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Jubiläumsschrift Verkehrskadetten-Abteilung Albis

50 Jahre Jubiläum 1970 bis 2020

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50 JAHRE JUBILÄUM

1970 – 2020

Jubiläumsschrift

Verkehrskadetten-Abteilung Albis


In Memoriam an

HANSJÖRG FEDERER

Gründungspräsident und Ehrenmitglied

4. März 1932 – 1. Mai 2019

DASS SEINE IDEE VON

1970 BIS 2020

FORTBESTANDEN IST,

WAR SEINE GRÖSSTE FREUDE.



4

VORWORT

Viele Jahre sind nun vergangen, als Hansjörg und ich mit den VK’s angefangen.

Wenig Geld, ein Auto auf unsere Kosten und ein paar Kleider konnten wir

posten. Das war ein bescheidener Anfang, ganz klar, aber wir hatten eine

fröhliche Schar. Aber die Eltern und Lehrer hatten Bedenken, Gefahren und

Abgase, das gab ihnen zu denken.

Doch die VK’s lernten schnell und begannen zu stehen, auf dem Albis, beim

alten Migros, im Seleger Moor waren sie zu sehen. Auf die blütenweissen

Uniformen waren wir stolz, und alle VK’s waren aus gutem Holz. Sie standen

stramm und zeigten den Leuten, Verkehr regeln hat etwas zu bedeuten. So

gingen viele Jahre ins Land, wir erlebten Hochs und Tiefs allerhand. Wir

konnten euch noch helfen das Schulhaus zu kaufen, diese Zeit der Schule

war somit abgelaufen. Nun wurde renoviert zur Freude der Leute, so dass

man professionell arbeiten kann heute. Ich könnte noch viel erzählen, aber

das würde euch nur quälen.

Heute sind die VKA-Albis beliebt und bekannt, nicht nur hier, sondern im

ganzen Land. Wir sind so stolz auf euch und wünschen viel Glück, arbeitet

weiter so gut, Stück für Stück. Und jetzt zum Vorstand der so viel hat zu

tun, und nie den Sinn hat zu ruhen. Diese Glückskäfer sollen eure Arbeit versüssen,

in einem Jahr werden wir euch wieder begrüssen.

CÉCILE FEDERER AN DER GENERALVERSAMMLUNG 2017



10 GRÜNDUNG UND

ENTSTEHUNG DER

VERKEHRSKADETTEN

16 DIE 1970 ER JAHRE

24 DIE 1980 ER JAHRE

28 DIE 1990 ER JAHRE

40 DIE 2000 ER JAHRE

50 DIE 2010 ER JAHRE

56 DAS JAHR 2020

60 FAHRZEUGE

UND VK-BUSSE

64 UNIFORMEN

68 HAUPTQUARTIERE

DER VERKEHRS-

KADETTEN UND

DAS VK-HAUS

78 NACHWORT



Liebe Leserin und lieber Leser

Sie halten gerade das Jubiläumsbuch über die fünfzigjährige Geschichte

der Verkehrskadetten-Abteilung Albis (VKA-Albis) in Händen. Zu unserem

Jubiläum halten wir die ganze Geschichte des Vereins in einer Form fest,

welche die nächsten Jahrzehnte überdauern soll.

Diese Jubiläumsschrift enthält alles von unserer Gründung bis zur Gegenwart.

In einzelnen Kapiteln werden Sie die Ereignisse in unserem Verein

während der letzten fünf Dekaden lesen. Von den Veränderungen an unserer

Uniform werden Sie hören. Die Chronik unserer Vereinsfahrzeuge und unserer

Einsätze sollen Sie sehen. Und nicht zuletzt veröffentlichen wir die lustigsten,

spannendsten und ergreifendsten Geschichten, Anekdoten und Erinnerungen

aus der fünfzigjährigen Historie der VKA-Albis.

Jetzt wünscht Ihnen das Redaktionsteam viel Vergnügen bei der Lektüre.

LUKAS SCHMID, CHEFREDAKTOR JUBILÄUMSSCHRIFT

Liebe Leserin und lieber Leser,

Als Jugendverein schauen wir für gewöhnlich vorwärts. Nun machen wir

eine Ausnahme und schauen anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der VKA-

Albis zurück auf 50 Jahre Vereinsgeschichte.

Was vor 50 Jahren als kleines Garagenprojekt begonnen hat, ist heute ein

professionell organisierter Verein mit unzähligen freiwilligen Helfern und

engagierten Mitgliedern sowie einem eigenen Vereinshaus. Die Gründungsmitglieder

wären sicherlich stolz auf die Entwicklung der VKA-Albis.

Mit dieser Jubiläumsschrift möchten wir die Arbeit der Verkehrskadetten

würdigen und auf die Aktivitäten der VKA-Albis in den letzten 50 Jahren

zurückschauen.

Wir hoffen, dass die Jubiläumsschrift schöne Emotionen weckt, längst vergessene

Erlebnisse in Erinnerung ruft und Inspiration für die weitere erfolgreiche

Entwicklung der Verkehrskadetten bietet.

Das 50. Jubiläumsjahr der VKA-Albis war leider stark durch die COVID-19

Pandemie geprägt. Viele Einsätze und Anlässe durften nicht durchgeführt

werden und mussten daher abgesagt werden. Das stellte den Verein vor

grosse Herausforderungen. Ein Verein lebt vom sozialen Kontakt und der

Interaktion. Durch die neuen technischen Möglichkeiten und dank dem Einfallsreichtum

der Verkehrskadetten konnte das Vereinsleben dennoch so gut

wie möglich weitergeführt werden.

In diesem Sinne konzentrieren wir uns auf das, was wir als Jungendverein

am besten können: Nach vorne schauen.

ROGER THOMI, OK PRÄSIDENT 50 JAHRE VKA-ALBIS



10

11

GRÜNDUNG UND

ENTSTEHUNG

DER VERKEHRS-

KADETTEN

Bereits bevor es zur Vereinsgründung der VKA-Albis kam, regelten Jugendliche

den Verkehr auf den Strassen.

Diese Teenager gehörten damals zu den Kadetten Korps oder auch zu den

Pfadfindern. Schweizweit gab es mehrere hundert Sektionen oder Einheiten

von Pfadfindern und Kadetten. Beide Organisationen boten den Jugendlichen

eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Die Kadetten Korps wiesen eine

sehr militärische Struktur auf. Seit 1874 und vor allem während beiden Weltkriegen

wurden zwischen 10 und 15 Jahre alte Knaben für den Militärdienst

vorbereitet. Die Übungen umfassten Schiessausbildungen, Marschieren,

militärischer Drill und auch Verkehrsdienst.

Einer dieser Teenager, der 1936 noch einfacher Kadett beim Kadetten Korps

Stadt-Zürich war Heinrich Guggenbühl. Er war der spätere Erfinder der

Verkehrskadetten und der Gründer der ersten Verkehrskadetten-Abteilung

der Schweiz, der Verkehrskadetten-Abteilung Zürcher Oberland. In kurzer

Zeit hat sich Heiri, wie sein Rufname lautete, zum Abteilungsleiter des

Zürcher Korps hochgearbeitet. Als Initialzünder für die Idee der Verkehrskadetten

gab er einen Novembernachmittag im Jahr 1953 an. Damals wurde

eine befreundete Gruppe von Pfadfindern, in der Nähe der Tramhaltestelle

Zoo, von einem Autofahrer angefahren. Mit seinen Kadetten rückte

Heiri aus, um die Unfallstelle zu sichern und die Verletzten zu betreuen.

Geistesgegenwärtig liess er seine Kadetten Taschentücher um die Hemdsärmel

binden, damit das Licht daran reflektiert wurde und dadurch die

Kadetten im abendlichen Dämmerlicht besser sichtbar wurden. An diesem

Nachmittag im Jahr 1953, erinnerte sich Heiri Guggenbühl, sei die Idee der

Verkehrskadetten entstanden.

Diese Idee war aber ihrer Zeit voraus. Obwohl der zunehmende Autoverkehr

den Einsatz von Verkehrskadetten erfordert hätte. Die eigenen Korps

Kameraden und Vereinsmitglieder waren weniger begeistert, Jugendliche

auf den Strassen den Verkehr regeln zu lassen. Auch andere Organisation,

wie die Polizei oder der Automobil Club Schweiz bzw. der Touring Club



12 — GRÜNDUNG UND ENTSTEHUNG 13

Schweiz, wollten die Kadetten nicht Verkehrsdienst leisten sehen. Für die

Jugendlichen sei es zu gefährlich, wenn sie sich in ihrer Freizeit im Verkehr

aufhalten und Verkehrsdienst leisten würden.

Bis 1962 blieb die Idee der Verkehrskadetten auf Eis gelegt. In diesen neun

Jahren hatte der Verkehr auf den Schweizer Strassen weiter zugenommen.

Das Bedürfnis nach mehr Organisation im Strassenverkehr wurde damit

auch grösser und auch immer mehr Jugendliche wollten in der Verkehrsregelung

ausgebildet werden. Nach langem Zuwarten war die Zeit für

Heinrich Guggenbühls Verkehrskadetten-Vision jetzt reif.

Noch wurde an den Einheiten der Kadetten Korps festgehalten. Aber mit der

Zeit wurden auch unabhängige Verkehrskadettenvereine gegründet, welche

die Kadetten Korps ablösten.

Obwohl diese Zusammenschlüsse von Jugendlichen, die den Verkehr regeln,

mehr Ordnung in den Verkehr bringen sollten, waren die Vereine selbst

anfangs noch sehr unorganisiert. Diese Gruppierungen wurden spontan gegründet

und waren deswegen auch nicht juristisch abgesichert, wie wir das

von heute kennen. Zudem waren die Kadetten beim Verkehrsdienst nicht

einheitlich uniformiert. Eines hatten die ersten Verkehrskadetten bereits alle

gemeinsam: Sie streiften ihre Stulpen und Schultergurte über und halfen

den Automobilisten schneller, sicherer und entspannter ans Ziel zu kommen.

Ein Durchbruch war das Jahr 1965, als die Kadetten am Dorffest «1000 Jahre

Ürikon» das Verkehrskonzept erfolgreich umsetzten, ohne über die Bewilligung

von Orts- oder Kantonspolizei zu verfügen. Doch gerade ein solcher

Erfolg gab den Verkehrskadetten den nötigen Aufwind, um sich bei weiteren

Einsätzen das Wohlwollen und die Akzeptanz der Polizei zu verdienen. Weil

das Engagement der Verkehrskadetten bei der Bevölkerung positiv aufgenommen

wurde, konnten die geleisteten Einsatzstunden bald durch Spenden

von begeisterten Veranstaltern und Besuchern belohnt werden.

Der Erfolg der Verkehrskadetten stiess auf den Neid der alten Kadetten Korps.

Diese wollten ihren Mitgliedern verbieten, weiterhin Verkehrsdienst zu

leisten. Denn die übrigen Aufgaben, wie Sport, Musik und Schiessen, im

Kadetten Korps wurden von den Jugendlichen vernachlässigt. Ein Konfliktherd

um die Gunst der Jugendlichen entbrannte zwischen Kadetten Korps

und Verkehrskadettenvereinen. Das Verkehrsdienstverbot der Korps war für

diese aber kontraproduktiv, denn die Jungen und Mädchen wollten nicht auf

den spannenden Einsatz auf der Strasse verzichten.

Damit war 1966 die Zeit reif, dass die Verkehrskadetten unabhängig von den

Kadetten Korps wurden. Um den grossen Zulauf an neuen Mitgliedern besser

verteilen zu können, entstanden regionale Verkehrskadetten-Abteilungen,

wie auch unsere Abteilung Albis eine ist. Mit 50 Jahren gehört die VKA-Albis

zu den ältesten Abteilungen der Schweiz. Aber Heiris persönliche Gründungen

der Abteilungen Rapperswil und Zürcher Oberland liegen noch weiter zurück.

Heiri Guggenbühl hatte mit der Vision der Verkehrskadetten nicht nur die

Idee, Jugendliche in den Verkehrsdienst einzugliedern. Ihm war es ebenso

wichtig den jungen Leuten eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten.

Die Tätigkeit als Verkehrskadetten sollte ihnen Anerkennung geben und sie

in ihrem Selbstbewusstsein stärken. Die Werte der Verkehrskadetten, wie

Disziplin, Ausdauer und Kameradschaft, finden damals wie heute Anklang

bei der Bevölkerung.



14 — GRÜNDUNG UND ENTSTEHUNG

15

Vergleich: 1970 er zu 2020 er

Heiri pflegte zu vielen Abteilungsgründern persönlichen Kontakt. So war es

auch im Fall der Verkehrskadetten-Abteilung Albis. Unser eigener Gründer,

Hansjörg Federer, war während des Militärdienstes immer wieder mit Heiri

Guggenbühl in Kontakt getreten. Hansjörg Federer war Major und gemeinsam

mit Heiri Guggenbühl bei der Militärstrassenpolizei. Dort tauschten sich

Hansjörg und Heiri immer wieder über das Thema Verkehrskadetten aus.

Bis Hansjörg Federer 1970 seine eigene Abteilung im Knonauer Amt gründete.

Was hatte Hansjörg motiviert? Er wollte den Jugendlichen eine sinnvolle

Freizeitbeschäftigung bieten. Die Jugendzeit ist sicher in keiner Generation

ein einfacher Lebensabschnitt. So hielten sich auch in den 70 er Jahren viele

Vorurteile gegen die Jugend. Erwachsene trauten den Minderjährigen wenig

zu und hielten sie für faule, eigennützige Kinder, die mit ihrer Freizeit nichts

anzufangen wissen. Dieser vorgefassten Meinung trat die Verkehrskadetten-

Idee entgegen, da sie Jugendlichen eine sinnvolle Beschäftigung zum Nutzen

der Öffentlichkeit bot, die gleichzeitig spannend, verantwortungsvoll und

lehrreich war.

