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Johann-Nestroy-Ring für Michael Köhlmeier 2020

Der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier wurde am 15. Oktober 1949 in Hard in Vorarlberg geboren und lebt zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin Monika Helfer, in Hohenems und Wien. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Feldkirch studierte er Politikwissenschaft und Germanistik in Marburg an der Lahn. Nach dem ersten Staatsexamen betrieb er ein Zweitstudium der Mathematik und Philosophie in Gießen. In den 1970er Jahren wurde er mit Hörspielen im Österreichischen Rundfunk und kürzeren Prosatexten als Schriftsteller bekannt. 1974 erhielt Michael Köhlmeier seine erste Auszeichnung, den Rauriser Förderungspreis für Literatur. Seit Anfang der 1980er Jahre entstand ein umfangreiches Romanwerk neben einer Vielzahl kürzerer Texte und feuilletonistischer Beiträge. 1983 entstand gemeinsam mit Peter Klein der Hörspiel-Klassiker „March Movie“, das zwischen 1988 und 2007 im Ausland meistgesendete ORF-Hörspiel, das das Verschwinden einer ganzen Blasmusikkapelle zum Thema hat. Die Darsteller in diesem skurril-phantastischen und zugleich aber auch heiteren Hörspiel sind Laien und zwei Vorarlberger Blaskapellen. Sehr erfolgreich waren seine auf Ö1 ausgestrahlten freien Nacherzählungen antiker Sagenstoffe und biblischer Geschichten, die später auch als CD-Editionen und Bücher erschienen sind. Das Mysterienspiel „Lamm Gottes“ Für die Bühne schrieb Michael Köhlmeier einige Theaterstücke. „Lamm Gottes“ wurde erst kürzlich am Theater Kosmos in Bregenz unter der Regie von Augustin Jagg uraufgeführt. Das Mysterienspiel über Gott und Teufel, die Liebe, über Leben und Tod, also über die Welt und wahrscheinlich auch darüber, was sie im Innersten zusammenhält, wird ab November 2020 im Schauspielhaus Salzburg aufgeführt.

Der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier

wurde am 15. Oktober 1949 in Hard in Vorarlberg geboren und lebt zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin Monika Helfer, in Hohenems und Wien. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Feldkirch studierte er Politikwissenschaft und Germanistik in Marburg an der Lahn. Nach dem ersten Staatsexamen betrieb er ein Zweitstudium der Mathematik und Philosophie in Gießen.

In den 1970er Jahren wurde er mit Hörspielen im Österreichischen Rundfunk und kürzeren Prosatexten als Schriftsteller bekannt. 1974 erhielt Michael Köhlmeier seine erste Auszeichnung, den Rauriser Förderungspreis für Literatur. Seit Anfang der 1980er Jahre entstand ein umfangreiches Romanwerk neben einer Vielzahl kürzerer Texte und feuilletonistischer Beiträge. 1983 entstand gemeinsam mit Peter Klein der Hörspiel-Klassiker „March Movie“, das zwischen 1988 und 2007 im Ausland meistgesendete ORF-Hörspiel, das das Verschwinden einer ganzen Blasmusikkapelle zum Thema hat. Die Darsteller in diesem skurril-phantastischen und zugleich aber auch heiteren Hörspiel sind Laien und zwei Vorarlberger Blaskapellen.

Sehr erfolgreich waren seine auf Ö1 ausgestrahlten freien Nacherzählungen antiker Sagenstoffe und biblischer Geschichten, die später auch als CD-Editionen und Bücher erschienen sind.


Das Mysterienspiel „Lamm Gottes“

Für die Bühne schrieb Michael Köhlmeier einige Theaterstücke. „Lamm Gottes“ wurde erst kürzlich am Theater Kosmos in Bregenz unter der Regie von Augustin Jagg uraufgeführt. Das Mysterienspiel über Gott und Teufel, die Liebe, über Leben und Tod, also über die Welt und wahrscheinlich auch darüber, was sie im Innersten zusammenhält, wird ab November 2020 im Schauspielhaus Salzburg aufgeführt.

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Johann-Nestroy-Ring

DER STADT BAD ISCHL

2020

Fotos © Ring: Wolfgang Stadler / Michael Köhlmeier: Daniela Weiland

Michael Köhlmeier


JOHANN-NESTROY-RING

DER STADT BAD ISCHL

Der Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl für Michael Köhlmeier

Mit Michael Köhlmeier erhält heuer ein ausgesprochen vielseitig

begabter und bekannter Künstler und Schriftsteller den Johann-

Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl. Er erfüllt als solcher unbestritten

jene „außerordentlichen und herausragenden Leistungen im

Geiste von Johann Nestroy“, die laut Verleihungsstatuten Voraussetzung

für die Zuerkennung des Johann-Nestroy-Rings sind.

Im Jahr 2005 freute sich Bad Ischl erstmalig über die ehrenvolle

Aufgabe, im Gedenken an den bedeutendsten österreichischen

Volksdramatiker den ersten Johann-Nestroy-Ring der Stadt Bad

Ischl an seinen Träger Erwin Steinhauer überreichen zu dürfen.

Seitdem führt die Stadtgemeinde Bad Ischl in Zusammenarbeit

mit der Internationalen Nestroy-Gesellschaft die Tradition der Verleihung

des Nestroy-Rings fort. Durch die Verleihung dieser besonderen

Auszeichnung, die im heurigen Jahr bereits zum neunten

Mal erfolgt, ist es gelungen, die Kaiser- und Kulturstadt auch zu

einer Nestroystadt zu machen.

