Red Bulletin Innovator

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IDEAS FOR A BETTER FUTURE INNOVATOR BY THE RED BULLETIN 02/2021

LEBT

DIESER

MANN

Ideas for a better future

DAS

PERFEKTE

LEBEN?

Biohacking-Pionier

Ben Greenfield sagt nein.

Aber er tut verdammt viel,

um sehr alt zu werden.

Und dabei sehr jung

zu bleiben.

Das Magazin für Innovation

von The Red Bulletin

DAS

GROSSE

BIOHACKING-

DOSSIER

Es geht um Licht,

Ernährung, Atmung,

Wärme, Kälte

und Schlaf.

Und vor allem geht es

um Eigenverantwortung.

2,50

EURO

02 2021 AUSGABE

DEUTSCHLAND


omegawatches.com

NUR IM KINO

JAMES BOND’S CHOICE

Auf den Spuren eines geheimnisvollen Bösewichts

stellt sich Bond seiner neuesten Mission in Keine

Zeit zu sterben mit der OMEGA Seamaster Diver

300M am Handgelenk. Dieser Zeitmesser

im leichten Titandesign ist jederzeit einsatzbereit,

mit einem Höchstmaß an Präzision und

Antimagnetismus, auf das man sich dank Master

Chronometer Zertifizierung immer verlassen kann.


INNOVATOR

EDITORIAL

CONTRIBUTORS

Stefan Wagner

In unserer Schwesterzeitschrift

carpe diem berichtet er als

Kolumnist aus dem Leben eines

Hobby-Biohackers. Bei uns durfte

Wagner ausführlich ran: Gemeinsam

mit Top-Biohacker Andreas

Breitfeld optimierte er unsere

Sonderstrecke, die Ihnen Lust

dar auf macht, Ihr Leben zu verbessern.

Und die Welt obendrein.

AB SEITE 29

Ben Greenfield

Der einflussreichste Biohacker

der Welt eröffnet dieses Special

als Interviewgast. Sein Gespräch

mit The Red Bulletin Innovator

fand Greenfield so spannend,

dass er es seinem Millionenpublikum

sogar als Podcast

zur Verfügung stellte.

AB SEITE 32

RESET YOUR LIFE!

Michael Greve arbeitet daran, Krebs, Alzheimer,

Diabetes, Herzinfarkt zu besiegen. Wieso der

deutsche Internet-Milliardär das tut, wie atemberaubend

weit die Wissenschaft schon heute

ist und was Sie jetzt tun können, um ein Alter

zu erreichen, das Sie niemals für möglich gehalten

hätten: ab Seite 56. Greves Story ist Herzstück

unseres Biohacking-Schwerpunkts, der

randvoll mit spannenden Fragen und ebenso

erstaun lichen Antworten ist. Können Sie Ihr

Gehirn trainieren wie einen Muskel? (Antwort:

Ja, Sie können.) Macht es Sie gesünder, barfuß

im Wald zu spazieren? Und was hat das alles

mit einer besseren Welt zu tun? Biohacking-

Special, Seite 29 bis Seite 77.

Fitness steigern, Pandemien bekämpfen,

Sprachen lernen – spielend! Darum geht es

ab Seite 78: Zehn Gaming-Pioniere verraten,

welche Computerspiele unser Leben (und unsere

Skills) auf geniale Art verbessern können.

Viel Vergnügen mit diesem Heft!

JOE PUGLIESE/AUGUST (COVER), MARTIN KREIL, BEN GREENFIELD FITNESS

4 INNOVATOR


Ultron Air

Elektrisiere die Stadt

Der A-TO Ultron Air bringt dich schnell

und umweltfreundlich von A nach B.

Ausgestattet mit allen erforderlichen

Sicherheits-Features und einem

kräftigen Elektromotor sorgt der

hochwertige E-Scooter für mehr

Speed und Performance.

Auch als eKFV-Variante erhältlilch.


INHALT

BULLEVARD

12

14

16

17

18

Emission Impossible

Die Luftfahrt kommt dem

klimaneutralen Fliegen einen

großen Schritt näher.

Besser essen

Dank einem dänischen Startup

können wir Lebensmittel

per App retten.

Lebensretter

Das smarte Armband Bluefox

erkennt die Wassertiefe und

rettet Ertrinkenden das Leben.

Der Why-Faktor

Eine Berliner Plattform hilft

Menschen dabei, ihr persönliches

„Warum?“ zu finden.

Elektro-Hengst

Wie Ford die DNA seines Sportwagens

Mustang in die Zukunft

übersetzt.

20

22

24

26

Guardian Angel

Ein Satelliten-Beobachtungssystem

spürt aus großer Höhe

Waldbrände auf.

Die geben Stoff

Zwei Bayern bauen Möbel aus

einem neuen Material, das

Kunststoff ersetzen kann.

Modul-Auto

Camper oder lieber Pick-up?

Der XBUS ist vielseitig wie

ein Schweizer Taschenmesser.

Full Metal Jacket

Die Jacke der Zukunft ist

aus Kupfer – und desinfiziert

sich von selbst.

GUIDE

90

94

SAVE THE DATE

Geh da hin!

Die besten innovativen Events

im In- und Ausland.

WETTBEWERB

Kampf der Ideen

Red Bull Basement fördert

junge Vordenker.

96

98

KOLUMNE

Gut unterwegs

Wie Mobilität unseren

Zusammenhalt stärken kann.

TECH-HIGHLIGHT

Heißer als heiß

Dieser Kernreaktor könnte

die Energiewende einläuten.

FEATURE

78

GAMING

Smartes Zocken

Diese Videospiele heben unser

Leben und unsere Gesell schaft

aufs nächste Level.

6 INNOVATOR


INNOVATOR

DAS BIOHACKING

SPECIAL

29

ESSAY

Biohacking – ein Plädoyer

für Selbstoptimierung

Warum Sie jetzt Ihr Leben in die eigene

Hand nehmen sollten. Und wie Sie

damit sogar die Welt besser machen.

32

PORTRÄT

Lebt dieser Mann

das perfekte Leben?

Gentests, High Intensity Workouts

und Eisbäder: Ben Greenfield ist der

einflussreichste Biohacker der Welt.

50

KÖRPER

Smart Brain

Dein Gehirn ist viel klüger, schneller,

ausdauernder und leistungs fähiger,

als du denkst.

NORMAN KONRAD

42

GADGETS

Richtig aufgedreht

Mikrostrom, Blutzucker-

Monitore und Co:

die besten Bio hacking-

Gadgets, die es bereits

zu kaufen gibt.

56

ALTERN

Michael Greve ist Milliardär und

möglicherweise der Mann, der Sie

150 Jahre alt werden lässt.

Wie Sie jünger älter werden

68

NATUR

Danke, Mama

Hitze, Kälte, Wasser, Wald und Co:

die zehn großzügigsten Biohacking-

Geschenke von Mutter Natur.

INNOVATOR 7


Das Besondere an einem

Abenteuer ist nicht nur das Ziel,

sondern auch der Weg dahin.

Eine besondere Verbindung: drei Red Bull

Athleten und der Taycan Cross Turismo.

Mit Dominik Gührs, Corinna Schwiegershausen und Petra Klingler machen

sich drei Topathleten auf den Weg, einen lange bestehenden Traum wahr

werden zu lassen. Dank ihres Talents und dem vollelektrischen Taycan

Cross Turismo als verlässlichen Begleiter sind sie dafür bestens gerüstet.

Wie es endet, erfahrt ihr unter www.porsche.de/redbullathleten

Taycan Cross Turismo Modelle: Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 29,4–28,1 (NEFZ); 26,4–22,4 (WLTP); CO₂-Emissionen

kombiniert in g/km: 0 (NEFZ); 0 (WLTP); elektrische Reichweite in km: 388–456 (WLTP) · 438–541 (WLTP innerorts); Stand 08/2021


INNOVATOR

BULLEVARD

IDEEN

FÜR EINE

BESSERE

WELT

JOHANNES LANG

INNOVATOR 11


BULLEVARD

Flugzeug, neu gedacht: Der

ZEROe-Wasserstoffantrieb

erlaubt revolutionäre Designs

mit neuer Innenraumaufteilung

– wie hier

in der „Blended Wing

Body“-Variante.

FLIEGEN OHNE CO

EMISSION

²

IMPOSSIBLE

Killt Fliegen das Klima? Ja.

Präziser: Flugreisen, wie wir sie

bisher kennen. Denn der Airbus

ZEROe, das erste emissionsfreie

Passagierflugzeug, soll Fliegen

ab 2035 klimaneutral machen.

AIRBUS ALEX LISETZ JOHANNES LANG

12 INNOVATOR


INNOVATOR

Wer fliegt, sündigt. Einmal

München – New York

bläst pro Person so viel CO ²

in

den Himmel wie die Heizung

eines Haushalts über ein Jahr.

Ein Inlandsflug zum Businesslunch

verursacht zwanzigmal

so viel Treibhausgase wie die

gleiche Strecke per Bahn.

Doch bald könnte Fliegen

die umweltfreundlichste Fortbewegungsart

sein. Unter den

Kerosin-Sündern der Gegenwart

hat Airbus als Erster die

Zeichen der Zeit erkannt. Der

europäische Luftfahrt-Gigant

(Umsatz 2020: 50 Mrd. Euro)

entwickelt gerade das weltweit

erste Passagierflugzeug,

das keine Abgase produziert.

Richtig gelesen: null. Eine

Lockerungsübung für Ingenieure,

die kreativen Auslauf

erhalten? Ganz und gar nicht.

Der Airbus ZEROe soll 2035

serienreif sein und könnte

eine neue Ära der Luftfahrtindustrie

einläuten.

WASSER MARSCH

Während Airbus für andere

Prototypen auch schon mit

nachhaltigen und umweltfreundlichen

Kerosin-Alternativen

experimentierte,

setzt der ZEROe komplett auf

Wasserstoffantrieb. Airbus

arbeitet dafür in Bremen und

Nantes an drei Konzepten:

einem Propellerflugzeug für

100 Passagiere und zwei Jets

mit je zwei Turbofan-Triebwerken

für bis zu 200 Passagiere.

Am aufregendsten sieht

das tropfenförmige Jet-Konzept

„BWB“ (Blended Wing

Body) aus. Hier könnte die

Raumaufteilung zwischen

Passagier-, Gepäcks- und

Motor bereich völlig neu gedacht

werden, die Wasserstofftanks

wären wahrscheinlich

unterhalb der Flügel. Parallel

dazu entwickelt Airbus

gemeinsam mit Europas wichtigsten

Flughäfen die nötige

Infrastruktur. Das „Hydrogen

Hubs at Airports“-Projekt

sieht die flächendeckende Errichtung

von Wasserstofftanks

vor, die auch Servicefahrzeuge

nützen können. Wenn die

Konkurrenz da nur keinen

Zeitenwandel verschläft …

airbus.com

Im klimaneutralen

Airbus

ZEROe könnte

sogar Greta T.

mit ruhigem

Gewissen nach

Malle jetten.

INNOVATOR 13


BULLEVARD

Ein Drittel aller noch genießbaren

Lebensmittel

weltweit ist für die Tonne.

Allein in Deutschland landen

pro Person und Jahr 75 Kilo

Essen im Müll. * Was für ein

Mist, dachte sich eine Gruppe

junger Dänen und gründete

2016 das Start-up „Too Good

To Go“ zur Lebensmittelrettung.

Dessen Nutzer können

mit einer App täglich

überschüssiges Essen in teilnehmenden

Restaurants, Bäckereien

oder Supermärkten

finden und zum reduzierten

Preis mit nach Hause nehmen.

Frisches Brot, indisches

Curry, belegte Brötchen –

was genau das Angebot von

„Too Good To Go“ umfasst,

ist, na ja, eine Überraschung.

Schließlich – und das ist die

Ironie an der Sache – wissen

ja nicht einmal die Betriebe

selbst, was am Ende des Tages

übrigbleiben wird. Nur dass

es keine Zeit zu vergeuden

gibt, ist allen klar. Deshalb

sind im digitalen Stadtplan

Abholorte und -zeiten für die

User vermerkt.

„Too Good To Go“ ist das

Produkt einer Wegwerfgesellschaft,

die sich damit einer

ihrer brennendsten Fragen

stellt. „Die Ver schwen dung

von Lebensmitteln ist ein

NACHHALTIGKEIT

EINMAHLIGES

KONZEPT

Das Start-up „Too Good To Go“ aus Dänemark

hat die Lebensmittelverschwendung gehörig

satt und deshalb eine App entwickelt, mit der

sich noch genießbares Essen retten lässt.

„FOOD-WASTE IST

EIN GLOBALES

PROBLEM, DAS

DEN KLIMA-

WANDEL ENORM

BEEINFLUSST.“

riesiges globales Problem, das

einen enormen Einfluss auf

den Klima wandel hat“, sagt

CEO Mette Lykke, die die App

mit aufgebaut hat. Acht Prozent

aller Treibhausgase werden

von unserem lieblosen

Umgang mit Lebensmitteln

verursacht. Wer sie vergeudet,

verschwendet Ressourcen wie

Wasser, Boden und Arbeitskraft.

Damit treffen Lykke

und ihr Team einen Nerv.

NEUN MILLIONEN

MAHLZEITEN GERETTET

Seit dem Start von „Too Good

To Go“ 2016 in Deutschland

haben sich bereits 5,9 Millionen

Menschen die zugehörige

App herntergeladen – mehr

als 9,1 Millionen Mahlzeiten

konnten so vor dem Mülleimer

gerettet werden. Tendenz:

steigend. „Denn mit

immer mehr neuen Partnern

aus dem Handel werden wir

in Zukunft noch viel mehr

Lebensmittel gemeinsam retten

können“, sagt „Too Good

To Go“-Deutschlandchefin

Laure Berment

Apropos Partner: Schon

8600 Cafés, Restaurants,

Supermärkte, Bäckereien und

Hotels ar beiten mit „Too Good

To Go“ zusammen. Die Betriebe

haben nicht nur weniger

Abfall, sondern gewinnen mit

der App auch neue Kunden.

Eine klassische Win-Win­

Situation. Und wer weiß, vielleicht

ist die Sache mit der

Lebensmittel verschwen dung

ja bald wirklich gegessen.

toogoodtogo.de

*

Quelle: https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/lebensmittelverschwendung/studie-lebensmittelabfaelle-deutschland.html

LES KANER SABRINA LUTTENBERGER JOHANNES LANG

14 INNOVATOR


INNOVATOR

Mette Lykke,

CEO von „Too Good

To Go“, will keine

Gedanken mehr

an Lebensmittelverschwendung

verschwenden

müssen.

INNOVATOR 15


BULLEVARD INNOVATOR

NOTFALLSYSTEM

BAY-WATCH

Ertrinken ist die dritthäufigste

Unfall-Todesursache weltweit

– eine Gruppe von Schweizer

Ingenieuren hat jetzt etwas

dagegen entwickelt: BlueFox.

Jährlich verlieren etwa

320.000 Menschen ihr

Leben im Wasser, schätzt die

WHO. Dabei zeigen Statistiken,

dass sich die Unfälle oft

nahe am Ufer oder bei einem

Boot ereignen und die meisten

Opfer als gute Schwimmer

galten. Viel mehr braungebrannte,

muskulöse Rettungsschwimmer

täten also not –

doch es wäre zu aufwendig,

an allen nahe am Wasser gebauten

Orten einen Hochsitz

zu installieren, der auch noch

rund um die Uhr besetzt ist.

Hilfe verspricht jetzt ein kleines

buntes Armband aus

Schweizer Produktion.

EINZIGARTIGES SYSTEM

Lange Jahre sammelte die

Deep Blue AG Erfahrung mit

Unterwasser-Technologien –

etwa mit der Entwicklung von

Sicherheitssoftware für Motorund

Segelyachten – und

brachte dann ein weltweit

einzigartiges System zum

Schutz vor Ertrinken auf

den Markt: BlueFox.

BALLON MIT SIRENE

Herzstück ist ein 70 Gramm

leichtes Armband mit eingebautem

Mikrocomputer und

einer Kapsel, die eine lebensrettende

Safety-Einheit enthält.

Während des Aufenthalts

im Wasser überwacht

das System permanent die

Tiefe, in der sich die badende

Person befindet. Bleibt diese

zu lang unter einer bestimmten

Wassertiefe, wird der

Notfall ausgelöst: Ein Ventil

öffnet sich. Gas, gespeichert

DIE MEISTEN

ERTRINKEN NAHE

AM UFER ODER

BEI BOOTEN.

in flüssigem Zustand, bläst

binnen Sekunden einen Ballon

auf. Der drückt die Notfallkapsel

aus dem Armband,

findet seinen Weg an die

Wasseroberfläche und schlägt

Alarm: Eine Sirene kreischt

drei Minuten mit 100 Dezibel

unüberhörbar um Hilfe.

KOMPLETTLÖSUNG

BlueFox lässt sich ganz individuell

programmieren, es

werden aber auch Lösungen

z. B. für öffentliche Schwimmbäder

angeboten. Dieses Armband

wacht nicht nur über

Schwimmende, sondern dient

gleich als Zahlsystem sowie

als Türöffner am Eingang und

an den Garderobekästchen.

bluefox-swiss.com

BlueFox:

ein Armband, das

im Notfall ganz

laut um Hilfe

schreien kann

BLUEFOX-SWISS.COM GÜNTER KRALICEK JOHANNES LANG

16 INNOVATOR


BULLEVARD INNOVATOR

COACHING

DER SINN

DES LEBENS

Die Kraft der Positiven

Psychologie nutzt ein Berliner

Start-up für lebenswichtige

Entscheidungen ihrer Kunden.

Effekt: mehr Glück, mehr

Identifikation und neue

Freundschaften mit

Gleichgesinnten.

WHY-LAB.COM DAVID MAYER JOHANNES LANG

Ist dieses Versprechen

womöglich ein wenig anmaßend?

Nicht weniger als

den Sinn ihres Lebens stellen

Sarah Reitz, 30, Luca Lea

Kleene, 31, und Nikola Berkmann,

33, ihren Kunden in

Aussicht. Auf whylab, einer

digitalen Plattform für Purpose

und Persönlichkeitsentwicklung,

können sie herausfinden,

warum genau sie auf

diesem Planeten sein wollen.

Anmaßend? „Die Beschäftigung

mit uns selbst und der

Frage, ob wir nach unseren

Vorstellungen leben, ist ein

Urbedürfnis – das wir nur verlernt

haben“, entgegnet Reitz.

RETTENDER AUSTAUSCH

Wie sich das anfühlt, erlebte

sie selbst. Nach ihrem Berufseinstieg

in einer Unternehmensberatung

fragte sich die

Psychologin, weshalb sie sich

die Überstunden antat und

welches größere Ziel sie in

ihrem Leben verfolgte. Erfolglos

suchte sie in Büchern,

Blogs und Podcasts nach

Antworten. „Ich fühlte mich

allein“, erinnert sie sich.

Das änderte sich, als sie ihren

Frust artikulierte. Freunde

berichteten von ähnlichen

Sorgen. Eine Freundin war es

auch, die ihr Kleene und Berkmann

vorstellte, die ebenfalls

suchten. Sie beschlossen, ihre

Erfahrungen zu bündeln und

anderen zu helfen.

whylab bietet verschiedene

Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung.

Wer etwa

für 390 Euro einen Kurs

bucht, trifft sich sechsmal

wöchentlich mit fünf anderen

Teilnehmern zur Videosession.

Mit Tools der Positiven Psychologie,

im gegenseitigen

Austausch und angeleitet von

einem Coach, ermitteln sie

ihre Werte und Stärken und

formulieren ihr persönliches

„Purpose-Statement“.

„Viele sehen sich danach

mit neuen Augen“, sagt Reitz.

Einer jungen Frau wurde klar,

dass sie Menschen verbinden

möchte – und sie bekam mit

dem neu gewonnenen Selbstbewusstsein

eine Zusage für

einen Job als Pädagogin. Das

klingt dann doch weniger anmaßend

als, nun ja, sinnvoll.

why-lab.com

Grenzenlos verbunden:

Alle whylab-Trainings finden

per Videocall statt.

Früher

berieten sie

Firmen, heute

helfen sie

Menschen

(v. li.): Nikola

Berkmann,

Luca Lea

Kleene, Sarah

Reitz

INNOVATOR 17


BULLEVARD

STAMMBAUM

57 Jahre, sechs Generationen:

Mit dem Mach-E erfindet sich

die traditionsreiche Mustang-

Reihe völlig neu.

1964 Die erste Generation wird

vorgestellt und begründet die neue

Coupé-Kategorie der „Pony Cars“.

E-MOBILITÄT

SAUBERER

MUSKEL-

PROTZ

Wie Murat Güler, Pkw-Chefdesigner

von Ford Europa, die

DNA der Benzin-Ikone Mustang

in die Zukunft übersetzte, um mit

dem elektrisch angetriebenen

Nachfolger Mach-E Kohlenstoffdioxid

zu bekämpfen.

gehen. Wie stellt man sicher, dass

die Mustang-DNA unter völlig anderen

Vorzeichen – länger, höher,

moderner, elektrisch – immer

noch erkennbar bleibt?

„Der Anfang war tatsächlich

nicht ganz einfach“, erinnert sich

Murat Güler. „Im ersten Schritt

haben wir die wichtigsten Grundcharakteristika

des Mustangs

herausgearbeitet: den Übergang

einer langen Motorhaube in die

A-Säule mit ihrer Windschutzscheibe,

was dem Auto etwas

Skulpturales gibt. Dann die Front

mit aggressivem Blick und einem

Kühlergrill, der hier nur noch angedeutet

ist, weil man ihn technisch

wegen des E-Antriebs nicht

mehr braucht. Ganz wichtig im

Seitenprofil ist die coupéartige

Linie mit dem Hüftschwung über

dem Hinterrad, den schon die

ersten Mustang-Generationen

hatten. Schließlich das Heck mit

den charakteristischen drei vertikalen

Leuchten, die wir modern

interpretiert haben.“

1973 Generation 2 folgt konsequent

demselben Prinzip: kompakte Karosserie,

großer Motor mit bis zu 320 PS.

1979 Typisch für den Downsizing-

Trend ihrer Zeit, setzt Generation 3

auf gerade Linien und kleine Motoren.

Die erste Assoziation mit

„Ford Mustang“ ist bei den

meisten Menschen „Bullitt“,

jener legendäre Film mit Steve

McQueen in der Hauptrolle, der

sich vor allem wegen der atemberaubenden

Verfolgungsjagd

durch San Francisco ins kollektive

Gedächtnis eingeprägt hat.

Bei Murat Güler war das nicht

anders, als ihn, den Pkw-Chefdesigner

von Ford Europa, die

Aufgabe ereilte, im Team mit US-

Kollegen den Mustang Mach-E zu

gestalten. Herausforderung: Statt

eines Muscle-Cars mit V8-Motor

sollte es um ein Elektro-Crossover

WELTWEIT ERKENNBAR

Generell sei es wichtig, meint er,

nicht bloß zu kopieren oder zu

übernehmen, sondern entscheidende

Design-Elemente sanft zu

modulieren, um sie in die Gegenwart

zu überführen. Einflüsse der

ersten Generation – der selbstbewusste,

niedrige Auftritt – seien

in den Mach-E genauso eingeflossen

wie der letzten, natürlich

immer unter Rücksichtnahme

auf den technischen Nutzen. Man

habe sich erst gar nicht mit Retro-

Design aufgehalten, sondern,

ausgehend von der Ikone, immer

nach vorn in die Zukunft gedacht:

„Uns war wichtig, dass der

1994 Zum 30. Geburtstag folgt die

wieder kräftigere vierte Generation –

etwa mit 5-Liter-V8-Motor.

FORD WERNER JESSNER JOHANNES LANG

18 INNOVATOR


INNOVATOR

„GUTES DESIGN

FUNKTIONIERT AUS

SICH HERAUS, MAN

MUSS ES NICHT

ERKLÄREN.“

2021

Der Mustang Mach-E ist

der erste Elektriker mit

dem legendären Namen.

2014 Ausgewachsenes Rennpferd:

Generation 6 leistet in der Top-

Version bis zu 771 PS.

2004 Der fünften Generation sieht

man die Gene des Ur-Mustangs dank

Retro-Design wieder deutlich an.

MURAT

GÜLER

PKW-CHEF-

DESIGNER VON

FORD EUROPA

1971 geboren,

studierte er in

der Schweiz.

Güler begann

seine Karriere

bei VW, ging danach

zu Mercedes

und arbeitet seit

2009 bei Ford.

Mach-E ein modernes Statement

abgibt, kein rückwärts

gewandtes.“ Dazu bringt

Güler zwei Beispiele: „Das

saubere Design der Front mit

ihrem geschlossenen Kühlergrill

und das Heck, das gerade

bei E-Autos mit seiner Aerodynamik

für die Reichweite

eine große Rolle spielt.“

Dass er und sein Team

als ersten rein elektrisch entwickelten

Ford grade einen

Mustang entwerfen durften,

empfindet Murat Güler als

Glücksfall: „Es gibt jede Menge

Firmen da draußen, die einen

Tsunami an Elektroautos mit

fancy Design-Features auf den

Markt bringen. Wir als Ford

Motor Company sind in der

glücklichen Lage, eine Ikone

im Haus zu haben, deren

‚Sprache‘ sich gut auf den

Elektroantrieb umsetzen

ließ.“ Und zwar so, dass es

auf der ganzen Welt funktioniert:

„Egal ob man den Mustang

Mach-E in Norwegen, in

Los Angeles oder in Shanghai

auf die Straße stellt – das

Ding passt überall hin, und

jeder weiß, worum es geht.

Gutes Design funktioniert aus

sich heraus. Man muss es

nicht erklären.“

Optik ist freilich nur das

eine. Was aussieht wie ein

Mustang, muss auch fahren

wie einer. Schon die Basisversion

ist mit 269 PS ausgesprochen

gut aufgestellt.

In seiner stärksten Variante

(487 PS) beschleunigt der

Mach-E in 3,5 Sekunden aus

dem Stand auf 100 km/h –

etwas, was sein berühmter

Urahn aus „Bullitt“ niemals

geschafft hätte. Die berühmteste

Auto-Verfolgungsjagd

der Filmgeschichte hat er

trotzdem gewonnen.

ford.de

INNOVATOR 19


BULLEVARD

Die OroraTech-

Satelliten sind mit

Infrarot sensoren

versehen –

zum Erkennen

extrem hoher

Temperaturen.

Rechts: Satelliten-

Live-Bild mit

aufgespürten

Bränden (rot) und

zum Teil starker

Rauchentwicklung.

SATELLITEN-TECHNIK

BRAND

IN SICHT

Ein Münchner Start-up

ent wickelt kleine Satelliten,

mit deren Hilfe Wald- und

Buschbrände vom Weltall

aus früh zeitig erkannt und

bekämpft werden können.

Meldungen über verheerende

Waldbrände

zählen seit einigen Jahren

leider zum Standardrepertoire

internationaler Nachrichtensendungen.

Ob in Australien,

Brasilien, Kalifornien oder

auch in Europa: Es brennt an

allen Ecken und Enden. Diese

Feuer sind nicht nur eine

unmittelbare Gefahr für Tier,

Mensch und deren Lebensräume,

sondern auch eine

enorme Belastung für das

globale Ökosystem. Flächenbrände

setzen jährlich rund

acht Milliarden Tonnen CO ²

frei. Das ist mehr als der

weltweite Ausstoß durch

den Straßenverkehr.

EHRGEIZIGE MISSION

OroraTech ist ein bayerisches

Start-up, das 2018 von vier

ehemaligen Studenten der

Technischen Universität München

gegründet wurde. Das

Team hat eine ambitionierte

Mission: die zerstörerische

Gewalt von Busch- und Waldbränden

zu zähmen. Mithilfe

von Satellitentechnik und

einem ausgeklügelten Algorithmus

gelingt es den Entwicklern,

aktuelle Brandherde

in den entlegensten Winkeln

des Planeten frühzeitig zu erkennen.

So kann verhindert

werden, dass die Feuer außer

Kontrolle geraten. Die Beobachtung

aus dem Weltall spart

wertvolle Zeit.

