Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog

Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog

© Gerhard Launer WFL-GmbH, www.wfl-gmbh.de

im Projekt Cradle to Cradle Islands (C2CI) im Rahmen des

europäischen, transnationalen Interreg IVB Nordseeprogramms

Energie + Klimaschutz - Ingenieurberatungen -

Im Wissenschaftszentrum Kiel

www.wortmann-energie.de

Dipl.-Ing. Jörg Wortmann

Dipl.-Ing. Uta Lukoschus

Stand: 10.08.2011 (überarbeitet 12.2011)

Abschlussbericht


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Inhaltsübersicht

1 Zusammenfassung ..................................................................................................... 3

2 Hintergrund ................................................................................................................14

2.1 Ausgangssituation, Aufgabenstellung und Zielsetzung ....................................18

2.2 Methodik/ Vorgehensweise ..................................................................................19

2.3 Dokumentation der Datenerhebung und der Akteursgespräche.......................19

3 Energie- und CO2-Bilanzierung für Spiekeroog.......................................................23

3.1 Datenlage ..............................................................................................................23

3.2 Die Verbrauchssektoren auf Spiekeroog ............................................................25

3.3 Die Energieversorgungssituation ........................................................................26

3.4 Die insulare CO2-Emissionssituation ..................................................................27

3.5 Abschätzung der Energie- und CO2-Bilanz für Spiekeroog ...............................30

3.6 Auswertung der Daten der Feuerstätten .............................................................34

4 Energie- und CO2-Minderungspotential für Spiekeroog .........................................36

4.1 Einsparpotentiale im Gebäudebestand ...............................................................37

4.1.1 Vertiefende Untersuchungen in Teilprojekten ...................................................47

4.2 Einspar- und Effizienzpotential bei Strom-Anwendungen .................................57

4.3 Potential erneuerbarer Energien .........................................................................59

4.3.1 Ordnungsrechtliche Handlungsmöglichkeiten: Erneuerbare Energien ..............66

4.3.2 Nutzungspotentiale erneuerbarer Energien auf Spiekeroog .............................72

5 Handlungsfelder zur Erschließung der Klimaschutzpotentiale .............................91

5.1 Hinweise zur Erschließung der Energieeinspar- und Effizienzpotentiale .........91

5.2 Handlungsfeld Private Haushalte ........................................................................94

5.3 Handlungsfeld Beherbergungsbetriebe und Gewerbe .......................................96

5.4 Handlungsfeld gemeindeeigene Liegenschaften ...............................................98

5.5 Handlungsfeld Nordseebad Spiekeroog GmbH ................................................ 101

6 Untersuchung: „Bilanziell Erneuerbar“ ................................................................. 104

7 Akzeptanz für Techniken zur Nutzung erneuerbarer Energien ............................ 107

8 Regionale Wertschöpfung ...................................................................................... 108

9 Anregungen zur Öffentlichkeitsarbeit und zum Controlling ................................ 110

9.1 Anregungen zur Öffentlichkeitsarbeit ............................................................... 110

9.2 Vorschläge für ein einfaches Controlling ......................................................... 112

9.3 Hinweise zum Klimaschutzkoordinator............................................................. 115

10 Maßnahmenkatalog ................................................................................................. 117

Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................... 163

Abbildungsverzeichnis ................................................................................................ 165

Tabellenverzeichnis ..................................................................................................... 166

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1 Zusammenfassung

Das vorliegende Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog behandelt sowohl die

potentiellen Klimaschutzmaßnahmen auf Spiekeroog als auch ganz konkrete Einspar- und

Effizienzmaßnahmen insbesondere im Bereich der kommunalen Objekte und Liegenschaften.

Damit geht Spiekeroog einen weiteren Schritt auf dem Weg hin zur umweltgerechten

Gemeinde und setzt Orientierungspfade für den Klimaschutz auf der Insel.

Die Ziele der Gemeinde Spiekeroog im Rahmen des mit EU-Mitteln geförderten Projektes

„Cradle to Cradle Islands“ (C2CI) sind den übergeordneten Themenbereichen nachhaltige

Energiewirtschaft, soziokulturelle Nachhaltigkeitsinitiativen und Umweltbildung zugeordnet und

tragen wesentlich zur Umsetzung der Zukunftsvision "umweltgerechte Gemeinde Spiekeroog"

bei.

Im Mittelpunkt des Projektes Cradle to Cradle Islands steht die Entwicklung innovativer

Lösungen in den Bereichen Energie/ Mobilität, Wasser und Materialien unter der

Berücksichtigung des von M. Braungart und W. McDonough entwickelten Cradle to Cradle®

(C2C®) Design Konzeptes. Das C2C® Konzept stellt, hinsichtlich der Umsetzung einer

nützlichen Kreislaufwirtschaft, eine neue Dimension der Produktqualität in den Vordergrund.

C2C® Produkte produzieren keinen Abfall, sondern werden am Ende ihrer Nutzung zu

Materialien oder „Nährstoffen“, die in gleicher Qualität entweder in technischen Systemen oder

in biologischen Systemen zirkulieren. Wissenschaftliche Grundlage dieser innovativen

Verwertungskreisläufe ist die Einteilung aller Produkte in Gebrauchsgüter (Fernseher, Autos,

synthetische Fasern, etc.) oder Verbrauchsgüter (Naturfasern, Kosmetikartikel, Waschmittel,

etc.) 1 . Voraussetzung für die praktische Umsetzung von C2C® ist die Kenntnis,

wissenschaftliche Bewertung und Optimierung aller verwendeten Produkt-Inhaltsstoffe.

Im Rahmen des hier vorliegenden Energie- und Klimaschutzkonzeptes für Spiekeroog wurden

die zentralen, energierelevanten Aspekte des C2C®-Konzeptes berücksichtigt 2 :

− Nutzen der erneuerbaren Energiequellen, insbesondere Solarenergie.

− Einsatz von Materialien bei der Umwandlung (z.B. Photovoltaik, Wärme- und

Kraftmaschinen) von Primärenergie in Nutzenergie (z.B. Strom) die biologische oder

technische Nährstoffe enthalten und diese in Kreisläufen wieder zurückgewonnen

werden können.

− Einsatz der Energie-Effizienz im Sinne einer Prozessverbesserung zur Reduzierung

nicht regenerativer Energie, Wahl der richtigen, technischen und biologischen

Materialien und Kreisläufe.

1 Braungart, Engelfried et al. „Das intelligente Produkte System“, 1993

2 „Cradle To Cradle SM and Energy“ Internes Arbeitspapier der EPEA GmbH, Hamburg, Juni 2009

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Mit dem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (F+E-Vorhaben) „Biosphärenreservate als

Modellregionen für Klimaschutz und Klimaanpassung“, sowie im Projekt C2CI im Projekt

„umweltgerechte Gemeinde Spiekeroog“ gehen zwei eng miteinander verknüpfte, langfristig

anzustrebende Klimaziele konform: CO2-Neutralität und (Selbst-) Versorgung der Insel mit

regenerativen Energien.

Dieses Energie- und Klimaschutzkonzept wird durch Fördermittel aus dem C2CI-Projekt

bezuschusst. 3

Auftragsvergabe des Konzeptes war der 20. Juni 2010 mit einer voraussichtlich halbjährlichen

Bearbeitungsphase, die jedoch aufgrund projektbedingter, terminlicher und

krankheitsbedingter Gründe einvernehmlich bis in den Sommer 2011 verlängert wurde.

Die längere Arbeitsphase von fast einem Jahr hatte nach Auffassung der Autoren nur Vorteile

für die Gemeinde Spiekeroog. So konnten die Verfasser über einen längeren Zeitraum

prozesshaft und beratend an der Initiierung und Konkretisierung von Klimaschutzaktivitäten

beteiligt werden.

Dieser Beratungsprozess für die Gemeinde Spiekeroog umfasste folgende Aktivitäten und

Arbeitsschwerpunkte:

- Besuch durch externe Experten: Insgesamt 10 Aufenthalte mit insgesamt 19 Tagen

Vor-Ort-Präsenz,

- Initiierung und beratende Begleitung erster Projekte,

- Vor-Ort-Begehungen der öffentlichen Liegenschaften:

o 27 Objekte wurde begangen,

o für 19 Objekte wurde eine detaillierte Begehungsnotiz mit Einschätzungen

zu energetisch-baulichen Auffälligkeiten und Verbesserungsvorschlägen

sowie eine Fotodokumentation erstellt,

o 13 objektbezogene Maßnahmenblätter wurden erarbeitet,

o 12 Energieverbrauchsausweise erstellt,

o für 5 Objekte wurden von mind. 4 Firmen Angebote für eine PV-Installation

eingeholt, diskutiert und im Konzeptverlauf aktualisiert.

− Es wurden mehrere Ergebnispräsentationen und Diskussionen sowie Informations-

veranstaltungen durchgeführt.

Die Datenlage für die Insel Spiekeroog gestaltet sich übersichtlich: Die

Heizenergieversorgung basiert nahezu vollständig auf der Versorgung mit Erdgas durch die

EWE, die ebenfalls den Strom liefert. Der Fährbetrieb befindet sich in kommunaler Hand.

3 Cradle to Cradle Islands auf Spiekeroog: www.spiekeroog.de/inselinfo/gemeinde-spiekeroog/cradle-to-cradle-island.html

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Ergänzend konnten die freundlicherweise rasch zur Verfügung gestellten Daten der

Heizungsanlagen durch den zuständigen Bezirksschornsteinfegermeister genutzt werden.

Die Großverbraucher an Energie und die Hauptverursacher des Klimaschadgases CO2 sind

die gewerblichen Beherbergungseinrichtungen, gefolgt von den privaten Haushalten und die

dritte größere Gruppe, die Kommune mit der Gemeinde Spiekeroog und der Nordseebad

Spiekeroog GmbH (NSB).

Hierbei sind die Strommengen, die auf Spiekeroog erzeugt werden (Wind- und Solarenergie),

mit in die Bilanz einbezogen. Mit dieser Bilanzmethode für Spiekeroog, die auch für das

kommunale Controlling angewandt werden kann, ist es möglich, die Umsetzungserfolge der

Klimaschutzbemühungen auf Spiekeroog zu quantifizieren.

Die Kapitel 3 und 9 (Energiebilanzierung und Controlling) gehen auf diese Art der

Bilanzbetrachtung für Spiekeroog näher ein.

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Verteilung der Energieverbräuche und die

resultierenden CO2-Äquivalentemission:

Abb. 1: Energie- und CO2-Emissionen nach Sektoren (2009)

Mit dem verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien lassen sich die Ziele Klimaschutz und

Wirtschaftlichkeit vereinbaren; dies gilt für folgende Maßnahmen:

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− Unterstützung des Repowerings der Windkraftanlage (WKA) der Hermann Lietz-

Schule Spiekeroog gGmbH (Hermann Lietz-Schule) auf rd. 900 kW,

− Errichten von Photovoltaikanlagen auf den großen kommunalen Dächern sowie

auf geeigneten Flächen privater und gewerblicher Dächer,

− Installation von Solarwärmeanlagen auf geeigneten Dachflächen insbesondere für

Objekte der touristischen Nutzung.

Vor dem Hintergrund der für den wirtschaftlichen Betrieb auskömmlichen

Stromeinspeiseregelung durch das Energieeinspeisegesetz (EEG) für Wind- und Solarstrom

lassen sich auf Spiekeroog durch geschickte Projektkoordination rentable Klimaschutz-

Maßnahmen verwirklichen.

Diese Wirtschaftlichkeit ist hingegen bei der umfänglichen energetischen Sanierung des

Gebäudebestandes nicht erzielbar.

Die entscheidenden Entlastungspotentiale durch Energieeinspar- und Effizienzmaßnahmen

sehen die Autoren für die Kommune Spiekeroog in den folgenden Klimaschutz-Maßnahmen:

- Einführen des kommunalen Energiecontrollings und –managements,

- Beheben des Sanierungs- und Reparaturstaus bei gleichzeitigem Einsatz

hocheffizienter Technik und hohem Wärmeschutz bei den kommunalen

Liegenschaften und insbesondere bei der Nahwärmeversorgung im Kurbereich

(BHKW Schwimmhalle),

- Unterstützen und Initiieren von Informationskampagnen für die Sektoren private

Haushalte und gewerbliche Beherbergungseinrichtungen.

Flankierend sollte die Gemeinde Spiekeroog weiterhin kontinuierlich den

Klimaschutzprozess befördern:

- Sicherstellen, dass eine Person auch zukünftig die Klimaschutzaufgaben steuert

(Klimaschutzkoordinator)

- Information über Energie- und Klimaschutz sowie Initiierung von Beratungs-

aktivitäten für die Sektoren private Haushalte und gewerbliche Beherbergungs-

einrichtungen,

- Verbinden von Klimaschutzbemühungen und entsprechenden Projekten mit dem

Tourismusmarketing (Stichwort: „Spiekerooger Sonnenstrom für die Insel-

Mobilität“),

- Dokumentation und Kommunikation der Klimaschutzbemühungen und deren

Erfolge (u.a. auf Basis des Energiecontrollings, Nachhaltigkeitsberichterstattung).

Die natürlichen, landschaftlichen, genehmigungsrechtlichen sowie wirtschaftlichen

Rahmenbedingungen auf der Insel Spiekeroog lassen nur wenige Nutzungen erneuerbarer

Energie-Techniken sinnvoll erscheinen. Das größte Potential birgt dabei die Sonnenenergie.

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Neben der Solarthermie, die den hohen Warmwasserbedarf der überwiegend touristisch

genutzten Gebäude alternativ erwärmen und so den Erdgasverbrauch senken kann, können

Photovoltaik-Anlagen Vor-Ort Strom produzieren und beispielsweise den Strom für die

Spiekerooger Elektro-Karren erzeugen.

Baugenehmigungsrechtlich muss für Solarenergieanlagen und Sonnenkollektoren kein

Bauantrag bzw. keine Baufreistellungsanzeige gestellt werden, allerdings sind dennoch alle

bauordnungsrechtlichen wie planungsrechtlichen Bestimmungen (z.B. Umgebungsschutz zu

Kulturdenkmälern) stets einzuhalten.

Aufgrund der Unterschutzstellung (Nationalpark, Natura 2000 und Biosphärenreservat) der

außerhalb des Ortes gelegenen Flächen ist die Installation von Freiflächenanlagen auf

Spiekeroog nicht möglich.

Eine Solar- oder Photovoltaikanlage auf einem denkmalgeschützten Gebäude, einem

Gebäude in einer Gesamtanlage oder in der Umgebung eines Kulturdenkmals ist gemäß

Niedersächsischem Denkmalschutzgesetz genehmigungspflichtig. Gemeindeeigene

Satzungsvorgaben zur Solar- und Photovoltaikanlagen gibt es bislang nicht.

Spiekeroog verfügt aufgrund der Lage (Insel, Reflektion durch das Meer, Kühlung durch die

Windsituation) über ein hervorragendes Solarstrahlungspotential. Daher sollten alle

Anstrengungen unternommen werden, auf den vorhandenen Dachflächen Wärme oder Strom

produzierende Solaranlagen zu installieren. Eine Potentialabschätzung der geeigneten

Dachflächen ergibt rd. 4.200 m² für Solarstrom und rd. 1.150 m² für Solarwärme. Die

Wirtschaftlichkeit der Anlagen ist bei der derzeitigen EEG-Vergütungssituation und den

derzeitigen Modulpreisen gegeben. Durch geschickte Bündelung mehrerer Vorhaben, einer

umsichtigen und kostengünstigen Fährlogistik sowie einer geschickten Verhandlungsführung

mit dem Installationsbetrieb sind wirtschaftlich zu betreibende Solarstromanlagen auf

Spiekeroog mit einer Kapitalrückflusszeit (Amortisation) von unter 15 Jahren zu erreichen.

Das größte Potential der Energie- und CO2-Einsparung betrifft – wie auch bei anderen

Kommunen – den Gebäudebestand. Die Energiebereitstellung für die Raumwärme-

versorgung stellt den größten zusammenhängenden Verbrauchspart dar. Dieser kann mit

Maßnahmen an Gebäudehülle, Anlagentechnik und durch Energieträgerwechsel deutlich

reduziert werden. Hierzu sind jedoch energetische Sanierungsmaßnahmen in größerem

Umfang notwendig. Daher sollte bei anstehender Modernisierung oder sowieso fälliger

Instandsetzung eine Gesamtsanierung der Gebäudehülle (Dach, Fenster, Außenwand,

Sohle/Kellerdecke) und eine Verbesserung der Anlagentechnik ins Auge gefasst werden.

Zur Abschätzung der potentiell erschließbaren Energieeinspar- und CO2-Minderungseffekte im

Gebäudebestand wurde ein Gebäudebilanzierungsinstrument erstellt mit dem geeignete

Modellrechnungen durchgeführt wurden. Als Ergebnis dieser Einsparberechnungen bleibt

festzuhalten, dass alleine mit einfachen Maßnahmen im Gebäudebereich wie

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Fensteraustausch und Dachdämmung noch keine drastische Klimaentlastung zu erwarten ist.

Würden die Sektoren „Private“ und „Gewerbe“ diese Maßnahmen bei ihren Objekten

durchführen, könnte dies zu einer Energieeinsparung von rd. 18% führen. Bei den

Einsparabschätzungen blieb das Bauteil „Außenwand“ komplett unberücksichtigt. Aufgrund

der exponierten Lage Spiekeroogs (Wind, Regen) und der bestehenden, guten zweischaligen

Außenwandsituation sehen die Autoren eine adäquate Sanierung derzeit wirtschaftlich (noch)

nicht als vertretbar an.

Eine deutliche Reduzierung des Klimaschadgases CO2 ist bei Kesselaustausch und

Energieträgerwechsel sowie solarer Unterstützung erreichbar. So wurde in einer weiteren

Berechnung angenommen, dass 20 % der Kesselanlagen gegen eine fast CO2-neutrale

Holzpelletsheizung ersetzt würden; hierbei ist eine gesamte Klimaentlastung in Höhe von rd.

42 % erzielbar.

Die jeweiligen Minderungsmöglichkeiten der verschiedenen Maßnahmen für den

Gebäudebestand „Private“ und „Gewerbe“ sind nachstehend aufgeführt:

Tab. 1: Prozentuale CO2-Einsparungen durch energ. Maßnahmen (Gebäudebestand)

Maßnahmen: Gebäudehülle und Anlagentechnik

Maßnahmen:

Fenster: Neue 3-fach Verglasung

zusätzlich:

Dämmung Dach/ oberste Geschossdecke

zusätzlich:

100 % neuer BW-Kessel + 20 % Solar-WW

Ersatz alter Kessel durch neue mit Brennwertnutzung, bei 20 %

Unterstützung der Warmwasserbereitung durch Solarwärme

zusätzlich:

20 % Holzpellets + Solar-Hzg + WW

Bei 20 % Umstellung auf Holzpelletsheizung mit Unterstützung der

Heizung und Warmwasserbereitung durch Solarwärme

CO2-Einsparung in %

je Verbrauchssektor

Priv.

Haushalte

Gewerbe

10 % 10 %

17 % 18 %

25 % 30 %

40 % 44 %

Eine signifikante Klimaschutzentlastung im Gebäudebereich ist damit nach den

wirtschaftlichen Dämm-Maßnahmen im Zuge anstehender Sanierung und Modernisierung

(Verglasung/Dach/Kellerdecke) durch die Erneuerung der Heizanlagentechnik in Verbindung

mit Solarwärme und den Umstieg auf den nachwachsenden Brennstoff Holz in Form von

Holzpellets möglich. Die Autoren sehen bei dem derzeitigen, bundesweiten Pelletsverbrauch

und der langfristig angelegten, überwiegend einheimischen, anfallenden Späneproduktion und

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-Verarbeitung eine deutlich höhere Nachhaltigkeit als bei der Beibehaltung der Verfeuerung

fossiler Energievorräte, wie beispielweise dem Erdgas.

Die Möglichkeiten der Stromverbrauchsminderung bei Unterstellung einer forcierten

Ersatzbeschaffung mit hocheffizienten Geräten und Maschinen betragen max. 34 % bis zum

Jahr 2030 (vergl. Klimaschutzkonzept Kreis Friesland, a.a.O.).

Das Substitutionspotential durch erneuerbare Energien im Bereich Erdgas durch solare

Wärmeenergieerzeugung wird auf rd. 1,5 % geschätzt. Durch Solarstromanlagen auf

bestehenden Dachflächen könnten rd. 5,5 % des Stromverbrauchs bereitgestellt werden und

sogar rd. 18 % durch das Repowering der Windkraftanlage der Hermann Lietz-Schule.

Gemessen am Endenergieverbrauch der Insel könnten künftig dementsprechend insgesamt

rund 25 % durch regenerative Energiegewinnung ersetzt werden. Von den gesamten CO2-

Äquivalent-Emissionen für Spiekeroog (rd. 11.300 t) könnten damit rd. 10 % eingespart

werden.

Das ursprüngliche Ziel einer 100%-regenerativen Energieversorgung oder sogar der

Energieautarkie erscheint unter technisch-machbaren und ökonomisch-zumutbaren

Gesichtspunkten nicht sinnvoll erreichbar. Der mit dem Tourismus einsetzende massiv

angestiegene Konsum verursacht einen beträchtlichen Energieverbrauch. Dieser Verbrauch

lässt sich aus heimischen Ressourcen angesichts der sehr sinnvollen, restriktiven Bau- und

Planungstätigkeit der Insel Spiekeroog inmitten des Weltnaturerbes „Wattenmeer“ nicht

darstellen.

Die ursprünglichen Lebensgewohnheiten der Inselbewohner vor dem Tourismus – wie auch

auf anderen Inseln – war geprägt durch Nachhaltigkeit und Selbstversorgung. Durch die

naturschutzrechtlichen und selbst auferlegten Beschränkungen der Inselgemeinde sowie der

Bodenbeschaffenheit der Insel ist eine vergleichbare Energieerzeugung autarker Regionen

(zahlreiche Festlandsgemeinden sind mit Wind-/Solar/-Biogas-Strom und –Wärme

energieautark) nicht gewünscht, durchsetzbar und auch nicht sinnvoll.

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf Spiekeroog wird beschritten durch die

Energieeinsparung im Gebäudebestand, die forcierte Nutzung erneuerbarer Energien, mehr

Einsatz effizienter Technik und den sensiblen, nutzungsgerechten Umgang mit Energie.

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Die zahlreichen Maßnahmen für Spiekeroog sind detailliert in den jeweiligen

Maßnahmenblättern dargestellt. Der nachfolgende Auszug des Maßnahmenkatalogs ist hier

als Kurzübersicht wiedergegeben:

Tab. 2: Auszug aus dem Maßnahmenkatalog

Nr. Maßnahmentitel Maßnahmenbeschreibung

1a

1b

2

3

4

5

6

7

8

9

Energiecontrolling

der kommunalen

Liegenschaften

Nachhaltigkeitsberichterstattung

Gemeinde

Spiekeroog

Klimaschutz-Taler

Spiekeroog

Energie/Klimaschutz-Koordination

Spiekeroog

Repowering WKA

HL-Schule

Öko-Strom-Bezug

(Zertifiziert)

Öko-Gas-Bezug

(Zertifiziert)

Installation von

BHKW

LED-Technik

Straßenbeleuchtung

Aufnahme aller Bestandsgebäude, Aktenaktualisierung, Flächen,

Bauaufnahme.

Aufnahme der bestehenden Energie/Wasserzähler und Feststellen der

fehlenden Messeinrichtungen,

Investitionsbudget für Messeinrichtung und zügiger Einbau neuer Zähler,

Monatliche Energieverbrauchserfassung,

Energiecontrolling kontinuierlich durchführen und dokumentieren. Durch

evtl. zukünftiges Liegenschaftsmanagement abzudecken.

Aufbau einer Nachhaltigkeitsberichtserstattung zu den Themen:

Umwelt/Naturschutz, Energie, Klimaschutz, Energiekosten-Entwicklung,

Nationalpark,

Jährlicher, standardisierter Bericht. Tischvorlage als Print für alle

Gemeinderatsvertreter und/oder Mitglieder Umweltausschuss.

Wahrnehmen der Vorbildfunktion der Kommune!

Einrichten eines „Klimaschutzfonds“ zur Förderung von CO2-Minderungsmaßnahmen

auf Spiekeroog. Gespeist wir der Fonds aus: 25% Anteil EWE

bzw. friesenenergie -Konzessionsabgabe, freiwilliger Beitrag Spiekerooger

Bürger. Wietere Einnahmen evtl. durch Beiträge der Urlauber und "Insel-

Liebhaber" für Inselerhalt und Klimaschutz. Zielgerichtet für Spiekerooger

Aktivitäten zum Klimaschutz

Einrichten einer Anlaufstelle für Energie- und Klimaschutzfragen,

Betreuung der jährlich durchzuführenden Energiesparberatungsaktivitäten

für Private und Beherbergungseinrichtungen, Koordination von

Energieberatern. Angesiedelt beim zu schaffenden

Liegenschaftsmanagement oder Touristik/NSB

Repowering der bestehenden Windkraftanlage (WKA) der HLS von derzeit

220 kW auf etwa 900 kW vollumfänglich unterstützen!

Damit erreicht Spiekeroog eine Abdeckung von knapp 18% seines eigenen

Strombedarfs; dreimal so viel wie relevantes Potential durch Photovoltaik.

Ausweitung der angedachten und ab 1.7.2011 erfolgenden Kooperation

mit friesenenergie. Kooperation in der Region, Unterstützung des Zubaus

regenerativer Energieprojekte

Abstimmung mit regionalen Versorgern zur Abnahme von Biogas aus BGA

auf dem Festland durch Einspeisung in das Erdgasnetz.

Unterstützung bzw. Angebotseinholung und Beratung bei der Installation

von BHKW bei größeren Wärmeabnehmern

Umbau der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik und Telemanagement

(Bedarfs- und zeitgesteuert schalten), Einwerben von Sponsoringgeldern.

Durch gerichtete und weniger helle Streubeleuchtung werden Insekten

weniger stark angezogen. Ein wichtiger „Naturschutz“-Aspekt. Kontakte

und konkr. Gespräche (Philips) laufen bereits und sind vielversprechend

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Priorität

Hoch

Hoch

Mittel

Mittel

Hoch

Hoch

Hoch

Mittel

Mittel

Mittel

/ Hoch


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Nr. Maßnahmentitel Maßnahmenbeschreibung

10 Sanierungsschub

öff. Liegenschaften

11

12

13

14

15

16

Nutzungskonzept,

energetische Optimierung

Schwimmhalle/

Kurbereich

„E-Karren fahren

mit Spiekerooger

Sonne“

PV-Projekte für

Spiekeroog

Unterstützung

Einsparberatung

„Private“

Unterstützung

Einsparberatung

„Beherbergungseinrichtungen“

Spiekerooger

Klimaschützer

Plakette

Umsetzen der kommunalen Sanierungsprojekte und Abbau des

Reparaturstaus. Hocheffiziente Technik und Übererfüllung der EnEV-

Dämm-Vorgaben.

Entwicklung eines Nutzungskonzeptes Schwimmbad, welches auch unter

energetischen und langfristigen Kostengesichtspunkten effizient, effektiv

und nachhaltig zu bewirtschaften ist.

Ausbau der Nahwärme, Sanierung des BHKWs und ggfs. Ausbau der KWK-

Kapazitäten. Vergleich zum Einsatz einer Gas Absorptionswärmepumpen

mit WRG der Hallenluft

Verbinden der derzeit in aller Munde befindlichen Thematik „E-Mobilität“

und Spiekerooger Eigenart: Elektro-Karren.

Durch Photovoltaikinstallation, Visualisierungstafeln, gestalterisch

inszenierte Ladestationen am Hafen und einer mit dem Tourismusbüro

verknüpften Marketingstrategie kann Spiekeroog hier ein

Alleinstellungsmerkmal besetzen!

Spiekeroog setzt auf Photovoltaik und installiert auf kommunalen und

anderen Dächern (Kreis: Müllumschlagstation) Solarzellen. Dies in

Verantwortung der gemeindeeigenen NSB, die wiederum die

organisatorische und finanzielle Abwicklung übernimmt. Denkbar sind

Genossenschaften, Bürgerbeteiligungen, Kooperationen mit

Dienstleistern, friesenenergie.

Unterstützen/Beraten Sektor private Haushalte durch:

Koordination potentieller Berater:

- Verbraucherzentrale (VZ),

- Kreis

- Versorger (EWE, friesen-energie, )

Stromsparen: (LED-Beleuchtung, weiße Ware, Stand-by), Heizung: (neue

Kessel, hydraulischer Abgleich, neue Umwälzpumpen, Heizungscheck,)

Energieberatung: BAFA, Fördermittel: KfW

Unterstützen/Beraten bei Umsetzung Gewerbe

Stromsparen: LED-Beleuchtung, weiße Ware, Stand-by,

Heizung: Heizungs-Check

Unterstützen/Beraten Gewerbe/Beherbergung durch:

Koordination potentieller Berater:

Handwerkskammer (HWK), Industrie+Handelskammer (IHK), DEHOGA

(Energiekampagne Gastgewerbe), Kreis, Versorger (EWE, friesenenergie, )

Stromsparen: (LED-Beleuchtung, weiße Ware, Stand-by, Kältetechnik,

Antriebe),

Heizung: (neue Kessel, hydraulischer Abgleich, neue Umwälzpumpen,

Heizungscheck,)

Effizienzberatung: KfW; Fördermittel: KfW

„Tue Gutes und rede darüber“ bzw. zeige dies auch mit der Plakette

Spiekerooger Klimaschützer“. Unterstützung der langjährigen

Spiekerooger Initiative zu mehr Klimaschutz für alle Einwohner

Spiekeroogs. Die Plakette sowie Kriterien zur Vergabe bestehen bereits im

Entwurf und sollten abschließend geklärt werden. So ist für diese

vorbildliche, lokale Aktion eine noch breitere Einführung mit

möglicherweise gesteigerter Akzeptanz erzielbar.

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Priorität

Hoch

Hoch

Mittel

/ Hoch

Hoch

Hoch

Hoch

Hoch


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Nr. Maßnahmentitel Maßnahmenbeschreibung

17

18

19

20

21

Wärmepumpen-

Initiative bei

Neubau

Einsatz von Lastmanagementsystemen

Initiative

„Heizungspumpe“

Anpassung Dorfgestaltungs-satzung

Hinweise zum

energie- und

kostenbewussten

Bauen

Koordination der Beratung und Information, welche Wärmepumpen auf

Spiekeroog zum Einsatz kommen könnten, wenn: Neubau oder

hocheffiziente Sanierung ansteht, Lüftungsanlage und

Wärmerückgewinnung eingebaut wird � Kombination mit Luft-Luft-WP;

Einsatz von Ökostrom für WP

Prüfen, ob der Einsatz von Lastmanagementsystemen bei zunehmender

Bedarfsdeckung durch regenerative Energietechnik (Wind/PV/Biomasse/)

sinnvoll und wirtschaftlich attraktiv ist. Kooperation mit friesen-energie

oder EWE zum Thema smartgrid

Erfahrungsgemäß befinden sich noch in 90% aller Fälle alte, nicht

hocheffiziente Umwälzpumpen im Heizungssystem. Der Heizungs-Check

gibt Aufschluss über Einsparpotentiale.

In Kooperation mit dem regionalen Heizungsbauhandwerk wird eine

„Initiative Heizungspumpe“ gestartet, die neben dem Austausch der

begünstigten (Fa. Wilo) Pumpe ebenfalls den hydraulischen Abgleich

durchführt.

Die bestehende Dorfgestaltungssatzung kann um energiesparende und

klimaschützende Maßnahmen erweitert werden. Konkretisierung durch

den Nachweis des Bauantragsberechtigten, dass alle Möglichkeiten zur

- Erhöhten Dämmung und verbesserte Energieeffizienz gegenüber

Energie-Einsparverordnung (EnEV),

- Nutzung erneuerbarer Energien

durch Fachplaner untersucht wurden.

Beauftragung eines Architekten zur satzungsgemäß korrekten

Formulierung der Klimaschutzziele in der Satzung.

A) Bei alle zukünftigen Neubauvorhaben Spiekeroogs der öffentlichen

Hand (Gemeinde, NSB) sollen sich die verantwortlichen Planer

(Architekt, Anlagentechniker) an die „Leitlinien zum wirtschaftlichen

Bauen 2011“ der Stadt Frankfurt anlehnen und die dort beschrieben

Vorgehensweise eines energie- und langfristig kostenoptimierten

Bauens berücksichtigen.

Bei der Ausschreibung von baulichen/energetischen Planungsleistungen

durch die Kommune (Gemeinde, NSB) sind diese Anforderungen in das

Leistungsverzeichnis aufzunehmen.

B) Für private/gewerbliche Vorhaben wird diese Vorgehensweise

empfohlen.

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Priorität

Gering

Gering

Hoch

Mittel

Mittel

Unsere Empfehlung zum weiteren Vorgehen konzentriert sich auf die Kontinuität der weiteren

Betreuung der Klimaschutzaktivitäten. Hierzu bedarf es eines Koordinators oder

Klimaschutzmanagers, ohne dessen stete Präsenz und Aktivität das Thema leider rasch in

Vergessenheit geraten kann.

Flankierend müssen die kommunalen Hausaufgaben zur Reduzierung und Einsparung von

Energie durchgeführt werden. Auch vor dem Hintergrund der Verbesserung der Haushaltslage

ist dies nicht nur klimaschutzrelevant, es beschert der Gemeinde Spiekeroog auch den

dringend notwendigen Spielraum bei der Liquidität. Angesichts steigender Energiepreise


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(Wärme und Strom!) sind Klimaschutzmaßnahmen echte Win-Win-Situationen, die bei

Ersatzbeschaffung und Sanierung der Gebäude stets umgesetzt werden sollten.

Die Hebung der lokalen Potentiale der erneuerbaren Energienutzung – hier insbesondere der

Solarstrom und das Repowering der Windkraftanlage – sollten als sichtbare

Klimaschutzbemühungen mit den touristischen Vertriebszielen einer natürlichen, gesunden

und intakten Nationalparklandschaft in Einklang und offensiv vermarktet werden.

Resümierend sehen wir die nachfolgenden Einzelmaßnahmen als vordringlich

umsetzungsrelevant an:

1a, 1b Energiecontrolling der kommunalen Liegenschaften

4 Energie-/Klimaschutz-Koordination Spiekeroog

11 Nutzungskonzept, energetische Optimierung Schwimmhalle/

Kurbereich

10 Sanierungsschub öffentliche Liegenschaften

5 Unterstützung des Repowerings der WKA HL-Schule

13 PV-Projekte für Spiekeroog

14 Unterstützung Einsparberatung „Private“

15 Unterstützung Einsparberatung „Beherbergungseinrichtungen“

Auch wenn mit der Umsetzung dieser Klimaschutzmaßnahmen die Möglichkeiten zur

Verbesserung der Nachhaltigkeit und die Kriterien des Cradle to Cradle®-Konzeptes bei

weitem noch nicht ausgeschöpft sind, so sehen die Autoren Spiekeroog mit seinem

behutsamen und sensiblen Umgang mit der Natur und der Tourismuswirtschaft auf dem

richtigen Weg zur umweltgerechten Gemeinde.

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2 Hintergrund

Aufgrund der einzigartigen, natürlichen und landschaftlichen Gegebenheiten der ostfriesischen

Insel und den intensiven Bemühungen vor Ort gehört Spiekeroog bereits seit 1986 zum

Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“. Ausgenommen davon ist der besiedelte

Bereich der Insel. 1992 kam das „UNESCO Biosphärenreservat Niedersächsisches

Wattenmeer“ hinzu. Seit Juni 2009 zählt sie zudem zum „UNESCO Weltnaturerbe

Wattenmeer“, welches ein kaum zu überschätzendes Prädikat darstellt.

Mit dem Start eines Zukunftsprozesses der Gemeinde Spiekeroog im Winter 2007/ 2008

wurden u.a. die Ziele einer „umweltgerechten Gemeinde“ und die „nachhaltige Entwicklung

des Tourismus“ formuliert und Interesse an dem Projekt „Cradle to Cradle Islands" (C2CI)

bekundet. Seit 2009 ist Spiekeroog Projektpartner in diesem europäischen, transnationalen

INTEREG IV B Nordseeprogramm. In Rahmen dieses EU-Förderprogramms wurde auch das

vorliegende Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog erstellt.

Das Projekt Cradle to Cradle Islands zielt darauf ab, einen wesentlichen Beitrag zur

ökologischen Nachhaltigkeitsentwicklung auf touristisch geprägten Nordseeinseln zu leisten.

In dessen Mittelpunkt steht die Entwicklung innovativer Lösungen in den Bereichen Energie/

Mobilität, Wasser und Materialien unter der Berücksichtigung des von M. Braungart und W.

McDonough entwickelten Cradle to Cradle® Design Konzeptes. Das Cradle to Cradle®

Konzept stellt, hinsichtlich der Umsetzung einer nützlichen Kreislaufwirtschaft, eine neue

Dimension der Produktqualität in den Vordergrund. Cradle to Cradle® Produkte produzieren

keinen Abfall, sondern werden am Ende ihrer Nutzung zu Materialien oder „Nährstoffen“, die in

gleicher Qualität entweder in technischen Systemen oder in biologischen Systemen

zirkulieren. Wissenschaftliche Grundlage dieser Verwertungskreisläufe ist die Einteilung aller

Produkte in Gebrauchsgüter (Fernseher, Autos, synthetische Fasern, etc.) oder

Verbrauchsgüter (Naturfasern, Kosmetikartikel, Waschmittel, etc.) 4 . Voraussetzung für die

praktische Umsetzung von Cradle to Cradle® ist die Kenntnis, wissenschaftliche Bewertung

und Optimierung aller verwendeten Produkt-Inhaltsstoffe.

Im Rahmen des hier vorliegenden Energie- und Klimaschutzkonzeptes für Spiekeroog wurden

die zentralen, energierelevanten Aspekte des C2C®-Konzeptes berücksichtigt 5 :

− Nutzen der erneuerbaren Energiequellen, insbesondere Solarenergie.

− Einsatz von Materialien bei der Umwandlung (z.B. Photovoltaik, Wärme- und

Kraftmaschinen) von Primärenergie in Nutzenergie (z.B. Strom) die biologische oder

4 Braungart, Engelfried et al. „Das intelligente Produkte System“, 1993

5 „Cradle To Cradle SM and Energy“ Internes Arbeitspapier der EPEA GmbH, Hamburg, Juni 2009

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technische Nährstoffe enthalten und diese in Kreisläufen wieder zurückgewonnen

werden können.

− Einsatz der Energie-Effizienz im Sinne einer Prozessverbesserung zur Reduzierung

nicht regenerativer Energie, Wahl der richtigen, technischen und biologischen

Materialien und Kreisläufe.

Mit dem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (F+E-Vorhaben) „Biosphärenreservate als

Modellregionen für Klimaschutz und Klimaanpassung“, sowie im C2CI-Projekt im Projekt

„umweltgerechte Gemeinde Spiekeroog“ gehen zwei eng miteinander verknüpfte, langfristig

anzustrebende Klimaziele konform: CO2-Neutralität und (Selbst-) Versorgung der Insel mit

regenerativen Energien.

Historisch war die Insel – wie die Nachbarinseln auch – einmal auf dem Niveau der

nachhaltigen Material- und Energieversorgung. Doch mit der gewünschten Verbesserung des

Lebensstandards der Bewohner veränderte sich der Materialaustausch und Gästeverkehr. Der

verursachte, dramatisch zunehmende Waren- und Energiestrom, der nicht mehr unabhängig

vom Festland zu betreiben ist, zwang zur Aufgabe jeglichen Autonomiegedankens. Trotzdem

ist es für eine nachhaltige Langfristperspektive sinnvoll, die bekannten Cradle to Cradle®-

Kriterien bei den kommunalen Entscheidungen zu berücksichtigen. In den relevanten

Dokumentationen 6 sind die Kriterien ausführlich umrissen und es werden entsprechende

Produkte im Bau-/ Wohnbereich angeboten. Aufgrund der geringen Marktdurchdringung sind

diese C2C®-Produkte jedoch selten und noch nicht im alltäglichen Warenverkehr beziehbar.

Auch wenn Spiekeroog über große, theoretisch erschließbare Wind- und

Sonnenenergiepotentiale verfügt, muss der Blick auf das größte Energiepotential fokussiert

werden: Die Energieeinsparung. Die größten Einsparpotentiale liegen – wie bundesweit

vergleichbar und hinlänglich bekannt – im Bereich der Gebäudebeheizung, Stromanwendung

und Mobilität. Die Erschließung dieser Einsparpotentiale (Bedarfsminderung) ist oftmals

wirtschaftlich vertretbar und sollte vor der Errichtung von Projekten zur Nutzung erneuerbarer

Energie (Angebotsmaximierung) prioritär umgesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund hat sich beispielsweise im Gebäudesanierungssektor folgende

Vorgehensweise herauskristallisiert:

− Erst Energie einsparen,

− dann die verbleibende Energiemenge so effizient und rational wie möglich

bereitstellen und

− den Restbedarf größtmöglich mit erneuerbarer Energie abdecken.

6

Michael Baumgart, William McDonough (Hg.): Die nächste industrielle Revolution, Europäische

Verlagsanstalt, 2. Aufl. 2009

Michael Baumgart, William McDonough: Einfach intelligent produzieren, Berliner Taschenbuch Verlag,

3. Aufl. 2008

Cradle to Cradle Criteria for the built environment, ebook-edition, 2010

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So ist es beispielsweise im Gebäudebestand wichtig, erst die Wärmeschutzqualität des

Objektes zu verbessern, dann die effizienteste Heizungstechnik unter Einbeziehung von z.B.

Solarenergie zu nutzen.

Diese Prioritätensetzung wird bei der Umsetzung von Energie- und Klimaschutzkonzepten, die

eine Fülle von unterschiedlichen Maßnahmen zur Zielerreichung erarbeiten, nicht stringent

eingehalten, sondern vielmehr Maßnahmen parallel angegangen: Kostenaufwändige

Investitionen für die Gebäudesanierung und parallel z.B. der Aufbau von Solarstromanlagen

auf geeigneten Dachflächen.

Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes ist es weiterhin sinnvoll, den

Zweck der Energiebereitstellung zu hinterfragen: „Welche Energieform in Verbindung mit

welcher Technik ist für welche Nutzergruppe die energieeffizienteste und klimaschonendste?“

Oder: „Wie kann man die gewünschte Energiedienstleistung so umwelt- und klimaschonend

wie möglich bereitstellen?“ Unter Energiedienstleistung wird hierbei der Nutzenaspekt

verstanden:

- Die Temperierung des Raumes auf 21°C

- Die Kühlung eines Produktes auf 7°C

- Die blendfreie und angenehme Beleuchtung eines Raumes zum Lesen

- Der Transport von A nach B

Jede Energiedienstleistung kann mit unterschiedlichen Energieträgern (vergl. Abb.: 2) und

Energieumwandlungsschritten erbracht werden und dabei eine mehr oder weniger starke

Klimabeeinträchtigung bewirken. Die Energieumwandlungsschritte von der Primärenergie

(Kohle, Öl, Sonnenenergie, usw.) bis zur Energiedienstleistung (warmer Raum) verdeutlicht

die folgende Grafik 7 :

7 Quelle: www.eos-landau.de/bausteine/edl/

Abb. 2: Die Energieumwandlungskette

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Insbesondere bei der Planung von Neubauten und von umfangreichen Sanierungen sollte

dieser Blick auf das Wesentliche – die Energiedienstleistung – immer im Mittelpunkt der

Bemühungen um sparsame und effiziente Energieverwendung stehen.

Für die Gemeinde Spiekeroog stellen sich für eine langfristige Klimaschutzstrategie die

folgenden Fragen:

- Welche Ziele (kurz-, mittel-, langfristig) verfolgt Spiekeroog als „grüne“ Insel und

umweltgerechte Gemeinde beim Klimaschutz?

- Wo will die Kommune in 10, 20 und in 50 Jahren stehen bei den wichtigen Themen:

Tourismus, Umwelt- und Klimaschutzpolitik, Anpassung an den Klimawandel

(Meeresspiegelanstieg)?

- Was kann die Kommune personell, finanziell für den Klimaschutz einbringen?

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2.1 Ausgangssituation, Aufgabenstellung und Zielsetzung

Vor dem Hintergrund der in den letzten fünf Jahren erheblich gestiegenen Energiepreise sowie

der Turbulenzen am Rohstoffmarkt in Verbindung mit der derzeitigen Finanzkrise ist eine

Neubewertung vieler Energie- und Klimaschutzmaßnahmen nötig. Auf Basis bisheriger und

aktueller Vorhaben und Erfahrungen auf Spiekeroog und einer CO2-Bilanz wurde in der Studie

Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog“ ein ambitionierter Maßnahmenkatalog zur

Erreichung weitreichender Klimaschutzziele für die Gemeinde Spiekeroog entwickelt.

Die Ziele der Gemeinde Spiekeroog im Rahmen des Projektes C2CI sind den übergeordneten

Themenbereichen: Nachhaltige Energiewirtschaft, soziokulturelle Nachhaltigkeitsinitiativen

und Umweltbildung zugeordnet und tragen wesentlich zur Umsetzung der Zukunftsvision

"umweltgerechte Gemeinde Spiekeroog" bei. Hierin integriert sich auch das Energie- und

Klimaschutzkonzept.

Die räumlich isolierte Lage Spiekeroogs legt die Vision einer eigenständigen, am

Nachhaltigkeitsprinzip orientierten Energie-Kreislaufwirtschaft nahe. Dieser Herausforderung

stellt sich das hier vorliegende Energie- und Klimaschutzkonzept für Spiekeroog und sucht

nach Wegen diese Richtung einzuschlagen. Die bundesweit bekannten so genannten 100%-

Regionen, die beispielgebend für viele Kommunen sein können, stellen für Spiekeroog jedoch

keine Umsetzungsperspektive dar: Die begrenzten und naturschutzrechtlich hoch geschützten

Flächen und das Nichtvorhandensein ausreichender Biomassekapazitäten sind

ausschlaggebende Hindernisse für Spiekeroog, die einer Energieautarkie auf der Insel

entgegenstehen. Daher wurde ein besonderes Augenmerk auf die Erschließung der

Sparpotentiale und auf die Nutzung der Solarenergie gelegt.

Die drei Sektoren Private Haushalte, Kleingewerbe und touristische Unternehmen sowie die

kommunalen Einrichtungen wurden untersucht und praxisnahe, umsetzungsorientierte

Maßnahmen in einem Maßnahmenkatalog zusammengestellt. Die Gas- und Stromversorgung

wurde ebenfalls beleuchtet und Gespräche mit den Vorlieferanten geführt.