Vor dem Lehár-Theater, dem Verleihungsort der Auszeichnung, in

dem Nestroy auf der Bühne stand oder bei Theateraufführungen

als Zuschauer in einer der Logen Platz nahm, steht heute eine

Büste, die an ihn und sein Leben in Bad Ischl erinnert. Das gilt

auch für jene Villa am Nestroyweg, die Johann Nestroy, dessen

Aufenthalte in Ischl bereits seit 1845 belegt sind, 1859 kaufte und

um welche er einen großzügigen Garten errichtete.

Die ehemalige „Kaiser Franz Josef Knabenbürgerschule“ ist heute

eine Neue Mittelschule und trägt den Namen „Johann Nestroy

Schule“. Vielleicht auch, um mit einem Augenzwinkern an dessen

Werk „Die schlimmen Buben in der Schule“ zu erinnern.

Erwin Steinhauer, Karl Heinz Hackl, Peter Turrini, Karl Markovics,

Nicholas Ofczarek, Michael Niavarani, Erni Mangold und Herbert

Föttinger konnten bereits ihren Johann-Nestroy-Ring im historischen

Ambiente des Lehár-Theaters entgegennehmen. Am 25. Oktober ist

es Michael Köhlmeier, der den Johann-Nestroy-Ring erhalten wird.

Ich könnte mir keinen würdigeren Preisträger als Michael Köhlmeier

vorstellen. Nicht nur seine Bücher begeistern mich seit Jahren,

auch seine Rede in der Wiener Hofburg anlässlich des Holocaust-Gedenkens

im Jahre 2018, in der er gegen antisemitische

und rassistische Äußerungen in der Politik auftrat, wird mir immer

in Erinnerung bleiben.

In diesem Sinne möchte ich mich bei Michael Köhlmeier für seine

satirisch kritische, phantasievolle künstlerische Auseinandersetzung

mit den gesellschaftlichen Anliegen unserer Zeit, die Voraussetzung

für die Verleihung des Nestroy-Rings ist, bedanken und gratuliere

ihm herzlich zum Johann-Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl!

Ines Schiller BEd – Bürgermeisterin der Stadt Bad Ischl


Bedeutungsvolle Ehrung großer Persönlichkeiten

Michael Köhlmeier wird damit Teil einer langen Reihe großer

Persönlichkeiten wie Helmut Qualtinger, Leopold Lindtberg,

Gustav Manker, Hans Weigel, Gerhard Bronner, Alexander

Steinbrecher, Peter Wehle, Axel von Ambesser, Otto Basil,

Elfriede Ott, Attila und Paul Hörbiger, Herbert Lederer, Lukas

Resetarits, Werner Schneyder, Robert Löffler, Kurt Sowinetz,

Hans Kann, Heinz Petters, Lore Krainer, Fritz Muliar, Josef

Meinrad, Erich Sokol, Inge Konradi, Christine Nöstlinger,

Trude Marzik, Manfred Deix, Dolores Schmidinger, Helmuth

Lohner, Hilde Sochor, Norbert Pawlicki, Karl Paryla, Karl Schuster,

Houchang Allahyari, Otto Schenk, Gusti Wolf, Heli Deinboek,

Robert Meyer, Roland Neuwirth, Elizabeth T. Spira, Peter

Gruber, Marianne Mendt, Willi Resetarits, Otto Tausig, Brigitte

Swoboda, H. C. Artmann, Louise Martini, Susi Nicoletti, Gertraud

Jesserer, Paul Angerer, Reinhard Tramontana, Christine

Ostermayer, Josef Hader, Gustav Peichl, Erwin Steinhauer,

Karlheinz Hackl, Karl Markovics, Nicholas Ofczarek, Michael

Niavarani, Erni Mangold und Herbert Föttinger.

Sie alle sind Träger des Johann-Nestroy-Ringes, der – von der

Internationalen Nestroy-Gesellschaft verliehen – zwischen 1976

bis 1999 von der Stadt Wien zur Verfügung gestellt wurde. Seit

2005 wird er von der Stadt Bad Ischl in Auftrag gegeben, zum

Gedenken an Johann Nestroy, der viele Sommer in seiner

Ischler Villa lebte und sowohl als Gast im Publikum als auch als

Darsteller auf der Bühne viel Zeit im Lehár-Theater verbrachte.

Die Stadt Bad Ischl, die den Nestroy-Ring als Auftraggeber

von der Internationalen Nestroy-Gesellschaft zugesprochen

bekam, beauftragte den Ischler Goldschmied Gerold Schodterer,

ein neues Konzept zu entwickeln, das der Bedeutung

dieses Preises gerecht wird. Sein Entwurf stellt eine Verbindung

zwischen dem Genie Nestroys, der Stadt Bad Ischl, den Verleihungskriterien,

dem jeweiligen Preisträger, dessen Persönlichkeit

und dessen künstlerischem Anliegen her.

Bedeutungsvolle Ehrung großer Persönlichkeiten

Fotos: Wolfgang Stadler / Gerhard Flohberger / Portraitfoto Ines Schiller: FotoHofer Bad Ischl


KONZEPTION und GESTALTUNG

Gestalt ist mehr als die Summer der einzelnen Teile

Die Zahl 5 spielt im Konzept für den Johann-Nestroy-Ring

eine tragende und verbindende Rolle. 5 Kriterien werden

von der Jury als Grundlage für die Verleihung des Ehrenringes

herangezogen:

• Pflege von Nestroys Erbe

• Höchste künstlerische Ebene

• Zeitkritik

• Satire

• Phantasie

Das Werk Nestroys ruht auf den 5 Säulen seiner Begabungen.

Diese 5 Säulen bilden den Johann-Nestroy-Ring und

verbinden sein Werk, die Stadt Bad Ischl und die Kriterien,

die zur Wahl des Johann-Nestroy-Ring-Trägers führen.