EINEM AUSGEKLÜGELTEN

ALGORITHMUS GELINGT

ES, BRANDHERDE SELBST

IN DEN ENTLEGENSTEN

WINKELN DER ERDE FRÜH-

ZEITIG AUFZUSPÜREN.

20 INNOVATOR


INNOVATOR

ZUKUNFTSPLANUNG

Das System ist schon heute

erfolgreich im Einsatz: Staatliche

Stellen, Versicherungsgesellschaften

und große

Forstbetriebe in mehreren

Ländern nutzen es bereits.

Derzeit greift der Algo rithmus

auf Daten von 14 bestehenden

Satelliten zurück.

In Zukunft möchte das Startup

eigene Nanosatelliten

mit einer speziellen Thermal-

Infrarot kamera bauen, um

noch bessere Ergebnisse

liefern zu können.

SATELLITENNETZ 2026

Vor kurzem hat das junge

Unternehmen in seiner Series-

A-Finanzierungsrunde 5,8 Millionen

Euro eingesammelt.

Mit dem Geld kann der erste

selbst gebaute Kleinsatellit

noch dieses Jahr ins All geschossen

werden. Bis 2026

soll dann ein ganzes Netz aus

mehr als 100 Orora-Satelliten

um die Erde kreisen, um

globale Brandherde so zielsicher

und zeitnah wie

möglich zu melden.

ororatech.com

GÜNTER KRALICEK JOHANNES LANG

THOMAS

GRÜBLER

CEO U N D

CO-FOUNDER

ORORATECH

Der 29-Jährige

gründete Orora-

Tech gemeinsam

mit Rupert

Amann, Florian

Mauracher und

Björn Stoffers.

2019 wurde

das Team in die

„Forbes DACH“-

„30 Under 30“-

Liste gewählt.

INNOVATOR 21


BULLEVARD

GRÜNES DESIGN

GUTER STOFF

Stylisch, stabil, komplett recycelbar:

Zwei Bayern bauen Möbel aus einem

selbst entwickelten Material, das umweltschäd

lichen Kunststoff ersetzen kann.

Manchmal liegt der

Schlüssel zu einer

großen Erfindung direkt vor

dir – es fehlt nur der Geistesblitz,

um ihn zu erkennen.

Ferdinand Kraemer weiß das.

Mit seinem WG-Mitbewohner

Franziskus Wozniak träumte

der Produktdesign-Student

in München nicht etwa davon,

Kopfhörer zu gestalten,

sondern die beiden wollten

ein Material erfinden, das die

Umwelt möglichst wenig Ressourcen

kostet.

Zur selben Zeit arbeitete

Kraemer im Studium beinahe

täglich mit aus Holzresten

gefertigten Pressspanplatten.

Jahrelang beachtete

er den Werkstoff nicht weiter,

bis ihm plötzlich dieser

Gedanke kam: Warum spielt

dieses umweltschonende

und bereits massenhaft eingesetzte

Material im Design

eigentlich immer nur eine

Nebenrolle? Es war der geistige

Startschuss zu WYE

Design, einem Start-up, das

2021 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis

und den German

Design Award gewann.

Prämiert wurden die farbenfrohen,

schlanken Tische und

Hocker, gefertigt aus dem

Stoff Neolign. Diesen lassen

Kraemer und Wozniak – nach

Vorbild der Pressspanplatte –

aus Nebenproprodukten der

Holzindustrie, Polymeren

und Farbpigmenten fertigen.

Ergebnis: ein outdoor fähiges,

reparierfreundliches, komplett

wiederverwertbares

Material, das alle Vorteile von

Kunststoff mit der warmen

Oberfläche von Holz vereint.

BALD AUF HOHER SEE?

„Noch schrauben wir die Möbel

zusammen, bald können

DAVID MAYER JOHANNES LANG

22 INNOVATOR


INNOVATOR

Design von Dauer:

Dank ihrer schmalen

Silhouetten haben

die Möbel einen

hohen Wiedererkennungswert.

Die

Preise starten bei

169 Euro für einen

Hocker, der Tisch

kostet 899 Euro.

FERDINAND

KRAEMER, 34

GRÜ N D ER &

HEAD OF DESIGN

FR ANZISKUS

WOZNIAK, 33

GRÜNDER & CEO

Gespann mit Geschichte:

Schon

in ihrer Kindheit

in Neuburg an der

Donau nahe Ingolstadt

verbrachten

die Schulfreunde

jeden Nachmittag

miteinander. Heute

leiten sie WYE

Design: Wozniak

verantwortet

das Business,

Kraemer die

Formgebung.

wir sie per Spritzguss oder

3D-Druck in einem Stück

herstellen“, sagt Designer

Kraemer. Als Nächstes entwirft

er neben Schneidebrettern

ganze Küchen. Grundsätzlich

kommt Neolign überall

dort in Frage, wo bislang

Kunststoff im Einsatz ist.

Kürzlich signalisierte etwa

ein Hersteller von Luxus-

Yachten erstes Interesse.

wye-design.com

Mehr Struktur:

Auf den ersten

Blick erscheint

Neolign künstlich,

doch wer darüberstreicht,

spürt

am Profil das enthaltene

Holz. Dieses

stammt von

Nebenprodukten

der Industrie.

INNOVATOR 23


BULLEVARD

MOBILITÄT

BASIC

INSTINCT

Mit dem Projekt XBUS hat das deutsche

Unternehmen Electric Brands die Grundlinie

des Autos neu vermessen. Herausgekommen

ist ein lustiges, extrem

wandlungsfähiges Gefährt mit 20 PS.

Tolle Kiste: Der 3,65 Meter

lange XBUS hat den gleichen

Spirit wie einst der Citroën

2CV, die legendäre „Ente“.

ELECTRICBRANDS.DE ANDREAS WOLLINGER JOHANNES LANG

24 INNOVATOR


INNOVATOR

Die individuelle Mobilität

verändert sich aus

gegebenem Anlass gerade

massiv, da sind frische Ideen

gefragt. Die großen Player

der Autobranche tun sich mit

radikalen Ansätzen schwer.

Zu lang waren ihre Rezepte

erfolgreich, und gewachsene

Strukturen widersetzen sich

revolutionären Bestrebungen

für gewöhnlich heftig.

DIE GRETCHENFRAGE

Das erst 2017 in Münster gegründete

Unternehmen Electric

Brands hingegen hatte

überhaupt kein Problem damit,

das Auto zu hinterfragen.

Wichtigster Zugang war

die Frage: Was brauchen wir

eigentlich wirklich, um unser

Mobilitäts bedürfnis zu befriedigen?

LEICHT & SPARSAM

Mittlerweile hat das, was bei

diesen Überlegungen herausgekommen

ist, Gestalt angenommen:

Der XBUS, der

nach dem „Lego-Prinzip“ entwickelt

worden ist, sieht aus

wie eine Zeichentrick-Version

des alten VW-Busses, hat aber

das Zeug dazu, unser Weltbild

in Sachen Auto nachhaltig

zu verändern: Das ab

Dezember dieses Jahres in

Serienproduktion gehende

Gefährt ist extrem leicht (Gewicht

der Basisversion ohne

Batterien: 450 Kilo) und hat

Solar zellen auf dem Dach,

die Strom für eine zusätzliche

Reichweite von bis

zu 200 Kilometern pro Tag

erzeugen. Der Energieverbrauch

liegt ungefähr bei

einem Drittel von dem eines

konventionellen Elektroautos,

die Reichweite eher darüber:

bis zu 800 Kilometer.

DIE SOLARZELLEN

ERZEUGEN PRO TAG

200 KILOMETER

REICHWEITE.

MODUL-SYSTEM

Dazu kommt noch seine

Wandlungsfähigkeit – ein

smartes Modul-System, das

die verschiedensten Einsatzzwecke

zulässt: vom Bus über

einen Transporter (Zuladung:

eine Tonne) und einen Pickup

bis hin zum luxuriös ausgestatteten

Campingbus. Die

Preise sind moderat: zwischen

15.800 und 26.800 Euro.

TOP-SPEED: 100 KM/H

Gewöhnungsbedürftig ist,

dass der Antrieb nur 20 PS

leistet; genug, um 100 km/h

Höchst geschwindigkeit

zu erreichen. Aber ehrlich:

Braucht man an der mobilen

Basis wirklich mehr?

electricbrands.de

INNOVATOR 25


BULLEVARD

HIGHTECH-KLEIDUNG

FULL

METAL

JACKET

Das britische Designerlabel

Vollebak kreiert Survival-

Bekleidung für die Zukunft,

darunter auch eine Jacke,

die vor Viren und Bakterien

schützen soll.

Die englischen Zwillingsbrüder

Nick und Steve

Tidball (Jahrgang 1979) sind

Designer, Extremsportler und

Marketingprofis. Das merkt

man gleich, wenn man sich

durch die Homepage ihres

Labels Vollebak klickt. Hier

wird nicht gekleckert, hier

wird geklotzt. Für Sätze ohne

Superlative haben die Tidball-

Twins wenig übrig. Wohin die

Reise geht, macht bereits das

Intro deutlich: „In jeder Branche

baut jemand die Zukunft,

sei es Technologie, Architektur,

Lebensmittel, Autos oder

Weltraumraketen. In der Kleidung

sind wir es.“ Falsche Bescheidenheit

kann man den

beiden also nicht vorwerfen.

Dazu passt auch der Name:

Vollebak ist flämisch und bedeutet

„Vollgas“. Gegründet

wurde das Label 2015 als

„experimentellste Adventure-

Marke der Welt“ – wobei

„Welt“ durchaus vollumfänglich

gemeint ist. Die Survival-

Wear von Vollebak soll die

Menschheit nicht nur sicher

durch die „nächste Eiszeit,

vulkanische Winter und Mega-

Dürren“ führen, sondern sich

auch hervorragend für die

ersten Missionen zum Mars

eignen. Das Sortiment reicht

von Jacken und Hosen bis hin

zu Hemden und Hoodies. Die

Kleinserien- Kollektion wechselt

schnell, das innovative

Konzept dahinter ist aber stets

das gleiche: Verwendet werden

ausschließlich Hightech-

Materialien, die bisher so

noch nie verarbeitet wurden.

TERMINATOR-OUTFIT

Das „Indestructible Jacket“

(575 Euro) etwa besteht aus

100 Prozent Dyneema, einer

Polyethylen-Faser mit ultrahoher

Molekülmasse, die

gemeinhin für antiballistische

Panzerungen oder Verstauungssysteme

für Containerschiffe

verwendet wird. Das

vierlagige „50.000 BC Jacket“

(1145 Euro) wiederum ist

als mobile Höhle konzipiert,

die jedem Steinzeitler ein

verzücktes „Uahhrg!“ entlockt

hätte, und die „100 Year“-

Serie richtet sich an Kunden,

die ihr modisches Erscheinungsbild

eher längerfristig

Die „Full Metal Jacket“ besteht zu 65 Prozent

aus Kupfer. Das Metall gibt Ionen an die Oberfläche

der Jacke ab. Und diese hindern Viren,

Bakterien oder Pilze am Überleben.

Ein mikroskopischer Blick ins Innere der

Jacke: Insgesamt elf Kilometer Kupferfaden

durchziehen das High-End-Kleidungsstück.

anlegen – sie soll nämlich

100 Jahre halten. Absolutes

Highlight ist jedoch das „Full

Metal Jacket“ (995 Euro),

in dem elf Kilometer Kupferfaden

verarbeitet sind: Kupferionen

wirken auf Krankheitserreger

– Bakterien, Viren

oder Pilze – abtötend. Gar

kein schlechtes Verkaufsargument

in aktuellen Zeiten.

Nebenbei ist die Jacke hochgradig

wasser- und winddicht

als auch atmungsaktiv. Wermutstropfen:

Die Kollektion

bedient derzeit nur Herren,

aber laut Vollebak wird schon

an einer Damen-Linie gearbeitet.

Ergibt Sinn – denn

das Überleben der Menschheit

hängt nicht so sehr davon

ab, welche Kleidung Mann

und Frau anziehen, sondern

mehr davon, was passiert,

wenn sie diese ablegen.

Onlineshop: vollebak.com

VOLLEBAK JAKOB HÜBNER JOHANNES LANG

26 INNOVATOR


INNOVATOR

„WIR NUTZEN

WISSENSCHAFT UND

TECHNOLOGIE,

UM DIE ZUKUNFT

DER KLEIDUNG

VORWEGZUNEHMEN.“

Ein Roboter-Model

mit der „Full Metal

Jacket“ – als Sinnbild

für die Zukunft: Laut

Vollebak soll dieses

Kleidungsstück bald

schon Marsreisende

vor außerirdischen

Mikroben schützen.

INNOVATOR 27


AUF DEM SPRUNG IN

DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT?

Wie Sie alle

Hürden meistern:

www.wingfinder.com

F R E E A S S E S S M E N T


BIOHACKING SPECIAL

NIMM DEIN

LEBEN

SELBST IN

DIE HAND

Mach es schöner. Mach es länger.

Mach es intensiver.

Mach es spannender. Mach es lebenswerter.

INNOVATOR 29


BIOHACKING SPECIAL

... UND VERBESSERE

DADURCH DIE WELT.

DENN DARUM

GEHT ES.

Text Stefan Wagner

ANDREAS BREITFELD

ist das Mastermind hinter diesem

Biohacking-Special und eine

prägende Persönlichkeit der

inter nationalen Szene. In seinem

spektakulären Münchner Biohacking-Lab

– der einzigen derartigen

Ein richtung in Europa –

stehen alle wesentlichen Tools,

Technologien und Gadgets auch

für Besucher zur Verfügung.

breitfeld-biohacking.com,

Instagram: breitfeld_biohacking

Die folgenden Seiten haben sich einiges vorgenommen.

Sie wollen die Welt verbessern, und zwar über einen

kleinen Umweg, nämlich über den Umweg Ihres Lebens.

Die folgenden Seiten folgen der Absicht, Ihre Entzündungswerte

zu senken, Ihren Schlaf zu Ihrem besten

Freund zu machen, Sie ins Eisbad zu locken, Ihnen

zu zeigen, wie Sie Ihren Dopaminhaushalt in den Griff

kriegen, Sie kreativer zu machen und intelligenter.

Kurz gesagt: Die folgenden Seiten wollen Ihnen

den Begriff „Biohacking“ nahebringen.

30 INNOVATOR


„Biohacking“ ist ein relativ neues Wort. Sein Erfinder ist der

Amerikaner Dave Asprey. Asprey ist IT-Genie (er betrieb die

ersten Server für ein unbekanntes Start-up, das sich Google

nannte), er verdiente Millionen Dollar, verlor sie wieder, wurde

sehr fett und ziemlich krank. Dann hatte er die Idee, an seinen

Organismus wie an ein Computersystem heranzugehen: Er begann

experimentell zu erforschen, welche Interventio nen – im

IT-Fachjargon „Hacks“ – welche Auswirkungen auf das gesamte

System haben. Aber eben kein digitales System, sondern ein

biologisches.

Daher also Biohacking.

Das alles funktionierte ziemlich gut. Heute ist Asprey der

berühmteste Biohacker der Welt (ziemlich auf Augenhöhe

mit Ben Greenfield, wir verweisen bei der Gelegenheit gleich

auf Seite 32), Asprey ist reich und schlank und gesund und

verfolgt sehr öffentlich den Plan, sein Leben nicht vor seinem

180. Geburtstag zu beenden, also nicht vor dem Jahr 2153.

Im Deutschen verwenden wir für „Biohacking“ ein sehr dummes

Wort. Es lautet „Selbst optimierung“ und kapiert nicht im Allergeringsten,

worum es geht.

Denn es geht darum, zu erkennen, dass unsere eigene Lebensenergie,

unsere Gesundheit und Vitalität die wirksamsten

Hebel sind, die Welt zu verbessern. Ein gesunder Chirurg setzt

seine Schnitte präziser als ein kranker. Eine entspannte Mutter

erzieht liebevoller, eine energiegeladene Vorstandsvorsitzende

trifft klügere Entscheidungen, ein lebensfroher Priester predigt

überzeugender, ein konzen trierter Liebhaber liebt einfühlsamer

und ausdauernder.

Es liegt sehr wesentlich an uns selbst, wie entspannt, energiegeladen,

lebensfroh und konzen triert wir durchs Leben gehen.

Wir haben auf all das direkten Zugriff.

Unser eigenes körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden

bildet die Grundlage unserer Lebensenergie. Unsere

Lebensenergie ist Voraussetzung dafür, dass wir unser eigenes

Leben und das unserer Nächsten und Übernächsten so gestalten

und so beeinflussen, dass es ein gutes wird, ein erfülltes,

ein glückliches.

Und wenn unser Leben und alles drumherum so gut geworden

sind, dass wir das alles gerne länger genießen würden, dann

kümmern wir uns natürlich auch darum, dass wir eben ein paar

Jahre länger auf diesem Planeten bleiben, es müssen ja nicht

gleich 180 sein.

Das ist der Anspruch.

Darum geht’s beim Biohacking.

UNSER EIGENES KÖRPERLICHES,

GEISTIGES UND SEELISCHES

WOHLBEFINDEN BILDET

DIE GRUNDLAGE

UNSERER LEBENSENERGIE.

Deswegen versuchen wir Biohacker,

unseren Stress in den Griff

zu kriegen, wir atmen und meditieren,

wir machen Krafttraining

und trinken gefiltertes Wasser,

wir duschen kalt, wir nehmen

Magnesium und Melatonin, wir

fasten, wir baden im Wald.

Wir trainieren damit unsere

Mitochondrien. Das sind jene

fernen Nachfahren von Bakterien,

die im Inneren jeder einzelnen

unserer Zellen wohnen und dort

durch ihren Bakterien-Stoffwechsel

jene Energie erzeugen,

von der wir gar nicht genug

kriegen können: ATP, Adenosintriphosphat,

den Treibstoff des

Lebens, ein wenig vereinfacht

gesagt: Bakterienkacke.

Auf den kommenden Seiten

möchten wir Ihnen gerne Lust

machen, Ihr Leben selbst in die

Hand zu nehmen. Wir möchten

Sie gerne anstiften, die Verantwortung

für Ihre Gesundheit

zu nehmen, die Verantwortung

für Ihre Lebensenergie, für Ihre

Lebensfreude, für Ihre Leistungsfähigkeit

im Job und im Sport.

Wir möchten gerne, dass Sie liebevoller,

zugewandter, energischer,

geduldiger, beharrlicher, aufrichtiger,

zuversichtlicher durchs

Leben gehen.

Es ist gar nicht so schwer,

Sie werden sehen.

Wenn ich da jetzt von „wir“

gesprochen habe, meine ich

Andreas Breitfeld und mich,

mein Name ist Stefan Wagner.

Wir sind stolz, dass wir die kommenden

Seiten gemeinsam für

Sie entwickeln durften. Andreas

ist professioneller Biohacker,

und zwar nicht irgendeiner: Er ist

unter den Biohackern ungefähr

das, was Rafael Nadal unter den

Tennisspielern ist. (Ich bin unter

den Biohackern ungefähr das,

was ich unter den Tennisspielern

bin, aber darauf wollen wir jetzt

nicht näher eingehen.)

Viel Vergnügen mit den

kommenden Seiten und damit,

was Sie draus machen.

INNOVATOR 31


BIOHACKING SPECIAL

LEBT

DIESER

MANN

DAS

PERFEKTE

LEBEN?

Dieser Mann ist Ben Greenfield,

der aktuell wahrscheinlich

fitteste und gesündeste

Mann und ziemlich sicher

der einflussreichste Biohacker

auf diesem Planeten.

Er kommt einer – je nach

Perspektive beängstigenden

oder begeisternden – Idee von

Perfektion der Lebensführung

ziemlich nahe.

Ein Gespräch über Gentests

und Kälte, über das Verspeisen

von Bandwürmern, über den

Menschen als Maschine, übers

Barfußlaufen, selbstsüchtigen

Bullshit, über Gott (buchstäblich)

und die Welt (ebenfalls

buch stäblich) und warum es

eine gute Idee ist, E-Mails erst

nachmittags zu beantworten.

Text Andreas Breitfeld, Stefan Wagner

Fotos Joe Pugliese

JOE PUGLIESE/AUGUST

32 INNOVATOR


MACH’S DIR

UNBEQUEM!

Hitze und Kälte: „Es

bringt deiner Langlebigkeit

einen Riesenvorteil,

wenn du regelmäßig

deine Temperatur-

Komfortzone verlässt.

Hitze und Kälte machen

deine Zellen widerstandsfähiger

gegen

Stress – sie sind

Workouts für deine

Zell gesundheit.“

INNOVATOR 33


34

Ben Greenfield lebt auf einer Farm

mitten im Wald in Spokane im

Bundesstaat Washington, eigenes

Eisbecken, eigenes Gym. Seine

13-jährigen Zwillingsbuben unterrichtet

er gemeinsam mit seiner

Frau zu Hause, und nicht nur in

den üblichen Fächern: Die Buben

veröffentlichen einen Podcast

und jagen mit ihrem Vater im

Wald mit Speeren sowie Pfeil und

Bogen, danach wird das erlegte

Wild zubereitet. Ben Greenfield

liest ein Buch und veröffentlicht

zwei Podcasts pro Woche, er hält

Vorträge in der ganzen Welt (Dollar-Honorar:

komfortabel fünfstellig),

hat mit „Kion“ eine Supplement-Company

aufgebaut, mit

„Boundless“ das aktuell gültige

Standardwerk zum Thema Biohacking

verfasst. Außerdem ist

sein Sexleben erstklassig (er hat

den Hacks eigene Podcast-Folgen

gewidmet), und er hat das große

Glück, ernsthaft gottgläubig zu

sein. Er steht üblicherweise gegen

vier Uhr morgens auf, seine

Arbeitstage beginnen aber nicht

vor zehn Uhr, denn davor lernt,

liest und schreibt er, erledigt

Workouts, Meditationen und

kümmert sich um die Familie,

außer INNOVATOR by The Red

Bulletin fragt um einen Interviewtermin

an, dann lässt sich da

ausnahmsweise auch vor zehn

was machen. Wir wissen das zu

schätzen.

Das Interview führten Andreas

Breitfeld und Stefan Wagner.

Die beiden neigen ein wenig zum

Atheismus. Breitfeld trägt sich

seit dem Gespräch mit Greenfield

aber ernsthaft mit dem Gedanken,

eine Bibel anzuschaffen.

„ MACH EINEN GENTEST,

MANN! DER AUFWAND IST

LÄCHERLICH GERING IM

VERGLEICH ZUM WISSEN,

DAS DU BEKOMMST.“

the red bulletin inno vator: Ben, Headline

dieses Artikels ist „Lebt dieser Mann das perfekte

Leben?“. Tut er das?

ben greenfield: Körperliche, geistige, spirituelle

Perfektion? Nein. „Strebt dieser Mann nach

dem perfekten Leben?“, stellt mir diese Frage,

darauf sage ich ja. Aber lebt er es? Nein. Schafft

kein Mensch. Will ich gar nicht.

Wieso willst du das nicht?

Es bereichert unser Leben, dass wir immer wieder

verletzt sind, krank, unglücklich, unzufrieden.

Dieses sisyphosartige uphill battle ist gut für uns.

Es hält uns bescheiden, weil es uns klarmacht:

Wir sind endlich. Stellt euch vor, wir wären alle

perfekt. Gäbe es dann noch Fortschritt in Medizin,

Technik, in allen Fragen der Gesundheit?

Nein. Weil der Antrieb fehlen würde. Ich selbst

hatte meine Themen mit dem Darm, mit dem

Schlaf, und in der Beschäftigung damit habe ich

viel gelernt, wie ich anderen helfen und damit

letztlich auch die Welt ein kleines bisschen verbessern

kann. Nein, ich lebe kein perfektes Leben,

ich werde das nie tun, ich werde weiterhin

jeden Tag danach streben, im Wissen, dass ich

jeden Tag am Versuch scheitere.

Ist das für einen professionellen Biohacker der

Sinn des Lebens? Nach Perfektion streben?

Jedenfalls geht es im Leben meiner Meinung

nach darum, dem optimalen Level näher zu

kommen, auf dem Körper, Geist und Seele funktionieren

können. Dafür stehen uns unglaublich

viele Möglichkeiten zur Verfügung, jahrtausendealte

und hypermoderne Tools, Rotlichttherapiegeräte,

hyperbare Sauerstoffkammern, Supplements,

Nootropics, smart drugs, unser enormes

Wissen über Ernährung, über Hyperthermie,

Thermogenese. Es liegt nur an uns selbst, diese

Möglichkeiten zu nützen. Und sehr, sehr viele

Menschen könnten diesem optimalen Zustand

sehr leicht sehr viel näher kommen.

Du bist tiefgläubig. Wie verträgt sich der

Glaube an eine höhere Macht mit der Grundidee

des Biohacking? Biohacking heißt doch,

konsequent die Verantwortung fürs eigene

Leben zu übernehmen.

Warum soll ich mich mit dieser Frage auseinandersetzen?

Ich bin Judeo-Christ, Gott ist die

Instanz der absoluten Wahrheit in meinem Leben.

Dass diese Instanz nicht komplett erforscht

werden kann, hab ich akzeptiert. Ich habe nicht

zu 100 Prozent Einfluss auf mein Leben, werde

ich nie haben, ich tue also einfach, was in meiner

Hand liegt: Ich wache jeden Tag auf und suche

nach Wegen, wie ich mehr Energie haben kann,

wie ich meine geistige Leistungsfähigkeit verbessern,

wie ich life span und health span –

also wie lang mein Leben dauert und wie lang

ich gesund bleibe – in ein optimales Verhältnis

bringen kann. Wie ich mit den Belastungen umgehen

kann, die immer mehr zunehmen, mit

der Umweltverschmutzung, der unnatürlichen

JOE PUGLIESE/AUGUST, GETTY IMAGES, GETTY IMAGES,

@SARAHCRESSWELLPHOTO, MASSINE, GABRIEL MACHADO


BIOHACKING:

DIE STARS

DAVE ASPREY

The Godfather of

Biohacking, der den

Begriff prägte und

jahrelang die Szene

weltweit dominierte.

TIM GRAY

Britischer Gesundheits-Guru.

Europas

Mischung aus Asprey

und Greenfield.

SIMONE KOCH

Berliner Ärztin und

wandelndes Lexikon.

Was sie nicht weiß,

gibt es nicht.

MAX GOTZLER

Früherer Leistungssportler,

Münchner,

das Biohacking-Gesicht

in Deutschland.

MELINA VICARIO

Die Mindset-Expertin

bringt NLP-Knowhow

ins Biohacking.

WORKOUT: KURZ,

HART, LANGSAM

Zwei Stunden Gym?

„Nett. Aber unnötig. In

20 oder 30 Minuten High

Intensity Training oder

Super Slow Training

kannst du denselben

Effekt erzielen. Es geht

im Training wie in allen

Fragen des Biohacking

darum, die ‚minimal

effective dose‘ herauszufinden.“

XIMENA

DE LA SERNA

Expertin für weibliches

Biohacking.

Aufgewachsen in

Kolumbien, lebt heute

in Deutschland.

INNOVATOR 35


elektromagnetischen Strahlung.

Wie ich spirituell wachsen, Gott

näherkommen kann. Ich wache

jeden Tag auf und bin einfach nur

neugierig, im Wortsinn gierig auf

Neues, ich will diese Fachartikel

lesen, die Bücher, die Audiobooks

hören, Podcasts, ich will jeden

Abend zu Bett gehen und sagen

können: Ich weiß jetzt mehr über

Körper, Geist und Seele als am

Morgen. Und ich will das, was ich

gelernt habe, nützen. Für mich,

aber viel mehr für meine Familie,

Freunde, für andere Menschen.

Okay, in einem Satz: Was ist

nun der Sinn des Lebens, in den

Worten des einflussreichsten

Biohackers der Welt?

Gottes Schöpfung auskosten und

genießen, das ist der Sinn des

Lebens. Jeden Tag mit einem

breiten Grinsen aufwachen, weil

wir auf diesem magischen Planeten

leben dürfen. Andere lieben

und die goldene Regel befolgen:

Behandle andere so, wie du von

ihnen behandelt werden willst.

Ent scheidungen so treffen, dass

sie anderen nützen und nicht

in erster Linie dir selbst. Herausfinden,

was deine Fähigkeiten

sind, und mit diesen Fähigkeiten

Einfluss nehmen auf diesen Planeten,

an jedem Tag, an dem du

das Glück hast, hier sein zu dürfen.

