Erfolg Magazin Ausgabe 06-2021

erfolgmagazin

CHRISTOPH WALTZ: Geschichte des beliebtesten Bösewichts
EMMANUEL MACRON: Körpersprache des Erfolgs
BONO: Der singende Prediger
INGO APPELT im Interview
PETER THIEL: Der Pate von Silicon-Valley – Buchauszug aus dem neuen Buch von Max Chafkin
Keine Falsche Bescheidenheit – Martin Wehrle
»Man kann alles lernen« – Auszug aus dem Buch »Bullshit Rules« von Julien Backhaus
Das Future Proof Mindset – Auszug aus dem Buch von Sandra Navidi
Siegertypen schlafen fest – Dr. Martin Schlott
ANDREA BOCELLI – Dr. Dr. Rainer Zitelmann
Impact! – Frank Asmus
Brainset: Gibt es einen Kaufknopf im Gehirn? – Karsten Brocke
Hall of Fame: BODO SCHÄFER
NEWS: Aktuelle News aus der Erfolgswelt
ERFOLG Magazin Brand Ambassadors
ERFOLG Magazin Top Experten
BEST OF WEB: Schauen Sie doch mal online rein

ANDREA BOCELLI: EIN BLINDER MUSIKER ZERSCHLÄGT BARRIEREN

6/ 2021

EMMANUEL

MACRON

DIE KÖRPER-

SPRACHE

DES ERFOLGS

BONO

DER SINGENDE

PREDIGER

Verleger

Julien Backhaus

über das Kunstwerk

»Leben«

INGO

APPELT

IM INTERVIEW ÜBER

ERFOLG, TOLERANZ

UND BÜHNENSPIEL

CHRISTOPH

WALTZ

GESCHICHTE DES BELIEBTESTEN

BÖSEWICHTS DER WELT

BACKHAUS VERLAG 5 €

ÖSTERREICH 5,60 € |SCHWEIZ 8,00 CHF

Bilder: IMAGO / MediaPunch, Oliver Reetz


Editorial

Bild: Oliver Reetz

Julien Backhaus

Verleger und

Herausgeber

Noch mehr

Erfolg für Sie!

Das nächste Heft

erscheint am

16. Dezember 2021

KUNSTWERK »LEBEN«

GUT DING WILL WEILE HABEN

Ein Grashalm wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht. Wir

Menschen sind ungeduldige Wesen. Manchmal kann das sogar ein

Vorteil sein. Aber meistens lässt sich Gutes nicht erzwingen, sondern

es muss reifen. Kunstwerke, die wir im Museum bestaunen, sind nicht

an einem Tag entstanden. Oft brauchten ihre Erschaffer gar Jahre. Mit

Karrieren ist es nicht anders. Ein Lebenswerk ist nie vollbracht, sondern

wächst von Tag zu Tag und Jahr zu Jahr. Sie lesen in dieser Ausgabe

von Menschen, die es auf Nachhaltigkeit angelegt haben. Menschen,

die selten etwas erzwungen haben.

Unser Cover-Star Christoph Waltz war schon über 50, als er ganz groß

rauskam. Die Rollen, die er heute spielen kann, basieren auf jahrzehntelanger

Erfahrung und Reife. Die Macher eines Filmes hatten die

Befürchtung, dass sie eine Rolle erschaffen hatten, die niemand spielen

können würde. Und dann kam Waltz. Und er spielte sie, wie nur er es

konnte. Waltz war auch vorher erfolgreich, gehörte zu den am besten

gebuchten Schauspielern. Aber nun konnte er Rollen spielen, die all

diese Vorerfahrung brauchten. Auch Ingo Appelt spricht im Interview

darüber, wie er sich im Laufe der Jahrzehnte entwickeln konnte. Heute

kann er Programme spielen, die nur er spielen kann. Sie passen zu

seinem Image, seinen Fähigkeiten und seinem Publikum. Niemand

anders könnte diese Programme glaubhaft rüberbringen. Auch U2-

Frontmann Bono schaut auf eine Mammutkarriere zurück. Vor 45

Jahren gründete er mit Schulfreunden eine Band, die sich später U2

nannte. Heute kann er Dinge tun, die er als 20-Jähriger nicht hätte tun

können.

Viele Karrieren scheinen auf den schnellen Erfolg ausgelegt zu sein. Es

scheint darum zu gehen, schnell etwas mitzunehmen, statt langfristig

etwas aufzubauen. Dennoch lohnt sich diese Herangehensweise, denn

Sie können irgendwann Dinge tun, die niemand sonst tun kann. Der

Preis für diese spätere Freiheit ist Geduld und Disziplin. Das Leben ist

ein Kunstwerk, es wird von jedem selbst erschaffen. Aber welche Bedeutung

dieses Werk eines Tages haben wird, bestimmen wir selbst

von Tag zu Tag.

Viel Vergnügen beim Lesen,

Ihr Julien Backhaus

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Erfolg Magazin ISSN 25057342

Verlag Backhaus Verlag GmbH ist ein Unternehmen

der Backhaus Mediengruppe Holding GmbH,

Geschäftsführender Gesellschafter Julien Backhaus

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Chefredakteur (V.i.S.d.P.): Julien D. Backhaus

Redaktionsleitung: Johanna Schmidt

Redaktion: Katrin Beißner

E-Mail: redaktion@backhausverlag.de

Layout und Gestaltung: Judith Iben, Jasmin Päper,

Johanna Schmidt

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Lektorat: Textcelsior

Herausgeber, Verleger: Julien D. Backhaus

Anschrift: Zum Flugplatz 44, 27356 Rotenburg

Telefon: (0 42 68) 9 53 04 91

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Alle Rechte vorbehalten.


INHALT 6/2021

12

Christoph Waltz

Erfolg

Christoph Waltz: Geschichte des

beliebtesten Bösewichts der Welt................. 12

Bono: Der singende Prediger

Michael Jagersbacher................................... 18

Wüterich und Glücklichmacher

Ingo Appelt im Interview.............................. 30

Story

Peter Thiel: Der Pate von Silicon-Valley – ein

Auszug aus dem Buch von Max Chafkin...... 16

Einstellung

Keine falsche Bescheidenheit!

Martin Wehrle.............................................. 40

»Man kann alles lernen« – Auszug aus dem

Buch »Bullshit Rules« von Julien Backhaus... 42

Das Future Proof Mindset – ein Auszug aus

dem Buch von Sandra Navidi........................ 44

30

Ingo Appelt

im Interview über Erfolg,

Toleranz und Bühnenspiel

»ICH BIN VON MEINEM WESEN

HER ZWAR EIN WÜTERICH,

ABER UNTERM STRICH BIN ICH

EIN GLÜCKLICHMACHER.«

Bilder: IMAGO / APress / IP3press / PanoramiC, Oliver Reetz

4 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


News

ERFOLG

D A S L E S E N E R F O L G R E I C H E magazin

Leben

Andrea Bocelli

Dr. Dr. Rainer Zitelmann................................. 8

Siegertypen schlafen fest

Dr. Martin Schlott........................................28

Wissen

Impact!

Frank Asmus................................................. 22

Körpersprache unter der Lupe:

Der Erfolg des Emmanuel Macron

Stefan Verra................................................. 24

Brainset:

Gibt es einen Kaufknopf im Gehirn?

Karsten Brocke............................................. 38

Sonstiges

News: Aktuelle News aus der Erfolgswelt....... 6

Hall of Fame: Bodo Schäfer.......................... 36

Die Erfolg Magazin Brand Ambassadors....... 48

Die Erfolg Magazin Top Experten................. 49

Best of Web:

Schauen Sie doch mal online rein................. 50

24

Was die Körpersprache des Emmanuel Macron

mit seinem Erfolg zu tun hat

18

Bono:

Der singende

Prediger

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

5


News

NEWS

Netflix präsentiert:

»Schumacher«, »Ronaldo« & »I am Georgina«

Michael Schumacher und Cristiano Ronaldo sind zwei sportliche

Ausnahmetalente, jeder auf seine Art und Weise – doch

mit sehr unterschiedlichen Schicksalen. Während Schumi sich

als siebenmaliger Formel-1-Weltmeister seit seinem schweren

Skiunfall im Jahr 2013 von der Welt abgeschottet rehabilitiert,

geht es für CR7 öffentlichkeitswirksam weiter bergauf

– sowohl als Fußballer, als auch privat und als Unternehmer.

Seit kurzem stellt die Streaming-Plattform Netflix mit der

Dokumentation »Schumacher« ein eindringliches Porträt

des 52-jährigen ehemaligen Rennfahrers bereit, das mit exklusiven

Archivbildern und Interviews seine Karriere bis zu

dem verheerenden Unfall und darüber hinaus nachzeichnet

und auch private, bisher unveröffentlichte Aufnahmen zeigt.

Neben Schumacher nahestehenden Familienmitgliedern wie

seinem Bruder Ralf und Vater Rolf kommen auch ehemalige

Kollegen wie Sebastian Vettel, Flavio Briatore, Damon Hill

und viele andere zu Wort.

Ebenfalls noch auf Netflix zu sehen ist die aus dem Jahr 2015

stammende Dokumentation »Ronaldo«, die als erster autorisierter

Film über den portugiesischen Fußball-Star nicht nur

Einblicke in seine steile Sportlerkarriere gibt, sondern den

heute 36-Jährigen auch als Privatperson, Freund und Familienmenschen

zeigt. Darüber hinaus plant Netflix eine Reality-

Show mit dem aussagekräftigen Titel »I am Georgina« über

Georgina Rodriguez – aktuell die Frau an Ronaldos Seite. Laut

der britischen Zeitung »The Sun« wird sich die Show zwar auf

Ronaldos Freundin fokussieren, doch es wird inhaltlich auch

um die Liebesgeschichte des berühmten Paares gehen. Das

Veröffentlichungsdatum ist noch nicht bekannt.

ERFOLGSZITAT

Jürgen Klopp

Jeden Tag neu auf Instagram

bei @erfolgmagazin

»Wie gut du bist, zeigt sich

an schlechten Tagen.«

6 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


News

Aktuelle News aus der Erfolgswelt

Freizügig in die Freiheit:

Britney Spears feiert Sieg über Vater

Jahrelang hat die Sängerin gegen ihren Vater gekämpft, der als

ihr Vormund ihre Finanzen und ihr Privatleben kontrollierte. Am

29. September hat das Gericht von Los Angeles Jamie Spears

nach 13 Jahren als Vormund seiner Tochter per Gerichtsentscheid

abgesetzt. Der 69-Jährige vertrat seit 2008 aufgrund der

psychischen Zusammenbrüche seiner Tochter diese Position und

verwaltete auch ihr Vermögen in Höhe von 60 Millionen Dollar.

Laut der »New York Times« setzt das Gericht vorübergehend den

Buchhalter John Zobel als Vormund der Sängerin in finanziellen

Belangen ein. Über die mögliche Aufhebung aller Vormundschaftsauflagen

entscheidet eine weitere Anhörung, die laut der

Website »TMZ« im November stattfinden soll.

Die 39-jährige Sängerin feierte ihre neu gewonnene Freiheit passenderweise

mit einer Flugstunde in den grenzenlosen Weiten

des Himmels. »Ich schwebe gerade auf Wolke 9«, postete Spears

zu einem Instagram-Clip, auf dem sie eine Propeller-Maschine

steuert. Dann ging es für die einstige Pop-Prinzessin mit ihrem

Verlobten, dem 27-jährigen Fitnesstrainer und Influencer Sam

Asghari, zum Stressabbau erst einmal in den Urlaub. Neben freizügigen

Nacktfotos mit an strategisch gut platzierten Blumenstickern

postete sie auf Instagram auch malerische Strandfotos.

Die Kommentare zeigen, wie glücklich sie ist: »Ich habe hier die

Zeit meines Lebens!«

Ein Stern für 007:

Daniel Craig wird auf dem »Walk of Fame« geehrt

Bilder: IMAGO / PA Images / Christian Schroedter / Picturelux / Future Image, Depositphotos / vitaliivitleo

Mit »Keine Zeit zu sterben« ist Daniel Craig seit dem 30. September

ein letztes Mal als James Bond im Kino zu sehen. Am 6.

Oktober wurde dem 53-jährigen Briten eine besondere Ehre zuteil:

Er erhielt einen eigenen Stern auf der berühmtesten Meile in

Hollywood, dem »Walk of Fame«. Der Stern wurde direkt neben

dem des ehemaligen Bond-Darstellers Roger Moore platziert –

passenderweise am Hollywood Boulevard 7007. Daniel Craig sei

ein britisches Kulturidol wie James Bond, der Mann, den er in fünf

Filmen verkörpert hat, lautetet das offizielle Statement der »Walk

of Fame«-Betreiber für die besondere Auszeichnung.

Mit dem blonden und blauäugigen Craig als Bond-Nachfolger

brach »Casino Royale« 2006 erstmals langjährige Konventionen.

So war Craig-Bond auch »scheißegal«, ob sein Martini »geschüttelt

oder gerührt« serviert wurde. 15 Jahre hat der Schauspieler

den Geheimagenten und Frauenheld verkörpert. Laut der Zeitschrift

»Esquire« freue er sich schon darauf, eines Tages wieder

unbehelligt in den Pub gehen zu können. Der Abschied von seiner

langjährigen Rolle scheint Craig somit nicht allzu schwer zu

fallen. Zuletzt war er unter anderem als Detektiv Benoit Blanc in

der Krimikomödie »Knives Out – Mord ist Familiensache« zu sehen.

Laut den Zeitschriften »Variety« und »Hollywood Reporter«

hat sich die Streaming-Plattform Netflix die Rechte gesichert und

plant zwei Fortsetzungen.

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

7


Leben

Andrea Bocelli:

»Ich habe eine

Barriere zerschlagen.«

8 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Leben

DR. DR. RAINER ZITELMANN ÜBER BEGEISTERUNG,

WIDERSTAND UND RICHTIGES LERNEN.

Bilder: Depositphotos / arp, Thomas Schweigert

Andrea Bocelli ist nicht nur

einer der erfolgreichsten italienischen

Sänger, sondern

auch einer der wenigen, die

sich international sowohl in

der Popmusik als auch in der Klassik

etablieren konnten. Er trat vor Präsidenten

der Vereinigten Staaten und mehreren

Päpsten auf, füllte Konzertsäle auf der ganzen

Welt, sang Duette mit den bekanntesten

Sängern seiner Zeit und erzielte einen

Rekord nach dem nächsten.

Schon sein erstes Album »II Mare Calmo

della Sera« erreichte nach der Veröffentlichung

die vorderen Plätze der Charts und

erhielt nur wenige Wochen später mehrfache

Platin-Auszeichnungen. Sein 1997 veröffentlichtes

Album »Romanza« wurde

über zwölf Millionen Mal verkauft. Seine

Alben erreichten hohe Chartplatzierungen,

gewannen mehrfach Platin-Auszeichnungen

und große Musikpreise wie den World

Music Award, Echos, Classic Brit Awards,

einen Bambi im Bereich Klassik und einen

Billboard Award. Für den Grammy war der

Künstler mehrmals nominiert.

