Kulturfenster Nr. 05|2021 - Oktober 2021

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BLASMUSIK

CHORWESEN

HEIMATPFLEGE

in Südtirol

Nr. 5

OKT.

2021

Sommerprogramm 2021 – Ein positives Signal

Identitätsstiftende Orte schaffen

Geschichte der Blasmusik 1918-1948

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 71. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 73. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift


vorausgeschickt

Wichtige Zeichen und

positive Signale

Liebe Leserinnen und Leser,

auch wenn es zu Beginn des heurigen Jahres

immer noch schwierig war, konkret zu planen,

so war es dem Südtiroler Chorverband

und dem Verband Südtiroler Musikkapellen

(VSM) sehr wichtig, die Schulungsangebote

im allgemeinen und die Sommerangebote

für die Jugend im besonderen nicht wieder

– wie schon im Vorjahr – ausfallen zu lassen.

Während der Chorverband sein Schulungsprogramm

in reduzierter Form bzw. mit weniger

Teilnehmer*innen durchgeführt hat,

hat der VSM anstelle eigener Angebote die

Projekte vor Ort gefördert und die Jugendkapellen

unterstützt. In mehreren Beiträgen

wird über diese erfolgreichen Initiativen

berichtet und damit auch ein „positives Signal“

gesendet als Zeichen der Hoffnung,

„dass die Normalität wieder zurückkehren

wird und die Menschen den Neustart des

Musiklebens erleben“, wie es der Obmann

des Chorverbandes, Erich Deltedesco, so

treffend formulierte.

Wichtige Zeichen setzt auch der Heimatpflegeverband

mit seinem heurigen

Schwerpunktthema zur „Baukultur“.

Er blickt auf seine gemeinsame Tagung

mit der Architekturstiftung Südtirol zurück,

die mit kritischem Auge Antworten

auf die Frage nach „identitätsstiftenden

Orten“ erörtert hat. Auch werden

mit Argusaugen die Prunkbauten der Hotelarchitektur

beleuchtet und die „Eventisierung“

der Landschaft beobachtet.

Der Schutz der Kulturgüter, ein Interreg-

Projekt zur Erhaltung einzigartiger Ortskerne,

ein Porträt der Klöppel-Handwerkskunst

in Prettau sowie die Fortsetzung der

Serien über die Flurnamen aus der Agrargeschichte

und die Dinge des Alltags ergänzen

die einschlägigen Rubriken.

Ein weiteres Zeichen setzt der Verband

Südtiroler Musikkapellen mit dem mittlerweile

abgeschlossenen mehrjährigen Forschungsprojekt

zur Geschichte der Südtiroler

Blasmusik von 1918 bis 1948. Auf

Initiative der damaligen Kulturlandesrätin

Sabina Kasslatter-Mur und in Zusammenarbeit

mit dem Südtiroler Landesarchiv gewährt

das kürzlich erschienene Buch „In

Treue fest durch die Systeme“ teils auch

neue Einblicke in diese bislang – oft auch

bewusst – ausgeklammerte Zeit, wie dies

der Historiker Hubert Mock im Hauptthema

der Blasmusikseiten darlegt.

Dazu gibt es die gewohnten Rubriken, in

denen die einzelnen Verbände ihre Tätigkeiten

dokumentieren, bereichsspezifische

Themen aufarbeiten und auch die

Jugend – die Zukunft unserer Vereine – in

den Fokus stellen. Ich wünsche Ihnen dazu

wiederum eine unterhaltsame, aber auch

informative Lektüre und einen aufschlussreichen

Blick durch unser „KulturFenster“.

Stephan Niederegger

Singen ist die eigentliche

Muttersprache des Menschen.


Sir Yehudi Menuhin

(1916–1999)

„ „

Markante historische Gebäude in unseren

Orten sollen als wertvoller Teil unserer

Geschichte wahrgenommen werden, im

Sinne eines sichtbaren Erinnerns.


Günter Dippold (1961)

Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit.

Aber ihr macht euch schuldig, wenn

ihr nichts über diese Zeit wissen wollt.



Esther Bejarano

Holocaust-Überlebende

(1924–2021)

KulturFenster

2 05/Oktober 2021


Inhalt

In dieser Ausgabe

Chorwesen

Popmusik im Chor stellt besondere Ansprüche........................... 4

Chor- und Stimmbildungsawoche in Burgeis............................... 8

Chorleiter*innen-Seminar in Dietenheim..................................... 9

Jugendchor Österreich singt „Songs for Future“ ....................... 10

Endlich wieder Musical-Fever!.................................................. 12

Schulungen als Zeichen der Zuversicht .................................... 13

Jugendchor Voci.ssimo ............................................................ 14

Voci.ssimo singt und jodelt der Pandemie zum Trotze ............... 16

„Mitanond singen“................................................................... 18

Ein humorvoller Post-Corona-Rap für alle Chöre ....................... 19

60 Jahre Männerchor Percha................................................... 20

30 Jahre Chorgesang „VocalArt“ feiert Geburtstag .................... 22

Verabschiedung von Pater Meinrad und

Ehrungen in Ratschings ........................................................... 23

Heimatpege

Identitätsstiftende Orte schaffen – Tagung des

Heimatpflegeverbandes und der Architekturstiftung Südtirol ..... 24

„Les Viles“ – Einzigartige Kulturschätze im Gadertal.................. 26

Hotel-Architektur als Weltanschauungssymbol ......................... 27

Kulturgüterschutz: „Es geht auch um Emotionen“ .................... 28

Die Einzigartigkeit eines Ortes erhalten ..................................... 29

Hotelprojekte: „Politik muss klare Kante zeigen“....................... 30

Tagung der Sachbearbeiter im Passeiertal ................................ 31

Hans Raich erhält Goldenes Ehrenabzeichen des Verbandes.... 32

Streuobstwiesen als Teil der Kulturlandschaft............................ 33

Die gute alte Harass – So kam die Obststeige nach Südtirol ...... 34

Moas, Umas, Ronach und Gerüne

Flurnamen aus der Agrargeschichte, Teil 4 – Rodungsnamen..... 36

Dinge des Alltags: Das Grabkreuz............................................. 37

Ein lebenswertes Straßendorf – Ortsbegehung in Mauls ............ 38

Ortsbild soll erhalten werden – Rundgang durch Stilfes............. 39

Votivtafel restauriert.................................................................. 40

Lieder und Mundartgedichte .................................................... 40

Neue Gedenkplatte auf Cima d’Oro .......................................... 41

Großer Einsatz für Gottes Lohn

Im Gedenken an Heimatpfleger Adolf Bernhart......................... 42

Klöppelspitzen aus Meister(innen)hand

Paula Innerbichler aus Prettau im Porträt ................................. 43

Blasmusik

In Treue fest durch die Systeme

Geschichte der Südtiroler Blasmusik 1918–1948 ..................... 44

Neuerung zur praktischen Prüfung der Leistungsabzeichen...... 48

50 Jahre 2. Autonomiestatut 1972–2022.................................. 49

15. Bezirksjungbläsertage in Bruneck

Ein gut angenommenes Angebot.............................................. 50

VSM untersützt musikalische Jugend Südtirols ......................... 51

Es war einmal … eine Musikkapelle ......................................... 52

Konzertwertung in Toblach abgesagt!........................................ 52

Umfrage: Marschieren – alles Show? ........................................ 53

Marschiershow der MK Latzfons............................................... 58

Herzliche Gratulation zum runden Geburtstag .......................... 59

Mit Musik durch die Schulzeit – Bläserklasse Toblach............... 60

Jugendsommer trotz Corona .................................................... 62

Jugend rockt für den guten Zweck

Rückblick auf das „Sondna Soundfestival“ ............................... 64

10 Jahre Jungbläsertage St. Johann......................................... 65

MK Völs am Schlern beim

ÖBV Blasorchester-Bundeswettbewerb..................................... 66

24. IGEB-Kongress 2022 in Bozen ........................................... 66

63. ÖBV-Kongress in Kärnten................................................... 67

Der Komponist Rupert Hechensteiner im Porträt ...................... 68

Tiroler Verdienstmedaille für

Elmar Windegger und Johann Prader ....................................... 70

In Erinnerung an Karl Hermann Vigl ......................................... 71

„Southbrass“ veröffentlicht zweites Album................................ 72

Zwei Weihnachtsweisen aus dem Pustertal............................... 73

Digitalisierung der Blasmusik

Online-Seminare statt Proberaum............................................. 74

kurz notiert – Neues von den Musikkapellen............................. 75

Impressum

Mitteilungsblatt

- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it

- des Südtiroler Chorverbandes

Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it

- des Heimatpflegeverbandes Südtirol

Redaktion: Florian Trojer, florian@hpv.bz.it

Anschrift:

Schlernstraße Nr. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen

Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it

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Jahresabonnement = 20,00 Euro

Ermächtigung Landesgericht Bozen Nr. 27/1948

presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, April, Juni, August, Oktober und

Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.

Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht

zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.

genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.

Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit

sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit

der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder

Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.

Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.

gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung

KulturFenster

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Sommerprogramm 2021

Der Südtiroler Chorverband hat bereits am Anfang des Jahres

beschlossen, alle Sommerkurse soweit wie möglich abzuhalten.

Im Nachhinein war das eine gute Entscheidung. Die Erfahrung

dieses Sommers lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Weniger Teilnehmer*innen als üblich, aber dafür hochmotiviert.

KulturFenster

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hinausgeblickt

Viel Spaß und viele

Herausforderungen

Popmusik im Chor stellt besondere Ansprüche

Hubert von Goisern, die Beatles, aber auch

Linkin Park, Adele oder die Toten Hosen…

Lieder wie diese erklingen heute in so manchem

Konzert. Die Zeiten, in denen man

eher skeptisch auf Chöre geblickt hat, die

Pop- bzw. Rock-Lieder singen, sind wohl

längst vorbei. Inzwischen gibt es im deutschen

Sprachraum sogar viele Chöre, die

sich auf diese „moderne“ Richtung spezialisiert

haben. Was ist zu beachten, wenn man

Popmusik im Chor richtig umsetzen will?

Die Ursprünge aller Chormusik, die man

im weiteren Sinn als Popmusik zusammenfassen

kann, liegen in der afroamerikanischen

Volksmusik, besser bekannt

als Blues. Die kennzeichnenden Merkmale

afro-amerikanischer Musik sind die

musikalischen Parameter von Rhythmus

und Klangfarbe. Sie werden stärker betont

als in der westeuropäischen Musik,

die Melodie und Harmonie in den Vordergrund

stellt. „Die Stimme wird vom Klang

her anders eingesetzt als im klassischen

Chorgesang“, erklärt Prof. Anne Kohler

von der Hochschule für Musik in Detmold.

„Die Bässe imitieren Vocalpercussion,

die Mittelstimmen den klanglichen

Background und die Melodie fi ndet sich

abwechselnd bei Sopran, Alt oder Tenor“.

Popmusik im Chor verlangt also einen

etwas anderen Zugang: Das weiß auch

Schulmusiker und Chorleiter Christoph

Gerl. Mit seinem Popchor Cantaloop gewann

er 2016 den ersten Preis beim Deutschen

Chorfest. Sein Wissen über die

Chorarbeit gibt er unter anderem in seinen

Workshops als Dozent weiter. Seiner

Meinung nach sind bei der Leitung eines

Popchors einige Dinge besonders zu beachten,

andere sind gleich wie bei jedem

Chor: „Wie bei jedem Chor ist auch bei

Popchören das Einsingen sehr wichtig.“

Christoph Gerl setzt dabei auf Übungen,

die den Körper aktivieren und die Fantasie

anregen. Seine Sänger*innen seien

zum Beispiel Zauberer, Könige von Eisland

oder Superman und Superwoman.

„Beim Warm-up können Sie Ihre Chormitglieder

in die unterschiedlichsten Rollen

schlüpfen lassen. Wichtig dabei ist, dass

Sie den ganzen Körper miteinbeziehen.“

Eine genaue Anleitung zu den Übungen,

die Gerl vorschlägt, fi ndet man im Buch

„Crashkurs Singen“.

Den richtigen „Groove“

nden

Bei der Popmusik im Chor ist der berühmte

„Groove“ das Um und Auf. Oft können

Lieder erst mit dem richtigen Groove ihre

volle Wirkung entfalten. Doch wie schafft

man es, dass die vielen Sänger*innen in

einem Chor dabei auf einer Wellenlänge

KulturFenster

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hinausgeblickt

sind? Gerl hat einen Tipp: „Damit sich

meine Sänger*innen klanglich und rhythmisch

‚vernetzen‘, arbeite ich bei meinem

Chor gerne mit unterschiedlichen Aufstellungen.

Wir singen mit geschlossenen

Augen oder Rücken an Rücken und wir

spiegeln einzelne Stimmfarben und Phrasierungen.

Alles, was dazu beiträgt, das

Ohr zu öffnen und die eigenen Antennen

weit auszustrecken, hilft.“ Christoph Gerl

empfiehlt, mit gezielten Übungen Grundpuls

und Rhythmus im Körper zu verinnerlichen,

etwa mit „A Cappella Grooving

1“. Damit könne man die Vocal Grooves

der einzelnen Stimmen sowie die Songmelodie

erarbeiten, sodass Körperbewegung,

Rhythmus und Melodie eine Einheit

bilden. Den Körper zu aktiveren, spielt

aber nicht nur bei den Einsingübungen

eine Rolle. „Wenn Sie einen Song mit einer

Choreografie begleiten, können Sängerinnen

und Sänger spüren, dass sie

das gesungene Wort nicht nur gebärdendolmetschen,

sondern durch ihren

Körper dem Stück eine zusätzliche Aussage

geben“, erklärt der Chorleiter. Wenn

das der Fall ist, hätten alle ganz schnell

Lust auf choreografische Elemente und

diese könnten mitunter ganz klein sein,

meint Gerl: „Ein gezielter und gerichteter

Blick oder ein Absenken des Kopfes

von allen in der Gruppe zur gleichen Zeit

kann enorm wirkungsvoll sein! Ich mag

Dinge, die nicht aufdringlich sind und einen

Mehrwert in sich tragen, indem sie

dem gesungenen Wort eine weitere Bedeutung

verleihen.“

Die Bedeutung des Gefühls für den richtigen

Groove betont auch Chorleiterin

Tabea Raidt: „Der Rhythmus des Stücks

sollte am Körper der Chorleiterin und der

Chormitglieder zu sehen sein und die

Chorleiterin sollte nach den ersten Takten

auch nicht mehr dirigieren.“ Bei der

Chorleitung sollten nicht nur die Viertel

zu sehen sein wie im klassischen Dirigat.

Popchorleitung hat mehr Körpereinsatz,

auch Achtel und Sechzehntel sollten in

Armen und Körper zu sehen sein. „Wichtig

ist, dass der Chor den Groove spürt!“

Poplieder sind reich an

Harmonien

Um die Qualität der Chorpopmusik zu garantieren,

muss der Popchor vor allem

an der Intonation und Dynamik arbeiten.

Hier bestehe oft die Gefahr, dass einige

Sänger*innen zum Beispiel bei der Aufführung

in die Rufstimme fallen, andere

hingegen nicht – „das klingt dann gruselig“.

An der Intonation müsse daher besonders

bewusst gearbeitet werden, etwa

indem man immer wieder ohne Klavierbegleitung

probt um sicherzustellen, dass

die Intonation von den Stimmen getragen

wird. Besonders schade findet die Expertin,

dass viele Poplieder in vereinfachter

Form gesungen werden: „Popmusik lebt

von reichen Harmonien, also Vier-Klängen

statt Drei-Klängen, Akkorde mit Septimen,

Nonen und weitere Ergänzungen.“

Erweiterte Harmonien seien ein wesentliches

Merkmal der Popchormusik und

es sei schade, wenn auf sie verzichtet

wird. Hier brauche es gezielte Übungen,

um diese Klänge nicht nur passiv im Radio

zu hören, sondern auch selbstbewusst

zu singen. Eine weitere Herausforderung

sei auch die Dynamik: „Poplieder

sind nicht per se laut!“ Der Wechsel von

einer leisen Passage mit neutraler Stimmfärbung

in eine laute Passage ist schwierig

und muss gezielt geübt werden. Dasselbe

gelte für die Ausspracheregeln bei

Popliedern, die sich von den klassischen

unterscheiden.

Bestimmte Aspekte des Popchors könne

man auch in den Schulalltag integrieren,

sagt Gerl. Wichtig sei jedoch, den

Ansprüchen der Kinder gerecht zu werden.

Diese hätten oft mehr Lust am Ausdruck,

an der Bewegung und Intensität

als an der Perfektion: „Jedes Alter und

Niveau hat unterschiedliche Ansprüche,

aber das Bedürfnis dahinter ist immer das

Gleiche: Nämlich gemeinsam zu musizieren

und Musik miteinander zu erleben,

wie tief und unmittelbar Musik in unsere

Gefühlswelt einzudringen vermag.“ Ein

wichtiges Thema ist die Songauswahl.

Diese will auch in Popchören gut überlegt

sein. Christoph Gerl ist zum Beispiel

seit Kindertagen Fan des Songs „You’re

KulturFenster

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Chorwesen

The Voice“ von John Farnham:„Ich mag

an dem Stück die Kraft und Zuversicht,

die starke und selbstbewusste Haltung,

die sowohl im Text als auch in der Musik

deutlich zu spüren ist.“

Popchöre sollten an

der Stimmfarbe arbeiten

Was bei der Probe oft vergessen wird,

ist die Arbeit mit den Stimmfärbungen.

Chorleiterin Tabea Raidt betont, dass

jede Richtung ihre eigene Stimmfärbung

braucht: "Abschied vom Walde" sollte doch

anders klingen als "Live is life", ein Liedermacher

sollte eine erzählende sanfte

Stimme haben, ein Gospelsänger einen

satten Klang und ein Popchor ebenfalls

die eigene Klangfarbe finden, die zum

Lied passt. Wenn in den Chören an der

Stimme gearbeitet werde, dann sehr oft

orientiert am klassischen Klangideal. Dies

sei für Popmusik nicht unbedingt geeignet:

Pop-typische Stimmfärbungen hätten

einen „metallischen Klang“, das erfordere

Atmen aus dem Bauch heraus.

Chorleiter*innen müssten daher Zeit in die

Atemtechnik investieren, bevor man an

der Stimmfarbe arbeiten könne. Wichtig

sei es auch, sich mit den dynamischen

Begriffen der Popchormusik vertraut zu

machen und sich auf eine gemeinsame

Sprache zu verständigen: Viele einigen

sich dabei auf die vier Vocal Modes Neutral

(sanft), Curbing (klagend), Overdrive

(gerufen) und Edge (kreischend). Hier

sei es besonders wichtig, mit richtigen

Techniken nicht der Stimme zu schaden.

Nicht zuletzt sei eine funktionierende und

passende Technik mit Mikrofonen und

Lautsprechern eine wesentliche Aufgabe

für den Popchor – falls er das wünscht.

Denn wenn mit Verstärkung gesungen

wird, sollte das genau geplant und geprobt

werden. Die Technik ist nicht Schlechtes,

worüber man die Nase rümpfen soll – sie

kann auch bewusst in geschlossenen Räumen

angewandt werden. Aber sie muss

als wesentlicher Bestandteil der Aufführung

angesehen und integriert werden –

und darf nicht erst bei der letzten Probe

hinzugefügt werden.

Popchormusik ist Musik unserer Zeit – sie

ist weder besser noch schlechter als die

klassische Musik. Aber auch ein Popchor

sollte auf Qualität achten und nicht vergessen,

dass gerade Poplieder zum Teil große

Ansprüche an die Sänger*innen stellen.

Heute ist es fast selbstverständlich, dass ein Chor auch Poplieder singt.

KulturFenster

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SCV-Intern

Eintauchen in die

Welt des Liedes

Chor- und Stimmbildungswoche in Burgeis

Ein vielseitiges Repertoire, exzellente

Referenten und Gemeinschaft: Die Chorund

Stimmbildungswoche in der Fürstenburg

in Burgeis vom 26. Juli bis 1. August

bot heuer 40 Teilnehmer*innen eine gute

Gelegenheit, sich im Chorgesang und in

Einzelstimmbildung weiterzuentwickeln.

Mit den international anerkannten Referenten

Rainer Held und Norbert Carlen

wurden im Plenum weltliche und geistliche

Werke von der Renaissance über die

Romantik bis zur Gegenwart (Johann H.

Schein, Antonin Dvořak, Cyrill Schürch

bis Ko Matsushita, Jay Althouse und Ola

Gjeilo) erarbeitet. Ergänzt wurde dieses

umfassende Repertoire mit Werken in

Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch

sowie Werken aus Südamerika.

Kompetenz und Erfahrung

Die Referenten aus der Schweiz sind international

als Dirigenten und Coaches

tätig sowie als Lehrer an Hochschulen

und Leiter von Fortbildungen. So brachten

sie die Kompetenz und die Erfahrung

mit, um die Sänger*innen zu motivieren,

an ihrer Stimme und ihrem Gesang

zu arbeiten. Unterstützt wurden sie dabei

von vier Stimmbildnern, die mit den

Sänger*innen an der Stimme arbeiteten.

Wie Verbandsobmann Erich Deltedesco

betonte, seien die 40 Teilnehmer*innen

„voll motiviert“ gewesen. Üblicherweise

nehmen an der Chor- und Stimmbildungswoche

80 Personen teil. Doch heuer

musste unter Corona-Bedingungen geprobt

werden. Schulungsleiter Rainer

Held zeigte sich erfreut, dass man im Abstand

und ohne Maske habe proben dürfen.

Da die Sänger*innen mehrere Stunden

am Tag singen, wäre das Tragen der

Maske „nicht angenehm gewesen“. Zusätzlich

wurden Tests durchgeführt, um

das Corona-Risiko im Griff zu haben. Somit

war die Chor- und Stimmbildungswoche

insgesamt ein Erfolg. Rainer Held betonte,

dass ihm die Fortbildung viel Spaß

gemacht habe, vor allem auch deshalb,

weil die Sänger*innen eine „sehr lernwillige

und engagierte Truppe“ waren.

Man habe coronabedingt zwar unter etwas

anderen Bedingungen arbeiten müs-

sen als gewohnt, aber mit viel Disziplin

sei die Schulung bravourös gemeistert

worden. Den Abschluss der Woche bildete

ein Konzert im Freien für Passanten

und eine Wortgottesfeier in der Pfarrkirche

Burgeis mit Diakon Norbert Punter.

Weniger Teilnehmer*innen als üblich, aber hochmotiviert: die Chor- und Stimmbildungswoche

in Burgeis

KulturFenster

8 05/Oktober 2021


Chorwesen

Intensiv und lehrreich

Chorleiter*innen-Seminar des Südtiroler Chorverbands in Dietenheim

Das Leben in den Chören geht weiter:

Deshalb braucht es weiterhin gut ausgebildete

Chorleiter*innen. Nach der Corona-Pause

gab es heuer wieder das

traditionelleChorleiter*innen-Seminar des

Südtiroler Chorverbands in Dietenheim, das

in Zusammenarbeit mit dem Verband der

Kirchenchöre Südtirols organisiert wird.

Kursleiterin Nataliya Lukina, vielen unter

anderem als ehemalige künstlerische

Leiterin des Landesjugendchors bekannt,

sieht das Seminar, das vom 1. bis 6. August

in der Landwirtschaftlichen Fachschule

in Dietenheim stattfand, durchaus

positiv: „Es haben sich heuer nur vierzehn

Teilnehmer*innen gemeldet, aber

gerade wegen der geringen Teilnehmerzahl

konnten die Referent*innen auf die

Teilnehmer*innen und jede Teilnehmerin

persönlich und intensiv eingehen.“

Ursprünglich waren vier Studios geplant,

schlussendlich reichten dann drei Studios

jeweils für Anfänger, Fortgeschrittene

und Profis. Die Chorleiter*innen arbeiteten

dabei mit professioneller Unterstützung

der Referent*innen an ihrer Chorleitungstechnik.

Neben dirigiertechnischen

Übungen – angepasst an die Anforderungen

des Repertoires und den Fortschritt

der jeweiligen Teilnehmer*innen - wurden

die Stücke sorgfältig analysiert und besprochen

und natürlich auch umgesetzt.

Dazu gab es einen eigenen Übungschor,

zu dem acht Gastsänger*innen und auch

die Teilnehme*innen gehörten. Weitere

Schwerpunkte waren die Probenmethodik

und Probenarbeit.


Diese Krise wird bei den meisten

Leuten die Lust auf mehr Singen,

Zusammenkommen und auch die

Lust auf die eigene sängerische Ausbildung

wecken!

Nataliya Lukina


Durch die geringe Teilnehmerzahl konnte

der Einzelunterricht ausgebaut werden:

„Diese Fortbildung war durch die persönliche

Betreuung ein Luxus für alle

Teilnehme*innen, lehrreich und effektiv“,

sagt Nataliya Lukina, die auch für die

Stimmbildung zuständig war.

Die größte Herausforderung sei die Planung

gewesen: „Im Vorfeld hat man natürlich

bis zuletzt gehofft, dass noch einige

Teilnehmer hinzukommen. Ab einem

gewissen Moment musste man sich aber

der Realität stellen. Ich musste die Fortbildung

so planen, dass mit weniger Referenten

die gleiche Leistung erzielt wird.

Das ist glücklicherweise gelungen.“ Dass

der Kurs erfolgreich war, bewiesen die

Teilnehmenden in einem Abschlusskonzert

vor einer kleinen Zuhörerschar. Auch

wenn die geringe Teilnehmerzahl zum Denken

gibt, Nataliya Lukina ist optimistisch,

was die Zukunft der Chöre betrifft: „Diese

Krise wird bei den meisten Leuten die Lust

auf mehr Singen, Zusammenkommen und

auch die Lust auf die eigene sängerische

Ausbildung wecken!“

Heuer fand das ChorleiterInnenseminar

mit reduzierter Teilnehmerzahl statt, war

aber umso effektiver.

KulturFenster

9 05/Oktober 2021


SCV-Intern

Jugendchor Österreich singt

„Songs for Future”

Gemeinsam für den Klimaschutz

Im Jugendchor Österreich (JCÖ) singen die

besten jungen Sänger*innen Österreichs

zwischen 17 und 26 Jahren. Mit Konzerten

auf höchstem Niveau will er ein Botschafter

für die Chorlandschaft Österreich sein.

Sänger*innen aus allen Bundesländern und

aus Südtirol singen mit.

Der Jugendchor Österreich wurde 2014

auf Initiative des Chorverbands Österreich

gegründet. Die Sänger*innen kommen für

eine Probewoche im Sommer, die jedes Jahr

in einem anderen Bundesland stattfindet,

zusammen und studieren mit professioneller

Chorleiter*innen und einer Assistenz

ein besonderes Programm ein, immer unter

Einbindung anderer Kunstformen (Video,

Mode-Design, Literatur, Licht-Design

u.a.). Zwei Stimmbildner, die den jungen

Sänger*innen mit Rat und Tat zur Seite

stehen, ergänzen das künstlerische Team.

Heuer trafen sich die Sänger*innen in der

Steiermark, wie die Sängerin Sofia Berrini

im folgenden Bericht erzählt:

Am 10. Juli trafen 40 Sänger*innen

aus allen Bundesländern Österreichs

und Südtirol in der landwirtschaftlichen

Fachschule in Hatzendorf ein, um gemeinsam

als Jugendchor Österreich miteinander

zu musizieren. Nach einem

kurzen Kennenlernen und organisatorischen

Informationen ging auch schon

die erste Probe los. Unter der Leitung

von Oliver Stech und Florian Maierl galt

es, innerhalb weniger Tage aus einem

Haufen Jugendlicher zwischen 16 und

27 Jahren einen Chor zu formen.

Neben den Chorproben wurden die

Sänger*innen Paul Müller und Christine

dell’Antonio in Einzelstimmbildungsstunden

unterrichtet. Auch der Spaß kam

während der Probetage nicht zu kurz.

Neben einem Badeausflug ins Seebad

der Riegersburg, dem abendlichen Zusammensein

bei Getränken und Musik,

gab es viele Gespräche mit Chormitgliedern

und ganz wichtig natürlich gemeinsames

Singen bei Tag und Nacht.

Nach intensiven Probetagen fand am

16. Juli das große Konzert im „Zentrum

Feldbach“ statt. Unter dem Titel „Songs

for Future“, motiviert durch die Klimaschutzbewegung

„Fridays for Future“,

widmete sich das Konzertprogramm vor

allem dem Klimawandel, um nicht nur

uns Sänger*innen, sondern auch das Publikum

zum Denken und Handeln anzuregen.

Ein Höhepunkt des Abends war

die Poetry-Slammerin Katharina Wenty,

die mit passenden Texten durch das Programm

führte.

Auf nach Ljubljana

Nach dem gelungenen Konzert blieb allerdings

nicht viel Zeit für langes Feiern,

denn noch in derselben Nacht machten

wir uns auf den Weg nach Ljubljana, wo

wir am internationalen Festival „Europa

Cantat“ teilnahmen. Kaum angekommen,

begannen am Morgen bereits die

Proben unter der Leitung des bekannten

KulturFenster

10 05/Oktober 2021


Chorwesen


Ich durfte in diesem Jahr zum ersten

Mal Teil des Jugendchor Österreich

sein und das war für mich eine der

besten Chorerfahrungen meines bisherigen

Lebens.

Sofia Berrini


jugenchöre im Oktober im Burgenland

wiedersehen, wo der Jugenchor Österreich

2021 noch einmal gemeinsam

auftreten wird.

Ich durfte in diesem Jahr zum ersten

Mal Teil des Jugendchor Österreich sein

und das war für mich eine der besten

bisherigen Chroerfahrungen. Als ich in

Hatzendorf ankam, war ich völlig ohne

Vorstellung, was auf mich zukommen

würde, und hatte auch keine besonderen

Erwartungen. Ich hätte aber niemals

gedacht, mich in einer Gruppe fremder

Menschen so wohlzufühlen und so viel

Spaß zu haben. Ich habe so viele tolle

Menschen kennenlernen, mit ihnen lustige

Abende verbringen und auch von

ihnen lernen dürfen. Ganz besonders

schön fand ich Festivalluft zu schnuppern

beim „Europa Cantat“ in Ljubljana,

wo ich mehrere Konzertsäle gesehen

und selbst darin gesungen habe, wo

wir aber auch neben unseren verschiedenen

Auftritten die Möglichkeit hatten,

Konzerte anzuhören, andere Chöre

zu bewundern und uns von der Musik

berieseln zu lassen.

Das war eine Zeit, die ich auf jeden Fall

nie vergessen werden und deshalb ein

großes Dankeschön an alle, die dieses

Projekt ermöglicht haben – an die Organisation

und vor allem auch an Oliver

und Florian, die großartige Arbeit für

und mit uns gemacht haben!

Es war musikalisch und menschlich

eine große Bereicherung für mich und

ich bin mit einem Stückchen mehr

„Lebensweisheit“ und viel Freude in

meinem Herzen nach Hause zurückgekehrt.

Nach dem schweren Abschied

von den CChorkolleg*innen, aus denen

am Ende dann viel mehr als nur Kollegen,

nämlich Freunde geworden sind,

freue ich mich heute schon, noch einmal

im Herbst die Möglichkeit zu haben,

mit dem Jugendchor Österreich

aufzutreten. Musik, und vor allem das

Singen, sind die beste Brücke zwischen

Menschen und ein unverzichtbarer Teil

meines Lebens!

Die Teilnehmer*innen aus Südtirol:

David Bernardi (Bass), Lisa Deltedesco

(Sopran), Alex Designori (Tenor) Isabella

Stricker (Alt)

lettischen Dirigenten Maris Sirmais, bei

denen der JCÖ mit drei weiteren Jugendchören

– dem Cor Joven Nacional

de Catalunya, dem KGBL Chamber

Choir und der Komorni zbor AG – zusammenarbeiten

durfte. Gemeinsam wurde

ein neues Programm erarbeitet. Der Jugendchor

Österreich führte in Kooperation

mit der Komorni zbor AG das schon

bekannte Stück „Resignation“ von Hugo

Wolf auf und erlernte im Gegenzug ein

slowenisches Volkslied.

Außerdem präsentierte sich der Jugendchor

Österreich mit eigenem Programm

beim „Sing to Slovenia“ Konzert, in der

Slowenischen Philharmonie und bei

einem gemeinsamen Konzert mit dem

Eurochoir in Vipavski Kriz.

Am 21. Juli hieß es schon wieder Abschied

nehmen und nach einem gemeinsamen

Abschluss in der Innenstadt von

Ljubliana fuhren alle Chorsänger*innen

zurück in ihr Bundesland. Alle werden

einander beim Festival der Landes-

KulturFenster

11

05/Oktober 2021


SCV-Intern

Endlich wieder Musical-Fever!

Fortbildung für Jugendliche des Südtiroler Chorverbands

„Am meisten gefreut haben wir uns darüber,

dass heuer 'Musical Fever' wieder stattfinden

konnte!“ Mit diesen Worten brachte

Kursleiter Stephen Lloyd auf den Punkt, was

wohl viele beim Abschlusskonzert der Fortbildung

am 4. September im Vinzentinum

in Brixen gedacht haben.

Im Parzival-Saal zeigten die 21 Jugendlichen

im Alter zwischen 15 und 23, was

sie in einer Woche bei „Musical Fever Plus“

gelernt hatten. Bereits seit vielen Jahren

wird die Schulung von Stephen Lloyd geleitet.

Unterstützt wurde er auch heuer von

einem international anerkannten Expertenteam:

So unterrichtete Sarah Yorker, die

Professorin für Musical an der Folkwang-

Universität in Essen ist, gemeinsam mit

der Musical-Darstellerin Merle Hoch Gesang,

Mia Meneghini Choreographie und

Steffen Jäger Schauspiel.

Beim Abschlusskonzert betonte Stephen

Lloyd vor dem zahlreich erschienen Publikum,

dass „Musical-Fever“ eine anspruchsvolle

Fortbildung ist: Alle Teilnehmer*innen

brachten zwei Lieder mit, die sie bereits

auswendig gelernt hatten. So konnte man

im Kurs darauf aufbauen. „Es ist erstaunlich,

wie viel die Jugendlichen in nicht einmal

einer Woche lernen!“, freute sich der

Kursleiter. Dies sei nicht nur auf das Talent

und Können der Jugendlichen zurückzuführen,

sondern auch auf das besondere

Verständnis der Referent*innen für die jeweilige

Persönlichkeit der Jugendlichen:

„Wir haben nicht so getan, als würden sie

jetzt alles neu lernen, sondern wir haben

auf dem Bestehenden aufgebaut.“

Positiv denken und den Menschen in seinen

Fähigkeiten fördern, sei grundlegend

in diesem Bereich. Dazu kam ein hohes

Maß an individueller Förderung: Die Jugendlichen

erhielten jeden Tag 20 Minuten

Solo-Unterricht, am Nachmittag gab es einen

„Meisterkurs“ mit Chor. Wie auch die

anderen Jahre zeigte auch heuer, dass das

Konzept von „Musical Fever Plus" aufgeht:

Die sechs jungen Männer und 15 jungen

Frauen zeigten in beeindruckenden Soloauftritten,

wie sie an ihrer Stimme und an

ihrem Ausdrucksvermögen gearbeitet haben.