So sehe ich das. Von einem

evolutionären Standpunkt aus

betrachtet sind wir vielleicht nicht

mehr als ein paar hoffnungslose

Klumpen Fleisch auf einem Felsen,

der durchs Weltall rast, während

wir versuchen, uns an Maslows

Pyramide der Bedürfnisse abzuarbeiten,

essen, trinken, Sex

haben, uns die soziale Leiter raufkämpfen.

Damit gebe ich mich

nicht zufrieden. Ich sage: Tu das,

was du am besten kannst, mach

damit die Welt besser. Und liebe.

Grundlage von all dem ist die

eigene Gesundheit. Korrekt?

Uh, nein. Völlig falsch. Es geht

nicht um deine Gesundheit. Es

geht um die Gesundheit der anderen,

die körperliche, geistige,

seelische Gesundheit aller Menschen,

mit denen du zu tun hast.

Deine eigene Gesundheit ist dafür

nur ein Tool. Du musst gesund

genug sein, um für andere da sein

zu können. Viele betreiben einen

Kult um ihre Gesundheit, ihre

Leistungsfähigkeit und Produktivität,

um ihre Fitness, um toller

auszusehen, noch mehr Geld zu

verdienen. Das ist selbstsüchtig,

selbstverliebt, egoistisch. Und

wahnsinnig unbefriedigend. Es

geht nicht darum, dich selbst zu

optimieren. Es geht darum, dass

du gut genug in Form bist, um für

andere da sein zu können. Probier

das mal aus, du wirst sehen, dann

wird die Sache unglaublich befriedigend!

Gesundheit, Fitness, Biohacking

bekommen dadurch erst

ihre Bedeutung, ihre Tiefe. Und

sobald du das verstanden hast,

setzt sich ganz automatisch ein

Limit für die Zeit und den Aufwand, den du ins

Biohacking investierst. Dann kommt ein Begriff

wie minimal effective dose ins Spiel. Zwei Stunden

Gym? Nett, aber du kannst in 20 oder 30 Minuten

High Intensity Training oder Super Slow Training

denselben Effekt erzielen. 30 Minuten Kälteexposition

sind unnötig, wenn du zwei Minuten

in Eiswasser mit null Grad sitzt. Selber Effekt,

Bruchteil der Zeit, so gehe ich an Biohacking

heran. Nicht wie viel Zeit ich damit verbringen

kann, sondern wie wenig. Und wie viel mehr Zeit

mir dadurch bleibt für meine Frau, meine Kids,

für Leute, die meine Hilfe brauchen könnten.

Wo ist die Grenze zwischen nötig und unnötig

in der Praxis?

Da geht es um Effizienz und Effektivität. Dabei

helfen dir drei Dinge. Das erste: Selbstvermessung.

Lass dein Blut, Mikrobiom, den Hormonstatus,

Speichel, Urin, deine Genetik testen.

Vor ein paar Jahren hat das noch zehntausende

BEN GREENFIELD FITNESS

36 INNOVATOR


„ ZIEMLICH WITZIG, DASS DIE FRANZÖSIN, DIE DERZEIT

DEN REKORD HÄLT, MIT 121 ODER 122 JAHREN, JEDEN TAG

EINE ZIGARETTE RAUCHTE UND IHR GLÄSCHEN TRANK.“

JOE PUGLIESE/AUGUST

TESTE ZUERST,

OPTIMIERE DANN

Training, Ernährung,

Genetik,

Hormone,

Entspannung ...

„Blut, Mikrobiom,

Hormonstatus,

Speichel, Urin,

Genetik: Teste

das alles! Vor ein

paar Jahren hat

das noch zehntausende

Dollar

gekostet, jetzt

lässt du dir um

ein paar Dollar all

diese Tests nach

Hause schicken.“

... und Schlaf!

„Es gibt richtig

gute Devices, die

deinen Schlaf

messen. Nütze

diese Devices, sie

geben dir laserscharfes

Feedback

auf alles,

was du tust.“

Dollar gekostet, jetzt lässt du dir

um ein paar Dollar all diese Tests

nach Hause schicken. Der Fortschritt

in diesem Bereich ist einfach

nur unglaublich. Es gibt

richtig gute Devices, die deine

Herzratenvariabilität messen,

deinen Schlaf. Das gibt dir laserscharfes

Feedback auf alles, was

du tust. Und vor allem: Du arbeitest

nicht mehr im Blindflug an

irgendwelchen Verbesserungen

und verschwendest jede Menge

Zeit mit dem Optimieren von

Dingen, die ohnehin in Ordnung

sind. Schritt eins ist also: Check

dir ein Wearable, das deinen

Schlaf trackt und deine HRV,

Ruhepuls, tägliche Schritte, deine

Körpertemperatur. Check dir

einen ordentlichen Gentest. Mach

einen Stuhltest und finde heraus,

ob in deinem Darm alles okay ist,

mit Hefen, Pilzen, Parasiten, wie

die Entzündungswerte aussehen.

Prüfe deinen Hormonstatus und

deine Neurotransmitter über

Speichel und Urin. Investiere

in ein richtig gutes Blutbild mit

Mikronährstoffstatus.

Zu Hause einen Gentest zu

machen ist noch nicht wirklich

Mainstream. Kann man nicht

ein wenig niederschwelliger

starten?

Es gibt keinen Grund, das nicht

zu tun, Mann! Gentest heißt, ein

Wattestäbchen in den Mund zu

nehmen. Der Aufwand ist lächerlich

gering im Vergleich zum

Wissen und zur Klarheit, die dir

all das gibt.

Gut, Nummer eins war Testen.

Nummer zwei?

Mach es zu einem Teil deines

Bewusstseins, für andere da zu

sein. Andere zu lieben. Das ist der

innerste, der wichtigste Fokus

deines Lebens. Wenn du den verlierst,

wachst du am Morgen auf,

und die einzige Frage ist: Was

kann ich mir heute Gutes tun?

Dann kommen diese ganzen

Affirmationen: Ich bin so toll, ich bin so großartig,

ich kann alles im Leben erreichen. Das ist

selbstsüchtiger Bullshit.

Was tust du als Erstes, wenn du morgens

aufwachst?

Ich frage mich: Wofür bin ich dankbar? Wem

kann ich Gutes wünschen, Gutes tun? Und am

Abend frage ich mich: Was hätte ich heute besser

tun können? Wann habe ich heute die innigste

Verbindung zum Sinn des Lebens gespürt?

Wenn ich an diesem Tag zwei Stunden im Gym

verbracht habe, 45 Minuten in der hyperbaren

Sauerstoffkammer, wenn ich ausgiebige Saunaund

Kältesessions hinter mich gebracht habe,

nun ja, dann wird nicht viel Zeit übrig geblieben

sein, in der ich für andere da war. Das mag

vielleicht ein perfekter Bio hacking-Tag gewesen

sein, in den Augen anderer, in meinen Augen

war es ein vergeudeter Tag, ein Tag mit zu viel

Biohacking.

INNOVATOR 37


Okay, wir hatten da jetzt Selbstvermessung

und Liebe als die ersten beiden Orientierungspunkte

an der Kreuzung von Effizienz und

Effektivität. Was ist Nummer drei?

Jetzt werden manche Leute sagen, das ist ein

wenig, hm, wunderlich. Aber egal. Die Wurzel der

menschlichen Emotionen war niemals und wird

niemals das Gehirn sein. Das ist das Herz oder,

wie man sagt, das Bauchgefühl. Nummer drei

ist: Stell dir ehrliche Fragen, lass sie vom Herzen

beantworten. Das Herz kennt die Wahrheit.

Wie würdest du jemanden, der noch nie

davon gehört hat, in zwei Minuten für Biohacking

begeistern? Für die Möglichkeiten,

sein eigenes und das Leben anderer zu verbessern,

indem man Verantwortung für die

eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit,

für das eigene Lebensglück übernimmt?

Ich würde es so sagen: Der menschliche Körper

ist kein Computer, aber er ist programmierbar.

Er hat etwas von einer Maschine, und du kannst

sehr gut dafür sorgen, dass sie besser funktioniert,

sauberer läuft.

Was ist der erste Hack, den du empfiehlst?

Ich würde dich als Erstes fragen: Womit bist du

unhappy? Wenn jemand schon weiß, wie wichtig

Training ist, und er sich im Alltag viel bewegt,

statt nur rumzusitzen, brauchen wir über dieses

Thema vorläufig nicht zu reden. Und auch wenn

Schlaf fundamental ist: Ich werde dir nichts zu

deinem Schlaf raten, wenn du zu einer vernünftigen

Zeit ins Bett gehst, dein Zimmer dunkel,

kühl und ruhig hältst und dein Schlafzimmer

nicht zum Arbeiten oder Fernsehen missbrauchst.

Denn dann machst du schon sehr vieles richtig.

Natürlich kannst du, wenn du willst, immer noch

optimieren. Dann würde ich dir ein Chilipad

empfehlen, das 12, 13 Grad kaltes Wasser unter

deinem Körper durchs Bett leitet, und ein Paar

Wollsocken, um die Füße warm zu halten.

Ich würde dir raten, drei Stunden vor dem

Schlafengehen kalt zu duschen, damit deine

„ GIB ANDEREN MENSCHEN

ENERGIE. HILF IHNEN.

DAS KOSTET DICH KEINE

ENERGIE, ES GIBT DIR

WELCHE. PROBIER ES AUS!“

Körper kerntemperatur absinkt.

Wenn jemand sagt, dass sein

Darm Troubles macht: Stuhlanalyse.

Daran führt kein Weg

vorbei. Einen Nahrungs mittel-

Allergietest, einen DNA-Test. Das

hilft uns, genau zu sagen, aus welcher

Weltgegend deine Vorfahren

kommen, an welche Nahrungsmittel

du daher evolu tionär

angepasst bist und welche dein

Immunsystem verrückt spielen

lassen. Wir werden die Tools der

Selbstvermessung nützen, um

deine Ernährung optimal an dich

anzupassen. Denn Ernährung ist,

von ein paar Basics abgesehen,

etwas Individuelles: Was für dich

passt, kann für jemand anderen

komplett falsch sein.

Was sind diese Ernährungs­

Basics, die für jeden gelten?

Verarbeitete Nahrungsmittel und

raffinierte Pflanzenöle weglassen,

wenig Zucker und Alkohol, Koffein

nicht übertreiben. Einfach natürliches

Zeug essen und hin und

wieder ein bisschen fasten.

Wenn jemand Bewegung, Schlaf

und Ernährung schon halbwegs

im Griff hat, dann beginnt

richtiges Biohacking, nicht?

Dann ist Zeit für diesen „From

Good to Great“-Ansatz. Nummer

eins ist dann ganz klar: die Kraft

der Photonen nützen. Licht. Dieser

riesige Stern über uns ist eine

Quelle purer Energie. Geh raus ins

Freie, täglich 20 bis 60 Minuten,

und wenn du die Wirkung verstärken

willst, nimm so etwas ein wie

Methylenblau oder Chaga-Extrakt.

Dein Körper kann die Photonen

dann effizienter nützen, um Elektronen

und ATP zu produzieren.

Bringe Infrarot-Panels im Büro an,

setze dich in eine Infrarotkabine.

Du kannst deinen zirkadianen

Rhythmus steuern, indem du

punktuell Blaulicht einsetzt, morgens

oder vormittags, mit Geräten

wie dem Human Charger oder

den Re-Timer Glasses. Nummer

eins, wenn du die Themen Bewegung,

Schlaf und Ernährung

schon halbwegs im Griff hast, ist

also Licht. Nummer zwei ist, das

elektrische Potenzial des Planeten

zu nützen, auf dem wir leben.

Gehe barfuß auf natürlichem

Boden, auf Gras oder im Wald.

Stelle Kontakt zur Oberfläche des

JOE PUGLIESE/AUGUST

38 INNOVATOR


DER SINN

DES LEBENS?

„Gottes

Schöpfung auskosten!

Jeden

Tag mit einem

Grinsen aufwachen,

weil wir

auf diesem magischen

Planeten

leben dürfen.“

Planeten her. Schwimme in einem

natürlichen Gewässer. Klettere

auf Felsen rum, auf Bäumen, zieh

dein Shirt aus, leg dich in eine

Wiese. Das ist unglaublich gut

für dich, es hemmt Entzündungen,

kurbelt deine ATP-Produktion an,

ganz ähnlich wie die Photonen

der Sonne. Nummer drei und vier

sind Hitze und Kälte: Es ist völlig

klar, dass es einen riesigen Vorteil

für die Langlebigkeit bringt, wenn

du regelmäßig deine Temperatur-

Komfortzone verlässt. Hitze und

Kälte sind Workouts für deine

Zellgesundheit. Nächster Punkt:

Wasser und Mineralien, vorzugsweise

Wasser, das Quellwasser

so nahe wie möglich kommt, das

so strukturiert ist, dass es deine

Zellen effizienter versorgen kann.

Die meisten dieser Hacks sind

wissenschaftlich akzeptiert.

Andere nicht – oder noch nicht.

Was ist dein Punkt dazu,

zum Beispiel bei Erdung?

Sieh dir die Dokumentation

„Earthing“ an, lies das Buch von

Clinton Ober, es gibt reichlich

wissenschaftliche Belege für die

entzündungshemmende Wirkung

des Earthing. Sieh dir die Tonnen

an Forschung von der NASA abwärts

zu PEMF an, den gepulsten

elektromagnetischen Feldern, der

konzentrierten Biohack-Form des

Erdens. Aber okay, sagen wir mal,

dass es für etwas keine wissenschaftlichen

Beweise gibt. Dann

kommt die Selbstvermessung

ins Spiel. Diese berühmte Biohacker-Studie

mit n = 1, also du

als einziger Teilnehmer deiner

eigenen Studie. Du schaust, was

deine HRV und deinen Schlaf

verbessert, deine Power beim

INNOVATOR 39


Training, deine Körpertemperatur,

deine Blutwerte oder irgendwas

anderes, was du eben messen

kannst. Ich selbst mach das genauso,

teste, messe, gehe dann auf

PubMed und informiere mich

über die bisherigen Studien zum

Thema.

PubMed ist die wichtigste

wissenschaftliche Online-

Datenbank. Wie viel Zeit verbringst

du dort?

PubMed und Fachartikel gemeinsam

… so sieben bis acht Stunden

pro Woche. Aber das muss niemand

tun. Es ist Teil meines Jobs,

dass ich diese Research mache

und den Leuten das Wichtigste

zusammenfasse.

Auf deiner Website bezeichnest

du dich als „unerbittlichen

Selbstexperimentierer und

Versuchskaninchen“. Was war

das Verrückteste, was du je

ausprobiert hast?

Ich mache nichts, was ich für

super crazy halte, so wie diese

ursprünglichen Biohacker, die

sich Chlorophyll in die Augäpfel

injiziert haben, um ihre Nachtsicht

zu verbessern. So etwas tue

ich nicht. Was ihr vielleicht für

verrückt halten könntet, war die

Helminthen-Therapie, um mein

Immunsystem zu stärken, als ich

extrem viel auf Reisen war.

SELBST-

OPTIMIERUNG?

Es geht nicht

um dich.

„Viele betreiben

einen Kult um

ihre Gesundheit,

Leistungsfähigkeit,

Produktivität

und Fitness,

um toller auszusehen,

noch

mehr Geld zu

verdienen. Das

ist selbstsüchtig,

selbstverliebt,

egoistisch. Und

wahnsinnig unbefriedigend.

Es

geht nicht darum,

dich selbst zu

optimieren. Es

geht darum, dass

du gut genug

in Form bist, um

für andere da

sein zu können.“

Helminthen-Therapie?

Ich hatte viel darüber gelesen,

dass der Verzehr von gewissen

Würmern das Immunsystem stärken

kann. Ich besorgte mir also

aus einem Labor solche Würmer,

nahm sie sechs Monate lang

ein und wurde tatsächlich kein

ein ziges Mal krank, auch wenn

ich jede Woche zwei-, dreimal

im Flugzeug saß. Oder etwas anderes:

Ich wollte herausfinden,

ob ich ohne Training, nur durch

elektrische Muskel stimulation,

Muskeln aufbauen kann. Mein

Experiment dauerte acht Wochen.

Null Training, nur EMS,

in hoher Intensität. Ergebnis:

plus zehn Pfund Muskulatur.

Bandwürmer zu schlucken

oder sich Elektroschocks durch

BEN GREENFIELD FITNESS

40 INNOVATOR


die Muskulatur zu jagen mag verrückt klingen,

aber in solchen Fällen beschäftige ich mich davor

wochenlang sehr intensiv mit einem Thema.

Und es gab da wie dort eindeutige Beweise, im

EMS-Fall reichen die Forschungen ins Russland

der Fünfzigerjahre zurück.

Im Biohacking geht es immer auch um Langlebigkeit,

vor allem darum, wie lang man im

Alter gesund bleiben kann. Wie wird das sein,

wenn Ben Greenfield alt ist?

Die maximale menschliche Lebenserwartung

scheint nach aktueller Forschung irgendwo zwischen

115 und 121 Jahren zu liegen. Ziemlich

witzig, dass die Französin, die derzeit den Rekord

hält, mit 121 oder 122 Jahren, jeden Tag eine Zigarette

rauchte und ihr Gläschen trank. Was war

ihr Trick? Sie hatte wirklich gute Beziehungen in

ihrem Leben, viel Liebe, das hielt sie gesund. Und

wegen der Zigarette und des täglichen Gläschens:

Wir wissen ja, dass manche Gifte aus Pflanzen,

Kräutern und Gewürzen, wie auch Sonnenlicht

und Hitze und Kälte, in kleinen Mengen unsere

Gesundheit fördern. Drei Stunden in der Sauna,

eine Stunde im Eisbad, ein Kilo Zimt essen, das ist

natürlich alles schädlich, aber kleine Mengen:

super. Es gibt sogar die Hypothese, dass die eine

Zigarette, die diese Französin jeden Tag geraucht

hat, sie tatsächlich stärker gemacht hat, nach dem

Konzept der Hormesis: Durch den Kontakt mit

einem Toxin stärkt sich dein Körper von selbst.

Wie alt willst du werden?

Es ist mir egal, wie lange ich lebe. Mir ist wichtig,

dass ich, solange ich lebe, mit maximaler Wirkung

für andere da sein kann. Wenn ich mit 80 Jahren

sterbe, ist das für mich völlig in Ordnung. Es geht

nicht um irgendeine Zahl. Es geht um meinen

Beitrag zur Gesellschaft, den ich leisten kann,

solange ich hier bin. Das ist auch eine Warnung,

die ich den Leuten in der Biohacking-Industrie

geben möchte: Wenn du unbedingt leben möchtest,

bis du 150 bist, aber es geht dir beschissen,

du frierst und hungerst, hast keine Libido und

hängst die Hälfte der Zeit in einer Kryotherapie-

Kammer rum, in einer Sauna, in einer hyperbaren

Sauerstoffkammer oder in allen dreien.

Was ist das dann außer purem Egoismus? Außer

geistiger Masturbation, dass man ein bisschen

länger lebt als andere Leute?

„ IDENTIFIZIERE DEINEN EINZIGARTIGEN

LEBENSZWECK. WOFÜR DU AUF DIESEM

PLANETEN BIST. WENN DU DAS WEISST,

IST ES VERDAMMT SCHWER, NICHT

MOTIVIERT ZU SEIN.“

Was tust du, wenn du mal keine

Motivation hast, etwas Gutes

für dich zu tun? Jeder kennt

solche Tage, an denen man nur

rumhängen möchte.

Das Risiko, dass dir solche Tage

passieren, kannst du sehr effektiv

reduzieren. Auf beinahe null. Du

musst dafür deinen einzigartigen

Lebenszweck identifizieren, ich

hab das in meinen letzten Büchern

ausführlich erklärt, hier nur ganz

kurz: Suche nach Dingen, die die

Zeit vergehen lassen, ohne dass

du es bemerkst, nach Dingen, in

denen du von Natur aus gut bist.

Daraus entwickelst du einen Satz,

eine prägnante Aussage, die dir

immer wieder in Erinnerung ruft,

wofür du auf diesem Planeten bist,

wie du das Leben der anderen

verbessern kannst. Dieser eine

Satz ist wie eine Linse, durch die

du jeden Tag deines Lebens betrachtest.

Und es ist, wenn du diesen

Satz kennst, verdammt viel

schwieriger, nicht motiviert zu

sein. Wenn du deinen Satz kennst

und dennoch mal demotiviert

bist, dann ist das Beste, was du

tun kannst – hab ich in einem

Extrem camp gelernt, einer Art

zivilem Gegenstück zur Hell Week

der Navy SEALs –, also das absolut

Beste: Gib anderen Menschen,

so vielen wie möglich, Energie.

Diese Energie kommt zu dir zurück.

Hilf jemandem, kümmere

dich um jemanden. Klingt seltsam,

aber es kostet dich keine

Energie, es gibt dir Energie.

Probier es aus! Drittens: Vergiss

nicht, dass es so etwas gibt wie

decision fatigue, eine Müdigkeit

deiner Entscheidungen. Tu also

die Dinge, die Kreativität und

Konzentration verlangen, früh

am Tag. Ich produziere Podcasts,

Bücher nur von vier bis elf Uhr

morgens. Am Nachmittag kannst

du Dinge tun wie E-Mails beantworten,

Telefonate führen,

was keine mentale Firepower benötigt.

Und schließlich: Der beste

schnelle Kick für Motivation und

geistige Energie ist ein Sprung

in kaltes Wasser, eine eiskalte

Dusche oder dein Gesicht in Eiswasser

zu tauchen wirkt besser

als alle Stimulanzien, Drogen

oder Nahrungsergänzungsmittel.

INNOVATOR 41


BIOHACKING SPECIAL

RICHTIG

AUF­

GEDREHT

DER GEHEIMTIPP

MIKROSTROM

Mikrostrom ist ein

extrem spannendes

Thema: Ganz minimale

Strommengen, an den

richtigen Stellen in den

Körper geleitet, regen

die ATP-Bildung enorm

an, lassen Verletzungen

schneller heilen,

lindern Schmerzen.

Gegen Kopfschmerzen

weiß ich nichts Besseres.

Mein liebstes

Mikrostromgerät ist

das unten abgebildete

B-E-St von JeeCee.

(Das leider 16.000 Euro

kostet. Zum Rumspielen

eignen sich

aber auch Einsteigergeräte

ab rund 500

Euro wie das Healy.)

Achtung, ganz wichtig:

absolut nie, nie, niemals

TENs-Geräte oder

Ähnliches am Kopf

anwenden, die sind

etwas völlig anderes

als Mikro strom.

Zu Besuch in Andreas Breitfelds

Biohacking-Lab in München:

In welchen Bereichen können uns

technische Tools und Gadgets

helfen? Und welche empfiehlt er?

Text Andreas Breitfeld

Fotos Norman Konrad

Hairstyling und Make-up

Sabrina Reuschl

B-E-St von JeeCee,

ca. EUR 16.000,

b-e-st.com/de;

ohne Abb.: Healy,

ab ca. EUR 500,

healyworld.net

42 INNOVATOR


Anna Neubert war

so freundlich, uns

beim Shooting zu

unterstützen. Sie

ist Fitnesstrainerin,

Mitinhaberin eines

Reha-Studios und

war unter den ersten

fünf Biohacking-

Coaches, die ich

ausbilden durfte.

INNOVATOR 43


Human Charger 2 Mutter

Natur hat aus unerfindlichen

Gründen Lichtrezeptoren

in unsere

Ohren verpflanzt. Diesen

Umstand machen wir

uns mit diesem Device

zunutze: Es greift mit

Blaulicht in unseren

zirkadianen Rhythmus

ein und macht uns damit

wacher. Sehr hilfreich

gegen winterliche Verstimmungen

(SAD –

seasonal affective disorder)

und ein geniales

Tool bei Jetlag.

Ca. EUR 219,

de.humancharger.com

44 INNOVATOR


Head Ullitiunt

quunt labore

et quiantis volore

consequas

nonserum

facquam

qui re sequ

DER ZEITGEBER

ROT- UND

BLAULICHT

Grundsätzlich: Das

beste Licht ist immer

das natürliche, und

jedes technische Gerät

ist bestenfalls ein

ziemlich guter Ersatz.

Dafür kann man diesen

Ersatz sehr punktuell

sehr wirkungsvoll einsetzen:

um besser zu

schlafen, wacher zu

werden oder gar mit

Jetlag besser umzugehen.

Licht, könnte

man sagen, ist für

unsere innere Uhr das,

was eine Krone für

eine analoge Uhr ist:

Damit wird die Uhr

aufgezogen und –

hoffentlich absichtlich

– verstellt.

Brillen Für mehr Blaulicht:

Propeaq (wirkt

wie der Humancharger

auf der Gegenseite).

Gegen Blaulicht: die Blueblocker-Brille

Prisma

von innovative eyewear.

Trägt man abends, um

dem Körper die Bildung

des Schlafhormons

Melatonin zu ermöglichen.

Ein Must!

Propeaq ca. EUR 199,

nomadperformance.de

Prisma ca. EUR 99,

innovative-eyewear.shop

HigherQI Helios Hier

bin ich befangen: Meine

Begeisterung für Rotlicht-Geräte

und meine

Unzufriedenheit mit dem

bestehenden Angebot

waren so groß, dass

ich mit zwei Partnern

HigherQI gegründet

habe. Das Helios ist das

mittel große unserer drei

Geräte. Es strahlt wie die

beiden anderen mit 633

und 830 Nanometern,

das Spektrum der Wirkungen

ist beglückend

groß: erhöhte ATP­

Produktion, Reduktion

von oxidativem Stress,

Aktivierung von Enzymen

– oder kürzer: Zielgerichtet

eingesetztes Rotlicht

tut einfach nur saugut.

Ca. EUR 699,

higherqi.de

INNOVATOR 45


DAS GEHEIME

RIESENTHEMA

BLUTZUCKER

Das Thema Blutzucker

ist eines der ganz

entscheidenden der

nächsten Jahre, auch

gesellschaftlich, ich

vermeide das Wort

„Pandemie“ jetzt ungern.

Sehr vereinfacht

gesagt: Die Bauchspeicheldrüse

produziert

Insulin, sobald sie

erfährt, dass Zucker

(= Kohlenhydrate) im

Körper gelandet ist.

Das tut sie, um den

Zucker aus dem Blut

raus- und in die Zellen

reinzukriegen. Aus

dem Blut raus, weil

er dort saugefährlich

ist für die Organe. In

die Zellen rein, weil

er dort zu Energie verbrannt

werden kann.

Produzieren wir zu viel

oder zu wenig oder

gar pausenlos Insulin,

ruiniert das unsere

Gesundheit. Deswegen

sind die Blutzucker-

Tracker, die es seit

einigen Jahren gibt,

ein Segen. Unbedingt

ausprobieren!

Abbott Freestyle Libre

So heißt der Sensor, den

man sich in den Oberarm

pikst. Entscheidend ist

die Auswertungs-App

am Handy: Veristable,

Supersapiens oder Million

Friends sind so etwas wie

digitale Luxus-Tagebücher

für Tracking und Auswertung

von Ernährung

und Lifestyle und den

Auswirkungen auf den

Blut zucker. Unglaublich

erkenntnisreich, im allerwörtlichsten

Sinn lifechanging.

Freestyle Libre 2-Sensor,

ca. EUR 80,

freestyle.abbott

AquaVolta H ²

Rocket

Ein sehr leistungsfähiges

Gerät zur Wasserstoff-

Anreicherung von

Wasser. Zusatznutzen:

Magnesiummalat ist

idealer Bindungspartner

von Wasserstoff und ist

ja ganz generell etwas,

was man gerne zu sich

nimmt.

Ca. EUR 1570,

aquacentrum.de

DAS SUPER-

ANTIOXIDANS

WASSERSTOFF

Ich bin bekennender

Fan von molekularem

Wasserstoff, ich atme

ihn ein und trinke jeden

Morgen zwei Gläser

davon. Das kleinste

Element im Periodensystem

tut unserer

Gesundheit und Leistungsfähigkeit

als

perfektes Antioxidans

sehr gut. Eine TV-Redaktion

meinte einmal,

dass es zur Wirksamkeit

von Wasserstoff

keine Studien gibt, was

jedoch nur stimmt,

wenn man die mehreren

tausend publizierten

Arbeiten, vor allem

im asiatischen Raum,

außer Acht lässt …


Aquavolta Nano

Sehr praktisch, weil

transportabel. Und mit

4,8 ppm Wasserstoff-

Ausbeute auch sehr

leistungsfähig.

