22.10.2021 Aufrufe

2021/42 | WohnenPlus

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

RESSORT 1

Das Magazin rund um Haus und Garten Herbst 2021

LEBEN AUF

DEM LAND

Mut zur Farbe

Atmosphäre durch

bunte Wände

Schutz für Kinder

So wird das

Zuhause sicher

Wohlfühl-Oase

Tipps fürs naturnahe

Gärtnern


EDITORIAL 3

Inhalt

Wohnstory

Leben auf dem

„Martinshof“

Ida und Martin Kühnle haben sich ihren

Wohntraum im Weiler Bühlerzimmern

bei Braunsbach erfüllt. Dort gefällt es

auch der siebenjährigen Paula. Seite 4

Der

persönliche Stil

Seite 14

Lichte Momente im

Home Office

Auf die Beleuchtung

kommt es an.

Seite 19

Heiter durch den

trüben Winter

Ein ländliches Paradies haben

sich Ida und Martin Kühnle am

Rande des Weilers Bühlerzimmern

geschaffen. Das 1987 errichtete

Wohnhaus haben sie

von Martins Großeltern übernommen

und mit viel Eigenleistung

von Grund auf saniert. Auf

das Ergebnis können sie zurecht

stolz sein. | Seiten 4-7

Drei Dinge braucht es, um der

eigenen Wohnung Persönlichkeit

zu verleihen: etwas aus der

Vergangenheit, etwas, das für einen

Wunsch in der Zukunft oder

ein Lebensziel steht, und einen

individuellen Gegenstand, den

man nicht in jedem Haushalt

oder Shop findet. Das meint Katia

Steilemann. Die in Brasilien

aufgewachsene Expertin für gesunde

Raumgestaltung hilft

Menschen dabei, eine Umgebung

zu schaffen, in der es ihnen

gut geht. Was man Zuhause

tun kann, um heiter durch die

dunkle Jahreszeit zu kommen,

verrät sie in unserem Interview

auf den | Seiten 14-15

08 Must-have in der

Lifestyle-Küche

Ein schicker Esstisch mit

bequemen Stühlen.

10 Das können die

neuen Spülen

Schöne, funktionale und

ergonomische Alltagshelfer.

12 Welcher Schrank

ist der richtige?

Kastenmöbel sollen viel

Platz bieten und eine gute

Figur machen.

16 Ein kuscheliges

Plätzchen

Wohnträume mit Wärme

gestalten.

18 Mitmach-Möbel

für Kleinkinder

Niedrige Betten, offene

Regale, Kleiderstangen

auf Augenhöhe.

22 Mehr Spaß im Bad

Licht, Musik, Regenduschen

und Badewannen für Zwei.

24 Wildkräuter

lieben lernen

Der NABU gibt fünf Tipps

für das naturnahe Gärtnern.

26 Krokus, Tulpe & Co.

Frühlingszwiebeln brauchen

die Kälte und müssen schon

jetzt in die Erde.

Außerdem erfahren Sie in dieser

Ausgabe unter anderem, wie

man den perfekten Kleiderschrank

findet und wie wichtig

ein schicker Essplatz in einer

Lifestyle-Küche ist. Der NABU

gibt die wichtigsten Tipps für

naturnahes Gärtnern. Lassen Sie

sich gerne inspirieren.

Claudia Linz

Redakteurin

Impressum

WohnenPlus & Gartenlust

Sonderveröffentlichung von

Haller Tagblatt, Hohenloher

Tagblatt und Rundschau

Gaildorf, 21. September 2021

Verlag & Herausgeber

SÜDWEST PRESSE

Hohenlohe GmbH & Co. KG

Verlagsbetrieb

Haller Tagblatt

Haalstraße 5 + 7

74523 Schwäbisch Hall

Verlagsbetrieb

Hohenloher Tagbatt

Ludwigstraße 6 - 10

74564 Crailsheim

Verlagsbetrieb

Rundschau

Grabenstraße 14

74405 Gaildorf

Redaktion

Heribert Lohr (verantw.),

Alisa Grün, Claudia Linz,

Julia Weise

Fotos

Ufuk Arslan (auch Titelfoto),

Christin Klose, Jens Büttner

Archiv- und Agenturfotos,

Shutterstock

Grafik

mediaservice ulm,

Kathrin Grünwald

Anzeigen

Mario Bayer (verantw.)

Druck

DHO Druckzentrum

Hohenlohe-Ostalb

GmbH & Co. KG

Ludwig-Erhard-Straße 109

74564 Crailsheim


4

WOHNSTORY

Zu Besuch auf

dem Martinshof

Wohnstory Mit viel Herzblut, Mut zu Neuem und einiger Eigenleistung

haben sich Ida und Martin Kühnle am Rande des Weilers

Bühlerzimmern ein ländliches Paradies geschaffen. Gäste sind

ihnen immer willkommen. Von Julia Weise

Ein gemütlicher Platz zum

Kuscheln und Spaß haben.

Ein Gläschen Wein?

Oder vielleicht doch

lieber eine dampfende

Tasse Kaffee? Ein altes

Sprichwort besagt,

dass es in guter Gesellschaft am

allerbesten schmeckt. Ob das

wohl auch einer der Gründe dafür

war, weshalb sich Familie

Kühnle aus Bühlerzimmern für

einen derart großen Holztisch

entschieden hat? Sage und

schreibe zehn Personen finden

an der rustikalen Tafel im hellen

Essbereich des renovierten

„Martinshof“ einen Platz. Ihnen

bietet sich ein eindrucksvoller

Blick auf die angrenzende Terrasse

sowie den Pool im weitläufig

angelegten Garten. Eine

Strickleiter dreht sich dort verspielt

im Baum ein und aus. Fast

scheint es, als warte sie auf kletternde

Kinder. Rosenbüsche ranken

sich an der anthrazitfarbenen

Terrassenüberdachung hinauf.

„Gäste sind uns hier immer

willkommen“, da sind sich Martin

und Ida Kühnle (beide 36) einig.

Gemeinsam mit ihren drei

Kindern Nora (13), Linus (9),

Paula (7) und dem Familienhund

Alma füllen sie das ländliche


WOHNSTORY 5

Im Bad fällt der Schrank aus Rüster sofort ins Auge. Das Holz des Laubbaumes Ulme besticht mit seiner leicht rötlichen Farbe und der

interessanten Maserung (Bild oben) und findet sich an mehreren Stellen des Hauses. An der großen, rustikalen Tafel im hell gehaltenen

Essbereich finden zehn Personen Platz. Von dort bietet sich ein schöner Blick auf die Terrasse und den Garten. Auch der Pool ist zu

sehen, der im Sommer herrliche Abkühlung verspricht.

Fotos: Ufuk Arslan

Idyll am Rande des Braunsbacher

Weilers tagtäglich mit jeder

Menge Leben.

Das 1987 errichtete Wohnhaus

haben Ida und Martin Kühnle

von Martins Großeltern übernommen

und etappenweise von

Grund auf saniert – von den

Fenstern über die Holztreppe bis

hin zur neu eingebauten Dachgaube,

die das Obergeschoss mit

viel Licht erhellt. Fast alle Arbeiten

im Innenraum haben sie

selbst übernommen. Zwei Jahre

Zeit nahm das in Anspruch.

„Aber es hat sich gelohnt.“ Denn

inzwischen muss man schon

zweimal hingucken, um zu realisieren,

dass man sich in einem

Altbau – und nicht etwa in einem

nagelneuen Häuschen befindet.

„Früher hatten wir im Erdgeschoss

noch einen ganz klassischen,

beengten Flur mit vielen

Türen“, erinnert sich Martin

Kühnle. Die Eheleute leben bereits

seit 2008 in dem Gebäude

– damals noch im Obergeschoss.

Die Oma wohnte „unten“. Heute

gehen der einladende Eingangsbereich,

die gewieft geschnittene

Küche mit viel Stauraum

und den skandinavischen,

weißen Barhockern sowie der

hell gehaltene Essbereich mit

dem rustikalen Holztisch völlig

nahtlos ineinander über. Ein gefliester,

beigefarbener Kachelofen

fungiert als natürlicher

Raumtrenner und verspricht an

kalten Herbst- und Wintertagen

eine heimelige Wärme, die Lust

zum Einigeln macht. Das weiß

auch die Große Schweizer


6

WOHNSTORY

Die Liebe zu Pferden hat auch Nesthäkchen Paula „geerbt“.

Tochter Nora fühlt sich wohl in ihrem Maisonette-Zimmer.

Linus hat in seinem Zimmer viel Platz zum Spielen.

Sennenhündin Alma. Sie hat

dort ihr Lieblings-„Liegeplätzchen“.

Auf den Stil der eigenen vier

Wände befragt, müssen die

Eheleute gar nicht lange nachdenken:

„Wir lieben es offen,

luftig und rustikal“, bringt es

Ida Kühnle auf den Punkt, die

beim Gang durch das Erdgeschoss

von der entspannten

Vierbeinerin begleitet wird.

Und tatsächlich wird auch die

Liebe zum Holz im Hause

Kühnle sehr rasch spürbar. Als

wiederkehrendes Element –

etwa am Badezimmerschrank

oder an den Simsen – setzten

die Eheleute auf Rüster. Das

Holz des Laubbaumes Ulme

fällt mit seiner leicht rötlichen

Farbe und der interessanten

Maserung sofort ins Auge. „Das

hat nicht jeder“, weiß Martin

Kühnle. Er hat in seiner Jugend

zunächst eine Ausbildung als

Schreiner absolviert. Diese

handwerklichen Fähigkeiten

kamen ihm beim Werken Zuhause

mehrfach zugute.

Einige ausgewählte, historische

Einrichtungsstücke wie

etwa der Sekretär im Erdgeschoss,

der TV-Unterschrank im

Wohnzimmer oder der ausladende

Kleiderschrank im Jugendzimmer

von Tochter Nora geben

darüber hinaus einen Hinweis

auf die Wurzeln der Familie:

Martin Kühnles Vorfahren lebten

selbst bereits in Bühlerzimmern,

Ida Kühnle stammt aus

Gailenkirchen. Noch heute wohnen

Kühnles Vater und Bruder


WOHNSTORY 7

Die Kinder füttern die Ziegen. Unten sind der Pool und die Strickleiter

im Garten zu sehen.

Martin, Ida, Nora, Linus und

Paula Kühnle fühlen sich wohl in

ihrem Haus in Bühlerzimmern.

Immer dabei ist Hündin Alma.

in unmittelbarer Nachbarschaft.

Der massive Kleiderschrank, der

das zweistöckige Maisonette-

Zimmer der 13-Jährigen ziert,

wurde von Ida Kühnle in liebevoller

Handarbeit aufwändig restauriert.

„Der hat einmal meiner

Urgroßmutter gehört“, verrät

Ida Kühnle. Der vermeintlich

starke Kontrast zu dem ansonsten

in hellen und weichen Nuancen

gehaltenen Teenie-Domizil,

gelingt. Wobei sich manch ein

Fan des Bestseller-Autors Stephen

King beim Blick auf den

Schrank vielleicht auch an „Das

geheime Fenster“ erinnert fühlt.

Denn dieser versteckt ein solches

unter dem Giebel des Hauses.

Generell gibt jedes der Kinderzimmer

über die Farbgebung

und ausgesuchte Deko-Gegenstände

einen schönen Hinweis

auf die Interessen des Nachwuchses.

„Home is where your

horse is“ (Zuhause ist wo dein

Pferd ist) heißt es etwa auf einem

kleinen Schildchen an Noras

Fenster. Die Liebe zu den

Pferden teilt die gesamte Familie.

Gleich zwei der edlen Huftiere

leben derzeit im eigenen

Stall. Zudem werden drei fröhlich

meckernde Ziegen im brachliegenden

Blumenbeet neben

der Hofeinfahrt gehalten.

„Für uns war die Renovierung

des Hauses die richtige Entscheidung“,

unterstreicht Martin

Kühnle, der sich ein Leben in

einer Vorstadtsiedlung überhaupt

nicht vorstellen kann.

„Hier haben wir viel Platz, um

unsere Kinder auch draußen in

Ruhe spielen und toben zu lassen“,

umreißt er es. Rund 80

Menschen leben derzeit in Bühlerzimmern.

„Das bedeutet, man

kennt einander und gibt aufeinander

acht.“ Und wer Lust auf

ein Gläschen Wein oder eben

eine dampfende Tasse Kaffee

hat, weiß daher auch ganz genau,

wo er klingeln muss, um diese in

guter Gesellschaft miteinander

zu trinken.

Haben auch Sie ein tolles Haus

oder eine schöne Wohnung?

Möchten Sie, dass wir Ihr Zuhause

in unserem Magazin vorstellen?

Dann schreiben Sie uns gerne:

Wir freuen uns über Anregungen

unter magazin.sho@swp.de

Vielen Dank!


8

ESSPLÄTZE

Ein dezentes Farbkonzept

und strapazierfähige,

ultramatte

Oberflächen

sorgen für Wohlfühlatmosphäre.