Andrea Bocelli wurde am 22. September

1958 in Lajatico geboren, einem Städtchen

in der nordwestlichen Toskana. Seine Eltern

waren selbstständig und verdienten

ihr Geld mit dem Verkauf von Traktoren

und anderen Ackerbaugeräten. Sie merkten

schon kurz nach der Geburt, dass mit Andrea

etwas nicht stimmte: Seine Augen

waren oft entzündet und gerötet. Als die

Beschwerden zunahmen, konsultierten sie

einen Spezialisten in Turin. Seine Diagnose:

Andrea leide unter dem Glaukom

(Grüner Star) und werde früher oder später

erblinden. Durch Operationen könne

man dies zwar nicht verhindern, aber den

Prozess hinauszögern, so der Arzt. Andrea

wurde als Kind insgesamt 27-mal operiert,

das erste Mal schon im Alter von sechs

Monaten, mit 12 Jahren erblindete er nach

einem Unfall vollständig.

In seiner Autobiografie schreibt er, dass er

es gehasst habe, wenn er anders behandelt

wurde als sehende Menschen. Er fühlte,

dass er alles tun könne, was andere in seinem

Alter auch tun, und beharrte darauf,

nach dem gleichen Standard beurteilt zu

werden wie jeder andere auch. Bemerkungen

wie: »Sei vorsichtig da«, »Das ist zu

gefährlich für dich«, »Warte, ich helfe dir«

machten ihn zornig und trieben ihm die

Tränen in die Augen. Er tat dann gerade

Dinge, die andere als besonders gefährlich

betrachteten, um es ihnen zu zeigen. Er

wollte beweisen, dass ein Blinder alles erreichen

könne, wenn er es nur wirklich

wolle. Nichts, was er sich inbrünstig

wünschte, schien unmöglich. Und wenn

die Leute meinten, dass etwas seine Fähigkeiten

überschreiten würde, fühlte er sich

verpflichtet, ihnen das Gegenteil zu beweisen.

Ein Schlüsselsatz in seiner Autobiografie

lautet, dass er überzeugt war, er

müsse »der Beste sein, um als gleich betrachtet

zu werden«.

»Er fühlte, dass er

alles tun könne, was

andere in seinem

Alter auch tun, und

beharrte darauf,

nach dem gleichen

Standard beurteilt

zu werden wie jeder

andere auch.«

Schon als kleines Kind begeisterte er sich

für Musik. »Als ich noch ein Kind war«,

sagte er, »baten mich alle, zu singen. Und

mit der Zeit begriff ich, dass es wohl meine

Bestimmung war, zu singen.« Obwohl er

immer wieder von seinem Umfeld Anerkennung

für seinen Gesang gefunden

hatte, blieb er selbstkritisch.

Eines Tages sagte ein Klavierstimmer zu

ihm: »Verzeih mir meine Offenheit. Aber

ich halte es für meine Pflicht, dir zu sagen,

dass du mit deiner Stimme Großartiges erreichen

könntest, wenn du dich nur einem

guten Gesangslehrer anvertrauen würdest.«

Bocelli war sehr überrascht: Das

hatte seit vielen Jahren niemand zu ihm

gesagt. Der Klavierstimmer empfahl ihm

einen großartigen Gesangslehrer, Luciano

Bettarini, der schon Opernsänger wie

Franco Corelli ausgebildet hatte.

Andere Sänger wären vielleicht beleidigt

gewesen, dass ein Klavierstimmer ihnen

Gesangsunterricht empfahl. Bocelli hörte

jedoch auf den Rat und nahm Kontakt mit

Bettarini auf. Nachdem Bettarini ihn singen

gehört hatte, meinte er: »Du hast eine

goldene Stimme, mein Sohn!« Aber, so

fügte er nach einer Pause hinzu: »Doch

Der Autor

Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist ein weltweit erfolgreicher

Autor, der mittlerweile sein 25. Buch veröffentlicht

hat: »ICH WILL. Was wir von erfolgreichen

Menschen mit Behinderung lernen können.«

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

9


Leben

»ICH WILL. Was wir von

erfolgreichen Menschen mit

Behinderung lernen können«

von Rainer Zitelmann

384 Seiten

Erscheint: Juni 2021

Finanzbuch Verlag

ISBN: 978-3-95972-469-2

du machst genau das Gegenteil von dem,

was du beim Singen machen solltest. Durch

richtiges Lernen würdest du nicht nur

deine Interpretationsfähigkeiten verbessern,

sondern auch deine Stimme deutlich

stärken; kurzum, du würdest in eine ganz

andere Liga aufsteigen. Was ich damit offen

gesagt meine: Für das Ohr des Laien mag

dein Gesang überraschend klingen, doch

für das Ohr des Experten sind die Fehler in

deiner Stimme nicht zu überhören.«

1992 bekam Bocelli einen überraschenden

Anruf. Der berühmte italienische Rockstar

Zucchero brauchte einen Tenor für die

Aufnahme eines wichtigen Demotapes, das

er einspielen wollte. Er hatte sich vorgenommen,

den großen Opernstar Pavarotti

für ein Duett zu gewinnen. Dafür wollte er

Probeaufnahmen machen und lud einige

Sänger zum Probesingen ein, unter anderem

Bocelli. Bocelli war der Beste beim

Probesingen und spielte das Demotape zusammen

mit Zucchero ein.

Dann war es endlich so weit, der große Tag

war gekommen. Bocelli sang das Duett mit

Zucchero vor 15.000 Menschen in einer

großen Fußballarena. »Am Ende des Liedes

schien das Publikum buchstäblich

durchzudrehen. 15.000 ohrenbetäubende

Stimmen schrien auf und übertönten sogar

den Sound aus den riesigen Verstärkern.«

Und er sang nicht nur das Lied »Miserere«

Er wollte nicht nur

ein erfolgreicher

Popsänger sein,

sondern ein

anerkannter

Opernsänger

werden.

im Duett, sondern erhielt auch Gelegenheit,

andere Lieder zu singen. Bocelli, so

schreibt er in seiner Autobiografie, »hatte

endlich seinen ersten richtigen Kampf

gewonnen«.

Die Tour durch Italien geriet zum Triumphzug

– für Zucchero, aber auch für Bocelli

selbst. Er genoss den gewaltigen Applaus

und die Begeisterung der Zuhörer. Er sah

den Erfolg als Belohnung für seine Ausdauer

und dafür, dass er trotz aller Zweifel

niemals ganz seinen Optimismus verloren

hatte. Doch das Wichtigste waren nicht die

Ausdauer und der Optimismus, sondern

entscheidend war, dass sich diese Eigenschaften

mit einem ungeheuren Lerneifer

verbanden. Schon wenige Tage nach dem

Ende der Tour sollte der berühmte Tenor

Franco Corelli für einen kleinen, auserwählten

Kreis von Musikern einen Kurs

geben. Andere Sänger hätten nach der

großartigen Tour und den Begeisterungsstürmen

der Fans vielleicht gedacht, nun

seien sie »fertig« und brauchten nichts

mehr lernen. Doch Bocelli war auf nichts

mehr erpicht, als sich weiter zu

verbessern.

Obwohl Bocelli nach seinen Auftritten mit

Zucchero und einem Sieg bei dem wichtigen

Sanremo-Festival rasch berühmt

wurde und überall in Italien – und schließlich

auch in anderen europäischen Ländern

und den USA – die Massen begeisterte, gab

er sich damit nicht zufrieden. Er wollte

nicht nur ein erfolgreicher Popsänger sein,

sondern ein anerkannter Opernsänger

werden. Nur wenige Wochen nach dem

Wettbewerb in Sanremo stand er in einer

Aufführung von Verdis »Macbeth« in Pisa

auf der Bühne. Bocelli suchte stets neue

Herausforderungen, »es erschien ihm …

als ein Wink des Schicksals und vor allem

als eine echte Kampfansage an die Skeptiker,

die wiederholt betont hatten, es sei

unmöglich, dass ein Blinder auf der Bühne

steht«. Das berühmte Wort von Goethe,

»In der Idee leben heißt, das Unmögliche

behandeln, als wenn es möglich wäre«, war

auch Bocellis Motto, wie er schreibt.

Zahlreiche Opernauftritte auf der ganzen

Welt folgten. 2001 sang er die Hauptrolle in

der Oper »L’amico Fritz« von Pietro Mascagni

in Verona und die Tenorpartie in

Verdis »Requiem«. Bocelli wurde in beiden

Kategorien berühmt – sowohl in der Popmusik

als auch in der Klassik. Die Universal

Music Group, die die Spitzenposition

im Klassikmarkt einnahm, gab bekannt,

dass Bocelli im Jahr 2003 auf dem ersten

Platz in der Kategorie Klassik war, noch

vor Anne-Sophie Mutter und Anna Netrebko.

Er errang in beiden Bereichen, Pop

und Klassik, so viele internationale Erfolge

und bekam so viele Auszeichnungen und

Preise, dass man sie an dieser Stelle gar

nicht alle aufzählen kann.

Was treibt den Megastar an? Es ist eine

produktive Unzufriedenheit, die er mit

vielen erfolgreichen Menschen teilt. Sie

zeichnen sich durch eine spezifische Kombination

von Zufriedenheit und Unzufriedenheit

aus. Erfolge, die sie erzielt haben,

geben ihnen ein Basisvertrauen, das man

auch als Zufriedenheit bezeichnen könnte.

Aber zugleich sind sie stets unzufrieden

mit dem, was sie erreicht haben. Ihr Motto

ist, dass nichts, was gut ist, nicht noch besser

gemacht werden könnte. »Alles auf

dieser Welt ist schwierig, jedes Ziel, das wir

uns setzen, ist schwer zu erreichen. Und

wo es Konkurrenz gibt, da muss man

arbeiten. Das macht mir keine Angst, aber

die Hauptsache ist, dass man sich Tag für

Tag verbessert«, so Bocelli. Der Schlüssel

zum Erfolg war für ihn eine Mischung von

großem Selbstbewusstsein einerseits und

der Bescheidenheit eines Schülers andererseits,

der stets bestrebt ist, seine Schwächen

zu erkennen und Neues zu lernen – egal,

wie erfolgreich er bereits ist. 2009 sagte er

in einem Interview: »Ich bin absolut kritisch

mit mir selber. In der Welt der klassischen

Musik insbesondere. Da ist es äußerst

schwierig, in eine Situation zu

kommen, in der man voll mit sich

selbst zufrieden ist.«

Bilder: Depositphotos / arp, Cover: FinanzBuch Verlag

10

www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Erfolg

FOUNDER

SUMMIT

Erfolg Magazin Bühne

Michail Kerasidis

Dr. Yasemin Yazan

Volker Wiedemann

Dominik Goerke

Oskar Wilkowski

Sven Schultze

Falk Berberich

Leon Hüttl

Manuel Lojo

Julien Backhaus

Nils Ehrenfried

Hermannn Scherer

Lorenzo Scibetta

Stephan Schmitt

Oliver Fischer

Tobias Rethaber

Andreas Buhr

Janic Marty

Julie Strobach

Suad Abu Ijdai

Dominik Herz

Johannes Placzek

Joschi Haunsperger

Dr. Gunnar Brehme

Alexander Felde

Onur Forrer

Tobi Förster

& Julia Diehl

Luca Mazza

Martin Limbeck

Sebastian Schieke

Bilder: privat, Oliver Reetz

23.&24.04.2022

RMCC WIESBADEN

Moderatorin

Kathrin Laborda

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

11


Erfolg

12

www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Erfolg

Christoph

Waltz

GESCHICHTE DES BELIEBTESTEN BÖSEWICHTS DER WELT

Bilder: IMAGO / MediaPunch / agefotostock

Christoph Waltz ist kein typischer

Star, er ist vielmehr ein

echter Schauspieler mit Tiefgang.

Die Klatschgeschichten,

mit denen sich die anderen

Stars der Branche herumschlagen müssen,

sucht man bei Waltz vergeblich. Dies liegt

vielleicht auch an seiner langen Vorgeschichte,

bevor er die Weltbühne betrat.

Der gebürtige Österreicher kam tatsächlich

erst mit 52 in Hollywood an. Und feiert

seitdem die ganz großen Erfolge. Oscars,

rote Teppiche auf der ganzen Welt und die

Zusammenarbeit mit den berühmtesten

Schauspielern und Produzenten überhaupt.

Wer Waltz heute sieht, kommt schnell zu

dem Ergebnis: Mehr geht eigentlich nicht.

Interessanter ist auch die Frage: Wie fing

das alles an? Sein 65. Geburtstag gibt Anlass

zur Rückschau auf ein Schauspielerleben

eines Wahnsinnigen – oder zumindest

eines Mannes, der ziemlich gut Wahnsinnige

spielen kann.

WER WALTZ

HEUTE SIEHT,

KOMMT

SCHNELL ZU

DEM ERGEBNIS:

MEHR GEHT

EIGENTLICH

NICHT.

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

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Erfolg

Bewegtes Familienleben

Waltz stammt aus einer Theater- und

Schauspielerfamilie. Schon seine Großmutter

war Schauspielerin am Theater,

seine Eltern haben als Bühnen- und Kostümbildner

ebenfalls am Theater gearbeitet.

Die Mutter stammte aus Österreich,

der Vater aus Deutschland. Der

Vater starb, als der kleine Christoph acht

war. Die Mutter heiratete später den

Komponisten Alexander Steinbrecher.

Damit bekam Waltz auch einen Stiefbruder

– den heutigen Regisseur Michael

Haneke. Das dynamische Familienleben

hat Waltz auch fortgeführt. Mit seiner

damaligen Frau hat er drei Kinder. Mit

seiner neuen Frau Judith Holste, mit der

er seit 2013 verheiratet ist, hat er ein weiteres

Kind. Mit ihnen lebt er sowohl in

Los Angeles als auch in Berlin.

Die ersten Erfolge

Schauspiel studierte der junge Österreicher

in Wien und New York, dort am

weltberühmten Lee Strasberg Theatre

Institute. Seine erste Rolle bekam er 1977

als Theaterschauspieler in Wien, danach

folgten Engagements in Deutschland und

der Schweiz. Ende der Siebziger begann

seine Fernsehkarriere mit kleinen Rollen.

Eigentlich war er ausschließlich für Polizeiserien

zu haben. »Derrick«, »Der

Alte«, »Schimanski«, »Kommissar Rex«,

»Polizeiruf 100« und viele ähnliche Serien

haben Waltz verpflichtet. Zum Film

kam er erst später. 1991 spielte er ausgerechnet

einen KZ-Häftling im Film »Leben

für Leben«, noch nicht ahnend, dass

er seinen internationalen Durchbruch

später als Nazi feiern würde. Es folgten

diverse deutsche Film- und Fernsehproduktionen,

für die er seine ersten Preise

einfuhr, darunter den Bayerischen Fernsehpreis

und den Adolf-Grimme-Preis.

Der große Durchbruch

Interessant ist, dass er auch damals schon

größtenteils Nebenrollen spielte. Dies hat

sich bis heute fortgesetzt. Auch seine

internationalen Erfolge feierte er in zweiter

Reihe. Ende der 2000er suchte Erfolgsregisseur

Quentin Tarantino einen

Darsteller für den bösen SS-Offizier

Hans Landa für seinen Film »Inglourious

Basterds«, der auch noch fließend Englisch,

Deutsch und Französisch sprechen

können musste. Christoph Waltz überzeugte

ihn im Casting. Waltz spielte den

Nazi derart überzeugend, dass die ganze

Welt auf den Deutsch-Österreicher auf-

WALTZ STAMMT

AUS EINER

THEATER- UND

SCHAUSPIELER-

FAMILIE. SCHON

SEINE GROSS-

MUTTER WAR

SCHAUSPIELERIN

AM THEATER,

SEINE ELTERN

HABEN ALS

BÜHNEN- UND

KOSTÜMBILDNER

EBENFALLS AM

THEATER

GEARBEITET.