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2.2 Methodik/ Vorgehensweise

Zu Beginn der Arbeiten wurden zahlreiche Gespräche geführt, die relevanten Akteure

kontaktiert und Interviews zur Datenlage durchgeführt. Die Arbeitssitzungen und auch die

Fachveranstaltungen dienten dazu, Machbarkeitsstrategien für Klimaschutzmaßnahmen

auszuloten und Hemmnisse wie Lösungswege auch aus Sicht der Akteure aufzunehmen.

Das Klimaschutzkonzept umfasst folgende Arbeitsschritte:

- Datenrecherche und –Aufbereitung

- Akteursbeteiligung

- Energie- und CO2-Bilanz

- Potentialanalyse zur Energie- und CO2-Reduzierung

- Maßnahmen zur Energieeinsparung, Energieeffizienz und zum Einsatz Erneuerbarer

Energien mit dem Schwerpunkt öffentliche Liegenschaften

- Untersuchung zu „Bilanziell Erneuerbar“ und „Akzeptanz für Erneuerbare Techniken“

- Maßnahmenerarbeitung und –katalog

- Regionale Wertschöpfung

- Controlling und Öffentlichkeitsarbeit

2.3 Dokumentation der Datenerhebung und der Akteursgespräche

Die Kontakte und Diskussionen mit wichtigen Akteursgruppen, wie Gemeinderat, Ausschuss

für Umwelt und Energie, Verwaltung der Gemeinde Spiekeroog, der Nordseebad Spiekeroog

GmbH, Akteuren der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog gGmbH (Hermann Lietz-Schule) u.a.

schafften zu Beginn des Projektes einen raschen und sehr konstruktiven Einstieg.

In zwei Informations- bzw. Fachveranstaltungen für Private Haushalte und gewerbliche

Betriebe mit dem Thema „Klimaschutz aktiv – Energiesparen lohnt sich“ wurden Spiekerooger

Bürger und Gewerbetreibende auf die Klimaschutzthematik aufmerksam gemacht und in

Fachvorträgen über Einsparmöglichkeiten und Energieeffizienz informiert. Mitte November

2010 fand eine Präsentation der vorläufigen Zwischenergebnisse der Studie vor dem

Ausschuss für Umwelt und Energie statt.

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Im Rahmen der Detailuntersuchungen insbesondere für die öffentlichen Liegenschaften auf

Spiekeroog, wurden die relevanten Akteure auf der Insel kontaktiert. So konnten im Rahmen

der Laufzeit des Projektes (06.2010 - 06.2011) und durch die kontinuierliche Betreuung durch

die Leiterin Projekte Umweltgerechte Gemeinde und C2CI-Projektleiterin Frau Birgit Schade

ausreichend Gespräche zur Thematik Klimaschutz und Umsetzung geführt werden.

Folgende öffentliche Veranstaltungen wurden durchgeführt:

16.11.2010: Präsentation der „Zwischenergebnisse des Energieund Klimaschutz-

konzeptes Spiekeroog“ (Ausschuss für Umwelt und Energie),

16.11.2010: Infoveranstaltung „Klimaschutz aktiv - Energiesparen lohnt sich“ (für den

Bereich Private Haushalte),

23.03.2011: KMU-Workshop „Klimaschutz aktiv – Energiesparen lohnt sich!“ (für den

Bereich Gastgewerbe),

08.06.2011: Diskussion der Ergebnisse vor dem Ausschuss für Umwelt und Energie,

29.06.2011: Präsentation des Energie- und Klimaschutzkonzeptes Spiekeroog vor

der Öffentlichkeit,

12.07.2011: Präsentation und Diskussion der im Energie- und Klimaschutzkonzept

Spiekeroog erarbeiteten Handlungsmaßnahmen sowie Auswahl von

prioritären Maßnahmen für die Umsetzung in der Gemeindeverwaltung

(Ausschuss für Umwelt und Energie)

Alle Veranstaltungen und einige Aktivitäten in Zusammenhang mit dem Energie- und

Klimaschutzkonzept Spiekeroog wurden im „Inselboten“, dem Mitteilungsblatt der Insel,

angekündigt bzw. darin Artikel platziert.

Für die zielgruppenorientierten Info-Veranstaltungen wurden Aushänge erstellt,

Hausmitteilungen versandt, persönliche Telefongespräche geführt und Email- und Fax-

Einladungen versandt, sodass möglichst alle Spiekerooger Akteure angesprochen wurden.

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Die nachfolgende Tabelle gibt eine Gesamtübersicht über die im Rahmen der

Konzepterarbeitung stattgefundenen Kontakte, Gespräche und Veranstaltungen:

Tab. 3: Übersicht der Kontakte, Gespräche und Veranstaltungen

Themen / Inhalte Institution Datum

Auftaktgespräche, Vorstellung der

Konzeptbearbeitung

Projektbesprechung, Vorbereitung

Begehungen Vor-Ort

Vor-Ort-Begehungen der öffentlichen

Liegenschaften Gemeinde und NSB mit

Architekt P.B. Wulf

Gemeinde Spiekeroog,

Nordseebad Spiekeroog

GmbH (NSB),

Ausschuss für Umwelt u.

Energie

03.-04. Aug. 2010

Gemeinde Spiekeroog, NSB 20. Aug.2010

Gemeinde Spiekeroog, NSB

29. Aug. – 01. Sept.

2010

Projektbearbeitung, Abstimmungsgespräche Gemeinde Spiekeroog 01. Okt. 2010

Projektbearbeitung, Abstimmungsgespräche Gemeinde Spiekeroog 08. Okt. 2010

Arbeitsgespräche,

Vortrag und Diskussion „Energie- und

Kostensparen - Private Haushalte“

Präsentation der Zwischenergebnisse

Arbeitsgespräch „Cradle-to-Cradle“ Thematik

und Klimaschutzkonzept

(Besprechung in Hamburg)

Projektbesprechung

Fachvorträge, Workshop und Diskussion:

Energieeffizienz und Kosten sparen im

Beherbergungsgewerbe“

Fachvortrag und Austausch zum Energie- und

Klimaschutzkonzept Spiekeroog im Rahmen

des Projekttreffens „Cradle-to-Cradle-Islands“

auf Föhr und Amrum

Projektbesprechung,

Ergebnisdiskussion

Projektbesprechung,

Ergebnispräsentation Öffentlichkeit

Projektbesprechungen,

Diskussion Umsetzung, Maßnahmenkatalog

Gemeinde Spiekeroog,

öffentliche

Vortragsveranstaltung

Ausschuss für Umwelt u.

Energie

Gemeinde Spiekeroog, EPEA

Internationale Umweltforschung

GmbH

Gemeinde Spiekeroog,

öffentliche Veranstaltung

Gemeinde Spiekeroog, C2CI-

Projektpartner, Insel- und

Halligkonferenz, EPEA

Internationale Umweltforschung

GmbH

Gemeinde Spiekeroog, NSB,

Ausschuss für Umwelt u.

Energie

Gemeinde Spiekeroog

Öffentliche Veranstaltung mit

Diskussion

Ausschuss für Umwelt u.

Energie

16. – 17. Nov. 2010

17- Nov. 2010

10. Dez. 2010

23. - 24. Mrz. 2011

06. – 07. Apr. 2011

08. – 09. Jun. 2011

29. – 30. Jun. 2011

12. – 13. Juli 2011

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Durch die einvernehmliche Verlängerung der Bearbeitungszeit des Energie- und

Klimaschutzkonzeptes bis Sommer 2011 wurden die Präsenz und damit die Möglichkeit für

Austausch und Unterstützung für die Gemeinde Spiekeroog deutlich erhöht. Die prozesshafte

Begleitung der ersten Umsetzungsschritte im Rahmen der Erstellung des Konzeptes ist für die

weitere Erfolgsaussicht für Spiekeroog sehr förderlich.

Im Rahmen der begleitenden Konzepterstellung war vorgesehen, sowohl für den Sektor

private Haushalte als auch für den Sektor Gewerbe jeweils zwei detaillierte Energieberatungen

durchzuführen. Darauf wurde nach Abstimmung mit der Gemeinde Spiekeroog einvernehmlich

verzichtet, um anderen Bearbeitungsschwerpunkten mehr Aufmerksamkeit widmen zu

können. Diese waren insbesondere die Ausweitung der Vor-Ort-Begehungen der kommunalen

Liegenschaften, die detaillierte Beratung im Bereich Photovoltaik-Installation und die

Einbeziehung von Marketingaspekten bei Tourismus und Klimaschutz.

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3 Energie- und CO2-Bilanzierung für Spiekeroog

3.1 Datenlage

Aufgrund der Inselsituation Spiekeroogs kann man eine gute Datenlage für die

Gesamtenergieverbräuche unterstellen, was sich im Laufe der Bearbeitung auch bestätigte.

Mit der unterstützenden Kooperation der Versorgungsunternehmen, dem

Bezirksschornsteinfegermeister sowie durch die ausgezeichnete Zuarbeit der Gemeinde

Spiekeroog konnte eine gutes Datengerüst erarbeitet werden.

Bedingt durch den Anschluss der Insel Spiekeroog an das Gasversorgungsnetz wurde im

Winter 1989/90 begonnen, sukzessive von Heizöl auf eine mittlerweile fast 100%-ige

Erdgasversorgung umzustellen. Fast die gesamte Beheizung der Gebäude erfolgt über

erdgasbetriebene Feuerstätten, die z.T. von kleinen Holzkaminöfen unterstützt werden.

Weitere Wärmebereitstellungen werden in sehr geringem Ausmaße durch Heizstrom und

Blockheizkraftwerke erbracht.

Die Verbrauchsstruktur der Insel ist stark durch den Tourismus geprägt; verarbeitendes

Gewerbe, Landwirtschaft und Industrie sind nicht vorhanden. Deshalb bildet den

Verbrauchsschwerpunkt überwiegend die Raumwärmebereitstellung (darauf entfallen ca. 85

% der Heizungsleistung, für die Warmwasserbereitung werden ca. 15 % der Energie

aufgewendet).

Folgende Datenquellen und Angaben wurden verwendet:

- Leitungsgebundene Energien (Strom, Erdgas), EWE Aktiengesellschaft, Oldenburg,

- Feuerstätten, Bezirksschornsteinfegermeister Sven Bergmann,

- Daten der gemeindeeigenen Liegenschaften und der Objekte der Nordseebad

Spiekeroog GmbH und des firmeneigenen Fährbetriebes,

- Flächenangaben der Spiekerooger Gebäude aus der Datenbank der Gemeinde

Spiekeroog und Daten aus einer Voruntersuchung der EU-geförderten SWOT-Analyse

(engl., Stärken/Schwächen-Analyse) im Rahmen des C2CI-Projektes

- Zusätzlich individuelle Daten einiger Liegenschaften, wie z.B. der Hermann Lietz-

Schule

- Ergänzende Daten vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie

Niedersachsen (LKSN)

- Daten zur EEG-Einspeisung (Erneuerbare Energien Gesetz) für Solar-Strom über das

Portal: www.energy.map sowie Angaben des Versorgers EWE

- Flächen, Potentialdaten über Luftbilder des Internetanbieters Google-Map® / Google-

Earth®

- Weitere Daten über die Gemeinde Spiekeroog aus Berichten, Literatur, Bildbänden

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Die Leitungsführung zur insularen Versorgung mit Strom und Erdgas zeigen die

nachfolgenden, freundlicherweise von der EWE zur Verfügung gestellten, Karten:

Abb. 3: Erdgastrasse, Anschluss und Erschließung auf Spiekeroog (EWE)

Abb. 4: Stromtrassen, Anschlüsse und Erschließung auf Spiekeroog (EWE)

Da der Energieeinsatz zum überwiegenden Anteil zur Beheizung dient (Erdgas) wurde eine

Witterungskorrektur durchgeführt. Als Bezugsjahr wurde 2009 gewählt.

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3.2 Die Verbrauchssektoren auf Spiekeroog

Ein Ziel der Untersuchung war es, die Verursacher der energiebedingten CO2-Emissionen zu

identifizieren, um so Maßnahmen zum Klimaschutz zielgerichtet zu erarbeiten. Für die

touristisch geprägte Insel Spiekeroog dominiert der Verbrauchssektor Gewerbe, Handel,

Dienstleistung (GHD) und hier das Beherbergungsgewerbe.

Weiterhin wurde großer Wert auf die Ermittlung der gemeindeeigenen Emissionen durch

Aufnahme sämtlicher öffentlicher Liegenschaften gelegt. Bei den öffentlichen Liegenschaften

führen die Klimaschutzbemühungen im Energiebereich zu Kostenentlastungen im Haushalt

und sind daher ein wichtiges Motivationsargument.

Da (fast) kein verarbeitendes Gewerbe auf der Insel existiert sowie keine Landwirtschaft und

keinerlei Industrie, begrenzt sich der „Gewerbebereich“ auf direkt und indirekt am Tourismus

beteiligte Betriebe, wie Beherbergung (Ferienwohnungen, -appartements, -häuser und Hotels,

Pensionen, Ferien- und Erholungsheime), Restaurants und Einzelhandel (Läden) sowie auf

ein Internatsgymnasium (Hermann Lietz-Schule). Folgende Verbrauchssektoren wurden bei

der Energie- und CO2-Bilanz unterschieden:

- Gewerbe (Beherbergung, Gastronomie, Einzelhandel)

- Private Haushalte

- Öffentliche Liegenschaften

o Gemeinde Spiekeroog

o Nordseebad Spiekeroog GmbH

� Darunter der Fährverkehr

- Internatsgymnasium Hermann Lietz Schule

Aus plausiblen Gründen (Datenschutz, begrenzte Arbeitskapazitäten) kann die Abgrenzung

der privaten Haushalte zum Beherbergungsbereich und dem Gewerbe nicht scharf erfolgen.

Da jedoch die exakten Verbräuche der leitungsgebundenen Energien vorliegen, werden diese

nach einem plausiblen Gebäude- und Nutzungsschlüssel aufgeteilt. Basis dieses

Verbraucherschlüssels sind die Angaben des Gastgeberverzeichnisses, der zugänglichen

Statistikdaten sowie das von der Gemeinde sorgfältig erarbeitete Gebäudekataster.

Für verschiedene Bereiche lagen genauere Verbrauchsdaten vor oder es wurden

Verbrauchsabschätzungen vorgenommen, so dass weiter unterteilt werden konnte:

- Straßenbeleuchtung,

- Elektrokarren,

- übergeordnete Ver-/ Entsorgung (Müll, Wasser)

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3.3 Die Energieversorgungssituation

Auf Basis der vergleichsweise guten Datenlage wurde die Energiebilanz erstellt. Da es weder

verarbeitendes Gewerbe noch Landwirtschaft und Industrie auf Spiekeroog gibt, ist der Haupt-

CO2-Verursacher der Erdgasverbrauch für die Heizenergiebereitstellung (Raumwärme und

Warmwasser) für den Gebäudebereich. Da das Gewerbe Spiekeroogs touristisch ausgerichtet

und auf den Sommer konzentriert ist, herrscht eine saisonale Abhängigkeit beim

Stromverbrauch und bei der Warmwasserbereitung.

Neben einigen Solarstromanlagen auf den Dächern Spiekeroogs verfügt die Hermann Lietz-

Schule über eine Windkraftanlage (WKA) mit einer installierten Leistung von 225 kWel, die auf

220 kWel gedrosselt ist und einen durchschnittlichen Ertrag 8 von rd. 700 MWh/a erbringt. Laut

Anlagenbetreiberstatistik „energymap“ der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.

(DGS) waren in 2009 fünf Solarstrom-Anlagen mit rd. 17 MWh Jahresertrag in Betrieb.

Die auf der Insel erzeugte Strommenge stellt mit 717 MWh jedoch nur rd. 2% des Gesamt-

energiebedarfs dar. Die nachfolgende Abbildung zeigt die Energieströme auf Spiekeroog in

MWh:

Abb. 5: Die wesentlichen Energieströme der Insel Spiekeroog

Die Treibstoffe für Feuerwehr, Krankenwagen und Fuhrpark Hafenlogistik Nordseebad

Spiekeroog GmbH bleiben aufgrund der verschwindend geringen Bedeutung unberücksichtigt.

8 Pers. Mitteilung, G. Aper, Hermann Lietz-Schule Spiekeroog gGmbH

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Weiterhin wurden auch die Energieverbräuche für den Verkehr „jenseits der Insel“ nicht

berücksichtigt und damit auch nicht die verursachten CO2-Äquivalentemissionen. Wie viele

Spiekerooger Bürger welche Strecken mit dem motorisierten Individualverkehr (MIV) auf dem

Festland, oder mit dem Flugzeug oder der Bahn nutzen und welche Mengen an Energie dabei

benötigt werden wurde nicht abgeschätzt.

Da sich der Fährverkehr in der Verantwortung der Kommune befindet, wurde dieser Bereich in

die insuläre Bilanz einbezogen.

3.4 Die insulare CO2-Emissionssituation

Für Spiekeroog wurde - im Gegensatz zu der auf dem Festland üblichen

Bilanzierungsmethode – Wert auf eine praktikable Fortschreibbarkeit der Energie- und CO2-

Bilanz geachtet. Weiterhin sollen die Erfolge bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen

und die Bemühungen zur Energieeinsparung durch Inselbevölkerung und Gemeinde

erkennbar werden. Durch die insuläre Versorgungssituation und die fast ausnahmslos

leitungsgebundene Energieversorgung ist dieser Ansatz umsetzbar.

Energieeinsparung und mehr -effizienz lassen sich durch den Rückgang der

Verbrauchszahlen beim Vorversorger (EWE) für Gas und Strom dokumentieren. Die

Problematik der Kompensation erzielter Einsparung und Effizienzverbesserung durch einen

Mehrverbrauch durch Zuzug, Neubau und höheres Gästeaufkommen wird in Abschnitt 9

Controlling behandelt.

Ein anderer wesentlicher Aspekt bei der Bilanzierung muss jedoch berücksichtigt werden: Der

Status und die mögliche Zunahme regenerativer Energieerzeugung. Dies gilt insbesondere für

die einzige Windkraftanlage an der Hermann Lietz-Schule. Auch die Stromerzeugung auf

Basis Solar, Wind, Biomasse ist nicht CO2-neutral. Gegenüber dem allgemein anzusetzenden

BRD –Mix aber deutlich geringer (vergl. Tab. 4).

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Folgende CO2-Äquivalent-Emissionsfaktoren (Quelle: ifeu-Institut Heidelberg) wurden für die

Spiekerooger CO2-Bilanz als Basisdatensatz verwandt:

Tab. 4: CO2-Äquivalentemissionsfaktoren (Quelle: ifeu-Institut Heidelberg)

CO2-Emissionen in g/kWh Endenergie

Energieträger CO2 pur Prozesskette Äquivalente Summe CO2-Äquiv.

Holz 0 25 10 35

Biogas 0 15 40 55

Erdgas 205 30 25 251

Heizöl 265 55 2 319

Windkraft 0 20 2 22

PV-Strom 0 115 10 125

Strommix BRD 560 30 40 638

Die Strommengen, die durch Photovoltaik und Windkraft erzeugt werden, werden bilanziell

von der Gesamtmenge der Spiekerooger Klimaschadgasemission abgezogen. Eine

Bestimmung der dann resultierenden CO2-Mengen auf Basis der Stromabsatz- und

Stromerzeugungsdaten vom Vorversorger EWE zeigt die nachstehende Abbildung.

Strom

Bezug

Strom-

Absatz EWE

Strom-

Erzeugung

auf

Spiekeroog

Strom-

Verbrauch,

netto

Einheiten: ( MWh ) ( MWh ) ( MWh ) ( kg / MWh ) ( t ) ( t )

Strom

Einspeisung

Legende:

7.407 4.285

Daten von EWE [MWh/a]

6.689 638 4.268

BRD-Strom-Mix

700 22 15

Wind-Strom Wind-Strom

17 125 2

Solar-Strom Solar-Strom

Emissionsfaktoren, jährlich überprüfen [kg/MWh oder g/kWh]

bilanzierte Emissionen, absolut [t/a]

CO 2-Äquiv.-

Emissionsfaktoren

(BRD)

CO2-Äquiv.-Emissionsfaktor

Strom

(Spiekeroog bilanziert)

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Spiekeroog-Strom-bilanziert

Abb. 6: Bilanzierter CO2-Äquivalent-Emissionsfaktor Strom Spiekeroog

CO 2-Äquiv.-

Emissionen

bilanzierte

CO2-Äquiv.-

Emissionen


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 29 von 166

Ausgangsbasis der Berechnung sind die jeweils jährlich vom Versorger/Netzbetreiber zu

liefernden Daten (linke Seite 7.407MWh): Stromabsatz und EEG-Stromerzeugung auf

Spiekeroog. Mit Verwendung der bundesweit geltenden Emissionsfaktoren werden so die

Emissionen für den Stromeinsatz Spiekeroog bestimmt (rechte Seite 4.286t). Durch die

Aufteilung der auf Spiekeroog erzeugten regenerativen Energie (Wind, Photovoltaik) kann mit

den entsprechenden Emissionsfaktoren, die deutlich niedriger sind als der Emissionsfaktor

BRD-mix, die Emissionsentlastung quantifiziert werden. Die Berücksichtigung der gesamten

Vorkette inkl. Materialprozess und Primärenergie führt dazu, dass regenerative

Energietechniken im Emissionsmix auch mit ihren geringen Anteilen gerecht berücksichtigt

werden. Mit diesem Schema ist eine Strom-CO2-Bilanzierung durchzuführen, die den Zuwachs

regenerativer Stromerzeugungsprojekte auf Spiekeroog abbildet. Der sogenannte „bilanzierte

Emissionsfaktor“ Strom kann nun z.B. im Rahmen des Controllings für die Überprüfung der

Zielstrategie: Minimierung der strombedingten CO2-Emissionen auf Spiekeroog genutzt

werden.

Was im Rahmen dieses Konzeptes nicht geleistet werden kann und auch für eine Bilanzierung

wenig sinnvoll erscheint, ist eine Zuordnung des regenerativ erzeugten – Klima entlastenden –

Stroms auf bestimmte Sektoren: Eine Solaranlage auf einem Gemeindedach wäre also der

Kommune zuzuschreiben, auf einem privaten Dach den privaten Haushalten, auf einem

Betriebsgebäude dem Gewerbe, usw. Basis dieser Ermittlung mit dem sogenannten

bilanzierten Emissionsfaktor ist eine Betrachtung für die gesamte Insel.

Im Rahmen der Quantifizierung der auf Spiekeroog bereits geleisteten und noch weiter

umzusetzenden Maßnahmen, erscheint dieses Vorgehen zielführend und für das Controlling

praktikabel (vergl. Energiecontrolling, Kap. 9).

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3.5 Abschätzung der Energie- und CO2-Bilanz für Spiekeroog

Das Bilanzjahr auf das vollständig zurückgegriffen werden konnte ist 2009.

Abb. 1: Energie- und CO2-Emissionen nach Sektoren (2009)

Diese Bilanzierung ist eine plausible Abschätzung auf Basis der analysierten Daten und

Verbrauchsangaben sowie der beschriebenen Zuordnung auf die Verbrauchssektoren gemäß

Gebäude- und Nutzungszuordnung.

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Die Energieverbrauchssituation des hier zusammengefassten „kommunalen und

übergeordneten öffentlichen Bereichs“ konnte aufgrund der fast vollständig zur Verfügung

gestellten Verbrauchsdaten (Gemeinde Spiekeroog, Nordseebad Spiekeroog GmbH) sowie

weiterer Plausibilitätsabschätzungen näher aufgeschlüsselt werden.

Abschätzung Energie- und CO 2-Äquiv.-Emissionen (2009)

Kommunale und übergeordnete öff. Bereiche

(%-Anteil CO 2-Äquiv.-Emissionen)

Stromeigenerzeugung mitbilanziert

Straßenbeleuchtung, Elektrokarren, Öff.

Versorgung (Müll/Wasser) übergeordnet, Sonstige

Objekte (Kirchen)

(ca. 9%)

Erdgas / Gasöl

Endenergie (MWh)

Fährverkehr

(ca. 44%)

NSB Liegenschaften

(ca. 38%)

Gemeindeeigene

Liegenschaften

(ca. 10%)

0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000

Strom

Endenergie (MWh)

Abb. 7: CO2-Äquiv.-Emissionen -kommunaler/ übergeordneter öffentl. Bereich

CO2-Äqu.-Emissionen

(tCO2)

Damit liegt der Großteil der kommunal verursachten CO2-Emissionen im touristischen

Dienstleistungsbereich der Nordseebad Spiekeroog GmbH (NSB) mit der Versorgung der

Liegenschaften und dem Energieverbrauch (Gasöl) für die Fährschifffahrt.

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Auf Basis der Abschätzungen und Datenauswertungen ergibt sich mit Bezug 2009 folgende

Energie- und CO2-Situation. Hierbei wurde der Erdgasverbrauch witterungsbereinigt und die

Stromeigenerzeugung auf Spiekeroog bei der CO2-Äquiv.-Bilanzierung einbezogen.

Tab. 5: Energieverbrauchs- und CO2-Äquivalent-Emissionssituation

Abschätzung /

Verbrauchssektoren

(Angaben gerundet)

Gemeindeeigene

Liegenschaften

Erdgas

Endenergie

(MWh)

Gasöl

Endenergie

(MWh)

Strom

Endenergie

(MWh)

End-Energie-

Verbrauch

(MWh)

CO2-Äqu.-

Emissionen

(tCO2)

690 0 80 770 220

NSB Liegenschaften 1.900 0 650 2.550 850

Fährverkehr 0 3.050 40 3.090 1.000

Straßenbeleuchtung 0 0 20 20 10

Elektrokarren (ges.)

Öff. Versorgung

0 0 100 100 60

(Müll/Wasser)

übergeordnet

30 0 140 160 90

Sonstige Objekte

(Kirchen)

50 0 50 100 40

Hermann Lietz-Schule 1.130 0 100 1.230 340

Private Haushalte 7.780 0 1.960 9.740 3.090

Gewerbe /

Beherbergung

12.610 0 4.270 16.880 5.640

Summen 24.190 3.050 7.410 34.640 11.340

Für die Abschätzung der individualbezogenen und verhaltensdominierten Energie-/CO2-

Bilanzierung insbesondere im Bereich Verkehr und Konsum eignen sich die mittlerweile auch

verstärkt bei der Bevölkerung genutzten Instrumente „ökologischer Fußabdruck“ und CO2-

Rechner. Diese online mittlerweile auch von zahlreichen Kommunen zur Verfügung gestellten

Werkzeuge schätzen nach einiger Eingabezeit durch den Nutzer deren persönliche

Klimabilanz ab. Zahleiche Berechnungsmodelle basieren auf der Forschungsarbeit des ifeu-

Instituts und werden Kommunen und Verbänden für Ihre Webseiten angeboten. Einige

Beispiele:

http://uba.klima-aktiv.de/umleitung_uba.html

http://www.verbraucherfuersklima.de/cps/rde/xchg/projektklima/hs.xsl/co2_rechner.htm

http://www.emden.de/de/umwelt/klima_energie/main.htm#CO2-Rechner

http://www.footprint-deutschland.de/inhalt/impressum-foerderer

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Nachfolgend ein Beispiel 9 zur individuellen Ermittlung und zum Pro-Kopf-Vergleich der

verursachten CO2-Emissionen:

Abb. 8: Individuelle CO2-Berechnung im Vergleich zum Bundesdurchschnitt

Für die richtige Wahl des klimaschonenden Verkehrsmittels gibt die Seite der Bahn

(www.bahn.de) bei Online Zugang für Verbindungsauskunft oder online-Ticketbestellung

immer auch den „UmweltMobilCheck“ an. So sind rasch Energieverbrauch und

Kohlendioxidemissionen je Verkehrsmedium (Bahn, PKW oder Flugzeug) für die

Urlaubsstrecke zu ermitteln. Eine einfache grafische Darstellung verschafft sofort Klarheit über

das Ranking der Verkehrsmedien.

Sowohl Konsum und Ernährung wie auch die Verkehrsmittelwahl und das Verhalten

„außerhalb“ der Insel finden bei der Spiekerooger Bilanz keine Beachtung. Ein Vergleich mit

dem bundesweiten Durchschnitt der CO2-Emission pro Kopf von rd. 11 t/Einwohner soll damit

auch nicht leistbar sein; dafür sei auf die erwähnten Online-Angebote hingewiesen.

9 Quelle: http://klimaktiv.klimaktiv-co2-rechner.de/de_DE/page/, ergänzt

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3.6 Auswertung der Daten der Feuerstätten

Um über die Altersstruktur der Feuerstätten und die Beheizungssituation auf Spiekeroog

genauere Anhaltspunkte für die Erschließung der Effizienzpotentiale zu erarbeiten, wurden die

von dem zuständigen Bezirksschornsteinfegermeister dankenswerterweise zur Verfügung

gestellten Daten näher analysiert.

Im Folgenden sind einige Auswertungsergebnisse der insgesamt ca. 430 erdgasbefeuerten

Kesselanlagen dokumentiert:

Abb. 9: Alter und Anzahl der erdgasbefeuerten Kesselanlagen

Die Auswertung der jeweiligen Baujahre der Erdgaskessel zeigt, dass knapp 20 Anlagen älter

als 25 Jahre und damit technisch überholt und ersatzbedürftig sind. Der älteste Kessel hat

Baujahr 1968! Immerhin sind 40% der Anlagen über 15 Jahre alt und bieten damit Potential für

Effizienzverbesserungen durch neue Anlagentechnik (z.B. Brennwertnutzung).

Weiterhin ist auffallend, dass zahlreiche Gebäude auf Spiekeroog über mehrere

Heizungsanlagen in einem Objekt verfügen; Gasetagenheizungen aber auch

Mehrkesselanlagen durch Zu/ Anbau. Auch hier gibt es durch verbesserte Regel- und Steuer-

ungstechnik Einsparpotentiale und Kostensenkungsmöglichkeiten bei Wartung/ Instandhaltung

und Neuanschaffung, wenn auf eine effiziente Zentrale mit Wärmemengenzählung umgerüstet

wird.

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Anzahl der Gebäude mit 1,2,3,4 oder 6 Kessel

103; 27%

12; 3%

16; 4%

1; 0%

257; 66%

Abb. 10: Anzahl Heizanlagen in Gebäuden

1 Kessel

2 Kessel

3 Kessel

4 Kessel

6 Kessel

Im Vergleich zu den bundesdeutschen Feuerstätten schneidet Spiekeroog jedoch aufgrund

seiner jüngeren Altersstruktur bei den Erdgaskesseln gut ab.

Abb. 11: Vergleich der Altersstruktur Erdgaskessel Deutschland und Spiekeroog

Von rd. 430 Kesselanlagen sind 111 bzw. rd. ¼ älter als 20 Jahre und damit dringend

ersatzbedürftig. Gelistet sind ca. 158 Brennwertgeräte; dieser Anteil könnte durch die

Ersatzinvestition gesteigert werden und so zu einer rentierlichen Energieeinsparung führen.

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4 Energie- und CO2-Minderungspotential für Spiekeroog

Die Energiesituation auf Spiekeroog ist hauptsächlich durch die privaten Haushalte und die

Beherbergungseinrichtungen geprägt. Damit besteht der typische Verbrauchsschwerpunkt 10

im Gebäudebereich bei der Raumheizung. Gefolgt von der Warmwasserbereitung und den

typischen Stromanwendungen im Haushalt, ähnlich dem prozentualen Energieverbrauch im

Bundesdurchschnitt, der in der nachfolgenden Abbildung dargestellt ist.

Abb. 12: Verteilung des Endenergieverbrauchs im Privathaushalt

10 Energieverbrauch Privathaushalt, Quelle: ASUE

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4.1 Einsparpotentiale im Gebäudebestand

Zur Ermittlung der Energieeinsparpotentiale im Bereich Raumheizung und Warmwasser wurde

die Gebäudesubstanz Spiekeroogs näher betrachtet.

Hilfreich waren dabei die Angaben der Gemeinde Spiekeroog 11 zur baulichen Entwicklung

sowie die zahlreichen Begehungen (27 Objekte). Die Tab. 4 illustriert die bauhistorische

Entwicklung des Dorfes Spiekeroog.

Tab. 6: Bauabschnitte auf Spiekeroog

Wittdün, Up de Dünen, Up de Höcht 1960-1965

Gartenweg um 1920

Westerloog 1920

Westerloog nach Alter Bahnhof 2004 / 05

In d' Kamp 1975 / 77

Pollerdiek, Melksett 1985

Tranpad, Friederikenweg, Kaapdünenweg, Ostend 1953 – 1962

Lütt Slurpad 2004 / 05

Noorderloog 1928 / 30

Süderloog 1927 / 29

"Kanickelhausen" 1972

Süderloog (Bereich Inselschule bis zum Deich) 1985 / 86

Abb. 13: Zeitliche Entwicklung des Dorfes Spiekeroog, aus Meyer-Deepen, 1989

11 Mitteilung der Gemeindeverwaltung Spiekeroog, und Johannes Meyer-Deepen u.a.: Spiekeroog

Geschichte einer ostfriesischen Insel, Kurverwaltung Spiekeroog, 1989

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Integration SWOT-Analyse

Im Rahmen des C2CI-Projektes hat die Universität Aalborg, Dänemark für ausgewählte

Projektpartner-Inseln so genannte interaktive Stärken-Schwächen-Analysen des insularen

Energiesystems durchgeführt: SWOT (engl. Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen),

Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken)).

Für Spiekeroog wurde diese auf die örtlichen Verhältnisse angepasst und ebenfalls

durchgeführt. So können verschiedene Energieszenarien durchgespielt werden;

beispielsweise die Möglichkeit, wie sich eine 100%-Eigenversorgung auf Basis erneuerbarer

Energien darstellen könnte.

Die nachstehende Abbildung zeigt das „Eingangsmenü“ der bewusst einfach gehaltenen und

übersichtlichen Tabellenkalkulation: Interactive Energy SWOT nach Möller 12

Interactive Energy SWOT

Spiekeroog: Quantitative Datenerhebung zur Identifizierung von Stärken und Schwächen im insularen Energiesystem

Energiequellen Energieversorgung Energieendnutzung

ERNEUERBARE ENERGIEQUELLEN WÄRMEPRODUKTION Gebäudebestand Bodenfläche

Windenergie, an Land Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), Klär-/Biogas Wohnungen 29 1000 m2

Installierte Leistung 0,225 MW Anteil angeschlossener Gebäude - % Handel, Öffentlicher Dienst, Industrie 30 1000 m2

Jahresertrag 653 MWh Installierte Leistung (Wärme) - MW Tourismus 32 1000 m2

Windenergie, offshore Jährliche Stromproduktion - MWh Zuwachs an benötigter Bodenfläche - %

Installierte Leistung - MW Jährliche Wärmeproduktion - MWh Wärmebedarf

Jahresertrag - MWh Biogasverbaruch - MWh In Städten und Dörfern 15.210 MWh

Sonnenenergie Heizung in Einzelgebäuden, Biomasse In ländlichen Gebieten - MWh

Installierte Leistung 0,018 MW Angeschlossene Gebäude - % Gesamt 15.210 MWh

Jahresertrag 22 MWh Gebäude mit Solarthermie - % Wärmeeinsparungen - %

Meeresenergie Biomasseverbrauch - MWh Strombedarf

Installierte Leistung - MW Heizung in Einzelgebäuden, Wärmepumpen Haushalte 7.400 MWh

Jahresertrag - MWh Angeschlossene Gebäude - % Industrie & Landwirtschft - MWh

Biokraftstoffverbrauch Stromverbrauch - MWh Handel & Service - MWh

Holzpellets/-abfälle, Stroh etc. - MWh Heizung in Einzelgebäuden, Erdgas Gesamt 7.400 MWh

Biogas - MWh Angeschlossene Gebäude 100 % Stromeinsparungen - %

Biokraftstoffe, Transport - MWh Gebäude mit Solarthermie - % Transportbedarf

Umgebungswärme Wärmepumpen - MWh Erdgasverbrauch 19.012 MWh PKW (Elektro) 4,80 MWh

FOSSILE BRENNSTOFFE Stromversorgung aus landesweitem Netz PKW (Diesel) - MWh

Fossiler Brennstoffverbrauch Jährlicher Nettostromimport/-export 7.202 MWh LKW und Bus (Diesel) 0,39 MWh

Erdgas, Heizung 19.012 MWh Fähren (Diesel) 2.200 MWh

Diesel 2.200 MWh Brennstoffbedarf Transport gesamt

Energieeinsparungen Transport (ausser

2.205 MWh

Kohle (ausserhalb) 7.960 MWh

Elektro) - %

Erdgas (ausserhalb) 2.464 MWh Zunahme im Anteil von Elektroautos - %

Abfall (ausserhalb) 1.440 MWh Anteil Biokraftstoffe Transport - %

CO2 KONTO Gesamtwärmebedarf, inkl. Netzverluste 15.210 MWh

CO2 produziert auf Spiekeroog 4.487,54 tons Gesamtstrombedarf, inkl. Netzverluste 7.923 MWh

CO2 ausserhalb

Prepared for the C2CI-project.

3.611,58 tons

Bernd Möller, Karl Sperling, Department of Development and Planning, Aalborg University, Denmark. Contact: berndm@plan.aau.dk, karl@plan.aau.dk

Abb. 14: Auszug: Interactive Energy SWOT Spiekeroog

Eine wesentliche Grundlage für die Bestimmung des Wärmebedarfs war eine von der

Gemeinde Spiekeroog durchgeführte genaue Aufnahme der bebauten Flächen Spiekeroogs.

Auf dieser Datenbasis haben die Autoren der vorliegenden Klimaschutzstudie ein

vereinfachtes Modell der gebäudlichen Energiebilanzierung entworfen und dies in eine

Tabellenkalkulation für die Abschätzung von Einspar- und Effizienzpotentialen eingearbeitet.

Basis des Gebäudemodells ist das so genannte „Kurzverfahren-Energieprofil“ des Instituts

Wohnen und Umwelt (IWU) Darmstadt welches für Spiekeroog vereinfacht wurde 13 .

12 Bernd Möller, Karl Sperling, Department of Development and Planning, Aalborg University, Denmark

13 http://www.iwu.de/forschung/energie/laufend/kurzverfahren-energieprofil/

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Ziel dieser Erweiterung zur (vereinfachten!) Spiekerooger Gebäudebilanz ist es, konkrete

Einsparszenarien durch Unterstellung gewisser Sanierungsmaßnahmen oder Maßnahmen der

Energieeffizienz bei der Heizungstechnik abzuschätzen.

Abb. 15: Schema zum Energiebilanzierungsmodel der Spiekerooger Gebäude

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Drei Klassen der Gebäudetypen wurden unterschieden: Öffentliche Gebäude, private

Haushalte und Gewerbe. Diese wurden wiederum mit Hilfe der Gebäudedatenbank

(Grundfläche, Geschosshöhe, Dachform, Nutzung) der Gemeinde Spiekeroog in insgesamt 14

Gebäudetypen unterteilt, wie nachstehende Übersicht zeigt:

Tab. 7: Gebäudetypen-Aufteilung auf Basis der Gebäudedatenbank Spiekeroog

Verbrauchs-

Sektor

Öffentliche

Gebäude

Priv. Haushalte

Gewerbe

Gebäudetyp

Anzahl

Objekte

Ö_NWG Öffentl. - überw. NWG 23

Ö_Wohn Öffentl. - überw. Wohnen 11

Ö_Ki Öffentl. - Kirche 3

Ö_HLS Öffentl. - HL-Schule/Internat 1

Pr_Wohn Privat - Wohnen 99

Pr_Wo_FeWo Privat - Wohnen + FeWo/FH-Vermietung 78

Pr_Son Privat - Sonstige 2

G_Ho Gewerbe - Hotel 11

G_Pen Gewerbe - Pension 6

G_Heim Gewerbe - Ferienheim/ Kurheim 11

G_FeWo Gewerbe - FeWo/FH-Vermietung 90

G_Ge_FeWo Gewerbe - Geschäft + FeWo + Wohnen 9

G_Ge_Wo Gewerbe - Geschäft + Wohnen 17

G_Ge Gewerbe - Geschäft 11

Anhand der Grundflächen der jeweiligen Objekte (Gebäudedatenbank Spiekeroog) wurden die

Bauteilflächen für

- Dach, bzw. oberste Geschoßdecke,

- Außenwand,

- Fenster und

- Kellerdecke bzw. Sohle

vereinfacht auf Basis des IWU-Modells abgeschätzt. Mit den Angaben zur Siedlungshistorie,

den Erfahrungen der Objektbegehungen und den Ergebnissen aus Gesprächen zur

Bausituation auf Spiekeroog wurden für die Bauteile pauschaliert typische Ausbauten

festgelegt und damit der Wärmebedarf zugrundegelegt. Mit der Integration der typischen

Ausstattung für Beheizung und Warmwasserbereitung (in der Regel zentraler Erdgaskessel)

auf Basis der Schornsteinfegerdaten wurde der Heizenergieverbrauch abgeschätzt und mit

den Daten der Energiebilanzierung abgeglichen.

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Die durchschnittliche energetische Ausprägung eines Spiekerooger Gebäudetyps wurde

beispielsweise folgendermaßen angenommen:

Wärmeschutz: ausgebautes Dachgeschoss: ca. 6 cm Wärmedämmung

Außenwand: Zweischaliges Mauerwerk mit Luftspalt

Fenster: Zweischeiben-Isolierverglasung,

Kellerdecke/Sohle: Trittschall, keine weitere Dämmung

Heizsystem: überwiegend Erdgas-Niedertemperaturkessel mit zentraler Warm-

wasserbereitung, tlw. bereits Brennwerttechnik im Einsatz

Generell zeigte sich bei den Ortsbegehungen im Dorf, dass die Gebäudesubstanz insgesamt

relativ wenig bzw. kaum Sanierungsrückstau aufweist - bis auf Ausnahmen. Mit der typischen

zweischaligen Außenwandkonstruktion ergibt sich für dieses Bauteil eine relativ gute

Wärmeschutzsituation angesichts des Errichtungszeitpunktes 60-80-er Jahre. Durch den

später einsetzenden, sukzessiven Ausbau der Dachgeschosse zum Zwecke der Vermietung

kann auch im Dachbereich von relativ moderaten Dämmstärken der nachträglichen Dämmung

ausgegangen werden. Auffällig war die bei den Gebäudebegehungen nur sehr selten

angetroffene Wärmedämmung der Kellerdecke.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wärmeschutzqualität des Spiekerooger

Gebäudebestandes als recht solide und verhältnismäßig gut einzustufen ist.

Dies erschwert zugleich die Umsetzung der Zielvorstellung, kurzfristig und massiv Energie im

Hauptverursacherbereich „Gebäude“ einzusparen. Es besteht einerseits kein akuter

Nachholbedarf zur Behebung drastischer Wärmeschutzmängel. Andererseits sind die

Erneuerungszyklen der Bauteile zu beachten, die eine energetische Komplettsanierung des

gesamten Objektes aus ökologischen und ökonomischen Gründen nur in Ausnahmefällen

rechtfertigen. Als Klimaschutzoption, die auch die ökonomischen Randbedingungen

berücksichtigen muss, bleibt damit die stetige Verbesserung von Wärmeschutz und

Heizsystem im Zuge der Modernisierung und Sanierung des Bestandes. Wenn saniert wird,

sollte die energiesparendste Dämmung und die effizienteste Technik eingesetzt werden.

Um für Spiekeroog die Potentiale der Einsparstrategie im Gebäudebestand abzuschätzen,

wurden verschiedene Maßnahmen am Bilanzierungsmodell durchgespielt.

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Hierbei waren die nachfolgenden Überlegungen und Voraussetzungen maßgeblich, um eine

Abschätzung der Klimaschutz-Erfolge möglicher Einsparmaßnahmen abzuschätzen:

Tab. 8: Übersicht: Energierelevante Maßnahmen im Gebäudebereich

Dach,

ausgebaut

Dach nicht

ausgebaut

Außenwand,

WD außen

Außenwand,

WD innen

Nur bei Erneuerung der Dacheindeckung (30-40J.)

höhere Wärmedämmung (>24cm) wirtschaftlich zu

empfehlen.

Jederzeit Verbesserung der Dämmstärke durch

Innenausbau (>24cm)

Nur bei Erneuerung zweischaliges Mauerwerk (>50J.)

hohe Wärmedämmung (>15cm) wirtschaftlich.

Nur im Zuge der Modernisierung Innendämmung (=8-

10cm) wirtschaftlich zu empfehlen.

Fenster Bei Erneuerungsbedarf (20-25J.) hoher Wärmeschutz:

Rahmen und 3-fach-Glas (U< 1,0) wirtschaftlich!

Kellerdecke Jederzeit, Anbringen einer Dämmung (>6-8cm)

Sohle nur bei Totalsanierung neue Wärmedämmung (>15cm)

Heizung Ersatz nach 15-20 Jahren in Verbindung mit neuen

Hocheffizienzpumpen, hydraulischer Abgleich

Lüftung Nur bei Total-Modernisierung Einbau einer

kontrollierten Lüftung mit Wärmerückgewinnung

Folgende Maßnahmen werden näher untersucht und – in einer Abschätzung – quantifiziert:

Gebäudehülle:

- Austausch sämtlicher Fenster, Einbau von Fenstern mit 3-fach-Verglasung

- Erneuerung der Dacheindeckung und Erhöhung auf 24 cm Wärmedämmung bzw.

Dämmung der obersten Geschossdecke

Tab. 9: Abschätzung der Energieeinsparung zweier Maßnahmen

Einzel-Maßnahmen bei Priv. HH + Gewerbe: Heizenergieverbrauch

Erdgas (MWh) und rel. Anteil (%)

Abschätzung / Verbrauchssektoren IST 2009

Fenster:

Neue 3-fach

Verglasung

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rel.

zusätzlich:

Dämmung Dach /

oberste

Geschossdecke

Private Haushalte 7.780 7.027 10% 6.434 17%

Gewerbe/Beherbergung 12.610 11.308 10% 10.333 18%

Summen 20.390 18.335 10% 16.767 18%

rel.


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 43 von 166

Mit diesen Maßnahmen, die im Zuge der laufenden Modernisierung am ehesten durchführbar

und damit wirtschaftlich akzeptabel sind, kann der Energieverbrauch für die beiden

Verbrauchssektoren „Private Haushalte“ und „Gewerbe/Beherbergungen“ um rd. 18% gesenkt

werden.

Heizungstechnik

Wie dargestellt, bestehen rd. 60 % der Kesselanlagen noch als wenig effiziente

Niedertemperaturkessel. Als weitere Effizienz-Maßnahme wird unterstellt, dass hierfür neue

Heizkessel mit Brennwertnutzung und eine kleine Solarwärmeanlagen zur Unterstützung der

Warmwasserbereitung eingesetzt werden.

Mit dem Einsatz neuer Brennwerttechnik und Solarwärme (Warmwasser) könnte sich der

Energieverbauch für die Beheizung der Gebäude und die Warmwasserbereitung – in

Verbindung mit den Wärmeschutzmaßnahmen - um insgesamt rd. 28 % reduzieren lassen.