Gesungen wurden Lieder aus deutschen

wie auch englischsprachigen Musicals,

die Ensemble-Auftritte beeindruckten

durch perfekt abgestimmte und frische

Choreographien. So spürte man nach der

Corona-Zeit wieder einmal die Freude und

die Energie des gemeinsamen Singens.

Erich Deltedesco, Obmann des Südtiroler

Chorverbands, bedankte sich bei den Teilnehmenden

und den Referenten für die

tolle Leistung, aber auch bei der Südtiroler

Landesregierung und der Stiftung Südtiroler

Sparkasse für die Unterstützung dieser

Schulungen, die sonst in dieser Form gar

nicht möglich wären.

Gesang, Tanz und Schauspiel: Musical-Fever Plus ist mehr als nur Singen.

KulturFenster

12 05/Oktober 2021


Chorwesen

„Ein positives Signal senden“

Schulungen als Zeichen der Zuversicht

Die Kultur des Singens hat in Südtirol in den

letzten Jahren ein beachtliches Niveau erreicht.

Dies verdanken wir dem großartigen

Engagement der vielen Chorleiter*innen

und sind sicherlich auch Frucht einer jahrelang

konsequent durchgeführten Schulungs-

und Stimmbildungstätigkeit des

Südtiroler Chorverbandes.

Der Wille, sich ständig weiterzuentwickeln,

ist ein Merkmal, das die vielen tausend

Sänger*innen unseres Landes eint. Das

Wissen um den Fortbildungswillen war

und ist für uns im Verband Verpflichtung

und Ansporn, jedes Jahr vielfältige

und hochqualifizierte Schulungsangebote

– auf Landes- und Bezirksebene

- anzubieten, für alle Sparten des chorischen

Singens.

Im letzten Jahr hat es die Pandemie nicht

zugelassen, alle geplanten Fortbildungsangebote,

bis auf den Workshop für

Chorleiter*innen, mussten abgesagt werden.

Wenn es auch zu Beginn des Jahres

schwierig war, konkret zu planen, so

war es für den Vorstand oberstes Ziel,

die Schulungsangebote auf jeden Fall, in

welcher Form auch immer, durchzuführen.

Wissend, dass die Fortbildungsveranstaltungen

aufgrund der Vorschriften

und Einschränkungen nicht in der uns

vertrauten und gewohnten Form durchgeführt

werden können, wollten wir mit

der Durchführung ein positives Signal in

dieser schwierigen Zeit aussenden. Und

dieses Signal ist bei vielen Sänger*innen

angekommen. Aufgrund der Vorschriften

konnten leider nicht alle eingegangenen

Anmeldungen berücksichtigt werden.

Wenn die Teilnehmerzahl aus bekannten

Gründen auch kleiner war, die Freude und

Begeisterung der Sänger*innen, endlich

wieder zusammenzukommen und sich

gemeinsam fortzubilden, war sehr groß.

So kann man rückblickend mit Freude

feststellen, dass die Schulungswochen

und -wochenenden alle gut verlaufen

sind. Alle Vorschriften wurden genauestens

eingehalten, alle Teilnehmer*innen

wurden zusätzlich auch noch während

der Woche getestet. Wir konnten den

Sicherheitsvorschriften gerecht werden

und trotzdem Fortbildungen auf hohem

Niveau anbieten. Damit hat der Chorverband

gerade in den Zeiten der Pandemie

ein wichtiges Zeichen gesetzt, dass

es möglich ist, das kulturelle und gesellschaftliche

Leben wieder aufzunehmen,

Gemeinschaft zu pflegen und mit Zuversicht

in die Zukunft zu blicken. Freilich

war dies für uns als Organisation,

aber auch für die Teilnehmer*innen und

Referent*innen eine besondere Heraus-

forderung. Daher möchte ich an dieser

Stelle allen danken, dass sie diese Herausforderung

angenommen haben:

Wir sind sehr froh, dass es gelungen ist,

unser geplantes Schulungsprogramm

durchzuführen! Dieser Schulungssommer

soll auch ein Zeichen der Hoffnung

sein, dass die Normalität wieder zurückkehren

wird und wir im nächsten Jahr

wieder unser Schulungsprogramm noch

mehr Teilnehmer*innen anbieten können.

KulturFenster

13 05/Oktober 2021


Jung+

Stimmgewaltig

Jugendchor Voci.ssimo

Eine klingende Gemeinschaft, in der Jeder richtig und wichtig ist

Name:

Jugendchor Voci.ssimo

Sänger*innen:

32 Sängern*innen im Alter

zwischen 14 und 27 Jahren

Unser Motto lautet:

Mit Herzln in die Augen und

Melodien auf den Lippen…

Wer sind wir, was macht uns aus? Was ist

unsere Motivation?

Wir sind ein junger, sangesfreudiger vierstimmiger

Chor, eine klingende Gemeinschaft,

in der Jeder richtig und wichtig ist!

Was uns ausmacht? Mit Sicherheit das

Miteinander, die mitreißende Energie, die

entsteht, wenn wir gemeinsam singen und

plötzlich alle als Einheit die Noten vergessen

und die Musik spüren. Außerdem gibt’s bei

uns immer etwas zu lachen und wir sind auf

eine gute Art und Weise „a issl schräg..."

Die Motivation kommt sicher von den vielen

tollen Momenten, die wir zusammen er-

lebt haben und die „glusten machen“ auf

die Momente, die noch kommen werden.

Wie kam es zur Gründung? Seit wann besteht

der Chor?

Eigentlich wurde Sibille Huber vom Kirchenchor

Völs im Herbst 2016 ursprünglich

„nur“ damit beauftragt, gemeinsam mit

einigen Jugendlichen das Fest zur hl. Firmung

zu umrahmen. Doch diese Jugendlichen

wollten sich damit nicht zufriedengeben

und gemeinsam weitermusizieren! Und

so entstanden wir: Voci.ssimo! Seitdem ist

der Jugendchor nicht mehr wegzudenken.

KulturFenster

14 05 Oktober 2021


Was waren unsere Highlights in der Vergangenheit?

Obwohl der Chor diesen Herbst erst sein

5-jähriges Jubiläum feiert, können wir trotzdem

auf viele unvergessliche Momente und

Erinnerungen zurückblicken. Neben vielen

großartigen Erlebnissen bleibt eines sicher

ungeschlagen: Unsere Stimmbildungsreise

an den Trasimenosee in Umbrien im April

2018. Unzählige Noten, hochmotivierte Jugendliche

und zwei unschlagbare Stimmbildner

(Danke Tamara und Michael!) im

Gepäck haben wir drei Tage lang die Wände

unserer Ferienvilla zum Wackeln gebracht

und die Städte mit Flashmobs unsicher gemacht.

Einfach cool!

Was sind die Pläne für die Zukunft?

So viel es geht zusammen zu singen, Gänsehautmomente

zu erschaffen und für die

Musik zu brennen! Konkret freuen wir uns

auf unser Weihnachtskonzert mit „Schlernsaxess“,

das Wertungssingen in Schwaz,

unserem Sommerkonzert inklusive Fete

mit „Jimi Henndreck“ und eventuell sogar

bald auf eine Konzertreise nach Ham-

burg, die jedoch noch in den Sternen der

Zukunft steht…

Wer kann bei uns mitmachen? Wie kann

man bei uns mitmachen?

Voci.ssimo freut sich über alle singfreudigen

jungen Menschen, die motiviert sind! Verstärkung

können wir nämlich immer gebrauchen

(vor allem in den tiefen Lagen!).

Wenn du also Lust hast, Teil von Voci.ssimo

zu werden, dann kannst du dich einfach

bei uns via E-Mail oder über Instagram und

Facebook melden! Wir freuen uns auf dich!

Sibille Huber

Portrait der Chorleiterin

Sibille Huber, geboren in Nals und verheiretet in Völs, ist Vollblutmama von

vier wunderbar lebendigen Kindern, Lehrerin für Violine und EMP, Orchestermusikerin

und natürlich leidenschaftlich gerne Chorleiterin von Voci.ssimo!

Das Singen und die Musik generell waren von Kindesbeinen an ständige Begleiter

im Leben von Sibille.

Nach den ersten musikalischen Erfahrungen an der Musikschule, im Kirchenchor

von Nals und in verschiedenen Jugend- und Laienorchestern folgte

das IGP-Studium am Mozarteum in Innsbruck/Salzburg sowie Zusatzausbildungen

im Bereich Kinder- und Jugendorchesterleitung und EMP. Seit 2006

ist sie als Orchestermusikerin u.a. bei Innstrumenti und Akademie St. Blasius,

seit 2008 als Musikschullehrerin und immer wieder auch als Chorleiterin

tätig. Seit mittlerweile vier Jahren ist sie außerdem Bezirks-Chorleiterin

im Bezirk Bozen des SCV.

Der Landesjugenchor

Youtube-Kanal: https://www.youtube.com/channel/UCN0mNqoiwwG9oUgi9iJWo4Q

Instagram: https://www.instagram.com/voci.ssimo

Facebook: https://www.facebook.com/Voci.ssimo

KulturFenster

15 05 Oktober 2021


Nur keine

Schockstarre mehr ...

Voci.ssimo singt und jodelt der Pandemie zum Trotze

Hinter „Voci.ssimo“ versteckt sich ein vierstimmiger

Jugendchor mit Sitz in Völs am

Schlern. Gesungen werden mit Vorliebe

Popsongs, Jazziges, a cappella-Arrangements

berühmter Stücke, aber auch Gospels

und Spirituals für die geistlichen Auftritte.

Der Chor umrahmt rund 10 Messen pro

Jahr, gestaltet weltliche Veranstaltungen

mit und organisiert jährlich ein bis zwei

eigene Konzerte, meist in Kooperation mit

Bands, Orchestern oder Gastensembles.

Nach der ersten Schockstarre Anfang 2020

kam Voci.ssimo bald zum Schluss, dass

Passivität keine Lösung sein konnte! Schon

im Mai 2020 begann der Chor wieder in

Kleingruppen zu singen. Doch der nächste

Lockdown schien vorprogrammiert.

Schockstarre wollte Voci.ssimo nun aber

keine mehr zulassenzulassen – ganz im

Gegenteil: Der Lockdown sollte als Chance

genutzt werden, kreativ zu werden und

vor allem das Gemeinschaftsgefühl, das

Voci.ssimo schlussendlich stark macht,

durfte keinesfalls noch einmal verloren

gehen! Und so ging sprichwörtlich eine

Tür zu, konkret jene des Probelokals, und

eine andere Tür auf: Jene der Arbeit über

neue Medien, aber auch jene der guten

alten „Briefzustellung“.

Eigene Musikvideos

und “Chorprobe to go”

Mit Hilfe von Aaron und David Penn,

Voci.ssimos Technik-Allround-Talenten,

wurden in Windeseile Playbacks zu zwei

von Voci.ssimos Weihnachtsklassikern,

„Down in Bethlehem“ und „Oh holy

night“, eingespielt. Anschließend nahm

jedes Chormitglied die eigene Stimme zu

Hause auf, die daraufhin zu einem gemeinsamen

Chorklang vereint wurde. Das

fi nale Ergebnis waren zwei stimmungsvolle

Weihnachtsvideos, die in allen sozialen

Medien geteilt wurden, um so vielen

Menschen wie möglich digitale Weihnachtswünsche

zu überbringen. Im Kerzenschein

sangen die Chorsänger*innen

vom Weihnachtszauber, den sie so in

alle Stuben nach Hause brachten. Um

die lang anhaltende Pause nach der Advents-

und Weihnachtszeit überbrücken

zu können und den Kontakt zu allen Voci.

ssimo-Mitgliedern nicht zu verlieren, gab

es im Frühjahr 2021 eine Überraschung

als Direktzustellung nach Hause geliefert.

Chorleiterin Sibille Huber und Koordinatorin

Sophia Kornprobst wollten alle

an die „Herzln in die Augen“ erinnern,

und brachten, angelehnt an viele Musikkapellen

des Landes, die Chorprobe einfach

zu den einzelnen Sänger*innen nach

Hause. In der „Chorprobe to go“ war neben

Voci.ssimo-Evergreens auch brandneues

Material zum Einstudieren mit dazugehöriger

Playlist enthalten, bestehend

aus Aufnahmen vergangener Auftritte,

teils aber auch selbst eingespielten Playbacks.

Die Fotos sollten daran erinnern,

welche großartigen und unvergesslichen

Momente schon zusammen erlebt wurden,

und welche Erlebnisse noch auf den

Chor warten würden. Und weil das Proben

manchmal ziemlich anstrengend werden

kann, gab es Snacks zur Stärkung dazu.

Die „Chorprobe to go“ wurde zu jedem Chormitglied

nach Hause geliefert

Weil sich im Mai so langsam wirklich alle

gegenseitig vermissten, beschloss der Vorstand

eine digitale Vollversammlung inklusive

selbst kreiertem Activity-Spiel abzuhalten.

Und obwohl sich alle nur über

Bildschirme sehen und über Lautsprecher

hören konnten, spürte man zum ersten

Mal seit langem wieder, was Voci.ssimo

ausmacht: eine Gemeinschaft.

Und schließlich wurde es auch 2021 wieder

wärmer. Und mit der Wärme folgten

die Lockerungen. 2021 wurde wieder gemeinsam

durch den Sommer gesungen,

gefeiert und gelacht. Höhepunkte waren

sicher das Sommerkonzert mit dem Männerchor

Völs am Schlern sowie die Umrahmung

des Kreisgespräches zu den 17

Klimazielen, organisiert vom Bildungsausschuss

Völs am Schlern, der Bibliothek

Völs am Schlern und dem Komitee,

welches landesweit die Kreisgespräche

dieser Art anregen und leiten sollte. Mit

einer gänsehautverdächtigen Interpretation

des Songs „Engel“ von Rammstein in

einem Chorarrangement von Oliver Gies

forderte der Chor schließlich die Jugend

dazu auf, im übertragenen Sinne keine

Engel zu sein, sich zu wehren und für ihr

Recht auf ein nachhaltigeres Wirtschaften

und Leben und ein Umdenken gegen

den Klimawandel einzustehen. Anschließend

lief der Chor zu alter Höchstform auf

und begeisterte das Publikum mit enthusiastischem,

ansteckend begeisterndem

Chorgesang – so begeisternd, dass es von

den Organisator*innen sogar eine Einladung

zur Gestaltung der Jugend-Klimanacht

2022 in der Eurac in Bozen gab!

So viel Fleiß darf auch gefeiert werden.

KulturFenster

16 05 Oktober 2021


„Ich will kein Engel sein…“ Der Auftritt beim Kreisgespräch zu den 17 Klimazielen

Deshalb, und gerade auch um das Gemeinschaftsgefühl

zu stärken, organisierte

der engagierte Vorstand von Voci.ssimo

zum Abschluss des Sommers 2021 zwei

Veranstaltungen. Am 19. August gab es

zunächst einen stimmungsvollen „Aperitivo

lungo“ auf der wunderschön dekorierten

Dachterrasse des Bibliothek-

Gebäudes, den Kirchturm von Völs zum

Greifen nah! Bei gekühlten Getränken,

Häppchen, Pizza und schließlich über

dem offenen Feuer gegrillten Marshmallows

wurde geratscht, genossen und vor

allem gesungen bis in die Nacht hinein.

Ein unvergessliches Erlebnis für alle Chormitglieder,

welches riesige Freude bereitete

und allen noch lange in schöner Erinnerung

bleiben wird.

Jodelworkshop

Den krönenden Abschluss des Sommerprogramms

2021 und gleichzeitig den Auftakt

des neuen Tätigkeitsjahres 2021/22

bildete schließlich der gemeinsame Wandertag

auf die Tuff-Alm am 11. September,

in dessen Zentrum der Jodelworkshop mit

Markus Prieth stand. Seine fachkundige

Anleitungen haben die anfängliche Skepsis

innerhalb weniger Minuten verfliegen lassen.

Mit großer Begeisterung ließen sich die

Chormitglieder anstecken und sich mehr

und mehr auf das „Spiel des Jodelns“ ein.

Schon bald gelang der Übergang von der

Brust- in die Kopfstimme und schon auf

dem Weg von der ersten Station auf die

Tuff-Alm konnte den Passanten der erste

„Ho-e-i – Jodler" präsentiert werden. Vor

der Tuff-Alm, auf die der Jugendchor

zum Mittagessen einlud, wurde weitergejodelt.

Die Jugendlichen saugten die

Inputs des Referenten förmlich auf und

lernten in Windeseile an drei weiteren Stationen

insgesamt fünf Jodler, von traditionellen

Klassikern über neue Jodler, u.a.

von Markus Prieth selbst bis hin zu einem

jodelverwandten Yelly-Gesang aus Afrika

und einem Strophenlied, in dem Markus

selbst in den Strophen ein Dirndl liebte,

während der Jugendchor im Refrain jodelte

und paschte (klatschte). Die Jodler

wurden nicht nur gesungen, sie wurden

getanzt, geklatscht, gejault, mit modernem

Beatboxen oder Sprechgesang unterlegt

oder einfach in der Stille des Waldes

nachgespürt, während die Sonne durch

die Baumwipfel glitzerte – kurzum: Das

Jodeln wurde nnicht nur gelernt, sondern

mit allen Sinnen erlebt, gespürt und genossen.

Es war unglaublich, wie sehr das

Jodeln die Säger*innen begeisterte, wie

inspiriert alle am Abend nach Hause gingen

und wie viele von ihnen immer noch

die Jodler dieses Tages im Kopf und im

Herzen haben. Danke Markus dafür und

danke den Jugendlichen für ihre Offenheit

und Begeisterungsfähigkeit, mit der

sie sich auf das Experiment eingelassen

haben! Voci.ssimo geht nach diesem Tag

voll motiviert, mit einem tiefen Gefühl des

gemeinsamen Musizierens und mit einem

guten Bauchgefühl in das neue Tätigkeitsjahr

2021/22.

Durch all die gemeinschaftsstiftenden

Momente ist es Voci.ssimo gelungen,

die Mitgliederzahl in der Corona-Zeit

sogar weiter auszubauen und so bleibt

uns nur noch optimistisch in Richtung

der ambitionierten Pläne für das folgende

Tätigkeitsjahr zu blicken, das

unter anderem ein Adventskonzert

mit „Schlernsaxess“, ein Wertungssingen

und ein Sommerfest mit „Jimi

Henndreck“ vorsieht.

Voci.ssimo ist auf jeden Fall bereit!

Referent und Vollblutmusiker Markus Prieth

mit vollem Körpereinsatz beim Jodeln

KulturFenster

17

05 Oktober 2021


entdeckt

„Mitanond singen“

Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen

„Wir Menschen sind im Singen schöpfende

und schöpferische Klangwesen. Wir vermögen

durch Gesang unsere Welt und unser

Handeln zu beseelen, singend Liebe,

Freude, Hoffnung, Zuversicht

zu schenken,

uns aber auch

den Schmerz von der Seele zu singen...

Singen ist die eigentliche Muttersprache

des Menschen.“ (Sir Yehudi Menuhin)

„Mitanond singen“ – zählt zu den schönsten

Dingen im Leben und das nicht nur wegen

der langen Abstinenz in der Coronazeit.

Dieses Stück von Annelies Oberschmid

soll in einfacher Weise das Glücksgefühl

des gemeinsamen Singens beschreiben

und die Menschen wieder dazu ermutigen.

Es ist eines von vielen Stücken der

Komponistin aus Reischach, die der Leserschaft

des „KulturFensters" in der Ausgabe

3/2021 vorgestellt wurde.

Mitanånd singen

10. Mai 2020

Annelies Oberschmid






1. Mit - a-

2. Ollm no

nånd

oans










sin -

gsun -

gen

gen,



in

wenn



do

ma

sta -

zåmm

dn

kemm

Zeit,

sein,

olls fa mir

Annelies Oberschmied

mit -

ollm

a-

no

nånd

oans



„Mitanond

singen“

zählt zu

den schönsten

Dingen im

Leben!





sin - gen,

gsun - gen

wenns

bei

ins

der

gfreit.

Nåcht.


gfreit,

Nåcht,

A

Und


Jå!

Jå!

Liad

a

kånn

no

brin - gen

gsun - gen,

dir

wenn

die

ma aus -















1. 2.




Se -

nånd



lig -

gång

keit

sein,

und







tröhåt

stn

des

di

Herz

von

a

deim

no


Leid.

glåcht.

A

Und


Liad

a

kånn

no


Leid.

glåcht.


KulturFenster

18 05/Oktober 2021


Chorwesen

Nun lasst uns endlich

wieder singen!

Ein humorvoller Post-Corona-Rap für alle Chöre, die dem

Virus getrotzt haben!

Und plötzlich war Corona da, trat uns mit harten Füßen,

doch dieses Virus kann uns mal am A . . . A . . . Abend grüßen!

youtube.com/

watch?v=

V9LZjPNBFp0

Dieser fetzige Rap-Song bringt die Sehnsucht

wohl aller Chorbegeisterten zum

Ausdruck, sich – völlig ausgehungert –

nach der langen „Chor-ohne-Pandemie“

endlich wieder der wunderbar erbaulichen

und verbindenden Leidenschaft

des gemeinsamen Singens widmen zu

können.

Besonders gut eignet er sich thematisch

sowie stimmungsmäßig als Eröffnungsnummer

für das allererste Chorkonzert

nach der viel zu langen Zeit unfreiwilliger

Chorabstinenz.

Der augenzwinkernde Text und der mitreißende

Groove vermitteln neben einer

gehörigen Portion Witz und Ironie eine

enorme Kraft, eine unbändige Lebenslust,

wie sie wohl nur chorisches Singen

und Klingen in uns zu mobilisieren vermag.

So wirkt dieser Song wie ein Befreiungsschlag

– gleich einem rauschenden

Fest in der lang ersehnten Oase nach

einem entbehrungsreichen Gang durch

die Wüste.

Freunde, es hat sich ausgeschwiegen!

Nun lasst uns endlich wieder singen –

und uns selbst und die Welt wieder mit

Frohsinn, Lebensfreude und purer Sangeslust

infizieren . . .

Der Chorsatz ist sowohl in der Besetzung

für SATB als auch für TTBB downloadbar.

Die Noten dürfen frei kopiert werden

und sind ein Geschenk des Textdichters

und des Komponisten an die

Chorwelt anlässlich des Neustarts zum

aktiven Chorleben nach der Corona-Pandemie

2020/21.

Ganz nach dem Motto: Singen verbindet,

Singen befreit, Singen macht glücklich!

Viel Freude, viel Spaß und viele schöne

Begegnungen in und mit der Chormusik!

Notenmaterial für Gemischten Chor und

Männerchor sowie Audio-File zur freien

Verwendung!

Zugang: QR-Code oder

www.mathias-wachter.com

https://mathias-wachter.com/

#corona-song

Text: Bruno Fleisch

Musik: Mathias Wachter

Audio-File: zwo3wir

Notenlayout: Gunter Zahn

KulturFenster

19

05/Oktober 2021


kurz notiert

Lebendiger Beitrag für

Dorfgemeinschaft

Der Männerchor Percha gestaltete feierlich

den Gottesdienst.

Eigentlich hätte das 60-jährige Bestandsjubiläum

des Männerchores Percha schon im

vorigen Jahr stattfinden sollen. Corona-bedingt

musste es aber verschoben werden.

Umso mehr freute sich Obmann Siegfried

Niederwanger, dass am vergangenen 22.

August die Feier endlich stattfinden konnte.

60 Jahre Männerchor Percha

Lange schon hat sich der rührige Obmann

auf dieses Fest vorbereitet und dabei keine

Arbeit und Mühe gescheut. Beim vom Männerchor

musikalisch gestalteten Festgottesdienst

verwies Ortspfarrer Rüdiger Weinstrauch

auf die ehrenamtliche Tätigkeit des

Männerchores, wobei er den Einsatz zum

Wohle der Bevölkerung besonders hervorhob.

Er dankte dem Chor für seinen wertvollen

Dienst, der ein Dasein für andere bedeute

und Ausdruck von Liebe sei, die im

Leben besonders zählt. Im Rahmen dieser

Eucharistiefeier segnete Pfarrer Rüdiger

auch die neuen Trachtenleibchen,

die alle Mitglieder des Männerchores zum

ersten Mal trugen.

Anschließend hieß Obmann Niederwanger

viele Ehrengäste und die Bevölkerung willkommen,

darunter Verbandsobmann Erich

Deltedesco, Pfarrer Rüdiger Weinstrauch,

Bürgermeister Martin Schneider, die Gemeindereferenten,

Altbürgermeister Joachim

Reinalter, den Präsidenten des Pfarrgemeinderates

Markus Seyr sowie die vier

heute noch aktiven Gründungsmitglieder

des Männerchores. In seiner Ansprache

stellte er den geschichtlichen Werdegang

des Männerchores von seinen Anfängen

bis zur Gegenwart vor.

Geschichte des

Männerchors Percha

Begonnen hat alles vor 60 Jahren. Da gegen

Ende der 1950-er Jahre viele Sängerinnen

des damals in Percha bestandenen

Kirchenchores wegheirateten und somit

Percha verließen, begann dieser gemischte

Chor allmählich zu zerbröckeln, worauf er

schließlich im Jahre 1960 aufgelöste wurde.

Aus dem „gemischten“ wurde nun ein reiner

Männerchor, dessen Leitung Franz Huber

übernahm und als Chorleiter den Männerchor

mit viel Einsatz und Idealismus bis

2008 wirkte. Im Jahr 1964 hat sich der Kirchenchor

(damals nur Männerchor) endgültig

zu einem Verein mit Ausschuss, Statut

usw. zusammengeschlossen. Siegfried Niederwanger

wurde dabei zum ersten Obmann

gewählt und als solcher stand er bis 1999

und von 2003 bis 2005 dem Kirchenchor

(heute Pfarrchor) vor. Im Jahre 1974 wurde

auf Anregung von Pfarrer Leopold Neumair

und mit großem Einsatz von Siegfried Niederwager

der gemischte Chor neu ins Leben

gerufen. Parallel zum gemischten Chor bestand

weiterhin der reine Männerchor. Anlässlich

des 50-jährigen Bestandsjubiläums

des Männerchores im Jahre 2010 verselbständigte

sich dieser Chor und wurde ein

eigenständiger Verein. Siegfried Niederwanger

blieb weiterhin und zwar bis zum

heutigen Tag Obmann des Männerchores,

sodass der kompetente und rührige „Sigi“

volle 57 Jahre Obmannschaft aufweisen

kann, ein Erfolg, der wohl als einmalig im

ganzen Land betrachtet werden kann. Im

Jahr 2008 schied Franz Huber als Chorleiter

aus und wurde zum Ehrenchorleiter ernannt.

Die Leitung des Männerchors übernahmen

nun Josef Stoll von 2009 bis 2013

und Alois Regensberger von 2013 bis 2015.

Seither leitet bis heute Albert Pahl diesen

Gesangskörper. Seit 1974 gestalten nun

der gemischte Chor und der Männerchor

abwechselnd die kirchlichen und oft auch

weltlichen Feiern. Vermerkt sei auch, dass

neben diesen beiden Chören weitere Gruppierungen

bestanden bzw. bestehen, wie

der Frauenchor, der Kinderchor, der Projektchor,

der Jugendchor, das Männerquartett,

die Salzburger Familiensinggruppe u.a.

Diese leisten ihren wertvollen Beitrag zur

Gestaltung der Gottesdienste.

Der Tradition verbunden

In seinen weiteren Ausführungen hob Niederwanger

einige Errungenschaften hervor,

die durch seinen tatkräftigen Einsatz in

die Tat umgesetzt wurden. Dabei erwähnte

er die Verwirklichung und die Gestaltung

des Probelokales zunächst im Gemeindevereinshaus

im Jahr 1985 und später im

KiBiZ (Kulturhaus neben der Kirche) im Jahr

2009, wofür er sich besonders für die Beschaffung

der notwendigen finanziellen Mittel

eingesetzt hat. Weiters legte der „Sigi“

einen Wert auf eine einheitliche Chorkleidung.

So gelang es ihm im Jahr 1978 für

die Mitglieder des Männerchores eine einheitliche

Trachtenkleidung anzulegen, die

aus langen schwarzen Hosen, einem hochgeschlossenen

roten Leibl und einem weißen

Hemd bestand. Später kam noch eine

graue Lodenjoppe mit schwarzem Aufschlag

dazu. Weiters ist es dem rührigen Obmann

zu seiner Freude gelungen, im Jahr 1995

eine Chorkleidung für die Mitglieder des

Kirchenchores anzuschaffen. Zum heutigen

Jubiläum erschienen die Mitglieder

der Männerchores mit den neuen schmucken

Trachtenleibchen. Im Laufe seines

60-jährigen Bestehens trat der Männerchor

KulturFenster

20 05/Oktober 2021


Chorwesen

Ortspfarrer Rüdiger Weinstrauch zelebrierte den Festgottesdienst zum 60-jährigen Jubiläum

des Männerchors Percha.

bei weltlichen und kirchlichen Feiern immer

wieder aufund – der Tradition verbunden –

singt er heute noch bei kirchlichen Anlässen,

wie Messfeiern, Begräbnissen oder Andachten,

wobei es ihm ein Anliegen ist, das

geistliche und weltliche Lied zu pflegen und

so einen lebendigen Beitrag für die Dorfgemeinschaft

zu leisten. Siegfried Niederwanger

hat dazu große Aufbauarbeit geleistet

und es ist ihm dabei gelungen, durch die

ganzen Jahre hindurch die Mitglieder des

Chores zusammenzuhalten und die Chorgemeinschaft

zu fördern.

Die Gründungsmitglieder

In seiner Ansprache wies der Obmann auch

auf die vier heute noch lebenden und aktiven

Mitglieder hin, die bei der Gründung

des Männerchores im Jahre 1960 dabei

waren, und hob deren Verdienste besonders

hervor. So nannte er als ältestes

Mitglied dieses Chores den heute 90-jährigen

Johann Zimmerhofer, den „Lanzinger

Hansl“, wie er im Dorf genannt wird. Er

ist Organist und spielt schon 76 Jahre lang

in bewährter Weise die Orgel in der Kirche

von Percha. Als 8-jähriger Bub wurde der

heute 83-jährige Johann Steiner, der „Gönner

Hansl“, von Pfarrer Gilbert Wurzer in

die Chorgemeinschaft aufgenommen. Bald

schon setzte Hochwürden Gilbert den jungen

Gönnersohn aus Wielenberg als jungen

Chorleiter ein, der den Chor von 1950 bis

1960 leitete. Im Jahr1950 wurde der heutige

82-jährige Andreas Durnwalder in den

Chor aufgenommen. 35 Jahre sang Durnwalder

im gemischten Chor und singt seit

1960 ohne Unterbrechung beim Männerchor.

Der „vierte und letzte im Bunde“ war

Siegfried Niederwanger selbst, der inzwischen

ein Alter von 79 Jahren erreicht hat.

Wie er selbst sagt, hat ihn Pfarrer Wurzer

beinahe gezwungen, in den Chor einzutreten.

Gemeinsam mit dem damaligen Schüler,

dem später bekannten Professor Hans

Obkircher hat er von Pfarrer Wurzer unter

strengen Erziehungsmethoden im Widum

das Singen (Sopran) gelernt und ist

somit gut 70 Jahre Chormitglied und 57

Jahre Obmann.

„Unschätzbarer Beitrag für

die Gemeinschaft”

Nach der Ansprache des Chorobmannes

gratulierte Erich Deltedesco, der Obmann

des Südtiroler Chorverbandes, dem Männerchor

zu seinem 60-jährigen Bestehen

und verwies auf die Bedeutung der Musik,

die keine Grenzen kennt und zur Förderung

der Gemeinschaft einen unschätzbaren Beitrag

leistet. Es sind die Musik und der Gesang,

die das Dorfleben bewegen, sie sind

eine Sprache, die alle verstehen und die die

Herzen höher schlagen lässt. In dieser Hinsicht

habe der Männerchor von Percha unter

der bewährten Obmannschaft von Siegfried

Niederwanger für die Bevölkerung Großartiges

geleistet. Er dankte allen Chormitgliedern

und besonders dem Obmann sowie

dem Chorleiter Albert Pahl für ihr langjähriges

Wirken und wünschte sich, dass der

Gesang weiterhin so lebendig bleibe und allen

Menschen weiterhin viel Freude bereite.

Als Anerkennung für die 60-jährige Tätigkeit

überreichte Deltedesco an den Chorobmann

Siegfried Niederwanger die Ehrenurkunde

des Chorverbandes und des

Verbandes Südtiroler Kirchenchöre. Diesen

Dankesworten schlossen sich auch Bürgermeister

Martin Schneider, Altbürgermeister

Joachin Reinalter, der Präsident des Pfarrgemeinderates

Markus Seyr und der Vertreter

der MusikkapellePercha, Reinhold Zimmerhofer,

an. Alle wussten die Arbeit des

Männerchores sehr zu schätzen und dankten

für den selbstlosen Einsatz zum Wohle

der Bevölkerung.

Ehrungen verdienter

Mitglieder

Im Rahmen dieser 60-jährigen Jubiläumsfeier

erfolgte auch die Ehrung lang verdienter

Chormitglieder. Das Ehrenzeichen in Bronze

erhielten Paul Oberhollenzer (für 11 Chordienstjahre)

und Hermann Siessl (16 Chordienstjahre).

Das große goldene Verdienstabzeichen

erhielten Franz Mair (59 Jahre

davon 48 Jahre im Ausschuss) und Norbert

Oberrauch (54 Jahre) und das goldene Verdienstabzeichen

Josef Regensberger (46

Jahre). Sechs Sängern wurde für über 60

Chordienstjahre das diamantene Ehrenabzeichen

verliehen: Johann Zimmerhofer

(76 Chordienstjahre und gleichzeitig Organist),

Johann Steiner (75 Jahre, davon

10 Jahre Chorleiter), Siegfried Niederwanger

(71 Jahre, davon 57 Jahre Obmann),

Andreas Durnwalder (71 Jahre), Albert Pahl

(69 Jahre, davon 65 Jahre Chorleiter) Johann

Oberleiter (64 Jahre, davon 40 Jahre

Sänger in Nasen).