Von dieser Idee liessen sich Hansjörg und seine Frau Cécile Federer leiten

und begeistern. Heiri Guggenbühl war für beide ein Vorbild. Hansjörg brachte

die nötigen Kenntnisse aus dem Militär mit und Cécile steuerte ihre

Erfahrungen als Pfadiführerin bei. Dies entfachte bei Federers den Mut, die

zehnte Verkehrskadetten-Abteilung der Schweiz zu gründen. Mit der Hilfe

von Heiri und seiner Verkehrskadetten-Abteilung Zürcher Oberland wurde

unser Verein im Herbst 1970 ins Leben gerufen.

An der Gründungsversammlung vom 23. September 1970 wurden die VKA-

Albis formell gegründet und Hansjörg Federer von den Gründungsmitgliedern

zum Präsidenten gewählt.

Ausgangspunkt und erstes Vereinsdomizil der VKA-Albis war die Garage und

der Estrich der Familie Federer in Obfelden. Uniformen wurden in der guten

Stube von Cécile anprobiert. Die Verkehrskadetten-Abteilung Albis waren

also das Garagen-Projekt von Hansjörg und Cécile Federer.

Bereits im Monat nach der Gründung, im Oktober 1970, konnte die erste Ausbildung,

bestehend aus 6 Mädchen und 13 Knaben, lanciert werden. Nach

kurzer Zeit, am 16. Dezember 1970 war die Grundausbildung nach der kritischen

Prüfung des Kantonspolizei Wachtmeisters Emil Gysi abgeschlossen.

Mit den anderen Abteilungen unterhält die VKA-Albis von Beginn an gute

Beziehungen und gegenseitige Unterstützung ist gerne gesehen. Die Zürcher

Abteilungen sind seit ihrer Gründung miteinander befreundet.



16

17

DIE 1970 ER

JAHRE

Damit es überhaupt losgehen konnte mit den Verkehrskadetten, brauchte

es zuerst eine Rekrutierung. In den 1970 er erfolgte die Anwerbung neuer

Verkehrskadetten noch über Zeitungsinserate. Ebenfalls machte sich die Primarlehrerin

Cécile an ihrer Schule für das sinnvolle Hobby stark. Wie viele Zeitzeugen

erzählen, war jedoch Mund-zu-Mund-Werbung am effektivsten. Ein

Jugendlicher erzählt seinen gleichaltrigen Kollegen von den Verkehrskadetten

und der grosse Bruder begeistert seine kleine Schwester für den Verein. Die

positiven Erlebnisse, die Kadetten ihren Freunden und Familienmitgliedern

erzählten, begeisterten ganze Familien von den Verkehrskadetten. Dieses

Engagement für die VKA-Albis setzt sich bei einigen Familien auch über

mehrere Generationen fort.

Ein anderes Glück begleitet unseren Verein ebenfalls seit nunmehr 50 Jahren.

Nämlich dürfen wir seit Beginn auf eine gute Zusammenarbeit mit Gemeinden

und Polizei zurückblicken. Dies ist sicherlich nicht selbstverständlich.

Anfangs galt es noch zahlreiche Vorurteile gegen unser junges Hobby abzubauen.

Vom Vorwurf der Kinderarbeit, der unverantwortlichen Schadstoffbelastung

oder der Unprofessionalität der Kadetten konnten sich die VKA-Albis

aber schnell befreien. Für die Verkehrskadetten sprach nämlich, dass bis

dahin verschlossene Jugendliche durch das bei den Verkehrskadetten erworbene

Selbstvertrauen aufblühten. Plötzlich konnten introvertierte Jugendliche

vor einer Gruppe sprechen oder zeigten kameradschaftliche Hilfsbereitschaft.

Unter den ersten Verkehrskadetten war auch ein Sekundarschüler der

schwächsten Klassenstufe. Dieser hatte wenig Selbstvertrauen in der Schule

und war ein schwacher Schüler, so dass seine Lehrer den Glauben an ihn verloren

hatten. Bis er bei den Verkehrskadetten die Förderung, Anerkennung

und das Selbstbewusstsein erlangte, um später auch die Kaderausbildung

dort zu machen. Später ist aus ihm ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden.

Ein Erfolg und Verdienst der Verkehrskadetten, der sich in der Vereinsgeschichte

mehrfach wiederholt hat. Die VKA-Albis bietet vielen jungen

Leute eine Perspektive, etwas im Leben zu erreichen.



18 — DIE 1970 ER JAHRE 19

Auch um die Gesundheit der Jugendlichen waren Eltern und Politikerinnen

in den 70 er Jahren besorgt. Doch Messungen haben damals gezeigt, dass

die Abgasbelastung in der Mitte der Strasse sogar niedriger ist als auf dem

Trottoir. Umso wichtiger war die Unterstützung durch Amts- und Würdenträger

in der Gründerzeit, die den positiven Effekt der Verkehrskadetten

auf die Mobilität, Öffentlichkeit und Bevölkerung betonten. Ohne ihre Unterstützung

wären die VKA-Albis nicht 50 Jahre alt geworden.

Der neu gegründete Verein hatte zwar erste Mitglieder angeworben und

die Akzeptanz in der Öffentlichkeit erlangt. Doch zu Beginn war der Verein

finanziell noch nicht auf Rosen gebettet. Bereits am Anfang standen die

VKA-Albis vor finanziellen Herausforderungen. Die nötigen Anschaffungen

waren teuer und gingen daher anfänglich noch grösstenteils zu Lasten der

Familie Federer. Doch alles Risiko und alle Schwierigkeiten schreckten sie

nicht ab. Ihr Traum von einer sich selbst finanzierenden, gemeinnützigen

Jugendorganisation sollte wahr werden. Aber es dauerte lange, bis die Einnahmen

ein gesundes Polster angehäuft haben. Noch bis in die 1990 er Jahre

war eine Anschaffung eines weiteren Funkgeräts eine einschneidend teure

Investition und ein Kauf, wie das heutige VK-Haus in Mettmenstetten, schien

unmöglich. Dafür konnte zu Beginn Signalisationsmaterial von der Kantonspolizei

günstig übernommen werden. Ein erster bewilligter Bankkredit von

5000 Franken war eine grosse Erleichterung. Das Geld kam dem Kauf eines

Busses zugute.

Die Ausbildung dauerte in den 70 er Jahren von Ende Oktober bis Ende

Dezember, was im Gegensatz zu heute nur halb so lange war. Das Ausbildungslokal

war damals das Schulhaus Butzen in Affoltern am Albis.

Der allererste Einsatz der VKA-Albis fand am 22. Dezember 1970 während

des Abendverkaufs in Affoltern am Albis statt. Darüber berichtete sogar der

lokale Anzeiger. Die Parkplätze Kronenplatz, Arche und Merkur wurden

zu den Verkaufszeiten von den Verkehrskadetten gefüllt. An der Ein- und

Ausfahrt zum Parkplatz regelte ein weiterer Kadett den Verkehr, damit

die Autos rasch auf den Parkplatz abbiegen durften und der Verkehr dann

anschliessend weiterrollen konnte.

Die Einsätze im Winter waren hart und es galt ebenfalls eiserne Disziplin,

was unentschuldigtes Fernbleiben vom Einsatz betraf. Wer zweimal unentschuldigt

fehlte, der brauchte kein drittes Mal mehr zu kommen.

Zu den ersten Dauereinsätzen gehörte der Parkplatzdienst beim Migros in

Affoltern am Albis. Witterungsabhängig war dagegen der Einsatz auf dem

verschneiten Albispass. Auf dem 794 Meter Berg konnte man bis 1990 noch

Skifahren. Sofern es die Besuchermassen noch zuliessen, sorgten die Verkehrskadetten

für das Durchkommen des Strassenverkehrs, parkierten Autos

für die Hilfspolizei Langnau am Albis und leisteten bei Skiunfällen Erste Hilfe

und transportierten Verletzte sogar zum nächsten Arzt oder ins Spital. Die

weisse Uniform im weissen Schnee bot einen herrlichen Anblick. Nur gab

sie nicht sehr warm. Da half auch der orange Regenmantel wenig. Trotz

beheiztem Pausenraum war es jeweils ein sehr strenger Einsatz, der Ausdauer

erforderte. Die schöne, weisse Uniform hatte auch ihre Tücken. So bekam

die Verkehrskadettin Monica Masanti an einem sehr kalten Tag von einer

Frau eine heisse Ovomaltine geschenkt. Leider verschüttete sie das Getränk

und musste den Einsatz in der nicht mehr weissen Uniform zu Ende bringen.



Der Einsatz Türlersee war ebenfalls einer der ersten Einsätze in der Vereinsgeschichte.

In den 50 Jahren unseres Bestehens durften wir jährlich dort

Einsatz leisten. Egal ob bei warmem Sommerwetter oder bei gefrorenem

Seespiegel. Die Parkplätze wurden durch uns bis zum Maximum genutzt

und gleichzeitig die Zufahrten der Anwohner freigehalten. Schon in den

70 er Jahren gab es sehr heisse Sommertage, an denen man auf dem Parkplatz

fast zu schmelzen drohte. Doch damals wie heute sind Tenueerleichterungen

verboten. Interessanterweise wurden schon in jener Zeit die Forderung nach

sommertauglichen Uniformen laut. Ein luftiges Gilet wurde gefordert. Bis

heute gibt es diesen Uniformbestandteil noch nicht, aber vielleicht bei der

nächsten Uniform-Reform.

Ein blühendes Ausflugsziel muss mit dem Seleger Moor noch erwähnt werden,

dass bis in die 2010 er Jahre ein beliebter Schönwetteranlass war. Hier

wurden die Parkierkünste eines jeden Verkehrskadetten herausgefordert,

wenn 30 Reisebusse und 2000 Autos ihren Standplatz beanspruchten. Nicht

selten war das ganze Feld zwischen Albis- und Hauserstrasse besetzt. Der

Einsatzleiter überblickte den Einsatz vom Hochsitz auf dem Baum. Dieser

Kommandoposten wurde vom seinerzeitigen Einsatzleiter Hansruedi Bircher

geschreinert. Ab Ende der 70er Jahre war im Seleger Moor häufig das Fahrzeug

Dodge WC 52 im Einsatz. Der Grund war seine Seilwinde, die oft für den

Abschleppdienst gebraucht wurde. Der Dodge wurde von Hansjörg aus alten

Armeebeständen angeschafft. Später ging es in den Besitz von Hansruedi

Bircher über, der in der Nähe des Seleger Moors seinen Bauernhof bewirtschaftete

und den Dodge weiterhin zur Verfügung stellte.

Daneben gab es in den 70 er Jahren noch weitere spannende Einsätze, wie

die Einweihungsparty der Seidenstoffweberei Haas in Ottenbach im Jahr

1972, wie der Kommentar einer Kadettin zu diesem Einsatz zeigt:

20 — DIE 1970 ER JAHRE 21

«

Ich war an einem schönen Samstagnachmittag mit Paty bei der Weberei

Haas im Einsatz. Zu Beginn war es uns so richtig langweilig, denn es hatte

fast keinen Verkehr. Doch es sollte anders kommen, als wir zu Beginn

dachten. Der kleine Parkplatz vor der Weberei Haas war schnell gefüllt

und wir wussten bald nicht mehr, wohin wir die vielen Autos, welche

ununterbrochen hinzukamen, platzieren sollten. Da kam Herr Haas

angesprungen und erklärte uns, dass wir hinter der Fabrik noch Autos

hinstellen können. Paty wies den nervösen Autofahrern die Parkplätze

zu, da ich auf der Kreuzung den Verkehr regelte. Jedoch genügte bald

auch dieser Platz nicht mehr, um allen Besuchern einen Parkplatz anbieten

zu können. Nun blieb mir nichts anderes mehr übrig, als dass ich die

Autofahrer weiterschicken musste; ich deutete ihnen an, dass sie beim

Restaurant Reussbrücke parkieren können, was sie auch befolgten. Man

konnte am Gesicht von Herrn Haas ablesen, dass er überglücklich war,

so viele Kunden an einem Samstag im Geschäft begrüssen zu dürfen.

»

Abends nach Ladenschluss war es wieder still und einsam in der Weberei

Haas. Als der Einsatz fertig war, räumten wir noch die aufgestellten

Triopane zusammen und machten uns auf den Heimweg. Wir waren doch

froh, dass wir diesen strengen Einsatz heil überstanden hatten. Noch die

folgenden Tage erinnerten wir uns an diesen Grosseinsatz, da uns beiden

die Arme noch eine Zeitlang schmerzten.

JUDITH HUG, VERKEHRSKADETTIN



22 — DIE 1970 ER JAHRE 23

der die Ausbildung der Kadetten übernahm und so die Verkehrskadetten

prägte. Er überwachte Kader-, Fahrer- und Nothelfer-Ausbildungen und verlieh

den fähigsten Verkehrskadetten auch die Beförderung. Seine Ausbildung

war streng, aber gerecht und auch manchem Autofahrer brachte er noch

bei, dass die Zeichen der Verkehrskadetten genauso verbindlich sind, wie

diejenigen eines Polizisten.

Der Abhol- und Bringservice der VKA-Albis war schon von Anfang an sehr

wichtig und geschätzt, weil nur so Jugendliche aus allen Teilen des Einzugsgebietes

diesem Hobby nachgehen konnten. Selbständig hätten die Distanzen

nicht überwunden werden können.

Eine aus der heutigen Sicht etwas ungewöhnliche Aktion wurde während

6 Wochen um die Augustzeit 1974 durchgeführt: Nach einer Abmachung

mit dem Bezirksspital Affoltern am Albis erbrachten Verkehrskadetten ab

16 Jahren eine besondere Leistung. An den Wochenenden halfen sie beim

Betten, Aufräumen und Essenausteilen. Weiter lernten sie den Umgang mit

Patienten, den sie bei der Anwendung der Ersten Hilfe einsetzen konnten.

Dieser Dienst dauerte am Samstag von 15 bis 18 Uhr, am Sonntag von 7 bis

12 Uhr. Den Jugendlichen hatte dieser Dienst viel Freude bereitet, bis das

Spital genügend eigene Pfleger hatte.