Perfektes Einsteigergerät,

verwende ich

selbst sehr gerne.

Ca. EUR 349,

aquacentrum.de

Ohne Abb.:

Hydronade

Magnesium-H ²

-

Brausetabletten,

ca. EUR 57,

aquacentrum.de

INNOVATOR 47


DAS EINSTIEGS­

PAKET

SCHLAF &

MEDITATION

Womit man die

schnellsten größten

Fortschritte erreicht,

wenn man mit dem

Biohacking beginnt?

Nicht durch irgendwelche

ausgefallenen

Devices oder exotische

Nahrungsergänzungsmittel.

Sondern in den

allermeisten Fällen

durch besseren Schlaf

und mehr Entspannung.

Schlaf ist, das

werde ich nicht müde

zu betonen, die Grundlage

jeder Gesundheit.

Schlaf ist für unseren

Körper wie ein Service

für unser Auto in der

Werkstätte: stehen

bleiben, Motor abdrehen,

alle Systeme

checken, kleinere und

größere Mängel beheben.

Wir sollten

die Service-Termine

unseres Körpers ernst

nehmen, jeden Tag ist

ab etwa 22 Uhr einer

für uns reserviert.

Und nichts tut mehr

für unsere Grundentspanntheit,

als

jeden Tag nur ein

paar Minuten zu

me ditieren.

Nanovi Die geniale

Entwicklung des in die

USA ausgewanderten

Deutschen Hans Eng

geht zwar heftig ins Geld,

aber die Wirkung ist mindestens

bahnbrechend.

Ab ca. EUR 10.000,

biosa.de/nanovi

DAS LUXUS­

GERÄT

FALTHILFE

FÜR

PROTEINE

Unser Körper ist in jedem

Moment unseres

Lebens damit beschäftigt,

Proteine kunstvoll

zu falten. Mit den

Jahren passieren ihm

dabei immer mehr

Fehler, das lässt uns

altern. Eine zentrale

Rolle bei diesem

lebenserschaffenden

und -gestaltenden

Prozess spielt intrazelluläres

Wasser, das

weder flüssig noch gefroren

noch gasförmig,

sondern als eine Art

Gel auftritt (Background:

Prof. Gerald

Pollack, Universität

Washington). Dieses

Gerät, das Nanovi, erzeugt

solches Wasser

des vierten Aggregatzustandes

als Nebel.

Die feinen Tröpfchen

nimmt der Körper auf,

was ihm hilft, Proteine

sauber und jugendlich

zu falten. Ab dem

etwa 40. Lebensjahr

un bedingt einmal

probieren!

Oura-Ring Das Basic-

Tool für den Biohacker:

der Ring, der die Qualität

unseres Schlafs misst.

Ab ca. EUR 314,

ouraring.com

Biostrap Ein tolles Teil,

die derzeit wohl beste

Alternative zum

Oura-Ring.

Ab ca. EUR 259,

biostrap.com

48


Muse Headband

Neurowissenschaftler

Philipp Heiler (siehe

Seite 50) lästert

drüber, weil es kein

echtes EEG ist. Aber

egal: Das Muse Headband

unterstützt

mich beim Meditieren,

gibt mir Feedback,

motiviert mich.

Das macht es für

mich im Alltag wirklich

wertvoll.

Ab ca. EUR 269,

choosemuse.com

INNOVATOR 49


BIOHACKING SPECIAL

DEIN

GEHIRN

IST ...

SCHNELLER

AUSDAUERNDER

SCHLAUER

KLÜGER

STÄRKER

NETTER

GETTY IMAGES


DAS GRÖSSTE

WUNDER DER WELT

Das menschliche Gehirn

ist so genial konstruiert,

dass wir es bis

heute nicht komplett

erforscht haben. Aber

wir können es trainieren.

Und sogar ziemlich

wirkungsvoll.

... ALS

DU

DENKST

Text Stefan Wagner

D

RUHIGER

as Gehirn ist insgesamt noch

ein relativ rätselhafter Teil

unseres Körpers (zum Beispiel

wissen wir immer noch nicht,

wie es so etwas wie Bewusstsein

herzustellen vermag).

Aber wir wissen doch genug,

um das Wichtigste gesichert

sagen zu können:

Es liegt in unserer Hand, unser

Leben lang alle Funktionen

unseres Gehirns zu verbessern.

Tatsächlich: alle.

Und tatsächlich: unser Leben

lang.

Wir können, solange wir leben,

jeden Tag schlauer werden, konzentrierter,

intelligenter, schneller,

entspannter. Wir können

jeden Tag gelassener werden

51


im Umgang mit uns selbst und

dem Rest der Welt.

Wir können unser Gehirn trainieren

wie unsere Muskeln und

unser Herz-Kreislauf-System.

Es gibt also, das ist der unbequeme

Teil der Nachricht, ab

sofort keine Ausreden mehr, das

Gehirn weiter so ver lottern zu

lassen.

Das im deutschen Sprachraum

führende Fitnessstudio für unser

Gehirn steht in München, nennt

sich „Brainboost“ und ist ein

Start-up der Brüder Tobias und

Philipp Heiler. Tobias ist Sportund

Wirtschaftswissenschaftler,

Philipp ist Arzt. Die beiden hatten

ihren ersten großen Auftritt in

der Biohacking-Szene vor zwei

Jahren mit einer Modellautorennbahn,

die nicht über herkömmliche

Controller, sondern

über Gehirnwellen gesteuert

wird:

Wer sich besser entspannen

kann, kommt schneller voran.

Genialität, 100 Milliarden Mal

Bevor wir uns von Philipp Heiler

sein Trainingsstudio für unser

Gehirn zeigen und die Übungen

fürs Heimtraining erklären lassen,

ein wenig Biologie: Unser

Gehirn wiegt ungefähr 1,5 Kilogramm,

besteht zu 80 Prozent

aus Wasser, zu zwölf Prozent aus

Fett und zu acht Prozent aus Protein. (Erstes

Learning gleich hier: Der zuverlässigste Weg

zu verblöden ist, zu wenig Wasser zu trinken.)

Unser Gehirn verbraucht rund 20 Prozent der gesamten

Energie, die unser Organismus in Ruhe

erzeugt. Das ist absolut und relativ viel mehr als

jedes andere Organ.

Das menschliche Gehirn rechtfertigt diesen

Aufwand. Es ist nicht weniger als ein Meisterwerk

der Evolution. Wir Menschen sind bisher

daran gescheitert, einen Computer mit der Leistungsfähigkeit

unseres Gehirns herzustellen: So

gut ist nicht einmal unser Gehirn, dass es etwas

Besseres erfindet als sich selbst.

Was diese 1,5 Kilogramm matschige Masse

im Schädelknochen zu einem so genialen, so

unfassbar leistungsfähigen System macht, sind

die etwa 100 Milliarden Zellen, aus denen es

besteht, oder besser gesagt: wie diese Zellen mit

sich selbst und den anderen Zellen umgehen.

Wie sie elektrische und chemische Reize empfangen,

verarbeiten, herstellen und weiterleiten,

wann sie das tun – wir sprechen hier von einer

Genauigkeit im Millisekundenbereich – und in

welcher Frequenz.

Die Begriffe dieser Frequenzen kennen wir,

Alpha-, Beta-, Gamma-Wellen und so weiter, wir

verwenden sie auch, aber kaum jemand weiß

wirklich, was mit „Wellen“ gemeint ist.

Eine Symphonie der Schwingungen

Unser Gehirn schwingt sich ja nicht walzerschwabbelnd

durch den Schädel wie durch einen

Ballsaal, und es gurgelt und brabbelt auch nicht

herum wie die Wellen einer Meeresbrandung.

Wenn wir von „Wellen“ oder „Frequenzen“ sprechen,

meinen wir die Gesamtheit des Rhythmus,

in dem die Zellen miteinander elektrische Impulse

austauschen, wie oft pro Sekunde sie, sehr

vereinfacht, miteinander reden: Die Hirnwellen

sind sozusagen der Pulsschlag unseres Hirns.

Die 1 bis 4 Hertz der Deltawellen bedeuten,

dass die Zellen ein- bis viermal pro Sekunde

IM CHATROOM

Hirnwellen sagen aus, wie

intensiv unsere einzelnen

Gehirnzellen miteinander

kommunizieren – und was

wir gerade damit tun.

Man kann unseren Pulsschlag

und die Hirnfrequenzen durchaus

vergleichen: Beides folgt

unserem Leben und lenkt es,

beides bestimmt den Rhythmus

dessen, was wir tun – und bildet

ihn präziser ab, als wir das bewusst

wahrnehmen. Das macht

die Herzratenvariabilitätsmessung

zu einem so wertvollen

Tool, und das macht auch

das EEG und Neurofeedback

so wertvoll. Mit Hilfe von Neurofeedback

können wir es tatsächlich

schaffen, unser Gehirn in

verschiedene Zustände zu bringen

– und damit unser Leben

zu verbessern. Erhol samer

schlafen, sich länger konzentrieren,

sich tiefer entspannen,

mehr leisten: All das lässt sich

trainieren, indem wir lernen,

auf unsere Hirnfrequenzen

Einfluss zu nehmen.

52 INNOVATOR


BRAINBOOST.DE

elektrische Impulse austauschen, das reicht gerade

mal für tiefen Schlaf. Gammawellen, am

anderen Ende des Spektrums, schwingen mit

35 bis 45 Hertz, lassen uns Neues besonders gut

lernen oder in der Meditation besonders gut

fokussieren. (Oder Spielzeugautorennen gewinnen.)

Stress und Angst schwingen zwischendrin

in den 20 bis 35 Hertz der High-Beta-Wellen,

Kreativität entfaltet sich in den 4 bis 8 Hertz der

Theta-Wellen.

Und, wichtig zu wissen, es schwingt nicht

das gesamte Gehirn einheitlich (völlig stramme

Messungen kennzeichnen gar einen epileptischen

Anfall), das ist auch der Unterschied zum

Herzschlag, sondern das Gehirn orchestriert in

jeder Millisekunde eine eigene Symphonie der

Gesamtheit der Milliarden von Schwingungen.

Diese Symphonie ist abhängig von der Situation,

der Persönlichkeit, dem Zustand des Gehirnbesitzers.

Darüber hinaus ist sie absolut einzigartig.

Wenn wir wollten, sagt Philipp Heiler, könnten

wir die Grundstruktur der Gehirnfrequenzen

anstelle des Fingerabdrucks als unverwechselbares

persönliches Merkmal nützen. Die Wissenschaft

ist außerdem so weit, dass sie aus dem

Scan eines Gehirns Persönlichkeitsmerkmale

herauslesen kann. Heiler: „Ein unteraktivierter

Frontallappen, zum Beispiel, weist auf eine

gewisse Neigung zu Konzentrationsschwierigkeiten

und depressiven Symptomen hin, ein

überaktivierter sensorischer Kortex auf eine

Übersensibilität auf Geräusche und auf Einschlafschwierigkeiten.

Und so weiter.“ Zeig mir dein

EEG, und ich sag dir, ob ich dich mag.

So trainiert man Entspannung

Nach diesem kleinen Ausflug ins Theoretische

kehren wir zurück nach München ins Gehirn-

Fitnesscenter „Brainboost“.

Mein Gehirn absolviert eine Trainingsstunde.

Ich sitze auf einem Lehnstuhl, die Beine hochgelagert,

mit einer Art Gumminetzhaube auf

ICH SITZE DA, ELEKTRODEN

AM KOPF, AM BILDSCHIRM VOR MIR

SCHWEBT EIN MÖNCH.

dem Kopf. An ihr sind EEG-

Elektroden befestigt. Diese

Elektroden messen durch den

Schädelknochen die elektrischen

Impulse, in denen meine

Gehirnzellen miteinander

kommunizieren. Die Daten

werden in einen Computer

geleitet, dort umgerechnet

und auf einen Monitor übertragen,

der vor mir steht.

Brainboost hat nicht nur

die gehirngesteuerte Autorennbahn

entwickelt, sondern

auch verschiedene Videospiele.

Auf dem Monitor vor

mir, zum Beispiel, sitzt ein

Mönch mit gekreuzten Beinen.

Je tiefer ich mich entspanne,

desto höher steigt er.

Das ist meine einzige Aufgabe:

Entspannungsgehirnwellen

erzeugen. Meine Gehirnzellen

zwischen acht- und

zwölfmal pro Sekunde elektrische

und chemische Informationen

austauschen zu lassen,

nicht öfter, nicht seltener.

Ich atme bewusster und

langsamer aus: Der Mönch

schwebt.

SCHLAF

Delta

1–4 Hz

ABSCHWEIFEN

Theta

4–8 Hz

ENTSPANNUNG

Alpha

8–12 Hz

KONZENTRATION

Beta

12–20 Hz

AKTIVIERUNG

High Beta

20–35 Hz

HYPERFOKUS

Gamma

35–45 Hz

INNOVATOR 53


PHILIPP HEILER

Gemeinsam mit

seinem Bruder

Tobias gründete

der Arzt das

Gehirn-Fitnessstudio

„Brainboost“.

brainboost.de

Ich bemühe mich, noch bewusster

zu atmen: Er plumpst

runter.

Zu unentspannt entspannt,

okay.

„Darum“, sagt Philipp Heiler,

„geht es hier bei uns. Dass dein

Gehirn sofort Feedback kriegt,

ob das, was du gerade tust,

richtig ist.“

Und mein Gehirn kapiert das?

„Ja. Es ist wie mit deiner Muskulatur

und dem Fitnessstudio:

Dein Organismus empfängt einen

Trainingsreiz und verarbeitet ihn.

Wie er das tut, kann dir ja egal

sein. Dass deine Muskeln durch

das Training stärker und größer

werden, steuerst du ja auch

nicht bewusst. Das passiert von

allein.“

Aber im Fitnesscenter kann ich

einen ganz gezielten Reiz auf

einen einzelnen Muskel setzen:

Bizeps, Wade, Brustmuskel. Wie

präzise kann ich einzelne Gehirnbereiche

mit Neurofeedback ansteuern?

„Das geht einigermaßen, ist

aber in der Praxis nicht wesentlich.

Wir möchten ja, dass du eine

Fähigkeit verbesserst, eine Gewohnheit

ablegst oder eine neue

antrainierst, einen Zwang überwindest.

Da spielen meist mehrere

Gehirnbereiche zusammen. Es

geht darum, dass du lernst, gewisse

Regionen in gewisse Frequenzen

zu bringen. Dein Gehirn

kann das schon von allein. Vertrau

ihm. Und je weiter du im

DIE MATSCHIGEN 1,5 KILO

IM KOPF SIND GENIALER ALS

ALLES, WAS WIR MENSCHEN

ERSCHAFFEN KÖNNEN.

Training kommst, desto spezifischer stellen wir

das Training ein.“

Kann ich durch Neurofeedback kreativer

werden?

„Du kannst lernen, dich in einen Zustand

zu bringen, der Kreativität fördert. Ja.“

Entspannter?

„Ja, ebenso.“

Konzentrierter?

„Ja.“

Das Gehirn kann nicht nichts tun

Kann ich mir abgewöhnen, alle 30 Sekunden

aufs Handy schauen zu müssen? Dass ich jeden

Abend eine Tafel Schokolade verdrücke? Meinen

Hang zur Prokrastination?

„Neurofeedback kann sehr gut bei allem

helfen, was du in deinem Leben zwanghaft tust.

Das kann sein, dass du jeden Tag fünf Bier trinken,

zehn Kilometer laufen oder dass du dauernd

aufs Handy schauen musst.“

Wie bringe ich meinem Gehirn konkret bei,

dass es nicht jeden Abend eine Tafel Schokolade

wollen soll?

„Ganz kurz zusammengefasst: Das Gehirn

kann nicht nichts tun. Es kann nicht ‚keine Schokolade

essen‘. Es kann nur etwas anderes stattdessen

tun, und dieses andere musst du dir

angewöhnen. Du musst eine Ersatzhandlung

etablieren, etwas, was sich jeden Abend durchführen

lässt. Wir hatten zum Beispiel mal eine

Patientin mit Bulimie. Mit ihr haben wir erarbeitet,

dass sie nach jeder Mahlzeit zunächst mal

zehn Minuten spazieren geht. Ganz konsequent,

nach jeder Mahlzeit, einfach um den Reiz ‚essen‘

und die Reaktion ‚kotzen‘ zu entkoppeln.“

Und? Hat es geklappt?

„Ja.“

Wie lange dauert es, bis ich mir etwas Altes

ab- und etwas Neues antrainiert habe?

„Der aktuelle Stand der Wissenschaft sagt:

66 Tage dauert es, um sich etwas abzugewöhnen

– also mit Hilfe einer Ersatzhandlung –, 66 weitere,

um sich eine neue Gewohnheit anzueignen.

Der einzige Weg zum Erfolg ist Beharrlichkeit.

Jeden Tag ein paar Minuten bringen dich über

Wochen und Monate gesehen unglaublich weit.“

Erschöpft unter der Netzmütze

Eine Trainingseinheit bei Brainboost dauert

etwa 40 Minuten, und man ist am Ende recht

erschöpft unter der Netzmütze, tatsächlich so,

als hätte der Kopf ein Workout hinter sich.

Wie oft muss man das machen, bis es einen

Effekt bringt?

„Es ist wie im Fitnessstudio. Einmal ausprobieren

bringt nichts. Wir bemerken dauerhafte

Ergebnisse nach 20, 30 Sitzungen.“

Das heißt, ich muss 20-mal zu euch kommen,

damit mein Gehirn besser funktioniert?

„Nein. Du kannst sehr viel zu Hause machen,

ganz allein, und du kannst damit sehr weit

kommen.“

GETTY IMAGES

54 INNOVATOR


NIMM DIR

DREI MINUTEN

„Jeden Tag nur drei

Minuten mit geschlossenen

Augen, ruhig

atmend, in Gedanken

und Tagträume versinken

– damit trainierst

du die Fähigkeit deines

Gehirns, in den Alpha-

Zustand zu gehen und

sich ganz bewusst

zu entspannen. Ideal

wirken diese drei

Minuten, wann immer

du auch einen Boost

für deine Kreativität

brauchst.“

SCHLAFEN

„Das Gehirn ist der wesentlichste Grund dafür, warum wir

Menschen schlafen müssen. Denn seine Kapazität reicht

nur für rund 16 Stunden – dann braucht es eine Pause,

um Gelerntes zu verarbeiten, sich zu erholen und neue

Synapsenverbindungen aufzubauen. Ausreichender, guter

Schlaf ist die Grund voraussetzung dafür, dass unser Gehirn

funktionieren kann.

Es mag nicht besonders originell sein, aber auf seinen

Schlaf zu achten ist so ziemlich das Wirkungsvollste, was

man für die Leistungsfähigkeit seines Gehirns tun kann.

Übrigens unterstützt ein Powernap untertags die Kreativität

und die Problemlösungskompetenz, weil er unser

Gehirn in den Theta-Bereich bringt.“

LOS

GEHT’S!

… okay, und was kann

ich zu Hause machen?

Philipp Heiler mit dem

Home-Gym für dein

Gehirn.

BEFRAGE DICH

SELBST

„Achtsamkeit ist weit mehr

als ein Modebegriff: Wenn du

es schaffst, dein Gehirn bewusst

in den Alpha-Bereich zu

ver setzen, schaffst du damit

Raum zwischen Reiz und Reaktion

– was nichts anderes

heißt, als dass du gelassener,

ausgeglichener, reflektierter

durch den Tag kommst. Der

beste Achtsamkeits-Trainingstipp

im Alltag: Notiere zweimal

täglich, was du körperlich

spürst, welche Gedanken und

welche Gefühle du hast.“

FOLGE DEM SEKUNDENZEIGER

Eine tolle Übung für den Beta-Zustand, der deinen Fokus

schärft: Schaffst du es, eine Minuten lang deine ganze Aufmerksamkeit

auf den Sekundenzeiger einer analogen Uhr

zu richten? Denke an nichts anderes als an diesen Zeiger.

Eine Minute durchzuhalten, ohne einen ablenkenden Gedanken,

ist alles andere als einfach!“

DANKBARKEITS ­

TAGEBUCH FÜHREN

Angst ist das häufigste Problem

unserer Zeit, der stärkste

und größte negative Antrieb.

Hinter sehr vielen zwanghaften

Handlungen, hinter sehr vielen

Einschränkungen steht Angst.

Angst vor Dingen, vor Entscheidungen,

davor, etwas zu verpassen,

dass mein Leben nicht

so toll ist wie das der anderen,

nicht genug Geld zu haben.

Angst ist evolutionär gesehen

lebens rettend – weil Angst immer

auch Vorsicht bedeutet –,

und darum ist sie unter allen

Emo tionen auch die

mächtigste.

Aber mittlerweile bestimmt

sie unser Leben, statt es zu

erhalten. Angst macht krank.

Was kann ich gegen Angst tun?

„Ein Dankbarkeitstagebuch

führen. Täglich morgens

und abends drei Dinge aufschreiben,

für die du dankbar

bist, und sie außerdem laut

aussprechen. Das ist Neurofeedbacktraining!

Du bringst

dein Gehirn jeden Tag für

ein paar Minuten in einen

Zustand der Angstfreiheit.

Du aktivierst die Schleife für

das positive Gefühl, das der

Angst entgegengesetzt ist,

machst dich resilienter. Das

Aufschreiben und das Aussprechen

verstärken die

Wirkung erheblich.“

INNOVATOR 55


BIOHACKING SPECIAL

WIE SIE VIEL

Wenn Sie es irgendwie schaffen,

sich die kommenden – sagen

wir fünf, zehn, fünfzehn – Jahre

einigermaßen fit zu halten:

Tun Sie’s! Wirklich. Es könnte sein,

dass mindestens die Hälfte

Ihrer möglichen Todesursachen

dann ausgestorben sein wird.

JÜNGER

VIEL ÄLTER

WERDEN

Das ist vielleicht die Geschichte

Ihrer Rettung vor Krebs, Herzinfarkt,

Schlaganfall, Diabetes und Alzheimer,

die Geschichte Ihres ersten Halbmarathons

mit hundertzehn, Ihres

Literatur studiums mit neunzig und

Ihrer Harley-Davidson mit achtzig.

Die Geschichte ist ihrem Happy End

erstaunlich nahe.

Text Stefan Wagner

Fotos Sebastian Arlt

56 INNOVATOR


CHANGEMYFACE.COM

157 JAHRE

So könnte Michael Greve in hundert Jahren aussehen.

Wir schreiben das Jahr 2121: Der Mann, der Milliarden als Pionier einer

längst überholten Technologie (Internet) und einer Selbstverständlichkeit

(Rejuvenation) verdiente, investiert in experimentelle Projekte zum 3D-

Druck auf Molekularbasis. Vor zehn Jahren hat er seine Liebe zum Marathon

entdeckt, Bestzeit: 3:14 Stunden.

INNOVATOR 57


B

evor wir mit der Geschichte Ihrer Lebensrettung

loslegen, ist es ganz gut, wenn Sie wissen, wo diese

Geschichte begann und wo sie derzeit steht.

Alles begann damit, dass Michael Greve

sehr reich war und sehr ungesund.

Reich war er als Generalimporteur des Internets

nach Deutschland geworden: Gemeinsam mit seinem

Bruder hatte er Anfang der 1990er web.de gegründet,

die beiden bauten den Dienst zu Deutschlands

digitalem Vorzeige-Start-up auf, verkauften

es 2006 um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Ungesund war Greve geworden, weil er über

zwanzig Jahre jedem Lebensstil-Klischee eines

Hackers entsprochen hatte: Pizza, Rotwein, Cola,

drei Packungen Zigaretten pro Tag, Bewegungsradius

Schreibtisch–Bett–Kühlschrank. 20 Kilo zu viel.

Nach dem web.de-Verkauf war Greve so reich,

dass ein Leben auf ihn wartete, in dem die schwierigsten

Entscheidungen zwischen Helikopter-Snowboarden

in Alaska oder Surfen auf Bali zu fällen

waren. Oder auf was für ein Internet-Start-up er als

nächstes Lust hat. (Drei der Start-ups, auf die Greve

Lust hatte, wurden zu Unicorns: Babbel, Staffbase,

Mambu – er ist noch heute beteiligt.)

Michael Greve dachte sich: Jetzt den Löffel abzugeben,

das wäre aber doof.

Er begann sich mit Ernährung zu beschäftigen,

ließ das mit Cola, Pizza und Rotwein sein, nahm

20 Kilo ab, gab das Rauchen auf, nahm die 20 Kilo

wieder zu und wieder ab. Nach insgesamt drei Jahren

war sein Körper bereit für ein Leben, dem jahrzehntelang

nicht langweilig werden muss.

Greve dachte sich: Jetzt den Löffel abzugeben,

das wäre erst recht doof.

Dann traf er die Entscheidung, die sein Leben

veränderte und möglicherweise bald auch Ihres:

Michael Greve beschloss, die Sache mit der Gesundheit

so substanziell anzugehen, dass er begann, sich

mit dem Bereich Longevity zu beschäftigen, mit der

Wissenschaft der menschlichen Langlebigkeit. Er

ackerte Studien durch und begann sich zu engagieren,

so aktiv, wie man das eben mit einer neun- bis

zehnstellig gefüllten Brieftasche kann, wenn man

beschlossen hat, nicht als reichster Mann auf dem

Friedhof zu enden.

GREVE SIEHT DEN VERFALLSPROZESS

DES ALTERNS ALS EINE

BEHANDELBARE KRANKHEIT, NICHT

ALS UNENTRINNBARES SCHICKSAL.

Vor fünf Jahren überwies er die ersten zehn Millionen

an die SENS Research Foundation im Silicon

Valley, eine Instanz der Langlebigkeitsforschung.

Im selben Jahr, 2016, gründete Greve die Forever

Healthy Foundation mit Sitz in den ehemaligen

web.de-Büros.

Zum Stand der Geschichte per Juli 2021:

Forever Healthy ist längst global tätig, Stiftungssprache

ist Englisch, die zuletzt aufgenommenen

Mitarbeiter sitzen in Istanbul und New York. Von

Karlsruhe aus steuert Greve gemeinsam mit einem

kleinen Team derzeit 14 Start-ups, die aus besonders

vielversprechenden Forschungsinitiativen entstanden

sind. Er organisiert in Zusammenarbeit mit

der SENS Research Foundation eine jährliche Konferenz,

bei der sich die namhaften Wissenschaftler

und Meinungsbildner der Branche treffen („Undoing

Aging“, Berlin, nächster Termin: Mai 2022). Als

globaler Netzwerker sorgt er dafür, dass Longevity-

Forscher in San Francisco, London, Bangkok und

Basel nicht unkoordiniert an derselben Sache herumdoktern,

sondern auf den Ergebnissen der Kollegen

aufbauen (ein bisschen, wie Wings for Life im Bereich

Rückenmarksforschung dies tut). Er erstellt

mit seinem eigenen Team wissenschaftliche Papers,

die man sich als Screenshot des aktuellen Weltwissens

zu einem Thema vorstellen darf, pro Paper

werden 2000 Abstracts und rund 150 Studien durchgearbeitet.

Er veröffentlicht sie in einer Datenbank

auf seiner Website, für jedermann jederzeit frei zugänglich,

sauber portioniert, verständlich übersetzt

in praktische Handlungsanregungen,* zum Beispiel

die Sache mit dem Fisetin und die mit dem EDTA,

wir werden darauf zurückkommen.

Er hat sich weltweit zur führenden Figur einer

neuen Herangehensweise ans Thema Langlebigkeit

gemacht: Er spricht von Rejuvenation, dem Er halten

und Wiederherstellen der Jugendlichkeit. Er spricht

davon, den Verfallsprozess des Alterns wie eine behandelbare

Krankheit zu sehen, nicht wie ein unentrinnbares

Schicksal. Das alles nicht mit dem Ziel des

ewigen Lebens, sondern der weitestmöglichen Verlängerung

der gesunden Lebenszeit.