Die markante

Arbeitsplatte

verbindet die beiden

Kochinseln und

fungiert zusätzlich

als schicke Esstheke.

Hier will man

gerne Platz

nehmen

Mittelpunkt Ein schicker Esstisch mit bequemen Stühlen ist ein Must-have in jeder

Lifestyle-Küche. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein kleiner oder großer Raum ist.

Was gibt es Schöneres,

als sich von einem

schicken und gemütlichen

Essplatz

aus an seiner neuen Traumküche

zu erfreuen und dabei ein leckeres

Menü in geselliger Runde

zu genießen? Dazu ist nicht

unbedingt viel Platz nötig, denn

es gibt ebenso viele reizvolle

Planungsideen für kleinere Lifestyle-Küchen

wie für größere.

„Ein schöner Essplatz ist in

Im Trend: Farb-Kontraste und

Material-Mix.

jeder neuen Lifestyle-Küche ein

Must-have“, sagt Volker Irle, Geschäftsführer

der AMK –

Arbeitsgemeinschaft Die Moderne

Küche e.V. „Denn auch er

trägt zu jenem ganz besonderen

Wohn-Feeling bei, das offen geplante

Küchen so anziehend und

begehrenswert macht. Da freut

man sich anzukommen, Platz zu

nehmen, zu entschleunigen und

es sich gut gehen zu lassen“. Je

nach Haushaltsgröße, individuellem

Lebensstil und den persönlichen

Ernährungs- und Kochgewohnheiten

kommen dafür kleinere

bis opulentere Lösungen infrage.

Das kann beispielsweise ein

Essplatz direkt an der attraktiven

Kücheninsel sein – in Form einer

kleinen Theke mit zwei Barhockern.

Oder eine Arbeitsplatte auf

der Kochinsel, die sich an einem

Ende oder von der Mitte aus zu

einem größeren Essplatz hin erweitert.

Bei weniger Platz macht

sich eine kleine separate Ecke mit

rundem Tisch nach Vorbild eines

gemütlichen französischen Bistros

gut. Sehr gefragt sind auch Tische

mit Sitzbank, denn sie bringen

einen Hauch von Nostalgie

und Country-Flair in die Küche.

Wer sich Flexibilität und Ergonomie

an seinem Essplatz

wünscht, für den bieten sich elektrisch

höhenverstellbare Tische

zum Sitzen und Stehen an. Dies

kommt nicht nur dem häufig strapazierten

Rücken zugute sondern

schont auch die Bandscheiben:

Ein lichtdurchfluteter Traum:

im Zentrum die lange Esstafel

als Treffpunkt mit der Familie

und Freunden.


ESSPLÄTZE 9

Ein in den Tisch integriertes Linearantriebssystem

verwandelt

ihn auf Wunsch per Knopfdruck

in einen multifunktionalen

Arbeitsbereich – und wird dabei

auf die optimale, ergonomische

Körpergröße seiner Nutzer abgestimmt.

Beispielsweise beim Vorund

Zubereiten der Lebensmittel,

zum gemeinsamen Genießen

der Speisen oder, wenn er zwischendurch

für Homeoffice,

Home Schooling & Learning genutzt

werden soll. Kabel-Stolperfallen

sind dabei nicht zu befürchten,

denn die höhenverstellbaren

Multifunktionstische sind

mit einem Akku ausgestattet.

In einer offenen Lifestyle-

Wohnküche übernimmt ein einladender

Essplatz mit schicker Optik

zudem die wichtige Funktion

harmonisch fließende Übergänge

von der Küche in den Wohnbereich

hinein zu ermöglichen.

In größeren Familien- oder

Mehrgenerationen-Haushalten

sowie bei geselligen Küchenbesitzern

kann der Essplatz auch Mittelpunkt

einer Wohnküche sein:

Als lange Tafel, an der viele Gäste

Platz finden, um sich zu gemeinsamen

Kochkreationen inklusive

Weinbegleitung, zu Kommunikation

und Austausch, Genuss,

Spaß und Spiel von Groß

und Klein zu treffen.

„Bei der Planung und Ausgestaltung

einer schicken Essecke legen

die kreativen Küchenspezialisten

ebenso viel Fingerspitzengefühl in

punkto Design, Stil, Form, Lichtund

Farbkonzept an den Tag wie

Details machen den Unterschied in dieser stylischen Wohnküche mit super-matten

Fronten. Blickfang in der eleganten Essecke sind die farblich abgestimmten schwarzen

Tischkufen. Das macht den Designer-Look perfekt.

Fotos: AMK

bei der Planung sämtlicher anderer

Komponenten und Accessoires

der Wohnküche“, sagt AMK-Chef

Volker Irle. „Denn innerhalb einer

attraktiven Koch-Wohnlandschaft

ist sie ein weiterer attraktiver

Blickfang mit hohem Gemütlichkeits-

und Lifestyle-Faktor.“ AMK


10

KÜCHE

Das können die

neuen Spülen

Spülplatz Vom Wasserhahn mit Ausguss zum ausgeklügelten Universalgenie.

Die neuen Spülcenter sind in Form, Farbe und Material

schön anzusehen und zudem funktional und ergonomisch konzipiert.

Highlight dieser schicken

Quarzkomposit-Spüle ist eine

integrierte Stufe im Becken.

An der Spüle finden

die meisten in einer

Küche anfallenden

Tätigkeiten statt.

Dort werden Obst,

Gemüse und Kräuter sanft abgebraust,

Fisch, Fleisch und Meeresfrüchte

vorbereitet, Wasser

zum Befüllen von Töpfen und

Vasen bezogen und die Küchenabfälle

bequem unter der Spüle

entsorgt. Mit einer entsprechenden

Armatur lässt sich zusätzlich

auch noch kochend heißes

Wasser zapfen. Oder zu jeder

Zeit gefiltertes, gekühltes und

aufgesprudeltes Trinkwasser.

„Damit die täglichen Workflows

Gefiltertes und gekühltes

Wasser kann still, medium oder

sprudelnd gezapft werden.

freudig und effizient von der

Hand gehen, haben die Hersteller

viele Raffinessen in ihre

Spülcenter eingebaut“, sagt Volker

Irle, Geschäftsführer der

AMK – Arbeitsgemeinschaft Die

Moderne Küche e.V. Beispielsweise

eine zweite, direkt in die

Spüle integrierte Arbeits- beziehungsweise

Funktionsebene

oder eine zusätzliche Abtropfund

Ablagefläche im Becken für

ressourcenschonende Spülvorgänge.

Darauf können dann ein

paar Geschirr-/Besteckteile abtropfen,

während im unteren Beckenbereich

Gemüse geputzt

und die Schnittabfälle zwischengelagert

werden.

Ein umfangreiches und clever

durchdachtes Komfort-Zubehör

erhöht den Funktionsumfang

und erleichtert die Küchenarbeiten.

Dazu zählen etwa Arbeits-/Schneidbretter,

Funktionsschalen,

feste oder faltbare

Abtropfgitter/-matten und Küchenmesser.

Damit man seine

wichtigsten Utensilien immer

direkt an der Spüle zur Hand

hat, gibt es eine Design-Box mit

einem formschönen, passgenau

gefertigten Zubehör, das darin

übersichtlich aufbewahrt wird.

Die schmale Box ist so konzipiert,

dass sie genau ins Spülbecken

passt. Zum Vor- und Zubereiten

der Lebensmittel stellt

man sie auf der Arbeitsplatte ab.


KÜCHE 11

FOTOS: AMK

Wird das Zubehör nicht mehr benötigt,

kommt alles wieder in die

Box und die dann wiederum ins

Spülbecken.

Komfortabel und praktisch

sind auch die neuen Einlegeelemente.

Im Nu ist damit eine zweite

Ebene im Spülbecken schnell,

einfach und flexibel realisiert,

beispielsweise mit einer Matte

mit breiten Metallstegen, die jeweils

an ihren Enden in Silikon

eingefasst sind. Darauf findet alles

sicheren Halt. Wird die Matte

nicht mehr benötigt, lässt sie

Optimal aufeinander abgestimmt:

Das Abfall-/Organisationssystem

passt zur Spüle.

sich mit einem Handgriff aus dem

Spülbecken herausnehmen und

auf der Arbeitsplatte als

zusätzliche mobile Abstellfläche

für Gläser, Geschirr, Töpfe & Co.

nutzen. Andere Spülenmodelle

sind mit einer integrierten kleinen

Stufe im Becken ausgestattet.

Sie ermöglicht das Einhängen

und Auflegen diverser Zubehörelemente

wie Funktionsschalen

und Gastronorm-Behälter.

Extragroße oder extratiefe Becken

– und das gilt selbst bei so

manchen raumsparenden Spülenmodellen

und Einbeckenspülen

für kleine Küchen und Wohnungen

– bieten immer noch so

viel Platz, dass auch XXL-Kochgeschirr,

Backbleche und Bratroste

darin komfortabel gereinigt

werden können.

Da der Spülplatz in einer Lifestyle-Küche

immer auch ein toller

ästhetischer Blickfang ist,

stimmen Küchenspezialisten jedes

Multifunktionscenter zudem

perfekt in Form, Farbe und Material

auf die Gesamtanmutung

ab. Beispielsweise in einem harmonischen

Farbverbund, Ton in

Ton mit der Arbeitsplatte, Nischenrückwand

und den Möbelfronten

als fein nuancierter Farbdreiklang.

Oder als ein besonders

aufmerksamkeitsstarker Kontrapunkt,

wie ein Spülplatz in

Schwarz matt. Zusammen mit einer

farblich passenden Küchenarmatur

ergibt sich eine optisch

vollendete Harmonie. Oder man

wählt eine Premium-Küchenarmatur,

die mit ihrer edlen matten

Metall-Oberfläche in Gold, Platin

oder Kupfer fasziniert.

Für 360°-Komfort rund um

den Spülplatz sorgen auch optimal

aufeinander abgestimmte,

ganzheitliche Systemlösungen.

Sie bestehen aus einer Küchenarmatur

oder einem Trinkwassersystem,

einem Spülbecken sowie

einem Mülltrennsystem. Als

Kunde entscheidet man sich zum

Beispiel zunächst für das gewünschte

Trinkwassersystem

und das passende Abfallsystem

und wählt dann sein Spülbecken

in der gewünschten Ausführung

aus.

Einen tollen zusätzlichen

Mehrwert am Spülplatz bietet ein

Trinkwassersystem für gefiltertes

gekühltes, stilles, medium oder

sprudelndes Wasser. Eine klare

Trennung der Wasserwege in der

Küchenarmatur ermöglicht den

zeitgleichen Bezug von normalem

Leitungswasser und veredeltem

Trinkwasser. Die Soda-Einheit

für die Kühlung und Karbonisierung

wird platzsparend unter

der Spüle direkt neben dem

Abfall-/Organisationssystem untergebracht.

„Allein nur diese

Beispiele machen deutlich, wie

hochkomfortabel der Spülplatz in

einer Lifestyle-Küche heutzutage

ausgestattet werden kann“, so

das Resümee von AMK-Geschäftsführer

Volker Irle. AMK


12

SCHRÄNKE

Neue Kastenmöbel sollten sich

harmonisch in die Wohnung

einfügen. Foto: DGM / Venjakob

Platz, Funktionen, Optik – alles muss bei einem

neuen Schrank passen. Foto: DGM / Schüller

Welcher Schrank

ist der richtige?

Stauraum Steht, passt und wackelt nicht: Kastenmöbel sollen ein großes Platzangebot

bieten, aber trotzdem eine gute Figur machen.

D

er Begriff „Kasten

möbel“ klingt etwas

eingestaubt, meint

aber heute wie früher

allerlei Schränke, die

kastenförmig hergestellt werden

– von der kleinen Kommode im

Wohnzimmer über die Küchenschränke

bis hin zum großen

Kleiderschrank im Schlaf- oder

Ankleidezimmer. „Gemeinsam

haben Kastenmöbel schon immer,

dass sie Stauraum bieten

und dabei eine gute Figur machen

sollen“, weiß Jochen Winning,

Geschäftsführer der Deutschen

Gütegemeinschaft Möbel

(DGM). Heute muss das Möbeldesign

dabei individuell sein,

um genau das richtige Platzangebot

zu bieten und optisch

bestmöglich zu gefallen. Diese

Tipps helfen bei der Suche nach

dem passenden Kastenmöbel.

Weniger

Stauraum

ist die bessere

Wahl, als die

Wohnung wie

beim Tetris

zuzubauen.