Seit 21. August 1979 standen die Verkehrskadetten beim Migros Affoltern

am Albis. Jeweils am Samstag von 10 bis 16 Uhr waren dort 4 Kadetten

im Einsatz und füllten den Parkplatz mit einkaufsfreudigen Automobilisten.

Praktisch an diesem Einsatz war, dass die Jugendlichen der Gemeinde

Affoltern am Albis hier einen Eindruck von den Verkehrskadetten bekamen

und sich wegen dieser eindrücklichen Erfahrung gleich zur nächsten Ausbildung

anmeldeten. Es überrascht deswegen auch nicht, dass zu dieser Zeit

die meisten Kadetten aus Affoltern am Albis stammten.

Diese Einsätze im Bezirk Affoltern kamen unter anderem wegen der guten

Zusammenarbeit mit Emil Gysi, dem Postenchef der Kantonspolizei Affoltern

am Albis, zustande. Vom gleichen Polizeiposten stammte auch Christian Blaser,

Zum Aufgebot soll ein Wort verloren werden. Das Aufgebot ist ein tabellarischer

Einsatzplan. Darauf sind alle aktiven Mitglieder verzeichnet und

an jedem Einsatztag sehen die aufgebotenen Kadetten dort ihre Abholzeit.

Aber noch mehr Informationen stehen auf dem Aufgebot. Der Einsatzort, die

Dauer und der Fahrer werden auf dem Aufgebot vermerkt. Zusätzlich sind

die Abmeldungen aller Kadetten auf dem regelmässig erscheinenden Aufgebot

zusehen. Die ersten Pläne dieser Art schrieb Cécile Federer in den 70 er

Jahren noch von Hand und die Fahrt- und Abholzeiten musste sie auswendig

können oder nach Gefühl schätzen. Google Maps und der Fahrzeitenrechner

war noch nicht erfunden. Während Hansjörg Federer also die Einsätze und

die Ausbildung koordiniert, sorgte Cécile für die Büroarbeit den Briefversand

und eben das Aufgebot.

Weil der Einsatz doch sehr an Arbeit erinnert, brauchte der Verein auch

einen Freizeitaspekt. Die Anlässe und Aktivitäten wurden dafür immer sehr

geschätzt. Mit den ersten Erträgen aus Einsätzen wurden deshalb nicht nur

Uniformen, Fahrzeuge und Vereinszentralen finanziert, sondern auch die bis

heute beliebten Freizeitanlässe wie Sommer- und Skiweekend ermöglicht.

So gab es schon in den ersten Vereinsjahren unvergessliche Ausflüge und

gesellige «Höcks» mit Soldauszahlung. Aber auch nach dem Einsatz gab es

oft im Anschluss noch ein geselliges Programm für die Kadetten. Man blieb

noch am Anlass oder kehrte auf der Rückreise irgendwo ein.



24

DIE 1980 ER

JAHRE

Einsatz Silvesterlauf 1996, Zürich

Hans-Peter Krieg über nahm den Staffelstab des Präsidiums in den 80 er

Jahren. Er schätzte die Leistung der Federers, die ihm einen soliden Jugendverein

übergeben hatten. Er sorgte für mehr Professionalisierung und für das

Aufteilen von Aufgaben. Er erweiterte die Rangabfolge im Kader. 1982 wurde

offiziell der Rang des Oberzugführers eingeführt und Priska Federer war die

erste, die diesen höchsten Rang bekleidete. Die Mannschaft war in dieser Zeit

auch noch streng in zwei Zügen und in darin enthaltene Gruppen unterteilt.

Die Rangbezeichnungen spiegelten damals somit praktisch die Organisation

der Mannschaft wider, was mit der Zeit an Bedeutung verlor.

Unter der Führung von Priska Federer und in Zusammenarbeit mit dem damaligen

Einsatzleiter, Richard Kägi wurde eine Ausbildungskommission und

die Formalisierung von Führungs- und Kaderausbildungen geschaffen. Der

Ausbildungschef wurde neu von einer Gruppe von Kadern bei der Aus- und

Weiterbildung unterstützt. Somit mussten die Aufgaben nicht mehr alleine

bewältigt werden, wie dies noch Hansjörg Federer oder Christian Blaser taten.

Zum Erfolg des vormaligen Chefs der Ausbildung, Christian Blaser, gehörte

es auch, den Automobilisten Respekt vor den Verkehrskadetten beizu bringen.

Christian Blaser, der für die VKA-Albis lange einen guten persönlichen Kontakt

zur Polizei aufrechterhielt, war ein Stützpfeiler der wachsenden Organisation.

Er sorgte dafür, dass von Zeit zu Zeit eine Polizeistreife bei den Einsätzen der

Verkehrskadetten vorbeifuhr und rücksichtslose Autofahrer, die sich nicht an

die Zeichen der Verkehrskadetten hielten, an Ort und Stelle angehalten und

verzeigt wurden.



26 — DIE 1980 ER JAHRE 27

In dieser Dekade stieg der Bestand von 20 auf 50 aktive Verkehrskadetten

an. Die Einsatz- und Personalplanung musste dementsprechend angepasst

werden. Von andauernder Überlastung schwenkte das System in eine gleichmässige

Verteilung der Einsatzstunden. Der Einsatzleiter und der Chef der

Aufgebotsstelle mussten sich einen Überblick über Vielsteher und selten

eingesetzte Verkehrskadetten verschaffen. Eine Aufgabe, die noch immer

ohne Computer dafür mit viel Hirnschmalz, Stift und Papier gelöst wurde.

Personen wie Hans-Peter Krieg, Hansruedi Bircher, Beat Rieder und Richard

Kägi erinnerten sich an diese anspruchsvolle Aufgabe. Der eine Telefondraht

der Aufgebotsstelle lief damals Dienstag für Dienstag heiss. Dadurch

waren die Meldungen aber auch direkt und persönlich, erinnern sich die

Aufgebotsstellen-Leiter von damals.

Der Zuwachs schlug sich auch in den geleisteten Einsatzstunden nieder,

die im Bereich von 4000 Stunden lagen.

Die VKA-Albis waren an verschiedenen Velorennen dabei und sperrten die

Strecke. Aber auch semiprofessionelle Anlässe wie das Bankenrennen wurden

von den Verkehrskadetten abgesichert. Auch an der Tour de Suisse war unsere

Abteilung mehr als einmal am Streckenrand und als Verkehrsdienstleister zu

sehen. Vor allem als Affoltern am Albis 1987 Etappenziel des Velo rennens war.

Auch in den 80 er Jahren waren die VKA-Albis weiterhin auf dem Albis im

Einsatz. Christian Frei erinnert sich an einen enorm kalten Einsatz auf dem

Albis, als er seine Kappe vergessen hatte. Es herrschten gefühlte – 10 Grad

und auf dem Podest des Verkehrsdienstleisters kam noch eisiger Durchzug

dazu. Christians Ohren mussten so rot wie eine Ampel geleuchtet haben, als

ein Passant ihm sein Stirnband lieh.

Hansruedi Bircher und Beat Rieder hatten in den 80 er Jahren keine Hilfsmittel,

ausser ihrem Gedächtnis, um Fahrpläne zu erstellen. Dafür setzten sie

einen Spiritusmatrizendrucker zur Vervielfältigung ein. Das hatte aber leider

die Kehrseite, dass bei einem Fehler am unteren Ende die ganze Vorlage

unbrauchbar wurde und von neuem geschrieben werden musste.

Eine neue Erfindung brachte Richard Kägi in die Aufgebotsstelle ein. Er hatte

eine Kontingenztafel geschrieben, in der alle Orte und Anfahrtsziele standen.

Diese Kontingenztafel funktioniert wie folgt: In den Spalten und Zeilen waren

alle Abfahrtsorte aufgelistet und in der Schnittstelle zweier Orte stand die

dafür nötige Fahrtdauer. Damit konnte man auch ohne eigene Reiseerfahrung

ein Aufgebot mit realistischen Fahrzeiten erstellen.

In den 80 er Jahren konnte auch ein Einsatz gewonnen werden, der für mehr

als ein Vierteljahrhundert zu den Einsätzen der VKA-Albis gehören sollte.

Von 1987 bis 2013 waren die Verkehrskadetten Samstag für Samstag

beim Letzipark in Zürich Altstetten im Einsatz. Als abwechslungsreich und

fordernd bleibt dieser Einsatz in Erinnerung. Hier wurde regelmässig Verkehrsdienst

geleistet. Oftmals sorgten noch vorbeiziehende Fussballfans für

zusätzliche Herausforderung. Dieser Einsatz wurde erst durch den Umbau

und die neue Zürcher Verkehrsführung beendet. Aber noch heute freuen

wir uns zum Weihnachtsverkauf an die obere (Baslerstrasse) und untere

Kreuzung (Hohlstrasse) zurückzukehren. Von dort haben wir auch viele neue

Mitglieder angeworben, die beim Einkaufsbummel von den Verkehrskadetten

begeistert wurden.

Einsatz Wickinger Ranch 1996, Rottenschwil



28

29

DIE 1990 ER

JAHRE

In diesem Zeitabschnitt wurde es einer grösseren Anzahl von Vereinsmitgliedern

ermöglicht, sich ausserhalb des Einsatzes für den Verein zu engagieren.

Ein Prozess der Spezialisierung der Ämter machte sich bemerkbar. Weg von

Personalunionen (Hansjörg Federer, Ricardo Bischofberger, Richard Kägi)

hinzu breiteren Strukturen. Ebenfalls wurde mehr Eltern und externe Leute

hinzugezogen. Man könnte fast sagen, dass aus einem Garagenprojekt eine

Art kleines Unternehmen geworden ist, das von Jugendlichen weitgehend

selbständig unterhalten wird.

Im Anzeiger des Bezirks Affoltern wurde in den 90 er Jahren auf eine seit

langem bestehende Unterbesetzung bei den Verkehrskadetten aufmerksam

gemacht. Seit 1986 waren die Bestandszahlen gesunken und die Ausgaben

gestiegen. An der Generalversammlung im Jahre 1990, war wohl kein gutes

Gefühl in der Runde, als man die Jahresrechnung vom vergangenen Jahr

präsentieren musste. Das Defizit betrug rund 5800 Franken. Es scheint fast

so, als ob man sich die Fahrzeuge als Luxus leistete, denn sie waren mit rund

25 000 Franken Wert ein grosser Posten in der Bilanz, während das Eigenkapital

nicht einmal mehr 3000 Franken betrug.

Der damalige Präsident, Richard Kägi, verfolgte das Ziel, den Soll-Bestand

der Verkehrskadetten zu erhöhen und die Vereinskasse für überraschende

Ausgaben ausreichend zu füllen. Das wurde nach den Verlusten der letzten

Jahre auch bitter nötig, um beispielsweise die Fahrzeugflotte, die bereits ein

Finanzrisiko darstellte, bewahren zu können. Kägi stellte mit seiner Sanierungspolitik

den Aufrechterhalt des Dienstbetriebs auf weiter Jahre sicher.

Richard Kägi kam zum ersten Mal mit den Verkehrskadetten in Kontakt als

er in Urdorf die Oberstufe besuchte. Ein gleichaltriger Kollege, Bruno Nägeli,

war seit den späten 70 er Jahren bei der VKA-Albis und suchte in der Gemeinde

begeistert nach neuen Kameraden. Mit dem Fahrausweis war Kägi 1980

sofort zum Fahrer geworden. Ebenfalls hatte er die Kaderlaufbahn durchlaufen,

wurde Einsatzleiter und von 1989 – 1991 Präsident.



30 — DIE 1990 ER JAHRE 31

Im Jahr 1991 wurde Peter Strittmatter Einsatzleiter der VKA-Albis. Dieses

Amt bekleidete er für 10 Jahre. Peter fing im Jahr 1981 bei der VKA-Albis an

und ist seit damals eine feste Stütze für den Verein. Als Einsatzleiter in den

90er Jahren sorgte Peter für mehr Einsätze. Er professionalisierte Einsatz -

akquise, die Administration und sorgte für die erste Digitalisierung des Vereins.

Peter Strittmatter war prägend für die Professionalisierung des Vereins und

die Weiterentwicklung zu einer Art kleines Unternehmen. Durch seinen persönlichen

Hintergrund und seinem Wissen als Informatiker ETH hat er dem

Verein bereits Anfangs der 90er Jahre einen ersten Digitalisierungsschub

verpasst. Peter hat eine Access Datenbank erstellt, in der alle Mitgliederinformationen,

Aufträge und die daraus resultierende Stundenkontrolle

erfasst waren. Dies führte auch zur Einführung der bis heute bestehenden

Personalnummern. Diese Digitalisierung führte zu einer Effizienzsteigerung

der administrativen Abläufe. Was früher mühsam von einem Papierdokument

auf ein anderes übertragen werden musste, konnte mit ein paar Klicks

abgerufen werden. Diese Effizienzsteigerung war auch nötig, da sich die

Auftragslage auch dank der guten Einsatzakquise positiv entwickelt hat. Dies

führte zu einem erhöhten Arbeitsaufwand des Einsatzleiters Peter. Dank der

Digitalisierung war dieser Aufwand überhaupt noch zu bewältigen. Mit dieser

ersten Digitalisierung legte Peter auch den Grundstein für die spätere digitale

Weiterentwicklung des Vereins.

Peter Strittmatter, Aufgebotsstelle 2000, Obfelden

Einsatz Ostermarkt 1997, Bremgarten

Seit den 90er Jahren wird die Idee der Verkehrskadetten auch durch gezieltes

Anschreiben im ganzen Abteilungsgebiet bekannt gemacht. Die Zeitungsinserate

zur VK-Anwerbung brachten kaum mehr Erfolg. Dafür wurde

ab 1991 damit begonnen, 12 bis 14-jährige Jugendliche im Einsatzgebiet

direkt anzuschreiben und zu einem Informationsabend einzuladen. Die erste

derartige Werbeaktion im Jahr 1991 in Langnau war ein voller Erfolg. In

den darauffolgenden Jahren wurde die Werbung auf weitere Gemeinden

ausgedehnt.

