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Junges Ehrenamt in der Hospizarbeit

Das Handbuch "Junges Ehrenamt in der Hospizarbeit – eine Zukunftsperspektive?!" gibt einen umfassenden Einblick in die Lebenswelt und die Motivation, die Wünsche und Erwartungen von jungen Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit und hilft z.B. den Hospizdiensten vor Ort, junge Menschen für dieses besondere Engagement zu gewinnen. Das Besondere am Handbuch ist, dass viele Kapitel von jungen Engagierten der Hospizbewegung geschrieben wurden. Sie bringen so ihre Erfahrungen und Erwartungen zum Ausdruck und geben authentische wie fundierte Empfehlungen. Das Buch macht Lust auf die Auseinandersetzung mit jungen Menschen und eröffnet auch die Perspektive auf weitere Zielgruppen.

Das Handbuch "Junges Ehrenamt in der Hospizarbeit – eine Zukunftsperspektive?!" gibt einen umfassenden Einblick in die Lebenswelt und die Motivation, die Wünsche und Erwartungen von jungen Ehrenamtlichen in der Hospizarbeit und hilft z.B. den Hospizdiensten vor Ort, junge Menschen für dieses besondere Engagement zu gewinnen.

Das Besondere am Handbuch ist, dass viele Kapitel von jungen Engagierten der Hospizbewegung geschrieben wurden. Sie bringen so ihre Erfahrungen und Erwartungen zum Ausdruck und geben authentische wie fundierte Empfehlungen. Das Buch macht Lust auf die Auseinandersetzung mit jungen Menschen und eröffnet auch die Perspektive auf weitere Zielgruppen.

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Deutscher Hospiz- und<br />

PalliativVerband e.V.<br />

<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> –<br />

e<strong>in</strong>e Zukunftsperspektive?!<br />

E<strong>in</strong> Handbuch zur Weiterentwicklung des <strong>Ehrenamt</strong>es


Inhalt<br />

Grußworte ................................................................... 3<br />

E<strong>in</strong>leitung .................................................................... 6<br />

Wie alles begann ......................................................... 7<br />

Die Autor*<strong>in</strong>nen .......................................................... 10<br />

Junge Menschen und das <strong>Ehrenamt</strong> ........................ 14<br />

Lebensumstände ........................................................ 15<br />

Motivation und Motive ................................................ 16<br />

Erwartungen an Rahmenbed<strong>in</strong>gungen ........................ 17<br />

Interkulturelle und <strong>in</strong>terreligiöse Perspektiven .............. 18<br />

Das junge <strong>Ehrenamt</strong> – e<strong>in</strong> Generationenkonflikt? ........ 19<br />

Anerkennung und Mehrwert ..................................... 20<br />

Öffentlichkeitsarbeit .................................................. 23<br />

Social Media – Soziale Netzwerke .............................. 24<br />

Klassische Kanäle <strong>der</strong> Öffentlichkeitsarbeit ................. 26<br />

E<strong>in</strong>stieg und Begleitung ........................................... 28<br />

E<strong>in</strong>stiegsphase ........................................................... 28<br />

Vorbereitungskurs ....................................................... 30<br />

Vielfalt <strong>der</strong> Tätigkeitsfel<strong>der</strong> ....................................... 32<br />

Vernetzung ................................................................. 34<br />

Vernetzung und Kooperation ...................................... 34<br />

Austauch untere<strong>in</strong>an<strong>der</strong> .............................................. 35<br />

<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong> und die Zukunft des<br />

<strong>Ehrenamt</strong>es <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospizbewegung ....................... 36<br />

Impressum<br />

Deutscher Hospiz- und<br />

PalliativVerband e. V. (DHPV)<br />

Unter <strong>der</strong> Mitarbeit von<br />

Liane Backof<br />

Christ<strong>in</strong>e Edelmann<br />

Derya Eyidöner<br />

Sarah Gansau<br />

Joshua Henke<br />

Jason Jochem<br />

Roswitha Kreßner<br />

Nad<strong>in</strong>e Kreuser<br />

Katja Maus<br />

Marcel Zettier<br />

Das Handbuch ist <strong>in</strong> digitaler Form<br />

auf www.dhpv.de/aktuelles_<br />

broschueren.html abrufbar.<br />

Gedruckte Handbücher können<br />

hier angefor<strong>der</strong>t werden:<br />

<strong>in</strong>fo@dhpv.de<br />

Lektorat: Dr. Anne Blaudzun<br />

www.anneblaudzun.de<br />

Illustration: Vera Brüggemann<br />

www.verabrueggemann.de<br />

Layout: Greive Kommunikation + Design<br />

wwwhelgegreive.de<br />

Druck: Onl<strong>in</strong>epr<strong>in</strong>ters<br />

www.onl<strong>in</strong>epr<strong>in</strong>ters.de<br />

Juli 2021<br />

Ausblick ..................................................................... 38<br />

Danksagung und Kontakt ......................................... 39<br />

Anhang<br />

Anhang A | Fortbildungse<strong>in</strong>heit ................................... 40<br />

Anhang B | Projekt des Malteser-Hilfsdienstes<br />

<strong>in</strong> Kooperation mit dem DHPV .................................... 43<br />

Anhang C | DHPV-Verbundstudie ............................... 45<br />

Im Rahmen <strong>der</strong><br />

Quellen ....................................................................... 50<br />

2


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Grußworte<br />

Deutscher Hospiz- und<br />

PalliativVerband e.V.<br />

Grußwort von Prof. Dr. W<strong>in</strong>fried Hard<strong>in</strong>ghaus<br />

Unsere Gesellschaft wird älter und vielfältiger. Vor diesem<br />

H<strong>in</strong>tergrund müssen sich auch die <strong>Hospizarbeit</strong> und hier<br />

vor allem das <strong>Ehrenamt</strong> wandeln. Um auch <strong>in</strong> Zukunft den<br />

Bedürfnissen schwerstkranker und sterben<strong>der</strong> Menschen<br />

gerecht zu werden und sie gut begleiten zu können, brauchen<br />

wir vermehrt Menschen mit Migrationserfahrung,<br />

mehr Männer und eben auch junge Menschen, die ihre Erfahrungen<br />

<strong>in</strong> die hospizliche Begleitung e<strong>in</strong>br<strong>in</strong>gen.<br />

Ausgehend von e<strong>in</strong>er vom DHPV <strong>in</strong> Auftrag gegebenen,<br />

groß angelegten <strong>Ehrenamt</strong>sstudie aus dem Jahr 2018 ist <strong>in</strong><br />

den letzten Jahren vor allem auch mit Blick auf junge Menschen<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> viel passiert. Anfang 2019 startete<br />

unter <strong>der</strong> Fe<strong>der</strong>führung des DHPV und geför<strong>der</strong>t vom<br />

Bundesfamilienm<strong>in</strong>isterium das Projekt „<strong>Hospizarbeit</strong> und<br />

ehrenamtliches Engagement – Weiterentwicklung und Zukunftsperspektiven“.<br />

Beim offiziellen Auftakt im April 2019<br />

sprach die damalige Familienm<strong>in</strong>ister<strong>in</strong> Franziska Giffey<br />

fast e<strong>in</strong>hun<strong>der</strong>t jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen aus allen Bundeslän<strong>der</strong>n<br />

ihre Anerkennung aus und verlieh Urkunden.<br />

Das jetzt vorliegende Handbuch, welches ebenfalls geme<strong>in</strong>sam<br />

mit jenen jungen Menschen erarbeitet worden ist,<br />

die die Hospizbewegung von ihren Grün<strong>der</strong>*<strong>in</strong>nen übernehmen<br />

und weiterführen werden, gibt uns e<strong>in</strong>en umfassenden<br />

E<strong>in</strong>blick <strong>in</strong> die Lebenswelt und die Motivation, die<br />

Wünsche und Erwartungen von jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen. Es<br />

hilft nicht nur den E<strong>in</strong>richtungen vor Ort, junge Menschen<br />

für die <strong>Hospizarbeit</strong> zu gew<strong>in</strong>nen, es ist auch für die Träger<br />

<strong>der</strong> Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterben<strong>der</strong><br />

Menschen <strong>in</strong> Deutschland e<strong>in</strong> wichtiger Aufschlag, um dieses<br />

für die Zukunft <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> so elementare Thema<br />

weiter vorzubr<strong>in</strong>gen.<br />

Für diese wichtigen Impulse gilt allen an diesem Handbuch<br />

beteiligten jungen ehrenamtlichen Kolleg*<strong>in</strong>nen me<strong>in</strong> herzlicher<br />

Dank!<br />

Es folgten e<strong>in</strong> Expertenforum sowie Austauschtreffen mit<br />

jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen, um aus erster Hand zu erfahren,<br />

welche Rahmenbed<strong>in</strong>gungen, welche Motivation und welche<br />

Anerkennungskultur es braucht, um noch mehr junge<br />

Menschen für das hospizliche <strong>Ehrenamt</strong> zu gew<strong>in</strong>nen.<br />

Und last but not least wurde die AG <strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong> gegründet,<br />

<strong>der</strong>en Mitglie<strong>der</strong> – alles junge Menschen unter 30<br />

– unsere Bemühungen um e<strong>in</strong>e Erneuerung des hospizlichen<br />

<strong>Ehrenamt</strong>s seither mit ihren eigenen Erfahrungen<br />

bereichern und unterstützen. E<strong>in</strong> erstes Ergebnis dieser<br />

fruchtbaren Zusammenarbeit war <strong>der</strong> Kurzfilm „Ich begleite<br />

(sterbende) Menschen“, <strong>der</strong> über die Social-Media-Kanäle<br />

des DHPV seit se<strong>in</strong>er Veröffentlichung im April 2021 mehr<br />

als e<strong>in</strong>e viertel Million Menschen erreicht hat.<br />

Prof. Dr. W<strong>in</strong>fried Hard<strong>in</strong>ghaus<br />

Vorsitzen<strong>der</strong> des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes<br />

3


Grußwort von Prof. Dr. Claudia Bausewe<strong>in</strong><br />

Es ist mir e<strong>in</strong> Anliegen, auch im Namen <strong>der</strong> Deutschen<br />

Gesellschaft für Palliativmediz<strong>in</strong> als Träger <strong>der</strong> Charta zur<br />

Betreuung schwerstkranker und sterben<strong>der</strong> Menschen <strong>in</strong><br />

Deutschland allen an diesem Handbuch Beteiligten me<strong>in</strong>en<br />

Dank auszusprechen, denn unsere geme<strong>in</strong>same Arbeit <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> Hospiz- und Palliativversorgung ist ohne ehrenamtliches<br />

Engagement undenkbar.<br />

Insofern teile ich die Freude über e<strong>in</strong>ige wesentliche Schritte<br />

zur Stärkung des Jungen <strong>Ehrenamt</strong>s <strong>in</strong> den vergangenen<br />

Jahren, von denen die Auszeichnung <strong>der</strong> 95 jungen<br />

<strong>Ehrenamt</strong>lichen im April 2019 <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong> e<strong>in</strong> beson<strong>der</strong>es<br />

Highlight und <strong>der</strong> Auftakt für viele weitere Entwicklungen<br />

und Prozesse war. Zu diesem Anlass erschien das Magaz<strong>in</strong><br />

zur <strong>Hospizarbeit</strong> und Palliativversorgung „Letzte Wege<br />

– Wenn das Leben Abschied nimmt“ mit e<strong>in</strong>em jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

auf dem Cover, es folgten das DHPV-Forum<br />

mit Expert<strong>in</strong>nen und Experten zum „Jungen <strong>Ehrenamt</strong>“ im<br />

September 2019 sowie diverse weitere Schritte bis zu dem<br />

kürzlich veröffentlichten ansprechenden Video „Ich begleite<br />

(sterbende) Menschen“. Herzlichen Glückwunsch zu alledem!<br />

Und da tun wir gut daran, uns <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e <strong>in</strong> dieser Zeit<br />

des Übergangs generationenübergreifend auszutauschen,<br />

<strong>in</strong> „Tandem“-Modellen mite<strong>in</strong>an<strong>der</strong> zu arbeiten, jungen<br />

Menschen erfahrene Ehren- wie auch Hauptamtliche <strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>er Art Mentor<strong>in</strong>g-Programm zur Seite zu stellen, ohne<br />

den Freiraum für eigene Erfahrungen e<strong>in</strong>zuengen, gleichzeitig<br />

aber auch den konstruktiv kritischen Diskurs zu ermöglichen.<br />

Nur so können wir uns geme<strong>in</strong>sam <strong>der</strong> Haltung<br />

annähern, die wir auch <strong>in</strong> Zukunft für grundlegend <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

Begleitung und Unterstützung von schwerstkranken und<br />

sterbenden Menschen halten.<br />

In diesem S<strong>in</strong>ne b<strong>in</strong> ich gespannt darauf, dieses Handbuch<br />

<strong>in</strong> Ruhe zu lesen.<br />

Denn diese jungen Menschen prägen mit ihrem Engagement<br />

das gesellschaftliche Mite<strong>in</strong>an<strong>der</strong> und zeigen „by the<br />

way“, dass die Begleitung Sterben<strong>der</strong> auch etwas mit Solidarität<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Gesellschaft zu tun hat. Gleichzeitig bilden sie<br />

ihre eigenen Netzwerke und vers<strong>in</strong>nbildlichen die Zukunft<br />

<strong>der</strong> Begleitung und Unterstützung von schwerstkranken<br />

Menschen.<br />

Doch ersche<strong>in</strong>t es mir zu kurz gegriffen, hier alle<strong>in</strong> das Alter<br />

<strong>in</strong> den Fokus zu rücken. Vielmehr s<strong>in</strong>d wir an e<strong>in</strong>em Punkt,<br />

an dem wir <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospiz- und Palliativversorgung auch<br />

e<strong>in</strong>en anstehenden Generationenwechsel zu spüren beg<strong>in</strong>nen.<br />

Die DGP beispielsweise wurde vor 27 Jahren von<br />

Pionier<strong>in</strong>nen und Pionieren <strong>der</strong> Palliativmediz<strong>in</strong> gegründet,<br />

von denen die e<strong>in</strong>e o<strong>der</strong> <strong>der</strong> an<strong>der</strong>e bereits den Staffelstab<br />

an Jüngere übergeben hat o<strong>der</strong> <strong>in</strong> wenigen Jahren weiterreichen<br />

wird.<br />

Nicht von ungefähr hat sich <strong>in</strong> <strong>der</strong> DGP im vergangenen<br />

Jahr die Arbeitsgruppe „Junge DGP“ gegründet, <strong>der</strong>en<br />

hoch motivierte Mitglie<strong>der</strong> im Alter von Ende 20 bzw. Anfang<br />

30 ihre Vorstellungen von e<strong>in</strong>er gesellschaftlichen Verantwortung<br />

für schwerstkranke und sterbende Menschen<br />

formulieren und Voraussetzungen bzw. Kriterien benennen,<br />

die für e<strong>in</strong>e qualitativ hochwertige Hospiz- und Palliativversorgung<br />

unter heutigen Rahmenbed<strong>in</strong>gungen notwendig<br />

ersche<strong>in</strong>en.<br />

Prof. Dr. Claudia Bausewe<strong>in</strong><br />

Präsident<strong>in</strong> <strong>der</strong> Deutschen Gesellschaft für Palliativmediz<strong>in</strong><br />

4


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Grußwort von Dr. Josef Mischo<br />

Vor e<strong>in</strong>igen Jahren schrieb die australische Autor<strong>in</strong> und<br />

Songwriter<strong>in</strong> Bronnie Ware ihre Erfahrungen nie<strong>der</strong>, die sie<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Betreuung schwerstkranker und sterben<strong>der</strong> Menschen<br />

gesammelt hatte. Schnell hatte sich gezeigt, dass<br />

die Begegnung mit Menschen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Endphase ihres Lebens<br />

zu tiefen E<strong>in</strong>sichten und Erkenntnissen führt, - dass<br />

sich hier e<strong>in</strong> großer Gew<strong>in</strong>n auch für das eigene Leben und<br />

den Umgang mit all se<strong>in</strong>en Höhen und Tiefen ergibt. Das<br />

Buch von Bronnie Ware „5 D<strong>in</strong>ge, die Sterbende am meisten<br />

bereuen – E<strong>in</strong>sichten, die ihr Leben verän<strong>der</strong>n werden“<br />

wurde e<strong>in</strong> Welterfolg und letztlich <strong>in</strong> 27 Sprachen übersetzt.<br />

Die wertvollen Erfahrungen von Bronnie Ware werden von<br />

allen bestätigt, die sich <strong>in</strong> <strong>der</strong> Betreuung Schwerstkranker<br />

und Sterben<strong>der</strong> engagieren. Die ehrenamtliche Begleitung<br />

ist e<strong>in</strong> Gew<strong>in</strong>n für die Menschen am Lebensende und für<br />

diejenigen, die sich helfend und unterstützend e<strong>in</strong>br<strong>in</strong>gen.<br />

Sie ist Bestandteil e<strong>in</strong>er ganzheitlichen und multiprofessionellen<br />

Hospiz- und Palliativversorgung.<br />

Das ehrenamtliche Engagement <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> hat<br />

das Selbstverständnis <strong>in</strong> <strong>der</strong> Palliativversorgung <strong>in</strong> den<br />

vergangenen mehr als 30 Jahren maßgeblich mitgeprägt.<br />

Vielfältige ehrenamtliche Begleitungsformen haben sich im<br />

H<strong>in</strong>blick auf die Betreuung und Versorgung von schwerstkranken<br />

und sterbenden Menschen <strong>in</strong>zwischen etablieren<br />

können. Gleichwohl wird <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e die Gew<strong>in</strong>nung<br />

neuer, auch jüngerer, <strong>Ehrenamt</strong>licher e<strong>in</strong>e fortlaufende Aufgabe<br />

bleiben. E<strong>in</strong>e Herausfor<strong>der</strong>ung für die Gew<strong>in</strong>nung<br />

<strong>Ehrenamt</strong>licher besteht dar<strong>in</strong>, die verschiedenen und vielfältigen<br />

E<strong>in</strong>satzmöglichkeiten bei <strong>der</strong> Begleitung von bei<br />

schwerstkranken und sterbenden Menschen noch stärker<br />

als bisher <strong>in</strong> <strong>der</strong> Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dabei<br />

können auch persönliche Erfahrungsberichte Motivation<br />

und Interesse wecken.<br />

Dr. med. Josef Mischo<br />

Vorstandsmitglied und Palliativbeauftragter <strong>der</strong><br />

Bundesärztekammer, Präsident <strong>der</strong> Ärztekammer des Saarlandes<br />

Es gilt, das Bewusstse<strong>in</strong> wach zu halten, dass das Sterben<br />

<strong>in</strong> die Mitte unserer Gesellschaft gehört. Dafür wird sich<br />

auch weiterh<strong>in</strong> die Bundesärztekammer e<strong>in</strong>setzen.<br />

Das vorgelegte Handbuch leistet e<strong>in</strong>en wesentlichen und<br />

orientierenden Beitrag zur Gew<strong>in</strong>nung <strong>Ehrenamt</strong>licher für<br />

die vielfältigen E<strong>in</strong>satzgebiete <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospiz- und Palliativversorgung.<br />

Allen, die hier mitgewirkt und sich engagiert<br />

haben, sage auch ich herzlichen Dank!<br />

5


E<strong>in</strong>leitung<br />

Das ehrenamtliche Engagement spielt <strong>in</strong> vielen Bereichen<br />

des gesellschaftlichen Lebens e<strong>in</strong>e wichtige Rolle - ebenso<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>. Dort hat das <strong>Ehrenamt</strong> seit <strong>der</strong> Entstehung<br />

<strong>der</strong> Hospizbewegung e<strong>in</strong>e zentrale Funktion und<br />

ist maßgeblich für <strong>der</strong>en Selbstverständnis und Wirkmächtigkeit.<br />

Der seit Jahren erkennbare gesellschaftliche Strukturwandel<br />

im <strong>Ehrenamt</strong> macht auch vor <strong>der</strong> hospizlichen<br />

Arbeit nicht Halt und bee<strong>in</strong>flusst sie. Dieser Entwicklung<br />

widmet sich dieses Handbuch: Es zeigt am Beispiel des<br />

jungen <strong>Ehrenamt</strong>es Möglichkeiten auf, wie ehrenamtliche<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> nachhaltig unterstützt und geför<strong>der</strong>t werden<br />

kann.<br />

E<strong>in</strong>leitend wird <strong>der</strong> Entstehungskontext dieses Buches<br />

erläutert, denn ausschlaggebend für diese Publikation ist<br />

das vom Bundesm<strong>in</strong>isteriums für Familie, Senioren, Frauen<br />

und Jugend (BMFSFJ) geför<strong>der</strong>te Projekt des Deutschen<br />

Hospiz- und PalliativVerbandes e.V. vor dem H<strong>in</strong>tergrund<br />

<strong>der</strong> Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterben<strong>der</strong><br />

Menschen <strong>in</strong> Deutschland, die neben dem DHPV<br />

auch von <strong>der</strong> Bundesärztekammer (BÄK) und <strong>der</strong> Deutsche<br />

Gesellschaft für Palliativmediz<strong>in</strong> (DGP) getragen wird.<br />

Als wissenschaftliche Grundlage für die aktuelle Situation<br />

im <strong>Ehrenamt</strong> dient die aussagekräftige Studie des DHPV<br />

„<strong>Ehrenamt</strong>lichkeit und bürgerschaftliches Engagement <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> (EbEH) – Merkmale, Entwicklungen und<br />

Zukunftsperspektiven“, die mit zentralen Aussagen vorgestellt<br />

wird.<br />

Als wesentliches Element wird die Zielgruppe „junge Menschen“<br />

charakterisiert und mit ihren Motiven im, Erwartungen<br />

an und Perspektiven auf e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> beschrieben.<br />

Darauf aufbauend folgen konkrete Vorschläge für verschiedene<br />

Bereiche, wie Öffentlichkeitsarbeit, E<strong>in</strong>stiegs- und<br />

Kennenlern-Angebote, Beteiligungsmöglichkeiten und Vernetzung,<br />

die e<strong>in</strong>e Orientierung geben, wie Jugendliche und<br />

junge Erwachsene Zugang zum freiwilligen Engagement<br />

f<strong>in</strong>den und sich aktiv e<strong>in</strong>br<strong>in</strong>gen können.<br />

Die dargestellte Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung mit dem jungen <strong>Ehrenamt</strong><br />

bildet e<strong>in</strong>e gute Basis, um die gesamte Hospizbewegung<br />

für Öffnung und Vielfalt zu sensibilisieren, neue<br />

Konzepte <strong>der</strong> Anerkennung und Gew<strong>in</strong>nung <strong>Ehrenamt</strong>licher<br />

zu entwickeln und damit zukunftsfähig zu gestalten.<br />

Sie för<strong>der</strong>t zudem e<strong>in</strong> notwendiges Diversitätsbewusstse<strong>in</strong>.<br />

1)<br />

Das Beson<strong>der</strong>e am „Handbuch des DHPV zur Weiterentwicklung<br />

des <strong>Ehrenamt</strong>es“ ist, dass viele Kapitel von<br />

jungen Engagierten <strong>der</strong> Hospizbewegung geschrieben<br />

wurden. Sie br<strong>in</strong>gen mit eigenen Worten ihre Erfahrungen<br />

und Erwartungen zum Ausdruck und geben damit authentische<br />

wie fundierte Empfehlungen.<br />

6<br />

1) „[…] jenseits unternehmerischer Leistungsorientierung erfolgt mit Diversitätsbewusstse<strong>in</strong> e<strong>in</strong>e Umgestaltung bisheriger Denk- und Handlungsmuster durch<br />

e<strong>in</strong>e kritische Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung mit E<strong>in</strong>- und Ausschlussmechanismen <strong>in</strong>nerhalb von Organisationen, Unternehmen, Vere<strong>in</strong>en, Freundeskreisen etc. Tatsächlich<br />

vorhandene Verschiedenheiten und Geme<strong>in</strong>samkeiten sollen bewusster wahrgenommen und nicht als defizitär behandelt, son<strong>der</strong>n als unterschiedliche<br />

Erfahrungen und Lebenswelten anerkannt werden.“<br />

Aus: Landesjugendr<strong>in</strong>g Berl<strong>in</strong>, 2013; zitiert <strong>in</strong>: Landesfreiwilligenagentur Berl<strong>in</strong>: Instrumente <strong>der</strong> Anerkennung, 2015, S. 10.


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Wie alles begann<br />

Das ehrenamtliche Engagement <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> hat<br />

das Selbstverständnis <strong>der</strong> Hospizbewegung und <strong>der</strong> Palliativversorgung<br />

<strong>in</strong> den vergangenen mehr als 30 Jahren<br />

maßgeblich mitgeprägt. Es unterliegt <strong>der</strong>zeit e<strong>in</strong>em Strukturwandel<br />

und es wird deutlich, dass sich die <strong>Hospizarbeit</strong><br />

und Palliativversorgung mit gesellschaftlichen Verän<strong>der</strong>ungen<br />

und Herausfor<strong>der</strong>ungen, aber auch den verän<strong>der</strong>ten<br />

Rahmenbed<strong>in</strong>gungen ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzen muss, will sie<br />

ihre Funktion bewahren. E<strong>in</strong>e Reaktion darauf ist e<strong>in</strong> Wandel<br />

im <strong>Ehrenamt</strong> – h<strong>in</strong> zu mehr Heterogenität, Vielfalt und<br />

Flexibilität, um auch an<strong>der</strong>e Zielgruppen zu erreichen.<br />

Mit dieser Überzeugung und auf Grundlage <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>sstudie<br />

des DHPV wurde dieses Projekt entwickelt.<br />

Anfang 2019 fiel <strong>der</strong> Startschuss. Unter <strong>der</strong> Fe<strong>der</strong>führung<br />

des DHPV wurde bis Mitte 2021 das geme<strong>in</strong>same Vorhaben<br />

umgesetzt – die Zukunftsperspektive des (jungen)<br />

<strong>Ehrenamt</strong>es <strong>in</strong> diesem wichtigen zivilgesellschaftlichen Bereich<br />

aktiv zu stärken und mitzugestalten.<br />

ist diese <strong>in</strong> <strong>der</strong> Bevölkerung verankert? Welche Bedeutung<br />

hat sie <strong>in</strong> <strong>der</strong> palliativen Versorgung? Wie kann auch <strong>in</strong> Zukunft<br />

das hohe Potenzial von Menschen, die generell zu<br />

ehrenamtlichem Engagement bereit wären, für die Hospizbewegung<br />

genutzt werden?<br />

Das Forschungsziel bestand für die Praxis dar<strong>in</strong>, ehrenamtliche<br />

Arbeit und damit die Hospizvere<strong>in</strong>e als Organisationsform<br />

bürgerschaftlichen Engagements und <strong>Ehrenamt</strong>lichkeit<br />

zu stärken. Dazu haben die Teilprojekte <strong>der</strong> Studie<br />

Fragen zu E<strong>in</strong>stellungen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Bevölkerung zur ehrenamtlichen<br />

Unterstützung Sterben<strong>der</strong>, die Sicht von Hausärzten<br />

und Pflegediensten, die Erfahrungen <strong>Ehrenamt</strong>licher sowie<br />

den Zusammenhang von <strong>Ehrenamt</strong> und Zugangsgerechtigkeit<br />

verfolgt.<br />

An dieser Stelle werden nur ausgewählte Ergebnisse und<br />

Aspekte angeführt, die als Grundlage <strong>der</strong> Konzeptionierung<br />

des Moduls relevant waren.<br />

Kurzvorstellung <strong>der</strong> Ergebnisse <strong>der</strong><br />

DHPV <strong>Ehrenamt</strong>sstudie 2)<br />

<strong>Ehrenamt</strong>lichkeit und bürgerschaftliches Engagement<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> (EbEH) – Merkmale,<br />

Entwicklungen und Zukunftsperspektiven 3)<br />

H<strong>in</strong>tergrund<br />

Die Hospizbewegung als „soziale Bewegung“ hat <strong>in</strong><br />

Deutschland <strong>in</strong> den letzten Jahrzehnten zu e<strong>in</strong>em menschenwürdigeren<br />

Umgang mit Sterbenden und ihren Angehörigen<br />

beigetragen. Tragen<strong>der</strong> Boden dieser Verän<strong>der</strong>ung<br />

ist die <strong>Ehrenamt</strong>lichkeit. Auch diese hat sich <strong>in</strong> den<br />

letzten Jahren deutlich verän<strong>der</strong>t. Bisher wurde dem Komplex<br />

<strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichkeit allerd<strong>in</strong>gs wenig wissenschaftliche<br />

Aufmerksamkeit geschenkt. Um wichtige Grundlagen<br />

für die Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung des Engagements<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Bevölkerung für sterbende Menschen<br />

zu schaffen, bedarf es dr<strong>in</strong>gend dieser wissenschaftlichen<br />

Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung. Hier setzt die vom Deutschen Hospiz-<br />

und PalliativVerband (DHPV) <strong>in</strong>itiierte und geför<strong>der</strong>te<br />

Verbundstudie „<strong>Ehrenamt</strong>lichkeit und bürgerschaftliches<br />

Engagement <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> – Merkmale, Entwicklungen<br />

und Zukunftsperspektiven“ an.<br />

Die Ergebnisse <strong>der</strong> Studie stellen e<strong>in</strong> tragfähiges empirisches<br />

Fundament für die Weiterentwicklung <strong>der</strong> Hospizpraxis<br />

und Hospizkultur dar. Zentrale Fragen waren: Inwieweit<br />

ist die Hospizbewegung noch Bürgerbewegung? Wie<br />

Ergebnisse <strong>der</strong> (teil-)standardisierten<br />

Onl<strong>in</strong>e-Befragung <strong>der</strong> Hospizkoord<strong>in</strong>ator*<strong>in</strong>nen<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> ist homogen.<br />

Die Landschaft <strong>der</strong> ambulanten Hospizdienste <strong>in</strong> Deutschland<br />

charakterisiert sich im Wesentlichen als weibliche,<br />

mittelschichtbasierte Organisationspraxis, die (immer<br />

noch) überwiegend von Frauen <strong>in</strong> <strong>der</strong> späten Erwerbsbzw.<br />

Nacherwerbsphase getragen wird. Nach Auskunft<br />

<strong>der</strong> Koord<strong>in</strong>ator*<strong>in</strong>nen s<strong>in</strong>d die <strong>Ehrenamt</strong>lichen im Durchschnitt<br />

über alle Dienste h<strong>in</strong>weg mehrheitlich weiblich (Verhältnis<br />

6:1) und bef<strong>in</strong>den sich größtenteils im Alter zwischen<br />

51 und 70 Jahren. Die meisten von ihnen haben<br />

e<strong>in</strong>en Realschulabschluss o<strong>der</strong> die Fachhochschulreife<br />

bzw. das Abitur. Die Koord<strong>in</strong>ator*<strong>in</strong>nen (über 90 % Frauen)<br />

als ‚Gate-Keeper‘ und zentrale Organisationslenker*<strong>in</strong>nen<br />

rekrutieren sich sogar noch deutlicher aus <strong>der</strong> (gehobenen)<br />

Mittelschicht: Über die Hälfte von ihnen hat Abitur bzw.<br />

(Fach-)Hochschulreife, fast 40 % haben Mittlere Reife. Ihre<br />

Altersstruktur gleicht denen <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichen: zu 65,2 %<br />

s<strong>in</strong>d sie zwischen 46 und 60 Jahre alt, 24,3 % s<strong>in</strong>d älter<br />

als 61 und nur 10,1 % s<strong>in</strong>d zwischen 30 und 45 Jahre alt.<br />

Vor allem die gesellschaftliche Mitte begleitet und wird begleitet<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> versteht sich als offen für jeden, <strong>der</strong> sich ehrenamtlich<br />

engagieren will, ebenso wie sie sich als Unterstützungsangebot<br />

grundsätzlich an jeden richtet, <strong>der</strong> Hil-<br />

2) Vertiefende Ergebnisse bietet <strong>der</strong> Anhang C.<br />

3) Vgl. DHPV: Ergebnispräsentation, 2018.<br />

7


fe und Begleitung <strong>in</strong> <strong>der</strong> existenziellen Lebenskrise von<br />

schwerer Krankheit und Sterben benötigt. Fragt man jedoch<br />

nach dem sozialen Status <strong>der</strong> Begleiteten, so ordnen<br />

die Koord<strong>in</strong>ator<strong>in</strong>nen und Koord<strong>in</strong>atoren diese überwiegend<br />

<strong>der</strong> gesellschaftlichen Mitte zu. Begleitungen im<br />

sog. „gesellschaftlichen Unten“ wie im „gesellschaftlichen<br />

Oben“ kommen zwar vor, s<strong>in</strong>d aber nicht <strong>der</strong> Regelfall.<br />

Insgesamt zeigt sich, dass e<strong>in</strong> Wandel im <strong>Ehrenamt</strong> h<strong>in</strong><br />

zu mehr Heterogenität und Offenheit <strong>in</strong> <strong>der</strong> hospizlichen<br />

Organisationsstruktur wie Organisationskultur und <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

ehrenamtlichen Praxis noch am Anfang steht.<br />

H<strong>in</strong><strong>der</strong>nisse für Engagement<br />

Allerd<strong>in</strong>gs gibt es bei vielen potenziellen Begleiter<strong>in</strong>nen und<br />

