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PINwand Nr. 328

Weinmailing Ausgabe September 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

Weinmailing Ausgabe September 2021 - Erlesene Weine, Feinkost und Spirituosen von Pinard de Picard - Weinhändler des Jahres 2010 & 2019 - Weinfachhandel und Weinversender

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P I N W A N D n o 3 2 8

© WOODY T.HERNER

JOHANNES JÜLG

Vom „Zauberlehrling“ zum „Zaubermeister“

Willkommen in der Champions League!

Erlesene Weine und Feinkost

September 2021


PINWAND no 328 September 2021

DEUTSCHLAND

Weingut Jülg | Pfalz . 4

Johannes Jülg: „Mit Abstand die beste Kollektion, die wir gemacht haben!“ Der Ritterschlag:

Neuaufnahme in den VDP! Glückwunsch an die stolzen Pfälzer!

Weingut Müller-Ruprecht | Pfalz 24

Einer der Sieger in der jüngsten Edition des Wettbewerbs „Die junge Pfalz“! Preis-Genuss-Wunder aus Kallstadt,

und endlich eingetroffen: die Lagenweine aus dem legendären Saumagen!

Weingut Herrenberg | Saar. 32

Manfred Loch: „Große Weine fallen nicht vom Himmel! Es braucht Akribie, Leidenschaft und Wissen für

unvergleichlichen Riesling!“ – der „Riesling-Pétrus” der Saar steht für herrlich saftige, zart mineralische und

fruchtbetonte Rieslinge mit Genuss-Garantie. Handcrafted, aus Miniproduktion!

ÖSTERREICH

Weingut Bernhard Ott | Wagram. 40

„Mister Grüner Veltliner“ ist einer der überragenden Protagonisten in seiner Heimat. Frisch eingetroffen: die sensationellen

Lagenweine aus dem hochgelobten Traumjahrgang 2019! Zum Niederknien, genauso wie die nobelste aller Marillen-Konfitüren!

ITALIEN

Saladini Pilastri | Marken . 46

Dieses Gut bedarf fast keiner Worte mehr: Lieblingsweingut unserer Kunden, meistverkaufter Italiener,

Top-Bio-Qualitäten für ganz kleines Geld. Bella Italia!

Altesino | Toskana. 52

Brunello 2016: dieser Jahrgang löst wahre Jubelstürme aus! „Montosoli“ mit 97 Punkten gleich

bei mehreren Kritikern unter den besten Weinen des Jahres!

SPANIEN

Álvaro Palacios | Priorat / Rioja / Bierzo . 58

Er ist eine lebende Legende und hat sich um den spanischen Weinbau wahrlich verdient gemacht.

Seine aktuellen Weine unterstreichen seine Ausnahmestellung und werden mit Bestnoten bewertet!

Das ist durch die Bank hervorragend!

Bimbache | El Hierro (Kanaren) . 67

Weine wie aus dem Höllenschlund von schwarzen Lava-Böden – unsere letztjährige Neuaufnahme kann nur

als spektakulär bezeichnet werden: spektakuläres Terroir, spektakulär eigenständig, spektakulär anders!

Bernabeleva| Vinos de Madrid. 74

Garnacha von einer puristischen Eleganz und Reintönigkeit, wie sie so nur aus der Sierra de Gredos kommen kann.

Der Vorstoß in neuen Dimensionen! Grandioser Stoff!

FRANKREICH

Gérard Boulay | Sancerre. 86

Seele, Energie, Spannung, Urwüchsigkeit – der Altmeister aus Chavignol steht an der Spitze der Region,

in der kaum schönere, bessere Terroirs für Sauvignon Blanc existieren!

Château d‘Aydie | Madiran . 92

Aus dem „alten Land“ kommen Weine wie Donnerhall. Der Südwesten Frankreichs ist eine Fundgrube für

originäre, authentische, ursprüngliche Weine. DIE preiswerte Alternative für alle, die der überteuerten

Bordeaux-Kreszenzen müde sind!

2

PINWAND no 328 | September 2021


September 2021

PINWAND no 328

pinwand no 328

Liebe Freunde von Pinard de Picard,

ganz großes Thema unserer frisch gedruckten PINwand No . 328

ist ein Weingut aus der Pfalz, das wir Ihnen vor nicht allzu langer

Zeit noch als Newcomer vorgestellt haben. Die Rede ist

von „Zauberlehrling“ Johannes Jülg aus Schweigen. Mit seinen

Burgundern ist er innerhalb kürzester Zeit im Olymp der besten

Winzer Deutschlands angekommen, die Aufnahme in den

renommierten VDP, dem Verein Deutscher Prädikatsweingüter,

ist der beste Beweis dafür, dass man nun in der Champions

League spielt. Für Familie Jülg natürlich ein Ansporn, noch mehr

zu leisten, noch freier zu arbeiten – was sich in einer der stärksten

Kollektionen der Gutsgeschichte manifestiert. Daher stehen

die Jülgs heute im Zentrum der PINwand. Die Kunst, Parzelle

für Parzelle herauszuarbeiten, steht auch bei Müller-Ruprecht

in Kallstadt (Pfalz) im Zentrum des Schaffens. Die vielen Facetten

des Saumagens bringt uns Philipp Wöhrwag mit drei besonders

gelungenen Interpretationen des legendären „Saumagens“

näher. Unweit von Madrid, heißen wir einen alten Bekannten

mit neuer Kollektion willkommen: Das großartige Weingut

Bodegas y Viñedos Bernabeleva lehrt uns, dass Grenache (hier

natürlich Garnacha) auf höchstem Niveau nicht nur von der Südlichen

Rhône stammen muss. Und wer die Weißweine probiert

merkt schnell: hier hat alles Hand und Fuß, Stil und Charakter.

Im Herzen Chavignols gibt es nicht nur guten Ziegenkäse. Die

Sancerre-Weine von Altmeister Gérard Boulay definieren für

uns lehrbuchhaften Sauvignon Blanc, sie zeigen, wie genial diese

Rebsorte reifen kann, wenn Terroir und Handwerkskunst im

Vordergrund stehen.

PS: Alle alteingesessenen Kunden werden es längst wissen und

fieberten dem Termin entgegen. Im September sind nun die

aktuellen Großen Gewächse des Jahrgangs zum Versand freigegeben.

In den nächsten Wochen werden wir ausführlich über

die Highlights und hochbewerteten Weine berichten. Es bleibt

also spannend!

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei

der Lektüre unserer PINwand

Ralf Zimmermann

& Markus Budai

Versandkonditionen

innerhalb Deutschlands!

Frei Haus ab 95,00 €

oder ab 12 Flaschen

(Weine, Spirituosen & Olivenöle)

Für Bestellungen unterhalb der Freihausgrenze erheben

wir eine Versandkostenpauschale von 6,50 €

und das Team von Pinard de Picard

3


DEUTSCHLAND P FA L Z

Jülg

„Das ist mit Abstand die beste Kollektion,

die wir gemacht haben!“

JOHANNES JÜLG

„Frankreich ist hier ganz offensichtlich Vorbild. Spätburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc,

wie sie in Deutschland in dieser Qualität nurmehr wenig Konkurrenz haben. Aber halt,

da ist ja auch noch der Riesling! Jülg kann alles.“ – Marcus Hofschuster

Johannes Jülg, ein Meisterschüler von Klaus Peter Keller, katapultiert sich mit wunderbaren weißen

und roten Gewächsen in die deutsche Burgunderspitze. Und das bei sagenhaft günstigen Preisen!

Der Sonnenberg strahlt in vollem Glanz: Johannes Jülg verfolgt konsequent den Terroirgedanken

und unterteilt die Großlage Sonnenberg in drei grandiose Spätburgunder!

„Wir steigern uns jedes Jahr, immer in Anbetracht des Jahrgangs. Kein Jahrgang wird

mehr als Hindernis betrachtet, sondern als Herausforderung.“ – Johannes Jülg

4 PINWAND no 328 | September 2021


Jülg

PFALZ DEUTSCHLAND

© WOODY T.HERNER

WEINGUT

JÜLG

SCHWEIGEN

Johannes Jülg gilt als „der Shootingstar der deutschen Burgunderszene“

(Falstaff). Es ist folglich kein Wunder, dass

das Weingut Jülg nun seit April dieses Jahres auch noch in

den erlauchten Kreis der VDP-Weingüter aufgenommen wurde.

Glückwunsch an die ehrgeizige und dennoch ungemein liebenswürdige

und so herrlich bodenständige Familie aus Schweigen:

Ihr seid die Burgunder-Könige!

Johannes Jülg, noch jung an Jahren, besitzt gleichwohl bereits

ungemein viel Wissen und Erfahrung: Gelernt hat er unter anderem

bei Klaus Peter Keller, Werner Schönleber und auf der nicht

minder berühmten Domaine Clos des Lambrays im Burgund.

Meisterwinzer der feinen handwerklichen Kunst formten so

einen Meisterschüler, dessen Weg wir stets aufmerksam verfolgten

und der sich mit jedem famosen neuen Jahrgang in der

Spitzenliga der deutschen Top-Weingüter festgesetzt hat. Sodass

auch der gestrenge Weinführer Eichelmann bereits 2017

urteilt: „Jedes Jahr können wir beim Weingut Jülg einen Schritt

vorwärts erkennen!“ und ihn im Guide 2020 folgerichtig mit

dem Titel „Newcomer des Jahres“ belohnte. Johannes Jülg ist

längst im Olymp deutscher Burgundererzeuger angekommen.

Wir zumindest können uns beim besten Willen nicht mehr vorstellen,

wie die Weinwelt ohne die Pfälzer Burgunder aus dem

Hause Jülg aussähe. Und auf die (im wahrsten Sinne!) möglicherweise

preiswertesten Burgunder Deutschlands können wir

schon gar nicht verzichten!

Marcus Hofschuster, Verkoster von Wein.Plus hat das Weingut

denn auch als „Entdeckung des Jahres“ ausgezeichnet.

Treffend analysiert er: „Frankreich ist hier ganz offensichtlich

Vorbild. Spätburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, wie sie

in Deutschland in dieser Qualität nurmehr wenig Konkurrenz

haben. Aber halt, da ist ja auch noch der Riesling! Jülg kann alles.“

Zusammen mit seinem Vater Werner bewirtschaftet der

ebenso sympathische wie kluge Jungstar Hand in Hand rund 18

Hektar Rebfläche. An einem ganz speziellen Ort sind beide im

wahrsten Sinne des Wortes als „Grenzgänger“ unterwegs. Wie

das denn? Nun, das Weinanbaugebiet der Pfalz erstreckt sich

als ein durchschnittlich sieben Kilometer breiter, etwa 23.600

Hektar umfassender Traubengürtel in einer klimatisch besonders

gesegneten Region, in der alljährlich selbst Mandeln und

Feigen reifen. Doch nur ein Örtchen besitzt eine ganz spezifische

Eigenheit: Schweigen, und damit auch das seit 1961 bestehende

Familiengut der Jülgs im Grenzland zwischen Vogesen

und Pfälzerwald, wo das Elsass die Pfalz berührt, besitzt erstklassige,

sehr kalkhaltige Weinberge auf deutschem Territorium

wie auf französischem! Das hängt mit der wechselvollen Geschichte

der Pfälzer und Saarländer mit unseren französischen

Freunden zusammen. 40 % der Weinberge des Weinguts Jülg

liegen auf französischem Staatsgebiet bei Wissembourg. Und

vor dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens mussten die

weiß Gott frankophilen Jülgs stets ihren Reisepass bei der Arbeit

im Weinberg mit sich führen! Doch lassen wir diese der Historie

geschuldeten Irrungen und Wirrungen hinter uns und wenden

wir uns umso lieber den authentischen Terroirweinen zu, die

unsere leidenschaftlichen Winzer mit soviel Könnerschaft und

Herzblut vinifizieren!

Werte Kunden, schon lange predigen wir, dass über dem Jahrgang,

über jeder noch so großen Lage stets der Winzer steht.

Der letztlich darüber entscheidet, welche Qualität auf die Flasche

kommt. Und nur durch Qualität kann das volle Potenzial

einer Lage und eines Jahrgangs erfasst werden. Daher setzen

wir seit vielen Jahren auf unsere wertvollste Ressource: das Vertrauen

in unsere Winzer. Johannes Jülg ist so ein Winzer, dem

wir ohne zu zögern immer vertrauen. Er trifft konsequent die

richtigen Entscheidungen und nutzt alle Möglichkeiten, diese

perfekt umzusetzen. Das Ergebnis ist eine geniale Kollektion,

die wir Ihnen nun im Folgenden genauer vorstellen möchten.

5


DEUTSCHLAND P FA L Z

Jülg

WEISSBURGUNDER, 2020

Feiner Weißburgunder deutsch-französischer

Provenienz

DPF070320 Weißburgunder, 2020 DV

13% Vol. 10,40 €/l 7,80 €

Johannes Jülgs Weißburgunder von 2020 ist ein Wein, wie er rebsortentypischer

kaum sein könnte. Man hält die Nase ins Glas

und hat direkt die klaren Weißburgunder-Charakteristika vor

Augen: Birnen, Quitten, Charentais-Melonen, Weinbergpfirsiche,

ein wenig Mandelcreme und einen Hauch von blondem

Tabak. Am Gaumen zeigt sich der Wein so frisch wie elegant

mit einer reifen hellen Frucht, die eine feine Cremigkeit mit sich

bringt und von einer seidigen, aber sehr agilen Säure begleitet

wird. Knapp sieben Gramm Säure sind es bei diesem Wein, und

das ist angenehm knackig, ohne zu präsent zu werden. Johannes

Jülg hat den Weißburgunder im Edelstahl ausgebaut, um

ganz auf die Frische zu setzen. Acht Monate Hefelager sorgten

dabei für Finesse und Eleganz bis ins beeindruckend lange Finale.

Die Frucht, die Johannes nutzt, stammt zu 50 % aus dem

Schweigener Sonnenberg und zu weiteren 50 % aus dem elsässischen

Wissembourg mit jeweils kalkreichem Terrain. Wenn

man es genau nimmt, handelt es sich bei diesem Pfälzer Weißburgunder

also um einen grenzüberschreitenden Wein, was für

einen deutschen Qualitätswein eher ungewöhnlich ist. Doch

dort, an der Grenze zum Elsass, ist es eine gute Tradition, dass

die Weinberge die Grenzen vergessen lassen und die Weine zur

engen Verbundenheit und Freundschaft beitragen. Darüber hinaus

bietet sich uns ein äußerst charmanter, feinwürziger und

elegant fruchtiger Wein, der für einen Gutswein beeindruckend

viel Finesse mit sich bringt.

CHARDONNAY, 2020

Jülgs Chardonnay-Einstieg verbindet die

jugendliche Offenheit eines Gutsweins mit

Eleganz und Finesse.

DPF072120 Chardonnay, 2020 DV

13% Vol. 10,40 €/l 7,80 €

Johannes Jülgs Chardonnay von 2020 fügt sich nahtlos in die

wunderbar klaren, rebsortentypischen und eleganten Gutsweine

des Hauses ein. Die Frucht dieses Chardonnay stammt halb

aus dem Schweigener Sonnenberg, halb aus dem elsässischen

Wissembourg mit unterschiedlich gewichtetem kalkreichen

Terrain. Es handelt sich also auch beim Chardonnay um einen

grenzüberschreitenden, ja verbindenden Wein, der dank eines

deutsch-französischen Staatsvertrags von 1984 dort möglich

ist. Diesen Gutswein hat Johannes im Edelstahl auf der Feinhefe

ausgebaut, um einen frischen, unverfälschten und zugleich

gebietstypischen Chardonnay-Genuss zu garantieren, auf den

man nicht lange warten muss. Der Chardonnay ist mit seiner

jugendlichen Lebendigkeit, seiner feinen Frucht von vornehmlich

saftigen grünen und vor allem gelben Birnen, ein paar Melonen

und Pfirsichen, Geißblatt und ein wenig Vanille sofort

präsent. Am Gaumen wirkt der Wein nach seinem achtmonatigen

Hefelager ungemein cremig und elegant, dabei animierend

frisch und mineralisch. Einen besseren Chardonnay auf Gutsweinniveau

ist in dieser Preisklasse eigentlich kaum vorstellbar.

Ab sofort und bis 2026+.

Ab sofort uns bis 2026 und länger.

6 PINWAND no 328 | September 2021


Jülg

PFALZ DEUTSCHLAND

© WOODY T.HERNER

GRAUBURGUNDER, 2020

Deutsch-französischer Bilderbuch-Grauburgunder

DPF072220 Grauburgunder, 2020 DV

13% Vol. 10,40 €/l 7,80 €

Johannes Jülgs Grauburgunder von 2020 reiht sich wunderbar in

die formidable Reihe sortenreiner Gutsweine des Weinguts ein,

zumal er sorten- und weingutstypischer kaum sein könnte. Der

goldgelb leuchtende Wein öffnet sich schnell und nachhaltig

mit einem einladenden Duft von gelben Birnen und grünen Äpfeln,

Mirabellen und Weinbergpfirsichen, Charentais-Melonen

und Orangen samt Schalen, Nüssen und Mandeln. Das wirkt

herrlich appetitlich und macht Lust auf den ersten Schluck. Am

Gaumen wird die Fülle der Aromen von einer seidig reifen und

milden Säure durchzogen, die den Wein belebt und für eine

gelungene Balance von Frucht und Frische sorgt. Balance wird

hier ohnehin großgeschrieben. Die Frucht stammt je zur Hälfte

aus Schweigen und dem elsässischen Wissembourg, und sechs

Gramm Restsüße treffen auf sechs Gramm Säure. Irgendwie

merkt man das dem Wein an, der einen sehr verbindenden,

harmonischen Charakter besitzt. Ohnehin tragen dort, an der

Grenze zum Elsass, die Weine zur engen Verbundenheit und

Freundschaft bei – und Johannes Jülgs Grauburgunder ist weingewordener

Ausdruck dieser entente cordiale. Ein Wein, den

man mit gutem Gefühl auf jeden Tisch stellen kann – er wird

immer seine Freunde finden.

Ab sofort und bis 2025+.

RIESLING TROCKEN, 2020

„Die ewig gepflegte Visitenkarte unseres

Weinguts.“ – Johannes Jülg

DPF071220 Riesling trocken, 2020 DV

12,5% Vol. 10,40 €/l 7,80 €

Wer ein Weingut kennenlernen möchte, der fängt meist mit der

Basis an. Diese Basis ist für viele Winzer, und so auch für die

Jülgs, die Visitenkarte des Hauses. Der Gutswein ist der Wein,

der den Standard setzt, das Profil und den Charakter definiert,

auf dem alle anderen Weine aufbauen. Es ist übrigens auch heute

noch längst nicht bei allen Weingütern so, dass den Winzern

klar ist, dass man die Güte eines Weinguts am einfachsten Wein

erkennen sollte. Wer bei Jülgs Riesling ins Glas schnuppert, dem

wird allerdings sehr schnell bewusst, dass er hier einen exzellenten

Wein im Glas hat. Und wer die anderen Rieslinge des

Weinguts kennt, kann auch direkt die Verwandtschaft ausmachen.

Der „Riesling trocken“ ist ein Wein, der eine volle und

reife Flucht liefert, sie mit einem gewissen französischen Esprit

verbindet und somit eine präsente und doch absolut präzise

Frucht von Pfirsichen, Nektarinen, Melonen, Grapefruits

und Kumquats mit ein wenig Lanolin, Verbene und Kalk vorfindet.

Am Gaumen ist diese Cuvée aus 40 % Schweigener und

60 % Wissembourger Frucht saftig und beeindruckend hell und

druckvoll. Hier sind es auch Apfelnoten, Weiße Johannisbeeren

und Zitronen, die den Ton angeben und mit einer prägnanten

Säure agieren, die sich hervorragend in die Frucht integriert und

kaum einen Gedanken an den leichten Restzucker zulässt, den

diese Frucht zweifelsohne besitzt. Der Wein kleidet den Gaumen

aus, schiebt sich nach vorne, ist druckvoll und doch auch

seidig charmant, lässt Fünfe gerade sein und fordert herrlich

unmissverständlich zum nächsten Schluck auf.

Ab sofort bis 2025 und länger.

7


DEUTSCHLAND P FA L Z

Jülg

RIESLING „KALKMERGEL“ TROCKEN, 2020

Kompromisslos klar und präzise ist dieser Terroir-Riesling vom Kalkmergel!

DPF070120 Riesling „Kalkmergel“ trocken, 2020 DV 12,5% Vol. 14,13 €/l 10,60 €

© WOODY T.HERNER

Wenn es um die Abbildung des Terroirs in seinen Weinen

geht, kennt Johannes Jülg keine Kompromisse. Ein

herausragendes Beispiel für diesen Anspruch ist der

Riesling „Kalkmergel“, dessen 2020er-Exemplar an flüssigen

puren Kalkstein erinnert. Der Riesling stammt zu

70 % aus Lagen in Deutschland und zu 30 % aus Lagen

im benachbarten Elsass. Die Trauben wurden natürlich

von Hand gelesen, spontan im Edelstahl vergoren und

dort auch ausgebaut. Das Ergebnis ist auf eine wunderbar

fordernde Art puristisch und doch elegant. Es duftet

nach Kalk und Limetten, und sofort kommt einem

das englischsprachige Pendant zum Kalk in den Kopf:

limestone! Das wirkt wirklich wie „Limettenstein“ (auch

wenn’s etymologisch so gar nichts damit zu tun hat),

garniert mit Minze und Zitronengras, Salzzitrone, Blütenpollen

und ein wenig Petrol von der Spontanvergärung

samt reduktivem Ausbau. Am Gaumen bietet der

„Kalkmergel“ einen rasanten Ritt mit druckvoller Säure

und vibrierender Mineralität. Wie bei einem Veitstanz

gebärdet sich der Wein, bietet aber dennoch einen seidigen

Schmelz vom Ausbau auf der Feinhefe. Im Finale

dreht er wieder auf und sorgt mit seiner Salzigkeit

und den herb grünen und gelben, aber reifen Aromen

für den Wunsch, sich direkt einen nächsten Schluck zu

gönnen. Und spätestens da entdeckt man dann auch

die griffige Textur, die Vielschichtigkeit am Gaumen und

das lang ausklingende Finale, das Jülgs Terroir-Rieslinge

noch zusätzlich so besonders macht.

Ab sofort, Potential bis 2030 und länger.

RIESLING „BUNTSANDSTEIN“ TROCKEN, 2020

Verspielt und doch präzise, mit feiner Frucht und beeindruckender Salzigkeit!

DPF071420 Riesling „Buntsandstein“ trocken, 2020 DV 12,5% Vol. 14,13 €/l 10,60 €

Faszinierend ist es, zu verfolgen, wie deutlich sich

unterschiedliche geologische Schichten und Gesteine

im Ausdruck eines Weines niederschlagen können.

Ein besonders gelungenes Beispiel sind Johannes Jülgs

Terroir-Rieslinge „Kalkmergel“ und „Buntsandstein“.

Beide werden gleich ausgebaut. Der „Buntsandstein“

wirkt im Duft etwas wärmer und einladender als der

„Kalkmergel“, der fast komplett nach Gestein und Limetten

duftet. Beim „Buntsandstein“ dreht es sich

mehr um knackige Äpfel und Birnen, ein paar gerade

reif gewordene Pfirsiche und Melonen, aber eben auch

um Zitrusfrüchte und Gestein. Am Gaumen indes

geben sich die beiden Rieslinge in Sachen Purismus,

Präzision und Strahlkraft nichts. Der „Buntsandstein“

entwickelt vom ersten Moment an eine Salzigkeit und

Frische, die man im Duft kaum so klar und deutlich

erahnen konnte. In einem Parforce-Ritt prescht der

Wein über den Gaumen und verbindet eine markante

Nussigkeit mit grünen Äpfeln und Zitronen, und man

bekommt sehr schnell das Gefühl, als hätte Johannes

Jülg hier Salzzitronen aufgelöst, so klar präsentieren

sich diese Aromen im Wein und sorgen entsprechend

für einen gnadenlosen Trinkfluss. Der Riesling stammt

zu 70 % aus elsässischen und zu 30 % aus deutschen

Lagen (beim „Kalkmergel“ ist es genau andersherum),

er wird von Hand gelesen und spontan im Edelstahl

vergoren, wo er auch sechs Monate lang auf der Feinhefe

ausgebaut wird. Es ist ein bildschöner Wein, ausdrucksstark

und elegant, dabei immer druckvoll und

mit feinem Gerbstoff-grip am Gaumen, einer vibrierenden

Mineralität und einem herrlich langen Finale.

Ab sofort bis 2030+.

8 PINWAND no 328 | September 2021


Jülg

PFALZ DEUTSCHLAND

RIESLING „SPRINGBERG“ TROCKEN, 2020

Beim „Springberg“ springt der Riesling einen förmlich an!

DPF071620 Riesling „Springberg“ trocken, 2020 12,5% Vol. 22,66 €/l 17,00 €

Lässt man sich das 2020er-Sortiment von Johannes

Jülg in Ruhe auf der Zunge zergehen, dann muss man

konstatieren, dass der Mann Jahr für Jahr noch eine

Schippe drauflegt, wenn es um Präzision, Finesse und

Eleganz geht. Das hat ihm mittlerweile einen hervorragenden

Ruf eingebracht, und das Weingut Jülg gehört

inzwischen ganz sicher zu den Top-Betrieben

der Pfalz. Nach und nach haben wir sein Portfolio,

behutsam erweitert, übernommen. Mit dem 2018er-

Jahrgang kam der „Springberg“ hinzu. Dieser Riesling

stammt aus dem Dörrenbacher Springberg, der nördlichsten

Lage des Weinguts. Die Rebstöcke wurzeln

hier in purem Kalk mit einer nur dünnen Humusauflage.

Der vom Pfälzerwald geschützte, nach Osten exponierte

Spingberg zählt zu den kühlsten Lagen des

Anbaugebiets – das ist hier auf jeden Fall cool climate.

Man riecht und schmeckt es sofort, denn der Riesling

„Springberg“ wird von nassem Stein und einer kühlen

Frucht von Zitronen, knackigem Kernobst, etwas

Lanolin sowie geriebenen Nüssen und Mandeln getragen.

Am Gaumen wirkt der Riesling – der natürlich

von Hand gelesen wurde, spontan vergoren und acht

Monate auf der Hefe im Edelstahl ausgebaut wurde –

saftig und hell, glasklar und enorm mundwässernd in

der Kombination von Salzigkeit und einer unter Hochspannung

stehenden Säure und Mineralität. Dieser

Riesling geht einem in positivem Sinne durch Mark

und Bein, sorgt für Lebendigkeit, ist so pur, wie man

es sich nur wünschen kann und verbindet diesen Purismus

mit einer sinnlichen Textur, die die Säurestruktur

kongenial ergänzt.

Ab sofort und bis 2032 und länger.

RIESLING „SONNENBERG“ TROCKEN, 2020

Fantastischer Riesling aus dem in Frankreich gelegenen Sankt-Paul-Gewann

des Schweigener Sonnenbergs.

DPF070220 Riesling „Sonnenberg“ trocken, 2020 12,5% Vol. 24,00 €/l 18,00 €

Es ist ja immer so eine Sache, wenn man Weinen von

Winzern, die nicht dem VDP angehören, den Status

eines „Großen Gewächses“ zuschreibt. Doch was

sollte man in diesem Fall anderes machen? Das ist

ein Riesling, der seit Jahren vieles von dem, was offiziell

als „GG“ betitelt wird, in den Schatten stellt. Der

„Sonnenberg“ ist ein famoser Riesling! Er stammt aus

dem französischen Teil des Schweigener Sonnenbergs.

Dieser ist ja eine Großlage von mehr als 400 Hektar

und damit etwa so groß wie die gesamte Weinbauregion

Hessische Bergstraße! Ein Teil der Großlage liegt

im benachbarten Frankreich, und eine Sonderreglung

erlaubt es, dass deutsche Winzer ihr von jenseits der

Grenze stammendes Lesegut auch als deutschen

Wein vinifizieren und anbieten können. Da eine Großlage

nicht an allen Stellen gleiche Böden hat, gibt es

viele Winzer, die bestimmte Parzellen oder Gewanne

hervorheben. In diesem Fall ist es der Bereich „Sankt

Paul“, der direkt am ehemaligen Paulinerschloss (heute

Château Saint-Paul) zu finden ist. Die Parzelle ist nach

Süden hin ausgerichtet und von gelbem mergeligem

Kalk und Buntsandstein auf blankem grauen Kalkfelsen

geprägt. Ausgebaut wurde der Wein nach Spontangärung

für acht Monate auf der Feinhefe. Was Sie, werte

Kunden, erwartet, ist ein Musterbeispiel für einen Terroirwein,

der Eleganz und Finesse, eine ausgesprochen

pure Frucht, eine druckvolle Säure, Schmelz, Würze

und eine tiefe Mineralität in sich vereint. Der „Sonnenberg“

fächert sich komplex auf, zeigt Noten von reifem

Apfel und noch leicht grüner Ananas, von Salzzitronen

und Zitronengras, Lanolin und einem Hauch von Galgant.

Darüber liegt eine ganz feine Spontanvergärungs-

und Reduktionsnote wie von einem einzelnen

Knallplättchen. Am Gaumen bietet der Wein eine fantastische

Harmonie. Erst leise, dann immer deutlicher

verbinden sich die Kernobst- und Zitrusfruchtaspekte

mit Noten von Weißjohannisbeeren und ein paar Holunderblüten.

Zunächst wirkt der Riesling seidig und

leicht cremig, dann baut er immer mehr Spannung auf.

Die Säure findet ihre Energie, wird immer druckvoller

und wird dann unterstützt von einer prägnanten

Mineralität. Das ist ein ganz besonderer Schweigener

Riesling, ein Prachtstück, genau ausbalanciert in seiner

druckvollen Intensität und reifen sonnenverwöhnten

Frucht. Er wird von Johannes Jülg zu einem Preis angeboten,

für den andere kaum einen Ortswein unter

dem Tresen hervorholen. Daher können wir nur sagen:

Das ist eine unbedingte Empfehlung!

Ab sofort (und mit etwas Luft) ein großer Genuss.

Potenzial bis 2032 und darüber hinaus.

9


DEUTSCHLAND P FA L Z

Jülg

WEISSBURGUNDER „KALKMERGEL“, 2020

Terroirwein vom Kalk – charaktervoll und ausdrucksstark.

DPF070420 Weißburgunder „Kalkmergel“, 2020 DV 13% Vol. 14,53 €/l 10,90 €

Johannes Jülgs 2020er Weißburgunder „Kalkmergel“

bildet die zweite Stufe auf dem Weg vom Gutswein

zum Lagenwein. Er greift auf wunderbare Weise die

Rebsortentypizität und Feinheit der Weißburgundertraube

auf, garniert sie aber mit einem Mehr an Komplexität,

Finesse und Schmelz. Das erreicht Johannes

durch die Kombination von 80 % Trauben aus Schweigener

Lagen und 20 % Frucht aus dem elsässischen

Wissembourg, die spontan vergoren werden, um zur

Hälfte in Edelstahl, zur Hälfte in gebrauchten 225- und

500-Liter-Fässern ausgebaut zu werden. Insgesamt

sechs Monate bleibt der Wein auf der Hefe. Die klaren

aromatischen Charakteristika des Weißburgunders

von Pfirsichen, Äpfeln und Birnen, Melonen und Mandeln

verbinden sich mit einer Spur von Holz, Kalk und

grünen Nüssen. Am Gaumen bietet der „Kalkmergel“

eine gelungene Balance aus heller Frucht und Nussigkeit,

zartem Schmelz und einer präsenten Säure, die

sich zunächst mit einer ganz leichten Fruchtsüße verbindet,

diese aber nach wenigen Augenblicken „wegatmet“.

Zum Finale hin wird diese klare und elegante

Säure immer präsenter, verbindet sich mit einer ebenso

feinen Würze und klingt lange aus. Das ist ein überaus

gelungener Terroir-Wein, der enorm viel innerhalb

seiner Klasse bietet, balanciert ist und sicherlich Potenzial

für ein ganzes Jahrzehnt in sich trägt.

Ab sofort und bis leicht 2028+.

WEISSBURGUNDER „SONNENBERG“, 2020

Großartiger Weißburgunder, so präzise wie ein frisch geschliffenes Damastmesser.

DPF070520 Weißburgunder „Sonnenberg“, 2020 13% Vol. 24,66 €/l 18,50 €

Wer einmal für längere Zeit im Burgund gearbeitet hat,

der wird sich spätestens dann der Faszination, die die

besten der dortigen Weine auslösen, hingeben. Dass

Johannes Jülg sich sehr intensiv der dortigen Art und

Weise Wein zu erzeugen gewidmet hat, merkt man

nicht nur seinem Spätburgunder an – er hat ja bei Clos

de Lambrays gelernt, wo ausschließlich Pinot Noir erzeugt

wird –, sondern auch seinem Chardonnay und

dem Weißburgunder. Wenn man seinen Weißburgunder

„Sonnenberg“ zur Nase hebt, dann erkennt man

neben dem eigenständigen Charakter auch eine Artverwandtschaft

in Sachen Finesse, Eleganz und Dichte.

Das zeigte sich schon beim Weißburgunder „Kalkmergel“

sehr klar, aber hier, beim Weißburgunder aus

dem Schweigener Sonnenberg, wird es noch einmal

deutlicher; denn hier kommen die volle Komplexität

sowie ein überaus gekonnter und angenehm zurückhaltender

Holzeinsatz mit ins Spiel. Gerade bei den

Lagen-Weißburgundern ist hierzulande nach unserem

Geschmack immer noch viel zu häufig zu viel neues

Holz im Spiel. Nicht so bei Johannes Jülg. Er nutzt das

Holz, um dem Wein eine elegante Seidigkeit, Cremigkeit

und genau diesen goût mitzugeben, der ihm Noblesse

verleiht. Im Duft zeigt sich dann auch dieser

noble Hauch von Eiche, der sich mit Noten von Pfirsichen,

Birnen, Melonen und reifen Stachelbeeren sowie

Gestein, Mandeln und knackigen Nüssen verbindet.

Schließlich liegt über allem ein feiner Dunst von Rauch

und Blüten, und das Holz liefert ein wenig Ananas. Am

Gaumen bietet der „Sonnenberg“ gelbfruchtige Aromen

und Kräuter. Auch hier zeigen sich Ananas und

Melone, diesmal etwas gereifter und wärmer, auch das

Holz ist etwas präsenter. Der Weißburgunder bietet

hier viel Schmelz, aber immer im Wechselspiel mit der

für Jülg so typischen lebendigen Säure. Eine feine Würze,

die schon erwähnte Nussigkeit und eine geschmeidige

Textur führen den Wein schließlich in ein langes

Finale. Es ist einfach fantastisch, was Johannes hier

wieder in Flaschen gefüllt hat – großes Kompliment!

Ab sofort! Mit Potenzial bis 2032 und länger.

10 PINWAND no 328 | September 2021


Jülg

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In Subskription: Auslieferung ab Dezember 2021

WEISSBURGUNDER SCHWEIGENER SONNENBERG

„REITSCHUL“, 2020

„Reitschul darf komplett aus dem Rahmen fallen.“ – Werner Jülg

Jülg

DPF072020 Weißburgunder Schw. S. „Reitschul“, 2020 46,66 €/l 35,00 €

Es herrscht Aufbruchsstimmung im Weingut Jülg und

eigentlich könnte sich die Familie nach den vielzähligen

Erfolgsmeldungen entspannt zurücklehnen. Das

Neu-Mitglied im VDP nimmt aber all jene Erfolge weiterhin

als Ansporn noch mehr zu zeigen. Genau jetzt,

wo die Aufmerksamkeit vielleicht so groß ist wie nie

zuvor, wollen sie ihren exzellenten Ruf so richtig unter

Beweis stellen, so könnte man meinen. Jedenfalls ist

es beeindruckend, mit welch hohen Ambitionen Johannes

Jülg an der Stilistik seiner Weine feilt und uns

Jahr für Jahr aufs Neue überrascht. Der Weißburgunder

aus der Parzelle „Reitschul“ sorgte auf Anhieb für

Furore. Vergangenes Jahr positionierte er sich bei der

Weißburgunder-Trophy des Falstaff mit 95 Punkten

auf dem 1. Platz. Der Weinguide der Zeitschrift Vinum

bedachte den „Reitschul“ mit 93 Punkten – die

höchste Bewertung innerhalb des Jülg-Portfolios

– was dem Wein auch einen Platz in der Top

10 „Weiße Burgundersorten“ bescherte. Im

jährlichen „Rechenschaftsbericht“ des Magazins

Der Feinschmecker („Die besten Winzer

und Weine 2021“) wurde dieser tatsächlich

großartige Weißburgunder gleich als erster

„Probiertipp“ für das Weingut Jülg genannt,

und auch der Eichelmann führte ihn mit der

dritthöchsten Wertung (nach zwei Opus-Oskar-Weinen)

im hausinternen ranking.

Für uns liegt der große Erfolg der Burgunderweine

vor allem an der offensichtlichen

Nähe zum Nachbarn, den Franzosen.

Nicht nur, dass die Jülgs rund die Hälfte

aller Lagen bereits auf französischer

Seite ihr Eigen nennen dürfen, sondern

auch die vielen Verflechtungen

Johannes mit den ehrenwerten

Nachbarn und speziell dem Burgund

(Ausbildung bei Clos des Lambrays!)

sowie das gelebte Savoir-vivre der

Familie gehen eine Verschmelzung

ein, die Grenzen verschwinden

lässt. Man ist hier dem Vorbild einfach

extrem nahe!

Eine dieser „Wechsellagen“ ist der

südlich exponierte Sonnenberg mit

seinem tiefgründigen Kalkmergelboden.

Die „Reitschul“ allerdings ist

eine Parzelle aus der im Vergleich

recht kleinen Ursprungslage Sonnenberg

(heute eine Großlage und „das Ergebnis einer

kurzfristigen Marketingstrategie“ (Georg Küffner), die

die Weinbauflächen der Gemeinden Schweigen-Rechtenbach,

Oberotterbach und Schweighofen umfasst)

auf der deutschen Seite. Sie wurde von den Jülgs

urbar gemacht und neu bestockt, „perfekt ausgerichtet,

aber deutlich breiter als tief“ (Werner Jülg), weshalb

man in hier mit dem Fahrzeug auch „viel kurbeln

muss“, was ein guter Freund und Winzerkollegen spöttisch

als „uf de Reitschul fahre“ (pfälzisch für „Karusellfahren“)

kommentierte. Was man dann bei Jülgs

quasi „gewohnheitsmäßig“ übernommen hat („eine

Entscheidung, die am Mittagstisch gefallen ist“).

Beim 2020er-Weißburgunder „Reitschul“ (acht Monate

Hefelager, Ausbau im neuen 500-Liter-tonneau),

finden sich alle Elemente wieder, die wir an den

Jülg’schen Weinen so sehr schätzen: Finesse, Präzision

und Trinkfluss. Ihrem Wein lassen sie im Keller

alle Zeit der Welt und geben ihm alle Freiheiten.

„Reitschul darf komplett aus dem Rahmen fallen!“

so Vater Jülg, der den aktuellen Jahrgang so zusammenfasst:

„Holz, Reduktion und Kalk“. Wie gut diese

drei Komponenten zueinander passen und wie harmonisch

sich dieser Dreiklang präsentiert, kann nur

schwer in Worte gefasst werden. Das toasting des

Fasses ist prägnant, bringt den wilden Weißburgunder

aber auf Spur. Die feine Reduktion, wie sie von allen

Mitgliedern der Familie geliebt wird, versetzt uns

ins Burgund zurück, wo vor Frucht stets Mineralität

anzutreffen ist, wenn es sich um wahrlich große Weine

handelt. Und dann ist da diese feine Kalkausprägung,

die sich auch am Gaumen widerspiegelt, dem

Wein eine angenehm staubtrockene Art verleiht. Ein

stoffiger Weißburgunder, durchaus kraftvoll aber frei

von Cremigkeit oder Fruchtfülle. Es sind die ältesten

Weißburgunder-Reben des Weinguts, die durch

ihre Exposition nur wenig Abendsonne abbekommen

und enorm eleganten Burgunder hervorbringen. Das

Spiel aus Hefe, Holzwürze und heller, eher zitroniger

Frucht (sowie etwas Ananas und Nashi-Birne) ist hier

state of the art. Eine Struktur und vor allem Stringenz,

die jeglichem burgundischen Vorbild zur Ehre gereichen,

im Zweifel absolut ebenbürtig sind – Weißburgunder

so „transzendent“ wie Chardonnay, das können

hierzulande nur wenige!

Ab sofort zu genießen, Höhepunkt 2023 bis nach 2030.

12 PINWAND no 328 | September 2021


Jülg

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CHARDONNAY „SONNENBERG“, 2020

Eleganz trifft auf Kraft und eine fleischige Frucht auf frische Säure.

Jülgs Lagen-Chardonnay begeistert!

DPF071720 Chardonnay „Sonnenberg“, 2020 13% Vol. 24,66 €/l 18,50 €

Wie nahe sich Weißburgunder und Chardonnay sein

können, wenn sie der Richtige vinifiziert, zeigen der

Weißburgunder und der Chardonnay von Johannes

Jülg, die beide vom Schweigener Sonnenberg stammen.

Man spürt sofort, wie sehr er die beiden Sorten

mag und wie subtil er mit ihren Unterschieden,

aber auch mit ihren Gemeinsamkeiten umgehen und

herausarbeiten kann. Der Chardonnay „Sonnenberg“

stammt zu 80 % aus dem deutschen Teil des Schweigener

Sonnenbergs und zu 20 % aus dem französischen.

Zu 80 % wurde er im Barrique, zu 20 % im

Edelstahl ausgebaut, nachdem er von Hand gelesen

und spontan vergoren worden war. Der Chardonnay

ist im Vergleich der etwas offensivere Wein, auch

wenn der olfaktorische Auftakt durchaus ähnlich ist:

Birnen, Charentais-Melonen und junge Ananas samt

einem Hauch von Stachelbeeren spürt man hier in

Verbindung mit Mandelsplittern und etwas Holz. Ein

leiser Hauch von Blätterteig findet ebenfalls seinen

Weg in die Nase sowie ein wenig Vanille. Am Gaumen

dann merkt man, dass der Chardonnay schnell

in die Offensive gehen möchte. Da ist viel Fleisch

dahinter, Würze und Kraft, dazu eine Jülg’sche Säure

voller Lebendigkeit und Nervigkeit, feiner Mineralität

und Salzigkeit, garniert mit der Aromatik eines einzelnen

abgebrannten Zündholzes. Das ist ein Chardonnay

mit viel Spannung, einer geschmeidigen Textur

und einem langen Finale. Keine Frage, Johannes

Jülg gehört mittlerweile zu den großen Chardonnay-

Verstehern in Deutschland!

Ab sofort und bis 2030 und darüber hinaus.

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Jülg

SPÄTBURGUNDER, 2019

Ein brillanter Spätburgunder in diesem Preisbereich. Was für ein Einstieg!

DPF070619 Spätburgunder, 2019 DV 13% Vol. 11,06 €/l 8,30 €

Wenn man sich das Preisgefüge beim Spätburgunder

bzw. beim Pinot Noir anschaut, dann wird die Luft

bei Weinen unterhalb der magischen 10-Euro-Grenze

sehr dünn. Schon das Angebot ist gering, und noch

seltener gibt es dort Weine, die uns ansprechen. Was

Johannes Jülg mit seinem Spätburgunder von 2019

anbietet, ist nichts weniger als sensationell. Das ist

ein Wein, der uns begeistert! Er ist so etwas wie ein

deutsch-französischer Freundschaftswein; denn zur

einen Hälfte wächst die Frucht in Schweigen-Rechenbach,

der Heimat der Jülgs, zur anderen im elsässischen

Wissembourg. Dass dieser Wein trotzdem

als Pfälzer Qualitätswein bezeichnet werden darf,

verdankt sich einer glücklichen Fügung bzw. einem

Staatsvertrag von 1984, den die Herren Kohl und Mitterand

unterschrieben. Wenn Europa doch überall so

funktionieren würde wie an diesem Ort!

Johannes Jülg bezeichnet seinen Gutswein als „gehobenen

Einstieg für einen gehaltvollen, frischen Genuss

von ausschließlich gebietstypischen Rebsorten.“

Und wenn hier etwas besonders deutlich wird, dann

ist es das „Gehobene“. Kaum jemand dürfte darauf

kommen, dass man hier einen Pinot für weniger als

neun Euro im Glas hat. Dafür ist dieser Wein einfach

zu brillant. Der rubinrote Wein öffnet sich mit Noten

von würzigem, aber eleganten Holz, Unterholz

und Waldboden, Roten Johannisbeeren und Kirschen,

ein paar Pflaumen und dunklem Tabak, getrockneten

Kräutern, ein wenig Wacholder und Gestein. Am

Gaumen wird er rund und saftig, klar und frisch. Das

große Holz, in dem der Wein gereift ist, ist perfekt

eingebunden. Die Säure durchwirkt die dunkle und

warme Waldbeerfrucht. Der Gerbstoff zeigt sich geschmeidig

und der Wein als Ganzes ausgesprochen

balanciert und vielschichtig. Wir können uns nur wiederholen:

Das ist ein brillanter Einstieg!

Ab sofort und bis 2027 und länger.

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14 PINWAND no 328 | September 2021


Jülg

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SPÄTBURGUNDER „KALKMERGEL“, 2019

Saftig und frisch, dabei spielerisch unbeschwert mit wunderbarer Länge

DPF070719 Spätburgunder „Kalkmergel“, 2019 13,5% Vol. 16,66 €/l 12,50 €

Johannes Jülg ist sicher ein Naturtalent, wenn es um

die Erzeugung exzellenter Weine geht. Doch auch ein

Talent muss geformt und mit Erfahrung und Wissen

unterfüttert werden. Bei Johannes gehörte dazu die

Zeit, die er im Burgund, genauer gesagt in der weltberühmten

Domaine Clos des Lambrays verbracht hat.