Damit Sie eine Ahnung kriegen, welche Lawine

Greve in den vergangenen fünf Jahren losgetreten

hat: Eines der 14 Start-ups ist so weit, dass es Tumore

mittels Spritze auflösen kann. Ein anderes kann

kaputte Arterien reparieren.

Im Tierversuch klappt das schon.

Als Maus oder als Hase wären Sie mittlerweile

einigermaßen safe vor Krebs und Arteriosklerose.

Michael Greve ist 57, was man ihm nur mit Mühe

ansieht.

Aus dem Hacker ist ein Biohacker geworden, inklusive

Morgenroutine, Dankbarkeitstagebuch, Yoga,

Schlaftracking, 30 Nahrungsergänzungsmitteln pro

Tag (sie ergänzen eine ohnehin handverlesene Er-

* Wie man gemäß dem neuesten Stand der Wissenschaft

nicht stirbt: brain.forever-healthy.org

58 INNOVATOR


57 JAHRE

So sieht Michael Greve heute aus.

Wir schreiben das Jahr 2021: Aus dem früheren Hacker – drei Packungen

Zigaretten pro Tag, 20 Kilo Übergewicht – ist ein Biohacker geworden.

Inklusive Morgenroutine, Dankbarkeitstagebuch, Yoga, Schlaftracking,

30 Nahrungsergänzungsmitteln pro Tag.

INNOVATOR 59


„ OB WIR KREBS, HERZINFARKT,

DEMENZ DE FACTO ABSCHAFFEN,

IST KEINE FRAGE DES OB MEHR.

ES IST EINE FRAGE DES WANN.“

nährung), das ganze Programm. Er hat für sich

das Ziel definiert, mit siebzig so fit zu sein wie ein

Dreißigjähriger. Nicht den Wunsch, das Ziel.

Greve sagt auch, Stichwort Ziel: „Ob es gelingt,

dass wir die altersbedingten Krankheiten wie Krebs,

Herzinfarkt, Demenz de facto abschaffen, ist mittlerweile

keine Frage des Ob mehr. Es ist eine Frage des

Wann.“

Okay. Also … wann wird es so weit sein?

„Manches wahrscheinlich bereits in fünf, zehn,

fünfzehn Jahren. Mein Anspruch ist da eindeutig:

Ich will das, was wir herausfinden, für mich nützen

können, für mein Leben.“

Kleine Pause, damit das Folgende wirken kann,

es mag wie ein Eingeständnis klingen, aber es ist,

wenn man genauer hinhört, ein Versprechen:

„Meine Lebensspanne, das ist der Zeithorizont.“

Das muss man jetzt so deutlich sagen, wie es

geht: Der Mann ist kein durchgeknallter Milliardär,

der sich das ewige Leben kaufen möchte und in der

Mittagspause das Blut von bei Vollmond geopferten

Jungfrauen trinkt. Der Mann ist ein extrem erfolgreicher

Unternehmer, der gelernt hat, in Visionen,

Zielen, Strategien und Ergebnissen zu denken,

im Abwägen von Risiken, und der mit diesem unternehmerischen

Know-how einen sehr jungen, sehr

experimentellen Wissenschaftsbereich antreibt.

Mit der schieren Power seiner Kohle natürlich, aber

noch wesentlicher als eine Art Manager, Koordinator,

Mastermind. „Wissenschaftler sind extrem schlechte

Unternehmer“, sagt er. „Wir finanzieren die Startups

nicht nur. Vor allem sind wir deren Mentoren.“

Im schlechtesten Fall ist Michael Greve ein hoch

motivierter und potenter Mäzen ganz spezieller

medizinischer Forschung und ein mäßig geduldiger

Antreiber, wenn es um deren praktische Umsetzung

geht.

Im besten ist er für die Menschheit ein Glücksfall

historischen Ausmaßes.

Hier stehen wir also gerade.

Wie geht die Geschichte jetzt weiter? Und wie

lange dauert’s noch bis zum Happy End?

Was derzeit, Stand: September 2021, normal ist,

das muss man nicht unbedingt großartig finden.

Jeden Tag sterben weltweit rund 150.000 Menschen.

50.000 davon durch Unfälle, Gewalt, Kriege,

solche Dinge, 100.000 sterben durch Krankheiten

wie Diabetes, Krebs, Alzheimer, Herzinfarkt. Man

könnte vereinfacht sagen: 100.000 Menschen

sterben jeden Tag an der schlimmsten Krankheit

der Welt, am Altern. Weil Zellen durchdrehen, weil

sich über Jahrzehnte zu viel Zeug im Körper angesammelt

hat, das da nicht hingehört, weil irgendwas

zerbröselt oder verstopft oder verklebt, Verschleiß

auf allen Ebenen. All das formuliert sich

eben irgend wann in einer dieser Krankheiten aus,

jahrelanges Leiden, riesige gesellschaftliche Kosten,

familiäre Dramen, Exodus.

Damit haben wir Menschen ein paar Millionen

Jahre gelebt, damit sind wir Menschen ein paar Millionen

Jahre gestorben.

Daran haben wir uns gewöhnt.

Aber muss es deswegen so bleiben?

Nein, sagt Michael Greve. Er erzählt von seiner

Oma, die zehn Jahre brauchte, um an Demenz

zugrunde zu gehen, vor den Augen und im Kreis

der Familie. „Sie erkannte irgendwann niemanden

mehr, nur meinen Bruder. So etwas soll normal

sein? So etwas sollen wir akzeptieren?“

„Wir reden nicht über irgendwann.“

„Was wir jetzt machen“, sagt er, „ist, der ganzen

Sache auf den Grund zu gehen. Wo fängt der Krebs

an, wo Alzheimer? Wo liegt die Wurzel? Und viel

wichtiger: Was können wir konkret dagegen tun?

Mich interessiert nur Forschung, die in einer Maßnahme

mündet. Wir reden also in der Arbeit mit

unseren Start-ups und bei unserer Konferenz nicht

über Fadenwürmer und regulatorischen Kram.

Wir reden nicht über irgendwann. Wir reden über

den Menschen, über Therapie, und wir reden über

zeitnah. Wir reden über Realität, nicht über Science-

Fiction.“

Über die Karriere einer handelsüblichen altersbedingten

Krankheit weiß man mittlerweile tatsächlich

ziemlich gut Bescheid. Jeder der großen Killer

der Menschheit hat seine eigene Wurzel, seine root

cause, in Summe sind es rund 30 bis 40 Prozesse,

die uns alt und krank machen, sie bedingen und

begünstigen einander, das tödliche Spiel des biologischen

Alterns ist Teamwork.

Aber, und das ist eine wirklich gute Nachricht:

Diese root causes sind isolierbar, jede für sich erforschbar

– und damit jede für sich bekämpfbar.

WAS DA DRAUSSEN GERADE PASSIERT.

BEISPIEL: SENESZENTE ZELLEN

Jeder von uns besteht aus rund 100 Billionen Zellen.

Jede davon geht kaputt, manche alle paar Tage, andere

alle paar Jahre. Eine kaputte Zelle wird zerstört, aufgefressen,

recycelt, durch eine neue ersetzt. Ein geniales

System, aber nicht ganz fehlerlos. Seneszente Zellen

sind Zellen, die eigentlich kaputt sind und weggeräumt

werden sollten. Aber aus irgendeinem Grund bleiben sie

da. Zombies. Das spielt keine Rolle, solange es ein paar

wenige sind. Aber im Lauf der Jahrzehnte sammeln sich

mehr und mehr und mehr davon an. Nehmen frischen

Zellen Platz weg. Und produzieren Gifte.

Mehr seneszente Zellen bedeutet mehr Zellgift,

mehr Zellschäden, mehr Altern, mehr Krankheit.

60 INNOVATOR


77 JAHRE

So könnte Michael Greve in zwanzig Jahren aussehen.

Wir schreiben das Jahr 2041: Die ersten Start-ups, die er milliardenschwer

finanzierte, hatten Erfolg. Sein Körper hat sich auf Zellebene von Grund auf

regeneriert, er hat die Welt verändert. Und er hat sein Ziel erreicht, das er

2021 formuliert hatte: „Ich will mit siebzig so fit sein wie ein Dreißigjähriger.“

INNOVATOR 61


Was können wir derzeit gegen seneszente Zellen

machen?

Nichts. Außer vielleicht einmal im Monat Fisetin

einnehmen, 1,5 Gramm am ersten, 1,5 Gramm am zweiten

Tag. „Das klappt ziemlich wahrscheinlich“, sagt

Greve. „Und es ist risikolos, die Studienlage eindeutig.

Ich persönlich mache es. Kostet 30 Euro pro Monat,

Fisetin kriegt man überall, kann jeder machen. Wenn

wir in fünf Jahren über Fisetin lachen, ist nix passiert.

Wenn wir in fünf Jahren draufkommen, dass Fisetin

super funktioniert, hab ich fünf Jahre länger davon

profitiert.“

Wie schnell werden wir das Problem der seneszenten

Zellen wirklich in den Griff bekommen? „Da arbeiten

viele dran, nicht nur wir (das Start-up FoxBio im

Staat New York ist eines der 14 in Greves Stall; Anm.).

Ob wir durchkommen oder ein anderes Unternehmen,

ist mir egal.“

WAS GREVE TUT, IST

AUS SICHT EINES

HERKÖMMLICHEN INVESTORS

VERRÜCKT. „ MIR IST DAS

EGAL. ES IST MEIN GELD,

ICH BIN NIEMANDEM

RECHENSCHAFT SCHULDIG.“

Was man sich als Laie gar nicht vorstellen kann:

wie Medizin als Business funktioniert.

Medizin, da brauchen wir nicht drum herumzureden,

ist ein Wirtschaftszweig: Geld zieht kluge Köpfe an,

mehr Geld klügere Köpfe, es ist ein schlichter Verteilungskampf

der Brainpower, auch Lebensrettung

gehorcht den Gesetzen der Marktwirtschaft.

Wie geht man unternehmerisch an so ein Startup

heran, das seneszente Zellen aus dem Körper

oder Krebs aus der Welt schafft?

Die Grundlagenforschung ist – Überraschung! –

der wesentlich kleinere Teil. „Es kann schon nach

ein paar Millionen so weit sein, dass du über die

Gründung eines Start-ups nachdenken kannst.“

Und das Start-up übersetzt einfach die Theorie

in die Praxis? Man nimmt ein Reagenzglas, multipliziert

es zehn Millionen Mal und schickt das Medikament

raus in die Apotheken?

Wäre das so, würden wir alle längst drei Tabletten

pro Tag nehmen, und Krebs, Alzheimer, Diabetes,

Schlaganfall wären kein Thema mehr.

Es ist nicht so.

Jedes Start-up im Rejuvenation-Bereich ist eine

Expedition: Man hat eine ziemlich klare Idee vom

Ziel, aber man hat nur eine ungefähre Ahnung, wo

der Weg dorthin verläuft, keine Ahnung, welche

Hindernisse unterwegs warten, und vielleicht gibt

es ja überhaupt keinen Weg zum Ziel. Fix ist lediglich:

Wer nicht mit 200, 300, 400 Millionen Euro im

Gepäck startet, braucht gar nicht erst loszugehen.

Was Greve tut, ist aus Sicht eines herkömmlichen

Investors verrückt. „Das weiß ich natürlich, aber mir

ist das egal. Wir gehen rein, wenn uns die Science

dahinter überzeugt. Wir investieren, wir gründen,

wir stellen ein Team zusammen. Ich kann das so

machen, weil es ja mein Geld ist. Ich bin niemandem

Rechenschaft schuldig. Ist es weg, ist es weg. Mein

Ding.“

WAS DA DRAUSSEN GERADE PASSIERT.

BEISPIEL: KREBS

Es gibt Menschen, deren Immunsystem killt Krebszellen.

Sie sind immun gegen Krebs. Das Londoner

Start-up Lift BioSciences nützt die rätselhafte Fähigkeit

dieser Menschen. „Wir ernten quasi das Immunsystem

dieser Leute“, sagt Greve. „Wir multiplizieren

es im Bioreaktor und machen es injizierbar. Im Tierversuch

sieht das bereits so aus: Mäuse mit daumengroßen

Tumoren kriegen eine solche Spritze. 48 Stunden

später ist der Krebs weg.“

… weg? Krebs?

„Ja. Weg. Krebs. Nicht Blutkrebs, da klappt es nicht,

aber Tumore.“

Wie lange dauert’s, bis die Krebsspritze den Weg

von der Maus in unsere Krankenhäuser geschafft hat?

„Das ist abhängig von den klinischen Phasen. Ich

rechne mit fünf, sieben, zehn Jahren.“

Und wie realistisch …?

„… kannst du noch nicht sagen. Es schaut wirklich

nicht schlecht aus. Aber ganz sicher weiß man bei all

diesen Unternehmen ohnehin nur eines: Wenn es

niemand macht, bleibt die Wahrscheinlichkeit immer

bei null.“

Game over, jederzeit.

Bleiben wir noch beim Bild der Expedition. Ein Medikament

kann in der Theorie, im Reagenzglas und

im Tierversuch noch so gut funktionieren, das letzte,

härteste Stück des Wegs besteht aus vier Etappen,

es sind vier klinische Phasen vom perfekten Tierversuch

in die Apotheke zu überwinden.

In Phase 1 wird offiziell nur darauf geachtet, ob

das Mittel dem Menschen schadet. Kleine Gruppe,

meist gesunde Leute, intensive Kontrollen. „Inoffiziell

achtest du natürlich darauf, ob das Mittel

auch die Wirkung entfaltet, die du dir erwartest,

sonst machst du gar nicht weiter.“ Wenn alles

62 INNOVATOR


perfekt passt: weiter zu Phase 2, erste Anwendungen

bei möglichen Patienten, Check von Wirksamkeit

und Sicherheit, intensive Kontrollen. Wenn einer

der Probanden Schlafstörungen kriegt, eine Allergie

bemerkt oder ihm ein paar Haare ausfallen, steht

das Ding, bis man ausschließen kann, dass es mit

dem Mittel zu tun hat. Phase 2 überstanden, alles

immer noch perfekt? Dann Phase 3. Eine klinische

Studie mit rund 1000 Probanden, läuft in der Regel

über zwei Jahre und in verschiedenen Krankenhäusern.

In Phase 4 wird das neue Mittel, frisch

zugelassen, in der Praxis beobachtet.

Während des gesamten Prozesses – ja, auch nach

der Zulassung – kann jeden Tag ein Ergebnis aus

irgendeinem Labor, aus irgendeinem Krankenhaus

kommen, das die ganze Geschichte kippt, Game over.

Du bist fünf, zehn, fünfzehn Jahre lang buchstäblich

nur einen Telefonanruf vom Totalausfall entfernt.

Wenn niemand anruft, gehst du irgendwann

in die Produktion. Das bedeutet dann: nicht mehr

im Labor Kleinstmengen für Studien produzieren,

sondern in einer großen Anlage marktfähige Mengen,

wieder Millionen und Abermillionen zusätzliche

Kosten, riesiger technischer, organisatorischer,

personeller Aufwand.

Aber dann sieht die Welt vielleicht ja schon anders

aus als vorher.

WAS DA DRAUSSEN GERADE PASSIERT.

BEISPIEL: HERZINFARKT,

SCHLAGANFALL

„Wenn Cholesterin in den Wänden unserer Blutgefäße

oxidiert, entsteht etwas, das von unserem System

als Fremdkörper erkannt wird. Das Immunsystem wird

gerufen, die sogenannten Makrophagen treten an,

stecken dieses oxidierte Cholesterin in ihre interne

Müllverbrennungsanlage, die Lysosomen. Dort werden

Giftstoffe, Proteinreste und der ganze andere Müll zerlegt,

den wir loswerden müssen. Nur kann im Lysosom

unserer Zellen dummerweise dieses oxidierte Cholesterin

nicht runtergebrochen werden. Dafür haben wir kein

Enzym. Das ist Scheiße. Was nämlich dann passiert:

DU INVESTIERST HUNDERTE MILLIONEN.

UND BIST DIE NÄCHSTEN ZEHN,

FÜNFZEHN JAHRE NUR EINEN TELEFON-

ANRUF VOM TOTALAUSFALL ENTFERNT.

Die Immunzellen nehmen immer mehr von diesem

Cholesterin auf, die Lysosome dehnen sich weiter und

weiter aus, es entsteht Plaque. Die Plaque sammelt sich

in der Arterienwand, die reißt irgendwann, der Körper

erkennt eine Verletzung, Blutgerinnung, es formt sich

ein Blutklumpen-Plaque-Knäuel, die Arterie wird verstopft.

Das nennen wir dann Herzinfarkt. Oder Schlaganfall,

wenn der Klumpen ein Gefäß im Hirn verstopft.“

Underdog Pharmaceuticals in Mountain View, Kalifornien,

arbeitet an der Abschaffung von Herzinfarkt

und Schlaganfall, und zwar so:

„Wir haben einen speziellen Zucker entwickelt,

der heißt Zyklodextrin. Er geht über die Blutgefäße

in die Arterienwand in die Makrophagen ins Lysosom,

greift sich das oxidierte Cholesterin, transportiert es

aus dem Lysosom, aus der Makrophagen, raus aus

dem Körper. Wie du ganz normal Giftstoffe entgiftest.

Der Zucker arbeitet die Plaque weg, und sie wird ausgeschieden

wie jeder andere Giftstoff.“

Ich schlucke also eine Zuckerpille und scheide

die Plaque meiner Arterien aus? Einfach so? Über, äh,

Stuhl und den Harn?

„Das ist der Plan.“

Und wann wird das …?

„Bei Mäusen klappt es so gut, dass wir nächstes,

übernächstes Jahr in die Phase 1 gehen können.“

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass beim

Menschen funktioniert, was bei Mäusen funktioniert?

„In diesem Fall ziemlich gut, weil Mäuseplaque und

Menschenplaque einander sehr ähnlich sind. Aber wie

weit der Weg wirklich ist, können wir noch nicht sagen,

das ist einfach so in der Bioscience, da tauchen unterwegs

die irrsten Dinge auf: Zyklodextrin zum Beispiel

verursacht in extrem hoher Dosierung unter Umständen

Hörschäden. Keiner weiß, warum. Daran arbeiten wir

jetzt. Dann geht’s weiter.“

Greves Ziel mit Zyklodextrin ist sehr konkret: eine

Zuckerpille pro Tag als Schutz vor Herzinfarkt und

Schlaganfall, Verkaufspreis maximal zehn Dollar pro

Monat. „Alles, was wir entwickeln, soll für jeden auf der

Welt erschwinglich sein“, sagt er. „Das ist mir extrem

wichtig. Diese neuen Medikamente müssen nicht

tausende Dollar kosten. Bei zehn Dollar pro Monat,

in ärmeren Ländern vielleicht nur einen oder zwei,

ver dienen wir immer noch mehr als genug.“

„Das wird die größte Industrie der Welt.“

Greve war immer Geschäftsmann und wird es für

immer bleiben, wenn’s gut läuft, sogar für die nächsten

hundert Jahre. Er verhält sich wie ein Mäzen,

aber er denkt, fühlt, handelt, redet wie ein Unternehmer.

„Rejuvenation wird die größte Industrie der Welt

werden. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt.

Sieh dir das an“, er nimmt sein iPhone vom Tisch,

„das ist die derzeit wertvollste Marke der Welt. Telefone.

Man muss nicht lange überlegen, was mehr

63


„ REJUVENATION IST SO ETWAS WIE DIE DIGITALE REVOLUTION,

NUR VIEL, VIEL GRÖSSER: ES WIRD DIE GRUNDLEGENDSTE

VERÄNDERUNG IN UNSERER GESAMTEN GESCHICHTE SEIN.“

wert ist: ein Telefon oder ein Leben ohne Krebs,

ohne Schlaganfall, ohne Demenz.“

Greve weiß, was es heißt, Pionier zu sein. „Ich

habe die Entwicklung von keinem PC zum PC mitgemacht,

die Entwicklung des Internets, von Mobile,

von Cloud Services, von all diesen Dingen, die unsere

Welt komplett verändert haben. Und das hier wird

genau so etwas werden wie die digitale Revolution,

nur viel, viel größer. Rejuvenation wird die grundlegendste

Veränderung sein, die wir überhaupt

er leben in unserer gesamten Geschichte. Um zu

erkennen, dass es auch das größte Business der Geschichte

wird, dafür reicht ein klein wenig Mathematik:

Vier Milliarden Menschen über vierzig Jahren,

zehn Dollar im Monat, macht 480 Milliarden Dollar

Jahr für Jahr. Das ist eine Fünf-Billionen-Dollar-

Company. Das sind die Dimensionen, und da reden

wir nur von einer root cause.“

WAS DA DRAUSSEN GERADE PASSIERT.

BEISPIEL: MITOCHONDRIEN

Mitochondrien haben wir zu Zigtausenden in jeder

einzelnen Körperzelle. Sie werden als „Zellkraftwerke“

bezeichnet, zu Recht, denn sie erzeugen ATP, Adenosintriphosphat,

unseren Lebenstreibstoff. Menschenbenzin.

Wir produzieren und verbrauchen sehr viel

davon, ein 70-Kilo-Mensch etwa 35 Kilo pro Tag, und

wir hängen davon ab, dass unsere Mitochondrien in

Topform sind: Legen sie zum Verschnaufen eine fünfsekündige

Pause ein, sind wir tot.

Mitochondrien werden mit dem Alter ein wenig

nachlässig. Das ist keine gute Nachricht, denn das

macht unser Immunsystem ebenfalls nachlässiger,

wir werden insgesamt schlapper, müder, kranker.

Die Forschung ist sich ziemlich sicher, dass gesunde

Menschen gesunde Mitochondrien haben, schlappe

schlappe und kranke kranke.

Cellvie ist eines der 14 Start-ups aus Greves Stall,

das Unternehmen mit Standorten in Zürich, Boston

(Massachusetts) und Houston (Texas) arbeitet an

etwas, was sich Therapeutic Mitochondrial Transfer

nennt.

Therapeutic Mitochondrial Transfer ist tatsächlich,

wonach es klingt: der Transport von Mitochondrien.

Im Office der Forever Healthy Foundation

Von Karlsruhe aus verändert der ehemalige

Internet-Pionier Michael Greve möglicherweise

unser aller Leben grundlegend.

Man entnimmt einem 25-jährigen Kraftsportler ein

paar seiner Kraftwerke, vervielfältigt sie in einem Bioreaktor

und injiziert sie zum Beispiel einem Siebzigjährigen,

der nach einer schweren Operation auf der

Intensivstation liegt.

Cellvie ist so weit, dass man Mitochondrien nicht

nur injizieren, sondern auch einatmen kann. Sie werden

über die Lunge aufgenommen, ohne Immunreaktion,

ohne Abstoßung, egal welcher Spender, egal welcher

Empfänger.

Es wird einen Mitochondrienspray geben. Er wird

Millionen von Menschen mit Lungenkrankheiten das

Leben vereinfachen und retten.

64 INNOVATOR


Wir werden Lebensenergie, Gesundheit und Vita lität

von einem Menschen zum anderen übertragen.

Wir werden mithilfe von Mitochondrien alle Arten

von Transplantationen vereinfachen. Und: Wir retten

bereits jetzt Leben.

„Wir sind so weit, die Technik konkret beim Menschen

anzuwenden“, sagt Greve, „wir setzen sie bei

Kindern ein, die mit einem bestimmten Fehler im Herzmuskel

zur Welt kommen. Bisher starben 80 Prozent

dieser Kinder. Wir injizieren Mitochondrien der Mutter

in den Herzmuskel des Neugeborenen. Damit haben wir

die Sterblichkeit runtergekriegt auf 30 Prozent.“

Wie alt werden wir eigentlich werden?

„Keine Ahnung“, sagt Greve. „Das wissen wir nicht.

Irgendwas bei 120, 150, 180 vielleicht. Wenn du

einen Oldtimer nicht pflegst, ist er nach 50.000 Kilometern

kaputt. Wenn du ihn in die Garage stellst,

wartest, Öl wechselst, auf den Rost schaust … dann

läuft er wie lange? 300.000 Kilometer? 500.000?“

Wie alt möchtest du werden?

„Diese Frage stellt sich mir so nicht. Es geht um

Qualität, nicht um Quantität. Ich will, solange ich

lebe, alles tun können, was ich will, snowboarden,

arbeiten, egal. Ich will am Ende meines Lebens nicht

zehn Jahre unter einer grauenhaften Krankheit leiden,

die man hätte verhindern können. Und ich will in

einer Welt leben, in der das, was für mich möglich

ist, für alle Menschen möglich ist.“

WAS DA DRAUSSEN GERADE PASSIERT.

BEISPIEL: VERKALKUNG

Wir hatten das Thema Plaque ja vorhin schon, beim

oxidierten Cholesterin und diesem Wunderzucker, an

dem Underdog Pharmaceuticals arbeitet. Da ging es um

die sogenannte weiche Plaque. Es gibt aber auch harte

Plaque, Verkalkung, Knochenmaterial, das sich an

falschen Stellen abgelagert hat. In Arterien, im Kapillarsystem,

den Nieren, der Lunge, dem Herzmuskel. Die

Gefäße werden spröde, brüchig und gehen kaputt.

„Es gibt schon ziemlich lange eine Möglichkeit,

Verkalkung zu entfernen. Sie nennt sich EDTA, das ist

ein spezielles Protein, kostet kaum was, wird vielleicht

deswegen in der Medizin kaum eingesetzt, wer weiß.

EDTA wurde im vergangenen Jahrhundert bei Arbeitern

in Batteriefabriken zur Bleientgiftung eingesetzt – und

irgendwann bemerkte man: Die Arbeiter kriegen weniger

Herz-Kreislauf-Erkrankungen als andere Menschen.

Lag am EDTA, kam man drauf. Heute gibt es EDTA-

Infusionen, Routine, mach ich auch, hat einen Nachteil:

Es ist ein Zufall, ob das injizierte EDTA im Körper die

Stelle erreicht, an der sich diese Kalk-Plaque gebildet

hat, oder ob es irgendwo im Körper verebbt.“

Elastrin Therapeutics, Sitz in South Carolina, USA,

hat eine Technik entwickelt, um EDTA punktgenau

zur Kalk-Plaque zu führen: „Wir laden Nanopartikel

mit EDTA auf, rüsten diese Nanopartikel so aus, dass

sie genau an jenen Stellen in unserem Bindegewebe

an docken, an denen Elastinfasern gebrochen sind.

Also genau dort, wo Verkalkung entsteht. Die spüren

sie auf, dort lassen sie das EDTA los. Und weil wir schon

dabei sind, schicken wir weitere solcher Nanopartikel

los mit einem anderen Wirkstoff, PGG, der repariert

auch gleich das kaputte Elastin. Das heißt: Wir können

verkalkte Arterien nicht nur entkalken, sondern sie

auch heilen. Bei Hasen sind wir so weit, dass wir mit

dieser Technik Aneurysmen wegbekommen.“

Aneurysmen sind Arterienschäden, die völlig

sym ptomfrei von einer Minute auf die andere weltweit

über 500.000 Menschen pro Jahr aus dem Leben

reißen.

Wie sieht eine Welt aus, in der wir alle 120, 150,

180 Jahre alt werden?

Was passiert, wenn Ihnen Greve mit seiner Forever

Healthy Foundation tatsächlich irgendwann das

Leben rettet, und 20.000, 30.000, 70.000, irgendwann

100.000 weiteren Menschen, Tag für Tag?

Weil seine Start-ups ein Mittel gegen Krebs, gegen

Herzinfarkt, gegen Demenz gefunden haben? Weil

wir uns jeden Morgen einen Schub frische Mitochondrien

reinziehen anstelle eines Kaffees – und

uns nicht nur einen schnellen Koffein-Kick holen,

sondern einen Turbo-Boost für unsere Jugendlichkeit

und Vitalität?

Das bedeutet weniger Leid, ja, immens reduzierte

Kosten fürs Gesundheitssystem, ja, und man kann

auch auf lustige Ideen kommen: Rafael Nadal gewinnt

das Turnier in Paris 75-mal, Achtzigjährige

stürmen die Unis, bei Marathons braucht man

120-plus-Altersklassen, und Neunzigjährige stellen

sich eine Harley-Davidson in die Garage, weil sie die

Midlife-Crisis gepackt hat.