14

www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Erfolg

Bilder: IMAGO / Insidefoto / APress / UPI Photo / Insidefoto

merksam wurde. Für seine Rolle erhielt

er 2009 als bester Nebendarsteller neben

diversen anderen Preisen den Golden

Globe und seinen ersten Oscar. 2012

stellte er einen verblüffenden Rekord auf.

Denn für seine Rolle im neuen Film von

Tarantino, »Django Unchained«, wurde

Waltz ebenfalls als Nebendarsteller engagiert

und gewann erneut den Golden

Globe und einen Oscar.

Die größte Ehre

Waltz gehört zu den sehr fleißigen Schauspielern.

Für bis zu fünf Produktionen im

Jahr stand er vor der Kamera – und das seit

Jahrzehnten. Hunderte Produktionen sind

so entstanden, mit denen er teils große Erfolge

einfuhr. Auch als Drehbuchautor und

Regisseur war er für diverse Filme und

Serien verantwortlich. Seine bekannteste

Hauptrolle bekam er 2014 als Blofeld in

»James Bond – Spectre«. Im selben Jahr erhielt

Waltz die größte Auszeichnung für

einen Schauspieler, die man sich neben

dem Oscar wünschen kann: einen Stern auf

dem Hollywood Walk of Fame. Praktisch

zu seinem 65. Geburtstag kam nun der

neue James-Bond-Film in die Kinos, wieder

mit Waltz in der Hauptrolle des Bösewichts

Blofeld.

Was bleibt?

Nach all den Erfolgen, die Christoph Waltz

ohne Bling-Bling und Skandale einfahren

konnte, bleibt festzuhalten: Er ist einer der

talentiertesten, fleißigsten und professionellsten

Schauspieler, den die Welt in den

letzten Jahrzehnten gesehen hat.

INTERESSANT IST, DASS ER AUCH

DAMALS SCHON GRÖSSTENTEILS

NEBENROLLEN SPIELTE. DIES HAT

SICH BIS HEUTE FORTGESETZT.

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de 15


Story

PETER THIEL

DER PATE VON

SILICON VALLEY

AUSZUG AUS DEM NEUEN BUCH VON MAX CHAFKIN

Thiel ist nicht der reichste Tech-

Mogul – obwohl es ihm mit

größter Sicherheit besser gelingt,

sein Vermögen zu schützen,

als dem durchschnittlichen

Silicon-Valley-Milliardär, denn auf sein an

die 10 Milliarden US-Dollar schweres Investmentportfolio

hat er kaum Steuern gezahlt

–, doch in vielerlei Hinsicht ist er der

einflussreichste. Sein erstes Unternehmen,

PayPal, war ein E-Commerce-Pionier und

ist – Stand Anfang 2021 – inzwischen fast

300 Milliarden US-Dollar wert, nachdem es

aus dem Unternehmen, an das Thiel es verkauft

hatte (eBay), ausgegliedert wurde.

Sein zweites Unternehmen, Palantir, machte

nach dem 11. September das Konzept des

Data-Mining populär und ebnete den Weg

für eine Entwicklung, die Kritiker der Technologiebranche

als Überwachungskapitalismus

bezeichnen. In jüngerer Zeit avancierte

das Unternehmen zum maßgeblichen Akteur

in Immigrations- und Rüstungsprojekten

der Regierung Trump und schlägt inzwischen

mit rund 50 Milliarden US-Dollar

zu Buche. Thiel ist größter Aktionär und

beherrscht das Unternehmen.

So eindrucksvoll seine Bilanz als Unternehmer

sein mag, als Investor und Hinterzimmerdiplomat

übt Thiel noch größeren

Einfluss aus. Er steht an der Spitze der sogenannten

PayPal-Mafia, eines inoffiziellen

Netzes aus verflochtenen finanziellen und

persönlichen Beziehungen, die bis in die

späten 1990er-Jahre zurückreichen. Zu dieser

Gruppe zählen Elon Musk sowie die

Gründer von YouTube, Yelp und LinkedIn.

Sie brachten das Kapital für Airbnb, Lyft,

Spotify, Stripe, DeepMind – inzwischen

besser bekannt als Googles global führendes

Projekt für künstliche Intelligenz – und

natürlich für Facebook auf.

Dadurch trugen Thiel und seine Freunde

dazu bei, ein vordem regionales Wirtschaftszentrum

auf gleicher Stufe wie Boston

und mehrere andere mittelgroße ame-

Bilder: IMAGO / UPI Photo, Caroline Tompkins, Cover: FinanzBuch Verlag

16 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Story

* Anm. d. Red.: Ayn Rand (1905-1982), russisch-amerikanische politische Bestsellerautorin.

** Anm. d. Red.: Begabter Architekt aus Rands Roman Der ewige Quell, in einer späteren Übersetzung Der Ursprung (The Fountainhead), der sein Architekturstudium abbricht, weil er keinen Nutzen mehr darin sieht.

rikanische Metropolregionen in den

unbestrittenen Motor der amerikanischen

Wirtschaft und Kultur zu verwandeln.

1996 gab es kein einziges Techunternehmen

unter den fünf wertvollsten an US-

Börsen gehandelten Aktiengesellschaften.

2021 waren alle fünf führenden Gesellschaften

US-amerikanische Technologieunternehmen.

Das produktivste Hollywood-Studio

ist heute Netflix. In Amerika

beziehen mehr Menschen ihre Nachrichten

von sozialen Medien, allen voran Facebook,

als aus dem Kabelfernsehen.

Dieses Wachstum hatte nicht nur positive

Folgen. Die Tech-Branche, die für viele kulturell

immer noch als rückständig und voller

sozial inkompetenter, wenn auch wohlmeinender

Nerds ist, hat sich inzwischen zu

einer gewinnsüchtigen, scheinbar amoralischen

Kraft entwickelt, die in der Lage ist,

neue Formen der Unterhaltung, neue Kommunikationsmedien

und bessere Möglichkeiten

hervorzubringen, sich ein Taxi zu

rufen, doch dem Suchtverhalten, der Radikalisierung

und der wirtschaftlichen Verelendung,

die diese Fortschritte mit sich

brachten, gleichgültig gegenübersteht. Die

Ubers und Airbnbs, die Amerika 2016 so

freudig begrüßte, forderten ihren Tribut. Sie

verdrängten bezahlte Arbeitsplätze von Taxifahrern

und Hotelpersonal durch billigere

Selbstständige mit niedrigerem Sicherheitsstandard

und wehrten aggressiv jeden staatlichen

Vorstoß ab, sie zu zügeln.

Diese Veränderung war ein wesentlicher

Bestandteil von Thiels anderem Projekt:

dem Versuch, eine Ausprägung des extremen

Liberalismus durchzusetzen, der die

Macht von traditionellen Institutionen auf

Start-up-Unternehmen und die Milliardäre

verlagert, die sie kontrollieren. Die Thiel-

Ideologie ist komplex und zum Teil widersprüchlich,

und es werden viele der folgenden

Seiten erforderlich sein, um sie zu

ergründen. Doch sie vereint eine Obsession

von technischem Fortschritt mit einer

nationalistischen Politik, die in Teilen ganz

offensichtlich mit dem Gedankengut der

weißen Vorherrschaft zu liebäugeln

scheint. Ein ansonsten möglicherweise

recht herber Cocktail wird versüßt durch

Thiels persönliche Geschichte – seinen

Weg vom abgehalfterten Firmenanwalt

zum Dotcom-Milliardär, der in Vorlesungen,

Vorträgen und in seinem Buch »Zero

to One: Wie Innovation unsere Gesellschaft

rettet« schon vielfach nachgezeichnet

wurde. In diesem Erfolgshandbuch der

Libertären heißt es unter anderem, Monopole

seien eine gute Sache, die Monarchie

die effizienteste Regierungsform und Tech-

Gründer gottgleich. Weltweit wurden davon

1,25 Millionen Exemplare verkauft.

Für die jungen Leute, die Thiel bewundern,

seine Vorträge wieder und wieder anschauen,

in den sozialen Medien seinem

Genie huldigen und seine Bücher kaufen,

ist er eine Kreuzung aus Ayn Rand* mit

einer ihrer Romanfiguren. Er ist libertärer

Philosoph und »Baumeister« zugleich –

quasi ein Howard Roark** mit YouTube-

Followern. Seine eifrigsten Jünger unter

diesen männlichen und weiblichen Fans

werden sogenannte Thiel Fellows. Seine

Stiftung zahlt ihnen 100.000 US-Dollar pro

Nase, wenn sie ihr Studium abbrechen und

ein Unternehmen gründen. Andere verdingen

sich bei seiner Clique von Beratern,

die er finanziell unterstützt und die für ihn

werben und ihn, seine Freunde und seine

Ideen verteidigen. Diese Menschen sprechen

manchmal von einem Thieloversum

– einer Welt mit eigenen Gesetzen und

eigener Moral, die stets um das Gravitationszentrum

Thiel kreist. Mit Thiels wachsendem

Einfluss wurden diese Gesetze

auch zu den Gesetzen des Silicon Valley.

Und es scheint, als reiche ihre Wirkmacht

immer weiter darüber hinaus.

So eindrucksvoll

seine

Bilanz als

Unternehmer

sein mag, als

Investor und

Hinterzimmerdiplomat

übt Thiel noch

größeren

Einfluss aus.

Der Autor

»Peter Thiel «

von Max Chafkin

450 Seiten

Erschienen: Oktober 2021

Finanzbuch Verlag

ISBN: 978-3-95972-330-5

Max Chafkin ist Redakteur und Tech-Reporter

bei Bloomberg Businessweek. Seine Arbeiten sind

auch in »Fast Company«, »Vanity Fair«, »Inc.« und

»The New York Times Magazine« erschienen.

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

17


Erfolg

18 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Erfolg

BONO

DER SINGENDE PREDIGER

Bilder: IMAGO / Votos-Roland Owsnitzki, Karin Bergmann

Der Sänger und Songwriter

der Band U2, Paul David

Hewson (Künstlername

»Bono«), erblickte am 10.

Mai 1960 das irische Licht

der Welt in Dublin. Die Band zählt zu den

15 erfolgreichsten Rockbands der Geschichte

und verkaufte bereits mehr als

150 Millionen Tonträger. Jeder kennt die

Welthits der Band, die, zumindest vor Corona,

die größten Stadien der Welt füllte

und das seit Jahrzehnten. Weshalb Bono

ein besonders spannender Charakter

einer besonders spannenden Rockband

ist, wird in diesem Artikel beleuchtet.

Der Beginn

Bereits früh, mit nur 14 Jahren, musste

Bono seine Mutter zu Grabe tragen. Er

Der Autor

Michael Jagersbacher ist Kommunikationstrainer,

Unternehmer und Buchautor. Auf seinem Blog

www.michael-jagersbacher.at gibt er Tipps, wie

man sympathischer wird und mehr Profil erhält.

verarbeitet seinen Schmerz in mehreren

Songs. Seine Schüler nannten ihn »Bono

Vox«, was aus dem Lateinischen abgeleitet

wird und so viel wie »gute Stimme«

bedeutet. Das Talent war also schon sehr

früh sehr offensichtlich zu erkennen. Mit

erst 16 Jahren gründeten er und seine

Freunde eine Band, die wenig später den

heutigen Namen U2 erhielt. Das Besondere

an der Band, neben ihren außergewöhnlichen

Songs, ist das Gleichbleiben

der Besetzung der Bandmitglieder, was

in der Branche äußerst selten der Fall ist.

Das Talent und die harte Arbeit von

Bono gipfelten in einer Reihe von Auszeichnungen

wie seiner Aufnahme in die

Liste der 100 besten Sänger und Songwriter

durch das Musikfachmagazin

»Rolling Stone«.

Der Durchbruch

Elf Jahre nach Gründung der Band gelang

ihr mit dem 1987 erschienenen Album

»The Joshua Tree« der internationale

Durchbruch. Der Tonträger führte

weltweit die Charts an und machte U2 zu

internationalen Superstars. Das Album

ist gespickt mit Hits, die beinahe jeder

spontan mitsingen kann:

• Where the Streets Have No Name

• I Still Haven't Found What I'm

Looking For

• With or Without You

Zwei Jahre zuvor hatte Bono schon bei

dem Wohltätigkeitskonzert Live Aid

einen bleibenden Eindruck hinterlassen

und legte so das Fundament für den späteren

Durchbruch der Band, welchen er

»Wir wollen

kein Mitleid,

wir wollen

Gerechtigkeit.

Wir können

nicht alle Probleme

lösen.

Aber bei denjenigen,

bei

denen wir es

können, müssen

wir es tun.«

– Bono

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Erfolg

»Wir beabsichtigen Musik

zu machen, bis uns die Leute

satthaben.«

– U2

Einfluss und sein Einsatz, welche er sich

über Jahrzehnte aufgebaut hatte, entwickelten

eine bemerkenswerte Dynamik.

Er glaubte immer fest daran, mehr mit

der eigenen Musik erreichen zu können

als ein paar Wohlfühlmomente für die

Zuhörer: »Musik kann Menschen verändern,

also kann sie auch die Welt verändern.«

Deshalb sind die Songs von U2

teilweise gespickt mit politischen und

sozialen Botschaften.

übrigens schon in den 70ern vollmundig

ankündigte. Mittlerweile hat die Band 14

Studioalben und 8 Live-Alben veröffentlicht,

die allesamt zu Bestsellern wurden.

Im September 2018 traf Bono Papst

Franziskus, um seine Unterstützung für die

Bildungsmission der Scholas Occurrentes

Pontifical Foundation auszurdücken.

Als Musiker alles erreicht,

als Weltverbesserer noch einiges zu tun

Einer von Bonos Slogans lautet folgendermaßen:

»Ihr könnt Geschichte machen,

indem ihr Armut Geschichte werden

lasst.« Der Sänger nutzt seine

Bekanntheit und seinen Einfluss, um

beispielsweise einen Schuldenerlass für

Dritte-Welt-Länder zu erwirken. Aber

auch die Bekämpfung von AIDS und der

Einsatz für Kriegsopfer auf der ganzen

Welt scheinen Teil seiner Bestimmung

und Mission zu sein. So folgten auf das

berühmte Live-Aid-Konzert 1985 zur Bekämpfung

des Hungers in Äthiopien etliche

weitere sozial orientierte Auftritte

von U2. Sogar die Bekleidung eines politischen

Amtes lag zeitweise im Bereich

des Möglichen. Auf Initiative des US-Finanzministers

John W. Snow wurde Bono

2005 nämlich als neuer Präsident der

Weltbank ins Gespräch gebracht. Sein

Rockstar mit Anspruch auf mehr

»Als Rockstar habe ich zwei Ziele, ich

will Spaß haben und ich will die Welt

verändern. Ich habe die Chance, beides

zu schaffen.« Mit seiner Absicht, die Welt

zu verbessern, kommt Bono nicht überall

gleichermaßen gut an. Der Mastermind

Bilder: IMAGO / Votos-Roland Owsnitzki / Independent Photo Agency Int. / IP3press / Sven Simon

20 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Erfolg

der britischen Band Oasis, Noal Gallagher,

beschreibt diesen Umstand folgendermaßen:

»Ich habe das zu ihm gesagt,

also werde ich es auch euch sagen: Niemand

mag einen Weltverbesserer, niemand

mag das. Deshalb mögen mich die

Leute, ich bin ein Weltverschlechterer.«

Kritik an der politischen Ausrichtung

von U2 kam auch dadurch auf, dass Bono

einen Teil seiner Einkünfte in den Niederlanden

versteuert, wo er nur ein Prozent

Steuer bezahlt, aber gleichzeitig die

Wirtschaftsmächte auffordert, mehr

Zahlungen an ärmere Staaten zu leisten.

