Balancer Nr. 82, 3/2021

BALANCEKommunikation

Der „Balancer“ berichtet als Fach- und Vereinszeitschrift über die Aktivitäten von BALANCE, bekennt sich zu dessen Leitbild und Grundsätzen und thematisiert besonders relevante Themen und Ereignisse, die Menschen mit Behinderungen betreffen. Der „Balancer“ folgt inhaltlich dem Bekenntnis des Art. 7 der Bundesverfassung, nach welchem es ein Grundrecht aller Menschen ist, gleichberechtigt und ohne Diskriminierung zu leben. Der Balancer ist ein einzigartiges Zeitschriften-Projekt in Österreich und besteht aus einer inklusiven Redaktion, in der Profi-JournalistInnen und Fachkräfte schreiben, aber auch Laien und Menschen mit Behinderungen mit Unterstützung Texte verfassen und die Themen gemeinsam bestimmen.

Zeitschrift von BALANCE . Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren . Ausgabe Nr. 82. 3/2021 . Jahrgang 23

Thema

Liebe

Unterstütztes

Wohnen

Mittendrin.Sein.Können

Musik

Wir machen den

Käfig zur Bühne


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EDITORIAL / VOR DEN VORHANG

BALANCER 82, 3/2021

Editorial

Von Helga Hiebl

Hatten Sie einen schönen Sommer? Nach einer Zeit des Genießens, Urlaubens,

Ausflügelns und Entschleunigens nimmt der Alltag überall schön

langsam wieder Fahrt auf, auch in der Balancer-Redaktion. Die letzte Sitzung

im Jahr wird vorbereitet, das letzte Heft besprochen und natürlich

der aktuellen Ausgabe der letzte Schliff verpasst, die Sie nun in Ihren Händen

halten.

Unser Schwerpunkt ist diesmal ein wirklich großes menschliches und unverzichtbares

Thema: Die Liebe! Dabei reflektieren wir den Einfluss der

Pandemie, schauen in die Mythenwelt der Liebesgött:innen, geben Einblicke

in persönliche Erfahrungen beim Zusammenleben, Kennenlernen

und auf der Suche und blicken schließlich auch auf die Schattenseite der

Liebe.

Vom Schatten wenden wir uns dann dem vergangenen Sommer voller

Licht und Wärme zu, ob in einem Bericht vom Tanzfestival ImPulsTanz,

der Agora am Donaukanal oder von zwei radelnden Menschen, die von

Frankreich nach Neukaledonien unterwegs sind.

Und dann noch Musik! Wir stellen Mary Broadcast und ihr neues Album

vor und berichten von den „Käfigkonzerten“, die heuer in Wien für gute

Stimmung und Aufsehen sorgten!

Viel Vergnügen wünscht die Redaktion!

Inhalt

Vorgestellt

03 David Brauner

BALANCE Intern

04 Das Sonnenhof-Blatt

Sendung ohne Barrieren: So lebe ich!

BALANCE Pinnwand

05 Bericht vom Selbstvertretungstag

06 Die starken Göttinnen der Liebe

07 Ohne Vorstellung ein guter Zweck

erfüllt

Auf der Agora-Bühne – Ich liebe dich!

Wortkreuzrätsel

Thema: Liebe

08 Vom Contact-Tracing zum liebevollen

Kontakt mit der Welt

10 Verliebt, verliebt, verliebt

12 Das ist keine Liebe, sag NEIN!

13 Von der dunklen Seite der Liebe

Interbalance

14 Liebe bedeutet Zusammenhalt

BALANCE Kunst

16 Majed Al Lamy & Friedrich Ettenauer

Tanz/Bewegung

18 ImPulsTanz goes Yoga

International

22 Mit dem Fahrrad von Frankreich nach

Neukaledonien

Extern/Musik

24 Leben für die Musik – Mary tut es!

Tagesstruktur Vernetzung

24 Wir machen den Käfig zur Bühne!

Unterstütztes Wohnen

26 Mittendrin.Sein.Können

P. S. Wir freuen uns über Rückmeldungen zu unserer Arbeit entweder per

Mail an h.hiebl@balance.at oder auf der BALANCE-Website unter https://

www.balance.at/feedback-balancer

Pro & Contra

30 Dating Apps

31 Impressum

Das Cover

zeigt eine Arbeit der Künstlerin Barbara Plak aus dem bildBalance Atelier Maria Ponsee mit

dem Titel „Die Staubkornbewohner – Figuren einer Familie“.

Die dargestellten Figuren sind angelehnt an die Comicfiguren des Animationsfilms „Horton

hört ein HU“. Es sind Staubkornbewohner:innen, die auf einer Blume wohnen.

Barbara Plak mag diese Figuren sehr, weil sie so fröhlich und ihre Häuser so vielfärbig sind.

Barbara Plak: „Die Staubkornbewohner – Figuren einer Familie“

Acryl auf Papier, 50 cm hoch, 2019

Foto: A. Berger


BALANCER 82, 3/2021

VORGESTELLT

3

Über

mich:

David Brauner

43 Jahre, schon als Zivildiener

bei BALANCE, insgesamt seit

18 Jahren bei BALANCE, seit

heuer Leitung Tagesstruktur

SoHo, Studium Philosophie,

lebt in einer Partnerschaft und

hat zwei Kinder (9 und 5 Jahre)

Ich bin …

… schon ziemlich lange bei BALANCE

… die neue Leitung der Tagesstruktur SoHo–

weil ich etwas Neues ausprobieren möchte

Ich mag es, …

… wenn die Sonne scheint, mit meiner

Familie, mit Freund:innen oder auch

alleine etwas zu unternehmen

… andere Perspektiven einzunehmen

… unterwegs zu sein

… in den Tag hineinzuleben und zu schauen,

was passiert

Das gefällt anderen an mir:

… Ich habe Humor

… Ich kann gut zuhören … merke mir aber

leider nicht alles

… Ich bin hilfsbereit und fair

Das ist mir in meiner Arbeit bei BALANCE wichtig:

… Ein freundlicher und wertschätzender

Umgang miteinander

… Gemeinsam gute Lösungen zu finden

… Daran zu glauben, dass es klappt

So kann man mich gut unterstützen:

… Indem man mir ausreichend Zeit gibt, die

Dinge gut zu verstehen

… Indem man ehrlich zu mir ist

Was ich gut kann und gerne mache:

… Ich kann gut erklären … zumindest mache

ich es gerne

Was mir noch wichtig ist:

… Jede:r soll zu Wort kommen und sich

einbringen können

Foto: D. Brauner privat


4

INTERN

BALANCER 82, 1/2021

Das

Sonnenhof-Blatt

Um im Lockdown einen Einblick in die Arbeit des Tagesstruktur-

Angebots geben zu können, haben Teilnehmer:innen und Mitar beiter:

innen ein Zeitungsprojekt gestartet. Die Zielgruppe sind Bewohner:innen

des Wohnverbunds Sonnenhof und Mit ar bei ter: innen

und Teilnehmer:innen der Tagesstruktur SoHo. Mittlerweile wird

das SoHo-Blatt aber auch in anderen Bereichen bei BALANCE gern

gelesen. Die erste Ausgabe erschien noch gegen Ende des Jahres

2020, nun ist bereits eine weitere Frühlings- und eine Sommerausgabe

erschienen.

Das Sonnenhof-Blatt enthält eine fröhlich-bunte Mischung zum

Spielen, Lesen, Fotos anschauen, Lachen, Rätseln und Wundern! Alle

bisher erschienenen Ausgaben kann man auf der BALANCE-Webseite

unter dem Standort Tagesstruktur SoHo als PDF her unter laden

und lesen. (heh)

https://www.balance.at/tagesstruktur/standorte/tagesstrukturstandort-soho

So lebe ich!

Ein Filmdreh für eine weitere Folge der Sendereihe „Sendung ohne Barrieren“ fand im Juli

2021 bei BALANCE statt. Diesmal porträtierten wir Gitti Wallner. Sie zeigt in dieser Folge, wie

sie ihren Alltag meistert und welche Unterstützung sie sich dafür organisiert, zuhause wie

auch in der Tagesstruktur SoHo, wo sie im Küchenteam mitarbeitet. Die Sendung wurde auf

okto.tv am 03. August 2021 ausgestrahlt. Nachsehen kann man die Folge aber auch jetzt

noch unter www.sendungohnebarrieren.com (heh)

Foto: BALANCE Archiv/H. Hiebl


Pinn

wand.

Bericht vom

SELBSTVERTRETUNGSTAG

Coronabedingt fand der diesjährige Selbstvertretungs-Tag virtuell statt.

Im Okto-Studio wurde produziert und ins Internet übertragen. Mit dabei

waren unter anderem FSW-Geschäftsführerin Anita Bauer, Erick Girlek,

ein langjähriger Selbstvertreter aus Salzburg, das Selbstvertretungs-

Zentrum Wien, der FSW-Kund:innen-Rat und die Peer-Streitschlichter:innen.

Zuseher:innen hatten via Facebook-Seite des FSW auch die Möglichkeit,

Fragen zu stellen.

Von Gitti Wallner und Manuela Paschinger

Zuerst gab es eine Eröffnungsrede von Peter Hacker (Sozialstadtrat) und Robert

Bacher (Fonds Soziales Wien, Fachbereichsleiter). Beide haben auch über den

kürzlich verstorbenen Herbert Pichler einen Nachruf gehalten und dazu waren

Bilder von Herbert Pichler zu sehen.

Besonders gut gefallen hat mir das Online-Interview mit

Herrn Erik Girlek aus Salzburg. Dort ist er Selbstvertreter

und vertritt den EU-Maß nahmen plan in der Regierung. In

der Regierung setzt er sich für Menschen mit Behinderung

ein, sodass bei neuen Beschlüssen oder Bauvorhaben auch

alles so geplant wird, dass es auch für Menschen mit

Beeinträchtigungen gut erreichbar ist. Er hält auch an den

Fachhochschulen in Salzburg und Ober österreich Vorträge

zu diesen Themen. Ich finde Herrn Girlek sehr sympathisch

und habe sein Interview sehr aufmerksam verfolgt.

Danach hat sich der Kund:innenrat vom FSW (Fonds

Soziales Wien) vorgestellt und erzählt, dass sie jetzt einige

Schulungen absolvieren und eine eigene Webseite

gestalten wollen, auf der man sich erkundigen kann, was

ihre Aufgaben für die Zukunft sein werden, diese sei aber

noch im Aufbau. Bei der Internetseite wurden auch die

Selbstvertreter:innen vorgestellt und ihre Beiträge vorgetragen.

Es hat mich sehr gefreut, dass mein Beitrag

hierbei erwähnt wurde. Von BALANCE ist als Ersatzmitglied

Helga Horak – Teilnehmerin der Tagesstruktur BALANCE

Fuchsenfeld – im Kund:innenrat.

Nach dem Kund:innenrat gab es ein Liveinterview mit Anita Bauer (Ge schäftsführerin

des Fonds Soziales Wien). Hier konnte man Fragen hinschicken und die

wurden dann im Gespräch beantwortet. Ich habe auch Fragen gestellt, die

beantwortet wurden, einige wurden auch auf der Internetseite beantwortet.

Foto: BALANCE Archiv

Zum Schluss hat sich noch das Peer-Streitschlicht-Team (Agentur Sonnenklar)

vorgestellt, die bei Problemen in der Tagesstruktur oder im Unterstützten

Wohnen kontaktiert werden können und dann in die jeweilige Einrichtung

kommen.

www.kundinnenrat.fsw.at

www.agentur-sonnenklar.at

www.fsw.at


BALANCER 82, 3/2021 PINNWAND 6

Pinn

wand.

Aphrodite, die griechische Göttin der Liebe, ist

gleichzusetzen mit der römischen Göttin Venus. Sie gilt

als eine der bekanntesten Vertreterinnen ihres Standes.

Eros ist der männliche Part zu Aphrodite und ihr Sohn

Amor der von Venus. Eros und Amor sieht man mit Pfeil

und Bogen, wobei zu erwähnen ist, dass wenn man von

einem Bleipfeil getroffen wird, die Legende besagt, dass

man sich nicht verlieben kann. Das Gegenteil ist der Fall,

wenn der Goldpfeil einen ins Herz trifft. Eine Version von

Amor gibt es sogar in der indischen Welt der Gottheiten, er

heißt Kamadeva und steht für das unbändige Verlangen.

Sein Bogen besteht aus Zuckerrohr, die Sehne aus Bienen.