1993 konnte eine alte Militärbaracke an der Bächlerstrasse 16 in Obfelden

als neues Vereinslokal bezogen werden. Die alte Militärbaracke wurde mit

viel Liebe und Fleiss auf Vordermann gebracht und diente so als Vereinslokal

mit Büros für die Einsatzleitung und Aufgebotsstelle und mit Räumen für die

Ausbildung und für Sitzungen.



32 — DIE 1990 ER JAHRE 33

Interview

mit Peter Weiss,

5. Präsident

1991 – 1994

WIE SIND SIE AUF DIE VKS AUFMERKSAM GEWORDEN ?

Der Gründungspräsident Major Federer stellte ein Inserat in den Affoltern-

Anzeiger: Jugendorganisation Verkehrskadetten sucht Leute.

Ich meldete mich und war der erste Verkehrskadett aus der Gemeinde

Hedingen. Mit in der ersten Mannschaft war Herr Krieg, der später auch

Präsident wurde, der Besitzer der Firma «Willy's Wohnwagen» von Affoltern

Willy Zimmermann und Herr Bischofberger.

WAS GAB ES FÜR PERSÖNLICHE VERÄNDERUNGEN

VOR / WÄHREND / NACH DEM PRÄSIDIUM ?

Am Anfang hatte man keine Ahnung von Verkehrszeichen und hat diese

dann erstmals im Trockenen geübt. Später setzte man dann das geübte auf

dem Kronenplatz in Affoltern in die Praxis um. Man brauchte Mut und sonst

lernte man Mut zu bekommen. Man lernte Disziplin, klare Zeichen zu geben

und Überzeugungskraft. Später in der Kaderschule lernte man Führungsstil,

Führungstechnik und richtig Befehle zu geben.

WIE HABEN SIE DIE BARACKE, DIE DAMALS

ALS VK-HAUPTQUARTIER DIENTE, ERWORBEN ?

Das erste Hauptquartier der VKA-Albis war ein Raum in der ehemaligen

Weberei Näf in Affoltern. Das Gebäude wurde dann abgebrochen und wir

mussten raus. Danach zogen wir in den Keller des Restaurants Weingarten

in Affoltern, wo wir zuerst neue Böden verlegen mussten. Später wechselten

wir dann zu einem Raum in Obfelden an der Wolserstrasse.

vor dem Bankrott. Da wieder mehr Verkehrskadetten dem Verein beitraten,

brauchten wir einen neuen Raum. Dazumal stand gerade die alte Militärbaracke

in Obfelden frei. Diese bot sich perfekt an. Ich rief den Gemeindepräsidenten

von Obfelden eines Tages also an und fragte, ob wir diese Baracke

aus platztechnischen Gründen als Verein haben dürften. So konnten wir die

Baracke dann mieten.

Für die Verkehrskadetten war das nicht nur der Materialraum und die Zentrale,

sondern auch der Raum zum Rumhängen und sich mit den Kollegen

aus dem Verein zu treffen.

Da die Türe und das Schloss der Baracke nicht sonderlich stabil waren schuf

ich eine Zellophan-Türe mit einem Drei-Punkte-Schloss an.

Nach meiner Amtszeit bekam ich mit, dass es in Obfelden gebrannt hat.

Angeblich ist die Militärbaracke niedergebrannt. Wie ich später erfuhr, hat

die Feuerwehr die Türe mit dem Drei-Punkte-Schloss nicht aufgebracht und

musste mit ansehen, wie die Baracke gebrannt hat. Zum Glück waren einige

Fahrer der Verkehrskadetten in der Nähe, die dann die Türe mit dem Schlüssel

öffnen konnten. Einige Materialien und Unterlagen blieben zum Glück

noch erhalten.

DANKE FÜR DIESEN EINBLICK

Ein paar Jahre später wurde ich von Richard Kägi gefragt, ob ich nicht Präsident

sein möchte. Da ich als Einsatzleiter ein sehr gut informierter unter

den VKs war. Zu diesem Zeitpunkt lief mit den Verkehrskadetten alles schief.

Es waren zu wenig stehende Verkehrskadetten und der Verein war kurz



34 — DIE 1990 ER JAHRE

Der beliebte Einsatz Bremgarten Markt kam in dieser Zeit auf. Zu jeder Jahreszeit

war hier etwas los, ob Oster-, Pfingst-, Herbst- oder Weihnachtsmarkt. In

den besten Zeiten waren jeweils bis zu ungefähr 40 Verkehrskadetten im Einsatz.

Sie sorgten im Oberdorf dafür, dass die Autofahrer nicht in den Wohnquartieren

parkierten und führten die Fussgänger sicher über die grosse

Kreuzung. Im Unterdorf füllten die Verkehrskadetten die grossen Parkplätze

ehemalige Papierfabrik und Waffenplatz.

Der Rang des Gefreiten wurde 1994 neu eingeführt. Ob diese neue Abstufung

der Mannschaft den Verein ähnlich geprägt hat, wie der Rang des Oberzugführers,

ist unklar. Auf jeden Fall kann die Ausbildungskommission seit

diesem Jahr besonders herausragende Leistungen von Verkehrskadetten mit

diesem Rang auszeichnen und mit einem zusätzlichen Franken Sold belohnen.

Derweil fand die Grundausbildung in dieser Zeit noch immer unter der Woche

nach Schulschluss statt. Am Abend erschienen die Anwärter ähnlich wie zum

Sporttraining in der Baracke. Dies war neben den Schulaufgaben eine grosse

Herausforderung.

25-jähriges Jubiläum 1995, Obfelden

Im Jahr 1995 feierte die VKA-Albis ihr 25-jähriges Jubiläum in der Baracke.

Auch konnten immer mehr Aktivitäten ausserhalb der Einsätze angeboten

werden, wie das Sommerlager. Die südfranzösische Gemeinde le Grau-du-roi

empfing von da an für einige Jahre die Zeltstadt der Verkehrskadetten mit

Sonne, Sand, Meer, Jet-ski, Go-Kart und vielem mehr. Später folgten Korsika

und weiter Destinationen in Südfrankreich.

An der Generalversammlung von 1998 verliess der Beisitzer der Gemeinde

Affoltern den Vorstand. Dieser Beisitzer war niemand geringeres, als der

legendäre Sportreporter und Gemeinderat Hans Jucker. Er hatte sich zuvor

jahrelang als Polizeivorstand für die Verkehrskadetten eingesetzt. Die

humoristischen Stegreifreden der TV-Legende an den Generalversammlungen

blieben den Anwesenden lange in Erinnerung. Der Tod des Fernsehstars im

Jahr 2011 bewegte auch die Verkehrskadetten.



36 — DIE 1990 ER JAHRE

VK-Raum, Obfelden

Die Verkehrskadetten profitieren von ihren langjährigen, guten Beziehungen

zur Polizei und zu den kommunalen Behörden, als Ende der 90 er Jahre immer

mehr Gemeinden erlaubten, einmalig ihre 13-jährigen Jugendlichen mit

einem Werbeflyer anzuschreiben. Was 1991 in Peter Strittmatters Wohnort

Langnau am Albis seinen Anfang nahm, wurde jetzt im ganzen Vereinsgebiet

angewendet. Von den Zeitungsinseraten hatte sich die VKA-Albis wegbewegt

und machte jetzt direkt bei den Jugendlichen Werbung. Damit sind die

Zuläufe an Infoabenden und in der Ausbildung nochmals gestiegen und verblieben

auf ihrem noch heute hohen Niveau. Dadurch konnte dem ebenfalls

gesteigerten Verkehrsaufkommen mit genügend Verkehrskadetten begegnet

werden. Eine Zunahme von Verkehr, Einsätzen und Vereinsmitgliedern ging

zusammen einher. Durch das Wachstum wurden die etablierten Lösungen

auch herausgefordert, weshalb eine Weiterentwicklung, wie der direkte Versand

von Werbeflyern an die 13-jährigen Jugendlichen im Einzugsgebiet, auch

nötig wurde. Die Anwerbung von neuen Mitgliedern ist seit der Gründung

ein Kernanliegen der VKA-Albis. Die ständigen Anwerbungen sind aber kein

Zeichen von unstillbarem Wachstumsverlangen, sondern sind notwendige

Massnahmen, um den Verein am Laufen zu halten. Die Jugendlichen treten

während einer turbulenten Lebensphase in den Verein ein. Schulischer Leistungsdruck,

Berufsbildung und Pubertät sorgen für eine hohe Fluktuation im

Verein. Durchschnittlich wird pro Jahr ein Drittel des Mannschaftsbestandes

ausgetauscht. Dem kann nur mit genügend Nachwuchs begegnet werden.

Wer aber schon viele Jahre bei den Verkehrskadetten im Verein war, der

bleibt unserer Abteilung auch im Erwachsenenalter treu. Die Aufgaben verändern

sich aber, denn unsere Ü20 Mitglieder werden öfters auf dem Fahrersitz,

in verschiedenen Ämtern und im Vorstand gesehen, als auf der Kreuzung

beim Winken. Deswegen besetzten Verkehrskadetten lange Zeit ihren

Vorstand ausschliesslich mit ehemaligen Kadetten. Doch nicht nur Kadetten

engagierten sich abseits der Kreuzung. Mit der Zeit wurde der Verein auch

mehr den Eltern geöffnet, was einerseits eine schöne Bereicherung und andererseits

auch eine nötige Veränderung war. Nicht nur brauchte es erwachsene

Fahrer, die unsere Vereinsfahrzeuge chauffieren, auch im Vorstand und

in verschiedenen Ämtern setzten sich Mitglieder ohne Kadettenlaufbahn ein.

«

Einer dieser Amtsträger war Jürg Benz, der 7. Präsident der Verkehrskadetten.

Sein erster Kontakt mit der VKA-Albis fand im Jahr 1992 statt, als sein Sohn

Marcel in die Abteilung aufgenommen wurde. Damals wusste er noch nicht

was dieser Verein macht, doch war es eine gute Entscheidung. Doch bis ins

Jahr 1998 ging das ohne seine Beteiligung an ihm vorbei. Dann wurde er

plötzlich bearbeitet, weil ein Präsident fehlte und viele aus dem Verein auf

ihn zukamen. Damals war es dem Einsatzleiter Peter Strittmatter, der Grundausbildungsleiterin

Nadia Bürki und seinem Sohn Marcel Benz wichtig, Jürg

Benz für den Vorstand und als Präsidium zu gewinnen. Im Jahr 1999 wurde

Jürg zum neuen Präsidenten, Priska Wyser-Federer war Vizepräsidentin.

In der gleichen Zeit ergänzte Maria Rubin als Kassierin den Vorstand. Maria

Rubin führt bis heute, im Jahr 2020, die Finanzen der VKA-Albis. Jürg konnte

noch die wunderschön ausgebaute ehemalige Militärbaracke bewundern.

Auf einer Ferienreise im Fernen Osten telefonierten Jürg und Marcel noch,

aber nur wenige Tage später musste der Präsidenten bei seiner Rückkehr das

am 24. Oktober 1999 abgebrannte Vereinslokal anschauen.

Am 25. Oktober 1999 berichtete der Tagesanzeiger über den Brand in der

VK-Zentrale in Obfelden. Das vereinsinterne Communiqué lautete wie folgt:

Brand im VK-Raum: Am letzten Sonntag 24.10.1999 ca. um 10.30 Uhr ist in

unserem VK-Raum ein Brand ausgebrochen. Der grosse Ausbildungsraum

ist dabei völlig ausgebrannt. Das technische Material (Funk, Triopane

usw.) ist ebenfalls fast vollständig zerstört worden. Auch die übrigen

Räume sind durch Rauch-, Hitze- und Wasserschäden stark in Mitleidenschaft

gezogen worden und nicht mehr benutzbar.

Als Brandursache kommt ein Kurzschluss oder technischer Defekt eines

elektrischen Gerätes in Frage. Brandstiftung kann ausgeschlossen werden.

Glücklicherweise sind fast alle Unterlagen der Aufgebotsstelle und der

Buchhaltung noch vorhanden.

INFO AN ALLE VEREINSMITGLIEDER UND ANWÄRTER,

28.10.1999 REMO LEUPP UND PETER STRITTMATTER

»



«

Vorläufiger VK-Raum und Aufgebotsstelle: Bis auf weiteres konnten wir

uns in einem Raum in der Mehrzweckanlage Brunnmatt provisorisch

einrichten. Dort sind vorläufig die Aufgebotsstelle sowie das (noch vorhandene)

technische Material für Einsätze untergebracht. Die Fahrzeugschlüssel

sowie das aktuelle Aufgebot befinden sich ebenfalls in diesem

Raum. Sobald wie möglich werden wir in der Türe zu diesem Raum ein

Schloss (blaue Schlüssel) des ehemaligen VK-Raumes montieren. Bis es

soweit ist, ist ein Schlüssel im Kommandoraum der Feuerwehr deponiert.

(Bitte bei Entnahme in Schlüsselliste eintragen!) In den Kommandoraum

gelangt man mit einem Zahlencode, der auf Anfrage erhältlich ist (Vorstand

oder Team Aufgebotsstelle fragen).

»

38 — DIE 1990 ER JAHRE

Die Telefonnummern und Korrespondenzadressen bleiben wie bisher.

Die Fahrzeuge werden auf dem grossen Kiesparkplatz abgestellt. Der

Vorstand ist mit der Gemeinde im Gespräch über das weitere Vorgehen.

Erste Resultate sind aber erst in ein bis zwei Wochen zu erwarten. Weitere

Infos folgen …

INFO AN ALLE VEREINSMITGLIEDER UND ANWÄRTER,

28.10.1999 REMO LEUPP UND PETER STRITTMATTER

Der Verlust von Material, Drucker und Funkgeräten war der grösste Tiefpunkt

der Vereinsgeschichte. Die Bevölkerung hat grossen Anteil genommen.

Das Restaurant Löwen im gleichen Ort bot ihr Hinterzimmer für Sitzungen

an. Interims-Büros wurden von mehreren Orten angeboten. Im

Mehrzweck gebäude Brunnmatt (Bächlerstasse 3) bekam unser Verein Unterschlupf.

