KREBS- LET'S FIGHT!

MediaplanetVerlagDeutschland

EINE UNABHÄNGIGE KAMPAGNE VON MEDIAPLANET

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KREBS

Let’s fight!

NICHT VERPASSEN:

Finanzielle Hilfe bei Krebs

Welche Möglichkeiten gibt es?

Seite 03

Welt-Lymphom-Tag

Warum Aufklärung so

wichtig ist.

Seite 05

Gentherapie

Was unsere Gene über den

Krebs verraten und wie

das zur personalisierten

Therapie beiträgt.

Seite 07

Zurück zur Normalität?

Fehlanzeige!

Carolin Kotke erzählt über ihr Leben

nach der Krebstherapie.


2

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VERANTWORTLICH FÜR DEN

INHALT IN DIESER AUSGABE

Katja Wilksch

Die Umsetzung der

Kampagne hält mir

immer wieder vor

Augen, wie wichtig

das Thema der

Vorsorge im Umgang

mit einer Krebserkrankung

wird.

IN DIESER AUSGABE

09

DER KREBS UND ICH – ZWEI BETROFFENE BERICHTEN:

Der Krebs hat

meinem Leben einen

Sinn gegeben

Carsten Witte ist 34 Jahre alt. Vor zehn Jahren bekam er die Diagnose

Osteosarkom, Knochenkrebs. Gezeigt hat sich die Erkrankung durch

Armschmerzen. Durch CT und Biopsie kam heraus: ein Tumor im

Knochen. Nach Chemotherapie und erfolgreicher OP kam der Krebs

zwei Jahre später, in Form von Metastasen in der Lunge, zurück.

Auch diesmal bekämpft er den Krebs erfolgreich. Wir haben ihm

folgende Frage gestellt:

Langzeitüberleben bei Krebs

Was weiß man eigentlich?

10

Chemo – ja oder nein?

Wann kann man sich diese Frage stellen?

11

Lungenkrebs

Der beliebte Schauspieler Thorsten

Nindel im Interview.

War das Thema Vorsorge schon immer

ein Thema für dich?

Mich hat die Diagnose Knochenkrebs

getroffen, als ich 24 Jahre alt war. In dem

Alter hat man alles im Kopf, aber ganz

sicher nicht die Erkrankung Krebs oder

das Thema Vorsorge. Hinzu kommt, dass

es für dieses Alter gar keine Angebote zur

Vorsorge gibt. Natürlich kann man sich

selbst den Hoden abtasten, aber wer tut

das schon – besonders in dem Alter?

Damals war ich Zeitsoldat und habe mich

gefühlt wie ein Halbgott – mich haut

nichts um, ich war total unbeschwert. Ich

bin mit meinem Leben eher verschwenderisch

umgegangen, habe alles als

gegeben und normal angesehen. Ich

hatte keine Ziele, keine Perspektiven,

habe in den Tag hinein gelebt. Ich wusste

gar nicht so recht, warum ich hier bin.

Mir hat die Erkrankung ganz viel

Lebensqualität gegeben. Denn jetzt, wo

ich alles hinter mir habe, genieße ich das

Leben viel mehr als vorher – ich weiß

alles mehr zu schätzen. Ich habe eine

Aufgabe, eine Fülle im Leben bekommen:

Ich habe das Abitur nachgeholt, studiert

und bin jetzt Gesundheitspädagoge und

Psychoonkologe. Zudem engagiere ich

mich ehrenamtlich für yeswecan!cer. Der

Krebs hat meinem Leben einen Sinn

gegeben. Dieses „Mich trifft es schon

nicht“ hatte ich damals zu 100 Prozent,

doch jeden kann es treffen und daher

sollte auch jeder das Leben feiern. Keiner

weiß, wie lange er es kann – der Krebs

und viele andere Krankheiten kennen

kein Alter.

Ohne Magen, aber

voller Lebensmut

Mehr

Mutmacher:innen

finden Sie unter

yeswecan-cer.org

oder

yeswecan-cer.org/

die-yes-app

Dilek Skrabania ist 34 Jahre alt. Bis zu ihrer Krebserkrankung arbeitete

die gelernte Heilerziehungspfleger in einem Kindergarten. Da ihr auch

die Milz entfernt wurde (Asplenie) durfte sie nicht mehr mit Kindern

arbeiten. So kam sie zu yeswecan!cer. Nach der Diagnose Magenkrebs

lebt die 34-jährige Dilek Skrabania ohne Magen. Wir haben ihr folgende

Frage gestellt:

Senior Project Manager : Katja Wilksch (katja.wilksch@

mediaplanet.com) Geschäftsführung: Richard Båge

(CEO), Philipp Colaço (Managing Director), Franziska

Manske (Head of Editorial & Production), Henriette

Schröder (Sales Director) Designer: Ute Knuppe

Mediaplanet-Kontakt: redaktion.de@mediaplanet.com

Coverbild: Georg Verhasselt

Alle „in Zusammearbeit mit“ gekennzeichneten Artikel

sind keine neutrale Redaktion des Mediaplanet Verlags.

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@Mediaplanet_germany

Please recycle

Wann ist kämpfen für dich keine

Option mehr?

Diese Frage stellt sich nicht. Denn zu

kämpfen gegen den Krebs ist für mich

nie eine Option gewesen. In Bezug auf

die Krankheit Krebs finde ich diesen

Begriff vollkommen unangebracht, weil

ich gegen etwas ankämpfe, das ich nicht

sehe. Es ist zu abstrakt. Niemand steht

da mit dem Schwert, gegen den ich

kämpfen könnte, daher finde das Wort

sehr schwierig. Keiner, der an Krebs

erkrankt ist, kann dagegen ankämpfen.

Die Aufforderung, den Krebs zu

bekämpfen, setzt die Erkrankten unnötig

unter Druck. Sie können sich

operieren, sich bestrahlen lassen, eine

Chemo machen, sich auf ihre Ärzte

verlassen, die Ernährung umstellen etc.

Aber kämpfen? Ob jemand kämpft oder

sich als Kämpfer sieht, interessiert den

Krebs am Ende nicht. Ich habe viele

Freundinnen, die gekämpft haben und

trotzdem gestorben sind. Da nützt auch

eine optimistische Grundhaltung nichts.

Die positivsten Menschen wie die

depressivsten sterben an Krebs. Denn

wer kämpft, kann auch verlieren. Es

heißt ja immer: Sie oder er hat den

Kampf gegen den Krebs verloren. Doch

das sehe ich anders: Wer stirbt, hat

gewonnen, denn mit ihm stirbt auch der

Krebs. Daher ist „kämpfen“ ein Wort,

mit dem ich nicht konform gehe.

Andere bezeichnen sich gern als

Krebskrieger. Wenn es ihnen hilft oder

Kraft gibt, finde ich es vollkommen

okay. Doch ich bin keine Kämpferin,

unter keinen Umständen. Würde ich nur

kämpfen, könnte ich nicht leben. Daher

habe ich das Wort „Kampf“ durch den

Begriff „Akzeptanz“ ersetzt. Ich akzeptiere,

dass der Krebs und ich zusammen

in diesem Körper leben. Ich bin gespannt,

wie lange noch. Diese Haltung

macht mich gelassener, auch im

Hinblick darauf, wie sich irgendwann

mein Sterben gestaltet. Aber ich möchte

leben. Dafür muss ich sehen, wie ich

meinen Körper mit genügend Nahrung

versorge. Zu Essen ist für mich mit

großen Schmerzen verbunden. Hier

suche ich nach einer Lösung. Aber ich

kämpfe nicht.


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Eine Versicherung für

Krebserkrankungen

Laut der aktuellen Krebs-Studie des Robert-Koch-Instituts erkrankt im Laufe seines Lebens fast

jeder Zweite an Krebs. Eine solche Diagnose belastet physisch, psychisch und teils auch finanziell

sehr stark. Neuartige Versicherungen speziell für Krebserkrankungen sollen im Ernstfall helfen.

Warum so etwas sinnvoll sein kann, zeigen wir im folgenden Beitrag auf.

Text

Paul Howe

Dank rasanter Fortschritte in

der Medizin steigen auch

die Heilungschancen bei

einer Krebserkrankung.

Die Betroffenen wollen in der Regel

alle Chancen ergreifen, um wieder

gesund zu werden. Doch gerade neue

Therapieformen sind teuer und werden

teils nicht von der Krankenkasse

übernommen. Aber auch kleinere

Ausgaben für z.B. Verbandsmaterial

nach Operationen, immunstärkende

Arzneimittel oder Zuzahlungen für

Medikamente können sich schnell zu

einer unerwarteten Kostenbelastung

aufsummieren. Hinzu kommt, dass

dem Großteil der Krebserkrankten

während der Therapie nur ein Krankengeld

zur Verfügung steht.

Krankenkasse reicht nicht immer

Laut Sozialgesetzbuch müssen

die Krankenkassen die Kosten für

Therapieformen übernehmen, die

„ausreichend, zweckmäßig und

wirtschaftlich“ sind. Alternative und

ergänzende Behandlungsformen

von Krebs sind darin nicht immer

enthalten. Ein Beispiel ist die Immuntherapie,

in der das körpereigene

Immunsystems dazu mobilisiert

wird, getarnte Krebszellen aufzuspüren

und zu bekämpfen. Auch wenn

damit bereits bahnbrechende Erfolge

erzielt werden konnten, zahlt die

Kosten

©DESIGN PRESENT/SHUTTERSTOCK

KREBS-

VERSICHE-

RUNG

Krankenkasse

Eigenes

Kapital

Krankenkasse oft nur bei bestimmten

Krebsformen und das auch nur dann,

wenn bereits alle anderen Optionen

ausgeschöpft sind. Dieselben Regeln

gelten gleichfalls für die Kostenübernahme

einer Gentherapie, die bis

zu 300.000 Euro kosten kann. Auch

Kosten für onkologische Spezialisten,

führende Experten oder im

Ausland ansässige Ärzte sind nicht

automatisch von den Krankenkassen

abgedeckt.

Andere Kostenfaktoren

Auch der krankheitsbedingte

Verdienstausfall kann zu finanziellen

Engpässen führen. Bei länger

anhaltender Arbeitsunfähigkeit greift

das Krankentagegeld, welches nur

einen Teil des Gehaltes abdeckt. Um

den aktuellen Lebensstil aufrecht zu

erhalten oder notwendige Anschaffungen

zu ermöglichen, kann das

fehlende Gehalt zu einem unerwarteten

Problem werden.

Krebsversicherungen bieten

finanzielle Unterstützung

Je nach Versicherung beträgt die

Auszahlung bei Diagnose Krebs bis zu

100.000 Euro. Die Auszahlung erfolgt

einmalig und steht dem Versicherten

für die freie Verwendung zur Verfügung.