Abb. 16: Energieeinspar-Potential im Gebäudebereich: Dämmung und neue Heizung

Obwohl die drei vorgestellten Klimaschutzmaßnahmen (beste Fenster, gute Dachdämmung,

gutes Heizsystem) schon eine nicht unbeträchtliche Sanierungsinvestition bedeuten, lässt sich

der Energieverbrauch „nur“ um knapp ein Drittel senken.

Die nächsten Schritte zur Energieeinsparung wären:

- Kellerdeckendämmung (wenn Keller vorhanden)

- Außenwanddämmung (nachträgliche Kerndämmung oder Innendämmung)

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Danach können nur noch die Lüftungswärmeverluste, die max. etwa die Hälfte der

Wärmeverluste im recht gut gedämmten Gebäudebestand ausmachen, durch eine

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung reduziert werden.

Zusätzlich kann – wenn das Objekt dies aufgrund der Lage, Ausrichtung und Dachfläche

zulässt – die Solaranlage für eine Heizungsunterstützung vergrößert werden.

Damit wären dann insgesamt Endenergie-Einsparungen von 50-70% erzielbar. Diese

umfassenden Sanierungsmaßnahmen werden durch flankierende KfW-

Sanierungsförderprogramme unterstützt.

Eine weitere Klimaschutzmaßnahme zur Erreichung der CO2-Minderungsziele kann durch

einen verstärkten Energieträgerwechsel für Raumheizung und Warmwasserbereitung erreicht

werden. Ein Umstieg auf z.B. die fast CO2-neutrale Holzpelletsfeuerung 14 spart drastisch bei

Primärenergie und CO2. Aufgrund der Insellage ist jedoch der Holzpelletsantransport

gegenüber dem Festland teurer.

Im Rahmen der Gebäudebilanzierung wurden folgende Einspar-Etappen durchgerechnet um

den Effekt der gebäudlichen Klimaentlastung zu modellieren:

- Erneuerung aller Fenster: 3-fach Verglasung

- Dach oder oberste Geschossdecke: 24 cm Dämmung

- Noch nicht auf Brennwert umgestellte Heizungen werden auf effiziente

Brennwertnutzung umgestellt. Zusätzlich werden 20% der Anlagen mit einer Solar-

Warmwasserbereitung unterstützt.

- Zusätzlich wird jedes fünfte Objekt (20% der Gebäude) auf Versorgung mit Holzpellets

und einer größeren Solaranlage zur Unterstützung der Heizung und zur

Warmwasserbereitung installiert. Alle anderen Heizungsanlagen sind auf dem Stand

Brennwerttechnik.

14 Holzpellets werden nach C2C ® Gesichtspunkten sehr kritisch bewertet, da die Nachfrage wesentlich

größer ist als das Angebot und dadurch der Druck auf die Ressource steigt, negative Auswirkungen auf

die holzverarbeitende Industrie folgen, etc.. Aus Sicht der Autoren besteht jedoch aufgrund der hiesigen

Späne- und Holzwirtschaftspotentiale eine echte Alternative zu den fossilen Energieträgern. Hier sind

Holzpelets deutlich nachhaltiger und hinsichtlich der Klimabilanz eindeutig gegenüber Erdgas zu

bevorzugen.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 45 von 166

Abb. 17: CO2-Einsparung durch Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebereich

Würden sich – zusätzlich zu der Umsetzung der Wärmeschutzmaßnahmen – 20 % der

Spiekerooger Haushalte und gewerblichen Objekte entschließen statt Erdgas Holzpellets in

Verbindung mit einer größeren Solarwärmeanlage einzusetzen, könnten rd. 42 % des

Klimaschadgases CO2 dieser beiden Sektoren eingespart werden.

Diese Einsparpotentialbetrachtungen für den Spiekerooger Gebäudebereich zeigen auf, dass

mit „einfachen“ Maßnahmen und geringen finanziellen Mitteln keine signifikante

Klimaentlastung zu erwarten ist. Um im Gebäudebestand ein Drittel des Erdgasverbrauchs

einzusparen müssten – wie gezeigt – alle Fenster ausgetauscht werden, die Dächer/ oberste

Geschossdecken neubauähnlich gedämmt werden und die Heizungen auf den neuesten

Stand gebracht werden inkl. einer solaren Warmwasserbereitung.

Als überlegenswerte zusätzliche Maßnahme wurde die Umstellung auf den CO2-neutralen

Energieträger Holz in Form von Pellets betrachtet. Würden zusätzlich 20 % der privaten und

gewerblichen Gebäude auf eine derartige Heizwärmeversorgung mit solarer Unterstützung

umsteigen, würde Spiekeroog in die Nähe einer Halbierung der Klimabelastung des

Gebäudebestands kommen können.

Welche Maßnahmen umgesetzt werden hängt vom Engagement jedes Einzelnen ab;

administrative Vorgaben, Energiepreissteigerungen und Förderprogramme werden hier

unterstützend wirken. Eine begleitende Information und Unterstützung der Gemeinde

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 46 von 166

Spiekeroog kann zusätzlich motivierend wirken. Diese anreizgebende Unterstützung ist bei

den Maßnahmen 14, 15 und 19 näher beschrieben.

Mit den drastisch gestiegenen Energiepreisen kommt auf jeden „Energieverbraucher“

zukünftig eine ebenso steigende finanzielle Belastung zu. Die Investitionen in Wärmeschutz,

effiziente Anlagentechnik und Nutzung erneuerbarer Energien kostet zwar ebenfalls Geld; das

Risiko der unvorhergesehenen Preisentwicklung der fossilen Energieträger wird aber bei der

Entscheidung „Kapital ersetzt fossile Energie“ stark abgemildert. Zusätzlich wirken die derzeit

niedrigen Zinsen sowie die attraktiven Förderkonditionen der KfW.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 47 von 166

4.1.1 Vertiefende Untersuchungen in Teilprojekten

Im Verlauf der Bearbeitung des Energieund Klimaschutzkonzeptes Spiekeroog

kristallisierten sich vier Schwerpunktbereiche heraus, die in gesonderten Teilprojekten

bearbeitet wurden und in das Gesamtprojekt einfließen.

Diese Teilprojekte (TP) sind:

• TP 1 – Konkrete Untersuchung und Maßnahmenempfehlung öffentliche Gebäude

Spiekeroog

• TP 2 – Energetische Optimierung der Inselschule Spiekeroog, Süderloog 50

• TP 3 – Hinweise zum energie- und kostenbewussten Bauen

• TP 4 – Energetische Untersuchung und Maßnahmenempfehlung für zwei öffentliche

Gebäude

Teilprojekt 1: Konkrete Untersuchung und Maßnahmenempfehlung öffentliche Gebäude

Spiekeroog

In diesem Teilprojekt wurden für fünf ausgewählte öffentliche Gebäude objektspezifisch die

baulichen Schwachstellen aufgenommen und pragmatische Hinweise für die Umsetzung von

Sanierungsmaßnahmen gegeben. Zusätzlich wurden insbesondere unter dem Aspekt der

Forcierung des Einsatzes erneuerbarer Energien konkrete Solarnutzungspotentiale (Wärme +

Strom) ermittelt.

Die Berichte zu den folgenden fünf Gebäuden sind in Anhang 4 des Anlagenbandes hinterlegt:

1. Feuerwehr und Wohnungen, Noorderthün 1

2. Arztpraxis mit Wohnungen, Noorderpad 23

3. Lagerhalle Strandkörbe, Slurpad 15

4. Zeltplatz, Palisadendiek

5. Werkstatt, Westerloog 11

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Teilprojekt 2: Energetische Optimierung der Inselschule Spiekeroog, Süderloog 50

Dieses Teilprojekt umfasste Untersuchungen am Objekt zur Energieeinsparung und

Verbesserung der Energieeffizienz des Gebäudes. Neben der Gebäudehülle wurden die

Anlagentechnik und die Beleuchtung untersucht. Daraus ergaben sich Maßnahmenvorschläge

zur Behebung der bekannten Mängel, wie Heizungsausfälle und starker Luftzug (Luft-

Undichtigkeiten im Dach).

Für die Ermittlung, ob eine Zusammenlegung der unterschiedlichen Wärmeerzeuger im Objekt

zu einer optimierten, zentralen Heizwärmeversorgung auch wirtschaftlich tragfähig ist, wurde

eine Gegenüberstellung von Aufwand und Nutzen erstellt. Eine Wirtschaftlichkeitsabschätzung

kommt zum Ergebnis, dass Investitionen noch bis rd. 20T € sinnvoll durch die Kosteneinspa-

rungen refinanziert werden könnten. Eine genaue Untersuchung muss durch Planer auf Basis

von Kostenangeboten (Angebotseinholung) verifiziert werden, dann ist eine Entscheidung

möglich (vergl. Anhang 4 S. 116 ff Exkurs: Zusammenlegung von Wärmeerzeugern).

Obwohl die Solar-WÄRME-Nutzung für Schulgebäude durch die Integrationsmöglichkeit in

z.B. den Sachkundeunterricht äußerst sinnvoll und nachhaltig ist, kann vor dem Hintergrund

der noch immer sehr günstigen Erdgaspreise eine Solarkollektoranlage nicht wirtschaftlich

betrieben werden. Trotzdem raten die Autoren im Rahmen der Heizungsumstellung zu einer

Vorplanung und Machbarkeitsabschätzung für Solarwärme.

Da die Dachflächen aufgrund der schlechten Ausrichtung (wenig SÜD), der zahlreichen

Gauben, Dachflächenfenster und Kehlen keine großen zusammenhängenden Flächen

darstellen, ist eine kostengünstige, größere Solar-STROM-Anlage nicht realisierbar. Unterhalb

des südlichen Firstes lassen sich mit querliegenden Modulen möglicherweise 20 m² und mehr

installieren. Auch diese Nutzung der Solarenergie sollte vor dem Hintergrund einer

nachhaltigen, regenerierbaren Energiequelle für die Schule und den Schulunterricht nicht

ausschließlich betriebswirtschaftlich gesehen werden.

Weiterführende Links zu Schulvorhaben („fifty-fifty“) und best-practice-Projekte:

Links:

http://www.kuk-nds.de/projekte/klima-checker/links-fuer-schulen.html

http://www.umweltschulen.de/energie/negawatt2.html

http://www.fiftyfiftyplus.de/

http://www.ufu.de/de/fifty-fifty/fifty-fifty-linkliste.html

http://www.klima-

boot.de/index.php?option=com_phocadownload&view=category&id=2:downloads&download=5:sparlinks&Itemid=30

Best-Practice:

http://www.fiftyfifty-hamburg.de/

http://www.karoline-kaspar-schule.de/schule/page10/page10.html

http://www.fiftyfiftyplus.de/beispiele.0.html

http://klimabuendnis.org/best-practice0.html?&L=1

http://www.umweltbildung.uni-osnabrueck.de/Verein/KlimaStadt

Die Ausarbeitungen dazu sind in Anhang 4 des Anlagenbandes zusammengefasst.

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Teilprojekt 3: Hinweise zum energie- und kostenbewussten Bauen

Für den Gebäudebestand wie auch den Neubau gilt: Einerseits den für die gewünschte

Energiedienstleistung (z.B. warmer Raum) notwendigen Energie-BEDARF so weit wie möglich

zu minimieren und die Energie-VERSORGUNG zu optimieren.

Die verschiedenen Möglichkeiten und Maßnahmen dazu wurden bereits vorgestellt und sollen

hier grafisch zusammengefasst und anhand der 10 Bausteine des energieeffizienten Bauens 15

kurz wiedergegeben werden:

Abb. 18: Die 10 Bausteine des energieeffizienten Bauens

Welche Handlungsmöglichkeiten bestehen für die Gemeinde Spiekeroog sowohl für den

Bestand als auch für Neubau diese Maxime des energieeffizienten Bauens umzusetzen und

dabei ebenfalls Kriterien wie Baustoffauswahl und Nachhaltigkeit zu berücksichtigen?

Ordnungsrechtlich steht die erneute Verschärfung der Energieeinsparverordnung 2012 vor der

Tür und wird die Wärmeverluste und den Primärenergiebedarf von Gebäuden weiter

reduzieren.

Treibend wirkt die EU-Gebäude-Effizienz-Richtlinie ("Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden"

EU-Gebäuderichtlinie - EPBD), die 2003 in Kraft trat. 2009 wurde sie novelliert und muss bis

2012 in nationales Recht umgesetzt werden. Das bedeutet, dass ab 2019 für Neubauten eine

deutliche Verschärfung eintritt.

15 BMVBS: energetisches sanieren gestalten, Leitfaden, Baubestand nachhaltig weiterentwickeln, Nov.

2010, S. 25; www.bmvbs.de

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 50 von 166

Die nachstehende Grafik verdeutlicht die historische Entwicklung sowohl der

ordnungsrechtlichen Anforderungen wie auch die Reduzierung des Primärenergieverbrauchs

der Neubauten in der realen Baupraxis 16 .

Abb. 19: Historische Entwicklung der Mindestanforderungen

Niedrigstenergiehäuser: Ab 2021 sollen die Mitgliedsstaaten der EU sicherstellen, dass alle

Neubauten als Niedrigstenergiehäuser („nearly zero-energy building“) errichtet werden. Bei

Niedrigstenergiehäusern liegt der Energiebedarf bei fast Null. Diesem Standard müssen ab

2019 zudem alle neuen Gebäude entsprechen, die von öffentlichen Einrichtungen genutzt

bzw. erworben werden. Ausnahmen können nur gemacht werden, wenn die Maßnahme

ökonomisch oder technisch nicht sinnvoll ist.

16 ForschungsVerbund Erneuerbare Energien, Berlin:

http://www.fvee.de/fileadmin/downloads/presse/08_09_29_datenblatt_energieeffizienz_fhg_ibp.pdf

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 51 von 166

Diese Festlegung ist immer vor dem Hintergrund der umfassenden Kostenbetrachtung – also

der Life-Cycle-Costs oder Lebenszykluskosten – zu verstehen. Die Nutzung und der Betrieb

eines Gebäudes verursachen im Laufe des Lebenszyklus oftmals ein Mehrfaches als die bei

Baubeginn veranschlagten Investitionskosten vergl. Grafik der Immobilienbewirtschaftung

Stadt Zürich 17 .

Abb. 20: Bedeutung der Lebenszykluskosten eines Gebäudes, Beispiel Stadt Zürich

Für zukünftige Bauten auf Spiekeroog muss also schon jetzt eine Optimierung bei der Planung

hin zur mehr Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Energieeinsparung, Energieeffizienz und

Maximierung des Einsatzes erneuerbarer Energien erfolgen.

Dies dient angesichts der drastisch gestiegenen und zukünftig weiter steigenden

Energiepreise auch langfristig der Senkung der Gebäudebewirtschaftungskosten.

17 http://www.stadt-zuerich.ch/hbd/de/index/immobilien-bewirtschaftung/

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 52 von 166

Auswahl relevanter Aspekte klima- und kostenbewussten Bauens für Spiekeroog:

− Verzicht auf ein teures Kellergeschoss,

− Einsatz von Leichtbauweise um Transportkosten zu minimieren, Bauzeiten zu

verkürzen, Bautrocknung zu beschleunigen,

− Holz als Baustoff vermehrt einsetzen (Nachhaltigkeit, Wiederverwertung, CO2-

Speicher, C2C®-Kriterium),

− Firstausrichtung in Ost-West-Achse zur Maximierung der potentiellen Solarnutzungs-

fläche Dach,

− Große Fensteröffnungen (O/S/W) zur Optimierung der solaren Gewinne und Tages-

lichtnutzung in Verbindung mit sommerlicher Verschattung z.B. durch PV-Paneele,

− Maximierung des Wärmeschutzes im Außenwandbereich (Dämmung mind. 25 cm),

Dach (Dämmung mind. 35 cm), Sohle und hochwertige Wärmeschutzverglasung,

− Minimierung der Lüftungswärmeverluste durch ventilatorgestützte Lüftung mit Wärme-

rückgewinnung,

− Integration von Solarwärmeanlagen und hydraulisch optimierter Speichertechnologie

in Verbindung mit Frischwasserstationen zur Minimierung der Gefahr der Legionellen-

verkeimung,

− Integration von praktikablen und leicht handhabbaren Energieverbrauchsmess-

einrichtung zum Energie-Controlling.

Alle diese Punkte kann die Gemeinde Spiekeroog in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich

umsetzen und für ihre Vorhaben verbindlich vorgeben. So wird die Kommune Spiekeroog ihrer

Vorbildfunktion gerecht. Für diese Umsetzung kann Spiekeroog sich bereits erprobter und in

der Kommunal-Praxis bewährter Erfahrungen bedienen.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 53 von 166

Welche Einflussnahme die Formulierungen und Festsetzungen innerhalb des

Bebauungsplanes haben können verdeutlicht die Abbildung aus einer Untersuchung für die

Stadt Erfurt 18

Abb. 21: Komplexe Wechselwirkungen Festsetzungen/ Energiebedarf beim B-Plan

Exkurs: Vorbildhafte Regelung der Energiestandards der Stadt Frankfurt/Main

Die Stadt Frankfurt/Main hat für die Neubauten ihrer öffentlichen Liegenschaften bereits seit

mehreren Jahren eine vorbildliche Umsetzung erarbeitet. Alle relevanten Instrumente vom

Magistratsbeschluss, zu den Leitlinien für Neubauten und den entsprechend anzuwendenden

Bewertungsinstrumenten für optimales energiesparendes und langfristig wirtschaftliches

Bauen sind bei dem zuständigen Hochbauamt der Stadt Frankfurt 19 verfügbar.

18 Quelle: Gutachten „Energieeffiziente Bauleitplanung“ für die Stadt Erfurt, Dr. Peter Goretzki, Stuttgart

2007

19 Stadt Frankfurt/Main: Leitlinien zum wirtschaftlichen Bauen 2011:

www.frankfurt.de/sixcms/media.php/738/Leitlinien-wirtschaftliches-Bauen-2011_FINAL72dpi.pdf

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Zusätzlich sind umfassende Informationen hierzu auf der Internetseite abrufbar:

Zitat Internetseite Stadt Frankfurt/Main:

Die Leitlinien des Hochbauamtes fassen seit 2005 die wichtigsten Standards zum

wirtschaftlichen Bauen der Stadt Frankfurt am Main zusammen. Als Magistratsbeschluss

der Stadt Frankfurt am Main liegen diese technischen Standards seit November 2005

allen Baumaßnahmen zugrunde.

Nun hat das Energiemanagement des Hochbauamtes die Leitlinien für das Jahr 2011

veröffentlicht, denn neue Gesetze, Normen und die fortschreitende technische

Entwicklung machen die jährliche Überarbeitung der Leitlinien erforderlich….

….Weitere Nachhaltigkeitskriterien sind die Gesundheit und Behaglichkeit für den Nutzer,

eine möglichst weitgehende Herstellung des „barrierefreien Frankfurt“ und der lokale

Beitrag zum globalen Klimaschutz. Erklärte Ziele sind außerdem die Minimierung des

Materialeinsatzes und des Primärenergiebedarfs der Baustoffe sowie die Dauerhaftigkeit

und Rückbaufähigkeit der Bauteile….

Stadtrat Edwin Schwarz, Bau- und Planungsdezernent, unterstreicht: „Ziel unserer

Leitlinien wirtschaftliches Bauen 2011 ist es, bei vorgegebenen Qualitäten mit einem

Lebenszyklusansatz die jährlichen Gesamtkosten - also die Summe aus Kapitalkosten,

Betriebskosten und Umwelt-Folgekosten - über den gesamten Betrachtungszeitraum,

nämlich Planung, Bau, Betrieb, Abriss und Entsorgung, zu minimieren. Für einen

kompletten Sanierungszyklus werden in der Regel 40 Jahre angesetzt“.

Die bundesweit beispielhaften Leitlinien der Stadt Frankfurt am Main 2011 treten ab

sofort in Kraft und gelten für alle Neubau- und Sanierungsvorhaben der Stadtverwaltung,

städtischer Einrichtungen und Eigenbetriebe sowie für alle Gebäude, die im Rahmen von

PPP-Modellen künftig für die Stadt Frankfurt errichtet werden. Sie implizieren jedoch

keine Nachrüstverpflichtung für bestehende Gebäude, soweit dies nicht durch gesetzliche

Vorgaben (z.B. in der Energieeinsparverordnung) festgelegt ist.

Für Neubauvorhaben unterstellt die Stadt Frankfurt/Main, dass grundsätzlich der so genannte

Passivhausstandard 20 anzuwenden ist. Frankfurt agiert anders als die derzeit herrschende

Planungspraxis: Variantenbetrachtungen sollen zeigen, ob verstärkte Einspar- und

Effizienzbemühungen zu einer Kostenentlastung führen könnten. Frankfurt gibt den

hocheffizienten Planungsstand „Passivhaus-Niveau“ vor und verlangt dann im Umkehrschluss

von den Planern zu begründen, dass eine weniger sparsame Bauweise und weniger effiziente

Technik langfristig wirtschaftlicher sind. Das Bewertungsinstrument hierzu liefert F/M gleich mit

und verschafft sich dadurch eine bessere Vergleichbarkeit.

Der entscheidende Passus des Stadtverordnetenbeschlusses 21 vom Sept. 2007 ist

nachstehend auszugsweise dargestellt:

20 www.energiemanagement.stadt-frankfurt.de/passiv/Passivhausbroschuere.pdf

21 www.ig-passivhaus.de/upload/PAR_2443_2007_09_06_BeschlussPH_Frankfurt_.pdf

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 55 von 166

Abb. 22: Auszug Stadtverordnetenbeschluss F/M zum Passivhaus-Niveau

Vor diesem Hintergrund empfehlen wir die Ansätze der Stadt F/M in die gemeindeeigenen

Vorhaben bei Neubau und Sanierung einzubeziehen. Aufgrund der geringen

personaltechnischen Ausstattung Spiekeroogs und der fachspezifischen Details kann dies

nicht von der Verwaltung geleistet werden. Sehr wohl kann dieser Ansatz aber bei der

Vergabe zur Neubauplanung auf Spiekeroog einfließen indem sie Leitlinien bspw. Bestandteil

der Leistungen der Ausschreibungen sind.

Maßnahmenvorschlag für die Gemeinde Spiekeroog:

− Bei allen zukünftigen Neubauvorhaben Spiekeroogs sollen die verantwortlichen

Planer (Architekt, Planer technische Gebäudeausrüstung (TGA), Baustatiker) ihr

Entwürfe an die „Leitlinien zum wirtschaftlichen Bauen 2011“ der Stadt Frankfurt

anlehnen und die dort beschriebene Vorgehensweise eines energie- und langfristig

kostenoptimierten Bauens berücksichtigen.

Hierbei wird die so genannte Prüf- oder Beweislast für Klimaschutz umgekehrt: Die

Planungsverantwortlichen müssen begründen, wieso ein dem Passivhausstandard

ähnliches Effizienzniveau nicht erreichbar ist.

Anzustreben ist – wie die Beschlusslage in Frankfurt/Main bereits vom 06.09.2007

vorsieht – bei Neubauten mindestens die Unterschreitung der derzeit gültigen

Vorgaben der Energieeinsparversordnung (EnEV) um dreißig Prozent zu erzielen.

Bei der Ausschreibung von baulichen/ energetischen Planungsleistungen durch die

Kommune (Gemeinde Spiekeroog, Nordseebad Spiekeroog GmbH) sind diese

Anforderungen in das Leistungsverzeichnis aufzunehmen.

− Aus Sicht der Autoren erscheint es sinnvoll, die Dorfgestaltungssatzung hinsichtlich

der Integration von Maßnahmen zur Energieeffizienz und zum Klimaschutz zu öffnen

bzw. behindernde Aspekte zu entfernen. Alternativ können Sonderregelungen in dem

übergeordneten Bebauungsplan „Dorf“ getroffen werden. Hierzu bedarf es fachlich

kompetenter Erfahrung (Architekt) sowie sensiblen Geschicks in der Abfassung

eindeutiger Formulierungen in Satzungen. In welcher Form die Gestaltungssatzung

geändert werden kann, muss durch Verwaltungsspezialisten geklärt werden; eine

Öffnung zur Gestattung von Ausnahmen, die dem Klimaschutz dienen, erachten die

Autoren jedoch als sinnvoll und weiter verfolgungswürdig. Bei der B-Plan-Erarbeitung

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 56 von 166

sollte die Gemeinde im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf energieeffiziente und

klimaschützende Bebauung achten und entsprechende Festsetzungen vorgeben.

Hierzu gibt es im kommunalen Verwaltungsbereich einige Beispiele, die übertragbar

erscheinen.

Wenn für Spiekeroog auch die Möglichkeiten wie sie Frankfurt/Main hat nicht zur Verfügung

stehen (Personal, Know-How, Budget) kann Spiekeroog doch mindestens folgende

Festsetzung für ihre eigenen Objekte treffen.

Die Gemeinde Spiekeroog legt für alle kommunalen/ öffentlichen Neubauten das Ziel fest:

Mindestens Unterschreitung der geltenden gesetzlichen energetischen Anforderungen (EnEV)

um 30% und mehr. Dies ist als Planvorgabe verbindlich in die Ausschreibungsunterlagen

aufzunehmen.

Bei Sanierung bestehender kommunalen/öffentlichen Objekte, sollte dieses Ziel ebenfalls

anvisiert werden, jedoch mindestens die Einhaltung der geltenden gesetzlichen energetischen

Anforderungen (EnEV).

Einige ergänzende Hinweise zum Thema, die auch für private Bauherren interessant sind:

Tab. 10: Interessante Internetseiten zum Thema

Seite Hinweis

http://www.energiesparen-imhaushalt.de/energie/bauen-undmodernisieren/hausbau-regenerativeenergie/energiebewusst-bauen-wohnen.html

http://www.staedtebauliche-klimafibel.de/index- Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg –

3.htm

Hinweise für die Bauleitplanung

http://erfurt.de/imperia/md/content/stadtplanung/i

p_gk/en_bp/gutachten_energieeffiziente_bauleit

planung.pdf

http://www.eurosolar.de/de/index.php?option=co

m_content&task=view&id=911&Itemid=213

Gutachten „Energieeffiziente Bauleitplanung“

Dr. Peter Goretzki, Stuttgart 2007

Vorrang für Erneuerbare Energien in der

Raumordnung und Bauleitplanung, Eurosolar,

2008

Teilprojekt 4: Energetische Untersuchung und Maßnahmenempfehlung für zwei

öffentliche Gebäude

Für das Wasserwerk und die Müllumschlagstation auf Spiekeroog wurden objektspezifisch

bauliche Schwachstellen und das Verbesserungspotential der Anlagentechnik aufgenommen

sowie pragmatische Hinweise für die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen gegeben.

Zusätzlich wurden insbesondere unter dem Aspekt der Forcierung des Einsatzes erneuerbarer

Energien konkrete Solarnutzungspotentiale (Wärme + Strom) ermittelt.

Die Berichte dazu sind im Anhang 4 des Anlagenbandes hinterlegt.

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4.2 Einspar- und Effizienzpotential bei Strom-Anwendungen

Neben der Verbesserung des Wärmeschutzes am Gebäude, der Umstellung des Heizsystems

auf eine möglichst effiziente Ausnutzung des Brennstoffs und dem Einsatz erneuerbarer

Energien können bei den Stromanwendungen deutlich Energie und Kosten eingespart

werden:

- Beleuchtung

- Audio- und Video-Geräte

- Computer, elektronische Büromedien

- Elektrische Haushaltsgroßgeräte (weiße Ware)

o Kühl- und Gefriergeräte

o Waschmaschinen

o Wäschetrockner

o Geschirrspüler

o Herde und Backöfen

o Raumklimageräte

o Kaffeevollautomaten, Espresso-Maschinen

Hierzu gibt es ausführliche und praxisnahe Hinweise zur Einsparung; z.B. die seit Jahren

publizierte Liste der besonders sparsamen Haushaltsgeräte 22 oder die zahlreichen Strom-

Online-Rechner und Stromsparchecks.

Hervorzuheben ist das Internetportal www.initiative-energieeffizienz.de der Deutschen

Energieagentur 23 , die ein umfassendes Spektrum an Broschüren, online-Übersichten und

Tipps und Checks zur Verfügung stellt.

22 Niedrig-Energie-Institut; kostenlose Nutzung der online-Datenbank unter www.spargeraete.de

23 Deutsche Energieagentur (dena) Initiative Energieeffizienz für private Haushalte,

www.stromeffizienz.de

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Abb. 23: Kosteneinsparungen durch Einsatz effizienter Haushaltsgeräte

Die Einsparpotentiale lassen sich meist wirtschaftlich erschließen, der Mehraufwand eines

hocheffizienten Klasse-A-Gerätes amortisiert sich bei ohnehin anstehender Neuanschaffung in

wenigen Jahren.

Eine Quantifizierung für den Spiekerooger Bestand abzugeben ist ohne Details der jeweiligen

Ausstattung der verschiedenen Haushalte nicht sinnvoll möglich. Eine Abschätzung orientiert

sich an bundesdeutschen Einsparpotentialen und an vergleichbaren aktuellen Erhebungen. So

kommen die Autoren des Klimaschutzkonzeptes für den benachbarten Landkreis Friesland 24

auf Stromeinsparraten durch normale Ersatzinvestition von rd. 1% pro Jahr bzw. eine

summierte Stromeinsparung von 20 % bis zum Jahre 2030. Wird die Stromeinsparung durch

flankierende Maßnahmen unterstützt, so wird eine Stromeinsparung von bis zu 1,7 % pro Jahr

bzw. 34 % bis zum Jahr 2030 unterstellt.

24 Integriertes Klimaschutzkonzept Landkreis Friesland; S. 35; www.klimaschutz-friesland.de

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4.3 Potential erneuerbarer Energien

Die stromerzeugenden Techniken der Nutzung erneuerbarer Energien werden über das

Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien, kurz Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 25 ,

durch Einspeisevergütung auf ein wirtschaftliches Maß gehoben.

So soll das EEG gemäß der Legaldefinition seines § 1 Abs. 1 „die Weiterentwicklung von

Technologien zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen fördern“. Um die

Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Erdöl und Erdgas zu erreichen,

sieht das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) 26 eine Nutzung von

erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung vor. Als drittes schreibt das

Biokraftstoffquotengesetz (BioKraftQuG) 27 die Beimischung von Biokraftstoffen in den

Kraftstoff für Kraftfahrzeuge in Deutschland vor und reguliert die Verwendung im

Verkehrsbereich.

Das Potential der erneuerbaren Energien ist beträchtlich, wie Abbildung 23. 28 verdeutlicht:

Abb. 24: Regeneratives Energieangebot und weltweiter Primärenergiebedarf

25 EEG: http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/eeg_2009/gesamt.pdf

26 EEWärmeG: http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/ee_waermeg.pdf

27 BioKraftQuG: http://www.bio-energie.de/fileadmin/biz/pdf/gesetzeslage/BioKrQuotengesetz_Text.pdf

28 Volker Quaschning, Erneuerbare Energien und Klimaschutz, Hanser-Verlag, 2008

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Die Nutzung der erneuerbaren Energien geschieht in unterschiedlichen technischen

Umwandlungsschritten, die die benötigte, für uns nutzbare Energieform bereitstellt. 29

Abb. 25: Quellen und Möglichkeiten zur Nutzung regenerativer Energien

Solarenergie: Strom

Durch Kernfusion werden in der Sonne große Mengen Energie freigesetzt, die als Solar-

strahlung die Erde erreichen. Ein Teil der Strahlung wird von der Erdatmosphäre absorbiert

und reflektiert, so dass nur ein Teil die Erdoberfläche erreicht und z. B. mit Photovoltaik-

Anlagen (PV-Anlagen) und thermischen Solaranlagen genutzt werden kann. PV-Anlagen

wandeln Sonnenenergie direkt in elektrische Energie mittels Solarzellen um, die dann über

Wechselrichter in das Stromnetz eingespeist

wird. Die Solarzellen-Module werden auf

Dachflächen, an Schallschutzwänden und auf

Freiflächen sowie in Insellösungen bei

Parkscheinautomaten oder Berghütten

installiert.

Abb. 26: Photovoltaik-Anlage auf einem Stallgebäude (Hallig Langeneß, SH)

29 Volker Quaschning, Erneuerbare Energien und Klimaschutz, Hanser-Verlag, 2008

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Herrschten in der Vergangenheit mono- und polykristalline Module vor, werden zunehmend

Dünnschichtmodule eingesetzt. Sie zeichnen sich durch einen erheblich niedrigeren Material-

verbrauch beim Halbleiter aus und könnten zukünftig bei entsprechendem Produktionsumfang

günstig hergestellt werden.

Die Wirtschaftlichkeit der Solarstromanlagen hängt derzeit noch an der Vergütungsregelung

durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), welche im Juli 2011 entsprechend angepasst

wurde. Durch die starke Degression der Modulpeise der letzten Jahre konnten die so

genannten Stromgestehungskosten der Photovoltaik stark gesenkt werden. Dieser

Kostenreduzierung passt sich die EEG-Einspeisevergütung an. Zukünftig wird daher die Höhe

des Eigenstromverbrauchs an der PV-Stromproduktion interessanter werden, wenn die Höhe

der Einspeisevergütung sich immer stärker dem Preisniveau des Bezugsstroms nähert.

Solarenergie: Wärme

Unter Solarthermie versteht man die Umwandlung der Sonnenenergie in nutzbare Wärme-

energie, die vorrangig für die Warmwasserbereitung und die Unterstützung der

Heizungsanlage genutzt wird. Dazu werden sogenannte Sonnenkollektoren, die unterschieden

werden in Flach-, und Vakuumröhrenkollektoren auf einer geneigten Dachfläche installiert.

Im Rahmen von Dachsanierungen und

Neubauten können auch komplette Dach-

Kollektorfelder (Solar-Roof 30 ) gestalte-

risch und visuell ansprechend eingebaut

werden.

Abb. 27: Solarthermie-Anlage – Flachkollektoren (hier als Solar-Roof)

30 Quelle: http://www.wagner-solar.com/wagnerDE/SW/05/index.php?navid=43

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Umweltwärme: Geothermie/Erdwärme

Geothermische Energie kann – je nach Temperatur und Potential - zur Beheizung von

Gebäuden, zur Einspeisung in Nahwärmenetze und zur Stromerzeugung genutzt werden.

Unterschieden wird zwischen Tiefengeothermie (mehr als 400 Meter Tiefe) und

oberflächennaher Geothermie (meist nur bis 99 Meter Tiefe). Während für die

Stromerzeugung die Tiefengeothermie zum Einsatz kommt, wird zur Wärmenutzung im

Gebäudebereich die oberflächennahe Geothermie 31 genutzt, wie die folgende Abbildung

veranschaulicht.

Abb. 28: Schema einer Erdreich-Wärmepumpenheizung, Sonde, bzw. Kollektor

Eine erdgekoppelte Wärmepumpenanlage (siehe Abb. 27) nutzt die Energie, die in den

obersten Erdschichten oder im Grundwasser gespeichert ist. Mittels Erdwärmesonden

(vertikale Bohrungen), Erdwärmekollektoren (horizontal und nahe an der Oberfläche ins

Erdreich eingebrachte Systeme, ca. 1,50 m unterhalb Oberkante Erdreich) oder mit

Erdwärmekörben (Bohrungen) wird die Wärme des Erdreichs genutzt. Die Wärmepumpe (WP)

„pumpt“ die niedrige Temperatur der Erdwärme (ca. 10°C) auf das für die Beheizung

notwenige Temperaturmaß von 35-55°C. Im häuslichen Bereich hat sich die elektrisch

betriebene WP als Wasser/Wasser-WP etabliert, es gibt aber auch gasbetriebene

Absorptionswärmepumpen für etwas größere Einheiten, die effizient arbeiten.

31 Quelle: http://www.unendlich-viel-energie.de/de/erdwaerme/detailansicht/article/87/wie-funktioniert-oberflaechennahe-geothermie.html

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Umweltwärme: Luft

In Analogie zur Erdwärme-Nutzung kann auch die Umgebungsluft genutzt werden und durch

die WP der notwendige Temperaturhub erfolgen. Vorteil: Keine aufwendigen und

kostenintensiven Erdarbeiten. Der Wärmetauscher, der der Luft die Wärme entzieht, wird

draußen oder über ein Kanalsystem im Gebäudeinneren 32 aufgestellt. Nachteil: Im Winter

beim höchsten Heizwärmebedarf ist die Luftaußentemperatur ebenfalls gering, was die

Effizienz der WP herabsetzt, da sie dann einen großen Temperaturhub leisten muss und somit

sehr viel Strom verbraucht.

Abb. 29: Schema einer Luft/Wasser-Wärmepumpen-Heizung

Wichtig für alle WP-Einsätze: Je geringer der Temperaturhub desto effizienter arbeitet die WP.

Dies ist nur durch eine gute Wärmedämmung und möglichst große Heizflächen (Fußboden-

oder Wandheizung) zu erreichen.

32 Abbildung Luft/Wasser-WP http://www.heizungsfinder.de/images/waermepumpe/luft-waermepumpe2.jpg

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Windenergie

Bei der Windenergie handelt es sich um die kinetische Energie der bewegten Luftmassen der

Atmosphäre. Neben der historischen Nutzung des Windes zur Fortbewegung mit

Segelschiffen oder der Verrichtung mechanischer Arbeit z.B. in Windmühlen werden heute

hocheffiziente Wind-Kraft-Anlagen (WKA) zur Stromerzeugung eingesetzt. Mittlerweile haben

sich statt Einzel-WKA sogenannte Windparks etabliert. Diese Anlagen werden zukünftig

verstärkt offshore (im Meer) errichtet. Der Strom wird ins Netz eingespeist und auf Basis des

EEG - wie bei der Photovoltaik (PV) - entsprechend vergütet. Derzeit gibt es eine starke

Entwicklung von sehr kleinen WKA im unteren kW-Leistungsbereich. Diese Klein-

Windkraftanlagen sind für Einzelnutzung konzipiert und werden in der Nähe einzelner

Gebäude oder Gebäudekomplexe aufgestellt und können u.a. als Insellösung mit

Batteriepufferung zur Notstromversorgung genutzt werden. Nachstehend zwei Beispiele 33 für

eine vertikal und eine horizontal Anordnung der Achse beim Rotor:

Abb. 30: Kleinwindkraftanlage: Horizontalrotor

Abb. 31: Kleinwindkraftanlage: Vertikalrotor

33 Quellen: http://envento.webseiten.cc/uploads/media/PDFC-Windraeder-in-Weinbergen.pdf

www.easywind.org

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Bioenergie

Als Bioenergie bezeichnet man Energie, die aus dem Rohstoff Biomasse gewonnen wird.

Biomasse ist gespeicherte Sonnenenergie in Form von Energiepflanzen, Holz oder

Reststoffen wie beispielsweise Stroh, Biomüll oder Gülle. Daraus können verschiedene

Energieformen wie Wärme, elektrische Energie oder Treibstoffe aus fester, flüssiger und

gasförmiger Biomasse gewonnen werden. So erzeugen beispielsweise Holzpellet- und

Holzhackschnitzel-Heizungen Wärme und Biogasanlagen über den Betrieb eines Block-Heiz-

Kraft-Werks (BHKW) sowohl Strom als auch Wärme.

Nach dem EEG ist auch dieser Strom (wie Wind, PV, Wasserkraft) von den Netzbetreibern

vorrangig abzunehmen, zu übertragen und zu vergüten. Für in Betrieb genommene Anlagen

werden festgelegte Vergütungssätze i.d.R. für 20 Jahre gewährt. Die Höhe der Vergütung

richtet sich dabei nach Energiequelle und Größe der Anlage, sowie dem Zeitpunkt der

Inbetriebnahme.

Auf dem Festland ist im Zuge der zunehmenden Ausrichtung der Haushalte zu Alternativen

zum Heizöl die Holzpelletsheizung 34 stark im Kommen. Die Distribution der Holzpellets wird

meistens von dem örtlichen/regionalen Mineralölhändler übernommen.

Wichtig: Die Pelletsproduktion sollte so umweltfreundlich und nachhaltig wie möglich erfolgen

und bestenfalls als Abfallprodukt der holzverabeitenden Industrie (Sägespäne) stammen.

Abb. 32: Schematische Darstellung einer Holzpellet-Heizung

34 Quelle: http://www.holzofenkontor.de/holzundheizen/funktionsprinzippelletheizung/index.html

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4.3.1 Ordnungsrechtliche Handlungsmöglichkeiten: Erneuerbare Energien

Für allgemeine Bautätigkeiten und insbesondere den Einsatz erneuerbarer Energien auf

Spiekeroog gibt es verschiedene Restriktionen, die sich aus baurechtlichen,

genehmigungsrechtlichen, naturschutzrechtlichen und denkmalschutzrechtlichen

Gegebenheiten bzw. Vorschriften sowie gemeindeeigenen Satzungen ergeben. Da dieses

Thema ein sehr weit gefächertes ist, wird sich in diesem Bericht auf die Restriktionen

beschränkt, die die Installation und den Einsatz von Erneuerbaren Energien betreffen.

Genehmigungsrechtliche Situation

Für die Errichtung oder Installation einer Geothermie-Anlage, einer Solarthermie- bzw.

Photovoltaik-Anlage oder einer Wind- bzw. Kleinwindkraftanlage greifen im

Genehmigungsverfahren unterschiedliche Gesetze, Vorschriften und Erlasse.

Die Installation einer Wärmepumpe gehört in Niedersachsen zu den genehmigungsfreien

Baumaßnahmen (§ 69 „Niedersächsische Bauordnung“ (NBauO) 35 ). Bei der Planung und

Installation sind allerdings bei der Kombination mit Geothermie-Anlagen die Bestimmungen

des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) 36 und das Niedersächsische Wassergesetz (NWG) 37 zu

beachten.

Die Installationen von Solarenergieanlagen und Sonnenkollektoren werden in der NBauO

geregelt. Laut § 69 – Genehmigungsfreie Baumaßnahmen – dürfen „die im Anhang genannten

baulichen Anlagen und Teile baulicher Anlagen […] in den dort festgelegten Grenzen ohne

Baugenehmigung errichtet oder in bauliche Anlagen eingefügt und geändert werden.“ (NBauO

vom 10. Februar 2003 (zuletzt geändert am 28. Oktober 2009), §69 (1)). Dazu zählen laut dem

Anhang auch Solarenergieanlagen und Sonnenkollektoren in und an Dach- und

Außenwandflächen. D.h. es muss kein Bauantrag bzw. keine Baufreistellungsanzeige für das

Vorhaben eingereicht werden, allerdings sind dennoch alle bauordnungsrechtlichen wie

planungsrechtlichen Bestimmungen stets einzuhalten. Errichtet ein Bauherr oder eine

Bauherrin ein Vorhaben, das zwar formell genehmigungsfrei ist, aber materielle Aspekte des

Baurechts verletzt (z.B. Missachtung des Umgebungsschutzes zu Kulturdenkmälern), muss er

oder sie mit ordnungsrechtlichen Konsequenzen bis hin zur Beseitigung der baulichen Anlage

rechnen. Es sollte stets beim örtlichen Bauamt (Landkreis Wittmund) nachgefragt werden.

Windenergieanlagen bzw. Kleinwindkraftanlagen (Klein-WKA) sind in Niedersachsen

baugenehmigungspflichtig. Nach § 51 Abs. 2 Nr. 19 der niedersächsischen Bauordnung sind

35 NBauO: http://www.lexsoft.de/

36 WHG: http://www.bundesrecht.juris.de/

37 NWG: http://www.nds-voris.de/

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Klein-WKA bauliche Anlagen besonderer Art und Nutzung. An diese baulichen Anlagen sind

daher besondere Anforderungen u.a. zur Standsicherheit, zum Nachbar- und zum

Immissionsschutz zu stellen. Das Gesetz unterscheidet damit nicht zwischen Klein- und Groß-

Windenergieanlagen. Kleine Windkraftanlagen sind in Niedersachsen nicht von einer

Genehmigung freigestellt.

Naturschutzrechtliche Situation

Aufgrund der Einzigartigkeit der Region, in der Spiekeroog liegt, unterliegt die Insel einer

Vielzahl von Schutzkategorien, so dass deren Rechtsbestimmungen für Eingriffe berücksichtig

werden müssen.

Auf Spiekeroog und um die Insel herum sind die folgenden Schutzkategorien zu finden:

1. Nationalpark (Niedersächsisches Wattenmeer)

Das Niedersächsische Wattenmeer und die vorgelagerten Inseln tragen seit 1986 den

Status „Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“ und wurden 2009 als Weltnaturerbe

anerkannt. Das Gesetz über den Nationalpark ,,Niedersächsisches

Wattenmeer“(NWattNPG) 38 besagt, dass Nationalparke unter Berücksichtigung ihres

besonderen Schutzzwecks sowie der durch die Großräumigkeit und Besiedlung

gebotenen Ausnahmen wie Naturschutzgebiete zu schützen sind.

2. Natura-2000-Gebiete - FFH-Gebiet (Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer) und

Vogelschutzgebiet (Niedersächsisches Wattenmeer und angrenzendes Küstenmeer)

Mit Ausnahme des besiedelten Bereiches gehört die Insel sowohl zum FFH-Gebiet

(Flora–Fauna–Habitat) "Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer", als auch zum

Vogelschutzgebiet "Niedersächsisches Wattenmeer und angrenzendes Küstenmeer". Der

§ 33 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besagt, dass alle Veränderungen und

Störungen, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung eines Natura 2000-Gebietes in

seinen für die Erhaltungsziele oder den Schutzzweck maßgeblichen Bestandteile führen

können, unzulässig sind. 39

38 NWattNPG: http://www.nds-voris.de/

39 § 33 BNatSchG: http://dejure.org/gesetze/BNatSchG/33.html

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3. UNESCO Biosphärenreservat (Niedersächsisches Wattenmeer)

Die Insel Spiekeroog gehört seit 1992 zum UNESCO Biosphärenreservat

„Niedersächsisches Wattenmeer“. Sie liegt in der Kern- und Pflegezone des

Biosphärenreservates und hier liegt der Schutz der natürlichen Lebensräume mit ihren

charakteristischen Lebensgemeinschaften und ihrer Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten im

Vordergrund - nach dem Motto "Natur Natur sein lassen" soll möglichst wenig in die

natürlichen Prozesse eingegriffen werden.

Vor diesem Hintergrund sind aus naturschutzrechtlicher Sicht bauliche Aktivitäten, wie

beispielsweise die Errichtung technischer Bauwerke zur Nutzung erneuerbarer Energien nur

im besiedelten Bereich möglich. Denn aus Sicht des Naturschutzes wird auf

Nationalparkflächen keine Genehmigung erteilt, sobald dem geschützten Naturraum durch ein

Bauwerk Fläche genommen wird oder davon ein Lebensrisiko für die Tiere (insbesondere

Vögel) ausgeht.