Begleitern auch starke H<strong>in</strong><strong>der</strong>nisse für e<strong>in</strong> solches Engagement<br />

wie Zeitmangel (45 %) o<strong>der</strong> Nicht-Vere<strong>in</strong>barkeit<br />

mit dem Beruf (29 %). Bei e<strong>in</strong>em Ausschluss all jener Interessierten,<br />

die von schwerwiegenden H<strong>in</strong><strong>der</strong>ungsgründen<br />

betroffen wären, verr<strong>in</strong>gert sich <strong>der</strong> Kreis auf e<strong>in</strong> erreichbares<br />

Potenzial von 3 % <strong>der</strong> Bevölkerung. Erreichbar wären<br />

überdurchschnittlich häufig Westdeutsche, Frauen, Personen<br />

<strong>in</strong> fortgeschrittenen Lebensphasen, <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e<br />

ältere alle<strong>in</strong>stehende Mütter, Personen mit mittlerem o<strong>der</strong><br />

e<strong>in</strong>fachem sozialem Status und Kirchennähe. Von großer<br />

Bedeutung wäre zudem, dass die möglichen Freiwilligen<br />

das Sterben von Angehörigen o<strong>der</strong> Freunden schon e<strong>in</strong>mal<br />

miterlebt haben.<br />

Fazit<br />

Weit mehr als die bisher Engagierten können sich e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbebegleitung vorstellen. Diese Potenziale<br />

müssen noch stärker gewonnen werden, wobei auch<br />

die Bedeutung von Nachbarschaften und Freundschaften<br />

sowie e<strong>in</strong>e Öffnung <strong>der</strong> Tätigkeiten, <strong>der</strong> Engagementmöglichkeiten<br />

für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und<br />

Schichten/Milieus mit e<strong>in</strong>zubeziehen ist.<br />

Wichtige Schlüsselpersonen für die Vermittlung von Hospizangeboten<br />

s<strong>in</strong>d dabei vor allem Professionelle: Ärzte<br />

und Pflegedienste s<strong>in</strong>d jedoch ambivalent <strong>in</strong> <strong>der</strong> Wahrnehmung<br />

von <strong>Ehrenamt</strong> – hier braucht es mehr Bewusstse<strong>in</strong><br />

pro <strong>Ehrenamt</strong>.<br />

Das erste Modul<br />

Diskussion im Plenum<br />

Fachlicher Input<br />

Auszeichnungsveranstaltung<br />

<strong>in</strong><br />

Berl<strong>in</strong> mit<br />

100 jungen<br />

<strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

Austausch<br />

1. Austauschtreffen<br />

<strong>der</strong> jungen<br />

<strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

Erwartungen/Motivation<br />

Austausch<br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

Auswertung<br />

Gründung e<strong>in</strong>er AG <strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

2. Austauschtreffen<br />

<strong>der</strong> jungen<br />

<strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

Fachlicher Input<br />

Bedeutung für Struktur und Hauptamt<br />

Expert*<strong>in</strong>nenforum<br />

Gew<strong>in</strong>nung neuer <strong>Ehrenamt</strong>licher<br />

Austausch zw. allen Ebenen<br />

8


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Mit dem Ziel, die Entwicklung des <strong>Ehrenamt</strong>es <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong><br />

und die Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung damit weitervoranzubr<strong>in</strong>gen,<br />

war das Projekt darauf ausgelegt, verschiedene<br />

Zielgruppen wie junge <strong>Ehrenamt</strong>liche und <strong>Ehrenamt</strong>liche<br />

<strong>in</strong> stationären Pflegee<strong>in</strong>richtungen <strong>in</strong> den Blick zu nehmen<br />

und <strong>der</strong>en Bedarfe und Motive zu analysieren. Das erste<br />

Modul widmete sich den jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen, die als<br />

Auftakt zu e<strong>in</strong>er Auszeichnungsveranstaltung nach Berl<strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>geladen wurden.<br />

Die jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen empfanden die E<strong>in</strong>ladung zur<br />

und die Teilnahme an <strong>der</strong> Auszeichnungsveranstaltung mit<br />

<strong>der</strong> damaligen Bundesfamilienm<strong>in</strong>ister<strong>in</strong> Franziska Giffey<br />

als große Wertschätzung und es erfüllte sie mit Stolz. Die<br />

Absicht, das Engagement und die erworbenen Kompetenzen<br />

<strong>der</strong> jungen Menschen mit e<strong>in</strong>er Urkunde zu würdigen,<br />

erreichte ihr Ziel. Das hatte auch Auswirkungen für viele<br />

Hospizdienste, die die Ehrung ihrer jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

öffentlichkeitswirksam feierten. Nicht wenige verstanden<br />

die Urkundenverleihung als Anerkennung des gesamten<br />

<strong>Ehrenamt</strong>es <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> und Palliativversorgung.<br />

Die beiden Austauschtreffen <strong>der</strong> jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

wurden zu Highlights dieses Moduls. Die gute Sem<strong>in</strong>argestaltung<br />

(Inhalt, Bewirtung, Übernahme <strong>der</strong> Reisekosten,<br />

Atmosphäre), die ernstgeme<strong>in</strong>te Möglichkeit zur Partizipation,<br />

die Vernetzung, die Mitgestaltung an <strong>der</strong> Weiterentwicklung<br />

des <strong>Ehrenamt</strong>es und die neue Rolle als Multiplikator*<strong>in</strong><br />

führten zu e<strong>in</strong>er gesteigerten Motivation für dieses<br />

<strong>Ehrenamt</strong> auf allen Ebenen. Aus diesen Austauschtreffen<br />

gründete sich e<strong>in</strong>e feste Arbeitsgruppe des DHPV, die dieses<br />

Projekt begleitete.<br />

Das Expert*<strong>in</strong>nenforum öffnete mit se<strong>in</strong>em Schwerpunkt<br />

für Strukturen und Rahmenbed<strong>in</strong>gungen die Perspektive<br />

aller beteiligten Akteure und warf Fragen nach Verän<strong>der</strong>ungen<br />

auf. Braucht es e<strong>in</strong>en Anstoß zur Organisationsentwicklung?<br />

Wie kann die lokale Vernetzung geför<strong>der</strong>t<br />

werden und welche Aufgaben hat die Politik? Gewonnen<br />

wurden wertvolle und fundierte Erkenntnisse, die Stellschrauben<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Struktur und Organisation aufzeigen, um<br />

das <strong>Ehrenamt</strong> zukunftsweisend zu gestalten.<br />

E<strong>in</strong> Ergebnis des ersten Projektjahres s<strong>in</strong>d viele praktizierte<br />

Formen <strong>der</strong> Anerkennung, z. B.:<br />

• Partizipation<br />

• Feedbackkultur<br />

• Erfahrungsgew<strong>in</strong>n (für die berufliche und persönliche<br />

Weiterentwicklung)<br />

• geme<strong>in</strong>schaftsför<strong>der</strong>nde Anerkennung (Treffen, Austausch<br />

und Vernetzung)<br />

• öffentlichkeitswirksame Anerkennung (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,<br />

z. B. Magaz<strong>in</strong> „Letzte Wege – wenn<br />

das Leben Abschied nimmt“ 4) )<br />

• würdigende Anerkennung (Urkunde)<br />

• politische Instrumente <strong>der</strong> Anerkennung (Austausch,<br />

Kontakt zur Politik und Bundesverbänden)<br />

• offene, gleichberechtigte, wertschätzende Kommunikation<br />

und Interaktion<br />

• vertrauensvolle Atmosphäre<br />

• guter Informationsfluss<br />

• Aufwandsentschädigung (Reise- und teilweise Übernachtungskosten)<br />

Das zweite und dritte Modul<br />

Das zweite Modul, welches die <strong>Ehrenamt</strong>lichen <strong>in</strong> stationären<br />

Pflegee<strong>in</strong>richtungen <strong>in</strong> <strong>der</strong> gleichen Struktur wie im<br />

ersten Modul <strong>in</strong> den Mittelpunkt setzen sollte, musste aufgrund<br />

<strong>der</strong> Corona-Pandemie neu konzipiert werden, denn<br />

die gew<strong>in</strong>nbr<strong>in</strong>genden Veranstaltungen des ersten Jahres<br />

hätten unter den verän<strong>der</strong>ten Bed<strong>in</strong>gungen nicht wirken<br />

können und wären dem Anspruch nicht gerecht geworden.<br />

Die Entscheidung, das junge <strong>Ehrenamt</strong> weiterh<strong>in</strong> <strong>in</strong><br />

den Mittelpunkt zu stellen und an die bis dah<strong>in</strong> gewonnenen<br />

Ergebnisse weitere Schritte anzuschließen, hat sich<br />

letztendlich als richtiger Weg erwiesen. Im ersten Jahr ist<br />

e<strong>in</strong>e Dynamik bzgl. dieses Themas entstanden, die aufgegriffen<br />

und gefestigt wurde.<br />

Das dritte Modul war zeitlich auf fünf Monate beschränkt<br />

und widmete sich überwiegend <strong>der</strong> Verbreitung des im<br />

Projekt entstandenen Films, <strong>der</strong> Erstellung dieses Handbuches<br />

und <strong>der</strong> Zusammenführung aller Ergebnisse für e<strong>in</strong>en<br />

Projektabschluss.<br />

Folgende Ziele wurden verfolgt und mit entsprechenden<br />

Maßnahmen umgesetzt:<br />

• Sensibilisierung für die Zielgruppe des jungen <strong>Ehrenamt</strong>es<br />

und För<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung mit<br />

dieser Zielgruppe,<br />

• Konzeptentwicklung zur Ansprache von jungen Menschen<br />

außerhalb <strong>der</strong> Hospizbewegung und<br />

• Werbung für das <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbebegleitung.<br />

Die Entwicklung und Produktion des Kurzfilmes „Ich begleite<br />

(sterbende) Menschen“ 5) haben bei den Charta-Trägern<br />

noch e<strong>in</strong>mal den Blick geschärft, welche Ansprache und<br />

welche Bil<strong>der</strong> passend s<strong>in</strong>d, um junge Menschen zu erreichen,<br />

aufmerksam zu machen und abzuholen. Die Rückmeldungen<br />

zum Film waren durchweg positiv und es wurde<br />

das Ziel verwirklicht, junge Menschen anzusprechen,<br />

die mit <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> und Palliativversorgung noch ke<strong>in</strong>e<br />

o<strong>der</strong> wenige Berührungspunkte haben. Für e<strong>in</strong>ige war<br />

<strong>der</strong> Film <strong>der</strong> entscheidende Anstoß, um sich näher über<br />

das <strong>Ehrenamt</strong> zu <strong>in</strong>formieren und aktiv zu werden. In <strong>der</strong><br />

Hospizbewegung selbst wurde er als Wertschätzung für<br />

das gesamte <strong>Ehrenamt</strong> empfunden. Viele <strong>Ehrenamt</strong>liche<br />

f<strong>in</strong>den sich und ihr Engagement gut und authentisch abgebildet<br />

und damit gesehen und anerkannt.<br />

4) BMFSFJ: Letzte Wege, 2019.<br />

5) Film: https://www.youtube.com/watch?v=IxMhHhG7NnA/Homepage: www.ich-begleite.de<br />

9


Die Autor*<strong>in</strong>nen<br />

Wie bereits dargestellt gründete sich 2019 e<strong>in</strong>e Arbeitsgruppe<br />

von jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen, die das Projekt mit<br />

ihren Erfahrungen begleitete und die auch an diesem<br />

Handbuch mitarbeitete. Partizipation und Anerkennung<br />

bedeutet nicht nur, nach Interessen und Bedürfnissen zu<br />

fragen, son<strong>der</strong>n auch mitzugestalten und zu Wort kommen<br />

lassen. Die Zielgruppe, um die es hier geht, verschafft sich<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Publikation durch die DHPV-AG <strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Gehör und macht deutlich, was sie vom <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

<strong>Hospizarbeit</strong> erwartet und was sie dazu motiviert. In den<br />

Kapiteln, die von AG-Mitglie<strong>der</strong>n verfasst wurden, kommen<br />

Erfahrungen und Fachwissen zum Ausdruck, die <strong>in</strong><br />

Form von Tipps und Anregungen e<strong>in</strong>e gute Orientierung <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung mit jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen bietet.<br />

Die ehrenamtlichen Autor*<strong>in</strong>nen bereichern u. a. durch ihre<br />

beruflichen Perspektiven und Kompetenzen die Themen,<br />

aber auch die Haltung zu und das Verständnis von <strong>Hospizarbeit</strong><br />

zeigt sich e<strong>in</strong>drücklich <strong>in</strong> ihren O-Tönen. Ganz nach<br />

ihren Interessen und Anliegen haben sie sich die jeweiligen<br />

Kapitel ausgesucht und verfasst.<br />

Roswitha (28 Jahre)<br />

Wohnort: Bochum, Nordrhe<strong>in</strong>-Westfalen<br />

Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Beruf: MTLA, studiere jetzt aber Mediz<strong>in</strong>technik<br />

Me<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>: Begleitung/Betreuung<br />

„Das <strong>Ehrenamt</strong> ist für mich … – e<strong>in</strong>e wun<strong>der</strong>bare Bereicherung!“<br />

10


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Joshua (26 Jahre)<br />

Wohnort: Gaggenau/Michelbach, Baden-Württemberg<br />

Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Beruf: Lehrer<br />

Me<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>: Ich begleite Sterbende, trauernde und Abschied<br />

nehmende K<strong>in</strong><strong>der</strong>, Jugendliche und Erwachsene. Seit zwei Jahren b<strong>in</strong> ich Mitglied unseres<br />

Leitungsteams.<br />

„Das <strong>Ehrenamt</strong> ist für mich … e<strong>in</strong>e Bereicherung an Begegnungen und Erfahrungen.<br />

Ich habe das Gefühl, mit me<strong>in</strong>er Zeit etwas Gutes zu tun und mit me<strong>in</strong>em Da-Se<strong>in</strong><br />

an<strong>der</strong>en helfen zu können.“<br />

Christ<strong>in</strong>e (33 Jahre)<br />

Wohnort: Hildesheim, Nie<strong>der</strong>sachsen<br />

Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Beruf: promoviere die Hälfte me<strong>in</strong>er Zeit <strong>in</strong> Philosophie zur<br />

„Ästhetik des Buches“, bleibe beim Nebenjob auf dem Wochenmarkt mit <strong>der</strong> frischen<br />

Luft und den Mitmenschen <strong>in</strong> Kontakt, die an<strong>der</strong>e Hälfte <strong>der</strong> Wochenarbeitszeit b<strong>in</strong> ich<br />

mit e<strong>in</strong>er wissenschaftlichen Tätigkeit an <strong>der</strong> Universität (Hildesheim), zukünftig im Verlagsbereich<br />

o<strong>der</strong> vielleicht im Hospizbereich zu f<strong>in</strong>den<br />

Me<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>: Begleitung von K<strong>in</strong><strong>der</strong>n, Jugendlichen und <strong>der</strong>en<br />

Familien, Begleitung von Erwachsenen<br />

„Das <strong>Ehrenamt</strong> ist für mich etwas sehr Wertvolles und Bereicherndes!“<br />

Liane (29 Jahre)<br />

Wohnort: Kiel, Schleswig-Holste<strong>in</strong><br />

Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Beruf: Bachelor <strong>in</strong> BWL und VWL<br />

Me<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>: <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospiz<strong>in</strong>itiative tätig als ambulante<br />

Sterbebegleitung<br />

„Das <strong>Ehrenamt</strong> ist für mich … e<strong>in</strong>e Möglichkeit etwas zu geben und<br />

gleichzeitig viel für mich persönlich zu lernen.“<br />

11


Jason (20 Jahre)<br />

Wohnort: Detmold im schönen Kreis Lippe, Nordrhe<strong>in</strong>-Westfalen<br />

Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Beruf: Rettungssanitäter, Student <strong>der</strong><br />

Erziehungswissenschaften und Psychologie<br />

Me<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>: K<strong>in</strong><strong>der</strong>- und Jugendhospizarbeit,<br />

Sterbe- und Trauerbegleitung<br />

„<strong>Hospizarbeit</strong> ermöglicht e<strong>in</strong>em, se<strong>in</strong> eigenes Leben und sich selbst völlig neu<br />

kennenzulernen. Man lernt, dass je<strong>der</strong> Tag gelebt werden kann und se<strong>in</strong>em Wert<br />

hat und man spürt Wertschätzung und die Bedeutung von „Kle<strong>in</strong>igkeiten“‘,<br />

die dem Leben Wert geben.“<br />

Marcel (25 Jahre)<br />

Wohnort: Hildesheim, Nie<strong>der</strong>sachsen und Ostholste<strong>in</strong><br />

Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Beruf: Tischler <strong>in</strong> Weiterbildung (Meisterschule)<br />

Me<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>: Sterbebegleiter im ambulanten Hospizvere<strong>in</strong><br />

(Me<strong>in</strong>e ehrenamtliche Heimat ist e<strong>in</strong> kle<strong>in</strong>er ambulanter Hospizvere<strong>in</strong> an <strong>der</strong> holste<strong>in</strong>ischen<br />

Ostseeküste. Außer <strong>in</strong> <strong>der</strong> ambulanten Begleitung im häuslichen Umfeld o<strong>der</strong><br />

Pflegeheim, f<strong>in</strong>det man mich gelegentlich auch mit Akkuschrauber und Wasserwaage<br />

im Vere<strong>in</strong>sbüro.)<br />

„Das <strong>Ehrenamt</strong> ist für mich bis heute e<strong>in</strong> wichtiger Teil me<strong>in</strong>er persönlichen<br />

Entwicklung. Seither habe ich e<strong>in</strong>e verän<strong>der</strong>te Sicht auf die Welt, nicht nur im<br />

H<strong>in</strong>blick auf Leben und Tod. Ich b<strong>in</strong> fasz<strong>in</strong>iert von <strong>der</strong> Wirkung <strong>der</strong> bloßen<br />

Begegnung und schätze jede e<strong>in</strong>zelne.“<br />

Derya (28 Jahre)<br />

Wohnort: Hatt<strong>in</strong>gen, Nordrhe<strong>in</strong>-Westfalen<br />

Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Beruf: Bankkauffrau<br />

Me<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>: Begleitung<br />

„Das <strong>Ehrenamt</strong> ist für mich e<strong>in</strong>e Herzensangelegenheit. Sie bietet mir die Chance,<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Hospiz für Menschen <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er schwierigen Zeit da zu se<strong>in</strong> und sie zu<br />

unterstützen. Ihnen e<strong>in</strong> Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, e<strong>in</strong>e Schulter zum<br />

Anlehnen zu bieten und e<strong>in</strong> Ohr für die schönsten Geschichten aus ihrem Leben<br />

zu haben. Ich b<strong>in</strong> so dankbar für die Zeit, für all diese tollen Menschen!“<br />

12


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Nad<strong>in</strong>e (25 Jahre)<br />

Wohnort: Ahrweiler, Rhe<strong>in</strong>land-Pfalz<br />

Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Beruf: Studium Katholische Theologie und Jura, nebenher<br />

studentische Hilfskraft am Pastoraltheologischen Lehrstuhl; Gästeführer<strong>in</strong> im Regierungsbunker<br />

<strong>in</strong> Ahrweiler<br />

Me<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>: Vornehmlich b<strong>in</strong> ich im stationären Hospiz tätig.<br />

Dort gibt es vielfältige Aufgabenbereiche: vom Basteln zu Ostern o<strong>der</strong> Weihnachten,<br />

über Waffeln und Plätzchen backen, Bil<strong>der</strong> malen, Kürbisse schnitzen bis h<strong>in</strong> zu Spielenachmittagen.<br />

Darüber h<strong>in</strong>aus natürlich Gespräche und das „Da Se<strong>in</strong>“. Es ist also<br />

vieles dabei #buntesehrenamt. Daneben begleite ich auch manchmal ambulant. Me<strong>in</strong>e<br />

letzte Begleitung war e<strong>in</strong>e ältere Dame, mit <strong>der</strong> ich unheimlich gerne bei Kaffee und<br />

Kuchen lange Gespräche geführt habe. Wir besuchten ihren verstorbenen Mann auf<br />

dem Friedhof und g<strong>in</strong>gen zusammen e<strong>in</strong>kaufen.<br />

„E<strong>in</strong> Motto, dass mich <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> immer wie<strong>der</strong> begleitet, stützt und trägt:<br />

Vita mutatur non tollitur – das Leben wird verän<strong>der</strong>t, nicht genommen. Dies hilft<br />

mir unglaublich <strong>in</strong> me<strong>in</strong>er hospizlichen Arbeit. Da ist etwas, was danach kommt,<br />

was es auch se<strong>in</strong> mag.“<br />

Sarah (24 Jahre)<br />

Wohnort: Dortmund, Nordrhe<strong>in</strong>-Westfalen<br />

Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Beruf: Sozialarbeiter<strong>in</strong>, Jugendamt<br />

Me<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>: Ich b<strong>in</strong> tätig <strong>in</strong> <strong>der</strong> ambulanten Begleitung<br />

schwerstkranker, sterben<strong>der</strong> Personen.<br />

„Das <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> bedeutet für mich, Menschen auf e<strong>in</strong>er sehr<br />

persönlichen Ebene zu begegnen und Lebenserfahrung zu teilen. Es ist vielfältig<br />

und lehrreich. Es erfor<strong>der</strong>t Mut und diesen e<strong>in</strong>zusetzen, lohnt sich“.<br />

Katja (30 Jahre)<br />

Wohnort: Kreis Viersen (Nie<strong>der</strong>rhe<strong>in</strong>), Nordrhe<strong>in</strong>-Westfalen<br />

Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Beruf: Berufsausbildung zur Mediz<strong>in</strong>ischen Fachangestellten<br />

sowie Rettungssanitäter<strong>in</strong>; anschließendes Studium <strong>der</strong> (Son<strong>der</strong>-)Pädagogik.<br />

Aktuell b<strong>in</strong> ich als Doktorand<strong>in</strong> und wissenschaftliche Mitarbeiter<strong>in</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> Palliativmediz<strong>in</strong><br />

tätig.<br />

„Das <strong>Ehrenamt</strong> ist für mich … e<strong>in</strong>e äußerst wertvolle Ressource im<br />

alltäglichen Leben.*<br />

13


Junge Menschen und das <strong>Ehrenamt</strong><br />

Autor*<strong>in</strong>nen: Christ<strong>in</strong>e, Marcel<br />

Wie lässt sich die Zielgruppe „junge <strong>Ehrenamt</strong>liche“ beschreiben?<br />

Zwischen 18 und 30 Jahre alt. Jung. Bunt.<br />

Divers. Frei. Frech. Farbenfroh. Spontan. Flexibel. Onl<strong>in</strong>e.<br />

Vernetzt. Verlässlich. Kooperativ. Kommunikativ. Offen.<br />

Lust, sich zu engagieren. Stark e<strong>in</strong>gebunden (Ausbildung,<br />

Studium, Job, Freizeit, Freunde, Familie). Kreativ. Bewegen<br />

sich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em akademischen, sozialen, wirtschaftlichen,<br />

juristischen, handwerklichen o<strong>der</strong> mediz<strong>in</strong>ischen Umfeld.<br />

Diese Schlagworte geben e<strong>in</strong>en ersten blitzlichtartigen E<strong>in</strong>druck<br />

und lassen so erste Bil<strong>der</strong> entstehen.<br />

Bil<strong>der</strong>, die vielleicht mit Sorgen und Herausfor<strong>der</strong>ungen um<br />

die Zukunft des <strong>Ehrenamt</strong>es <strong>in</strong> Verb<strong>in</strong>dung stehen. Interessieren<br />

sich jungen Menschen noch für e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong>? Wie<br />

wirken sich wachsende Individualisierung, Mobilität und<br />

demographischer Wandel aus? Diesen Fragen stellt sich<br />

das <strong>Ehrenamt</strong> im Allgeme<strong>in</strong>en, das heißt das klassische<br />

<strong>Ehrenamt</strong> im Fußballvere<strong>in</strong>, bei <strong>der</strong> freiwilligen Feuerwehr,<br />

im Rettungsdienst, o<strong>der</strong> auch – und vielleicht weniger bekannt<br />

6) – das <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> Hospizdiensten und -vere<strong>in</strong>en.<br />

Laut Studien ist die Bereitschaft zum <strong>Ehrenamt</strong> bei jungen<br />

Menschen jedoch ungebrochen. Daneben zeigt sich,<br />

dass sich das Engagement dah<strong>in</strong>gehend verän<strong>der</strong>t, dass<br />

junge Menschen mehrere Engagements parallel ausüben,<br />

z. B. sich für den Naturschutz e<strong>in</strong>setzen und politisch aktiv<br />

s<strong>in</strong>d. 7) Aber die Bereitschaft zur Mitarbeit bei den etablierten<br />

Großträgern (wie Sportvere<strong>in</strong>e, Wohlfahrtsverbände,<br />

Gewerkschaften) ist rückläufig und Jugendliche s<strong>in</strong>d kaum<br />

noch bereit, sich dort zu engagieren, son<strong>der</strong>n wenden<br />

sich neuen Formen <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichkeit zu. Das „neue“<br />

<strong>Ehrenamt</strong> zeichnet sich aus durch Selbstorganisation, e<strong>in</strong><br />

höheres Ausmaß an Flexibilität, Interesse an <strong>der</strong> Bewältigung<br />

eigener Problemsituationen und politischem Verän-<br />

14<br />

6) Nach e<strong>in</strong>er repräsentativen Umfrage des Me<strong>in</strong>ungsforschungs<strong>in</strong>stituts YouGov Deutschland im Auftrag <strong>der</strong> Malteser <strong>in</strong> Kooperation mit dem DHPV und <strong>der</strong><br />

Universität Graz aus dem Jahr 2020 („Tod, Sterben und Trauer – (k)e<strong>in</strong> Thema für junge Menschen?“) haben 39 % <strong>der</strong> Befragten noch nie von den Angeboten<br />

<strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> gehört. 33 % haben zwar davon gehört, jedoch ohne sie zu kennen. Nur knapp je<strong>der</strong> Fünfte (18 %) gibt an, auch <strong>in</strong>haltliche Angebote <strong>der</strong><br />

<strong>Hospizarbeit</strong> zu kennen.<br />

Vgl. Malteser: Tod, Sterben und Trauer, 2020.<br />

7) Vgl. Bertelsmann: Zivilgesellschaft KONKRET, 2015; BMFSFJ: Freiwilligensurvey 2009, 2010.


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

<strong>der</strong>ungswillen. Es ist befristet, thematisch abgrenzbar und<br />

überschaubar und f<strong>in</strong>det <strong>in</strong> Projekten mit großen Gestaltungsspielräumen<br />

statt. 8) Zusätzlich f<strong>in</strong>det e<strong>in</strong> relevanter<br />

Anteil des <strong>Ehrenamt</strong>es junger Menschen <strong>in</strong>zwischen digital<br />

vermittelt statt. Der Vorteil wird dar<strong>in</strong> gesehen, dass sich<br />

freier für e<strong>in</strong> Wofür, Was und Wann entschieden werden<br />

kann und weil es vor Ort ke<strong>in</strong>e passende Engagementmöglichkeit<br />

gibt. Da ist allerd<strong>in</strong>gs zu betonen, dass bestehende<br />

Formen des Engagements nicht durch digitale<br />

Formen ersetzt, son<strong>der</strong>n ergänzt werden. 9)<br />

E<strong>in</strong> elementarer E<strong>in</strong>flussfaktor, <strong>der</strong> oft unterschätzt wird,<br />

ist die soziale Ungleichheit. „So werden dem gesellschaftlichen<br />

Engagement <strong>in</strong> <strong>der</strong> Fachdiskussion e<strong>in</strong>erseits große<br />

Potenziale für die soziale Integration zugeschrieben, an<strong>der</strong>erseits<br />

wird <strong>in</strong> e<strong>in</strong>schlägigen Studien immer wie<strong>der</strong> auf<br />

soziale Ungleichheiten im Engagement verwiesen. Die Forschung<br />

bestätigt bisher, dass sich Menschen aus ressourcenärmeren<br />

Schichten deutlich seltener gesellschaftlich<br />

engagieren als jene mit höherem E<strong>in</strong>kommen und besserer<br />

Bildung.“ 10)<br />

Lebensumstände<br />

Bei den 18- bis 30-Jährigen ist e<strong>in</strong>e zentrale Erwartung an<br />

ihr Engagement, dass es an ihre alltägliche Lebenssituation<br />

anknüpft. 11) Sie spielt e<strong>in</strong>e wichtige Rolle dafür, ob sich<br />

junge Leute e<strong>in</strong> Engagement vorstellen können o<strong>der</strong> nicht.<br />

Lässt sich das <strong>Ehrenamt</strong> gut <strong>in</strong> den Alltag <strong>in</strong>tegrieren? Erfüllt<br />

es die eigenen Bedürfnisse? Ist dem nicht so, wird es<br />

gar nicht erst angetreten o<strong>der</strong> schnell beendet.<br />

Verschiedene Lebensphasen kennzeichnen diese Altersgruppe,<br />

die unterschiedliche Lebensumstände mit sich<br />

br<strong>in</strong>gen und das Engagement stark bee<strong>in</strong>flussen können.<br />

Bei den 18- bis 30-Jährigen betrifft das u. a. das Stadium<br />

des Bildungsweges bzw. des E<strong>in</strong>stieges <strong>in</strong> das Berufsleben,<br />

sie s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> <strong>der</strong> Regel:<br />

• Auszubildende,<br />

• Schüler*<strong>in</strong>nen, die gerade Abitur machen und sich<br />

überlegen, ob und wo sie studieren werden,<br />

• Studierende, die sich im Studium engagieren und<br />

vielleicht gerade umgezogen s<strong>in</strong>d,<br />

• junge Berufstätige, die erste Berufserfahrungen sammeln<br />

und versuchen, sich im Berufsleben zu etablieren.<br />

Katja: Für me<strong>in</strong> Studium habe ich me<strong>in</strong>e Heimat<br />

verlassen. Durch das <strong>Ehrenamt</strong> lernte ich direkt<br />

neue Menschen kennen, was mir geholfen hat, mich am<br />

Wohnort schneller wohlzufühlen.<br />

Nad<strong>in</strong>e: Im Studium fehlt mir oft die Nähe zum<br />

Menschen. Es geht um Theorie, Diskursanalyse,<br />

Paragraphen u. a. Der Mensch kommt eigentlich nur als<br />

theoretisches Subjekt vor. Gerade hier hat mir das<br />

<strong>Ehrenamt</strong> geholfen, auch die Theorie besser zu verstehen.<br />

Jason: Durch die <strong>Hospizarbeit</strong> habe ich neue berufliche<br />

Perspektiven entdeckt und gelernt, nicht<br />

nur me<strong>in</strong>em Beruf, son<strong>der</strong>n me<strong>in</strong>er Berufung nachzugehen.<br />

Junge Menschen s<strong>in</strong>d mit allen möglichen Herausfor<strong>der</strong>ungen<br />

konfrontiert: Herausf<strong>in</strong>den, was man tun möchte<br />

und sich dafür entscheiden, sich fortbilden und weiterentwickeln,<br />

Umzug <strong>in</strong> e<strong>in</strong>e neue Stadt, E<strong>in</strong>f<strong>in</strong>den <strong>in</strong> e<strong>in</strong> neues<br />

Umfeld, Kennenlernen neuer Menschen, sich orientieren,<br />

Abgrenzung von den Eltern und Aufbau von etwas Eigenem<br />

o<strong>der</strong> e<strong>in</strong>e junge Elternschaft – es können unruhige<br />

Zeiten mit vielen Umbrüchen se<strong>in</strong>. Sie s<strong>in</strong>d stark e<strong>in</strong>gebunden<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>en Alltag mit Ausbildung, Studium o<strong>der</strong> Job. Sie<br />

s<strong>in</strong>d viel unterwegs und gestalten ihre Zeit aktiv. Das br<strong>in</strong>gt<br />

mit sich, dass sie ihr Engagement auch selbst und vor allem<br />

flexibel gestalten wollen.<br />

Liane: Ich begann me<strong>in</strong> Engagement parallel<br />

mit Beendigung me<strong>in</strong>es Studiums und dem<br />

dann folgenden Berufse<strong>in</strong>stieg. Für mich war es wichtig,<br />

dass ich me<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> mit dem Büroalltag<br />

vere<strong>in</strong>baren konnte, um <strong>in</strong> <strong>der</strong> ersten Zeit <strong>in</strong> <strong>der</strong> neuen<br />

Firma volle E<strong>in</strong>satzbereitschaft zeigen zu können.<br />

Entscheidend für e<strong>in</strong> Engagement kann dabei z. B. auch<br />

die Frage se<strong>in</strong>, ob jemand auf dem Land o<strong>der</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> Stadt<br />

lebt. In <strong>der</strong> Stadt kann Anonymität von Vorteil se<strong>in</strong>, auf dem<br />

Land sche<strong>in</strong>t es oft persönlicher und vertrauter. In ländlichen<br />

