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Migration, Integration und Assimilation in Wien

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Dr. Werner F. Grebner

Migration, Integration und

Assimilation in Wien

Ein multiperspektivischer

Problemaufriss


Inhalt

Einleitung .................................................................................................................. 3

Begriffsbestimmungen ............................................................................................. 4

Migrationshintergrund .......................................................................................... 4

Integration .............................................................................................................. 5

Assimilation ......................................................................................................... 6

Das Integrationsproblem in ausgesuchten Bereichen .......................................... 7

Gesamtbevölkerung/Wien .................................................................................... 7

Migrationshintergrund Österreich ........................................................................ 7

Migrationshintergrund Wien ................................................................................. 8

Ausländeranteil .................................................................................................... 9

Der Bereich Asyl .................................................................................................. 10

Die Anzahl der Asylfälle in den letzten 7 Jahren .............................................. 11

Die Top-Herkunftsländer der Asylwerber der letzten 7 Jahre ............................ 12

Der Bildungsbereich ........................................................................................... 13

Kindergärten ...................................................................................................... 13

Schulen ............................................................................................................. 14

Arbeitslose ........................................................................................................... 16

Sozialhilfeempfänger .......................................................................................... 17

Sicherheit ............................................................................................................. 18

Schlussfolgerungen ............................................................................................... 19

Literaturübersicht ................................................................................................... 20

Internetquellen....................................................................................................... 20

2


Einleitung

Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) zeigt in seinem Bericht „Migration und

Integration 2021“ 1 auf, dass bereits knapp 25% der Einwohner Österreichs

„Migrationshintergrund“ haben.

Die im Ausland Geborenen leben zum Großteil in den größeren Städten, in Wien allein

jedoch 40%.

Seit 2010 gibt es den „Expertenrat für Integration“, der ursprünglich im

Außenministerium angesiedelt war und seit Anfang 2020 zum Bundeskanzleramt

gehört und dort der Frauen- und Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP)

zuarbeitet. Bis zu seiner Bestellung als Unterrichtsminister war Univ.-Prof. Heinz

Faßmann (Geograph) dessen Vorsitzender, seither ist es die Juristin Univ.-Prof.

Katharina Pabel.

Diese regierungsnahe Einrichtung erstellt jährlich einen sogenannten

Integrationsbericht. Dieser enthält seit dem Integrationsgesetz aus dem Jahr 2017 das

sogenannte „Integrationsmonitoring“, mit dessen Hilfe Integration zahlenmäßig

messbar werden und das die Basis einer zahlenbasierten Integrationspolitik bilden soll.

Die Basis der Arbeit des Expertenrates ist der 2009 unter Innenministerin Fekter (ÖVP)

erstellte „Nationale Aktionsplan Integration“ (NAPI), zu dem der Expertenrat eine 61

Seiten umfassende Darstellung der „Integrationsindikatoren“ des NAPI sowie einen 45

Seiten umfassenden „Bericht“ über den NAPI erstellte sowie einen 345 Seiten starken

„Maßnahmenkatalog“.

1

https://www.integrationsfonds.at/mediathek/mediathek-publikationen/publikation/migration-undintegration-2021-zahlen-daten-indikatoren-10674/

3


Begriffsbestimmungen

Migrationshintergrund

Die Erfassung des Migrationshintergrunds erfolgt nicht nach dem Kriterium der

Staatsbürgerschaft, sondern nach dem Geburtsort.

Unter Migranten der 1. Generation werden Personen verstanden, deren Geburtsort

im Ausland liegt und deren beide Elternteile ebenfalls im Ausland geboren wurden.

Unter Migranten der 2. Generation werden solche verstanden, die im Inland geboren

wurden, deren beide Elternteile einen Geburtsort im Ausland haben. 2

Diese Definition des Migrationshintergrunds im Zusammenhang mit dem Begriff

Integration weist jedoch in Bezug auf das Integrationserfordernis folgende Unschärfen

auf:

1) nicht erfasst werden all diejenigen, bei denen nur ein Elternteil einen Geburtsort im

Ausland hat, selbst wenn der zweite Elternteil ein Migrant der 2. Generation ist,

2) erfasst werden aber all diejenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Deutsche

aus den Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns vertrieben wurden bzw. deren Kinder,

wenn beide Elternteile Altösterreicher waren, als Migranten der 1. bzw. 2. Generation.

Angehörige des oben erwähnten Punktes 2 benötigen naturgemäß keine

Integrationsmaßnahmen.

