „MEN

MEN MEN AND MORE“) des 1965 in

Paris geborenen Fotografen fast alle

Erwartungen. Schwule Kunst für 140

Euro – das kann man sich gönnen.

Ein Bildband, den man ohne falsche

Scham auf dem Wohnzimmertisch

liegen lassen kann. Hier bekommt man

Kunst, keine Pornografie. *rä

www.ericlanuit.fr


Buch

Azzedine Alaïa & Tina Turner, Paris, 1989, © Peter Lindbergh

(courtesy Peter Lindbergh Foundation, Paris)

Azzedine Alaïa, Maria Johnson und Peter Lindbergh, Paris, 1984

BILDBAND

Role Models treffen auf Kunst und Mode

„Azzedine Alaïa“ aus dem Hause

Peter Lindbergh ist eine elegante

und vor allem spannende Reise in eine Zeit

vor Corona: Ikonen wie Tina Turner und

natürlich die Mode des tunesischstämmigen

Pariser Modedesigners Azzedine

Alaïa (1935 – 2017) vereint in einem prallen

Bildband.

Die Modewelt nimmt ihre Inspiration

auch aus der Musik von einflussreichen

Künstler*innen wie Madonna und Tina Turner,

diese wiederum brauchen avantgardistische

Kreationen, um ihr Image, ihre Kunst

zu transportieren. Und beide brauchen

talentierte Fotografen wie Peter Lindbergh

(1944 – 2019). Eine Ménage-à-trois, die für

alle Seiten Gutes bewirkt.

Und wir, die Fans, kommen in den Genuss

solcher Bilder, wie sie dieses im April beim

Kölner TASCHEN Verlag erscheinende Buch

auf 240 Seiten versammelt. „Azzedine

Alaïa“ feiert die Vorliebe beider Künstler für

Einfarbigkeit, bei Lindberg war es die Farbe

Schwarz in der Fotografie, bei Alaïa konnte

es auch mal ein Anzug ganz in Silber

sein. Und beide feierten mit Models wie

Naomi Campbell auch die Weiblichkeit an

sich. „Frauen sind offener, mutiger, haben

stärkere Nerven und nehmen im Vergleich

zu Männern mehr Risiken in Kauf. Ich

betrachte sie als das, was sie wirklich sind,

vielleicht ist es das, was sie dazu bringt, sich

mir hinzugeben“, so Peter Lindbergh.

„Ich wollte immer freie Frauen. Ich hoffe,

dass meine Kleider ihnen diese Leichtigkeit

verleihen. Das schönste Kompliment, das

ich jemals erhalten habe, war, als sie mich

anblickten und sagten: ‚Ich fühle mich frei‘“,

so einst Azzedine Alaïa. Ein inspirierendes

Buch, eine kunstvolle Verbeugung vor den

Menschen. *rä

Peter Lindbergh „Azzedine Alaïa“, Hardcover,

24 x 32,7 cm, 1,41 kg, 240 Seiten, 60

Euro, TASCHEN Verlag, www.taschen.com

RATGEBER

Gute Vibes statt erdrückender Sorgen

Loslassen ist leichter gesagt als getan,

denn der Alltag mit seinen Bürden,

negativen Nachrichten, scheinbar bedrohlichen

E-Mails und all dem Stress

macht es einem nicht einfach. Dieses

Buch kann womöglich helfen, damit

umzugehen.

Die Autorin und Mentaltrainerin

Melanie Pignitter veröffentlichte

gerade ihren neuen Ratgeber

„Federleicht – Wie du loslässt und

ein befreites und erfülltes Leben

führst“ beim GOLDEGG Verlag, der

Leser*innen darin unterstützen soll,

sich im Alltag nicht von Sorgen,

sondern von positiven Gefühlen

leiten zu lassen. „Das regelmäßige

Entrümpeln des eigenen Heims ist

für viele Menschen ganz normal.

Dass sich auch in der Gedankenwelt Altlasten

stapeln können, wird jedoch gern übersehen“.

Die Autorin beschreibt in dem Buch auf

rund 200 Seiten den Teufelskreis, den es

zu durchbrechen gilt: „Was du nicht loslässt,

lässt auch dich nicht los“. Doch wie geht das?

In ihrem Buch gibt die Autorin Ratschläge,

die ihr selbst geholfen haben, zudem endet

jedes Kapitel mit „Be-free-Tools“, Übungen,

die man leicht umsetzen und lernen kann.

Positive Gedanken müssen zugelassen und

„ausgebrütet“ werden. Man geht davon aus,

dass uns rund 60.000 Gedanken jeden Tag

durch den Kopf kreisen, positive Reflexionen

machen im Durchschnitt nur fünf Prozent

aus. Daran kann man arbeiten. *rä

www.goldegg-verlag.com,

honigperlen.at,

www.facebook.com/melanie.pignitter


BLOG

Superhelden sind immer „echte“ Männer?!

Schaut man auf die Helden der

Comicwelt, so sind diese meist

trainierte Weiße, muskulös, heterosexuell,

dominant, kerlige Macher, die Fakten

schaffen. Lässt man die 1941 erfolgreich

gelandete Wonder Woman weg, bleiben

nicht viel queere Weiblichkeiten übrig.

Ein Fest für Freunde toxischer Männlichkeit.

In den letzten Jahrzehnten kommt

aber mehr und mehr Diversität in die

Comicwelt, zum Beispiel Dragman aka

August Crimp.

