22.09.2021 Aufrufe

Leichtathletik INFORMationen 03/2021

Inhalt: Geher-Förderprojekt bei Olympia in Tokio + Olympia 2021 – Von Hightech und Untiefen + Neue Wege im Hochsprung – „Der Hochsprungbaum” + Marcel Fehr – Wenn Träume platzen + Nachbetrachtung – U23-Europameisterin Lilly Kaden + Portrait: Anna Malia Hense

Inhalt: Geher-Förderprojekt bei Olympia in Tokio + Olympia 2021 – Von Hightech und Untiefen + Neue Wege im Hochsprung – „Der Hochsprungbaum” + Marcel Fehr – Wenn Träume platzen + Nachbetrachtung – U23-Europameisterin Lilly Kaden + Portrait: Anna Malia Hense

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Heft 03/2021

Leichtathletik

INFORMationen

FREUNDE der Leichtathletik e. V. – Wir fördern die Leichtathletik-Jugend

Unsere Themen:

+ Erfolgreiches Geher-Projekt

+ Nachschau auf Olympia

+ Mohamed Mohumed

+ Marcel Fehr: Wenn Träume platzen

+ Eindrücke aus Rostock


Wir trauern um

Geher-Förderprojekt bei Olympia in Tokio

Die FREUNDE der Leichtathletik fördern seit vielen Jahren den DLV-Schülercup

Gehen sowie den DLV-Geher-Cup (U14 und U16). Zwischenzeitlich können wir

in der sehr guten Zusammenarbeit mit Nachwuchsbundestrainerin Manja Berger

sagen, dass dies auch Auswirkungen auf Einsätze in der deutschen Nationalmannschaft

hat.

Denn mit Stolz dürfen wir auf die vor kurzem zu Ende gegangenen Olympischen

Spiele in Tokio zurückblicken. Der diesjährige Olympia-Silbermedaillen-Gewinner

im 50 km Gehen, Jonathan Hilbert, war im Jahr 2012 Teilnehmer der von uns geförderten

Geher-Maßnahme. Dies macht für den FREUNDE-Vorstand noch einmal

deutlich, wie wichtig die finanzielle Förderung des Geher-Projektes ist und welche

Erfolge daraus resultieren können.

Lieber Jonathan, im Namen der FREUNDE der Leichtathletik gratulieren wir Dir

ganz herzlich zur Olympiamedaille!

Der FREUNDE-Vorsitzende Roland Frey hat in einem persönlichen Glückwunschschreiben

Jonathan Hilbert diese Glückwünsche der FREUNDE übermittelt (siehe

unten).

Impressum

Herausgeber:

Förderverein FREUNDE der Leichtathletik e.V.

Geschäftsstelle:

Alfred Maasz

Am Steinlein 2b, 97753 Karlstadt

Telefon: 0 93 53 / 9 98 86, Fax / 99888

E-Mail: geschaeftsstelle@fdlsport.de

Internet: www.fdlsport.de

FB: www.facebook.com/freundederleichtathletik

Instagram: www.instagram.com/fdlsport

Spenden und Anzeigen sind willkommen.

Die Anzeigenpreisliste finden Sie online.

Bankverbindung:

Sparkasse Mainfranken

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Erscheint viermal jährlich. Der Bezug dieser

Zeitung ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Redaktion (V.i.S.d.P.):

Oliver Frenkel

Rapunzelweg 15, 44339 Dortmund

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Beiträge sind die Verfasser verantwortlich.

Gestaltung und Layout:

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E-Mail: kontakt@color-offset-waelter.de

Internet: www.color-offset-waelter.de

Titelseite:

Carolin Hinrichs (VfL Loeningen) gewinnt die

1.500 m in der U18 am 31.07.2021 während den

deutschen Leichtathletik-Jugendmeisterschaften

2021 in Rostock

Titelfoto:

Torben Flatemersch, https:torbenfla.de

Manja Berger schreibt uns dazu: „Einfach sensationell und ein wunderbarer Wettkampf

bei den Olympischen Spielen. Mit einer großartigen Leistung erkämpft Jonathan

Hilbert die Silbermedaille über 50 km Gehen. Ich gratuliere ihm dazu ganz

herzlich.“

Sie fragen sich, wo Teilnehmende des Geher-Projektes noch so in der Deutschen

Nationalmannschaft zum Einsatz kamen und wie diese dort abgeschnitten haben?

Nachwuchsbundestrainerin Manja Berger hat für die FREUNDE eine schöne Übersicht

erstellt (siehe Seite 3).

Lieber Jonathan,

ich darf Dir im Namen des Fördervereins „FREUNDE der Leichtathletik“ als

dessen Vorsitzender zum Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen

Spielen in Tokio im 50km Gehen recht herzlich gratulieren.

Wir freuen uns, dass wir mit der Förderung des „Geher-Cups“, bei dem auch

Du 2012 teilgenommen hast, eine „kleinen“ Betrag auf Deinem Weg zu

diesem Erfolg beitragen konnten.

Dein Erfolg, und auch jene im Nachwuchsbereich bestärken uns, den

eingeschlagenen Weg in Zusammenarbeit mit der Projektleiterin Manja

Berger fortzuführen.

Für Deinen weiteren sportlichen Weg wünschen wir Dir alles Gute.

Auch viel Glück und Erfolg für den Umstieg auf die neue Distanz, die Euch

vorgegeben wurde.

Gönne Dir die nötige Erholung von der anstrengenden zurückliegenden

Saison 2021, damit Du auch in 2022 wieder voll angreifen kannst.

Mit freundlichen Grüßen

Roland Frey

Leichtathletik INFORMationen 2


Fotos: M. Schnorrenberg

Die erfolgreichsten Geher:innen, die über die FREUNDE gefördert wurden (Maßnahmen des DLV-

Schülercups im Gehen & DLV-Gehercups U14/U16) sowie ihre Einsätze in der Nationalmannschaft:

Czychy, Charlyne 2009 U18-WM Brixen (11. Platz)

2010 U20-WM Moncton (15. Platz)

2011 U20-EM Tallinn (Teilnehmerin)

Frenzl, Johannes 2017 U18-WM Nairobi (25. Platz)

2018 U18-EM Györ (10. Platz)

Frenzl, Mathilde 2019 EYOF Baku (6. Platz)

Grandi, Josephine 2017 U18-WM Nairobi (16. Platz)

Hilbert, Jonathan 2014 U20-WM Eugene (18. Platz)

2017 U23-EM Bydgoszcz (6. Platz)

2019 WM Doha (23. Platz)

Junghannß, Karl 2013 U18-WM Donezk (12. Platz)

2017 U23-EM Bydgoszcz (2. Platz)

2017 WM London (13. Platz)

Lehmeyer, Emilia 2016 U20-WM Bydgoszcz (13. Platz)

2017 U23-EM Bydgoszcz (6. Platz)

2018 EM Berlin (14. Platz)

Pohle, Hagen 2009 U18-WM Brixen (1. Platz)

2010 U20-WM Moncton (10. Platz)

2011 U20-EM Tallinn (1. Platz)

2013 U23-EM Tampere (1. Platz)

2014 EM Zürich (14. Platz)

2015 WM Peking (18. Platz)

2016 OS Rio de Janeiro (18. Platz)

2017 WM London (17. Platz)

2018 EM Berlin (8. Platz)

2019 WM Doha (17. Platz)

Richter, Julia 2015 U18-WM Cali (28. Platz)

2016 U18-EM Tiflis (5. Platz)

2017 U20-EM Grosseto (6. Platz)

2018 U20-WM Tampere (14. Platz)

Richter, Niklas 2016 U18-EM Tiflis (Teilnehmer)

Schmidt, Jakob 2018 U18-EM Györ (11. Platz)

2019 U20-EM Borås (6. Platz)

Zurek, Teresa 2015 U18-WM Cali (17. Platz)

2016 U20-WM Bydgoszcz (11. Platz)

2017 U20-EM Grosseto (2. Platz)

2018 EM Berlin (20. Platz)

3 Leichtathletik INFORMationen


Bild von Gerhard G. auf Pixabay

Von Hightech und Untiefen

Erdrückt vom hohen internationalen Niveau büßt das DLV-Team in Tokio weiteren Boden ein

Als das Coronavirus im Frühjahr vergangenen Jahres die Japaner

zwang, die Olympischen Sommerspiele um ein Jahr zu verschieben,

behielten sie das originäre Logo des Unternehmens

auch im Jahr 2021 bei: Tokio2020. Ein irritierender Versuch,

den durch den viralen Störenfried Covid-19 in Unordnung

geratenen Weltenlauf kurzerhand anzuhalten? Der olympische

Kernsport Leichtathletik allerdings hat sich nicht erwärmen

können fürs Einfrieren des Kalenders. Im Gegenteil: Sie

ist schnurstracks in die Zukunft vorgeprescht. Zum Kronzeugen

des Zeitenübersprungs berief sich der Weltverband World

Athletics (WA) einfachheitshalber selbst. Auf die in der Tat futuristischen

Weltrekorde in den beiden 400-m-Hürdenfinals

verweisend, Sydney McLaughlins 51,46 Sekunden und Karsten

Warholms 45,95 Sekunden, fabulierte ein WA-Lohnschreiber,

man werde „noch in Jahrzehnten von diesen Rennen als den

Events reden, die alles verändert haben dessen, was wir glaubten

über die Grenzen menschlichen Leistungsvermögens zu

wissen“. Der renommierte britische Experte und Statistiker Peter

Matthews sieht die 45,95 sek. „mindestens“ auf dem Niveau

der Jahrhundertrekorde von Bolt (100 m 9,58 sek.), Beamon

(Weitsprung 8,90 m) und Rudisha (800 m 1:40,91 min.).

Die selbst verordnete Großartigkeit ihres Sports im olympischen

Kanon zu belegen: kein Problem für World Athletics.

83 Länder schickten Finalisten, unter ihnen 43 Staaten mit Medaillen

(das sind beinahe 50 Prozent der Länder, die in allen

Sportarten mindestens eine Medaille geholt haben); die entlegensten

Ecken des Planeten leuchtet die Leichtathletik inzwischen

aus, Burkina Faso, ein Nobody aus Westafrika, ehedem

Obervolta, erklomm erstmals das Podest der Besten, Bronze-

Dreispringer Fabrice Zango machte es möglich. Mehr Weltläufigkeit

geht nicht, WA-Chef Sebastian Coe sprach von der „globalsten

Ausgabe der Olympischen Spiele – aus der Sicht der

Leichtathletik“, Globalisierung nach Art seines Sports.

