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2021/43| Nachhaltig | Ausgabe Oktober 2021 !

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<strong>Nachhaltig</strong><br />

Zweites Leben<br />

für Smartphones<br />

Neuer, schneller, besser – und teurer. Wer<br />

beim jährlichen Run aufs neue Smartphone<br />

nicht mitmacht, findet gute Alternativen.<br />

Mit geschickten Fingern hat Sebastian<br />

Heyn das Smartphone in<br />

Einzelteile zerlegt. Erst musste er<br />

das Gerät in einem Automaten erwärmen<br />

und so den Kleber lösen.<br />

Nun liegen die Teile säuberlich<br />

sortiert vor ihm: Akku, Platine,<br />

Koaxialkabel, Frontkamera. „Bei<br />

diesem Gerät muss das Display<br />

ausgetauscht werden“, sagt der<br />

35-Jährige. Ist es einmal zerlegt,<br />

könnten auch andere Bauteile, deren<br />

Lebensende naht, gleich gewechselt<br />

werden. Werkstätten<br />

wie hier in Hartmannsdorf bei<br />

Chemnitz reparieren Handys für<br />

ihre Besitzer oder Garantiefälle.<br />

Doch auch ausrangierte Altgeräte<br />

landen dort und bekommen ein<br />

zweites Leben eingehaucht.<br />

10,4<br />

Millionen Geräte hat allein der<br />

Hersteller Apple im Jahr 2020 zurückgenommen<br />

und generalüberholen<br />

lassen. Das nennt man neudeutsch<br />

„Refurbishment“.<br />

Längere Nutzungsdauer<br />

und anschließendes Recycling<br />

Rund 206 Millionen solcher Handys<br />

und Smartphones schlummern<br />

in den Schubladen von Privatleuten<br />

in Deutschland. Das hat<br />

eine Befragung im Auftrag des<br />

Branchenverbandes Bitkom ergeben.<br />

Im Sinne des Klima- und<br />

Umweltschutzes sei anzustreben,<br />

die Geräte länger zu nutzen, erklärt<br />

Bitkom-Experte für <strong>Nachhaltig</strong>keit,<br />

Niklas Meyer-Breitkreutz.<br />

Denn die Herstellung<br />

mache den Großteil ihres ökologischen<br />

Fußabdruckes aus. Innovationssprünge<br />

bei neueren Modellen<br />

seien inzwischen geringer<br />

als früher, so dass junge Gebrauchte<br />

attraktiver bei einer<br />

Neuanschaffung werden, schätzt<br />

der Experte. Das „Refurbishment“,<br />

wie Fachleute die Generalüberholung<br />

nennen, sei ein<br />

Wachstumsmarkt mit großem Potenzial.<br />

Gebrauchte Handys wurden<br />

bisher häufig privat verkauft. Für<br />

Käufer und Verkäufer lauern dabei<br />

Gefahren. Private Daten könnten<br />

in falsche Hände gelangen<br />

und eine Garantie gibt es für den<br />

Käufer nicht. Etliche Verbraucher<br />

horten die Geräte deswegen lieber<br />

in ihrer Schublade, wie die<br />

Bitkom-Befragung ergab. Auch<br />

um im Notfall ein Ersatzgerät zur<br />

Hand zu haben. Pierre-Pascal Urbon<br />

sieht im bisherigen Abwicklungsprozess<br />

eine Hürde. Er ist<br />

Vorstandschef der Komsa AG, eines<br />

der größten Familienunternehmen<br />

in Ostdeutschland. Mehr<br />

als eine Million Geräte werden in<br />

Hartmannsdorf pro Jahr repariert<br />

oder aufbereitet. Nun will Komsa<br />

bei Ankauf, Aufbereitung und<br />

Verkauf gebrauchter Smartphones<br />

stärker mitmischen. Bisher ist<br />

die Firma dabei etwa über Fachhändler<br />

aktiv, nun wird ein digitaler<br />

Marktplatz für Endkunden<br />

vorbereitet.<br />

Das Potenzial haben auch andere<br />

Unternehmen erkannt. Hersteller<br />

wie Apple und Samsung<br />

bieten beim Kauf neuer Geräte<br />

an, das alte in Zahlung zu nehmen.<br />

Sie werden aufbereitet oder<br />

gehen ins Recycling, um Rohstoffe<br />

zurückzugewinnen. Laut Apple<br />

wurden im vergangenen Jahr<br />

weltweit 10,4 Millionen Geräte<br />

Wer privat am<br />

Smartphone bastelt,<br />

riskiert, dass die<br />

Garantie erlischt.<br />