Diese Erfahrung und noch viel mehr bringt er heute in

die Erzeugung von Burgundern ein, die für uns bereits

zu den Besten in Deutschland zählen. Wenn man dann

noch die Qualität mit dem Preis in Beziehung setzt,

dann ist ein Spätburgunder wie der „Kalkmergel“ von

2019 eigentlich nicht mehr zu toppen. Der „Kalkmergel“

stammt zu 80 % aus dem elsässischen Teil des

Schweigener Sonnenbergs und zu 20 % aus dem deutschen.

Nach der Handlese wurde die Frucht spontan

vergoren. Schließlich wurde der Pinot über 18 Monate

hinweg zu 20 % im Doppelstück von 2.400 Litern und

zu 80 % in Barriques aus Zweit- bis Viertbelegung ausgebaut.

Das Ergebnis ist ein Wein, dessen Frische und

Saftigkeit schon im Duft deutlich zu spüren ist und

der schon „in der Nase“ völlig begeistert. Knackige

Kirschen, Rote und Schwarze Johannisbeeren, Berberitzen

und Kräuter werden von einem zarten Holzduft,

von Moos, Unterholz und Waldlaub begleitet. Die

antizipierte Frische und Saftigkeit löst der „Kalkmergel“

am Gaumen voll ein. Der Spätburgunder besitzt

ein beeindruckend klares und lebendiges Säuregerüst,

das sich wie ein Adrenalinschub durch die Frucht und

Kräuterwürze zieht. Der Wein wirkt spielerisch unbeschwert

am Gaumen, und doch bietet er Substanz

und vor allem eine fantastische Länge. Johannes Jülg

schafft es zudem, diese Performance mit Eleganz und

Finesse zu vereinen. Das ist Ortswein auf höchstem

Niveau, und man kann es gar nicht erwarten, sich dazu

das passende Gericht zuzubereiten. Ein Glas für den

Koch, ein paar für den coq au vin (rouge) und vielleicht

die zweite Flasche auf den gedeckten Tisch?

Ab sofort ein Genuss und mit Sicherheit bis 2027+.

SPÄTBURGUNDER „SONNENBERG“, 2019

Terroir, Präzision, Eleganz und Frische sind die entscheidenden Parameter

dieses herausragenden Lagen-Pinots

DPF070819 Spätburgunder „Sonnenberg“, 2019 13,5% Vol. 26,66 €/l 20,00 €

Wenn wir Johannes Jülgs Weg verfolgen, den er in

den letzten Jahren beschritten hat, dann haben wir

jemand begleitet, der schon in ein Familienweingut

auf sehr hohem Niveau eingestiegen ist, der aber

rastlos daran gearbeitet hat, noch präziser zu werden,

noch feinere und finessenreichere Weine zu

erzeugen und diese Weine noch frischer und dabei

noch eleganter werden zu lassen. Ein perfektes Beispiel

für diese Entwicklung ist der Spätburgunder

„Sonnenberg“ 2019. Der war von Beginn an sehr gut,

aber er wird immer besser. Was wir mit dem 2019er-

Jahrgang im Glas haben, ist gehobenes Premier-Cru-

Niveau zu einem Preis, bei dem man anderswo kaum

einen Ortswein erhält. Der Spätburgunder stammt

zu je 50 % aus dem elsässischen und dem deutschen

Teil des grenzüberschreitenden Schweigener Sonnenbergs.

Der vom Kalksockel, von Kalkmergel und

gelbem Buntsandstein geprägte Weinberg bietet

Johannes die Grundlage für einen vibrierend lebendigen

Wein, dessen Frucht natürlich von Hand gelesen

und penibel sortiert wurde, um dann nach der

Spontangärung über 18 Monate hinweg in Barriques

aus Erst- bis Drittbelegung ausgebaut zu werden.

Der „Sonnenberg“ präsentiert sich dabei als die konsequente

Qualitätssteigerung des begeisternden

„Kalkmergel“. Die Frucht von Roten und Schwarzen

Johannisbeeren, Süß- und Sauerkirschen, Berberitzen

und Brombeeren wirkt einfach noch erhabener, fester

und dichter, das Holz noch eleganter, die Noten

von Unterholz, Laub und Moos noch ein wenig feiner

integriert und in diesem jungen Stadium schon

so harmonisch und balanciert, dass man immer weiter

schnuppern möchte. Wenn man dann aber den

ersten Schluck trinkt, wird die Begeisterung noch

größer, denn hier verbindet sich eine reife, teils süße,

teils knackige rote und dunkle Frucht mit einer elektrisierenden

Mineralik, einer kühlen Kräuter- und

Gesteinswürze, einem tragenden, dienenden und

eleganten Holz sowie einer fein ziselierten, aber prägenden

Säure. All das wird mit Luft im Glas in jedem

Moment trotz aller Kraft feiner und gleitet irgendwann

hinüber in ein langes und ausdrucksstarkes Finale.

Das ist gekonnt, eigenständig und hinreißend

charmant. Wir sind tief beeindruckt!

Schon jetzt großartig und mit Leichtigkeit noch bis über

2030 hinaus.

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In Subskription: Auslieferung ab Dezember 2021

SPÄTBURGUNDER

„WB IM SONNENBERG“, 2019

Wormberg: parzellengenaue Extraktion

aus dem Sonnenberg

DPF070919 Spätburgunder „WB im Sonnenberg“, 2019

38,66 €/l 29,00 €

Jülg

„WB“ steht für eine Parzelle innerhalb des Sonnenbergs,

die auch Wormberg genannt wird. Freunde der

Burgunder des ortsansässigen Winzers Friedrich Becker

wissen um die besonderen „geografischen Konstellationen“

dieser Gegend, denn hier gibt es deutsche Weinlagen,

die auf französischem Staatsgebiet zu finden

sind. Die Hälfte etwa der Rebflächen des Weinguts Jülg

liegt denn auch jenseits der Grenze. Vor zwei Jahren

entschloss sich Johannes Jülg dem Terroiraspekt seiner

Weingärten noch konsequenter zu widmen, seine

Weine noch lagenspezifischer ausbauen. Im Sonnenberg

gelegen gibt es nun die Parzellen Wormberg und

Kammerberg. Beides unterschiedliche Lagen mit eigenem

Charakter, die direkt aneinander angrenzen. Der

Wormberg ist eine Süd-West-Lage mit Kalkboden im

Untergrund, die einen enorm kühlen und seidigen Spätburgunder

hervorbringt

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„Unser Stil ist nicht gewürfelt, sondern geboren.“ merkt

Vater Werner hierzu bei unserer Verkostung an und

weist damit auf die stete Evolution im Hause Jülg hin.

Als Ausgang für die Stilistik der Weine, zeichnet er bereits

die Mutter verantwortlich. „Kochen stand immer

schon im Vordergrund. Auch deshalb denken wir vermutlich

beim Wein vom Essen her.“ Und in der Tat, alle

Weine aus dem Hause Jülg sind in jenem Sinne französisch,

als dass sie vorzügliche Speisenbegleiter sind.

Dieser spontanvergorene, rund zwei Wochen lang eingemaischte

Spätburgunder erzielt trotz der Wärme der

Lage („Wormberg“ kommt von „Warmer Berg“) eine

ungemeine Frische und sinnliche Fruchtausprägung.

Dieser saftige und dunkelviolett im Glas liegende Wein

duftet nach feinen Waldbeeren, auch etwas Brombeer

und Heidelbeere, sowie einem Hauch Bleistift und Gewürznelke.

Das Holz rahmt den Wein lediglich hauchfein,

ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Am

Gaumen zeigt sich der Pfälzer von dies- und jenseits der

Grenze mit feinem Kalkbiss. Die dunkle und reife Frucht

wird hier regelrecht von der Kalkader reguliert, die den

Wein eindrucksvoll durchzieht. Das verlangt nach großen

bauchigen Gläsern und vertiefter Auseinandersetzung,

wirkt aber gleichzeitig so hedonistisch, dass man

sich auch einfach nur an einem enorm wertigen Rotwein

erfreuen kann. Den Jülgs gelingt dieser Spagat wie

wenigen anderen Betrieben.

Zu genießen ab sofort, aufgrund der ausladenden Frucht

gerne aus großen Gläsern, Höhepunkt 2023 bis nach 2033.

16 PINWAND no 328 | September 2021


Jülg

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SPÄTBURGUNDER „KT IM SONNENBERG“, 2019

Kostert: Kammerbergs neuer Nachbar

In Subskription: Auslieferung ab Dezember 2021

DPF072319 Spätburgunder „KT im Sonnenberg“, 2019 46,66 €/l 35,00 €

Die Verfeinerung nimmt bei den Jülgs weiter Fahrt auf:

Das Portfolio ist in der Spitze um einen Wein reicher,

der aus einer Parzelle, die direkt an den Kammerberg

angrenzt, stammt. Aus einem Teil des Sonnenbergs

also, jene vielseitige Lage, der das Hauptaugenmerk

des Weinguts gilt und die sich zur Hälfte auf französischem

Boden befindet. Das kryptische Kürzel „KT“

steht für das Gewann „Kostert“, eine Parzelle deren

Ursprung auf jüdische Weinhändler zurückzuführen

ist, und deren Bezeichnung sich von „koscher“ ableitet.

Es handelt sich hierbei um eine Südlage, deren

Lehmanteil recht ausgeprägt ist. Der tiefere Boden

fungiert besonders in warmen und trockenen Jahren

als idealer natürlicher Wasserspeicher. Auch hier

wurden die Trauben, wie bei den Rotweinen im Hause

Jülg üblich, entrappt und dann nach zweiwöchiger

Mazeration im Holz ausgebaut. Es handelt sich wie

beim Kammerberg um 2015 gepflanzte Reben. Diese

Jugendlichkeit sorgt gemeinsam mit dem gut im Wasser

stehenden Weinberg vermutlich für die herrlich

überbordende Fruchtintensität und Kraft. Es handelt

sich um einen wunderbaren Spätburgunder (übrigens

von französischen Klonen, sodass wir hier eher von

Pinot Noir sprechen sollten), dessen würzig und

nach Kirschen duftendes Bouquet ungemein

attraktiv vom Duft nach Fichtennadeln und

Pinien begleitet wird – der Fassausbau macht

sich sehr angenehm bemerkbar!Keine starken

und vanilligen Röstnoten, sondern eine feine

und ätherische Würze, die bestens mit der Vitalität

des Weins harmoniert. Das ist ein saftiger und vibrierender

Pinot Noir, der nach Kirschpastillen schmeckt,

am Gaumen mit feinem Säurespiel zu begeistern weiß.

Er zeigt sich leicht strukturiert, niemals mürbe, sondern

stets spannungsgeladen. Er ist nochmals in seiner

Fruchtausprägung rotfruchtiger als der erdig-würzige

Kammerberg. Ganz klar eine Bereicherung unseres

Schweigener Spitzenbetriebs und eine weitere spannende

Facette des an spannenden Facetten nicht eben

armen Sortiment von Werner und Johannes Jülg!

Zu genießen ab sofort, Höhepunkt wohl ab 2022

bis nach 2033.

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Jülg

In Subskription: Auslieferung ab Dezember 2021

SPÄTBURGUNDER „KB IM SONNENBERG“, 2019

Kammerberg: „Allein der Duft ist eine »never-ending story«.“ – Johannes Jülg

DPF071019 Spätburgunder„KB im Sonnenberg“, 2019 50,66 €/l 38,00 €

„Mehr Präzision“, lautet das oberste Ziel von Johannes

Jülg. Folglich lag es nahe, die vielfältigen Parzellen

des Schweigener Sonnenbergs aufzuteilen. Eines der

Ergebnisse ist der „KB“, der Spätburgunder vom Kammerberg

– der auf Anhieb auf Platz eins der Spätburgunder-Trophy

2020 des Falstaff landete!

Der Kammerberg ist eine Parzelle, wie wir sie auch von

Friedrich Becker kennen. Da sie auf französischer Seite

zu finden ist, darf Johannes diese historische Lage

nicht als solche ausschreiben, obgleich sie natürlich

legendären Status besitzt. Anlässlich einer Novelle

des deutschen Weingesetzes wurde der Kammerberg

1971 in die Lage „Schweigener Sonnenberg“ eingegliedert.

Es war Friedrich Becker, der dieser Lage als Großes

Gewächs zu internationalem Ruhm verhalf. Hier

stehen die Reben auf Kalkmergel und Ton mit tiefer

Kalksteinunterlage, genauso wie im Burgund. Und hier

hat Johannes französische Klone gepflanzt, die nun als

Einzellage gefüllt werden können.

2019 ist ihm ein Meisterstück gelungen, der unserer

Meinung nach bisher feinste Vertreter aus dieser Lage.

Kein Wunder: Die Jülgs haben noch mehr Erfahrungen

sammeln können und einen exzellenten Rotweinjahrgang

vor sich. Doch muss man so eine Vorlage auch

verwandeln können … Aber das ist dem Team bestens

gelungen! Allein das Bouquet ist ein Traum, Pinot in seiner

feinsten Ausdrucksform. Ein „never-ending story“,

wie es Johannes auf den Punkt bringt. Man kann immer

wieder am Glas riechen, ohne daran zu ermüden.

Es duftet nach reifen Maulbeeren, Kirschpastillen und

Herzkirschen. Eine ätherische, hellfruchtige Nase.

Wir befinden uns hier gedanklich mehr in Chambolle-

Musigny als Vosne-Romanée. Am Gaumen zieht sich

der Kammerberg anschmiegsam fort, zeigt sich fleischig

und saftig. Das wirkt enorm nobel. Dafür sorgen

auch die samtigen Tannine, die fast plüschig geraten

sind. Das Entrappen der Trauben sorgt für einen feinduftigen

Burgunder, der in der Jugend bereits enormen

Charme besitzt. Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen,

dass dieser wahrhaft große Wein die Güte

eines Großen Gewächs besitzt – und das wird er auch

werden, jetzt wo das Weingut im elitären Kreis des

VDP aufgenommen wurde. Genau da gehört es hin,

an die Spitze. Und der Kammerberg erweist sich als

echter Gipfelstürmer!

Zu genießen ab sofort, Höhepunkt 2023 bis nach 2033+.

18 PINWAND no 328 | September 2021


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In Subskription: Auslieferung ab Dezember 2021

CHARDONNAY „OPUS OSKAR“, 2020

Eichelmann: „Gehört zu den besten Vertretern dieser Rebsorte in Deutschland!“

DPF071320 Chardonnay „Opus Oskar“, 2020 64,00 €/l 48,00 €

Wir sind oft verblüfft, wenn wir von unseren Winzern

erfahren, wie limitiert deren gesuchtesten Weine

sind. Vom Chardonnay „Opus Oskar“, der im Tonneau

ausgebaut wurde, gibt es dieses Jahr nur rund

900 Liter, also etwas mehr als 1.000 Flaschen. Das

erklärt wiederum auch, warum die Weine derartig

gut sind. Die Vorarbeit im Weinberg übers Jahr setzt

abseits der Naturbegebenheiten die Quantität fest,

diese wiederum regelt die Aufmerksamkeit, mit welcher

man sich den feinsten Weinen im Keller widmen

kann. Diese benötigen oft – das ist der Witz dabei –

am wenigsten Eingriff.

Die „Opus“-Reihe ist eine Hommage an Weingutsgründer

Oskar Jülg. Und Oskar wäre heute stolz, könnte

er miterleben, dass Johannes mit dem Chardonnay

heute zielsicher einen der besten deutschen Chardonnays

auf die Flasche zieht. Von Beginn an erzielt der

Vertreter der „Opus Oskar“-Kollektion große Erfolge.

Der Falstaff lobte ihn wegen seiner „epischen Länge“

und betonte die „Reduction noble par excellence“.

Und auch wir waren bei unserer Verkostung auf dem

Weingut davon derart begeistert, dass wir dieses

Flaggschiff sofort in unser Sortiment aufgenommen

haben. Denn dieser Chardonnay ist stilbildend für

einen neuen Typ Chardonnay, der in Deutschland von

einer Handvoll Winzern umgesetzt wird. Vorbild sind

zweifelsfrei die großen Weißweine aus dem Burgund,

allen voran aus Meursault. Doch auch hier geht es um

einen bestimmten Stil, der von feiner Reduktion, heller

Frucht und purer Präzision bestimmt wird. So wie

wir dies beispielsweise von unseren Chardonnays der

Domaine Boisson-Vadot kennen und lieben.

2020 schließt da souverän an die Erfolge der vergangenen

Jahre an. „Wir steigern uns jedes Jahr, immer in

Anbetracht des Jahrgangs. Kein Jahrgang wird mehr als

Hindernis betrachtet, sondern als Herausforderung.“

so Johannes Jülgs Credo. Beim „Opus Oskar“-Chardonnay

prägen eine feine Reduktion, begleitet von

Würzigkeit und feinem Holzeinsatz das Bouquet, mit

Luft gewinnt der Wein an Volumen, knöpft das dichte

Korsett auf. Doch so stark belüften muss man ihn gar

nicht. Es ist genau diese flintige und minimalistische

Art, die von den Jülgs so gesucht wird (man findet

diesen Stil unter anderem auch in feinster Vollendung

bei den Weißweinen Julian Hubers aus dem badischen

Malterdingen). Das ist Chardonnay auf einem derart

hohen Niveau, das, ganz anders als etwa beim Riesling,

vor einer Dekade in Deutschland noch völlig unerreichbar

erschien. Die Stoffigkeit am Gaumen, die

salzige Erscheinung statt opulenter Cremigkeit, das

feine Gerbstoffgerüst – all das macht diesen Wein so

lebendig und nobel. Zum wiedeholten Mal: chapeau!

Zu genießen ab sofort, Höhepunkt 2023 bis nach 2032+.

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20 PINWAND no 328 | September 2021


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In Subskription: Auslieferung ab Dezember 2021

SAUVIGNON BLANC „OPUS OSKAR“, 2020

Zartmineralischer Sauvignon Blanc aus dem Holzfass

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DPF071520 Sauvignon Blanc „Opus Oskar“, 2020 64,00 €/l 48,00 €

„Das ist mit Abstand die beste Kollektion, die wir gemacht

haben!“ schießt es aus Johannes bei unserer

diesjährigen Fassprobe im Schweigener Betrieb heraus.

„Der Jahrgang an sich ist nicht mehr so relevant

wie einst. Wir wissen wo wir anpacken müssen, lernen

jedes Jahr dazu.“ Es ist also primär die Erfahrung, der

aktuelle Kenntnisstand, der die Kollektion nochmals

feiner, geschliffener erscheinen lässt als bisher. Mit

Gewissheit dürfte ihn die Aufnahme in den elitären

VDP, den Verein Deutsche Prädikatsweingüter, nochmals

dazu angespornt haben, im ersten Mitgliedsjahr

auf eine Spitzenkollektion hinzuarbeiten.

Bei der Spitze sind wir in der „Opus Oskar“-Serie des

Weingut Jülgs angekommen. Sie zeichnet sich durch

feinen Ausbau im neuen Holz (tonneau) aus, orientiert

sich dabei klar an Frankreich. Bei diesem Sauvignon

Blanc dreht sich alles darum, die Mineralität der Rebsorte

herauszuarbeiten und das große Potenzial zu betonen,

ja die Rebsorte von einer neuen Perspektive aus

zu betrachten. Im französischen Fumé-Stil überzeugt

dieser merkbar vom Holz betonte Weißwein durch

eine feinrauchige Nase, die sich über die feine Frucht

der Sauvignon-Traube legt. Reife Stachelbeeren, weiße

Johannisbeeren aber auch Minze steigen aus dem

Glas. Am Gaumen baut der Weißwein Druck auf, zeigt

sich stoffig. Die von der Elsässer Seite stammenden

Trauben betonen die Böden und verweisen die Frucht,

die vom Holzausbau abgefedert wird und eine dichte

Textur erfährt, in den Hintergrund. Das ist kein Fruchtikus

für die Terrassensaison, sondern ein ernstzunehmender

Weißwein der Extraklasse, der durchaus

auch Essensbegleiter sein darf. Dann zu Krustentieren,

Cremesuppen und allen gehaltvolleren Fischgerichten.

Die Salzigkeit im Nachhall verleiht dem Wein einen

mineralisches Auftritt sondergleichen. Vor einer Dekade

gab es so etwas nur in Sancerre und Pouilly-Fumé!

– the times they are a-changin’!

Ab sofort ein Genuss, ideal ab 2023 bis 2030+.

In Subskription: Auslieferung ab Dezember 2021

SPÄTBURGUNDER „OPUS OSKAR“, 2019

Jülgs Ikone aus dem Herzstück des Kammberbergs

DPF071919 Spätburgunder „Opus Oskar“, 2019 112,00 €/l 84,00 €

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„Die rasante und stete Weiterentwicklung im Hause

Jülg darf mit Fug und Recht als sensationell bezeichnet

werden.“ – Vinum Weinguide 2021

„Die beiden Spitzen (gemeint sind der Opus Oskar Sauvignon

und Chardonnay) gehören jeweils zu den besten

Vertretern ihrer Rebsorte in Deutschland“, urteilt Gerhard

Eichelmann in seinem Weinguide, noch bevor die

Reihe um den Spätburgunder vom Opus Oskar erweitert

wurde. Auch die Jury des Vinum Weinguide 2021 erkennt

an, dass die Weine „bis hoch zum Opus Oskar immer

feiner, eleganter und schwebender werden.“ Doch

Lobeshymnen folgen meist im Nachhinein. Denn wenn

sie im Druck erscheinen, ist die Spitze der Jülg’schen

Kollektion längst ausverkauft. Dieser Wein aus Miniproduktion,

es gibt nur einige hundert Flaschen, stammt

aus einer speziellen, sehr steinigen Kalksteinparzelle des

Kammerbergs, den Johannes mit französischem Pinot-

Noir-Klonen bepflanzt hat. Der Wein ist einen Hauch

dunkler und seriöser als sein kleiner Bruder aus dem

Kammerberg, steht er doch auf noch kargerem Fels. Es

handelt sich um das Mittelstück der Lage, das „Filet“

der Parzelle.

Für Johannes muss Pinot Noir tänzeln, Spiel und Zug

haben, Finesse zeigen. Folglich überrascht es uns nicht,

dass er ihn begeistert als „Roter Riesling“ bezeichnet.

Wir haben es beim Spitzenwein des Hauses folglich

nicht mit einem gewichtigen Riesen zu tun, sondern der

allerfeinsten Ausdrucksform aller Rotweine des Hauses.

Sauerkirsche, Eisen und Veilchen steigen aus dem

dichten und duftigen Bouquet. Am Gaumen schmiegt

sich der generöse Wein direkt an, zeigt sich seidig und

doch auch fleischig. Wir lieben die Saftigkeit, welcher

der Jahrgang 2019 hier mitbringt, auch das Quäntchen

mehr Säurestruktur gegenüber dem warmen Jahrgang

2018. Alles wirkt hier einfach nochmals akzentuierter.

Dabei prägt den Wein eine feine Eisennote, wie wir sie

von den feinsten Pommards und Volnays der Côte de

Beaune kennen. Das ist ein feingliedriger Burgunder,

dessen zarte Würze, die saftige Frucht und das feine

Fruchtspiel jeden Burgunderliebhaber magisch in den

Bann ziehen. Der Wein gleitet wie ein kühles Seidentuch

über den Gaumen! Einer der ganz großen Weine,

bislang eindeutig Johannes Jülgs größter Rotwein, der

enorm viel Potenzial hat, allerdings auch jetzt schon

pure Freude bereitet. Jetzt auch im VDP angekommen,

freuen wir uns schon bald ihn mit anderen Ikonen wie

Julian Hubers „Wildenstein“, Fürsts „Hundsrück“ oder

Beckers „Heydenreich“ zu vergleichen!

Zu genießen ab sofort, Höhepunkt wohl 2025 bis 2038+.

21


DEUTSCHLAND P FA L Z

Jülg

RIESLING BRUT, 2016

Salut la France!

DPF071116 Rieslingsekt brut, 2016 12,5% Vol. 15,93 €/l 11,95 €

Familie Jülg ist ausgesprochen frankophil (frankophon

ohnehin), befindet sich das Weingut in Schweigen

doch vis-à-vis dem Elsass. Die nachbarschaftliche

Vertrautheit wird nicht zuletzt durch den Besitz von

Weinlagen jenseits der Grenze, die natürlich zum

© WOODY T.HERNER

französischen Staatsgebiet zählen, vertieft. Es ist also

nicht weiter verwunderlich (und schon gar kein Zufall),

wenn sich denn auf Pfälzer Seite so ein klassischer

Crémant größter Beliebtheit erfreut und Familie Jülg

eben solche Schäumer vergnügt und gerne mit einer

gewissen Regelmäßig trinkt.

Vater Werner, der für die Schaumweine des Gutes verantwortlich

zeichnet, hat ganze Arbeit geleistet! Und

in der Tat hat dieser Rieslingsekt eine französische

Anmutung. Denn ihm liegt traditionelle Flaschengärung

zu Grunde und ein feines Hefelager. So duftet

dieser zarte Rieslingsekt wunderbar mineralisch und

erfrischend. Wenn sich die feine Schaumkrone im Glas

reduziert hat, steigt daraus Steinobst, allen voran Pfirsich,

empor, zudem auch ein Hauch Orangenblüten.

Am Gaumen dann die große Erfrischung (absolut betörend!),

die hochfeine Perlage – Zeichen des langen

Hefeausbaus – gibt Raum zur Entfaltung. Kühler Kalk

legt sich wie ein durchsichtiger Schleier über das Geschehen,

eine animierende Frische leitet den Sekt bis

zum Nachhall. Das ist einfach exzellentes Winzerhandwerk

und Zeichen der deutschen Sekt-Revolution,

die in den letzten Jahren zweifelsfrei einige der

bislang schönsten Schaumweine Deutschlands hervorgebracht

hat, die sich vor den Nachbarn aus Frankreich

nicht zu verstecken brauchen.

Ab sofort und eigentlich immer – bis 2023+.

BLANC DE NOIR BRUT, 2018

Prickelnd: Pinot Noir mit einem Hauch Pinot Meunier

DPF072418 Blanc de Noir brut, 2018 12% Vol. 15,86 €/l 11,90 €

Dieser Blanc de Noir ist eine gekonnte Assemblage

aus rund 80 % Spätburgunder und 20 % Schwarzriesling.

Sie wissen, werte Kunden, sicherlich um das

Jülg’sche Habitat, das am äußersten Zipfel der Pfalz in

Grenznähe liegt, die Lagen zur Hälfte schon auf französischem

Territorium; hier wird deutsch gesprochen,

aber französisch gearbeitet. Denn in seiner Lässigkeit

und Feinheit erinnert er uns an elegante Vertreter aus

diesen Breiten. Die Grundweine wurden teilweise im

gebrauchten Holz vergoren, was den beiden Rebsorten

vorzüglich steht, ihnen Tiefe und Gediegenheit

verleiht. Dann mittels klassischer Flaschengärung auf

der Hefe ein halbes Jahr ausgebaut und 18 weitere Monate

auf der Flasche gereift – soweit die Fakten.

Im Glas zeigt sich dieser hochfarbene Sekt wunderbar

intensiv. Er duftet nach roten Früchten (Himbeeren,

roter Apfel) aber auch würzig, ja ein wenig nach gerösteten

Kakaobohen und einem Hauch Brioche. Das

wirkt nobel, hat Fülle und gleichermaßen Frische. Am

Gaumen besticht dieser feinperlige Schäumer durch

Balance und feine Würze. Die Perlage ist angenehm,

die zitronige Säure gediegen, die Frucht zart im Hintergrund.

Die Summe aller Teile hat etwas Komplexeres

als den reinen Geschmack der Trauben ergeben,

etwas Vorzügliches. Und das zu einem Preis, bei dem

man in Frankreich schwerlich derart handwerkliche

Weine findet, bei uns im Supermarkt im besten Fall

hübsch verpackten aber wenig überzeugenden Sekt,

der dann aber meist aus zugekauftem Traubenmaterial

oder Most aus unterschiedlichsten Ländern stammt.

Ganz klar, wofür wir uns entscheiden!

Gerne und immer wieder bis 2025+.

22 PINWAND no 328 | September 2021


Jülg

PFALZ DEUTSCHLAND

CRÉMANT ROSÉ BRUT, 2019

2019: Prädestiniert für intensiven Rosé-Crémant!

DPF071819 Crémant rosé brut, 2019 12% Vol. 15,93 €/l 11,95 €

Das Weingut Jülg befindet sich in Schweigen, direkt

an der deutsch-französischen Grenze. Und dem frankophilen

Savoir-vivre ist man hier ohnehin sehr aufgeschlossen.

Kein Wunder, dass die Jülgs auch gerne

Crémant trinken. Und wie sehr sie ihn schätzen, dass

schmeckt man an ihrem eigenen Schaumwein aus besten

Trauben vom Pinot Noir und Pinot Meunier.

„Beim Crémant suchen wir die ideale Balance zwischen

Frucht und Eleganz“, so Johannes Jülg über diesen

hochattraktiven Crémant der Extraklasse. 2018

ergab einen herrlich fruchtintensiven Rosé, allein die

tief orange-lachsfarben funkelnde Farbe erzählt vom

strahlenden Sommer. Diese sonnenverwöhnten Trauben

geben dem Crémant eine unglaubliche Energie.

Aus dem Glas duftet es nach Himbeeren und Austernschalen.

Eine noble und angenehm zurückhaltende

Kombination. Am Gaumen merkt man dann schnell,

welches Konzept die Jülgs hier fahren. Das ist ein

mineralischer und feinstoffiger Schäumer, einem seriösen

Rotwein näher als einem fruchtig-spritzigen

Aperitif. Das bedeutet, wir haben es hier mit einem

anspruchsvollen, nach gutem Wein schmeckendem

Crémant zu tun, der Tiefe und Spannung besitzt, da

er seine Farbe durch die Zugabe von rotem Stillwein

erhält. Ganz wichtig ist Johannes, dass sich dieser

Crémant auf der Zunge feingliedrig präsentiert – bloß

keine grobe Perlage! Und dank seines Hefelagers von

mindestens 12 Monaten fällt das Mousseux auch entsprechend

zart, fein, fast hintergründig aus. Natürlich

zeigt sich hier auch der angenehm herb-intensive

Brut-Charakter dieses von handgelesenen Trauben

stammenden Glanzstücks, ohne allerdings die samtige

Frucht zu kaschieren. Das ist einfach perfekt balanciert

und höchst nobel!

Ein wunderbarer Crémant für festliche Auftakte, zu

Krustentiergerichten, und natürlich auch solo ein Hochgenuss.

Wir lieben den Crémant Rosé zum gemütlichen

Brunch mit klassischem „lox bagel“!

© WOODY T.HERNER

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DEUTSCHLAND PFALZ

Müller-Ruprecht

MÜLLER-

RUPRECHT

KALLSTADT

© Melanie Hubach

24 PINWAND no 328 | September 2021


Müller-Ruprecht

PFALZ DEUTSCHLAND

„Ein Rosé aus Merlot, Pink Lady, der läuft und läuft und

läuft. Grauburgunder, Weißburgunder und Chardonnay

rebsortentypisch, aber alles doch nur ein Vorspiel für

das, was an Rieslingen noch kommen soll.“

VINUM WEINGUIDE 2021

In Kallstadt an der Deutschen Weinstraße befindet sich das

Weingut Müller-Ruprecht. Für viele Weinliebhaber lässt bereits

die Nennung dieser kleinen Gemeinde ihre Herzen höherschlagen.

Denn untrennbar verbunden mit der Haardter Ortschaft ist

eine der legendärsten Lagen der gesamten Pfalz, der Kallstadter

Saumagen. Jene Lage, deren Terroir besonders vielschichtig ist,

bringt große trockene Rieslinge hervor, die unsere Wahrnehmung

für Pfälzer Weine über Generationen geprägt haben. Ein Riesling

aus dem Saumagen ist kraftvoll, saftig und dabei von einem mineralischen

Gerüst geleitet, das nur die besten Lagen hervorbringen

vermögen. Ein „Saumagen“ überzeugt durch Kraft und Finesse,

ist in jedem Fall aber ein Typ Riesling, der mit seiner saftigen Art

zu überzeugen weiß.

Seit 1702 wird im Weingut Müller-Ruprecht Wein produziert.

Eine Tradition, die in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit

mehr darstellt. Und gerade deshalb hat sich Sabine Wöhrwag

dazu entschieden, die Familiengeschichte des 20 Hektar

umfassenden Betriebs fortzuführen. Sie kann dabei auf geniale

Lagen zurückgreifen, die zu den besten der Haardt gehören und

allesamt auf engstem Raum direkt um den Ort gelegen sind. Zu

den Spitzenlagen neben dem Saumagen zählen Kreidkeller und

Weilberg, Lagen, die kaum mehr als einen Kilometer vom Weingut

entfernt sind, so wie wir das auch aus dem Burgund kennen.

Diese „behagliche“ Nähe erlaubt den Blick fürs Detail, für parzellenspezifische

Unterschiede. Und diese sind bei Müller-Ruprecht

klar schmeckbar.

Sabine Wöhrwag ist eine Bilderbuch-Pfälzerin, eine feinsinnige

und gleichzeitig energiegeladene Frau. Sie liebt ihr kleines Paradies,

die Weinberge, diese sind ihr zu Hause. Das Ergebnis ihrer

Arbeit: Ein großes Stück Pfälzer Herrlichkeit im Glas. Tatkräftig

unterstützt wird sie dabei von ihrem Mann Philipp, einem klugen

Kopf, der mit seinen württembergischen Wurzeln und klaren Vorstellungen

das Weingut seit 2016 gemeinsam mit ihr Schritt für

Schritt weiterentwickelt (und 2019 unter die 20 besten Winzer

der Pfalz gewählt wurde).

UND DAS SAGT DIE JURY ÜBER

PHILIPP WÖHRWAG:

„Der Schwabe in der Pfalz weiß mit seinen reduzierten und puristischen

Weinen zu überzeugen. Mit klarer Handschrift arbeitet

Philipp Wöhrwag den Ausdruck der Sorten und Lagen in

Kallstadt und Ungstein präzise und ohne Zierrat heraus. Eine sichere

Hand attestieren ihm dabei nicht nur seine Rieslinge und

Burgunder, sondern auch seine Steckenpferde wie die Scheurebe

und der Merlot.“ Auch im aktullen Vinum Weinguide ist

man voll des Lobes, hat Philipps jüngste Unternehmungen aufmerksam

verfolgt: „Es ist der erste Jahrgang, den der gerade mal

30 Jahre alt gewordene Philipp Wöhrwag im Familienweingut

seiner Frau Sabine Wöhrwag komplett alleine verantwortet hat.

Und es ist die beste Kollektion, die wir aus diesem Hause jemals

verkosten durften. Präzision ist das beherrschende Thema.“

so die Jury über den Jahrgang 2019, von dem wir Ihnen, werte

Kunden, vergangenes Jahr und vor Erscheinen des Guides ebendies

berichteten. Über die Weine ist man höchsten Lobes: „Ein

Rosé aus Merlot, Pink Lady, der läuft und läuft und läuft. Grauburgunder,

Weißburgunder und Chardonnay rebsortentypisch,

aber alles doch nur ein Vorspiel für das, was an Rieslingen noch

kommen soll. Kreidkeller und Saumagen läuten das Hochamt

ein, der Saumagen Horn, aus einer warmen Parzelle legt eins

drauf, der Weilberg macht uns schon äußerst glücklich – doch

der Riesling aus dem kühlen Nill hinterlässt uns baff, sprachlos,

ungläubig. Spielend und lächelnd spaziert dieser Wein an jeder

Menge Konkurrenz vorbei, beeindruckt mit einer reduktiven,

spannenden Natur.“

Unser Fazit: Hier in Kallstadt arbeitet ein gut funktionierendes,

hochmotiviertes Team mit gemeinsamen Idealvorstellungen daran,

Weine zu machen, welche immer deutlicher die Herkunft und

Heimat der Reben betonen. Sabine und Philipp sind unterwegs

auf einer spannenden Reise mit einem klaren Ziel und haben das

Ruder fest in der Hand. Sabines Eltern, Jutta und Ulrich, stehen

dabei als fester Anker im Hintergrund und ermöglichen diese

Weiterentwicklung des Traditionsbetriebs, der sich nicht völlig

neu erfinden will, sondern sich der tief verwurzelten Tradition

verpflichtet fühlt. (Philipp: „Unser Weingut befindet sich in der

Fortentwicklung und nicht im Umbruch.“). Eine Stärke, die nur

Generationenbetriebe für sich nutzen können. Und Sabine und

Philipp, die gerne gemeinsam verkosten, kochen und über Weine,

Gott und die Welt diskutieren, die viel arbeiten, aber auch lustvoll

genießen können, sind sich dieser Stärken voll bewusst.

Probieren Sie, liebe Kunden, diese verzaubernden Pfälzer

Preziosen mit ihrem großartigen Preis-Genuss-Verhältnis – wir

versprechen Ihnen, es lohnt sich!

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DEUTSCHLAND PFALZ

Müller-Ruprecht

WEISSBURGUNDER TROCKEN, 2020

Die Pfalz, so federleicht, so animierend süffig!

DPF060120 Weißburgunder trocken, 2020 DV 12% Vol. 9,73 €/l 7,30 €

Wir möchten hier an dieser Stelle ganz besonders die

Verführungskraft des neuen Jahrgangs von Sabine und

Philipp hervorheben. Denn dieser Weißburgunder, natürlich

handgelesen und streng selektioniert und mit

viel Liebe und Aufmerksamkeit vinifiziert, überzeugt

uns mit seiner ausgeprägten Mineralität, die uns, damit

durchaus den 2019ern ähnelnd, jahrgangstypisch

erscheint. „„Wir bauen alles ziemlich standardisiert

aus, verwenden neutrale Hefen und vergären eher

warm – die Weine sollen möglichst wenig kellergeprägt

sein“ merkt Philipp hierzu an.

Welch federleichter und animierender Frühlingswein

hier im Glas liegt, wird bereits im Bouquet klar. Es duftet

zart nach Birnen und noch festen, bissfesten Bananen.

Darüber liegt der verführerische Duft von weißen

Blüten. Das wirkt schon in der Nase sehr akzentuiert

und selbstbewusst und fließt genau so geradlinig und

nur zart cremig über den Gaumen. Ein wunderbar

leichter und filigraner Vertreter eines Weißburgunders,

der sich wie ein Spaziergang über eine grüne,

blühende Sommerwiese anfühlt. So glockenklar und

typisch für die Rebsorte, von gut integrierter und eher

weicher Säure geprägt, lieben wir Weißburgunder der

Einstiegsklasse. Ein wunderbarer Aperitif für die ersten

Sonnenstunden im Jahr. Toller Wein!

Ab sofort und leicht bis 2022+

GRAUBURGUNDER TROCKEN, 2020

Wieder ein blitzsauberer Wein!

DPF060220 Grauburgunder trocken, 2020 DV 12,5% Vol. 11,33 €/l 8,50 €

Die 2020er machen uns schon jetzt richtig Freude.

Wie schön und deutlich die Herkünfte dieses Jahr herausschmeckbar

sind und welche Rebsortentypizität

der Jahrgang zulässt, zeigen uns die beiden Burgunder-

Weine von Müller-Ruprecht. Der Weißburgunder

© Melanie Hubach

ist ein tänzelnder und floraler Wein, der mit heller

Frucht über den Gaumen gleitet. „Der Grauburgunder

darf ruhig etwas mehr Textur haben“, meint Philipp.

Und weil er ihn zudem als etwas seriöseren Wein einschätzt,

gingen in die Stahltank-Cuvée zudem zwei

Holzfässer ein. Mitnichten handelt es sich hierbei allerdings

um einen Barrique-Wein. Viel mehr schätzt

Philipp den offeneren Luftkontakt des Holzes. Der

Grauburgunder bekommt hierdurch eine andere Textur

und auch eine gesetztere Aromatik. Er ist im besten

Wortsinne „gefällig“, dabei aber nie übersättigend,

sondern stets animierend. Einfach die pure Lässigkeit,

in Flaschen gefüllt. Im Glas versammelt sich ein dichtes

Bouquet mit dem Duft nach Melonen, Hopfen und

einer zarten Würze. Am Gaumen empfängt einen der

Grauburgunder mit offenen Armen. Er ist angenehm

weich in der Textur, zart cremig, wird allerdings von

einer pikanten Frische geleitet. Der trockene Ausbau

hält ihn auf Spur, damit hebt er sich ab von den überschminkten

und allzu gefälligen Grauburgundern dieser

Welt. Nein, dieser Wein hat bereits Anspruch, zeigt

seine Herkunft und die klare Handschrift des Weinguts.

Er begeistert obendrauf, zeigt sich voller Lebensfreude

und ohne jede Schwere! Er rinnt in einem

langen Finale die Kehle hinab, gewinnt mit Luftzufuhr

noch an Körper, Fülle und Präsenz, ohne aber seine Finesse

zu verlieren. Derartig viel Wein für kleines Geld

erhält man nur in kleinen Familienbetrieben, die sich

den Weinen Fass für Fass widmen können.

Ab sofort und leicht bis 2022+

26 PINWAND no 328 | September 2021


Müller-Ruprecht

PFALZ DEUTSCHLAND

SCHEUREBE TROCKEN, 2020

Absolut nicht scheu, dafür wunderbar zugänglich!

DPF061320 Scheurebe trocken, 2020 DV 12,5% Vol. 11,33 €/l 8,50 €

Philipps 2020er-Scheurebe keine übermäßig expressive

oder laute Scheurebe, sondern eine mit filigraner

Nase. Seine Handschrift passt eben auch zu den aromatischen

Rebsorten wie Scheurebe oder Geüwrztraminer

ganz hervorragend, da die Primärfrucht hier

nie laut und kitschig ist, sondern immer fein und mit

vornehmer Zurückhaltung. Wir haben hier zarte Anklänge

von Aprikose, viel pinke Grapefruit und etwas

Melone unterlegt von einem leicht rauchigen Schleier.

Wie gesagt, hier springt einem nichts ins Gesicht, wir

bleiben filigran. Im Mund rassig und schön trocken mit

mundwässernder Saftigkeit. Der Fruchtausdruck steht

im Einklang mit der kernigen, festen Struktur mit den

leicht kreidigen Anklängen und feiner Mineralik und

sorgt so für eine ausgewogene Balance. Saftige pinke

Grapefruit und Orangenabrieb sind mit sanftem

Nachdruck am Gaumen und kaum ist der feinfruchtige

Nachhall ausgeklungen möchte man zum nächsten

Schluck ansetzen.

Ab sofort bis gut 2022+

© Melanie Hubach

SCHEUREBE KABINETT, 2020

Oh Scheurebe, oh Wonne – so geht Kabinett!

DPF061520 Scheurebe Kabinett, 2020 DV 9% Vol. 9,73 €/l 7,30 €

Wer hätte das gedacht? Soviel Wein, soviel Trinkfluss,

soviel Kabinettprächtigkeit: Philipps brillant feinherb

ausgebaute Scheurebe ist unser dark horse in seinem

diesjährigen Portfolio – was für ein unglaublich beglückender

Tropfen! Die Säure lässt den Restzucker kaum

spürbar werden. Es gibt nur einen feinen Schmelz,

in dieser von Apfel und exotischer Frucht geprägten

Nase. Hohe Intensität des mit feinen Südfrüchten

unterlegten Duftes, Melone, Litschi, Maracuja und

Grapefruit, reife Aprikose. Im Mund dann zarteste

Explosionen pfälzisch-tropischer Frucht, Weinbergpfirsich,

ein Hauch Ananas, Maracuja, dazu Zitrisches

(von Grapefruit bis Kumquat ist alles dabei). Die „Kabi-Scheu“

(der Scheu-Kabi“?) hat eine hübsche Länge,

Frucht und vor allem einen enormen Trinnkfluss!

Dabei leicht, völlig unangestrengt, ziemlich

mundwässernd und so herrlich saftig und

aromatisch. Das ist ein großer Spaßmacher

und eine tolle Alternative zu den üblichen

Nicht-Riesling-Verdächtigen. Das ist viel

fruchtiger als jeder Silvaner, weniger zitrisch

als jeder Riesling. Dafür ebenso intensiv, so reif

und vollmundig, wirklich spannend. Nein, Scheurebe

kann nie Weltklasse darstellen, aber sie kann auf ganz

hohem Niveau große Freude bereiten. Der Wein ist für

das was er kostet eigentlich ein Superschnäppchen,

weil er schon eine gewisse Größe zeigt.

Ab sofort bis gut 2022+

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DEUTSCHLAND PFALZ

Müller-Ruprecht

KALLSTADTER ANNABERG RIESLING TROCKEN, 2020

„Clos Annaberg“ – und die Welt sieht schon deutlich freundlicher aus!

DPF060420 Kallstadter Annaberg Riesling trocken, 2020 DV 12% Vol. 9,86 €/l 7,40 €

Er bringt im Riesling-Portfolio im Hause Müller-Ruprecht

wohl die kühlsten und tänzelndsten Rieslinge

hervor. Der Annaberg, eine hochinteressante Lage,

welche an der einen Seite von einem Wald abgeschirmt

wird, kühl und geschützt gelegen ist, an seiner

Stirnseite an einen Kalksteinbruch stößt, dessen

Sedimente im Laufe der Jahrtausende in die Buntsandsteinlage

geschwemmt wurden, hat es uns direkt bei

unserer Weinbergstour mit Philipp Wöhrwag angetan.

