Frenzels Weinschule, Band 3

tretorri
  • Keine Tags gefunden...

WEINWISSEN - NEXT LEVEL

Frenzels Weinschule – der dritte Band der Bestseller-Reihe vereint geballtes Expertenwissen mit aktuellen Entwicklungen der Weinszene. Neue Rebsorten und ihre Aromen vertiefen Ihr sensorisches Wissen, die Geschichte des deutschen Weingesetzes führt bis zur aktuellen Version aus dem Jahr 2020. Darüber hinaus geht es um die besten Weinlagen der Welt, die Arbeit im Weinkeller, Weinkritik, das wichtigste Handwerkszeug für eine professionelle Weinprobe im großen Stil und vieles mehr.


Frenzels Weinschule
Band 3
Hrsg: Ralf Frenzel
304 Seiten
zahlr. Farbfotos
28,0 × 29,0 cm
Hardcover
Preis: € 69,90 (D)
ISBN 978-3-96033-124-7

1

2

3

4

56

VORWORT 9

WEIN + KRITIK 12

REBZUCHT 38

REBSORTEN + AROMEN 54

WEINFEHLER 112

IM WEINKELLER 128

7

8

9

10

11

12

13

BEIM KÜFER 148

BIO-WEINBAU 162

STILKRITIK 180

WEINLAGERUNG + REIFE 190

DEUTSCHES WEINRECHT 206

GROSSE LAGEN 224

WEINFÄLSCHUNGEN 256

VERKOSTUNGSPRAXIS 276

HERAUSGEBER + AUTOREN 300

6 | FRENZEL S

WEINSCHULE FRENZEL S

WEINSCHULE | 7


Seit 40 Jahren beschäftigt mich das Thema Wein. Mehr noch. Dieses scheinbar so einfache

Getränk fasziniert und begeistert mich, fordert mich und lässt mich immer wieder Neues

dazulernen. Als Sommelier und Weinhändler, als Verleger von Büchern und Herausgeber

einer der bedeutendsten Weinzeitschriften, nicht nur im deutschsprachigen Raum, habe ich seine

zahlreichen einzigartigen Facetten erfahren, persönlich erlebt, stellenweise aktiv begleitet und mitgestaltet.

Viele Dokumente in meinen persönlichen Unterlagen erinnern an eine aufregende Zeit, an

unzählige Begegnungen mit wunderbaren Menschen und beeindruckenden Weinen.

Nach wie vor bin ich nicht am Ende angekommen, denn stets neue Entwicklungen und Erkenntnisse,

andere Weine und Winzerpersönlichkeiten erweitern auch nach Jahrzehnten das Spektrum

meiner Weinbegeisterung. Die unerschöpfliche Komplexität des Themas Wein bereichert deshalb

den dritten Band unserer Weinschule. Aktuelle und moderne Entwicklungen im Weinbau bis hin zu

komplexen Betrachtungen historisch bedeutsamer Aspekte fließen in dieses Buch ein. Zugleich soll

sie auch Dokumentation von Weinwissen sein, das in einer Welt der beliebigen Informationsquellen

zunehmend verloren zu gehen droht. So stellen wir neue Rebsorten vor, die in Zeiten der Wetterextreme

immer mehr an Bedeutung gewinnen, ebenso wie den Trend der sogenannten Orange Wines,

die Weinliebhaber mit ihren Geschmacksmustern durchaus herausfordern können.

Wir haben uns des Themas Bio-Weinbau angenommen und dessen Versuch, Antworten auf drängende

Fragen moderner Landwirtschaft zu finden. Darüber hinaus erzählen wir die Geschichten

der spektakulären Weinskandale und -fälschungen und berichten darüber, wie man heute versucht,

diesen Machenschaften den Riegel vorzuschieben. Wir stellen das neue deutsche Weingesetz

vor und ordnen es im Rückblick auf seine jahrhundertealte Entwicklung in seiner Aktualität ein.

Daneben geben wir Ihnen selbstverständlich praktisches Wissen mit an die Hand: unter anderem

über die Weinbereitung im Weinkeller, die Ursachen der gängigen Weinfehler und wie man sie erkennt.