Nach Redaktionsschluss erreichte uns die

traurige Nachricht, dass Chorleiter Albert

Pahl am 5. Oktober 2021 unerwartet verstorben

ist: „Die Harmonie, die du in der Musik

gesucht hast, möge dich nun auf deiner

Reise begleiten.“

Erich Deltedesco (links), der Obmann des Südtiroler Chorverbandes mit den geehrten Mitgliedern des Männerchors Percha

Fotos: Johann Passler

KulturFenster

21 05/Oktober 2021


kurz notiert

30 Jahre Chorgesang

„VocalArt“ feiert Geburtstag

Nach mehr als einem Jahr erzwungenen

Stillstandes für alle Kultur- und Musikschaffenden

im Land erleben die Menschen den

Neustart des Musiklebens wie eine Befreiung,

und sie merken, welch hohen Stellenwert

die Musik in ihrem Leben einnimmt, ob

es nun der Besuch eines Konzerts ist oder

die eigene musikalische Tätigkeit im Chor

oder im Instrumentalensemble.

Für die 20 Sänger*innen des Ensembles

„VocalArt“ gilt es, das Jahr 2021 besonders

zu feiern. Im Herbst vor genau 30 Jahren

gründeten einige Musiklehrer*innen unter

der künstlerischen Leitung von Domkapellmeister

Heinrich Walder das Ensemble mit

dem Ziel, anspruchsvolle Werke der Vokalpolyphonie

aus unterschiedlichen Epochen

zur Aufführung zu bringen.

Für die Gründung des Vokalensembles „VocalArt“

vor 30 Jahren bot die Musiklandschaft

Brixens einen überaus günstigen Boden.

Hinzu kamen besondere Glücksfälle,

wie die Neubesetzung der Stelle des Domkapellmeisters

mit Heinrich Walder, seine

persönlichen Beziehungen zu gut ausgebildeten

Musiker*innen und ihre gemeinsame

Idee, einen Chor zu gründen, ein

kleines Vokalensemble mit fl exibler Besetzung,

das es in Brixen noch nicht gab.

Dieses erste „Brixner Vokalensemble“ trat

mit nur 8 Mitgliedern das erste Mal am 14.

Dezember 1991 anlässlich eines Rorateamtes

im Dom zu Brixen auf.

Seither stand das Ensemble regelmäßig mit

unterschiedlichen Programmen auf Konzertbühnen,

in vielen Kirchen des Landes,

aber auch bei Konzertauftritten im benachbarten

Ausland und in Norditalien. Es widmete

sich der alten und neuen Musik und

realisierte auch einige Uraufführungen. Ein

sachkundiges Publikum war dem Ensemble

dabei immer sicher. Im Rückblick erscheinen

die drei Jahrzehnte im Zeichen

der Vokalmusik als eine schier unglaubliche

Leistung, und als beeindruckender

Beweis für Leidenschaft und Ausdauer im

Dienst der Chormusik.

Der Vinschger Marian Polin übernahm

im Herbst 2016 die Ensembleleitung. Er

hat seine Ausbildung zum Kirchenmusiker

und Organisten an der Universität

für Musik und Darstellende Kunst Wien,

an der Anton-Bruckner-Privatuniversität

Das Ensemble VocalArt Brixen bei seiner

Aufführung der Krönungsmesse

von W. A. Mozart in der Pfarrkirche

Vintl aus dem Jahr 2017.

Die Aufzeichnung davon hat auf Youtube

bereits über 150.000 Aufrufe.

Youtube: https://www.youtube.com/

watch?v=1hv5sJe-Fr0&t=1017s

Linz und an der Haute École de Musique

Lausanne/Fribourg erhalten. Unter seiner

Leitung wird der Chor sein Jubiläum mit

einem Festkonzert am 23. Oktober 2021

im Dom zu Brixen begehen, das die Initiative

Musik und Kirche veranstaltet. Auf

dem Programm stehen zum einen die 1798

entstandene „Missa in angustiis“, die sog.

Nelson-Messe und das „Te deum“ von

Joseph Haydn (1732–1809).

KulturFenster

22 05/Oktober 2021


Chorwesen

„Ein Abend mit einem weinenden

und einem lachenden Auge“

Verabschiedung von Pater Meinrad und Ehrungen

Am 6. August, dem Fest der

„Verklärung des Herrn“, war

ein ganz besonderer Abend

für die Dorfgemeinschaft in

Ratschings. Unter den zahlreichen

Gästen konnten unter

anderem Bürgermeister Sebastian

Helfer, Margareth Oberrauch

vom Verband Südtiroler

Kirchenmusik und Klaus

Fischnaller vom Verband Südtiroler

Musikkapellen begrüßt

werden.

Der Frauen- und Mädchenchor Ratschings

wurde für sein 25-jähriges

Wirken geehrt.

Die Pfarrgemeinde verabschiedete

sich an diesem

Abend mit einem Dankgottesdienst

vom langjährigen Aushilfsseelsorger

Pater Meinrad. Der Pfarrverantwortliche

Martin Brunner würdigte das Wirken

und die Art der Seelsorge Pater Meinrads

– stets auf gleicher Augenhöhe, verbunden

mit vielen selbst erlebten Schicksalen und

entsprechenden Antworten auf viele Fragen.

Die Pfarrgemeinde hatte Pater Meinrad

sehr „liebgewonnen“.

Symbolisch wurden Pater Meinrad ein Paar

Schuhe überreicht, die ihn den Schritt in

den neuen Lebensabschnitt nach Meran

erleitern sollen.

Genutzt wurde dieser Abend auch, um Ehrungen

für verdiente Personen zu vergeben,

welche bereits im vorigen Jahr fällig

gewesen wären, durch die Corona-Auflagen

damals aber nicht in feierlichem Rahmen

überreicht werden konnten.

So waren der Mädchen- und Frauenchor besonders

überrascht, als sie für ihre 25-jährige

Tätigkeit geehrt wurden. Hervorgehoben

wurde ihre Eigeninitiative und die Begeisterung

sowie die gute und stetige Weiterbildung

der Sängerinnen. Durch diese guten

Eigenschaften erreichte der Verein großes

Ansehen im Dorf und darüber hinaus.

Auch der ehemalige Pfarrmesner Peter

Schölzhorn wurde für seine pflichtbewusste,

25-jährige Tätigkeit geehrt. Tagtäglich

war Peter mehrmals in der Kirche,

um nach dem Rechten

zu sehen. Es wird sehr

schwierig werden, einen

guten Nachfolger für ihn

zu finden.

Außergewöhnlich war

auch die letzte Ehrung:

Franz Seeber spielt bereits

seit mehr als 60 Jahren,

ehrenamtlich an der

Orgel. Sonntag für Sonntag,

an sämtlichen Feiertagen,

Beerdigungen

und Hochzeiten gestaltet

Seeber mit viel Können

und Schwung die

Eucharistiefeiern mit.

Der aufrichtige Dank wurde Seeber dafür

in Pfitscher Serpentin gemeißelt, welcher

weiters von drei originalen Orgelpfeifen

geziert wurde.

Nach dem feierlichen Schlusssegen durch

Pater Meinrad wurde der Abend vor dem

Vereinshaus mit einem Konzert der Musikkapelle

und Ehrungen verdienter Musikanten

fortgeführt. Bürgermeister Helfer

unterstrich die Wichtigkeit der Vereine,

welche auch für einen guten Zusammenhalt

in der Dorfgemeinschaft fundamental

sind. Er appellierte an alle, sich nicht nur

mit Meinungen der Medien zufriedenzugeben,

sondern diese auch in der Gemeinschaft

und in den Vereinen zu diskutieren,

und dankte abschließend den Geehrten,

welche dafür bestes Beispiel geben.

Redaktionsschluss für

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Chorwesen

senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter

folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Mittwoch, 17. November 2021

KulturFenster

23 05/Oktober 2021


Eine möglichst stimmige Symbiose von

Natur- und Kulturlandschaft ist für die

Heimatpeger*innen identitätsstiftend.

Foto: Freddy Planinschek

KulturFenster

24 05/Oktober 2021


aufbauend

Identitätsstiftende Orte schaffen

Kritische Beiträge auf der Tagung des Heimatpflegeverbandes

und der Architekturstiftung Südtirol

Was macht einen Ort zu einem identitätsstiftenden

Ort, zu einem Ort, an dem das Zusammenspiel

von Menschen, Kultur- und Naturlandschaft

zu einem ästhetischen Ganzen

wird? Wie entsteht ein lebendiger Ort? Und

welche Voraussetzungen braucht es, um

zu einem identitätsstiftenden Ort zu werden?

Wichtige Fragen, die auf der Tagung

„Identitätsstiftende Orte“ erörtert wurden.

Das Schwerpunktthema 2021 des Heimatpflegeverbandes

ist die Baukultur. Ein Höhepunkt

im Jahresprogramm war deshalb

diese Tagung Mitte September, die der HPV

in Zusammenarbeit mit der Architekturstiftung

Südtirol organisiert hatte. Das Besondere

daran: Es war eine sogenannte Hybridveranstaltung,

die sowohl in Präsenz

im Bozner Waltherhaus als auch live über

den youtube-Kanal des Heimatpflegeverbandes

verfolgt werden konnte und die für

Interessierte weiterhin auf youtube abrufbar

ist (https://www.youtube.com/c/heimatpflegeverbandsudtirol).

Etwas „Besonderes“

war auch die Vielfalt an Themen,

die an diesem Abend kritisch beleuchtet

und am Ende im Rahmen einer Diskussions-

und Fragerunde vertieft wurden.

Emotion und Partizipation

Claudia Plaikner, die Obfrau des Heimatpflegeverbandes,

stimmte auf die Tagung

ein. Sie setzte sich mit dem Begriff Identitätsstiftung

auseinander, der immer auch

mit dem Begriff Heimat zusammenhänge.

„Heimat entsteht aus emotionalen Bindungen

und sozialer Vernetzung in einem

persönlichen Handlungs- und Verantwortungsraum“,

zitierte sie den Bund für Heimat

und Umwelt in Bonn. Es gehe also

weniger um die Heimat als bauliche Struktur

oder territoriale Verortung, sondern es

gehe insbesondere um Bindung, Vernetzung

der Menschen und um deren persönlich

zu füllenden Handlungs- und Verantwortungsraum.

Für eine Identitätsstiftung unabdingbar

sei die Möglichkeit der gemeinsamen Entscheidung.

„Das hat viel mit Partizipation

und Demokratie zu tun“, unterstrich Claudia

Plaikner – ein Punkt, der später in den

Vorträgen noch eine wichtige Rolle spielen

sollte. Auch Orte und Handlungsräume,

die der besonderen historischen und aktuellen

Situation gerecht werden und diese

weiterentwickeln, seien identitätsstiftend.

Was Architektur bewirkt



Identitätsstiftung hat viel mit Partizipation

und Demokratie zu tun.

Claudia Plaikner

In diesem Kontext sei natürlich die Architektur

zu nennen, von der eine identitätsstiftende

Wirkung ausgehe. „Die historische

Entwicklung einer Siedlung sollte als Wiedererkennungsmerkmal

deutlich Berücksichtigung

finden, das Neue im Respekt vor

dem schon Vorhandenen gestaltet und eingefügt

werden, ohne den Gestus des Aufgesetzten,

Aufgedrängten zu hinterlassen“,

forderte Claudia Plaikner.

Eine möglichst stimmige Symbiose von

Natur- und Kulturlandschaft sei für die

Maria Hochgruber Kuenzer, Landesrätin für Raumentwicklung,

Landschaft und Denkmalpflege, richtete

zum Auftakt der Tagung einige Grußworte an die

Teilnehmer*innen.

Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbandes,

versuchte, Antworten auf die

Frage zu geben: Was ist identitätsstiftend?

Fotos: HPV

Heimatpfleger*innen identitätsstiftend:

„Begegnungs- und Freiräume, Nachbarschaft,

fußgänger- und radfahrerfreundliche

Mobilität, Nahversorgung, Nachhaltigkeit

und Integration, Sicherheit, Erwerbsmöglichkeiten,

adäquates Wohnen, Kulturtätigkeit,

Diskussion, aber auch Traditionen

und Authentisches und viel Vorrecht und

Respekt für die Natur“ – wenn diese Qualitäten

von den Menschen wahrgenommen

würden, so sei das identitätsstiftend.

„Wenn Menschen sich dafür einsetzen, so

entsteht Vertrauen, Beheimatung und Zukunft“,

versicherte Claudia Plaikner.

Edith Runer

Zum Schlagwort „Identitätsstiftende Orte“ meinte sie, dass die

Gemeindeentwicklungsprogramme, die derzeit ausgearbeitet werden, viel verändern

würden. Sie seien auf die Partizipation, also die Beteiligung der Bürger*innen

ausgerichtet, weshalb es aber auch notwendig sei, dass die Menschen vor Ort

bereit sind mitzuarbeiten. Die neuen Kommissionen für Raum und Landschaft,

die die Baukommissionen ersetzen, seien eine Chance für die Südtiroler Baukultur

und damit auch für die Identität der Orte.

KulturFenster

25 05/Oktober 2021


aufbauend

Viles (im Bild Seres) sind ein Paradebeispiel

für identitätsstiftende Orte, die es

zu erhalten gilt. Foto: Freddy Planinschek

„Les Viles“ – Einzigartige

Kulturschätze im Gadertal

Der Begriff „Viles“ mag in manchen Südtiroler

Ohren fremd klingen. Dabei zählen diese

auf Ladinisch „Les Viles“ genannten bäuerlichen

Siedlungen, die man vor allem im Gadertal

antrifft, zu den wertvollsten Schätzen

der heimischen Baukultur. Viles, das sind

kleine Häusergruppen mit einer langen Geschichte

und einem einzigartigen Charakter

im Alpenraum. Die Viles sind daher ein

Paradebeispiel für identitätsstiftende Orte.

Sigrid Piccolruaz, die Gadertaler Architektin,

hat sich im Auftrag des Landes Südtirol

bei mehreren Projekten über Jahre

hinweg der Erhaltung und des Schutzes

der Viles in Enneberg, St. Martin in Thurn

und Wengen angenommen und weiß daher

um den Wert dieser Baukulturschätze.

Viles sind – so erklärte es Sigrid Piccolruaz

– nicht nur einfache Häusergruppen,

sondern jedes für sich ist ein „sozialer

Mikrokosmos“, in dem einzelne

Familien leben, aber die Gemeinschaft

eine große Rolle spielt. Neben dem bäuerlichen

Eigentum hat es immer auch gemeinschaftliche

Plätze gegeben, die von

allen Bewohnern des Ortes in Anspruch

genommen wurden, so der Brunnen, der

Steinofen oder die Tränke für die Tiere.

Diese soziale Konstellation machte die

Viles zum gesellschaftlichen und sozialen

„Erfolgsmodell“, wie man es heute

bezeichnen würde.

Anhand von Damals-heute-Vergleichsfotos

machte Sigrid Piccolruaz in ihrem

Vortrag deutlich, dass gar einige Viles in

der Vergangenheit durch unsachgemäße

Eingriffe ihren Charakter verloren haben

oder ihn fast zu verlieren drohten. „Gemeinschaftsplätze

wurden zum Beispiel

zu Parkplätzen umfunktioniert, Gebäude

ohne Berücksichtigung des historisch Gewachsenen

renoviert oder die Orte durch

Straßen auseinandergerissen, wodurch es

auch zu Zersiedelung kam.“ Das Schutzprogramm

hätte so manchen größeren

Schaden verhindert, doch es wäre laut

Piccolruaz unbedingt

notwendig, weitere

Schutzmaßnahmen

einzuleiten,

damit

die Viles als

identitätsstiftende

Orte erhalten

bleiben.

Der Steinbackofen im Zentrum ist ein Ort der Gemeinschaft.

Foto: S. Piccolruaz

Architektin Sigrid Piccolruaz

Foto: HPV

KulturFenster

26 05/Oktober 2021


Heimatpege

Hotel-Architektur als

Weltanschauungsymbol

Vortrag von Kunsthistorikerin Bettina Schlorhaufer

Die spannende Geschichte hinter einigen

Prunkbauten der Hotelarchitektur erläuterte

Bettina Schlorhaufer in ihrem Vortrag.

Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Bettina

Schlorhaufer aus Innsbruck hat durch ihre

Tätigkeit einen starken Bezug zu Südtirol.

Unter anderem leitete sie von 2016 bis 2019

das Projekt „Berghotels 1890–1930: Südtirol,

Nordtirol, Trentino“, woraus ein Buch

mit zwei Bänden entstanden ist. Darin beschreibt

sie die Entstehung der ersten Hotels

in den Alpen, sowohl in den Städten als

auch in entlegenen Hochgebirgslandschaften.

Aus den Untersuchungen ging hervor,

dass sich die Häuser des „Vereins für Alpenhotels

in Tirol“ als Weltanschauungssymbole

ihrer Erbauer in den landschaftlichen

Kontext einfügen sollten. Die den 1890er-

Jahren in Südtirol errichteten Berghotels

seien somit auch als Orte deutschnational

gesinnter Raumbeanspruchung von Gebirgsregionen

bzw. als solche zu sehen, die

unter den kulturellen und politischen Superioritätsvorstellungen

ihrer Betreiber architektonisch

Gestalt annahmen.

Bettina Schlorhaufer brachte in ihrem Vortrag

eine Reihe von Beispielen und beschrieb

das Ansinnen der Erbauer. Sie

Prachtgebäude für betuchte Gäste: das 1894 bis 1896 erbaute Hotel „Karersee“ der Architekten

Musch & Lun

Fotos aus: „Berghotels 1890–1930: Südtirol, Nordtirol, Trentino“

zeigte historische Fotos von Prunkbauten

wie dem Hotel „Brennerbad“, vom „Dolomitenhotel“

in Toblach, vom „Meranerhofe“

oder auch vom Hotel „Sulden“,

das vom einflussreichen Politiker Theodor

Christomannos und dem Architekten

Otto Schmid errichtet wurde. Damals wie

heute waren es meistens nicht einzelne

kleine Bauherren, die einfach nur Gäste

beherbergen wollten, sondern oft standen

– ebenso wie heute – große Aktiengesellschaften

und Investoren hinter den Gebäudekolossen,

die für maximal drei Monate

im Jahr Saison hatten. Gar manche

dieser Hotelbauten wurden später im Ersten

Weltkrieg militärisch genutzt.

Aus den Ausführungen der Referentin ging

hervor, dass die Hotelarchitektur in Südtirol

früher wesentlich von einer quasi importierten

Baukultur geprägt

war. Was das mit

der heutigen Zeit

zu tun hat, das

war vor allem

bei der anschließenden

Diskussionsrunde

Thema

(siehe S. 30).

Theodor Christomannos ließ das 1895 errichtete Hotel „Sulden“ von Architekt

Otto Schmid entwerfen.

Kunsthistorikerin Bettina Schlorhaufer

Foto: HPV

KulturFenster

27 05/Oktober 2021


aufbauend

Kulturgüterschutz:

„Es geht auch um Emotionen“

Vortrag von Landeskonservatorin Karin Dalla Torre

Reichen die bestehenden Instrumente wie

der Ensembleschutz und der Denkmalschutz

aus, um dem in der „Erklärung von Davos“

verankerten Kulturgüterschutz Rechnung zu

tragen? Die Antwort von Karin Dalla Torre

lautet: Nein.

In ihrem Vortrag sprach die Landeskonservatorin

über das kulturelle Erbe und in diesem

Zusammenhang auch vom Schutz des

Ungeschützten, von den vielen Objekten,

die nicht offiziell unter Schutz stehen, aber

zu erhalten wären. „Wir brauchen einen

erweiterten, disziplinübergreifenden Dialog

und eine gemeinsame Strategie über

die Institutionen hinweg“, unterstrich Dalla

Torre. Das Zusammenwirken von Architekturstiftung

Südtirol und Heimatpflegeverband

sei ein positives Beispiel dafür. Dabei

sei das gebaute Kulturerbe nicht der

rückwärtsgewandte Seniorpartner im Zukunftsdiskurs

von hoher Baukultur, Identität

und Nachhaltigkeit, sondern: „Das

gebaute Kulturerbe ist das Kraftzentrum

des Diskurses.“

Die Frage, ob ein Gebäude erhalten, abgerissen,

weitergebaut oder unter Schutz

gestellt wird, sei aber nicht nur eine Frage

des Machbaren und Bezahlbaren, sondern

auch eine Frage der emotionalen Bindung

an das Gebäude: „Alte Häuser speichern

gelebte Leben und erhalten dadurch eine

Seele, deren Tragweite weit über die Qualität,

das Alter der verbauten Materialien und die

Kunstfertigkeit des Bauens hinausgehen.“

Das „Bauinventar Südtirol" soll helfen, besser und im Sinne von identitätsstiftenden Orten

zu planen und zu bauen.

Es gebe leider viele Beispiele von Gebäuden

oder Ensembles, denen die identitätsstiftende

Qualität durch irgendwelche Eingriffe

genommen worden ist. Aus dieser Entwicklung

heraus ist im Landesdenkmalamt das

Projekt „Bauinventar Südtirol“ entstanden.

Ausgehend von einem Pilotprojekt in Schluderns

sollen künftig sämtliche Bauwerke


Alte Häuser speichern gelebte Leben

und erhalten dadurch eine

Seele, deren Tragweite weit über


die Qualität, das Alter der verbauten

Materialien und die Kunstfertigkeit

des Bauens hinausgehen.

Karin Dalla Torre

in den 116 Gemeinden des Landes nach

bau- und kunsthistorischen sowie volkskundlichen

und kulturlandschaftlichen Aspekten

erhoben werden. Die Ergebnisse

der Erhebungen würden den Verantwortlichen

„Werkzeuge“ in

die Hand geben,

um besser und

im Sinne von

identitätsstiftenden

Orten

planen

und bauen

zu können.

Landeskonservatorin Karin Dalla Torre

Foto: HPV

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Seiten des

Heimatpflegeverbandes senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter

folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)

Redaktionsschluss für

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Mittwoch, 17. November 2021

KulturFenster

28 05/Oktober 2021


Heimatpege

Die Einzigartigkeit

eines Ortes erhalten

Susanne Waiz koordiniert das Interreg-Projekt in Schluderns

Alt und Neu in Harmonie

„Identitätsstiftung hat viel mit Partizipation

und Demokratie zu tun“, sagt die Obfrau

des Heimatpflegeverbandes, Claudia

Plaikner. Ein Beispiel, wie diese Partizipation

gelingen könnte, stellte die Architektin

Susanne Waiz vor.

Sie koordiniert in Schluderns das Interreg-Projekt

„Umsetzbare Ortskernrevitalisierung

Terra Raetica“. Hintergrund

des Projektes ist die Tatsache, dass es

in den fünf Ensembleschutzzonen des

historischen Zentrums noch 60 große

steinerne Stadel gibt, die nicht genutzt

werden – das sind zwei Drittel aller Wirtschaftsgebäude.

Susanne Waiz erklärte

in ihrem Vortrag, dass ab den 1950erund

bis hinein in die 1960er-Jahre zum

einen der Wandel in der Landwirtschaft,

zum anderen auch die 1965 erfolgte Ansiedelung

der Beschlägefabrik Hoppe

in Schluderns zu einem Niedergang

der kleinbäuerlichen Lebenskultur geführt

hatte. Aufgrund besonderer Umstände

seien in Schluderns zum Glück

nicht alle nicht mehr gebrauchten Stadel

Wohn- und anderen Zwecken zugeführt

worden. Aber sie stünden leer. Und das

will die Gemeinde nun mit diesem Projekt

ändern. Architektin Waiz führte einige

Beispiele auf, wie Stadel bereits jetzt

gut genutzt werden. So gibt es etwa einen

Laden mit Vinschger Produkten, ein

Atelier oder ein Museum.

Doch man will diese Entwicklung fortsetzen,

weshalb am 20. November die Aktion

„Offene Türen“ stattfindet. Sie richtet

sich in erster Linie an die Bevölkerung

von Schluderns, die dazu angeregt werden

soll, „Orte zu erinnern“ und dadurch

Ideen für die Zukunft ihres Heimatortes

zu entwickeln. Einige Leerstandsobjekte

im Zentrum werden für diesen einen Tag

für alle zugänglich gemacht, und es gibt

dort auch Aktionen. Außerdem werden

Bauforscher durch die Gebäude führen,

und es soll Gespräche geben, bei denen

Vorschläge gesammelt und später bei der

Umsetzung von Ideen verwendet werden.

„Die Ortskernrevitalisierung muss den

Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung

tragen, und sie wird nur dann funktionieren,

wenn neben der Wohnnutzung auch

andere Bedürfnisse erfüllt werden“, unterstrich

Susanne Waiz. Auf jeden Fall

handelt es sich um ein spannendes Projekt,

dessen Ausgang noch offen ist. Das

Ziel aber ist klar: das

Einzigartige dieses

Dorfes und

damit seine

Identität zu

erhalten.

Aus einem Stadel wird ein Dorfladen mit einheimischen Produkten.

Fotos: Susanne Waiz

Architektin Susanne Waiz

KulturFenster

29 05/Oktober 2021


aufbauend

Hotelprojekte: „Politik muss

klare Kante zeigen“

Podiumsdiskussion konzentriert sich auf den

Tourismus und seine Auswüchse

Die Diskussionsteilnehmer*innen: Bettina Schlorhaufer, Sigrid Piccolruaz, Karin Dalla

Torre, Moderator Carlo Calderan, Susanne Waiz, Claudia Plaikner und Hans Heiss (v. l.)


Mit einer Kostenwahrheit im Tourismus

würden sich viele Projekte erübrigen.

Claudia Plaikner





Wir haben aus der Geschichte nichts

gelernt. Bettina Schlorhaufer


Theodor Christomannos war der Benko

seiner Zeit. Karin Dalla Torre

Auch wenn vielleicht nicht beabsichtigt, so

konzentrierte sich die Podiumsdiskussion

im Anschluss an die Fachvorträge auf ein

großes Thema: Südtirols Tourismus, seine

Hotelburgen und die „Eventisierung“ der

Landschaft.

Neben den Referentinnen und HPV-Obfrau

Claudia Plaikner nahm auch der Historiker

und Tourismusfachmann Hans

Heiss an diesem Gedankenaustausch teil,

den Carlo Calderan von der Architekturstiftung

Südtirol moderierte. Zudem beteiligte

sich das Publikum mit Stellungnahmen

und Fragen an der Diskussion.

Identitätslose Hotelbauten

Einige Punkte und Stimmen aus der Diskussion:

„Südtirol hat aus der Geschichte nichts gelernt.“

Das betonte die Kunstihistorikerin

Brigitte Schlorhaufer, ähnlich formulierte

es auch die Architektin Susanne Waiz. Wie

es schon im 19. Jahrhundert einige wenige

Investoren waren, die mit Prunkbauten eine

elitäre Schicht an Gästen in die Alpen locken

wollten, so sind es auch heute sehr

oft anonyme Investmentgesellschaften, die

allen Fachleuten und vor allem den Bürgern

zuvorkommen. Verträge sind längst

unterschrieben, wenn irgendwelche Gremien

auf den Plan treten. Kurzum: Beim

Bauen hat weder die identitätsstiftende

noch die soziale Komponente Gewicht,

es geht rein um das Wirtschaftliche. Dem

stimmte auch Hans Heiss zu, der meinte,

es zeichne sich schon seit 15 Jahren ein

Trend zum identitätslosen Hotelbau und

zur „Eventisierung“ im Tourismus ab.

Vom Früher ins Heute

Mit einem interessanten Vergleich legte

Landeskonservatorin Karin Dalla Torre

allerdings einen Unterschied von früher

und heute dar. Sie bezeichnete den Hotelpionier

Theodor Christomannos als den

„Benko seiner Zeit“, machte aber deutlich,

dass wir inzwischen in einer Demokratie

leben und entsprechende Instrumente der

Steuerung hätten, um aggressive (Hotel-)

Projekte, zu verhindern. Auch die Landeskonservatorin

gab zu, dass man mit den

herkömmlichen Instrumenten bisher immer

zu spät gekommen sei. Ob die neuen

Leitlinien, die u. a. durch das Tourismusentwicklungskonzept

oder das neue Ge-

setz zu Raum und Landschaft geschrieben

werden, mehr Möglichkeiten des Eingreifens

bieten werden, müsse sich wohl erst

zeigen. Hans Heiss forderte jedenfalls klar

einen Bettenstopp. Die Politik müsse hier

„klare Kante“ zeigen.

HPV-Obfrau Claudia Plaikner unterstrich,

dass es in jedem Fall die Politik sei, die

bestimmten Entwicklungen im Tourismus

einen Riegel vorschieben müsse. Sie forderte

zum einen eine Kostenwahrheit im

Tourismus – „dadurch würden sich viele

Projekte erübrigen“. Zum anderen forderte

sie bessere Gesetze, und da sei die Politik

am Zug. Das neue Gesetz für Raum und

Landschaft habe gezeigt, dass Partizipation

auch eine Worthülse sein kann: „Wir

haben uns zwar stark eingebracht, aber

unsere Vorschläge sind kaum berücksichtigt

worden.“ Sie forderte eine „echte Partizipation

mit Verbindlichkeit“, damit Menschen

auch die Motivation haben, sich für

ihre Anliegen und für Natur und Kulturlandschaft

einzusetzen.

Edith Runer

Diskussion abrufbar unter:

https://www.youtube.com/c/

heimatpflegeverbandsuedtirol

KulturFenster

30 05/Oktober 2021


informiert & reektiert

Heimatpege

Traditionelles Kulturgut

weiterhin fördern

Tagung der Sachbearbeiter im Passeiertal

Die Sachbearbeiter des Heimatpflegeverbandes mit Obfrau Claudia Plaikner und den HPV-Mitarbeitern

In Pfelders im Passeiertal haben sich die

Sachbearbeiter des Heimatpflegeverbandes

im Sommer zu ihrer alljährlichen Tagung getroffen.

Voraussichtlich zum vorletzten Mal,

denn der Heimatpflegeverband hat die Bearbeitung

und Betreuung der Landschaftspflegebeiträge

abgegeben.

Wie im „KulturFenster“ bereits berichtet,

hat der Heimatpflegeverband Ende 2020

die Abwicklung der Ansuchen um Beiträge

für Landschaftspflege aufgrund von

mangelnder Wertschätzung und zunehmender

Bürokratisierung an das Landesamt

für Landschaftsschutz abgegeben.

Nichtsdestotrotz setzt sich der Verband

auch weiterhin mit vollem Einsatz für die

kleinen Paradiese und Wunder ein, die wir

u. a. mit den vielen Kleindenkmälern hier

glücklicherweise – noch – haben. Denn

bei der Sanierung und Wiedererrichtung

von Holzzäunen, Stroh- und Schindeldächern,

Trockensteinmauern, Wegkreuzen,

Bildstöcken, Mühlen usw. geht es nicht um

kosmetische Eingriffe für eine touristische

Scheinwelt, sondern um eine selbstbewusst

gelebte Kultur.

Beitragszahlung ausgesetzt

Im Zuge der Versammlung wurde auch

über die derzeit fehlenden Geldmittel

zum Schutz der Kleindenkmäler disku-

tiert. Denn mit Dekret Nr. 1041 vom 22.

Dezember 2020 hatte die Landesregierung

aufgrund „reduzierter Geldmittel für

das Ressort für Raumentwicklung, Landschaft

und Denkmalpflege“ beschlossen,

die Landschaftspflegebeiträge für das Jahr

2021 auszusetzen. Obfrau Claudia Plaikner

betonte, dass diese Maßnahme eine

der Coronakrise geschuldete, einmalige

Bei der Sanierung und Wiedererrichtung von Kleindenkmälern geht es nicht um kosmetische

Eingriffe für eine touristische Scheinwelt, sondern um eine selbstbewusst gelebte Kultur.

KulturFenster

31 05/Oktober 2021


informiert & reektiert

Ausnahme bleiben muss, wenn das herausragende

Kulturerbe der Südtiroler

Kleindenkmäler nicht auf lange Sicht verschwinden

soll.

Schließlich braucht es nicht sehr viel Geld,

um die Kleindenkmäler zu erhalten. 2020

waren es 1,1 Millionen Euro an Beiträgen,

die vermittelt wurden und die die aufwändige

Arbeit vieler Bauern und anderer Bürger

auf dem ganzen Landesgebiet unterstützt

haben. Wie wichtig diese Beiträge

sind, erkennt man, wenn man sich ein

wenig über die Grenzen Südtirols hinausbewegt.

Dort wo es beispielsweise keine

Subventionen für Schindeldächer gibt,

verschwinden die landschaftsprägenden

Dächer zunehmend. Das könnte auch im

Überetsch und Unterland passieren, wo

viele Dächer mit Mönch-und-Nonne-Ziegeln

gedeckt sind. Da diese aber nicht ge-

fördert werden, ersetzt man sie seit einiger

Zeit häufiger mit roten Industrieziegeln.

Dank an Ehrenamtliche

Die Tagung der Sachbearbeiter ist immer

auch ein kleines gesellschaftliches Ereignis,

bei dem viele Erfahrungen ausgetauscht

werden. Dies wird wohl nur noch einmal der

Fall sein. Denn die Sachbearbeiter kümmern

sich jetzt noch um jene Gesuche, die bis

zum Frühjahr 2020 eingereicht wurden (sie

haben zwei Jahre Gültigkeit) und legen ihre

Tätigkeit daraufhin nieder. Danach wird wohl

noch ein letztes Mal Bilanz gezogen über

jahrzehntelange fruchtbare und vor allem

ehrenamtliche Arbeit, auf die der Heimatpflegeverband

mit Genugtuung und Dankbarkeit

zurückblickt.

Heimatpflegeverband Südtirol

Auch die im Unterland und Überetsch ortsbildprägenden

Dacheindeckungen mit

Mönch- und Nonne-Ziegeln sollten gefördert

werden.

Ein stolzes Lebenswerk

Hans Raich erhält Goldenes Ehrenabzeichen des Verbandes

28 Jahre lang war Hans Raich – Pfeiftaler

Hans – im Auftrag des Heimatpflegeverbandes

Südtirol als Sachbearbeiter für Dächer

und bäuerliche Kleindenkmäler tätig.

Dafür wurde der inzwischen 85-Jährige im

Zuge der Tagung der Sachbearbeiter im

Passeiertal geehrt.

Hans Raich hatte im fernen Jahr 1992 den

anspruchsvollen Auftrag zur Pflege der Kulturlandschaft

übernommen und seither unermüdlich

und gewissenhaft die zahlreichen

Objekte zwischen der Naifschlucht im Süden

des Passeiertales bis zum Timmelsjoch

und Lazins im Norden betreut.

Nachdem die Vergabe der Förderbeiträge

an die Gebäude- und Grundbesitzer an genaue

Vorschriften durch die Landesregierung

gebunden ist, musste Hans schon vor

der Zusage von Beiträgen die Objekte begutachten

und den Eigentümern die Auflagen

zur Beachtung nahelegen. Die Betreuung

während der Durchführung der

Arbeiten war für Hans selbstverständlich,

und krönender Abschluss war die Abnahme

(Kollaudierung), die Hans bei größeren

Bauten wie Stallungen auf Almen

auch Kraxelkünste auf die Dächer abverlangte.