Foto: © Prostock-studio/Shutterstock.com<br />

dem Refurbishment zugeführt<br />

und 39 000 Tonnen Elektroschrott<br />

dem Recycling. Das ist aber nur<br />

ein Bruchteil der verkauften Neugeräte,<br />

schätzungsweise über 200<br />

Millionen Stück im vergangenen<br />

Jahr. Daneben verzeichnen Internetplattformen<br />

wie Refurbed und<br />

Back Market in Deutschland nach<br />

eigenen Angaben hohe Wachstumsraten.<br />

Auf solchen Marktplätzen<br />

können Verbraucher ihre<br />

Altgeräte zu Geld machen und es<br />

werden generalüberholte Elektrogeräte<br />

angeboten. „Der Markt<br />

wächst massiv“, sagt Refurbed-Mitgründer<br />

Kilian Kaminski.<br />

Sein Unternehmen habe den Umsatz<br />

im vergangenen Jahr mehr als<br />

verdreifacht. Für den Verbraucher<br />

sei der Erlös umso höher, je<br />

neuwertiger ein Gerät sei. „Ich<br />

schätze, dass bereits mehrere Millionen<br />

refurbishte Geräte in<br />

Deutschland pro Jahr verkauft<br />

werden.“ Smartphones machten<br />

dabei den größten Anteil aus.<br />

Deutschland hinkt<br />

deutlich hinterher<br />

Im Vergleich zu anderen Ländern<br />

hinke Deutschland jedoch hinterher.<br />

Während in Frankreich etwa<br />

40 Prozent der Menschen solche<br />

Smartphones nutzten, seien es in<br />

Deutschland erst rund 10 Prozent,<br />

erläutert der Deutschlandchef<br />

von Back Market, Martin Hügli,<br />

mit Verweis auf interne Daten.<br />

„Da ist noch eine Menge Luft<br />

nach oben und wir stehen hier<br />

erst am Anfang.“ Das wichtigste<br />

Argument für Verbraucher sieht<br />

er in einem besseren Preis-Leistungsverhältnis<br />

im Vergleich zu<br />

Neugeräten. Die größte Nachfrage<br />

gebe es für Smartphones, die<br />

vier bis sechs Jahre alt seien.<br />

Das Umweltbewusstsein<br />

spielt den Experten zufolge zunehmend<br />

eine Rolle. „<strong>Nachhaltig</strong>keit<br />

nimmt bei Endkunden einen<br />

immer größeren Stellenwert<br />

ein“, sagt Komsa-Chef<br />

Urbon und verweist<br />

etwa auf die Fridays-for-Future-Bewegung.<br />

„In Zukunft<br />

könnte es hip<br />

sein, ein gebrauchtes<br />

Gerät zu haben<br />

statt ein neues.“ Neben<br />

Privatleuten sieht er Firmen<br />

als Zielgruppe, die etwa eine große<br />

Zahl von Beschäftigten mit dezentralen<br />

Arbeitsplätzen ausstatten<br />

wie Service-Mitarbeiter oder<br />

Paketzusteller. Und nicht nur Unternehmen<br />

haben die ausgemusterten<br />

Smartphones im Blick. Seit<br />

einigen Jahren sammelt etwa das<br />

katholische Hilfswerk Missio<br />

Handyspenden. Rund 240 000<br />

Geräte wurden den Angaben zufolge<br />

abgegeben. Der überwiegende<br />

Teil sei recycelt worden –<br />

so konnten Gold, Silber und Kupfer<br />

zurückgewonnen werden.<br />

Rund 20 000 Geräte wurden aufbereitet<br />

und weiterverkauft, wie<br />

ein Sprecher informiert. Insgesamt<br />

wird der Erlös auf 127 000<br />

Euro beziffert, der in Hilfsprojekte<br />

geflossen sei.<br />

Für einen guten Zweck sammelt<br />

auch der Naturschutzbund<br />

(Nabu) ausrangierte Handys und<br />

Smartphones. Unter dem Motto<br />

„Handys für Hummel, Biene und<br />

Co“ kooperiert der Verein dabei<br />

mit dem Telekommunikationsprovider<br />

Telefónica Deutschland<br />

(O2) bereits seit 2011. Für die gesammelten<br />

Handys spendet Telefónica<br />

jährlich eine feste Summe,<br />

die in den Nabu-Insektenschutzfonds<br />

fließt.<br />

FREISTELLER: © VECTOR TRADITION/SHUTTERSTOCK.COM<br />

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Arzneimittelunternehmen Teva wird klimaneutral<br />

Die Teva-Standorte in Ulm und Blaubeuren sind ab diesem Jahr klimaneutral – und damit Vorreiter in der deutschen Pharmabranche.<br />