„Schon Uli, mein Schwiegervater, hat uns nahegelegt,

dieses Flecken zu bewirtschaften, und Uli hat immer

eine gute Nase für solch genialen Lagen“, schwärmt

Philipp. „Er ist unser ältester Weinberg, die Nähe zum

Wald und insbesondere die Einmischung des Kalks

bringt einen Typ Riesling hervor, der sich deutlich vom

nur durch Buntsandstein geprägten eher süffigen Riesling

abhebt. Genau das gefällt mir an der Lage.“

© Melanie Hubach

Es ist die formidable Mischung aus duftigen und aromatischen

Komponenten und brachialer Kalkmineralität,

die diesen Riesling auszeichnet. Er wirkt schlank, floral

und eher dezent fruchtig. Führt man das Glas zur Nase,

will man sich unbedingt intensiver mit diesem Riesling

auseinandersetzen, man spürt, dass hier ein starker

Charakter vorhanden ist. Das ist ein Riesling, der sich

nicht um Mainstream schert, einer mit Charakter und

richtig Selbstbewusstsein. Kühl und frisch im Wesen,

facettenreich. Eine würzige und weiche Textur geleitet

die zitronige Furcht bis zum Abgang. Das ist kein

Brecher, kein Schoppen-Riesling, der mit Saft und Kraft

überzeugt, sondern ein überraschend straffer und mineralischer

Riesling. Der Annaberg ist schon lange fest im

Blick unserer Kunden, und 2020 ist vielleicht der stärkste,

den wir kennenlernen durften! Streichen wir das

„vielleicht“ – absoluter Top-Tipp der Kollektion!

Ab sofort bis 2023 und darüber hinaus.

KALLSTADTER KREIDKELLER RIESLING TROCKEN, 2020

Manchmal muss es Kreide sein – der „Kreidkeller“, Sabines Lieblingslage!

DPF060520 Kallstadter Kreidkeller Riesling trocken, 2020 DV 12,5% Vol. 12,66 €/l 9,50 €

Der Kallstadter Kreidkeller ist Sabines geheime Lieblingslage.

Die im Weingutsbesitz befindlichen Parzellen

der Lage liegen hoch oberhalb des Annabergs

– zum regnerischen Jahresbeginn konnten wir uns

hiervon selbst einen Eindruck verschaffen und kraxelten

den steilen ‚Katzenweg‘ hinauf – besitzt aber

ein völlig anderes Terroir. „Wir können hier in unseren

Haardter-Lagen die volle Bandbreite des Rieslings aufzeigen,“

erklärt Philipp: „Der Kreidkeller steht anders

als der Annaberg mit seinem Buntsandsteinuntergrund

auf reinem Kalkfelsen und ist deutlich höher gelegen

als der Annaberg. Es ist hier tagsüber wärmer,

weil die Sonne später untergeht und nachts kühlt es

schneller ab.“ Besonderheit sind die alten Rebstöcke,

die in dieser generell eher trocken Lage stehen.

Die Nase deutet es bereits an: Der Kreidkeller ist ein

schlanker und geradliniger Typ Riesling. Diese eher

zurückhaltende Lage verlangt etwas mehr Zeit als der

bereits in der Jugend stets präsente Saumagen. Er zeigt

aber seine noble Herkunft schon deutlich am Gaumen.

Dort präsentiert er sich zwar schlank, aber auch saftig,

überzeugt mit einer subtilen Birnen-Frucht, dezenter

Würze und einer genialen Salzigkeit im Abgang. Mit

Luftkontakt gewinnt er an Fruchtausprägung, dann

hallen reife Zitronen im Abgang nach. Durch das kalkhaltige

Terroir, das über 25 Millionen Jahre alt ist, entstand

auch 2020 ein gertenschlanker Wein.

Ab sofort (freut sich über etwas Luft) und bis 2025+.

28 PINWAND no 328 | September 2021


Müller-Ruprecht

PFALZ DEUTSCHLAND

KALLSTADTER SAUMAGEN RIESLING TROCKEN, 2020

Pfälzer Paradelage zu einem paradiesischem Preis!

DPF060920 Kallstadter Saumagen Riesling trocken, 2020 DV 12,5% Vol. 12,66 €/l 9,50 €

Der „Kallstadter Saumagen“ gehört zu den besten

Weinlagen in der Pfalz. Die Römer haben hier schon

Kalk gebrochen und so entstand uunter anderem ein

Kessel mit reiner Südhanglage, die sich nur zum Dorf

hin Richtung Osten öffnet. In diesem außergewöhnlichen

Kleinklima, einem magischen Ort, gelangt der

Riesling zu voller Reife. Die Wärme dieses sonnenverwöhnten

Fleckchens der Mittelhardt speichern die

Böden aus Lösslehm und Kalkmergel. Und reichen sie

mit opulenter Frucht an die Trauben weiter und sorgen

gleichzeitig für eine wunderbare Mineralität. In

großen Jahren sind die trockenen Weine von einer geradezu

barocken Fülle; erstaunlich haltbare Weine mit

enormer Kraft und mächtigem Körper, eingebettet in

einen famosen mineralischen Spannungsbogen!

Sabine und Philipp besitzen hier mehrere Parzellen,

die unterschiedlich exponiert sind. In ihrem Lagenwein

kommt der typische Charakter der Pfälzer-Kultlage

am besten zur Geltung. Es ist der präsenteste

Riesling im Lagen-Portfolio, ein bodenständiger Riesling,

der einen herzlich umarmt. Man schmeckt den

kräftigen Boden, auf dem die Trauben gedeihen, man

riecht das perfekt ausgereifte Traubenmaterial. Aprikosen

tummeln sich im dichten Bouquet, reife gelbe

Zitronen und ein Hauch von Pfirsich. Dabei zeigt sich

der Saumagen am Gaumen kraftvoll und würzig, ohne

zu sehr in purer Steinobstaromatik zu verweilen. Man

schmeckt, dass man es hier mit einer Weltklasse-Lage

zu tun hat, um deren Besitz sich aktuell so viele Winzer

wie nie zuvor bemühen, deren Rebflächen zu den

teuersten der Pfalz zählen. Präzise halten sich im Glas

druckvolle Strahlkraft und feine Harmonie die Waage.

Dieser Wein ist kraftvoll und filigran zugleich! Wir tauchen

regelrecht ein in die verführerische Mineralität,

die wie die saftige Frucht den Charakter der traditionsreichen

Spitzenlage widerspiegelt. Sabine und Philip

Wöhrwag haben mit diesem Riesling geschafft, das

Terroir des „Kallstadter Saumagen“ herauszuarbeiten.

Gleichzeitig drücken sie dem fruchtigen, präzisen und

mineralischen Wein ihren Stempel auf. Viel mehr Riesling

aus einer Top-Lage geht zu diesem Preis kaum!

Zu genießen sofort und bis 2025+.

Ein tolles Team: Sabine und Philipp

Wöhrwag haben ein fantastisches

Jahr hinter sich – und wir jede Menge

fantastischer Weine vor uns!

© Melanie Hubach

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DEUTSCHLAND PFALZ

Müller-Ruprecht

SAUMAGEN-PROBIER-PAKET

(6 Flaschen)

DPF069820P Saumagen-Probier-Paket statt 89,60 €

nur 79,95 €

Dieses Lagenpaket bietet die volle Bandbreite der

berühmten Lage Saumagen. Hier interpretieren

Sabine und ihr Mann Philipp ihr Paradeterroir

parzellengenau. „Horn“ und „Nill“ sind die beiden

Filetstücke aus dem Hause Müller-Ruprecht. Deshalb

bauen Sabine und Philipp diese separat aus. Diese

frisch eingetroffene Riesling-Dreifaltigkeit möchten

wir Ihnen an dieser Stelle dringend nahelegen. Daher

haben wir für Sie ein attraktives Probierpaket zum

Kennenlernen geschnürt!

JE ZWEI FLASCHEN

► KALLSTADTER SAUMAGEN 2020

Fruchtig, präzise, mineralisch: Charmeur

mit legendärer Herkunft.

► SAUMAGEN „H“ (HORN) 2020

Ein durch und durch sonniges Riesling-„Gemüt“!

► SAUMAGEN „N“ (NILL) 2020

Der Top-Wein: langlebig und feinziseliert!

UNGSTEINER WEILBERG RIESLING TROCKEN, 2020

„Haardte“ Prägung: Riesling von der Roterde

DPF060620 Ungsteiner Weilberg Riesling trocken, 2020 DV 13% Vol. 21,06 €/l 15,80 €

Ein Stück mediterraner Boden, mitten in der Pfalz:

Das ist der Ungsteiner Weilberg gleich in zweifacher

Hinsicht. Zum einen wegen seiner ungewöhnlichen

Geologie, die hierzulande ebenso einfach wie treffend

„Roterde“ genannt wird. In Wahrheit aber jener Hämatit-reichen

Formation entspricht, die man gerne in den

„Terra Rossa“-Böden am Mittelmeer (z. B. in Kroatien)

findet. Zum anderen waren nachweislich die Römer

auf dem nur ein Hektar großen Weingarten die Vorläufer

von Winzern wie Sabine und Philipp Wöhrwag,

die heute die VDP-Lage bewirtschaften. Denn dem

„Weilberg“ gibt jene antike Villa den Namen, deren

Ausgrabung auch eine Weinkelter zutage brachte. Es

sind also 2000 Jahre alte und große Fußstapfen, in die

das Weingut Müller-Ruprecht hier tritt. Die günstige

Sonnen-Exposition und der markante Boden verleihen

dem Riesling aber Flügel, wie man sie eher von Asterix‘

Helm kennt. Kalkanteil sorgt für Frische und Säure, die

sich auch in einer mineralischen Spannung äußert.

Konkret bedeutet das helle Sesamkörner, wie frisch

vom Fladenbrot geklaubt. Dazu meldet die Nase noch

saftige Nektarine und eine blumig-angenehme Note,

für die man einen Floristen beiziehen müsste: Ist das

noch Lilie oder doch schon Jasmin, was wir riechen?

Definitiv jedenfalls hat hier eine Lage ihre Signatur

hinterlassen, die sich jenseits der üblichen Sorten-Düfte

des Rieslings bewegt.

Eindeutig ist dann der Eindruck am Gaumen; Zitronen-Frische

umgarnt hartnäckig die immer noch

präsente Steinfrucht. Der rauchige Ton der mineralreichen

Herkunft dieses Rieslings wird am Gaumen

spürbar; gleichzeitig mit dem minimen Gerbstoff, der

diesem trockenen Wein bestens steht. Im Verein wirken

sie wie Tee, dem die Früchte ihr Aroma spenden.

Überaus saftig ist der Ungsteiner Weilberg 2020 beim

Nachtrinken. Da taucht dann auch frische Traube auf,

die gemeinsam mit der Aprikose zum Duett Aufstellung

nimmt. Der Refrain davon ist glockenhell zu vernehmen.

Er lautet: „mehr davon“!

Ab sofort bis 2023.

30 PINWAND no 328 | September 2021


Müller-Ruprecht

PFALZ DEUTSCHLAND

KALLSTADTER SAUMAGEN „H“ RIESLING TROCKEN, 2020

„H“ – so sonnig lacht das Riesling-Gemüt!

DPF061120 Kallstadter Saumagen „H“ Riesling trocken, 2020 DV 13% Vol. 21,06 €/l 15,80 €

Eine Abendbeschäftigung für Riesling-Freunde ist

schnell gefunden. Einfach die beiden Selektionen aus

der berühmten Lage von Müller-Ruprecht einschenken

und dann die Unterschiede besprechen. Es wird

abendfüllend sein, denn „N“, der Zweite im Bunde,

und „H“ sind zwei Seiten einer Medaille. In diesem

Falle kommt die Opulenz der Frucht zum Tragen, die

einen ganzen Obstsalat durchdekliniert. Die kalkige

Grundierung dieses Südhangs ist dabei eine wichtige

Garnierung, weil sie dem Spiel der Aromen eine Struktur

verleiht. Doch ansonsten darf die sonnenverwöhnte

Fruchtigkeit dieses Rieslings schon in der Jugend

zeigen, was möglich ist, wenn Winzer mit dem Terroir

arbeiten und ihm keinen Stil aufzwingen wollen.

Immerhin kennen die Winzer den „Saumagen“ nicht

erst seit gestern. 1702 begann die Riesling-Kultivierung

durch Müller-Ruprecht und Sabine und Philipp Wöhrwag

als aktuelle Generation im Familienbetrieb stellen

mit diesem Know-how alle Facetten heraus, die Riesling

hier zeigen kann.

Wenn Weingarten-Pfirsich und Pink Grapefruit zusammen

ein cremig süßes Stück Meringue backen…

Oder ist es doch Biskuitteig mit Ananas? In jedem

Fall bringt der Duft dieses Pfälzer Rieslings eine Fülle

von intensiven Eindrücken mit. Allesamt sind sie in

gelbfruchtige Noten getaucht und strahlen förmlich

vor sonnendurchfluteter Freundlichkeit. Dieser Wein

will verkostet werden – und den Gefallen tun wir ihm

gerne. Die feine Würze überrascht anfangs, doch die

Füllhörner des Fruchtigen werden auch hier reichlich

ausgegossen. Ein ganzer Korb Agrumen, mal fleischig

wie Jaffa-Orangen, dann wieder herb wie Bergamotten,

dazwischen wie eine Limette, die man aus einem

„Key Lime Pie“ stibitzt hat. Doch auch wenn die Anklänge

an Patisserie hier reichlich sind: Süß ist dieser

Wein (drei Gramm Restzucker) nie. Wohl aber fruchtsatt.

Denn mit Luft wird der „H“ auch noch um exotische

Noten ergänzt. Sogar ein Quäntchen Vanille

blitzt dann durch die tropenfruchtige Melange. Was

für ein Kontrast zwischen der Fernreise am Gaumen

und dem deftigen Namen der Lage! Doch dann betritt

die Grapefruit gravitätisch die Bühne. Szenenapplaus.

Vorhang. Und unbedingt nachschenken!

Ab sofort bis 2033.

KALLSTADTER SAUMAGEN „N“ RIESLING TROCKEN, 2020

„N“ steht für langlebig und feinziseliert

DPF060720 Kallstadter Saumagen „N“ Riesling trocken, 2020 DV 13% Vol. 26,00 €/l 19,50 €

Das Riff, um das sich alle reißen: Aus Kalkschnecken

aufgetürmt, mit ein wenig Löss überglänzt, liegt der

„Saumagen“ wie ein Amphitheater im Mittelhaardt.

Der Vergleich mit den antiken Spektakelstätten passt

durchaus besser als der mit der Leibspeise des Pfälzer

Bundeskanzlers selig. Die Römer hatten hier bereits

ihre Steinbrüche errichtet und praktisch ausnahmslos

bieten die Rieslinge von hier Galavorstellungen

für Weinfreunde. Wäre das noch nicht genug, um die

Lage zu einer der teuersten der Region zu machen,

bringt das nicht einmal 40 Hektar große Stück Rebgarten

auch noch perfekte Sonnenausrichtung als Südhang

mit. Bei Müller-Ruprecht hat man den eigenen

Anteil an der Lage nochmals unterteilt, weshalb es die

Füllungen „N“ und „H“ gibt, deren Aromatik sich auch

deutlich unterscheidet. Expressiver zeigt sich der „H“,

während der besonders ziselierte der beiden trockenen

Rieslinge die Bezeichnung „N“ trägt.

Schon sein erster Gruß ans Riechorgan zeugt von der

säurig-frischen Güte dieses Rieslings: Quitte und Yuzu

sind zu riechen, mit mehr Luft dann auch noch eine

zarte Röstnote – wie vom frischen Oliven-Focaccia.

Doch es wird noch ziselierter beim „N“. Als hätte man

Birnen säuberlich geviertelt und dann gepfeffert – so

riecht dieses Filetstück der Kallstadter Paradelage.

Nur die Aprikosendüfte, die man so sehr mit Riesling

verbindet, sie zieren sich noch ein wenig. Etwa so, als

wäre tief ins Bowle-Gefäß ein Stückchen Pfirsich gesunken:

Man erhascht es nicht, aber nimmt es doch

noch wahr. Doch genug geschnuppert! Der feine Nerv

der Rebsorte spült allzu großes Sinnieren weg. Der

Mittelteil – kandierte, aber säurige Früchte – wirkt

hingegen fast zum Beißen dicht. Dock auch die karge

Erbmasse der Kalkböden ist deutlich zu spüren. Und

wo sich zwei Texturen treffen, freut man sich auf das

Dritte. Das Finish dieses 2020er-Weißweins nämlich.

Herbe Töne von Zesten und etwas Grapefruit beschließen

anmutig den Reigen dieses jugendlichen

Pfälzers. Doch wenn der Kallstadter Saumagen für

etwas berühmt ist, dann für seine langlebigen Weine.

Anders gesagt: rasch bevorraten!

Ab 2022 bis 2038.

31


DEUTSCHLAND S A A R

Herrenberg

WEINHOF

HERRENBERG

SCHODEN

32 PINWAND no 328 | September 2021


Herrenberg

SAAR DEUTSCHLAND

Die Saar mal eben „eingelocht“

– Herrenberg!

„Das Weingut von Claudia und Manfred Loch gehört zweifellos zu jenen Betrieben,

die den früheren Glanz der Saar heute wieder erstrahlen lassen.“ – Gault&Millau

Sie sind so etwas wie der Geheimtipp (schon allein auf

Grund der extrem begrenzten Menge der einzelnen Weine)

in unserem Deutschland-Portfolio, die verführerischen

Gewächse vom kleinen Weinhof Herrenberg in Schoden an der

Saar. Erstmals in unserem Programm im Jahr 2002 (!), feierten

wir einen damaligen Newcomer mit Qualitäten, wie sie spektakulärer

nicht sein können: „Claudia Loch hat eine atemberaubende

Kollektion vorgestellt, ein Wein ist besser als der andere“,

kommentiert Marcus Hofschuster begeistert im Wein.Plus

Weinführer Deutschland. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Der Gault&Millau lobt in der aktuellen Ausgabe: „Das

Weingut von Claudia und Manfred Loch gehört zweifellos zu

jenen Betrieben, die den früheren Glanz der Saar heute wieder

erstrahlen lassen.”

Das Besondere ist dabei der eigenwillige und höchst individuelle

Stil der Loch’schen Gewächse, „Es wird nie langweilig,

eine wahnsinnig spannende Entdeckungsreise.“ (Gault&Millau).

Mittlerweile ist das Familienweingut mit Sohn Johannes nach

dessen Studienabschluss in Geisenheim zu einem Trio herangewachsen

und noch umtriebiger als zuvor.

Ihre Prinzipien sind dabei dieselben geblieben: Die nachhaltige

Bewirtschaftung im Weinberg (u. a. mit Hilfe von fünf Schafen

und drei Burenziegen), strikte Ertragsbegrenzung, minimale Intervention

im Keller, dazu Topsteillagen (leider nur 5,5 Hektar bei

25.00 Flaschen Jahresproduktion für die ganze Welt!) mit teilweise

100-jährigen Reben bilden die Basis für diese genialen, so unfassbar

„trinkigen“, enorm eigenständigen Rieslinge. Kapital sind

die Spitzenlagen Schodener Herrenberg, Ockfener Bockstein

4 STERNE

VINUM WEINGUIDE 2021

5,5 HEKTAR REBFLÄCHE

und der Wiltinger Schlangengraben. Letztere weist sogar noch

wurzelechte Reben auf! Alle Lagen in den extrem steilen, mit

Schiefer bedeckten Hängen (bis 80 % Neigung!) werden „parzellenrein“

ausgebaut, um das jeweilige Terroir (wechselnde

Schieferformationen, divergierende Anteile an Feinerde) im

Wein optimal zur Geltung zu bringen. Sanfte Pressung (selbst

Marienkäfer haben diese Prozedur schon überlebt!), moderat

reduktiver Ausbau und geringe Schwefelung bilden hier die Parameter

im Keller. Der hieraus resultierende Stil ist nicht leicht

zu fassen in seiner überwältigenden und komplexen Art: Extrem

dicht, mit einer tollen Reife in der Frucht, einer vibrierenden Säure,

die den Weinen geradezu ein pochendes Herz verleiht und

einer fesselnden Mineralität. Das ist Saarwein vom Feinsten!

Dabei wecken die Rieslinge Emotionen, regen den Geist an.

Komponenten wie Fruchtsüße, Säure und Alkohol rücken dabei

in den Hintergrund. Denn wichtig ist der Familie stets die Balance

der Komponenten zu erhalten. Es ist der Gegenentwurf

zu einem verkopft-puristischen, künstlich kargen Stil: ein gutes

Quantum Hedonismus gepaart mit der kühlen und leichten Art

der Saar, die so einfach in ihrer Natur zu liegen scheint. Dabei

besteht die Meisterleistung, das echte Kunststück darin, diesen

intensiven Stil nicht ins Barocke abgleiten zu lassen.

Das klingt doch nach Parametern, die jeden Weinliebhaber neugierig

machen müssten. Auch der legendäre Mario Scheuermann

wusste um die ganz besonderen Qualitäten unseres Saar-Juwels

und zog wahre Superlative zum Vergleich heran, die im ersten

Moment durchaus hochgegriffen erscheinen mögen, bei näherer

Betrachtung aber so wohlbegründet wie stichhaltig sind: „Das

Weingut Herrenberg ist für mich schon seit mehreren Jahren

ein herausragender Geheimtipp an der Saar. Bei der minimalen

Jahresproduktion und solchen Qualitäten müssten die Weinkenner

eigentlich Schlange stehen und alles müsste zu Höchstpreisen

ständig ausverkauft sein. Herrenberg ist so etwas wie

ein weißer Riesling-Pétrus von der Saar: winzige Produktion,

total eigenständiger Terroircharakter in absoluten Spitzenlagen.“

Die treuen Fans dieses kleinen Weinguts, eine ganz besondere

Perle in unserem Programm, dürfen sich auf ein ganzes

Kaleidoskop beeindruckender Saarweine freuen. Zugreifen

und genießen!

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DEUTSCHLAND S A A R

Herrenberg

„HOF-CUVÉE“, 2020

Riesling trifft auf Weißburgunder und die Saar auf die Obermosel

DMO041020 „Hof-Cuvée“, 2020 DV 12% Vol. 15,33 €/l 11,50 €

Mit dem Jahrgang 2018 hat Johannes Loch, Sohn von

Claudia und Manfred Loch und mittlerweile dritte

treibende Kraft des Weinguts, etwas völlig Neues

eingeführt. Er hat dem reinen Riesling-Weingut ein

wenig Weißburgunder untergemischt, den er seinem

Freund Dario aus dem rund 20 Kilometer entfernten

Wincheringen an der Obermosel abschwatzen konnte.

Aus dem Experiment, das die Lochs „Hof-Cuvée“

genannt haben, ist ein fester Bestandteil des Sortiments

geworden. Kein Wunder, ist sie doch ein ausgesprochener

Allrounder, der im Sommer soviel Spaß

wie im Herbst oder Winter macht, wenn man nach

Sonne dürstet und dieser Wein den Sommer wieder

zurückzaubert. Hier treffen also Riesling auf Weißburgunder

und Schiefer auf Muschelkalk, klare Säure auf

seidige Textur und feine Würze auf sinnliche Aromen.

Dieses eigentlich so ungleiche Duo der Rebsorten findet

in diesem Wein zu einer erstaunlichen Harmonie,

in der der Riesling zwar den Ton angibt, aber vorzüglich

mit dem Weißburgunder verschmilzt. Im Duft

erinnert der Wein an gelbe Äpfel und Mirabellen, an

ein wenig Pfirsich und reife Grapefruits, etwas Lanolin

und herbe Kräuter. Am Gaumen wirkt die 2020er

„Hof-Cuvée“ seidig und sinnlich, saftig und geradezu

süffig in ihrer Reife und in ihrer leicht fruchtsüßen

Opulenz der weißfleischigen Frucht. Am Gaumen gibt

der Weißburgunder den Ton an. Dann aber schleicht

sich irgendwann durch die Hintertür der Riesling herein,

baut Spannung auf, bietet eine immer klarere

Säurestruktur, liefert Schieferwürze und herb pikante

Noten von Orangenschalen und ein wenig Salz. Hach,

das ist wirklich ein Wein fürs Herz und für die Seele.

Ab sofort uns bis 2025+.

„LOCHRIESLING“, 2020

Wow, wie frisch, wie druckvoll und wie komplex ist dieser Gutsriesling!

DMO041120 „LochRiesling“, 2020 DV 12,5% Vol. 18,60 €/l 13,95 €

Wenn man bei den Lochs in Schoden an der Saar in die

Riesling-Welt eintaucht, beginnt man meist mit dem

„LochRiesling“. In diesem „Basis“-Riesling sind schon

alle Merkmale, die den Anspruch an die Weine und

ihre im besten Sinne „eigentümliche“ Charakteristik

ausmachen, angelegt. Claudia, Manfred und Johannes

Loch setzen schon beim Einstiegswein auf herausragende

Qualität und nutzen dazu die vielen alten Parzellen,

die sie besitzen. Der „LochRiesling“ verfügt

über eine große Strahlkraft, weil ihm genauso viel Aufmerksamkeit

zuteilwurde wie allen anderen Weinen

des Weinguts. Aber das Gegenteil von einfach ist nicht

zwangsläufig kompliziert oder komplex; denn das sollte

ein Gutswein auch nicht sein. Hier kann man eher

von Raffinesse sprechen und von einer wunderbaren

Präzision in der Ausprägung der Frucht, der eleganten

Säure und der feinen Würze und Salzigkeit. Der „Loch-

Riesling“ bietet natürlich auch immer ein klares, unverfälschtes

Abbild des Jahrgangs, und der bot Reife,

Saft, Kraft und Eleganz. Stellt man 2018 und 2019 daneben,

dann befindet sich 2020 fast genau die Mitte,

denn der Wein verfügt über eine gewisse Opulenz und

eine reife Fruchtsüße wie 2018, aber eben auch über

eine Geradlinigkeit und Präzision samt Säuredruck wie

2019. Und so zeigen sich im Duft jede Menge weiße

Blüten, lemon curd und Birnencreme, etwas Klee und

Sesam, aber auch einige, wenn auch zurückhaltende

kräutrige und steinige Aspekte. Am Gaumen wird es

dann voll und saftig. Die Frucht bringt eine herrliche

leichte Restsüße mit, die aber von einer Säure eingefangen

wird, derer man erst auf den zweiten Schluck

gewahr wird. Vorne findet sich der Saft, im hinteren

Bereich des Gaumens wird es frisch, herb wie auch pikant,

und schließlich vermählt sich all das mit einer für

die Saar ja sehr typischen Salzigkeit. Dieses Salzige im

Wein gab es da schon, als man es noch nicht in jeden

zweiten Wein schmeckte. Hier hat der salzige Aspekt

Tradition, und er sorgt schon bei diesem Wein für unbändigen

Trinkfluss. Mit dem „LochRiesling“ bieten

Claudia und Johannes einen Gutsriesling auf höchstem

Niveau!

Ab sofort und bis sicherlich über 2027 hinaus.

34 PINWAND no 328 | September 2021


Herrenberg

SAAR DEUTSCHLAND

RIESLING „CRUV“ (TROCKEN), 2019

Aus einer Parzelle im Schodener Herrenberg, goldgelb, voller Komplexität und Anmut!

DMO040119 Riesling „Cruv“ (trocken), 2019 DV 13,5% Vol. 26,60 €/l 19,95 €

Nur wenigen Weingütern an der Saar ist 2019 ein so

elektrisierender und spannungsgeladener Riesling gelungen

wie Familie Loch! Dieser biologisch erzeugte

trockene Wein aus der tiefgründigen Parzelle „Cruv“

im Schodener Herrenberg ist der vielleicht strengste

und puristischste Wein im gesamten Programm des

Weinhofs – was allerdings in keiner Weise den Trinkfluss

schmälert, im Gegenteil. Im Duft erinnert er an

ein Konzentrat von Limetten und Salzzitronen, noch

grüner Ananas, Grapefruit-Zesten, feuchtem Stein

und ein wenig Anis. Der Wein ist hell, fordernd und

schon im Duft kristallklar. Dieses Klare, dieses Kristalline

zeigt der „Cruv“ auch am Gaumen, wo lediglich im

Auftakt ein wenig von einer reifen gelben Steinobstfrucht

auftaucht, dann aber wieder verschwindet und

Platz macht für Zitronen, Limetten und Grapefruit,

grünen Apfel, Salz, Kräuter und Gestein. Die 2019 oft

so reife, wenn auch immer lebendige Säure wirkt hier

wie aufgedreht. Geradezu hibbelig und rastlos durchdringt

sie die Frucht und verbindet sich mit der vibrierenden

Mineralität, die hier ebenfalls noch ein wenig

ausgeprägter zu sein scheint als bei den meisten

anderen Weinen des Weinguts. Beim „Cruv“ erinnert

sie tatsächlich an eine Blockbatterie, die man sich kurz

an die Zunge hält und die einen sofort wieder wach

macht. Das ist Spannung pur!

Ab sofort mit Genuss, Potenzial bis 2034 und länger.

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DEUTSCHLAND S A A R

Herrenberg

RIESLING „STIER“ (FEINHERB), 2020

Fruchtig und pikant, saftig und brillant ist dieser „Stier“ aus der Stirn des Herrenbergs.

DMO040220 Riesling „Stier“ (feinherb), 2020 DV 10,5% Vol. 26,60 €/l 19,95 €

Falls Sie beim „Stier“ einen Riesling erwarten, der

gerne mal den Kopf senkt, mit Druck die Luft hinauspresst,

Anlauf nimmt und seine ganze Kraft präsentieren

will, dann ist dies nicht der passende Wein. Dieser

„Stier“ bekam einst seinen Namen von der Lage, in der

sich seine Parzelle befindet. Der Riesling stammt aus

der Stirn des Schodener Herrenbergs, und „Stirn“ wurde

irgendwann zu „Stier“. Kraft besitzt der Wein trotzdem.

Aber die Kraft ist eingebettet in eine betörende

Süße. Der „Stier“ ist ein feinherber Saar-Riesling, was

sich bei der Lage anbietet, weil die Stirn des Herrenbergs

von einem besonders hohen Schieferanteil in

einer Lage mit 80 % Hangneigung in Südsüdwest-

Ausrichtung geprägt ist und so eine besondere Säurestruktur

entsteht, die sehr gut zu diesem Stil passt.

Im Duft erinnert der Riesling vom Weinhof Herrenberg

zunächst an Schieferwürze, ja ein wenig sogar

an Feuerstein mit seiner zarten Rauchigkeit. Dann

findet man gezuckerte Zitronenschalen und lemon

curd, etwas Grapefruits und junge Ananas, grüne und

gelbe Äpfel und Birnen. Am Gaumen ist dieser Wein

zunächst saftig süß und voll, doch die pikanten zitrischen

und schieferwürzigen Noten übernehmen

dann die Führung. Was so unschuldig seidig und saftig

wirkt, wird mit der Zeit im Gaumen immer druckvoller

und würziger. Die Säure wirkt zwar ebenso reif wie die

Frucht, baut aber ordentlich Druck auf, bekommt irgendwann

von der Süße den Staffelstab und bestimmt

schließlich zusammen mit der saartypischen Salzigkeit

das lange Finale. Und da kann man sich schon sehr gut

vorstellen, dass das alles zusammen prächtig mundwässernd

wirkt, saftig und frisch.

Ab sofort bis 2040 und darüber hinaus.

RIESLING „STOVELER“ (FEINHERB), 2020

Zu Beginn wirkt die Süße, zum Schluss eine unbändige Mineralität und Energie!

DMO040920 Riesling „Stoveler“ (feinherb), 2020 DV 11% Vol. 26,60 €/l 19,95 €

Wenn es im Portfolio der Lochs in 2020 ein ungleiches

Paar gibt, dann sind es der trockene „Saartyr“ und der

restsüße „Stoveler“. Der Riesling „Stoveler“ der Lochs

stammt aus der gleichnamigen parabolspiegelartigen

Parzelle innerhalb des Schodener Herrenbergs,

die sich durch einen besonders hohen Anteil grauen

Schiefers auszeichnet und bis zu 50 % Hangneigung

besitzt. Es ist eine vergleichsweise heiße Lage, weshalb

dort restsüße Weine entstehen. In heißen Jahren

sind das nach tropischen Früchten duftende Weine. So

ist es in diesem Jahr nicht, obwohl man auch diesmal

ordentlich Sonne hatte. Die drückt sich auch in Noten

von reifem Steinobst aus, in das sich aber ebenso ein

wenig knackiges Kernobst, ein paar Grapefruit-Spalten

und Kumquats mischen. Vor allem hat man hier

zusätzlich den Eindruck, eine sinnlich cremige Komponente

vorzufinden und dann wieder kühle und würzige

Schiefergesteinsnoten. Im Duft wirkt der Wein überaus

elegant, sinnlich und seidig. Am Gaumen setzt sich

das zunächst fort. Da hat man die reife, saftige, süffige

Frucht und eine auskleidende Süße. Doch die bleibt

gar nicht so lange präsent; denn das Vordergründige

verwirbelt schnell in einem Mahlstrom von lebendiger

Säure und tiefer Mineralität. Das ist sehr animierend,

sehr präzise und wird mit der Zeit immer druckvoller

und fordernder, zumal der Stein sich immer stärker in

dunklen würzigen Noten ausdrückt. Und schließlich

stößt im Finale noch das Salz dazu, das sehr trinkanimierend

wirkt, und spätestens dann hat einen der

Riesling gepackt, lässt einen nicht mehr los – und dann

muss man einfach die Waffen strecken!

Ab sofort und bis 2034+.

36 PINWAND no 328 | September 2021


Herrenberg

SAAR DEUTSCHLAND

KANZEMER SONNENBERG „RAUTENSTRAUCH“

RIESLING (FEINHERB), 2020

Sehr feine Auslese von teils über 100 Jahre alten wurzelechten Reben.

DMO042920 Kanzemer Sonnenberg „Rautenstrauch“ R. (feinherb), 2020 DV 11% Vol. 26,60 €/l 19,95 €

Die Lochs hatten vor einigen Jahren das Glück, dass

sie eine uralte Parzelle im Kanzemer Sonnenberg erwerben

konnten. Ursprünglich hatten die Vorbesitzer,

die Familie Rautenstrauch, die Parzelle nur verpachten

wollen, waren dann aber von den Lochs und

ihrer Arbeit so angetan, dass sie ihnen den Weinberg

überlassen haben. Im Gegenzug nannten Claudia und

Manfred Loch diesen Wein, den sie 2018 erstmals gefüllt

haben, nach dem Namen der Vorbesitzer. Diese

Parzelle ist außergewöhnlich, weil in ihr gesunde, teils

mehr als 100 Jahre alte, tatsächlich wurzelechte Rieslingstöcke

stehen.

Im Jahr 2020 besitzt der Riesling „Rautenstrauch“ einen

feinen Auslesecharakter, dessen Süße ganz hervorragend

mit den hellen Noten und der lebendigen Säure

harmoniert. Im Duft erinnert er an Ananas und Selleriegrün,

an Zitronen und Grapefruits, an knackige Äpfel,

Anis, Bleistift und ein paar rote Beeren. Am Gaumen

wirkt der Riesling fast unvermittelt süß und saftig mit

Noten von Kandis, kandierten Orangen und Ingwer,

garniert mit Anissamen und etwas Süßholz. Der Schiefer

ist präsent mit seiner Würze und seiner leichten

Öligkeit, aber auch mit einer gewissen Kühle, die von

der lebendigen Säure und einer prägnanten Mineralik

noch unterstrichen wird. Im langen Finale wird die Süße

wieder spürbar. Sie bleibt jedoch immer in Balance und

bereichert diesen wunderbaren Saar-Riesling.

Ab sofort und bis 2030 und länger.

RIESLING „KLEINES FASS“ (HALBTROCKEN), 2020

Ein kleines Fass mit einem fantastischen Riesling.

DMO042720 Riesling „kleines Fass“ (halbtrocken), 2020 DV 12% Vol. 29,20 €/l 21,90 €

Es ist ein göttlicher Trank, den Johannes Loch seit dem

Jahrgang 2019 im kleinen Holzfass ausbaut. Johannes,

der mittlerweile an der Seite seiner Eltern im Weingut

arbeitet, hat die Frucht von alten Rieslingreben in ein

ebenfalls altes, aber nicht ganz so altes Barrique gelegt

und die kleine Partie im Holz vergoren und ausgebaut.

Das Ergebnis ist ein rarer Wein – ein Fass füllt rund

300 Flaschen –, der aber schon in 2019 schnell ausverkauft

war, weil er so viele begeistert hat. Der Riesling

„kleines Fass“ ist ein sinnlicher Wein. Der Sommer war

hier sehr intensiv, und so brachte er in diesen Riesling

die reifen und saftigen Noten von gelben Birnen mit

ein, ebenso von Weinbergpfirsichen in einem Reifezustand

und mit einem Duft, wie man ihn auf einem

deutschen Wochenmarkt nur noch sehr selten findet.

Hinzu kommen Noten von Orangen, ein wenig Kardamom,

Kamille und Gestein. Am Gaumen dann wird die

ganze Pracht schmeckbar. Das reife Obst, das seidig

schmeichelnde Mundgefühl und die brillante Säure

und pikante Würze vereinen sich hier. So saftig und

seidig der Riesling beginnt, so fest, so dicht, so energiegeladen,

so mineralisch und druckvoll, pikant und

salzig wirkt er im Finale. Was für ein Fest!

Ab sofort und bis 2030 und länger.

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DEUTSCHLAND S A A R

Herrenberg

38 PINWAND no 328 | September 2021


Herrenberg

SAAR DEUTSCHLAND

RIESLING „SAARTYR“ (HALBTROCKEN), 2020

Was für ein betörend mineralischer, vibrierender, lebendiger Riesling!

DMO040520 Riesling „Saartyr“ (halbtrocken), 2020 DV 13% Vol. 44,00 €/l 33,00 €

Wenn es im diesjährigen Portfolio der 2020er-Rieslinge

des Weinguts Loch einen Wein gibt, dessen Name

Programm ist, dann ist es der „Saartyr“. Dieser Riesling

ist ein Energiebündel, ein Tänzer voller Kraft und

Temperament, beim dem man sehr schnell an den

Waldgeist aus der griechischen Mythologie denken

kann, zumal ein Satyr ja auch noch eine erotisch sinnliche

und verführerische Seite hat – ganz so wie der

„Saartyr“.

Die Frucht dieses Rieslings stammt aus der zentralen

klassischen Lage vom Hausberg der Lochs. Es ist der

Schodener Herrenberg, in dem rund 40 Jahre alte Reben

zu finden sind. Diese werden biologisch bewirtschaftet.

Die Trauben bekommen eine verlängerte

Standzeit und werden sehr schonend gepresst, bevor

sie spontan vergoren werden.

Durch diese verlängerte Standzeit erhält der Riesling

zusätzlich Extrakt, wird griffiger als üblich, und das

macht sich im Zusammenspiel der Kräfte schnell bemerkbar.

Der „Saartyr“ wirkt im Duft fast scheu, ist

aber sehr sinnlich mit seiner recht hellen Frucht von

Äpfeln und Birnen, ein paar Orangenscheiben und

Nektarinen, vor allem aber von Kräutern und feuchtem

Gestein. Was man vom Duft her jedoch nicht

erwartet, ist die Energie und dunkle Würze, die der

Wein mit einem Schlag am Gaumen bietet. Was für

eine rasante Achterbahnfahrt beginnt hier! Der Riesling

offeriert Noten von Grapefruits samt Schalen, von

Trockenkräutern, zerstoßenem nassen Schiefer, Süßholz,

Anis- und Fenchelsamen. Die reife Frucht trifft

auf einen herben Untergrund, der durchzogen ist von

einer lebendigen Säure, von „Stromstößen“ und von

Mineralität. Der Wein pulsiert geradezu am Gaumen

und auf der Zunge, bietet eine große Tiefe und Kraft,

ist fest gewirkt, aber durchaus sinnlich und vollführt

einen ganz eigenen Ausdruckstanz. Das ist schon etwas

ausnehmend Besonderes!

Ab sofort und bis 2034 und länger.

OCKFENER BOCKSTEIN „STEINMETZRAUSCH“

RIESLING (HALBTROCKEN), 2020

Die Dualität des Rieslings in einer Flasche

DMO041220 Ockfener Bockstein „Steinmetzrausch“ R. (halbtr.), 2020 DV 13% Vol. 57,33 €/l 43,00 €

Yin und Yang sind zwei Begriffe aus dem Taoismus,

die für zwei entgegengesetzte und dennoch aufeinander

bezogene Kräfte stehen. Sie bekämpfen sich nicht,

sondern ergänzen sich vielmehr. Diese Kräfte findet

man auch in Lochs Riesling „Steinmetzrausch“ aus dem

Ockfener Bockstein. Es ist ein Riesling, der die Dualität

dieser Rebsorte auf wunderbare Weise in sich vereint.

Da ist einerseits das Galante, das Elegante, Warme,

Fleischige und Sinnliche des reifen Rieslings, da findet

sich andererseits das Würzige, das Kühle, das Dunkle

und auch das Fordernde und Zitrische, das mit Macht

und Druck den Gaumen erstürmt. Die Lochs besitzen

im Ockfener Bockstein die Parzelle Steinmetzrausch.

„Rausch“ ist hier nicht in Bezug auf übermäßigen Konsum

zu verstehen, „Rausch“ ist an der Saar ein alter Begriff

für eine Geröllhalde. Man findet den Namen auch

bei der berühmten Lage Saarburger Rausch. Im Falle

dieses Weines handelt es sich um einen sehr steilen

Hang in der Mitte des Ockfener Bocksteins, der möglicherweise

auch die Steinmetze, welche die Trockenmauern

angelegt haben, vor einige Herausforderungen

gestellt haben dürfte. Die Lage zeichnet sich durch

einen besonders hohen Schieferanteil aus. Die Reben

werden seit der Gründung des Weinguts im Jahr 1992

biologisch bewirtschaftet und durch die von Professor

Cargnello entwickelte Rebschnitt-Technik so in ihrem

Ertrag begrenzt, dass sich für Claudia Loch ein optimales

Blatt-Frucht-Verhältnis ergibt, bei dem eine große

Menge an Blättern recht wenige Trauben mit viel Energie

versorgt. So ergibt sich zudem ein geschmacklich

absolut nachvollziehbarer Extraktreichtum mit einer

immer reifen und brillanten Säure.

Im Duft zeigt sich der „Ockfener“ mit Noten von knackigen

Pfirsichen und Mirabellen, Kamille und Kleeblüten,

Grapefruits und Kumquats samt Schalenabrieb.

Dahinter liegt würziger Stein, etwas blonder Tabak und

Bitter Lemon mit dieser Kombination aus Herbe und

Süße. Am Gaumen wird der Wein schnell sehr präsent,

fordernd und druckvoll. Hier zeigt sich ein Wechselspiel

aus leichter Süße und fordernder Herbe, aus saftigem

Schmelz und druckvoller Säure, aus kühler Steinigkeit

und salziger Mineralität. Je länger der „Steinmetzrausch“

am Gaumen verweilt, desto druckvoller, zitrischer

und salziger wird er. Das ist jetzt schon faszinierend,

besitzt aber Potenzial für ein Jahrzehnt und mehr.

Ab sofort uns bis 2030+.

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ÖSTERREICH WAGRAM

Ott

BERNHARD OTT

FEUERSBRUNN

Grüne Veltliner braucht das Land!

Keine Sorge,hier sind sie: „Der Ott“ sowie

die Rieden „Stein“, „Spiegel“ und „Rosenberg“!

Frisch gefüllte „GV“-Kostbarkeiten aus dem Wagram – und einen „Kabi“ hat’s auch!

Bernhard Ott ist ein legendärer Weinmacher. Nicht erst

seit er vom Falstaff dem renommierten österreichischen

Weinführer, mit dem Titel „Winzer des Jahres“, der

bedeutendsten Ehrung, die ein Winzer in Österreich erreichen

kann, ausgezeichnet wurde. Denn „Österreichs Mr. Grüner Veltliner“,

wie der sympathische Genuss-Mensch in der Weinszene

liebevoll tituliert wird, „hat sich schon in frühen Jahren mit Haut

und Haar der regionaltypischen österreichischen Paradesorte

verschrieben“ (Vinaria).

„Der Grüne Veltliner ist unsere Chance. Der wächst nirgendwo

anders auf der Welt. Der kann nicht wie Chardonnay von

jedermann übernommen und zum charakterlosen Modewein

degradiert werden.“

Eigentlich ist Bernhard Ott, ein sinnenfroher, ausgeglichener,

barocker Genussmensch, so schnell nicht aus der Ruhe zu bringen.

Doch wenn die Rede auf „seinen“ Grünen Veltliner kommt,

dann wirkt er wie elektrisiert, wird zum engagierten Streiter für

eine häufig verkannte, von allzu vielen Winzern zum billigen

Durstlöscher abgestempelte Massenrebe. Dann spürt jeder Gesprächspartner,

dass sein leidenschaftliches Plädoyer für Österreichs

große autochthone Rebsorte, aus der unter den Händen

begnadeter Winzer höchst anspruchsvolle Spitzengewächse

mit cremig-seidener, aber auch zutiefst mineralischer Textur

entstehen können, aus tiefstem Herzen kommt. Markenzeichen

sind für uns Brillanz und Transparenz, die diesen gebirgsbachklaren

und präzisen Weinen mit großem Trinkfluss eignet. Die

Umstellung auf biodynamischen Anbau hat Bernhards großartigen

Weinen eine neue Dimension an Terroirausdruck, an

strahlender Mineralität, unvergleichlicher Brillanz und betörend

aromatischer Finesse hinzugefügt. Er hat den Gipfel österreichischer

Winzerkunst erreicht, was die Verleihung des Titels

„Winzer des Jahres“ durch das Magazin Falstaff konsequent

und mit einer logischen Folgerichtigkeit unterstreicht – und ist

trotzdem ein wohltuend bescheidener und sympathischer Naturbursche

geblieben. Ganz so, wie wir seinerzeit den aufstrebenden

Stern am österreichischen Weinhimmel kennenlernten.