Die Ernst Schweizer AG in Hedingen hat Schulungsräume und

Übungsplätze für die Grundausbildung 1999 / 2000 zur Verfügung gestellt.

Diese Kooperationen und das aufwendige Abwickeln der Versicherungsleistungen

sind Jürg Benz zu verdanken. Ein Glück im Unglück bestand darin,

dass die von den Verkehrskadetten geleisteten Ausbauten in der Baracke

in der Versicherungssumme eingerechnet wurden und dieser Kosten -

aufwand nicht vergebens war. Ebenfalls suchten Jürg Benz, Margrit und

Peter Strittmatter, Priska Federer und Ehrenmitglied Hansjörg Federer nach

einem eigenen Vereinshaus.

Provisorium Brunnmatt nach Brand,

Obfelden



40

DIE 2000 ER

VK-Haus, Dachlissen

Neues Jahrtausend, neues Glück. Weiterhin lief die Suche nach einem neuen

Vereinslokal auf Hochtouren. Hansjörg Federer gab Jürg Benz den Hinweis,

dass die Gemeinde Mettmenstetten das alte Schulhaus in Dachlissen verkaufen

wollte. Abklärungen ergaben, dass es für private Investoren weniger

interessant war, da es in einer Gewässerschutzzone steht und somit keine

An- und Umbauten gemacht werden durften. Dies wirkte sich auf den Preis

aus. Da kam allen der gleiche Gedanke. Jürgs Idee des Hauskaufs wurde

von Priskas Abklärungen und Peters Berechnungen unterstützt, sodass am

13. Juni im Jahr 2000 eine ausserordentliche Versammlung zwecks Kaufes

des heutigen VK-Hauses einberufen wurde. Eine mutige und weitsichtige

Entscheidung des damaligen Vorstands. Die 48 stimmberechtigten Mitglieder

beschlossen ohne Gegenstimme, die Immobilie für 500 000 Franken zu

kaufen. Durch geschickte Verhandlungen konnten wir eine günstige Hypothek

bekommen.

Auch wenn Peters Kalkulationen aufgingen, so war der Verein hauchdünn an

der finanziellen Schmerzgrenze vorbeigeschrammt. Maria Rubin, die 1999

das Kassieramt von Margrit Strittmatter übernommen hatte, stellte vor

der nächsten Soldauszahlung einen Liquiditätsengpass fest. Selbstlos ist

Margrit Strittmatter mit einem Überbrückungskredit eingesprungen, damit die

Kadetten ihre Einsatzstunden ausbezahlt bekamen. Innert 3 Monaten bekam

Margrit ihr Geld zurückerstattet, jedoch wird uns dieses selbstlose und hilfsbereite

Verhalten immer in dankbarer Erinnerung bleiben.

Wegen den Turbulenzen mit dem Brand und dem Kauf des eigenen Vereinshauses

wurde auf Feiern zum 30-jährigen Vereinsbestehen im Jahr 2000

verzichtet. Da die geleisteten Einsatzstunden immer weiter in unerwartete

Höhen kletterten (12 000 Stunden) und sich die finanzielle Lage dadurch

entspannte, konnte die VKA-Albis dafür ihren Einzug ins eigene Haus bereits

im Jahr 2001 mit einem «24-Stunden-Fest» feiern.



42 — DIE 2000 ER JAHRE

43

Unvergessen bleibt, dass unser Verein seinem VK-Haus seit nun 20 Jahren

Sorge trägt und dass fleissige Mitglieder in aufopfernder Handarbeit Ausbesserungs-

und Instandhaltungsarbeiten erledigen. Doch mit dieser Qualität

zeichnete sich die VKA-Albis seit der Gründung aus, dass sich jeder in kameradschaftlicher

Hilfe für die Andern und die Gemeinschaft einsetzt. So fanden

sich immer wieder talentierte Schreiner, Sanitär- und Elektroinstallateure,

Gärtner und Maler, die unsere Zentrale verschönerten. Die Tische im Sitzungszimmer

gehen auf Jürgs Beschaffung zurück. Währenddessen organisierte

Werner Steiner die benötigten Möbel im Schulungsraum aus Restbeständen

der Zürcher Kantonalbank. Durch den Zusammenhalt von Vorstand, Leitung,

Verkehrskadetten und Eltern konnte dieser Schicksalsschlag des Brandes aufgefangen

und der Betrieb wieder aufgenommen werden. Zur Feier gab es ein

Spanferkelessen. Endlich sind die Verkehrskadetten mit dem eigenen VK-Haus

an einem Ort angekommen, an dem es genug Platz für alle Bedürfnisse hat

und der für viele Verkehrskadetten eine Art Zweites zu Hause ist.

Roger Thomi, Oliver Gubser, Philipp Ruh und Mark Eichmann erinnern sich an

private Nutzungen des VK-Hauses. Zusammen feierten sie aber auch andere

Vereinsmitglieder LAN-Partys mit Computerspielen und verbrachten lustige

Stunden. Auch für private Geburtstagsfeiern, Filmvorführungen, Grillpartys

oder auch als Lernoase diente unser Vereinshaus schon. In ihrem Jahrgang

gingen viele Jugendliche aus Obfelden und Ottenbach zu den Verkehrskadetten,

weil es damals ein verbreitetes Hobby in der Region war. Auch

heute ist das Vereinshaus noch ein beliebter Treffpunkt.

Während Jürgs Präsidium musste der Verein einen anderen traurigen Schlag

verkraften. Eine der wichtigen Vereinspersönlichkeiten war gestorben. Mit

dem «Vereins-Mami» Margrit Strittmatter ist am 7. November 2002 ein

stützendes Mitglied gestorben. Sie blieb den Kameraden als gute Zuhörerin,

Mutter des viel engagierten Peters, Fahrerin, Hausmeisterin, Gärtnerin,

beliebte Kuchenbäckerin, Bürofee und vieles mehr in dankbarer Erinnerung.

Leitungsweekend 2005, Venedig

Peter Strittmatter und Jürg Benz, 24 h Fest, Dachlissen

Eine Tradition, die Jürg anriss, war das vereinsinterne Kochen an unseren Anlässen.

Natürlich hatte schon Cécile Federer ab und zu die VKA-Albis bekocht,

doch in den 2000 er Jahren sind weit mehr Gäste anwesend. Unvergessen

blieb die Spesenabrechnung, bei der die Kassierin Maria Rubin wissen wollte,

wozu Jürg eine «Wöschgelte» gebraucht hätte? Privates Waschzubehör sollen

nicht über den Verein abgerechnet werden. Doch dieser Zuber stammte von

den selbst gemachten Hamburgern, die er zubereitete. Seit spätestens damals

wurden an den Anlässen und Vereinsversammlungen für 200 Personen

selber gekocht.

Nach 10 Jahren trat Peter Strittmatter 2001 als Einsatzleiter zurück. Da das

Arbeitspensum in diesen 10 Jahren weiter zugenommen hat, war diese Aufgabe

für eine Person nicht mehr zu bewältigen. So war Peter, wie auch alle

seine Vorgänger, neben der Einsatzleitung mit Einsatzakquise und Einsatzplanung

auch für die Aufgebotsstelle, die gegen Schluss von Remo Leupp

geleitet wurde, zuständig. In seine Fussstapfen traten Daniela Rubin, Martin

Vögel und Mark Eichmann. Die Anzahl Einsätze machte es erforderlich, die

Aufgaben von Peter unter den drei neuen Einsatzleitern aufzuteilen. Daniela

kümmerte sich als Einsatzleiterin 1 um alle Einsätze ausser Grosseinsätze und

vertrat die Einsatzleitung im Vorstand. Martin Vögeli war als Einsatzleiter 2 für

Grossanlässe und die Vertretung der VKA-Albis im Zürcher Verkehrskadettenverband

(ZVKV) zuständig. Mark Eichmann wurde Leiter der Aufgebotsstelle.



44 — DIE 2000 ER JAHRE

45

Die Zunahme von Einsätzen führte auch zu mehr Arbeit für die Aufgebotsstelle.

Die Aufgebotsstelle musste professioneller und breiter aufgestellt werden

als früher. Sie brauchte mehr Mitarbeiter und vor allem auch Computer. Es

wurden zwar bereits vorher Excel-Tabellen gebraucht. Aber bis zum automatischen

Meldungssystem mussten noch von Hand alle Verfügbarkeiten

überprüft werden. Das von Oliver Gubser entwickelte VKA-Albis Admin Tool

ging am 2. März 2004 in Betrieb und vereinfachte die Arbeit in der Aufgebotsstelle.

Gleichzeitig hat Philippe Ruh eine Automatisierung des Aufgebots

programmiert. Dadurch konnten die Informationen im VKA-Albis Admin Tool

automatisch auf das Aufgebot übertragen werden. So mussten zum Beispiel

die Abmeldungen nicht mehr von Hand in die Excel Datei mit dem Aufgebot

übertragen werden. Damit konnte auch die Fehlerquote reduziert werden.

Grosse Unterstützung erhielten Oliver und Philippe vom damaligen Leiter

der Aufgebotsstelle, Mark Eichmann. Sowohl das VKA-Albis Admin Tool als

auch das automatische Aufgebot sind noch heute im Einsatz.

Die Arbeit der Aufgebotsstelle hat sich trotz aller Technik und vergangener

Zeit nicht gross verändert. Es geht noch immer darum, für den Einsatz die

benötigte Anzahl Kadetten zu finden. Weil die Trinkgeldkasse in der Stundenkontrolle

die Nummer 999 hat, konnte keinem VK diese Personalnummer

verliehen werden. Aber wer hatte zur Initialisierung gedacht, dass so hohe

Nummern gebraucht werden könnten? Man bemerke auch, dass zwischen

den Eintritten von Marcel Benz 1992 (Pers-Nr. 7) und seinem Sohn Lukas

2020 (Pers-Nr. 1210) 28 Jahre vergangen sind.

Im Jahr 2001 übernahm Nadia Bürki die Leitung der Ausbildung von Sandro

Francescutto. Auch wenn sie nur für zwei Jahre Ausbildungsleiterin war, prägte

sie die Ausbildung Ende der 90 er und Anfang der 2000 er Jahre und dürfte

wohl noch vielen Verkehrskadetten als strenge aber gerechte Ausbildnerin in

Erinnerung bleiben. Legendär ist der berühmte Nadia Pfiff: Nach dem lauten

Pfiff von Nadia war es immer augenblicklich ruhig und alle Verkehrskadetten

die vorher noch laut plauderten, hörten aufmerksam zu. Ein wichtiges Anliegen

von Nadia war die Förderung der jungen Leute. Sie hat viele Aufgaben im

Ausbildungsteam verteilt und so den jungen Teammitgliedern die Möglichkeit

gegeben Verantwortung zu übernehmen. Deshalb schlug sie auch nach nur

zwei Jahren an der Spitze der Ausbildung ihren damals 18-jährigen Stellvertreter

als neuen Ausbildungsleiter vor.

So wurde Roger Thomi im Jahr 2003 neuer Ausbildungsleiter. Als Stellvertreterin

von Roger blieb Nadia Bürki dem Ausbildungsteam aber weiterhin

treu. Im Herbst 2003 fand auch das erste Grundausbildungswochenende auf

der «Mörlialp» statt. Bis dahin wurde die theoretische Grundausbildung über

mehrere Wochen jeweils an zwei Abenden pro Woche vermittelt. Aufgrund

der Grösse der Ausbildung wurde jeweils eine Gruppe am Dienstag und die

andere Gruppe am Donnerstag ausgebildet. Dies führte jedoch zu einer grossen

Arbeitsbelastung des Ausbildungsteams. Ausserdem waren viele Ausbildner

auch in anderen Ressorts engagiert und halfen beispielsweise in der

Aufgebotsstelle. Das Ausbildungsteam hat daher nach Alternativen gesucht

und gemeinsam beschlossen, die theoretische Grundausbildung an einem

Wochenende durchzuführen. Das Grundausbildungswochenende sollte aber

nicht bloss eine zeitliche Entlastung für das Ausbildungsteam sein, sondern

auch den Zusammenhalt unter den neuen Verkehrskadetten fördern. Da die

Ausbildung früher in zwei Gruppen aufgeteilt wurde, haben sich viele neuen

Verkehrskadetten gar nicht gekannt. Durch das gemeinsame Wochenende

als Start in die Ausbildung konnten sich die neuen Verkehrskadetten gleich

zu Beginn der Ausbildung kennenlernen. Das führte zu einem besseren Zusammenhalt

in der Mannschaft.



46 — DIE 2000 ER JAHRE

Einsatz Pfingstmarkt, Bremgarten

Oliver Gubser war zu dieser Zeit in der Betriebskommission des Ämtlerhaus

auf der Mörlialp tätig. Nach einer Besichtigung des Lagerhauses durch Roger

Thomi, Nadia Bürki und Oliver Gubser fiel die Wahl für das Grundausbildungswochenende

auf die Mörlialp. Der Vorteil der Mörlialp war, dass das

Lagerhaus die nötige Infrastruktur für die Ausbildung hatte und durch die

abgeschiedene Lage keine Ablenkung bestand. So konnte das erste Grundausbildungswochenende

im Jahr 2003 im Kanton Obwalden auf der Mörlialp

oberhalb von Giswil stattfinden. Maria und Willi Rubin kochten damals. Auch

diese Veränderung Anfang der 2000er Jahre wirkt noch bis heute nach. Auch

heute findet das Grundausbildungswochenende auf der Mörlialp statt. In

den folgenden Jahren wurde das Grundausbildungswochenende jedoch

noch durch ein Repetitionstag ergänzt, bei dem die theoretische Ausbildung

noch einmal repetiert und vertieft wurde.

Damit ist die Zeit bei der letzten Erneuerung des Vereinspräsidiums angelangt.

2004 übernahm der engagierte Kadett Peter Strittmatter das Amt.