McLaughlin, Warholm und Yulimar Rojas korrigierten die Weltrekordliste

(wobei der Dreisprung der Venezolanerin auf längst

erwartete 15,67 m nicht den utopischen Anstrich der Hürdenzeiten

hat), einige Etagen tiefer wurde mit alten Top-Marken

ebenfalls kurzer Prozess gemacht: zwölf Olympische Rekorde,

28 Höchstleistungen der Kontinente, darunter drei des europäischen

(Femke Bol/400 m H 52,03, Marcell Jacobs/100 m

9,80, Jakob Ingebrigtsen/1.500 m 3:28,32) sowie 150 der nationalen

Verbände.

Mustermesse der Innovationen

Die Rekordflut, respektive ihr Hintergrund, waren das Thema

im Tokioter Olympiastadion. Konnte man sie voraussehen, in

Leichtathletik INFORMationen 4


diesem Ausmaß, von der Qualität? Angesichts des von Corona

angerichteten Chaos in der vorolympischen Trainings- und

Wettkampfplanung? In einer Stadt mit extremer Hitze und

Luftfeuchtigkeit? Ohne den phonetischen Energieschub für

Athleten und Athletinnen von tausenden Zuschauern? Doch

schon, neue Bestmarken waren trotz allem beim höchstnotierten

Meeting seit fünf Jahren absehbar: in Disziplinen diesseits

der Mittel- und Langstrecke. Deren Protagonisten beklagten

das Tokioter Klima nicht, sie begrüßten es, weil es ihr muskulöses

Beinwerk mit dem besten Vortrieb ausrüstete.

Und damit zum Kern der Schwemme. Stichwort Hightech. Obwohl

umständehalber mit dem Etikett steril versehen, waren

die Spiele in Tokio aus leichtathletischer Sicht am Ende

des Tages jedoch eine muntere Mustermesse der Innovationen,

die größte seit Einführung der Kunststoffbahn und des

Flops vor 53 Jahren. Die Weiterentwicklungen der 400-m-

Piste, vorangetrieben durch die italienische Marke Mondo,

und des Schuhwerks der US-Firma Nike entpuppten sich, jawohl,

als Revolution. Die Bahnbeläge aus Alba (Piemont) werden

seit Jahrzehnten produziert, aber erst das 2019 verlegte

Exemplar für Tokio 2020, ein nur 14 Millimeter starker vulkanisierter

Gummibelag auf einer Schicht luftgefüllter Segmente,

ließ die Zehntel schmelzen. Mondo spricht von einem „ein- bis

zweiprozentigen Vorteil“. Assistiert wird der Trend zur Tempoverschärfung

von den Spikes aus Oregon und den Nachahmungen

anderer Firmen mit durch Schaumgummi gelifteten

Sohlen („Trampolin“) und Einlagen aus Carbon.

Schaden für die Glaubwürdigkeit

Dass diese Entwicklung nicht ausschließlich von Beifall begleitet

wird, sollte begrüßt werden und der Weltverband sich fragen

lassen, ob er es mit der Akzeptanz des Technikspuks nicht

übertreibe. Immer weiter mit der Fremdbestimmung des sportiven

Talents des Menschen? WA-Chef Seb Coe jedenfalls, einst

auf der Honorarliste von Nike notiert, hob rasch den Daumen,

als der Sportartikelriese aus den USA das flotte Schuhwerk seinen

Stars anpasste. Sein Kalkül: Rekorde halten die Leichtathletik

im Gespräch und aus Sicht des Marketings auf Augenhöhe

mit der Konkurrenz. Immerhin versuchte ein Lohnschreiber des

Weltverbands die Hightech-Fraktion einzubremsen. Auf der

WA-Homepage formulierte er: „Der Hauptgrund (für die Rekorde)

ist die aktuelle Generation der wahren Allzeit-Größen“.

Auch einige Atleten und Athletinnen weigern sich, den Trend

blanko zu unterschreiben. Norwegens Karsten Warholm, in Tokio

wohl mit Carbon unterwegs zum Weltrekord, aber nicht mit

Schaumstoff, gab zu bedenken: „Wenn du ein Trampolin reinnimmst,

ist das Bullshit, es schadet der Glaubwürdigkeit unseres

Sports“. Speerwurfcoach Boris Obergföll sprach nach dem

Favoritensturz seines auf dem für ihn zu weichen Mondo-Material

ausgerutschten Branchenführers Johannes Vetter von einem

„Kindergartenbelag“. Frührentner Usain Bolt, einst Puma-

Runner und besorgt um seine 2009 auf Alt-Mondo in Berlin

erzielten Sprintweltrekorde, nannte die neue Spikes-Technologie

„unheimlich, lachhaft und unfair“.

Unangenehm war World Athletics die Hightech-Diskussion

keinesfalls, verdrängte sie doch Spekulationen um ein Thema,

das für gewöhnlich bei derlei Rekordfesten die Tonlage bestimmt:

Doping. Vorerst sind die Spiele in Tokio so clean wie

weiland die in London 2012, die Seb Coe voreilig „die saubersten

aller Zeiten“ genannt hatte. Böses Erwachen stellte sich

dort erst ein, als die Nachtests analysiert waren: 17 Medaillen

wechselten den Besitzer. Ein Dé jà-vu ist nicht auszuschließen.

Andere Auffälligkeiten im Sammelsurium der Ereignisse von

Tokio.

Der Auftritt der US-Amerikaner. Obwohl auch diesmal gewohnt

hochthronend über der Konkurrenz, jedoch erneut

nicht in der Form der Trials, kredenzte das Team eine seltsame

Melange einerseits aus Schwächeanfällen in traditionsreichen

Erfolgsdisziplinen wie den Sprints, was deutliche

Lücken im Medaillen- und Finalistenranking (26

Podestplätze, in Rio 32 – 7-mal Gold, in Rio 13-mal – 263

Punkte für Plätze eins bis acht, Rio 310) zur Folge hatte; andererseits

eine der Mixtur beigemischt stattliche Prise extrem

talentierter und bereits in die Finals vorgerückter

Athleten und Athletinnen der U24-Kategorie. Ein Vorgeschmack

auf die WM 2022, der ersten in den USA. Man ahnt,

dass es in Eugene wieder Richtung Rio-Bilanz gehen kann.

Der Überraschungsgast im Medaillenspiel heißt, Achtung,

Italien (im Placing Table verblüfften die Niederlande als

Sechste). Mit fünf Olympiasiegen stürmten die Italiener auf

Platz zwei. Ausrufezeichen. Zwei im Sprint. Zwei Ausrufezeichen.

Zwei beim 20 km-Gehen, eine geteilte für Hochspringer

Gianmarco Tamberi. Man sollte den Italienern die

Daumen drücken, dass die Fünf von Dauer ist …

Das Beispiel Italien stützt im Übrigen erneut die Zweifel am

Medaillenspiegel, der sich an der Goldwährung ausrichtet

statt an der Zahl aller Medaillen. Nur deshalb rangierte Italien

(5) vor Kenia (10), Polen und Jamaika (je 9).

Die Angelegenheit der Athletinnen mit zu hohem, körpereigenem

Testosteronspiegel. Zwei 400-m-Läuferinnen aus

Namibia schloss die neue WA-Regel („Semenya-Paragraf“)

vom Rennen über die Stadionrunde aus, bot Starts jenseits

der 1.500 m an oder diesseits der 400 m. Die Afrikanerinnen

wählten die 200 m, Christine Mboma (18) gewann Silber in

21,81 Sekunden (U20-WR, Afrikarekord), Beatrice Masilingi

(18) wurde Sechste in 22,28 Sekunden (PB). Die Folge: Erneute

Diskussionen über die „Testo-Frauen“. Behauptung

von WA-Chef Seb Coe: „Dieses 200-m-Finale zeigt, dass die

Testosteron-Regel funktioniert“. Wirklich??

Der Trend zum Jungspund. An der Spitze wird die Leichtathletik

immer jünger. Aus dem erwähnten knappen Dutzend

US-Junioren und Juniorinnen sticht die fantastisch

elegant und souverän laufende 800-m-Siegerin Athing

Mu (19) heraus, gefolgt von 200-m-Bubi Erriyon Knighton

(17) als Endlauf-Viertem und 1.500-m-Jüngling Cole Hocker

(20) als Sechstem. Femke Bol (21) aus den Niederlanden

gewann 400-m-Hürden-Bronze und Norwegens Jakob

Ingebrigtsen (20) 1.500-m-Gold. Deutschlands jüngste Einzelstarterin

war Samantha Borutta (21). Sie überstand die

Qualifikation nicht.

Eine Vier fürs DLV-Team

Mit der Hammerwerferin aus Leverkusen ist dieser Text nun

beim DLV-Team angekommen und der Frage, wie dessen Per-

5 Leichtathletik INFORMationen


formance in Tokio zu bewerten ist. Ginge man wie die Marktforscher

vor, die gern Noten aus der Skala von Null (ganz

schlecht) bis Zehn (hervorragend) vergeben, wäre unter Berücksichtigung

aller Probleme – Pandemie, Klima, Verletzungsausfälle

– mehr als eine Vier nicht drin; nicht angesichts

der sich seit 2016 verstärkenden Abwärtstendenz des DLV in

allen wesentlichen Parametern: in den Tableaus der Medaillen

und Finalisten und Finalistinnen (Plätze 1 – 8) Absturz von

Platz 6 (Rio) auf 13 und 11; in den Punkten abgehängt von den

europäischen Wettbewerbern Großbritannien, Polen, Niederlande

(!), Norwegen, eingeholt von Italien; von 56 Einzelstartern

und Einzelstarterinnen (ohne Staffeln und Straßenevents)

26 Gestrauchelte in Runde eins und 21 in Runde zwei; nur

acht persönliche oder Saison-Bestleistungen beim Jahreshöhepunkt.

Die drei Medaillen von Tokio – für die nervenstarke

Weitspringerin Malaika Mihambo (Gold) und die als Außenseiter

angetretenen Silbergewinner Kristin Pudenz (Diskus) und

Jonathan Hilbert (50 km Gehen) – sind so gesehen nur für ihre

Besitzer von Gewicht, den mäßigen Gesamteindruck korrigieren

sie so gut wie nicht. Dass der DLV sich weiter von der

Weltspitze entfernt hat, belegt auch dies: Er schickte 26 unter-24-Jährige

zum Lernen nach Tokio (siehe Borutta), das US-

Team dagegen seinen Nachwuchs in die Olympiafinals.