Jochen Winning

Geschäftsführer DGM

Qualität statt Quantität

Mehr Staufläche ist ein wesentliches,

aber nicht das einzig wichtige

Entscheidungskriterium für

ein neues Kastenmöbel. Daher

sollte das Möbelstück nicht viel

größer sein als es zum Zeitpunkt

der Kaufentscheidung notwendig

ist. Ein Schrank muss nicht die

ganze Wand abdecken, nur um

Jahr für Jahr mit weiteren Dingen

befüllt zu werden. Und Küchenmöbel

müssen nicht bis unter die

Decke reichen, um die Arbeitsabläufe

in der Küche harmonisch

aufeinander abzustimmen. Besser

ist es, auf Ordnung, Qualität

und die individuell passenden

Funktionen zu setzen. „Weniger

Stauraum, der sinnvoll und effizient

genutzt wird, ist allemal die

bessere Wahl, als die Wohnung

wie beim Tetris zuzubauen. Dann

kommt auch ein einzelnes Möbelstück

viel hochwertiger zur

Geltung“, sagt Winning. Das

RAL-Gütezeichen „Goldenes M“

kennzeichnet Möbel, deren Qualität

gründlich geprüft wurde,

und die damit für viele Jahre ein

guter und sicherer Begleiter sind

– in der Singlewohnung ebenso

wie in einem Haushalt mit Kindern.

Und wenn der Bedarf an

Stauraum das Platzangebot eines

Tages doch übersteigt, kann fast

immer das eine oder andere Teil

ausgemistet werden.

Farbe und Wirkung

Ob ein Möbelstück gefällt, hängt

maßgeblich von dessen Farbe ab.

Allerdings kann auch der schönste

Schrank an seinem vorgesehenen

Platz ganz anders aussehen

als im Möbelhaus. Während ein

großer dunkler Schrank ein Zimmer

insgesamt kleiner wirken


SCHRÄNKE 13

lässt, kann ein helles Möbelstück

den gesamten Raum scheinbar

vergrößern. Eine wilde Holzmaserung

oder ein greller Farbakzent

mögen auf Anhieb echte

Hingucker sein, können aber auf

Dauer als unruhig empfunden

werden. Auch das Zusammenspiel

einzelner Einrichtungsgegenstände

mit Farben und Materialien

an Wänden, Boden und

Decke beeinflusst die Optik in der

Wohnung maßgeblich und sollte

daher bei der Auswahl neuer Möbel

berücksichtigt werden. „Es ist

immer sinnvoll, Farbbeispiele ins

Möbelhaus mitzubringen, oder,

wenn möglich, auch ein Farbmuster

des neuen Möbels mit nach

Hause zu nehmen, um die Wechselwirkung

von vorhandener und

neuer Wohnungseinrichtung zu

prüfen“, sagt Möbelexperte Winning.

Auf das Material achten

Das verbaute Material neuer Kastenmöbel

sollte nicht nur qualitätsgeprüft

sein – Stichwort „Goldenes

M“ – sondern muss auch

zum künftigen Standort und Besitzer

passen. Küchen- und Badmöbel

etwa müssen Spritzwasser

sowie Schwankungen der Temperatur

und Luftfeuchtigkeit gewachsen

sein. Kastenmöbel im

Kinderzimmer dagegen sind

nicht selten Kletterversuchen sowie

Kratz- und Geschmackstests

der jüngsten Mitbewohner ausgesetzt.

„Die allermeisten Qualitätsmöbel

werden für bestimmte Anwendungsbereiche

hergestellt

und entsprechend getestet und

ausgewiesen. Fehlt in der Produktinformation

der Hinweis

etwa auf die Tauglichkeit für das

Badezimmer, sollte der Möbelkauf

nicht leichtfertig getätigt

werden“, rät Winning. Leichtfertig

seien beispielsweise auch

Glasschränke oder andere pflegeintensive

Materialien im Kinderzimmer.

Tipps für Putzmuffel

Allgemein sollte der künftige

Pflegeaufwand bei der Wahl neuer

Kastenmöbel berücksichtigt

werden. Familien mit kleinen Kindern

und Haustieren haben in der

Regel ein höheres Reinigungsaufkommen

als Paare oder Familien

mit älteren Kindern. Entsprechend

sollte die Wahl für oder gegen

ein reinigungsintensives

Oberflächenmaterial wie Glas

oder eine leichter sauber zu haltende

Lackfront gut abgewogen

werden. Auch Massivholzmöbel

brauchen jährlich etwas Pflege,

dafür sind sie aber besonders robust

und unkompliziert in der regelmäßigen

Reinigung, da ihre

Oberflächen antistatisch sind und

sie daher keinen Staub anziehen.

„Das Angebot an Kastenmöbeln

wird immer vielfältiger. Endverbraucher

sollten sich Zeit nehmen

und gezielt suchen, um ihre

neuen Möbel ganz individuell auf

ihre Bedürfnisse hin auszuwählen

und zu konfigurieren – dann bereiten

sie ihnen viele Jahre Freude“,

schließt der DGM-Geschäftsführer.


DGM/FT

Ein kleiner

Leitfaden

Schränke aus Massivholz:

Diese Modelle punkten mit

Qualität und sind wertbeständig.

Ob modern, puristisch,

rustikal oder romantisch –

alle Stilrichtungen sind möglich.

Je nach Holzart kann die

Außenseite Patina ansetzen.

Mit Spiegel: Solche Schränke

öffnen den Raum. Die Oberfläche

muss allerdings häufiger

feucht poliert werden.

Fronten in Hochglanz: Die

glatten Elemente wirken eher

modern und kühl. Soll sich

der Schrank optisch mit der

Wand zusammenfügen, bieten

sich monumentale Hochglanz-

Fronten in hellen Farbnuancen

an. Mit Details: Zierfräsungen,

abgerundete Ecken,

abgesetzte Griffleisten oder

ein umlaufender Rahmen geben

dem Schrank Charakter

und sorgen für Gemütlichkeit.

Auch zu bedenken ist: Da die

Elemente des Schrankes mehrmals

täglich angefasst werden,

sollten nur solche Materialien

gewählt werden, die man auf der

Haut als angenehm empfindet.


14

INTERVIEW

Drei Dinge verraten den

persönlichen Stil

Raumgestaltung Die Tage werden kühler, es wird früher dunkel. Mit dem Wetter und der

Corona-Gefahr verdüstert sich bei vielen Menschen die Stimmung. Katia Steilemann gibt

Tipps, wie man heiter durch die kalte Jahreszeit kommt. Interview von Claudia Linz

Schon vor ihrem Umzug

von Brasilien nach

Deutschland wusste die

damals 25-Jährige, dass

Räume Emotionen beeinflussen.

„Aber erst, nachdem ich den kalten,

dunklen und ungemütlichen

Winter in meiner neuen Heimat

erlebt habe, ist mir so richtig klar

geworden, wie sehr unser Zuhause

uns sogar aufheitern

kann“, sagt Katia Steilemann, Expertin

für gesunde Lebensräume.

Wie kam es dazu? Hatten

Sie ein Aha-Erlebnis?

KATIA STEILEMANN: Ich weiß

noch genau, wie ich einmal am

Frühstückstisch saß und keine

Lust hatte, meine Kunden anzurufen.

Ich sagte zu mir „wie soll

ich bitteschön Lebensfreude und

Leichtigkeit ausstrahlen, wenn

meine Stimmung so grau wie das

Wetter draußen ist?“ Mir fehlte

der blaue Himmel – und so kam

es, dass ich die Wand im Garten,

die ich von meinem Tisch aus

sehen kann, in einem schönen

Blau gestrichen habe. Ich war beeindruckt,

welch positiven Effekt

das auf mein Gemüt hatte. Wenn

ich heute merke, dass bei mir die

Stimmung sinkt, setzte ich mich

mit einer Tasse Tee vor die

Wand und rufe meine Lieblingsleute

an.

Welche Maßnahmen können

noch helfen?

Wir müssen weg von „schön und

trendig wohnen“ hin zu „persönlich

und authentisch wohnen“.

Das bedeutet, in sich hineinzuspüren

und zu erkennen, was einem

gut tut.

Wie funktioniert das?

Bevor ich einen Raum verändere,

ist es hilfreich, zu wissen, was

mich stört oder was mir fehlt.

Wir sind so betäubt von Social

Media und Designtrends, dass

wir gar nicht mehr wissen, was

unser Geist wirklich liebt. Wir

Katia Steilemann ist Expertin für gesunde Raumgestaltung und

Präventologin und wohnt in Köln. Sie beschäftigt sich mit der

Auswirkung von Räumen auf die Gesundheit und hilft Menschen,

eine Umgebung zu schaffen, in der es ihnen gut geht. Foto: Privat

kopieren einfach, was wir in

Zeitschriften, beim Nachbarn

oder bei Freunden gesehen haben,

und wundern uns dann,

dass wir uns daheim immer noch

nicht wohl fühlen. Wir sind nicht

mehr authentisch und umgeben

uns mit Sachen, die uns persönlich

nicht ansprechen, stimulieren

oder dabei helfen, zu regenerieren.

Wie gehen Sie vor?

Bevor ich etwas verändere, mache

ich die Übung „Augen auf!“

Das kann jeder tun und funktioniert

so: Zum Aufwärmen nehmen

Sie das Wartezimmer beim

Arzt. Wie sieht es aus? Welche

Gefühle kommen hoch, wenn

man mit gesundheitlichen Sorgen

mehr als 30 Minuten warten

muss? Wie bequem sind die

Stühle? Wie hell ist das Licht?

Nach was riecht es? Welche Gegenstände

fallen auf? Diese

Übung schult die Achtsamkeit.

Gehen Sie dann mit diesem neuen

Blick durch die eigene Wohnung

und achten Sie darauf, was

Ihnen auffällt. Unsere Räume

sind ein Spiegel unserer Seele

und wir lernen, sie bewusst

wahrzunehmen. Sie können uns

verraten, wie es uns seelisch

geht, und sie können uns in guten

wie in schwierigen Zeiten

unterstützen. Gerade in der

Herbst- und Winterzeit, in der

wir mehr Zeit drinnen verbringen,

brauchen wir Räume, die

uns Energie schenken, motivieren

und in denen wir uns geborgen

fühlen.

Drei Tipps, um das

Zuhause schnell

aufzupeppen

Mit drei Maßnahmen kann man laut

Katia Steilemann sein Zuhause

schnell aufpeppen, wenn es einem

nicht gut geht.

Lichtblick: Das allerwichtigste

1 ist, sich einen Ort im Haus mit viel

Tageslicht zu suchen. So kann man

zum Beispiel den Arbeitsplatz unter

ein Fenster verlegen oder dort einen

Stuhl mit gemütlichen Kissen und einer

kuschelige Decke aufstellen, um

sich dort emotional aufzuladen. Am

liebsten noch mit dem Blick ins Grüne,

einen Park oder einen Baum.

Bildwechsel: Wir tendieren

2 dazu, wie im Ärztewartezimmer,

die selben Bilder über viele Jahre an der

Wand hängen zu lassen und nehmen

sie gar nicht mehr bewusst wahr. Daher:

Einfach mal ein Bild zum Beispiel

vom Schlafzimmer mit einem vom

Wohnzimmer tauschen. Unsere Sinne

freuen sich über das Neue.

Flower-Power: Die schönsten

3 Blumen kaufen, die man finden

kann, und diese an einem prominenten

Ort in der Wohnung aufstellen.

Welche Rolle spielen Farben in

einem Raum und wie findet man

die perfekte Farbkombination?

Farben sind etwas sehr persönliches

und wirken je nach

Raum unterschiedlich. Auch können

ältere Menschen etwa mit


INTERVIEW 15

Pastelltönen nicht viel anfangen.

Sie brauchen kräftigere Farben,

um sie wahrzunehmen und sich

zu orientieren. Um herauszufinden,

welche Farben und Kombinationen

einem Menschen gut

tun, mache ich mit meinen Kunden

gerne ein kleines „Farben-Quiz“.

Man nimmt dazu ein

beliebig großes Buntstifteset

und legt es vor sich auf den

Tisch. Dann schließt man die

Augen und überlegt, welches Gefühl

man verstärken möchte.

Zum Beispiel: „Ich möchte mehr

Mut empfinden.“ Dann öffnet

man die Augen und nimmt die

erste Farbe aus dem Set, die einem

ins Auge springt und „Mut!“

schreit. Meldet sich keine der

Farben direkt, nimmt man der

Reihe nach einen Stift nach dem

anderen in die Hand und fragt

sich, ob diese Farbe Mut erweckt.

Am Ende hat man dann

meist zwei bis vier Farben in der

Hand. Passt die Farbkombination,

nimmt man die Stifte mit auf

einen Rundgang durch die Wohnung.

Dabei wählt man Gegenstände

mit diesen Farben aus

und stellt sie möglichst dort auf,

wo man viel Mut braucht, zum

Beispiel im Büro.

Was sollte man bedenken, wenn

man seine Wohnung neu einrichten

oder renovieren möchte?

Dass jede Veränderung im Raum

etwas in unserem Leben in Bewegung

setzt. Wenn man renoviert

oder neu einrichtet, wird man automatisch

Gegenstände anpacken

und Räume betreten, die man lange

nicht gesehen hat. Auf emotionaler

Ebene heißt das auch, dass

Themen, die wir „unter den Teppich“

gekehrt haben oder in dunkle

Ecken versteckt haben, wieder

ans Licht kommen. Daher begleite

ich meine Kunden auch emotional

mit mentalem Coaching,

wenn sie größere Veränderungen

in ihren Räumen vorhaben.