Seine wunderbaren Grünen Veltliner gehören

40 PINWAND no 328 | September 2021


Ott

WAGRAM ÖSTERREICH

RIESLING „KABIN(O)TT“ HALBTROCKEN, 2020 (BIO)

Wortspiel „galore“ – und ganz besonders „comfy-cosy“!

NICHT OHNE „KABIN(O)TT“!

OWG010520 Riesling „Kabin(O)tt“ halbtrocken, 2020 DV 12,5% Vol. 26,00 €/l 19,50 €

AT-BIO-402

„To be or not to be?“ – diese existentielle Frage stellt

sich beim Kabinett von Bernhard Ott nicht. Dem Winzer,

dem ganz offensichtlich der Schalk im Nacken

sitzt – „Kabin(O)tt“! – würde allerdings niemand –

aller charmanten Spitzbübigkeit zum Trotz – absprechen,

dass er im Weinberg und Keller enorm stringent

und in jeglicher Hinsicht seriös agiert. Seit 2006 hat

er sich der Biodynamie verschrieben (mittlerweile

auch ganz offiziell zertifiziert), und füllt, was ihm der

Jahrgang bietet. In diesem Zusammenhang ist es sehr

spannend zu sehen, wie unterschiedlich sich 2020 in

vielen Teilen der Weinwelt manifestiert hat. Es hat

sich wieder einmal gezeigt, dass Verallgemeinerungen

per se wenig taugen, im besten Falle höchstens eine

grobe Orientierung bieten. Während wir 2020 hierzulande

als doch eher trockenen und warmen Jahrgang

wahrgenommen haben, spricht Ott sogar von einem

Cool-Climate-Jahrgang: „Während in Deutschland

Trockenheit und Hitze bestehen blieben, setzte sich

bei uns ein moderates Klima mit ausreichend Niederschlägen

durch.“ und „Österreichs Vertreter werden

somit europaweit zu einer Ausnahme hinsichtlich ihrer

Kühle und Eleganz werden.“ Das führte dazu, dass es

die Natur unserem Wagramer Winzer ermöglichte,

einen fruchtsüßen Wein auszubauen, dessen früh gelesenes

und nicht zu reifes Traubenmaterial für einen

nicht trocken vergorenen Wein von markanter Leichtigkeit

und Intensität wie geschaffen war. Er stammt

aus den beiden angrenzenden Gebieten Wagram und

Kamptal und wurde bis Anfang Juli des Folgejahres im

großen Holzfass ausgebaut.

Im Glas ist selbstredend Riesling, der hier zum Kabinett

ausgebaut wurde. Oder auch nicht? Vergleichen

wir ihn mit den ganz leichtfüßigen Vertretern von Mosel,

Saar und Ruwer, dann passt er nicht ganz in diese

Kategorie. Mit seinen 12,5 Volumenprozent Alkohol

ist er deutlich trockener (10,4 Gramm pro Liter Restzucker

statt der für einen Kabinett aus Deutschland

üblichen 30 bis 50) und intensiver – oder eben doch

einfach die Wagram’sche Version eines Kabinetts?

Hier taucht die Sein-Frage dann doch wieder auf. Für

uns ist jedenfalls klar: Dieser feinfruchtige Riesling

von Tertiärschotter und Gneislagen ist eine echte Bereicherung

des Ott’schen Portfolios. Der hellgoldene

Wein duftet herrlich nach Melisse, Birnenschalen, Limettenabrieb

und etwas Bittermandel im Glas. Am

Gaumen zeigt er sich seidig und klar, in der Wahrnehmung

wirkt er eher trocken. Dabei verleihen ihm seine

tänzelnde Leichtigkeit und polierte Erscheinung eine

geradezu vibrierende Frische. Ein Wein, der in seiner

Seidigkeit und Transparenz höchst angenehm ist

und der dem geneigten Genießer aufgrund seiner

unbedingt einnehmenden Harmonie und Balance

(comfy-cosy würde man das im anglo-amerikanischen

Sprachraum nennen) ein zufriedenes Lächeln

ins Gesicht zaubert. Bitte noch ein Glas!

Dieser feine Kabinett trinkt sich gut jetzt und gekühlt

perfekt, wird sicherlich über 5–7 Jahre reifen können.

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ÖSTERREICH WAGRAM

Ott

GRÜNER VELTLINER „DER OTT“, 2020 (BIO)

Grenzwanderer aus Ersten Lagen aber kein Grenzgänger!

AT-BIO-402

OWG010220 Grüner Veltliner „Der Ott“, 2020 DV 12,5% Vol. 31,60 €/l 23,70 €

OWG010220M Grüner Veltliner „Der Ott“, 2020 MAGNUM DV 12,5% Vol. 32,66 €/l 49,00 €

„Der Ott“ ist jetzt ein Niederösterreicher, denn er verbindet

Trauben aus Wagram und dem Kamptal! Dabei

handelt es sich aber um keinen Grenzgänger, sondern

einen höchst charmanten und umarmenden Wein,

einem echten Klassiker unseres Sortiments! Während

man anderswo sagt „never change a winning team“,

heißt es beim Weinmachen: „Nichts ist in Stein gemeißelt,

alles ist im Fluss.“ Und so hat Bernhard Ott seine

Cuvée seit dem Vorjahr verändert. Was vorher Weine

waren, die entweder aus dem Kamptal oder aus Wagram

kamen, ist mittlerweile ein Gemeinschaftsprojekt

geworden, welches sich bestens ergänzt! Damit erhält

der Weißwein en kräftiges Upgrade, stammt er doch

aus den jüngeren Reben der Ersten Lagen Spiegel,

Stein und Rosenberg!

Kein Grüner Veltliner verkörpert deutlicher die Persönlichkeit

von Bernhard als dieser – und macht ihn deshalb

so beliebt! Dazu kommt sicher das überragende

Preis-Genuss-Verhältnis dieses „GVs“, vor allem aber

auch sein unverwechselbarer Charakter, der alle Facetten

dieser urösterreichischen weißen Rebsorte geballt

ins Glas bringt. Für Bernhard Ott, der sich fast

ausschließlich auf Grünen Veltliner spezialisiert hat

(die Ehrentitel „Mr. Veltliner“ oder „Veltliner-Magier“

kommen nicht von ungefähr!), ist „Der Ott“ irgendwie

sein Lieblingswein. Denn dieser Ortswein spiegelt das

Terroir auf unverfälschte Art und Weise wider, ist absolut

präsent, klar in Frucht und Würze und durch die

langjährige biodynamische Wirtschaftsweise so geradlinig

herkunftsbetont, wie er eben nur sein kann, auch,

weil alle Trauben spontan vergoren und zum Teil – wie

früher – in großen Holzfässern ausgebaut wurden.

Dieser helle, ja grüngelblich funkelnde Grüne Veltliner

ist ganz nach unserem Gusto. Der Jahrgang 2020 war

hier in der Region – ganz im Gegensatz zu Deutschland

– sehr kühl, Bernhard Ott spricht sogar von einem

„Cool-Climate-Jahr“! Darum leuchtet er auch so

jugendlich, duftet so angenehm nach Zitrusfrüchten,

Melisse und auch etwas Minze. Eine feine Würze und

helle Birnen- und Apfelfrucht steigen aus dem Glas.

Am Gaumen ist alles an diesem Wein seidig und gebirgsbachklar.

Ott gelingt es, Novizen wie echte Liebhaber

für seinen Grünen Veltliner zu begeistern. Seine

Weine empfangen einen mit offenen Armen, lassen

gute Laune aufkommen. Eine feine Säure umrahmt

hier die schlanke Frucht ohne sich aufzudrängen. Dieser

Wein ist immer der fruchtbetonteste unter Otts

Weinen (und doch ist da auch immer eine zarte Würze

und Mineralität im Gepäck, die ihn vom reinen „Fruchtikus“

wohltuend abhebt), und der Veltliner, den er zur

Küche seiner Heimat den ganzen Abend lang trinken

möchte! Erneut eine sichere Bank, aus einem ganz besonderen

Jahrgang!

Wir trinken diesen Grünen Veltliner schon jetzt mit großem

Vergnügen. Eine halbe Dekade reift er bestens – wie

uns die Erfahrung schon seit Jahren lehrt.

42 PINWAND no 328 | September 2021


Ott

WAGRAM ÖSTERREICH

„RIED STEIN“ ENGABRUNNER

GRÜNER VELTLINER 1. LAGE, 2020 (BIO)

Eleganz und Dichte, Präzision und Frische – all das bietet Otts „Stein“.

OWG010719 „Ried Stein“ Engabrunner Grüner Veltliner 1. Lage, 2019 DV 13% Vol. 39,93 €/l 29,95 €

AT-BIO-402

Der Grüne Veltliner ist schon eine durchaus außergewöhnliche

und sehr eigenständige Sorte, die es immer

wieder schafft, fast unvereinbar scheinende Attribute

zusammenzuführen. Dazu bedarf es allerdings auch

einiger Künstler wie Bernhard Ott, die akribisch im

Weinberg und im Keller daran feilen, einen Terroirwein

wie den „Stein“ ins Glas zu bringen. Im Weinberg gelingt

ihm dies schon seit Jahren mit Hilfe der Biodynamie,

die zu noch pureren und intensiveren Weinen

führt. Der „Stein“ liegt in Engabrunn auf der Kamptaler

Seite der Grenze des Kamptals zum Wagram. Dort

war Otts Urgroßvater schon Winzer. Die Böden unterscheiden

sich deutlich von denen in Feuersbrunn, dem

heutigen Stammsitz des Weingutes. Die Reben, von

denen die ältesten 1957 gepflanzt wurden, fußen tief

in Gföhler Gneis, in rotem und weißem Sand, bedeckt

von einer dünnen Oberschicht aus Lösslehm. So vielschichtig

der „Stein“, so komplex der Wein, bei dessen

Entstehung Ott die Trauben mehr als einen Tag lang

auf der Maische ließ, um Extrakt und Phenole in den

Saft zu bringen, der ja die ganze Tiefe und Mineralität

der Lage widerspiegeln soll. Der 2019er „Stein“ bedankt

sich mit einer intensiven Nase von reifen weißfleischigen

Früchten, eingelegten Salzzitronen, Kräutern

und Flechten auf feuchtem Stein, Nashi-Birnen

und ein wenig hellem Miso. Am Gaumen dann zeigt

der „Stein“ seinen ganzen Charme. Er ist gesegnet

mit einer seidigen und feinen Textur, einer saftigen

Fruchtfülle von weißfleischigem Steinobst und Kernobst,

einer reifen Säure und einer animierend salzigen

Note. Im Finale wird die sehr feine Würze des Weins

offensichtlich, die sich in die Fülle dieses Grünen Veltliners

integriert. Dass der Wein über eine eher dezente

Säure verfügt, kann er sich bei der tiefen Mineralität

gut leisten. Ersteres wirkt zusätzlich elegant, Letzteres

belebend und beschwingt. Man kann die Balance

in diesem Wein nur bewundern.

Der Wein ist jetzt schon offen und wird sich mindestens

bis 2028 weiterentwickeln.

„RIED SPIEGEL“ FEUERSBRUNNER

GRÜNER VELTLINER 1. LAGE, 2019 (BIO)

Aus Otts höchster und kühler Lage stammt dieser geschliffene Grüne Veltliner „Spiegel“

OWG010819 „Ried Spiegel“ Feuersbrunner Grüner Veltliner 1. Lage, 2019 DV 13% Vol. 39,93 €/l 29,95 €

AT-BIO-402

Blüten und eine feine Würze vom Stein, vom Holz und

von Kräutern im Zusammenspiel mit einem an warmes

Shortbread erinnernden Duft bestimmen die ersten

Minuten dieses „Grünen Veltliners“ aus der Feuersbrunner

Lage „Spiegel“. Diese Riede liegt weit oben

und, obwohl nach Süden ausgerichtet, ist die kühlste

Lage von Bernhard Ott. Der Boden ist geprägt von

Tertiärschotter und aus mit Kalk durchsetztem Löss.

Gearbeitet wird hier seit Jahren biodynamisch. Ausgebaut

werden die Weine im großen Holz. Der „Spiegel“

ist nach Meinung von Bernhard Ott immer der Neugierigste

der drei Lagen-Veltliner. Sprich, er wagt sich

immer als Erster aus der Deckung. Im Duft zeigt er

schon einladende Noten von knackigen Aprikosen und

Pfirsichen, Äpfeln und Stangensellerie. Hinzu kommen

Orangenzesten, Heu, weiße Blüten und Minze. Am

Gaumen zeigt sich eine gelungene Verbindung von

einer seidigen, aber lebendigen Säure, einem cremigen

Mundgefühl und einer bemerkenswerten, hell wirkenden

pikanten Würzigkeit von Stein, Kräutern, Limequats

und Grapefruits. Gleichzeitig läuft der Grüne

Veltline“ frisch und lebendig, heiter und fast verspielt

über den Gaumen.

Der Wein ist jetzt schon offen und wird sich mindestens

bis 2028 weiterentwickeln.

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ÖSTERREICH WAGRAM

Ott

„RIED ROSENBERG“ FEUERSBRUNNER

GRÜNER VELTLINER 1. LAGE, 2019 (BIO)

Bernhard Otts „Rosenberg“ gehört zu den elegantesten und

betörendsten Grünen Veltlinern, die wir kennen!

AT-BIO-402

OWG010319 „Ried Rosenberg“ Feuersbrunner G.V. 1. Lage, 2019 DV 13,5% Vol. 45,33 €/l 34,00 €

OWG010319M „Ried Rosenberg“ Feuersbrunner G.V. 1. Lage, 2019 MAG DV 13,5% Vol . 46,60 €/l 69,90 €

Bernhard Otts „Rosenberg“ gehört zu den feinsten

und elegantesten Grünen Veltlinern, die wir kennen.

Und nicht nur wir, denn das Magazin Falstaff, das

sich den Grünen Veltlinern Österreichs immer mit besonderer

Hingabe widmet, hat dem 2018er-Jahrgang

94 bis 96 Punkte verliehen. Für Bernhard Ott ist die

„Ried Rosenberg der wahrscheinlich beste Platz für

Grünen Veltliner am Wagram“, so Falstaff. Der Grund

dafür dürfte wohl in der geradezu perfekten Kombination

aus tiefgründigem Lössboden und hohem Kalkanteil

sein. Diesen Kalkreichtum merkt man dem Wein in

seiner Spannung an, in seiner Energie und dem Druck,

den er am Gaumen aufbaut. Die Riede mit Reben aus

dem Jahr 1956 hat Bernhards Vater 1961 erwerben können.

Für Ott liefert sie heute sowohl diesen Wein als

auch das Material für neue Pflanzungen, die alle per

sélection massale entstehen, wobei Reis für Reis aus

diesen alten Reben gewonnen wird. Nach der Handlese,

dem Entrappen und dem Zermahlen der Trauben

wurde langsam gepresst und der Saft „gebräunt“. Das

heißt, dass der Saft auf dem Weg zur Vergärung der

Luft ausgesetzt wird, kurz oxidiert und danach wieder

klar wird. Man ist sich heute ziemlich sicher, dass diese

früher völlig übliche Behandlung des Traubensafts zu

einem deutlich stabileren Wein führt, der zudem viel

weniger geschwefelt werden muss. So ist es auch bei

Ott, der nur geringste Mengen an Schwefel verwendet

und den Wein ohne Temperaturkontrolle, aber im

stets sehr kalten Keller bis in den Sommer nach der

Lese im Edelstahl auf der Feinhefe reifen lässt.

Der 2019er „Rosenberg“ ist ein wahrhaftiger „Cru“

aus Wagram. Das zeigt sich schon im Bouquet, das

bei diesem Grünen Veltliner leise, fein und dabei sehr

eindringlich wirkt. Duftig ist er mit Noten wie von

Früchten einer alten Streuobstwiese, von hellem Tabak,

von ein wenig Safran, einem Hauch von weißem

Pfeffer, zerstoßenem Stein und Blüten mit einer cremig

wirkenden Unterlage. Am Gaumen offenbart sich

der „Rosenberg“ so entspannt wie spannungsvoll mit

würzigen wie floralen Elementen. Auch hier hat man

ein Bett aus Crème, das aber angefüllt ist mit würzigen

Noten von Zitronen-Abrieb, Curryblättern, wiederum

Pfeffer und Stein. Der Wein wirkt sensibel und noch

introvertiert mit einer glasklaren und doch ganz seidigen

Säure, einer wunderbaren Fruchtsüße am sonst

ganz trockenen, stoffigen Gaumen, die direkt in die erwähnte

Würze hinübergleitet. Das ist ein Grüner Veltliner

auf ganz hohem Niveau!

Der Wein ist jetzt schon offen und wird sich mindestens

bis 2030 weiterentwickeln.

44 PINWAND no 328 | September 2021


Ott

WAGRAM ÖSTERREICH

WEINBERGHONIG

– AUS DEN EIGENEN

WEINGÄRTEN (300 G) (BIO)

Bei soviel Biodiversität muss es auch

einen eigenen Honig geben!

OWG019700 Weinberghonig (300 g) 8,95 €

AT-BIO-402

Ein biologisch gepflegter Weingarten, in dem der Winzer

Wert auf Biodiversität legt, ist heute so wichtig

wie nie zuvor. Während weltweit immer mehr Arten

aussterben – nicht zuletzt Bienen –, schafft Bernhard

Ott in seinen Weingärten ein wahres Paradies. Neben

den Reben stehen Aussaaten, um die Weinberge herum

Bäume und Hecken, und zwischenzeitlich erstrahlt

der Weinberg als großes Blütenmeer. Aus diesem

Meer nun stammt dieser Honig. Der ist nicht nur

als Brotaufstrich ein wahrer Genuss – wir empfehlen

dazu Brioche und beste Butter. Lasiert man aber ein

glücklich aufgewachsenes Huhn mit diesem feinwürzigen,

duftigen Honig und schiebt es in den Ofen, sind

später nicht nur die Düfte betörend, sondern auch die

Kombination des Ofenhuhns mit einem Grünen Veltliner

von Bernhard Ott. Somit schließt sich dann der

Kreis, der im Weinberg eröffnet wurde.

MARILLENMARMELADE

– SELBST EINGEKOCHT

VON OTT’SCHEN HANDGE-

PFLÜCKTEN BIO-MARILLEN

(240 G) (BIO)

Köstlicher Fruchtaufstrich vom Weingut

mit den 1.000 Marillenbäumen

OWG019800 Marillenmarmelade (240 g) 9,95 €

AT-BIO-402

Neben ihren Rebstöcken sind die rund 1.000 Marillenbäume

der ganze Stolz der Otts. Die Marillen aus dem

Wagram sind eine in ganz Österreich beliebte Spezialität.

Aus den biologisch erzeugten Aprikosen entsteht

ein herrlich intensiver Fruchtaufstrich vom Allerfeinsten

(81 % Frucht, ohne jeglichen Pektinzusatz!): elegant

und enorm fruchtig – ein einzigartiger Genuss!

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ITALIEN MARKEN

Saladini Pilastri

AZIENDA AGRICOLA

SALADINI

PILASTRI

SPINETOLI

© Saladini Pilastri

Unser Evergreen und absoluter Publikumsliebling

aus Italien! Biologischer Anbau, fantastische

Qualität, fantastisch kleine Preise!

Morgenröte erstrahlt über den Marken. Die „Marche“

mögen zwar im Schatten der gewaltigen Toskanischen

Apenninen, abseits der berühmten Weingüter

der benachbarten Provinzen Toskana und Umbrien liegen, aber

Sie, liebe Kunden, wissen es längst: Das hügelige Hinterland an

der Adriaküste ist mittlerweile Heimat einiger der besten Tropfen

Italiens und strahlt immer heller im Licht der nationalen und

internationalen Presse.

Der Gambero Rosso und auch Robert Parker’s Wine Advocate

etwa rühmen regelmäßig die Spitzengüter der malerischen

Marken. Zu den „üblichen Verdächtigen“ zählt dabei stets unser

zwischen Adria und den sanften Hügeln der Abruzzen gelegenes

Weingut Saladini Pilastri, das unter Insidern und Kennern

der Verhältnisse als der Aufsteiger der letzten Jahre gefeiert

wird. Ganz klar einer unserer Lieblingsbetriebe – und offensichtlich

auch Ihres! Wovon unsere Verkaufszahlen beredtes

Zeugnis ablegen … Der Bio-Vorzeigebetrieb begeistert mit ungeschminkten,

tieffruchtigen und körperreichen Weinen von

großer Nachhaltigkeit und originärem regionalem Charakter,

ganz ohne „marmeladige“ Allüren. Sie werden aus autochthonen

Trauben, die in Top-Lagen mit südlicher Ausrichtung im

Herzen des Anbaugebietes über dem Tronto-Tal (zu Füßen der

Abruzzen-Ausläufer) schonend vinifiziert. Die Reben, die auf

diesem erstklassigen, hügeligen Terroir wachsen, profitieren

von den langen heißen Sommern und dem kühlenden Einfluss

besagten Flusses Tronto sowie des nur knapp 10 km entfernten

Meers. Die Historie des Weinguts steht den geografischen Gegebenheiten

in punkto Vorzüglichkeit in nichts nach, ganz im

Gegenteil! Die Grafen Saladini Pilastri, eine Adelsfamilie aus

Ascoli Piceno, können auf eine mehr als tausendjährige Geschichte

zurückblicken, und seit rund 300 Jahren widmet sich

die rührige Familie auch der Weinerzeugung. Ihre nachhaltige

Arbeit in Weinberg und Keller sowie ihr ausgeprägtes Umweltbewusstsein

begreifen sie als moralische Verpflichtung gegenüber

den kommenden Generationen.

„Wenn es dem Körper gut geht, singt die Seele“, zitiert Vinum

ein uraltes Askolaner Sprichwort und resümiert zutreffend: „In

den Marken singt die Seele des Weinliebhabers, weil es Winzern

gelingt, im italienischen Qualitätsweinbau eine Vorreiterrolle

zu spielen, ohne den Blick auf die Preisgestaltung zu verlieren.

Saladini Pilastri vinifiziert im biologischen Anbau Rotweine

mit bemerkenswerter Farbtiefe und Struktur bei bestem

Preis-Genussverhältnis: Noblesse oblige!“

Wie wahr: Konsequenter biologischer Anbau – daher auch verschiedene

Auszeichnungen (u. a. im „Guida Vini Bio“) als eines

der besten Bio-Weingüter des Landes! – gepaart mit sorgfältiger

Kellertechnik, führt (in diesem Fall quasi „naturgemäß“!) zu

edlen Rot- und Weißweinen zu einem ungemein fairen Preis:

authentisches Italien, wie es schöner nicht sein könnte!

46 PINWAND no 328 | September 2021


Saladini Pilastri

MARKEN ITALIEN

„PALAZZI“ PECORINO DOC FALERIO, BIANCO 2020 (BIO)

Reinsortiger Bio-Pecorino aus den Marken zum konkurrenzlos günstigen Preis!

IMA010420 „Palazzi“ Pecorino DOC Falerio, bianco 2020 Diam-Kork 13,5% Vol. 7,93 €/l 5,95 €

IT-BIO-009

Seit Jahren gehören die Weine des in den Marken angesiedelten

Weinguts Saladini Pilastri zu den beliebtesten

unseres Sortiments. Kein Wunder eigentlich,

gehört die azienda doch zu „den“ Aufsteigern Italiens

für biologisch erzeugte Alltagsweine mit konkurrenzlosem

Preis-Genuss-Verhältnis. Das hält die Grafen

Saladini Pilastri jedoch nicht davon ab, die Qualität

ihrer Weine immer weiter verbessern zu wollen. Das

ist ihnen beim „Palazzi“ jedenfalls erfolgreich gelungen.

Denn der Weißwein aus der DOC Falerio wird

mit dem Jahrgang 2020 erstmals als „Pecorino“ ausgewiesen,

was bedeutet, dass diese Rebsorte im Wein

zu mindestens 85 % vorhanden ist (den Rest machen

Trebbiano, Passerina und Chardonnay unter sich aus).

Das verdankt der Wein dem Zuspruch, den diese Sorte

seit vielen Jahren erfährt. Ian d’Agata schreibt (nicht

von ungefähr): „Pecorino is not just a great grape variety;

it is also one of Italy’s biggest wine success stories

of the twenty-first century.“

Pecorino ist ein Gewächs aus dem Grenzbereichen

von Marken und Abruzzen. Er heißt genauso wie der

dort erzeugte traditionelle Hartkäse aus Schafskäse.

Und wen wundert’s, dass beide perfekt zusammenpassen?

Tatsächlich aber gehört der Pecorino zu den

ganz alten Rebsorten der Region und erlebt derzeit

eine wahre Renaissance. Zu Recht, kann man nur sagen,

denn die Sorte bietet Frische, leichte Salinität,

ein kräutrig-würziges Aroma und seidige Säure. Und

damit sind wird dann auch beim „Palazzi“ angelangt,

der diese Attribute wunderbar in sich vereint. Der

strohgelbe Wein duftet intensiv nach gelben Äpfeln

und Birnen, gelben Melonen und weißfleischigem

Steinobst, nach einem Hauch von Orange und vielen

Trockenkräutern. Am Gaumen verbinden sich diese

reifen, saftigen und ausladenden Fruchtaromen mit

einer herben Kräuteraromatik sowie mit Blüten und

Gewürzen zu einem Wein des Südens, der von einer

reifen, eleganten Säure getragen wird. Dieser Weißwein

der Marken ist immer sehr schnell ausverkauft.

Uns wundert das überhaupt nicht mehr.

Ab sofort uns bis sicherlich 2023.

© Saladini Pilastri

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ITALIEN MARKEN

Saladini Pilastri

PECORINO DOCG OFFIDA, BIANCO 2020 (BIO)

Ein echter Allrounder zu Antipasti!

IMA010820 Pecorino DOCG Offida, bianco 2020 Diam-Kork 13,5% Vol. 10,60 €/l 7,95 €

IT-BIO-009

Dieser reinsortige Pecorino aus den Marken, genauer

gesagt dem im südlichen Teil der Marken liegenden

Offida, der als eigene DOCG deklariert wird,

verblüfft uns jedes Jahr aufs Neue (James Suckling

zückte etwa schon für den 2018er sogar 92 Punkte).

Es handelt sich hierbei um einen kraftvollen Weißwein,

der durch seinen Ausbau im Edelstahltank ungemein

frisch und fruchtintensiv daherkommt. Allein

der Duft, eine Mischung aus reifen Quitten, getrockneten

Blüten und Marzipan ist ein Hochgenuss.

Dabei besticht der bianco am Gaumen mindestens

ebenso. Hier kreist er geschmeidig umher, überzeugt

durch Kraft und intensive Aromen, frei von spitzer

Säure, die wie bei den meisten italienischen Weißweinen

kaum eine Rolle spielt. Es ist die fast cremige

Statur, die hier federführend wirkt, dem Wein seine

Komplexität gibt. Reife Aprikosen und Amalfi-Zitronen

tauchen auf, werden von einer feinen Würze und

Mineralität getragen, die hier stets mitschwingt. Mit

seiner herben und würzigen Art begleitet er allerlei

Spargelgerichte (inklusive üppigem Risotto) bestens,

meistert aber auch intensive Salate mit Rucola, Zitronenspalten

und Walnüssen oder gegrillte Dorade.

Am liebsten trinken wir ihn aber einfach gut gekühlt

auf der Terrasse oder picknickenderweise

und schnabulieren dazu carciofi fritti (frittierte Artischocken),

eine köstlich herzhafte Angelegenheit,

die gern mit Aioli serviert wird und einfach vorzüglich

mit diesem intensiven Pecorino harmoniert.

Vorzüglich ab sofort und bis 2024.

Visionär: Bereits 1994 beschloss man

auf Saladini Pilastri die biologische

Bewirtschaftung

© Saladini Pilastri

48 PINWAND no 328 | September 2021


Saladini Pilastri

MARKEN ITALIEN

ROSSO PICENO DOC, 2020 (BIO)

Morellen-Kraft für entspanntes Trinken

IMA010120 Rosso Piceno DOC, 2020 Diam-Kork 13% Vol. 8,40 €/l 6,30 €

IT-BIO-009

Der Ausbau dieses Einstiegs in die Welt des Rosso Piceno

erfolgt bewusst nur ganz kurz (vier Monate, um exakt

zu sein) im Holzfass. Die Frucht der Rebsorten sollen

im Mittelpunkt stehen, Holzeinträge sind weder aromatisch

erwünscht, noch soll lange Reifung verhindern,

dass dieser Wein verfügbar ist. Er dient dem unkomplizierten

Genuss, das versteht man bei den Grafen

Saladini Pilastri als Ansage. So werden auch gegenüber

den anderen Qualitäten des Weinguts in der Adria-Anrainer-Region

Marken die Karten bei der Cuvée anders

gemischt. 20 % Montepulciano und 80 % Sangiovese

bedeuten, dass die wichtigsten Protagonisten im

Rotwein-Portfolio hier erneut kombiniert werden,

aber eben mit Fokus auf die Frische des Toskana-berühmten

Sangiovese. Das ergibt einen Wein, der aus

einer Selektion des Weinguts in Spinetoli und Monteprandone

stammt. Anfang Oktober gelesen, kommt

der Rosso Piceno als erster von Saladini Pilastris

Roten auf den Markt. Er soll einfach Spaß machen,

denn auch bei aristokratischer Herkunft geht man in

den Marken zum Lachen nicht in den Keller. Aufmachen,

trinken und den Abend genießen, dafür wurde

dieser Wein geschaffen. Gäbe es einen Beipackzettel,

würde darauf wohl „ohne Reue“ stehen!

Blumige Duftnoten und eine mit feiner Säure unterlegte

Frische fallen auf, ehe sich noch die erste

Frucht-Assoziation zu diesem Wein einstellen. Etwas

Rooibos-Tee ist auch da, erst danach kommen rote

Johannisbeeren und vor allem das Markenzeichen des

Sangioveses, seine schöne Sauerkirschnase, zum Vorschein.

Angenehm leicht fühlt sich der Rosso Piceno

im Mund an, fast seidig ist dieser taktile Eindruck,

ehe die Preiselbeernoten – ein Mix aus jugendlichem

Tannin und der säurigen, roten Frucht dieses 2020er-

Jahrgangs – ihren Auftritt haben. Jener Teil der Reben,

die auf kalkigen Böden der Marken stehen, bringt auch

ein „trockenes“ Element ein, das ein wenig an Kaffeepulver

erinnert. Nicht röstig wie ein Ristretto, sondern

mit der leichten Nussigkeit eines Filterkaffee-Blends.

Doch all dies erweist sich als Beiwerk angesichts der

nachdrücklichen Kraft der Morellen, die im Finale in

allen ihren Facetten prunken: Saftig, herb, mit der

Säure einer jugendlichen Frucht, die den Appetit anregt.

Genau diese Eigenschaften bringt dieser Rotwein

ebenfalls mit.

Ab sofort bis 2026.

„PIEDIPRATO“ DOC ROSSO PICENO, 2018 (BIO)

50 % Montepulciano plus 50 % Sangiovese für einen Rosso Piceno,

der 100%ig als „größtes Schnäppchen der Weinwelt“ durchgeht!

IMA010218 „Piediprato“ DOC Rosso Piceno, 2018 Diam-Kork 13% Vol. 10,53 €/l 7,90 €

IT-BIO-009

Dunkelrot mit fast schwarzem Kern – so optisch verschlossen

sich der „Piediprato“ – eine Cuvée aus

Montepulciano und Sangiovese zu gleichen Teilen –

gibt, so betörend expressiv offenbart er sich im Duft:

Schwarzkirschen, Holunder und Brombeeren, Blüten

(Veilchen), etwas Süßholz, ein zartes Rauchwölkchen,

Gewürz- und zarte Röstnoten (Zimt, Nelken, Kaffee).

Und was die Nase so vielversprechend angekündigt,

bestätigt sich auch aufs Schönste am Gaumen. Wieder

Kirschen, wieder – durchaus im Vordergrund –

Brombeeren, dabei sehr frisch, geradezu „bekömmlich“

(weit ab von jeglicher marmeladiger Opulenz),

dazu feine bis feinste Noten von Graphit, Tapenade

und Zartbitterschokolade. Mit etwas Luft wird die

Frucht heller (Kirschen von Rosmarin- und Thymiannoten

zart unterfüttert), bleibt saftig und elegant, die

Tannine feinkörnig, fast seidig, wie auch die gesamte

Textur des Weins: kraftvoll zwar, aber cremig, konzentriert,

doch (dank seiner wunderbar frischen Säureader)

leichtfüßig elegant. Eine „Doppelnatur“, die dieser

Rosso Piceno auch im zartwürzigen, leicht salzigen

und daher umso animierenderen Nachhall ausweist.

Ein bei aller Kraft dennoch ungemein schlank wirkender

Wein mit enorm schönem Trinkfluss, der leicht gekühlt

auch wunderbar zu Fisch passt, etwa dem für die

Region typischen (und recht rustikalen) brodetto all’anconetana.

Von vincisgrassi (der dortigen Lasagne) ganz

zu schweigen – köstlich! Findet der Gambero Rosso

übrigens auch: due bicchieri, zwei Gläser gibt’s dort

für die 2018er-Ausgabe des „Piediprato“, einen Wein,

den verschiedene Parker-Verkoster schon als eines der

„größten Schnäppchen der gesamten Weinwelt“ identifiziert

haben. Geht uns genauso!

Ab sofort bis leicht 2024+.

49


ITALIEN MARKEN

Saladini Pilastri

91 Punkte

JAMES SUCKLING

„PREGIO DEL CONTE“ IGT MARCHE, ROSSO 2017 (BIO)

Nobler Tropfen mit ausdrucksstarkem Charakter – ein Alltagswein de luxe!

IMA010617 „Pregio del Conte“ IGT Marche, rosso 2017 Diam-Kork 13,5% Vol. 12,60 €/l 9,45 €

IT-BIO-009

Im Unterschied zu den anderen Rotweinen

des Hauses, sucht man beim „Pregio del Conte“

das DOC-Siegel „Rosso Piceno“, „Rosso

Piceno Superiore“ oder gar „Offida Rosso“

vergeblich. Dieser entpuppt sich nämlich als

„IGT Marche“. Der Grund: Statt des „klassischen

Doppels“ Montepulciano und Sangiovese

kombiniert Saladini Pilastri hier die beiden

„roten Blockbuster-Rebsorten aus Mittel- und Süditalien“

(Monica Larner, Wine Advocate) Montepulciano

und Aglianico zu gleichen Teilen. Und in der Tat ist

Aglianico in den Marken eine Seltenheit, die Weinberge

um Monteprandone markiere das vermutlich nördlichste

Vorkommen dieser Rebsorte in Italien. Und?

Lohnt sich das Experiment? Und wie! Nach 24 Monaten

in Fässern aus französischer Allier-Eiche kann sich

diese kraftvoll-geschmeidige Cuvée („mehr Fleischals

Pasta-Wein“ – noch einmal Parker-Verkosterin

Monica Larner) sehen und noch besser trinken lassen!

Im Duft dunkle Kirsch- und Beerenfrucht (schon fast

konzentrierte Brombeeren und Holunder – konzentriert,

nicht eingekocht!), ein Hauch Zwetschge, Orangenschale

und eine zarte Rauchnote – tief, angenehm

komplex und überaus anziehend! Am Gaumen wieder

Beerenfrucht, „glänzendes“ Dunkel mit Noten von

Schokolade, etwas Mokka und Gewürzen (Nelke, eine

Spur Kardamom), dazu eine elegante, ungemein kultivierte

Tanninstruktur (Samt und grip) und eine „steinige“

Mineralität und eine wunderbar komplementäre,

weil belebende, perfekt eingebundene Säure – die

Verbindung von Montepulciano (verantwortlich für

das fruchtbetonte Finish) und Aglianico (eine merklich

andere Tanninstruktur als die Rosso-Piceno-Vertreter

des Weinguts) ist einfach hervorragend gelungen! Eine

über die Maßen verführerische, absolut eigenständige

Cuvée, saftig, dicht und elegant!

Ab sofort – gerne auch etwas kühler (16 °C)

– und bis 2024+.

„VIGNA MONTEPRANDONE“ DOC ROSSO PICENO

SUPERIORE, 2018 (BIO)

Herrlicher Rotwein zum Pferdestehlen und zur Pasta

IMA010318 „Vigna Monteprandone“ DOC R. P. S., 2018 Diam-Kork 13,5% Vol. 18,53 €/l 13,90 €

IT-BIO-009

Die italienische Region Marken (Marche) findet nicht

jeder auf Anhieb auf der Landkarte. Doch hellhörig

könnte man bei den beiden Sorten dieser Cuvée werden:

Sangiovese und Montepulciano verbinden sich

hier abseits der Toskana. Und nicht nur die Distanz zur

Hochburg des Sangiovese, der 70 % des Blends stellt,

auch der Stil ist deutlich anders als z. B. im Chianti.

Denn man liebt es kantig an der Küste, wo sich seit

Jahrhunderten der Sitz der Grafen Saladini Pilastri befindet.

Der Ausbau erfolgt beispielsweise recht kurz

im Holzfass, zudem will man keine „weichspülenden“

Holzeinträge, sondern vor allem die Frucht der beiden

Protagonisten durchschimmern lassen. Es ist eben immer

noch der Eigentümer, der die Linie vorgibt. Und in

diesem Falle entschied man sich bei über 100 Hektar

Rebfläche des gemischten Landguts sehr früh für den

biologischen Ausbau. Trotz seiner aristokratischen

Herkunft will man diesen Rosso Piceno Superiore so

zeigen, wie die Cuvée ursprünglich in den Marken gedacht

war: Als Wein für den täglichen Konsum, das

Gegenteil einer im Keller „gemachten“ Flasche.

Brombeeren und Gewürznelken (wer immer die da

reingesteckt hat) bringen reiche und dunkle Duftnoten

mit. Ein wenig fühlt man sich auch an die kleinen

Pflaumen erinnert, die noch nicht ganz reif zum

Pflücken sind. Schwamm drüber! Beziehungsweise:

Tafeltuch heraus! Denn auch feiner Kreidestaub lässt

sich im Duft erahnen. In der Tat stehen die Reben in

Spinetoli und Monteprandone teils auch auf kalkigen

Böden. Holunder pur, meldet der Gaumen, und damit

eine herbe und säurige Gangart, die von einem sehr

jugendlichen Gerbstoff noch verstärkt wird. Schon

eingangs wird damit klar, dass dieser 2018er ein langes

Weinleben besitzt. Ähnlich einem Madiran prägen die

Kanten und seine erdige Grundierung diesen Rosso in

der Jugend. Den Italiener in uns soll das nicht kümmern:

Süßere Ragouts passen hervorragend und mit

seiner kräftigen Kante ist das auch ein Rotwein für die

Klassiker der „cucina casalinga“. Während der Sommelier

gerne einmal an Pasta Pomodoro oder Pizza

Margherita verzweifelt, schenken Sie einfach diesen

Wein ein. Die Regie-Anweisung dazu: aristokratisch

lächelnd, aber im Herzen bereit zum Pferdestehlen.

Ab sofort bis 2026.

50 PINWAND no 328 | September 2021


Saladini Pilastri

MARKEN ITALIEN

51


ITALIEN TOSKANA

Altesino

ALTESINO

MONTALCINO

SANGIOVESE VON

WELTRANG!

52 PINWAND no 328 | September 2021


Altesino

TOSKANA ITALIEN

„Wer diese Art Sangiovese mag,

wird bis über beide Ohren grinsen.“

IAN D’AGATA

Manchmal sagt man uns ja nach, dass die Begeisterung

mit uns durchgehe. Mag sein, mag sein,

aber viele von Ihnen werden das Gefühl kennen,

einen fantastischen Wein vor sich im Glas und zwei oder drei

Schluck davon bereits gekostet zu haben, und schon ist der

narrative Impetus so groß, dass er nur schwerlich zu zügeln

ist. Dies soll heute einmal anders sein.

Bei den Weinen aus Montalcino wollen wir es uns erlauben, uns

stillschweigend in unserem Stuhl zurückzulehnen, genussvoll

einen weiteren Schluck der vorzüglichen Brunelli von Altesino

den Gaumen entlanggleiten zu lassen und andere sprechen zu

lassen. So schrieb Monica Larner, Verkosterin im Auftrag Parkers

für ganz Italien, anfänglich über die 2016er: „Der Jahrgang 2016

nimmt epische Formen an“. Die aktuell verfügbaren Weine aus

dem vergleichsweise kühlen Jahr 2018 sieht sie – in Sachen

Struktur und Langlebigkeit – ganz nah am jetzt schon klassischen

Jahrgang von 2013. Auch hier hat sich selbst der einfachen

Rosso di Montalcino derart gut gemacht, dass sie diese in

„Brunello-Gefilden“ gepunktet hat. Apropos Brunello: Mit dem

2015er „Montosoli“ bieten wir Ihnen ein Kronjuwel in Sachen

Brunello an, den mit 97 Punkten von James Suckling nach 2007

und 2013 am Höchsten bewertete Wein von Altesino.

Ja, Brunello di Montalcino ist der große Klassiker der Toskana,

ist einer der mythischen Weine Italiens. Das ist Lebensgefühl

pur, lodernde Leidenschaft, der Blick über die 1000 Hügel,

Balsam für die Seele, Inspiration und Quell der Freude.

Und einer der besten Produzenten ist Altesino. In den sanften

colli in der Umgebung von Montalcino finden wir im historischen

Palazzo Altesi dieses von Zypressen umgebene, idyllisch

gelegene Weingut, dessen Mauern bereits im 15. Jahrhundert errichtet

wurden. Hier begann der legendäre Claudio Basla 1972

mit der Vinifizierung von Brunelli, die heute Weltruhm besitzen.

Er schuf mit dem „Montosoli“ den ersten Lagenwein von

Montalcino und führte erstmals in die Region den Barrique-

Ausbau nach französischem Vorbild ein. Damit machte er den

vormals häufig harschen Brunello eleganter und leichter trinkbar.

Besonders sympathisch ist dabei, dass er, wie jetzt sein

kongenialer Nachfolger Paolo Caciorgna, den Holzeinsatz sehr

sensibel und mit großer Könnerschaft dosierte. So sind seine

Brunelli zwar „moderner“ als unsere urtraditionell vinifizierten

Weine von Baricci, gleichwohl keine barriquegeschwängerten,

auf der Zunge austrocknenden Monsterweine, wie sie nur allzu

häufig in Montalcino produziert werden – fernab der Authentizität

dieser wunderschönen Region. Altesinos Brunelli stehen

daher stilistisch zwischen den beiden Polen und gehören bereits

seit vielen Jahren zu unseren persönlichen Favoriten.

TOSCANA IGT, ROSSO 2019

Bella Italia! Weinspaß kann so einfach sein …

ITO080219 Toscana IGT, rosso 2019 13,5% Vol. 14,53 €/l 10,90 €

ITO080219P 12 x Toscana IGT, rosso 2019 (11+1 Flasche gratis) statt 130,80 € nur 119,90 €

Altesino ist klar einer der besten Produzenten aus

Montalcino. Und ein solcher Betrieb legt auch Wert

auf seinen Einstiegswein, den „Rosso di Toscana“. Diese

wunderschöne Cuvée aus Sangiovese und etwas

Cabernet Sauvignon besticht durch einen feinbeerigen

Duft. Rot, roter, rosso, lautet hier das Motto. Im Duft

Sauerkirschen Johannisbeeren, Pflaumen und Muskatnuss

– absolut verführerisch! Und das schon sofort

nach Entkorken dieses schönen Weins für jeden Tag,

ganz ohne langwieriges Belüften oder gar Dekantieren.

Saftig steht der „Rosso“ auf der Zunge, auf der

nach einer Weile Kaffee- und auch Tabaknoten auf

sich aufmerksam machen. Würzig-fruchtig darf man

nennen, was sich am Gaumen abspielt, Belebend und

bezaubernd der Charakter dieses Tropfens. Unkompliziert

im Mund, enorm süffig, liebenswert und derart

zugänglich, dass man den „Probiermodus“ (und entsprechend

große Schlucke) gar nicht mehr verlassen

mag. Ein angenehm von der Frucht dominierter Wein,

der aber immer auch eine feine Würze transportiert,

wie sie für diese „internationalen“, dabei genuin italienischen

Roteweine dieser Region so typisch ist. Ein

Wein, der nicht mehr sein will als er ist, nämlich ein

vino quotidiano, für jeden Tag, für jeden Anlass, ein in

allen Küchenlebenslagen geschmeidiger Universalist.

Zur Pasta unverzichtbar.

Ab sofort und noch bis 2022+.

53


ITALIEN TOSKANA

Altesino

ROSSO DI MONTALCINO DOC, 2018

Die Toskana im Glas.

ITO080318 Rosso di Montalcino DOC, 2018 13,5% Vol. 20,93 €/l 15,70 €

ITO080318P 12 x Rosso di Montalcino DOC, 2018 (11+1 Flasche gratis) statt 188,40 € nur 172,70 €

Laue Abende in Montalcino verführen zum Träumen.

Der Vollmond taucht die Hügel in ein silbernes, märchenhaftes

Licht und zeichnet Dörfer, romantische

Gehöfte und Zypressen wie Scherenschnitte in die

Nacht. Zuvor Würste und Käse beim Bauern in der Region

eingekauft und jetzt eine Flasche dieses bezaubernden

Weins geöffnet. Der Abend kann beginnen!

