VISIONEN Sonderheft 1-22 - Gott

VISIONEN.spirit.and.soul

Vulkanausbrüche, Klimakatastrophen, Pandemie – ein Blick in die Welt erlaubt einmal mehr die Frage ller Fragen: Gibt es denn einen Gott? Kann man seine Existenz nachprüfen? Oder müssen wir das Bild, das wir eventuell von ihm haben, anpassen? Etwa „Gott 2.0 reloaded“ für das 21. Jahrhundert?

ICH VERSUCHTE, IHN ZU FINDEN AM KREUZ DER CHRISTEN,
ABER ER WAR NICHT DORT.
ICH GING ZU DEN TEMPELN DER HINDUS UND ZU DEN ALTEN PAGODEN,
ABER ICH KONNTE NIRGENDWO EINE SPUR VON IHM FINDEN.
ICH SUCHTE IHN IN DEN BERGEN UND TÄLERN,
ABER WEDER IN DER HÖHE NOCH IN DER TIEFE KONNTE ICH IHN FINDEN.
ICH GING ZUR KAABA IN MEKKA, ABER DORT WAR ER AUCH NICHT.
ICH BEFRAGTE DIE GELEHRTEN UND PHILOSOPHEN,
ABER ER WAR JENSEITS IHRES VERSTEHENS.
ICH PRÜFTE MEIN HERZ, UND DORT VERWEILTE ER, ALS ICH IHN SAH.
ER IST NIRGENDS SONST ZU FINDEN.
Maulana Rumi

Die Frage nach der Existenz Gottes müssen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, am Ende selbst für sich beantworten. Auf jeden Fall gibt ein Leben mit Gott mehr Antworten, als es Fragen aufwirft, und kann Hilfe sein in der Beurteilung von Situationen und persönlichen Schicksalsverläufen.
Eure Visionäre

visionen.com

SONDERHEFT 1/22

ISSN 1434-1921 | E08273 | € 9,00 (D), € 9,90 (A), CHF 12,00 (CH), € 10,50 (LUX)

SPIRIT& SOUL

PATER MERTES

VATER

UNSER

MILAD

KARIMI

SEHNEN

NACH GOTT

Gott

Bede

Griffiths

DAS GROSSE

MYSTERIUM

RI CHINMOY

Gott

in echt



EDITORIAL

RUBRIK

LIEBE

LESERINNEN

UND LESER,

ICH VERSUCHTE, IHN ZU FINDEN

AM KREUZ DER CHRISTEN,

ABER ER WAR NICHT DORT.

ICH GING ZU DEN TEMPELN DER

HINDUS UND ZU DEN ALTEN PAGODEN,

ABER ICH KONNTE NIRGENDWO EINE

SPUR VON IHM FINDEN.

ICH SUCHTE IHN IN DEN BERGEN

UND TÄLERN,

ABER WEDER IN DER HÖHE NOCH IN

DER TIEFE KONNTE ICH IHN FINDEN.

ICH GING ZUR KAABA IN MEKKA,

ABER DORT WAR ER AUCH NICHT.

ICH BEFRAGTE DIE GELEHRTEN UND

PHILOSOPHEN,

ABER ER WAR JENSEITS IHRES

VERSTEHENS.

ICH PRÜFTE MEIN HERZ, UND DORT

VERWEILTE ER, ALS ICH IHN SAH.

ER IST NIRGENDS SONST ZU FINDEN.

Vulkanausbrüche, Klimakatastrophen,

Pandemie – ein Blick in die Welt erlaubt

einmal mehr die Frage aller Fragen: Gibt

es denn einen Gott? Kann man seine

Existenz nachprüfen? Oder müssen wir

das Bild, das wir eventuell von ihm haben,

anpassen? Etwa „Gott 2.0 reloaded“ für das

21. Jahrhundert?

Ist es nicht viel einfacher zu sagen,

dass es Gott nicht gibt? Dass Gott eine von

Menschen erschaffene Fiktion ist, um z. B.

Macht auszuüben? Wir haben doch unseren

Verstand, unsere Naturwissenschaften, die

uns heute Aufschluss geben über Dinge, die

wir zuvor nicht einmal geahnt haben. Wo

soll da noch Platz für Gott sein?

Genau diese Fragen haben wir mit

unserem Sonderheft „Gott?“ aufgegriffen

und haben Beiträge mit ganz unterschiedlichen

Ansätzen und Sichtweisen zusammengestellt.

Inspirierend die Abhandlungen, die

von der großen Sehnsucht nach Gott und

der Allgegenwart Gottes erzählen. Allen

gemeinsam ist das Erfahren eines tiefen

und ehrlichen Gefühls des Einsseins, des

Angekommen-Seins.

Die Frage nach der Existenz Gottes

müssen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, am

Ende selbst für sich beantworten. Auf jeden

Fall gibt ein Leben mit Gott mehr Antworten,

als es Fragen aufwirft, und kann Hilfe

sein in der Beurteilung von Situationen und

persönlichen Schicksalsverläufen.

Eure Visionäre

3


TITELTHEMA

DAS GÖTTLICHE

MYSTERIUM

68

DIE TRUNKENHEIT DER HEILIGEN

58

GOTT IST IMMER IN UNS

44

VATER UNSER, DER

DU LIEGST IN

MEINEN ARMEN

Klaus Mertes stellt fest: Im

Beten wird Gemeinschaft mit

Gott real.

12

EIN INTERVIEW MIT GOTT

Eine spirituelle Geschichte

20

GOTTBEDÜRFTIG –

WIE GOTT

WIDERSTEHEN?

Islamwissenschaftler Milad

Karimi spricht von der Leer -

stelle in der Mitte des

Lebens.

22

POESIE: BEI DEM MORGEN,

DER RUHT

Von Milad Karimi

28

ALLES IST GOTT

Im Advaita Vedanta heißt es.

Alles ist Gott, in Ihm ist alles,

und daneben gibt es kein

Zweites. Von Alan P. Stern

30

SEHNSUCHT NACH DEM

ALL-EINS

Offen werden für das

Göttliche im Alltag.

Von Peter Maier

38

GOTT IST IMMER IN UNS…

Wie Menschen das

Unfassbare erfahren

44

GOTT

VERWIRKLICHEN

Was ist das eigentlich –

Gottverwirklichung? Sri

Chinmoy antwortet auf

Fragen zum spirituellen Ziel.

50

POESIE:

SEHNEN UND SUCHEN

Von Maulana Rumi

56

DIE TRUNKENHEIT DER

HEILIGEN

Die spirituellen Meister und

Heiligen fließen über vor

göttlicher Liebe und

Seligkeit. Von Kirpal Singh

58

POESIE: SPUREN IM SAND

Von Margaret Fishback Powers

6

4


TITELTHEMA

SRI CHINMOY:

GOTT VERWIRKLICHEN

50

WAS BLEIBT VON GOTT?

68

WO GEHT’S ZUM GOTT

DER TIERE?

82

STILL WERDEN FÜR GOTT

68

GOTT IM ALLTAG ERFAHREN

38

?

INHALT

SONDERHEFT G tt

01/2022

KOSMISCHE PERSON

– KOSMISCHER GOTT

Das göttliche Mysterium liegt in

allen Dingen. Bede Griffiths,

Brückenbauer zwischen Ost und

West, setzt der Fragmentierung

der Welt die Einheit des Seins

entgegen.

68

STILL WERDEN FÜR GOTT

Im Gespräch mit Peter

Dyckhoff über das

Ruhegebet, ein neu

entdecktes Kernstück

christlicher Spiritualität.

76

WO BITTE GEHT’S ZUM

GOTT DER TIERE?

Ein Interview mit Simone

Horstmann über den Stellen -

wert von Tieren in der

Theologie

82

WAS BLEIBT VON GOTT?

Ein Dialog über die „Vielfalt

religiöser Erfahrung“ –

Lebendigkeit, intensivstes

Fühlen, Ekstase, die Seele

jauchzt…

90

VISIONEN

SONDERHEFT

? G tt

Editorial, 3

Augenblicke, 6

Zu guter Letzt, 97

Vorschau & Impressum, 98

SONDERHEFT

5


AUGENBLICKE

Niemals sucht in Wahrheit der Liebende,

ohne von dem Geliebten gesucht zu werden.

Wenn das Licht der Liebe in dieses Herz gesenkt wurde,

muss man wissen, dass es auch in jenes Herz gesenkt wurde.

Wenn die Liebe zu Gott in deinem Herzen wächst,

hat Gott zweifellos auch Liebe zu dir.