Gegenden lebt das Engagement eher davon, dass<br />

die Menschen schon immer o<strong>der</strong> schon lange vor Ort und<br />

daher mit <strong>der</strong> Region verwurzelt s<strong>in</strong>d. Werden junge Menschen<br />

nun mobiler und ziehen <strong>in</strong> die Stadt, „brauchen [sie<br />

8) Vgl. Beher et al.: Das <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> empirischen Studien, 1998.<br />

9) Vgl. BMFSFJ: Dritter Engagementbericht, 2020, S. 8.<br />

10) Ebd., S. 11.<br />

11) Vgl. Bertelsmann: Zivilgesellschaft KONKRET, 2015.<br />

15


dort] entsprechende Bed<strong>in</strong>gungen, um sich außerhalb<br />

ihres vertrauten Umfeldes zu engagieren“, denn „die Verwurzelung<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Region kann sich positiv auf das Engagement<br />

auswirken“. 12)<br />

Motivation und Motive<br />

Junge Menschen möchten mitbestimmen können, eigene<br />

Vorstellungen und Ziele umsetzen, ihre Fähigkeiten e<strong>in</strong>br<strong>in</strong>gen<br />

und die gesetzten Ziele <strong>in</strong> selbst gewählter Weise<br />

erreichen. 13) Wichtig ist die temporäre Überschaubarkeit<br />

<strong>der</strong> Verantwortung, dauerhafte Verpflichtungen verlieren<br />

an Attraktivität. Engagierte <strong>in</strong> neuen Bereichen <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichkeit<br />

nehmen aufgrund ihrer Lebensumstände <strong>in</strong> Anspruch,<br />

sich je<strong>der</strong>zeit wie<strong>der</strong> zurückziehen zu können. Sie<br />

s<strong>in</strong>d weniger abrufbar als Engagierte <strong>in</strong> den traditionellen<br />

Formen des <strong>Ehrenamt</strong>es und arbeiten eher projektbezogen.<br />

Das <strong>Ehrenamt</strong> spiegelt persönliche Wertevorstellungen<br />

wi<strong>der</strong>, ist Ausdruck des eigenen Lebensstils und zentral<br />

für die eigene Identität. Somit ist die Wahl e<strong>in</strong>er ehrenamtlichen<br />

Tätigkeit mit <strong>in</strong>dividuellen Interessen, persönlichen<br />

Zielen und Lebensperspektiven verknüpft – unabhängig<br />

vom Alter. Bee<strong>in</strong>flusst werden diese Aspekte neben den<br />

Lebensumständen auch von Erfahrungen, Familie, Peergroup<br />

und Bildungsgrad: Gibt es jemanden, den man<br />

kennt, aus <strong>der</strong> Familie o<strong>der</strong> im Freundeskreis, <strong>der</strong> sich ehrenamtlich<br />

engagiert? Wurde das mal <strong>in</strong> <strong>der</strong> Schule besprochen?<br />

Möchte man sich gesellschaftlich und sozial<br />

engagieren o<strong>der</strong> eher politisch o<strong>der</strong> für die Umwelt? Hat<br />

man e<strong>in</strong>en Artikel im Internet gelesen o<strong>der</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> Zeitung?<br />

War man auf e<strong>in</strong>er Info-Veranstaltung? Hat man persönliche<br />

Erfahrungen, die ausschlaggebend s<strong>in</strong>d und zu e<strong>in</strong>em<br />

<strong>Ehrenamt</strong> motivieren?<br />

Viele Studien, wie auch die <strong>Ehrenamt</strong>sstudie des DHPV,<br />

benennen folgende Motive, die <strong>der</strong> Entscheidung für e<strong>in</strong><br />

<strong>Ehrenamt</strong> zugrunde liegen:<br />

• Übere<strong>in</strong>stimmung von Inhalt, Aufgabenbereich und Ziel<br />

<strong>der</strong> Organisation mit dem aktuellen Lebensentwurf<br />

• Übernahme von Verantwortung für Personen, die sich<br />

selbst nicht helfen können (soziale Verantwortung)<br />

• Mitgestaltung <strong>der</strong> Gesellschaft<br />

• Vertretung eigener Interessen<br />

• Erwerb, Anwendung o<strong>der</strong> Weiternutzung beruflicher<br />

Qualifikationen (Sammeln biographischer Pluspunkte)<br />

• Suche nach Lerngelegenheiten <strong>in</strong> (relativ) geschützten<br />

Räumen für neues Wissen, neue Erfahrungen und<br />

neue Perspektiven<br />

• E<strong>in</strong>stehen für eigene Interessen und Me<strong>in</strong>ungen<br />

• Bedürfnis nach sozialer E<strong>in</strong>gebundenheit und Erleben<br />

von Geme<strong>in</strong>schaft 14)<br />

• <strong>Ehrenamt</strong> als S<strong>in</strong>nstiftung<br />

• Bedürfnis nach Anerkennung und Stärkung des Selbstwertgefühls<br />

• religiös-caritative Verpflichtung<br />

• Spaß und Erlebnis 15)<br />

Katja: Mich persönlich hat es schon länger<br />

gestört, dass die Themen Sterben, Tod und<br />

Trauer <strong>in</strong> unserer Gesellschaft zu wenig Berücksichtigung<br />

f<strong>in</strong>den. Der Anspruch, dem entgegenzuwirken,<br />

hat mich unglaublich motiviert, mich <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong><br />

zu engagieren.<br />

Derya: Das Arbeiten mit Menschen hat mir schon<br />

immer Spaß gemacht. Mir wurde schnell bewusst,<br />

dass ich e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> machen möchte, bei dem<br />

ich Menschen helfen kann. Man bekommt viel mehr<br />

zurück als man eigentlich gibt. E<strong>in</strong> tolles Gefühl.<br />

Sarah: Als Sozialarbeiter<strong>in</strong> war es für mich zu<br />

Beg<strong>in</strong>n vorrangig das fachliche Interesse, das<br />

mich dazu bewegt hat, an <strong>der</strong> qualifizierten Vorbereitung<br />

teilzunehmen. Schnell wurde mir dann jedoch<br />

bewusst, welch starke Geme<strong>in</strong>schaft die <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> verb<strong>in</strong>det und wie erfüllend die<br />

16<br />

12) Bertelsmann: Zivilgesellschaft KONKRET, 2015, S. 5.<br />

13) Strümpel: Neue Formen, 1999.<br />

14) „Gewünscht s<strong>in</strong>d heutzutage von den meisten Menschen vielmehr solche Geme<strong>in</strong>schaftsformen, die ihnen maximale Selbstverwirklichungschancen bieten und<br />

zugleich m<strong>in</strong>imale Verpflichtungen auferlegen, die ihnen also <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em sowohl e<strong>in</strong> Höchstmaß an <strong>in</strong>dividueller Freiheit als auch e<strong>in</strong> attraktives Zusammense<strong>in</strong> mit<br />

gleichges<strong>in</strong>nten An<strong>der</strong>en versprechen.“<br />

Aus: Hitzler: Posttraditionale Vergeme<strong>in</strong>schaftung, 2018.<br />

15) „Gerade für die jüngere Generation reflexiver Freiwilliger, für die Freiwilligenarbeit e<strong>in</strong> Mittel zur Selbstverwirklichung und zur Ergänzung des <strong>in</strong>dividuellen Erfahrungsraums<br />

darstellt, sche<strong>in</strong>t diese Funktion [die Erlebnisfunktion] von Freiwilligenarbeit beson<strong>der</strong>s wichtig zu se<strong>in</strong>. Inwiefern kann aber die klassische<br />

Freiwilligenarbeit diese Funktion erfüllen? Es wird sicherlich nicht möglich se<strong>in</strong>, <strong>in</strong> <strong>der</strong> Leselernhilfe o<strong>der</strong> im Hospiz Freiwilligenerfahrungen wie <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Naturpark<br />

<strong>in</strong> Costa Rica zu bieten. Klassische Freiwilligenorganisationen sollten aber durchaus darüber nachdenken, episodische Formen des Engagements o<strong>der</strong><br />

Freiwilligenevents mit e<strong>in</strong>em stärkeren Erlebnischarakter anzubieten. Denn zum e<strong>in</strong>en lassen sich so Freiwillige für die klassische Freiwilligenarbeit rekrutieren.<br />

Zum an<strong>der</strong>en erlaubt es Freiwilligen, die momentan ke<strong>in</strong> kont<strong>in</strong>uierliches Engagement leisten können, ihre Verb<strong>in</strong>dung zur Organisation aufrechtzuerhalten.“<br />

Aus: Wehner; Güntert: Psychologie <strong>der</strong> Freiwilligenarbeit, 2015, S. 216f.


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Begegnung mit den zu Begleitenden se<strong>in</strong> können. Beide<br />

s<strong>in</strong>d zusätzlich große Motivationsfaktoren für mich<br />

geworden.<br />

Diese Motive überschneiden sich <strong>in</strong> allen Altersgruppen,<br />

aber gerade die Aspekte um die berufliche Qualifikation<br />

s<strong>in</strong>d bei jungen Menschen dom<strong>in</strong>anter. 16) Auch wir <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

Arbeitsgruppe <strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong> des DHPV haben uns zu<br />

dieser Frage ausgetauscht, unsere eigenen Motive für das<br />

Engagement reflektiert und kamen zu gleichen Aussagen.<br />

Die Motive lassen sich dabei <strong>in</strong> altruistische und eigennützige<br />

e<strong>in</strong>teilen. Das heißt, sich zu engagieren, um jemand<br />

an<strong>der</strong>em zu helfen und selbstlos für an<strong>der</strong>e da zu<br />

se<strong>in</strong>, spielt genauso e<strong>in</strong>e Rolle, wie sich zu engagieren, um<br />

sich selbst zu helfen und sich selbst etwas Gutes zu tun.<br />

Wichtig ist auch, dass meist mehrere und unterschiedliche<br />

Motive <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Engagement zusammenkommen. Die<br />

Motivation kann sich über die Zeit auch verän<strong>der</strong>n. Werte<br />

können sich wandeln und neue Erfahrungen, die durch das<br />

Engagement gemacht werden, können die eigene Haltung<br />

umkrempeln und modifizieren. Welche Motive es im E<strong>in</strong>zelnen<br />

betrifft, ist e<strong>in</strong>e <strong>in</strong>dividuelle Angelegenheit und kann<br />

sehr persönlich se<strong>in</strong>. 17)<br />

Persönliche Motive für das <strong>Ehrenamt</strong><br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong><br />

Neben den allgeme<strong>in</strong>en Motiven zeichnet sich die <strong>Hospizarbeit</strong><br />

dadurch aus, dass <strong>in</strong> vielen Fällen persönliche<br />

Erfahrungen ausschlaggebend s<strong>in</strong>d, 18) z. B. wenn man<br />

selbst Hilfe durch Sterbebegleitung erfahren hat und diese<br />

nun auch an<strong>der</strong>en zukommen lassen möchte o<strong>der</strong> sie<br />

nicht erlebt hat und aus diesem Grund unterstützend tätig<br />

werden will. O<strong>der</strong> es wurden bereits im beruflichen o<strong>der</strong><br />

privaten Kontext Sterbende begleitet. Die persönliche Erfahrung,<br />

die e<strong>in</strong>en zum <strong>Ehrenamt</strong> <strong>der</strong> Sterbebegleitung<br />

br<strong>in</strong>gt, ist vielleicht e<strong>in</strong> beson<strong>der</strong>er Punkt im Bereich <strong>der</strong><br />

<strong>Hospizarbeit</strong>. Hier kommt u. a. <strong>der</strong> Aspekt <strong>der</strong> „Arbeit an<br />

<strong>der</strong> eigenen Biographie“ zum Tragen, denn vergangene<br />

Belastungserfahrungen können bearbeitet und hilfreich für<br />

zukünftige schwierige Erlebnisse se<strong>in</strong>. Auch die Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung<br />

mit <strong>der</strong> eigenen Sterblichkeit und dem Tod<br />

können zu diesem <strong>Ehrenamt</strong> motivieren. E<strong>in</strong> weiteres Motiv<br />

ist zudem, den Gedanken <strong>der</strong> Hospizbewegung weitertragen<br />

zu wollen. 19)<br />

Marcel: Der Besuch me<strong>in</strong>er Tante auf <strong>der</strong> Palliativstation<br />

war auf jeden Fall e<strong>in</strong> Schlüsselmoment.<br />

Trotz <strong>der</strong> beklemmenden Grundstimmung war<br />

ich von <strong>der</strong> Atmosphäre auf <strong>der</strong> Station überrascht und<br />

tief berührt. Auf dem Flur <strong>der</strong> Station hat mich dann<br />

<strong>der</strong> Aushang e<strong>in</strong>er Hospiz<strong>in</strong>itiative zum ersten Mal auf<br />

diese Bewegung aufmerksam gemacht. Gelandet b<strong>in</strong> ich<br />

Jahre später bei e<strong>in</strong>em an<strong>der</strong>en Vere<strong>in</strong>, doch ohne diesen<br />

e<strong>in</strong>fachen Aushang <strong>in</strong> <strong>der</strong> ganz beson<strong>der</strong>en Umgebung<br />

<strong>der</strong> Palliativstation, hätte ich die spätere Zeitungsannonce<br />

wohl gar nicht erst wahrgenommen.<br />

Joshua: Als me<strong>in</strong>e Großmutter im Hospiz verstarb,<br />

tat es mir damals Sechsjährigen gut, dass<br />

jemand da war. Ich wollte auch so e<strong>in</strong> ‚Jemand‘ se<strong>in</strong> – darum<br />

b<strong>in</strong> ich dem ambulanten K<strong>in</strong><strong>der</strong>- und Jugendhospizdienst<br />

beigetreten.<br />

Erwartungen an Rahmenbed<strong>in</strong>gungen<br />

Wie kann die Motivation zu e<strong>in</strong>em <strong>Ehrenamt</strong> für junge<br />

Menschen geweckt, geför<strong>der</strong>t und gestärkt werden? Da<br />

ehrenamtliches Engagement allgeme<strong>in</strong> multimotiviert ist,<br />

müssen Maßnahmen zu se<strong>in</strong>er För<strong>der</strong>ung diese Vielfalt beachten.<br />

Junge Menschen erwarten von ihrem <strong>Ehrenamt</strong>:<br />

• Anerkennung 20)<br />

• Partizipation auf Augenhöhe<br />

• Flexibilität und episodisches Engagement<br />

• Bereitstellung von Informationen<br />

• Möglichkeiten zur Weiterbildung (beruflich und<br />

persönlich)<br />

• Auswahl an Tätigkeiten<br />

• Freiräume und Eigenverantwortung<br />

• Ansprechpartner*<strong>in</strong>nen und Begleitung<br />

• Kompatibilität mit den aktuellen Lebensumständen<br />

16) „Ältere Freiwillige streben weniger danach, Neues zu lernen o<strong>der</strong> die Freiwilligentätigkeit als Möglichkeit zur Verbesserung <strong>der</strong> Karrierechancen zu nutzen. Vielmehr<br />

geht es ihnen darum, etwas zu tun, was ihnen persönlich wichtig ist, <strong>in</strong> e<strong>in</strong> soziales Netzwerk e<strong>in</strong>gebunden zu se<strong>in</strong>, gebraucht zu werden und e<strong>in</strong>en Beitrag<br />

für die Gesellschaft leisten zu können. Für diese Bedürfnisse müssen, trotz des strukturellen Wandels <strong>der</strong> Freiwilligentätigkeit, Möglichkeiten offen bleiben,<br />

sich auch im Alter freiwillig engagieren zu können.“<br />

Aus: Wehner; Güntert: Psychologie <strong>der</strong> Freiwilligenarbeit, 2015, S. 75.<br />

17) Vgl. Moschner: Altruismus o<strong>der</strong> Egoismus, 2002.<br />

18) Ob jemand viel über Sterben, Tod und Trauer nachdenkt o<strong>der</strong> nicht, hängt auch mit <strong>der</strong> Biografie zusammen. Wer den Tod e<strong>in</strong>es o<strong>der</strong> mehrerer wichtiger<br />

Menschen erlebt hat, macht sich eher Gedanken über das Thema. Vgl. Malteser: Tod, Sterben und Trauer, 2020.<br />

19) Im Auftrag <strong>der</strong> Malteser wurde e<strong>in</strong>e Umfrage durchgeführt, die sich mit den Aspekten <strong>der</strong> Motivationen und <strong>der</strong> Bed<strong>in</strong>gungen für neue Wege des Engagements<br />

junger Menschen <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> beschäftigt hat: https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0040-1715007<br />

20) Siehe Kapitel 4: Anerkennung und Mehrwert.<br />

17


Roswitha: Oft for<strong>der</strong>n Studium und/o<strong>der</strong> Beruf<br />

bereits e<strong>in</strong> hohes Maß an Flexibilität, es ist also<br />

wichtig hier geme<strong>in</strong>same Lösungen zu f<strong>in</strong>den. Nur so<br />

kann das <strong>Ehrenamt</strong> für beide Seiten langfristig gel<strong>in</strong>gen<br />

und auch Spaß machen.<br />

Die Wahl e<strong>in</strong>es <strong>Ehrenamt</strong>es geschieht nicht zufällig, son<strong>der</strong>n<br />

ist e<strong>in</strong>e bewusste Entscheidung, die nach den genannten<br />

Faktoren getroffen wird. Möglichkeiten, das freiwillige<br />

Engagement den verän<strong>der</strong>ten Lebensphasen und<br />

Perspektiven anzupassen, erhöhen die Bereitschaft, sich<br />

aktiv e<strong>in</strong>zubr<strong>in</strong>gen. Umso mehr Erwartungen und Rahmenbed<strong>in</strong>gungen<br />

erfüllt s<strong>in</strong>d, desto größer ist die Identifikation<br />

mit dem <strong>Ehrenamt</strong> und die Verb<strong>in</strong>dlichkeit.<br />

Interkulturelle und <strong>in</strong>terreligiöse Perspektiven<br />

Mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel kann <strong>der</strong> Hospizbereich<br />

Pionierarbeit leisten und den gesellschaftlichen<br />

Wandel mit Weitblick mitgestalten. So wie die Gesellschaft<br />

und damit auch die Sterbe- und Trauerprozesse heterogener,<br />

diverser und flexibler werden, kann sich auch die<br />

Hospizbewegung dah<strong>in</strong> entwickeln, heterogener und flexibler<br />

zu werden. 21)<br />

In Deutschland leben Menschen mit christlichen, jüdischen,<br />

buddhistischen, islamischen und an<strong>der</strong>en H<strong>in</strong>tergründen<br />

sowie Konfessionslose. Unabhängig vom persönlichen<br />

H<strong>in</strong>tergrund sollte je<strong>der</strong> Mensch grundsätzlich<br />

die Möglichkeit haben, am Lebensende Begleitung durch<br />

ehrenamtliche Sterbebegleiter*<strong>in</strong>nen zu erfahren. Möglich<br />

ist dies z. B. dadurch, dass <strong>Ehrenamt</strong>liche „kultursensibel“<br />

geschult werden. Langfristig gilt es, das bunte <strong>Ehrenamt</strong><br />

zu för<strong>der</strong>n und als Vere<strong>in</strong> die Vielfalt <strong>der</strong> Gesellschaft abzubilden.<br />

Dabei ist zu bedenken, dass <strong>in</strong> Kulturen und Religionen wie<br />

dem Islam o<strong>der</strong> im Judentum das <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong><br />

nicht so verbreitet ist. In diesen Kulturen ist es z. B.<br />

Tradition, dass die Großfamilie die Erkrankten zu Hause<br />

pflegt und begleitet. Sie haben auch zum Teil ihre eigenen<br />

Strukturen und Netzwerke, sodass es unter Umständen<br />

schwierig se<strong>in</strong> kann, überhaupt mit ihnen <strong>in</strong> Kontakt zu<br />

kommen. Jedoch könnte das etwas se<strong>in</strong>, das für die Zukunft<br />

angestrebt werden kann: <strong>in</strong> den Kontakt mit an<strong>der</strong>en<br />

Kulturkreisen zu gehen und an e<strong>in</strong>er gegenseitigen Öffnung<br />

und Begegnung zu arbeiten.<br />

Roswitha: Die Begegnung mit an<strong>der</strong>en Kulturen<br />

und Lebensgewohnheiten im Hospiz empf<strong>in</strong>de<br />

ich jedes Mal als bereichernd. Es gibt mir die Chance<br />

vieles zu lernen.<br />

„Tendenziell s<strong>in</strong>d Menschen mit Migrationsh<strong>in</strong>tergrund aber<br />

eher selten im <strong>Ehrenamt</strong> vertreten. Laut den Fokusgruppen<br />

entsprechen <strong>Ehrenamt</strong>liche mit Migrationsh<strong>in</strong>tergrund<br />

nicht dem typischen Bild e<strong>in</strong>es <strong>Ehrenamt</strong>lichen. Damit die<br />

entsprechenden Kurse auch Menschen mit Migrationsh<strong>in</strong>tergrund<br />

erreichen, sollten sie besser an die Personen,<br />

die sich Sterbebegleitung vorstellen können, „angepasst“<br />

werden und Sprache und Religion bzw. auch religiöse<br />

Subgruppen berücksichtigen. Beson<strong>der</strong>s das fehlende<br />

Verständnis für das hospizliche Konzept des <strong>Ehrenamt</strong>es<br />

macht es allerd<strong>in</strong>gs schwierig, aus bestimmten Communities<br />

Interessierte zu f<strong>in</strong>den“. 22)<br />

Es gibt nicht nur <strong>in</strong>terreligiöse Begleitungen. Auch <strong>der</strong> Begriff<br />

„<strong>in</strong>terkulturell“ begegnet uns <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> immer<br />

wie<strong>der</strong>. In diesem Kontext wird von „kultursensibler Sterbebegleitung“<br />

als Aufgabe für die Zukunft gesprochen. Dabei<br />

wird unter „Kultur“ e<strong>in</strong> weit gefasster Begriff verstanden.<br />

Es geht nicht nur um unterschiedliche Ethnien o<strong>der</strong> Religionen,<br />

son<strong>der</strong>n auch um an<strong>der</strong>e fremd ersche<strong>in</strong>ende Lebenswirklichkeiten<br />

o<strong>der</strong> Wertvorstellungen. Kultur schließt<br />

auch die angeborenen, erworbenen und gesellschaftlichen<br />

Umstände mit e<strong>in</strong> wie Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Bildung,<br />

Schichtzugehörigkeit und f<strong>in</strong>anzielle Ausstattung. 23)<br />

Warum <strong>in</strong>teressiert uns dieses Thema <strong>der</strong> <strong>in</strong>terkulturellen<br />

und <strong>in</strong>terreligiösen Perspektiven hier im Kapitel 3 <strong>in</strong> Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung<br />

mit unserer Zielgruppe, den jungen Menschen?<br />

Kurz – um dafür zu sensibilisieren, den gesellschaftlichen<br />

Wandel im Blick zu behalten und daran zu er<strong>in</strong>nern,<br />

dass e<strong>in</strong> Hospizdienst sich darauf vorbereiten sollte.<br />

Auch wenn <strong>in</strong> den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen<br />

noch wenig Bedarf nach „kultursensibler Sterbebegleitung“<br />

zu existieren sche<strong>in</strong>t, wird dieser künftig zunehmen.<br />

Denn auch <strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> verschiedenen Generationen <strong>der</strong><br />

Migrant*<strong>in</strong>nen verän<strong>der</strong>n sich E<strong>in</strong>stellungen. Das heißt: In<br />

<strong>der</strong> zweiten und dritten Generation wird mehr Hilfe von<br />

außen dazu geholt. Kultursensibel zu begleiten, bedeutet<br />

dann: Den eigenen Umgang mit Fremdheit zu h<strong>in</strong>terfragen,<br />

sich klar zu machen, was Angst macht, was schwierig ist,<br />

welche Selbstverständlichkeiten und Vorstellungen man<br />

selbst hat und die an<strong>der</strong>en Personen kennenlernen und sie<br />

dadurch und sich selbst begleiten. 24)<br />

18<br />

21) Vgl. Schnei<strong>der</strong>; Klie: <strong>Ehrenamt</strong> und freiwilliges Engagement, 2020.<br />

22) Schade, Franziska 2019, S. 35.<br />

23) Vgl. Wasner; Raischl: Kultursensibilität am Lebensende, 2019.


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Damit verbunden ist auch, dass mittlerweile 50 % <strong>der</strong> Zielgruppe<br />

„junge Erwachsene“ e<strong>in</strong>en Migrationsh<strong>in</strong>tergrund<br />

haben. Diese gilt es nicht aus dem Blick zu verlieren. Berührungspunkte<br />

mit an<strong>der</strong>en Sterbekulturen können und<br />

werden dabei e<strong>in</strong>e Bereicherung für den gesamten Dienst<br />

se<strong>in</strong>.<br />

Das junge <strong>Ehrenamt</strong> – e<strong>in</strong> Generationenkonflikt?<br />

Mit Blick auf die unterschiedlichen Lebensumstände,<br />

Wertevorstellungen und teilweise verschiedenen Motive<br />

und Erwartungen an e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> von jüngeren und älteren<br />

Menschen, 25) kommt <strong>der</strong> Gedanke auf, dass es <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

Gestaltung <strong>der</strong> Hospizbewegung zu Interessenskonflikten<br />

und Spannungen kommen könnte. Und ja, ab und zu flammen<br />

die klassischen Denkmuster e<strong>in</strong>es Generationenkonfliktes<br />

auf: Auf <strong>der</strong> e<strong>in</strong>en Seite die leidenschaftlichen, unerfahrenen,<br />

unverb<strong>in</strong>dlichen und freizeitorientierten jungen<br />

Menschen und auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Seite die starrs<strong>in</strong>nigen,<br />

rechthaberischen, lebenserfahrenen und am Geme<strong>in</strong>wohl<br />

orientierten älteren Menschen. Dazu birgt <strong>der</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> DHPV-<br />

Studie beschriebene Homogenisierungseffekt neben se<strong>in</strong>en<br />

Vorteilen (u. a. Sicherung von geme<strong>in</strong>samer Identität)<br />

sicherlich auch den Nachteil e<strong>in</strong>er Schließung nach außen,<br />

er könnte <strong>der</strong> Öffnung und Vielfalt entgegenstehen, sie erschweren<br />

bzw. Konflikte begünstigen.<br />

Aber im Mittelpunkt steht für uns alle doch vor allem das<br />

Verb<strong>in</strong>dende, das geme<strong>in</strong>same Ziel, schwerstkranken und<br />

sterbenden Menschen <strong>in</strong> ihrer letzten Lebensphase (und<br />

den An- und Zugehörigen) Zuwendung und Unterstützung<br />

zu geben. Viel wichtiger s<strong>in</strong>d <strong>der</strong> Austausch, das Bündeln<br />

von Interessen und das Nutzen von Erfahrungen, soweit<br />

das möglich ist. Die Sorge, durch Öffnung und Vielfalt die<br />

Ursprungsidee und Identität zu verlieren, ist unbegründet,<br />

da gerade die Hospizbewegung durch ihre Haltung und<br />

Erfahrungen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Lage ist, höchst unterschiedliche Zugänge<br />

zur <strong>Hospizarbeit</strong> e<strong>in</strong>erseits und die hochdifferenten<br />

Erfahrungen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Begleitung an<strong>der</strong>erseits so zu reflektieren<br />

und zu verarbeiten, dass e<strong>in</strong>e eigene Gruppenidentität<br />

entsteht, die aber h<strong>in</strong>sichtlich Alter, Geschlecht, Herkunft<br />

und ethnischer Zugehörigkeit weniger ausschließend wirkt.<br />

Dieser Prozess muss allerd<strong>in</strong>gs angestoßen und durchlaufen<br />

werden. Dazu braucht es Verständnis, Wertschätzung,<br />

Rücksicht und auch Humor auf allen Seiten. Den jeweiligen<br />

Hauptamtlichen wie Koord<strong>in</strong>ator*<strong>in</strong>nen und auch (je nach<br />

Struktur) dem Vorstand kommen dabei steuernde und gestaltende<br />

Funktionen zu. Sie haben es <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hand, dass<br />

sich überschwängliche Tatkraft und e<strong>in</strong>gespielte Erfahrung<br />

zusammenführen lassen.<br />

Die jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen wünschen sich gegenseitigen<br />

Respekt, e<strong>in</strong>e lebendige Geme<strong>in</strong>schaft im Vere<strong>in</strong> und,<br />

dass alle Generationen mit- und vone<strong>in</strong>an<strong>der</strong> lernen, um<br />

geme<strong>in</strong>sam gestalten zu können. Dazu gehört auch, sich<br />

selbst zu reflektieren und se<strong>in</strong>e Gewohnheiten und Ansichten<br />

zu h<strong>in</strong>terfragen, an se<strong>in</strong>e Grenzen zu geraten und zuzuhören.<br />

Das s<strong>in</strong>d Themen, mit denen alle <strong>in</strong> ihren Begleitungen<br />

konfrontiert s<strong>in</strong>d. Das ist es, was die <strong>Hospizarbeit</strong><br />

ausmacht: e<strong>in</strong> wertschätzen<strong>der</strong> Umgang. Denn die Hospizbewegung<br />

steht für e<strong>in</strong>en Raum, <strong>der</strong> offen ist für alle.<br />

Nad<strong>in</strong>e: Manchmal hat gerade unsere Generation<br />

viele neue Ideen, die unbed<strong>in</strong>gt schnell umgesetzt<br />

werden sollen. Gerade hier ist es e<strong>in</strong>e Bereicherung<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Zusammenarbeit von Alt und Jung: Die Jüngeren<br />

kommen mit neuen Ideen, die Älteren br<strong>in</strong>gen ihre<br />

Erfahrung mit e<strong>in</strong> und können am besten abschätzen,<br />

was man umsetzen kann und was nicht, sodass am<br />

Ende etwas Tolles entsteht.<br />

Christ<strong>in</strong>e: Beim Infoabend zum Vorbereitungskurs<br />

habe ich schnell gemerkt, dass ich die<br />

jüngste Person im Raum b<strong>in</strong>. Als wir später <strong>in</strong>s Gespräch<br />

kamen, hat sich das sehr schnell erledigt und das<br />

spielte ke<strong>in</strong>e Rolle mehr. In unserem Vorbereitungskurs<br />

waren wir dann sogar zwei junge Menschen. E<strong>in</strong><br />

bisschen hatten wir die Son<strong>der</strong>rolle als ‚die jungen<br />

<strong>Ehrenamt</strong>lichen‘, aber nicht <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em negativen S<strong>in</strong>ne,<br />

im Gegenteil. Ich habe mich bisher immer willkommen<br />

gefühlt, sonst wäre ich wohl auch nicht dabeigeblieben.<br />

24) Vgl. Wasner: Kultursensible Sterbebegleitung, 2020.<br />

25) „Vor allem die Karrierefunktion, aber auch die Erfahrungsfunktion, d. h. <strong>der</strong> Wunsch, Neues lernen zu wollen, verlieren mit zunehmendem Alter an Bedeutung.<br />

Im Gegenzug nimmt die Bedeutung <strong>der</strong> sozialen Anpassungsfunktion zu. Das heißt, dass Personen mit steigendem Alter vermehrt freiwillig tätig werden, weil ihr<br />

Bekanntenkreis und ihre Freunde auch freiwillig tätig s<strong>in</strong>d. Bei den übrigen 3 Funktionen (Selbstwertfunktion, Schutzfunktion und Wertefunktion) unterscheiden<br />

sich ältere freiwillig tätige Personen nicht von jüngeren Freiwilligen. […] Ältere Menschen beg<strong>in</strong>nen, sich dadurch verstärkt auf die Gegenwart und nicht mehr<br />

auf die Zukunft zu fokussieren, was e<strong>in</strong>e Verschiebung <strong>der</strong> primären Ziele im Leben zur Folge hat.“<br />

Aus: Wehner; Güntert: Psychologie <strong>der</strong> Freiwilligenarbeit, 2015, S. 65.<br />

19


Anerkennung und Mehrwert<br />

Autor<strong>in</strong>: Katja<br />

Wird <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> über Anerkennung gesprochen,<br />

so kommt uns jungen Menschen zunächst e<strong>in</strong> Thema <strong>in</strong><br />

den S<strong>in</strong>n, mit welchem wir im Rahmen unserer ehrenamtlichen<br />

Tätigkeiten nicht selten konfrontiert werden: Die<br />

Reaktionen auf unser Engagement. Das Spektrum reicht<br />

hier von eher wertschätzenden Resonanzen wie „Wow! So<br />

jung und schon Interesse an solchen Themen!“ o<strong>der</strong> „Toll,<br />

dass sich auch junge Leute hier engagieren, e<strong>in</strong>e wahre<br />

Bereicherung für unser Team!“, über eher skeptische Reaktionen<br />

wie „Na, ob Sie denn <strong>in</strong> so jungen Jahren schon<br />

begleiten können?“, „Trauen Sie sich das denn zu?“, bis<br />

h<strong>in</strong> zu gar sehr negativen Aussagen wie „Was wollen Sie<br />

denn überhaupt hier?“. Auch Fragen nach persönlichen Erfahrungen,<br />

die uns für die Durchführung von Sterbe- und<br />

Trauerbegleitungen „befähigen“, kommen vor.<br />

Zunächst soll gesagt se<strong>in</strong>, dass wir Fragen nach unserer<br />

Lebenserfahrung, unseren Kompetenzen, unserer Qualifikation<br />

als durchaus berechtigt ansehen – dies sehen wir<br />

aber grundsätzlich bei allen Interessent*<strong>in</strong>nen, egal welchen<br />

Alters, welcher Herkunft o<strong>der</strong> welchen Geschlechts.<br />

Extra hierfür vorgesehene Kennenlern- und Bewerbungsgespräche<br />

sowie die Qualifizierungskurse bieten e<strong>in</strong>en angemessenen<br />

Rahmen, um solchen Fragen nachzugehen.<br />

Nicht identifizieren können wir uns h<strong>in</strong>gegen mit e<strong>in</strong>er<br />

ausschließlich auf unserem Alter beruhenden Bewertung<br />

unserer Personen, welche nichts über Qualifikationen, persönliche<br />

Erfahrungen o<strong>der</strong> Eignungen aussagt. Ganz im<br />

S<strong>in</strong>ne <strong>der</strong> Kampagne „Buntes <strong>Ehrenamt</strong> Hospiz“ (DHPV-<br />

Motto des Welthospiztages 2019 und Schwerpunktthema<br />

des Bundes-Hospiz-Anzeigers 02/2020) 26) sollte auch die<br />

Anerkennung so vielfältig se<strong>in</strong> wie die Menschen. E<strong>in</strong>e tolle<br />

Möglichkeit, „alte“ und „junge“ Mitarbeiter*<strong>in</strong>nen <strong>in</strong> den<br />

Austausch zu br<strong>in</strong>gen, ist die unvore<strong>in</strong>genommene E<strong>in</strong>beziehung<br />

<strong>der</strong> Ideen neuer Mitglie<strong>der</strong>. Manchmal br<strong>in</strong>gen diese<br />

Menschen „frischen W<strong>in</strong>d“ mit o<strong>der</strong> haben ganz an<strong>der</strong>e<br />

Zugänge zur Öffentlichkeitsarbeit, den Medien o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>en<br />

relevanten Prozessen. Nicht immer stoßen neue Ideen<br />

auf Begeisterung, diese sollten jedoch m<strong>in</strong>destens geme<strong>in</strong>sam<br />

mit dem gesamten Team diskutiert werden. Das<br />

ist gleich e<strong>in</strong>e gute Gelegenheit, auch Neue<strong>in</strong>steiger*<strong>in</strong>nen<br />

Gehör zu verschaffen.<br />

20<br />

26) Vgl. Bundes-Hospiz-Anzeiger Ausgabe 02/2020 mit dem Schwerpunkthema „Buntes <strong>Ehrenamt</strong> Hospiz“.