Der einzige Grund eine Genehmigung für Bauwerke auf geschützten Flächen zu erreichen

wäre ein übergeordnetes öffentliches Interesse, z.B. für die Stromerzeugung mittels

Photovoltaik-Freiflächenanlagen oder Windparks. Da die Insel allerdings vom Festland mit

Strom versorgt wird, besteht dafür keine Notwendigkeit.

Denkmalschutzrechtliche Situation

Zusätzlich zu den naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen sind auf Spiekeroog auch

denkmalschutzrechtliche Bestimmungen zu berücksichtigen und einzuhalten, denn es gibt

ausgewiesene hochbauliche und archäologische Kulturdenkmale, die dem Niedersächsischen

Denkmalschutzgesetz (NDSchG) 40 unterliegen.

Die nachfolgende Abbildung zeigt diejenigen denkmalgeschützten Gebäude, die im Kern des

Dorfes Spiekeroog liegen und das dortige Erscheinungsbild prägen. Neben diesen Gebäuden

gibt es archäologische Baudenkmäler, wie beispielsweise den Friedhof der Namenlosen, und

weitere hochbauliche Denkmäler außerhalb des Dorfes. Insgesamt sind auf Spiekeroog 46

Denkmäler verzeichnet. Die Tabelle in Anhang 3 des Anlagenbandes führt alle Denkmäler

Spiekeroogs auf.

40 NDSchG: http://www.denkmalpflege.niedersachsen.de/

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Abb. 33: Lage der denkmalgeschützten Gebäude im Dorfkern (rosa Markierung)

Weder in der Umgebung eines Baudenkmals noch bei einem Baudenkmal selbst dürfen

Baumaßnahmen durchgeführt werden, die zu einer Beeinträchtigung des Baudenkmals

führen. Eine Solar- oder Photovoltaikanlage beispielsweise auf einem denkmalgeschützten

Gebäude, einem Gebäude in einer Gesamtanlage oder in der Umgebung eines

Kulturdenkmals ist gemäß Niedersächsischem Denkmalschutzgesetz genehmigungspflichtig.

Jede Anfrage wird von der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde geprüft und

entschieden.

Das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft und Kultur (MWK) hat insbesondere zur

Installation von Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden den Erlass „Denkmalschutz

und Solaranlagen“ vom 11. März 2003 verfasst, der folgendes besagt:

1. Es gibt keinen allgemeinen Vorrang des Umweltschutzes vor dem Denkmalschutz.

2. Die Vereinbarkeit einer Solar- und Photovoltaikanlage mit dem Denkmalschutz ist in

jedem Einzelfall zu prüfen.

3. Bei geringfügigen Beeinträchtigungen der denkmalgeschützten Anlage durch Solar-

und Photovoltaikanlagen, die höchstens 10% der denkmalgeschützten Dachfläche in

Anspruch nehmen, darf eine auf die Lebensdauer der Solar- und Photovoltaikanlage

befristete denkmalschutzrechtliche Genehmigung erteilt werden, wenn sie reversibel

montiert wird und die Denkmalsubstanz nicht zerstört. 41

41 Quelle: http://www.landkreis-peine.de/

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Gemeindeeigene Satzungsvorgaben

Die Gemeinde Spiekeroog hat unterschiedliche Satzungen erlassen, um das derzeitige

Erscheinungsbild der Insel und insbesondere der inseltypischen Bebauung zu erhalten:

1. Satzung der Gemeinde Spiekeroog über die Erhaltung baulicher Anlagen –

Erhaltungssatzung –

2. Baugestaltungssatzung II Spiekeroog

3. Satzung der Gemeinde Spiekeroog zur Sicherung von Gebieten mit

Fremdenverkehrsfunktion nach § 22 Baugesetzbuch (BauGB)

4. Verbindlicher Bauleitplan (Bebauungsplan) „Dorf“ - gemäß § 30 BauGB

5. Verbindlicher Bauleitplan (Bebauungsplan) „Gewerbegebiet Achter d‘ Diek“ - gemäß §

30 BauGB

Während darin z.T. genaueste Angaben zu Baugestaltungen, von der maximalen Firsthöhe

über die Wahl der Baumaterialien bis hin zu Farbtönen für Holzanstriche, gemacht werden,

werden in diesen Festlegungen keinerlei Aussagen zu Techniken zur Nutzung erneuerbarer

Energien - weder zu Windkraftanlagen, noch zu Solaranlagen oder Wärmepumpen - gemacht.

Insofern es regulierende Bestimmungen bereits gibt, z.B. im Falle einer Luft-Wärmepumpe,

die Lärm emittiert, wäre die Erweiterung einer Baugestaltungssatzung lediglich notwendig,

wenn der Gemeinde Spiekeroog die vorgegebenen Regularien nicht ausreichen. So greift für

das vorgenannte Beispiel der luftgeführten Wärmepumpe die „Technische Anleitung zum

Schutz gegen Lärm“ (TA Lärm) 42 , die auf § 48 des Bundesimmissionsschutzgesetzes

(BImSchG) beruht. Hier werden die folgenden Werte für Lärm außerhalb von Gebäuden

festgeschrieben:

Tab. 11: Immissionsrichtwerte für den Beurteilungspegel außerhalb von Gebäuden

Ziffer Ausweisung Immissionsrichtwert Immissionsrichtwert

TA Lärm

tags (6:00 bis 22:00 Uhr) nachts (22:00 bis 6:00 Uhr)

6.1 a Industriegebiete 70 dB(A) 70 dB(A)

6.1 b Gewerbegebiete 65 dB(A) 50 dB(A)

6.1 c Kern-, Dorf- und Mischgebiete 60 dB(A) 45 dB(A)

6.1 d Allgemeine Wohngebiete 55 dB(A) 55 dB(A)

6.1 e Reine Wohngebiete 50 dB(A) 35 dB(A)

6.1 f Kurgebiete, Krankenhäuser und

Pflegeanstalten

45 dB(A) 35 dB(A)

42 TA Lärm: http://www.umweltbundesamt.de/laermprobleme/publikationen/talaerm.pdf

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Aufgrund der naturschutzrechtlichen Besonderheit, den Bemühungen der Gestaltung und dem

Erhalt der Kulturlandschaft sehen wir keine Notwendigkeit z.B. Vorgaben für die Aufstellung

von Kleinwindkraftanlagen zu erstellen.

Andererseits sollten die Dorfgestaltungssatzungen I, II und der Bebauungsplan dahingehend

überprüft werden, dass technische Maßnahmen zur energetischen Verbesserung der

Gebäudeenergiebilanz und für mehr Klimaschutz ermöglicht werden. Dies sind z.B.:

- Dachform (Pultdach),

- Abkehr von der Vorgabe Traufseitiger oder Giebelständiger Ausrichtung der

Straßenbebauung,

- Zulassen von Dachflächenfenstern zur Straßenseite und damit einhergehend der

technischen Nutzung von Solarenergie (Solarzellen, Solarkollektoren),

- Flexibilität der Fenster-/ Verglasungsabmessungen zur Optimierung der solaren

Gewinne und zur Verbesserung der Tageslichtnutzung.

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4.3.2 Nutzungspotentiale erneuerbarer Energien auf Spiekeroog

Wie die vorangegangenen Ausführungen zeigen, gibt es vier unterschiedliche regenerative

Medien, die als Alternative zur herkömmlichen, fossilen Energieerzeugung auf Spiekeroog

genutzt werden können. Da die Insel durch ihre naturräumliche Lage und Ausstattung eine

besondere Stellung einnimmt und aufgrund ihrer Alleinstellungsmerkmale verschiedenen

Naturschutzkategorien unterliegt, sind nicht alle erneuerbare Energiequellen im gleichen

Maßstab nutzbar.

Windenergie für Spiekeroog

Generell hängt die Tatsache, ob Windenergie vor Ort eine sinnvolle Option ist, vor allem von

den geographischen und klimatischen Gegebenheiten ab. Deshalb sind insbesondere die

folgenden Fragen zu beantworten:

− Wie sind die Windverhältnisse in welcher Höhe an verschiedenen potenziellen

Standorten? Wichtig sind hier lokale topographische Bedingungen: Ist das

Gemeindegebiet hügelig, gibt es größere Erhebungen, dann herrschen dort oft gute

Windverhältnisse.

− Gibt es im Gemeindegebiet bereits ältere Anlagen? Ab einem gewissen Alter lohnt es

sich, Alt gegen Neu zu tauschen (Repowering). Moderne Windenergieanlagen haben

eine wesentlich höhere Leistung, d.h. pro Anlage wird ein Vielfaches an Strom

produziert. Dadurch kann der Stromertrag bei insgesamt weniger Anlagen deutlich

gesteigert werden. Zudem sind neuere Anlagen leiser und effizienter.

Funktionstüchtige Altanlagen können verkauft werden.

− Gibt es im Gemeindegebiet Flächen, deren Nutzung Konflikte hervorrufen kann, wie

z.B. Natur- oder Vogelschutzgebiete, Flughäfen oder militärische Standorte? Für diese

bzw. die angrenzenden Flächen muss im Einzelfall geprüft werden, ob bzw. in welchen

Abständen die Windenergienutzung möglich ist.

Derzeit gibt es eine Windkraftanlage im Osten der Insel an der Hermann Lietz-Schule. Diese

225 kW WKA unterliegt dem Bestandsschutz. Derzeit laufen Bemühungen zum Repowering.

Da die gesetzlichen Regelungen zum Bestandschutz allerdings geändert wurden, wird für die

Errichtung einer Neuanlage am gleichen Standort (Repowering) ein neues

Genehmigungsverfahren verlangt. Zum Repowern bedarf es u.a. der Genehmigung der

Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Angedacht ist die vorhandene

Anlage durch eine leistungsstärkere, in einer Größenordnung von rd. 900 kW zu ersetzen.

Damit würden statt der vorher rd. 700 MWh/a Windstromerzeugung nun bis zu 2.000 MWh/a

durch die Anlage der Hermann Lietz-Schule erbracht werden können. Dies sind knapp 18 %

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des gesamten Strombedarfs der Insel Spiekeroog. Damit stellt das Repowern der

Windkraftanlage der Hermann Lietz-Schule den größten Sprung zu mehr erneuerbarer

Energienutzung für Spiekeroog durch ein einzelnes Projekt dar.

Eine Aufstellung von Kleinwindkraftanlagen wäre im besiedelten Bereich der Insel eventuell

denkbar. Allerdings sollte bei der Auswahl der Anlagen und der Installation darauf geachtet

werden, dass das Orts-/ Landschaftsbild nicht gestört wird – z.B. durch eine maximale Höhe

inklusive Rotorblatt der Klein-WKA von der Firsthöhe der umliegenden Gebäude. Damit läge

eine solche Anlage allerdings im sogenannten turbulenten Bereich, wo Hindernisse Gebäude,

Sträucher und Bäume (siehe Abb. 33) die Effizienz der Anlage drastisch absenken.

Die Effizienz von Kleinwindkraftanlagen wird durch die Komponenten und deren

Zusammenwirken, aber in erster Linie vom Windangebot bestimmt. Dieses ist im ungestörten

Bereich deutlich höher als im turbulenten Bereich 43 .

Abb. 34: Luftströmungsbereiche, die für die Effizienz von WKA entscheidend sind

43 Quelle: http://www.aee-now.at/cms/fileadmin/downloads/allgemein/Empfehlungen%20fuer%20Kleinwindkraftanlagen.pdf

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Die Aufstellung von Klein-WKA in der Nähe von Gebäuden zeigt eine Herstelleransicht 44

Abb. 35: Serie einer Kleinwindkraftanlage unterschiedlicher Größe und Leistung

Insofern stehen wir einer Aufstellung von Klein-WKA auf Spiekeroog skeptisch gegenüber.

Sinnvoll wären vereinzelte Anlagen als Demonstrationsobjekte. Hier würden sich Standorte,

die außerhalb des Ortes zu errichten wären, anbieten wie z.B. Hafen, Nationalpark-Haus

Wittbülten an der Hermann Lietz-Schule, Zeltplatz. An diesen Standorten könnte mit

Informationstafeln auf die Notwendigkeit der Nutzung von erneuerbaren Energien hingewiesen

werden – auch in Verbindung mit der solaren Stromerzeugung auf der Insel zur Beladung der

Elektro-Karren. Allerdings ist hier, wie auch im Dorf selbst, nach § 51 Abs. 2 Nr. 19 der

niedersächsischen Bauordnung, eine Baugenehmigung bei der Bauaufsichtsbehörde

einzuholen.

Eine technisch effizientere und auch deutlich wirtschaftlichere Option besteht in der

Beteiligung der Bürger Spiekeroogs an wirtschaftlichem und effizientem Repowering auf dem

Festland. Auf Nachfrage bestehen hier jedoch kaum Chancen in die bereits abgesteckten und

verteilten Besitz- und Beteiligungsvorhaben für Windkraftprojekte einzusteigen. Durch die

Beteiligung Spiekeroogs an der friesenenergie GmbH ab Juli 2011 ist jedoch der Einstieg in

Festlandprojekte auf einem sehr guten Wege.

44 Quelle: Fa. Evento, http://envento.de/

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Bioenergie für Spiekeroog

Inwieweit sich Biogas vor Ort wirtschaftlich nutzen lässt, hängt vor allem von der Verfügbarkeit

der Rohstoffe ab. Folgende Fragestellungen sind daher für die Spiekerooger Situation wichtig:

- Gibt es überhaupt genügend biogene Stoffe für eine Biomassenutzung oder

Biogasgewinnung auf Spiekeroog?

- Gibt es für den zu realisierenden Biomasseanfall eine auf dem Markt befindliche,

wirtschaftlich arbeitende Technik, die auf Spiekeroog einsetz- und betreibbar wäre?

- Gibt es ein geeignetes Wärme-Abnahmeprofil an dem potentiellen Standort der

Bioenergie-Anlage (Leistung, Jahresenergieabnahme, Entfernung)

Da auf Spiekeroog kein Unternehmen angesiedelt ist, das eine Biomasse-Anlage mit

Reststoffen versorgen könnte scheidet diese Art der Belieferung aus. Aufgrund der

Unterschutzstellung der Grünlandflächen und schützenswerten Landschaft können auf der

Insel keine Energiepflanzen angepflanzt werden. Da vor allem Wohnen und Tourismus die

Insel beherrschen, sind hier die möglichen Lieferanten für Biomasse (Bioabfälle, Drank 45 und

Klärschlamm) zu sehen. Hinzu kämen tierische Exkremente von zwei Pferdehöfen und

Treibgut, das an der Küste angespült wird.

Die nachfolgende Tabelle fasst die auf Spiekeroog anfallende für eine Biogasanlage verwert-

bzw. verwendbare Biomasse zusammen:

Tab. 12: Anfallende Biomasse auf Spiekeroog

Nr. Abfallart Ø Menge/ Jahr Einheit

1 Biomüll 9 t/a

2 Drank 101 t/a

3 Fette aus Fettabscheidern 135 t/a

4 Grünschnitt k.A. t/a

5 Grasmahd 18 t/a

6 Tierische Exkremente 459 t/a

7 Klärschlamm (Trockenmasse) 55 t/a

Summe: 777 t/a

7 Treibsel 10 m³/a

45 Drank: Organische Abfälle aus gewerblichen Betrieben, z.B. Küchenabfälle, Speisereste, etc.

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Erläuterungen zu den einzelnen Abfallarten:

1 Der Großteil der Spiekerooger kompostiert den Biomüll auf dem eigenen Grundstück,

da Humus auf der Insel rar ist (sandiger Untergrund). Für alle, die keinen eigenen

Kompost haben, werden Maistüten ausgegeben, in denen Garten-, Grün- und

Bioabfälle gesammelt und am Festland entsorgt werden (daher die Angabe der 9 t/a).

Allerdings wird auch immer wieder Biomüll illegal in den Dünen entsorgt. 46

2 Unter Drank sind organische Abfälle aus gewerblichen Betrieben, wie Küchenabfälle,

Speisereste u. ä. zu verstehen. Diese fallen bei den gastronomischen Betrieben

Spiekeroogs saisonal in stark unterschiedlichem Aufkommen an und werden gesondert

auf dem Festland entsorgt.

3 Die Fette aus den Fettabscheidern der Gastronomie-Betriebe werden gesammelt und

dreimal jährlich ans Festland abtransportiert.

4 Grünschnitt fällt auf der Insel an, die Menge ist allerdings nicht bekannt, da dieser nicht

über Unternehmen entsorgt wird, sondern auf der Insel verbleibt und als Häcksel zu

Humusbildung in den Gärten beiträgt, kompostiert oder traditionell beim jährlichen

Osterfeuer verbrannt wird. Allerdings wird auch immer wieder Grünschnitt illegal in den

Dünen entsorgt.

5 Die Grasmahd der wenigen Grünflächen wird auf Spiekeroog für die Fütterung der

Pferde der zwei Höfe und der internatseigenen, der Selbstversorgung dienenden

Galloway-Rinder sowie Schafe gebraucht oder auf den eigenen Grundstücken

kompostiert. Auf den Deichen und den Richelwiesen werden jährlich ca. 200

Großballen (300-350 kg), 1500-2000 HD-Ballen (30-50 kg) und 100-110 Rundballen

Silage (ca. 750 kg) hergestellt und verfüttert. Daraus ergäbe sich die o.g. Menge (bei

der Berechnung wurde jeweils der niedrigste Wert angesetzt) an Biomassepotential.

6 Tierische Exkremente fallen in Form von Pferdeäpfeln auf den zwei Höfen an. Bei 51

Pferden und Ponys fallen bei einem Richtwert von 9 t Mist/ Pferd und Jahr die o.g.

Mengen an. Da die Tiere allerdings überwiegend draußen auf den Weiden gehalten

werden (Mitte April bis Mitte November und im Winter bei guter Wetterlage), fällt eine

deutlich geringere Menge auf den Höfen an. Die verbleibenden Mengen werden zur

Düngung ausgebracht.

7 Der Klärschlamm fällt in getrockneter Form im Klärwerk des Oldenburgisch-

Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) an, das die örtlichen Abwässer bis zur

dritten Klärstufe aufbereitet.

8 Das Treibselaufkommen kann von Jahr zu Jahr stark variieren, je nach Wind- und

Sturmflutsituation treten 2 bis 80 m³ Treibsel/ Jahr auf. I.d.R. liegen die Mengen bei 8-

12 m³ Treibsel/ Jahr, die auf der Insel verbleiben und auf den Reitwegen verfahren

46 Quelle: Mündl. Aussagen von Herrn Eilts, NLWKN Betriebshof Spiekeroog, Telefonat, 31.10.2011

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werden. Bei großen Sturmfluten kann der Wert allerdings deutlich steigen, weshalb

eindeutige Angaben nicht machbar sind.

Ob es weitere Anwendungsmöglichkeiten der Biomassenutzung auf Spiekeroog geben mag,

kann im Rahmen dieses Klimaschutzkonzeptes nicht näher analysiert werden. Sinnvoll wäre

selbstverständlich die Nutzung Vor-Ort z.B. der organischen Abfälle aus den Heimen in Form

von Kleinst-Biogas-Anlagen. Diese sind u.E. jedoch aufgrund der notwendigen kleinen

Leistungsgrößen nicht wirtschaftlich darstellbar.

Ergänzend sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass eine mögliche Umstellung auf Bio-

Treibstoffe für die wenigen auf der Insel in Betrieb befindlichen Fahrzeuge eine Option zum

Klimaschutz darstellen könnte. Hier muss – wie Studien 47 zu den Themen zeigen – jedoch die

Art und Weise der regionalen Ernte, das Herstellungsverfahren und die Logistik des Bio-

Treibstoffes optimiert werden. Als Bio-Treibstoff ist jedoch keineswegs der sogenannte

Biodiesel gemeint, der auf Basis Rapsmethylester eine vergleichbar schlechte Klimabilanz

darstellt und wenig nachhaltig ist. Als überlegenswerte Alternative zum fossilen Diesel oder

Benzin wird hier Rapsöl, welches auf dem Festland angebaut wird, in die nähere Betrachtung

gezogen. Eine Gegenüberstellung der Herstellungsverfahren 48 beider Treibstoffe biogenen

Ursprungs zeigt nachstehende Abbildung.

47 FVV: CO2-neutrale Wege zukünftiger Mobilität durch Biokraftstoffe: Eine Bestandsaufnahme, Frankfurt a. Main,

2004; http://www.fvv-net.de/cms/upload/pdf/AB_CO2-Studie_komplett_Internet.pdf

IFEU erstellt Übersichtsökobilanz für Jatropha-Biodiesel, Heidelberg, 2008,

http://www.ifeu.de/landwirtschaft/pdf/kurzfassung_jatropha_220208.pdf

48 Herstellung von Pflanzenöl und Biodiesel, Professor Schrimpf, ausführlich auch in:

http://www.energieverbraucher.de/de/Erneuerbare/Biomasse/Pflanzenoel/site__1107/

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Abb. 36: Herstellungsverfahren von Pflanzenöl und Biodiesel

So könnten mit - nachhaltig produziertem Rapsöl - die wenigen nicht elektrisch betriebenen

Fahrzeuge (Trecker/ Unimogs der Nordseebad Spiekeroog GmbH, Feuerwehr, u.a.)

klimafreundlich und aus erneuerbaren Energien angetrieben werden. In Verbindung mit

solarstrombetriebenen Elektro-Karren würde der Spiekerooger Fahrzeugpark auf der Insel

klimafreundlich betrieben werden können. Angesichts der verschwindend geringen

Treibstoffmengen für den verbrennungsmotorisch angetriebenen Insel-Fuhrpark erscheinen

die Umrüstkosten in Relation zur geringen Laufleistung als nicht gerechtfertigt.

Vor dem Hintergrund des „Upcycling“-Prinzips aus dem Cradle to Cradle®-Konzept sollte die

anfallende Biomasse lokal aufgewertet werden. Doch inwieweit diese Stoffe in Menge und

Qualität (z.B. Trockenmasse des Klärgutes, salzbelastetes Treibgut) für die Nutzung in einer

KWK-Biomasse-Anlage geeignet sind, muss gesondert geprüft werden. Sicher ist jedoch, dass

für ein derart kleines und zeitlich stark schwankendes Biomasseaufkommen keine

wirtschaftlich arbeitende Technik auf dem Markt existiert.

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Erdwärme für Spiekeroog

Grundsätzlich ist die Entscheidung zu fällen, ob der Einsatz von Erdwärme sinnvoll ist. Hierzu

müssen die folgenden Fragen beantwortet werden:

− Handelt es sich bei dem zu beheizenden Objekt um einen Neubau oder ein

Bestandsgebäude? Umwelt- bzw. Erdwärmenutzung und Energieeinsparung gehören

zusammen. Bei Neubauten kann der Wärmeschutz und Wärmeübergabe mit dem

Heizsystem abgestimmt werden. Bei Altbauten ist der Einsatz nur sinnvoll, wenn das

Gebäude ausreichend gedämmt ist und die Übergabefläche der Heizung ausreichend

dimensioniert ist (möglichst Fußbodenheizung!).

− Steht eine ausreichende große Fläche in der Nähe des Gebäudes zur Verfügung, um

mit den flächenhaften Erdkollektoren eine ausreichende Heizleistung zu erreichen? Als

Abschätzung: Es wird etwa eineinhalb Mal so viel Garten- oder Hoffläche, wie die zu

beheizende Fläche, benötigt.

− Kommt Tiefengeothermie mit Erdsonden infrage? Dabei sollte mindestens 75% der

benötigten Wärmeenergie erreicht werden, um langfristig ein finanziell optimales

Ergebnis zu erzielen. Bodengutachten?

− Ist der Wärmeschutz des zu beheizenden Gebäudes ausreichend? Richtwert: Der

Heizwärmebedarf (nur Raumheizung) sollte nicht über dem Maß des gesetzlich

vorgeschriebenen Neubaurichtwerts liegen. Ein Energieausweis gibt Aufschluss.

− Bei hohem Energieverbrauch: Erst den Wärmeschutz deutlich verbessern, dann auf

eine Beheizung mittels Wärmepumpe umsteigen.

− Gibt es gesetzliche Bestimmungen oder Schutzgebiete (z.B. Wasserschutzgebiete) die

zu beachten sind bzw. in denen keine geothermischen Anlagen installiert werden

dürfen? Zur Einhaltung baurechtlicher Bestimmungen wie der Landesbauordnung etc.

sollte ein Vorhaben immer mit den kommunalen Bauabteilungen sowie ggf. mit der

zuständigen Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden.

Das Niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat

verschiedene Untersuchungen des Untergrundes vorgenommen und u.a. Karten zum Thema

„Geothermie“ erarbeitet. 49 So gibt die nachfolgende Abbildung die Karte der potenziellen

Standorteignung für den Einsatz von Erdwärmekollektoren mit einer Einbautiefe von 1,2 bis

1,5 Metern auf Spiekeroog wider.

49 Quelle: LBEG - cardo.map, Kartenserie Geothermie

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Abb. 37: Potenzielle Standorteignung für den Einsatz von Erdwärmekollektoren

In der Karte sind die 3 Flächeneinheiten - gut geeignet (grün), geeignet (gelb), wenig geeignet

(rot) - ausgewiesen. Wie der Abbildung 35 zu entnehmen ist, ist der gesamte Untergrund

Spiekeroogs entweder geeignet oder gut geeignet für den Einsatz von Erdwärmekollektoren.

Das Niedersächsische Umweltministerium hat im Dezember 2006 den Leitfaden

"Erdwärmenutzung in Niedersachsen" 50 herausgebracht, in dem das Zulassungsverfahren zur

Errichtung und zum Betrieb von Erdwärmesonden in Niedersachsen erläutert wird. Gemäß

diesem Leitfaden wird Niedersachsen im Sinne des Grundwasserschutzes in drei

Flächenkategorien unterteilt. Dies sind Gebiete in denen die Erdwärmenutzung durch

Erdwärmesonden

1. zulässig ist,

2. bedingt zulässig ist,

3. unzulässig ist.

Wie die nachfolgende Abbildung zeigt sind alle drei Kategorien auf Spiekeroog vertreten.

Dabei bedeutet die mintgrüne Färbung, dass die Nutzung zulässig ist (Grund: kein

Einschränkungsgrund), die hellblaue Färbung (Grund: Grundwasserversalzungsgebiet) und

die rote Schraffur (Grund: Trinkwasserschutzgebiet Zone 3), dass die Nutzung bedingt

zulässig ist und die rote Färbung, dass die Nutzung unzulässig ist (Grund:

Trinkwasserschutzgebiet Zone 1 oder 2).

50 Broschüre bzw. als PDF verfügbar: Leitfaden Erdwärmenutzung in Niedersachsen

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Abb. 38: Nutzungsbedingungen oberflächennaher Geothermie auf Spiekeroog

Vor dem Einbau von Erdwärmesonden sind die Zulassungsbedingungen für die

Erdwärmenutzung mit der unteren Wasserbehörde abzustimmen und können im Einzelfall von

den Angaben der Übersichtskarte abweichen.

1. Gebiete in denen die Erdwärmenutzung durch Erdwärmesonden zulässig ist:

Bei Einhaltung der im Leitfaden beschriebenen Auflagen an Bauausführung und Betrieb von

Erdwärmesonden ist die Nutzung von Erdwärme in weiten Teilen Niedersachsens i.d.R.

zulässig. Dazu prüft die zuständige Untere Wasserbehörde anhand einer Anzeige und der

Standortbedingungen, ob die dafür erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

2. Gebiete in denen die Erdwärmenutzung durch Erdwärmesonden bedingt zulässig

ist:

In Gebieten, in denen erhöhte Anforderungen an den Schutz des Grundwassers erforderlich

sind, stellt die Untere Wasserbehörde in einer wasserrechtlichen Einzelfallprüfung fest, ob und

unter welchen Voraussetzungen eine Erdwärmenutzung möglich ist. Zu den in der Karte

dargestellten Gebieten dieser Flächenkategorie gehören:

• Schutzgebiete für die Trinkwasserversorgung Zone IIIa und IIIb,

• Heilquellenschutzgebiete Zone III/1 und III/2,

• Trinkwassergewinnungsgebiete (z.B. aus Schutzgebietsplanungsunterlagen),

• Vorranggebiete für die Trinkwassergewinnung, in denen zur Zeit noch keine

Grundwasserentnahme erfolgt,

• Gebiete mit starker Verkarstung,

• Gebiete mit ausgeprägter Grundwasser-Stockwerkstrennung,

• Gebiete mit häufig auftretendem artesischem Grundwasser,

• Gebiete mit hochliegenden Salzstrukturen (z.B. Salzstöcke),

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• Gebiete mit versalzenem Grundwasser. Weitere Gebiete, in denen die Beschaffenheit

des Untergrundes zu Einschränkungen bei der Nutzung oberflächennaher Geothermie

führen kann, sind z.B.

• Altbergbaugebiete,

• Gebiete mit Altlasten, schädlichen Bodenveränderungen und Grundwasserschäden,

• Sonstige Bereiche mit einem Abstand von 100 m bis 1000 m im Anstrom zu

Fassungsanlagen für die Trinkwassergewinnung.

3. Gebiete in denen die Erdwärmenutzung durch Erdwärmesonden unzulässig ist:

Ein Verbot zur Errichtung und zum Betrieb von Erdwärmesonden gilt in:

• Schutzgebieten für die Trinkwasserversorgung Zone I und II,

• Heilquellenschutzgebiete Zone I und II,

• Trinkwassergewinnungsgebieten (wie z.B. in Schutzgebietsplanungsunterlagen

beschrieben oder soweit nicht als Zone I oder II beschrieben in allen Gebieten mit

weniger als 100 m Abstand zu entsprechenden Fassungsanlagen.

Sofern eine sichere Zuordnung eines Standortes auf der Basis der Übersichtskarte nicht

möglich ist oder es lokal sonstige Hinweise auf Bedingungen gibt, die die Nutzung

oberflächennaher Erdwärme beeinflussen (z.B. Altlasten, wasserwirtschaftliche Nutzung), gibt

die Untere Wasserbehörde oder ggf. das LBEG auf Anfrage Hilfestellung. Die in dieser Karte

vorgenommene Einstufung der Gebiete bezieht sich auf das im Leitfaden vorgesehene

Zulassungsverfahren. Es beinhaltet ausdrücklich keine Angaben zur technischen

Erschließungsmöglichkeit von Erdwärme in diesen Bereichen.

Für die optimale Planung der erdberührenden Bauteile (Erdwärmesonde) ist eine möglichst

genaue Kenntnis des Untergrundaufbaus hinsichtlich einer thermischen Nutzung

Voraussetzung. Deshalb hat das LBEG in Niedersachsen, so auch auf Spiekeroog Bohrungen

vorgenommen, um Aussagen über mögliche spezifische Entzugsleistungen für

Erdwärmesondenanlagen bis 30 kW Leistung und Sondentiefen von 40 m, 60 m, 80 m und

100 m treffen zu können, sie ersetzen allerdings nicht die konkrete Überprüfung im Rahmen

des Anlagenbaus anhand der örtlich angetroffenen Verhältnisse. Dazu wurden auf Spiekeroog

ein Dutzend Bohrungen durchgeführt. Nähere Aussagen dazu können dem Kartenserver des

LBEG entnommen werden. 51

Neben den interaktiven Karte stellt das LBEG auch die Internetanwendung „Geothermie - geht

das bei mir?" 52 zur Verfügung, mit der für jeden Standort in Niedersachsen individuell

abgeschätzt werden kann, wie viel Erdwärmesondenmeter oder Kollektorfläche benötigt

51 LBEG - cardo.map, Kartenserie Geothermie

52 LBEG: Geothermie - geht das auch bei mir?

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werden, um einen Neu- oder Bestandsbau effizient zu beheizen. Ebenso wird auf eventuell

bekannte, genehmigungsrelevante Nutzungsbeschränkungen am jeweiligen Standort

hingewiesen.

Wie die Karte in Abbildung 36 zeigt, wird aus geologischer Sicht für nahezu die gesamte Insel

eine bedingt zulässige Erdsonden-Nutzung ausgewiesen. Lediglich ein Teil des Hafens, die

südlichste Landspitze im Westen der Insel und Teile der Nordküste der Insel gehören zu den

zulässigen Gebieten. Völlig ausgenommen von einer Erdwärmenutzung mittels Erdsonden ist

die nordwestlich des Dorfes gelegene Trinkwasserschutzzone II, der das Trinkwasser für die

gesamte Insel entnommen wird. Damit wäre eine Erdwärmenutzung in einem Großteil des

Dorfes theoretisch möglich, allerdings bedarf jedes Vorhaben zur Erdwärmegewinnung mittels

Erdsonden einer wasserrechtlichen Einzelfallprüfung der Unteren Wasserbehörde.

Auf telefonische Nachfrage bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Wittmund 53

verhält es sich mit der Geothermie-Nutzung auf Spiekeroog, wie auf den Inseln allgemein, aus

wasserschutzrechtlicher Sicht allerdings anders. Aufgrund der Ausprägung der

Süßwasserlinse, die unterhalb des besiedelten Bereiches liegt und die gesamte Spiekerooger

Bevölkerung mit Trinkwasser versorgt, hat die Behörde auch im Bereich der

Wasserschutzzone III erhebliche Bedenken in Bezug auf Erdwärmenutzung mittels Sonden.

Bisherige Anträge, die von Hausbesitzern der Nachbarinsel Langeoog gestellt wurden, sind

allesamt abgelehnt worden. Der Einsatz von Erdkollektoren auf Spiekeroog bedarf im Bereich

der Ortschaft in jedem Fall einer Einzelprüfung durch die Untere Wasserbehörde, da das

Grundwasser sehr hoch ansteht und damit notwendige Abstände zur Süßwasserlinse

wahrscheinlich nicht eingehalten werden können.

Die Idee die Erdwärme in den zulässigen Bereichen außerhalb des Dorfes, im Bereich des

Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer zu nutzen wäre technisch gesehen möglich.

Dazu müssten Kollektoren oder Sonden in die Erde eingebracht, vor Ort ein Gebäude mit

Wärmepumpen installiert und die Wärme mittels Fernwärmeleitung zu den Verbrauchern

transportiert werden. Naturschutzrechtlich ist diese Option allerdings unzulässig, da nach dem

NWattNPG keine Genehmigung für Bauwerke erteilt wird, sobald dem geschützten Naturraum

dadurch Fläche genommen wird oder davon ein Lebensrisiko für die Tiere (insbesondere

Vögel) ausgeht.

53 Telefonische Auskunft (11.01.2011): Herr J. Veith, Ansprechpartner im Bauamt, Landkreis Wittmund

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Solarenergie für Spiekeroog

Für die Nutzungsmöglichkeiten der Sonnenenergie sind insbesondere folgende Fragen zu

beantworten:

− Wie hoch ist die Sonneneinstrahlung am Objekt?

− Stehen geneigte Dachflächen (Ausrichtung SO über S bis SW) oder Flachdächer zur

Verfügung?

− Bestehen Hindernisse bzgl. Statik, Denkmalschutz, Verschattung?

Auf Spiekeroog besteht für die Solarenergienutzung ein hohes Potential aufgrund der

sonnenreichen Lage, der kühlen Anströmung (für Wirkungsgrad der PV-Stromerzeugung

wichtig), der klaren Luft und der seebedingten Reflektionen. Solarwärme-Kollektoren (Röhren-

bzw. Flachkollektoren) und Solarstrom-Module sind bereits mehrfach erfolgreich auf

Spiekeroog installiert.

Abschätzung der Spiekerooger Solarflächenpotentiale (Solarkataster)

Im Rahmen der Studie wurde eine Abschätzung der Dachflächenpotentiale für die Gebäude

auf Spiekeroog durchgeführt und ein tabellarisches Solarflächenkataster erstellt. Um die

potentiellen Solardachflächen zu ermitteln wurde wie folgt vorgegangen:

1. Unter Zuhilfenahme der von der Gemeinde Spiekeroog zur Verfügung gestellten

Gebäudedatenbank, der Insel- und Ortskarte Spiekeroog, des Spiekerooger

Gastgeberverzeichnisses, Google-Maps® und Google-Earth® wurden nahezu alle

Gebäude der Insel inkl. Adresse und Nutzungsart in Excel zusammengestellt.

2. Es wurde vermerkt, wenn ein Gebäude unter Denkmalschutz steht. Auf diesen

Gebäuden wird eine Installation im Kataster ausgeschlossen. Ob eine Installation doch

möglich ist, bleibt zu prüfen. Ebenso wurde hier vermerkt, ob eine Sichtbeziehung (SB)

zu einem geschützten Gebäude besteht. Auch bei einem solchen Gebäude wäre zu

prüfen, ob eine Installation mit dem Denkmalschutz vereinbar ist. Besteht ein Potential,

ist dies allerdings vermerkt.

3. Im dritten Schritt wurde das Potential für eine Solarinstallation abgeschätzt.

Unterschieden wird in „nicht möglich“ (-), „Flächen von 5 – 24 m² sind denkbar“ (X),

„Flächen von 25 -99 m² sind denkbar“ (XX) und „Flächen ≥ 100 m² sind denkbar“

(XXX).

4. Für die Potentialflächen wird über Google-Maps® bzw. Google-Earth® die Ausrichtung

der potenziellen Dachfläche ermittelt.

5. Mithilfe des Messtools von Google-Earth® werden die potenziellen Flächen grob

eingemessen.

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6. In einem letzten Schritt werden diese Gesamtpotentialflächen aufgeteilt in Solarthermie

Hinweis:

und Photovoltaik. Berücksichtigt wird dabei die Nutzung der Gebäude (z.B. reine

Wohngebäude mit Wärmebedarf oder unbeheizte Halle), da unterschiedliche Bedarfe

in den Gebäuden vorliegen.

Da die Flächen über Satelliten bzw. Luftbilder ermittelt wurden, kann keine Unterscheidung

nach der Dachneigung erfolgen und die Flächen nur grob abgemessen werden. Aus diesem

Grund können die tatsächlichen Potentialflächen von den ermittelten Flächen abweichen. Ob

die angegebenen Flächen tatsächlich zu erreichen sind, müsste in Einzelprüfungen ermittelt

werden.

Von insgesamt 373 Gebäuden auf Spiekeroog besteht bei 224 Gebäuden kein Potential, bei

85 ein Potential für Flächen zwischen 5 und 24 m², bei 54 für Flächen von 25-99 m² und bei 6

für Flächen von 100 m² oder mehr. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Summierung der

Dachflächenpotentiale auf der Insel, unterschieden nach der Ausrichtung nach Südost (SO),

Süd-Südost (SSO), Süd (S), Süd-Südwest (SSW) und Südwest (SW) sowie der Installation

von Solarthermie und Photovoltaik:

Tab. 13: Dachflächenpotential für Solarinstallationen auf Spiekeroog

Dachausrichtung Potentielle Fläche

gesamt [m²]

Solarthermie

[m²]

Photovoltaik

[m²]

SO 205 35 170

SSO 950 260 690

S 3.116 605 2.501

SSW 730 115 615

SW 130 45 85

SSW/SO* 200 80 120

∑ 5.331 1.140 4.181

* mehrere Gebäude mit unterschiedlicher Ausrichtung

Das komplette, tabellarische Solarflächenkataster ist in Anhang 2 des Anlagenbandes

hinterlegt und steht der Gemeinde Spiekeroog als Excel-Datei zur weiteren Verwendung zur

Verfügung. Eine kartographische Darstellung wurde in diesem Zusammenhang nicht erstellt,

da durch die tabellarische Aufstellung Objekte und Potentiale konkret benannt werden und die

direkte Ansprache der potentiellen Investoren bei einer kleinen Gemeinde nach Meinung der

Autoren zielführender ist als eine unverbindliche allgemeine Kartendarstellung. Selbst über

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Solarkataster bei Großstädten wird kontrovers über den Sinn und den Aufwand der

Potenzialanalysen und Kataster diskutiert. 54

Solarstrom-Nutzung

Für Spiekeroog wird die DWD-Wetterstation Norderney als nicht kommerzielle, allgemein

zugängliche und nächstgelegene Wetterstation mit Langzeitaufzeichnungen (seit 1947)

hinzugezogen. 55

abs. spez. Jahresertrag, kWh/kWp

1000

950

900

850

800

750

700

650

600

Standort Norderney

15°Neigung

30°Neigung

45°Neigung

60°Neigung

rel., 15°Neigung

rel., 30°Neigung

rel., 45°Neigung

rel., 60°Neigung

-90 -75 -60 -45 -30 -15 0 15 30 45 60 75 90

West Ausrichtung

Ost

Abb. 39: Spezifische Solarstromerträge in kWh/kWp und rel. Abweichung

Für Dachflächen um 30° Neigung und genaue Südausric htung können spezifische

Solarerträge für eine gute Anlagenkonfiguration (PR = ca. 77%) um 975 kWh/kWp erzielt

werden; vergl. Abb. 37.

Eine Abweichung aus Süd um jeweils 45° bei optimale r Neigung zeigt für diese Simulation

einen Minderertrag von lediglich 5-7 % vom Idealertrag. Genauso ist abzulesen, welcher

Minderertrag bei zu flacher oder zu steiler Neigung zu erwarten ist. Bei den in Frage

54 Kritischer Beitrag: http://www.greentech-germany.com/ueber-sinn-und-unsinn-von-solarpotenzialanalysen-und-

solarkatastern-wie-man-mit-grexglobal-com-aus-potenzial-tatsaechlich-installierte-leistung-machen-kann-p3002/

55 Übersichtstabelle der DW-Stationen: http://www.dwd.de/...

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100

95

90

85

80

75

70

65

60

rel. Verhältnis spez. Jahresertrag / max sp. Jahresertag, %


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 87 von 166

kommenden Dachflächen der Strandkorb-/ Sporthallen und der Feuerwehr sind eher 15°

Dachneigung anzusetzen, aber volle Südausrichtung ohne Verschattung.

Die spezifischen Erträge liegen dort bei rd. 920 kWh/kWp bzw. 5,5 % niedriger als der

Idealwert. Dies beeinträchtigt die Wirtschaftlichkeit der Anlage also nicht gravierend.

Mit den als potentiell geeignet ermittelten Solar-PV-Flächen von rd. 4.200 m² kann über

folgende Annäherung die Stromerzeugung abgeschätzt werden:

10 m² � 1 kWp PV-Leistung und ca. 1.000 kWh/kWp Stromproduktion: rd. 410 MWh/a. Das

entspricht einem Anteil am aktuellen Stromverbrauch von rd. 5,5 %.

Für fünf konkrete Gebäude auf Spiekeroog wurde – auch im Rahmen gesonderter

Untersuchungen – das Potential zur Solarstromproduktion näher untersucht.

Aufgrund der guten Ertragssituation besteht nicht die Frage, ob Potential besteht, sondern wie

teuer eine Installation auf der Insel ist und zu welcher Wirtschaftlichkeit diese führt.

Am Beispiel des Werkstattgebäudes wird das Vorgehen zur Einholung von Preisangaben zur

PV-Installation und zur Abschätzung der Wirtschaftlichkeit verdeutlicht.

Anhand einer standardisierten Checkliste je Objekt wurden die relevanten Daten und

insbesondere Fotodokumentation von Dach, Dachkonstruktion, Verteilerkasten und Umfeld

wg. Verschattung zusammengestellt. Ergänzt um einen Lageplan und die Bemaßung der

Flächen konnten so die angefragten Installationsbetriebe seriöse Kostenschätzungen

abgeben.

Abb. 40: Auszug der Anfrage an Installationsbetriebe, Werkstattgebäude

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 88 von 166

Auf dieser Basis wurden vergleichbare Angebote verschiedener Bieter für die Gemeinde

Spiekeroog zusammengestellt. Damit wurde der nächste Schritt hin zur Umsetzung begangen:

Von der Potentialabschätzung zur Vorprojektierung und Kosten/Angebotsabfrage. So sind

Entscheidungen in der Gemeinde Spiekeroog auf Basis realistischer und verbindlicher

Angaben möglich. Die Angebote liegen der Gemeinde Spiekeroog vor und wurden bereits

durch einige Vor-Ort-Begehungen der Betriebe ergänzt.

Eine touristisch wirksame Anwendung könnte der auf den kommunalen Gebäuden gewonnene

Solarstrom in der Versorgung der inseleigenen E-Karren finden. Dazu gibt es von der

Gemeinde Spiekeroog bereits eine Projektskizze, die im Rahmen der Bearbeitung des

Konzeptes mit betreut wurde:

Projektskizze

Emissionsfreier und CO2-neutraler Transport auf Spiekeroog

Elektromobilität ist eines der Top-Themen der Zukunft. Aufgrund der autofreien Belassenheit

der Insel besteht im Bereich der E-Mobilität seit jeher ein enormes (touristisches) Potential

für Spiekeroog. Sämtliche Güter des täglichen Bedarfs werden auf der Insel mit

Elektrokarren transportiert, insbesondere von und zum Hafen. Durch die Nutzung von

erneuerbaren Energien für die Stromversorgung der E-Karren können die Themen aktiver

Klimaschutz und Tourismus miteinander verbunden und das Image der „grünen Insel“ weiter

gestärkt werden.

Die Umsetzung des Projektes erfolgt in drei Segmenten:

1. Die Installation von Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der öffentlichen Gebäude

Feuerwehrhaus, Müllumschlagstation und Werkstatt, um den erforderlichen Strombedarf

der E-Karren zu erzeugen. Die weitestgehende Eigenwirtschaftlichkeit der Anlagen wird

durch die Einspeisevergütung innerhalb der Betriebslaufzeit erzielt.

2. Die Visualisierung der emissionsfreien/ CO2-neutralen E-Mobilität am Hafen, in

unmittelbarer Nähe der Ankunfts- bzw. Abfahrtsorte der Touristen erfolgt durch drei

Elemente: eine Kleinst-Windkraftanlage (WKA), ein einachsig nachgeführtes

Solarstrompanel und eine Informationstafel, auf der die Energieerzeugung und die

Strombilanz der E-Mobilität ansprechend dargestellt werden.

3. Die Vermarktung der E-Mobilitätsphilosophie, durch die der Klimaschutznutzen und die

Umsetzungsentschlossenheit („Wir setzen uns aktiv für den Klimaschutz ein!“) der Insel

Spiekeroog herausgestellt werden, erfolgt u.a. durch ein einheitliches Güte-Signet, einen

Flyer und die Visualisierung der Strombilanz im Internet.

Die Umsetzung der Projektidee Emissionsfreier Transport auf Spiekeroog lässt einen hohen

Wertezuwachs erwarten. Die Nutzung von erneuerbaren Energien für die E-Mobilität auf

Spiekeroog ist ein Vorzeigeprojekt und ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen

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touristischen Inseln bzw. Gebieten. Die Zukunftsperspektive Klimaschutz und nachhaltiges

Handeln wirken sich positiv auf das Image der Insel aus und stärken dadurch den

Wirtschaftszweig Tourismus. Die konkrete Umsetzung, sowie die erlebbare und geschickt

„inszenierte“ Technik bringen ein Mehr an Glaubwürdigkeit bei der Wahrnehmung der

kommunalen Daseinsvorsorge.