Dann erst konnte der Heimatpflegeverband

von der erfolgten Restaurierung

benachrichtigt werden. Am Verbandssitz

in Bozen wusste man von der Gewissenhaftigkeit

und fachlichen Kompetenz von

Hans, und es konnte zur Auszahlung der

Beiträge geschritten werden.

Hans verwendete nicht nur als Sachbearbeiter

seine Freizeit für die Talgemeinschaft,

sondern war – ebenfalls 28 Jahre lang – Obmann

des Krippenvereines Passeier (1990–

2018), den er mit Hilfe der Ausschussmitglieder

zu seltener Blüte bringen konnte.

Jährlich erfolgten Krippenausstellungen und

Kulturfahrten zu Hochburgen des Krippenbaues.

Ebenso erwähnenswert sind die Verdienste,

die sich Hans um die Pflege des

schönen Dorffriedhofes von St. Martin erworben

hat. Die Gräberpflege gelang ihm

in Zusammenarbeit mit Steinmetzen und

Kunstschmieden sehr gut, besonders im

Bereich der historischen Grabdenkmäler,

die geradezu als Musterbeispiele gekonnter

Grabkultur gelten können.

Bei anderen gesellschaftlichen und kulturellen

Vereinen war Hans ebenso stark beteiligt

wie als Gemeinderat, bei der Volkshochschule,

in der Volksbibliothek St. Martin

und beim Katholischen Verband der Werktätigen

KVW.

Der Nachfolger von Hans Raich ist bis zum

Abschluss der Tätigkeit der Sachbearbeiter

Rudolf Gögele, Feldbauer in St. Martin.

Heinrich Hofer

Hans Raich erhielt von Obfrau Claudia Plaikner

das Goldene Ehrenabzeichen des Heimatpflegeverbandes

sowie eine Ehrenurkunde.

Foto: HPV

KulturFenster

32 05/Oktober 2021


Heimatpege

Streuobstwiesen als Teil

der Kulturlandschaft

Initiative „Baumgart“ soll auf die traditionelle Form der

Landnutzung aufmerksam machen

Wie mehrere andere Vereine und Institutionen

beteiligt sich auch der Heimatpflegeverband

Südtirol an der Initiative

„Baumgart“. Sie hat sich zum Ziel gesetzt,

die Bedeutung der Streuobstwiesen in Südtirol

aufzuzeigen.

Der Begriff Streuobstwiese leitet sich nicht,

wie man vermuten würde, von den weitum

verstreuten Bäumen ab, die sie kennzeichnen.

Vielmehr bezieht sich der Begriff auf

die Nutzung von Streu, die bei dieser Art

der Landnutzung eine ganz besondere Rolle

spielt. Streuobstwiesen, im Dialekt auch

„Pangert“, „Baumgart“ oder „Anger“ genannt,

sind eine traditionelle extensive Form

der Landnutzung. Dabei wird die Produktion

von Obst mit der Bereitstellung von Grünfutter

oder Streu kombiniert. Durch die unregelmäßigen

Abstände der Obstbäume kann

eine Vegetation entstehen, die bei entsprechender

Bearbeitung auch als Grünfutter

genutzt werden kann. Außerdem gibt es im

Unterstockbereich die Möglichkeit, Kräuter

oder Beeren anzubauen. Der Baumbestand

einer Streuobstwiese besteht in der Regel

aus Kern- oder Steinobst, manchmal sind

auch Nuss- oder Kastanienbäume eingestreut.

Streuobstwiesen sind von großer Bedeutung

für die Biodiversität und Sortenvielfalt,

zumal auf diesen Wiesen sehr oft

autochthone Sorten wachsen, die man heutzutage

kaum noch zu kaufen bekommt. Sie

sind Grundlage für einen natürlichen Nährstoffkreislauf

und ein unabdingbarer Bestandteil

unserer Kulturlandschaft. Außerdem

haben Streuobstwiesen einen großen

kulturellen, ästhetischen und damit nicht

zuletzt touristischen Wert.

Initiativen pro

Streuobstwiese

Leider nimmt die Zahl der Streuobstwiesen

in Südtirol, wie andernorts in Mitteleuropa,

stetig ab. Das möchte die Initiative „Baumgart“

der Eurac Research ändern. Eurac

Das traditionelle „Birmehl“ wird von alten

Birnensorten aus Streuobstwiesen in

Verdings gewonnen.

Research ist ein Zentrum für angewandte

Forschung mit Sitz in Bozen, das es sich

mit diesem Projekt nun zum Ziel gesetzt

hat, in Zusammenarbeit mit mehreren Vereinen

und Institutionen, auf den Wert des

Lebensraumes Streuobstwiese aufmerksam

zu machen. Das soll durch die Sammlung

von Daten und Fakten, aber auch durch

Sensibilisierung und Öffentlichkeitsarbeit

geschehen. So wurde beispielsweise im

September (nach Redaktionsschluss) ein

Fotowettbewerb abgeschlossen. Außerdem

sind, etwa in Zusammenarbeit mit dem

Südtiroler Bauernbund, Fortbildungen,

Vorträge und Workshops geplant, um die

Pflege und Erhaltung dieser traditionellen

Kulturform zu fördern.

Textquelle: Eurac Research

Hier bleibt noch Platz für Vegetation und

Tiere: eine Streuobstwiese in Tschengls.

Fotos: Eurac Research

KulturFenster

33 05/Oktober 2021


informiert & reektiert

Die gute alte Harass

So kam die Obststeige nach Südtirol – Blick in

einen Handwerksbetrieb am Nonsberg

Praktisch ist sie und, auf allen Höfen und

auch sonst in vielen Haushalten findet man

irgendwo im Keller, im Stadel, in der Garage

oder im Abstellraum eine „Harass“,

die zu vielerlei Zwecken genutzt werden

kann. Doch woher stammt eigentlich das

Wort „Harass“, wer fertigt die Steigen an,

und warum verlieren sie – leider – immer

mehr an Bedeutung?

Unter einer Harass verstehen wir im Allgemeinen

eine Obststeige, die aber auch

für vieles andere verwendet wird. Laut

Duden leitet sich das Wort vom französischen

„harasse“ ab, mit dem erstaunlicherweise

neben „belästigen“ auch noch

ein Behälter für die Beförderung von Glas

verstanden wird. Auch in der Schweiz verwendet

man diesen Begriff für eine Lattenkiste,

mit der Flaschen transportiert

werden. So kann man annehmen, dass

der Begriff von der Schweiz aus über den

Vinschgau seinen Einzug in den Südtiroler

Dialekt gefunden hat. Ob die Südtiroler

Jugend in Zukunft allerdings noch weiß,

was eine Harass überhaupt ist, wage ich

zu bezweifeln, denn schon seit langem

wird die praktische Holzsteige von den

Kisten aus Plastik verdrängt.

Ausgeklügelte Form

Eine traditionelle Harass besteht aus 25 Einzelteilen.

Beim Boden werden fünf Stück

50 cm lange Holzlatten relativ eng zusammengeschoben

und an den Schmalseiten

unten auf mit einer Leiste zusammengenagelt.

Die Längsseiten bestehen aus je drei

50 cm langen, 7,5 cm breiten und 7 mm

dicken Fichtenbrettern. An den Schmalseiten

gibt es jeweils zwei 28 cm lange

Latten und eine dritte ganz oben, bei der

ein halbmondförmiger Hebegriff ausgefräst

wird. Die einzelnen Teile werden zunächst

zu einer halben Harass an einem

Eckpfeiler angenagelt. Erst dann baut man

die zwei Hälften zusammen und setzt den

Boden drauf. Den Abschluss bilden zwei

schmale Holzlatten über den Eingriffslöchern,

die eine gute Stapelung der Kisten

ermöglichen.

Holz aus heimischen

Wäldern

Eine Harass wird traditionell aus weichem

Fichtenholz angefertigt. Die Nonsberger

kauften es bei den Bauern in St. Felix. Die

vier Eckpfeiler allerdings bestehen aus härterem

Buchenholz, denn sie müssen der

Harass eine gute Stabilität geben. An ihnen

werden die Seitenlatten angenagelt,

früher von Hand, heute erledigt dies eine

Nagelmaschine. Die vier Eckpfeiler halten

die Kiste zusammen und bestimmen auch

ihre Größe und Belastungsfähigkeit. Früher

waren die Harassen größer als heute.

So an die 30 kg Äpfel konnte eine fassen.

Heute sind sie kleiner, sodass man von

einem durchschnittlichen Füllgewicht von

20 kg ausgehen kann.

Wohl einer der letzten

Bruno Covi, Jahrgang 1943, aus Sarnonico

am Nonsberg, ist Bauer von Beruf und hat

fast sein Lebtag lang Holzsteigen gemacht,


Man kann annehmen, dass der Begriff

von der Schweiz aus über den


Vinschgau seinen Einzug in den

Südtiroler Dialekt gefunden hat.

Agnes Andergassen

Traditionell werden Harassen aus Fichtenholz angefertigt – Schritt für Schritt entsteht aus den Holzlatten eine Kiste.

KulturFenster

34 05/Oktober 2021


Heimatpege

bauern im Tal damit belieferten. Bruno

Covi erzählt, dass seine Harassen in ganz

Südtirol Abnehmer fanden. Ja sogar in

Österreich, in der Schweiz und im oberitalienischen

Raum waren sie sehr begehrt.

Die Harass –

ein Auslaufmodell?

Ein historischen Foto aus dem Jahr 1939

Foto: Archiv Mathias Ladurner-Parthanes

Harassen wie wir sie nennen. Aus Leidenschaft,

wie er sagt, denn reich wurde er damit

nicht. Bereits sein Vater Luigi, Jahrgang

1906, hat sich mit dem Anfertigen von Harassen

ein kleines Zubrot zum kargen Familieneinkommen

verdient. So wie er taten

dies gar einige im damals noch verschlafenen

Nonsberger Dorf. Freilich wurde damals

noch alles in mühevoller Handarbeit

gemacht. Die ganze Familie musste mithelfen,

so auch der kleine Bruno.

Im Jahr 1970 wurden am Hof von Bruno

Covi Maschinen für die Anfertigung der

Holzteile angekauft, aus zweiter Hand natürlich,

von einem der drei Sägewerke,

die es einstmals in Sarnonico gab. So an

die 100 Harassen pro Tag konnte er nun

anfertigen. Die Nachfrage war groß, vor

allem aus den Obstanbaugebieten des

Überetsch und aus dem Burggrafenamt.

Es gab eigene Händler, die die Harassen

mit Lastwagen abholten und die Obst-

In letzter Zeit hat Bruno Covi vor allem

kleine Holzkistchen gemacht, für Geschenkpackungen

aller Art. Die Nachfrage

nach der guten alten Harass ist

nämlich rapide zurückgegangen. Der

Anschaffungspreis kann es jedenfalls

nicht gewesen sein, denn eine neue Harass

kostet 2 Euro. Bruno Covi verkauft

noch den Restbestand, den er auf Lager

hat. Seit April stehen nun auch bei

ihm die Maschinen still. Hergeben will er

die Maschinen nicht. Denn, wie er sagt,

vielleicht verstehen es die Jungen eines

Tages, dass eine hölzerne Harass ganz

im Sinne von Nachhaltigkeit und Umweltschutz

ist.

Agnes Andergassen

Bruno Covi hat jahrzehntelang

Harassen

von Hand

angefertigt.

Jetzt hat

er sein

Handwerk

aufgegeben.

Bruno Covis Werke sind nun vollendet. Viele Äpfel werden heute in Großkisten gefüllt, ausgewählte

Qualitäten aber nach wie vor in der Harass angeboten. Fotos: Agnes Andergassen

KulturFenster

35 05/Oktober 2021


informiert & reektiert

Moas, Umas, Ronach und Gerüne

Serie: Flurnamen aus der Agrargeschichte (4) – Rodungsnamen (2. Teil)

Weise entstand das Verb „abmeizen“, das

Flurnamen vom Typ Umas, Umoas oder

Omes bilden konnte. Beispiele: der Amesberg

in St. Peter/Ahrntal oder die unzähligen

Amesbichl, Ameseggele, Ameswiese

usw. Volksetymologisch werden diese Namen

natürlich immer mit den Ameisen in

Verbindung gebracht.

Unter den „Schlag-Bezeichnungen“ gibt

es auch einen vorrömischen Vertreter,

nämlich die indogermanische Verbform

*bheud- „schlagen“, welche sich in einer

bronzezeitlichen Einzelsprache zu *fussi

„Schlag“ weiterentwickeln konnte. Daraus

wurde im Zuge der Eindeutschung der Ortsname

Pfuss (Kaltern) und vielleicht auch

Fiss im Bezirk Landeck.

Die Gasser-Grin in Ulfas im Passeiertal

Im „KulturFenster“ 04/2021 wurden jene

Rodungsnamen vorgestellt, die das Ausreißen

von Wurzelstöcken zum Thema haben.

Solche Namen sind Raut, Geräut, Ried,

Rungg oder Nofen. In manchen Flurnamen

sind aber auch ganz bestimmte Rodungstechniken

verbaut.

Moas und Umas

Franziszeische Katastermappe (1858): Maiskofel am Gampenpass

Der zu entfernende Baum oder Strauch

wird mit Hack- und Schlagwerkzeugen wie

einem Beil oder einer Runggl abgeschlagen

bzw. abgeschnitten. Das mittelhochdeutsche

Grundwort dafür lautete meizan

„schlagen, hauen“, welches das heute in

manchen Tälern Südtirols noch lebendige

Substantiv Moas „Holzschlag“ schuf. Der

Begriff Moas liegt in vielen Waldnamen

vor, z. B. im „Moaswald“ zwischen Ellen

und Hörschwang, in den „Holzmoasen“

oberhalb von Gesille in Ridnaun oder im

„Moaskofel“ am Gampenpass. Das Wort

Moas, auch Maiß, war im süddeutschen

Sprachgebiet im Hochmittelalter offenbar

sehr produktiv.

Das Verb meizan wurde zusätzlich mit

dem Vorwort „ab“ versehen. Auf diese

Ronach und Gerüne

Geschlagenes Holz wurde zum Trocknen

mitunter für längere Zeit liegen gelassen.

Frischholz „arbeitet“ und verzieht sich, gut

gelagertes Holz dagegen eignet sich besser

als Bauholz. Liegengebliebene, verdorrte

Baumstämme heißen bzw. hießen

altmundartlich „Ronen“ oder „Runen“, zu

althochdeutsch rono. Eine Menge an Ronen

wird „Ronach“ genannt – und das ist

ein häufig anzutreffender Flurname im süddeutschen

Raum. Einige Beispiele: Rauna

(Wald in Unsere Liebe Frau im Walde),

Runa (Bergwiese in Antholz/Obertal, heute

Biathlon-Strecke), Runaberg (Wald in Eggen/Deutschnofen),

Rune (Bergwiesen in

Vöran/Nähe Leadner Alm) und Rona (Bergwiese

in Tonna/Laurein).

Neben dem Mengensuffix auf -ach, wie in

Ronach, gibt es im Deutschen auch das

Mengen-Präfi x Ge-, das wir ja schon bei

Geräut (Grait) kennengelernt haben. Ein

Gerüne („Ansammlung von abgedörrten

Baumstämmen“) wird in der Mundart zu

„Grin“. So heißt dann auch jeweils ein Hof

in Unterreinswald/Sarntal und in Mühlen/

Taufers, sowie eine Bergwiese in Ulfas (Gasser-Grin)

und ein Wald („Grine“) oberhalb

vom Maurer am Sextner Außerberg.

Der Schnalser Familienname Grüner geht

auch nicht auf einen Bewohner „im Grünen“

zurück, sondern leitet sich ebenfalls vom

„Gerüne“ ab, einem abgeholzten Waldteil.

KulturFenster

36 05/Oktober 2021


Heimatpege

Dinge des Alltags

aus Geschichte und

Gegenwart

Vor Allerheiligen herrscht reges Treiben

auf unseren Friedhöfen. Grabsteine und

Kreuze werden gereinigt, die Gräber mit

Kerzen, herbstlichen Blumen und Gestecken

geschmückt. Friedhöfe sind Orte des

Friedens, der Ruhe und des Erinnerns. Sie

sind aber auch Orte, an denen sich der

Wandel der Zeit bemerkbar macht, die Veränderungen

in der Bestattungs- und Trauerkultur.

Neue Gräber unterscheiden sich

in Formen und Materialien von den alten.

Handgeschmiedete Kreuze aus dem 18.

und 19. Jahrhundert enthalten eine große

Formenvielfalt und ein reiches Dekor, so

zum Beispiel Äste,

Blätter, Blüten und

natürlich auch die

Namenstafel mit

dem Namen und

den Lebensdaten

der verstorbenen Person.

Entstanden sind diese Kreuze aus den

Weihwasserkesselträgern, die im Mittelalter

am Eingang der Friedhöfe aufgestellt

waren. Alte Grabkreuze sind ebenfalls oft

noch mit den Armen für den Weihwasserkessel

oder für Kerzen oder Wachsstöcke

ausgestattet, doch viele sind verschwunden,

weil ihnen der Rost zu sehr zugesetzt

hat oder sie neuen Grabformen gewichen

sind.

Als Grundlage für die Herstellung eines

Kreuzes diente meist eine handgefertigte

Zeichnung. Dann wurde das Material zur

Bearbeitung vorbereitet und im heißen

Das Grabkreuz

Feuer formbar gemacht. Der Volksglaube

sah im glühenden Eisen die Kraft, Böses

abzuwehren. Daher wurden auch Votivgaben

aus Eisen hergestellt. Meist stehen

die Kreuze auf einem Sockel, in dem sie

verankert sind.

Im Standardwerk „Das Schlosserbuch. Die

Kunst- und Bauschlosserei in ihrem gewöhnlichen

Umfange mit besonderer Berücksichtigung

der kunstgewerblichen Form“,

das 1897 in Leipzig erschienen ist, war als

Beispiel die Zeichnung eines schmiedeeisernen

Grabkreuzes aus Kaltern abgebildet.

Historische Grabkreuze als Symbole für das

Leben nach dem Tod, in Erinnerung an die

Auferstehung Christi, sind erhaltenswerte

Beispiele der Tiroler Volkskunst. In der Pfarrei

Dietenheim bei Bruneck werden historische

Friedhofkreuze für neue Gräber kostenlos

zur Verfügung gestellt.

Barbara M. Stocker

Grabkreuz samt originalem Sockel aus dem Jahre 1849, Friedhof Terlan Grabkreuz auf dem Friedhof von Dietenheim Fotos: Barbara M. Stocker

KulturFenster

37 05/Oktober 2021


hinausgeblickt

Ein lebenswertes Straßendorf

Ortsbegehung in Mauls

Was macht das Dorf Mauls

lebenswert? Was ist verbesserungswürdig?

Diese und

ähnliche Fragen wurden bei

einem Rundgang durch die

Fraktion der Gemeinde Freienfeld

erörtert. Der Rundgang

war Teil des Projektes

„Natur (er)leben“ der Bildungsausschüsse

von Freienfeld.

Organisiert wurde er

vom Verein Geschichtswerkstatt

und dem Heimatpflegeverband

Südtirol.

Landeschronistin Rita

Thaler Wieser eröffnete die

Ortsbegehung. Toni Puner,

Bezirksobmann des Heimatpflegeverbandes,

übernahm danach die Leitung und gab während

des Rundganges die eindrucksvolle

Geschichte des Ortes wieder. Albert Willeit,

Obmann des HPV-Bezirkes Pustertal, wies

indes auf die jeweiligen Schönheiten, Besonderheiten,

aber auch auf die Problempunkte

hin.

Zehn denkmalgeschützte

Gebäude

Mauls wurde sehr früh besiedelt und hat

sich wegen seiner Lage am Brennerweg

zu einem schönen Straßendorf einerseits

und einem Kirchdorf andererseits entwickelt.

In der kleinen Ortschaft gibt es nicht

weniger als zehn denkmalgeschützte

Gebäude, so u. a.

das Gebäude Einhorn, das

Kramerhaus, das Zollhaus,

den Wielandhof und die Marienkapelle.

Auch weitere

Gebäude wie der Kerscherhof

und der Ballhausstadel

sollten geschützt bzw. aufgewertet

werden. Außerdem

muss man der ausgewiesenen

Bauzone im Süden besondere

Beachtung schenken, denn

dort ist das „Eintrittstor“ von

Mauls, und dieses sollte nicht

durch gestalterische Fehler

beeinträchtigt werden.

Die Ortsbegehung von Mauls war für

alle Teilnehmer*innen bereichernd.

Gestaltung lässt oft zu

wünschen übrig

Das schöne historische Gebäude des

Hoferhofes.

Die Meinungen über die ästhetische Gestaltung

von neuen Gebäuden sind naturgemäß

unterschiedlich. Tatsache ist aber, dass die

globalisierte Architektur mit ihren unzähligen

Formen und Materialien überall im Lande

ein Problem darstellt. Das Übel beginnt oft

schon bei der Lage und Form der Bauzonen

und bei den Durchführungsplänen.

Neben dem Friedhof galt das Interesse vor

allem der Ortsbildgestaltung und der historischen

Bausubstanz. Als Beispiele, die einer

Erhaltung bzw. respektvollen

Sanierung bedürfen,

wurden der Hihlehof samt

Mühle und Backofen sowie

das schöne historische Gebäude

des Hoferhofes genannt,

das für den dörflichen

Charakter an dieser

Stelle mit Nussbaum und

Brunnen ein charakteristisches

Ensemble bildet.

Was weiter auffällt: Wie in

vielen Orten wurden auch in

Mauls Fehler bei der Gestaltung

der Straßen gemacht.

Für Fußgänger und Radfahrer

bleiben dort meist nur –

wenn überhaupt – schmale

Reststreifen. Dabei sollte es in Wohngebieten

genau umgekehrt sein. Das wäre zum

Beispiel mit Wohnstraßen oder zumindest

mit sehr breiten Gehsteigen möglich.

Für Spaziergänger und

Radler

Ein Blickfang ist die einmalige, denkmalgeschützte

Hängebrücke über den Eisack.

Sie war die erste dieser Art in Südtirol und

müsste als kürzeste Fußgängerverbindung

zwischen Pfulters und Mauls reaktiviert

werden.

Die Umgebung von Mauls ist bewaldet und

hat mehrere Bachläufe. Sie lädt zum Spazieren,

Wandern und Erkunden ein. Wander-

und Spazierwege wären

deshalb senioren- und familienfreundlich

auszubauen und

der bereits geplante Themenweg

„Geowelt“ zu verwirklichen.

Auch eine direkte Fahrradwegverbindung

von Mauls

nach Freienfeld wäre wichtig.

Bei einzelnen Gebäuden und

Höfen gibt es noch schöne

Streuobstwiesen, aber auch

Neuanpflanzungen. Diese

sind landschaftsökologisch

für die Biodiversität und für

die Einbindung in die Landschaft

sehr wertvoll.

Toni Puner / Albert Willeit

KulturFenster

38 05/Oktober 2021


Heimatpege

Ortsbild soll

erhalten werden

Rundgang durch Stilfes

So wie in Mauls (siehe eigenen Bericht) fand

im Sommer auch in Stilfes, einer weiteren

Fraktion der Gemeinde Freienfeld, eine Ortsbegehung

statt. Dabei wurde gelobt, getadelt

– und es wurden Verbesserungsvorschläge

gemacht. Einige wichtige Punkte sind in folgendem

Bericht beschrieben.

Rita Thaler und Helmuth Wieser führten

durch den Ort und gaben Einblick in die Geschichte

von Stilfes. Albert Willeit wies auf

Schönes und Problematisches hin, Johannes

Ortner zeigte die kulturellen Ursprünge und

landschaftlichen Merkmale auf.

Demnach wurde Stilfes bereits 827 urkundlich

erwähnt. Es ist in eine einmalige Hügellandschaft

mit schönen Flurgehölzen

eingebettet. Diese natürlichen Siedlungsgrenzen

und Besonderheiten gilt es bewahrend

hervorzuheben. Das sollte auch beim

zu erstellenden Gemeindeplan für Raum

und Landschaft entsprechend Berücksichtigung

finden.

Gebäude und Straßen

Stilfes ist ein Haufendorf, das sich im Laufe

der Jahrhunderte auf dem Kirchhügel organisch

entwickelt hat. Dabei sind Wege, Gassen

und Plätze entstanden, die dem Ort ein

mittelalterliches Flair verleihen und zum Spaziergang

einladen. Die denkmalgeschützten

Gebäude und einige andere Bauten sowie

Bäume und Gärten machen den Charakter

des Dorfes aus und sollten deshalb unbedingt

erhalten werden. Leider ist manches

bereits abgebrochen und teils nicht sensibel

genug neu aufgebaut worden. Auch eine

neu ausgewiesene Wohnbauzone beim alten

Sportplatz entspricht in ihrer rechteckigen

Parzellenform nicht dem Prinzip des organischen

Weiterbauens.

Wie in vielen anderen Orten wurden auch

in Stilfes neuere Straßen eher autogerecht

gebaut. Wünschenswert wären hingegen

Wohnstraßen mit Mischverkehr (Tempo 30)

und Vorrang für Fußgänger oder schmälere

Fahrbahnen und dafür wesentlich breitere

straßenbündige Gehsteige.

Schöne Ensembles und

ein Dorfbachl

In Stilfes gibt es einige schöne Ensembles,

die ausgewiesen werden sollten. Ein lobenswertes

Beispiel ist der Lacknerhof. Gemeinsam

mit dem stattlichen Hofgebäude, dem

Bauerngarten und der Streuobstwiese (Pangert)

bildet es ein wunderbares Ensemble.

Ein ähnlich bedeutsames Ensemble besteht

in Niederried mit dem Maurerhof und zwei

riesigen Kastanienbäumen. Gelungen ist

die Sanierung und Nutzung des Widums,

zudem des Schusterhäusls, des Zollhauses

Öttl, des alten Müllerhauses, des Turmes

vom Wieserwirt und der Höfe Angerer und

Saxl. Die bauliche Gestaltung des Kindergartengebäudes

hingegen entspricht nicht

der örtlichen Bautypologie. Auch die Neugestaltung

des Kirchplatzes mit den vielen

Elementen ist leider misslungen.

Auch in Stilfes gibt es einige Hofaussiedlungen

in die freie Landschaft, die das recht

homogene Bild des Dorfes beeinträchtigen.

Zudem verändert sich bei Aussiedlungen und

der baulichen Umwandlung der alten Hofstelle

meist auch das Ortsbild zum Negativen.

Eine der Besonderheiten von Stilfes ist das

Dorfbachl, das sich ehemals zwischen den

Häusern hindurchschlängelte. Nachdem es

später in Kanäle und Rohre verlegt worden

war, wurde es vor Jahren abschnittsweise

wieder freigelegt, was sehr lobenswert ist.

Der Dorfplatz erhält durch die umliegenden

Häuser eine schöne räumliche Wirkung.

An seiner Gestaltung allerdings ließe sich

noch einiges verbessern. Besondere Achtsamkeit

ist deshalb bei der künftigen Nutzung

und Gestaltung der leerstehenden Gebäude

geboten.

Landschaftlich sehr reizvoll ist auch die

Tschaugasse, ein Hohlweg, durch den einst

der Römerweg führte.

Insgesamt kann man sagen: Stilfes hat ein

im Großen und Ganzen noch sehr gut erhaltenes

Ortsbild ohne allzu große störende Auswüchse.

Dies gilt es nun weiterhin zu erhalten

und manches noch besser zu gestalten.

Albert Willeit

Der Dorfplatz erhält durch die umliegenden

Häuser eine schöne räumliche Wirkung.

Stilfes ist ein Haufendorf und hat gar einige

Besonderheiten zu bieten. Foto: spherea 3D

Mit Hofgebäude, Bauerngarten und Streuobstwiese

stellt der Lacknerhof ein schönes

Ensemble dar.

Groß war das Interesse von Bürger*innen

am Rundgang durch Stilfes. Fotos: A. Willeit

KulturFenster

39 05/Oktober 2021


hinausgeblickt

Votivtafel restauriert

Heimatschutzverein Lana hat ein Marterl renovieren lassen

Am alten Kirchsteig von Oberlana in Richtung

Höllental mit der Wegmarkierung Nr.

6 steht in Rateis auf Halbweg zwischen

dem Runggögl-Hof und dem Blasbichl-

Hof auf exponierter Stelle ein vom AVS

Lana im „Jahr der Berge“ 2002 errichtetes

sehr schönes Wetterkreuz und gegenüber

ein ebenfalls neues hölzernes Wegkreuz

mit einer Bank.

Dort am Wegkreuz ist auch eine Votivtafel

angebracht. Das Marterl war durch Wettereinflüsse

unleserlich geworden, weshalb es

der Heimatschutzverein Lana heuer renovieren

ließ. Diese Gedenktafel erinnert an

Franz Braun (Rafflerbauer, geb. 1870),

der hier seinerzeit tödlich verunglückte. In

Das restaurierte Marterl Foto: Albert Innerhofer

der nun wieder sehr gut leserlichen Schrift

steht Folgendes: „Hier an dieser Stelle verunglückte

Herr Franz Braun Rafflerbauer

in Rateis, tödlich. + Wanderer gedenke mit

einem Vaterunser des Verstorbenen.“

Diese Gedenktafel zeigt oben zentral eine

Muttergottes mit dem Jesukind auf einer

Wolkenbank, darunter den steilen Bergweg

nach Rateis, umgeben von Wald und mit

einer menschlichen Figur, vermutlich dem

dort Verunglückten. Es ist leider nicht genau

beschrieben und bekannt, in welchem Jahr

dieses Unglück geschah (vermutet wird das

Jahr 1943). Vom Restaurator Karl Christanell

wurde diese Tafel mit neuester Lasertechnik

wieder sichtbarer gemacht.

Albert Innerhofer

Die Seniorenvereinigung im Südtiroler Bauernbund

lud kürzlich zu einem geselligen

Beisammensein nach Mauls ein. Der Grund:

Ein neues Liederbuch wurde

vorgestellt.“

Lieder und

Mundartgedichte

Seniorenvereinigung stellt Buch vor

kommen. Natürlich wurde viel gesungen,

wobei Albert Seppi die Singfreudigen mit

Gitarrenklängen begleitete.

's Keschtn-Eßn

Zerscht di Tschaltsch awek

und nochr die Pfoat

und iatz zelescht

hmm-desieße,hoaßeKescht!

Maria Lamprecht-Vieider

„Weil Singen Freude macht“

ist der Titel des von der Arbeitsgruppe

Liederbuch

herausgegebenen kleinen

Werkes. Darin sind nicht

nur Lieder enthalten, sondern

auch einige Mundartgedichte,

die Klothilde Egger

Oberarzbacher aus Steinhaus,

Anna Steinacher aus

Verdings und von Maria Sulzer aus Lana

zur Verfügung gestellt hatten. Leiterin der

Arbeitsgruppe Liederbuch ist Helene Hilber

Nössing.

Zahlreiche Vertreter von Ortsgruppen der

SBB-Seniorenvereinigung aus dem ganzen

Land waren zur Vorstellung ins Wipptal ge-

Antonia Aschbacher (Seniorenvereinigung

Sand in Taufers), Maria Sulzer, Hilde Hellweger

(Seniorenvereinigung Gais), Anna

Hofbauer (Präsidentin Seniorenvereinigung

Pustertal) und Klothilde Egger Oberarzbacher

(beide vorne)

Foto: Seniorenvereinigung Bauernbund

KulturFenster

40 05/Oktober 2021


Heimatpege

Neue Gedenkplatte auf

der Cima d’Oro

Heimatschutzverein Lana ruft zu Erinnerung und zu Frieden auf

Eine Gedenktafel auf einem Gipfel im Ledrotal

soll an das Leid der Soldaten aus Lana

erinnern, die dort gekämpft haben und im

Ersten Weltkrieg gestorben sind.

Als die Männer des k.k. Standschützen-

Bataillons Lana am 19. Mai 1915 gegen

21 Uhr in Burgstall in den Zug stiegen,

um an die südliche Grenze des alten Tirols

zu fahren, ahnten sie nicht, was ihnen

in den nächsten 19 Monaten bevorstehen

würde. Sie wurden im Rayon III, Abschnitt

„Festung Riva“, eingesetzt. Nachdem sie

die ersten drei Monate des Krieges in der

Nähe der Ortschaft Riva (Reif) verbracht

hatten, wurden sie im September 1915 in

den Kampfabschnitt Cima d‘Oro – Bocca

Saval – Nozzolo beordert.

Intensive Recherchen

Obwohl dieser Frontabschnitt von vielen

Offizieren und Soldaten anderer, schwerer

umkämpfter Frontabschnitte als „Salonfront“

bezeichnet wurde, mussten

auch die Lananer Standschützen viele

Entbehrungen und Leid ertragen. Bis

zum Ende des Krieges im November

1918 hatte das k.k. Standschützen-Bataillon

Lana zwölf im Kampf Gefallene

bzw. an Erkrankungen Verstorbene zu

beklagen.

Bereits im August 2009 hatte der Heimatschutzverein

Lana eine Gedenktafel

für die damals erst drei bekannten gefallenen

Standschützen auf dem Vorgipfel

der Cima d‘Oro anbringen lassen. Die

Initiative dazu war von Alexander Schwabl


Die Gedenkplatte soll den vorbeikommenden

Wanderern das traurige

Schicksal der Soldaten näher-


bringen.

Albert Innerhofer

Die neue Gedenktafel aus Messing am Vorgipfel der Cima d’Oro

vom Kleinen Museum Lana gekommen, der

die Tafel auch anbrachte. Im Laufe seiner

Recherchen für ein neues Buch über die

Standschützen-Bataillone, die im Ledrotal

ihren Kriegsdienst leisteten, stieß Alexander

Schwabl auf weitere fünf Standschützen

und einen Kaiserjäger, die in diesem

Frontabschnitt ihr Leben verloren hatten.

Wiederum fi nanzierte der Heimatschutzverein

Lana eine Gedenkplatte, die Alexander

Schwabl und einige Freunde im

Juni 2012 am Sockel des Gipfelkreuzes

anbrachten.

Haltbares Material

Durch die extremen Wetterverhältnisse

an diesem exponierten Ort verloren die

aus Kunststoff gefertigten Gedenkplatten

schon bald an Qualität und wurden zum

Teil fast unleserlich. So entschied man

sich, eine neue Gedenkplatte anfertigen

zu lassen. Diese besteht nun aus einem

Foto: Heimatschutzverein Lana

Messingblech, in dem der Text mit Laser

eingebrannt wurde. Diese Methode wird

auch auf Grabplatten angewandt und garantiert

eine Haltbarkeit des Textes über

Jahrzehnte. Die Messingplatte ist so groß

wie die beiden alten Platten zusammen

und wurde erneut vom Heimatschutzverein

Lana fi nanziert.