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Das Thema Anerkennung betrifft jedoch nicht nur die Akzeptanz<br />

unserer Personen. E<strong>in</strong> weiteres Anliegen dieses<br />

Kapitels ist die Sensibilisierung für Möglichkeiten e<strong>in</strong>er<br />

wertschätzenden Anerkennung <strong>in</strong> Verb<strong>in</strong>dung mit e<strong>in</strong>em<br />

Mehrwert, den ehrenamtliche Arbeit mit sich br<strong>in</strong>gt. Da<br />

wäre z. B. die „Geburtsstunde“ unserer Projektgruppe,<br />

nämlich die Auftaktveranstaltung des Projektes <strong>Junges</strong><br />

<strong>Ehrenamt</strong> zu nennen, bei <strong>der</strong> wir mit vielen an<strong>der</strong>en Akteur*<strong>in</strong>nen<br />

<strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> e<strong>in</strong>en tollen Tag im Berl<strong>in</strong>er<br />

Umweltforum verbr<strong>in</strong>gen durften. Im Rahmen <strong>der</strong> Charta<br />

zur Betreuung schwerstkranker und sterben<strong>der</strong> Menschen<br />

<strong>in</strong> Deutschland wurden am 5. April 2019 junge <strong>Ehrenamt</strong>liche<br />

zwischen 18 und 30 Jahren aus ganz Deutschland von<br />

den Charta-Trägerorganisationen (DHPV, DGP und BÄK)<br />

sowie dem Bundesfamilienm<strong>in</strong>isterium für die Arbeit <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

ambulanten und stationären Sterbe- und Trauerbegleitung<br />

geehrt. Die Festveranstaltung war <strong>der</strong> Startschuss für das<br />

BMFSFJ-f<strong>in</strong>anzierte Projekt „<strong>Hospizarbeit</strong> und ehrenamtliches<br />

Engagement – Weiterentwicklung und Zukunftsperspektiven“.<br />

Der E<strong>in</strong>ladung zu folgen und an diesem beson<strong>der</strong>en<br />

Ort an<strong>der</strong>e junge <strong>Ehrenamt</strong>liche zu treffen, war zum<br />

e<strong>in</strong>en e<strong>in</strong> spannendes Erlebnis. Zum an<strong>der</strong>en haben wir<br />

diesen achtsam ausgewählten Veranstaltungsort <strong>in</strong> Verb<strong>in</strong>dung<br />

mit <strong>der</strong> Festrede von <strong>der</strong> damaligen Bundesm<strong>in</strong>ister<strong>in</strong><br />

Franziska Giffey, die Angebote e<strong>in</strong>es umfangreichen<br />

Buffets, e<strong>in</strong>es musikalischen Rahmenprogramms sowie<br />

e<strong>in</strong>er anschließenden, geme<strong>in</strong>samen Sightsee<strong>in</strong>g-Tour<br />

aber auch als Zeichen beson<strong>der</strong>er Anerkennung und Wertschätzung<br />

wahrgenommen.<br />

In den Urkunden, die uns allen feierlich überreicht wurden,<br />

heißt es zudem: „Die Bundesm<strong>in</strong>ister<strong>in</strong> für Familie, Senioren,<br />

Frauen und Jugend und die Charta-Trägerorganisationen<br />

sprechen hiermit Anerkennung und Dank für dieses<br />

beson<strong>der</strong>e Engagement aus.“ E<strong>in</strong>erseits s<strong>in</strong>d solche wertschätzenden<br />

Worte ohne Zweifel sehr wohltuend und motivierend.<br />

An<strong>der</strong>erseits macht sich e<strong>in</strong> solches Dokument <strong>in</strong><br />

Bewerbungsmappen natürlich gut. Es empfiehlt sich also,<br />

„das Anliegen <strong>der</strong> Freiwilligen, d. h. die persönlich bedeutsame<br />

Sache, für die sie sich e<strong>in</strong>setzen, <strong>in</strong>s Zentrum je<strong>der</strong><br />

Anerkennungskultur zu stellen“, 27) während h<strong>in</strong>gegen e<strong>in</strong>e<br />

f<strong>in</strong>anzielle Vergütung <strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> ehrenamtlichen <strong>Hospizarbeit</strong><br />

eher unüblich und nicht vorgesehen ist. Dennoch<br />

gibt es Möglichkeiten <strong>der</strong> Aufwandsentschädigung, wie die<br />

sog. Fahrtkostenpauschale, die den <strong>Ehrenamt</strong>lichen die für<br />

ihren E<strong>in</strong>satz erfor<strong>der</strong>lichen Auslagen erstattet. Da gerade<br />

junge Menschen nicht immer e<strong>in</strong> eigenes Auto besitzen, ist<br />

es wichtig zu wissen, dass sich die Kosten für den ÖPNV<br />

erstatten lassen. Selbst e<strong>in</strong> kle<strong>in</strong>es Angebot an Getränken<br />

o<strong>der</strong> Snacks während geme<strong>in</strong>samer Treffen ist e<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e<br />

Form <strong>der</strong> Anerkennung. E<strong>in</strong>e weitere Sachzuwendung bieten<br />

viele Städte und Geme<strong>in</strong>den <strong>in</strong> Form e<strong>in</strong>er <strong>Ehrenamt</strong>skarte<br />

an. Diese gewährt Vorteile, wie z. B. Vergünstigungen<br />

bei <strong>der</strong> Nutzung regionale Kultur- und Freizeitangebote. 28)<br />

Derya: Die Urkundenverleihung war e<strong>in</strong>e tolle<br />

Anerkennung. Sowohl im Familien- und<br />

Freundeskreis als auch im Berufsleben s<strong>in</strong>d viele auf<br />

mich zugekommen. Selbst die Presse hat sich gemeldet.<br />

Natürlich ist man sehr stolz darauf!<br />

Öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen, wie etwa die<br />

Auszeichnungsveranstaltung <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>, bieten stets e<strong>in</strong>e<br />

gute Gelegenheit, die <strong>Hospizarbeit</strong> und die eigene E<strong>in</strong>richtung<br />

<strong>in</strong> den Fokus zu rücken. Nach <strong>der</strong> Verleihung<br />

berichteten zahlreiche Artikel <strong>in</strong> diversen Lokalzeitungen<br />

über die jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen, was zugleich e<strong>in</strong>e ideale<br />

„Werbefläche“ für die Mitarbeit bot. Häufig ist zu beobachten,<br />

dass sich nach solchen Zeitungsartikeln neue Interessent*<strong>in</strong>nen<br />

melden o<strong>der</strong> pr<strong>in</strong>zipiell auf das Thema <strong>Hospizarbeit</strong><br />

aufmerksam werden. E<strong>in</strong>ige junge <strong>Ehrenamt</strong>liche<br />

<strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> s<strong>in</strong>d bereits berufstätig, viele<br />

s<strong>in</strong>d jedoch noch <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Ausbildung o<strong>der</strong> sie studieren.<br />

Hier ist darauf h<strong>in</strong>zuweisen, dass sich ehrenamtliches Engagement<br />

<strong>in</strong> vielen Studiengängen als Praktikumszeit (z. B.<br />

Orientierungspraktikum) anerkennen lässt. Die zuständigen<br />

Dozent*<strong>in</strong>nen o<strong>der</strong> Prüfungsämter <strong>der</strong> jeweiligen Universitäten<br />

können hierüber genaue Auskünfte geben. Die<br />

Leiter*<strong>in</strong>nen hospizlicher E<strong>in</strong>richtungen können bei diesem<br />

Proce<strong>der</strong>e ebenfalls behilflich se<strong>in</strong>, <strong>in</strong>dem entsprechende<br />

Besche<strong>in</strong>igungen (zumeist mit Art und zeitlichem Umfang<br />

<strong>der</strong> Tätigkeiten) ausgestellt werden. Somit werden oftmals<br />

e<strong>in</strong>ige Credit Po<strong>in</strong>ts erlangt, <strong>der</strong> wegfallende Workload<br />

kann wie<strong>der</strong>um <strong>in</strong> ehrenamtliche Tätigkeiten <strong>in</strong>vestiert werden.<br />

Auch <strong>in</strong>nerhalb diverser Lehrveranstaltungen können<br />

ehrenamtliche Tätigkeiten e<strong>in</strong>en Mehrwert br<strong>in</strong>gen – etwa,<br />

wenn es um die Suche nach e<strong>in</strong>em Thema für Hausarbeiten<br />

o<strong>der</strong> Referate geht. Manchmal lassen sich über ehrenamtlich<br />

tätige Studierende zudem wertvolle Kontakte o<strong>der</strong><br />

gar das Angebot e<strong>in</strong>er Exkursion herstellen, welche von<br />

Dozent*<strong>in</strong>nen dankend angenommen werden. Des Weiteren<br />

ist e<strong>in</strong> Trend zu erkennen, die Ausbildung zur/zum<br />

ehrenamtlichen Sterbebegleiter*<strong>in</strong> o<strong>der</strong> Trauerbegleitungsqualifizierungen<br />

<strong>in</strong> Studiengänge als Wahlmöglichkeit zu <strong>in</strong>tegrieren.<br />

So ist es an <strong>der</strong> Universität Bonn etwa möglich,<br />

im Rahmen e<strong>in</strong>es Soziologie- o<strong>der</strong> Theologiestudiums e<strong>in</strong>e<br />

Qualifikation für die Trauerbegleitung am Arbeitsplatz zu<br />

absolvieren. Mediz<strong>in</strong>studierende können dort e<strong>in</strong>e ehren-<br />

27) Wehner; Güntert: Psychologie <strong>der</strong> Freiwilligenarbeit, 2015, S. 92.<br />

28) Zum Beispiel bietet NRW, wie viele an<strong>der</strong>e Bundeslän<strong>der</strong> auch, e<strong>in</strong>e landesweit gültige <strong>Ehrenamt</strong>skarte, um bürgerschaftliches Engagement anzuerkennen und<br />

zu würdigen – und diese Wertschätzung mit e<strong>in</strong>em praktischen Nutzen zu verb<strong>in</strong>den.<br />

21


amtliche Tätigkeit <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> als Wahlpflichtfach<br />

anerkennen lassen. Spezifisch auf die Studierenden zugeschnittene<br />

Kurse qualifizieren die jungen Menschen jeweils<br />

für diese Aufgaben.<br />

Insbeson<strong>der</strong>e Menschen, die bestimmte Verpflichtungen<br />

(z. B. Job, K<strong>in</strong><strong>der</strong>, Studium etc.) haben, können e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

oft nur dann ausüben, wenn e<strong>in</strong>e flexible Zeite<strong>in</strong>teilung<br />

möglich ist. E<strong>in</strong> fester Term<strong>in</strong> pro Woche – wie z. B.<br />

bei e<strong>in</strong>er Essensausgabe o<strong>der</strong> e<strong>in</strong>er Jugendgruppe – wäre<br />

eventuell schon problematisch. Bei Sterbe- und vielen<br />

Trauerbegleitungen sollte e<strong>in</strong>e freie Zeite<strong>in</strong>teilung <strong>in</strong> <strong>der</strong> Regel<br />

ke<strong>in</strong> Problem darstellen. Toll ist es, wenn die <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

mit ihren zu Begleitenden selbst Term<strong>in</strong>e vere<strong>in</strong>baren<br />

können und somit maximal flexibel s<strong>in</strong>d. Zudem ist es hilfreich,<br />

wenn „verpflichtende“ E<strong>in</strong>heiten wie Supervisionen<br />

o<strong>der</strong> Qualifizierungs- und Fortbildungskurse <strong>in</strong> den Abendstunden<br />

o<strong>der</strong> an Wochenenden angeboten werden – so<br />

wird Berufstätigen die Teilnahme erleichtert. Auch das ist<br />

e<strong>in</strong>e Form <strong>der</strong> Anerkennung und Wertschätzung gegenüber<br />

jungen ehrenamtlich engagierten Menschen. Nicht<br />

immer „reicht“ es <strong>Ehrenamt</strong>lichen, sich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em ambulanten<br />

Dienst o<strong>der</strong> e<strong>in</strong>er stationären E<strong>in</strong>richtung zu engagieren.<br />

E<strong>in</strong>ige haben Interesse an <strong>der</strong> Mitarbeit <strong>in</strong> Gremien,<br />

Vorständen o<strong>der</strong> gar <strong>in</strong> Bundesverbänden. Insbeson<strong>der</strong>e<br />

für junge Menschen, die sich auf ihrem Interessengebiet<br />

vielleicht noch weiterentwickeln möchten, ist e<strong>in</strong>e solche<br />

Vernetzung sehr wichtig. Auch diese Möglichkeit zu gewähren<br />

und vorhandene Ambitionen so gut es geht zu<br />

unterstützen, ist e<strong>in</strong>e wichtige Form <strong>der</strong> Anerkennung.<br />

Hierzu gehört ebenfalls die Übernahme von Reise- und<br />

Übernachtungskosten.<br />

Mögliche Formen <strong>der</strong> Anerkennung:<br />

• öffentlichkeitswirksame Anerkennung<br />

• geme<strong>in</strong>schaftsför<strong>der</strong>nde Anerkennung<br />

• soziale Anerkennung<br />

• Erfahrungsgew<strong>in</strong>n als Anerkennung<br />

• kenntnisvermittelnde Anerkennung<br />

• <strong>in</strong>frastrukturelle Anerkennung<br />

• Aufwandsentschädigungen als Anerkennung<br />

• materielle Anerkennung<br />

• tätigkeitsbegleitende Anerkennung zur Risikovermeidung<br />

(Versicherungsschutz)<br />

• auszeichnende Anerkennung<br />

Mit Blick auf e<strong>in</strong>e Anerkennung seitens <strong>der</strong> Politik <strong>der</strong><br />

Kommunal-, Landes- und Bundesebene wurde sowohl <strong>in</strong><br />

unserer Arbeitsgruppe <strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong> als auch <strong>in</strong> den<br />

Veranstaltungen des ersten Moduls die Erwartung benannt,<br />

dass die politische Verantwortung dar<strong>in</strong> liegt, e<strong>in</strong>en<br />

entsprechenden Rahmen zu schaffen. E<strong>in</strong>en Rahmen, <strong>der</strong><br />

e<strong>in</strong>e Kultur <strong>der</strong> Anerkennung und Wertschätzung durch<br />

z.B. die erfolgreich durchgeführten Veranstaltungen des<br />

Austausches und <strong>der</strong> Vernetzung för<strong>der</strong>t und unterstützt.<br />

Die Möglichkeiten <strong>Ehrenamt</strong> wertzuschätzen und anzuerkennen<br />

s<strong>in</strong>d je nach Bundesland und Kommune unterschiedlich<br />

weit ausgebaut. Zwar s<strong>in</strong>d sich Politiker*<strong>in</strong>nen<br />

weitestgehend e<strong>in</strong>ig, dass <strong>Ehrenamt</strong> e<strong>in</strong>en wichtigen Beitrag<br />

zur Zivilgesellschaft und zur Stärkung <strong>der</strong> Demokratie<br />

leistet, jedoch ist die Bereitschaft <strong>in</strong> <strong>der</strong> politischen Sphäre<br />

dafür <strong>in</strong>tensiv etwas zu tun nicht bei allen gleichermaßen<br />

stark verankert. Organisationen s<strong>in</strong>d zur Durchsetzung<br />

ihrer Belange und Interessen auf e<strong>in</strong>e starke und breit aufgestellte<br />

Bündnisarbeit angewiesen.<br />

22


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

Autor<strong>in</strong>nen: Derya, Liane, Nad<strong>in</strong>e<br />

Derya: Wir verbr<strong>in</strong>gen viel Zeit am Smartphone<br />

und nutzen es auch um uns zu <strong>in</strong>formieren.<br />

Deshalb werden digitale Medien für die Öffentlichkeitsarbeit<br />

immer wichtiger.<br />

Wenn man so will, ist Social Media die Zeitung von heute.<br />

Der Tag beg<strong>in</strong>nt bei den meisten Menschen mit dem Blick<br />

auf das Handy. Auf „den neuesten Stand br<strong>in</strong>gen“ heißt<br />

heute das Aufrufen von Tagesschau, Spiegelonl<strong>in</strong>e, Facebook,<br />

Instagram. „Schnell mal durchgeswiped und man ist<br />

startklar und <strong>in</strong>formiert für den Tag!“. Man überfliegt zahlreiche<br />

Beiträge und das, was e<strong>in</strong>en <strong>in</strong>teressiert, wird angeklickt<br />

und durchgelesen. Dieser kle<strong>in</strong>e Prozess beschreibt<br />

die Morgenrout<strong>in</strong>e von vielen Menschen.<br />

Auch zwischendurch landet man mehrmals am Tag wie<strong>der</strong><br />

im Netz. Wer kennt die Situation nicht? Man will „mal<br />

schnell“ etwas googeln und nimmt das Handy zur Hand<br />

o<strong>der</strong> klappt den Laptop auf. Bei Google angekommen sieht<br />

man schon direkt verlockende Produkte und Seiten. E<strong>in</strong><br />

Bericht über das Wochenende, was f<strong>in</strong>det wo statt. E<strong>in</strong>e<br />

neue bequeme Legg<strong>in</strong>gs für das Homeoffice o<strong>der</strong> doch<br />

spannende Artikel und Memes des Tages. Aus „schnell mal<br />

etwas googeln“ werden nicht selten zwei bis drei Stunden,<br />

weil man sich ablenken und treiben lässt.<br />

Das Wissen um dieses „Nutzer*<strong>in</strong>nenverhalten“ ist auch für<br />

die Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Doch was ist eigentlich Öffentlichkeitsarbeit?<br />

Öffentlichkeitsarbeit ist die Kommunikation<br />

e<strong>in</strong>es Vere<strong>in</strong>s nach außen. Indem man Nachrichten,<br />

Informationen o<strong>der</strong> Bil<strong>der</strong> auf e<strong>in</strong>e bestimmte Art und Weise<br />

<strong>in</strong> die Außenwelt transportiert, baut man Kontakt auf zur<br />

Außenwelt. Die Öffentlichkeitsarbeit stellt dabei e<strong>in</strong>en wichtigen<br />

Aspekt im Bereich <strong>der</strong> ehrenamtlichen Arbeit und als<br />

Instrument <strong>der</strong> Werbung dar. Öffentlichkeitarbeit macht die<br />

ehrenamtliche Arbeit sichtbar und begreifbar. Durch e<strong>in</strong>e<br />

gute Öffentlichkeitsarbeit gew<strong>in</strong>nt man Aufmerksamkeit<br />

und auch Akzeptanz Außenstehen<strong>der</strong> und kann somit erreichen,<br />

dass <strong>der</strong> Arbeit e<strong>in</strong>e größere Wertschätzung zugesprochen<br />

wird. Zudem schafft man Vertrauen und e<strong>in</strong><br />

positives Image <strong>in</strong> <strong>der</strong> Öffentlichkeit. Außerdem kann man<br />

dadurch neue Mitglie<strong>der</strong>*<strong>in</strong>nen sowie Spen<strong>der</strong>*<strong>in</strong>nen o<strong>der</strong><br />

Kooperationspartner*<strong>in</strong>nen für den Vere<strong>in</strong> gew<strong>in</strong>nen.<br />

Durch E<strong>in</strong>blicke <strong>in</strong> die Arbeit werden Hemmschwellen gesenkt,<br />

sich mit dem Thema Tod und Trauer zu beschäftigen.<br />

<strong>Ehrenamt</strong>liche <strong>Hospizarbeit</strong> ist wenig präsent bei<br />

jungen Erwachsenen, sodass die Öffentlichkeitsarbeit hier<br />

beson<strong>der</strong>s wichtig ist, um möglichen Berührungsängsten<br />

zu begegnen, die bestehenden Vorbehalte und Vorurteile<br />

23


aus dem Weg zu räumen und e<strong>in</strong>fach Lust zu machen auf<br />

dieses tolle und vielseitige <strong>Ehrenamt</strong>. Bil<strong>der</strong> und Texte sowie,<br />

e<strong>in</strong> zeitgemäßer Auftritt s<strong>in</strong>d hier also entscheidend!<br />

Jason: Ich denke, dass gerade e<strong>in</strong> e<strong>in</strong>facher und<br />

leichter Zugang zu <strong>der</strong> Thematik wichtig ist.<br />

E<strong>in</strong> Impuls, <strong>der</strong> e<strong>in</strong>fach e<strong>in</strong>lädt, darüber nachzudenken,<br />

beispielsweise durch Formate wie e<strong>in</strong>e `AnsprechBar´.<br />

Oft wird gerade die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit <strong>in</strong><br />

Vere<strong>in</strong>en vernachlässigt, weil die Zeit fehlt o<strong>der</strong> die fachliche<br />

Sicherheit nicht vorhanden ist.<br />

Wir wollen <strong>in</strong> diesem Kapitel e<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e Hilfestellung zur<br />

Konzeptionierung und Umsetzung von Öffentlichkeitsarbeit<br />

geben. Der Schwerpunkt liegt auf den Sozialen Medien,<br />

die gerade für die Gew<strong>in</strong>nung von jungen Menschen für<br />

das hospizliche <strong>Ehrenamt</strong> von großer Bedeutung s<strong>in</strong>d. Öffentlichkeitsarbeit<br />

ist e<strong>in</strong> weites Feld und es liegt <strong>in</strong> <strong>der</strong> Natur<br />

<strong>der</strong> Sache, dass wir nicht allzu sehr <strong>in</strong> die Tiefe gehen<br />

können (hier gibt es z.B. mit <strong>der</strong> jährlichen Fachtagung des<br />

DHPV e<strong>in</strong> Format, das e<strong>in</strong>zelne Facetten e<strong>in</strong>gehen<strong>der</strong> beleuchtet).<br />

In jedem Fall ist gute Öffentlichkeitsarbeit e<strong>in</strong> strategischer<br />

Prozess, bei dem zunächst folgende Punkte geklärt werden<br />

sollten:<br />

• Was ist da?<br />

Überlegen Sie, was <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong> schon alles an Öffentlichkeitsarbeit<br />

macht. Hat <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong> schon Kanäle, die bespielt<br />

werden? Wie sieht die -Gestaltung <strong>der</strong> Homepage<br />

aus? Wie viel Zeit wird aktuell <strong>in</strong>vestiert und was kommt<br />

dabei h<strong>in</strong>aus?<br />

• Was ist das Ziel? (Auftragsklärung)<br />

Was soll mit <strong>der</strong> Öffentlichkeitsarbeit konkret erreicht<br />

werden? E<strong>in</strong> klarer Arbeitsauftrag ist sehr hilfreich bei<br />

<strong>der</strong> anschließenden Umsetzung, um abgrenzen zu können,<br />

was för<strong>der</strong>lich für das Ziel ist und worauf sich ggf.<br />

konzentriert werden soll.<br />

• Wer hat welches Wissen/Fähigkeiten?<br />

Wer hat bereits Erfahrungen o<strong>der</strong> ist offen dafür, Neues<br />

zu lernen? Wie kann Wissen noch angeeignet werden?<br />

Welche eventuellen Weiterbildungsangebote gibt es?<br />

Gibt es gute Beispiele von an<strong>der</strong>en Initiativen, bei denen<br />

man sich <strong>in</strong>spirieren lassen o<strong>der</strong> sogar anfragen kann?<br />

Geme<strong>in</strong>same Konzepte können e<strong>in</strong>e gute Idee se<strong>in</strong>.<br />

• Wie hoch ist <strong>der</strong> Zeitaufwand?<br />

Aus Ziel und Vorerfahrung/vorhandenem Wissen leitet<br />

sich <strong>der</strong> benötigte Zeitaufwand ab. Daraus ergeben<br />

sich die Fragen: Wie viele Personen werden dafür benötigt?<br />

• Welchen Stellenwert hat die Öffentlichkeitsarbeit <strong>in</strong>nerhalb<br />

<strong>der</strong> Organisation?<br />

Ohne die Zuarbeit von Kolleg/<strong>in</strong>nen kann die Öffentlichkeitsarbeit<br />

nur schwerlich funktionieren, weil für jeden<br />

Beitrag auch Inhalte benötigt werden, die veröffentlicht<br />

werden können. Diese können nicht von <strong>der</strong> für die<br />

Öffentlichkeitsarbeit verantwortlichen Person/vom verantwortlichen<br />

Team erarbeitet und geschaffen werden.<br />

E<strong>in</strong> Zuarbeiten aller Kolleg*<strong>in</strong>nen <strong>in</strong> Form von Ideen o<strong>der</strong><br />

Informationen ist essentiell.<br />

Social Media<br />

Öffentlichkeitsarbeit hat sich stark verän<strong>der</strong>t. Nicht mehr<br />

nur <strong>der</strong> Flyer, <strong>der</strong> Presseartikel o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Aushang gehören<br />

zur Öffentlichkeitsarbeit, son<strong>der</strong>n gerade die digitale Welt<br />

wird immer wichtiger. Das ist vor allem dann von Bedeutung,<br />

wenn man auf e<strong>in</strong> diverses, buntes <strong>Ehrenamt</strong> abzielt.<br />

Gerade hier sollte man offen se<strong>in</strong> und nicht nur auf die<br />

„klassischen Medien“ zurückzugreifen, son<strong>der</strong>n den Schritt<br />

<strong>in</strong> die digitale Welt wagen. „Digitale Plattformen werden im<br />

Engagementsektor zunehmend wichtiger.“ 29)<br />

Öffentlichkeitsarbeit <strong>in</strong> <strong>der</strong> digitalen Welt kann heute viel<br />

bewirken. In kürzester Zeit kann man sehr viele Menschen<br />

erreichen. Man kann sich austauschen, kreative Ideen<br />

sammeln, sich vernetzen und sich und se<strong>in</strong>en Vere<strong>in</strong>/se<strong>in</strong>e<br />

Institution sichtbar machen. Allerd<strong>in</strong>gs ist die Konkurrenz<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> digitalen Welt groß und die Öffentlichkeitsarbeit dort<br />

braucht vor allem Zeit, stetig neue Inhalte und Durchhaltevermögen.<br />

Daher: Bevor Sie jetzt direkt zum Handy greifen und sich<br />

e<strong>in</strong>en Instagram-Account anlegen, gibt es e<strong>in</strong> paar D<strong>in</strong>ge<br />

zu beachten, die wir im Folgenden kurz umreißen möchten.<br />

Die gewählten Beispiele dienen dabei <strong>der</strong> Veranschaulichung,<br />

die <strong>in</strong>haltliche Ausrichtung/Haltung <strong>der</strong> Initiativen<br />

s<strong>in</strong>d zweitrangig.<br />

Liane: „Damit e<strong>in</strong> Beitrag gelesen wird, muss er<br />

ansprechend im Layout und <strong>in</strong> <strong>der</strong> Bildsprache<br />

se<strong>in</strong>, sonst wird weitergescrollt.“<br />

24


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Instagram, Facebook und YouTube s<strong>in</strong>d für die Gew<strong>in</strong>nung<br />

und B<strong>in</strong>dung von <strong>Ehrenamt</strong>lichen <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> sicher<br />

die besten Kanäle. Facebook gilt dabei als das Social-Media-Netzwerk<br />

<strong>der</strong> Generation 50+, bei allen an<strong>der</strong>en<br />

Altersgruppen liegt YouTube an <strong>der</strong> Spitze. Über Instagram<br />

erreicht man vor allem Menschen zwischen 20 und 35, jüngere<br />

Menschen s<strong>in</strong>d eher auf Snapchat aktiv.<br />

Grundsätzlich gilt:<br />

Um bei Social Media aktiv zu se<strong>in</strong>, muss für jeden Kanal,<br />

<strong>der</strong> bespielt werden soll, e<strong>in</strong> Account erstellt werden. Das<br />

ist weit weniger kompliziert als befürchtet. Vor allem für<br />

Menschen, die nicht mit dem Smartphone aufgewachsen<br />

s<strong>in</strong>d, gilt es, sich mutig h<strong>in</strong>e<strong>in</strong>zuwerfen und dem Credo<br />

„Learn<strong>in</strong>g by Do<strong>in</strong>g“ zu folgen bzw. sich Unterstützung bei<br />

jüngeren Menschen zu holen.<br />

Wichtig ist jedoch, dass Sie Zeit mitbr<strong>in</strong>gen und je<strong>der</strong> Kanal<br />

regelmäßig gefüttert wird (1-4 Post<strong>in</strong>gs pro Woche).<br />

Stories auf Facebook und Instagram (schnelle, unperfekte<br />

Post<strong>in</strong>gs, die nur 24 Stunden zu sehen s<strong>in</strong>d) s<strong>in</strong>d beliebt,<br />

um kurze E<strong>in</strong>blicke <strong>in</strong> das alltägliche Geschehen zu geben.<br />

Hierbei kann es sich um kurze Videosequenzen o<strong>der</strong> auch<br />

Bil<strong>der</strong> handeln. Die Zeitpunkte <strong>der</strong> Post<strong>in</strong>gs spielen ebenfalls<br />

e<strong>in</strong>e Rolle. Diese sollten nach Möglichkeit abends se<strong>in</strong>.<br />

Duzen ist vor allem mit Blick auf junge Menschen besser<br />

als Siezen, um die Hemmschwelle niedrig zu halten.<br />

Auch werden vor allem bei Instagram gerne so genannte<br />

Hashtag (Rautezeichen #) genutzt. Diese ordnen den<br />

Post e<strong>in</strong>em übergeordneten Thema zu und machen ihn<br />

zugleich e<strong>in</strong>zigartig und bunt. Somit entsteht e<strong>in</strong> Wie<strong>der</strong>erkennungswert.<br />

E<strong>in</strong> Klick auf den Hashtag führt zu e<strong>in</strong>er<br />

Übersichtsseite, welche sämtliche Posts mit dem selben<br />

Hashtag anzeigen.<br />

Wichtig: Seien Sie locker und formulieren Sie umgangssprachlich!<br />

Gerade bei unserem Thema ist das<br />

sehr wichtig!<br />

Post<strong>in</strong>gs auf den Soziale Netzwerke haben immer vier<br />

Ziele:<br />

• Publish<strong>in</strong>g/ Veröffentlichen<br />

Die Veröffentlichung von Inhalten wie Fotos, Ereignissen,<br />

Veranstaltungen, Beiträgen etc.<br />

• Shar<strong>in</strong>g/Teilen<br />

Das Veröffentlichte wird durch Unternehmen, Freunde,<br />

Familie etc. geteilt (weiterveröffentlicht). Das erhöht die<br />

Reichweite stark.<br />

• Discuss<strong>in</strong>g/Diskutieren<br />

Geteilte Inhalte werden durch an<strong>der</strong>e diskutiert bzw.<br />

auch kommentiert<br />

• Network<strong>in</strong>g/Aufbau und Aufrechterhaltung von Kontakten<br />

Durch geteilte Inhalte bauen sich Kontakte auf, welche<br />

sowohl aufrechterhalten werden müssen als auch weiter<br />

ausgebaut werden sollten.<br />

Derya: „Die Nutzung von Sozialen Medien<br />

gehört bei uns jüngeren Erwachsenen fest <strong>in</strong> den<br />

Alltag. Wir <strong>in</strong>formieren uns, tauschen uns aus und<br />

lassen uns <strong>in</strong>spirieren.“<br />

Instagram<br />

Instagram ist e<strong>in</strong>e Onl<strong>in</strong>e-Plattform zum Teilen und Veröffentlichen<br />

von Fotos und Videos. Diese Plattform wird<br />

überwiegend von Menschen bis 35 genutzt und ist daher<br />

perfekt geeignet, um junge <strong>Ehrenamt</strong>liche zu gew<strong>in</strong>nen.<br />