JALAL-UDDIN RUMI

6


7


PATER KLAUS MERTES

VATER UNSER, DER

DU LIEGST IN MEINEN

ARMEN

Bildnachweis:

© Kolleg St. Blasien

12


PATER KLAUS MERTES

ICH BIN EIN

GLÜCKSKIND. ICH

BIN JETZT 67 JAHRE

ALT UND LEBE IN

UND AUS RELIGIÖSEN

ERFAHRUNGEN. ABER

DIESE ERFAHRUNGEN

WAREN VÖLLIG

ANDERS ALS MEIN

BILD, DAS ICH DAMALS

VON IHNEN HATTE.

VISIONEN SPRICHT MIT DEM ENGAGIERTEN JESUITEN UND TRÄGER

DES BUNDESVERDIENSTKREUZES ÜBER GOTT UND DAS VATER

UNSER, ÜBER GLAUBEN UND DAS RELIGIÖSE – ÜBER RELIGION ALS

TIEF IN GEMEINSCHAFT ERFAHREN.

VISIONEN – Wo ist Gott in unserer

leidenden Welt?!

Pater Mertes – Die mich überzeugende

christliche Antwort darauf

lautet: Der Weg zu Gott führt

über den Menschen aus Fleisch und

Blut. Gott ist Mensch geworden, er

ist über den Menschen erreichbar.

Das geht tiefer als die Vorstellung,

Gott sei über Worte und Bücher

erreichbar. Wenn es sich so verhielte,

dann wäre Jesus ein Mensch

gewesen, der viele schlaue Sachen

über Gott gesagt hat. Das hätten

Menschen gehört und mitgeschrieben

und ein Buch daraus gemacht,

in dem alles über Gott drinsteht…

Aber Jesus hat zu keinem Zeitpunkt

eine Lehre verkündet, im

Sinne von: schreibt bitte genau mit,

ich weiß Bescheid, und ihr müsst

mir glauben. Gott ist Mensch,

genauer: Gott ist Säugling geworden

– also ein schwacher, verletzlicher

Mensch. Nicht um erwachsen zu

werden und dann kluge Sachen zu

sagen, die wir in Büchern festhalten

und durch die Geschichte tragen.

Auferstehung bedeutet: er bleibt als

Mensch im Menschen gegenwärtig,

vor allem in den kleinen und

schwachen, den gefährdeten und

verwundbaren Aspekten unserer

Existenz.

Ein Mensch sagt mir gerade

dann etwas, wenn er nicht spricht.

Als Säugling im Arm der Mutter

oder des Vaters muss er nichts

sagen – er spricht zu ihnen durch

seine Existenz. Indem er Entzücken

hervorruft, und elementare

Schutzinstinkte, Freude, Hingabe…

Ähnliches gilt für den barmherzigen

Samariter, der bei dem ohnmächtig

Niedergeschlagenen stehenbleibt

und hilft, weil er den leiblich vermittelten

Impuls im Herzen spürt

und sich zuwendet. Diese Sprache

des So-seins ist die Ebene, auf der

nach christlicher Auffassung auch

Gott zu sprechen ist. Deswegen ist

er in den Schwachen und Armen.

Warum beendet Gott die Leiden

auf Erden nicht einfach?! In der

Frage steckt die Vorstellung: Gott

ist mächtig. Eigentlich müsste er

das doch alles beseitigen. Diese

Vorstellung liegt vor dem Verstehen

einer Menschwerdung Gottes – die

nämlich bedeutet, sich den Leiden

und Ungerechtigkeiten dieser Welt

auszusetzen. Aber nein, Missbrauch,

Krieg und Gewalt sollen

überwunden werden durch einen

starken Gott, der von oben eingreift

und sagt: Schluss jetzt, Kinder, mit

dem schrecklichen Spiel, ihr übertreibt,

ich übernehme jetzt hier die

Regierung!? – Das ist eine naive

Vorstellung, die am menschlichen

Leben vorbeigeht. Die Gegenwart

Gottes geschieht, indem er Mensch

wird und so gegenwärtig bleibt in

unserem Leben und Leiden.

13


MEDITATIVE GESCHICHTE

EIN INTERVIEW MIT

Von

James J. Lachard

20


WEISHEIT

Gott

Ich träumte, ich hatte ein Interview mit Gott.

„Du würdest mich also gern interviewen?“, fragte Gott.

„Falls du Zeit dafür hast“, sagte ich.

Gott lächelte. „Ich habe ewig Zeit. Was willst du wissen?“

„Was wundert dich am meisten an den Menschen?“

Gott antwortete:

-

„Und was möchtest du als Eltern, dass deine Kinder

lernen?“

„Gibt es noch etwas, das du deine Kinder

wissen lassen möchtest?“

21


AHMAD MILAD KARIMI

An Gott glauben heißt,

Gott widerstehen. – Aber

was heißt das?

Als Kind in Kabul hatte

ich die Eigenheit, Dinge,

Lebewesen nicht zu halten,

sie nicht haben zu wollen,

sondern sie herzugeben, freiund

seinzulassen. Andere

Kinder wollten Geschenke

haben, aber ich freute mich

eher daran, zu beschenken.

Andere Kinder fingen gerne

Schmetterlinge, hielten sie

in einer Streichholzschachtel

fest; und ich ließ sie frei.

Der Augenblick, in dem ein

war genau dieser Augenblick,

Atemzug ist alles Gegenwart, im

Daseins nimmt ab; himmelwärts

-

-

hat und nichts haben will, hat die

Mitte des Lebens

-

GOTT

BEDÜRFTIG

– WIE GOTT

WIDERSTEHEN?

22


GOTTBEDÜRFTIG

23


POESIE

28


AHMAD MILAD KARIMI

Bei dem Morgen, der ruht,

und der Nacht der Anmut!

Verlassen hat mich mein Herr

und von mir sich abgewandt.

Verborgen ist mir das Jenseits,

verborgen auch das Diesseits,

die Hoffnung,

dass es dich gibt,

o Herr!

Was mir zuteil wird,

ist nichts,

nichts als Bilder,

die von dir schweigen.

Gefunden hast du mich in meiner Zuflucht,

und gabst mir den Mut,

vor dir zu fliehen,

vor dem Bild, das dir gleicht.

Bei dem Abend der Armen,

bei dem Morgen der Waisen!

Gefunden hast du mich als Irrenden,

und gabst mir die Sehnsucht,

zu irren.

Gefunden hast du mich als Bedürftigen,

und gabst mir Armut,

Durst, Hunger,

Durst nach dir,

nicht von dir zu berichten,

mit dir zu hadern,

warum es dich gibt,

warum es dich nicht gibt,

dich zu suchen,

dich zu suchen,

im strahlenden Morgen,

in der Nacht, wenn sie ruht.

Ahmad Milad Karimi

29


THEMA

30


ALAN P. STERN

ADVAITA VEDANTA:

ALLES IST GOTT

Von Alan P. Stern

Woher kommt das Universum? So einfältig diese Frage

sich anhören mag, sie hat mächtiges Potenzial. Sie bringt

die inneren und äußeren Welten zusammen und hat schon

unzählige Menschen auf die Fährte zur Gotterkenntnis

gebracht.

Haben Sie schon auf

den nächtlichen Himmel

geschaut an einem Ort,

wo kein künstliches Licht

die Klarheit der Luft verschmutzt?

Klar, haben Sie.

In meiner Jugend hatte ich

das Glück, im Sommer in

der Natur zu übernachten,

meilenweit von der nächsten

Siedlung entfernt. Ich

weiß nicht mehr genau, mit

wem ich damals unterwegs

war. Auch über die Routen

unserer Wanderungen bin

ich mir nicht mehr sicher.

Woran sich aber mein Herz

sehr gut erinnern kann,

ist der atemberaubende

Anblick des nächtlichen

Firmaments. Das Gefühl

lässt sich nicht in Worte

fassen. Worte begrenzen.

Das ist auch ihre Aufgabe:

Sie beschreiben Objekte,

Objekte unserer Sinne,

Objekte unserer Gedanken.

Dieses Gefühl war aber

unbegrenzt. Es erfüllte

meine ganze Seele, und

in der Seele haben Worte

nichts zu suchen. Die Philosophen

erfanden deswegen

ein Wort, das genau an der

Grenze zur Unendlichkeit

anhält und sich dann der

Stille aussetzt: Transzendenz.