Darüber hinaus sieht es so aus, als sei

Bono Teil eines international verzweigten

Briefkastenfirmengeflechts – Stichwort:

Paradise Papers – zu sein, welches

ebenfalls nicht alle Steuersummen korrekt

abzuführen scheint. Durch seine Beteiligung

an Facebook hat Bono mittlerweile

sogar Milliarden verdient.

Auch seine öffentlichen Auftritte, wo er

an der Seite von Staatsmännern und

-frauen posiert, brachten ihm Kritik ein,

da die Absicht der Imageaufwertung der

politischen Akteure sehr naheliegt. Berühmtheit

schützt eben nicht vor Kritik.

Bono – mehr als ein Moralapostel?

Es ist Bono gelungen, für einen Oscar,

einen Grammy, einen Golden Globe und

den Friedensnobelpreis nominiert zu

werden. Auch in der Coronakrise sprach

er nicht nur über Hilfen, sondern leistete

sie auch, indem er der irischen Regierung

dabei half, medizinische Schutzausrüstung

in Millionenhöhe zu besorgen

und so aktiv zum Schutz der irischen

Bevölkerung beizutragen.

»Viel Feind’– viel Ehr’!«, könnte man an

dieser Stelle anmerken, wenn man eine

Aussage von Rolling-Stones-Sänger Mick

Jagger über Bono liest: »Er ist ein Dichter,

ein Philosoph. Und ich glaube, ich

habe ihn letzte Nacht übers Wasser gehen

sehen.«

Fakt ist, dass Bono, gemeinsam mit U2,

sicherlich vieles zur Verbesserung der

Lebensumstände vieler Menschen beigetragen

hat. Vielleicht hätte es mehr sein

können, definitiv aber weniger. Man

kann zur Strategie von Bono stehen, wie

man will, das Verbünden mit den Mächtigen

der politischen Weltbühne hat bis

dato eher genutzt denn geschadet. Vielleicht

dauert es nicht mehr lange und wir

sehen ihn in einer wichtigen politischen

Position, um die Geschicke der Welt

noch besser steuern zu können, sodass er

einen seiner bekanntesten Songs folgendermaßen

singen kann: »And now I have

found what I've been looking for.«

»Er ist ein

Dichter, ein

Philosoph.

Und ich

glaube, ich

habe ihn letzte

Nacht übers

Wasser gehen

sehen.«

– Mick Jagger

Bono und Angela Merkel im April 2013

auf einem Treffen der entwicklungspolitischen

Organisation ONE, die der Rockstar mitbegründet

hat, im Bundeskanzleramt Berlin.

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Wissen

Kommunikation betrifft fast alles

im Leben. Kommunikation

ist der Schlüssel für geschäftlichen

wie persönlichen Erfolg.

Kommunikation erschafft

Realitäten. Viele Menschen werden nicht

gehört, obwohl sie viel zu sagen haben.

Manche andere verändern die Welt, weil sie

sehr erfolgreich kommunizieren.

Der Autor

Frank Asmus ist studierter Regisseur,

TOP 100 Speaker und Experte für Leadership-

Kommunikation und strategische Kommunikation

– insbesondere auf der Bühne.

Seit ich Menschen und Organisationen

bei ihrer Kommunikation im Businessumfeld

unterstütze, komme ich immer

wieder auf einfache, klare Prinzipien zurück,

die aller Überzeugungskraft zugrunde

liegen. Und nur Prinzipien geben

Klarheit und schnelle Orientierung in

der täglichen Komplexität des Lebens. So

waren herausragende Erfolge möglich:

Ich denke an Keynote Speeches von Konzernvorständen,

die mit Standing Ovations

der Mitarbeitenden bedacht wurden.

In anderen Fällen ging es um

strategische Kommunikation bei Product

Launches, die das neue Produkt auf der

ganzen Welt sichtbar werden ließen.

Dank Story-Marketing konnten Mittelständler

ihren Umsatz erhöhen. Bei wieder

einem anderen Anlass konnte eine

gelungene Pitch-Präsentation den wichtigsten

Start-up-Investor der Welt nach

Deutschland holen. Nicht zuletzt nutzen

die erfolgreichsten Kommunikatoren der

Welt diese Prinzipien oder haben sie genutzt.

Allen voran Steve Jobs und aktuell

Elon Musk.

Ich habe noch nie den Vorstandsvorsitzenden

eines Automobilkonzerns selbst ein

Und nur Prinzipien

geben Klarheit und

schnelle Orientierung

in der täglichen Komplexität

des Lebens.

Auto zusammenbauen sehen. Ein CEO

kommuniziert den ganzen Tag – mit Vorstandskolleginnen,

Mitarbeitern, Expertinnen,

Partnern, Gewerkschaftern, dem Aufsichtsrat,

Investorinnen, den Medien und

vielen mehr. Auch die Strategie für das

kommende Jahr wird in verschiedensten

Sitzungen durch intensiven Austausch –

also durch Kommunikation – erarbeitet.

Was für den Konzernchef gilt, das gilt ganz

genauso auch für die Geschäftsführerin im

Mittelstand oder den Vertriebsleiter eines

Pharmaunternehmens. Eine Führungsperson

handelt durch Kommunikation. Das ist

so selbstverständlich, dass es viele erst einmal

überrascht.

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Wissen

IMPACT!

FRANK ASMUS ERKLÄRT, WIE SIE

SICH UND ANDERE ÜBERZEUGEN

Bilder: IMAGO / ZUMA Wire, Dominik Pfau, Cover: Goldegg Verlag

Auch im Marketing hat sich die Welt stark

verändert. Vor über 30 Jahren hatte ich

zum ersten Mal die Gelegenheit, für Apple

zu arbeiten. Als junger Regisseur durfte ich

in einer Messehalle in Wien einige kleine

Szenen auf eine Bühne bringen, um Aufmerksamkeit

für das Unternehmen zu erzeugen.

Erst viel später habe ich verstanden,

wie Apple gerade auch durch solche

damals ungewöhnlichen Aktivitäten zu

einer der führenden Companys der Welt

werden konnte. Für Steve Jobs war es glasklar,

dass es einerseits um die herausragende

Qualität der Produkte geht – und dafür hat

er selbst sehr viel getan –, und auf der anderen

Seite mindestens im selben Maß um die

»Impact: Wie Sie sich und

andere überzeugen«

von Frank Asmus

296 Seiten

Erschienen: September 2021

Goldegg Verlag

ISBN: 978-3990602188

gelungene Kommunikation. Steve Jobs

brachte Innovationen buchstäblich auf die

Bühne. Qualität kann im Markt nur dann

wahrgenommen werden, wenn gelungene

Kommunikation stattfindet. Erfolgreiche

Kommunikation macht sichtbar.

Steve Jobs war wahrscheinlich der Erste, der

persönliche Präsentationen durch den CEO

zudem in den Mittelpunkt der strategischen

Kommunikation gestellt hat. Diesem Vorbild

sind andere Unternehmen längst gefolgt.

Herausragend sichtbare Unternehmen

wie Tesla wären ohne die Auftritte des CEO

– in diesem Fall Elon Musk – nicht dermaßen

präsent in unseren Köpfen.

Auftritte als Keynote Speaker sind heute

eine große Chance für Unternehmerinnen,

Führungspersonen, Expertinnen,

Business-Evangelisten und Selbstständige.

Die Smartphones in jeder Tasche lassen

ihre Botschaften und sie selbst womöglich

auf der ganzen Welt sichtbar werden. Das

ist die unmittelbare Folge der globalen

Digitalisierung: Jeder und jede kann heute

über digitale Medien zum Sender und zur

Marke werden – und erhält manchmal

schon nach kurzer Zeit mehr Reichweite

als mancher Fernsehsender. Die Bedeutung

von Public Speaking hat enorm

zugenommen.

»Authentizität ist wichtiger als rhetorisches

Wirkbewusstsein«, hat Friedemann

Schulz von Thun, der bekannte Hamburger

Kommunikationspsychologe, einmal

gesagt. Am überzeugendsten sind überzeugte

Menschen voll innerer Gewissheit.

In meinem Buch nehme ich meine Leserinnen

und Leser mit in die Vorstandsetagen

und zu den erfolgreichsten Menschen

unserer Zeit. Ich möchte offenlegen,

warum Emotionen mehr zählen als Fakten

und weshalb Selbstreflexion wichtiger

ist als Selbstdarstellung.

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Wissen

KÖRPERSPRACHE

UNTER DER LUPE:

DER ERFOLG DES

EMMANUEL

MACRON

POLITIKER BRAUCHEN

UNSERE AUFMERKSAMKEIT,

UNSERE SYMPATHIE, UNSERE

ZUSTIMMUNG. MIT EINEM

WORT: SIE BRAUCHEN UNS.

MACRON ZEIGT, WIE MAN

MENSCHEN ERREICHT.

Bild: IMAGO / PanoramiC

24 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Wissen

Macron ist in vielerlei Hinsicht

ein begabter Kommunikator.

Müsste man

seinen körpersprachlichen

Erfolg mit einem

Wort betiteln, wäre das wohl »Vielfalt«.

Beobachten Sie den französischen Staatspräsidenten

mal genauer, wird Ihnen auffallen,

dass nicht nur seine Mimik klar verrät,

was Sache ist, sondern auch seine

Gesten alles, was er sagt, unterstreichen.

Und er nutzt hier alle körperlichen Möglichkeiten:

mal große, ausladende Gesten,

mal enge, zurückhaltende. Mal hämmernd

schnelle Bewegungen, mal kleine beruhigende.

Emmanuel Macron kann zornig, ja

richtiggehend aggressiv wirken, aber er

kann eben auch entspannt und lümmelt

bisweilen am Rednerpult, als wäre er mit

Freunden an der Bar. Und er kann eben

auch staatstragend. So vermittelt er Emotionen

und sein Publikum weiß, woran es ist.

Und das gibt dem Menschen seit jeher

Sicherheit.

Wer seine Signale eindeutig zeigt,

erzeugt weniger Missverständnisse.

Eine Geste ist bei Macron häufig zu beobachten:

Ein Arm ist weeeeeit ausgestreckt

und die Handfläche nach unten gerichtet.

(Bitte, verwechseln Sie das nicht mit dem

Nazigruß! Davon ist Macron weit entfernt,

er macht das deutlich lässiger.) Die große,

weit ausladende Geste wirkt raumgreifend.

Und er ist nicht der einzige Machtmensch,

der sich ihrer gerne bedient. Auch von Barack

Obama gibt es diesbezüglich zahlreiche

Aufnahmen. Macron macht das auf

großen Bühnen, aber auch im Zwiegespräch.

Offensichtlich ist, dass er damit auffallender

ist. Ein Element in einer Gruppe

wird umso sichtbarer, je größer es sich

macht und je mehr Bewegung es zeigt. Deswegen

fallen die »Obamacrons« mehr auf

als der Straßenkehrer bei Ihnen um die

Ecke. (Sie wissen nicht, welchen Straßenkehrer

ich meine? Sehen Sie!)

Warum aber ist das wichtig? Alphatiere sollen

Sicherheit vermitteln. Wir wünschen

Ihnen wird auffallen,

dass nicht

nur seine Mimik

klar verrät, was

Sache ist, sondern

auch seine

Gesten alles,

was er sagt,

unterstreichen.

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

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Wissen

Der Autor

Stefan Verra ist Körpersprache-Experte, Bestsellerautor,

Gastdozent und Berater von TOP 500

Unternehmen und Regierungsorganisationen. Seine

Analysen begeistern regelmäßig in den Medien.

uns, dass sie die Richtung vorgeben. Und

wer das deutlich sichtbar macht, ist im

Vorteil.

Kein Schisser

Bei der oben erwähnten Geste kennt Macron

keine Grenzen. Er streckt die Arme

Sehen wir also

jemanden wie

Emmanuel

Macron, der

ohne zu zögern

Raum

einnimmt und

sich ausbreitet,

gehen wir

davon aus,

dass er weiß,

was er will.

bisweilen so weit aus, dass seine Ellbogen

vollends durchgestreckt sind. Das ist

nicht selbstverständlich.

Mehrwissen für Neugierige: Unser Ellbogen

ist ein Drehscharniergelenk. Solange

es angewinkelt ist, ist es relativ stabil.

Ganz durchgestreckt ist es verletzlich,

wir könnten es recht leicht brechen. Fühlen

wir uns also nicht absolut sicher, winkeln

wir den oder die Ellbogen mehr

oder weniger stark an. Ja, mehr noch: Je

größer die Angst ist, desto stärker winkeln

wir an. (Achtung: Bitte drehen Sie

diesen Satz nicht um. Das wäre nämlich

ein Fehlschluss. Nicht jeder gebeugte Ellbogen

ist auf Angst zurückzuführen!)

Wenn also ein Mensch es schafft, die Ellbogen

ganz durchzustrecken, scheint er

sich einigermaßen sicher zu fühlen. Und

das hat eine starke Wirkung.

Wenn der Verkehrspolizist seine Zeichen

nicht deutlich, ja überdeutlich macht,

»Die Körpersprache

der Mächtigen«

von Stefan Verra

312 Seiten

Erschienen: 13. September 2021

Heyne Verlag

ISBN: 978-3453605794

bricht sofort Chaos aus. Sehen wir also

jemanden wie Emmanuel Macron, der

ohne zu zögern Raum einnimmt und sich

ausbreitet, gehen wir davon aus, dass er

weiß, was er will. Wir schauen diese

Menschen eher an, wir folgen ihnen bereitwilliger

und hören ihnen in der Konsequenz

somit auch eher zu. »Natürlich

breitet man auch die Arme aus, wenn

man nicht mehr weiterweiß!« Schon,

schon, aber ein wenig anders. Dabei winkelt

man nämlich die Ellbogen an, dreht

sie nach innen zum Rumpf. Gleichzeitig

hebt man beide Schultern und Augenbrauen

an und senkt die Mundwinkel.

Diesen Unterschied hat schon Charles

Darwin detailliert beschrieben.

Das kann man sich merken

Wenn wir Menschen für uns gewinnen

wollen, tun wir uns mit zu stark angewinkelten

Armen schwerer. Ausgebreitete

Arme mit weit geöffneten Ellbogen

vermitteln Offenheit und ein großes Maß

an Selbstsicherheit.

Bilder: IMAGO / ZUMA Wire / PanoramiC, Stefan Verra, Cover: Heyne Verlag

26 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Wissen

Er nutzt alle

körperlichen

Möglichkeiten:

mal große,

ausladende

Gesten,

mal enge,

zurückhaltende.

Mal hämmernd

schnelle

Bewegungen,

mal kleine

beruhigende.