Wie findet man den eigenen Stil?

Ich merke, dass ein Haus einen eigenen

Stil und Persönlichkeit hat,

wenn ich drei Dinge darin wiederfinde.

Das sind zum ersten Gegenstände

oder Muster, die die kulturellen

Wurzeln darstellen, die Herkunftsfamilie

abbilden oder Landschaften

der eigenen Heimat

zeigen. Dazu kommen zweitens

Dinge, die zeigen, wohin es für die

Bewohner gehen soll. Das können

zum Beispiel Gegenstände oder

Bilder sein, die ein Reise- oder Lebensziel

zeigen oder eine Emotion

hervorrufen sollen. Das dritte

sind Sachen, die den Bewohner

selbst repräsentieren und die man

nicht in jedem Haushalt oder Shop

finden kann, also etwa ein besonderes

Kunstwerk oder ein ausgefallener

Teppich. Das kann aber

auch eine Kochschürze sein, die

prominent in der Küche hängt.

Kann man einrichten eigentlich

lernen und gibt es so etwas wie

ein Rezept für gelungenes Innendesign?

Ja, das kann man lernen, und es

gibt schon einige Regeln, denen

man folgen kann, um einen Raum

zu schaffen, in dem man sich

gleich wohlfühlt. Ein schneller

Tipp: Wenn Sie an der Tür stehen,

in den Raum sehen und sich vorstellen,

dass er auf einer Wasserwaage

steht, würde er dann auf einer

Seite kippen? Stehen vielleicht

zu viele Sachen nur rechts im

Raum? Wenn ja, dann kann man

das ausgleichen, indem man zum

Beispiel eine Stehlampe, ein Bild

oder eine Pflanze auf der linken

Seite platziert. Es geht im wesentlichen

darum, Balance zu schaffen.

Wie wohnen Sie eigentlich

selbst?

Das erste Wort, das mir in den

Kopf kommt, ist „tropisch“, das

zweite „hell“. An den Wänden

hängen selbstgemalte Bilder

von Stränden und exotischen

Vögeln, den Esszimmertisch bildet

ein halber Baumstamm, zu

dem ich weiße Designerstühle

gestellt habe und es gibt ein

paar Pflanzen, die mich an meine

Heimat Brasilien erinnern.

Etwas, was mir immer wichtig

ist bei der Wahl meiner Wohnungen

in Deutschland sind:

viele und große Fenster, damit

ich meine Lebensfreude im

Winter nicht verliere.

Webseite: www.steilemann.com

Drei Tipps, um die

Stimmung zu heben

Katja Steilemann hat drei Tipps parat,

die die Stimmung heben und dabei

helfen können, mit Energie in den Tag

starten zu können und die eigenen

Emotionen in Harmonie zu bringen:

1Eine schöne Tagesbettdecke

oder einen Überwurf auswählen

und jeden Morgen das Bett

machen: Das signalisiert unserem

Unterbewusstsein, dass der Tag anfängt

und gibt uns das Gefühl, schon

etwas erledigt zu haben. Für Menschen

in einer Paarbeziehung symbolisiert

der Überwurf einen stärkeren Zusammenhalt.

Es gibt nichts Schöneres, als

in der dunklen Jahreszeit eine starke

und harmonische Beziehung zu haben.

Löcher oder Risse an den

2 Wänden und Böden schliessen:

Wenn wir unser Haus als unsere

zweite Haut betrachten, symbolisieren

diese Löcher „offene emotionale

Wunden”. Deshalb lohnt es sich, Löcher

auch hinter Bildern und Gardinen

zu schließen.

Ausgebrannte und Glüh-

3 birnen mit kaltem, zu grellem

Licht austauschen: Wir suchen

Gemütlichkeit und Geborgenheit

in der kalten Jahreszeit, außerdem

symbolisieren Lampen und Leuchten

unsere eigene Vitalität.


16

OFEN UND HEIZUNG

Träumen ist erlaubt:

Ein Pelletofen sorgt

für ein gemütliches

Ambiente und bietet

einen Wirkungsgrad

von über 90 Prozent.

FOTO: ADK/WWW.KACHELOFENWELT.DE/GUTBROD

Ein Blickfang, der

begeistert: Ein

Grundofen erfüllt

ganz persönliche

Wohnträume.

Wohnträume mit

Wärme gestalten

Heizung Moderne Holzfeuerstätten geben Räumen ein neues Ambiente.

Kommt der Winter mit

klirrender Kälte, tut die

Wärme in den eigenen

vier Wänden gut. Deshalb

sollte man jetzt die Heizungen

auf den neuesten Stand bringen.

Mit Blick auf den Umweltschutz

rückt dabei nachhaltiges

Heizen verstärkt in den Fokus:

Moderne Holzfeuerstätten gestalten

Wohnträume mit Wärme

durch erneuerbare Energien. Jeder

dieser Träume ist ein ganz

persönlicher – und die Verwirklichung

dieser Wünsche durch

eine sorgsame Planung sorgt

für ein stimmiges Ambiente im

Raum: Ein von einem qualifizierten

Ofen- und Luftheizungsbauer

entworfener und handwerklich

gebauter Kachelofen, Heizkamin,

Kaminofen, Grundofen

oder Kachelherd gibt dem Zuhause

ein besonderes Gesicht.

Unikate als Blickfang

Der Charakter dieser Unikate ist

ein Blickfang – angefangen bei

der Farbe, Form, Struktur und

dem Material der Ofenkeramik.

Fachbetriebe greifen damit nahezu

jede individuelle Innenarchitektur

auf und verfeinern

sie zum Beispiel mit einem Design-Ofen,

einem klassischen Solitärofen

oder einem Ofen im antiken

Stil.

Durch neue und konsequent

weiterentwickelte Techniken

bieten die natürlichen Wärmequellen

einen großen Gestaltungsspielraum.

Sie können einzelne

Räume beheizen oder als

modulares Heizsystem stufenweise

zu einem Energiezentrum

für das ganze Haus ausgebaut

werden. Dieses System lässt sich

auch mit anderen Heizanlagen

wie Solarthermie oder Photovoltaik

intelligent vernetzen. Das

Herzstück eines modularen

Heizsystems kann ein Kachelofen

mit Wassertechnik sein, der

mit einem Pufferspeicher kombiniert

wird. Er bietet so nicht

nur gemütliche Wärme, sondern

sorgt auch für warmes Wasser.

Effizient heizen

Spezielle Ausstattungen machen

Kachelöfen, Heizkamine und Kaminöfen

zu Trendsettern bei effizientem

Heizen: Eine elektronische

Abbrandsteuerung bietet

Komfort auf Knopfdruck. Sie

sorgt für eine umweltfreundliche

Verbrennung mit niedrigerem

Brennstoffverbrauch und

höherem Wirkungsgrad, denn

sie misst die Temperatur im Feuerraum,

regelt die Luftzufuhr

vollautomatisch und bietet einen

optimalen Abbrand und Erhalt

der Wärme.

AdK


OFEN UND HEIZUNG 17

Feuer-Flair im fünften Stock

Gaskamin Mitten in der Stadt wohnen und die angenehme Wärme und wohltuende

Gemütlichkeit eines Kamins genießen? Ein Gaskamin oder Gaskaminofen ist die Lösung.

Die ersten Gaskamine kamen

um das Jahr 1900

auf den Markt. Ihr Siegeszug

begann in Großbritannien,

hierzulande wächst

die Nachfrage aktuell im zweistelligen

Bereich. Denn Gaskamine

verbinden das Beheizen des

Wohnraums mit dem Wunsch

nach höherem Wohnkomfort: Sie

sind formschöner Lifestyle und

sind die Lösung für alle, die wegen

ihrer baulichen Wohnsituation

oder Vorschriften der Behörden

keine Holzfeuerstätte nutzen

dürfen, aber nicht auf das Flair eines

Feuers verzichten wollen.

Qualifizierte Ofen- und Luftheizungsbauer

passen das Design

an die Umgebung an – zur Auswahl

stehen eine ganze Reihe von

Gas-Feuerstätten: drehbare Kamine,

mit einem sehr großen Sichtfenster,

freistehende Kaminöfen

mit einem Rundum-Flammenpanorama

und viele andere Modelle.

Zusätzlich kann ein Wärmetauscher

beheizt werden, der Wasser

für die Zentralheizung, zum Duschen

oder Waschen erwärmt. Je

nach Ausstattung und Größe erzielen

Gaskamine Leistungen zwischen

drei und acht kW, der Wirkungsgrad

beträgt bei geschlossenen

Verbrennungssystemen rund

75 Prozent – damit liegt eine behagliche

Wärme im Raum und die

Heizung kann öfter mal ausgelassen

werden.

genutzt, viele Modelle sind auch

für Flüssiggas (Propan) geeignet.

Für den Betrieb darf in Wohnräumen

eine 11-Kilogramm-Gasflasche

aufgestellt werden, deren Inhalt

im Schnitt für einen Kaminbetrieb

von 25 Stunden ausreicht.

Erdgas verbrennt sauber, mit

minimalsten Rückständen und

schadstoffarm: Die Nachbarn

bekommen es deshalb gar nicht

mit, wenn der Gaskamin läuft.

Mit Blick auf den Brandschutz

dürfen die Wärmequellen nur von

qualifizierten Ofen- und Luftheizungsbauern

errichtet und von einem

Gasinstallateur angeschlossen

werden.

AdK

Wärme auf Knopfdruck

Diese Wärme gibt es auf Knopfdruck:

Das authentische Feuer

startet per Fernbedienung, teilweise

auch über eine Smartphone-

oder Tablet-App. Die Sauerstoff-Zufuhr

wird automatisch geregelt.

Stufenlos lässt sich das

Spiel der Flammen regulieren. Die

gewünschte Temperatur wird mit

der Steuer- und Regeltechnik über

ein Raumthermostat eingestellt

und gehalten: Die Raumtemperatur

fährt zum gewünschten Moment

hoch, das Kaminfeuer flackert

zum Beispiel direkt beim

nach Hause kommen.

Schadstoffarmes heizen

In der Regel wird für Gaskamine

der vorhandene Erdgasanschluss


18

HOMEOFFICE

Die erweiterbare Arbeitsfläche kann kinderleicht ins Möbelstück eingeschoben werden.

Verwandlungskünstler

im Alltag

Arbeiten Neue Homeoffice-Möbel aus Massivholz

FOTO: IPM/MÖBELWERKE A. DECKER

abend kann das Element dann

einfach wieder zusammengeschoben

werden, sodass vom

Arbeitsalltag nichts mehr zu

sehen ist. „Das bietet Nutzern

immense Flexibilität in einem

attraktiven Design“, sagt Andreas

Decker, Geschäftsführer

und Mitglied der IPM. Akten,

Unterlagen und Elektrogeräte

lassen sich ebenfalls verstauen.

Damit passt sich das Massivholzmöbel

der gewünschten

Wohnsituation harmonisch

an und ist räumlich sowie optisch

integrierbar. „Das Arbei-

Das Arbeiten

im Homeoffice

kann funktionieren

und gut aussehen.

Andreas Decker

Geschäftsführer der IPM

Das Arbeiten von zu

Hause hat sich in vielen

Branchen etabliert.

„Um das problemlos

zu ermöglichen, sollte

neben der technischen Ausstattung

ebenso auf ein

komfortables Arbeiten an einem

festen Platz geachtet werden.

Auch wer keinen separaten

Büroraum im Haushalt besitzt,

findet gute Lösungen“,

weiß Andreas Ruf, Geschäftsführer

der Initiative Pro Massivholz

Der klassische Sekretär für

das Wohnzimmer kann hierbei

eine passende Lösung

sein. Er kommt mit nur wenig

Platz aus und die erweiterbare

Arbeitsfläche kann kinderleicht

ins Möbelstück eingeschoben

werden. Eine weitere

ausgeklügelte Lösung stellt

ein neuentwickeltes Sideboard

dar. Mit nur wenigen Handgriffen

kann daraus eine geeignete

Arbeitsfläche für das

Homeoffice geschaffen werden.

Das dreigliederige Möbelstück

wird durch Verschieben

eines Korpusses, an welchem

die Schreibtischplatte befestigt

ist, ausgezogen und so

kurzerhand zum Schreibtisch

umfunktioniert. Zum Feier-

ten im Homeoffice kann damit

nicht nur sehr gut funktionieren,

sondern auch toll aussehen“,

verspricht der Massivholzspezialist.

Auch ein wohngesundes

Raumklima, das die

Konzentration fördert, garantiere

das massive Möbel und

setze zeitgleich einen wohltuenden

Gegenpol zu den digitalen

Medien aus dem Arbeitsalltag.

IPM/RS


HOMEOFFICE 19

Lichte Momente

Beleuchtung Seit Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr arbeiten viele

Menschen in ihrem Zuhause. Dort brauchen sie nicht nur Schreibtisch, Bürostuhl und

Laptop, sondern auch gutes Licht, um konzentriert im Homeoffice arbeiten zu können.