Zuvor war er Einsatzleiter, Fahrer und vieles mehr, seit er 1981 Mitglied bei

dem Verkehrskadetten wurde. Ausserdem war er zu diesem Zeitpunkt auch

Präsident des Schweizerischen Verkehrskadetten Verbandes. Sein Engagement

beim Kauf und dem Unterhalt unseres Vereinshauses kann man gar

nicht genug würdigen. Peter knüpfte während seinem Präsidium dort an wo

er als Einsatzleiter aufgehört hat. Der gesellige Aspekt der Verkehrskadetten

war für Peter immer sehr wichtig. Er setzte sich für Vereinsanlässe ein und

Einsatz Athletic Woman 2002, Zürich

Einsatz Ironman 2002, Zürich

sorgte auch für das entsprechende Budget. Auch hat er trotz aller Professionalisierung

nicht vergessen, dass die Verkehrskadetten ein Jugendverein

sind. Vorschläge und Initiativen der jungen Vereinsmitglieder hat er stets

unterstützt und ihnen auch Raum gelassen, neues auszuprobieren.

In den 2000 er Jahren leistenden die Verkehrskadetten auch viele spannende

Einsätze und dies erst noch in einer neuen Uniform. Ab dem Jahr 2002

änderte sich nämlich das Erscheinungsbild der Verkehrskadetten. Aus dem

orangen einteiligen Overall mit Bandelier wurde eine zweiteilige Uniform

mit blauen Hosen und orangem Oberteil.

Die Swisscom Challenge war ein beliebter und spezieller Einsatz in dieser

Zeit. Bei der Sportveranstaltung handelte es sich um ein Frauen WTA Tennis

Turnier, das bis 2004 jeweils in den Herbstferien im Schluefweg in Kloten

gastierte. Der Einsatz der Verkehrskadetten dauerte jeweils eine ganze

Woche. Die Verkehrskadetten waren in der Nähe der Tennishalle anfänglich

in einem Pfadiheim und später in einer Zivilschutzunterkunft untergebracht

und gingen von dort aus in den Einsatz. Einerseits mussten die Zufahrten zur

Tennishalle gesperrt werden und Autos zu den Parkplätzen geleitet werden

und andererseits waren die Verkehrskadetten für den Parkdienst und das

Einziehen der Parkgebühren zuständig. Das vorgelegte Parkkonzept eines

Zürcher Ingenieurbüros war total untauglich. Die Verkehrskadetten haben

das Parkkonzept ignoriert und den Parkplatz nach eigenem Augenmass

mit Doppelreihen gefüllt. Dadurch konnten rund 30 % mehr Autos parkiert

werden. Auf diesem grossen Parkplatz stand auch eine Militärbaracke, die

als Einsatzzentrale diente. In dieser Einsatzzentrale wurden PC installiert,



48 — DIE 2000 ER JAHRE 49

um die täglichen Einsatzpläne zu erstellen. Nach Feierabend und in Pausen

dienten die PCs einigen Kadetten aber auch als Spielkonsole. Abseits vom

Parkdienst konnten die Kadetten nebenher die Matches besuchen.

Ein weiterer wichtiger Einsatz seit dem Millennium ist der Ironman, der die

VKA-Albis in den letzten 22 Jahren begleitet hat. Der Triathlon der Extraklasse

führte praktisch einmal entlang des linken und des rechten Zürichseeufers

und erforderte die Zusammenarbeit von verschiedenen Verkehrskadetten

Abteilungen. Die Gesamtleitung des Einsatzes lag jeweils bei den VKA-Albis

und wurde traditionellerweise durch den Einsatzleiter 2 geführt, der für die

Grossanlässe zuständig war. Viele der einzelnen Sektoren wurden ebenfalls

durch Oberzug- und Zugführer der VKA-Albis geleitet. Mehr als 150 Kadetten

aus verschiedenen Abteilungen waren während insgesamt 32 Stunden im

Dauereinsatz, um die Extremsportler abzusichern. Eine Aufgabe, die nur

dank erstklassiger Vorbereitung und Kooperation unter den verschiedenen

Abteilungen zu bewältigen war. Der Einsatz hat auch viel zum abteilungsübergreifenden

Austausch der Verkehrskadetten beigetragen. So haben während

des Ironman auch andere Verkehrskadetten Abteilungen im VK-Haus

übernachtet, wie beispielsweise die Verkehrskadetten Fürstenland.

Neben den Einsätzen gab es auch spannende Vereinsanlässe. Legendäre war

das Sommerlager in Südfrankreich, als Remo Leupp zwei Reifenpannen hatte.

Der erste Platzer bei Bern konnte noch mit einem Reserverad behoben werden.

Aber beim zweiten Mal musste das 14 Zoll-Rad des anderen Busses auf das

Fahrgestell des mit 13 Zoll bereiften Fahrzeugs geschraubt werden. Trotz

Höhenunterschied erreichten die ferienreifen Kadetten ihr Ziel. Solch unvergessliche

Geschichten gibt es noch viele.

In den 2000 er Jahren wurde ausserdem ein neuer Vereinsanlass eingeführt.

Im Jahr 2002 wurde das erste Leitungsweekend durchgeführt. Ohne Freiwilligenarbeit

geht es bei der VKA-Albis nichts, denn mit Verkehrsdienst

am Einsatz ist nur ein kleiner Teil der Arbeit erfüllt. Aufträge müssen im

Hintergrund abgewickelt werden, die Verkehrskadetten eine Ausbildung und

ein Aufgebot erhalten und das Honorar für den geleisteten Einsatz muss

eingezogen und verteilt werden. Andere Amtsträger halten mit ihrer Gratisarbeit

Haus und Fuhrpark in Schuss oder gestalten unseren Print- und Online

Auftritt. Für all diesen Effort wurde ein spezielles Wochenende geschaffen,

für all diejenigen die Fronarbeit geleistet haben. Damit sie ihre Begeisterung

an der Arbeit nicht verlieren, lässt sich der Anlassverantwortliche immer

etwas Besonderes einfallen. In den ersten Jahren gab es beispielsweise Ausflüge

nach München oder Venedig. Aber auch bei Leitungsweekends in der

Schweiz gab es immer ein spannendes Programm. Egal ob mit der REGA

fliegen, Barfusswandern oder Armbrustschiessen, es war immer etwas

Interessantes dabei.



50

51

DIE 2010 ER JAHRE

In den 2010 er Jahren wurde eine alte Idee wieder zum Leben erweckt. Bis in

die 90 er Jahre war die ganze Mannschaft in Züge unterteilt. Genau wie im

Militär war jeder Verkehrskadett einer Gruppe zugeordnet, in der Einsätze,

Ausbildungen oder auch Aktivitäten ausserhalb des Vereins abgewickelt wurden.

Im Verlauf der 90 er Jahre wurde diese Organisationsform nicht mehr

gebraucht. Sie wurde dann aber in der Form der Kader-Züge reaktiviert: Seit

ca. 2013 gibt es in der Kaderstufe wieder verschiedene Züge. Jedes Kadermitglied

ist einem bestimmten Zug zugeordnet. Diese Züge sind aus der Not

heraus entstanden. In gewissen Bereichen waren zu wenige junge Vereinsmitglieder

bereit Freiwilligenarbeite zu leisten. Daraus entwickelte sich das

Projekt der Kaderzüge. Ziel war es, dass die verschiedenen Züge kleinere

Anlässe und Aktivitäten organisieren und die jungen Kader so besser in den

Verein eingebunden werden und lernen, gewisse Aufgaben zu übernehmen.

Jedes Jahr führen die Züge ein selbstgewähltes Projekt zu Gunsten des Vereins

durch. Eine Soldauszahlung kann organisiert, ein Werbeanlass für die

Grundausbildung hochgezogen oder eine Generalversammlungspräsentation

gestaltet werden.

Im Jahr 2014 ist die erste Ausgabe der «Dachlissen Times» erschienen. Die

Vereinszeitung erscheint ungefähr einmal pro Jahr und enthält Neuigkeiten

und Interessantes aus dem Vereinsleben.

In den 2010 er Jahren nahm die Regulierung: weiter zu, was auch Auswirkungen

auf die Verkehrskadetten hatte. So mussten Fahrer, die einen Bus

mit 14 Plätzen fahren wollten, neue eine zusätzliche Ausbildung machen. Da

immer weniger Fahrer bereit waren, eine solche Ausbildung zu absolvieren,

wurden die grossen Busse anfänglich auf Busse mit 9 Plätzen umgerüstet

und später durch kleinere Busse ersetzt. Ein weiteres Beispiel für zusätzliche

Regulierung ist die Bewilligung, die im Kanton Aargau nötig wurde, wenn die

Verkehrskadetten für öffentliche Auftraggeber, wie z. B. die Stadt Bremgarten

tätig werden. Gemeinhin besteht die Tendenz, dass Verkehrskadetten vom

Gesetzgeber und den Behörden mit Sicherheitsdiensten gleichgesetzt werden,

obwohl zwischen Verkehrskadetten und Sicherheitsdiensten erhebliche



52 — DIE 2010 ER JAHRE

53

Mutter ab. Seiner Zeit hatten erst die älteren Kadetten irgendwann ein Handy.

Da gingen dann ganze Prepaid-Guthaben für amouröse SMS drauf. Ein

Handy-Verweigerer war Christian Frei, dem Margrit Strittmatter erst 1998 ein

Mobiltelefon schenken musste, damit «Freili» mal am Einsatz und als Fahrer

erreichbar war oder einsatzrelevante Anrufe tätigen konnte. Heute sind die

Aufgebote in der Cloud gespeichert und können per Smartphone abgerufen

werden. Die Festnetztelefonie wurde längst auf Internettelefonie umgestellt.

Unterschiede bestehen. Die Regulierung wird wohl auch in Zukunft weiter

zunehmen und weiterhin für Herausforderungen für die Verkehrskadetten

sorgen.

Im März 2017 stand plötzlich die Kantonspolizei vor dem VK-Haus und wollte

eine Hausdurchsuchung durchführen. Der Grund war eine Bombendrohung

in München. Doch was hat das mit den VKA-Albis zu tun? Die IP-Adresse

für die Bombendrohung kam aus dem VK-Haus. Daher stand plötzlich die

Kantonspolizei vor dem Haus. Peter Strittmatter konnte der Polizei den

Schlüssel geben, damit diese ins Haus kann. Später ist die Polizei noch einmal

mit fünf Personen vorbeigekommen, um sich die IT-Infrastruktur anzuschauen

und um gewisse Daten auf eine externe Festplatte zu kopieren. Es

stellte sich heraus, dass die VKA-Albis nichts damit zu tun hatte und ein

Fremder die Bombendrohung via IP-Adresse der VKA-Albis versendet hatte.

Es gab daher keine weiteren Konsequenzen für die VKA-Albis. Daraufhin

wurde die IT-Infrastruktur noch einmal intensiv geprüft.

Auch der Schweizerische Verkehrskadettenverband richtete immer wieder Anlässe

aus, an denen wir in den letzten 50 Jahren vertreten waren. Beispielsweise

am Nachtmarsch wie Andrea Wittwer berichtet, siehe nächste Seite.

2019 ging ein Pilot-Projekt an den Start, um eine neue, sommertauglichere

und den neuen Gesetzen genügende Uniform zu beschaffen. Natacha

Weiss und Jenny Estermann standen diesem Projekt vor und liessen sich

von 4 Testpersonen Feedback geben. Manche kritisierten, dass unser neues

Um das VK-Haus in Schuss zu halten, sind neben dem regelmässigen Unterhalt

von Zeit zu Zeit auch grössere Erneuerungen fällig. So wurde im Sommer

2017 die alte Ölheizung durch eine nachhaltige Luftwärmepumpe ersetzt.

Der technologische Fortschritt ging auch in dieser Periode weiter. Die Festnetztelefonie

war noch bis 2012 matchentscheidend. VK-Liebschaften musste

noch nach Hause telefoniert werden und wehe es nahmen Vater oder



54 — DIE 2010 ER JAHRE

55

«

Im Jahr 2017 fand wieder mal ein Nachtmarsch statt, dies war auch das

Jahr in dem ich das erste Mal daran teilnahm.

Mit meiner besten Freundin, die ich in der VK kennen gelernt hatte

bildete ich ein Team. Sie hatte auch noch nie am Nachtmarsch mitgemacht,

jedoch wussten wir schon von Anfang an, dass dies ein grossartiges

Erlebnis werden würde.

Als wir dann am Ort, an dem der Nachtmarsch stattgefunden hat ankamen

wussten wir zuerst nicht recht was wir tun sollten und warteten

bis wir starten konnten. Die Zeit des Wartens war sehr lustig, da wir in

der Gesellschaft der anderen VKs aus unserer Abteilung waren.

Als wir dann starten konnten waren wir sehr nervös aber auch aufgeregt.

Bereits beim ersten Posten hatten wir schon viel zu lachen. Wir mussten

einen Gummistiefel so weit weg kicken wie wir konnten. Meine beste

Freundin war da nicht so begabt, daher war es sehr lustig anzusehen. Als

wir weiter gingen trafen wir auf zwei VKs mit denen wir uns unterhielten

und beim zweiten Posten dann noch zwei weitere. Die ersten zwei VKs

verliessen uns schon aber die anderen begleiteten uns die ganze Nacht

lang, da wir uns so gut verstanden.

Wir hatten mit diesen zwei VKs gute Freunde gefunden und auch die

anderen denen wir begegneten waren alle sehr nett. Die Posten, die wir

absolvieren mussten, waren sehr einfallsreich. In dieser Nacht hatten

wir viel zu lachen, obwohl wir uns oft verliefen, der Weg lang war und

es auch noch regnete.

»

ANDREA WITTWER, TEILNEHMERIN NACHTMARSCH

Die Freundschaft mit allen ist sehr gewachsen und es war einfach super.

Ich würde gern wieder an einem Nachtmarsch teilnehmen und empfehle

es jedem dies zu tun. Man kann dabei grossartige Erinnerungen schaffen.