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Leben

SIEGERTYPEN

SCHLAFEN FEST

WIE TOMMY HAAS, PETER MAFFAY UND KONSTANTIN GUERICKE

ÜBER SCHLAF DENKEN

Oft ist uns gar nicht bewusst,

dass wir mit dem Begriff »Erfolg«

vor allem Materielles

oder Finanzielles gleichsetzen,

was jede Menge Stress

erzeugt. Das verbissene Motto »Schneller,

höher, weiter« ist in der Gesellschaft dermaßen

fest verankert, dass es an vielen Stellen

zu Problemen führt, unter anderem bei

der Schlafqualität, wobei vielen diese Tatsache

gar nicht richtig bewusst ist. Was die

meisten jedoch überdeutlich spüren, ist der

permanente Leistungsdruck, die daraus resultierende

Überforderung, im schlimmsten

Fall drohen sogar Depression oder

Burn-out. Schlafdauer und -qualität sind

Der Autor

Dr. Martin Schlott ist Schlafexperte sowie Chefarzt

für Anästhesie und Intensivmedizin. Sein Ziel

ist es, Menschen zu mehr nächtlicher Erholung zu

verhelfen und sie für den Tag fit zu machen.

entscheidend für unzählige körperliche

und geistige Funktionen: Der Körper regeneriert

sich, Wissen verankert sich im

Langzeitgedächtnis, man fühlt sich ausgeglichener

und kreativer.

Tommy Haas gesteht schlechten Nächten

grundsätzlich keinen besonderen Einfluss

zu. Seiner Meinung nach steckt in jedem

Tag ausreichend Potenzial, auch ohne acht

oder neun Stunden Schlaf. Peter Maffay hat

eine Zeit lang körperliche und mentale

Auswirkungen von Schlafmangel hautnah

erleben müssen und im Zuge dessen kurzzeitig

sein Schlafselbstvertrauen eingebüßt.

Mittlerweile macht ihn eine durchwachte

Nacht nicht mehr nervös, weil er Strategien

für sich entwickelt hat, um damit gut

umzugehen.

Smartphones und das Einschlafen

Mal schlechter geschlafen zu haben, hat

Tommy Haas’ Meinung nach meist keinen

so großen Einfluss, wie wir uns selbst einreden.

»Auch wenn man eigentlich nur drei

oder vier Stunden geschlafen hat und sich

nicht besonders ausgeruht fühlt, kann man

trotzdem noch wahnsinnig viel aus sich

herausholen am nächsten Tag«, findet

Tommy. Spezielle Rituale vor langen Reisen

hatte Tommy nie, aber er traf einige Vorkehrungen.

Er hatte zum Beispiel oft sein

eigenes Kissen dabei, um Nackenschmerzen

vorzubeugen. Wichtig war ihm auch

ein Sleep-Timer beim Fernseher im Hotel,

»Auch wenn man eigentlich

nur drei oder vier Stunden

geschlafen hat und sich nicht

besonders ausgeruht fühlt,

kann man trotzdem noch

wahnsinnig viel aus sich herausholen

am nächsten Tag.«

– TOMMY HAAS

sodass er mit Hintergrundgeräuschen einschlafen

konnte, sich das Gerät aber nach

einer gewissen Zeit automatisch ausschaltete,

um den tieferen Schlaf nicht zu

stören.

Die Nutzung von Fernseher, Computer, E-

Reader, Tablet oder Smartphone bis kurz

vor dem Schlafengehen kann ein Grund

für schlechte Schlafqualität sein. Im Schlafzimmer

ist idealerweise für all diese Geräte

der »Zutritt verboten«. Wenn das Smartphone

als Wecker genutzt wird oder gerne

zum Einschlafen Podcasts gehört werden,

gilt: Flugmodus an!

Reserven nicht dauerhaft belasten

Auf Schlafhygiene legt Peter Maffay heute

definitiv viel mehr wert als in jungen Jahren.

»Es gab Zeiten, auf Tournee, da war

ich so beschäftigt mit allem Möglichen,

dass Schlaf eine untergeordnete Rolle

28 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Leben

Peter Maffay hat eine Zeit lang körperliche und

mentale Auswirkungen von Schlafmangel hautnah

erleben müssen und im Zuge dessen kurzzeitig

sein Schlafselbstvertrauen eingebüßt.

Bilder: Kay Blaschke / Penguin Random House Verlagsgruppe, IMAGO / Future Image, Cover: Ariston

spielte«, erzählt er. »Aber dieser Illusion,

dass wenig Schlaf reicht für das enorme

Pensum, das man als Künstler zu bewältigen

hat, der bin ich total erlegen, das habe

ich mittlerweile erkannt. Ich bin ein Verfechter

von ausreichend Schlaf – sonst

zapft man permanent seine Reserven an,

und irgendwann rächt sich das. Also ich

meine nicht ewig pennen, aber ein Minimum

von sechs Stunden pro Nacht halte

ich für wahnsinnig wichtig, um leistungsfähig

zu bleiben und einigermaßen ausgeglichen

zu sein.«

»Es gab Zeiten, auf Tournee,

da war ich so beschäftigt mit

allem Möglichen, dass Schlaf

eine untergeordnete Rolle

spielte.«

– PETER MAFFAY

Unsere Vorfahren standen punktuell

unter Stress – eben bei einem Kampf oder

auf der Flucht –, und danach gab es wieder

Phasen der Ruhe und Entspannung.

Der moderne Mensch dagegen hat einen

übervollen Terminkalender, immer gibt es

etwas total Wichtiges zu tun. Zu Hause

wird die Belastung nicht weniger. Hier

geht es – wie in so vielen Bereichen des

Lebens – um die richtige Balance: Was

stimuliert uns und ist guter Stress und was

überfordert uns? Körperliche Betätigung

und Sport sind hilfreich, weil dadurch

Cortisol abgebaut wird. Phasen der Ruhe

und Entspannung sind wichtig für unser

Wohlbefinden, unsere Gesundheit und

unseren Schlaf.

Das eigene Schlafpensum finden

Dass Schlaf eine entscheidende Rolle für

die Leistungsfähigkeit am Tag spielt, ist

Konstantin Guericke vollkommen klar. In

der aufreibenden Gründerszene tagein,

tagaus die beste Leistung abzurufen, kann

schon herausfordernd sein. Mit Mitte 20

war Konstantin dauerbeschäftigt, arbeitete

in Start-ups mit. »Ich habe schon

damals gemerkt, dass ich ohne acht Stunden

Schlaf nicht so gut drauf bin und in

»Erfolgsfaktor Schlaf«

von Dr. Martin Schlott

224 Seiten

Erschienen:

September 2021

Ariston

ISBN: 978-3-424-20252-6

der Regel eher neun Stunden schlafe,

wenn ich nicht aufstehen muss. Ich

glaube, jeder muss für sich herausfinden,

was er braucht. Ich kann mit sieben Stunden

Schlaf funktionieren, acht Stunden

sind okay und neun Stunden sind ideal.«

Bis zu 50.000 Gedanken rasen tagtäglich

durch den menschlichen Kopf, und viele

davon sind nicht gerade motivierend.

Dazu noch die negativen Gefühle, die wir

im Alltag herumschleppen – Zweifel, Unzufriedenheit,

Ärger, Ängste, Sorgen,

Druck und Stress. All das müssen wir loslassen

können, um befreit in den wohlverdienten

Schlaf zu sinken. Das erklärte Ziel

lautet also, mehr Gelassenheit zu finden

und mit uns selbst sowie unserem Umfeld

verständnisvoller umzugehen.

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

29


Erfolg

WÜTERICH UND

GLÜCKLICHMACHER

INGO APPELT ÜBER ERFOLG, TOLERANZ UND BÜHNENSPIEL

Mit Bildern von Oliver Reetz

30 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Erfolg

Der Comedian Ingo Appelt

sieht sich als Aggressionstherapeut,

der soziale Umstände

auf der Bühne satirisch

offenbart und für ein

gemeinschaftliches Miteinander plädiert

– und das nicht nur zwischen Frauen und

Männern, sondern zwischen sämtlichen

Mitgliedern der Gesellschaft. Wie genau

das aussieht und wie ihn die soziale Ungerechtigkeit

auch persönlich betrifft,

erzählt Ingo Appelt im Interview.

Auf dem roten Stuhl hast du einmal gesagt,

der Ingo Appelt auf der Bühne sei

keine Figur, sondern eine Zuspitzung

deines wahren Charakters.

Ja, das ist tatsächlich so.

Bist du damit eher eine Ausnahme in

der Comedy-Landschaft?

Eine Ausnahme nicht. Aber im Kabarett

ist es noch so. Dieter Hildebrandt war

Dieter Hildebrandt. Mike Krüger ist auch

eher Mike Krüger. Das ist unterschiedlich.

Mittermeier ist Mittermeier. Wobei

er natürlich auch überzogen ist, klar. Ich

habe ein bisschen Kunstfigur an mir, weil

ich Leute parodiere. So habe ich ja angefangen,

indem ich 28 Politiker und

Showbiz-Leute parodiert habe. Boris Becker,

Helmut Kohl, Norbert Blüm, Rudi

Carrell …

Jerry Seinfeld hat einmal gesagt, er

traue sich keinen guten Gag auf der

Straße liegen zu lassen. Und das machst

du auch nicht, oder?

Nein, überhaupt nicht. Das darf es auch

gar nicht geben. Das mache ich aber mit

Ansage. »Betreutes Hassen mit Ingo Appelt«

heißt: Keine Rücksicht auf Verluste.

Aber das mal jemand den Raum verlässt,

ist die absolute Ausnahme. In aller Regel

gehen die Leute nach Hause und sagen:

»Danke, Ingo! Endlich konnte man mal

wieder lachen und ein bisschen den Ärger

rauslassen.«

Die Leute vor Ort schon, aber ich habe

das Gefühl, dass oftmals in der Nachbesprechung

noch mal ein negativer Tenor,

vor allem bei den Themen Ausländer

oder Homosexualität dazukommt.

Nicht alle Journalisten begreifen, was ich

da tue. Letztes Jahr hat einer eine Kritik

geschrieben: »Was der macht, das ist

nicht richtig. Aber, scheiß drauf! Die

Stimmung ist gut und die Leute gehen

gut gelaunt nach Hause.« Der hat das

Spiel begriffen. Es ist so ein bisschen wie

im Sadomaso-Club: Du kriegst die Peitsche

auf den Arsch, du hast ’ne Ledermaske

in der Fresse, du musst ’nen Ball

schlucken. Das ist nicht korrekt, aber es

hat etwas mit Absprache zu tun. Das ist

bei jedem Publikum anders.

Aber bei dir gibt es kein Safeword?

Nein. Ich lasse mich am Anfang auch

ausschimpfen. Das heißt, ich gehe auf die

»Kommunikation ist für

Menschen schwierig. Das

haben wir nicht gelernt.«

Bühne und sage: »Macht mich fertig!

Macht den Wutbürger!« Dann brüllen

die mich an und dann geht es den Leuten

besser. Menschen sind grundsätzlich

sehr widersprüchlich, sehr aggressiv und

sehr unzufrieden.

Du machst es mit Ansage. Jetzt gibt es

aber viele, die gerne sagen würden, was

sie denken. Die dürfen das aber nicht.

Bilder: Oliver Reetz

INGO APPELT KURZ & KNAPP:

Ingo Appelt hat als Gewerkschaftsmitglied politische Jugendarbeit

geleistet und war der Support-Act auf der Stadiontournee

von Marius Müller-Westernhagen. Bekannt wurde er unter

anderem aus den TV-Shows »Quatsch Comedy Club«, »RTL

Samstag Nacht« oder durch sein eigenes Format »Die Ingo

Appelt Show«. 2014 übernahm er als Moderator die traditionsreiche

Satiresendung »Kabarett aus Franken« im BR Fernsehen.

Ebenfalls seit 2014 ist Ingo regelmäßiger Gast bei »Nuhr

im Ersten« (ARD). Aktuell tourt er mit seinem zehnten Programm

»Der Staats-Trainer« durch Deutschland.

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

31


Erfolg

Willst du eine Lanze für die brechen?

Deswegen mache ich das. Ich bin quasi

Stellvertreter. Ich nehme die Wut auf mich,

bevor es die Krankenschwestern, die Polizistinnen

und die Leute bei der Bahn machen

müssen. Kommunikation ist für Menschen

schwierig. Das haben wir nicht

gelernt. Ich hätte gerne die Ausbildung, die

eine Stewardess hat. Wie die mit den größten

Arschlöchern relativ entspannt umgehen

kann – davor habe ich einen Heidenrespekt!

Ich habe Gott sei dank meine

Bühne und kann dort meinen Ärger rauslassen.

Aber die meisten Menschen sind

genervt. Die verstehen auch viele Maßnahmen

nicht. Und dann wird gehasst. Das ist

ein Volkssport geworden.

Du wolltest nie Superstar, nie Millionär

werden. Aber kann man mit einem Talent,

wie du es hast, überhaupt verhindern, dass

die Leute in die Show kommen?

Ich habe jedes Mal einen großen Respekt,

»Comedy kommt von

Kommunikation, und nicht

vom Schreiben. Sonst hieße

es ›Schreibedy‹.«

dass 500 Leute sich eine Karte kaufen und

zu Ingo Appelt gehen. Das ist großartig!

Ich war als Jugendlicher sehr viel in der

Comedy und im Kabarett unterwegs und

habe mir jedes Wochenende zwei bis drei

Vorstellungen von verschiedenen Künstlern

angesehen. Was mich dort aber gestört

hat, war dieses Auswendiglernen. Das waren

alles Schauspieler, die ihr Programm

gespielt und auswendig gelernt haben. Da

war keine Interaktion. Das mag ich nicht.

Ich schreibe meine Texte selbst. Ich brauche

auch keinen Regisseur. Ich sage immer:

»Comedy kommt von Kommunikation,

und nicht vom Schreiben. Sonst hieße es

›Schreibedy‹.«

Jürgen von der Lippe hat mir einmal gesagt,

eigentlich seien alle Comedians ein

bisschen süchtig nach der Liebe des Publikums.

Ist das bei dir auch so?

Ich bin der Süchtigste im Raum. Das

merkst du jetzt bei der Pandemie, weil ich

nicht auf die Bühne durfte. Ich gehe den

Leuten auf den Sack. Ich habe angefangen,

an der Fleischtheke Leute zu bespaßen.

Und wenn man mal mit der Familie zusammensaß,

habe ich nur alle beleidigt und

Witze gemacht. Das ist nervtötend. Comedy

ist etwas, was nicht süchtig macht im

Bereich Zuschauer. Die Zuschauer sitzen

nicht auf ihren Plätzen und sagen: »Komm,

»Ich habe

jedes Mal

einen großen

Respekt, dass

500 Leute

sich eine

Karte kaufen

und zu Ingo

Appelt gehen.«

mach noch einen Witz!« Ich bin derjenige,

der sagt: »Komm, gib mir Applaus!«

Ist das Thema »Männer« ein Zukunftsthema?

Darf man darüber noch reden?

Mehr denn je. Es gibt ja auch einen geballten

Männerhass, der aus der feministischen

Ecke kommt: »Männer sind doof.

Ich halte mir einen Mann wie einen

Hund.« Das übertreibe ich: »Männer

muss man schlagen. Frauen sind Göttinnen.«

Einfach, um vorzuführen: »Es

stimmt alles nicht!« Ich bin tatsächlich für

ein Matriarchat. Die uns am nächsten verwandten

Lebewesen sind Bonobo-Schimpansen.

Da setzt die Frau ihre Sexualität

als Beruhigungsmittel ganz gezielt ein.

Deswegen poppen die den ganzen Tag

und führen keine Kriege. Das sagt viel

aus: Back to Bonobo.