• Lehrtätigkeit

• Schauspiel

• Gesang

• Komik

• Dichtkunst

I

nstruktion

S chauspiel

C ouplets

H umor

L yrik


Die Welt des Johann Nestroy war die Bühne

So schwebt über dem Ring eine Bühne, auf welcher der/

die jeweilige Johann-Nestroy-Ring-Träger/in auftritt. Form

und Gestaltung der Bühne werden individuell auf die

Persönlichkeit abgestimmt.

Unter der Bühne wirkt „Nestroys Geist“

Johann Nestroy, der es wie kein anderer verstand, den Menschen

seiner Zeit einen Spiegel vorzuhalten, der im Laufe der

Jahre nichts an Klarheit eingebüßt hat, gibt sich im Ring durch

den Spiegel zu erkennen.

Dieser Spiegel durchdringt aber auch die Bühne, wird an

der Oberfläche sichtbar und stellt so den Bezug zwischen

Nestroys Vermächtnis und dem/der Künstler/in und Ehrenringträger/in

her.

Die außergewöhnliche und bizarre Formensprache des

Johann-Nestroy-Rings mit seiner „schwebenden” Bühne

unterstreicht die für Johann Nestroy so typische Ausdrucksweise

und nimmt auf seine unvergleichlichen Satzgebilde

Bezug, die trotz ihrer Tiefe und Treffsicherheit vollkommen

leicht im Raum zu schweben scheinen.

Johann Nestroys Welt war die Bühne

So wie Nestroy auf der Bühne stand und so wie die

Ausgezeichneten, die im Sinne Nestroys wirken, auf der Bühne

des Lebens bestehen, beweist auch der Johann-Nestroy-

Ring sein „Stehvermögen“ als Kleinskulptur, sofern er nicht als

Ring getragen wird.

Fotos: Wolfgang Stadler / Nestroy-Gesellschaft Wien / Walter Zemlicka


ICH WÜRD‘ GERNE GEGEN MICH KÄMPFEN

Ich würd‘ gerne gegen mich kämpfen!

Da treffen sich zwei. Aus dem Reich im Westen der eine,

aus dem Reich der Mitte der andere. Und wo treffen sie

sich? Im Osten, genauer gesagt in der Hauptstadt dieses

besonderen Reiches. Und worum geht es bei dem Treffen?

Na, worum es in Märchen immer geht, um Lebenskunst,

um Gold und Silber, um einen Edelstein und einen besonderen

Ring und natürlich um Phantasie und Glück.

Künstler sind sie beide. Jener aus dem Westen ein Schriftsteller,

Musiker und Erzähler, der aus der Mitte ein Goldschmied.

Der Goldschmied stellt Fragen und hört gebannt

zu, während der Schriftsteller erzählt, denn er hat die Aufgabe,

einen Ehrenring für diesen zu fertigen. Nicht irgendeinen

Ring, sondern den „Nestroy-Ring“. In Auftrag gegeben

von jener Stadt, die man im ganzen Reich als das „Herz

des Salzkammergutes“ bezeichnet, der Stadt, in der Nestroy

seine Sommer verbrachte und in derem Theater er sich

wohlfühlte, sei’s auf der Bühne oder im Zuschauerraum.

Diesen Nestroy-Ring also, der alle zwei Jahre von der Internationalen

Nestroy-Gesellschaft für herausragende künstlerische

Leistungen verliehen und für den Preisträger persönlich

angefertigt wird, soll in diesem Jahr der Schriftsteller

aus dem Westen des Reiches erhalten. Darum also treffen

sich die beiden.

Nestroy war ein Meister der Satire

Was ihn mit Nestroy verbindet, will der Goldschmied wissen.

„Nun“, meint der Schriftsteller und setzt zu einer ausführlichen

Erklärung an, „meine Liebe gehört Shakespeare und

darum ist mir die Verwandtschaft zwischen den beiden

schon sehr früh aufgefallen. Nestroy war ja ein Meister der

Satire. Obwohl, beim Wort ‚Satire‘ leuchten bei mir immer

die Warnlichter auf, denn in den meisten Fällen spürt man

den Autor; der will mich irgendwohin führen, der will mein

Fotos: Residenz-Verlag Salzburg / Haymon-Verlag Innsbruck / Hanser Literaturverlage / Karoline Schodterer


Lehrer sein, der will mich manipulieren. Und nur bei ganz

großen Satirikern, die Satire nicht nur auf eine politische Situation

anwenden, sondern auf die Existenz des Menschen

als Ganzes, ist diese Manipulation nicht da. Nestroy bezieht

sich selber in die Satire mit ein. Insofern ist er verwandt mit

seinem großen Bruder Shakespeare, der in seinen Komödien

natürlich die politischen Situationen seiner Zeit aufgezeigt

hat, aber weil er die Satire auf die ganze Menschheit

ausdehnt, ist sie für uns heute immer noch gültig.“

Es gibt keinen eindimensionalen Charakter

„Auch Nestroy sagt uns heute immer noch was“, sinniert

der Schriftsteller weiter, „was ich bei Nestroy bewundere,

und ich betrachte ihn ja als Kollegen, sind seine Figuren.

Als Schreiber weiß ich, wo die Fallen sind. Und eine

Falle, in die man immer wieder tappt, ist die, dass man

einem Charakter beim Schreiben zu wenige Widersprüche

zutraut. Sowohl Shakespeare als auch Nestroy zeigen

einen Melancholiker, der über einen ganz derben Witz

schenkelklopfend lachen kann. Also für mich als Autor die

Warnung: Pass auf, dass du nicht einen eindimensionalen

Charakter schaffst, denn es gibt keinen eindimensionalen

Charakter in der Wirklichkeit.“

Wer ist stärker – ich oder ich?