Damals dachte ich,

dass es die Unendlichkeit

des Universums war, was

mich so überwältigte. Ja,

der unvorstellbar große

Raum mit Abermilliarden

von Galaxien zeigt uns,

wie winzig wir sind, liefert

den richtigen Maßstab

für unsere kleinen Ideen

und Wünsche. Aber heute

weiß ich, dass das nur die

halbe Wahrheit war. Diese

Grenze, an der die Transzendenz

anfängt, markiert

nicht nur den Übergang

zwischen dem Ich und

dem Kosmos. Es gibt nämlich

nicht ein Universum,

sondern zwei. Außer dem

Universum außen gibt es in

jeder und in jedem von uns

ein inneres Universum. Die

Transzendenz fängt dort an,

wo sich die beiden treffen:

im menschlichen Geist, in

Gedanken und Gefühlen.

Wenn wir uns jedoch auf

die Stille in unserer Seele

einlassen, verschmelzen

die beiden Universen – das

äußere und das innere – zu

einer Unendlichkeit. Und

das ist, wo Gott wohnt.

Das innere

Universum

Das Universum im

Inneren ist erforschbar.

Es unterliegt bestimmten

Gesetzen, die nicht

weniger zwingend sind als

die Gesetze der äußeren,

physischen Natur. Wir im

Westen haben nur nicht

gelernt, uns in diesem

inneren Universum sicher

zu bewegen. Wir haben

ihm sogar die Existenz

abgesprochen. Im Gegensatz

dazu sind alle alten

asiatischen Kulturen und

alle indigenen Völker dort

entweder zu Hause oder

halten die Tür dorthin weit

offen. Eine von ihnen, die

älteste noch lebende Kultur,

hat sich sogar gänzlich

der Erforschung des inneren

Universums gewidmet:

die Kultur des indischen

Subkontinents.

Die vedische Kultur

Indiens ist extrem vielfältig

und komplex. Das ist auch

der Grund, warum sie

im Westen so wenig verstanden

wurde. Man war

mit unzähligen Gottheiten

konfrontiert – manche

davon schienen sogar

gewalttätig zu sein. Man

sah abgemagerte, obdachlose,

nackte Yogis durch die

Straßen gehen und dachte,

dass diese Religion primitiv

sein muss. Die dortige

Kultur war eben in vielen

Bereichen das genaue

Gegenteil unserer westlichen

Kultur, und der „Hinduismus“

in seiner äußeren

31


UR-SEHNSUCHT

Plötzlich blieb die Zeit

stehen und ich verschmolz

mit den Blumen, mit

allen Wesenheiten um

mich herum, mit der

gleißenden Sonne, mit der

Zeit, mit dem Raum der

Waldlichtung.

38


PETER MAIER

Spontane Gotterfahrungen, Lichterlebnisse

oder Engelsichtungen

sind in der Kindheit keine Seltenheit.

Bei vielen gerät dieses

Erleben der spirituellen Welt in

Vergessenheit, es wird im geschäftigen

Trubel des Erwachsenwerdens

verdeckt und verdrängt. Bei

manchen jedoch pocht es leise im

Herzen weiter, als Ahnung, als

Sehnsucht, als Verlangen, wieder

mit dem Göttlichen in Verbindung

zu kommen.

Es gibt ein Erlebnis aus meiner Kindheit,

das immer präsent in mir geblieben

ist. Als ich etwa drei Jahre alt war, wurde

ich oft zu meiner Oma mütterlicherseits ins

Nachbardorf gebracht. Meine Eltern bauten

damals ein großes Haus und konnten mich

auf der Baustelle nicht brauchen. Meine

Großmutter war schon 65 Jahre alt. Sie

verbrachte viele Sommertage auf einer

Waldlichtung etwa zwei Kilometer von

ihrem Dorf entfernt. Dort hackte sie Äste

und Zweige von gefällten Bäumen zu etwa

30 Zentimeter langen Stücken, um diese

dann zu Büscheln zusammenzubinden.

Dieses Material diente später, wenn es dürr

geworden war, zum Anheizen des Küchenherdes.

SEHNSUCHT NACH

DEM ALL-EINS

Von Peter Maier

39


GOTT IN UNS

GOTT IST IMMER IN UNS.

NUR WIR SIND SO SELTEN

ZU HAUSE.

WIE MENSCHEN DAS

UNFASSBARE ERFAHREN.

Von Christian Stahlhut

Hektik beim Frühstück. Ihr müsst los, sagt die Mutter, die die Trink-

Hat jemand mein

Smartphone gesehen?

Und dann stehen alle an der Wohnungstür, drücken sich zum Abschied, die

Kinder springen lachend die Treppe hinunter, der Vater hinterher.

Und die Mutter…?

Sie kann später nicht mehr sagen, was da passiert ist. Etwas Großes kam

über sie. Ein so wunderbares, so warmes Gefühl. Als sei sie von Liebe umarmt

worden...

Seit es Menschen gibt, geht es um dieses Erleben. Und seit es Sprache

gibt, ringen sie um Worte dafür. Aus Not, heißt es im Dao De Jing, nennen wir

es groß.

der Zen-Mönch Daio Kokushi, es verletzt sein Wesen. Es ist unendlich viel mehr,

als wir sagen können. Eudaimonia nennen es die griechischen Philosophen.

Von einem guten Dämon erfüllt sein. Von göttlichem Geist. Glückseligkeit übersetzen

wir ins Deutsche.

Als der amerikanische Psychologe Abraham Maslow in den 50er Jahren

des letzten Jahrhunderts begann, die Gemütslage von Menschen zu studieren,

die ihm besonders gesund und glücklich erschienen, stieß er zuhauf auf Erfahrungen,

von denen er vorher glaubte, dass sie religiösen Fanatikern vorbehalten

seien.

Mystische Erlebnisse, Gotteserfahrungen, übernatürliche Erscheinungen

– all das hielt er für Ausgeburten einer übersteigerten, wenn nicht wahnhaften

religiösen Fantasie. Dann hörte er immer mehr Berichte von ganz normalen

Menschen, die von Erfahrungen erzählten, für die sie keine Worte hatten.

Maslow gab ihnen ein neues Wort:

44


CHRISTIAN STAHLHUT

Der Himmel ist überall um

uns herum. Er ist immer da,

bereit für ein paar Minuten

betreten zu werden.

45


GOTT VERWIRKLICHEN

Was hindert uns Menschen daran, Gott

in uns, in unserem Leben hier und jetzt

zu verwirklichen? Sri Chinmoy, einer

der großen spirituellen Meister des 20.

Jahrhunderts, antwortet hier kompetent

und umfassend auf essenzielle Fragen

seiner Schüler.

GOTT

VERWIRK-

LICHEN

Von Sri Chinmoy

Man kann Gott sehen. Man kann Ihn fühlen. Man kann

Ihn verwirklichen. Sieht man Ihn, so ist Er Existenz. Fühlt

man Ihn, so ist Er Bewusstsein. Verwirklicht man Ihn, so ist

Er Glückseligkeit.

Um Gott zu verwirklichen, brauchen wir zuallererst

innere Gelassenheit. Wie können wir diese erlangen? Dafür

gibt es einige Wege. Wir können Gelassenheit erlangen,

indem wir unsere irdischen Bedürfnisse vermindern und

unsere himmlischen Bedürfnisse vermehren. Ein weiterer

Weg besteht darin, von niemandem etwas zu erwarten,

außer von Gott. Solange wir menschliche, irdische Erwartungen

haben, können wir keine Gelassenheit erlangen.

Aber auch Entsagung, im positiven wie im negativen Sinn,

bringt uns keine Gelassenheit. Diese erhalten wir nur durch

bejahende Annahme.

Wir müssen die unumstößliche Wirklichkeit Gottes in

der Welt annehmen. Anschließend müssen wir mit unserer

inneren Sehnsucht und unserem Emporstreben Empfänglichkeit

in unserem Körperbewusstsein schaffen, um Gott,

den Höchsten Geliebten, mit Seinem grenzenlosen

Licht und Seiner grenzenlosen Glückseligkeit willkommen

heißen zu können.

Um Gott zu verwirklichen, brauchen wir auch Reinheit,

besonders in unserem emotionalen Vitalen, dem Zentrum

unserer Lebensenergie. Sobald wir dieses läutern, erkennen

und fühlen wir Gottes Gegenwart. Danach müssen

wir unseren Verstand läutern. Wenn wir das geschafft

haben, werden wir Gott auf äußerst vertraute Weise sehen

können. Dann müssen wir ständig mit Ihm in Verbindung

bleiben.