Allein der Duft dieses „kleinen“ Brunellos ist fantastisch

einnehmend und doch schwebend. Sauerkirschen,

Veilchen, Waldbeeren und heller Tabak. Das

ist feinduftig, transparent und mineralisch zugleich.

Am Gaumen legt sich der Wein angenehm nieder, die

Tannine so weich wie ein Kaschmirschal, zeigt er sich

schlank und kühl. Mit diesem Wein im Mund fühlt man

sich wie auf magische Weise in die Toskana „teleportiert“,

man kann sie riechen, schmecken, spüren. Man

träumt von Pasta, Pesto und Salami. Und man nimmt

den nächsten Schluck, auf das der Traum nicht enden

möge. Ein Wein, der unendlich viel Spaß und Freude

macht und in keinem italophilen Haushalt fehlen sollte.

Ein Pflichtwein für Toskanafans, gerade weil von

einem Traditions- und Spitzenbetrieb aus Montalcino,

der weltberühmten Società Agricola Altesino.

Ab sofort und bis sicherlich 2023+.

BRUNELLO DI MONTALCINO DOCG, ROSSO 2016

Traum-Brunello aus dem 98-Punkte-Jahrgang. Besser geht nicht, nur anders.

ITO080416 Brunello di Montalcino DOCG, rosso 2016 14,5% Vol. 53,20 €/l 39,90 €

ITO080416M Brunello di Montalcino DOCG, rosso 2016 MAGNUM 14,5% Vol. 57,33 €/l 86,00 €

95+ Punkte

Verehrte Kunden, Sie erinnern sich vielleicht noch an

unsere Einleitung zum 2015er „Brunello“ von Altesino, in

der wir Monica Larner, Robert Parkers Korrespondentin

für Italien, zitierten. Sie war euphorisch, was den „picture-perfect

2015 vintage“ anging und hat ihm 97 Punkte

verliehen. Nun stellen wir Ihnen den 2016er-Jahrgang vor

und müssen wie alle Kritikerinnen und Kritiker, Händler

und Journalisten konstatieren: Der 2016er ist mindestens

genauso groß, wenn nicht noch ein wenig größer, weil er

mehr für den Marathon als für die Mittelstrecke gemacht

ist. Monica Larner scheint das ähnlich zu sehen, denn

sie vergibt 98 Punkte für den Jahrgang und schreibt:

„Brunello from 2016 and Brunello Riserva from 2015 are

poised for long-term success, they will undoubtedly be

remembered as important highlights on a long timeline

of vintages. These are career-defining wines for many estates

and for the appellation as a whole.“

Tatsächlich kann man die 2015er Riserva als auffälliger

bezeichnen, weil sie früher trinkreif und etwas üppiger

ist. Der 2016er Jahrgang aber spielt die ganze Größe

des „Brunello“ aus, er zeigt sich aristokratisch und edel.

Das lässt sich auch bei Altesinos Brunello

di Montalcino unmittelbar erleben. Er

zeigt sich stolz und aufrecht mit einem bemerkenswerten

Rückgrat aus dichtem, festem

und doch superb reifem Tannin. Drum

herum wirken die Frucht, die Würze und

PARKER

das Florale dieses Weines so, als wäre all das in Mailand

maßgeschneidert worden. Der „Brunello“ duftet ausladend

nach Veilchen und getrockneten Rosenblättern,

Orangenschalen und der besonders intensiven Note

von kleinen reifen Walderdbeeren. Hinzu kommen

viele rotfruchtige Aromen, die deutlicher heller wirken

im Vergleich zum dunkleren 2015er-Jahrgang. Rote Kirschen,

sogar Rote Johannisbeeren und ein paar Himbeeren

zeigen sich hier. Dazu kommen die typisch erdigen

Noten von Waldboden und Unterholz, ein Hauch

von Zeder und ein wenig Rauch und Petrichor – diese

Note entsteht, wenn Regen auf trockene, mit Flechten

bewachsene Steine tropft. Wunderbar ist das, anmutig

und elegant. Am Gaumen erweist sich der „Brunello“

als griffig und markant strukturiert. Das Tanningerüst

des 2016ers ist prägend, die Säure klar und kühl. Beides

wird den Wein durch ein langes Leben führen. Aber es

wird ziemlich schwer, hier Geduld zu beweisen, weil

er schon jetzt großen Spaß macht, wenn man ihm nur

Zeit und Luft gibt. Denn all diese herrlich reifen roten

Noten, die Akzente von Anis und Fenchel, Süßholz und

Weihrauch, die Kräuternoten und das Mineralische enden

in einem großartigen, langen Finale. Das ist einfach

begeisternd! Von James Suckling und Vinous

gibt es 95 Punkte dafür, von Robert Parker’s Wine Advocate

sogar 95+!

Zu genießen mit Belüftung sofort, idealerweise aber 2024

bis etwa 2035.

54 PINWAND no 328 | September 2021


Altesino

TOSKANA ITALIEN

„MONTOSOLI“ DOCG BRUNELLO DI MONTALCINO, ROSSO 2016

97 Punkte: „Brunellos greatest vintages ever: 2015 and 2016“ – James Suckling

TO080516 „Montosoli” DOCG Brunello di Montalcino, rosso 2016 14,5% Vol. 98,53 €/l 73,90 €

ITO080516M „Montosoli” DOCG B. di Montalcino, rosso 2016 MAGNUM 14,5% Vol. 99,33 €/l 149,00

Sehr geehrte Kunden, wer hätte erwartet, dass wir

nach dem famosen 2015er Brunello-Jahrgang einen

weiteren großen Jahrgang ausrufen können? Tatsächlich

ist es eher selten, dass zwei aufeinanderfolgende

Jahrgänge eine ähnliche Klasse erreichen. Doch so ist

es eben. James Suckling schreibt dazu in seinem umfangreichen

Jahrgangsreport: „Brunellos greatest vintages

ever: 2015 and 2016.“ Bei Robert Parker’s Wine

Advocate wird der 2016er Jahrgang mit 98 Punkten

sogar noch einen Punkt höher bewertet als der 2015er!

Das äußerst Spannende dabei ist der Unterschied zwischen

den beiden Jahren; denn der 2015er war von Beginn

an ein großer Charmeur, ein Galan im Maßanzug

mit Glacéhandschuhen. Der 2016er Jahrgang ist einer

für die Ewigkeit mit einem beeindruckend mächtigen

Tannin, das Zeit braucht, aber dann zu einer seltenen

Größe heranwachsen wird.

bildet und flankiert wird vom mächtigen, aber durchweg

reifen Tannin des Jahrgangs. Die Gerbstoffe sind

wirklich faszinierend; denn sie sind griffig und gleichzeitig

anfangs schon mürbe und fein. „The results are

generous and layered, offering the best of what the

celebrated Montosoli cru can offer”, schreibt Monica

Larner in Robert Parker’s Wine Advocate und vergibt

96 Punkte. Vinous vergibt die gleiche Punktzahl, und

James Suckling zückt sogar 97 Punkte. Das bezeugt

die große Klasse dieses Weines, der ganz sicher ein

Wein für die nächsten 30 Jahre und mehr ist.

Ab 2026 mit Genuss und Wonne bis 2055

und darüber hinaus.

Vor diesem Hintergrund ist der 41. Jahrgang des Altesino

„Montosoli“ Brunello zu betrachten. Es ist Altesinos

Cru aus der gleichnamigen Einzellage, die auf über

300 Metern Höhe im Norden der Appellation gelegen

ist. Das Bemerkenswerte ist, dass sie damals nordwestlich

ausgerichtet wurde, was sich heute gerade

in den wärmeren Jahrgängen immer stärker auszahlt,

zumal die beständigen kühlen Nachtwinde, die man

dort findet, für eine langsame und komplexe Ausreifung

der lockerbeerigen Sangiovese-Trauben sorgen

und dem Wein eine ungewöhnliche Frische verleihen.

Der „Montosoli“ gehört längst zu den modernen Klassikern

des Gebietes, denn Altesino war das erste modernistische

Weingut der Region. In 2016 ist er aufs

Neue ein großer Wein geworden.

97 Punkte

WINE SPECTATOR

Was bei diesem herrlich eleganten, ja geradezu aristokratisch

wirkenden „Brunello“ von 2016 besonders auffällt,

sind die floralen Duftnoten, die der Wein bietet.

Man ist unwillkürlich an Veilchen und Rosen, an Lavendel

und an Glockenblumen erinnert. Dahinter liegen

Kräuternoten und Heidekraut, die typischen Orangenzesten

und Blutorangennoten, Anis und Cola-Nuss.

Dann werden irgendwann die satten Kirschnoten dominanter,

verbinden sich mit Rauchwerk, trockenem

Unterholz und Waldboden, kühlem Stein und Leder.

Am Gaumen ist der 2016er „Montosoli“ eine Klasse

für sich: Die Reife der Frucht ist fantastisch! Gleichzeitig

beeindrucken die feinen Kräuter- und Würznoten.

Süßholz ist hier ebenso präsent wie schwarzer Tee

und die schon angesprochenen violetten Blüten. Hinzu

kommt die lebendige Säure, die einen kühlen Fluss

55


ITALIEN TOSKANA

Altesino

BRUNELLO DI MONTALCINO RISERVA DOCG, ROSSO 2015

Die „Riserva“ aus dem ersten der beiden Jahrhundertjahrgänge 2015 und 2016!

ITO080915 Brunello di Montalcino Riserva DOCG, rosso 2015 14,5% Vol. 105,33 €/l 79,00 €

Die Tenuta Altesino in Montalcino gehört zu den großen

Modernisten der Region. In ihr wurden die ersten

Weine in Barriques gefüllt, was Ende der 1970er

ein Novum war und Traditionalisten in Montalcino

wie parallel dazu im Barolo-Gebiet des Piemont auf

die Palme gebracht hat. Doch diese Entscheidung

hat damals einen enormen Entwicklungsschub gebracht.

Dass man bei Altesino trotz moderner Weine

die Tradition nicht außer Acht lässt und auch diese

auf höchstem Niveau beherrscht, zeigt die „Riserva“

dieses Brunello di Montalcino, die klassisch in 3.000

bis 10.000 Liter großen Fudern aus slawonischer Eiche

ausgebaut wird.

Die „Riserva“ liefert im Jahr 2015 ein faszinierend rundes,

üppiges, warmes und doch geschliffenes und

präzises Bukett. Den Auftakt bilden Noten von einem

ganzen toskanischen Kräutergarten mit viel Salbei

und Thymian. Im Hintergrund zeigen sich getrocknete

Rosenblüten und Lavendel, Orangenschalen,

Schwarzkirschen und Zwetschgen mitsamt einigen

Brombeeren. All das wirkt herrlich reif und

wird unterstützt durch Noten von Zedernholz und

Leder. Am Gaumen wird dann diese ganze klassische

Riserva-Qualität immer offensichtlicher. Während der

„einfache“ Brunello kompakter und auch extrahierter

wirkt, zeigt sich hier neben aller Intensität eine gelungene

Transparenz, wie sie durch die großen Fässer

zustande kommt. Die Textur dieses Weines wirkt wie

feinstes Schmirgelpapier, mit dem man schon fast polieren

kann. Die dunklen, saftigen Früchte dominieren

in diesem Jahrgang und verbinden sich mit Süßholz,

Zeder und Leder. Die Noten von Orangen und Orangenschalen

bieten viel Saftigkeit und sind pikant, herb

und frisch, was von einer salzigen Mineralität noch

unterstrichen wird. Das alles wirkt jetzt schon ungemein

harmonisch und zeigt, dass der 2015er-Jahrgang

ein großer Jahrgang ist, der zudem recht früh trinkreif

wird. Bei Vinous und Robert Parker’s Wine Advocate

gibt es für diesen Wein jeweils 95 Punkte.

Der Wein ist ab 2024 zu genießen und entwickelt

sich sicher bis 2045 und länger.

97 Punkte

WINE SPECTATOR

56 PINWAND no 328 | September 2021


Altesino

TOSKANA ITALIEN

GRAPPA DI BRUNELLO DI MONTALCINO (0,5L)

6 Monate im Eichenfass verfeinert!

ITO080700 Grappa di Brunello di Montalcino (0,5l) 42% Vol. 58,00 €/l 29,00 €

Altesinos Grappa zählt zweifelsfrei zu den feinsten ihrer

Art. Denn neben allerbestem Traubenmaterial (alles

andere wäre undenkbar, der Name Altesino bürgt

selbstverständlich für maximale Qualität) ist vor allem

eine schnelle Verarbeitung des Sangiovese-Tresters

ausschlaggebend für die hohe Güte des italienischen

Edelbrandes. Und diese wird durch die direkte Verarbeitung

im Weingut sichergestellt. Seit 1977 zählt

die Erzeugung von Grappa zum festen Bestandteil des

Altesino-„Programms“. Dieser in Barrique verfeinerte

Brand leuchtet strohgolden im Glas und beeindruckt

durch eine feine Eichennote, Zedernholz, Rosinen

und Bourbon-Vanille. Am Gaumen überzeugt er durch

Weichheit, Kraft und Intensität, ohne auch nur einen

Moment lang die typische Frucht zu verschleiern.

GRAPPA DI BRUNELLO DI MONTALCINO RISERVA (0,5L)

Kupferdestillierter Sangiovese di Montalcino

ITO080800 Grappa di Brunello di Montalcino Riserva (0,5l) 42% Vol. 72,00 €/l 36,00 €

Die Riserva-Variante von Altesinos Grappa ist ein

allerfeinstes, diskontinuierlich mit Dampffluss und

über Kupfer destilliertes Edel-Erzeugnis aus der Sangiovese-Traube

(der Trester stammt selbstverständlich

ausschließlich aus gutseigenem Traubenmaterial aus

Montalcino). Dieser Grappa reifte ein ganzes Jahr in

Holzfässern, was seinen Ausdruck in einem noch intensiveren

und vielschichtigeren Gesamteindruck als

bei der „Einstiegsversion“ findet. Hier erscheinen die

trockenen Fruchtaromen noch subtiler, die edlen Hölzer

noch einmal feiner herausgearbeitet. Ein höchst

eleganter Grappa mit intensivem Nachhall!

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SPANIEN RIOJA | BIERZO | PRIORAT

Palacios

Álvaro Palacios – Priorat-Ikone, Bierzo-Pionier

und Wanderer zwischen den Welten

Als wäre es gestern gewesen: Das „schieferschwarze“, halb entvölkerte Priorat mit seinen kargen

Llicorella-Böden war fast in Vergessenheit geraten, als sich 1989 eine Gruppe von Hippies,

Träumern und Winzern zusammentat – die Wiedergeburt einer Region. Treibende Kraft damals

wie heute: Álvaro Palacios. Das nächste Weinwunder – im Bierzo – ließ dann auch nicht lange

auf sich warten, und auch in der Rioja vollbringt er Großes. Hut ab, ihr Herren, ein Genie!

„And I like it, I like it, here we go, rockin‘ all over the world“

– wer kann ihn nicht trällern, den berühmten Refrain des Klassikers

von Status Quo? Wenn wir an Álvaro Palacios denken,

haben wir immer sofort diesen Ohrwurm im Kopf (obwohl der

spanische Starwinzer es privat – ganz authentisch! – mit Flamenco

hält). Denn Álvaros Weine rocken, sind in höchstem

Maße bei den Kunden beliebt und somit: erfolgreich! Und

trotzdem lässt er nicht locker, lanciert immer wieder neue und

erfolgreiche Projekte oder feilt an den Ergebnissen, wird von

Jahr zu Jahr nur noch konsequenter in seinem Tun. Die Rioja

ist seine Heimat, das Priorat erster „Abenteuerspielplatz“ und

Anker, der Bierzo seine ewige Liebe. Dabei gelingt es ihm, so

hat es den Anschein, mühelos, in den völlig unterschiedlichen

Anbaugebieten Spaniens immer (!) mit Topqualitäten zu reüssieren.

Ganz gleich, welchen Maßstab man anlegen möchte:

Álvaro Palacios zählt zur spanischen Winzer-Elite, seine Weine

besitzen absoluten Referenzcharakter – und das natürlich

auch außerhalb Spaniens.

Álvaro ist als Winzerkind in fünfter Generation aufgewachsen.

Sein Elternhaus steht in Alfaro (Rioja), doch seine ersten Lorbeeren

erwarb er zunächst an einem anderen Ort – dem Priorat.

Spätestens nach 1993, dem ersten Jahrgang seines Kultweins

„L’Ermita“, erlangte der junge Wilde, der es gewagt hatte dafür

einen höheren Preis aufzurufen als man damals noch für den

„Único“ von Vega Sicilia hätte bezahlen müssen, Weltruhm (und

der 2013er-Jahrgang seines Weinmonuments dann 100 Parker-

Punkte). Erst nach dem Tod seines Vaters (zu Beginn des Jahrtausends)

kehrte er in die Rioja zurück, zettelte dort eine kleine

Revolution an. Er folgte seiner Intuition und der für ihn natürlich

naheliegenden Intention, das elterliche Weingut an die

qualitative Spitze zu führen – und zwar nach seinen Ideen und

Vorgaben. In einer Radikalkur ließ er in den Weinbergen keinen

Stein auf dem anderen, veränderte den Anbau und Schnitt der

Tempranillo-Reben, propfte Garnacha auf Tempranillo-Unterlagen,

stellte auf behutsames biologisches Arbeiten um. Und wie

seinerzeit schon im Priorat, mündeten diese Bemühungen in

einem großen Wein aus einer Einzellage, „Quiñón de Valmira“,

der sein Debüt 2014 feierte.

Die dritte Region, der Álvaro Palacios seinen Stempel aufgedrückt

oder anders: in die ihn sein unbändiger Entdeckergeist

geführt hat, ist der Bierzo – eine Weinregion (D.O.-Status seit

1989), die offiziell Kastilien zugerechnet, klimatisch und „spirituell“

aber viel eher dem grünen Galicien verwandt ist. El Bierzo

zählt mit seinen nur knapp über 2.850 Hektar Rebfläche zu den

kleineren Weinanbaugebieten Spaniens, von den annähernd

2.200 Weinbauern gehören fast die Hälfte Genossenschaften

an, die Zahl der Weingüter beläuft sich auf nicht einmal 80. So

weit, so beschaulich. Und doch handelt es sich hier um eine

über die Maßen dynamische Region, deren wichtigste Rebsorte

–Mencía – die Weinwelt in Atem hält. Álvaro Palacios hat hier

schon früh das Potenzial des Terroirs erkannt, zusammen mit

seinem Neffen Ricardo „Titín“ Pérez Palacios produzierte er in

nach biodynamischen Prinzipien bewirtschafteten Weingärten

nach nur wenigen Jahren nicht nur immens elegante(„atlantische“),

sondern schlicht ergreifende Weine: Álvaro, der Magier!

Es gibt wenige Menschen, die andere mit ihrem Charisma derart

in ihren Bann zu schlagen vermögen, seiner vibrierenden

Energie, seinem Esprit, seiner Ausstrahlung und seiner offenen

Herzlichkeit kann man sich im Grunde nicht entziehen. Mittlerweile

zählt er zu den bedeutendsten Winzern der Welt („Man

of the Year“ des Decanter, das Institute of Masters of Wine

zeichnet ihn als „Winemakers’ Winemaker“ aus …) und ist in

Spanien zur Ikone einer ganzen Zunft aufgestiegen. Er hat wie

kein Zweiter mit der betörenden Stilistik seiner Gewächse und

mit ihrer akzentuierten Frucht die revolutionäre Entwicklung

der modernen spanischen Weine geprägt. Dabei legt Álvaro, bei

aller Erneuerung in Wingert und Keller, größten Wert darauf,

die unterschiedlichen Böden und Charaktereigenschaften der

jeweiligen Rebsorten im Wein idealtypisch zum Ausdruck zu

bringen. Dazu bedarf es nicht nur großer Erfahrung und profundem

Wissen, sondern eines ausgeprägten Fingerspitzengefühls,

immenser Kreativität, Intuition, einer Leidenschaftlichkeit, die

auch die Umsetzung neuer und neuester Ideen nicht scheut.

Das alles und noch viel mehr: Álvaro Palacios!

58 PINWAND no 328 | September 2021


Palacios

RIOJA | BIERZO | PRIORAT SPANIEN

ÁLVARO PALACIOS

ALFARO | CORULLÓN | GRATALLOPS

„WINEMAKERS’

WINEMAKER“

59


SPANIEN RIOJA | BIERZO | PRIORAT

Palacios

[RIOJA]

93–94 Punkte

WINE ADVOCATE

„PLÁCET DE VALTOMELLOSO“ DOCa RIOJA, BLANCO 2019 (BIO)

Rioja, modern, weiß – Álvaro Palacios’ „Plácet“: vom „vino de autor“ zum Weißweinwunder!

SRI010119 „Plácet de Valtomelloso“ DOCa Rioja, blanco 2019 13,5% Vol. 30,53 €/l 22,90 €

ES-ECO-035-RI

Der erste Jahrgang (1997) des „Plácet de Valtomelloso“

– damals nur „Plácet“ – war eine kleine Sensation: ein

moderner weißer Rioja der ersten Stunde, ein „vino de

autor“ aus 100 % Viura (dem „Chardonnay

des Südens“), mit dem Álvaro Palacios den

ersten Schritt „eines Projekts zur Verbesserung

der Weißweine der Rioja“ wagte. „Wagte“ ist ganz

richtig. Denn an der Qualität von Weinen wie den weißen

„Tondonias“, den (zugegeben) raren „Ygays“ oder

den auch halb-süßen „Coronas“ (CVNE) zu zweifeln,

wäre auch dem wildesten Modernisierer nicht eingefallen.

Die „Verbesserung“ bezog sich in erster Linie

auf die Stilistik. Denn viele Winzer in der Rioja probten

die vermeintliche Moderne, um dann am kommerziellen

Mainstream und der damit einhergehenden Beliebigkeit

zu scheitern. Álvaro Palacios allerdings war

dagegen deutlich gefeit, nicht zuletzt durch das gelungene

Großprojekt „Priorat“, die Neu(er)findung einer

Weinbauregion, die bis zur Ankunft einer Gruppe von

Hippies, Träumern und professionellen Winzern (darunter

unser Mann aus Alfaro) nahezu in Vergessenheit

geraten war. Waren die ersten Jahrgänge des „Plácet“

zwar hervorragend gemacht, in stilistischer Hinsicht

allerdings noch etwas unentschieden (viel Holz, viel

Stoff, hallo Neue Welt!), wurde spätestens mit dem

2013er mehr als deutlich, was für einen Schatz Álvaro

Palacios da gehoben hatte: der Holzeinsatz ungemein

subtil, die Textur transparenter, Frische, Kühle und Mineralität

das Gebot der Stunde – „es gefällt“. Und wie!

Der 2019er ist dann auch stilistisch ganz auf der Höhe

und, daran gibt’s nichts zu rütteln, einfach ein traumhafter

Wein! Die mittlerweile 34-jährigen Viura-Reben

(Viura ist andernorts auch als Macabeo/Macabeu

bekannt) stehen auf Ton- und Kalziumkarbonatböden

(durchsetzt mit Kieseln zum Teil vulkanischen Ursprungs)

an einem sanft ansteigenden Hang des Monte

de Yerga. Die Trauben werden im Holz spontanvergoren,

reifen dann in gebrauchten 2000-Liter-Fässern

11 Monate lang. So jung, so zart, so seidig erfrischend,

dabei in der „Höhe“ so präzise, haben wir den „Plácet“

zuletzt 2016 (als sich Álvaro für diesen Wein für

die Burgunderflasche entschied) in Erinnnerung: florale

Noten (Orangen- und Akazienblüten), Blütenhonig,

zitrische Komponenten (Yuzu, Cedrat-Zitrone, Frucht

und Schale, Orangenschale bis Orangenblütewasser),

ein Hauch nasser Kreide, am Gaumen glockenhell,

eine zarte Cremigkeit, die in Verbindung mit der anregend

dosierten, perfekt integrierten Säure für einen

herrlichen Trinkfluss sorgt. Dann wieder Frucht (etwas

Birne, eine leicht exotische Komponente: Maracuja)

und eine zarte Würze (Fenchel), die sich im Nachhall

gen Salzigkeit und Frische hin verflüchtigt. Wir bleiben

dabei: einer der besten spanischen Weißweine, die zu

diesem Preis produziert werden. Einfach legendär!

Mit etwas Belüftung ab sofort und bis sicherlich 2029.

60 PINWAND no 328 | September 2021


Palacios

RIOJA | BIERZO | PRIORAT SPANIEN

„LA VENDIMIA“ DOCa RIOJA, TINTO 2019

La Vendimia – brillanter „Basis“-Rioja von Spitzenwinzer Álvaro Palacios

zu einem wirklich unglaublich guten Kurs!

SRI010219 „La Vendimia“ DOCa Rioja, tinto 2019 14% Vol. 13,26 €/l 9,95 €

„Klein“? Wer hat da „klein“ gesagt? Álvaro Palacios hat

also mit seinem „La Vendimia“ einen „kleinen“ Rioja

auf den Markt gebracht? Nur, weil er der Weinwelt mit

dem „L’Ermita“ aus dem Priorat einen echten Riesen

(zum entsprechenden Gigantenkurs) geschenkt hat?

Ist es nicht viel eher so, dass nur Winzer, die in jedem

Preissegment (also auch in der Kategorie „kleines Geld“

– aha!) bestmögliche Qualität liefern, große Könner

ihres Fachs, also wahre Meister sind? Denn der in Alfaro

(Rioja) geborene Palacios ist genau das! „La Vendimia“

besteht zu gleichen Teilen aus Garnacha und Tempranillo,

beide Sorten werden im Stahltank spontanvergoren

und reifen für vier Monate in Fässern unterschiedlicher

Größe ihrer Vollendung entgegen. Das kurze Intermezzo

im Holz dient, wie Parker-Verkoster Luis Gutiérrez

in seinen Notizen festhält, einem Mehr an Komplexität

und der Stabilisierung der Frische – bei großartig integrierten

14,3 Vol.-% Alkohol gleicht der Einfluss des Holzes

einem auf die Wange gehauchten Kuss …

Farblich schon ungemein verlockend, ein dunkles

Kirsch- bis Rubinrot mit helleren, zum Teil auch bläulich-violett

funkelnden Reflexen, und dann ist da diese

(ja, „verführerisch“ ist das richtige Wort, alles andere

wäre tiefgestapelt) Nase: strahlend schöne Beerenfrucht

(zart Himbeere, Brombeere, ein Hauch Walderdbeere),

auch hier die Kirsche, Kräuterwürze (Thymian),

florale Noten und eine leicht kühl anmutende Frische.

Was könnte schöner als die Vorfreude sein? Die Einlösung

all dieser Verspechen am Gaumen! Saftig, kraftvoll,

lebensfroh, Schattenmorelle, (wieder) Beeren und

aromatisch eher „helle“ Pflaume feiern hier fröhliche

Urständ, dazu samtweiche Tannine, eine belebende,

ausgezeichnet ins Geschehen eingebunden Säure,

die den Fruchtnoten Kontur und Drive bis weit in den

Nachhall hinein verleiht – oh, wie schnell ist man da

beim zweiten Schluck, dem zweiten Glas …!

„La Vendimia“ bietet Saftigkeit, Würze und Genuss in

Hülle und Fülle, und das zu einem so budgetschonenden

Preis, dass es fast schon an Leichtsinn grenzte, wenn

man diesen Wein nicht in entsprechend „zukukunftssicheren“

Quantitäten für die heimische Bevorratung ordern

würde. Zumal, wenn man weiß, dass dieser Wein

tatsächlich im Weinberg „entsteht“ und alles

andere als ein „Kellerkind“ ist – warum würde

Álvaro Palacios sonst für „La Vendimia“ auch

Traubenmaterial aus seinem Rioja-Grand-Cru

„La Montosa“ verwenden? Eben. Man muss

diese Art der Großzügigkeit einfach lieben …!

Ab sofort bis leicht 2025+.

90–91 Punkte

WINE ADVOCATE

„LA MONTESA“, DOCa RIOJA TINTO 2018 (BIO)

Priorat-Ikone Álvaro Palacios rockt auch die Rioja!

SRI010318 „La Montesa“ DOCa Rioja, tinto 2018 14% Vol. 19,86 €/l 14,90 €

ES-ECO-035-RI

Ganz im Osten des Riojagebietes liegt Alfaro und gehört

zu den wichtigsten Zentren der Rioja Baja – oder

wie es jetzt genannt wird, der „Rioja Oriental“. Denn

ganz so „baja“ (niedrig, flach) ist dieser Landstrich

gar nicht: Der Monte Yerga überragt mit seinen 1.100

Metern Höhe Alfaro und seine Umgebung. Der Winzer

Álvaro Palacios stammt aus dieser Gegend – und

nachdem er sich im Priorat nicht weniger als Weltruhm

erarbeitet hatte, kehrte er um die Jahrtausendwende

zu seinen familiären Wurzeln zurück und übernahm

das elterliche Weingut. Wer Palacios kennt,

weiß: Er ließ dort keinen Stein auf dem andern. Ganz

besonders hatte es ihm eine Lage angetan, die auf

etwa 550 Metern Höhe am Monte Yerga zu finden ist.

Der Blick in die Weite, auf Alfaro und das Ebro-Tal, ist

schon ein Genuss für sich und die kalkhaltige Tonerde

ist wie geschaffen für den Traubenanbau. Garnacha,

Tempranillo, und Mazuelo sind die spanischen Klassiker,

die hier perfekt gedeihen und dem „La Montesa“

seinen unverwechselbaren Charakter verleihen.

Im Keller reift die Garnacha-betonte Cuvée (ab dem

2018er-Jahrgang dann zu 100 %) zwölf Monate lang

in überwiegend französischen Barriques, davon 20 %

neu. Die Nase des „La Montesa“ erinnert an Kirschen,

Himbeere, Süßholz, Zwetschgenkerne, ein wenig

Karamell. Mit zunehmender Luftzufuhr schwebt ein

Hauch Rosmarin und Thymian aus dem Glas. Das alles

macht schon ungeheuer Lust auf den ersten Schluck.

Dieser offenbart einen ausgewogenen Wein mit samtweichen

Tanninen, wieder Aromen von Kirsche, roten

Beerenfrüchten sowie Pflaume und – das ist wirklich

aufregend (und extrem anregend!) – eine regelrecht

salzige Mineralität. Álvaro Palacios versteht es seiner

Hochlage alles zu entlocken – was den Wein zu einem

bleibenden Erlebnis macht!

Ab sofort und mit Genuss bis leicht 2024+

93+ Punkte

WINE ADVOCATE

61


SPANIEN RIOJA | BIERZO | PRIORAT

Palacios

BESTER

„PROPIEDAD“

EVER!

95 Punkte

WINE ADVOCATE

„PROPIEDAD“ DOCa RIOJA, TINTO 2019

„Propiedad“ 2019 – ganz eindeutig Álvaros bisher bester Jahrgang!

95 Punkte: „Das ist wie ein »village vieilles vignes« aus Alfaro, einfach phänomenal“

– Luis Gutiérrez (Robert Parker’s Wine Advocate)

SRI010419 „Propiedad“ DOCa Rioja, tinto 2019 14,5% Vol. 35,93 €/l 26,95 €

Nicht wenige verorten den Winzer Álvaro Palacios

ausschließlich im Priorat, wo er mit seinen Weinen

L’Ermita, Les Aubaguetes oder Finca Dofí einen Kultstatus

erlangte. Doch seine Heimat liegt in der östlichen

Rioja und nachdem sein Vater starb, kehrte er

um die Jahrtausendwende nach Alfaro zurück, um

das elterliche Weingut, das 1945 gegründet wurde,

ebenfalls zu einem Spitzengut zu formen. Und wenn

der Berg ruft, ist Álvaro Palacios der erste, der genau

hinhört: Denn am Monte Yerga, der Alfaro und seine

Umgebung mit 1.100 Metern weit überragt, entdeckt

der Vollblutwinzer eine Lage, die ihn sofort begeistert:

Hier klammern sich mehr als 90 Jahre Garnacha-Reben

in der Tiefe an den felsigen Grund, darüber ein

Schicht kalkiger Tonerde mit vielen Kieseln – was für

eine Chance für einen großen Wein!

Und Álvaro verwandelt die Steilvorlage der Natur

souverän: Nach der Handernte in den frühen Morgenstunden,

um die Aromen zu schonen, werden die Reben

sorgfältig selektiert – was nicht perfekt ist, muss

leider draußen bleiben. Die Fermentation findet spontan

in Eichenfässern statt. Der anschließende zwölfmonatige

Ausbau erfolgt getreu der Tradition, bevor

der Einsatz von Barriques aus Bordeaux modern wurde,

in großen 5.000-Liter-Fässern sowie einigen 2.000

Liter-Fudern.

Den Basis für großen Wein bildet im Weingut natürlich

ein großer Jahrgang. Daher gibt’s selbstredend

2019 einen „Propiedad“. 2018, 2016 und 2013 übersprang

Álvaro, auch weil er wohl eine gewisse Reife für

diesen Wein sucht. Was sich im Glas abspielt hat aber

nie etwas mit Überreife sondern stets mit Klasse zu

tun. Es duftet erhaben nach Sauerkirschen, Rosenblättern

und etwas Zimt. Das Bouquet ist fein und schwebend,

ja zugänglich, aber nicht überbordend muskulär.

Am Gaumen zeigt er dann im Antrunk zunächst

fleischige Tannine, die sich im Abgang seidig auflösen,

einen Fruchtteppich freilegen. Erneut Zimt, etwas

Zwetschgen, auch feine, süßlich reife, rote Früchte.

Das ist charmant und intensiv, niemals erschlagend –

hier beweist jemand enormes Fingerspitzengefühl! Ein

beachtlich komplexer Wein, bei dem rund 8 % autochthoner

roter Rebsorten die Garnacha abrunden. Wir

empfehlen den Wein, wohlwissend, dass es 2020 keinen

„Propiedad“ geben soll.

.Ab Anfang 2022 bis leicht 2030+.

62 PINWAND no 328 | September 2021


Palacios

RIOJA | BIERZO | PRIORAT SPANIEN

[BIERZO]

„PÉTALOS“ DO BIERZO, TINTO 2019

Wenn Spaniens Blüten blühen …

SBI010119 „Pétalos“ DO Bierzo, tinto 2019 13,5% Vol. 19,93 €/l 14,95 €

An sich hätte Álvaro Palacios für ein Winzerleben

schon reichlich viel geleistet: Der Kultwein „L’Ermita“

aus dem Priorat geht ebenso auf den Kultwinzer zurück

wie die erste Ortsbezeichnung (Gratallops) innerhalb

einer spanischen DO (Herkunftsregion). Doch

Palacios, nach Eigendefinition „Hinterfrager“, liebt

es einfach „erwachende Regionen wie den Bierzo zu

präsentieren“. Hier hat er mit seinem Projekt „Descendientes

de J. Palacios“ mit Hilfe seines Neffen Ricardo

„Titín“ Pérez Palacios einer weniger bekannten Sorte

einen markanten Wein gewidmet. Mencía nennt sich

die angeblich von Pilgern auf dem Jakobsweg verbreitete

Traube (jüngsten Untersuchungen zufolge

stammt sie allerdings mit an Sicherheit grenzender

Wahrscheinlichkeit aus der Provinz Salamanca bzw.

aus dem Bierzo!), die spätestens seit dem Blütenlogo

seines „Pétalos“ weinweltweit bekannt ist. Der Qualitätsoffensive

im Bierzo ist es zu verdanken, dass man

heute allmählich auch sie auf dem Schirm hat, wenn

es um Rotweine aus Kastilien bzw. der Provinz León

geht. Der Grund liegt nicht zuletzt in einer wunderbaren

„kühlen“ Aromatik, mit der auch dieser 2019er

von Palacios nicht geizt.

Himbeeren mitsamt Blättern und einem Teil der Hecke

vermeint man hier zu riechen. Anfangs fast ein wenig

wie Beerenjoghurt, stellt der „Pétalos“ schnell auf den

würzigen Modus um. Da wird es dann auch dunkler,

etwas Lakritze ist zu erschnuppern, aber auch mit

Kastanienschale und Leder erfreut der Spanier die

Nase. Er ist bereits hier ein gutes Beispiel für simplexity

– einen einfachen, aber vielschichtigen Wein.

Der leichtgängige erste Schluck trägt ebenfalls dazu

bei, dass man diesen Mencía fast unterschätzt. Doch

der grip des Gerbstoffs holt einen aber schnell in die

Realität zurück. Denn hier spielt sich einiges ab, vor allem

die Namensgebung („Pétalos“ bedeutet „Blüten“)

wird nun völlig klar. Hibiskus und etwas Rosenblätter

sogar findet sich am Gaumen. Dazu gesellt sich der

Espresso-dunkle Ton, der im Finish in drei Katarakten

Abschied nimmt, setzt ab dem mittleren Gaumen ein.

Um es vielleicht ein weniger unpoetischer zu sagen,

wie es dem Bierzo-Roten mit dem schönen Namen

gebührt – hier blüht Ihnen was: nämlich viel Wein zu

einem überschaubaren Preis!

Ab sofort bis 2027+.

93+ Punkte

WINE ADVOCATE

63


SPANIEN RIOJA | BIERZO | PRIORAT

Palacios

[PRIORAT]

94 Punkte

WINE ADVOCATE

„LES TERRASSES“ DOCa PRIORAT, TINTO 2018

Mehr Garnacha für mehr Eleganz – der „Terrasses“ von Álvaro Palacios begeistert!

SPR010218 „Les Terrasses“ DOCa Priorat, tinto 2018 14,5% Vol. 39,33 €/l 29,50 €

Nicht nur Schiefer und Riesling bilden ein himmlisches

Paar. Wir möchten nur kurz anmerken, welch feinfühligen

Pinot Noir gerade an der Mosel dem Schieferuntergrund

entspringen. Doch heute reisen wir weiter,

nämlich ins Priorat. Dieser Gedankengang über

zwei exemplarische tänzelnde Weintypen, erleichtern

nämlich ungemein das Verständnis, wenn es drum

geht, nachzuvollziehen, warum es Palacios gelingt,

einen finessereichen Rotwein im eigentlich warmen

Priorat bei 14,5 Volumenprozent Alkohol zum Fliegen

zu verhelfen. Von den laderas de pizarra – den Schieferhängen

stammt dieser Blend aus 55 % Garnacha,

44 % Cariñena und einem symbolischen Anteil weißer

Rebsorten, wie nicht unüblich in jenen wärmeren

Regionen – ebenso an der Rhône (und auch hier ist

Schiefer die Basis, für die von Eleganz geprägten Côte-

Rôties und anderen Syrahs).

Der legendäre Priorat-Klassiker „Les Terrasses“

demonstriert Konzentration, Eleganz, Frische und

Charme in virtuosem Zusammenspiel! Palacios’ weltweit

gesuchten Rotweine leuchten wie strahlende Fixsterne

am spanischen Weinhimmel. Grundlage für die

herausragende Qualität seiner Weine sind neben alten

Rebstöcken, auch bewusst niedrig gehaltene Erträge:

Selbst für die Einstiegsweine in seine magischen Welten

werden nur 25 Hektoliter pro Hektar geerntet, mehr

geben die steilen Hänge und die extrem kargen Schieferböden

einfach nicht her. Alle Parzellen dieses im

wörtlichen Sinne „Terrassenweins“ befinden sich in ausgewählten

Dorflagen von Gratallops, La Vilella Baixa,

Bellmunt, El Lloar, El Molar, Porrera, Torroja sowie Poboleda

und ergeben als Cuvée einen herrlichen Priorat,

der zu einem Fixstern seines Anbaugebietes wurde.

Der 2018 verbrachte der Wein ganze 13 Monate im

Barrique. Luis Gutiérrez hat eine fabelhafte Umschreibung

zum Typus des Weins, die wir Ihnen nicht vorenthalten

möchten: „Das ist ein britischer Landwirt,

rustikal, aber elegant mit seinem Land Rover, den

Gummistiefeln, Cordhosen und einer Barbour-Jacke

... aber mit leicht nasalem Priorat-Zungenschlag“. Das

beschreibt den Wein sehr gut, der eine gewisse Strenge

als Rückgrat aufweist aber doch auch Eleganz und

Stilbewusstsein verströmt und Tradition! Es duftet

nach reifen Maulbeeren, Lakritz und etwas Nelke aus

dem Glas. Ein Hauch Graphit fügt sich hinzu, später

auch Schlehe. Das Bouquet ist nobel, dicht und anziehend.

Am Gaumen geleitet von kräftigem Tannin,

welches die Frucht allerdings behutsam fortträgt. Die

dunkelbeerige Frucht, das angenehm mürbe Tannin,

die geradlinige Art, all dies weckt Neugier in uns. Kein

Rotwein, der sich anbiedert, sondern sich seiner Klasse

bewusst ist. Geben Sie ihm etwas mehr als einen

Moment, dann offenbart er alle Qualitäten. Selbstbewusst!

Ab sofort bis 2028+. Gerne 1–2 Stunden karaffieren.

64 PINWAND no 328 | September 2021


Palacios

RIOJA | BIERZO | PRIORAT SPANIEN

„FINCA DOFÍ“ DOCA

PRIORAT, TINTO 2017

Vielschichtig, intensiv, lang – wieder

ein Meisterstück von Álvaro Palacios!

SPR010517 „Finca Dofí“ DOCa Priorat, tinto 2017

14,5% Vol. 92,00 €/l 69,00 €

95 Punkte

WINE ADVOCATE

Man muss schon sehr mutig oder ein wenig wahnsinnig

sein – möglicherweise am besten beides, um das zu

tun, was Álvaro Palacios getan hat: eine gottverlassene

(das aus dem 12. Jahrhundert stammende Kloster Scala

Dei, die Wiege des Weinbaus im Priorat, wurde 1835 geplündert

und kurze Zeit später niedergebrannt), für den

Winzer unfassbar strapaziöse Gegend zu einer der Kult-

Weinregionen Spaniens, im Grunde der Welt, zu machen.

Die kaum zugänglichen, nur über schmale Feldwege

in großen Höhen zu erreichenden Weinberge,

knochentrockene, zum Teil kochend heiße Temperaturen,

Nordostlagen (!) die hier sogar von Vorteil sind, da

sie den Trauben Erholung verschaffen (denn der Schieferboden,

hier llicorella genannt, strahlt die Hitze des

Tages noch nachts zurück) – wer hätte vermutet, dass

hier ein regelrechtes Weinparadies zu entdecken war?

Finca Dofí, ursprünglich eine Einzellage, sind heute gut

10 Hektar mit unterschiedlichen Parzellen –Camp d’en

Piqué, La Baixada und Coll de Falset – von an Mineralien

und Erzen reichen Böden, die über Gratallops

„gen Himmel stürmen“. Ein Löwenanteil Garnacha, 8 %

Cariña, der Rest Macabeo und Garnacha Blanca, streng

selektioniert, entrappt, spontanvergoren und 16 Monate

in großen Eichenfässern (sogenannten bocoyes) ausgebaut;

das Ergebnis ist zutiefst beeindruckend: Lassen

Sie dem „Finca Dofí“ Zeit. Wenn Sie ihn zu früh öffnen,

begrüßen Sie Aromen von Rinde, Unterholz und

dunklem Schiefer; am Gaumen müssen Sie mit recht

deutlichen Tanninen vorliebnehmen, die zwar mächtig

Substanz andeuten, aber auch viel verdecken. Also geben

Sie ihm Luft und holen die größten Gläser aus dem

Schrank. Nach zwei Stunden Geduld begegnet Ihnen

eine ganz neue, faszinierende Weinpersönlicheit: Der

Schiefer bleibt als untergründig mineralisches Gerüst

stets erhalten, doch darüber gilt es Schicht für Schicht

zu entdecken: schwarze Beeren noch und nöcher, Lakritz,

Kaffee, dunkle Schokolade, ein wenig Tabak – es

ist ein Fest für die Sinne und der Ausklang will gar nicht

enden. An diesem Wein werden Sie noch Jahrzehnte

Freude haben. Dass Parkers Spanienspezialist Luis Gutiérrez

sowie der Guía Peñin 95 Punkte zücken, kann

nicht weiter verwundern – der „Dofí“ gehört zu den

großen Weinerlebnissen des Priorat.

Mit viel Luft ist dieser Wein schon jetzt zu genießen.

Seinen Höhepunkt wird er ca. 2026 erreichen und

sich bis 2035 positiv weiterentwickeln.

65


SPANIEN EL HIERRO

Bimbache

66 PINWAND no 328 | September 2021


Bimbache

EL HIERRO SPANIEN

Bimbache

EL HIERRO

VULKANWEINE PAR EXCELLENCE!

Bimbache – das ist Weine aus dem „Höllenschlund“ der Kanaren El Hierro! Oder, wie es

Parker-Verkoster Luis Gutiérrez formuliert hat: „Dank sei Gott für Projekte wie Bimbache!“

PROLOG UND EIN WENIG HISTORIE

Sehnsuchtsort Kanaren – Urlaub ja, aber Wein? Die „Inseln der

Seligen“ liegen ja näher an der Westsahara als an Spanien! Und

doch waren die „canary wines“ jahrhundertelang ein Exportschlager.

Im 15. Jahrhundert etwa wurden Millionen von Litern

Wein von den Kanarischen Inseln nach London verschifft und

ein nicht ganz unbekannter Theaterdichter namens Shakespeare

erwähnt ihn in gleich drei seiner Stücke. Überhaupt erfreuen

sich die damals recht süßen, bernsteinfarbenen Weine

größter Beliebtheit. Aber spätestens mit dem Erfolg des Konkurrenzprodukts

aus Madeira als Folge einer politischen Schönwetterperiode

zwischen Portugal und England, die Hand in

Hand mit Boykottmaßnahmen gegenüber Spanien einherging,

wurden die Exporte immer geringer, der Inselwein zum Nischenprodukt.