Aber ganz im Ernst: Was passiert mit unserer Gesellschaft?

Mit unserem Planeten? Verhungern wir

RAFAEL NADAL GEWINNT DAS

TURNIER IN PARIS 75-MAL,

80-JÄHRIGE STÜRMEN DIE UNIS,

BEI MARATHONS BRAUCHT MAN

120-PLUS-ALTERSKLASSEN.

INNOVATOR


alle, weil wir nicht mehr sterben? Auf dem Planeten

Erde gibt’s nun mal nicht mehr als 149 Millionen

Quadratkilometer Festland, und wer stirbt, macht

letztlich ja auch … Platz für andere? Haben wir

irgendwann alle zu wenig Platz?

Das sind Fragen, die an Michael Greves Lebenszweck

rühren: Er könnte seine Tage mit Snowboarden

und Surfen verbringen, er könnte den Pilotenschein

machen, zwischendurch ein paar IT-Unicorns

hochziehen, seinen Kontostand beobachten wie

unsereiner beim Tanken die Anzeige an der Zapfsäule,

er könnte jeden Abend Partys schmeißen

und mit den besten Wissenschaftlern der Welt eine

Art persönliches Experiment der ewigen Jugend

veranstalten.

Das interessiert ihn aber nicht.

Aus seinem persönlichen Gesundheitsprojekt ist

eine Mission geworden.

Wenn man die oben genannten Fragen stellt, sagt

er: „Welche Krankheit sollen wir denn nicht heilen

wollen? Sollen wir nichts gegen Krebs machen?

Nichts gegen Schlaganfall? Nichts gegen Demenz?

Was sollen wir auslassen, sag’s mir!“

Aber was macht das mit uns als Menschheit,

wenn es immer mehr von uns gibt? Wuchern die

Städte einfach zu Mega-Zigmillionen-Molochen?

Siedeln wir die Alpen kaputt? Führen wir Kriege um

Lebensraum? Wirft uns der Planet eines Tages überhaupt

nur mehr ab, weil er keine Luft mehr kriegt?

Ich komme mir wahnsinnig unprogressiv vor,

wenn ich diese Fragen stelle. Aber sind sie unberechtigt?

Michael Greve hält sie für unberechtigt, weil er

die Perspektive infrage stellt, aus der sie kommen.

Es wird wohl zu einem Teil seiner Mission werden,

nicht nur unsere Perspektive auf unsere Gesundheit

und unsere Lebenserwartung zu verändern,

sondern auch unsere Perspektive auf Zukunft, denn

davon wird es möglicherweise relativ bald sehr viel

mehr geben.

Greve kann Zukunft, Greve liebt alles, was mit

Zukunft zu tun hat, das hat er als digitaler Revolutionär

bewiesen, und er ist ein völlig untalentierter

Bedenkenträger. Er sieht Chancen, wo andere Bedrohungen

sehen, sonst hätte er ja auch niemals

diese ganzen Unicorns hochgezogen.

„Unsere Welt ändert sich radikal, und es geht

exponenziell schnell“, sagt er, „ob wir wollen oder

nicht. Raumfahrt, künstliche Intelligenz, Robotik,

selbstfahrende Autos, es wird superschnelles Internet

an jedem Punkt der Welt geben. Du wirst vom

Nordpol aus arbeiten können wie heute im Homeoffice.

Nimm Nanotechnologie, da ist den meisten

Leuten nicht einmal klar, was das bedeuten wird. Es

kommt molecular assembling, 3D-Drucker, aber

eben auf Atomebene. Weiß keiner, ist zum Teil sogar

schon da. Unsere Welt wird eine andere sein, egal

ob wir sie mitgestalten oder nicht, egal ob wir die

Änderungen toll finden oder nicht. Die Veränderungen

werden radikal sein, und sie bedeuten vor allem

eines: jede Menge riesiger Chancen.“

GREVE WILL AUCH

UNSERE PERSPEKTIVE AUF

DAS THEMA ZUKUNFT ÄNDERN,

DENN DAVON WIRD ES

MÖGLICHERWEISE RELATIV BALD

SEHR VIEL MEHR GEBEN.

WAS DA DRAUSSEN GERADE PASSIERT.

BEISPIEL: FALTEN,

BLUTHOCHDRUCK

Dass unsere 100 Billionen Zellen keinen wabbeligen

Haufen bilden, sondern einen meist recht ordentlich

strukturierten, halbwegs festen Körper, liegt an der

sogenannten extrazellulären Matrix. Die hält jede Zelle

an ihrem vorgesehenen Platz, im Wesentlichen besteht

diese dreidimensionale, wunderbar flexible und geschmeidige

Matrix aus Kollagen.

Flexibilität und Geschmeidigkeit der Matrix gehen

mit dem Alter verloren, das ist es auch, was unsere

Haut älter aussehen lässt. Der Grund für Falten und

andere Verhärtungen und Versteifungen der Matrix ist

Zucker, der sich mit dem Kollagen zu sogenannten

Advanced Glycation Endproducts (AGEs) verbindet.

Diesen Prozess können wir durch unseren Lebenswandel

verlangsamen, aber nicht stoppen. (Und noch

weniger umkehren, nicht einmal mit Cremes um

400 Euro für 30 Gramm, leider.)

Natürlich altern wir nicht nur äußerlich. Auch unsere

Gefäße bilden AGEs, wir kriegen altersbedingten Bluthochdruck,

mehr Plaque, mehr Arterienverletzungen,

der Rest: siehe oben.

Unser Körper kann diese AGEs nicht aufbrechen,

und wenn wir das nicht in den Griff bekommen, sterben

wir früher oder später an jenem Prozess, der für unsere

Falten verantwortlich ist.

Das möchte Revel Pharmaceuticals, Sitz in San

Francisco, ändern. (Und, ja, weil Sie die Frage jetzt

nicht aus dem Kopf kriegen: Sie haben recht, AGEs aufbrechen,

das wäre der ganz große Anti-Falten-Durchbruch.

Hat Revel Erfolg, sieht unsere Haut mit neunzig

wirklich aus wie mit 25.)

Als man versuchte, AGEs für die Forschungsarbeit

zu isolieren – aus nachvollziehbaren Gründen nicht von

lebenden Menschen –, machte man eine erstaunliche

Entdeckung: Leichname haben keine AGEs.

Sobald wir tot sind, werden diese garstigen Zucker-

Protein-Verbindungen nämlich von Enzymen zersetzt,

66 INNOVATOR


die wiederum von speziellen Bakterien hergestellt

werden.

Revel kann diese Bakterien kultivieren und die

erzeugten Enzyme abernten, quasi in einer Art Nutzbakterienhaltung.

Und mittlerweile kann man AGEs auch industriell

herstellen (Finanzierung der entsprechenden Entwicklung:

Forever Healthy Foundation). Am Beginn des

Wegs zu AGEs, ohne lebenden Menschen Fleischstücke

rauszuschnitzen, stand jedoch, festhalten jetzt:

Hühnersuppe.

Man extrahierte die Verklebungen, die uns alt und

faltig machen, indem man Hühnerknochen auskochte.

Vielleicht werden wir alle 150 Jahre alt, weil jemand

auf die Idee gekommen ist, Bakterien mit Hühnersuppe

zu füttern.

Sage noch irgendwer, die Evolution hätte keinen

Humor.

DAS

JAHRESABO

10 The Red Bulletin-Ausgaben

+ 2 Innovator-Specials

Schlusswort: Michael Greve.

„Nur mal hypothetisch, du lebst 150 Jahre. Da

machst du ja mehrere Karrieren, da lebst du mehrere

berufliche Leben, bist vielleicht fünfzig Jahre Arzt

und fünfzig Jahre Gärtner? Wir werden alle länger

gesund sein, länger produktiv, wir werden alle länger

im Saft stehen, stellen wir uns vor, was das bedeutet:

Ingenieure, Forscher, Manager, Künstler, die achtzig,

neunzig, hundert sind, mit all ihrer Lebenserfahrung,

aber mit der Energie eines Dreißigjährigen! Wie toll

ist das?“

„Ich bin absolut überzeugt: So wie wir heute aufs

Mittelalter gucken – die Gülle schwimmt die Gosse

lang, die Leute stinken und sterben mit 35 –, so wird

man auf unsere Zeit blicken. Man wird sich das alles

nicht mehr vorstellen können. Man wird über uns

sagen: ‚Die sind alle an diesen fürchterlichen Krankheiten

zugrunde gegangen, an Herzinfarkt, Schlaganfall,

Alzheimer. Die haben das Wasser und die

Luft verseucht und giftige Sachen in sich reingestopft.

Die haben sich auf dem Planeten benommen

wie rotzige Teenager in ihrem Wohnzimmer.‘ Das

werden die Menschen der Zukunft über uns sagen.

Sie werden den Kopf schütteln und froh sein, dass

sie in der zivilisierten Zeit, auf einem gesunden

Planeten leben. Dass wir dorthin kommen, so

schnell wie möglich, dazu möchte ich einen Beitrag

leisten. Dass wir dafür natürlich sofort anfangen

müssen, unser Wohnzimmer sauber zu halten, das

ist klar, egal ob es Rejuvenation gibt oder nicht.

Natürlich brauchen wir nachhaltige, saubere Landwirtschaft,

nur noch erneuerbare Energien, radikal

konsequenten Umweltschutz, am besten das alles

sofort. Wir werden das Thema Einkommen neu

denken müssen. Aber das müssen wir doch sowieso,

auch ohne Rejuvenation.“

„Was ich weiß – zu hundert Prozent –, ist, dass

wir Menschen das alles schaffen können. Dass

wir dazu in der Lage sind, eine Gesellschaft zu entwickeln,

eine Welt zu erschaffen, in der einfach nur

Spaß macht, richtig alt zu werden, und in der das

auch für alle möglich ist.“

FÜR NUR

€21,90

getredbulletin.com

INNOVATOR


BIOHACKING SPECIAL

DANKE ,

MAMA

Die tollsten Biohacks sind kostenlos.

Die zehn großzügigsten Geschenke

von Mutter Natur, vorgestellt von

Andreas Breitfeld. Wie sie uns Gutes

tun, wie wir sie am besten nützen

und wer mehr drüber weiß.

Illustrations Birgit Palma

68 INNOVATOR


DIE GENIALE KRAFT

Licht, Wasser, Kälte,

Schlaf: Der Mensch

hat noch kein Gadget,

kein Medikament,

kein Gerät erfunden,

das so zuverlässig

wirkt wie die Natur.

INNOVATOR 69


LICHT

Unser moderner

Lebensstil

verstellt unsere

innere Uhr.

Doch es ist gar

nicht so schwer,

sie wieder

in den richtigen

Rhythmus

zu bringen.

70

INNOVATOR


DORIS WUNSCH, MATTHIAS WEISSENGRUBER, PROF. DR. MED. H.C. GÜNTHER W. AMANN-JENNSON

LICHT

DER DIRIGENT UNSERER ZELLEN

WAS BRINGT’S MIR?

Unsere Zellen, unsere Organe, unser

gesamter Organismus kann nur im

Zusammenspiel funktionieren: Leber,

Lunge, Niere, Herz und Gehirn, Haut

und Mus keln müssen ja wissen, was

die anderen tun, damit sie selbst

in jedem Moment das tun, was zu

tun ist, damit das ganze System

läuft. Das muss alles sehr, sehr fein

abgestimmt werden. Für diese Abstimmung

verwendet der Körper

Hormone und Botenstoffe. Aber der

wichtigste Taktgeber ist das Licht,

das wir aufnehmen, über die Augen

und über die Haut. Licht ist der

wichtigste Dirigent unseres Lebens:

Das richtige Licht zur richtigen Zeit

verwandelt den chaotischen Haufen

der 100 Billionen Zellen unseres

Körpers in ein perfekt abgestimmtes

Orchester. Außerdem ist UV-B-Licht

die Zutat, aus der unser Körper das

lebens wichtige Vitamin D bildet.

WAS TU ICH?

Rausgehen! Morgens, mittags, abends

natürliches Licht aufnehmen, und

mittags am besten 10 bis 15 Minuten

lang mit so viel unbedeckter Haut

wie möglich. (Vitamin-D-Hack: Deine

Haut bildet Vitamin D, wenn die

Sonne steiler steht als 42 Grad. Wenn

der Schatten, den du wirfst, kürzer

ist als du selbst, klappt’s also mit der

Vitamin-D-Bildung.) Abends blaues

Licht aus Monitoren, Energiesparund

LED-Lampen meiden und/oder

eine Blueblocker-Brille verwenden.

Apropos Zusammenspiel der Zellen:

Ich trage keine Sonnenbrille mehr.

Aus einem einfachen Grund: Wer eine

Sonnenbrille trägt, erhöht die Gefahr

eines Sonnenbrands. Denn der Körper

erhält zwei einander widersprechende

Signale – Schatten auf den Augen,

Licht auf der Haut –, damit kann er

schlicht nicht gut umgehen.

WER WEISS MEHR?

Dr. Alexander Wunsch. Wir haben

das Glück, mit dem Heidelberger Arzt

den wichtigsten Lichtbiologen der Welt

IM SCHLAF WERDEN WIR KLÜGER,

WIR WERDEN STÄRKER UND AUSDAUERNDER,

WIR WERDEN GESÜNDER. GEBEN WIR DEM SCHLAF

DIE OBERSTE PRIORITÄT IN UNSEREM LEBEN.

im deutschen Sprachraum zu haben.

Mit Alexander gibt es jede Menge

spannende Podcasts, sein Videokanal

ist auf der Plattform Vimeo zu finden.

Und er hat die Bibel zur Lichtbiologie

verfasst: „Die Kraft des Lichts“.

SCHLAF

DER BIOHACK NUMMER 1

WAS BRINGT’S MIR?

Es ist ganz einfach, und man kann es

nicht oft genug sagen: Wer besser

schläft, lebt besser. Schlaf ist das

stärkste, wichtigste, wirkungsvollste

Mittel für Entspannung, Erholung,

Regeneration, Heilung. Schlaf ist das

Fundament unserer Leistungsfähigkeit,

unserer Gesundheit, unserer

Langlebigkeit. Im Schlaf werden

wir klüger, weil wir das untertags

Gelernte in unser Gehirn sortieren.

Wir werden stärker und ausdauernder,

weil wir die Schäden, die jedes

Training verursacht, nicht nur

reparieren, sondern den Ausgangszustand

sogar verbessern – das ist

es, was wir Trainingseffekt nennen.

Wir werden gesünder, weil das

sogenannte glymphatische System

unser Gehirn von Abfallstoffen

reinigt, weil Schäden an Zellen im

ganzen Körper repariert werden.

Der häufig gebrauchte Vergleich

des Schlafs mit dem Aufladen einer

Handy-Batterie ist nicht korrekt.

Denn wir Menschen laden unsere

Batterien selbst auf – und nicht nur

das. Wir verbessern dabei sogar

die Ladekapazität unserer Batterien.

Das Einzige, was wir dafür tun müssen:

dem Schlaf die oberste Priorität

in unserem Leben geben …

WAS TU ICH?

… und genau darum geht es: dem

Schlaf die oberste Priorität im Leben

zu geben! Ich verbessere meinen

Schlaf aktiv, indem ich drei Stunden

vor dem Zubettgehen nichts mehr

esse, zwei Stunden davor anregende

Lichtimpulse ausschalte (so wenig

Bildschirmlicht wie möglich, nur

Glühlampen verwenden, Blue blocker-

Brille benützen) und ins gesamt

abends Stress wo immer möglich

meide. Das Schlafzimmer soll dunkel

sein, im Idealfall wirklich Hand-vorden-Augen-nicht-sehen-dunkel

und

kühl, am besten zwischen 16 und

20 Grad. Magnesium wirkt bei vielen,

aber nicht bei allen, ebenso wie

Ashwagandha, aber beides unbedingt

einmal ausprobieren! Ich nehme zwei

bis drei Stunden vor dem Schlafengehen

Melatonin, das sogenannte

„Schlafhormon“, das so viel mehr

kann, als uns nur müde zu machen.

Manche Ärzte warnen davor, aber die

aktuelle Studienlage ist eindeutig: Die

körpereigene Bildung wird durch eine

Einnahme nicht gehemmt. Melatonin

ist absolut einen Versuch wert.

WER WEISS MEHR?

Einer der spannendsten Schlaf-

Experten der Welt kommt aus Vorarlberg:

Prof. Dr. Günther Amann-

Jennson hat das Schlafsystem Samina

entwickelt, teuer, aber wohl das

Beste, was man derzeit auf dem Markt

kriegt. Amann-Jennson, Arzt und

Psychologe, stellt auf seiner Website

einfach-gesund-schlafen.com

exzellenten Gratis-Content zur

Verfügung.

INNOVATOR 71


ERDUNG

DAS POSITIVE AM NEGATIVEN

WAS BRINGT’S MIR?

Klingt nach Eso-Zauber, ist aber

glasklare Physik: Der Ionenaustausch

mit der negativ geladenen Erde

reduziert oxidativen Stress und damit

die saugefährlichen chronischen

Entzündungsprozesse, weil diese

unseren Organismus positiv aufladen.

(Oxi dativer Stress ist übrigens ein

Turbo für den Alterungsprozess.)

Das Einzige, was wir dafür tun müssen:

mit dem Planeten in direkte

Berührung zu kommen. Dann können

die Elektro nen fließen. Also

barfuß über eine Wiese zu gehen

oder in einem natürlichen Gewässer

zu baden, zum Beispiel. Ein zweiter

Benefit des direkten Kontakts zur

Erde: Die 7,83 Hertz, mit denen die

Erde schwingt – das ist die sogenannte

Schumann-Frequenz –, können

eventuell sogar elektromagnetischen

Stress reduzieren.

WAS TU ICH?

Schuhe ausziehen und barfuß in

meinem Garten, im Wald, auf einer

Wiese herumspazieren. Hin und

wieder in ein natürliches Gewässer

hüpfen und nicht nur in meiner

Eiswasser-Truhe im Lab planschen.

Ich schlafe auch geerdet, aber das

ist ein spezielles Thema, denn die

Verwendung von Erdungslaken oder

ähnlichen Produkten ergibt nur Sinn,

wenn es keine Elektrosmog-Belastung

durch WLAN oder Ähnliches gibt.

Sonst verwandelt dich die Erdung

in eine menschliche Antenne … und

das ist so ziemlich das Gegenteil von

dem, was wir erreichen wollen.

ERDUNG

Der direkte Kontakt

zu natürlichem Boden

(oder einem natürlichen

Gewässer)

bringt unseren

Elektronen-Haushalt

in Ordnung.

WER WEISS MEHR?

Marco Grosch alias „Minimalist Biohacker“,

ein Vorarlberger, weiß in

vielen Bereichen exzellent Bescheid.

Einer davon ist das Erden, dem er sich

immer wieder auf seiner Website

(minimalist-biohacker.com) und

in seinem Instagram-Feed widmet.

DER MUND IST ZUM ESSEN, ZUM KÜSSEN UND –

DAS WEISS ICH BESONDERS GUT – ZUM REDEN DA.

ABER NICHT ZUM ATMEN. SCHON GAR NICHT

ZUM EINATMEN!

72 INNOVATOR


ATMUNG

DIE FERNBEDIENUNG

UNSERES GEHIRNS

FÜHREN WIR UNSEREM ORGANISMUS VON AUSSEN

KEINE ENERGIE ZU, HOLT ER SIE SICH VON INNEN –

ER FRISST BESCHÄDIGTE ZELLEN AUF. FASTEN IST

DIE BESTE INNERE REINIGUNG, DIE ES GIBT!

MARCO GROSCH MINIMALIST BIOHACKER, MAARTEN DE KOK

WAS BRINGT’S MIR?

Atmung ist ein unfassbar mächtiges

Tool: Ich kann mich ruhig atmen,

ich kann mich in Rage und in Rausch

atmen. Mit keiner anderen Intervention

greife ich so direkt auf mein

Gehirn und vegetatives Nervensystem

zu. Boxbreathing etwa – vier Sekunden

einatmen, vier Sekunden halten,

vier Sekunden ausatmen, vier Sekunden

halten, probieren Sie’s gleich! –

hilft dem Scharfschützen genauso

wie dem Referenten vorm Podium

beim Ruhigwerden. Die berühmte

Wim-Hof-Atmung kann das Immunsystem

stärken und in Kombination

mit Kälte Depressionen lindern.

Wem es gelingt, im Alltag konsequent

durch die Nase und nicht mehr

durch den Mund zu atmen, hat allein

dadurch einen ganz großen Schritt

in Richtung Gesundheit geschafft.

WAS TU ICH?

Dem Thema der Nasenatmung widme

ich mich seit einiger Zeit intensiver,

inklusive Mouth Taping: Durch Zukleben

des Mundes beim Schlaf zwinge

ich mich zur Atmung durch die

Nase, was gewöhnungsbedürftig ist

(nicht nur für einen Bartträger), aber

den Schlaf messbar und die Regenera

tion spürbar verbessert. Der Mund

ist zum Essen, zum Küssen und – das

weiß ich besonders gut – zum Reden

da. Aber nicht zum Atmen, schon gar

nicht zum Einatmen. Denn die Vorteile

der Nasenatmung sind heftig: Die

Atemluft wird von Partikeln gereinigt,

sie wird befeuchtet und auf Körpertemperatur

erwärmt oder gekühlt. Der

Körper erhält mehr Stickstoffmonoxid,

was die Blutgefäße erweitert (damit

den Blutdruck senkt, und – richtig –

Männer wissen auch um eine zweite

sehr zentrale Bedeutung von Stickstoffmonoxid,

die dem Medikament

Viagra zu Erfolg verholfen hat). Ich

empfehle jedenfalls jedem, mit seiner

Atmung zu experimentieren, es gibt

so viel zu entdecken: allein die Ideen

von Wim Hof und dem – noch – recht

unbekannten Konstantin Buteyko

kennenzulernen! Macht richtig Spaß.

Und kann das Leben verändern.

WER WEISS MEHR?

Kasper van der Meulen ist mein

Atem-Guru. Kasper bietet in den

Niederlanden wirklich geile Atemtrainings

an. Ein extrem angenehmer

und kompetenter Typ, mehr unter

kaspersfocus.com oder auch als

kaspersfocus auf Instagram.

FASTEN

PUTZEN STATT ESSEN

WAS BRINGT’S MIR?

Fasten bedeutet, dass der Organismus

keine Energie von außen zu geführt

bekommt, also durch feste oder flüssige

Nahrung. (Licht ist ja in Wahrheit

auch Energie, aber die zählt hier

nicht.) Nach einer gewissen Zeit

beginnt der Körper, weil er ja Energie

braucht, diese Energie aus seinen

Reserven zu holen. Davon hat er jede

Menge: Glykogen in Muskeln und

Leber, das braucht er zunächst auf,

und dann natürlich jede Menge

Körperfett, auch bei schlanken Menschen.

Das Ganze funktioniert aber

viel schlauer als nur in Form des

Aufbrauchens von gespeicherter

Energie: Denn der Organismus beginnt

im fastenden Zustand, eigene

Zellen zu zerlegen und zur Energieproduktion

zu verwenden. Und

zwar – das ist das Faszinierende –

sind es beschädigte, nicht mehr

ganz funk tionstüchtige Zellen, die

er verbrennt. Dieser Vorgang, die

sogenannte Autophagie, ist nichts

anderes als die effizienteste Form

der inneren Reinigung.

WAS TU ICH?

Ich esse „OMAD“, kurz für „one meal

a day“, ich nehme also nur eine Mahlzeit

pro Tag zu mir, ein meist recht

frühes Abendessen. Im allerstrengsten

Sinn faste ich allerdings nicht, weil

ich morgens und vormittags Kaffee

mit Butter und MCT-Öl trinke.

„Fasten“ ist ein relativ weit gefasster

Begriff: Manche meinen, es reicht,

Kohlenhydrate und Protein wegzulassen,

andere sind ganz radikal

und meinen, schon Tee oder Kaffee

zu trinken, ein paar Vitamine oder

Magnesium einzunehmen würde

das Fasten brechen. Wie immer man

es definiert: Lassen Sie als Anfänger

ein paar Tage pro Woche das Frühstück

aus (Wasser, schwarzer Kaffee

und ungesüßter Tee sind erlaubt),

essen Sie in einem zweiten Schritt

die erste Mahlzeit des Tages frühestens

16 Stunden nach der letzten

Mahlzeit des Vortags.

WER WEISS MEHR?

Julia Tulipan. Die Wienerin ist

eine der absoluten Expertinnen

der ketogenen Ernährung, auch

über den deutschen Sprachraum

hinaus, und die Keto-Ernährung ist

ja eine Art Vorstufe des Fastens.

Julia und ihr Mann haben gemeinsam

die Keto-Convenience-Food-

Linie „Tulipans“ in den Supermarkt

gebracht. Auf ihrer Website

juliatulipan.com und ihrem

Instagram- Feed (paleolc) bringt

sie jede Menge freien Content,

ihr Podcast „Evolution Radio Show“

ist spannend und hochwertig.

INNOVATOR 73


WALD

DAS BAD IN GRÜN

WAS BRINGT’S MIR?

Der Begriff „Waldbaden“ hat zuletzt

ziemlich Konjunktur gekriegt. Klingt

natürlich spektakulär, meint aber

in Wahrheit nichts anderes, als regelmäßig

in den Wald zu gehen und dort

ganz langsam und bewusst spazieren

zu gehen. Was soll denn das bringen –

für einen Biohacker? Viel mehr, als

man im ersten Moment meint. Die

Waldluft enthält tausende Terpene,

das sind pflanzliche Aromastoffe, die

unser Immunsystem anregen und angeblich

sogar das Krebsrisiko senken.

Das Grün des Waldes und die naturgemäße

Ruhe bauen Stresshormone

ab – und zwar nicht nur während des

Waldbadens, sondern sogar messbar

über mehrere Tage hinweg. In Japan

und Südkorea wurde Waldbaden

ausführlich erforscht und wird als

anerkannte medizinische Methode

eingesetzt. Dort schicken Hausärzte

ihre Patienten tatsächlich in den

Wald. Finde ich großartig!

WAS TU ICH?

Langsam durch den Wald zu spazieren,

eine oder zwei Stunden pro

Woche, am besten ganz allein und,

wichtig, ohne Handy oder irgendwelche

andere elektronischen Devices

– das tut jedem gut. Im Idealfall

geht man ein paar Schritte barfuß

oder umarmt hin und wieder, wenn

niemand zusieht, einen Baum, wegen

der Erdung und des Ionenaustauschs,

wie auf den vorigen Seiten angesprochen.

Und wer den Besuch im Wald

noch weiter optimieren möchte: Die

Konzentration der Terpene ist bei

Nebel und Regenwetter am höchsten.

Wir Menschen haben einen Bedarf

an Natur. Und wer genau darauf zu

achten gelernt (oder wieder gelernt)

hat, der erkennt: Unser Körper hat

eine Art Füllstandsanzeige dafür, ob

wir genug Natur aufgesaugt haben.

IN JAPAN UND SÜDKOREA SCHICKEN ÄRZTE

IHRE PATIENTEN ZUM SPAZIEREN

IN DEN WALD. „ SHINRIN- YOKU“, WALDBADEN,

IST EINE HOCHWIRKSAME THERAPIE.

WER WEISS MEHR?

Der Schweizer Rolf Duda alias

Peak wolf, ein früherer Unternehmensberater,

ist eine Perle

unter den Biohackern. Er hat ein

Faible für Natur, für den Wald, aber

egal zu welchem Thema er redet,

es ist immer fundiert, intelligent,

kurzweilig, ich bin ein echter Fan.

peakwolf.ch ist die Startrampe in

Rolfs Welt, von dort kommt man

zu seinem Blog, zu seinem Podcast

und zu seinem Instagram-Feed.

WASSER

99/100

WAS BRINGT’S MIR?

Nur jedes 100. Molekül unseres

Körpers ist kein Wassermolekül.

Sie haben richtig gelesen: 99 von

100 Molekülen in Ihrem Körper bestehen

aus zwei Wasserstoff- und

einem Sauerstoffatom. Wir Menschen

sind eine (zugegeben clever strukturierte)

wässrige Lösung. Wasser

ist also Voraussetzung dafür, dass

alles funktioniert, jeder Stoffwechselvorgang,

jede Entgiftung, jeder

Nervenimpuls, jeder Gedanke, jede

Emotion. Schon ein paar Prozent

zu wenig Wasser im Körper, und ich

spreche hier von gerade mal einem

oder zwei Litern, reduzieren unsere

Leistungsfähigkeit radikal.

