Lederer Ragnarsdóttir Oei 2

JovisVerlag

ISBN 978-3-86859-706-6

2


EINFÜHRUNG | INTRODUCTION

8

13

Was wir denken, wie wir arbeiten | Lederer Ragnarsdóttir Oei

Stadtbaukunst oder: Die Liebe zum öffentlichen Raum | Amber Sayah

BAUTEN | BUILDINGS

2013 – 2021

in chronologischer Reihenfolge

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174

Bischöfliches Ordinariat und Diözesan-Archiv, Rottenburg

Gymnasium, Buchloe

Kunstmuseum, Ravensburg

Stadthaus, Karlsruhe

Stadtmuseum und Kunstverein, Ludwigsburg

Waldorfkindergarten, Esslingen am Neckar

Bildungszentrum und Bürogebäude, Stuttgart

Haus Reisch, Bad Saulgau

Sparkasse, Ulm

Bürogebäude, München

Historisches Museum, Frankfurt am Main

Hospitalkirche, Stuttgart

Real- und Staatliche Fachoberschule, Nürnberg

Stadtmuseum, Stuttgart

Bürogebäude, Karlsruhe

Haus Franck, Tschagguns

Haus Engel, Schwäbische Alb

Reihenhäuser, Stuttgart

Schule und Wohnhaus, Köln-Lindenthal

Württembergische Landesbibliothek, Stuttgart

Hotel und Umbau Bürogebäude, Stuttgart

Musikzentrum, Plochingen

Volkstheater, München


OBJEKTE | OBJECTS

1979 – 2021

185

Details

REMSTAL GARTENSCHAU

2019

211

16 Stationen

PROJEKTE | PROJECTS

2021

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246

Berufsschulcampus, Hyderabad

Bürogebäude, Plochingen

Erweiterung Zentrum für Bildung und Erziehung, Allensbach

Grundschule, Hamburg-Baakenhafen

Grundschule, Mannheim

Gymnasium, Stuttgart

Hightech Innovation Center, München-Freiham

Kirche Sankt Lukas, München

Sparkasse, Weil am Rhein

Stadtteilschule, Hamburg-Altona

Überseequartier, Hamburg

Wohnhaus und Galerie, Bad Saulgau

ANHANG | APPENDIX

2013 – 2021

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261

262

263

Ortsverzeichnis

Wettbewerbserfolge & Auszeichnungen

Ausstellungen

Bibliografie

Biografien

Mitarbeiter*innen

Bildnachweis

Impressum


BAUTEN | BUILDINGS

2013 – 2021


2013. Bischöfliches Ordinariat und Diözesan-Archiv | Rottenburg

Diözese Rottenburg-Stuttgart, Bischöfliches Ordinariat

Wettbewerb 2002

2010 – 2013

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart war neben

dem Hauptgebäude, einem ehemaligen

Jesuitenkolleg, in der Stadt auf mehrere Standorte verteilt.

Im Wettbewerb sollte aufgezeigt werden, wie sich

das Hauptgebäude und ein benachbarter, barocker Bau

durch einen Neubau zu einem gut funktionierenden

Ensemble zusammenfassen lassen. Die Bischofsstadt,

gleich neben Tübingen gelegen, zeichnet sich durch ein

sehr schönes historisches Stadtbild aus. Am nordwestlichen

Stadtrand liegt das Grundstück, es wird südlich

von einer steil ansteigenden schmalen Gasse und nördlich

durch den Verlauf der alten Stadtmauer begrenzt.

Der große, winkelförmige Renaissancebau des Jesuitenkollegs

schließt die Altstadt auf der Nordostseite ab.

Zwischen dem Barockgebäude und dem Jesuitenkolleg

klaffte eine große Lücke, die als Parkplatz genutzt wurde.

Was war der Grund für diese stadträumlich unbefriedigende

Situation? Die Antwort lieferte das Studium der

historischen Pläne: Einst bildete dort, für wenige Jahrzehnte,

eine spätbarocke Kirche das Zentrum der Anlage.

Der Bau hatte mächtige Rundungen. Eine Mauer und ein

sehr schmaler Baukörper verbanden das Jesuitenkolleg

mit dem Barockbau auf der anderen Seite. Es ist immer

wieder beeindruckend, wie historische Grundlagen den

Lösungsweg weisen, vor allem, wenn eine ursprünglich

harmonische Ordnung im Laufe der Jahre zerstört wurde.

Dort, wo die Kirche stand, positionierten wir das Eingangsgebäude

und verbanden es, gemäß dem Vorbild, über die

Mauer und einen schmalen Riegel mit den beiden Altbauten.

Auf der Nordseite bildet, unter Berücksichtigung

des Verlaufs der alten Stadtmauer, ein schmaler Büro-

The facilities of the Diocese of Rottenburg Stuttgart were

spread over multiple locations in the town in addition to its

main building, a former Jesuit college. The objective of the

competition was to demonstrate how a new development

could unite the main building and a neighbouring Baroque

edifice into a well-functioning ensemble. The Episcopal

town of Rottenburg, immediately southwest of Tübingen,

is distinguished by a very beautiful historical townscape.

The site is located on the northwestern periphery of the

town, bounded to the south by a steeply rising narrow

alley and to the north by the former route of the old city

wall. The large, L-shaped Renaissance building of the

Jesuit college forms an edge to the northeast corner of

the old town. Between the Baroque building and the

Jesuit college was a large gap, which was being used as

a car park. How did this unacceptable urban situation

come about? Studying the historical plans provided the

answer: formerly, for just a few decades, a late Baroque

church formed the centre of the complex. The building

had imposing contours. A wall and a very narrow wing

connected the Jesuit college to the Baroque building on

the other side. It always impresses us to see how historical

rudiments point the way to a solution, especially

when an originally harmonious order has been destroyed

over the years. We placed the entrance building where

the church once stood and, in keeping with the historical

model, connected it via a wall and a narrow link to the

two extant buildings. On the north side, a narrow office

tract follows the course of the old city wall and defines the

edge of the precinct. In essence, this is not a new urban

space but is instead a reparatory measure, the re-estab-

2010

2013

22 | 23


Erdgeschoss

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2013. Kunstmuseum | Ravensburg

Georg Reisch GmbH & Co. KG

Wettbewerb 2009

2010 – 2013

Einem klugen Oberbürgermeister und einer

kunstverständigen Investorin ist der Bau des

Ravensburger Kunstmuseums zu verdanken. Die Sammlung

der Stiftung Selinka mit ihrem wertvollen Bestand

expressionistischer Kunst sowie Werken der Künstlergruppen

CoBrA und SPUR sollte – so der Wunsch des

Oberbürgermeisters – langfristig in Ravensburg gehalten

werden. Er überzeugte das Unternehmen Reisch, auf einem

kleinen Grundstück in der Altstadt einen Wettbewerb

für ein Kunstmuseum auszuschreiben. Die Investorin

folgte diesem Vorschlag mit der Vereinbarung, das Gebäude

für viele Jahre im Besitz zu halten und es an die Stadt

zu vermieten. Der historische Stadtkern Ravensburgs

zeichnet sich durch einen sehr wertvollen Bestand aus.