„Wenn ich Nestroy gelesen habe, hat er mich selber oft

erwischt. Mit dem schönen Satz ‚Ich würd‘ gerne gegen

mich kämpfen, nur um zu sehen, wer stärker ist, ich oder

ich‘ hält er mir einen Spiegel vor. Das ist ein sehr kluger Satz,

wenn man darüber nachdenkt. Er ist im Augenblick sehr

witzig, heißt aber einfach, dass du selber sehen musst, ob

du falsche Gefühle zeigst, und oft merkt man das ja selbst

gar nicht.“

„Wenn Sie mich fragen, was mir der Nestroy-Ring bedeutet:

Wenn ich ihn am Finger habe, erinnert er mich daran,


MEISTER DER WORTE

achtzugeben, wann ich falsche Gefühle produziere oder

zeige.“ Es sei ihm aufgefallen, meint der Goldschmied,

dass der Schriftsteller in seinen Werken die besonders tiefe

Bedeutung wie auch die Widersprüchlichkeit vieler Worte

durchleuchte und auch die falsche Verwendung im

Sprachgebrauch aufzeige.

Das Wort ist Werkzeug und Werkstück zugleich

„Das Wort“, meint dieser, „ist sowohl mein Werkzeug als

auch das Werkstück, also muss ich ihm mit besonderer Liebe

wie auch mit besonderem Misstrauen begegnen. Ich

kann mir ja gar nicht vorstellen, dass die deutsche Sprache

jemand erlernen kann. Ich geb’ Ihnen ein Beispiel: Wenn

Sie das Wort ‚Aufgabe‘ nehmen, dieses Wort kommt von

‚aufgeben‘, es ist mir etwas aufgegeben worden, aber ich

kann auch sagen, ich habe aufgegeben. Also wie kann

das sein, dass in einem einzigen Wort derartig widersprüchliche

Aussagen stecken? Da sind wir wieder am Anfang, wie

es Shakespeare und Nestroy gelingt, dass sie sich in einer

einzigen Person gegen jede Typisierung sträuben.“

Der Meister der Worte philosophiert weiter: „Wie soll das je

jemand lernen? Stellen, anstellen, umstellen, einstellen – es

ist eine so vieldeutige Sprache und gleichzeitig ist es eine

so bilderreiche Sprache. Je älter ich geworden bin und je

mehr ich geschrieben habe, desto rätselhafter und gewaltiger

kommt mir die deutsche Sprache vor. Man muss wirklich,

um sich halbwegs mit diesem Werkstück auseinanderzusetzen,

jeden Tag daran sitzen, ansonsten geht das nicht,

das ist wie Geige spielen. Sie würden das ja auch sagen

können, Sie würden nie sagen, jetzt habe ich das irgendwann

gelernt im Lehrbuch, jetzt hab ich’s. Das ist ein ständiger

Prozess, der mein ganzes Leben in Anspruch nimmt,

aber auch begeistert und wo man auch manchmal flucht.“

„In einem Ihrer Bücher erzählen Sie“, so der Goldschmied,

„dass Sie als naiver Zwanzigjähriger immer Bleistift und

Fotos: © Michael Köhlmeier / Hanser Literaturverlage / Haymon-Verlag Innsbruck


Notizbuch dabeigehabt hätten, diese beiden seien für Sie „heilige Gegenstände“ gewesen,

gibt es die noch? Und wie geht es Ihnen mit dem Beginn eines neuen Werkes?“ Der

Schriftsteller greift in seine Tasche und zieht seine beiden „heiligen Gegenstände“ heraus

und meint: „Nur der Bleistift hat sich seit damals verändert, heute verwende ich den Faber-

Castell, der hinten gleich den Spitzer und den Radiergummi dran hat.“

Das erste Niederschreiben ist rauschhaft

„Also wenn ich anfange“, beantwortet der Schriftsteller die Frage des Goldschmieds,

„dann drängen die Personen, meistens sind‘s eine oder zwei, die drängen dann schon

so, dass die Freude anzufangen groß ist. Bei dem Roman, der jetzt fertig ist, das ist der

umfangreichste, den ich je geschrieben habe, da habe ich die Idee schon die ganze

Zeit mit mir herumgetragen, und im Zug von Hohenems nach Bregenz habe ich mir

gedacht, heute fange ich an. Ich bin dann nach dem Heimkommen noch schnell hinübergegangen

in mein Arbeitszimmer und habe die erste Seite geschrieben. Das war so

ein Glücksgefühl für mich!“

„Meistens ist es so: Das erste Niederschreiben ist rauschhaft, also das geht so dahin, da überlege

ich auch nicht, habe ich jetzt in einem Absatz dreimal dasselbe Wort verwendet, da

halte ich mich mit dem gar nicht auf. Später folgen die Korrekturen. Am Anfang steht eine

Person, und wenn Sie mich fragen, welches Thema, dann könnte ich’s Ihnen nicht sagen.

Das Thema ergibt sich, indem ich einer Person folge, die gibt mir alles Weitere vor, und am

Ende könnte ich sagen, das könnte das Thema gewesen sein.“

Es ist, als würden mir die Geschichten geschenkt werden

„Ich sehe also diese Person bildhaft vor mir, und zwar so genau bildhaft, dass ich sogar vergesse,

sie zu beschreiben, weil ich mir denke, der Leser sieht sie ja auch, aber der sieht sie

natürlich nicht, und dieser Person, wie gesagt, der folge ich dann. Erst im zweiten, dritten,

vierten Durchgang schau ich dann hin, und ich sag ihnen, der Text wird beim zweiten Mal

nicht kürzer, eher länger. Bei den Romanen gibt es kaum einen Absatz, bei dem ich nicht

mindestens zwanzigmal drüber gegangen bin, aber manchmal öfter, und zuerst wird’s länger,

indem ich mehr reingehe in die Materie, und dann, wenn ich sage, jetzt hab‘ ich die

Materie, dann wird’s wieder weniger.“

„Das klingt so“, meint der Goldschmied, „als würden Ihnen die Geschichten, die Sie schreiben,

geschenkt werden, gibt es für Sie so etwas wie Eingebung?“


MEISTER DER WORTE

„Natürlich. Die Begeisterung für etwas kann ich nicht erklären,

die Form ist Eingebung. Aber die Eingebung ist roh

und in einem Zustand, der noch einer Bearbeitung bedarf.