Neue Uniform, langarm mit Hut

Tenü zu sehr dem der Bauarbeiter ähnelte. Vom potenten Erscheinungsbild

von Hemd und Hose oder von dem Bandelier ist man abgewichen. Doch das

selbstsichere Auftreten eines Verkehrskadetten wird von seiner Person bestimmt

und nicht von seiner Kleidung. Das haben die Tester bewiesen, als

alle vier herausragende Leistung in ihrer Pilot-Uniform zeigten. Man sollte

den alten Kleidern nicht nachweinen. Dafür ist die neue Uniform Sommer-,

Winter- und Regentauglich. Die Softshelljacke ist Regenfest und die «Tächlichappe»

hält auch etwas aus. Die neue Weste ist schön luftig, damit es im

August beim Türlersee oder ähnlichen Einsätzen endlich weniger heiss ist.

Dass diese lange geforderte Ergänzung der Ausrüstung um ein luftiges Gilet

endlich wahr wird, freut die Kadetten.

Neue Uniform, lang ersehntes Gilet mit Käppli



56

57

DAS JAHR

2020

Unser Jubiläumsjahr wurde stark vom Corona Virus und der COVID-19 Pandemie

beeinflusst. Der Lockdown in der Schweiz und die Pandemie sorgten

für die Absage von sehr vielen Anlässen. Damit blieben viele Aufträge und

heissgeliebte Vereinsanlässe aus. Auch das grosse geplante Jubiläumsfest

mit dem Street Food Festival in Affoltern am Albis musste aufgrund des

Veranstaltungsverbots des Bundesrates abgesagt werden. Zu Beginn des

Lockdowns wurden sämtliche Vereinsaktivitäten auf das Minimum heruntergefahren.

Es gab praktisch keine Einsätze mehr und auch am Dienstagabend

war die Aufgebotsstelle nicht besetzt.

Aber die Verkehrskadetten wären nicht die Verkehrskadetten, wenn sie sich

davon hätten entmutigen lassen. Die Not macht bekanntlich erfinderisch

und der Wert von unserer gemeinnützigen Arbeit hat sich in der Krise auch

wieder einmal gezeigt. Das Unispital in Zürich frage die Verkehrskadetten an,

um Rund um das Spital für Ordnung auf den Parkplätzen und den Strassen

zu sorgen. Zusammen mit der VKA-ZO konnten die VKA-Albis innert wenigen

Tagen mit freiwilligen VK aushelfen und während mehreren Wochen Dienst

leisten. Da der Bundesrat jedoch mit Ausnahme der Samaritervereine jegliche

Vereinsaktivität aufgrund der COVID-19 Pandemie verboten hat und

nicht daran gedacht hat, dass auch andere Vereine in einer Krise wichtig sein

Einsatz Unispital 2020, Zürich



58 — DIE 2010 ER JAHRE

59

könnten, mussten wir uns mitten im Einsatz beim Unispital, um eine Ausnahmebewilligung

beim kantonalen Krisenstab bemühen. Dieser reagierte

jedoch umgehend und die Verkehrskadetten erhielten die Ausnahmebewilligung

unbürokratisch innert wenigen Stunden für alle Verkehrskadetten-

Abteilungen im Kanton Zürich. So konnten die Verkehrskadetten mit entsprechender

Schutzmaske ihren Dienst an der Allgemeinheit leisten, der seit

der Gründung unser Vereinszweck ist. So war der Einsatz beim Spital ganz im

Sinne unseres Vereins und erinnert an eine mittlerweile gestrichene Stelle

in den Statuten. Im 1994 galt noch folgende Regel: «Die Einsatzleitung trifft

Vorkehrungen, damit die VKA-Albis im Fall einer Katastrophe innert kürzester

Frist aufgeboten werden kann. Dies geschieht über einen Telefonalarm.

Wird ein solcher gestartet, ist er mit grösster Disziplin weiterzuleiten.»

Der Lockdown im März führte dazu, dass viele Personen ihren Haushalt

entrümpelten. So kam es auch bei der Entsorgungsstelle Firma Schmid in

Affoltern zu langen Staus. Auch hier sorgten die Verkehrskadetten für Ordnung.

Als die Baumärkte nach dem Lockdown wieder öffneten, war der Einsatz

der Verkehrskadetten im Bauhaus in Schlieren gefragt.

Insgesamt hatte die Pandemie jedoch einen sehr negativen Einfluss auf

unsere Einsätze und riss ein grosses Loch in die Vereinskasse. Der Einsatzbetrieb

brach stark ein. Alle Grossanlässe wurden abgesagt, so auch der

Ironman oder der Gigathlon. Auch die Märkte in Bremgarten wurden bis auf

den Altstadtmarkt im Herbst abgesagt. Auch viele kleinere Aufträge wurden

abgesagt. Die Verkehrskadetten konnten nur rund ein Drittel der üblichen

Einsatzstunden leisten. Folglich sank der Ertrag aus VK-Leistungen von rund

300 000 Franken im Jahr 2019 auf rund 90 000 Franken im Jahr 2020.

Massnahmen durchgeführt werden. Allerdings musste die Grundausbildung

2020 / 2021 aufgrund der zweiten Welle abgesagt werden. Die Grundausbildung

findet nun voraussichtlich im Herbst 2021 statt. Auch die Kaderausbildung

im Frühling 2020 musste durch die COVID-19 Pandemie unterbrochen

werden und konnte erst im Herbst 2020 abgeschlossen werden. Die

Zugführerschulung 2020 wurde rein online abgehalten.

Bis zu den Ereignissen mit dem Corona Virus im Jahr 2020 hat die Verkehrskadetten-Abteilung

Albis in jedem Kalenderjahr nach der Gründung eine

Generalversammlung abhalten können. Mit der verschobenen Versammlung

vom 4. April 2020 kam es auch zum ersten Mal überhaupt vor, dass der

Sold direkt auf ein Bankkonto überwiesen wurde. Der Vorstand wollte die

verschobene Generalversammlung im Verlauf des Jahres 2020 nachholen.

Später zeigte sich, dass dies leider nicht möglich ist. So fand ausgerechnet

im 50. Jubiläumsjahr das erste Mal in der Geschichte der VKA-Albis keine

Generalversammlung statt.

Auch im Jahr 2021 wird das Corona Virus und die COVID-19 Pandemie einen

erheblichen Einfluss auf das Vereinsleben haben. Die Generalversammlung

2021 wird erstmals nur online durchgeführt.

Auch die Ausbildung wurde durch die Pandemie beeinflusst. So konnte zwar

im Herbst noch kurzfristig eine grössere Lokalität für die Informationsabende

ausfindig gemacht werden. Im Kino des Klosters Muri bestand genügend

Platz, damit alle Teilnehmer genügend Sicherheitsabstand halten konnten.

Auch der Eintrittstest durfte im Herbst noch unter Einhaltung der geltenden



60

FAHRZEUGE

UND VK-BUSSE

Bei ihrer Beschäftigung dirigieren die Verkehrskadetten Autos auf der Strasse.

Dass es aber überhaupt zu so einem Einsatz kommt, brauchte unser Verein

von Anfang an Fahrzeuge. Zuerst waren das die Privatfahrzeuge von

erwachsenen Vereinsmitgliedern oder von den Eltern eines Kadetten. Ohne

die Einsatzbereitschaft von Erwachsenen mit dem eigenen Auto für der

Verein zu fahren ging es schon vor 50 Jahren nicht. Trotzdem sind auch unser

VK-Busse ein tragendes Element des Vereins. Der Anfang machte der Legendäre

VW Typ T1, alias Hippie-Bus. Sein direkter Nachfolger war ein rot und

weiss gestrichener VW Typ 2 T2 (Baujahr 1967 – 1979, ZH 157 068) ersetzte

den Vorgänger spätesten 1975. Der damalige Sponsor Firestone rundete

das Erscheinungsbild mit seinem Logo ab. Dieser Bully erhielt bald schon

Gesellschaft. Ein restaurierter Dodge WC 52 (Baujahr 1944, ZH 287 435) der

Schweizer Armee kam zur Flotte dazu. Die Fahrt auf dem Dodge war auch

unter den Kadetten so beliebt, dass die Sitzplätze trotz Wind und Wetter

und wenig Komfort immer begehrt waren. Um dieses legendäre Fahrzeug

werden wir heute noch von den anderen Abteilungen beneidet und die

wenigen, auserwählten Fahrer hatten hohes Ansehen im Verein. Vor allem

Barbara Federer und Elian Meyer wurden bewundert, weil sie die ersten

waren, welchen die Autoschrauber Ricardo Bischofberger, Hans-Peter Krieg

und Hansjörg Federer ihren heissgeliebten Amischlitten anvertrauten. Um

dieses Privileg zu erlangen, mussten die beiden Frauen eine harte Schulung

bei Hansjörg bestehen und das Fahren mit Zwischengasgeben beherrschen.

Bereits 1979 hatten wir drei Vereinsfahrzeuge.

Die alten VW Busse mussten in den 80 er Jahren ersetzt werden. Einer nach

dem andern wurde von einem Toyota Hiace (Typ H50 bis H100) abgelöst.

Von der Firma Toyota wurden wir bei der Beschaffung von insgesamt 3 Autos

gesponsert. In den Jahren um 2005 wurde die Flotte auch auf 4 vergrössert.



62 — FAHRZEUGE UND VK-BUSSE

Hier kamen bereits die neuen Renault Trafic II zum Einsatz, welche die alten

Toyota ersetzten. Doch die Mannschaft wurde immer grösser und so mussten

mehr Sitzplätze in die Busse rein. Die zwei Ford Transit 06 die im gleichen

Jahr an die Stelle von Bus 1 und 3 traten, erfüllten diesen Zweck mit 13 Passagiersitzen.

Die 4 Busse, die bis ins Jahr 2020 genutzt wurden, schliessen

die Reihe ab. Bus 1 und 3 wurden wieder auf 8 Personen verkleinert und

auf Ford Transit Tourneo Costume umgerüstet. Dies wegen einer sehr

unangenehmen Gesetzesänderungen in der «Verordnung über die Personenbeförderung».

Die Regeln zur Personenbeförderung wurden seit 1970 immer

mehr verschärft. Die jüngste Änderung aus dem Jahr 2016 sorgte dafür, dass

nur Personen mit Personentransport-Lizenz Kleinbusse mit mehr als 8 Passagieren

zu Vereinszwecken chauffieren dürfen. Zu wenige Fahrer haben

die neuen Voraussetzungen erfüllt, um weiterhin die Ford Transit 06 zu Vereinszwecken

steuern zu dürfen. Bus 2 und 4 werden durch zwei Opel Vivaro

CDTI vertreten, an denen sich leider die Fenster nicht mehr öffnen lassen.

Bus 1 Bus 2 Bus 3 Bus 4 Bus 5

VW T1 1970 – 1975

VW T2 1975 – 1982 1979 – 1985

Dodge WC 52 1979 – 1989

Toyota Hiace 1982 – 2005 1985 – 2005 1989 – 2005* * bis 2009

Renault Trafic II 2005 – 2017 2005 – 2018

Ford Transit 06 2006 – 2016 2006 – 2016

Fort Transit Tourneo Costume 2016 – 2020 2016 – 2020

Opel Vivaro CDTI 2017 – 2020 2018 – 2020



64

65

UNIFORMEN

Den Anfang machten weisse Overalls mit Helm, mit denen sich die Kadetten

von 1970 bis 1982/3 uniformierten. Das einzig orange war die Regenjacke

oder eher Regenmantel, der aber so dünn war, dass er kaum warmhielt. Um

die der Kälte wenigsten an den Ohren entgegenzuwirken, sollte der Helm

durch einen Filzhut mit Ohrenklappen ersetzt werden. Der «Cowboyhut»

gefiel allen sofort. Nur bei der SVKV Delegierten stiessen wir auf Widerstand.

Die damalige OZF, Priska Federer präsentierte das Model an einer

SVKV-Delegiertenversammlung und bekam prompt die Zusage, dass wir den

Hut tragen durften. So richtig viel Freude an den Ohrenklappen hatten die

anderen Kadetten nicht. Eher wurde ein Stirnband oder eine Mütze zum

Schutz vor Kälte genutzt. Dafür musste wenig später der weisse Overall

einem orangen Einteiler weichen. Ab 1983 gab es diesen Einteiler, dem aber

die ledernen Bandeliere der weissen Uniformen erhalten geblieben sind.

Der orange Overall hatte Nachteile beim Toilettengang, denn man musste

sich vollständig entkleiden. Deswegen hatte der Männer-Overall bald einen

zweiten Reisverschlussschlitten montiert bekommen.

Uniform Erneuerungen waren zwar oft als Verbandsprojekte angerissen worden,

aber schweizweite Einheitlichkeit liessen sich nicht herstellen. Trotzdem

nahm der Schweizerische Verkehrskadetten Verband im Jahr 2000 einen

neuen Anlauf, wahre Uniformität zu schaffen. Diese Uniformgeneration der

VKA-Albis besteht aus einem schwarzen Filzhut, einem orangen Oberteil

mit Leuchtstreifen, orange Hosen, Gürtel, Jacke, Gamaschen, Armstulpen,

einer Pfeife mit Kordel, Sommer- und Winterhandschuhen und einer Tasche.

Ebenfalls neu sind die Winterhandschuhe. Die Gamaschen und Jacken werden

nur leicht geändert und neue Leuchtstreifen wurden angebracht. Die

Einheitlichkeit liess sich nur bis 2002 bewahren, als die orangen Hosen durch

die heutigen blauen ersetzt wurden.

Das Material des Hemdes und der blauen Hose änderte immer wieder, aber

die beste Erneuerung der dritten Uniformgeneration war die Winterjacke mit

herausnehmbarem innen Futter.



66 — UNIFORMEN 67

Die neuste Generation von Uniformen befindet sich im Pilotversuch während

des Jahres 2019. Jenny Estermann, Natacha Weiss sowie ein Beratungsteam

und 4 Kadetten als Testpersonen begaben sich auf die langwierige Suche

nach einer funktionalen, praktischen und optisch ansprechenden Garderobe,

die den neuen, strengen Strassenverkehrsgesetzen genügt. Die Fläche der

Leuchtstreifen in Quadratmeter und die Höhe der Reflektoren ab Boden

machten die Uniformbeschaffung zu einer Quadratur des Kreises. Trotzdem

konnten funktionale Kleider aus leichtem und kühlem Stoff beschafft werden.