Es läuft offenbar etwas schief mit dem System des DLV, einem

System, das den Verdacht nährt ...

... verkopft zu sein und übermäßig der Wissenschaft zugetan;

... wegen zu viel Administration abgelenkt zu sein von der

Belastungssteuerung der Aktiven, weshalb DOSB-Sportchef

Schimmelpfennig die „Entbürokratisierung des Leistungssports“

fordert;

... im eigenen Saft zu schmoren, wofür die Unkenntnis von

der Konsistenz des Mondo-Belags in Tokio spricht (Fall Vetter);

... Potential zu vergeuden, Cheftrainerin Anett Stein sprach

von der Umkehr der Fußballerweisheit: Wir haben keine

Chancen, nutzen wir sie.

Musste unter diesen Umständen zwangsläufig misslingen, die

Athleten und Athletinnen auf die richtige „Road to Tokio“ einzuweisen?

Ging deshalb dieser Balanceakt schief: einerseits Hilfestellung

leisten, um den Aktiven ihren Olympiatraum („Dabei

sein ist alles“) zu erfüllen, soll heißen der Pandemie wegen

großzügig sein bei der Nominierung, und andererseits gleichzeitig

die Mechanismen der fordernden Leistungsgesellschaft

befolgen? Weil die Wettkampfbrache im Pandemiejahr 2020 die

Jagd auf Olympianormen unterbrochen hatte, durfte mehr als

ein halbes Dutzend Normerfüller aus 2019 ins Team rutschen.

Formschwäche zwei Sommer später, geringes internationales

Niveau, mussten DOSB und DLV (aus Furcht vor Klageandrohungen?)

geflissentlich übersehen. So fiel das Team mit 88 Personen,

Hand aufs Herz, viel zu groß aus. Man hätte im Nachhinein

gern gewusst, mit welchem Team der DLV nach Tokio gereist

wäre, hätte er allein verantwortlich und nach dem alten Kriterium

„berechtigte Endkampfchance“ nominieren können.

Auf den Einfluss von Untiefen im Deutschen Leichtathletik-

Verband hatte schon vor den Spielen Ex-Bundestrainerin Gertrud

Schäfer (76), Coach der zweimaligen Siebenkampf-Weltmeisterin

Sabine Braun (1991, 97), in einem Interview mit dem

TV-Kanal Sport1 aufmerksam gemacht und damit Alarm ausgelöst,

auf den der Verband öffentlich nicht reagierte. Einem

Großteil der beim DLV angestellten und angepassten Trainer

fehle die Kompetenz, Athleten und Athletinnen zielführend

auf Wettkämpfe vorzubereiten. Zudem liege in der Sportmedizin

vieles im Argen. Also nicht nur Bruchstellen im System,

auch Schwachstellen beim Personal? Da fiel auf, was die gescheiterte

Medaillenkandidatin im Speerwurf, Christin Hussong,

über ihren Vater-Trainer, ein Selfmademan der Branche,

in Tokio den Medien erzählt hat: „Er hat ein bisschen anders

draufgeschaut, weil ich ja doch die Tochter bin und nicht ganz

so viel verlangt“. So, so!

Dass beim Zurück- und Nachvorneblicken im Herbst hinter geschlossenen

Türen die Fetzen fliegen ob der, vorsichtig formuliert,

durchwachsenen Olympiabilanz, gar das System neu

justiert wird, darf kaum erwartet werden. Auch wenn es nötig

wäre. Wie soll ein aktualisiertes System reifen, wenn ihm der

Rhythmus zur Ausformung genommen wird, weil ein Schwerpunkt

auf den nächsten folgt: 2022 WM in den USA, vier Wochen

später EM im eigenen Haus (München), 2023 wieder WM

(Budapest), 2024 Olympia (Paris) und 2025 WM Nummer vier

in drei Jahren.

Ein wenig Hoffnung macht aber doch eine Bemerkung der

Cheftrainerin Anett Stein auf der letzten Pressekonferenz in

Tokio. Die Tokio-Auswertung, heißt es im Pressedienst des DLV,

müsse vor dem Hintergrund „… eines dynamischen Veränderungsprozesses

des Sports und der Verschiebung von Kompetenzen

in den einzelnen Ländern“ erfolgen. Verschiebung womöglich

an Haupt und Gliedern? Auch in Deutschland?

Michael Gernandt

Willkommen als neue Mitglieder!

Für Spenden danken wir herzlich!

Leichtathletik INFORMationen 6


Fotos: Dirk Gantenberg

Foto: DLV

Wir trauern um Sophia Sagonas

Mit gerade einmal 39 Jahren verstarb die Bundestrainerin für den Hochsprung-Nachwuchs

Sophia Sagonas. Die Nachricht vom viel zu frühen Tod hat Peter Busse und Markus Schnorrenberg,

die als FREUNDE-Projektbetreuer mit Sophia im regen Austausch standen, tief getroffen.

Erst im Jahr 2020 hatten die FREUNDE das Projekt Hochsprung

in die Fördermaßnahmen aufgenommen und von Beginn an

eine selten harmonische Zusammenarbeit mit Sophia erleben

dürfen. Wir waren uns schnell einig, dass diese Projektarbeit

einem Ideal nahe kam und freuten uns sehr auf die Umsetzung,

die dann gleich mehrfach in letzter Minute durch die

Corona-Entwicklung wieder verschoben werden musste.

Sophia Sagonas, die 2003 in Leipzig mit 1,92 Meter ihre Bestleistung

erzielte, studierte Sportwissenschaften und war zusammen

mit FREUNDE-Mitglied Günter Eisinger seit 2011 Trainerin

des Hochsprung-Landeskaders Hessen sowie seit 2012

DLV-Disziplintrainerin C-Kader männlich.

„Es fällt mir unheimlich schwer, in Worten auszudrücken, was mir

der Verlust von Sophia bedeutet. Sie war bis zuletzt ein Kämpfer,

ein großartiger und liebenswerter Mensch, ein echtes Vorbild.

Ich habe Sophia vor 26 Jahren (1995) als junge Athletin der

Klasse W 14 kennengelernt. Bei der Aufnahme in den Landeskader

konnte ich nicht im Geringsten ahnen, wie sich unsere Wege im

nächsten Vierteljahrhundert immer wieder kreuzen würden. Sophia

war die einzige Athletin in einem Frankfurter Trikot, der es

gelang, bei gleicher Höhe von 1,87 m Ariane Friedrich zu schlagen

und Hessische Meisterin zu werden.

Nach viel Geduld und einigen Gesprächen, gelang es mir 2011, Sophia

für die Trainertätigkeit als Landestrainerin in Hessen zu gewinnen.

Damit sah ich meine Nachfolge in den besten Händen.

Durch ihr Fachwissen und ihre gefühlvolle, pädagogische Art, mit

der sie sich in der Arbeit mit jungen Menschen ausgezeichnet hat,

wurde sie auch vom DLV in das Amt der Nachwuchsbundestrainerin

berufen.

Sophia war ein echter Glücksgriff für den HLV, den DLV und für

alle Athleten:innen, die von Sophia neben ihren Heimtrainern:innen

betreut wurden. Sie war auch ein echter Glücksgriff fūr mich.

Eine bessere Kollegin auf Augenhöhe konnte es kaum geben.

Sophia war eine unglaublich starke Frau. Sie wollte nie andere

mit ihren Problemen belasten und hat öffentlich nicht über ihre

Gesundheit gesprochen. Trotzdem hat die Gesundheit nicht so

mitgespielt, wie wir es immer wieder erhofft haben. Aus diesem

Grund haben wir das Kadertraining im Teamwork durchgeführt.

Wenn Sophia durch Behandlungen nicht einsatzfähig war, stand

ich ihr zur Seite und bin eingesprungen. Bei Lehrgängen war es

immer lustig, wenn wir gemeinsam aufgetreten sind und ich Sophia

als meine Chefin vorgestellt habe.

Ein letzter Gruß, von ganzem Herzen, Du bist friedlich, mit einem

Lächeln auf Deinen Lippen eingeschlafen. Das zu wissen, tut unglaublich

gut. Das Quälen und die Schmerzen sind vorbei und Du

kannst wieder lächeln, so möchte ich Dich für immer in Erinnerung

behalten.

Ich wünschte mir, ich wäre so stark wie Du.

Dein ehemaliger Trainer, Teamkollege und Freund!“

(Günter Eisinger)

7 Leichtathletik INFORMationen


Neue Wege im Hochsprung

„Der Hochsprungbaum” ist ein langjähriges Projekt des Hochsprungteams des Deutschen

Leichtathletik-Verbandes. Darin sind alle im Team befindlichen Bundes-/ Landes- und Stützpunkttrainer:innen

aus circa fünf Landesverbänden und sieben Bundesstützpunkten involviert.

Insgesamt haben bisher circa 13 Trainer:innen daran mitgewirkt.

Die erste Idee dazu entstand im Jahr 2013 bei einer Workshop-

Sitzung des Teams. Es wurden verschiedene konzeptionelle

Themen besprochen, in denen sich immer mehr eine Notwendigkeit

zur Sammlung und Ordnung des im Hochsprung angesammelten

Übungsguts herauskristallisierte. Das im Trainerteam

vorhandene Know-how war und ist hoch und über

viele Jahrzehnte gewachsen. Doch eine zentrale Sammelstelle

von Übungen, auf die sich kollektiv geeinigt werden kann,

fehlte. Die Idee eines „Tools“ wurde somit geboren, in dem alle

Übungen gesammelt und geordnet werden. Mit Hilfe dessen

kann somit intern nicht nur das eigene Wissen dem Team zur

Verfügung gestellt und sich fundierter ausgetauscht werden,

sondern extern allen Trainerinnen und Trainern, die im Hochsprung

arbeiten, eine zusätzliche Grundlage für ihr Training

geboten werden. Vor allem letzteres sollte das Vorhaben mit

Motivation begleiten, da das Ziel der Veröffentlichung eine

grafisch attraktive Aufbereitung beinhaltete.