Ein religiöser Mensch würde das als ‚göttlich‘ bezeichnen.

Wie auch immer, ich kann die Eingebung nicht rational

erklären und will es auch gar nicht. Aber ohne die Eingebung

ist alles nichts. Wichtig ist mir immer der Gegenwartsbezug.

Es geht ja gar nicht anders, auch wenn wir

so tun, als würden wir historisieren, sind wir immer Kinder

der Gegenwart. Wenn jemand sagt, er schreibe einen rein

historischen Roman, dann würde er uns nur interessieren,

wenn wir uns auch darin gespiegelt sehen.“

Die Vergangenheit spiegelt uns die Gegenwart

„Es gibt diese Geschichte von Perseus, der das Haupt der

Medusa holen soll, und er weiß, wenn er sie anschaut,

wird er zu Stein. Er hat aber diesen blank polierten Schild,

den nimmt er als Spiegel, und so kann er verhindern, dass

er Schaden erleidet, während er ihr den Kopf abschlägt.

Manche Sachen kann man nicht direkt anschauen, und

vielleicht kann man manche Dinge in der Gegenwart besser

erkennen, indem man sie in die Vergangenheit spiegelt.“

Der Goldschmied meint, dass sich viele Texte des

Schriftstellers wie psychologische Gutachten lesen würden.

Shakespeare hat uns heutige Menschen erst erfunden

„Nun, je älter ich werde, desto mehr interessiere ich mich

für Philosophie, ich glaube, das ist eine Alterserscheinung.

Harold Bloom war ein amerikanischer Literaturwissenschaftler

und ein Shakespearekenner, der hat immer gesagt,

Shakespeare hat uns heutige Menschen erst erfunden und

er hat auch das, was wir heute Psychologie nennen, erst

erfunden.“ Nun will der Goldschmied wissen, wie es sich mit

der Musik verhalte, denn das Musizieren ziehe sich ja durch

die gesamte Schaffensperiode des Schriftstellers.

Fotos: Hanser Literaturverlage / Haymon-Verlag Innsbruck / Portrait Michael Köhlmeier: © Daniela Weiland


Es wird weder ein Mozart noch ein Bob Dylan aus mir

„Ich habe immer eine Affinität zu Musik gehabt, aber es

ist ja oft so: Manchmal hat man eine Geliebte, die einen

mehr liebt, als man sie liebt. Ich hab‘ zwei solche Geliebte,

die mich nicht so lieben, wie ich sie. Die eine ist die

Musik, die andere die Mathematik. Bei der Musik habe

ich relativ schnell gemerkt, wo meine Grenzen sind, ich

habe gewusst, es wird weder ein Mozart noch ein Bob

Dylan aus mir.“

Ob er einen Edelstein kenne, für den er sich entflammen

könne, fragt der Goldschmied den Schriftsteller und legt

zwei Steine vor ihn hin: Die Monatssteine für den Oktober,

den Turmalin und den Opal, denn der Oktober ist der

Geburtsmonat des Schriftstellers. „Den Opal“, meint der

Schriftsteller und dreht den in allen Farben des Regenbogens

schillernden Stein in seinen Händen, „den würde ich

gerne im Ring haben.“

Schließlich sind die beiden am Ende des Gesprächs angekommen

und weil sie sich in einem der für die Hauptstadt

so typischen Kaffeehäuser befinden, bestellen sie sich

Sacherwürstl mit Gulaschsaft, Kren und Senf, ein Körbchen

mit knusprigen Semmeln und dazu ein dunkles Zwickel,

und während sie hungrig und durstig auf das Bestellte

warten, möchte der Goldschmied vom Schriftsteller wissen,

ob es Momente gibt, in denen er sich vollkommen

zufrieden fühle.

Manchmal hat man eine Geliebte...

„Ja“, meint der Schriftsteller, „diese Momente gibt es: zufrieden

bin ich, wenn ich während des Schreibens selbstvergessen

bin, also Hingabe, Hingabe muss ich sagen.“

Und dann duftet es plötzlich und vor ihnen auf dem Teller

liegen diese wunderbaren, dampfenden, überlangen

Würstl und die beiden, der aus dem Westen und der aus

der Mitte, nehmen ihre Gläser zur Hand und prosten sich

zu – und fühlen sich wohl im Osten.

(Zusammenfassung des Gesprächs von Gerold Schodterer mit Michael Köhlmeier)


DIE HEILIGEN GEGENSTÄNDE

Die heiligen Gegenstände

„Aber ich red‘ jetzt so viel“, meint Michael Köhlmeier während

unseres Zusammenseins, „weil ich mich so gefreut

hab auf das Gespräch mit Ihnen, es ist noch niemals in

meinem Leben ein Ring für mich entworfen worden, noch

niemals.“

Ich freu mich natürlich über diesen Gefühlsausbruch

und meine Frau Karoline, die mit uns am Tisch im Kaffee

Museum in Wien Platz genommen hat, fängt vorausschauend

mit ihrem Smartphone immer wieder besondere

Momente ein, um sie für diese Nachlese verwenden

zu können.