Die Macht des Kamadeva ist so groß, dass weder Mensch

noch Gott oder Göttin widerstehen können, wenn einmal

getroffen.

Nun aber in eines der Länder, die mir sehr am Herzen liegen,

nämlich Ägypten, genauer gesagt das alte Ägypten.

Dort ist Hathor die Göttin der Liebe. Eine andere Form der

Weiblichkeit repräsentiert dort die löwengestaltige Göttin

Sachmet. Sie steht für die wilde, ungezähmte und feurige,

ja sogar gewaltbereite Kraft des weiblichen und verkörpert

in weiblicher Gestalt Mut und Durchsetzungsvermögen.

Die Göttin Istar wurde unter anderem in Babylonien verehrt.

Sie verkörperte erotisches Verlangen, stand aber

ebenfalls für Kampf, Sexualität und Krieg. In vielen Mythen

setzt sich Istar mit Hilfe ihrer Sexualität dort durch,

wo andere Götter scheiterten.

Illsutration: Nina Ober

Die starken

Göttinnen der

Liebe

Je nachdem, in welcher Mythologie man nachliest, gibt

es verschiedene Gottheiten der Liebe, die verehrt

wurden, meistens sind diese weiblich. Oft werden sie

unterschieden in Gottheiten der Liebe, der Sexualität

oder der Fruchtbarkeit, sehr häufig sind sie

verbunden mit Kampf und Tod.

Von Pia Wolf

Auch in den skandinavischen Mythen ist die Liebesgöttin

eine durchaus kämpferische Gottheit. Freya heißt sie dort

und ist sehr bedeutend unter den Gottheiten. Als Liebesgöttin,

Göttin der Ehe, Göttin der Zauberei, aber auch als

Kriegs- und Totengöttin galt sie als eine der wichtigsten

Gottheiten. Sie wurde erst später zur germanischen Venus

umgeschrieben. Freya besitzt im Mythos ein von Zwergen

geschmiedetes Halsband, einen von Waldkatzen gezogenen

Wagen und ein Falkengewand, mit dem man wie ein

Falke durch die Lüfte gleiten kann. In Grímnismál (eines

der Lieder in der Edda) erscheint sie als Todesgöttin. Auch

die Zauberinnen Gullveig und Heid, die den Krieg zwischen

Asen und Wanen entfachen, werden für Versionen

der Göttin Freya gehalten. In der Edda geht es außerdem

sehr gleichberechtigt zu, Freya erhält immer, wenn sie einem

Kampf beiwohnt, die Hälfte der Gefallenen, die andere

Hälfte fällt Odin zu.

Kein Wunder also, dass sich so manche modernen

Feministinnen heute auf diese starken Göttinnen beziehen

und das historische Bild der friedfertigen, untertänigen

und immer freundlichen Frau hinterfragen.


BALANCER 82, 3/2021 PINNWAND 7

OHNE VORSTELLUNG

ein guter Zweck

erfüllt

Jedes Jahr organisiert Kulturreferent Manfred

Bichler in Zwentendorf eine Benefizvorstellung

mit bekannten und beliebten

Kabarettist:innen. Im April 2020 sollten Herbert

Steinböck, Gerold Rudle, Mike Supancic

und Thomas Stipsits auf der Bühne die Menschen

unterhalten, aber die Veranstaltung

musste wegen Corona abgesagt werden.

Doch das Zwentendorfer Publikum zeigte

Herz und nur wenige, bereits verkaufte Eintrittskarten

mussten zurückgezahlt werden.

Übergabe der Spende

mit (v. l.) Manfred Bichler,

Elisabeth Gruber,

Michaela Öcker, Judith

Pokorny, Marianne

Kühtreiber und Erika

Degen. Foto: Knöpfl

Engagierte Mitglieder

des Pensionist:innen-

Verbandes Zwentendorf

sammelten Waren für den

Flohmarkt in Zwentendorf

und erlösten einen

stattlichen Betrag. Private

Spender:innen rundeten

den Betrag auf 500 Euro

auf, der dann an den

Verein BALANCE in Maria

Ponsee für den Ankauf von

Musikinstrumenten und

therapeutischem Material

übergeben wurde. Die

Übergabe fand im Rahmen

des I-Cafés am 08.09.2021

statt. (heh)

Bei der Übergabe

waren (v. l.) Ingrid

Bauer, Renate

Ochenstaler, Obmann

Hermann Kühtreiber,

Patrik Schiegl, Alois

Maurer, Leiterin

BALANCE-Standort

Maria Ponsee Michaela

Öcker, Klaus Otepka,

Ernst Obsieger und Iris

Ludwig. Foto: Knöpfl

Inklusive der Spendenbox, die nach jeder

Kabarettvorstellung beim Ausgang steht,

konnten 11.081 Euro je zur Hälfte an BALANCE

und an die Aktion „Save a Soul“ übergeben

werden. Wir von BALANCE bedanken uns sehr

herzlich bei den großzügigen Bürger:innen

und dem wunderbaren Organisator Manfred

Bichler! (heh)

Auf der Agora-Bühne

Ich liebe dich!

Wortkreuzrätsel

1. Künstler:in Balancer-Cover

(Nachname)

2. Abkürzung für Tagesstruktur

3. Römische Liebesgöttin

4. BALANCE-Wohnverbund

5. Sozialstadtrat in Wien

(Vorname)

6. BALANCE-Tagesstruktur

7. A g e n t ur St r e i t -

ˇ4

schlichter:innen

ˇ2

ˇ9

ˇ12

8. Dating App

9. Farbe im Nachnamen des Leiters

der Tagesstruktur SoHo

10. Thema dieser Ausgabe

11. Indische Bewegungsphilosophie

12. Inselgruppe Nähe Australien

ˇ1

ˇ10

ˇ11

ˇ7

ˇ8

1. K

2. A

3. R

4. B

5. S

6. B

7. A

8. D

9. F

10.

11.

12.

Im August spielte auf der Agora-Bühne eine

Band namens Patiri Patau, ein sehr gutes Konzert

… nach dem Auftritt fragte ich den Sänger,

was der Bandname bedeute. Er sagte lächelnd,

das entstamme einer Fantasie-Sprache, die

seine Freundin und er entwickelt hätten …

und heiße: Ich liebe Dich! (chriz)

ˇ6

ˇ5

ˇ3

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8

Thema

KÖRPERBILDER LIEBE

BALANCER 82, 3/2021

Liebe

Vom Contact-Tracing

zum liebevollen

Kontakt mit der Welt

Man sollte zu Hause bleiben. Möglichst niemanden

treffen. Berührung kam auf eine Liste des aufgenötigten

Verzichts. Bei jungen Menschen wurde „Hauthunger“

zum geflügelten Wort und sie zeigen ihn im

Sommer auf der Straße und im Park. Dates werden

nachgeholt. Die Internet-Plattformen vermitteln

und boomen. Tanzpartys steigen wieder. Träume

und Wünsche kommen ins Leben als Flirts, spielerische

Suche, sexuelle Annäherung. Andere suchen

eine Partnerschaft für die nächste Einsamkeit oder

einen Partner fürs Kinder-Machen. Und dennoch, die

Pandemie im Hintergrund bleibt und bestimmt weiter

unser Leben. Wenn jemand im Umfeld an Covid

erkrankt, wird man weiterhin befragt: Mit wem hat

man sich getroffen, wie viele waren es, wie nah, wie

lange? Das nervt und einige Menschen hat die Pandemie

sogar dazu gebracht, sich zurückzuziehen von

Beziehungen und damit von einem wichtigen Zugang

zu sich selbst und zur Welt. Das erlebten so viele

Menschen gleichzeitig wie nie zuvor und es betrifft

alle Altersgruppen und geht quer durch alle Berufe.

Lebenswelten

In der Covid-Pandemie haben viele Menschen Erfahrungen

mit Depressionen gemacht. Die Welt ist für

sie unzugänglicher und dunkler geworden, einige

haben ihre Wünsche und ihren Antrieb verloren,

sich mit der Welt da draußen auseinanderzusetzen.

Psycholog:innen haben dieses Erleben in der Pandemie

begleitet und erforscht. In der Depression erlebten

viele Menschen wohl das Gefühl, dass sie jeden

Tag nur leben, um den Tag zu überleben.

Ja, es ist weniger geworden im Sommer, dass

man von fremden Menschen angerufen wird und

sagen soll, wen man in letzter Zeit getroffen hat. In

Zeiten des Covid-Lockdowns war Nähe verdächtig.

An das Leben vor der Pandemie anzuschließen

fällt daher vielen Menschen immer noch schwer,

besonders denjenigen, die auf der Suche nach Liebe

und Nähe sind.

Von Andrej Rubarth

Doch jetzt ist Sommer! So viele Menschen sind wieder

draußen. Es ist heiß. Das Wasser lockt. „Hauthunger“

nach Sonne. Jede:r möchte dahin. Es scheint, als

würde jede und jeder irgendwo mit dabei sein und

dazugehören wollen. Im Freibad, bei der Klubnacht,

im Restaurant, im Park. Doch es gibt auch viele,

die sich schon vor der Pandemie ausgeschlossen

fühlten und sich nicht trauen und nicht zutrauen, da

mitzumachen. Es ist wieder da, dieses An-den-Randgedrängt-Sein,

diese vertraute Erfahrung.

Menschen mit Behinderung zum Beispiel sprechen

davon, aber auch Menschen, die Arbeit und

Einkommen verloren haben. Oder auch jene, die

sich psychisch verändert haben und krank fühlen.

Die Ratgeber-Spalten in Zeitungen füllen sich

wieder, jetzt, wo das Leben wieder in Gang kommt.

Aber was ist, wenn kein positives Denken und kein

Glaub-an-Dich hilft? Woher sollen die Kraft und die

Überzeugung kommen, wenn die Erfahrung der

Ausweglosigkeit nicht überwindbar ist? Und wenn

man sich eben nicht willkommen fühlt von all dieser

Welt da draußen?


Thema

BALANCER 82, 3/2021 LIEBE

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Liebe als Kontakt zur Welt

Nach Zeiten des Kontaktverzichts könnte es dennoch

möglich sein, es mit der Liebe zu versuchen. Es ist ein

Gefühl und ein Bedürfnis nach Verbundenheit, das

jeder Mensch hat. Leicht scheut man auch davor zurück,

denn die Verletzbarkeit ist groß. Eine Bewohnerin aus einer

Wohngemeinschaft schloss das Thema binnen Sekunden

so ab: Liebe? Ich brauche keine Liebe. Ich habe meine

Betreuer:innen. – Wenn es kaum Verbundenheit zu anderen

gibt, wenn ich die Welt eher abweisend erlebe und Ängste

verspüre, was soll das dann mit der Liebe? Liebe unterliegt

auch vielen gesellschaftlichen Bildern. Vielen erscheint sie

unerreichbar. Aber es gibt Möglichkeiten. Auch mit vielen

schlechten Erfahrungen, auch aus der Höhle der Zurückgezogenheit

kann man etwas versuchen. Liebe kommt nicht

einfach so, man muss, wie in vielen anderen Dingen, schon

auch selber einen oder ein paar Schritte selbst gehen.

Tu etwas, was Dir guttut! Sei zuerst gut zu Dir selbst. Wenn

Du das kannst, dann kannst Du auch gut zu Anderen sein.

Gib zum Beispiel etwas von Dir, was andere zum Lächeln

bringen könnte, was der anderen Person guttut. Und im

Moment des Lächelns gehörst Du dazu. Du spürst es. Das

tut gut. So kann man beginnen. Du spürst es. Du schiebst

den unsichtbaren Schleier der Gleichgültigkeit beiseite, der

uns oft blockiert in unserer Anwesenheit miteinander, in

unserer wunderbaren Einzigartigkeit und vielleicht sogar

in unserer gemeinsamen Not. Eudora Welty* schrieb das in

ihrer literarischen Auseinandersetzung mit ihrem Leben in

den schwierigen Zeiten des Rassismus in den Südstaaten

der USA. Versuche etwas Einzigartiges in Dir zu finden, das

Dir und der Welt um Dich herum Freude bringt.

Segel setzen und los!

Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie ging viel Verbundenheit

verloren. Sicherheiten gingen verloren. Das macht

es sehr schwer, etwas zu versuchen, die eigenen Segel zu

setzen, sich zu öffnen. Scott Berry Kaufmann** ist Psychologe

und sagt, wenn du jemandem gestehst, dass du einsam

oder verzweifelt bist, findet diese Person eine Verbindung

zu Dir. Sie findet einen Teil ihrer Menschlichkeit, die mit Deiner

Menschlichkeit in Einklang ist. Du veränderst etwas in

dieser Person. Sie verändert Dich, indem sie sich zuwendet.