Aber auch immer mehr Firmen/Vere<strong>in</strong>e etc. nutzen Instagram,<br />

um Aufmerksamkeit zu bekommen. Sogenannte<br />

Influencer (Personen, die durch starke Präsenz und viele<br />

Follower e<strong>in</strong>e hohe Reichweite haben) s<strong>in</strong>d beson<strong>der</strong>s für<br />

Werbung und Vermarktung von Produkten, Themen und<br />

Firmen geeignet.<br />

Ziel: Alltägliches soll für die Nutzer/die Nutzer<strong>in</strong>nen bildlich<br />

und sprachlich zugänglich gemacht werden<br />

Sobald Ihr eigener Instagram Account steht, ist es wichtig<br />

diesen immer wie<strong>der</strong> zu pflegen, d.h. wenigstens zwei Mal<br />

pro Woche e<strong>in</strong> neues Post zu veröffentlichen.<br />

Zu beachten ist außerdem, dass es nicht um e<strong>in</strong>en wissenschaftlichen<br />

Diskurs geht, son<strong>der</strong>n eher darum, e<strong>in</strong> Thema<br />

erfahrbar zu machen und zu <strong>in</strong>formieren. Gerade bei hospizlichen<br />

Themen, die ja häufig noch tabuisiert werden, ist<br />

es wichtig, Freude zu zeigen und dass <strong>Hospizarbeit</strong> doch<br />

etwas komplett Normales ist.<br />

Nad<strong>in</strong>e: Instagram lebt von Bil<strong>der</strong>n mit Zitaten<br />

und gesprochenen Videos. Es muss nichts se<strong>in</strong>,<br />

was absolut perfekt ist, son<strong>der</strong>n eben das Gegenteil:<br />

Natürlichkeit, Realitätsnähe und E<strong>in</strong>fachheit überzeugen<br />

die Nutzer*<strong>in</strong>nen. Wie im eigenen Leben möchten<br />

sie auch die Aufs und Abs miterleben können. Tod und<br />

Sterben soll nicht als etwas übernatürliches dargestellt<br />

werden, son<strong>der</strong>n alltäglich. Geschichten über Patienten,<br />

Geschichten über die Hospizkatze etc., all das gehört<br />

dazu.<br />

25


Youtube<br />

Auf YouTube kann man e<strong>in</strong>en Videokanal <strong>in</strong>s Leben rufen.<br />

Projekte o<strong>der</strong> Veranstaltungen, die aufgenommen wurden,<br />

können so veröffentlicht werden.<br />

Ebenfalls können Vlogs (Video-Blogs) gedreht werden.<br />

Themenwochen s<strong>in</strong>d sehr beliebt. Allerd<strong>in</strong>gs s<strong>in</strong>d Videos<br />

und Vlogs sehr zeit<strong>in</strong>tensiv, weil sich e<strong>in</strong> Video wesentlich<br />

schwieriger dreht, als e<strong>in</strong>en Beitrag zu schreiben.<br />

Klassische Kanäle <strong>der</strong> Öffentlichkeitsarbeit<br />

Auch wenn Social Media zunehmend an Bedeutung gew<strong>in</strong>nt,<br />

so ist es doch nur e<strong>in</strong> Teil <strong>der</strong> Öffentlichkeitsarbeit,<br />

<strong>der</strong> immer zusammen mit „klassischen“ Mitteln und Kanälen<br />

gesehen werden muss. Der folgende kurze Exkurs gibt<br />

hier e<strong>in</strong>en Überblick.<br />

Email Newsletter<br />

E<strong>in</strong> Newsletter per Mail <strong>in</strong>formiert über für aktuelle Themen<br />

und gibt e<strong>in</strong> kurzer Überblick über Highlights und Neuigkeiten.<br />

Er sollte regelmäßig ersche<strong>in</strong>en, am besten e<strong>in</strong>mal pro<br />

Monat, aber auch alle zwei o<strong>der</strong> drei Monate ist denkbar.<br />

gegeben werden.<br />

Verl<strong>in</strong>kungen auf an<strong>der</strong>e Medien und Kanäle s<strong>in</strong>d möglich<br />

und s<strong>in</strong>nvoll, z. B. auf die eigene Homepage, wie hier am<br />

Beispiel des Hospizes Sankt Kathar<strong>in</strong>a zu sehen:<br />

www.hospiz-sankt-kathar<strong>in</strong>a-ffm.de/Hospiz-Newsletter/<br />

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, kann <strong>der</strong><br />

Newsletter auch über Messengerdienste (WhatsApp<br />

Broadcast, FB Messenger, Chatbots) versandt werden.<br />

Website/Blog<br />

Hier zählt <strong>der</strong> erste E<strong>in</strong>druck: E<strong>in</strong>e Website muss gut strukturiert<br />

se<strong>in</strong> und e<strong>in</strong>en klaren Aufbau haben. Hilfreich s<strong>in</strong>d<br />

schmale Klickpfade, d.h. es sollte nicht zu viele Untermenüpunkte<br />

und -ebenen geben.<br />

Wichtig: Die Website ist <strong>in</strong> <strong>der</strong> Regel <strong>der</strong> Dreh- und Angelpunkt<br />

<strong>der</strong> Eigendarstellung, auf den alle Kanäle verweisen.<br />

Diese können und sollten hier möglichst e<strong>in</strong>gebunden werden,<br />

zum Beispiel L<strong>in</strong>ks und Verknüpfungen zu Social-Media-Kanälen,<br />

<strong>der</strong> aktuelle Newsletter o<strong>der</strong> Erwähnungen <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> Presse. Um den Mehrwert für die Besucher/<strong>in</strong>nen Ihrer<br />

Homepage zu erhöhen, können Sie unter „Nützliches“ beispielsweise<br />

auch zu an<strong>der</strong>en Vere<strong>in</strong>en o<strong>der</strong> Informationsstellen<br />

verweisen, o<strong>der</strong> gar selbst Materialien wie empfohlene<br />

Artikel o<strong>der</strong> Patientenverfügungen etc. hochladen.<br />

Wichtig ist auch für die Homepage, den Auftritt möglichst<br />

aktuell zu halten. So können die Fotos und Videos, die auf<br />

den Sozialen Netzwerken veröffentlich wurden, auch hier<br />

als Beitrag ersche<strong>in</strong>en. Das vere<strong>in</strong>heitlicht den Öffentlichkeitsauftritt<br />

zusätzlich.<br />

Katja: als ich damals den Aufruf des Hospizvere<strong>in</strong>s<br />

am schwarzen Brett <strong>der</strong> Uni gelesen habe,<br />

<strong>in</strong>formierte ich mich am gleichen Abend noch im<br />

Internet über die E<strong>in</strong>richtung und Angebote. E<strong>in</strong>e<br />

ansprechend gestaltete Homepage hat mir sehr geholfen,<br />

mich <strong>in</strong> die Themen e<strong>in</strong>zuf<strong>in</strong>den und hat me<strong>in</strong> Interesse<br />

nochmals bestärkt.<br />

Pr<strong>in</strong>tmedien<br />

• ganz klassisch: Plakate, Flyer, Visitenkarten, Flugblätter,<br />

Vere<strong>in</strong>szeitung, Infoheft o<strong>der</strong> Broschüren<br />

• Postkarten s<strong>in</strong>d toll, z.B. mit e<strong>in</strong>emcoolen, e<strong>in</strong>prägsamer<br />

Spruch auf die Vor<strong>der</strong>seite, die man überall<br />

auslegen kann<br />

Nad<strong>in</strong>e: Damals b<strong>in</strong> ich noch durch e<strong>in</strong>en<br />

Zeitungsartikel auf e<strong>in</strong>en Hospizkurs<br />

aufmerksam geworden. Ich lese gerne die hiesigen<br />

Lokalzeitungen („Klatschblättchen“), dies ist aber nicht<br />

selbstverständlich für me<strong>in</strong>e Generation. Durch Social<br />

media wäre ich vielleicht schon viel früher auf das<br />

<strong>Ehrenamt</strong> aufmerksam geworden!<br />

Christ<strong>in</strong>e: ich wusste lange Zeit nicht, dass es so<br />

etwas wie Hospizvere<strong>in</strong>e gibt. Ich b<strong>in</strong> durch<br />

Zufall auf e<strong>in</strong>en Aushang <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Schaukasten<br />

neben e<strong>in</strong>er evangelischen Geme<strong>in</strong>de gestoßen.<br />

Events<br />

• Tag <strong>der</strong> offenen Tür<br />

• Infostand bei Events z.B. <strong>Ehrenamt</strong>sbörse, Stadtfeste,<br />

• Mitglie<strong>der</strong>versammlung<br />

26


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

• Vortrag/Sem<strong>in</strong>ar (gerne auch <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em stationären Hospiz<br />

o<strong>der</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> E<strong>in</strong>richtung selbst, das macht den Ort<br />

erfahrbarer)<br />

• Podiumsdiskussionen<br />

• Welthospiztag<br />

• Kooperationen z.B. mit Jugendarbeit, Hospiz macht<br />

Schule, Letzte Hilfe als tolle Chance, um für sich Werbung<br />

zu machen und gleichzeitig zu <strong>in</strong>formieren<br />

• W<strong>in</strong>e and Talk o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>e Themenreihen, bei denen<br />

man über verschiedene D<strong>in</strong>ge spricht, es muss nicht<br />

immer Krankheit, Sterben, Tod se<strong>in</strong><br />

Sarah: durch die Urkundenverleihung <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong><br />

s<strong>in</strong>d wir erst darauf aufmerksam geworden, dass<br />

es mehr junge <strong>Ehrenamt</strong>liche gibt. Anfangs dachten wir,<br />

dass wir alle<strong>in</strong>e s<strong>in</strong>d. Es ist schön, sich durch Social Media<br />

zu vernetzen und zu sehen, dass es doch mehr junge<br />

<strong>Ehrenamt</strong>liche gibt.<br />

Werbung<br />

• Plakatwand<br />

• Spot im Radio/TV<br />

• Image-Film<br />

• kurz, präzise, klarer Inhalt<br />

• gute Qualität von Ton und Bild<br />

• professionell gefilmt<br />

An<strong>der</strong>es<br />

• Podcast<br />

• Werbung im öffentlichem Nachverkehr, Universitäten,<br />

Schule<br />

• Projektarbeit > Praktika für Studierende, Schüler<br />

• Rent a Hospizler > <strong>in</strong> <strong>der</strong> Schule die <strong>Hospizarbeit</strong><br />

vorstellen<br />

Auch konventionelle Verbreitungswege s<strong>in</strong>d möglich und<br />

för<strong>der</strong>lich für mehr Partizipation. Trotz <strong>der</strong> Dom<strong>in</strong>anz von<br />

Onl<strong>in</strong>e-Medien s<strong>in</strong>d Pr<strong>in</strong>tmedien e<strong>in</strong> wichtiger Bauste<strong>in</strong><br />

guter Öffentlichkeitsarbeit. „Je nach eigenen Interessen,<br />

Bildungs- und sozialem H<strong>in</strong>tergrund besteht e<strong>in</strong>e unterschiedliche<br />

Nähe und Aufgeschlossenheit zu bestimmten<br />

Kommunikation Formen und Medien“. 30) Für Menschen,<br />

die das Internet nicht nutzen und ke<strong>in</strong>en Internetzugang<br />

haben o<strong>der</strong> für solche, die etwas <strong>in</strong> den Händen halten<br />

wollen, s<strong>in</strong>d Pr<strong>in</strong>tmedien e<strong>in</strong>e wichtige Informationsquelle.<br />

Pr<strong>in</strong>tmedien erfor<strong>der</strong>n darüber h<strong>in</strong>aus an<strong>der</strong>e Verbreitungswege<br />

und erreichen damit an<strong>der</strong>e Interessierte als<br />

dies Onl<strong>in</strong>e-Medien leisten können.<br />

E<strong>in</strong>e breite, vielfältige Öffentlichkeitsarbeit erreicht mehr<br />

Menschen. Wir möchten Mut machen und Lust wecken,<br />

sich <strong>der</strong> bunten Welt <strong>der</strong> Medien zu stellen. Schritt<br />

für Schritt mit e<strong>in</strong>em realistischen Blick auf Ziel, Zeit und<br />

Know-how.<br />

30) Zivilgesellschaft KONKRET 2015. S. 14.<br />

27


E<strong>in</strong>stieg und Begleitung<br />

Autor*<strong>in</strong>nen: Jason, Roswitha<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> ist e<strong>in</strong> buntes <strong>Ehrenamt</strong>. Um diese Vielfalt zu<br />

för<strong>der</strong>n und zu erhalten, bedarf es neben e<strong>in</strong>er Betrachtung<br />

<strong>der</strong> Zielgruppe und e<strong>in</strong>er spezifischen Ansprache<br />

über verschiedene Mittel <strong>der</strong> Öffentlichkeitsarbeit, wie sie<br />

im vorherigen Kapitel vorgestellt worden ist, e<strong>in</strong>en niedrigschwelligen<br />

Zugang zu konkreten und weiterführenden Informationen<br />

und Angeboten. Diesen Schritt möchten wir<br />

hier näher vorstellen und Impulse geben, wie e<strong>in</strong> E<strong>in</strong>stieg<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> für junge Menschen gestaltet se<strong>in</strong> kann.<br />

E<strong>in</strong>stiegsphase<br />

Die E<strong>in</strong>stiegsphase beg<strong>in</strong>nt <strong>in</strong> dem Moment, <strong>in</strong> dem das<br />

Interesse e<strong>in</strong>er Person geweckt wird. Um aus diesem erwachten<br />

Interesse e<strong>in</strong> klares Ziel entstehen zu lassen, aktiv<br />

im Hospizdienst mitzuwirken, bedarf es an Offenheit und<br />

Interesse am Gegenüber. Hierzu bietet es sich an, e<strong>in</strong>e<br />

nie<strong>der</strong>schwellige Informationsmöglichkeit anzubieten, die<br />

<strong>in</strong>teressierte Menschen berät und sie bis zu ihrer Entscheidung<br />

begleitet, ohne dabei aufdr<strong>in</strong>glich zu se<strong>in</strong> und e<strong>in</strong> Gefühl<br />

von Verpflichtung aufkommen zu lassen. „Zudem wird<br />

debattiert, dass e<strong>in</strong>e neue Generation von Freiwilligen eher<br />

kurzfristige, episodische E<strong>in</strong>sätze mit weniger Verb<strong>in</strong>dlichkeit<br />

bevorzugt, was zu Diskrepanzen <strong>in</strong> den Bedürfnissen<br />

<strong>der</strong> Non-Profit-Organisationen führt und für hohe Fluktuationsraten<br />

sorgt.“ 31)<br />

Die Niedrigschwelligkeit kann z. B. durch e<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>fache<br />

Kommunikation über Social Media gewährleistet werden,<br />

da Barrieren, wie beispielsweise <strong>der</strong> Gang zum Hospizbüro<br />

etc., damit umgangen werden können. Vor allem für jüngere<br />

Generationen ist die Verständigung, die Kontaktaufnahme<br />

und <strong>der</strong> Informationsaustausch über soziale Medien<br />

und Messenger-Dienste e<strong>in</strong> normaler und selbstverständlicher<br />

Weg.<br />

E<strong>in</strong> geme<strong>in</strong>sames Kennenlernen, bei dem alle Akteure ihre<br />

Erwartungen und Motive austauschen können und die<br />

nächsten Schritte absprechen, ist sehr wichtig.<br />

Sowohl seitens <strong>der</strong> potenziellen neuen <strong>Ehrenamt</strong>lichen als<br />

auch seitens des Hospizvere<strong>in</strong>s bzw. <strong>der</strong> Koord<strong>in</strong>ationskraft<br />

bestehen Erwartungen an das Gegenüber, die besprochen<br />

werden sollten. „Dies ist e<strong>in</strong> guter Weg, die neuen<br />

Freiwilligen willkommen zu heißen und dabei passende<br />

28<br />

31) Wehner; Güntert: Psychologie <strong>der</strong> Freiwilligenarbeit, 2015, S. 133.


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Engagementmöglichkeiten für jeden e<strong>in</strong>zelnen zu f<strong>in</strong>den.<br />

Zugleich erhöht e<strong>in</strong> Erstgespräch die Wahrsche<strong>in</strong>lichkeit,<br />

dass das Engagement dauerhaft – weil <strong>in</strong>dividuell abgestimmt<br />

– ist“. 32)<br />

Mögliche Inhalte im ersten Kennenlerngespräch:<br />

• Welche Tätigkeit passt zu <strong>der</strong>/dem neuen <strong>Ehrenamt</strong>lichen?<br />

Es ist wichtig, alle Tätigkeitsfel<strong>der</strong> des Vere<strong>in</strong>s zu darzustellen,<br />

um dem/<strong>der</strong> Neuen e<strong>in</strong>en ganzheitlichen Überblick<br />

über die Möglichkeiten zu verschaffen. Weiterh<strong>in</strong><br />

sollte ihm/ihr die Chance gegeben werden, darzulegen,<br />

wo die persönlichen Kompetenzen und Interessen liegen<br />

und welche Vorstellung vom Engagement bestehen.<br />

• Welche zeitlichen Kapazitäten und Erwartungen br<strong>in</strong>gt<br />

<strong>der</strong>/die <strong>Ehrenamt</strong>liche mit?<br />

Zu evaluieren, wie viel Zeit <strong>der</strong>/die <strong>Ehrenamt</strong>liche aufbr<strong>in</strong>gen<br />

kann, hilft dabei, die Erwartungen ane<strong>in</strong>an<strong>der</strong><br />

abzustimmen und auf die Lebenswelten <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

e<strong>in</strong>zugehen. Die Darstellung <strong>der</strong> Verpflichtungen<br />

bzw. Erwartungen an den/die <strong>Ehrenamt</strong>liche*n ist hier<br />

e<strong>in</strong> wesentlicher Punkt.<br />

• Wie ist <strong>der</strong> Hospizdienst organisiert?<br />

Damit <strong>der</strong>/die <strong>Ehrenamt</strong>liche sich gut <strong>in</strong> den jeweiligen<br />

Hospizdienst <strong>in</strong>tegrieren kann, muss er/sie die Möglichkeit<br />

bekommen, auch die organisatorischen H<strong>in</strong>tergründe<br />

kennenzulernen. Dabei ist Transparenz für viele junge<br />

<strong>Ehrenamt</strong>liche wichtig. Wie s<strong>in</strong>d die Strukturen? Wer ist<br />

<strong>der</strong>/die Ansprechpartner*<strong>in</strong> für was? In welche Teams<br />

werde ich e<strong>in</strong>geteilt? Welche Werte vertritt <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong>?<br />

E<strong>in</strong>ige dieser Fragestellungen f<strong>in</strong>den sich <strong>in</strong> den Begleitvere<strong>in</strong>barungen<br />

<strong>der</strong> jeweiligen Hospizdienste.<br />

• Wie unterstützt <strong>der</strong> Vere<strong>in</strong> die <strong>Ehrenamt</strong>lichen bei <strong>der</strong><br />

Arbeit?<br />

Beim Thema <strong>der</strong> Unterstützung <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

durch den Vere<strong>in</strong> kann auf die persönlichen Herausfor<strong>der</strong>ungen<br />

e<strong>in</strong>gegangen werden, die das <strong>Ehrenamt</strong><br />

Hospiz mit sich br<strong>in</strong>gt und wie die Hospizler*<strong>in</strong>nen dabei<br />

begleitet bzw. darauf vorbereitet werden (Supervision,<br />

Vertiefungskurse etc.). In dem Kontext kann auch darauf<br />

h<strong>in</strong>gewiesen werden, welche Fortbildungsangebote bestehen.<br />

Um e<strong>in</strong> Kennenlernen zu gestalten, gibt es verschiedene<br />

Möglichkeiten. Vor dem Vorbereitungskurs kann e<strong>in</strong> Kennenlern-Sem<strong>in</strong>ar<br />

mit den neuen <strong>Ehrenamt</strong>lichen durchgeführt<br />

werden, <strong>in</strong> dem die Vere<strong>in</strong>sstrukturen und Möglichkeiten<br />

erklärt und e<strong>in</strong> erstes Begegnen und Kennenlernen<br />

ermöglicht werden. E<strong>in</strong> <strong>in</strong>dividuelles Gespräch kann dennoch<br />

zielführend se<strong>in</strong>, um e<strong>in</strong>e Vertrauensbasis zu schaffen<br />

und o. g. Punkte geme<strong>in</strong>sam zu erarbeiten.<br />

Viele Hospizdienste arrangieren und organisieren das Kennenlernen<br />

und den E<strong>in</strong>stieg schon lange nach den hier aufgeführten<br />

Punkten. Dennoch möchten wir betonen, dass<br />

das Kennenlernen nicht den Charakter e<strong>in</strong>es Bewerbungsgespräches<br />

haben sollte. Wir wünschen uns im Erstgespräch<br />

und Erstkontakt ke<strong>in</strong>e Schräglage und Hierarchie,<br />

son<strong>der</strong>n Offenheit und Kommunikation auf Augenhöhe<br />

Christ<strong>in</strong>e: Dass ich bei <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> gelandet<br />

b<strong>in</strong>, war nicht geplant. Die Atmosphäre <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

Gruppe durch die Art <strong>der</strong> Koord<strong>in</strong>ator<strong>in</strong>nen des Vere<strong>in</strong>s<br />

hat mich sehr angesprochen. Beim Kennenlerngespräch<br />

konnte ich dann me<strong>in</strong>e Bedenken besprechen, dass ich<br />

mir z. B. Flexibilität wünsche, so dass ich me<strong>in</strong> Engagement<br />

fortsetzen kann, falls ich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>e an<strong>der</strong>e Stadt<br />

ziehe.<br />

Weitere Möglichkeiten, um Berührungsängste zu nehmen<br />

und Sicherheiten zu geben:<br />

• Das Anbieten e<strong>in</strong>es zeitlich überschaubaren Projektes,<br />

z. B. im Rahmen e<strong>in</strong>er Hospitation, ermöglicht beiden<br />

Seiten, sich besser kennenzulernen und hilft dem/<strong>der</strong><br />

<strong>Ehrenamt</strong>lichen, sich unverb<strong>in</strong>dlich <strong>in</strong> die Tätigkeit e<strong>in</strong>zuf<strong>in</strong>den.<br />

Dieser Vorschlag kann auf jeden Fall auch<br />

schon vor e<strong>in</strong>em Eignungsgespräch stattf<strong>in</strong>den und ist<br />

e<strong>in</strong>e gute Möglichkeit, Unentschlossene zu motivieren<br />

und ihnen Berührungsängste zu nehmen.<br />

• Vermittlung e<strong>in</strong>er Akzeptanz von e<strong>in</strong>em schnellen E<strong>in</strong>und<br />

Austritt: „Im S<strong>in</strong>ne e<strong>in</strong>es gestiegenen Projektverständnisses<br />

von Engagement müsste flexiblere Umsetzung<br />

von <strong>Ehrenamt</strong> erleichtert werden. […] Onboard<strong>in</strong>g<br />

und Offboard<strong>in</strong>g - als die Aufnahme bzw. Beendigung<br />

e<strong>in</strong>es Engagements – müssen e<strong>in</strong>e höhere Akzeptanz<br />

bekommen.“ 33)<br />

• Die Begleitung durch Erfahrene, wie <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Partnerprojekt,<br />

bietet den neuen Kräften e<strong>in</strong>e*n direkte*n Ansprechpartner*<strong>in</strong>,<br />

<strong>der</strong>/die mit Rat und Tat zur Seite steht.<br />

Das schafft Vertrauen und Sicherheit bei möglichen Fragen<br />

und Anliegen.<br />

32) Landesfreiwilligenagentur Berl<strong>in</strong>: Instrumente <strong>der</strong> Anerkennung, 2015, S. 7.<br />

33) F<strong>in</strong>k, Michaela 2021, S. 82.<br />

29


Christ<strong>in</strong>e: Während <strong>der</strong> Vorbereitung zur<br />

ehrenamtlichen Sterbebegleiter<strong>in</strong> habe ich e<strong>in</strong><br />

Praktikum auf <strong>der</strong> Palliativstation absolviert. Bei<br />

me<strong>in</strong>en Besuchen hatte ich immer e<strong>in</strong>e direkte Ansprechpartner<strong>in</strong>,<br />

die mich e<strong>in</strong>geführt hat. Wir haben davor<br />

besprochen, was ansteht und danach, wie es war. Das war<br />

e<strong>in</strong>e super Hilfestellung für mich, um die Arbeit dort<br />

kennenzulernen und alle me<strong>in</strong>e Fragen loswerden zu<br />

können.<br />

• E<strong>in</strong>e Austauschrunde für Neue erleichtert die E<strong>in</strong>f<strong>in</strong>dungsphase.<br />

Bereits Erfahrenere s<strong>in</strong>d nicht nur wesentlich<br />

besser <strong>in</strong> die Strukturen <strong>in</strong>tegriert, sie haben<br />

ganz bestimmt auch an<strong>der</strong>e Fragen und Anliegen.<br />

Uns ist bewusst, dass nicht alle Vorschläge für jeden Hospizdienst<br />

realisierbar o<strong>der</strong> passend s<strong>in</strong>d, aber vielleicht<br />

können wir hiermit e<strong>in</strong>ige Impulse setzen.<br />

Vorbereitungskurs<br />

Die Vorbereitung von <strong>in</strong>teressierten Menschen auf die ehrenamtliche<br />

Mitarbeit <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> ist seit Beg<strong>in</strong>n<br />

<strong>der</strong> Hospizbewegung, also seit über 30 Jahren, e<strong>in</strong>e <strong>der</strong><br />

Kernkompetenzen <strong>der</strong> ambulanten Hospizdienste und <strong>der</strong><br />

stationären Hospize. Dabei s<strong>in</strong>d verschiedene Kursformen,<br />

unterschiedliche Curricula und e<strong>in</strong>e Vielzahl von e<strong>in</strong>zelnen<br />

Kurse<strong>in</strong>heiten entstanden. 34) Aber welchen Herausfor<strong>der</strong>ungen<br />

steht die Qualifizierung <strong>Ehrenamt</strong>licher mit Blick<br />

auf das junge <strong>Ehrenamt</strong> gegenüber? Bedarf es hier großer<br />

Än<strong>der</strong>ungen?<br />

Die Verän<strong>der</strong>ungen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Altersstruktur <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

machen deutlich, dass es an<strong>der</strong>er Formen <strong>der</strong> Didaktik<br />

und Methodik bedarf bzw. sich e<strong>in</strong>gespielte Formate<br />

öffnen müssen. Waren es bis vor e<strong>in</strong>igen Jahren vorwiegend<br />

Menschen <strong>in</strong> <strong>der</strong> nachelterlichen und nachberuflichen<br />

Lebensphase, so ist jetzt festzustellen, dass Menschen <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> vorberuflichen o<strong>der</strong> beruflichen Lebensphase sowie <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> Familienphase verstärkt Interesse am <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

<strong>Hospizarbeit</strong> zeigen bzw. diese auch vermehrt erreicht und<br />

angesprochen werden sollen. Die Wertschätzung und die<br />

Teilhabe von <strong>Ehrenamt</strong>lichen mit ganz unterschiedlichen<br />

Erfahrungsh<strong>in</strong>tergründen gilt es zu stärken. Deshalb muss<br />

z. B. <strong>der</strong> Vorbereitungskurs überdacht und dah<strong>in</strong>gehend<br />

reflektiert werden, wie er sich organisatorisch (Zeit und<br />

Lernformate) an die jeweilige Lebenssituation anpassen<br />

und ggf. neugestalten lässt.<br />

Notwenidg s<strong>in</strong>d Vorbereitungskurse (auch im Zusammenhang<br />

mit <strong>der</strong> För<strong>der</strong>ung durch den § 39a), die sich durch<br />

Präsenzveranstaltungen über e<strong>in</strong>en Zeitraum von sechs<br />

bis neun Monaten ziehen. Dafür gibt es gute Argumente<br />

und es gibt unter jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen auch viele Stimmen,<br />

die sich (im Nachh<strong>in</strong>e<strong>in</strong>) für diesen großen Zeitraum<br />

zur Vorbereitung auf das <strong>Ehrenamt</strong> aussprechen. Um e<strong>in</strong>e<br />

Haltung zu entwickeln, braucht es Zeit und die Reflexionsphasen<br />

zwischendurch. Seit <strong>der</strong> Corona-Pandemie wurden<br />

bereits e<strong>in</strong>ige digitale Themene<strong>in</strong>heiten entwickelt und<br />

umgesetzt sowie das Selbststudium bzw. die Partner*<strong>in</strong>nenarbeit<br />

erweitert. Und auch h<strong>in</strong>sichtlich <strong>der</strong> Erwartungen<br />

von jungen Menschen an e<strong>in</strong>e Vorbereitung auf e<strong>in</strong>e ehrenamtliche<br />

Tätigkeit bedarf es an<strong>der</strong>er, neuer Formate.<br />

In <strong>der</strong> Bundesrahmenvere<strong>in</strong>barung zu För<strong>der</strong>voraussetzungen,<br />

Inhalt, Qualität und Umfang <strong>der</strong> ambulanten <strong>Hospizarbeit</strong><br />

35) stehen wenige Sätze zu den Vorbereitungskursen,<br />

die Neugestaltung zulassen. Folgende Aspekte und<br />

Fragen sollen e<strong>in</strong>en Denkprozess anstoßen und begleiten:<br />

• Welche Tätigkeit benötigt welche Vorbereitung? Überlegung:<br />

E<strong>in</strong> geme<strong>in</strong>samer Basiskurs für alle Tätigkeitsbereiche<br />

und daran anschließend e<strong>in</strong> Aufbaukurs für<br />

<strong>Ehrenamt</strong>liche, die <strong>in</strong> die Sterbearbeit gehen möchten.<br />

• Braucht es e<strong>in</strong>en geson<strong>der</strong>ten Kurs für junge Menschen<br />

bzw. Menschen, die noch <strong>in</strong> <strong>der</strong> beruflichen Lebensphase<br />

stecken? Überlegung: Zu e<strong>in</strong>em Thema unterschiedliche<br />

Formate anbieten, aber den geme<strong>in</strong>samen Raum<br />

für Austausch zwischen den Generationen als Hauptelement<br />

beibehalten. O<strong>der</strong> (ergänzende) Themene<strong>in</strong>heiten<br />

als Module glie<strong>der</strong>n, die <strong>in</strong>dividuell <strong>in</strong> unterschiedlicher<br />

Reihenfolge und nach eigenen Zeitressourcen absolviert<br />

werden können. Dies bietet den Hospizdiensten auch<br />

die Möglichkeit, sich überregional zu vernetzen, sodass<br />

e<strong>in</strong>e bessere Auslastung <strong>der</strong> Kurse gewährleistet werden<br />

kann.<br />

• Was gibt es für Möglichkeiten, um praktische Erfahrungen<br />

von Beg<strong>in</strong>n an <strong>in</strong> den Vorbereitungskurs zu <strong>in</strong>tegrieren?<br />

• Welche Vorteile hat e<strong>in</strong>e Komprimierung und damit Verkürzung<br />

<strong>der</strong> Zeitspanne? Überlegung: Können sich Student*<strong>in</strong>nen<br />

für z. B. zwei komplette Wochen (vielleicht<br />

<strong>in</strong> den Semesterferien) Vorbereitungskurs eher die Zeit<br />

nehmen? S<strong>in</strong>d dabei die Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung mit den<br />

Themen und die Gruppenprozesse <strong>in</strong>tensiver?<br />

30<br />

34) An dieser Stelle sei die DVPH-Broschüre „Qualifizierte Vorbereitung <strong>Ehrenamt</strong>licher <strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbebegleitung. Rahmenempfehlung für Kursleitungen“ erwähnt.<br />

Hier werden Vorbereitung, Struktur und Inhalte für e<strong>in</strong>en Vorbereitungskurs konkret beschrieben und empfohlen.<br />

35) Rahmenvere<strong>in</strong>barung nach § 39a Abs. 2 Satz 8 SGB V zu den Voraussetzungen <strong>der</strong> För<strong>der</strong>ung sowie zu Inhalt, Qualität und Umfang <strong>der</strong> ambulanten <strong>Hospizarbeit</strong><br />

vom 03.09.2002, i. d. F. vom 14.03.2016.