Als dann 1850 auch noch der echte Mehltau die

Kanaren erreichte, war die ruhmreiche Zeit endgültig vorüber.

Und die die Flaute der letzten 200 Jahre dann eine Durststrecke

sondergleichen!

Inzwischen aber sind die Weine von dieser aus Miniaturkontinenten

bestehenden Inselgruppe international enorm gefragt,

laut jüngster Zahlen des Landwirtschaftsministeriums auf nationaler

Ebene allerdings eher Kategorie „Prophet im eigenen Lande“.

Dabei sind die Kanarischen Inseln, dank ihrer besonderen

geografischen Verhältnisse ein wahres Weinbauparadies. Hier

wirken auf engsten Raum unterschiedlichste Klimaverhältnisse,

Höhenlagen und Böden, die zur Entwicklung verschiedenster

Anbaumethoden und -techniken beigetragen haben. Zudem

blieb die Region im Gegensatz zu Resteuropa von der verheerenden

Reblausplage im späten 19. Jahrhundert verschont, potenziell

kann sich jeder Wein mit dem Zusatz „Prä-Phylloxera“

schmücken (wo gäbe es Vergleichbares?). Diese uralten, wurzelechten

(„pie franco“) Weinstöcke dringen tief in die – noch ein

Plus! – vulkanischen Böden, ihre geringen Erträge in Kombination

mit autochthonen Traubensorten (davon später mehr) entschädigen

allerdings durch ein einzigartiges Geschmacksprofil,

das nur auf diesen Inseln zu finden ist.

Und diese Inselweine sind auf dem besten Weg sich zu einem

echten game changer – was das Image spanischer Weine betrifft

– zu entwickeln. Bedauerlicherweise werden spanische

Weine noch immer (Vorurteile sitzen tief!), und das nicht

eben selten, als zu fruchtbetont, zu üppig, zu alkoholisch und

zu holzüberladen abgestempelt. Dabei übersieht man gerne,

dass ausgerechnet Spanien, das (noch) größte zusammenhängende

Weinbaugebiet der Welt, eine bemerkenswerte Vielfalt

von Weinstilen bereithält. Das Zauberwort „Terroir“ wird hier

längst nicht nur geflüstert, sondern seit gut zwei Jahrzehnten

mit Nachdruck „gelebt“ und vor allem damit gearbeitet. Kein

Winzer, der etwas auf sich hält, der es nicht auf Flaschen ziehen

wollte. Autochthone Rebsorten, geospezifische Parameter und

klimatische Bedingungen und Besonderheiten stehen im Fokus,

weitaus weniger die technischen Fertigkeiten eines wine makers.

Eine Gegenbewegung zu den „gemachten“, „zusammengebauten“,

überreifen und überkonzentrierten Weinen, die ihren

Höhepunkt in den 1990er-Jahren erlebten, hat schon vor Jahren

eingesetzt. Exemplarisch hierfür, weil so grundlegend anders,

die Weine von Produzenten wie Envínate oder Suertes del Marqués.

Beide Projekte haben vor etwa zehn Jahren auf Teneriffa

eine Entwicklung in Gang gesetzt, die mittlerweile sämtliche

Inseln der Kanaren erfasst hat.

67


SPANIEN EL HIERRO

Bimbache

TERRA INCOGNITA

Jüngst erreichte die „terroiristische“ Bewegung auch El Hierro,

die kleinste, abgelegenste, daher möglicherweise auch am

wenigsten besuchte Insel. Sie ist auch die jüngste der Kanaren,

nur etwa 100 Millionen Jahre alt, die sich allerdings in ihrer zum

Teil wild zerklüfteten Topografie ziemlich bemerkbar machen.

Auf diesem Eiland sind nur noch 167 Hektar Rebfläche übrig,

die jedoch die größte genetische und klonale Vielfalt der Reben

aller Kanarischen Inseln aufweist. Aus diesen Gründen war Rayco

Fernández, eines der Gründungsmitglieder von „Puro Rofe“

(und Teil der Gegenbewegung!) auf Lanzarote, (vulkan)felsenfest

davon überzeugt, dass El Hierro, diese weinbautechnisch in

Vergessenheit geratene Insel, eine glänzende Zukunft vor sich

haben würde. Und damit beginnt die Geschichte eines der sicherlich

ambitioniertesten und spannendsten Projekte, das uns

(zumindest in Spanien) untergekommen ist!

„Bimbache“ heißt das der neue Hoffnungsträger in Sachen Wein

auf El Hierro, den Rayco Fernández und sein partner in wine Pablo

Matallana aus der Taufe gehoben haben. Und „Bimbache“

bezeichnet die ersten Bewohner der Insel, bevor El Hierro Anfang

des 15. Jahrhunderts von Franzosen und „Festlandspaniern“

besiedelt wurde. Besser hätten Rayco und Pablo den Namen

nicht wählen können, sind sie doch die ersten, die sich anschicken

El Hierro einer staunenden Weinwelt bekannt zu machen.

BOTSCHAFTER WIDER WILLEN

Rayco und Pablo sind Verfechter von Weinen, die die Geschichte

ihrer Herkunft erzählen. So wie es eben nur vom Terroir geprägte

Weine vermögen. Dennoch sind es immer Menschen die

diese Weine produzieren, manchmal überhaupt erst ermöglichen.

Und Rayco und Pablo sind diese Sorte Mensch! Rayco bezeichnet

sich selbst als hoffnungslos begeisterten Weinliebhaber, der sein

Hobby zum Beruf gemacht hat. Er beginnt als Maître und Sommelier

in der Gastronomie, wechselt vor zehn Jahren dann in den

Handel, nur zwei Jahre später gründet er seine eigene Weindistributionsfirma.

Von Beginn an setzt er auf kleine Juwelen wie beispielsweise

Envínate, er war der erste Händler weltweit, der ihre

Weine führte. Sein großes Faible sind die Weine seiner Heimat;

er sucht auf sämtlichen Inseln der Kanaren nach verborgenen

Schätzen und fördert damit ganz maßgeblich die dortige Weinszene,

denn Rayco kennt und schätzt man als Spürnase mittlerweile

weltweit. Quasi wider Willen wird nun aus dem Sommelier

und Weinhändler auch der Weinmacher Rayco. Wie schon auf

Lanzarote, ist er vom Terroir Hierros komplett überzeugt, aber

umso unzufriedener mit den schwachen, profillosen Weinen, die

sich ihm dort präsentieren. Er will und kann wohl nicht mehr warten

und gründet auf El Hierro, der „Insel der schlafenden Echsen“

nur ein Jahr nach „Puro Rofe“ mit „Bimbache Vinícola“ sein zweites

eigenes Weinprojekt.

WEIN AUS VERPFLICHTUNG

„Wann immer wir über die Qualität und Originalität ihrer Rebsorten

nachdachten oder uns die besonderen Böden, die spektakulären

Höhenlagen angesehen haben, meldete sich unser

Pflichtbewusstsein und irgendwann war es dann klar, dass wir

die Herausforderung auf der abgelegensten und kleinsten Insel

der Kanaren Wein zu machen, annehmen würden.“

Pablo Matallana ist der verantwortliche Önologe bei Bimbache,

allerdings keiner, der mit Köfferchen und Patentrezept von Weingut

zu Weingut tingelt. Auf Teneriffa geboren und aufgewachsen,

studierte er an der hochangesehenen Polytechnischen Universität

in Valencia. Nach Beendigung seines Studiums zog es ihn 2013

zunächst einmal ins Priorat, und dort natürlich zu den Pionieren,

den Legenden René Barbier (Clos Mogador) und José Luis Pérez

(Mas Martinet). 2015 dann war es an der Zeit (und er um wichtige

Erfahrungen reicher) für ein eigenes Projekt in vino, und zwar auf

Teneriffa. Parallel dazu bildete er sich weiter fort, arbeitet und

lernt bei Über-consultant Michel Rolland im Pomerol genauso

wie im fernen Chile, bei Naturweinspezialist Louis-Antoine

Luyt – ein wilder Mix an Praktika, der Pablo schon früh den Blick

fürs große Ganze geschärft hat. Seit 2018 bewirtschaftet er noch

weitere fünf Hektar auf Lanzarote, sodass Pablo mit „Bimbache“

jetzt insgesamt auf drei kanarischen Inseln aktiv ist. Es dürfte

auf den Inseln kaum jemanden geben, der sich solch ein Wissen

über und im Umgang mit den autochthonen Sorten und dem anspruchsvollen

Terroirs angeeignet hat.

DIE GENOSSENSCHAFT IM JURASSIC PARK

El Hierro zu besuchen oder dort zu arbeiten gleicht einer Reise in

die Vergangenheit. Alles scheint deutlich langsamer vonstatten

zu gehen, die Infrastruktur trögt ihren Teil zur Beschaulichkeit

bei, Besorgungen bzw. die Beschaffung von Materialien ein leidiges

zeit- und kostenintensives Thema. Daher wurden viele der

alten Weinberge die unmittelbar auf Lava gepflanzt wurden aufgeben

und sich selbst überlassen. Verrücktere Weingärten wird

68 PINWAND no 328 | September 2021


Bimbache

EL HIERRO SPANIEN

v. l. Pablo Matallana (Önologe),

Ramona und César (Weinbauern),

Rayco Fernández (Mastermind)

man auf unserem Planeten nicht finden! Für echte „Terroiristen“

noch ein Grund mehr sich hier zu engagieren. Seit dem Jahr 2000

ist El Hierro zudem ein UNESCO Biosphärenreservat, die Auseinandersetzung

mit einheimischen Rebsorten, das verantwortungsbewusste

und nachhaltige Arbeiten im Weinberg nur die logische

Folge. Außerdem möchten Rayco und Pablo weitere Weinbauern

und Winzer für ihre Idee, ihre Vorstellung vom Wein gewinnen.

Denn auf einer Insel mit gerade einmal 10.000 Einwohnern ist

ein Miteinander ohnehin förderlicher als Ellenbogentaktiken oder

gar harte Bandagen. „Mini-Kooperative“ nennen Rayco und Pablo

daher ihr Baby „Bimbache“ liebevoll. „Wir suchen nicht händeringend

nach neuen Partnern, sind aber prinzipiell offen für wirklich

alles. Sofern uns die tägliche Arbeit miteinander Spaß macht und

daraus Neues entstehen kann, sind wir zu Kooperationen bereit“,

erklärt uns Rayco. Ein Modell, das bisher voll aufzugehen scheint,

den zu den ursprünglich zwei Hektar eigener Rebfläche kommen

weitere drei Hektar von anderen Weinbauern hinzu, die das Experiment

und „Bimbache“-Credo einer eher „archaischen“ Landwirtschaft

mit Freude angenommen haben.

Die fünf Hektar Weinberge, die „Bimbache“ bewirtschaftet, sind

auf drei Gemeinden verteilt: Valverde, Frontera und El Pinar. Die

Insel hat eine ungefähr dreieckige Form mit einer sichelförmigen

Steilküste, die von Nordosten nach Westen verläuft. Die Klippen

sind den hier vorherrschenden Passatwinden zugewandt, sie sorgen

dafür, dass die Reben in Frontera im Norden und Valverde im

Nordosten viel Feuchtigkeit erreicht, während El Pinar im Süden

so gut wie trocken bleibt. Aber zurück zum Wein!

ACT LOCAL, GO GLOBAL

Bimbache legte 2018 einen fulminanten Start hin: Die Produktion

von nur 3.000 Flaschen war in kürzester Zeit ausverkauft,

die „angesagtesten“ und wichtigsten Importeure weltweit waren

von Anfang an involviert. Auch Parkers Mann für Spanien,

Luis Gutiérrez, der ungewöhnlich gut vernetzte und informierte

Kenner der Szene, hatte das Projekt vom Start weg „auf dem

Zettel“. Kein Wunder also, dass der Autor des Buchs „The new

vignerons. A new generation of spanish wine growers“, der seit

Jahren über die „Renaissance der Kanaren“ (siehe „Envínate“,

siehe „Suertes del Marqués“) schreibt, den „Bimbaches“ und

den 2019er-Weinen, ihrem immerhin erst zweiten Jahrgang, in

seinem jüngsten Report über die Kanaren einen ganzen Absatz

widmet. Für ihn ist Bimbache ein Rohdiamant, den man unbedingt

im Auge behalten sollte. Eine Beobachtung und Begeisterung,

die wir rückhaltlos teilen und die unserer Meinung nach

selbstredend auch für die neuen 2020ern gilt, die weiterhin so

grandios, anregend anders, aber wieder unglaublich beglückend

geraten sind. Das Beste zum Schluss: Es gibt zwei neue Weißweine

im Portfolio von Bimbache, die Pablo Matallana aus der

Taufe gehoben hat: „Chivo“ und (wir wissen nicht, wie genau

das zustande gekommen ist, pero ahi está) „Miguelito Jackson“

(ja, genau das, was Sie denken!) – beide „naturgemäß“ (Th.

Bernhard) und wie immer absolut beglückend!

Wie schon im letzten Jahr gilt: Machen Sie sich auf etwas gefasst,

Sie werden Ihre reine Freude daran haben!

69


SPANIEN EL HIERRO

Bimbache

„CHIVO“ DO EL HIERRO, BLANCO 2020

Chivo, Zicklein und andere possierliche Tierchen

SHI010720 „Chivo“ DO El Hierro, blanco 2020 KK 12,5% Vol. 31,86 €/l 23,90 €

Wir konnten es kaum erwarten, und jetzt ist er endlich

da, der neue Weißwein der Bimbaches von der

Vulkaninsel El Hierro! Ein Blick aufs Etikett – der ikonische

Widder hat Bart und Hörner verloren und ist

zum Zicklein geworden, was ja bei einem Jung- bzw.

Erstwein einer gewissen Logik nicht entbehrt. Also weiter

im Text. Die Information auf dem Kontraetikett ist

möglicherweise etwas eigentümlicher, der potenzielle

Käufer und/oder Trinker wird informiert, dass dies eine

„Von lüsternen Wesen mit Gewinnstreben begangene

weinbauliche Transmutation.“ sei, und auch die Chargennummer

(„L-Fuck2020“) ist im ersten Moment nicht

zwingend vertrauenserweckend.

Rayco erläutert uns das neue Projekt so: „Unsere kleine

Kreatur (tatsächlich spricht er von »Kreatürchen«), die

wir gerade domestizieren, stammt hauptsächlich von

einem Weinberg an der Küste unterhalb von Sabinosa,

einem der abgelegensten Dörfer der Insel. Dieser

Weinberg liegt gerade einmal 50 Meter

über dem Meeresspiegel und 200 Meter

vom Meer entfernt.“ Die Cuvée aus

Diego (auch unter dem Namen Vijariego

oder Verijadiego Blanco bekannt), Bremajuelo,

Uvual, Malvasía Aromática und Moscatel

vergärt spontan („Inox“ und Holz) und wird zehn

Monate auf der Hefe im Edelstahltank, um dann ohne

Filtrierung oder Schönung „und gerade soviel Schwefel,

um das kleine Tierchen in Schach zu halten“ abgefüllt.

Und dieses Tierchen hat es faustdick hinter den Ohren!

Im Duft springt das Zicklein nicht sofort aus dem Glas,

regt aber neugierig den Kopf und ergeht sich ganz in

kräutrig- ätherisch-grünem Wohlgefallen. Nach einiger

Zeit an der frischen Luft wird dann ein Zitronenhain

gestürmt, die Meeresnähe (würzige Meeresluft, salzige

Gischt) macht sich aufs Schönste. d. h. einladend bemerkbar.

Am Gaumen eine herrlich kühle Anmutung,

trotz der zitrisch abgetönten Säure sensationell weich

(Kaschmirzicklein?) ein wunderbar weicher Antrunk,

alles nicht so kompliziert, dafür energetisch, tonisch,

animierend! Dieser neue Basis-Weißwein steht dem

„Bimbache blanco“ in nichts nach – und sollten Sie jetzt,

liebe Kunden, die Qual der Wahl verspüren, welches Billett

für den kanarischen Streichelzoo zu lösen sei, dann

können wir Ihnen nur raten: nehmen Sie beide, gönnen

Sie sich die Expedition auf die Insel im Doppelpack.

Hält besser, macht doppelt (aber ja!) soviel Spaß!

Ab sofort und bis leicht 2024+.

70 PINWAND no 328 | September 2021


Bimbache

EL HIERRO SPANIEN

BIMBACHE DO EL HIERRO, BLANCO 2020

Bimbaches Blanco – und wir sind sowas von reif für die Insel!

SHI010120 Bimbache DO El Hierro, blanco 2020 13,5% Vol. 39,86 €/l 29,90 €

Sie klingt wie eine Beschwörungsformel, die Zusammensetzung

der Cuvée des kleinen „Blanco“: Verdijadiego

Blanco, Listán Blanco, Baboso Blanco, Forastera

blanca, Gual, Pedro Ximénez … (und um ehrlich zu

sein, viele andere mehr). Die Trauben stammen aus

verschiedensten Parzellen, Höhenlagen und Expositionen,

werden im Edelstahl spontanvegoren und dann

in gebrauchtem, möglichst neutralem französischen

Holz ausgebaut. Die ersten Schritte auf (fast) unbekanntem

Terrain, Weine vom Vulkan, „Weine aus Obsidian“,

Weine, die – so Pablo Matallana – „die Frische,

die Kraft und den vulkanischen Charakter der jüngsten

Insel der Kanaren widerspiegeln.“ … Im Glas ein helles

Strohgelb, trotz Verzicht auf Schönung oder Filtration,

strahlend schön. Im Duft zunächst sehr dicht,

macht keinerlei Zugeständnisse, dann, nach und nach,

ein bemerkenswertes Eigenleben – etwas brodelt da

(noch sehr „gemächlich“) unter der Oberfläche. Mit

mehr Luft immer zitrischer (Salzzitrone, Limette und

Grapefruitzeste), ein „wundersames Gemisch“ von

wie in feuchte Meeresluft gehüllten, fast ätherischen

Kräuternoten (Fenchel und Fenchelgrün, Lorbeer).

Am Gaumen ein trotz der klaren, fast kalten, wieder

zitrisch abgetönten Säure ein bemerkenswert seidiger

Antrunk, der Wein, dem man seine 13 Volumenprozent

schon. gleich gar nicht anmerkt, wirkt jetzt noch

leichter, noch leichtfüßiger, auch, oder gerade wenn

sich die „vulkanische“ Herkunft zurückmeldet – flintigrauchige

Noten nebst mineralischem „Biss“. Wenn das

der Einstieg in die Wunderwelt der Weine der Insel El

Hierro bzw. das Entrée zu Bimbache sein soll, dann

können wir in allen Belangen nur eine Punktlandung

konstatieren und legen Ihnen, liebe Kunden, dringend

ans Herz, sich auf dieses „kanarische“ Abenteuer einzulassen.

Die harmlosen Weine sollen die anderen

trinken! Auf Ihr Wohl und auf die Schätze von den

„Inseln der Seligen“!

Ab sofort und ohne weiteres bis 2026+. Für diesen und

auch die anderen Weißweine von Bimbache gilt: Am

zweiten oder dritten Tag nach Öffnen noch einmal so

großartig!

„JOHN STONE“ DO EL HIERRO, BLANCO 2020

„John Stone“ – mit „flor“ und zum Steinerweichen schön!

max. 6 Fl. / Kunde

SHI010220 „John Stone“ DO El Hierro, blanco 2020 14% Vol. 47,86 €/l 35,90 €

Die Cuvée „John Stone“ aus Vijariego Blanco (die auf

den Kanaren sonst „Diego“ genannt wird) und Listán

Blanco (genetisch identisch mit Palomino Fino)

stammt, daher die Bezeichnung, aus einem vor über

60 Jahren angelegten Weinberg namens „Piedra Juan“.

Hier sind, auf sandigen, vulkanischen Böden, steil über

dem sichelförmigen Tal „El Golfo“ in den hohen und

höchsten Regionen von „El Monte“ (nicht weit von der

Gemeinde La Frontera) die Reben nahezu konstanten

Passatwinden ausgesetzt. Der Wein wird im Edelstahltank

spontanvergoren, auf „halbem Weg“ dann in

Fässern aus französischer Eiche gefüllt und eine flor-

Schicht entwickelt hat (und dann ungefiltert und ungeklärt

mit nur minimaler Schwefelzugabe abgefüllt)

– oh wie ist da schön! Der „John Stone“ definiert laut

Rayco Fernández „sehr schön die gewisse Opulenz der

Weine von El Hierro und ihr »natürliches« Balance von

Volumen und Säure.“ Im Glas wunderbar subtil, zart,

aber doch ungeheuer präzise, als ritzte man mit einer

rasiermesserscharfen Klinge (Obsidian!) eine Duftkomponente

nach der anderen an: anfänglich sehr

spitz zitrisch, dann Limette, nach einiger Zeit dann

Passionsfrucht, im Minutentakt dann grüne Ananas

und Karambolfrucht, Gischt, salzige Meeresluft, getrocknet

Blüten, Hefe und grüne Haselnüsse auf Flint

und Heu. Hier spürt man, zumal mit mehr Luftkontakt,

die Achse El Hierro – Palomino – Sherry-Dreieck

geradezu körperlich – Manzanilla en rama in „herrensischer“

Interpretation. Am Gaumen eine hinreißende

Melange aus Frucht und Salz, schon fast beängstigend

präsenter Säure und tonischer, unglaublich animierender

Mineralität. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst

„trinken“ soll. Ein absolut janusköpfiger Wein, bei dem

man sich glücklicherweise nicht entscheiden muss, ob

man bei jeder intellektuell herausfordernden Kapriole

mitzieht oder sich ganz epikureisch dem in Hülle und

Fülle vorhandenen Trinkfluss überlässt. Herrliches Finish

mit elegantem grip, im Nachhall fruchtige, durch

den Kontrast zu feinsten Kräuterbitternoten leicht

süßlich wirkende „Glanzlichter“ (wieder Passionsfrucht,

dazu Quitte und Mandel).

Ab sofort bis sicherlich 2028+. Für diesen und auch die

anderen Weißweine von Bimbache gilt: Am zweiten oder

dritten Tag nach Öffnen noch einmal so großartig!

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SPANIEN EL HIERRO

Bimbache

„GRAND CRUZ DEL CALVARIO“ DO EL HIERRO, BLANCO 2020

Und für Bimbaches vulkanischen „Grand Cru(z)“ jetzt einen Orden!

max. 6 Fl. / Kunde

SHI010320 „Grand Cruz del Calvario“ DO El Hierro, blanco 2020 12,5% Vol. 47,86 €/l 35,90 €

Das „große Cru-Kreuz vom Kreuzweg“ lässt uns keinen

Sekundenbruchteil lang leiden, sondern versetzt

uns sofort in eine Art fröhliche Raserei: Wieder erweist

sich das autochthone Wunderwerk aus Vijariego

Blanco, Listán Blanco, Gual, Baboso Blanco und

Forastera Blanca (und anderen mehr) als atemberaubender

stilistischer Drahtseilakt. Für uns steht zweifelsfrei

fest, dass Bimbaches „Grand Cruz del Calvario“

ein immens großer Wein ist, den, wenn alles mit

rechten Dingen zugeht, Pablo Matallana und Rayco

Fernández in den kommenden Jahren zu einem Monument

formen werden. Ein Wein immerhin über dessen

2019er-Jahrgang Parker-Verkoster Luis Gutiérrez

enthusiastisch schrieb: „Das ist beißend, mineralisch,

gleißend hell mit verrückten Werten für Säure und pH.

Wird vermutlich ewig leben.“ Ein Wein, der aus einer

der kühlsten Zonen der Insel mit maximalem Einfluss

des Passatwinds (viento alisio) und damit Feuchtigkeit

stammt. Ein, so Pablo Matallana „elektrischer Wein

für die säureliebenden Gaumen“. Der „Grand Cruz“

als Fanal der Renaissance des Weinbaus auf den Kanaren

– doch, das trauen wir den beiden, das trauen

wir der außerordentlichen Substanz dieser irrwitzigen

Cuvée, die sehr schonend gepresst, dann in neutralem

Holz auf der Hefe ausgebaut wird, zu! Im Duft anfänglich,

wie alle weißen „Bimbaches“ sehr zurückhaltend,

weil verschlossen. Verschlossen allerdings wie eine

geballte Faust, deren Anblick man doch das eine oder

andere Detail entnehmen kann. Mit etwas Luft dann

wieder eine leichte Manzanilla-Anmutung, nicht ganz

so deutlich wie etwa beim „John Stone“, hier eher mit

Silberstift auf hellem Karton: Kamille, etwas Fenchel,

Zitronenmelisse, und kühle Feuersteinnoten. Sobald

sich die ersten flintig-rauchigen Wolken lichten, bricht

sich ein fast honigfarbener Ton die Bahn – der komplexe

Unterbau der nach und nach in die Bühnenmitte

strömenden Aromen von Hefe, getrockneten Blüten

und noch grünen wie auch leicht gerösteten Mandeln.

Am Gaumen dann eine glockenhelle Säure, die in geradezu

seismischen Wellen das Geschehen bestimmt!

Das ist mit Lust aufs Äußerste getrieben, der „Grand

Cruz“ glänzt durch eine fast schon irrwitzig straffe,

dabei ungemein animierende salzig-zitrische „Kargheit“,

die dem Wein eine energetisierend elektrische

Qualität verleiht, was durch eine zarte Holznote am

Gaumen nur noch verstärkt wird. Das ist schon fast

schmerzhaft schön, auch wenn die Besteigung eines

„Kalvarienbergs“ vermutlich nicht jedermanns Sache

ist. Für uns: zum Niederknien!

Ab sofort bis sicherlich 2030+. Für diesen und auch die

anderen Weißweine von Bimbache gilt: Am zweiten oder

dritten Tag nach Öffnen noch einmal so großartig!

72 PINWAND no 328 | September 2021


Bimbache

EL HIERRO SPANIEN

„MIGUELITO JACKSON – BLAN DE NUAR“

DO EL HIERRO, BLANCO 2020

Aus Schwarz mach Weiß – ein Hoch auf die orthodoxen Unorthodoxen!

max. 3 Fl. / Kunde

SHI010620 „Miguelito Jackson – Blan de Nuar“ DO El Hierro, bl. 2020 13% Vol. 50,53 €/l 37,90 €

Ja, der Name ist … ungewöhnlich, vermutlich auch

nicht über die Maßen woke und auch nicht zwingend

nachzuvollziehen, wenn man die chromatischen Metamorphosen

des „King of Pop“ nur vom Hörensagen

kennt – in schallendes Gelächter sind wir trotzdem

ausgebrochen, zumal wegen des „blan de nuar“. Spanienurlauber

kennen das: „cruasán“, „güisqui“, „jipi“ –

und jetzt im Weinkontext einfach „rocanrol“! Aber lassen

wir doch Rayco und Pablo zu Wort kommen: „Wir

haben diesen »blan de nuar« hauptsächlich aus Baboso

Negro vinifiziert, einer auf El Hierro beheimateten

Rebsorte, die seit uralten Zeiten in den Weinbergen zu

finden war. In jüngerer und jüngster Zeit vermutlich

eine der begehrtesten roten Trauben auf den Kanarischen

Inseln, da sie im Vergleich zum Listán Negro das

Potenzial hat, vollmundige Rotweine mit mehr Farbe,

Tannin usw. hervorzubringen ... Wir aber, als orthodoxe

»Listanistas« haben es – um Vergleiche zu vermeiden

– vorgezogen aus Baboso Negro einen Weißwein zu

machen und gleichzeitig einer Persönlichkeit zu huldigen,

die nicht weniger umstritten ist als dieser

Wein.“ Weil wir’s allerdings ganz besonders

genau nehmen sei erwähnt, dass auch ein

kleiner Anteil von Verijadiego Negro, Listán

Negro und anderen schwarzen und weißen

(natürlich autochthonen) Rebsorten mit von der

Partie ist. Trotz des üppigen Quantums an Baboso

Negro hat „Miguelito Jackson“ allerdings kein Gramm

Fett auf den Hüften, seine 13 Vol.-% Alkohol sehr smooth

integriert. Im Duft Zündplättchen neben floralen

Noten, feine Beerenfrucht und das allgegenwärtige

vulkanische Gestein, von der Gischt noch feucht, die

Sonne darauf im Zenith, dann Kräuter, weiße Steinfrucht

und salzige Luft. Am Gaumen die „Hausmarke“,

eine wunderbare Melange aus Frucht und Salz, immer

wieder energetisierender Säure und tonischer, herrlich

(trink)animierender Mineralität, im Abgang ein Hauch

Ahoi-Brause (Variante Rhabarber)! Um es mit „MJ“ zu

sagen: „Don’t stop ’til you get enough“!

Ab sofort bis leicht 2026+.

BIMBACHE DO EL HIERRO, TINTO 2020

Magma mía: Spektakulärer tinto, vulkanische expressiv!

max. 2 Fl. / Kunde

SHI010420 Bimbache DO El Hierro, tinto 2020 13% Vol. 39,93 €/l 29,95 €

Für den „kleinen Roten“ aus dem La-La-Lava-Land

kommt das Traubenmaterial von 50- bis 100-jährigen

Reben, die auf sandig-lehmigen, mit einem hohen

Anteil vulkanischen Sands und Asche durchsetzten

Böden im sonnigen, deutlich trockeneren Südteil der

Insel zum Einsatz. Aufgrund des Alters der Reben bzw.

ihrer „archaischen“ Pflanzweise liegt die Vermutung

nahe, dass hier Dutzende von (roten wie weißen)

Traubensorten in die Cuvée eingehen, vorrangig aber

sicherlich Listán Negro, Vijariego Negro, Listán Blanco

und Forastera Blanca (zum Teil entrappt, zum Teil als

grappes entières). Nach der spontanen Gärung und

einer nur knapp zwei Wochen dauernden Mazeration

reift er in neutralen 500-Liter-Fässern und 54-Liter-

Glasballons (damajuanas) und wird, wie alle Weine von

Bimbache, ungeschönt und ungefiltert abgefüllt – was

dem hell leuchtenden Kirschrot (zart violette Reflexe

inklusive) keinen Abbruch tut. Nach Sekunden im Glas

Schwefelhölzer, Graphit, Feuer- und Tuffstein, Asche

und noch mehr Schwefel. Darüber ein Hauch von rauchigem

Blütenduft, als habe jemand auf der noch nicht

ganz erkalteten Lava ein Blumenbrandopfer dargebracht.

Mit etwas mehr Luft und größerem Glas dann

erste Fruchtnoten (Orangenschale, Kirsche, Schwarzjohannisbeeren)

und Heckenrose. Am Gaumen dann

verblüffend seidig, verblüffend elegant, sehr fein gewirkte

Tannine, Assamtee- und Himbeernoten, sehr

leicht, fast federnd, muskulöser Spitzentanz, verblüffend

frisch. Und dennoch lässt sich die „Schwärze“ der

vulkanischen Umgebung mit jedem Schritt, mit jedem

Schluck neu erahnen. Nach etwa 20 bis 30 Minuten im

Glas haben sich die eher mephitischen Komponenten

verflüchtigt, zurück bleibt eine sehr komplexes, dafür

umso trinkanimierenderes Spannungsfeld aus (immer

noch verhaltener) Frucht, Waldboden, anregend

animalischen Noten, leicht kreidiger Mineralität und

einer faszinierenden, an Tiefenschärfe deutlich gewinnenden

Gerbstoffstruktur. Ein ungewöhnlicher, ungewöhnlich

schöner Wein.

Bitte mehr davon, wir sind immer noch ganz schön

Bimbache-süchtig!

Ab sofort und gerne etwas kühler bis 2025+.

73


SPANIEN MADRID

Bernabeleva

BODEGAS Y VIÑEDOS

BERNABELEVA

SAN MARTÍN DE VALDEIGLESIAS

DIE RENAISSANCE

DER GARNACHA

74 PINWAND no 328 | September 2021


Bernabeleva

MADRID SPANIEN

Gredos, Garnacha und Granit – das sind die

Hauptzutaten für Weine aus fast vergessenen

Hochlagen, die seit nunmehr fast 20 Jahren

die Weinwelt begeistern

So etwas wie der Urknall für ein Weingut im Dornröschenschlaf (Bernabeleva), eine Region

(Gredos), eine Rebsorte (Garnacha), für ein ganzes Weinland gar, das kein Geringeres als das

größte der Welt ist: España! Held (wider Willen) dieser Geschichte ist Marc Isart, Weinmacher

und Mastermind von Bodegas y Viñedos Bernabeleva.

GREDOS – DIE KEIMZELLE DER TERROIRISTEN

UND NEUEN HELDEN DES 21. JAHRHUNDERTS

Dem aufmerksamen Leser unserer PINwand kommen die nun

folgenden Zeilen zweifelsohne bekannt vor. Dennoch sind die

nun folgenden Ausführungen Geschichten und Fakten der deutschen

Weinszene nahezu unbekannt, daher wiederholen wir

uns gerne, denn über die Weine aus Gredos sollte viel häufiger

gesprochen werden! Die Sierra de Gredos, ein zentraler Abschnitt

des kastillischen Scheidegebirges mit dem Kulminationspunkt

„Pico Almanzor“ (2.592 Meter hoch), steht sinnbildlich

für das neue Wesen des spanischen Weinriesen. Mehrfach haben

wir bereits angemerkt, dass die alten Vorurteile gegenüber

spanischen Weine (zu konzentriert, zu alkoholisch, zu marmeladig,

zu holzig, zu …) längst überholt sind und Ihnen Exemplare

des neuen Spaniens ans Herz gelegt (etwa Envínate, Bimbache,

Bhilar, Esmeralda García oder Verónica Ortega, um nur einige

Namen zu nennen). Und diese Sierra de Gredos (ein gelobtes

Land in Sachen Wein) westlich von Madrid hat einen enormen

Anteil an dem Imagewechsel, der um die Jahrtausendwende

eingeläutet wurde.

MARC ISART – CURRICULUM EINES GANZ

GROSSEN WINZERS UND FEINEN MENSCHEN

Einer der diesen Prozess aktiv wie kein Zweiter mitinitiiert hat,

ist der gebürtige Katalane Marc Isart Pinos (Jahrgang 1975). Es

ist nicht vermessen, ihn als den großen (und stillen) Star der

Region und seiner Winzergeneration vorzustellen. Marc ist ein

begnadeter Weinmacher, der nie Aufhebens um seine Person

macht, sich viel lieber schweigend im Hintergrund hält. Er sucht

weder das Rampenlicht noch die Öffentlichkeit. Marc ist – no

pun intended! – eine ganz eigene, besondere Marke, und wer

ihn einmal getroffen hat, stellt dies auch sehr schnell fest. Als

er 14 Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach Madrid.

Kaum in der Fremde angekommen, wurde aus dem Teenager ein

körperlich hart arbeitender Landmaschinenschlosser, der in seiner

Freizeit zudem der Landwirtschaft zuwandte, was ihn quasi

unweigerlich zum Weinbau führte. In den Abendstunden büffelte

er für seine weiterführenden Schulabschlüsse: Ein Pensum,

das für einen Heranwachsenden in unseren Breiten völlig undenkbar,

geschweige denn möglich wäre. Etwas später studierte

Marc die Fächer Agrarwirtschaft (Ingenieur) und Önologie

(Master) an der renommierten Universität Complutense de

Madrid. Wie selbstverständlich managte er sein Studium neben

dem Job als Landmaschinenschlosser. Seine Zeit mit den schweren

Maschinen sollte nach seinen erfolgreichen Universitätsabschlüssen

Geschichte sein. Fortan arbeitete er als Önologe für

ein Weingut aus seiner Nachbarschaft, dem er übrigens bis heute

beratend zur Seite steht.

RENAISSANCE DER GARNACHA

Im Jahr 2006 erhielt Marc das Angebot für das Weingut Bernabeleva

zu arbeiten. Niemand Geringeres als Raúl Pérez, der zu jener

Zeit als consultant für die Bodega tätig war, wollte ihn haben!

Marc sagte zu und fand sich in seiner neuen Rolle als Motor

einer aufstrebenden Bodega sehr schnell zurecht. Früh erkannte

er Stärken, Schwächen und Besonderheiten die das Terroir von

San Martín de Valdeiglesias mit sich brachte. Gerade im Umgang

mit den alten Garnacha-Reben gelang Marc auf Anhieb

herausragendes. Garnacha die einst meistangebaute Rebe Spaniens

und der Welt (in Frankreich besser bekannt als Grenache)

rückt unter Marc bei Bernabeleva und in der Folge bei anderen

Winzer der Region wieder in den Fokus und gewinnt fortan wieder

an Bedeutung. Marc prägt mit den Weinen von Bernabeleva

und, ab 2008, denen von Comando G (dessen Gründungsmitglied

er war) einen für Spanien bis dahin unbekannten neuen

Weinstil, dem die heutige Winzer-Avantgarde des Landes nacheifert:

transparent, fein, klar, geprägt von Frische, Spannung,

Mineralität und Charakter. Marcs Vorbilder vermutet man im

Burgund, tatsächlich führt er aber andere an: Rayas und Rinaldi.

Auch Altmeister sind vom Können eines Marc Isart beeindruckt.

75


SPANIEN MADRID

Bernabeleva

Niemand anderes als Telmo Rodríguez, der 1999 als erste große

„außenstehende“ Winzerpersönlichkeit das Potenzial der Gredos

entdeckte, investierte viel Zeit und Geld in sein dortiges

Projekt Pegaso. So richtig zufrieden war er nie mit seinen Weinen,

und so bemühte er sich – wohlwissend, was zu tun sei –

um den besten Mann für dieses Unterfangen: Marc Isart! Seit

2016 trägt Marc nun also auch dort die Verantwortung für die

tatsächlich immer klarer profilierten Weine, an denen sich seitdem

eben auch seine Handschrift herauslesen lässt. Da Marc

von klein auf ein intensives Pensum gewohnt ist, verwundert

es auch nicht, dass er neben seinen Aktivitäten bei Bernabeleva

und Pegaso noch den Atem besitzt, gemeinsam mit seiner Frau

Carmen ein weiteres Projekt voranzutreiben. Hierbei handelt es

sich um die eigene kleine Bodega Cinco Leguas in der die Weine

unter dem Namen „La Maldición“ („Der Fluch“) im südlichen

Teil der Appellation D.O. Vinos de Madrid gefüllt werden.

ZURÜCK IM TAL DER BÄREN

In der Gegend, die eine Autostunde westlich der Metropole

Madrid liegt, sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute

Nacht. Gredos war und ist noch immer Erholungsgebiet für viele

Hauptstädter – ob als Wochenendzuflucht, Sommerfrische

oder als Jagdrevier. Ein Umstand, der auch das auch das Etikett

von Bernabeleva inspiriert hat, auf dem Diana, die Göttin der

Jagd auf einem Bären reitend abgebildet ist. Das Gut (oder finca)

blickt auf eine mittlerweile fast hundertjährige Geschichte

zurück: 1923 erwirbt der bekannte Madrider Arzt und Politiker

Vicente Álvarez Villamil ein weitläufiges Grundstück am Fuße

des 1.310 Meter hohen Cerro de Guisando etwas außerhalb von

San Martín de Valdeiglesias. Er lässt Weingärten und Olivenhaine

anlegen, Obstbäume und Gemüse pflanzen. Er träumt

von großen Weinen und betreibt Bernabeleva als Gartenhof,

der Besuchern jederzeit Zugang gewährt. Der spanische Bürgerkrieg

lässt Vicentes Traum in weite Ferne rücken. Der Wein

der gesamten Region verliert zusehends an Bedeutung, Winzergenossenschaften

bestimmen fortan das Bild, und immer weiter

sinkende Traubenpreise setzen der Branche zu, die bald recht

perspektivlos ist, deren Weine in völliger Bedeutungslosigkeit

versinken. Aber Totgesagte leben länger!

76 PINWAND no 328 | September 2021


Bernabeleva

MADRID SPANIEN

WACHGEKÜSST AUS DEM

DORNRÖSCHENSCHLAF

Im Stillstand und Niedergang finden sich auch immer wieder

positive Aspekte, in Gredos wären da zuallererst die alten Garnacha-Reben

zu nennen. Da die Region in den Jahrzehnten der

Erneuerung nicht zu den hippen und rentablen Spots zählte

wurde hier weder in neue Rebanlagen oder gar neue Rebsorten

(wie vielerorts) investiert, geschweige in Infrastruktur. Die

alten Fincas und ihre ursprünglichen Parzellen blieben, sofern

wie nicht verfielen und verwilderten vielfach erhalten, so auch

bei Bernabeleva. Die Nachkommen von Vicente erhielten die

Finca über lange Jahre ohne Ziel aus Sturheit, ein Glückfall für

den Urenkel des Gründers Juan Diez Bulnes. Juan, selbst erfolgreicher

Architekt mit Lebensmittelpunkt Madrid, war Anfang

der 2000er-Jahre fest entschlossen, den Traum Vicentes Realität

werden zu lassen. Auf der Finca entstand ein modernes Kellereigebäude,

und man engagierte mit Raúl Pérez den „Wein-Guru“

überhaupt (der damals wie heute selbst sehr erfolgreich in der

Region mitmischt, u. a. bei Viñedos del Jorco), um den Neuanfang

beratend zu begleiten. Neben den heute fast 100-jährigen

Parzellen wie Viña Bonita, Carril del Rey und Arroyo del Tórtolas

waren die Personalentscheidungen der ersten Stunde die Garanten

für den Erfolg. Marc Isart war vom Start weg eingebunden

und ist bis heute dabei, eine Konstante, die heute bei bei

aufstrebenden Startups im Weinbusiness eine absolute Seltenheit

ist. Und Vicentes Traum von eigenen guten Weinen wurde

mit dem Jahrgang 2007 endlich Wirklichkeit.

DAS TAGEWERK

Zur ursprünglichen Finca gehörten 400 Hektar Land, ein Teil

davon stand schon immer unter Reben. Heute bewirtschaftet

man bei Bernabeleva 35 Hektar Rebfläche, die komplett biodynamisch

bewirtschaftet werden. Star der Region und des

Hauses ist die rote Garnacha, daneben wird mit Morenillo eine

weitere rote und rare autochthone Rebsorte kultiviert. Bei den

weißen Sorten spielt Albillo Real die erste Geige, desweiteren

arbeitet man hier mit Macabeo, Garnacha Blanca, Garnacha

Grís, Moscatel de Grano Menudo und Malvar. Selbstverständlich

ist hier extrem viel Handarbeit gefragt, die alten Parzellen

in Buscherziehung lassen auch keinen großflächigen Einsatz von

Maschinen zu. Auch die Bodenbearbeitung erfolgt meist mit

der Hacke, zuweilen unterstützt durch den Einsatz von Arbeitspferden.

Die Begrünung der Flächen wird mühselig mehrfach

im Jahr von Hand zurückgeschnitten. Rebalter, Pflanzdichte

und Klima machen in diesen Breiten viel Arbeit, der Ertrag ist

vergleichsweise gering, dafür aber umso spektakulärer.

DAS VIELZITIERTE NICHTSTUN

Besonders die Ernte der „Diva“ Garnacha ist in diesem kontinentalen

Klima in den höchsten Lagen von Bernabeleva (800-

1.000 Meter) nicht eben einfach. Bereits Ende August hat die

Rebe die volle alkoholische Reife erreicht, die Moste weisen

dann ein hohes Potenziale von bis zu 15,5 Vol.-% auf. Allerdings

ist dann die phenolische Reife (grob gesagt: die Herausbildung

von Tannin, Farbe und Geschmack) noch nicht ganz abgeschlossen.

Die Suche nach der Balance wird so zu einer echten Herausforderung.

Die Marc allerdings sehr bald (und immer wieder)

gemeistert hat. So arbeitet er mit sehr langen Maischestandzeiten

in offenen Bütten. Zwischen 30 und 90 Tagen dauert diese

„Beautybehandlung“, bei der er allerdings auf remontage und

pigeage verzichtet, die Extraktion geschieht hier so sanft wie

bei einer japanischen Teezeremonie. Für den weiteren Ausbau

kommt der werdende Wein in möglichst gebrauchte, großformatige

Fässer um jegliche Dominanz des Holzes zu vermeiden.

Auch hier versucht Marc nach Kräften ohne bâtonnage auszukommen,

seine Weine sollen sich vertikal-tief und nicht etwa

horizontal-breit entwickeln. Fast überflüssig zu erwähnen, dass

den Weinen von Bernabeleva praktisch keine Additive zugesetzt

werden. Zudem bleiben sie unfiltriert und werden mit nur

einer minimalen Schwefelgabe konserviert.

EN FÍN ODER ZU GUTER LETZT

Marc hat mit seinen Weinen bei Bernabeleva nicht nur Gredos

zurück ins Jetzt geholt, sondern einen Weinstil miterfunden und

geprägt. Zudem hat er der alten Dame Garnacha wieder eine

Bühne gegeben, auf der sie heller strahlt denn je. Heute kommen

die besten Garnachas des Landes definitiv aus Gredos, nicht

wenige Insider behaupten, es seien sogar die besten der Welt!