Aufbau

Die inhaltliche Arbeit im Prozess der Entwicklung begann

mit der simplen Sammlung aller Übungen, die die Trainer:innen

im Team in ihrem Training einsetzen. Schnell stellte man

große Unterschiede und vor allem eine große Fülle von Übungen

fest, die nicht besonders übersichtlich erschienen. Die

Ordnung des Chaos folgte. Es wurden Übungen in Kategorien

zusammengefasst und verschiedene Bewertungsebenen

gesucht, anhand derer inhaltliche Wichtig- und Einsetzbarkeit

im Trainingsprozess bewertet wurde. So entstanden

Übungsblöcke, die aufeinander aufbauen und beispielsweise

im Saisonverlauf in Beziehung stehen. Je mehr sich Kategorien

und Übungsgruppen gebildet hatten, desto mehr ergab sich die

Suche nach einer übergeordneten Metapher, um die Struktur

noch klarer herausarbeiten zu können. Eine klare Vorstellung

musste her, anhand derer jede/r, der/die zum ersten Mal darauf

blickt, ein intuitives Verständnis bekommt. Und nach einigen

Diskussionen entstand das Bild eines Baumes, da man bei den

Kategorien der Übungen Parallelen zu dieser Form erkannte.

Grundlegende Trainingsinhalte (Erde/Wurzeln) und kleine

Vorübungen (Stamm) entwickeln sich später zu wichtigeren

(Äste) und sehr spezifischen Übungen (Krone).

Neben der Arbeit an der grafischen Form stellte sich die Frage

des Anwendungsbereichs. Da es viele Trainer:innen in kleinen

Vereinen gibt, genauso aber auch in unterschiedlichen Altersbereichen

und Leistungsniveau trainiert wird, sollte die Zielgruppe

klar umrissen werden. Und sofort stand fest, eine besonders

große Zielgruppe mit möglichst allen im Hochsprung

arbeitenden Trainer:innen erreichen zu wollen. Und so entstand

eine immer klarere Vorstellung. Im Kern soll der „Hochsprungbaum”

eine Möglichkeit bieten, sich als hochsprunginteressierter

Trainer:in über wichtige Trainingsinhalte zu

informieren und diese in einer strukturierten Form mit konkreten

Videos und Beschreibungen einsehen zu können. Um

die Attraktivität weiter zu steigern, wurde das Ziel einer modernen

Darstellungsform gewählt: Eine möglich intuitiv zu betrachtende

Internetseite, in der interaktiv und digital Videos

mit Lehrinhalten zu sehen sind und neben Übungsbeschreibungen

auch weitere nützliche Inhalte, Beobachtungspunkte

oder Hinweise an den Sportler:in integriert sind. Damit stellt

man – im Gegensatz zu analogen Formen wie Bücher oder

Zeitschriften – nicht nur einen langfristigen Einsatz sicher,

sondern spricht neben erfahreneren Trainer:innen auch jüngere

Kolleg:innen an.

Anwendung und Methodik

Da wir in diesem Artikel nur grob auf Inhalte eingehen können,

möchten wir vielmehr die Methodik des Baums vorstellen,

die dabei helfen soll, das Sprungtraining jugendlicher

Hochspringer:innen zu strukturieren und dadurch ein altersgerechtes

Training zusammenzustellen, das trotzdem stets

das ‘große Ganze’ im Blick hat.

Jeder Leistung zu Grunde liegen die konditionellen Fähigkeiten

(Ausdauer, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Kraft) und auch

beim Hochsprungbaum sind diese durch das Erdreich repräsentiert.

Damit diese Fähigkeiten auch nutzbar werden (= der

Baum wachsen kann), dienen die Wurzeln als Überträger. In

unserem Fall besteht das Wurzelwerk aus den Bereichen Balance/Propriozeption,

Mobilisation und Stabilisation sowie zu

gewissen Teilen auch der Imitation von später folgenden Bewegungen

(bzw. werden komplexe Bewegungsabläufe zerlegt

und in Einzelteile imitiert).

Alles, was unter der Grasnarbe liegt, sollte in jeder Sportart/

Disziplin die Grundlage bilden und sich somit nur im Setzen

von Schwerpunkten unterscheiden.

Aufbau der Baumstruktur

Der Bereich der Sprünge beginnt nun mit dem Stamm, welcher

die kleinen Sprünge repräsentiert. Gut sichtbar ist hier

bereits die Unterscheidung in konditionell und koordinativ.

Die kleinen Sprünge unterscheiden sich hinsichtlich dieser Un-

Leichtathletik INFORMationen 8


terteilung primär durch den Umfang und nicht durch die Ausführung

oder die Übungsauswahl.

Die linke Seite des Baumes umfasst Übungen, die wir als „koordinativ”

gekennzeichnet haben. Dies bedeutet, dass wir hier

die technische Ebene ins Zentrum der Betrachtung rücken

und damit einen methodischen Weg der Entwicklung des Zielbildes

„Hochsprung aus dem Wettkampf-Anlauf“ aufzeigen.

Dieser beginnt mit allgemeineren Übungen (unterer Bereich),

z. B. dem Sprunglauf, und wird mit spezifischeren Übungen

(oberer Bereich) fortgesetzt. Darin kommen Übungsformen

und Variationen der Steigesprünge oder des Hopserlaufs vor.

Die sich entwickelnde Spezifik orientiert sich auf dieser Seite

somit an der Zielbewegung selbst. Die obere Spitze der linken

Seite bilden verschiedene Techniksprünge an der Hochsprung-Anlage.

Diese können ebenfalls unterschiedlich variiert

werden, um bestimmte Fehlerbilder zu trainieren.

Aufbauend auf dem Stamm bildet der Baum vier Hauptäste

ab, die für die Entwicklung der sportartspezifischen Leistung

sowie zur Ausprägung der konditionellen Grundlage dieser

Leistung in unseren Augen wichtig sind. Die Unterscheidung

in eine koordinative und eine konditionelle Seite sowie in einen

allgemeinen und spezifischen Anteil war uns ein wichtiges

Anliegen.



























Die rechte Seite ist die „konditionelle” Seite und soll damit

eine körperliche Komponente ansprechen, in der die Anstrengung

und die Entwicklung von Sprungkraft die übergeordnete

Rolle spielen soll. Auch auf dieser Seite beginnt es im unteren

Bereich auf dem ersten Ast mit allgemeineren Übungen.

Die darauffolgende Spezifik entwickelt sich hier durch steigende

körperliche Belastungen, wie Kraftspitzen oder Fallhöhen.

So finden sich in der Mitte der rechten Seite verschiedene

Kastensprünge und im oberen Bereich dann verschiedene

Tiefsprünge und sogenannte Drops, die mit höheren Fallhöhen

ausgeführt werden. Die Spitze dieser Seite bilden vertikale

Mehrfachsprünge, die die aus unserer Sicht höchste körperliche

Belastung darstellen.

Grundsätzlich soll erwähnt werden, dass diese Einteilung in

keinem Fall zu 100 % und in jedem Fall einzuhalten ist. Viele

Sprünge haben koordinative und konditionelle Anteile, dessen

Gewichtung wir versucht haben zu ordnen. Außerdem

treffen in der Überzeugung unter Trainer:innen auch Unterschiede

der Belastungsprofile von bestimmten Übungen aufeinander,

genau wie im koordinativen Bereich die Spezifik im

Detail unterschiedlich betrachtet werden kann. Aber genau

diese Unterschiede und Meinungen können Grundlage einer

konstruktiven Diskussion und Einordnung verschiedener

Sichtweisen sein, die dieses Projekt und letztlich

auch die Disziplin nur voranbringen kann.






Fazit

Anhand der komplexen sportartspezifischen

Zusammenhänge wurde ein Coaching Tool

entwickelt, welches den Handlungsrahmen

im Bereich Hochsprung abbildet.

Die multimediale Form unseres Hochsprungbaums

soll Trainerinnen und

Trainern helfen, ihre eigenen Vorstellungen

mit der beschriebenen

Methodik zu ergänzen und soll somit

den Weg für die disziplinspezifische

Gesamtentwicklung ebnen.

Der interaktive Sprungbaum ist hier zu finden:

https://tobiaspotye.com/hochsprungbaum

In der nächsten Entwicklungsstufe

unseres Hochsprungbaums

soll das bestehende

Werk noch eine interaktive

Ebene bekommen, in der sich

Heim-, Landes- und Bundestrainer:innen

austauschen können,

um dadurch auch konkrete Fragen

zu Einzelfällen beantworten

zu können.

Sebastian Kneifel

DLV-Bundesstützpunkttrainer

Sprung München


Peter Schnabel

Team-Leiter Sprung Westfalen

9 Leichtathletik INFORMationen


Yassin und Mohamed Mohumed sind zurzeit Deutschlands schnellstes Brüder-Paar.

Foto: Peter Middel

Olympia-Teilnahme gibt Mohamed Mohumed viel

Motivation für die Zukunft

Mit dem Selbstvertrauen seines U23-EM-Titels ging Mohamed

Mohumed (LG Olympia Dortmund) in Tokio an den Start. Bei

seinen ersten Olympischen Spielen zeigte der 22-Jährige dabei

einen zunächst beherzten Auftritt, doch letztlich war das

Tempo der Konkurrenz für ihn zu hoch. Anfangs sortierte sich

der Deutsche Meister ganz hinten im Feld ein und lauerte auf

seine Chance. Etwa fünf Runden vor Schluss wagte er sich aus

der Deckung heraus und zog nach und nach an seinen Konkurrenten

vorbei. Hinter dem US-Amerikaner Paul Chelimo führte

er das Feld an, ging zwischenzeitlich sogar ganz nach vorne.

Doch als dann das Tempo zunahm, musste der Dortmunder

schließlich abreißen lassen. In 13:50,46 Minuten erreichte er als

16. das Ziel und verpasste den Einzug in die nächste Runde

deutlich.

Mohamed Mohumed, dessen 5.000-m-Bestzeit bei 13:17,04 Minuten

steht, ist im Vorfeld von Tokio schon mehrfach schneller

gelaufen. Trotzdem zeigte er sich nach dem Rennen nicht enttäuscht.

„Ich bin megastolz, dass ich in Tokio starten durfte,

denn ich habe mega viel gelernt. Ich weiß jetzt, dass ich noch

viel mehr an mir arbeiten muss, professioneller werden muss

und noch mehr trainieren muss“, sagte der U23-Europameister

im Interview mit dem Internetportal leichtathletik.de.