Neue Photovoltaikanlage in<br />

der Größe eines Fußballfeldes<br />

auf dem Dach des<br />

Hochregallagers der Teva.<br />

<br />

Foto: Teva<br />

Die E-Autos der Teva werden über den<br />

in der eigenen Photovoltaikanlage erzeugten<br />

Strom betrieben. Foto: Teva<br />

Mit dem EMAS-zertifizierten<br />

Umweltengagement, dem europaweit<br />

höchsten Standard für betriebliches<br />

Umweltmanagement,<br />

geht Teva seit 1996 in der deutschen<br />

Pharmabranche voran und<br />

entwickelt sich stetig weiter. In<br />

diesem Jahr erreicht das Unternehmen<br />

einen weiteren Meilenstein<br />

indem es die direkten und<br />

energiebezogenen Emissionen<br />

seiner deutschen Standorte klimaneutral<br />

stellt.<br />

Bei Teva steht der verantwortliche<br />

Umgang mit der Umwelt in<br />

direkter Verbindung mit dem<br />

Kerngeschäft: Die Überzeugung,<br />

dass Gesundheit eine gesunde<br />

Umwelt braucht. Als Pharmaunternehmen<br />

setzt Teva vor allem<br />

in den Bereichen Produktion und<br />

Logistik an und geht nach dem<br />

Prinzip Emissionen „reduzieren<br />

– vermeiden – kompensieren“<br />

vor. Bei den Schritten „reduzieren“<br />

und „vermeiden“ wurden im<br />

Rahmen des Umweltmanagements<br />

schon viele Möglichkeiten<br />

ausgeschöpft: Durch den Bezug<br />

von regenerativem Strom sowie<br />

Fernwärme konnte beispielsweise<br />

der CO ² -Ausstoß im Vergleich<br />

zum Jahr 2015 um etwa 50 Prozent<br />

reduziert werden. Im Mai<br />

<strong>2021</strong> hat Teva am Ulmer Standort<br />

eine neue Photovoltaik-Anlage<br />

mit einem Jahreserzeugnis<br />

von 1 Million Kilowattstunden in<br />

Betrieb genommen, die jährlich<br />

etwa 700 Tonnen CO ² einspart.<br />

Der dort erzeugte Solarstrom<br />

Wir sind stolz darauf im Jahr <strong>2021</strong> die<br />

Klima neutralität an unseren deutschen<br />

Standorten erreicht zu haben. Unsere Reise zu<br />

mehr <strong>Nachhaltig</strong>keit geht jedoch immer weiter<br />

und wir arbeiten bei Teva als Geschäftsführung,<br />

gemeinsam mit allen Mitarbeitern<br />

auch künftig daran, uns immer umweltverträglicher<br />

aufzustellen.<br />

Andreas Burkhardt, General Manager<br />

Teva Deutschland und Österreich<br />

dient der Versorgung des Ulmer<br />

Werksgeländes und macht es<br />

möglich, die firmeneigene E-Auto-Flotte,<br />

die den Mitarbeitern<br />

für Dienstfahrten zwischen den<br />

Standorten zur Verfügung stehen,<br />

emissionsfrei zu betreiben.<br />

Kompensation der nicht<br />

vermeidbaren Emissionen<br />

In diesem Jahr nun stellt Teva<br />

die deutschen Standorte klimaneutral.<br />

Teva Deutschland kompensiert<br />

hierzu seine aktuell<br />

verbleibenden, noch nicht vermeidbaren<br />

Emissionen von rund<br />

20 000 Tonnen CO ² als produzierendes<br />

Unternehmen: So<br />

stellt es die Emissionen, die direkt<br />

an den deutschen Standorten<br />

durch Produktion, Logistik,<br />

den Betrieb der Gebäude oder<br />

durch die Arbeit der Mitarbeiter<br />

anfallen sowie den Energiebedarf<br />

klimaneutral (Scope 1<br />

und 2). Den Hauptteil der zu<br />

kompensierenden Emissionen<br />

verursacht der Energieträger<br />

Erdgas: Er ist aktuell für den Betrieb<br />

hocheffizienter Blockheizkraftwerke<br />

und Dampfkessel für<br />

die Medikamentenproduktion<br />

noch unerlässlich. Der zweitgrößte<br />

Emissions-Posten entfällt<br />

auf den Kraftstoffverbrauch<br />

durch Lkw in der Logistik sowie<br />

durch Dienstwägen.<br />

Die Kompensation wird über<br />

das Unternehmen atmosfair mittels<br />

eines Kompensationsprojekts<br />

in Südindien gewährleistet, das<br />

nach dem höchsten Standard<br />

„Gold Standard for the Global<br />

Goals“ (GS4GG) zertifiziert ist: In<br />

Westbengalen investiert Teva<br />

Deutschland in die Produktion<br />

und den Verkauf effizienter Holzvergaseröfen<br />

für die lokale Bevölkerung.<br />

Neben verbesserter Gesundheitsbedingungen<br />

lassen sich<br />

so die dortigen Mangrovenwälder<br />

vor Abholzung schützen und effektiv<br />

CO ² -Emissionen einsparen.<br />

Das Projekt vereint so Tevas<br />

größtes Anliegen: Den Schutz der<br />

Gesundheit und der Umwelt.<br />

1 Mio.<br />

Kilowattsstunden Strom pro Jahr<br />

erzeugt die neue Photovoltaik-Anlage<br />

von Teva. Sie ging im Mai <strong>2021</strong> in Betrieb.<br />

Der Solarstrom wird für die Versorgung<br />

des Werksgeländes genutzt,<br />

außerdem fährt die firmeneigene<br />

Flotte an E-Autos mit diesem Strom.<br />

Jedes Jahr spart die Photovoltaikanlage<br />

etwa 700 Tonnen CO₂ ein.

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