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Restauro 6/2021

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KUNSTSTÜCK<br />

1<br />

Zwischenzustand der<br />

Restaurierung:<br />

Carl Gustav Carus,<br />

Alter Harfner, 1836,<br />

Öl/Lwd., 21,5 x 27,5 cm,<br />

Albertinum<br />

Nach umfangreichen kunsttechnologischen<br />

Untersuchungen konnte ein bislang anonymes<br />

Gemälde aus dem Bestand des<br />

Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen<br />

Dresden (SKD) jetzt zweifelsfrei dem Maler<br />

Carl Gustav Carus (1789 – 1869) zugeordnet<br />

werden. Bei Vorbereitungsarbeiten für die<br />

Ausstellung „Träume von Freiheit – Romantik<br />

in Russland und Deutschland“, die bis Anfang<br />

August <strong>2021</strong> in der Staatlichen Tretjakow-Galerie<br />

Moskau zu sehen war, geriet das Gemälde<br />

„Alter Harfner“ in den Fokus wissenschaftlicher<br />

Untersuchungen. Eine Diplomarbeit an<br />

der Hochschule für Bildende Künste Dresden<br />

(HfBK) setzte sich genauer mit dem Werk auseinander<br />

und untersuchte es gemeinsam mit<br />

einer Restauratorin der Staatlichen Kunstsammlungen<br />

Dresden. Nach der Firnisabnahme<br />

entdeckten die Restaurator:innen die Signatur<br />

des Dresdner Romantikers Carus und<br />

das Entstehungsdatum des Gemäldes. Auch<br />

die nun wieder deutlich zu erkennende Malweise<br />

ließ die Wissenschaftler:innen nicht an<br />

der Authentizität zweifeln.<br />

Das kleinformatige Gemälde entstand 1836<br />

und zeigt eine Mondscheinlandschaft mit einem<br />

alten Mann, der versunken an seiner<br />

Harfe lehnt. Bei Carus, dessen Schaffen stark<br />

von seinem Künstlerfreund Caspar David<br />

Friedrich beeinflusst wurde, charakterisiere<br />

die Harfe den greisen Sänger Ossian, den der<br />

schottische Schriftsteller James Macpherson<br />

Ende des 18. Jahrhunderts als nordisches Gegenstück<br />

zu Homer erfand, erläutern die<br />

Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.<br />

Im Kunsthandel galt das Gemälde „Alter<br />

Harfner“ lange als das Werk eines unbekannten<br />

Künstlers, doch Recherchen ergaben,<br />

dass die Kunsthistorikerin Marianne Prause<br />

das Gemälde noch 1968 im Werkverzeichnis<br />

über Carl Gustav Carus aufführte. Später<br />

zweifelten Expert:innen an der Authentizität<br />

des Werkes aufgrund des etwas ungelenken<br />

Stils in der Darstellung des alten Mannes. Da<br />

auch die Signatur auf dem nachgedunkelten<br />

und verstaubten Gemälde nicht mehr sichtbar<br />

war, wurde die Zuschreibung aufgehoben.<br />

Hilke Wagner, Direktorin des Albertinum,<br />

freut sich über die sensationelle Entdeckung<br />

und den unverhofften Sammlungszuwachs:<br />

„Das Albertinum besitzt damit nun insgesamt<br />

22 Gemälde des bedeutenden Dresdner Romantikers<br />

Carl Gustav Carus. Das Werk ist<br />

trotz seines Alters von bald 200 Jahren in einem<br />

guten Zustand. Dass es so lange unbeachtet<br />

blieb, hängt wohl auch mit einer bestimmten<br />

Vorstellung von Qualität in der Malerei<br />

zusammen, die oftmals die zeichnerische<br />

Genauigkeit und Virtuosität vor das<br />

individuelle Gefühl stellt. Carus hingegen fokussiert<br />

sich hier auf die Empfindung, mit<br />

dem der alte Mann in sich versunken und im<br />

Einklang mit der Natur an seiner Harfe lehnt.<br />

Wir freuen uns darauf, dieses besondere Stimmungsbild<br />

dem Publikum bald in unserer<br />

Dauerausstellung präsentieren zu können.“<br />

Carl Gustav Carus' Gemälde „Alter Harfner“<br />

wird in der Ausstellung „Träume von Freiheit.<br />

Romantik in Russland und Deutschland“ im<br />

Dresdner Albertinum vom 2. Oktober bis 6.<br />

Februar 2022 gezeigt.<br />

Valentina Grossmann<br />

ABSTRACT<br />

Painting by Carl Gustav Carus discovered<br />

In the holdings of the Albertinum of the Dresden<br />

State Art Collections, the authenticity of a work by<br />

Carl Gustav Carus could be confirmed with the help<br />

of art-technological examinations.<br />

6/<strong>2021</strong><br />

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