Man kann sich dagegen sträuben und Angst haben, man

kann es aber auch akzeptieren und versuchen zu wachsen.

Jede Person hat so einiges, was sie an sich selbst nicht

akzeptiert. Doch man kann daran arbeiten, sich zu sagen:

Ich bin okay! Wenn andere ihre Selbstzweifel äußern, fällt

uns das oft viel leichter: „Hey, Du bist in Ordnung, mach Dir

keinen zu großen Kopf.“ Es geht darum, gerade in Corona-

Zeiten, das Leben wieder aufzunehmen. Das passiert nicht

von allein. Dafür muss man ein Segel hissen, damit das Boot

Fahrt aufnehmen kann. Wer unterwegs ist, kann entdecken

und erkunden. Die Entdeckerfrage ist: Was bringt mir

und der Welt Freude? Liebe deine besten Träume und

Hoffnungen. Bekämpfe sie nicht. Verstecke sie nicht.

Der Tanz von Traum und Realität

Wir reden von Inklusion als einer Form von Menschlichkeit,

vom Dazugehören, vom Willkommen-Sein für alle. Doch

wie gelingt es uns, an dieser Vision, diesem Traum festzuhalten,

wenn wir uns bedrängt fühlen von gleichgültigen

oder feindseligen Menschen? Man könnte das eigene Boot

flottmachen, den eigenen Hafen verlassen und sich behaupten.

Judith Snow*** hat eine Aufforderung und Herausforderung

ausgesprochen aus ihrer Erfahrung als Frau mit Behinderung:

Schau dich um und such nach einer Gelegenheit,

eine Beziehung mit jemandem einzugehen, der oder

die ausgeschlossen wurde. Handle im Glauben, dass diese

Person Träume und Hoffnungen hat wie du sie hast und

dass diese Person einen Sinn in ihrem Leben hat, der an sie

weitergegeben werden kann und dass sie die Macht hat, ihr

Leben und das anderer zu bereichern. Verstehe, dass diese

Person eine Trägerin eines tiefen und kreativen Traums sein

kann. Richte deinen Willen und dein inneres und äußeres

Ohr danach aus, diesem Traum zu lauschen. Durchstreife

mit dieser Person die Aktivitäten und Umgebungen des Alltags,

während Traum und Realität in einem kreativen Tanz

miteinander sichtbar machen, was den Sinn des Lebens

ausdrückt. Probier es aus und freu dich über alles, was ihr

gemeinsam erschafft.

Suchen und Finden

Es ist sicher auch anstrengend, sich auf die Reise zu anderen

zu begeben. Mit Fundstücken und kleinen Schätzen wird es

aber leichter. Suchen und Finden kommen näher zueinander,

wenn ich mir überlege, was mir und anderen Freude

macht. Mit diesem eingeschlagenen Kurs kannst du dich

unter die Leute mischen. Kannst sehen, hören, schmecken,

riechen. Versuch zu reden und zu lächeln. Es wäre ein Anfang.

Den brauchen wir alle nach langer Zeit der Pandemie.

Liebe hängt nicht nur von jedem und jeder einzelnen

allein ab. Sie wird auch schnell politisch, weil Menschlichkeit

und Willkommen sein durch viele Hindernisse in der

Welt um uns herum und in uns bedrängt werden. Aber das

ist eine andere lange Geschichte. Wenn wir auf unserer

Bootsfahrt Verbündete finden, dann kann auch diese Geschichte

erzählt und verändert werden.

*Eudora Welty, 1909–2001, US-amerikanische Schriftstellerin und Fotografin.

** Scott Berry Kaufmann, *1972, US-amerikanischer Kognitionswissenschaftler,

Autor, Podcaster und populärwissenschaftlicher Schriftsteller.

***Judith Snow, 1949–2015, Kanadische Behindertenrechts-Aktivistin, Weiterentwicklung

von sozialen Modellen wie Unterstützerkreise und personenzentriertes

Arbeiten.


10

Thema

LIEBE

BALANCER 82, 3/2021

Verliebt, verliebt,

verliebt ➼

Menschen mit Behinderung

können alles, was Menschen ohne

Behinderung können … und welch

Überraschung: auch die Liebe ist ihnen

nicht fremd. Ein Erfahrungsbericht.

von Christian Zuckerstätter

Die Überschrift ist eine mit Absicht monoton wirkende Paraphrase

auf den in meiner Kindheit gängigen Sager „verliebt,

verlobt, verheiratet“. Mit der Abwandlung wird postuliert,

dass es für Menschen mit Behinderung geradezu alltäglich

ist, dass ihre Liebe unerwidert bleibt. In den 14 Jahren, die

seit meinem Herzstillstand vergangen sind, habe ich genügend

diesbezügliche Erfahrungen gesammelt, um ein Buch

füllen zu können. Einen kleinen Auszug, ein „Best of“ sozusagen,

möchte ich im Folgenden versuchen wiederzugeben …

Allen Anfang nahm es mit der Scheidung. Meine Frau,

mit der ich 24 Jahre lang zusammen glücklich war, ließ sich

scheiden. Das war zuerst ein riesengroßer Schock für mich,

doch schon recht bald realisierte ich, wie großartig es ist, als

Single nicht jede Handlung und jedes Wort diskutieren zu

müssen. Das war für mich wie eine Offenbarung und ich

begann alsbald, das „Alleinsein“ in vollen Zügen zu genießen.

Das hielt lange an. Mit der Zeit erwachte aber wieder die

große Sehnsucht nach Zweisamkeit, nach Partnerschaft.

Dating per Computer

Sich eine Partnerin zu wünschen, dazu gehört nicht viel.

Die Erfüllung dieses Wunsches ist jedoch eine ganz andere

Dimension. Das wurde mir schnell klar und so bediente ich

mich eines Tools, dass heutzutage von vielen Menschen genutzt

wird – eine Online-Partnervermittlung. Ich war von

Anfang an überrascht, wie schnell, unkompliziert und effektiv

dort alles abläuft. Meine Aufgabe war lediglich, ein Foto

von mir einzuschicken und einen kurzen Text über mich zu

verfassen. Meine Behinderung ließ ich dabei natürlich nicht

unerwähnt.

Das hielt aber viele Frauen nicht davon ab, sich bei mir

zu melden. Mein Bild und mein Text sprachen viele an und

ich erhielt unglaublich viele Zuschriften, bis zu 40 am Tag!

Das war enorm und bescherte mir jeden Tag einige Stunden

vorm Computer, in denen ich die Zuschriften studierte und

auswählte, mit wem ich Kontakt aufnahm. Das war alles

andere als einfach. Mit einigen äußerst vielversprechenden

Damen kam es zu einem nahezu täglichen Austausch über

mehrere Wochen, ohne dass es je zu einem Treffen kam. Mit

anderen wiederum führte schon die erste Kontaktaufnahme

– tschak – zu einem Treffen. So hatte ich über einen längeren

Zeitraum drei bis fünf Rendezvous pro Woche.

Das war höchst kräfteraubend und zehrte an meinem

Ego, denn in den allermeisten Fällen bekam ich auf meine

abschließende Frage, ob wir einander wiedersehen, ein

freundliches „Nein“ zu hören. Ich müsse schon verstehen, dass

sie einen gesunden Partner suchten und ähnliches in der Art

bekam ich dann zu hören. Vieles hätte ich darauf zu erwidern

gehabt, allem voran „Ich BIN gesund!!!“, aber es wäre im

doppelten Sinn vergebene Liebesmüh gewesen. So blieb mir

wiederholt, traurig den Heimweg anzutreten.

Diese Ablehnung hatte in vielen Fällen den Grund, dass

die Damen in Gesundheitsberufen tätig waren und keinen

„Patienten“ als Partner wollten. Ich verstand sie ja sehr gut,

das brachte mich aber letztendlich nicht weiter – Verständnis

zu haben ist gut, alleine übrig zu bleiben weniger. Allemal

bemerkenswert ist, wie viele der Frauen, die mir – alle in

meiner Alterskategorie – vermittelt wurden, den beiden

Berufssparten Medizin und Bildung zugehörig waren.

DIE große Rolle beim „Abblitzen“ spielte meine Stimme.

Meine diesbezüglichen Erfahrungen liegen jetzt schon an

die sechs Jahre zurück. Und ich hatte damals noch eine

weitaus brüchiger klingende Stimme als heute. Diese

„Stimmschwäche“ nahm enorm zu, wenn ich Faktoren wie

Stress und Aufregung ausgesetzt war. Und aufregend waren

die vielen Rendezvous für mich allemal …

Wunderschön an der Online-Partnersuche war und ist

hingegen, dass sich einige bleibende Freundschaften daraus

entwickelt haben. Mit vier Frauen blieb ich weiter in Kontakt,

mit zweien von ihnen treffe ich mich bis heute. Wir sehen

einander nicht oft, im Schnitt zweimal pro Jahr, aber wir

haben ein gutes, sehr vertrautes Verhältnis zueinander. Sie

sind für mich sehr gute Freundinnen und ich bin sicher, dass

wir unser Leben lang in Kontakt bleiben werden.

Zurück in „freier Wildbahn“ …

Jetzt kam der viel, viel schwierigere Teil der Partnerinnensuche.

Vor allem deswegen, weil ich ein schüchterner Mensch

bin. Insbesondere bei der Kontaktaufnahme mit Frauen bzw.

Mädchen tat ich mir schon in der Jugend schwer. Hauptgrund

dafür war und ist die Angst davor, abgewiesen zu

werden. Der Grund reicht aber noch tiefer. Während andere

sich dachten: „Wurscht, probier ich‘s bei der nächsten“, waren

bei mir die Gefühle für DIE eine so stark, dass ich lange

brauchte, um über den Schmerz der Ablehnung hinwegzukommen.

Ja, und die Furcht davor hemmte mich wieder und


Thema

BALANCER 82, 3/2021 LIEBE

11

immer wieder, den entscheidenden Schritt zu setzen. Daran

hat sich bis heute wenig geändert. Auch daran nicht, dass es

– seit Jahrhunderten/Jahrtausenden – in den allermeisten

Fällen den Buben bzw. Männern vorbehalten bleibt, diesen

Schritt zu setzen.

Jetzt wieder zurück in die Gegenwart. Im Zuge des

schon lange andauernden „Alleinseins“ wurde es geradezu

zum Teil meines Ichs, verliebt zu sein. Unter den

unterschiedlichsten Vorzeichen. Manchmal war es die mit

einem Mal aufflammende, stille und leise Liebe zu einer

Frau, mit der ich schon lange in Kontakt war, manchmal war

es ein plötzlicher Flash bei einer Frau, die ich eben erst

kennengelernt habe, um nur die zwei häufigsten Varianten

zu nennen.

Meine größte Liebe der vergangenen Jahre war die zu

einer Frau, die ich bei einem Stimm- und Trommelworkshop

im Waldviertel kennengelernt hatte. Während des

Workshops hatten wir kaum Kontakt zueinander. Auch auf

der Rückfahrt nach Wien – wir hatten die selbe

Mitfahrgelegenheit – war ich der stille Mitfahrende auf der

Rückbank. Erst in Wien am gemeinsamen Weg vom Auto zur

U-Bahn kamen wir ins Gespräch. Und sagten einander beim

Abschied: „Auf bald … wir treffen uns“. Das taten wir auch

wirklich bald darauf. Und wir blieben in Kontakt und trafen

einander immer wieder im Abstand von ein, zwei Monaten.

Mit der Zeit traten mehr und mehr Gemeinsamkeiten

zutage und meine Liebe erwachte. Auch altersmäßig liegen

wir dicht beieinander und ich sah ein wunderbares Paar in

uns beiden. Dann kam die Pandemie-Zeit und unsere Treffen

wurden seltener. Eines Tages aber wurde meine Sehnsucht,

mich ihr mitzuteilen so groß, dass ich bereit zu einem

„Tabubruch“ war. Nämlich, ihr meine Liebe via E-Mail zu

„gestehen“. Das hatte natürlich zu sitzen, zu passen und

allem voran originell zu sein.