2009 bist du als Britney Spears bei »We

Can Dance« aufgetreten. War das eine

Wunschrolle von dir oder hat man die

dir zugeteilt?

Das hat man mir zugeteilt. Ich habe zuerst

Jennifer Beal mit »What a feeling« getanzt

und bin rausgeflogen. Aber die Zuschauer

haben geschrieben: »Wo ist die dicke

Frau? Wir wollen die wiederhaben!« Dann

bin ich als Britney Spears aufgetreten. Ich

habe mir verschiedene Videos angeguckt

und da war diese Tanznummer. Und vor

allem natürlich dieses rote Lackoutfit. Ich

32 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Erfolg

Bilder: Oliver Reetz

bin in einen Fetisch-Laden gegangen und

habe mir Gummibrüste gekauft. Ich habe

mir dieses rote Ding angezogen, mir eine

Perücke aufgesetzt und mir die Augenbrauen

abrasiert. Ich habe mich da voll

reingesteigert.

Das war 2009?

Ja. Und klar kriegst du einen Shitstorm.

Da habe ich gemerkt, wie homophob

unsere Gesellschaft ist. Ich habe gestaunt,

wie homophob Frauen sind. Meine Frau

ist totaler Schwulengroupie. Die liebt die

und die lieben sie. Ich war mit ihr bei Kylie

Minogue. 5000 Männer. Alle schwul.

Da stehen Männer mit Cowboystiefeln auf

der Bühne und sind Cowboys. Machos

eigentlich, aber mit Strass. Das heißt, der

Macho kann sich nur noch in die Homosexualität

retten. Da muss es hin. Und das

sagt so viel aus. Aber Männer haben Angst

davor. Das kommt auch aus diesem Militärischen.

Schwul ist bei den Kirchen und

bei Soldaten total verpönt. Männer sollen

sich gegenseitig umbringen und nicht in

den Armen liegen. Sonst geht die Tötungshemmung

hoch und das soll nicht sein.

Also wir sind Männern gegenüber total

grausam.

Britney Spears ist aktuell gerade im Gespräch.

Weil sie zeitweise etwas von der

Rolle war, wurde ihr ein Vormund bestellt.

Wie gehst du mit Ungerechtigkeit

um?

Das ist ganz schlimm. Diese Ungerechtigkeit

erleben wir auch bei Corona. Ich

kriege keinen Cent Förderung. Das ist

»Ich bin derjenige,

der

sagt: ›Komm,

gib mir

Applaus!‹«

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

33


Erfolg

»Ich bin von

meinem

Wesen her

zwar ein

Wüterich,

aber unterm

Strich bin ich

ein Glücklichmacher.«

ganz furchtbar, und es fällt mir schwer,

damit umzugehen. Das war das Erste, was

ich gesagt habe. Wenn der Staat wie bei

Corona anfängt, Geld zu verteilen, dann

werden die Leute durchdrehen. Wir ertragen

die Verteilungsmentalitäten, die

Ungerechtigkeit von Menschen, nicht.

Hast du ein Ventil?

Die Bühne. Ich habe sehr viel Ungerechtigkeit

in mir. Aber das ist einfach so.

(lacht) Auf der einen Seite beklagt man

sich über die Ungerechtigkeit. Auf der

anderen machen wir uns diese Ungerechtigkeiten

selbst. Das ist bei mir genauso.

Ich stehe abends auf der Bühne. Es ist

doch ungerecht. Warum sitzen da 500

Leute und bewundern mich? Aber die

Leute bewundern mich dafür, dass ich

mich traue, vor 500 Leuten zu stehen.

Mehr ist es nicht. Die sagen: »Wie können

Sie sich so viel Text merken? Ich

könnte das gar nicht.«

Hast du ein sehr gemischtes oder ein

sehr homogenes Publikum, auch von

der sozialen Schicht her?

Mir ist aufgefallen, dass es doch schon

sehr homogen ist. Es sind in erster Linie

Pärchen zwischen 30 und 70. Das ist noch

gemischt. Da sind auch Akademiker dabei,

aber auch die normalen Leute mit

dem Camp-David-T-Shirt. Es ist vor allen

Dingen deutsch. Ich sehe selten mal jemanden

mit ausländischen Wurzeln bei

mir im Publikum. Das ärgert mich total.

Wo ich frage: »Warum kommt ihr nicht

mal zu mir? Warum machen wir nicht

etwas miteinander?« Das ist aber nicht

nur bei mir so, sondern auch bei Kollegen

wie z. B. Dieter Nuhr. Das heißt, wenn ein

weißer Mann auf der Bühne steht, sind

überwiegend weiße Männer mit ihren

Frauen im Publikum. Denn in erster Linie

entscheiden die Frauen darüber, wo es

abends hingeht. Die Frauen sind Hauptzielgruppe.

Das muss man wissen.

Du machst das jetzt schon seit 35/36 Jahren.

Drehst du jetzt noch mal auf oder

schwimmst du mit, bis es vorbei ist?

Ich drehe jetzt noch mal auf. Ich spiele

mich frei. Und ich prangere diese ganzen

Ungerechtigkeiten an. Ich bin von mei-

34 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Erfolg

nem Wesen her zwar ein Wüterich, aber

unterm Strich bin ich ein Glücklichmacher.

Das ist mein Job. Das höre ich jeden

Abend: »Herr Appelt, ich habe noch nie

so viel gelacht wie bei ihnen.« Die Leute

gehen nach Hause und sagen: »Ich war

bei Ingo Appelt. Der hat wieder etwas

übers Ficken erzählt. Es war sehr lustig.«

Das, was ich mache, ist eigentlich kaum

erklärbar. Das, was ich da mache, ist

wirklich eine Aggressionstherapie.

Wir wären nicht das ERFOLG Magazin,

wenn wir nicht fragten, was Erfolg für

dich bedeutet. Hat sich die Definition

von Erfolg im Laufe deines Lebens geändert?

Du bist ja ganz offensichtlich

erfolgreich.

Ja, aber ungern, mit einer großen Ambivalenz.

Erfolg heißt für mich, abends auf

der Bühne zu stehen und spielen zu können.

Erfolg heißt für mich, dass ich den

Lebensstandard, den ich habe, halten

kann. Ich habe es gehasst, im Jahre 2000

ein Millionär zu sein. Ich war sehr erfolgreich,

mit 5000 Leuten in der Grugahalle.

»Das ist für mich Erfolg:

Die Hütte ist voll und ich

stehe auf der Bühne. In dem

Moment bin ich glücklich.«

Bilder: Oliver Reetz

Ich habe als Vorgruppe bei Marius Müller-Westernhagen

gespielt. Ich habe eine

eigene Fernsehshow gehabt. Ich war sehr,

sehr erfolgreich. Aber ich war sehr unglücklich.

Alle waren nur scharf auf

meine Kohle. Ich hatte überhaupt kein

positives Privatleben. Es war alles zum

Kotzen. Und ich habe mich nicht sicher

gefühlt. Das ist für mich Erfolg: Die

Hütte ist voll und ich stehe auf der

Bühne. In dem Moment bin ich glücklich.

Ich komme von der Bühne runter,

die Leute klatschen: Standing Ovations.

Die Leute sind glücklich. Hinterher gebe

ich ein paar Autogramme und wir machen

ein paar Selfies. Die Menschen gehen

lachend nach Hause. Ich bin glücklich.

Dann gehe ich nach Hause oder ich

fahre ins Hotel und bin ich schon wieder

schlecht gelaunt, weil das Festnetz nicht

funktioniert oder weil ich das WLAN-

Passwort vergessen habe. Ich bin tatsächlich

nur in dem Moment glücklich, wenn

ich etwas tue, was mir Spaß macht. Und

es ist meistens etwas, was anderen Spaß

macht.

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

35


Hall of Fame

HALL FAME

OF

Bodo Schäfer

VON VERLEGER JULIEN BACKHAUS

Jede Branche hat ihre Hall of Fame.

Es gibt sie im Sport (und hier natürlich

in allen Unterkategorien

wie Fußball, Golf, Formel 1 usw.),

in der Wissenschaft und in der Musik.

In Hollywood hat man gleich

eine ganze Straße dazu gemacht – den

Walk of Fame. Hier wurden Legenden wie

Steven Spielberg, Marilyn Monroe und die

Beatles verewigt.

Wir beim ERFOLG Magazin schauen seit

Jahren auf die Erfolgreichsten der Welt.

Was machen sie anders und wo können

wir von ihnen lernen? Eine ganze Branche

hat sich diese Frage mittlerweile auf die

Fahne geschrieben und versucht, Antworten

zu liefern. Im ERFOLG Magazin verraten

nicht nur Spitzensportler, Popstars

und Prominente ihre Erfolgsgeheimnisse,

sondern auch die wichtigsten Trainer und

Coaches. Sie haben es sich zum Beruf gemacht,

Menschen die Augen zu öffnen

und den Weg zum Erfolg zu zeigen. Gehen

muss ihn dann natürlich jeder selber.

Wir wollen damit beginnen, die Legenden

dieser Branche in der »ERFOLG Magazin

Hall of Fame« zu zeigen, um ihr Lebenswerk

zu ehren. Auf unserem Internetportal

erfolg-magazin.de werden die Persönlichkeiten

mit der dazugehörigen Laudatio

abrufbar bleiben.

Die erste Persönlichkeit, die in unsere

Hall of Fame einzieht, ist ein Mann der

Bodo Schäfer hat bis heute

sieben Spiegel-Bestseller

geschrieben und weltweit über

18 Millionen Bücher verkauft.

Superlative. Kein deutscher Erfolgstrainer

hat erreicht, was er erreicht hat. Deswegen

fiel die Entscheidung im Verlag nicht

schwer, wer den ersten »Stern« bekommt

– eine Auszeichnung, die wir überhaupt

zum ersten Mal vergeben. Vor exakt 50

Jahren hatte Bodo Schäfer seinen ersten

öffentlichen Auftritt – in einer Kirche. Er

war damals elf und sollte ein Gedicht aufsagen.

Ein Misserfolg. Jahre später sprach

er dann vor 35.000 Zuschauern im Moskauer

Olympiastadion. Der größte Erfolg

eines Deutschen in Russland. Wie es beginnt,

muss es nicht enden. Sein Credo

lautet nicht aus Zufall »make your mess

your message«.

Bodo Schäfer hat bis heute sieben Spiegel-

Bestseller geschrieben und weltweit über

18 Millionen Bücher verkauft. Sie sind in

50 Ländern und 30 Sprachen erschienen.

Damit gehört er zu den einflussreichsten

Deutschen weltweit. Kaum ein Kinderbuch

hat Heranwachsenden auf dem ganzen

Globus so viel über Geld beigebracht,

wie »Ein Hund namens Money«. Auch in

China ist das Buch auf Platz eins. Obwohl

das Buch bereits 21 Jahre alt ist. Und auch

wenn Schäfer gerne Geld verdient, gibt er

als Stifter den Ärmsten in Afrika die

Chance, Bildung zu erfahren. Acht Schulen

konnten mit seiner Hilfe bereits errichtet

werden. Bei all dem Erfolg und der

Distinguiertheit, die ein Bodo Schäfer

ausstrahlt, ist mir bei unseren Begegnungen

aber immer eines besonders aufgefallen:

Er kann sich für Dinge begeistern wie

ein kleiner Junge. Auch mit 61 geht er

noch mit großer Neugier durch die Welt,

was für uns alle eine Inspiration sein

kann.

Bilder: Inka Englisch, Depositphotos / ajafoto / warlockf01094047.yandex.ru

36 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Wissen

Mit George Clooney als Aushängeschild hat Nespresso

einen Goldgriff gemacht: Seit über einem

Jahrzehnt rufen Werbespots wie »Really, George?«

positive und mittlerweile vertraute Emotionen bei

den Zuschauern hervor, was sicherlich in so manch

eine Kaufentscheidung umgeschlagen ist. Sonst

würden die Spots ja nicht bis heute laufen.

Brainset

GIBT ES EINEN KAUFKNOPF IM GEHIRN?

38

www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Wissen

Bilder: IMAGO / UPI Photo, Sebastian Schwarz

Seit vielen Jahrzehnten beschäftigt

sich die Menschheit mit der Frage:

Gibt es einen Bereich im Gehirn,

den ich nutzen oder gar aktivieren

kann, um eine Kauf- oder Wahlentscheidung

bei einem anderen Menschen

zu verursachen? Und wenn ja, wo findet

man ihn? Eine wirklich spannende Frage,

die es wert ist, aufgelöst zu werden.

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts entwickelte

sich aus dieser Fragestellung eine

neue Wissenschaft – das Neuromarketing

erblickte die Welt. Hirnforscher wollten

wissen, wo und wie Wahlentscheidungen

im menschlichen Gehirn ablaufen und

welche Areale besonders aktiv bei Entscheidungen

werden. Das war möglich, da

seit dem Jahr 2004 erste funktionelle Magnetresonanztomographen

(fMRT) auf den

Markt kamen und es so möglich wurde,

dem Gehirn beim Denken »zuzuschauen«.

Die Ergebnisse waren überschaubar und

ließen kaum Rückschlüsse zu, weshalb ein

Gehirn wie entscheidet. Heutzutage wissen

wir, dass das menschliche Gehirn keine

einfache Reizreaktionsmaschine ist und

immer das gesamte Gehirn an der Informationsverarbeitung

und Bewertung

mitarbeitet.

Unser Gehirn ist kein Speicher von Informationen

zur Verarbeitung, sondern ein

soziales vorbewusstliches Organ, das ständig

ganzheitlich arbeitet und mit seinen 86

Milliarden Zellen und rund einer Trillion

Verbindungen unentwegt auf der Grundlage

von Reizschwellen Entscheidungen

trifft. Wahlentscheidungen, die im Gehirn

getroffen werden, dauern jeweils

circa 380 Millisekunden und mal ganz

ehrlich, da sind wir nicht wirklich bewusst

dabei.

Beim modernen Neuromarketing

wird versucht, durch gezielte Gestaltung

des Produkts und der Produktwerbung

eine Kaufabsicht im

Gehirn auszulösen. In der allereinfachsten

Form versucht man,

dies durch Stimulation des sogenannten

Belohnungssystems

des menschlichen Gehirns zu

erreichen. Die Idee ist, dass ein

Produkt, das als belohnend

empfunden wird, auch wahrscheinlicher

gekauft wird.

Dazu müssen wir uns zunächst

kurz mit dem Belohnungssystem

befassen.

Beim modernen

Neuromarketing

wird versucht,

durch gezielte

Gestaltung des

Produkts und der

Produktwerbung

eine Kaufabsicht

im Gehirn

auszulösen.

Es gibt im menschlichen Gehirn

hoch spezialisierte Netzwerke,

über die Belohnungsinformationen

verarbeitet werden. Die

wichtigsten Projektionsregionen sind der

orbitofrontale Kortex und der Nucleus accumbens.

Der orbitofrontale Kortex ist

eine Region, in der Informationen aus vielfältigen

Sinnessystemen zusammenlaufen,

wie etwa Sehen, Hören, Tasten, Schmecken

und Riechen. Der orbitofrontale Kortex

wird durch zahlreiche Reize stimuliert,

seien es angenehme Bilder, Musikstücke

oder Gerüche. Der Nucleus accumbens

spielt darüber hinaus eine wichtige Rolle

bei der Erwartung von belohnenden Reizen.