Am Samstag, den 19. Juni 2021 stiegen

Alexander Schwabl und Andreas Gurndin

zum Vorgipfel der Cima d’Oro auf, um die

alten Gedenkplatten abzumontieren und

die neue Messingplatte anzubringen. Sie

soll den vorbeikommenden Wanderern das

traurige Schicksal der Soldaten näherbringen

und damit dazu beitragen, die Vergangenheit

nicht zu vergessen und uns alle

zum Frieden ermahnen. Der Dank des Obmannes

des Heimatschutzvereines Lana,

Albert Innerhofer, geht besonders an Alexander

Schwabl, der regelmäßig zahlreiche

Forschungen und Initiativen betreibt.

Albert Innerhofer

KulturFenster

41 05/Oktober 2021


gedenken

Großer Einsatz für Gottes Lohn

Im Gedenken an den Vinschger Heimatpfleger Adolf Bernhart

Am 4. Augustt 2021 ist der langjährige

Heimatpflege-Bezirksobmann des Vinschgaus,

Adolf Bernhart, verstorben.

Neben seinem Brotberuf als Lehrer

an verschiedenen Grundschulen hatte

Adolf schon seit jungen Jahren ein offenes

Herz für die Heimatpflege. Der

Erhalt der einzigartigen Südtiroler Natur-

und Kulturlandschaft, besonders

der historischen Bausubstanz, war ihm

ein großes Anliegen. Dank seines Weitblickes

und seines enormen Einsatzes

gelang es ihm, gar einiges für die Nachwelt

zu erhalten – alles für Gottes Lohn,

also ehrenamtlich.

Lichtenberg gerettet

Als Ortsbeauftragter und Mitglied der

Baukommission in der Gemeinde Prad

über einige Verwaltungsperioden hinweg

vertrat Adolf Bernhart dort die Interessen

und Anliegen der Heimatpflege. Auf

seine Initiative hin wurde 1990 der Ortsverein

gegründet, den er als Obmann

bis 2003 führte. Durch seine Bemühungen

konnte die Burgruine Lichtenberg

vor dem Verfall gerettet werden.

Als Gründungsmitglied des „Kuratoriums

Burgruine Lichtenberg“ arbeitete

er lange darin mit. Der Erhalt der Prader

Sand sowie die Einschränkung des

Transitverkehrs durch den Vinschgau

waren ebenfalls wichtige Themen für

Adolf Bernhart.

Als Heimatpflege-Bezirksobmann von

1976 bis 2004 war er Ansprechpartner

für viele Menschen und war im ganzen

Vinschgau unterwegs. Mit viel Einfühlungsvermögen

gelang es ihm, die Einzelkämpfer

im Bezirk für ein gemeinsames

Auftreten zu gewinnen. Als eine

wichtige Aufgabe empfand er die Erhaltung

von bäuerlichen Kleindenkmälern

als prägende Landschaftselemente,

und er war als Sachbearbeiter

über viele Jahre im Tal und am Berg

dafür unterwegs.

Adolf Bernhart in Begleitung beim „Zug gehen“.

„Zug gehen“ zeigt Wirkung

Ein Herzensanliegen war Adolf Bernhart

die Wiederinbetriebnahme der Vinschger

Bahn. Dabei scheute er keine Mühen. So

unternahm er den über 50 Kilometer langen

Fußmarsch – Adolf nannte es „Zug gehen“

– entlang der Bahnstrecke von Mals

nach Meran, schoss dabei viele Fotos über

den Zustand der Bahnstrecke und deren

Gebäude und konnte dank seines beharrlichen

Standpunktes damit gemeinsam mit

einigen Vinschger Mitstreitern die Landesregierung

davon überzeugen, die Wiederinbetriebnahme

der Vinschger Bahn ins

Investitionsprogramm des Landes aufzunehmen.

Am 5. Mai 2005 fuhr die Bahn

das erste Mal wieder durch den Vinschgau

– für Adolf Bernhart eine große Genugtu-

ung. Und dieses Vinschger Bahnmodell

wurde beispielgebend für andere Strecken

im Land (z. B. Pustertal-Bahn).

Adolf Bernhart verfolgte aber auch weitere

Bahn-Ideen und hegte die Vision einer

Bahnverbindung im Dreiländereck.

Wir Heimatpfleger*innen sehen dies

als sein Vermächtnis an und werden

uns für die Realisierung dieses Projektes

im Rahmen unserer Möglichkeiten

einsetzen.

Für Deinen Einsatz, für all Deine ehrenamtliche

Arbeit im Sinne der Heimatpflege

sind wir Dir, lieber Adolf, zu

großem Dank verpflichtet. Vergelt’s Gott.

Franz Fliri

Bezirksobmann Vinschgau

KulturFenster

42 05/Oktober 2021


getragen

Klöppelspitzen aus

Meister(innen)hand

Die Handwerkskunst hat Paula Innerbichler aus Prettau seit

ihrer Jugend begleitet

zu Meterware, die man für die Trachtenblusen

verwendet. Ganze drei Meter braucht es

davon, damit der Halsausschnitt (180 cm)

und die Ärmelbündchen (je 60 cm) reich besetzt

werden können. Fledermäuse, Schmetterlinge,

„Schneggn und Muggn“ sind nur

einige der vielen Muster, welche die kostbaren

Prettauer Klöppelspitzen ausmachen.

Klöppel-Botschafterin

Paula Innerbichler aus Prettau

Jedes Mal, wenn ich meine Trachtenbluse

anziehe, denke ich voll Hochachtung an

Paula Innerbichler, die mit ihren geschickten

Fingern mir diese wunderschöne Klöppelspitze

angefertigt hat. So eine kunstvolle

Klöppelspitze ist halt einfach das Tüpfelchen

auf dem i einer jeden Miedertracht.

Lebenslange Leidenschaft

Paulas Mutter hatte bereits geklöppelt, wie

viele andere Frauen in Prettau auch. Es

war dies eine Möglichkeit, zum Lebensunterhalt

der Familie beizutragen. So ist es

nicht verwunderlich, dass sich auch Paula

bereits als kleines Mädchen an das Klöppeln

heranwagte. Sie besuchte die Prettauer

Sommer-Klöppelschule bei Antonia

Rubner und der „Pinter Loise“. Das Klöppelfieber

hatte sie voll erwischt. Von da an

sollte sie das „Binggile“ und die hölzernen

Klöppel mit dem aufgespulten Garn ihr Leben

lang begleiten.

Fledermäuse und „Muggn“

Obwohl im hintersten „Tole dinne dahoam“,

ist Paula immer schon eine weltoffene

Frau gewesen. Aus dem gesamten

süddeutschen Raum, vor allem aber aus

Oberitalien bekam sie viele Einladungen,

bei Messen und anderen Veranstaltungen

einem großen Publikum ihre Klöppelkunst

zu zeigen. Auch in Südtirol sagte Paula

nie Nein, wenn ihr die Gelegenheit geboten

wurde, ihr über die Schulter schauen

zu dürfen.

Beschämender Lohn

Als Laie hat man ja gar keine Ahnung, wie

viele Arbeitsstunden hinter einer Klöppelspitze

stecken. Es braucht dazu auch ein

schönes Garn. Aus Leinen muss es sein

und: je feiner desto kostbarer die Spitze. Vor

Sie ist „mit dem Binggile verheiratet“.

allem das Garn aus dem oberitalienischen

Raum hatte es Paula immer schon angetan.

„Ganz glatt und flüssig muss es sein

und keine Knöpfe machen“, wie sie sagt.

Ich frage Paula noch nach dem Verdienst,

der für eine Klöpplerin herausschaut. „So

1 bis 2 Euro die Stunde, mehr lässt sich

damit nicht verdienen.“ Es muss wohl die

ganz große Leidenschaft sein, welche die

Prettauer Frauen an ihrer Klöppelkunst

festhalten lässt.

Agnes Andergassen

ARGE Lebendige Tracht

Die „Klöppelbriefe“, nach deren Vorlage

man die Klöppel dreht und kreuzt, führen

zu wunderschönen Klöppelspitzen: Deckchen

aller Form und Größe, vor allem aber

Klöppelspitzen in Perfektion

Fotos: Agnes Andergassen

KulturFenster

43 05/Oktober 2021


Bild oben: Die Musikkapelle Wangen bei der Einweihung des Siegesdenkmals in Bozen,

12. Juli 1928. (MK Wangen)

Bild unten: Die Musikkapelle Zwölfmalgreien beim Trachtenfest in Meran 1930.

(SLA, Sammlung Oberleiter, Pos. 1817)

KulturFenster

44 05/Oktober 2021


hinterfragt

In Treue fest durch die Systeme

Geschichte der Südtiroler Blasmusik 1918–1948

Notizen zu einem besonderen Projekt

Das Projekt

Als im Herbst 2013 öffentliche Irritationen

im Bundesland Tirol über die Involvierung

maßgeblicher Vertreter der Volks- und Blasmusik

in das NS-Regime auch in Südtirol

medialen Niederschlag fanden, initiierten

der Verband Südtiroler Musikkapellen

(VSM) und das Südtiroler Landesarchiv

auf Anregung der damaligen Landesrätin

für deutsche Schule, Denkmalpflege,

Bildungsförderung, deutsche Kultur und

Berufsbildung, Sabina Kasslatter Mur, das

Forschungsprojekt „Die Geschichte der

Südtiroler Blasmusik 1918–1948“.

Damit wollten die Projektträger nicht nur

die NS-Zeit, sondern die Entwicklung

des Südtiroler Blasmusikwesens vom

Ersten Weltkrieg bis zur Gründung des

Verbandes aufarbeiten lassen. Der Komplexität

der Fragestellung entsprechend

wurde das Projekt als Kooperation zeithistorischer,

musikhistorischer und ethnologischer

Kompetenzen konzipiert. Den

Auftrag zur operativen Durchführung erhielten

der Historiker Hubert Mock (Bozen),

der Musikwissenschaftler Thomas

Nußbaumer (Innsbruck) und der Volkskundler

Christoph Gasser (Seis/Klausen).

Nachdem sich Gasser im Herbst 2019

aus dem Projekt zurückgezogen hatte,

übernahm im Frühjahr 2020 der Innsbrucker

Ethnologe Reinhard Bodner die

Bearbeitung des Themenbereichs „Blasmusik

und Tracht“. Die drei Hauptbeiträge

werden ergänzt durch eine allgemein-kritische

Einführung in die Geschichte der

Blasmusik von Achim Hofer (Landau/

Pfalz) und durch einen Beitrag über das

Verhältnis von (Blas-)Musik und Politik in

der NS-Zeit am Beispiel des Gaues Tirol-

Vorarlberg von Kurt Drexel (Innsbruck).

Gegenstand des Forschungsprojekts sind

die zivilen, vereinsmäßig konstituierten

Südtiroler Blasmusikformationen, die im

Untersuchungszeitraum existierten. Nicht

thematisiert werden die zahlreichen Kleingruppen,

die vielfach innerhalb der Musikkapellen

entstanden und mitunter ein

Die Musikkapelle Gratsch vor dem Restaurant „Fallgatter“, 1914 (heute Provinzhaus der

Barmherzigen Schwestern; MK Gratsch).

selbständiges Tätigkeitsprofil entwickelten.

Ebenso sind die militärische Blasmusik

und italienische Musikkapellen, die vereinzelt

existierten, nicht Gegenstand des

Projekts. Thematisch im Vordergrund

steht die Entwicklung der Vereine, ihrer

Musik und ihrer Präsentation in der Öffentlichkeit,

das heißt ihres Outfits, unter

den unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen.

Die Themenstellung

erforderte es, zwar möglichst viele Vereinsgeschichten

zu rezipieren, den Fokus

projektrelevanter Fragestellungen aber von

den einzelnen Musikkapellen weg hin auf

wiederkehrende Elemente in ihrem Tätigkeitsprofil

zu lenken. Methodisch erfolgt

dies durch qualifizierende Analysen

signifikanter Ereignisse sowie durch vergleichende

Quantifizierungen von Daten

aus Vereins- und amtlich-behördlichen

Quellen. Ein besonderes Anliegen war es,

die Geschichte der im Projektzeitraum aktiven

Kapellen als Ausdruck gesellschaftlicher

Verhältnisse, identitätsstiftender Prägungen

und ideologischer Orientierungen

im Spannungsfeld von Politik und Gesellschaft

zu verstehen.

Musikkapellen von

1918 bis 1948

Im Zuge der Projektabwicklung erwies

es sich als schwierig, den Forschungsgegenstand

zu quantifizieren, das heißt

zu beziffern, wie viele Musikkapellen es

in der Zeit von 1918 bis 1948 gab. Anders

als für die meisten Kapellen haben

sich für manche Blasmusikformationen

nämlich keine Quellen überliefert. Gemeint

sind hier vor allem jene Musikka-

KulturFenster

45 05/Oktober 2021


hinterfragt

Die Musikkapelle Untermais spielt vor der Arena von Verona, 1924 (BK Untermais).

pellen, die – häufig in peripheren Fraktionen

von Gemeinden – einige Jahre aktiv

waren und dann wieder von der Bildfläche

verschwanden – wie zum Beispiel

die Musikkapelle Glaning (Gemeinde Jenesien),

die Musikkapelle St. Oswald (Gemeinde

Kastelruth) oder die Kapelle von

Tarsch (Gemeinde Latsch). Vermutlich

existierten auch in anderen Gemeinden

des Landes zeitweise Musikformationen,

von denen sich heute – zumindest über

den unmittelbar lokalen Rahmen hinaus

– keine Spuren mehr finden. Aus diesem

Grund ist es nicht möglich, die Zahl jener

Musikkapellen definitiv zu ermitteln, die

im Projektzeitraum bestanden. Ergänzt

man die Daten im Mitgliederverzeichnis

des VSM um die Angaben in den vorhandenen

Vereinsfestschriften und um verfügbare

zusätzliche Informationen über

weitere Kapellen, zeigt sich, dass in der

Zeit zwischen 1918 und 1948 im Gebiet

des heutigen Südtirols über kürzere oder

längere Zeit mindestens 175 Musikkapellen

tätig waren.

Die Quellenbasis

Die Musikkapelle Wiesen und die doppelte Besetzung des öffentlichen Raums: Die Musikanten

in Tracht mit 1809 eroberter Trommel und Hellebarden als Symbolen Tiroler Wehrhaftigkeit

unter dem italienischen Schild „Prati“ (MK Wiesen).

Die Quellenbasis für das Projekt lieferten

zu einem großen Teil die Kapellen

selbst mit ihren Vereinsunterlagen und

den zahlreichen Festschriften. Die allermeisten

Musikkapellen zeigten großes Interesse

für das Forschungsvorhaben und

gewährten bereitwillig Einblick in ihre Dokumentation.

In einem einzigen Fall wurde

die Einsichtnahme in das Vereinsarchiv

verweigert. Weitere projektrelevante Quellenbestände

konnten in kommunalen, regionalen

und staatlichen Archiven sowie

in den Archiven verschiedener Verbände,

Einrichtungen und Organisationen ausfindig

gemacht werden. Als besonders aufwändig,

aber auch sehr ertragreich erwies

sich dabei die Sichtung von über 40 Gemeindearchiven.

Trotz der breit angelegten Quellenakquisition,

blieb das Bild speziell bei den Primärquellen

widersprüchlich und mitunter

unbefriedigend, weil es trotz einer

beträchtlichen Menge vorhandener Unterlagen

bisweilen kaum möglich war,

KulturFenster

46 05/Oktober 2021


Blasmusik

Die Algunder Musikkapelle beim Kreisschießen in Meran, 30. April 1944 (MK Algund).

wesentliche Aspekte der Geschichte der

Südtiroler Musikkapellen im Projektzeitraum

adäquat abzudecken. Dieser Befund

wiegt umso schwerer, als es bisher

nur wenige Publikationen gibt, die die gesellschaftliche

und politische Dimension

des Genres „Blasmusik“ thematisieren

und historisch verorten. Sollte sich die

Quellensituation in Zukunft verbessern

– weil zum Beispiel Archivbestände zugänglich

oder überhaupt erst ausfindig

gemacht werden – könnten manche Aspekte

neu thematisiert und viele Fragen

eingehender beantwortet werden.

Die vom VSM und dem Südtiroler Landesarchiv

herausgegebene Geschichte der

Südtiroler Blasmusik von 1918 bis 1948

ist nicht die Summe der Geschichten der

einzelnen in diesem Zeitraum existierenden

Musikkapellen. Ein solcher Ansatz kumulativ-historistischer

Geschichtsschreibung

wäre wissenschaftlich nicht sinnvoll, ein

solcher Anspruch zudem nicht einzulösen.

Die Publikation ist der Versuch, auf der

Basis des verfügbaren und ausgewählten

Quellenmaterials auf zeitgeschichtlicher,

musikgeschichtlicher und ethnologischer

Ebene zentrale Entwicklungslinien

des Südtiroler Blasmusikwesens im Projektzeitraum

aufzuzeigen, das Verhältnis

zwischen den Musikkapellen und den jeweiligen

Regierungen bzw. Regimen darzustellen

und die Rolle der Musikkapellen

für das kollektive Bewusstsein in Südtirol

zu beleuchten. Dabei konnten inhaltlich

zahlreiche neue Facetten thematisiert und

lange Zeit unkritisch Tradiertes hinterfragt

werden. Wer hätte zum Beispiel gedacht,

dass die 1920er Jahre jenes Jahrzehnt in

der Geschichte der Südtiroler Blasmusik

mit den vergleichsweise meisten Gründungen

von Musikkapellen waren? Wer hat

gewusst, dass die Südtiroler Musikkapellen

ihr traditionelles Marschmusikrepertoire

aus der k. u. k. Zeit unter allen politischen

Systemen, die im Projektzeitraum

an der Macht waren, beibehalten haben

und dass die Italianisierung der Südtiroler

Blasmusik durch den Faschismus in

deutlich geringerem Maß stattgefunden

hat als vielfach behauptet? Wie viele im

Land sind sich des Umstandes bewusst,

dass das Tragen von Tracht stets auch

eine politische Dimension aufweist? Und

in welchem Verhältnis stehen Tracht, Uniform,

Mode und Identitätspolitik zueinander?

Diese und zahlreiche weitere Fragen

werden in der Publikation ausführlich behandelt

und in einen theoretisch unterfütterten

Identitätsdiskurs eingebettet.

Bisher stand die jüngere Geschichte der

Südtiroler Blasmusik weder bei der regionalen

Zeitgeschichtsforschung noch bei

den Blasmusikeinrichtungen im Fokus des

Interesses. Der neue Band soll dazu beitragen,

dieses Defizit zu beheben.

Hubert Mock

Zur Person

Hubert Mock

Hubert Mock, geb. 1960 in Bozen, Studium der Geschichte in Wien, 1988/89 Mitarbeit

an der Ausstellung „Option-Heimat-Opzioni“, 1992 Mitbegründer der Arbeitsgruppe

Regionalgeschichte/Gruppo di ricerca per la storia regionale und ihrer

Zeitschrift „Geschichte und Region/Storia e regione“.

Seit 1994 Leiter des Stadtarchivs Brixen, daneben Mitarbeit an verschiedenen Forschungsprojekten,

Mitautor von Publikationen zur regionalen Zeitgeschichte und

zur Geschichte von Brixen.

KulturFenster

47 05/Oktober 2021


VSM intern

Nach 50 Jahren Übergang

an die Musikschulen

Neuerung zur praktischen Prüfung der Leistungsabzeichen

Die Landesmusikschuldirektion und der Verband Südtiroler Musikkapellen (VSM) haben

den Vertrag zur zukünftigen Abhaltung der Prüfungen zum Leistungsabzeichen unterzeichnet

– v.l. VSM-Obmann Pepi Fauster, Landesmusikschuldirektor Felix Resch und VSM-Verbandsjugendleiter

Hans Finatzer.

Die Unterzeichnung des Vertrages ist der

letzte und wichtigste Baustein für die Übernahme

der praktischen Leistungsabzeichen

durch die Landesdirektion der deutschen

und ladinischen Musikschulen. Vor

knapp 20 Jahren wurde die erste Zusammenarbeit

zwischen beiden Institutionen

beschlossen, denn bereits seit dem Schuljahr

2008 ist die Ausbildung und Abnahme

der Prüfungen in Theorie den Musikschulen

anvertraut worden.

„Die Übergabe der praktischen Leistungsabzeichen

an die Musikschulen ist das

Ergebnis gewachsenen Vertrauens und

basiert auf einer sehr guten Zusammenarbeit“,

so VSM-Verbandsobmann Pepi

Fauster. Landesmusikschuldirektor Felix

Resch bekräftigte dies und verwies auf

die institutionellen Aufgaben der Musikschulen,

welche neben der Ausbildung

zukünftig die Prüfungen in allen Fächern

anbieten werden.


Ziel ist es, die Dienste zu verbessern,

um die Leistungsabzeichen weiter

aufzuwerten. Wir sprechen zukünftig

von insgesamt 1.500 Wertungen pro


Schuljahr, das ist eine enorme logistische

Herausforderung.

Hans Finatzer

Diesen letzten und entscheidenden Schritt

begleitete VSM-Verbandsjugendleiter Hans

Finatzer, welcher mit Ausdauer und Verhandlungsgeschick

diesen Vertrag zwischen

beiden Trägern vorbereitet und

zum Abschluss gebracht hat.

Die Grundlage für die Übergabe ist das

Bekenntnis zum Rahmenprogramm des

Österreichischen Blasmusikverbandes,

der in Zusammenarbeit mit den Musikschulen

Österreichs den inhaltlichen

Rahmen für die Erlangung des Junior-

Abzeichens sowie der Leistungsabzeichen

in Bronze, Silber und Gold vorgibt.

Darin sind sämtliche Details in allen betreffenden

Fächern genau definiert, damit

die Leistungsstufen den hohen Anforderungen

entsprechen.

Die Vorbereitung und Abnahme der Prüfungen

erfolgen somit ab dem Schuljahr

2021/2022 ausschließlich durch die Musikschulen

des Landes. Dabei sind auch

Anwärter*innen aus anderen Schulen oder

Privatschüler*innen zugelassen. Die Verleihung

der Abzeichen - und auch das ist

neu - wird in Zukunft den Musikkapellen

übertragen, die dafür sorgen, einen passenden,

feierlichen Rahmen für die Verleihung

an ihre Absolvent*innen zu finden.

Die Musikschulen werden die Leistungsabzeichen

an verschiedenen Standorten

auch vormittags anbieten. Eine entsprechende

Einigung mit dem deutschen

Schulamt wurden bereits getroffen. „Ziel

ist es, die Dienste zu verbessern, um die

Leistungsabzeichen weiter aufzuwerten.

Wir sprechen zukünftig von insgesamt

1500 Wertungen pro Schuljahr, das ist

eine enorme logistische Herausforderung“,

ist sich Hans Finatzer bewusst. Im Mittelpunkt

stehen aber die Kinder und Jugendlichen,

welche die wichtigsten Protagonisten

sind, denn für sie bilden die

Leistungsabzeichen lohnende Ziele und

vor allem eine der Motivationsquellen

schlechthin.

Hans Finatzer

VSM-Verbandsjugendleiter

KulturFenster

48 05/Oktober 2021


Blasmusik

50 Jahre 2. Autonomiestatut

1972-2022

Kompositionswettbewerb ausgeschrieben

Das Euregio-Jugendblasorchester

wird die

von einer Fachjury prämierte

Komposition

zu „50 Jahre 2. Autonomiestatut

1972

– 2022“ uraufführen.

Foto: Wolfgang Alberty

Am 20. Jänner 1972 trat das 2. Autonomiestatut

in Kraft. Nachdem das 1. Autonomiestatut

1948 die Hauptverwaltung

in die Hände der Region „Trentino-Südtirol“

und damit de facto der italienischen

Mehrheit des Trentino gelegt hatte, wurden

nun direkt dem Land Südtirol wichtige

Zuständigkeiten übertragen. Anlässlich des

50-jährigen Jubiläums dieses für Südtirol so

geschichtsträchtigen Datums hat der Südtiroler

Landtag einen Kompositionswettbewerb

ausgeschrieben.

Der Wettbewerb für eine Komposition für

symphonisches Blasorchester zum Thema

„50 Jahre 2. Autonomiestatut 1972-2022“

wird in Zusammenarbeit mit der Europaregion

„Tirol, Südtirol und Trentino“ und bei

der künstlerischen Gestaltung mit Unterstützung

des Südtiroler Künstlerbundes,

der Stiftung Haydn von Bozen und Trient,

des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

(VSM) und der Hochschule für Musik

„Claudio Monteverdi“ Bozen ausgeschrieben.

Es handelt sich um die zweite Ausgabe

des Europapreises, den der Südtiroler

Landtag 2021 – zum Thema Literatur

– vergeben hat.

Komponisten, die in Südtirol geboren oder

mindestens drei Jahre in Südtirol ansässig

sind, sind eingeladen, ein sieben- bis zwölfminütiges

Musikstück für symphonisches

Blasorchester einzureichen, das auf das

Thema „50 Jahre 2. Autonomiestatut“ Bezug

nimmt. Dafür haben sie sechs Monate

Zeit: Die Partitur muss bis zum 15. Februar

2022 an den Südtiroler Künstlerbund (info@

kuenstlerbund.org – Telefon 0471 977037)

geschickt werden. Eine Fachjury bewertet

die eingereichten Werke und kürt den Gewinner

nach den Kriterien inhaltliche Kohärenz,

Originalität und Durchführbarkeit

in der Schwierigkeitsstufe „C bis D“ für

Blasorchester. Ausgeschrieben wird ein

Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro. Das Euregio-Jugendblasorchester

aus Bozen, Innsbruck

und Trient wird das Werk anlässlich

des Europatages, voraussichtlich am

7. und 8. Mai 2022, uraufführen.

Stephan Niederegger

Weitere Informationen zur detaillierten

Ausschreibung können auf der Homepage

des Südtiroler Landtags

www.landtag-bz.org

und des Südtiroler Künstlerbundes

www.kuenstlerbund.org

bzw. über die QR-Codes eingesehen

werden.

KulturFenster

49 05/Oktober 2021


VSM intern

15. Bezirksjungbläsertage

in Bruneck

Ein gut angenommenes Angebot – trotz der schwierigen Umstände

Anstelle des traditionellen Abschlusskonzertes haben die jungen Musikant*innen als „Straßenmusiker“ die Besucher und Gäste der Rienzstadt

unterhalten.

Aufgrund der sehr guten Erfahrungen der

Vorjahre sei es der Wunsch vieler Musikkapellen

gewesen, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen

die traditionelle Kurswoche

für die „ganz jungenMusikant*innen“

auf Bezirksebene anzubieten, erklärt VSM-

Bezirksobmann Johann Hilber und er freut

sich, dass nach der Absage im Vorjahr heuer

dieses Kursangebot möglich war.

Zwar in reduzierter Form, aber dennoch

nicht weniger erfolgreich, wurde Mitte Juli

in den Räumen der Mittelschule „Karl

Meusburger“ die 15. Auflage der traditionellen

Jungbläsertage in Bruneck organisiert.

Rund 45 Buben und Mädchen

aus den Musikkapellen des Pustertales

haben daran teilgenommen. Sie wurden

von einem achtköpfigen Lehrerteam (Stefanie

Burchia, Monika Messner, Barbara

Holzer; Michaela Künig, Christof Gröber,

Hannes Pupp, Erhard Gatterer, Simon

Burger) betreut. 5 Tage lang haben die

jungen Musikantinnen und Musikanten

im Kreise von Gleichgesinnten geübt

und musiziert – in kleinen Gruppen und


Viele der vorbeikommenden

Passanten, Besucher und Gäste der


Stadt, sind stehengeblieben und

haben den Melodien gelauscht.

Johann Hilber

in größeren Registern. Anstelle des traditionellen

Abschlusskonzertes haben sich

verschiedene Bläsergruppen als „Straßenmusiker’“

am Graben und in der Stadtgasse

präsentiert. Viele der vorbeikommenden

Passanten, Besucher und Gäste

der Stadt, sind stehengeblieben und haben

den Melodien gelauscht.

Bezirksobmann Hilber bedankte sich bei

der Verwaltung der Mittelschule für die

Zurverfügungstellung der Räume und die

gute Zusammenarbeit, bei der Raiffeisenkasse

Bruneck für die Unterstützung und

nicht zuletzt bei seinen Mitarbeitern und

dem Lehrerteam, „dass es trotz der nicht

leichten Umstände gelungen ist, die Kurswoche

anzubieten.“

Stephan Niederegger

KulturFenster

50 05/Oktober 2021


Blasmusik

VSM unterstützt musikalische

Jugend Südtirols

32 Projekte von 50 Jugendkapellen gefördert

In einem gewöhnlichen Sommer fi nden in

Südtirol unzählige Jungbläserwochen statt.

Dabei organisiert der Verband Südtiroler Musikkapellen

(VSM) alljährliche Sommerprojekte

wie Bronzewochen, Jungbläserwochen

für Fortgeschrittene oder das Südtiroler Jugendblasorchester.

Im vergangenen Jahr konnte coronabedingt

keines der für den musikalischen Nachwuchs

wichtigen Angebote in die Tat umgesetzt

werden. Auch im heurigen Jahr war es

aufgrund der unsicheren Lage nicht möglich,

die nötigen Vorbereitungen zu treffen,

um diese Projekte austragen zu können. Um

dennoch den Vereinen und Jugendkapellen

Unterstützung anzubieten, einigte man

sich im Jugendreferat des VSM darauf, ein

Ersatzprogramm auszuarbeiten, welches

insgesamt 31 Projekte mit TeilnehmerInnen

aus über 60 Musikkapellen unterstützte. Die

Jugendkapellen konnten beim Verband für

die Übernahme der Personalkosten der Referenten

und der Anschaffung von Desinfektionsmitteln

ansuchen. „Dabei fi el die

Summe mit rund 70.000 Euro ausgesprochen

hoch aus, welche hunderten von Kindern

und Jugendlichen zugutekam,“ freuen

sich Verbandsgeschäftsführer Andreas Bonell,

Verbandsobmann Pepi Fauster und

Verbandsjugendleiter Hans Finatzer. Siehe

dazu den detaillierten Bericht auf S.62: "Jugendsommer

trotz Corona"

Hans Finatzer

Trotz unsicherer Rahmenbedingungen

können Verbandsgeschäftsführer Andreas

Bonell, Verbandsobmann Pepi

Fauster und Verbandsjugendleiter Hans

Finatzer (v. l.) auf ein reichhaltiges Förderprogramm

für Jugendkapellen verweisen.

BLASMUSIK IM RUNDFUNK

jeden Montag

von 17 bis 18 Uhr

„Dur und Schräg“

Traditionelle und neue

Blasmusik mit Norbert Rabanser

jeden Freitag

von 18 bis 19 Uhr

„Blasmusik“ mit Dieter Scoz

jeden Samstag

von 18 bis 19 Uhr

„Faszination Blasmusik“

mit Arnold Leimgruber

(Wiederholung

am Sonntag um 10 Uhr)

jeden Freitag

von 18 bis 19 Uhr

„Das Platzkonzert“

mit Peter Kostner

KulturFenster

51 05/Oktober 2021


hinausgeblickt

VSM intern

Obleute-Tagung

Waltherhaus Bozen

https://vsm.bz.it

30.10.2021

9.00 Uhr

Es war einmal …

eine Musikkapelle

Bitte um Mitarbeit bei der Suche nach verschollenen Musikkapellen

Es hat in der Vergangenheit in unserm Land gar einige Musik-

kapellen gegeben, die im Laufe der Zeit von der Bildfläche verschwunden

sind und vielfach erinnern nur mehr lückenhafte

Notizen von deren vormaliger Existenz.

Nun soll der Versuch gemacht werden, ein vom Vergessen bedrohtes

Kapitel Südtiroler Blasmusikgeschichte zu dokumentieren

und für die Zukunft zu sichern.

Deshalb ersuchen wir alle, die vom Bestand ehemals existierender

und heute verschwundener Musikkapellen oder selbstständiger

Bläserformationen Kenntnis haben, dies mitzuteilen.

Vor allem bitten wir, auch ältere Musikanten oder ältere Menschen

aus der Dorfgemeinschaft anzusprechen und sie nach ihren

diesbezüglichen Erinnerungen zu befragen.

Wenn es neben den bloßen Erinnerungen auch noch konkrete

Unterlagen (Dokumente, Fotos, Zeitungsmeldungen etc.) zu den

verschwundenen Musikkapellen geben sollte, so wären wir für

deren leihweise Überlassung natürlich sehr dankbar. Jeder noch

so kleine Hinweis ist bei der Recherche hilfreich!

Hinweise und Infos bitte direkt an den Verband Südtiroler Musikkapellen,

Schlernstraße 1, 39100 Bozen oder info@vsm.bz.it

GESUCHT!

Erinnerungen, Dokumente,

Fotos, Zeitungsmeldungen etc.

Stephan Niederegger

Konzertwertung in Toblach abgesagt!

Mit Leidenschaft und Zuversicht haben die

Verantwortlichen im Bezirk und Verband

das in Toblach geplante Konzertwertungsspiel

organisiert. Nachdem der ursprüngliche

Termin bereits zwei Mal coronabedingt

verschoben wurde, musste nun wohl oder

übel auch der dritte Termin vom 30. Oktober

abgesagt werden. Aufgrund der derzeitigen,

immer noch ungewissen Situation,

ist eine längerfristige Planung und eine intensive

und kontinuierliche Probenvorbereitung

immer noch schwierig bis kaum möglich.

Ganz nach dem Motto „Aufgeschoben

ist nicht aufgehoben“ freut sich die VSM-

Fachgruppe „Kapellmeister“ bereits auf die

nächsten Wertungsspiele und bedankt sich

vorab sowohl bei den Kapellen, die sich bereits

angemeldet hatten, aber auch bei all

jenen, die sich interessiert gezeigt haben.

Hans Pircher (Tel. +43 664 9191072 –

j.pircher@tsn.at), der sich den Kapellen bereits

für die Vorbereitung auf das Wertungsspiel

zur Verfügung gestellt hatte, kann bis

November weiterhin von allen Interessierten

für einen Probenbesuch oder eine persönliche

Begegnung kontaktiert werden: „Vielleicht

kann dadurch die ruhige Herbstzeit musikalisch

so gut wie möglich genutzt werden.“

Georg Kirchler, Bezirkskapellmeister,

VSM-Bezirk Bruneck

VSM - Konzertwertung

Samstag, 30. Oktober 2021

Im Kulturzentrum Grand Hotel Toblach

KulturFenster

52 05/Oktober 2021


ewegt

Marschieren - alles Show?