Sogar die seit praktisch 50 Jahren ersehnte Sommerweste wird endlich realisiert.

Das hoffen die Kadetten wenigstens im Moment. Ende Juni 2020 wurde

die 4. Uniformgeneration endlich zertifiziert. Es folgt die Beschaffung der

Uniformbestanteile. Bald sollten die Verkehrskadetten im Glanz einer neuen

Uniform erstrahlen.

Zeitspanne

Uniform

1. Generation 1970 – 1982 / 83 Weiss Overalls mit Helm

2. Generation 1983 – 2002 Oranger Overall neuer Filzhut

3. Generation 2002 – 2019 Oranges Hemd und blaue Hose

4. Generation 2020 Sommerweste im Pilotversuch



68

69

HAUPTQUARTIERE

DER VERKEHRS-

KADETTEN UND

DAS VK-HAUS

Viele unterschiedliche Domizile beherbergten die Verkehrskadetten in den

50 Vereinsjahren. Den Anfang nahm es bei Federers zu Hause. Von 1970 bis

1975 lagerten Uniformen auf der Winde und VK-Bus und Signalisationsmaterial

standen in der Garage. Also drang das Vereinsleben bis in Wohnung der

Gründerfamilie vor und die drei Töchter Barbara, Lucia und Priska bekamen

ihre «Gspändli» auch zu Hause in Obfelden zu Gesicht.

Um Heim und Verein zu trennen er gab sich 1975 die Gelegenheit. Da wo

jetzt der Migros Affoltern steht, stand ehemals die Seiden Weberei Näf. Als

die Weberei diesen Standort aufgab, war es den Kontakten von Hansjörg

Federer zu verdanken, dass von 1975 bis 1981 die VKA-Albis diesen Standort

als Hauptquartier nutzen konnte. Zwar war es eine heruntergekommene

Fabrikhalle, doch durch Fleiss und Arbeit wurde hier eine schöne Zentrale

eingerichtet. Mit vielen einzelnen Räumen und genug Platz für Aufgebotsstelle,

Material, Einsatzleitung und zum Aufhalten oder Abhängen. Jeden

Ort, den die Verkehrskadetten als Zentrale nutzen, renovierten sie solange

eigenhändig, bis es dort richtig wohnlich war. Doch die Befristung dieser Anlage

war von Anfang an sicher, deswegen wurde schon nach einem neuen

Hauptquartier gesucht. So kam es zu einem neuen Umbruch, als der Auszug

aus der Seidenweberei Näf anstand.

Für einige Zeit konnten die Verkehrskadetten den Keller gegenüber des Restaurants

Weingarten an der Untere Bahnhofstrasse 12 in Affoltern am Albis

zu nutzen. Bis 1987 blieb das Materiallager in diesen dunklen und feuchten

Katakomben. Sogar ein Plätzchen für das Büro der Aufgebotsstelle hat sich

gefunden. Aber der Platz reichte nicht für alle Aufgaben der Verkehrskadetten,

und der Aufenthalt war dort nicht angenehm. Deswegen begab sich

Hansjörg Federer und seine Verkehrskadettenabteilung Albis auf die Suche

nach einem neuen Domizil für den Verein.

Gleichzeitig mit dem Auszug aus dem Keller folgte auch ein Exodus aus

Affoltern am Albis. Die VKA-Albis musste in Obfelden eine neue Bleibe suchen,

als die Umgestaltung des Fabrikareals bevorstand. Mit neuen Räumlich keiten,



71

erst an der Wolserstrasse 55 für die Zeit 1987 – 1993. Doch dieser Ort war

zu klein für die Bedürfnisse des Vereins und die Miete zu teuer. Deswegen

sorgten Margrit Strittmatter, Cécile Federer, Peter Weiss und Gemeindepräsident

Rolf Grob von Obfelden dafür, dass die Verkehrskadetten die ehemalige

Militärbaracke an der Bächlerstrasse 16 als das Quartier nutzen konnten.

Der hölzerne Unterstand für Soldaten erhielt eine Generalüberholung durch

die Verkehrskadetten. Unter dem Präsidium von Peter Weiss und seinem

Nachfolger Beat Rieder sowie mit vielen handwerklich geschickten Kadetten

und dank einer Spendenaktion erhielt die Baracke einen Aussen- und

Innenausbau, neue Fenster, und eine Küche wurde hinein gezimmert und

die Isolation verbessert. Die Vorstandsmitglieder Manuel Rupf und Werner

Steiner waren massgeblich an diesen Ausbau beteiligt. Viele tolle Stunden

arbeiteten die Kadetten fleissig an ihrem Heim. Dann genossen sie auch die

Früchte ihrer Arbeit, wenn sie Soldauszahlungen und Ausbildungen oder

Partys in ihrer warmen, trockenen und gemütlichen Zentrale veranstalteten.

Endlich war genug Platz für jeden Aspekt des Vereins da. Auch waren die

Verkehrskadetten auf ihre gepflegte Baracke stolz, die den heruntergekommenen

Jugendtreff nebenan in den Schatten stellte.

Leider brach ein Unheil über diesen Ort herein. Am Sonntag 24.10.1999 war

in der Zentrale ein Brand ausgebrochen. Dabei wurden der Ausbildungsraum,

das technische Material vollständig zerstört. Mark Eichmanns und sein Mami

Vreni Eichmann, waren mit der Feuerwehr Obfelden sofort vor Ort. Dank

ihnen und weiteren Verkehrskadetten vor Ort, konnten zum Beispiel die

Fahrzeuge rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

Mit diesem massiven, materiellen Verlust stand der Verein vor einem Scherbenhaufen.

Doch die Verkehrskadetten haben nicht aufgegeben. Aus den

qualmenden Überresten wurde was noch zu gebrauchen war geborgen. Von

der Gemeinde Obfelden und den Freunden aus dem lokalen Gewerbe kam

viel Unterstützung. So konnte vorübergehend die Brunmatt von 1999 bis

2000 genutzt werden. Sitzungen, Ausbildung und Aufgebotsstelle konnten

weiterhin abgehalten werden.

Als Phönix stieg aus der Asche der Baracke auch eine Idee auf. Die Verkehrskadetten

Abteilung Albis soll als nächstes ein eigenes Haus für ihre

Vereinszwecke haben. Der Zufall wollte es dann so, dass präzis in diesem

Augenblick das Schulhaus mit der Adresse Dachlissen 1 zum Verkauf stand.

Der neue Präsident Jürg Benz hatte die Idee des Schulhauskaufs. Er wurde

von Peter Strittmatter und dem Vorstand unterstützt, sodass am 13. Juni

im Jahr 2000 eine ausserordentliche Versammlung den Kauf des heutigen

VK-Hauses beschloss. Die 48 stimmberechtigten Mitglieder beschlossen

ohne Gegenstimme die Immobilie für rund 500 000 CHF zu kaufen. Seither

hegen und pflegen die Kadetten ihr Haus, erneuern in freiwilliger Handarbeit,

Sanitär- und Elektroinstallationen und halten das Gebäude innen und aussen

im Stand. Dachlissen 1 ist zum neuen Zentrum des Vereinslebens geworden.

Dort steht unser neues Hauptquartier seit 2001 und bis heute im Jahr 2020

sind wir dortgeblieben.

Jahrgang Ortsbezeichnung Adresse Besonderheiten

1970 – 1975 zu Hause bei Federers Obfelden ziemlich eng für Familie und Verein

1975 – 1978 Seiden Weberei Näf

1978 – 1987

1987 – 1993

Keller Restaurant

Weingarten

ehemals Ladenlokal

Frau Anneler

Fabrikweg /

Oberdorfstrasse

Untere Bahnhofstrasse 12

Wolserstrasse 55

grossräumig befristet

dunkel und feucht

zu klein und zu teuer

1993 – 1999 ehemalige Militärbaracke Bächlerstrasse 16 besser im Schuss als Jugendtreff nebenan

1999 – 2001

2001 – heute

Gemeinde Gebäude

Brunmatt ad Interims

Mettmenstetten

Schulhaus

Bächlerstrasse 3

und andere

Dachlissen 1

viel Anteilnahme des lokalen Gewerbes,

dass Überbrückungen für Magazin,

Sitzungszimmer und Aufgebotsstelle bot

ganzes Haus für uns allein, grosszügiger

Parkplatz und viel Umschwung,

eigenhändige Renovationsarbeiten



72 — HAUPTQUARTIERE

In der VKA-Albis haben sich viele Jugendliche getroffen. Aus Kameraden

wurden beste Kolleginnen, Freunde, Familienmitglieder oder sogar Partner.

Manch ein Pärchen ist heute noch zusammen und viele erinnern sich gerne

an vergangene Einsätze, Weekends und Lager.

ANZAHL VK-STUNDEN

Geleistete Stunden in 50 Jahren = 301 243.75 h.

vgl. Grafik

ANZAHL VERKEHRSKADETTEN

Insgesammt 1326 Mitglieder der VKA-A seit 1970.

vgl. Grafik



ÜBERSICHT LEITENDER AUSSCHUSS

IM VORSTAND VON 1970 – 2020

1970 – 1980 1980 – 1990 1990 – 2000

2000 – 2010 2010 – 2020

Hans-Jörg Federer 1970 – 1980

Peter Weiss

Hans-Peter Krieg 1980 – 1988

1991 – 1994

Beat Rieder 1994 – 1999 Jürg Benz 1999 – 2004

Peter Strittmatter 2004 – 2020

Paul Wetli

1988 – 1989

Richard Kägi

1989 – 1991

Hans-Jörg Federer

1970 – 1974

Hans-Peter Krieg

1975

Hans-Ruedi Bircher

1975 – 1980

Beat Rieder 1980 – 1985

Richard Kägi

1985 – 1989

Margot von Wyl

1989 – 1991

Peter Strittmatter 1991 – 2001

Daniela Rubin

2001 – 2005

Phillippe Ruh

2005 – 2009

Fabian Hasler 2009 – 2014

Patrick Schlumpf

2014 – 2016

Vanessa Villiger

2016 – 2020

Hans-Jörg

Federer

1970 – 1972

Hans Ruedi Bircher

1972 – 1974

Christian Blaser 1974 – 1984

Priska Wyser-Federer

1984 – 1989

Peter Stutz 1989 – 1994

André Hermann

1994 – 1997

Michael Rudolf

1997 – 1999

Sandro

Francescutto

1999 – 2001

Nadia Bürki

2001 – 2003

Roger Thomi 2003 – 2011

Valon Kamberi

2011 – 2016

Roman Hürlimann

2016 – 2017

Jenny Estermann

2017 – 2020

Cécile Federer

Hedy Fornaro

Marlies Wild

1986 – 1992

Margrit Strittmatter

1992 – 2001

Maria Rubin 2001 – 2020

Cécile Federer

Werner Zingg

Anne-Marie Duperrex

Monika Huber 1984 – 1991

Urs Leupp

1991 – 1997

Remo Leupp

1997 – 2001

Beatrice Wenger

2001 – 2003

Nadia Bürki 2003 – 2011

Daniel Egli 2011 – 2020

Fritz Matter

Cécile Federer

Walter Husner

Ricardo

Bischofsberger

Manuel Häberli

1988 – 1991

Margot von Wyl

1991 – 1993

Margot

Sonderegger

1993 – 1995

Manuel Rupff

1995 – 1999

Stefan Züllig

1999 – 2002

Rolf Hofer 2002 – 2010

Mathias Nohl

2010 – 2013

Christian Frei 2013 – 2020

Michael

Hürlimann 2020

Priska Wyser-Federer

1991 – 1995

Fabian Schneebeli

Werner Steiner 1995 – 2003 Daniela Rubin 2006 – 2014

2003 – 2006

Mark Eichmann 2014 – 2020

Neben dem Leitenden Ausschuss (Präsident, Aktuar, Kassier, Einsatzleiter, Ausbildungsleiter, Chef Öffentlichkeit und Materialverwalter)

kann der Vorstand durch weitere Beisitzer ergänzt werden. In der Vereinsgeschichte gab es unter anderem Beisitzer für Vereinsanlässe,

für das VK-Haus, für Rechtliches, und als Gemeindevertreter.

Präsident

Einsatzleiter

Ausbildungsleiter

Kassier

Aktuar

Materialverwalter

Chef Öffentlichkeit





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NACHWORT

Wir möchten uns bei allen Personen bedanken, die uns bei der Erstellung

dieser Jubiläumsschrift unterstützt haben und die durch ihre Mitarbeit dieses

Projekt erst ermöglicht haben.

Das sind: Cécile Federer, Priska Wyser-Federer, Jürg Benz, Peter Weiss,

Richard Kägi, Peter Strittmatter und alle weiteren Interviewpartner. Christine

Emch und Tiziana Pagano und an das ganze OK 50 Jahre Jubiläum. Das

Redaktionsteam Salome Spuhler, Joah Hofer, Jasmina Heer, Noè Broggini,

Jenaath Jeganathan und an die Lektoren Philippe Ruh, Peter Strittmatter,

Oliver Gubser, Julienne Friedrich und Roger Thomi sowie alle Redaktoren

und Helfer.

Ein liebes Dankeschön geht auch an alle Eltern, Gönner, Sponsoren und

Gemeinden, welche die Verkehrskadetten unterstützen.

Bedanken möchten wir uns auch bei allen Verkehrskadetten, Polizeikorps

sowie Auftraggebern und Behörden. Und schliesslich richten wir einen Dank

an alle Aktiv-, Passiv und Ehrenmitglieder der VKA-Albis und an alle Angehörigen

der VKA der letzten 50 Jahre und an alle Leserinnen und Leser.

LUKAS SCHMID,

Chefredaktor Jubiläumsschrift

ROGER THOMI

OK-Präsident 50 Jahre VKA-Albis



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