Mit einigem Nachdenken kam ich auf die Idee, nach

einem aufs Ziel zusteuernden Einleitungstext die

entscheidenden Worte „Ich liebe Dich“ riesengroß zu

vergrößern. Ich setzte die Schrift auf bold und auf hellgrau

(10% schwarz), damit die große Schrift die Betrachterin nicht

„erschlug“. Bei meinem Mail-Programm kann ich die

Schriftgröße nicht eingeben, sondern bloß auf „Schrift

größer“ klicken. Und weiter: größer, größer, größer … Das tat

ich wieder und immer wieder, bis die Schrift so groß war,

dass der I-Punkt vom „ich“ fast den ganzen Bildschirm füllte.

So, das war genau die richtige Größe, um zum Ausdruck zu

bringen, wie groß und stark meine Liebe zu ihr ist. Ich besah

abschließend mein Werk und war mehr als zufrieden. Punkt,

fertig – senden. Schon an einem der nächsten Tage kam die

Antwort. Sie bedankte sich für den schönen Brief und kam

nüchtern, klar und direkt zum Schluss, sie liebt mich leider

nicht. An sich liebe ich diese Direktheit, in diesem Fall habe

ich aber fest auf eine ganz andere Antwort gehofft. Mir war

zum Heulen. Und ich stand neuerlich vor einer großen Leere.

… weiter, weiter und immer weiter …

Erlebnisse wie das eben beschriebene sind nicht von einem

Tag auf den anderen vergessen. Auch die damit verbundene

Liebe nicht. Sie tritt erst nach und nach in den Hintergrund.

Oder wird von einer neuen Liebe „überlagert“. Das ließ nicht

lange auf sich warten. Im heurigen Sommer führte der

Verein Segeln und Singen nach einjähriger Unterbrechung

wieder einen Segeltörn durch. Wir stachen wieder mit der

bewährten Crew in See, heuer allerdings ergänzt durch zwei

neue Seglerinnen. Eine von ihnen eine Spur älter als ich, die

andere eine Spur jünger. Und: ich verliebte mich. Nicht in

eine der beiden. Nein, in beide. Sonst wär’s ja viel zu einfach,

hihi. Mir wurde erst nach der Heimkehr bewusst, wie sehr

sie mir beide fehlten. Ein Gefühl zwischen Sehnsucht und

Glück wohnte in meiner Brust und ich griff wieder zur Feder,

sprich zur Tastatur. Sie waren nach dem Törn noch gemeinsam

in Griechenland unterwegs und ich verfasste wiederum

ein Liebes-Mail, diesmal ohne „Extras“ an sie beide. Das war

ein schönes Gefühl und machte richtig Spaß. Vielleicht gerade

deswegen, weil es „augenzwinkender“ Ausdruck meiner

Emotionen war, ohne Hoffnung auf tatsächliche Erfüllung.

Dem entsprach auch ihre Antwort, die ich schon am nächsten

Tag erhielt. Sie schrieben, sie freuten sich über meine

emotionale Nachricht. Und auf unser nächstes Zusammenkommen.

Wieder neue Freundinnen gewonnen. Die Liebe

zurück in die Warteschleife …

Mein schönster Korb

Zum Abschluss noch zu einem „besonderen Fall“, der schon

lange zurückliegt. Die ersten Monate nach dem Wiedererwachen

aus dem Koma nach meinem Herzstillstand verbrachte

ich im Spital. In dieser Zeit kam I., eine tolle Freundin, die ich

schon seit unserer gemeinsamen Schulzeit kenne, mich drei

bis vier Mal in der Woche besuchen. Sie verbrachte unglaublich

viel Zeit damit, mir meine Vergangenheit zu erzählen,

wer ich bin, was ich alles gemacht habe und vieles mehr. Ich

hatte zwar mein Gedächtnis nicht verloren, wie das die Ärzte

prophezeit hatten, aber es war doch vieles „verschüttet“. Sie

half mir dabei, meine Vergangenheit wiederauferstehen zu

lassen und erwies mir damit einen Freundschaftsdienst, für

den ich ihr immer sehr, sehr dankbar sein werde.

Etwa ein Jahr danach verstarb ihr Mann an einer

Herzkrankheit. Für sie kam es offensichtlich nicht

überraschend. Sie war stark und kam gut über die Zeit des

großen Schmerzes hinweg. Ich war mittlerweile schon

wieder „auf freiem Fuß“ und wir verbrachten viel Zeit

miteinander. Sie tat weiterhin viel für mich und empfahl mir

auch die Agora, den Künstler:innenbereich am Donaukanal,

wo ich jetzt schon seit zwölf Jahren als Bildhauer tätig bin.

Eines Tages überkam es mich und ich machte ihr einen

Antrag. Sie reagierte gefasst und bestimmt: „Christian, ich

mag Dich sehr, aber mir ist es lieber, wir bleiben unser Leben

lang gute Freunde“. Vor dem Hintergrund, dass sie seit dem

Ableben ihres Mannes einige Beziehungen hatte, die

allesamt nach rund drei Monaten zu Ende gingen, war das

eine gute, sehr erfreuliche Nachricht, über die ich mich

richtiggehend freute. Somit war das und ist das mit

Sicherheit der schönste Korb meines Lebens.

Ja, und die Suche geht weiter. Nicht als aktive Suche,

nicht über eine Partner:innenvermittlung, sondern als

aktives „Augen und Ohren offenhalten“. In den vergangenen

vierzehn Jahren habe ich viele sehr gute Freundinnen

dazugewonnen. Und irgendwann – je eher, umso besser

➼ ➼ ➼


12

Thema

LIEBE

BALANCER 82, 3/2021

Das ist keine Liebe,

sag NEIN!

Liebe, körperliche Nähe, kuscheln, miteinander

intim sein … all das ist wunderschön, wenn beide

es freiwillig tun wollen. Leider wird aber gerade in

diesem so schönen Beisammensein oft Druck bis hin

zur Gewalt ausgeübt. Wir zeigen, was nichts mehr

mit Liebe zu tun hat und wie man sich wehren kann.

Von Helga Hiebl

Jeder Mensch weiß am besten was er:sie will und was nicht.

Besonders im Bereich der Sexualität gilt das oberste Gebot,

es muss für die Beteiligten stimmen, sich richtig anfühlen.

- Wenn man eine Berührung nicht mag, dann sprechen Sie

mit Ihrer:Ihrem Partner:in darüber!

- Wenn man ein schlechtes Gefühl bei einer Berührung hat,

teilen Sie es mit!

- Sie dürfen zu allem, was Ihnen unangenehm ist, einfach

NEIN! sagen, zum Beispiel gegenüber der:dem Freund:in,

der:dem Kolleg:in, der:dem Chef:in, der:dem Assistent:in.

- Wenn man durch Alkohol, Drogen oder gar unwissentlich

verabreichte K.O.-Tropfen beeinträchtigt ist, darf das trotzdem

niemand für sexuelle Handlungen ausnutzen, auch

das ist eine Form der sexuellen Gewalt und kann bestraft

werden.

Das ist keine Liebe

Es ist keine Liebe, sondern Gewalt, wenn ein:e Partner:in

trotz eines „NEIN!“ weitermachen will oder gar Ihnen die

Schuld geben will oder das mit ihrer:seiner großen Liebe argumentiert.

Das hat mit Liebe nichts zu tun. Falls es einmal

passiert sein sollte, dass Sie sexuelle Gewalt erleben mussten,

schweigen Sie nicht und suchen Sie Hilfe, z. B. bei einer

Vertrauensperson oder Beratungsstelle. Und wenn Sie sich

bedroht fühlen, zögern Sie nicht, die Polizei zu rufen, in Österreich

ist der Staat verpflichtet, Personen zu helfen, wenn

sie von Gewalt betroffen sind, dafür gibt es mehrere Gesetze.

Wo man sich Hilfe suchen kann

In jedem Bundesland gibt es zumindest eine Frauenberatungsstelle

bei sexueller Gewalt die, zu bestimmten Zeiten,

professionelle Unterstützung anbietet sowie eine Männerberatung.

Außerhalb der Öffnungszeiten ist die Frauenhelpline

unter 0800 222 555 österreichweit, rund um die Uhr,

365 Tage im Jahr und kostenlos für Erst- und Krisenberatung

erreichbar. Weitere Informationen finden Sie auf der Website

www.frauenhelpline.at

24-h-Frauennotruf der Stadt Wien

Telefon: 01 71 71 9

E-Mail: frauennotruf@wien.at

www.frauennotruf.wien.at

Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt

Niederösterreich

Wendepunkt

Neunkirchnerstraße 65a

2700 Wiener Neustadt

Telefon: 02622 825 96

E-Mail: fachberatung@wendepunkt.or.at

www.wendepunkt.or.at

Netzwerk gegen sexuelle Gewalt an Mädchen, Buben

und Jugendlichen

www.wienernetzwerk.at/

Arbeitsgemeinschaft der Männerberatungsstellen

und Männerbüros Österreichs (AMÖ)

Männerberatung und LGBTIQ+

www.maenner.at/

Männerberatung St. Pölten (Rat und Hilfe)

Internet: www.ratundhilfe.net

Im Artikel 23 der UN-Behindertenrechtskonvention

(Auszug aus LL Version Bundesministerium für Arbeit,

Soziales und Konsumentenschutz 2019) ist das

Recht auf Ehe, Partnerschaft und Familie aufgeschrieben.

Im Kapitel heißt es:

Achtung von Wohnung und Familie

Menschen mit Behinderungen haben die gleichen

Rechte wie Menschen ohne Behinderungen auf:

- eine Ehe

- eine Familie

- Kinder

- eine Partnerschaft

Die Vertragsländer (also alle Länder, die diesen Vertrag

unterschrieben haben wie z. B. auch Österreich)

müssen Menschen mit Behinderungen dabei unterstützen.

Und die Vertragsländer müssen Diskriminierung

in diesen Bereichen verhindern.

Die ganze Broschüre in LL kann man hier bestellen:

www.sozialministerium.at/broschuerenservice


Thema

BALANCER 82, 3/2021 LIEBE

13

Von der dunklen

Seite der Liebe

Als wir in der Redaktion das Thema dieses Heftes

besprachen, dachten wir, dass wir auch davon

sprechen müssten: Eifersucht … Abhängigkeit …

Gewalt in Liebesbeziehungen, meinten die

Bedrohungen der Liebe und nannten es die „dunkle

Seite der Liebe“.

Von Cornelia Renoldner

Erst später fiel mir ein, dass es einen Roman mit dem Titel

„Die dunkle Seite der Liebe“ gibt. Geschrieben hat dieses

Buch Rafik Schami, der 1971 aus Syrien nach Deutschland kam

und ein Dichter in deutscher Sprache wurde, der in aller Welt

sehr geschätzt ist. In seinem Buch erzählt er die Geschichte

eines, eigentlich vieler Liebespaare, deren Liebe sozusagen

von außen bedroht ist, weil die Herkunftsfamilien der Liebenden

seit langem verfeindet sind, weil Menschen in ihrem

Umfeld traditionelle Wertvorstellungen und Sitten „bis aufs

Blut“ verfechten … eine Romeo-und-Julia-Geschichte also.

Und wir kennen auch die Situation, dass Menschen, die

uns wichtig sind, Angehörige oder Freund:innen, „sich

einmischen“. Sie erwarten, dass sich die Liebespartner:innen

so oder so verhalten müssen, beschweren sich z. B., dass eine

oder beide Partner:innen nicht genug Zeit für sie haben.

Auch die Situation, dass wichtige Menschen einer Person die

Partner:in der Person ablehnen …

Dabei dachten wir in unserer Diskussion über die

dunkle Seite der Liebe gar nicht zuerst an solche Bedrohung

von außen, sondern an die Bedrohung der Liebe „von innen“

– durch Konflikte, die es in jeder Liebesbeziehung oder schon

vor Beginn einer Liebesbeziehung geben kann und gibt.

Das können unterschiedliche Vorstellungen sein, wie

gemeinsames Leben sein soll: Wo wohnen wir? Es geht auch

um die kleinen Dinge: Gehen wir aus heute oder bleiben wir

daheim? Machen wir Urlaub am Meer oder in den Bergen?

Wer kümmert sich worum im gemeinsamen Alltag? Bis hin

zu: Wie muss die Zahnpastatube ausgedrückt werden?