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

• Welche Themen für Infoabende und weiterführende Bildungsangebote<br />

<strong>in</strong>teressieren im Speziellen junge Menschen?<br />

Überlegung: Junge <strong>Ehrenamt</strong>liche fragen und <strong>in</strong><br />

die <strong>in</strong>haltliche Planung und Vorbereitung e<strong>in</strong>b<strong>in</strong>den.<br />

• Was erhalten die Teilnehmer*<strong>in</strong>nen nach dem Abschluss<br />

e<strong>in</strong>es Vorbereitungskurses? Gibt es e<strong>in</strong>e Art Besche<strong>in</strong>igung<br />

o<strong>der</strong> e<strong>in</strong> Zertifikat, <strong>in</strong> dem die erworbenen Kompetenzen<br />

aufgeführt s<strong>in</strong>d? Überlegung: E<strong>in</strong>e konkrete<br />

Auflistung <strong>der</strong> Themen und Kompetenzen ist attraktiv<br />

für die Bereicherung des Lebenslaufes.<br />

Es gibt viele Möglichkeiten, den Grundkurs umzugestalten,<br />

um den <strong>Ehrenamt</strong>lichen e<strong>in</strong> Mehr an Flexibilität und <strong>in</strong>dividueller<br />

Gestaltung e<strong>in</strong>zuräumen. Dies kommt vor allem den<br />

Bedürfnissen <strong>der</strong> jungen <strong>Ehrenamt</strong>lichen entgegen.<br />

Durch zunehmende Mobilität ist e<strong>in</strong> weiteres Anliegen junger<br />

Menschen, dass sie ihr bewusst gewähltes <strong>Ehrenamt</strong><br />

auch bei Umzug und Ortswechsel ohne Hürden weiterführen<br />

können. E<strong>in</strong>e gegenseitige Anerkennung <strong>der</strong> verschiedenen<br />

Vorbereitungskurse wäre dabei von Vorteil,<br />

denn e<strong>in</strong>e erneute vollständige Teilnahme an dieser Qualifizierung<br />

wirkt eher abschreckend und demotivierend. Auch<br />

da kann e<strong>in</strong> ausführliches Zertifikat s<strong>in</strong>nvoll se<strong>in</strong> o<strong>der</strong> e<strong>in</strong>e<br />

Vernetzung <strong>der</strong> Dienste und <strong>in</strong>haltliche Annäherung <strong>der</strong><br />

Vorbereitungskurse.<br />

Digitales lernen<br />

Generell ist es s<strong>in</strong>nvoll, eigene Bildungskonzepte immer<br />

wie<strong>der</strong> auf diverse und <strong>in</strong>novative Lernformen und Methoden<br />

h<strong>in</strong> zu reflektieren und den Verän<strong>der</strong>ungen anzupassen.<br />

Für die Zukunft von Vorbereitungskursen lohnt sich die<br />

Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung mit digitalen Lern- und Kommunikationsformen<br />

beson<strong>der</strong>s im H<strong>in</strong>blick auf junge <strong>Ehrenamt</strong>liche,<br />

die mit diesen Formaten oft vertrauter s<strong>in</strong>d, dar<strong>in</strong> e<strong>in</strong>en guten<br />

Weg des Lernens und Austausches sehen und <strong>in</strong> ihrer<br />

Lebenswirklichkeit mit ihren zeitlichen Ressourcen mehr<br />

Flexibilität benötigen. E-Learn<strong>in</strong>g hat neben se<strong>in</strong>en Vorteilen<br />

(z. B. <strong>in</strong> <strong>der</strong> Unabhängigkeit von Zeit und Ort) auch se<strong>in</strong>e<br />

Grenzen und kann nur e<strong>in</strong>e Ergänzung darstellen. Über<br />

Videokonferenzen kann sowohl e<strong>in</strong>e <strong>in</strong>tensive Kle<strong>in</strong>gruppenarbeit<br />

als auch e<strong>in</strong> qualifizierter Erfahrungsaustausch<br />

möglich se<strong>in</strong>. Es ist zu bedenken, dass e<strong>in</strong> ganzheitlicher<br />

Lernprozess angestrebt wird. Bildung ist nicht alle<strong>in</strong> auf <strong>der</strong><br />

kognitiven Ebene angesiedelt, also als re<strong>in</strong>e Wissensvermittlung<br />

gedacht, son<strong>der</strong>n soll `Kopf, Herz und Hand´ ansprechen.<br />

Daher sollten die Inhalte im Vorbereitungskurs<br />

beispielsweise nicht alle<strong>in</strong> aus <strong>der</strong> reflexiven Distanz vermittelt,<br />

son<strong>der</strong>n unmittelbar <strong>in</strong> <strong>der</strong> Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung mit<br />

den an<strong>der</strong>en Gruppenteilnehmenden erlebt werden.<br />

Darüber h<strong>in</strong>aus soll auch <strong>der</strong> Gruppenprozess und die dialogische<br />

Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung mit hospizlichen Themen als<br />

wesentliches Lernelement im Blick behalten werden. Daraufh<strong>in</strong><br />

sollten digitale Lernformate reflektiert werden, denn<br />

an sich ist es wünschenswert, künftig adäquate Lehr- und<br />

Lernmethoden und -materialien für e<strong>in</strong>e <strong>in</strong>teraktive Onl<strong>in</strong>e-<br />

Wissensvermittlung zu entwickeln.<br />

Sarah: Flexibilität im Vorbereitungskurs kann<br />

sich auch auf die <strong>in</strong>haltliche Gestaltung beziehen.<br />

Wir hatten die Möglichkeit, Themenwünsche und<br />

Fragen mit e<strong>in</strong>zubr<strong>in</strong>gen. Das hat mir <strong>in</strong> <strong>der</strong> praktischen<br />

Arbeit viel Sicherheit gegeben.<br />

Beispiele für e<strong>in</strong>e Vielfalt <strong>in</strong> <strong>der</strong> qualifizierten<br />

Vorbereitung<br />

Das durch das BMFSFJ geför<strong>der</strong>te Projekt „Junge Menschen<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbe- und Trauerbegleitung – <strong>in</strong>teressieren<br />

– stärken – beteiligen“ 37) <strong>der</strong> Malteser <strong>in</strong> Kooperation mit<br />

dem DHPV und <strong>der</strong> Universität Graz zeigt auch <strong>in</strong> Bezug<br />

auf <strong>in</strong>novative Formate zur Vorbereitung auf e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong>,<br />

was möglich ist, um Menschen passend zu ihrer Lebenswelt<br />

qualifiziert vorzubereiten. So gibt es unterschiedliche<br />

Ansätze, die z. B.<br />

• gezielt an Studierende gerichtet s<strong>in</strong>d,<br />

• zeitlich enger konzipiert s<strong>in</strong>d und dafür über e<strong>in</strong>en kürzeren<br />

Zeitraum gehen,<br />

• e<strong>in</strong>en schneller praktische Erfahrungen ermöglichen<br />

und<br />

• e<strong>in</strong>en größeren Anteil an thematischer Mitbestimmung<br />

offerieren.<br />

Im Anhang B wird das Projekt konkreter vorgestellt.<br />

36) Aus: DHPV: Qualifizierte Vorbereitung <strong>Ehrenamt</strong>licher, 2021, S. 28.<br />

37) Vgl. Malteser: Junge Menschen <strong>in</strong> Begleitung, 2020; Malteser: <strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong> Hospiz, 2021; Anhang B: Malteser-Projekt. www.junges-ehrenamt-hospiz.de<br />

31


Die Vielfalt <strong>der</strong> Tätigkeitsfel<strong>der</strong><br />

Autor<strong>in</strong>nen: Nad<strong>in</strong>e, Sarah<br />

Spendenakquise<br />

F<strong>in</strong>anzielles<br />

„Also ich könnte das nicht“ –dieser Satz, <strong>der</strong> sich auf die<br />

Begleitung schwerstkranker und sterben<strong>der</strong> Menschen<br />

bezieht, begegnet wohl e<strong>in</strong>em Großteil <strong>der</strong> ehrenamtlich<br />

Mitarbeitenden <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> regelmäßig. Doch diese<br />

Aufgabe ist nicht die e<strong>in</strong>zige, die das <strong>Ehrenamt</strong> bietet.<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> bedeutet neben <strong>der</strong> klassischen Begleitung<br />

auch Zugehörige zu unterstützen, sich als Dienst zu präsentieren,<br />

am öffentlichen Diskurs teilzuhaben, sich zu vernetzen<br />

und zu <strong>in</strong>formieren. Aus diesen Aufgaben ergeben<br />

sich diverse Beteiligungsmöglichkeiten, die über die Begleitungstätigkeit<br />

h<strong>in</strong>ausgehen.<br />

Buntes <strong>Ehrenamt</strong> bedeutet <strong>in</strong> unseren Augen demnach<br />

auch, e<strong>in</strong> Umfeld zu gestalten, <strong>in</strong> das sich je<strong>der</strong> e<strong>in</strong>br<strong>in</strong>gen<br />

kann. Je<strong>der</strong> Mensch br<strong>in</strong>gt e<strong>in</strong>zigartige Fähigkeiten und<br />

Kompetenzen mit, die <strong>in</strong> <strong>der</strong> praktischen Arbeit e<strong>in</strong>es Hospizdienstes<br />

bzw. e<strong>in</strong>es Vere<strong>in</strong>s genutzt werden können. So<br />

ist es beispielsweise denkbar, dass jemand mit IT-Kenntnissen<br />

bei <strong>der</strong> Öffentlichkeitsarbeit unterstützen o<strong>der</strong> e<strong>in</strong>e<br />

Onl<strong>in</strong>e-Präsenz aufbauen und aktualisieren kann.<br />

E<strong>in</strong>e <strong>in</strong>dividuelle Bedarfs- und Potenzialanalyse kann deutlich<br />

machen, wo <strong>Ehrenamt</strong>liche zusätzlich e<strong>in</strong>gesetzt werden<br />

können.<br />

Wir möchten <strong>in</strong> diesem Kapitel Ideen aufzeigen, wie das<br />

<strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> vielfältiger gedacht werden<br />

kann. Die nachfolgende Grafik stellt beispielhaft dar, welche<br />

Möglichkeiten es gibt, um unterschiedliche Menschen<br />

mit ihren vielfältigsten Fähigkeiten zu beteiligen.<br />

Auf e<strong>in</strong>er <strong>der</strong> Veranstaltungen zum jungen <strong>Ehrenamt</strong> wurde<br />

die Frage gestellt, ob die Aufgabenbereiche <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong><br />

und Palliativversorgung nicht zu sprachlastig wären<br />

und ob man nicht alle<strong>in</strong> dadurch den Personenkreis an <strong>in</strong>teressierten<br />

Menschen e<strong>in</strong>grenzt? E<strong>in</strong>e spannende Frage,<br />

<strong>der</strong> man nachgehen sollte, alle<strong>in</strong>, um sich zu vergewissern,<br />

ob das Angebot im eigenen Hospizdienst an Tätigkeiten<br />

divers genug ist.<br />

Es zeigt sich deutlich, dass die Beteiligungsmöglichkeiten<br />

<strong>Ehrenamt</strong>licher weit über die Begleitung schwerstkranker<br />

und sterben<strong>der</strong> Menschen h<strong>in</strong>ausgehen. Dies ermöglicht<br />

e<strong>in</strong>e Erweiterung <strong>der</strong> Zielgruppe sowie die E<strong>in</strong>br<strong>in</strong>gung<br />

weiterer Kompetenzen von bereits aktiven Mitarbeitenden.<br />

Zudem können sich die Angebote als entlastend und profitabel<br />

für die Organisation des Vere<strong>in</strong>s bzw. des Dienstes<br />

erweisen.<br />

32


Religiöses / Spirituelles<br />

<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

- kirchliche<br />

Aktivitäten<br />

- spirituelle<br />

Begleitung<br />

- Verschnaufpausen<br />

Aktives<br />

- Freizeitgestaltung<br />

- Musizieren<br />

- Kunst<br />

- Besuch mit Haustier<br />

- Da se<strong>in</strong> und Zuhören<br />

- Öffentlichkeitsarbeit<br />

- Social Media<br />

- Design von Werbemitteln<br />

- Impulstage zur<br />

<strong>Hospizarbeit</strong><br />

Öffentliches<br />

Organisatorisches<br />

- Empfangsarbeit<br />

- IT-Unterstützung<br />

- Vere<strong>in</strong>sarbeit<br />

- Veranstaltungsorganisation<br />

Information und Ausbildung<br />

- Beratung<br />

- Multiplikator*<strong>in</strong><br />

- Co-Referent*<strong>in</strong><br />

- Rent a Hospizler*<strong>in</strong><br />

- Hospiz macht Schule<br />

Begleitendes / Betreuendes<br />

- Trauertreff<br />

- Onl<strong>in</strong>e-Trauer-Beratung<br />

- Begleitung <strong>in</strong> <strong>der</strong> Freizeit<br />

- K<strong>in</strong><strong>der</strong>- und<br />

Jugendhospizarbeit<br />

- Angebote für<br />

Geschwisterk<strong>in</strong><strong>der</strong><br />

- lebenspraktische Hilfe<br />

- Aufbau und Pflege<br />

von Kontakten<br />

- Austausch mit<br />

Organisationen<br />

Kooperatives / Vernetzendes<br />

Als Voraussetzung für e<strong>in</strong>e vielfältig aufgestellte <strong>Hospizarbeit</strong><br />

sehen wir vor allem e<strong>in</strong>en niedrigschwelligen Zugang<br />

zu Informationen über Angebote, transparente Strukturen<br />

und Offenheit im Austausch mit <strong>Ehrenamt</strong>lichen und Außenstehenden.<br />

Ebenso s<strong>in</strong>d unterschiedliche Wertigkeiten<br />

und heimliche Hierarchien zwischen Haupt- und <strong>Ehrenamt</strong><br />

sowie zwischen verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten<br />

zu vermeiden bzw. aufzulösen. Es gilt die Vielfalt <strong>der</strong> Tätigkeiten<br />

für e<strong>in</strong> Ziel.<br />

„Konsequente Ausweitung <strong>der</strong> Aufgaben von <strong>Hospizarbeit</strong><br />

bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Fokus auf<br />

die Ursprungsidee; dafür weitere Differenzierungen von<br />

Tätigkeitsfel<strong>der</strong>n und Funktionen <strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> Hospizbewegung,<br />

ohne damit unterschiedliche Wertigkeiten von<br />

freiwilligem Engagement e<strong>in</strong>zuziehen – jedes Engagement<br />

<strong>in</strong> und für die Hospizbewegung ist bedeutsam für ihren Erfolg.“<br />

38)<br />

Speziell für die Zielgruppe junge Menschen stellt sich die<br />

Frage, wo diese im weiten Feld <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> ihren Beitrag<br />

leisten und welche Aufgaben sie übernehmen können.<br />

Aber gibt es da Unterschiede bzw. sollten Unterschiede<br />

gemacht werden? Im Erstgespräch lässt sich n gut klären,<br />

welche Vorstellungen <strong>der</strong> junge Mensch hat und <strong>in</strong> welchem<br />

Aufgabenbereich er sich sieht. Vielleicht gibt es bei<br />

jungen Erwachsenen und Jugendlichen mehr Unsicherheiten<br />

– darum ist es gut, e<strong>in</strong>e Vielfalt an Tätigkeiten anbieten<br />

zu können, von denen auch e<strong>in</strong> paar e<strong>in</strong>en „leichteren“ E<strong>in</strong>stieg<br />

ermöglichen.<br />

Das Projekt „Junge Menschen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbe- und Trauerbegleitung:<br />

<strong>in</strong>teressieren – stärken – beteiligen“ beschäftigt<br />

sich u. a. mit <strong>der</strong> Frage, wie junge Menschen nie<strong>der</strong>schwellige<br />

E<strong>in</strong>blicke <strong>in</strong> die facettenreiche <strong>Hospizarbeit</strong> bekommen<br />

können und <strong>in</strong> welchen Bereichen sie schon tätig s<strong>in</strong>d.<br />

Danach s<strong>in</strong>d viele junge Menschen verstärkt als Begleitungen<br />

bei Freizeitaktivitäten und bei Festen e<strong>in</strong>gesetzt o<strong>der</strong><br />

im Bereich <strong>der</strong> K<strong>in</strong><strong>der</strong>- und Jugendhospizarbeit bei Angeboten<br />

für Geschwisterk<strong>in</strong><strong>der</strong> engagiert. Ebenso fungieren<br />

sie auch als Multiplikator*<strong>in</strong>nen und Ansprechpartner*<strong>in</strong>nen<br />

bei Fragen zum Thema Sterben, Tod und Trauer. O<strong>der</strong> sie<br />

werden konkret dazu befähigt, als gleichaltrige Berater*<strong>in</strong>nen<br />

(im sog. Peer Counsel<strong>in</strong>g) für junge Menschen bei Verlusterfahrungen<br />

da zu se<strong>in</strong>. 39)<br />

Joshua: Anfangs wusste ich gar nicht so richtig,<br />

was man <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> macht. Aber es gibt<br />

so viele verschiedene Tätigkeitsfel<strong>der</strong>. Für jeden ist etwas<br />

dabei!<br />

33


Vernetzung<br />

Autor*<strong>in</strong>nen: Marcel, Sarah<br />

Vernetzung ist <strong>in</strong> unserer mo<strong>der</strong>nen Welt e<strong>in</strong> angestrebtes<br />

Ideal: In den meisten Bereichen <strong>der</strong> mo<strong>der</strong>nen Berufswelt<br />

f<strong>in</strong>det e<strong>in</strong>e Bündelung und Konzentration von Kompetenzen<br />

statt und es gibt für immer komplexere Teilbereiche<br />

spezialisierte Fachkräfte. E<strong>in</strong>e mo<strong>der</strong>ne Kl<strong>in</strong>ik kann nur<br />

deshalb e<strong>in</strong> so breites Behandlungsspektrum abdecken,<br />

weil sie aus vielen spezifischen Fachbereichen besteht, die<br />

mite<strong>in</strong>an<strong>der</strong> kooperieren und vernetzt s<strong>in</strong>d.<br />

Vernetzung und Kooperation<br />

So ist schon heute die Koord<strong>in</strong>ation <strong>der</strong> verschiedenen Akteure<br />

Mediz<strong>in</strong>, Pflege und Hospizbewegung unerlässlich,<br />

um e<strong>in</strong> „Leben bis zum Schluss“ bestmöglich zu gewährleisten.<br />

In diesem Zusammenhang steht auch das Verständnis<br />

e<strong>in</strong>er geme<strong>in</strong>samen Sorgekultur auf lokaler Ebene (Car<strong>in</strong>g<br />

Community), <strong>in</strong>dem durch die Vernetzung verschiedener<br />

Akteure, E<strong>in</strong>richtungen und Vere<strong>in</strong>e <strong>der</strong> Umgang mit den<br />

Schwächsten unserer Gesellschaft gestaltet werden soll.<br />

Es geht dabei um die Frage nach <strong>der</strong> Kultur unter den Bürger*<strong>in</strong>nen,<br />

das ist weniger e<strong>in</strong>e Frage für die Profis im Versorgungssystem,<br />

son<strong>der</strong>n e<strong>in</strong>e <strong>der</strong> Vernetzung, die über<br />

den gewohnten Tellerrand h<strong>in</strong>ausgeht. So kann Betroffenen<br />

<strong>in</strong> größerem zeitlichem Umfang persönliche Nähe geboten<br />

und gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden. 40)<br />

Auch die gegenseitige Unterstützung und e<strong>in</strong> geme<strong>in</strong>sames<br />

E<strong>in</strong>treten für e<strong>in</strong> Ziel, wie z. B. Suizidprävention, s<strong>in</strong>d<br />

wertvolle Motive für Kooperation und Vernetzung.<br />

Innerhalb <strong>der</strong> Hospizbewegung können nach unserer E<strong>in</strong>schätzung<br />

noch weitere Netze gesponnen werden. Vorangehend<br />

haben wir unterschiedliche Ansätze gesammelt,<br />

wie nach unserer Auffassung junge <strong>Ehrenamt</strong>liche für Tätigkeiten<br />

rund um die Hospizbewegung gewonnen werden<br />

können. Jedoch s<strong>in</strong>d die Ressourcen e<strong>in</strong>es jeden Dienstes<br />

und e<strong>in</strong>es jeden Vere<strong>in</strong>s begrenzt. Gerade für kle<strong>in</strong>e Hospizdienste<br />

kann es deshalb s<strong>in</strong>nvoll se<strong>in</strong>, zu kooperieren.<br />

Mit geme<strong>in</strong>samen Veranstaltungen, wie Letzte-Hilfe-Kursen,<br />

Sterbe-Cafés, Hospiz macht Schule etc., kann durch<br />

Kooperation die Wirksamkeit über die eigenen Kapazitäten<br />

h<strong>in</strong>aus erhöht werden. Im E<strong>in</strong>zelfall kann sogar die Kooperation<br />

zweier Dienste <strong>in</strong> Form e<strong>in</strong>es geme<strong>in</strong>samen Social-<br />

Media-Auftritts o<strong>der</strong> zum<strong>in</strong>dest e<strong>in</strong> Erfahrungsaustausch<br />

s<strong>in</strong>nvoll se<strong>in</strong>.<br />

34 40) Vgl. Klie: Car<strong>in</strong>g Community, 2019.


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Sarah: E<strong>in</strong>e Kooperation mit unterschiedlichsten<br />

Akteuren im Quartier, beispielsweise auch mit<br />

Kunst- und Kulturschaffenden, br<strong>in</strong>gt die <strong>Hospizarbeit</strong><br />

mitten <strong>in</strong> die Gesellschaft und bietet die Möglichkeit, die<br />

Thematik auf vielfältige Art und Weise zu transportieren.<br />

Im Zuge des Anliegens, e<strong>in</strong>e größere Vielfalt von Menschen<br />

für das <strong>Ehrenamt</strong> zu gew<strong>in</strong>nen, stellt sich die Frage, wo<br />

<strong>der</strong> Kontakt zu jungen Menschen geknüpft werden kann.<br />

Wo trifft Hospiz auf die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen<br />

und jungen Erwachsenen? Es gibt bereits gute Erfahrungen<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Zusammenarbeit mit passenden Organisationen,<br />

die thematische Schnittstellen zur <strong>Hospizarbeit</strong><br />

aufweisen, aber <strong>in</strong> <strong>der</strong> Zielgruppe divers aufgestellt s<strong>in</strong>d.<br />

Zu nennen s<strong>in</strong>d hier als Beispiele Berufsschulen (Pflege,<br />

Erziehung), bestimmte Studiengänge (Sozialpädagogik,<br />

Mediz<strong>in</strong>, Theologie) und Freiwilligendienste.<br />

Menschen, die e<strong>in</strong> Freiwilliges Soziales Jahr o<strong>der</strong> e<strong>in</strong>en<br />

Bundesfreiwilligendienst <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er sozialen E<strong>in</strong>richtung absolvieren,<br />

werden <strong>in</strong> ihrem Alltag häufig mit Sterben, Tod<br />

und Trauer konfrontiert. Um diese Erfahrungen aufzufangen,<br />

gibt es u. a. die Bildungssem<strong>in</strong>are, die über Workshops<br />

und an<strong>der</strong>e Formate geschützte Räume für Austausch<br />

und Vermittlung von Fachwissen bieten. Hier kann<br />

e<strong>in</strong> Hospizdienst mit se<strong>in</strong>er Expertise ansetzen, denn auch<br />

die Träger von Freiwilligendiensten und die E<strong>in</strong>richtungen<br />

s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> diesem Themenbereich oft unsicher und dankbar<br />

über Unterstützung. Der Hospizdienst kann dabei fachlich<br />

zur Seite stehen, selber Workshops anbieten o<strong>der</strong> Referent*<strong>in</strong>nen<br />

fortbilden. Ebenso steckt dar<strong>in</strong> e<strong>in</strong>e Chance,<br />

jungen Menschen, die sich <strong>in</strong> ihrem Freiwilligen Jahr oft auf<br />

e<strong>in</strong>er Suche nach Zielen und Werten für ihr eigenes Leben<br />

bef<strong>in</strong>den, e<strong>in</strong>en Impuls, e<strong>in</strong>e Orientierung zu geben.<br />

Wir, als Gruppe junger Menschen, haben im Rahmen unseres<br />

Projekts, bei den Austauschtreffen und am Rande <strong>der</strong><br />

Auszeichnungsveranstaltung im April 2019 erlebt, wie unglaublich<br />

bereichernd und motivierend es se<strong>in</strong> kann, nicht<br />

nur gleichges<strong>in</strong>nte, son<strong>der</strong>n auch noch gleichaltrige <strong>Ehrenamt</strong>liche<br />

zu treffen und <strong>in</strong> den gegenseitigen Austausch zu<br />

treten. Die meisten von uns s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> ihrem Hospizdienst die<br />

mit Abstand Jüngsten und so war es mitunter die erste<br />

Gelegenheit, genau darüber und über die damit e<strong>in</strong>hergehenden<br />

Herausfor<strong>der</strong>ungen zu sprechen. Fast alle von uns<br />

s<strong>in</strong>d beschw<strong>in</strong>gt, motiviert und um e<strong>in</strong>ige Denkanstöße reicher<br />

nach Hause gefahren und haben dort berichtet. Nicht<br />

selten wurden wir vorübergehend zum Aushängeschild<br />

unserer Initiative, denn das Interesse <strong>der</strong> lokalen Presse<br />

war groß. Auch durch diese Berichte s<strong>in</strong>d Interessierte auf<br />

Vere<strong>in</strong>e aufmerksam geworden und konnten zum Teil als<br />

neue <strong>Ehrenamt</strong>liche gewonnen werden.<br />

Es ist uns daher e<strong>in</strong> großes Anliegen, dass noch mehr junge<br />

Menschen, die bereits ihren Weg <strong>in</strong> die Hospizbewegung<br />

gefunden haben, diesen Austausch erleben dürfen.<br />

Mittelfristig möchten wir dazu <strong>in</strong> Form von landes- o<strong>der</strong><br />

bundesweiten Austauschtreffen e<strong>in</strong> Forum für junge <strong>Ehrenamt</strong>liche<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospizbewegung <strong>in</strong>itiieren. Momentan prüfen<br />

wir die grundsätzliche Machbarkeit und Möglichkeiten<br />

zur F<strong>in</strong>anzierung.<br />

Neben dem persönlichen Austausch sehen wir auch hier<br />

für die Hospizdienste, aus denen die <strong>Ehrenamt</strong>lichen stammen,<br />

die Chance, neue Impulse aus allen Teilen des Landes<br />

zu sammeln und E<strong>in</strong>blicke <strong>in</strong> an<strong>der</strong>e Strukturen zu bekommen.<br />

Somit könnte auch dieses Forum e<strong>in</strong>en Beitrag<br />

zum Erfahrungstransfer leisten.<br />

Austausch untere<strong>in</strong>an<strong>der</strong><br />

Unter den <strong>Ehrenamt</strong>lichen selbst stellt e<strong>in</strong> „In-Kontakt-Treten“<br />

nicht nur e<strong>in</strong>e persönliche Bereicherung dar: Neue<br />

Kontakte knüpfen, sich kollegial austauschen und so vone<strong>in</strong>an<strong>der</strong><br />

lernen – damit können neue Ideen, Konzepte und<br />

Ressourcen entwickelt werden, um das <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

<strong>Hospizarbeit</strong> vielfältig und bunt zu gestalten. Dies funktioniert<br />

unter den Koord<strong>in</strong>ator*<strong>in</strong>nen am Rande von Fortbildungen,<br />

Tagungen etc. schon heute und auch <strong>Ehrenamt</strong>liche<br />

haben im Rahmen von Fortbildungen und Workshops<br />

ebenfalls die grundsätzliche Möglichkeit dazu.<br />

35


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong> und die Zukunft des<br />

<strong>Ehrenamt</strong>es <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospizbewegung<br />

Junge Menschen s<strong>in</strong>d e<strong>in</strong>e Chance und können e<strong>in</strong> Motor<br />

für jeden Hospizdienst se<strong>in</strong>: Sie s<strong>in</strong>d dynamisch und brennen<br />

für ihre Sache. Sie wollen mitgestalten und verän<strong>der</strong>n,<br />

br<strong>in</strong>gen neue Ideen und Impulse mit. Allerd<strong>in</strong>gs brauchen<br />

sie auch den Raum dafür. Sie müssen gelassen und – im<br />

besten Fall – unterstützt werden und das nicht nur <strong>in</strong> ihrer<br />

Ausbildung zum/zur ehrenamtlichen Sterbebegleiter*<strong>in</strong>,<br />

son<strong>der</strong>n auch im Vere<strong>in</strong>sleben. Das heißt nicht, dass jede<br />

Idee umgesetzt werden muss, aber sich die E<strong>in</strong>fälle und<br />

Gedanken junger Menschen anzuhören und sie mit offenen<br />

Interesse zusammen zu diskutieren, das wünschen<br />

sich junge <strong>Ehrenamt</strong>liche – und wenn wir ehrlich s<strong>in</strong>d: Es<br />

wünscht sich wohl jede*r, ernst genommen zu werden.<br />

So e<strong>in</strong>fach diese Aussage auch kl<strong>in</strong>gt, br<strong>in</strong>gt sie doch e<strong>in</strong>en<br />

wichtigen Aspekt auf den Punkt, wenn es um die Gestaltung<br />

e<strong>in</strong>er Anerkennungskultur und um die Gew<strong>in</strong>nung<br />

von <strong>Ehrenamt</strong>lichen geht. Viele Motive und Erwartungen,<br />

die <strong>in</strong> diesem Handbuch für die Zielgruppe <strong>der</strong> Menschen<br />

unter 30 Jahren aufgeführt werden, s<strong>in</strong>d auch maßgeblich<br />

für an<strong>der</strong>e Zielgruppen: Das E<strong>in</strong>gebunden-Se<strong>in</strong> <strong>in</strong> e<strong>in</strong>e Geme<strong>in</strong>schaft,<br />

<strong>der</strong> E<strong>in</strong>satz für eigene Werte und Haltungen,<br />

die Erfahrung von Anerkennung und Wertschätzung usw.<br />

Die Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung mit dieser Zielgruppe ist e<strong>in</strong> Beispiel<br />

dafür, wie man sich generell mit an<strong>der</strong>en Personenkreisen<br />

beschäftigen kann, um Konzepte <strong>der</strong> Ansprache,<br />

E<strong>in</strong>b<strong>in</strong>dung und Beteiligung zu entwickeln.<br />

Zusammengefasst s<strong>in</strong>d folgende erste Schritte für das Erreichen<br />

neuer Zielgruppen e<strong>in</strong>e gute Orientierung:<br />

• Überblick über die Lebenssituationen und Bedürfnisse<br />

<strong>der</strong> Zielgruppe verschaffen<br />

• passende Werbung und Informationen über Möglichkeiten<br />

des Engagements bereitstellen<br />

• H<strong>in</strong>e<strong>in</strong>schnuppern <strong>in</strong> e<strong>in</strong>zelne E<strong>in</strong>satzfel<strong>der</strong> ermöglichen<br />

• Engagement wertschätzen und geme<strong>in</strong>sam e<strong>in</strong>e Anerkennungskultur<br />

entwickeln<br />

• Engagement mit Ressourcen begleiten<br />

• Vernetzung von <strong>Ehrenamt</strong>lichen anregen und<br />

unterstützen<br />

36


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Diese H<strong>in</strong>weise gelten <strong>der</strong> Öffnung von Organisationen und<br />

<strong>der</strong> Erweiterung <strong>der</strong> Beteiligung für alle Menschen <strong>in</strong> unserer<br />

Gesellschaft.<br />

Bislang und <strong>in</strong> Bezug auf die Ergebnisse <strong>der</strong> DHPV-<strong>Ehrenamt</strong>sstudie<br />

wird davon ausgegangen, dass <strong>in</strong> <strong>der</strong> Freiwilligenarbeit<br />

(auch <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospizbewegung) vor allem<br />

Menschen aus e<strong>in</strong>em recht ähnlichen sozialen Umfeld und<br />

Background aktiv s<strong>in</strong>d. Das lässt vermuten, dass die Rahmenbed<strong>in</strong>gungen<br />

im <strong>Ehrenamt</strong> nicht automatisch offen<br />

und e<strong>in</strong>ladend für Menschen s<strong>in</strong>d, die bislang nicht o<strong>der</strong><br />

nur selten <strong>in</strong> ehrenamtlichen Strukturen anzutreffen s<strong>in</strong>d<br />

und auch <strong>in</strong> an<strong>der</strong>en gesellschaftlichen Kontexten exkludiert<br />

werden. Um hier e<strong>in</strong>e Än<strong>der</strong>ung zu erreichen, s<strong>in</strong>d<br />

e<strong>in</strong>e kritische Bestandsaufnahme etablierter Strukturen<br />

und e<strong>in</strong>e Selbstreflexion notwendig. Dazu will dieses Handbuch<br />

e<strong>in</strong>en Beitrag leisten und auch dazu bietet die Zielgruppe<br />

<strong>der</strong> jungen Erwachsenen e<strong>in</strong> optimales Beispiel,<br />

denn ke<strong>in</strong>e Lebensphase ist so bewegt, ruhelos, abwechslungsreich<br />

und divers. E<strong>in</strong>e Beschäftigung mit und Ausrichtung<br />

an dieser Zielgruppe kann nur erfolgreich se<strong>in</strong>, wenn<br />

man se<strong>in</strong>e gewohnten Strukturen aufbricht und überdenkt.<br />

Ist dieser Schritt vollzogen, ist e<strong>in</strong>e Grundlage geschaffen,<br />

sich auch an<strong>der</strong>en Themen, Kooperationen und Zielgruppen<br />

zu stellen. Mit dem Fokus auf mehr Diversität und Offenheit<br />

kann die Hospizbewegung den Anspruch vertreten,<br />

Vorreiter e<strong>in</strong>er sozialen Innovation zu se<strong>in</strong>, das heißt das<br />

exemplarische Feld für die Entwicklung e<strong>in</strong>er gesellschaftlichen<br />

