Filmakademie Baden-Württemberg Campus Magazin 21/22

animationsinstitut

CAMPUS MAGAZIN

FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG

CAMPUS MAGAZIN

FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG

EINUNDZWANZIG

ZWANZIG

ZWEIUNDZWANZIG


CAMPUS CAMPUS MAP MAP

Im Bereich der Verwaltung Im Bereich umfassen der Verwaltung die umfassen die Das Ausbildungsangebot Das Ausbildungsangebot spiegelt die ganze Bandbreite spiegelt di

Zuständigkeiten u.a. Zuständigkeiten das Studierenden- u.a. das Studierenden- der Themen der Medienbranche der Themen wider, Medienbranche von Drehbuch, wi

Regie und Kamera bis Regie zu Animation, und Kamera Szenenbild bis zu Animatio

Rechnungswesen, den Rechnungswesen, Jahresabschluss, den Jahresabschluss, und Montage, von Produktion, und Montage, Filmmusik von Produktion, und Film

Die technischen Bereiche Die technischen der Filmakademie Bereiche der Filmakademie

Controlling, Risikomanagement,

Controlling, Risikomanagement,

Sounddesign bis zu Motion Sounddesign Design bis und zu Interaktive Motion Design

stellen die technische stellen Infrastruktur die technische für Infrastruktur Beschaffungen, für Rechtsfragen, Beschaffungen, die Stellen-, Rechtsfragen, die Stellen-, Medien, verteilt auf 3 Medien, Studiengänge: verteilt auf 3 Studiengänge

Verwaltung, Lehre und Verwaltung, Produktion Lehre sicher. und Produktion Personalplanung sicher. und Personalplanung Personalentwick-

und Personalentwick-

IT-OfficeNet

lung sowie die Allgemeine lung sowie Verwaltung die Allgemeine Verwaltung Film und MedienFilm und Medien

und Betriebsorganisation. und Betriebsorganisation.

Filmmusik und Sounddesign

Filmmusik und Sounddesign

Kino

Kino

Allg. VerwaltungAllg. Verwaltung

Mobile Technik (Rental) Mobile Technik (Rental)

Bibliothek Bibliothek

Studios Studios

Castingbüro Castingbüro

Videoschnitt Videoschnitt

Finanz- & Rechnungswesen

Finanz- & Rechnungswesen

Werkstatt Szenenbild Werkstatt Szenenbild

Kfm. VerwaltungKfm. Verwaltung

TECHNIK

IT-OfficeNet

TECHNIK

Management, das Finanz- Management, und das Finanz- und

Personal & Honorare Personal & Honorare

Studienreferat

Studienreferat

Verwaltung Lehre Verwaltung Lehre

VERWALTUNG VERWALTUNG

Produktion

Produktion

Workshops für Externe: Workshops für Externe:

Filmschauspiel Filmschauspiel

Im Filmschauspielworkshop Im Filmschauspielworkshop und dem englischspra-

und d

chigen International chigen Screen International Acting Workshop Screen können Acting

junge Schauspieltalente junge 8 Wochen Schauspieltalente lang ihre klassische 8 Wochen

Ausbildung um das Fach Ausbildung Filmschauspiel um das Fach erweitern. Filmschau

Unter gezielter Anleitung Unter der gezielter dozierenden Anleitung Branchen-

der dozie

profis werden Unterrichts profis inhalte werden in Unterrichts theoretischen inhalte in

und praktischen Übungen und praktischen vermittelt. Übungen vermitte

AKADEMIE AKADEMIE

FÜR DARSTELLENDE

FÜR DARSTELLENDE

KUNST KUNST

Die benachbarte ADK Die bereitet benachbarte Studierende ADK bereitet Studierende

umfassend – und deutschlandweit umfassend – und in der deutschlandweit in der

Kombination einmalig Kombination – auf Berufe einmalig für die Bühne – auf Berufe für die Bühne

und den Film vor. Die und interdisziplinäre, den Film vor. Die praxis- interdisziplinäre, und praxis- und

projektorientierte Ausbildung projektorientierte erfolgt in Ausbildung jahrgangs- erfolgt in jahrgangsund

studiengangsübergreifender und studiengangsübergreifender Zusammenarbeit Zusammenarbeit

zwischen Regie, Dramaturgie, zwischen Schauspiel Regie, Dramaturgie, und Schauspiel und

Bühnen- und Kostümbild. Bühnen- und Kostümbild.

ATELIER ATELIER

LUDWIGSBURG-PARIS

LUDWIGSBURG-PARIS

Das Atelier Ludwigsburg-Paris Das Atelier ist Ludwigsburg-Paris eine von der EU geförderte ist eine von der EU geförderte

einjährige Weiterbildung einjährige für angehende Weiterbildung Filmproduzent*innen

für angehende Filmproduzent*inne

und Verleiher*innen und mit Verleiher*innen entsprechendem mit Vorstudium. entsprechendem Vorstudium.

Es ist eine inhaltlich Es autonome ist eine inhaltlich Einrichtung autonome unter dem Einrichtung Dach unter dem Dach

der Filmakademie. der Filmakademie.

ALUMNI-NETZWERK

ALUMNI-NETZWERK

FÖRDERVEREIN FÖRDERVEREIN

ASTA

ASTA

Das Alumni-Netzwerk Das sorgt Alumni-Netzwerk für einen sorgt für einen

Der Förderverein der Der Filmakademie Förderverein Baden-Württemberg

der Filmakademie Baden-Württemberg Der Allgemeine Studierendenaussch

Der Allgemeine

regelmäßigen Kontakt regelmäßigen und Austausch Kontakt mit den und Absolventinnen

Austausch mit den Absolventinnen e.V. wurde 1993 gegründet e.V. wurde und hat 1993 inzwischen gegründet über und hat 400 inzwischen über jedes 400 Studienjahres unmittelbar jedes Studienjah von

und Absolventen der und Filmakademie, Absolventen etwa der Filmakademie, durch die Pflege etwa der durch die Pflege der Mitglieder. Er ist als Mitglieder. gemeinnütziger Er ist Verein als gemeinnütziger steuerlich Verein steuerlich gewählt. Er vertritt die gewählt. Belange Er der vertS

Alumni-Homepage, das Alumni-Homepage, Versenden von Newslettern, das Versenden die von Organisation

von Veranstaltungen sation von und Veranstaltungen die Weiterleitung und von die Weiterleitung von Leistungsförderung ausgerichtet.

Leistungsförderung ausgerichtet.

unterstützende Aufgaben unterstützende im DiensteA

Jobangeboten. Jobangeboten.

der Filmakademie wahr. der

Newslettern, die Organi-

anerkannt und entsprechend anerkannt seiner und entsprechend Satzung auf die seiner Satzung auf und die außerhalb der Filmakademie und außerhalb und

Filmakadem


e ganze Zudem Bandbreite werden folgende Zudem werden folgende

der, von Diplomaufbaustudiengänge Drehbuch, Diplomaufbaustudiengänge angeboten: angeboten:

n, Szenenbild

musik und

Animation / Animation /

und Interaktive

Animation & Effects Animation Producer & Effects Producer

:

Animation / Technical Animation Director / Technical Director

Fernsehjournalismus Fernsehjournalismus

Filmmusik Filmmusik

Das Animationsinstitut Das ist Animationsinstitut Teil der ist Teil der

Filmakademie, es verfügt Filmakademie, zugleich in es vielen verfügt zugleich in vielen

Filmton / Sounddesign Filmton / Sounddesign

Bereichen über eigene Bereichen organisatorische über eigene organisatorische

Interaktive Medien Interaktive Medien

Strukturen. Strukturen.

Motion Design Motion Design

Szenenbild Szenenbild

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LEHRE

Workshop können

lang ihre klassische

spiel erweitern.

renden Branchentheoretischen

lt.

LEHRE

Lehre

Lehre

Forschung & Entwicklung Forschung & Entwicklung

Die FMX ist eine weltweit Die FMX einflussreiche

ist eine weltweit einflussreiche

Fachkonferenz, in deren Fachkonferenz, Zentrum die in deren Zentrum die

Management

Technik

Stabsstellen

Management

Technik

Stabsstellen

Entwicklung und Trends Entwicklung in Design, und Technologie Trends in Design, Technologie

und Business von Animationsfilmen, und Business von visuellen Animationsfilmen, visuellen

Effekten, interaktiven Effekten, und immersiven interaktiven Medien und immersiven Medien

stehen.

stehen.

ANIMATIONSINSTITUT

ANIMATIONSINSTITUT

FMX FMX

GESCHÄFTSFÜHRUNG

GESCHÄFTSFÜHRUNG

Die Geschäftsführung Die ist Geschäftsführung im Bereich der Lehre ist im u.a. Bereich zuständig der Lehre u.a. zuständig

für die Konzeption, Planung für die Konzeption, und Umsetzung Planung der und Lehre, Umsetzung der Lehre,

die Akquisition der Lehrenden, die Akquisition Studienkoordinator*innen der Lehrenden, Studienkoordinator*innen und

und

Projektbetreuer*innen, Projektbetreuer*innen, Drittmittelproduktionen, Drittmittelproduktionen, die Entwicklung

des Medienstandortes lung des für Medienstandortes Alumni und Existenzgründun-

für Alumni und Existenzgründun-

die Entwickgen

sowie die Zusammenarbeit gen sowie die mit Zusammenarbeit regionalen und überregionalen

Sendern und Produktionsfirmen.

nalen Sendern und

mit regionalen und überregio-

Produktionsfirmen.

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STABSSTELLEN STABSSTELLEN

Die Stabsstellen sind Die der Stabsstellen sind der

Geschäftsführung direkt Geschäftsführung zugeordnet. direkt zugeordnet.

GLEICHSTELLUNG GLEICHSTELLUNG

Assistenz des Direktors Assistenz des Direktors

Controlling Controlling

Drittmittel Drittmittel

Festivals Festivals

Internationales Büro Internationales Büro

Justiziar Justiziar

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit

Referent des Direktors Referent des Direktors

Stipendien / Pitchings Stipendien / Pitchings

Studienleitung / Studienleitung /

uss Studierendenausschuss wird zu Beginn wird zu Beginn Die Filmakademie setzt Die sich Filmakademie für die verfassungsrechtlich

setzt sich für die verfassungsrechtlich Transmedia Koordination Transmedia Koordination

res der unmittelbar Studierendenschaft von der Studierendenschaft gebotene Chancengleichheit gebotene von Chancengleichheit Frauen und Männern von Frauen und Männern Vertrieb & Lizenzen Vertrieb & Lizenzen

ritt tudierenden Belange innerhalb der Studierenden innerhalb ein und wirkt auf die ein Beseitigung und wirkt bestehender auf die Beseitigung Nachteile bestehender Nachteile

d er nimmt Filmakademie beratende und und nimmt beratende für Frauen und hin. Die Beauftragten für Frauen hin. für Die Chancengleichheit

Beauftragten für Chancengleichheit

der ufgaben Studierendenschaft

im Dienste der Studierendenschaft beraten und unterstützen beraten Frauen und unterstützen und Männer Frauen bei und Männer bei

ie wahr.

beruflicher Förderung, beruflicher Beseitigung Förderung, von Benachteiligung

Beseitigung von Benachteiligung

und Fragen der Vereinbarkeit und Fragen von der Beruf Vereinbarkeit und Familie von sowie Beruf und Familie sowie

der Vereinbarkeit von der Beruf Vereinbarkeit und Pflege. von Beruf und Pflege.


EDITORIAL


30! Something

Vor 30 Jahren nahm die Filmakademie

Baden-Württemberg ihren Lehr- und Produktionsbetrieb

auf. Trotz der Corona-Pandemie

wollten wir es uns nicht nehmen lassen, dieses Jubiläum

im Rahmen der Möglichkeiten zu feiern. Diese

Möglichkeiten waren durchaus eingeschränkt. Die Veranstaltungen

der Festwoche vom 12.–16. Juli mussten mit nur

etwa 100 Gästen vor Ort stattfinden, viele Inhalte wurden

online zur Verfügung gestellt. Die Planungen mussten

hinsichtlich der aktuell geltenden Hygiene- und Abstands-Verordnungen

ständig angepasst werden.

Zu dieser breiten Palette an Veranstaltungen gesellte sich

zum Abschluss noch ein Festakt, der allerdings auch einen

für uns traurigen Programmpunkt beinhaltete: die

Verabschiedung von Prof. Jochen Kuhn, seit Beginn Leiter

der experimentellen Spielwiese der Filmakademie,

des Studienfachs Filmgestaltung 1. Als Filmemacher, Maler,

Pädagoge und einzigartige Persönlichkeit hat Jochen

Kuhn diesen Bereich so geprägt, dass ich – in Anlehnung

an ein Bonmot von Loriot – versucht bin zu sagen:

Eine Filmakademie ohne Jochen Kuhn ist möglich,

aber sinnlos.

Dennoch blicke ich zufrieden und dankbar auf diese

Festwoche zurück. „30 Something“ hieß das Motto des

Jubiläums, das gern auch als „Something special!“ mit

dickem Ausrufezeichen verstanden werden soll. Denn

wir können durchaus stolz sein auf den Weg, den die

Filmakademie seit ihrer Gründung durch Prof. Albrecht

Ade genommen hat. Die Festwoche bot uns die Möglichkeit,

die Hochschule in all ihrer Vielfalt darzustellen, die

sie im Lauf der vergangenen 30 Jahre entwickelt hat:

Bei „Screen.Time international“ konnten Studierende

und Alumni ihre aktuellen Projekte einem Fachpublikum

aus der Film-, Fernseh- und Medienbranche vorstellen.

Der Förderverein der Filmakademie zeichnete

studentische Projekte mit dem Caligari Award aus. Der

neue Kurzgeschichtenband „Sommer“ mit Erzählungen

von Studierenden der FABW und der Akademie für

Darstellende Kunst feierte seine Premiere.

Dennoch muss und wird es natürlich weitergehen. Die

Filmakademie Baden-Württemberg hat es immer verstanden,

innovative Konzepte zu entwickeln und sich

neu zu erfinden. Deshalb blicke allen Widrigkeiten zum

Trotz optimistisch in die Zukunft und auf die wartenden

Herausforderungen, wie z.B. die fortschreitende Internationalisierung

der Filmakademie, noch stärkere

Synergien zwischen den Institutionen des Campus, oder

die weitere Förderung von Gendergerechtigkeit und Diversität.

Jede Herausforderung birgt viele Möglichkeiten,

die Zukunft positiv zu gestalten. Deshalb freue mich auf

das, was da noch kommt!

Herzlich

Prof. Thomas Schadt

Direktor der Filmakademie Baden-Württemberg

Nicht nur in den Geschichten dieses Bandes spüren wir

eine immer stärkere Sensibilität der Studierenden für

drängende, gesellschaftlich relevante Fragen. So fand

auch ein Diskussions-Panel mit Alumni zum Thema

„Gender & Diversity“ statt, und eine Gesprächsrunde mit

Studierenden und Alumni der FABW beschäftigte sich

mit Leben und Identität junger jüdischer Menschen in

Deutschland.

3


INHALT

3

EDITORIAL

Prof. Thomas Schadt,

Direktor der Filmakademie

Baden-Württemberg

6

34

CAMPUS LUDWIGSBURG

94

DAS ATELIER

LUDWIGSBURG-PARIS

SPOTLIGHT:

30 JAHRE FABW

Grußwort: Petra Olschowski (S. 6)

Interview: Prof. Albrecht Ade (S. 9)

Festwoche: Nachbericht (S. 15)

46

EIN ÜBERBLICK ÜBER DAS

STUDIUM AN DER

FILMAKADEMIE

104

FILMGESTALTUNG 2

ANIMATION

20

SPOTLIGHT:

ABSCHIED

PROF. JOCHEN KUHN

Interview Jochen Kuhn (S. 20)

30 Jahre – 30 Statements (S. 26)

50

STECKBRIEF: DREHBUCH

51

STECKBRIEF: EXECUTIVE &

LINE PRODUCING

52

105

FILMGESTALTUNG 2

NEUE MEDIEN

106

INTERNATIONAL

NETWORKS

112

DOZIERENDE IM PORTRÄT:

PROF. HEIDI SPECOGNA

DAS ANIMATIONSINSTITUT

32

STECKBRIEF:

BILDGESTALTUNG/KAMERA

92

122

4

33

STECKBRIEF:

DOKUMENTARFILM

STECKBRIEF:

FERNSEHJOURNALISMUS

93

STECKBRIEF:

FILMGESTALTUNG 1

STECKBRIEF: FILMMUSIK

123

STECKBRIEF:

FILMTON/SOUNDDESIGN


124

ALUMNI IM FOKUS:

KONSTANTIN FLEMIG

142

FABW INSIDE - MEET THE

STAFF: BERND-SIEGFRIED

MICHALEK

152

ALUMNI IM FOKUS:

CATALINA FLOREZ, SILVANA

SANTAMARIA (SOILFILMS)

130

MAKING-OF “SEEPFERDCHEN”

134

STECKBRIEF:

MONTAGE/SCHNITT

135

ZWANZIG JAHRE

MONTAGE/SCHNITT

146

STECKBRIEF:REGIE 2

147

STECKBRIEF:

SERIEN PRODUCING

148

SPOTLIGHT: DIVERSITÄT,

ANTIDISKRIMINIERUNG UND

GLEICHSTELLUNG

ANTIRASSISMUS-TAGE

160

STECKBRIEF: WERBEFILM

161

STECKBRIEF: FILMSCHAUSPIEL

163

EDITION FABW

165

AUFTRAGSPRODUKTIONEN

140

STECKBRIEF: MOTION DESIGN

141

STECKBRIEF:

PRODUKTION

150

STECKBRIEF: SZENENBILD

151

STECKBRIEF:

SZENISCHER FILM

166

FÖRDERVEREIN

CALIGARI PREIS

5


SPOTLIGHT: 30 JAHRE FABW

REDE ZUM FESTAKT AM 16. JULI 2021

Petra Olschowski MdL

STAATSSEKRETÄRIN IM MINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT,

FORSCHUNG UND KUNST BADEN-WÜRTTEMBERG

UND VORSITZENDE DES AUFSICHTSRATS DER FABW

Ich erinnere mich, wie dieser Platz

hier vor 30 Jahren aussah: nur blanke

Kaserne, Parkplatz und Brache.

Heute ist der Akademiehof zu einem beeindruckenden

Mediencampus mit internationaler

Strahlkraft avanciert. Er ist Heimat für die

Filmakademie mit ihrem Animationsinstitut geworden

und vereint sie mit dem Atelier Ludwigsburg-Paris

und der Akademie für Darstellende

Kunst Baden-Württemberg. Es ist mir jedes Mal

eine große Freude, auf diesem Gelände unterwegs

zu sein!

Die Weichen, die Sie gestellt haben, haben sich in jeder

Hinsicht bezahlt gemacht.

Denn bis heute sind daraus rund 2.400 Absolventinnen

und Absolventen geworden.

Betreut und unterrichtet werden sie von hochkarätigen

Fachleuten aus der Film-und Medienbranche, die

es sich zur Aufgabe gemacht haben, die nächste Generation

künstlerischer Persönlichkeiten auf ihre berufliche

Praxis und zugleich auf ihre gesellschaftliche Aufgabe

als kritisch reflektierende Meinungsbilderinnen

und Meinungsbildner vorzubereiten.

Mein Dank geht an das hochmotivierte Kollegium, an

all die kompetenten Fachleute und UnterstützerInnen

für das langjährige Engagement und für Ihr Herzblut,

aber auch an die Studierenden. Mein Dank gilt dabei

natürlich auch besonders Ihnen, lieber Herr Professor

Kuhn, als scheidendem Professor für Filmgestaltung

und als Gründungsmitglied der Filmakademie.

Ich freue mich auf Ihre Festansprache später.

Wie Ministerpräsident Kretschmann in seiner

Videobotschaft zurecht gesagt hat, dieses Engagement

hat Früchte getragen:

1991 fand die Gründung der Filmakademie noch in den

provisorischen Räumlichkeiten in der Rheinlandstraße

statt. Damals konnten sich 82 Studierende einschreiben.

Viele kamen von der Stuttgarter Kunstakademie

nach Ludwigsburg.

Das sieht man nicht zuletzt daran, dass zahlreiche studentische

Produktionen der Filmakademie regelmäßig

Preise bei namhaften internationalen Filmfestivals gewinnen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat

vorhin einige Beispiele genannt.

Lieber Herr Professor Ade,

Sie haben mit der Entscheidung für den Umzug in den

Akademiehof und seinen Ausbau großen Weitblick bewiesen.

Das zeigt sich heute!

Ich danke Ihnen herzlich für Ihr großes Engagement

und für all die Jahre, die Sie als Gründungsdirektor

und künstlerischer Leiter der Filmakademie tätig

waren.

Genau diese Erfolge und die damit verbundene Motivation

brauchen wir, um uns für die kommenden Herausforderungen

einer sich permanent verändernden

Film- und Medienwelt zu rüsten und weiterhin mit der

Filmakademie und dem Animationsinstitut zur Spitze

der Filmhochschulen zu gehören.

Damit dies gelingt, hat die Filmakademie 2018 im

Auftrag von Ministerin Theresia Bauer und dem

6


Aufsichtsrat, dem ich seit fünf Jahren vorsitzen darf,

ihr „Strategiepapier 2030“ vorgelegt, das nun umgesetzt

wird.

Ich bin sehr froh und dankbar, dass es mit Unterstützung

durch den Landtag von Baden-Württemberg gelungen

ist, ab 2020 der Filmakademie 2,6 Millionen

Euro mehr Budget zur Verfügung zu stellen.

Diese zusätzlichen strukturellen Mittel des Landes ermöglichen

der Filmakademie die Umsetzung ihrer

strategischen Ziele und damit gleichzeitig die Erhaltung

und Weiterentwicklung ihrer Exzellenz unter den

Filmhochschulen.

Zentrale Ziele sind dabei unter anderem die Internationalisierung

und der Ausbau des Animationsinstituts.

Stoffentwicklung und Produktionsvorbereitung hochwertiger

Projekte.

Außerdem wurden bereits die Fördermöglichkeiten

für Dokumentarfilme ausgeweitet.

Animation und Visuelle Effekte bleiben zudem unser

Aushängeschild und zentraler Schwerpunkt, was sich

mit zusätzlichen Haushaltsmitteln abbildet, die hier

fließen.

Zugleich braucht der Games-Bereich, der auch für den

Gesundheits- oder Industriebereich immer wichtiger

wird, unsere Unterstützung, um hier bundesweit konkurrenzfähig

zu sein.

Hierfür haben wir bereits mit „Games BW“ eine eigene

Förderlinie etabliert.

Diese Förderung des Wissenschaftsministeriums bildet

eine wichtige Basis für die Zukunft der Filmakademie

in Ludwigsburg. Aber wir als Ministerium müssen

auch darüber hinausdenken: Unsere Aufgabe ist es, Baden-Württemberg

als Filmstandort ganzheitlich zu entwickeln

und nachhaltig zu stärken.

Für die neue Filmkonzeption 2020 haben wir deshalb

eineinhalb Jahre Gespräche mit der ganzen Filmbranche

und den Filmhochschulen geführt und gefragt:

Wie können wir uns in Zukunft als Filmland gleichermaßen

künstlerisch wie wirtschaftlich, auch in der

Ausbildung, erfolgreich aufstellen?

Und hierzu leistet die Filmakademie in allen Bereichen,

die wir dabei betrachtet haben, einen zentralen Beitrag.

Die rasanten technischen Entwicklungen innerhalb der

Neuen Medien und der Animation, die Veränderungen

des Filmmarkts durch Streaming-Dienste, Internationalisierung

und globale Entwicklungen haben gezeigt:

Wir müssen beweglich und offen bleiben.

Hinzu kommt die FMX, die erfolgreich über die

Filmakademie etabliert wurde.

Sie ist in der Zwischenzeit zu einer der international

wichtigsten Veranstaltungen für Animation, Visuelle

Effekte, Computerspiele und digitale Postproduktion in

Europa geworden.

Auch das Animation-Media-Cluster (AMCRS) mit seinen

kreativen Dienstleistern, den Hochschulen und

der Filmakademie soll sich fortentwickeln und seine

internationale Sichtbarkeit stärken.

Zudem soll die erfolgreiche Kooperation der

Filmakademie mit der Akademie für Darstellende Kunst

Baden-Württemberg im Bereich Filmschauspiel intensiviert

werden.

Doch neben diesen zentralen Schwerpunkten haben

sich neue gesellschaftliche Aufgabenfelder herausgebildet,

die ebenfalls zu einer zeitgemäßen Film- und

Medienpolitik gehören und gleichermaßen für die

Ausbildung an der Filmakademie relevant sind – lassen

Sie mich drei Beispiele nennen:

Die Filmakademie ist dabei eine der tragenden Säulen.

Hier lernen zukünftige Filmprofis, sich von Anfang

an international zu behaupten, eine klare, verantwortungsvolle

Haltung als Filmschaffende herauszubilden

– und zugleich eine künstlerische Handschrift.

Das ist die Basis – auch für uns.

Von hier ausgehend, umfasst unsere Filmförderstrategie

zusammen mit der MFG weiterhin im Zentrum

den Spiel- und Dokumentarfilm. Aber die Entwicklung

zeigt: Stärker unterstützen müssen wir in Zukunft die

1. Frauen sind noch immer bundesweit wie auch in

Baden-Württemberg stark in der Filmpraxis unterrepräsentiert.

Und Diversität vor und hinter der Kamera

ist noch keine Selbstverständlichkeit.

Hochschulleitung, Betriebsrat und Gleichstellungsbeauftragte

der Filmakademie erarbeiten daher kontinuierlich

Maßnahmen, um für Themen wie Rassismus

oder Diskriminierung zu sensibilisieren.

Hierzu gehören auch das Gendermonitoring der

Filmakademie, das Unterrichtsangebot „Gender in

Progress“ oder das langjährige Engagement von

7


SPOTLIGHT: 30 JAHRE FABW

Studentinnen und Absolventinnen der Filmakademie

als Mentorinnen für das ganzjährige Coaching-Programm

und Kurzfilmfestival GIRLS GO MOVIE, damit

Filmen auch endlich in der Praxis zur ganz normalen

Frauensache wird.

2. Corona hat zudem gezeigt:

Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche ebenso

wie für Erwachsene ist so wichtig wie nie zuvor!

Auch hier engagiert sich die Filmakademie beispielhaft

als Betreiberin des Kinderfilmhauses in Ludwigsburg.

3. Das Land Baden-Württemberg steht zudem für einen

verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt.

Wir brauchen ein starkes Bewusstsein für ökologische

Werte auch in der Filmkultur.

In enger Kooperation der Filmakademie mit der MFG

Filmförderung werden neue Standards für nachhaltige

Filmproduktion erarbeitet.

zu etablieren und interkulturell zu arbeiten. Dazu gehören

englisch-deutschsprachige Studiengänge ebenso

wie Forschung und Entwicklung oder der Ausbau von

weltweiten Kooperationen.

Es braucht dafür einen hohen Grad an Flexibilität in

der Ausbildung. Und schließlich müssen wir dafür sorgen,

unseren hochausgebildeten Talenten Perspektiven

vor Ort zu schaffen.

Die Herausforderung liegt nun darin, diese vielen

Aufgaben in Zukunft zusammenzuführen und sie im

Rahmen der Gesamtstrategie 2030 weiter umzusetzen.

Dafür werde ich mich persönlich weiter stark machen.

Heute aber lassen Sie uns erst einmal feiern:

Ich gratuliere der Filmakademie herzlich zu ihrem

30-jährigen Jubiläum und danke für das bisher Geleistete!

Ich weiß, dass die letzten fast anderthalb Jahre insbesondere

für die Studierenden – auch hier an der

Filmakademie – eine besonders schwierige Zeit gewesen

sind. Wir sprechen von Praxiserfahrung und Internationalisierung,

von Netzwerken, Kooperationen und

vom besonderen Charme, der von diesem Campus ausgeht.

Und genau das alles hat man zuletzt kaum spüren

und erfahren können. Ich möchte die Gelegenheit

daher heute auch nutzen, um Ihnen allen – den Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern, den Lehrenden und Studierenden

herzlich zu danken dafür, dass Sie alle diese

komplizierte Situation so gut hingekriegt haben.

Lassen Sie mich zum Schluss noch in die nahe Zukunft

blicken.

Dabei möchte ich besonders die herausragenden Leistungen

im Rahmen von Forschung und Entwicklung

an der Filmakademie und ihrem Animationsinstitut

hervoreben.

Innovationen im Rahmen von Virtual Reality, maschinellem

Lernen oder durch die Entwicklung von international

verwertbaren IPs verstärkt ins Studium und in

Filmprojekte zu integrieren, birgt ein enormes Potenzial

für den Standort. Hier können wir eine weltweite

Spitzenposition erreichen.

Mein großer Dank gilt besonders Ihnen, lieber Herr

Professor Schadt, für Ihre unglaublichen Verdienste

und Ihr großes Engagement.

Sie haben die Filmakademie in den 16 Jahren

Ihrer Tätigkeit als künstlerischer und kaufmännischer

Geschäftsführer zu einer national sowie international

renommierten Filmhochschule ausgebaut und die

Qualität der Lehre und des Studiums immer wach für

neue Entwicklungen weiterentwickelt. Nach Professor

Ade sind Sie die prägende Figur, der prägende Kopf in

der Geschichte dieser Akademie. Immer nah an den

Themen, den Dozentinnen und Dozenten, aber auch an

den Studierenden. Dafür mein ganz herzlicher Dank!

Alles Gute und viel Energie, lieber Herr Professor

Schadt, und natürlich auch Ihnen, lieber Herr Professor

Hykade.

Den Absolventinnen und Absolventen wünsche ich,

dass sie mit ihrer eigenen künstlerischen Handschrift

und ihren Filmen weiterhin weltweit begeistern.

Denn mit ihren guten Geschichten wird die Filmakademie

auch in den nächsten 30 Jahren große Geschichte

schreiben!

Ziel der Filmakademie ist es, sich als die führende international

ausgerichtete europäische Filmhochschule

8


„Ich war schon immer daran interessiert,

etwas Eigenes und Ambitioniertes zu machen“

EIN GESPRÄCH MIT DEM GRÜNDUNGSDIREKTOR,

Prof. Albrecht Ade, ZUM 30-JÄHRIGEN GEBURTSTAG

DER FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG.

Lieber Herr Prof. Ade, nehmen Sie uns bitte

mit auf eine Zeitreise: Wie kam es damals

zur Weichenstellung für die Gründung der

Filmakademie?

Schon beim ersten Gespräch über die Idee einer

Filmakademie stellte mir Ministerpräsident Späth die

Frage: Was für eine Filmakademie wollen Sie gründen?

Auf diese Frage war ich einigermaßen vorbereitet. Ich

wusste, dass in Baden-Württemberg ein Dutzend hochfliegende

Pläne und Projekte gestapelt waren, die in

den 80er Jahren unter dem Thema Medien eingeflattert

kamen. „Schreiben Sie Ihr Konzept auf drei Seiten.“

Ich sagte, es ist für mich schwieriger, ein Konzept für

eine Filmakademie auf drei Seiten festzuhalten, als ein

Konzept zu schreiben, indem alles drinsteht, was den Erfolg

ausmacht: zum Beispiel eine Filmakademie eigener

Art. Dieses Bekenntnis zu einer eigenen Art fand der MP

schon ganz interessant. Und dann kam die Frage: „Welches

ist die beste Filmhochschule in der Bundesrepublik

Deutschland?“ Und darauf gab ich die kühne Antwort:

eigentlich keine. Das fand er natürlich ein bisschen witzig,

aber er sagte: „Sie scheinen zu wissen, was Sie wollen.

Schreiben Sie Ihr Konzept. Wenn es überzeugt, sehen

wir uns wieder.“

Der damalige mediale Hintergrund von Baden-Württemberg

war ziemlich diffus. Es gab Prognosen über das

Land, die einen eindeutig monochromen Schwerpunkt

in der Automobilindustrie und natürlich auch im Maschinenbau

feststellten. Es fehlte fast ganz die Dienstleistungsbranche.

Daraufhin hatte das Land beschlossen,

alle laufenden Neugründungen in dieser Richtung

erst einmal zu analysieren. Dieses Problem kannte ich

aus meiner Mitarbeit im Gründungsausschuss der Universität

Wuppertal. Ich kannte auch schon die Erfolge

und Misserfolge einer Gründungskommission, wobei

das Wichtigste war, seine Ziele zu kennen. Das klingt

zwar selbstverständlich, ist es aber überhaupt nicht. Die

Mitglieder in Gründungsausschüssen haben oft sehr verschiedene

Interessen und Ziele und denken, man könnte

einfach vor sich hinträumen und große Traumprojekte

entwickeln, die möglicherweise absolut kontraproduktiv

sind für eine Strategie.

Ist die Lust, Neues zu wagen, Teil Ihrer Persönlichkeit?

Sie hatten ja damals eine durchaus reizvolle Stelle als

Professor an der Kunstakademie in Stuttgart inne. Was

gab den Ausschlag dafür, das alles hinter sich zu lassen?

9


SPOTLIGHT: 30 JAHRE FABW

Bei dieser Frage habe ich zuerst einmal gelacht über den

Begriff „reizvoll“. Ich hatte an der Kunstakademie in

Stuttgart studiert, war aber 1962 nach Wuppertal berufen

worden, an die damalige Werkkunstschule. Im Jahr

1976 bekam ich einen Anruf des Rektors der Kunstakademie

Stuttgart. Er fragte mich, ob es möglich wäre, dass

ich nach Stuttgart an die Kunstakademie käme, als Leiter

einer Grafikdesign- und Mediengestaltungsklasse.

Seltsamerweise habe ich eigentlich immer 12 Jahre in

meinen beruflichen Stationen verbracht. Ich war 12 Jahre

in Wuppertal, die Hälfte an der Werkkunstschule und

die andere Hälfte an der Universität Wuppertal. Dann

war ich ungefähr 12 Jahre an der Kunstakademie Stuttgart

und dann nochmal 12 Jahre an der Filmakademie.

Das ist sicherlich Zufall, aber es hat auch etwas mit meiner

Art zu tun, die Dinge zu begreifen und mich selber

einzurichten. Ich kann nur sagen, wenn man länger als

12 Jahre an denselben Platz geht, am gleichen Standort

mit der gleichen Aufgabe und mit den gleichen Menschen

arbeitet, ist der Beruf nicht mehr so spannend wie

in den ersten Jahren, wenn man Neues planen und entwickeln

kann. Außerdem war ich immer daran interessiert,

etwas Eigenes und Ambitioniertes zu machen.

An der Kunstakademie habe ich die Arbeitsgruppe Film

gegründet, die ich „Animation im Süden“ nannte und

die relativ schnell sehr erfolgreich war. Man war damals

nicht gerade erfolgsverwöhnt im Kunstbereich Baden-Württemberg.

Plötzlich spielte eine Gruppe von

Animationsfilmern auf den internationalen Festivals

in England, Frankreich, USA, Tschechien, Japan in der

ersten Reihe mit. Das Institut für Auslandsbeziehungen

machte Ausstellungen über „Animation im Süden“

in den internationalen Filmländern und es gab Aussagen,

die auch in der Presse standen: „Ein neuer Stern am

Animationsfilm-Himmel ist erschienen“, sagte 1984 der

Präsident der ASIFA International, des großen Animationsfilmer-Verbandes,

anlässlich einer Ausstellung in

Antwerpen. 1982 erfolgte die Gründung des Internationalen

Trickfilmfestivals Stuttgart mit Filmen aus allen

wichtigen Animationsfilm-Ländern wie England, Tschechien,

Polen, USA, Frankreich, Russland, Estland, Österreich,

Jugoslawien. Und die Öffentlichkeit, auch in Stuttgart,

feierte das Festival enthusiastisch. Der Spielort war

damals die Alte Reithalle, eine abgewrackte Halle der

Firma Bosch.

Das war noch alles an der Kunstakademie mit der Arbeitsgruppe

Film passiert. Der Erfolg dieser Arbeitsgruppe

war eigentlich die Geburtsstunde der Filmakademie.

10

Ohne diese Arbeitsgruppe Film hätte niemals jemand

aus der staatlichen Administration mitgemacht. Aber

der Plan, an der Kunstakademie ein Institut für Animationsfilm

zu installieren, scheiterte an den Bedenken der

Kunstakademie. Ich hatte also nicht immer Erfolg. Dort

sah man finanzielle, räumliche und personelle Probleme.

Das Film-Thema sei zu groß und zu unverträglich

für die Kunstakademie. Ja, sogar das Wort „ungemütlich“

ist gefallen.

Jetzt war allerdings das Wissenschaftsministerium nicht

mehr zu bremsen. Sie hatten gesehen, dass der Animationsfilm

der Kunstakademie und natürlich auch das

Trickfilmfestival, nachdem es vier Jahre bestand, mit

40.000 Zuschauern Erfolge waren. Im Ministerium gab

es eine kleine Gruppe von interessierten Mitarbeitern,

die sich auch bei dem Festival, das 1988 in der Reithalle

stattfand, mehrere Programme angesehen haben. Und

der damalige Ministerialdirektor Dr. Ehrhardt, der Verwaltungsleiter

des Wissenschaftsministeriums, war hellauf

begeistert. Er hat gesagt: „Wenn die Kunstakademie

nicht auf eine Filmausbildung scharf ist, dann machen

wir was anderes.“ Aber er hatte es so verstanden, dass es

dann eine Art Film-Animations-Akademie geben sollte.

Für mich wäre das jedoch wieder eine Amputation gewesen.

Natürlich gab es schon in München, Berlin und in

Köln Filmakademien. Aber ich habe ja gesagt: Ich mache

nicht das Gleiche, ich mache eine Filmakademie eigener

Art. Das war auch so schon mit dem Ministerpräsidenten

Spaeth abgesprochen. Das war der entscheidende Satz,

der die Zustimmung zu meiner Konzeption einleitete.

Wie kamen Sie auf die Idee, dass die Ausbildung an der

Filmakademie die arbeitsteiligen Prozesse einer Filmproduktion

widerspiegeln sollte? Die bereits bestehenden

Filmhochschulen funktionierten ja nach dem Auteur-Prinzip

und stellten die Regie in den Mittelpunkt.

Meine persönliche Sozialisation im Spielfilm erfolgte

über Regisseure und Filme wie zum Beispiel Werner

Herzogs FITZCARRALDO, Michelangelo Antonionis LA

NOTTE oder Ingmar Bergmans DAS SCHWEIGEN und

ABEND DER GAUKLER. Das sind große, typisch arbeitsteilige,

internationale Kinoproduktionen. Ich war

ein leidenschaftlicher Kinogänger und für mich waren

die Leistungsträger in diesen Filmen immer auch die

Drehbuchautoren, die Kameraleute, die Komponisten,

die Schnittmeister und die Produzenten. Auch bei meinen

Besuchen in den Prager Trickfilmstudios konnte ich

erfahren, wie für einen zehnminütigen Animationsfilm


eine Crew von mehreren Verantwortlichen die damals

weltweit besten Animationsfilme drehte – inhaltlich,

technisch und in der Regie, wie in der Kamera und im

Schnitt. Das waren Persönlichkeiten, die sich respektierten

und die Regisseure, die alles allein bestimmen wollten,

als „mehrarmige Leuchter“ bezeichneten.

Die Ausbildung in der Bundesrepublik war auf den Autorenfilm

ausgerichtet und auf die Herrschaft von Regisseuren

programmiert. Meine Besuche in den Institutionen

haben mich darin bestärkt, dass ich es anders

machen muss. Ich sagte von Anfang an, dass wir alle

wichtigen Gewerke wie Drehbuch, Regie, Kamera, Animation

oder Produktion in der Ausbildung darstellen

werden, weil es das bisher nicht gab. Aus dieser Zeit

stammt auch meine Freundschaft mit Nico Hofmann,

der damals auch schon gesagt hat: Das ist genau das,

was wir immer vermisst haben. Dadurch hat sich meine

Meinung immer mehr verfestigt, dass Filmausbildung

nur arbeitsteilig funktioniert. Das habe ich auch meinen

Partnern im Wissenschaftsministerium mit auf den Weg

gegeben, die die Idee einer weiteren Filmhochschule in

die Ständige Konferenz der Kultusminister eingebracht

haben: Wir wollten die Berufe befreien, die bisher nur

zum Glanz des Regisseurs beitrugen. Dieses System hat

nämlich auch zum Teil dazu geführt, dass für die Filme

meistens keine Vermarktung möglich war. Vom deutschen

Film hieß es immer: Der kostet viel, aber kommt

nicht mal in die Kinos.

Das Prinzip der arbeitsteiligen Ausbildung der Berufsbilder

wird inzwischen auch von den Schulen

mit Auteur-Prinzip praktiziert und immer mehr

hochqualifizierte Frauen und Männer treten auf als Kameraleute,

Drehbuchautoren, Cutter und so weiter. Dies

kommt auch den jungen Regisseuren zugute, die sich

jetzt auf ihre eigentlichen Bereiche konzentrieren können.

Heute hat sich Ihr Ansatz in der Tat weitestgehend auch

an anderen Filmhochschulen durchgesetzt. Macht Sie das

ein wenig stolz?

Stolz ist ein schwieriges Wort in diesem Zusammenhang.

Das ist immer ein bisschen gefährlich, wenn man

das sagt, weil man nie genau weiß, wie sich die Dinge

entwickeln. Ich habe mit einer gewissen Genugtuung

festgestellt, dass auch diejenigen Institute letztlich

Zustimmung signalisierten, die der Meinung waren, es

ist falsch, eine Filmakademie zu gründen in einem Land,

in dem es überhaupt keine Infrastruktur gibt. Ich habe

zu einem Zeitpunkt, als die Weichen hier falsch gestellt

waren, dafür gesorgt, dass die Ausbildung sich mit der

Praxis vereinbaren lässt. Denn das war ja das eigentliche

Problem der Anderen.

Abgesehen von Ihrem eigenen Engagement: Waren die

Rahmenbedingungen für die Gründung der FABW damals

besonders günstig?

Meine Pläne sind zunächst nicht auf fruchtbaren Boden

gefallen. Die Idee der Gründung einer Filmakademie war

in Baden-Württemberg damals nicht besonders populär.

Zum Beispiel war gerade das Zentrum für Kunst- und

Medientechnologie in Karlsruhe gegründet worden, dessen

Bau 150 Millionen gekostet hat. Dann gab es auch

11


SPOTLIGHT: 30 JAHRE FABW

die Akademie für Technikfolgenabschätzung in Stuttgart.

Sie hat zehn Jahre existiert, aber wirklich vor sich

hingedämmert, bis sie irgendwann von einem Finanzminister

liquidiert wurde. Jedenfalls hat das Land Baden-Württemberg

damals argumentiert: Wir haben jetzt

gerade noch die Universität in Ulm und die Universität

in Konstanz gegründet, das ist vielleicht ein bisschen

viel für uns.

Die Gründung der Filmakademie erfolgte also in einer

Zeit der knappen Kassen im Land, auch bedingt durch

die Kosten der Wiedervereinigung, an denen sich das

Land beteiligen musste. Es gab jedoch immer eine kleine,

aber sehr überzeugte Gruppe, die das Projekt unterstützt

hat. Vor allen Dingen der Direktor des Wissenschaftsministeriums

Dr. Ehrhardt und der Ministerialrat

Dr. Bessey.

Zur Klärung der Standortfrage war ich beim Stuttgarter

Oberbürgermeister Rommel, der mir aber nur zwei

weit auseinander liegende Bauplätze in Hedelfingen,

ehemalige Gießereien, anbieten konnte. Dann wurde

ich auf die Kasernen in Ludwigsburg aufmerksam gemacht,

die ich mir ein paar Tage später mit dem damaligen

OB Henke angeschaut habe. Mit Kasernen verbindet

man ja in Deutschland nicht unbedingt einen ganz

glücklichen Zustand. Aber es waren wertvolle und geeignete

Gebäude. Mindestens vier Kasernen entsprachen

meinen Vorstellungen. Wichtig war mir, nicht zu weit

entfernt vom Stadtzentrum zu sein. Ich habe mich dann

für die Mathilden-Kaserne und die anschließende Panzerkaserne

entschieden. Von offizieller Seite wurde das

auch akzeptiert und es hieß: Dann kommt die Filmakademie

eben nach Ludwigsburg, ins Exil, in die Provinz.

Die Stuttgarter Nachrichten haben dann auch einen Artikel

geschrieben mit der Headline: „Ein Professor der

Kunstakademie und ein Ministerialbeamter wollen in

Ludwigsburg die Landesmedienwüste bewässern.“

Es gab also Widerstände, Spott und Hohn für die kühnen

Pläne. Ich wurde zunächst durchaus als Phantast

und Glücksritter apostrophiert. Das inzwischen erstellte

72-seitige Konzept wurde allerdings vom Ministerium

für Wissenschaft und Kunst gründlich analysiert

und als sehr professionell, absolut sachkundig und aussichtsreich

bezeichnet. Aus dem Staatsministerium hieß

es: „Die Zeichen stehen jetzt auf Start.“ In einem funktionierenden

Staat gibt es eben typische Zeitfenster, in die

neue Ideen passen. Aber alle neuen Ideen haben auch

Konkurrenten, Neider und Besserwisser und auch vernünftige

Gegenargumente.

12

Politisch und finanziell war es also nicht ganz einfach

in diesen Zeiten. Anders sah es mit der Technologie aus.

Denn da fing es gerade mit der Computeranimation an.

Auf einmal wurde alles digital und wir hatten schon einen

Fuß in der Tür. Noch an der Kunstakademie hatte

ich für ein Forschungsprojekt vom Land Baden-Württemberg

1,2 Millionen Mark bekommen. Das war damals

sehr viel Geld. Davon konnten wir einen Animationscomputer

aus England kaufen. Der wurde sogar, ohne

dass es die Filmakademie schon gab, in Ludwigsburg

aufgestellt, in der Firma TC Studios. Dort hat Thomas

Haegele (erster Leiter der Animationsabteilung an der

FABW, Anm. d. Red.) gearbeitet, einer meiner ehemaligen

Studenten aus Wuppertal und später auch Assistent

an der Kunstakademie Stuttgart. Als die Filmakademie

gegründet wurde, habe ich ihn als ersten Lehrenden an

das Institut geholt. Andreas Hykade (heutiger Leiter des

Animationsinstituts, Anm. d. Red.) war ebenfalls Student

an der Kunstakademie und einer von denen, die mit mir

nach Ludwigsburg mitgingen, um an der Filmakademie

zu studieren.

Wir waren die ersten an einer Filmhochschule, die ein

solches Gerät hatten. Man hat gestaunt, was dieser Computer

alles kann, aber auch, wie kompliziert die Arbeit

mit dem Computer war. Aber man konnte Animationsfilme

machen, die man anders, also handmade, niemals

hätte realisieren können.

Glauben Sie, dass ein solcher Coup unter den heutigen

wirtschaftlichen und politischen Bedingungen noch einmal

möglich wäre?

Einerseits wäre es nicht möglich, weil die Zeiten für solche

Ideen immer anders sind. Heute könnte man keine

Filmakademie gründen in der Bundesrepublik Deutschland.

Weil es genug gibt und eine Gründung deshalb

nicht verständlich wäre. Aber auf der anderen Seite ist

damit ja nicht erledigt, dass irgendjemand eine Akademie

gründet, die nicht gerade dasselbe Thema hat. Aber

derjenige muss kompetent sein und muss ein Konzept

machen können, das funktioniert. In einem einigermaßen

intakten Staat muss es immer möglich sein, dass

Neues entsteht. Das gehört dazu, sonst schläft er ein.

Der Staat muss nur die vielen Schaumschläger abhalten.

Denn in den Ministerien liegen Schränke voller substanzloser

Ideen herum.

Ich habe mein Konzept für eine Filmakademie so niedergeschrieben,

wie sie dann später auch realisiert wurde.

Das hat den Überprüfungen über die Jahre standgehalten.


Seit dem Ende Ihrer Amtszeit als Direktor hat sich die

FABW noch breiter aufgestellt mit neuen Gewerken wie

Serie oder Montage, einem eigenen Animationsinstitut

und einer Ausbildung in Interaktive Medien sowie Kooperationen

mit der benachbarten ADK. Wie beurteilen

Sie diese Entwicklung?

Nach Ihrer Zeit an der Filmakademie waren Sie noch einige

Jahre in anderen Funktionen tätig, u.a. als Leiter der

Film- und Medienfestival GmbH, in Fördergremien der

MFG und als Vorsitzender des Fördervereins. Befinden

Sie sich noch immer im kreativen Unruhestand oder lassen

Sie es mittlerweile etwas ruhiger angehen?

Das Animationsinstitut ist ja eher ein administrativer

und bürokratischer Rahmen, den man der Animations-Abteilung

an der Filmakademie gegeben hat, die

von Anfang an vorhandenen war. Ich habe bereits geschildert,

dass Thomas Haegele und Andreas Hykade

schon in Stuttgart dabei waren. Den 23 Studierenden,

die von der Kunstakademie nach Ludwigsburg herübergekommen

sind, musste ich versprechen, dass sie mich

als Lehrer noch so lange behalten können, bis sie ihre

Abschlussprüfung machen können.

Dass Serie, Montage und Interaktive Medien ins Curriculum

aufgenommen wurden, begrüße ich.

Sie wissen, dass ich 89 bin?

Generell bin ich der Meinung, dass die Filmakademie

aktuell sehr gut dasteht. Ich freue mich, dass mit Thomas

Schadt ein ausgezeichneter Direktor gefunden wurde.

Das läuft aus meiner Sicht bestens.

Und was sagen Sie zu den Plänen einer noch stärkeren

internationalen Ausrichtung, inklusive der Einführung

eines bilingualen Curriculums im Projektstudium?

Auch das begrüße ich, insbesondere die Gründung des

Internationalen Büros. Es ist wichtig, dass die Studierenden,

die sich von außerhalb Deutschlands bewerben, die

Möglichkeit haben, einen Ansprechpartner zu finden.

Den Aufbau internationaler Studienrichtungen konnte

ich damals nicht so stark vorantreiben. Ich hatte ja auch

jede Menge anderer Probleme. Aber das Atelier Ludwigsburg-Paris

wurde ja noch in meiner Amtszeit installiert.

Die Initiative, dass an einer deutschen Filmhochschule

und an einer französischen - wobei das La Fémis sein

sollte - ein gemeinsamer Studiengang im Bereich Film

eingerichtet werden soll, ging auf Schröder und Chirac

zurück. Der Aufruf ging an alle Schulen. Die anderen

Filmhochschulen reagierten aber zögerlich. Ich habe im

Aufsichtsrat gefragt, ob es opportun ist, sowas zu machen?

Die Antwort war: „Sind Sie der Meinung, dass Sie

das können?“ Und so haben wir das Atelier nach Ludwigsburg

geholt.

PROF. ALBECHT ADE

- geboren 14.9.1932 in Tübingen

- Lehre als Schriftsetzer

- 1952-1956 Studium Typografie und Buchgrafik an

der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste

Stuttgart; 1963-64 Gaststudium Theorie der Massenkommunikation

an der Universität Köln

- 1956-1960 Lehrauftrag für Typografie an der Fachhochschule

für die grafische Industrie Stuttgart

- 1960-1970 Dozent für Typografie und Grafik-Design

an der Werkkunstschule Wuppertal

- 1969 Gründung und Leitung der Arbeitsgruppe

Animationsfilm

- 1969-1975 Produktion von Animationsfilmen:

PLAY 25, BANZ BLEIBT BANZ, 9.9.1999,

DER MANN VON BAR LE DUC

- 1971 Berufung zum Professor für Visuelle Kommunikation

und Animationsfilm im Fachbereich Kunst

und Design der Universität Wuppertal

- 1972-1989 Studio Albrecht Ade für Grafik-Design

und Animationsfilm, Imagefilme, Lehrfilme, Commercials

- 1975-1976 Dekan im Fachbereich Kunst und Design

der Universität Wuppertal

- 1977 Berufung an die Staatliche Akademie der Bildendenden

Küste Stuttgart, Lehrgebiet Grafik-Design

und Film-Design; Aufbau und Leitung der Arbeitsgruppe

Animationsfilm

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SPOTLIGHT: 30 JAHRE FABW

- 1982 Gründung des Internationalen Trickfilmfestivals

Stuttgart und Leitung bis 2002

- 1987-1988 Durchführung des Forschungsprojekts

„Computeranimation, neue digitale Techniken in der

medialen Anwendung“ im Auftrag des Bundesministeriums

für Wissenschaft, Forschung und Kunst und

in Kooperation mit den TC-Studios, Ludwigsburg und

dem Lehrbeauftragten Thomas Haegele.