„Ich verstehe nicht, wie es sein kann, dass MEINE geliebte

Person etwas anders denkt oder empfindet als ich … wir

sind doch sonst wie EINS … liebt sie mich weniger oder nicht

mehr?“

Schließlich DIE EIFERSUCHT … eine übersteigerte Furcht,

die Liebe und Zuneigung der geliebten Person mit anderen

Personen teilen zu müssen. Das kann eine andere

Liebespartner:in sein oder auch Angehörige, Freund:innen

oder Kolleg:innen der geliebten Person. Es kann auch eine

andere Leidenschaft der geliebten Person sein, für

Briefmarken, Schmetterlinge, Musik, Arbeit. Diese

übersteigerte Furcht kann die Person beschäftigen bis zur

Krankheit. „Die verbringt ja viel mehr Zeit mit DEM als mit

mir … ich bin ihr egal … sie sieht mich nicht … sie hört mir

nicht zu … sie verletzt mich und merkt es gar nicht … liebt sich

mich weniger oder nicht mehr?“

Wie komme ich da wieder raus?

Dafür gibt es 1.000 Ratschläge und Rezepte von Schwiegermüttern,

Schwiegervätern, guten Freund:innen, meterweise

Ratgeberliteratur … vielleicht funktioniert etwas davon für

Menschen … wenn sie ein wirklich offenes Ohr und offenes

Herz und offenen Geist haben und die Kraft aufbringen, etwas

ANDERS zu machen – das Schwerste überhaupt.

In der bedrängten Situation, im Gefühl, die Liebe, die

geliebte Person zu verlieren, ist es noch schwerer, überhaupt

denken und empfinden zu können, ICH muss etwas ANDERS

machen.

Ein Schritt kann sein, mit einer Person, die gut zuhören

kann, weil sie nicht selbst in mein Leben verwickelt ist, von

der Not zu sprechen. Das kann ein Paar tun, das kann ich

auch als einzelne Person tun. Im besten Fall gewinne ich in

solchem Gespräch den Raum, mich selbst und meine Not mit

anderen Augen zu sehen und kann womöglich schließlich

doch etwas ANDERS machen.

Wie gut, wenn ich mich wieder als ganze Person fühlen

kann, mich neu wieder in die Liebe finden kann – in der ZWEI

Personen zwei sein können UND eins sein können.

Von dem allen handelt übrigens natürlich auch der

Roman „Die dunkle Seite der Liebe“.

Hilfsangebote:

www.lilli.ch

www.courage-beratung.at/ueber_uns

www.wig.or.at/Selbsthilfe.8.0.html#open=selbsthilfe

www.ninlil.at/kraftwerk/

www.men-center.at/

www.maenner.at/

www.psyonline.at/wien


14

interbalance

BALANCER 82, 3/2021

Liebe

bedeutet

Zusammenhalt

Wie und wann habt ihr einander kennen gelernt?

Wir haben uns 2017 im Internet kennen und lieben gelernt.

Im Jahr 2018 haben wir unsere Liebe offiziell gemacht, da uns

Niederösterreich und Wien trennten.

Vor rund vier Jahren

haben Jacqueline und

Manuel einander kennen

gelernt, damals wohnte die

Rollstuhlfahrerin Jacqueline

noch bei BALANCE im

Unterstützten Wohnen,

zuerst in Niederösterreich,

später in Wien. Im Jahr 2019

wurde geheiratet – jetzt leben

die beiden in einer eigenen

Wohnung in Wien.

Interview: David Galko,

Jürgen Plank

Wie wurdest du zu dieser Zeit von BALANCE betreut?

Ich war in einer teilbetreuten Wohnform im Wohnverbund

Bernstein.

Du hast zuvor in Niederösterreich bei BALANCE gewohnt und

bist dann nach Wien übersiedelt. Wie war dieser Schritt für

dich bzw. für euch und der Schritt zu einer eigenen Wohnung?

Wie schwierig war das?

Von Niederösterreich nach Wien in eine „eigene“ Wohnung zu

ziehen war zu diesem Zeitpunkt ein sehr großer Schritt und

Wunsch. Obwohl für mich – damals noch als Single – schon klar

war, dass es trotzdem zukünftig eine eigene Wohnung sein soll.

Anfangs: Skepsis

Wie haben eure Freund:innen, Verwandten und Bekannten

reagiert?

Zu Beginn unserer Beziehung waren alle etwas skeptisch. Als

alle Mitbewohner:innen und auch die Betreuer:innen dann

gemerkt haben, wie Manuel ist, war er – wie ich das Gefühl

habe – sehr beliebt.

Wie hat sich das Umfeld auf eure Beziehung ausgewirkt?

Unser Umfeld musste sich damit arrangieren, da wir wussten,

was wir wollen.

Wie wurdest du von BALANCE dabei unterstützt, dem Ziel

einer eigenen Wohnung näher zu kommen?

Ich würde so sagen: wenn ich Hilfe benötigt habe, hat sich

immer die passende Fachkraft gefunden.


BALANCER 82, 3/2021 interbalance 15

Starker Wille

Welche Herangehensweise an das Thema „Beziehung“

habt ihr von BALANCE-Seite beobachtet?

Es wurde akzeptiert. Das ist so, denke ich, weil ich weiß,

was ich möchte und meinen Willen eisern vertrete.

Wie wichtig ist euch generell Freundschaft und was

macht eine gute Freundschaft aus?

Freundschaft und Beziehung sind unser

Lebensmittelpunkt. Insbesondere da zu unseren

Familien kein sehr großer Kontakt besteht. Manuels

Oma ist da die Ausnahme.

Was ist Liebe?

Liebe bedeutet Zusammenhalt, Treue und alles

gemeinsam zu entscheiden.

Familienplanung

Was wünscht ihr euch für eure Zukunft?

Für unsere Zukunft wünschen wir uns nur, dass es so

bleibt wie es ist. Und eine Familie ist noch in Planung:

mit einem Kind.

Was haltet ihr von Datingplattformen bzw. Apps?

Tja, zum Thema Dating App können wir nur sagen:

ausprobieren! Bei uns hat es geklappt, wir kennen aber

auch die negativen Erfahrungen.

Wie ist euer Alltag heute?

Unser Alltag ist sehr individuell. Kein Tag ist wie der

andere, wir können also keinen Tagesablauf erzählen.

Das gemeinsame Aufstehen und Schlafengehen ist uns

enorm wichtig.

Wie lebt ihr jetzt und was hat sich durch die Heirat

und das Zusammenwohnen für eure Beziehung

geändert?

Wir wohnen seit gut einem Jahr im 3. Bezirk in Wien,

in einer wirklich eigenen Wohnung mit unserem Hund

Jason. Die Heirat hat für uns eine Bestätigung unserer

Liebe gebracht. Den gemeinsamen Familiennamen zu

tragen (seit 17.08.2019) war uns sehr wichtig. Aktuell ist

die kirchliche Trauung geplant.


Gemeinschaftsarbeit

Majed Al Lamy &

Friedrich Ettenauer

Farbsitift auf Papier zum Thema

„Beziehung“: Fließendes Wasser

oben und unten – Marillenbaum,

Nussbaum + Zwetschkenbaum

unter Wasser

2021


BALANCER 82, 3/2021 Kunst 17


18

ImPulsTanz

goes Yoga

Die unwahrscheinlich große und vielfältige Bandbreite

der ImPulsTanz-Veranstaltungen wurde heuer abermals

durch eine weitere Facette reicher – durch Hatha-Yoga

Von Christian Zuckerstätter


BALANCER 82, 3/2021 Tanz/Bewegung

19

“So happy to have the

yoga practice with you,

it is such a pleasure and

no matter in which mood

I am when starting the

class, I always feel great

afterwards.”

Anastasia

Stoyannides

Seit nunmehr drei Jahren nehme ich mit großer Begeisterung an ImPulsTanz-

Veranstaltungen teil. Heuer war es erstmals ein Workshop, der nicht unter dem Motto

„Behinderung“ stand, sondern etwas neues, ein Yoga-Workshop. Insbesondere dur ch

meine mittlerweile zwölfjährige Erfahrung mit Qi Gong und meine mehrjährige Tätigkeit

als Qi-Gong-Trainer bei BALANCE war ich sehr interessiert und sehr neugierig, was mich

bei diesem Workshop, geleitet von der aus Griechenland stammenden Yogin Anastasia

Stoyannides, erwartet.

Und ich nehme es gleich vorweg – die zwei Tage waren wundervoll! Es waren

wunderbar lange Tage. Lang nicht etwa, weil sie langweilig waren, sondern im Gegenteil.

Wir nahmen an den beiden Tagen unglaublich viele Anwendungen, unglaublich viele

verschiedene Positionen, die meisten davon im Stehen, durch. Das ganze ohne jegliche

Eile, in aller Ruhe und Gelassenheit. Der Workshop war somit zugleich intensiv und

gehaltvoll auf der einen und wohltuend entspannend auf der anderen Seite, eine

großartige Kombination.

Was ist Hatha-Yoga eigentlich?

Hatha-Yoga ist die im europäischen Raum bekannteste und

verbreitetste Form des Yoga. Durch eine Verbindung von

körperlichen Übungen, Atemübungen und Meditation wird das

Gleichgewicht zwischen Körper und Geist angestrebt. Das Wort

Hatha bedeutet Kraft. Damit wird die Anstrengung betont, die

notwendig ist, um ein angestrebtes Ziel zu erreichen. Der Begriff

ist aber auch Ausdruck der Einheit einander entgegengesetzter

Energien. So steht die Silbe „Ha“ für die Sonne (Kraft, erhitzend),

die Silbe „tha“ für den Mond (Stille, kühlend).

Hatha-Yoga entstand bereits zu Beginn des 2. Jahrtausends

vor Christus. In Yoga-Grundlagenschriften aus dem 15. Jhdt. n. Chr.

wird das spirituelle Yoga (wie etwa das Raja-Yoga) vom

körperlichen Yoga (eben dem Hatha-Yoga) abgegrenzt. Hatha-Yoga war anfänglich als

Stufe zum Raja-Yoga und zur Unterstützung anderer Yoga-Formen konzipiert, wurde

aber schon bald als eigenständige Yoga-Form betrachtet. Im westlichen Kulturkreis

versteht man heute unter Yoga hauptsächlich Hatha-Yoga.

Hatha-Yoga bei ImPulsTanz

Erklärtes Ziel des Workshops von Anastasia Stoyannides ist es, tief in den Kern der Yoga-

Stellungen einzutauchen, um zu fühlen, wie der Atem Aktion und Reaktion ausgleicht,

wie Kraft und Kontemplation aufeinander abgestimmt werden. Das „Vokabular“ der Positionen

führt dazu, dass jede:r sich im Rahmen ihrer:seiner Fähigkeiten zu Hause fühlt.

Das erinnert mich übrigens stark an den Qi-Gong-Grundsatz „Es gibt kein richtig und

kein falsch“, ein Satz voller tiefer Weisheit.

Anastasia Stoyannides bevorzugt nichtsdestotrotz ein präzise ausgearbeitetes

Yoga-Übungssystem. Genau aus diesem Grund ist sie von Hatha Yoga Bien Tempéré

besonders angetan. Diese Technik wurde von Eva Ruchpaul aus Frankreich entwickelt

und in mehreren Büchern veröffentlicht. Eva Ruchpaul ist eine der großen Pionierinnen

des Hatha-Yoga in Europa und praktiziert heute als mittlerweile über 90-Jährige

ungebremst Yoga Bien Tempéré. Das spricht für sich.

Foto: © John Akon

Diese Yoga-Form fordert dazu auf, vermeintliche Gegensätze wie Einfachheit der Form

und Komplexität der Ausführung in Einklang zu bringen. Variation und Individualität

sind ausdrücklich erwünscht und machen den Workshop damit offen für alle. Insbesondere

für alle, die Interesse an einer neuen Dimension der Hatha-Yoga-Praxis haben.

Die Veröffentlichungen von Eva Ruchpaul sind so komplex und vielfältig, dass sie

einen bei näherer Betrachtung unweigerlich zum Schluss führen „Pfffuuuh, das ist ja

eine Wissenschaft“. Das kommt der Sache auch sehr nahe, nur war es keineswegs im

Sinne unserer Trainerin, uns das zu vermitteln. Um uns aber die Durchdachtheit des


20 KÖRPERBILDER Tanz/Bewegung

BALANCER 82, 3/2021

Systems „Yoga Bien Tempéré“ vor Augen zu führen, legte sie in Pausen auf Yoga-Matten

ein paar Duzend kopierte Seiten aus dem umfassenden Werk Ruchpauls auf – sehr

beeindruckend.