Sorgekultur und Sorgepraxis von morgen zu se<strong>in</strong> –<br />

daraus leitet sich zudem die breitere gesellschaftliche Relevanz<br />

<strong>der</strong> Hospize als soziale Bewegung auch über Fragen<br />

des Lebens h<strong>in</strong>aus ab. 41)<br />

An dieser Stelle sei noch mal Bezug zum Projekt des Malteser-Hilfdienstes<br />

„Junge Menschen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbe- und<br />

Trauerbegleitung: <strong>in</strong>teressieren – stärken – beteiligen“<br />

hergestellt, denn die e<strong>in</strong>zelnen Standorte des Projektes<br />

machen auf unterschiedliche Art und Weise deutlich, wie<br />

die Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen und Wege<br />

unter E<strong>in</strong>beziehung <strong>der</strong> entsprechenden Zielgruppe gel<strong>in</strong>gen<br />

kann und damit mehr Menschen <strong>in</strong> ihrem Bedarf nach<br />

e<strong>in</strong>er Trauer- und Sterbebegleitung erreicht werden.<br />

Als letzten Punkt möchte erwähnt se<strong>in</strong>, dass e<strong>in</strong> größeres<br />

Engagement von jungen Menschen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospizbewegung<br />

als e<strong>in</strong>e Art Brücke fungieren kann. E<strong>in</strong>e Brücke, um<br />

die Themen Sterben, Tod und Trauer weiter <strong>in</strong> <strong>der</strong> Gesellschaft<br />

zu implementieren und um zu zeigen, dass <strong>der</strong> Tod<br />

zum Leben dazugehört und unabhängig vom Alter e<strong>in</strong>tritt.<br />

Die heutigen Generationen leben (vor allem <strong>in</strong> westlichen<br />

Kulturen) relativ getrennt vone<strong>in</strong>an<strong>der</strong>. Es gibt wenige Orte<br />

e<strong>in</strong>es geme<strong>in</strong>samen Lebens und Austausches. Junge<br />

Menschen, die sich aktiv mit <strong>der</strong> allgeme<strong>in</strong>en und eigenen<br />

Sterblichkeit ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzen, för<strong>der</strong>n nicht nur e<strong>in</strong>e gesamtgesellschaftliche<br />

Enttabuisierung <strong>der</strong> Thematik, son<strong>der</strong>n<br />

erfahren persönlich die beson<strong>der</strong>e Sorgekultur und<br />

Solidarität, die sie weiterleben und -geben können.<br />

41) Vgl. Schnei<strong>der</strong>, Werner 2020, S. 4 .<br />

37


Ausblick<br />

Für die zukünftige Entwicklung und die aktuelle Arbeit <strong>der</strong><br />

Hospizbewegung lassen sich zusammenfassend folgende<br />

Perspektiven benennen:<br />

• H<strong>in</strong>sichtlich e<strong>in</strong>er Öffnung und Anschlussfähigkeit für<br />

verschiedene Schichten, Milieus und Gruppen sollte<br />

e<strong>in</strong>e Reflexion <strong>der</strong> eigenen Leitl<strong>in</strong>ien, Kulturen und<br />

Praxis (weiterh<strong>in</strong>) stattf<strong>in</strong>den. Dies verh<strong>in</strong><strong>der</strong>t e<strong>in</strong>e soziale<br />

Homogenität und geschlossene Geme<strong>in</strong>schaft <strong>der</strong><br />

Hospizler*<strong>in</strong>nen. Die soziale und kulturelle Heterogenität<br />

muss auch <strong>in</strong> potenziellen Engagierten abgebildet werden,<br />

um u. a. <strong>der</strong> Vielfalt im Sterben gerecht zu werden.<br />

Ke<strong>in</strong>e Denkblockaden gegenüber dem <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

<strong>Hospizarbeit</strong>, son<strong>der</strong>n Ermöglichung von Handlungsspielräumen<br />

und Erkundung neuer Engagementformen.<br />

• Damit kann die Hospizbewegung zu e<strong>in</strong>em Vorreiter<br />

e<strong>in</strong>er sozialen Innovation, z. B. e<strong>in</strong> vorbildliches Feld für<br />

die Entwicklung e<strong>in</strong>er gesellschaftlichen Sorgekultur,<br />

werden. Auf diese Weise erweitert die Hospizbewegung<br />

auch ihre Relevanz <strong>in</strong> Fragen über das Lebensende und<br />

entwickelt sich zu e<strong>in</strong>er breiteren sozialen Bewegung,<br />

mit e<strong>in</strong>er hohen Form <strong>der</strong> Partizipation und gelebten Demokratie.<br />

• Weiterh<strong>in</strong> sollte e<strong>in</strong>e Ausweitung und Differenzierung<br />

<strong>der</strong> Tätigkeitsbereiche <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>, ohne die Ursprungsidee<br />

aus den Augen zu lassen, geför<strong>der</strong>t werden.<br />

Jedes Engagement <strong>in</strong> und für die Hospizbewegung<br />

ist bedeutsam für ihren Erfolg.<br />

• <strong>Hospizarbeit</strong> kann zu e<strong>in</strong>er allseits bekannten Normalität<br />

werden, wenn die Öffentlichkeitsarbeit vielfältig aufgestellt<br />

ist und überall dorth<strong>in</strong> geht, wo Sterben, Tod<br />

und Trauer zum Alltäglichen gemacht werden kann.<br />

Dies dient <strong>der</strong> Information über Angebote und Leistungen,<br />

<strong>der</strong> Enttabuisierung und erreicht leichter jene Menschen,<br />

die sich e<strong>in</strong> Engagement vorstellen können, aber<br />

die Schwelle zur Umsetzung noch nicht überschritten<br />

haben.<br />

• E<strong>in</strong>e Reflexion <strong>der</strong> Strukturen und <strong>der</strong> Rolle <strong>der</strong> Hauptamtlichen<br />

muss <strong>in</strong> diesem Prozess mitbedacht werden.<br />

Als Schnittstelle für viele Bereiche und Akteure und als<br />

Hauptansprechpartner*<strong>in</strong>nen für die <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

tragen Koord<strong>in</strong>ator*<strong>in</strong>nen e<strong>in</strong>e große Verantwortung.<br />

• Um e<strong>in</strong>e nachhaltige Wirkung und zukunftsorientierte<br />

Weiterentwicklung zu gewährleisten, muss sich die<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> noch stärker vernetzen. Es braucht Partner*<strong>in</strong>nen,<br />

nahe und ferne Gleichges<strong>in</strong>nte und <strong>in</strong>novative<br />

Kooperationen, um die Hospizidee weiterzutragen<br />

und neuen Ideen Raum zur Entfaltung zu geben. Dabei<br />

müssen z. B. neue Varianten des Engagements ke<strong>in</strong>eswegs<br />

etablierte Formen ersetzen, sie treten vielmehr an<br />

ihre Seite bzw. werden mit ihnen komb<strong>in</strong>iert.<br />

38


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Danksagung und Kontakt<br />

E<strong>in</strong> beson<strong>der</strong>er Dank gilt den Mitglie<strong>der</strong>n <strong>der</strong> Arbeitsgruppe<br />

<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong>, die mit ihren Erfahrungen, ihrem Sachverstand<br />

und ihrer hospizlichen Haltung dieses Handbuch<br />

mit entwickelt und als Autor*<strong>in</strong>nen mitgearbeitet haben.<br />

Ebenso gilt e<strong>in</strong> großer Dank dem Bundesm<strong>in</strong>isterium für<br />

Familie, Senioren, Frauen und Jugend für die För<strong>der</strong>ung<br />

und Unterstützung.<br />

Kontakt<br />

Projektleiter<strong>in</strong> Isabel Kleibr<strong>in</strong>k<br />

Referent<strong>in</strong> des DHPV, steht für Fragen rund um dieses<br />

Handbuch und zum jungen <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong><br />

gern zur Verfügung: i.kleibr<strong>in</strong>k@dhpv.de<br />

Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e. V.<br />

Aachener Str. 5<br />

10713 Berl<strong>in</strong><br />

Telefon 030 820 07 58 - 0<br />

Fax 030 820 07 58 - 13<br />

<strong>in</strong>fo@dhpv.de<br />

www.dhpv.de<br />

Deutscher Hospiz- und<br />

PalliativVerband e.V.<br />

Weitere Kontakte<br />

Bundesärztekammer<br />

Herbert-Lew<strong>in</strong>-Platz 1<br />

10623 Berl<strong>in</strong><br />

Telefon 030 400 456 - 0<br />

Fax 030 400 456 - 388<br />

<strong>in</strong>fo@baek.de<br />

www.bundesaerztekammer.de<br />

Deutsche Gesellschaft für Palliativmediz<strong>in</strong> e. V.<br />

Aachener Straße 5<br />

10713 Berl<strong>in</strong><br />

Telefon 030 30 10 100 - 0<br />

Fax 030 30 10 100 - 16<br />

dgp@dgpalliativmediz<strong>in</strong>.de<br />

www.dgpalliativmediz<strong>in</strong>.de<br />

39


Anhang<br />

Anhang A | Fortbildungse<strong>in</strong>heit<br />

„<strong>Ehrenamt</strong>liches Engagement <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> – das junge <strong>Ehrenamt</strong>!“<br />

Zielgruppe<br />

• alle <strong>Ehrenamt</strong>liche <strong>in</strong> den Hospizdiensten (ambulant und stationär)<br />

Ziele<br />

• Information und Sensibilisierung für das Thema<br />

• Anregung für e<strong>in</strong>e Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung mit dem Thema geben<br />

• Raum schaffen für eigene Me<strong>in</strong>ungen und E<strong>in</strong>schätzungen<br />

• Geme<strong>in</strong>sames Lernen und Entwickeln<br />

• Diskussionsprozesse im eigenen Hospizdienst anregen<br />

Rahmen<br />

• Zeit: 2 Stunden<br />

• Gruppengröße: ca. 12 Teilnehmende<br />

Zeit Inhalt/Ziel Methode Material<br />

5 M<strong>in</strong> Begrüßung<br />

Kurze Erläuterung des<br />

Themas<br />

Visualisierter<br />

Ablauf, z. B.<br />

auf e<strong>in</strong>em<br />

Plakat<br />

Ablauf <strong>der</strong> E<strong>in</strong>heit<br />

35 M<strong>in</strong> (Persönlicher) E<strong>in</strong>stieg<br />

<strong>in</strong>s Thema <strong>in</strong> zwei<br />

Schritten:<br />

1. Kurzer Austausch im 2er Gespräch mit dem/<strong>der</strong><br />

Nachbar*<strong>in</strong>: Wo und wie erlebe ich e<strong>in</strong>en Generationenwechsel<br />

im hospizlichen <strong>Ehrenamt</strong>?<br />

2. Positionierung mit Diskussion zu folgenden Statements<br />

(Erläuterung <strong>der</strong> Methode unter <strong>der</strong> Tabelle):<br />

a. Es gibt e<strong>in</strong>en Generationenwechsel im <strong>Ehrenamt</strong> <strong>der</strong><br />

Hospizbewegung.<br />

b. <strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong> def<strong>in</strong>iert sich über e<strong>in</strong>e Altersspanne<br />

von 16 bis 30 Jahren.<br />

c. Das <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospizbewegung muss sich<br />

weiterentwickeln.<br />

d. Junge Menschen brauchen Erfahrungen <strong>in</strong> den<br />

Themen „Sterben, Tod und Trauer“, um als Sterbeund<br />

Trauerbegleitung tätig werden zu können.<br />

E<strong>in</strong> grüner und<br />

e<strong>in</strong> roter Zettel,<br />

Klebeband<br />

40


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

30 M<strong>in</strong> Inputreferat:<br />

Vermittlung von Informationen<br />

und Fachwissen<br />

Anregung für Diskussionen<br />

und Me<strong>in</strong>ungsbildung<br />

Inhalte des Inputreferates:<br />

- Standortbestimmung des <strong>Ehrenamt</strong>es <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospizbewegung<br />

(DHPV-Studie) mit dem Ergebnis:<br />

Es braucht mehr Vielfalt.<br />

- Inputfragen (unter Tabelle)<br />

- E<strong>in</strong>e Zielgruppe für Vielfalt s<strong>in</strong>d junge <strong>Ehrenamt</strong>liche;<br />

Charakterisierung junger <strong>Ehrenamt</strong>licher<br />

(Lebensbed<strong>in</strong>gungen, Motive, Erwartungen)<br />

- Raum für Fragen und Anmerkungen<br />

Beamer für die<br />

PowerPo<strong>in</strong>t-<br />

Präsentation,<br />

Datei <strong>der</strong> PPP<br />

25 M<strong>in</strong> Geme<strong>in</strong>samkeiten und<br />

Herausfor<strong>der</strong>ungen<br />

zw. jungen/alten<br />

bzw. erfahrenen/unerfahrenen<br />

<strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

Die Gruppe wird <strong>in</strong> zwei Kle<strong>in</strong>gruppen (KG) geteilt.<br />

E<strong>in</strong>e KG sammelt Diskussionspunkte zum Aspekt<br />

„Geme<strong>in</strong>samkeiten junger/alter o<strong>der</strong> erfahrener/unerfahrener<br />

<strong>Ehrenamt</strong>licher“ auf e<strong>in</strong>em Plakat.<br />

E<strong>in</strong>e KG sammelt Diskussionspunkte zum Aspekt<br />

Herausfor<strong>der</strong>ungen und Befürchtungen auf e<strong>in</strong>em Plakat.<br />

Die Plakate werden im Plenum vorgestellt.<br />

Wenn noch Zeit ist, kann diskutiert werden.<br />

Plakate,<br />

Edd<strong>in</strong>gs<br />

15 M<strong>in</strong> Fazit: Bedeutung für<br />

den eigenen Hospizdienst<br />

10 M<strong>in</strong> Abschlussrunde:<br />

Was nehme ich mit?<br />

Im Plenum wird die Frage, welche Bedeutung/Auswirkung<br />

das Thema auf den eigenen Hospizdienst hat bzw. haben<br />

könnte, diskutiert.<br />

Die Ergebnisse können zur Sicherung auf e<strong>in</strong>em Plakat<br />

festgehalten werden.<br />

Alle Teilnehmenden benennen kurz, welche Ideen und<br />

E<strong>in</strong>drücke etc. sie für sich persönlich mitnehmen.<br />

Plakat,<br />

Edd<strong>in</strong>g<br />

41


Methode: Positionierung<br />

Für die Positionierung zieht man im Raum, z. B. mit e<strong>in</strong>em<br />

Klebeband, e<strong>in</strong>e etwa 6 bis 10 Meter lange L<strong>in</strong>ie, an dessen<br />

Enden durch e<strong>in</strong>en grünen und e<strong>in</strong>en roten Zettel thematisch<br />

gegensätzliche Positionen verdeutlicht s<strong>in</strong>d. Bei<br />

Grün steht die Aussage „stimme ich voll zu“ bei Rot steht<br />

die Aussage „stimme ich überhaupt nicht zu“. Zu den jeweiligen<br />

Statements (nach jedem Statement erfolgt e<strong>in</strong>e<br />

neue Positionierung) stellen sich die Teilnehmenden ihrer<br />

Me<strong>in</strong>ung entsprechend auf. Sie können sich zu o<strong>der</strong> zwischen<br />

den beiden Aussagen entlang <strong>der</strong> L<strong>in</strong>ie auf dem Boden<br />

positionieren.<br />

Inputreferat<br />

Beispiele für Fragen an die Gruppe<br />

Ziel: Teilnehmende e<strong>in</strong>b<strong>in</strong>den, gedanklich mitnehmen, ihrer<br />

Me<strong>in</strong>ung Raum geben<br />

• Was heißt Vielfalt im Hospizkontext konkret?<br />

• Wie viel Vielfalt br<strong>in</strong>gt <strong>der</strong> eigene Hospizdienst mit?<br />

• Wie viele junge <strong>Ehrenamt</strong>liche gibt es?<br />

• Gab es junge <strong>Ehrenamt</strong>liche, die mit dem <strong>Ehrenamt</strong><br />

aufgehört haben?<br />

Nun kommt die Mo<strong>der</strong>ation <strong>in</strong>s Spiel und beg<strong>in</strong>nt die Diskussion<br />

voranzutreiben. Die Mo<strong>der</strong>ation kann e<strong>in</strong>zelne (je<br />

nach Zeitfenster) Teilnehmende nach den Gründen für die<br />

Positionierung befragen o<strong>der</strong> Freiwillige zu Wort kommen<br />

lassen.<br />

Von Vorteil für das anschließende Gespräch ist es, unterschiedliche<br />

Positionen und Me<strong>in</strong>ungen zu hören. Nun kann<br />

e<strong>in</strong>e offene Diskussion entstehen, die je nach Zeit auch mal<br />

unterbrochen werden muss. Das (physische) Positionieren<br />

und die direkte Sicht auf die Haltung <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en Teilnehmenden<br />

regen die Selbstreflexion und den Austausch an.<br />

H<strong>in</strong>weise für die Teilnehmenden im Vorfeld: Diese Positionierung<br />

ist e<strong>in</strong>e Bra<strong>in</strong>storm<strong>in</strong>g-Methode. Es gibt ke<strong>in</strong><br />

„Richtig“ o<strong>der</strong> „Falsch“. Es erfolgt ke<strong>in</strong>e Bewertung <strong>der</strong><br />

eigenen Position.<br />

Ziel: Die Teilnehmenden sollen durch die Konfrontation<br />

mit den Herausfor<strong>der</strong>ungen und Spannungsfel<strong>der</strong>n <strong>in</strong> das<br />

Thema e<strong>in</strong>steigen und spontan ihre Haltung äußern. Die<br />

Statements s<strong>in</strong>d deshalb bewusst e<strong>in</strong>fach, direkt und mit<br />

Spielraum zur Interpretation formuliert.<br />

42


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Anhang B | Projekt des Malteser-<br />

Hilfsdienstes <strong>in</strong> Kooperation mit dem DHPV<br />

„Junge Menschen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbe- und Trauerbegleitung: <strong>in</strong>teressieren – stärken –<br />

beteiligen“ (Laufzeit: Oktober 2018 – Juni 2022)<br />

Projektbeschreibung<br />

Projektidee: Was haben wir im Projekt vor?<br />

… Interessieren: Neugier wecken für den Bereich <strong>Hospizarbeit</strong>,<br />

Palliativmediz<strong>in</strong> und Trauerbegleitung mit den<br />

Themen Sterben, Tod und Trauer als Lebensthemen und<br />

junge Menschen für e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> und<br />

Trauerbegleitung gew<strong>in</strong>nen.<br />

… Stärken: Ermutigen, Erfahrungen zu Sterben, Tod und<br />

Trauer zu reflektieren und mit Selbstbewusstse<strong>in</strong> davon zu<br />

erzählen und sich e<strong>in</strong>zubr<strong>in</strong>gen, d. h. Multiplikator*<strong>in</strong>nen<br />

<strong>der</strong> Hospizidee zu se<strong>in</strong> und Sterbende und Trauernde zu<br />

begleiten.<br />

… Beteiligen: Von jungen Menschen lernen: Was müssen/<br />

sollten wir verän<strong>der</strong>n <strong>in</strong> unseren Qualifizierungsformaten<br />

und Begleitungsangeboten bzw. <strong>in</strong> <strong>der</strong> Organisation unserer<br />

Dienste, um junge Menschen und ihre Lebenswelten zu<br />

erreichen?<br />

Ziele des Projektes: Am Ende <strong>der</strong> Projektlaufzeit …<br />

1. s<strong>in</strong>d Wege und Methoden zum Engagement von jungen<br />

Erwachsenen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Trauer-/Sterbebegleitung entwickelt<br />

und dokumentiert.<br />

2. s<strong>in</strong>d junge Menschen an ausgewählten Projektstandorten<br />

für die Sterbe- und Trauerbegleitung <strong>in</strong>teressiert,<br />

beteiligt und gewonnen worden.<br />

3. s<strong>in</strong>d die Erfahrungen und Ergebnisse für alle Hospizdienste<br />

und E<strong>in</strong>richtungen <strong>der</strong> Hospizbewegung nutzbar.<br />

4. tragen junge Menschen Verantwortung für e<strong>in</strong>e solidarische<br />

Gesellschaft, die Menschen <strong>in</strong> existenziellen Krisen<br />

nicht alle<strong>in</strong>e lässt.<br />

Das Projekt möchte anregen, Mut machen und Impulse<br />

geben zur Arbeit mit jungen Menschen <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong><br />

mit all ihren Facetten! Dazu ist am Ende des Projektes<br />

2022 die Veröffentlichung e<strong>in</strong>es Buches zum Projekt geplant<br />

– mit H<strong>in</strong>tergründen, e<strong>in</strong>er thematischen E<strong>in</strong>ordnung<br />

und Handreichungen (u. a. Best-Practice-Beispiele) für die<br />

Zusammenarbeit mit jungen Menschen. Auch angepasste<br />

Kurskonzepte zur Qualifikation/Vorbereitung von jungen<br />

<strong>Ehrenamt</strong>lichen sollen zur Verfügung gestellt werden.<br />

E<strong>in</strong>e Website zum Projekt: www.junges-ehrenamt-hospiz.<br />

de stellt Ihnen weitere Informationen und Erkenntnisse aus<br />

dem Projekt zur Verfügung. Hier werden u. a. konkrete Hilfestellungen<br />

und Materialien für die Zusammenarbeit mit<br />

jungen Menschen im Dienst veröffentlicht.<br />

Projektumsetzung: Wer ist dabei? Was s<strong>in</strong>d zentrale<br />

Themen und Ideen?<br />

An 12 Standorten <strong>in</strong> Deutschland f<strong>in</strong>den lokale Pilotprojekte<br />

statt, die im Rahmen des Projektes begleitet und evaluiert<br />

werden.<br />

E<strong>in</strong>e zentrale Erkenntnissicherung erfolgt über dreimal jährlich<br />

stattf<strong>in</strong>dende Projekttreffen, die ebenfalls <strong>der</strong> Reflexion,<br />

kollegialen Beratung und Weiterentwicklung <strong>der</strong> 12 Pilotprojekte<br />

dienen. An den Pilotstandorten wollen die Dienste<br />

auf unterschiedliche Weise das Feld <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> und<br />

Trauerbegleitung für junge Menschen öffnen – durch …<br />

a) neue Formen des Kennenlernens:<br />

Nie<strong>der</strong>schwellige E<strong>in</strong>blicke <strong>in</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> – E<strong>in</strong> „unverzwecktes“<br />

Kennenlernen<br />

• Aktionen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Öffentlichkeit, Berührungspunkte mit<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> und ihren Themen schaffen<br />

• über Praktika, Hospitationen, „Schnuppertage“ im<br />

Dienst<br />

• über Aktionen mit jungen Menschen <strong>in</strong> den Austausch<br />

gehen, z. B. „Pizza trifft Hospiz“, „Death Café“, „Before<br />

I die“, Veranstaltungsreihen im Jugendzentrum etc.<br />

b) neue, vielfältige Formen des E<strong>in</strong>satzes für <strong>Ehrenamt</strong>liche:<br />

Alternative Formen des Engagements im Dienst,<br />

neben „för<strong>der</strong>fähiger“ Sterbebegleitung<br />

• Peer-to-Peer Angebote: gleichaltrige Ansprechpersonen<br />

(<strong>in</strong> Schulen, onl<strong>in</strong>e)<br />

• „Botschafter*<strong>in</strong>nen“ <strong>der</strong> Hospizidee <strong>in</strong> Gesellschaft,<br />

bei Aktionen etc.<br />

• Begleiten von Freizeitaktivitäten des Dienstes, u. a. für<br />

Geschwisterk<strong>in</strong><strong>der</strong><br />

• im stationären Bereich (Hospize): patientenferne Aufgaben<br />

(u. a. Empfang)<br />

• Auftreten als Multiplikator*<strong>in</strong>nen und Ansprechpersonen<br />

im eigenen Umfeld/<strong>in</strong> <strong>der</strong> Gesellschaft/im Alltag<br />

43


c) neue, unterschiedliche Wege <strong>der</strong> Qualifizierung: Vorbereitungskurse<br />

entsprechend <strong>der</strong> E<strong>in</strong>satzbereiche<br />

Bei <strong>der</strong> Gestaltung von Kursen orientieren sich die<br />

Dienste an diesen Ideen:<br />

• E<strong>in</strong>stiegshürden nehmen: mit offenen Angebote e<strong>in</strong><br />

Kennenlernen ermöglichen<br />

• Learn<strong>in</strong>g on the Job: Qualifizierung über den Kurs h<strong>in</strong>aus<br />

ermöglicht früh erste Praxiserfahrungen, modularer<br />

Aufbau von Kursen<br />

• Orientierung an den Möglichkeiten <strong>der</strong> Zielgruppe:<br />

flexible Kursgestaltung (u. a. Wochenende, Themenabende,<br />

Blockveranstaltungen, Eigenarbeit/Hausaufgaben)<br />

Bei den Wegen <strong>der</strong> Qualifizierung unterscheiden wir:<br />

1. drei neue Konzepte zur Vorbereitung junger Menschen<br />

auf e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> (entsprechend<br />

den Anfor<strong>der</strong>ungen des §39a SGB, <strong>Ehrenamt</strong><br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbebegleitung)<br />

• „Junge Menschen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbe- und Trauerbegleitung<br />

– e<strong>in</strong> offenes Kurskonzept“ (Kreativer Vorbereitungskurs<br />

für junge Begleitende)<br />

• „Erfahrung erleben – Studierende <strong>in</strong> <strong>der</strong> palliativen<br />

und hospizlichen Begleitung“ (Wahlpflichtfach im<br />

Rahmen des Studium)<br />

• „Berl<strong>in</strong>er Modell“ – Schulung von <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

für die Begleitung von Abschied nehmenden K<strong>in</strong><strong>der</strong>n<br />

und Jugendlichen (E<strong>in</strong> Kompaktkurs)<br />

An allen Standorten haben sich die Koord<strong>in</strong>ator<strong>in</strong>nen<br />

im Vorfeld (auch im Gespräch mit jungen Menschen)<br />

damit befasst, was für junge Menschen bei den Kursen<br />

wichtig ist o<strong>der</strong> an<strong>der</strong>s se<strong>in</strong> sollte als bisher. Diese<br />

drei Konzepte wurden <strong>in</strong> mehreren Durchgängen mit<br />

unterschiedlichen Gruppen erprobt und - wo nötig –<br />

angepasst.<br />

Nach Abschluss des Projektes im Jahre 2022 ist e<strong>in</strong>e<br />

detaillierte Veröffentlichung <strong>der</strong> Konzepte geplant.<br />

2. E<strong>in</strong> Rahmenkonzept für Sensibilisierungskurse für Interessierte<br />

und <strong>Ehrenamt</strong>liche mit Aufgaben <strong>in</strong> an<strong>der</strong>en<br />

Bereichen <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> und Trauerbegleitung<br />

(u. a. Peer-to-Peer Angebote, patienten-ferne Tätigkeiten)<br />

Die Ziele des Sensibilisierungskurses s<strong>in</strong>d:<br />

• Vermittlung von Haltung/Freude/S<strong>in</strong>n <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong><br />

und Trauerbegleitung<br />

• Sensibilisieren zur nie<strong>der</strong>schwelligen Mitarbeit (u. a.<br />

Botschafter*<strong>in</strong>)<br />

d) die Weiterentwicklung unserer Organisationsformen<br />

und Strukturen:<br />

• neue und ergänzende Kommunikationswege und Onl<strong>in</strong>e-Präsenz<br />

(u. a. Social Media)<br />

• Vernetzen/Kooperationen mit „jungen Orten“/Partnern<br />

(u. a. Kunst, Schule/Ausbildung, Hospiz als Ort<br />

des Erlebens), um für junge Menschen sichtbar zu<br />

se<strong>in</strong><br />

• F<strong>in</strong>den neuer Aufgabenfel<strong>der</strong> im Dienst: Wo im Dienst<br />

s<strong>in</strong>d die Stärken junger Menschen gebraucht? Wie<br />

können sie uns (auch kurzzeitig) unterstützen?<br />

• Wie können junge Menschen zeitnah <strong>in</strong> die Praxis<br />

e<strong>in</strong>steigen? (Mentoren-/Paten-Modelle: „Vone<strong>in</strong>an<strong>der</strong><br />

Lernen“ im <strong>Ehrenamt</strong>)<br />

• Welchen Koord<strong>in</strong>ationsbedarf gibt es bei kurzfristigem<br />

und flexiblem Engagement? Und wie werden wir diesem<br />

mit unseren Ressourcen gerecht?<br />

• an<strong>der</strong>e und ergänzende Formen <strong>der</strong> Praxisbegleitung<br />

und Supervision (u. a. Telefonsprechstunde, Onl<strong>in</strong>e-<br />

Lösungen)<br />

Das Projekt ist e<strong>in</strong>e Initiative zur Umsetzung <strong>der</strong> Charta zur<br />

Betreuung schwerstkranker und sterben<strong>der</strong> Menschen <strong>in</strong><br />

Deutschland und wird vom Malteser Hilfsdienst e.V. <strong>in</strong> Kooperation<br />

mit dem DHPV e.V. und dem Vere<strong>in</strong> Sorgenetz,<br />

Universität Graz durchgeführt und vom BMFSFJ geför<strong>der</strong>t.<br />

Kontakt und weitere Informationen<br />

Malteser Hilfsdienst e.V.<br />

Generalsekretariat<br />

Fachstelle Malteser <strong>Hospizarbeit</strong>,<br />

Palliativmediz<strong>in</strong> und Trauerbegleitung<br />

Dr. Bernadette Groebe (Projektleitung)<br />

+ 49-221-98 22-26 31<br />

bernadette.groebe@malteser.org<br />

www.junges-ehrenamt-hospiz.de<br />

44


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

Anhang C | DHPV-Verbundstudie<br />

„<strong>Ehrenamt</strong>lichkeit und bürgerschaftliches Engagement <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong><br />

(EbEH) – Merkmale, Entwicklungen und Zukunftsperspektiven“<br />

DHPV e.V.: Ergebnispräsentation: <strong>Ehrenamt</strong>lichkeit und bürgerschaftliches Engagement <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> (EbEH) – Merkmale, Entwicklungen und Zukunftsperspektiven.<br />

Handout zum Fachtag: Präsentation <strong>der</strong> Ergebnisse des Forschungsprojekts „<strong>Ehrenamt</strong>lichkeit und bürgerschaftliches Engagement <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong>“, 2018.<br />

H<strong>in</strong>tergrund<br />

Die Hospizbewegung als „soziale Bewegung“ hat <strong>in</strong><br />

Deutschland <strong>in</strong> den letzten Jahrzehnten zu e<strong>in</strong>em menschenwürdigeren<br />

Umgang mit Sterbenden und ihren Angehörigen<br />

beigetragen. Tragen<strong>der</strong> Boden dieser Verän<strong>der</strong>ung<br />

ist die <strong>Ehrenamt</strong>lichkeit. Auch diese hat sich <strong>in</strong> den<br />

letzten Jahren deutlich verän<strong>der</strong>t. Bisher wurde dem Komplex<br />

<strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichkeit allerd<strong>in</strong>gs wenig wissenschaftliche<br />

Aufmerksamkeit geschenkt. Um wichtige Grundlagen<br />

für die Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung des Engagements<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Bevölkerung für sterbende Menschen<br />

zu schaffen, bedarf es dr<strong>in</strong>gend dieser wissenschaftlichen<br />

Ause<strong>in</strong>an<strong>der</strong>setzung. Hier setzt die vom Deutschen Hospiz-<br />

und PalliativVerband (DHPV) <strong>in</strong>itiierte und geför<strong>der</strong>te<br />

Verbundstudie „<strong>Ehrenamt</strong>lichkeit und bürgerschaftliches<br />

Engagement <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> – Merkmale, Entwicklungen<br />

und Zukunftsperspektiven“ an.<br />

Die Ergebnisse <strong>der</strong> Studie stellen e<strong>in</strong> tragfähiges empirisches<br />