So wagt auch der dritte Band von Frenzels Weinschule einen kurzweiligen und lehrreichen Spagat

zwischen Unterhaltung und Wissensvermittlung mit dem Ziel, dieses Wissen praktisch umsetzen zu

können und gleichzeitig das Verständnis für den „Göttertrunk“ zu vertiefen.

Ich wünsche mir sehr, dass Ihnen dieses Buch viel Freude am sinnlichen Thema Wein bereiten

möge. Dass Sie darin stöbern und immer wieder danach greifen wollen.

GENIESSEN SIE EINFACH MIT ALLEN SINNEN, IHR RALF FRENZEL

8 | FRENZEL S

WEINSCHULE FRENZEL S

WEINSCHULE | 9


FÜNF PFEILE

ZIEREN DIE FLASCHEN DES BERÜHMTEN

CHÂTEAU LAFITE-ROTHSCHILD. DER

BANKIER AMSCHEL MAYER ROTHSCHILD

VEREWIGTE DAMIT SEINE IM BANK-

GESCHÄFT ERFOLGREICHEN SÖHNE

12 | WEIN + KRITIK WEIN + KRITIK | 13


ROOM WITH A VIEW

DER VERKOSTUNGSRAUM DER

BERÜHMTEN OPUS ONE WINERY

IM NAPA VALLEY MIT BLICK IN

DEN BARRIQUE-KELLER

STEFAN PEGATZKY

Weinkritik, also die konkrete Beschreibung eines einzelnen oder einer Reihe vergleichbarer

Weine für ein allgemeines Publikum, ist mittlerweile das populärste

Genre des Schreibens über Wein, historisch aber eines der jüngsten. In der Form

von numerischer Bewertung in Verbindung mit einem schriftlichen Kommentar ist sie heute allgegenwärtig,

in Weinshops und -katalogen, Fachzeitschriften, Kolumnen und Blogs. Was hat es

mit der modernen Weinkritik auf sich, und wie ist sie entstanden?

14 | WEIN + KRITIK WEIN + KRITIK | 15


Kritik stammt vom griechischen „kritein“ ab, meint

also das „Unterscheiden“. Tatsächlich unterschieden

Menschen bereits sehr früh zwischen einzelnen

Weinen. So entwickelte sich ab der 1. und 2. Dynastie, also

seit dem 3. Jahrtausend vor Christus, in Ägypten eine veritable

Weinindustrie: Hieroglyphen auf den Siegeln der Verschlussstopfen

in der Zeit von Echnaton (1335 v. Chr.) nannten

den Jahrgang, die Qualität sowie den verantwortlichen

Winzer. Auch auf babylonischen Keilschrift-Tafeln von etwa

1.700 vor Christus sind Qualität, beispielsweise „gut“, „Wein

zweiter Qualität“ und „schlecht“ sowie Herkunft von Weinen

vermerkt. Während für diese Frühzeit die Kriterien der Weinbeurteilung

bedauerlicherweise unbekannt sind, werden sie in

der griechischen Antike klarer. Im 4. Jahrhundert vor Christus

begründete der Arzt Hippokrates die Medizin und stellte

– vom Römer Galen später noch vertieft – eine Theorie der

vier Körpersäfte im Menschen auf. Gemäß dieser Lehre formulierte

er für alle davon abgeleiteten Menschentypen und

Altersstufen darauf abgestimmte Ernährungsvorschriften.

Lebensmittel, aber eben auch Weine, wurden in dieser Tradition

noch bis ins 19. Jahrhundert im Wesentlichen dahingehend

beurteilt, ob sie der Natur und dem jeweiligen Zustand

unseres Körpers entsprachen. Zugleich entwickelte sich aber

auch ein am reinen Geschmack orientiertes Sprechen über

Wein. Im antiken Griechenland gehörte es zu den Standardelementen

epischer Dichtung, große Weine entsprechend zu

preisen. Man kannte bereits eigene Bezeichnungen für Weinverkoster

und die Kunst der Degustation – „Oinogeustes“ bzw.