Es ist vor allem die Schönheit des öffentlichen Raums –

der Wechsel von Gassen, Straßen und Plätzen –, der die

Bewohner*innen und Besucher*innen der Stadt gleichermaßen

begeistert. Unterhalb eines steilen Hügels, der

den südlichen Rand der Altstadt begrenzt, liegt das Grundstück.

Zwei Seiten davon werden von einer abschüssigen

Gasse begrenzt, die anderen beiden Seiten schließen direkt

an die Nachbarbebauung an. Der Versuch, ein größtmögliches

Rechteck für Ausstellungsflächen zu gewinnen,

führte vor und hinter dem so gedachten Volumen zu

Restflächen, die gerade genügend Platz für einen winzigen

Eingangshof und zwei Treppenhäuser bieten. Beim Entwurf

handelt es sich also um eine simple Schachtel, an

die rechts und links die Erschließungen angedockt sind.

Im Erdgeschoss musste aus der Schachtel aufgrund des

gebogenen Straßenverlaufs ein Teil herausgeschnitten

werden, was der Plastizität des Baukörpers zuträglich ist.

Construction of the Ravensburg Art Museum was made

possible thanks to a wise mayor and an art-loving investor.

It was the mayor’s wish to keep the Selinka Foundation’s

collection, with its valuable expressionist art collection

and works by the artist groups CoBrA and SPUR, in

Ravensburg over the long term. He convinced the Reisch

construction company to hold a competition for an art

museum on a small site in the town’s historic centre. The

investor responded to this suggestion with an agreement

to retain ownership of the building for many years and to

lease it to the town. The historical urban core of Ravensburg

is distinguished by a building stock of high calibre.

It is first and foremost the beauty of the public space – the

variation of alleys, streets and squares – that delights

the city’s residents and visitors alike. The site is located

at the base of a steep hill forming the southern perimeter

of the old town. Two sides of the site are bounded by a

steeply sloping alley, while the other two sides directly adjoin

neighbouring buildings. The endeavour to obtain the

largest possible rectangular area for exhibition space

resulted in residual areas in front of and behind it that

offered enough space for a tiny entrance court and two

stairwells. The design is therefore a simple box, to which

the circulation elements are appended on the right and

left. A portion of the box had to be cut away on the ground

floor to accommodate the curved path of the road, which

is a gesture that enhances the building’s plasticity. Thus

the development of the floor plan is based not on particularly

artificial ideas, but on simple, pragmatic considerations.

The exhibition levels inside the box can do without

daylight, so only the two stairwells have small openings

2010

2013

38 | 39


zeigt das Stadtmuseum in seiner Dauerausstellung den

Wandel Ludwigsburgs von der Barock- zur Medienstadt,

für Wechselausstellungen steht der mit einer Wellendecke

versehene, neu gestaltete Raum unter dem Innenhof

zur Verfügung. Der Neubau aus sichtbar belassenem und

teils weiß gespachteltem Stahlbeton kam über dem alten

Kellergewölbe zu liegen, wo sich einst die Stallungen

befanden. Er ist mit einem Sheddach überspannt, dessen

Fenster nach Norden ausgerichtet sind. Die Treppe

des Neubaus bildet die hintere Hofmauer. Sowohl der Neubau

als auch das alte Kellergewölbe werden vom Kunstverein

genutzt. Der Altbauflügel an der Eberhardstraße,

wo die zweigeschossigen Räume in drei Geschosse münden,

beherbergt die Verwaltung sowie das Grafikmagazin

der Stadt Ludwigsburg. Alt- und Neubau umspielen

L-förmig den Innenhof. Dieser dient dem Café als Außenbereich

und kann dank eines Holzdecks mit Stufen als

Freiluftkino oder für andere Veranstaltungen genutzt

werden. Das Holz und die Betonauskragungen am oberen

Rand verleihen ihm den Charakter eines Zimmers im

Freien. Der Bauablauf gestaltete sich schwieriger als gedacht.

Obwohl das Gebäude an zahlreichen Stellen geöffnet

worden war, um eventuelle Schäden auszumachen,

stellte sich erst sukzessive heraus, dass das Schadensbild

sehr viel größer war. Das ist paradigmatisch für die

Schwierigkeit – ja Unmöglichkeit – einer genauen Einschätzung

zu Kosten und Zeitrahmen einer Instandsetzung

alter Bausubstanz. Auch wenn Investorenseite und

Politik immer wieder viel zu früh, möglichst schon in

der Wettbewerbsphase, belastbare Zahlen fordern: Hier

ist auf das Bild vom »Stochern im Nebel« mehr Verlass.

manent exhibition, a portrayal of Ludwigsburg’s transformation

from Baroque city to media city, occupies the first

floor of the old building, and its temporary exhibitions use

the space beneath the courtyard, which has been redesigned

with an undulating ceiling. The new building, which

partially consists of fair-faced reinforced concrete and has

a white plaster finish elsewhere, is situated above the old

cellar vaults, where the stables once stood. It is spanned

by a sawtooth roof with north-facing windows. The new

building's stair forms the courtyard's rear wall. The art

society uses both the new building and the old cellar vaults.

The administrative offices and the graphics depot of the City

of Ludwigsburg are accommodated in the old building

wing along Eberhardstraße, where the double-height spaces

adjoin three storeys. Together, the old and new buildings

form an L-shape that encloses the courtyard, which

affords outdoor seating for the café and can be used for

various events. Thanks to its stepped wooden deck,the

courtyard can also function as an open-air cinema. The

wood below and the cantilevered concrete elements overhead

give the courtyard the character of an outdoor room.

The construction process proved more difficult than anticipated.

Although the building had been opened in numerous

places to detect possible damage, it only gradually

became apparent that the actual damage was much

greater. This is paradigmatic of the impossibility of accurately

estimating the costs and time needed to repair old

building fabric. Although investors and politicians continually

demand reliable figures much too early, preferably

even even during the competition: the image of ‘scratching

around in the dark’ is more appropriate.