Manche Krebsversicherungen

enthalten neben der Geldleistung

auch noch Zusatzleistungen wie

beispielsweise eine medizinische und

psychologische Beratung. Während

der Erkrankung steht den Versicherten

dann eine persönliche Betreuung

zur Verfügung, die bei der Koordination

der Therapien unterstützt,

medizinische Fragen beantwortet und

psychologische Hilfestellung leistet.

Da in der Regel bereits erkrankte

Personen keine Krebsversicherung

mehr abschließen können, ist es umso

wichtiger rechtzeitig vorzusorgen. Mit

den genannten Leistungen bietet eine

Krebsversicherung so eine sinnvolle

Prävention für den Ernstfall.

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und psychologische Betreuung zur Verfügung.

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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit dem IOZK entstanden.

Immun gegen

das Bösartige

Ein Gespräch mit Liesbeth

Coeckelberg (35) und

Stefaan Van Gool, MD, PhD,

Facharzt für pädiatrische

Hämato-Onkologie mit dem

Schwerpunkt Hirntumoren,

am Immun-Onkologischen

Zentrum Köln (IOZK),

über ihren Kampf gegen

einen bösartigen

Gehirntumor, die letzte

Hoffnung Immuntherapie

und das Entstehen von

neuem Leben.

Stefaan Van Gool

MD, PhD, Facharzt

für pädiatrische

Hämato-Onkologie

am Immun-Onkologischen

Zentrum

Köln (IOZK)

Bei Ihnen wurde vor ein paar Jahren ein

Glioblastom diagnostiziert, es zählt zu den

tödlichsten Krebsarten. Können Sie kurz

diese Zeit der Diagnose und ersten Therapie

beschreiben?

Liesbeth Coeckelberg: Ich hatte 2016 mehrere

epileptische Anfälle, die Ärzte jedoch nicht

ernst nahmen. Erst ein Neurologe wurde hellhörig.

Man entdeckte einen Tumor im Kopf mit

Grad 4, also mit höchstem Schweregrad. Das

war natürlich ein Schock. Die Ärzte gaben mir

eine Lebenserwartung von ein, zwei Jahren und

starteten eine Radio- und Chemotherapie. Meine

Eltern, bei denen ich damals noch wohnte,

sind genauso wie ich erst mal positiv eingestellt,

was bei einem solchen Befund natürlich

schwerfällt. Dennoch wollten wir den Kampf

aufnehmen. Neben der Therapie stellten sich

die ersten Nebenwirkungen ein, wie Müdigkeit

oder Gewichtsverlust, die meine Lebensqualität

erheblich einschränkten. Leider stellten die

Ärzte während der Therapie fest, dass meine

Blutwerte nicht in Ordnung waren. Es war

notwendig, zwischen den einzelnen Blöcken

der Chemo eine längere Pause einzulegen, weil

ich die Therapie nicht vertragen habe und sogar

mein Knochenmark geschädigt wurde. Es gab

keine alternative Therapie bei uns hier in Belgien,

aber warten war für mich natürlich auch

keine Option. Wir haben daher selbst recherchiert

und das IOZK in Deutschland gefunden.

Auf welchen Ansatz setzen Sie in Ihrem

Zentrum?

Stefaan Van Gool, MD, PhD: Etablierte Therapien

zielen darauf ab, durch Operationen

oder Medikamente den Tumor zu vernichten

– oft verbunden mit schweren Nebenwirkungen

für die gesunden Zellen und das Immunsystem.

Die IOZK-Immuntherapie nutzt und

stärkt dagegen das patienteneigene Abwehrsystem

spezifisch im Kampf gegen den Krebs.

Sie aktiviert nachhaltig das Immunsystem

gegen neu wachsende Krebszellen – gesunde

Zellen werden dabei aber nicht zerstört. Wichtig

ist außerdem: Jeder Tumor ist in seinem

Wachstum dynamisch. Jede Krebserkrankung

ist anders und bedarf einer differenzierten

Analyse und einer persönlich zugeschnittenen

Behandlung. Daher planen wir für jeden

Patienten eine individuelle IOZK-Immuntherapie

und erstellen einen abgestimmten

Behandlungsplan. Die Basis bildet eine

umfassende Laboranalyse des Immunsystems.

Auf dieser Grundlage entscheidet unser

Ärzteteam, welche Behandlungsmethode und

Folgebetreuung am besten geeignet sind.

So sind wir auch bei Liesbeth vorgegangen.

Wir haben sie mit einer Immuntherapie und

einer Elektrohyperthermie behandelt. Sie

erhielt eine Ersttherapie mit einem Impfzyklus

von acht Tagen und nach drei Wochen

diesen Zyklus erneut. Modulierte Elektrohyperthermie

erzeugt durch Radiowellen eine

Erwärmung und Reizung von Tumorzellen,

ohne das umliegende gesunde Gewebe zu

beeinträchtigen. Die Tumorzellen zeigen dadurch

auf ihrer Oberfläche bestimmte Gefahrensignale,

die ebenfalls die Immunreaktion

provozieren und verstärken.

Wie haben Sie die Behandlung wahrgenommen

und wie geht es Ihnen inzwischen?

Liesbeth Coeckelberg: Zu Beginn ging es

mir nicht besser, aber wenigstens auch nicht

schlechter. Ich war noch sehr müde. Irgendwann

konnte ich jedoch eine Entwicklung

sehen. Die Therapie war dann tatsächlich

erfolgreich und ich bin tumorfrei. Es gibt eine

Vollremission, allerdings nach wie vor Nachuntersuchungen.

Ich war irgendwann fit genug,

wieder Sport zu machen. Heute bin ich wieder

als Lehrerin tätig, habe einen Freund und wir

haben sogar gemeinsam ein Baby bekommen.

Stefaan Van Gool, MD, PhD: Unsere Therapie

ist, wie gesagt, so angelegt, dass der Körper

selbst die Tumorzellen erkennt, sie aktiv

bekämpft und im Wachstum hemmt. Nur so

konnte im Fall von Liesbeth mit ihrem Kind

sogar neues Leben entstehen. Die Medizin

sollte sich stärker solchen neuen Wegen

öffnen, denn es gibt erfolgreiche Alternativen

zur Standardtherapie. Man sollte es zudem

nicht den Patienten überlassen, dass sie, wie

bei Liesbeth, selbst danach recherchieren, so

vorbildlich das auch sein mag. Die Ärzte müssen

hier zusammen mit ihren Patienten nach

Alternativen suchen, die wissenschaftlich fundiert

sind. Für den jeweiligen Patienten kann

schließlich Leben oder Tod davon abhängen.

Welche Botschaft haben Sie nach der

Therapie für andere Betroffene?

Liesbeth Coeckelberg: Andere Betroffene

haben mir bereits berichtet, dass mein

positives Beispiel sie motiviert. Wichtig ist,

mit positiven Gedanken Kraft zu finden. Ich

gebe solche Interviews bewusst, weil ich

andere ermutigen möchte, die Hoffnung nicht

zu verlieren.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit

mit der José Carreras

Leukämie-Stiftung entstanden.

Im Kampf

gegen

Leukämie

Ein Gespräch mit Prof. Dr. med. Uwe Platzbecker,

Direktor der Klinik und Poliklinik für

Hämatologie, Zelltherapie und Hämostaseologie,

Universitätsklinikum Leipzig.

Mediziner wissen heute,

dass Blutkrebs durch erworbene

genetische Veränderungen

einer Blutstammzelle

entsteht. Vor diesem Hintergrund

entwickeln sich die modernen

Therapien gegen Leukämie und

verwandte bösartige Bluterkrankungen

weiter. „Leukämie muss

heilbar werden. Immer und bei

jedem.“ ist das Ziel von Stifter

und Startenor José Carreras. Er

erkrankte selbst an Leukämie und

gründete 1995 aus Dankbarkeit für

seine Heilung die Deutsche José

Carreras Leukämie-Stiftung.

Mit diesem Ziel von José

Carreras vor Augen, wo steht

heute die Wissenschaft?

Im Vergleich mit der Behandlungssituation

vor 20 Jahren

Prof. Dr. med.

Uwe Platzbecker

Direktor der Klinik

und Poliklinik für

Hämatologie,

Zelltherapie und

Hämostaseologie,

Universitätsklinikum

Leipzig

sind wir dem Ziel deutlich nähergekommen. Es gibt

inzwischen Leukämieformen, darunter die chronische

Leukämie, die ohne Chemotherapie geheilt werden

können. Zudem verstehen wir immer besser, wie sich

Leukämiezellen entwickeln, vermehren und wie sie

funktionieren. Auch können wir durch genetische

Charakterisierungen bereits Vorstufen von Leukämien

besser erkennen und damit einordnen. Auf dieser Basis

entwickelt sich aktuell die sogenannte Präzisionsmedizin.

Das Ziel ist, dass keine allgemein wirkenden

Chemotherapien eingesetzt werden müssen, die auch

gesunde Zellen zerstören. Vielmehr werden Leukämiezellen

gezielt angegriffen und unschädlich gemacht.

Wie funktionieren die gezielten Therapien?

Leukämien entstehen aufgrund komplexer genetischer

Veränderungen, sodass sich Leukämiezellen unkontrolliert

vermehren können. Dabei werden bestimmte Eiweiße

aktiviert, die von selbst nicht mehr abgeschaltet werden

können. Zum Teil können diese „Schaltkreise“ mit

Medikamenten gehemmt und damit die Leukämien gezielt

behandelt werden. Doch Leukämien können sich anpassen

und alternative „Schaltkreise“ für ihr Zellwachstum nutzen.

Künftig möchten wir mit neuen molekularen Methoden

diese komplexen „Schaltkreise“ aufdecken und mit

zielgerichteten Medikamenten unterbrechen. Dazu bedarf

es dann zum Teil verschiedener Angriffspunkte. Und genau

hierbei gibt es die aktuell größte Dynamik in der wissenschaftlichen

Entwicklung: Das sind die Immun- und

Gentherapien. Zum einen kann das Immunsystem gezielt

aktiviert und zum anderen können die eigenen Immunzellen

„sehend“ für Leukämiezellen gemacht werden; das

heißt, dass sie diese erkennen und zerstören können. Eine

solche „CAR-T-Zell-Therapie“ ist bereits für manche

Patienten mit fortgeschrittener Leukämie in vielen Zentren

in Deutschland verfügbar. Die Vision dabei ist, zukünftig

bei einigen Leukämieformen auf die Knochenmark- bzw.

Stammzelltransplantation verzichten zu können.

Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung fördert

seit 1995 wissenschaftliche Forschungs-, Infrastruktur- und

Sozialprojekte. Wer mehr dazu erfahren möchte:

carreras-stiftung.de

Spendenkonto

Commerzbank AG München

IBAN DE96 7008 0000 0319 9666 01

BIC: DRESDEFF700

Konto: 319 96 66 01

BLZ: 700 800 00


Lesen Sie mehr auf gesunder-koerper.info 5

Mehr Aufmerksamkeit

für das Lymphom

Am 15. September findet wie jedes Jahr der World

Lymphoma Awareness Day (WLAD) statt. Er ist der

Sensibilisierung für das Lymphom gewidmet, eine

immer häufiger auftretenden Krebserkrankung.

Text Charlie Schröder

Das Lymphom ist eine eher weniger bekannte Krebsart

und Patienten stehen vor einer Vielzahl an Herausforderungen.

Sie verlassen sich während ihrer gesamten

Krebserfahrung auf die Unterstützung eines

Teams von Fachleuten und persönlichen Verbindungen.

COVID-19 hat den Zugang zur fachlichen Unterstützung auf

vielen Ebenen für Lymphombetroffene fast unmöglich

gemacht, dabei weiß jeder ob der Dringlichkeit

einer rechtzeitigen ärztlichen

Behandlung für betroffene Krebspatienten.

Ein Zustand, den sich kein

Betroffener leisten kann.

Wofür auch das diesjährige

Motto des Aktionstages

steht: We Can’t Wait –

ein dringender Aufruf

zum Welt-Lymphom-Aufklärungstag

2021. Menschen

auf der ganzen Welt haben

aufgrund der Pandemie noch

immer einen eingeschränkten

Zugang zu medizinischem

Fachpersonal. Zudem zögern

sie, einen Arzt aufzusuchen,

wenn Symptome auftreten.

Deshalb wurden weniger Diagnosen

gestellt und infolge

dessen wird erwartet,

dass Krebs erst

im fortgeschrittenen

Stadium diagnostiziert

wird.

Wir können es kaum erwarten, uns um unsere eigene Gesundheit

zu kümmern. Wenn Sie Anzeichen oder Symptome

eines Lymphoms bemerken, zögern Sie nicht und sprechen

Sie mit Ihrem medizinischen Team.

Mehr Informationen finden Sie unter:

lhrm.de

lymphomacoalition.org

Quelle: lymphomacoalition.org

Wir können es kaum erwarten,

Lymphome zu diagnostizieren

und zu behandeln. Es wurden

Entscheidungen getroffen, um

Gesundheitssysteme zu unterstützen,

von denen Patienten

betroffen waren, aber es ist an

der Zeit, die Standardbehandlungspraktiken

sicher wieder

aufzunehmen.

Wir können es kaum erwarten, Menschen mit Lymphomen

zu unterstützen. Wenn Sie können, melden Sie sich

bitte freiwillig oder unterstützen Sie Ihre lokale Organisation

– wir brauchen Ihre Hilfe.

FOTO: SHUTTERSTOCK

FAKTEN

Weltweit werden jedes Jahr mehr als

735.000 Menschen mit Lymphomen diagnostiziert.

Es gibt 2 Hauptarten von Lymphomen:

• Hodgkin-Lymphom (HL)

• Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)

Das Hodgkin-Lymphom

entsteht, wenn bestimmte Zellen des

lymphatischen Gewebes, insbesondere

die B-Lymphozyten, infolge

von Veränderungen im Erbgut entarten

(„Hodgkin-Zellen“). Beim Hodgkin-Lymphom

lassen sich in befallenen Lymphknoten und

Organen unter dem Mikroskop sogenannte

Reed-Sternberg-Riesenzellen nachweisen.

Das Hodgkin-Lymphom ist sehr gut

therapierbar und hat heutzutage eine

Heilungschance von über 90 Prozent.

Non-Hodgkin-Lymphome

sind der Sammelbegriff für

mehr als 80 unterschiedliche

Lymphomarten, die alle einer

besonderen Therapie bedürfen

und meistens chronisch oder

auch tödlich verlaufen können,

weshalb eine schnelle und richtige

Diagnose unabdingbar ist.

Einige Symptome des Lymphoms

sind schwierig zu erkennen und können als

alltägliche Erkrankungen oder Infektionen

verkannt werden. Folglich wird das Lymphom

manchmal als „versteckter“ oder „stummer“

Krebs bezeichnet. Deshalb ist es

besonders wichtig, richtig diagnostiziert und/

oder beobachtet zu werden.

Die markantesten Symptome sind:

• Schmerzfreie Schwellung: im Nacken, unter

der Achsel oder in der Leiste

• Nächtliche Schweißausbrüche

• Unerklärliches Fieber

• Gewichtsverlust und Müdigkeit

• Husten oder Kurzatmigkeit

• Anhaltendes Jucken am ganzen Körper

Im Jahr 2016 erkrankten in Deutschland

rund 20.000 Personen an einem Non-

Hodgkin- oder einem Hodgkin-Lymphom.

Betroffene Frauen sind im Mittel bei der

Diagnose 72 und Männer 70 Jahre alt.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit GILEAD SCIENCES GMBH entstanden.

CAR-T-Zelltherapie – mit körpereigenen Zellen gegen den Krebs

Moderne Krebstherapien setzen zunehmend das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen bestimmte Krebserkrankungen ein.

Ein relativ junger Ansatz ist die CAR-T-Zelltherapie. Für Prof. Dr. med. Wolfgang Bethge, Stellvertretender Ärztlicher Direktor der

Abteilung Innere Medizin II und Leiter des Zentrums für Klinische Studien ZKS Tübingen, stellt sie eine wichtige Behandlungsoption

bei bestimmten Blutkrebsformen dar. Text Benjamin Pank

Bei CAR-T-Zelltherapien werden

körpereigene Zellen eingesetzt. Was

ist das Besondere an der Therapie?

Es werden patienteneigene Immunzellen,

sogenannte T-Zellen, genetisch

so modifiziert, dass sie spezifisch

ein bestimmtes Oberflächenprotein

auf Zielzellen erkennen,

sodass sie die Zielzellen/Tumorzellen

angreifen und zerstören können.

Wie läuft eine CAR-T-Zelltherapie ab?

Dazu müssen ausreichend T-Zellen

aus dem Blut des Patienten gesammelt

werden. Danach werden die

Zellen in der Herstellungsstätte

aufgereinigt, genetisch verändert und

vermehrt. Nach Qualitätskontrollen

erhält das zugelassene, qualifizierte

Behandlungszentrum die Zellen

tiefgefroren zurück. Vor Gabe der

aufgetauten CAR-T-Zellen erhält der

Patient eine Chemotherapie zur

Lymphodepletion, sodass sich die

CAR-T-Zellen nach der Gabe im Körper

ausbreiten und vermehren können.

Welche Patienten können aktuell

behandelt werden?

Derzeit ist die CAR-T-Zelltherapie

bei bestimmten Formen von aggressivem

Lymphdrüsenkrebs sowie

zur Behandlung einer bestimmten

Form der Leukämie zugelassen. Die

Behandlung erfolgt nur an spezialisierten

und zertifizierten Zentren.

Welche Chancen kann eine

CAR-T-Zelltherapie eröffnen?

Mit diesem Ansatz kann Patienten, die

nach Therapieversagen bei einer Leukämie

oder einem aggressiven Lymphom

kaum noch Behandlungsmöglichkeiten

haben, wieder eine Therapie mit einer

potenziellen Aussicht auf Langzeitremission

angeboten werden.

Worauf ist bei einer CAR-T-Zelltherapie

hinsichtlich eventuell auftretender

Nebenwirkungen zu achten?

Bei einer CAR-T-Zelltherapie kann

es zu schwerwiegenden und lebensbedrohlichen

Nebenwirkungen

kommen. Insbesondere kann es nach

Gabe der Zellen zu einem sogenannten

Zytokinsturm, einer ausgeprägten

Reaktion mit Fieber und

Kreislaufreaktion, und zu neurologischen

Nebenwirkungen kommen.

Zudem ist das Immunsystem über

längere Zeit eingeschränkt, da

CAR-T-Zellen auch die Zahl gesunder

Immunzellen vermindern

können. Darüber hinaus sind weitere

Nebenwirkungen möglich.

Was bedeutet es für Sie, wenn Sie

Patienten mit zuvor limitierten Behandlungsmöglichkeiten

nun eine

Therapieoption anbieten können?

Die CAR-T-Zelltherapie ist eine der großen

Entwicklungen der letzten Jahre.

Wir behandeln teilweise Patienten, die

sonst keine längere Überlebenschance

mehr hätten. Jeder Patient, dem wir

dadurch die Perspektive auf ein

längeres Leben ermöglichen können,

motiviert uns, diese Behandlungsform

bei weiteren onkologischen Erkrankungen

zu erforschen.

FOTO: UK TÜBINGEN/VERENA MÜLLER

Prof. Dr. med.

Wolfgang Bethge

Universitätsklinikum

Tübingen

Mehr Informationen

finden Sie unter:

onkologie-imwandel.de

DE-UNB-0247


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Ovarektomie mit 32:

Kinderwunsch ade!

Man möchte meinen, dass nach einer erfolgreichen Krebstherapie so langsam wieder

die normale Realität einkehrt. Doch leider ist dem nicht so! Zu gern würde man mit diesem

Kapitel abschließen, doch immer wieder holt der Krebs einen ein und Entscheidungen

müssen getroffen werden, die unser ganzes Leben bestimmen.

Text Carolin Kotke

Und auch wenn ich heute dankbar für

das neue Bewusstsein für mich und

meinen Körper und die noch engere

Beziehung zu meinem Freund bin,

hätte ich vor manchen Entscheidungen

lieber nicht gestanden. Mein Freund und ich waren

schon vor meiner Brustkrebsdiagnose seit einigen

Jahren zusammen und so stand die Frage, ob wir jetzt

überhaupt noch gemeinsame Kinder haben können,

immer wieder im Raum. Hinter mir lagen Chemotherapie

und Bestrahlung, und Maßnahmen wie das

Einfrieren von Eizellen wurden nicht vorgenommen,

da damals keine Zeit dafür blieb. Zudem hatte ich

einen hormonrezeptorpositiven Brustkrebs, durch

den ich mich nach der Therapie direkt in einer Antihormontherapie

und damit in den Wechseljahren

befand. Aber immer wieder gibt es tolle Erfolgsgeschichten

von Frauen, die trotz Chemotherapie und

durch Pausierung der Antihormontherapie schwanger

werden und sich ihren Kinderwunsch erfüllen.