Angenehmes Licht

fördert die Konzentration

und die Augen

ermüden nicht

so schnell. Daher

ist es besonders im Homeoffice

wichtig, auf gute Lichtverhältnisse

zu achten. Doch was

bedeutet das genau? Die wichtigsten

Fragen und Antworten:

Wo steht der Schreibtisch?

Helles Tageslicht aktiviert Körper

und Geist. Wenn möglich

steht der Schreibtisch senkrecht

zum Fenster. „Das seitlich hereinströmende

Licht blendet weniger

als frontales Tageslicht“,

erklärt Andreas Wojtysiak von

der Bundesanstalt für Arbeitsschutz

und Arbeitsmedizin.

Den Schreibtisch sollte man

passend zum Lichteinfall ausrichten.

Für Rechtshänder bedeutet

dies: Das Tageslicht sollte

über die linke Schulter fallen,

bei Linkshändern genau andersrum.

So verhindert man, dass die

Schreibhand Schatten wirft.

Wie hell soll es sein?

Mit Tageslicht könne man laut

Wojtysiak 1000 bis 2000 Lux am

Arbeitsplatz erreichen. Zum Vergleich:

Im Büro sind mindestens

500 Lux auf der Schreibtischfläche

vorgeschrieben. Lux kennzeichnet

die Intensität, mit der

eine Fläche beleuchtet wird. Den

Wert könne man mit einem Luxmeter

messen, erklärt Jürgen

Am besten steht der Schreibtisch nah am Fenster.

Waldorf von der Brancheninitiative

licht.de. Für einen ungefähren

Richtwert reichen meist

auch Apps. Grundsätzlich gilt:

„Ältere Arbeitnehmer brauchen

mehr Licht als jüngere“, so Waldorf.

Soll man Licht kombinieren?

Oft reicht Tageslicht nicht aus,

um den Arbeitsplatz zu beleuchten.

Eine gute Ergänzung sind

dann tageslichtweiße Lampen –

sie sind am hellsten und damit

am besten geeignet. Ihre Farbtemperatur

reicht bis zu 6000

Kelvin. „Je kühler die Farbe, desto

mehr Blauanteile hat das

Licht“, erklärt Peter Schick von

der Stiftung Warentest. Die Blauanteile

helfen uns, morgens aktiv

zu werden beziehungsweise

abends wach zu bleiben.

Welche Beleuchtung ist gut?

„Ein Schreibtisch wird am besten

von oben hell und vollflächig

beleuchtet, entweder mit einer

Decken- oder einer Stehleuchte“,

rät Wojtysiak. Wichtig ist,

die Leuchte außerhalb des Sichtbereiches

zu befestigten. Sie

sollte das Licht weit über der

Kopfhöhe abgeben, damit sie

nicht blendet. Schick empfiehlt,

eine LED-Röhre über oder hinter

dem Monitor zu befestigen.

Das verhindere auch Spiegelungen.

Für Video-Konferenzen

empfiehlt Waldorf, zusätzlich

Foto: Valentina Barreto / dpa

eine Leuchte frontal oberhalb

des Bildschirms anzubringen,

um das Gesicht gleichmäßig auszuleuchten.

Wie gelingt Farbwidergabe?

„Wem beim Arbeiten eine genaue

Farbwiedergabe wichtig ist,

der sollte eine Lichtquelle mit einen

Ra-Wert zwischen 90 und 95

oder noch höher wählen“, rät

Wojtysiak. Gute LEDs erreichen

meist einen Wert von 98. Halogenlampen

kommen dem Tageslichtwert

von 100 am nächsten.

Aber man sollte sie nur kurzzeitig

einsetzen, rät Schick. Denn

Halogenlampen werden im Vergleich

zur LED heiß und sie halten

kürzer. Evelyn Steinbach, dpa


20

KINDERZIMMER

Selbstständigkeit fördern

Kindermöbel Möbel im Kinderzimmer sollten sicher sein. Im Idealfall können sie sogar die Entwicklung

des Nachwuchses unterstützen. Worauf Eltern deshalb beim Einrichten achten sollten.

Regale – so können Kinder ihre

Lieblingsbücher einfach greifen

und wieder verstauen. Die Bücher

stehen dabei so im Regal,

dass das Kind den Titel sehen

kann. Im Regal sollten aber nicht

zu viele Dinge lagern. „Es reichen

drei bis vier Spielzeuge, die

man austauschen kann“, rät Andreas

Kalbitz, Geschäftsführer

der Bundesarbeitsgemeinschaft

„Mehr Sicherheit für Kinder“. So

kann sich das Kind intensiver

mit einer Sache beschäftigen.

Ein offenes Regal kann sinnvoll

sein. Foto: VDM/Hülsta/dpa-tmn

Niedrige Betten, offene

Regale, Kleiderständer

auf Augenhöhe: Aktuelle

Möbel für Kleinkinder

sehen modern und stylisch

aus. Doch oft geht es dabei

um eine andere, viel ältere Idee:

Kinder schon früh in ihrer

Selbstständigkeit zu fördern.

Dahinter steckt das Montessori-Prinzip.

Es ermöglicht Kindern

den freien Zugang zu vielen

alltäglichen Aufgaben und

unterstützt so ihre Entwicklung:

Dazu gehören schlafen und aufstehen,

Kleidung aussuchen und

anziehen, Spielsachen auswählen

und aufräumen. „Das Mobiliar

ist auf die Größe der Kinder

ausgerichtet“, erklärt Andrea

Donath, Leiterin Pädagogik und

Bei einem niedrigen Bett kann sich ein Kind selbst hinlegen. Das Gestänge

fördert das Geborgenheitsgefühl. Foto: VDM/Paidi/dpa-tmn

Ausbildung beim Montessori

Bundesverband in Berlin.

Vom Nestchen zum Niedrigbett

„Wenn ein Kind auf die Welt

kommt, kann es bereits in einem

kleinen Nest, dem Cestina, zur

Ruhe und zum Schlafen finden.

Dieses wird auf den Boden gelegt,

damit schon Neugeborene

ihre Umgebung auf Augenhöhe

wahrnehmen können“, erklärt

Donath. In das Nest legen Eltern

ein Kissen, bei Montessori „Topponcino“

genannt, an das sich

das Baby gewöhnt. Das vertraute

Gefühl begleitet es, wenn Eltern

das Kissen etwa in den Kinderwagen

umbetten. Gitterbetten

kommen in der Montessori-

Pädagogik nicht vor. Beliebt für

etwas größere Kinder sind derzeit

niedrige Betten, die einem

Zelt oder Haus ähneln. „Gestänge

und Tücher sollen ein Gefühl

der Geborgenheit vermitteln“,

erläutert Christine Scharrenbroch

vom Verband der Deutschen

Möbelindustrie in Bad

Honnef.

Offene Regale

Ab einem Alter von zwei bis

sechs Jahren sind offene, halbhohe

Regale nützlich. „Sie helfen

Kleinkindern, sich daran entlang

zu hangeln und Spielzeuge auszuwählen“,

sagt Donath. Wichtig

ist dabei natürlich, dass die

Regale sicher an der Wand angebracht

sind. Für Bücher gibt

es oft stufenförmig angelegte

Niedrige Kleiderstangen

„Kleiderstangen auf Augenhöhe

und offene Kleiderschränke helfen

ebenfalls, die Mitsprache der

Kinder zu fördern“, erläutert die

Montessori-Pädagogin. Donath

rät: Eltern sollten eine Vorauswahl

treffen. „Es reicht, wenn

von jedem Bekleidungsstück

zwei da sind, also zwei verschiedene

Hosen, T-Shirts, Pullover.“

Die Kinder können sich dann

zwischen diesen Kleidungsstücken

entscheiden.

In jedem Kinderzimmer sollten

außerdem ein kleines Stühlchen

und ein Tisch stehen. Daran

können Kinder essen, malen

und spielen, so Donath. Statt

Kunststoff oder Metall seien

Holzmaterial und Textilien ratsam,

da sie besonders gemütlich

wirken. „Bei Sitzkissen oder Hockern

sollten die textilen Bezüge

abnehmbar sein und sich waschen

lassen“, rät Scharrenbroch.

Evelyn Steinbach, dpa

Offene,

halbhohe

Regale helfen

Kindern,

Spielzeuge

auszuwählen.

Andrea Donath

Montessori-Pädagogin

In jedem Kinderzimmer sollten ein Tisch sowie Stühle zum Malen,

Basteln und Spielen stehen.

Foto: VDM/Paidi/dpa-tmn


SICHERHEIT FÜR KINDER 21

Gute Lichtquellen und eine

fachgerechte Installationen

eben jener tragen zur

Sicherheit im gesamten

Haus bei. Foto: Hager

und alarmiert die Eltern rechtzeitig

vor der Gefahr.

Licht ins Dunkel bringen

Viele Kinder wachen nachts auf,

da sie zur Toilette müssen oder

schlecht geträumt haben und anschließend

den Weg in das Elternschlafzimmer

suchen. Damit sie

sich bei ihrem nächtlichen Ausflug

nirgends stoßen oder über

herumliegendes Spielzeug sowie

andere Gegenstände stolpern,

ist die Installation von Bewegungsmeldern

oder Orientierungslichtern

ratsam. Das dadurch

Experten raten

zu Bewegungsmeldern.

FOTO: BUSCH-JAEGER

Aus Perspektive

der Kinder sehen

Prävention Mit diesen Maßnahmen wird das eigene Zuhause

für die kleinsten Bewohner bedeutend sicherer.

Die meisten Unfälle passieren

im Haushalt und

könnten durch richtiges

Verhalten und Prävention

oftmals vermieden werden.

Das Problem besteht hierbei in

erster Linie darin, dass sich viele

Eltern der Gefahren im eigenen

Zuhause gar nicht bewusst

sind, oder diese unterschätzen.

Obwohl ungefähr 60 Prozent

aller Unfälle in den eigenen vier

Wänden stattfinden, wird das

Unfallrisiko im Straßenverkehr

in der Regel wesentlich höher

eingestuft. Sobald die Kleinen

mit dem Krabbeln beginnen, ist

daher äußerste Vorsicht geboten.

„Ist die Neugier der kleinen

Entdecker erst einmal geweckt,

kennen sie oft kein Halten mehr

– und keine Vorsicht“, warnt

Stefan Holitschka von der Initiative

Elektro+. „Dann können

auch Steckdosen schnell zum

Spielobjekt und damit zu einem

nicht zu unterschätzenden Risiko

werden.“

Um Gefahrenquellen besser

einschätzen zu können, hilft es,

sich einmal auf den Boden zu

setzen und die Wohnung aus der

Perspektive des Kindes zu betrachten.

Was befindet sich alles

in Reichweite, was erscheint interessant?

Bereits mit kleinen

Maßnahmen können anschließend

potenzielle Gefahrenquellen

entschärft und der Nachwuchs

somit geschützt werden.

Steckdosen mit erhöhtem Berührungsschutz

sind ein Muss,

um Kinder vor Stromschlägen

zu schützen. Derartige Steckdosen

verfügen über eine innenliegende

Absicherung in Form

eines „Shutters“. Dieser öffnet

sich nur dann, wenn beide Löcher

gleichzeitig bestückt werden.

Entsprechende Vorkehrungen

sollten nicht nur im Kinderzimmer,

sondern möglichst bei

allen Steckdosen auf niedriger

Höhe getroffen werden. Ist die

Technik defekt oder ein Kabel

beschädigt, können elektrische

Geräte ebenfalls Stromschläge

auslösen. Daher ist zudem

die Installation eines Fehlerstrom-Schutzschalters,

kurz

FI-Schalter, wichtig. Dieser unterbricht

im Bruchteil einer Sekunde

den Stromkreis und rettet

so im Ernstfall Leben. Auf

diese Weise werden marode

Leitungen und fehlerhaftes

elektrisches Spielzeug nicht zur

tückischen Gefahrenquelle.

Lebensretter

Rauchwarnmelder

Unerlässlich für ein sicheres

Zuhause und mittlerweile bundesweit

verpflichtend sind

Rauchwarnmelder. Damit diese

einwandfrei funktionieren, sollte

beim Kauf unbedingt auf geprüfte

Qualität gesetzt werden:

Das Q-Zeichen, das in Verbindung

mit dem Prüfzeichen der

Prüfinstitute VdS Schadenverhütung

oder dem Kriwan Testzentrum

verwendet wird, gibt

darüber Auskunft. Für zusätzlichen

Schutz ist eine Vernetzung

der Melder per Funk empfehlenswert:

Entsteht im Kinderzimmer

ein Brand, schlägt dann

auch der Rauchmelder im

Schlaf- oder Wohnzimmer an

erzeugte Licht kann Verletzungen

vorbeugen. Im Kinderzimmer angebrachte

Nacht- oder Orientierungslichter

wirken zudem beruhigend

auf die ganz Kleinen. Mit

ihrem sanften Licht verbannen sie

die Dunkelheit und vermitteln dadurch

ein Gefühl von Sicherheit.