50 | 51


Untergeschoss Erdgeschoss Obergeschoss

52 | 53


Es sollte ein ruhiger Ort in der Stadt werden, für die Besucherschaft

des Hauses ebenso wie für die Bürger*innen:

ein Raum der Kontemplation. Wir meinen, dass es in den

heutigen Innenstädten gerade solcher »konsumfreier«

Orte bedarf. Dort, wo sich früher die Säulen des Langhauses

befanden, pflanzten wir Säuleneichen, um an den ehemaligen

Raumgedanken zu erinnern. Wir fanden, dieser

Bereich könnte für Gottesdienste im Freien genutzt werden.

Das alte Taufbecken, das nach dem Krieg in einem

Waldstück entsorgt worden war, konnte vor dem Kircheneingang

wieder aufgestellt werden. Ein zweiter, viel kleinerer

Hof bildet den Eingangsbereich zum Innenhof, zur

Kirche und zum Foyer des Hospitalhofs. Das Foyer dient

als Ausstellungsfläche wie auch zur Erschließung verschieden

großer Seminarräume, eines Saals und einer

Cafeteria. Der große Saal im ersten Stock für 800 Personen

wird über die große Treppe an der Südostseite und

ein eigenes Foyer erschlossen. Eine Etage höher liegt der

Zugang zu dessen Galerie. Der Saal hat eine geschwungene

Decke aus Holzlamellen. Sie sind im zentralen Bereich

unter einem Glasfeld im Dach mit größeren Abständen zueinander

montiert, um die Saalmitte mit genügend Tageslicht

zu versorgen. Die Bühne liegt auf der Nordwestseite

des Raums und ist mit einer Holztäfelung gefasst. An der

Rückwand der Bühne sind runde Holzläden montiert, mit

denen die Rundfenster der Fassade geschlossen werden

können. Auch bei diesem Bau beschäftigte uns die immer

wiederkehrende Frage, wie mit verhältnismäßig geschlossenen

Fassaden dennoch lichtdurchflutete Innenräume

geschaffen werden können. Vor allem das Treppenhaus im

öffentlichen Teil des Gebäudes, das eigentlich sehr wenig

as a quiet place within the city, for visitors to the building

as well as the citizenry at large: a space of contemplation.

We believe that in today’s inner cities there is a need for

just such ‘consumption-free’ places. Where the columns

of the nave once stood, we planted column oaks to serve

as a reminiscence of the former spatial concept. We felt

that this area could be used for outdoor religious services.

The old baptismal font, which had been dumped in a patch

of woodland after the war, was able to be set up again in

front of the church entrance. A second, much smaller

courtyard forms the entrance area to the inner courtyard,

the church and the lobby of the Hospitalhof. The lobby

provides exhibition space as well as access to seminar

rooms of various sizes, a hall and a cafeteria. The large

hall on the first floor, with its capacity of 800 people, is

reached via the main staircase on the southeastern side

and has a separate lobby of its own. Its gallery is accessed

one floor above. The hall has a curved ceiling made of

wooden slats. In the middle of the ceiling, below a band

of glass panels in the roof, the slats are mounted with

more space in between to allow sufficient daylight into

the middle of the hall. The stage is located on the northwestern

side of the room and is panelled with wood.

The panelling on the rear wall of the stage incorporates

round wooden shutters, which can be used to close the

round windows in the façade. For this building, too, we

were concerned with the recurring question of how to

create light-flooded interior spaces with relatively closed

façades. Most notably the staircase in the public part of

the building, which essentially has very few openings,

ought to be an interior space that, by means of increasing

60 | 61


2015. Sparkasse | Ulm

Sparkasse Ulm

Wettbewerb 2008

2013 – 2015

Die Anfang der 1950er Jahre als Hauptverkehrsachse

breitspurig angelegte Neue Straße

wurde in den 1990er Jahren zurückgebaut. Mit den Bauten

der Sparkasse von Stephan Braunfels und der Kunsthalle

von Wolfram Wöhr gelang in Ulm die Rückkehr zu

einem dichten Stadtbild unter Verwendung einer Architektur,

die sich der Moderne verpflichtet fühlt. Das Vorbild

dafür war zweifelsohne das zunächst umstrittene, dann

aber erfolgreiche Stadthaus von Richard Meier gegenüber

dem Münster. Als weiteren Baustein in dieser Reihe

plante die Sparkasse einen zusätzlichen Verwaltungsbau

im Anschluss an die in den 1960er Jahren errichtete

Hauptstelle an der westlichen Einfahrt in die Neue Straße.

Für dieses Gebäude schrieb die Sparkasse Ulm in Zusammenarbeit

mit der Stadt 2008 einen Wettbewerb aus,

den unser Büro gewann. Der Grundgedanke unserer

Planung beruht auf der Frage, welche Art von Gebäude

in Bezug auf Plastizität und Materialisierung der Stadt

an dieser Stelle den größten Mehrwert bringen könnte.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht in Richtung

Norden ein bemerkenswert wuchtiger Baukörper

aus dem 16. Jahrhundert, der sogenannte Neue Bau,

der mit seiner Ziegelfassade den Eingang zur Neuen

Straße markiert. Diesem geschichtsträchtigen Gebäude

wollten wir einen ebenbürtigen Baukörper gegenüberstellen,

damit beide gemeinsam das Tor zur Neuen Straße

bilden. Die Straßenflucht beschreibt im Übrigen eine

Kante, die nach Süden hin um ein gutes Geschoss abfällt.

Der Baukörper folgt diesem Geländeschnitt, der nunmehr

durch die Staffelung im Dachgeschoss ablesbar bleibt.

Die südlichen Nachbargebäude stehen in altstadttypischer

Neue Straße, a broad traffic artery carved out of the city

in the early 1950s, was scaled back in the 1990s. New buildings

in Ulm – one by Stephan Braunfels for the Sparkasse

savings bank and another by Wolfram Wöhr for

Kunsthalle Weishaupt – marked the successful return to

a denser cityscape through the use of architecture with a

strong commitment to modernism. The model for this cultural

change was unquestionably the initially controversial,

but ultimately successful Stadthaus by Richard Meier,

located across from the Ulm Minster. A further element in

this series was the additional office building that the Sparkasse

planned to build at the western end of Neue Straße,

as an annexe to its headquarters from the 1960s. In collaboration

with the city, Sparkasse Ulm held a competition for

this building in 2008, which our office won. The fundamental

idea for our design rests upon the question of what

kind of building, in terms of plasticity and choice of materials,

could offer the greatest added value to the city on

this site. On the opposite side of the street to the north is

a strikingly massive building from the 16th century, known

locally as the ‘Neuer Bau’ (New Building), whose brick

façade nobly marks the beginning of Neue Straße. We decided

to juxtapose this historical building with another

building so that the two together form a gateway to Neue

Straße. Apart from that, the street delineates an edge that

slopes downward towards the south by more than a storey.