„Oinogeustike“. Im 3. Jahrhundert vor Christus verfasste ein

gewisser Florentinus den Text „Wann und wie man Wein verkosten

solle“. Der Philosoph Lukrez entwickelte in seinem

Werk „De rerum natura“ die Grundlagen der Sensorik, indem

er den Dingen Farbe, Geruch und Geschmack zuschrieb –

eine Formel, die mittelalterliche Gesundheitsbücher bewahrten

und auf den Wein übertrugen.

In der frühen Neuzeit schließlich, wie der Altphilologe

Gerd Hagenow gezeigt hat, sollte diese zu einer feststehenden,

mit Wein assoziierten Formel werden, die sogar in zeitgenössische

Wörterbücher einfloss. Und natürlich in frühe deutschsprachige

Weinbücher wie in das Lehrwerk „Der Weinkenner“

eines anonymen Autors von 1800: „Ein guter Wein muss sich

durch eine Dreieinigkeit von guten Eigenschaften auszeichnen,

welche die Alten durch COS anzeigten, nämlich Colore,

Odore, Sapore, d. h. durch Farbe, Geruch und Geschmack.“

Der eigentliche Höhepunkt der antiken Reflexion über Wein

wird in der „Naturkunde“ um 60 nach Christus von Plinius

dem Älteren erreicht. Ihm verdanken wir nicht nur die erste

Lagenklassifizierung überhaupt – nach vier Rängen sowie

den „übrigen Weinen“. Auch die erste Verkostungsnotiz eines

Jahrgangsweins, des sogenannten „Opimianers“ von 121 vor

Christus, findet sich hier: „körniger Honig … außerordentliche

Bitterkeit“. Doch nach dieser klassischen Blütezeit im Rom

der Kaiserzeit sank Wein mit dem beginnenden Mittelalter

bis auf wenige Ausnahmen zu einem bloßen Nahrungs- und

Rauschmittel zurück. Zwar überlebte vor allem im Umkreis

der Klöster immerhin die Weinkultur als solche, aber der Diskurs

über den eigentlichen Weingeschmack verstummte mehr

oder weniger.

IN VINO VERITAS

DEM RÖMISCHEN UNIVERSALGELEHRTEN,

PLINIUS DEM ÄLTEREN VERDANKEN WIR DIE

WEISHEIT VOM WEIN UND DER WAHRHEIT -

UND DIE ERSTEN VERKOSTUNGSNOTIZEN

EINES JAHRGANGSWEINS

16 | WEIN + KRITIK WEIN + KRITIK | 17


38 | REBZUCHT REBZUCHT | 39


UWE KAUSS

NEUE REBSORTEN

DIE ZÜCHTUNG EINER NEUEN

REBSORTE NIMMT VIELE

JAHRE IN ANSPRUCH

Das Ziel der Rebenzüchtung im Weinbau war von Anfang an, neue Sorten mit definiert

positiven Eigenschaften und Merkmalen zu erzeugen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts

wird versucht, möglichst alle guten Eigenschaften der Elternsorten auszuprägen

und deren schlechte Aspekte zu eliminieren. Über viele Jahrzehnte standen vor allem höhere

Erträge und Mostgewichte, frühe Reife sowie eine bessere Resistenz gegen Schädlinge, Frost

und Hitze als bestehende Kultursorten im Vordergrund. Später kamen auch Merkmale der Weinqualität

hinzu, beispielsweise neue Aromenspektren und reduzierte Säure. Oft lassen sich diese

Ziele allerdings auch trotz jahrzehntelanger Versuche nicht realisieren, weil die neuen Pflanzen

nicht die gewünschten Merkmale ausprägen. Dennoch sind in den vergangenen 150 Jahren

mehrere Hundert neue Rebsorten in Europa entstanden – von denen sich aber nur wenige langfristig

und auf größerer Anbaufläche behaupten konnten.