Der Kostenaufwand für technisch geeignete Speicherelemente, durch die der regenerativ

erzeugte Strom in ausreichender Menge gespeichert werden könnte ist derzeit noch sehr

hoch. Aufgrund dessen ist vorgesehen den erzeugten Strom in das vorhandene Stromnetz

einzuspeisen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gewährleistet eine

Einspeisevergütung für den ins Stromnetz eingespeisten Strom. Die geplanten Photovoltaik-

Anlagen sollen sich über die EEG-Einspeisevergütung amortisieren. Erträge, die nach Ablauf

der Refinanzierung erwirtschaftet werden, können im Haushalt der Gemeinde

gutgeschrieben werden.

Die Umsetzung des Projektes sollte schnellstmöglich erfolgen, da die

Energieeinspeisevergütung stetig sinkt. Die Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der

öffentlichen Gebäude Feuerwehrhaus, Müllumschlagstation und Werkstatt (Segment 1)

sollten eine Leistung von 80kWp erbringen, damit der jährliche Strombedarf der Elektro-

Karren von etwa 100.000 kWh durch die Anlagen erzeugt werden kann. Im Rahmen des

Energie- und Klimaschutzkonzeptes Spiekeroog wurden im Dezember 2010 Angebote von

mehreren Installationsbetrieben abgefragt. Auf Grundlage der Angebote sind für die

Installation derartiger Anlagen Kosten von etwa EUR 250.000,- (brutto) zu erwarten

(Müllumschlagstation: EUR: 45.000,-, Feuerwehr: EUR 140.000,-, Werkstatt:

EUR 65.000,-).

Grundsätzlich soll die Refinanzierung der Anlagen durch die EEG-

Energieeinspeisevergütung gegeben sein. Als Berechnungsgrundlage sollte dabei ein

Amortisierungszeitraum von max. 20 Jahren angenommen werden. Für eine detaillierte

Berechnung bedarf es der erneuten Abfrage der Installationskosten sowie der aktuellen

Kreditkonditionen. Die Energieeinspeisevergütung beträgt aktuell 28,74 Cent/kWp (sie wird

jedem Begünstigten für 20 Jahre garantiert). Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird

voraussichtlich im Januar 2012 novelliert. Mit einer Kürzung der Energieeinspeisevergütung

ist zu rechnen.

Die Visualisierung der emissionsfreien/ CO2-neutralen E-Mobilität am Hafen (Segment 2) soll

weitestgehend durch den Erwerb von Sponsoren- und Fördergeldern finanziert werden. Für

die Visualisierung wird der Kostenumfang je nach Ausstattung zwischen EUR 25.000,- und

40.000,- (brutto) geschätzt:

Die Kosten für eine Kleinwindkraftanlage liegen je nach Ausführung, Leistung, Masthöhe

zwischen EUR 4.000,- und 21.500,-, ein einachsig nachgeführtes Solarstrompanel bei einer

Größe von ca. 10 m² und einer Leistung von 1 kWP inklusive Montage kostet etwa EUR

10.000,-, die Kosten für eine Informationstafel mit pädagogisch aufbereiteten Erläuterungen

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 90 von 166

als robuste Außenaufstellung sowie Digitalisierung der Stromerträge werden auf EUR

12.000,- geschätzt.

Die Vermarktung der E-Mobilitätsphilosophie (Segment 3) wird sich an den

marketingrelevanten Aktivitäten orientieren. Die Kosten für die Vermarktungselemente Güte-

Signet, Flyer (Auflage 5.000 Stück), Internetanimation werden auf EUR 5.000,- geschätzt.

Solarwärme- Nutzung

Mit den als potentiell geeignet ermittelten Solar-Wärme-Flächen im Dachbereich von

rd. 1.150 m² kann über folgende Annäherung die Wärmebereitstellung abgeschätzt werden:

10 m² Solarkollektor erbringt im Mittel rd. 300 kWh/a und damit rd. 400 MWh/a Wärme. Das

entspricht einem Anteil am aktuellen Erdgasverbrauch von rd. 1,4 %.

Durch die zuvor dargestellten Sachverhalte wird deutlich, dass unterschiedlich hohe Potentiale

für die Energiegewinnung aus erneuerbaren Energietechniken bestehen. Diese

Energiegewinnungspotentiale können für Spiekeroog wie folgt beziffert werden:

• Solar-Wärme: Dächer FeWo, Pensionen, Hotels 1,4 % (th.)

• Solar-Strom: Dächer großer Gebäude, Hallen 5,5 % (el.)

• Wind-Strom: Repowering der HLS-WKA 18 % (el.)

• Biomasse: kein (technisch-wirtschaftliches Potential) -

• Wärmepumpe (Geothermie): Nein, wg. Trinkwasserschutz -

• Wärmepumpe (Luft/Wasser): schwierig wg. salzhaltiger, Luft; effizient nur

bei guter Dämmung

• Gezeiten-Kraftwerk: nicht möglich, aufgrund des Natur- und Küsten-

schutzes

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?

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 91 von 166

5 Handlungsfelder zur Erschließung der Klimaschutzpotentiale

5.1 Hinweise zur Erschließung der Energieeinspar- und Effizienzpotentiale

Die zahlreichen Möglichkeiten und Aktivitäten um den Klimaschutz durch Energieeinsparung,

Energieeffizienz und den Einsatz Erneuerbarer Energien voranzubringen sind bekannt und

aktuell im Internet hervorragend dokumentiert. Von herstellerunabhängiger Seite gibt es dazu

insbesondere von Verbraucherschutzorganisationen und öffentlichen Einrichtungen sehr gut

aufbereitete Informationsquellen und praktische Energiespartipps. Dies sowohl für den

privaten, den gewerblichen als auch den öffentlichen Sektor.

Einige relevante Infoquellen sind im Folgenden kurz mit Weblink skizziert:

Tab. 14: Übersicht praktikabler Infoportale zum Thema Energie/ Klimaschutz

Bund der Energieverbraucher

Info-Portal zu erneuerbaren Energien

BINE, Projekt-, u. Basisinformationen zum

Thema Energie

Info-Portal Thema Energie der Deutschen

Energieagentur

Energieeffizienz im Haushalt

Energieeffizienz im Dienstleistungssektor

Kostenloser Energie-Check, DBU: Haus

sanieren - profitieren

Fach-Info (dena) Energie und Gebäude

Statistik, Energiedaten vom BMWi

Klimaschutzseite des BMU

Infoseite Nachhaltiges Bauen des BMVBS

Kampagne und Projekte zur CO2-

Einsparung

Umfassende Info zum hydraulischen

Abgleich von Heizungsanlagen

Förderung Energieberatung Vor-Ort

Förderung Einzelmaßnahmen Nutzung

Erneuerbare Energie

Förderung Energie-Effizienzberatung KMU

Förderung investiver Maßnahmen

Gebäudebestand und Neubau

http://www.energieverbraucher.de

http://www.unendlich-viel-energie.de/

http://www.bine.info/

http://www.thema-energie.de/

http://www.stromeffizienz.de/

http://www.energieeffizienz-im-service.de/

http://www.sanieren-profitieren.de/

http://www.zukunft-haus.info/

http://bmwi.de/BMWi/Navigation/Energie/Statistik-und-

Prognosen/energiedaten.html

http://www.bmu.de/klimaschutz

http://www.nachhaltigesbauen.de/

http://www.co2online.de/

http://www.hydraulischer-abgleich.de/

http://www.bafa.de/bafa/de/energie/energiesparberatu

ng/index.html

http://www.bafa.de/bafa/de/energie/erneuerbare_energ

ien/index.html

http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderung/Programm

uebersicht/Energieeffizienzberatung/index.jsp

http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderung/Programm

uebersicht

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Entscheidend ist, welche Maßnahmen zur Energieeinsparung und für den Klimaschutz

umsetzungsrelevant sind. Dies ist dann gegeben, wenn

a) der Investor ausreichend informiert ist,

b) er auch motiviert ist, die Entscheidung in die Tat umzusetzen,

c) es sich um wirtschaftlich lukrative Investitionen handelt,

d) es zunehmend positive Beispiele gibt, die diese Entscheidung auch im Rückblick als

richtig und sinnvoll erscheinen lassen.

Gerade letzteres sorgt für ein positives Entscheidungsklima auch für andere Investoren.

Die wesentlichen Maßnahmen sollen hier nur kurz wiedergegeben werden:

- Einsparung im Gebäudebereich:

o Einsparung durch Wärmedämmung der Bauteile Dach, Außenwand, Fenster,

Kellerdecke

o Effizienzsteigerung durch Kesselerneuerung und Brennwerttechniknutzung,

hydraulischer Abgleich, Isolierung der Rohre/ Leitungen, effiziente Steuerung/

Regelung,

- Effizienzsteigerung:

o Effiziente Kühltechnik und hocheffiziente Antriebe, Art und Steuerung der

Beleuchtung, Lüftungstechnik, Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung

- Einsatz erneuerbarer Energie

o durch Solarwärme, Holzpellets, Holzvergaserkessel,

o Wärmepumpen,

o Solarstrom, Klein-WKA, Repowering von WKA.

Die Einschätzung der Wirtschaftlichkeit energierelevanter Investitionen spielt die Hauptrolle

bei der Entscheidung des Investors. Daher ist es wichtig, dass bei Informations- und

Beratungsgesprächen zwei Aspekte deutlich gemacht werden:

- Betrachtung der „Vollkosten“ einer Maßnahme,

- Beachtung des „Mehrkostenansatzes“ beim Vergleich der Alternativen „Standard“ und

„Effizienz“.

Die Vollkostenbetrachtung stellt die mit einer Maßnahme verbundenen Kosten:

- Kapitalgebundene Kosten (Investition, z.B. Heizkessel)

- Verbrauchsgebundene Kosten (Brennstoffverbrauch, z.B. Erdgaskosten)

- Betriebsgebundene Kosten (Betrieb, z.B. Wartung, Schornsteinfeger)

- Sonstige Kosten (z.B. Abrechnungskosten Wärme o.ä.)

transparent zusammen und bewertet alle kostenmäßigen Belastungen durch die Anschaffung

einer Maßnahme. In der Praxis wird oftmals nur die Investitionshöhe zweier Alternativen als

Entscheidungskriterium herangezogen. Dies beschert keine echte langfristige

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Wirtschaftlichkeitsabschätzung und vernachlässigt die derzeitigen und zukünftig zu

erwartenden Energiepreissteigerungen.

Der Mehrkostenansatz unterscheidet zwischen

Kosten die „sowieso“ oder „ohnehin“ im Rahmen einer Sanierung/Instandhaltung

notwendig sind und

Kosten, die einzig der Energieeinsparung zuzuschreiben sind.

Dieser Ansatz wird auch als „Kopplungsprinzip“ bezeichnet; also die Kopplung von

Reparatur/Instandsetzung und Energieeinsparung. Beispiel: Das Dach ist mit 35 Jahre alten

Betondachsteinen eingedeckt und weist nur eine Dämmung von rd. 6 cm auf. Das Dach ist

abgängig. Eine energieeffiziente Maßnahme besteht jetzt in der zusätzlichen Dämmung auf

dann ca. 28 cm. Für die energetische Verbesserung sind dann die Mehrkosten für Dämm-

Material und Arbeit zu veranschlagen. Die Dachdeckerarbeiten wären sowieso fällig

geworden, da das Dach erneuert werden musste. Und nur die energetischen Mehrkosten

dürfen den Einsparungen durch die verbesserte Dämmung in Relation gesetzt werden. So

„rechnen“ sich Energieeinsparung und effiziente Investitionen. Die nachfolgende Grafik

illustriert dies:

Energetische

Mehrkosten

Abb. 41: Mehrkostenansatz für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Mehrkosten

geteilt durch

Einsparung/a

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5.2 Handlungsfeld Private Haushalte

Um die wirtschaftlich erschließbaren Potentiale zu heben, sollten insbesondere die bereits

bestehenden Hilfsmittel und Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene kommuniziert

werden. Dies kann durch Informationsveranstaltungen, Presseartikel im Inselboten, Medien

des Regionalversorgers (EWE, friesenenergie GmbH) und Beratungstage der

Verbraucherberatung erfolgen. Dieser oftmals mühselige Weg der Kommunikation ist durch

die Vielzahl der Informationen nur bedingt erfolgreich. Wir erachten daher insbesondere für

den privaten Sektor eine gezielte Information in Verbindung mit klaren monetären Anreizen als

zielführend für eine verstärkte Umsetzung:

- Bezuschussung der BAFA-Förderung 56 „Energieberatung vor-Ort“ mit 200 € für Ein-

und Zweifamilienhäuser (Gesamtkosten etwa 600-800 €/Geb. abzgl. Förderung BAFA

von 300 €/Geb.)

- Bezuschussung eines VdZ-Heizungschecks 57 durch das Handwerk mit 50 € für Ein-

und Zweifamilienhäuser (Gesamtkosten ca. 75-125 €/Geb.)

Ein Klimaschutzkoordinator sollte sich u.a. um die o.g. Informations- und Beratungsangebote

kümmern. Insbesondere sollte über die aktuellen Konditionen der KfW-Förderbank 58 zum

Thema „Energieeffizient Sanieren“ in Kooperation mit einem regionalen Finanzinstitut berichtet

werden.

Ansonsten ist es für die kleine Gemeinde Spiekeroog schwer mit den begrenzten finanziellen

und personellen Mitteln, die Klimaschutzziele massiv auch in den anderen Sektoren

voranzubringen. Unter diesem Aspekt ist eine „Koordinations- oder Beratungs-Allianz“ mit z.B.

dem Landkreis Wittmund oder über Kontakte der friesenenergie GmbH sinnvoll. Es muss sich

im Laufe der nächsten Zeit herauskristallisieren, wie und über welche Personen eine anteilige

Unterstützung für den Klimaschutz möglich ist.

Eine weitere Möglichkeit, die privaten Haushalte für das Thema „Energie und Klimaschutz“ zu

sensibilisieren und Erstinformationen über ihr Gebäude zu erhalten stellt die DBU-Kampagne 59

„Haus sanieren – profitieren“ dar. Diese wurde von der Gemeinde Spiekeroog 2010 bereits im

Rahmen der Ausstellung „Unser Haus spart Energie – gewusst wie“ in Kooperation mit dem

zuständigen Bezirksschornsteinfegermeister auf der Insel kommuniziert.

Die Erst-Analyse eines Objektes (Ein-/Zweifamilienhaus) ist kostenlos.

56 http://www.bafa.de/bafa/de/energie/energiesparberatung/index.html

57 http://www.vdzev.de/ VdZ - Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik e.V.

58 http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderung/Programmuebersicht/Energieeffizient_Sanieren_-_Kredit/index.jsp

59 Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU): http://www.sanieren-profitieren.de/

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Im Rahmen der Konzepterstellung wurde eine Info-Veranstaltung für die Privaten Haushalte

veranstaltet. Diese wurde als Aushang und im „Inselboten“ angekündigt und zusätzlich als

Extrainformation seitens der Gemeinde Spiekeroog an alle Haushalte verteilt.

Einerseits sollten mit der Präsentation und Diskussionsmöglichkeit die Bürger Spiekeroogs

auf das Klimaschutzkonzept aufmerksam gemacht werden und mit konkreten Maßnahmen zur

Umsetzung im Haushalt konfrontiert werden. Andererseits wollten die Autoren prüfen, wie

hoch die Bereitschaft der Spiekerooger ist, sich für einen Infoabend diesem Thema zu

widmen. Die Resonanz war relativ gering aber für Spiekerooger Verhältnisse mit rd. 25

Teilnehmern deutlich höher als erwartet. Die Vortragsunterlagen sind im Anhang 6 des

Anlagenbandes dokumentiert.

Die Vermittlung zielgerichteter Informationen mit echtem Mehrwert erachten wir als die

wesentliche Maßnahme, die die Kommune Spiekeroog als Handlungsoption für die privaten

Haushalte erbringen kann. Fachinformation in Verbindung mit Hinweisen zu:

- Förderung für Beratung,

- günstige Bau-/ Sanierungsdarlehen,

- kostenlose Analyse-Checks,

- praktikable, leicht verständliche Online-Tools,

- Erfahrungsberichte zum Nachahmen.

Auch wenn die Resonanz nicht überragend sein sollte, so müsste zweimal pro Jahr eine

derartige Info-Veranstaltung als Angebotsofferte durch die Gemeinde Spiekeroog

kontinuierlich vorgehalten werden. Diese Aufgabe kann ein Klimaschutzkoordinator

übernehmen.

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5.3 Handlungsfeld Beherbergungsbetriebe und Gewerbe

Für den gewerblichen Bereich steht ein sehr attraktives KfW-Förderprogramm für die Beratung

zur Verfügung. Dies muss zukünftig noch stärker beworben werden. Dies kann und sollte

Aufgabe der Gemeinde Spiekeroog sein, um den Klimaschutz für diesen Verbrauchssektor

stärker in den Focus effizienter und energiesparender Investitionsentscheidungen zu lenken.

Abbildung 40 verdeutlicht die monetären Anreize der Beratungszuschüsse durch den KfW-

Sondereffizienzfonds 60 .

Der Zuschuss für eine erste Initialberatung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)

beträgt 80 %, für eine vertiefende Detailberatung noch 60%.

Abb. 42: Kostenzuschuss für Energieeffizienzberatungen in KMU

Auf Basis dieser Beratungsförderung können die Betriebe auf Spiekeroog motiviert werden, ihr

Unternehmen mit sehr geringem finanziellem Eigenaufwand energetisch analysieren zu

lassen. Die beste Basis für weitere Umsetzungen in Energieeffizienz, Einsparung und Nutzung

erneuerbarer Energie.

Zur besseren Motivation der Betriebe ist u.E. eine zusätzliche Bezuschussung nicht angezeigt;

die gewährten 80 % müssen Anreiz genug sein.

60 http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderung/Programmuebersicht/Energieeffizienzberatung/index.jsp

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Vielmehr sehen wir Chancen einer erhöhten Akzeptanz, wenn für den Investor der Zugang zur

Förderung erleichtert und seine zeitliche Inanspruchnahme wesentlich verkürzt würde. Hierzu

können folgende Schritte unternommen werden:

- Kontinuierliche Info zum Programm durch Klimaschutzkoordinator und/ oder IHK,

- Vorauswahl und Sammlung geeigneter Berater für die wesentlichen Fragen:

Wärmedämmung/ Bauphysik, Heizungs- und Warmwassertechnik, Lüftung und

Antriebe, Kühlung/ Kälte,

- Sammlung von gewerblichen Interessenten, sodass der Zeitaufwand für den Berater

minimiert oder dadurch sein Arbeitseinsatz effektiver wird,

- Begleitung der Unternehmen beim Ausfüllen und der Beantragung der Fördermittel

beim zuständigen Projektträger, z.B. der IHK.

Eine bedeutende Informationsplattform für den Beherbergungs- und Gastronomiebereich stellt

die Kampagne der DEHOGA 61 dar: Diese seit 2006 laufende Informationskampagne ist

gerade im März 2011 verlängert worden und stellt online sowie als Download, über

Telefonhotlines und Online-Tools eine ganze Reihe zielorientierter Lösungsvorschläge dar.

Hier wäre die Idee, die DEHOGA-Spiekeroog-Aktivitäten wieder neu zu beleben und evtl.

sogar in einem gemeinsamen Austausch unter den Betrieben nach praktikablen und

effizienten Maßnahmen zu suchen.

Einen weiteren Ansatzpunkt sehen wir in der Verbindung von Touristik und Klimaschutz in der

Art einer neuen Identifikation als Imageverbesserung und Besetzen des Klimaschutzthemas

als ostfriesische Insel. Zukünftig wird die Urlaubsfrage 62 verstärkt mit den Themen

Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Verbindung gebracht. Hier könnte die politische und

touristische Positionierung Spiekeroogs das Thema Klimaschutz stark befördern.

Auch für diesen Sektor wurde während der Bearbeitungsphase eine zielgruppenspezifische

Fachveranstaltung für das Beherbergungsgewerbe durchgeführt mit guter aber nicht

überragender Resonanz. Es wurden – auch um Interesse zu wecken – Referenten vom

Festland gewonnen, die insbesondere über die KMU-Fördermöglichkeiten berichteten. Die

Vorträge sind ebenfalls im Anhang 6 des Anlagenbandes dokumentiert.

61 www.Energiekampagne-Gastgewerbe.de, Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V. (DEHOGA)

62 Vergl. Reiseanalyse, http://www.fur.de/

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5.4 Handlungsfeld gemeindeeigene Liegenschaften

Die Gemeinde Spiekeroog verfügt über elf gemeindeeigene Liegenschaften, die in der

folgenden Tabelle aufgeführt sind:

Tab. 15: Übersicht öffentlicher Liegenschaften der Gemeinde Spiekeroog

Nr. Gebäude Adresse

WG/NWG/

unbeheizt

1 Rathaus Westerloog 2 NWG

2 Inselmuseum Noorderloog 1 NWG

3 DLRG Haus Noorderloog 21 WG

4 Kindergarten und Wohnungen Noorderloog 29

WG

(mit NWG-Teil)

5 Wohnhaus (2 WE) Tranpad 1 WG

6 Wohnhaus (ehem. Bgm.-Wohnhaus) Melksett 13 WG

7 Wohnhaus (4 WE) Melksett 19 WG

8 Wohnungen im DG der Inselschule Süderloog 50 NWG

9 Ärztewohnhaus Lütt Slurpad 10 WG

10 Feuerwehr und Wohnungen Noorderthün 1 NWG

11 Hafengebäude Wüppspor NWG

Für alle gemeindeeigenen Objekte wurde auf Basis der Verbrauchsdaten und Angaben zu den

Flächen ein Energieausweis erstellt. Diese sind im Anlagenband, Anhang 1 aufgeführt.

Weitere kommunale, öffentliche Gebäude sind in der Liegenschaft der Nordseebad

Spiekeroog GmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Gemeinde Spiekeroog.

Dementsprechend sind die Zuständigkeiten und Abrechnungsmodi der beiden

Liegenschaftsträger Gemeinde Spiekeroog und Nordseebad Spiekeroog GmbH

unterschiedlich und werden durch verschiedene Personen betreut. Für ein Controlling der

Energieverbräuche oder – besser noch – ein Energiemanagement fehlt es an Personal. Doch

gerade in der Verbrauchskontrolle und der sorgfältigen Beobachtung und Verfolgung der

zeitlichen Entwicklung der Energieverbräuche und -kosten sehen wir ein lukratives

Einsparpotential für die Gemeinde Spiekeroog.

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Vor diesem Hintergrund sollen die Bausteine des Energiecontrollings und des

-managements kurz dargestellt werden:

− kontinuierliche Verbrauchserfassung,

− Dokumentation und Auswertung der Verbrauchsdaten,

− Kennwert- und Benchmark-Ermittlung, Berichtslegung,

− Analyse und Prioritätenliste der energetischen Verbesserungen, Sanierungsfahrplan,

− Umsetzung und Kontrolle der Maßnahmen,

− Feedback, Kontrolle der Einsparerfolge.

Entscheidend sind die Energieverbrauchsdaten für den Heizwärmeverbrauch (Raumheizung

und Warmwasserbereitung), da hier durch Investitionsmaßnahmen Einfluss durch die

Gemeinde Spiekeroog als Eigentümer genommen werden kann. Der Stromverbrauch

dagegen ist vom Nutzer- und Kaufverhalten (z.B. Kauf von energieeffizienten Klasse A-

Geräten) der Mieter abhängig und kann nicht durch die Gemeinde direkt beeinflusst werden.

Daher wird auf die Strom-Erfassung der Wohnungen verzichtet.

Um also die Energieverbrauchsdaten der Wohnimmobilien jährlich zu erfassen und zu

kontrollieren und dabei die Datenmengen übersichtlich zu halten, schlagen wir vor, einen

zusätzlichen Passus in die Mietverträge aufzunehmen:

Vor dem Hintergrund der Bemühungen der Gemeinde Spiekeroog zur Verbesserung des

Klimaschutzes und der Energieeinsparung setzt der Vermieter die Bereitschaft des

Mieters zur Übermittlung der Energieverbrauchsdaten für den Heizwärmeverbrauch

(Raumheizung und Warmwasserbereitung) zu Beginn jedes Kalenderjahres voraus. Die

Übermittlung kann als Hinterlegung einer Kopie der Jahres- bzw. Zwischenabrechnung

des zuständigen Energieversorgers bei der Gemeinde Spiekeroog erfolgen.

Die gemittelten Energiekosten für die Liegenschaften der Gemeinde Spiekeroog betragen:

− Gemeinde Spiekeroog, ca. 55T €/a

− Nordseebad Spiekeroog GmbH (ohne Treibstoff für die Fähren), ca. 220T €/a

Zusammen beträgt der Energiekostenanteil also rd. 300T €/a. Unterstellt man eine

5-10 %-Einsparung allein durch Rückkopplung aus der Energieverbrauchsdokumentation und

Verbesserung des Nutzerverhaltens, so könnten jährlich rd. 15-30T € eingespart werden.

Ohne große Investitionen tätigen zu müssen. Ansätze für verbessertes Nutzerverhalten sind:

− Raumtemperatur um 1°C reduzieren,

− Richtig Stoß-Lüften statt Dauerlüften bei Heizungsbetrieb,

− Schaltuhren, Steuerungen an Heizkesseln überprüfen und optimieren,

− Stand-by-Verluste vermeiden (schaltbare Steckerleiste nutzen),

− Beleuchtung rechtzeitig ausschalten,

− Wasser sparen (weniger Warmwasser spart Energie).

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Im Rahmen mehrerer Begehungen vor Ort fielen folgende Punkte zur Verbesserung des

Umgangs mit Energie und zur Ausschöpfung der Energieeinsparpotentiale auf:

− Oftmals sind mehrere (bis zu 4!) Kesselanlagen in kleinen Objekten/ Gebäuden

vorhanden,

− fehlende Isolation/ Wärmedämmung der Rohrleitungen, Armaturen und Pumpen,

− bisher nur wenig Einsatz hocheffizienter Pumpen,

− Viele Heizungsanlagen sehen nicht danach aus, dass kürzlich ein hydraulischer

Abgleich stattgefunden hat - Optimierungspotential bei Steuerung/ Regelung,

− Investive Maßnahmen durch Austausch der Fenster/ Verglasung,

− Einsatz von Heizkraftwerken (HKW) in Wärmeabsatzschwerpunkten, bzw.

Reaktivierung des Schwimmbad-BHKWs.

Für 7 von 11 gemeindeeigenen Objekten wurde eine Vor-Ort-Begehung mit

Fotodokumentation und Hinweisen zu Mängeln und Tipps zur Energieeinsparung erstellt.

Diese sind im Anhang 4 dokumentiert. Eine entsprechende Kurzübersicht dieser Maßnahmen

an den Objekten ist auf einer Seite als Maßnahmenblatt ebenfalls dokumentiert und in Kapitel

10 „Maßnahmenkatalog“ dargestellt.

Die Gemeinde Spiekeroog sollte auf politischem Terrain die nachfolgenden Punkte angehen:

→ „Kümmerer“ in der Verwaltung mittel- bis langfristig installieren, der sich um die

Klimaschutzbelange kümmert, die Themen Nachhaltigkeit voran bringt und dabei die

Förderlandschaft sorgfältig nach Co-Finanzierungen sondiert,

→ Nachhaltigkeitsberichterstattung (läuft bereits an),

→ Netzwerke schaffen, pflegen und Erfahrungen anderer – vergleichbarer – Kommunen

nutzen,

→ Initiieren von Interessengruppen, Genossenschaften, Vereinen, die sich an Projekten

regenerativer Energie: PV-/ Wind-Parks auf dem Festland beteiligen.

Um die Kontinuität der Klimaschutzaktivitäten der Insel Spiekeroog fortzusetzen, wird dringend

vorgeschlagen, einen Klimaschutzkoordinator einzusetzen. Aufgrund der Haushaltslage ist nur

eine Teilbeschäftigung vertretbar; diese muss aber zu mindestens

50 % relevante Projektarbeitszeit darstellen. Die Maßnahmen, die Spiekeroog sinnvollerweise

ergreifen sollte sind zahlreich und gleichermaßen wichtig. Daher kann diese Aufgabe nicht

„nebenher“ gemacht werden. Ohne eine gewisse Ernsthaftigkeit für die Umsetzung der

Klimaschutzmaßnahmen ist kein Erfolg zu erwarten ansonsten drohen die vielzahligen, bisher

erfolgreichen Bemühungen zu verkümmern.

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5.5 Handlungsfeld Nordseebad Spiekeroog GmbH

Die Nordseebad Spiekeroog GmbH verfügt über eine höhere Anzahl von Liegenschaften und

über einen deutlich höheren Energieverbrauch als die Gemeinde Spiekeroog. Der

Schwerpunkt liegt hier beim Kurbetrieb mit Kurverwaltung und Schwimmhalle.

Tab. 16: Übersicht öffentlicher Liegenschaften der Nordseebad Spiekeroog GmbH

Nr. Gebäude Adresse

WG/NWG/

unbeheizt

12 Kurmittelhaus und Inselkino Noorderpad 23/25

13 Wohnhaus Noorderpad 16 WG

14 Kogge - Haus des Gastes Noorderpad 18 NWG

15 Schwimmbad Noorderpad 20 NWG

16 Mehrzweckhalle Noorderpad 20 NWG

17 Kinderspielhaus Noorderpad 25a NWG

18 Lesepavillion Noorderpad 27 unbeheizt

19 Strandkorbhalle Slurpad 15 unbeheizt

20 Strandsporthalle Slurpad 13 NWG

21 Strandhalle – Imbiss, Kiosk Slurpad 11 NWG

22 Werkstatt Westerloog 11 NWG

23 Lagerhalle Westerloog 13 unbeheizt

24 Wohn- und Gästehaus Westerloog 15 WG

25 Arztpraxis und Wohnungen Noorderpad 23 WG

27 Strandkorbhalle (tief) Strandpad NWG

28 Zeltplatz Palisadendiek NWG

Im Rahmen der Vor-Ort-Begehungen wurden insgesamt 8 detaillierte Begehungsnotizen

erstellt und 4 objektbezogene Maßnahmenblätter erarbeitet. Die Notizen sind im Anhang 4 des

Anlagenbandes, die Maßnahmenblätter in Kapitel 10 dokumentiert.

Weiterhin wurden für die folgenden Objekte Objektdokumentationen zur Abfrage von

Kostenschätzungen und Ertragsprognosen für eine PV-Installation bei fünf regionalen

Installationsbetrieben erstellt:

- Strandkorbhalle,

- Werkstatt,

- Arztpraxis und Wohnungen.

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Im Rahmen der Konzeptbearbeitung wurde die Umsetzung der solaren Warmwasserbereitung

des Zeltplatzes beratend begleitet. Durch den Reparaturbedarf des defekten Elektroboilers

bestand Handlungsbedarf und nun wärmen vier Röhrenkollektorfelder in der Sommersaison

das Duschwasser für die Campinggäste. Ein Umsetzungserfolg, der sogleich die

Klimaschutzbemühungen der Insel Spiekeroog positiv dokumentiert.

Vorher Nachher

Abb. 43: Zeltplatz Palisadendiek, vorher und nachher

Folgende Maßnahmen sollten nach näherer Betrachtung durch die Nordseebad Spiekeroog

GmbH umgesetzt werden:

→ Installation von Messinstrumenten zur Wärmemengenmessung (Bsp. Wärmeverbund

Schwimmbad), für ein effizientes Energiecontrolling,

→ Optimierung der Nahwärmeversorgung im Kurzentrum durch neue BHKW-Technik

nach Festlegung des Nutzungskonzeptes der Schwimmhalle,

→ Verbinden von Klimaschutz-Maßnahmen und Tourismus als nachhaltiges und

sinnvolles Zukunftskonzept für Spiekeroog,

→ Zusammenschluss mit der Gemeinde Spiekeroog und weiteren Interessenten (z.B.

Hotels, Heime) um das Energiecontrolling kostengünstig und mit wenig

Personalaufwand zu realisieren,

→ Aufnahme der Betankung der Elektro-Karren mit Solarstrom von eigenen PV-

Projekten der Insel und entsprechender Vermarktung,

→ Reduktion der Stromkosten durch Einsatz energieeffizienter Klasse A-Geräte, LED-

Beleuchtung und Einsatz effizienter Umwälzpumpen.

Da die Nordseebad Spiekeroog GmbH Eigentümer der Fährschiffe ist, kann auch direkter

Einfluss auf den Treibstoffverbrauch der Schiffe genommen werden. Angesichts der hohen

Einsparpotentiale von ca. 20-30 % gegenüber neuen Motor-Antrieben kommt der Erneuerung

der Antriebe der Fähren eine beträchtliche klimaentlastende Bedeutung zu. Dies ist jedoch mit

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derart hohen Investitionen (1-1,5 Mio. Euro) versehen, dass hier nur mittel- bis langfristig mit

entsprechenden Reduktionen zu rechnen ist.

Um die Klimabilanz der wenigen fossil betriebenen Fahrzeuge des kommunalen Fuhrparks

auszugleichen, sollte überlegt werden, ob eine Umrüstung auf z.B. Rapsöl für die Unimogs

und Trecker möglich wäre. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (www.lwk-

niedersachsen.de) kann hier behilflich sein. Es muss jedoch sichergestellt sein, dass die

Biodiesel-Produktion aus regionaler, nachhaltiger Landwirtschaft bereitgestellt wird. Ansonsten

sind keine ökologischen oder klimarelevanten Verbesserungen gegenüber der fossilen

Antriebsweise zu erwarten. Allerdings erscheinen angesichts der verschwindend geringen

Treibstoffmengen die Umrüstkosten in Relation zur geringen Laufleistung als nicht

gerechtfertigt.

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6 Untersuchung: „Bilanziell Erneuerbar“

Zu Beginn der Bearbeitungsphase der Studie im Juni 2010 war die Frage der Energieautarkie

sehr präsent. Aufgrund zahlreicher Faktoren sehen wir für Spiekeroog jedoch keine

Perspektive hier wirtschaftlich vertretbar, politisch zielführend und touristisch sinnvoll diesen

Pfad weiterzugehen:

Spiekeroog verfügt über so gut wie kein Biomasseaufkommen, was derzeit technisch

nutzbar wäre,

− aufgrund der Nationalparksituation und der sehr hohen Schutzstufe der Insel, besteht

genehmigungsseitig keine Chance zur effizienten (>1 MW) Windkraftnutzung,

− die Möglichkeiten zur Solarstromproduktion sind aufgrund der begrenzten Dachflächen

und der zu berücksichtigenden Denkmalschutzobjekte eingeschränkt,

− die Nutzung der Solarwärme stellt sich noch schwieriger dar, da die o.g. begrenzenden

Faktoren wirken und zusätzlich die Wirtschaftlichkeit nur bei anstehender Sanierung

(Dach, Heizung, Warmwasser) gegeben ist,

− eine für die Energieautarkie dringend notwendige, sehr drastische Senkung des

Heizenergieverbrauchs (minus 75 %) ist technisch zwar realisierbar, aber kaum

wirtschaftlich – auch bei Unterstellung einer hohen Energiepreissteigerung (10 %/a) –

darstellbar. Die derzeitige Dorfgestaltungssatzung bietet hierzu zusätzliche

ordnungsrechtliche Hindernisse.

Die Möglichkeit durch Kooperationen und Beteiligungsmöglichkeiten auf dem Festland in

Wind-, PV- oder Biomasse-Anlagen zu investieren oder sich zusammen zu schließen hat

Vorteile:

- Die Gestehungskosten (Errichtung, Betrieb, Wartung) sind deutlich niedriger,

- Flächen stehen zur Verfügung,

- weder existieren vergleichbare hohe Anforderungen an den Naturschutz noch stößt

man auf eine hohe Dichte an Denkmälern.

Im Rahmen der Bearbeitung des Konzeptes wurden verschiedene Gespräche und

Recherchen durchgeführt, um Möglichkeiten der Beteiligung für Spiekeroog an Solarstrom-

und Windstromprojekten zu eruieren. Hierzu zählten Kontakte bei der Kreisverwaltung, den

regionalen Installationsbetrieben und bei einem Energieversorgungsunternehmen. Unisono

wurde mitgeteilt, dass die derzeitig beantragten und in Planung befindlichen Vorhaben

komplett finanziert sind und gar kein Beteiligungswunsch von Außerhalb - auch nicht von

Spiekeroog - gewünscht wird. Die Vorhaben sind sozusagen ausgebucht oder teilweise

überzeichnet und werden mit Warteliste geführt, was auf die gute Renditesituation

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 105 von 166

zurückzuführen ist. Die Idee einer Kooperation oder/ und Beteiligung mit Festlandsprojekten

zur Verbesserung der Spiekerooger Klimabilanz ist so nicht erzielbar.

Die Gemeinde Spiekeroog sollte bei der Überlegung „Nicht zwingend auf der Insel aber dafür

richtig auf dem Festland“ berücksichtigen, dass wichtige und auch touristisch sinnvolle

Klimaschutzvorhaben auf Spiekeroog installiert und gepflegt werden sollten.

Die Botschaft ist wichtig: Auch hier auf Spiekeroog gehen wir sehr sorgfältig mit Energie und

der Natur um und ergreifen klimaschützende Maßnahmen.

Mit der Beteiligung an der friesenenergie GmbH hat die Gemeinde Spiekeroog die wichtigste

Entscheidung zur Beteiligung an Festlandprojekten zur Nutzung erneuerbarer Energien

getätigt. Dadurch ist es zukünftig möglich, in dem von außen nur sehr begrenzt zugänglichen

Vorhabensbereich (Wind, PV) Beteiligungen zu lancieren und Projektpartnerschaften

einzugehen. Damit steht Spiekeroog die Tür für eine bilanzielle CO2-Neutralität offen. Nun wird

es darum gehen, die privaten Haushalte und die Beherbergungseinrichtungen vom (Image-

)Vorteil des Bezugs von regionalem Ökostrom zu überzeugen.

Eine weitere Option ist der mittel- bis langfristige Umstieg von fossiler Erdgasfeuerung auf

nachhaltig und klimaschützend produziertes, so genanntes Öko-Gas.

Mit der Ende Juni 2011 offiziell gefeierten Beteiligung der Gemeinde Spiekeroog an dem neu

gegründeten Regionalversorger friesenenergie GmbH ist der Einstieg in den Bezug von

„echtem Ökostrom“ für Spiekeroog besiegelt. Die regionale Kooperation von Insel und

Festland sichert perspektivisch die „bilanzielle“ Entlastung beim Klimaschutz. Durch den

steten Zu- und Ausbau von PV-, Wind-, und Biomasse-Anlagen auf dem Festland

gewährleistet die friesenenergie GmbH auch zukünftig die Belieferung mit echtem Ökostrom.

Hierzu verkündet die friesenenergie GmbH 63 auf Ihrer Internetseite:

Spiekeroog wird am 01.07.2011 offiziell ökologischer Energieversorger

Die Ratsbeschlüsse zur Beteiligung der Inselgemeinde Spiekeroog an der

friesenenergie sind zwar schon gefasst, doch es müssen noch ein paar Formalien

erledigt werden. Am 30.06.2011 ist es dann soweit. Die Vertreter der

friesenenergie GmbH und der Gemeinde Spiekeroog werden die erforderlichen

Verträge unterzeichnen und dann ist das Eiland offiziell ab 01.07.2011 Teil des

Energieversorgungsunternehmens friesenenergie GmbH. Wir freuen uns sehr auf

die umweltbewussten Insulaner und deren Gäste. Wir können zusammen noch viel

bewegen.

63 http://www.friesenenergie.de/Aktuelles.aspx

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 106 von 166

Perspektivisch wäre eine Beteiligung Spiekerooger Bürger an regionalen Projekten

erneuerbarer Energie interessant. Vor dem Hintergrund der begrenzten Potentiale auf der

Insel käme ein Einstieg in Festland-Projekte dem Ziel „Bilanziell-Erneuerbar“ mit regionalem

Bezug nahe.

Nach Auskunft bei der friesenenergie GmbH 64 besteht derzeit jedoch noch keine direkte

Möglichkeit für Investitionen der Spiekerooger Bürger in Festlandprojekte. Möglicherweise wird

sich die Beteiligungsoption zukünftig durch vermehrte Projektangebote verbessern. Auf jeden

Fall ist mit der friesenenergie GmbH als Partner in Regionalprojekten ein Einstieg geschaffen

worden.

64 Pers. Mitteilung vom 28.06.2011, Herr Meinen, friesenenergie GmbH

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 107 von 166

7 Akzeptanz für Techniken zur Nutzung erneuerbarer Energien

Aus den zahlreichen Gesprächen mit einigen Dorfbewohnern, Mitarbeitern der

Gemeindeverwaltung, Inhabern von Gastronomiebetrieben, Angehörigen der Herman Lietz-

Schule und Personal der Nordseebad Spiekeroog GmbH zur Einstellung zu Solar- und

Windenergie-Anlagen konnte keine ablehnende Haltung gegenüber dieser Techniknutzung

ausgemacht werden. Sicherlich sind diese Gespräche (und keine Umfragen) nicht als

repräsentativ zu sehen, vermitteln aber einen Eindruck.

Die bestehenden zwei Dorfgestaltungssatzungen artikulieren den Gemeindewillen für

Bauprojekte Neubau sowie Erweiterung, Umbau und Sanierung.

Diese – wie bereits erwähnt – insbesondere im gestalterischen Bereich sehr differenziert

ausgearbeiteten Vorgaben betonen das Bewahrende und Konservierende am Gebäude.

Selbst der Denkmalschutz in Niedersachsen erlaubt u.U. Solaranlagen (vergl. Kapitel 4.3.1,

Denkmalschutz). Auch auf der Verwaltungsebene Landkreis Wittmund ist u.E. die Bereitschaft,

über den Einsatz innovativer Techniken – bei sensiblem Umgang – nachzudenken,

vorhanden.

Aus den Erfahrungen mehrerer Projekte auf Schleswig-Holsteinischen Nordseeinseln wurde

diese Thematik (z.B. PV-Module auf Dächer) restriktiv gehandhabt.

Aus Sicht der Verfasser sollten unbedingt weitere restriktive Vorgaben z.B. zur

Solarenergienutzung vermieden werden und die Satzungen eher flexibilisiert werden. Diese

Aufweichung der Kriterien sollte in erster Linie den Zielen mehr Energieeffizienz und mehr

praktizierbarer Klimaschutz dienen.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 108 von 166

8 Regionale Wertschöpfung

Die folgende Darstellung umreißt kurz, was unter regionaler Wertschöpfung zu verstehen ist:

Leistungen einer Region

- von außen bezogene Vorleistungen

= regionale Wertschöpfung

Mit kommunalen Klimaschutzaktivitäten zur Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und

Nutzen Erneuerbare Energien werden Investitionsentscheidungen vor Ort initiiert. Diese haben

direkte Auswirkungen auf die kommunalen und regionalen Akteure und privatwirtschaftlicher

und kommunalpolitischer Nutzen ergänzen sich. Je größer die privatwirtschaftliche

Wertschöpfung ist, desto mehr nehmen die kommunalen Gebietskörperschaften über Steuern

und Abgaben ein, wodurch eine Kommune eine entscheidende Verbesserung der eigenen

Haushaltslage erzielen kann.

Anhand des Beispiels „Erneuerbare Energien“ kann die in der folgenden Abbildung 65 gezeigte

Wertschöpfungskette nachvollzogen werden:

Abb. 44: Wertschöpfungskette Erneuerbare Energien

Aber es gibt auch negative Effekte, die durch solche Maßnahmen entstehen. Der regionale

Energieversorger EWE beispielsweise setzt infolge der Maßnahmen weniger Energie ab und

muss infolgedessen Einbußen bei den Einnahmen hinnehmen. Dies wiederum lässt die

Konzessionsabgabe an die Gemeinde Spiekeroog schrumpfen.

65 Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien - www.unendlich-viel-energie.de

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 109 von 166

Aufgrund der Inselsituation Spiekeroogs ist die Bedeutung der lokalen Wertschöpfung

verschwindend gering, da auf Spiekeroog lediglich ein Architekt verzeichnet ist und keine

Handwerks- oder Wartungsbetriebe angesiedelt sind. Deshalb wirkt sich eine mögliche

regionale Wertschöpfung nicht in der Gemeinde Spiekeroog selbst, sondern regional z.B. im

Landkreis Wittmund aus.

Mit der Kooperation friesenenergie GmbH und mit der Errichtung von Bürgergemeinschaften,

Genossenschaften zur Errichtung von Anlagen z.B. zur Stromerzeugung könnten geringe

steuerliche Einnahmen für Spiekeroog generiert werden. Dies müsste jedoch detailliert z.B.

durch Steuerfachleute nachgeprüft werden.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 110 von 166

9 Anregungen zur Öffentlichkeitsarbeit und zum Controlling

9.1 Anregungen zur Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit sollte zukünftig eine wesentliche Aufgabe des Koordinators der

Klimaschutzaktivitäten sein (vergl. MN-Blatt 4). Die notwendige Fortführung der Begleitung

und Initiierung weiterer Klimaschutzmaßnahmen sollte zudem von dem

Klimaschutzkoordinator übernommen werden. Wie die Kommunikation und

Öffentlichkeitsarbeit genau umgesetzt werden kann, muss sich im Laufe der Zeit zeigen.

Wesentliche Aktivitäten und Handlungsoptionen für die verschiedenen Verbrauchssektoren

sind skizziert und in den Maßnahmenblättern konkretisiert. Angesichts der vergleichsweise

geringen Einwohnerzahl und der Situation, dass „Jeder Jeden kennt“, ist eine ausgefeilte

Kampagnenarbeit nicht notwendig und auch nicht zielführend.

Vielmehr wird seitens der Gemeinde Spiekeroog, der Nordseebad Spiekeroog GmbH und

auch von den Erstellern des Klimaschutzkonzeptes die Chance für mehr Klimaschutz auf

Spiekeroog durch positive Beispiele gesehen, die rasch umsetzbar sind:

− Solarwärmeversorgung auf dem Zeltplatz,

− Anregung einer pilothaften Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik,

− Einstieg beim Ökostrom-Anbieter friesenenergie GmbH aus der unmittelbaren Region,

− etliche Vorhaben zur Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energie, die in

Vorbereitung/ Vorplanung sind.

Mögliche Ansätze zur Verstärkung des öffentlichkeitswirksamen Auftritts der Gemeinde

Spiekeroog/ Nordseebad Spiekeroog GmbH sehen wir in der Verbindung von Klimaschutz und

Tourismus:

− „E-Mobilität“ mit den auf Spiekeroog so typischen und seit Jahren in Betrieb

befindlichen E-Karren aufwerten und mit einem versierten Marketing ausstatten.

− Klimaschutz als festes Element zu den bestehenden Inselattributen „grün“,

„umweltgerecht“, „idyllisch“ als eigenständiges Merkmal übergeordnet hinzufügen.