The building’s form follows the line of this sloping terrain,

which still remains legible in the staggered penthouse

level. The neighbouring buildings to the south are sited

with a density that is typical for old towns, so when seen

from there, the real size of the new building cannot be

2013

2015

72 | 73


Manier dicht gedrängt, sodass von dort aus das Haus in

seiner eigentlichen Größe nicht frontal wahrgenommen

werden kann. Uns gefällt der Neue Bau mit seinen alten

Ziegelmauern sehr gut – auch dessen anschließende Mauerteile,

die unter einer Brücke hindurch die Neue Straße

unterqueren und unmittelbar bis zum Neubau der Sparkasse

führen. Deshalb lag es nahe, ähnliches, wenn nicht

sogar dasselbe Material für die geschlossenen Wände

des Neubaus zu verwenden. Aufgrund unserer Erfahrung

mit gebrauchten Ziegeln konnten wir die Bauherrschaft

von den Vorteilen des alten Steins überzeugen: Zum einen

lässt sich auf diese Weise eine harmonische Übereinstimmung

mit dem historischen Bestand erzielen, ohne

dessen Formenapparat nachzuahmen oder gar zu imitieren.

Zum anderen stellt die Wiederverwendung abgebrochenen

Baumaterials ein wichtiges Thema im Bereich

der Nachhaltigkeit und in Bezug auf die Berücksichtigung

von Stoffkreisläufen dar. Dem sehr geschlossenen

Charakter der Steinwand stellten wir Fensterbänder in

Zickzackform aus polierten Edelstahlrahmen gegenüber.

Die Vor- und Rücksprünge entspringen der Überlegung,

dass kleine Büroräume durch erkerartige Vor- und Rücksprünge

eine viel angenehmere Atmosphäre haben. Für

die Wirkung im Stadtraum kam uns die Faltung der Fensterbänder

ebenfalls zupass: nicht nur, weil sich die Fassade

des Neuen Baus vielfältig darin spiegelt, sondern

auch, weil die Sparkasse Ulm dadurch einen beispielhaften

Umgang mit der historischen Umgebung deutlich

machen kann und gleichzeitig ihre Modernität zum Ausdruck

zu bringen vermag.

perceived head-on. We like the Neuer Bau and its old

brick walls very much – including the adjoining wall

sections that extend along an underpass beneath Neue

Straße, leading directly to the new Sparkasse building.

Hence it seemed natural to use a similar, if not even the

same, material for the solid parts of the walls of the

new building. Based on our past experience with used

brick, we were able to convince the client of its advantages:

for one thing, it makes it possible to attain harmonious

accord with the historical context without echoing

or even imitating its formal repertoire. For another,

the reuse of materials from demolished buildings constitutes

an important issue with respect to matters of sustainability

and the consideration of material cycles. We

contrasted the very solid character of the brick wall with

zigzag bands of ribbon windows with polished stainless

steel frames. The projections and recesses stem from

our recognition that by folding the wall inwards and outwards

like bay windows, the small offices have a much

more pleasant atmosphere. The accordion-like ribbon

windows also had an effect in the urban space that we

welcomed: not only because the façade of the ‘Neuer

Bau’ is reflected therein in manifold variations, but also

because in so doing, Sparkasse Ulm is able to demonstrate

exemplary treatment of the historical surroundings

while simultaneously giving expression to its own

modernity.

74 | 75


Fassade zur Ausführung kommen. Gebäude sind dann gut,

wenn sie nicht nur von Weitem ein schlüssiges Konzept

vermitteln, sondern dem auch bei einer Annäherung standhalten

und das Auge erfreuen. Details wie die tief liegenden

Lagerfugen, die gestockten Felder in Rautenform, die

filigrane Halterung der außen liegenden Dachrinnen oder

die offenen Fallrohre, die das Regenwasser sichtbar ableiten,

sind für uns wesentliche, das Konzept stützende

Elemente. Vielen Besucher*innen erschließt sich die

Architektur nicht über den Städtebau oder das Volumen

als Ganzes. Die Freude an der Architektur offenbart sich

in vielen Fällen über das Detail. Aus diesem Grund sind

auch die Innenräume mit ihren Einbauten, Wandverkleidungen,

Geländern usw. als Teile entwickelt worden, in

denen sich der gesamte Entwurf widerspiegelt. In diesem

Zusammenhang bedingt die Planung von Museen, vor

allem von solchen mit Beständen, die aus ganz unterschiedlichen

Bereichen zusammengesetzt sind, eine

harmonische Übereinstimmung zwischen den Vorstellungen

der Architektenschaft und jenen der Ausstellungsgestaltung.

Leider wurde im Frankfurter Fall die Ausstellungsgestaltung

erst zu einem Zeitpunkt beauftragt,

als die Architektur der Gebäude nahezu fertig entworfen

war. Das führte zu unangenehmen Brüchen in der Gestaltung,

vor allem dann, wenn die ästhetischen Vorstellungen

differierten. Davon betroffen ist vor allem die

räumliche Wirkung des Oberlichtsaals im Ausstellungsgebäude,

dessen helle und lichte Raumwirkung durch

die Einbauten verstellt wurde.

vey a coherent concept from a distance, but are also able

to hold their own and please the eye upon closer inspection.

Details such as the deep horizontal joints, the bushhammered,

diamond-shaped fields, the delicate brackets

supporting the external roof gutters, and the open vertical

channels that visibly conduct the rainwater down from

the roof are, for us, essential elements that support

the concept. For many visitors, architecture cannot be

accessed through urban design or the built volume as a

whole. The joy of architecture reveals itself in many

instances through details. For this reason, the interior

spaces, with their fixtures, wall cladding, railings and

so on, have been developed as parts that reflect the

design as an entirety. In this connection, the design of

museums – especially those with collections that bring

together exhibits from disparate fields – requires a harmonious

congruence between the ideas of the architects

and those for the exhibition design. Unfortunately, here,

in the case of Frankfurt, the exhibition design was not

commissioned until a point in time when the architectural

design of the buildings was nearly complete. That

has led to awkward ruptures in the design, particularly

when the aesthetic notions differed. The spatial impact

of the skylit hall in the exhibition building, whose bright

and light-filled spatial ambiance has been obscured by

the fixtures, is especially impaired by this circumstance.