Um mit Ihm ständig in Verbindung bleiben zu können,

müssen wir in unserem Herzen das sehnsüchtige Verlangen

danach wecken. Es muss zu einem wirklichen Verlangen

unseres Herzens werden. Schließlich werden wir Gott

unweigerlich sehen und mit Ihm sprechen können, zu

Seinem Ebenbild werden und als Gottes bedingungslos

ergebene Werkzeuge eine bewusste Rolle in Seinem kosmischen

Spiel übernehmen.

50


SRI CHINMOY

51


POESIE

56


MEVLANA DSCHELALEDDIN RUMI

Sehnen und suchen

Nachjagen will ich dem Geliebten

Mit all meiner Leidenschaft und Kraft,

bis ich erkenne: Es hat keinen Sinn,

nach Ihm zu suchen.

Doch wie könnte ich Ihn nahe bei mir wissen,

ohne die ganze Welt zu durchwandern?

Wie könnte ich sein Hier-Sein je erfassen,

ohne mich ganz woandershin zu wagen?

Gott hat uns gesagt, dass ER bei uns ist,

aber das Herz versiegelt hat,

sodass es dies nur langsam,

auf Umwegen begreifen kann.

Bist du erst lang und weit genug gewandert

und hast alles getan, was der Weg verlangte,

wird dir das Herz entsiegelt.

Dann sagst du dir verblüfft: “Hätt‘ ich gewusst,

dass ich schon immer Gott so nah war,

wie hätte ich nach Ihm suchen können?”

Doch dieses Wissen kam dir durch die Fremde:

Scharfsinn allein hätt’s nie erringen können.

Mevlana Dschelaleddin Rumi (Mathnawi)

57


GOTTBERAUSCHT

ES STELLEN SICH

WUNDERVOLLE

ERGEBNISSE EIN,

WENN MAN IN DER

GEMEINSCHAFT EINES

HEILIGEN ODER

MEISTERS IST.

58


KIRPAL SINGH

„Ein Gottesmann ist

trunken ohne Wein“,

dichtete einst Maulana

Rumi. Eins mit Gott,

überfließen die Heiligen

vor Liebe und Glückseligkeit.

Und stecken damit

alle Seelen an, die dafür

empfänglich sind.

Gott ist ein Meer aller Berauschung,

Seligkeit und Freude, und

da unsere Seelen vom selben Wesen

sind wie Gott, ist auch in uns

ein Abglanz dieser Berauschung,

Seligkeit und Freude vorhanden.

Aber warum merken wir nichts

davon? Unsere Seelen kommen in

Form der Aufmerksamkeit zum

Ausdruck, und diese wird meist

durch die Sinne „nach außen“ in

die grobstoffliche Welt gezogen und

verzweigt sich in so viele Richtungen.

Wenn die Aufmerksamkeit

jedoch vom Äußeren zurückgezogen

und an einer Stelle gebündelt ist,

werdet ihr in euch die gleiche

Berauschung finden. Und wenn

ihr dank spiritueller Praxis zu

einem Sprachrohr Gottes werdet,

dann werden dieselben Wogen der

Berauschung durch euch, durch

euer Handeln, durch euren Mund

in die Welt fließen.

Wenn die spirituellen Meister

zu den Menschen kommen, wirken

sie als Sprachrohr Gottes. Wann

immer sie sprechen, sind nicht

nur ihre Worte mit Göttlichkeit

geladen, sondern sogar die ganze

Atmosphäre, und wenn ihr dafür

empfänglich seid, werdet ihr in

ihrer Gesellschaft Ruhe, Frieden

und Freude empfinden und ihr

werdet noch empfänglicher werden

– dies so sehr, dass ihr euch selbst

vergesst und eine Art Trunkenheit

spürt.

DIE

TRUNKENHEIT

DER

HEILIGEN

Von Sant Kirpal Singh

59


GOTTBERAUSCHT

Ü B E R FLIESSEND E

G L ÜCKSELIGKEIT

Von Chaitanya Mahaprabhu,

einem großen bengalischen Heiligen,

heißt es, dass er nur den

Namen Gottes auszusprechen

pflegte. Jeder spirituelle Meister

hat seinen eigenen Namen für Gott.

Es gibt so viele Gottesnamen, über

die wir nachdenken und diskutieren,

doch die Heiligen und Meister

sprechen die Namen aus und, da

sie eins sind mit dem Namenlosen,

sind alle Worte, die sie äußern,

mit berauschender Glückseligkeit

geladen. Chaitanya pflegte den

Namen Gottes stets zu wiederholen

mit den Worten: „Hari bole – Sag

den Namen Gottes!“ Der Mensch

spricht aus der Überfülle seines

Herzens, und da Chaitanyas Herz

(ich meine seine Seele) von Glückseligkeit

berauscht war, waren seine

Worte mit dieser Berauschung

geladen.

Einmal kam Chaitanya an einen

Platz, wo viele Wäscher zusammen

Kleider reinigten. Er gesellte sich

zu einem dieser Wäscher und

sagte zu ihm: „Hari bole! – Sprich

den Namen Gottes!“ Der Wäscher

dachte, dass er vielleicht ein Bettler

sei und Geld wolle, und weigerte

sich, ihm die Worte nachzusprechen.

„Ich will den Namen, den du

sagst, nicht aussprechen“, sagte

er, worauf Chaitanya Mahaprabhu

entgegnete: „Du wirst es tun müssen:

du musst.“ Und der Wäscher

dachte bei sich: „Dieser Mann wird

mich nicht mehr in Ruhe lassen,

also spreche ich besser den Namen

aus, um das Ganze hier zu beenden,

damit er weitergeht.“ Sobald er

aber die Worte ausgesprochen hatte

(sie waren mit göttlicher Glückseligkeit

geladen), wurde er derart

berauscht, dass er zu arbeiten

aufhörte und laut zu sagen begann:

„Hari bole, Hari bole, Hari bole!“

Als er das tat, fragten die anderen

Wäscher: „Was ist mit unserem

Bruder geschehen? Was macht er

bloß?“ Sie kamen zu ihm und fragten:

„Was ist los mit dir?“ Er sagte

nur: „Hari bole!“ Und wer immer

diese Worte aussprach, wurde

gleichfalls berauscht. So geschah es,

dass alle Waschmänner am Platz

ihre Arbeit liegen ließen und in

Ekstase tanzten.

Eine solche Erfahrung können

wir nicht aus Büchern beziehen. Ihr

könnt es in der Gegenwart eines

spirituellen Meisters erhalten, der

gottberauscht ist. Natürlich wird er

euch keine starke Dosis geben, sondern

nur so viel, wie euer Seelengefäß

aufnehmen kann. Zuerst wird

er es reinigen und dafür geeignet

machen, und dann wird er es füllen.

AUSST R AHLU N G

ÜBE R D IE AUGEN

Woher kommt diese Berauschung?

Sie ist in der Seele. Und

die Augen sind die Fenster der

Seele. Wenn jemand sehr ärgerlich

ist, zeigt sich das in seinen Augen.

Und wenn ihr voll großer Liebe

seid, spiegeln eure Augen Ähnliches

wider. In welcher Farbe die Seele

auch immer gefärbt ist, das wird

durch die Augen ausgestrahlt.

Darum wird geraten: Wann immer

ihr zu einem wahren Meister geht,

solltet ihr in seine Augen und auf

seine Stirn schauen, und zwar weil

sie der Sitz für das Wirken der

Seele sind: In welcher Farbe sie

auch bereits gefärbt ist, genau das

strahlt sie aus.

Der Mystiker Kabir hat eine

Hymne geschrieben, in der er die

Arbeit des spirituellen Meisters

mit der eines Färbers vergleicht.

Er sagt: „Der vollkommene Meister

vermag uns in der Farbe Gottes zu

färben.“ Aber wie geht der Färber

vor? Wenn ein Stück Stoff schmutzig

ist, wird es, selbst wenn man es

färbt, nicht schön aussehen. Deshalb

versucht er, erst den Schmutz

aus dem Stoff herauszuwaschen,

und dann fällt die Färbung besser,

schöner aus. So sagt Kabir in der

Hymne: „Der vollkommene Meister

kann uns in der Farbe Gottes

färben. Er ist die Liebe in Person;

er ist die Berauschung der Seligkeit.