Musikant*innen zur Musik in Bewegung befragt

Die MK Prad am Stilfser Joch

bei der Marschmusikbewertung

in Latsch 2019

Der Marschauftritt ist nach wie vor das optische und akustische Aushängeschild einer jeden Musikkapelle und erreicht mehr Publikum

als jede konzertante Aufführung. Um zu erfahren, welchen Stellenwert die so genannte „Musik in Bewegung“ einnimmt, hat VSM-

Stabführer Klaus Fischnaller Musikant*innen quer durchs Land dazu befragt. Die Antworten ergeben einen interessanten Einblick und

sollen auch zum Gedankenaustausch anregen.

Gilbert Delueg, MK Feldthurns

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Prozessionen und Einzüge sind Traditionen,

die verankert sind und gepflegt werden

sollen/müssen, da sie auch die Identität

eines Volkes teilweise widerspiegeln.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Wenn eine Musikkapelle schneidig dahermarschiert,

macht das immer ein schönes Bild.

Für das Publikum ist dies manchmal sogar interessanter

ist als ein Konzert.

Warum wird für Marschauftritte wenig(er) geprobt

als für Konzerte?

Die Hauptprobentätigkeit liegt für die meisten

Kapellen in der Vorbereitung für die Konzerte, bei

denen sich eine Kapelle möglichst gut präsentieren

will. Dadurch bleibt meist leider wenig(er)

Zeit für die Marschierproben und diese werden

dann oft auch als Mehraufwand angesehen.

Sind für dich Choreografie und Figuren ein

wichtiger Bestandteil der Musik, oder „übertriebene

Show“?

Grundsätzlich fi nde ich, dass es keiner

Kapelle schaden würde, einmal ein solches

Vorhaben anzugehen. Ich finde

nicht, dass diese Art von Musik in Bewegung

eine „übertriebene Show“ ist.

Manche Kapellen, die im konzertanten

Bereich vielleicht nicht so die Möglichkeiten

haben, können sich evtl. genau

auf diese Art und Weise ihrem Publikum

erfolgreich präsentieren.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Ein Marschauftritt hat für mich immer einen

gewissen Reiz, egal ob es eine Prozession

oder ein Einzug bei der Erstkommunion

im Dorf ist. Vor allem verspürt auch

die Bevölkerung, dass der Verein gerade

bei diesen Anlässen für sie da ist.

KulturFenster

53 05/Oktober 2021


ewegt

Martin Egger, MK Prissian

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Für mich haben die Prozessionen und Einzüge

im eigenen Dorf einen großen Stellenwert.

Zum einen wird damit die Tradition

erhalten und zum anderen kann man

sich bei diesen Gelegenheiten von seiner

besten Seite zeigen.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Ja, ich bin schon der Meinung, dass Musik

in Bewegung interessant für das Publikum

ist. Musik in Bewegung bietet dem

Publikum die Möglichkeit, die Kapelle auf

eine andere Art und Weise zu erleben. Die

Darbietungen sind für das Publikum abwechslungsreich

und kurzweilig.

Warum wird für Marschauftritte wenig(er)

geprobt als für Konzerte?

Ich denke, die Vorbereitung auf die Konzerte

hat für viele Kapellmeister Priorität.

Meist wird das Jahresprogramm so geplant,

dass es mehr Konzertauftritte als

Marschauftritte gibt.

Sind für dich Choreografie und Figuren

ein wichtiger Bestandteil der Musik, oder

„übertriebene Show“?

Mir gefällt es, wenn eine Kapelle eine

interessante Choreografie darbietet. Zudem

kann das Erlernen dieser Choreografien

eine interessante Abwechslung

zur regulären Probentätigkeit für die Musikanten

sein.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Bei einem Marschauftritt, kann ich die Kapelle

musikalisch und optisch dem Publikum

ansprechend präsentieren.

Alexander Janser, BK Latsch

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Für mich haben sie einen hohen Stellenwert,

da dadurch die Feierlichkeiten einen

besonderen Wert bekommen.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Musik in Bewegung ist vor allem dann interessant

für das Publikum, wenn sie sauber

und diszipliniert vorgebracht wird. Der optische

Eindruck beim Marschieren ist sehr

wichtig und um einen guten Eindruck zu

hinterlassen, benötigt es Marschierproben.

Warum wird für Marschauftritte wenig(er)

geprobt als für Konzerte?

Weil es zusätzliche Proben braucht und

das einigen Mitgliedern zu viel wird.

Sind für dich Choreografie und Figuren

ein wichtiger Bestandteil der Musik, oder

„übertriebene Show“?

Um Marschierproben interessant zu machen,

braucht es Figuren. Dadurch wird

sowohl das Interesse der Mitglieder als

auch jenes des Publikums gefördert. Mittlerweile

haben wir zahlreiche Shows eingelernt

und unseren Musikantinnen und

Musikanten hat dies immer sehr gut gefallen.

Natürlich muss der Stabführer die volle

Unterstützung der Vereinsführung haben.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Wenn man sauber und präzise marschiert,

dazu noch gut musiziert, ist das eine Herausforderungen

für jeden Musikanten und

für das Publikum und die Musikanten ein

tolles Erlebnis. Durch Choreografien und

Figuren erhalten die Marschauftritte noch

eine besondere Note.

Oliver Leitner, MK Teis

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Diese Auftritte sind für mich genauso wichtig

wie ein gutes Konzert. Das Aufrechterhalten

unserer Traditionen durch das Mitgestalten

der Prozessionen gehört zum Dorfleben.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

MusikinBewegungistfürdieMusikant*innen

gleichermaßen interessant wie für das Publikum.

Dies beweist einmal mehr, dass diese

Veranstaltungen immer gut besucht sind,

wie z.B. auch Marschmusikbewertungen.

Warum wird für Marschauftritte wenig(er)

geprobt als für Konzerte?

Sind die verschiedenen Elemente des Marschierens

einmal gut einstudiert, gelingt es mit wenigen

Proben, das Erlernte wieder aufzufrischen.

Sind für dich Choreografie und Figuren

ein wichtiger Bestandteil der Musik, oder

„übertriebene Show“?

Showelemente können für das Publikum,

aber auch für die Musikant*innen

attraktiv sein. Für mich ist es deshalb

wichtig, neue Figuren einzustudieren

und diese bei den verschiedenen Auftritten

vorzuführen.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Es ist immer wieder eine Herausforderung,

sauber und genau zu marschieren und damit

„einen guten Eindruck“ beim Publikum

zu hinterlassen.

KulturFenster

54 05/Oktober 2021


Blasmusik

Martin Malfertheiner, MK Völs am Schlern

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Prozessionen haben für mich deshalb einen

hohen Stellenwert, weil ich es wichtig finde,

die Tradition im Dorf aufrecht zu erhalten.

Auch Einzüge bei diversen Festen sind mei-

ner Meinung nach ein wichtiger Bestandteil

der Veranstaltungen, da sich die Musikkapelle

dabei als solche präsentieren kann.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Ja, ich finde, dass die Musik in Bewegung sehenswert

für das Publikum ist. Eine Kapelle

zieht die Blicke immer auf sich, sobald diese

im Gleichschritt durch die Straßen zieht. Zudem

können besonders beim Marschieren die

einzigartigen Trachten präsentiert werden.

Warum wird für Marschauftritte wenig(er)

geprobt als für Konzerte?

Priorität der Musikkapelle ist das musikalische

Auftreten. Die Verteilung der Proben muss an die

Anzahl der jeweiligen Auftritte angepasst werden.

Sind für dich Choreografie und Figuren ein

wichtiger Bestandteil der Musik, oder „übertriebene

Show“?

Arbeitet die Kapelle sporadisch auf eine

Marschiershow hin, sind Choreografie und

Figuren eine tolle Abwechslung für die Musikanten.

Die Herausforderung dabei ist die

Mitarbeit eines jeden einzelnen Mitgliedes,

wobei die Präsenz den wichtigsten Faktor

für eine funktionierende Show bildet.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Beim Marschauftritt sind musikalisches

Können, diszipliniertes Auftreten und Zusammenhalt

innerhalb der Kapelle gefragt.

Diese Kombination macht den Reiz

für mich aus.

Maximilian Messner, MK St. Georgen und

MK Pfalzen

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Für mich haben diese einen hohen Stellenwert,

da bei solchen Auftritten die Anzahl

der Zuschauer normalerweise sehr

hoch ist.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Ja, denn eine Figur in der Marschformation

hinterlässt auch für musikalisch weniger

Interessierte sofort einen Eindruck.

Sind für dich Choreografie und Figuren

ein wichtiger Bestandteil der Musik, oder

„übertriebene Show“?

Als übertrieben würde ich dies keineswegs

bezeichnen, aber eine Choreografie oder

Figuren erfordern um einiges mehr an Probenaufwand,

verglichen mit dem Standardprogramm

der Marschmusik.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Marschmusik hat den Reiz, dass Grundlagen

relativ schnell geprobt und verbessert

werden können. Schon mit einem sauber

ausgerichteten Block kann ein guter Marschauftritt

einem großen Publikum präsentiert

werden.

Stefan Obexer, MK Schabs

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Die musikalische Umrahmung von Prozessionen

und Einzügen haben für mich einen

wichtigen Stellenwert. Man hat in der Coronazeit

gemerkt, dass etwas fehlt, wenn

die Musikkapelle nicht dabei sein kann.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Ich glaube, dass sie für das Publikum sehr

interessant ist. Dabei geht es aber meiner

Meinung nicht um das perfekte Marschieren,

sondern um das Gesamtpaket:

klingendes Spiel, Musik in Bewegung, das

imposante Bild einer Musikkapelle in Formation

und unsere schöne Tracht.

Warum wird für Marschauftritte wenig(er)

geprobt als für Konzerte?

Ich glaube, dass die jährlichen Marschauftritte

wichtig sind, aber dafür nicht sehr

viele Marschierproben notwendig sind, da

man ja nicht ständig was Neues erlernt.

Die Marschierproben sind wichtig, um das

Marschieren zu festigen und zu verbessern.

Für Konzerte werden oft neue Stücke geprobt,

daher ist der Aufwand dafür größer.

Sind für dich Choreografie und Figuren

ein wichtiger Bestandteil der Musik, oder

„übertriebene Show“?

Weder noch. Standardfi guren wie die

„Große Wende“ oder das „Abfallen“

sind für das Marschieren oft wichtig,

aber sie sind keine Show. Einstudierte

Showelemente und Choreografien sind

toll,für die normalen Auftritte benötigt

man sie jedoch selten. Übertrieben

würde ich solche „Shows“ aber trotzdem

nicht nennen

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Da ich in der Vergangenheit selbst Stabführer

war, freue ich mich immer wieder,

wenn ich unseren Stabführer manchmal

ersetzen darf. Ich muss sagen, das macht

immer noch Spaß.

KulturFenster

55 05/Oktober 2021


ewegt

Karl Anton Pegoraro, MK Taufers im Münster

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Für mich gehört die Musik in Bewegung

und die traditionelle Marschmusik zur gelebten

Kultur in unserem Land.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Ich empfinde, dass die Musik in Bewegung

eine tolle Ergänzung zur Konzertlandschaft

unserer Blasmusik sein kann und sowohl

beim Publikum als auch bei den Musikanten

für Abwechslung sorgt. Neben der

Konzertlandschaft kann die Musik in Bewegung

zu den passenden Anlässen wie

das Salz in der Suppe wirken. Besonders

kleinere Kapellen, wie die unsere, können

sich mit einer sauberen Darbietung gekonnt

präsentieren und in Szene setzen.

Warum wird für Marschauftritte wenig(er)

geprobt als für Konzerte?

Ich bin ein Freund von kurzweiligen, gezielten

und knackigen Marschierproben.

Wer das Marschieren jährlich pflegt, sollte

eigentlich einen soliden Grundstock an

Musikanten haben, die die jährlich benötigten

Formationen, Befehle und Abläufe

verstanden haben und umsetzen können.

Sind für dich Choreografie und Figuren

ein wichtiger Bestandteil der Musik, oder

„übertriebene Show“?

Wir führen zu besonderen Anlässen wie Jubiläen

oder Hochzeiten eigens eingelernte kurze

Showelemente auf. Dies soll eine besondere

Widmung oder Ehre an die Jubilare darstellen

und es hat seine Wirkung bisher nie verfehlt.

Marschauftritte mit minutenlangen Showprogrammen

wie z.B. beim Bundeswettbewerb

sind eine andere Liga und vor diesen Teilnehmern

ziehe ich meinen Hut, denn da steckt

sehr viel Können, Wissen, Fleiß, Motivation

und Opferbereitschaft dahinter.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein Marschauftritt

für dich?

Ein Marschauftritt ist für mich eine Möglichkeit

unser Dorf, unser Tal oder unser Land

bestmöglich zu präsentieren und auch als

kleinere Kapelle Emotionen zu schenken und

nachhaltig Eindruck zu hinterlassen – beim

Publikum und besonders bei den Musikkollegen

der Kapelle, denn solche Auftritte zählen

in meinen Augen zu den schönsten und

kameradschaftlichsten.

Hans-Jürgen Riedl, MK Tschengls

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Für mich ist die Musik in Bewegung nicht

weniger bedeutend als die Konzertmusik.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Ein Einmarsch in gepflegter Tracht mit einem

schneidig und korrekt gespielten Marsch erfreut

jeden Liebhaber der Blasmusik, aber auch

manchen Laien. Wir marschieren meist vor

größerem Publikum als bei manchem Konzert.

Sind für dich Choreografie und Figuren

ein wichtiger Bestandteil der Musik, oder

„übertriebene Show“?

Das einfache Antreten und Aufmarschieren

der Kapelle sind bereits Choreografie. Für

eine gute „Show“ fi nde ich ist es wichtig,

dass die Grundelemente des Marschierens

beherrscht werden. Das Musikalische sollte

keineswegs vernachlässigt werden, und das

ist eine zusätzliche Herausforderung.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Für mich als Schlagzeuger ist ein Marschauftritt

immer etwas Besonderes, da

das Schlagzeugregister zusätzlich gefordert

wird.

Ulrich Heiss, MK Pfalzen

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Für mich haben diese Auftritte einen großen

Stellenwert, da genau für solche Anlässe unsere

Dorfkapelle gegründet wurde und diese

Aufgaben auch im Statut verankert sind.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Unbedingt, denn die Besucherzahlen verdeutlichen

dies ja. Viele Gäste und auch Einheimische

fahren nur wegen Aufmärschen

und Umzügen unserer Kapellen zu einem

Fest oder Konzert.

Warum wird für Marschauftritte wenig(er)

geprobt als für Konzerte?

Leider wird Musik in Bewegung als notwendiges

Übel betrachtet. Besonders bei den

älteren Generationen.

Sind für dich Choreografie und Figuren

ein wichtiger Bestandteil der Musik, oder

„übertriebene Show“?

Ich würde sie nicht als „wichtig“ einstufen,

aber bei einigen Kapellen können sie notwendig

oder hilfreich sein, um keine Langeweile

aufkommen zu lassen und neue

Anreize zu schaffen.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Jeder Marschauftritt ist eine Herausforderung,

präzise zu marschieren und

gleichzeitig zu musizieren – ein jedes

Mal aufs Neue.

KulturFenster

56 05/Oktober 2021


Blasmusik

Katharina Trockner, MK Völs am Schlern

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Der Auftritt in Marschformation ist immer

eine beeindruckende Angelegenheit,

egal ob bei Prozessionen oder bei Einzügen.

Beide sind wichtig für das Dorfleben,

auch wenn ich leider beobachten kann,

dass kirchliche Marschauftritte einen höheren

Stellenwert bei den Musikant*innen

haben als die weltlichen.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Musik in Bewegung ist mit Sicherheit

interessant und beeindruckend für das

Publikum. Das beste Beispiel sind die

vielen neugierigen Gesichter der Zuschauer.

Warum wird für Marschauftritte wenig(er)

geprobt als für Konzerte?

Unabhängig, ob Marschauftritt oder

Konzert, es ist wichtig, dass die Musikkapelle

klare Ziele vor Augen hat. Ohne

Ziele und Auftritte hat eine Vereinstätigkeit

wenig Sinn. Zudem kommt es auf

die Häufigkeit der Auftritte an – wenn

mehr Konzerte anstehen, ist es für mich

auch selbstverständlich, dass auch mehr

konzertant geprobt wird.

Sind für dich Choreografie und Figuren

ein wichtiger Bestandteil der Musik, oder

„übertriebene Show“?

Weder noch, ich finde, dass eine Musikkapelle,

die einen gelungenen Marschauftritt

hinlegt, durchaus beeindrucken

kann. Von mir aus gesehen sind

Choreografien und Figuren jedoch die

„Kirsche auf der Sahnetorte“ und somit

kein Muss. Wenn die Grundkenntnisse

beim Marschieren stimmen, dann habe

ich nichts dagegen, auch mal etwas dazuzulernen.

Genau das fi nde ich so beeindruckend

an Marschiershows – die

Arbeit, die da dahintersteckt – die auch

manche abschreckt.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Ein Marschauftritt reizt mich, da es immer

wieder eine Herausforderung ist, sei

es musikalisch als auch von der Koordination

her. Jeder hat seinen Platz und seine

Aufgaben. Wenn diese gut ausgeführt werden,

dann greift alles in einander, wie bei

einem Zahnrad – und es läuft.

Stefan Rechenmacher, MK Kortsch

Welchen Stellenwert haben für dich die

Prozessionen und Einzüge im Dorf/Stadt?

Für mich als Kapellmeister sind dies sehr

wertvolle Auftritte unserer Musikkapelle. Sie

bringen Festlichkeit und Schönheit in unser

Dorf. Zudem erreicht die Musikkapelle damit

Menschen, welche eventuell zu einem

Konzert als Zuhörer nicht kommen würden.

Hast du das Gefühl, dass Musik in Bewegung

interessant für das Publikum ist?

Dies hängt sehr von der Kreativität und Motivation

des Stabführers ab. Musik in Bewegung

kann sehr abwechslungsreich präsentiert

werden. Das Publikum erkennt und

honoriert diese Kreativität.

Warum wird für Marschauftritte wenig(er)

geprobt als für Konzerte?

Die erste Berufung einer Musikkapelle ist

es, gute Blasmusik zu spielen. Dafür schlägt

das Herz eines jeden Kapellmeisters. Sehr

viel Kleinarbeit in Register- und Vollproben

ist dort notwendig. Dieses musikalische Fundament

kommt auch der Musik in Bewegung

zugute. Daher ist jede Probe auch bereits Teil

der Musik in Bewegung. Wieviel letztendlich

für Marschauftritte geprobt wird, hängt aber

vom Stabführer der Musikkapelle ab. Hierfür

ist eine langfristige Planung und Abstimmung

mit dem Kapellmeister sehr wichtig.

Sind für dich Choreografie und Figuren ein

wichtiger Bestandteil der Musik, oder „übertriebene

Show“?

Für mich kommt es auf die Dosierung und

die jeweilige Veranstaltung an. Bei den

Marschauftritten im eigenen Dorf, zu kirchlichen

und weltlichen Feierlichkeiten, sollte

die festliche Umrahmung im Vordergrund

stehen. Gerne kann dort ein kleiner Farbtupfer

eingebaut werden. Mehr sollte es

aber nicht sein.

Welchen Reiz (oder auch keinen) hat ein

Marschauftritt für dich?

Dies ist ein wesentlicher kultureller Beitrag

unserer Musikkapelle für unser Dorf

und unser Land Südtirol. Natürlich schlägt

mein Herz als Kapellmeister in erster Linie

für die konzertante Blasmusik, aber in einer

guten Zusammenarbeit mit dem Stabführer

ist Marschmusik auch für mich als

Kapellmeister sehr reizvoll.

KulturFenster

57 05/Oktober 2021


ewegt

„Wir marschieren“

Marschiershow der MK Latzfons

Die Gründung des ASV Latzfons liegt rund

50 Jahre zurück. Am 21. August 2021 fand

– coronabedingt mit einem Jahr Verspätung

– die Jubiläumsfeier statt. Natürlich darf bei

so einer Feier die Musikkapelle nicht fehlen.

Dazu studierte die Kapelle eine choreografische

Darbietung mit dem VSM-Verbandsstabführer

Klaus Fischnaller ein.

Dass Musik in Bewegung das Publikum

begeistert, steht außer Frage, wobei

ein sicheres Auftreten und die Beherrschung

von Showelementen dem

Auftritt den notwendigen Effekt verleihen.

Außerdem spielen die Synergien

zwischen Kapellmeister und Stabführer

eine zentrale Rolle. Dafür waren vier intensive

Marschierproben notwendig. Die

Musikanten nahmen mit Begeisterung an

den Proben und der Aufführung teil und

gaben ihr Bestes. Mit den Klängen des

Marsches „Wir marschieren“ von Helmut

Zsaitsits wurde die Showparade musikalisch

untermalt.

Der Ablauf:

➤ Aufstellung der Kapelle in Fünferreihen

➤ Einschlagen und Losmarschieren

➤ Verflechtungen der beiden rechten und linken Außenreihen

➤ Rechts schaut - Gruß durch Blick zum Publikum

➤ Schwenkung nach links

➤ 180-Grad-Wendung zum Publikum

➤ Nochmalige 180-Grad-Wendung Richtung Platzmitte

➤ Anhalten bei klingendem Spiel

➤ Breite Formation

➤ Beenden des Marsches

➤ Beginn des Fußmarsches der Schlagzeuger durch die Reihen

➤ Auflösen der Formation nach Pfeifsignal und Konzertaufstellung zum Publikum

➤ Wiederholung des Trios nach kurzem Einschlagen mit Schnapsverkostung

➤ Musikantengruß

➤ Abmarsch in Einzelreihe zum Podium

Detail am Rande: Ursprünglich sollte die MK Latzfons als Vertretung des VSM an der

Marschierparade zum 70-jährigen Jubiläum des Trientner Blasmusikverbandes teilnehmen.

Die im Juni 2020 coronabedingt abgesagten Feiern werden im heurigen Herbst

nachgeholt. Dabei wird der Film des Showauftritts der MK Latzfons gezeigt. Zudem

nimmt die Kapelle am Festumzug – ohne Showelemente – teil.

Franz Fink und Roland Mitterrutzner

KulturFenster

58 05/Oktober 2021


persönlich

Blasmusik

Herzliche Gratulation

zum 80er, 60er und 50er!

Drei Funktionäre aus dem Fachbereich „Musik“

im Verband Südtiroler Musikkapellen feierten

ihren runden Geburtstag

Walter Cazzanelli beging am 21. Juli dieses

Jahres seinen 80. Geburtstag. Der überaus

rüstige Jubilar kann auf eine sehr umfangreiche

Tätigkeit im Blasmusikbereich

zurückblicken. Er ist seit 64 Jahren Mitglied

der Musikkapelle Leifers und spielt

dort nach wie vor sehr eifrig die Posaune.

In jungen Jahren war er zusätzlich als Instrumentenwart

und Archivar im Vorstand

tätig, bis er von 1964 – 1983 und in den

Jahren 2001-2002 die Kapelle als Kapellmeister

leitete. Von 1985 – 2000 war er Kapellmeister

der MK Auer.

Neben diesen Aufgaben stellte er sich auch

von 1980 – 1998 als Bezirkskapellmeister

im Bezirk Bozen sowie von 1995 – 2007

als stellvertretender Verbandskapellmeister

ehrenamtlich in den Dienst der Musikkapellen

und ihrer Anliegen. Er bemühte

sich stets um ein qualitätsvolles Musizieren

und legte großen Wert auf eine wertvolle

Blasmusikliteratur. Er nimmt nach wie

vor sehr interessiert am Musikgeschehen

teil und freut sich sehr, wenn „alte“ Erinnerungen

wachgerüttelt werden.

Markus Silbernagl feierte am 18. September

seinen 60. Geburtstag. Seit 1977 (44

Jahre) ist er aktiver Musikant und Schlagzeuger.

Nach Kapellmeister-Kursen des Verbandes

Südtiroler Musikkapellen ergänzte er

seine Dirigentenausbildung mit dem Lehrgang

„Blasorchester-Leitung“ in Trossingen

und am Konservatorium in Innsbruck. In

Trossingen ließ er sich auch zum internationalen

Juror für sinfonische Blasmusik ausbilden

und war darauf als Wertungsrichter

bei Wettbewerben im In- und Ausland tätig.

Seit dem Jahre 1987 bekleidet er das Amt

des Kapellmeisters in den Musikkapellen

Kastelruth, Zwölfmalgreien und Karneid.

Mit der MK Zwölfmalgreien setzte er besondere

Akzente und war mit seinen Musikprogrammen

Vorreiter mit neuer, zeitgenössischer

Blasmusik. So entstand die viel

beachtete CD „Gegenwind".

Darüber hinaus stellte er sich für 9 Jahre

(1998 – 2007) als Bezirkskapellmeister

im Bezirk Bozen zur Verfügung und war

von 2007 – 2019, also 12 Jahre lang, Verbandskapellmeister-Stellvertreter,

wo er besondere

Aufgaben bei der Dirigenten-Ausbildung

übernahm.

Zu seiner Tätigkeit in der Blasmusik nahm

er noch die Chormusik dazu, die ihm ein

großes Anliegen ist. Derzeit leitet er den Kirchenchor

Kastelruth.

Meinhard Windisch vollendete am 3. August

seinen 50. Geburtstag. Auch er kann

bereits eine breite musikalische Tätigkeit

nachweisen. Er ist 1985 der Musikkapelle

Nals beigetreten und spielt dort nach wie

vor die Trompete. Dort war er auch von

1998 bis 2008 Kapellmeister. Er dirigierte

die Musikkapelle Oberbozen von 2008 –

2019 und wechselte im Jahr 2020 zur Musikkapelle

Terlan.

Mit viel Freude und Engagement war auch

er bereit, zusätzliche verantwortungsvolle

Aufgaben im Verband zu übernehmen. Er

bekleidete von 2007 – 2013 das Amt des

Verbandsjugendleiter-Stellvertreters. Die

Landesversammlung wählte ihn 2013 zum

Verbandsjugendleiter. Dieses Amt hatte er

bis 2019 inne. Er legte seine ganze musikalische

und organisatorische Kompetenz

in die Jugendarbeit und konnte wesentliche

Schritte setzen. Im Jahre 2019 trat er die

Stelle des Verbandskapellmeisters an, die

er derzeit mit Weitblick und dem Ziel für ein

niveauvolles Musikmachen leitet.

Der Vorstand des VSM gratuliert den drei

Jubilaren sehr, sehr herzlich und bedankt

sich ganz aufrichtig für die verdienstvollen

Tätigkeiten. Er wünscht im Namen aller Musikkameraden

viel Glück und Segen für die

weiteren Jahre, ganz besonders Gesundheit

und viel Freude an der Musik.

Pepi Fauster, Verbandsobmann

Walter Cazzanelli

Markus Silbernagl

Meinhard Windisch

KulturFenster

59 05/Oktober 2021


jung musiziert

Die Bläserklasse Toblach bringt Farbe in

den Schulalltag – Applaus für die Kinder

und den Dirigent Thomas Kiniger.

Mit Musik durch die Schulzeit

Bläserklasse Toblach: Seit acht Jahren erfolgreich

Die Grundidee einer Bläserklasse ist ganz

einfach: Schülerinnen und Schüler erlernen,

üblicherweise im Rahmen des Schulalltags,

in der Gemeinschaft ein Instrument.

Auch hierzulande findet dieses Konzept mehr

und mehr Anklang. Dass die Bläserklasse

ein probates Mittel sein kann, um die Nachwuchsarbeit

in der eigenen Musikkapelle

nachhaltig zu fördern, zeigt das Beispiel der

Musikkapelle Toblach. Thomas Kiniger, Instrumentallehrer

für tiefes Blech und Mitglied

der örtlichen Musikkapelle, spricht

über „seine“ Bläserklasse.

KulturFenster: Die Bläserklasse in Toblach

war die erste ihrer Art in Südtirol, als sie vor

8 Jahren ins Leben gerufen wurde. Welche

Motivation steckte damals dahinter?

Thomas Kiniger: Im Spätsommer 2013 gab

es bei der Musikkapelle Toblach aus verschiedensten

Gründen fast keine Jungmusikanten

mehr. Die Jahre davor fi el es uns

immer schwerer, Kinder für ein Blasinstrument

zu begeistern. Deshalb mussten wir

uns nach einer Alternative umschauen. Kapellmeister

Sigisbert Mutschlechner, der

damalige Obmann Hermann Rienzner und

ich stießen dabei auf das Konzept der Yamaha

Bläserklasse, das z. B. in Österreich

und Deutschland schon länger besteht. Der

Grundgedanke der Bläserklasse „Jedem

Kind ein Instrument“ begeisterte uns sofort

und wir beschlossen, uns mit der Bläserklasse

intensiv auseinanderzusetzten. Wir

trafen uns mit Lukas Schallenberg, dem

Vertreter der Yamaha Bläserklasse Österreich.

Dieser stellte uns das Konzept genau

vor und stellte uns verschiedenste Unterlagen

bereit, die uns den Start erleichterten.

Um dieses Projekt auf sichere Beine

zu stellen, war es uns von Anfang an wichtig,

verschiedene Partner mit einzubinden.

Deshalb ist die Bläserklasse Toblach auch

ein Gemeinschaftsprojekt der Musikkapelle,

der Grundschule, der Gemeinde und der

Musikschule Oberes Pustertal.

Jeder dieser 4 Partner unterstützt dieses

Projekt finanziell und/oder organisatorisch.

KF: Wie hat die örtliche Schule auf diese

neue Idee reagiert?

Kiniger: Unser Glück war es, dass der damalige

Direktor des Schulsprengels Toblach,

Stephan Oberrauch, sofort begeistert

vom Konzept der Bläserklasse („Jedem

Kind ein Instrument“) war. In mehreren Gesprächen

konnte er die anfängliche Skepsis

der Lehrpersonen der Grundschule ausräumen

und es entwickelte sich eine sehr

gute Zusammenarbeit.

KF: Welche und wie viele Kinder sind Teil

der Bläserklasse? Wie lange dauert ein solches

Projekt?

Kiniger: Am Projekt Bläserklasse nehmen

jährlich die Schüler/innen der 4. und 5.

Klassen der Grundschule Toblach teil. Die

Anmeldung zum Projekt erfolgt freiwillig.

Umso erfreulicher ist es für uns, dass jedes

Jahr zwischen 40- 60 Kinder teilnehmen.

Die Bläserklasse fi ndet im Rahmen des

Wahlpflichtunterrichts statt. Sie beginnt

KulturFenster

60 05 Oktober 2021


Die Spannung steigt: Die Jungmusikant*innen bereiten sich auf das nächste Stück vor.

suchen, umrahmen die Martinsfeier der

Grundschule oder veranstalten mehrere

Weihnachtskonzerte (z.B. für die Senioren,

für die Schulgemeinschaft und Eltern).

Anfang April findet dann das große

Abschlusskonzert statt, da nehmen auch

die 4. Klassen teil. Bei diesem Konzert

präsentieren sich verschiedene Solisten

mit Klavierbegleitung, es erklingen verschiedene

Ensemblestücke der jeweiligen

Register und als Abschluss spielen

die beiden Bläserklassenkapellen der 4.

und 5. Klassen jeweils mehrere Stücke.

Anfang Oktober und endet Anfang April.

Am Dienstagvormittag erhält jeder Schüler/in

eine halbe Stunde Einzelunterricht

mit dem jeweiligen Instrumentallehrer. An

ca. 10-12 Donnerstagnachmittagen wird

dann in der großen Gruppe geprobt.

KF: Wie werden die Instrumente unter den

Kindern verteilt?

Kiniger: Ende Mai / Anfang Juni besuchen

wir mit den Instrumentallehrern die

Thomas Kiniger ist Musiklehrer und Mitglied

der Musikkapelle Toblach. Foto: wisthaler.com

3. Klassen und stellen dabei das Projekt

und die Instrumente vor. Anschließend

kann jedes Kind jedes Instrument ausgiebig

testen. Die Instrumentallehrer bewerten

dabei die Eignung des Schülers,

diese fließt dann auch in die Instrumentenzuteilung

mit ein.

Am Ende der Vorstellung erhält jeder

Schüler einen Wunschzettel, worauf jedes

Instrument abgebildet ist. Jeder Schüler

darf drei Wünsche abgeben und diese

auch werten. Wir teilen dann den Kindern

die Instrumente zu und versuchen dabei

immer den ersten Wunsch zu erfüllen.

KF: Welche Vor- (oder auch Nachteile) erkennst

du im Vergleich zum herkömmlichen

Unterricht an der Musikschule?

Kiniger: Ein großer Vorteil im Vergleich

zum Unterricht an der Musikschule ist,

dass wir nach wenigen Wochen schon

in der großen Gruppe zusammenspielen

können. Dadurch entsteht sofort ein

Gemeinschaftsgefühl. Die Kinder verstehen

auch relativ schnell, dass es auf jeden

Einzelnen ankommt und jeder/jede

seine Stimme gut spielen muss, damit

das Zusammenspiel klappt. Wenn jemand

mal eine Stelle nicht gut kann,

weil er nicht viel geübt hat, muss man

als Dirigent manchmal gar nichts sagen,

denn die Kinder regeln das auf ihre

Art: „Is negschtimo hosche des zi

kenn, voston?“ oder „Iatz geasche

ham zi übm“.

Ein weiterer Vorteil ist natürlich, dass

der Unterricht während der Schulzeit

stattfinden kann.

KF: Finden im Rahmen der Bläserklasse

auch Konzerte statt?

Kiniger: Ja, es finden mehrere Konzerte

im Laufe eines Bläserklassenjahres

statt. Die 5. Klassen, die

schon das 2. Bläserklassenjahr be-

KF: Wie fi elen die Rückmeldungen der

Kinder und ihrer Eltern bis jetzt aus?

Kiniger: Die meisten Eltern loben das Projekt

sehr. Einige Kinder würden gar nie ein

Instrument probieren, da ihre Eltern sie

für unmusikalisch halten. Dass der Unterricht

während des Schulunterrichts stattfinden

kann, erspart einigen Eltern einen

zusätzlichen organisatorischen Stress. Die

Kinder spielen gerne, weil meistens ein

Großteil der Klassengemeinschaft auch

ein Instrument spielt und das Gemeinschaftsgefühl

somit sehr stark ist.

KF: Welches Fazit kannst du und die Musikkapelle

Toblach nach 8 Jahren Bläserklasse

ziehen?

Kiniger: Wir können ein sehr positives Fazit

ziehen. Mittlerweile haben wir wieder sehr

viele Jungmusikanten in Ausbildung. Ca

10-15 Prozent aller teilnehmenden Kinder

spielen mittlerweile in der Musikkapelle

mit. Dies freut uns sehr. Durch das

Projekt Bläserklasse ist auch die Sichtbarkeit

und die Akzeptanz der Kapelle

im Dorf gestiegen. Viele Eltern konnten

bei ihrem Kind sehen, wie viel Zeitaufwand,

Fleiß und Begeisterung notwendig

ist, um ein Instrument zu erlernen.

