und Umweltschutz in Filderstadt 2009 - Stadt Filderstadt

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und Umweltschutz in Filderstadt 2009 - Stadt Filderstadt

Neue Standorte – neue Pflanzen

Floristische Beobachtungen im Filderraum

Dr. Manfred Schacke, Biotopkartiergruppe Filderstadt

1Die Bedeutung des Standorts für die Pflanze. Der jeweilige

Standort einer Pflanze ist nicht bloß ein bestimmter Ort, sondern ein

Schnittpunkt verschiedener Faktoren. Neben den reinen Bodeneigenschaften

sind es u. a. der Grad der Feuchtigkeit (trocken-nass), das

Licht (sonnig-schattig) und die Meereshöhe (planar-alpin). Diese Faktoren

setzen bestimmte Bedingungen oder Grenzen, die für die jeweilige

Pflanzenart günstig oder ungünstig sind. Eine Sumpfdotterblume z. B. will es

nass, während ein Mauerpfeffer große Trockenheit überstehen kann. Der

Wurmfarn erträgt das Dunkel im Fichtenwald, die Margerite aber mag das

strahlende Sonnenlicht usw.

Der Boden selbst ist hauptsächlich das Verwitterungsprodukt eines

Ausgangsgesteins, dessen Bestandteile die wesentlichen Bodeneigenschaften

definieren: nämlich Kalkgehalt (basisch-sauer), Verfügbarkeit an

Basen (Kalzium, Kalium und Magnesium) und Nährstoffgehalt (Stickstoff

und Phosphor). Kalkreiche Böden, wie es sie beispielsweise auf der

Schwäbischen Alb gibt, sind immer auch basenreich und beherbergen die

größte Pflanzenvielfalt. Anders dagegen die Sand- und Moorböden: Sie sind

sauer, basen- und nährstoffarm und bieten nur wenigen Pflanzenarten einen

geeigneten Lebensraum.

Jede Pflanzenart hat individuelle Vorlieben an das Substrat, in dem sie

wurzelt, was je nach Spezialisierungsgrad den potentiellen Wuchsort mehr

oder weniger stark einschränkt. Die Große Brennnessel braucht

stickstoffreiche Böden und dominiert in der Nähe von Mist- oder

Komposthäufen. Ganz anders dagegen das Heidekraut oder die

Drahtschmiele, sie wachsen ausschließlich auf nährstoffarmen, sauren

Sandböden, wo sie dann aber aufgrund des geringen Konkurrenzdrucks

ebenfalls dominieren können. Dementsprechend findet man in unserem

Raum die Brennnessel vor allem in der Nähe menschlicher Siedlungen oder

deren Hinterlassenschaften und das Heidekraut in ausgelaugten Böden

lichter Nadelwälder (z. B. Weilerhau) oder Heiden (z. B. Haberschlai).

Zusammenfassend kann man sagen, dass jede Pflanzenart ein mehr oder

weniger scharf definiertes Anforderungsprofil („Schlüssel“) an den Standort

stellt. Der jeweilige Standort wiederum weist ein bestimmtes Angebotsprofil

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