88 | 89


Erdgeschoss

Orgelempore

98 | 99


Gartengeschoss

Erdgeschoss

114 | 115


124 | 125

Erdgeschoss


Fachwerkträgern liegt über der Ziegelfassade und ermöglicht

ein rundum durchgehendes Oberlicht, über dem

die Dachschale schwebt. Der längliche Baukörper wirkt

dagegen geschlossener. An der Westseite des Riegels

befindet sich der große Chorproberaum – er wird über

ein Oberlicht und seitliche Lichtschlitze, die sich aus der

runden Modellierung dieses Raums ergeben, indirekt

belichtet. Die Wohnungen in den Obergeschossen liegen

auf der östlichen Seite des langen Baukörpers, sie verfügen

über Loggien in Richtung Kirche. Die Ziegelfassade

nimmt in ihrer Farbgebung die Materialisierung der Kirche

auf, ist aber homogener – bedingt durch die gleichmäßig

gebrannten Steine wie auch durch die Verblendschale,

die aus Kostengründen aus einer einfachen

Schicht im Läuferverband besteht. Das ist aber nicht von

Nachteil, da der Wunsch bestand, auf das lebendige

Mauerwerk der Kirche zurückhaltend zu reagieren. Unabhängig

davon sind 11,5 Zentimeter starke Vormauerungen

eine langweilige Angelegenheit, da ein lebendiges

Bild, wie bei echten Mauerwerksverbänden, nicht erreicht

werden kann. Der Innenausbau konnte in sehr guter handwerklicher

Qualität gefertigt werden. Dank dem architektonischen

Anspruch der Bauherrschaft ist der Detaillierungsgrad

bei diesem Gebäude auf einem hohen Niveau.

Wandverkleidungen aus fein geformten Holzprofilen, eine

präzise Verteilung von Leuchten, kleine Nummernschilder

für Ablagefächer, die in Holzwangen eingelassen sind:

Die Sorgfalt bei der Ausführung kommt den Nutzenden

zugute. Es ist eine Freude, sich in diesen Räumen aufzuhalten.

Und die handwerkliche Qualität trägt zur Idee der

Nachhaltigkeit bei.

The structure of trussed girders sits above the brick

façade and permits a continuous skylight all around,

with the roof deck floating above. By contrast, the

elongated part of the building appears more closed.

The large choir rehearsal room is located on the west

side of the linear block. It receives indirect light from

a skylight and lateral light slits that result from the

curved sculpting of this space. The dwellings on the

upper floors are located on the eastern side of the

linear block, with loggias facing the church. In its coloration,

the brick façade adopts the colour palette

of the materials used for the church, but it is more

homogeneous – due to the evenly fired bricks, but also

owing to the facing veneer, which for reasons of cost

consists of a simple wythe in a running bond of stretchers.

This is not seen as a drawback, however, as

there was a desire to respond with restraint to the lively

masonry of the church. Notwithstanding, 11.5-

centimetre-thick veneer masonry walls are a boring

affair, since a vibrant image comparable with ‘real’

masonry bond patterns cannot be achieved. The interior

fit-out was executed with excellent handiwork.

Thanks to the architectural aspirations of the client, the

level of detail in this building is of a high standard.

Wall cladding made of finely shaped wood profiles, a

precise distribution of lighting fixtures and small

number plates for storage compartments recessed into

wooden side panels: the care and attention taken

in the execution benefits the users. These rooms are

a pleasure to spend time in. And the handcrafted

quality contributes to the idea of sustainability.

144 | 145


Obergeschoss 1

148 | 149


164 | 165

Erdgeschoss


Erdgeschoss

170 | 171


Klappläden | Folding Shutters

Verschattungselemente | Shading Elements

Für den Sitzungssaal der Fellbacher Bank hatten wir

Glaskuppeln verbaut, die den Raum zentral belichten

sollten. Für sie gibt es als Zubehör außerordentlich

zweckmäßige, unästhetische Rollos. Woher kommen

Ideen für bessere Lösungen? Damals fuhren wir noch

Autos mit Vergasermotor, die leicht selbst repariert

werden konnten: Die Steuerung des Vergasers erfolgte

mittels runder Drosselklappen. Wir ließen eine solche

Drosselklappe, hier jedoch für das Licht, aus Metallplatten

bauen, deren jeweilige Seiten unterschiedlich

farbig lackiert wurden. Die Motoren für den Antrieb taten

sich wegen des hohen Gewichts der Klappen etwas

schwer … Bei späteren Objekten nahmen wir diese Idee

in Form von Klappläden wieder auf, und zwar in einer

sehr viel leichteren Variante: 39 Stück ließen wir im Saal

des Hospitalhofs auf der Rückwand der Bühne anbringen.

Sie sind aus Holzwerkstoff, aber mit dem Furnier

der übrigen Wandverkleidungen (Birke) beschichtet. Ist

die Bühne in Benutzung, sind sie geschlossen – die

Personen auf der Bühne sollen nicht im Gegenlicht erscheinen.

Nur ein leichter Lichtsaum bildet sich gegenüber

der geschlossenen Wand rund um den Laden

ab. Bei zentraler Nutzung des Raums können sie geöffnet

werden. Über ihre eigentliche Funktion hinaus sind

sie, wenn sie sich öffnen oder schließen, ein verspielter

Augenschmaus. Gut, dass nur Eingeweihte wissen, wo

und wie die Steuerung zu bedienen ist. Außen wollte der

zuständige Fachingenieur ebenfalls eine Verschattungsanlage.

Diesmal führte uns der Schirm der Verkehrsampel

zur Entwurfsidee: Die Verschattungselemente aus

Fertigbetonteilen sind fest mit der Fassade verbunden.

For the conference room of the Fellbacher Bank, we

had installed glass dome skylights to introduce daylight

into the centre of the space. Extremely functional,

unaesthetic roller blinds are available as accessories

for them. Where do ideas for better solutions come

from? Back then we still drove cars with carburettor engines

that were easy to repair yourself: the carburettor

was regulated by means of round throttle flaps. We had

such flaps, intended here to regulate the light, built

of metal plates whose opposite sides were painted in

different colours. The motors to operate them struggled

a bit because of the heavy weight of the flaps... In later

projects, we took up the idea again in the form of folding

shutters, but in a much lighter version: we had 39 of

them mounted onto the back wall of the stage in the hall

of the Hospitalhof. They are made of pressed wood, but

clad with the same (birch) veneer used for the rest of the

wall panelling. They are closed when the stage is in use –

so the people on stage are not seen against the light. Only

a slight halo of light forms around each shutter, in contrast

to the closed wall. When the middle of the room is

used, they can be opened. Beyond their principal function,

they are a playful feast for the eyes as they open or

close. It is good that only insiders know where and how

to operate the controls. The specialist engineer in charge

also wanted a shading system on the exterior. This time,

the hood of a traffic light led us to the design: the shading

elements are made of precast concrete and are firmly

anchored to the façade.