Wenn jemand beim Sonntagsbrunch

ein schmackhaftes, gut riechendes Essen

serviert bekommt, dann sind die Zellen im

Nucleus accumbens bereits aktiv, noch bevor

man den ersten Bissen gegessen hat.

Hier gilt der allen bekannte Spruch: »Vorfreude

ist die schönste Freude.«

Die Idee vom Neuromarketing ist es, dass

man es schafft, ein Produkt so zu entwickeln,

dass die Nervenzellen des Belohnungssystems

optimal stimuliert werden,

um beim Kunden ein Verlangen auszulösen

und ihn zum Kauf zu animieren. Wenn

das Belohnungssystem des menschlichen

Gehirns aktiv wird, kann es wirklich daran

liegen, dass ein Mensch ein Produkt als belohnend

empfunden hat. Allerdings ist das

Belohnungssystem nicht sehr selektiv. Es

Der Autor

Karsten Brocke ist Experte für Brainset®,

Wahl- und Kaufentscheidungen, Dozent und

Mitglied der Akademie für neurowissenschaftliches

Bildungsmanagement.

reagiert auch auf Anstrengung: Wenn Sie

sich zum Beispiel besonders viel Mühe

beim Lösen einer Aufgabe gegeben haben,

so führt dies auch zu Aktivität in den sogenannten

»Belohnungszentren«. Das System

reagiert also auch dann, wenn ein Reiz

nicht etwa belohnend, sondern einfach nur

als ungewöhnlich wahrgenommen wird. In

der modernen »Kaufforschung« reicht es

eben nicht aus, den Belohnungswert von

Produkten aus der Hirnaktivität auszulesen.

Die exekutiven Prozesse, die aus dem

Impuls eine Kaufhandlung werden lassen,

müssten ebenfalls erfasst werden, denn die

Möglichkeit, einen starken Handlungsimpuls

zu unterdrücken, gibt es ja auch.

Letztlich gibt es keinen »Kaufknopf« im

Gehirn. Es gibt jedoch eine Reihe von Ansätzen,

mithilfe derer aus Hirnaktivität zuverlässiger

vorhergesagt werden kann,

welches Produkt oder welche Dienstleistung

eine Person kaufen wird und das sogar,

wenn Menschen nicht bewusst über

Produkte nachdenken. Fazit: Je besser es

Ihnen gelingt, Ihre Produkte oder Dienstleistungen

positiv zu emotionalisieren, die

dann einen Aha-Effekt auslösen, um sodann

im besten Fall zu einer Marke zu

werden, desto größer werden Ihre Chancen,

Kaufprozesse bei Ihren Kunden

auszulösen.

Hier gilt der allen

bekannte Spruch:

»Vorfreude ist die

schönste Freude.«

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

39


Einstellung

KEINE FALSCHE

BESCHEIDENHEIT!

NETTE MENSCHEN TUN SICH SCHWER DAMIT, IHREN RANG IM TEAM

EINZUFORDERN UND HOCHTRABENDE TITEL ZU TRAGEN. ABER DIESE

ÜBERTRIEBENE BESCHEIDENHEIT MACHT KLEIN UND SCHADET IHRER

KARRIERE, SAGT KARRIEREBERATER MARTIN WEHRLE.

Ich definiere mich nicht über meine

Visitenkarte«, sagte Adrian Horvat

(29) in der Beratung. Sein Chef hatte

ihm den Titel »Key Account Manager«

angeboten, er jedoch abgelehnt.

Er empfand diesen Titel als Aufschneiderei.

Ich fragte ihn: »All Ihre Kollegen nennen

sich auch ›Kundenbetreuer‹, keiner ist ›Key

Account Manager‹?« – »Doch, doch – es

gibt ein paar Oberwichtige, die unserem

Chef diesen Titel aus den Rippen geleiert

haben. Nur deshalb hat er ihn mir angeboten.

Aber ich habe das nicht nötig.«

Auf meine Frage, was ihn an der Bezeichnung

»Key Account Manager» störe, erwiderte

er: »Alles! Ich betreue nach wie vor

auch kleine Kunden. Und ich bin ihr Ansprechpartner

für ganz alltäglichen Kram,

kein ›Manager‹.« Zugleich räumte er ein,

seine Kollegen hätten diesen Titel genauso

wenig verdient wie er selbst.

Ich fuhr fort: »Nun stelle ich mir gerade

vor, dass Sie bei einer Sitzung neue Kunden

treffen. Jetzt überreichen einige Kollegen

ihre ›Manager‹-Visitenkarten. Und dann

Sie Ihre als ›Kundenbetreuer‹. Käme Ihnen

das nicht merkwürdig vor?« Er verzog sein

Gesicht. »Soll ich jetzt zum Hochstapler

werden, nur weil die anderen es sind?«

Es dauerte eine knappe Stunde, bis wir herausgefunden

hatten, was Adrian Horvat

Der Autor

Martin Wehrle ist Bestsellerautor, Karrierecoach

und Redner. Seit seinem Nummer-1-Wirtschaftsbestseller

»Ich arbeite in einem Irrenhaus« gilt er

als der Insider für deutsche Unternehmenskultur.

40 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Einstellung

Anna Wintour ist berühmt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Angefangen hat ihre Karriere mit einer einfachen Ausbildung im Lononder

Warenhaus Harrods. Seit 1988 ist sie Chefredakteurin der Vogue. Sie

kannte stets ihren Wert und ihre Fähigkeiten. Falsche Bescheidenheit? Bei

Anna Wintour fehl am Platz!

Beispiel fragte ich ihn, als er die Rolle seines

Chefs bekleidete:

»Warum ist es für Herrn Horvat wichtig,

dass er den Titel ›Key Account Manager‹

annimmt? Welche Signalwirkung hat dieser

Titel, intern und extern? Welche Management-Elemente

sind in seiner heutigen

Arbeit schon enthalten? Inwiefern

hebt er sich positiv von seinen Kollegen

ab?«

Bilder: IMAGO / PanoramiC, André Heeger, Depositphotos / fashionstock, Cover: Mosaik Verlag

»Den Netten beißen die Hunde«

von Martin Wehrle

320 Seiten

Erschienen: 13. September 2021

Mosaik Verlag

ISBN: 978-3442393770

am meisten bremste: die Vorstellung, zu

hohe Erwartungen auf sich zu ziehen. Zum

Beispiel malte er sich aus, dass Kunden

von ihm Rabatte und Vorteile erwarteten,

die er als Kundenbetreuer gar nicht gewähren

konnte. Viele nette Menschen kämpfen

mit diesem Problem, es hat sogar einen

wissenschaftlichen Namen: Hochstaplersyndrom.

Sie steigen in eine wichtige Position

auf oder verkehren mit bedeutenden

Leuten, aber ihr innerer Kritiker flüstert

ihnen zu: »Du gehörst nicht in diese Position,

nicht in diese Kreise!«

Andere Nette beugen diesem Problem vor,

indem sie bewusst darauf verzichten, sich

auf exponierte Positionen zu bewerben.

Sie lehnen Titel und Beförderungen ab,

weil sie unbedingt in der zweiten Reihe

bleiben wollen. Und die Rednereinladung

zum Kongress geben sie an eine Kollegin

weiter, die sich nicht mit Bescheidenheit

aufhält. Ich kenne sogar promovierte MitarbeiterInnen

– meist sind es Frauen! –,

die ihren Doktortitel in der Signatur verschweigen

oder bei der Selbstpräsentation

allenfalls flüstern. Als wäre die Promotion

kein offizieller Bestandteil des Namens,

sondern ein arrogantes Winken vom hohen

Ross, das alle titellosen Mitmenschen

provozierte.

Nette Menschen fühlen sich oft von anderen

überschätzt. Und warum? Weil sie sich

selbst unterschätzen. Und diese Selbstzweifel

projizieren sie nach außen. Weil

Adrian Horvat selbst meinte, der Manager-

Titel sei für ihn eine Nummer zu groß,

fürchtete er, Kunden und Freunde könnten

ins gleiche Horn stoßen.

Wie kann es gelingen, die eigenen Qualitäten

mit mehr Distanz zu sehen? Adrian

Horvat lud ich zu folgender Übung ein: Ich

stellte mehrere Stühle in den Raum, auf

jeden durfte er ein Pappschild mit dem

Namen eines Kollegen, Vorgesetzten oder

Freundes kleben. Dann nahm er auf den

einzelnen Stühlen Platz, fand sich in die

jeweilige Rolle ein und wurde von mir zu

sich, dem Kollegen, Mitarbeiter oder

Freund Adrian Horvat interviewt. Zum

Aus der Perspektive der anderen legte

Horvat seine übertriebene Bescheidenheit

ab. Es gelang ihm, den Titel in einem

neuen Licht zu sehen. Er räumte ein, dass

ein Verzicht schlecht für seinen Rang in

der Gruppe und gegenüber den Kunden

wäre. Zugleich half ihm die Rolle des

Chefs, seine Arbeitsleistung mehr zu würdigen.

Überrascht fiel ihm auf, wie viele

Management-Tätigkeiten seine Aufgabe

bereits enthielt. Erst als er sich und seine

Arbeit mehrfach durch die Brille anderer

gesehen hatte, fiel der Hochstaplerkomplex

von ihm ab: Er war nun überzeugt davon,

diesen Titel wirklich zu verdienen – und

nahm ihn endlich an.

»Nette Menschen fühlen sich

oft von anderen überschätzt.

Und warum? Weil sie sich

selbst unterschätzen.«

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

41


Einstellung

AUSZUG AUS DEM NEUEN BUCH VON VERLEGER JULIEN BACKHAUS

»MAN KANN ALLES LERNEN«

JULIEN BACKHAUS HAT EIN BUCH ÜBER 50 DUMME LEBENS- UND

KARRIEREREGELN GESCHRIEBEN, DIE MAN BRECHEN MUSS, UM ERFOLG

ZU HABEN.

Das menschliche Gehirn ist ein

Wunder. Wahrscheinlich ist

es sogar das größte Wunder

auf unserem Planeten. Es ist

so besonders, dass selbst die

Wissenschaft erst einen kleinen Teil dessen

erklären kann, was in ihm vorgeht. Wir

wissen wahrscheinlich mehr über das Universum

als über unser eigenes Gehirn. Was

wir wissen, ist, dass wir mithilfe unseres

Gehirns nahezu alles Vorstellbare erlernen

können.

Wahr ist aber auch, dass wir nicht alles

gleich gut lernen können. Die meisten

Menschen haben Talente und Fertigkeiten

in bestimmten Bereichen. In anderen Bereichen

sind sie mittelmäßig oder sogar

unterirdisch schlecht. Wir alle haben in der

Schule ungefähr dasselbe gelernt, aber wir

beherrschen nicht alles gleich gut. Wer ausgezeichnet

rechnen kann, schreibt vielleicht

keine besonders guten Aufsätze. Wer in

einem Handwerk versiert ist, singt möglicherweise

nicht sonderlich gut.

»Bullshit Rules:

50 Regeln, die Sie brechen

müssen, um Erfolg zu haben«

von Julien Backhaus

128 Seiten

Erschienen: Juli 2021

FinanzBuch Verlag

ISBN: 978-3-95972-489-0

Bei all der Theorie ist aber die Praxis viel

wichtiger. Die Frage ist nicht, was wir alles

lernen können, sondern was wir lernen

sollten. Wer eine Karriere in der Biologie

anstrebt, muss nicht wissen, wie man eine

Orgel stimmt oder eine Gitarrensaite aufzieht.

Das Geheimnis des Erfolgs liegt darin,

sich auf das zu konzentrieren, was für

das Ziel wesentlich ist, und alles andere

auszublenden. Bringen Sie alles über das in

Erfahrung, was Sie tun möchten, und lernen

Sie von den Besten. Kaufen Sie Bücher,

belegen Sie Kurse und hören Sie Experten

zu, wo Sie nur können. Lernen Sie, der oder

die Beste in diesem Fach zu werden. Und

immer, wenn sich eine Gelegenheit ergibt,

etwas anderes zu lernen, fragen Sie sich

erst, wie sehr es Ihnen hilft und ob Sie es

wirklich wollen. Denn oft müssen wir Prioritäten

setzen, wenn wir in einem Fach tatsächlich

virtuos werden wollen. Ehrlich

gesagt sind die meisten Koryphäen eines

Fachs nicht sonderlich bewandert auf anderen

Gebieten. Und es stört sie auch überhaupt

nicht, denn es macht sie glücklich,

was sie tun. Die Frage, was Sie wirklich im

Leben wollen, sollte viel wichtiger sein als

die Frage, was Sie alles tun oder lernen

könnten. Das Glück finden Sie eher in der

einen Sache statt in einer Vielzahl von Sachen.

Beginnen Sie immer mit der Frage:

Brauche und will ich das wirklich?

Bilder: Daniela Schenk, Cover: FinanzBuch Verlag

42 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

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Einstellung

»ROBOGEDDON«: WERDEN SIE DURCH EINE MASCHINE ERSETZT?

AUSZUG AUS DEM NEUEN BUCH VON SANDRA NAVIDI

Sie glauben,

dass Menschen

die Macht über

die Maschinen

behalten und

diese lediglich

zur Steigerung

der menschlichen

Leistungsfähigkeit

einsetzen

werden.

»Das Future Proof

Mindset«

von Sandra Navidi

256 Seiten

Erschienen: Juni 2021

Finanzbuch Verlag

ISBN: 978-3959724548

Als ich in die Grundschule ging,

pflegte meine Großmutter ein

Ritual: Am Vorabend einer

Klassenarbeit legte sie mir ein

Buch unters Kopfkissen.

Einem Aberglauben zufolge sollte sich so

das Wissen über Nacht übertragen. Vermutlich

wollte meine Großmutter mir mit

dieser Geste Mut machen. Funktioniert hat

der Trick jedoch leider nie. Stellen Sie sich

vor, wie es wäre, wenn wir nichts mehr lernen,

lesen oder uns merken müssten. Wenn

wir Informationen sozusagen direkt in

unser Gehirn herunterladen könnten. Wäre

das nicht praktisch, wenn wir unser Wissen

auf einer Art Festplatte speichern könnten,

indem wir es in eine Cloud hochladen?

Ihnen mag das abstrus vorkommen, aber

während wir mit Alltagsdingen beschäftigt

sind, arbeitet die Techelite im Silicon

Valley, dem malerischen und außerordentlich

wohlhabenden südlichen Teil der San-

Francisco-Bay-Region, bereits an einer

solchen Zukunft. Dort beheimatet ist auch

Ray Kurzweil, einer der prominentesten

Vertreter der Techelite. Kurzweil ist Chefingenieur

bei Google, Zukunftsforscher

und Erfinder. Inzwischen über 70, hegte er

schon seit frühester Jugend eine Faszination

für den menschlichen Neokortex. Zeit

seines Lebens ist er von dem Bestreben besessen

gewesen, Mensch und Maschine zu

einer Einheit zu verschmelzen. Zu diesem

Zwecke arbeitet er unter anderem auch

daran, Informationen aus dem Gehirn in

Computer hochzuladen und Informationen

aus der Cloud ins Gehirn herunterzuladen.