Buch

Der Autor Arkadiusz Luba widmet ihm

auf seinem Blog „Bare Comic Book Art“

ein schönes Feature, auf das wir hiermit

hinweisen wollen – und aus dem wir

zitieren dürfen. „Auf Dragman bzw. auf

seinen Autor, Steven Appleby, bin ich

dank der FAZ aufmerksam geworden.

Nachdem sein erster Comic Rockets

Passing Overhead (mit Captain Star)

in Harry Rowohlts Übersetzung im

ZEITmagazin erschien und 1994 den Max

und Moritz-Preis gewann, zeichnete er

2001 nämlich für die FAZ einen täglichen

Comicstrip“, so der Blogger. Dragman-

Erfinder Steven Appleby verrät ihm auf

FOTO: M. RÄDEL

„Bare Comic Book Art“: „Ich bin nicht

August Crimp. Ich bin aber, wie August,

ein Mann, der Frauenkleider trägt, und

wie August fand ich eines Tages einen

Damenstrumpf zwischen den Polstern

eines alten Sofas und zog ihn instinktiv

an. Die Arbeit an Dragman war für mich

eine Möglichkeit, Spaß mit dieser Besessenheit

zu haben, die ich endlich positiv

sehen konnte.“ *rä

Hier geht es zum ganzen Feature:

https://bookcomicart.wordpress.com/

2021/05/26/dragman/


Buch

FOTOS: PHIL DLAB

BILDBAND

Burschen aus der Slowakei

Geboren wurde Phil Dlab in

dem Land, in dem er jetzt auch

wieder lebt, der Slowakei. Aufgewachsen

ist er allerdings in Kanada,

doch der Ruf der Heimat war so laut,

wie diese Kerle hier sportlich sind.

Seine mit der Kamera eingefangenen

Männer seien „athletisch, aber keine

Poser; attraktiv, aber nahbar“. Und

in der Tat vermitteln diese durchaus

erotischen Bilder pure Lebensfreude

ohne angestrengtes Posing oder fiese

Filter, wie man sie (leider) von Social

Media gewöhnt ist. Phil Dlab schafft

es, seine Jungs bei aller Inszenierung

natürlich rüberkommen zu lassen.

Gerade erschien sein erster Bildband

„Nothing to Hide – Young Men from

Slovakia“, der 150 Motive zu einem

testosterongeladenen Reigen vereint.

Sexy! *rä

www.bodytorium.com,

www.salzgeber-buchverlage.de

KINDER

Mein Schatten ist pink

Scott Stuarts Buch ist ein wirklich

wunderbares Kleinod im Bücherblätterwald,

das möglichst viele Leser

finden sollte.

Sein autobiografisches Kinder-Bilderbuch

„Mein Schatten ist pink“ handelt von

einem kleinen Jungen, der so sein will,

wie er ist, seinem Schatten, Diversität,

Gender-Debatten, Identität, Geschlechter-Stereotypen

und einem mutigen und

tollen Papa. Denn der scheut sich nicht,

seinen Sohn zu supporten, als dieser

aufgrund seiner „weiblichen“ Kleiderwahl

am ersten Schultag gemobbt wird.

„Dein Schatten ist pink. Dein Schatten bist

du, er ist richtig für dich. Sei stolz drauf

und sag dir: Das bin ICH!“, so der Vater

zum Sohn, der dann auch ein Kleid anzieht

und seinen Sohn „in Drag“ in die Schule

begleitet. Denn wer hat wann definiert,

was Frauen, was Männer anziehen dürfen?

Und wer legt fest, wie man sich fühlen

„darf“?

Das Buch schneidet auf herrlich leichte Art

ernste und immer mehr zu Diskussionen

und verbalen Ausfällen führende Themen

an. Geschlechterklischees, sexuelle

Identität, Rollen, Erwartungen – diese Themen

treffen schon auf ganz, ganz junge

Menschen. Sie werden in blaue Klamotten

gesteckt, wenn sie „männlich“ sind, die

Farben Rosa und Pink sind (seit dem 20.

Jahrhundert) „den Mädchen“ vorbehalten.

Der Autor des Buchs erlebte einst eine

ähnliche Geschichte. Sein Sohn Colin war

mit drei Jahren Fan von Eiskönigin Elsa –

und trug voller Stolz ein glitzerndes Kleid.

Eines Tages kam Colin aber sehr traurig

aus dem Kindergarten, denn ihm wurde

dort gesagt, ein Kleid sei doch nur etwas

für Mädchen. *rä

Scott Stuart: „Mein Schatten ist pink“,

www.coppenrath.de


DEUTSCHES THEATER MÜNCHEN & SALZBURGER LANDESTHEATER präsentieren in Kooperation mit STAGE ENTERTAINMENT & herbX film

„Ich bin Dimitri

Stoupakis, Austauschbandit

aus Griechenland.

Ich soll

mich melden

bei Herr Maria

Santa?“

„Jetzt geht

noch mal jeder

aufs Klo und

dann reiten

wir los...“

„Ja, bist du denn

wahnsinnig, du

konnst mich

doch ned so

erschreckn, du

Zipflklatscher.“

„Ist doch alles

wunderbar,

jeder hat seinen

eigenen Marterpfahl

und ab

morgen hama

keinen Stress

mehr.“

„He, ich warn

dich, wenn du

vor hast hier

aufs Klo zugehen,

dann setz

dich fei bloß

hin, he!“

„Trenne nie »

ST«, denn

es tut den

beiden weh!“

13. Oktober bis 9. Januar

Deutsches Theater München | Schwanthalerstraße 13 | deutsches-theater.de


CLOSED

MINDS CAN’T

OPEN EYES.

Coca-Cola und Coke sind eingetragene Schutzmarken der The Coca-Cola Company.

coke.de/diversity

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