Für eine ausführliche Beratung

und fachgerechte Installation können

sich Interessierte an einen

Elektrofachbetrieb wenden. Ein

Experte in der Nähe ist ganz leicht

über die Fachbetriebssuche auf

der Website der Initiative Elektro+

zu finden: elektro-plus.com/

fachbetriebssuche.

pm


22

BAD

Wohlgefühl, Komfort,

Nachhaltigkeit und

mehr Spaß im Bad

Bad Nur kurz unter die Dusche zu springen war gestern. Heute

laden Licht und Musik, XL-Regenduschen und Badewannen für

Zwei zum längeren Verweilen ein.

Regenduschen, schlaue

Brausen, Badewannen

für zwei, komfortable

Wasserhähne und WCs

für Groß und Klein. Dazu viel

Farbe, Grünpflanzen, Möbel mit

riesigen Schubladen und jede

Menge Platz für flauschige Handtücher,

Kosmetik und Kinderspielzeug.

Dazu Kerzen, Leuchten,

Bilder, Hocker, kleine Tische

und Regale mit fröhlichen Sammelsurien.

Jedes kleinste Detail,

das entspannt und ein breites Lächeln

zaubert, wird willkommen

geheißen. Die Vereinigung Deutsche

Sanitärwirtschaft (VDS)

sagt, wo es in der neuen Badsaison

hingeht.

Champagne genießen

Kurz unter die Dusche springen,

das war gestern. Stattdessen locken

ultra- oder fliesenflache

Ausführungen mit perfekt integrierten

Abfluss-Lösungen zu

längerem Verweilen und sprechen

mit Licht und Musik alle

Sinne an. Zudem strömen Strahlarten

mit klangvollen Namen wie

Champagne oder Rain aus Decke

und Wand, verwöhnen den Körper

mit konstanter Temperatur

und streicheln die Seele sanft.

Wie gut, dass eine smarte Brause

in der Hand den Energieverbrauch

misst und auf diese Weise

mahnt, wie wertvoll die irdischen

Ressourcen sind.

Überhaupt ist „smart“ das Gebot

der Stunde, wird damit doch

umweltschonendes Verhalten im

eigenen Zuhause und Bad gleichgesetzt.

Ein bisschen Spaß muss

allerdings sein. Deshalb bleibt die

Sehnsucht nach dem Paradies auf

Erden in Gestalt einer freistehenden

Badewanne für zwei bestimmt

auf ewig bestehen. Bestenfalls

in Bicolor und zentral im

Raum platziert, lässt es sich dort

königlich Hof halten.

Viel Funktion in einer Farbe

Leider bestimmt das dafür erforderliche

Badezimmer im King-

Size-Format nicht den deutschen

Alltag. Im Gegenteil. Vielmehr

heißt es in Pandemiezeiten noch

enger zusammenzuleben, als es

die Einbuße an Platz in den Großstädten

ohnehin erzwingt. Praktischer

Komfort spielt daher zunehmend

eine wichtige Rolle. Somit

rücken Alleskönner, die verschiedene

Funktionen vereinen,

in den Mittelpunkt der Badausstattung.

Dusche besetzt? Macht gar

nichts, wenn am Waschbecken

eine Armatur mit ausziehbarem

Kopf für die Haarwäsche wartet.

Noch dazu kann man damit dem

Kleinkind die Füße abspülen

oder nach dem Spaziergang

Gummistiefel säubern. Bei Bedarf

und Knopfdruck wechselt

der Strahl von sanft auf füllig, so

wie es der Einsatz gerade erfordert.

Neben der Funktionalität

überzeugen die neuesten Wasserspender

mit edlen, schlanken

Konturen, verschiedenen Höhen

und Modellen für die Auf- bzw.

Unterputzmontage. Die Oberflächen

sind weiterhin vielfältig.

Den Ton jedoch gibt eindeutig

Schwarz an.


BAD 23

FOTO: VEREINIGUNG DEUTSCHE SANITÄRWIRTSCHAFT (VDS) / ©KERMI

Neuer Wirbel im und ums WC

Die eigentliche Nichtfarbe vereinnahmt

dabei alles. Selbst Accessoires

wie Toilettenbürste und

Papierrollenhalter folgen dem

Trend. Betrachtet man die WCbeziehungsweise

Dusch- WC-

Ausstattung aus technologischer

Sicht, dann konnten sich

die spülrandlosen Typen in relativ

kurzer Zeit durchsetzen.

Auch oder gerade, weil sie eine

besonders schnelle und gründliche

Reinigung ermöglichen.

Dabei sollte das Spülwasser

spritzfrei bis direkt unter den

Beckenrand geführt werden und

idealerweise nur wenige Liter

ausmachen.

Schon gibt es Modelle, die

dank neuer Wirbelkraft lediglich

drei für das kleine beziehungsweise

viereinhalb Liter

für das große Geschäft benötigen.

Zudem stehen Glasuren zur

Wahl, die antibakteriell wirken.

Optional sind integrierte Fächer

für WC-Duftsteine, die außerhalb

des Beckens, aber direkt

am Wasserzulauf liegen.

Am Dusch-WC sorgt hingegen

eine Geruchsabsaugung

für gute Luft. Wie die WC-

Sitz-Heizung und das Orientierungslicht

startet auch sie automatisch.

Die zweigeteilte Spültaste

ist nahezu Standard und

lässt mit Blick auf das

Design (fast) keine Wünsche

offen.

Holz und Blattpflanzen im Hoch

Apropos: Statt sich ihr Bad

sprichwörtlich einfach für die

schnelle Wäsche einzurichten,

investieren die Menschen nun

viel Geld und Elan in ein stilvolles

Ambiente. Dabei achten

sie laut Vereinigung Deutsche

Sanitärwirtschaft (VDS) besonders

auf Materialien und

Haptik – angefangen beim Armaturenhebel

bis hin zur besagten

WC-Betätigung. Sogar

in Sichtbeton, Marmor oder Eiche

ist sie jetzt zu haben.

Dass speziell Holz im Bad

die ersehnte Kommodität und

Gelassenheit ausstrahlt, beweisen

nicht zuletzt die schicken

Stauraum-Entwürfe zur

diesjährigen digitalen Badmesse

ISH. Darüber hinaus steht

das Material wie alle natürlich

gewachsenen Werkstoffe für

nachhaltiges Wohnen, an dem

in der Zukunft notwendigerweise

kein Weg vorbeiführt.

Das Hoch auf die Natur spiegelt

sich auch in der grünen

Energie wider, die unsere

Wellnessoase erobert hat.

Ob Dschungel-Styling mit

üppigen Monstera-Blättern,

skulpturalen Kakteen oder Palmentapete:

Pflanzen spenden

immer Freude und sind deshalb

stets gern gesehene Mitbewohner.

Von rund zu bunt

Ziemlich gute Laune verbreiten

zudem runde Formen, ob bei

Spiegeln, Keramik, Leuchten

oder Accessoires. Expressive

Farb-Statements dürfen ebenfalls

sein, um dem Raum Charakter

und Individualität zu verleihen.

Sei es mit einer Einrichtung in

frischem Salbei, unbekümmertem

Pink am Unterschrank sowie

Waschschalen in vergnügt-violettem

Sweet Love oder blau-beflügeltem

Deep Dream. Oder durch

eine äußerst kreative Wandgestaltung

mit Strukturtapete, Bambus

oder Fliesen, die allein dazu

dient, ein Ablagekonzept schön

bunt in Szene zu setzen.

Wer sich stattdessen nach

Ruhe sehnt, der genießt am besten

das derzeitige Nonplusultra,

sprich: ein digitales Duschsystem

mit „Natur“. Das vorkonfigurierte

Programm sorgt nämlich für

die Atempause schlechthin; sowohl

mit behaglichen Wassertemperaturen

als auch mit für

den Schwarzwald typischen Geräuschen,

Gerüchen und Bildern.

Und in der Badewanne nebenan

geht der Nachwuchs quietschvergnügt

mit Löwenbrause auf

Safari. „Denn die neue Badsaison“,

so die VDS, „bringt Spaß

für alle!“

VDS


24

GARTEN

Abwechslungsreich und viele heimische Stauden, Gehölze und Blühpflanzen - das mögen

Vögel, Insekten und andere Gartenbewohner wie Igel und Co. besonders gerne. Fotos: NABU

Wildkräuter

lieben lernen

Lebensraum Die fünf besten Tipps zum naturfreundlichen Gärtnern:

Der NABU ruft dazu auf, Gärten vielfältig, gift- und torffrei zu gestalten.

Vermeintlich pflegeleichte

Schotterwüsten

und eintönige

Rasenflächen

scheinen heute das

Ideal eines modernen Gartens

zu verkörpern. Doch diese Flächen

sind für die Natur wertlos.

„In einem vielfältigen Naturgarten

hingegen leben viele nützliche

Tiere und auch Menschen

fühlen sich dort wohl. Eine solche

grüne Wohlfühl-Oase anzulegen

und zu pflegen ist

nicht schwer und

auch nicht aufwendig“,

sagt

NABU- Gartenexpertin

Marja Rottleb.

Das sind laut

NABU die fünf

besten Tipps

zum naturnahen

Gärtnern.

Tipp 1: Vielfalt lieben

und leben: „Wer seinen Garten

möglichst abwechslungsreich

mit heimischen Stauden, Gehölzen

und Blühpflanzen gestaltet,

schafft Platz und Nahrung für

Gartentiere“, so Rottleb. Eine

Wasserstelle oder ein Teich bieten

Lebensraum für Libellen und

Frösche. Eine Wildblumenwiese

oder ein Kräuterrasen locken

Insekten an. Alte Bäume und Hecken,

etwa mit Holunder, Kornelkirsche

und Schlehe, bieten

Nistmöglichkeiten für Vögel.

Unter den Hecken fühlen sich

Igel und Spitzmäuse wohl.

Tipp 2: Kein Gift –

niemals! Ein naturnaher

Garten

kommt ohne

Pestizide aus.

Auch Kunstdünger

hat

hier nichts verloren.

„Pflanzen

bleiben gesund,

wenn sie in Mischkultur

angebaut und

natürliche Schädlingsbekämpfer

gefördert werden, wie

Vögel, Igel, Florfliegen und Marienkäfer“,

sagt Rottleb. „Diese

Helfer erledigen ihren

Job zuverlässig und

kostenfrei.“

Tipp 3: Torf

verbannen:

„Viele Hobby-

Gärtnernde

wissen nicht,

dass herkömmliche

Gartenerden

größtenteils

aus Torf bestehen“,

so Rottleb. Dafür werden

Moore, meist in Osteuropa,

zerstört. So gehen diese einzigartigen

Lebensräume und wichtigen

Kohlenstoffspeicher verloren.

„Besser Komposterde aus

dem eigenen Kompost nutzen“,

rät Rottleb.

Tipp 4: Wildkräuter lieben

lernen: „Viele als Unkraut geschmähte

Pflanzen, wie Löwenzahn,

Giersch und Brennnessel,

sind wichtige Futterpflanzen für

Falter und andere Insekten“, erklärt

Rottleb. „Wildkräuter sind

zudem sehr vielseitig: Aus

Brennnessel kann man

eine Jauche und damit

einen Naturdünger

für die

Gemüsepflanzen

herstellen.

Giersch lässt

sich zu einem

leckeren Pesto

verarbeiten.

Löwenzahn gibt

dem Salat Würze.“

Tipp 5: Weniger ist

mehr – das gilt fürs im naturnahen

Garten für das Rasenmähen,

Heckeschneiden, Gießen

und Jäten. Wer seinen Rasen

etwas höher und die Hecke

auch mal dichter lässt, hilft

Tieren, die auf diese Pflanzen

angewiesen sind. „Mulchen

und Hacken spart Gießwasser,

ebenso halten Wildkräuter

zwischen den Kulturpflanzen

den Boden feucht. Rottleb.

„Und das Schöne: Wer weniger

Gartenarbeit macht, hat auch

mehr Zeit seinen Naturgarten

zu genießen.“

NABU


GARTEN 25

Unterschlupf

für Biene,

Igel und Co.

Artenschutz So wird der Garten tierfreundlich.

FOTO: DJD / STIHL

Über 500 Wildbienenarten

gibt es in Deutschland

– doch jede zweite

davon ist vom Aussterben

bedroht. Ein Grund dafür

ist, dass die Insekten immer

weniger Nahrungsquellen in der

Natur finden. Dabei ist ihre Bedeutung

für eine intakte Umwelt

nicht zu unterschätzen. „Ohne

Bienen keine Ernte“, lautet die

Devise. Schließlich übernehmen

Wild- und Honigbienen einen

Großteil der Pflanzenbestäubung.

Dabei kann jeder Gartenbesitzer

einen Beitrag leisten,

neue Lebensräume für bedrohte

Arten zu schaffen. Angefangen

mit einer insektenfreundlichen

Bepflanzung bis hin zum Aufstellen

von Nisthilfen und Futterstationen

für Wildvögel oder

einem Igelhaus.