40 | REBZUCHT REBZUCHT | 41


54 | REBSORTEN + AROMEN REBSORTEN + AROMEN | 55


CABERNET BLANC

LEITAROMEN

MARACUJA, HONIG,

ARONIA-FRUCHT,

CASHEW-CURRY,

MANDARINE

Der Cabernet Blanc ist eine Hybridrebe,

die durch eine Kreuzung der

weltweit meistangepflanzten Sorte

Cabernet Sauvignon mit einer nicht offziell

identifizierten pilzresistenten Rebe komplexer

Abstammung geschaffen wurde. Obwohl der

Schweizer Rebzüchter Valentin Blattner als ihr

ursprünglicher Schöpfer gilt, wurde sie im Versuchsanbau

in der Pfalz durch Klonenselektion

weiterentwickelt. 1994 wurde sie zum Sortenschutz

angemeldet und ist seit 2010 als sogenannte

Piwi-Sorte zur Erzeugung von Qualitätswein

zugelassen. Lockerbeerig und mit fester

Haut sind die Trauben mit hoher Widerstandsfähigkeit

gegen Echten und Falschen

Mehltau, Grauschimmelfäule

und Frost ausgestattet.

Allerdings neigt die Sorte bei unregelmäßiger

Blüteentwicklung zu

Verrieselung, was zu einem Nebeneinander

von normalgroßen und

unterentwickelten Beeren führen

kann. Man sollte sie deshalb nur an

blütesicheren Standorten anpflanzen.

Die Reife der Trauben erfolgt

generell Anfang Oktober. Dass sie

in den vergangenen Jahren von

allen pilzresistenten Sorten den

größten Zuwachs verzeichnet,

verdankt sie aber wahrscheinlich

genauso viel ihrem Namen wie

ihrer Fähigkeit zu hohem Zuckergehalt

und guten Extraktwerten.

Waren es 2007 nur sieben Hektar in ganz

Deutschland, konnte man 2019 schon 188 Hektar

zählen, den Großteil davon in der Pfalz.

Dort deckt sie ein weites Geschmacksspektrum

ab, von trockenen bis zu edelsüßen

Weinen. Von der Aromatik her ist sie dem

Sauvignon Blanc nicht unähnlich, was anlässlich

dessen Verwandtschaft mit Cabernet

Sauvignon nicht verwunderlich ist. Alle drei

können bei guter Reife den gemeinsamen

Nenner schwarzer Johannisbeeren aufweisen.

Auch im Ausbau gibt es Ähnlichkeiten mit

Sauvignon Blanc. Manche Winzer bevorzugen

den reduktiven, rassigen Stil, wie man ihn aus

der Neuen Welt mit dem Einsatz

von Edelstahltanks kennt, andere

legen mehr Wert auf viel Frucht

und die oxidativen Qualitäten

großer Holzfässer, während eine

dritte Richtung auf Barriques

und die klassisch flintig-rauchige

Prägung à la Pouilly Fumé setzt.

Kleine Anbauflächen befinden

sich auch in Luxemburg, Belgien,

Österreich, Tschechien, Frankreich,

Italien, den Niederlanden

und in England. Bei amerikanischen

Weinen mit der Bezeichnung

Cabernet Blanc handelt es sich fast

immer um Cabernet Sauvignons,

die ohne Maische auf ein blasses

Rosa vergärt wurden, sogenannte

„blush wines“.

PROBEWEIN

2019 CABERNET BLANC

NEUSPERGERHOF, PFALZ

Eigenwillige Duftkomposition mit Maracuja, Mandarine, Currypulver, Honig,

Cashewnüssen und Dosenspargel. Am Gaumen etwas einfacher gestrickt mit markanter

Kohlensäure, süßem Curry, nussigem Akzent, mehliger Kichererbse

und merklicher Restsüße.

64 | REBSORTEN + AROMEN REBSORTEN + AROMEN | 65


190 | WEINLAGERUNG + REIFE WEINLAGERUNG + REIFE | 191


Viele Weine verbessern sich durch eine Lagerung

nicht, da sie für den schnellen Gebrauch gedacht

sind und jung getrunken werden sollten. Nur verhältnismäßig

wenige besitzen das Potenzial quasi in Würde zu

altern, sie machen ungefähr fünf Prozent der weltweit produzierten

Weine aus. Aber die sollten nicht zu früh getrunken

werden, bei großen Weinen wird der zu frühe Genuss gerne

etwas dramatisierend mit einem Kindsmord verglichen. Es

lohnt sich also, ausgewählten Kreszenzen Zeit zur Entwicklung

zu geben.