− Dienstleistungen zum Energiesparen, der Energieeffizienz und dem Einsatz

erneuerbarer Energien kontinuierlich anbieten und darüber informieren. Sei es durch

den Energiedienstleister (EDL) friesenenergie GmbH, die Verbraucherzentrale

Niedersachsen e.V., Schornsteinfeger, Energieberater oder externe Fachleute.

− Auch durch die Initiierung von Beteiligungsprojekten (Wind, Solar) wird der Zugang zu

Klimaschutzmaßnahmen unterstützt. Es existieren zwar einige private

Solarstromanlagen aber bisher noch keine Großanlagen in Bürgerhand. Diese könnten

auf den untersuchten größeren Objekten (Werkstatt, Feuerwehr, Müllumschlagstation,

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 111 von 166

Strandkorbhalle) initiiert und betrieben werden. Ein jährlicher Spiekerooger

Klimaschutztag mit Informationen zum Thema „Energieund der Vermittlung der für

Spiekeroog so desaströsen Entwicklung durch den Meeresspiegelanstieg können das

Thema aktuell halten.

− Die Etablierung einer Stelle und die Einstellung (evtl. Teilzeit) einer verantwortlichen

Person, die „sich kümmert“, sind der Garant für den Erfolg der zukünftigen

Klimaschutzbemühungen: In der Kommunikation wie auch bei der Umsetzung.

Die bereits vor der Bearbeitung des Klimaschutzkonzeptes entwickelte Idee einer

von außen initiierte PR-Aktionen.

Abb. 45: Plakette „Spiekerooger Klimaschützer“

Auszeichnung für das engagierte

Umsetzen von Klimaschutzmaßnahmen

auf Spiekeroog mit der Plakette

Spiekerooger Klimaschützer“ (vergl. MN-

Blatt 16, sowie Anhang 5 im Anlagenband)

sollte unbedingt weiter unterstützt und

öffentlichkeitswirksam begleitet werden.

Solche eigenständigen, von der

Spiekerooger Bevölkerung 66 selbst

entwickelten Kampagnenideen, bringen

oftmals mehr Nachdruck in die Ansprache

und Motivation zur Realisierung der hier

vorgestellten zahlreichen Maßnahmen als

Das Controlling zur Überprüfung der Erfolge der Klimaschutzbemühungen sollte so

praktikabel und einfach wie möglich sein, um insbesondere den personellen Aufwand zu

minimieren. Im Rahmen der Bearbeitung des Energie- und Klimaschutzkonzeptes wurden

verschiedene Datenquellen mit teilweise großem Umfang gesichtet und zusammengestellt.

Über Plausibilitätsprüfungen wurden fehlende Daten abgeschätzt. Diese Vorgehensweise ist

nicht für die Anwendung auf die Kommune übertragbar. Vielmehr müssen routinemäßig

abrufbare Daten die Basis eines einfachen Controllings bilden; dies sind z.B. die Erdgas- und

Strommengen, die die EWE als Netzbetreiber liefert. Weitere Datenquellen sind die zukünftig

mindestens jährlich zu erfassenden Energieverbrauchsdaten für die gemeindeeigenen und die

Liegenschaften der Nordseebad Spiekeroog GmbH. Die CO2-Bilanzerstellung muss jährlich

66 Initiative Frauke Strothmann und Team

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 112 von 166

auf die sich ändernden CO2-Äquivalentemissionsfaktoren angepasst werden. Über den

Zuwachs erneuerbarer Energie und die Verschiebung im Kraftwerkspark sowie der Anteile an

der Stromproduktion im bundesdeutschen Strommix verschieben sich die jeweiligen

Emissionsfaktoren.

Vor dem Hintergrund der langjährigen Erfahrungen raten die Autoren jedoch von einem

differenzierten Klimaschutz-Controlling ab, sondern empfehlen hierfür die Vergabe an externe

Experten.

Für eine eigenständige und praktikable Energie- und CO2-Bilanzierung gibt es jedoch

pragmatische Ansätze. Im Rahmen dieses Konzeptes wurde ein einfaches Bilanzschema

entwickelt, welches auf einer Tabellenkalkulation basiert.

9.2 Vorschläge für ein einfaches Controlling

Zur Erarbeitung eines praktikablen Energiecontrollings und der Ermittlung der CO2-

Äquivalentemissionen für Spiekeroog können folgende Fragen hilfreich sein:

- Welche Ergebnisse werden benötigt?

- Welche Effekte sollen damit herausgestellt werden können?

- Welche Daten mit welcher Qualität stehen zur Verfügung?

- Woher können regelmäßig Daten bezogen werden?

Wie oben bereits erwähnt und im Kap. 3 Energiebilanzierung schon für den Energieträger

Strom beispielhaft dargestellt, kann ein einfaches Berechnungsschema mit

- den Daten der Versorger,

- den selbst erhobenen Daten der Gemeindeverwaltung Spiekeroog

erstellt werden.

Da für die Sektoren „Private Haushalte“ und „Gewerbe“ keine Verbrauchszahlen vorliegen,

wird innerhalb dieses Schemas die Differenz aus der Energieversorgung Insel Spiekeroog

abzüglich der bekannten Verbrauchszahlen im gemeindlichen und übergeordneten

öffentlichen Bereich gebildet.

Für die CO2-Bilanz werden die Emissionsfaktoren auf Bundesebene verwendet und gemäß

der Erläuterung in Kap. 3 Energiebilanzierung wird die Eigenstromerzeugung auf Spiekeroog

bilanziell durch einen Emissionsfaktor berücksichtigt.

Basis ist eine einfache Tabellenkalkulation, die die Daten entsprechend aufbereitet und die

Möglichkeit gibt, daraus auch Kurzberichte in grafischer und tabellarischer Form zu

generieren. Hierzu ist eine Einweisung durch die Fachautoren der vorliegenden Studie

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 113 von 166

sinnvoll, sodass die zuständige Person (Klimaschutzmanager/Koordinator oder Beauftragter)

mit wenig Aufwand in das Controlling einsteigen kann.

Ein Auszug dieser einfach gehaltenen Datenmaske zeigt die nachstehende Abbildung.

Abb. 46: Schema eines einfachen Controllinginstruments

Bei der Erstellung dieser praktikablen und für Spiekeroog individuellen Controlling-Kalkulation

wurde Wert darauf gelegt, dass die Klimaschutz-Maßnahmen vor-Ort (wenn sie denn

signifikant sind) auch in der CO2-Äquiv.-Bilanz als Reduktion sichtbar werden.

Wie ist damit umzugehen?

- Jährlich sollten diese Daten erhoben bzw. vom Stromversorger/Netzbetreiber zur

Verfügung gestellt werden: Stromlieferung (Gesamtstromverbrauch) auf die Insel

Spiekeroog, Stromproduktion der Windkraftanlage und der Photovoltaikanlagen.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 114 von 166

- Herbeiziehen der gültigen CO2-Äquiv.-Emissionfaktoren (einschlägige Informationen

über Umweltbundesamt, ifeu-Institut Heidelberg, oder Verfasser des vorliegenden

Konzeptes)

- Einarbeiten in die oben dargestellte Tabelle und als Ergebnis die bilanzierten CO2-

Äquiv.-Emissionen für den Strombereich ermitteln und dokumentieren im z.B.

Klimaschutzbericht der Insel.

So kann durch die Änderung weniger „Stellschrauben“ schnell eine Übersicht erstellt werden,

welche CO2-Minderung durch welche Maßnahme im Strombereich erzielt wird.

- Würde z.B. die Windkraftanlage ein Repowering erhalten (Leistung rd. 3 x wie derzeit)

würde dies eine CO2-Minderung im Strombereich um 20% bedeuten,

- Könnten 25% des Stromverbrauchs eingespart werden � 27,6% CO2-Reduktion

- Würden rd. 500m² Photovoltaikfläche errichtet � 0,6% CO2-Reduktion

Diese Änderungen sind schnell über das „Delta“ abrufbar und rechts im „CO2-Delta“ sichtbar.

Diese Controlling-Tabelle ist dem Energie- und Klimaschutzkonzept auf Datenträger beigefügt.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 115 von 166

9.3 Hinweise zum Klimaschutzkoordinator

Die Aufgabe des Klimaschutzkoordinators besteht in der Betreuung und Umsetzung der im

Klimaschutzkonzept erarbeiteten Maßnahmen. Diese Aufgabe muss selbstverständlich auch

im Kontext der Größe der Gemeinde, ihrer eigenen Energie- und Bewirtschaftungskosten und

der aus dem Klimaschutz abzuleitenden Maßnahmen gesehen werden. Für Spiekeroog

empfehlen die Autoren daher die Besetzung einer halben Stelle, die vollumfänglich für das

Klimaschutzmanagement zuständig sein sollte und nicht mit zusätzlichen

Verwaltungsaufgaben belastet werden darf.

Für eine(n) Klimaschutzkoordinator(in) für die Gemeinde Spiekeroog stehen folgende

Aufgaben an (vergl. auch Kap. 5.4 und 5.5. sowie MN-Blatt 4):

- Energiecontrolling, Aufnahme und Dokumentation der Energieverbräuche der

kommunalen und übergeordneten öffentlichen Liegenschaften (siehe

Verbrauchssektoren).

- Nachhaltigkeitsberichterstattung und Aufbereitung der Klimaschutzbemühungen der

Gemeinde (Vorbildfunktion).

- Ansprache der Endverbraucher (Private Haushalte, Gewerbe) über Inselbote,

Aushänge, Info-Veranstaltungen zum Thema Klimaschutz/Energie.

- Betreuung der einmal jährlich durchzuführenden Energiesparberatungsaktivitäten für

Private Haushalte und Beherbergungseinrichtungen.

- Koordination von Energieberatern, Verbänden wie IHK, DEHOGA, Verbraucherzentrale

für eigenständige oder gemeinsam initiierte Fachgespräche und Projektanbahnungen

für mehr Energieeffizienz, Einsatz erneuerbarer Energien, KfW-Förderprogramme,

Zuschüsse für Beratung (z.B. KfW-Effizienzberatung).

- Initiierung von Vorhaben, die Klimaschutz und Tourismus verbinden.

- Kontakt- und Netzwerkpflege zu anderen Nachbarinseln, dem Landkreis

(Klimaschutzkonzept!) sowie der Hochschule (Uni Oldenburg).

Der Dokumentation der unterschiedlichen Klimaschutzbemühungen sollte ausreichend Zeit

gewidmet werden. Hier bietet sich eine Kooperation zum Thema Nachhaltigkeit besonders an.

Für die Gemeinde Spiekeroog wird ein elektronisches Instrument zur

Nachhaltigkeitsberichterstattung im Rahmen des durch das Programm Europäischer Fond für

Regionale Entwicklung (EFRE) und das Land Niedersachsen geförderten Projektes „IT-for-

Green“ 67 unter der Leitung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg wissenschaftlich

erarbeitet. In die Projektpartnerschaft, bestehend aus Universitäten und

67 Projekt IT-for-Green: www.it-for-green.eu, 24.10.2011

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 116 von 166

Wirtschaftsunternehmen konnte sich die Gemeinde Spiekeroog als kommunales Beispiel

einbringen und erfährt damit eine besondere Wertschätzung.

Ein Bestandteil der Nachhaltigkeitsberichterstattung sollte – falls dies personaltechnisch

machbar ist – die Beschreibung der Klimaschutzaktivitäten sein. Darüber hinaus sollten die

kommunalen Energieverbräuche und damit die Erfolge bei Einsparung und Sanierung

dokumentiert werden.

Dazu sind folgende Angaben im EDV-Tool aufzunehmen:

− Objekt-Nr. und Name

− Nutzfläche und beheizte Fläche (Nichtwohngebäude, Wohngebäude)

− Heizenergieverbrauch (mit oder ohne Warmwasser) aus dem Energiecontrolling

− Korrektur durch Witterungsbereinigung z.B. durch Umrechnung mit Hilfe des IWU-

Datensatzes (www.iwu.de ) Gradtagszahlen_Deutschland.xls

− Zählen und Dokumentieren der inselweit vorhandenen:

o Solarstrom-Anlagen

o Solarwärme-Anlagen

o BHKW

o Nachtspeicherheizungen

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 117 von 166

10 Maßnahmenkatalog

Nr. Maßnahmentitel Maßnahmenbeschreibung

1a

1b

2

3

Energiecontrolling

der

kommunalen

Liegenschaften

Nachhaltigkeitsberichterstattung

Gemeinde

Spiekeroog

Klimaschutz-

Taler Spiekeroog

Aufnahme aller Bestandsgebäude,

Aktenaktualisierung, Flächen, Bauaufnahme.

Aufnahme der bestehenden Energie/Wasserzähler

und Feststellen der fehlenden Messeinrichtungen,

Investitionsbudget für Messeinrichtung und zügiger

Einbau neuer Zähler,

Monatliche Energieverbrauchserfassung,

Energiecontrolling kontinuierlich durchführen und

dokumentieren. Durch evtl. zukünftiges

Liegenschaftsmanagement abzudecken.

Aufbau einer Nachhaltigkeitsberichtserstattung zu

den Themen: Umwelt/Naturschutz, Energie,

Klimaschutz, Energiekosten-Entwicklung,

Nationalpark,

Jährlicher, standardisierter Bericht. Tischvorlage als

Print für alle Gemeinderatsvertreter und/oder

Mitglieder Umweltausschuss.

Wahrnehmen der Vorbildfunktion der Kommune!

Einrichten eines „Klimaschutzfonds“ zur Förderung

von CO2-Minderungsmaßnahmen auf Spiekeroog.

Gespeist wir der Fonds aus: 25% Anteil EWE bzw.

friesenenergie -Konzessionsabgabe, freiwilliger

Beitrag Spiekerooger Bürger.

Weitere Einnahmen evtl. durch Beiträge der Urlauber

und "Insel-Liebhaber" für Inselerhalt und Klimaschutz.

Zielgerichtet für Spiekerooger Aktivitäten zum

Klimaschutz

betroffener

Sektor/

Bereich

Gemeinde,

NSB

Gemeinde,

Politik

Initiator /

Weitere

Akteure

Vorh.

Energie-

und CO 2-

Potential

Energie-

und CO 2-

Einsparpotential

Aufwand

zu

Nutzen

Gemeinde mittel hoch gering

NSB,

Bereichsleiter

Tourismus

Tourismusverband

- - -

- - -

ergänzende

Maßnahmen

Energie- bzw.

Nachhaltigkeitsberichterstattung

Energiecontrolling,Energiemanagement

Dokumentati

on der Klimaschutzbemühungen,Nachhaltigkeitsberichterstattung-

Priorität

Hoch

Hoch

Mittel

Mittel

Hinweise /

Beispiele

http://www.stae

dtetag.de/imperi

a/md/content/sc

hwerpunkte/fach

infos/2010/14.p

df

Vorbereitungen

über z.B. Uni

Oldenburg

es existieren

einige Bsp. im

kommunalen

Sektor zur

finanziellen

Stützung

dringend

benötigter

Infrastrukturmaßnahmen:


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 118 von 166

Nr. Maßnahmentitel Maßnahmenbeschreibung

4

5

6

7

Energie/Klimaschutz-Koordination

Spiekeroog

Repowering

WKA HL-Schule

Öko-Strom-

Bezug

(Zertifiziert)

Öko-Gas-Bezug

(Zertifiziert)

Einrichten einer Anlaufstelle für Energie- und

Klimaschutzfragen, Betreuung der jährlich

durchzuführenden Energiesparberatungsaktivitäten

für Private und Beherbergungseinrichtungen,

Koordination von Energieberatern. Angesiedelt beim

zu schaffenden Liegenschaftsmanagement oder

Touristik/NSB

Repowering der bestehenden Windkraftanlage (WKA)

der HLS von derzeit 220 kW auf etwa 900 kW

vollumfänglich unterstützen!

Damit erreicht Spiekeroog eine Abdeckung von knapp

18% seines eigenen Strombedarfs; dreimal (!) so viel

wie relevantes Potential durch Photovoltaik.

Ausweitung der angedachten und ab 1.7.2011

erfolgenden Kooperation mit friesen-energie.

Kooperation in der Region, Unterstützung des Zubaus

regenerativer Energieprojekte

Abstimmung mit regionalen Versorgern zur Abnahme

von Biogas aus BGA auf dem Festland durch

Einspeisung in das Erdgasnetz.

betroffener

Sektor/

Bereich

Gemeinde

HL-Schule

Initiator /

Weitere

Akteure

Tourismus,

Verwaltung

Politik,

Gemeinde,

friesenenergie,

Tourismus

(NSB),Kreis

Vorh.

Energie-

und CO 2-

Potential

Energie-

und CO 2-

Einsparpotential

Aufwand

zu

Nutzen

ergänzende

Maßnahmen

Priorität

- - - Hoch

hoch hoch mittel

Gemeinde hoch hoch gering

Gemeinde hoch hoch mittel

Organisatorische

und

ggfs. auch

finanzielle

Unterstützung

seitens

Gemeinde;

Einbindung

Versorger

Bericht zur

Nachhaltigkeit,Marketing

Bericht zur

Nachhaltigkeit,Marketing

Hoch

Hoch

Mittel

Hinweise /

Beispiele

Vorgabe: Biogas

nur zur Verstromung

in BHKW

zu nutzen


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 119 von 166

Nr. Maßnahmentitel Maßnahmenbeschreibung

8

9

10

Installation von

BHKW

LED-Technik

Straßenbeleuchtung

Sanierungsschub

öff. Liegenschaften

Unterstützung bzw. Angebotseinholung und Beratung

bei der Installation von BHKW bei größeren

Wärmeabnehmern

Umbau der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik und

Telemanagement (Bedarfs- und zeitgesteuert

schalten), Einwerben von Sponsoringgeldern.

Durch gerichtete und weniger helle Streubeleuchtung

werden Insekten weniger stark angezogen. Ein

wichtiger „Naturschutz“-Aspekt

Kontakte und konkr. Gespräche (Philips) laufen

bereits und sind vielversprechend

Umsetzen der kommunalen Sanierungsprojekte und

Abbau des Reparaturstaus. Hocheffiziente Technik

und Übererfüllung der EnEV-Dämm-Vorgaben.

betroffener

Sektor/

Bereich

Initiator /

Weitere

Akteure

Vorh.

Energie-

und CO 2-

Potential

Energie-

und CO 2-

Einsparpotential

Aufwand

zu

Nutzen

NSB Gemeinde gering mittel gering

Öff.

Liegenschaf

ten,

Gemeinde

Verwaltung,

Gemeinde

Sponsor,

Verwaltung

Evtl.

Fachberatung

Kreis

gering gering mittel

mittel hoch mittel

ergänzende

Maßnahmen

Durch unabhängigeFachberater

(über

IHK, Verbraucherberatung,

Ing.-

Kammer u.a.)

Energiecontrolling/management

Priorität

Mittel

Mittel

/ Hoch

Hoch

Hinweise /

Beispiele

http://www.den

a.de/themen/the

mastrom/pressemit

teilungen/presse

meldung/effizien

testrassenbeleuchtung-fuerdeutschekommunen/

Diverse

kommunale Bsp.

Z.B. F/Main:

http://www.ener

giemanagement.

stadtfrankfurt.de/


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 120 von 166

Nr. Maßnahmentitel Maßnahmenbeschreibung

11

12

13

Nutzungskonzept,energetischeOptimierungSchwimmhalle/Kurbereich

„E-Karren fahren

mit Spiekerooger

Sonne“

PV-Projekte für

Spiekeroog

Entwicklung eines Nutzungskonzeptes Schwimmbad,

welches auch unter energetischen und langfristigen

Kostengesichtspunkten effizient, effektiv und

nachhaltig zu bewirtschaften ist.

Ausbau der Nahwärme, Sanierung des BHKWs und

ggfs. Ausbau der KWK-Kapazitäten. Vergleich zum

Einsatz einer Gas Absorptionswärmepumpen mit

WRG der Hallenluft

Verbinden der derzeit in aller Munde befindlichen

Thematik „E-Mobilität“ und Spiekerooger Eigenart:

Elektro-Karren.

Durch Photovoltaikinstallation, Visualisierungstafeln,

gestalterisch inszenierte Ladestationen am Hafen und

einer mit dem Tourismusbüro verknüpften

Marketingstrategie kann Spiekeroog hier ein

Alleinstellungsmerkmal besetzen!

Spiekeroog setzt auf Photovoltaik und installiert auf

kommunalen und anderen Dächern (Kreis:

Müllumschlagstation) Solarzellen. Dies in

Verantwortung der gemeindeeigenen NSB, die

wiederum die organisatorische und finanzielle

Abwicklung übernimmt. Denkbar sind

Genossenschaften, Bürgerbeteiligungen,

Kooperationen mit Dienstleistern, friesenenergie.

betroffener

Sektor/

Bereich

Initiator /

Weitere

Akteure

Vorh.

Energie-

und CO 2-

Potential

Energie-

und CO 2-

Einsparpotential

Aufwand

zu

Nutzen

NSB mittel mittel hoch

NSB Gemeinde gering gering gering

Gemeinde,

NSB, Kreis

NSB gering gering gering

ergänzende

Maßnahmen

Energiecontr

olling/management

Zwar nur

geringe

Klimaschutzrelevanz

aber

das Thema

kann damit

sehr gut kommuniziert

werden

Berichten

über Aktivitäten,Einbinden

in touristischeVermarktung

Priorität

Hoch

Mittel

/ Hoch

Hoch

Hinweise /

Beispiele

Entwürfe liegen

vor, Kostenanfragen

zu Gestaltung/Visualisierung

ebenfalls


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 121 von 166

Nr. Maßnahmentitel Maßnahmenbeschreibung

14

15

Unterstützung

Einsparberatung

„Private“

Unterstützung

Einsparberatung

„Beherbergungseinrichtungen“

Unterstützen/Beraten Sektor private Haushalte

durch:

Koordination potentieller Berater:

- Verbraucherzentrale (VZ),

- Kreis

- Versorger (EWE, friesen-energie, )

Stromsparen: (LED-Beleuchtung, weiße Ware, Standby),

Heizung: (neue Kessel, hydraulischer Abgleich,

neue Umwälzpumpen, Heizungscheck,)

Energieberatung: BAFA, Fördermittel: KfW

Unterstützen/Beraten bei Umsetzung Gewerbe

Stromsparen: LED-Beleuchtung, weiße Ware, Standby,

Heizung: Heizungs-Check

Unterstützen/Beraten Gewerbe/Beherbergung durch:

Koordination potentieller Berater:

- Handwerkskammer (HWK),

- Industrie+Handelskammer (IHK)

- DEHOGA (Energiekampagne Gastgewerbe)

- Kreis

- Versorger (EWE, friesen-energie, )

Stromsparen: (LED-Beleuchtung, weiße Ware, Standby,

Kältetechnik, Antriebe),

Heizung: (neue Kessel, hydraulischer Abgleich, neue

Umwälzpumpen, Heizungscheck,)

Effizienzberatung: KfW; Fördermittel: KfW

betroffener

Sektor/

Bereich

Initiator /

Weitere

Akteure

Vorh.

Energie-

und CO 2-

Potential

Energie-

und CO 2-

Einsparpotential

Aufwand

zu

Nutzen

Private HH Gemeinde mittel mittel mittel

ergänzende

Maßnahmen

Die

Informationsmöglichkeiten

sind dank

Internet dieal;

die Umsetzung

läuft

jedoch nicht!

Priorität

Hoch

Gewerbe Hoch

Hinweise /

Beispiele

http://www.themaenergie.de/

http://www.zukunfthaus.info/

http://www.bafa.de/

bafa/de/energie/ener

giesparberatung/inde

x.html

http://www.bafa.de/

bafa/de/energie/erne

uerbare_energien/ind

ex.html

http://energiekampag

ne-gastgewerbe.de/

http://www.kfw.de/kf

w/de/Inlandsfoerderu

ng/Programmuebersic

ht/Energieeffizienzber

atung/index.jsp


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 122 von 166

Nr. Maßnahmentitel Maßnahmenbeschreibung

16

17

18

19

Spiekerooger

Klimaschützer

Plakette

Wärmepumpen-

Initiative bei

Neubau

Einsatz von Lastmanagementsystemen

Initiative

„Heizungspumpe“

„Tue Gutes und rede darüber“ bzw. zeige dies auch

mit der Plakette „Spiekerooger Klimaschützer“.

Unterstützung der langjährigen Spiekerooger

Initiative zu mehr Klimaschutz für alle Einwohner

Spiekeroogs.

Die Plakette sowie Kriterien zur Vergabe der Plakette

bestehen bereits im Entwurf und sollten abschließend

geklärt werden. So ist für diese vorbildliche, lokale

Aktion eine noch breitere Einführung mit

möglicherweise gesteigerter Akzeptanz erzielbar.

Koordination der Beratung und Information, welche

Wärmepumpen auf Spiekeroog zum Einsatz kommen

könnten, wenn:

Neubau oder hocheffiziente Sanierung ansteht,

Lüftungsanlage und Wärmerückgewinnung eingebaut

wird � Kombination mit Luft-Luft-WP; Einsatz von

Ökostrom für WP

Prüfen, ob der Einsatz von Lastmanagementsystemen

bei zunehmender Bedarfsdeckung durch regenerative

Energietechnik (Wind/PV/Biomasse/) sinnvoll und

wirtschaftlich attraktiv ist. Kooperation mit friesenenergie

oder EWE zum Thema smart-grid

Erfahrungsgemäß befinden sich noch in 90% aller

Fälle alte, nicht hocheffiziente Umwälzpumpen im

Heizungssystem. Der Heizungs-Check gibt Aufschluss

über Einsparpotentiale.

In Kooperation mit dem regionalen

Heizungsbauhandwerk wird eine „Initiative

Heizungspumpe“ gestartet, die neben dem Austausch

der begünstigten (Fa. Wilo) Pumpe ebenfalls den

hydraulischen Abgleich durchführt.

betroffener

Sektor/

Bereich

Gewerbe,

Private HH

Gewerbe,

priv. HH

Gewerbe,

NSB

Private,

Gewerbe

Initiator /

Weitere

Akteure

Vorh.

Energie-

und CO 2-

Potential

Energie-

und CO 2-

Einsparpotential

Aufwand

zu

Nutzen

Gemeinde hoch hoch gering

Externe

Experten,

Gemeinde

Versorger,

ext.

Experten

Gemeinde

ergänzende

Maßnahmen

Initiative

Private,

Gewerbe,

Nachhaltigkei

ts-bericht

Priorität

Hoch

mittel mittel mittel Gering

gering gering - Gering

Mittel –

Hoch

Mittel

Gering

/

Mittel

Initiative

Private,

Gewerbe,

Hoch

Hinweise /

Beispiele

Ausarbeitungen

der Initiative

„CO 2-Kampagne“

liegen vor.

Vergl. Kampagne

Halligen (Bgm

Piepgras, Hallig

Hooge,

Schleswig-

Holstein) vom

Juni 2011


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 123 von 166

Nr. Maßnahmentitel Maßnahmenbeschreibung

20

21

Anpassung Dorfgestaltungssatzung

Hinweise zum

energie- und

kostenbewussten

Bauen

Die bestehende Dorfgestaltungssatzung kann um

energiesparende und klimaschützende Maßnahmen

erweitert werden.

Konkretisierung durch den Nachweis des

Bauantragsberechtigten, dass alle Möglichkeiten zur

- Erhöhten Dämmung und verbesserte

Energieeffizienz gegenüber Energie-

Einsparverordnung (EnEV),

- Nutzung erneuerbarer Energien

durch Fachplaner untersucht wurden.

Beauftragung eines Architekten zur satzungsgemäß

korrekten Formulierung der Klimaschutzziele in der

Satzung.

A) Bei alle zukünftigen Neubauvorhaben

Spiekeroogs der öffentlichen Hand (Gemeinde,

NSB) sollen sich die verantwortlichen Planer

(Architekt, Anlagentechniker) an die „Leitlinien

zum wirtschaftlichen Bauen 2011“ der Stadt

Frankfurt anlehnen und die dort beschrieben

Vorgehensweise eines energie- und langfristig

kostenoptimierten Bauens berücksichtigen.

Bei der Ausschreibung von

baulichen/energetischen Planungsleistungen

durch die Kommune (Gemeinde, NSB) sind

diese Anforderungen in das

Leistungsverzeichnis aufzunehmen.

B) Für private/gewerbliche Vorhaben wird diese

Vorgehensweise empfohlen.

betroffener

Sektor/

Bereich

Gemeinde,

NSB,

Private,

Gewerbe

Gemeinde,

NSB

Private,

Gewerbe

Initiator /

Weitere

Akteure

Vorh.

Energie-

und CO 2-

Potential

Energie-

und CO 2-

Einsparpotential

Aufwand

zu

Nutzen

ergänzende

Maßnahmen

Priorität

Gemeinde Gering Hoch Gering Mittel

Gemeinde Gering Hoch Gering Mittel

Hinweise /

Beispiele

Leitlinie,

Beschluss,

Erfahrungen und

entsprechende

Instrumente bei

F/Main


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 124 von 166

Die jeweiligen Maßnahmen sind nachfolgend konkretisiert und anhand von praktikablen

Kriterien bewertet.

Insgesamt wurden – wie im Maßnahmenkatalog bereits knapp dargestellt – 21 Maßnahmen

für Spiekeroog als umsetzungsrelevant erachtet.

Nachfolgend sind die einzelnen Maßnahmenblätter in numerischer Reihenfolge aufgelistet.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 125 von 166

Maßnahmentitel: Energiecontrolling der kommunalen

Liegenschaften (Voraussetzung schaffen)

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde, NSB Gemeinde / NSB

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen:

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

MN-Nr.: 1a

Priorität: hoch

Die Verbräuche (Strom, Heizung, Wasser) und die entsprechenden Kosten

jedes einzelnen Gebäudes der öffentlichen Liegenschaften werden zukünftig

gemeinsam (NSB und Gemeinde) erfasst und dokumentiert. Hierzu müssen

die Voraussetzungen geschaffen werden. Nur ein gemeinsames Vorgehen

beim Energiecontrolling von NSB und Gemeinde schafft die „kritische Masse“

der Verbraucher sodass sich das Energiecontrolling lohnt. Fremdnutzung

durch z. B. private/gewerbliche Mieter mit eigenen Versorgungsverträgen

können nicht standardisiert erfasst werden.

Überprüfung, welche Objekte noch nicht mit entsprechenden Zählern,

Messeinrichtungen (NSB-Wärmeverbrauch) versehen sind.

Angebote bei Fachfirmen einholen, Installation beauftragen.

Einweisung der Ablesung durch Fachfirmen (bei Wärmemengenzählern!)

Nutzer, Hausmeister, technisches Personal ist über Lage und Art der

Messeinrichtungen zu informieren sowie über die Auslesemöglichkeit.

Ansiedlung der Erfassung bei Gemeindeverwaltung oder NSB.

Mittel

Hoch

gering bis mittel.

Die Investition der Zähler bewirkt allein keine Einsparung, ermöglicht aber

zukünftig durch das regelmäßige Notieren und die Inaugenscheinnahme der

Energieversorgung eine Kontrollfunktion. So können „Ausreißer“,

Fehlfunktionen, Regelabweichungen erst erkannt werden.

Zusätzlicher Aufwand Einrichten und Installation fehlender Messeinrichtungen

bei den wenigen NSB-Objekte, die mit Wärme versorgt werden.

Vorschlag: 15.000 € einmalig für Mess-Installation (NSB-Objekte)

bereitstellen.

Sofort

Installation und Einweisung sollten in 3 Monaten komplett abgeschlossen

sein.

1. Benennen einer Person, die für das Energiecontrolling verantwortlich ist,

oder Vergabe eines Auftrags an einen Externen,

2. Check, ob jedes Objekt/ Gebäude der kommunalen Liegenschaften mit

Messeinrichtungen für Strom, Heizenergie/Wärme und Wasser ausgestattet

ist,

3. Nachrüsten der Messeinrichtungen, wenn nicht vorhanden,

�Angebote einholen, Investitionsbudget bereithalten, Installieren

Im geringem Maße positiv, da mit dieser Aktivität die Grundlage für ein

Energiecontrolling geschaffen wird.

Die Installation von Einrichtungen zur Verbrauchsabrechnung ist gesetzlich

vorgeschrieben.

Die Energieverbrauchserfassung und Kontrolle ist absolute Grundlage für

einen sparsamen und effizienten Umgang mit Energie.

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Maßnahmentitel: Energiecontrolling der kommunalen

Liegenschaften

(Dokumentation und Auswertung)

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde, NSB Gemeinde / NSB

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

MN-Nr.: 1b

Priorität: hoch

Die Energiekosten für die Gemeinde belaufen sich auf rd. 55 T€/a, die der

NSB auf ca. 220 T€/a. Ziel der Maßnahme ist die Reduzierung der

Verbräuche durch Kontrolle und regelmäßige Inaugenscheinnahme der

technischen Ausstattung der Energieversorgung. Für jedes öffentliche

Gebäude von NSB und Gemeinde sollten die Verbräuche und Kosten (Strom,

Heizung, Wasser) erfasst und ausgewertet. Zwei Jahre lang mindestens

einmal am Monatsende bzw. –anfang.

Abstimmung zwischen NSB und Gemeinde zu einem koordinierten Vorgehen

(Aufgabenübertragung, Geschäftsbesorgung,). Eine Person ist für das

Energiecontrolling verantwortlich und koordiniert die Erfassung, EDV-

Dokumentation und Auswertung. Vorschlag: Einarbeitung in den zukünftigen

Nachhaltigkeitsbericht der Gemeinde.

Mittel

Hoch

Gering. Angesichts der Erdgas/Stromkosten von rd. 275 T€/a für Liegenschaften

der Gemeinde und NSB (ohne Fähr-Treibstoff) macht das

Energiecontrolling großen Sinn. 5-10% Einsparung, was Erfahrungen anderer

Kommunen belegen, bedeuten bis zu 27T€/a Haushaltsentlastung.

Zusätzlicher Aufwand für Ablesung bei den Nutzern. Diese Aufgabe sollte

jedoch unbedingt zusätzlich als wenige aufwändige Tätigkeit den

Nutzern/Bedienpersonal zugemutet werden: 1 x Monat Daten auslesen.

Für Dokumentation, Datenzusammenstellung und Kennwertbildung werden

ca. 4-5 h/Monat; ca. 60 h/Jahr angesetzt. Hilfreich ist die Erfassung in einer

speziellen Maske des zu installierenden EDV-Instruments zur

Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Bündelung der Aufgaben, Schaffen von Synergieeffekten: So kann auch

Spiekeroog als kleine Kommune mit Energiecontrolling Geld sparen.

Sofort. Personalaufwand für: Dokumentation der Jahresverbräuche,

Kennwert-Ermittlung, ggf. Kommentar für Abweichung gegenüber Vorjahr.

Zeitrahmen: Kontinuierlich! Monatlich mind. die ersten 2 Jahre, dann jährlich!

Weitere Akteure: Evtl. abstimmen mit Kreis über ein standardisiertes Vorgehen

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Datenauswertung der Energieverbräuche und Kosten sollten in der geplanten

Energie- bzw. Nachhaltigkeitsberichterstattung aufgenommen werden.

1. Benennen einer verantwortlichen Person, oder Vergabe an Extern,

2. Monatliche Aufnahme der Verbrauchsdaten (Zählerstände) durch

Hausmeister oder Nutzer für mind. 2 Jahre,

3. Dokumentation Verbräuche in Gebäudeakte bei Gemeinde oder NSB,

4. Kennwerte (Jahresverbrauch/Fläche) bestimmen,

5. Für jedes Gebäude, jedes Jahr den Kennwert für Strom/Wärme/Wasser

bilden und im Energie-/Klimaschutz-/Nachhaltigkeitsbericht

dokumentieren,

6. Kosten (Kameralistik) für Strom, Wärme, Wasser ebenfalls dokumentieren.

Im geringen Maße positiv, da nachlesbar und dokumentiert ist, wie achtsam

die Kommune mit Energie und Kosten ihrer Gebäude umgeht.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 127 von 166

Hinweise/

Beispiele:

Beschluss-

Vorschlag

zu MN 01

Zahlreiche Hinweise über Städtetag, Kommunale Bsp.

www.energieleitstelle.de/EMFlyer.pdf

www.kea-bw.de/fileadmin/user_upload/pdf/kemleitfaden/Basiskonzept%20Klimaschutz%20in%20Kommunen.pdf

www.staedtetag.de/imperia/md/content/schwerpunkte/fachinfos/2010/14.pdf

Tool für Dokumentation und Visualisierung der IB-SH, Energieagentur:

Gebaeudeenergieverbrauch.xls unter:http://eei-sh.ib-sh.de/arbeitsinstrumente/

Vorschlag für Elemente eines Beschlusses: „Energiecontrolling“

Ziel:

Noch in 2012 werden in allen öffentlichen Liegenschaften (Gemeinde,

NSB) die notwendigen Messeinrichtungen zur Verfügung stehen und

monatlich die Verbrauchsstände notiert, zentral erfasst und für eine

Auswertung aufbereitet.

Umsetzung und einzelne Aktivitäten:

� NSB und Gemeinde stimmen sich zur gemeinsamen

Durchführung „Energiecontrolling öff. Liegenschaften“ ab, z.B.

über Geschäftsbesorgungsvertrag o.ä.

� Die Verwaltung benennt eine Person, die für das

Energiecontrolling verantwortlich ist.

� Es wird sichergestellt, dass diese Person diese Aufgaben auch

neben seinen bisherigen Arbeiten leisten kann, wenn

notwendig werden Aufgaben neu verteilt.

� Im Haushalt werden einmalig 15T€ für neue Messeinrichtungen

eingestellt.

� Auf Basis einer zu erstellenden Checkliste, welche Objekte

nachzurüsten sind, werden Angebote eingeholt.

Gegebenenfalls wird das Budget aufgestockt.

� Die Installationsfirmen werden beauftragt. Eine Einweisung und

Dokumentation der Zähler und deren Auslesetechnik durch die

Firmen ist Bestandteil des Auftrags.

� Monatliche Aufnahme der Verbrauchsdaten durch Hausmeister,

Nutzer der Zählerstände für mind. 2 Jahre! Kontrolle

stichprobenartig durch Verantwortlichen für das

Energiecontrolling.

� Mitteillung der Daten an Gemeinde und Einpflege der Daten mit

den Angaben der jeweiligen Kosten und ein entsprechendes

EDV-Instrument.

� Ermittlung der Nutzflächen der Objekte, falls noch nicht

bekannt.

� Für jedes Gebäude wird der spezifische Kennwert für

Strom/Wärme/Wasser gebildet und im

Energie/Klimaschutzbericht oder Nachhaltigkeitsbericht zur

Verfügung gestellt.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 128 von 166

Maßnahmentitel: Nachhaltigkeitsberichterstattung der

Gemeinde

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde, NSB Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

MN-Nr.: 2

Priorität: mittel

Dokumentation der Aktivitäten im Klimaschutz.

Unter Mitwirkung der Akteure der CvO-Universität Oldenburg (Prof. Dr. Jorge

Marx Gómez) kann dies zu einer Nachhaltigkeitsberichtserstattung mit

folgenden Themen entwickelt werden:

- Umwelt-/Naturschutz,

- Energie, Klimaschutz, Energiekosten-Entwicklung,

- Nationalpark,

Dies kann als jährlicher, standardisierter Bericht mit einem Umfang von 5-10

Seiten erstellt werden um den Aufwand gering zu halten.

Tischvorlage als Print für alle Gemeinderatsvertreter und/oder Mitglieder des

Ausschusses für Energie und Umwelt.

Damit nimmt die Kommune ihre Vorbildfunktion wahr!

-

-

Daten werden für Energie/Klimaschutz aus dem Energiecontrolling geliefert!

Der Aufwand ist relativ gering: Datensammlung, -Aufbereitung, Kurzbericht

erstellen: Etwa 40h/a. Mit anfänglicher Unterstützung der Uni Oldenburg.

Der Nutzen liegt in der Dokumentation der Spiekerooger Aktivitäten zu mehr

Klimaschutz und Nachhaltigkeit, Vorbildfunktion, positives Image im

Tourismusbereich durch Kommunikation der Maßnahmen.

Das Kosten/Nutzen-Verhältnis ist positiv, der Nutzen überwiegt den geringen

Aufwand.

Kurzberichterstattung im Kalenderjahr. Vorschlag: Vorlage erster Kurzbericht

wenn die Beta-Version der Software zur Verfügung steht.

Zeitrahmen: Jährlich erstellen, Vorlage Ende Dez. zum Berichtszeitjahr

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Projektleitung umweltgerechte Gemeinde, Bereichsleiter Tourismus,

Verantwortlicher Energiecontrolling

Energiecontrolling, sowie Erfolge/Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen

1. Benennen eines Verantwortlichen, der sich des Themas annimmt und

Freistellen für diese Aufgabe mit dem erforderlichen Zeitbudget

2. Klärung der verbindlichen Unterstützung durch Uni Oldenburg

3. Abstimmen der inhaltlichen Punkte und Struktur des Kurzberichts

4. Datensammlung, Aufbereitung, Redaktion und Verteiler bedienen

Vorbildfunktion der Kommune wahrnehmen, Ernsthaft am Prozess Klima-

und Umweltschutz und Nachhaltigkeit arbeiten und dies auch nachvollziehbar

dokumentieren.

Zahlreiche insbesondere energierelevante Infos, dena Berlin:

www.energieeffiziente-kommune.de/

Netzwerk und lokale Nachhaltigkeits-Initiativen:

www.netzwerk21kongress.de/

www.nachhaltigkeits-check.de

Portal aus Bayern zur nachhaltigen Bürgerkommune mit Gütesiegel:

www.nachhaltige-buergerkommune.de

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 129 von 166

Maßnahmentitel: Klimaschutz-Taler Spiekeroog MN-Nr.: 3

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Politik NSB

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen: Sofort und dauerhaft

Priorität: mittel

Einrichten eines „Klimaschutzfonds“ zur Förderung von CO2-

Minderungsmaßnahmen auf Spiekeroog.

Gespeist wird der Fonds zweckgebunden aus z.B. einem 25%-Anteil der

Konzessionsabgabe (KA) von EWE bzw. friesenenergie sowie aus freiwilligen

Beträgen durch Spenden oder durch Spiekerooger Bürger.

Weitere Einnahmen evtl. durch Beiträge der Urlauber und "Insel-Liebhaber"

für Inselerhalt und Klimaschutz.

Das Geld wird zielgerichtet für Spiekerooger Aktivitäten zum Klimaschutz

verwandt.

-

-

Aufwand für Logistik und Verwaltung der Einnahmen, die sich aber in

Grenzen halten.

Einwerbung zusätzlicher Mittel von Außen bringt Klimaschutzaktivitäten durch

eine verbesserte Wirtschaftlichkeit voran!

Das Kosten/Nutzen-Verhältnis ist positiv.

Die Errichtung des Fonds kann umgehend in Angriff genommen werden. Die

Mittelvergabe könnte dem Ausschuss für Umwelt und Energie übertragen

werden.

Nach einer Vorbereitungsphase sollten im Rahmen eines Marketingkonzeptes

Spiekerooger Urlauber die Möglichkeit haben, Gelder zu

„spenden“.

Weitere Akteure: Tourismusbereich, Herr Kösters

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Dokumentation der Klimaschutzbemühungen durch Klimaschutz/

Nachhaltigkeitsbericht

1. Gemeinderatsbeschluss, dass x% der KA für den Fonds zur Verfügung

gestellt werden.

2. Konkrete Überlegungen, wie Urlaubsgäste und Spiekeroog-Liebhaber für

einen „Klimaschutz-Taler“ durch entsprechendes Marketing geworben

werden können.

Wenn es professionell durchgeführt wird: Positiv. Lt. Umfragen sind

Urlaubsgäste bereit 10,- bis 20,- € mehr am Tag zu bezahlen, wenn Sie

wissen wofür und wenn sie diese Ausgaben als wertig bzw. sinnvoll ansehen.

Dies steht beim Thema Klimaschutz außer Frage.

Es existieren einige Bsp. für ähnliche Maßnahmen zur finanziellen Stützung

dringend benötigter Infrastrukturmaßnahmen, die in Eigeninitiative der

Kommune initiiert wurden:

Quelle: dwif (2010): Sparkassen-Tourismusbarometer 2010 nach Bente

Grimm, N.I.T. (Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa

GmbH): Mehrausgabebereitschaft liegt zwischen 10 und 20 Euro pro Tag.

Halllig-Taler auf Hallig Hooge: http://www.hooge.de/309.0.html

Syltschützer-Ticket: http://www.sylt.de/index.php?id=1008

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 130 von 166

Maßnahmentitel: Klimaschutz-Koordinator Spiekeroog MN-Nr.: 4

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen: kontinuierlich

Priorität: hoch

Einrichten einer dauerhaften Anlaufstelle bzw. eines Verantwortlichen für

Energie- und Klimaschutzfragen. Intern für die Verwaltung

(Energiecontrolling, Nachhaltigkeitsberichterstattung) als auch für

Endverbraucher (Private Haushalte, Gewerbe). Zusätzlich Betreuung der

einmal jährlich durchzuführenden Energiesparberatungsaktivitäten für Private

Haushalte und Beherbergungseinrichtungen. Hierbei: Koordination von

Energieberatern, Verbänden wie IHK, DEHOGA, VZ. Angesiedelt bei der

Gemeinde evtl. dem zu schaffenden Liegenschaftsmanagement oder – nach

Abstimmung – bei der Touristik/ NSB.

-

-

Der Aufwand für eine kontinuierliche Betreuung der Klimaschutzaktivitäten

und die Initiierung entsprechender Projekte sowie deren Begleitung setzt ½

jedoch mind. ¼ Stelle voraus. Ist es der Gemeinde mit dem Klimaschutz

wirklich wichtig, ist es essentiell, dass Freiraum für eine Person zwecks

Koordinierung geschaffen wird.

Der Nutzen liegt in der erfolgreichen Umsetzung zahlreicher sinnvoller

Projekte und Vorhaben. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis wird als mittel

eingestuft.

Durch die Projektleiterin „umweltgerechte Gemeinde“, Frau Birgit Schade

steht diese Person bisher vollumfänglich zur Verfügung. Da die Stelle

befristet nur bis Ende 2012 ausgelegt ist, muss jedoch frühzeitig für

Kontinuität gesorgt werden. Spätestens im Herbst (Übergabe) muss die

Verantwortlichkeit 2012 geklärt sein.

Personalaufwand für: Anlaufstelle für Energie- und Klimaschutzfragen von

Endverbrauchern, Betreuung der Energiesparberatungsaktivitäten,

Koordination von Energieberatern, Koordination Nachhaltigkeitsbericht.