Anastasia verkörpert Yoga auch auf optisch eindrucksvolle Weise. Sie hat lange,

gewellte graue Haare und einen mädchenhaften Körper. Und sie beherrscht es mit

großartiger Leichtigkeit, das Vermittelte in Balance zu halten, zwischen für alle

TeilnehmerInnen leicht nachvollziehbare und durchführbare Formen und zum Teil

durchaus fordernden, aber nie überfordernden, Übungen. Einen großen Anteil am

wunderbaren Gelingen des Workshops hatte auch die sehr homogene Gruppe. Wir waren

an die zwanzig Personen, großteils weiblich. Wenn ich nicht teilgenommen hätte, könnte

ich mir auch das Gendern sparen, denn ich war der einzige „Bub“ in der Runde. Das kenne

ich bereits zur Genüge von Qi-Gong-Kursen. Und es stört mich keineswegs, ganz im

Gegenteil. Denn Frauen sind viel besser imstande, mit der Stille, der Ruhe und der

Langsamkeit umzugehen, ja sie zu genießen.

So harmonisch und homogen unsere Gruppe auch war, so wenig hatten wir natürlich

Gelegenheit, direkt miteinander in Kontakt zu treten. Gegen Ende der Mittagspause am

zweiten Tag aber bekamen wir die Gelegenheit, uns in Anastasias Verteiler einzutragen,

um über weitere Workshops informiert zu werden. Als sie meinen Namen auf der Liste

sah, kam eine junge Frau zu mir und fragte, ob ich der Christian Zuckerstätter von

BALANCE bin und stellte sich als Hanna, Betreuerin bei der TAGS ElfPlus vor. Eine sehr

erfreuliche Begegnung für mich, zumal sie mir noch ihre Freundin, die sie bei der

Ergotherapie-Ausbildung kennengelernt hatte, vorstellte. Nach kurzem Austausch ging

der Workshop schon weiter.

Das „Rundherum“ …

Auch großartig an ImPulsTanz ist für mich, dass Workshops nicht

“Energised, calmed,

erst beim Start der jeweiligen Veranstaltung beginnen, sondern

schon beim Betreten des Geländes. In Zeiten wie diesen wird man

balanced, centred … It’s

schon beim Eingang von freundlichen gutgelaunten jungen Damen

empfangen, die alle erforderlichen „Pandemie-Rituale“ mit großer always different and

Routine und so einer Selbstverständlichkeit durchführen, dass

sie einem kaum auffallen. Sehr, sehr angenehm, ebenso wie alle always exceptional!”

weiteren erforderlichen Formalitäten, allem voran das Anstellen

Anastasia

bei der Anmeldung. Alles geschieht mit einer derartigen Lockerheit

Stoyannides

und Leichtigkeit, dass man vom ersten Moment an die Welt draußen weit hinter sich

lässt. Schön.

Immer wieder sehr beeindruckend ist es, eine der riesengroßen Hallen zu betreten,

in der der Workshop stattfinden wird. Oder bereits im Laufen ist, wie ich es als notorischer

„Zuspätkommer“ wiederholt erlebe. Für mich ist es jedes Mal aufs Neue faszinierend,

dass mich die Größe des Raums nicht als kleiner Wurm fühlen lässt, sondern mich

wachsen lässt. Liegt ganz bestimmt daran, was mit mir in diesem Raum geschieht. Beim

Yoga-Workshop waren wir großteils statisch, bewegten uns also wenig durch den Raum.

Somit nutzten wir nur etwa ein Drittel der Fläche.

Was ich sonst noch nirgends gesehen habe sind die „All Gender Toilets“. Ich, als ein

Leben lang an die Trennung von Mädchen-WCs und Buben-WCs gewohnter Mensch, war

erst verwirrt: als ich am ersten Tag auf eines der beiden Klos zuging und mir eine Frau

entgegenkam, ging ich automatisch aufs andere. Am zweiten Tag ging ich auf ebendieses

WC und erneut kam gerade eine Frau heraus. Da erst fiel mein Augenmerk auf die All-

Gender-Schilder vor den Toiletten. Und von einem Moment auf den anderen war alles

klar: ok, so ist es. Null Umgewöhnung erforderlich. Einziger Unterschied zu früher: nach

vollbrachtem Geschäft steht beim Händewaschen unter Umständen eine Frau neben mir.

Eine Pioniertat, die – so bin ich mir sicher – vielerorts Nachahmer finden wird, insbesondere

im Kulturbereich.

Und noch ein Themenwechsel: wer weiß, vielleicht bewerbe ich mich ja eines Tages

bei ImPulsTanz dafür, selbst einen Workshop, frei unter dem Motto „Die Entdeckung der

Langsamkeit“ – Arbeitstitel: „slow and silent – Qi Gong & Dao Tanz“ – durchzuführen.

Foto: © John Akon


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22 International KÖRPERBILDER BALANCER 82, 3/2021

Mit dem Fahrrad von

Frankreich nach

Neukaledonien

Von Nicole Sindorf und Anne-Gaëlle

Nach über einem Jahr ohne Freizeitaktivitäten mit der

Wohngemeinschaft Boltenstern, war es am 19. August

endlich so weit: vier Bewohner:innen (Claudia, Nikolaus,

Patricio und ich) und zwei Betreuerinnen (Astrid und

Anne-Gaëlle) haben sich am Praterstern getroffen, um

gemeinsam Rikscha zu fahren.

Auf dem Weg zum Rikscha-Verleih erzählt uns Anne-

Gaëlle von einem Projekt: zwei Menschen aus Frankreich,

Emilie und Davy, fahren mit dem Rad von Frankreich bis

nach Neukaledonien (das liegt in der Nähe von Australien)

und treffen Menschen wie uns, die in Wohngemeinschaften

leben und sportliche Aktivitäten machen. Da sie gerade in

Wien waren, wollten sie uns gern treffen und mit uns

Radfahren. Wir waren einverstanden.

Nikolaus, Patricio und die zwei Betreuerinnen sind mit

der Rikscha gefahren, ich borgte mir mit meiner

Mitbewohnerin und Freundin Claudia ein Rad aus.

Besonders Claudia hat es gefreut, alleine zu fahren, sie hat

ganz oft laut „JUHU!“ geschrien. Nikolaus ist schon früher

mit der Rikscha gefahren und hat das super gemacht.

Zuerst fuhren wir auf der Praterhauptallee, die gerade

und asphaltiert ist, dann fuhren wir in den Wald neben

dem Wasser, der Weg war voller Steine und Baumwurzeln

und Nikolaus dachte schon, wir stechen in See! Aber zum

Glück ist es nicht passiert. Es war abenteuerlich und lustig.

Zurück auf die Praterhauptallee haben wir Emilie und Davy

getroffen und sind mit ihnen eine Zeitlang gefahren. Zum

Schluss waren wir gemeinsam ein Eis essen und Emilie und

Davy haben von ihrem Projekt erzählt, aber da Anne-Gaëlle

französisch kann und mit ihnen länger geplaudert hat,

lasse ich sie lieber weitererzählen:

Emilie und Davy Sanchis haben Blois (Loiretal in

Frankreich) am 13. Juni dieses Jahres verlassen und fahren

mit dem Rad bzw. mit dem Schiff bis nach Noumea

(Neukaledonien) und wollen damit für die Inklusion von

Personen mit Trisomie 21 und anderen mentalen oder

psychischen Erkrankungen oder Behinderungen durch den

Sport werben.

Trisomie 21 wird auch Down-Syndrom genannt,

deshalb nennen sie ihr Projekt BikeUp&Down. Unterwegs

kontaktieren sie offizielle Stellen und Vereine, die in dem

Bereich arbeiten, um Projekte zu besuchen und sportliche

Aktivitäten mit Betroffenen zu machen. Sie sammeln dabei

ganz viele Ideen und zeigen, wie wichtig Sport für die

Inklusion ist.

Sie haben dafür sogar ihre Jobs aufgegeben und ihr

Eigentum verkauft, um das Projekt zu finanzieren. Täglich

berichtet Emilie über Facebook über das Erlebte. Auch über

unsere Freizeitaktion und das Treffen mit ihnen wird dort

zu lesen sein mit Erlaubnis der Betroffenen. Sie werden

voraussichtlich zwei Jahre lang unterwegs sein und

befinden sich derzeit in Ungarn.

Fotos: BALANCE Archiv / WG Boltenstern


BALANCER 82, 3/2021 International

23


24 KÖRPERBILDER Extern/Musik

BALANCER 82, 3/2021

Leben für

die Musik –

Mary tut es!

Mary Broadcast ist ein äußerst

vielseitiger Mensch. Doch alles

dreht sich um Musik … das

hätten viele gerne …

von Christian Zuckerstätter

Wie sehr viele und sehr vieles habe ich auch Mary Broadcast

in meiner BALANCE-Zeit kennengelernt. Anfangs war es Jimmy

Dolezal*, Gitarrist in der Mary-Broadcast-Band und Betreuer

der Musikgruppe bei BALANCE, durch den ich auf sie

aufmerksam wurde. Ich besuchte immer wieder Konzerte

und war begeistert. Vor der langen Musik-Pause nach meinem

Herzstillstand war ich nicht nur euphorischer Konzert-

Besucher, sondern vor allem selbst aktiv. Ich spielte viele

Jahre lang in zwei Rock-Bands Schlagzeug. Das prägt einen.

Zum einen wurde ich dadurch zum kritischen Zuhörer, zum

anderen aber voll und ganz „begeisterungsfähig“. Wie zum

Beispiel bei der Mary-Broadcast-Band.

Die Musikgruppe bei BALANCE ist keine fixe Gruppe,

wie etwa die Textil-Gruppe, sondern eine „freie Gruppe“, die

einen halben Tag pro Woche aktiv ist. Nutzer:innen aus allen

Gruppen kommen und machen ein paar Stunden lang

gemeinsam Musik. Ich nahm daran einige Jahre lang teil und

war vollauf begeistert. Lange Zeit leitete der schon erwähnte

Jimmy die Gruppe. Und er machte das fantastisch. Als er die

Aufgabe aus familiären Gründen nicht mehr wahrnehmen

konnte, fragte er Mary und sie nahm die Herausforderung

prompt an.

Mary erfüllte ihre Aufgabe großartig und war auf

Anhieb ohne jegliche Eingewöhnungsphase die restlos

sichere Leiterin der Musikgruppe. Für mich war es geradezu

unwirklich, dass Mary Broadcast, die ich bisher stets „von

unten“, vom Zuschauerraum aus, gesehen hatte, auf einmal

neben mir saß und gemeinsam mit uns trommelte. Und sie

war in jeder Hinsicht eine von uns, gänzlich unprätentiös

und erdig. Das war schlicht und einfach wunderschön. Das

Spielen in der Musikgruppe war von Anfang an traumhaft

schön, mit Mary machte es aber jetzt noch mehr Spaß!

Mary auf Reisen

Für Mary war das Leiten der Musikgruppe bei BALANCE

in vielerlei Hinsicht eine gänzlich neue Erfahrung. Insbesondere

das intuitive Musizieren in der Gruppe war für

sie eine ebenso neue wie reizvolle Aufgabe. Zudem hat

Mary das Team am BALANCE-Standort Fuchsenfeld und die

Foto: C. Zuckerstätter


BALANCER 82, 3/2021 Extern/Musik 25

Tagesstruktur dort geliebt. Eines Tages hat jedoch die Liebe

Mary weg von BALANCE geführt – hin zu ihrem Freund nach

Leipzig.

Mary hat in ihren 40 Lebensjahren schon ganz schön

viele Erfahrungen gesammelt. So hat sie einschlägige

Ausbildungen hinter sich – zum einen Instrumental- und

Gesangspädagogik an der Universität für Musik und

darstellende Kunst in Wien, zum anderen Jazzgesang am

Gustav Mahler Konservatorium. Der größte Lehrmeister ist

und bleibt natürlich das TUN – „learning by doing“. Und vor

allem in dieser Hinsicht war Mary in den letzten Jahren

höchst aktiv. Mit intensiver Arbeit hat sie bisher schon sieben

komplette CDs vorbereitet, aufgenommen und produziert.

Und „nebenbei“ keine Gelegenheit ausgelassen, live

aufzutreten.

Mittlerweile hat sie ihren Teilwohnsitz in Leipzig. Ihre

vielen Aktivitäten, allem voran die Konzerte, führen sie aber

regelmäßig zurück nach Wien, wo sie auch noch ihren

Hauptwohnsitz und ihre Wohnung hat. Neben ihrem

Zuhause in Wien und dem in Leipzig bleibt Mary noch ihr

großes drittes Zuhause, die Band on Tour. Darum ist es in der

viel zu langen Corona-Zeit leider sehr, sehr still geworden.

Aber es kommt schön langsam wieder Leben in die Szene.