Doch eine Frage, die mich mehr als die „Kann ich

überhaupt schwanger werden“-Frage beschäftigt hat,

war die Frage, ob ich überhaupt schwanger werden

darf oder sollte. Leider habe ich in dieser Hinsicht

eine wirklich sehr ungünstige Kombi erwischt: Mein

Tumor war zu 100 Prozent hormonrezeptorpositiv

und hinzu kommt eine BRCA1-Genmutation. Ist

es also sinnvoll, seinen Hormonhaushalt mit einer

Schwangerschaft sogar noch zu pushen und so vielleicht

noch vorhandene Schläferzellen zu wecken?

Leider gibt es hierzu keine klare Studienlage. Fakt

ist, dass ich mein Wiedererkrankungsrisiko mit einer

Schwangerschaft erhöhen würde und die BRCA1-

Mutation mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit

sogar auch an das Kind weitergeben könnte. Mit

dieser Mutation hat man laut aktuellem Stand eine

80-prozentige Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs

sowie eine 40-prozentige Wahrscheinlichkeit an

Eierstockkrebs zu erkranken. So stand bereits fest,

dass ich mit spätestens 40 meine Eierstöcke entfernen

lassen sollte, um mein Krebsrisiko so gut es geht

zu reduzieren. Doch was, wenn ich mich jetzt schon

dazu entschließe? Entscheidungen und Fragen, die

mich über Monate hinweg quälten. Mein Freund und

ich wollten immer Kinder haben. Was also, wenn

ich mich dagegen entscheide? Was, wenn ich keine

Kinder kriegen kann und mein Freund mich verlässt?

So viele Fragen, die in meinem Kopf umherschwirrten

und nicht nur mein, sondern unser zukünftiges

Leben komplett beeinflussen würden. Und ich möchte

nicht behaupten, dass mir diese Entscheidung

leicht fiel, doch am Ende bin ich ein sehr rationaler

Mensch. Von Beginn an kommunizierte ich den

Ärzten, dass ich nicht die leichteste und schonendste

Variante wählen möchte, sondern die sicherste! So

habe ich bereits auch meine Brüste im Kampf gegen

den Krebs abgegeben und entschied nach langen

Gesprächen mit meinem Freund nun auch, dass es

die sicherste Variante, nicht noch einmal neu an

Krebs zu erkranken, wäre, mich auch von meinen

Eierstöcken zu verabschieden. Eine Entscheidung,

die eigentlich nicht ich und auch nicht wir getroffen

haben. Sondern die Entscheidung, keine eigenen

Kinder bekommen zu können, hat uns der Krebs

leider abgenommen.

Die Ovarektomie, also die Entfernung meiner

Eierstöcke, war dann ein relativ kleiner und unkomplizierter

Eingriff. Über eine Bauchspiegelung

wurden die Eierstöcke entfernt und bereits nach

einer Stunde war alles vorbei und am nächsten Tag

durfte ich das Krankenhaus bereits verlassen. Und

auch wenn ich Angst vor Nebenwirkungen, wie der

Verschlimmerung meiner Wechseljahresbeschwerden,

hatte, ändert sich nicht viel.

Dadurch, dass ich mich eh schon seit anderthalb

Jahren in der Antihormontherapie befand und

regelmäßig die Zoladex-Spritze bekam, die die

Östrogenproduktion in meinen Eierstöcken

verhinderte, blieb alles unverändert. Nur weiß ich

jetzt eben mit ziemlich hoher Sicherheit, dass ich

keine eigenen Kinder mehr bekommen werde, und

habe dies akzeptiert. Auf der einen Seite gibt es

noch immer ganz wundervolle Möglichkeiten wie

eine Adoption und auf der anderen Seite kann ich

noch immer die coole Tante Caro sein. Und am Ende

sind mein Freund und ich uns sicher: Das Wichtigste

ist es, dass ich hier noch immer unter uns weile

und dass es mir gut geht. Und das tut es! Meine

Therapie ist mittlerweile drei Jahre her, die Ovarektomie

ein Jahr und mein Körper hat sich dank

meiner guten Ernährung super erholt und mir geht

es so gut wie schon seit Langem nicht mehr.

Die Entscheidung, keine

eigenen Kinder bekommen

zu können, hat uns der

Krebs abgenommen.

FOTO: GEORG VERHASSELT

Carolin Kotke

ist bereits mit 29 Jahren an Brustkrebs erkrankt.

Heute ist sie Ernährungscoach und macht sich

als Brustkrebs-Aktivistin stark und möchte mit

ihren Erfahrungen anderen Menschen helfen.

Auf Instagram und ihrem Blog berichtet sie über

ihre Krebstherapie und das Leben nach dem

Krebs und gibt ganz unter dem Motto „eat well,

feel better“ hilfreiche Ernährungstipps für mehr

Wohlbefinden.

@carolinkotke

carolionk.com


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Erbliches Krebsrisiko

Text Charlie Schröder

Genetische

Beratung

Im Rahmen der Regelversorgung

wird eine genetische Diagnostik der

BRCA1/2-Gene folgenden Patientinnen

bzw. Ratsuchenden angeboten:

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung

der Frau. In Deutschland

erkranken jährlich etwa 70.000

Frauen. Bei einem Viertel der

Patientinnen sind schon vermehrt Brustkrebsfälle

in der Familie aufgetreten, was auf

eine genetische Ursache hinweisen kann.

In fünf bis zehn Prozent der Fälle lässt sich

eine krankheitsauslösende Genveränderung

nachweisen. Die bekanntesten Gene sind

BRCA1 und BRCA2.

Trägerinnen dieser mutierten Gene erkranken

etwa zwanzig Jahre früher an Krebs und

das Risiko, im Laufe ihres Lebens zu erkranken,

liegt bei fünfzig bis achtzig Prozent. Zudem

besteht ein weiteres Risiko (zehn bis vierzig

Prozent) an Eierstockkrebs zu erkranken.

Ratsuchende und Betroffene mit familiärer

Hochrisiko- und Risikosituation und deren

Verwandte sollten an spezialisierten Zentren

genetisch und klinisch beraten werden. Diese

Beratung umfasst ein klinisch-genetisches

Beratungsgespräch, Durchführung genetischer

Test, Analyse der Testergebnisse und

die klinische Weiterbetreuung.

Dass eine gründliche Diagnose und ein Behandlungskonzept

erstellt werden, ist sicherlich

erst einmal das Wichtigste, aber nicht

alles, weiß Traudl Baumgartner, Vorsitzende

des BRCA-Netzwerk e.V.– Hilfe bei familiären

Krebserkrankungen: „In der Erkrankungssituation

ist es eine große Hilfe, seine Nöte

mitteilen zu können und durch die Erfahrungen

anderer Stärkung zu erfahren.“ Hier

setzen Selbsthilfegruppen an, von denen es

mittlerweile sehr viele gibt.

„Nicht immer können nahestehende

Menschen mit den Fragen und Sorgen der

Betroffenen gut umgehen. Es kann sein, dass

man in dieser Situation jemanden braucht,

der/die selbst in dieser oder einer ähnlichen

Situation war und möchte wissen, welche

Möglichkeiten es jenseits medizinischer

Maßnahmen gibt, das Ganze zu verarbeiten“,

so Frau Baumgartner weiter.

Wenn der Krebs in den Genen liegt, geht

es bei der eigenen Erkrankung nicht mehr

nur um sich selbst, sondern auch um enge

Verwandte, die eigene Familienplanung und

die nächsten Generationen.

„Hier geht es nicht nur um den Umgang

mit der Erkrankung, sondern oft im Vorfeld

darum, mit dem Risiko umzugehen. Mit den

Erfahrungen und Überlegungen anderer fällt

es oft leichter, den eigenen Weg zu finden“,

erklärt Frau Baumgartner abschließend.

FOTO: SHUTTERSTOCK

• Mind. drei Frauen mit Brustkrebs,

unabhängig vom Alter

• Mind. zwei Frauen mit Brustkrebs,

davon eine vor dem 51. Geburtstag

• Mind. eine an Brustkrebs und min.

eine an Eierstockkrebs erkrankte

Frau

• Mind. eine an Brust- und Eierstockkrebs

erkrankte Frau

• Mind. zwei Frauen mit Eierstock/

Eileiterkrebs oder primärem

Bauchfellkrebs, unabhängig vom

Alter

• Mind eine Frau mit Brustkrebs vor

dem 36. Geburtstag

• Mind. eine Frau mit beidseitigem

Brustkrebs, der erste vor dem

51. Geburtstag

• Mind. ein Mann mit Brustkrebs

und eine Frau mit Brust- und/oder

Eierstockkrebs, unabhängig vom

Alter

• Mind. eine Frau mit tripplenegativem

Brustkrebs vor dem

50. Geburtstag

• Mind. eine Frau mit Eierstockkrebs

vor dem 80. Geburtstag

• Vorhersagende (prädiktive)

Testung bei bekannter Mutation in

der Familie

Quelle: brca-netzwerk.de/familiaerekrebserkrankungen/brustkrebs/ursacherisikofaktoren-und-einschlusskriterien/

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit AstraZeneca und MSD Sharp & Dohme entstanden.

Gentests bei Krebs weisen Weg zu passender Behandlung

Genmutationen können das Entstehen von Krebs begünstigen. Um herauszufinden, ob bestimmte zielgerichtete Krebstherapien

infrage kommen, und um diese individuell zu planen, setzt die moderne Krebsmedizin auch auf diagnostische Gentests.

Text Doreen Brumme

Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa eine

halbe Million Menschen an Krebs. 1 Kein Krebs

gleicht dem anderen – jeder Krebs ist individuell,

sowohl seine Ursachen als auch sein Verlauf. Seine

Behandlung sollte deshalb genauso individuell sein. Bei

komplexen Erkrankungen wie Krebs gilt nach wie vor: Je

früher dieser erkannt wird und je besser man sein Wesen

kennt, desto besser sind die Aussichten dafür, dass die Behandlung

anschlägt und der Krebs bestenfalls geheilt wird.

Was haben Gene mit Krebs zu tun?

Unsere DNA trägt unser Erbgut. Ihre einzelnen Abschnitte

nennt man Gene. Sie liefern die Pläne für den Aufbau

bestimmter Stoffe in unserem Körper. Gene können aus

verschiedenen Gründen Schaden nehmen. Gelingt es

den Reparaturmechanismen der Zelle nicht, diesen zu

beheben, kommt es mitunter zur Veränderung des Gens.