Auf Pestizide verzichten

Der biologisch vielfältige Garten

fängt mit der Wahl der Beet- und

Kübelpflanzen an. Ein Beispiel:

Spezialzüchtungen mit gefüllten

Blüten sind zwar schön anzusehen,

erschweren Wildbienen

aber den Zugang zum überlebenswichtigen

Nektar. „Bienenfreundliche

Blumen sind ungefüllt,

sodass die Insekten einfacher

an die Staubblätter gelangen“,

erläutert Experte Jens

Gärtner von Stihl. Empfehlenswert

sind auch regionale Blumensaatmischungen.

Sie bieten

Nahrung für die Insekten und

sind im heimischen Garten zudem

optisch ein Hingucker. Neben

Nahrungsquellen kommt es

auch auf Nistplätze, Unterschlupf

und Winterquartiere an.

Ein Bienenhotel ist einfach

selbst gebaut oder im Fachhandel

gekauft, eine Trockenmauer

eignet sich ebenso als Unterschlupf.

„Wichtig ist es, bei der

Pflanzenpflege so weit wie möglich

auf Pestizide zu verzichten.

Sie halten nicht nur Schädlinge,

sondern auch Nützlinge fern.“

Regenwasser nutzen

Vögel haben es ebenfalls immer

schwerer, intakte Naturräume zu

finden. Mit Nistkästen und Futterplätzen

lassen sich heimische

Arten schützen. Und: Ein Igelhaus,

ob selbstgebastelt oder gekauft,

dient dem stacheligen

Freund als Winterquartier. Darüber

hinaus unterstützen viele

weitere Maßnahmen das naturnahe

Gärtnern. So lässt sich beispielsweise

aus Kompost Naturdünger

gewinnen, ein Gartenhäcksler

dient dazu, Grünschnitt

vor dem Kompostieren zu zerkleinern.

Und: Aufgefangenes

Regenwasser, das im Garten genutzt

wird, schont natürliche

Ressourcen.

djd

Auch Grünschnitt lässt sich weiterverwerten: Er wird auf dem Kompost

zu Naturdünger.

Foto: djd/STIHL/Thomas Kettner


26

GARTEN

Warum Frühlingsblumen

jetzt in die

Erde müssen

Pflanzen Haben Sie dieses Jahr im Frühling

etwas Blühendes im Garten vermisst?

Duschen Sie früh morgens

direkt nach dem

Aufstehen auch mal mit

einem abschließenden

kalten Schauer, weil Sie das aufweckt?

Dann verstehen Sie sicher,

warum die erst im Frühling

blühenden Schneeglöckchen,

Krokusse, Hyazinthen, Tulpen

und Narzissen bereits im Herbst

in den Gartenboden gesetzt werden

müssen.

Sie brauchen einen Kälteschock

für die Wurzelentwicklung

und das anschließend wohlig-warme

Frühlingsgefühl als

Weckruf, um auszutreiben. Daher

sollte man die Zwiebeln und

Knollen im Herbst in den Boden

geben, spätestens aber vor dem

ersten Frost. Die Gärtnerin

Svenja Schwedtke rät konkret,

Narzissen und Schneeglöckchen

im September, Tulpen und Zierlauch

ab Oktober bis Dezember

in die Erde zu geben.

Welche Zwiebeln kauft man?

Die innerhalb ihrer

Pflanzgruppe großen

Zwiebeln,

denn diese bringen

gute und

große Blüten

hervor, erläutert

Schwedtke.

Ansonsten

rät die Gärtnerin

insbesondere

zum Setzen

von etwa Winterlingen,

Schneeglöckchen

und Schneestolz, denn das sind

die frühesten Blüher. „Die ersten

Zwiebeln sind immer die,

über die man sich am allermeisten

freut, weil sie endlich

vom Frühling erzählen“, so

Schwedtke.

Außerdem brauchen Insekten

die ganz frühen Zwiebelblüher

als Nahrungsquelle, da

zu dieser Zeit im Jahr sonst

FOTO: CHRISTIN KLOSE

wenig blüht. In

diesem Kontext

empfiehlt

Schwedtke

auch noch

Elfenkrokus

und Blausternchen.

Wer

Wühlmäuse

im Garten hat, die

Zwiebelblumen liebend

gerne verspeisen, sollte zu

Kaiserkronen (Fritillaria) und

Narzissen greifen. Kaiserkronen

„stinken tüchtig nach Raubtierkäfig“

und vertreiben dadurch

die kleinen geruchsempfindlichen

Nager, so Schwedtke. Narzissen

werden von ihnen ohnehin

nicht angefressen, da ihre

Zwiebeln giftige Alkaloide enthalten.

Wo pflanzt man?

Beete, Töpfe – alles ist

möglich. Manche Zwiebelblumen

eignen sich auch hervorragend

dafür, sie mitten

in den Rasen zu setzen.

Krokus und

Blausternchen

zum Beispiel

können hier

verwildern.

Damit bezeichnet

der

Profi die freie

Vermehrung

der Pflanzen.

Sie breiten sich

also immer weiter

aus und irgendwann

ist der grüne Teppich im Frühling

mit vielen bunten Blüten

übersät. Voraussetzung dafür

ist allerdings, dass man den

Rasen im Frühjahr nicht direkt

mäht.

Egal, wo gepflanzt wird, bietet

es sich an, die Frühblüher

in Gruppen zu setzen. Denn als

einzelne Blumen kommen

sie weniger gut zur Geltung.

FOTO: UFUK ARSLAN

Wie pflanzt

man?

„Der Boden

für die meisten

Blumenzwiebeln

sollte

nicht zu

schwer sein,

also eher sandig

und durchlässig“,

erklärt Schwedtke. Daher

lautet ein gängiger Tipp

für Böden: Etwas Sand beim Pflanzen

einarbeiten, um die Wasserdurchlässigkeit

zu verbessern.

Die mangelnde Durchlässigkeit

kann übrigens auch das Problem

sein, wenn an Standorten

immer und immer wieder Zwiebeln

im Frühjahr nicht austreiben:

Sie vergammeln den Herbst

und Winter über in einem zu

feuchten Boden. Dann sollten

Hobbygärtner es mal mit einer

Drainage-Schicht aus Steinchen

am Boden des Pflanzlochs

versuchen.

Zwiebeln und Knollen, die

größer als 2,5 Zentimeter im

Durchmesser sind, sollten sieben

bis zehn Zentimeter tief

gesetzt werden, rät iBulb, ein

Zusammenschluss von Betrieben

der Zwiebelblumenbranche.

Zwiebeln ab fünf Zentimeter

Durchmesser kommen

15 Zentimeter tief in die Erde.

Blumenzwiebeln mit viel Platzbedarf

entwickeln sich im Abstand

von sieben bis 20 Zentimetern

gut, für kleinere reichen

auch drei bis sieben Zentimeter.

Gedüngt wird direkt beim

Setzen und noch mal beim Austrieb

im kommenden Frühjahr.

Dafür eignet sich Tomatendünger,

der laut Schwedtke das

richtige Nährstoffverhältnis für

Zwiebelblüher wie Tulpe, Narzisse,

Zierlauch oder Kaiserkrone

bietet.

Simone Andrea Mayer, dpa


GARTEN 27

Lockerungsübungen

fürs Erdreich

Starkregen Viele Probleme im Garten sind vom Eigentümer selbst

gemacht. Dazu gehört, dass der Boden wegen falscher Bearbeitung

keine Chance hat, große Wassermengen aufzunehmen. Drei Experten

-Tipps für eine naturbewusste Gestaltung.

FOTO: JENS BÜTTNER

Oft ist das ein hausgemachtes

Problem –

dann nämlich, wenn

ein Garten in Teilen so

gestaltet und bepflanzt ist, dass

er die Fähigkeit, viel Regen abzuleiten

oder für Trockenphasen

zu speichern, verloren hat. Doch

es gibt Gegenmaßnahmen. Manche

lassen sich ohne großen Aufwand

umsetzen. Andere erfordern,

den Garten umzugestalten.

Was jeder tun kann:

1 Dichter bepflanzen

Das beste Rezept gegen heftige

Schauer ist eine dichte Bepflanzung.

Denn Pflanzen sorgen dafür,

dass der Boden locker bleibt,

wodurch er Wasser besser aufnehmen

kann. Der Bund deutscher

Baumschulen (BdB) vergleicht

Beete daher mit Schwämmen,

die das Regenwasser aufsaugen.

Das hat für die Gartenarbeit

schöne Nebeneffekte: Die Pflanzen

werden von Natur aus besser

mit Wasser versorgt, und der Boden

hält es in Trockenzeiten länger

vor. Überschüssiges Wasser

dringt zudem nach und nach in

die Grundwasser führenden

Schichten vor. „In Zeiten des Klimawandels

sind das unschätzbare

Eigenschaften“, heißt es

beim BdB.

Eine dichte Bepflanzung

schützt auch den Boden selbst vor

Regen und seiner Wucht, sagt Marianne

Scheu-Helgert, Leiterin der

Bayerischen Gartenakademie.

Denn heftiger Regen wühlt die

Oberfläche des Bodens sonst auf.

Wenn er dann trocknet, verdichtet

er sich zu einer harten Kruste.

Diese wiederum bewirkt, dass

Wasser noch schlechter abläuft.

Scheu-Helgert rät daher dazu,

den Garten so anzulegen, dass es

keine offenen Erdflächen gibt. In

der Natur gebe es diese ja auch

nicht, Wiesen und Wälder sind

dicht besetzt. „Und in solchen

Bereichen kann die kinetische

Wucht des Regens kaum direkt

den Boden treffen.“

Bei der Neuanlage: Rasen-

2 flächen mit Sand anreichern

Rasen ist zwar eine Bepflanzung

des Bodens, doch Regen versickert

auf solchen Flächen eher

schlecht, erläutert der BdB. Weil

er regelmäßig betreten wird, ist

Rasenboden oft verdichtet und

lässt weniger Wasser durch. Aber

man muss deswegen nicht gleich

den ganzen Rasen aufgeben – wo

sollen sonst die Kinder spielen?

Je dichter ein Garten mit Pflanzen

besetzt ist, desto besser ist er im

Zweifel bei viel Regen vor Erosion

und sich aufstauendem Wasser

geschützt. Foto: Christin Klose

Aber Rasenflächen können allerdings,

wenn man sie neu anlegt,

etwas durchlässiger gestaltet werden.

Profis bereiten schwere

Lehmböden unter dem Rasen mit

Sand auf, zum Beispiel bei Sportrasen

im Stadion. Dadurch leitet

sich das Wasser besser ab und die

Fläche trocknet nach einem

Schauer auch rascher wieder ab –

ein praktischer Nebenaspekt.

Das heißt aber auch, dass der

Sandboden in Trockenzeiten

schneller austrocknet, „und man

muss mehr gießen“, so Gartenakademie-Leiterin

Scheu-Hegert.

„Im Privatgarten ist daher ein

Gemisch aus Sand und lehmigem

Boden ideal.“

Naturbewusst angehen:

3 Lockerere Pflasterflächen

Zementierte Hofeinfahrten und

Terrassen, dicht gepflasterte

Wege, Schottergärten mit Abdichtungsfolie

darunter: All das

führt dazu, dass Regenwasser

nicht versickern kann, sich stattdessen

sammelt und dann auch

schon mal in Bächen abläuft. Dabei

könnte zumindest bei Wegen

und Pflasterflächen die Lösung

so einfach sein: Verlegt

man die Steine mit etwas größeren

Fugen und füllt diese mit

Sand oder feinem Kies, kann das

Wasser ins Erdreich abfließen,

erläutert der Bund deutscher

Baumschulen. Alternative wasserdurchlässige

Bodenbeläge für

Hofeinfahrten und Terrassen

sind Schotterrasen, Holzhäcksel,

Holzroste und Rasengittersteine.

Solche Sickerflächen können

auch den Keller schützen.

BdB-Mitglied Jens Sander rät,

zum Beispiel eine schmale Kiesfläche

rings um das Haus anzulegen.

So wird Regenwasser

schnell in die Tiefe abgeleitet

und nicht am Mauerwerk aufgeschwemmt.

Die Staudenbeete,

Gehölze und anderes Grün kommen

dann einfach vor diesen

Streifen und lockern mit dem

gleichen Ziel den Boden auf.

Simone Andrea Mayer, dpa


28

GARTEN

Für duftende

Blütenfülle

Lavendel Schneiden und pflanzen im Herbst.

Der Halbstrauch sollte nach der Blüte auf

etwa ein Drittel gekürzt werden.

Noch bis vor kurzem

blühte er in vielen

Gärten und verbreitete

dort seinen einzigartigen

Duft: der

echte Lavendel. Von Natur aus

unkompliziert, erfreute uns der

Halbstrauch den ganzen Sommer

lang mit immer neuen Blütenähren,

ohne dass wir irgendwelche

Arbeit mit ihm hatten.

Selbst Gießkannenschleppen

und Düngen war nicht notwendig,

da er trockenen, nährstoffarmen

Boden bevorzugt.