Durch das große Mary-Broadcast-Cover-Bild in der

Wiener Bezirkszeitung heuer im März bin ich auch wieder

auf Mary Broadcast aufmerksam geworden. In der Story

dazu wurde ihr Konzert im Radiokulturhaus angekündigt.

Dieses Konzert war so etwas wie der „Startschuss“ für ihre

neue EP (Abkürzung von Extended Play, ein Tonträger

zwischen LP, Long Play und Single) mit dem Titel „PANIC“.

Darauf werden sechs Songs zu finden sein. Drei davon

wurden bisher schon veröffentlicht. Die anderen drei folgen

im Herbst. Zusammen ergeben die sechs Songs eine sehr

persönliche Geschichte.

Die Produktion war unter den derzeitigen Bedingungen

alles andere als einfach. Das Zusammenkommen im Studio

war gänzlich unmöglich. So nahm jede und jeder ihre:seine

Spur(en) solo bei sich zu Hause auf. Im Homestudio von Andi

(Andreas) Senn**, dem Schlagzeuger und Produzenten der EP

wurde alles zusammengemixt. Schwierig, aber nicht

unmöglich. Ich freue mich schon sehr darauf, das Ergebnis in

Händen zu halten. Und vor allem darauf, es zu hören!

Neues Aufgabenfeld

In ihrer neuen Zweitheimat Leipzig hat Mary ein ganz neues

Projekt aufgezogen. Im Rahmen der pandemiebedingten

Umstände wurden neue Möglichkeiten genutzt, die auch

Vorteile mit sich brachten. Beim Online-Projekt Lean On Me

wurde per Video-Schaltung im Chor gesungen. So konnten

auch Leute teilnehmen, für die es schwer oder unmöglich ist,

ihre Wohnung zu verlassen. Gesungen wurde fürs erste die

namensgebende Nummer Lean On Me.

Jede:r Teilnehmende hatte die Möglichkeit, sich selbst

beim Mitsingen aufzunehmen – das kann heutzutage schon

jedes Smartphone – und den Clip an Mary zu senden. Und

Mary übernahm die Aufgabe, die ihr zugesandten Beiträge

zu bearbeiten und zu einem Video-Clip zusammen -

zuschneiden. Keine leichte Aufgabe, doch sie nahm die

Gelegenheit wahr, viel im Sektor „Homerecording“ dazuzulernen

und produzierte ein sehenswertes Video, das unter

dem Link youtu.be/mx2r-1Y7caQ zu bewundern ist.

„Heimspiel“ in Wien

Heuer im Juni 2021 nahm ich die Gelegenheit wahr, mir zu

meinem Geburtstag ein Mary-Broadcast-Konzert zu wünschen.

Ich bin ja bei der Agora, dem Künstlerbereich am

Donaukanal, Platzwart. Und dort gibt es im Sommer jeden

Samstag eine Veranstaltung, zumeist ein Konzert. Das war

eine tolle Gelegenheit und Mary, die in der Zeit ohnehin einen

Wien-Aufenthalt geplant hatte, freute es auch sehr.

Ihre Band hatte zwar keine Zeit, aber Mary hatte alles

souverän in der Hand. Sie war allein auf der Bühne, spielte

Gitarre, sang und spielte die Spuren von Lead-Gitarre, Bass,

Schlagzeug und zweiter Stimme – über Geräte, von denen

ich keine Ahnung habe, wie sie heißen – dazu ein. Sie spielte

zumeist eher sanfte Stücke, poppig, melodiös, einfach

wunderschön. Leider waren nicht allzu viele Zuseher:innen

da, das lag aber vor allem daran, dass zugleich ein EM-

Halbfinal-Spiel lief, das auch in nahegelegenen Lokalen live

übertragen wurde. Aber Mary ließ sich davon in keiner Weise

aus dem Konzept bringen und zog ihren Gig durch, als ob sie

in einem voll besetzten Stadion spielen würde. Wirklich

beeindruckend, bravo Mary! Es würde uns bei der Agora sehr

freuen, wenn wir Dich im nächsten Jahr wieder auf der

Agora-Bühne begrüßen dürfen!

*Jimi Dolezal (NÖ), österreichischer Live- und Studiogitarrist, spielt/e unter

anderem bei Mary Broadcast, Sunrise16, Willi Resetarits, Anna F., Ulli Bäer und

vielen anderen.

** Andi (Andreas) Senn (Tirol), Schlagzeuger, spielt/e unter anderem bei Mary

Broadcast, Tapedeck

Mary Broadcast

Die Band Mary Broadcast ist eine

Indie-Pop-Rock-Band aus Wien, Österreich.

Gegründet wurde die Gruppe

von Bandleaderin Mary Broadcast

(bürgerlicher Name Maria Aichberger),

die seit 2015 als „Mary Broadcast“

auftritt. Bekannt wurde die

Formation durch ihre Liveauftritte

und die Teilnahme an der österreichischen

Fernsehshow Österreich rockt

den Song Contest 2012. Im Jahr 2018

schlug die Band einen neuen Weg

ein und veröffentlichte das vielbeachtete

Album SVINX. 2021 verfolgt

die Band eine neue Strategie mit

PANIC, indem sechs Singles & Videos

das ganze Jahr über veröffentlicht

werden. (Wikipedia)


26

TAGESSTRUKTUR VERNETZUNG

BALANCER 82, 3/2021

Wir machen

den Käfig

zur Bühne!

Von Martin Schlögl, Kulturmanager,

Initiator und Erfinder der Käfigkonzerte

Das Gurren einer Taube. Das Rauschen der Blätter im Wind. Das leise

Surren des Fernsehers im Stand-by-Betrieb. Das rhythmische Dribbeln

eines Basketballs im Fußballkäfig. Egal ob man in einer Großstadt wie

Wien oder einem kleinen Dorf am Lande lebt – unsere Umgebung ist

voll von komplexen Klangereignissen. Inwieweit diese Klänge gezielt

wahrgenommen werden, hängt davon ab, wie bewusst wir durch unsere

Welt gehen.

Im Rahmen der Reihe „Käfigkonzerte“ fand ein besonderer Musik-

Workshop statt, der sich mit dem Bewusstsein für das Hören und

die Klänge in unserer Umgebung beschäftigt. Im Fußballkäfig der

Pfarre Hietzing erforschten Klient:innen von „BALANCE – Leben ohne

Barrieren“ unter professioneller Begleitung, welche überraschenden

Klänge man Alltagsgegenständen entlocken kann.

Die Käfigkonzerte

Wiens Fußball- und Basketballkäfige sind

aus dem sozialen Zusammenleben der Stadt

nicht wegzudenken. Mit den Käfigkonzerten

verwandelt der Kulturverein ARGE Henriette

diese Orte zur kreativen Spielstätte der

Grätzl-Community und der Wiener Kunstund

Kulturszene.

Dabei wird der Käfig nicht nur eine Bühne

für Live-Konzerte und Performances – er

wird selbst zu einer überdimensionalen,

bespielbaren Klanginstallation.

Die Käfigkonzerte sind für alle da!

Vor allem für alle im Grätzl.

Mit Foto-Ausstellungen, Podcasts und

filmischen Beiträgen werden die Menschen,

die mit den Wiener Spiel- und Fußballkäfigen

in Verbindung stehen, sichtbar gemacht und

so die Arbeit vieler Initiativen, Vereine und

Institutionen vor den Vorhang geholt.

Wir zeigen, wie wichtig dieses Engagement –

und damit diese Orte – für das soziale

Zusammenleben der Menschen in Wien sind.

Folgende

Käfigkonzerte fanden

im September und

Oktober 2021 statt:

Do, 30.09.

Schuhmeierplatz,

1160 Wien

Music-Acts:

Keke

Wiener Symphoniker

König

Do, 07.10.

Henriettenplatz,

1150 Wien

Music-Act

Laura Winkler

EsRAP

Wiener Symphoniker

Elis Noa


TAGESSTRUKTUR VERNETZUNG 27

Infos zum Workshop

Der Workshop wurde von dem

Kulturmanager Martin Schlögl

initiiert. Der Musiker Alexander

Forstner begleitete die Teilnehmenden

durch den Tag. Die Fotos

stammen von der Wiener Fotografin

Petra Rautenstrauch.

Fotos: Petra Rautenstrauch


28 UNTERSTÜTZTES WOHNEN KÖRPERBILDER BALANCER 82, 3/2021

Mittendrin.

Im Rahmen der

Vorstellungs-Reihe aller

BALANCE-Wohngruppen

ergibt sich die gute

Gelegenheit, ein neues

Projekt vorzustellen …

von Christian Zuckerstätter

nach einem Interview mit

Andrej Rubarth

Der Name des neuen Projekts ist Programm. Entsprechend der Forderung der UN-

Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung, dass Menschen mit

Behinderung nicht in gesonderten Institutionen leben sollen, sondern in Wohnsiedlungen,

wie die anderen Bürger:innen auch, werden die Wohngemeinschaften

aus dem Wohnhaus Maxing übersiedeln. In diesem Sinn beinhaltet das Projekt

Mittendrin.Sein.Können gleich auch den fixen Vorsatz, aus dem Können ein

Tun werden zu lassen.

Konkreter Anlass dafür war als erstes die sehr alte, schon bröckelnde

Bausubstanz des Wohnhauses Maxing. Nach eingehender Prüfung haben

BALANCE und der Fonds Soziales Wien schon 2017 beschlossen, dass die

Renovierung des schon in die Jahre gekommenen Wohnhauses zu viel Geld in

Anspruch nehmen würde. Ein neues Wohnhaus sollte aufgrund der UN-

Konvention auch nicht gebaut werden. Der Plan war also, neue Wohnorte in Wien

zu finden, wo die Bewohner:innen in Wohnverbünden leben können.

Das Wichtigste am

neuen Programm

An den neuen Wohnorten wird die Betreuung nicht genauso weitergehen,

wie es bisher der Fall war. Jede:r Bewohner:in wird dann in einer eigenen

Wohnung mit eigenem Haushalt leben. Es wird zur direkten Interaktion mit

Wohnungsnachbar:innen kommen. Es wird Nahversorgungsstrukturen geben

und öffentliche Begegnungsräume direkt vor der Haustür. Die Lebensgewohnheiten

der Nutzer:innen werden sich mit den neuen Gegebenheiten verändern. Sie

werden somit mehr und mehr in die Lage kommen, eigene Entscheidungen zu

treffen.

Sie werden lernen zu entscheiden, was ihnen wichtig ist und wann und wo

sie noch weiterhin Begleitung bei ihren Interessen und Nöten brauchen.

Betreuer:innen werden darauf achten, dass die Nutzer:innen hinreichend sicher

am Weg in die Selbständigkeit begleitet werden. Ein Balance-Akt mit großen

Herausforderungen: wie können sie die Bewohner:innen verantwortungsvoll und

zurückhaltend dabei begleiten, Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen,

wahrgenommen zu werden und ein respektierter Teil der Nachbarschaft zu

werden?

Vier neue Wohnverbünde, alle im 12. und 14. Bezirk, sind geplant. Jeder dieser

Mittendrin.Sein.Können-Wohnverbünde wird aus elf Wohneinheiten bestehen.

Zehn davon sind Einzelwohnungen für je eine:n Nutzer:in, eine davon ist größer

und steht zwei Bewohner:innen zur Verfügung. Es wird also jeder Mittendrin.Sein.

Können-Wohnverbund von zwölf Nutzer:innen bewohnt. Alle Wohnverbünde

werden sich in Wohnhäusern befinden, wo auch viele andere Mieter:innen, also

Nachbar:innen leben werden. Und jeder Wohnverbund wird von einem

Betreuer:innen-Team begleitet. Zusätzlich gibt es in jedem Wohnverbund auch

einen Sozialraum für alle Nutzer:innen. Alle haben somit stets die freie Wahl, ob

sie Gesellschaft bevorzugen oder sich lieber in die eigene Wohnung zurückziehen,

eine optimale Lösung.


BALANCER 82, 3/2021 UNTERSTÜTZTES WOHNEN 29

Sein.Können

Vom Wohnhaus Maxing zu Wohnverbünden

Eine enorme Aufgabe steht bevor – die Umsiedlung von 45 Bewohner:innen des

Wohnhauses Maxing in die vier Wohnverbünde. Die Bewohner:innen haben einen

sehr unterschiedlichen, großteils umfangreichen Unterstützungsbedarf. Mit

Sicherheit benötigen sie sehr viel Begleitung, um die Gründe für den Umzug zu

verstehen und alle Fragen und Probleme dieser Veränderung einordnen zu können.

