und Umweltschutz in Filderstadt 2009 - Stadt Filderstadt

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und Umweltschutz in Filderstadt 2009 - Stadt Filderstadt

Schier unglaublich ist das Beispiel eines weiteren Neophyten des

Straßenrandes. Es handelt sich um einen Baum, der den Straßenmeistereien

zunehmend Probleme bereitet. Gemeint ist der Götterbaum (Ailanthus

altissima) , der aus China als Parkbaum in Südeuropa eingeführt wurde und

schließlich auch in den wärmeren Gebieten Mitteleuropas, z. B. im

Stuttgarter Raum, Fuß fasste. Er ist leicht an seinen bis einen Meter langen,

gefiederten Blättern zu erkennen, die denen einer Esche ähneln. Der

Götterbaum ist dürreresistent, anspruchslos und unempfindlich gegen

Immissionen. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften wird er gern als

Alleebaum in Großstädten oder Industriegebieten gepflanzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Götterbaum im zerbombten

Stuttgart rasch ausgebreitet, verschwand dann aber im Zuge des

Wiederaufbaus bald wieder. Diese Episode zeigte allerdings eine ganz

wichtige, bisher kaum beachtete Eigenschaft des Götterbaums, er hat

außergewöhnliche Pioniereigenschaften, die vor allem auf seinem raschen

Jugendwachstum basieren und auf der Fähigkeit zur Wurzelsprossbildung.

Wird nämlich der Hauptspross abgehauen, wechselt der Baum durch einen

Gestaltwandel seine Überlebensstrategie. Er bildet eine Vielzahl von

Sekundärsprossen aus, die auch wieder durch rasches Jugendwachstum

(zwei bis drei Meter im Jahr!) auffallen. Er ist daher kaum auszurotten und

gleicht damit einer Hydra der Pflanzenwelt.

Der Götterbaum liebt vom Menschen geschaffene Standorte, wie z. B.

Ruinen, Aufschüttungen oder Industriebrachen. Vor einigen Jahren hat er

einen weiteren Lebensraum für sich entdeckt und zwar den Mittelstreifen

mehrspuriger Straßen. Auf der B 10 zwischen Stuttgart und Esslingen lässt

sich bei den vorgeschriebenen 80 km/h sein (gottloses) Treiben gut

beobachten.

Zum Schluss noch ein weiterer moderner Neophyt der Straße. Er wurde

1978 am Tübinger Güterbahnhof erstmalig in Baden-Württemberg gesichtet

und in den 80er-/90er-Jahren zeichnete sich ab, dass sich diese ansprechende

Pflanze entlang der Gleise und Autobahnen ausbreitet. Heute ist das

Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens) fester Bestandteil der

Grünstreifenflora. In unserem Gebiet ist es ab September entlang der

Autobahn, z. B. auf Höhe des Flughafens, gut zu sehen. Die späte Blüte und

der gedrungene, strauchartige Habitus sind markante Merkmale, die diesen

herbstlichen Straßenbegleiter unverkennbar machen.

Das Schmalblättrige Greiskraut hat goldgelbe, etwa 2 cm große Blütenköpfchen

in lockeren Rispen und ungeteilte, schmale Blätter. Es ist

offensichtlich sehr temperaturrobust, denn es blüht in manchen Jahren bis

in den Dezember hinein und es scheint sich wohl zu fühlen, denn von Jahr

zu Jahr sieht man es häufiger. Ohne Mähen würde es sich zu einem hübschen

Halbstrauch entwickeln, was typisch ist für Pflanzen aus Trockengebieten.

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