Der Auftritt in Tokio hat ihm für die nächsten Jahre extrem viel

Motivation gegeben. „Es war ein echt gutes Erlebnis. In drei

Jahren ist wieder Olympia, und da will ich auf jeden Fall besser

performen“, hat sich der Langstreckler der LG Olympia Dortmund

vorgenommen. Auch seine Taktik, sich anfangs hinten

im Feld einzusortieren und dann erst in der Endphase nach

vorne zu preschen, will er noch einmal überdenken. Fest steht

für ihn jedoch, dass er auf jeden Fall noch schneller werden

muss. „Ich bin in Tokio mit dem Weltmeister, dem Olympiazweiten

und dem Weltrekordhalter gelaufen. Das war die volle

Palette. Mein Ziel ist auf jeden Fall, in den nächsten Jahren

dort vorne mitlaufen zu können. Ich muss step by step dorthin

kommen.“ Auf die nächsten Leichtathletik-Highlights braucht

Mohamed Mohumed nicht lange zu warten, denn im nächsten

Jahr stehen die Leichtathletik-Europameisterschaften in

München und die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Eugene

(USA) an.

Zwei Wochen vor den Olympischen Spielen in Tokio sicherte

sich Mohamed Mohumed bei den U23-Europameisterschaften

in Tallinn (Estland) die Goldmedaille über 5.000 Meter. Der

22-jährige Dortmunder war mit seiner Bestzeit von 13:17,04

Minuten der große Favorit. Und er sorgte in vielen Phasen des

A-Laufs für ein Tempo, das nicht nur ihm, sondern auch den

Verfolgern die besten Aussichten auf die Medaillen sichern

sollte. 1.000 Meter vor Schluss schaltete er dann noch einen

Gang höher und schüttelte die Konkurrenz ab. Bei 13:38,69

Minuten überquerte er schließlich die Ziellinie – gefolgt vom

Spanier Aarón Las Heras (13:43,14 min) und dem Isländer Magusson

Baldvin (13:45,00 min) mit neuem Landesrekord.

Eine ähnliche Taktik wie in Tallinn verfolgte Mohamed Mohumed

Anfang Juni bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig.

Vier Runden vor dem Ziel verabschiedete sich der

Leichtathletik INFORMationen 10


Foto: Peter Busse

DLV-Nachwuchs-Bundestrainer und FREUNDE-Mitglied Pierre Ayadi.

Foto: Peter Middel

Mohamed Mohumed nach seinem Rennen in Luzern, mit dem er sich für die Olympischen

Spiele in Tokio qualifizierte.

Schützling von Pierre Ayadi mit einer furiosen Tempobeschleunigung

vom übrigen Feld und verteidigte in erstklassigen

13:30,79 Minuten souverän seinen Titel vor dem Düsseldorfer

Maximilian Thorwirth (13:48,22 Min.) und dem Regensburger

Simon Boch (13:53,53 Min.). Das war die schnellste 5.000-m-

Zeit, die seit 24 Jahren bei den deutschen Meisterschaften erzielt

wurde.

Der Titelverteidiger legte bei seiner eindrucksvollen Vorstellung

mit seinem raumgreifenden Schritt die letzten 1000 Meter

in 2:32 Minuten und die 400-m-Schlußrunde in 59,59 Sekunden

zurück. Dabei war Mohamed Mohumed zwei Tage

vor Braunschweig noch im spanischen Huelva über die Zwölfeinhalb-Runden-Distanz

gestartet und hatte dabei seine

inzwischen nicht mehr aktuelle persönliche Bestzeit auf

hervorragende 13:21:21 Minuten gedrückt. Trotz dieser Doppelbelastung

zeigte er im Eintracht-Stadion keine Spur von

Müdigkeit. „Es ist viel eine Kopfsache, innerhalb von zwei Tagen

zwei so schnelle Rennen abliefern zu können. Ich habe

in den letzten Monaten zudem viel Grundlagentraining absolviert.

Dadurch habe ich mich schnell wieder regeneriert“, begründete

der erfolgreiche 5.000-m-Titelverteidiger seine erstaunliche

Frische.

Der selbstbewusste Mittel- und Langstrecken-Läufer, der in

Deutschland geboren wurde, ist außergewöhnlich ehrgeizig,

fleißig und diszipliniert. Aufgefallen durch seine enorme Ausdauer

war Mohamed Mohumed bereits als Fußballer bei der

DJK VFL Willich, bei der er als Offensivspieler von den gegnerischen

Mannschaften kaum zu stoppen war. Im Sommer 2015

wechselte er zur Leichtathletik, weil er spürte, dass er in dieser

Sportart die größere sportliche Perspektive hat. Seine innere

Stimme sollte ihn nicht täuschen. Nach einem Aufbautraining

von knapp einem Jahr verblüffte der Laufnovize 2016 im Alter

von 17 Jahren mit 1:51,00 Minuten über 800 Meter und 3:48,99

Minuten über 1.500 Meter. Auch international machte er nach

kurzer Zeit bereits auf sein großes Talent aufmerksam, als er

bei den U18-Europameisterschaften in Tiflis (Georgien) mit einem

vierten Rang über 3.000 Meter in 8:23,14 Minuten überraschte.

Lediglich 2,8 Sekunden fehlten ihm zu Bronze.

Ein Glanzstück lieferte „Mo“, wie ihn seine Freunde nennen, in

seinem ersten Leichtathletikjahr auch bei den Deutschen Jugendmeisterschaften

in Mönchengladbach ab, als er in einem

Sololauf die keineswegs schwache Konkurrenz in 8:38,17 Minuten

nahezu „stehen“ ließ.

Ende 2016 wechselte der Ex-Fußballer nach Dortmund, wo er

seitdem in der Trainingsgruppe von Pierre Ayadi trainiert, der

unter anderem auch U20-Europameister Elias Schreml, Mittelstreckler

Steffen Baxheinrich, die mehrfache Deutsche Jugendmeisterin

Linn Kleine und Mohameds 17-jähriger Bruder

Yassin Mohumed, der bei den U20-Europameisterschaften in

Tallinn Silber über 5.000 Meter gewann, angehören.

Bei Mohamed Mohumed, dessen großes Vorbild der vierfache

Olympiasieger Mo Farah ist, spürt man, welche Faszination

das Laufen auf ihn ausübt. Er verkörpert eine ausgezeichnete

Kombination aus Konsequenz und Zielstrebigkeit und

verfügt über das richtige Kämpferherz. In ihm steckt noch viel

Entwicklungspotential.

Peter Middel

mit Informationen von leichtathletik.de

11 Leichtathletik INFORMationen


Eindrücke von den deutschen Jugen

Für die Fotos auf dieser Doppelseite

bedanken wir uns bei

Torben Flatemersch, https://torbenfla.de

Leichtathletik INFORMationen 12


dmeisterschaften in Rostock 2021!

13 Leichtathletik INFORMationen


Foto: Iris Hensel

Wenn Träume platzen

Hinter jedem Sportler, der bei den Olympischen Spielen startet, stehen hunderte, die sich

nicht qualifizieren konnten. Ich bin einer davon. Darüber möchte ich sprechen. Über meinen

Weg zur verpassten Olympiaqualifikation.

Ohne Olympische Spiele ist eine Sportkarriere nicht vollkommen.

So zumindest fühlte es sich für mich an, als klar war, dass

ich in Tokio nicht dabei sein würde. Sechzehn Jahre Leistungssport,

Trainingskilometer sammeln, die mich einmal die ganze

Welt umrunden lassen würden und dann ohne den olympischen

Geist ins Karriereende schreiten? Das war für mich erst

einmal eine emotionale Wucht, die ich nicht so schnell verarbeiten

konnte. Nach meinem letzten Wettkampf in Luzern, der

in 13:39 Minuten über die 5.000 Meter weit von einer Olympiaqualifikation

entfernt war, verzog ich mich erst einmal für ein

paar Tage in die Schweizer Berge. Abstand bekommen, nachdenken

und durchatmen.

Schließlich war ich bis Mitte April auf einem guten Weg: Deutscher

Vizemeister in der Halle über 3.000 Meter und eine Finalteilnahme

bei der Hallen-Europameisterschaft in polnischen

Torun mit neuer persönlicher Bestzeit von 7:48 Minuten. Es

war angerichtet: Noch 3 Monate gesund durchkommen und

eine 5.000-m-Zeit unter 13:20 Minuten schien in greifbarer

Nähe. Doch wie in jeder tragischen Geschichte, sollte es anders

kommen.

Rückschlag: Corona-Impfung

Anfang Mai – deutlich später als viele andere Sportler – bekam

ich meine Corona-Impfung. Johnson & Johnson legte

mich für einige Tage flach, das war zu erwarten. Doch nach

ausgestandener Impfreaktion hatte ich mit einer stark verkrampften

Muskulatur zu kämpfen. So anfällig kannte

ich meinen Körper nicht. Bei einem mäßigen Tempo von

3:00 min / km fing ich mir eine Zerrung ein. Totalausfall bis

kurz vor den Deutschen Meisterschaften. Mit einer fast vierwöchigen

Pause stellte ich mich trotzdem an die Startlinie.

Platz 4 mit verkrampften 13:57 min auf die 5.000 Meter. Langsam

wurde mir klar: Es müsste ein Wunder geschehen, um bis

Ende Juni noch genügend Ranking-Punkte zu sammeln, um

in Tokio mit dabei zu sein.

Leichtathletik INFORMationen 14


Abfinden oder kämpfen?

Es setzte sich ein emotional sehr ambivalenter Prozess in Gang:

Die Erkenntnis, dass der Traum von Olympia platzen würde,

und der Leistungssportler in mir, der am letzten Qualifikationstag

(dem 29. Juni 2021) in Luzern, noch einmal einen Versuch

starten wollte. Doch wer keine Pfeile im Köcher hat, der

kann auch nicht weit schießen. Und so viele Pfeile kann man

innerhalb von 3 Wochen gar nicht sammeln, um von 13:57 Minuten

Leistungsniveau auf eine Zeit von unter 13:20 Minuten

zu kommen.

Man hängt sich im Leistungssport an wenigen Höhepunkten

auf. Deutsche Meisterschaft, Europameisterschaft, Weltmeisterschaft

und Olympische Spiele. Alles andere sind

Durchgangsstationen, Etappenziele oder Vorbereitungswettkämpfe.

Aber ist es am Ende wirklich nur dieser eine Moment?