Wer immer zu ihm geht, den reinigt

er mit dem Blick seiner Augen.“

Wenn ihr dauernd einem anderen

Menschen in die Augen seht,

werdet ihr dieselben Empfindungen

haben, die er ausstrahlt. Die Augen

sind also sehr wichtig, sie haben

enorme Wirkung. (Daher auch die

Warnung: Seht nicht wahllos jedem

in die Augen, denn ihr werdet

dieselbe Farbe erhalten, die jene

haben.)

D IE AURA Z EIG T

D EN INNER EN

ZUSTAND AN

Es stellen sich also wundervolle

Ergebnisse ein, wenn man in der

Gemeinschaft eines Heiligen oder

Meisters ist – wie immer ihr ihn

nennen wollt –, der mit Gott im

Einklang ist, der ein Sprachrohr

oder Kanal Gottes ist, der sich über

alle Verstrickungen des Gemüts

und der Sinne erhoben hat, der

sich in sich selbst zurückgezogen

hat und mit Gott in Verbindung

gekommen ist. Wenn wohlriechende

Blumen in einen Raum gestellt

werden, wird der ganze Raum von

ihrem Duft erfüllt. Wenn ihr dieselben

Blumen in einen Stoff wickelt,

wird dieser danach duften. Wenn

ihr sie auf ähnliche Weise in den

Staub, in die Erde legt, wird selbst

der Staub duften. Dies ist eine Art

Ausstrahlung, die ihr zunächst in

dem Bereich vorfindet, in welchem

die persönliche Aura des Meisters

am Wirken ist.

Jeder Mensch hat seine eigene

Aura. Wenn ihr dies untersuchen

wollt, dann stellt euch ins helle

Sonnenlicht, mit dem Rücken

zur Sonne, und schaut auf euren

Schatten. Ihr werdet eine kleine

Ausstrahlung feststellen, die von

eurem Körper ausgeht. Die Farbe

der Ausstrahlung, die ihr gewahr

werdet, entspricht dem Zustand

eures inneren Selbst. Ist ein

Mensch bösartig, dann wird die

Farbe schwarz-aschgrau sein. Wenn

ein Mensch liebevoll ist, werdet ihr

eine bläuliche Farbe erkennen. Ist

er spirituell, werdet ihr feststellen,

dass die Farbe der persönlichen

Aura golden ist. Je stärker eine

60


GUTSCHEIN

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VISIONEN

Sandila Verlag

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POESIE

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:

Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.

Vor dem dunklen Nachthimmel

erstrahlten, Streiflichtern gleich,

Bilder aus meinem Leben.

Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,

meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen

vorübergezogen war, blickte ich zurück.

Ich erschrak, als ich entdeckte,

dass an vielen Stellen meines Lebensweges

nur eine Spur zu sehen war.

Und das waren gerade die schwersten

Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:

“Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,

da hast du mir versprochen,

auf allen Wegen bei mir zu sein.

Aber jetzt entdecke ich,

dass in den schwersten Zeiten meines Lebens

nur eine Spur im Sand zu sehen ist.

Warum hast du mich allein gelassen,

als ich dich am meisten brauchte?”

Da antwortete er: “Mein liebes Kind,

ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,

erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.

Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,

da habe ich dich getragen.”

Margaret Fishback Powers

Copyright © 1964 Margaret Fishback Powers

Übersetzt von Eva-Maria Busch

Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag GmbH,

Gießen. www.brunnen-verlag.de

66


MARGARET FISHBACK POWERS

67


DAS HERZ DES UNIVERSUMS

KOSMISCHE

PERSON –

KOSMISCHER

GOTT

68


BEDE GRIFFITHS

Hinter all den

getrennten Ichs gibt es

ein einziges transzendentes

Selbst

Das göttliche Mysterium liegt in allen

Dingen, im Menschen wie im Kosmos,

und gibt allem von seiner Heiligkeit.

Bede Griffiths, Benediktiner und Brückenbauer

zwischen östlicher und westlicher

Spiritualität, setzt der Fragmentierung

der Welt und der Isolierung des

Menschen die Einheit des Seins entgegen.

Instrumente und unsere Denkweise.

Unsere eigenen Vorstellungen projizieren

dieses Universum, wir konstruieren dieses

Universum. Aber wir wissen dennoch

selbst: Hinter all unseren Konstruktionen,

hinter dieser ausgeklügelten Ordnung

liegt die verborgene Präsenz,

das göttliche Mysterium.

Die göttliche Essenz, die Heilige Dreifaltigkeit

(für jene, die an die christliche

Tradition glauben), ist in jedem und in

allem gegenwärtig. Wie wunderbar, wenn

man zu begreifen beginnt, in welch einer

Welt wir leben! Aber das wird alles nur

allzu leicht von der täglichen Routine, von

der Erledigung unserer praktischen Aufgaben

zugedeckt. Solange man in diesem

System gefangen bleibt, verliert man die

Wirklichkeit aus den Augen. Aber tief in

unserem Inneren ist uns bewusst, dass die

äußere Welt eine Art von Illusion, eine

Projektion ist.

Wir wissen heute, dass das Universum

eigentlich ein Kräftefeld, ein

Feld von Energien ist. Innerhalb dieses

Energiefeldes konstruieren wir wiederum

gesonderte Körper, gesonderte Elemente,

gesondertes Dasein. Wir bilden selbst diese

Systeme, und damit sind sie voll gültig.

Das ganze Universum projizieren wir nach

außen durch unsere Sinne, durch unsere

Unsichtbar, aber wirksam

In den Upanishaden gibt es eine

schöne Geschichte dazu. Ein Lehrer

sagt zum Schüler: „Geh’ und bring’ eine

Frucht von dem Baum dort.“ Der Schüler

holt die Frucht, und der Lehrer sagt:

„Brich sie auf, und was siehst du da?“

– „Ich sehe eine Menge Samenkörner“,

sagt der Schüler. – „Brich ein Samenkorn

auf und sag’ mir, was du siehst.“ – „Ich

sehe nichts“, antwortet der Schüler. –

„Aus diesem Nichts, das du nicht sehen

kannst“, sagt der Lehrer, „entsteht dieser

ganze Baum.“

Hinter dem Baum, der Frucht und

dem Samenkorn liegt ein Ursprung verborgen.

In Indien pflanzt man eine Kokosnuss,

und daraus entsteht ein herrlicher

Baum mit reichem Astwerk und Kokosnüssen

daran. Was für ein Wunder, dass

dieser kleine Keimling solche Kraft in

sich hat. Natürlich ist das dieselbe Kraft,

die hinter dem Universum wirkt.

69


RUHEGEBET

Still werden

für Gott

Das Ruhegebet – Im Gespräch

mit Dr. Peter Dyckhoff

Von Inge Hasswani

Das Ruhegebet ist ein Kernstück christlicher

Spiritualität, das jahrhundertelang leider nur in

wurde. Dort brachte es immerhin hochkarätige

Mystiker und Mystikerinnen hervor, während das

Laienvolk nur liturgische Wortgebete und Fürbitten

kannte. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts, nach

Säkularisierung, „Gott-ist-tot“-Theologie und Hippie-

Bewegung, begannen katholische Geistliche diese

Gebetspraxis nicht nur in den Orden wiederzubeleben,

sondern auch einer größeren Öffentlichkeit zu

vermitteln.

76


77


GOTT DER TIERE

Wo bitte geht's

zum LIEBEN

GOTT DER

TIERE?

Im Menschen, in einer

liebevollen Haltung

Kommen nur Menschen in

den Himmel? Wie einsam, wie

verloren das wäre… findet die

Tiertheologin und Tierethikerin

Simone Horstmann. Sie lebt in einer

veganen Gemeinschaft mit sechs

Hühnern, zwei Katzen, drei Hunden

und einem Menschen – und forscht

am Lehrstuhl Systematische Theologie

der Uni Dortmund. VISIONEN zitiert

Simone Horstmann und fragt sie:

Wie kümmert man sich auf Erden

um Gottes Geschöpfe?

Wie lebt jemand,

der Tiere liebt?

Guten Morgen, Frau Horstmann!

Wie haben Sie geschlafen?

Guten Morgen. Ich habe auf der Couch

übernachtet. Ich muss gestehen, das ist

eher unüblich. Aber unserer Hündin ging

es nicht gut. Ich war in Alarmbereitschaft

– zum Glück Fehlalarm.

Wie wachen Sie am liebsten auf?

Ich bin jemand, der ungern aufwacht.

Ich schlafe lieber. Heute bin ich wie üblich

um halb sechs kurz aufgestanden, habe die

Hühner rausgelassen, und mich für gute

zwei Stunden wieder hingelegt. Dann sind

die Hunde dran. Das ist mein Morgenritual:

geweckt von Hunden.