Gut für mich, dass Michael Köhlmeier so viel zu erzählen

wusste, denn aus diesem Gespräch haben sich fünf Symbole

herauskristallisiert, die im Ring zu einem Gesamtbild

verschmelzen.

Seine „heiligen Gegenstände“, den Bleistift und das Notizbuch,

hat er gerade aus seiner Tasche geholt und vor mich

hingelegt. Sie dürfen in der Geschichte des Nestroyrings

2020 nicht fehlen, stehen sie doch im Fall des Bleistifts für

das Auf-die-Welt-Bringen erster Eindrücke und Gedanken

sowie für die handwerkliche Komponente des Schreibens.

Ein Faber-Castell mit Radiergummi

Michael Köhlmeier benützt aber einen ganz besonderen

Bleistift, einen von Faber-Castell, denn der ist an der

Rückseite mit Spitzer und Radiergummi ausgestattet. Im

Ring sitzt anstelle des Spitzers ein brillantgeschliffener

Diamant, der den zündenden Funken symbolisiert und

die Verbindung zwischen den Gedanken des Autors und

der Bleistiftmine darstellt, durch die der Strom der Ideen

fließt und Schrift wird.


„Denn Zufriedenheit“, so der Schriftsteller, „empfinde ich, wenn ich beim Schreiben völlig

selbstvergessen bin, Hingabe muss ich sagen.“ Und dann steht der funkelnde Stein auch für

die vielen Glücksmomente, die er durch seine Arbeit erfahren darf und für die Eingebung,

„denn ohne Eingebung“, so Köhlmeier, „ist alles nichts.“ Als er die erste Seite seines neuesten

Romans niedergeschrieben hatte, erzählt er und lächelt dabei: „Das war so ein Glücksgefühl

für mich!“

Zwischenlager und Ideentummelplatz

Das Notizbuch steht für das Bewahren erster Gedanken, das Festhalten von Geistesblitzen, ist

Zwischenlager und Ideentummelplatz. Ist vor allem aber Aufbewahrungsort des Persönlichsten,

das einen Schriftsteller ausmacht, seiner Handschrift.

Auf dem Notizbuch sitzt eine Figur. Das Ebenbild eines Menschen, vielleicht der noch nicht

ganz fertig modellierte Adam aus Michael Köhlmeiers Bibelerzählung. „Wenn ich zu schreiben

beginne“, so Köhlmeier, „seh‘ ich vor mir ganz bildhaft einen Menschen und dem

folge ich dann, der gibt mir die Geschichte vor.“ Vielleicht handelt es sich bei der Figur

auch um jemanden, der über die Welt und das Leben nachdenkt, vielleicht auch über

den tiefen Sinn und die Bedeutung, aber auch über die Widersprüchlichkeit vieler Worte in

der deutschen Sprache. Denn das Nachdenken und Abwägen zählt wohl zu den herausragenden

Eigenschaften Michael Köhlmeiers, der meint: „Je älter ich werde, desto mehr

interessiere ich mich für Philosophie.“ Über das Wort sagt er, es sei sowohl sein Werkzeug als

auch das Werkstück, also müsse er ihm mit besonderer Liebe wie auch mit besonderem

Misstrauen begegnen.

Das Leben muss aus der Möglichkeitsform erlöst werden

Die Figur im Ring lehnt mit dem Rücken an einem Opal, dem Monatsstein des Oktobers.

„Den würd‘ ich gern im Ring haben“, meint Michael Köhlmeier und dreht den in allen Farben

schillernden Stein in seiner Hand. Dieser Opal, finde ich, passt sehr gut zu ihm und

vor allem zu einem seiner Sätze im Band „Von den Märchen“, in dem er schreibt: „Das

Leben muss aus der Möglichkeitsform – die ja kein Leben sein kann – erlöst werden, erst

dann kann es in die Wirklichkeit zurückkehren, die profan – also weltlich, alltäglich – ist

und profan sein soll.“

Fotos: Piper-Verlag München / Hanser Literaturverlage / Wolfgang Stadler Bad Ischl


DIE SYMBOLIK

Die Opal-Ader dieses Steins ist hauchdünn, sodass das Muttergestein,

also der Fels, mitgeschliffen werden muss, um ihn

als Schmuckstein fassen zu können. Diese hauchdünne, in

allen Farben schillernde Opalschicht steht für die Phantasie,

das Traum- und Märchenhafte, für das Mögliche. Der mit der

Opalschicht verbundene Fels versinnbildlicht das Irdische,

Weltliche, schafft Erdung und Bodenhaftung, gibt Festigkeit.

Der Spiegel als Symbol für Reflektion und Selbstreflektion

Bleistift, Notizbuch, Figur und Opal liegen auf einer Spiegelfläche,

die den blank polierten Schild des Perseus darstellt.

Der Spiegel als Symbol für Reflektion und Selbstreflektion

darf im Ring für Michael Köhlmeier nicht fehlen, erzählt er

doch sehr eindrucksvoll die Geschichte des Perseus, der

den Kopf der Medusa deshalb unbeschadet an sich bringen

kann, weil er sie nur über das Spiegelbild seines Schildes

anschaut. „Vielleicht“, meint Köhlmeier dazu, „kann

man Dinge in der Gegenwart besser erkennen, in dem

man sie in die Vergangenheit spiegelt.“

Über Nestroy sagt er: „Wenn ich Nestroy gelesen habe, hat

er mich selber oft erwischt, er zeigt einem einen Spiegel.“

Und im weiteren Verlauf unseres Gespräches meint er: „Ein

rein historischer Roman würde uns nur interessieren, wenn

wir uns auch darin gespiegelt sehen.“

Die Krawatte am Finger

Nun ist er also fertig, der Johann-Nestroy-Ring der Stadt

Bad Ischl für Michael Köhlmeier, und ich hoffe, dass es

mir gelungen ist, unserem Gespräch Ausdruck zu verlei-

hen und dem großen Schriftsteller gerecht zu werden,

der mir am Ende sagt: „Also nachdem ich jetzt weiß,

was sie mit dem Ring anstellen, dann wird es so der

Sonntagsschmuck, also die Krawatte am Finger sozusagen,

oder der Sonntagsanzug.“ Vor allem aber ist

er hoffentlich ein Spiegel geworden, in dem sich der

Nestroy-Ring-Träger 2020 erkennt.