Der alles entscheidet? Der Erfolg von Misserfolg haarscharf

trennt? All die Trainingslager und Schufterei entweder rechtfertigt

oder lächerlich sinnlos erscheinen lässt? Für viele mag

das von außen und auf dem nackten Ergebnispapier so sein.

Für mich zeichnet sich ein anderes Bild.

„Der Weg ist das Ziel“

„Der Weg ist das Ziel“ mag für viele wie eine hohle Phrase klingen.

Genauer betrachtet, steckt in dieser Binsenweisheit aber

ein wahrer Kern. Es wäre fatal, die Karriere eines Leistungssportlers

an den wenigen erfolgreichen Höhepunkten zu messen.

Was die Bekanntheit und die finanzielle Situation angeht,

mag das zwar der Fall sein. Aber die Erlebnisse und Erfahrungen,

die man aus 1 ½ Jahrzehnten Mittel- und Langstreckensport

mitnimmt, lassen sich nicht an ein paar Wettkämpfen

festmachen. Egal, ob es die Erfahrungen im kenianischen

Hochland, die internationalen Begegnungen bei Auslandswettkämpfen

oder die zusammenschweißenden Trainingsstunden

mit den Vereinskollegen sind: Den Weg zu meinen

verpassten Olympischen Spielen zu bestreiten, war es mir absolut

wert. Der Frust und die Trauer über das verpasste Großereignis

können gegen all die Erlebnisse nichts ausrichten.

Vor dem Fernseher in Deutschland verfolgte ich mit gemischten

Gefühlen Olympia unter Coronabedingungen. Es war

schon befremdlich, solch sterile und abgeschottete Spiele zu

verfolgen. Während in manchen Ländern der Welt das Coronavirus

nach wie vor für katastrophale Zustände sorgt, trifft

sich ein elitärer Kreis von Spitzenathlet:innen in Tokio, um das

größte Sportereignis des Planeten zu zelebrieren. Gleichzeitig

war es für die Sportler:innen und für Sportbegeisterte gut,

dass die Spiele stattgefunden haben. Die Emotionen waren

echt. Die der Sportler:innen und die derjenigen, die gebannt

vor den Bildschirmen saßen. Auch bei mir: die geteilte Goldmedaille

im Hochsprung, das zehrende Rennen meiner Freundin

Hanna Klein über die 1.500 m, die Wut und Enttäuschen

von Johannes Vetter oder die Glückseligkeit von Malaika Mihambo

nach ihrem letzten Versuch zur Goldmedaille. Höhenflüge

und Rückschläge. Freude und Trauer. Ambivalenzen

kann man nicht immer lösen. Sie gehören zum Sport sicherlich

genauso dazu, wie zu vielen anderen Lebensbereichen.

Immerhin hat man im Vergleich zur Fußball-Europameisterschaft

nicht darüber hinweggetäuscht, dass Corona präsent

ist. Volles Stadion beim Finale im Wembley – gähnende Leere

in Tokio.

„Ich würde es wieder tun“

Über mehr als mein halbes Leben war ich Leistungssportler.

Durch und durch. Mit allem, was mir emotional und physisch

mit in die Wiege gelegt wurde. Und wenn mich jemand fragen

würde, ob ich diese Zeit bereue, könnte ich ihm ein entschiedenes

„Nein“ entgegensetzen. Trotz der verpassten Spiele, trotz

all der Verletzungen und trotz der Rückschläge: Ich würde es

wieder tun. Auch wenn mir der Erfolg und die Anerkennung

viel gegeben haben, war ich nie jemand, der sich zum Laufen

aufraffen musste. Ich habe es geliebt. Das berühmt berüchtigte

„Runners High“ war mir ein treuer Begleiter auf unzähligen

Trainingseinheiten. Die Kameradschaft in meinem Verein,

die Erlebnisse in Trainingslagern oder auf Wettkämpfen rund

um den Globus möchte ich nicht missen. Sie haben mich zu

dem gemacht, der ich heute bin. Auch wenn mir die verpassten

Spiele so manch schlaflose Nacht und damit Ringe unter

den Augen anstatt tätowierte Ringe auf der Schulter beschert

haben. Ich würde es wieder tun.

Marcel Fehr

29 Jahre, Langstreckenläufer und angehender Journalist

Selbstportrait von Marcel Fehr mit Hanna Klein.

15 Leichtathletik INFORMationen


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Foto: Joachim Höller

Endlich wieder FREUNDE treffen

Unser Mitglied Joachim Höller war einer von rund 50 FREUNDEN der Leichtathletik bei den

Deutschen Meisterschaften in Braunschweig und konnte auch die True Athletes Classics in

Leverkusen besuchen. Hier die Schilderung seiner ersten Eindrücke als Leichtathletikfan von

der ungewöhnlichen Freiluftsaison 2021.

Im Februar 2020 waren viele von uns bei den Deutschen Hallenmeisterschaften

in Leipzig. Gute und spannende Wettbewerbe

vor vielen Zuschauenden, gemeinsames Beisammensein

mit vielen interessanten Gesprächen und Teilnahme an

kulturellen Events in Leipzig. Alles war möglich!

Wenige Tage später begann eine Zeit mit Folgen, die wir uns

zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen konnten. Nach mehr als

einem Jahr Einschränkungen durch die Pandemie konnten in

den vergangenen Monaten wieder einzelne Veranstaltungen

unter Auflagen besucht werden.

Ich hatte die Möglichkeit, bei den Deutschen Meisterschaften

in Braunschweig und den True Athletes Classics in Leverkusen

zuschauen zu können.

In Braunschweig waren 2.000 Zuschauer:innen zugelassen,

darunter 50 FREUNDE der Leichtathletik. Die Maßnahmen

des Hygienekonzeptes des Veranstalters mit den damit verbundenen

Kontrollen waren erforderlich und wurden konsequent

umgesetzt. Einiges war jedoch gewöhnungsbedürftig.

Der Ein- und Auscheckprozess mittels QR-Code am Eingangsbereich

war für viele sehr aufwendig und für einige mangels

Smartphone gar nicht möglich. Das Sicherheitspersonal war

zeitweise trotz der niedrigen Zuschauer:innenzahl überfordert.

Ganz besonders negativ und auch belastend war der

Umstand, dass man am Samstag in der Mittagspause das Stadion

nicht verlassen konnte. Man war quasi eingesperrt. Die

Abstände auf den Rängen wurden überwacht und bei Verstößen

wurde konsequent eingeschritten. Die FREUNDE befanden

sich allerdings in einem Block und es bestand die Möglichkeit,

sich auszutauschen.

Die Leistungen der deutschen Athlet:innen waren solide, aber

im internationalen Vergleich, auch im Hinblick auf die Olympischen

Spiele, bis auf einzelne Ausnahmen eher mäßig. Ganz

besonders sind mir die emotionalen Erfolge von Gesa Krause,

Carolina Krafzik, Alexandra Burghardt und Robert Farken in

Erinnerung geblieben. Die pure Freude der Athleten:innen

über ihre Siege und ganz besonders über die erreichten Zeiten

schwappte auf die Zuschauer über und man spürte ein wenig

von dem Geist der Leichtathletik, der uns alle verbindet.

Auch das abendliche Zusammensein im Hotel Seela in Braunschweig

mit einigen FREUNDEN hatte nach dieser langen Zeit

der „Enthaltsamkeit“ und der Beschränkungen etwas ganz Besonderes,

da waren wir uns alle einig.

Die Möglichkeit, den True Athletes Classics in Leverkusen zuzuschauen,

war deutlich schwieriger. Es waren nur wenige Zuschauer:innen

zugelassen. Als Begleitperson des mit mir befreundeten

Regionsvorsitzenden des LV Nordrhein, Hans-Jörg

Schneider (auch ein FREUNDE-Mitglied), kam ich ins Stadion.

Auf dem von vielen freundlichen Volunteers begleiteten Weg

zu unserem persönlichen, mit Namen ausgeschilderten Sitzplatz

hörte ich immer die Worte „Genießen Sie es“. Und das haben

wir auch getan.

Bei sommerlichem Wetter und besten Voraussetzungen für

optimale Leistungen erlebten wir eine gut organisierte Veranstaltung

mit sehr guten Ergebnissen. Es war schön zu sehen,

wie die Paderbornerin Tatjana Pinto, mit der in diesem Jahr die

wenigsten noch gerechnet hätten, befreit mit 11,10 Sekunden

zur Olympia-Norm lief. Bo Kanda Lita Baehre sprang die Olympianorm

mit 5,80 m und Malaika Mihambo näherte sich mit

6,92 m der Siebenmetermarke. Die deutsche 4x400-m-Staffel

der Männer lief mit 3:01,96 Minuten die schnellste Zeit einer

deutschen Mannschaft seit 2014 und qualifizierte sich damit

für die Olympischen Spiele. Die Hoffnung auf internationale

Erfolge kehrte zurück. Und auch Zufriedenheit war bei den

Besuchern:innen zu spüren. Es war schön, an diesem Sonntag

nicht in ein gänzlich leeres Stadion, sondern in viele glückliche

Gesichter zu blicken. Zuschauer:innen, Offizielle und Ehrengäste

waren froh, endlich wieder dabei sein zu dürfen.

17 Leichtathletik INFORMationen


Foto: Peter Middel

U23-Europameisterschaften

In den letzten Jahren war die U23-EM stets ein beliebtes Ziel für FREUNDE-Fangruppen, zumal

an attraktiven Austragungsorten. Bergen, ursprünglich als Ausrichter vorgesehen, musste

aufgrund der Corona-Pandemie bzw. den strengen norwegischen Quarantäneregelungen

absagen und Tallinn (Estland) sprang sehr kurzfristig ein. Deshalb diesmal eine Nachbetrachtung

zur erfolgreichsten deutschen Athletin, der Doppel-Europameisterin Lilly Kaden.

Kraftvoll und trotzdem elegant schoss Lilly Kaden bei den

U23-Europameisterschaften in Tallinn im 100-Meter-Finale

durchs Ziel. Die 19-jährige Sprinterin der LG Olympia Dortmund

sicherte sich nach einem traumhaften Lauf, bei dem sie

jeden Schritt richtig traf, in 11,36 Sekunden souverän die Goldmedaille

vor den beiden vorher höher eingestuften Finalistinnen

Rani Rosius (Belgien,11,43 Sek.) und Kristal Awuah (Großbritannien,

11,44 Sek.). Damit setzte die lediglich 1,59 Meter

große Überraschungssiegerin die Dortmunder Sprinttradition,

für die vor allem Doppel-Olympiasiegerin Annegret Richter

steht, fort.

Nach 11,41 Sekunden im Vorlauf hatte sich Lilly Kaden, die von

Thomas Kremer und FREUNDE-Mitglied Thomas Czarnetzki

betreut wird, im Halbfinale in der neuen persönlichen Bestzeit

von 11,28 Sekunden (bisher 11,32 Sek.), für das Finale qualifiziert.

Nach ihrem sensationellen Titelgewinn konnte die

Journalistik-Studentin ihr Glück kaum fassen. „Ein Traum ist

für mich in Erfüllung gegangen. Auch wenn ich mich selbst

nicht getraut habe, daran zu glauben. Im Hotel hat mir am Finaltag

jeder gesagt, dass ich das schaffe. Und ich bin unglaublich

froh, dass es geklappt hat“, strahlte die überglückliche Siegerin.

Im Finale hatte die letztjährige deutsche Jugendmeisterin am

Start mit 0,165 Sekunden lediglich die viertschnellste Reaktionszeit,

doch bereits in der Beschleunigungsphase demonstrierte

sie ihre Klasse und konnte ihre hohe Endgeschwindigkeit

auch hinten heraus souverän ausspielen.

Zwei Tage nach ihrem 100-Meter-Triumph zählte Lilly Kaden

zur 4 x 100-Meter-Staffel des Deutschen Leichtathletik-

Verbandes (DLV), die zusammen mit Keshia Beverly Kwadwo

(LC Paderborn), Sophia Junk (LG Rhein-Wied) und Talea Pre-

Leichtathletik INFORMationen 18


Fotos: Torben Flatemersch https://torbenfla.de

pens (TV Cloppenburg) in der neuen Meisterschaftsrekordzeit

von 43,05 Sekunden souverän Gold vor Spanien (43,74 Sekunden)

und Frankreich (44,15 Sekunden) gewann.

Nach ihrer Rückkehr aus Tallinn ließ Lilly Kaden bei einer Ehrung

der LG Olympia Dortmund die Ereignisse der U23-EM

noch einmal Revue passieren: „Ich hatte mir in Tallinn die Finalteilnahme

vorgenommen. Dass bei mir etwas mehr drin war,

habe ich jedoch gespürt, als ich im Halbfinale mit 11,28 Sekunden

persönliche Bestzeit lief. Der Titel mit der Staffel bedeutet

mir mindestens genauso viel wie der im Einzel. Er war zwar

nicht so überraschend, aber dafür eine großartige Teamleistung“,

betonte die neue deutsche Sprinthoffnung.

In Tallinn gab Lilly Kaden ihr Debüt auf internationalem Parkett.

Nervös war sie allerdings nicht. Aufgeregt war sie lediglich

zwei Wochen vorher bei den deutschen U23-Meisterschaften

in Koblenz, als sie über 100 Meter unter die ersten

drei kommen musste, um sich für Tallinn zu qualifizieren. Als

Zweite in 11,43 Sekunden sicherte sie sich jedoch problemlos

das EM-Ticket.

Die beiden Siegerehrungen mit dem Abspielen der Nationalhymne

bildeten für die neue U23-Doppel-Europameisterin in

Tallinn große emotionale Momente: „Das war total schön. Ich

wollte nach meinem 100-m-Erolg bei der Hymne mitsingen,

habe aber keinen Ton herausgebracht. Ich habe auch einige

Tränen vergossen, schließlich weiß ich nicht, ob irgendwann

noch einmal die Hymne für mich gespielt wird.“

2020 noch Mitglied beim FC Schalke 04

Die neue U23-Europameisterin startete im vergangenen Jahr

noch für den FC Schalke 04. Da sich ihr damaliger Trainer Timo

Krampen beruflich veränderte, musste sich die letztjährige

deutsche Jugendmeisterin einen neuen Verein suchen. Da lag

es für sie nahe, zur LG Olympia Dortmund zu wechseln, weil sie

schon Kontakte zu Bundestrainer Thomas Kremer hatte. Zudem

verfügt die Dortmunder Leichtathletik-Vereinigung mit

Thomas Czarnetzki über einen äußerst fachkundigen Sprint-

Coach, der Thomas Kremer als Co-Trainer eifrig unterstützt.

Last but not least war für sie die gute Dortmunder Infrastruktur

mit der Helmut-Körnig-Halle, dem Stadion Rote Erde und

der neuen Leichtathletik-Anlage in Dortmund-Hacheney für

den Wechsel ausschlaggebend.

Die letztjährige Weltranglisten-Dritte über 100 Meter in der

Klasse U20 belegt in Gelsenkirchen an der Westfälischen

Hochschule den Studiengang Journalismus und Public Relations

und befindet sich zurzeit schon im fünften Semester. In

ihrer knapp bemessenen Freizeit schreibt und liest sie recht

gerne – vor allem Printmedien. Das Reiten hat sie ein wenig

zurückgestellt, nachdem sie im Herbst 2020 bei einem Reitunfall

unglücklich auf ihren Ellenbogen fiel und dabei ein Stück

Knochen absplitterte. Dieser musste wieder verschraubt werden.

Im April folgte eine zweite Operation, um die Schraube

wieder zu entfernen.

Lilly Kaden entdeckt mit sieben Jahren ihr Herz für die

Leichtathletik

Lilly Kaden, die zwischenzeitlich auch Handball spielte, entdeckte

bereits im Alter von sieben Jahren beim VfL Winterbach

(Baden-Württemberg) ihre Liebe zur Leichtathletik und

war von Beginn an mit großer Leidenschaft bei der Sache.

„Ich bin in meiner Anfangszeit nicht durch meine Schnelligkeit

aufgefallen, weil ich klein und dünn war. Klein bin ich immer

noch, aber während der Pubertät hat sich mein Körper

verändert. Ich habe muskulär zugelegt, sodass ich jetzt über

eine wesentlich bessere Schubkraft verfüge“, erläutert die frühere

Winterbacherin, die erst in der Klasse U16 mit ihrem dritten

Platz bei den deutschen U16-Meisterschaften 2016 in Bremen

den Durchbruch schaffte.

Mit ihren 19 Jahren steht Lilly Kaden erst am Anfang ihrer

Karriere. Im kommenden Jahr stehen für sie mit den Leichtathletik-Europameisterschaften

in München und den Weltmeisterschaften

in Eugene (USA) zwei weitere internationale

Bewährungsproben an. Allerdings muss sie sich für die Titelkämpfe

erst einmal qualifizieren. „Das wird bei dem augenblicklich

hohen Niveau im Sprintbereich der Frauen äußerst

schwierig sein“, betont die zweifache Goldmedaillengewinnerin

von Tallinn.

Peter Middel

19 Leichtathletik INFORMationen


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Meldungen

DHM 2022

Zu den Deutschen Hallenmeisterschaften am 26./27. Februar 2022 in

Leipzig konnten wir wieder im Pentahotel (Großer Brockhaus 3, 04103

Leipzig) ein Kontingent von Zimmern reservieren. Das Einzelzimmer

kostet 93,00 € pro Nacht, das Doppelzimmer 112 €, jeweils incl. Frühstück,

zuzüglich 3,00 € City Tax pro Person und Nacht. Reservierbar unter

0341 1292 0 oder reservations.leipzig@pentahotels.com, Kennwort

„FREUNDE-der-Leichtathletik“.

Die Tickets zur Veranstaltung können über die FdL-Geschäftsstelle bestellt

werden. Die Preise stehen derzeit noch nicht fest.

Der FREUNDE-Abend wird wieder im Ratskeller der Stadt Leipzig stattfinden.

Nähere Infos zu den DHM 2022 werden rechtzeitig veröffentlicht.

360 Seiten Weitsprung der Frauen

Die DGLD (Deutsche Gesellschaft für Leichtathletik-Dokumentation)

hat erneut ein Denkmal errichtet: Alle wesentlichen Ergebnisse des zurückliegenden

Jahrhunderts mit ergänzenden Begleittexten zu Wettkämpfen

und Athletinnen in einem Band. Eine wahre Fundgrube über

eine der erfolgreichsten Disziplinen der deutschen Leichtathletik mit

vier Olympiasiegen, 3 WM- und 8 EM-Titeln – obwohl der Weitsprung

der Frauen 1948 überhaupt erst olympische Disziplin wurde!

Ein dickes Lob für die 99 Mitglieder der DGLD, den Autor Henner Möhlmann

und die Redakteure Klaus Amrhein und Manfred.Holzhausen@

gmx.de, bei dem der Band für 15 € bestellt werden kann.

FREUNDE-Foto: Sabine Everts, in den 80er Jahren erfolgreich im Weitsprung

und Mehrkampf

Ron Hermann Hütscher plant Hammwurf-Talent-Camp vom

3. bis 5. Dezember in Kienbaum

Im letzten Jahr musste das Hammerwurf Talent-Camp der FREUNDE

der Leichtathletik in Kienbaum coronabedingt ausfallen. DLV-Nachwuchs-Hammerwurf-Trainer

Frauen Ron Hermann Hütcher zeigt sich

optimistisch, dass diese Maßnahme in diesem Jahr durchgeführt werden

kann. Das Camp wird vom 3. bis 5. Dezember in der Sportschule

Kienbaum stattfinden.

Zu diesem Wochenende in Kienbaum werden junge Talente eingeladen.

Für diese Maßnahmen können sich die Talentis bewerben. Eine

entsprechende Meldung wird über das Internetportal des DLV leichtathletik.de

veröffentlicht werden. Ebenso werden die Ergebnisse aus

allen regionalen und nationalen Wettkämpfen herangezogen

Zielstellung des Camps ist es, Athlet:innen und Trainer:innen fortzubilden

und ihnen Wege für einen erfolgreichen Weg in die deutsche

Hammerwurfspitze aufzuzeigen

Das Berliner Trainerteam wird mit Ron Hütcher als Leiter, das Talentcamp

durchführen. Der gesamte Lehrgang wird ausschließlich in Kienbaum

stattfinden.

Peter Middel

Leichtathletik Europameisterschaften 2022 in München

Nach „Berlin 2018“ freuen wir uns auf die nächsten Leichtathletik-Europameisterschaften

im eigenen Land. Von 15.-21. August 2022 finden

die kontinentalen Meisterschaften in München statt. Im Olympiastadion

soll 50 Jahre nach den Olympischen Spielen im Rahmen der European

Championships mit 8 weiteren Sportarten den Flair von 1972

wieder aufleben.