Wie frühstücken Sie mit all den

unterschiedlichen Teilnehmern?

Die Hunde, und auch die Katzen,

warten auf ihr Frühstück, sind aufgeregt,

versinken dann für einen kurzen Moment

in ihrem Essen. Am Frühstücks-Tisch

sitzen die Tiere dann neben uns, bekommen

gelegentlich etwas vom Brötchen, oder ein

Stück Gurke – unsere Abigail liebt Staudensellerie.

Wir teilen das Essen.

82


SIMONE HORSTMANN

Ja, es gibt einen

Himmel für alles

Lebendige.

83


BÜCHER

BÜCHER ZUM THEMA…

AUSGEWÄHLT ZUR INSPIRATION!

Mysterium Gott

Was ist Gott? Ein geistiges Wesen, irgendwo in der Ewigkeit? Ein Mythos, von Religionen zwecks

Machtausübung aufgebaut? Oder aber ein „Mechanismus“, der uns für immer verschlossen bleiben

wird? Daniel Meurois setzt sich über naive Klischees ebenso hinweg wie über vage philosophische

Theorien. Stattdessen nimmt er uns mit auf eine höchst unkonventionelle Reise an die Grenzen der

Unendlichkeit. Sie führt von der einzelnen Zelle über das Geheimnis der Schwarzen Löcher bis hin

zur Sonne. Er hinterfragt, berichtet von eigenen Erfahrungen, bietet überraschende Denkmöglichkeiten

für ein völlig neues Verständnis des Göttlichen.

Daniel Meurois: Mysterium Gott. Eine kollektive Biografie. Verlag

Die Silberschnur, 2021. Kartoniert, 200 Seiten. ISBN 978-3-969330142. Euro 20,00

Haltepunkte

Aus einem Facebook-Schlagabtausch zwischen Beatrice von Weizsäcker und Norbert Roth wird eine

tiefe Freundschaft. Zwei Jahre später ist Roth der Erste, den Weizsäcker anruft, als ihr Bruder in

Berlin ermordet worden ist – und sie fragt sich: „Wo ist eigentlich dieser Gott?“ In „Haltepunkte“

schreiben die Juristin und der Pfarrer über die Orte, an denen sie Gott neu und anders erfahren

haben: Berlin, Jerusalem, auf dem Oktoberfest. Es geht um Leid, Glück, Sehnsucht, Schuld und Tod,

aber auch Themen wie Sterbehilfe und Konfessionsunterschiede. Ein Buch über die Gottsuche im

Lärm und in der Stille.

Beatrice von Weizsäcker, Norbert Roth: Haltepunkte. Gott ist seltsam, und das ist gut.

Verlag Herder, 2021. Gebunden, 272 Seiten. ISBN 978-3-451-03677-4. Euro 22,00

Am Sonntag geht Gott angeln

Ausgehend von seinen Erfahrungen mit einem mehr als unkonventionellen irischen Priester stellt

Dirk Grosser das keltische Christentum als einen Weg vor, die Verbindung zum Wunder der Schöpfung

zu stärken und den eigenen Glauben zu einer spürbaren Wirklichkeit werden zu lassen. In den

inspirierenden Begegnungen mit seinem Gegenüber wird hier ein tief empfundenes und lebendiges

Christentum erlebbar, welches ein authentisches Verhältnis zum Heiligen pflegt, das das

grundsätzliche Gutsein der Welt in den Vordergrund rückt und uns alle zur Feier an der großen

Tafel Gottes einlädt.

Dirk Grosser: Am Sonntag geht Gott angeln. Die Weisheit des keltischen Christentums.

Claudius Verlag, 2019. Broschiert, 208 Seiten. ISBN 978-3-532-62839-3. Euro 18,00

Gott, wo bist du?

„Wie ist das gemeint: ‚Gott, unser Vater‘?“ – „Passen Schöpfergott und Evolution zusammen?“ – „Ist

Gott allmächtig, angesichts von Leid und Elend in der Welt?“ – „Was ist unter ‚Teufel‘ und ‚Hölle‘ zu

verstehen?“ – „Lässt sich Gott erfahren?“ – „Glauben Christen und Muslime an denselben Gott?“ Die

Fragen, die Eugen Drewermann in diesem Buch beantwortet, haben Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht

gestellt. Ihr Lehrer, Martin Freytag, hat die Fragen der Jugendlichen gesammelt, die

der bekannte Autor verständlich und nachvollziehbar beantwortet.

Eugen Drewermann, Martin Freytag: Gott, wo bist du? Eugen Drewermann antwortet jungen Menschen.

Patmos Verlag, 2021. Paperback, 176 Seiten. ISBN 978-3-8436-1210-4. Euro 12,00

Das Willigis-Jahrhundert

Ein langjähriger Weggefährte von Willigis Jäger, der Zen-Meister Alexander Poraj, stellt auf sehr

persönliche Weise den Lebensweg und die Entwicklung von Willigis Jäger in den Kontext gesellschaftlicher,

philosophischer und wissenschaftlicher Entwicklungen des 20. Jahrhunderts und in

den theologisch-kirchlichen Kontext der großen christlichen Mystiker. Er zeichnet dadurch ein

authentisches Bild des Menschen Willigis, weil nicht nur seine konstruktiven Einsichten beschrieben

werden, sondern auch die Leiden, die Risse und die Konflikte, welche untrennbar mit dem

Leben des großen Mystikers verbunden waren.

Alexander Poraj: Das Willigis-Jahrhundert. Verlag West-Östliche Weisheit,

2020. Gebunden, 216 Seiten. ISBN 978-3-9819150-4-4, Euro 22,00

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SONDERHEFT GOTT?

gott im hotel

In der EINEN GROSSEN Erzählung leben wir alle unser Leben. Ganz im Stil der alten Traditionen ist

Anna Platsch eine Geschichtenerzählerin und nimmt uns mit auf ihre Reisen zu besonderen Orten.

Sie sucht nach Visionen, trifft die unterschiedlichsten Menschen und ist Mystikerinnen und Weisen

auf der Spur. Allem begegnet sie mit unverstelltem Blick, erzählt poetisch und mit feinem Humor.

Das Hotel wird zum Bild für unser Leben: Wir kommen, verweilen, machen unsere Erfahrungen und

reisen wieder ab, essenziell getragen und durchdrungen von der Quelle. „Gott fand mich überall –

und nirgendwo fand ich ES nicht.“

Anna Platsch: gott im hotel. Sheema Medien Verlag, erscheint am 31.10.2021.

Hardcover, 252 Seiten. ISBN 978-3-948177-13-3. Euro 19,90 (D) – www.sheema-verlag.de

Ruhen in Gott

Oft hing es von Zufällen ab, ob christliche Mystikerinnen und Mystiker als Reformer und Erleuchtete

verehrt wurden oder in Ketzereiverdacht gerieten. Volker Leppin zeigt in seiner glänzenden

Darstellung, wie die frühchristliche Lehre in Verbindung mit der platonischen Philosophie mystische

Weltbilder und Heilswege geformt hat, die zum Kern orthodoxer Spiritualität wurden, im

Westen aber hoch umstritten blieben. Doch die Frage nach Gemeinsamkeiten mit anderen Religionen

und eine wachsende Distanz zur Kirche zeigen, dass Mystik für das Christentum gerade in der

Moderne überlebenswichtig ist.

Volker Leppin: Ruhen in Gott. Eine Geschichte der christlichen Mystik. C.H.Beck, 2021.

Hardcover, 476 Seiten, 17 farbige Abb. ISBN 978-3-406-77375-4. Euro 32,00

EIN KURS IN WUNDERN

Ein Kurs in Wundern ist aufgrund seiner Synthese

von zeitlosen geistigen Ein sichten und wesent lichen

psychologi schen Er kennt nis sen einzigartig unter den

spirituellen Traditionen der Welt. Er weist uns einen Weg

zu innerem Frieden, zu einem Dasein, das in der Welt,

aber nicht von der Welt ist.

Der Kurs ist nicht als Grundlage für eine neue Religion,

Bewegung oder Vereinigung ge dacht. Vielmehr dient er

un ab hängig von äußeren Autori täten dem Selbst studium.

Er richtet sich an Menschen, die nach einer friedlicheren

Be trach tungs weise für ihr Leben und ihren Alltag suchen.