Ist diese Veränderung von Dauer, spricht man von einer

Genmutation. Sind davon zum Beispiel Gene betroffen, die

das Wachstum der Zellen vorschreiben, kann unkontrolliertes

Zellwachstum die Folge sein – eine sogenannte Geschwulst

(Tumor) entsteht. Sie kann gutartig oder bösartig

sein, also benachbartes Gewebe entweder nur verdrängen

oder in benachbartes Gewebe hineinwachsen und es zerstören

sowie schlimmstenfalls dabei auch Absiedlungen

(Metastasen) an anderen Orten im Körper bilden. Bösartige

Tumore bezeichnet man gemeinhin als „Krebs“.

Ein Mechanismus der Zelle zur Reparatur der DNA, insbesondere

sogenannter DNA-Doppelstrangbrüche, ist die

homologe Rekombinationsreparatur (HRR). An ihr beteiligen

sich viele Gene, unter anderem BRCA-Gene. Genmutationen

können die HRR stören, dann liegt eine homologe

Rekombinationsdefizienz (HRD) vor. So hat zum Beispiel

nahezu jede zweite Patientin mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs

Zeichen einer HRD im Tumor.

Welche Rolle spielt das Wissen um Genmutationen bei

der Krebsbehandlung?

Nach der Krebsdiagnose können diagnostische Gentests

Aufschluss über das individuelle Wesen des Krebses und

die an seinem Entstehen möglicherweise beteiligten Gene

bringen. Das Wissen kann bei der Entscheidung für oder

wider eine zielgerichtete Behandlung helfen. Ob eine

solche Behandlung eingesetzt werden kann, hängt nicht

nur von der Art der Krebserkrankung ab, sondern unter

anderem auch von weiteren Besonderheiten des Tumors,

vom Krankheitsstadium oder von bereits erfolgten Behandlungen.

Dank großer Fortschritte in der Krebsforschung ist bekannt:

Zeigt ein Tumor bestimmte genetische Eigenschaften,

kann die Therapie unter bestimmten Voraussetzungen

daran ausgerichtet werden. Mit sogenannten zielgerichteten

Wirkstoffen lässt sich der Krebs angreifen, indem sie

sich genau gegen bestimmte Merkmale der Krebszellen

richten. Ein großer Vorteil gegenüber einer (nicht zielgerichteten)

Chemotherapie ist dabei zum Beispiel, dass

gesundes Gewebe weitgehend geschont werden kann.

Für wen sind diagnostische Gentests ratsam?

Patient(inn)en sollten gemeinsam mit ihren behandelnden

Ärzt(inn)en entscheiden, ob diagnostische Gentests in

ihrem Fall sinnvoll sind, um Klarheit darüber zu erlangen,

ob und gegebenenfalls wie ihre Krebsbehandlung zielgerichtet

erfolgen kann.

Bei Brust-, Bauchspeicheldrüsen- oder Prostatakrebs

zum Beispiel kommt unter bestimmten Voraussetzungen

ein BRCA-Test infrage. Bei Eierstockkrebs kann möglicherweise

eine HRD-Diagnostik erfolgen, die neben dem

Nachweis von BRCA-Mutationen auch andere Schäden

im Erbgut der Krebszellen einschließt, die auf eine HRD

hinweisen.

Wie läuft ein diagnostischer Gentest ab?

Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, können die behandelnden

Ärztinnen und Ärzte mit Einverständnis der

Patient(inn)en einen diagnostischen Gentest veranlassen.

Dafür werden Tumorgewebe, Blut oder gegebenenfalls

beides in einem darauf spezialisierten Labor untersucht.

Wo können sich Patient(inn)en und Angehörige zu

Genmutationen bei Krebs informieren?

Das Wissensportal www.gen-wissheit.de erklärt Patient(inn)en,

Angehörigen und Interessierten leicht verständlich

in Wort, Bild und Video, wie Genmutationen und Krebs

zusammenhängen. Es zeigt auch, was Genveränderungen

für die Therapieplanung bedeuten und wie wichtig Tests auf

Genmutationen – gegebenenfalls auch für gesunde Familienangehörige

von Patient(inn)en – deshalb sind.

1) Quelle: Robert-Koch-Institut (RKI)

Das neue Wissensportal für Patient(inn)en: gen-wissheit.de

DE-38163/2021


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Bestens versorgt in der Praxis!

Bei niedergelassenen Onkolog(inn)en erhalten Krebspatienten eine ganzheitliche Betreuung, ohne auf

Innovationen verzichten zu müssen. Ein Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Knauf, Vorstandsvorsitzender

des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO).

Text Theresa Hallermann

Prof. Dr.

Wolfgang Knauf

Vorstandsvorsitzender

des

Berufsverbands der

Niedergelassenen

Hämatologen und

Onkologen (BNHO)

Über den BNHO e. V.

Der Berufsverband

der Niedergelassenen

Hämatologen

und Onkologen in

Deutschland vertritt

bundesweit die

berufspolitischen,

wirtschaftlichen und

sozialpolitischen

Interessen seiner

Mitglieder. Die rund

600 im BNHO vereinten

Fach ärztinnen

und -ärzte behandeln

zusammengefasst

etwa die Hälfte aller

Tumorpatient(inn)en

in Deutschland.

Wie hat sich die Behandlung

von Krebserkrankungen

verändert?

Stahl, Strahl und Chemo – früher

bediente sich der Onkologe bei

der Behandlung seiner Patienten

ausschließlich dieser drei

Mittel. Mit Stahl war das Skalpell

des Chirurgen gemeint, das im

Kampf gegen den Krebs meist

noch von einer Chemo- und/

oder Strahlentherapie unterstützt

wurde. Heutzutage haben

wir nicht nur eine Flut an neu

zugelassenen, oral einzunehmenden

oder intravenös zu

verabreichenden Medikamenten

zur Verfügung, sondern auf

Basis sehr feiner, molekularer

Analysen der Tumoren auch

ganz andere Ansatzpunkte, die

uns erlauben, differenzierter

vorzugehen – nicht nur in wenigen

großen Zentren, sondern

auch in den Schwerpunktpraxen

für Hämatologie und Onkologie.

Was können die Schwerpunktpraxen

leisten?

Nahezu alles. Während es vor

20 Jahren unter Umständen

noch hieß: „Da müssen wir Sie

mal an die Uniklinik schicken“,

können wir heute sagen: „Die

Innovationen kommen zum

Patienten – nicht der Patient

zu den Innovationen.“ Egal ob

es dabei zum Beispiel um die

Möglichkeit zur Teilnahme an

Studien, die Behandlung mit

einer Immuntherapie oder neue

Medikamente geht – all das können

Schwerpunktpraxen leisten.

Voraussetzung ist ein hoher

diagnostischer Aufwand, an dem

mehrere untereinander eng vernetzte

Fachärzte beteiligt sind,

die ihren Patienten dank ihrer

Expertise individuell passende

Therapien schneidern können.

Dabei spielt aber nicht nur das

spezielle biologische Profil des

Tumors eine Rolle, sondern

selbstverständlich auch der Patient

in all seiner Individualität.

Und genau das macht die Sache

knifflig und zeitaufwendig.

Worauf kommt es dabei besonders

an?

Moderne, zielgerichtete Therapien

bedürfen eines besonders

engen Arzt-Patienten-Kontakts.

Zu entscheiden, welche

Behandlung die richtige ist,

erfordert eine intensive Auseinandersetzung

mit dem Patienten

und dessen Lebensumfeld,

die durch den niedergelassenen

Onkologen mit eigener Praxis

oft besser geleistet werden kann

als im stressigen Klinikalltag

mit wechselndem ärztlichen

Personal. Ist der Patient

gebrechlich und überwiegend

bettlägerig, oder ist er jung und

sportlich? Sagt er „Ich will die

Krankheit radikal loswerden“

oder „Ach, wissen Sie, ich bin

schon 85, ich will eigentlich

nur noch die Hochzeit meiner

Enkelin in einem halben Jahr

miterleben“? Die onkologische

Kompetenz in Beziehung zu

setzen mit der individuellen

Lebenssituation des Patienten

– genau das ist die Domäne des

niedergelassenen Onkologen.

Welche Therapieinnovationen

stehen gerade im Fokus?

Der Trend geht zur chemotherapiefreien

Behandlung – herausragende

Beispiele dafür sind die

chronische lymphatische

Leukämie, bei der man auch

unabhängig von speziellen

biologischen Profilen der

Erkrankung mit neuen Medikamenten

beeindruckende Erfolge

erzielen kann, oder das metastasierte

Lungen- und das Nierenzellkarzinom.

Insbesondere bei

Letzterem hatte man früher mit

klassischer Chemotherapie ganz

schlechte Karten. Durch die

Kombination von Signalhemmern

einerseits und Immuntherapie

auf der anderen Seite

ergeben sich ganz neue therapeutische

Möglichkeiten.

DIE YES!CON, Europas größte Krebs-Convention,

findet in diesem Jahr zum zweiten Mal unter

Schirmherrschaft von BGM Jens Spahn in Berlin

statt: Am 18. und 19. September 2021 treffen

auf dem bislang einzigartigen Marktplatz für

Therapien, Ideen und Lifestyle rund um das Thema

Krebs über 100 Speaker und hochkarätige

Programmteilnehmer zusammen. Dazu zählen

Vertreter(innen) aus Medizin, Medien, Wirtschaft

und Politik, Erkrankte und Angehörige, aber auch

Prominente wie Joko Winterscheidt, Tim Mälzer,

Axel Prahl, Stefanie Giesinger oder Facebook-

Europe-CEO Nicola Mendelsohn.

Jedes Thema findet im passenden Format statt

– vom Panel über Hearings, Work shops bis zu

Meditationen, Mut- und Mitmachaktionen etc.

Zu den Themen dieses Jahres zählen u. a.:

• Palliativmedizin – Kein Grund zur Panik!

• #youareonmute – Warum Männer nicht über

Krebs reden

• Da hört der Spaß auf! Darf man über Krebs lachen?

Parallel dazu sorgen viele Magic Moments für

Gänsehautmomente – wie der legendäre Auftritt

von SCHILLER alias Christopher von Deylen auf

der YES!CON 2020, als er das Musikvideo zu seinem

Song „Morgenstund“ präsentierte, an dem

Betroffene, #Mutmacher und Unterstützer von

yeswecan!cer mitgewirkt hatten.

Das Motto lautet auch diesmal: Mitmachen,

Mitdenken, Mitfiebern, Mitlachen. Jeder ist willkommen,

eine Akkreditierung ist in diesem Jahr

nicht nötig. Alle Vorträge, Diskussionsrunden und

Workshops können als Videostream kostenlos

und barrierefrei über die yescon.org-Plattform

und die Kanäle diverser Kooperationspartner live

im Netz verfolgt werden.

Die YES!CON 2021 findet in diesem Jahr in zwei

Locations statt: zum einen im bUM, dem „Raum

für engagierte Zivilgesellschaft“, zum anderen in

der nahe gelegenen Ölbergkirche, die an diesem

Tag den Namen „Church of Hope“ trägt.