194 | 195


Kronleuchter | Chandeliers

Für den Renaissancebau der Diözesankurie in Rottenburg

haben wir einen Kronleuchter aus Stahlringen entworfen,

den uns eine Schlosserei liebevoll gebaut hat. Der äußere

runde Bogen ist aus Winkelstahl. Im horizontalen Teil des

großen Reifens sind in kleine Aussparungen LEDs aus

dem Baumarkt eingesetzt. Die Leuchtmittel sind radial angeordnet,

von jedem führt ein Kabel zu einem kleineren

Stahlring, an dem für jedes eine Steckdose montiert ist.

Sechs Speichen führen zur Nabe und zentralen Aufhängung.

Der Raum befindet sich hinter dem ehemaligen

Portal der Kurie. Dort wurde im »Dritten Reich« Bischof

Joannes Baptista Sproll von einer aufgebrachten Menge

angegriffen. Der Raum dient heute seinem Gedenken.

Die Arbeit in Rottenburg hatte einen Vorläufer: Das Foyer

der Kammerspiele, das im Bereich der ehemaligen Tiefgarage

des Staatstheaters untergebracht wurde, wollten

wir auch mit Kronleuchtern ausstatten. Dafür war das

Budget jedoch zu gering. Wir ließen deshalb von einer

Schlosserei einen großen Ring aus roh belassenem Flachstahl

bauen, an den lange Kompaktleuchtstofflampen

montiert sind. Diese erhielten eine Blende aus Messingblech,

das die kalte Farbe des Leuchtmittels reflektiert

und den Raum in ein atmosphärisches Licht taucht –

um die miserable Farbwiedergabe etwas zu korrigieren.

Durch die Reflexion konnten wir immerhin einen wärmeren

Ton erzielen. Die Kabelführung von der inneren Nabe

zum äußeren Ring gleicht den mit Kristallglas besetzten

Teilen eines gewöhnlichen Kronleuchters. Die Rottenburger

Version ist allein wegen der kleinen Leuchtmittel

viel schöner als der Darmstädter Vorgänger.

For the Renaissance building of the Diocesan Curia in

Rottenburg, we designed a chandelier made of steel rings,

which was lovingly built for us by a blacksmith. The outer

ring is made of a curved-angle steel. The bottom leg

of the large ring has small cut-outs to accommodate the

insertion of ordinary LEDs from a DIY store. The light

sources are arranged radially, with a cable leading from

each to a smaller steel ring, which has a socket for each

lamp. Six spokes lead to the hub and central suspension

point. The chandelier is in a room located behind the

former portal to the curia. During the Third Reich, Bishop

Joannes Baptista Sproll was attacked there by an enraged

mob. Today the room serves as a memorial to him.

The commission in Rottenburg had a precursor: we had

also wanted to furnish the foyer of the chamber theatre,

which occupied the area that formerly served as the State

Theatre’s underground car park, with chandeliers. But

the budget was too small to do so. So we had a blacksmith

produce a large ring of untreated flat steel, onto which

long compact fluorescent lamps are mounted. We embellished

this with a fascia made from sheet brass, which

reflects the cold light from the lamps and immerses the

space in an atmospheric light. In this way, we wanted

to correct the miserable colour rendering to some extent.

At least the reflection enabled us to achieve a warmer

tone. The wiring from the inner hub to the outer ring resembles

the parts of an ordinary chandelier that are

typically outfitted with crystal glass. Simply because of

the small lamps, the Rottenburg version is much more

beautiful than its Darmstadt predecessor.

202 | 203


Zeitpunkt war die Rede von weißen Kapellen, die sich an

der christlichen Tradition orientieren. Das wäre in unserer

multikulturellen Gesellschaft nicht passend gewesen. Ich

werde immer wieder, auch von Kolleg*innen, gefragt, wie

es zu der Auswahl der Teilnehmenden kam. Wenn die

Möglichkeit besteht, die Gestaltung in die Hände der besten

Architekturbüros der Republik zu geben, warum sollte

dann auf ihren Gedankenreichtum und ihre Kreativität verzichtet

werden? Der Ruf der ganzen Region kann nachhaltig

von diesen Büros profitieren. Der Bilbao-Effekt, also

die internationale Bekanntheit der spanischen Stadt durch

den Bau des Kunstmuseums von Frank Gehry, ist hinlänglich

bekannt. Natürlich ist das Beispiel zu hoch gegriffen.

Aber angenommen, im Portfolio der Architekturbüros,

deren Werke national und international publiziert werden,

befände sich auch eine kleine Remstalstation, dann wäre

das doch ein großer Erfolg für einen Landstrich, der, so

schön er auch sein mag, überregional leider kaum bekannt

ist. Architektur bedeutet Baukunst. Wenn wir dieses

Wort ernst nehmen, dann sind für die Entwürfe ausgewiesene

Baukünstler*innen zu suchen, die ihre Arbeit auch

als Kunst verstehen. Wie gesagt: die Besten ihrer Zunft.

Anforderungen an eine konkrete Funktion, die üblicherweise

an architektonische Aufgaben gestellt werden, sind

hier von untergeordneter Bedeutung. Vielmehr geht es um

die Suche nach einem präzisen Dialog mit der Kultur, die

diese Landschaft auszeichnet. Den Besucher*innen soll

auf den ersten Blick das Spezifische des Ortes ins Auge

fallen. Es soll sie für die Landschaft einnehmen, das Unverwechselbare

soll ihnen im Gedächtnis bleiben. Und

wenn sie sich darüber hinaus sagen: »Es müssen wohl

214 | 215

even by colleagues, how the participants were chosen. If

you have the opportunity to entrust the design to the best

architectural offices in the country, why would you forgo

their wealth of ideas and creativity? The reputation of the

entire region can enjoy lasting benefits from these firms.

The Bilbao effect, which refers to the international fame

gained by the Spanish city after the construction of

Frank Gehry’s art museum, is well known. Admittedly,

that is an extreme example. But imagine that the portfolios

of those architectural firms, whose works are published

both nationally and internationally, also included a

small Remstal station: it would be a great success for

a region that, however beautiful it may be, is unfortunately

scarcely known beyond its immediate surroundings.

Architecture is the art of building. If we take this definition

seriously, then we need to look for proven artistarchitects

who also understand their work as art. As I

said: the best of their profession. Although architecture

ordinarily responds to requirements imposed for a precise

function, these are of secondary importance here.

What is more important is to establish a precise dialogue

with the culture that distinguishes this landscape.