Das Werk besteht aus dem Textbuch, dem Übungs -

buch und dem Handbuch für Lehrer. Im Text buch werden

die Konzepte dargelegt, auf denen das Denksystem des

Kurses gründet. Die darin enthaltenen Gedanken stellen

die Grundlage für die 365 Lektionen des Übungs buches

dar, bei denen das Hauptgewicht auf der täglichen Erfahrung durch die Anwendung liegt.

Das Handbuch für Lehrer gibt Antworten auf viele Fragen, die sich beim Studium ergeben.

1320 Seiten, gebunden, Greuthof Verlag, ISBN 978-3-923662-18-0

Dieses Buch erklärt,warum die letzte Vollendung nur mit Hilfe eines

kompetenten Meisters zu erlangen ist, was ihn auszeichnet und

welches die Voraussetzungen sind, mit einer solchen Persönlichkeit

in Verbindung zu kommen.

Sant Kirpal Singh

WENN GOTT AUF ERDEN WANDELT

Auftrag und Wesen der spirituellen Meister

Überarbeitet und herausgegeben

von Soami Divyanand

169 Seiten, kartoniert, Format 20,9 x 14,7 cm

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Ein Hauch von Himmel

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DIALOG: WAS BLEIBT

Vor gut hundert Jahren schrieb William James

sein Buch Die Vielfalt religiöser Erfahrung.

Für den Psychologen und Philosophen ging

es in Religion um das konkrete Erleben. Ein

tiefer Glauben erwächst aus so vielfältigen wie

überwältigenden Erfahrungen. William James’

Studie über die menschliche Natur bleibt aktuell:

auch heute suchen Menschen mehr nach

Authentizität als nach festen Glaubenssätzen.

WAS

BLEIBT

Christian Stahlhut hat 1997 William James’

Vielfalt religiöser Erfahrung neu übersetzt für

den Insel/Suhrkamp Verlag. Ich sitze mit ihm

in seiner Kreuzberger Altbau-Küche. Wir reden

über William James und über uns. Wir fragen

uns…

VON

GOTT?

WIE ERFAHRE

ICH RELIGION?

Christian (cs) wundert sich

über Gott – ich (fs) erinnere

mich an mein zartes religiöses

Erleben als Kind…

90


STAHLHUT / SCHÜRE

CS –

Warum diese Frage: was bleibt von Gott?

Muss etwas von Gott bleiben, damit Gott

bleibt?

FS –

Jeden Abend habe ich vor dem Einschlafen

gebetet. Zum Einschlafen gebetet, in das

Einschlafen hinein gebetet. Einschlafen, dieses

-

und erlösend.

CS –

Gehört es nicht gerade zum Wesen Gottes –

was immer sich hinter den vier Buchstaben

verbirgt –, dass es nicht bleibt? Im Buddhismus

gehen Götter spurlos – im christlichen

Kulturraum stellen wir uns das Göttliche als

bleibend, als substanziell, als immer da-seiend

vor – wie eine feste Größe. Vielleicht ist die

Lösung beides: Gott bleibt und vergeht, ist

das, was immer da ist, und ist zugleich unendlich

offen…

FS –

Unheimlich war das Dunkel, schön die Nacht

bare

Einschlafen. Zu beten war wie leise und

vorsichtig anklopfen an diese Dimension, die

CS –

Nietzsche hat gesagt: Gott ist tot! Ende des

19. Jahrhunderts ist Gott gestorben. Wobei er

hinzugefügt hat: nur der moralische Gott ist

damit gemeint. Welcher Gott bleibt? War das

überhaupt Gott, was jetzt nicht mehr so da

ist, wie es früher mal da war? Was uns in der

das Gott oder ein von den Menschen auf den

Begriff gebrachter Raum, der eigentlich auf

gar keinen Begriff zu bringen ist?

FS –

Zu beten war wie ein Ansprechen des Gast-

Nacht, deren Unheimlich-Erlösendes jeden

Morgen zurücktrat, die ich wunderbarerweise

nicht nur überlebte, sondern die ich tief erholt

und erfüllt verließ. Und niemand vermochte

mir wirklich zu sagen, was da vor sich ging.

CS –

Mit den klassischen Begriffen von ‚Gott dem

weiter. Suggeriert wird da eine Art Superwesen,

das aber zugleich menschliche Eigenschaften

aufweist wie Zorn oder Eifersucht,

wenn es fordert: Du sollst keine anderen

Götter neben mir haben. Jesus hat Gott liebevoll

Abba genannt – Papa. In seinen Reden

und strafende Obergott, der Herr der Heerscharen,

beherrscht, in einen liebevoll angesprochenen

Papa, Papi. Abba ist ein Vater, der sich um

sein verlorenes Kind sorgt. Kinder eines

liebenden Vaters zu sein heißt: nicht blind

gehorchen müssen. Vielmehr wachsen zu

dürfen. Fehler machen zu dürfen und dennoch

nie ausgestoßen zu werden. Da ist mehr Mutterliebe

als Vaterstrenge. Da ist eine große

Ängsten und Sorgen anvertrauen kann.

91


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ZU GUTER LETZT

GOTT

OH GOTT…

Noch niemals in meinem langen

und reichen Leben schrieb ich

eine Kolumne über Gott. Ich

habe kein gutes Verhältnis zu

diesem Wort. Mein Eindruck ist,

dieses Wort führt in die Irre.

Einerseits nach außen, hin zu

einem fremden, mächtigen, von

uns Menschen mit Attributen

überstülpten Wesen, das eher

unserer menschlichen Phantasie

entspricht als der Wahrheit.

Daher ist das Wort „Gott“ eher

ein Sammelsurium oftmals skurriler

Projektionen. Von Menschen

gemacht – und personalisiert.

Andererseits: Die meisten Kriege

dieser Welt waren und sind Religionskriege.

Nicht nur zwischen

Nationen, auch zwischen Familien,

manchmal sogar zwischen

Familienmitgliedern.

SPIRITUALITÄT VERSUS RELIGION

Spiritualität ist in meinem Verständnis

das persönliche Verhältnis

jedes Einzelnen zum Größeren,

das ich ungern Gott nenne.

Sondern? Ich bevorzuge das

„Göttliche“ als Begriff. Dieses

Wort erleichtert es mir, mich

selbst als Aspekt dieses Göttlichen

zu erleben und vor allem

das Göttliche als meinen Wesenskern

zu erfassen.

So gesehen ist Spiritualität die

intime Beziehung zwischen mir

und MIR. Zwischen mir und dem

Göttlichen Funken in mir. Werde

ich gefragt, so rede ich gerne

darüber – doch stets so, dass ich

dabei meine Sicht deutlich

mache. Diese ist vollkommen

befreit auch nur vom geringsten

missionarischen Anspruch. Oder

gar von Rechthaberei. Wie

gesagt: Es ist meine persönliche

Beziehung zu jenem Größeren,

das ich als göttlich empfinde.

In einem reifen Dialog kann es

spannend sein, verschiedene

Sichten auszutauschen, um voneinander

zu lernen. „Ah, so also

siehst du das, lebst du das, integrierst

du das. Das also ist dein

Zugang, und das sind deine

Rituale.“

Ganz anders Religion. Religion

kann, muss jedoch nicht spirituell

sein. Religion ist ein Regelwerk,

meist durchzogen von rituellen

Abläufen, die immer gleich aufgebaut

sind und folglich ähnlich

ablaufen. Wie der Ritus der

Messe, zum Beispiel.

Während Spiritualität ohne Innenschau

nicht denkbar ist, kann

Religion sehr veräußerlicht sein.

Religions-Streitigkeiten befassen

sich immer mit unterschiedlichen

Deutungen, und plötzlich schlagen

sich Menschen die Köpfe ein

für ihren Gott namens XYZ gegen

einen anderen Gott namens ZYX.

DAS GEBOT DER BIBEL

Dort lesen wir: „Du sollst dir von

mir, deinem Gott, kein Bild

machen.“ Luther hat das Wort

„Bild“ mit Gleichnis oder Bildnis

übersetzt. Damit bewegen wir

uns sowohl gedanklich wie

sprachlich hin zu einem Gottesbegriff,

der das Unsagbare adressiert

und der auf das Formlose

hinweist.

„Du sollst dir von Gott kein Bild

machen“ – wie schön, wie erhaben,

wie treffend ist das! Damit

bewegen wir uns hin zum Allgegenwärtigen,

zum Ewigen, zum

Unnennbaren und wir könnten

uns begegnen auch in dem

Begriff TAO, das eben dieses

Unsagbare wie eine Wortformel

ausdrückt. Anstatt dem algebraischen

Zeichen für Unendlichkeit

das Wort TAO.

