und Umweltschutz in Filderstadt 2009 - Stadt Filderstadt

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und Umweltschutz in Filderstadt 2009 - Stadt Filderstadt

(„Schloss“) auf, das nur für eine begrenzte Artenzahl „passend“ ist. Es gibt

Pflanzen, deren Ansprüche so speziell sind, dass es in Baden-Württemberg

inzwischen kaum noch Standorte gibt, die diese Ansprüche befriedigen

könnten. Solche Arten sind aktuell vom Aussterben bedroht oder schon

ausgestorben. Andere Arten sind so anspruchslos, dass man sie fast überall

und das ganze Jahr über zu sehen bekommt, wie z. B. das Gänseblümchen

oder den Rotklee.

2. Der Einfluss des Menschen bei der Bodenbildung

Vor einigen Jahrtausenden wurde der Mensch sesshaft und hat durch

landwirtschaftliche Tätigkeit sich des Bodens bemächtigt. In Mitteleuropa

hat er den Wald gerodet und damit vielen lichtliebenden Arten den Einzug in

diesen Naturraum erst ermöglicht. Er hat schließlich den Boden gelockert,

mit Nährstoffen angereichert und damit insbesondere den einjährigen

Ackerunkräutern, die vorwiegend aus dem Mittelmeerraum einwanderten,

die Existenzgrundlage geschaffen. Die heutige Pflanzenvielfalt in Mitteleuropa

ist also größtenteils eine Folge menschlichen Einwirkens.

Mit der Industrialisierung Mitteleuropas wurden die Böden aber auch

negativ beeinflusst, sie wurden durch direkten Eintrag (z. B. Schwermetalle)

oder indirekten (z. B. saurer Regen) so schwer belastet, dass stellenweise

keine Pflanzen mehr wachsen konnten.

In den letzten Jahrzehnten ist zweifellos viel für den Umweltschutz getan

worden, was sich auch floristisch nachweisen lässt. Gleichzeitig aber hat

sich, kaum beachtet, die Oberfläche Mitteleuropas stellenweise sehr stark

verändert. Der Ausbau des Verkehrsnetzes versiegelte nicht bloß Boden-

flächen, sondern schuf völlig neuartige Standorte. Es gibt inzwischen viele

kilometerlange Mittel- und Randstreifen, die durch eine hohe mechanische

Beanspruchung und einen extremen Schadstoffeintrag gekennzeichnet

sind. Insbesondere die Notwendigkeit des Salzstreuens bei den großen

Straßen und Flughäfen schuf Standorte, für die die heimische Flora kaum

geeignete Arten vorzuweisen hatte. Es entstanden also immer mehr Flächen,

die ein Angebotsprofil aufwiesen, mit der kaum eine einheimische Art etwas

anzufangen wusste. Biologisch gesehen entwickelte sich eine hochspezifische

ökologische Nische, in der es kaum Konkurrenz gibt. Bei dieser Nische

handelt es sich immerhin um ein Tausende Kilometer langes und ununterbrochenes

(!) Lineament, das sogar Kontinente verknüpft, ähnlich dem

Uferstreifen eines riesigen Flusssystems. Nimmt man für den Mittel- und die

beiden Randstreifen eine Breite von insgesamt nur zwei Metern an, so ergibt

sich bei nur 100 Autobahnkilometern eine Fläche von 20 Hektar, was etwa 20

Fußballfeldern entspricht.

Der Ballungsraum Stuttgart, insbesondere auch das Gebiet der Fildern, hat

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