WAS TU ICH?

Wasser trinken. Ich persönlich trinke

gefiltertes und belebtes Wasser, aber

in Deutschland und Österreich kann

man das Wasser auch direkt aus der

Leitung einigermaßen bedenkenlos

trinken. Wie viel? Alles unter 0,3 Liter

pro 10 Kilo Körpergewicht ist ein

aktiver Schaden an Ihrer Leistungsfähigkeit

und Gesundheit. Sie wiegen

70 Kilo? Dann sind 2,1 Liter pro Tag

ausreichend, wenn Sie keinen Sport

treiben, kaum Stress haben, nicht

in die Sauna gehen. 0,3 Liter pro

10 Kilo Körpergewicht sind das Minimum.

Achten Sie mal eine Woche

lang drauf, dass Sie wirklich genug

trinken. (Den größten Teil vormittags,

so, dass Ihr Harn mittags

ganz klar ist.)

WER WEISS MEHR?

Thomas Hartwig. Mit seinem

Berliner Start-up Leogant stellt

er Anlagen zusammen, die Wasser

perfekt filtern und aufbereiten.

Thomas ist ein Wasserphilosoph,

beste Wissensquelle sind die

Podcasts, bei denen er zu Gast

war, zum Beispiel in der „Flowgrade

Show“ meines Freundes

Max Gotzler.

TIM DOBROVOLNY

74 INNOVATOR


WASSER

Es ist so einfach

wie grundlegend:

Wer pro Tag weniger

als 0,3 Liter Wasser

pro 10 Kilo Körpergewicht

trinkt, schadet

seiner Gesundheit.

INNOVATOR 75


MEDITATION

DER GEHIRNVERBESSERER

WAS BRINGT’S MIR?

Da gibt’s gar nicht viel zu sagen außer

das, was tausende und abertausende

Studien bestätigt haben: Meditation

macht uns intelligenter, kreativer

und glücklicher. Sie ist wahrscheinlich

das Beste und Einfachste, was

wir für unsere Gehirngesundheit tun

können. (Ganz abgesehen davon, dass

sie positiv auf Blutdruck, Verdauung

und andere Körperfunktionen wirkt.)

Meditation ist so etwas wie die Fortsetzung

der Atmung und der kleine

Bruder des Schlafs. Es gibt beim

Meditieren kein Richtig oder Falsch,

man kann nur einen Fehler machen:

es nicht regelmäßig zu tun.

WAS TU ICH?

Ich habe vergangenes Jahr im

Sommer urlaub eine Art großes

Mindset-Reset durchgeführt, indem

ich mir zwei Wochen lang buchstäblich

den Hintern abmeditiert

habe, jeden Tag vier, fünf, sechs

Stunden. Im Münchner Alltag nehme

ich mir ganz bewusst diese paar

Minuten zwischendurch, die jeder

hat: Augen schließen, ruhig ein- und

noch ruhiger ausatmen, nur auf den

Atem achten. Richtig Spaß macht mir

das Herumspielen mit dem Muse-

Headband, das die Tiefe meiner

Medita tion überwacht. Es gibt übrigens

unglaublich gute Meditations-

Apps. Die beste kostenlose: Oak.

Die beste deutschsprachige: 7Mind.

MEDITATION

Die Augen schließen

und in sich rein hören,

nur ein paar Minuten

pro Tag: Gäbe es ein

Medikament, das es

in puncto Wirksamkeit

mit der Meditation

aufnehmen könnte,

es wäre zig Milliarden

Euro wert.

WER WEISS MEHR?

Manuel Ronnefeldt. Der Gründer

von 7Mind ist einer der Pioniere

der Meditation in Deutschland.

Auf 7mind.de gibt es auch

kostenlos sehr viel und sehr

detailreiche Information.

... UND WER DIGITALEN SUPPORT IN ANSPRUCH

NEHMEN MÖCHTE: DIE BESTE KOSTENLOSE

MEDITATIONS- APP IST „ OAK“, DIE BESTE

DEUTSCHSPRACHIGE IST „ 7MIND“.

BENJAMIN MUELLER

76 INNOVATOR


HITZE

DIE LEBENSVERLÄNGERIN

NICHT PERMANENT, NICHT ZU HEFTIG, NICHT

ZU OFT, ABER REGELMÄSSIG: DIE KOMFORTZONE

DER RAUMTEMPERATUR ZU VERLASSEN IST EIN

HERRLICHES TRAINING FÜR UNSERE GESUNDHEIT.

M.FRANK, CLEARLIGHT SAUNAS EUROPE GMBH

WAS BRINGT’S MIR?

Hitze … kostenlos? Nun ja, man

kann sich in eine heiße Thermalquelle

setzen oder im Sommer in

die pralle Sonne, natürlich auch

ins geschlossene Auto. (Was auch

wirken würde, aber der Preis auf der

Affigkeitsskala wäre vergleichsweise

hoch.) Worauf ich aber eigentlich

hin aus will, das ist die Sauna. Klas sische

und Infrarotsauna, beides wirkt,

es gibt in der Wirkung Unterschiede,

aber das Prinzip ist dasselbe. Wichtigster

Benefit: Schwitzen reinigt

den Körper über unser größtes Entgiftungsorgan,

die Haut. Zweit- und

drittwichtigster Benefit (und es gibt

noch eine ganze Menge mehr): verbessertes

Herz-Kreislauf­ System und

die so genannten Heat Shock Proteins,

die der Körper bildet. Sauna ist sehr

vereinfacht gesagt ein Bootcamp­

Training für unsere Zellen. Zur Wirksamkeit

von regelmäßigem Saunabesuch

gibt es atemberaubende

Studien aus Finnland. Ergebnisse:

bis zu 40 Prozent weniger „all-cause

mortality“. In anderen Worten:

Während des Vergleichszeitraums –

die Studie lief über mehr als 20 Jahre

– hatten die regelmäßigen Saunageher

ein fast halbiertes Sterberisiko.

WAS TU ICH?

In meinem Lab steht eine Infrarotsauna,

die ich mehrmals wöchentlich

nütze. Manchmal gönne ich mir ein

heißes Bad, eine bis zwei Stunden vor

dem Zubettgehen, als perfekte Vorbereitung

für guten Schlaf. Achtung:

Hitze und Verdauung vertragen sich

nicht gut. Nach dem Essen bitte zwei,

besser drei Stunden nicht in die

Sauna gehen. Hitze bedeutet Stress

für den Körper, und unter Stress

verdaut sich’s nicht gut.

WER WEISS MEHR?

Johannes Kettelhodt, Mastermind

der Clearlight Infrarotkabinen.

Ihm und seinem Team ist etwas Besonderes

gelungen: Sie produzieren

ihre Kabinen ohne Elektrosmog-

Belastung. Das erleichtert dem

Körper das Entgiften wesentlich.

KÄLTE

DER NATÜRLICHE FEIND

DER ENTZÜNDUNG

WAS BRINGT’S MIR?

Entzündung ist super, weil sie als

Alarmsignal im Körper am Beginn

jeder Reparatur steht. Eine Verletzung

heilt nicht trotz, sondern wegen der

Entzündung, die rund um sie entsteht.

Aber Entzündung macht auch sehr

vieles sehr nachhaltig sehr kaputt,

wenn sie zum Dauerzustand wird.

Sogenannte „niederschwellige Entzündungen“

sind absolut nichts, was

man im Körper haben mag. Kälte ist

ein Super-Hack: Kälte wirkt gegen

Entzündungen, Kälte beschleunigt

Regeneration nach dem Sport und

Wundheilung, Kälte verbessert die

Funktion unseres Immunsystems,

Kälte stimuliert den Vagusnerv, damit

die Herzratenvariabili tät, damit

unsere Fähigkeit zu entspannen. Und

noch vieles mehr … Kälte ist ein absoluter

Super-Hack!

WAS TU ICH?

Ich selbst nehme in meinem Lab

in einer umgebauten Tiefkühltruhe

beinahe täglich ein fünfminütiges

Eisbad, da hat das Wasser rund

drei Grad. Aber wie beginnt man?

Der einfachste Tipp für Anfänger

sind Wechselduschen: einfach nach

der morgendlichen Dusche das

Wasser für 30 Sekunden kalt stellen,

dann wieder 30 Sekunden warm.

Dieses Heiß-Kalt fördert auch die

Regeneration nach dem Sport sehr

wirkungsvoll. Kleiner Hinweis für

Hobby-Bodybuilder: Nach dem

Training länger als zehn Minuten

(bei zehn Grad) kalt zu duschen

oder länger als drei Minuten (bei

drei Grad) eiszubaden sorgt dafür,

dass du schneller wieder erholt bist –

aber dein Muskelwachstum wird

ziemlich gedrosselt. Also kürzer

kalt duschen, wechselduschen

oder erst am nächsten Morgen die

nächste Kälte-Einheit einlegen.

WER WEISS MEHR?

Josephine Worseck. Die promovierte

Molekularbiologin aus Berlin ist

Wim‐Hof-Coach und hat eines der

Standardwerke zum Thema herausgebracht:

„Die Heilkraft der Kälte“,

absolute Empfehlung, ebenso wie

ihre Workshops. Sehr viel Content hat

Josephine auf ihrer Website verlinkt:

josephineworseck.com

INNOVATOR 77


10 GAMING-

PIONIERE,

SPIELEND

DIE UNS

Ängste überwinden,

Gemeinschaft finden, Sprachen lernen,

Pandemien besiegen: Immer mehr Ansätze

aus der Gaming-Welt helfen uns dabei, das

Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen.

Hier kommen zehn Computerspiel-

Vordenker, die unser Leben bereichern.

78 INNOVATOR


LEVEL

AUFS

NÄCHSTE

HEBEN

TEXT: MICHAEL MOORSTEDT

INNOVATOR 79


V

ANNA MARTIN-NIEDECKEN

FITNESS BOOSTEN

Vier Milliarden. Das ist die Anzahl der

Menschen weltweit, die regelmäßig

Videospiele nutzen. Eine Dimension,

die nur schwer vorstellbar ist. Weitere

Zahlen helfen vielleicht: Die Branche

erwirtschaftet mit etwa 150 Milliarden

US-Dollar dreimal so viel wie Hollywood.

Die großen Streamer, die jeden Tag

ihre Videospiel-Abenteuer live ins Netz

übertragen, ziehen Tausende gleichzeitig

in ihren Bann. Esports hat sich zu einem

Spektakel entwickelt, das Millionen

Menschen begeistert und das über kurz

oder lang olympisch werden könnte.

Videospiele haben nicht nur wirtschaftliche

Relevanz, sondern auch

kulturelle. Heutzutage schrecken Games

vor unangenehmen Themen wie Klimawandel

oder gar dem Holocaust nicht

zurück. Warum auch? Immerhin handelt

es sich hierbei um das Leitmedium einer

ganzen Generation – und wohl auch noch

vieler nach ihr. Die Corona-Pandemie

wirkt zusätzlich als Katalysator. Von der

häuslichen Quarantäne kann man sich

zusammen mit Freunden per Knopfdruck

in magische Königreiche teleportieren.

Kann Distanzen überwinden und doch

Nähe empfinden. Man loggt sich ein,

trifft Freunde, guckt Filme, hängt einfach

ab. Titel wie „Fortnite“, „Animal Crossing“

oder „Roblox“ sind längst mehr als nur

ein Spiel, nämlich ein ganzes soziales

Netzwerk, zum Teil schon mit eigener

Währung und Wirtschaftssystem.

Wir stellen zehn Menschen vor, die

darüber nachdenken, wie Games unser

Leben und unsere Gesellschaft verbessern

können. Die mit Spielen verändern, wie

wir Sport treiben, Sprachen lernen, Kontakte

knüpfen, auf Reisen gehen. Also

wie wir unsere Welt sehen und erleben.

Gaming mag die

Reaktionsgeschwindigkeit

fördern,

körperliche Top-

Form zählte bisher

eher nicht zu den

positiven Effekten.

Das will Anna

Martin-Niedecken

ändern. Mit ihrem

Start-up Sphery

kombiniert die

Gründerin Gaming

und ganzheitliches

Fitnesstraining. In

einem raumgroßen

High-Tech-Würfel,

dem ExerCube,

ackern sich die

Sportler durch die

Levels – weichen

im Liegestütz virtuellen

Hindernissen

aus oder sammeln

Mit Sternchen: Im

ExerCube gibt’s digitale

Belohnung für

sportliche Leistung.

Punkte durch

Sprünge. Durch die

multisensorischen

Stimuli wird auch

die kognitive Fitness

gestärkt. Der Clou:

„Du spürst die Erschöpfung

nicht so

sehr wie beim klassischen

Training im

Gym“, erklärt Martin-Niedecken.

Flow

nennt sich dieser

Zustand – aber das

ist noch nicht alles:

Eine eigene Liga mit

Wettbewerben ist

bereits im Aufbau.

Vielleicht entsteht

hier der Sport der

Zukunft.

ZÜRCHER HOCHSCHULE DER KÜNSTE, URBAN TREE MEDIA/RED BULL CONTENT POOL,

PHILIPP NEUBAUER, BERLIN INTERNATIONAL GAMING (BIG)

80 INNOVATOR


DANUSCH FISCHER

HELDEN FEIERN

Kann das Verfolgen eines

Fußballspiels unser Leben

bereichern? Sportmuffel

winken ab, klar, aber Fans

bejahen mit leuchtenden

Augen: die Spannung

nach dem Anschlusstor,

die Kunst eines Lionel

Messi am Ball, das Erleben

von Gemeinschaft.

Nun, auch das Verfolgen

von Esports kann unser

Leben bereichern, da ist

sich Danusch Fischer

sicher. „Unsere Profi-Spieler

treffen in kürzester

Zeit extrem komplexe Entscheidungen“,

sagt der

Trainer der Mannschaft

von Team BIG im Game

„League of Legends“

(„LoL“). In diesem Action-

Strategie-Spektakel bekämpfen

sich zwei Fünferteams

mit Charakteren,

die zuvor aus 150 Kandidaten

ausgewählt wurden.

Zehn Stunden am Tag

trainieren die Profis – und

entwickeln über die Zeit

persönliche Stile. Geübte

Zuschauer erkennen darin

eine eigene Schönheit.

Wie bei Messi. Nur gedankenschneller.

Das „LoL“-

Weltfinale 2019 haben

bereits über 44 Millionen

Menschen gesehen.

Echte Champions:

Danusch Fischers

Team nach dem Sieg

bei den EU Masters

INNOVATOR 81


JANE Mc GONIGAL

SUPERKRÄFTE AKTIVIEREN

In Games schlüpfen wir

oft in die Rolle eines

Superhelden. Doch Videospiele,

sagt Jane Mc­

Gonigal, können uns auch

im Alltag Superkräfte

verleihen. Vor einiger Zeit

hat die US-Amerikanerin

die App SuperBetter

entwickelt. Um mehr

Widerstandskraft zu entwickeln,

teilt man seinen

Alltag in Mikroaufgaben

ein. Überwindet man sich

und macht noch kurz den

Abwasch? Schon steigt

man ein Level auf. Endlich

den Arzt-Check-up

ausgemacht? Voilà, ein

neues Schwert für den

Avatar. Es gibt Quests,

Power-ups und Endbosse.

Nur dass es sich nicht

um schreckliche Drachen

handelt, sondern um die

Monster der eigenen Psyche:

die Selbstzweifel, die

Prokrastination oder das

Sofa, von dem man nicht

hochkommt. Bis man seine

Superkräfte aktiviert.

Das Leben als

Spiel: Über dieses

Prinzip hat

Jane McGonial

auch einen eigenen

Bestseller

verfasst.

EVENT

Spiel für deine Stadt!

Berliner und Kölner, aufgepasst: Am

16. 10. könnt ihr bei Red Bull Superiocity

antreten. Angeführt von den

Streamern Papaplatte (im LVL Berlin)

und Rewinside (im Xperion Köln),

ermitteln die Teams im Shooter

„PlayerUnknown’s Battlegrounds“

Deutschlands Gaming-Haupstadt.

Jetzt anmelden unter: redbull.com

SEBASTIAN MEYER

GEMEINSCHAFT SPÜREN

Mehr denn je sehnen

sich Menschen in Zeiten

von Filter Bubbles und

Social Distancing nach

Gemeinschaft – und

finden sie auf Twitch,

einem Portal, auf dem

Menschen ihre Gaming-

Sessions streamen.

Mit über 1,5 Millionen

Followern ist Sebastian

„Rewinside“ Meyer einer

der größten Streamer

im deutschsprachigen

Raum. Für viele seiner

Fans ist der Chat im

Stream eine zweite

Heimat geworden.

Der Streamer ist eine

Kombination aus Moderator,

Entertainer

und Seelsorger. Er unterhält

das Publikum

und unterhält sich mit

ihm. Stress im Job,

Corona-Frust? Auf der

Seite ihres Lieblings-

Streamers finden die

Menschen ein offenes

Ohr. Das Geschäft wird

immer professioneller,

sagt Meyer. Schon heute

produzieren Streamer

Samstagabend-Shows

– und bleiben trotzdem

der gute Kumpel.

82 INNOVATOR


GETTY IMAGES, PARADOXSENSE, UNIVERSITY OF CAILLE, NEW EDEN, NICOLAS RIGHETTI/MMOS, 2021 CCP EHF

Feingefühl gefragt:

Der Austausch mit

der Community ist

wichtiger Teil von

Meyers Job. Hund

Arkani ist absoluter

Publikumsliebling.

ATTILA SZANTNER

PANDEMIEN BESIEGEN

Zombies bekämpfen,

Autorennen gewinnen,

Streitäxte sammeln –

alles gut und schön, Attila

Szantner aber bietet Gamern

einen tieferen Sinn.

Mit dem MMO-Videospiel

„Eve Online“ können sie

helfen, drängende Fragen

der Menschheit schneller

zu lösen – von der Corona-

Pandemie bis zum Entdecken

von Exoplaneten.

„Jeden Tag spielen die

Menschen Millionen von

Stunden“, sagt Szantner.

„Wir haben uns gefragt,

wie man daraus einen

Neue Horizonte: Vordergründig

spielst du ein Game, gleichzeitig

wertest du Daten für die

Forschung aus.

Nutzen für alle extrahieren

kann.“ Mit seinem Partner

Bernard Revaz hat er das

Projekt Massively Multiplayer

Online Science

gegründet. Die zu analysierenden

Daten aus Forschungsprojekten

binden

die Entwickler ins Spiel

ein. Beispiel Corona: Hier

helfen die Spieler, Zelltypen

des Virus auszuwerten.

Konkret geht es ums

Clustern, also ums Unterscheiden

verschiedener

Typen. Dafür markieren

die Spieler etwa während

einer Raumschifffahrt

Ansammlungen als Punkte

erkennbarer Zelltypen –

und erwerben so Zusatzpunkte.

Dafür werden die

Zellaufnahmen optisch

passend ins Spiel integriert.

Über 500 Millionen

solcher Beiträge zur

Lösung von Forschungsfragen

haben einzelne

Spieler bis heute geleistet.

INNOVATOR


Unter Giganten: In Beyond

Blue erkundest du als

Meeresbiologe die Ozeane

– und wirst motiviert, sie

zu schützen.

ALEN GERSHENFELD

WUNDER DER WELT ERLEBEN

Plastikmüll vermeiden, umweltverträgliche

Kosmetikprodukte

benutzen, weniger

Fisch essen – jeder Einzelne

kann viel tun, um die Ozeane

zu schützen. Nur: Wer denkt

schon immer an die Weltmeere,

wenn er zum Beispiel

in Paderborn lebt? Deswegen

hat der US-Amerikaner Alan

Gershenfeld die Videospielwelt

„Beyond Blue“ entwickelt,

in der wir als Meeresbiologen

etwa farbenfrohe Korallenriffe

erforschen können. Das Kalkül:

Wer in seinem Wohnzimmer

in Paderborn dem Buckelwal

ins Auge sieht, will alles tun,

um dieses lebende Wunder

zu schützen. Der Kampf um

die Aufmerksamkeit des Publikums

gegen Actionkracher

wie „Call of Duty“ macht Gershenfeld

dabei keine Sorge.

„Manchmal wollen die Menschen

Action und manchmal

sinnvolle Inhalte“, sagt Gershenfeld.

Warum sollte das

bei Games anders sein als bei

Filmen, Serien oder Büchern?

84 INNOVATOR


BEYONDBLUEGAME.COM, SEBASTIAN BAHR, ESPORTWISSEN.DE, SEBASTIAN ST. SCHULZ, PAINTBUCKET.DE

PROF. INGO FROBÖSE

MENTALE SKILLS STÄRKEN

Gaming könnte sich demnächst

gut im Lebenslauf

machen, da ist sich Professor

Ingo Froböse sicher.

Der Sportwissenschaftler

an der Deutschen Sporthochschule

Köln forscht

zum Thema Esports und

kennt viele Fähigkeiten, die

durch gelegentliches Zocken

trainiert werden. Zum

Beispiel die Feinmotorik.

Bis zu 400 Bewegungen

pro Minute vollzieht ein

Esports-Profi. Wer spielt,

schult seine Kognition auf

hohem Niveau: Überall

Gegner, in jeder Ecke Explosionen.

Was der Laie

Spielspaß nennt, erkennt

der Forscher als Training

Fitness mal anders: Prof. Ingo Froböse

untersucht die für Esports spezifischen

Fähigkeiten wie Feinmotorik an der

Deutschen Sporthochschule Köln.

für Wahrnehmungs- und

Analysefähigkeiten. „Auch

Soft Skills kann Gaming

schulen: unter Stress gemeinsam

Aufgaben lösen,

Fehler der anderen ausbügeln

– Kompetenzen, die

jeder Arbeitgeber sucht“,

sagt Froböse. Sein Tipp:

Unternehmen sollten ihre

Angestellten jeden Morgen

15 Minuten in einem Videospiel

trainieren lassen. Für

den Interessierten empfiehlt

der Forscher übrigens

„League of Legends“.

Das Spiel sei wie Schach

– nur noch komplexer.

SEBASTIAN SCHULZ

& JÖRG FRIEDRICH

LEIBHAFTIG

ERINNERN

Wenn es in Videospielen

gegen Nazis geht, ballert

sich der Protagonist meist

durch Horden von Erzschurken.

Jörg Friedrich

und Sebastian Schulz

vom Berliner Studio Paintbucket

Games gehen

einen anderen Weg. Ihr

Spiel „Through the Darkest

of Times“ erzählt

vom aufreibenden Widerstand

im Kleinen – Flugblätter

verteilen, Flüchtlinge

verstecken, Mitglieder

rekrutieren. Man kann die

Nazis hier nicht besiegen,

es ist schwer genug, bis

zum Kriegsende durchzuhalten.

So entsteht

eine Ahnung des Ausgeliefertseins

im totalitären

System, das den Spieler

mit mulmigem Gefühl zurücklässt.

Während reale

Konflikte sonst nur als

Kulisse dienen, wollten sie

einen „modernen Beitrag

zur Erinnerungskultur

leisten“. Ihr Spiel wurde

mit Preisen überschüttet,

selbst Historiker loben

den Titel.

Unter Beobachtung:

„Through the Darkest

of Times“ vermittelt eine

Ahnung vom Leben in

einem totalitären System.

INNOVATOR 85


Streaming-Messe

Twitchcon: Vor-Ort-

Events schweißen

die Community

zusammen.

PROF. LUIS VON AHN

JAPANISCH LERNEN

KRYSTAL HERRING

GLOBAL FEIERN

An virtuelle Meetings

mit den Kollegen haben

wir uns gewöhnt, auch

Abhängen mit Freunden

geht mal über Zoom. Aber

gemeinsam feiern? Nun,

in Gaming-Kosmen wie

„Fortnite“ steigen weltweite

Partys, an denen die

Nutzer mit ihren Avataren

teilnehmen und auf denen

Stars wie US-Rapper Travis

Scott auftreten (auch

mit Avataren). In guten

Momenten überträgt sich

so die gemeinsame Euphorie

ins Wohnzimmer. Auch

für andere Events müssen

die Menschen nicht mehr

anreisen. Etwa zur US­

Megamesse Twitchcon,

auf der sich jährlich die

Streaming-Welt trifft.

Neben Live-Streams der

Macher senden auch

Szene-Stars wie „Ninja“

für ihre Millionen Follower,

die mit Kommentaren

und Videos reagieren. Ob

der Vor-Ort-Kontakt noch

nötig ist? Ja, meint Krystal

Herring, Event Director bei

Twitch: „Unsere lokalen

Events stärken den Zusammenhalt

unserer Nutzer.“

Aber virtuellerweise

können nun auch jene dabei

sein, denen die Anreise

zu aufwendig ist.

So reizvoll die Vorstellung,

neben Studium oder Job

noch Französisch oder

Japanisch zu lernen, so

zäh die Realität des Deklinierens.

Wären die Lektionen

nur etwas leichter,

spielerischer! Genau das

hat sich der guatemaltekische

Professor Luis von

Ahn mit der App Duolingo

vorgenommen. Angefeuert

von einer kleinen Eule,

erwirbt der Lernende mit

jeder bestandenen Lektion

Herzen, Edelsteine und

Kronen. Mit künstlicher

Intelligenz (KI) versteht

die App Lerntempo, Stärken

und Schwächen der

Lernenden und passt die

Übungen an. Der Nutzer

bleibt motiviert, wird aber

nicht überfordert. Mehr

als 40 Millionen Menschen

nutzen Duolingo bereits.

Tausende von Universitäten

akzeptieren das

Duolingo-Sprachzertifikat,

das preiswert und leicht

verfügbar ist. „Syrische

Flüchtlinge nutzen Duolingo

ebenso wie Bill Gates“,

sagt von Ahn. Für ihn ist es

das beste Beispiel dafür,

dass die Welt durch sein

Spiel ein bisschen gerechter

geworden ist.

Im Namen der Weisheit:

Diese kleine Eule begleitet

die Lernfortschritte auf

Duolingo – bei Kindern

wie bei Erwachsenen.

AUDA & COUDAYRE PHOTOGRAPHY, TWITCH, DUOLINGO/JUSTIN MERRIMAN

86 INNOVATOR


SO LAUT

KANN LEISE

SEIN.

Der vollelektrische

Ford Mustang Mach-E.

Bis zu 610 km Reichweite. 1

Verbrauchswerte nach § 2 Nrn. 5, 6, 6 a Pkw-EnVKV in der jeweils geltenden Fassung: n. v.*

Verbrauchswerte nach WLTP: Stromverbrauch: 20–16,5 kWh/100 km (kombiniert); CO 2 -Emissionen im

Fahr betrieb: 0 g/ km (kombiniert).

* n. v. = Daten nicht verfügbar. Der Gesetzgeber arbeitet an einer Novellierung der Pkw-EnVKV und empfiehlt in der Zwischenzeit für Fahrzeuge, die nicht mehr auf

Grundlage des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) homologiert werden können, die Angabe der realitätsnäheren WLTP-Werte. Diese sind in der nachfolgenden

Zeile zu finden.

1

Gemäß Worldwide Harmonised Light Vehicles Test Procedure (WLTP) können bis zu 610 km Reichweite bei voll aufgeladener Batterie erreicht werden – je nach

vorhandener Konfi guration. Die tatsächliche Reichweite kann aufgrund unterschiedlicher Faktoren (Wetterbedingungen, Fahrverhalten, Fahrzeugzustand, Alter der

Lithium-Ionen-Batterie) variieren.


EUR 5,80

ZEIT FÜR EIN GUTES LEBEN

EUR 5,80

EUR 5,80

Ernährung

Gesund genießen.

Bewegung

Den Körper spüren.

Erholung

Durchatmen, loslassen.

Bewusstsein

Dir selbst vertrauen.

carpe diem

VON DER WURZEL

BIS ZUM BLATT

Nichts wegwerfen,

a les genießen

ANDERS ATMEN

Besser einschlafen,

sich weniger ärgern,

neue Kraft schöpfen

ZEIT FÜR EIN GUTES LEBEN

carpe diem

3/21

FISCH AHOI!