Laut Kurzweil werden wir schon

bald »gottgleich« und »unsterblich« sein

und »das Universum beherrschen«! Nach

seiner Auffassung lassen sich sämtliche

menschliche Prozesse auf elektrische und

biochemische Prozesse reduzieren und in

Algorithmen übersetzen. Auf Kurzweil

geht das Konzept der »Singularität« zurück,

nach dem der »digitale Urknall« die

nächste Evolutionsstufe darstellt, auf der

Mensch und Maschine zu einer Einheit

verschmelzen, was bis spätestens 2045 passieren

soll.

Die Singularitätsthese hat eine quasireligiöse

Gefolgschaft unter den einflussreichsten

»Techies« des Silicon Valley. Generell

unterscheidet die Techelite zwischen »evolutionärer«

und »humanistischer« Künstlicher

Intelligenz. Nach Auffassung der

KI-Humanisten wie etwa dem Yale-Professor

David Gelernter werden Menschen

aufgrund ihrer einzigartigen menschlichen

Eigenschaften auch in Zukunft

im Zentrum unserer Existenz stehen. Sie

glauben, dass Menschen die Macht über

die Maschinen behalten und diese lediglich

zur Steigerung der menschlichen

Leistungsfähigkeit einsetzen werden. Im

Gegensatz dazu sind KI-Evolutionisten

wie Google-Chefingenieur Ray Kurzweil

der Meinung, dass Maschinen Menschen

in absehbarer Zeit überlegen sein, aber der

Menschheit das Erreichen einer höheren

Entwicklungsstufe ermöglichen werden.

Bisher hatten die KI-Evolutionisten den

größeren Einfluss auf die Erschaffung

neuer Technologien, doch die Kritik aus

den eigenen Reihen wächst. Die Stanford

University, deren Forscher federführend

zur Entwicklung Künstlicher Intelligenz

beigetragen haben, hat inzwischen das

Stanford Institute for Human-Centered

Artificial Intelligence gegründet, das von

einigen der einflussreichsten Techtitanen

wie dem ehemaligen Google- und Alphabet-Chef,

Eric Schmidt, und dem Mitbegründer

von LinkedIn, Reid Hoffman,

Bild: IMAGO / ZUMA Wire, Cover: FinanzBuch Verlag

44 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Einstellung

DAS FUTURE

PROOF MINDSET

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

45


Einstellung

»Technologie

ist an sich

weder gut

noch schlecht

– es kommt

ganz darauf an,

wie man

sie einsetzt.«

– MARC BENIOFF

unterstützt wird. Zwar waren es Stanford-

Wissenschaftler, die einst den Begriff der

Künstlichen Intelligenz geprägt hatten,

jedoch möchte die Universität heute einer

Innovation Vorschub leisten, die den Menschen

und die Ethik in ihren Mittelpunkt

stellt – in der Hoffnung, dass die nächste

Generation von Studenten »aufgeklärtere

und humanere Werte vertritt, als das bisher

der Fall war«.

Kurzweils Visionen mögen utopisch erscheinen,

aber man sollte sie nicht vorschnell

abtun. Vor über zwei Jahrzehnten

machten visionäre Innovatoren wie die

Gründer von Apple, Steve Jobs, von Microsoft,

Bill Gates, und von Amazon, Jeff

Bezos, Zukunftsprognosen, die sich als

so zutreffend herausgestellt haben, dass

es geradezu unheimlich anmutet. In den

1980er-Jahren sagte Steve Jobs recht konkret

den Siegeszug des iPhone voraus. Bill

Gates beschrieb das Internet der Dinge,

als normale Menschen es sich noch nicht

einmal vorstellen konnten, und Jeff Bezos

prognostizierte die Übermacht des Onlinehandels,

um nur ein paar Beispiele zu

nennen.

Die Techtitanen erobern unsere Welt Byte

für Byte – mit sehr konkreten, analogen

Folgen für uns alle. Daher ist es enorm

wichtig zu verstehen, wie sie denken,

denn sie gestalten unsere Zukunft, und

ihre Mentalität ist eine ganz andere als die

konventioneller CEOs. Wie groß ist denn

nun das Potenzial beziehungsweise die Bedrohung,

die der technische Fortschritt für

uns alle darstellt?

Nach Ansicht von Marc Benioff, CEO von

Salesforce, ist »Technologie an sich weder

gut noch schlecht – es kommt ganz

darauf an, wie man sie einsetzt«. Techgenie

und KI-Unternehmer Jeremy Howard

meint, dass die industrielle Revolution ein

Klacks gewesen sei im Vergleich zu dem,

was uns noch bevorsteht. Google-CEO

Sundar Pichai geht sogar so weit zu sagen,

dass Künstliche Intelligenz bahnbrechender

sei als Elektrizität oder Feuer. Klaus

Schwab, der Gründer und Vorsitzende des

Weltwirtschaftsforums und Autor von Die

Vierte Industrielle Revolution meint, dass

diese Revolution »die grundsätzliche Frage

aufwerfe […], was Menschsein bedeutet«.

Andere malen ein düsteres Bild. Viele Ökonomen

sind der Ansicht, dass sich diese Revolution

grundlegend von früheren industriellen

Revolutionen unterscheidet.Der

renommierte Wirtschaftshistoriker Robert

Skidelsky sieht in Robotern sogar eine Gefahr

für die Menschheit. Yuval Noah Harari,

israelischer Historiker und Professor

an der Hebräischen Universität Jerusalem,

skizziert ein regelrechtes Schreckensszenario.

Er schreibt: »Die Verschmelzung von

Infotech und Biotech könnte schon bald

Milliarden von Menschen den Job kos-

Jeff Bezos investiert Milliarden

seines eigenen Geldes in sein

Unternehmen Blue Origin, mit

dem Ziel, Billionen Menschen in

Weltraumkolonien anzusiedeln.

46 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin


Einstellung

Bilder: IMAGO / Cover-Images / E-PRESS PHOTO.com, MG RTL DSpreitzenbarth

ten und sowohl Freiheit als auch Gleichheit

untergraben. Big-Data-Algorithmen

könnten digitalen Diktaturen Vorschub

leisten, in denen sich die gesamte Macht

in den Händen einer kleinen Elite konzentriert,

während die meisten Menschen

nicht unter Ausbeutung zu leiden haben,

sondern unter etwas noch viel Schlimmerem

– nämlich der Tatsache, dass sie auf

einmal gänzlich überflüssig sind.« Manche

Wissenschaftler befürchten ebenfalls

eine bevorstehende »Robokalypse«, weil

Roboter unsere Jobs an sich reißen und

die Kontrolle übernehmen könnten.Der

ehemalige Facebook-Produktmanager Antonio

García Martínez beschreibt ein »Robogeddon«-Szenario,

in dem der »Techadel

bereits Überlebenscamps für sich errichtet,

während der Rest von uns schlafwandlerisch

auf die Apokalypse zusteuert«.

Der MIT-Professor und Co-Autor von The

Second Machine Age, Erik Brynjolfsson,

warnt vor Revolution und Gewalt, wenn

sich die Gesellschaft nicht adäquat auf diese

Herausforderungen einstellt.

Die Geisteshaltung der Tech-Genies erscheint

gespalten: Einerseits glauben sie,

über fast gottgleiche Schöpfungskraft zu

verfügen, während sie andererseits Angst

vor dem sogenannten Exit haben – und das

bedeutet in diesem Zusammenhang nicht

Börsengang. Mit »Exit« oder »Event« meinen

sie den Eintritt eines katastrophalen

Ereignisses, beispielsweise den Ausbruch

sozialer Unruhen, den durch Cyberkriminalität

ausgelösten Zusammenbruch der

Infrastruktur, den Ausbruch von Pandemien

sowie Umwelt- und anderen Katastrophen.

Um für diese Risiken gewappnet

zu sein, entwerfen sie Fluchtpläne und planen

den Rückzug in Survival Camps.

Ein Beispiel ist Peter Thiel, der erste Investor

in Facebook sowie Mitgründer von

Die Autorin

Sandra Navidi ist CEO von BeyondGlobal. Die in

New York ansässige deutsche und amerikanische

Rechtsanwältin ist außerdem Wirtschaftsexpertin,

Rednerin und Bestsellerautorin.

PayPal, Palantir und des Founders Fund.

Er erwarb die neuseeländische Staatsbürgerschaft

und schuf sich einen an einem

See gelegenen sicheren Rückzugsort, ausgestattet

mit eigener Landebahn und – so

munkelt man – sogar einem unterirdischen

Bunker. Gleichzeitig finanziert er

zusammen mit anderen Silicon-Valley-

Schwergewichten Unsterblichkeitsforschung.

Fluchtgedanken sind vermutlich

auch die Motivation für das Bestreben einiger

Techtitanen, den Weltraum zu erobern.

Jeff Bezos investiert Milliarden seines eigenen

Geldes in sein Unternehmen Blue Origin,

mit dem Ziel, Billionen Menschen in

Weltraumkolonien anzusiedeln. Weil wir

seiner Meinung nach die Erde zerstören,

sei der einzige Ausweg die Bevölkerung

des Weltalls. Ebenso steckt der notorisch

eigenwillige Tesla-Erfinder Elon Musk ein

Vermögen in sein Weltraumunternehmen

SpaceX, um eine Million Siedler auf den

Mars zu verfrachten. Steve Jobs brachte

das Mindset der Innovationspioniere und

ihren Einfluss treffend auf den Punkt: »Gelobt

seien die Verrückten. Die Unangepassten.

Die Rebellen. Die Unruhestifter. […]

Man sollte sie nicht ignorieren. Weil sie

der Menschheit mit ihren Veränderungen

Fortschritt bescheren. Und während manche

sie für verrückt erklären, erkennen wir

ihr Genie. Weil Menschen, die so verrückt

sind zu glauben, dass sie die Welt verändern

können […], diejenigen sind, die es

auch schaffen.«

Bill Gates

beschrieb

das Internet

der Dinge,

als normale

Menschen

es sich noch

nicht einmal

vorstellen

konnten.

ERFOLG magazin . Ausgabe 06/2021 . www.erfolg-magazin.de

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Erfolg Magazin Brand Ambassadors

ERFOLG

D A S L E S E N E R F O L G R E I C H E magazin

INSTAGRAM

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Genialreich

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aus erfolgshungrigen und zielorientierten

Menschen, die gemeinsam ihr Traumleben

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habe ich es mir zum Ziel gesetzt, eben diese

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Heyer, der unter dem Pseudonym Mr.Rhetorik

bekannt ist, gibt Menschen die Möglichkeit,

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Jammer nicht, lebe!

BMotivation

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Schon Einstein sagte, es gäbe viele Wege zum

Glück und einer davon sei, aufzuhören zu jammern.

Ich hab mir das nach einem Schicksalsschlag

zum Lebensmotto gemacht. Mein Blog

soll Dir eine Quelle der Inspiration und Motivation

sein. Es lohnt sich, seinen Träumen zu folgen und

nie aufzugeben. Ich gehe leben! Kommst Du mit?

@jammer_nicht_lebe

Unser Motto »Spreading the good vibes« richtet

sich an Menschen, die einen Traum haben,

jedoch noch nicht das richtige Mindset besitzen,

um diesen zu verwirklichen. Wenn Du Dich

für Persönlichkeitsentwicklung interessierst,

dann schaue gerne bei uns vorbei.

Maciej und Benny

@bmotivation_de

Unser Erfolgsrezept? DSG! Und nein, es handelt

sich hierbei nicht um ein Getriebe, sondern um

Disziplin, Spaß und Geduld! Wir bei myMTVTN

haben gelernt, dass diese drei Faktoren unerlässlich

für Deine Zielerreichung sind! Wann

schaltest Du einen Gang höher und arbeitest

endlich an Deinen Träumen?!

@mymtvtn

Bilder: privat

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Erfolg Magazin Top Experten

TOP EXPERTEN

Bild: Depositphotos/depositedhar

Farsan Taheri

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Christopher Mewes

Fitness, Vertrieb & Mindset

Deutschland

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Business Coaching

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Christian Schindler

Umgang mit Geld &

Investieren leicht gemacht

Deutschland

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Baby- & Kleinkinderschlaf

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Life-Coaching

Deutschland

Karlheinz Greim-Fürstenberg

Neurowissenschaft

Deutschland

Dr. Mohamed-Ali Ibrahim

Qualitätsmanagement

Österreich

Kai Schimmelfeder

Fördermittelberatung

Deutschland

Prof. Dr. med. Volker Busch

Neurowissenschaft

Deutschland

Bei der Benennung von »Top Experten« handelt es sich um eine redaktionelle Entscheidung

des ERFOLG Magazins. Die Redaktion sichtet regelmäßig Profile von Marktteilnehmern

und prüft die Personen unter Zuhilfenahme öffentlich einsehbarer Informationen

hinsichtlich fachlicher Qualifikation, Veröffentlichungen, Kundenbewertungen und Dauer

der Tätigkeit. Nur natürliche Personen können als »Top Experten« benannt werden.

Hierbei handelt es sich um die

neu aufgenommenen Top-Experten.

Die gesamte Liste finden Sie unter

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Best of Web

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Fiktion wird Wirklichkeit –

»Captain Kirk« fliegt ins All

William Shatner ist vielen noch als Captain James T. Kirk aus der

Science-Fiction-Serie »Star Trek« bekannt. Am 12. Oktober geht

es für ihn an Bord der Trägerrakete »New Shepard«, die dem

von Jeff Bezos gegründeten Raumfahrtunternehmen Blue Origin

angehört, wirklich in die unendlichen Weiten des Weltraums.

Der Amazon-Gründer kam bereits im Juli in den Genuss dieses

kurzen Weltraumabenteuers. Nun erfolgt der zweite touristische

Kurztrip, mit dem Shatner seiner langjährigen, ab 1966 verkörperten

Rolle ein Stück näherkommt. »Ich werde zum »Rocket

Man«, freut sich der 90-Jährige auf Twitter. Etwa elf Minuten

wird der Flug über die international anerkannte Grenze zum

Weltraum in einer Höhe von 100 Kilometern, der Kármán-Linie...

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Helene Fischer verkauft 100.000

Tickets in 24 Stunden

Fulminanter Auftakt:

Vertriebsoffensive startet

mit 1.000 Teilnehmern

Am 20. August 2022 wird Schlager-Königin Helene Fischer ihr

einziges Konzert mit ihrer neuen Show in München auf dem

Open-Air-Gelände vor maximal 150.000 Fans geben. Das neue

Album der 37-Jährigen mit dem Titel »Rausch« erscheint bereits

am 15. Oktober und kurbelt somit schon einmal die Verkaufszahlen

für das diesjährige Weihnachtsgeschäft an. Die erste

Song-Auskopplung ist mit »Vamos a Marte« auch schon erhältlich.

Am 9. September begann der Veranstaltungsdienstleister...

Den Rest des Artikels lesen Sie unter

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Am 11. und 12. September startete die als »Vertriebsoffensive«

bekannte Eventreihe von Verkaufstrainer und Redner Dirk

Kreuter in hybridem Format in der Porsche-Arena in Stuttgart

mit 1.000 Teilnehmern. Erstmals seit über einem Jahr konnte die

Veranstaltung, welche bis dahin nur digital durchgeführt wurde,

unter bestimmten Auflagen und mit 3G-Nachweis endlich wieder

vor Publikum stattfinden. Auf der großen Rundbühne vermittelte

Dirk Kreuter sein Wissen über Unternehmertum...

Den Rest des Artikels lesen Sie unter

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Bilder: IMAGO / osnapix / ZUMA Wire, Vertriebsoffensive – Dirk Kreuter 2021

50 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 06/2021 . ERFOLG magazin

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