Gärtnereien bieten in der Regel

ein breites Sortiment an Englischem

Lavendel an. Dort findet man

natürlich die klassisch violetten

Sorten, aber beispielsweise auch

welche mit weißer Blütenfarbe.

Fotos: Helix

Nicht zu tief und nicht zu spät

Damit wir die mediterrane

Pflanze aber auch im kommenden

Jahr wieder richtig genießen

können, sollte man im September

doch noch einmal aktiv

werden: Zum einen steht ein

Rückschnitt im Bestand an,

zum anderen ist jetzt ein guter

Zeitpunkt, weitere Lavendelpflanzen

in den Garten zu setzen.

Der regelmäßige Rückschnitt

bei Lavendel ist notwendig,

damit die Pflanze nicht

mit der Zeit lange, holzige

Stämme bildet, die struppig

auseinanderdriften und lediglich

an ihren Enden Blätter und

Blüten tragen. Gärtner sprechen

auch von einer „Verkahlung

von unten“. Indem man einen

Strauch nach der Blüte beherzt

auf ein Drittel kürzt,

wirkt man dem entgegen. Denn

dadurch bilden sich vermehrt

neue Triebe am Fuße der Pflanze,

sie verholzt deutlich langsamer,

wächst dichter und

bleibt insgesamt besser in

Form. Die Schere setzt man

idealerweise immer „im Grünen“

an, also kurz oberhalb des

bereits verholzten Bereichs.

Pflanzzeit: September bis

Anfang Oktober

Bei einem fachgerechten Korrekturschnitt

sieht der Lavendel

zumeist schon nach etwa einem

Monat wieder aus wie neu.

Diese Arbeit sollte aber auf keinen

Fall zu spät im Jahr erfolgen,

weil die jungen Triebe ansonsten

nicht rechtzeitig winterfest

werden und später zu

erfrieren drohen.

Ist der Lavendel zurückgeschnitten,

entdeckt man sicher noch

die ein oder andere Stelle im

Garten, an der man sich für den

kommenden Sommer noch mehr

Blütenfülle wünscht. Was viele

nicht wissen: Um neuen Lavendel

zu pflanzen, muss man nicht

bis zum Frühjahr warten. Ein guter

Zeitpunkt ist auch der September.

Im Fachhandel findet

man natürlich die klassisch violetten

Sorten, aber auch welche

mit rosa, hellblauer oder weißer

Blütenfarbe und neben Lavendelriesen,

die eine Höhe von bis

zu 75 Zentimetern erreichen,

auch Varianten, die niedrig bleiben

und eher kissenförmig

wachsen. Kommen die Pflanzen

im September zügig in die Erde,

haben sie ausreichend Zeit, sich

vor dem Winter an den neuen

Standort zu gewöhnen und sind

auf die kalte Jahreszeit bestens

vorbereitet. Helix

Weitere Informationen online

unter www.helix-pflanzen.de/

lavendel

Wer sich auch im kommenden Jahr an solch prächtigen Lavendel-Pflanzen im eigenen Garten erfreuen möchte, sollte im September

noch einmal aktiv werden.


GARTEN

29

Farbenfrohe Leichtigkeit

Gräser Den Herbst im Garten verbinden viele vor allem mit den leuchtenden Farben der

Laubgehölze: Gelb, Orange, Rot – ein Farbspektakel à la Indian Summer und das direkt hinter

dem Haus. In der dritten Jahreszeit tragen jedoch längst nicht nur Sträucher und Bäume ein

spektakuläres Blätterkleid zur Schau.

Wenn der Sommer mit

seinen blühenden

Knollengewächsen

gerade vorbei ist und

die prächtigen Stauden nach und

nach ihre Intensität verlieren, erleben

die Ziergräser ihre Hoch-

Zeit. Jetzt sind sie es, die mit ihren

schmalen Blättern die Atmosphäre

im Garten bestimmen und Natürlichkeit

ins Beet bringen. Aber

auch farblich komplettieren sie das

Gesamtbild und sorgen für einzigartige

Blickpunkte – ganz gleich,

ob solitär gepflanzt oder als eindrucksvolle

Gräserlandschaft. Vor

allem grüne Schattierungen und

interessante Panaschierungen geben

bei ihnen nun den Ton an,

doch auch rote, kupferfarbene, gelbe,

grau-blaue und fast schwarze

Gräser gibt es.

„Einige Arten und Sorten vollziehen

im Herbst fast zeitgleich

mit den Laubbäumen einen spannenden

Farbwechsel“, hebt Wolfgang

Groß vom Bundesverband

Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau

e. V. (BGL) hervor. „Die

riemenförmigen Blätter des Japan-Berggrases

(Hakonechloa

macra) nehmen beispielsweise

einen warmen Gelbton an, bevor

sie sich in einem attraktiven

Braun zeigen. Die Rutenhirse (Panicum

virgatum) ‚Shenandoah‘

trägt bis Juli mattes, blaugrünes

Laub mit rötlichen Blattspitzen,

das sich anschließend spektakulär

Burgunderrot färbt. War der

Sommer überwiegend sonnig, ist

Nachwuchs

für Bromelien

Pflegetipp Ausgeblüht und vorbei?

Bromelien zeigen sich nur einmal im Leben

in ihrer vollen Pracht. Die gute Nachricht

aber: Sie bekommen „Pflanzenbabys“.

die Herbstfärbung der Gräser

übrigens besonders intensiv.“

Dynamik und Leichtigkeit

Viele Süßgräser sind Windbestäuber

und tragen leichte, flugfähige

Samen in lockeren Samenständen.

Leuchtende Farben, um bestäubende

Insekten anzulocken, brauchen

sie nicht. Dennoch gibt es durchaus

auch Arten und Sorten, die mit

ihren farbintensiven Blüten auffallen

und im Garten zum natürlichen

Kunstwerk werden. Das Rote Liebesgras

(Eragrostis spectabilis)

zum Beispiel trägt von Juli bis Oktober

hell-rötlich schimmernde Ähren,

das Chinaschilf ‚Red Chief‘

(Miscanthus sinensis) entwickelt

dagegen dunkelrote „Wedel“. BGL

Mit einem reifen Apfel

kann die Blüte der Bromelie

beschleunigt werden.

Foto: Andrea Warnecke

/dpa-tmn

FOTOS: BGL

Bromelien tragen wunderschöne

Blüten, aber

nur ein einziges Mal.

Dafür bilden sich im Anschluss

an der Basis der Pflanze

kleine Seitentriebe – der grüne

Bromelien-Nachwuchs.

Man sollte diese Seitentriebe

wachsen lassen, bis sie ungefähr

die Hälfte der Größe der Mutterpflanze

erreicht haben. Dann

gibt man über zwei Wochen

Wasser in ihre kleine Blätterkelche,

rät die Kooperation Bromelie,

ein Zusammenschluss von

Bromelienerzeugern und -züchtern.

Erst im Anschluss werden die

Babys, möglichst mit Wurzeln,

abgeschnitten und in einen eigenen

Topf gegeben. Nach gut einem

Jahr werden sie auch erblühen

– und der Kreislauf beginnt

von vorne.

Wem das zu lange dauert, der

kann die Blüte fördern. Ein reifer

Apfel kommt gemeinsam mit

der Pflanze in eine Plastiktüte,

die verschlossen wird. Das Obst

versprüht ein Reifegas, das die

Pflanze anregt, ihre Blüte früher

zu bilden. Nach gut drei Wochen

sollte man den Apfel wieder entfernen

und nach rund acht bis 16

Wochen erblüht die Bromelie in

ganzer Pracht. Die exotisch anmutende

Blüte hält sich immerhin

im Durchschnitt drei bis

sechs Monate.

dpa-tmn


30

WANDFARBE

FOTOS: KAI REMMERS / CHRISTIN KLOSE / DPA

Farben wirken direkt auf

unser Wohlbefinden. Wer

sämtliche Wände seiner

Wohnung weiß streicht,

muss sich nicht wundern, wenn

sich eine kühle, etwas sterile Atmosphäre

einstellt. Munterer

und lebendiger wirken farblich

gestaltete Wände.

Bedeutet das, wir sollen das

Weiß verbannen und alle Räume

farbig streichen? „Es kommt

darauf an, welche Wirkung ich

erreichen will“, sagt die Hamburger

Innenarchitektin Ines

Wrusch. Entsprechend sollten

Bewohner die Farben auswählen.

Wie Weiß wirkt

Weiße Wände sind weit verbreitet,

in der Annahme, dass sie

praktisch sind und sich mit Möbeln

und Accessoires fast jeden

Stils aufpeppen und kombinieren

lassen. „Das ist im Prinzip

auch richtig. Aber reines Weiß

wirkt eben neutral und langweilig.

Weichere, pastellige Farben

sind deutlich angenehmer“, erklärt

Wrusch.

Der Berliner Farbforscher

Professor Axel Venn geht noch

weiter: „In weißen Räumen

macht das Leben wenig Spaß. Sie

sind sogar lebensfeindlich.“ Wer

in weiß getünchten Wohnungen

aufwachse, neige später dazu,

diese vermeintlich praktische

Variante zu wählen. „Damit verzichten

sie auf Gestaltung, auf

Experimente.“ Das sei schade.

Farben lösen Emotionen aus

Aber Vorsicht: Zuviel Farbe ist

nicht nur unschön, sondern beeinflusst

sogar das körperliche

Befinden. „Experimente haben

zum Beispiel gezeigt: Ein kleiner

Raum mit roten Wänden erhöht

den Puls“, erzählt Wrusch. Wer

zur Ruhe kommen will, wählt

besser nicht Rot.

Nicht nur das: Eine Farbe

wirkt meist erst durch Kombination

mit anderen Farben. „Das

ist wie in der Musik. Ein einzelner

Ton ist schön und gut, und

erst durch die Komposition verschiedener

Töne zusammen entsteht

die Melodie, ein harmonisches

Ganzes“, so Wrusch.

Die Innenarchitektin rät daher

bei der Auswahl neuer

farbiger Elemente unbedingt zu

Kräftiges Rot zum

Beleben oder doch

lieber sanfte Pastelltöne

zur Beruhigung –

die Wandfarbe kann

mitunter das körperliche

Befinden beeinflussen.

Weiß raus,

Farbe rein

Effekt Wer Atmosphäre in einem Raum schaffen

will, sollte die Wände nicht vergessen. Ein paar

Anregungen dazu, was Farben bewirken können.

berücksichtigen, was schon in

der Wohnung vorhanden ist.

„Das wird oft unterschätzt.“

Natur als Inspirationsquelle

Die Natur kann uns inspirieren

bei der Frage, welche Farben uns

guttun. „Sie bringt Töne hervor,

die man morgens, mittags und

abends gleichermaßen gut ertragen

kann. Das könnte eine Orientierung

sein“, sagt Venn. Am

wohlsten fühlen sich Menschen

mit hellen pastelligen Farben.

Die haben etwas Frühlingshaftes,

Sonniges, Wärmendes.

Grundsätzlich sollten Räume

nicht allzu kontrastreich gestaltet

werden, damit sie harmonisch

wirken. Besonders schön:

wenn die Farben der Himmelsrichtung

aufgenommen werden,

in der die Zimmer liegen.

Licht unterstützt Farben

Selbst wenn jemand seine Lieblingsfarben

gefunden hat und

das Heim nach den eigenen Vorstellungen

eingerichtet hat, kann

es vorkommen, dass man bestimmte

Farben irgendwann

satthat. „Das ist ganz normal“,

sagt Wrusch. Der Betrachter verändert

sich, aber die Umgebung

nicht.

„Eine hellblaue Wand, die immer

beruhigend wirkte, kann

dann plötzlich aufregen und stören.“

Dann ist es Zeit für einen

neuen Look. An Wänden lässt

sich dieser ohne allzu großen

Aufwand umsetzen und dies verändert

die ganze Wohnung.

Ein Beispiel: „Wenn man beispielsweise

nur eine Wandfläche

von Blau in Orangerot ändert,

entsteht eine ganz neue Raumdimension“,

so Venn und erklärt:

„Während mit Blau der Raum

größer wirkt, rückt die orangerot

gestrichene Wand optisch näher.

Der Raum erscheint intimer.“

Er rät jedem, der sich neu eingerichtet

oder die Farben in seiner

Wohnung verändert hat, seine

Familie oder Freunde einzuladen.

„Wenn die sich wohlfühlen

und angenehme Gespräche

in einer guten Atmosphäre entstehen,

wenn der Abend gemütlich

und locker wird, dann hat

man alles richtig gemacht“, sagt

Venn. Vorher sollten freilich die

aktuellen Corona-Regeln geprüft

werden.

Ines Wrusch rät darüber hinaus,

auf hohe Qualität zu achten

– es lohne sich dafür ein paar

Euro mehr auszugeben. Besonders

gute Effekte lassen sich mit

Farben erreichen, die statt chemischer,

natürliche Pigmente

enthalten. Die kleinen mineralischen

oder pflanzlichen Pigmente

lassen die Farben tiefer und

satter wirken – und umweltfreundlich

sind sie auch noch.


Katja Fischer, dpa


RESSORT 31

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!