Neben dem „Migrationshintergrund“ gibt es noch den „Ausländeranteil“, also nicht

österreichische Staatsbürger mit Aufenthalt in Österreich. Auch dieser Begriff ist in

seiner Pauschalität unscharf, denn er umfasst Südtiroler, Bundesdeutsche,

Liechtensteiner und Deutsch-Schweizer, bei denen sich eine Integration von selbst

einstellt.

2

Expertenrat: Integrationsbericht 2020, S. 21, FN 8

4


Integration

Was versteht nun das „offizielle Österreich“ aufgrund der Arbeit des Expertenrats nun

unter Integration?

Eine Definition verspricht der Expertenrat in seiner Publikation „NAPI-Indikatoren“ 3

unter Punkt 2.1. Es erfolgen jedoch bloß schwammige Umschreibungen, die sich über

zwei Seiten erstrecken.

In seinem ebenfalls aus dem Jahr 2011 stammenden „Bericht zum Nationalen

Aktionsplan“ 4 legt der Expertenrat folgende Definition vor:

„Integration ist ein wechselseitiger Prozess, der von gegenseitiger Wertschätzung und

Respekt geprägt ist, wobei klare Regeln den gesellschaftlichen Zusammenhalt und

den sozialen Frieden sichern.“

Und es wird am selben Ort auch definiert, wann die Integration erfolgreich ist:

„Erfolgreiche Integration liegt vor, wenn jedenfalls ausreichende Kenntnisse der

deutschen Sprache für das Arbeitsleben, für die Aus- und Weiterbildung sowie für den

Kontakt zu öffentlichen Einrichtungen vorhanden sind, die wirtschaftliche

Selbsterhaltungsfähigkeit gegeben ist sowie die Anerkennung und Einhaltung der dem

Rechtsstaat zugrundeliegenden österreichischen und europäischen Rechts- und

Werteordnung vorliegen.“

Die Vorsitzende des Expertenrates Univ.-Prof. Pabel verwendet im Vorwort zum

Integrationsbericht 2020 eine Definition, die der Arbeit des Expertenrats zugrunde

liegt, die bereits ganz anders klingt 5 :

„… ist Integration ein wechselseitiger Prozess, der es Zugewanderten und ihren

Kindern ermöglichen soll, über die gleichen Chancen zur Teilhabe in den zentralen

Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu verfügen.“

Als erfolgreich bezeichnet sie diesen „Prozess“ dann, „wenn diese Chancen

wahrgenommen werden“ und sie betont den „Einsatz sowohl von den Zugewanderten

als auch von der Aufnahmegesellschaft“.

Hier wird deutlich, wie die Lasten und Pflichten mehr und mehr zu uns Österreichern

verlagert werden.

3

Expertenrat: NAPI Indikatoren, S. 3f

4

Expertenrat: Bericht zum NAPI, S. 2

5

Expertenrat: Integrationsbericht 2020, S. 7

5


Integrationsministerin Raab (ÖVP) spricht in ihrem Vorwort zum Integrationsbericht

2021 davon „dass Integration – sei es am Arbeitsmarkt oder im Bildungsbereich - von

Interaktion und vom persönlichen Austausch mit der Mehrheitsgesellschaft lebt.“ 6

Was hier nur en passant erwähnt wird ist das Vorhandensein einer Mehrheit, in die

sich die Zuwanderer eingliedern können: sei es am Arbeitsplatz, oder im

Bildungsbereich, vom Kindergarten bis zur Universität. Diese Mehrheit entfaltet auch

einen ganz natürlichen Anpassungsdruck. Die nachfolgenden Kapitel werden zeigen,

in welchen Bereichen in Österreich und besonders in Wien Verhältnisse gegeben sind,

bei denen sich eine zugewanderte Minderheit der österreichischen Mehrheit anpassen

kann, und wo es diesen Anpassungsdruck nicht mehr oder gar in umgekehrter

Richtung gibt.

Als Endpunkt der Integration sieht der Expertenrat den Erhalt der österreichischen

Staatsbürgerschaft an. 7

Und stolz vermerkt der Expertenrat 8 , dass die Aufenthaltsdauer für die

Staatsbürgerschaftsverleihung auf 6 Jahre verkürzt wurde, wenn eine „nachhaltige

persönliche Integration“ nachgewiesen wird.