Alle Informationen gibt es unter:

yescon.org

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit EWIMED GMBH entstanden.

Pleuraerguss oder Aszites – Wie ein

kleiner Eingriff alles verändern kann!

Punktionen in der Klinik bei Wasser in der Lunge oder im Bauch sind unangenehm und lästig für die

Patienten – die Firma ewimed hat eine geniale Lösung gefunden, wie die Drainage in solchen Fällen

auch von zu Hause aus funktioniert. Text Gerd Hagge

Jährlich steigt die Zahl der Krebserkrankungen weltweit

an, bei Frauen ist der Anteil der gynäkologischen

Krebserkrankungen häufig vorzufinden. Hierzu zählen

unter anderem Brust-, Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs.

Neben den Grunderkrankungen bringt der Krebs

Symptome mit sich, die es den Patienten noch schwerer

machen, mit ihrer Krankheit umzugehen, beispielsweise wiederkehrende

Pleuraergüsse (Wasser in der Lunge) oder Aszites

(Bauchwasser). Die Patienten leiden dann unter Atemnot,

Druckgefühl und Schmerzen. Je nach Grunderkrankung und

Häufigkeit des Auftretens werden unterschiedliche Behandlungsansätze

von den behandelnden Ärzten gewählt. In der

Regel wird ein solcher Erguss stationär in der Klinik oder in

den Notaufnahmen umständlich und unter Schmerzen durch

eine Punktion drainiert. Der Patient ist durch diesen Vorgang

an die Klinik gebunden und besucht diese manchmal mehrfach

in der Woche. Lange Wartezeiten und Überlastung der

Krankenhäuser, in einer sowieso schwierigen Zeit mit Corona,

sind für Arzt und Patient eine Herausforderung.

Die Firma ewimed GmbH aus dem Medical Valley Hechingen

am Rande der Burg Hohenzollern in Baden-Württemberg

hat sich deshalb auf eine ganz besondere Methode spezialisiert:

Sie hat einen weichen und biegsamen Katheter

entwickelt, der mithilfe von Fachärzten und Kliniken in ganz

Deutschland Menschen mit Pleuraerguss und Aszites in einer

minimalinvasiven Operation implantiert wird. Der Erguss

wird anschließend mittels eines Reservoirs aus der Brust

bzw. dem Bauch abgelassen. Dank eines flächendeckenden

Versorgungskonzeptes der Firma wird jeder Patient einzeln,

individuell und in seinem gewohnten Umfeld in dem Umgang

mit dem Drainage-System geschult.

Der große Vorteil für die Patienten ergibt sich dadurch, dass

sie fortan nicht mehr an die lästigen Punktionen im Krankenhaus

gebunden sind und sich stattdessen den Erguss selbst

oder durch Hilfe von Angehörigen oder Pflegekräften

drainieren können. Menschen aus allen Bereichen berichten

der Firma regelmäßig, wie dankbar sie über diese Methode

sind. Denn nicht nur der Patient, sondern auch der Arzt und

die Angehörigen erhalten einen erheblichen Zugewinn an

Lebensqualität, wenn der Patient dadurch mobil und autark

bleibt. Zudem kann der Patient wieder am sozialen Leben

teilnehmen und sogar mal wieder in den Urlaub fahren.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie unter:

ewimed.com/frauenkrebserkrankung


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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit GLAXOSMITHKLINE GMBH & CO. KG entstanden.

„Ich bin glücklicherweise noch am Leben und freue

mich jeden Tag, diese Chance erhalten zu haben!“

Die Diagnose Krebs ist für Betroffene ein einschneidendes Ereignis, das sich neben dem physischen Wohlbefinden auch auf ihr Denken, Fühlen

und Handeln auswirkt. Unmittelbar betroffen sind auch Angehörige, für die der Umgang mit Krebs herausfordernd ist. Während aus medizinischer

Sicht deshalb großer Handlungsbedarf besteht, ist es für Patient*innen wichtig, sich auszutauschen und emotionale Unterstützung zu erhalten.

Zwei Patientinnen mit unterschiedlichen Diagnosen berichten über ihre Erfahrungen und zeigen Optionen im Umgang mit Krebs auf.

Text Miriam Ziebell

Andrea Krull,

Patientin mit

Eierstockkrebs

Liebe Frau Reimann, das Multiple Myelom ist eine

seltene Krebserkrankung. Wie haben Sie reagiert, als

die Erkrankung bei Ihnen entdeckt wurde?

Ich war nach der Diagnosestellung verzweifelt und

schockiert, entschied mich aber bewusst, die Herausforderungen

des Myeloms anzunehmen. So lernte ich, das

Krankheitsbild besser zu verstehen, und konnte dann auf

Augenhöhe mit den behandelnden Ärzten eine passende

Therapieentscheidung treffen.

Bei Ihnen, liebe Frau Krull, wurde die Diagnose Eierstockkrebs

gestellt. Was haben Sie in diesem Moment

gefühlt?

Neben Sprachlosigkeit und innerer Leere kamen viele

Fragen zum Sterben in mir auf. Heute bin ich froh, noch

am Leben zu sein, denn häufig wird Eierstockkrebs spät

entdeckt, die Prognosen sind dann meist schlecht. Glücklicherweise

bin ich in einem Kompetenzzentrum gelandet,

das umfassend auf diese Krankheit spezialisiert ist.

Frau Reimann, wie hat sich die Erkrankung auf Ihren

Alltag ausgewirkt?

Zu Anfang bestimmte das Myelom mein Leben, doch

nach und nach lernte ich, mit der Krankheit zu leben. Das

war bis zum heutigen Tag die beste Entscheidung. Seither

genieße ich jeden Tag, als wäre er der letzte.

Was hat sich im Vergleich zu „vor der Diagnose“ verändert,

Frau Krull?

Meine gesamte Lebenseinstellung: Ich entscheide bewusster,

mit welchen Dingen ich

mich auseinandersetze, und kann

konsequenter für mich einstehen.

Gleichzeitig habe ich manchmal das

Gefühl, rastlos zu sein, da mir die Zeit

davonlaufen könnte – das Urvertrauen

ins Leben habe ich leider verloren.

Wie sind Ihre Angehörigen mit der

Situation umgegangen?

Andrea Krull: Bei ihnen spielte sich

im Wesentlichen dasselbe Gefühlsund

Sorgenpaket ab. Sie waren mir

dennoch immer eine große Unterstützung,

ohne sie wäre ich heute

nicht so fit und munter.

Brigitte Reimann: Die meisten

Angehörigen leben viele Jahre nicht

mehr ihr eigenes Leben, sondern das

Andrea Krull

Gründerin und

erste Vorsitzende

des Vereins

Eierstockkrebs

Deutschland e. V.

Leben der Betroffenen – so war es auch in meinem Fall.

Deshalb sind Unterstützung und Rücksichtnahme, aber

auch vertrauensvolle und ehrliche Gespräche wichtig.

Jeder sollte die Gefühle und Ängste des anderen kennen,

nur so sind viele Jahre gemeinsam zu schaffen.

FOTO: PRIVAT

Brigitte Reimann

Vorsitzende des

Bundesverbandes

Myelom Deutschland

e. V.

FOTO: PRIVAT

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht der Austausch mit

anderen Myelom-Patient*innen?

Ich empfinde den regelmäßigen Austausch mit anderen Betroffenen,

z. B. in einer Selbsthilfegruppe, als sehr hilfreich.

So können wir voneinander lernen, wie ein Leben mit Multiplem

Myelom möglich ist, und dies seit

einigen Jahren sogar mit einer immer

besser werdenden Lebensqualität.

Frau Krull, Sie haben 2016 den

Verein Eierstockkrebs Deutschland

gegründet. Wie kam es dazu?

Ich bin voller Dank und Respekt für

die Menschen, die mich unterstützt

haben, und schwor mir deshalb,

mich für andere starkzumachen.

Dies war die Initialzündung, den

Verein sowie ca. 15 Selbsthilfegruppen

für Eierstockkrebs in ganz

Deutschland ins Leben zu rufen.

Was möchten Sie anderen Betroffenen

mit auf den Weg geben?

Brigitte Reimann: Wichtig sind

Achtsamkeit, regelmäßige Verlaufskontrolle und eine

Portion Zuversicht. Da die Angst vor einem Rezidiv das

Leben stark beeinflussen kann, sollten Patient*innen nach

erfolgreicher Therapie nicht vergessen weiterzuleben. Ich

trage in mir die Hoffnung, dass eines Tages vielleicht auch

beim Multiplen Myelom sogar Heilung möglich ist.

Andrea Krull: Wenden Sie sich immer an eine Patientenorganisation

zu Ihrer Erkrankung – in Sachen Aufklärung

und emotionale Unterstützung leisten sie eine wahnsinnig

wichtige Arbeit und sind aus unserem System nicht

mehr wegzudenken! NP-DE-AOU-ADVR-210002 (08/2021)

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit DEUTSCHE STIFTUNG EIERSTOCKKREBS entstanden.

Langzeitüberleben bei Eierstockkrebs und anderen Tumorerkrankungen:

Ein bisher vernachlässigtes Thema

Pro Jahr erkranken weltweit 14 Millionen Menschen an Krebs, in den nächsten Jahren wird diese Zahl noch zunehmen. Dank der

Fortschritte in der Medizin nimmt die Zahl an sogenannten Langzeitüberlebenden mit Tumorerkrankungen deutlich zu. Dabei ist

dieses Thema sowohl im klinischen Alltag als auch in der Wissenschaft bisher noch wenig beleuchtet. Zum einem interessiert

die Charakterisierung der Patienten mit einem Heilungsziel und zum anderen die Begleitung von Langzeitüberlebenden bei der

Behandlung und Vorbeugung von Langzeitnebenwirkungen, die durch die Krebsbehandlung verursacht werden können.

Jalid Sehouli

Direktor der Klinik

für Gynäkologie mit

Zentrum für onkologische

Chirurgie an

der Charité-Universitätsmedizin

Berlin

Weitere Details unter:

fototour-ich-lebe.

de/hintergrund

Kontakt zur Survivorship-Sprechstunde:

survivorshipclinic@charite.de

Was Langzeitüberlebende

ausmacht, konnte bisher nur

unzureichend erklärt werden.

Deshalb untersuchen

neuere Studien neben genetischen auch

immunologische Faktoren.

