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Otto Zottmaier - Ehrenbürger von Simbach am Inn

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1. September 2021

Simbacher Anzeiger

Nr. 17/2021

Simbacher

ehreNbÜrGer

Otto Zottmaier reiht sich mit vielen Verdiensten

in die Aufzählung der Simbacher

Ehrenbürger ein. Bevor jedoch über den

Werdegang des namhaften Unternehmers

berichtet wird, muss man sich in Erinnerung

rufen, dass der Name Zottmaier untrennbar

mit dem Namen Aufschläger verbunden ist.

Über den Erfindergeist der Brüder Franz

und Ferdinand Aufschläger wurde im Simbacher

Anzeiger schon mehrmals berichtet,

ebenso wie über das Tiefbohrunternehmen,

für das Ferdinand Aufschläger 1873 den

Grundstein legte. Nachdem sein gleichnamiger

Sohn, mit dem er das Familien-Unternehmen

erfolgreich ausbaute, 1935 im Alter

von nur 52 Jahren verstarb, stand Ferdinand

Aufschläger sen. vor der schwierigen

Entscheidung, wie es weitergehen sollte. In

Person seines Schwiegerenkels Otto Zottmaier

konnte er einen würdigen Nachfolger

finden.

Otto Zottmaier wurde am 18. Oktober

1904 in Tirschenreuth als neuntes und

letztes Kind des Oberpostschaffners Friedrich

Zottmaier und seiner Frau Anna geboren.

Nach Volksschule und mit dem Abschluss

der Mittleren Reife begann er eine

zweieinhalbjährige Lehrzeit in der Preysing

Bank Deggendorf, bevor die Inflation am

30.6.1924 diesem Beruf ein Ende setzte.

Kurz entschlossen wechselte er zur Landespolizei

und trat als Unterwachtmeister

seinen Dienst an. Drei Jahre später konnte

er wieder kaufmännisch bei einem Versicherungsbüro

tätig werden. Er wurde zusätzlich

Geschäftsführer eines Kinos, einer

Apotheke, einer Brauerei in Bad Tölz und

eines Herrenausstatters in Nürnberg.

Wie es des Öfteren der Fall ist, hat die

Liebe Otto Zottmaier nach Simbach verschlagen.

Durch die Studentenverbindung

„Vindelicia Simbach“ lernte er Jeanette

Vom Bankkaufmann zum

Tiefbohr- und Spezialtiefbau-Unternehmen

Teil I

Aufschläger kennen und heiratete

sie am 10. September

1932. Der erste Sohn Otto Ferdinand

wurde 1936 geboren,

1940 sein zweiter Sohn Siegfried.

Wie bereits erwähnt,

starb Schwiegervater Ferdinand

Aufschläger jun. 1935

ebenso wie 1937 die Tochter

Anni, die sich kaufmännisch in

den Betrieb eingebracht hatte.

Auf Bitten des 84-jährigen

„Alten Aufschlägers“ übernahm

Otto Zottmaier die Geschäftsführung

und holte bereits

1935 seinen ersten Auftrag

von der Innwerk Bayerischen

Aluminium AG, um

zwischen Töging und Stammham

64 Bohrungen mit bis zu

50 Metern Tiefe durchzuführen.

Wissen an nächste Generation

weiter gegeben

Kernbohrung beim Kohlebergwerk Hausham bis 800 Meter Tiefe.

Im Vordergrund das Kernkissen für die Geologen

Otto war ein wissbegieriger

und ehrgeiziger Mann und der

Senior hatte seine Freude daran,

ihm sein Wissen weiterzugeben. Als

Ferdinand Aufschläger am 25. Mai 1942 mit

87 Jahren verstarb, baute Zottmaier sein

Erbe weiter technisch aus. Erfahrene Bohrmeister

wie Josef Schreiner und Alois Osel

standen ihm dabei zur Seite und mit Matthias

Bürsch und Ingenieur Lordt manövrierte

die bewährte Mannschaft das Bohrunternehmen

durch die Kriegsjahre. Mit einem

verbesserten Bohrverfahren und besseren

Werkzeugen wurden u. a. schwierige Schiffbohrungen

für die Flusskraftwerke an Inn,

Lech und Enns bewältigt. Das Hauptbüro

und die Wohnung

befanden sich in

dieser Zeit in München.

Vorausschauend

hatte Zottmaier

aber ein Ausweichbüro

in Simbach eingerichtet

und einen

Lagerplatz mit

Gleisanschluss von

der Bahn gepachtet.

Eine richtige Entscheidung,

denn im

September 1944

wurden Wohnung,

Büro und Lagerplatz

in München zerbombt.

Otto Zottmaier

Von Marianne Madl

Beim Einmarsch

der Amerikaner am

1. Mai 1945 in Simbach

wurde das Aufschlägerhaus in der Törringstraße

für einige Zeit beschlagnahmt

und von den Amerikanern genutzt.

War bisher der Schwerpunkt des rund

50-köpfigen Unternehmens, das weiterhin

den Namen „Ferdinand Aufschläger Simbach

– kurz FAS – führte der Brunnenbau,

so sah Otto Zottmaier nach dem Kriegsende

das Potential in Tiefbohrungen und stieg in

diese Sparte ein. Entsprechende, moderne

fahrbare Geräte wurden gekauft, Fachpersonal,

z. B. Bohrmeister eingestellt und die

firmeninterne Ausbildung forciert.