Die meisten von ihnen kennen nur das Leben in Familien und Institutionen und

haben sich noch nie vorgestellt, wie es wäre, in einer eigenen Wohnung zu leben.

Betreuer:innen setzen sich schon heute intensiv mit vielen Fragen auseinander:

wie können Personen in ihren Wohnungen unterstützt werden, wenn

sie mobil eingeschränkt sind? Wenn sie Dinge nicht ohne Hilfe machen können?

Wenn sie Unterstützung in der Kommunikation brauchen? Wenn sie sich im

öffentlichen Raum nur in Begleitung bewegen können? Darüber hinaus sind die

Menschen im Wohnhaus Maxing über die Jahre wertvolle Beziehungen

eingegangen, die nicht einfach auseinandergerissen werden dürfen. Ein schonungs

voller, einfühlsamer Übergang in die neue Wohnform hat in jedem Fall

allerhöchste Priorität.

Eine maßgebliche Änderung gegenüber heute: die Bewohner:innen werden

künftig selbst Mieter:innen in ihren Wohnungen sein. Der Fonds Soziales Wien

wird die Betreuungskosten finanzieren, für die Lebenshaltungskosten haben die

Mieter:innen hingegen selbst aufzukommen. Das sind allem voran die Miete, das

Essen, die eigenen Hilfsmittel und alle nötigen Dinge des täglichen Lebens. Die

Förderungsmöglichkeiten für diejenigen, die sich das nicht leisten können, sind

noch abzuklären.

Vom Heute ins Morgen

All die vorhin gestellten Fragen verdeutlichen, dass nicht eine einfache Übersiedlung

bevorsteht, sondern eine „Reise in ein neues Leben“. Die Balance-

Nutzer:innen werden künftig in den Wohnverbünden anders leben und Balance

wird sie anders begleiten. Denn dem neuen Vorhaben, dem Projekt Mittendrin.

Sein.Können, liegt eine neues Denkmuster und somit auch Verhaltensmuster zugrunde.

Aus der Sicht des Menschen mit Behinderung heißt es nicht mehr: „Ich bin

anders, darum ziehe ich mich zurück“, sondern: „Ich bin anders, aber ich gehöre

zu euch“.

Das ist somit ein ganz entscheidender „Musterwechsel“, der tiefgreifende

Veränderungen nach sich zieht. Der aber vor allem eines unbedingt braucht: die

tiefe Verankerung im Denken und im Empfinden aller Betroffenen. Es wird wichtig

bleiben, die Gesundheit und die Grundbedürfnisse sorgsam zu begleiten. Was im

Vergleich zu heute wichtiger wird, ist die Beziehungen zu den Mitmenschen zu

unterstützen und ein interessantes Leben zu gewinnen. Denn nur so können die

neuen Strukturen nachhaltig zum Leben erweckt werden. Damit Menschen mit

Behinderung künftig MITTENDRIN im Grätzl, mittendrin in der Nachbarschaft

sind. Mitten im Leben sozusagen. Jede:r Bewohner:in soll dort so sein können, wie

sie:er ist. Sich zeigen und respektierter Teil der Community sein.


30

Pro & Contra

BALANCER 82, 3/2021

pro

Dating Apps

Von Liesa M.

Das Smartphone mit seinen vielfältigen Apps ist längst Teil

unseres Alltags geworden, wir kaufen damit ein, suchen

Informationen, machen Checklisten, planen Ausflüge und

Reisen, bezahlen damit, also warum um alles in der Welt sollte

man dann nicht auch die Partner:innensuche damit versuchen?

Man muss nicht alles dem sehr unberechenbaren Zufall

überlassen, dass ich genau die Person treffe, mit der ich

zusammen sein möchte und der Vorteil bei diesen Apps

ist auch, dass ich kaum an Menschen gerate, die nicht auf

der Suche, vergeben oder desinteressiert an meiner Art der

Wunschbeziehung sind, damit ist schon viel Konfliktstoff für

die erste Zeit der Beziehung ausgeräumt, denn bereits in der

App kann ich klarmachen, was ich will und suche. Ich suche

z. B. jemand, der sich längerfristig binden möchte und bei dem

Kinder nicht ausgeschlossen sind, auch Katzen muss er:sie

mögen, diese Infos erscheinen banal, aber mir sind sie wichtig

und ich möchte nicht beim ersten Date all das abfragen müssen,

das zerstört die Romantik dann doch etwas!

Und wer meint, das sei besonders gefährlich, dem sei gesagt,

es gibt ganz einfache Regeln: Mit Unbekannten trifft man sich

immer auf neutralem Boden im Umfeld von anderen Menschen

und persönliche Details wie Wohnadresse sind auch nicht das

erste, das man weitegeben sollte. Aber das trifft ja auch auf

eine Situation zu, wenn ich jemand beim Fortgehen in einem

Lokal kennen lerne, dem sollte ich genauso wenig gleich alle

persönlichen Daten erzählen und schon gar nicht gleich zu

mir nach Hause einladen. Wenn man diese einfachen Regeln

befolgt, ist man mit oder ohne Dating App relativ sicher.

Trotzdem ist es auch gut, bei den verwendeten Apps auf

Qualität zu schauen. Tinder oder ähnlich funktionierende Apps

verwende ich nicht, diese App ist mir zu oberflächlich, aber

gute Erfahrungen habe ich mit Candidate und Once gemacht,

die schon vorab jene Leute aussieben, die nur auf schnellen

unverbindlichen Sex aus sind. Diese beiden Apps fordern deine

Kreativität, Humor und Lust am Spiel, so macht App-Dating

auch richtig Spaß!

Für mich ist es eine gute Möglichkeit, interessante Menschen

kennen zu lernen, die gut zu mir und meinem Lebensstil passen

und das ein oder andere Mal hat es bei mir auch schon gehörig

gefunkt.

contra

Dating Apps

Von Maike P.

Dating Apps? Totale Zeitverschwendung, zuerst einmal

denkt man sich, ja super, da geht alles viel schneller und

einfacher, ich finde schneller Menschen, die zu mir passen

und sogar in meiner Nähe wohnen, nach zwei Jahren

Selbstversuch habe ich es nun endgültig aufgegeben,

über solche Apps jemand zu finden. Von 100 Personen

findet man nur wenige, die halbwegs vernünftig, nicht

schrullig oder seltsam sind oder spezielle eigenartige

Ideen von Liebe und Beziehung haben (um es einmal

vorsichtig auszudrücken). Tatsache ist, dass solche Apps

eine Menge seltsamer Menschen anziehen und bis man

die herausfiltert, die wirklich nett sind und es ehrlich

meinen, muss man schon sehr viel Zeit aufbringen.

Außerdem habe ich festgestellt, mein innerer Radar,

meine Menschenkenntnis funktioniert nur in der echten

Begegnung, digital bin ich da völlig blind, da falle ich doch

auf alles herein, was mir in der realen Begegnung niemals

passieren würde, also auch das eine Zeitverschwendung,

denn bis es zu einem Treffen in real kommt, schreibt man

ja unzählige Nachrichten.

Was mich außerdem besonders stört an Dating Apps

ist diese Konsumhaltung des „Wegwischens“ von

Menschen, ein Foto ist doch nie wirklich aussagekräftig,

dieser oberflächliche auf den ersten Eindruck fokussierte

Zeitgeist zeigt sich auch da von seiner unangenehmen

Seite. Meine Hemmungen beim „Wegwischen“ konnte

ich auch nach zwei Jahren nicht ablegen.

Dating Apps sind und bleiben auf meinem Smartphone

daher längst deinstalliert und kaum bin ich nicht mehr

ständig mit Nachrichten Schreiben, Suchen und Wischen

beschäftigt, ist mir auch vor ca. zwei Monaten der nette

Kollege aufgefallen , ich glaube er ist Single und

morgen wollen wir nach der Arbeit etwas trinken gehen,

da knistert es schon ein bisserl, das liebe ich an der

realen Begegnung, die Blicke, das Lächeln, die Vorfreude,

das vorsichtige Abtasten, ohne dass ich vorher schon

alle Hobbys, Allergien oder die Schuhgröße kenne und

abgecheckt habe. Denn DAS ist für mich ein wirkliches

Rendezvous, echt und in Farbe!


BALANCER 82, 3/2021

impressum

31

Impressum

›2

T

A

›9

B

G

›12

N

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F

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B

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S

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B

›11

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E U K A L E D O

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Wortkreuzrätsel

Lösung

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U C H S E N F E

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C

Erstellt mit XWords - dem kostenlosen Online-Kreuzworträtsel-Generator

https://www.xwords-generator.de/de

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A

N

D

I

Medieninhaber, Herausgeber, Verleger:

1. Künstler:in Balancer Cover (Nachname)

Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren, 1130 Wien,

2. Abkürzung für Tagesstruktur

3. Römische Hochheimgasse Liebesgöttin 1,

4. BALANCE T 01/8248733-8205, Wohnverbund F DW 8250

5. Sozialstadtrat in Wien (Vorname)

E-Mail: h.hiebl@balance.at

6. BALANCE Tagesstruktur

7. Agentur Internet: Streitschlichter:innen

www.balance.at

8. Date AppChefredaktion: Mag a . Helga Hiebl

9. Farbe im Nachnamen des Leiters der Tagesstruktur SoHo

Redaktion: David Galko, Mag. Jürgen Plank,

10. Thema dieser Ausgabe

11. Indische Cornelia Bewegungsphilosophie

Renoldner, Mag. Andrej Rubarth, Andreas

12. Inselgruppe Tettinger Nähe und Australien Brigitte Wallner, Pia Wolf, Christian

Zuckerstätter

Versand: Tagesstruktur-Standort ELF

Grafische Gestaltung: Frau Ober

Redaktionsadresse: Zeitschrift Balancer,

Hochheimgasse 1, 1130 Wien,

T 01/824 87 33-8205,

E-Mail: h.hiebl@balance.at

Erscheinungsweise: 1/4-jährlich

Erscheinungsort: Wien

Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: Eigentümer:

BALANCE, gemeinnütziger, überparteilicher, nichtkonfessioneller

Verein.

Vorstand: OSR, Dir. Rudolf Wögerer, Obmann;

Marianne Kühtreiber, Obmann Stellvertreterin;

Leo Josef Neudhart, Obmann Stellevrtreter;

Dr. Karl Katary, Schriftführer; Irmtraut Vaclavic,

Schriftführer Stellvertreterin; Gertrud Bartsch,

Kassierin; SenRat DI Harald Haschke, Kassierin

Stellvertreter; Irene Pautsch

Geschäftsführung: Marion Ondricek

Blattlinie: Der „Balancer“ berichtet als Fachund

Vereinszeitschrift über die Aktivitäten

von BALANCE, bekennt sich zu dessen Leitbild

und Grundsätzen und thematisiert besonders

relevante Themen und Ereignisse, die Menschen

mit Behinderungen betreffen. Der „Balancer“

folgt inhaltlich dem Bekenntnis des Art. 7

der Bundesverfassung, nach welchem es ein

Grundrecht aller Menschen ist, gleichberechtigt

und ohne Diskriminierung zu leben.

Inklusive Redaktion: Als Grundvoraussetzung

für eine zukünftige inklusive Gesellschaft

werden Selbstbestimmung und Selbsttätigkeit

der BALANCE-KlientInnen unterstützt. Gemäß

diesem Anspruch setzt sich das Redaktionsteam

des „Balancers“ zu gleichen Teilen aus

BewohnerInnen, Tagesstruktur-TeilnehmerInnen

und MitarbeiterInnen zusammen.


Käseglocke

€ 32,00

Nussholz, Keramik

Durchmesser 23 cm, Höhe 13 cm

SoHo Laden

Viktor-Kaplan-Straße 6-8

1220 Wien

Bestellung per Mail unter: tags.soho.holz@balance.at

oder per Telefon +43-1-209 37 31

Auf Wunsch auch Lieferung innerhalb von Wien.

Verein BALANCE – Leben ohne Barrieren

Hochheimgasse 1, 1130 Wien

Bankverbindung Spendenkonto:

Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG

UID: ATU38252717

BIC RLNWATWW, IBAN AT96 3200 0000 0747 9868

Spenden an BALANCE sind absetzbar: SO 1482

Österreichische Post AG /

Sponsoring.Post

GZ: 08Z037718S

Nr. 82/2021, Jahrgang 23

Verlagspostamt 1130 Wien

Erscheinungsort Wien

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