The intention is for visitors to notice the specifics of the

place at first glance. It should fill them with enthusiasm

for the landscape; the distinctive should remain engraved

in their memory. And if they also think to themselves:

‘The people who are lucky enough to live here must be

happy,’ then a station, be it ever so small, has achieved

its purpose. My request – to be permitted to propose the

16 participants – fortunately met with approval from the

politicians. I say fortunately because the time left until

Ausstellung

»16 Stationen«

Barkow Leibinger

Brandlhuber +

Burger Rudacs Architekten

harris + kurrle architekten

Hild und K Architekten

Kuehn Malvezzi

Jürgen Mayer H. und Partner

Christoph Mäckler Architekten

Achim Menges/Jan Knippers

Florian Nagler Architekten

Studio Rauch

schneider + schumacher

Uwe Schröder Architekt

Schulz und Schulz

Staab Architekten

su und z Architekten

Ausstellungseröffnung

Sonntag, 7. Mai 2017

um 14.00 Uhr

durch die Kuratorin

Jórunn Ragnarsdóttir.

8. bis 14. Mai 2017

täglich geöffnet

von 12.00 bis 20.00 Uhr.

Das Röhm/Tor 2

Weilerstraße 14

73614 Schorndorf

remstal2019.de

gestaltung: büro uebele visuelle kommunikation


Kirche Sankt Lukas | München

Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Lukas

Moderiertes Verfahren 2015

St. Lukas (1896) ist eines der großen Münchner

Gotteshäuser. Albert Schmidt, zu dessen Bauten

auch die im »Dritten Reich« zerstörte Synagoge zählte,

hatte den streng symmetrischen Bau mit einer großen

Kuppel und zwei flankierenden Türmen entworfen. Der

Grundriss der Zentralkirche beruht auf einem Netz

geometrischer Formen: Kreis, Quadrat, Rechteck und

Fünfeck. Nach einer bereits erfolgten Sanierung der

Außenhülle, die keine wesentlichen Veränderungen mit

sich brachte, erfragte die Kirchengemeinde in einem

beschränkten Wettbewerb, wie in den großen Innenraum

ein Gemeindesaal mit Nebennutzungen eingebracht

werden könnte. Da wir in dem Gebäude ein einmaliges

Beispiel des Historismus sahen, empfahlen wir, vom

Umbau des Kirchenraums abzusehen. Falls dringend gewünscht,

könnte der Gemeindesaal als transparente

Kiste, auch unterirdisch oder anstelle des Pfarrhauses, in

einem Neubau situiert werden. Lediglich die bauzeitlichen

Kirchenbänke in der Vierung empfahlen wir zu entfernen,

um den Raum heutigen liturgischen Bedingungen anzupassen.

Da die Kirche über eine hervorragende Orgel verfügt,

sollte eine freie Bestuhlung dem Konzertpublikum

den Blick auf das Instrument und den Kantor ermöglichen.

Entscheidend für unseren Beitrag war die Ordnung des

Platzes um die Kirche, da dieser durch diverse Nutzungen

in seiner stadträumlichen Qualität beeinträchtigt ist. Bislang

beschränkt sich die Aufgabe auf die Innenraumrenovierung

und den Bau von beidseitig angelagerten Sanitärbereichen.

Diese auf der strengen Geometrie des Bestands

beruhende Lösung soll nach mehrjähriger Diskussion mit

der Denkmalbehörde umgesetzt werden.

St Luke’s Church (1896) is one of the largest houses of

worship in Munich. Albert Schmidt, whose buildings also

included Munich’s Great Synagogue, which was destroyed

in the Third Reich, had designed the strictly symmetrical

church with a large dome and two flanking towers. The

central-plan church has a configuration composed of a

network of basic geometric shapes: circle, square, rectangle

and pentagon. After having already completed a

refurbishment of the outer shell that entailed no significant

changes, the parish held a restricted competition

seeking responses to how a fellowship hall and ancillary

functions could be incorporated into the large interior

space of the church. We regarded the building as a unique

example of historicism, so we recommended not to restructure

the church’s interior. If urgently desired, the

fellowship hall could be located in a new building, whether

as a transparent box, a below-ground structure or in place

of the parsonage. Our sole recommendation was to free

up the crossing by removing the pews that dated from when

the church was originally built, to make the space suitable

for contemporary liturgical requirements. Since the

church has an excellent organ, flexible seating is proposed

to give concert audiences a better view of the instrument

and the cantor. A decisive aspect of our scheme was giving

order to the public plaza around the church, as its urban

quality is currently impaired by various uses. Thus far, the

job has been limited to interior renovation and the construction

of sanitary facilities positioned to both sides of the

altar. After discussions with the preservation authority

over several years, our solution using the existing building’s

rigorous geometry will now be implemented.