Schon frühzeitig war Zottmaier bei Ämtern

für Geologie und Wasserversorgung,

Bergbauunternehmen, Industrie und Gewerbe

vorstellig geworden und hatte die

Leistungsfähigkeit seiner Firma angepriesen.

Nachdem der Bayerische Staat in den

50er Jahren ein Förderprogramm für die

Aufsuchung von Bodenschätzen ins Leben

gerufen hatte, schlug auch die Stunde von

FAS. Aufträge der Kohlebergwerke Hausham,

Peißenberg, Schwanenkirchen u.a.

gingen an das Simbacher Unternehmen, das

Kohleflöze bis in 800 Metern Tiefe erschloss.

Sogar aus Belgien trafen Aufträge

ein.

Belegschaft identifizierte sich mit der Firma

Aus der 80-Mann-Belegschaft von 1950

wurden in zehn Jahren 150 Mitarbeiter. Dabei

war dem Ehepaar Zottmaier immer wichtig,

dass es der Belegschaft gut ging. Hatte


1. September 2021

Simbacher Anzeiger

Nr. 17/2021

Die alte Werkstätte in der Törringstraße 1954

man zum 75-jährigen Betriebsjubiläum

1948 mit Rühreiern, Schweinsbraten, fassweise

Bier und Tanz im Simbacher Gasthof

Schätz gefeiert, ein Jahr später zum Volksfest

mit Gewerbeschau geladen, so ging es

1953 für die Belegschaft samt Partnern zum

Münchner Oktoberfest, wo jeder Hendl und

Bier in der Aufschläger-Box verzehren durfte.

Pflicht war allerdings, dass man auf dem

Weg zum Festplatz auch einen Baustellenbesuch

mit einplante. Dennoch waren solche

Extras zur damaligen Zeit selten. Die

Firma Aufschläger war als Arbeitgeber gefragt,

denn es wurden Treueprämien und

Weihnachtsgratifikationen gezahlt und eine

freiwillige Alters- und Invaliditätszusage

erteilt. Somit identifizierten sich die Mitarbeiter

mit ihrer Firma, die auch entsprechende

Aufstiegsmöglichkeiten bot.

250 Beschäftigte zählte man 1959. Es

war die Folge des weiteren Ausbaus zur

Spezialtiefbau-Firma. Das modernste, französische

Pfahlbohrgerät begutachteten

Otto Zottmeier und sein Sohn Siegfried, der

bis dahin ebenfalls schon Interesse am Firmeneinstieg

zeigte, auf der Baustelle des

Bayerischen Rundfunks.

Für die Baugrube

wurde mit

diesem Bohrgerät

eine überschnittene

Pfahlwand erstellt.

Die beiden Männer

waren sofort von

dieser Technik begeistert

und kauften

die sogenannte

„BENOTO“ vom

Fleck weg. Nach

einigen Einführungsund

Überzeugungsproblemen

für die

neue Pfahlbohrtechnik

und deren

vielfältige Anwendungsmöglichkeiten stand

der Anschaffung von zwei weiteren

„BENOTOS“ nichts mehr im Weg.

Nachfrage nach Pfahlbohrungen steigt

Die Nachfrage und die Entwicklung auf

dem Pfahlbohrsektor verlief steil nach oben.

Es wurden Rückverankerungen, sogenannte

Injektionszuganker, entwickelt, die es

möglich machten, sehr tiefe Baugruben mit

freiem Arbeitsraum herzustellen. Der Bauboom

der Nachkriegszeit war voll im Gange.

Allein in den ersten fünf Jahren setzte man

10.000 lfm Einzelpfähle und Pfahlwände.

Beim Autobahnbau Salzburg-Linz stützte

man den Hang bei Mondsee mit den Simbacher

Bohrpfählen ab, ebenso das Dampfkraftwerk

in Timelkamm (OÖ), den Fernsehturm

in Ulm oder ein Parkhochhaus in Hamburg.

FAS war in ganz Deutschland und Österreich

mit seinem Experten-Team unterwegs.

In vielen Straßen und U-Bahn-Schäch ten

steckt die Pfahlbohrtechnik von Aufschläger,

so z. B. in der Münchner U-Bahn. Hier

gab es 1968 eine besonders anspruchsvolle

Aufgabe zu meistern, denn 1972 fand die

Olympiade statt und man baute einen neuen

Tunnel zum Olympiazentrum. Unterhalb der

Leopoldstraße musste eine 18 Meter lange

Wand mit 12 Grad Neigung gebaut werden

– die erste schräge Pfahlwand der Welt. Eine

Herausforderung für die Pfahlbohrexperten,

die sie aber routiniert meisterten und

auch bei weiteren U-Bahn-Schächten und

Schrägwänden umsetzten.

Die erste schräge Pfahlwand weltweit bohrte

FAS beim Münchner U-Bahnbau

Währenddessen expandierte der Betrieb

weiter um eine Großwerkstätte, in der gut

ausgebildete Handwerker eigene Geräte

und Werkzeuge bauten und Reparaturen für

die laufenden Baustellen ausführten.

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