Fundament für die Weiterentwicklung <strong>der</strong> Hospizpraxis<br />

und Hospizkultur dar. Zentrale Fragen waren: Inwieweit<br />

ist die Hospizbewegung noch Bürgerbewegung? Wie<br />

ist diese <strong>in</strong> <strong>der</strong> Bevölkerung verankert? Welche Bedeutung<br />

hat sie <strong>in</strong> <strong>der</strong> palliativen Versorgung? Wie kann auch <strong>in</strong> Zukunft<br />

das hohe Potenzial von Menschen, die generell zu<br />

ehrenamtlichem Engagement bereit wären, für die Hospizbewegung<br />

genutzt werden?<br />

Das Forschungsziel bestand für die Praxis dar<strong>in</strong>, ehrenamtliche<br />

Arbeit und damit die Hospizvere<strong>in</strong>e als Organisationsform<br />

bürgerschaftlichen Engagements und <strong>Ehrenamt</strong>lichkeit<br />

zu stärken. Dazu haben die Teilprojekte <strong>der</strong> Studie<br />

Fragen zu E<strong>in</strong>stellungen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Bevölkerung zur ehrenamtlichen<br />

Unterstützung Sterben<strong>der</strong>, die Sicht von Hausärzten<br />

und Pflegediensten, die Erfahrungen <strong>Ehrenamt</strong>licher sowie<br />

den Zusammenhang von <strong>Ehrenamt</strong> und Zugangsgerechtigkeit<br />

verfolgt.<br />

An dieser Stelle werden nur ausgewählte Ergebnisse und<br />

Aspekte angeführt, die als Grundlage <strong>der</strong> Konzeptionierung<br />

des Moduls relevant waren.<br />

Ergebnisse zu den Erfahrungen und zum Wissen<br />

von <strong>Ehrenamt</strong>lichen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Hospizbegleitung: Die<br />

Kunst <strong>der</strong> Begleitung<br />

Wir versuchen hier weiterzugeben, was wir von den <strong>Ehrenamt</strong>lichen<br />

gelernt haben. In den Geschichten, die <strong>Ehrenamt</strong>liche<br />

uns erzählt haben, tritt e<strong>in</strong>e überwältigende Fülle<br />

von Erfahrungen und Erlebnissen zu Tage. Wir machen<br />

gar nicht erst den Versuch, diese Erfahrungen über e<strong>in</strong>en<br />

Kamm zu scheren. Wir stehen verblüfft und bee<strong>in</strong>druckt vor<br />

e<strong>in</strong>er „kulturellen“ Vielfalt, die ganz im Gegensatz steht zu<br />

manchen monokulturellen Tendenzen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Gesellschaft.<br />

Die ehrenamtliche Vielfalt stellt e<strong>in</strong>erseits e<strong>in</strong>en kostbaren<br />

Kontrapunkt zu den Gefahren professioneller Engführung<br />

dar und sie wi<strong>der</strong>legt an<strong>der</strong>erseits, zum<strong>in</strong>dest für diesen<br />

Bereich, die Klage über mangelndes zivilgesellschaftliches<br />

Engagement.<br />

• Die gesellschaftliche Bedeutung ehrenamtlicher Tätigkeit<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>Hospizarbeit</strong> liegt vor allem dar<strong>in</strong>, dass sie<br />

ohne Geld, aber mit viel Zeit erbracht wird. Sie steht damit<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>em wohltuenden Gegensatz zum Ma<strong>in</strong>stream:<br />

Professionelle palliative Dienstleistungen s<strong>in</strong>d zunehmend<br />

durch Geld- und Zeitknappheit gekennzeichnet.<br />

• <strong>Ehrenamt</strong>liche schenken Zeit – und fühlen sich ihrerseits<br />

beschenkt: mit Er<strong>in</strong>nerungen, neuen Beziehungen,<br />

wesentlichen E<strong>in</strong>sichten für das eigene Leben. Sie<br />

sprechen selbst von „Geben und Nehmen“ und von<br />

„Reichtum“. Diese lassen sich jeweils nicht auf e<strong>in</strong> ökonomisches<br />

Verständnis reduzieren. <strong>Ehrenamt</strong>liche stiften<br />

sozialen Zusammenhalt jenseits <strong>der</strong> Kategorien von<br />

„Geld“ und „Recht“.<br />

• Die vor allem von älteren Frauen getragene ehrenamtliche<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> zeugt von e<strong>in</strong>er Fülle kreativer, warmer,<br />

situationsbezogener Begleitungen, <strong>in</strong> denen die Ängste,<br />

die Nöte und die Wünsche von Menschen am Lebensende<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>em lebendigen Gegenüber mit E<strong>in</strong>fühlungsvermögen<br />

wahrgenommen werden.<br />

• Das Wissen <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichen über Sterben und Tod<br />

wird nicht so sehr <strong>in</strong> theoretischen Abstraktionen deutlich,<br />

son<strong>der</strong>n zeigt sich situativ und konkret <strong>in</strong> dem, was<br />

sie tun und wie sie darüber erzählen. In den Erzählun-<br />

45


gen <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichen werden ihre Erfahrungen als<br />

Weisheit greifbar, die aus <strong>der</strong> Beziehung zwischen Begleitenden<br />

und Betroffenen erwächst.<br />

• Weisheit und Kunst ehrenamtlicher Begleitung bestehen<br />

wesentlich dar<strong>in</strong>, zu Unbekannten und Fremden Kontakt<br />

und „Zugang“ zu f<strong>in</strong>den, Vertrauen zu schaffen. Das<br />

„Sich-Öffnen“ <strong>der</strong> Betroffenen wird als Gabe erfahren.<br />

• Es gibt religiöse Gründe und Erlebnisse im kirchlichen<br />

Raum, sich <strong>der</strong> ehrenamtlichen <strong>Hospizarbeit</strong> zuzuwenden.<br />

Oft ist es aber e<strong>in</strong>e eigene Verlusterfahrung (Partner,<br />

Eltern, Geschwister, K<strong>in</strong>d), die zur <strong>Hospizarbeit</strong><br />

führt. In diesen Vorerfahrungen steckt oft das Erleben<br />

e<strong>in</strong>es existenziellen Standpunktwechsels, durch den<br />

das Leben an<strong>der</strong>s und neu gesehen wird und <strong>der</strong> zur<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> motiviert.<br />

• Das immer wie<strong>der</strong> erkennbare zentrale Motiv für das<br />

weitgehend weibliche Engagement ist die Suche nach<br />

e<strong>in</strong>er „s<strong>in</strong>nvollen“ Tätigkeit (sehr oft <strong>in</strong> <strong>der</strong> Zeit nach <strong>der</strong><br />

Pensionierung). Die f<strong>in</strong>den <strong>Ehrenamt</strong>liche – so sagen sie<br />

– <strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbebegleitung.<br />

• Bisweilen werden <strong>in</strong> <strong>der</strong> Begleitung die Grenzen immanenter<br />

Erfahrung gesprengt. Diese „transzendierenden<br />

Erfahrungen“ werden großenteils weltanschaulich neutral<br />

beschrieben, unabhängig von e<strong>in</strong>er bestimmten<br />

Konfession o<strong>der</strong> Religion.<br />

• Es ist ke<strong>in</strong> „e<strong>in</strong>facher“ S<strong>in</strong>n, <strong>der</strong> gesucht und erfahren<br />

wird. <strong>Ehrenamt</strong>liche halten häufig Situationen radikaler<br />

Ohnmacht aus: Das Beziehungsangebot wird abgelehnt,<br />

Betroffene sterben unversöhnt, gequält, klagend,<br />

unzugänglich. Die <strong>Ehrenamt</strong>lichen versuchen sich mit<br />

Intuition, manchmal durch Berührung anzunähern –<br />

o<strong>der</strong> halten e<strong>in</strong>fach aus. Sie machen es sich nie leicht<br />

mit den Beziehungen. Sie ergreifen nicht die Flucht vor<br />

schwierigen Situationen o<strong>der</strong> bedienen sich „e<strong>in</strong>facher“<br />

Erklärungsmuster. <strong>Ehrenamt</strong>liche Begleitung ist von<br />

großer „Treue“ geprägt.<br />

• <strong>Ehrenamt</strong>liche begleiten fast immer nicht nur die Betroffenen,<br />

son<strong>der</strong>n (wo vorhanden) das ganze Beziehungssystem<br />

mit den An- und Zugehörigen. Immer wie<strong>der</strong><br />

erwachsen aus <strong>der</strong> Begleitung bleibende Beziehungen.<br />

Auch dar<strong>in</strong> wird die zivilgesellschaftliche Bedeutung, die<br />

Wirkung für „communities“, <strong>der</strong> ehrenamtlichen Arbeit<br />

deutlich.<br />

• Es s<strong>in</strong>d unterschiedliche Rollen, die <strong>Ehrenamt</strong>liche dar<strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>nehmen – oft haben diese Rollen vermittelnden Charakter:<br />

zwischen Leben und Tod, etwa als H<strong>in</strong>führung<br />

<strong>der</strong> Angehörigen zu e<strong>in</strong>em Umgang mit dem Sterben;<br />

zwischen Angehörigen und Betroffenen sowie zwischen<br />

den Betroffenen und den Profis.<br />

• Neben <strong>der</strong> mediz<strong>in</strong>ischen und pflegerischen Versorgung<br />

sterben<strong>der</strong> Menschen ist für die Sterbenden die Möglichkeit,<br />

im Gespräch mit an<strong>der</strong>en Menschen zu bleiben,<br />

von zentraler Bedeutung. Dafür stehen die Menschen <strong>in</strong><br />

<strong>der</strong> freiwilligen Hospizbegleitung zur Verfügung. Dieser<br />

Dienst kann gar nicht hoch genug e<strong>in</strong>geschätzt werden.<br />

Er hält den Profis und den E<strong>in</strong>richtungen – manchmal<br />

schmerzhaft – den Spiegel <strong>der</strong> eigenen une<strong>in</strong>gelösten<br />

ethischen Ansprüche vor.<br />

• In den Erzählungen <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichen spielt <strong>der</strong> mediz<strong>in</strong>ische<br />

Kontext kaum e<strong>in</strong>e Rolle: Von Konflikten mit Angehörigen,<br />

von Unerledigtem, von Ängsten, von Wünschen<br />

ist viel die Rede. Mediz<strong>in</strong>isch-pflegerische Fragen<br />

werden im Gespräch mit den <strong>Ehrenamt</strong>lichen <strong>in</strong>dessen<br />

kaum aufgenommen. <strong>Ehrenamt</strong>liche s<strong>in</strong>d zuständig für<br />

das, was im mediz<strong>in</strong>ischen o<strong>der</strong> pflegerischen Handeln<br />

eher nicht zur Sprache kommt: Der Seelenschmerz, die<br />

Hoffnung o<strong>der</strong> die Hoffnungslosigkeit, Vergebung und<br />

Versöhnung o<strong>der</strong> auch die Angst um die Menschen, die<br />

man zurücklässt.<br />

• Systembed<strong>in</strong>gte Wi<strong>der</strong>sprüche im Pflegeheim und die<br />

„Apparatemediz<strong>in</strong>“ br<strong>in</strong>gen <strong>Ehrenamt</strong>liche <strong>in</strong> Situationen<br />

relativer Ohnmacht. Sie sehen sich als Fürsprecher<strong>in</strong>nen<br />

<strong>der</strong> begleiteten Personen, gehen auf Distanz zu e<strong>in</strong>er<br />

Mediz<strong>in</strong>, die Leid erzeugt, statt es zu l<strong>in</strong><strong>der</strong>n. Aufgrund<br />

<strong>der</strong> Machtverhältnisse gel<strong>in</strong>gen Für- und Gegensprache<br />

selten. Das kritische Potenzial des <strong>Ehrenamt</strong>s kann sich<br />

ke<strong>in</strong>e Luft machen o<strong>der</strong> Stimme verschaffen – Selbstzurücknahme,<br />

Da-Se<strong>in</strong>, Lückenfüllen überwiegen.<br />

• Das Bild von e<strong>in</strong>em friedlichen Sterben ist <strong>der</strong> rote Faden,<br />

<strong>der</strong> sich durch die Erzählungen <strong>der</strong> Hospizbegleiter<strong>in</strong>nen<br />

und Hospizbegleiter zieht. ‚Friedlich e<strong>in</strong>schlafen‘,<br />

‚den Lebenskreis schließen‘: Je mehr religiöse Hoffnungen<br />

bei Begleiteten und Begleitenden schw<strong>in</strong>den, desto<br />

deutlicher wird das „friedliche Sterben“ zum wichtigsten<br />

Ziel. Es sieht so aus als wenn die <strong>Ehrenamt</strong>lichen dar<strong>in</strong><br />

sowohl den eigenen Wunsch als auch den unausgesprochenen<br />

Konsens <strong>der</strong> Gesellschaft zum Ausdruck<br />

br<strong>in</strong>gen.<br />

• Die größte Stärke vieler <strong>Ehrenamt</strong>licher ist, dass sie offen<br />

s<strong>in</strong>d für das, was offen ist: Die Beziehung zu den<br />

Angehörigen, die Frage nach Hoffnung, die Frage, ob<br />

etwas über den Tod h<strong>in</strong>ausweist, das Gespräch über<br />

Ängste, Wünsche, Sehnsüchte. Sie s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> gewisser<br />

Weise die Zuständigen für das Unbestimmte und Unvorhersehbare.<br />

So können sie oft nur zurückgreifen auf<br />

Intuition, auf Ungeübtes, auf das Jetzt. Und damit s<strong>in</strong>d<br />

46


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

sie mehr denn je unverzichtbar <strong>in</strong> <strong>der</strong> Begleitung. Ihr Risiko,<br />

etwas falsch zu machen, ist nicht ger<strong>in</strong>ger als das<br />

Risiko e<strong>in</strong>er mediz<strong>in</strong>ischen Fehlentscheidung. Ihr Beitrag<br />

zur Humanisierung des Lebensendes kann genau<br />

deshalb von größter Bedeutung se<strong>in</strong>. Und die letzte Instanz,<br />

auf die sie zurückgreifen können und müssen, ist<br />

E<strong>in</strong>fühlsamkeit, Herzenswärme und Zuneigung.<br />

• Das Verhältnis <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichen zum professionellen<br />

Kontext wird meist als gut beschrieben. Dennoch sche<strong>in</strong>en<br />

Klagen darüber auf, dass sie, die <strong>Ehrenamt</strong>lichen,<br />

nicht genügend wahrgenommen und <strong>in</strong>tegriert werden,<br />

z. B. nicht benachrichtigt werden, wenn e<strong>in</strong> Begleiteter<br />

gestorben ist.<br />

• Die <strong>Ehrenamt</strong>lichen sehen Unterschiede zwischen<br />

häuslicher und stationärer Begleitung: Oft erleben sie<br />

die häusliche Begleitung als <strong>in</strong>tensiver. Im stationären<br />

Kontext schätzen sie dagegen die Anwesenheit <strong>der</strong><br />

Hauptamtlichen, die ihnen Sicherheit gibt.<br />

• Die Ausbildung zum <strong>Ehrenamt</strong>lichen ist akzeptiert, die<br />

Herausfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> praktischen Arbeit aber s<strong>in</strong>d oft<br />

von Unvorhergesehenem gekennzeichnet. Dann werden<br />

die situative Geistesgegenwart und die unverstellte<br />

Menschlichkeit zum wichtigsten ‚Hilfsmittel‘ <strong>der</strong> Begleitung.<br />

• Unsere Gesellschaft ist sichtlich von Erosionsprozessen<br />

bedroht. Es ist bemerkenswert, dass die Wie<strong>der</strong>kehr<br />

wärmen<strong>der</strong> Zuwendung und gelebter Empathie offenbar<br />

an den Rän<strong>der</strong>n <strong>der</strong> Gesellschaft so deutlich möglich<br />

wird. In <strong>der</strong> Konfrontation mit <strong>der</strong> letzten Lebenskrise<br />

kann jenes E<strong>in</strong>fühlungsvermögen aufblühen, dessen<br />

Fehlen im Zentrum <strong>der</strong> Gesellschaft beklagt wird. Die<br />

<strong>Ehrenamt</strong>lichen s<strong>in</strong>d die Wächter<strong>in</strong>nen <strong>der</strong> E<strong>in</strong>fühlsamkeit<br />

am Rande des Lebens.<br />

• Die <strong>Ehrenamt</strong>lichen br<strong>in</strong>gen Sterben und Tod wie<strong>der</strong> auf<br />

den Boden <strong>der</strong> Tatsachen zurück, sie machen das Lebensende<br />

zu e<strong>in</strong>er menschlichen Erfahrung von Angesicht<br />

zu Angesicht.<br />

Forschungsperspektiven<br />

Wie kann die Nachwuchsfrage <strong>in</strong> <strong>der</strong> ehrenamtlichen Begleitung<br />

aufgenommen werden? Was muss geschehen,<br />

um jüngere Leute zu gew<strong>in</strong>nen (z. B. Flexibilisierung) und<br />

<strong>Ehrenamt</strong> bunter und multikultureller zu machen? Wie kann<br />

hospizliches <strong>Ehrenamt</strong> an die Community rückgebunden<br />

werden? Wie kann das Wissen <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichen <strong>in</strong>tergenerativ<br />

weitergegeben werden?<br />

Ergebnisse <strong>der</strong> (teil-)standardisierten Onl<strong>in</strong>e-Befragung<br />

<strong>der</strong> Hospizkoord<strong>in</strong>ator*<strong>in</strong>nen<br />

Essentials<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> ist homogen<br />

Die Landschaft <strong>der</strong> ambulanten Hospizdienste <strong>in</strong> Deutschland<br />

charakterisiert sich im Wesentlichen als weibliche, mittelschichtbasierte<br />

Organisationspraxis, die (immer noch)<br />

überwiegend von Frauen <strong>in</strong> <strong>der</strong> späten Erwerbs- bzw.<br />

Nacherwerbsphase getragen wird. Nach Auskunft <strong>der</strong> Koord<strong>in</strong>ator*<strong>in</strong>nen<br />

s<strong>in</strong>d die <strong>Ehrenamt</strong>lichen im Durchschnitt<br />

über alle Dienste h<strong>in</strong>weg mehrheitlich weiblich (Verhältnis<br />

6:1) und bef<strong>in</strong>den sich größtenteils im Alter zwischen 51<br />

und 70 Jahren. Die meisten von ihnen haben e<strong>in</strong>en Realschulabschluss<br />

o<strong>der</strong> die Fachhochschulreife bzw. das Abitur.<br />

Koord<strong>in</strong>ator*<strong>in</strong>nen (über 90 % Frauen) als ‚gate-keeper‘<br />

und zentrale Organisationslenker*<strong>in</strong>nen rekrutieren sich<br />

sogar noch deutlicher aus <strong>der</strong> (gehobenen) Mittelschicht:<br />

Über die Hälfte von ihnen hat Abitur bzw. (Fach-) Hochschulreife,<br />

fast 40 % haben Mittlere Reife. Ihre Altersstruktur<br />

gleicht denen <strong>der</strong> <strong>Ehrenamt</strong>lichen: zu 65,2 % s<strong>in</strong>d sie<br />

zwischen 46 und 60 Jahre alt, 24,3 % s<strong>in</strong>d älter als 61 und<br />

nur 10,1 % s<strong>in</strong>d zwischen 30 und 45 Jahre alt.<br />

Vor allem die gesellschaftliche Mitte begleitet und wird begleitet<br />

<strong>Hospizarbeit</strong> versteht sich als offen für jeden, <strong>der</strong> sich ehrenamtlich<br />

engagieren will, ebenso wie sie sich als Unterstützungsangebot<br />

grundsätzlich an jeden richtet, <strong>der</strong> Hilfe<br />

und Begleitung <strong>in</strong> <strong>der</strong> existenziellen Lebenskrise von<br />

schwerer Krankheit und Sterben benötigt. Fragt man jedoch<br />

nach dem sozialen Status <strong>der</strong> Begleiteten, so ordnen<br />

die Koord<strong>in</strong>ator<strong>in</strong>nen und Koord<strong>in</strong>atoren diese überwiegend<br />

<strong>der</strong> gesellschaftlichen Mitte zu. Begleitungen im<br />

sog. „gesellschaftlichen Unten“ wie im „gesellschaftlichen<br />

Oben“ kommen zwar vor, s<strong>in</strong>d aber nicht <strong>der</strong> Regelfall.<br />

Insgesamt zeigt sich, dass e<strong>in</strong> Wandel im <strong>Ehrenamt</strong> h<strong>in</strong><br />

zu mehr Heterogenität und Offenheit <strong>in</strong> <strong>der</strong> hospizlichen<br />

Organisationsstruktur wie Organisationskultur und <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

ehrenamtlichen Praxis noch am Anfang steht.<br />

Ergebnisse <strong>der</strong> qualitativen Interviews mit Hausärzten<br />

und Pflegediensten<br />

E<strong>in</strong>beziehen <strong>Ehrenamt</strong>licher durch Hausärzte und Pflegedienste<br />

47


Generell gilt: Professionelle Dienste s<strong>in</strong>d wesentliche Vermittler<br />

von <strong>Ehrenamt</strong> – wenn sie es <strong>in</strong>s Spiel br<strong>in</strong>gen, ist<br />

die Akzeptanz beson<strong>der</strong>s hoch. Befragt wurden Hausärzte<br />

und Pflegedienste, ob und unter welchen Umständen sie<br />

<strong>Ehrenamt</strong>liche <strong>in</strong> die Versorgung e<strong>in</strong>beziehen.<br />

E<strong>in</strong>beziehen von <strong>Ehrenamt</strong>lichen erfolgt nie, weil<br />

- noch nicht darüber nachgedacht<br />

- ke<strong>in</strong>e Informationen zu Hospiz<br />

- <strong>Ehrenamt</strong>liche wären mit <strong>der</strong> Situation überfor<strong>der</strong>t<br />

E<strong>in</strong>beziehen von <strong>Ehrenamt</strong>lichen erfolgt nicht, wenn<br />

- bereits viele Personen/Profis, 24-Std.-Kräfte usw. im<br />

Haushalt s<strong>in</strong>d<br />

- Großfamilie vorhanden<br />

- Alle<strong>in</strong>stehende nicht mehr zuhause leben<br />

E<strong>in</strong>beziehen von <strong>Ehrenamt</strong>lichen erfolgt nur, wenn<br />

- Partner/Familie überfor<strong>der</strong>t ist<br />

- beim Betroffenen/<strong>der</strong> Familie zusätzliche Kontakte erwünscht<br />

s<strong>in</strong>d<br />

- ke<strong>in</strong>e Angehörigen, Nachbarn etc. da s<strong>in</strong>d<br />

E<strong>in</strong>beziehen von <strong>Ehrenamt</strong>lichen erfolgt immer, weil<br />

- die Profis nicht das leisten können, was <strong>Ehrenamt</strong><br />

bietet (Zeit, Da se<strong>in</strong>)<br />

- es gilt, Angehörige zu entlasten (möglichst frühzeitig)<br />

Tätigkeiten an<strong>der</strong>er freiwillig Engagierter <strong>in</strong> <strong>der</strong> Wahrnehmung<br />

<strong>der</strong> Hausärzte und Pflegedienste<br />

Deutlich öfter und konkreter wurde <strong>der</strong> Beitrag von Nachbarn<br />

thematisiert als <strong>der</strong> von Freunden:<br />

• Nachbarn als Familienersatz – <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e <strong>in</strong> ländlichen<br />

Regionen<br />

• Nachbarn leisten vor allem praktische Hilfen (vom Haushalt<br />

sogar bis h<strong>in</strong> zur Körperpflege), übernehmen Brückenzeiten<br />

usw.<br />

• <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e bei <strong>der</strong> Begleitung von Sterbenden beson<strong>der</strong>s<br />

wertvoll (unmittelbar vor Ort, ggf. nicht an Arbeitszeiten<br />

gebunden, gewachsene Beziehungen, praktische<br />

Hilfen als selbstverständlicher Teil <strong>der</strong> Beziehung<br />

bzw. des Austauschs)<br />

Aus Sicht <strong>der</strong> Hausärzte und Pflegedienste variiert <strong>der</strong> gesellschaftliche<br />

Stellenwert des <strong>Ehrenamt</strong>es von ‚hoher gesellschaftlicher<br />

Wert‘ (leistet An<strong>der</strong>es als Profis, symbolisch<br />

wertvoll, Hilfekultur) bis ‚nice to have‘ (bei Sterbendenbegleitung<br />

pr<strong>in</strong>zipiell verzichtbar, weil hohe Professionalität<br />

erfor<strong>der</strong>lich ist).<br />

Zukunft <strong>der</strong> ehrenamtlichen <strong>Hospizarbeit</strong><br />

Bewertungen bzw. E<strong>in</strong>schätzungen zum Stellenwert des<br />

<strong>Ehrenamt</strong>es schwanken von ‚immer wichtiger‘ bis ‚Auslaufmodell‘:<br />

• wichtiger, weil demographischer Wandel, Fachkräftemangel,<br />

Geme<strong>in</strong>s<strong>in</strong>n stärken, S<strong>in</strong>nstiftung, Nachbarschaft,<br />

Freunde, Familie geht zurück, E<strong>in</strong>samkeit und<br />

Individualisierung zunehmen<br />

• Auslaufmodell, weil <strong>Ehrenamt</strong> immer weniger angenommen<br />

wird, nicht gebraucht wird (Fachlichkeit und Verb<strong>in</strong>dlichkeit<br />

wichtiger), den Betreffenden nicht wirklich<br />

hilft<br />

Ausgesuchte Ergebnisse <strong>der</strong><br />

Bevölkerungsbefragung<br />

Zur Methodik<br />

Die Interviews (face-to-face) fanden zwischen dem 2. und<br />

dem 15. Februar 2018 statt. Dabei befragten 386 Interviewer<br />

1.271 Personen ab 16 Jahren im gesamten Bundesgebiet.<br />

Die gewichteten Gesamtergebnisse s<strong>in</strong>d repräsentativ<br />

für die deutsche Wohnbevölkerung <strong>in</strong> Privathaushalten.<br />

Auf e<strong>in</strong>e Unterstützung durch Freunde und Nachbarn<br />

würden 40 % Wert legen, auf e<strong>in</strong>e Begleitung durch ehrenamtliche<br />

Helfer 18 %. Insgesamt nennen damit 45 %<br />

e<strong>in</strong>e solche Unterstützung von außerhalb <strong>der</strong> Familie.<br />

Auch wenn die Kernanliegen <strong>der</strong> Hospizbewegung <strong>in</strong> solchen<br />

Vorstellungen heute e<strong>in</strong> weit verbreitetes Allgeme<strong>in</strong>gut<br />

geworden s<strong>in</strong>d, ist die Begleitung <strong>der</strong> Sterbenden<br />

durch Personen, die nicht zur Familie gehören, noch nicht<br />

ebenso selbstverständlich. Immerh<strong>in</strong> 40 % würden sich<br />

wünschen, dass Freunde und Nachbarn die Angehörigen<br />

entlasten. Für 18 % gehört die Begleitung <strong>der</strong> Sterbenden<br />

durch ehrenamtliche Helfer<strong>in</strong>nen und Helfer zu den D<strong>in</strong>gen,<br />

die sie sterbenden Angehörigen und Freunden wünschen.<br />

Zudem fänden es 31 % wichtig, dass diese „ihre<br />

letzte Zeit <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Hospiz verbr<strong>in</strong>gen können und dort von<br />

Menschen betreut werden, die über viel Erfahrung bei <strong>der</strong><br />

Begleitung von Sterbenden verfügen“. Insbeson<strong>der</strong>e ältere<br />

Frauen wären an solchen Angeboten <strong>in</strong>teressiert.<br />

Dabei muss man sehen, dass erst e<strong>in</strong>e M<strong>in</strong><strong>der</strong>heit <strong>der</strong> Bevölkerung<br />

das Sterben im Hospiz o<strong>der</strong> die Sterbebegleitung<br />

durch <strong>Ehrenamt</strong>liche schon miterlebt hat. Weniger als<br />

48


<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

10 % <strong>der</strong>er, die schon e<strong>in</strong>mal beim Sterben von Angehörigen<br />

o<strong>der</strong> Freunden dabei waren, berichten dies über den<br />

letzten erlebten Todesfall. Damit s<strong>in</strong>d die Wünsche nach<br />

solchen Möglichkeiten <strong>der</strong> Begleitung deutlich weiter verbreitet<br />

als das Angebot.<br />

In 31 % <strong>der</strong> Todesfälle waren Freunde an <strong>der</strong> Begleitung<br />

beteiligt, <strong>in</strong> 14 % auch Nachbarn. In immerh<strong>in</strong> 6 %<br />

<strong>der</strong> beschriebenen Todesfälle wurden die Verstorbenen<br />

auch von Freiwilligen begleitet, die nicht zur Nachbarschaft<br />

o<strong>der</strong> zum Freundes- und Bekanntenkreis gehörten.<br />

67 % <strong>der</strong> Verstorbenen wurden auch regelmäßig von Ärzt<strong>in</strong>nen<br />

und Ärzten betreut,<br />

63 % von Pflegekräften. Solche Unterstützung durch ausgebildete<br />

Pflegekräfte war beim Sterben im eigenen Zuhause<br />

allerd<strong>in</strong>gs vergleichsweise selten (47 %). Über e<strong>in</strong>e<br />

Unterstützung durch Freunde berichten 31 %, über die Beteiligung<br />

von Nachbarn 14 %. In 6 % <strong>der</strong> Fälle waren auch<br />

Freiwillige als Sterbebegleiter tätig, die <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e die<br />

Sterbenden im Hospiz unterstützten (26 %). Beim Sterben<br />

im Hospiz waren zudem auch Pflegekräfte und Seelsorger<br />

weitaus häufiger zugegen als beim Sterben daheim o<strong>der</strong><br />

im Krankenhaus.<br />

Allerd<strong>in</strong>gs gibt es bei vielen potenziellen Begleiter<strong>in</strong>nen und<br />

Begleitern auch starke H<strong>in</strong><strong>der</strong>nisse für e<strong>in</strong> solches Engagement<br />

wie Zeitmangel (45 %) o<strong>der</strong> Nicht-Vere<strong>in</strong>barkeit<br />

mit dem Beruf (29 %). Bei e<strong>in</strong>em Ausschluss all jener Interessierten,<br />

die von schwerwiegenden H<strong>in</strong><strong>der</strong>ungsgründen<br />

betroffen wären, verr<strong>in</strong>gert sich <strong>der</strong> Kreis auf e<strong>in</strong> erreichbares<br />

Potenzial von 3 % <strong>der</strong> Bevölkerung. Erreichbar wären<br />

überdurchschnittlich häufig Westdeutsche, Frauen, Personen<br />

<strong>in</strong> vorgeschrittenen Lebensphasen, <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e<br />

ältere alle<strong>in</strong>stehende Mütter, Personen mit mittlerem o<strong>der</strong><br />

e<strong>in</strong>fachem sozialen Status und Kirchennahe. Von großer<br />

Bedeutung wäre zudem, dass die möglichen Freiwilligen<br />

das Sterben von Angehörigen o<strong>der</strong> Freunden schon e<strong>in</strong>mal<br />

miterlebt haben.<br />

Fazit<br />

Weit mehr als die bisher Engagierten können sich e<strong>in</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbebegleitung vorstellen. Diese Potenziale<br />

müssen noch stärker gewonnen werden, wobei auch<br />

die Bedeutung von Nachbarschaften und Freundschaften<br />

sowie e<strong>in</strong>e Öffnung <strong>der</strong> Tätigkeiten, <strong>der</strong> Engagementmöglichkeiten<br />

für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und<br />

Schichten/Milieus mit e<strong>in</strong>zubeziehen ist.<br />

Wichtige Schlüsselpersonen für die Vermittlung von Hospizangeboten<br />

s<strong>in</strong>d dabei auch und vor allem Professionelle:<br />

Ärzte und Pflegedienste s<strong>in</strong>d jedoch ambivalent <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />

Wahrnehmung von <strong>Ehrenamt</strong> – hier braucht es mehr Bewusstse<strong>in</strong><br />

pro <strong>Ehrenamt</strong>.<br />

17 % <strong>der</strong> Bevölkerung könnten sich e<strong>in</strong> Engagement<br />

<strong>in</strong> <strong>der</strong> Sterbebegleitung für sich selbst vorstellen; 12 %<br />

<strong>der</strong> Männer und 23 % <strong>der</strong> Frauen. Viele dieser Interessenten<br />

haben jedoch wenig Zeit o<strong>der</strong> könnten die<br />

Tätigkeit nicht mit <strong>der</strong> Arbeit vere<strong>in</strong>baren. Zum Teil erklären<br />

sie aber auch „ich b<strong>in</strong> noch nicht angesprochen<br />

worden“.<br />

Grundsätzlich könnten sich 17 % <strong>der</strong> Bevölkerung e<strong>in</strong> Engagement<br />

<strong>in</strong> diesem Bereich vorstellen, Westdeutsche<br />

eher als Ostdeutsche und Frauen weitaus eher als Männer.<br />

Von diesen potenziellen Freiwilligen wären deutlich mehr<br />

zur Sterbebegleitung <strong>in</strong> <strong>der</strong> Wohnung <strong>der</strong> Sterbenden bereit<br />

(70 %) als <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e im Krankenhaus (33 %).<br />

H<strong>in</strong><strong>der</strong>nisse für Engagement<br />

49


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<strong>Junges</strong> <strong>Ehrenamt</strong><br />

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51


Im Rahmen <strong>der</strong><br />

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