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Klimagazin 02-2021 Vorschau

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Magazin des BurdaVerlages ¸ber Umwelt und Nachhaltigkeit

#UmweltmythenDecodiert

#Verkehrswende

#AlternativeAntriebe

#ReisenohneReue

#SozialeKlimawende

BORIS

HERRMANN

VERKEHRS-

WENDE.

Wie der Profi-Segler f¸r

Klimaschutz und saubere

Mobilit‰t k‰mpft.

Wem gehˆrt die

Strafle?

Streitgespr‰ch ¸ber

die Zukunft der Stadt

Ausgabe 2 ï September 2021


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Contributors #Wasbewegen #KleinerBeitrag #KlimaschutzimAlltag Cover: Foto: Julia Knop, Produktion: Sina Franco Fotos: Dominik Gigler (1), Henning Kretschmer (1)

Redakteurin Sinah Hoffmann

boykottiert seit drei Jahren

konsequent Fast-Fashion-

Labels. Schwer f‰llt ihr

das nicht. Da sie ausschliefllich

schwarze Kleidung tr‰gt,

braucht sie keine grofle

Auswahl im Schrank. Alles

passt immer zu allem.

Ziemlich praktisch f¸r Karma

und Konto.

Fotograf Jan von Holleben

ist in den 80ern als ÷ko

aufgewachsen und hasste

seine Kˆrnerschulbrote mit veganem

Aufstrich, die er

mit keinem teilen konnte.

Heute sind seine von damals

inspirierten Schnitten der

Hit auf jeder Gartenparty.

Contributors

Klimaschutz beginnt im

Kleinen ñ und bei jedem

ganz persˆnlich. Mit

welchen schlauen,

praktischen und leckeren

Alltagsknien das

Klimagazin-Team die

Welt verbessert, ist

hier nachzulesen

Journalist Volker K¸hn

poliert seit einem Jahr

seine CO 2 -Bilanz mit einem

Lastenrad auf. Manchmal

muss er sich allerdings

eingestehen, dass er um

den E-Flitzer nicht weniger

Getue macht als sein

Nachbar um seinen rˆhrenden

Gel‰ndewagen.

Umwelt-Reporter Fabian Franke

geht viel zu Fufl und wandert

bei Interviewterminen auf

dem Land manchmal sogar

die letzten Kilometer. In Oberbayern

wurde er dabei einmal

von einem schweren

Gewitter ¸berrascht ñ und

kam pitschnass im B¸ro des

B¸rgermeisters an.

Creative Director Michael Helble

legt Wert auf gute Erziehung ñ

auch beim Klimaschutz. Als

er seinem alten Haus ein

neues Dach verpasste, liefl er

den Nachwuchs mithelfen

und am praktischen Beispiel

lernen, welche D‰mmung

Heizkosten minimiert.

04


Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

wie bekommen wir unsere grenzenlose

Sehnsucht nach Mobilit‰t vereinbart mit

den Leitplanken einer klimaschonenden

Verkehrspolitik, die unsere Fortbewegung

heute und in Zukun ver‰ndern wird?

Neulich morgens im Bus auf dem

Weg zur Arbeit. Der total genervte

Busfahrer schl‰ngelt sich in M¸nchen

an mehreren Baustellen vorbei.

Hupt Autofahrer:innen an, die

mitten auf der Fahrbahn kurzparken

oder zur¸cksetzen wollen.

Im n‰chsten Augenblick eindeutiges

Gestikulieren in Richtung eines

links vorbeiziehenden Autos. Der

Fahrer l‰sst dem Bus keine Vorfahrt

beim Ausscheren, obwohl genau das

von der Straflenverkehrsordnung

vorgesehen ist. Neues Spiel auf dem

Weg ins Hamburger Burda-B¸ro,

dieses Mal auf dem Fahrrad. Links

und rechts zischen E-Scooter an

mir vorbei. Dann f‰hrt mich fast

ein Auto an. Ich schreie w¸tend

hinterher. Jetzt wird mir klar, was

Heinrich Strˆflenreuther meint,

wenn er von Fahrradstreifen als

ÑTodes streifenì und Ñbelanglosen

Straflenpinseleienì spricht (lesen

Sie unser Interview mit ihm und

Stefan Gerwens vom ADAC in diesem

Heft). Aber: Fahrradfahren ist

nicht nur wegen des Autoverkehrs

gef‰hrlich. Auch Fahrradfahrer

untereinander sind sich nicht gr¸n,

und das, obwohl sie ein Schl¸ssel

zur Verkehrswende sind f¸r saubere

Fortbewegung ohne CO 2 . Was passiert

auf deutschen Straflen, wenn

alles so bleibt, wie es ist, und zus‰tzlich

immer neue Verkehrsteilnehmer

auf innerst‰dtischen Straflen

unterwegs sind? Werden wir in

Zukunft mit Wasserstoff- oder batteriebetriebenen

Autos fahren?