Langzeitüberlebende haben noch

häufig Beschwerden. So haben nach

einer Studie der Charité (EXPRESSION-6)

mehr als die Hälfte der Patientinnen mit

Eierstockkrebs noch die Lebensqualität

belastende Symptome. Zu den häufigsten

Beschwerden gehören hierbei die Fatigue

(Erschöpfungssyndrom), Polyneuropathie

(Sensibilitätsstörungen in den Händen

und Füßen), kognitive Einschränkungen,

chronische Schmerzen und Schlafstörungen.

Die reguläre Nachsorge bei Krebserkrankungen

findet in der Regel in den

ersten fünf Jahren nach Erstdiagnose

statt. Für Langzeitüberlebende nach

gynäkologischer Tumorerkrankung

existieren bisher keine speziellen Strukturen.

Ein standardisiertes Screening auf

Langzeitnebenwirkungen findet ebenfalls

nicht statt. An der Klinik für Gynäkologie

mit Zentrum für onkologische Chirurgie

der Berliner Charité wurde daher erstmals

eine Spezialsprechstunde für Langzeitüberlebende

nach gynäkologischer Krebserkrankung

(Survivorship Clinic) als neue

Versorgungsform im Rahmen einer Studie

etabliert. Das Pilotprojekt wird durch

den Innovationsfonds des Gemeinsamen

Bundesausschusses der Krankenkassen

finanziert. In der Sprechstunde wird

neben der Tumornachsorge ein gezieltes

Screeningprogramm auf Langzeitnebenwirkungen

durchgeführt. Beim Vorliegen

einer Langzeitnebenwirkung erfolgt die

weitere Diagnostik und Therapie durch

das interdisziplinäre und interprofessionelle

Team der Survivorship Clinic.

Zudem wird neben standardisierten

medizinischen Untersuchungen eine

Lebensstil- und Ernährungsberatung

sowie eine sportmedizinische Untersuchung

zur Erstellung eines persönlichen

Trainingsplans durchgeführt. Darüber hinaus

bietet eine für die Studie konzipierte

App gezielte Informationen für Langzeitüberlebende.

Das Projekt soll später auf

alle Tumordiagnosen übertragen werden.

Um das Bewusstsein für das Langzeitüberleben

auch in der Gesellschaft zu

erhöhen, zeigt die Deutsche Stiftung Eierstockkrebs

auf Initiative von Prof. Dr. Jalid

Sehouli eine beeindruckende Fotoausstellung

unter dem Motto „Ich lebe!“.

Für die Aufnahmen wurden die Protagonistinnen

gebeten zu zeigen, was sie persönlich

während ihrer Krebstherapie motiviert

hat. Dafür konnten nach Belieben persönliche

Gegenstände, Glücksbringer, Personen

oder auch Tiere mitgebracht werden. Die

Ergebnisse zeigen auf eindrucksvolle Art

und Weise, wie wichtig eigene Kraftquellen

für die positive Auseinandersetzung mit

einer Krankheit sind, und schenken so

vielen Menschen Mut, mit schweren

Diagnosen umzugehen.

Text Jalid Sehouli

Deutsche Stiftung

Eierstockkrebs

Die Deutsche Stiftung

Eierstockkrebs informiert

und unterstützt seit über

zehn Jahren Frauen mit der

Diagnose Eierstockkrebs

mittels umfangreicher Aufklärungstools

wie Apps,

Broschüren, Podcasts,

Videos und Informationsevents.

Zudem bietet sie

das Studienportal Eierstockkrebs,

das zur aktiven

Teilnahme an Studien

dienen soll, um Therapie

und Langzeitüberleben

mit Eierstockkrebs zu

verbessern.

Alle Informationen unter:

stiftung-eierstockkrebs.de

Spenden an: Bank für

Sozialwirtschaft;

IBAN: DE78 1002 0500

0001 2065 00


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Chemo – ja oder nein?

Genexpressionstests helfen bei der Entscheidung

Text Benjamin Pank

Brustkrebs ist mit ca. 72.000 neu

diagnostizierten Fällen pro Jahr

die häufigste Krebserkrankung

in Deutschland. Patientinnen

mit Brustkrebs im Frühstadium wird

nach einem chirurgischen Eingriff

häufig eine Chemotherapie empfohlen,

wenn unklar ist, ob der Krebs zurückkehren

wird. Bei einer Chemotherapie

treten häufig Nebenwirkungen auf. Die

klassischen Kriterien, die bislang in der

klinischen Praxis Grundlage für Therapieentscheidungen

sind, haben keine

prädiktive Aussagekraft, das heißt, sie

können nicht vorhersagen, ob eine

Patientin von einer Chemotherapie

profitiert. Studien zeigen, dass 80 Prozent

der Patientinnen mit HR+, HER2-

negativem Brustkrebs im Frühstadium

nicht von einer Chemotherapie profitieren.

Durch den Einsatz eines Genexpressionstests

kann nun 15.000 bis

20.000 Frauen pro Jahr mit Brustkrebs

im Frühstadium eine Chemotherapie

erspart bleiben.

Was ist ein Genexpressionstest?

Der Genexpressionstest ist ein Test, der

die Aktivität bestimmter Gene aus einer

Tumorprobe untersucht und Informationen

über die individuelle Biologie

des Brustkrebses liefert. Diese Information

kann Ärzten helfen, eine sinnvolle

Therapieentscheidung zu treffen und die

Behandlung individuell abzustimmen.

Eine Chemotherapie zielt speziell auf

schnell wachsende Tumorzellen ab. Wie

schnell sich Tumorzellen vermehren

können, ist in ihren Genen angelegt.

Genexpressionstests wurden entwickelt,

um – auf Basis eines speziellen Algorithmus

und einer Auswahl bestimmter Gene

– präzise festzustellen, welche Tumoren

auf eine Chemotherapie ansprechen.

Wie funktioniert ein Genexpressionstest?

Der Test wird an einem Biopsat oder

an einer während der ursprünglichen

Operation entnommenen Tumorgewebsprobe

durchgeführt. Nach der Durchführung

des Tests und einer Einschätzung,

wie aktiv die krebsrelevanten Gene sind,

erhalten Patientinnen ihr Recurrence-

Score®-Ergebnis – einen Wert zwischen 0

und 100. Ein Recurrence-Score-Ergebnis

zwischen 0 und 25 bedeutet, dass eine

Rückkehr des Krebses wenig wahrscheinlich

ist und die Behandlung mit einer

Antihormontherapie ausreicht.

Was können die Tests?

• Prognose

Die Prognose bezieht sich auf den natürlichen

Verlauf der Erkrankung. Ein prognostischer

Biomarker-Test informiert

über den wahrscheinlichen Verlauf der

Krebserkrankung (z. B. Rezidiv, Krankheitsprogression

oder Tod), unabhängig

von der erhaltenen Behandlung.

• Prädiktion

Die Prädiktion (Vorhersage) des Chemotherapie-Effekts

bezieht sich auf die

Wirkung der Behandlung auf den

Verlauf der Erkrankung. Es gibt einen

prädiktiven Genexpressionstest, der die

Behandlungswirkung bei der Therapieempfehlung

miteinbezieht.

Studien zeigen, dass die große

Mehrheit der Patientinnen mit

nicht invasivem Brustkrebs

im Frühstadium von einer

Chemotherapie nicht profitiert.

FOTO: SHUTTERSTOCK

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit EXACT SCIENCES entstanden.

Ist eine Chemotherapie immer notwendig?

– Zur Deeskalation bei Brustkrebs

Moderne Diagnostik kann helfen, die Aggressivität eines Tumors einzuschätzen. Eine gute Nachricht für Brustkrebspatientinnen, denn damit

wird auch das Urteil über die Notwendigkeit einer Chemotherapie auf eine verlässlichere Basis gestellt. Dr. Sabine Schmatloch, Chefärztin des

Brustzentrums am Elisabeth-Krankenhaus Kassel, erklärt, bei welchen Patientinnen eine Deeskalationsstrategie sinnvoll ist.

Frau Dr. Schmatloch, weshalb

wird die Entscheidung für eine

Chemotherapie heute anders

getroffen als früher?

Weil wir eine Diagnostik zur

Verfügung haben, die individuelle

Unterschiede erkennbar macht.

Wir können inzwischen aus dem

Genom des individuellen Tumors

lesen, ob die Chemotherapie

bei Brustkrebs zum Heilerfolg

beiträgt oder nicht. Ohne dieses

Wissen erhielten früher die Patientinnen

oftmals eine Chemotherapie,

obwohl sie nur einen

geringen Nutzen davon hatten. In

vielen Fällen reicht zum Beispiel

eine antihormonelle Therapie aus.

Wie müssen wir diese neue

Diagnostik verstehen?

Der Tumor jeder einzelnen

Patientin reagiert anders auf

die Chemotherapie, manche gar

nicht. Das wussten wir schon

seit Längerem. Erst seitdem wir

das Risiko eines Tumorrezidivs

verlässlich einschätzen können,

können wir auch sagen, ob wir

die Chemotherapie guten Gewissens

weglassen können. Seit

2020 wird in Deutschland der

Oncotype DX Breast Recurrence

Score® Test erstattet. Mit ihm

können wir nun dieses individuelle

Rückfallrisiko mit hoher Sicherheit

bestimmen. Zusätzlich

können wir mit diesem Test

genauer vorhersagen, wann eine

Patientin von einer Chemotherapie

profitiert.

Können alle Brustkrebspatientinnen

von dieser Diagnostik

profitieren?

Sehr viele. Wir wissen, dass 85

Prozent der Frauen mit einem

hormonrezeptorpositiven und

HER2neu-negativen Mammakarzinom

nicht von einer Chemotherapie

profitieren. 1 Das trifft in

Deutschland jährlich deutlich

mehr als 15.000 Patientinnen.

Viele Patientinnen sagen mir,

dass sie die Ungewissheit über

den Verlauf der Erkrankung und

den Nutzen der therapeutischen

Maßnahmen am meisten

quält. Der Oncotype DX Breast

Recurrence Score® Test macht

die Therapieentscheidung sehr

viel sicherer. Deswegen sollten

auch die Patientinnen die

modernen diagnostischen

Möglichkeiten kennen und sie

gegebenenfalls mit ihrem Arzt

oder ihrer Ärztin besprechen.

Mehr Informationen zum Thema

finden Sie hier:

meine-therapieentscheidung.de

FOTO: ELISABETH-KRANKENHAUS KASSEL

Dr. Sabine Schmatloch

Chefärztin des Brustzentrums

am Elisabeth-

Krankenhaus Kassel

1) Quelle: Sparano et al; NEJM 2018.

Oncotype DX und Recurrence Score sind eingetragene Warenzeichen von Genomic Health, Inc. Exact Sciences ist ein eingetragenes Warenzeichen der Exact Sciences Corporation. © 2021 Genomic Health, Inc. Alle Rechte vorbehalten


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I’m a survivor

Der beliebte Schauspieler Thorsten Nindel (56) bekam vor sieben

Jahren die Diagnose Lungenkrebs. Wie er damit umgegangen ist und

was er Betroffenen sowie Angehörigen rät, erzählt er im Interview.