© Michael Köhlmeier / Ring: Wolfgang Stadler Bad Ischl


Der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier

wurde am 15. Oktober 1949 in Hard in Vorarlberg geboren

und lebt zusammen mit seiner Frau, der Schriftstellerin

Monika Helfer, in Hohenems und Wien. Nach dem Besuch

des humanistischen Gymnasiums in Feldkirch studierte er

Politikwissenschaft und Germanistik in Marburg an der Lahn.

Nach dem ersten Staatsexamen betrieb er ein Zweitstudium

der Mathematik und Philosophie in Gießen.

In den 1970er Jahren wurde er mit Hörspielen im Österreichischen

Rundfunk und kürzeren Prosatexten als Schriftsteller

bekannt. 1974 erhielt Michael Köhlmeier seine erste

Auszeichnung, den Rauriser Förderungspreis für Literatur.

Seit Anfang der 1980er Jahre entstand ein umfangreiches

Romanwerk neben einer Vielzahl kürzerer Texte und feuilletonistischer

Beiträge. 1983 entstand gemeinsam mit Peter

Klein der Hörspiel-Klassiker „March Movie“, das zwischen

1988 und 2007 im Ausland meistgesendete ORF-Hörspiel,

das das Verschwinden einer ganzen Blasmusikkapelle zum

Thema hat. Die Darsteller in diesem skurril-phantastischen

und zugleich aber auch heiteren Hörspiel sind Laien und

zwei Vorarlberger Blaskapellen.

MICHAEL KÖHLMEIER

Sehr erfolgreich waren seine auf Ö1 ausgestrahlten freien

Nacherzählungen antiker Sagenstoffe und biblischer

Geschichten, die später auch als CD-Editionen und

Bücher erschienen sind.

Das Mysterienspiel „Lamm Gottes“

Für die Bühne schrieb Michael Köhlmeier einige Theaterstücke.

„Lamm Gottes“ wurde erst kürzlich am Theater

Kosmos in Bregenz unter der Regie von Augustin Jagg

uraufgeführt. Das Mysterienspiel über Gott und Teufel, die

Liebe, über Leben und Tod, also über die Welt und wahrscheinlich

auch darüber, was sie im Innersten zusammenhält,

wird ab November 2020 im Schauspielhaus Salzburg

aufgeführt.

Szenenfotos: Gerhard Kresser – Schauspielhaus Salzburg


Schriftsteller und begnadeter Erzähler

2007 wurde im Bayrischen Rundfunk die 80-teilige Sendereihe

„Mythen – Michael Köhlmeier erzählt Sagen des klassischen

Altertums“ ausgestrahlt, in welcher er griechische

Sagen frei nacherzählt. Im selben Jahr wurde im ARD die 42

Folgen umfassende Serie “Köhlmeiers Märchen“ mit freien

Nacherzählungen bekannter, aber auch selten gedruckter

Märchen gezeigt.

Seiner Faszination für die geheimnisvolle Gattung der Märchen

hat Köhlmeier ein Buch mit dem Titel „Von den Märchen:

Eine lebenslange Liebe“ gewidmet, das im Jahr 2018

erschienen ist. In einem Interview mit dem Haymon Verlag

betont der Schriftsteller die Aktualität und Wichtigkeit

von Märchen: „Ich bin der Überzeugung, dass im Kern von

jeder guten Geschichte, ob es ein Roman oder eine historische

Geschichte ist, ein Märchen sitzt.“

Dem Rauriser Literaturpreis 1983 folgten der Johann-Peter-

Hebel-Preis, der ORF-Hörspielpreis, der Anton-Wildgans-Preis,

das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien, der Bodensee-Literaturpreis,

der Österreichische Kinder- und Jugendpreis,

das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und

Kunst, der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und

der Ferdinand-Berger-Preis des Dokumentationsarchivs des

österreichischen Widerstands, um nur einige zu nennen.

2019 erhielt Michael Köhlmeier die Poetikprofessur an der

Otto-Friedrich-Universität in Bamberg und zu guter Letzt nun

im Jahr 2020 den Johann-Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl.

Sein umfangreiches literarisches Werk in allen Einzelheiten

aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, deshalb seien

hier nur einige seiner bekanntesten Bücher angeführt:

„Die Musterschüler“ 1989, „Sunrise“ 1994, „Dein Zimmer für

mich allein“ 1997, „Das große Sagenbuch des klassischen

Altertums“ 1999, „Shakespeare neu erzählt“ 2004, „Idylle

mit ertrinkendem Hund“ 2008, „Abendland“, „Die Abenteuer

des Joel Spazierer“ 2013, „Zwei Herren am Strand“

2014, „Der Mann, der Verlorenes wiederfindet“ 2017, „Bruder

und Schwester Lenobel“ 2018, „Wenn ich wir sage“ 2019.


Goldschmied, Handwerker, Künstler und Designer

Zitat: Prof. Leopold Rössler, Gemmologe, Goldschmiedemeister, Edelsteinexperte und ehemaliger Lehrer von Gerold Schodterer

Für mich liegt die Faszination an meiner Arbeit als Goldschmied

darin, ein Schöpfender und Erschaffender sein

zu dürfen und zu erleben, wie der erste Funke einer Idee

zu einem immer deutlicher werdenden inneren Bild heranwächst,

das schließlich am Werktisch zu einem begreifbaren

Schmuckstück, zu Materie wird.

Durch Symbolik hauche ich meiner Arbeit Leben ein, um

so etwas Einzigartiges zu erschaffen, das die Besonderheit

eines Menschen zum Ausdruck bringt und Vollendung

erfährt; wobei die Idee immer dem Dialog entspringt,

sowohl dem mit meinen Kunden als auch dem mit besonderen

Einschlussbildern in Edelsteinen.

Der Nestroyring ist für mich Freude und Herausforderung

zugleich, denn es ist immer wieder spannend, nach eingehender

Vorbereitung mit dem designierten Preisträger über

sein künstlerisches Wirken zu sprechen und die gewonnenen

Eindrücke in eine Form zu bringen, die die Essenz seiner

Aussagen widerspiegelt.

GEROLD SCHODTERER

Dialog wird Gestalt

ERRINGEN

Wo Jahres

Ringe

Sein

erfahren,

ringt Leben

mit dem

Fluss der Zeit.

Erwacht Jung,

vergeht Alt,

spiegelt Erlebtes

Erkenntnis wider.

Lässt Einsicht

Bewusstheit

sprießen.

Aus Ringen

wird Moder,

Erde,

Boden

für neues

Begründen.

ERRINGEN – Hals- und Ansteckschmuck

Wurzelholz / Boulderopal / 18 kt. Weiß- und Gelbgold / Brillant

Erlangtes

Bewusstsein

bleibt.

Für immer

bewahrt,

im Geist

ewiger

Beseeltheit.

© Gerold Schodterer

Portraitfoto: FotoHofer Bad Ischl / Karoline Schodterer / Schmuck: Wolfgang Stadler Bad Ischl


Die Johann-Nestroy-Ringe seit 2005

ERNI MANGOLD

Erwin Steinhauer

„Ich will berühren, berühren auf allen

drei Ebenen, die ich bespiele:

auf der Kleinbühne, auf der ich

begonnen habe, der Großbühne,

wie dem Burgtheater, und der

größten Bühne, dem Film.“

2005

Karlheinz Hackl

„Wenn ich mir mein Leben so anschau‘,

ich glaub‘, ich bin der Herr von Lips. Ich

war schon immer ein Zerrissener. Ich

muss die Figuren im Probieren

erarbeiten, mich in die Rolle

hineinfühlen, nur mit dem Hirn

allein kann ich niemals Leben

hineinbringen.“

2007

Peter Turrini

„Im Grunde bin ich ein Handwerker wie

mein Vater, nur dass meine Werkzeuge

Bleistift und Schreibmaschine sind.

Als ‚Katzlmacher-Bua‘ wurde ich

immer ausgeschlossen, durfte nur

zuschauen – und daraus hab‘ ich

eine Würde gemacht und habe

genauer hingeschaut.“

2008

Karl Markovics

„Am liebsten sind mir wahrhaftige

Rollen, die ich mit Leben füllen

kann, die ein Geheimnis haben.

In sie einzutauchen, um als Figur

herauszuwachsen aus dem

Werk, den Menschen Erkennen

schenkend.“

2010


Bedeutungsvolle Ehrung großer Persönlichkeiten

Nicholas Ofczarek

„Können Sie sich eine Black Box vorstellen,

so ein Raum, in dem völlige

Dunkelheit herrscht, und durch diese

Dunkelheit schneidet ein scharfer,

greller Lichtstrahl – das ist für

mich das Idealbild für vollkommene

Klarheit und Struktur.“

2012

Michael Niavarani

Das Studium der Gesamtausgabe von

Nestroys Werken hat einen Funken zum

Überspringen gebracht, der bei

jedem Auftritt ein satirisches Wortfeuerwerk

entzündet, das aus dem

Mund des heutigen Großmeisters

zeitgeistiger Gesellschaftskritik

einem begeisterten Publikum in

voller Intensität entgegenfliegt.

2014

Prof. Erni Mangold

„Wenn man die Rolle verinnerlicht hat,

muss man sich aus ihr zurückziehen,

weil nicht der Schauspieler,

sondern die Geschichte wichtig

ist! Man muss der Rolle ihren

Glanz geben.“

2015

Herbert Föttinger

„Ich wollte eigentlich schon immer

Theaterdirektor werden. Ich hab‘

nicht darauf gewartet, dass man

mich holt, ich hab die Sache

selbst in die Hand genommen

und mir den Weg nach

oben erkämpft.“

2017

Foto-Copyrights: Ring-Fotos: Wolfgang Stadler / Erwin Steinhauer: Nancy Horowitz / Karlheinz Hackl: Lukas Beck / Peter Turrini: Astrid Bartl / Karl Markovics: Moritz Schell

Nicholas Ofczarek: Binh Truong / Michael Niavarani: Karoline Schodterer / Erni Mangold: Josef Gallauer / Herbert Föttinger: Jan Frankl


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Goldschmiedeatelier Gerold und Karoline SCHODTERER

Atelier für bedeutungsvolle Schmuckunikate und Unikat-Eheringe

4820 BAD ISCHL, Pfarrgasse 11, T +43 6132 23729-0, M +43 664 3575004 od. 2253646

office@schodterer.at / www.schodterer.at / www.unikat-eheringe.at

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr

Samstag 10.00 bis 17.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung

Texte: Gerold Schodterer / Lektor Rudolf Bruckschlögl / BGM Ines Schiller BEd / Gestaltung: Karoline Schodterer, ARTist Werbegestaltung / WIGODRUCK Bad Ischl

Fotos: Wolfgang Stadler / Walter Zemlicka

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