Assimilation

Ein Begriff wird in den offiziellen Dokumenten und Berichten weder des Expertenrates

noch des Integrationsministeriums erwähnt: der der Assimilation.

Eine Definition dieses Begriffes gibt der deutsche Soziologe Wilhelm Mühlmann: einen

Übergang kleinerer oder größerer Teile eines bestimmten „Volkstums“ in die Eigenart

eines anderen Volkes, verbunden mit einem Wechsel der ethnischen

Selbstzuordnung. 9

Die Nichterwähnung der Assimilation ist umso bemerkenswerter, als nur eine

erfolgreiche Assimilierung der Zuwanderer bzw. deren Kinder die

Mehrheitsgesellschaft am Leben erhalten kann, in die sich Neuzuwanderer integrieren

sollen. Gibt es diese Mehrheitsgesellschaft nicht mehr, dann wird der Begriff der

Integration sinnlos.

6

Expertenrat: Integrationsbericht 2021, S. 5

7

Expertenrat: Bericht zum NAPI, S. 9

8

Expertenrat: Integrationsbericht 2020, S. 43

9

https://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/begriffe/assimilation

6


Das Integrationsproblem in ausgesuchten Bereichen

Gesamtbevölkerung/Wien

Es ist vorauszuschicken, dass die Erhebung des Migrationshintergrunds nur in Bezug

auf die Bevölkerung in Privathaushalten erfolgt. Jene gut 141.000 Bewohner von

Anstalten werden hierbei nicht erfasst. Dabei handelt es sich beispielsweise um

Erstaufnahmezentren, Alters- oder Pflegeheime, Gefängnisse oder Klöster. 10

Insbesondere bei Strafanstalten wäre eine Erhebung des Migrationshintergrunds

zusätzlich zur Staatsbürgerschaft wichtig und wünschenswert. Der Ausländeranteil

wird hingegen für die Gesamtbevölkerung erhoben.

Migrationshintergrund Österreich

Von den 2021 8,8 Mio. in Privathaushalten lebenden Einwohnern Österreichs haben

6,6 Mio. zumindest einen Elternteil, der in Österreich geboren ist.

Von den restlichen 2,1 Mio. mit offiziellem Migrationshintergrund (= 24,4%) gehören

1,6 Mio. der 1. Generation an (selbst und beide Elternteile im Ausland geboren) und

0,5 Mio. der 2. Generation (beide Elternteile im Ausland geboren) an. 11

Abgestellt auf den ausländischen Geburtsort von diesen insgesamt 1,6 Mio.

Migranten der 1. Generation in Österreich stammen 2021 (im Vergleich zu 2011) 12 :

245.000 aus Deutschland (+24%)

172.000 aus Bosnien (+15%)

159.000 aus der Türkei (+/-0%)

145.000 aus Serbien (+10%)

134.000 aus Rumänien (+108%)

84.000 aus Ungarn (+114%)

77.000 aus Polen (+33%)

52.000 aus Syrien (+1.600%)

44.000 aus der Slowakei (+73%)

10

Statistisches Jahrbuch Migration 2021, S. 24

11

a.a.O.: S. 25

12

Expertenrat: Integrationsbericht 2021, S. 26

7


42.000 aus Afghanistan (+400%)

36.000 aus Italien (+43%)

36.000 aus Russland (+36%)

36.000 aus Tschechien (-19%)

Diese 13 Herkunftsländer stellen 79% aller Zuwanderer der 1. Generation in

Österreich.

Migrationshintergrund Wien

Nicht ganz vergleichbar sind die Zahlen für Wien, da die von der Stadt Wien

veröffentlichten Zahlen auch Migranten der 2. Generation, also in Österreich

Geborene, umfassen: 13

102.000 aus Serbien

76.000 aus der Türkei

64.000 aus Deutschland

55.000 aus Polen

46.000 aus Rumänien

40.000 aus Bosnien

31.000 aus Ungarn

29.000 aus Kroatien

28.000 aus Syrien

23.000 aus Bulgarien

22.000 aus Afghanistan

20.000 aus Russland (Tschetschenien?)

20.000 aus der Slowakei.

Diese 13 Herkunftsländer stellen in Wien 69% aller Einwohner mit ausländischer

Herkunft.