Weitere Akteure: Verbraucherzentrale Niedersachsen e.V., externe Energieberater

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Koordinierung mit dem Liegenschaftsmanager (MN 1a,1b –

Energiecontrolling, MN 02 Nachhaltigkeitsbericht)

1. Benennen einer Person, die für die Energie-/ Klimaschutz-Koordination

verantwortlich ist,

2. Eine zentrale Anlaufstelle z.B. in der Gemeindeverwaltung einrichten, in

der die Endverbraucher den Koordinator erreichen/kontaktieren können,

3. Sicherstellen der Finanzierung der Stelle und Freihalten der

Tätigkeitsfelder für die originäre Aufgabe der Klimaschutzkoordination.

Durch die Schaffung einer konstant und kontinuierlich arbeitenden

Anlaufstelle für Klimaschutzfragen kommt die Kommune ihrer Vorbildfunktion

nach und stärkt damit die Glaubwürdigkeit in diesem Prozess.

Klimaschutzkoordinatoren werden gerade im Zusammenhang mit der

Förderung der „Integrierten Klimaschutzkonzepte“ durch das

BundesUmweltMinisterium zunehmend eingestellt.

Eine Recherche, wo Klimaschutzkoordinatoren arbeiten ist über das BMU

oder das difu möglich.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 131 von 166

Maßnahmentitel: Repowering der WKA bei der Hermann

Lietz-Schule

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Hermann Lietz-Schule Politik, Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

MN-Nr.: 5

Priorität: hoch

Vollumfängliche Unterstützung des Repowering der bestehenden

Windkraftanlage (WKA) der Hermann Lietz-Schule (HLS) als großen Schritt zu

mehr eigener Stromproduktion aus erneuerbarer Energie auf der Insel!

Bei einer Ertüchtigung von derzeit 225 kW (gedrosselt auf 220kW) auf etwa

900 kW erreicht Spiekeroog eine Abdeckung von rd 18% seines eigenen

Strombedarfs!

Hoch

Zeitrahmen: bis zur Fertigstellung

Hoch

Rd. 1.300 MWh Mehrertrag durch Repowering und damit rd. 800 t CO2-

Minderung durch eine größere und auch ruhiger laufende Anlage.

Der Aufwand der Gemeinde begrenzt sich erst einmal auf die Unterstützung

der HLS bei der Durchsetzung ihres Vorhabens. In einem weiteren Schritt

kann die Gemeinde begrenzt Gelder für das Repowering bereitstellen.

Sollten dann durch kostenaufwendige Deichbauarbeiten die Realisierungschancen

sinken, so sollte über eine finanzielle Unterstützung nachgedacht

werden.

Setzt man ca. 15 €/tCO2 gemäß Emissionshandel an, so müsste Spiekeroog

für vergleichbare CO2-mindernde Kompensationsleistungen rd. 12 T€ jährlich

aufbringen!

Das ist Spiekeroogs einzige Chance innerhalb eines einzelnen Vorhabens

eine derart beachtliche Klimaschutzmaßnahme umzusetzen! Knapp 7% der

Klimaschadgasemission könnten reduziert werden.

Sofort: Unterstützung und Stärkung der HLS bei der Umsetzung des

Repowerings

Weitere Akteure: Gemeinde, friesenenergie GmbH, Tourismus (NSB), Landkreis Wittmund

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Organisatorische und ggf. auch finanzielle Unterstützung seitens der

Gemeinde,

Einbindung des Versorgers friesenenergie GmbH.

Soweit möglich: Einklinken in das Verfahren und den Bemühungen politisch

Nachdruck verleihen bzw. die potentiellen Unternehmen für das Repowering

motivieren.

Die Windkraftanlage in das Umweltzentrum und die Ausstrahlung der HLS

sowie der gesamten Insel integrieren und positiv und pro-aktiv die

Windstromerzeugung auf Spiekeroog kommunizieren.

Zum Repowering-Prozess gibt es verschiedene Abhandlungen und

Handlungsempfehlungen. Eine Handlungsempfehlung zur Steigerung der

Akzeptanz von Repowering hat die windenergie-agentur Bremerhaven (wab)

verfasst:

www.repoweringkommunal.de/fileadmin/user_upload/upload/dokumente_downloads/WAB_Re

powering-Dialog_final.pdf

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 132 von 166

Maßnahmentitel: Öko-Strom-Bezug (zertifiziert) für

Spiekeroog

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

MN-Nr.: 6

Priorität: hoch

Ab dem 1.7.2011 geht die Gemeinde Spiekeroog eine Kooperation mit der

friesenenergie GmbH ein, indem sie einen Anteil von 10% der

Gesellschaftsanteile erwirbt.

Die Gemeinde und NSB beziehen nach Auslauf der vertraglichen Bindungen

für alle öff. Einrichtungen den von friesenenergie GmbH angebotenen

Ökostrom, der zu 60% aus regionalen Windkraftanlagenprojekten stammt.

Die Gemeinde motiviert aktiv die Spiekerooger Bürger und Gewerbebetriebe

ebenfalls den zertifizierten Öko-Strom zu beziehen.

Wie dieser Wechsel weiter zu unterstützen ist, sollte ein Ausschuss klären.

Vorschläge/Ideen zur Motivierung des Umstiegs:

- Bei einer raschen Entscheidung bis zum 31.10. wird eine Geld-Prämie

vergeben (25-50€ pro Haushalt)

- Bei Umstieg wird eine wertige Plakette „Spiekerooger Ökostrom“

vergeben

Hoch

Hoch

Gering, da die „Bewerbung“ für den Ökostrom durch persönliche Gespräche,

Mund-zu-Mund-Propaganda auf Spiekeroog besser laufen wird als teure

Akquisitionen von Fremdfirmen.

Die Mehrkosten des Ökostroms gegenüber der Konkurrenz (z.B. EWE

„NaturWatt fix“ oder Tchibo „Grüner Strom“ sind zu vernachlässigen.

Sofort

Zeitrahmen: Kontinuierlich

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

friesenenergie GmbH, Touristik zur weiteren öffentlichkeits- und

tourismuswirksamen Vermarktung

Bericht zur Nachhaltigkeit, Marketing

- Wenn noch nicht geschehen: Ökostrom-Bezug für alle öff. Liegenschaften.

- Motivation der Verantwortlichen für Heime, Hotels und andere

Großabnehmer zur Abnahme von Ökostrom: Einladung in die Kogge und

Vorstellung der friesenenergie GmbH und ihrer Projekte sowie deren

Aktivitäten für den Klimaschutz

- Erfahrungsberichte und „Bekenntnisse“ prominenter Personen zum

Ökostrombezug z.B. im „Inselboten“ zur Motivation der Privaten Haushalte

Ökostrombezug ist bei aufgeschlossenen und dem Thema Umwelt-/Klimaschutz

affinen Personen „in Mode“; trotzdem hapert es an der Durchführung

zum Umstieg. Hier kann Spiekeroog Zeichen setzen und durch

Ergebnismitteilung > z.B. im Nachhaltigkeitsbericht ihr Image verbessern.

Die friesenenergie-Kooperation sollte ausgebaut werden, um in der Region

weitere erneuerbare Energieprojekte zu schaffen.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 133 von 166

Maßnahmentitel: Öko-Gas-Bezug (zertifiziert) für Spiekeroog MN-Nr.: 7

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen:

Priorität: mittel

Kann der Erdgasbezug für Spiekeroog klimafreundlich(er) gestaltet werden, ist

ein großer Schritt Richtung „Klimaneutrale Insel“ getan. Mit ersten

Erfahrungen zur Beimischung von Biogas ins Erdgasnetz und dem Anbieten

entsprechender „Öko-Gas-Tarife“ kann dies gelingen.

Großer Wert muss jedoch bei Biogas-Bezug auf die ökologische

Verträglichkeit und Nachhaltigkeit der Biogasproduktion gelegt werden. Große

Mais-Biogasanlagen offenbaren derart viele ökologische Bedenken, dass

diese Prüfung beachtet werden muss. Evtl. kann dies durch bzw. zukünftig zu

erwartenden Biogas-Zertifizierung erleichtert werden.

Mit friesenenergie GmbH sollte mittelfristig diese Option angestrebt werden

und konkrete Abstimmungen erfolgen. Evtl. kann mit dem Grundversorger

EWE hierzu ebenfalls oder in gemeinsamer Kooperation eine Perspektive

erarbeitet werden. EWE bietet beispielsweise mit EWE BioErdgas eine 5%

Beimischung als Biogas an.

hoch

hoch

Gering durch Umstellung von voll-fossilem Erdgas auf teilweise erneuerbares,

ökologisch unbedenkliches Biogas.

Perspektivisch mit dem Kooperationsversorger friesenenergie GmbH

Sofort bzw. noch in diesem Jahr sollten Gespräche zum qualitätsvollen

Biogasbezug mit den Vorversorgern aufgenommen werden.

Weitere Akteure: friesenenergie GmbH, EWE,

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Aufnahme in den Bericht zur Nachhaltigkeit, Marketing Tourismus

Zügige Aufnahme der Gespräche und Sondieren der technischen,

wirtschaftlichen und organisatorischen Möglichkeiten.

Vorbildfunktion, Wahrnehmen aller Möglichkeiten zum Klimaschutz muss auch

entsprechend dokumentiert werden. Dadurch Imageverbesserung der Insel

Spiekeroog

Auf sogenannte „Klimaschutz-Kompensationsprojekte“ sollten Spiekeroog und

friesenenergie GmbH eher verzichten und auf Einspeisung von regionalem

Biogas setzen. Hierbei sind Kriterien für den Biogasbezug (Nachhaltigkeit,

ökologische Unbedenklichkeit) einzuhalten.

Hintergrund: Eine „Kompensation“ ist nur vordergründig klimaentlastend, weil

die CO2-Emisssionen nicht zurückgehen sondern nur an anderer Stelle

(meistens globale Aufforstungsprogramms) eine neue Senke geschaffen wird.

Anderseits wird durch diese Art des „ökologischen Ablasshandels“ kein Anreiz

zur eigenen Minderung des Energieverbrauchs bzw. des Ausstoßes an

Klimaschadgas gegeben.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 134 von 166

Maßnahmentitel: Unterstützung bei der Installation von

BHKW

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Beherbergungseinrichtungen Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen:

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

MN-Nr.: 8

Priorität: mittel

Die Gemeinde unterstützt größere Wärmeabnehmer bei der Konzeption und

Realisierung von BHKW.

Diese Unterstützung sollte durch eine Anschub-Beratung eines qualifizierten

Energieexperten mit zuständigen Verbänden (IHK, DEHOGA,

Handwerkskammer, VZ) erfolgen. Die Gemeinde bzw. der

Klimaschutzverantwortliche koordiniert ein Zusammenkommen der

Interessenten im Rahmen einer Fachveranstaltung.

gering

mittel

Gering, da es um die Initiierung einer gut vorbereiteten einmal im Jahr

stattfindenden Fachveranstaltung geht.

Erste Veranstaltung im Frühjahr 2012

Bei guter Resonanz mind. 3 Jahre lang immer im Frühjahr damit mögliche

Investitionen bis zur nächsten Heizperiode erbracht werden können

IHK, DEHOGA, VZ, friesenenergie GmbH,

regionales, auf und mit der Insel vertrautes Handwerk

Heizungscheck und hydraulischer Abgleich MN-19

Vorbereitung und Initiierung einer Fachveranstaltung im Frühjahr 2012

Gering. Wenn dann Objekte mit ressourcensparsamen und hocheffizienten

BHKW ausgestattet sind, wirkt dies auch positiv für das Objekt.

Eine besondere Klimaschutzmaßnahmen und Steigerung der Klimaentlastung

wäre der Betrieb eines Biogas-BHKW. Dies wäre auch für die friesenenergie

GmbH ein echtes „Highlight“ und evtl. mittelfristig zu realisieren.

Hierbei sind – wie in MN-07-Ökogasbezug erwähnt – ökologische und

nachhaltige Kriterien des Biogases einzuhalten.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 135 von 166

Maßnahmentitel: LED-Technik für die Straßenbeleuchtung MN-Nr.: 9

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Öffentliche Liegenschaften, Gemeinde NSB

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Priorität: mittel/

hoch

Umbau der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik und Telemanagement

(bedarfs- und zeitgesteuert schalten), Einwerben von Sponsoringgeldern.

Kontakte und konkrete Gespräche (Philips) laufen bereits, sind

vielversprechend und werden evtl. im Hafenbereich zur Umsetzung kommen.

Die Vorteile liegen auf der Hand und sollten zügig genutzt werden.

Zusätzlich ist in Vorgesprächen festgehalten worden, dass neben der Energie-

und Kosteneffizienz zusätzlich das Themenfeld „Material“ für die Leuchten mit

aufgenommen wird. Damit wird dem Cradle-to-Cradle-Ansatz – neben der

Energieeinsparung, Verminderung der Lichtverschmutzung – auch hier bei der

umsichtigen Materialverwendung Rechnung getragen.

Gering

Gering

Mittel

Die anstehenden Instandsetzungsarbeiten und Modernisierungen an den

bestehenden Leuchten sollte hier gekoppelt werden, sodass nur der

Mehraufwand für die hocheffizienten Lampen (LED-Technik) als Klima- und

Umweltschutzmaßnahme hier als Kostenaufwand zu berücksichtigen ist.

Kooperationsgespräche mit Hersteller Philips laufen bereits.

Zeitrahmen: Nach Fortschritt der Unterstützung

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Hersteller Philips, Herrmann-Lietz-Schule, die ebenfalls eine

Leuchtensanierung auf LED-Basis verfolgt

Energiecontrolling MN 01, zur Ermittlung der Einsparpotentiale, wenn

differenzierbar

Abschluss der Gespräche mit Sponsoren,

Umsetzung und Installation

Durch gerichtete, weniger diffuse und helligkeitsangepasste Beleuchtung

werden Insekten deutlich weniger stark angezogen. Dies ist neben der

Wartungsfreundlichkeit und der sehr energieeffizienten Betriebsweise ein

weiterer wichtiger und für Einwohner wie Touristen erlebbarer Vorzug

gegenüber der konventionellen Beleuchtung. Neben dem

insektenfreundlichen „Naturschutz“-Aspekt zählt auch die Verringerung der so

genannten Lichtverschmutzung, ebenfalls eine wichtiger Schritt für

Spiekeroog zu mehr „Natürlichkeit“.

Weitere Informationen: BINE, allg. Information:

http://www.bine.info/hauptnavigation/themen/news/2009/led-strassenbeleuchtung-der-zukunft/

Unterstützung durch Portal der deutschen Energieagentur als Online-Lotse:

http://www.dena.de/themen/thema-strom/pressemitteilungen/pressemeldung/effizientestrassenbeleuchtung-fuer-deutsche-kommunen/

Förderung über KfW: KfW-Investitionskredit Kommunen Premium -

Energieeffiziente Stadtbeleuchtung, Nr. 215:

http://www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderung/Programmuebersicht/KfW-

Investitionskredit_Kommunen_Premium_-_Energieeffiziente_Stadtbeleuchtung/index.jsp

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 136 von 166

Maßnahmentitel: Sanierungsschub öffentliche

Liegenschaften

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen:

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

MN-Nr.: 10

Priorität: hoch

Aufstellen eines differenzierten Sanierungsfahrplans durch Architekt und

Technik-Planer. Umsetzen der kommunalen Sanierungsmaßnahmen für

Gemeinde und NSB. Basis sind dabei die Wertgutachten, Ergebnisse der

Begehungen im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes, weitere vorliegende

Untersuchungen sowie eigene Ausarbeitungen der Fachplaner.

Abbau des Instandsetzungsstaus und Erschließung der Energieeinspar- und

effizienzpotentiale zur Verbesserung der kommunalen Klimabilanz.

Ziel: Einsatz hocheffizienter Technik und Übererfüllung der EnEV-Dämm-

Vorgaben bei der Bestandssanierung.

Mittel

Hoch

Mittel. Nur die energetischen „Mehrkosten“ im Rahmen der

Effizienzmaßnahmen treten als klimaschutzbedingte Kosten im Rahmen der

ohnehin fälligen Instandsetzung bzw. klassischen Sanierung auf.

Damit ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis insbesondere angesichts steigender

Energiepreise positiv.

Sofort

Kontinuierlich im Rahmen eines langfristigen Liegenschaftsmanagement bzw.

einer Bestandspflege

Energiecontrolling, MN-01

Nachhaltigkeitsberichterstattung, MN-02

1. Aufstellen eines Sanierungsfahrplans (Architekt + Technik-Planer):

- Was muss und was sollte am Objekt gemacht werden?

- Darstellung der über das gesetzliche Maß hinausgehenden

Energieeffizienzmaßnahmen.

- Was kostet das, differenziert nach „Ohnehin-Kosten“ und „energetische

Mehrkosten“?

- Welche Einsparungen (Energie und Kosten) sind zu erwarten?

Hierbei sind die Protokolle der Objektbegehungen (Klimaschutzkonzept),

die Wertgutachten sowie einzelne Architektenprotokolle heranzuziehen.

2. Erstellen eines Prioritätenkataloges „Sanierung“ in Abstimmung mit der

Gemeinde und NSB

3. Sicherstellen der Mittel im Haushalt

4. Umsetzungsplanung und Einholung von Angeboten

5. Auftragsvergabe nach Prioritätenliste

Vorbildfunktion der Kommune wird wahrgenommen und kann durch

Veröffentlichung im Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert werden. Die Objekte

werden für die Nutzer/Touristen attraktiver. Durch die erhöhte energetische

Verbesserung unterstreicht Spiekeroog seine Verantwortung für Klimaschutz

und Ressourcenschonung.

Diverse kommunale Bsp. und Hinweise wie zu verfahren ist. Frankfurt/Main:

http://www.energiemanagement.stadt-frankfurt.de/

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 137 von 166

Maßnahmentitel: energetische Optimierung der

Schwimmhalle mit neuem Nutzungskonzept

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

NSB NSB

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen:

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

MN-Nr.: 11

Priorität: hoch

Entwicklung eines Bewirtschaftungskonzeptes für das Schwimmbad, welches

auch unter energetischen und langfristigen Kostengesichtspunkten effizient,

effektiv und nachhaltig zu betreiben ist.

Sorgfältige Berücksichtigung der jährlichen, „laufenden Kosten“ und deren

Minimierung (Life-Cycle-Costs).

Einbeziehen von Planungs-Optimierungen in die Vergabe/Ausschreibung:

Prüfung des Einbaus von Effizienztechnik bei festgelegter Nutzungssituation:

optimierte Wärmerückgewinnung der Hallenluft, verbesserte Dämmung, lange

Laufzeiten (>5.000 h/a) der BHKW-Module, Berücksichtigung der

Installationsmöglichkeiten Solarstrom am Objekt, einfache und robuste

Steuerung und leichte Bedienbarkeit der Energieversorgung, Lüftung,

Beleuchtung, Wasserversorgung.

Ausbau der Nahwärme, Komplett-Sanierung der Energieversorgung

(Anpassung Kessel- und BHKW-Leistung) und damit Erschließung

wirtschaftlicher Potentiale durch optimalen BHKW-Einsatz.

Mittel

Mittel

Hoch

Nachdem das Nutzungskonzept und damit die baulich-technischen Vorgaben

festgelegt wurden, sollte bei der Ausschreibung auf Minimierung der

Betriebskosten insbesondere „Energie“ Wert gelegt. Die Optimierung der

Betriebskosten muss als verbindliche Vorgabe in der Ausschreibung

festgeschrieben werden.

Nach Klärung und endgültiger Festlegung des Nutzungskonzeptes durch die

Politik / NSB

Evtl. Austausch mit anderen Kommunen zur Schwimmbadsanierung,

Erfahrungsaustausch.

Festlegung Nutzungs/Sanierungskonzept

„Betriebswirtschaftliche Optimierung“ als ergänzenden Planungsauftrag über

den normalen HOAI-Rahmen (Honorarordnung für Architekten und

Ingenieure) der Variantenprüfung hinaus festlegen.

Positive Ausstrahlung und Verbesserung des Komforts und der Behaglichkeit

bei Totalsanierung des Schwimmbades.

Image-Verbesserung, wenn Spiekeroog sich auch hier aktiv zum Klimaschutz

verhält: Entweder durch energiesparende Gebäudedämmung und

hocheffiziente Technik bei Sanierung und Modernisierung des

Schwimmbades.

Oder als konsequenter Schritt eines Verzichts des energie- und

kostenaufwändigen Schwimmbadbetriebs; wenn dieser Schritt aktiv und

überzeugend vertreten wird.

Fachinformation der Energieagentur NRW:

http://www.energieagentur.nrw.de/_database/_data/datainfopool/Hallen-und-

Freibaeder-Broschuere.pdf

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 138 von 166

Maßnahmentitel: Elektro-Mobilität mit Spiekerooger Sonne MN-Nr.: 12

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde / NSB Gemeinde / NSB

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Priorität: mittel/

hoch

Aufwertung der bestehenden Elektro-Mobilität auf Spiekeroog und

Einbeziehen aller Mobilitäts-Akteure: Alle E-Karren-Betreiber, wie Gemeinde,

NSB, Beherbergungsbetriebe, Logistik-Unternehmen.

Ziel: Einheitliches Erscheinungsbild mit Botschaft „Alle reden von E-Mobilität,

Spiekeroog betreibt seit Jahren ein erfolgreiches E-Mobilitäts-Konzept“.

Integration von Spiekeroog-Projekten der Stromerzeugung aus Photovoltaik

und evtl. Windstrom der HL-Schule zur Ladung der E-Karren. Corporate

Design (CD) durch Lackierung und Aufkleber: „Wir fahren mit Spiekerooger

Sonnenstrom“. Aufwerten der Ladestationen als Info-Punkte zu mehr

Information der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Durch

Photovoltaikinstallation, Visualisierungstafeln, gestalterisch inszenierte

Ladestationen am Hafen und eine mit dem Tourismusbüro verknüpfte

Marketingstrategie kann Spiekeroog hier ein Alleinstellungsmerkmal besetzen!

Gering

Hoch

Gering - Mittel

Der Beladung der E-Karren verursacht zwar einen nur geringen

Klimaschadgasausstoß, die Minderung durch 100%-Substitution ist jedoch

überzeugend und die touristische Wirkung ist groß. Bei geschickter

Verhandlung sind die Photovoltaikanlagen wirtschaftlich zu betreiben.

Zusätzlicher Aufwand entsteht durch die Errichtung der Visualisierungs- und

Infotafeln, der Umgestaltung der Ladestationen sowie durch die Umsetzung

des CD-Konzeptes. Dieser Aufwand ist einzuplanen und die Umsetzung kann

in kleinen Schritten sukzessive ausgebaut werden.

Sofort

Zeitrahmen: Kontinuierlich. Neue E-Karren werden ins E-Mobilitätskonzept eingebunden.

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Evtl. Unterstützung von Versorgungsunternehmen, Hersteller der E-Karren

bzw. der Batterien, Herrmann-Lietz-Schule wegen Abnahme evtl.

gespeicherten Windstroms.

Berichterstattung im Nachhaltigkeitsbericht, Inselboten, touristische online-

Medien, regionale und überregionale Presse, MN-02, MN-13,

Folgende Aspekte im Rahmen einer abgestimmten Maßnahme umsetzen:

- Beschluss über Aufwertung der E-Karren-Mobilität wie dargestellt,

- Benennung eines Verantwortlichen zur weiteren Koordinierung, alle

relevanten Akteure an einen Tisch bringen,

- Klärung der Finanzierbarkeit, Spenden, Sponsoring

- Entwicklung eines CD’s für die E-Karren und entsprechender Aufkleber

� externer Auftrag,

- Gestaltungsvorschläge für erste Ladestation am Hafen, Visualisierungsund

Umsetzungskonzept „Hafen“

- Integration der zukünftig zu errichtenden PV-Projekte (MN-13)

Sehr positiv, weil sinnvolle Projekte (Solar-/Windstrom) mit direktem Nutzen

(E-Mobilität) verbunden werden, erlebbar sind und Zusatzinformationen mit

einheitlichem Gesamteindruck für Klimaschutz verbunden werden.

Entwürfe liegen vor, Kostenanfragen zu Gestaltung/ Visualisierung ebenfalls.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 139 von 166

Maßnahmentitel: PV-Projekte auf öff. Gebäuden MN-Nr.: 13

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde, NSB, Kreis NSB

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Priorität: hoch

Spiekeroog setzt auf Photovoltaik und installiert auf kommunalen und anderen

Dächern öffentlicher Träger (Kreis: Müllumschlagstation) Solarstromprojekte.

Dies in Verantwortung der gemeindeeigenen NSB, die wiederum die

organisatorische und finanzielle Abwicklung übernimmt. Denkbar sind

Genossenschaften, Bürgerbeteiligungen, Kooperationen mit Dienstleistern,

friesenenergie GmbH.

Mittel

Durch die PV-Installation auf diesen Dächern sind rd. 95kWp mit etwa

100MWh/a zu betreiben.

Hoch

Gering

Bei geschickter Verhandlungsführung und günstiger Finanzierung ist bei

diesen Projekten sogar eine Wirtschaftlichkeit zu erzielen (Amortisation

zwischen 12-16 Jahre) bei einer gesicherten Vergütung über 20 Jahre nach

EEG.

Geringer Aufwand durch Koordination und Suche nach optimierter

Finanzierung

Sofort

Zeitrahmen: So rasch als möglich, noch dieses Jahr

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Friesenenergie GmbH, Landkreis Wittmund (Müllstation), Interessierte Bürger

Spiekeroogs, die sich evtl. an Bürgersolarparks beteiligen wollen.

Controlling der erzeugten Strommengen, Dokumentation im

Nachhaltigkeitsbericht, Einbindung in das Tourismuskonzept

1. Beschluss zur Prüfung für die PV-Umsetzung auf den Gebäuden:

(Ärztepraxis, Müllstation, Strandkorbhalle, Werkstatt, Feuerwehr,)

2. NSB erarbeitet ein Finanzierungskonzept zur Umsetzung:

− Var. A: NSB investiert und finanziert als GmbH eigenständig

− Var. B: wie A jedoch Einbeziehen der Spiekerooger Bürger als am

Projekt Beteiligte

− Var. C: eigene Ideen Spiekeroogs, evtl. Beteiligung der friesenenergie

GmbH o.ä.

3. Aktualisierung der Angebote

4. Vergabe und Installation

Positiv, da die großen südausgerichteten Dachflächen sinnvollerweise als

Erzeugungspotential für Solarstrom genutzt werden. Dabei ist auf die von

Herstellerseite tlw. angebotene Rücknahmeverpflichtung der Solarzellen zum

Recycling zu achten. In Verbindung mit der Beladung der E-Karren schließt

sich damit der Bogen des Energie- und Klimaschutzaspektes. Nachhaltigkeit

ganz im Sinne des cradle-to-cradle-islands-Konzeptes.

Solarstromerzeugung ist die derzeit eine der wirtschaftlichsten Formen der

erneuerbaren Energieerzeugung. Für Spiekeroog ist sie die einzige

Möglichkeit (ohne WKA-Repowering HLS, MN-05), einen größeren Beitrag zur

Erzeugung erneuerbaren Stroms auf der Insel zu erzielen.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 140 von 166

Maßnahmentitel: Unterstützung der Energie-

Klimaschutzberatung „Private“

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Private Haushalte Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen:

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

MN-Nr.: 14

Priorität: hoch

Unterstützen/Beraten des Sektors private Haushalte durch:

Koordination potentieller Berater: Verbraucherzentrale (VZ), Versorger (EWE,

friesenenergie GmbH) Schornsteinfegermeister, Finanzinstitute.

Fachinformation durch Vermittlung zu allen anderen Themen, wie Gebäude

und Heizung, Stromsparen, Energieberatung (BAFA), Fördermittel (KfW,

BAFA) über etablierte Hotlines, Info-Center online, persönliche Kontakte.

Die Informationsmöglichkeiten sind Dank Internet ideal; die Umsetzung läuft

jedoch nicht. Daher wird eine kontinuierliche Stimulans benötigt. Ein

Augenmerk sollte in Verbindung mit Finanzierungsfragen der energetischen

Modernisierung auch auf den Generationswechsel gelegt werden.

Hoch

Hoch

Gering bis mittel.

Angesichts der hohen CO2-Emissionen durch den Sektor „private Haushalte“

ist die Aktivierung dieser Verbrauchergruppe wichtig. Mit begrenzten Mitteln

kann Spiekeroog hier sinnvollerweise vermitteln und Kontakte weitergeben.

Damit ist der Aufwand (es findet durch Gemeinde KEINE originäre Beratung

statt) gering, mögliche Einsparerfolge jedoch groß.

In Verbindung mit der Schaffung einer anteiligen Stelle des „Klimaschutz-Verantwortlichen“

erfolgt die unmittelbare Aufnahme der Unterstützungsfunktion.

Damit eine gewisse Kontinuität deutlich wird und auch die „langsamen

Entscheider“ eine Chance haben, mehr Klimaschutz zu realisieren, sollten

mind. 3 Jahre veranschlagt werden.

Verbraucherzentrale (VZ), Landkreis Wittmund, Versorger (EWE,

friesenenergie GmbH), Schornsteinfegermeister, regionale

Finanzierungsinstitute

Nachhaltigkeitsberichterstattung MN-02, Klimaschutztaler MN-03,

Klimaschutz-Koordinator MN0-4

Arbeitskonzept zur Unterstützung der privaten Haushalte insbesondere unter

Aspekt der demografischen Entwicklung nach dem Motto: „Senioren

investieren mit ihren Kindern für Gebäude-Mehrwert und Klimaschutz“.

Einrichten einer Kontakt-Liste und Vermittlung kompetenter Partner,

Informationsangebot in Print und online mit Unterstützung weiterer Partner

(VZ, IHK, Finanzierungsinstitute),

Anbieten einer jährlich wiederkehrend stattfindenden Info-Veranstaltung rund

um das Thema „Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen“.

Gering

Allgemeine Information:

www.thema-energie.de/

www.zukunft-haus.info/

www.energieverbraucher.de/

www.bine.info

www.bafa.de/bafa/de/energie/energiesparberatung/index.html

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 141 von 166

Maßnahmentitel: Unterstützung der Energie-

Klimaschutzberatung

„Beherbergungseinrichtungen“

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gewerbe Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen:

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

MN-Nr.: 15

Priorität: hoch

Unterstützen/Beraten des Energieverbrauchschwerpunkts

Beherbergungseinrichtung, Gewerbe. Der verantwortliche Klimaschutzkoordinator

unterstützt die gewerblichen Betriebe durch Vermittlung von

Erstkontakten, Austausch und gezielter Fachinformation.

Einbindung der relevanten bzw. zuständigen Akteure, wie: Handwerkskammer

(HWK), Industrie- u. Handelskammer (IHK), DEHOGA (Energiekampagne

Gastgewerbe), Versorger (EWE, friesenenergie GmbH), regionale Banken

und Finanzierungsinstitute.

Hoch

Hoch

Gering bis mittel.

Der Sektor Beherbergung zeichnet für die höchsten CO2-Emissionen

verantwortlich. Daher ist die Erschließung der vorhandenen Energie- und

CO2-Einsparpotentiale eminent wichtig.

Spiekeroogs Klimaschutz-Verantwortlicher kümmert sich um die richtigen

Kontakte, Informationsstellen und vermittelt Fachinformationen; damit ist der

Aufwand minimiert. Einsparerfolge können sich aufgrund der hohen

Energieverbrauchswerte schon nach ersten Beratungen einstellen. Damit ist

das Kosten-Nutzenverhältnis relativ klein.

In Verbindung mit der Schaffung einer anteiligen Stelle des „Klimaschutz-Verantwortlichen“,

erfolgt die unmittelbare Aufnahme der Unterstützungsfunktion.

Folgende Themen sind relevant: Stromsparen: (LED-Beleuchtung, elektrische

Haushaltsgroßgeräte {weiße Ware}, Stand-by, Kältetechnik, Antriebe),

Heizung: (neue Kessel, hydraulischer Abgleich, neue Umwälzpumpen,

Heizungscheck,) Effizienzberatung: KfW, Fördermittel: KfW.

Damit eine gewisse Kontinuität deutlich wird und auch die „langsamen

Entscheider“ eine Chance haben, mehr Klimaschutz zu realisieren, sollten

mind. 3 Jahre veranschlagt werden.

Nachhaltigkeitsberichterstattung MN-02, Klimaschutztaler MN-03,

Klimaschutz-Koordinator MN0-4, eventuell in Verbindung mit der Idee der

Verleihung der Plakette „Spiekerooger Klimaschützer“ MN-16

Arbeitskonzept zur Unterstützung der Beherbergungseinrichtungen,

Einrichten einer Kontakt-Liste und Vermittlung kompetenter Partner,

Informationsangebot in Print und online

Jährlich wiederkehrende Info-Veranstaltung “Umsetzung von

Klimaschutzmaßnahmen im Gewerbe“.

Hoch, da Touristen zunehmend auf Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz

sowie Energieeffizienz Wert legen.

Allgemeine Information:

www.thema-energie.de/

www.bine.info

http://energiekampagne-gastgewerbe.de/

http://www.industrie-energieeffizienz.de/

www.kfw.de/kfw/de/Inlandsfoerderung/Programmuebersicht/Energieeffizienzberatung/index.jsp

Energie + Klimaschutz – Ingenieurberatungen - | Dipl.-Ing. Jörg Wortmann | Wissenschaftszentrum Kiel | www.wortmann-energie.de


Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 142 von 166

Maßnahmentitel: Plakette „Spiekerooger Klimaschützer MN-Nr.: 16

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Priorität: hoch

Private Haushalte

Gemeinde / private Initiative

Beherbergungseinrichtungen

Maßnahmen- „Tue Gutes und rede darüber“ bzw. zeige dies auch mit der Plakette

beschreibung: „Spiekerooger Klimaschützer“. Unterstützung der langjährigen Spiekerooger

Initiative zu mehr Klimaschutz für alle Einwohner Spiekeroogs.

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen:

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Die Plakette sowie Kriterien zur Vergabe der Plakette bestehen bereits im

Entwurf und sollten abschließend geklärt werden. So ist für diese vorbildliche,

lokale Aktion eine noch breitere Einführung mit möglicherweise gesteigerter

Akzeptanz erzielbar.

Mittel

Mittel

Gering

Die Ausarbeitungen der Initiative liegen vor, die Gemeinde unterstützt

koordinierend.

Der Nutzen ist eine weitere, aus der Bevölkerung sich heraus entwickelte

Klimaschutzmaßnahme mit Motivationscharakter zum Mitmachen. So können

– bei Umsetzung der Kriterien – die Energie- und Klimaschutzpotentiale in den

wichtigen Sektoren „Private“ und „Beherbergungseinrichtungen“ erschlossen

werden.

Sofort

Abstimmung mit der Initiative und Versuch, gemeinsame Aktionen und

Maßnahmen zu koordinieren um Kräfte zu bündeln (MN-02, MN-07, MN-14,

MN15).

Kontinuierlich, mindestens 1 Jahr

Danach Überprüfung der Beteiligung und der Kriterien, evtl. Anpassung an die

sich geänderte Situation. Gesamte Laufzeit mind. 5 Jahre.

Gemeinde, NSB-Touristik,

Einbinden externer Akteure, wie Verbraucherzentrale (VZ), friesenenergie

GmbH, Schornsteinfegermeister, regionale Finanzierungsinstitute

Nachhaltigkeitsberichterstattung MN-02, Klimaschutz-Koordinator MN0-4

Seitens Gemeinde: Anbieten der Unterstützung und Abstimmen der

geeigneten Vorgehensweise für eine breite Einführung,

Im Laufe des Prozesses sollten die Kriterien der Vergabe überprüft und ggfs.

angepasst werden

Hoch, da hiermit die Spiekerooger „Plakette zeigen“ und sich zum aktiven

Klimaschutz bekennen und dies nachweislich auch umsetzen.

In vielen Klimaschutzkonzepten und regionalen Marketingstrategien für

Klimaschutz wird dem „neuen“ Thema zur Verbesserung der

Öffentlichkeitsarbeit eine Logo und ein Corporate Design verpasst. Diese

Plakette ist eine eigenständige, lokale Entwicklung und darum sehr viel

authentischer als ein Siegel, was eine externe Werbeagentur erstellt hat.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 143 von 166

Maßnahmentitel: Wärmepumpen-Initiative bei Neubau MN-Nr.: 17

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gewerbe, Private Haushalte Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Priorität: gering

Koordination und Unterstützung der Beratung und Information, welche

Wärmepumpen auf Spiekeroog zum Einsatz kommen könnten, wenn:

- Neubau oder hocheffiziente Sanierung ansteht,

- Lüftungsanlage und Wärmerückgewinnung eingebaut wird �

Kombination mit Luft-Luft-WP; Einsatz von Ökostrom für WP

Gering (Neubau) Mittel (Bestand)

Mittel

Zeitrahmen: Kontinuierlich

Gering

Hier wird, vergleichbar mit MN-14 und MN-15, lediglich die bessere und

schnellere Inanspruchnahme der eigentlichen Beratung herbeigeführt. Die

Erfolge bei der Umsetzung sind durch hohe Energieeffizienz und

Klimafreundlichkeit hoch.

Mittelfristig und je nach Bedarf

Weitere Akteure: Externe Energieexperten, Energieberater, Architekten

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

MN-14, MN-15, friesenenergie GmbH als Ökostromlieferant

- Erstellen einer Liste von regionalen Fachfirmen, die effiziente

Wärmepumpentechnik auf Inseln bzw. küstennah eingebaut haben,

- Zusammenstellung von Fachinformationen (Internet) für Interessierte

- Einbinden der Verbände: SHK (Sanitär, Heizung, Klima), IHK, HWK,

Gering

Allgemeine Information:

www.zukunft-haus.info/

www.bine.info

http://www.energieagentur.nrw.de/waermepumpen/

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 144 von 166

Maßnahmentitel: Einsatz von Lastmanagementsystemen MN-Nr.: 18

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gewerbe, NSB Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Priorität: gering

Im Zuge der verstärkten Nutzung regenerativer Energien insbesondere Wind-

und Solarenergie, macht eine intelligente Bedarfs- und Angebotssteuerung

zunehmend Sinn und wird wirtschaftlich interessant.

Mit dem Versorger friesenenergie und der EWE sollten

Abstimmungsgespräche geführt werden mit dem Ziel lukrative und

klimaschonende Bedarfssteuerung auf der Insel vorzunehmen: Lastabwurf,

Steuerung von Erzeugungsanlagen, Einsatz von Speichertechnologien.

Sollte evtl. das Thema „Speicherung von Windkraftstrom“ für die Herrmann-

Lietz-Schule zukünftig von Bedeutung sein, so ergäben sich hier sehr

interessante Ansätze.

Gering

Gering

Gering

Da es im Interesse der Versorger und Netzbetreiber liegt, ihre

Stromerzeugungs- sowie die Transport- und Verteilnetze ausgeglichen und

optimiert betreiben zu können, kann ein Lastmanagement sehr lukrativ sein.

Sofort

Zeitrahmen: Kontinuierlich

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Versorger,

Externe Erzeugungs- und Netzexperten als Berater bei Verhandlungen

Aufbau von Eigenstromerzeugungsanlagen (PV, Wind HLS Repowering),

MN-5, MN-13

Ideenaustausch mit den Versorgern resp. mit friesenenergie GmbH

Gering, da kaum wahrnehmbar. Daher sollte dies dann im

Nachhaltigkeitsbericht aufgenommen und dokumentiert werden.

Information:

http://www.unendlich-viel-energie.de/de/startseite/detailansicht/article/19/bee-praesentiertaktionsprogramm-fuer-schnelleren-umbau-der-energieversorgung-in-deutschland.html

www.forum-netzintegration.de

www.forum-netzintegration.de/uploads/media/DUH_EnBW_Wiechmann_270409_01.pdf

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 145 von 166

Maßnahmentitel: Initiative „Heizungspumpe“ MN-Nr.: 19

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Private, Gewerbe Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Priorität: hoch

Erfahrungsgemäß befinden sich noch in 90% aller Fälle alte, nicht

hocheffiziente Umwälzpumpen im Heizungssystem.

Mit einem Heizungs-Check wird anhand einer standardisierten Checkliste

(Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik e.V. VDZ) vom Heizkessel

bis zum Thermostatventile die Effizienz/Güte des Heizsystems beurteilt.

Namhafte Hersteller von Umwälzpumpen bieten zum schnellen Markteintritt

einen Rabatt.

In Kooperation mit dem regionalen Heizungsbauhandwerk wird eine „Initiative

Heizungspumpe“ gestartet, die neben dem Austausch der begünstigten (Fa.

Wilo) Pumpe ebenfalls den hydraulischen Abgleich durchführt.

Einstieg ist der Heizungs-Check. Fa. Wilo hat Rabatt für Spiekeroog zugesagt.

Mittel

Mittel

Relativ geringer Anteil des Stromverbrauchs der Umwälzpumpen am

Gesamtstromverbrauch; jedoch 80-90% mögliche Einsparung gegenüber

einer herkömmlichen Pumpe.

Mittel bis Gering

Der Aufwand hängt in erster Linie von der Kooperationsbereitschaft des

regionalen Handwerks ab. Wenn diese sich engagieren ist der Aufwand der

Kommune vernachlässigbar.

Sofort

Zeitrahmen: Kontinuierlich mind. 2 Jahre

Weitere Akteure:

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

Handwerkskammer (HWK), regionales Handwerk, Innungsmeister Sanitär,

Heizung, Klima (SHK), Kreishandwerkerschaft

Beratungsunterstützung Private (MN-14) und Gewerbe (MN-15),

Nachhaltigkeitsbericht, da kooperative Klimaschutzaktion

Gespräche mit dem regionalen Handwerk und Überzeugung zum Mitmachen

Kontakt Fa. Wilo (über Büro Jörg Wortmann bereits erfolgreich hergestellt)

Öffentlichkeitswirksame Bewerbung für Durchführung des Heizungs-Checks

bzw. austausch der Umwälzpumpe in Verbindung mit einem hydraulischen

Abgleich

_

Information:

www.heizcheck-online.de

www.intelligent-heizen.info

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 146 von 166

Maßnahmentitel: Anpassung Dorfgestaltungssatzung MN-Nr.: 20

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gewerbe, Private Haushalte Gemeinde

Maßnahmenbeschreibung:

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Zeitrahmen: Kontinuierlich

Priorität: mittel

Die bestehende Dorfgestaltungssatzung setzt eine Fülle von Vorgaben für

Neubau und Sanierung fest. Touristisch ist Erhaltung und sensible

Weiterentwicklung des Dorfkerns unbestritten ein großes Plus.

Um zukünftig für innovative, energiesparende und klimaschützende

Maßnahmen im Baubereich offen zu sein, empfehlen wir eine Überprüfung

der Satzung. So sollten neben der jetzt in der Dorfgestaltungssatzung

beispielsweise vorgegebenen Farbwahl und Materialvorgabe der Bedachung

der Veranden zukünftig das Thema Energieeffizienz und Klimaschutzmaß als

Ziel ebenfalls vorgegeben werden.

Konkretisierung durch den Nachweis des Bauantragsberechtigten, dass alle

Möglichkeiten zur

- Erhöhten Dämmung und verbesserte Energieeffizienz gegenüber

Energie-Einsparverordnung (EnEV),

- Nutzung erneuerbarer Energien

durch Fachplaner untersucht wurden.

Beauftragung eines Architekten zur satzungsgemäß korrekten Formulierung

der Klimaschutzziele in der Satzung.

Gering (Neubau) Mittel (Bestand)

Mittel – Hoch im Bestand wenn umfänglich saniert wird.

Gering

Durch die Aufnahme dieser Prüfungspflicht „Klimaschutz“ entstehen lediglich

Aufwendungen bei der Gemeinde (und evtl. Landkreis Wittmund) zur

Aktendurchsicht.

Der Effekt ist jedoch, dass Klimaschutz (bessere Dämmung, bessere

Effizienz, Nutzung erneuerbare Energien) wenigstens von Planerseite

überprüft werden muss.

Mittelfristig und je nach Bedarf

Weitere Akteure: Externe Architekten, die sich in Satzungsfragen auskennen

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

MN-02, MN-01a,b da dies auch für die öff. Liegenschaften gilt

- Beschluss zur Ergänzung „Klimaschutz“ der Dorfgestaltungssatzung

- Einbinden eines Fachpartners (Architekt), der die konkrete Formulierung

der Satzung ausarbeitet

Hoch, wenn dies bei Sanierung zu einer umfassenden Optimierung führt bzw.

bei Neubauten zu drastischer Unterschreitung des Energieverbrauchs

gegenüber den herkömmlichen Gebäuden.

Kommunales Beispiel der Vorgabe von Energieverbrauchsminderungen

gegenüber dem gesetzlichen Standard bei öff. Gebäuden:

Leitlinien zum wirtschaftlichen Bauen

www.energiemanagement.stadt-frankfurt.de/Investive-Massnahmen/Leitlinien-wirtschaftliches-

Bauen/Leitlinien-wirtschaftliches-Bauen.pdf

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 147 von 166

Maßnahmentitel: Hinweise zum energie- und kostenbewussten

Bauen

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

MN-Nr.: 21

Priorität: mittel

Private Haushalte, Gewerbe,

Gemeinde

Gemeinde, NSB

Maßnahmen- A) Bei alle zukünftigen Neubauvorhaben Spiekeroogs der öffentlichen Hand

beschreibung:

(Gemeinde, NSB) sollen sich die verantwortlichen Planer (Architekt,

Anlagentechniker) an die „Leitlinien zum wirtschaftlichen Bauen 2011“

der Stadt Frankfurt anlehnen und die dort beschrieben Vorgehensweise

eines energie- und langfristig kostenoptimierten Bauens berücksichtigen.

Vorh. Energie-

und CO2-

Potential:

Energie- und CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Die Planungsverantwortlichen müssen begründen, wieso ein dem

Passivhausstandard ähnliches Effizienzniveau nicht erreichbar ist.

Anzustreben ist – wie die Beschlusslage in Frankfurt/Main bereits vom

06.09.2007 vorsieht – bei Neubauten mindestens die Unterschreitung

der derzeit gültigen Vorgaben der Energieeinsparversordnung (EnEV)

um 30% zu erzielen.

Bei der Ausschreibung von baulichen/energetischen Planungsleistungen

durch die Kommune (Gemeinde, NSB) sind diese Anforderungen in das

Leistungsverzeichnis aufzunehmen.

B) Für private/gewerbliche Vorhaben wird diese Vorgehensweise

empfohlen.

C) Die Dorfgestaltungssatzung ist für Maßnahmen zu mehr

Energieeffizienz/ Klimaschutz zu öffnen und behindernde Aspekte sind

zu entfernen. Durch kompetenten Architekten mit Erfahrung bei

Abfassung eindeutiger Formulierungen in Satzungen.

Gering, da nur wenige Neubauten zu erwarten sind

Hoch, da gegenüber Standardbau bis zu 50% Einsparung möglich sind.