77


SPANIEN MADRID

Bernabeleva

„CAMINO DE NAVAHERREROS“

DO VINOS DE MADRID, BLANCO 2018

Von der Dame und dem weißen Bären

SVM011218 „Camino de Navaherreros“ DO Vi. de M., blanco 2018 PK 12,5% Vol. 13,20 €/l 9,90 €

Madrider Wein? Und ob! Als Hauptstadt des Landes mit

der weltweit größten Rebfläche (knapp 1 Million Hektar),

kann man sich natürlich nicht lumpen lassen. Knapp

8600 Hektar stehen um Madrid herum unter Reben

und schon lange wird man auch nicht mehr verständnislos

angeschaut, wenn man in einem eleganten Madrider

Restaurant einen lokalen Wein bestellt. Warum

auch? Offiziell existiert die D. O. Vinos de Madrid

seit 1990 (ab 1973 schon projektiert, erste Verwaltungshürden

wurden 1984 genommen) Wein wird hier allerdings

schon seit über 1000 Jahren angebaut. Arganda,

Navalcarnero und San Martín de Valdeiglesias heißen

die im Süden der Provinz gelegenen Subzonen, 2019

neu hinzugekommen ist El Molar im Norden, auf denen

neben der weißen Albillo-Rebe vor allem Garnacha

ganz prächtig gedeiht. Zu den schönsten, ja beeindruckendsten

Weinen der Region zählen sicherlich die von

Bernabeleva am Fuße des Cerro de Guisando. Was hier,

knapp 50 Autominuten von Madrid, gekeltert wird, ist

viele und eingehende Ausflüge wert. Marc Isarts weißer

„Camino de Navaherreros“, eine Cuvée aus Macabeo,

Albillo Real, Moscatel de Grano Menudo, Garnacha

Blanca, Malvar und anderen Rebsorten, deren Namen

vermutlich in Vergessenheit geraten sind, duftet nach

weißem Steinobst, im Hintergrund leicht würzig-erdige

Noten, zerriebener Stein und Anklänge von Kräutern.

Seidig, wunderbar geschmeidig am Gaumen,

schöne Länge – Herz, was willst Du mehr?

Ab sofort bis 2023+.

„NAVAHERREROS“ DO VINOS DE MADRID, BLANCO 2018

Grandiose Cuvée, einer Hauptstadt würdig!

SVM010118 „Navaherreros“ DO V. de M., blanco 2018 12,5% Vol. 18,53 €/l 13,90 €

Nur wenigen Menschen ist die Rebsorte Albillo Real

ein Begriff. Sie taucht selten auf Etiketten auf, und

man findet sie auch nur sehr begrenzt in Zentralspanien.

Hinzu kommt, dass Spanien über Generationen

hinweg primär als Rotwein-Land wahrgenommen

wurde und die weißen Rebsorten immer noch neu

entdeckt werden müssen. Mittlerweile ist jedoch vielen

Kennern klar, dass die Weißweine Spaniens höchst

spannend sind. Und genau das beweist auch der Navaherreros

blanco des Ausnahme- Winzers Marc Isart.

Er bringt bei diesem Ortswein, der das Terroir von San

Martín de Valdeiglesias widerspiegelt, 60 % Albillo aus

verschiedenen Lagen (70 bis 85 Jahre alt) mit 40 % Macabeo

aus einer einzelnen, 25 Jahre alten Lage zusammen.

Macabeo ist eine der wichtigsten weißen Sorten

in Spanien. Sie ist Teil einer typischen Cava-Cuvée und

unter dem Namen Viura verantwortlich für 90 % der

weißen Rioja. Beide Rebsorten sind kräftig und neigen,

wenn spät gelesen wird, zu viel Alkohol. Doch wie

man auf dem Etikett sieht, verfügt dieser Weißwein

aus der Region Madrid lediglich über 12,5 Vol.-%. Die

Reben wurden so gepflegt, dass sie bei vollständiger

physiologischer Reife früh geerntet werden konnten.

Wie bei Bernabeleva üblich, wurden die Weinberge

mit ihren alten Buschreben nach biologisch-organischen

und biodynamischen Grundsätzen gepflegt. Im

Keller geht Marc Isart nahezu noninterventionistisch

vor. Selbstverständlich greift er als Weinmacher ein,

aber so wenig wie eben möglich. Das heißt, dass seine

Weine nur gering geschwefelt sind, weder stabilisiert

noch gefiltert werden und dass auch keine bâtonnage

(das Aufrühren der Hefen) zur Anwendung gelangt.

Den Trauben gab Marc Isart 36 (Albillo) bzw. 48 Stunden

(Macabeo) Maischestandzeit. Der Macabeo wurde

dann in 500- und 600-Liter-Barriques spontanvergoren

und dort neun Monate ausgebaut, beim Albillo

fanden Spontanvergärung und Ausbau auf der Hefe im

2.500-Liter-Fuderfässern statt.

Was dabei entsteht, ist ein charaktervoller Weißwein,

wie er nur in Gebieten entstehen kann, die heiß sind

und in denen die Rebsorten an diese Hitze gewöhnt

sind. Der goldgelbe, leicht trübe Navaherreros blanco

ist ein kraftvoller Wein, was sich auch im Duft mitteilt.

Anfänglich zurückhaltend (ein leiser Hauch getrockneter

Aprikosen, zart brotige Noten), mit etwas

mehr Luft dann Reinetten bis hin zu reifen Birnen,

dazu leicht gerösteten Salzmandeln (Schale!), getrocknete

Kräutern und Heu. Am Gaumen zunächst zitrisch

herb, dann erst ein Schimmer der Frucht, die sich im

Bouquet angekündigt hatte. Ein Struktur-, ein Terroirwein,

der vor allem als Begleiter von Speisen aufblüht,

die dessen präzise Säure zum Leben erwecken.

Gleichzeitig sorgt die Salzigkeit, die sich schon im Duft

andeutet, für einen schönen Trinkfluss. Ein spannender,

unglaublich eigenständiger Weißwein, wie man

ihn vermutlich leider nur selten im Glas hat!

Ab sofort und mit Gusto bis über 2024 hinaus.

78 PINWAND no 328 | September 2021


Bernabeleva

MADRID SPANIEN

„CANTOCUERDAS ALBILLO“

DO VINOS DE MADRID, BLANCO 2018

Albillo? So geht das, so muss das!

SVM010218 „Cantocuerdas Albillo“ DO V. de M., blanco 2018 12,5% Vol. 26,53 €/l 19,90 €

Man wird niemandem zu nahe treten, wenn man feststellt,

dass die nur regional vorkommende Sorte Albillo,

die man rund um Madrid, in Kastilien-Léon und Galicien

sowie auf La Palma auf rund 3.000 Hektar findet,

nicht unbedingt für herausragende Weine bekannt ist.

Das hängt vor allem damit zusammen, dass man sich

auch nie darum gekümmert hat, aus dieser Sorte etwas

Besonderes zu zaubern. Und das geht nicht nur

dem Albillo so, dafür gibt es viele Beispiele aus allen

Ländern Europas. Es ist Marc Isart, dem außergewöhnlichen

Weinmacher von Bernabeleva zu verdanken,

dass er sich der Rebsorte Albillo angenommen hat, die

in verschiedenen Weinbergen des Weinguts zu finden

ist. Er hat sie studiert und hat experimentiert, wie man

am besten mit ihr umgeht. Meist wurde sie spät gelesen,

und das mit hohen Erträgen. Er aber schneidet sie

zurück und erntet früh. So ergibt sich ein ganz anderes

Bild von ihr, die als alkoholreich und träge gilt. Marc

geht aber noch einen Schritt weiter. Für seinen Wein

nutzt er die Trauben, die aus dem von schwarzem Granit

geprägten etwa 740 Meter hohen, windigen und

von Wäldern umgebenen Weinberg Cantocuerdas mit

90 Jahre alten Reben stammen. Er stellt sie zunächst

für 36 Stunden in den kühlen Keller, um eine Vorvergärung

und eine leichte Extraktion zu erreichen. Dann

vergärt er die Trauben spontan in 500-Liter-Eichenfässern,

wo sie danach weiter elf Monate lang auf der

Feinhefe reifen. So ergibt sich ein ganz eigenes Geschmacksbild,

das aber hervorragend zu dieser opulenten

und stark glyzerinhaltigen Sorte (Kirchenfenster

im Glas!) passt. Tatsächlich ist hier ein bildschöner

Charakterwein entstanden, der sich im Glas leicht trüb

und intensiv strohgelb zeigt. Er präsentiert zunächst

eine etwas verhaltene, dann immer deutlich konturriertere

Melange von weißen Blüten und Gewürzen,

Hopfen, noch unreifer Karambolfrucht, etwas Heu

und trockenem Baguette. Der Wein wirkt schon in

der Nase zugleich frisch, reif, cremig und animierend

straff. Am Gaumen begeistert zunächst die Saftigkeit

des Albillo, die mit der antizipierten Cremigkeit einhergeht,

der es allerdings auch nicht an grip und einer

geradezu markanten Textur und Frische mangelt.

Auch am Gaumen wirkt der Wein auf anregende Weise

würzig, die anfängliche vermeintliche „aromatische

Kargheit“ weicht einer Kombination aus gelber Frucht

und einer leicht salzigen, dabei ungeheuer tonischen

Qualität, die dem Wein einen bemerkenswert langen

Abgang und noch nachhaltigeren Trinkfluss beschert.

Ein herrlich eigenständiger Stoff für Weinentdecker!

Ab sofort bis sicherlich 2027+.

79


SPANIEN MADRID

Bernabeleva

„MANCHOMUELAS“ DO VINOS DE MADRID, BLANCO 2018

„Manchomuelas“ – Garnacha-Flüsterer Marc Isart zaubert jetzt auch in Weiß!

SVM011118 „Manchomuelas“ DO V. de M., blanco 2018 11,5% Vol. 26,53 €/l 19,90 €

Garnacha – aber diesmal in Weiß! Für den „Manchomuelas“

greift Marc Isart auf eine 2008 mit Garnacha

Blanca (etwas Garnacha Gris – die auch als Garnacha

Dorada bzw. Garnacha Roja geführt wird – ist auch

dabei) bepflanzte Parzelle 2008 zurück, deren Granitboden

einen hohen Eisenanteil aufweist. Interessanterweise

ist diese Rebsorte im offiziellen Register

„autorisierter Varietäten“ nicht erwähnt, was dann

doch etwas seltsam ist, wenn man bedenkt, dass so

„klassisch“ spanische Vertreter wie Merlot, Cabernet

Sauvignon, Syrah und Sauvignon Blanc innerhalb der

D.O. Vinos de Madrid sehr wohl vorgesehen sind.

So umweht den „Manchomuelas“ eben ein gewisser

Ruch von Freigeisterei bis Illegalität – was der Qualität

des Weins natürlich keinen Abbruch tut, im Gegenteil!

Denn wie schon bei seinen Rotweinen gelingt es

Marc Isart diesen Wein wunderbar kühl leuchten zu

lassen. Im Duft anfänglich etwas verhalten, man wäre

fast versucht von „Kargheit“, ja „kastilischer Strenge“

zu sprechen, wäre da nicht eine erster Hauch von

weißen Blüten (Kamille), etwas Fenchel, Zitronenmelisse,

und Noten von kühlem Stein. Sobald sich diese

ersten „mineralischen“ Wolken lichten, bricht sich

ein fast honigfarbener Ton die Bahn – der komplexe

Unterbau der nach und nach in die Bühnenmitte strömenden

Aromen von Hefe, getrockneten Blüten und

einer zart herben, „verdichteten“ Saftigkeit, die eher

an grüne Triebe denn an Frucht erinnert. Am Gaumen

dann tatsächlich kühl, transparent und gleichzeitig

konzentriert, dabei herrlich strukturiert (ganz großes

Fingerspitzengefühl beim Ausbau in 300- und 500-Liter-Fässern!)

und mit gerade einmal 11,5 Volumenprozent

Alkohol eine geradezu irrwitzig leicht anmutende

Interpretation einer häufig viel zu üppig auf Flaschen

gezogenen Rebsorte. Herrlich!

Ab sofort bis sicherlich 2029+.

93 Punkte

PARKER

80 PINWAND no 328 | September 2021


Bernabeleva

MADRID SPANIEN

„CANTOCUERDAS MOSCATEL“

DO VINOS DE MADRID, BLANCO 2018 (0,5L)

Madrider Muskateller? Mmmmh!

SVM010417F „Cantocuerdas Moscatel“ DO V. de M., bl. 2017 (0,5l) 16% Vol. 39,90 €/l 19,95 €

Es kann kein Zufall sein, dass Marc Isart das Projekt von

Telmo Rodríguez in der D.O.P Cebreros betreut – die

beiden scheinen, was ihre Ideen angeht, ein Herz und

eine Seele zu sein. So wie Telmo den echten Gebirgswein

aus Málaga von uralten Buschreben wiederbeleben

wollte, so war es Marcs Bestreben einen Moscatel

aus den Höhenzügen um Madrid als vino dulce auf die

Flasche zu bringen. Für den „Cantocuerdas Moscatel“

greift er auf Trauben einer vor 45 Jahren bepflanzten,

vergleichsweise kühlen Parzelle zurück, die auf 770

Metern Höhe liegt. Sie werden ganze 40 Stunden kühl

vorvergoren, die eigentliche Vergärung mit Schalen

dauert 30 Stunden, der Wein wird dann auf der Hefe in

500-Liter-Fässern zehn Monate lang ausgebaut, wobei

keinerlei bâtonnage zum Einsatz kommt. Das Ergebnis:

Ein dichter, ausgesprochen kraftvoller Wein, der bei 16

Vol.-% Alkohol über 60 Gramm Restzucker verfügt.

Im Duft eine leicht „verhangene“, weil dunkelaromatische,

dabei faszinierend komplexe Moscatel-Frucht,

florale Noten neben Stein und einer Spur Holz, dann

auch Orangenblüten- bis fast Pinienhonig und eine

fast balsamisch-würzige Qualität, die an frischen Lorbeer

denken lässt. Am Gaumen eine nur zarte Muskat-

Aromatik, dafür umso mehr Substanz und Struktur, im

Nachhall eine leicht herbe, nach einiger Zeit fast salzige

Note, die sich mit der Süße und einer sanften Säure

im druckvollen Abgang wunderbar verbindet.

Ab sofort bis sicherlich 2024+.

„NAVAHERREROS SEIS AÑOS EN BARRICA“

DO VINOS DE MADRID, BLANCO 2013

Die Achse Haro–Madrid – jetzt auch bei Pinard de Picard! Oldschool!

SVM011313 „Navaherreros seis años en barrica“ DO V. de M., bl. 2013 15,5% Vol. 38,53 €/l 28,90 €

Ein erster Blick aufs Etikett lässt das Herz eines jeden

Rioja-aficionados höherschlagen: „…seis años en barrica“,

ein Anlass zu einem inneren Freudentanz! Die magische

„Sechs“ weckt sofort Erinnerungen an die einzigartigen,

stilbildenden Klassiker der Bodega R. López de

Heredia Viña Tondonia. Schon früh in ihrer Geschichte

hatten diese (und hier stimmt das Wort einmal ohne

jede Übertreibung) visionären bodegueros entschieden,

dass ein Wein sechs Jahre im Holz reifen könne, bevor

er auf die Flasche und in den Verkauf kommt. Und ganz

offensichtlich knüpft Marc Isart an dieses historische

Vorbild an, holt die Rioja nach Madrid.

Dieser anders als man zunächst hätte denken können

gar nicht so über die Maßen ins Bernsteinfarbene tendierende

Wein macht seinem Namen alle Ehre. Der

mehrjährige Ausbau im Holz ist dann im Bouquet umso

deutlicher bemerkbar. Man riecht den langen Holzfassausbau

und die Tiefe, die der Wein dadurch erreicht

hat. Der Wein liegt dunkelgolden (zwiebelschalenfarbene

Reflexe inklusive) im Glas und duftet würzig-intensiv

(sowie auch oxidativ) nach Walnüssen, Bienenwachs,

Brotkruste, alten Möbeln (bis hin zu einer Spur Möbelpolitur),

Leder und getrockneten Kräutern. Am Gaumen

angenehm druckvoll – die beeidruckenden 15,5 Volumenprozent

Alkohol erweisen sich als perfekt integriert

– und von einer erstaunlichen Frische gesegnet, da eine

anregende Säureader diesen wie aus der Zeit gefallenen

Wein leitet, der hier seine Bahnen zieht. Mit etwas Luft

dann deutlich salzige Noten, Trockenfrüchte, lange gezogener

Keemun-Tee (ohne jegliche Adstringenz), dazu

heller Tabak, ein Hauch Vanille und Agrumen.

Ein gewagtes Experiment für wagemutige Genießer –

als Madrilenen ehrenhalber lieben wir so etwas natürlich

sehr! Ein Wein, den man unbedingt als Speisenbegleiter

einsetzen sollte, da er sich sicherlich großartig

zu anchoas de Santoña (idealerweise das Kaliber „00“),

den in Geschmack und Textur fast an Rindfleisch erinnernden

in Salzlake fermentierten Sardellen macht.

Ab sofort aus großen Gläsern und bis 2028+.

81


SPANIEN MADRID

Bernabeleva

„CAMINO DE NAVAHERREROS“

DO VINOS DE MADRID, TINTO 2019

Und er läuft und läuft und läuft … Garnacha? Allerfeinst!

SVM010519 „Camino de Navaherreros“ DO V. de M., tinto 2019 PK 14,5% Vol. 13,26 €/l 9,95 €

Schließen Sie die Augen und denken an reife, fleischige

Erdbeeren. Fügen Sie florale Noten, Veilchen

und einen Hauch Orangenschale dazu, und fertig ist

ein Parfum, das nicht lange zögern lässt – der erste

Schluck ist unvermeidlicher denn je! Wunderbar dann,

was sich am Gaumen fortsetzt: Diese Version des

„Camino de Navaherreros“ tinto, ist von einer sagenhaften

Schlankheit, Saftigkeit und Straffheit, die trotz

der Garnacha-dominierten Cuvée an die „Trinkigkeit“,

Eleganz und Verfasstheit bester Pinot Noirs aus

dem Elsass denken lässt. Am Gaumen Kirschen, angequetschte

Himbeeren und Brombeeren, dazu eine

Handvoll frischer und getrockneter Kräuter, zart-salziges

Süßholz und ein Hauch Nelken. Die Frucht dann

immer verführerischer, die anfangs süßlichen Kirschen

bekommen jetzt ein wenig merh Säure mit auf den

Weg, was den Trinkfluss nur noch mehr erhöht! Ein

zart kreidiges mineralisches Element durchzieht das

Geschehen wie ein Nebelschleier. Das ist auf absolut

beglückende Weise elegant! Wir wiederholen es gerne:

Schon dieser kleine vino de pueblo beweist, warum

die Garnachas von Bernabeleva quasi außer Konkurrenz

laufen. Wer könnte es mit soviel Ausdruck, solch

einer seidigen Kühle aufnehmen? Das ist mehr als nur

Trinkspaß, das ist die reine, unegtrübte Freude an einem

wirklich brillantem, so verspielten wie charaktervollen

(Lieblings-)Wein!

Ab sofort und gerne etwas kühler bis 2025+.

„NAVAHERREROS GARNACHA“,

DO VINOS DE MADRID, TINTO 2019

Garnacha »de pueblo de lujo«! Garnacha? Konzentriert!

SVM010619 „Navaherreros Garnacha“ DO V. de M., tinto 2019 14,5% Vol. 21,20 €/l 15,90 €

Dieser geniale Navaherreros besteht zu 100% aus Garnacha,

der in vielen kleinen, in die Wildnis eingebetteten

Parzellen auf Granitböden steht, die sich am Fuße

des Cerro de Guisando befinden. Die Garnacha-Reben

sind über 80 Jahre alt und liefern einen höchst charaktervollen,

feinen, ja geradezu spektakulären Stoff. Dieser

wird im Keller der Finca spontan vergoren und, wie

alle Weine der Bodega, äußerst schonend behandelt.

Der „Navaherreros“ bringt das durch das spezielle Mikroklima

der Höhenlage geprägte Garnacha-Parfum

in Reinform ins Glas. Der Duft gleicht einem „Tauchgang“

in einem wunderbaren Bergsee von (Sauer-)Kirschen,

Brombeeren und Johannisbeeren. Am Gaumen

dann die schon klassische, im besten Sinne stereotype

Assoziation „Burgund“! – so elegant, so schlank, so

wohlproportioniert definiert ist der Wein. Und diese

Säureader! Was für ein anregendes Spiel, das hier inszeniert

wird! Eine Melange von Agrumen (Blutorange

nebst Schale) und Sauerkirschfrucht (ein echtes

Leitmotiv!). Wo immer sich die 14,5 Vol.-% verborgen

haben sollten – es ist ein treffliches Versteck! Nach

und nach zeigt sich dieser Garnacha von einer etwas

athletischeren Seite, aber deutlich mehr Ballett als

track and field. Momentelang scheint er geradezu über

den Gaumen zu scheben, um dann unvermittelt das

aromatische Geschehen neu zu „verankern“. Im Finish

dann wieder die Sauerkirsche, eine zarte Würze und zitrisch-helle

Frische. Einfach grandios, diese Kombination

von burgundischer, ach was, kastilischer Eleganz und

Kraft, die so nur aus der Sierra de Gredos stammen kann.

Marc Isarts „Navaherreros“ erfüllt auch mit dem 2019er-

Jahrgang sämtliche Verheißungen seiner Vorgänger!

Ab sofort und gerne etwas kühler bis 2026+.

82 PINWAND no 328 | September 2021


Bernabeleva

MADRID SPANIEN

83


SPANIEN MADRID

Bernabeleva

„ARROYO DEL TÓRTOLAS“ DO VINOS DE MADRID, TINTO 2018

Wenn Wasser zu Wein wird …

SVM010718 „Arroyo del Tórtolas“ DO V. de M., tinto 2018 15,5% Vol. 39,86 €/l 29,90 €

94 Punkte

PARKER

Marc Isart ist ein bescheidener Mensch. Obwohl er

das Weingut Bernabeleva, das in einem völlig vergessenen

Winkel westlich von Madrid liegt, zu einem der

spannendsten Weingüter Spaniens gemacht hat, ist

er auf der Website des Weinguts gar nicht namentlich

erwähnt. Möglicherweise liegt es auch daran, dass im

Grunde niemals völlig mit seinen Weinen zufrieden ist

(und wohl sein wird). Er ist Macher und Denker in Personalunion,

hinterfragt jeden Schritt, überdenkt sämtliche

Prozesse, ist sich nicht zu schade liebgewohnte

Usancen über den Haufen zu werfen und von vorne anzufanbgen.

Die Ergebnisse sind entsprechend. Er hat die

Weine von Bernabeleva auf ein Niveau gehoben, das in

der seinerzeit nur echten Garnacha-Fanatikern bekannten

Sierra del Gredos so wohl nie zuvor erreicht wurde.

Die Basis dafür liefern uralte Weinberge wie der „Arroyo

del Tórtolas“, eine 2,2 Hektar große Lage mit nördlicher

Exposition, die, und das ist durchaus ungewöhnlich,

meist den wärmsten und reifsten der Einzellagen-Garnachas

von Bernabeleva hervorbringt. Die Buschreben

wurzeln tief im Granit, über dem es eine Auflage von

sandigem Granitverwitterungsgestein gibt. Die recht

früh, aber reif gelesenen, nicht entrappten Trauben wurden

36 Stunden lang kühl vorvergoren, mit den Füßen

angequetscht, dann spontanvergoren. Die Maischegärung

dauert in diesem Jahr ganze 55 Tage, der Ausbau

in gebrauchten Fässern verschiedenster

Größe aus französischer Eiche 14 Monate.

Obwohl der Weinberg also nach Norden ausgerichtet

ist – üblich ist ja Süd bis Südost – und man erwarten

sollte, dass der Wein kühler wirkt als seine Pendants aus

den beiden Einzellagen „Carril del Rey“ und „Viña Bonita“,

doch verhält es sich für gewöhnlich genau umgekehrt.

Frü gewöhnlich, denn der 2018er wirkt trotz der

– zumindest auf dem Etikett – ehrfurchtseinflößenden

15,5 Vol.-% balsamisch-kühl! Er zeigt zwar etwas mehr

Farbe im Glas, ist aber vergleichsweise transparent. Im

Duft erinnert er an eingelegte Kirschen, an rote und

schwarze Johannisbeeren und dunkle Himbeeren. Im

Gegensatz zu den anderen vinos de parcela von Bernabeleva

lassen sich hier auch deutlich dunklere Noten

wie etwa Schokolade, Süßholz und ein Hauch Perique-

Tabak ausmachen. Am Gaumen zeigt der Wein eine

fantastische Balance von punktgenau gereifter Frucht,

feinkörnigem, fast seidigem Tannin und (wir wiederholen

uns) balsamischer Würze. Hier zeigen sich Wärme

und Kraft, was für diese südliche Rebsorte absolut typisch

ist. Und diese Wärme wird gekontert von einer

sehr feinen, präsenten geradezu saftig-fruchtigen Säure

(die Garnacha-typische Blutorange!) und einer tiefgründigen

dem Granit geschuldeten Mineralität. Der

Wein bietet aller vermeintlichen Reife zum Trotz einen

animierenden grip am Gaumen, ist mit Kraft und einer

immensen Stamina gesegnet. Absolut imponierend!

Ab sofort, dann aber gerne aus der Karaffe, auf dem Höhepunkt

wohl von 2022 bis 2030+.

84 PINWAND no 328 | September 2021


Bernabeleva

MADRID SPANIEN

„CARRIL DEL REY“ DO VINOS DE MADRID, TINTO 2018

Absolut königlicher Garnacha von Marc Isarts Gnaden!

SVM010818 „Carril del Rey“ DO V. de M., tinto 2018 14% Vol. 39,86 €/l 29,90 €

Auch der „Carril del Rey“ liegt in vergleichsweise hellem

Rot im Glas – 14 Vol.-% die alkoholische Marke,

eineinhalb „Grad“ weniger als der Vorgänger aus dem

deutlich trockeneren, heißeren Jahrgang, er ist unter

den vinos de parcela, den Einzellagen-Garnachas von

Bernabeleva, derjenige, der als letzter gelesen wird.

Die Frucht stammt gut 70 Jahre alten Reben (insgesamt

2,8 Hektar, die schon lange biologisch-organisch

mit biodynamischen Aspekten bewirtschaftet

werden), die sich auf einem südlich ausgerichteten,

sanft geschwungenen, von Granit geprägten Hügel

befinden. Typisch für Marc Isart, den Weinmacher

von Bernabeleva, ist die ganz reduzierte Art der Vinifikation,

bei der auf Schönung, Filtration und jegliche

Zugabe bis auf eine kleine Menge Schwefel verzichtet

wird. Die Trauben wurden über 36 Stunden kühl

vorvergoren und dann samt ihrer Stiele und Stengel

recht kühl spontan vergoren. Die Maischegärung erfolgte

dann über 45 Tage, die malolaktische Gärung

dann in Holzfässern unterschiedlicher Größe und

Provenienz wie auch der sich über 14 Monate erstreckende

Ausbau.

Was den Wein prägt, ist die aromatische Frische, die

an Granatapfelsaft und Rhabarber erinnert, darüber

hinaus auch an Agrumen (Blutorange bis Grapefruit),

Himbeere und Sauerkirsche. Im Hintergrund findet

sich eine leicht kreidig-kalkige, kräuterwürzige und in

kurzen Momenten fast waldbodenartige Anmutung.

Am Gaumen wird dann allerdings überdeutlich, womit

man es beim „Carril del Rey“ wirklich zu tun hat.

Zwar bleibt die Aromatik rot und frisch, aber

hier wird die immense Kraft deutlich, die

diesem Garnacha zu eigen ist. Hier darf man

den kraftvoll-athletischen Körper des Weins

bestaunen, hier baut er gehörigen Druck am

Gaumen auf, ohne von seiner Frische auch

nur ein Jota einzubüßen. Dabei macht sich

ganz nebenbei auch ein wohl strukturiertes

(und herrlich strukturierendes), markantes

Tannin bemerkbar, dabei bleibt der kraftvolle

„Carril del Rey“ immer auf der klaren, transparenten

und von brillanter Säure geprägten

Seite. Das ist so ungewöhnlich wie beeindruckend;

denn der Wein ist in sich sehr

harmonisch und stimmig, ruht in sich und

fordert doch zugleich. Eine Forderung,

der man liebend gerne nachkommt,

denn sie lautet ganz einfach: „bebeme“

– „trink mich“!

Ab sofort und bis 2030+.

85


FRANKREICH LOIRE

Boulay

„Ich kenne keine anderen Sancerres, die so viel

Seele und so viel Energie, so viel Spannung und

Ausdruck besitzen. Schon der mit dem gelben

Etikett versehene Einstiegswein ist faszinierend.“

– STEPHAN REINHARDT (ROBERT PARKER’S WINE ADVOCATE)

„Die Boulays sind seit 1380 Weinbauern in Chavignol! Ihr Clos liegt auf einer seltenen reinen,

aus Kimmeridge-Kalk bestehenden Verwerfung, was ihnen einen Wein von sehr hohem Salzgehalt

und großer Reinheit beschert.“ – Vigneron Mag

„Angesichts der kristallinen Klarheit seiner Sauvignon-Blancs ist er zu einem meiner Lieblingsproduzenten

der Region geworden. Wenn Sie wissen wollen, wie echter Sancerre schmeckt,

probieren Sie eine seiner Abfüllungen aus seinen Einzellagen. Besser geht's nicht! Sein Einstiegswein,

den er „Tradition“ nennt und der die Hälfte seiner Gesamtproduktion ausmacht, bietet ein

ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis.“ – Joel B. Payne (Vinous)

„Für meinen Geschmack gehört Gérard Boulay zweifellos zur Spitze der Erzeuger in Chavignol. Seine

Weine haben eine lebendige Reinheit, eine ausgeprägte Reife, sind frei von jeglichem manchmal recht

groben Sortencharakter und spiegeln die Böden wider, aus denen sie entstanden sind. Angesichts der

Reinheit dieser Weine und ihres kühnen, rassigen Charakters frage ich mich in der Tat, ob er nicht

ganz oben auf der Rangliste stehen sollte.“ – Chris Kissack (The Wine Doctor)

Es gibt nur wenige Winzerfamilien, die ihre Wurzeln bis ins

Jahr 1380 an einem einzigen Ort zurückverfolgen können.

Doch die Boulays gehören dazu, denn ein gewisser Jean

Boulay taucht im noch vorhandenen Grundbuch dieses Jahres

auf – inklusive des Besitzes von Weinbergen. So zieht sich der

Name durch die Jahrhunderte bis zu Gérard Boulay, seiner Frau

Lucie und Sohn Thibaut, der im Weingut mithilft, wenn Not am

Mann ist – auch wenn er eigentlich Professor für Griechische

Geschichte an der François-Rabelais-Universität in Tours ist. Bis

1995 hat die Familie ihre Weine als Fassware an den bekannten

Erzeuger Henri Bourgeois veräußert. Erst Gérard hat damit begonnen,

Weine unter seinem Namen zu erzeugen und das Wagnis

der eigenen Vermarktung in die Hand zu nehmen. Damals

war die Zeit günstig, denn die Region erlebte einen großen Aufschwung.

Heute ist es kaum vorstellbar, dass Sancerre außerhalb

der Loire und von Paris bis in die 1960er-Jahre hinein so gut

wie unbekannt war und die Weine fast ausschließlich „vor Ort“

getrunken wurden. Seitdem hat vor allem der Sauvignon Blanc

eine steile Karriere hingelegt, und auch die bis heute kleinen

Mengen an Pinot Noir werden immer begehrter – in roter wie

in roséfarbener Form. Gérard Boulay hat sich mit seinen Weinen

schnell einen Namen gemacht. Grund dafür dürfte neben

der Ausprägung eines ganz eigenen Stils auch das Portfolio an

exzellenten Lagen sein.

Dazu gehören Parzellen in „Les Monts Damnés“, den „verfluchten

Bergen“, die für Loire-Verhältnisse tatsächlich ungewöhnlich

steil sind. Die Frucht aus diesen steilen Parzellen fließt in

Gérards „Mont Damnés“ ein. Boulay besitzt jedoch zusätzlich

noch als einer von nur drei Winzern 0,4 Hektar im Gewann „La

Comtesse“, aus dem ein Parzellenwein gleichen Namens entsteht.

Hinzu kommt das Prachtstück des eigenen umfriedeten

Weinbergs, des „Clos de Beaujeu“ in Les Culs de Beaujeu. Dieser

Weinberg ist ebenfalls steil und verfügt über eine Neigung von

70 % bei einer Ost-Südost-Ausrichtung, während die Parzelle in

„Les Monts Damnés“, die die gleiche kalkhaltige Beschaffenheit

des Bodens aufweist, nach Süden ausgerichtet ist. Die Ausrichtung

nach Osten bringt eine seltene Eleganz und Feinheit in die

Sauvignon-Trauben des Clos, die sich allerdings erst nach etwa

fünf Jahren im Wein ausdrückt. Im Laufe von zwanzig Jahren

Flaschenentwicklung entwickelt sich hier sogar ein Duft nach

weißem Trüffel.

Die dritte Lage befindet sich in der Côte d’Amigny, die auch als

„La Grand Côte“ bezeichnet wird. Diese kühlste Einzellage des

Weinguts ist ebenfalls von Kimmeridge-Kalk geprägt.

Boulay besitzt zwölf Hektar Land, und mehr wollte er auch nie

haben. So behält er die Übersicht über seine Weinberge, die er

vier angestellten Arbeitern bewirtschaftet. Zwei Hektar sind

86 PINWAND no 328 | September 2021


Boulay

LOIRE FRANKREICH

GÉRARD BOULAY

CHAVIGNOL

SANCERRE-

ALTMEISTER

87


FRANKREICH LOIRE

Boulay

dem Pinot Noir vorbehalten, neun dem Sauvignon Blanc. Der

Pinot Noir steht außerhalb Chavignols, vor allem in den Ortschaften

Bué und Crézancy auf den sogenannten caillottes mit

einem eher lehmigen Boden mit Kalkschotter. Chavignol selbst

ist vor allem durch die terres blanches geprägt, Böden mit Kimmeridge-Kalkmergel,

der auch im Chablis und der südlichen

Champagne zu finden ist.

Boulays Reben sind mehr als 45 Jahre alt, was im Sancerre eine

Seltenheit ist. Die letzten Rebanlagen hat die Familie im Jahr

1972 gepflanzt und seit dieser Zeit nur einzelne Stöcke ersetzt.

Die Pflanzdichte ist hoch und liegt bei rund 8.000 Stöcken pro

Hektar. Gérard setzt auf kleine Hektarerträge, weshalb er von

Beginn an stark beschneidet, statt später eine Grünlese durchzuführen,

von der er nichts hält. Er verwendet weder Herbizide

noch Pestizide, ist auch kein Fan von Kupfer im Weinberg, weshalb

er lediglich bei Mehltaubefall synthetische Mittel einsetzt.

Zur Unkrautbekämpfung setzt er auf Bodenbearbeitung und

Pflügen, was sich in Weinbergen mit prallem Leben und einer

hohen Biodiversität äußert. In manchen Jahreszeiten gleichen

seine Parzellen Bergwiesen voller Kräuter und Blumen.

Im Keller arbeitet Gérard ausgesprochen zurückhaltend. Der

Sauvignon Blanc wird sehr langsam mithilfe einer pneumatischen

Presse bearbeitet, der Saft darf sich absetzen und wird

komplett spontan vergoren. Der „Tradition“ wird im Edelstahl

vergoren, die anderen Weine im Fuder. Ähnlich ist es beim Ausbau.

Der Basiswein reift zu 90 % auf der Feinhefe und zu 10 %

im alten Holz, die Lagenweine allesamt im neutralen Fuder und

im Barrique auf den Hefen, werden dabei nie aufgerührt: In der

Ruhe liegt bei den Boulays die Kraft. Eine leichte Schwefelzugabe

vor der Füllung und eine noch leichtere Filtrierung (falls das

Gérard notwendig erscheinen sollte) – c’est tout!

Was uns an Gérards Weinen so gut gefällt, ist ihre Großzügigkeit

und ihr einnehmendes, lebendiges und gleichsam heiteres

Wesen. Gerade beim „Tradition“ zeigt sich das von Beginn an.

Die Lagenweine sind immer konzentriert, dabei aber nie laut.

Sie sind präzise und klar, erscheinen dabei so zurückhaltend der

Winzer selbst. Umso ausgewogener jedoch und umso bleibender

ihr Eindruck! Boulays Lagenweine gehören zum Größten,

was es im Sancerre gibt, zudem besitzen sie eine exzellente

Lagerungsfähigkeit. Im Alter nähern sie sich in ihrer Aromatik

ebenso wie in Tiefe und Komplexität immer deutlicher den großen

Chablis Grand Crus an. Es ist eben doch das Terroir, das

zählt und sich letztlich durchsetzt!

„DIE WEINE SIND KRAFTVOLL, GENE-

RÖS UND EIGNEN SICH MIT IHRER

BEISPIELLOSEN KONZENTRATION

ZUM EINLAGERN.“

LA REVUE DU VIN DE FRANCE

88 PINWAND no 328 | September 2021


Boulay

LOIRE FRANKREICH

„SIBYLLE“ SANCERRE, ROSÉ 2019

Kraftvoller Rosé aus Pinot Noir

FLO070419 „Sibylle“ Sancerre, rosé 2019 PK 13,5% Vol. 26,53 €/l 19,90 €

Wenn ein Wein aus Sancerre rot ist, dann weil Pinot

Noir in ihm steckt. Neben dem Sauvignon Blanc gedeihen

hier auf den kalkhaltigen Lagen mit Lehm geniale

Pinot Noirs, die vor einigen Jahrzehnten noch speziell

in kühlen Jahren als eher „flachbrüstig“ beschrieben

wurden, im Zuge der Klimaerwärmung aber richtig aufblühen,

sodass sich immer mehr Spitzenwinzer dieser

Rebsorte widmen. Altmeister Gérard Boulay keltert

jedenfalls schon seit Jahren einen herrlichen Rosé aus

seiner süd-östlich orientierten Parzelle in Chavignol. Sie

umfasst lediglich ein Dreiviertelhektar, umso seltener

findet man diese Preziose im Ausland. Wir sind stolz

diesen Wein nun anbieten zu können. Die handgelesenen

Pinot-Noir-Trauben reifen nach kurzer Mazeration

einige Monate in cuves (Betontanks) und dann anschließend

für kurze Zeit in gebrauchten Barriques.

Das Ergebnis ist ein glänzend apricotfarbener Sancerre-

Rosé. Er duftet angenehm frisch und gletschrig kühl

aus dem Glas. Man findet etwas Himbeeren, auch Johannisbeeren.

Insgesamt bleibt der Rosé aber eher

zurückhaltend, um sich dann ganz am Gaumen zu

entfalten. Denn hier zeigt er sich aromatisch und

kraftvoll. Reife Pampelmusen, eingelegte Herzkirschen

und Himbeeren bilden den Fruchtdreiklang

neben einem Hauch Anis, dabei von wunderbar

seidiger Textur. Das ist ein durchaus seriöser, tiefgründiger

Rosé (die Pool-Partys sollen andere übernehmen),

der viel vom Terroir Sancerres widerspiegelt

und dabei als genialer Essensbegleiter für Frühlingssalate

(natürlich mit Crottin de Chavignol, dem Ziegenweichkäse

aus demselben Ort), leichte Fischgerichte

oder Ratatouille-Tartes.

Boulays Sancerre Rosé trinkt sich gut gekühlt

wunderbar über 2–3 Jahre.

93 Punkte

VINOUS

„TRADITION“ SANCERRE, BLANC 2020

Gérard Boulays klassischer Sancerre zeigt sich ungemein charmant!

FLO070120 „Tradition“ Sancerre, blanc 2020 13,5% Vol. 32,66 €/l 24,50 €

SANCERRE MIT SAMT UND SEIDE

Gérard Boulays Sancerre „Tradition“ gehört Jahr für

Jahr zu den Weinen, die wir besonders sehnsüchtig erwarten.

Er gibt einen Vorgeschmack auf den Jahrgang

an der zentralen Loire, ist aber auch für sich genommen

schon ein so wunderbarer Wein – jeder Schluck

eine Wonne! Gérard hat einen ganz persönlichen Stil

entwickelt, der das Typische des Sancerre schon im

„Tradition“ mit Eleganz und Feinheit verbindet. Sein

„Tradition“ stammt nicht direkt aus den Lagen des

Ortes, der dieser Appellation den Namen gegeben

hat. Das eigentliche Zentrum dieser Region ist Boulays

Heimatort Chavignol. Dort kommt nicht nur der

gleichnamige Ziegenkäse her – ein Grund, weshalb der

Wein nicht nach dem Ort benannt ist, um nämlich die

Verwechslungsgefahr nicht zu groß werden zu lassen.

In Chavignol befinden sich auch einige der besten

Weinberge. Dazu gehören nicht zuletzt die Les Monts

Damnés, einige der berühmtesten Weinlagen der gesamten

Loire und einige der wenigen, bei denen man

überhaupt von Weinbergen sprechen kann.

Der Sancerre „Tradition“ stammt aus rund 30 unterschiedlichen,

mit mindestens 35 Jahre alten Sauvignon-

Blanc-Reben bestockten Parzellen. Die Reben wurzeln

in einem besonderen weißen Muschelkalk, den Terres

blanches, ferner in Caillottes, den lehmigen und mit

Kalkschotter durchsetzten Böden, die dort gleichfalls

zu finden sind. Neben recht flachen Lagen werden

auch ein paar jüngere Parzellen in den Les Monts

Damnés verwendet sowie aus Les Culs de Beaujeu. Bei

Gérard Boulay werden die Weine langsam mit einer

pneumatischen Presse abgepresst und dann spontan

vergoren – in diesem Fall im Edelstahl. Dort wird der

Wein auch zu 90 % ausgebaut, der Rest in neutralem

gebrauchten Holz.

Boulays „Tradition“ drückt den Jahrgang in einer intensiven

Farbe und mit herrlich reifen Aromen aus.

Es ist ein saftiger und voller Wein geworden, der sich

mit Noten von Birnen und Nektarinen, Pfirsichen und

Pekannüssen, Grapefruits, Orangen, ein wenig Holunderblüten

und Cassis öffnet. Am Gaumen verbindet

sich diese Fülle an Aromen dann mit einer klaren, lebendigen,

den Sancerre konturierenden Säure, die wie

ein steter Strom durch eine Landschaft von Obstgärten

in voller Reife fließt. Dieser Sauvignon Blanc pendelt

zwischen mundfüllender Saftigkeit und erfrischen

herben und pikanten Noten, seidiger Textur sowie

leichter Kreidigkeit und Salzigkeit im Finale. Wie der

Winzer, so ist auch der „Tradition“ kein lauter, sondern

ein eindringlicher und in sich geschlossener, harmonischer

Wein. Eigenschaften, die auch die anderen Weine

Gérard Boulays auszeichnet, was ihn zu Recht so

berühmt gemacht hat.

Ab sofort und bis 2028+.

89


FRANKREICH LOIRE

Boulay

„LES MONTS DAMNÉS“ SANCERRE, BLANC 2019

Der bekanntestes Weinberg Sancerres!

FLO070219 „Les Monts Damnés“ Sancerre, blanc 2019 13,5% Vol. 48,66 €/l 36,50 €

Von den drei Einzellagen, die zum Portfolio von Gérard

Boulay gehören, ist „Les Monts Damnés“ zweifellos

die berühmteste. Laut Thibaut Boulay, seines

Zeichens Professor für Geschichte in Tours, wird die

Lage bereits im 13. Jahrhundert erwähnt, und zwar

zunächst in einer Schrift des Klosters Saint-Satur aus

dem Jahr 1252 als „territorium quod dicitur Montdampni“.

In diesem recht großen Weinberg besitzt Boulay

einige exzellente Parzellen wie „La Comtesse“, aus

der er auch noch einen eigenen Parzellenwein erzeugt.

Der „Monts Damnés“ ist selbstredend ein reinsortiger

Sauvignon Blanc, der von den rund anderthalb

Hektar alter Reben in den steilsten Parzellen des

Weinbergs steht stammt. Die Trauben werden langsam

gepresst und spontan in 40-Hektoliter-Eichenholzfudern

vergoren und auf der Hefe, die niemals

aufgerührt wird, ausgebaut.

Der Wein ist ein grandioses Beispiel für die Klasse

des Weinbergs, wenn die Trauben, wie in diesem Fall,

von rund 45 Jahre alten Rebstöcken stammen. Gérard

Boulay vinifizierte aus dieser Lage, die er wie kein anderer

kennt, bereits zu Beginn der 1980er-Jahre seinen

eigenen Wein. Die alten Reben regulieren die Erträge

bestens, und die Trauben können hier aromatisch

voll ausreifen, schließlich ist die Lage sehr sonnenverwöhnt.

Dabei verweilt der Wein in herrlich duftiger

Aromatik: Pampelmusen, kandierte Zitronen, ein

Hauch Anis und Orangenblüten duften hier aus dem

Glas. Das Holz ist – typisch Boulay – quasi abwesend.

Es dient als Strukturträger, nicht als Aromenlieferant.

Und so kreist der Sancerre am Gaumen seidig dahin.

Der „Les Monts Damnés“ ist der saftigste Typ Sauvignon

Blanc im Hause Boulays, in Punkto Mineralität

dem einfachen Sancerre selbstredend haushoch überlegen.

Eine bestens akzentuierte Säure leitet die reife

Frucht durch die cremige Textur und erfrischt den

Gaumen. Der Kimmeridge-Kalk kommt hier so richtig

schön zur Geltung, speziell im zartstoffigen Nachhall.

Das ist einfach ein prächtiger Sancerre mit klarer Betonung

der Mineralität. Ein Wein, der trotz seiner Klasse,

schon jetzt enorme Freude macht, wenngleich wir

jedem Liebhaber empfehlen, wenigstens zwei bis drei

Flaschen einmal für fünf bzw. zehn Jahre wegzulegen.

Das Entwicklungsfähigkeit dieses Sauvignon Blancs

verdeutlicht das ganze Potenzial der Rebsorte – wenn

man denn auf großes Terroir zurückgreifen kann. Ganz

klar unser Lieblingswein der Domaine und einer der

Top-5-Weine aus Sancerre. Prädikat: Stilikone!

Boulays Sancerre ist schon jetzt mit Freude zu genießen,

wird seine ganze Komplexität aber erst zwischen 2023

und 2033 an den Tag legen.