13

https://www.wien.gv.at/menschen/integration/daten-fakten/bevoelkerung-migration.html

8


Ausländeranteil

- Österreich:

Von den 8,9 Mio. Einwohnern Österreichs haben 83% die österreichische

Staatsbürgerschaft und 17% sind ausländische Staatsbürger. 0,5 Mio oder

6,8% der österreichischen Staatsbürger sind im Ausland geboren. 14 Damit

haben knapp 24% eine ausländische Herkunft.

Österreich hat mit einem Anteil an Zugewanderten der 1. Generation von 19,8% den

höchsten Anteil an Zugewanderten innerhalb der EU. Schweden kommt auf Platz

2 mit 19,5% und die BRD auf Platz 3 mit 18,1%. Nur die nicht vergleichbaren

Kleinstaaten Luxemburg, Malta und Zypern liegen vor Österreich 15

- Wien:

Von den 1,9 Mio. Einwohnern Wiens sind nur 68,5% österreichische und

31,5% ausländische Staatsbürger. Dies bedeutet eine Steigerung um knapp

50% seit 2011, als es erst 21,2% waren 16 . 0,2 Mio. der österreichischen

Staatsbürger Wiens sind im Ausland geboren. Damit haben in Wien 2021 knapp

42% eine ausländische Herkunft. Von den 600.000 ausländischen

Staatsbürgern in Wien sind bereits knapp 100.000 in Österreich geboren.

Ausländische Staatsbürger in Wien: 17

78.000 aus Serbien

52.000 aus Deutschland

46.000 aus der Türkei

44.000 aus Polen

38.000 aus Rumänien

27.000 aus Syrien

26.000 aus Ungarn

22.000 aus Kroatien

40.000 aus Bosnien

21.000 aus Bulgarien

20.000 aus Afghanistan

14

Statistisches Jahrbuch Migration 2021, S. 25

15

Expertenrat: Integrationsbericht 2021, S. 27

16

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/703093/umfrage/auslaenderanteil-in-wien/

17

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/886994/umfrage/auslaender-in-wien-nachstaatsangehoerigkeit/

9


Der Bereich Asyl

Illegale Einwanderung unter dem Deckmantel des Asyls hat in Österreich seit

Jahrzehnten traurige Tradition. Trotz Dublin-Verfahrens 18 , das seit 1997 für alle EU

Staaten gilt, und dem seither die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein beigetreten

sind, werden in Österreich immer noch Asylverfahren für Personen durchgeführt, für

die es eigentlich keine österreichische Zuständigkeit gibt.

Die Einwanderung von Asylanten ist in der sogenannten „Flüchtlingskrise“ 2015

vermehrt ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Hierzu ist anzumerken, dass es den

medienwirksam stets genannten Begriff des „Kriegsflüchtlings“ gar nicht gibt. Krieg ist

kein Asylgrund gemäß Genfer Flüchtlingskonvention. Krieg im Heimatland kann nur zu

sogenanntem „subsidiären Schutz“ berechtigen, dies aber auch nur dann, wenn die

Rückschiebung unmittelbar ins Kriegsgebiet erfolgen würde (und das war schon bei

den Bosniern nicht der Fall) oder es sichere innerstaatliche Fluchtrouten vor den

Kampfhandlungen gibt. So sind Tschetschenen Staatsbürger des größten

18

• Unbegleitete Kinder und Jugendliche: Es ist der Staat zuständig, in dem sich bereits

Familienangehörige aufhalten oder, falls dies nicht der Fall ist, der Staat des gegenwärtigen

Aufenthalts, soweit dies jeweils dem Kindeswohl dient.

• Familienangehörige: Wenn sich bereits enge Angehörige (Mitglieder der Kernfamilie oder bei

unbegleiteten Minderjährigen auch andere Sorgeberechtigte) innerhalb der Europäischen Union

aufhalten und sich entweder im Asylverfahren befinden oder ihnen Schutz gewährt wurde, ist

dieser Staat auf Wunsch der Betroffenen für die Prüfung des Asylantrags zuständig. Soweit

mehrere Familienmitglieder zeitnah Schutz beantragen, soll für die Anträge dieser

Familienmitglieder nur ein Staat zuständig sein.

• Legale Einreise in einen Dublin-Staat: Hat ein Dublin-Staat die Einreise einer Person durch die

Ausstellung eines Visums oder anderen Aufenthaltstitels ermöglicht und beantragt diese Person

im späteren Verlauf internationalen Schutz, ist der ausstellende Staat für die Durchführung des

Asylverfahrens zuständig.