Gering, da langfristig wirtschaftlich durch steigende Energiekosten

mittelfristig

Zeitrahmen: Kontinuierlich

Weitere Akteure: Private Haushalte, Gewerbe

Ergänzende

Maßnahmen:

Konkrete

Umsetzungsschritte:

Auswirkungen auf

den Tourismus:

Hinweise/

Beispiele:

MN01b, MN-02, MN-16, MN-20

1. Beschluss die „Leitlinien zum wirtschaftlichen Bauen 2011“ als

Bestandteil der Planungen bei öffentlichen Neubauten für das planende

und ausführende Gewerk als Richtschnur in die Ausschreibung

aufnehmen.

2. Unterstützung privater, gewerblicher oder sozialer-kirchlicher Bauwilliger

diese Leitlinien ebenfalls anzuwenden. Durch Vermittlung der Information,

Verweis auf die dortigen Erfahrungen (F/Main).

Positiv, da sehr konsequent auf energiesparsames und langfristig

kosteneffektives Wirtschaften bei den öff. Liegenschaften Wert gelegt wird.

BMVBS: energetisches sanieren gestalten, Leitfaden:

www.bmvbs.de/cae/servlet/contentblob/63202/publicationFile/35699/Leitfaden-energetisches-sanieren-gestalten.pdf

kommunale Passivhaus-Beschlüsse: www.ig-passivhaus.de/index.php?page_id=176&level1_id=78

Beschluss F/Main: www.ig-passivhaus.de/upload/PAR_2443_2007_09_06_BeschlussPH_Frankfurt_.pdf

www.energiemanagement.stadt-frankfurt.de/passiv/Passivhausbroschuere.pdf

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 148 von 166

Ein Schwerpunkt der Bearbeitung des Energie- und Klimaschutzkonzeptes bestand in der

Beratung zur Energieeinsparung und Effizienzsteigerung der kommunalen Liegenschaften

(Gemeinde Spiekeroog und Nordseebad Spiekeroog GmbH). Hierzu wurden insgesamt

(zusätzlich 3 nicht kommunale aber öffentliche Gebäude) 27 Objekte im Rahmen der Vor-

Ort-Begehungen untersucht und für 19 Liegenschaften objektscharf Foto-Dokumentationen

und Hinweise zu Mängeln und Verbesserungen dokumentiert (siehe Anhang 4 im

Anlagenband).

Für insgesamt 13 Objekte wurden die wesentlichen Ergebnisse in Form eines

Maßnahmenblattes zusammengestellt und nachfolgend dokumentiert.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 149 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Wohnhaus, Melksett 19

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Kurzinfo Gebäude

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Baujahr 1984, 4 WE à ca. 55 m²

Energieverbrauch (Erdgas): rd.

Energieverbrauchskennwert: 217 kWh/m²a

Energiekosten (Erdgas): rd. 2,5 T€/a

Gebäude:

MN-Nr.: Obj.-01

Priorität: hoch

- Geringe Schäden an den Vormauerziegeln, lose, brüchige Fugen am

Ostgiebel und Riss/Fuge über dem Sturz EG, Dachrinne defekt am

Krüppelwalm

- Gravierende Probleme durch Beton-Kragplatte Südbalkon, fachgerechte

Entwässerung existiert nicht, Durchfeuchtung, Frostschäden im Belag,

starke Wärmebrücke, Belag/Geländer/Holzverschalung am Balkon

abgängig u. ersatzbedürftig; Terrasse EG wird „unkontrolliert“ nass.

- Im EG Badbereich Feuchtigkeitsprobleme: Tapetenablösung an der

Laibung

- Fenster ersatzbedürftig, tlw. defekte Lippendichtungen

Heizungssystem:

- Heizungsanlage demnächst ersatzbedürftig

- fehlende Heizungsrohrisolation, keine A-Umwälzpumpe (Hocheffizienz)

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Grundlegende Lösung des Problems Balkonkragplatte: Mit Diamantsäge

abtrennen und eine pragmatische Dacheinbindung mit einem

vorgeständerten Balkon (Zink- oder Edelstahlprofil mit Einlegeböden),

Reparatur der Dachrinne

- Beheben der Fugen/Risse/Ziegelschäden am Außenmauerwerk

- Überprüfung der Feuchtigkeitsprobleme im Bad EG, Aufbringen von

Kalziumsilikatplatten im Laibungsbereich

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- Nachisolieren der Heizungsrohre, Austausch der Umwälzpumpe, Einbau

einer Kaltwasseruhr im „Zulauf“ Heizungswasser zur Kontrolle der

Nachfüllmenge

- Einbau neuer Brennwerttherme mit solarer Warmwasser- und

Heizungsunterstützung (ca.10 m²) in Verbindung mit Einbau neuer

dreifachverglaster Fenster/Verglasung.

Kurzfristig: 10% | Mittelfristig: insgesamt 25-35%

Angesichts der ohnehin notwendigen Reparaturen und der Behebung des

Balkonproblems stehen keine „Mehrkosten“ für Energieeffizienz an.

Der Aufwand für die Klimaschutzmaßnahmen: Solarwärmenutzung, neue

Brennwerttherme, Austausch alter gegen neue 3-fachverglaste Fenster wird

auf rd. 25-40 T€ geschätzt und ist abhängig vom Volumen des

Fensteraustausches.

Sofort: Begrenzung und Behebung der baulichen Mängel.

Mittelfristig: Klimaschutzmaßnahmen nach techn. Lebensdauer (Kessel 15-18

Jahre, Fenster 25-30 Jahre)

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 150 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Kindergarten & Wohnungen, Noorderloog 29

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Kurzinfo Gebäude

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Baujahr mit An-Umbauten

1865/ 1925/ 1991, Kindergarten (202 m²) und

5 WE (342 m²)

Gebäude:

MN-Nr.: Obj.-02

Priorität: hoch

- Wohnung Mitte DG (H),: Austausch einfachverglaste Fenster, altes

Dachflächenfenster,

- Wohnung Links EG/DG (O): Eingangssituation: unbeheizter und zugiger

Wintergarten schließt an einfachverglaste, historische Wohnungstür an;

Feuchtigkeit im Keller,

- Wohnung Mitte EG (F) klagt über große Luftspalte und Einfachverglasung

der Haus/Wohnungstür,

Heizungssystem:

- Kindergarten, Wohnung Mitte EG+DG: Über zentralen, alten Kessel (im

sanierungsbedürftigen Keller), 2 Heizkreise, 2 Wärmemengenzähler, keine

Effizienzpumpe, z.T. fehlende Rohrisolation.

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Zentrale Beheizung im Keller sollte erneuert werden: Kesselersatz, da

sicherlich älter als 15-20a; Optimierung Regelung, Hydraulik, Pumpen,

Rohrisolierung.

- Wohnung Mitte DG: Austausch einfachverglaste Gaubenfenster und

abgängiges Dachflächenfenster.

- Wohnung Mitte EG. Erneuerung/Überarbeitung Haustür

- Wohnung Links EG/DG: wärmetechnische Verbesserung des

Eingangsbereiches durch evtl. Vorsatz Schiebelement oder Aufdopplung

Glaselemente, Luftdichtheit verbessern. Kellerraum: pragmatische

Trocknung durch geregelte Entfeuchtung (max. 70%). Defekte Glasscheibe

im Kellerfenster ersetzen und Aussparung für Abluft-Ventilator (Trockner)

einbauen.

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- Zentrale Beheizung bei Totalsanierung Kellergeschoss prüfen und Einbau

neuer Brennwerttherme (Solar wg. Baumverschattung schwierig),

- Neuaufbau Dach (Mittelteil) mit erhöhter Dämmung und neuer Gaube,

Verbesserung der Gestaltung,

- Wohnraummodernisierung Mittelteil

Kurzfristig: 15-20% mit neuem Kessel | Mittelfristig: plus 5-10%

Die kurzfristigen Maßnahmen (15-25 T€) ergeben sich durch Reparaturstau,

die mittelfristigen Maßnahmen sind aufwändig (ca. 30-50 T€)

Sofort: Behebung des Reparaturstaus, Behebung der Mängel

Mittelfristig: Gestaltung/Modernisierung nach kommunaler Haushaltslage

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 151 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

DLRG-Haus, Noorderloog 21

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Kurzinfo Gebäude

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Baujahr 1901, 3 WE, 207 m²

Energieverbrauch (Erdgas): rd. 47 MWh/a

Energieverbrauchskennwert: 262 kWh/m²a

Energiekosten (Erdgas): rd. 2,8 T €/a

Gebäude:

- Wintergarten durchgehend beheizt, Einfachverglasung und

Luftundichtheiten

- Kellerzugang über Küche modernisierungsbedürftig

MN-Nr.: Obj.-03

Priorität: mittel

- Überprüfen der Heizungsanlage und ggfs. Optimieren: Pumpentausch,

Isolierung Heizungsrohrisolation nacharbeiten

- Fenster, Dichtungen, etc. überprüfen, evtl. Kastendoppelfenster bei

Einfachverglasung herstellen

Heizungssystem:

- Kesselanlage, Bj. 1992, Speicher 2005, keine Hocheffizienzpumpe

- Beheizung des Wintergartens, wg. Mobiliar, Nutzung als TV/Wohnraum

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Modernisierungskonzept Innenräume erstellen und Kostenanschlag

einholen; Konzept zukünftige Nutzung des alten, zentral gelegenen

denkmalgeschützten Gebäudes,

- Nach der Saison: Beide Wintergärten winterdicht machen: Ausräumen des

Mobiliars, Vorhänge, Teppich; Entfeuchtungsgerät aufstellen. Heizkörper-

Verrohrung (VL+RL) auftrennen, Absperrventile einsetzen, entleeren,

absperren. So herrichten, dass keine Frostschäden entstehen.

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- Fenster mit Aufdopplung, Kastenelementen und Wärmeschutzverglasung

denkmalschutzgemäß energetisch verbessern

- Evtl. Kellerdeckendämmung wenn sinnvoll anbringen (evtl. in Eigenregie

nach Einweisung)

- 20 a alten Kessel gegen Brennwerttherme auswechseln, hydraulischer

Abgleich, Isolierung der Heizungsverrohrung, Einbau Hocheffizienzpumpe,

Neue Thermostatventile

- Neueinstellung und Dokumentation der Heizungssteuerung

Kurzfristig: 5-10% | Mittelfristig: plus 10-20%

Mittelfristig Aufwand für neue, energiesparende Fenster (keine

Kostenschätzung).

Neue Heizungsanlage mit hydraulischem Abgleich und Kellereckendämmung

ca. 12-15T€

Kein akuter Handlungsdruck, da der Kessel jedoch abgängig ist, sollte dies mit

der teilweise durchzuführenden Fenstersanierung gekoppelt werden.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 152 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Inselmuseum, Noorderloog 1

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Kurzinfo Gebäude Baujahr 1850/ 1963, Ausstellungsräume,

Trauzimmer, Büro, Archiv/Lager (153 m²)

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Museum plus Sozialstation:

Energieverbrauch (Erdgas): rd. 40 MWh/a

Energieverbrauchskennwert: 162 kWh/m²a

Energiekosten (Erdgas): rd. 2,4 T€/a

Gebäude: Inselmuseum

MN-Nr.: Obj.-04a

Priorität: mittel

- Monumentendienst (15.12.2010): Geringe Mängel an Dach,

Außenmauerwerk, Fenster festgestellt. Ausführliche Beschreibung der

Mängel und Vorschläge/Hinweise zur Schadensbehebung,

- Außenmauerwerk im Sockelbereich aufsteigende Feuchtigkeit,

Spritzwasser Regen, mit tlw. Vermosung/Veralgung,

- Eingangsbereich/Veranda: Heizkörper von Regal verdeckt und zugestellt,

- Veranda wird beheizt verfügt aber nicht über entsprechende Dämmqualität

- EG: Vorsatz einer Innenschale (vermutl. Gasbeton), ohne gemauerten

Verbund zur Außenmauer. Bauphysikalisch problematisch: Deckenbalken

in nicht luftdicht erstellter Innendämmung, evtl. Kondensatanfall,

- Fugenbildung zwischen diesen beiden Mauerungen, da keine

Laibungsplatte im Fensterbereich eingesetzt: Kondensat, Ausblühungen

- Dämmung Giebel mit Innenvorsatzschale aus Holzfaserplatten, evtl.

bauphysikalisch problematisch

Heizungssystem:

- Siehe MN-Obj.-04b-Sozialstation

Hohe installierte Beleuchtungsleistung auf Basis Halogenlampen u.a.

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Dachabdichtung (auch als Provisorium) sofort sicherstellen

- Umsetzen der Sofortmaßnahmen Monumentendienst,

- Prüfen der denkmalgerechten Drainage, Beseitigung/Minderung der

Spritzwasserlasten

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- An sensiblen Stellen (Innenschale mit Deckenbalken) im EG Innenwand

öffnen und Prüfen ob Feuchte, Kondensat, Fehlstellen Luftundichtheit,

wenn NEIN � Laibungsplatten aus Kalziumsilikat 25mm aufbringen.

Wenn JA � Gesamte Innenschale demontieren und mit Remmers IQ-

Therm 50/80 mm neu aufbauen

- Überprüfung und Verbesserung Dämmung Dachschräge, Abseite,

Giebelwand

- Rückbau der Flachdachanbindung Sozialstation oder neues

Gesamtkonzept siehe MN.-Obj.-04b

Kurzfristig: 0 % | Mittelfristig: 10-15%

Sofortmaßnahmen sind Instandsetzung/-haltung,

Aufwand für die mittelfristigen Aktivitäten muss detailliert ermittelt werden,

Sofortmaßnahmen und Prüfung Innenschale umgehend.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 153 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Sozialstation, Noorderloog 1

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Kurzinfo Gebäude

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Baujahr ca. 50-er Jahre, 1 Wohnung (57 m²)

Museum plus Sozialstation:

Energieverbrauch (Erdgas): rd. 40 MWh/a

Energieverbrauchskennwert: 162 kWh/m²a

Energiekosten (Erdgas): rd. 2,4 T€/a

Gebäude: Sozialstation

- Monumentendienst (11.04.2011) Geringe Mängel an Dach,

Außenmauerwerk, Fenster festgestellt.

MN-Nr.: Obj.-04b

Priorität: hoch

- Gebäude in dringend sanierungsbedürftigem Zustand, Durchfeuchtung

Wohnzimmerdecke und Wassereinbruch über undichtes Dach, Schimmel

in Bad und Wohnzimmer

- Schrägdach ungedämmt bzw. nicht fachgerecht mit 2cm Polystyrol

ausgekleidet. Leckagen am Flachdach,

- Fenster abgängig, defekt, reparaturbedürftig

- Kamin versottet,

- Zugang DG über Hilfstreppe,

- Durch Dauerdurchfeuchtung an Holz (Dach, Decke) und Mauerwerk über

längere Zeit besteht Gefahr von meldepflichtigem Hausschwamm, der zum

Totalabriss führen kann

Heizungssystem:

- Zentrale Kesselanlage Bj. 1989, elektrische WW-Bereitung über Boiler,

Zusatz-IR-Heizung Bad, fehlende Isolierung, Steuerung richtig eingestellt?

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Prüfung und Umsetzung Sofortmaßnahmen Monumentendienst

- „Durchfeuchtung, Bauschäden“ umgehend beheben: defekte Dachflächen

und Schornsteindurchführung abdichten,

- Schimmelproblematik kurzfristig durch Entfeuchtungsgerät lindern,

- Sanierung/Modernisierungskonzept erstellen vor Neuinvestition.

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- San/Mod.-Konzept mit weiterer Nutzung der Sozialstation,

- Option A: Rückbau Sozialstation bis an das Inselmuseum heran,

- Option B: Totalsanierung und gestalterisch ansprechende Lösung

zwischen Sozialstation und Museum bei Kostendeckelung auf ca. 2 T€/m²

Wohnfläche

Kurzfristig: 0 % | Mittelfristig: 10-25% je nach Umfang

Sofortmaßnahmen sind Instandsetzung/-haltung,

Wohnraumschaffung durch Komplettsanierung nicht über 2T€/m². Ersatz durch

andere Wohnmöglichkeiten: Z.B. DG-Ausbau Ärztepraxis

Dachabdichtung, Schimmelproblematik, Malerarbeiten Wohnzimmerdecke

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 154 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Hafengebäude, Wüppspoor

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Kurzinfo Gebäude Baujahr 1982, Hafengebäude (445 m²) und 2

Wohnungen (100 m²)

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Energieverbrauch (Erdgas): rd. 97 MWh/a

Energieverbrauchskennwert: 181 kWh/m²a

Energiekosten (Erdgas): rd. 5,8 T€/a

Gebäude:

MN-Nr.: Obj.-05

Priorität: mittel

- Die Außenfassade als zweischaliges Mauerwerk weist starke Schäden im

Fugenbild auf und müsste – nach Prüfung – vollflächig saniert werden.

- Das Dach ist abgängig und sollte im Zuge einer Umnutzung/

Umbaumaßnahme neu gedämmt und eingedeckt werden.

Heizungssystem:

- Die Heizanlage mit dem 28Jahre alten Kessel ist abgängig,

- Dementsprechend auch Verteilung, Übergabe, Ventile,

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Vor Umsetzung der Maßnahmen zur Energie- und Kosteneinsparung sowie

zum Werterhalt des Gebäudes muss ein abgestimmtes touristischorientiertes

Nutzungskonzept erstellt werden.

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- Konzept für die Umgestaltung als neues Begrüßungsgebäude für

ankommende und abreisende Gäste,

- Aufwerten der Sanitärbereiche, Überdachungen für wartende

Urlaubsgäste,

- Gestalterisch geschickte Einpassung und Schaffung von attraktiven

Sichtbarrieren für notwendige Transport/Logistik-Bereiche,

- Integration der Ladestationen für E-Karren und Visualisierung/Info zur

Solarstromgewinnung auf Spiekeroog,

- Objektbezogen sollte bei Beibehaltung der Nutzung aus energetischen

Gründen folgendes unternommen werden:

- Ausbesserung Vormauerschale, Prüfung (Angebotseinholung) ob

nachträgliche Kerndämmung machbar. Wenn Ja, dämmen,

- neue Fenster mit Dreifachverglasung einbauen,

- Dach über Wohnbereich neu dämmen, größere Dachflächenfenster,

eindecken, Dämmung gegen unbeheizte Lagerhalle,

- Einbau neuer Brennwertkessel (Solarnutzung bei Firstrichtung N-S

scheidet aus), hydraulischer Abgleich.

Kurzfristig: - | Mittelfristig: 20-35% | Bei Außenwanddämmung: plus 10%

Keine Angabe, da Gesamtnutzungskonzept vorliegen muss.

Energetische Maßnahmen mittelfristig ca. 50-70T€

Die baulich-energetischen Maßnahmen müssen in ein Gesamtkonzept „Hafen

und Tourismus“ eingebunden sein. Oder es müssen Festlegungen getroffen

werden, dass das Gebäude die nächsten 20 Jahre so Bestand haben soll dann

können die energetischen Maßnahmen umgesetzt werden.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 155 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Feuerwehr, Noorderthün 1

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Gemeinde Gemeinde

Kurzinfo Gebäude

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Baujahr 2003, Feuerwehr (715 m²) und drei

Wohnung (202 m²)

Energieverbrauch (Erdgas): rd. 88 MWh/a

Energieverbrauchskennwert: 111 kWh/m²a

Energiekosten (Erdgas): rd. 5,3 T€/a

Gebäude:

- Keine

- Große, südausgerichtete Dachfläche

MN-Nr.: Obj.-06

Priorität: hoch

- Halle sieht keine Räumlichkeiten für Trocknung der Anzüge,

Schutzkleidung vor; Trocknung erfolgt aufwändig über Erwärmung der

gesamten Hallenluft,

Heizungssystem:

- Brennwertkessel, Brötje, 38-94kW, Bj. 2003,

- Fehlende bzw. zu dünne Isolierung an Rohrleitung, Armaturen im

Heizraum,

- Lufterhitzer der Halle werden mit Heizwasser angefahren und Ventilator ist

aus � Regelung überprüfen, müsste abgeschiebert sein.

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Isolierung der Heizungsverrohrung überprüfen, nacharbeiten gemäß EnEV

bzw. besser

- Überprüfung der Regelung/Einstellung und ggfs. Temp.-Absenkung

Lufterhitzer

- Installation einer PV-Anlage auf dem Hallendach, Stromanschluss im Haus,

Angebote liegen vor, jetzt Aktualisierung der Kosten.

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- Prüfen (Architekt/TGA-Planer), ob Trocknungsräumlichkeiten für die

Beleidung nachträglich sinnvoll einzubauen ist�Lüftungswärmeverluste

werden drastisch minimiert (Einsparung etwa 15-25%)

- Solarwärme für Wohnbereich nutzbar auf abgesetztem Dach evtl. mit

Heizungsunterstützung, neuer Pufferspeicher, der bestehenden WW-

Speicher bedient.

- Prüfen: Solarwärme als Heizungsunterstützung für Wohnen und Grundlast

Halle mit ca. 20m² Kollektorfläche und 2.000Liter Pufferspeicher

-

Kurzfristig: PV: ca. 75-125 T€ je nach Anlagengröße (ohne Anlieferung u.

Übernachtung Montagepersonal)

Stromeinspeisung, ca.: 38MWh | CO2-Einsparung, ca.: 19,2 tCO2

Mittelfristig: ca. 20-30% je nach Umfang der Maßnahmen

PV-Installation ist lt. Angebot (6 Firmen haben Angebote gelegt) wirtschaftlich.

Mittelfristig: ca. 7-18 T€ je nach Größe Solarkollektorfeld (6-20m²)

Beschluss über PV-Nutzung auf den öff. Dächern, hier Feuerwehr,

Umgehend Kontakt und Aktualisierung der PV-Angebote,

Finanzierung prüfen

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 156 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Arztpraxis & Wohnungen, Noorderpad 23

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

NSB NSB

Kurzinfo Gebäude Baujahr Ende 1960er, Um-/Anbau 70er und

80er Jahre, 2-geschossig,

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Arztpraxis EG, 3 WE im OG, Spitzboden nicht

ausgebaut

Energieverbrauch (Erdgas): rd. 50 MWh/a

Energiekosten (Erdgas): rd. 3 T €/a

Gebäude:

MN-Nr.: Obj.-07

Priorität: mittel

- Fenster (Bj. 1976) abgängig, Dacheindeckung folgt in wenigen Jahren,

- Feuchtestellen am Schornstein und auf Bodendielen nach Starkregen,

- Vormauerziegel überprüfen (Frostschäden, Risse),

- Nachträgliche Kerndämmung (6 cm Luftspalt) Perlite in 70er Jahren,

- Wärmebrücken durch Betonring als statische Baumaßnahme (oberste

Geschossdecke) und Fenstereinfassung,

Heizungssystem:

- Zentraler Brennwertkessel (Bj. 2009) für Arztpraxis; 2 Wandthermen (Bj.

ca. 1997) im Spitzboden, 1 Therme im Wohnraum OG

- 4 Wärmeerzeuger pro Haus, DG nur tlw. ausgebaut: hohe laufende Kosten,

ineffizient, evtl. DG als Wohnraum nutzbar durch Modernisierung/Umbau

mit Treppenzugang

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Dach/Schornstein: Einfassung Schornstein überprüfen und neu abdichten,

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- Prüfung des Rückbaus der Thermen und Anschluss an zentrale BW-

Therme im Keller in Verbindung mit Sanierung/Modernisierung:

- Neue Dacheindeckung + Wärmedämmung,

- Prüfen des Ausbaus des Spitzbodens zu Wohnraum,

- Einbau neuer dreifachverglaster Fenster,

- Kellerdeckendämmung

- Solarwärmeanlage Heizungsunterstützung, großer Pufferspeicher,

- Umbau Heizungen DG, Umstellung auf zentrale WW-Bereitung

Mit diesen Wärmeschutzmaßnahmen plus Solarenergie kann der BW-

Kessel beibehalten werden

- Vormauerziegel: langfristige Komplettsanierung planen oder Mängelstellen

ausbessern; derzeit kein Handlungsdruck,

- Überprüfung der Anbindung an die Nahwärmeversorgung Hallenbad. Wenn

Ja, dann keine Solarwärmenutzung auf der Arztpraxis,

- Prüfen der Dämmung/Instandsetzung der Außenwand als langfristige

Perspektive; Modellprojekt entwickeln: Arztpraxis und kommunales

Gebäude an hochfrequentierter Kur-Lage

- Angebote für PV-Installation liegen vor

Kurzfristig: - | Mittelfristig: mit umfassender San/Mod-Variante: 40-50%

Zweckbau aus den 60-er Jahren mit zahlreichen Umbauten: Aufwand für

Komplettsanierung (ohne Wohnausbau) wie beschrieben, ca. 80-100 T€.

Sollte in die mittelfristige Finanzplanung aufgenommen werden, derzeit kein

Handlungsdruck zur Komplettsanierung. San/Mod-Variante schafft Wohnraum

für die Sozialbetreuung; Rückbau Sozialstation damit möglich.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 157 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Strandkorbhalle, Slurpad 15

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

NSB NSB

Kurzinfo Gebäude Hallenkonstruktion zur Unterbringung der

Strandkörbe und für Reparaturen

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Baujahr 1970

Energieverbrauch (Erdgas): rd. 16 MWh/a

Energiekosten (Erdgas): rd. 1 T €/a

Gebäude:

MN-Nr.: Obj.-08

Priorität: hoch

- Halle mit deutlichen Mängeln: Außenverkleidung Asbestzement-Welle

brüchig, unansehnlich

- Dacheindeckung ebenfalls als Asbestzement-Welle ausgebildet, nach

Aussagen vor-Ort Risse und Brüche. Dringend in den nächsten zwei

Jahren Austausch des Daches (im Haushalt bereits vorgesehen)

- Hallenstatik durch Versteifung der Fußpunkte wieder hergestellt

Heizungssystem:

- Gastherme in der Werkstatt mit elektrischer Warmwasserbereitung, keine

Mängel feststellbar.

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Heizung: Die Regelungsfähigkeit der Therme, Thermostatventile und

Einbau Hocheffizienzpumpe prüfen.

- Sanierung der asbestbelasteten Eindeckung und Installation von

Solarmodulen:

Das große Süd-Dach ist hervorragend für die Solarenergienutzung geeignet.

Da kein WW-Bedarf im Gebäude besteht, kommt PV-Installation vollflächig in

Frage.

Angebote von 6 PV-Installationsbetrieben liegen vor (26-49 kW mit 64-136 T€

ohne Anlieferung u. Übernachtung Montagepersonal), die umgehend

aktualisiert werden sollten.

Da die Strandkorbhalle in der Nähe des Strandzugangs gelegen ist, sollte

mindestens eine Infotafel angebracht werden.

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- Generell ist zu überlegen, das Umfeld der Strandkorbhalle mit den dort

befindlichen Materialien systematisch zu ordnen und Baumaterial

blickgeschützter zu positionieren.

Stromeinspeisung, ca.: 32MWh | CO2-Einsparung, ca.: 16,4 tCO2

Die Photovoltaikanlage rechnet sich bei geschickter Planung und günstiger

Finanzierung und ist wirtschaftlich. Voraussetzung ist eine komplette

Sanierung der Eindeckung. Diese ist sowieso völlig ersatzbedürftig:

Zwei richtige Schritte: neues Dach + PV zusammen machen.

Beschluss zur PV-Installation,

Klären, wie aufwändig und teuer eine Dachsanierung wird,

Organisationsform (evtl. Bürgerbeteiligung), Finanzierung klären,

Angebote aktualisieren.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 158 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Zeltplatz, Palisadendiek

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

NSB NSB

Kurzinfo Gebäude

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Baujahr ca. 1950

Energieverbrauch (Strom): rd. 27 MWh/a

Energieverbrauchskennwert: k.A.

Energiekosten (Strom): rd. 4 T €/a

Gebäude:

- Einfacher, massiver Bau mit An- und Vorbauten

Heizungssystem:

MN-Nr.: Obj.-09

Priorität: umgesetzt

- Zum Stand der Begehung (2010) war der Elektroboiler für WW-Bereitung

defekt und musste für die nächste Saison ersetzt werden.

Hinweise, Empfehlungen:

- Zum Saisonbeginn 2011 wurde im Rahmen der Beratungen des

Klimaschutzkonzeptes eine Röhrenkollektoranlage mit Pufferspeicher

installiert,

- Evtl. kann im Zuge einer zukünftigen touristisch intensiveren Nutzung das

Gebäude vergrößert werden: Mehr Lagerungskapazität für Zeltmaterial,

welches derzeit zum Dachboden des Seenot-Rettungsgebäudes

transportiert werden muss. Letzteres könnte mit dieser Entlastung

touristisch interessanter genutzt werden.

- Notieren der Monatsverbräuche Strom und Solareinträge durch die

Röhrenkollektoranlage. So können Fehlprogrammierungen und nicht

optimale Steuerungen der Hydraulik erkannt werden.

Kurzfristig: - | Mittelfristig: -

Touristisch ein sichtbares Zeichen für

Solarenergienutzung für besonders

naturverbundene Urlaubsgäste, die

dies zu schätzen wissen und auch

sicherlich lange erwartet haben.

-

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 159 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Werkstatt, Westerloog 11

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

NSB NSB

Kurzinfo Gebäude

Baujahr 1973

Energieverbrauch (Erdgas): rd. 24 MWh/a

Energieverbrauchskennwert: k.A.

Energiekosten (Erdgas): rd. 1,4 T €/a

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Gebäude:

- keine sichtbaren Mängel erkennbar.

- Dachraum auf Brandlasten überprüfen.

MN-Nr.: Obj.-10

Priorität: Hoch

Heizungssystem:

- Heizkessel (Lufterhitzer) noch intakt aber mit 34 Jahren nicht mehr

auf dem technischen Stand. Brenner von 1991.

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Das Süd-Dach ist hervorragend für Solarstromnutzung geeignet.

Kein WW-Bedarf in dem Gebäude. Hafennähe: touristischer

Eindruck, technisches Gebäude und Stromerzeugung mit der

Sonne. Einige Umbauten kleinerer Art sind für eine gestalterisch

ansprechende PV-Anlage sinnvoll und möglich:

− Rückbau der Sirene, die sowieso defekt ist und Umbau auf das

Norddach; 1,50m Versatz,

− Rückbau des dazugehörigen Ausstiegs und Umbau auf

Nordseite. Ausstieg ist sowieso abgängig und undicht und muss

instandgesetzt werden.

- Überprüfung der Effizienz der Lufterwärmung, Hydraulik,

dezentrale Lufterhitzer, Reinigung, evtl. Ersatz der Kesselanlage

durch Neuanlage.

- Angebot eines externen Anbieters zur Dachnutzung mit

Pachtentgelt liegt vor.

Angebote von 6 PV-Installationsbetrieben liegen vor (16-21 kW mit 38-

60 T€, ohne Anlieferung u. Übernachtung Montagepersonal), die

umgehend aktualisiert werden sollten.

Einbinden in das touristische E-Mobilitätskonzept und Beladung der E-

Karren mit Solarstrom, Visualisierung der Solarerträge, Infotafel an

Werkstatt

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- Generell ist zu überlegen, die Zwischenlagerung der Baumaterialien

auf Paletten im hinteren Grundstücksbereich systematisch zu

ordnen und blickgeschützter einzurichten.

Stromeinspeisung, ca.: 18 MWh | CO2-Einsparung, ca.: 9,2 tCO2

Die Photovoltaikanlage rechnet sich bei geschickter Planung und

günstiger Finanzierung recht gut und ist wirtschaftlich: kein Aufwand

sondern Profit.

Beschluss zur PV-Installation. Organisationsform (evtl.

Bürgerbeteiligung), Finanzierung klären, Angebote aktualisieren

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 160 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Inselschule, Süderloog 50

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Landkreis Wittmund, Gemeinde Landkreis Wittmund, Gemeinde

Kurzinfo Gebäude Baujahr 1994, Inselschule mit Mehrzweckhalle

im Kreisbesitz: ca. 1.140m²

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

8 Wohnungen im DG im Gemeindebesitz:

ca. 429m²

Energieverbrauch (Erdgas, Schule):

rd. 116 MWh/a

Energieverbrauchskennwert, Schule:

ca. 102 kWh/m² a

Energiekosten (Erdgas): rd. 10 T €/a

Gebäude:

MN-Nr.: Obj.-11

Priorität: gering

- EG, Schule: Geringe Feuchteschäden an Außenwand,

- DG, Wohnen: Überprüfen der Luftdichtigkeitsleckagen an ausgewählten

Stellen, Prüfen, ob bauphysikalisch einwandfreie Austrocknung von

Zimmerdecke, Dach gegeben,

- Giebelfenster Mehrzweckhalle ersetzen, da dauernd verdunkelt

Heizungssystem:

- Schule: Kessel Bj. 1993, 120 kW, überdimensioniert, 5 Heizkreise, 500 L

Speicher

- Wohnen: 1 gemeinsame Therme für 5 WE, plus 3 sep. Thermen,

Warmwasserbereitung tlw. elektrisch tlw. über Thermen

- 5 Wärmeerzeuger in einem Objekt, davon Schulkessel überdimensioniert

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- EG: Feuchtigkeit in der Außenwand beheben.

- Beleuchtung optimieren Glühlampen durch Energiesparlampen und

Halogen durch LED ersetzen

- DG: Luftundichtheiten prüfen, Leckagen orten durch Fachmann

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- EG: Wärmedämm-Vorsatz vor verdunkelte Giebelfenster Halle

- Planung/Prüfung (Kreis zeigt sich gesprächsbereit) zur Optimierung der

Heizsituation: 1 zentraler Kessel mit zentraler WW-Bereitung, evtl.

Unterstützung durch Solarwärme (Gaubendachflächen Röhrenkollektoren).

Einsparung der Wartungs- Grundpreis, Messgebühren, Umbau auf

effiziente Anlagentechnik

- Abstimmen mit Kreis über gemeinsame Sanierung/ Modernisierung

Heizungssystem und Verteilung

-

Kurzfristig: 5 % | Mittelfristig: 10-15 %

Umbau ist durch interne Rohrverlegungen (Kernbohrungen) aufwändig.

Insbesondere werden die Bewirtschaftungskosten für Gemeinde als Vermieter

gesenkt. Komfortsteigerung bei Behebung der Beheizungsprobleme und der

Zugerscheinungen im DG

Kein akuter Handlungsdruck für die Gemeinde.

Prüfen, ob eine detaillierte Planung und Kostenanschlag für Heizungs-

/Hydraulikumbau und Einsatz Solarwärme zu beauftragen ist.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 161 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Wasserwerk, Noorderpad

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

OOWV OOWV

Kurzinfo Gebäude

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Baujahr 1983

In erster Linie Strombedarf für Pumpen,

Aggregate, geringer Wärmebedarf (über

Elektroheizung gedeckt), da ausreichend

Abwärme zur Verfügung steht.

Gebäude:

MN-Nr.: Obj.-12

Priorität: gering

- Zweischalige Außenwand mit abgewinkelten Dachflächen ohne erkennbare

Mängel

Heizungssystem:

- Durch die hohe Maschinendichte beträchtliche Abwärme im Objekt,

Heizungen auf Elektrobasis

-

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Kein akuter Handlungsdruck

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- Beleuchtung optimieren: Statt Halogenstrahler zur Hallenausleuchtung,

Leuchtstofflampen mit Spiegelreflektoren und hochtransparenter

Abdeckung,

- Prüfen, ob die Abwärme durch Einsatz einer Luft/Luft-Wärmepumpe

einsetzbar ist um somit Heizstromverbrauch zu reduzieren,

- Kontinuierliche Fortsetzung der begonnenen Umrüstung der Antriebe und

Pumpen auf hocheffiziente Antriebe der Klasse A

- Eine angedachte Solarenergienutzung (PV-Strom) scheidet aufgrund nicht

geeigneter Ausrichtung und zu kleinteiliger Dachflächen aus.

Kurzfristig: % | Mittelfristig: 5-20%

Bei abgängigen Motoren ist der Einsatz der hocheffizienten Antriebe sehr

wirtschaftlich

Prüfung und Erfahrungsaustausch mit anderen Wasserwerken, welche

Effizienzpotentiale noch zu heben sind.

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 162 von 166

Maßnahmentitel: MN-Empfehlung Liegenschaft:

Müllumschlagstation, Wüppspoor

Betroffener Sektor/ Bereich: Akteur/ Initiator:

Landkreis Wittmund Landkreis Wittmund

Kurzinfo Gebäude

Mängel /

Auffälligkeiten:

Maßnahmen:

Energie- u. CO2-

Einsparpotential:

Kosten-Nutzen-

Relation:

Umsetzbarkeit

(Start, Aufwand):

Baujahr 1988

Größter Energiebedarf (Strom) für Apparat zur

Pressung des Mülls, Beleuchtung

Beheizung der größtenteils offenen Halle

erfolgt nicht.

Gebäude:

MN-Nr.: Obj.-13

Priorität: hoch

- Einfacher Klinkerbau als Halle mit Werkstatt/Büro/Sozialraum ohne

erkennbare Mängel

- Süd-Dach des Gebäudes eignet sich hervorragend für Solarstrom-

Installation

Heizungssystem:

Existiert in den Werkstatt/Sozialräumen als Elektroheizung

Hinweise, Empfehlungen, möglichst sofort umzusetzen:

- Kein akuter Handlungsbedarf.

- PV-Nutzung sollte umgehend umgesetzt werden.

- Es liegen 6 Angebote von PV-Installationsbetrieben vor:

Angebote von 10-17kWp bei Kostengrößen von 25-48 T€ (ohne Anlieferung

u. Übernachtung Montagepersonal)

Hinweise, Empfehlungen kurz- bis mittelfristig einplanen:

- Die PV-Nutzung auf dem Dach der Müllumschlagstation in mittelbarer Nähe

zum Hafen und Anlegepunkt der Fähren sollte in das touristische

Klimaschutzkonzept sowie in das E-Mobilitätskonzept aufgenommen

werden: Info- und Visualisierungstafel. Evtl. in Verbindung mit einer

Infotafel: „Wo bleiben wir mit unserem Müll?“ zur Bewusstmachung des

Umgangs mit Ressourcen.

Stromeinspeisung, ca.: 11,7MWh | CO2-Einsparung, ca.: 6 tCO2

Die Photovoltaikanlage rechnet sich bei geschickter Planung und günstiger

Finanzierung und ist wirtschaftlich. Der Landkreis Wittmund hat seine

Einwilligung zur Nutzung signalisiert und würde das Dach bei Bedarf und nach

Abstimmung unentgeltlich zur Verfügung stellen.

Beschluss zur PV-Installation

Organisationsform (evtl. Bürgerbeteiligung), Finanzierung klären,

Angebote aktualisieren

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 163 von 166

Abkürzungsverzeichnis

BauGB - Baugesetzbuch

BHKW - Blockheizkraftwerk

BioKraftQuG - Biokraftstoffquotengesetz

BGA - Biogasanlage

BNatSchG - Bundesnaturschutzgesetz

C2CI - Cradle to Cradle Islands

EDL - Energiedienstleistung

EEG - Erneuerbare-Energien-Gesetz

EEWärmeG - Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz

F+E-Vorhaben - Forschungs- und Entwicklungsvorhaben

FFH-Gebiet - Flora-Fauna-Habitat-Gebiet

HKW - Heizkraftwerk

HLS - Hermann Lietz-Schule

HWK - Handwerkskammer

IWU - Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt

JAZ - Jahresarbeitszahl (Nutzungsgrad bei Wärmepumpen)

KMU - Kleine und mittlere Unternehmen

kW - Kilowatt

KWK - Kraft-Wärme-Kopplung

kWh - Kilowattstunde

Klein-WKA - Kleinwindkraftanlagen

LBEG - Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie

LSKN - Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie

Niedersachsen

LNatSchG - Landesnaturschutzgesetz

NSB - Nordseebad Spiekeroog GmbH

NWG - Nichtwohngebäude

MWh - Megawattstunden (=1.000 kWh)

MWK - Ministerium für Wirtschaft und Kultur

NBauO - Niedersächsische Bauordnung

NDSchG - Niedersächsisches Denkmalschutzgesetz

NWG - Niedersächsisches Wassergesetz

PR - Performance Ratio

PV(-Anlage) - Photovoltaik(-Anlage)

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 164 von 166

TP - Teilprojekt

VdZ früher Abkürzung für „Vereinigung der deutschen.

Zentralheizungswirtschaft e.V.“ jetzt: Forum für Energieeffizienz

in der Gebäudetechnik e.V.

WasG SH - Wassergesetz des Landes Schleswig-Holstein

WE - Wohneinheit

Weiße Ware - bezeichnet elektrische Haushaltsgeräte (z.B. Waschmaschine,

WG - Wohngebäude

Kühlschrank, Geschirrspüler, Trockner usw.)

WHG - Wasserhaushaltsgesetz

WKA - Windkraftanlage

WP - Wärmepumpe

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Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Energie- und CO2-Emissionen nach Sektoren (2009) ....................................... 5

Abb. 2: Die Energieumwandlungskette.........................................................................16

Abb. 3: Erdgastrasse, Anschluss und Erschließung auf Spiekeroog (EWE) .................24

Abb. 4: Stromtrassen, Anschlüsse und Erschließung auf Spiekeroog (EWE) ...............24

Abb. 5: Die wesentlichen Energieströme der Insel Spiekeroog.....................................26

Abb. 6: Bilanzierter CO2-Äquivalent-Emissionsfaktor Strom Spiekeroog ......................28

Abb. 7: CO2-Äquiv.-Emissionen -kommunaler/ übergeordneter öffentl. Bereich ...........31

Abb. 8: Individuelle CO2-Berechnung im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ...............33

Abb. 9: Alter und Anzahl der erdgasbefeuerten Kesselanlagen ....................................34

Abb. 10: Anzahl Heizanlagen in Gebäuden ....................................................................35

Abb. 11: Vergleich der Altersstruktur Erdgaskessel Deutschland und Spiekeroog .........35

Abb. 12: Verteilung des Endenergieverbrauchs im Privathaushalt .................................36

Abb. 13: Zeitliche Entwicklung des Dorfes Spiekeroog, aus Meyer-Deepen, 1989 .........37

Abb. 14: Auszug: Interactive Energy SWOT Spiekeroog ................................................38

Abb. 15: Schema zum Energiebilanzierungsmodel der Spiekerooger Gebäude .............39

Abb. 16: Energieeinspar-Potential im Gebäudebereich: Dämmung und neue Heizung ..43

Abb. 17: CO2-Einsparung durch Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudebereich .............45

Abb. 18: Die 10 Bausteine des energieeffizienten Bauens .............................................49

Abb. 19: Historische Entwicklung der Mindestanforderungen .........................................50

Abb. 20: Bedeutung der Lebenszykluskosten eines Gebäudes, Beispiel Stadt Zürich ....51

Abb. 21: Komplexe Wechselwirkungen Festsetzungen/ Energiebedarf beim B-Plan ......53

Abb. 22: Auszug Stadtverordnetenbeschluss F/M zum Passivhaus-Niveau ...................55

Abb. 23: Kosteneinsparungen durch Einsatz effizienter Haushaltsgeräte .......................58

Abb. 24: Regeneratives Energieangebot und weltweiter Primärenergiebedarf ...............59

Abb. 25: Quellen und Möglichkeiten zur Nutzung regenerativer Energien ......................60

Abb. 26: Photovoltaik-Anlage auf einem Stallgebäude (Hallig Langeneß, SH) ...............60

Abb. 27: Solarthermie-Anlage – Flachkollektoren (hier als Solar-Roof) ..........................61

Abb. 28: Schema einer Erdreich-Wärmepumpenheizung, Sonde, bzw. Kollektor ...........62

Abb. 29: Schema einer Luft/Wasser-Wärmepumpen-Heizung .......................................63

Abb. 30: Kleinwindkraftanlage: Horizontalrotor ...............................................................64

Abb. 31: Kleinwindkraftanlage: Vertikalrotor ...................................................................64

Abb. 32: Schematische Darstellung einer Holzpellet-Heizung ........................................65

Abb. 33: Lage der denkmalgeschützten Gebäude im Dorfkern (rosa Markierung) ..........69

Abb. 34: Luftströmungsbereiche, die für die Effizienz von WKA entscheidend sind ........73

Abb. 35: Serie einer Kleinwindkraftanlage unterschiedlicher Größe und Leistung ..........74

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Energie- und Klimaschutzkonzept Spiekeroog Seite 166 von 166

Abb. 36: Herstellungsverfahren von Pflanzenöl und Biodiesel ........................................78

Abb. 37: Potenzielle Standorteignung für den Einsatz von Erdwärmekollektoren ...........80

Abb. 38: Nutzungsbedingungen oberflächennaher Geothermie auf Spiekeroog .............81

Abb. 39: Spezifische Solarstromerträge in kWh/kWp und rel. Abweichung ....................86

Abb. 40: Auszug der Anfrage an Installationsbetriebe, Werkstattgebäude .....................87

Abb. 41: Mehrkostenansatz für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung .................................93

Abb. 42: Kostenzuschuss für Energieeffizienzberatungen in KMU .................................96

Abb. 43: Zeltplatz Palisadendiek, vorher und nachher .................................................. 102

Abb. 44: Wertschöpfungskette Erneuerbare Energien .................................................. 108

Abb. 45: Plakette „Spiekerooger Klimaschützer“ .......................................................... 111

Abb. 46: Schema eines einfachen Controllinginstruments ............................................ 113

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Prozentuale CO2-Einsparungen durch energ. Maßnahmen (Gebäudebestand) 8

Tab. 2: Auszug aus dem Maßnahmenkatalog ..............................................................10

Tab. 3: Übersicht der Kontakte, Gespräche und Veranstaltungen ................................21

Tab. 4: CO2-Äquivalentemissionsfaktoren (Quelle: ifeu-Institut Heidelberg) .................28

Tab. 5: Energieverbrauchs- und CO2-Äquivalent-Emissionssituation ...........................32

Tab. 6: Bauabschnitte auf Spiekeroog .........................................................................37

Tab. 7: Gebäudetypen-Aufteilung auf Basis der Gebäudedatenbank Spiekeroog ........40

Tab. 8: Übersicht: Energierelevante Maßnahmen im Gebäudebereich ........................42

Tab. 9: Abschätzung der Energieeinsparung zweier Maßnahmen ...............................42

Tab. 10: Interessante Internetseiten zum Thema ...........................................................56

Tab. 11: Immissionsrichtwerte für den Beurteilungspegel außerhalb von Gebäuden .....70

Tab. 12: Anfallende Biomasse auf Spiekeroog ...............................................................75

Tab. 13: Dachflächenpotential für Solarinstallationen auf Spiekeroog ............................85

Tab. 14: Übersicht praktikabler Infoportale zum Thema Energie/ Klimaschutz ...............91

Tab. 15: Übersicht öffentlicher Liegenschaften der Gemeinde Spiekeroog ....................98

Tab. 16: Übersicht öffentlicher Liegenschaften der Nordseebad Spiekeroog GmbH .... 101

Titelbild:

Gerhard Launer WFL-GmbH, Schießhausstraße 14, 97228 Rottendorf, Tel. 09302/9081-0,

Fax 09302/9081-41, www.wfl-gmbh.de

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