Text Benjamin Pank

Krebs und Kunst

Im Interview spricht der Künstler John Theile über seinen

Kampf gegen die Leukämie und erklärt, warum die

Erkrankung ihn zur Malerei gebracht hat.

Text Luke Schröder

2014 sind Sie an Lungenkrebs

erkrankt und haben den Kampf

gewonnen. Ist die Angst, erneut

an Krebs zu erkranken, ein ständiger

Begleiter in Ihrem Alltag?

Nein. Von Zeit zu Zeit poppt aber

ein merkwürdiges Gefühl auf. Ich

lasse aber die Finger von Dr. Google

und Co. Der Krebs begleitet mich

im Alltag also nicht. Ich weiß aber

um Risiken und erhöhte Risiken.

Wie sieht Ihr Terminkalender in

Bezug auf Vorsorgeuntersuchungen

heute im Vergleich zu damals

aus?

Ich bin ein begeisterter Arztgänger.

Früher war ich das hauptsächlich

bezüglich meines Gelenkapparates,

der aufgrund der intensiven

Benutzung Verschleißerscheinungen

zeigt (lacht). Heute gehe ich

zu jeder Vorsorgeuntersuchung,

die es gibt. Früher musste ich auch

vierteljährlich zum MRT/CT, um zu

schauen, ob der Krebs wieder da ist.

Heute ist diese Untersuchung nur

noch einmal im Jahr. Das ist Fluch

und Segen zugleich. Als ich engmaschiger

kontrolliert wurde, war

das Gefühl der Sicherheit natürlich

größer. Heute gehe ich einmal im

Jahr und habe ein paar Tage vorher

ein mulmiges Gefühl. Wenn alles

okay ist, habe ich gefühlt für ein

Jahr einen Freifahrtschein.

Haben Sie in der Zeit Ihrer

Krankheit immer nur an das

Kämpfen und Überleben gedacht

oder auch an das Aufgeben?

Selbstverständlich gab es schwache

Momente. Das lag zum einen an

dieser unschönen Situation, der

Diagnose, und zum anderen an der

teilweise sehr ruppigen Art eines

Arztes – Empathie gleich null. Das

war für mich unbegreiflich. Da hat

ein Mensch die Angst seines Lebens

und er spricht mit einem, als würde

er den Wocheneinkauf planen.

Da hatte ich schon Momente, in

denen ich kurz gedacht habe: „Jetzt

reicht’s mir, dann sterbe ich halt

jetzt.“ Eher aus Trotz (lacht). Alles

in allem war ich bereit, das durchzuziehen,

und war guter Hoffnung.

Eine andere Wahl blieb mir ja auch

nicht – ich wollte ja leben.

Wie haben Sie die Behandlung

erlebt?

Außer dass ich ein ziemlicher

Stinkstiefel war, eigentlich ganz gut

– von Brüllen zu Lachen zu Heulen

und wieder von vorn. Eine doofe

Nebenwirkung der Chemo. Das war

für meine Mitmenschen auch nicht

schön. Ich habe mich während der

Chemotherapie akupunktieren

lassen. Das hat mir sehr geholfen

und das kann ich allen Betroffenen

nur empfehlen.

Wie haben Sie sich gefühlt, nachdem

Sie die Therapie hinter sich

hatten?

Die Onkologen und mein Körper

FOTO: ALAN OVASKA

haben gut zusammengearbeitet,

und dafür bin ich beiden sehr

dankbar.

In der Zeit der Bestrahlung und

Chemotherapie war Ihre damalige

Lebensgefährtin immer an

Ihrer Seite, jedoch sind Sie mittlerweile

getrennt. Nachdem man

gemeinsam den Krebs besiegt

hat, denkt man als Außenstehender

vielleicht, dass dieses Paar

nun alles schaffen kann. Ist das

nicht so?

Ich bin Saskia unendlich dankbar,

dass sie das mit mir zusammen

durchgestanden hat, auch wenn ich

oft alles andere als freundlich war.

Das war schon eine Belastung für

die Beziehung. Nachdem das alles

hinter uns lag, haben wir uns nach

und nach auseinandergelebt und

uns zwei Jahre später getrennt. Der

Krebs, so denke ich, hatte damit

nichts zu tun. Nach wie vor gehört

Saskia zu meinen Lieblingsmenschen,

wir sind sehr gut befreundet,

und das wird hoffentlich auch

immer so bleiben.

Was raten Sie rückblickend Erkrankten

und deren Angehörigen?

Niemals, aber auch wirklich

niemals im Internet recherchieren!

Das ist so gefährlich, weil vieles

einfach schlichtweg falsch ist. Die

Onkologie ist eine Wissenschaft:

Körpergewicht x Tumorgröße /

Mortalitätsrate, Alter = Milligramm

Anwendung. Wie soll Dr. Google

das wissen? Ein weiterer Tipp:

Stelle niemals die Frage: „Werde ich

sterben?“ Denn das wird dir

niemand beantworten. Und mein

letzter und wichtigster Tipp: Eine

Krebserkrankung ist auch eine

Prüfung für die Angehörigen. Bevor

sie an ihre Grenzen stoßen, sollten

sie sich Hilfe holen. Egal ob

psychologisch oder auch eine Haushaltsunterstützung.

Eine Krebstherapie

ist kein Sprint, sondern ein

Marathon, und damit auch Angehörige

diesen schaffen können,

brauchen sie Unterstützung.

Sie sind ein erfolgreicher Künstler,

wie kam es dazu? War das

schon immer Ihr Traum?

Die Definition von Erfolg ist ja

immer individuell. Ich sehe mich

als erfolgreich an, weil ich mit dem,

was ich tue, glücklich bin. Alles

andere fügt sich mehr zufällig,

aber natürlich freue ich mich riesig

über das zunehmende Interesse an

meinen Bildern. Da ich erst durch

meine Krebserkrankung zur Malerei

gefunden und diese qualitativ

über die Jahre entwickelt habe, ist

die Malerei mein aktueller Traum.

Ich lebe meine gefühlte Berufung

und hoffe, dass ich Menschen mit

meinen Bildern Freude und etwas

Positives geben kann.

Wie kam es damals zur Diagnose?

Was wurde diagnostiziert?

Im November 2016 hatte ich anhaltende

Erkältungssymptome und

zusätzlich aufgrund einer Thrombose

Schmerzen im Bein. An einem

Freitag Ende November nahm mir

mein Hausarzt dann noch einmal

zur Kontrolle Blut ab. Es war ein

glücklicher Zufall, dass die ehemalige

Hausärztin, die die Praxis

weihnachtlich schmücken wollte,

meine Blutwerte am Samstag fand.

Sie war sofort alarmiert und ließ

mir ausrichten, dass ich sofort ein

Krankenhaus aufsuchen solle. Vom

Eilenburger Krankenhaus bin ich

dann in die Universitätsklinik nach

Leipzig überwiesen worden, wo

man noch am selben Tag die Diagnose

„akute lymphatische Leukämie

(T-ALL)“ stellte.

In welchem Abschnitt Ihres Lebens

hat Sie die Diagnose getroffen?

2011 hatte ich meine Ausbildung in

einer Verwaltung abgeschlossen, in

der ich auch bis zu meiner Erkrankung

gearbeitet habe. Zu dem Zeitpunkt

habe ich in einer Kleinstadt in

der Nähe von Leipzig gelebt und ein

„normales“ Leben eines Mittzwanzigers

geführt. Ich war sehr aktiv und

viel unterwegs. Immer wenn ich es

am Wochenende einrichten konnte,

habe ich Radtouren oder Wanderungen

unternommen; auch habe

ich gerne Wanderurlaub beispielsweise

am Bodensee gemacht. Dieses

„unterwegs sein können“ hat mir

damals viel bedeutet.

Wie war für Sie der Verlauf der

Therapie? Gab es einen Punkt,

an dem es für Sie besonders

schwer wurde?

Es gab einige schwierige Situationen

während meiner Therapie, die

zugleich lebensbedrohlich waren.

Direkt am Anfang meiner Chemotherapie

bekam ich einen septischen

Schock mit Nahtoderfahrung

und anschließend auch noch dazu

eine Lungenentzündung. Vier

Wochen lag ich am Beatmungsgerät

auf der Intensivstation. Es war eine

sehr anstrengende und kräftezehrende

Zeit.

FOTO: PRIVAT

Sie mussten dann den schweren

Weg der Stammzelltherapie gehen,

erzählen Sie mir hiervon?

Nach Ende meiner Chemotherapie,

etwa ein Jahr später, stellte sich

leider heraus, dass meine Leukämie

zurückgekommen ist und ich an einer

Stammzelltransplantation nicht

mehr vorbeikomme. Es hatte noch

einige Überzeugungsarbeit der Ärzte

gebraucht, bis ich mich für diesen

Therapieschritt entscheiden konnte.

Heute bin ich sehr glücklich darüber,

denn er hat mein Leben gerettet.

Kam es in dieser Zeit auch zum

Kontakt mit der José Carreras

Stiftung? Wie kam es für Sie zur

Zusammenarbeit?

Ein Kontakt zur Deutschen José

Carreras Leukämie-Stiftung ergab

sich über Prof. Platzbecker, Direktor

der Hämatologie an der Uniklinik

in Leipzig. Er hat uns miteinander

verbunden, woraus sich dann mein

Engagement und eine Kooperation

entwickelt hat. Seitdem spende ich

einen Anteil aus meinen Bilderverkäufen

der Deutschen José Carreras

Leukämie-Stiftung zugunsten der

Blutkrebsforschung.

Ich habe jetzt schon von einigen

Erkrankten gehört, dass die

Erkrankung am Ende auch etwas

Positives fürs Leben hinterlassen

hat. Würden Sie das auch in Bezug

auf Ihren Weg unterschreiben?

Das kann ich absolut unterschreiben.

Mein Bewusstsein und meine

Wahrnehmung sind durch meine

Leukämie anders geprägt. Ich

nehme Momente intensiver wahr.

Auch habe ich gelernt, im Hier und

Jetzt zu leben und den Augenblick

zu genießen. Veränderungen in

meinem Leben nehme ich unbefangener,

offener und positiver auf.

Mir fällt der Ausspruch „Was einen

nicht umbringt, macht einen

stärker“ ein. Durch meine Leukämieerkrankung

und -therapie habe

ich innere Stärke gewonnen, mit

der ich offen der Zukunft entgegenblicke.


Helfen. Heilen. Forschen.

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