Und wir FREUNDE möchten dabei sein.

Leider konnte aufgrund der Corona-bedingten Situation seitens des

Veranstalters bis zum Redaktionsschluss dieser Zeitung kein Angebot

für Tickets vorgelegt werden. Es wurde uns allerdings ein Vorkaufsrecht

eingeräumt. Sobald die Angebote vorliegen, werden wir darüber

informieren.

Im Hotel „Arthotel ana am Olympiapark“, Helene-Mayer-Ring 12, ist für

die FREUNDE ein Kontingent von Zimmern auf Abruf unter dem Buchungscode

60347 schon jetzt buchbar.

Die Einzelzimmer kosten 90,00€ pro Nacht, die Doppelzimmer 110,00 €,

jeweils inkl. Frühstück.

Das Hotel ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln mit der U3, Haltestelle

Olympiazentrum, zu erreichen.

Kontakt zum Hotel: e-mail: olympiapark@ana-hotels.de oder

089 357 51 0.

Für weitere Reiseangebote verweisen wir auch auf die Anzeigen der

Reisebüros in unseren „Leichtathletik Informationen“.

Ehrengabe der Deutschen Sportjugend an Uta Götze

Anlässlich der Deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock hat SHLV-

Schülerwartin und FREUNDE-Mitglied Uta Götze die Ehrengabe der

Deutschen Sportjugend erhalten. Uta freute sich, in diesem Rahmen

die Ehrung zu erhalten und die Meisterschaften dabei genießen zu

können.

Uta Götze wurde damit für ihr mehr als 25-jähriges Engagement im

Sport ausgezeichnet. Denn schon seit 1997 ist sie mit der Leitung und

Durchführung des jährlichen, von den FREUNDEN geförderten Jugendlagers

des Deutschen Leichtathletik-Verbandes betraut, das immer

anlässlich der deutschen Meisterschaften stattfindet. Dabei nehmen

immer circa 80 Jugendliche aus allen Leichtathletikverbänden

Deutschlands teil, die neben Training und Besuch der deutschen Meisterschaften

auch ein breites Rahmenprogramm geboten bekommen.

Zudem arbeitet Uta seit 1999 in der Fachkommission „außersportliche

Jugendarbeit“ im DLV mit.

Quelle: Schleswig Hosteiner Leichtathletikverband

Foto: Benjamin Heller

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Foto: Torben Flatemersch https://torbenfla.de

Anna Malia Hense

Mit raumgreifenden Schritten stürmte Anna Malia Hense (LG Olympia Dortmund) bei den Deutschen

Jugendmeisterschaften in Rostock im Stile einer Klasseläuferin zum 400-Meter-Titel.

Die Viertelmeilerin der LG Olympia Dortmund hatte im vergangenen

Jahr noch in der U18 den Titel auf der Stadionrunde gewonnen

und war vor den DLV-Jugend-Titelkämpfen mit Staffelgold

von der U20-EM aus Tallinn zurückgekehrt. Bei windigen

Bedingungen hatte sie in Rostock bereits 200 Meter vor dem

Ziel einen deutlichen Vorsprung. Auf der Zielgeraden konnte

sich keine der Konkurrentinnen mehr an die 17-Jährige heranarbeiten,

sodass sie in erstklassigen 54,67 Sekunden souverän

deutsche U20-Meisterin wurde – und das, obwohl sie noch der

Alterskategorie U18 angehört. Lysann Helms (Hamburger SV)

erreichte als Zweitschnellste in 55,54 Sekunden das Ziel.

„Ich habe vor dem Rennen viel über den Wind nachgedacht,

konnte das dann aber im Rennen eigentlich ganz gut ausblenden.

200 Meter vor dem Ziel war er aber dann doch recht stark,

da musste ich ziemlich dagegenhalten, was aber letztlich gut

geklappt hat. Ich hatte im Vorfeld ein bisschen mit dem Sieg

gerechnet, aber wirklich wissen kann man es natürlich nie.

Umso schöner ist, dass ich tatsächlich gewonnen habe“, jubelte

Anna Malia Hense.

Dass Anna Malia Hense in Tallinn und Rostock so erfolgreich

war, ist nicht verwunderlich, denn sie wurde von Eltern und

Großeltern üppig mit Leichtathletik-Genen ausgestattet.

So zählten ihr Vater Olaf und ihre Mutter Tina Hense in den

1990er Jahren zur deutschen Spitzenklasse. Olaf Henses

größter Erfolg war der Gewinn der Bronzemedaille mit der

4 x 400-m-Staffel des DLV bei den Weltmeisterschaften 1993

in Stuttgart. Dreimal errang er hintereinander den Titel über

400 m Hürden. Mutter Tina kam bei den deutschen Meisterschaften

1994 in Berlin in der 4 x 400-m-Staffel der LG Olympia

Dortmund zu Titelehren.

Auch die Großeltern Jörg und Rosi Balke, die in den 1960er

und 1970er Jahre bei deutschen Meisterschaften ganz oben

auf dem Siegertreppchen standen, haben Annas Gene positiv

beeinflusst. Ihr Opa Jörg war 1960 sogar Olympiateilnehmer in

Rom und machte sich zusammen mit seiner Frau nach Beendigung

seiner erfolgreichen Laufbahn als Dopingfahnder einen

Namen.

Leichtathletik INFORMationen 22


Fotos: Peter Middel

Anna Hense mit ihren Eltern Tina und Olaf Hense, die früher auf der 400-m-Strecke zahlreiche Erfolge feierten.

„Ich verfüge sicherlich über ein gutes Erbgut, aber das reicht

nicht allein aus, um schnelle Zeiten laufen zu können. Sicherlich

genauso entscheidend ist, dass ich mit Thomas Kremer einen

hervorragenden Trainer habe, der mich behutsam aufbaut“,

betont Anna Hense.

Die sympathische Teenagerin hat noch eine Zwillingsschwester

namens Zaya. Die beiden sammelten ihre ersten sportlichen

Erfahrungen beim Ballett und Turnen. Wahrscheinlich

wären sie auch ohne ihre Eltern und Großeltern zur Leichtathletik

gekommen. Bereits auf der Grundschule waren die flinken

Zwillinge nämlich immer die Schnellsten und sammelten

bei den Bundesjugendspielen die meisten Punkte. Selbst die

Jungen hatten keine Chance gegen die jungen Damen.

Die beiden 17-Jährigen besuchen eine G8-Klasse des Friedrich-Bährens-Gymnasiums

in Schwerte. Das Turbo-Abi führt

dazu, dass sie dreimal in der Woche bis 15:30 Uhr Unterricht

haben. Die Elftklässlerinnen, die bis zu sechsmal in der Woche

trainieren, können Schule und Sport zurzeit noch gut miteinander

verbinden. Ihr großer Vorteil: Sie können sich in vielen

Bereichen gegenseitig unterstützen. Bei der Geburt hatte es

Zaya am eiligsten, doch inzwischen hat Anna immer die Nase

vorn. Beide können gut damit leben.

In der Leichtathletik hat sich das Geschwisterpaar schon in vielen

Disziplinen versucht (u. a. auch Mehrkampf). Anna gefallen

am besten der Sprint und der Langsprint. Auf den kürzeren

Distanzen hat sie Bestzeiten von 12,02 Sekunden über 100

Meter und 24,43 Sekunden über 200 Meter. Mit der knüppelharten

400-m-Strecke, auf der ihre Eltern ihre größten Erfolge

feierten, konnte sie sich vor zwei Jahren schnell anfreunden –

später vielleicht auch mit den kräftezehrenden 400 m Hürden,

auf denen ihr Vater Olaf 1993 mit seiner persönlichen Bestzeit

von 48,48 Sekunden (1993) zur absoluten Weltelite zählte.

Vor wichtigen Wettkämpfen achtet die hoffnungsvolle Nachwuchssprinterin

darauf, dass sie ausgeschlafen an den Start

geht und in den Tagen vorher genügend trinkt. „Nervös bin

ich am Wettkampftag nicht. Ich verspüre lediglich beim Warmlaufen

eine leichte Anspannung.“

Zu ihrer inneren Ruhe trägt sicherlich auch bei, dass in ihrer Familie

und auch in ihrer Klasse, die eine Sportklasse ist, nur wenig

über Sport gesprochen wird. Anna Hense setzt nämlich in

erster Linie auf Vertrauen: So kann sie ihre Eltern bei allen Fragen

jederzeit ansprechen. Auch ihr Trainer Thomas Kremer sowie

ihre Lehrerinnen und Lehrer stehen ihr immer mit Rat und

Tat zur Seite. Auf diese Verlässlichkeit setzt sie mehr als auf ihre

Gene.

Peter Middel

Bei den FREUNDEN Mitglied werden

Mitglied werden ist wirklich leicht:

1.) Antrag downloaden – https://fdlsport.de/formulare/FdL_Antrag-Mitgliedschaft.pdf.

2.) den Antrag ausfüllen, dabei den von Ihnen gewünschten Jahresbeitrag festlegen (für Personen, Vereine und Firmen liegt

der jährliche Mindestbeitrag bei 60 € – ab einem Betrag von 100 € werden Firmen oder Vereine auf unserer Website als unser Partner

genannt – Partner von Mitgliedern zahlen fest 20 € jährlich und Neumitglieder bis zum 27. Lebensjahr 2 € im Monat).

3.) den ausgefüllten Antrag an unsere Geschäftsstelle senden (siehe Impressum Seite 2).

Wichtig: Den oberen Teil des Antrags bitte unbedingt vollständig ausfüllen, da sonst keine Mitgliedschaft erfolgen kann.

Schön wäre es, wenn wir Sie telefonisch oder per Mail kontaktieren dürften, zum Beispiel bei Rückfragen.

Falls wir auch Fotos oder Videos, auf denen Sie abgebildet sind, veröffentlichen dürfen, füllen Sie bitte auch den unteren Teil

mit der Einverständniserklärung aus.

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Man müsste seine Ärztin

virtuell besuchen können.

Gedacht, gemacht: die Teledoktor-App.

Jetzt einfach per Smartphone behandeln lassen. In der Videosprechstunde der

BARMER Teledoktor-App. Mehr Infos unter: barmer.de/teledoktor-app-testen

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