Wird Fliegen jemals sauber sein?

Und: Warum das Gehen die

schˆnste Fortbewegungsart sein

kann. Diesen Themen rund um unsere

Mobilit‰t widmet sich das Heft.

Dar¸ber hinaus stellen wir wegen

der aktuell anstehenden Bundestagswahlen

an Ex-Vizekanzler

Sigmar Gabriel die Frage, wie

Deutschland ˆkologisch umgebaut

werden kann, ohne Menschen zu

benachteiligen. Viel Freude bei der

Lekt¸re!

Herzliche Gr¸fle

Sweelin Heuss


#Umdenken #Zukunft #Haltung

05


INHALT

Klimagazin ñ N o 2 September 2021

Contributors _04

Editorial _05

Impressum _42

24

Stefan

Gerwens


08

ZUKUNFT? DA LANG.

In der Stadt braucht es ernst gemeinte

Alternativen zum Auto.

Erst mit der richtigen Umsetzung

der Verkehrswende wird Nachhaltigkeit

ein realistisches Ziel.

SOZIALE KLIMAWENDE

OHNE B‹ROKRATIE

Wie gerecht kann Klimaschutz

sein, Herr Gabriel?

Der ehemalige SPD-Chef

Sigmar Gabriel spricht im Interview

¸ber Kosten und Konflikte.

28

Fotos: Julia Knop, Theo Klein, dpa ñ Picture Alliance, Markus Hirner, Daniel Seiffert

12

WIR M‹SSEN GEWINNEN!

Profi-Segler und Umweltsch¸tzer

Boris Herrmann

im Portr‰t. Er brachte Greta

Thunberg nach New York und

k‰mpft f¸r saubere Fortbewegung.

16

GEHT DOCH!

Bei der Stadtplanung spielten

Fuflg‰nger lange keine Rolle.

Vorzeigeprojekte beweisen aber:

In der urspr¸nglichsten Form der

Fortbewegung steckt viel Potenzial

f¸r die Verkehrswende.

Boris Herrmann

22

KLIMA-MYTHEN,

DECODIERT

Ist Benzin wirklich so teuer?

Und was bringen Flugverbote?

Man hˆrt sie an Stammtischen

und bei Lunch-Dates ñ steile

Thesen zum Klima. Das ist dran

an den hartn‰ckigsten Mythen.

WER MACHTíS BESSER?

Lernen vom Ausland.

Diese europ‰ischen Nachbarn

fˆrdern nachhaltige Mobilit‰t

besonders originell.

30

WEM GEH÷RT DIE

STRASSE?

Auto gegen ÷PNV gegen

Rad ñ ein Streitgespr‰ch.

Fahrradaktivist Heinrich Strˆflenreuther

(CDU) diskutiert mit dem

ADAC-Abteilungsleiter f¸r Verkehrspolitik

Stefan Gerwens ¸ber

lebenswerte St‰dte und welche

Rolle das Auto darin spielen kann.

06


Heinrich

Strˆflenreuther

ÑDIE POLITIK

MUSS DIE

FLƒCHEN

SO VER-

TEILEN,

DASS KEIN

VERKEHRS-

TEILNEHMER

SCHABER-

NACK

TREIBEN

KANN.ì

(Heinrich Strˆflenreuther)

Sigmar Gabriel

Viviane Raddatz

36

EINE FRAGE ñ DREI

ANTWORTEN

Welche Partei hat die beste

Strategie, um das Klima zu

sch¸tzen und gleichzeitig unseren

Wohlstand zu erhalten?

Es antworten Schauspieler

Hannes Jaenicke, WWF-Expertin

Viviane Raddatz und Mittelstandsexperte

Markus Jerger.

38

NIE WIEDER FLUGSCHAM?

Wir sollten an die M¸ritz, wollen

aber nach Mauritius. Wann fliegen

wir endlich klimaneutral?

Unsere Autorin verreist gern ñ immer

ˆfter mit schlechtem Gewissen.

Die Industrie arbeitet l‰ngst

an Lˆsungen. Was taugen sie?

43

WIR SIND VERB‹NDETE

Gemeinsam Chancen nutzen!

Autor Frank Sch‰tzing ¸ber harte

Fakten und klugen Klimaschutz.

44

GESUCHT: DER ANTRIEB

DER ZUKUNFT

Was folgt auf den Verbrenner?

E-Batterie oder Wasserstoff?

Ist das noch eine Debatte?

Ja! Eine Gegen¸berstellung.

07


Portr‰t Autorin: Beate Strobel #RennengegendieZeit #Seaexplorer #BorisundGreta Fotos: Julia Knop (2), dpa ñ Picture Alliance (1) Produktion: Sina Franco

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Boris Herrmann

*1981 / Segler / Vater / Aktivist / Macher

DIE RETTUNG Wenn in seiner

Heimatstadt Hamburg der Verkehr

die Straflen verstopft, greift Boris

Herrmann auf sein Longboard zur¸ck

12


Auf einem Segelboot mit 30 Knoten

den Nordatlantik zu ¸berqueren,

f¸hlt sich an, als w¸rde man mit 60

Stundenkilometern ¸ber eine Strafle

voller Schlaglˆcher brettern.

ÑDoch Greta war die Einzige an

Bord, die w‰hrend der 13-t‰gigen

‹berfahrt nicht seekrank wurde.

Zum Schluss forderte sie sogar

¸berm¸tig: ÇSchneller, schneller!ëì,

erinnert sich Boris Herrmann.

Der geb¸rtige Oldenburger ist

Abenteurer und Profi-Segler. In 80

Tagen umrundete er allein bei der

VendÈe-Globe-Regatta die Welt ñ

und schrieb als erster deutscher Finalist

Geschichte. Lange war sein

Name nur Segelfans ein Begriff. Seit

er 2019 die Umweltaktivistin Greta

Thunberg zum UN-Klimagipfel

nach New York schipperte, kennt

die halbe Welt sein Gesicht.

Herrmann selbst hatte seine

Hochseeyacht ÑSeaexplorerì der

ÑFridays for Futureì-Gr¸nderin als

umweltfreundliche Transportmˆglichkeit

angeboten, schliefllich erzeugt

das Boot dank Solaranlage

und Propeller am Heck seinen

Strom selbst und ist so beinahe klimaneutral

unterwegs.

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britischen Plymouth mit ihrem Vater,

Boris Herrmann und Pierre Casiraghi,

dem Sohn der monegassischen

F¸rstentochter Caroline von Hannover und

Mitgr¸nder des Yachtsyndikats Team Malizia, in See.

Eine 16-J‰hrige als Passagierin, die nie zuvor gesegelt ist:

ÑDas hatte uns zun‰chst Sorgen bereitetì, gibt Skipper

Herrmann zu. ÑWird sie essen kˆnnen, wird sie schlafen

kˆnnen?ì Die Bedenken verfliegen schnell: Mit der Enge

an Bord, der gefriergetrockneten Nahrung, dem Eimer

als Toilette fand sich die Schwedin klaglos ab.

Die Reise zum UN-Klimagipfel in New York wurde

in der ÷ffentlichkeit als starkes Symbol f¸r ein neues

Mobilit‰tsbewusstsein wahrgenommen ñ und von Gre-

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tas Gegnern heftig kritisiert. Auch

an Bord wurde das Thema diskutiert.

Was Herrmann beeindruckte:

ÑGreta will nicht missionieren, sondern

auf die wissenschaftlich begr¸ndete

Notwendigkeit von Verhaltens‰nderungen

hinweisen. Es

geht ihr nicht darum, dass jeder sich

zu 100 Prozent klimaperfekt verh‰lt,

sondern um das Bewusstsein, dass

alle ihren Teil zur Bek‰mpfung des

Klimawandels beitragen kˆnnen.

Selbst kleine Schritte sind wertvoll.ì

Åçèêù†≠ÄÇ ÉÑ Öê† Dieses

Thema treibt auch Herrmann persˆnlich

um. Unvermeidbare Langstreckenfl¸ge

gleicht er durch Investitionen

in den Malizia Mangrove

Park weitestgehend aus. Ziel des

Projekts ist, eine Million Mangroven

auf den Philippinen anzupflanzen.

Doch immer ˆfter setzt Herrmann

auch auf Online-Konferenzen

statt Real-Meetings, w‰hlt den Zug

statt Auto oder Flugzeug. In seiner

Heimatstadt Hamburg ist er viel mit

dem Fahrrad unterwegs, Tˆchterchen

Marie-Luise wird mit dem E-

Bike in den Kindergarten gebracht.

Zudem misst seine Yacht auf ihren

Fahrten mittels Sensoren Temperatur

und CO 2

-Konzentration des

Oberfl‰chenwassers der Ozeane.

ÑWir versorgen die Wissenschaft mit

Daten aus Meeresregionen abseits

der Schiffsautobahnenì, sagt Herrmann.

Der Zusatznutzen seiner Regatten ist ihm wichtig:

Die Messungen betonen die Bedeutung der Ozeane als

Kohlendioxid-Speicher ñ und zeigen, wie stark die Belastung

der Meere durch CO 2

und Klimaver‰nderungen w‰chst.

ÑA race we must winì, ein Rennen, das wir gewinnen

m¸ssen: Dieser Satz steht auf dem Segel der ÑSeaexplorerì

und transportiert viel davon, wie Herrmann

den Kampf gegen den Klimawandel interpretiert: ÑEs ist

ein Rennen gegen die Zeit ñ und wir stehen davor, das

Time Limit zu ¸berschreiten.ì Gerade weil bereits viel

Zeit vertan wurde, m¸sse man den Wandel so ambitio-

13


KLARER BLICK

Sigmar Gabriel, Vorsitzender

der Atlantik-

Br¸cke e. V., spricht

mit Redak tionsleiterin

Sweelin Heuss ¸ber

Chancen und Risiken

der Klimawende

Interview Autorinnen: Sweelin Heuss, Sinah Hoffmann #SozialeFrage #SigmarGabriel #GerechteVerteilung Fotos: Markus Hirner

24


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Die soziale Spaltung in unserer Gesellschaft geschieht

nicht durch eine engagierte Klimapolitik, denn

leider haben wir diese Spaltung ohnehin. Aber die Klimapolitik

kann diese soziale Spaltung versch‰rfen, wenn sie

blind ist f¸r die Einkommensungleichheit. Denn nat¸rlich

sind steigende Energiepreise durch CO 2 -Abgaben einerseits

gewollt, um Anreize zur Verringerung von Treibhausgasen

zu setzen, andererseits kann ihre Wirkung auf

mittlere und niedrige Einkommen nat¸rlich verheerend

sein. Wenn die Rente klein, aber die Miete hoch ist, ist die

Verteuerung des Erdgases zum Heizen der Wohnung keine

Kleinigkeit.

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Wenn man einfach die Kosten des Klimaschutzes

auf die Allgemeinheit abw‰lzt und ansonsten nichts tut,

wird das eher Widerstand hervorrufen. Nat¸rlich m¸ssen

steigenden Kosten bei dem, was wir nicht mehr wollen

ñ fossile Brennstoffe zum Beispiel ñ, zugleich Entlastungen

bei dem entgegenstehen, was gesellschaftlich

gew¸nscht ist. Warum wir beispielsweise bei den Sozialabgaben

menschliche Arbeit belasten und gigantische

Gewinne in der Datenˆkonomie nicht, hat mir bislang


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noch niemand erkl‰ren kˆnnen. Generell muss also gelten:

Wo CO 2 -Preise steigen und ja auch zu Mehreinnahmen

des Staates f¸hren, m¸ssen andere Belastungen

sinken.

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Ich kenne die politischen Bekenntnisse. Aber praktische

Vorschl‰ge kenne ich nur wenige. Und wenn,

dann sind sie meistens geeignet, sich bei ihrer Umsetzung

in die Praxis zu b¸rokratischen Monstern zu entwickeln.

Es geht schon bei der Frage los, wer eigentlich

gemeint ist, wenn Parteien jetzt im Wahlkampf sagen, sie

25


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01

SINAH HOFFMANN

Redakteurin, Klimagazin

Frage & Antwort #KlimaundWohlstand #Strategief¸rdieZukunft #ParteiProgramm Fotos: dpa ñ Picture Alliance (1), C. Kruppa (1), Daniel Seiffert (1)

01

WELCHE PARTEI

HAT DIE BESTE

STRATEGIE, UM

DAS KLIMA ZU

SCH‹TZEN UND

GLEICHZEITIG

UNSEREN

WOHLSTAND ZU

ERHALTEN?

02

03

04

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