Als Grundregel kann gelten, dass einfache Weiß- und

Schaumweine, Rosés und leichte, tanninarme Rotweine jung

und in ihrer Fruchtphase getrunken werden sollten, also ein bis

zwei Jahre nach ihrer Füllung. Bei den Weinen im Premium-

bereich bestimmen verschiedene Faktoren das Reifevermögen

– schon der Jahrgang spielt eine wichtige Rolle. Weine aus

Spitzen-Jahrgängen in Deutschland wie 1921, 1945, 1959, 1971,

1990 oder 2018 besitzen beste Voraussetzungen, um lange

reifen zu können. Aber auch der Lagen-Charakter, die Art des

Weinbaus und die Arbeit im Keller nehmen Einfluss.

Weiße und rote Spitzenweine enthalten eine komplexe

Struktur aus Säure, Mineralien, Pigmenten, Tanninen, Zucker

und Geschmacksstoffen, die sich im jugendlichen Zustand

noch nicht im Gleichgewicht befindet. Vor allem Rotweine

können jahrzehntelang reifen, gerade auch wegen ihrer Gerbstoffe,

die sich in der Flasche verfeinern können. Rotweine

aus Trauben mit dicken Schalen, wie man es in warmen und

trockenen Jahren beobachten kann, besitzen meist einen längeren

„Atem“ als Weine aus einem verregneten Jahr, in denen

der Anteil des Fruchtfleisches höher ausfällt.

Bei der Flaschenreifung werden die am Gaumen spürbaren

Strukturelemente miteinander verbunden: Besonders

die Tannine werden durch den Zusammenschluss zu längeren

Molekülketten als runder und weicher empfunden, Alkohol

und Säure integrieren und harmonisieren sich. Damit dies

passieren kann, muss ein Wein über eine gute Grundkonstitution

verfügen. Während Rotwein vor allem durch

sein Tannin konserviert wird, ist beim trockenen Weißwein

die Säure dafür zuständig – vorausgesetzt, er verfügt über genügend

Substanz und Extrakt als Gegengewicht zur Säure.

Weißweine aus kühleren Jahren wie 2010 weisen höhere

Säurewerte auf. Sie brauchen deshalb länger, bis diese eingebunden

sind und die Weine sich in Balance befinden. Edelsüße

Weine von Rebsorten wie Riesling, Tokajer oder Chenin

Blanc, die für hohe Säurewerte bekannt sind, besitzen durch

ihre Konzentration an Zucker und Säure ein sicheres Reifepotenzial

und scheinen nahezu unverwüstlich zu sein.

Eine Sonderrolle im Reifeverhalten nehmen Naturweine

und Orange Wine ein, die mit sehr wenig oder gar keinem

Schwefel gefüllt werden. Grundsätzlich gilt, dass Weine mit

sehr wenig Schwefel früher zugänglich sind und sich schneller

entwickeln als solche mit der üblichen Schwefeldosis. Wegen

ihres gezielt oxidativen Ausbaus und häufig sehr langen

Maischestandzeiten extrahieren diese Weine zusätzlich

Tannin aus Traubenhaut, Kernen und Stielen, was wiederum

ihre Haltbarkeit erhöhen kann.

194 | WEINLAGERUNG + REIFE WEINLAGERUNG + REIFE | 195


206 | DEUTSCHES WEINRECHT DEUTSCHES WEINRECHT | 207


DANIEL DECKERS

Seit einigen Jahren macht Orange Wine Furore. Abgezielt wird bei dieser Bezeichnung

offenkundig nicht auf eine Rebsorte oder die Farbe der Keltertrauben. Ausschlaggebend

ist wie bei Roséweinen die Farbe des End- und nicht des Ausgangsprodukts. Wie

aber kommt ein „Orange Wine“ überhaupt dazu, eine nach weiß, rot und rosé quasi vierte Farbe

anzunehmen? Da es sich in der Regel um junge Weine ohne Restzucker handelt, scheidet die klassische

Erklärung aus: Die auffällige Farbe ist nicht das Produkt von chemischen Reaktionen des

vergorenen Mostes, wie bei den bernsteinfarbenen rest- oder edelsüßen Weißweinen, wenn sie

über viele Jahre auf der Flasche gereift sind. Hat man dem frischen Most vielleicht künstliche oder

natürliche Farbstoffe zugegeben? Das Lebensmittelrecht stünde dem womöglich nicht entgegen.