DAS TAO

Durch die Jahrtausende klingen

die Worte des großen Weisen:

„Könnten wir weisen den Weg,

es wäre kein ewiger Weg. Könnten

wir nennen den Namen, es

wäre kein ewiger Name.“ So ist

das TAO, das gesagt werden

kann, nicht das ewige TAO.

Diese unsterblichen Worte von

Lao-tse weisen auf das Unbegreifliche

des Gottesbegriffes hin.

Auf das Nichts. Und damit auf

das Potenzial der Leere. Denn:

„Die höchste Wahrheit kann nicht

in Worten ausgedrückt werden.

Darum hat der größte Lehrmeister

nichts zu sagen. Er widmet

sich einfach dem Dienst an anderen

und macht sich nie Sorgen“

(aus dem Hua-Hu Ching).

GOTT

ist aus dieser Sicht alles was ist.

Alles ist göttlich. Alles ist spirituell.

Denn Spirit bedeutet Geist.

„Das ALL ist GEIST ist GOTT“ ist

auch die Sicht der abendländischen

Hermetik. Das TAO wiederum

ist das Herz der Freiheit. Wer

das in der Tiefe versteht, erkennt

für sich die ewige Verbundenheit

mit der Existenz. Und das wiederum

bedeutet, sich in die Existenz

fallen zu lassen und aus diesem

Fundus zu leben.

Wer das für sich erfasst, lebt aus

dem Göttlichen, das er gleichzeitig

ist. So ist Gott die ewige

Allgegenwärtigkeit im Jetzt unserer

Tage. Somit unser Segen. Und

unser Leben. Keine Getrenntheit

weit und breit. Wie Göttlich.

Karl Gamper

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VOR-

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Es be darf kei ner Schwer ster kran kung oder ei nes Un falls, um in den Ge nuß ei ner

“Nah tod-Er fah rung” zu kom men, son dern nur der gei sti gen Schu lung durch Me -

di ta tion. Dabei dringt das Be wusst sein allmählich in die My ste rien des Jen seits

ein, statt nur bis an des sen Schwel le vor zu sto ßen. So ver liert man die Angst vor

dem Tod und findet zu einem Leben voll heiterer Gelassenheit.

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IMPRESSUM

SONDERHEFT

VISIONEN SPIRIT & SOUL

ISSN 1434-1921

Erscheint 1x im Jahr.

1. Jahrgang / Nr. 1 November 2021

Verleger und Herausgeber

Sandila Import-Export Handels-GmbH,

Sägestraße 37, 79737 Herrischried

Tel. 07764 93970, Fax 07764 939739

(Anschrift von Verleger, Herausgeber,

Redaktion und Anzeigenabteilung)

eMail: info@visionen.com

Online: www.visionen.com

Ansprechpartner in der Redaktion

Herausgeberin und Chefredaktion (verantwortl.):

Gerlinde Glöckner

Redaktion: Inge Hasswani, Frank Schüre (fs)

redaktion@visionen.com

Mitwirkende dieser Ausgabe

Sri Chinmoy

Peter Dyckhoff

Karl Gamper

Bede Griffiths

Simone Horstmann

Ahmad Milad Karimi

Peter Maier

P. Klaus Mertes

Margaret Fishback Powers

Kirpal Singh

Christian Stahlhut

Alan P. Stern

Die Redaktion behält sich vor, eingesandte

Texte in Form und Inhalt dem Stil des Magazins

anzupassen.

Marketingkoordination + Anzeigen:

bg medien service, Bernd Glöckner

anzeigen@visionen.com, Tel. 07764 939710

Design & Layout

Kaner Thompson mit Lange + Durach

Freiburg/Köln, kanerthompson.de

Bildnachweis: Nicht im Artikel gekennzeichnete

Bilder stammen von Getty Images

Vertrieb

IPS Pressevertrieb GmbH

Carl-Zeiss-Str. 5, 53340 Meckenheim

Druck & Herstellung

Divyanand Verlags-GmbH, 79737 Herrischried

Druck auf ökologisch zertifiziertem Papier FSC

(Forest Stewardship Council)

Bezugspreise

Einzelheft € 9,00 - im Jahresabo mit Hauptheft

VISIONEN spirit & soul: € 49.-

Bankverbindungen

D: Sparkasse Hochrhein IBAN: DE38

6845 2290 0036 0180 18, BIC: SKHRDE6WXXX

A: Deutsche Bank Freiburg IBAN: DE12

6807 0024 0265 7187 00, BIC: DEUTDEDBFRE

CH: Postscheckamt Aarau, Konto 91-286837-7

CH3409000000912868377

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Und dann kam Gott...

Carolin George

Und dann kam Gott

Warum ich Glaube nie

brauchte – und mich mit 42

konfirmieren ließ

192 Seiten, gebunden

€ 17,- (D) / € 17,50 (A)

ISBN: 978-3-7655-0765-6

Mit Gott konnte Carolin George

lange nichts anfangen. Als ein

Auftrag die Journalistin in Kirchen

und Kapellen führte, fand sie etwas völlig Neues: innere Ruhe.

Auf einmal merkte sie, was ihr zuvor unbewusst fehlte: Glaube, Liebe,

Hoffnung, Gott. Mit 42 Jahren ließ sie sich schließlich konfi rmieren.

Margaret Fishback Powers

Spuren im Sand

Ein Gedicht, das Millionen

bewegt, und seine Geschichte

112 Seiten, gebunden

€ 9,99 (D) / € 10,30 (A)

ISBN: 978-3-7655-1594-1

Kurz bevor Margaret Fishback

Powers in einer tiefen Lebenskrise

verzweifelt, erhält sie die

Zusage: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein

lassen. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“

Lesen Sie hier das berühmte Gedicht und seine Geschichte.

Timothy Keller

Es ist nicht alles Gott

was glänzt

Was im Leben wirklich trägt

256 Seiten, Paperback

€ 15,- (D) / € 15,50 (A)

ISBN: 978-3-7655-2086-0

Klaus-Dieter John

„Ich habe Gott gesehen“

Diospi Suyana –

Hospital der Hoffnung

272 Seiten, gebunden

€ 10,- (D) / € 10,30 (A)

ISBN: 978-3-7655-0685-7

Die Götter unserer Zeit sind

Geld, Macht und Sex. Oder

positiv ausgedrückt: Erfolg.

Wohlstand. Liebe. Viele Menschen jagen diesen Idealen hinterher.

Timothy Keller spürt die eigentlich guten Dinge auf, die wir zu Göttern

gemacht haben, denn sie können uns nicht das geben, was

wir wirklich brauchen. Nur wer die modernen Götter erkennt, die

ihn selbst und sein Leben beeinfl ussen, kann sich und seine Welt

verstehen.

Als Touristen kommt das Ärzteehepaar

John nach Peru. Erschüttert

von den schlechten

Lebensbedingungen auf dem Land beschließen sie, ihren Lebenstraum

zu verwirklichen: ein modernes Krankenhaus mitten in den

Anden zu bauen – ohne einen einzigen Cent in der Tasche ... eine

abenteuerliche Geschichte voller Wunder.


Kursprogramm

2022

anfordern

Benediktushof –

Zentrum für Meditation und Achtsamkeit

Der Benediktushof, ein überkonfessionelles Seminarzentrum in der Nähe von

Würzburg, bietet ein breites Spektrum an Kursen mit dem Schwerpunkt

Kontemplation und Zen. Darüber hinaus gibt es ein umfangreiches und

hochqualifiziertes Seminarangebot rund um die Themen Meditation,

Achtsamkeit, Führungskompetenz, Selbsterfahrung, Kreativität, Gesundheit

sowie Angebote für junge Menschen und Familien.

In die Stille gehen, sich den Fragen des Lebens

stellen und gestärkt in den Alltag zurückkehren

– diese Ausrichtung steht am

Benediktushof immer im Mittelpunkt.

Aktuelle Angebote

Unsere Kurse finden wieder vor Ort statt. Online-Kurse und die

Möglichkeit zum täglichen gemeinsamen „Sitzen in Stille“ online

ergänzen das Kursangebot. Weitere Infos dazu finden Sie auf

unserer Webseite und in unserem monatlichen Newsletter.

Benediktushof • Klosterstraße 10 • 97292 Holzkirchen bei Würzburg • Tel. 09369 - 98380

www.benediktushof-holzkirchen.de

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