• Illegale Einreise: Übertritt eine Person die Grenze eines Mitgliedsstaates ohne die erforderlichen

Einreisepapiere, ist dieser Staat für die Prüfung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig.

Eine Zuständigkeit wird auch dann begründet, wenn sich der Antragsteller für einen Zeitraum von

fünf Monaten ununterbrochen in einem Dublin-Staat aufgehalten hat.

• Visumsfreie Einreise: Durfte eine Person ohne Visum einreisen, ist dieser Mitgliedsstaat für die

Prüfung zuständig.

• Transitverfahren: Stellt eine Person einen Antrag im Transitbereich eines Flughafens, so ist dieser

Mitgliedsstaat für die Prüfung zuständig.

Siehe: https://www.unhcr.org/dach/de/was-wir-tun/asyl-in-europa/dublin-verfahren

10


Flächenstaates der Welt, Russland, und hatten während des Tschetschenienkrieges

ganz Russland zur Verfügung, um sich vor den Kriegsereignissen in Sicherheit zu

bringen.

Die Anzahl der Asylfälle in den letzten 7 Jahren

Wie sieht die Zuwanderung unter dem Titel „Asylwerber/Flüchtling/subsidiär

Schutzberechtigter“ nun aus: 19

Jahr Asylanträge Positive Asylentscheidungen

2014 28.064 11.535

2015 88.340 19.003

2016 42.285 27.552

2017 24.735 30.428

2018 13.746 20.809

2019 12.886 13.927

2020 14.775 13.214

06/2021 10.518 8.508

Summe 235.348 144.976

Zum Jahresende 2020 waren noch 20.739 Asylverfahren „offen“, also noch nicht

rechtskräftig entschieden. 20

Im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl hat Österreich innerhalb der EU in den Jahren

2015 bis 2017 die höchste Asylanerkennungsrate, 2019 die zweithöchste. Für 2018

liegen angeblich keine Vergleichszahlen vor. 21 Für das Jahr 2020 trifft der

Integrationsbericht 2021 keine Aussage zu diesem Thema.

Mitbedacht werden muss, dass erlaubter Familiennachzug ebenso als Asylantrag gilt

wie die Geburt des Kindes eines Asylanten. Die Zahl der Asylanträge wegen Geburt

in Österreich betrug 3.220 im Jahr 2020. 22

19

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/293189/umfrage/asylantraege-inoesterreich/#professional

und https://www.migration-infografik.at/at-asylstatistiken-

2020/#entscheidungen-in-asylverfahren und

https://www.bmi.gv.at/301/Statistiken/files/2021/Asylstatistik_Juni_2021.pdf

20

https://www.bmi.gv.at/301/Statistiken/files/2021/Asylstatistik_Juni_2021.pdf, S.42

21

Expertenrat: Integrationsbericht 2020, S. 32

22

Expertenrat: Integrationsbericht 2021, S. 24

11


Die Top-Herkunftsländer der Asylwerber der letzten 7 Jahre 23

Syrien

Afghanistan

Irak

Russland/

Tschetschenien

Pakistan Somalia

Marokko

2014 7.730 5.076 1.105 1.996 596 1.162 -

2015 24.547 25.563 13.633 1.698 3.021 2.073 666

2016 8.773 11.794 2.862 1.633 2.496 1.537 1.052

2017 7.356 3.781 1.403 1.396 1.574 697 352

2018 3.329 2.120 762 969 264 523 193

2019 2.708 2.979 729 723 331 740 164

2020 5.121 3.137 724 493 187 705 745

2021 4.471 1.180 401 184 255 422 658

∑ 64.035 55.630 21.619 9.092 8.724 7.859 3.830

Aktuell (Stand Mai 2021) befinden sich in Wien zirka 11.000 Asylwerber in

Grundversorgung. Dies heißt, dass ihr Asylverfahren noch nicht entschieden ist. Die

Top-Herkunftsländer in Wien sind: 24

Afghanistan: 3.020

Irak: 1.840

Syrien: 1.390

Russland: 1.080

Somalia: 570

7.900 = 72%

23

https://www.bmi.gv.at/301/Statistiken/start.aspx#pk_2021

Auf dieser Seite des Innenministeriums finden sich die Asylstatistiken der Jahre ab 2002, aus denen

die Tabelle errechnet wurde.