Interesse

geweckt?

Interview: Hannes Schrötter

Am Montag, dem 27.12.2021 findet in

Stegen im Rahmen der „NFA” (Neue

Funktionärsausbildung) eine Informationsveranstaltung

zur Bläserklasse statt.

Weitere Infos folgen auf www.vsm.bz.it

KulturFenster

61 05 Oktober 2021


Jugendmusiksommer

trotz Corona

Zahlreiche vom VSM geförderte Projekte hielten

die Blasmusik in Schwung

auf der Sennesalm. Darauf folgten regelmäßige

Proben, zweimal wöchentlich für

ca. eine Stunde, im Musikpavillon und im

Vereinsaal von Wengen. Zusätzlich wurde

eine Marschshow einstudiert, mit der die

zwei Abschlusskonzerte in St. Kassian und

St. Vigil eröffnet wurden.

Positive Rückmeldungen

Förderung von Jugendarbeit

vor Ort - Bedarfserhebung

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche

Maßnahmen. Sobald im

Frühjahr 2021 klar wurde, dass die Jungbläserwochen

des VSM in diesem Jahr

nicht in ihrer traditionellen Form hätten

stattfi nden können, beriet sich die Fachgruppe

Jugend über ein Alternativkonzept.

Schnell war man sich einig, dass ein angemessenes

Angebot erstellt werden sollte,

um die Jugendkapellen und die Jugendarbeit

vor Ort zu fördern. Gesagt, getan:

Unter der Leitung von Hans Finatzer haben

Hannes Schrötter, Matthias Kirchler

und Daniel Götsch eine Umfrage an alle

JugendleiterInnen der Mitgliedskapellen

erstellt, um zu erfahren, welches Angebot

gebraucht und gut angenommen werden

könnte. Nach Rücksprache mit dem Verbandsvorstand

und der Geschäftsstelle einigte

sich die Fachgruppe Jugend darauf,

die Kosten von Lehrpersonen von Sommerprojekten

zu übernehmen. Es wurden

sämtliche Lehrer*innen vom VSM vergütet,

insofern es sich dabei um Musiklehrer,

Musikstudenten oder um diplomierte

Musiker handelte.

Und so kam es, dass 31 Sommerprojekte

mit Teilnehmer*innen aus 66 Musikkapellen

finanziell unterstützt werden konnten.

800 Jungmusikant*innen

dabei

Mit neun Projekten wurden im Bezirk Bruneck

die meisten Jugendkapellen gefördert,

gefolgt vom Bezirk Bozen mit acht und

vom Bezirk Meran mit sieben Projekten.

Im Bezirk Brixen wurden vier, im Bezirk

Schlanders zwei und im Bezirk Sterzing

wurde ein Projekt unterstützt. Rund 800

Jungmusikant*innen nahmen insgesamt

an diesen Angeboten teil.

Beeindruckend sind die beiden Projekte, die

die ganze Talschaft miteinbezogen haben.

Gerade kleinere Kapellen konnten durch

solche Projekte aktiv gestärkt werden und

ihre Zusammenarbeit mit den Nachbarkapellen

ausbauen. Im Passeiertal wurden die

Jungbläsertage Passeiertal mittlerweile zum

elften Mal abgehalten. Eigentlich für Anfänger

konzipiert, wurde Intensivunterricht

am Instrument angeboten, außerdem wurden

Teil- und Vollproben abgehalten. Zusätzlich

boten die Lehrer*innen verschiedene

Module an (Rhythmus, Singen,

Harmonie, Improvisation), aus denen

am Ende ein Song entstand.

Das Projekt wird fi nanziell auch

von den Gemeinden des Passeiertales

mitgetragen und somit

konnte heuer zusätzlich ein Filmer

beauftragt werden, der das

Projekt dokumentierte. Im Gadertal

hingegen fand ein solches

Gemeinschaftsprojekt aller neun

Musikkapellen des Tales heuer

zum ersten Mal statt. Es erstreckte

sich über mehrere Wochen hinweg.

Um sich persönlich und musikalisch

kennenzulernen, startete es mit einem

zweitätigen Workshop mit Übernachtung

Der Rückmeldungen der Projektleiter*innen

über die heurige Förderung waren durchwegs

positiv. Gar einige waren begeistert

davon, dass der VSM diese Förderung für

die Jugendarbeit angeboten hat - gerade

auch weil die eigenen Einnahmen der Vereine

heuer größtenteils geringer ausfielen.

Anna Vonmetz

„Dorfrog“

… bei den Projektleiter*innen

Das beliebteste Musikstück:

„Happy“ von Pharell Williams (Myriam

Tschenett, Mals), Medley aus „König der Löwen“

(Lukas Erb, Passeier), „Baby Elephant

Walk“ (Angelika Tauber, „Munterland“),

„Brazil“ (Michaela Huber, Nals, Christian

Schwarz/Sandra Kofler, Lana), „Schokolade“

von der Band „Deine Freunde“ bei dem einige

Jungmusikanten gerappt haben (Sabrina

Gasser, Gries), ein Medley von Queen,

bei dem das Publikum mitgeklatscht hat

(Maximilian Messner, St. Georgen), „7 Nation

Army“, „Hulapalu“ und „Uptown Funk“

(Elisabeth Moser, Prags), ein Marschmusikmedley

arrangiert vom eigenen Kapellmeister

für die Marschmusikshow im Juni

2022 (Katharina Weger, Meran)

Das aktivste Publikum:

➤ Bei den „Jenesinger Soundtschäckern“,

als sie die Singstimme des Stückes „Siyahamba“

im Publikum verteilten und

zum Mitsingen animierten (Veronika

Völser, Jenesien).

➤ Die interessierten Truthähne bei den

Proben der Müjiga di jogn Val Badia auf

der Sennesalm, als eine Gruppe wegen

Schlechtwetter im Stall üben musste;

aber auch Schweine und andere neugierige

Tiere auf der Weide freuten sich über

die Musik (Stefanie Burchia, Gadertal).

Der wirksamste Strafdienst:

➤ Handy abnehmen (Kathrin Donà, Girlan)

➤ Eine Runde mehr laufen beim Morgensport

(Carmen Ramoser, Lajen).

KulturFenster

62 05 Oktober 2021


Der strengste Morgensport:

Als ein Lauftrainer engagiert wurde und auf

einmal alle wieder laufen konnten (Utta Mayr,

Zwölfmalgreien).

Die coolste Freizeitbeschäftigung:

➤ Die Poolparty und der Casinoabend bei

den Jungbläsertagen der Juka „Extra

Drei“ (Kathrin Donà, Girlan),

➤ Werwolf, 1, 2 oder 3 und die Stockpizza

(Kathrin Egger, St. Michael)

➤ Nasse Abkühlung an der „Insel“ beim

Fluss in Nals (Michaela Huber, Nals)

➤ Pfeifelespiel und Spieleolympiade mit

Aufführung eines Theaters, bei dem meistens

die Lehrer durch den Kakao gezogen

wurden (Utta Mayr, Zwölfmalgreien),

➤ Als die Kids den Tresor (mit den Eisgutscheinen)

knacken mussten, indem sie

jeden Tag ein Rätsel richtig lösten (Hannes

Schrötter, Algund),

➤ Besuch der Feuerwehr mit Feuerlöschen,

Dorfführung (Myriam Tschenett, Mals),

➤ Kinoabend im Probelokal (Maria Jocher,

Wiesen),

➤ Riesen Mensch-ärgere-dich nicht (Lisa

Mutschlechner, Reischach).

➤ Calcetto und „Großes Fahndlstehlen“

(Katharina Weger, Meran)

Wenn schon Maske, dann wenigstens mit Spaß – die JuKa Lana hat es vorgemacht.

Konzert mit mediterranem

Flair – die JuKa Welsberg-

Taisten spielte im Park auf.

Das Sommerprojekt hat sichtlich

Spaß gemacht; die Michaeler JuKa

liefert den Beweis.

Junge und Junggebliebene musizieren

gemeinsam in der Jugendkapelle

der Pfarrmusik Olang.

Eine tolle Überraschung: Als der Radiosender

Südtirol 1 beim Jugendcamp der MK

Lajen, Waidbruck, Barbian in Nobls vorbeischaute

und sie mit Eis versorgte. Damit wurden

sie für ihr geniales Foto (aufgenommen

mit einer Drohne) für die Aktion „Heiß auf

Eis“ entschädigt (Carmen Ramoser, Lajen)

Das Highlight des Projektes:

Als endlich die Sonne rausgekommen ist

bei den Jungbläsertagen der Pfeffersberger

Piezn auf der Alm (Sabine Reifer, Pfeffersberg);

-Die geniale Marschshow, die Verbandsstabführer

Klaus Fischnaller gemeinsam

mit allen Beteiligten erarbeitete und einstudierte

(Carolin Profanter, Brigitte Kaneider,

St. Andrä-Lüsen);

➤ Das gelungene Abschlusskonzert bei perfektem

Wetter im Park von Welsberg der

JUKA Welsberg/Taisten (Lena Peintner,

Taisten); wie alle Jungmusikant*innen

mit Begeisterung dabei waren und richtig

gestrahlt haben (Barbara Holzer, Pfalzen);

➤ Die Abschlusskonzerte und die gute Zusammenarbeit

zwei eher kleiner Kapellen

(Elisabeth Moser, Prags),

➤ Besuch des Hochseilgartens „Ötzi

Rope Park“ in Schnals (Charlotte Rainer,

Schnals).

Hier geht's zur detaillierten Übersicht der

geförderten Projekte (von West nach Ost):

https://vsm.bz.it/wp-content/uploads/Jugendmusiksommer-trotz-Corona.pdf

Die JuKa „Unlocked“ präsentiert

sich als richtige Bigband.

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63 05 Oktober 2021


jung musiziert

Jugend rockt fur den

guten Zweck

:

Ein Rückblick auf ein Festival der besonderen Art

Für den guten Zweck taten sich Blas- und Rockmusik in Sand in Taufers zusammen.

Für einen guten Zweck die Bühne des

„Sondna Soundfestival“ in Sand in Taufers

gerockt haben Mitte August die Formationen

„Young Sound“, die „Millina Jugendkapelle“,

die JuKa Luttach/Weißenbach, die

Ahrna JuKa, „The Rocket Monkeys“, The

Criminal Beasts“ und die „Chill Down“ –

allesamt bekannte Namen aus der jüngsten

Südtiroler Musikszene.

Namen, die nicht allein für junge Bands,

sondern auch für soziales Engagement

stehen, wie man am gelungenen Event

erkennen konnte. Dieses war zur Freude

der Veranstalter „Young Sound“ und „Chill

Down“ ziemlich gut besucht.

Weit über tausend Personen haben sich

das große Repertoire von traditioneller Blasmusik

über Pop bis hin zu fetziger Rockmusik

nicht entgehen lassen und für eine

unvergessliche Festival-Stimmung gesorgt.

„Es war ein ständiges Kommen und Gehen“,

erzählt Roland Kirchler, einer der Organisatoren

des „Sondna Soundfestivals“.

„Die Stimmung war super und jede Formation

wurde mit tosendem Applaus begrüßt.

Gewinner waren auf alle Fälle alle

Kids!“ Dies ist sehr erfreulich, schließlich

haben die jungen Bands alle Hebel in Bewegung

gesetzt, um dieses Festival auf die

Beine zu bringen. Denn in Zeiten von Corona

war es kein Leichtes, ein Event wie

dieses zu organisieren. „Es war eine große

Herausforderung, die geltenden Richtlinien

einzuhalten. Doch wir haben im Vornherein

ein Konzept ausgearbeitet, welches

uns ermöglichte, die Kontrolle darüber zu

haben, wer und wie viele Leute sich auf

dem Areal befinden“, sagt Roland Kirchler.

Die Mühe war es allemal wert, denn

die sieben Musikbands verfolgten mit ihrem

Festival im Musikpavillon von Sand

in Taufers ein wichtiges Ziel: „Wir wollten

mit dieser Veranstaltung daran erinnern,

dass es immer noch Kinder gibt, die tagtäglich

ihren Kampf gegen den Krebs führen,

auch wenn das momentan wegen Corona

bei vielen in den Hintergrund gerückt

ist.“ Und das haben die Veranstalter geschafft

– und noch mehr: Auch der Erlös

dieses Festivals war für jene Kinder gedacht

und so konnten die Organisatoren

„Chill Down“ und „Young Sound“ dem

Kinderkrebsverein REGENBOGEN voller

Stolz einen Scheck im Wert von 1.200

Euro überreichen.

Susanne Huber

Der Flyer der Veranstaltung

KulturFenster

64 05 Oktober 2021


10 Jahre Jungblasertage St. Johann

:

Die Initiative von Matthias Kirchler lebt weiter

Ein junger Musikantengruß aus dem Ahrntal

Im Jahre 2011 rief Matthias Kirchler die

Jungbläsertage (JBT) von St. Johann ins Leben

und seither werden diese alljährlich von

der Musikkapelle St. Johann in Ahrn EO veranstaltet.

Nachdem Matthias Kirchler neun

Jahre lang als Kursleiter der Hauptorganisator

war, übernahm heuer Petra Niederkofler,

Jugendleiterin der Musikkapelle, erstmals

die Leitung.

Nachdem die Jungbläsertage aufgrund der

Ereignisse im letzten Jahr eine Pause einlegen

mussten, wurde heuer mit der zehnten

Aufl age ein Jubiläum gefeiert. Vom 3. bis

zum 7. August konnten junge Musiker*innen

aus dem Tauferer Ahrntal teilnehmen. Trotz

gewisser Einschränkungen, die es aufgrund

der aktuellen Lage einzuhalten galt, gab es

42 Teilnehmer*innen zu verzeichnen. All

jene, die an den JBT teilnehmen, müssen

mindestens seit einem Jahr ein Blasinstrument

erlernen – dies gilt neben Spaß und

Freude am gemeinsamen Musizieren als

einzige Anmeldevoraussetzung.

Unterrichtet wurden die Kinder und Jugendlichen

von einem achtköpfigen Lehrerteam

aus ganz Südtirol, sowohl in Teilproben wie

auch in Ensembles, Großregister- und Vollproben.

Neben den Orchesterproben fanden

auch Marschierproben statt, die, wie

jedes Jahr, von Helmuth Gasteiger, Stabführer

der Musikkapelle St. Johann in Ahrn

EO, geleitet wurden.

Am Ende der Jungbläsertage St. Johann

fand wie immer das Abschlusskonzert mit

eröffnender Marschiershow auf dem Festplatz

bei der Mittelschule St. Johann statt.

Dabei haben die Jungmusikant*innen immer

die Möglichkeit zu zeigen, was sie in

der Woche mit viel Einsatz und Fleiß zusammen

eingelernt haben. Trotz der aktuellen

Auflagen fanden viele interessierte

Zuhörer den Weg zum Abschlusskonzert

und belohnten die Teilnehmer*innen mit

großem Applaus für ihr fleißiges Üben.

Kursleiterin Petra Niederkofler wurde neben

der Musikkapelle St. Johann in Ahrn

EO in besonderer Weise von vier Musikantinnen

der Musikkapelle unterstützt.

Diese übernahmen anfallende Transkrip-

Abschlusskonzert der Jungbläsertage

St. Johann mit Dirigentin Monika Steger

tionen von Musikstücken, Kopierarbeiten

und andere organisatorische Aufgaben.

Eine weitere Unterstützung kam von Seiten

des ECHO-Projektes des Jugendzentrums

Aggregat Steinhaus. Zwei Jugendliche, die

an diesem Freizeitprojekt für die Sommermonate

teilnahmen, haben in der Mittagspause

ein Mitglied der Musikkapelle bei

der Essensausgabe tatkräftig unterstützt.

Abschließend soll all jenen, die nun schon

seit zehn Jahren die JBT St. Johann ermöglichen,

ein riesengroßer Dank ausgesprochen

werden. Ein besonderer Dank

geht natürlich an Matthias Kirchler, ohne

den dieses Projekt nie zustande gekommen

wäre!

Sophia Auer

KulturFenster

65 05 Oktober 2021


hinausgeblickt

MK Völs am Schlern vertritt

Südtirol in Niederösterreich

Teilnahme am ÖBV Blasorchester-Bundeswettbewerb der Stufe C in Grafenegg

Der Österreichische Blasmusikverband veranstaltet

am 24. Oktober 2021 im Auditorium

Grafenegg in Niederösterreich den österreichischen

Blasorchesterwettbewerb der

Stufe C. Die teilnehmenden Musikkapellen

müssen dabei ein Pflichtstück und zwei

Selbstwahlstücke mit einer reinen Spielzeit

von mindestens 12 bis maximal 20 Minuten

zum Besten geben. Die Musikkapelle Völs

am Schlern wird Südtirol beim diesjährigen

Wettbewerb vertreten. Sie wurde von der

Fachgruppe Musik im Verband Südtiroler

Musikkapellen (VSM) aufgrund der ausgezeichneten

Leistung, die sie beim Wertungsspiel

2019 in Auer erzielte hatte, nominiert.

Wir wünschen den Musikantinnen und Musikanten

mit ihrem Obmann Martin Rabensteiner

und Kapellmeister Michael Vikoler

viel Erfolg und bedanken uns für die Bereitschaft,

diese Herausforderung in diesen

doch unsicheren Zeiten anzunehmen.

Meinhard Windisch

Verbandskapellmeister

Die ausgezeichnete Leistung der Musikkapelle Völs am Schlern beim Wertungsspiel 2019

in Auer zeigt Früchte; sie vertritt die Südtiroler Musikkapellen beim Blasorchester-Bundeswettbewerb

des ÖBV im niederösterreichischen Grafenegg.

Fundament unserer Erziehung,

Gesellschaft, Kultur und Identität

24. IGEB-Kongress 2022 in Bozen

Die Internationale Gesellschaft zur Erforschung

und Förderung der Blasmusik (IGEB)

hält ihren nächsten Kongress in Südtirol ab

und wird vom 13. bis zum 18. Juli 2022

am Musikkonservatorium “Claudio Monteverdi”

in Bozen zu Gast sein. Ab sofort können

dazu Vorschläge für einen Vortrag oder

ein Poster eingereicht werden.

Die Teilnehmer, die für den ursprünglich geplanten

Kongress in Valencia (Spanien) im

Jahr 2020 ausgewählt wurden, sollten ihre

Teilnahme per Mail bestätigen.

Diese 24. Konferenz will die Wichtigkeit der

Militär- und Amateurmusikkapellen für die

Bildung und den Bestand der Musikkultur

sowie der Identität von Gesellschaften in den

Fokus rücken.

Die Vorschläge sollen sich dazu auf eine der

folgenden 6 Kategorien beziehen:

➤ Blasmusikvereine und -verbände, musikalische

Ausbildung;

➤ Blasmusikrepertoire und Aufführungen;

➤ wegweisende Lehrer/innen im Bereich der

Blasmusik, Komponisten und Aufführende;

➤ (Externe) Kulturelle Einflüsse auf die

Blasmusik;

➤ Soziales Umfeld und die damit verbundenen

Entwicklungen;

➤ Blasmusik und urbane Klanglandschaften;

Darüber hinaus sollen auch Vorschläge, die

andere Ansätze im Themenfeld betreffen

– aktuelle Forschungsschwerpunkte inbegriffen

– berücksichtigt werden.

Die Themenentwürfe (250 Wörter) müssen

mit einem kurzen Lebenslauf bis zum 28.

November 2021 per E-Mail an die Vorsitzende

des wissenschaftlichen Ausschusses

(rodriguezgloria@uniovi.es) mit Kopie

an igeb@uni.lu eingesandt werden. Die Autoren

der angenommenen Beiträge werden

innerhalb 31. Jänner 2022 benachrichtigt.

Zusätzlich sucht die IGEB Leiter*innen der

Konferenzsitzungen. Interessierte können

dazu per Email einen kurzen Lebenslauf

einsenden.

Anmeldeunterlagen und weitere Informationen

sind unter http://www.igeb.net abrufbar.

Gloria A. Rodríguez-Lorenzo, Mitglied im

Wissenschaftlichen Ausschuss der IGEB

KulturFenster

66 05/Oktober 2021


Blasmusik

IGEB Forschungspreis -

Ausschreibung für 2022

Die Internationale Gesellschaft zur Erforschung

und Förderung der Blasmusik hat

den Forschungspreis 2022 ausgeschrieben,

der im Rahmen des 24. Kongresses 2022

in Bozen überreicht wird. Nominierungen,

einschließlich Selbstnominierungen, sind

für Dissertationen auf dem Gebiet der Blasmusikforschung

(Blas-, Bläser- und Militärmusik

weltweit, instrumentenkundliche Themen)

möglich. Sie müssen zwischen 2019

und März 2022 abgeschlossen und in Englisch,

Deutsch, Französisch, Italienisch oder

Spanisch geschrieben sein.

Die Arbeiten sollen in Form einer digitalen

Datei (einschließlich Zusammenfassung)

im PDF-Format innerhalb 2.

Jänner 2022 per Email an Jon Mitchell

(jon.mitchell@umb.edu) eingereicht werden.

Weitere Informationen sind unter:

www.igeb.net abrufbar.

Damien François Sagrillo

IGEB-Präsident

63. Kongress des

Österreichischen Blasmusikverbandes

Mit Pauken und Trompeten in die Zukunft

Kürzlich trafen sich im malerischen Heiligenblut

(Kärnten) Vertreter aus ganz Österreich,

Südtirol und Liechtenstein, um beim

63. Kongress des Österreichischen Blasmusikverbandes

(ÖBV) gemeinsam zukunftsträchtige

Projekte zu planen.

Die Erfahrungen aus den letzten Monaten

und Jahren haben auch in der Blasmusik

Spuren hinterlassen und es musste vielfach

auf Online-Alternativen zurückgegriffen

werden. So war es nicht verwunderlich,

dass gerade dieser Bereich zu den

Kernthemen in den Plenarsitzungen und

Arbeitsgruppen diskutiert wurde, um die

Blasmusik zukunftsfit zu machen.

Mit Bundeskapellmeister Walter Rescheneder

(OÖ), Bundesstabführer Gerhard

Imre (Burgenland) und Bundesschriftführer-Stellvertreter

Oskar Bernhart

(Steiermark) gingen drei "Blasmusik-Urgesteine"

in ihren wohlverdienten Funktionärs-

Ruhestand und legten ihre Ämter in jüngere

Hände. Ebenso schied Bundesmedienreferentin

Raphaela Dünser aus dem Präsidium

aus. So wird nun der Tiroler Helmut

Schmid als neuer Bundeskapellmeister die

musikalischen Agenden im ÖBV leiten, Erik

Brugger (Vorarlberg) übernimmt die Funktion

des Bundesstabführers, Rainer Schabereiter

(Steiermark) wurde als neuer Bundesmedienreferent

und Dr. Andreas Blutmager

(Burgenland) als Schriftführer-Stellvertreter

in das Präsidium gewählt.

Der Steirer Erich Riegler steht dem ÖBV

als bewährter Präsident weiter vor - gemeinsam

mit den einzelnen Landesverbänden,

aber vor allem den zigtausenden

Musikerinnen und Musikern in Stadt

und Land wird auch in Zukunft mit Pauken

und Trompeten musiziert.

Neuer Bundesjugendvorstand

Zusätzlich zum Präsidium wurde auch

der Bundesjugendvorstand der Österreichischen

Blasmusikjugend neu gewählt.

Nachdem Helmut Schmid als Bundesjugendreferent

sein Amt niederlegte und neue Aufgaben

als Bundeskapellmeister übertragen

bekommt, übernimmt sein bisheriger Stellvertreter

Andreas Schaffer (Kärnten) diese

Funktion. Ihm zur Seite stehen der bisherige

Stellvertreter Gerhard Forman (Niederösterreich)

und Bundesjugendfinanzreferentin

Karin Vierbauch (Kärnten). Als zweite

Stellvertreterin wurde die Salzburgerin Katrin

Fraiß neu in den Vorstand gewählt.

Christine Daberer, MSc

ÖBV-Bundesgeschäftsstelle

Das Foto zeigt die Stabübergabe vom scheidenden Bundeskapellmeister Walter Rescheneder

(rechts) an seinen Nachfolger Helmut Schmid.

KulturFenster

67 05/Oktober 2021


komponiert

„Bletterbach Canyon“ von

Rupert Hechensteiner

Eine musikalische Führung durch die Geologie einer besonderen Landschaft

„Bletterbach Canyon“ ist ein Auftragswerk

des GEOPARC Bletterbach anlässlich 10

Jahre Dolomiten UNESCO Welterbe (2009-

2019) - gewidmet der Musikkapelle Aldein.

Der Komponist Rupert Hechensteiner

sagt zu seinem Werk Folgendes:

Die Bletterbach- Schlucht zwischen Aldein

und Radein, entstanden seit der letzten Eiszeit

vor ca. 18.000 Jahren, ist wie ein großer

Querschnitt durch die verschiedenen

Gesteinsschichten, die sich vor Jahrmillionen

geformt haben. Der Bletterbach selbst

ist es, der uns auf diese Reise durch Zeit

und Gestein einlädt. Musikalisch in meiner

Fantasie zuerst als dünnes kleines Bächlein,

das sich Schicht um Schicht in die

Tiefe gräbt und sich selber dabei immer

wieder wandelt, mal auf weiches Material

trifft und dann wieder auf hartes. Im Lauf

der Zeit gewinnt der Fluss an Stärke und

Dynamik, um dann wieder langsam und

träge seine Energie fließen zu lassen, sich

mit dem Gestein verbindet, es bearbeitet

und so diese einzigartige Landschaft nach

und nach formt.

Diese Reise führt uns von der obersten

Contrin-Formation zu den Werfener Schichten,

weiter zur Bellerophon-Formation und

über den Grödner Sandstein zum Quarzporphyr

am Grunde der Bletterbach-Schlucht.

So wie jede Gesteinsschicht ihre Merkmale

hat, unterscheiden sich auch die entsprechenden

musikalischen Ideen. Das Motiv

des Bletterbachs bleibt - wenn auch gewandelt

- erkennbar und zieht sich wie ein

roter Faden durch diese Reise durch Zeit

und Gestein.

Rupert Hechensteiner bezeichnet sich

selbst als „kompositorischen Autodidakt“.

KulturFenster hat ihn zu seiner Tätigkeit als

Komponist und Musiker befragt:

KulturFenster: Rupert Hechensteiner, als

Musiker sind Sie bekannt. Auch als Komponist?

Welches waren Ihre bis dato liebsten

Werke? Kann man sie irgendwo anhören?

Rupert Hechensteiner: Ich komponiere sehr

gerne, aber nur ab und zu, wenn sich die Gelegenheit

ergibt. Zu Beginn waren es Lieder

für die Kinderferien in Eppan oder für die

Theatergruppe KÜB, später die Musik zum

Musical „Riesen-Spaß auf Pitschefört" - ein

Projekt der Musikschule Klausen, dann einige

Lieder für den Jugend- und Pfarrchor

St. Pauls. Es gab sogar einen kurzen Ausflug

in die Welt der „dance music“. Zwei meiner

Zur Person

Geboren 1975 in Bozen, studierte Rupert Hechensteiner Saxophon an der

Hochschule für Musik und darstellenden Kunst in Wien bei Oto Vrhovnik und

am Conservatorio G.B. Martini in Bologna bei Gilberto Monetti sowie Musikwissenschaften/DAMS

in Wien und Bologna.

Neben seiner Unterrichtstätigkeit an den Musikschulen von Überetsch, Ritten

und Sarntal absolvierte er zahlreiche Auftritte mit den verschiedensten

Ensembles, u.a. mit der Zitherspielerin Reinhilde Gamper, dem „Time 4 Sax"

Quartett, Symphonic Winds, der „Pleite Band" und dem Brass Ensemble „Eggental

Brass".

Er schrieb unter anderem Lieder für die „Kühne Überetscher Bühne" und den

Chorverein St. Pauls, die Musik für das Musical „Riesen-Spaß auf Pitschefört",

die Auftragskomposition „Fantasie für Altsaxophon und Orgel" für Pauls Sakral,

„Le sacre du vin" für die Kellerei St. Pauls zu ihrem hundertjährigen Jubiläum

sowie für Eggental Brass „Sobrass", ein Stück für Sopransaxophon und Blechbläserensemble

(von Hans Finatzer 2017 für Sopran Saxophon und die Musikkapelle

St. Pauls arrangiert). Für Symphonic Winds komponierte er 2017

in Zusammenarbeit mit Ivan Marini „Primas", sein erstes größeres Werk für

Blasorchester (erschienen beim Ruh Verlag).

Für die Musikkapelle Aldein entstand das Werk "Bletterbach Canyon", das im

Jahre 2019 uraufgeführt wurde.

Seine Saxophon Quintette „Easy Driving" und „Luna Libre" sind im Schott-advance

music Verlag erschienen, sein Saxophon Septett „Irish Perpetuum" im

Verlag „Deine Blasmusik“.

KulturFenster

68 05/Oktober 2021 2021


Blasmusik

Saxophon Quintette sind bei „Schott - advance

music“ erschienen. Das erste größere

Werk „Sobrass" habe ich dann für Eggental

Brass geschrieben, sodann in Zusammenarbeit

mit Ivan Marini das Werk „Primas"

für Symphonic Winds (erschienen

im Ruh Musik AG Verlag) und nun „Bletterbach

Canyon" für die Musikkapelle Aldein.

Mein liebstes Werk ist meist jenes, das

zuletzt entstanden ist. „Bletterbach Canyon"

ist meine bisher größte Komposition.

KF: Als Saxophonist treten Sie im ganzen

Land auf. Welches Genre gefällt Ihnen besonders?

Hechensteiner: Mir gefallen fast alle Genres

und ich mag Abwechslung, im Grunde

alles, was nicht zu sehr in eine extreme

Richtung geht.

KF: Wie haben Sie auf die Anfrage des GE-

OPARC Bletterbach und der Musikkapelle

Aldein zu einem Auftragswerk für Blasmusik

zunächst reagiert?

Hechensteiner: Ich war sehr erfreut über

diese Anfrage und das Vertrauen, das mir

entgegengebracht wurde. Ich habe Saxophon

und Musikwissenschaften studiert, als

Komponist bin ich aber Autodidakt. Deshalb

war es mir auch wichtig und hilfreich, dass

mir Michael Erschbamer mit Rat und Tat zur

Seite gestanden ist und meine Komposition

durchgesehen hat und - wo es nötig war -

mir Verbesserungsvorschläge gegeben hat.

KF: Was waren die besonderen Herausforderungen

bei „Bletterbach Canyon"? Wie

gehen Sie an solche Kompositionen heran?

Hechensteiner: Bei „Bletterbach Canyon"

fand ich die Grundidee passend, die Entstehung

der Schlucht durch den Bach - die

Reise des Baches durch die fünf Gesteinsschichten

- musikalisch darzustellen. Zwischen

jeder Schicht tritt in gewandelter Form

immer wieder das Thema des Baches hervor.

Somit war die Grundstruktur klar. Als

nächstes bedurfte es musikalischer Ideen

der einzelnen Elemente. Musikalische Einfälle

in Form von Melodien, Harmoniefolgen

oder Rhythmen kommen mir oft, wenn

ich mich ans Klavier setze, manchmal aber

auch während ganz anderer Tätigkeiten.

Diese musikalischen Einfälle gilt es nun

zu verarbeiten, auszubauen. Dies ist meist

die sehr viel größere Arbeit, weil ich viele

Möglichkeiten durchgehe und entscheiden

muss, was ich behalte oder verwerfe. Dabei

versuche ich stets, das gesamte Werk

im Auge zu behalten und abwechslungsreich

zu gestalten: also Abwechslung in den

Tempi, der Dynamik, dem Rhythmus, den

Harmonien, der Klangfarbe usw. Ein Ziel

für mich bei diesem Projekt war es, wenn

möglich für jedes Register interessante Momente

einzubauen, sodass die ausführenden

Musikant*innen Spaß am Musik machen

haben.

KF Wie schätzen Sie eine andere Komposition

ein, die zufällig zeitgleich entstand:

„Bletterbach" von Roberto David Rusconi

im Auftrag der Stiftung Haydn?

Hechensteiner: Sehr interessant! Leider

kenne ich diese Komposition noch nicht!

Werde sie mir aber, sobald sich die Möglichkeit

bietet, gerne anhören.

KF: Wird Ihr Werk in einem Verlag erscheinen?

Hechensteiner: Ich hoffe, dass wir einen

Verlag fi nden, der das Werk veröffentlicht.

Auf jeden Fall versuchen wir es!

KF: Was wünschen Sie den Musikanten der

Aldeiner Musikkapelle in Bezug auf Ihr Werk?

Hechensteiner: Ich wünsche den Musikant*innen,

dass sie Freude an der Musik

haben, wann immer sie den „Bletterbach

Canyon" vom Papier in Schall und

Klang umwandeln - und wenn dabei Emotionen

entstehen, bin ich mehr als glücklich!

KulturFenster

69 05/Oktober 2021


Redaktionsschluss für

geehrt

Hohe Auszeichnung für zwei

verdiente Musiker

Verdienstmedaille des Landes Tirol für Elmar Windegger und Johann Prader

Am vergangenen Hochunserfrauentag, dem

15. August, haben Johann Prader aus Afers

und Elmar Windegger aus Prissian zusammen

mit anderen Süd-, Nord- und Osttiroler*innen

die Verdienstmedaille des Landes Tirol verliehen

bekommen. Die beiden Musiker und

langjährigen Kapellmeister erhielten die

hohe Auszeichnung für ihre Verdienste um

das Musikwesen sowie ihre vielfältigen Aktivitäten

zum Wohle der Dorfgemeinschaft

und darüber hinaus.

Elmar Windegger, Jahrgang 1950, ist seit

seinem neunten Lebensjahr aktives Mitglied

bei der Musikkapelle Prissian. Ab

1967 bis zum heutigen Tag ist er als Kapellmeister

tätig, also volle 54 Jahre, davon

40 Jahre bei der MK Prissian, und

14 Jahre bei anderen Musikkapellen im

Burggrafenamt (Andrian, Völlan und St.

Walburg/Ulten).

Die Freude am Musizieren, die Liebe zur

Heimat, die tiefe Verbundenheit zur echten

Tiroler Blasmusik und die unerschöpfliche

Energie sind charakteristische Eigenschaften,

die Elmar Windegger seit über 60

Jahren als Musikant, Sänger, Kapellmeister

und Komponist auszeichnen. Zudem

hat er ganze Generationen von Jungmusikanten

ausgebildet und „ihnen die Liebe

zur Blasmusik ins Herz gelegt“, wie es in

einer Laudatio heißt.