90 PINWAND no 328 | September 2021


Boulay

LOIRE FRANKREICH

„LA CÔTE“ SANCERRE, BLANC 2019

„La Côte d’Amigny“ heisst die Lage dieses Weins – hier entsteht Boulays kühlster Sancerre.

FLO070319 „La Côte“ Sancerre, blanc 2019 13,5% Vol. 53,26 €/l 39,95 €

Neben den „Les Culs de Beaujeu“ und „Les Monts

Damnés“ ist „La Grande Côte“ die dritte berühmte

Sancerre-Lage, in der Gérard Boulay Parzellen besitzt.

Die anderthalb Hektar sind seine kühlste Lage. Sie

befindet sich in der Côte d’Amigny, auch „La Grande

Côte“ genannt, ist aber ähnlich wie die Chavignol-

Lagen vom Kimmeridge-Kalk geprägt. Während der

„Les Monts Damnés“ im großen Fuder vergoren und

ausgebaut wird, gönnt Gérard Boulay dem „La Côte“

klassische Barriques, allerdings ausschließlich solche,

die schon mehrfach in den Kellern von Freunden und

Kollegen wie Alphonse Mellot ihren Dienst getan haben.

Holz ist hier nicht das Kriterium, zumindest nicht

geschmacklich. Aber der Einfluss der Mikrooxidation,

die durch die geringe Oberfläche im Barrique eine

ganz andere Bedeutung erlangt, wird hier in der Textur

offensichtlich.

Man muss kein Profi sein um zu erkennen, dass Boulays

2019er „La Côte“ ein großer Weißwein ist. Was

man im Glas riecht, ist nichts anderes als die Essenz

des Terroirs, das neben den Kimmeridge-Kalkböden,

einem Hauch Feuerstein (Silex), einem kühlen Klima,

auch durch Fingerspitzengefühl und die regionstypische

Vinifikation des Winzers definiert ist. Bei Gérard

umrahmt das Holz ohne in den Vordergrund zu treten

den Wein. Er duftet tatsächlich eher flintig, ja sogar

ein wenig nach kaltem Rauch. Dabei wird klar: Dieser

Winzer liest seine Trauben bewusst reif, möchte

die grüne Aromatik, die Sauvignon Blanc eigen sein

kann, dringend vermeiden. Doch die kühle Lage – ein

absolut großartiger Cru! – zeigt eben was eine Spitzenparzelle

ausmacht. In der Nase Mandarinen, auch

ein wenig Nektarinen, ohne dass die Frucht sich aufdrängt,

am Gaumen macht sich dann ein texturell sehr

anspruchsvoller Wein bemerkbar: cremig, leicht hefig,

zugleich „gletschern“ und seidig. Stachelbeeren, gelbe

Pflaumen und Mandarinen vermischen sich hier dicht

gepackt. Das hat enorm viel Kraft und hallt ewig nach.

Man ist das von Sauvignon Blanc aus Deutschland weniger

gewohnt, denn hier wird der Wein oft mit Betonung

der Frucht und einer „jugendlichen Trinkfreude“

ausgebaut. Doch dieser Wein ist ein klarer vin de

garde, von allen Sancerres ist der „La Côte“ sicherlich

derjenige, dem man am längsten beiseitelegen kann.

Unvergessen eine Probe vor rund sieben Jahren, als

uns Gérard Boulay die Reifefähigkeit seiner Spitzen-

Sancerre mit Proben bis zurück zum 1997er bewies.

Uns erschien es damals so, als würde er in Fünf-Jahres-

Schritten an Mineralität zunehmen, die ihn (auch dank

der in der Jugend kraftvollen Frucht) zu einem echten

Langstreckenläufer prädestiniert, bei dem dann immer

mehr die Lage in den Vordergrund tritt.

Dieser Sancerre ist jetzt zu genießen, kann seine volle

Komplexität zwischen 2024 und 2034 so richtig beweisen

91


FRANKREICH MADIRAN

Aydie

CHÂTEAU

D’AYDIE

AYDIE

Madiran, Vic Bilh (das „alte Land“) und der

Donnerhall der Tannat-Traube – in den

letzten 25 Jahren hat sich sehr viel getan!

„Wenn es einen Wein gibt, den es sich zu trinken empfiehlt, wenn der Tag des Jüngsten Gerichts

gekommen ist, die vier apokalyptischen Reiter ihrem schaurigen Ziel entgegenjagen und das

Dies irae aus Verdis Requiem aus dem kosmischen Soundsystem Gottes dröhnt, dann ist es ein

Glas kompromisslosen, ungezähmten Madirans.“ – Andrew Jefford (World of Fine Wine)

Die Brüder und Weinjournalisten Cornelius und Fabian

Lange sprechen gerne Klartext und scheuen sich dabei

auch nicht, ein paar heilige Kühe zu schlachten oder

Denkmäler vom Sockel zu holen. So etwa geschehen in ihrem

aufsehenerregenden ganzseitigen Artikel in der FAZ, einem längeren,

selbstredend praktisch erprobtem und fundierten „längeren

Gedankenspiel“ zur qualitativen Gleichwertigkeit, wenn

nicht sogar Überlegenheit der preiswerten Weine aus dem Madiran

gegenüber den Prestigewächsen aus dem Bordelais. Für

Sie, liebe Freunde von Pinard de Picard, dürften die dort formulierten

Thesen allerdings keine Überraschung sein, kennen Sie

doch die beiden in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

mit Nachdruck gerühmten Weingüter bestens und haben

sich schon kistenweise mit unserem legendären „Batz“ von

Berthoumieu eingedeckt. Und natürlich auch mit dem Wein von

Château d’Aydie, dem das höchste Lob der Langes zuteilwurde:

„Ganz groß!“ Und das zu einem Preis, der diese Bewertung geradezu

konterkariert! Der Madiran ist eine wunderschöne Landschaft

abseits der großen Touristenströme. Hier kann man eine

traumhaft traditionelle Küche genießen und vorzügliche Weine

92 PINWAND no 328 | September 2021


Aydie

MADIRAN FRANKREICH

Damit die besten Weine des Bordeaux das Versprechen abgeben

konnten, unter allen Umständen besser zu sein als andere

Rotweine, wurden fehlende Würze und Tiefe früher durch

Transfusion mit Tannat wettgemacht. Und weil Bordeaux nur

rund 200 Kilometer von der Gascogne entfernt liegt, versickerte

der Tannat viele Jahrhunderte lang unbemerkt in den Fässern

der Bordelaiser Weinkeller. Das war eben genau der richtige

Saft für Châteaux, die ihren Weinen in schwachen Jahrgängen

oder bei zu hohen Erträgen quasi per »Bluttransfusion« wieder

auf die Beine halfen! Denn Tannat, das ist ein ungeheuer kräftiger,

tiefdunkler und gerbstoffreicher Rotwein aus der Gascogne

am Fuße der Pyrenäen-Ausläufer. Dass die Welt bei den südwestfranzösischen

Weinen erst jetzt aufhorcht, liegt also sicher

nicht an den von der Natur mit vielen Talenten gesegneten Tannats.

Er liefert schon rein äußerlich alles, was die Herzen der

Rotweinfans höherschlagen lässt, und zeigt unmissverständlich

an, dass Madiran erst dort ansetzt, wo der Bordeaux aufhört.

Bei der Farbe, bei der Tanninqualität und selbstverständlich

auch bei der Frucht. Vor allem aber zaubert der Tannat ins Glas,

was vielen dicken Rotweinen abgeht: Frische.

trinken. Die vielleicht immer noch als die größten Geheimtipps

Frankreichs gelten! Die traditionsreiche domaine Château d’Aydie

der sympathischen Familie Laplace gehört schon seit Jahrzehnten

zu den hervorragendsten Erzeugern dieser malerischen

Region am Fuße der majestätischen Pyrenäen, ist zweifellos

eines ihrer Aushängeschilder.

Ihre hinreißenden Gewächse aus der bedauerlicherweise noch

immer verkannten Tannat-Rebe haben maßgeblich zu dem provokanten

Urteil der Lange-Brüder beigetragen, deren fundiert

recherchierter Artikel hier noch einmal auszugsweise zitiert sei:

„Während der Bordeaux mit allen Tricks und Kniffen moderner

Önologie gemacht wird, um dem globalen Gaumen, dem goût

international, zu gefallen, bringt der Tannat all das, wonach die

Önologen in Cabernet und Merlot verzweifelt suchen. Eindringlich

und mit einer beneidenswerten Unverfrorenheit verkörpern

die heiteren, kühl-distinguierten Tannatweine einen unverfälschten

Stil. Eigentlich ist der Bordeaux daran schuld. Der berühmtesten

und teuersten Markenikone der Weinwelt haben

wir es zu verdanken, dass die Einzigartigkeit der Rebsorte Tannat

bis heute erfolgreich unter den Teppich der Weingeschichte

gekehrt wurde. Um Licht ins Dunkel zu bringen, ist ein kurzer

Blick in die Weingeschichte erhellend:

Den Winzern im Madiran hat nicht zuletzt die Erkenntnis zum

Erfolg verholfen, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und auf

Eleganz statt nur auf pure Kraft zu setzen. Die Musketiere der

Gascogne haben den schweren Säbel gegen das Florett getauscht,

und wenn die Tannine eines modernen Tannats ihre

Wirkung am Gaumen entfalten, dann bewegen sie sich dort so

elegant wie ein Sportfechter auf der Planche und setzen einen

Wirkungstreffer nach dem anderen. Schöner kann man sich mit

Gerbstoffen nicht duellieren, wie sie sicwh fast unbemerkt herantasten,

um dann am Gaumen Druck zu machen, dem Schluck

Dynamik und dem Geschmacksbild eine vollendete dritte

Dimension verleihen.“

Und all diese so gerühmten Eigenschaften vereint der Tannat mit

der Gabe, dass „seine aus ihm gewonnenen Weine unermüdliche

Kämpfer gegen die Zeit sind. Manche Exemplare öffnen sich

erst nach zehn Jahren und sind dann immer noch von ihrer einzigartigen,

umwerfenden Frische gekennzeichnet.“ Und, ebenfalls

bemerkenswert: „Diese herrlichen Rotweine werden noch

(weit) unter ihrem eigentlichen Wert gehandelt.“ (FAS)

Viel Spaß also mit unserem Musketier aus dem Madiran, der die

etablierte Konkurrenz aus dem Bordelais das Fürchten lehrt.

À la votre!

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FRANKREICH MADIRAN

Aydie

„ARAMIS“ VIN DE FRANCE, BLANC 2019

Colombard und Sauvignon sorgen für grenzenlos unkompliziertes Trinkvergnügen!

FSW050619 „Aramis“ Vin de France, blanc 2019 PK 11,5% Vol. 7,93 €/l 5,95 €

Vor einigen Jahren hat sich Familie Laplace, die Besitzer

des berühmten Château d’Aydie im Madiran, dazu entschlossen,

eine Linie mit Alltags-Weinen zu kreieren,

deren Basis die typischen Rebsorten der Region sein

sollten. Im Falle des „Aramis“ blanc sind es Colombard

und Sauvignon Blanc. Lange Zeit gehörte der Colombard,

jene natürliche Kreuzung aus Chenin Blanc und

Gouais Blanc (Weißer Heunisch), zu den Standardrebsorten

des Armagnac. Irgendwann aber wurden Ugni

Blanc und Folle Blanche beliebter, und der Colombard

drohte zu verschwinden. Erst eine Neuinterpretation

dieser Sorte sorgte für eine Renaissance, denn der früher

recht alkoholmächtig ausgebaute Colombard kann

im Weinberg auch ganz anders behandelt und auch so

erzogen werden, dass er früher reift und frisch wie

auch saftig gelesen werden kann. Wenn man ihn dann

mit der ebenfalls frischen, vor allem aber fruchtbetonten

Sorte Sauvignon Blanc zusammenbringt, kann ein

wunderbar saftiger und anregend fruchtiger Wein wie

eben der „Aramis“ blanc entstehen. Bei gerade einmal

11,5 Voluemnprozent Alkohol – ein Wert, den man ansonsten

fast ausschließlich von deutschen Rieslingen

kennt – duftet der trockene Wein nach Holunderblüten

und Maiglöckchen, nach Weißen Johannisbeeren,

Birnen und Äpfeln, Weinbergpfirsich und reifen Zitronen.

Am Gaumen bietet er eine frische Frucht, getragen

von einer sanften und doch lebendigen Säure

sowie einer cremigen Textur. Die Frucht ist präsent

wie auch saftig und wird betont durch eine pikant

herbe, an Grapefruit und Kräuter erinnernde Note. Ein

im besten Sinne unkomplizierter Weißwein für den alltäglichen

Genuss!

Ab sofort und bis 2025 und länger.

„ODÉ D’AYDIE“ PACHERENC DU VIC-BILH SEC, BLANC 2019

Madiran in Weiß: opulent, kraftvoll und doch voller Frische

FSW050819 „Odé d’Aydie“ Pacherenc du Vic-Bilh sec, blanc 2019 Diam-Kork 14% Vol. 15,33 €/l 11,50 €

Falls Sie von der Appellation Pacherenc du Vic-Bilh

noch nie gehört haben sollten, ist das nicht weiter

verwunderlich. Sie liegt im Béarn – von dort stammt

die berühmte sauce béarnaise – und ist von der Fläche

her praktisch identisch mit dem Madiran. Das

Madiran aber ist Rotweinen vorbehalten, Vic-Bilh hingegen

süßen wie auch trockenen Weißweinen wie

diesem „Odé d’Aydie“ sec. Die prägenden Sorten für

die Weißweine dieser Region sind Gros Manseng und

Petit Manseng. Es sind zwei der vielen Sorten, die es

im „Sud Ouest“, dem Südwesten Frankreichs, zu entdecken

gilt. Dieser Südwesten gehört für uns deshalb

zu den spannendsten Regionen. Manseng, ob groß

oder klein, bietet eine wunderbare Fülle, verknüpft mit

einer lebendigen Säure – weshalb er sich auch so gut

als Süßwein eignet. In diesem Fall hat Familie Laplace,

Eigentümer des Château d’Aydie, 60 % Gros Manseng

mit 40 % Petit Manseng von Lehm- und Schotterterrassen

sehr langsam gepresst, vergoren und zum Teil

in Eiche und in Akazie, zum anderen Teil im Edelstahl

ausgebaut. Dabei wurde einmal in der Woche die Hefe

aufgerührt, was den cremigen Charakter des Weines

erklärt. Der „Odé d’Aydie“ wirkt schon im Duft kraftvoll

und vielschichtig mit Noten von Cedrat-Zitronen

und Grapefruits, Williams-Christ-Birnen und Ananas,

ein wenig Mango, Ingwer und Kräutern. Das Holz ist

fein spürbar, ebenso ein wenig Hefe. Beeindruckend

ist hier vor allem das intensive Mundgefühl. Der „Odé“

wirkt zunächst seidig weich wegen seiner Hefe-Textur.

Auch die Säure ist weich und umschmeichelt die helle

Frucht. Doch schon nach kurzer Zeit nimmt die Säure

Fahrt auf und wird immer lebendiger, frischer und

fast druckvoll. Sie prägt nun den Gaumen, bleibt aber

immer in Balance mit der eleganten Textur, mit der

saftigen Frucht und mit der Würze dieses kraftvollen

Weines. Ganz ohne Frage ist das ein wunderbarer Textur-Wein,

der zu kräftigen Mahlzeiten mit cremigen

Saucen gereicht werden kann. Familie Laplace empfiehlt

den Wein auch zum Raclette oder zu blanquette

de veau. Da dürfte er schon jetzt seine ganze Pracht

ausspielen, hat aber locker ein Potenzial für die nächsten

zehn Jahre und mehr.

Ab sofort und bis leicht 2030 und darüber hinaus.

94 PINWAND no 328 | September 2021


Aydie

MADIRAN FRANKREICH

„ARAMIS“ VIN DE FRANCE, ROUGE 2018

Tannat und Syrah sorgen für den perfekten fruchtigen und kernigen roten Alltagswein

FSW050518 „Aramis“ Vin de France, rouge 2018 DV 13% Vol. 7,93 €/l 5,95 €

Die Weine aus der Linie „Aramis“ stammen von dem

berühmten Château d’Aydie im Madiran. Die Besitzerfamilie

Laplace hat sich vor einigen Jahren dazu entschlossen,

neben den klassischen Weinen der Appellationen

Madiran und Pacherenc du Vic-Bilh auch ein

paar günstige Alltagsweine zu erzeugen, die zugleich

die Rebsorten der Region repräsentieren. Für den roten

„Aramis“ haben sie sich für die regionale Rebsorte

Tannat und den zugewanderten Syrah entschieden.

Beides sind sehr dunkle Sorten, und entsprechend

beeindruckt schon die Farbe des „Aramis“ rouge. Das

Aroma ist so richtig trinkanimierend in seiner Kombination

aus Frucht und bodenständig ehrlicher erdiger

Würze. Hier duftet es nach Kirschen und Cassis,

Holunderbeeren und einem Hauch Roter Bete, nach

dunkler Schokolade und Unterholz. Am Gaumen wird

der „Aramis“ zum perfekten Begleiter einer zünftigen

Brotzeit, zu Charcuterie und Gegrilltem. Die Frucht

verbindet ich auch hier mit dem Erdig-Würzigen, wird

durchzogen von einer frischen Säure und begleitet von

einem spürbaren, aber letztlich seidigen Tannin, das

die Frucht auf angenehme Weise ummantelt. Es ist

ein süffiger, ein saftiger Wein, der im Sommer definitiv

auch leicht gekühlt für großen Genuss sorgt.

Ab sofort uns bis 2026 und länger.

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FRANKREICH MADIRAN

Aydie

„L’ORIGINE“ MADIRAN, ROUGE 2017

Ein Wein, der das klassische Madiran mit der Moderne verbindet.

FSW050717 „l’Origine“ Madiran, rouge 2017 13,5% Vol. 11,86 €/l 8,90 €

Madiran gehört zu den großen traditionsreichen Weinbaugebieten

des französischen Südwestens, das seine

große Zeit vor dem Aufschwung des benachbarten

Bordeaux hatte. Man hörte lange Zeit wenig vom Südwesten,

bis ein paar engagierte Winzer in den 1970er

Jahren beherzt ein paar Poliertücher in die Hand nahmen

und die Patina vom Madiran entfernten. Ihr Ziel

war es, den Tannat, die ikonische Rebsorte des Madiran,

zu einem Wein zu machen, der schon früh trinkbar

ist; denn der Tannat hatte damals einen ähnlichen Ruf

wie in Italien der Nebbiolo: großes Potenzial, aber so

viel Tannin, dass er die ersten 20 Jahre untrinkbar ist.

Zu den Winzern, die den Tannat in die Jetztzeit überführt

haben, gehört Familie Laplace. Und ihr „l’Origine“

ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man das Beste

aus Tradition und Moderne zusammenbringen kann,

um einen Wein zu machen, der beides in sich trägt und

vereint. Der „l’Origine“ ist eine Cuvée aus 70 % Tannat

und 30 % Cabernet, wobei der Cabernet Franc hier deutlich

stärker vertreten ist als der Cabernet Sauvignon.

Der „l’Origine“ zeigt sich opak, was typisch für Madiran

ist, irgendwo zwischen Purpur und Violett. Und

ähnlich duftet er auch: Veilchen findet man hier neben

Holunderbeeren, Pflaumen neben Schlehen, Kirschen

zusammen mit Brombeeren, etwas Vanille vom Fassausbau

und ein wenig Unterholz und steinige Erde.

Für den Gaumen wurde dieser Madiran wie ein Rubin

geschliffen. Er hat zwar noch Ecken und Kanten, aber

die sind nicht scharf, sondern abgerundet. Es ist ein

offener und großzügiger sanfter Riese mit einer reifen

dunklen Frucht und einer angenehmen Wärme, die

von einer lebendigen Säure durchzogen ist. Ein Madiran

ist immer etwas ganz Eigenes mit viel Charakter,

den wir hier überaus schätzen. So ist es auch beim

„l’Origine“, der nicht nur als Begleiter zum Barbecue

eine äußerst gute Figur macht.

Diesem Madiran sollte man ein wenig Luft vor dem

Genuss gönnen. Potenzial bis 2028+.

96 PINWAND no 328 | September 2021


Aydie

MADIRAN FRANKREICH

„LES 2 VACHES ROUGES“ VIN DE FRANCE, ROUGE 2018

Zwei Kühe mit blauen Hörnern und ein kleines Tannat-Mirakel

FSW050218 „Les 2 Vaches Rouges“ Vin de France, rouge 2018 Nomacorc 13,5% Vol. 11,93 €/l 8,95 €

Zugegeben: Bis vor wenigen Jahren war auch uns nicht

bewusst, dass man die dunkle, erdige, und zuweilen

amtlich tanninreiche Rebsorte Tannat auch so herrlich

süffig, unkompliziert und dennoch charakterstark ins

Glas bekommen kann. Denn an der Gleichung Tannat

= Tannin ist schon etwas dran! Mittlerweile dürften

sich allerdings die Winzer aus dem Madiran von den

Nachbarn aus Cahors inspiriert haben lassen, die inzwischen

aus der gewiss nicht eben leichtgewichtigen

oder handzahmen Malbec-Traube, einen echten, verblüffend

frischen „Trinkwein“ vinifizieren. Was keine

kleine Kunst ist, denn selbst die von sandigen Böden

stammenden, in der Regel in der Jugend sanfteren

Weinen, können – so Jancis Robinson, Julia Harding

und José Vouillamoz in ihrem großen Rebsortenatlas

„Wine Grapes“ – eine überraschende „Peter-Pan-Qualität“

an den Tag legen: Sie scheinen nicht erwachsen

zu werden, legen ihr ungestümes Wesen nicht ab!

Famille Laplace scheint dies und noch viel mehr allerdings

quasi en passant zu gelingen. Denn der „Les

2 Vaches Rouges“ ist so ein herrlich „trinkiger“ Wein,

nicht umsonst beschreibt Hugh Johnson in der aktuellen

Ausgabe seines „Pocket Wine Book“ (2021) „Laplace,

Dom“ als ältesten und zeitweilig einzigen (!)

Produzenten im Madiran, der „immer noch einer der

besten und wichtigsten“ ist und empfiehlt neben den

großen, zum Teil enorm langlebigen Klassikern „Château

d’Aydie Madiran“ und „Odé d’Aydie“ besonders

eben den bewussten „leichteren“ (und bei ihm zweifach

besternten) Tannathundertprozenter „Les 2 Vaches

Rouges“ (die beiden roten Kühe mit den blauen

Hörnern sind nicht das Ergebnis einer ausgedehnten,

als Kreativ-Meeting getarnten Zecherei, sondern die

„heiligen“ Wappentiere des Béarn) einen ausgesprochenen

vin de soif.

Unser Produzent gibt allerlei Handreichungen, wie der

Wein zu trinken sei, und wir könne nur sagen: recht

hat er! „Leicht gekühlt (16 °C) zu Brasserie- und Bistrogerichten

oder Hausmannskost“ etwa den sonst

recht kompliziert mit Wein zu begleitenden „gefüllten

Tomaten“ und natürlich auch zu „Entrecôte, Andouillette,

Entenconfit, Pot au feu und gegrillten Lammkoteletts“.

Selbstredend darf Käse nicht fehlen (wir raten

zu einem reifen Cantal oder Ossau-Iraty) sowie, für

Entdecker und Liebhaber, Schokoladendesserts!

Möglich macht all das dieser kühl (vor-)vergorene,

dann sechs Monate lang im Edelstahl ausgebaute,

dunkelgranatrote (violette Reflexe inklusive) Tannat.

Ein bei aller Kantigkeit, die man der Rebsorte nachsagt,

unglaublich saftiger Wein, der auf säurebetonte

Früchte wie rote Johannisbeeren, Berberitzen, Grapefruits

und rote Pflaumen setzt. Am Gaumen zeigt

sich der Tannat rund, geschmeidig und durchaus tiefgründig-würzig,

aber mit einer sehr schönen strukturierenden

Säureader, die den Wein, nicht nur (leicht

gekühlt) zu einem idealen Sommerrotwein werden

lässt, sondern zu dem man mit Gusto auch bei eher

herbstlichen Temperaturen greift, da er über eine ausgesprochen

anregende Komplexität und Länge verfügt,

die über den rein „erfrischenden“ Aspekt weit

hinausreicht. Der Madiran – immer für eine großartige

Überraschung und kleine Weinwunder gut!

Ab sofort uns bis leicht 2025.

97


FRANKREICH MADIRAN

Aydie

„ODÉ D’AYDIE“ MADIRAN, ROUGE 2016

Eines der größten Schnäppchen und Weinwerte Frankreichs

– Bordeaux, zieh Dich warm an!

FSW050116 „Odé d’Aydie“ Madiran, rouge 2016 Diam-Kork 14% Vol. 15,86 €/l 11,90 €

Für die FAZ war schon ein Jahrgangsvorgänger der

beste Wein der großen Madiran-Probe: „Eine LKW-Ladung

voll perfekt gereifter roter Beeren, enorm kompakt

und betört doch mit kühler Frucht. Unbedingt

dekantieren. Ganz groß!“ Der „Odé d’Aydie“ ist Madiran

in seiner schönsten Form. Ein wenig Luft, leicht

gekühlt im Glas, ein schönes dickes Steak auf dem Teller

und fertig ist das Rotweinglück.

Eine urwüchsige, höchst authentische, von Kalkböden

stammende Spitzen-Cuvée, ein vibrierender, fantastisch

verführerischer Madiran der traditionsreichen

Familiendomaine Château d’Aydie, die mit ihrer leuchtenden,

tiefdunkelrot-violetten Farbe aus dem Glas

regelrecht entgegenzuspringen scheint. Im Duft betörend

dunkle Beeren, die aber kein schweres, überreif-üppiges

Parfu, sondern eine ungemeine präzise

und frische Frucht transportieren, die somit durchaus

Assoziationen zu wecken vermag an burgundische

Edelcrus. Welch grandiose Textur am Gaumen, welch

Harmonie und Balance zwischen verführerischer Fülle,

lustbetontem Spiel und enormer Kraft, welch verzaubernde

Noten von edlen Gewürzen und hellem kubanischen

Tabak, Weihrauch und Zedernholz. Welch

genialer Extrakt und welch mächtige, aber dennoch

auch weiche und seidene Tannine. Hier vermählt sich

südliches Feuer in den Adern mit einer nordischen

Kühle und Eleganz. Hedonismus pur! Zu genießen zu

kräftigen Fleischgerichten durchaus schon dieses Jahr

im Herbst und Winter, Höhepunkt aber erst 2022 bis

wohl weit nach 2030. Die Tannat-Rebe bringt einige

der langlebigsten Rotweine Frankreichs hervor …

Ab etwa 2022 bis vermutlich weit über 2030 hinaus.

CHÂTEAU D’AYDIE MADIRAN, ROUGE 2016

Ein zeitloser Klassiker des französischen Südwestens: pur – superb – Madiran!

FSW050416 Château d’Aydie Madiran, rouge 2016 Diam-Kork 14,5% Vol. 26,60 €/l 19,95 €

Das Madiran gehört zu den südwestlichen französischen

Appellationen, die terrassenartig aufgebaut sind.

Die Verhältnisse sind dort ähnlich wie im Cahors oder

im Gaillac, wo sich ebenfalls vor langer Zeit die Flüsse

durch die verschiedenen Bodenstrukturen gearbeitet

haben. Der „Château d’Aydie“, der vin de garde der Familie

Laplace, repräsentiert dabei zum einen die klassische

Rebsorte des Madiran, den Tannat, und zum anderen

diese unterschiedlichen Bodenschichten. Im Terroir de

Saint Lanne stehen mehr als 30 Jahre alte Reben auf lehmig-kalkhaltigem

Boden, im Terroir d'Aydie stehen sie

in lehmig-kiesigem Boden und im Terroir de Moncaup

in lehmigem Boden mit großen abgerundeten Kieselsteinen,

die den „galets roulés“ in Châteauneuf-du-Pape

ähneln. Der Tannat wurde von Hand gelesen und bei

10 bis 12 ºC über fünf Tage hinweg in einer sogenannten

Kaltmazeration kühl vorvergoren, bevor er langsam

über 30 Tage hinweg bei bis zu 25 ºC vergoren wurde.

Schließlich wurde der Tannat zwölf bis 15 Monate in

Eichen-Fudern und tonneaux ausgebaut und weitere 20

Monate auf der Flasche reifen lassen.

Früher hat man Tannat so ausgebaut, dass die Weine

erst nach etwa 20 Jahren mit Genuss trinkbar waren.

Heute gibt allerdings es nur noch wenige Weinliebhaber,

die Weine wirklich so lange und länger in den

Keller legen können (und wollen). Trotzdem bleibt der

Tannat in seiner Jungend ein recht ungestümer Geselle,

dem man aber sehr schnell anmerkt, dass er sein Herz

am rechten Fleck hat. Er wird also noch ein paar Jahre

der Zähmung benötigen, bis er sich den Maßanzug

übergestreift hat. Aus einer großen Karaffe und mit viel

Luft macht er jetzt schon Spaß – zumal wenn man den

Wein zu einem Côte de Bœuf reicht, denn der „Château

d’Aydie“ definiert sich längst nicht nur über seine Gerbstoffe,

sondern ebenso über die ganz dunkle Frucht von

Holunder und Brombeeren, Schlehen und Schwarzkirschen.

Hinzu kommen klare Noten von Mokka und

schwarzem Kardamom, fermentiertem Kampot-Pfeffer

und dunkler Schokolade, Unterholz und schwarzem Tabak.

Am Gaumen zeigt der Château d’Aydie viel Kraft

und Saft mit einer klaren und puren Säure und dem

schon angesprochenen markanten Tannin. Beeindruckend

sind die Lebendigkeit und jugendliche Energie,

die dieser Wein verströmt und die unterlegt ist mit einer

noch gebremsten Kraft. Wenn man jetzt das bewusste

Fleisch auftischt, schmilzt das Tannin mit dem Fettgehalt

des Steaks und sorgt für Hochstimmung: Hier wird

die ganze Klasse dieses traditionellen, bodenständigen

und zugleich hochkomplexen Madiran offensichtlich.

Dieser Wein braucht Zeit – im Keller mindestens 5 Jahre.

Dann aber wird er bis 2040 immer besser und besser!

98 PINWAND no 328 | September 2021


Aydie

MADIRAN FRANKREICH

99


PROBIERPAKETE

WEINGUT

JÜLG

REBSORTEN-PROBIERPAKET

(12 Flaschen)

DPF079900P Rebsorten-Probierpaket statt 100,80 € nur 92,00 €

PROBIERPAKET „KALKMERGEL“

(6 Flaschen)

DPF079920P Probierpaket „Kalkmergel“ statt 68,00 € nur 62,00 €

Johannes Jülg hat sein vinologisches Können nachhaltig unter

Beweis gestellt. Er ist ein „Meister aller Klassen!“ Punktgenau

gelingt es ihm, den Charakter der einzelnen Rebsorten mit den

Eigenheiten ihrer Terroirs zu verschmelzen. In diesem Probierpaket

können Sie die ganze Bandbreite des Pfälzer Ausnahmewinzers

kennenlernen. Natürlich zum Vorzugspreis!

JE 2 FLASCHEN

Spätburgunder trocken, 2019 | Weißburgunder trocken, 2020

| Riesling trocken, 2020 | Chardonnay trocken, 2020 |

Grauburgunder trocken, 2020 | Weißburgunder „Kalkmergel“

trocken, 2020

Die Jülg-Weine aus der „Kalkmergel“-Linie begeistern uns ganz

besonders. Sowohl Riesling als auch Spätburgunder zeigen auf

ideale Weise Terroir- und Rebsortentypizität – nomen est omen

sozusagen. Zum Kennenlernen dieser Bilderbuchweine haben

wir Ihnen ein Probierpaket zum reduzierten Preis geschnürt, das

Sie sich nicht entgehen lassen sollten: Es lohnt sich unbedingt!

JE 2 FLASCHEN

Riesling „Kalkmergel“ trocken, 2020 | Weißburgunder

„Kalkmergel“ trocken, 2020 | Spätburgunder „Kalkmergel“

trocken, 2019


PinWand N° 328 Saarwellingen, im September 2021

Liefern Sie mir bitte folgende Weine:

Bestellung per Fax: 06838 / 97950-30, Telefon: 06838 / 97950-0 oder auch per Post:

PINARD de PICARD • Alfred-Nobel-Allee 28 • 66793 Saarwellingen oder www.pinard.de

Menge Artikel-Nr. Wein Einzelpreis

ITALIEN | Saladini Pilastri – Marken

alle BIO

IMA010420 „Palazzi“ Pecorino DOC Falerio, bianco 2020 5,95 €

FSW050619 „Aramis“ Vin de France, blanc 2019 5,95 €

IMA010820 Pecorino DOCG Offida, bianco 2020 7,95 €

„Odé d’Aydie“ Pacherenc du Vic-Bilh sec,

FSW050819

IMA010120 Rosso Piceno DOC, 2020 6,30 €

blanc 2019

11,50 €

IMA010218 „Piediprato“ DOC Rosso Piceno, 2018 7,90 €

FSW050518 „Aramis“ Vin de France, rouge 2018 5,95 €

IMA010617

„Pregio del Conte“ IGT Marche, rosso 2017

FSW050717 „l’Origine“ Madiran, rouge 2017 8,90 €

9,45 €

Suckling: 91 P

FSW050218 „Les 2 Vaches Rouges“ Vin de France, rouge 2018 8,95 €

IMA010318

„Vigna Monteprandone“ DOC Rosso Piceno

FSW050116 „Odé d’Aydie“ Madiran, rouge 2016 11,90 €

13,90 €

Superiore, 2018

FSW050416 Château d’Aydie Madiran, rouge 2016 19,95 €

ITALIEN | Altesino – Toskana

SPANIEN | Bernabeleva – Vinos de Madrid

ITO080219 Toscana IGT, rosso 2019 10,90 €

„Camino de Navaherreros“ DO Vinos de

SVM011218

9,90 €

12 x Toscana IGT, rosso 2019

Madrid, blanco 2018

ITO080219P 119,90 €

(11+1 Flasche gratis) statt 130,80 € nur

SVM010118 „Navaherreros“ DO Vinos de Madrid, blanco 2018 13,90 €

ITO080318 Rosso di Montalcino DOC, 2018 15,70 €

„Cantocuerdas Albillo“ DO Vinos de Madrid,

SVM010218

19,90 €

12 x Rosso di Montalcino DOC, 2018

blanco 2018

ITO080318P 172,70 €

(11+1 Flasche gratis) statt 188,40 € nur

NEU! „Manchomuelas“ DO Vinos de Madrid,

SVM011118

19,90 €

Brunello di Montalcino DOCG, rosso 2016

blanco 2018

Parker: 93 P

ITO080416

39,90 €

Parker: 95+ P

NEU! „Navaherreros seis años en barrica“

SVM011313

28,90 €

ITO080416M Brunello di Montalcino DOCG, rosso 2016 MAGNUM 86,00 €

DO Vinos de Madrid, blanco 2013

ITO080516

„Montosoli“ DOCG Brunello di Montalcino,

NEU! „Cantocuerdas Moscatel“ DO Vinos de

73,90 € SVM010417F

rosso 2016

Suckling: 97 P

Madrid, blanco 2017 (0,5l)

19,95 €

„Montosoli“ DOCG Brunello di Montalcino,

„Camino de Navaherreros“ DO Vinos de

ITO080516M 149,00 € SVM010519

rosso 2016 MAGNUM

Madrid, tinto 2019

PdP: Coup de Cœur

9,95 €

ITO080915

Riserva DOCG Brunello di Montalcino, rosso 2015

„Navaherreros Garnacha“ DO Vinos de Madrid,

79,00 €

Wine Spectator: 97+ P

SVM010619

tinto 2019

15,90 €

ITO080700 Grappa di Brunello (0,5l) 29,00 €

„Arroyo del Tórtolas“ DO Vinos de

SVM010718

ITO080800 Grappa di Brunello Riserva (0,5l) 36,00 €

Madrid, tinto 2018

Parker: 94 P

29,90 €

FRANKREICH | Gérad Boulay – Sancerre

SVM010818 „Carril del Rey“ DO Vinos de Madrid, tinto 2018 29,90 €

FLO070419 „Sibylle“ Sancerre, rosé 2019 Vinous: 93 P 19,90 €

FLO070120 „Tradition“ Sancerre, blanc 2020 24,50 €

FLO070219 „Les Monts Damnés“ Sancerre, blanc 2019 36,50 €

FLO070319 „La Côte“ Sancerre, blanc 2019 39,95 €

Menge Artikel-Nr. Wein Einzelpreis

FRANKREICH | Château d'Aydie – Madiran


PinWand N° 328

Liefern Sie mir bitte folgende Weine:

Menge Artikel-Nr. Wein Einzelpreis

SPANIEN | Bimbache – El Hierro (Kanaren)

SHI010720 NEU! „Chivo“ DO El Hierro, blanco 2020 23,90 €

SHI010120 Bimbache DO El Hierro, blanco 2020 29,90 €

SHI010220

„John Stone“ DO El Hierro, blanco 2020

max. 6 Fl./Kunde

35,90 €

SHI010320

„Grand Cruz del Calvario“ DO El Hierro, bl. 2020

max. 6 Fl./Kunde

35,90 €

SHI010620

NEU! „Miguelito Jackson – Blan de Nuar“

DO El Hierro, blanco 2020 max. 3 Fl./Kunde

37,90 €

SHI010420 Bimbache DO El Hierro, tinto 2020 max. 2 Fl./Kunde 29,95 €

SPANIEN | Àlvaro Palacios – Priorat / Rioja / Bierzo

* BIO

SRI010219 „La Vendimia“ DOCa Rioja, 2019 Parker: 90–91 P 9,95 €

SRI010318 „La Montesa“ DOCa Rioja 2018 * Parker: 93+ P 14,90 €

SBI010119 „Pétalos“ DO Bierzo, tinto 2019 Parker: 93+ P 14,95 €

SRI010419 „Propiedad“ DOCa Rioja, tinto 2019 Parker: 95 P 26,95 €

SPR010218 „Les Terrasses“ DOCa Priorat, t. 2018 Parker: 94 P 29,50 €

SPR010517 „Finca Dofí“ DOCa Priorat, t. 2017 Parker: 95 P 69,00 €

SRI010119

„Plácet de Valtomelloso“ DOCa Rioja, b. 2019 *

Parker: 93–94 P

22,90 €

ÖSTERREICH | Bernhard Ott – Wagram

alle BIO

OWG010520 NEU! Kabin(O)tt Riesling halbtrocken, 2020 19,50 €

OWG010220 Grüner Veltliner „Der Ott“, 2020 23,70 €

OWG010220M Grüner Veltliner „Der Ott“, 2020 MAGNUM 49,00 €

„Ried Rosenberg“ Feuersbrunner Grüner

OWG010319

Veltliner 1. Lage, 2019

34,00 €

OWG010319M „Ried Rosenberg“ 1. Lage, 2019 MAGNUM 69,90 €

OWG010719 „Ried Stein“ Engabrunner Gr. Veltl. 1. Lage, 2019 29,95 €

OWG010819 „Ried Spiegel“ Feuersbrunner Gr. Veltl. 1. Lage, 2019 29,95 €

OWG019700 Weinberghonig – aus eigenen Weingärten (300 g) 8,95 €

Marillenmarmelade – selbst eingekocht von

OWG019800

Ott’schen handgepflückten Bio-Marillen (240 g)

9,95 €

DEUTSCHLAND | Weinhof Herrenberg – Saar

DMO041020 „Hof-Cuvée“, 2020 11,50 €

DMO041120 „LochRiesling“, 2020 13,95 €

DMO040119 Riesling „Cruv“ (trocken), 2019 19,95 €

DMO040220 Riesling „Stier“ (feinherb), 2020 19,95 €

DMO040920 Riesling „Stoveler“ (feinherb), 2020 19,95 €

Kanzemer Sonnenberg „Rautenstrauch“

DMO042920

Riesling (feinherb), 2020

19,95 €

DMO042720 Riesling „kleines Fass“ (halbtrocken), 2020 21,90 €

DMO040520 Riesling „Saartyr“ (halbtrocken), 2020 33,00 €

Ockfener Bockstein „Steinmetzrausch“ Riesling

DMO041220

(halbtrocken), 2020

43,00 €

Bestellung per Fax: 06838 / 97950-30, Telefon: 06838 / 97950-0 oder auch per Post:

PINARD de PICARD • Alfred-Nobel-Allee 28 • 66793 Saarwellingen oder www.pinard.de

Menge Artikel-Nr. Wein Einzelpreis

DEUTSCHLAND | Jülg – Pfalz * in Subskription, Lieferung im Dezember 2021

DPF070320 Weißburgunder, 2020 7,80 €

DPF072120 Chardonnay, 2020 7,80 €

DPF072220 Grauburgunder, 2020 7,80 €

DPF071220 Riesling trocken, 2020 7,80 €

DPF070420 Weißburgunder „Kalkmergel“, 2020 10,90 €

DPF070520 Weißburgunder „Sonnenberg“, 2020 18,50 €

DPF071720 Chardonnay „Sonnenberg“, 2020 18,50 €

DPF070120 Riesling „Kalkmergel“ trocken, 2020 10,60 €

DPF071420 Riesling „Buntsandstein“ trocken, 2020 10,60 €

DPF071620 Riesling „Springberg“ trocken, 2020 17,00 €

DPF070220 Riesling „Sonnenberg“ trocken, 2020 18,00 €

DPF070619 Spätburgunder, 2019 8,30 €

DPF070719 Spätburgunder „Kalkmergel“, 2019 12,50 €

DPF070819 Spätburgunder „Sonnenberg“, 2019 20,00 €

DPF072020 Weißburgunder „Reitschul“, 2020 * 35,00 €

DPF071320 Chardonnay „Opus Oskar“, 2020 * 48,00 €

DPF071520 Sauvignon Blanc „Opus Oskar“, 2020 * 48,00 €

DPF070919 Spätburgunder „WB im Sonnenberg“, 2019 * 29,00 €

DPF072319 Spätburgunder „KT im Sonnenberg“, 2019 * 35,00 €

DPF071019 Spätburgunder„KB im Sonnenberg“, 2019 * 38,00 €

DPF071919 Spätburgunder „Opus Oskar“, 2019 * 84,00 €

DPF072418 Blanc de Noir brut, 2018 11,90 €

DPF071116 Rieslingsekt brut, 2016 11,95 €

DPF071819 Crémant rosé brut, 2019 11,95 €

DPF079920P

Probierpaket „Kalkmergel“ (6 Flaschen)

statt 68,00 € nur

62,00 €

DPF079900P

Rebsorten-Probierpaket (12 Flaschen)

statt 100,80 € nur

92,00 €

DEUTSCHLAND | Müller-Ruprecht – Pfalz

DPF060120 Weißburgunder trocken, 2020 7,30 €

DPF060220 Grauburgunder trocken, 2020 8,50 €

DPF061320 Scheurebe trocken, 2020 8,50 €

DPF061520 Scheurebe Kabinett, 2020 PdP: Coup de Cœur 7,30 €

DPF060420 Kallstadter Annaberg Riesling trocken, 2020 7,40 €

DPF060520 Kallstadter Kreidkeller Riesling trocken, 2020 9,50 €

DPF060920 Kallstadter Saumagen Riesling trocken, 2020 9,50 €

DPF060620 Ungsteiner Weilberg Riesling trocken, 2020 15,80 €

DPF061120 Kallstadter Saumagen „H“ Riesling tr., 2020 15,80 €

DPF060720 Kallstadter Saumagen „N“ Riesling tr., 2020 19,50 €

DPF069820P

„Saumagen“-Probierpaket (6 Flaschen)

statt 89,60 € nur

79,95 €

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Name / Firma

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Straße, Nr.

PLZ, Ort

Frei Haus ab 95,00 € oder 12 Flaschen (Wein, Spirituosen, Olivenöl). Unterhalb der

Frei-Haus-Grenze erheben wir eine Versandkostenpauschale in Höhe von 6,50 €.

Versandkosten ins Ausland auf Anfrage oder einzusehen unter www.pinard.de

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Widerrufsrecht: Sie haben das Recht, binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen diesen Vertrag zu widerrufen. Die Widerrufsfrist beträgt 14 Tage ab dem Tag, an dem Sie oder ein von Ihnen benannter Dritter, der nicht der

Beförderer ist, die letzte Ware einer einheitlichen Bestellung in Besitz genommen haben bzw. hat. Um Ihr Widerrufsrecht auszuüben, müssen Sie uns (Pinard de Picard GmbH & Co.KG, Alfred-Nobel-Allee 28, 66793 Saarwellingen,

Tel.: 06838/97950-0, Fax:-30, E-Mail: info@pinard.de) mittels einer eindeutigen Erklärung (z.B. ein mit der Post versandter Brief, Telefax oder E-Mail) über Ihren Entschluss, diesen Vertrag zu widerrufen, informieren.

Zur Wahrung der Widerrufsfrist reicht es aus, dass Sie die Mitteilung über die Ausübung des Widerrufsrechts vor Ablauf der Widerrufsfrist absenden. Unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen können Sie unter

https://www.pinard-de-picard.de/geschaeftsbedingungen.html einsehen. Unsere Datenschutzerklärung finden Sie unter https://www.pinard-de-picard.de/kontakt/datenschutz.html. Gerne können Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen

sowie die Datenschutzerklärung auch in schriftlicher Form bei uns anfordern. Allgemeine Informationen über den Umfang der Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten und über Ihre Datenschutzrechte

finden Sie unter https://www.pinard-de-picard.de/kontakt/190111_Informationspflicht_Datenerhebung_V1.10.pdf

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