24

https://www.fsw.at/downloads/ueber-den-FSW/zahlen-daten-fakten/fakten/Fluechtlingsbericht_2021-

05.pdf S.2

12


Der Bildungsbereich

Grundsätzlich hält der Integrationsbericht fest, „… dass die ethnisch-kulturelle und

sprachliche Heterogenität, die in den letzten zehn Jahren merklich zugenommen hat,

eine Herausforderung für das Bildungssystem darstellt.“ Und „… dass sich an den im

Schnitt geringeren Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen mit

Migrationshintergrund während der letzten Jahre kaum etwas änderte.“ In Mathematik

sind in den Pflichtschulen österreichische Kinder den Migranten ein Jahr, in Deutsch 2

Jahre voraus. 25

Kindergärten

2010 wurde auf Vorschlag des Expertenrats für Integration das verpflichtende

Kindergartenjahr eingeführt, der auch ein zweites derartiges Pflichtkindergartenjahr

empfiehlt. 26 Der alleinige Zweck besteht darin, dass Migrantenkinder vor dem

Schuleintritt Deutsch lernen sollen, und dazu dienen die einheimischen Kinder als

„Sprachlehrer“.

Wesentlich aussagekräftiger als Staatsbürgerschaft oder Migrationshintergrund, der

sich ja nur auf den eigenen und/oder den der Eltern bezieht, ist für den Bereich

Integration die Umgangssprache.

Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache in Krippen und

Kleinkinderbetreuungseinrichtungen: 27

Österreich Wien

2009/10 23,2% 35,1%

2018/19 34,4% 66,1%

Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache in Kindergärten:

Österreich Wien

2009/10 24,2% 46,6%

2019/20 29,6% 61,6%

25

Expertenrat: Integrationsbericht 2020, S. 46

26

a.a.O.: S. 48

27

a.a.O.: S. 48 und Expertenrat: Integrationsbericht 2021, S30.

13


Schulen 28

Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache in Volksschulen:

Österreich Wien

2009/10 23,2% 51,8%

2019/20 30,9% 58,5%

Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache in NMS:

Österreich Wien

2009/10 21,3% 61,8%

2019/20 33,3% 76,6%

Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache in BMS:

Österreich Wien

2009/10 18,2% 49,3%

2019/20 29,6% 59,8%

Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache in BHS:

Österreich Wien

2009/10 11,2% 28%

2019/20 20,5% 39,1%

Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache in AHS:

Österreich Wien

2009/10 14,1% 29,3%

2019/20 21% 39,9%

Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache im Polytechnischen

Lehrgang:

Österreich Wien

2009/10 23,2% 59,5%

2019/20 35,6% 75,2%

28

Expertenrat: Integrationsbericht 2020, S. 49 u. 51 und Expertenrat: Integrationsbericht 2021, S30

14


Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache in Berufsschulen:

Österreich Wien

2009/10 8,8% 56%

2019/20 18,4% 45,7%

Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache in Sonderschulen:

Österreich Wien

2009/10 27,8% 51,8%

2019/20 40,3% 63,4%

Diese Aufstellung zeigt, dass in Wien nur mehr im Gymnasium, der BHS und

interessanterweise wieder der Berufsschule eine Mehrheit an Kindern mit Deutsch

als Umgangssprache vorhanden ist.

Die Bildungsstandards in der 8. Schulstufe (13-14 Jährige) wurden für Deutsch 2016

und Mathematik 2017 erhoben: 29

Bildungsstandard

Deutsch

Erreicht bzw.

übertroffen

Nicht oder tlw.

erreicht

Mit

Migrationshintergrund

Ohne

Migrationshintergrund

32% 62%

68% 38%

Bildungsstandard

Mathematik

Erreicht bzw.

übertroffen

Nicht oder tlw.

erreicht

Mit

Migrationshintergrund

Ohne

Migrationshintergrund

35% 64%

65% 36%

29

Expertenrat: Integrationsbericht 2020, S. 56

15


Arbeitslose

Eines der Hauptargumente für Migration ist der immer wieder geäußerte Mangel an

Arbeitskräften. Doch wie wirkt sich die Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt tatsächlich

aus? Wer wird benötigt, und wer ist als Arbeitsloser eine Belastung: 30

Staatsangehörigkeit Arbeitslosenquote 2020

Österreich: Männer 8,8%

Österreich: Frauen 8%

EU vor 2004: Männer 9,1%

EU vor 2004: Frauen 9,6%

EU Beitritt 2004: Männer 7,6%

EU Beitritt 2004: Frauen 13%

Drittstaaten: Männer 20,4%

Drittstaaten: Frauen 21,8%

EU Beitrittsstaaten 2004: Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Slowakei,

Slowenien, Tschechien, Ungarn und Zypern

Die 2007 beigetretenen EU-Mitglieder Rumänien und Bulgarien zählen hier zu den

Drittstaaten.