Es kennt viele Möglichkeiten, einem Produkt auf gesundheitlich vollkommen unschädliche Weise

zu einer Farbe nach Wunsch zu verhelfen. Oder wurde der weiße Traubenmost vielleicht mit

hochfarbigem Saft versetzt, der aus Obst oder Ackerfrüchten gewonnen wurde, etwa Holunder

oder Rote Bete?

208 | DEUTSCHES WEINRECHT DEUTSCHES WEINRECHT | 209


276 | VERKOSTUNGSPRAXIS

VERKOSTUNGSPRAXIS | 277


KRISTINE BÄDER

I

m Grunde mag ihn kein Winzer. Sauerstoff sorgt für braune Farbe im Roten und für ein

tiefdunkles Gelb beim Weißen, er verändert den Geschmack und die Haltbarkeit und im

schlimmsten Fall verwandelt er den Flascheninhalt in Essig. Trotzdem ist er wichtig, denn

er hilft dem Wein auch, sein bestes Gesicht zu zeigen. Es kommt nur auf die passende Dosis und

den richtigen Zeitpunkt an.

278 | VERKOSTUNGSPRAXIS VERKOSTUNGSPRAXIS | 279


FRENZEL S

WEINSCHULE 3

HERAUSGEBER

Ralf Frenzel

© 2021

Tre Torri Verlag GmbH, Wiesbaden

tretorri.de

IDEE, KONZEPTION UND UMSETZUNG

Tre Torri Verlag GmbH, CPA! Communications- und Projektagentur, Wiesbaden

AUTOREN

Kristine Bäder, Wiesbaden, Daniel Deckers, Limburg an der Lahn, Ursula Heinzelmann, Berlin, Uwe Kauss, Offenbach,

Dr. Stefan Pegatzky, Berlin, Michael Schmidt, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rainer Schäfer, Hamburg, Christian Volbracht, Berlin

ART DIRECTION UND GESTALTUNG

Tommas Bried, 3c4y Cookbook Design, London/Berlin

FOTOGRAFIE

Für FINE Das Weinmagazin:

Guido Bittner, Wiesbaden, Seiten 112/113, 178/179, 194

Rui Camilo, Wiesbaden, Seiten 110/111, 160/161, 169, 173, 187, 264

Leif Carlsson, Paris, Seiten 12/13, 128/129, 136/137, 204/205

Johannes Grau, Hamburg, Seiten 2/3, 6/7, 14/15, 40, 43, 52/53, 117, 118, 121, 125, 141, 146/147, 148/149, 150/151, 152/153, 154/155,

156, 159, 167, 174, 180/181, 188/189, 203, 212, 216, 271, 272, 296/297

Marco Grundt, Hamburg, Seiten 22/23, 36/37, 84/85, 135, 140, 190/191, 192/193, 197, 254/256, 268, 283 o.

Alex Habermehl, Frankfurt, Seiten 10/11, 27, 164/165, 182/183, 221, 222/223, 224/225, 231, 236, 258, 298/299

Stephan Heimann, Wiesbaden, Seiten 14/15

Christof Herdt, Frankfurt, Seiten 4/5, 56/57, 60/61, 120, 170, 206/207, 221, 228, 252

Arne Landwehr, Wiesbaden, Seiten 114, 142/143, 198, 208/209, 226/227, 248, 251, 162/163, 274/275, 278/279, 283 u., 284/285, 286, 289, 290, 295

Jürgen Nogai, Bremen, Seite 243

Marc Volk, Berlin, Seiten 8, 30/31, 235, 240

Thilo Weimar, Bardolino, Seiten 54/55, 86/87, 244, 256/257, 262/263

Martin Wurzer-Berger, Münster, Seite 247

Guido Bittner, Wiesbaden, Weinflaschen im Kapitel 3 und Seiten 288, 291, 292, 293, 294

3c4y Photography Tommas Bried + Andreas Hantschke, Berlin/London, Seiten 38/39, 58/59, 126/127, 130, 133, 134, 139, 144, 214

Peter Schulte, Hamburg, Aromen-Bilder im Kapitel 3

REPRODUKTION

Lorenz & Zeller, Inning a. A.