- 1989 Entwicklung der Idee zur Gründung einer

Filmakademie in Baden-Württemberg

- 1990 Wahl zum Vorsitzenden des Gründungsausschusses

der Filmakademie Baden-Württemberg

- 1990-2010 Internationale Lehrtätigkeit an Filmhochschulen

in Moskau, Peking, Havanna, Teheran,

Ankara, Eskeshier, Lódz

- 1991 Bestellung zum Gründungsdirektor der

Filmakademie durch die Landesregierung Baden-

Württemberg. Start des Studienbetriebs mit

82 Studierenden am 15. Oktober 1991

- 1991-1996 Lehrtätigkeit in der Abteilung Animation

der Filmakademie

- 1993-1994 Mitglied in der Kommission zur

Errichtung der Medien- und Filmgesellschaft zur

Förderung der Film-und Medienproduktion im Land

Baden-Württemberg

- 1994 Veranstaltung der 1. FMX mit Prof. Thomas

Haegele und in Kooperation mit dem Haus der Wirtschaft

in Stuttgart

- 1994 Initiative zur Gründung des Film- und Medienzentrums

in der Reinhardkaserne in Ludwigsburg zur

Ansiedlung von Medienfirmen und einem Gründerzentrum

für Start-up-Firmen.

- 1994 Leitung des ersten Filmfests Ludwigsburg mit

europäischen Kurzfilmen an der FABW

- 1995 Gründung der Arbeitsgemeinschaft deutscher

Filmhochschulen und 1. Treffen der Leitungen der

deutschen Filmhochschulen in Ludwigsburg

- 1999 Gründung der Deutsch-Französischen

Filmakademie auf Initiative der Regierungschefs

Jaques Chirac und Gerhard Schröder; als Ergebnis

Etablierung der einjährigen Ausbildung Atelier

Ludwigsburg-Paris an der FABW und der Filmschule

La Fémis in Paris

- 2000 Ende der Tätigkeit als Künstlerischer Direktor

an der Filmakademie; Verleihung der Ehrenmitgliedschaft

der Filmakademie Baden-Württemberg durch

Staatsminister Dr. Christoph E. Palmer

- 2001-2004 Geschäftsführer der neugegründeten

Film- und Medienfestival GmbH; Planung und

Durchführung des Trickfilmfestivals Stuttgart, des

Spielfilmfestivals Cinema Europa und des Ludwigsburger

Filmfests.

- 2005-2019 Mitglied der Filmförderkommission der

Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg;

Gutachter und Berater für Start-up Filmproduktionen

- 2005-2010 Aufsichtsratsmitglied in einer Filmproduktionsfirma

- 2006-2010 Leiter des Programmbeirats des

Internationalen Trickfilmfestivals Stuttgart

- 2006-2013 Vorsitzender des Fördervereins der

Filmakademie-Baden-Württemberg

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DIE FABW FEIERTE

EIN BESONDERES JUBILÄUM

Die Filmakademie Baden-Württemberg wurde in diesem Jahr 30.

Diesen runden Geburtstag feierte die Ludwigsburger Filmhochschule

im Rahmen einer Festwoche von Montag, 12. bis Freitag, 16. Juli.

Dank Corona gestaltete sich das Jubiläum im doppelten Sinn besonders.

Pandemiebedingt fanden die Veranstaltungen – mit Hygienekonzept und

gemäß den geltenden gesetzlichen Regelungen – mit einer reduzierten

Zahl an „3G“-Gästen vor Ort im Albrecht Ade Studio statt, das von der

Abteilung Szenenbild liebevoll eingerichtet worden war.

Einige Events wurden parallel als Livestream im Internet für registrierte

Gäste übertragen.

15


SPOTLIGHT: 30 JAHRE FABW

Den Auftakt machte am Montag unter dem

Motto „30Something! – die FABW feiert”

die Premiere des neuen Kurzgeschichtenbands

„Sommer” in der Schriftenreihe Edition FABW.

Schauspielstudierende der benachbarten Akademie für

Darstellende Kunst lasen ausgewählte Erzählungen von

Studierenden aus dem neuen Band. Die kommende

Ausgabe „Knapp daneben“ wird mit Unterstützung der

Wüstenrot Stiftung realisiert.

Der Dienstag startete mit „Dank und Anerkennung für

Leistungen zum Wohle der heimischen Wirtschaft“,

konstatiert in einer Urkunde der IHK Region Stuttgart.

Sie wurde dem Direktor der FABW, Prof. Thomas Schadt,

vor Ort offiziell übergeben. Der Abend stand dann ganz

England (Kategorie Driven by Dreams), TIGHT FRAME

aus Polen (Kategorie Short Advertising Content) sowie

GET MARRIED AGAIN von der FABW (Kategorie Long

Advertising Content) durch.

Am Mittwoch und Donnerstag hieß es SCREEN.TIME

international. Bei der jährlichen Branchenveranstaltung

präsentierten Studierende und Alumni Branchenvertreter*innen

in kurzen Pitchings ihre aktuellen Projekte.

Das Animationsinstitut der FABW wartete dabei

ebenso mit einem eigenen Programmblock auf wie das

Internationale Büro, das den achtwöchigen Workshop

PITCH_IT@Screen.Time in Kooperation mit dem Goethe-Institut

Budapest vorstellte. Dr. Andreas Weber,

Leiter Bildung bei der Baden-Württemberg Stiftung,

welche die internationalen Programme der FABW seit

vielen Jahren fördert, berichtete in einem Podiumsgespräch

vom Beitrag der Stiftung zu studentischen Koproduktionen

und unterstrich die Bedeutung finanzieller

Unterstützung für den Aufbau von Netzwerken und

persönlichen Kontakten.

Übergabe der IHK-Urkunde

Team ANNA: Gewinner des MackNeXT Pitching Award

Porsche Awards:

Gewinner*innen mit Oliver Hoffmann (Porsche AG), rechts

im Zeichen der Verleihung des internationalen Werbefilmpreises

Porsche Awards – for Young Talents in

Advertising. Für die 17. Ausgabe wurden die Preiskategorien

in Abstimmung mit Hauptsponsor Porsche AG

neu strukturiert und an aktuelle Entwicklungen in der

Werbefilmbranche angepasst. Bei der Verleihung, charmant

moderiert von FABW-Studentin Julia Schubeius,

setzten sich aus 178 Einreichungen aus 18 Ländern

schließlich per Juryentscheid die Beiträge ABSENT aus

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Erstmals wurde im Rahmen von SCREEN.TIME international

ein von MackNeXT ausgelobter Pitching Award

verliehen. Über die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung

freute sich das Team des Diplomprojekts ANNA –

TALES FOR TOMORROW, der Adaption eines Romans

von Jostein Gaarder.

Bereits zum dritten Mal vergeben wurde der

Justus Pankau Kamerapreis. Der Award, benannt nach

dem 2017 verstorbenen Kameramann und langjährigen

Filmakademie-Dozenten, ging an den Studenten

Michael Throne. Stifter des mit 3.000 Euro dotierten

Preises ist der Lions Club Ludwigsburg-Monrepos e.V.


FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG

AKADEMIEHOF 10, 71638 LUDWIGSBURG

WWW.FILMAKADEMIE.DE

30!

SOMETHING

DIE FABW FEIERT

12.–16. JULI 2021

30!

SOMETHING

30

17


SPOTLIGHT: 30 JAHRE FABW

Im Mediaportal konnten registrierte Gäste zudem

weitere Inhalte abrufen: darunter ein Online-Gespräch in

9 Kapiteln zwischen dem nach 30 Jahren scheidenden

Leiter des Studienfachs Filmgestaltung,

Prof. Jochen Kuhn, einigen seiner aktuellen und ehemaligen

Weggefährt*innen sowie Alumni der FABW. Eine

weitere Online-Gesprächsrunde mit Studierenden

und Alumni der FABW beschäftigte sich mit dem Thema

„Leben und Identität jüdischer Menschen in Deutschland“.

der Festakt im Albrecht Ade Studio. Durch den Abend

führte Arte-Moderatorin und FABW-Alumna Dörthe

Eickelberg. In ihren Grußworten betonten

Ministerpräsident Winfried Kretschmann in einer

Videobotschaft, die Aufsichtsratsvorsitzende

der FABW, Staatssekretärin Petra Olschowski,

und der Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg,

Dr. Matthias Knecht, allesamt die herausragende Entwicklung

und Stellung der Filmakademie Baden-Württemberg

in der nationalen und internationalen

Prof. Albrecht Ade und MP a.D. Erwin Teufel

Festakt-Moderatorin Dörthe Eickelberg

Der Freitag begann mit einem Panel, bei

dem Alumni der Filmakademie zum Thema

„Gleichberechtigung und Vielfalt“ diskutierten.

Anschließend folgte im Kino Caligari die Verleihung der

Caligari-Preise 2021 des Fördervereins der FABW an insgesamt

12 herausragende Projektvorhaben von Studierenden.

Dabei wurde auch das jahrelange Engagement

der Preisstifter*innen mit aktuell insgesamt 870.000

Euro für den Filmnachwuchs besonders gewürdigt.

Parallel startete auf dem Campus coronakonform das

traditionelle Hoffest „Ehrliche Wurst“ für Mitarbeitende,

Studierende und Alumni der FABW, mit musikalischer

Untermalung durch die Caligari-Band.

STS Petra Olschowski und Prof. Albrecht Ade

Höhepunkt und Abschluss der Jubiläumswoche bildete

Grußwort von OB Dr. Matthias Knecht

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Filmhochschullandschaft. Prof. Thomas Schadt bedankte

sich bei langjährigen, entscheidenden Weggefährtinnen

und -gefährten aus Politik und Wirtschaft, insbesondere

dem anwesenden Ministerpräsidenten a.D. Erwin

Teufel und dem ebenfalls anwesenden Gründungsdirektor

der FABW, Prof. Albrecht Ade. Auch Vertreter*innen

des AStA der Filmakademie bekamen die Gelegenheit zu

gute Nachricht mit auf den Weg: Als Dank und Anerkennung

für seine herausragenden Verdienste um die

Filmakademie Baden-Württemberg wird das Aufnahmestudio

1 künftig den Namen „Jochen Kuhn Studio“ tragen.

Prof. Thomas Schadt entdeckt den Arri „Orbiter“

Video-Grußbotschaft von MP Winfried Kretschmann

einem Grußwort und nutzten diese für ein engagiertes

gesellschaftspolitisches Statement.

Eine ganz besondere Geburtstagsüberraschung stellte

ARRI bereit, die als Partner das Jubiläum der FABW und

die Festwoche unterstützt haben. Auf der Bühne enthüllte

Thomas Schadt das Geschenk von ARRI: den innovativen

ORBITER - ein ultraheller LED-Scheinwerfer, der

bisher nie gekannte Farbtreue garantiert.

Last but not least bot der Festakt einen würdigen Rahmen

für die Verabschiedung von Prof. Jochen Kuhn. In

seiner Rede lieferte er einen spannenden Einblick in die

Lehrmethoden und Philosophie des Studienfachs Filmgestaltung

1, das er 30 Jahre lang geleitet und geprägt

hat. Zum Abschied gab ihm Thomas Schadt noch eine

Hoffest „Ehrliche Wurst“

Festrede von Prof. Jochen Kuhn

19


SPOTLIGHT: ABSCHIED PROF. JOCHEN KUHN

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„Begabung ist wie Kohle:

Wenn man keine Bergwerke

wie Fleiß und Disziplin anlegt,

nützt sie nichts“

Ein Gespräch mit Prof. Jochen Kuhn

DAS EIGENTLICH UNVORSTELLBARE IST

MIT ABSCHLUSS DES VERGANGENEN

STUDIENJAHRES REALITÄT GEWORDEN:

NACH 30 DIENSTJAHREN HAT PROF. JO-

CHEN KUHN SEINEN HUT GENOMMEN UND

SICH IN DEN RUHESTAND VERABSCHIEDET.

ALS PIONIER DER ERSTEN STUNDE HAT

ER DAS STUDIENFACH FILMGESTALTUNG

AUS DER TAUFE GEHOBEN UND ES BIS ZU

SEINEM ABSCHIED ALS LEITER DER „FG1”

DURCH SEINE LEHREN UND NOCH MEHR

DURCH SEINE PERSÖNLICHKEIT ALS FIL-

MEMACHER, BILDENDER KÜNSTLER UND

PHILOSOPHISCHER FREIGEIST GEPRÄGT.

DABEI WAR IHM STETS DAS WICHTIGSTE,

SEINE LIEBE ZUM EXPERIMENT, ZUR FREIEN

FORM UND ZUM FREIEN DENKEN AN SEINE

STUDIERENDEN WEITERZUGEBEN.

Als kleine Würdigung von Jochen Kuhns Verdiensten

um die Filmakademie Baden-Württemberg veröffentlichen

wir hier ein Interview, das unser Student Michael

Bohnenstingl mit ihm im vergangenen Jahr geführt hat

und das zunächst im ASIFA (Association Internationale

du Film D’ Animation) Magazine erschienen ist.

Seit fast 20 Jahren kommen Sie mit jungen, angehenden

Filmemacher*innen in intensive Gespräche. Elementarste

Fragen werden in ihrem Kurs gestellt und diskutiert:

Was ist Kunst? Was ist Ästhetik? Fällt Ihnen über die Jahre

eine Veränderung in der Beantwortung dieser Fragen

auf oder herrscht gleichbleibende Diffusität?

Zunächst muss ich sagen, dass es nunmehr fast 30 Jahre

sind, da ich 1991 anfing an der Filmakademie. In der Tat

tauchte die Frage „Was ist Kunst?“ oder „Was heißt Ästhetik?“

über all die Jahre immer wieder auf. Das liegt

in der Natur der Sache meiner Abteilung, die sich ja mit

den Phänomenen Form, Gestalt, Gestaltung schon vom

Namen her beschäftigt.

Dass der Begriff „Kunst“ diffus bleibt, liegt, glaube ich,

wesentlich an dem Phänomen „Kunst“. Dabei sehe ich

Diffusität als einen positiven Begriff. Eine Gesellschaft,

in der allseitige Einigkeit darüber herrschte, was Kunst

sei und was nicht, wäre die Friedhofsgesellschaft einer

Diktatur.

Am Ende all der Diskussionen, die wir oft über Kunst

führten, ging sie jeweils wieder undefiniert aus den Debatten

hervor.

In all den Jahren gab es weitere Konstanten: Z.B. schien

es mir immer, die Studenten (Sie können, wenn es Gemüter

beruhigt, gern „Studierende“ sagen, auch wenn es

grammatikalisch unsinnig ist) zögen es vor, nicht über

das Kunst-Thema zu sprechen. Als ahnten alle die Verlegenheit,

in die sie dieses Thema bringen würde. Denn

kaum je scheint die sokratische Zurückhaltung angemessener

als bei der Frage: Was ist Kunst?

Es dominierte unter den Studenten immer der Wunsch,

eine gewisse Naivität bewahren zu wollen, der zufolge

man sehr gut mit der ungeklärten Losung „alles Geschmacksache“

leben kann.

Aus dieser sogenannten „Subjektivität“ heraus waren

die meisten bereit, alles als Kunst gelten zu lassen, von

der im Bäcker-Schaufenster ausgestellten Brezel bis zum

letzten Museumsschrei. Wenn ich die Frage stellte: Seht

ihr euch selbst als Künstler?, zogen es viele vor, Handwerker

sein zu wollen.

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SPOTLIGHT: ABSCHIED PROF. JOCHEN KUHN

Immer schlechte Karten hatte der „Kunstbetrieb“, so als

könne man sich aus ihm heraushalten. Mit „Kunstbetrieb“

war die Sphäre des Geschäftlichen und Geschäftigen

gemeint, da wo irrwitzige Preise und intellektuelles

Geschwätz den Blick auf das Eigentliche vernebeln. Dass

es etwas „Eigentliches“ gab, davon war man überzeugt -

nur definieren wollte man es nicht.

Eine meiner ersten Erfahrungen rund um dieses Thema

war, dass mein „Bildungskanon“, demzufolge ich gelernt

hatte, was nun wirklich wichtig sei und was man

im Raum der Kunst kennen müsse, unter den Studenten

keine Geltung hatte. Meine Leitsterne in Literatur, Philosophie,

Bildender Kunst, Musik und Film waren durch

tausend andere Sterne bis zur Unsichtbarkeit relativiert,

soll heißen: Die Studenten hatten nie von ihnen gehört,

bzw. zeigten, dass man sehr gut ohne sie navigieren

kann. Ich versuchte und versuche bis heute, den Blick

zumindest ab und zu auf einige dieser Sterne zu lenken.

Dann werden sie auch gern gesehen - aber verbindlich

machen kann man sie nicht mehr. Das ist vielleicht ein

Indiz der Postmoderne. Die einen nennen es Beliebigkeit

oder Ende der Geschichte, die anderen neue Freiheiten

oder permanente Progressivität.

Als Lehrer müssen Sie sich in dieser Zeit der permanenten

Progressivität trotzdem positionieren. Ihren Unterricht

habe ich stets als abgestecktes Spielfeld mit klaren

Regeln wahrgenommen. Von Beliebigkeit war nichts zu

spüren. Haben Sie eine Lehrphilosophie und wie ist sie

entstanden?

Ich habe einige ziemlich unerschütterliche Maximen,

für die ich auch immer Verbündete suche - auch unter

den Studenten. Z.B.: Begabung ist wie Kohle: Wenn man

keine Bergwerke wie Fleiß und Disziplin anlegt, nützt

sie nichts; sie bliebe unsichtbar oder reine Behauptung.

Oder: Alle Künstler suchen das „Unsagbare“. Wenn wir

aber alle schwiegen, um ihm gerecht zu werden, schüfen

wir große, leere Wüsten, in denen wir verkümmerten.

Wir sind „Sprachtiere“, d.h. auch auf der Suche nach

dem sogenannten Unsagbaren müssen wir Zeichen, Formen,

Grammatik, Kommunikation schaffen, um vom

Unsagbaren Mitteilung zu geben. Das wahre Unsagbare

wäre das Nichts.

Oder: Einen Film verständlich machen, heißt letztlich,

eine Film-Struktur schaffen, die der Struktur der Wortsprache

verwandt ist. Sie wissen aus dem Unterricht:

Ich habe der These „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“

immer widersprochen. Ein guter Film schafft Gedanken

und drängt ins Gespräch. Sich mit einer der Figuren

oder dem Thema eines Films zu identifizieren, heißt

zuerst, ihr Handeln oder seine Darstellung in kohärente

Sätze überführen zu können. Das geschieht meist im

„inneren Sprechen“, im kognitiven/sprachlichen Nachvollzug

der Filmereignisse. Erst (kurz) danach kommt

das Gefühl. Film ist da eher Teil der Literatur und nicht

der Musik.

Natürlich kommt dann immer der Einwand, diese Maxime

führe zur Intellektualisierung, zur „Verkopfung“.

Nein, auch eine stumme, elegische Sequenz muss kognitiv/sprachlich

„verarbeitet“ werden. Bilder werden auch

„gelesen“ und mittels Grammatik miteinander per logos

verknüpft. Jetzt müsste man über Hirnphysiologie sprechen,

was natürlich zu weit führen würde.

22

Mein Credo hierbei folgt den Bonmots von Wilhelm von

Humboldt „Humanismus ist die Überführung der Welt

in Sprache“ und Ludwig Wittgenstein „Die Grenze meiner

Sprache ist die Grenze meiner Welt“.

Oder: Dem Credo “Learning by Doing” muss ein “Learning

by Reflecting” beigefügt werden. „Know why“,

„Know what“ und „Know how“ gehören zusammen.

Oder: Wer nicht experimentiert, repetiert. Da liebe ich


ein drittes Bonmot von Montaigne: „Nichts ist sicher -

soviel steht fest“. Leben heißt experimentieren, also laborieren

auf unsicherem Grund. Regeln und Konventionen

ersetzen das Experiment nicht, sondern schützen

es durch Ausbildung von Routinen und Erfahrung. Deshalb

bin ich für Regeln und Konventionen! Da gäbe es

noch mehr Maximen - aber das würde vielleicht den

Rahmen sprengen.

von oben herab verkündet werden, sondern muss sich

in Haltung und Argumenten bewahrheiten. Klar gibt

es eindeutige Kriterien von richtig und falsch im Umgang

mit Geräten und zahlenbasierten Produktionsmitteln,

die unmissverständlich vermittelt werden können

und müssen. Aber da, wo es um künstlerische oder weltanschauliche

Qualtäten geht, muss der Lehrende für die

Resultate seiner Selbstversuche werben.

So betrachtet, sehe ich da also kein Paradox angesichts

institutionell Lehrender und autodidaktischer Studenten.

Der heutige Begriff des Akademischen hat sich von

dem des 19. Jahrhunderts weit entfernt. Eine heutige

Akademie ist eher ein Versuchslabor.

Gibt es noch Dinge, im Austausch mit den Studierenden,

die Frustration auslösen? Oder haben Sie inzwischen

alles gesehen?

Ich habe oft den Eindruck, dass Filmlehrende - und besonders

jene, die Autor*innen und Regisseur*innen unterrichten

- ein Paradox aushalten müssen: Denn ihr

Auftrag ist, in institutioneller Form Wissen zu vermitteln.

Gleichzeitig scheinen die erfolgreichsten Beispiele

aus diesen Berufsfeldern selbstverantwortliche Autodidakt*innen

zu sein. Sehen Sie dieses Paradox und wie gehen

Sie damit um?

Auch sogenannte Autodidakten lernen. Schon Säuglinge

sind immer beides: Selbstlerner und Angelernte (Anlage-Umwelt-Verhältnis).

Es gibt immer Studenten, die

eignen sich sehr rasch und selektiv das an, was ihre Intuition

für wichtig hält. Das sieht dann „autodidaktisch“

aus, aber de facto nehmen die „ihre“ Informationen nur

schnell auf und integrieren sie in ihre (überwiegend unbewusste)

Dringlichkeitsskala.

Zudem ist das, was wir - im akademischen Sinne - Lehre

nennen, weniger eine „Vermittlung von Wissen“ im Modus

einer Weitergabe von Wahrheiten oder gesicherten

Richtlinien, sondern eher ein Offerieren von Übungsräumen.

Die Lehrenden sind nicht so sehr „Wissende“,

sondern eher Kollaborateure. Angesichts nicht existierender

objektiver ästhetischer Qualitäten müssen Lehrende

persönliche Qualitätsüberzeugungen anbieten und

unter den Studenten Verbündete suchen. Wenn es da

eine persönliche Qualität auf Seiten des Lehrenden geben

sollte, dann kann sie - will sie glaubhaft sein - nicht

Es gibt zwei Dinge, die mich immer wieder oder immer

noch frustrieren:

1. Studenten, die nicht mitmachen oder nicht kommen.

Insbesondere solche, die an einem Tag sehr gut dabei

sind, dann aber am folgenden Tag fehlen, frustrieren

mich. Die Gruppendynamik leidet dann sehr. Man kann

dann als Lehrender schwer auf dem vorigen Tag aufbauen.

Es gibt auch Studenten, die, obwohl regelmäßig anwesend,

selten sich äußern. Manche schweigen eisern.

Das ist, als spielte man Tischtennis, schlüge raffiniert auf,

um ein gutes Spiel zu initiieren, und dann kommt der

Ball nicht zurück, sondern rollt ins Leere.

2. Studentische Filmprojekte, meist szenische, die organisatorisch,

technisch, personell, ausstattungsmäßig

zu groß, zu aufwändig, und inhaltlich/formal zu konventionell

sind. Man predigt als Lehrender wochenlang

das Ethos des Kanu-Baus, um damit partisanenmäßig

im Experimental-Dschungel zu fahren, und dann wollen

sie doch wieder ein kleines Containerschiff, um den

großen „professionellen“ Fluss (wenn schon der Ozean

nicht geht) anzusteuern.

Beide Punkte kann ich aus studentischer Sicht verstehen,

trotzdem ärgert es mich immer wieder ein wenig. Frustration

wäre ein zu großes Wort, es ist mehr Irritation gepaart

mit Erschöpfung.

Was mich übrigens mehr erstaunt: Es gibt weit mehr

Dinge, die mich nach 30 Jahren immer wieder und immer

noch erfreuen. Das ist keine „pädagogische Freude“,

sondern echte. Z.B. über die sehr hohe Anwesenheit (ich

glaube, wir liegen da so bei 90 bis 95 % Anwesenheit in

23


SPOTLIGHT: ABSCHIED PROF. JOCHEN KUHN

den Seminaren pro Quartal). Und besonders: über die

geistige Anwesenheit der meisten. Und über die hohe

Bereitschaft, sich auf unser Konzept des Experimentierens

einzulassen. Und über die sehr gute Kooperation

der Kommilitonen untereinander. Und über das ästhetische

und technische Niveau der meisten Filme, die, das

darf man nie vergessen, alle mit sehr geringen Budgets

und in sehr kurzen Produktionszeiten hergestellt werden.

Es gibt noch einen Punkt, der, aus meiner Lehrenden-Sicht,

immer wieder traurig macht: Wegen unserer

Struktur des Studiums, die ja in meinem Bereich

die Zusammenarbeit prinzipiell auf 8 Wochen begrenzt,

kommt es (mit wenigen Ausnahmen) nicht zu einer Student-Professor-Bindung,

die an Kunstakademien möglich

ist, wo Studenten mit „ihren“ Profs manchmal 4

Jahre zusammenarbeiten. Da entsteht zuweilen lebenslange

Komplizenschaft, ja Freundschaft. Das ist bei mir

im Grundstudium (mit dieser Durchlauferhitzung) nicht

möglich.

ihnen gelingen möge, (auch) finanzielle Sicherheit zu erreichen

in Berufen oder Jobs, die sie freiwillig und freudig

ausüben. Ich würde gern dazu beitragen, dass sie für

das, was sie als „schön“, „richtig“ und „gut“ empfinden,

so viele Verbündete wie möglich finden, und dass sie

nicht daran verzweifeln, wenn es, wie so oft, eher wenige

sind.

Noch was zum Begriff „Lehrziele“. Man ist als Lehrender

ziemlich machtlos. Oft macht man die Erfahrung, dass

Päckchen, die man an Studenten abschickt, zurückkommen

mit der Aufschrift: „Empfänger unbekannt verzogen“.

Ich zeigte Mal einige Beispiele von Filmen aus der

„Fluxus-Bewegung“; da verließ ein Student den Seminarraum

mit dem Satz, er sähe nicht ein, warum er seine

Lebenszeit vergeuden solle. Oder ich zeigte Ausschnitte

aus dem Film DER MANN MIT DER KAMERA von

Dziga Vertow. Da sah ich mehrere Studenten unter dem

Tisch mit den Handys beschäftigt, eine schlief sogar. Der

sehr renommierte, leider inzwischen verstorbene Kameramann

Michael Ballhaus gab mal ein Seminar an der

Filmakademie; als er sah, dass nur drei Studenten teilnahmen,

packte er seinen Koffer und fuhr nach Hause.

Als Student in einer sehr dynamischen Bildungseinrichtung

habe ich viele verschiedene Arten von Lehrer*innen

erlebt. Meine häufigste Beschwerde liegt darin, dass oft

keine Richtung, sozusagen kein Lehrziel vorliegt. Haben

Sie so ein Lehrziel? Was wünschen Sie sich, das die Studierenden

nach den intensiven 8 Wochen mitnehmen?

Mein Hauptwunsch ist, dass in den Studenten eine Bereitschaft

verstärkt oder angeregt würde, das eigene

Tun und Lassen als gestaltbar erfahren zu können. Dazu

gehört die Ermunterung, sowohl die eigenen Urteile

(also auch Gefühle, Bewertungen, Anschauungen) als

auch die der anderen, nicht als gegeben oder unumstößlich

zu sehen. Infolgedessen wünsche ich ihnen, dass es

Das Modell „Nürnberger Trichter“ ist lange verschwunden

und war schon im 17. Jahrhundert ein Aberwitz. Es

gibt, zumal im ästhetischen Raum, keine verbindlichen

Qualitätskriterien. Daraus entspringt natürlich die Frage:

Gibt es noch Traditionen oder Konventionen, die weitergegeben

werden sollten? Was macht ein Erblasser, dessen

Erben das Erbe als irrelevant ablehnen? Wie kann

man noch „lehren“, wenn der Lehrende als inkompetent

empfunden wird, vielleicht schon deshalb, weil er

weiß, älter und männlich ist? Wenn Jugend ein Ideal ist,

müssten dann 25-Jährige von 20-Jährigen lernen? Wenn

schon das Wahlalter im Namen der Demokratie auf 16

herabgesetzt wird, müsste nicht auch die Lehrbefugnis

diesem Beispiel folgen? Wenn „Fakten“ nur als solche

anerkannt werden, sofern sie durch Quellen selektiert

24


wurden, die man selbst zuvor bevollmächtigt hat - wie

soll man dann non-konforme Informationen vermitteln?

Beim ZDF ging für einige Zeit der Scherz um: „Was ist

die Steigerungsform von ‚gescheit‘? - ‚gescheiter‘, ‚gescheitert‘“.

In diesem Witz kommt die Meinung zum

Ausdruck, Bildung führe zum sozialen Scheitern. Wenn

selbst Regierungsbeauftragte und Medien das „Schulschwänzen

am Freitag“ im Hinblick auf die Bewältigung

von Zukunftsfragen für relevanter halten als einen freiwilligen

zusätzlichen Schultag am Samstag, wie soll man

dann an „Lehrziele“ glauben, die allgemeine Verbindlichkeit

beanspruchen könnten?

Ihre Frage kann ich, wie Sie sehen, nur mit noch mehr

Fragen begleiten. Meine Privatlösung aus dieser prekären

Lage habe ich oben versucht, zustimmungsfähig zu

machen.

Was unseren Kurs „Filmgestaltung“ angeht - und ich

glaube, Sie geben mir recht - haben wir in Diskurs und

Handwerk etwas Gutes geschafft: Wir haben die Saiten

aufgezogen, gemeinsam einen Resonanzkörper gebaut,

mit Fleiß gezupft und fast immer interessante, ja schöne

Musik gehört.

Das Lehren empfinde ich oft als unterschätzte und leicht

übersehene Kunstform. Wie kam es, dass Sie darin eine

Leidenschaft gefunden haben? Gab es einen bestimmten

Moment oder eine Begegnung, an dem/der Sie ihren

Gang in die Lehre festmachen können?

Wenn Sie die Lehre so sehen, dann sind Sie prädestiniert

dafür, selbst in die Rolle des Lehrers zu wachsen!

Ich habe schon als Kunststudent den motivierenden Eindruck

gehabt, dass ein Werk erst existiert, wenn andere

damit umgehen. An den einsamen Künstler, der für die

Schublade arbeitet, glaube ich nicht (temporäre Einsamkeit

während eines schöpferischen Prozesses ist unumgänglich

- kann sogar sehr weitreichend sein - aber irgendwann

muss der Schaffende in die Exponierung).

Werke müssen publiziert werden. Der Künstler muss

Prügel beziehen - und Küsse. Das geht nur über das Gespräch.

Ich hatte als junger Mensch sehr viel Angst vor Kritik,

war extrem empfindlich, sehr unsicher. Als ich dann

meine Sachen zeigte, merkte ich, dass ich nicht nur verrissen

wurde (das zuweilen auch - es ist unmöglich, allen

zu gefallen), sondern dass sozusagen die Türen aufgingen.

Mein ganzes Berufsleben ist geprägt worden

durch die Folgen von Publikationen, durch den Wunsch,

meine Sachen zur Diskussion zu stellen. Man muss für

seine Sachen Verbündete suchen.

Der Weg in den akademischen Seminarraum hat sich

aus dieser Haltung heraus ergeben.

Das „Weiter-Geben“ von Erfahrungen, Wissen und

Nichtwissen ist nicht nur sehr lebendig, sondern auch

wesentlicher Teil der künstlerischen Arbeit selbst. Insofern

habe ich die Lehre nie als lästigen Broterwerb gesehen,

sondern als Vervollständigung meiner künstlerischen

Arbeit.

Ich hatte Glück mit einigen Lehrern. Und in der Kunsthochschule

Hamburg traf ich auf Hans Thiemann, Kai

Sudeck und Bodo Baumgarten - und nicht zuletzt auf Bazon

Brock. Sie wurden als Lehrer auch Verbündete. Ich

verdanke ihnen sehr viel Unterstützung.

Prof. Kuhn inmitten seiner ehemaligen Assistent*innen und

Projektbetreuer*innen Prof. Götz Gruner, Silke Parzich,

Prof. Isolde Asal, Nils Knoblich

25


SPOTLIGHT: ABSCHIED PROF. JOCHEN KUHN

30 Jahre –

30 Statements

Im Jahr 2010 wurde Prof. Jochen Kuhn für sein Konzept

der Filmgestaltung 1 mit dem Lehrpreis des Landes

Baden-Württemberg ausgezeichnet. Zur Unterstützung

der Bewerbung hatte die FABW im Vorfeld ehemalige

Studierende um Aussagen zu seinem Unterricht gebeten.

Und ganz viele Alumni haben geantwortet. Wir

präsentieren hier eine Auswahl von 30 Statements in-

Auszügen – und eines in Gänze.

„Im Nachhinein betrachtet gehört das Seminar bei

Jochen Kuhn für mich zum besten Unterricht, den ich

an der Filmakademie hatte. Eine echte Institution,

ohne die die Filmakademie nicht das

wäre, was sie ist. Ein eigener Ort: Räumlich und

seelisch. Jochen Kuhn war für mich ein Tutor, Psychologe,

Freund, Vater, neutraler Betrachter, Herausforderer,

Kritiker und begeisterter Mentor.“

MARC LUTZ, REGIE/WERBEFILM

1

Auf die Intensität,

mit der die Gespräche

unter der Leitung

von Prof. Kuhn in der

Gruppe geführt wurden,

war ich nicht vorbereitet.

Ein ganzer Unterrichtstag konnte sich an einem

Detail aufhalten, und gerade, wenn man sich

fragte: wozu eigentlich, stellte Jochen Kuhn den Zusammenhang

zum großen Ganzen her (…). Die Kuhnsche

Art zu diskutieren ist provokant und

direkt, humorvoll nah am Sarkasmus. Diese Eigenschaften

bringen einen dazu, weiterzudenken und etwas

Neues zu versuchen.

HENDRYK WITSCHERKOWKSY, ANIMATION

„Ich erinnere mich an viele gehaltvolle und anspruchsvolle

Diskussionen, die mir den Kopf rauchen ließen,

denn die grauen Zellen des Studenten zum Um-die-

Ecke-Denken zu motivieren, das schien mir das Ziel

von Prof. Kuhn zu sein. Besonders spannend wurde es,

wenn ein Student eine konträre Meinung vertrat als er,

denn da blühte er auf.“

JULIA RECK, ANIMATION

2

„Prof. Jochen Kuhn ging es

nicht um Ergebnisse. Er interessiert

sich für den Entwicklungsprozess

und die

Menschen hinter den Projekten.

Er nahm sich viel Zeit, uns kennenzulernen, herauszufinden,

was uns an Film und vor allem der Welt

begeisterte – wofür wir brannten. Sein Ansatz besteht

zwar auch teilweise aus klassischer Wissensvermittlung,

aber er beschränkt sich nicht darauf. Er stellt Fragen –

und behauptet nicht von sich selbst, die

Antworten zu kennen.“

FLORIAN SCHNELL, REGIE/SZENISCHER FILM

„Hier wurde ein Raum geschaffen, in dem es endlich

einmal nicht um Zahlen, Profite, Marktwerte, Quoten

und Geltungsbedürfnisse geht, sondern um die Sache

an sich, um das, was eigentlich hinter dem ganzen

Geschäft stecken sollte (…). Herr Kuhn hat es geschafft,

meine Sichtweise auf die Gestaltung, die Möglichkeiten

und Freiheiten im Bereich Kunst und Film zu vergrößern.

Er hat mir Lust gemacht zu experimentieren

und Neues auszuprobieren.“

MAURICE HÜBNER, REGIE/SZENISCHER FILM

„Professor Jochen Kuhn hat uns die Chance gegeben, einen

Zugang zu experimentellen Werken zu finden. Für

mich gelang das unter anderem über die vielen philosophischen

Gespräche und über experimentelle Kurzfilme,

die wir gemeinsam mit ihm angesehen und besprochen

haben. Angeregt durch Professor Kuhns Blick auf

die Dinge, konnte ich diese Werke mit der Zeit an mich

heranlassen, da sie mich, zu meinem Erstaunen, auf eine

ungewöhnliche Art berührt haben.“

KERSTIN LAUDASCHER, DREHBUCH

„Jochen Kuhn ist nicht nur ein kritischer und gebildeter

Künstler, mit dem charismatisch ausstrahlenden

Selbstverständnis eines wirklichen Meisters seines

Faches, er ist auch ein Lehrmeister, der seine Schüler

fordert, herausfordert und im Gegenzug zu wirklicher

Anerkennung fähig ist. Ich habe bei ihm größte

Freiheit beim konzeptionellen und gestaltenden

Schaffen erlebt und bin mir gleichzeitig der individuellen

Verantwortung dem eigenen Werk gegenüber bewusst

geworden (…). Ich selbst werde die Zeit nie vergessen.“

GUNTER GROSSHOLZ, ANIMATION

26


„Ich hatte im Voraus

3 4

keine konkreten Erwartungen,

da ich mir unter

dem Begriff ‚Filmgestaltung‘

nur wenig

vorstellen konnte. Daher

bin ich frisch und frei in den Unterricht gestolpert,

war aber positiv überrascht, als der Unterricht eine

sehr philosophische Richtung anstrebte (…). Ich

habe eine neue Herangehensweise an

Filme gelernt, die man im Allgemeinen als tiefgründiger

bezeichnen kann. Durch die Plenumsdiskussionen

konnte ich meinen eigenen Film und andere

von vielen verschiedenen und inspirierenden Seiten betrachten.“

LENA LEONHARDT, REGIE/DOKUMENTARFILM

„Der Unterricht bei Prof. Kuhn sticht im Lehrprogramm

der Filmakademie durch seine Ausrichtung und

Inhalte hervor. Das Gefühl, dass alle Betrachtungsweisen

von uns Studenten ernst genommen wurden, war

für mich persönlich das wichtigste. Man konnte frei

seine Meinung äußern, war gleichzeitig aufgefordert,

sie von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten,

zu reflektieren und auch kritisch zu hinterfragen. Das

mündete oft in hitzigen, anregenden Diskussionen.“

CARMEN BUECHNER, ANIMATION

„Die Filmgestaltung 1 war mein erstes Quartal an der

Filmakademie und für mich ein super Start ins Filmstudium.

Der freie Geist und

das spielerische Element

der Filmerzählung waren gute Wegbereiter und

ich habe sie mir hoffentlich bis heute bewahrt! Die Betreuung

durch Jochen Kuhn war für mich persönlich

eine große Herausforderung, weil er es verstand, mich

als Person in den Mittelpunkt der künstlerischen Auseinandersetzung

zu rücken. Das war natürlich eine Bereicherung,

ein Ansporn und Motivation, mich selbst als

Künstler zu begreifen.“

SASCHA SEIDEL, MONTAGE/SCHNITT

„Rückblickend rechne ich die Bekanntschaft mit Professor

Kuhn zu der wichtigsten Unterrichtszeit an der

Filmakademie (…). Nicht jeder Unterricht vermochte

es, meine Lust und meinen Mut zu wecken, Haltung

zu beziehen und eine eigene, persönliche

Ausdrucksform zu finden. Professor Kuhn ist dies mit

Leichtigkeit gelungen.“

MAXIMILIAN BUCK, REGIE/SZENISCHER FILM

„Prof. Kuhns Betreuung

während der Einzelgespräche

und des

Unterrichtes würde

ich als eine Balance

aus Strenge und

Sanftheit bezeichnen, das zeichnet für mich einen

guten Lehrer aus. Sein kritischer und analytischer Blick

auf meine Ideen befreite mich nach einem inneren

Kampf von „Gedankenknoten“ (…) Er vermittelt durch

Ruhe, Fachwissen, Selbstsicherheit und

konstruktive Kritik ein beruhigendes Gefühl

und dadurch die beste Basis für die Kunst des Filmemachens:

die Gedankenfreiheit.“

JULIA URBAN, DREHBUCH

5

„Ich habe zu jeder Zeit

Prof. Kuhns vollstes Vertrauen

gespürt, als Mentor

hat er mir in Momenten,

in denen ich

mich in der Sackgasse

befand, immer mögliche Auswege aufgezeigt. (…)

Herausgekommen ist ein ehrlicher Film,

der zwar längst nicht perfekt ist, doch konsequent und

eine eigene Handschrift aufweist, die ohne Prof. Kuhn

sicherlich weitaus weniger deutlich ausgefallen wäre.“

JOSHUA BEYER, INTERAKTIVE MEDIEN

6

„Jochen Kuhn (…) fordert

die Studenten auf,

jenseits von fest

eingefahrenen

Formen und Formaten

nach individuellen

Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen. Diese Forderung

scheint er nicht nur an seine Studenten zu stellen, sondern

auch an sich und seine eigenen Projekte, für die er

sich trotz oder vielleicht

gerade wegen seines Lehrauftrags immer wieder Zeit

nimmt. Das macht ihn glaubwürdig und authentisch.“

SEBASTIAN MEZ, REGIE/DOKUMENTARFILM

27


SPOTLIGHT: ABSCHIED PROF. JOCHEN KUHN

„Prof. Kuhn provozierte

die Kursteilnehmer

dazu, eigene Behauptungen

in Frage zu stellen

oder sich einem Gedanken

reflektiert zu

nähern. Ich habe in guter Erinnerung, dass ich meine

Mitschüler auf eine tiefgründige Weise kennenlernen

konnte und ich oft durch Äußerungen von Kommilitonen

inspiriert wurde (…). Prof. Kuhn regte mich immer

dazu an, mir meiner Verantwortung als Filmemacher

bewusst zu werden. Nichts, was man als Filmemacher

entscheidet, bleibt ohne

Wirkung.“

LEVIN PETER, REGIE/DOKUMENTARFILM

8

7

„Professor Kuhn fordert

auf seine philosophische

Art von seinen

Studenten auch immer

wieder eine Antwort auf

die existenziellen Fragen

unseres Berufes: Warum

will ich Filme machen? Was will ich mit meinen Filmen

erzählen? Durch diese Fragen angeregt, fühlte ich

mich bei Professor Kuhn inspiriert, mutig meine eigene

Handschrift zu suchen, neue Dinge auszuprobieren

und mit meinen Ideen zu experimentieren.“

FRIEDERIKE FIEK, REGIE/SZENISCHER FILM

„In Jochen Kuhns Unterricht habe ich Kunst und

Filmkunst nicht als entlegenes Marktsegment erfahren,

sondern als dringende Notwendigkeit. Kuhn betreibt

Reflexion und Diskussion über sie als Mittel, die

Welt und ihre Widersprüche zu begreifen, zu ordnen

und letztlich auch filmisch anspruchsvoll zu bearbeiten,

wie wenige Andere es tun (…). Die Fähigkeit, sich nach

vielen Jahren der Lehrtätigkeit immer von neuem auf

die Studenten und ihre Persönlichkeiten einzulassen,

erscheint mir dabei besonders beachtenswert.“

TIMM KRÖGER, BILDGESTALTUNG/KAMERA

„Sobald die praktische Arbeit beginnt, ist Prof. Jochen

Kuhn vor allem die persönliche Betreuung

der Studenten und unserer Stoffe ein großes Anliegen.

Dabei scheut er keine Mühe, jeden einzelnen individuell

zu beraten und bei Problemen, mit konstruktiver

Kritik, uns schließlich selbst zur Lösung zu

führen, ohne dabei seine eigene Vision des Stoffes zu

oktroyieren.“

SILVANA SANTAMARIA, REGIE/DOKUMENTARFILM

10

„Schon am ersten Tag

bei Prof. Jochen Kuhn

erfasste mich ein kurzer

Vortrag zum Thema

Form und Gestaltung.

An diesem Tag war ich mir endlich sicher, mit

dem Studium die richtige Entscheidung getroffen zu

haben. Prof. Jochen Kuhn bombardierte uns mit einem

Spektrum an Thematiken, Fragestellungen, Ansichten,

Weltbildern und verstand es geschickt, in kürzester Zeit

Gruppendynamiken im Sinne der Debatten zu entfachen,

zugleich aber gerade der individuellen Haltung

und Ansicht jedes einzelnen großen Platz einzuräumen,

was auch dem Kennenlernen unter den Studenten

sehr entgegenkam.“

LINUS STETTER, ANIMATION

„Jochen Kuhn ist ein außergewöhnlicher

Mensch, vor dem ich große Achtung und Respekt

habe. Ich kann sagen, dass seine Kunst mich sehr inspiriert

und er an der Akademie dafür steht, den Glauben

nicht zu verlieren, dass der Filmmarkt auch mit

Herz und Kunst gestaltet werden kann, ja sogar gestaltet

werden muss.“

DAVID VOSS, REGIE/SZENISCHER FILM

11

9

28


12

„Was wir in Filmgestaltung

gelernt haben,

war nicht primär Filme

machen, sondern Filme

rezipieren und so

- auch wenn alle Fragen noch im Raum stehen - zumindest

ein Bewusstsein für die Fragen und unser eigenes

Verhältnis zu Form und Inhalt zu entwickeln.

So hat Professor Kuhn uns mal freundlich, mal

polemisch, mal im Umgang mit ihm, mal in der

Gruppendiskussion und immer fordernd zur Selbstreflektion

über unsere Arbeit und ihr Verhältnis zu unserer

Umwelt gezwungen.“

RODERICK WARICH, DREHBUCH

13

„Nach dem Motto

‚Macht was ihr wollt,

aber macht es nicht so

wie alle anderen’ hat

Prof. Kuhn unsere Kreativität

beflügelt. In

stundenlangen Diskussionen hat er uns müde geredet

und auf immer wieder neuen Gedanken und Theorien

gebracht. Wir waren erschöpft vom Denken. Das war

was Neues! Prof. Kuhn hat unsere Köpfe gefüllt mit Bildern,

Worten, Gedanken, Ideen, Meinungen,

Visionen, Filmen... Sein Unterricht war wie eine gedeckte

Tafel voll köstlicher Speisen für unsere ausgehungerten

Köpfe.“

SARAH JUDITH METTKE, REGIE/SZENISCHER FILM

„Hier wurde das Augenmerk auf kleine, persönliche

Film gelegt (…). Es zählten (…) der Einfallsreichtum

und die Geduld des Einzelnen, bzw. eines

kleinen Teams (…). Mir hat der Kurs gezeigt, dass man

starke, persönliche Filme über Themen schaffen kann,

die einen berühren.“

FLORIAN HÜSING, ANIMATION

„Professor Kuhn konfrontiert seine Studenten während

der Unterrichtszeit und darüber hinaus mit ihrem

noch 'unentdeckten Selbst'. Was wollt ihr vom Leben?

Was wollt ihr von euch als Künstlern?

Was steckt in euch? (…) Zu diesem Zweck macht Professor

Kuhn im Laufe des Unterrichts nichts anderes,

als den Verstand der Studenten zu öffnen. Dabei hat er

zwei Prinzipien des Lehrens: Disziplin (Pünktlichkeit

und absolute Anwesenheitspflicht) und die vollkommene

Freiheit im Denken.“

ALEX ESLAM, REGIE/SZENISCHER FILM

„Ich habe Professor Kuhn als einen sehr aufmerksamen,

fördernden und den Studenten mit interessiertem

Blick und Ohr zugewandten Lehrer kennengelernt, der

auch in der anschließenden Einzelbetreuung während

der Projektphase die individuellen Interessen und Begabungen

seiner Studenten förderte und in ihrem Entstehungsprozess

unterstützte.

Ich persönlich habe in der Unterrichtszeit bei Professor

Jochen Kuhn gelernt, einen freieren und weiteren

Filmbegriff zu entwickeln, der in stetiger Wandlung

bleibt und immer wieder hinterfragt werden will. Ich

habe mich ermutigt gefühlt, mich auf den Weg nach

meiner eigenen, ganz persönlichen filmischen

Identität zu begeben und diesen Weg gehe ich bis

heute.“

LENA SCHEIDGEN, REGIE/DOKUMENTARFILM

„Prof. Kuhns Unterricht war fordernd, unterhaltsam,

motivierend, und als Wichtigstes: inspirierend. Man

hatte das Gefühl, dass Prof. Kuhn einem den Kopf öffnet,

tausend Ideen reinsteckt, wieder zumacht

und kräftig schüttelt. Wenn ich Konzepte

schreibe oder überlege, wie ich einen Film

umsetze, denke ich noch heute an seinen Unterricht

zurück.“

TOM SCHLAGKAMP, REGIE/SZENISCHER FILM

„Auch in den Jahren nach der Filmgestaltung 1 habe ich

Prof. Jochen Kuhn des Öfteren mit meinen Filmvorhaben

besucht. Und immer ein offenes Ohr vorgefunden.

Seine für mich wohl wichtigste Eigenschaft

liegt darin, sich auf einen Film, egal in welcher Phase

seiner Produktion, und den Menschen hinter diesem

Film einlassen zu können, ohne genormte Maßstäbe anzulegen.“

STEFAN BÜNNIG, REGIE/SZENISCHER FILM

29


SPOTLIGHT: ABSCHIED PROF. JOCHEN KUHN

„Der Unterricht mit Jochen Kuhn, aber auch der

Zeichentrickfilm, der in diesem Rahmen entstanden ist,

gehören zu meinen hellsten und schönsten Erfahrungen

an der Akademie. Neben den vielen Experimentalfilmen,

die er uns gezeigt hat und die meinen Horizont

erweiterten, war gerade die persönliche Betreuung

von Jochen Kuhn sehr wertvoll für

mich. Mut hat er mir gemacht, mich auszuprobieren,

neue Wege des Ausdrucks zu suchen und auch zu beschreiten.“

JELENA JEREMEJEWA, REGIE/DOKUMENTARFILM

„In den projektvorbereitenden Gesprächen erhielten

wir viele gute Tipps und hilfreiche Denkanstöße,

bei denen ich immer das Gefühl hatte, in Prof. Jochen

Kuhn einen Unterstützer vor mir zu haben, der sich

tief in unser Projekt eingearbeitet und -gedacht hat. An

Punkten, an denen wir haderten, öffnete er unseren

Blick in unterschiedliche Richtungen,

die wir noch nicht in Betracht gezogen hatten

und betreute uns in allen Phasen des Filmes auf herausragende

Art und Weise.“

CHRISTINA HEECK, BILDGESTALTUNG/KAMERA

„Jochen Kuhn hat Mut,

das muss man ihm lassen.

Ausgerechnet den Studenten, der seinen Unterricht am

stärksten abgelehnt hat, darum zu bitten, etwas über

den Unterricht zu schreiben, zeugt zumindest von Mut.

Von weiser Voraussicht? Vielleicht wenn er mir nicht

die schlechteste Note des Kurses gegeben hätte, könnte

man jetzt überlegen, ob sich dieser Text in eine Lobrede

wandeln würde. Aber so nicht. Nein, nein.

Jochen Kuhn ist ein Idiot. Punkt. Er hat eine falsche

Sichtweise auf Film. Er geht vom intellektuellen Anspruch

aus, nicht vom Gefühl. Jochen Kuhn geht es um

die Art der Perzeption von Film als künstlerisches Medium,

darum, dass Form genauso großgeschrieben werden

muss wie Inhalt. Dass beides ohne einander nicht

kann, und das eine ohne das andere schlicht uninteressant

wird.

14

Das ist falsch. Film ist Emotion, formlos. Film sind Bilder,

die auf uns wirken, die uns berühren und uns die

Welt da draußen einen kurzen Moment vergessen lassen.

Die Auseinandersetzung mit der Form führt zu einer

Intellektualisierung des Gesehenen, die direkt entgegengesetzt

ist zur emotionalen Wirkung des Filmes.

Dieses Kernargument ist es, dass Jochen Kuhn und ich

in emotionalen Gesprächen diskutiert haben, und dessen

Nichtlösung dazu geführt hat, dass ich mich von

ihm abgewandt habe und einen Film gemacht habe, der

meinen Vorstellungen entspricht. Liebe und Krieg auf

unkonventionelle Weise vereint, das war der Anspruch,

mit dem ich es ihm zeigen würde. Einen Monat später

kam es zur ersten Präsentation des Filmes und das

Ergebnis war, sagen wir mal, ‚suboptimal‘. Das Problem

lag im Drehbuch verborgen und dieses wurde von

Jochen Kuhn zwar missmutig aber doch abgesegnet.

Ich war wütend darüber, es war nicht meine Schuld.

Ich war ein guter Regisseur, die Kontrollinstanzen der

Filmschule hatten versagt.

Jochen Kuhn hatte versagt.

Ich erinnere mich noch an den Blick in seinen Augen,

als ich ihm dies in ähnlicher Form durch den Raum zugerufen

hatte. Die restlichen Studenten waren sehr still.

Die nächsten Tage verbrachte ich in Abgeschiedenheit,

30


mein Telefon benutzte ich nicht mehr und die Akademie

versuchte ich zu meiden. Natürlich traf ich Jochen

Kuhns Assistentin genau am ersten Tag, als ich wieder

zurückkam. Natürlich sagte sie mir, dass es noch ein

Nachgespräch geben müsse. Natürlich war es mir egal.

Jochen Kuhn dürfe sich meine neue Schnittfassung anschauen,

wenn er unbedingt darauf bestehe, sagte ich

und ich musste einen Termin ausmachen. Natürlich

wappnete ich mich an diesem Tag. Ein sehr verbitterter

Mann würde kommen und mich zerreißen.

Er sagte längere Zeit nichts, nachdem er sich meine

neue Schnittfassung angesehen hatte und überlegte. Das

erste, was er dann sagte, war, dass sie besser sei. Dass

sie ihn berührt habe. Und dass er Potenzial in manchem

gesehen hätte, was man noch ausbauen könnte.

Er sah mich an, während er das sagte, und ich weiß

nicht, was in meinem Gesicht vorging, aber er musste

lächeln.

Ich weiß nicht, ob Sie Jochen Kuhn schon einmal lächeln

gesehen haben. Ich wünsche es Ihnen.

Über die nächsten zwei Wochen arbeitete ich rund um

die Uhr an dem Projekt. Kürzte, kürzte, kürzte. Jochen

Kuhn war drei weitere Male zu Besuch im Schnittraum,

wir führten lange Gespräche, warfen Ideen hin und her.

Am Ende bestand der ursprünglich zehnminütige Film

nur noch aus zwei Minuten. Aber diese zwei waren

mithin das künstlerisch beste, das ich je gemacht hatte.

Aber lassen Sie uns sachlich bleiben: Der Film war

trotzdem ein gigantischer Flop. Niemand aus dem Publikum

verstand, warum wir so lange daran gearbeitet

hatten. Nur Jochen Kuhn und ich.

Keiner von denen und keiner der Dozenten, die ich

an anderen Universitäten kennenlernen durfte, hätte

jemals ein Projekt abgesegnet, hinter dem er nicht

vollkommen stand. Keiner hätte die Studenten ins eigene

Messer laufen lassen. Keiner hätte nach einer persönlichen

Beleidigung noch mit dem Studenten gesprochen.

Keiner hätte sich noch so sehr mit der Arbeit

eines Studenten an einem aussichtslosen Projekt befasst.

Keiner hätte gespürt, dass das der wichtigste Moment

im Prozess war.

Ich habe mich bei ihm nie für das entschuldigt, was ich

im Gespräch gesagt habe. Es hat mich sehr berührt, als

ich verstand, dass er keine Entschuldigung brauchte. Er

wusste, was in mir vorging. So wie er jeden Studenten

versteht.

Und er hat Mut. Viel davon. Mut, mich diesen Brief

schreiben zu lassen, Mut, mich meine eigenen Erfahrungen

machen zu lassen und Mut, sich seit bald 20

Jahren jedes Mal aufs Neue mit kleinen Spielbergs wie

mir herumzuschlagen.

Sicher, das klingt wie Textbuchpädagogik. Das klingt

wie das, was jeder Lehrer machen müsste. Aber zeigen

Sie mir bitte jemanden, der dieses Credo so mit Intellekt

und Herz verfolgt wie Jochen Kuhn. Ich kenne keinen.

Und ich bin in München groß geworden. Im besten

Schulsystem, das es gibt.

Ich weiß nicht, wofür er nominiert werden oder welchen

Preis ihm dieser Brief einbringen soll. Aber ich

möchte Ihnen trotzdem nahelegen, Jochen Kuhn jede

Auszeichnung zu geben, die Sie zu bieten haben. Nicht,

dass es mir wichtig wäre. Ich möchte mit diesem Brief

nur ganz klar sagen, dass er der beste Mentor ist, den

ich kenne und den ich mir vorstellen könnte.

Und all das, obwohl er mir die schlechteste Note des

Kurses gegeben hat. MIR. Naja. Perfekt ist er halt auch

nicht.

OSKAR SULOWSKI, REGIE/SZENISCHER FILM

1_FISH'N'CHIP (R: HENDRIK WITSCHERKOWSKY)

2_HYBRIS (R: FLORIAN SCHNELL)

3_KOMPLEMENTÄR (R: LENA LEONHARDT)

4_FALLOBST (R: VIKTOR STICKEL, JULIA URBAN)

5_RUBIKON (R: JOSHUA BEYER)

6_CLEAN UP (R: SEBASTIAN MEZ)

7_NACHTWALD (R: LEVIN PETER, FLORIAN GRETH, SILKE FINGER)

9_FELL (R: MARIE-LOUISA WEBER, TIMM KRÖGER)

10_IDEEN ZUM SCHEITERN (R: ALEXANDER TSUKERNYK, LINUS STETTER)

11_VATER, BIN ICH KIND? (R: DAVID VOSS)

12_## (R: RODERICK WARICH, HANNES BRUUN)

13_SCHATTEN DER VERGANGENHEIT

(R: LETTY FELGENDREHER, FLORIAN HÜSING)

14_MAKE-DOWN (R: MAURICE HÜBNER, CHRISTINA HEECK,

KERSTIN LAUDASCHER)

8_SCHLUMMERLIED (R: FRIEDERIKE FIEK)

31


STECKBRIEF

Bildgestaltung/

Kamera

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkk

1

STUDIENKOORDINATION

Roland Mönch

2

PROJEKTBETREUUNG

Roland Mönch

Christine Montigel

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Kay Gauditz

Prof. Thomas Merker

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

6 - 8 Studierende

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Kreativität und Neugier für neue

Erzählformen, soziale Kompetenz,

Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Empathie,

Resilienz. Lust auf Gestaltung,

Lust auf das Studium an der

Filmakademie in Ludwigsburg.

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Interdisziplinäres, praxisorientiertes

Studium, Lehre der künstlerischen

und organisatorischen

Kameraarbeit. National und international

erfahrene Dozierende/DoP

vermitteln Inhalte auf branchennahem

Standard und darüber hinaus.

7

WAS LERNEN DIE STUDIEREN-

DEN HIER?

Die Kunst der Bildgestaltung und

die Praxis der Kameraarbeit, Teamarbeit

und Teamführung, nationale

und internationale Vernetzung

– alle Voraussetzungen, um in eine

erfolgreiche DoP-Karriere starten

zu können.

“The director leads the actors, the

cinematographer directs the audience.”

Conrad Hall

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Ego Shooting

9

ONE COOL FACT ABOUT.....

Learning by doing

10

MOTTO

“Cinematography is more than just

making pretty pictures.” Mario Tosi

32


Dokumentarfilm x

1

STUDIENKOORDINATION

Thorsten Schütte

2

PROJEKTBETREUUNG

Greda Sieber, Peter Kuczinski

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Heidi Specogna

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

Ca. 6 Studierende

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Lust auf das Unbekannte, kritisches

Denkvermögen, Geduld, Neugierde,

Teamfähigkeit, Kreativität, Experimentierfreude

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Praxisnahes Lernen und Arbeiten,

versierte Dozent*innen und Referent*innen,

Arbeiten im Team,

ausgezeichnete technische Ausstattung,

große künstlerische Freiheit,

gutes Netzwerk/Kontakte zum

Markt, intensiver Austausch mit

den anderen Fachrichtungen, internationales

Netzwerk und Austauschmöglichkeiten,

Exkursionen

u.a. zum DOCUMENTARY CAM-

PUS, zum DOK Filmfestival Leipzig

und zur CPH:DOX Kopenhagen

7

WAS LERNEN DIE STUDIEREN-

DEN HIER?

Mit eigenen Ideen und verantwortlicher

Haltung gegenüber Menschen

und Tatsachen Realität kreativ

zu gestalten, formatoffenes

Arbeiten, Recherche- und Interviewtechniken,

gestalterische und

inhaltliche Bandbreite in Stoffentwicklung

und Dramaturgie, Arbeiten

im Team, eigenes kreatives Potenzial

ausschöpfen, mehr über

sich selbst…

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Die Verbreitung von Fake News

9

ONE COOL FACT ABOUT.....

Das dokumentarische Arbeiten unterscheidet

sich von anderen medialen

Formen dadurch, dass es, je

nach Sujet und finanzieller Situation,

sowohl das Ein-/Zwei-Personen-Team

geben kann, in dem

verschiedene Berufsbereiche in

Personalunion ausgeübt werden,

als auch das große Filmteam, wie

beim Dokudrama, das dem Spielfilm

durchaus vergleichbar ist. Alles

ist möglich!

10

MOTTO

Die Ausformulierung einer künstlerischen

Handschrift beginnt im

Kopf !

33


CAMPUS LUDWIGSBURG

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG

ZWANZIG

ZWEIUNDZWANZIG

WO ZU BEGINN DER 1990ER JAHRE VER-

LASSENE KASERNENHÖFE UND PARK-

PLATZBRACHEN DAS BILD BEHERRSCHTEN, IST

EIN EINZIGARTIGES AUSBILDUNGSZENTRUM

FÜR FILM, THEATER UND MEDIEN GEWACHSEN.

Die Akademie für Darstellende Kunst, die FilmakadeDie

Filmakademie mit ihrem Animationsinstitut, das Atelier

Ludwigsburg-Paris und die Akademie für Darstellende

Kunst tragen durch die Spitzenstellung, die sie in ihren

jeweiligen Bereichen einnehmen, dazu bei, dass hier im

fachspezifischen sowie im interdisziplinären Raum auf

höchstem Niveau gearbeitet wird.

über erstklassige personelle und technische Ausstattung,

weitreichende internationale Vernetzung und einen

Lehrkörper aus herausragenden Künstler*innen

und Praktiker*innen.

Dieses inspirierende Neben- und Miteinander bringt einen

interdisziplinären Geist mit sich, der Grenzüberschreitungen

zwischen Erzählformen, Genres und Technologien

enorm befördert. Die Möglichkeiten umfassen

Film, Theater, Animation, neueste digitale Produktionstechniken,

transmediale Formate und vieles mehr in einer

räumlichen Nähe, die in der europäischen Hochschullandschaft

ihresgleichen sucht.

Ein gemeinsames Credo der Institutionen besteht in der

starken Projektorientierung des Studiums. Die Studierenden

finden neben der Inspiration somit auch die Ressourcen

für ihre Vorhaben und sorgen mit ihren vielfältigen

und ambitionierten Projekten für ein pulsierendes

Campusleben.

Ein zentrales Merkmal des Ludwigsburger Campus liegt

in der Autonomie der vier ansässigen Ausbildungsstätten

bei der Gestaltung ihrer Studieninhalte, während

sie zugleich auf zahlreichen Ebenen miteinander verwoben

sind. Jede Institution verfügt in ihrem Bereich

Der Ludwigsburger Campus bleibt so ein wichtiger Knotenpunkt

für Studierende, Alumni und auch für alle interessierten

Ludwigsburger Bürgerinnen und Bürger,

u.a. mit „Montags an der ADK“, dem Treffpunkt „Campus

International“ und der Filmreihe „Open House“.

34


ERÖFFNUNGSWOCHE 20.09. – 24.09.2021

20.09.2021

FESTLICHE ERÖFFNUNG

ADK UND FILMAKADEMIE

STEVEN APPLEBY

“As a kid I loved writing, drawing and living in an imaginary

version of the world… so somehow I lucked into

the perfect job for me.”

11.00 – 13.00 UHR

BEGRÜSSUNG DURCH:

PROF. DR. ELISABETH SCHWEEGER

PROF. THOMAS SCHADT

PROF. ANDREAS HYKADE

ERÖFFNUNGSGAST:

STEVEN APPLEBY: KARIKATURIST, ILLUSTRATOR

UND KÜNSTLER AUS GROSSBRITANNIEN.

ORT: HYBRIDVERANSTALTUNG LIVE/ONLINE

ALBRECHT ADE STUDIO UND FILMGALERIE FÜR

ERSTSEMESTER*INNEN VON FABW, ANIMATIONS-

INSITUT UND ADK. ALLE ANDEREN STUDIEREN-

DEN VERFOLGEN DIE VERANSTALTUNG ONLINE.

For almost thirty years Steven Appleby has created,

written and drawn surreal yet personal comic strips

for many newspapers including: New Musical Express,

Guardian, Observer, The Times, Sunday Telegraph, Die

Zeit, Frankfurter Allgemeine Zeitung and Berliner Zeitung.

He has also written a comedy series for BBC Radio

4; had his character Captain Star animated for television;

written and drawn around 30 books; exhibited prints

and paintings in many exhibitions and seen his secret

world adapted for the stage as the musical play CROCS

IN FROCKS.

However strange and bizarre Steven’s world may appear

– chairs talk, and cars may feast on pedestrians – it

is rooted in reality and his personal obsessions. “I look

at the world,” he says, “and wonder: ‘what’s going on?

What on earth is life really all about?’ Then I play about

with what I see, turn it upside down and sideways… and

reimagine it. On a good day I end up with some sort

of absurd idea that is completely untrue… yet somehow

feels truer than the truth and says something about the

complexities of life.”

His latest book, DRAGMAN, stars August Crimp, a man

who can fly when he puts on women’s clothes. Grounded

in Steven’s own experience of the secret world of transvestites,

DRAGMAN is a multi-layered graphic novel set

in a version of the UK in which science has proved the

existence of the human soul and superheroes save only

those who can afford superhero insurance. DRAGMAN

has been published in the UK, America, Holland, Germany

and France (where it won the Prix Spécial du Jury

at the International Angoulême Comic Festival 2021).

After secretly dressing in women’s clothes for most of

his life, Steven came out in the early 2000s and began

living fulltime as a trans-person in 2008.

35


CAMPUS LUDWIGSBURG

36


SPEED DATING

14.30 – 16.00 UHR

ORT: WIESE AKADEMIEHOF

Alle Erstsemester treffen sich auf der Wiese, welche die

Filmakademie und die Akademie für Darstellende Kunst

miteinander verbindet. In einem Speed Dating kommen

alle zum ersten Mal direkt miteinander in Kontakt.

21. – 24.09.2021

WORKSHOP MIT TINKERTANK

JASMIN MERTIKAT, FLORIAN GRETH, JOHANNES

MAY, EVA SCHLECHTE, JULIAN JUNGEL UND

STEVEN APPLEBY SOWIE WEITEREN GÄSTEN ALS

IMPULSGEBER*INNEN

JEWEILS 10.00 – 17.00 UHR

AUFTAKT NACH MASS

ORT: GELÄNDE UND RÄUMLICHKEITEN DER

FILMAKADEMIE UND DER ADK

16.30 – 18.00 UHR

ORT: ALBRECHT ADE STUDIO

Ein Campus, vier Institutionen: Die Akademie für

Darstellende Kunst (ADK), die Filmakademie (FABW),

ihr Animationsinstitut und das Atelier Ludwigsburg-

Paris (ALP). Im Rahmen der Veranstaltung „Auftakt nach

Maß“ stellen die Akademieleitungen den Studierenden

des ersten Semesters den Campus vor, stehen für erste

Fragen zur Verfügung und übergeben anschließend an

die AStA-Vertreter*innen.

Studierende des zweiten Studienjahres stellen sich den

Erstsemstern als Pat*innen vor.

Filmakademie und ADK eröffnen das Studienjahr wie

auch das Sommersemester mit gemeinsamen Workshops

und Veranstaltungen zu aktuellen und virulenten

Themen der Zeit. In den letzten Jahren waren hierfür

u.a. das Zentrum für Politische Schönheit (2019: „Widerstand

- Künstlerische Strategien - persönliche Verantwortung“)

und Rimini-Protokoll (2020: „Mind the Gap“)

eingeladen.

Die Eröffnungswoche des Studienjahrs 2021/22 gestalten

Tinkertank und der Karikaturist, Illustrator und Künstler

Steven Appleby. Die Eröffnung des Sommersemesters

ist in Planung.

„DE-CONSTRUCT CULTURE?“

“If we agree that narratives are manuals on how to function

in life whether they are films, poems, songs, board

games, puzzles or just three sentences like a haiku (poem)

on a gum wrapper, then we have to take creation of

narrative as important as a doctor would take a surgery.

So I believe as filmmakers and content creators we have

so much responsibility not only to amplify our own

voices but also creating potentials for intersectional experiences.

(...) How do we design our narratives and tackle

the greatest problem of our time: How can we include

as many thoughts as possible so that we can start seeing

each other and bridge communities.”

(Roy Wal, “Bridging Cultures Through Narratives”),

SXSW 2021

De-Construct Culture - invent new manuals for future

narratives. After more than a year of living through a

pandemic in which everyone was closely connected digitally,

but socially distanced, a new culture of empathy

emerged. Racism debates on a national and international

level move us, the cultural value of going to the cinema

37


CAMPUS LUDWIGSBURG

or theatre becomes evident, regional agriculture and

veganism gain relevance and film productions work more

sustainably. The beginning of a new culture of consciousness

has begun. We want to discover, analyze and rebuild

this culture with the students of ADK and FABW.

We discover together with the students what brought

them to these schools? Which privileges? Which experiences?

Which coincidences? Which influences? Which

achievements? We believe that it is time to acknowledge

all these matters in order to be able to tell new stories

for a narrative of tomorrow.

TINKERTANK (WWW.TINKERTANK.DE)

ist ein mobiles und stationäres Kreativlabor, das als Initiative

der lnteractive Media Foundation (www.interactivemedia-foundation.com)

2013 ins Leben gerufen wurde

- mit dem Ziel, Menschen zu kreativen und selbstorganisierten

Prozessen der Lösungsfindung zu befähigen

und das im Kontext von Technologie, Handwerk, Kultur,

Wissenschaft und Digitalisierung. Tinkertank veranstaltet

neben Workshops und Sommercamps für Kinder

und Jugend liche auch Kreativseminare für und mit

Partnern aus Kunst, Kultur und Wirtschaft. Alumni der

ADK und FABW sind Gründungs- und Teammitglieder

von Tinkertank.

Die lnteractive Media Foundation vereint eine umfassende

Expertise in den Bereichen Konzept, Storytelling,

Theater, Film, Digitales und Produktion. Die Teams experimentieren

mit zeitgemäßen Formaten und Ausdrucksformen,

um gesellschaftlich relevante Themen aus

Kunst, Technik, Gesundheit und Ökologie publikumswirksam

umzusetzen.

12.11.2021 / 22.04.2022

CAMPUSABENDE /

OPEN STAGE

17.00 – 21.00 UHR

Um die bestehenden Netzwerke zu verstärken und das

Potenzial des Campus weiter auszubauen, finden pro Semester

zwei Campusabende statt. Das Programm dieser

Veranstaltungen stellen die Studierenden gemeinsam

mit den AStAs der ADK und der FABW zusammen. Zeitgleich

finden keine Lehrveranstaltungen statt.

So entsteht Raum für ungezwungene Begegnungen,

den Austausch von Gedanken, Visionen, Projektideen

und -vorstellungen, die Möglichkeit, das Feld weiter

zu öffnen, Neues oder Gemeinsames entstehen zu lassen:

Raum zur Ausweitung des kreativen Felds zu einem

Campus der vielfältigen Möglichkeiten.

Für weitere Informationen kann die Studienleitung kontaktiert

werden.

38


CAMPUS IM AUSTAUSCH

GEMEINSAME LEHRANGEBOTE

VON FILMAKADEMIE UND ADK

Die Campus-Idee findet ihre konkrete Umsetzung in

der Gestaltung der Lehrpläne, welche die wechselseitige

Teilnahme an den Lehrveranstaltungen vorsehen..

FABW-STUDIERENDE KÖNNEN AN DER ADK

AN FOLGENDEN LEHRVERANSTALTUNGEN TEIL-

NEHMEN:

• Theorie-Montag (Lektürekurs Gegenwart & Theatergeschichte

/ Ästhetik /Poetologie / Theatergeschichte /

Geschichte der Regie • Machtstrukturen in Kultur,

Wissenschaften und Gendergerechtigkeit, Diversität

und Gleichstellung • Diversität und Methodik des

digitalen Theaters • Performancetheorie • Vergleichende

Mediendramaturgie • Autor*innen im Fokus • Grundlagen

Regie (Raum und Bühne / Raum und Klang /

Kurzprojekte mit der ABK) • Grundlagen Schauspiel •

Sprechen für Regisseur*innen • Praxismodule • Szenisches

Arbeiten mit Kai Wessel • Meisner-Technik und

Schauspiel-Workshop mit Kai Wessel • Nomadische

Recherche / Adaptionen-Workshop

ADK-STUDIERENDE KÖNNEN AN DER FABW

TEILNEHMEN WIE FOLGT:

REGIE-STUDIERENDE AN:

• Filmgestaltung 2 (FG 2): Basiskurse und Szenischer

Film (ein ganzes Semester)

SCHAUSPIEL-STUDIERENDE AM:

• Inszenierungsworkshop

ALLE STUDIERENDE DER ADK AN:

• Filmgeschichte und -theorie (Nataša von Kopp, Maurice

Fitzpatrick, Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Lioba Schlösser,

PD Dr. habil. Andreas Rauscher)

• Verschiedene Seminare zu Film- und Mediengeschichte

(Teil 1 und Teil 2)

• Kurzgeschichtenband „Knapp daneben“

(Termin in Planung)

Premiere des fünften Kurzgeschichtenbands der Edition

FABW zum Thema „Knapp daneben“ mit Lesung ausgewählter

Beiträge von Studierenden und Alumni von

FABW und AOK mit anschließendem Get-Together.

Schirmherr: Philipp Keel, Verleger des Diogenes Verlags.

Zum fünften Mal haben Studierende und Alumni von

Filmakademie und ADK Kurzgeschichten zu einem vorgegebenen

Thema eingereicht.

Bisher erschienen vier Bände in der Edition FABW, herausgegeben

von Michael Achilles unter der Schirmherrschaft

von Philipp Keel (Diogenes): „Sommer“ (2020),

„Krieg - Vater aller Dinge“ (2019), „Neid“ (2018) und

„Schluss-striche“ (2017).

05.11.2021 / 14.01.2022 /

04.02.2022 / 08.04.2022 /

20.05.2022

AKA-PITCHINGS

FREITAGS JEWEILS AB 10.00 UHR

ORT: ALBRECHT ADE STUDIO, ADK/BÜHNE,

ONLINE (Kurzfristige Ankündigung per E-Mail durch die

Studienleitungen)

Die AKA-Pitchings dienen der Teamfindung und geben

einen Überblick über aktuelle Themen und Arbeiten.

Die im Fünf-Minuten-Takt vorgestellten Projekte

reichen u.a. von performativen Installationen bis hin zu

Theaterstücken oder Festivals, vom Werbe-, Dokumentar-,

Animations- bis zum Theaterfilm, von Games bis zu

szenischen Filmen. Die AKA-Pitchings schaffen ein Bewusstsein

für die künstlerische Bandbreite und das kreative

Spektrum der Projekte, die an der Filmakademie

und an der Akademie für Darstellende Kunst entstehen.

Die Teilnahme an allen fünf Pitchings ist für Studierende

der Filmakademie Pflicht.

39


CAMPUS LUDWIGSBURG

Die aktive Teilnahme am Pitch kann bis zwei Tage vorher an

folgende E-Mail-Adresse angemeldet werden: pitch@filmakademie.de

(Organisation: Andrea Macos)

TERMINE NACH ANSAGE

THEORIE-MONTAGE

Theoretische Grundlagen sind auch an besonders praxisbezogenen

Ausbildungsstätten die Basis jeglicher konstruktiven

Auseinandersetzung und Ausgangspunkt für

künstlerische Behauptungen und Handschriften.

So bietet die ADK mit einem festen Theorietag für die

Studierenden verschiedener Ausbildungsrichtungen

Grundlagen- und Übersichtsseminare aus den Bereichen

Ästhetik, Philosophie, Theater-, Film- und Literaturgeschichte

an.

Die Studierenden des gesamten Campus haben die Möglichkeit,

gemeinsam Grundlagen-, Übersichtsvorlesungen

und Übungen zu besuchen, die dann in einzelnen

Blockseminaren weiter vertieft werden. Einerseits sollen

damit der Kontakt und die Vernetzung der Studierenden

untereinander gefördert werden. Zum anderen dient die

gemeinsame Ausbildung dazu, sich eine gemeinsame

Sprache (und ein ähnliches Wissen) anzueignen, die dem

Diskurs und der potenziellen Zusammenarbeit auf dem

Campus zugutekommen soll.

Aufgrund der begrenzten Plätze bitten wir Interessierte, sich vorab

per E-Mail anzumelden: studienbuero@adk-bw.de

NOMADISCHE RECHERCHE

Die Nomadische Recherche ist ein studiengangübergreifendes

und interdisziplinäres Projekt unter der spezifischen

Anleitung interdisziplinär arbeitender Künstler*innen.

Ziel ist es, spartenübergreifend künstlerische

Formate, Interventionen, Probetechniken zu erforschen.

2021 fand die „Nomadische Recherche“ als interdisziplinäres

Projekt der ADK und des Animationsinstituts

der Filmakademie im ehemaligen Nestlé-Areal statt. Es

handelt sich um eine Veranstaltung im Rahmen von

NEULAND, einem gemeinsamen Projekt der Stadt Ludwigsburg

und der Wüstenrot Stiftung. 18 Studierende

(Regie, Dramaturgie, Schauspiel) der ADK erarbeiteten

im Juni 2021 in Zusammenarbeit mit 11 Studierenden

der FABW und des Animationsinstituts (lnteractive Media,

Animation) performative Projekte für das Areal

40

der ehemaligen Zichorien-Rösterei Franck. Die Arbeiten

werden nun im September 2021öffentlich präsentiert.

Die Nomadische Recherche ist ein künstlerischer

Rundgang durch verschiedene Räume des Quartiers.

ANIMATION HISTORIES

(Start in April 2022)

In the seminar Animation HiStories we look at the history

of animation and games from different historical, theoretical

and cultural perspectives and discuss the impact

of animation on today's media landscape, continuing

the introduction to the History of Animation Film for

students of Film & Media in their first year.

As any history, the history of animation film resembles

more a structure of intersecting lines and individual

stories than dates on a historical timeline. Therefore, we

will look at animation from various angles: We will look

at and discuss topics such as the history of animation at

FABW, the art and culture of visual effects as a special

case of animation, animation and material cultures, the

issue of realism in animation and games, storytelling and

narration, practices and theories of immersion, horror in

games and films and its attraction for audiences, the relationship

of comics and animation, gender and diversity

in the history of animation, representation of emotions

and the generation of empathy, genre and audiences,

animation from Japan, Eastern Europe and elsewhere,

animation politics and animation production studies.

Film, media and theatre students are invited to reflect

on their own artistic practices through the art and the

medium of animation.

Participants of this seminar are asked to contribute

topics they are interested in and actively take part in

discussions.

This two-semester seminar starts in April 2022 and is

taught in English.

The course is mandatory for students of animation, interactive

media and animation/effects producing in their

3rd year (summer term) and 4th year (winter term). lt is

open to all students of FABW and ADK after registration

with the “Studienleitung” of Filmakademie.

Course requirements: regular participation, audio-visual

presentation, writ ten term paper.


CAMPUS VERNETZT

HOCHSCHULKOOPERATION MIT DER PÄDAGOGI-

SCHEN HOCHSCHULE (PH) IM WS 2021/22

Im Rahmen des Masterstudiengangs „Kulturelle Bildung“

setzen die Filmakademie und die ADK die Zusammenarbeit

mit der PH Ludwigsburg fort.

PH-STUDIERENDE KÖNNEN AN FOLGENDEN

LEHRVERANSTALTUNGEN TEILNEHMEN:

ADK:

• THEATERGESCHICHTE:

BEGINN 27.09.2021

MONTAGS 14.45 – 16.15 UHR

BZW. 16.30 – 18.00 UHR

• INTERNATIONALES POLITISCHES THEATER:

22. – 23.04.2022 / 29. – 30.04.2022 / 06. –

07.05.2022

FREITAGS, 09.00 – 13.30 UHR

SAMSTAGS, 17.00 – 21.00 UHR

Anmeldung per E-Mail an: studienbuero@adk-bw.de

FABW:

11. – 13.11.2021

LIOBA SCHLÖSSER: QUEER CINEMA HISTORY

DO, 11.11.21 17.00 – 20.00 UHR. M 2.25.

FR, 12.11.21 10.00 – 17.00 UHR. M 2.25.

SA, 13.11.21 10.00 – 17.00 UHR. M 2.25.

02. – 04.12.2021

MAURICE FITZPATRICK: INGMAR BERGMAN

DO, 02.12.20 17.00 – 20.00 UHR. M 1.31.

FR, 03.12.20 10.00 – 17.00 UHR. M 1.31.

SA, 04.12.20 10.00 – 17.00 UHR. M 1.31.

20. – 22.01.2022

NATAŠA VON KOPP: HELDINNEN MIT SCHWERT

DO, 20.01.22 17.00 – 20.00 UHR. M 2.25.

FR, 21.01.22 10.00 – 17.00 UHR. M 2.25.

SA, 22.01.22 10.00 – 17.00 UHR. M 2.25.

21. – 23.04.2022

PROF. DR. MARCUS STIGLEGGER: LYNNE RAMSEY

DO, 21.04.22 17.00 – 20.00 UHR. M 2.25.

FR, 22.04.22 10.00 – 17.00 UHR. M 2.25.

SA, 23.04.22 10.00 – 17.00 UHR. M 2.25.

07. – 09.07.2022

DR. ANDREAS RAUSCHER: SPIEL/FILM - KONVER-

GENZEN ZWISCHEN LEINWAND UND BILDSCHIRM

DO, 07.07.22 17.00 – 20.00 UHR. M 1.31.

FR, 08.07.22 10.00 – 17.00 UHR. M 1.31.

SA, 09.07.22 10.00 – 17.00 UHR. M 1.31.

Anmeldung und weitere Informationen jeweils per E-Mail an:

juliane.voigtlaender@filmakademie.de

41


CAMPUS LUDWIGSBURG

ETHISCHE FILMWAHRNEHMUNG

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der PH Ludwigsburg

und der FABW wird ab dem Studienjahr 21/22 die

Reihe ETHISCHE FILMWAHRNEHMUNG gestartet. Abwechselnd

finden Workshops, Panels und Seminare an

der FABW und an der PH statt. Die Daten und Orte im

Überblick:

DO, 21.10.2021 / 17.00 – 19.30 UHR

AUFTAKT: ETHISCHE FILMWAHRNEHMUNG.

KINO CALIGARI, FABW.

DO, 11.11.2021 / 18.00 – 20.00 UHR

CASE STUDY: KRIEGERIN, TEIL 1 – BETRACH-

TUNG UND HANDS-ON ZUM FILM. VORLESUNGS-

SAAL, RAUMNUMMER TBA, PH LB.

DO, 18.11.2021 / 18.00 – 20.00 UHR

CASE STUDY: KRIEGERIN, TEIL 2 – BETRACH-

TUNG UND HANDS-ON ZUM FILM. VORLESUNGS-

SAAL, RAUMNUMMER TBA, PH LB.

FR, 26.11.2021 / 14.00 – 17.00 UHR

GEWALTWIRKUNGSFORSCHUNG - EFFEKT VON

FIKTIONALER GEWALT AUF ZUSCHAUER*INNEN.

DEFINITION UND ERKLÄRUNG VON BEGRIFFLICH-

KEITEN UND PHÄNOMENEN WIE TRIGGERWAR-

NING, TRAUMA ETC. AULA, PH LB.

MO, 13.12.2021 / 14.00 – 16.30 UHR

IDENTITÄTSPOLITISCHES THEMA IN BEZUG AUF

KÜNSTLERISCHES HANDELN AN EINEM FILMBEI-

SPIEL MIT GÄSTEN. KINO CALIGARI, FABW.

DO, 13.01.2022 / 18.00 – 20.00 UHR

CASE STUDY: NUR EINE FRAU – TEIL 1 –

BETRACHTUNG UND HANDS-ON ZUM FILM.

VORLESUNGSSAAL, RAUMNUMMER TBA, PH LB.

FR, 28.01.2022 / 09.30 – 16.30 UHR

WIE NETFLIX DAS THEMA DIVERSITY IN SEINEN

PRODUKTIONEN AUFGREIFT. DER REGISSEUR

MARVIN KREN BERICHTET AUS SEINEN ARBEITS-

ERFAHRUNGEN UND ZEIGT FILMBEISPIELE. KINO

CALIGARI, FABW.

DO, 05. + FR, 06.05.2022 / JEWEILS 09.30 –

16.30 UHR

AMBIVALENZEN: FILM UND TRANSKULTURELLE

GEGENWART. KINO CALIGARI, FABW.

DO, 23.06.2022 / 14.00 – 16.30 UHR

RESÜMEÉ DER REIHE. KINO CALIGARI, FABW.

Anmeldung und weitere Informationen jeweils per E-Mail an:

juliane.voigtlaender@filmakademie.de (für Veranstaltungen an

der FABW) und thomas.wilke@ph-ludwigsburg.de (für Veranstaltungen

an der PH)

STUDIERENDE VON ADK UND FABW KÖNNEN

AN FOLGENDEN LEHRVERANSTALTUNGEN DER

PH TEILNEHMEN:

VORLESUNGSZEITRAUM:

18.10.2022 – 04.02.2022

SOZIOLOGIE DER LEBENSALTER

DONNERSTAGS (08.15 – 09.45 UHR)

Anmeldung und weitere Informationen per E-Mail an:

selina.rau@ph-ludwigsburg.de

THEORIEN DER MEDIENBILDUNG

DONNERSTAGS (10.15 – 11.45 UHR)

Anmeldung und weitere Informationen per E-Mail an:

thomas.wilke@ph-ludwigsburg.de

Die Veranstaltungen im Sommersemester werden

von den Studienbüros bekannt gegeben.

DO, 20.01.2022 / 18.00 – 20.00 UHR

CASE STUDY: NUR EINE FRAU – TEIL 2 – BE-

TRACHTUNG UND HANDS-ON ZUM FILM.

VORLESUNGSSAAL, RAUMNUMMER TBA, PH LB.

42


CAMPUS FÜR LUDWIGSBURG

04.10.2021 / 15.11.2021 / 13.12.2021 / 17.01.2022 / 21.02.2022

MONTAGS AN DER ADK

JEWEILS 20.00 UHR

Als öffentliches Nachdenken über aktuelle Debatten

und Diskurse verstehen sich die Abende mit hochrangigen

Künstler*'innen, Wissenschaftler*innen oder Expert*innen.

Die Veranstaltungen werden zukünftig digital

und analog geplant.

Für das Wintersemester 2021/22 sind u.a. Oberstaatsanwalt

THOMAS WILL (Leiter der Zentralen Stelle zur

Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen), Kulturanthropologe

und Dramaturg JULIAN WARNER

(Künstlerischer Leiter der KulturRegion Stuttgart),

Kulturwissenschaftlerin und Schriftstellerin MITHU

SANYAL, Romanautorin OLIVIA WENZEL („1000 Serpentinen

Angst“), Schauspielerin MAYA ALBAN-ZAPA-

TA sowie JOY KRISTIN KALU, Theaterwissenschaftlerin

und leitende Dramaturgin der Sophiensaele, zu

verschiedenen Gesprächsformaten eingeladen.

Kuratiert wird »Montags an der ADK« im Wintersemester

2021/22 von der Dramaturgie-Absolventin

Sarah Charlotte Becker und Elisabeth Schweeger.

Bisherige Gäste u.a.: Aleida Assmann (Anglistin und

Literatur- und Kultur wissenschaftlerin), Annett

Baumast (Expertin für Nachhaltigkeit auf dem Gebiet

der Kultur), lnes de Castro (Direktorin Linden-Museum

Stuttgart), Wolfgang Engler (Soziologe, Philosoph und

langjähriger Rektor der Hochschule für Schauspielkunst

»Ernst-Busch«), Marc Grandmontagne

(Geschäftsführender Direktor des Bühnenvereins),

Ulrike Groos (Direktorin Kunstmuseum Stuttgart),

Meredith Haaf ( Journalistin und Autorin), Josef

Hader (Kabarettist und Schauspieler), Dorothea von

Hantelmann (Kunsthistorikerin, Autorin und freie

Kuratorin), Lisa Jopt (Schauspielerin und Mitbegründerin

des Ensemble-Netzwerks), Philipp Keel (Künstler,

Filmemacher, Autor und Verleger), Ulrich Khuon

(Intendant Deutsches Theater Berlin, Vorsitzender des

Bühnenvereins), Aino Laberenz (Bühnen- und Kostümbildnerin,

Leiterin des Operndorfs von Christoph

Schlingensief ), Matthias Lilienthal (Intendant der

Münchner Kammerspiele), Peter W. Marx (Theaterwissenschaftler),

Herfried Münkler (Politikwissenschaftler),

Elke aus dem Moore (Kunsthistorikerin, Kuratorin und

Direktorin der Akademie Schloss Solitude), Hemal Naik

(Doktorand der Abt. Kollektivverhalten am Max Planck

Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz),

Christiane Nüsslein-Volhard (Nobelpreisträgerin für

Medizin), Susanne Pfeffer (Direktorin Museum für

Moderne Kunst MMK Frankfurt), Eva Jankowski und

France-Elena Damian (Gründerinnen Pro Quote

Bühne), Wilfried Schulz (Intendant Staatsschauspiel

Dresden), Wolf Singer (Hirnforscher), Kay Voges

(Intendant Schauspiel des Theaters Dortmund) und

André Wilms (Schauspieler).

43


CAMPUS LUDWIGSBURG

TREFFPUNKT CAMPUS INTER-

NATIONAL: RAUM FÜR INTER-

KULTURELLE BEGEGNUNGEN

DER OFFENE CAMPUS.

TREFFPUNKT

CAMPUS INTERNTIONAL

EINE INITIATIVE DER STUDIERENDEN DER ADK,

FABW UND IHRES ANIMATIONSINSTITUTS.

An ausgewählten Terminen pro Semester werden die

Filmakademie und die ADK zu einem Ort der Begegnung

und des Kennenlernens unterschiedlicher Kulturen

und Künstler*innen. Verschiedene Veranstaltungsformen

– Vorträge, Diskussionen, Musik und

Get-Together – bieten die Gelegenheit, sich auszutauschen

und Netzwerke weiter zu verknüpfen. Der einzigartige,

kreative Campus bietet mit dem Treffpunkt

Campus International insbesondere für internationale

Studierende einen Treffpunkt für interkulturelle

Begegnungen. In enger Abstimmung mit der Internationalen

Fachschaft und den AStAs der FABW und der

ADK setzt sich der Treffpunkt Campus International für

eine stärkere Integration und bessere Kommunikation

auf dem Campus und darüber hinaus ein: Er versteht

sich als Einladung an alle Menschen, die sich für internationalen

kulturellen und künstlerischen Austausch

interessieren.

Studien- und Semesterarbeiten der Studierenden laden

dazu ein, die zukünftige Künstler*innenschaft in ihrer

Entwicklung zu entdecken und zu begleiten: Öffentliche

filmische Semesterpräsentationen, 10 bis 15 Werkstatt-

Inszenierungen aus dem „Labor“ der ADK-Studierenden,

Bachelorarbeiten und Inszenierungen der zweimal

jährlich stattfindenden Themenmodule. Zum Ende eines

Studienjahres findet alle zwei Jahre das von den Studierenden

ausgerichtete internationale, junge Theaterfestival

„Furore“ statt. 2022 findet an der ADK im Juli das

bundesweite Schauspieltreffen statt, sodass „Furore“ erst

wieder im Jahr 2023 stattfinden wird.

Der offene Campus mit ca. 60 öffentlichen Veranstaltungsabenden

gewährt Einblicke in ein kreatives, vielfältiges

interdisziplinäres Labor.

Aktuelle Veranstaltungen erfahren Sie über die Websites

der Institute.

44


45


IN ZAHLEN

300

DOZIERENDE

HANDWERK,

THEORIE UND PRAXIS

PROJEKTARBEIT

IM TEAM

ENGE ZUSAMMENARBEIT

MIT DER FILM- UND

MEDIENBRANCHE

130

ANGESTELLTE

300

DOZIERENDE

500

STUDIERENDE

130

FREIHEIT ZUR

ENTWICKLUNG DER

EIGENEN KREATIVEN

HANDSCHRIFT

ANGESTELLTE

46


EIN ÜBERBLICK ÜBER DAS STUDIUM

AN DER FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG

DAS STUDIUM IST STARK PRAXISORIENTIERT

UND STELLT DAS PRINZIP „LEARNING BY

DOING“ IN DEN VORDERGRUND. VON BEGINN

AN ERARBEITEN DIE STUDIERENDEN ALLER GE-

WERKE IHRE FILME GEMEINSAM. SO ENTSTEHEN

JÄHRLICH ÜBER 250 FILME ALLER GENRES UND

FORMATE.

Das Ausbildungsangebot spiegelt die ganze thematische

Bandbreite der Medienbranche wider, von Drehbuch,

Regie und Kamera bis hin zu Animation, Szenenbild und

Montage, von Produktion, Filmmusik und Sounddesign

bis zu Motion Design und Interaktiven Medien.

Neben den klassischen Erzählformen für Film und Fernsehen

bereichern Social Media, partizipative Performances,

immersives Entertainment, Games und weitere neue

Formen des Geschichtenerzählens die Branche, verändern

Berufsbilder und lassen neue Formate und Ertragsmodelle

entstehen. Studienanfänger*innen erwarten zurecht,

dass ihre Hochschule sie auf diese sich ständig

verändernde Realität bestmöglich vorbereitet. Die Antwort

der Filmakademie Baden-Württemberg auf diese

Herausforderung liegt in einer umfassenden Ausbildung,

die von Anfang an auch Kenntnisse außerhalb des

eigenen Studienschwerpunktes vermittelt.

Sie folgt dem Credo, Studierenden mit dem ganzen

Spektrum ihrer Talente, Schwerpunkte und Ambitionen

größtmögliche Spielräume zur Entwicklung einer individuellen,

künstlerischen Identität zu eröffnen.

AN DER FILMAKADEMIE ERWARTET DIE STUDIE-

RENDEN:

• eine Ausbildung, die praktisches Filmemachen und

Theorie kombiniert

• Projektarbeit im Team

Betreut und unterrichtet werden die etwa 500 STU-

DIERENDEN von über 300 HOCHKARÄTIGEN FACH-

LEUTEN aus der Film- und Medienbranche und über

130 Angestellten der Filmakademie.

600-700 Bewerber*innen konkurrieren jährlich um

etwa 100 Studienplätze in den folgenden Studiengängen:

GRUNDSTÄNDIG WERDEN ANGEBOTEN:

• FILM UND MEDIEN

• FILMMUSIK UND SOUNDDESIGN

• PRODUKTION

ALS DIPLOMAUFBAUSTUDIENGÄNGE WERDEN

ANGEBOTEN:

• ANIMATION /

ANIMATION & EFFECTS PRODUCING

• ANIMATION / TECHNICAL DIRECTING

• FERNSEHJOURNALISMUS

• FILMMUSIK

• FILMTON / SOUNDDESIGN

• INTERAKTIVE MEDIEN

• MOTION DESIGN

• SZENENBILD

Die Studienzeit richtet sich danach, ob Studierende im

Grundstudium beginnen, den Quereinstieg wählen oder

im Diplomaufbaustudiengang studieren. Im Vollstudium

(Grund- plus Projektstudium) beträgt die durchschnittliche

Studienzeit 8 Semester plus 1 Diplomsemester.

• die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, die bis in

den Markt reichen und wegweisend für spätere Jobs

sein können, weil die Filmakademie eng mit der

Film- und Medienbranche zusammenarbeitet

Der Quereinstieg ist der direkte Einstieg in das Hauptstudium

(Projektstudium) mit Bachelor oder Vordiplom

und dauert in der Regel 4 Semester plus 1 Diplomsemester.

• die Förderung der Freiheit zur Entwicklung der

eigenen kreativen Handschrift

47


IN ZAHLEN

100

STUDIENPLÄTZE

600

BEWERBERBUNGEN

JÄHRLICH

20

INTERNATIONALE

PARTNER-

INSTITUTIONEN

0

GRUND- UND

OUTGOINGS (PANDEMIEBEDINGT)

PROJEKTSTUDIUM:

FILM UND MEDIEN

PRODUKTION

FILMMUSIK UND SOUNDDESIGN

16

INCOMINGS

0

OUTGOINGS

(PANDEMIEBEDINGT)

DIPLOM-

AUFBAUSTUDIENGÄNGE:

ANIMATION / ANIMATION & EFFECTS PRODUCING

ANIMATION / TECHNICAL DIRECTING

FERNSEHJOURNALISMUS

FILMMUSIK

FILMTON / SOUNDDESIGN

INTERAKTIVE MEDIEN

MOTION DESIGN

SZENENBILD

48


Das Studium im Diplomaufbaustudiengang mit Nachweis

eines abgeschlossenen Studiums in einer artverwandten

Disziplin dauert in der Regel ebenfalls

4 Semester plus 1 Diplomsemester.

Jedes Jahr begrüßt die Filmakademie Studierende von etwa

20 Partnerinstitutionen aus aller Welt bei sich. Sie

bereichern den Campus mit eigenen Projekten und partizipieren

im Rahmen der Internationalen Klasse am Unterricht.

Studierende der Filmakademie haben ebenfalls die Möglichkeit,

an Partnerhochschulen im Ausland zu studieren.

Für Interessierte sind detaillierte Informationen über

den Studienverlauf auf der Homepage der Filmakademie

www.filmakademie.de im Bereich Studienverlauf erhältlich.

INTERDISZIPLINÄRE VERANSTALTUNGEN

Neben einer fundierten handwerklichen Ausbildung im

jeweiligen Studienfach sowie der Verbesserung der eigenen

Fertigkeiten durch die Mitarbeit an vielfältigen

studentischen Produktionen der Filmakademie spielt

auch die Ausbildung eines breit gefächerten Verständnisses

für medienbezogene Prozesse und Diskurse eine

wichtige Rolle. Der berühmte „Blick über den Tellerrand“

bzw. die Erweiterung des eigenen Horizonts ist

an der Filmakademie keine „Kür“, sondern ein essenzieller

Bestandteil der künstlerischen Entwicklung, die

durch ein vielfältiges Angebot an Lehrveranstaltungen

gefördert wird.

In interdisziplinären Kursen und Seminarreihen werden

Inhalte wie „Green Shooting“, „Green Storytelling“, Genderdiversität

oder der Weg in die berufliche Selbstständigkeit

näher beleuchtet.

Während im Grundstudium verschiedene Seminare zur

Film- und Mediengeschichte Teil des Pflichtunterrichts

sind, wählen Studierende der Diplomaufbaustudiengänge

oder des Quereinstiegs aus einem Angebot an jährlich

wechselnden Filmgeschichts- und Filmtheorie-Seminaren

aus, die stets die individuelle Auseinandersetzung

mit einer Themenstellung beinhalten und in Form einer

Hausarbeit oder eines Referats abgeschlossen werden.

OPEN HOUSE

OPEN HOUSE ist der Titel einer Lehrveranstaltungsreihe,

die in der Regel 2 Mal pro Semester im Kino Caligari

in Kooperation mit Kinokult Programmkinos stattfindet.

In dieser Reihe präsentieren – in der Regel mittwochabends

ab 17.00 Uhr – ehemalige Studierende der

Filmakademie oder aktuelle Gastlehrende ihre neuen

Projekte aus unterschiedlichen Bereichen und berichten

im Anschluss an das Screening in einem Werkgespräch

u.a. über die Entstehung und Hintergründe des Films,

gefolgt von einem Q&A. Hier wird es auch sehr begrüßt,

wenn Teammitglieder der verschiedensten Gewerke anwesend

sind (Regie, VFX, Kamera, Szenenbild etc.) und

von ihren Erfahrungen berichten.

OPEN HOUSE verbindet die Analyse aktueller Medienproduktionen

mit der Vernetzung von Studierenden,

Alumni und Lehrenden bewusst gewerkeübergreifend.

Die kritische und diskursive Auseinandersetzung mit aktuellen

Medienproduktionen ist ein wichtiger Bestandteil

des Lehr- und Bildungsauftrags der Filmakademie.

Sofern es sich bei den eingeladenen Gästen um Alumni

der Filmakademie handelt, trägt die OPEN HOUSE-VER-

ANSTALTUNG den Untertitel THERE AND BACK

AGAIN – ALUMNI STELLEN SICH VOR. Dies betont

noch einmal die besodnere Bedeutung eines aktiven Studierenden-Alumni-Netzwerks.

49


STECKBRIEF

Drehbuch

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkk

1

STUDIENKOORDINATION

Igor Dovgal

2

PROJEKTBETREUUNG

Liv Scharbatke

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Franziska Buch,

Prof. Christoph Fromm,

Alexander Buresch

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

ca. zehn

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Mut, Selbstbewusstsein, Neugier,

Beobachtungsgabe, Teamfähigkeit

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Während des Studiums in Ludwigsburg

können sich die Studierenden

ganz aufs Wesentliche konzentrieren:

das Drehbuchschreiben

7

WAS LERNEN DIE STUDIEREN-

DEN HIER?

Wir sehen das Drehbuchstudium

als eine Zeit des Erforschens und

Erlernens von handwerklichen

Grundlagen. Unsere Studierenden

haben die Möglichkeit zu experimentieren.

Gleichzeitig werden sie

aber auch mit den handwerklichen

Fähigkeiten ausgestattet, um in einem

sich ständig ändernden Markt

bestehen zu können.

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Ten steps to successful

screenwriting

9

ONE COOL FACT ABOUT.....

Der aktuelle Markt ist breit und

dürstet nach guten Autor*innen.

10

MOTTO

Wer nichts erlebt, hat auch nichts

zu erzählen.

50


Executive & Line

Producing

1

STUDIENKOORDINATION

Márk Szilágyi

2

LEITENDE DOZIERENDE

Felix Eisele

3

DOZIERENDE

Andreas Bareiss, Sophie Cocco,

Ben v. Doebeneck, Kirsten Frehse,

Tim Greve, Susa Kusche,

Laura Machutta,

Jakob Neuhäusser, u.v.a.

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

5-8 (inklusive

Quereinsteiger*Innen)

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Großes Interesse an der finanziellen,

unternehmerischen und organisatorischen

Leitung einer Filmund

Medienproduktion

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Großes Netzwerk, Kontakt zur

Branche und ein ELP-Mentoring-Programm

7

WAS LERNEN DIE STUDIEREN-

DEN HIER?

Das Agieren als Schnittstelle zwischen

den kreativen, wirtschaftlichen,

organisatorischen und

rechtlichen Aspekten in der Filmproduktion.

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Belege mit Tesafilm aufzukleben.

9

ONE COOL FACT ABOUT.....

Die Filmakademie ist die einzige

Filmhochschule Deutschlands,

die eine Spezialisierung im Wahlpflichtfach

Executive & Line Producing

anbietet.

10

MOTTO

„Filmemachen ist keine Operation

am offenen Herzen!“

51


52


ANIMATIONSINSTITUT GRUSSWORT

LIEBE STUDENTINNEN UND

LIEBE STUDENTEN,

nach einer intensiven Woche verließ ich dieses Jahr die Diplompräsentationen

euphorisch. Eindrucksvoll wurde uns Juror*innen in dieser

Woche von unseren Diplomand*innen das gesamte Spektrum von

Animation, VFX und Interaktive Medien auf höchstem Niveau präsentiert.

Ich persönlich durchlief beim Erleben der Projekte eine Bandbreite an Emotionen

vom Staunen, übers Denken bis hin zum Lachen und Weinen.

Das Ganze ist nicht durch ein Wunder passiert, sondern durch die Leistung dieses

Jahrgangs. Voraus gingen für jeden einzelnen Diplomanden und jede einzelne

Diplomandin schwierige Zeiten und Krisen. Und trotzdem, oder vielleicht sogar

gerade deshalb, ist es allen gelungen, sich den Fragen, die ihre Projekte an sie gerichtet

haben, individuell und in der Gemeinschaft zu stellen.

Was das für Fragen sind?

Was am Stoff ist relevant? Was bewegt Euch, die

Macher*innen? Kommuniziert das mit uns, dem

Publikum? Wie bringt Ihr Euer Anliegen intensiv

und originell zum Ausdruck? Gibt es ein Team,

um das Projekt zu realisieren? Gibt es innovative,

zeitgemäße und effektive Ausdrucksformen für

den Stoff ? Ich könnte ewig so weitermachen …

Es liegt an Euch, sich zu diesen Fragen zu positionieren,

und das ist leichter gesagt als getan.

Wir als Ausbildungsstätte können dafür den Rahmen

schaffen, indem wir versuchen, Euch die

richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt zu stellen

und für Euch zum richtigen Zeitpunkt das richtige Lehrangebot zu schaffen.

Die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit diesen Fragen und die Bereitschaft

zum Austausch darüber, die müsst ihr mitbringen.

In diesem Sinn. Auf in die nächste Runde.

Ludwigsburg, 14.8.2021

Prof. Andreas Hykade

Leiter des Animationsinstituts der Filmakademie Baden-Württemberg

53


ANIMATIONSINSTITUT KEYNOTE STEVEN APPLEBY

Was macht einen erfolgreichen

Cartoonisten und Animationsfilmer aus,

Steven Appleby?

mit ihrem Hauptcharakter Captain Star erlangten schnell

Kultstatus. Daraufhin publizierte er jahrelang in verschiedenen

Zeitungen, etwa in der Times, dem Sunday

Telegraph oder dem Guardian. In Deutschland waren

seine Zeichnungen in der F.A.Z. und der Wochenzeitung

Die Zeit zu sehen. 1997 brachte er gemeinsam mit dem

Regisseur Pete Bishop die CAPTAIN STAR Animationsserie

an den Start. Kürzlich veröffentlichte er sein vielgefeiertes

Comicbuch DRAGMAN. Darin mutiert ein

Mann zum Superhelden, sobald er Frauenkleider trägt.

Appleby verarbeitete mit diesem Werk eigene Erfahrungen.

Sein ganzes Erwachsenenleben lang war er Crossdresser,

seit den 90er Jahren geht er offen damit um und

lebt seit 2008 ausschließlich als Transgender-Person.

Lieber Steven, du bist seit langem ein erfolgreicher Indie-Cartoonist.

Was würdest du den Studierenden des

Animationsinstituts raten? Was braucht es für so eine

Karriere?

DIE KEYNOTE BEI DER GEMEINSAMEN

ERÖFFNUNG DES STUDIENJAHRS DER

FILMAKADEMIE UND DER AKADEMIE

FÜR DARSTELLENDE KUNST BADEN-WÜRTTEM-

BERG HÄLT DER CARTOONIST, ILLUSTRATOR UND

FILMEMACHER STEVEN APPLEBY.

Applebys absurd-humoristischer Stil und sein hintergründiges

Storytelling sind legendär. Die Karriere des

65-jährigen Briten begann in den 1980er Jahren als Cartoonist

der Musikzeitschrift New Music Express (NME).

Seine ROCKETS PASSING OVERHEAD-Comic-Strips

Für mich selbst ist es schwer zu sagen, warum die Menschen

meine Arbeit mögen. Ich denke, neben dem nötigen

Glück, hat es im Grunde mit Ideen zu tun. Meine

Zeichnungen haben oft einen anderen Blick auf die Welt,

aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Dennoch glaube

ich, es ist wichtig, dass diese Ideen in der Wahrnehmung

der Wirklichkeit verankert sind. Die Menschen

sollten sich darin wiederfinden, sonst verbindet sich da

nichts. Nehmen wir als Beispiel ein Buch, das ich vor

Jahren speziell für Deutschland gemacht habe, DIE ME-

MOIREN DES CAPTAIN STAR. Das ist eine unglaublich

verrückte Science-Fiction-Welt, die ich darin entworfen

habe. Dennoch geht es auch um alltägliche Dinge, wie

54


Ich hatte mal einen kommerziellen Auftrag, die wollten

unbedingt, dass ich ein Pinselwerk male. Das war

ein Albtraum, weil ich damit überhaupt nicht zufrieden

war und ich das einfach nicht konnte. Prinzipiell ist es

also sicher besser, bei sich zu bleiben und zu wissen, was

man eigentlich will. Dass ich von NME Aufträge bekam,

hatte einerseits sehr viel mit Glück zu tun, aber sie kamen

auch auf mich zu, weil sie eben genau meinen Stil

mochten. So war es auch in Deutschland. Ein Redakteur

fand meine NME-Cartoons gut und brachte mich dann

in Die Zeit.

Woher nimmst du deine Ideen, hast du da bestimmte

Methoden?

typische Ticks und Obsessionen der Figuren, etwa wenn

zum Thema wird, dass das Raumschiff regelmäßig gesaugt

oder auf der Brücke Staub gewischt werden muss.

Dein Stil gilt als einzigartig und ist mitunter deshalb so

beliebt. War es anfangs schwer, an deinen Vorstellungen

festzuhalten und trotzdem Aufträge zu bekommen? Von

Künstler*innen hört man ja auch oft, sie müssten sich

an den Markt anpassen, um von ihrer Kunst leben zu

können.

Gute Frage. Am Anfang wusste ich nicht, ob mein Stil

den Menschen gefällt. Stil ist ja so etwas wie eine Handschrift,

die kommt einfach so raus. Ich habe am Royal

College bei Quentin Blake studiert. Von ihm lernte

ich: Sei du selbst und lass dich nicht in eine Ecke drängen.

Es hat auch damit zu tun, dass etwas anderes zu machen,

als man selbst will, am Ende oft nicht funktioniert.

Im Rückblick haben meine Sachen fast immer mit etwas

zu tun, das ich selbst sehr mag. Captain Star kam aus

meiner Liebe zu Science Fiction, also der Crazy-Science

Fiction, nicht unbedingt der logisch-wissenschaftlichen

Variante. Auch von Charakteren wie Flash Gordon,

den ich als Kind sehr mochte, oder STAR TREK, das

hinsichtlich der Figuren die Vorlage der Story war. Es

kann thematisch eigentlich alles sein, mein Sohn liebt

das Gärtnern, also zeichnet er toll Blumen und Pflanzen.

Entscheidend ist, denke ich, einer solchen Passion

schließlich etwas Neues, Persönliches hinzuzufügen.

Ich liebe beispielsweise das Genre der Country House

Stories, in Deutschland kennt ihr vielleicht die Agatha

Christie-Krimis. Diese Landhauswelt habe ich kopiert

und davon eine Version entwickelt, die ein bisschen verrückt

ist und deren Charaktere genau meine Obsessionen

haben. Der eine macht sich etwa ständig Gedanken

um die Vergänglichkeit des Lebens, die andre sucht nach

55


ANIMATIONSINSTITUT KEYNOTE STEVEN APPLEBY

56


der großen Liebe und so weiter. Bei DRAGMAN ist es offensichtlich

mein Transding, das ich mit Superhero-Stories

verbinde. Ich schiebe also alte Dinge herum und mache

so etwas Neues daraus.

An was arbeitest du derzeit?

Derzeit gibt es Verhandlungen mit Sendern, aus DRAG-

MAN einen Live-Action-Film zu machen, was wirklich

cool wäre. Doch Corona hat da leider alles ein wenig verzögert.

Daneben arbeite ich noch an ein paar neuen Dingen.

Ich war allerdings einer dieser Leute, die nicht so

leicht mit den vergangenen Pandemie-Monaten klarkamen

und irgendwie nicht normal weiterarbeiten konnten.

Dass ich nicht reisen konnte, um mein neues Buch

zu promoten, war offensichtlich notwendig, aber es

machte mich natürlich traurig. Ich war nicht wirklich

deprimiert, doch ich fühlte mich flach. Klar habe ich

mitgeholfen, DRAGMAN in unterschiedliche Sprachen

neu zu setzen. Doch die Inspiration, die ich für ein neues

Buch brauche, kam nicht. Allmählich normalisiert sich

aber alles wieder. Ich habe zwei Buchideen und ich habe

im Gefühl, eine davon lernt gerade fliegen. Ich hoffe,

dass zumindest eine davon am Ende etwas wird.

Die Studienjahreröffnung mit der Keynote von Steven

Appleby findet am Montag, 20. September 2021 um

11 Uhr im Albrecht Ade Studio statt.

WEITERE INFOS ZU STEVEN UNTER

WWW.STEVENAPPLEBY.COM/NEWSPAPER

57


ANIMATIONSINSTITUT STUDIUM

STUDIEREN

AM ANIMATIONSINSTITUT

DAS ANIMATIONSINSTITUT DER FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG

BIETET FOLGENDE STUDIENVERTIEFUNGEN AN:

• ANIMATION (U.A. MIT CHARACTER ANIMATION)

• VISUAL EFFECTS

• ANIMATION/EFFECTS PRODUCING

• TECHNICAL DIRECTING

• INTERAKTIVE MEDIEN


GRUNDSTUDIUM &

PROJEKT-/DIPLOMAUFBAUSTUDIUM

IM GRUNDSTUDIUM (1. UND 2. JAHR) erlernen alle Studierenden der Filmakademie gemeinsam

und fächerübergreifend die Basics des Filmemachens. Im zweieinhalbjährigen Projektstudium

(3. und 4. Jahr) spezialisieren sie sich auf ihre gewählte Studienvertiefung. In das Projektstudium

ist bei entsprechenden Vorkenntnissen auch ein Quereinstieg möglich.

ANIMATION/EFFECTS PRODUCING, TECHNICAL DIRECTING UND INTERAKTIVE MEDIEN

sind Diplomaufbaustudiengänge, in die mit entsprechender Vorqualifikation durch ein abgeschlossenes

Studium an einer Hochschule oder gleichwertigen Einrichtung (Bachelor, Master oder

Diplom) sowie praktischen Erfahrungen eingestiegen werden kann.

Die Ausbildung am Animationsinstitut erfolgt praxisorientiert und projektbezogen. Die Studierenden

werden in ihrer Arbeit und Entwicklung individuell betreut und durch Seminare, Weeklies

und Mentorings unterstützt.

58


59


ANIMATIONSINSTITUT

60


STUDIUM

SECHS GRÜNDE

FÜR DAS STUDIUM AM

ANIMATIONSINSTITUT

DAS ANIMATIONSINSTITUT DER FILMAKADEMIE

BADEN-WÜRTTEMBERG BILDET AUF HÖCHSTEM NIVEAU

HERAUSRAGENDE TALENTE IN DEN BEREICHEN ANIMATION,

VISUAL EFFECTS, TECHNICAL DIRECTING, ANIMATION/EFFECTS

PRODUCING UND INTERAKTIVE MEDIEN AUS. AUSSERDEM

BETREIBT DAS INSTITUT EINE ABTEILUNG FORSCHUNG &

ENTWICKLUNG UND RICHTET INHALTLICH DIE INTERNATIONALE

FACHKONFERENZ FMX AUS.

1.

2.

3.

4.

5.

6.

GANZHEITLICHKEIT & SPEZIALISIERUNG

Wir vermitteln unseren Studierenden das Verständnis für die

ganz heitlichen Zusammenhänge des Mediums Animation und ermöglichen

ihnen darauf aufbauend eine schrittweise Spezialisierung.

PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG

Wir ermutigen und bestärken unsere Studierenden beim Entdecken

und Entwickeln ihrer Originalität.

PROJEKT- UND TEAMARBEIT

Unsere Studierenden entwickeln und realisieren in Teamarbeit

Projekte von besonderer Qualität.

TECHNOLOGIEVORSPRUNG

Die enge Verzahnung mit nationalen und internationalen Forschungsprojekten

verschafft unseren Studierenden auch in technologischer Hinsicht

einen entscheidenden Vorsprung.

FÖRDERUNG & VERNETZUNG

Wir erleichtern unseren Studierenden und Alumni, in der Branche

anzukommen, ihre Rollen zu finden, sich zu vernetzen und ihre Talente

weiterzuentwickeln.

HEIMAT & INTERNATIONALITÄT

Das Animationsinstitut ist Homebase, die FMX Karrieresprungbrett

und Community -Treffpunkt für unsere Studierenden und Alumni.

61


ANIMATIONSINSTITUT STUDIENVERTIEFUNGEN


ANIMATION

In der Studienvertiefung Animation erwerben die Studierenden

Kenntnisse und Fähigkeiten, um spannende Geschichten künstlerisch

und technisch in Animationsfilme zu verwandeln. Dabei

können sie sich an verschiedenen Produktionstechniken ausprobieren,

wie 2D- und 3D-Computeranimation, Stop Motion, Zeichentrick

oder Motion Capture.


CHARACTER ANIMATION

Innerhalb der Studienvertiefung Animation bietet das Animationsinstitut

eine einzigartige Ausbildung in Character Animation

an. Sie behandelt diesen Spezialbereich in all seinen Facetten

und schauspielerischen Herausforderungen. Studierende erlernen

alle handwerklichen und stilistischen Skills, um in Filmen

oder Games mit klassischen wie modernen Animationstechniken

Charaktere zum Leben zu erwecken.

62


ANIMATION

63


ANIMATIONSINSTITUT ANIMATION

Geht gute Kunst nur in der Krise?

MICHAEL BOHNENSTINGLS ANIMATI-

ONSFILM 'SLOUCH' BEHANDELT DIE

FRAGE, OB GROSSE KUNST NUR AUS

MOMENTEN TIEFSTER KRISEN ENTSTEHEN

KANN. „THE MOST BEAUTIFUL FLOWERS

GROW ON SHIT”, BEHAUPTET DARIN NUFF-

TI. ER IST DER KLEINE PERSÖNLICHE DÄ-

MON DER HAUPTFIGUR SLOUCH,

EINEM FRUSTRIERTEN MUSIKER,

DER MIT SEINER FREUNDIN

IN SEINER GARAGE LEBT UND

VOM GROSSEN DURCHBRUCH

TRÄUMT. ALS DIESER DANN

TATSÄCHLICH PASSIERT, HÖREN

DIE PROBLEME (ZUM GLÜCK)

NICHT AUF.

Lieber Michael, brauchst du Krisen, um kreativ zu sein

oder wie kam’s zur Storyidee von SLOUCH?

Die entstand, als ich selbst eine persönliche und künstlerische

Krise hatte. Während meines Studiums in Ludwigsburg

habe ich außerdem viel Musik mit meiner

Band in unserem Proberaum in den Baracken gemacht.

Dabei sprachen wir oft über die Ursprünge von Kreativität

und fragten uns, warum so viele Künstler*innen so

schrecklich abgefuckt sind und ob ein glückliches, gesundes

Leben dabei wirklich hinderlich sein kann. So ergab

sich schließlich das inhaltliche Fundament für den

Film.

SLOUCH ist mit 18 Minuten ziemlich lang für einen Abschlussfilm.

Im Bereich Animation bedeutet das sehr viel

Arbeit in einer relativ kurzen Zeit. Von wegen Chancen

durch Krisen... konntest du durch die Lockdowns so viel

Zeit investieren?

Ja, es war wirklich viel Arbeit! Doch ich arbeite eigentlich

so, dass ich zuerst die Story habe. Daraus

ergibt sich dann die Ausgestaltung und

Länge, die es für die Umsetzung braucht.

Ich versuche mich immer dahingehend

erst einmal nicht einzuschränken. Ich hatte

auch Hilfe von einem tollen Team. Beispielsweise

haben Julia Skala und Oleg Stezenko

die Sets und Hintergründe designt.

Christian Kaufmann hat sie dann in Cinema

4D gebaut. Dadurch konnte ich mich auf

das Mise-en-scène und Editing konzentrieren. Aber es

stimmt schon. Durch die Corona-Krise habe ich viele

Sachen, die ich im Normalfall neben dem Studium gemacht

hätte, nicht machen können und hatte die nötige

Zeit.

Du bist selbst auch Musiker. Wie autobiografisch ist der

Film?

Klar, ein Regisseur kann sich ja meistens nicht in seinem

Werk verstecken. Und natürlich spielt meine Musik eine

wichtige Rolle. Im Grunde hat mich der Film bei der

Beantwortung einiger Fragen begleitet, die ich selbst an

das künstlerische Schaffen, aber auch ganz allgemein ans

Leben hatte. Aber gleichzeitig: Was für eine Geschichte

gut funktioniert und richtig ist, muss nicht gleich eins

zu eins im eigenen Leben funktionieren.

64


Du warst vor einigen Jahren für Studio Soi in Ludwigsburg

tätig. Unter anderem hast du für die ZDF-Kinderserie

PETZI geschrieben und bei ihr auch Regie geführt.

Wie unterscheidet sich diese Arbeit von einem

Indie-Film wie SLOUCH?

Eigentlich gar nicht so sehr. Es ist im Grunde egal, ob ich

in einem Film über Freundschaft oder vom Scheitern erzähle.

Die Geschichte muss gut sein. Klar gibt es etwa in

Sachen Budget, Timeline, Ressourcen oder Teams andere

Bedingungen. Im Animationsinstitut wird uns dagegen

viel Freiheit gelassen. Wir werden voll darin unterstützt,

in den Projekten unsere eigenen Ideen umzusetzen. Im

besten Fall führt das dazu – wie uns Andreas Hykade

einmal gesagt hat – dass das Animationsinstitut für uns

zu einem Ort wird, an dem wir selbst über uns hinauswachsen.

65


ANIMATIONSINSTITUT BEYOND STUDY

WIE WERDEN AM ANIMATIONSINSTITUT TALENTE

NACHHALTIG GEFÖRDERT?

SOBALD DIE STUDIERENDEN IHR

DIPLOM IN DER TASCHE HABEN,

SOLLTE IHR KONTAKT ZUM ANI-

MATIONSINSTITUT KEINESWEGS

ABREISSEN. GETREU DEM MOTTO

„LIFELONG LEARNING“ STEHT DAS

ALUMNI-TEAM ÜBER DAS STUDI-

UM HINAUS IM KONTAKT MIT DEN

ABSOLVENT*INNEN. CHRISTIAN

MÜLLER IST AM ANIMATIONSINS-

TITUT DER HERSTELLUNGSLEITER

FÜR AUFTRAGSPRODUKTIONEN

UND TALENTINITIATIVEN.

LETZTERE UNTERSTÜTZEN EINZEL-

PERSONEN UND TEAMS BEI DER

WEITERENTWICKLUNG IHRER IM

STUDIUM BEGONNENEN PROJEK-

TE, ANSÄTZE UND IDEEN. ER HAT

UNS ERZÄHLT, WESHALB SICH

DAS ANIMATIONSINSTITUT EINER

NACHHALTIGEN TALENTFÖRDE-

RUNG VERSCHRIEBEN HAT UND

WAS AUS DEN GEFÖRDERTEN DER

VERGANGENEN JAHRE GEWORDEN

IST.

Lieber Christian, was bedeutet Talentförderung

am Animationsinstitut?

Wir verstehen sie als einen ganzheitlichen

Prozess und Aufgabe der

Lehre, die über das Studium hinausgeht.

Alumni sollen auch nach

dem Diplom von unserem nationalen

und internationalen Netzwerk

66

profitieren. Die Talentförderung besteht

einerseits aus konkreten Initiativen

und Angeboten. Andererseits

unterstützen wir die Talente beim

direkten Kontakt zum Markt, unter

anderem über Auftragsproduktionen.

Was sind das genau für Initiativen

beziehungsweise Angebote?

Beispielsweise gab es das ART &

TECH LAB, bei dem es um immersive

Erfahrungen unter dem Motto,

Technische Innovation trifft auf

künstlerischen Approach‘ ging,

oder die projektbezogene Talentförderinitiative

VR NOW, die sich an

Absolvent*innen baden-württembergischer

Hochschulen richtete.

Zudem sind wir ein Teil des workshopbasierten

Trainingsprogramms

Animation Sans Frontière (ASF).

Dieses Angebot richtet sich an junge

Animationsschaffende aus ganz

Europa. Es bringt sie zusammen

und bildet sie weiter.

Was will das Animationsinstitut

damit erreichen?

Uns ist es wichtig, Perspektiven

aufzuzeigen, wie Studierende und

Alumni das eigene künstlerische,

kreative und technologische Schaffen

auch nach dem Studium fortführen

können. Im Fokus stehen die

Persönlichkeitsentwicklung sowie

das Erkennen und Stärken des eigenen

Potenzials, gerne in Verbindung

mit Teams und Projekten. All das,

was wir hier tun, soll als Sprungbrett

in eine nachhaltige, selbstbestimmte

berufliche Zukunft dienen.

Du hast über viele Jahre die Talentförderinitiative

VR NOW betreut.

Wie haben sich die geförderten Projekte

entwickelt?

Die meisten haben sich toll weiterentwickelt.

Nur um mal zwei

Beispiele von vielen zu nennen:

Die gruppendynamische Sync-VR

Variante zum VR-Film CONSCIOUS

EXISTENCE von unserem Alumnus

Mark Zimmermann wurde

für den Aurea Award für innovative

AR- und VR-Projekte nominiert.

Diese Nominierung hat den Weg

für eine Kooperation zwischen der

Filmakademie und dem Europapark

geebnet. Das Team des VR-Multiplayer-Spiels

VR TRIBES hat sich

sogar erst aus Alumni und Studierenden

der Hochschulen Offenburg

und Trossingen gebildet, um bei VR

NOW dabei zu sein. Nach einem

Jahr Prototypenentwicklungsphase

haben sie die Framelocker GmbH

in ihrer Heimat Freiburg gegründet.

Dann haben sie mit der Unterstützung

des Beratungsangebot der

MFG einen erfolgreichen Antrag auf

Computerspieleförderung des Bundes

gestellt, um VR TRIBES marktreif

weiterzuentwickeln.

MEHR INFORMATIONEN UNTER

WWW.ANIMATIONSINSTITUT.

DE/BEYOND-STUDY


STUDIENVERTIEFUNGEN


VISUAL EFFECTS

Mit Visual Effects (VFX) kennt das Storytelling keine Grenzen.

Vom actionreichen Hollywood-Blockbuster bis hin zu fantasievollen

Games – kaum eine Produktion kommt heute mehr

ohne visuelle Effekte aus. Sie verstärken tiefgehende Emotionen,

spannende Abenteuer und epische Filmmomente, die im

Gedächtnis bleiben.

Im Visual-Effects-Studium am Animationsinstitut werden die

Studierenden künstlerisch und technisch in der Umsetzung

von visuellen Effekten in Filmen, Games, Spots und anderen

Formaten ausgebildet. In einer technologisch hochwertigen Infrastruktur

erlernen sie alle relevanten VFX-Produktionstechniken.

Während des VFX-Studiums realisieren sie eigene Projekte und

bekommen den Freiraum, zusammen mit anderen Studierenden

der Filmakademie vielseitig zu experimentieren. Schon während

des Studiums treffen sie auf wichtige nationale und internationale

Player der Branche.

67


ANIMATIONSINSTITUT VFX

Entkommt Woody dem Feuer?

DER HAUPTCHARAKTER DES FILMS

'WOODY' IST EIN AUS STÖCKEN BE-

STEHENDES WESEN, DAS VON EINER

WELT IN FLAMMEN BEDROHT WIRD. UM ZU

ENTKOMMEN, MUSS ES SICH IMMER WIEDER

NEU ANPASSEN UND IN UNTERSCHIEDLICHE

KREATUREN VERWANDELN. JUSTIN BRAUNS

DIPLOMPROJEKT IM BEREICH VISUELLE

EFFEKTE STECKT NICHT NUR VOLLER CUT-

TING-EDGE-TECHNOLOGIE, SONDERN AUCH

ERNSTER METAPHORIK, DIE EINDRUCKS-

VOLL AN DIE HERAUSFORDERUNGEN DER

MENSCHHEIT DURCH DIE FOLGEN DES KLI-

MAWANDELS ERINNERT.

Lieber Justin, in deinem

Film kämpft die

Figur WOODY mit

Gefahren, die für ihn

immer mächtiger und

bedrohlicher werden.

Was hat es mit der

Story auf sich?

Am Anfang des Projekts stand meine persönliche Erfahrung

eines Burnouts. Dieses Gefühl visuell und inhaltlich

darzustellen, durchzieht das gesamte Projekt. Es

geht also mitunter um die Empfindung, einer Idee oder

Sache vehement mit aller Kraft hinterherzujagen, bis

zum schwierigen Eingeständnis, dass man es trotz allem

Einsatz nicht schafft und aufgeben muss.

Die Bilderwelt ist geprägt von verheerenden Feuern, die

an katastrophale Waldbrände erinnern, und WOODY

verwandelt sich auf seiner Reise in an Waldbewohner erinnernde

Tiere. Wie viel politischer Aktivismus in Hinblick

auf die Gefahren des Klimawandels steckt in deinem

Film?

Während das Projekt entstanden ist, haben natürlich

auch die aktuellen Erfahrungen eine entscheidende Rolle

gespielt. Die Darstellung eines Burnouts bildet sich in

dem Film metaphorisch durch die bedrohte Natur ab.

Das geschah bewusst, schließlich scheint die Welt mit

Klimakatastrophe und Pandemie sich derzeit selbst in einer

Art Burnout zu befinden, und das wollte ich mit der

Geschichte und Ausgestaltung thematisieren.

68


Bei der Produktion arbeiteten du und dein Team mit

neuester Technologie. Unter anderem kam künstliche

Intelligenz zum Einsatz...

Ja, das Character Development von WOODY basiert auf

der Software Quill – einer Software, in der man direkt

in einer VR-Umwelt zeichnet. Hier entstand der Look

mit den Stöcken. Dann habe ich ein KI-Tool entwickelt,

das die Daten der Quill-Strokes mit Informationen von

Megascan Libraries verbindet. Dadurch konnten wir daraus

automatisiert Vorlagen für die weiteren Charaktere

gewinnen, die wir anschließend manuell bis zum fotorealistischen

Rendering weiterentwickelt haben. Auch

bei den Environments lief das ähnlich. Hier arbeiteten

wir unter anderem mit Satellitenaufnahmen, die wir in

der Unreal Engine wiederum mit Megascan Libraries abgeglichen

haben. Schließlich haben wir uns für einen

Motion Capture Shoot entschieden, bei dem wir auch

Teile aus der digitalen Welt nachgebaut haben, um die

Figuren und Szenen adäquat zum Leben zu erwecken.

69


ANIMATIONSINSTITUT

70


71


ANIMATIONSINSTITUT VFX

Was bedeutet es,

einen Oscar zu gewinnen?

PASCAL SCHELBLI UND SEINEM

TEAM IST GELUNGEN, WOVON VIELE

FILMSCHAFFENDE TRÄUMEN.

SEIN DIPLOMFILM IM STUDIENBEREICH

VISUAL EFFECTS GEWANN 2020 DEN

STUDENT ACADEMY AWARD IN DER KATE-

GORIE ANIMATION.

THE BEAUTY erzählt mit einer beeindruckenden Bilderwelt

und poetischen Sprache von der Verschmutzung

der Weltmeere durch Plastikmüll. Uns hat der Alumnus

des Animationsinstituts, der mittlerweile wieder in Zürich

wohnt, erzählt, wie sich die Auszeichnung auf seine

Arbeit ausgewirkt hat und welche Projekte derzeit

anstehen.

Bekommst du nun viele Angebote aus den Staaten?

Da gab es schon viel Interesse. Allerdings habe ich früh

deutlich gemacht, in Europa bleiben zu wollen, wodurch

sich einiges wieder erledigte. Ein Projekt habe ich auch

abgesagt, weil ich inhaltlich einfach nicht überzeugt war.

Warum lieber Europa statt die USA?

L.A. gilt ja als eine Art „Schlund“, in dem man untergehen

kann. Ich habe Freunde, die dort tätig sind und habe

mich am Ende dagegen entschieden. Ich dachte, lieber

in Europa Projekte machen, bei denen vielleicht das

Budget kleiner ist, dafür aber die Freiheiten größer. In

Sachen Filmförderung ist durch den Oscar zum Glück

hier auch einiges möglich, weil man kein unbeschriebenes

Blatt mehr ist.

Was ist von dir künftig zu erwarten? Wird in deinen

Filmen wie in THE BEAUTY ein gewisser politischer

Aktivismus eine Rolle spielen?

Lieber Pascal, wie hat die Auszeichnung mit dem Studierenden-Oscar

dein Leben verändert?

Zwar hat für uns die Oscar-Verleihung durch Corona leider

etwas an Farbe verloren, da wir nicht vor Ort in Los

Angeles sein konnten und die Gewinner in Zoom-Calls

verkündet wurden. Dennoch hat sich die Academy bemüht,

uns dieselben Möglichkeiten wie in anderen Jahren

zu bieten. Sie organisierten etwa Onlinetreffen, bei

denen wir uns großen Produktionsfirmen vorstellen

konnten oder brachten uns mit etablierten Regisseur*innen

von Animationsfilmen zusammen. Überrascht hat

mich das Interesse, auf das die Auszeichnung in Europa

gestoßen ist. Ob Fernsehen oder Zeitungen, so viele haben

dadurch bei mir angeklopft, das macht einen natürlich

bekannter.

72

Es ist kein Geheimnis, dass ich ziemlich grün angehaucht

bin. Allerdings sehe ich mich nicht zu hundert

Prozent als politischer Filmemacher, zumindest nicht

an vorderster Front. Gerade habe ich Werbefilme für einen

Gitarrenhersteller fertiggestellt, das ist davon eher

weit weg. Ich habe ein paar Ideen für Kurzfilme, die ich

machen will und gerade im Anfangsstadium sind. Ein

Traum wäre irgendwann ein Feature-Film, mal sehen.

DEN VES AWARD KONNTE DAS TEAM VON “THE BEAUTY”

NOCH PERSÖNLICH IN L.A. ABHOLEN


DIE OSCAR-VERLEIHUNG FAND PANDEMIEBEDINGT NUR ONLINE STATT.

PASCAL SCHELBLI (U. RE) BEKAM DIE TROPHÄE PER POST.

73


ANIMATIONSINSTITUT BEYOND STUDY

WIE WIRD AUS EINEM MALBUCH

EIN INTERAKTIVES ERLEBNIS?

EIN EIGENES PROJEKT ENT-

WICKELN, DABEI GEFÖRDERT

WERDEN UND TEIL EINES EURO-

PÄISCHEN KREATIVNETZWERKS

WERDEN. GENAU DAS BIETET DIE

TALENTFÖRDERINITIATIVE ANI-

MATION SANS FRONTIÈRES (ASF)

IHREN TEILNEHMENDEN. DER

ZUSAMMENSCHLUSS VON VIER

EUROPÄISCHEN HOCHSCHULEN,

DARUNTER DAS ANIMATIONSINSTI-

TUT, HAT SICH ZUM ZIEL GESETZT,

JUNGEN KREATIVSCHAFFENDEN

EINBLICKE IN DEN EUROPÄISCHEN

ANIMATIONSMARKT ZU GEBEN

UND IHRE PROJEKTE ZU FÖR-

DERN. UNTERSTÜTZT WIRD DAS

GANZE VOM „CREATIVE EUROPE

PROGRAMME“ DER EUROPÄISCHEN

UNION. DER LEIPZIGER FILMEMA-

CHER ULI SEIS WAR BEI ASF DABEI.

SEINEM PROJEKT 'MITMALFILM' HAT

DIES VIELE CHANCEN ERÖFFNET.

Lieber Uli, dein MITMALFILM ist

nicht nur ein Bilder- und Malbuch

für Kinder, sondern kann noch mehr.

Wie funktioniert es genau?

Ein MITMALFILM ist ein Malbuch

für Kinder, das sich in Trickfilme

verwandeln lässt. Das funktioniert

aus Sicht der Kinder ganz einfach in

drei Schritten: Malvorlage bemalen,

mit Smartphone oder Tablet fotografieren,

Film ansehen. Die Kinder

erleben, dass ein richtiger Zeichentrickfilm

in ihrem selbst gemalten

Bild spielt.

Die Filme nehmen die Kinderzeichnung

also als Hintergrundkulisse.

Wow, damit haben die Kinder

sicherlich viel Spaß. Was für Geschichten

und Charaktere gibt‘s

dann zu sehen?

Es ist uns wichtig, dass unsere Filme

in sich runde, lustige und gute Kurzfilme

sind, ganz unabhängig davon,

dass man sie auch als Mitmalfilm

selbst bemalen kann. Unsere Charaktere

sind kunstbegeisterte Tiere.

Da gibt es beispielsweise das Landschaftsmaler-Schaf

Claude Momäh,

die Streetart-Ratte Ranksy und den

tätowierenden Elefanten Tattoo-Ed.

Abenteuer und Hindernisse bewältigen

sie mit fantasievollen Lösungen

und den Mitteln der Kunst.

Du warst mit dem MITMALFILM

Teilnehmer von ASF 2017/2018. Was

hast du damals erlebt?

Es war toll, diese vier großartigen

Animationsfilm-Schulen besuchen

zu dürfen und dort jeweils zwei Wochen

zu lernen und am eigenen Projekt

zu arbeiten. Besonders wertvoll

fand ich, dass wir Einblicke in verschiedene

Produktionsfirmen bekommen

haben, sowohl sehr große

als auch kleine, junge Firmen,

die teilweise auch von ASF-Alumni

gegründet wurden. Das Ganze in einer

Gruppe von tollen, kreativen

Animationsfilmschaffenden zu erleben,

war einmalig. Wenn ich dürfte,

würde ich es gleich nochmal machen.

Mittlerweile hast du eine

Firma gegründet und 2021 mit

dem MITMALFILM den Trickstar

Business Award des Internationalen

Trickfilm-Festivals Stuttgart (ITFS)

gewonnen. Glückwunsch! Welche

nächsten Schritte planst du hinsichtlich

des Projekts?

Aus dem Projekt ist mittlerweile eine

Firma geworden. Als nächstes

planen wir die Veröffentlichung von

zwei weiteren Büchern mit unseren

eigenen Filmen. Außerdem machen

wir auch Mitmalfilme aus Animationsfilmen

anderer Produzentinnen

und Autoren. Die Mitmalfilm-Technik

macht es ja möglich, animierte

Kurzfilme in Form von Malbüchern

anzubieten und ist damit aus

unserer Sicht ein wirklich sinnvolles

Merchandise-Produkt für künstlerisch

hochwertige Trickfilme. Es ist

nicht das „Malbuch zum Film“, sondern

tatsächlich der „Film im Buch“.

74

ULI SEIS MIT ALICE VON GWINNER, DREHBUCHAUTORIN

DER MITMALFILME SOWIE AUTORIN DES MITMALFILM-BUCHS

'CLAUDE MOMÄH UND DIE GROSSE LEINWAND'


STUDIENVERTIEFUNGEN


ANIMATION/EFFECTS PRODUCING

Im Aufbaustudiengang Animation/Effects Producing erlernen erlernen

Studierende, Projekte in den Bereichen Animation, Games oder Effekte

produktions technisch zu verwirklichen. Betriebswirtschaftliche Inhalte aus der

Film- und Fernsehbranche ergänzen das Studium.

Sie werden zum Profi in Sachen Budget, Timing, Ressourcenmanagement, Teamführung

und Co. Neben diesen theoretischen Grundlagen fokussieren sie sich in

ihrem Filmproduktionsstudium auf die praktische Arbeit und realisieren gemeinsam

mit anderen Studierenden zahlreiche Projekte.

Im Produktionsteam ist Organisationstalent gefragt. Ziel ist, ein problemorientiertes,

vernetztes Denken zu vermitteln, das zur kompetenten Entwicklung und Realisierung

von Projektideen verhilft.

75


ANIMATIONSINSTITUT ANIMATION/EFFECTS PRODUCING

Wie erreichen wir

die Milestones?

PRODUKTIONEN MIT VISUELLEN

EFFEKTEN UND ANIMATIONEN HA-

BEN BESONDERE ANFORDERUNGEN,

WEISS ISABELLA BRAUN. SIE BETREUT ALS

ANIMATION/EFFECTSPRODUCERIN AM ANI-

MATIONSINSTITUT DERZEIT DIE PROJEKTE

'EVENING WALK', 'HELDEN HOTEL' ODER

'SPROUT'. ZUDEM IST SIE PRODUCERIN DES

VFX-FILMS 'WOODY', MIT DEM SIE KÜRZ-

LICH IHR DIPLOM GEMACHT HAT.

BELLA IST DIE PRODUCERIN VON 'HELDEN HOTEL'…

Liebe Isabella, in der

Vergangenheit warst du

auch für Realfilm-Produktionen

tätig. Was

läuft in Sachen Producing

bei Animationsund

Effectsfilmen anders?

Da gibt es schon einige Unterschiede, allein in zeitlicher

Hinsicht. Wenn beispielsweise bei einer Aufnahme

das Licht geändert werden soll, geht das bei einem

Realfilmshoot relativ entspannt: Du gehst einfach

hin und veränderst die Position der Lampe. Bei einem

Animations- oder Effectsfilm hängen an so einer

kleinen Veränderung unter Umständen mehrere

Arbeitsprozesse am Computer, was wesentlich

länger dauert. Daher ist es wichtig, dass Producer*innen

alle technischen Schritte einer Animations- und

Effektpipeline gut kennen, um den organisatorischen

Aufwand und die Abläufe einschätzen zu können.

Du bist die Producerin des imposanten VFX-Projekts

WOODY. Was waren bei dieser Produktion die größten

Herausforderungen?

Die Arbeit an WOODY war sehr umfangreich. Das allein

ist noch nicht ungewöhnlich, doch eine gewisse

Schwierigkeit bestand darin, dass wir dabei viel mit neueren

Technologien experimentierten. Dadurch wussten

wir manchmal nicht genau, wohin das Ganze eigentlich

führt und wie lange es dauert. Und da an dem Film ein

recht großes Team zusammenarbeitete, sollte das Ganze

zumindest irgendwann inhaltlich und zeitlich zusammenpassen

und sich zum Endprodukt hin entwickeln.

Dafür setzen wir immer gewisse Milestones, die wir erreichen

wollen. Das war bei WOODY mitunter etwas

schwierig. Dazu kam die Corona-Situation.

… UND VOM VFX-SPEKTAKEL 'WOODY'

76


Ihr konntet während der Produktion nur eingeschränkt

in den Ateliers des Animationsinstituts zusammenarbeiten...

Ja genau, die meisten richteten sich im Homeoffice ein

und arbeiteten von dort. Das Zusammensein hat dann

schon sehr gefehlt. Allein der tägliche Smalltalk, der

wegfällt. Aber auch, was die Arbeit betrifft, war vieles

komplizierter. Sich mal schnell über eine Sache mit den

anderen beraten und einfach über die Schulter schauen,

ging nicht. Es ist zuweilen nicht leicht, den Teamspirit

aufrechtzuerhalten, wenn alle in ihren Kämmerchen allein

vor der vielen Arbeit sitzen.

WOODY soll Ende des Jahres Premiere feiern. Hast du

schon Pläne für die Vermarktung?

Im Moment sind wir noch mit der Fertigstellung des

Films beschäftigt, aber als nächsten Schritt werden wir

eine Festivalstrategie entwickeln und eine daraus resultierende

Einreichliste vorbereiten. Annecy und Locarno

wären schön. Das Projekt könnte es auch zu den VES

Awards schaffen, also zur Visual Effects Society in Los

Angeles. Und dann mal sehen, warum nicht die Oscars

(lacht). Aiming high, sag ich mal.

BELLA AM SET

:

:

DIE PRODUCERIN VOR DER KAMERA IN ACTION

77


ANIMATIONSINSTITUT

78


STUDIENVERTIEFUNGEN


TECHNICAL DIRECTING

Technical Directors haben einen Informatikbackground und sind bei

Produktionen von Filmen, Games oder immersiven Medienprojekten die

Schnittstelle zwischen Kunst und Technologie. Sie managen alle technischen

Aspekte.

Die Studierenden am Animationsinstitut setzen Animations- und

VFX-Projekte um, forschen an neuen Softwarelösungen und bekommen

den Freiraum, zusammen mit anderen Studierenden der Filmakademie

vielseitig zu experimentieren. Bei den Projekten sind sie innerhalb eines

Teams für die Lösung von technischen Herausforderungen verantwortlich.

Sie programmieren beispielsweise passende Softwarelösungen, automatisieren

Animations- und VFX-Abläufe oder legen Workflows fest.

Ein wichtiger Teil des Studiums ist zudem eine Forschungstätigkeit am

Animationsinstitut. Hier eröffnen die Studierenden für Filme, Games

und andere Formate neue technologische Horizonte. Sie sind involviert in

der Entwicklung neuartiger Anwendungen und beteiligen sich im Rahmen

von Drittmittelprojekten an der intensiven Forschung des Instituts.

79


ANIMATIONSINSTITUT TECHNICAL DIRECTING

Bestehen die Filmsets der Zukunft

aus LED-Walls?

DER MATHEMATIKER UND MEDIENIN-

FORMATIKER SIMON SPIELMANN IST

LEITENDER INGENIEUR DER FOR-

SCHUNGS- UND ENTWICKLUNGSABTEILUNG

DES ANIMATIONSINSTITUTS SOWIE

DOZENT IN DER STUDIENVERTIEFUNG

TECHNICAL DIRECTING. SEIT JAHREN

FORSCHT ER UNTER ANDEREM DARAN, ENT-

WICKLUNGEN DER ECHTZEIT-COMPUTER-

GRAFIK FÜR DIE FILMBRANCHE NUTZBAR

ZU MACHEN. EIN WICHTIGER FORSCHUNGS-

BEREICH SIND DERZEIT DREHMETHODEN

MIT LED-BILDSCHIRMEN, DIE VIRTUELLE

FILMSETS ERMÖGLICHEN. IM VERGANGE-

NEN STUDIENJAHR EXPERIMENTIERTEN AM

ANIMATIONSINSTITUT FORSCHENDE UND

STUDIERENDE MIT EINER TESTANLAGE.

Lieber Simon, was hat es mit Filmsets aus LED-Wänden

auf sich?

Bislang drehte man Szenen, die vor computergenerierten

Landschaften oder fotografischen Hintergründen

spielen, vor allem mit der Blue- und Greenscreen-Technik.

Dabei werden Personen oder Gegenstände vor blauen

oder grünen Flächen aufgenommen und später in

die gewünschten Bilderwelten gesetzt. Künftig könnten

hochauflösende LED-Wände diese Methode ablösen. Mit

großen Displaytechnologien können virtuelle Inhalte direkt

ans Filmset geholt werden.

Was sind die Vorteile?

Ein großer Nachteil der Green- und Bluescreens ist, dass

die detaillierte Gestaltung der Szenen hinsichtlich des

Zusammenspiels zwischen Schauspiel und bildlicher

Umwelt im Nachhinein erfolgt. Das bedeutet oft eine

schauspielerische Herausforderung. Denn die Darsteller*innen

sind oftmals gezwungen, ihr Spiel weitestgehend

blind oder nur indirekt in die Umwelt zu imaginieren.

Auch Aufnahmefehler, die in der Postproduktion

aufwändig korrigiert werden müssen, passierten recht

häufig. Die LED-Screens funktionieren hingegen als eine

Art Bühne.

Die am Set mit dem bloßen Auge gesehene Szenerie ist also

nahe an dem Bild, das für den Film geschossen wird?

TD-DOZENT SIMON SPIELMANN IM STUDIO 1

Genau. Dadurch erlangt man mehr Kontrolle und eine

größere Genauigkeit beim Dreh. Zudem sind die Bildschirme

mittlerweile so hell, dass man damit gut beleuchten

kann. So gut, dass LED-Wände bald die Beleuchtungstechnik

am Set ergänzen können.

80


Vergangenes Studienjahr stand eine Testanlage im Studio 1.

Mit dieser habt ihr experimentiert, Workshops fanden

statt und Teile der Studierendenprojekte NEOSHIN und

HIGHSCORE HEAVEN wurden damit gedreht. Wo lag

hier euer Forschungsfokus?

Wir haben bei der Technologie noch eine ganze Palette

an Problemen, die es zu lösen gilt. Beispielsweise arbeitet

unsere Abteilung an Softwarelösungen, die die Arbeit

von Regisseur*innen mit den Screens vereinfachen können.

Etwa wenn diese am Set Änderungen am Bild wünschen,

könnten die Projektionen durch die vom Animationsinstitut

entwickelte Tablet-Applikation VPET leicht

umgestaltet werden. Zudem müssen geeignete Wege gefunden

werden, wie die Bildschirme und die Kamera

ideal aufeinander abgestimmt werden, um ein bestmögliches

finales Bild zu erzeugen. Wir versuchen, computeranimierte

Bilderwelten mit realen Handlungen technisch

so zu synchronisieren, dass Schauspiel und Bild

live interagieren. Entscheidend dabei ist das Kameratrackingsystem.

Durch die Pandemie war die Technik in der Filmwelt in

aller Munde. Warum?

Solche Bildschirm-Filmsets gleichen sich grundsätzlich

hinsichtlich ihres Aufbaus in unterschiedlichen Studios.

Daher ist es möglich, dass Drehs an unterschiedlichen

Orten stattfinden und somit Reisen von Filmcrews

vermieden beziehungsweise weniger werden

können. Das wurde für Produktionsfirmen interessant,

als Drehs in aller Welt durch die Hygienebestimmungen

eingeschränkt waren. Mit der Technik könnte schließlich

auch ein ganz neues Geschäftsfeld entstehen. Es

ist denkbar, dass Beleuchtungssettings und VFX-Setdesigns

als Presets von Dienstleistern vorgefertigt angeboten

werden, weil sie in jedes beliebige LED-Screen-Studio

auf der Welt digital aufspielbar sind.

BEIM SET EXTENSION WORKSHOP IM STUDIO 1 DREHTEN

UNTER ANDEREM DIE PRODUKTIONSTEAMS VON

'NEOSHIN' UND 'WOODY' MIT LED-WALLS

81


ANIMATIONSINSTITUT STUDIENVERTIEFUNGEN


INTERAKTIVE MEDIEN

In der Studienvertiefung Interaktive Medien erlernen Studierende

Games, Apps, VR-Experiences, Medieninstallationen und

andere interaktive Erfahrungen zu konzipieren, planen und

realisieren. Im Mittelpunkt steht das soziale wie spielerische

Zusammenwirken von User*innen mit medialen Möglichkeiten.

Der Experimentierfreude sind hinsichtlich des Formats keine

Grenzen gesetzt.

Ziel ist es, Ideen sowie eine eigene künstlerische und technische

Designsprache zu entwickeln. Während des Studiums realisieren

sie im Team Projekte, von der Idee über die Gestaltung

bis zur Produktion und Veröffentlichung. Dabei haben sie die

Wahl zwischen drei Spezialisierungen: Als Transmedia/Games

Director übernehmen sie die künstlerische Leitung des Projekts.

Als Transmedia/Games Artist kümmern sie sich um seine technische

und audiovisuelle Gestaltung. Als Transmedia/Games

Producer verantworten sie die Produktion des Projekts in finanzieller

wie organisatorischer Hinsicht.

82


83


ANIMATIONSINSTITUT INTERAKTIVE MEDIEN

DER PROTOTYP GEWANN DEN DEUTSCHEN COMPUTERSPIELPREIS,

NUN KOMMT ES FERTIG ENTWICKELT AUF DEN MARKT: DAS GAME 'A JUGGLER’S TALE'

84


Wie ist es, direkt nach dem Studium mit

einer eigenen Firma durchzustarten?

DOMINIK SCHÖN HAT ZWAR GERADE

ERST SEINEN ABSCHLUSS IN INTER-

AKTIVE MEDIEN GEMACHT, DOCH

SCHON ZUVOR SORGTE SEIN DIPLOMPRO-

JEKT FÜR AUFSEHEN. GEMEINSAM MIT

SEINEM TEAM ENTWICKELTE ER WÄHREND

SEINES STUDIUMS DAS ADVENTURE STORY

GAME 'A JUGGLER’S TALE'. BEI DEM SIDE-

SCROLLER WERDEN DIE SPIELER*INNEN

TEIL EINER PUPPENTHEATERWELT UND

BEGLEITEN DAS MARIONETTEN-MÄDCHEN

ABBY, DAS SICH VON SEINEN FÄDEN UND

DAMIT VON SEINEM SCHICKSAL BEFREIEN

WILL. 2019 RÄUMTE DAS PROJEKT DANN

BEIM WICHTIGSTEN PREIS FÜR VIDEOSPIE-

LE IN DEUTSCHLAND AB: ES BEKAM DEN

DEUTSCHEN COMPUTERSPIELPREIS IN DER

KATEGORIE „NACHWUCHSPREIS PROTO-

TYP”. MITTLERWEILE GRÜNDETE DOMI-

NIK MIT SEINEN MITSTREITER*INNEN DIE

FIRMA KALEIDOSCUBE UND ENTWICKELTE

DAS GAME FERTIG. 'A JUGGLER’S TALE'

ERSCHEINT BALD FÜR PC UND KONSOLEN.

UNS HAT DER TRANSMEDIA/GAMES DIREC-

TOR ERZÄHLT, WAS ER MIT SEINER FIRMA

SONST NOCH SO VORHAT.

Lieber Dominik, wie kam’s zu

der Entscheidung eures Teams,

eine eigene Firma zu gründen?

Damit vermarktet ihr neben dem Spiel auch weitere interaktive

Projekte, die bei eurem Studium am Animationsinstitut

entstanden sind. Beispielsweise die Game-Installation

WONDERFUL WORLD, eine Art digitaler

AR-Sandkasten, der auf die Handschatten der Spieler*innen

reagiert. Wie richtet ihr künftig eure Firma aus,

werdet ihr auch weitere Installationen an den Start bringen?

Unser Schwerpunkt wird eher weiter auf atmosphärischen

Story-Spielen liegen, weniger auf Installationen.

Nun geht es erst einmal richtig los mit A JUGGLER‘S

TALE. Dann haben wir noch zwei Projekte in der Planung,

für die wir gerade versuchen, Förderungen zu bekommen.

Mal sehen, wie das weitergeht.

Seit du Teenager bist, entwickelst du Games. Während

deines Studiums hast du nicht nur Spiele kreiert, sondern

auch einige Tools programmiert. Jetzt hast du dein

Diplom in Interaktive Medien in der Tasche. dir standen

sicher viele Wege offen, die du hättest gehen können.

Warum wolltest du nicht zu den großen Gamefirmen,

sondern dein eigenes Ding machen?

Klar, hätte es einige Möglichkeiten gegeben. Doch wir

dachten uns: Wenn, dann jetzt! Am Animationsinstitut

hatten wir die Freiheit, unsere eigenen Ideen zu verwirklichen

und haben gelernt, solche Projekte professionell

zu organisieren. Diese Freiheit wollten wir mitnehmen

und weiterentwickeln.

Das war eigentlich schon etwas

länger her. Wir haben uns über

die Arbeit am Film BENU kennengelernt.

Dabei stellten wir fest, dass die Zusammenarbeit

super funktioniert. Als ich 2017 mein Urlaubsjahr

gemacht habe, entstand die Idee zu A JUGGLER‘S TALE.

Das Projekt sind wir dann gemeinsam angegangen. Spätestens

als wir 2018 die Prototyp-Förderung von der

Medien- und Filmförderung (MFG) bekommen haben,

wussten wir, dass wir es auch durchziehen und das Spiel

auf den Markt bringen möchten. Dafür gründeten wir

vergangenen Januar offiziell Kaleidoscube.

DAS TEAM VON KALEIDOSCUBE: STEFFEN OBERLE,

ENZIO PROBST, DOMINIK SCHÖN UND ELIAS KREMER

85


ANIMATIONSINSTITUT INTERAKTIVE MEDIEN

Wohin mit der Trauer?

– einen Schutzraum, wie sie es nennt. Er steht zugleich

für den Kampf um die Rückeroberung des Lebens, dem

sich viele Trauernde nach einem Verlust stellen müssen.

Die ARCHE MAMA ist ein an einen Mutterleib erinnernder

Raum, in den das Publikum hineinkriecht und dort

eine emotionale Reise erfährt. Auf Röhrenfernsehern erzählen

darin VHS-Aufnahmen ihres Vaters vom Leben

ihrer Mutter in Ellas ersten zehn Lebensjahren. Ella untermalte

sie mit selbstkomponierter Musik sowie ihren

Tagebuchaufzeichnungen. Unter anderem dokumentieren

diese die Zeit, in der ihre Mutter im Krankenhaus

mit dem Tod rang, oder Ellas Erschütterung, nachdem

sie gestorben war. Eine schonungslose, mutige und genau

deshalb so starke Arbeit.

Liebe Ella, du konfrontierst in deiner Installation das

Publikum mit dem Tod deiner Mutter und deinen damit

verbundenen Gefühlen. Welche Intention verfolgst

du mit dem Werk?

DIE AUSEINANDERSETZUNG MIT

DEM THEMA TOD GILT ALS EINES

DER LETZTEN GESELLSCHAFTLICHEN

TABUS. DABEI SEI TRAUER „EINE UNGLAUB-

LICH KRAFTVOLLE EMOTION, DIE ÄHNLICH

INTENSIV WIE DIE LIEBE IST”, FINDET ELLA

ESTRELLA TISCHA RAETZER. IN IHREM

DIPLOMPROJEKT IM BEREICH INTERAKTIVE

MEDIEN VERARBEITETE SIE DEN TOD IHRER

MUTTER AUF AUSGESPROCHEN EINDRÜCK-

LICHE WEISE.

Während Ella an der Filmakademie studierte, starb

ihre Mutter im Alter von 46 Jahren unerwartet an

einem Herzinfarkt. Dieser Schicksalsschlag drohte ihr

den Boden unter den Füßen wegzureißen. Den persönlichen

Verlust verarbeitete sie in einer begehbaren, audiovisuellen

Rauminstallation mit dem Titel ARCHE

MAMA. Sie schuf damit einen Platz für ihre Trauer

Eine Rolle spielt, dass ich Erfahrungen machte, die zwar

zum Leben dazugehören, aber mit einem Tabu behaftet

sind. Betroffene haben oft Angst, das Thema außerhalb

von Trauerberatungen und Therapien anzusprechen.

Dennoch müssen sie damit im Alltag fertig werden. Daher

wollte ich meine Erfahrung teilen und in meiner Art

und Weise zeigen, dass es möglich ist, da wieder rauszukommen

sowie dazu ermutigen, Verlust als Teil des Lebens

zu akzeptieren.

War diese intensive Auseinandersetzung nicht ungemein

anstrengend?

Natürlich. Erst beim Sichten und Digitalisieren der

VHS-Kassetten wurde mir bewusst, was die Videos in

mir auslösen und dass ich mich ganz unbewusst der

Trauer, welche ich bis dato nicht richtig zugelassen hatte,

näherte und ihr auch nicht mehr ausweichen konnte.

Es hat sehr viel Mut gekostet, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Die Umsetzung war eine Trauerarbeit.

86


Die Installation erzählt eher linear, wieso hast du dich

gegen Interaktivität entschieden?

Lange war mir gar nicht klar, von was meine Diplomarbeit

handeln soll. Ich wusste nur, dass ich eine Installation

mit analoger Technik, also Röhrenfernsehern und

VHS-Kassetten machen möchte. Am liebsten interaktiv.

Da mein Vater damals viel gefilmt hat, war es für mich

naheliegend, damit zu arbeiten. Die Entscheidung, dass

die Installation nicht interaktiv sein wird, kam erst ganz

spät im Entwicklungsprozess. Mir war wichtig, ein medial

räumlich-immersives Erlebnis zu schaffen, das viele

Sinne anspricht. Im Mittelpunkt stand der Raum mit

seiner Intimität, die sich etwa in einem Kinosaal nicht

erreichen lässt.

Die Arche stand im Getrag-Areal, für den Aufbau hast

du mitunter mit Studierenden anderer Hochschulen kooperiert...

Ja, ich hatte ein tolles Team. Es war wertvoll und heilsam,

mit ihnen gemeinsam an ARCHE MAMA zu arbeiten.

Damit verbinde ich warme Erinnerungen. Technisch

half mir etwa Ludwig Rensch, ein diplomierter Designer

von der Akademie der Bildenden Künste. Bei der Bearbeitung

die Dramaturgin Lena Meyerhoff von der Akademie

für Darstellende Kunst. Ganz lange haben wir an

den Tagebuchtexten gearbeitet, um einen dramaturgischen

Bogen zu schaffen, sie nicht umgeschrieben, aber

sortiert und destilliert. Mir war es sehr wichtig, dass ich

den Spagat zwischen meinem persönlichen Empfinden

und dem Zugang für die Besuchenden schaffe.

87


ANIMATIONSINSTITUT

12

MYSELF:

30 Jahre

Filmakademie

Genannt, Joachim

01.09.1998

30!SOMETHING

Die Filmakademie feiert 30-jähriges Jubiläum. In den

vergangenen 30 Jahren gab es ein reges Kommen und

Gehen. MYSELF fragte sich daher, wer ist eigentlich geblieben?

Lernt die 12 Mitarbeitenden kennen, die am

längsten für die Filmakademie Baden-Württemberg tätig

sind.

Weitere Infos und der Film MYSELF: 30 YEARS OF

FILMAKADEMIE unter www.animationsinstitut.de/de/

studium/myself

9

Holth, John

01.08.1997

6

Schulder, Hans-Klaus

01.12.1993

3

Michalek, Bernd-Siegfried

15.02.1993

88


10

11

Dittrich, Florian

01.08.1998

Nguyen, Viet

15.07.1998

7

8

Herwig, Günter

01.04.1997

Mozer, Heike

01.06.1994

5

Su, Cong

01.11.1993

4

Steegmayer, Eva

01.10.1993

2

Kuhn, Jochen

01.09.1991

1

Sliupas, Uwe

01.07.1991

89


ANIMATIONSINSTITUT

90


DAS ANIMATIONSINSTITUT

LEITUNG ANIMATIONSINSTITUT

PROF. ANDREAS HYKADE

KAUFMÄNNISCHE LEITUNG &

MANAGEMENT / VERTRETUNG

LEITUNG

HEIKE MOZER

TECHNISCHE LEITUNG

JOACHIM GENANNT

LEHRE

PROJEKTBETREUENDE

LISA FORELLI

STEFAN MICHEL

PHILIPP OBLÄNDER

ANDREAS ULMER

FORSCHUNG &

ENTWICKLUNG

PROF. VOLKER HELZLE

SIMON SPIELMANN

JONAS TROTTNOW

TONIO FREITAG

PAULO SCATENA

STABSTELLEN

PROJEKTKOORDINATION

ONLINE & MEDIENPRODUKTION

DR. ALEXANDER KREISCHE

PROJEKTMANAGEMENT

IT-ANWENDUNGEN

CHRISTIANE GEYER

FESTIVALKKOORDINATION

ANKE KLETSCH

STUDIUM

CONSTANZE BÜHNER

CLAUDIA BAUMGARTNER

ISABEL GIMBER

DUNJA MEHLER

MANAGEMENT

FINANZEN

SELINA SCHMUTZ

MARCO NEUERT

INTERNATIONALISIERUNG

TINA OHNMACHT

FERNANDA IMBRIANI

PRODUKTION

ANNA MATACZ

YANNICK PETZOLD

TALENTFÖRDERUNG &

AUFTRAGSARBEITEN

CHRISTIAN MÜLLER

PERSONAL

ANJA FELLERHOFF

BESCHAFFUNG

NATASÂ PREDOJEVIĆ

KOMMUNIKATION

THERESA SEITZ

FRANZISKA ULLRICH

THERESA UIHLEIN

MATTHIAS JACOBI

LEITENDE LEHRENDE

PROF. ANDREAS HYKADE/

ANIMATION

ANNA BRINKSCHULTE/

INTERAKTIVE MEDIEN

PROF. LILIAN KLAGES/

ANIMATION/EFFECTS PRODUCING

PROF. VOLKER HELZLE/

TECHNICAL DIRECTING

TECHNIK

IT

VIET NGUYEN

JOHN HOLTH

THOMAS DEL POPOLO

ELMAR WEINHOLD

POSTPRODUKTION

MICHAEL SCHOTT

STEFAN BINGGESER

WEITERE

INFORMATIONEN

ZUM ANIMATIONSINSTITUT

UNTER:

WWW.ANIMATIONSINSTITUT.DE

INFO@ANIMATIONSINSTITUT.DE

INSTAGRAM: @ANIMATIONSINSTITUT

TEL +49 7141 969 82800

WWW.FACEBOOK.COM/ANIMATIONSINSTITUT

YOUTUBE: FILMAKADMIE BADEN-WÜRTTEMBERG

WWW.LINKEDIN.COM/COMPANY/ANIMATIONSINSTITUT

91


STECKBRIEF

uuuuuuuuuu uuuuuuuuuu

Fernsehjournalismus

Kultur – Bildung – Wissenschaft

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

uuuuuuu

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu

kkkkkkk

1

PROJEKTBETREUUNG

Konstantin Schenk

2

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Peter Arens

3

DOZIERENDE

Prof. Dr. Joachim A. Lang,

Günter Myrell, Katharina Wolff

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

6 Studierende pro Jahrgang

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Einen Bachelor in einem beliebigen

anderen Studienfach für den Quereinstieg;

praktische Erfahrung bei

einem Sender und/oder einer Produktionsfirma

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Weil man lernt, wie man unsere

Welt für ein breites Publikum

begreifbar macht.

Und wir empfehlen unsere Alumni

bei Redaktionen und Produktionsfirmen

7

WAS LERNEN DIE STUDIEREN-

DEN HIER?

Grundlagen der Bildgestaltung, des

O-Tons, der Montage, der Recherche,

des Textens - eben alles, was

einen guten journalistischen Beitrag

ausmacht.

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Wir bilden nicht für aktuelle Formate

aus. Damit sind die klassischen

Nachrichtensendungen gemeint

(„Tagesschau“, „heute“ etc.)

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Student Oscar 2017 der Academy

Of Motion Art And Sciences für

den Film GALAMSEY

10

MOTTO

„Nicht nur die technische Ausbildung

ist von Bedeutung, auch

die geistige muss Beachtung finden.“

Bertolt Brecht

92


eeeeeeee

Filmgestaltung 1

eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee

eeeeee

1

PROJEKTBETREUUNG

Jai Wanigesinghe

2

LEITENDE DOZIERENDE

Nils Knoblich

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

68

4

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Mut zum Experiment und Offenheit

für neues Terrain.

5

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Grundstudium und damit

Pflichtseminar - es gibt nur eine

FG 1.

7

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Gute Frage!

8

ONE COOL FACT ABOUT...

So alt/jung wie die Filmakademie.

9

MOTTO

„Es gibt nur eine FG 1.“

6

WAS LERNEN DIE STUDIEREN-

DEN HIER?

Neben dem Know-how auch das

Know-why und Know-what.

93


ALUMNI DES ATELIERS

AUS 20 JAHREN

94


ATELIER LUDWIGSBURG – PARIS

LEITUNG:

_PROF. GERHARD MEIXNER (FILMAKADEMIE)

_PROF. ROMAN PAUL (FILMAKADEMIE)

_CHRISTINE GHAZARIAN (LA FÉMIS)

PROGRAMMKOORDINATION:

_ANNE CHRISTINE KNOTH

PROJEKTBETREUUNG:

_JULIAN BOGENFELD

SEIT DER GRÜNDUNG DES ATELIER LUDWIGS-

BURG-PARIS IM JAHR 2001 HABEN BEREITS

20 JAHRGÄNGE DAS PROGRAMM ERFOLGREICH

ABSOLVIERT, IN DER BRANCHE FUSS GEFASST,

MIT IHREM SCHAFFEN DIE EUROPÄISCHE FILM-

INDUSTRIE MASSGEBLICH GESTALTET UND

GEPRÄGT UND SIND ZU EINEM NETZWERK, U.A.

MIT RUND 350 EHEMALIGEN AUS NAHEZU 35

LÄNDERN, ZUSAMMENGEWACHSEN.

Junge Filmschaffende hauptsächlich aus Europa, aber

auch der ganzen Welt, mit dem Ziel, in der Produktion

oder im Verleih zu arbeiten, kommen jedes Jahr im

Atelier Ludwigsburg-Paris zusammen, um gemeinsam

ein Jahr mit intensivem Training in den Bereichen Stoffentwicklung,

Finanzierung, Produktion, Vertrieb und

Marketing zu verbringen. IN

INFOBOX

Das Atelier wirkt als Pionier im Bereich der

ganzjährigen Postgraduierten-Ausbildung in

Vollzeit für Filmproduktion und -verleih mit

europäischer Ausrichtung. Es entstand 2001

unter der Schirmherrschaft der im Jahr 1999

gegründeten Deutsch-Französischen Filmakademie

auf Initiative der deutschen und französischen

Regierungen. Das Ziel der Deutsch-Französischen

Filmakademie ist es, die filmische

Zusammenarbeit der beiden Länder zu fördern.

Gefördert wird das Programm auf deutscher

Seite von der EU-Kommission (Creative Europe,

MEDIA) sowie vom Ministerium für Wissenschaft,

Forschung und Kunst Baden-Württemberg,

der Beauftragten der Bundesregierung für

Kultur und Medien sowie dem Deutsch-Französischen

Jugendwerk.

20 JAHRE

Behind the Scenes AUSGESCHWÄRMT (2020)

95


ATELIER LUDWIGSBURG – PARIS

Behind the Scenes EIN KLEINER SCHNITT (2020)

Besuch der MFG in Stuttgart im Februar mit der Gruppe 19/20

96


Angeboten wird die in Europa einmalige Ausbildung

von zwei der führenden Filmschulen in Frankreich und

Deutschland: La Fémis in Paris und der Filmakademie

Baden-Württemberg. Das Atelier Ludwigsburg-Paris

wurde 2001 zunächst als Pilotprojekt von Prof. Dr. Peter

Sehr und Prof. Jan Schütte ins Leben gerufen, beide

waren langjährige Leiter des Programms auf deutscher

Seite.

Dort steht das Atelier nun unter der Leitung der Filmproduzenten

Prof. Roman Paul und Prof. Gerhard Meixner

von Razor Film. Seit 2007 ist die angesehene National

Film and Television School (NFTS) in Beaconsfield

bei London ein weiterer wichtiger Kooperationspartner.

EXKLUSIVE WEITERBILDUNG: MARKTVORTEIL

FÜR ALUMNI DES PROGRAMMS

Das Atelier bietet für Postgraduierte mit bereits vorhandener

professioneller Erfahrung in der Filmbranche eine

praxisorientierte Spezialisierung. Besonders schätzen

die Teilnehmer*innen am Programm den Mix aus

praktischen und theoretischen Elementen: Der Unterricht

wird ausschließlich von erfahrenen Dozent*innen

aus der internationalen Film- und Medienbranche angeboten.

Der große Gewinn durch die Lehrenden aus

der Praxis ist, dass sie derzeitige Trends des Marktes

kennen und so aktuelles Knowhow vermitteln. Praxisorientierter

und besonders auf Fallstudien basierender

Unterricht sorgt dafür, dass verschiedene Märkte kennengelernt

werden. Durch die engen Kontakte innerhalb

der Gruppe zu anderen Teilnehmer*innen sowie Alumni

aus anderen Ländern und einer damit einhergehenden

Vertrauensbasis sind gemeinsame Projekte, vor allem im

Bereich Koproduktionen, fast der Regelfall.

Factory und Beta Film in Deutschland, bei Memento, Coproduction

Office in Frankreich sowie Hanway, Mister

Smith und Artificial Eye in Großbritannien – ein wichtiger

Schritt in eine erfolgreiche professionelle Zukunft

sein.

Die vermittelten Inhalte führen zudem langfristig dazu,

dass die Atelier-Alumni die Verbreitung des europäischen

Films in die Welt erfolgreich vorantreiben und

dessen Wahrnehmung auch außerhalb Europas erhöhen.

Dazu tragen auch die internationalen Teilnehmer*innen

bei, die sich zwar professionell meist auf europäischem

Boden verorten, jedoch die beruflichen Beziehungen zu

ihrem Herkunftsland behalten.

Aufgrund der Relevanz des gesellschaftlichen Diskurses

und der vorherrschenden Missstände in der Branche

im Bereich Gender-Gerechtigkeit trägt das Atelier

– wie auch die Filmakademie allgemein – diesem Thema

in Lehre und Struktur Rechnung, etwa durch Workshops,

die Wissen zum Thema Gender explizit vermitteln.

Um insbesondere die zukünftigen Produzentinnen

und Verleiherinnen zu fördern, gibt es ein speziell auf

die Bedürfnisse von Teilnehmerinnen zugeschnittenes

Mentoring. Auch bei der Auswahl von relevanten Dozentinnen

wird diese Thematik implizit berücksichtigt

und so durch Vorbilder Diskurse im Bereich Vereinbarkeit

und Veränderungen im Hinblick auf Rollenbilder

angestoßen.

Die jährlich maximal 18 Teilnehmer*innen erhalten zusätzlich

wichtige Einblicke in die Branche im Rahmen

von Exkursionen zu international renommierten Festivals

(Berlinale, Cannes, Clermont-Ferrand) sowie Treffen

mit Vertreter*innen von Fernsehsendern und Förderinstitutionen

(ARTE, SWR, EURIMAGES, FFA, MBB,

MEDIA u.a.). Auch die Besuche der wichtigsten europäischen

Film-Märkte (Berlinale Co-Production Market und

Cannes Marché du Film) vermitteln praxisnah relevante

Kenntnisse.

Viele Teilnehmer*innen haben vor dem Besuch des Programms

bereits Erfahrung in der Produktion gesammelt

und sind besonders motiviert, mehr über Verleih und

Vertrieb zu lernen. Auch deshalb kann das Praktikum

im Weltvertrieb oder Verleih – u.a. bei DCM, The Match

Behind the Scenes 1 KM À PIED (2021)

CAMPUS FILMAKADEMIE UND NETZWERKE

Ein großes Plus ist die Situierung des Ateliers an der

Filmakademie. Diese eröffnet den Teilnehmer*innen nahezu

unbegrenzte Vernetzungs- und Entfaltungsmöglichkeiten

durch den gemeinsamen Campus mit den Studierenden

der Filmakademie, dem Animationsinstitut

97


ATELIER LUDWIGSBURG – PARIS

und der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg.

Unbestritten ist: Weit über die Teilnahme hinaus

sind die hier gewonnenen Kontakte wertvoll für das

berufliche Weiterkommen.

In der Lehre findet die Zusammenarbeit von Atelier

und Filmakademie in mehreren Bereichen statt: Nennenswert

ist hier vor allem das seit dem Wintersemester

2006 angebotene Wahlpflichtfach „International Producing“

für Produktionsstudierende der Filmakademie

(ab dem 3. Studienjahr) in Kooperation mit dem Atelier

Ludwigsburg-Paris.

Die Talente, die im Atelier ausgebildet werden, sind

die Zukunft der Branche – sie sind mehrheitlich direkt

nach dem Programmbesuch in interessanten Positionen

und/oder Unternehmen beschäftigt. Hierbei spielen die

im Atelier gebildeten Netzwerke eine erhebliche Rolle:

Nicht selten sind die Anbieter*innen von Praktika oder

Dozent*innen während des Weiterbildungsjahrs die zukünftigen

Arbeitgeber*innen. Es unterrichten auf deutscher

Seite etwa Kirsten Niehuus (Geschäftsführerin der

Filmförderung im Medienboard Berlin-Brandenburg),

Vanessa Henneman (Gründerin und Geschäftsführerin

von Henneman Agency), Jakob Claussen (Geschäftsführer

Claussen + Putz Filmproduktion), Jamila Wenske

(Produzentin und Co-Geschäftsführerin Achtung Panda!

Media GmbH), Marc Gabizon (Geschäftsführer Wild

Bunch Germany), Jan Mojto (Geschäftsführer EOS Entertainment

u. Beta Film), Peter Dinges (Vorstand der Filmförderungsanstalt),

Marie Noëlle (Autorin, Regisseurin

und Produzentin, Geschäftsführerin P’Artisanfilm),

Rebekka Garrido (Produzentin und Geschäftsführerin

Manderley Films) und Milada Kolberg (Head of Acquisitions

X Verleih AG).

ATELIER NETWORK ist der Verein der ehemaligen Atelier-Teilnehmer*innen,

der ein aktives Netzwerk von

fast 350 jungen europäischen und internationalen Branchenvertreter*innen

aufgebaut hat, das regelmäßig zusammenkommt.

Dieses Netzwerk ermöglicht den europaweiten

Austausch von Informationen, Erfahrungen,

Kontakten und Jobangeboten. Grenzüberschreitende

Filmprojekte werden gemeinsam von Alumni entwickelt.

Die Vereinsmitglieder profitieren außerdem erheblich

von der Vernetzung innerhalb der Deutsch-Französischen

Filmakademie mit den Initiativen Minitraité,

Deutsch-Französisches Filmtreffen und des Ateliers.

Der rote Faden und gleichzeitig ein weiterer praktischer

Strang, der sich durch das Weiterbildungsjahr zieht, ist

die Kurzfilmproduktion des Atelier Ludwigsburg-Paris.

98

Die Produktion einer Kurzfilmreihe, die in Kooperation

der beiden Hochschulen gemeinsam mit ARTE und

dem SWR als Koproduzenten hergestellt wird, ist seit 18

Jahren das zentrale Projekt im Curriculum des Ateliers.

Jährlich entstehen zu einem gemeinsamen Thema maximal

neun Kurzfilme, die die Teilnehmer*innen in binationalen

Producer*innen-Teams erarbeiten und über

das Jahr hinweg erfolgreich umsetzen. Die fertigen Filme

bereichern nicht nur das Portfolio der Atelier-Alum-

Dreh im Rahmen der Regieübung des Ateliers, Gruppe 20/21

ni, sondern erreichen stets auch eine breite Öffentlichkeit,

indem sie nach den Premieren in Ludwigsburg und

Paris auch auf den Französischen Filmtagen Tübingen,

dem Festival Max Ophüls Preis in Saarbrücken und im

Programm des Fernsehsenders ARTE gezeigt werden.

Eine enge Zusammenarbeit mit Gewerken der Filmakademie

besteht dabei besonders im Bereich Drehbuch:

Schon seit 2006 schreiben Studierende der Drehbuchabteilung

die Bücher für diejenigen Atelier-Kurzfilme, die

in Ludwigsburg entstehen. Auch in den Bereichen Bildgestaltung/Kamera,

Montage/Schnitt, Szenenbild, Filmmusik,

Filmton/Sounddesign sowie anderen Gewerken

findet eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Filmakademie-Studierenden

und den Atelier-Teilnehmenden

statt. Profitieren die Studierenden vor allem von

der internationalen Atmosphäre im Team und u.a. auch

von der gesicherten Festival- und TV-Auswertung der


Filmstill EIN KLEINER SCHNITT (2020)

Filmstill KURSCHATTEN (2021)

99


ATELIER LUDWIGSBURG – PARIS

Kurzfilme, können Atelier-Teilnehmer*innen besonders

aus den fest etablierten Verbindungen der Filmakademie-Studierenden

an der Hochschule Nutzen ziehen.

ATELIER ALS WEICHENSTELLUNG FÜR EINE

ERFOLGREICHERE PROFESSIONELLE ZUKUNFT

Jedes Jahr besteht großes Interesse an den Plätzen im

Weiterbildungsjahr: Ausgewählt wird aus zahlreichen

Bewerbungen im Mai/Juni für das kommende Studienjahr.

Im Studienjahr 2021/2022 sind sechs verschiedene

Nationen vertreten. Für die Auswahl entscheidend sind

Kriterien wie Berufserfahrung, soziale/kommunikative

Fähigkeiten sowie eine größtmögliche Heterogenität

und Diversität, die unterschiedliche Blickwinkel garantieren

und neue Perspektiven in der Gruppe aufzeigen.

Bemerkenswert ist der sichtliche Anstieg der im Netzwerk

vertretenen Nationen seit der Öffnung 2014/2015

für internationale Kandidat*innen sowie der Einführung

der englischen Sprache als weitere Arbeitssprache. Zwar

liegt der Fokus weiterhin auf Deutschland und Frankreich,

es werden aber auch Teilnehmer*innen aufgenommen,

die Englisch beherrschen und Deutsch und/

oder Französisch lernen möchten. Neu unter den teilnehmenden

Nationen sind 2021/2022 Uruguay und der

Libanon.

Wir stellen fest, dass die bereits vor Programmbeginn erworbenen

beruflichen Erfahrungen der Kandidat*innen,

insbesondere im internationalen Kontext, zunehmend

relevanter werden. Meist fehlen aber noch entscheidende

Kenntnisse, um einen weiteren Karriereschritt

zu wagen – etwa in die Selbständigkeit. Hier bietet, laut

Aussagen der Alumni, das Atelier unersetzliche Informationen,

um sich weiterzuentwickeln. Darüber hinaus

ist die Expertise im Bereich internationale Koproduktionen

ein Alleinstellungsmerkmal in Zeiten der Globalisierung.

– hier sind Workshops zu Firmengründungen und alternativen

Business-Modellen hilfreich. Auch soziale

Aspekte wie Konfliktmanagement, Teamführung und

ein Bewusstsein für die Gender-Thematik kommen im

Lehrplan nicht zu kurz. Die außergewöhnlich hohe Beschäftigungsrate

der Teilnehmer*innen nach Abschluss

des Programms bestätigt eindrucksvoll die Qualität der

vermittelten Kenntnisse und die Attraktivität der Absolvent*innen

für Arbeitgeber*innen in ganz Europa. Eine

permanente Evaluierung der Studieninhalte garantiert

die Vermittlung aktuellen Knowhows.

Behind the Scenes L’EMPOTÉ (2020)

POSITIVE EFFEKTE AUF DIE BRANCHE

Die Filmbranche wird durch die Ehemaligen des Programms

bereichert und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen

Filmindustrie verbessert: Dies erfolgt durch

die Vermittlung von Kenntnissen im Atelier, die den Fokus

auf aktuelle Entwicklungen und Trends in allen Bereichen

legen, besonders auch auf digitale Distributionswege

sowie Marketing. Die unternehmerische und

wirtschaftliche Seite des Business ist ebenso elementar

für die meisten Teilnehmer*innen: Viele stehen an der

Schwelle zur Gründung einer eigenen Produktionsfirma

Behind the Scenes KURSCHATTEN (2021)

100


ALUMNI DES ATELIERS – EINDRÜCKE AUS 20 JAHREN

FELIX VON BOEHM,

FILMPRODUZENT; GESCHÄFTSFÜHRER VON

LUPA FILM GMBH

Atelier Ludwigsburg-Paris has truly made me to what

I am today: A European producer continuously trying

to build bridges between Germany, France and other

countries, bringing together talent from different

cultures and finding innovative financing solutions for

European TV and cinema projects.

DR. ANDREAS BAREISS,

FILMPRODUZENT, EVP BUSINESS

AFFAIRS & OPERATIONS BEI GAUMONT GMBH

The Atelier was probably one of the best experiences

of my life. And it definitely was a boost for my entry

to the industry. I am happy not only to nowadays work

with many alumni all over Europe, but also to call

some of them my closest and dearest friends.

What a great thing!

ANNA GUDDAT, FILMPRODUZENTIN

Das Jahr mit dem Atelier ist ein Meilenstein

in meiner studentischen Biografie.

Wir erarbeiteten uns eine Qualifikation auf höchstem

europäischem Niveau. Das Atelier ist eine ganz besondere

Chance, auch für einen Berufseinstieg in Vertrieb

und Verleih.

ALEX BODEN, FILMPRODUZENT

UND MITGRÜNDER VON PISTACCHIO

PICTURES

There is no other training programme that gives you

such in-depth access to the industry as ALP. Now 20

years on, the incredible alumni network is practically

running the industry. Highly recommended.

Five stars *****

VERENA SCHILLING, HEAD OF LOCAL

ORIGINAL MOVIES BEI AMAZON

STUDIOS GERMANY

I loved it. Participating in the Atelier was an amazing

experience, both professionally and personally.

It changed my career path and I am thankful to have

been a part of it.

SARIKA HEMI LAKHANI,

FILMPRODUZENTIN BEI ONE FINE DAY

FILMS GMBH, GRÜNDERIN VON SOME

FINE DAY PIX

A window to the world - Thank You, Atelier, for nine

intense, often exhausting and always inspiring months

crossing borders and creating lasting relationships and

memories.

FABIAN GASMIA,

GESCHÄFTSFÜHRER UND PRODUZENT DER

FIRMEN ZENTROPA HAMBURG, DETAILFILM

UND SEVEN ELEPHANTS

I owe the Atelier - and especially dear Peter Sehr -

a lot: friends for life, amazing ongoing collaborations,

my former fantastic company partner Henning, several

realized co-productions and a very effective network of

like-minded people. Thank you, Atelier.

AMOS GEVA, FILMPRODUZENT

UND REGISSEUR, INTERNATIONAL

MANAGER BEI T-PORT

The Atelier was, without exaggeration, a lifechanging

experience for me. Learning languages and

cultures, opening new horizons in career development,

I truly owe the program a lot. I can confidently say,

I would not be standing where I am today if not for the

Atelier.

LAURE CAILLOL, FILMEINKAUF HAUT

ET COURT, PARIS

Atelier is an incredible journey which

lasts a whole career! Meeting very dear friends, great

professionals, it is the first and most important

network. Thank you to all our heads of studies, with

special thoughts for Peter Sehr and Marc Nicolas whom

we are both missing.

101


ATELIER LUDWIGSBURG – PARIS

Filmstill MOUILLER LE MAILLOT (2020)

Filmstill ARTGERECHT (2020)

BEWERBUNG UND TEILNAHME

FÜR WEN? JUNGE FILMSCHAFFENDE –

BEWERBER*INNEN AUS ALLER WELT

Das Weiterbildungsjahr wendet sich an angehende

Produzent*innen und Verleiher*innen aus Europa

und der ganzen Welt im Alter von bis zu 30 Jahren

und bietet eine vertiefende Ausbildung mit europäischer

Ausrichtung.

Absolvent*innen von Filmhochschulen oder

anderen relevanten Studiengängen mit ersten Berufserfahrungen

in der Filmwirtschaft sind die

Zielgruppe.

ERFORDERLICHE SPRACHKENNTNISSE

Sehr gute Englischkenntnisse; Deutsch- und

Französischkenntnisse sind von Vorteil.

WEITERE INFORMATIONEN

AUF DER WEBSITE DES

ATELIER LUDWIGSBURG-PARIS

www.atelier-ludwigsburg-paris.com

FOLGT UNS AUF FACEBOOK UND INSTAGRAM

UNTER:

FB.ME/ATELIERLUDWIGSBURGPARIS

WWW.INSTAGRAM.COM/ATELIERLUDWIGS-

BURGPARIS/

102


ALUMNI DES ATELIERS

AUS 20 JAHREN

103


STECKBRIEF

uuuuuuuuuuuuu uuuuuuuuuuuu

Filmgestaltung 2 /

Animation

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

uuuuuuuu

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu

uuuuuuuuu

kkkkkkk

1

STUDIENKOORDINATION

Martin Schmidt und Verena Fels

2

PROJEKTBETREUUNG

Martin Schmidt und Verena Fels

3

LEITENDE DOZIERENDE

Martin Schmidt und Verena Fels

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

Maximal 8 pro Semester

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Die Studierenden der FG 2 /

Animation haben Lust, sich auszuprobieren,

sind neugierig, ihren

eigenen Blickwinkel zu erweitern,

haben den Mut, Wagnisse einzugehen

und erkunden persönliche

Themen. Und nicht zu vergessen:

Sie haben Spaß an der Animation.

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Im Zentrum der FG 2 / Animation

steht die Gestaltung eines eigenen

Projektes. Innerhalb von 16 Wochen

haben die Studierenden die

Möglichkeit, kurze Animationsfilme,

Games und Mixed-Media-Formate

in künstlerischer Eigenverantwortung

zu realisieren. Bei der

Themenwahl haben die Studierenden

alle Freiheiten ( je persönlicher,

desto besser).

7

WAS LERNEN DIE STUDIEREN-

DEN HIER?

Erstellen von und arbeiten mit

dem Animatic. Die technischen

Ressourcen sind in der FG 2 sehr

begrenzt. Man muss eigene künstlerische

Umsetzungswege finden,

was wiederum ein Gewinn ist.

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Arbeiten in einer technikorientierten

Produktionsumgebung.

9

ONE COOL FACT ABOUT.....

Viele filmische Versuche, die zunächst

als gescheitert betrachtet

wurden, haben am Ende große

Erfolge gefeiert.

10

MOTTO

Das filmische Experiment steht im

Mittelpunkt.

104


Filmgestaltung 2 /

Neue Medien

1

PROJEKTBETREUUNG

David Spaeth

2

LEITENDE DOZIERENDE

Mike Robbins

David Spaeth

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

Ca. 12

4

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Wichtig ist die Neugier auf Erzählformen

jenseits des klassischen

Kurzfilms – und die Lust am Experiment.

5

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Größtmögliche Freiheit bedeutet

meist auch größtmögliche Unsicherheit:

Wenn ich tun kann, was

ich möchte, was will ich dann eigentlich?

Die Filmgestaltung 2 ermöglicht eine

intensive Auseinandersetzung

mit dieser Kernfrage, die uns Filmemacher*innen

immer begleiten

wird.

6

WAS LERNEN DIE STUDIEREN-

DEN HIER?

In der Filmgestaltung bekommen

die Studierenden einen Einblick in

Erzählweisen jenseits des klassischen

Kurzfilms, mit starkem Fokus

auf Neuen Medien. Vor allem

aber geht es um die Annäherung

vom Inhalt her an eine zu Beginn

noch völlig undefinierte, für diesen

Inhalt passsende Form.

7

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Filmgestaltung 1 und Filmgestaltung

2 teilen zwar denselben

Grundgedanken – in der Ausführung

ist die FG 2 aber kein

klassisches Sequel.

8

ONE COOL FACT ABOUT.....

Lowers the perceived boundaries

between different ways of

making films.

9

MOTTO

Possibility is the mother of

invention.

105


INTERNATIONAL NETWORKS

Arrested

Development

Still from ROSES, International Class 2020/2021,

Dir: Luz Quevedo, Jonas Arndt; DoP: Dennis Banemann, Jan Fabi

ARRESTED DEVELOPMENT IS A SUITABLE

TERM TO EXPRESS THE GENERAL FEEL-

ING OF LIVING IN TIMES OF THE PANDEMIC.

EVEN MORE SO AT A FILM SCHOOL –

NORMALLY A PLACE OF LIBERTY AND OP-

PORTUNITY. DEVELOPMENT UNDER ARREST

DOES HOWEVER NOT MEAN THAT THERE IS

NO DEVELOPMENT AT ALL. THE INTERNA-

TIONAL CLASS OF 2020/2021 AND A NUM-

BER OF NEW PROJECTS INSPIRED BY THE

PANDEMIC PROVED JUST THAT.

FLASHBACK:

THE INTERNATIONAL CLASS OF 2020/2021

In the beginning of October 2020, it became clear that

all the 16 invitees to the International Class (ICLA), coming

from eight non-European countries, had made it

safely to Ludwigsburg. This was great news, and an unlikely

development, given the prevailing travel restrictions,

hygiene regulations and cancelled flights at the

time. Over the course of the semester, the highly diverse

group teamed up with four more students, coming from

the neighbouring Akademie fuer Darstellende Kunst

(Academy of Performing Arts - ADK), and finally managed

to come up with eight impressive films which were

presented in March, before everybody returned to their

106


home institutions. All the films were shot in FABW’s

Studio 1 (now renamed as “Jochen Kuhn Studio”), under

the strict eyes of specially trained hygiene officers.

Despite the high level of control and the stressful situation,

ICLA members handled the restrictions with great

professionalism and discipline, yet watching them work

made it very clear that a film set during the pandemic is

a far cry from the joyful intimacy and enthusiasm one

would expect from a student film production. Making

it happen, though, was a major effort, both for the students

and for FABW’s staff who worked numerous extra

hours to make this happen. Even though none of the

films explicitly dealt with the Corona Pandemic: in the

years to come, these films will very likely be watched

with a different eye, as comments on our time of isolation,

great disruption and insecurity.

ICLA 2.0: NETWORKING IS KEY

While isolation, disruption and insecurity might be appropriate

terms to describe last year’s general mood, we

cannot allow these forces to dominate our minds, nor

the way we work, nor the perspectives we are opening

up to our students. Therefore, in the academic year

of 2021/2022, we are making a number of significant

changes to the concept and timeline of ICLA, moving

from the fall to the spring term, in order to allow the

students to participate in the vivid campus life in summer,

instead of the sometimes unsociable German winter.

Also, the objective of the class is shifting, from the production

of short films as in previous editions, towards

collaborative international project development within

a larger scope. ICLA 2.0’s multicultural environment is

107


INTERNATIONAL NETWORKS

offering a unique ground for innovative and original ideas

to come up. To grow, these ideas need more than the

rigid scope of just one semester. Concepts evolving out

of ICLA 2.0 are therefore aiming towards further development

and production within the powerful international

network around FABW. In that spirit, the number

of participants will be raised to 20 per year, while the

new curriculum will also offer numerous opportunities

of interaction between ICLA members and FABW’s regular

students.

2022: RENAISSANCE OF OUTGOING MOBILITY

While in the past year, none of FABW’s international

partner institutions was able to accept incoming students,

there is hope for the academic year of 2021/2022.

La Fémis in Paris already accepted a team of six students

from FABW to participate in their third-year film production

course, “fiction Alexa” starting September 2021,

and most partner institutions will accept students again

in Spring 2022.

Corresponding with frequent student requests, the International

Office also acquired two new, high-ranking

partner schools for student exchange in Asia:

Korea National University of Arts, School of Film, TV &

Multimedia, Seoul

Tokyo University of the Arts - The Graduate School of

Film and New Media

These new partners contribute to the FABW’s strategic

goal to give each student of FABW the opportunity to

participate in at least one international activity in the

course of their studies.

108


Still from THOMAS MUENTZER PROJECT, Dir: Clément

Pelletier, DoP: Marcus Ott

Still from CORONA THE WORLD AND ME, Dir: Snow

(Hnin Ei Hlaing), DoP: Moe Kyaw Thu

AN ECHO FROM THE ICLA NETWORK:

THE COLLABORATIVE DOCUMENTARY

‚CORONA THE WORLD AND ME‘

With substantial support from the Baden-Wuerttemberg

Foundation, the International Office was able to ask

10 alumni of its International Class to document one day

of their world in October 2020. The result is ten highly

personal micro-documentaries on the state the world

was in at this particular point in time, from Israel, Kenya,

Iran, Ruanda, the USA, to Brazil, Mozambique, Sweden,

India, and Myanmar. The film conveys powerful, sometimes

moving, sometimes poetic insights into the realities

and the emotional states the pandemic forces upon

all of us. It is scheduled for festival release in Fall 2021.

ARTISTIC RESEARCH ON AN INTERNATIONAL

LEVEL: CLEMENT SCHNEIDER’S DYSTOPIAN

WORK ON THOMAS MUENTZER AND SURVIVAL-

IST CULTURE

When inviting French PhD student Clément Schneider

to shoot the film for his thesis project at the SACRe (Science,

Art, Creation and Research) program, the International

Office took a step towards artistic research. The

shoot for Schneider’s experimental project took place in

Autumn 2021 at a lake in Swabia. In a split-screen composition,

he portrays German 16th century revolutionary

Thomas Muentzer on one side of the dystopian diptych,

while on the other side of the screen, a contemporary

survivalist is crossing the very same landscape, centuries

apart. The project can be screened in cinemas and as

an installation alike.

SACRe is a joint program of national French film academy

La Fémis and Paris-based PSL Research University.

WWW.FEMIS.FR/SACRE-PHD-PROGRAMME-PSL

109


INTERNATIONAL NETWORKS

PITCH_IT! A PROGRAM FOR YOUNG EUROPEAN

FILMMAKERS, IN COOPERATION WITH GOETHE

INSTITUTE, BUDAPEST

In the beginning of 2021, at a time when the Hungarian

government took control over the national film school

SZFE, the project was jointly launched by the Goethe

Institute Budapest and FABW, focussing on young filmmakers

from Hungary as well as on students from

FABW’s international network. Within its course, young

filmmakers were supported in developing their projects

in a safe environment to a level which would allow them

to find production partners on the free market. At the

annual Screen.Time International showcase which took

place in July 2021 at FABW, five teams from Hungary, India,

and Germany presented their projects for the first

time to a professional audience.

WWW.GOETHE.DE/BUDAPEST

ANIMATION SANS FRONTIÈRES

When Filmakademie’s Animationsinstitut joined

the team of four European schools to develop a creative

producing training for animation in 2008,

nobody could have predicted the longevity and success

of this programme. This year, Animation Sans Frontières

(ASF), the European Animation Development Lab,

will take place for the 14th time. ASF is a 4×2 weeks

lecture/workshop-based training programme designed

to give junior European animation film and production

professionals the space, time and tools to develop,

finance and produce their projects and careers and

eventually set up their own production companies.

ASF is the perfect chance for emerging animation professionals

to work in multidisciplinary and international

teams, meet a wide variety of recognised animation

film, games, and new media professionals and network

with other European young talents at four of the most

renowned animation schools in Europe.

With the support of the Creative Europe Programme of

the EU, ASF is run by and at:

Filmakademie Baden-Wuerttemberg in Germany

• Moholy-Nagy University of Art and Design

in Hungary

• The Animation Workshop in Denmark

• GOBELINS, l’école de l’image in France

• animationsansfrontieres.eu.

FOR FURTHER INFORMATION, CONTACT

TINA OHNMACHT

(TINA.OHNMACHT@FILMAKADEMIE.DE)

110


LIST OF PARTNERING INSTITUTIONS

2021/2022

• AFDA – THE SOUTH AFRICAN SCHOOL

OF MOTION PICTURE, LIVE RECORDING

AND LIVE PERFORMANCE, Johannesburg,

South Africa

• AL-QUDS UNIVERSITY,

Ramallah, Israel/Palestine

• COLOMBO FILM & TELEVISION ACADEMY,

Colombo, Sri Lanka

• DODGE COLLEGE AT CHAPMAN UNIVERSITY,

Orange County, California, USA

• ÉCOLE NATIONALE SUPÉRIEURE LOUIS

LUMIÈRE, Paris, France

• FTII – FILM & TELEVISION INSTITUTE OF

INDIA, Pune, India

• GOBELINS L’ÉCOLE DE L’IMAGE, Paris,

France

• KIBBUZIM COLLEGE, Tel Aviv, Israel

• KOREA NATIONAL UNIVERSITY OF ARTS,

SCHOOL OF FILM, TV & MULTIMEDIA,

Seoul, Republic of Korea

• LA FÉMIS, Paris, France

• LINDENWOOD UNIVERSITY,

St. Charles, Missouri, USA

• MAISHA FILM LAB, Kampala, Uganda

• MAHARASHTRA INSTITUTE OF TECHNOL-

OGY, Pune, India

• MOHOLY-NAGY UNIVERSITY OF ART

AND DESIGN, Budapest, Hungary

• MOPA COMPUTER GRAPHICS ANIMATION

SCHOOL, Arles, France

• NATIONAL FILM SCHOOL OF DENMARK,

Copenhagen, Denmark

• NDU – NOTRE DAME UNIVERSITY, Beirut,

Lebanon

• THE ANIMATION WORKSHOP, VIA UNI-

VERSITY COLLEGE, Viborg, Denmark

• TOKYO UNIVERSITY OF THE ARTS -

THE GRADUATE SCHOOL OF FILM AND

NEW MEDIA, Japan

• UDC – UNIVERSIDAD DEL CINE, Buenos

Aires, Argentina

THE INTERNATIONAL OFFICE

GUIDO LUKOSCHEK

HEAD OF INTERNATIONAL OFFICE

SUJATHA DOVGAL

PROJECT MANAGER INTERNATIONAL OFFICE

MÁRK SZILÁGYI

PROJECT MANAGER INTERNATIONAL OFFICE

VALENTINA BOYE

PROJECT MANAGER INTERNATIONAL CLASS

ANIMATIONSINSTITUT:

TINA OHNMACHT

HEAD OF INTERNATIONAL NETWORK

FERNANDA IMBIRANI

TRAINEE INTERNATIONALIZATION

111


DOZIERENDE IM PORTRÄT

112


„ Je weniger Zeit wir uns geben,

um beim Filmemachen zu scheitern,

desto mehr verarmen wir auch

im Kennenlernen unserer Mittel“

Ein Gespräch mit Prof. Heidi Specogna

HEIDI SPECOGNA UNTERRICHTET SEIT

2003 AN DER FILMAKADEMIE BA-

DEN-WÜRTTEMBERG ALS DOZENTIN FÜR

REGIE/DOKUMENTARFILM UND LEITET

INZWISCHEN DIE ABTEILUNG. SEIT ÜBER 30

JAHREN DREHT DIE GEBÜRTIGE SCHWEIZE-

RIN DOKUMENTARFILME. SIE BEGANN ALS

JOURNALISTIN, STUDIERTE DANN BIS 1988

AN DER DEUTSCHEN FILM- UND FERNSE-

HAKADEMIE BERLIN (DFFB) UND GRÜNDETE

1990 IHRE EIGENE FILMPRODUKTIONSFIR-

MA. DER SCHWERPUNKT IHRER ARBEIT

LIEGT AUF POLITISCHEN THEMEN, BESON-

DERS IM LATEINAMERIKANISCHEN UND

AFRIKANISCHEN RAUM. SPECOGNAS DO-

KUMENTARFILM 'CAHIER AFRICAIN' (2016)

ÜBER MISSHANDELTE UND VERGEWALTIGTE

FRAUEN IN ZENTRALAFRIKA WURDE UNTER

ANDEREM MIT DEM GRIMME-PREIS, DEM

SCHWEIZER UND DEM DEUTSCHEN FILM-

PREIS (LOLA), DEM DEUTSCHEN MENSCHEN-

RECHTS-FILMPREIS SOWIE EINER SILBER-

NEN TAUBE BEIM FESTIVAL DOK LEIPZIG

AUSGEZEICHNET. AKTUELL ARBEITET HEIDI

SPECOGNA AN EINEM DOKUMENTARFILM,

DEN SIE IN BRASILIEN REALISIERT, UND

SIE HAT SOEBEN BEIM FILMFESTIVAL IN

LOCARNO IHREN NEUEN FILM 'STAND UP

MY BEAUTY' VORGESTELLT, AN DEM SIE GE-

MEINSAM MIT DEM FILMAKADEMIE-ABSOL-

VENTEN UND EDITOR KAYA INAN GEARBEI-

TET HAT.

Liebe Heidi, gleich zu Beginn die Frage aller Fragen: Was

macht für dich einen guten Dokumentarfilm aus?

Ein guter Dokumentarfilm schenkt dem Publikum eine

sehr komplexe Erfahrung: Er kann uns mitnehmen in

eine Wirklichkeit, die wir vielleicht schon kennen. Doch

er ist in der Lage, einen neuen Blick auf diese Realität zu

werfen. Er bringt uns in Berührung mit einem fast körperlichen

Wissen darum, was Menschen umtreibt, im

Guten wie im Bösen. In einer guten dokumentarischen

Erzählung erfahren wir viel über zwischenmenschliche

Beziehungen, gewichtige Entscheidungen, über Authentizität

und nicht manipulierte Emotionen. Wir lernen

das Innenleben der Protagonist*innen verstehen, erfahren

etwas über ihre inneren Werte, ihre Besonderheiten

oder ihre Ängste. Und über diese Auseinandersetzung

wächst ein Bewusstsein beim Publikum, das seine Haltung

zur Welt verändern kann. Filme, bei denen ich selber

sehr schnell abschalte, sind solche, die offensichtlich

nach einer Schablone erzählt werden.

Du meinst, nach Schema F, wie aus dem Lehrbuch quasi?

Ja genau. Manchmal überrascht mich aber auch ein Film,

von dem ich im Vorfeld dachte: „Naja, darüber weiß ich

eigentlich ganz viel, das habe ich schon oft gesehen.“

Und dann catcht er mich plötzlich, indem er mir eine

ganz neue Seite davon zeigt, die ich vorher nicht beachtet

habe. Oder er baut eine neuartige, formale Erzählung

auf.

Betrachtet man dein filmisches Oeuvre, so fällt auf, dass

du ein starkes Interesse hast an den Biografien widerständiger

und kämpferischer Frauen – wie beispielsweise

in CAHIER AFRICAIN, TANIA LA GUERRILLERA oder

DECKNAME ROSA. Warum suchst du dir gerade solche

Stoffe und Themen aus?

113


DOZIERENDE IM PORTRÄT

Wenn ich Geschichten recherchiere, gehe ich nicht von

vornherein davon aus, dass Frauen im Mittelpunkt stehen.

Ich recherchiere einfach die Story - bleibe dann allerdings

oft an Protagonistinnen hängen. Wenn ich über

diese Frage nachdenke, dann ist es tatsächlich so, dass

die Viten der Frauen oft vielschichtiger, komplexer und

widersprüchlicher sind und dadurch auch filmisch interessanter.

Ich habe vielen historischen Frauenfiguren

der Sicht einer jungen Frau kennengelernt und für den

Film aufbereitet. Ähnlich war das bei TANIA LA GUER-

RILLERA: Die Deutsch-Argentinierin Tamara Bunke

(Kampfname Tania, Anm. d. Red.) war die einzige Frau,

die sich am bolivianischen Guerilla-Kampf unter dem

Kommando von Che Guevara beteiligt hat und so in die

Männerdomäne „bewaffneter Kampf“ eingebrochen ist.

Es war unglaublich spannend zu verfolgen, wie sie dort

hingefunden hat und wie viele Kompromisse sie auf diesem

Lebensweg eingehen musste. Tamara Bunke ist im

selben Jahr geboren wie meine Mutter. Ich fand es aufregend,

die Gesellschaft jener Zeit, in der meine Mutter

gelebt hat, über diese filmische Figur kennenzulernen.

Welches Rollenverständnis gab es in den Fünfzigerjahren

in Europa? Welche Tabus? Was konnten und durften

Frauen machen und was nicht? Welche Kämpfe fochten

sie aus im Alltag, im Berufsleben oder in der Ausbildung?

Das gibt letztlich Dokumentarfilmen auch eine

ganz andere Tiefe und Substanz, weil die Recherche

unter die Oberfläche geht und man über die oft vielen

Jahre, die ein Film in Arbeit ist, sehr tief in die jeweilige

Epoche eindringen kann.

Welcher deiner Drehs hat dich als Regisseurin am meisten

geprägt? Oder kann man das nicht so pauschal sagen?

Jeder Film hat seine Spuren hinterlassen. Und jeder Film

war wichtig und hat mich einen Schritt weitergebracht.

Ich muss oft an meinen allerersten Film im Studium

denken: Hier habe ich mich zum ersten Mal als Regisseurin

erlebt, mit noch vielen Fragen und Unsicherheiten

im Kopf. Wie geht man auf Menschen zu, wie spricht

man überhaupt in einem Interview, wie findet man eine

Ebene zum Gegenüber, wie schafft man Vertrauen? Das

sind die Erfahrungen, die eine Filmausbildung so wertvoll

machen, weil man das dort wirklich ausprobieren

und üben kann.

aus PEPE MUJICA – DER PRÄSIDENT

nachgespürt und damit geht auch immer eine Recherche

über eine bestimmte Zeit einher. DECKNAME ROSA

ist beispielsweise die Geschichte einer jungen Frau aus

der Schweiz, die sich während des Zweiten Weltkriegs

in einem illegalen Funknetz engagiert hatte. Damit habe

ich die Zeit des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz aus

114

Als Dokumentarfilmer*in ist es wichtig, einen genauen

Blick auf die Realität zu haben und eine Haltung zu ihr

zu entwickeln. Gab es für dich persönlich Situationen,

bei denen dir die professionelle Distanz abhandengekommen

ist?

Dreh und Schnitt - das sind die beiden Orte, an denen

Haltungen entstehen. Ich arbeite immer mit einem kleinen,

flexiblen Team vor Ort und später als Zweier-Team

im Schnitt. Ich glaube, wenn man sich dort gehen ließe,

also, wenn man sich quasi emotional einer Situation


während des Drehs komplett ausliefern würde, weil

man sie nicht erträgt, dann kann man auch seiner Aufgabe

nicht gerecht werden. Ich weiß doch genau, warum

ich an einem Drehort bin: Wenn ich in einem Krankenhaus

drehe, bin darauf gefasst, Dinge zu sehen, die

mir wehtun können und Kraft kosten. Es gibt in CAHIER

AFRICAIN einen Moment, den ich besonders finde, weil

er so viel über unsere Arbeit aussagt: Da operiert ein Arzt

eine Kugel aus dem Körper eines Mädchens. Die Kamera

hält auf sein Gesicht und da gibt es diesen einen, ganz

kleinen Moment, in dem der Arzt die Augen schließt

und sie gleich wieder öffnet. Ich habe das immer so interpretiert,

dass das ein Rückzug in sich selbst war. Ein

Moment des Sammelns, um weitermachen zu können.

Und genau solche Momente haben wir auch während

unserer Arbeit. Aber das, was uns wirklich trägt, ist das

Wissen um unser Anliegen und warum wir an diesem

Drehort sind. Dokumentarfilme sind ja kein Hobby, es

geht um was.

aus CARTE BLANCHE

Wie kommst du mit den Grenzerfahrungen klar, die du

sicherlich bei Drehs gemacht hast?

Manchmal realisiere ich erst am Schneidetisch beim

Sichten des Materials, in welcher Situation wir wirklich

gedreht haben. Ich höre mich dann auch selbst, weil der

Ton noch lief. Und da nehme ich mich dann als einen

Menschen wahr, der in der Lage ist, selbst in schwierigsten

Situationen noch mit dem Kameramann über die

richtige Einstellung zu reden. Das kommt einem von außen

betrachtet völlig unverständlich vor. Aber das ist die

professionelle Haltung, die wir in dem Moment brauchen.

Sonst lösen wir uns selbst auf in unseren Gefühlen

und lassen unsere Arbeit liegen.

Wie gewinnst du das Vertrauen der Protagonist*innen,

um eine Erzählbasis für deine Dokumentationen zu

schaffen? Es hat den Anschein, als wäre beispielsweise

bei CAHIER AFRICAIN eine sehr lange Vorbereitungszeit

vorangegangen.

Für CAHIER AFRICAIN habe ich viele Versuche gebraucht,

um ein bestimmtes, umfassendes Interview

mit meiner Hauptprotagonistin Amzine führen zu können.

Es wollte lange nicht passen. Manchmal war die

Umgebung im Dorf zu laut. Manchmal konnte Amzine

nicht oder sie wollte nicht. Manchmal stand das Filmteam

nicht parat. Ich wollte dieses Interview aber auch

nicht an einen unpassenden Moment verschenken, sondern

habe abgewartet. Und das war natürlich ein Luxus

bei dieser Produktion. Ich habe letztlich mehrere Jahre

auf den richtigen Zeitpunkt warten können und dieser

war da, als Amzine mir wirklich vertraut hat und ich ihr

auch vertrauen konnte. Und es hat alles gepasst. Es ist

ein eindrückliches, inniges Gespräch geworden. Am Ende

wird man für die Geduld und das Zuhören belohnt.

Wie konntest du dir leisten, an diesem einen Thema so

lange zu arbeiten?

Ich hatte eine wirklich tolle Produktionsfirma, die ausschließlich

Dokumentarfilme produziert und die Verständnis

für unsere Arbeitssituation hatte. Und dazu

kam eine uns sehr unterstützende Redaktion, nämlich

bei 3sat. Auch die Filmförderungen haben den ausgedehnten

Dreh- und Schnittzeitraum mitgetragen.

Deine Filme zeichnen sich durch eine gründliche Recherche

aus. Würdest du sagen, dass dies eine der wichtigsten

Grundlagen ist für einen gelungenen Film?

Die Recherche ist für einen Dokumentarfilm das wichtigste

Fundament. Man muss sein Sujet kennenlernen,

die Fakten, aber auch selbst in sein Thema hineinfinden

und ausprobieren, was die richtige Erzählform dafür

ist. Ich gehe oft bereits mit der Kamera auf Recherche,

sichte dann mit dem Editor das Material und wir versuchen

gemeinsam zu erkennen, welche Kraft in den einzelnen

Protagonist*innen steckt und was die tragenden

115


DOZIERENDE IM PORTRÄT

Momente der Geschichte sein können. Oder eben andersherum:

Was trägt in der Geschichte nicht, was bleibt

blass. So ein Recherchedreh ist wie ein offenes Buch,

aus dem man herauslesen kann, in welche Richtung

der Film weiterentwickelt werden soll. Und gleichzeitig

muss man aufpassen, weil dieses Material dann oft auch

in den fertigen Film Eingang findet und ihm damit früh

eine Form vorgibt. Man muss mit diesem Recherchematerial

kritisch umgehen, denn die Bilder sind natürlich

noch aus der Perspektive einer anderen inneren Einstellung

gedreht.

Dynamiken zwischen Filmemacher*in und Protagonist*in

muss man immer sehr gut analysieren – das gehört

zur Arbeit im Vorfeld. Ich glaube allerdings, dass

man manipulierende Tendenzen relativ früh beim Kennenlernen

der Protagonist*innen erkennen kann, also

lange, bevor es zu spät ist.

Wie schaffst du es, deinen Filmen abseits von Tagesaktualität

eine Allgemeingültigkeit zu verleihen?

In Sachen Tagesaktualität sind die journalistischen Kolleg*innen

besser aufgestellt. Sie sind schneller und können

unmittelbar arbeiten. Gerade bei CAHIER AFRI-

CAIN habe ich das sehr zu schätzen gewusst. Fragen, wo

z.B. die Zentralafrikanische Republik liegt, welcher Konflikt

hier verhandelt wird und welche Parteien beteiligt

sind, konnte ich immer mit dem Hinweis auf journalistische

Formate beantworten. Ich selbst konnte mich dadurch

in meinem Film auf die Hintergründe und die

Zusammenhänge konzentrieren. In dem Segment, in

dem ich arbeite, fällt es sehr schwer, tagesaktuell zu sein.

Dafür brauche ich einfach zu viel Zeit, nicht nur, um

das Material zu drehen. Ich war jetzt ein halbes Jahr im

Schneideraum - da hat sich in jedem Land der Welt die

Lage verändert. Insofern suche ich nach Geschichten,

die über die reine Tagesaktualität hinausgehen, universell

sind, uns berühren und bereichern in unserer Sicht

auf die Welt oder auch nur auf ein einzelnes Leben.

Hattest du in deiner beruflichen Laufbahn je das Gefühl,

als Frau weniger ernst genommen zu werden oder mehr

leisten zu müssen als männliche Kollegen?

aus CAHIER AFRICAIN

Hast du manchmal Sorge, dass du eventuell von den

interviewten Leuten selbst manipuliert wirst?

Klar! In einem Gespräch kann Vertrauen entstehen und

ein gegenseitiges, offenes Sich-aufeinander-einlassen,

aber gleichzeitig hat auch jede und jeder eigene Interessen.

Und je nachdem, wen man als Gegenüber hat,

will sie oder er das auch für sich selbst nutzen. Wenn

man dann von dieser Person abhängig ist, kann man

doch relativ schnell in die Lage geraten, dass man sich

fragen muss, hat man hier eine Plattform geboten bzw.

wie kommt man aus dieser Situation wieder raus. Solche

116

Das kam vor, aber eher selten. Allerdings ist es so, dass

Frauen und auch Männern bestimmte Eigenschaften per

se zugeschrieben werden. Es gibt eine gewisse Voreingenommenheit,

dass Frauen beispielsweise bestimmte

Themen besonders gut bearbeiten können, weil dafür

eine besondere Sensibilität nötig ist oder Geduld - das

nennt man Framing. Dass man in eine bestimmte Schublade

gesteckt wird, die nicht unbedingt falsch sein muss

- aber sie macht eben nur einen kleinen Teil von dem

aus, was ich als Regisseurin kann und bin. Ich kann viel

mehr als nur sensibel zuhören. Ich kann auch groß und

laut und gewaltig. Darüber hinaus ist ein entscheidender

Punkt, dass ich schon sehr früh meine Filme selber

produziert habe. Ich konnte dadurch die Arbeitsbedingungen

selbst bestimmen und mir damit auch die nötige


Zeit und den Raum gewähren, den ich brauche, um so

zu arbeiten, wie ich es für meine Arbeitsweise benötige.

Das habe ich bis heute beibehalten, dass ich größtenteils

koproduziere, um ein Mitspracherecht bei den produktionellen

Rahmenbedingungen meiner Arbeit zu haben.

Gibt es denn so etwas wie den „weiblichen Blick“, einen

„Female Gaze“, von dem so viele sprechen?

Ich glaube nicht, dass ein Blick geschlechterspezifisch

ist, oder sagen wir mal „heute nicht mehr“. Der „Female

Gaze“ beinhaltet eher eine gewisse Form, auf Dinge zu

blicken. Wenn ich mit unseren Studierenden spreche,

gibt es viele Männer, die diesen „weiblichen“ Blick ebenfalls

für sich beanspruchen. Ich will diesen Blick jetzt

gar nicht so detailliert bestimmen, denn es ist immer etwas

Persönliches, wie man ihn empfindet. Mein eigener

ist sicherlich ein zuhörender Blick. Ich weiß, dass

ich eine geduldige Zuhörerin bin und das verändert für

das Publikum auch den Blick auf meine Protagonist*innen.

Ich kenne genug studentische Projekte, bei denen

wir Achtsamkeit, Geduld und Empathie auch bei jungen

männlichen Studierenden erleben können. Diese Offenheit,

dem Anderen zu begegnen, ist eine große Bereicherung

für jeden Film.

sicherer, wenn ich einen Fragebogen dabeihabe, auf den

ich ab und zu schielen kann? Oder lege ich ihn lieber

weg und gehe frei in das Gespräch? Wenn ich mich über

meiner selbst irre, dann werde ich mit keinem Resultat

zufrieden sein. Weil ich mich von Anfang an in einem

Arbeitsmodus befinde, der nicht meiner ist. Sich selbst

kennenzulernen, ist ein wichtiger Prozess. Und das geht

nur, wenn man Fehler machen darf und auch mal scheitert.

Das ist der zweite wichtige Punkt. Aber das Scheitern

hat leider einen schlechten Ruf heutzutage, dabei

ist es das dankbarste Feld, um sich selbst und das Handwerk

kennenzulernen. Und je weniger Zeit wir uns gönnen,

um beim Filmemachen zu scheitern, desto mehr

verarmen wir auch im Kennenlernen unserer künstlerischen

Mittel.

Bist du jemand, der während des Drehs viel geschehen

lässt und quasi nur beobachtend dabei ist, oder greifst

du auch ein?

Es kommt ein bisschen auf die Situation an. Ich bilde ein

gutes Team mit meinem Kameramann Johann Feindt. Er

ist ein guter Beobachter und dabei sehr zurückhaltend.

Er arbeitet gerne im Hintergrund. Ich lasse Johann den

Raum, den er braucht, um zu beobachten. Und wenn ich

später im Schneideraum Material sichte, überrascht er

mich immer damit, was er abseits vom Drehmittelpunkt

noch so alles eingefangen hat.

aus DECKNAME ROSA

Was willst du den jungen Regisseur*innen in deinem

Studiengang mitgeben? Beispielsweise, dass man auch

mal gegen Wände laufen kann und dass das keine Schande

ist?

Genau dafür steht die Filmakademie. Thomas Schadt sagt

ja immer, wir arbeiten in einem geschützten Raum, der

Scheitern ermöglicht.

Es gibt zwei Punkte, die wichtig sind: Zum einen herauszufinden,

was man für ein*e Filmemacher*in ist. Ist man

die Person, die sich mitten ins Geschehen wirft, vor Ort

Fragen stellt und spontan reagieren kann? Oder ist man

eher eine zurückhaltende, beobachtende Person? Fühle

ich mich beispielsweise beim Dreh eines Gesprächs

Genauso ist es! Wenn du die Filme, die beispielsweise in

unserer Dokumentarfilm-Abteilung entstehen, mit Filmen

vergleichst, die außerhalb dieses geschützten Rahmens

entstehen, dann siehst du diese Qualität. Filmakademie-Filme

sind gereift über Monate, über Jahre und

das spürst du. Sie sind in der Stoffentwicklung und beim

117


DOZIERENDE IM PORTRÄT

Dreh gewachsen und im Schneideraum. Und wenn du

sie vergleichst mit einem Film, der auf dem freien Markt

produziert worden ist, mit acht Wochen Schnittzeit …

Du merkst sofort, dass es formal und inhaltlich wesentlich

ärmere Produktionen sind. Ich wünsche mir, dass

wir dieses Gut, diesen Kreativraum, den es an der Filmakademie

gibt, draußen verteidigen können. Dass wir

sagen, solch einen Film kann ich für euch nur machen,

wenn ich Zeit habe. Zeit ist die ganz große Maßeinheit.

Sie ist das Entscheidende.

Kann man sich heute – vor allem als junge*r Regisseur*in

– bei der Themenwahl frei entfalten, den Stoff

sozusagen heranreifen lassen oder ist es eher so, dass

im späteren Berufsleben die Stoffe hinsichtlich Verwertungsqualität

und Publikumspotenzial ausgewählt und

zugewiesen werden?

Ich kenne ganz wenige Kolleg*innen, die als Dokumentarfilm-Regisseur*innen

ausschließlich von ihrer Arbeit

leben können. Das heißt, es ist enorm wichtig, sich ein

zweites Standbein zu schaffen. Das kann Kamera, Ton,

Schnitt, Produktion, Festivalarbeit - was auch immer

sein. Noch besser ist es, einen Fuß in einer Redaktion zu

haben, in der auch andere Formate hergestellt werden

und bei der du dann ein Thema zugewiesen bekommst.

Denn es ist durchaus eine schwierige Aufgabe, formatgetreu

zu arbeiten. Es gibt einige Absolvent*innen, die

im Anschluss an ihr Studium auch mit Radio-Reportagen

Geld verdienen. Oft zu Themen, die sie schon einmal

bearbeitet hatten, weil es viele tolle O-Töne gab, die

man nochmal verwerten konnte - so haben sie sich ein

zweites Standbein erarbeitet. Manchmal ergibt sich auch

der Vorteil, über die Radio-Reportage hinaus für das eigene

Filmprojekt zu recherchieren. Diese Alumni sind

dann nicht von Anfang an unter diesem immensen finanziellen

Druck und müssen unreife Themen verkaufen.

Sie bekommen die Zeit, in der sie wachsen und sich

entwickeln können, bis das Treatment passt. Sich dieses

persönliche Biotop oder Labor zu erhalten, finde ich

ganz wichtig.

In der Beschreibung des Studiengangs Regie/Dokumentarfilm

an der Filmakademie BW steht, dass ihr den Studierenden

beibringen möchtet, „Realität kreativ zu gestalten“.

Was genau ist damit gemeint? Das klingt immer

so ein bisschen nach Manipulation.

Manipulation ist ein Begriff, der für unsere Arbeit

überhaupt nicht zutrifft. Was an erster Stelle steht, ist

118

Vertrauen. Wir gehen mit dem Zuschauer eine Beziehung

ein, die glaubwürdig sein muss. Und wenn wir da

in irgendeiner Form manipulieren, dann würden wir

dieses Vertrauen riskieren. „Realität kreativ zu gestalten“

bedeutet, dass die Studierenden Filme entwickeln,

die unverwechselbar sind. Also, dass sie zu ihrem Thema

eine Erzählform finden, eine Herangehensweise, die

für sie spricht und die mit eigener Handschrift entwickelt

wird. Das ist natürlich ein andauernder Prozess, bei

dem es wichtig ist, sich ernst zu nehmen und sich genauso

der Kunst, wie auch dem Handwerk, verpflichtet

zu fühlen. Das ist, was ich unter dem Wort „Kreativität“

verstehe. Man muss als Regisseur*in selbst sichtbar werden

hinter dem, was man gestaltet hat. Dieser Blick auf

die Person als Regisseur*in ist die eigentliche Referenz,

um die es geht.

Kann es vorkommen, dass ein Thema, das man sich am

Anfang überlegt hatte, im Schnitt vollkommen verworfen

wird und ein ganz anderer Aspekt nach vorne dringt?

Ich glaube, das ist oft nicht nur eine zwingende Maßnahme,

sondern darin liegt auch die Chance, das kreative

Potenzial eines Films überhaupt auszuschöpfen. Wenn

man sich auf sein Material einlässt, dann muss man zu

sich auch mal sagen: „Lass uns die Geschichte andersherum

erzählen.“ Das ist auch ein Loslösungsprozess und

eine stetige Überprüfung des eigenen Ansatzes. Und je

öfter man sich schon während des Drehs mit dem gedrehten

Material auseinandersetzt, desto sicherer wird

man in der sich anbahnenden Erzählform.

Du hast jetzt bereits mehrfach mit dem Filmakademie-Absolventen

und Schnitt-Dozenten Kaya Inan zusammengearbeitet.

Man spricht ja auch von der „zweiten

Autorenschaft“ des Editors/der Editorin. Wie sieht

eure kreative Zusammenarbeit aus und wie kam es dazu?

Ich habe Kaya über das Diplom-Projekt von Nicolas Steiner

kennengelernt. Ich habe das Projekt betreut und

Kaya hat es geschnitten. Ich habe bewundert, mit welchem

Einsatz und Engagement Kaya über ein Jahr mit

Nicolas zusammen an diesem Film gearbeitet hat, bis er

dann auch für beide zu seiner vollendeten Form gefunden

hatte. ABOVE AND BELOW hieß der Film, mit dem

sie dann auch zu Recht viele Preise gewonnen haben.

Mittlerweile haben wir bereits den dritten Film gemeinsam

geschnitten. Kaya und ich, wir reden beide Schweizerdeutsch,

das verbindet (lacht). Darüber hinaus ist

Kaya ein undogmatischer, wirklich wahnsinnigkreativer


Kopf und er ist hungrig auf Bilder. Er braucht spannendes,

emotionales Material und authentische Momente.

Für mich als Regisseurin ist es eine der intensivsten

Phasen, ihn beim Sichten des Materials zu erleben.

Er ist mein erster Zuschauer und an ihm kann ich sehen,

wie das Material wirkt und im gleichen Moment

fängt sein Kopf bereits an, damit zu gestalten. Wir haben

im Schneideraum im Rücken von uns immer eine große

Tafel stehen, an der die Szenenfotos hängen. Wir stehen

oft davor und bauen mit den Fotos die Geschichte vor.

Ist es leichter, die Arbeit als konkrete Bilder vor dem Auge

zu haben?

Wovon handelt STAND UP MY BEAUTY?

STAND UP MY BEAUTY erzählt die Entstehung des

ersten eigenen Liedes einer jungen, äthiopischen Sängerin,

die bereits Mutter ist. Sie begibt sich in Äthiopien

auf die Suche nach Geschichten anderer Frauen, die die

Basis für ihre ersten eigenen Texte werden. Der Film ist

eine deutsch-schweizerische Koproduktion und kommt

nächstes Jahr im März im Kino.

Hast du das Gefühl, mit den Bewerber*innen des aktuellen

Jahrgangs Regie/Dokumentarfilm wächst eine politischere

Generation heran?

Jeder Film hat seine eigene Arbeitsform. Bei dem Film,

den wir letzten Monat fertig gestellt haben (ERHEBE

DICH, DU SCHÖNE / STAND UP MY BEAUTY, Anm.

d. Red.) hat das gut gepasst. Ein entscheidender gedanklicher

Prozess kam auch in Gang, als wir spontan beschlossen

haben, den Film vom Ende her nach vorne zu

sichten. Das hat wesentlich die Gestaltung, das Bauen

und die Dramaturgie des Filmes beeinflusst. Manchmal

muss man sich und seiner Intuition vertrauen. Da sind

Kaya und ich uns eigentlich auch immer sehr, sehr ähnlich.

Und wir vertrauen uns.

Absolut. Jede und jeder dieser Bewerber*innen hatte

ein Thema, für das sie oder er sich besonders engagiert

hat. Darüber hinaus war wirklich auffallend, wie ernsthaft

sich die Bewerber*innen mit den dringenden Themen

der Zeit beschäftigen und auseinandersetzen. Und

genau da liegt die Stärke und Kraft von Dokumentarfilm:

Er kann dazu beitragen, die Welt, in der wir leben,

zu verändern. Nicht der einzelne Film möglicherweise,

aber der Geist, aus dem er hervorgeht. Hier wächst eine

mutige Generation heran. Die jungen Leute haben sich

- trotz des wahnsinnig schwierigen Jahres, in dem alle

zum Stillhalten verdammt waren - nicht entmutigen lassen.

Das hat uns in der Aufnahmekommission wirklich

sehr gefreut, uns Mut gemacht und Zuversicht gegeben.

Wenn Du Dich in deine Zeit als Studentin an der DFFB

zurückversetzt: Stehen die Filmstudierenden heute unter

einem stärkeren Druck als früher?

aus STAND UP MY BEAUTY

Ich habe mit ehemaligen Kommiliton*innen oft drüber

nachgedacht, was sich denn eigentlich verändert hat.

Klar, wir waren weniger Absolvent*innen. Es gab zwei

Filmschulen, die HFF München und die DFFB. Viele junge

Filmschaffende leiden heute vor allem unter der starken

Konkurrenz auf dem Markt und das spürt man zum

Teil schon an der Filmakademie. Wir hatten es leichter,

vielleicht waren wir auch solidarischer untereinander.

Gerade die Dokumentarfilmemacher*innen haben

sich immer gegenseitig sehr unterstützt. Auch wenn die

Sendezeit der dokumentarischen Formate in den letzten

20 Jahren stetig vergrößert wurde – es sind nicht die

Dokumentarfilme, die davon profitiert haben, sondern

Talkshows und journalistische Formate. Für den abendfüllenden

Dokumentarfilm sind die Plätze immer rarer

geworden. Und: Sie werden spät in der Nacht eher versendet,

muss man sagen.

119


DOZIERENDE IM PORTRÄT

Was könnte man dagegen tun? Gibt es überhaupt eine

Möglichkeit, diesen Filmen eine breitere Wahrnehmung

zu bieten?

Dazu braucht es dringend ein umfassendes Unterstützungspaket.

Zum einen sollten die Filme stärker von der

Filmkritik wahrgenommen werden. Sie müssen bereits

im Vorfeld sichtbarer werden, vor der Kinovorführung

oder der Ausstrahlung. Und zum anderen, dass Festivals

ganz selbstverständlich eine dokumentarische Sektion

anbieten. Weiterhin für solide, nicht ausbeuterische Arbeitsbedingungen

im dokumentarischen Bereich zu sorgen,

ist elementar. Produzent*innen und Redaktionen

davon zu überzeugen, dass Dokumentarregisseur*innen

keine Hobbyfilmer*innen sind. Wenn wir aus einer gewissen

existenziellen Sicherheit heraus agieren können,

haben wir auch ein anderes Standing in den Gesprächen

mit Redaktionen und Produktionen. Außerdem müssen

wir dafür sorgen, dass der Zuschauer in der Zwischenzeit

nicht verlernt, was eigentlich ein Dokumentarfilm

ist und wodurch er sich auszeichnet. Dass jede*r auch

die Sprache des Erzählens als Mittel versteht und nicht

denkt, - wenn in der Montage drei Felder Schwarzfilm

auftauchen – dass der Film kaputt ist. Es ist eine vielfältige

Aufgabe, den Dokumentarfilm am Leben zu erhalten.

Sie betrifft alle - die Sender, Festivals und Filmförderungen

- vor allem auch die Nachwuchsförderungen.

120


121


STECKBRIEF

Filmmusik

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkk

1

PROJEKTBETREUUNG

Andreas Fuchs

2

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Matthias Raue

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

vier

4

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Mindestens Bachelor oder Vordiplom

in einem musikalischen

Studiengang

5

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Der praktische Aspekt der Ausbildung

bietet Möglichkeiten, die ihr

nur hier findet: Orchesteraufnahmen

mit dem Filmorchester Babelsberg,

ein Orchesterworkshop,

Aufnahmen mit Small- und Bigband

und ein Tonstudio, in dem

ihr Musik aufnehmen könnt, soviel

ihr wollt. Außerdem ist der Campus

perfekt für Networking, da eure

Kommiliton*innen nach dem

Studium gute Jobs in der Filmwirtschaft

haben.

6

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

Ganz viel learning by doing – Ihr

macht von Anfang an Musik für

Filme. Die Theorie ist dabei immer

auch projektbezogen: Filmkomposition,

-dramaturgie, Harmonielehre,

TV-Scoring, Filmmusik-Orchestration,

Dirigat, Musikrecht,

Pop-Producing, künstlerische Filmmusik-Praxis

und vieles mehr.

7

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Instrumental-Unterricht gibt es bei

uns nicht. Den habt ihr in der Regel

auch in eurem vorangegangenen

Studium gehabt.

8

ONE COOL FACT ABOUT.....

Im Orchester-Workshop dürft ihr

selbst dirigieren.

9

MOTTO

Ausgezeichnete Filmmusik entsteht

durch gute Kommunikation und

Entwicklung einer persönlichen

Filmmusik-Sprache.

122


Filmton/Sounddesign

1

STUDIENKOORDINATION

Florian Dittrich

2

PROJEKTBETREUUNG

Tobias Scherer

3

LEITENDE DOZIERENDE

Ed Cantù

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

sieben

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Passion für guten Sound,

technisches Verständnis, flüssigen

Umgang mit DAWs, Kenntnisse

über die verschiedenen Gewerke

beim Film

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Arbeitsumgebung, wie man sie

auch in der freien Wirtschaft

findet; die Möglichkeit, sich an

allen verschiedenen Genres zu

versuchen, wie Animations-,

Dokumentar-, Fernsehfilm,

Szenischer Film etc.

7

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

- Den Entstehungsprozess der

verschiedenen Tonebenen

beim Film und darüber

hinaus (Game Audio)

- Das Arbeiten in einem großen

Filmteam

- Die wirtschaftlichen Faktoren

des Filmton-Business

- Sehr viel Praxis!

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Schlafen, sich langweilen

9

ONE COOL FACT ABOUT.....

Der Ton macht MINDESTENS 50%

des Films aus!

10

MOTTO

Hauptsache FETT! ;)

123


ALUMNI IM FOKUS

„DER AKT DES FILMEMACHENS

HAT ETWAS THERAPEUTISCHES”

Ein Interview mit Konstantin Flemig, Absolvent Regie/Dokumentarfilm

KONSTANTIN FLEMIG SCHLOSS 2016 SEIN

STUDIUM DER REGIE/DOKUMENTARFILM

MIT SEINEM MEHRFACH AUSGEZEICHNETEN

FILM 'BILDERKRIEG' AB. SEITDEM ARBEITET

ER ALS JOURNALIST UND FILMEMACHER.

SEIN THEMATISCHER SCHWERPUNKT LIEGT

AUF KRIEGS- UND KRISENGEBIETEN: ER

BERICHTET VON UNICEF-SCHULEN IN SOMA-

LIA, BLAUHELMSOLDAT*INNEN IM KONGO,

DEM HÄUSERKAMPF UM MOSSUL ODER

ÜBER DIE AUSWIRKUNGEN DES BÜRGER-

KRIEGS AUF DAS LEBEN DER MENSCHEN IN

DEN KURDISCHEN GEBIETEN SYRIENS.

Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter

mit dem Jurypreis des Baghdad International Film

Festival. Auf YouTube folgen ihm 23.000 Menschen, seine

Erklärvideos wurden mehr als 1.500.000 Mal aufgerufen.

Neben dem Filmemachen schreibt Konstantin

Kurzgeschichten, die in verschiedenen Verlagen veröffentlicht

wurden. Zudem ist er Gastautor für das Satire-Portal

DER POSTILLON.

Lieber Konstantin, vielen Dank, dass du bereit bist, uns

– trotz deines sicherlich vollen Terminkalenders - einige

Fragen zu beantworten.

An der Filmakademie BW hast du als Regisseur im

Bereich Dokumentarfilm abgeschlossen. Wie kam es dazu,

dass du heute nicht nur als Filmemacher, sondern in

erster Linie als Kriegsreporter unterwegs bist?

Mir war schon früh klar, welche Themen mich interessieren

und was mir wichtig genug ist, zum Schwerpunkt

meiner Filme zu werden. Als Bewerbungsfilm an

der Akademie habe ich einen kurzen Dokumentarfilm

124


über eine Frau gedreht, die im Kongo ein Luxusrestaurant

betreibt. Dieser extreme Kontrast zwischen Reichtum

und Armut war es, den ich unglaublich spannend

fand. Allgemein bin ich eher ein Filmemacher, den die

Extreme des Lebens anziehen.

Wie lief der Berufseinstieg bei dir? Haben dir die Auszeichnungen

für BILDRERKRIEG (u.a. Hollywood International

Independent Documentary Award) Türen geöffnet?

Das glaube ich nicht. Filmpreise zu bekommen, ist natürlich

immer toll, weil sie einem versichern, dass wildfremde

Menschen das gut finden, was du als Regisseur

geschaffen hast. Aber ich würde ihre Bedeutung nicht

überschätzen, gerade was die Welt außerhalb der Branche

angeht. Klar klingt es erstmal gut, wenn man etwa

den Großen Preis der Jury beim Baghdad International

Film Festival gewonnen hat. Aber außer einer Handvoll

Filmfreaks, die das Festival tatsächlich kennen, dürfte

diese Aussage für die allermeisten Menschen kaum eine

Bedeutung haben. Ich würde lieber einen soliden Film

gemacht haben, der vielen Zuschauern gefällt und ihnen

Einblicke in Lebenswelten zeigt, die ihnen fremd sind,

als künstlerische Avantgarde zu produzieren, deren Zielpublikum

aus wenigen Festivaljurys besteht.

Wie hast du es geschafft, dich in der Branche zu etablieren?

Hat dir dein Studium an der FABW dabei geholfen?

Ohne jede Frage. An der Akademie habe ich nicht nur

das filmische Handwerk gelernt, es war auch ein intellektuelles

Bootcamp. Tagelang über Filmkunst diskutieren,

mit großen Regisseuren über ihre Werke sprechen

und die eigenen Filme auseinanderzunehmen, das bringt

einen enorm weiter. Gerade im Bereich Dokumentarfilm

ging es dabei oft um mehr als das rein Filmische, sondern

um Zusammenhänge in der Welt und die Fähigkeit,

diese zu reflektieren. Ganz zu schweigen davon, welche

Kontakte man knüpfen kann! Außerdem kann es gerade

für junge Filmemacher*innen sehr charakterbildend

sein, sich mit der Kritik von Kollegen auseinanderzusetzen.

Wenn man etwa vor versammelter Mannschaft

mal gesagt bekommt, was für ein Totalausfall dein letzter

Film war – das stärkt die seelisch-künstlerischen Abwehrkräfte

enorm. Alles, was danach kommt, ist dann

Kindergarten.

Du hast dich schon vor und während deines Studiums

für die Krisengebiete der Welt interessiert. In welche Gebiete

bist du denn in den letzten Jahren gereist?

Ich komme gerade von der griechischen Insel Lesbos

zurück, wo ich über die Situation der Geflüchteten an

Europas Außengrenzen berichtet habe. Ein Thema, das

mich immer beschäftigt, weil es so nah an unserer eigenen,

privilegierten Lebenswelt ist. Die Lage ist nach

wie vor schwierig, aber das öffentliche Interesse hat zeitweise

enorm abgenommen - auch im Zuge der Corona-Krise.

Ende 2019 war ich an der Front in der Ostukraine, ebenfalls

ein völlig vergessener Konflikt, unter dem mittlerweile

vor allem die alten Menschen leiden. Leider war

mein Timing hier schlecht, denn kurze Zeit später drehte

sich in den Medien alles nur noch um Corona, weswegen

ich mein Material nirgends unterbringen konnte.

Dieses Erlebnis war einer der Hauptgründe, warum

ich mich dazu entschlossen habe, meinen eigenen You-

Tube-Kanal aufzubauen – um im Zweifelsfall meine

Geschichten einem Publikum zeigen zu können, auch

wenn sie es nicht ins analoge Fernsehen schaffen.

Du hast bei einem von der Bundeswehr angebotenen

Training für Kriegsreporter*innen teilgenommen und

mit EXIT EXIT EXIT – KRIEGSREPORTER IN AUS-

BILDUNG gleichzeitig einen Film darüber gemacht. Wie

kam es dazu?

Dabei handelte es sich um meinen Zweitjahresfilm.

Schon damals wusste ich, in welche Richtung sich meine

filmische Karriere bewegen sollte, und hätte man mich

gelassen, ich wäre wahrscheinlich direkt in die Welt gezogen

und hätte in irgendeinem Krisengebiet gedreht.

Im Nachhinein verstehe ich die Regel der Akademie, die

Studierenden erst einmal in Deutschland drehen zu lassen.

Und so wurde die Ausbildung von Kriegsreportern

mein Thema. Dass ich dieses Training selbst absolvieren

musste, bevor ich mich in echte Kriegsgebiete begebe,

war mir schon länger klar, alles andere wäre leichtsinnig

gewesen. So konnte ich letzten Endes zwei Fliegen

mit einer Klappe schlagen: Einen Film über ein spannendes

Thema drehen und gleichzeitig die Ausbildung

durchlaufen.

Viele Kriegsreporter*innen haben mit posttraumatischen

Belastungsstörungen zu kämpfen. Wie verarbeitest du,

was du im Krisengebiet erlebst und siehst?

125


ALUMNI IM FOKUS

Eine Frau und ihr Sohn im Flüchtlingslager von Moria auf der griechischen Insel Lesbos

Kinder in Kobani spielen auf einem zerstörten Panzer des IS

126


Der Akt des Filmemachens hat selbst etwas Therapeutisches.

Man verarbeitet das Erlebte, reflektiert die Bilder,

stellt sich ihnen. Außerdem rede ich viel darüber, sei

es mit Freunden oder öffentlich, auf Vorträgen oder auf

meinem Kanal. Ich bin ein sehr ausgeglichener Mensch,

gerade weil ich in solchen Gegenden unterwegs bin. Das

hilft - und ich bin dankbar, dass ich bisher keine wirklich

negativen psychischen Folgen meiner Arbeit bemerkt

habe. Vielleicht kommt das eines Tages, ich weiß

es nicht. Aber momentan halte ich mich für den zufriedensten

Menschen, dem du je begegnen wirst.

Sowohl aus deinem Buch ALLTAG IN DER HÖLLE –

KRIEGSREPORTER ERZÄHLEN als auch aus deinem

Abschlussfilm BILDERKRIEG geht hervor, dass Kriegsreporter*in

oder -fotograf*in nicht nur ein extrem gefährlicher

Beruf ist. Er ist darüber hinaus selbstausbeuterisch

schlecht bezahlt. Was treibt diese Menschen - was treibt

dich bei deiner Arbeit an?

Ja, da ist etwas dran. Ich kann mir die Arbeit in Krisengebieten

auch nur leisten, weil ich – wie die meisten

anderen Kriegsreporter, die ich in Deutschland kenne

– noch anderweitig tätig bin. Ich arbeite als Chef vom

Dienst bei ZDF Digital, was mir den Luxus bietet, finanziell

so weit abgesichert zu sein, dass ich weiß, woher

das Geld für die nächste Miete kommt. Und das durch

eine journalistische Tätigkeit, die schon alleine für einen

Social Media Junkie wie mich ein Traumjob ist. Der

Nachteil ist, dass meine freie Zeit fast vollständig mit

Kriegs- und Krisengebieten vollgepackt ist.

Und da kommt dieser innere Drang ins Spiel, raus zu

wollen, davon zu erzählen, was in der Welt passiert. Und

auch viel Idealismus, die diffuse Hoffnung, dass sich irgendetwas

ändert, wenn die Welt davon erfährt. Das habe

ich bei praktisch allen Kolleg*innen erlebt, die eine

ähnliche Arbeit machen. Darüber hinaus ist es natürlich

ein unfassbar spannender Job! Man erlebt Dinge, die sich

die meisten Menschen in Deutschland nicht einmal vorstellen

können. Wenn man während der Schlacht von

Mossul im Schützengraben liegt und die Soldaten neben

dir schießen gerade in Richtung des IS – man ist als Berichterstatter

dabei, wenn Geschichte geschrieben wird.

All das spielt eine Rolle bei der Frage, was einen antreibt.

Wie hält man es mit unseren Wohlstandsproblemen aus,

wenn man wirkliches Elend vor Ort gesehen hat?

Das kann ich nur für mich beantworten: Ich bin viel

gelassener geworden, zumindest was Probleme angeht,

die ich als trivial erkenne. In letzter Zeit beschäftige ich

mich viel mit der Philosophie der Stoa, das spiegelt meine

Einstellung zum Leben ganz gut wider. Vieles, über

das ich mir früher Sorgen gemacht habe, sehe ich heute

entspannter, auch weil ich erlebt habe, wie unwichtig

es eigentlich ist. Aber es bringt niemandem etwas,

wenn ich mich hinstelle und anderen Menschen sage,

sie sollen sich gefälligst nicht so anstellen, anderen gehe

es ja noch viel schlechter. Das wäre so überheblich,

wie es dumm ist. Was ich als unwichtig erachte, kann

für andere sehr belastend sein, und nicht jeder Mensch

ist psychisch gleich belastbar. Darum ist es mir wichtig,

Bewusstsein zu schaffen, dass wir viele Dinge zu ernst

nehmen, die es eigentlich nicht verdienen – und andere

Dinge nicht ernst genug. Klimawandel wäre ein Stichwort,

das mir da einfällt. Klar, die meisten Deutschen

wissen, dass das irgendwie ein Problem ist. Aber wenn

man erst einmal halbverhungerte Kinder nach dürrebedingten

Ernteausfällen in Somalia gesehen hat, wird die

Bedeutung des Themas auf einmal sehr viel deutlicher.

Trotz der ernsten Themen, mit denen du dich beschäftigst,

hast du manchmal den Schalk im Nacken. So hast

du zum Beispiel den Wikipedia-Eintrag der damals

frischgebackenen Literaturnobelpreisträgerin Svetlana

Alexievitsch frisiert und sie zusätzlich zur Ornithologin

gemacht. Was hat dich angetrieben und worauf wolltest

du aufmerksam machen?

Das ist eine gefühlte Ewigkeit her! Das war vor Trump,

vor der ganzen Debatte um Fake News. Damals ging es

mir darum zu zeigen, wie leicht Informationen in der

digitalen Welt manipuliert werden können. Die Nobelpreisverleihung

war der perfekte Anlass, weil ich wusste,

dass Journalist*innen weltweit wenige Minuten nach der

Bekanntgabe der Preisträgerin oder des Preisträgers auf

deren Wikipedia-Artikel schauen würden – und in vielen

Fällen unreflektiert abschreiben, was dort steht. Also

habe ich die Seite bearbeitet und aus Frau Alexievitsch

neben ihrer journalistischen Karriere eine Vogelkundlerin

gemacht. Und diese Information wurde beängstigend

oft kopiert. Ich wollte zeigen: Wenn ich das derart

einfach schaffe, was könnten dann erst professionelle

PR-Agenturen oder Nachrichtendienste manipulieren?

Mittlerweile würde ich so etwas nicht mehr machen.

Die Botschaft ist in den letzten Jahren - auch dank der

katastrophalen Folgen von Facebook und Co. - angekommen.

127


ALUMNI IM FOKUS

Auf Facebook und YouTube veröffentlichst du regelmäßig

Erklärvideos über sicherheits- und geopolitische

Themen. Das hast du auch nach dem Einmarsch türkischer

Truppen in die kurdischen Gebiete im Norden Syriens

getan. Möchtest du etwas über den Shitstorm erzählen,

der über dich hereingebrochen ist?

Oh ja, das war irre. Nachdem die türkische Armee gemeinsam

mit islamistischen Milizen in Afrin einmarschiert

ist, habe ich ein kurzes Video auf meiner

Facebook-Seite veröffentlicht, in dem ich vor den katastrophalen

Folgen gewarnt habe: viele tote Zivilisten,

mehr Krieg, hunderttausende Flüchtlinge. Dieses Video

ging viral, ich glaube, es wurde mehrere tausend Male

geteilt. In der ersten Welle gab es unfassbar viele positive

Rückmeldungen, oft von Menschen mit Verwandten

in der Region. Dann fand das Video seinen Weg in die

türkisch-nationalistische Bubble, und ab da ging es ab.

Ich wurde wortwörtlich tausende Male beleidigt, zum

Teil recht heftig. Ich muss zugeben, das Ganze hat mich

sehr belustigt. Wenn solche Leute sich über deine Arbeit

aufregen, dann weißt du, du hast etwas richtig gemacht.

Leider waren auch einige konkrete Drohungen dabei, inklusive

Ankündigung, man würde „meine Reste“ eines

Tages irgendwo herumliegen finden. Diese Mordfantasien

habe ich direkt zur Anzeige gebracht – ohne Erfolg.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart schrieb mir, ich sei Journalist,

und als solcher müsse ich „auch kritische Reaktionen

auf meine Postings“ erdulden. Es gäbe also kein

öffentliches Interesse, diese Drohungen zu verfolgen.

Seitdem wundert mich nicht mehr, dass wir eine Pandemie

an digitaler Gewalt in Deutschland haben, wenn

so viel Inkompetenz auf juristischer Seite vorherrscht.

Siehst du die sozialen Medien eher als Chance oder Gefahr

für freie Meinungsäußerungen und faire Berichterstattung?

Beides. Es ist mit den sozialen Medien wie mit dem Buchdruck

oder dem Fernsehen. Die sozialen Medien können

eine unfassbare Hetzmaschinerie werden, wenn die

Betreiber nicht entschieden gegen Hassbotschaften und

Lügen vorgehen. Gerade Facebook ist das vollkommen

egal. Hier müssten die nationalen Regierungen deutlich

strenger gegen die Plattformbetreiber vorgehen. Wobei

sich Facebook damit langsam selbst ins Abseits schießt

– wie viele junge Leute wollen noch auf einer Plattform

sein, die von alten Männern bevölkert wird, die in den

Kommentaren gegen Geflüchtete und die Weltverschwörung

hetzen?

Auf der anderen Seite bieten die sozialen Medien aber

auch einen unvorstellbaren Gewinn für faire Berichterstattung

und globale freie Meinungsäußerung. Dass

heute Millionen Menschen auf der ganzen Welt Ereignisse

filmen und veröffentlichen können, ist ein Game

Changer, es wird fast unmöglich, Ereignisse zu verschweigen.

Von der Ermordung George Floyds bis zu den

Szenen am Flughafen von Kabul: Bilder werden verbreitet,

die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen

wären. Als ich auf Lesbos gedreht habe, konnte ich rund

um die Uhr mit meinen Protagonisten über Whatsapp

schreiben, auch wenn diese in den Lagern eingesperrt

waren. Die Presse wird bewusst aus diesen Lagern rausgehalten

– was aber fast egal war, weil die Protagonisten

die Zustände einfach selbst mit dem Smartphone filmen

UN-Blauhelmsoldaten im Osten der Demokratischen

Republik Kongo

Eine junge Frau mit ihrem stark unterernährten Kind

in Somalia

128


und mir zuschicken konnten. Auch das sind Folgen von

Social Media. Wir müssen als Menschheit lernen, damit

umzugehen, denn die Bedeutung der sozialen Medien

wird weiter wachsen.

Du begibst dich als Journalist und Dokumentarfilmer

bewusst in gefährliche Situationen in Krisengebieten vor

Ort, etwa in Syrien oder im Kongo. Glaubst du, dass man

tatsächlich in diese Länder reisen muss, um authentisch

und fair zu berichten? Oder kann das auch aus der Distanz,

z.B. vom heimischen Schreibtisch aus funktionieren?

Nichts ersetzt das Vor-Ort-sein, davon bin ich überzeugt.

Wenn ich öffentlich-rechtliche Korrespondent*innen sehe,

die von Kairo aus darüber „berichten“, was in Kurdistan

passiert, dann sträuben sich mir die Nackenhaare

und ich frage mich, wofür unsere Gebühren verbraten

werden. Natürlich kann man Informationen von Kontaktleuten

vor Ort sammeln und vortragen, das mache

ich gerade auch mit den Aussagen von Bekannten in Afghanistan

nach dem Sieg der Taliban. Aber die Journalistin/den

Journalisten vor Ort ersetzt das nicht, es ergänzt

höchstens.

Für Phoenix hast du 2020 den Dokumentarfilm VER-

NARBTES LAND über den Bürgerkrieg in Syrien gedreht.

Als einem der wenigen deutschen Journalisten

ist es dir gelungen, ein Interview mit einer deutschen

IS-Anhängerin in kurdischer Haft zu führen. Wie hast

du diese Begegnung empfunden?

mit Menschen in Extremsituationen spreche. Ob IS-Anhängerin,

Geflüchteter, General oder Menschenrechtlerin,

erst einmal sehe ich jede*n Interviewpartner*in als

Menschen vor mir, dem ich einen gewissen Respekt entgegenbringen

muss. Das beinhaltet natürlich auch kritische

Fragen, alles andere empfände ich im Gegenteil als

respektlos.

Wie findest du die Themen für deine Filme und woran

arbeitest du im Moment?

Themen zu finden war nie mein Problem, ich könnte

aus dem Stand ein halbes Dutzend neuer Filme beginnen.

Bei jedem Dreh lernt man neue Menschen kennen,

findet neue Aspekte eines Themas, von dem man

dachte, man kennt es. Momentan arbeite ich an der Reportage

über die Geflüchteten auf Lesbos. Dazu kommt

ein längerfristiges Projekt, ein animierter Dokumentarfilm

über das Schicksal geflüchteter Menschen, mit dem

Schwerpunkt auf ihrem Leben vor der Flucht. Und sobald

es geht, werde ich wieder nach Kurdistan fahren,

gar keine Frage.

Bitte vervollständige folgenden Satz: Die Filmakademie

war für mich ein Ort,…

…der mir enorm dabei geholfen hat, das zu werden, was

ich heute bin.

Eines der bemerkenswertesten Interviews meines Lebens.

Wochenlang sind wir durch Nordsyrien gereist,

haben gesehen, was diese Fanatiker angerichtet haben,

mussten uns von Überlebenden erzählen lassen, wie sie

gefoltert und gemordet haben … Und dann sitzt du einem

Menschen gegenüber, der sich dieser Gruppe freiwillig

angeschlossen hat, und der sich nun selbst als

Opfer sieht. Ist es meine Aufgabe als Journalist und Filmemacher,

über sie zu urteilen? Wie kann man ein faires

Interview führen, wenn man selbst jederzeit wieder

gehen kann, während die Gesprächspartnerin de facto in

Haft sitzt? Das sind alles Fragen, die man sich in dieser

Situation stellen sollte. Ich habe für mich die Antwort

gefunden, dass ich in erster Linie zuhören sollte. Es gibt

den unfassbar schönen Satz von Horaz: „Auf alle wartet

ein und dieselbe Nacht“. Das ist mein Leitbild, wenn ich

Ein Kind in der Innenstadt von Rakka, der ehemaligen

Hauptstadt des IS

129


MAKING-OF

'SEEPFERDCHEN' –

VON DER UNERSCHÜTTERLICHKEIT

DER ERINNERUNG

130


DER DOKUMENTARISCHE KURZFILM

'SEEPFERDCHEN' ENTSTAND IM

3. STUDIENJAHR AN DER FILMAKADEMIE

UND WURDE BEREITS VIELFACH AUSGE-

ZEICHNET. IM FRÜHJAHR 2021 GEWANN ER

DEN YOUNG C. AWARD BEIM CIVIS MEDIEN-

PREIS, EUROPAS BEDEUTENDSTEM MEDIEN-

PREIS FÜR MIGRATION, INTEGRATION UND

KULTURELLE VIELFALT. AUSSERDEM ER-

HIELT DER FILM DIE AUSZEICHNUNG ALS

„BESTER DOKUMENTARISCHER KURZFILM“

AUF DEM ATLANTA FILM FESTIVAL UND IST

DAMIT FÜR DIE ACADEMY AWARDS 2022

QUALIFIZIERT.

Von Nele Dehnenkamp

Am Anfang von SEEPFERDCHEN steht eine kurze Zeitungsmeldung:

Geflüchtete Menschen sind eine Risikogruppe,

sie ertrinken überdurchschnittlich häufig. Fast

alle Badetoten mit Fluchtgeschichte sind Nichtschwimmer*innen

– viele davon Kinder und Jugendliche. Wie

fühlt es sich an, hier in Deutschland schwimmen zu

lernen, nachdem man sein Leben auf dem Mittelmeer

riskieren musste? Ich durchforste das Internet nach

Schwimmangeboten für geflüchtete Kinder und Jugendliche.

Meine Recherche führt mich nach Wolfsburg, wo

ich in einem Seepferdchen-Schwimmkurs hospitiere

und Hanan treffe. Sie steht in der Mitte des Beckens,

umringt von tobenden Kindern und lässt einfühlsam

einen kleinen Jungen auf ihren Armen durchs Wasser

gleiten. Der Junge hat sichtbar Angst – ein Gefühl, das

Hanans Körper zu kennen scheint. Ihre Bewegungen

sind geprägt von Vorsicht und Erfahrung.

Kurz darauf besuche ich Hanan zu Hause und lerne ihre

Familie kennen. Hanan wuchs in einem kleinen Dorf

im Nordirak auf. Als 2014 die Terrormiliz „Islamischer

Staat“ einen Genozid an ihrer Volksgruppe, den Jesiden,

verübte, musste Hanans Familie fliehen. Ihr Vater brach

nach Deutschland auf und beantragte einen Familiennachzug.

Der Antrag wurde abgelehnt. Ein Jahr nach

dem Einmarsch des IS steht die Familie am türkischen

Ufer des Mittelmeeres. Hanan ist damals 13 Jahre alt,

ihr kleiner Bruder Sidar, der Jüngste der Familie, nicht

einmal zwei. Weder Hanan noch ihre fünf Geschwister

haben jemals zuvor ein Meer gesehen – all das erzählt sie

mir, während wir auf dem akkurat gemachten Bett in ihrem

Jugendzimmer sitzen. Hanan ist mittlerweile 17 Jahre

alt, sie geht in die 7. Klasse, zeichnet gerne und hört

Musik, am liebsten die südkoreanische Boygroup BTS.

Hanan hat viele Gemeinsamkeiten mit Jugendlichen in

ihrem Alter, und doch steht etwas zwischen ihr und der

Welt: Der Moment, als sie beinahe ertrunken ist. „Ich

will meine Geschichte erzählen,“ erklärt sie mir, „meine

Geschichte und die vieler anderer, die über das Meer

gekommen sind.“ Ihr kleiner Bruder Sidar ist mittlerweile

fünf Jahre alt und das einzige Kind in der Familie,

das noch nicht schwimmen kann. Wir vereinbaren,

Hanan mit der Kamera dabei zu begleiten, wie sie ihn

im Schwimmkurs unterrichtet. Gefilmt werden soll ausschließlich

im Hallenbad. Hanans Geschichte ist die einer

Überlebenden, die die Vergangenheit nicht loslässt.

Sie zeigt, dass das Mittelmeer und die Erinnerungen daran

nicht weit weg sind, sondern an einem alltäglichen

Ort wie dem Hallenbad warten.

Zehn Tage filmen wir mit Hanan und ihrem Bruder Sidar

im Schwimmkurs. Es ist heiß, nass, die Luftfeuchtigkeit

ist hoch, das Kamerastativ ist schwer, die Akustik ist

furchtbar. Wir ringen mit den Widrigkeiten in allen Elementen:

Über Wasser soll eine beobachtende Kamera feine,

statische Alltagseindrücke von Hanan und Sidar festhalten,

unter Wasser eine schwebende Kameraführung

131


MAKING-OF

ihr Verhältnis zum Wasser nachempfinden. Der Ton

will, allem Schall zum Trotz, Hanan nah sein – vor allem,

als sie „ihre Geschichte“ erzählt.

Das Gespräch am letzten Drehtag dauert mehrere Stunden.

Immer wieder stockt Hanans Erzählung. Minutenlang

hält sie inne, weint, kämpft mit den unkontrollierbaren

Bildern, die in ihrem Kopf auftauchen. Und doch

will sie das Interview nicht abbrechen. Sie erinnert sich

an jedes Detail der Überfahrt: an die Farbe des Boots,

die Waffe des Schleppers, das Gefühl der nassen Kleidung

auf der Haut. Hanan möchte, dass Sidar schwimmen

lernt, bevor er sich an das Erlebte erinnern kann

– „das tut dann mehr weh“. Für Hanan hat es Wochen

gedauert, bis sie sich im Wasser sicher fühlte. Immer

wieder kamen die Bilder vom Mittelmeer zurück. Ihre

Angst vor dem Ertrinken hat sie mittlerweile überwunden,

doch was sie nicht loslässt, ist die Frage, warum sie

all dies erleben musste. Vor allem: Warum sich niemand

für ihre Geschichte zu interessieren scheint.

Hanan und Sidar beim ersten Screening von SEEPFERDCHEN

Zwei Jahre später sitzen Hanan und Sidar im Garten

eines Wolfsburger Kulturzentrums vor einer großen

Leinwand. Das Ende der Pandemie zeichnet sich

ab und im Rahmen des Weltflüchtlingstages zeigen wir

SEEPFERDCHEN das erste Mal vor Publikum. Hanan

ist erfüllt von Stolz. Viele sind gekommen, um ihre Geschichte

zu hören. Sidar blickt ehrfürchtig auf die Leinwand.

Seinen Schwimmkurs konnte er aufgrund der

Pandemie nicht fortsetzen. Es ist lange her, dass er im

Wasser war. Doch er erinnert sich an jedes Detail der

Dreharbeiten, wie die Angst vor dem Schwimmen ohne

Schwimmflügel und die Kälte des Wassers.

SEEPFERDCHEN

REGIE: Nele Dehnenkamp

PRODUCERINNEN:

Nele Dehnenkamp, Christine Duttlinger

BILDGESTALTUNG: Tobias Winkel, Sina Diehl

MONTAGE: Jana Briesner

FILMMUSIK: Paul Chriske

SEEPFERDCHEN ist benannt nach dem Tier, das furchtlos

und ohne großen Kraftaufwand im Wasser schwebt.

Vor allem aber bezieht sich der Filmtitel auf ein gleichnamiges

Areal im Gehirn, dem Hippocampus – altgriechisch

für Seepferdchen. Der Hippocampus überführt

Erinnerungen aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis.

Hier archiviert das Gedächtnis das, was es nicht vergessen

kann: die schönsten und schrecklichsten Momente

des Lebens. Eines Tages wird Sidar sich vielleicht

auch daran erinnern, wie er das Mittelmeer überqueren

musste. Ich hoffe, er weiß, dass seine Geschichte nicht

vergessen wird.

SOUNDDESIGN: Johann Meis

TON: Johann Meis, Simon Droessler

TONMISCHUNG: Jana Irmert

PRODUKTION:

Filmakademie Baden-Württemberg GmbH

MEHR ZUM FILM: WWW.SEEPFERDCHEN-FILM.DE

132


133


STECKBRIEF

Montage/Schnitt

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkk

1

STUDIENKOORDINATION

Silke Regele

2

PROJEKTBETREUUNG

Frank Uhlig

3

LEITENDE DOZIERENDE

Ann-Carolin Biesenbach

Gisela Castronari-Jaensch

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

6-8

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Offenheit für viele verschiedene

Themen und Menschen, Experimentierfreude,

Neugier und viel

Sitzfleisch.

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Nirgendwo sonst hat man die

Chance, an so vielen unterschiedlichen

Projekten mit technischem

Equipment auf höchstem Niveau

und mit so vielen unterschiedlichen

Dozent*innen aus der Branche

zu arbeiten.

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Wie man sich langweilt.

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Jedes Studienjahr warten über 100

studentische Projekte darauf, montiert

zu werden.

10

MOTTO

Ein narratives Spiel mit Raum und

Zeit.

7

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

Bearbeitung kompletter Workflows

von der Projektvorbereitung bis zur

finalen Abnahme. Montagetheorie

und praktisches Schneiden. Umgang

mit allen Departments und

unterschiedlichsten Menschen.

134


20 JAHRE MONTAGE/SCHNITT

Geschnitten oder am Stück?

DER STUDIENSCHWERPUNKT MONTA-

GE/SCHNITT AN DER FILMAKADEMIE

WIRD IN DIESEM JAHR 20 JAHRE JUNG. AUS

DIESEM ERFREULICHEN ANLASS HABEN

WIR DEN LANGJÄHRIGEN DOZENTEN PROF.

JENS KLÜBER SOWIE DIE ALUMNI JULIA

KOVALENKO UND BORIS GROMATZKI ZUM

GESPRÄCH GEBETEN.

Jens Klüber

Geboren am 17.01.1967 in Darmstadt. Ausbildung: Abitur;

Studium Geschichte und Philosphie (abg.); Ausbildung

zum Cutterassistenten beim SDR Stuttgart; 4 Jahre

Schnittassistent; Studium Schnitt HFF – Potsdam (abg.).

Seit 1994 freier Filmeditor. Honorarprofessor an der

Filmakademie Baden-Württemberg.

Filmografie (Auswahl):

8 ZEUGEN, JE SUIS KARL, DIE NEUE ZEIT,

BAD BANKS – STAFFEL 1+2, DEUTSCHSTUNDE,

DEUTSCHLAND 86, PAULA, MITTEN IN DEUTSCH-

LAND: NSU – DIE TÄTER, DER TURM, DER VER-

LORENE SOHN uvm.

Auszeichnungen: 1999 Deutscher Fernsehpreis für

OPERATION NOAH, 2002 Bayerischer Fernsehpreis

für RATTEN I, 2013 Deutsche Akademie für Fernsehen

für DER TURM

Nominierungen: 2003 Film+ für MEIN BRUDER,

DER VAMPIR, 2004 Deutscher Kamerapreis für

OLGAS SOMMER, 2007 Film+ für WARCHILD –

STILLE SEHNSUCHT

Julia Kovalenko

Mit knapp neun Jahren kommt Julia aus dem Nordosten

Kasachstans mit ihrer Familie nach Deutschland. Ab

2011 studiert sie Schnitt/Montage an der Filmakademie.

2016 erhält sie ihr Diplom und lebt seitdem in Hamburg.

Filmografie (Auswahl):

POLIZEIRUF 110 – AN DER SAALE HELLEM STRAN-

DE (2020), I AM (2020), HAUSEN (2019, Schnitt mit

Kaya Inan), TAGUNDNACHTGLEICHE (2018), SYSTEM-

SPRENGER (2018, Schnitt mit Stephan Bechinger)

135


20 JAHRE MONTAGE/SCHNITT

AN ALLE: Was macht für euch die Faszination der

Montage aus?

Jens: Menschen zum Lachen und zum Weinen und zum

Nachdenken zu bringen.

Unsere Arbeit ist für viele Menschen sichtbar, manchmal

für Millionen. Es ist ein Geschenk, etwas herzustellen,

was bleibt. Die Faszination besteht auch darin, etwas

zu tun, von dem nur wenige wissen, was wir eigentlich

machen und von dem nur wenige wissen, welche Macht

wir haben. Selbst innerhalb der Filmbranche wissen es

nur sehr wenige. Das ist faszinierend und erschreckend

zugleich.

Julia: Das Spannende am Montageprozess sind die unendlichen

Kombinationsmöglichkeiten. Alle Puzzleteile

sind miteinander kombinierbar, man muss nicht alle benutzen

und auch mal welche verdreht einfügen. Es ergibt

sich immer ein Bild, das aber jedes Mal unterschiedliche

Stärken und Schwächen aufweist. Darüber hinaus

ist es amüsant, dass es nicht per Definition erklärbar ist,

was Montage eigentlich bedeutet.

Boris Gromatzki

Nach seiner Ausbildung zum Mediengestalter Bild und

Ton hat er 2001 als einer der ersten Montage/Schnitt

an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert. Seit

2005 montiert er Spielfilme und Serien. Unter anderem

hat er an CHARITÉ, DEUTSCHLAND 83, MITTEN IN

DEUTSCHLAND: NSU – DIE OPFER und DARK mitgewirkt.

Boris: Die Faszination liegt für mich im Prozess der

Filmmontage. Spannend sind dabei vor allem die Situationen,

in denen eine Szene, oder womöglich der ganze

Film, nicht so funktionieren wie geplant. Da gibt es

diesen erlösenden Moment, nach monatelanger Auseinandersetzung

mit dem Material und unzähligen Schnittfassungen,

in dem Emotionen spürbar werden und mich

die eigene Arbeit berührt, das hat schon was Magisches.

JENS, Du bist seit den Anfängen des Studienschwerpunkts

Montage/Schnitt als Dozent dabei. Gab es seitdem größere fachliche

oder technologische Veränderungen und wie hast Du Dich

darauf eingestellt?

Jens: Ich bin seit den Gründungstagen an der Akademie

tätig. Zuerst habe ich selber Studentenfilme geschnitten,

später unterrichtet. Die größte Veränderung war natürlich

die Umstellung auf das digitale Arbeiten. Wir haben

den analogen Filmschnitt solange wie möglich im Unterricht

behalten, da er als Lerninhalt sehr besonders war.

Wenn man physisch einen Filmstreifen durch trennt, ist

es etwas anderes, als wenn man immer wieder die UN-

DO-Taste drücken kann. Die neuen Serienformate erfordern

auch ein anderes Arbeiten, da man mit mehreren

Editoren gleichzeitig arbeitet und man mit Showrunnern

anstatt Regisseuren zusammenarbeitet. All dies versuchen

wir den Studenten zu vermitteln.

136


Was nicht ganz einfach ist.

Das Volumen der Produktionen an der Akademie hat

sich massiv erhöht und wir als Dozenten sind gar nicht

mehr in der Lage, alle Filme zu betreuen.

gefragt wurde, ob ich es mir denn auch wirklich zutraue,

einen Langfilm zu schneiden, sind - so hoffe ich - vorbei.

Dennoch: Bei jedem neuen Projekt muss ich mich aufs

Neue beweisen und dann eben auch liefern.

JENS, und wie sieht es mit den Studierenden von damals und

heute aus? Spürst Du Veränderungen, z.B. was Vorkenntnisse

oder Filmwissen angeht? Oder eine Verlagerung von Interessen?

Ist die heutige Generation vielleicht politischer?

BORIS, wie lief der Berufseinstieg bei Dir? Mittlerweile hast

Du ja mit Regiegrößen wie Züli Aladag, Uwe Janson, Sönke

Wortmann oder Stefan Krohmer zusammengearbeitet. Wie hast

Du es geschafft, Dich in der Branche zu etablieren?

Jens: Mein subjektiver Eindruck ist, dass die Studenten

der Anfangsjahre älter waren und mehr Druck und Willen

hatten, Film zu studieren. Es gab damals sehr wenige

Angebote für ein Filmstudium in Deutschland, viele hatten

schon mehrere Absagen erhalten.

Das hat sich geändert. Die Bewerber heute sind viel jünger,

haben aber schon wahnsinnig viel gemacht in ihren

jungen Jahren. Viele haben schon früh angefangen, eigene

Filme zu machen, da es viel einfacher und billiger

geworden ist. Ich empfinde durchaus einen Mangel an

harter politischer Auseinandersetzung in der Studentenschaft

mit der heutigen Welt.

Es gibt wenig Radikalität. Aber ich spüre auch eine leichte

Veränderung in den letzten Jahren zu mehr Aufbegehren.

BORIS, Du bist seit dem letzten Studienjahr auch als Gastdozent

an der FABW tätig. Hat sich dieser Seitenwechsel vom

Schüler zum Lehrer anfangs merkwürdig angefühlt?

Boris: Schüler bin ich ja jetzt schon lange nicht mehr…

obwohl, man lernt ja nie aus. Aber natürlich fühlt sich

das erstmal komisch an. Ist man gut genug vorbereitet?

Sind die Inhalte interessant genug? Wie aufgeschlossen

sind die Student*innen? Dazu kommt, dass man ja eher

selten über die eigene Arbeit spricht, oder besser gesagt

den Prozess. Am Ende hat es großen Spaß gemacht. Es

war enorm spannend, die eigene Arbeit zur Diskussion

zu stellen und dadurch auch selber neue Impulse zu erhalten.

JULIA: Du warst gemeinsam mit Stephan Bechinger für das

Editing von SYSTEMSPRENGER verantwortlich. Der Film

war unglaublich erfolgreich und ihr beide habt eine LOLA für

eure Arbeit gewonnen. Das hat sicher viele Türen geöffnet.

Kannst Du Dir jetzt Deine Projekte aussuchen?

Julia: Mit Sicherheit hat SYSTEMSPRENGER Türen geöffnet.

Das Vertrauen der Arbeitgeber ist größer. Die Zeiten,

in denen ich zum Produzenten ins Büro bestellt und

Boris: Ich hatte das große Glück, schon vor meinem Diplom

mein erstes Fernsehprojekt zu montieren. 2005

während meines Urlaubsjahres habe ich als Assistent für

unsere Professorin Clara Fabry gearbeitet. Während dieser

Zeit hat sie mich mit Sherry Hormann bekannt gemacht,

für die ich dann im Anschluss die ersten drei

Folgen der Serie DER KRIMINALIST montieren durfte.

Zwei Jahre später nach meiner Diplomprüfung, die ehrlich

gesagt nicht so gut lief - ich hatte schon die Befürchtung,

mir doch einen anderen Job suchen zu müssen

- sprach mich unerwartet unser Dozent Stephan Krumbiegel

an, ob ich mir eine Zusammenarbeit mit Stefan

Krohmer vorstellen könnte. Mittlerweile haben wir 4

Filme zusammen gemacht. Für diese Chance bin ich den

Menschen, die etwas in mir erkannt haben und an mich

geglaubt haben, sehr dankbar.

Letztlich würde ich sagen, gehört neben einer überzeugenden

Arbeit auch immer eine Portion Glück und

Durchhaltevermögen dazu, um sich in der Branche zu

etablieren.

JULIA: Du hast die Jubiläumsfolge des POLIZEIRUF 110 geschnitten.

Regie führte Thomas Stuber, ebenfalls FABW-Absolvent.

Ist es angenehm, mit anderen Ludwigsburger Alumni zusammenzuarbeiten,

weil man einen gemeinsamen Background

hat, an den man anknüpfen kann?

Julia: Tatsächlich habe ich alle FABW-Absolventen, mit

denen ich bisher gearbeitet habe, erst im Rahmen der

Projekte kennengelernt. Daher gab es nicht wirklich was

zum Anknüpfen. Aktuell arbeite ich das erste Mal mit

jemandem, den ich schon während des Studiums kennenlernte.

Das ist zwar schön, weil man sich über das

Studium, gemeinsame Anekdoten oder Erlebnisse austauschen

kann, beeinflusst aber nicht die Arbeit. Mit

Menschen, die nicht an der Filmakademie studiert haben,

arbeite ich auch gern. Wichtiger ist, dass man eine

gemeinsame Linie und Chemie findet, damit es eine

fruchtbare und angenehme Zusammenarbeit ist.

137


20 JAHRE MONTAGE/SCHNITT

BORIS, Deine Filmografie umfasst auch viele Serien wie

DARK, DEUTSCHLAND 83, LETZTE SPUR BERLIN

oder CHARITÉ. Was sind die besonderen Herausforderungen

und der Reiz beim Editing einer Serie?

Boris: Der größte Reiz ist die Arbeit im Team. Das geht

teilweise soweit, dass einzelne Folgen von allen beteiligten

Editor*innen gemeinsam montiert werden. Die wertvollste

Übung dabei ist, die eigene Eitelkeit an der Garderobe

abzugeben und sich vollkommen zu öffnen, auch

sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu werden.

Ich persönlich schätze das unmittelbare Feedback von

Kolleg*innen auf die eigene Arbeit sehr.

Die größte Herausforderung bei der Montage von Serien

ist die Komplexität der horizontalen Erzählweise über

mehrere Folgen bzw. Staffeln und die damit verbundenen

Problemstellungen in der dramaturgischen Arbeit.

Viele Figuren und Handlungsstränge, verbunden mit

sehr engen Timings in der Drehbuchentwicklung, führen

zwangsläufig zu Problemen, die dann in der Montage

gelöst werden müssen.

JULIA, würdest Du sagen, dass Du eine bestimmte künstlerische

Handschrift als Editorin hast? Oder erfordert jeder neue

Film eine individuelle Herangehensweise?

Julia: Unbedingt erfordert jeder Film eine eigene Herangehensweise.

In der Montage finden so viele Faktoren

zusammen, u.a. Schauspiel, Inszenierung, Szenenbild

oder Kameraführung. Dabei muss die Montage allen Gewerken

gerecht werden, denke ich. In erster Linie muss

ich aber schauen, welches Material vorliegt und was ich

damit erzählen kann. Es sind eher Vorlieben, was die Arbeitsweise

betrifft, die ich habe. Beispielsweise arbeite

ich gern viel allein, statt mit einem Regisseur, der permanent

daneben sitzt. Ich brauche - wortwörtlich - meinen

Raum.

AN ALLE: Bitte vervollständigt folgenden Satz: Die Filmakademie

ist für mich ein Ort,…

Jens: …der wunderbaren Begegnungen mit Studenten,

die mein Herz und meine Seele erfreuen.

Julia: …an dem ich einige wunderbare Menschen kennengelernt

habe und an den ich mich gern erinnere.

Boris: …ohne den ich heute wahrscheinlich nicht da wäre,

wo ich jetzt bin.

AN ALLE: Und zum Abschluss: Was ist euer ultimativer Lieblingsfilm

und was macht für euch seine besondere Faszination

aus?

Jens: CINEMA PARADISO, da ich bereits bei den Anfangstiteln

in Tränen ausbreche.

Julia: Es gibt so viele tolle Filme, die ich mag. THE RE-

TURN (Zvyaginzev), THE FOOL (Bykov) oder ETERNAL

SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND (Gondry) fallen

mir aber als Erstes ein. Den letztgenannten kann ich

mir in allen Gemütszuständen anschauen, weil er lustig,

traurig, ungewöhnlich und für mich einer der besten

Liebesfilme ist. Abgesehen davon sind die In-Camera-Tricks

toll!

Boris: Ganz spontan ist mir MAGNOLIA von Paul

Thomas Anderson eingefallen, nicht unbedingt mein ultimativer

Lieblingsfilm, aber ein Schlüsselerlebnis für

die Entscheidung, Montage zu studieren. Ich saß damals

alleine im Fünf-Mark-Kino in Wuppertal, drei Stunden,

virtuos montiert von Dylan Tichenor, haben einen solchen

Sog entwickelt. Es hat mich umgehauen.

138


Poster

FinalFinal

www.filmakademie.de/motiondesign

STECKBRIEF

Motion Design

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkk

1

STUDIENKOORDINATION

Jürgen Klozenbücher

2

PROJEKTBETREUUNG

Jürgen Klozenbücher

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Dr. Heike Sperling

Alexander Hanowski

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

fünf

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Voraussetzung für die Bewerbung ist ein

abgeschlossenes Bachelorstudium im

Bereich Gestaltung und Design bzw. einem

vergleichbaren Studium.

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Die Filmakademie bietet als einzige

Hochschule in Deutschland die Möglichkeit,

in einem hochkarätig besetzten

Netzwerk aus Lehrenden und Studierenden

Motion Design zu studieren.

Die technische Ausstattung sowie der

Pool an Lehrenden sind auf höchstem

internationalem Niveau.

7

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

Natürlich in erster Linie Motion Design

und alles, was dazugehört - von der Konzeption

und Recherche über die Kommunikation

mit den Auftraggeber*innen

einschließlich Präsentationstechniken

bis hin zur professionellen Umsetzung

in Teams aus Spezialist*innen. Transund

Interdisziplinarität bilden den Kern

Cyber

Cyber

des Motion-Design-Studiums an der

T

Filmakademie.

Motion Design

19/20

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Rocket Science

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Genau wie z.B. Filmmusik und Sounddesign

kooperieren wir als Motion Designer*innen

mit allen anderen Abteilungen

der Filmakademie. So entsteht

schon während des Studiums ein weitläufiges,

profundes Netzwerk, das den

Studierenden ihren Einstieg in das Berufsleben

bzw. die Unternehmensgründung

deutlich erleichtert. Ein weiteres

Highlight: Wir besuchen einmal im Jahr

nationale und internationale Medienagenturen

auf unserer Exkursion in Metropolen

wie London, Amsterdam, Berlin

und Kopenhagen.

10

MOTTO

Motion Design löst Probleme!

140

1.

2.

3. Hardcore!

CyberCyber

– Immer weiter,

immer hyper!


Produktion

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkk

1

STUDIENKOORDINATION

Tonyslav Tony Bozic

2

PROJEKTBETREUUNG

Wolfgang Kerber

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Gloria Burkert

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

15

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Kreativität, Biss, Interesse an der

Welt.

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Der Campus ermöglicht größtmöglichen

Fokus und das stärkste

Netzwerk.

7

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

Wie werde ich ein(e) starke Produzent*in

mit starker Persönlichkeit?

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Rührei für 60 Personen zubereiten.

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Den Studiengang Produktion

gibt es seit Gründung der

Filmakademie.

10

MOTTO

„Wer wenig denkt, der irrt viel.“

(Leonardo da Vinci)

141


FABW INSIDE – MEET THE STAFF

„FILMAKADEMIE?

DAS MACH ICH DEN SOM-

MER ÜBER, DANN SUCHE

ICH MIR WAS RICHTIGES”

Ein Gespräch mit Bernd-Siegfried

Michalek zu 30 Jahren Filmakademie

VON 1993-2020 GESTALTETE

BERND-SIEGFRIED MICHALEK ALS

INOFFIZIELLER „HERR DES TECHNIKLA-

GERS” DIE GESCHICKE DER FABW MIT. IN

SCHULUNGEN UND BASISKURSEN BRACH-

TE ER DEN STUDIERENDEN THEMEN WIE

ARBEITSSICHERHEIT AM SET ODER DAS

RICHTIGE VERHALTEN IN DEN AUFNAHME-

STUDIOS NAHE. UND VOR ALLEM SORGTE

ER MIT SEINEM TEAM FÜR EINE EFFIZIEN-

TE LEIHE DES EQUIPMENTS. DANN KAM

CORONA UND DAMIT EINE NEUE HERAUS-

FORDERUNG. ALS HYGIENEBEAUFTRAGTER

WACHT ER NUN ÜBER DIE EINHALTUNG

DER GELTENDEN CORONA-VERORDNUNGEN

UND AHA-REGELN UND TUT SOMIT AUF

EINE NEUE ART DAS, WAS ER IMMER

SCHON GETAN HAT: EINE REIBUNGSLOSE

REALISIERUNG DER BIS ZU 250 FILM- UND

MEDIENPROJEKTE PRO JAHR ERMÖGLICHEN.

Lieber Bernd, als „Urgestein“ kennst Du die Filmakademie

seit ihren Anfängen. Hättest Du je gedacht, dass Du

hier mal solche Wurzeln schlägst?

Nun, das fing an wie so manche Lifeline Story. Ende

1992 war der erste Wiedervereinigungs-Schwung vorbei

und in der metallverarbeitenden Industrie gab’s einen

doch wahrnehmbaren Dämpfer. Ich habe mich nach der

Lehre als Mechaniker und meiner Tätigkeit in der Nähmaschinenindustrie,

Motorradinstandsetzung und dem

Militärdienst nach was Neuem umsehen müssen. Ich

dachte mir schlichtweg: Filmakademie? Das mach ich

den Sommer über, dann suche ich mir was Richtiges. Es

wurden bis jetzt 28 Jahre daraus. Entweder war’s also das

Richtige oder die Suche hat vorzeitig geendet.

Kannst Du ganz kurz skizzieren, welche Aufgaben Du in

Deinem Arbeitsbereich im Techniklager hattest?

Aus der Gründungsgeschichte heraus und dem Geist des

Hauses haben wir ja eher einen flach hierarchischen

Aufbau, also jeder sollte den Job des anderen beherrschen.

Deswegen ist die Kernaufgabe die termingerechte

Bereitstellung und das Verwalten von funktionsfähigen

und sicheren Produktionsmitteln.

Bei den oben erwähnten ca. 250 Produktionen und bei

geschätzten durchschnittlich 350-400 Artikeln pro Projekt

ist man mit einem enormen Materialumschlag beschäftigt.

Bei diesen „Artikeln“ kann es sich um einen Objektivdeckel

für 3,50 € handeln oder um ein Objektiv für 35.000

€. Ein vom Dispositionssystem ausgegebener Leihschein

mit 10 Positionen kann ein kleines Nachvertonungsset

sein oder eben ein Haufen Starkstromkabel, der jeden

Transporter vollends „in die Knie zwingt“. Demnach ist

die Ausleihe und Rücknahme der Geräte eine außerordentlich

facettenreiche Grundtätigkeit.

In diese eingeflochten waren eine ständige Beratungs-und

Einweisungsleistung, Anpassen von Produktionsequipment

an die spezielle Produktionsanforderung,

Neubeschaffungen, Verpackungsarbeiten, Zollformalitäten,

ständige Datenpflege, Ad-hoc-Reparaturen, Bearbeitung

von Schadens- und Verlustfällen, Sonderanfertigungen

und etliche Klein-und Nebentätigkeiten.

Mit der besseren Personalsituation, aber auch der

142


Vergrößerung des Leihparks konnten wir arbeitsteiliger

arbeiten. Nach dem Wegfall der sehr betreuungsintensiven

Filmkameratechnik lagen mir dabei die Kamerabühne

(Dollies, Schwenksysteme, Kameragrip usw.) „am

Herzen“.

Arbeitssicherheitsthemen fürs Haus, aber auch sehr spezielle

Fragenstellungen bezüglich der Produktionsarbeiten

waren auch stetes Thema.

Ich hatte längere Zeit auch noch das künftige Jochen-Kuhn-Studio

(Studio 1) mitzubetreuen, später nur

noch beide Studios in Vertretung oder Unterstützung,

was aber nicht selten die physische Präsenz an 2 Orten

erforderlich gemacht hat. Schwierig, außer vielleicht

für ein Neutrino. Da ein vor der Lagertüre wartendes

Produktionsteam aber keine Datei ist, die man zu Feierabend

wegklicken kann, wurde es halt oft spät.

Strukturen bekommen und die Abläufe haben sich eingespielt.

Wie so oft gilt: Das A&O sind die Planung, Disposition,

Verwaltung und der Genehmigungsfluss. Und

natürlich die Finanzierung des Ganzen.

Gibt es ein Ereignis oder eine Anekdote aus den frühen

Jahren, woran Du Dich besonders erinnerst?

Eine eher tragikomische Angelegenheit, die sich jetzt

über die Jahrzehnte nachweislich 5 Mal mit nahezu gleichem

Ablauf wiederholt hat:

Freitagabend. Tief stehende Sonne kurz vor Feierabend,

die letzten Aufräumarbeiten, Bestände checken, Akkus

laden usw. Und dann klingelt es und eine total erschütterte,

weinende und schluchzende Studentin steht vor

mir. Ich habe sie dann erstmal beruhigt, bis zur #Me-

Too-Epoche auch in den Arm genommen...

Nimm uns doch mal mit auf eine kurze Zeitreise: Wie

war das so in der Gründungsphase? Sicher musste viel

mehr improvisiert werden als heute?

Man muss es wirklich sagen: Am Anfang wusste keiner

wirklich so recht, wie das geht, so eine Filmakademie.

Die Akteure der ersten Stunde, allen voran Prof. Albrecht

Ade, ein wirklicher Visionär, kamen zwar teilweise

aus dem Hochschulbereich oder der Theaterverwaltung,

aber viele Praktizierende aus der Branche kamen ja

aus genau jener Branche, für welche man erkannt hatte,

dass es dafür dringend eine neuartige Ausbildungsstätte

braucht.

Wir in der Technik waren über etliche Jahre nur zu

zweit, Uwe Sliupas und ich, und am Anfang war da ein

viel zu großes Aufgabenfeld: der Leihpark mit Film-und

neuartiger Videotechnik, Licht und Ton, Kamerabühne,

Lagerwesen, Beschaffungsvorgänge ohne Ende, Studiobetreuung,

Schneidetische, Tricktische, Kinotechnik,

Vorführungen, Veranstaltungen, Arbeitssicherheit. Bis

hin zu unserer berüchtigten Firmenflotte, welche nur

aus einem einzigen Transporter bestand, den aber alle

wollten - und leider auch bekamen. Überall Zeitgräber.

Wir hatten zwar mit der Erstbeschaffung schon Material

für 4 Jahrgänge, die sich langsam erst füllten. Da war

aber nicht unerheblich viel abgewirtschaftetes Zeug dabei,

das unter heutigen Ansprüchen unbesehen in den

E-Schrott-Container wandern würde.

Damals hat sich auch eine Erkenntnis bei mir tief verwurzelt:

Man musste Spezialist werden – für alles.

Über die Jahre, mit vielen Studierenden und deren

Filmen und Produktionen, hat das alles viel klarere

Der Grund für ihren Zustand: Rückkehr vom Hauptzollamt.

Der Grundton der dortigen Kollegen unterscheidet sich

wohl deutlich von unserem Lagersound. Und das tradierte

und manchmal sagenhaft stoisch ablaufende

Prozedere bei der Zollabwicklung läuft der doch eher

aufgekratzten Stimmung einer abrückenden Dokumentarfilm-Produktion

nach z.B. Übersee eben deutlich zuwider.

Was sind denn für Dich die wichtigsten technologischen

und organisatorischen Veränderungen, die das Techniklager

im Lauf der Jahre durchlebt hat?

Das Faszinierende an der Lagerarbeit war für mich unter

anderem, dass wir stets durchaus Hochtechnologie mit

nicht selten archaischen Methoden handhaben mussten.

Die prinzipiellen Abläufe unterscheiden sich vermutlich

kaum von der Werkzeugausgabe einst beim Pyramidenbau.

Vielleicht ähnlich wie in einem Baumarkt, mit dem

Unterschied, dass wir uns stets freuten, wenn die Sachen

zurückkamen.

Der wirklich große Schritt war definitiv von Film

16/35mm zu Video, zur Volldigitalisierung, und dann

bandfreien Aufnahmen. Ohne nun übermäßig romantisieren

zu wollen, aber das Arbeiten mit dem Filmequipment

ist was gänzlich anderes, auch in der Materialzusammenstellung

und Aufrüstung der Kameras usw. Der

wirkliche Zustand und die Verlässlichkeit des Equipments

haben sich ja immer erst nach Entwicklung des

Filmmaterials herausgestellt. Da war zwischen dem ausleihenden

Personal und uns aus dem Lager immer in

143


FABW INSIDE – MEET THE STAFF

gewissem Maß ein Vertrauensbildungsprozess notwendig

– gerade bei den häufig externen Projektbeteiligten.

Die zweite große Wandlung kam sicher mit dem Internet

und Plattformen wie YouTube, vor allem durch die

Tutorial-Kultur à la „Frag nicht mich, sieh dir Tutorial

XY an und komm in 10 Minuten wieder!“ Entsprechend

nimmt auch das manchmal nicht ganz ungefährliche

Halbwissen zu…

Die ersten Jahre waren aus heutiger Sicht schon eher

chaotisch oder zumindest mit sehr vielen ungeregelten

Vorgängen verbunden, sicher aufgrund des Neuen für

uns alle, auch etwas emotionaler und leidenschaftlicher.

Aber solche Gründungsphasen bedürfen wirklich jungen

Personals, so wie ich es damals auch war. Sonst übersteht

man das nicht, allein körperlich. Da sind wir wieder

beim Pyramidenbau.

Dank Corona hast Du seit einigen Monaten eine neue

Aufgabe an der FABW als Hygienebeauftragter. Was genau

beinhaltet dieses Jobprofil?

Außer dem ganzen Technik-Profil fallen auch die Arbeitssicherheitsthemen

in meinen Bereich und als „Arbeitsschützer“

ist so ein Corona-Virus erstmal ganz trocken

ein biologischer Gefahrstoff. Gefahrenabwehr

hierzu sehe ich als selbstverständlichen Teil meiner Aufgabe

- und schon hat man den Job. Welche Aufwände

und Ausmaße das Ganze annimmt, war ja wie bei der

ganzen Pandemie nicht vorhersehbar.

Zuerst mal ging es in der aufgekratzten semi-panischen

Stimmung ab April 2020 darum, unser Haus und unsere

Abläufe zu ertüchtigen und dennoch eine größtmögliche

Präsenz vor allem für die längst geplanten Produktionen

praktisch umzusetzen, und das bei einer zunächst

äußert diffusen Regularien-Lage. Da ging es unter großem

Zeitdruck natürlich um die Erstellung passender

Hygienekonzepte und darum, eine Struktur für die Produktionsarbeiten

zu schaffen, um diese unter den neuen

Bedingungen umsetzen zu können. In der ersten Welle

mussten selbst die Bücher „desinfiziert“ werden, d.h.

man musste teilweise in Stoffe eingreifen und Änderungen

veranlassen, da diese, was Nähe und Kontakt anbelangt,

erstmal so nicht umsetzbar waren.

Von der Technik kommend, habe ich natürlich auch die

ganzen Hardware-Themen „an der Backe“, vom tropfenden

Handdesinfektionsmittelspender bis zu den doch

beträchtlichen Investitionen in die Luftfiltergeräte, deren

Support und Einsatz und Ähnliches.

144

Die Schulung der hauseigenen „Hygienebeauftragten“,

die wiederum an den Sets für den Infektionsschutz sorgen,

war enorm aufwändig, hat sich aber ebenso gelohnt.

Einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass wir bisher

relativ glimpflich durch diese Zeiten gekommen sind,

hat sicher auch das bewusste, umsichtige und eben geführte

Handeln an den Sets.

Mit den Möglichkeiten der Schnelltests Anfang des Jahres

kam ein neues wirksames Werkzeug „in die Kiste“.

Die Organisation bis hin zur praktischen Durchführung

ist ein weiteres „Add-on“.

Ich hätte nie gedacht, den Mitarbeitenden und Studierenden

mal so nahe zu kommen - manchmal bis zur Rachenwand.

Überhaupt hat diese Tätigkeit durchaus quasi

seelsorgerische Elemente. Wir befinden uns in einer

Krisensituation, und da muss auch in so mancher Projektbesprechung

einiges an Sorge und Bedenken aufgefangen

werden.

Da liege ich aber durchaus im Trend, im berufsgenossenschaftlichen

Regelwerk (gesetzliche Unfallversicherung),

namentlich in der „DGUV Information 206-017“ ist der

betriebliche „Kümmerer“ definiert.

Sind die Studierenden, Dozierenden und die Belegschaft

einsichtig, wenn Du mit den ganzen Vorschriften um die

Ecke kommst? Oder hattest Du auch schon mit Widerständen

zu tun?

Hier bildet sich Vieles ab, was auch im sonstigen gesellschaftlichen

Leben an Befindlichkeiten auftaucht. Wir

haben uns alle neu kennengelernt, mit der Krise ist es

ähnlich wie mit Geld. Zuviel davon verdirbt nicht den

Charakter, sondern verstärkt ihn nur.

Während mein „Meister für Veranstaltungstechnik oder

Fachkraft für Arbeitssicherheit“ klar zuzuordnende Begrifflichkeiten

sind, ist „Hygienebeauftragter“ eher was

Abstraktes. Durch die Notwendigkeiten meiner Tätigkeit

gibt es natürlich auch Friktionen. Ich bekomme

dann schon mit, wenn von „der Hyäne, dem Popelpapst,

Großdesinfektor oder Maskenmarshall“ geunkt wird.

Ich versuche aber, so gut es geht, mit Maßhalten und

Pragmatismus die ganzen Hygienemaßnahmen hier leben

zu lassen, meistens langt dann schon die umfassende,

Hintergründe erläuternde Information. Manchmal

jedoch war die „Breitseite“ notwendig, das hat dann

durch ein Vierteljahrhundert Lagerarbeit schon den entsprechend

wirksamen Klang. So eine Pandemie kann ja

auch mal richtig schiefgehen ... last man standing.


Als Hygienebeauftragter muss man hier schon mit einer

grundsätzlichen Einsamkeit klarkommen.

Hättest Du auch eine kleine Anekdote aus der Hygienebeauftragung

für uns?

Bei der Erstellung der Hygienepläne für das jeweilige

Projekt muss man sehr tief und detailfreudig bis hinunter

zu „Tätigkeiten und Handlungen“ gehen, man steigt

also weit in die Stoffe, Dialoge und Abläufe ein. Manches

Mal kann das auch vor Ort, im Seminar, vor den nächsten

Szenen sein.

Wir hatten einen gemeinsamen Workshop mit der ADK,

in dem Szenen aus Filmen oder Theaterstücken nachinszeniert

werden sollten - nun aber unter Hygienebedingungen.

Es ging um eine Szene aus EIN FISCH NAMENS WAN-

DA, in der einer gefesselten Person Pommes Frites in die

Nasenlöcher gestopft werden. Da stellen sich dann Fragen

wie: Was für Pommes? Gesalzen? Tiefgefroren (Verletzungsgefahr

Nasenschleimhaut)? Aus einem Schnellrestaurant?

Selbstgemachte? Wenn ja: wie lang, wie spitz,

abgelagerte, wie alt, warum? Einführungswinkel, Verweildauer?

Warum noch um 15° drehen? Nein, man

kann Pommes nicht vorher mit Desinfektionsmittel besprühen,

usw.

Das war Mitte 2020, als wirklich noch große Unklarheit

und Unsicherheit über die Übertragungswege des

Corona-Virus bestand. Das schrammt natürlich hart an

der Realsatire vorbei, zumal die Schauspielerin schon

quasi gefesselt auf dem Stuhl saß und ihr die Bedenken

über die Tragweite des da Kommenden wirklich anzusehen

waren.

Aber auch in der Tätigkeit der Hygienebeauftragung gibt

es Tools, um im entscheidenden Moment die notwendige

Ernsthaftigkeit und ein Bewusstsein für die Lage zu

generieren.

keine Freunde, aber auch nicht reine „Kunden“. Zumindest

temporär sehe ich mich ihrem guten Wirken und

Werden hier verpflichtet. Man kann dann wieder „loslassen“,

denn im Herbst kommen „die Neuen“, die das

gleiche Recht auf Aufmerksamkeit und Betreuung haben.

Das hört so gesehen nie auf.

Generell gilt: Inklusive mir ist hier jeder ersetzbar, und

wenn jemand geht und danach bricht das Chaos aus, hat

er wohl die Abwesenheit schlecht organisiert.

Ab einer gewissen Lebensphase vergrößert sich die

Wahrscheinlichkeit, dass neue „Attraktionen“ am wahrscheinlichsten

aus der Tür hinterm Wartezimmer kommen.

Da mache ich mir keine Illusionen. Ansonsten halte

ich mich, obwohl ich überhaupt kein Cineast bin, an

ein - vermutlich konstruiertes - Zitat von Clint Eastwood.

Er soll mal, nach dem idealen Drehbuch für den

idealen Western gefragt, geantwortet haben: „Held reitet

in die Stadt… Rest ergibt sich“. Ideen für die Zeit danach

hätte ich viele, aber die letzten vitalen Jahre als

in Würde ergrauter Tango-Gigolo auf einem Kreuzfahrtschiff

auszublenden, wäre sicher ein prima Nachspann...

Du bist immer noch mit so großem Engagement dabei.

Kannst Du Dir überhaupt ein Leben ohne „Aka“ vorstellen?

Und falls doch: Hast Du schon Pläne für die Zeit danach?

Wenn man die aktuelle Rentendiskussion betrachtet, habe

ich ja noch 15 Jahre…

Auch wenn die Filmakademie allein schon durchs Gebäude

oder den Genius Loci einen gewissen Ewigkeitsanspruch

hat: Auch hier gibt es steten Wandel. Nominell

kenne ich über 5.000 Studierende. Das sind natürlich

145


STECKBRIEF

sssssss

sssssssssssssssssss

Regie 2

Szenischer Film - Dokumentarfilm

- Werbefilm

sssssssssssssssssss

ssssss

1

STUDIENKOORDINATION

Silke Harten-Preiss

2

PROJEKTBETREUUNG

Silke Harten-Preiss

3

LEITENDE DOZIERENDE

Szenischer Film:

Prof. Christian Wagner

Dokumentarfilm:

Prof. Michael Möller

Werbefilm:

Michael Rösel

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

15-18

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Weil die Filmakademie Baden-Württemberg

wie kaum eine

andere Filmhochschule die enge

und gleichberechtigte Zusammenarbeit

aller Gewerke fördert und

fordert. Dies ist eine wichtige Voraussetzung

für den späteren Erfolg

im Berufsleben.

7

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

Das kreative Werkzeug, um die eigene

künstlerische Handschrift zu

entwickeln.

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Wie man ausschließlich

„Mainstream“ produziert.

9

ONE COOL FACT ABOUT...

… Ludwigsburg: Es ist nicht so

langweilig wie sein Ruf.

10

MOTTO

Augen auf und entdecken!

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Teamfähigkeit.

Neugierde auf andere Menschen.

Offenheit und Beweglichkeit.

Starke Nerven.

146


sssssss

sssssssssssssssssss

Serien Producing

sssssssssssssssssss

ss s s s s

1

STUDIENKOORDINATION

Michael Rösel

2

PROJEKTBETREUUNG

Michael Rösel

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Joachim Kosack

Manuel Meimberg

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

4 Produktions-Studierende

+ N.N. Drehbuch-Studierende

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Wir sind bundesweit nach wie

vor die einzige Filmhochschule,

die nicht nur Serien konzipiert,

sondern auch produziert – zumindest

Pilotfilme oder Testimonials

davon.

7

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

Serien in einem Writers Room zu

konzipieren und den verantwortungsvollen

Umgang mit anderen

Kreativen. Es könnte ja sein, dass

eine oder einer von ihnen später

mal Redakteur*in wird...

8

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Kaffee kochen und Brötchen

schmieren.

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Charlotte Groth, eine unserer

Absolventinnen, produziert u.a.

gerade die Verfilmung des Bestsellers

„Der Schwarm“.

10

MOTTO

Teamwork

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Drehbuch-Autor*innen: die

Bereitschaft, nicht nur für das

Kino in Hollywood, sondern auch

für deutsche Fernseh-Formate zu

arbeiten.

Producer*innen: die Bereitschaft,

gemeinsam mit Drehbuch-Autor*innen

kreative Konzepte zu

entwickeln.

147


SPOTLIGHT:

DIVERSITÄT, ANTIDISKRIMINIERUNG

UND GLEICHSTELLUNG

AUFTAKT ZUM SOMMERSEMESTER 2021:

ANTIRASSISMUS-TAGE AN DER FABW

DIE FILMAKADEMIE

BADEN-WÜRTTEMBERG

IST AM 6. UND 7. APRIL MIT

DEN „ANTIRASSISMUS-TAGEN”

ONLINE IN DAS SOMMER-

SEMESTER GESTARTET: AN

BEIDEN TAGEN WAREN

STUDIERENDE UND MITAR-

BEITENDE DER LUDWIGS-

BURGER FILMHOCHSCHULE

DAZU AUFGERUFEN, SICH IN

VORTRÄGEN UND WORKSHOPS

MIT DEN AKTUELLEN DEBAT-

TEN ZU STRUKTURELLEM UND

INSTITUTIONELLEM RASSISMUS

IN DEUTSCHLAND AUSEINAN-

DERZUSETZEN UND EIGENE

HALTUNGEN ZU HINTERFRA-

GEN.

Das Feedback von Studierenden und

Mitarbeitenden fiel ausgesprochen

positiv aus. Die FABW fühlt sich damit

in ihren Bemühungen bestärkt,

in Sachen Rassismusprävention,

Gendergerechtigkeit und Diversität

weiter voranzuschreiten. Die „Antirassismus-Tage“

werden daher auch

in den kommenden Jahren zum Semesterauftakt

stattfinden.

Die „Antirassismus-Tage“ sollen

zum einen ein Zeichen setzen für

mehr Toleranz im täglichen Miteinander,

aber auch einen Raum

schaffen, in dem Wege zur Stärkung

von Antidiskriminierung reflektiert

und entwickelt werden

können. Ausgearbeitet wurde das

Programm gemeinsam von einem

Team aus Mitarbeitenden und dem

148

Allgemeinen Studierendenausschuss

(AStA) der FABW.

Neben Vorträgen, die beispielsweise

den „Antisemitismus der Gegenwart

– auch an Hochschulen“

thematisierten oder den Weg

der sogenannten „Neuen Rechten“

von AfD über Identitäre bis hin zu

„Querdenkern“ skizzierten, konnten

sich Studierende und Mitarbeitende

auch in Workshops wie „My

Activism Matters“ oder „Unconscious

Bias - Rassismus verstehen und

angehen“ aktiv mit eigenen unbewussten

Denk- und Handlungsmustern

auseinandersetzen.

Spannend war auch der Workshop

„Meet a Jew“, ein Projekt des Zentralrats

der Juden in Deutschland:

In Deutschland lebende jüdische

Menschen bringen dabei ihren Mitbürgerinnen

und Mitbürgern unmittelbar

ihre Kultur und ihr aktuelles

Leben nahe und tragen so

zum Abbau von Berührungsängsten

und Vorurteilen bei. Oder „Radikal

höflich gegen Rechtspopulismus“,

ein Workshop, der die

Grundprinzipien radikaler Höflichkeit

im Umgang mit Rechtspopulist*innen

in verschiedenen Alltagssituationen

in einer Mischung

aus praktischen Übungen und moderierten

Diskussionen einübte.

Als Vortragende und Workshop-Leiter*innen

konnte die Filmakademie

u.a. Marina Chernivsky (Leitung

Kompetenzzentrum und Geschäftsführung

OFEK e.V.) gewinnen, die

seit vielen Jahren auf dem Themengebiet

Antisemitismus und Diskriminierung

forscht, sowie den deutschen

Journalisten und Publizisten

Andreas Speit, der über fundierte

Einblicke in die rechtsextreme

Szene in Deutschland verfügt. Darüber

hinaus gehörten der aus Guinea

stammende Abdou-Rahime Diallo,

Berater im Bereich Migration,

Entwicklungspolitik und Partizipation,

sowie Selena Dolderer und

die Filmakademie-Alumna Julia

Schlingmann, die auf den Gebieten

der Antidiskriminierung und Inklusion

arbeiten, zu den vielseitigen

Referent*innen, die die beiden Tage

mit ihren Expertisen bereicherten.

Mit dabei waren auch Kleiner fünf,

eine Gruppe junger Menschen, die

sich dafür einsetzen, dass bei Bundestagswahlen

keine rechtspopulistische

Partei über fünf Prozent

der Stimmen erhält und somit in

den Bundestag einziehen kann, sowie

die Initiative Sinti-Roma-Pride:

Die Selbstorganisation von Sinti

und Roma steht für Begegnungen

und ein Miteinander und schuf einen

Ort, an dem die Teilnehmer*innen

ungezwungen miteinander

sprechen und sich auf Augenhöhe

begegnen konnten.

Der Wunsch nach einer solchen

Veranstaltung kam unter anderem

aus der Studierendenschaft, deren

Interesse und Engagement vor

allem durch die Black Lives Matter

Bewegung geweckt wurde. Und

auch die Filmakademie war mit


ihrer Teilnahme am Förderprogramm

„Interkulturelle Qualifizierung

vor Ort“, umgesetzt vom Forum

der Kulturen Stuttgart e.V.

und finanziert vom Ministerium

für Wissenschaft, Forschung und

Kunst Baden-Württemberg, bereits

aktiv geworden. In regelmäßigen

Workshops wurden Maßnahmen

erörtert, wie eine Sensibilisierung

für Themen wie Diskriminierung,

Interkulturalität, Rassismus und

Diversität erreicht werden könnte.

Der Sommersemesterauftakt wird

von einer Arbeitsgruppe, bestehend

aus Vertreter*innen des

Internationalen Büros (Animationsinstitut

und Kernbereich), der

Presseabteilung, der Gleichstellung,

der Studienleitung, der Akademie

für Darstellende Kunst (ADK), den

AStAs von FABW und ADK sowie

der Internationalen Fachschaft

organisiert.

Marina Chernivsky (OFEK E.V.) und Esther Reinhardt-Bendel (Sinti Roma Pride) im Online-Gespräch mit

Studierenden und Mitarbeitenden der FABW

149


STECKBRIEF

Szenenbild

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkk

1

PROJEKTBETREUUNG

Regine Witzig, Steffen

Staudenmaier

2

LEITENDE DOZIERENDE

Thomas Stammer, Christian Strang,

N.N.

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

vier

4

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Gute Beobachtungsgabe

Räumliches Vorstellungsvermögen

Zeichnerisches Talent

Wissen in Kunst und Kultur

Imagination / Originalität

Handwerkliches und technisches

Verständnis

Fähigkeit zur Teamarbeit /

Kommunikation

Motivation / (Selbst-)Organisation

Eine große Portion Enthusiasmus

Führerschein

5

ZULASSUNGSVORAUSSETZUNGEN

B.A. / M.A. in Innenarchitektur,

Architektur, Bühnenbild, Design

und Kunst oder angrenzenden

Fachgebieten,

Praktische Erfahrung im Art

Department

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Praxisorientiertes Arbeiten

in Zusammenarbeit mit allen

Gewerken/

Aussagekräftiges Portfolio mit

mindestens vier Projekten bis zum

Diplom/

Diverse internationale

Austauschprogramme,

Individuelle Auswahl der projektbetreuenden

Dozierenden/

Enges Alumni-Netzwerk

7

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

Dramaturgisches Denkvermögen/

Erstellung visueller Konzepte/

Organisatorische Abläufe der

Filmproduktion/

Budgetverantwortung/

Durchsetzungs- und

Durchhaltevermögen/

Einblicke in aktuelle Filmprojekte

durch Profis der Branche

8

ONE COOL FACT ABOUT...

Das Verhältnis Anzahl der Studierenden

zu Dozierenden liegt bei 1:4

9

MOTTO

The world is not enough

150


kkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

kkkkkkk

Szenischer Film

kkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkkk

1

STUDIENKOORDINATION

Thorsten Schütte

2

PROJEKTBETREUUNG

Peter Kuczinski

3

LEITENDE DOZIERENDE

Maren Ade, Prof. Nico Hofmann

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

6 - 8 Studierende

5

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Neugierde, Teamfähigkeit,

Kreativität, Menschenkenntnis,

Offenheit und eine gesunde

Kompromissbereitschaft

6

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Intensive Zusammenarbeit mit

allen Gewerken in allen Projektphasen,

praxisnahes Lernen und

Arbeiten, versierte Dozent*innen

und Referent*innen, Arbeiten im

Team, ausgezeichnete technische

Ausstattung, große künstlerische

Freiheit, gutes Netzwerk/Kontakte

zum Markt

7

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

Entwicklung kreativer und organisatorischer

Skills, Casting und

Zusammenarbeit mit Schauspieler*innen,

formatoffenes Arbeiten,

Recherche- und Interviewtechniken,

gestalterische und inhaltliche

Bandbreite in Stoffentwicklung

und Dramaturgie, Auflösung und

Schauspielführung, Inszenierung

von Körperlichkeit, Arbeiten im

Team, eigenes kreatives Potenzial

ausschöpfen, mehr über sich

selbst…

8

ONE COOL FACT ABOUT.....

Regelmäßig finden gemeinsame

Workshops mit den Schauspielstudierenden

der Akademie

für Darstellende Kunst (ADK)

und Seminare mit international

renommierten Filmemacher*innen

statt.

9

MOTTO

Think out of the box!

151


ALUMNI IM FOKUS

„Es geht nicht nur um die Filmbranche,

es geht auch um das Mindset der

gesamten Gesellschaft.“

DIE FREUNDINNEN, KOLLEGINNEN UND

FILMAKADEMIE-ABSOLVENTINNEN

SILVANA SANTAMARIA UND CATALINA

FLÓREZ IBARRA SIND EIN PARADEBEI-

SPIEL FÜR DEN NETZWERKGEDANKEN DER

FILMAKADEMIE: SCHON WÄHREND IHRES

STUDIUMS AN DER FABW HABEN SICH DIE

BEIDEN GEGENSEITIG UNTERSTÜTZT UND

NACH IHREN ABSCHLÜSSEN IM BEREICH

REGIE/DOKUMENTARFILM GEMEINSAM MIT

IHREN FABW-KOMMILITONINNEN INGA

BREMER UND AYLA GOTTSCHLICH 2013 DIE

FIRMA SOIFILMS GEGRÜNDET. HEUTE IST

SOILFILMS EINE UNABHÄNGIGE, INTERNA-

TIONALE FILMPRODUKTIONSFIRMA MIT SITZ

IN BERLIN.

Ein Interview mit den

FABW-Alumnae

Silvana Santamaria und

Catalina Flórez Ibarra,

Mitgründerinnen und

Geschäftsführerinnen von

SOILFILMS, Berlin

Mit ihrer Produktionsfirma beweisen die vier Regisseurinnen

auch, wie wichtig es für Frauen ist, in einer von

Männern dominierten Branche ein starkes und verlässliches

Netzwerk aufzubauen: Das Team besteht hauptsächlich

aus renommierten Filmemacher*innen, die

Dokumentar-, Spiel- und Werbefilme nicht nur in Europa

produzieren, sondern auch im Mittelmeerraum, auf

dem Balkan sowie in der Türkei, Tunesien, Georgien, Kolumbien,

Mexiko und Kuba. Darüber hinaus engagieren

sich Silvana und Catalina als Projektkoordinatorinnen für

das Mentoring-Programm INTO THE WILD, das junge

Filmemacherinnen auf dem Weg in die Selbstständigkeit

unterstützt.

Liebe Silvana, liebe Catalina, ihr habt euch bereits während

des Studiums kennengelernt. Habt ihr auch an der

FABW gemeinsam an Projekten gearbeitet?

Silvana: Wir waren nur acht Studierende in unserer

Klasse. So kam es, dass wir uns auch in die Projekte der

anderen eingelesen und uns gegenseitig beraten und unterstützt

haben. Vor allem im Hauptstudium hatten wir

wirklich tolle Dozent*innen, die uns nicht nur inhaltlich

152


und künstlerisch weitergebracht, sondern auch das Miteinander

innerhalb der Gruppe gestärkt haben. Wir Studierende

haben also nicht nur von den Professor*innen

gelernt, sondern auch viel voneinander.

Cata: Wir waren zwar immer sehr konzentriert auf unsere

eigenen Projekte, aber durch unsere Freundschaft

wussten wir, was die andere macht und mit welchen

Themen sie sich beschäftigt. Wir haben uns oft ausgetauscht

und über die Themen der Projekte gesprochen.

Der Raum, den uns die Aka gegeben hat, um unsere

Filmprojekte zu entwickeln, war groß, geschützt und erfüllt

von Wissen, Austausch und Betreuung.

Ihr habt 2010 und 2011 eure Regie-Diplome abgelegt.

Wie habt ihr euer Studium an der FABW empfunden?

War es eine von Männern dominierte Erfahrung oder

spielte das eher eine geringe Rolle in eurer Ausbildung?