Feine Forelle, zarter Zander:

6 leichte Sommerrezepte

NUR DIE LIEBE

IM GEPÄCK

Geschichte einer

Weltreise, die zur

Paar-Therapie wurde

carpe diem

05/21

ZEIT FÜR EIN GUTES LEBEN

4/21

„Wir brauchen die ganze Truppe, jeden Spieler des Teams, wenn wir erfolgreich s ein wollen.“

Von Apfelschale bis Zahnbürste:

Wie wir unserer Erde und uns selbst Gutes tun

6 TAGE SHAOLIN Selbstversuch in Sachen Buddha HULA-HOOP So entdecken wir das Kreiseln neu

GUT GEERDET Wenn uns die Natur unter Strom setzt MEHR MEER Magische Verwandlung unter Wasser

Heute mach ich nichts

Warum der kleine Leerlauf zwischendurch die beste Entscheidung

fürs Gehirn und die Welt ist. Plus: So geht gut schlafen wirklich

GENIALE GENE Nützen, was in uns steckt LEBENSMUT UND PINGUIN Wie ein Vogel fünf Herzen heilte

SPRÜHENDES GLÜCK Sport mit Gartenschlauch GESCHMACKSSACHE Warum wir mögen, was wir mögen

Warum buntes Essen mehr Energie und ein gutes Bauchgefühl schenkt

Plus: Einfache Ideen für eine farbenfrohe Basenkur daheim

RADFAHREN Eine Liebe fürs Leben SPIELEN Wie es uns aufblühen, wachsen und Mensch sein lässt

TRÄUMEN Im Schlaf selber Regie führen KÖPFELN So gelingt der Mutsprung ins Wasser

Cover [P]_2398590.in d 2 17.05.21 12:20

Podcast

Zeit zum Zuhören

Magazin

6× im Jahr

Online

Zeit für Inspiration

FOTO: GETTYIMAGES

carpediem.life


INNOVATOR

GUIDE

Insider-Infos und Events:

Save the Date:

Innovations-Highlights

der nächsten Wochen //

Red Bull Basement:

Hier verändern

Studenten die Welt //

Kolumne:

Besser fahren –

wie Mobilität unseren

Zusammenhalt stärkt //

Tech -Highlight:

Dieser Reaktor ist heißer

als die Sonne //

INNOVATOR 89


DO IT

GEMEINSAM STAUNEN

Endlich wieder unter Menschen: So es die Vorschriften zu lassen,

öffnen die Innovations-Festivals wieder ihre Tore. Hier verraten wir

die spannendsten Termine im nächsten halben Jahr.

Servus, Roboter:

Formel-1-Weltmeister

Nico Rosberg trifft auf

Technik von morgen.

20

und 21. Januar

Bits and Pretzels

Da sage noch einer, angesichts digitaler

Möglichkeiten sei die Zeit von Vor-Ort-

Events vorbei: Nur 30 Minuten nach Verkaufsstart

hatte das Münchener „Bits &

Pretzels“ bereits 64 Prozent aller Tickets

verkauft. Nachdem die vorige Ausgabe rein

virtuell stattfand, treffen nun auf dem Messegelände

in Riem wieder 5000 Besucher

auf über 200 Speaker, über 300 Aussteller

und mehr als 500 Investoren. Welchen Stelenwert

die Konferenz hat, zeigen die vielen

prominenten Gäste der ver gangenen Jahre

– von Alt-US‐Präsident Barack Obama über

Virgin-Gründer Richard Branson bis Ex-

Google-Chef Eric Schmidt. Bei Speed Dating

Sessions, Table Captain Dinners und Pitches

vor Investoren können Gründer ihre Ideen

vorstellen, Unterstützer gewinnen und ihr

Netzwerk erweitern. Neben dem Haupt-Event

dürfen sich die Teilnehmer auf virtuelle

How-to- Sessions und Masterclasses freuen.

ISM München; bitsandpretzels.com

STEFAN HOBMAIER, TEDXVIENNA

90 INNOVATOR


SAVE THE DATE

Auf dieser Bühne werden

Dinge gesagt, von denen

du nichts wusstest.

Geniale Ideen, die die

Welt – oder deine Sicht

darauf – verändern

können. Mehr wird nicht

verraten.

23

Oktober

TEDxVienna: UNTOLD

„Unerzählte“ Geschichten stehen im Fokus dieses geheimnisvollen

TEDx-Events im Wiener Volkstheater. TEDx – das

sind unabhängig organisierte Ableger der weltberühmten

TED-Talks, die es auch im Internet zum Nachklicken gibt.

Die Veranstalter versprechen einen Blick durchs Schlüsselloch

verborgenen Wissens – wobei so unterschiedliche

Bereiche wie Technologie, Wissenschaft, Design und Ethik

25

München;

sowie zwischenmenschliche Beziehungen Themen sind.

Es ist davon auszugehen, dass dabei das eine oder andere

interessante Geheimnis tatsächlich ausgeplaudert wird.

Obwohl: Sicher ist hier gar nichts! Ganz im Sinne des

Mottos UNTOLD wird das Line-up der Vortragenden erst

am Tag der Veranstaltung bekannt gegeben.

Volkstheater Wien; untold.tedxvienna.at

14

bis 29. Oktober 2und 3. Oktober

Medientage

The Founder

München

Summit

Wie lassen sich Fake-News bekämpfen?

Wie sieht die Zukunft

Start-up aufzuziehen? Dann bist du

Du träumst davon, dein eigenes

von Podcasts aus? Bei diesem sowohl

digital als auch vor Ort erleb-

Festival genau richtig. Hier gewäh-

auf Deutschlands größtem Gründerbaren

Event dreht sich alles um

ren Top-Unternehmen und innovative

Start-ups seltene Einblicke

die Potenziale des Journalismus.

Angekündigt haben sich unter

in ihre Strategien. Dazu kannst du

anderem Sky Deutschland Chef

mit vielen Investoren und Gleichgesinnten

ins Gespräch kommen.

Devesh Raj und „Tagesthemen“-

Moderator Ingo Zamperoni.

RMCC Wiesbaden;

medientage.de

thefoundersummit.de

und 15. Oktober

MO1N Startup

Camp

Newcomer aus dem Norden: Mit

jeder Menge Herzblut haben die

Macher ihr Festival in kurzer Zeit

zum Fixstern der regionalen Startup-Szene

gemacht – inzwischen

sogar mit einer Filiale in Singapur.

Dieses Jahr als Speaker mit

von der Partie: „TikTok-Anwalt“

Tim Hendrik Walter und Swapfiets-Gründer

Richard Burger.

Bremen; moin.camp

INNOVATOR 91


DO IT

Virtuelle Matterhornbesteigung:

Innovative

VR-Technologie und

eine geradezu visionäre

360-Grad-Filmproduktion

machen’s möglich.

29

und 30. Oktober

deGUT

Die renommierte Berliner Messe für

Gründer und Unternehmer geht in

diesem Jahr bereits in die 37. Runde.

Alles, was junge Start-ups an Knowhow

benötigen, finden sie hier

kompakt an einem Ort: praxisnahe

Seminare, Workshops und Keynotes

von Top-Gründern rund um Unternehmensführung

und berufliche

Selbständigkeit. Beim traditionellen

BACB Speed Dating haben fünf ausgewählte

Kandidaten fünf Minuten

Zeit, um das Messepublikum und

die illustre Business-Angel-Jury von

ihrer Geschäftsidee zu überzeugen.

Die Bewerbungsfrist dafür läuft noch

bis 30. September.

Arena Berlin; degut.de

seit

23

Juni

Red Bull The Edge

Der Wind pfeift, das Adrenalin fließt. Wo ist der nächste sichere Griff? Gleich

hast du den Gipfel des Matterhorns erreicht und genießt die atemberaubende

Aussicht. Moment: Wir befinden uns nicht auf 4478 Meter Seehöhe, sondern

in der neuen Red Bull The Edge Erlebnishalle im Verkehrshaus Luzern.

360-Grad- Panorama-Bilder aus der VR-Brille und reale Elemente wie Bouldergriffe

verschmelzen hier zu einem Gesamterlebnis, in dem Realität und Virtualität

kaum zu unterscheiden sind. Ein Kick für wagemutige Gipfelstürmer.

Verkehrshaus der Schweiz, Luzern;

verkehrshaus.ch/besuchen/the-edge.html

Speaker: Zuletzt trat

etwa Christian Kroll, CEO

der ökologischen Suchmaschine

Ecosia, auf.

ROMINA AMATO, DAVID AUSSERHOFER

92 INNOVATOR


SAVE THE DATE

22

bis

24. Oktober

Entrepreneurship

Summit

Wirtschaft muss Antworten

auf drängende Fragen unserer

Zeit finden. Aus dieser

Überzeugung gründete

Günter Faltin seinen Summit,

der sich dieses Jahr dem

Thema Transparenz widmet.

Tübingens Oberbürgermeister

Boris Palmer gewährt

Einblicke in die Zukunft der

Stadtplanung. Je nach Vorschriften

steigt das Event

digital oder zudem vor Ort.

Berlin; entrepreneurship.de

5

und 6. April

hub.berlin

Wer übermorgen prägen will,

muss sich heute mit den richtigen

Menschen zusammentun.

Getreu dieser Überzeugung

bietet die Zukunfts-Konferenz

hub.berlin ihren mehr als

8000 Teilnehmern jede Menge

Möglichkeiten, sich miteinander

zu vernetzen. Fast alle von

ihnen haben einen Tech-Hintergrund

und kommen aus innovativen

Start-ups, der Politik

oder Forschungsinstituten aus

der ganzen Welt. Damit jeder

Teilnehmende passende Gesprächspartner

findet, bietet

das Festival eine eigene „Kontakt-Vermittlung“,

vier verschiedene

Netzwerk-Bereiche

sowie zahlreiche Kennenlern-

Veranstaltungen.

Station Berlin, hub.berlin

19

Oktober

The Funding

Cocktail

Mit Innovationen die Welt verbessern:

Dabei möchte Wayra,

der weltweit größte unternehmenseigene

Accelerator,

Gründer unterstützen. 2020

half das Programm des Telefónica-Konzerns

Start-ups,

über 2,7 Millionen Euro Umsatz

zu generieren. Mit The

Funding Cocktail bietet Wayra

nun Investoren die Chance,

sich von Tech-Pionieren zu

aktuellen Themen inspirieren

zu lassen und sich auszutauschen

– sowohl vor Ort

als auch virtuell.

München; wayra.de

Mit Höhenverstellung

GO CURVED OR GO HOME!

Mit den Gaming-Curved-Monitoren der 66er-Serie bist Du einfach näher dran!

Tauche in Deine Welt ein und gewinne!

65

Finde Dein passendes Produkt unter

gmaster.iiyama.com


DO IT RED BULL BASEMENT

Bei Red Bull

Basement sind

Studierende aller

Disziplinen und

Fachrichtungen

gefordert. Welche

Idee hat das

Zeug, die Welt

zu verändern?

Red Bull Basement

STUDENTEN

GEBEN STOFF

Red Bull Basement geht in die

nächste Runde. Von 1. September

bis 24. Oktober sind wieder

außergewöhnliche Ideen gefragt.

Beim globalen Studenten-

Event Red Bull Basement

werden Ideen beflügelt, die

die Welt zum Besseren verändern.

Seit 2015 wurden

und werden dabei zahlreiche

innovative Einfälle ausgezeichnet,

weiterentwickelt und bis zur

Marktreife gebracht. Im Vorjahr

schnappte sich ein junges Duo

aus London den Preis – mit dem

Entwurf einer nachhaltigen

Waschmaschine, die noch in der

kleinsten Studentenbude Platz

hat. Man darf gespannt sein, wer

dieses Jahr das Rennen macht.

Voraussetzungen

Um bei Red Bull Basement (Partner:

global technology services

company for a connected future

NTT) anzudocken, muss man

kein Start- up oder gar Nachfahre

von Daniel Düsentrieb sein.

Teilnahmeberechtigt sind alle

Studierenden über achtzehn, die

der englischen Sprache mächtig

und in einem der 45 Teilnehmerstaaten

wohnhaft sind. Wer das

erfüllt, ist eingeladen, seine weltverändernde

Idee einzusenden

und mit der Community zu teilen.

Teamwork

Man bewirbt sich als Einzelperson

oder im Zweierteam, um seine

Idee zu verkörpern. Im Hintergrund

dürfen auch noch mehr

Teammitglieder mitwirken.

redbullbasement.com, hello.global.ntt

Call to Action

DEINE IDEE ZÄHLT

1. September – 24. Oktober

BEWERBUNGSPHASE Idee

auf den Punkt bringen, kurzes

Video (max. 60 Sekunden)

aufnehmen und hochladen

auf: redbullbasement.com

25. – 31. Oktober

AUSWERTUNG durch lokale

und globale Jurys auf Basis der

Kriterien Machbarkeit, Impact,

Kreativität sowie gemäß dem

Ergebnis des Online-Publikumsvotings

(„shout-out“).

2. November

BEKANNTGABE der Landessieger

aus den 45 Teilnehmerstaaten.

Danach Development-

Phase: Alle Final-Teams

werden bei der Aus arbeitung

ihrer Präsentation professionell

unterstützt.

13. – 15. Dezember

KÜR des Gewinners beim

Global Final in Istanbul.

ALEXANDER SCHWARZ/RED BULL CONTENT POOL (2)

94 INNOVATOR


Spitz

die Ohren

The Red Bulletin gibt’s nun auch zum

Anhören: inspirierende Interviews, scharfe

Porträts, abenteuerliche Reportagen.

Jeden Mittwoch –

überall, wo es Podcasts gibt.

Jetzt reinhören

und gleich abonnieren.

Plus:

MICHAEL KÖHLMEIERS

Kolumne

Boulevard der Helden

als Podcast-Serie


KOLUMNE

GEMEINSAM FÄHRT

MAN BESSER

Selbstfahrende Autos für Blinde und Hacker,

die günstiges Bikesharing für alle ermöglichen:

In ihrem neuen Buch zeigt Dr. Nari Kahle,

wie Mobilitätskonzepte unsere Gesellschaft

stärken können. Hier nennt sie vier Beispiele.

Dr. Nari Kahle

35, arbeitet seit 2015

im Volkswagen Konzern,

unter anderem als

Leiterin für soziale

Nachhaltigkeit. Aktuell

ist sie Head of Strategic

Programs bei CARIAD SE,

dem Software- und

Technologieunternehmen

innerhalb des Volkswagen

Konzerns.

O

b Hyperloop-Systeme, die

uns in Kapseln mit bis zu

1200 km/h durch Röhren

von einer Stadt zur nächsten

schießen, oder Flugtaxis,

die uns zur Arbeit bringen:

Denken wir an die Mobilität

der Zukunft, geht es meist um Konzepte,

die uns umweltschonender, schneller

und komfortabler ans Ziel bringen. Und

es stimmt ja auch: Solche Innovationen

werden unser Leben und unsere Gesellschaft

revolutionieren – und das auf

so vielfältige Weise, dass manche Effekte

noch gar nicht in unserem Bewusstsein

angekommen sind, obwohl sie nicht

weniger spektakulär sind als Hyperloop-

Kapseln. Worum es mir geht, sind die

Chancen, die neue Mobilitätsformen

für unser Zusammenleben bedeuten,

besonders für bisher benachteiligte Menschen.

Ich bin davon überzeugt, dass

neue Verkehrskonzepte unsere Gemeinschaft

fairer, sozialer und solidarischer

machen können. Wie das funktionieren

kann, erklären Pioniere aus verschiedenen

Disziplinen in meinem neuen Buch

„Mobilität in Bewegung“. Hier kommen

vier Ansätze, die mich besonders faszinieren.

Keine Visionen für übermorgen,

sondern Ideen, die bereits umgesetzt

werden (oder kurz davor sind), und neue

Blickwinkel, die bestehende Möglichkeiten

in neuem Licht erscheinen lassen.

1. Busse auf Zuruf fürs Land

Wenn Städter von E-Scootern zum

Mieten an jeder Ecke oder Bike-Sharing

erzählen, zucken Landbewohner oft mit

den Schultern. Weil am Land weniger

Menschen leben, lohnen sich solche Angebote

dort nicht. Tatsächlich verfügen

heute viele Dörfer noch nicht einmal

über eine Busanbindung. Das ändert sich

gerade. Schließlich erlauben digitale Technologien

einen wesentlich effizienteren

Einsatz von Mobilität. Die Idee: per

Smartphone bestellbare Shuttles, die

ihre Passagiere zu Knotenpunkten fahren.

Kunden sehen in Echtzeit am Handy,

wo ein Bus oder Transporter gerade ist,

und können ihn kurzfristig für die benötigte

Fahrt buchen. Vom Knotenpunkt,

etwa einem (Bus-)Bahnhof, kann es

dann weiter gehen – etwa in die nächste

Stadt. Im niederbayerischen Freyung

gibt es ein solches Angebot bereits.

2. Bikes für alle

Viele Menschen ziehen aus der Stadt weg,

weil sie dem Trubel entfliehen, der Natur

näher sein möchten. Andere wiederum

können sich eine Wohnung im Zentrum

schlicht nicht mehr leisten und leben deshalb

in urbanen Randgebieten. Weil vielen

von ihnen selbst das Geld für ein Monatsticket

fehlt, verlieren sie den Anschluss

an die Stadt und deren Angebote für Freizeit,

Kultur, aber auch Bildung und Medizin.

Um zu verhindern, dass unsere Gesellschaft

noch weiter auseinanderdriftet,

arbeiten Mobilitäts-Hacker an solidarischen

Non-Profit-Lösungen. Für mein

Buch habe ich etwa mit Hackern gesprochen,

die in Ulm mit einer Open-Source-

Software kostengünstiges Bikesharing

anbieten wollen. Oder mit den Machern

eines Sozio-Med-Mobils, das ältere Menschen

digital buchen können, damit es

sie zu Fach ärzten in der Stadt bringt.

3. Autos für Blinde

Während der Autofahrt ins Büro ein

Buch lesen, auf der Rückfahrt ein Computerspiel

zocken oder ein Nickerchen

einlegen: Wenn wir an selbstfahrende

Autos denken, fällt vielen neben der

höheren Verkehrssicherheit zuerst der

gewonnene Komfort ein. Für manche

Menschen jedoch werden sie eine bis

dahin undenkbare Freiheit ermöglichen.

Niemand weiß das besser als Steve

Mahan, der 2015 in Texas die erste Testfahrt

mit einem selbstfahrenden Auto

PAUL MEIXNER

96 INNOVATOR


READ IT

IMPRESSUM

MICH FASZINIERT,

WIE WIR GRENZEN ÜBER­

WINDEN KÖNNEN, WENN

WIR REISEN NEU DENKEN.

auf öffent lichen Straßen wagte und im

dabei gedrehten Video berichtet, wie viel

Hoffnung er als Blinder in diese Technik

setzt. In der Forschung gibt es bereits

Über legungen, wie fortschrittliche Sprachsteuerung

oder haptisches Feedback

Menschen mit Sehbehinderung die Bedienung

erleichtern könnten. Auch andere

Menschen mit körperlicher oder geistiger

Behinderung werden Unabhängigkeit

gewinnen – und selbst entscheiden, wann

sie einen Freund im Nachbarort besuchen

oder zu einem Konzert fahren.

4. Weltreisen für Stubenhocker

Wir alle haben in letzter Zeit wegen der

Pandemie eine neue Form des Reisens

ausprobiert, für die wir weder viel Geld

benötigen, noch die Wohnung verlassen

müssen. Die Videokonferenz ersetzte

Dienstreisen. Gerade Menschen mit

finanziellen oder körperlichen Einschränkungen

wird das in Zukunft neue

Perspektiven eröffnen. So werden sie an

Schulen und Unis auf der ganzen Welt

studieren können und Jobs rund um den

Globus finden. Die Möglichkeiten, an

Meetings, Vor trägen, Kursen und sogar

ganzen Studiengängen digital teilzunehmen,

werden immer besser. Natürlich

bleibt der Vor-Ort-Kontakt von Mensch

zu Mensch gerade für benachteiligte

Menschen wichtig, und digitale Angebote

allein sind nicht die Lösung. Aber mich

fasziniert die Vorstellung, wie Menschen

Grenzen überwinden können, wenn wir

nicht nur Fortbewegungsmittel neu

erfinden, sondern auch an einer neuen

Vorstellung von Mobilität arbeiten.

Reisen im Kopf: Das bedeutet mehr als

bloß von A nach B zu kommen.

Mehr Erkenntnisse,

wie Mobilität unsere

Gemeinschaft stärken

kann, finden sich im

Buch „Mobilität in Bewegung“

von Dr. Nari

Kahle (264 Seiten,

25 Euro). narikahle.com

Gesamtleitung The Red Bulletin

Alexander Müller-Macheck (Ltg.), Sara Car-Varming

Chefredaktion The Red Bulletin

Andreas Rottenschlager (Ltg.), Andreas Wollinger

Chefredakteur Innovator

Arek Piatek

Creative Director Innovator

Kasimir Reimann (Ltg.), Erik Turek

Art Direction Marion Bernert-Thomann,

Miles English, Tara Thompson

Grafik Martina de Carvalho-Hutter,

Cornelia Gleichweit, Kevin Goll

Fotoredaktion Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty

(Stv.), Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör

Digitalredaktion Christian Eberle-Abasolo (Ltg.),

Marie-Maxime Dricot, Melissa Gordon,

Lisa Hechenberger, Elena Rodriguez Angelina,

Benjamin Sullivan

Head of Audio Florian Obkircher

Chefin vom Dienst Marion Lukas-Wildmann

Managing Editor Ulrich Corazza

Publishing Management Ivona Glibusic, Bernhard

Schmied, Melissa Stutz, Anna Wilczek

Managing Director Stefan Ebner

Head of Media Sales & Partnerships

Lukas Scharmbacher

Head of Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger

Projektmanagement Co-Publishing,

B2B-Marketing & Communication

Katrin Sigl (Ltg.), Mathias Blaha, Katrin Dollenz,

Thomas Hammerschmied, Teresa Kronreif (B2B),

Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner

(Communication), Jennifer Silberschneider

Creative Services

Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka,

Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart

Commercial Management Co-Publishing

Alexandra Ita

Editorial Co-Publishing

Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann,

Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser

Executive Creative Director Markus Kietreiber

Senior Manager Creative Elisabeth Kopanz

Art Direction Commercial & Co-Publishing

Peter Knehtl (Ltg.), Erwin Edtmayer, Simone Fischer,

Martina Maier, Andreea Parvu, Carina Schaittenberger,

Alexandra Schendl, Julia Schinzel, Florian Solly,

Dominik Uhl, Sophie Weidinger, Stephan Zenz

Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Marija Althajm,

Nicole Glaser, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar

Anzeigenservice

Manuela Brandstätter, Monika Spitaler

Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.),

Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig

Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis,

Nenad Isailovic, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher

Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Klaus Pleninger

MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler

Operations Melanie Grasserbauer,

Alexander Peham, Thomas Platzer

Projekt Management

Dominik Debriacher, Gabriela-Teresa Humer

Assistant to General Management Sandra Artacker

Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer

Verlagsanschrift Am grünen Prater 3, A-1020 Wien

Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809

Web redbulletin.com

Medieninhaber, Verlag & Herausgeber

Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-

Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i,

Landesgericht Salzburg, ATU63611700

Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz,

Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber

INNOVATOR BY THE RED BULLETIN

Deutschland, ISSN 2079-4258

Länderredaktion

David Mayer

Country Project Management

Nina Hahn

Lektorat

Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert, Monika

Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek, Belinda

Mautner, Klaus Peham, Vera Pink

Media Sales & Partnerships

Thomas Hutterer (Markenlead),

Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner,

Ines Gruber, Thomas Gubier, Daniela Güpner,

Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner,

Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher,

Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-

Schär, Ellen Wittmann-Sochor, Ute Wolker,

Christian Wörndle, Sabine Zölß

INNOVATOR BY THE RED BULLETIN

Österreich, ISSN 1995-8838

Länderredaktion

Arek Piatek

Country Project Management

Ivona Glibusic

Lektorat

siehe entsprechenden Eintrag

bei Deutschland

Media Sales & Partnerships

Thomas Hutterer (Markenlead),

Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner,

Ines Gruber, Thomas Gubier, Daniela Güpner,

Wolfgang Kröll, Gabriele Matijevic-Beisteiner,

Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher,

Jennifer Sabejew, Johannes Wahrmann-

Schär, Ellen Wittmann-Sochor, Ute Wolker,

Christian Wörndle, Sabine Zölß

anzeigen@at.redbulletin.com

Sales Operations & Development

Anna Schönauer (Ltg.), David Mühlbacher

Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz

Informationen zum Medieninhaber

sind ständig und unmittelbar unter

folgender Web-Adresse auffindbar:

redbull.com/im/de_AT

Kontakt

redaktion@at.redbulletin.com

INNOVATOR BY THE RED BULLETIN

Schweiz, ISSN 2308-5886

Länderredaktion

Arek Piatek

Country Project Management

Melissa Stutz (Ltg.), Ivona Glibusic

Lektorat

siehe entsprechenden Eintrag bei Österreich

Media Sales & Brand Partnerships

Stefan Brütsch (Team Lead),

stefan.bruetsch@redbull.com

Marcel Bannwart,

marcel.bannwart@redbull.com

Christian Bürgi,

christian.buergi@redbull.com

Jessica Pünchera,

jessica.puenchera@redbull.com

Goldbach Publishing

Marco Nicoli

marco.nicoli@goldbach.com

INNOVATOR 97


TECHNIK- HIGHLIGHT

Kühles Design, aber absolut uncool:

Der Fusionsreaktor EAST

stellte einen neuen Weltrekord

bei der Kernfusion auf.

150 Millionen Grad

Arbeitstemperatur

Im Juli dieses Jahres gelang chinesischen

Forschern eine Sensation: Mit

dem Kernfusionsreaktor EAST verschmolzen

sie zwei Wasserstoff-Atomkerne

– zehn Sekunden lang. Diese

aufsehenerregend lange Fusionszeit

(in der außerordentlich viel Energie frei

wird) war allerdings nur unter Extrembedingungen

möglich: Nicht weniger als

150 Millionen Grad Celsius betrug dabei

die Betriebstemperatur des EAST, also

rund zehnmal so heiß wie die Temperatur

im Sonnen-Inneren. Sinn des Experiments:

Die bei Kernfusionen gewonnene

Energie könnte künftig eine saubere

Alternative zur Energiegewinnung aus

fossilen Brennstoffen sein, da weder

Treibhausgase freigesetzt werden noch

radio aktiver Abfall entsteht, wie etwa bei

der Kernspaltung in Atomkraftwerken.

DIESER REAKTOR

WIRD ZEHNMAL SO

HEISS WIE DIE SONNE.

EAST AREK PIATEK

98 INNOVATOR


INNOVATE AT UNIVERSITY TODAY,

DISRUPT THE WORLD TOMORROW

APPLY BY OCT 24TH

REDBULLBASEMENT.COM

RED BULL GIVES YOU WIIINGS.


Pure Emotion.

Streetfighter V4 S

The Fight Formula

www.ducati.de

Die Streetfighter V4 verkörpert die “Fight Formula” von Ducati: eine Panigale V4 ohne Verkleidung. 178 Kilo leicht.

Komplettes Ducati Elektronik-Paket. Breiter Lenker. Seitliche Winglets. Der 1.103 cm³ Desmosedici Stradale

mit 208 PS macht sie zur ultimativen Ducati Super Naked – gefeiert von Motorradfahrern auf der ganzen Welt

und den internationalen Medien. Alle Modelle der Ducati Streetfighter V4-Reihe erfüllen jetzt die strenge

Euro 5-Abgasnorm zur Schadstoffreduzierung. Zu den Neuerungen zählen Features wie die verbesserte Bremsund

Kupplungspumpe. Beide sind jetzt selbstentlüftend und wurden erstmals bei der Superleggera V4 eingesetzt.

Als Farben stehen Ducati Red und Dark Stealth für die Streetfighter V4 S zur Wahl.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Ducati Händler und auf www.ducati.de

Hubraum 1.103 cm³ | Leistung 208 PS (153 kW) bei 12.750 U/min | Drehmoment 123 Nm bei 11.500 U/min | Trockengewicht 178 kg

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