Die Abstände der oben genannten Gruppen sind seit 2015 in etwa gleich geblieben.

Diese Tabelle zeigt eindeutig, in welchen Bereichen die Zuwanderung in den

Arbeitsmarkt wesentlich restriktiver zu gestalten ist, und dass nur bei den

Österreichern die Frauen eine geringere Arbeitslosenquote haben, als die Männer.

Extrem auffällig ist die fast doppelt so hohe Arbeitslosenquote von Frauen aus den

EU-Beitrittsstaaten 2004 im Vergleich zu den Männern von dort.

Einen detaillierteren Einblick gibt die Statistik des Österreichischen Integrationsfonds,

in der nicht nach Geschlechtern unterschieden wird: 31

Staatsangehörigkeit Arbeitslosenquote 2020

EU-Beitritt 2004 9,7%

EU Beitritt 2007 16,5%

Serbien, Bosnien, Kosovo, Mazedonien,

15,6%

Montenegro

Türkei 21,8%

Afghanistan, Irak, Syrien 41,8%

Sonstiges Ausland 20,9%

30

Expertenrat: Integrationsbericht 2021, S. 53

31

Statistisches Jahrbuch Migration 2021, S. 55

16


Sozialhilfeempfänger

Wie sieht die Verteilung der Sozialhilfeempfänger in Bezug auf die Staatsbürgerschaft

in den einzelnen Bundesländern aus: 32

Bundesland Österreicher Asyl/subsidiärer

Schutz

EWR Sonstige

Ausländer

Tirol 40% 40% 10% 10%

Vorarlberg 41% 38% 8% 13%

Wien 45% 37% 7% 12%

Kärnten 47% 42% 4% 7%

Steiermark 51% 34% 9% 6%

Salzburg 51% 31% 8% 10%

Niederösterreich 52% 35% 7% 6%

Oberösterreich 53% 34% 7% 6%

Burgenland 67% 16% 0% 7%

Insgesamt befinden sich in Wien ca. 60% aller Sozialhilfebezieher Österreichs,

gefolgt von Niederösterreich mit 11% und der Steiermark mit 8%. In Bezug auf die

Einwohnerzahl des jeweiligen Bundeslandes hat Wien eine Sozialhilfebezieherquote

von 9,1% der Einwohner, Vorarlberg 2,8% und Tirol 1,1%.

Die Top 10 Nationen der ausländischen Sozialhilfebezieher in Wien in absoluten

Zahlen im Jahresdurchschnitt 2019 : 33

Stand 2019 Veränderung zum

Vorjahr

Anteil an der

Volksgruppe

Syrien 21.200 +3.300 89%

Afghanistan 10.800 +2.300 61%

Russland/

6.800 +1.300 43%

Tschetschenien

Serbien 4.700 -300 6%

Türkei 4.400 -600 10%

Irak 3.300 +200 56%

Somalia 2.500 +400 80%

Rumänien 2.000 -100 6%

Iran 1.800 +400 21%

Polen 1.800 -200 4%

32

Expertenrat: Integrationsbericht 2021, S. 42

33

Expertenrat: Integrationsbericht 2020, S. 86

17


Sicherheit

Zum Thema Sicherheit sucht man in den Integrationsberichten des Expertenrats

vergebens – dieses Thema wird einfach nicht behandelt.

Eine Antwort gibt aber das Statistische Jahrbuch Migration des Integrationsfonds, in

dem eine Kriminalstatistik für die Jahre 2012 bis 2020 geboten wird.

Die größte Aussagekraft hat die Statistik der Verurteilten gemessen an ihrem Anteil an

der strafmündigen Bevölkerung: 34

Staatsbürgerschaft 2012 2019

Österreich 0,3% 0,2%

Ausländer insgesamt 1,3% 0,9%

EU vor 2004, EFTA 0,6% 0,4%

EU-Beitritt 2004 1,6% 0,9%

Bulgarien, Rumänien 1,7% 1%

Serbien, Kosovo, Bosnien,

1,2% 1%

Montenegro, Mazedonien

Türkei 1,1% 0,9%

Afghanistan, Syrien, Irak 1,9% 1,8%

Sonstige 2% 1,5%

Die Kriminalitätsrate ist überall gesunken, am wenigsten aber bei der Gruppe der

Asylnationen.