Silvana: Zu Beginn unseres Studiums herrschte vor allem

Aufbruchstimmung - wir wollten Stoffe entwickeln,

drehen und uns ausprobieren. Die Filmakademie hat dafür

die Grundlage geschaffen und uns viel Freiraum geboten.

Das Studium an sich war nicht immer einfach

und wir standen natürlich unter Druck, uns als Filmemacher*innen

zu beweisen. Aber die Möglichkeiten waren

riesig.

Was bei unseren Kommilitonen auffiel, war, dass Männer

besser im Netzwerken waren und dass wir Frauen

eher außen vor blieben. Sehr früh im Studium haben

sich bereits Männer-Teams gebildet, die heute noch zusammenarbeiten.

Auf der anderen Seite bin ich überzeugt

davon, dass die Filmakademie einem alle Tools in

die Hand gibt, um aus dem Studium das Maximale herauszuholen

und den eigenen Weg zu gehen - egal ob

Mann oder Frau. Dass das aber nicht jedem und jeder

gelingt und die Frauen hier überrepräsentiert sind, hat

vielfältige Gründe. Diese wurden ja auch in den letzten

Jahren sehr genau studiert und analysiert: Oft wird es

darauf geschoben, dass Frauen weniger Selbstbewusstsein

hätten und die Familienplanung vorgeht. Hier ist

ein Test des Schweizer „Migros-Kulturprozent Story Lab“

interessant. Es geht darum, wie sich Jurys entscheiden,

wenn sie nicht wissen, ob eine Frau oder ein Mann das

Drehbuch geschrieben hat. Durch eine Anonymisierung

wurden plötzlich genauso viele Frauen wie Männer gefördert.

Das war zuvor nicht der Fall. Das heißt, in den

Jurys gibt es offensichtlich Vorbehalte gegenüber Frauen.

Es liegt also nicht an der Haltung der Frau zu ihrem Job

oder ihrem Privatleben.

Cata: Ich komme aus Kolumbien, einer Macho-Kultur

per se. Als ich in Deutschland ankam, war für mich zunächst

alles ein Gleichstellungs-Paradies: Männer wussten,

wie man kocht, Wäsche wäscht, sein Zimmer aufräumt

(oder auch nicht) und sein eigenes Essen einkauft.

Deshalb war das Thema zu Beginn meines Studiums an

der Filmakademie nicht besonders präsent. Im Laufe

der Jahre stellte ich jedoch fest, dass, obwohl mehr als

50 % der Studierenden Frauen waren, die männlichen

Studenten sichtbarer waren, mehr Unterstützung erhielten

oder mehr präsentiert wurden. Ich erkannte, dass

sie wussten, wie sie für sich werben, sich verkaufen und

ihre Projekte präsentieren müssen. In diesem Moment

war mir auch klar, dass all dies einem globalen Sozialverhalten

entspricht. Auch hier, in der ersten Welt, in der

mir die Geschlechter anfangs so gleichgestellt erschienen,

hatte man den Frauen beigebracht, einen Schritt

zurückzubleiben. Und den Männern, den Schritt nach

vorne zu tun.

Auch an der FABW hat sich in den letzten Jahren viel getan,

um Gendergerechtigkeit zu leben. Neben Programmen

wie „Gender in Progress“ oder einem „Leitfaden

Gendergerechtigkeit“ gibt es auch eine Gleichstellungsbeauftragte

für die Belegschaft und eine Vertrauensperson

für die Studierenden. Hättet ihr euch solche Programme

auch während eures Studiums gewünscht?

Cata: Solche Programme hätte ich herzlich begrüßt! Leider

war das kein Thema, als wir studiert haben. Aber

es geht nicht nur um Programme für Frauen. Ich denke,

vor allem Männer müssen sensibilisiert werden. Wir

sind alle in einer von Männern gemachten und durchdachten

Welt groß geworden. Wir sind aber viel mehr

als nur Männer oder Frauen, wir sind Menschen mit unterschiedlichen

Hautfarben, Kulturen, Religionen, Weltanschauungen,

Glaubensrichtungen, Geschmäckern

und Vergangenheiten. Meiner Meinung nach müsste ein

Verständnis für unsere Verschiedenheiten und Einzigartigkeiten

in Schulen und Hochschulen geschaffen werden.

Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit und der Gründung

von SOILFILMS?

153


ALUMNI IM FOKUS

Silvana: Die Idee dazu entstand im Studium, allerdings

erschien die Möglichkeit zur Umsetzung unrealistisch

und wir hatten auch keine Ahnung, wie wir das überhaupt

angehen sollten. Nach dem Studium hat jede erst

einmal ihre eigenen Erfahrungen auf dem freien Markt

gesammelt. Nach zwei bis drei Jahren haben wir uns

dann zusammengetan und eine Firma gegründet.

Cata: Schon während des Studiums haben wir darüber

gesprochen. Wir träumten davon, mit einer Produktionsfirma

unsere eigenen Filme zu realisieren. Wir wollten

die Freiheit haben, über Themen selbst zu bestimmen

und Gelder selbständig zu verwalten. So kam es,

dass wir ein paar Jahre nach unserem Abschluss - als

wir alle wieder in der gleichen Stadt lebten - beschlossen,

den Schritt zu wagen und eine Firma zu gründen.

und Italien. Das Besondere an unserer Arbeit ist, dass

wir uns seit unseren Anfängen 2004/2005 für Diversität

und für Menschen mit verschiedenen Hintergründen

vor und hinter der Kamera stark machen. Da wir Frauen

sind, und da wir beide einen Migrationshintergrund haben,

liegt es vielleicht auch nahe, dass wir diese Themen

erzählen wollen und zwar vor allem mit Menschen, die

diese Themen selbst betreffen.

Cata: Ich arbeite vor allem an Projekten, deren Themen

mir wirklich am Herzen liegen. Inga und Ayla

(Inga Bremer und Ayla Gottschlich – ebenfalls Alumnae

der FABW. Anm. d. Red.) sind nicht mehr Teil von

SOILFILMS, aber sie entwickeln weiterhin erfolgreich

ihre Filmprojekte außerhalb der Firma. Was uns besonders

macht, ist, dass unserer Leidenschaft für unseren

Beruf keine Grenzen gesetzt sind.

Auf eurer Homepage steht explizit, dass SOILFILMS eine

„women-driven film production company“ ist. Was genau

muss man darunter verstehen?

Silvana: Wir sind eine weiblich geführte Produktionsfirma,

die Filme entwickelt, realisiert und produziert und

die Gleichstellung von Frauen, aber auch von Minderheiten

fördert.

Cata: Es gibt keine Männer, die dazwischenreden. Wir

waren von Anfang an eine von Frauen geführte Firma.

Vielleicht hatten wir es dadurch schwerer. Aber es bedeutet

auch, dass die Arbeit von Frauen in unserer Firma

unglaublich wertgeschätzt wird. Dass wir ein Netzwerk

haben, in dem sehr viele Frauen der Filmbranche zusammenarbeiten.

An unseren Sets herrscht eine wahnsinnig

schöne, solidarische Atmosphäre. Meistens sind

die Heads of Department Frauen und wir achten darauf,

mit Menschen verschiedener Nationalitäten und Gender

zu arbeiten.

Werbedreh

Wie sieht eure Zusammenarbeit heute aus? Und was

macht sie so besonders?

Silvana: Ich habe mich seit unserer Gründung auf internationale

Koproduktionen konzentriert - mit Ländern

aus dem Mittelmeerraum, vor allem Nordafrika

154

Die Hälfte der Studierenden, die Film- und Fernsehhochschulen

verlassen, sind Frauen. Als Regisseurinnen, Kamerafrauen,

Autorinnen, Produzentinnen usw. sind sie

dann aber stark unterrepräsentiert und erhalten auch

deutlich weniger Fördergelder. Ist es für Frauen nicht

gerade deshalb extrem wichtig, Netzwerke zu bilden und

sich im Filmbusiness verlässliche Strukturen als Frau

unter Frauen zu schaffen – so, wie es unter Männern

seit jeher üblich ist?


Schließlich war es unsere Entscheidung, eine Zeit lang

wegen des Kindes auszusteigen. Aber: Wir sind auf einem

guten Weg, und wir Frauen im Filmbusiness müssen

viel mutiger werden und uns dieselben Strukturen

schaffen, die unter Männern seit jeher üblich sind.

Ist es für Frauen als Team leichter, sich gegen männliche

Konkurrenz durchzusetzen?

Silvana: Nein. Leider nicht. Oft hilft es, noch mindestens

einen Mann im Team zu haben, damit man überhaupt

mit einem Film weiterkommt.

Warum engagiert ihr euch beide als Projektkoordinatorinnen

beim Mentoring-Programm INTO THE WILD?

Am Set von A PART OF ME

Silvana: Die meisten Frauen, die mit uns Abschluss gemacht

haben, wollten arbeiten und hatten sich zum Ende

des Studiums auch ein Netzwerk aufgebaut. Aber

trotzdem hat es nicht jede geschafft, sofort einen Redakteur

oder eine Redakteurin für den nächsten Stoff zu

finden. Ich habe zum Beispiel einen Redakteur kennengelernt,

der fast schon stolz darauf war, dass er in den

fast 100 Produktionen, die er redaktionell betreut hatte,

nur einmal mit einer Regisseurin zusammengearbeitet

hat. Wir können sehr viel netzwerken, aber letzten Endes

muss uns auch jemand finanzielle Unterstützung für

unsere Filme geben. Ich verstehe daher auch einige meiner

Kolleginnen, die irgendwann resignieren, weil Ihnen

einfach niemand Geld für Ihre Stoffe gibt oder sie

einfach keine Produktionsfirma finden.

Cata: Natürlich ist es extrem wichtig zu netzwerken und

sich unter Frauen zu unterstützen. Aber das allein genügt

nicht, denn der freie Markt zeigt eine ganz andere Welt.

Es geht nicht nur um die Filmbranche, es geht auch um

das Mindset der gesamten Gesellschaft. Eltern ziehen ihre

Töchter und Söhne immer noch nach verschiedenen

Maßstäben groß. Frauen bringen die Kinder zur Welt,

stillen sie, teilen ihre Energie mit dem Kind und sollen

danach bitte wieder voll einsteigen. Und wenn wir

dann vom Markt verschwinden, sind wir selbst schuld.

Silvana: Als ich 2017 einen Artikel über Isabell Suba und

ihr „INTO THE WILD-Mentoring-Programm“ gelesen

habe, habe ich sofort den Impuls gehabt, mich bei ihr

zu melden. Ein paar Monate später war ich dann dabei

beim Drehbuchcamp des ersten Jahrgangs und habe danach

angefangen, einfach mitzuhelfen. Anfang 2019 hat

sich Isabell dann wieder bei mir gemeldet und gefragt,

ob wir beim zweiten Jahrgang zusammenarbeiten wollen:

sie als Projektleitung und ich zuständig für die Finanzen

und die Orga. Cata war ebenfalls begeistert von

der Initiative und hat daraufhin die Koordination übernommen.

Ich wollte mich engagieren, weil sich Frauen

bei ITTW in einem geschützten Raum weiterentwickeln

und wichtige Tools in die Hand bekommen, mit denen

sie künftig auf dem Markt bestehen können. Auch das

Netzwerken spielt hier eine große Rolle.

Cata: Ich finde das Programm wichtig, mutig und zeitgemäß.

Als Silvana mir davon erzählte, war ich sofort

komplett überzeugt und sicher, dass ich Teil davon sein

möchte und musste. Es ist ein innovatives Programm,

bei dem es darum geht, Erfahrungen zu teilen, zu netzwerken

und sich vorzubereiten auf eine Branche, die

sich (zum Glück) gerade verändert, aber immer noch

die gleichen Strukturen hat. Frauen können in dem Programm

von anderen Frauen lernen und verstehen, wie

diese es geschafft haben in der Branche. Sie geben ihre

Erfahrungen weiter und erzählen davon, welche Schwierigkeiten

sie hatten und wie sie diese gelöst haben.

155


ALUMNI IM FOKUS

Haltet ihr ein Mentoring-Programm ausschließlich für

Frauen im Filmbereich für gerechtfertigt? Müsste man

im Sinne der Gleichberechtigung nicht jungen Männern

auch eine Chance geben?

Silvana: Der Umstand, dass Frauen und Männer - wie

Studien belegen - in der Filmbranche leider nicht gleichberechtigt

sind, rechtfertigt meines Erachtens, dass Frauen

zusätzlich gefördert werden. Das Programm wird sowohl

von vielen deutschen Filmförderungen unterstützt

als auch von den größten Produktionshäusern Deutschlands

und allen deutschen Filmhochschulen. Wenn der

weibliche Nachwuchs mit dem männlichen schritthalten

kann, sollte man das Programm für alle öffnen oder

es einstellen.

Cata: Zum jetzigen Zeitpunkt ist es wichtig, dass es für

jedes Geschlecht sichere Räume gibt, um sich zu entwickeln,

sich zu definieren oder sich neu zu erfinden. Es

ist wichtig, dass sich junge Frauen einen Überblick verschaffen,

um sich darüber klar zu werden, wohin sie gehen

wollen und wie sie dabei am besten vorgehen.

Hat sich in den letzten Jahren – also vor allem seit dem

Beginn der „Me-Too-Bewegung“ – etwas in Punkto

Gleichberechtigung im Film getan?

Silvana: Ja, in manchen Bereichen schon. Das wichtigste

war sicherlich, dass akzeptiert wurde, dass es ein Problem,

eine Ungerechtigkeit gibt. Die Veränderungen, die

sich seitdem ergeben haben, sind allerdings - trotz vieler

Diskussionen und Maßnahmen - marginal. Ein Beispiel:

Ich nehme jetzt mal Filmförderung XY, die im Jahr

XX ca. 13,5 Millionen Euro in die Produktion von Filmen

gesteckt hat. Ich habe mir die Mühe gemacht herauszufinden,

wieviel Geld davon an frauengeführte Unternehmen

oder an Unternehmen mit mindestens 50% Frauen

als Gesellschafterinnen ging. Ich komme auf knapp

700.000 Euro. Das sind gerade mal 5% der Fördersumme.

Das bedeutet entweder, dass sehr wenig Firmeninhaberinnen

eingereicht haben. Oder, dass die Stoffe nicht

überzeugen konnten. Oder einfach, dass Frauen der Umgang

mit großen Summen nicht zugetraut wird. Vielleicht

ist es auch eine Mischung aus allem. Aber warum

ist das so? Und genau über diesen Punkt müsste

man miteinander ins Gespräch kommen, damit zukünftig

hoffentlich mehr Frauen in der Filmbranche den

Schritt in die Selbständigkeit wagen. Wenn man nämlich

nur die Zahlen sieht, möchte man als Frau lieber keine

156

Firma gründen, weil die Erfolgschancen verschwindend

gering sind.

Cata: Es wird viel darüber gesprochen, versucht zu sensibilisieren

und viel so getan, als ob für Frauen jetzt ein

besonderer und bewusster Platz in der Branche geschaffen

wird. Es gibt Ausschreibungen für Frauen, Förderungen

für Frauen und Frauen-Filmfestivals. Nun brauchen

wir auch Ergebnisse: große Budgets für von Frauen geführte

Firmen, für von Frauen realisierte Filme, mehr

Frauen in Hauptrollen vor der Kamera, mehr Frauen in

allen Gewerken.

Ist es auch für euch als Regisseurinnen und Produzentinnen

leichter geworden, an lukrative und spannende

Aufträge zu kommen? Hat sich das männlich dominierte

System geändert?

Silvana: Ja, ich bekomme zum Glück viele spannende

internationale Kinoprojekte und Serienstoffe angeboten

und muss deshalb gut auswählen, was ich davon überhaupt

annehmen und schlussendlich auch finanzieren

kann. Der Standort Berlin ist für eine kleine Firma, die

sich auf internationale Filme konzentriert, nicht immer

ideal: Es existieren bereits sehr viele Firmen und damit

verteilt sich der Topf an Regionalfördergeldern auf wesentlich

mehr Empfänger als in den meisten anderen

Bundesländern. Zudem erzählen wir seit unseren Anfängen

Geschichten von Protagonist*innen und Figuren

die, wie wir, Migrationshintergrund haben und aus der

Unterschicht oder unteren Mittelschicht kommen. Das

waren, zumindest bis vor kurzem, nicht unbedingt die

Stoffe, die Chancen auf eine Förderung hatten. Vor allem

wenn sie, wie viele unserer Filme, im Ausland spielen.

Ich sehe es aber als Chance für die Filmindustrie,

in neue Welten einzutauchen und Menschen mit unterschiedlichen

Backgrounds eine Stimme zu geben. Wir

hatten aber das Glück, dass Redakteurinnen und Redakteure

von Arte, ZDF und verschiedenen ARD-Sendern

fast immer unsere Filme mitfinanziert haben und damit

gezeigt haben, dass sie Nachwuchsproduzent*innen

unterstützen. Es bleibt aber spannend, ob auch Redakteur*innen,

die mehr Budgets zu verteilen haben und

eher in der Primetime zu verorten sind, genauso offen

sind, in neue Stoffe und Gesichter zu investieren.

Ihr produziert auch international. Gibt es Unterschiede

in der Chancengleichheit für Frauen hinter und vor der

Kamera in Deutschland gegenüber beispielsweise Lateinamerika

oder den Balkanländern?


Dreharbeiten zu DOS DE TERCIOPELO

Silvana: Das ist schwer zu sagen. Ich habe zum Teil in

Nordafrika mehr Gleichberechtigung zwischen Männern

und Frauen vor und hinter der Kamera erlebt als

in Deutschland. Das ist sicher nicht in jedem Bereich so,

aber Deutschland hinkt in Richtung Chancengleichheit

auch den meisten europäischen Ländern hinterher, daher

ist das nicht überraschend.

Cata: Ich kann nur über den lateinamerikanischen Markt

sprechen und hier ist die Chancengleichheit nicht größer

als in Deutschland. In Deutschland gibt es aber ein

Bewusstsein dafür und es wird aktiv versucht, etwas zu

verändern. In Lateinamerika fängt man gerade erst an,

darüber zu reden. Es fehlen Initiativen, Verbände, organisierte

Gruppen, Mentoring-Programme...

Was wäre eure Forderung, was sich in der Filmbranche

im Verhältnis Mann-Frau schleunigst ändern sollte?

Silvana: Es gibt immer noch zu wenig Frauen, die sich

trauen, selbst Firmen zu gründen und Filme zu produzieren.

Und das, obwohl viele Frauen Produktion studieren.

Es ist aber sehr wichtig, dass Frauen in Führungspositionen

arbeiten, ohne einen Chef über sich zu haben.

Ich habe bei einem tollen Workshop des EPI (Erich Pommer

Institut, Anm. d. Red.) für Frauen in Führungspositionen

teilnehmen dürfen. Von 15 Frauen war ich die

Einzige, die ihre eigene Firma hatte und damit ihr Leben

bestreitet. Alle anderen waren angestellt bei Firmen,

die von Männern gegründet wurden. Doch auch Frauen

wollen unabhängig arbeiten, sie können sich das aber

nicht vorstellen, weil ihnen schlichtweg die Perspektive

und die Aussicht auf Erfolg fehlen. Darüber hinaus

sollte nicht nur der Nachwuchs gefördert werden, sondern

auch erfahrene Filmemacherinnen. Gleichstellung

heißt nicht, nur junge Frauen zu unterstützen, sondern

auch Frauen, die Erfahrung mitbringen, aber im Laufe

ihrer Karriere noch keinen Zugang zu lukrativen Jobs

bekommen haben. Insgesamt sollten mehr unabhängige

Produktionsfirmen - egal ob männlich oder weiblich geführt

- gefördert werden. Das Wort “Förderung” impliziert

ja, dass es um Unterstützung geht, und wer braucht

diese mehr als die unabhängigen Produktionshäuser?!

Cata: Sowohl für Fernsehredaktionen wie für geförderte

Filme sollte es eine Art Quote geben, die direkt proportional

zur Anzahl der von Frauen und Männern eingereichten

Projekte steht. Diese Art von Quote muss auch

in der Führungsspitze der Fernsehsender sowie in den

Redaktionen, Auswahlkommissionen und Jury-Teams

der Filmförderungen vorhanden sein. Wir müssen garantieren,

dass eine gleiche Anzahl von Frauen und Männern

entscheidet, was produziert wird. Das wäre schon

mal ein Anfang.

157


ALUMNI IM FOKUS

Woran arbeitet ihr gerade? Gibt es weitere Projekte in

der Pipeline?

Silvana: Die Projekte an denen ich arbeite, sind z.B. ein

marokkanisch-deutsch-qatarisches Projekt, THE MO-

THER OF ALL LIES, welches dieses Jahr auf den Internationalen

Filmfestspielen in Venedig im “Final Cut

in Venice” präsentiert wird. In dem Film geht es um eine

marokkanische Regisseurin, die auf den Spuren eines

Familiengeheimnisses ist. Im Laufe ihrer Recherche

stößt sie auf die “Brotrevolte” von 1981, welche eng

mit dem Schicksal ihrer Familie und der ganzen Nachbarschaft

verknüpft ist. Finalisiert haben wir außerdem

den Spielfilm SHARAF unter der Regie von Samir Nasr,

ebenfalls Filmakademie-Alumnus, für den ich als Produzentin

tätig war (Koproduktion mit ZDF/ARTE, Koproduzenten

aus Tunesien, Frankreich, Süddeutschland

und Luxemburg). Der von der MFG Filmförderung unterstützte

Film handelt von einem jungen arabischen

Mann, der zu Beginn unschuldig im Gefängnis landet

und von da an um sein Überleben kämpfen muss. Auch

dieser Film war in den Koproduktionsmarkt der Biennale

von Venedig im Jahr 2019 eingeladen. Der Film wird

bald seine Festivalpremiere feiern, aber wir dürfen noch

nicht sagen, welches Festival es sein wird. Darüber hinaus

habe ich eine deutsch-tunesisch-amerikanische Koproduktion

in Postproduktion, zwei Spielfilme in der

Finanzierung und drei Serien in Entwicklung. Im November

hoffen wir unsere tunesisch-französisch-deutsche

Spielfilmproduktion LA ZONE in Tunesien drehen

zu können, die wir bislang wegen Covid-19 nicht realisieren

konnten.

Cata: Ich arbeite an einer uruguayisch-argentinisch-brasilianisch-deutschen

Koproduktion, die sich in der Finanzierung

befindet. Das sehr spannende und sensible

Drehbuch basiert auf einem uruguayischen Bestseller.

Dann arbeite ich noch an zwei Dokumentarfilmen, die

sich in der Postproduktion befinden. Ein Film erzählt

von den drei Hauptgruppen der Opfer des bewaffneten

Konflikts in Kolumbien (Indigene, Vertriebene und

Mütter von Ermordeten), der andere, eine kolumbianisch-deutsche

Koproduktion, von Aktivismus und Musik.

Eine dokumentarische Serie ist ebenfalls in Entwicklung.

Wie hat sich Corona auf eure Arbeit ausgewirkt? Vor allem

international ist es dadurch sicherlich schwieriger

geworden, oder?

Silvana: Wir mussten zwei Ausland-Drehs verschieben.

Einen Dreh konnten wir bereits nachholen. Ansonsten

haben wir die Zeit genutzt, um Filme fertigzustellen und

neue Projekte zu entwickeln.

Cata: Ja, es ist schwer geworden. Trotzdem empfinde

ich diese pandemische Zeit als sehr produktiv. Ich hatte

schon lange nicht mehr so viel Zeit zum Nachdenken.

Es sind sehr positive Sachen passiert, es wurden wichtige

Ideen durchgearbeitet, Projekte weitergedacht und

Entscheidungen getroffen.

Rückblickend: Hat euch das Studium gut auf „die Welt

da draußen“ vorbereitet? Würdet ihr dieses Studium

auch euren Freund*innen und Bekannten empfehlen?

Silvana: Ja, im Grunde schon. Wir hatten wunderbare

Dozierende und die Filmhochschule hat es uns ermöglicht,

dass wir bereits während des Studiums mit Förderungen

und Sendern zusammenarbeiten konnten. Daher

habe ich die Filmakademie auch immer empfohlen, weil

ich ihr und den Menschen dort viel zu verdanken habe.

Die Filmwelt hat aber sicher ihre ganz eigenen Regeln

und es braucht viele Jahre, um sich in ihr zurechtzufinden.

Es wäre bestimmt viel einfacher gewesen, wenn ich

„nur“ als Dokumentarfilm-Regisseurin weitergemacht

hätte. Aber ich habe mich für Produktion und fiktionale

Regie entschieden, also geschrieben, Regie geführt und

meine eigenen Filme und die von anderen Filmemacher*innen

produziert und eine Firma gegründet. Das ist

auf jeden Fall noch einmal eine ganz andere Herausforderung,

auf die man so nicht vorbereitet werden kann.

Cata: Ich habe das Studium an der Filmakademie immer

weiterempfohlen und werde es weiterhin tun. Wir

hatten wunderbare Dozentinnen und Dozenten, haben

brillante Filmemacherinnen und Filmemacher kennengelernt

und von ihnen gelernt. Wir haben ein Netzwerk

von Menschen aus verschiedenen Gewerken aufgebaut,

mit denen ich immer noch zusammenarbeite. Und: Wir

hatten einen geschützten Raum, um Ideen zu entwickeln

und die Mittel, diese zu verwirklichen.

158


Wie gut das Studium mich auf die Welt da draußen vorbereitet

hat? Obwohl ich die Möglichkeit hatte, als Regiestudentin

mit TV-Redaktionen, externe Produktionsfirmen

und Filmförderungen zusammenzuarbeiten und

Filme zu realisieren, hatte ich nicht das Gefühl, dass ich

vorbereitet war auf die Arbeitswelt draußen. Mich zu

präsentieren und durchzuboxen auf dem echten Filmmarkt,

das habe ich eher nach meinem Studium gelernt.

Die Teams von SHARAF…

… und INTO THE WILD

159


STECKBRIEF

Werbefilm

Regie und Producing

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bbbbbbbbbbbbbbbbbbbbb

bbbbbbb

1

PROJEKTBETREUUNG

Olivia Marten, Christian Schega

2

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Martin Schmid

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

Ca. 3-4 Regie-Studierende

Ca. 3-4 Produktions-Studierende

4

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Viel Film- und Werbefilminteresse

sowie den Mut, Neues auszuprobieren

und nicht dem Mainstream zu

folgen!

5

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Die Filmakademie ist die einzige

Hochschule weltweit, die einen

solch spezifischen Studienschwerpunkt

für Werbefilm über einen

längeren Zeitraum anbietet.

Junge Auszubildende haben die

Möglichkeit, sich eine individuelle

Filmrolle mit großer Unterstützung

aus den Fachkreisen aufzubauen

und Kontakte zu den angesagtesten

Macher*innen der Branche zu

knüpfen.

6

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

Dass Werbung das schnelllebigste

Geschäft ist.

In kürzester Zeit sehr viele

Projekte umzusetzen und dadurch

extrem viele Kontakte in allen

Bereichen (Agentur, Produktion,

Postproduktion usw.) zu sammeln.

7

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Es gibt kein Rezept, um erfolgreich

zu werden. Jede/r muss ihren/

seinen eigenen individuellen

Weg finden, sich selbst dabei treu

bleiben und nicht den anderen und

ihren Meinungen folgen.

8

ONE COOL FACT ABOUT...

Es gibt i.d.R. keine bis wenige

Vorgaben für ein Produkt oder ein

Kund*innenbriefing. Die Studierenden

haben die freie Wahl, welche

Art von Filmen sie realisieren

und für welche Marke sie diese

umsetzen möchten (sog. Spec Spots

bzw. Spec Filme).

In diesem Studienbereich können

außerdem die meisten Festivalnominierungen

und -preise verbucht

werden.

9

MOTTO

Immer am Puls der Zeit durch

ständig sich ändernde Werbeformen,

Formate und durch deren

Veröffentlichung in und auf den

dafür vorgesehenen Medien und

Plattformen.

160


Filmschauspiel

International Screen Acting Workshop

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bbbbbbbbbbbbbbbbbbbbb

bbbbbbb

1

STUDIENKOORDINATION

Juliane Voigtländer

Volontärin: Jessica Layher

2

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Christian Wagner

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

28-30 Schauspieler*innen

4

WAS SOLLTEN BEWERBER*INNEN

MITBRINGEN?

Schauspielausbildung, Fantasie,

Offenheit und gute Energie!

5

WARUM IST DIE FILMAKADEMIE

DER IDEALE ORT FÜR EIN

STUDIUM?

Der Workshop ist sowohl deutschsprachig

als auch in Englisch

einzigartig und wird nur an der

Filmakademie Baden-Württemberg

angeboten.

Die Mischung aus Praxis und

Theorie sowie die Begegnungen mit

Branchenprofis und angehenden

Regisseur*innen runden das

Programm ab.

6

WAS LERNEN

DIE STUDIERENDEN HIER?

Tipps und Tricks für das Schauspiel

vor der Kamera.

Und: Nachwuchsschauspiel meets

Nachwuchsfilmer*innen – hier ist

die Kontaktbörse ;-)

7

MYTH BUSTING:

WAS LERNT MAN HIER NICHT?

Leider dürfen die während des

Workshops gedrehten Szenen nicht

veröffentlicht werden. Es gibt also

KEIN Demomaterial.

8

ONE COOL FACT ABOUT...

Follow us on Instagram or on our

Blog websites:

WWW.INSTAGRAM.COM/

SCREENACTING_FABW/?HL=DE

WWW.SCREENACTING-FABW.DE

9

MOTTO

Schon filmreif ?

161


EDITION FABW

Premieren-Lesung aus dem Kurzgeschichtenband „Sommer“

162


ALLES ANDERE ALS

„KNAPP DANEBEN”

Die Edition FABW geht mit

Aufwind in die nächste Runde

Mit einem neuerlichen Aufruf zum Kurzgeschichtenschreiben,

diesmal zum Thema „Knapp daneben“,

geht die Edition FABW in die nächste Runde

bzw. die inzwischen fünfte Auflage – nach den Kurzgeschichtenbänden

„Schlussstriche“, „Neid“, „Krieg“ und

„Sommer“. Eingeladen zum Schreiben sind wie in jedem

Jahr auch 2021 alle Studierenden der Filmakademie

Baden-Württemberg und der Akademie für Darstellende

Kunst (ADK). Und das Angebot wird gerne angenommen,

nicht nur, weil die jungen Autorinnen und Autoren

sich im Schreiben erproben können, sondern auch,

weil sie am Ende der Schaffenszeit ein fertiges Buch mit

der eigenen Geschichte in den Händen halten werden

und überdies. Mit etwas Glück wird diese Geschichte sogar

auf der alljährlich stattfindenden Premierenlesung

vorgetragen.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen

der Filmakademie Baden-Württemberg war die Premierenlesung

am 12.07.2021 des im Frühjahr erschienenen

Kurzgeschichtenbands „Sommer“ in diesem Jahr ein

ganz besonderer Erfolg, und das in zweierlei Hinsicht:

Die Lesung, die auf großer Bühne im Albrecht Ade Studio

stattfand, konnte dank großen Einsatzes der Belegschaft

der FABW vor Publikum – und zwar vor (gemäß

Corona-Verordnung) vollem Haus – stattfinden. Überdies

brachten die Schauspielstudierenden der ADK nach

einer Inszenierung von FABW-Studentin Katja Ginnow

die drei ausgewählten Kurzgeschichten aus dem „Sommer“-Band

mitreißend auf die opulent hergerichtete

Bühne.

Fortbestehen sichert. Überdies hat der Diogenes Verlag,

der in Person von Verleger Philipp Keel seit Gründung

der Edition FABW die Schirmherrschaft über die Kurzgeschichtenbände

innehat, ein Förderprogramm zur Unterstützung

der Edition FABW aufgelegt: die Autor*innen

der drei schönsten Kurzgeschichten einer jeweiligen

Publikation werden mit einem Feedbackgespräch bei einer

Lektorin des Diogenes Verlags sowie mit einem Bücherturm

mit Neuerscheinungen des Diogenes Verlags

ausgezeichnet.

Mit diesem Rückenwind kann nun die fünfte Auflage der

Kurzgeschichtenbände starten. Der eingeschlagene Kurs

ist augenscheinlich der richtige; die Edition FABW liegt

also alles andere als „Knapp daneben“. Auch weil sich

im Herbst mit der Publikation eines weiteren preisgekrönten

Drehbuchs eines Absolventen der Filmakademie

Baden-Württemberg ein neues Highlight der Edition

FABW ankündigt: Nach SYSTEMSPRENGER von

Nora Fingscheidt wird das Drehbuch von Oliver Kracht

zum Diplomfilm TRÜMMERMÄDCHEN publiziert.

Dieser Erfolg der Edition FABW wird auch in der Öffentlichkeit

zunehmend wahrgenommen. So folgten der

Einladung zur „Sommer“-Premierenlesung nicht nur

zahlreiche Gäste aus Ludwigsburg und Umgebung, sondern

die Edition FABW mit ihren Publikationen findet

auch zunehmend Unterstützung von außen. Ganz besonders

freut uns, dass mit der Wüstenrot Stiftung ein

partnerschaftlicher Förderer gefunden werden konnte,

der die Edition FABW großzügig unterstützt und so ihr

163


AUFTRAGSPRODUKTIONEN

164


AUFTRAGSPRODUKTIONEN

DES DRITTMITTELBEREICHES

_YVES ALAIN LAMBERT, HERSTELLUNGSLEITER

DRITTMITTEL/AUFTRAGSPRODUKTIONEN

TEL: +49 7141 969 82370

DRITTMITTEL@FILMAKADEMIE.DE

_CHRISTIAN MÜLLER, HERSTELLUNGSLEITUNG

DRITTMITTEL/AUFTRAGSPRODUKTIONEN

ANIMATIONSINSTITUT

TEL: +49 7141 969 82817

CHRISTIAN.MUELLER@FILMAKADEMIE.DE

STUDIUM FINANZIEREN, ERFAHRUNGEN SAM-

MELN, EXISTENZ AUFBAUEN

Auftragsproduktionen im Drittmittelbereich werden mit

erfahrenen Studierenden, mit Alumni und bevorzugt

mit Produktionsfirmen, die Absolventinnen und Absolventen

in der Region gegründet haben, realisiert. Auch

die Zusammenarbeit mit externen Firmen ist möglich.

STUDIERENDE

Diese Auftragsproduktionen der FABW ermöglichen

den Studierenden über die Projekte in der Lehre hinaus

wichtige Erfahrungen in der Praxis und bieten zudem

die Möglichkeit, sich den eigenen Lebensunterhalt

zu finanzieren.

Das eigene Tun ist der Schlüssel für den Erfolg. Konzeptwettbewerbe

bieten die Chance, sich auszuprobieren.

Mit welcher Strategie überzeuge ich den Auftraggeber

von meinen Ideen? Welche Haltung nehme ich dabei

ein? Ganz im Sinne der praxisorientierten Ausbildung

lernen die Beteiligten, bereits im Pitch unter realen Bedingungen

zu präsentieren.

Begleitet durch die Mitarbeiter*innen der FABW, übernehmen

Studierende Verantwortung für ein professionelles

Projekt. Verträge müssen erfüllt, Budgets und

Zeitpläne eingehalten werden. Mit anspruchsvollen Auftraggebern

werden Absprachen getroffen, die unbedingt

eingehalten werden müssen. Verbindlich und verlässlich

zu agieren, schafft Vertrauen. Doch wie kommuniziere

ich mit dem Marketingleiter, der Geschäftsführerin

oder einem Familienunternehmer? Warum sind diese

Menschen neugierig auf mich, auf meine Ideen abseits

ausgetretener Pfade? Andererseits: Welchen Zwängen

unterliegen meine Ansprechpartner? Gibt es Grenzen

für meine Kreativität? Welche Rolle spielen Corporate-

Identity-Vorgaben und Marketing-Bibeln?

ALUMNI

Da die Förderung der Absolventinnen und Absolventen

ein wichtiges Anliegen ist, unterstützt die FABW das eigene

Netzwerk und bildet so eine Brücke vom Studium

zur Berufswelt. Die Aufträge bieten jungen Produzentinnen

und Produzenten einen Startimpuls für eine spätere

betriebswirtschaftliche Existenzgrundlage. Nachfolgeprojekte

kann eine Produktionsfirma eigenständig ohne

die Filmakademie umsetzen.

EXTERNE FILMPRODUKTIONSFIRMEN

Auch wenn die Zusammenarbeit mit Studierenden und

Alumni im Vordergrund steht, so sind dennoch Kooperationen

mit externen Filmproduktionsfirmen möglich,

wenn Studierende oder Alumni dort in relevanter Rolle

eingebunden sind. Gewinnen Studierende oder Alumni,

die bei einer externen Produktionsfirma arbeiten, einen

Konzeptwettbewerb, so kann jene den Auftrag mit

der FABW zusammen umsetzen.

165


FÖRDERVEREIN

CALIGARI-FÖRDERPREISE 2021

EINMAL ANDERS

EINE VERLEIHUNG DER BESONDEREN ART

FAND AM FREITAG, DEM 16. JULI 2021

IM KINO CALIGARI IN LUDWIGSBURG STATT.

EINGEBETTET IN DIE FESTWOCHE

„30 JAHRE FILMAKADEMIE”, WURDEN

FEIERLICH ZWÖLF FÖRDERPREISE AN

STUDENTISCHE FILMVORHABEN VERGEBEN.

DURCH DIE PREISVERLEIHUNG FÜHRTE

DER DIREKTOR DER FILMAKADEMIE,

PROF. THOMAS SCHADT, HÖCHST PER-

SÖNLICH. ZUSAMMEN MIT SEINEM TEAM

VERLIEH ER DER ÜBERGABE AUCH UNTER

CORONA-REGELN EINEN GLAMOURÖSEN

RAHMEN. INSBESONDERE WURDE DAS

ENGAGEMENT DER PREISSTIFTER*INNEN GE-

WÜRDIGT, DIE ÜBER DIE JAHRE INSGESAMT

870.000 EURO FÜR DEN NACHWUCHS

BEREITGESTELLT HABEN.

51 Dritt-, Viertjahres- und Diplomfilmprojekte waren

ins Rennen gegangen, und die Bandbreite der Themen

war beeindruckend. Die Studierenden der Fachbereiche

Spielfilm, Dokumentarfilm, Fernsehjournalismus, Animation

und Werbefilm beschäftigten sich mit ungewollter

Schwangerschaft und Schwangerschaft im Gefängnis,

Demenz, Rassismus, Naturkatastrophen und Klimawandel,

Lebensgefahr, Einsamkeit und Todessehnsucht oder

häuslicher Gewalt.

Die Jury des Fördervereins, bestehend aus verdienten

Absolvent*innen und Unternehmer*innen der Filmbranche

unter dem Vorsitz von Jürgen Walter, hatte es nicht

leicht. Sie nahm sich wie immer viel Zeit, jedes Projektvorhaben

im Vorfeld zu bewerten und die nominierten

Studierenden zu einer persönlichen, branchenüblichen

Vorstellung der Projekte (Pitch) einzuladen.

Danach wurde lange und auch hitzig diskutiert, um

schließlich zwölf herausragende Projekte mit Urkunde,

Trophäe und vor allem je Projekt 5.000 Euro zu ehren:

Manuel Schmiedecke von der Redaktion von „WIRmachenDRUCK

GmbH“ übergab den Preis für HINTER

DEN FARBEN an Julia Groteclaes, Quirin Grimm und

Oscar Bittner.

Manfred Ebert, Vorstand der Kreissparkasse Ludwigsburg,

übergab den Caligari-Preis der Stiftung Kunst, Kultur

und Bildung der Kreissparkasse Ludwigsburg für das

Projekt HANDJOB von Max Breuer und Nils Gustenhofen.

Der Finanzvorstand der SV Sparkassen Versicherung, Roland

Oppermann, verlieh den Caligari-Preis der SV SparkassenVersicherung

für THE LAST BAR an Louis Wick,

Svenja Weber und Arne Hain.

Der Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg, Dr. Matthias

Knecht, übergab den Preis der Stadt Ludwigsburg

für SURREALISM an Lisa Purtscher und Lea Thurner.

166


Vorstandsmitglied Sabine Willmann überreichte den

Preis der Royal Film Company GmbH an das Dokumentarfilmprojekt

NATURE SPEAKS von Felix Golenko, Jan

Robin Weiland und Márk Szilágyi.

Die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins,

Andrea Block, übergab einen Mitgliederpreis an das Animationsfilmteam

Christian Kaufmann, Paulina Larson,

Justus Schmidt von TOWN SQUARE HALL und den

Preis der Wüstenrot Stiftung an THE END von Marleen

Valien und Max Rauer.

Vorstandsmitglied Wiltrud Baier übergab den Caligari-Preis

der Andreas Stihl AG & CO.KG. an Moritz Schulz

und Maximilian Becht für POLIZEI AKADEMIE.

Vorstandsmitglied Matthias Drescher überreichte

einen weiteren Mitgliederpreis an das Projekt VENA von

Nele Seifert.

Der Vorstandsvorsitzende des Fördervereins, Jürgen

Walter, verlieh einen Mitgliederpreis an die bissige Satire

BLACK SAVIOR von Johannes Krug und Leon Harms

und den Caligari-Preis des Ministeriums für Umwelt,

Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg an das

Endzeitszenario ANNA – A TALE FOR TOMORROW

von Christina Honig, Jonathan Behr und Chantale Eglin.

Der Petra-Mosselman-Gedächtnispreis der UFA Fiction

GmbH, verliehen durch den ausführenden Produzenten

Matthias Adler, ging an das Projekt SOMNABULE von

Oona von Maydell und Tim Plaster.

Unser herzlicher Dank geht an alle Preisstifter*innen

und die über 200 Mitglieder des Caligari-Fördervereins.

Wer die wichtigen Caligari-Förderpreise als Privatperson

oder Firma unterstützen möchte, findet den Mitgliedsantrag

auf der Website der Filmakademie unter dem

Punkt „Förderverein“.

Namensgeber des Kinos „Caligari“ und des gleichnamigen

Förderverein-Preises ist der inzwischen 101 Jahre alte

expressionistische Stummfilm-Klassiker DAS CABI-

NET DES DR. CALIGARI von Robert Wiene, einer der

ersten deutschen Horrorfilme. Von Horror zeigte sich allerdings

bei der Preisverleihung keine Spur: Diese klang

nach einem Gruppenfoto der ausgezeichneten Studierenden,

Preisstifter*innen und Überreichenden mit der

„Ehrliche Wurst“, Getränken und Filmmusikklängen der

Caligari-Band auf dem Akademiehof der Filmakademie

aus.

Text: Sabine Willmann/Wiltrud Baier,

Vorstände Förderverein der Filmakademie Baden-Württemberg

167


FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG GMBH

AKADEMIEHOF 10

D - 71638 LUDWIGSBURG

TEL: +49 7141 969 0

E-MAIL: INFO@FILMAKADEMIE.DE

WWW.FILMAKADEMIE.DE

filmakademiebw

filmakdemie_bw

@FilmakademieBW

TheFilmakademie

filmakademiebw

IMPRESSUM

HERAUSGEGEBEN VON DER

FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG GMBH LUDWIGSBURG

VERANTWORTLICH IM SINNE DES

PRESSEGESETZES

Prof. Thomas Schadt

REDAKTION

Andreas Friedrich, Fenja Schnizer

Bild- und Textredaktion Animationsinstitut:

Fabian Stetzler Textbüro / www.fabianstetzler.com

INTERVIEWS

Andreas Friedrich, Fenja Schnizer;

Fabian Stetzler (Animationsinstitut),

Michael Bohnenstingl (Prof. Jochen Kuhn)

TEXTE

Michael Achilles, Andreas Friedrich, Marianne Harr,

Farina Hasak, Anne Christine Knoth, Yves Alain Lambert,

Guido Lukoschek, Prof. Thomas Schadt, Fenja Schnizer,

Hanna Seidel, Meike Steinmetz, Fabian Stetzler,

Dorothea Volke

GESTALTUNG

Heide Sorn-Daubner, Stuttgart

DRUCK

Ungeheuer + Ulmer KG GmbH & Co., Ludwigsburg

AUFLAGE

1.700

168

ID-Nr. 21106408


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Prof. Thomas Schadt

REDAKTION

Andreas Friedrich, Fenja Schnizer

Bild- und Textredaktion Animationsinstitut:

Fabian Stetzler Textbüro / www.fabianstetzler.com

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Andreas Friedrich, Fenja Schnizer;

Fabian Stetzler (Animationsinstitut),

Michael Bohnenstingl (Prof. Jochen Kuhn)

TEXTE

Michael Achilles, Andreas Friedrich, Marianne Harr,

Farina Hasak, Anne Christine Knoth, Yves Alain Lambert,

Guido Lukoschek, Prof. Thomas Schadt, Fenja Schnizer,

Hanna Seidel, Meike Steinmetz, Fabian Stetzler,

Dorothea Volke

GESTALTUNG

Heide Sorn-Daubner, Stuttgart

DRUCK

Ungeheuer + Ulmer KG GmbH & Co., Ludwigsburg

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FOTONACHWEIS

Umschlag, S. 2, 4 (linke Spalte, 2.v.o.):

Setfotos „Supernova“ - © Hugo Lenhardt

Umschlag vorn: © Maxim Mukhamedov

Umschlag hinten: © FABW / Fotografin: Valentina Boye

S. 2: © FABW / Fotografin: Valentina Boye

S. 3: Porträt Thomas Schadt - © FABW / Fotograf: Roland Mönch

S.4: linke Spalte oben (Rede Petra Olschowski) - © FABW / Fotografin:

Valentina Boye

S. 4: Porträt Jochen Kuhn – © privat

S. 4: zweite Spalte oben (Akademiecampus) - © FABW / Fotografin: Catharina

Clausen

S. 4: rechte Spalte oben (Gruppenbild) - © Atelier Ludwigsburg-Paris

S. 4: rechte Spalte unten (Heidi Specogna) - © Anne Morgenstern /

Insta@annemorgensternphoto

S. 5: linke Spalte oben (Konstantin Flemig) - © privat

S. 5: linke Spalte Mitte („Seepferdchen“) - © Tobias Winkel + Sina Diehl

S. 5: linke Spalte unten ( Jens Klüber) - © privat

S. 5: linke Spalte unten ( Julia Kovalenko) - © Lillian Loveday Erlinger

S. 5: linke Spalte unten (Boris Gromatzki) - © Thomas Kraehahn

S. 5: zweite Spalte oben (Bernd-Siegfried Michalek) - © FABW / Fotografin:

Anja Fellerhoff

S. 5: rechte Spalte oben (Silvana Santamaria, Catalina Flórez) -

© Tanja Häring

S. 5: rechte Spalte Mitte (Lesung „Sommer“) -

© FABW / Fotograf: Zakarea Alsadi

S. 5: rechte Spalte unten (Caligari-Preis) -

© FABW / Fotografin: Valentina Boye

S. 6: Porträt Petra Olschowski - © Sabine Arndt 2018

S. 9, 11, 14: Porträts Albrecht Ade - © FABW / Fotografin: Anja Fellerhoff

S. 15-19: Fotos Festwoche - © FABW / Fotograf*innen: Valentina Boye,

Zakarea Alsadi

S. 20: Porträt Jochen Kuhn – © privat

S. 22-24: © FABW / Nils Knoblich

S. 25: Jochen Kuhn mit Assistent*innen - © FABW /

Fotografin: Valentina Boye

S. 34: Akademiecampus - © FABW / Fotografin: Catharina Clausen

S. 35: © Steven Appleby

S. 36: © FABW / Fotografin: Catharina Clausen

S. 41: © FABW / Fotografin: Catharina Clausen

S. 44: © FABW / ADK

S. 45: © FABW / Fotografin: Catharina Clausen

S. 50: © FABW / Bo Riedel-Petzold

S. 51: © FABW / Fotograf: Simon Spielmann

S. 54-57: © Steven Appleby

S. 57: Porträt Steven Appleby - © Jon Rennie

S. 62: Bild oben links - © FABW / Fotografin: Dominique Brewing

S. 65: Porträt Michael Bohnenstingl - © privat

S. 66: © framelocker GmbH

S. 72: Foto oben - © Academy of Motion Picture Arts and Sciences

S. 72: Foto unten rechts – © Danny Moloshok/Moloshok Photography

S. 73: Oscar-Medaille Pascal Schelbli - © privat

S. 73: Online-Verleihung - © Academy of Motion Picture Arts and Sciences

S. 75: Foto unten links - © FABW / Fotografin: Dominique Brewing

S. 76: Porträt Isabella Braun (linke Spalte) - © privat

S. 78: Foto oben links - © framelocker GmbH

S. 78: Fotos Mitte rechts und unten - © Mitmalfilm/Uli Seis

S. 83-85: © kaleidoscube

S. 86: Porträt Ella Estrella Tischa Raetzer - © privat

S. 87: Porträt E. E. Tischa Raetzer und Aufnahmen der Installation -

© privat

S. 88-89: © FABW / Andreas Hykade

S. 93: © FABW / Nils Knoblich

S. 95: © Jimmy Zhang

S. 96: Foto oben - © Jacob Fliedner

S. 96: Foto unten - © Atelier Ludwigsburg-Paris

S. 97: © Nicolas Rochette

S. 98-99: © Atelier Ludwigsburg-Paris

S. 100: Foto oben - © Maxim Mukhamedov

S. 101: Profilbild Dr. Andreas Bareiss - © Robert Viglasky

S. 101: Profilbild Anna Guddat - © Robert Cibis

S. 101: Profilbild Fabian Gasmia - © DETAilFILM

S. 101: Weitere Profilbilder - © privat

S. 102: © Atelier Ludwigsburg-Paris

S. 104-105: © FABW / Nils Knoblich

S. 106: Foto links - © FABW / Fotograf: Guido Lukoschek

S. 107: Foto oben - © FABW / Fotograf: Wolfgang Kerber

S. 107: Foto unten - © FABW / Fotografin: Valentina Boye

S. 108: © FABW / Fotografin: Valentina Boye

S. 110: Foto rechts - © FABW / Fotograf: Guido Lukoschek

S. 112: Porträt Heidi Specogna - © Anne Morgenstern /

Insta@annemorgensternphoto

S. 114-119, 121: © Heidi Specogna

S. 120: © swiss films, Fotos by Module+

S. 122: © FABW / Fotograf: Andreas Fuchs

S. 123: © FABW / Florian Dittrich

S. 124-129: © Konstantin Flemig

S. 130, 133: © Tobias Winkel + Sina Diehl

S. 133: Porträt Nele Dehnenkamp - © Nils Stelte

S. 132: Foto oben - © Tobias Winkel + Sina Diehl

S. 132: Foto unten - © Nele Dehnenkamp

S. 135: Porträt Jens Klüber - © privat

S. 135: Porträt Julia Kovalenko - © Lillian Loveday Erlinger

S. 136: Porträt Boris Gromatzki - © Thomas Kraehahn

S. 140: Porträt Jürgen Klozenbücher, Heike Sperling, Alexander Hanowski -

© Jörg Kahlhöfer

S. 142, 145: Porträts Bernd-Siegfried Michalek -

© FABW / Fotografin: Anja Fellerhoff

S. 147: Fotos rechts und links unten - © Hugo Lenhardt

S. 150: Foto links - © Christina Mammes

S. 150: Foto rechts - © Sophie Rohm

S. 151: © FABW / Philip Henze

S. 152: Porträt Silvana Santamaria - © Tanja Häring

S. 152: Porträt Catalina Florez - © Tanja Häring

S. 154: © Theresa Schätzle

S. 155: © Soilfilms / Fotograf: Kais Barhoumi

S. 157: Foto oben - © Nicolas Ordoñez

S. 157: Foto unten - © Soilfilms

S. 159: © Soilfilms

S. 160: Fotos links - © Michael Kehr

S. 160: Fotos rechts - © Hugo Lenhardt

S. 162-163: © FABW / Fotograf: Zakarea Alsadi

S. 163: Cover „Sommer“ - © FABW / Gestaltung: Jay Wanigesinghe

S. 164: Foto oben links „Bevölkerungsschutz BW“ - © FABW

S. 164: Foto oben rechts „Jung und jüdisch in BW“ -

© OVIDFILM / Maximilian Höhnle

S. 164: Foto unten links „Bevölkerungsschutz BW“ - © FABW

S. 164: Weitere Fotos auf dieser Seite „Durchschaut“ - © Lucas Bruchhage

S.165: Foto oben „Jung und jüdisch in BW“ -

© OVIDFILM / Maximilian Höhnle

S.165: Foto unten „Jung und jüdisch in BW“ -

© OVIDFILM / Notker Mahr, Willi Kubica

S. 166-167: © FABW / Fotografin: Valentina Boye

Weitere Fotos: © Filmakademie Baden-Württemberg GmbH (FABW)


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