Im idyllischen Eingangsbereich am Ansitz

des Jakob Holzner, nahe der Wehrburg,

bereitete die Musikkapelle

Prissian ihrem geehrten

Kapellmeister einen würdigen

Empfang.

Nach den Gruß- und Gratulationsworten

von Obmann

Georg Gamper wurde dieser

besondere Tag in fröhlicher

Runde bis in den Abend hinein

gefeiert.

Auch Johann Prader aus Afers

erhielt am vergangenen 15.

August in Innsbruck die Verdienstmedaille

des Landes Tirol.

Er wurde damit für seine

Verdienste geehrt, u.a. 60

Jahre als Mitglied der Musikkapelle

Afers, 40 davon als

Kapellmeister, sowie als Kapellmeister

der Musikkapellen

Lüsen und St. Andrä, 19 Jahre

als Vorstandsmitglied im VSM-

Bezirk Brixen und als Mitglied

des Kirchenchors von Afers.

Der Verband Südtiroler Musikkapellen

gratuliert den beiden

verdienten Musikern zur hohen

Auszeichnung und wünscht

weiterhin Gesundheit und viel

Freude beim Musizieren.

Pepi Fauster

Georg Gamper

Seit 54 Jahren steht Elmar Windegger

am Dirigentenpult. Am vergangenen 15.

August wurde er mit der Verdienstmedaille

des Landes Tirol geehrt.

Die Landeshauptleute Günther Platter

und Arno Kompatscher übereichten im

"Congress Innsbruck" die Verdienstmedaille

an Johann Prader.

Aus der Redaktion

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Mittwoch, 17. November 2021

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten

senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

KulturFenster

70 05/Oktober 2021


gedenken

Unermüdlich im

Einsatz für die Musik

In Erinnerung an Karl Hermann Vigl (1939-2021)

Karl Hermann Vigl (†)

Am 26. September ist der weitum bekannte

Musiker Karl Hermann Vigl im Alter

von 82 Jahren verstorben. Er war u.a.

von 1975 bis 1979 Schriftleiter unserer

Verbandszeitschrift. Mit freundlicher Genehmigung

der Kulturredaktion wiederholen

wir den Nachruf aus der Tageszeitung

„Dolomiten“ vom 28.09.2021 und erinnern

in ehrendem Gedenken an den verdienten

Musiker:

Seine Kritiken füllen in seinem Meraner

Domizil an die 30 große Faszikel. Aber das

Vermächtnis des unermüdlichen Komponisten,

Musiklehrers, Chorleiters und

Musikphilologen ist am Ende ein beachtliches

Oeuvre und verdiente eine eigenständige

Würdigung.

Karl H. Vigl wurde 1939 in Lengmoos am

Ritten geboren. Der Vater war Lehrer und

Musiker und hinterließ eine Reihe von

Kompositionen, der Sohn ergriff dann

auch den Lehrerberuf. Daneben studierte

er von Kind auf Klavier, Orgel und Violine,

später auch das Horn. Die Beherrschung

so verschiedener Instrumente befähigte

ihn bald zu einem ausgedehnten Studium

der Komposition und Tonsatz, etwa bei

Andrea Mascagni und Hugo Herrmann,

von 1961/1962 bei Johann Degen, Oswald

Jaeggi und Hermann Schröder sowie

1971/72 Zwölftontechnik bei Renè

Leibowitz.

Er absolvierte mehrere Kapellmeisterlehrgänge

und war ein geschätzter Chorleiter

in Gries, Meran, Leifers, Bozen, Tramin,

Goldrain und Neumarkt. Als Kapellmeister

dirigierte er die Musikkapellen von

Tiers, Sarnthein und Branzoll. Er unterrichtete

Musik an mehreren Grund- und

Mittelschulen unseres Landes.

Von 1963 bis 1978 war er Bundeschorleiter

im Südtiroler Sängerbund, seit 1968

gestaltete er als freier Mitarbeiter Hörfunksendungen

für RAI Südtirol. Von 1970

bis 1973 vertiefte er seine Studien in der

Musikpaläografie zur frühen europäischen

und Alten Musik in Cremona.

Karl H. Vigl war ob seiner kompetenten

und oft auch spitzen Feder ein Musikschriftsteller

bester Schule, von 1975

bis 1979 leitete er als Schriftleiter die

Zeitschrift „Südtiroler Volkskultur“ und

verfasste von 1981 bis 1995 eine ansehnliche

Anzahl von Musikkritiken

für „Dolomiten“-Kultur.

Als Anreger und Organisator der Musik

im Lande hatte er von 1980 bis

1996 die Musikfachgruppe im Südtiroler

Künstlerbund inne. Von den

1988 Jahren an gehörte Karl H. Vigl

20 Jahre lang dem Präsidium der Internationalen

Gesellschaft zur Erforschung

der Blasmusik (IGEB) an und

fungierte seit 2000 als deren Vizepräsident

und später Ehrenmitglied.

Eines seiner wichtigsten Anliegen

war ihm da die systematische Erforschung

aller Aspekte der Musik für

Bläser. Sein kompositorisches Schaffen

umfasst Werke für Blasorchester,

für Instrumentalensembles und Chor

und eine ganze Reihe sakraler Musik.

In strenger Auswahl wären da

die „Hymnische Intrade für kleine Kapelle“

(1961), eine „Miniatursinfonie“

nach klassischem Muster (1966) und

eine „Sinfonische Intrade“ (1966),

eine „Klangaktion für symphonische

Harmonie“ (1987), ein „Arunda-Triptychon“

und das „Burlesk-Pasticcio

15.02“ für Bläserkammerkapelle

(1990), das „ReReRe-Quodlibet“ für

Euphonium und Blasorchester (2002)

und ein „Myon-Triptychon“ nach romantischen

Skizzen (2004) zu nennen.

In seiner sakralen Musik ragen

ein „Ökumenisches Te Deum“

(1978), mehrere Gesänge für Sonntagskantaten

und „Deutsche Orgelpsalmen“

hervor.

Ferruccio Delle Cave

KulturFenster

71 05/Oktober 2021


entdeckt

Darum Blasmusik!

„Southbrass“ veröffentlicht zweites Album

Southbrass – wer kennt sie

noch nicht – mischt schon seit

einigen Jahren die internationale

Blasmusikszene gehörig

auf. Im Jahr 2018 konnten

sie den Grand Prix der Blasmusik

für sich entscheiden und

setzten sich gegen Gruppen aus

Deutschland, der Schweiz, Österreich

und Südtirol durch.

Mit dem Sieg empfahlen sich

die jungen Musiker für andere

namhafte Events wie unter anderem

das Egerländer Open-Air,

das Münchner Oktoberfest und

das Woodstock der Blasmusik!

Mit „Lucky Life“ erschien 2019

ihre erste CD und vor einigen

Wochen konnten sie mit Freude

ihr neues Album „Darum Blasmusik!"

präsentieren. Dazu wurden

den Musikern einige Fragen

gestellt:

Kulturfenster: Euer neues Album

ist vor Kurzem erschienen.

Wie ist dieser Titel entstanden

und welche Message

verbirgt sich dahinter?

Southbrass: Wie viele junge Musiker, die

sich der Blasmusik verschrieben haben,

sind auch wir sehr von der böhmischmährischen

Musikrichtung angetan. Mit

unserer Musik wollen wir Emotionen transportieren

und dem Zuhörer näherbringen.

In den vergangenen Jahren wurde die Blasmusik

jedoch oftmals in eine Schublade

geworfen und immer wieder als veraltet

bezeichnet. Mit unserem neuen Tonträger

wollen wir genau das Gegenteil beweisen

und unser klares Bekenntnis zur Blasmusik

ausdrücken: „Darum Blasmusik!“

KF: Was dürfen sich eure Fans von eurem

neuen Tonträger erwarten?

Southbrass: Auf der CD gibt es nichts zu

hören, was es in irgendeiner Form bereits

irgendwo gibt. Bei zehn von den insgesamt

dreizehn Titeln handelt es sich um Eigenkompositionen,

die übrigen drei Werke

wurden eigens für uns geschrieben. Neben

traditionellen Stücken wie Polkas,

Seit Jahren in der Blasmusikszene erfolgreich

– Southbrass: (v. l.)

Phillipp Cottini (Tenorhorn/Posaune) –

MK Leifers; Alexander Egger (Bariton/

Solo-Posaune) – MK Jenesien; Markus

Oberrauch (Tuba) – MK Frangart; Michael

Prossliner (Schlagzeug) – MK

Kastelruth; Hannes Plieger (Trompete)

– MK Lajen; Matthias Wenter (Flügelhorn)

– Mk Lengmoos; Jonas Wilhalm

(Flügelhorn) – MK St. Michael Eppan


Der Hörer der CD darf zu keinem

Zeitpunkt erahnen, ob das Stück

mit nüchternem Magen um 9 Uhr

morgens, oder mit vollem Magen

um 20 Uhr abends gespielt wurde.


Man muss zu jeder Zeit zu 100%

authentisch klingen!

Southbrass

Walzern und Märschen sind

auch wieder einige moderne

Nummern dabei. Wir haben

sehr viel Kraft und Zeit investiert

und sind nun sehr froh,

dieses Endprodukt präsentieren

zu dürfen. Wir hoffen, dass

diese Freude auch beim Hören

unserer CD spürbar wird!

KF: Ein Großteil der Stücke

wurde von euch selbst komponiert.

Wie viel Aufwand steckt

hinter einer Eigenkomposition

und wie geht man diese an?

Southbrass: Anfänglich startet

alles mit einer einfachen

kurzen Tonfolge, die einem in

den Sinn kommt. Jeder von

uns hat dabei so seine eigene

Methode der Inspiration. Dem

einen genügt ein ruhiger Moment

beim Fischen oder bei

der Jagd, ein anderer wiederum

nimmt sich bewusst die

Zeit zum Notenschreiben.

Mit den digitalen Medien wie

Handy und Computer lassen

sich diese Ideen schnell aufzeichnen und

später zu einer Melodie verarbeiten. Die

ersten Entwürfe werden dann in der Probe

angespielt. Für uns ist es sehr wichtig, die

Meinungen eines jeden Einzelnen einzuholen,

denn jeder betrachtet das Stück aus

einer anderen Perspektive. Durch die unterschiedlichen

Inputs bekommen unsere

Kompositionen den individuellen Southbrass-Charakter

und sind somit auch ideal

auf uns abgestimmt. Die Kernidee des Musikstückes

bleibt dabei aber immer erhalten

und die Entscheidung dem jeweiligen

Komponisten überlassen.

KF: Mit den frisch komponierten Stücken

geht es dann ab ins Tonstudio! Wie verläuft

so eine Aufnahme und welche Anforderungen

gilt es zu meistern?

Southbrass: Die Aufnahmen entstanden

in Ludwigshafen nahe Stuttgart in den berühmten

Bauer-Studios, in denen bereits

Ernst Mosch und seine Egerländer Musikanten

etliche Tonträger aufgenommen

KulturFenster

72 05/Oktober 2021


Blasmusik

haben. Mit diesem Hintergrundwissen in

diesem fast schon ehrwürdigen Tonstudio

angelangt, gingen uns sieben Jungmusikern

natürlich allerhand Gedanken

durch den Kopf. Selbst unsere Aufnahmeleiter

hatten schon mit den Egerländer

Musikanten zusammengearbeitet

und haben daher eine immense Erfahrung

mitgebracht, die wir sehr zu schätzen

wussten.

Uns war es ein Anliegen, die Stücke als

gesamte Einheit aufzunehmen, und nicht

wie normalerweise üblich, jede Stimme als

separate Tonspur. So konnten wir das nötige

Feeling für diese Musik, ähnlich wie

bei einem Live-Auftritt, aufrechterhalten.

So eine Aufnahme erfordert eine gehörige

Menge an Konzentration. Ein kleiner

Patzer bei einem Live-Event wird einem

in der Regel ja meist schnell verziehen,

denn Fehler sind ja menschlich. Aber bei

einer Aufnahme muss natürlich alles stimmen,

denn später am Tonträger hört man

alles „schwarz auf weiß“. Nach zweieinhalb

Tagen war die Aufnahme im Kasten

und wir sind unendlich dankbar für diese

großartige Erfahrung!

Alexander Mayr

„Southbrass“ ist seit September 2020 offizielles Mitglied des Labels „Hutter Music“.

Die neue Southbrass-CD „Darum Blasmusik!“ ist online unter www.huttermusic.com

oder unter diesem QR-Code bestellbar.



Weil Blasmusik Körper und Geist befriedigt und eine

Lebenseinstellung ist. Sie wird auf der Bühne gelebt

und im ganzen Körper gespürt!

Southbrass

Zwei Weihnachtsweisen aus dem Pustertal

Für Blasorchester instrumentiert von Gottfried Veit

Wohl zu keiner anderen Zeit wie zu Weihnachten

wird so viel gesungen und musiziert.

Christen auf der ganzen Welt unterstreichen

damit ihre Freude über die

Geburt Jesu. Dieses weihnachtliche Musizieren

hat vor allem in den Alpenländern

eine besondere Tradition. Noch heute fi n-

det man eine Vielzahl an Hirten- und Krippenliedern.

Meist sind es Volkslieder mit

einem schlichten Text – nicht selten im Dialekt,

einer ebenso schlichten melodischen

Gestalt und einer einfachen Harmonie mit

den Hauptdreiklängen von Tonika, Dominante

und Subdominante.

Auf der Suche nach Bläsersätzen für kleine

Besetzungen wird man schnell(er) fündig.

Wer allerdings nach Bearbeitungen für Blasorchester

stöbert, tut sich schon um einiges

schwerer. Gottfried Veit hat nun zwei

alpenländische Weihnachtslieder aus dem

Pustertal für Blasorchester instrumentiert.

Inhaltlich „staunen“ die Lieder „Ihr Hirten

im Freien“ und „Es blühen die Maien“ über

das Wunder von Weihnachten. Veit stellt

in seiner Instrumentation die weitmensurierten

„Dialekt-Instrumente“ Flügelhorn,

Tenorhorn und Bariton besonders in den

Vordergrund. Aber auch die pastorale

Klangfarbe der Klarinette ist unverzichtbarer

Bestandteil dieser Orchestrierung

von Gottfried Veit, seines Zeichens selbst

Klarinettist und langjähriger Klarinettenlehrer.

Die Doppelrohrblattinstrumente Oboe

und Fagott sowie die Saxophone können

bei Bedarf dazugenommen werden.

Stephan Niederegger

Die Noten zu den von Gottfried Veit arrangierten

Weihnachtsliedern sind im

Musikverlag TATZER erschienen und im

einschlägigen Fachhandel erhältlich.

KulturFenster

73 05/Oktober 2021


entdeckt

Digitalisierung der Blasmusik

Online-Seminare statt Proberaum

Die Corona-Pandemie hat neben den vielen

Einschränkungen auch wesentlich zur Digitalisierung

beigetragen bzw. die technische

Entwicklung um einige Jahre beschleunigt

und für neue kreative Angebote gesorgt.

Sowohl im privaten wie auch im beruflichen

Umfeld haben sich Onlineplattformen etabliert

als Alternative zu den durch die Corona-Maßnahmen

stark eingeschränkten

Kontakten. Live-Chats, Online-Sitzungen –

aber vor allem auch Webinare sind heute

teils schon Routine. So auch im Bereich

der Blasinstrumente, Blasmusik, Musiker

und deren Weiterbildung.

Es gibt mittlerweile neben Online-Musikunterricht

und vereinzelt Online-Proben

vermehrt auch Kursangebote im Internet.

Die Aus- und Weiterbildungsangebote des

VSM wurden in den letzten eineinhalb Jahren

großteils über gängige Onlineplattformen

abgewickelt. In Ergänzung dazu

sei auf zwei weitere Onlinedienste hingewiesen,

die teils auch kostenlos genutzt

werden können.

BlasmusikONline – der Veranstaltungskalender des ÖBV

www.blasmusik.at/BlasmusikONline

Seit einigen Monaten bietet der Österreichische Blasmusikverband (ÖBV) gemeinsam mit allen Landesund

Partnerverbänden einen Aus- und Weiterbildungskatalog an. Damit will man den Musikvereinen,

Funktionären und Musikanten Möglichkeiten zur Weiterbildung bieten. Dieser Veranstaltungskalender

mit den unterschiedlichsten Angeboten in den Bereichen Organisation, Musikalisch, Marschieren und

Jugend befindet sich am Blasmusik-Wiki. Neben den Online-Terminen werden auch Präsenzveranstaltungen

angeboten:

Blasmusik.Digital – Das Weiterbildungsportal

www.blasmusik.digital

Gestartet als Online Konferenz im Juli 2020, ist die Marke „Blasmusik.Digital" nach intensiver Entwicklungsarbeit

und weiteren Lockdownphasen zu einer Weiterbildungsplattform gewachsen, in der Fachdozenten

und Experten zu Themen rund um Musikinstrumente, Musiktheorie, Pädagogik, Methodik, Technik und

Gesundheit in Online-Seminaren ihr Wissen den Teilnehmern zur Verfügung stellen. In der Form von Live

Webcast mit Dozent und Moderator können die Teilnehmer ihre Fähigkeiten auf dem Instrument trainieren,

neue Spieltechniken direkt am Bildschirm mitüben und ihre Fragen im Live Chat an die Dozenten stellen.

Hinter der Plattform und der Ausgestaltung steht ein junges und motiviertes Team rund um Gründer und

Geschäftsführer Michael Schönstein. Dieser ist selbst ausgebildeter Dirigent sinfonischer Blasorchester und

Marketing-Spezialist in der Software-Branche. Er bringt daher viel Insiderwissen rund um die Szene mit

ein. Vielleicht ist nicht zuletzt dies einer der Erfolgsbausteine, die „Blasmusik.Digital" derzeit zum alternativen

Proberaum für viele Musiker macht, die alle unter dem Lockdown der Musik- und Kulturszene leiden.

KulturFenster

74 05/Oktober 2021


kurz notiert

kurz notiert –

das neue „Musikpanorama“

… für Nachrichten aus den Musikkapellen

Nachdem durch diverse Lockerungen

nun wieder Proben, Auftritte und Veranstaltungen

von Musikkapellen „erlaubt“

sind, laden wir auch wieder ein,

uns Berichte davon zukommen zu lassen.

Im Zuge der Neugestaltung des

„KulturFensters“ ist die ehemalige Rubrik

„Musikpanorama“ in „kurz notiert“

unbenannt worden; sie soll aber weiterhin

als Plattform für die Berichterstattung

aus den Musikkapellen und

damit zu einem regen Erfahrungsaustausch

genutzt werden.

Damit aber alle Artikel Platz fi nden

können, ist es notwendig, dass die jeweiligen

Texte nicht mehr als 1.500

Zeichen (inkl. Leerzeichen) umfassen.

Die Berichterstatter*innen der Musikkapellen

sind gebeten, diese Vorgabe

einzuhalten. Ein aussagekräftiges und

vor allem drucktaugliches Foto - in entsprechend

guter Auflösung und mit

Bildtext - ist ebenfalls immer sehr willkommen.

Bitte auch immer den Redaktionsschluss

beachten!

Wir freuen uns auf viele „kurz notierte“

Meldungen!

Die Redaktion

Cyriak Gatterer ist Ehrenpräsident der MK Pfalzen

Cyriak Gatterer, Pramstallerbauer in Pfalzen,

bekleidete Jahrzehnte lang das Amt des

Präsidenten des Aufsichtsrates der Musikkapelle

Pfalzen und ging dieser über viele

Jahre hinweg auch als Fähnrich voran. Im

Jahr 2020 legte Cyriak nach 43 Jahren Präsidentschaft

sein Amt nieder und übergab

die Stafette dem von der Vollversammlung

neugewählten Präsidenten Franz Plangger.

Im Rahmen eines Ständchens im August

wurde Cyriak, aufgrund des einstimmigen

Beschlusses des Ausschusses, die Ehrenpräsidentschaft

der Musikkapelle Pfalzen

verliehen. In seiner Amtszeit als Präsident

stand er jedem Ausschuss stets mit

Rat und Tat zur Seite, knüpfte viele Kontakte

zu verschiedenen Musikkapellen aus

dem In- und Ausland und organisierte unzählige

Austauschkonzerte. Zudem wurden

die Zuhörer der traditionellen Pfalzner

Frühjahrskonzerte von Cyriak alljährlich

gekonnt und mit Charme durch das Konzertprogramm

geführt. Die Musikkapelle

Pfalzen bedankt sich für die langjährige

Vereinstreue und den großen Einsatz zum

Wohle der Musikkapelle.

Georg Seeber

Cyriak Gatterer (mit Urkunde) wurde für seine jahrzehntelange Treue zur Musikkapelle

Pfalzen mit der Ehrenpräsidentschaft ausgezeichnet – im Bild mit Ehefrau Margareth und

Musikobmann Georg Seeber.

KulturFenster

75 05/Oktober 2021


kurz notiert

Musik- und Erlebniswoche, ein voller Erfolg!

Sommerangebot der MK Naturns für den musikalischen Nachwuchs

Hohe und tiefe, laute und leise, schnelle und

langsame, unerfahrene und gekonnte Klänge

erfüllten vom 9. bis 13. August die Musikschule

und das Probelokal in Naturns und

brachten sie im Hochsommer zum Klingen.

Die Musikkapelle Naturns organisierte

zum 2. Mal ein Sommerangebot für

Jungmusikant*innen von Naturns und

Plaus, welches sich an alle richtete, die ein

Instrument lernen wollen oder bereits spielen.

Trotz großer organisatorischer Herausforderungen

kann auf eine gelungene und

vor allem für die Kinder und Jugendlichen

bereichernde Woche zurückgeblickt werden.

Neben diversen Freizeitaktivitäten wurden

verschiedene Gruppenspiele angeboten, die

ganz im Zeichen der Musik standen. Das Musizieren

mit den Instrumenten in verschiedenen

Formationen stellte aber nach wie vor

das Highlight dar. Die Anfänger*innen durften

ein Instrument ihrer Wahl ausprobieren

und das Erlernte am Ende der Woche beim

gemeinsamen Orchesterspiel zum Besten

geben. Dabei wurden sie von den Jugendlichen

unterstützt, die ihr Können auch in

fortgeschrittenen Ensembles unter Beweis

stellen konnten.

Die Woche mündete in ein erfolgreiches Abschlusskonzert

im Innenhof der Musikschule.

Aus Gesprächen mit den Teilnehmer*innen

und Eltern gingen durchwegs positive Rückmeldungen

und der Wunsch nach einer Wiederholung

des Projekts hervor. Somit wird

bei den Verantwortlichen der Musikkapelle

bereits über die Angebote zur Jugendförderung

im Herbst diskutiert.

Philipp Götsch

Eine Woche voller Musik, das war im heurigen Sommer für junge Musikantinnen und Musikanten

in Naturns wieder möglich.

Stilvolle Musik unterm Sternenhimmel

Das Konzert-Comeback der Musikkapelle Naturns am Tag 600

Am Tag 600 erfolgte der Auftakt zum ersten Konzert der Musikkapelle Naturns nach dem langen Konzertlockdown.

Nach 599 Tagen im Konzertlockdown präsentierte

die Musikkapelle Naturns am 21.

Juli 2021 das erste von insgesamt drei Serenadenkonzerten

am Rathausplatz von

Naturns.

Unterm Sternenhimmel stilvoller Musik zu

lauschen, war nicht nur zu Mozarts Zeiten

eine beliebte Freizeitgestaltung, auch an

den drei Abendkonzerten der Musikkapelle

Naturns bewies das zahlreich anwesende

Publikum, dass Musik wohl die einzige

Sprache der Leidenschaft ist. Mit einem

breitgefächerten Musikmenü in mannigfaltigen

Stilrichtungen begeisterte die Musikkapelle

unter der Leitung von Dietmar

Rainer die Konzertbesucher. Den leidenschaftlichen

Auftakt zum Konzert gab die

Kapelle mit festlichen Konzertmarschklängen,

die symbiotisch zu wunderschönen

Themen und ausgedehnten Melodien im

Trio standen. Während es die herzogliche

Tanzmusik aus der Zeit der Renaissance

bis hin zu den zeitgenössischen spanischen

Tanzmusikmelodien charakteristisch zu

ludischen, lyrischen und majestätischen

Höreindrücken brachte, schafften es hin-

gegen die verträumten Solomelodien von

Philipp Götsch am Euphonium dem Universum

sogar eine Sternschnuppe zu entlocken,

die im „Kalterer See“ des gleichnamigen

Konzertwalzers farbenreich erlosch.

Auch Popmusik, von romantisch bis pulsierend,

ja sogar gepaart mit Klassik, gab

die Kapelle zum Besten. Rudolf Mair und

Benedikt Kofler glänzten mit einem beeindruckenden

Paukenduett. Abgeschlossen

wurde der Serenadenreigen mit jubelnden

Marschklängen.

Fabian Fleischmann

KulturFenster

76 05/Oktober 2021


Blasmusik

Viele Gründe zum Feiern für die

Musikkapelle St. Pauls

Trachteneinweihung, Kapellmeisterwechsel und Ehrungen

Am 15. August lud die Musikkapelle St.

Pauls zu ihrem traditionellen Musikfest

ein. Heuer gab es gleich mehrere Höhepunkte

in der Geschichte der Musikkapelle

zu feiern.

Zum einen wurde die erneuerte Männertracht,

die im Jahre 1954 angeschafft worden

war, von Dekan Alexander Raich feierlich

eingeweiht. Die Eigenheit dieser neuen

Tracht besteht in der blauen Joppe, die

einzigartig im Überetsch/Unterland ist. Die

schwarze Stoffhose wird durch eine dunkle

Kniebundlederhose, das blau-weiße

Seidentuch durch einen Flor ersetzt. Der

Hut geht in eine zylindrische Form über,

die Trachtenschuhe werden mit Messingschnallen

versehen. Der bereits bestehende

Gürtel wird mit der neuen Tracht

weiterhin getragen.

Ein weiterer Höhepunkt war der Wechsel an

der Spitze der Kapelle. Seit 2010 dirigierte

Hans Finatzer die Paulsner Musikantinnen

und Musikanten und bereicherte das Kulturprogramm

mit einzigartigen Konzerten.

Er übergab den Dirigierstab an Christoph

Stadler, einem Musikanten aus den eigenen

Reihen, der bereits die Jugendkapelle

leitete und einige Jahre dem Musikverein

Lana vorstand.

Da die Cäciliafeier im Herbst ausfiel, wurde

das Musikfest auch als Anlass genommen,

um die ausständigen Ehrungen nachzuholen.

Heinz Plunger (Klarinette) und Oskar

Schweigkofler (Flügelhorn) sind bereits 60

Jahre lang aktive Musikanten. Ihnen wurde

das Große Verbands-Ehrenzeichen in Gold

am Bande von VSM-Bezirksobmann Stefan

Sinn überreicht. Des Weiteren erhielt

Michael Ohnewein (Tuba) das Ehrenzeichen

in Silber für seine 25jährige Tätigkeit.

Zudem wurden drei langjährige Mitglieder,

die unsere Kapelle in den letzten Jahren

verlassen haben, zu Ehrenmitgliedern ernannt,

und zwar Fritz Kager, Oswald Menghin

und Thomas Pfeifer.

Karin Winkler

Die beiden Stabführer Erich Haas und Samuel

Ebner präsentieren die neue Paulsner Männertracht.

Ehrungen bei der Musikkapelle St. Pauls: (v. l.) Bezirksobmann Stefan Sinn, Michael Ohnewein (25 Jahre), Oskar Schweigkofler (60

Jahre), Heinz Plunger (60 Jahre), Obmann Franz Schweigkofler, die Ehrenmitglieder Oswald Menghin und Thomas Pfeifer, Gebietsvertreter

Wilfried Bernard. Es fehlt Fritz Kager.

KulturFenster

77 05/Oktober 2021


kurz notiert

200 Jahre Musikkapelle Kiens

Ein würdiges Fest mit Abendkonzerten, Jubiläumspolka und Festakt

Die Musikkapelle Kiens besteht bereits seit 200 Jahren – das Jubiläum am 29. August war ein Fest für das ganze Dorf.

Im August startete die Musikkapelle Kiens

nach einem Jahr Pause und somit mit

einem Jahr Verspätung die Feierlichkeiten

zum 200jährigen Bestehen. Dazu wurden

drei Abendkonzerte in den verschiedenen

Fraktionen der Gemeinde organisiert. Diese

boten nicht nur die Möglichkeit, endlich

wieder vor Publikum spielen zu können,

sie wurden auch dazu genutzt, der Dorfbevölkerung

die Geschichte der Musikkapelle

mit Hilfe einer Fotoshow und Anekdoten

aus der Chronik näherzubringen.

Seit 1820 nämlich gestaltet die Musikkapelle

aktiv das Dorfleben mit.

Im Rahmen der Konzerte wurde jeweils

die von Armin Kofler eigens für diesen

Anlass komponierte „Jubiläums Polka“

uraufgeführt.

Am 29. August 2021 folgte im Beisein vieler

Gäste aus nah und fern der Höhepunkt

der Feierlichkeiten - der offizielle Festakt.

Nach dem festlichen Einzug mit Fahnenabordnungen

der anderen Vereine des

Dorfes und der umliegenden Dörfer wurde

am Pavillon in Kiens mit Pfarrer Michael

Bachmann der Festgottesdienst gefeiert.

Im anschließenden Festakt erklang noch

einmal die „Jubiläums Polka“ sowie verschiedene

Märsche zu Ehren verdienter

Mitglieder der Kapelle. Bürgermeister Andreas

Falkensteiner, Landesrat Philipp Achammer,

der Verbandsobmann des VSM,

Pepi Fauster, und der Bürgermeister der

Partnergemeinde Weiterstadt, Ralf Möller,

überbrachten in ihren Ansprachen

und Grußworten viele Glückwünsche zum

Jubiläum.

Die Wertschätzung seitens der Bürgerinnen

und Bürger ist für die Kapelle ein wichtiger

Antrieb, weiterhin alle Hürden und Herausforderungen

zu bewältigen. Natürlich geht

das nicht ohne die Unterstützung anderer

Vereine, der Gemeinde, von Unternehmen

oder besonderen Musikliebhabern.

So blickt die Musikkapelle Kiens in Dankbarkeit

zurück und hofft gleichzeitig, dass

es nie mehr so ein leises Jahr gibt, wie es

das vergangene war. Die Einladung zum

Jubiläums-Frühjahrskonzert sowie zum

Jubiläums-Kirschta soll jedenfalls im Jahr

2022 nachgeholt werden.

Verena Huber

KulturFenster

78 05/Oktober 2021


Blasmusik

Ein festlicher Abend in Ratschings

Musikanten, Sängerinnen und Organist geehrt

Der Abend des Freitags, 6. August, war ein

ganz besonderer für die Dorfgemeinschaft

in Ratschings. Er stand ganz im Zeichen

der Ehrung verdienter Persönlichkeiten,

die zwar bereits im vergangenen Jahr fällig

gewesen wäre, aber aufgrund der Corona-Pandemie

verschoben werden musste.

Für den musikalischen Rahmen sorgte die

Musikkapelle Ratschings im Anschluss an

einen Dankgottesdienst, bei dem sowohl

der langjährige Seelsorger Pater Meinrad

als auch der Pfarrmesner Peter Schölzhorn

verabschiedet wurden, mit einem Konzert

vor dem Vereinshaus. Im Laufe des Konzertes

wurde der Frauen- und Mädchenchor

für dessen 25-jährige Tätigkeit geehrt

sowie auch Franz Seeber, der 60 Jahre

lang als überaus fleißiger Organist tätig war.

Anton Obex wurde für seine 15-jährige

Tätigkeit im Ausschuss der Musikkapelle

Ratschings mit dem Verdienstzeichen in

Silber des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

ausgezeichnet. Für seine nunmehr

40 Jahre währende aktive Mitgliedschaft

wurde Luis Leitner das Verbands-Ehrenzeichen

in Gold überreicht, während Sebastian

Leitner und Johann Haller das Große

Ehrenzeichen in Gold für ihre 50 Jahre als

aktive Musikanten verliehen bekamen.

Bürgermeister Sebastian Helfer, Marga-

reth Oberrauch vom Verband Südtiroler

Kirchenmusik und Klaus Fischnaller vom

Verband Südtiroler Musikkapellen nahmen

die Ehrungen vor und überbrachten den

Geehrten den Dank und die Glückwünsche

der Gemeinde und der Verbände.

MK Ratschings

Die Musikkapelle Ratschings umrahmte mit ihrem Konzert einen festlichen Abend, der

ganz im Zeichen zahlreicher Ehrungen, aber auch des Abschieds stand.

Ein „60-Jähriger“ und vier Neulinge bei der MK Prissian

Großes Ehrenzeichen in Gold am Bande und Leistungsabzeichen verliehen

Im Rahmen eines ihrer traditionellen

Sommerkonzerte am Musikpavillon von

Prissian wurde an Emil Matscher das

Große Ehrenzeichen in Gold am Bande

des VSM in Anerkennung seiner 60-jährigen

Tätigkeit als Musikant bei der Musikkapelle

Prissian überreicht.

Bürgermeister Christoph Matscher und

der VSM-Verbandskapellmeister Meinhard

Windisch richteten würdigende

Worte an den Geehrten und hoben den

kulturellen Wert seiner langjährigen Vereinstätigkeit

für die Dorfgemeinschaft

hervor.

Im Verlauf des Konzertes wurden auch

an vier Jung-Musikantinnen die Urkunden

zum Leistungsabzeichen übergeben:

Marie Mair (Klarinette), Elisabeth

Margesin (Querflöte) und Eva Windegger

(Querflöte) erhielten das Leistungsabzeichen

in Bronze, und Anna Windegger

(Flügelhorn/Trompete) jenes in Gold

mit ausgezeichnetem Erfolg.

Das Konzert, das unter der musikalischen

Leitung von Kapellmeister Elmar Windegger

stand und von Manfred Holzer moderiert

wurde, erhielt von den vielen Zu-

hörern großen Applaus , ebenso wie der

langgediente Musikant Emil Matscher und

die vier Jungmusikant*innen.

Georg Gamper

Eine besondere Ehrung beim Sommerkonzert der MK Prissian. (v. l.) Bürgermeister Christoph

Matscher, VSM-Verbandskapellmeister Meinhard Windisch, Emil Matscher, Obmann

Georg Gamper, Kapellmeister Elmar Windegger.

KulturFenster

79 05/Oktober 2021


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05.-06.11.2021

Dirigentenwerkstatt

mit Marco Sommadossi im Haus der Vereine in Nals mit der Bürgerkapelle Lana

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13.11.2021

„Intensivseminar Chorleitung“

Praktische Tipps und Tricks für den Choralltag -

Referent: Roland Büchner

Infos unter:

scv.bz.it/intensivserminarchorleitung/

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