2015

238 | 239


Erdgeschoss


258 | 259

Zeichnungen: Arno Lederer


BIOGRAFIEN | BIOGRAPHIES

Arno Lederer

1947 Geboren in Stuttgart 1968 – 1976 Architekturstudium,

Universität Stuttgart und Technische Universität Wien

1976 Diplom, Universität Stuttgart 1977 Mitarbeit im Büro

Ernst Gisel, Zürich 1978 Mitarbeit im Büro Berger Hauser

Oed, Tübingen 1979 Gründung Büro Lederer und Sambeth

Seit 1982 Inhaber Büro Lederer 1985 – 1990 Professor für

Konstruieren und Entwerfen, Hochschule für Technik Stuttgart

1990 – 1997 Professor für Baukonstruktion und Entwerfen

I, Universität Karlsruhe 1997 – 2005 Professor für Gebäudelehre,

Universität Karlsruhe 2005 – 2014 Professor

für Öffentliche Bauten und Entwerfen, Universität Stuttgart

2009 – 2015 Mitglied im Gestaltungsbeirat für das Dom-

Römer-Areal, Frankfurt am Main 2014 – 2018 Mitglied im

Baukollegium Zürich

1947 Born in Stuttgart 1968 – 1976 Studied architecture,

University of Stuttgart and Vienna University of Technology

1976 Diploma, University of Stuttgart 1977 Position with

Ernst Gisel, Zurich 1978 Position with Berger Hauser Oed,

Tübingen 1979 Foundation of Lederer and Sambeth Since

1982 Principal of the office Lederer 1985 – 1990 Professor

for Construction and Design, Stuttgart University of Applied

Sciences 1990 – 1997 Professor for Building Construction

and Design I, University of Karlsruhe 1997 – 2005 Professor

for Building Theory and Design, University of Karlsruhe

2005 – 2014 Professor for Public Building and Design, University

of Stuttgart 2009 – 2015 Member of the design advisory

board for the Dom-Römer-Areal urban renewal project,

Frankfurt am Main 2014 – 2018 Member of the design

advisory board Zurich

Jórunn Ragnarsdóttir

1957 Geboren in Island 1976 – 1982 Architekturstudium,

Universität Stuttgart 1982 Diplom, Universität Stuttgart

1982 – 1985 Mitarbeit im Büro Lederer Seit 1985 Inhaberin

Büro Lederer Ragnarsdóttir 1992 – 1993 Lehrtätigkeit,

Universität Stuttgart bei Prof. Boris Podrecca

1998 – 2000 Bühnenbilder und Kostüme für das Stadttheater

Reykjavík und das Isländische Nationaltheater

in Reykjavík 2009 – 2015 Mitglied im Gestaltungsbeirat

Lübeck 2010 – 2012 Mitglied im Gestaltungsbeirat Mannheim

2010 – 2012 Professorin für Architektur an der

Kunstakademie Düsseldorf Seit 2010 Fachbeirätin der

Stadt München 2012 – 2018 Mitglied der Kommission für

Stadtgestaltung München 2014 – 2018 Vorsitzende des

Gestaltungsbeirats Freiburg im Breisgau Seit 2014 Mitglied

im Landesdenkmalrat des Senators für Kultur und

Europa in Berlin 2015 – 2021 Vorsitzende des Hochschulrats

der Kunstakademie Stuttgart Seit 2016 Vorsitzende

des Gestaltungsbeirats Reutlingen 2016 – 2021 Vorsitzende

des Gestaltungsbeirats Regensburg Seit 2017 Mitglied

im Baukollegium Berlin Seit 2017 Mitglied im Beirat

Berlin Creative District, Berlin-Tempelhof Seit 2018 Mitglied

im Baukollegium Zürich Seit 2019 Mitglied des

Kuratoriums zum Fritz-Schumacher-Preis in Hamburg

Seit 2020 Mitglied im Gestaltungsbeirat Wangen im Allgäu

Seit 2021 Mitglied im Gestaltungsbeirat Salzburg

Seit 2021 Mitglied im Gestaltungsbeirat Dresden

1957 Born in Iceland 1976 – 1982 Studied architecture,

University of Stuttgart 1982 Diploma, University of Stuttgart

1982 – 1985 Position with the office Lederer Since 1985

Principal of Lederer Ragnarsdóttir 1992 – 1993 Teaching

position, University of Stuttgart, under Prof. Boris Podrecca

1998 – 2000 Stage sets and costume design for the Reykjavík

City Theatre and the National Theatre of Iceland

2009 – 2015 Member of the design advisory board Lübeck

2010 – 2012 Member of the design advisory board Mannheim

2010 – 2012 Professor for Architecture at the Düsseldorf

Academy of Art Since 2010 Professional adviser to the City

of Munich 2012 – 2018 Member of the committee for city

planning Munich 2014 – 2018 Chair of the design advisory

board Freiburg im Breisgau Since 2014 Member of the advisory

board of the State Monument Council to the Senator

for Culture and Europe in Berlin 2015 – 2021 Chair of the advisory

board for the Stuttgart Academy of Art Since 2016 Chair

of the design advisory board Reutlingen 2016 – 2021 Chair of

the design advisory board Regensburg Since 2017 Member

of the design advisory board Berlin Since 2017 Member of the

advisory board ‘Berlin Creative District’ Berlin-Tempelhof

Since 2018 Member of the design advisory board Zurich Since

2019 Member of the advisory board of the ‘Fritz-Schumacher-

Preis’ in Hamburg Since 2020 Member of the design advisory

board Wangen im Allgäu Since 2021 Member of the design advisory

board Salzburg Since 2021 Member of the design advisory

board Dresden


IMPRESSUM

© 2021 by jovis Verlag GmbH & Lederer Ragnarsdóttir Oei

GmbH & Co. KG. Das Copyright für die Texte liegt bei den

Autor*innen. Das Copyright für die Abbildungen liegt bei den

Fotograf*innen / Inhaber*innen der Bildrechte. | Texts by

kind permission of the authors. Images by kind permission

of the photographers / holders of the image rights.

Alle Rechte vorbehalten. | All rights reserved.

Schrift | Typeface: FF DIN von Albert-Jan Pool

Papier | Paper: 150 g / m2 GardaPat Bianka

Gestaltung Wortmarke LRO | LRO wordmark design:

büro uebele, Stuttgart

Konzept, Gestaltung, Redaktion | Concept, design, editing:

Lederer Ragnarsdóttir Oei

Bucharchitektur \ Kathrin Schmuck

Lithografie | Image processing:

Lederer Ragnarsdóttir Oei

Bild1Druck, Berlin

Lektorat Deutsch | German copy editing:

Miriam Seifert-Waibel

Übersetzung ins Englische | English translation:

David Koralek

Übersetzungslektorat | English copy editing & proofreading:

Benjamin Liebelt

Druck & Bindung | Printing & binding:

Grafisches Centrum Cuno, Calbe

Bibliographic information published by the Deutsche Nationalbibliothek.

The Deutsche Nationalbibliothek lists this publication

in the Deutsche Nationalbibliografie; detailed bibliographic

data are available on the Internet at http://dnb.d-nb.de.

Dank | Acknowledgement:

An dieser Stelle sei besonders unserer ehemaligen Mitarbeiterin

Frau Kathrin Schmuck gedankt. Sie hat mit großem

Einsatz das Buch konzeptionell, gestalterisch und redaktionell

mitbestimmt. | We wish to express our gratitude to Kathrin

Schmuck, a valued former employee whose dedicated efforts

in creating this book have influenced it conceptually, creatively

and editorially.

Nicht zuletzt gilt unser herzlicher Dank allen Mitarbeiter*innen,

die über die Jahre hinweg maßgeblich zum Erfolg unseres

Büros beigetragen haben. Außerdem danken wir dem Landschaftsarchitekten

Helmut Hornstein für die konstruktive Zusammenarbeit

bei unzähligen Projekten. Bei allen hier nicht

genannten Bauherr*innen und Projektbeteiligten möchten wir

uns für das entgegengebrachte Vertrauen und die tatkräftige

Unterstützung bedanken. | Our heartfelt thanks extend not least

to all our employees, who have contributed significantly over

the years to the success of our office. Many thanks also to the

landscape architect Helmut Hornstein for the constructive

collaboration on countless projects. To all the clients and project

participants not mentioned here, we express our gratitude

for the confidence they have placed in us and for their vigorous

support.

Herausgeberin | Editor:

Lederer Ragnarsdóttir Oei GmbH & Co. KG

Kornbergstraße 36

70176 Stuttgart

Telefon + 49 (0) 711 22 55 06 0

Telefax + 49 (0) 711 22 55 06 22

mail@archlro.de

www.archlro.de

Verlag | Publisher:

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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische

Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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