Im Durchschnitt sind Ausländer 4,5-mal so kriminell wie Österreicher. Angehörige

der EU vor 2004 und der EFTA sind immer noch doppelt so kriminell, Türken und EU

Beitritt 2004 sind im Ausländerschnitt, Rumänen und Bulgaren sowie Ex-Jugoslawen

leicht darüber.

Den höchsten Anteil verurteilter Krimineller stellen die Asylnationen Afghanistan,

Syrien und Irak, die 9-mal so kriminell sind, wie die Österreicher

34

Statistisches Jahrbuch Migration 2021, S. 75

18


Schlussfolgerungen

Integration bedeutet, wie gezeigt, das sich Eingliedern in eine Mehrheitsgesellschaft

durch Anpassung an Sprache, Sitten und Gebräuche sowie in die Lebensart.

Wie vor allem für Wien ersichtlich, ist die autochthone Mehrheitsgesellschaft

insgesamt nur mehr knapp, im Bereich der Kindergärten und Schulen in fast keinem

Bereich mehr vorhanden, sondern es stellen Migranten die Mehrheit.

Wenn es in Wien noch zu einer Integration der Zuwanderer und deren Kinder kommen

soll, dann nur, wenn mit äußerster Konsequenz ein entsprechender Anpassungsdruck

erzeugt wird. Diese Maßnahmen können aber nur dann erfolgreich sein, wenn es bis

auf weiteres einen absoluten Zuwanderungsstopp für Angehörige außereuropäischer

Kulturkreise gibt.

Alle dargestellten Bereiche haben gezeigt, dass Zuwanderung nicht automatisch einen

Mehrwert für die österreichische oder Wiener Gesellschaft ist. Vom Bildungsbereich

angefangen über die Arbeitslosen- und Sozialhilfequoten bis hin zur Kriminalität –

überall weisen die Zahlen auf eher bedenkliche Entwicklungen hin. Und auch die

vielgelobten Zuwanderer aus der EU vor 2004 bilden hier leider keine Ausnahme.

Zukünftig müsste genau darauf geachtet werden, ob Bildung und Ausbildung der

Zuwanderer für den heimischen Arbeitsmarkt geeignet sind. Natürlich ist auch darauf

zu achten wie groß die Überschneidungen der Kultur und der Werteverständnisse sind.

Im Idealfall reduzieren sich die Integrationsmaßnahmen lediglich auf das Erlernen der

Sprache wie bei den Zuwanderern aus den Kronländern der Österreichisch-

Ungarischen Monarchie, die nach deren Zerfall nicht in ihre ehemaligen Heimatländer

zurückgekehrt sind sie sich in Österreich und hier vor allem in Wien heimisch gefühlt

haben. Deren Kinder, die zumeist hier geboren wurden, waren dann bereits assimiliert,

und damit war die Integration in der Folgegeneration erfolgreich abgeschlossen. Und

diese, nach heutigen Maßstäben Migranten der zweiten Generation, waren nicht mehr

Migranten, sondern Teil der Mehrheitsgesellschaft.

Diese Herangehensweise wäre bei der derzeitigen Integrationspolitik begrüßenswert

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Literaturübersicht

- Expertenrat für Integration: Integrationsbericht 2020. 10 Jahre Expertenrat – 10

Jahre Integrationsbericht, Wien, 2020

- Expertenrat für Integration: Integrationsbericht 2021. Integration im Kontext der

Corona-Pandemie, Wien, 2021

- Statistik Austria (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 2021. Migration & Integration.

Zahlen, Daten, Indikatoren, Wien, 2021

- Stadt Wien, Integration und Diversität: Migrantinnen und Migranten in Wien

2019, Wien, 2019

- Österreichischer Integrationsfonds: Wien. Zahlen, Daten und Fakten zu

Migration & Integration 2019, Wien, 2020

Internetquellen

- https://www.bundeskanzleramt.gv.at/agenda/integration/nationaleraktionsplan.html

Unter dieser Internetadresse sind folgende Publikationen abrufbar:

- Faßman Heinz: Integrationsindikatoren des Nationalen Aktionsplans für

Integration. Begriffe, Beispiele, Implementierung

- Nationaler Integrationsplan für Integration: Maßnahmen

- Nationaler Integrationsplan für Integration: Bericht

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