Printed in Italy

ISBN 978-3-96033-124-7

© FOTONACHWEIS

S. 17 Wolfgang Sauber, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Como_-_Dome_-_Facade_Plinius_the_Elder.jpg

S. 18 „David Hume – Bild von Allan Ramsay (1713–1784)“ : https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Painting_of_David_Hume.jpg

S. 19 „George Saintsbury“, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:George_Saintsbury_Lafayette.jpg

S. 20 © Château Margaux, http://westgarthwines.com/2015/07/07/bordeaux-1855-classifications

S. 24 Abb. „Das Weinbuch“: © Dorotheum Wien, Auktionskatalog 05.12.2018

S. 24 Hintergrundbild zur Abb. „Das Weinbuch“: Adobe/VV

S. 26 „Weinbewertung“: Walther Buxbaum/Archiv Stefan Pegatzky

S. 28 „Aromenrad für Wein/Ann C. Noble“: © Ann C. Noble/InnoVinum LLC, www.winearomawheel.com

S. 32 © Robert Parker

S. 44 © Gabrielle Wahrheit

S. 47 © Joachim Schmid, Forschungsanstalt Geisenheim, Fachgebiet Rebenzüchtung und Rebenveredlung

S. 48 https://de.m.wikipedia.org/wiki/Noah_(Rebsorte)

S. 51 © Adobe/cabito

S. 123 Rob & Lisa Meehan, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tub_of_botrytis_inffected_Riesling_Grapes.jpg

S. 211 © Der Weinfreund 10 (1971) / Sammlung Stefan Pegatzky

S. 218 © VDP.Team, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flaschen2_by_VDP.jpg

S. 232 Fredibouille/Fred.C, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Clos_de_Beze_-_Automne.jpg

S. 239 OHNDO, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:La_Tâche.jpg

S. 261 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ordnung_unnd_satzung_ueber_weyne.jpg

S. 267 Arnaud 25, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Domaine_de_la_Romanée-conti_03.jpg

HAFTUNGSAUSSCHLUSS

Die Inhalte dieses Buchs wurden von Herausgeber und Verlag sorgfältig erwogen und geprüft. Dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden.

Die Haftung des Herausgebers bzw. des Verlags für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

304 | FRENZEL S

WEINSCHULE


WEINWISSEN – NEXT LEVEL

FRENZEL S

WEINSCHULE 3 IST DIE KONSEQUENTE FORTSETZUNG DER

WEINSCHULEN-WELT. JEDER BAND VERMITTELT EINZIGARTIGE INHALTE

DES WEINKOSMOS, BILDGEWALTIG DARGESTELLT – SOWOHL EINZELN ALS

AUCH IN DER TRILOGIE LESENSWERT. DER DRITTE BAND IST FÜR ALLE,

DIE NOCH TIEFER IN DAS THEMA EINSTEIGEN UND SICH EINEN ÜBERBLICK

ÜBER AKTUELLE ENTWICKLUNGEN, BESONDERE QUALITÄTSWEINE UND

DEREN AROMEN VERSCHAFFEN MÖCHTEN. DIESE WEINSCHULE BIETET

AUF 304 SEITEN GEBALLTES WEINWISSEN RENOMMIERTER AUTOREN,

BEFASST SICH UNTER ANDEREM MIT THEMEN WIE BIO-WEINBAU, GIBT

EINBLICK IN DAS GESCHÄFT DER WEINFÄLSCHER UND WAS DAGEGEN

GETAN WIRD. GROSSE LAGEN WERDEN EBENSO VORGESTELLT WIE DIE

BERÜHMTEN BARRIQUE-KÜFER IM NACHBARLAND FRANKREICH, DIE DIE

KUNST DES FASSMACHENS BEHERRSCHEN WIE SONST NIEMAND AUF

DER WELT. DIE GANZE VIELFALT DES SINNLICHEN THEMAS WEIN IN EINEM

BUCH – FÜR AMBITIONIERTE EINSTEIGER UND ECHTE KENNER!

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine