WIR

Curvita
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Ergänzungsheft

Angehörige

in Graubünden

WIRBetreuende


EIN WORT VORWEG

Liebe Leserin, lieber Leser

Veränderungen gehören zum Leben.

Menschen stossen manche Veränderungen

selber an und freuen sich riesig

auf das, was sie erwartet; ein bisschen

Respekt, vielleicht sogar Angst

vor dem Neuen schwingt immer mit.

Andere Veränderungen klopfen ungefragt

an unsere Tür.

Eine Krankheit, ein Unfall, eine folgenschwere Diagnose –

sie erschüttern selbst das bestens organisierte Alltagsleben

einer Familie oder Partnerschaft. Es kann jede und jeden von

uns treffen. Mich selbst oder meine Liebsten. Wie umgehen

mit all den Fragen, die sich stellen, mit den Entscheidungen,

die gefällt werden müssen? Eine Achterbahn der Gefühle beginnt

– flankiert vom Wunsch und der Notwendigkeit sich

zu informieren, zu organisieren und einzuordnen.

WIR ergänzt das weiterhin aktuelle Heft «Du&Ich – Betreuende

und Betreute in Graubünden», das der Verein Curvita

im Jahr 2020 herausgegeben hat. Auch dient der «Kompass

Graubünden» weiterhin als Orientierungshilfe für betreuende

Angehörige. Wer WIR zum «Tag der betreuenden Angehörigen»

und darüber hinaus zum Lesen in die Hände

bekommt, sollte beim Verein Curvita auch das kostenlose

«Du&Ich» dazubestellen.

Wir, das sind Menschen, die tagtäglich Angehörigenbetreuung

leisten. Wir, das sind aber auch alle Institutionen und

Gruppen, die betreuende Angehörige mit ihren Angeboten

unterstützen. Für betreuende Angehörige ist es wichtig, die

eigene psychische und physische Gesundheit zu erhalten und

zu stärken, damit sie nicht selber krank werden. «WIR» bietet

Einblick in sehr unterschiedliche Situationen und Phasen

der Angehörigenbetreuung. Unser neustes Heft soll nachdenklich

machen, inspirieren und immer wieder Möglichkeiten

aufzeigen, wie es betreuenden Angehörigen gelingen

kann, all die Veränderungen mit Umsicht zu bewältigen.

Margrit Dobler

Präsidentin

Curvita – Verein für betreuende Angehörige

ALLES VERÄNDERT

SICH. IMMER.

Entdeckt man im Begriff «Betreuende» die Worte «treu»

und «Ende», könnte man gedanklich auf Abwege geraten.

Treue leisten heisst nicht, ganz allein verantwortlich zu

sein, schon gar nicht bis zum Ende. Wer mit der Betreuung

einer nahen Person betraut ist, wähnt sich vielleicht auf

einer vorgegebenen Bahn, sieht sich im Räderwerk des

Unausweichlichen. Dabei ist das Gegenteil der Fall:

Betreuende Angehörige können eine Menge planen und

beeinflussen. Und sie können, ja, sollten auf ständige

Veränderungen möglichst flexibel reagieren. Genau

darum geht es in diesem Heft. Nichts ist einfach, aber

vieles machbar.

Zeig Herz!

ES KOMMT DER TAG

Wenn sich ankündigt, dass jemand aus der Familie auf

Unterstützung angewiesen ist, sollten sich Angehörige Zeit

nehmen, wichtige Fragen zu klären, bevor sie sich in das

Abenteuer stürzen und Betreuungs- beziehungsweise Pflegeaufgaben

übernehmen.

Genau hinzuschauen hilft, mögliche Wege und Abzweigungen

vor sich zu sehen. Es geht nicht nur um einen Wendepunkt,

es geht um einen Prozess, dessen Länge und Veränderungen

unklar bleiben werden. Wichtig: Gefällte Entscheide

dürfen stets neu überdacht werden.

Wenn es darum geht, Pflege- und Betreuungsaufgaben in Familie

und Partnerschaft zu übernehmen, stellen Sie sich ganz

persönlich folgende Fragen: Könnte ich das? Will ich das

überhaupt? Fühle ich mich dazu verpflichtet? Habe ich das

versprochen? Sehe ich das als meine Pflicht an? Habe ich

dafür Zeit? Was bedeutet das finanziell? Wie weit würde ich

gehen? Wer könnte, wenn ich nicht (mehr) kann? Welche

Alternativen gibt es?

Der Einbezug der pflegebedürftigen Person, aber auch der

weiteren Familienmitglieder ist zentral für alle folgenden

Entscheidungen. Denn die Nächsten und unmittelbar Betroffenen

haben alle auch eigene Ansprüche, Vorstellungen

und Wünsche.

Auch Kinder bzw. Minderjährige einbeziehen.

Früh Kontakt mit allen möglichen Dienstleistern und Beratungsstellen

suchen. Das bedeutet: aufgleisen und strukturieren,

bevor es zu viel wird.

Involvierte Ärzte und Ärztinnen nicht vergessen.

Den Kontakt zu anderen Betroffenen suchen. Diese findet

man in Selbsthilfegruppen, Austauschforen, spezifischen Organisationen.

Das heisst: hinhören und lernen, was alles auf

mich zukommen kann.

Darauf achten, dass auch in der Selbsthilfe das Geben

und Nehmen in der Balance bleibt.

Wer die Betreuung eines Angehörigen nicht übernehmen

kann oder will, ist deshalb kein schlechter Mensch. Nein zu

sagen, kann auch verantwortungsvoll sein. Es bedeutet zum

Beispiel, dass einem die verwandtschaftliche (Beziehungs-)

Rolle wichtiger ist und man sie nicht aufgeben will.

Ganz Vater, Tochter, Ehefrau, Partner, Freundin zu sein

bedeutet, emotionale Stütze und liebevolle, vertraute Person

zu bleiben. Das Fachpersonal in der Pflegeeinrichtung

schätzt diese Unterstützung sehr.

Sich selber fragen: Könnte mir die Betreuung auch Freude

machen? Bin ich dafür motiviert? Finde ich dafür überhaupt

die nötige Zeit? So denke ich von Anfang an daran, dass ich

ein Betreuungsnetz und Alternativen brauche für alles, was

kommen könnte.

Was steht uns da ins Haus?

Erst allmählich beschlich uns der Gedanke, dass mit unserem

Kleinen etwas nicht stimmt. Seine älteren Geschwister entwickelten

sich doch anders. Viele Abklärungen später hatten

wir die Gewissheit, dass wir niemals alle zusammen wie

andere Familien zum schönen Badesee in der Nähe unseres

Maiensässes wandern werden. Der Kleinste wird das Laufen

nie lernen, nie mit Freunden draussen Fussball spielen, nie

eine Lehre machen können. Er wird dann, wenn andere sich

zum ersten Mal verlieben, nicht mehr leben.

Dass ein Kleinkind rund um die Uhr betreut und versorgt

werden muss, ist für alle Eltern selbstverständlich. Bei uns

aber wird das Windelnwechseln niemals aufhören. Der Kinderwagen

wird zum Rollstuhl und das Babybettchen zum

Pflegebett. Statt modische Jeans wird der Junge allenfalls

Haus- und Trainerhosen tragen. Der Pürierstab wird bleiben

und das Skateboard niemals kommen.

Das Gewicht unseres Sohnes wird zunehmen. Unsere verwinkelte

Wohnung im Hochparterre muss nicht erst auf

unser Alter hin rollstuhlgängig werden. Haben wir das Geld

für ein grösseres Auto?

Wird der träumende Blick des Kleinen seine Weichheit behalten?

Kann er überhaupt glücklich werden, obwohl er niemals

selbstständig sein wird?

Denken Sie an jemanden, der einen Angehörigen pflegt und betreut.

Gehen Sie auf ihn oder sie zu, bereiten Sie eine kleine Freude

und schenken Sie etwas Zeit. Zeigen Sie Ihre Wertschätzung

für jemanden, dessen Alltag beschwerlicher ist als Ihrer.

Verein für betreuende Angehörige

Mit Unterstützung von:

Gesundheitsamt Graubünden

Uffizi da sanadad dal Grischun

Ufficio dellʾigiene pubblica dei Grigioni

Tag der pflegenden und

betreuenden Angehörigen,

jährlich am 30. Oktober

IMPRESSUM: Herausgeberin: Curvita, Verein für betreuende Angehörige, Tulpenweg 8, 7000 Chur, 079 130 26 99, info@curvita.ch, www.curvita.ch

Redaktion: Doris Deflorin, Carsten Michels Konzeption, Gestaltung und Produktion: Reto Sommerau, Agentur Aufwind, Chur Druck: Tipografia Menghini,

Poschiavo Auflage: 5000 Expl. Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2021 Folgende Institutionen haben uns finanziell unterstützt: Gesundheitsamt

Graubünden; Maurer Hausmann-Stiftung; Wilhelm Doerenkamp-Stiftung; GKB Beitragsfonds; Pro Senectute Graubünden; Ria und Arthur Dietschweiler-Stiftung;

Stiftung Jacques Bischofberger; Katholische Kirchgemeinde Chur



Familie als Pflegeteam?

Nachbarn, Freundinnen, Verwandte bieten gerne ihre Hilfe

an. Kurzfristig ist das kein Problem, zum Beispiel nach einer

Unfallverletzung, die irgendwann wieder heilt. Auch wenn

bei langfristiger Betreuung helfende Hände aus dem Umfeld

zur Verfügung stehen, braucht es unbedingt zusätzlich

professionelle Unterstützung. Denn das «Ein-bisschen-mehr-

Herumtragen» kann bald zur riesigen Last werden. Und die

Last wird nicht nur körperlich schwer sein.

Familie sein und nicht ein Pflegeteam. Miteinander spielen,

Ausflüge machen, kuscheln, einfach mal wieder als Paar in

den Ausgang gehen, mit nur einem Kind einen Erlebnistag

geniessen, Hausaufgaben besprechen, Sport treiben, musizieren,

einmal alleine sein und nichts oder nur etwas für

sich tun. Als Familie mit allen «normalen» Herausforderungen

leben, lachen, lieben – genau wie andere Familien ohne

schlechtes Gewissen.

Das Lebensumfeld leistet nicht automatisch Hilfe. Es könnte

gleichgültig oder sogar abweisend reagieren. Nicht verstehen,

warum das Kind teilweise oder ganz in einer Pflegeinstitution

betreut wird, warum sich die Familie erlaubt, auch einmal

Ferien ohne den beeinträchtigten Buben zu machen. Hat die

Familie nicht schon genug Probleme? Warum wollen die jetzt

noch ein weiteres Kind? Weshalb hat die Mutter noch einen

Job angenommen? Warum schaut nicht die Schwiegermutter,

die doch so nahe lebt, mehr zu dem Kleinen? – Solche Reaktionen

aus dem Umfeld sind ungerecht, sie können aber kommen.

Und plötzlich geraten betreuende Angehörige in Erklärungsnot.

Sich gegenüber Aussenstehenden zu erklären oder

gar zu rechtfertigen, dafür bringen die wenigsten Energie auf.

Der Alltag ist kräftezehrend genug, der Akku ohnehin meist

leer. Und das Umfeld? Es sollte die Betroffenen eher fragen,

wie es ihnen geht, statt ihnen unterschwellig Vorhaltungen zu

machen. Betreuende Angehörige sind einfach primär Mutter,

Vater, Bruder, Schwester, Frau, Mann, Kind – ebenso, wie

diejenigen, die Unverständnis zeigen.

Das Krankheitsmanagement ist natürlich ein Teil dieser Familie.

Dennoch sollte sie auf bestehende professionelle Angebote

zurückgreifen, bevor die Last zu gross wird. Es gibt

beispielsweise Spitex speziell für Kinder, Entlastungsdienste

für Familien, Kostenübernahmen für Hilfsmittel, spezifische

Beratungen und Finanzierungshilfen je nach Situation.

Ebenfalls lohnt es sich, bei der Krankenkasse nachzufragen,

welche Unterstützungsangebote sie bietet und mit welchen

Partnern sie allenfalls bei speziellen Dienstleistungen

kooperiert.

Wie können Angehörige selber zu einem Lohn für ihre

grundpflegerischen Leistungen kommen?

Organisatorische und administrative Hilfe liefert hier als gutes

Beispiel die noch junge Spitexorganisation Solicare AG, welche

auch in Graubünden tätig ist. Sobald Angehörige Kontakt

aufnehmen, kümmert sich ein professionelles Team bei der zuständigen

Krankenkasse um die Erlangung einer Kostengutsprache.

Bei Erfolg steht dann betreuenden Angehörigen eine

Fallverantwortliche zur Seite, welche auch auf Veränderungen

eingehen kann.

Lohn für Angehörigenbetreuung bedeutet neben Wertschätzung

für die geleistete Arbeit auch eine finanzielle Absicherung.

Er beträgt 33.50 Franken pro Stunde inklusive privater

Sozialversicherungsbeiträge wie z. B. AHV, ALV, KTG, UVG, BVG.

Wer Familie sein und bleiben will – also eine eng miteinander

verbundene und vertraute Gemeinschaft –, tut gut daran,

frühzeitig diesen vertrauten Kernbereich um ein ebenso

vertrauensvolles professionelles Milieu zu erweitern.

Sind du und ich eigentlich noch wir?

Gemeinsam das Leben zu gestalten und stetig weiterzuentwickeln:

Mit diesem Gedanken haben wir doch damals in

Liebe Ja zueinander gesagt. Partnerschaft war für uns ein

Miteinander und weniger ein Zustand, in dem ich etwas von

dir brauche oder du von mir. Etwas geben, weil jemand was

braucht, zählt für mich zu einer anderen Art von Beziehung.

Eine Beziehung, bei der man in ein neues Verhältnis eintritt,

schwierigstenfalls in ein Abhängigkeitsverhältnis.

«Pflege kann nur gut gehen, wenn es

den Pflegenden selbst gut geht. Um ihre

eigene Lebensqualität zu erhalten, brauchen

sie ganz individuelle Entlastung. Solche

finden sie im guten Beratungsgespräch mit

Fachpersonen, aber auch in praktischer

Lektüre zum Thema.»

Claudio Senn Meili, Geschäftsleiter Pro Senectute Graubünden

Dass ich meiner Frau jetzt die Schuhe binde, hätte ich noch

vor Kurzem nicht als Selbstverständlichkeit angesehen. Dabei

scherzt sie manchmal. Zum Beispiel, ich solle doch ja

nicht vergessen, ihr die Füsse zu küssen.

Dass meine Frau aber für die Körperpflege gerne die professionelle

Hilfe der Spitex annimmt, hat mich zuerst beleidigt.

Das könnte ich doch auch!

Es sind genau diese kleinen Unterschiede, die mir helfen,

meine Frau stets als meine Partnerin ernst zu nehmen. Mit

ihr scherzen, diskutieren, streiten.

Auch wenn wir beide jetzt schon wissen, dass ihr Fenster zur

Aussenwelt zunehmend trüber wird, lerne ich mit jedem Tag

besser, mich in den feinen Unterschieden zu üben. Die Linie

verläuft genau zwischen dem Verrichten von nicht mehr

möglichen Alltäglichkeiten, also dem Erbringen von Dienstleistungen

– und dem Einander-Begegnen mit Gesten der Berührung,

der Nähe und des Austausches.

Mit ihren Reaktionen gestaltet meine Frau unsere Partnerschaft

weiterhin mit. Ich weiss, dass es später vielleicht nur

noch ihr Lächeln sein wird, das uns verbindet und bereichert.

Differenzieren von Anfang an:

Streicheln, massieren, eincremen, kämmen, schminken, gemeinsame

Turnübungen… sind mögliche partnerschaftliche

Gestaltungselemente.

der Arbeit, meine Freundinnen und Freunde zu vernachlässigen,

zu wenig Zeit und Geduld mit meinen Eltern zu haben.

Was mache ich überhaupt richtig?

Was ist mit Beruf und Karriere?

Und was, wenn es meinem Vater noch schlechter geht? Die

Eltern in einer Pflegeinstitution unterbringen? Mein Pensum

reduzieren? Zu meinen Eltern ziehen? Ich liebe meinen Job.

Ich liebe meine Wohnung. Ich liebe mein Privatleben. Und –

ich liebe meine Eltern.

Die Eltern zu lieben, bedeutet nicht, das eigene Leben aufzugeben,

wenn Eltern Hilfe benötigen. Das Zurückstellen der

eigenen Wünsche und Pläne könnte irgendwann in Unzufriedenheit

münden. In Frust. Wut. Trauer. Eigene Not in der

Zukunft. Arbeitslosigkeit.

Berufstätige müssen nicht alles alleine stemmen. Es gibt

Unterstützung vonseiten professioneller und gemeinnütziger

Organisationen. Mahlzeitendienst. Spazierengehen mit

Papa. Seniorentreff für Mama. Reinigungskraft. Freiwillige

Helferinnen und Helfer. Tageweise Rundumbetreuung von

Vater im nahe gelegenen Heim. Ferienbett. Die Spitex pflegt

und betreut mehrmals am Tag.

Damit Berufstätige eine sorgfältige Auslegeordnung machen

können, wie die Vereinbarkeit von Angehörigenbetreuung

und Berufstätigkeit gelingen kann, gibt es die hilfreiche Informationsplattform

www.info-workcare.ch. Um auch Arbeitgebende

gut zu informieren, wie sie unterstützen können

und welche rechtlichen Bestimmungen gelten, gibt es explizit

für sie einen Bereich auf der kantonalen Website

www.angehoerige-betreuen.gr.ch Stichwort «für Arbeitgebende».

Intimpflege, Umlagerungen, Verbände wechseln, Mobilisierung…

sind Dienstleistungen, die unbedingt – und am besten

von Anfang an – Professionellen abgegeben werden sollen.

Wer möglichst früh damit beginnt, ist eher bereit, die entlastende

Hilfe Dritter aufzustocken, bevor sich Überforderung

einstellt.

Zwei Welten

Aufstehen um 5.30 Uhr. Katze füttern. Und alles andere, was

jede und jeder vor der Arbeit so tut. Auf dem Weg ins Büro

fahre ich bei meinen Eltern vorbei. Ich helfe meiner Mutter,

Papa bis an den Frühstückstisch zu bringen. Das dauert bei

meinem Vater eine Stunde. Mama hat gar nicht mehr die

Kraft dazu.

Jeder Arbeitstag ohne ausserordentliche Termine ist ein

Glückstag. Abends fahre ich wieder zu den Eltern. Gemeinsames

Abendessen. Administratives. Handreichungen. Hilfe

beim Zubettgehen. Bei mir daheim ankommen und – nichts

mehr. Schlafen, traumlos. Aufwachen, gut. Mutter hat nicht

angerufen. Papa ist nicht aus dem Bett gefallen.

Meine Arbeitgeberin weiss, dass ich mich um meine Eltern

kümmere. Trotz grossem Verständnis am Arbeitsplatz plagt

mich ständig ein schlechtes Gewissen. Nicht zu genügen bei

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WENN AUS PRIVAT PROFESSIONELL WIRD

Die Ferien mit meiner Familie stehen schon bald vor der Tür,

und ich verschiebe den Gedanken täglich auf morgen. Wie

wird sich meine Mutter im Heim in ihrem Ferienzimmer

fühlen? Abgeschoben? Glücklich? Vollends verwirrt? Wir

sind doch gemeinsam schon dort zu Besuch gewesen. Das

Pflegepersonal hat uns sehr herzlichen empfangen. Der Eindruck

war stimmig, das mulmige Gefühl bleibt. Mama wirkt

unruhig – oder empfinde nur ich das?

Meine Hausärztin hat mir schon vor einem halben Jahr

dringend dazu geraten, meiner eigenen Gesundheit mehr

Aufmerksamkeit zu schenken. Es gebe nicht für alles eine

Pille, sagte sie. Ruhe. Entspannung. Keinen Rangierbahnhof

betreiben, sondern wieder öfter einen Provinzbahnhof

ohne Nachtfahrplan. Ferien eben. Auch im Alltag nicht noch

1000 Baustellen gleichzeitig leiten.

Auszeiten für sich selber finden und aktiv auftanken,

Freundschaften pflegen. In den Liegestuhl, wenn die Kinder

beschäftigt sind. Mehr Spontanität statt Taktfahrplan.

Jeder Mensch braucht Erholung. Warum fällt es mir nur so

schwer, auf mich selber zu achten? Ich sollte dringend mit

meiner Schwester darüber reden und auch darüber, wie es

mit der Betreuung unserer Mutter weitergehen könnte. Jetzt.

Im Sommer. In einigen Monaten…

Annehmen üben und abgeben lernen

Betreuende Angehörige laufen Gefahr, krank zu werden,

sich selber zu überfordern, auszubrennen. Wer sich nicht

regelmässig Zeit zur Erholung gönnt, nicht immer wieder

Abstand gewinnen kann, sich keine Abwechslung mehr zugesteht,

ist für Notsituationen schlecht gerüstet. In privaten

Dingen sieht man sich schnell als Einzelkämpfer/in. Wichtig:

Hilfe annehmen darf und soll sein – und muss manchmal

erst gelernt werden.

Angehörige, die im Alltag früh stundenweise Entlastung

annehmen, werden sich auch mit weiterreichenderen Veränderungen

auseinandersetzen. Wenn die Zeit dafür gekommen

ist, ist ein temporärer oder definitiver Umzug in eine Pflegeinstitution

als weiterer Schritt auf der Reise der unterstützungsbedürftigen

Person besser nachvollziehbar und annehmbarer.

Veränderungen in der Betreuungsarbeit können von Angehörigen

objektiver wahrgenommen werden, und die dafür adäquate

Veränderung in der Betreuung kann eingeleitet und akzeptiert

werden.

Was für die einen noch lange kein Notfall ist, wird für betreuende

Angehörige schnell zu einem Riesenproblem: Nicht

rechtzeitig wieder daheim zu sein. Für einen Arbeitsauftrag

weiter weg müssen. Den Arm zuhause auf der Treppe verstaucht.

Schulprobleme beim anderen Kind. Der Anstandsbesuch

bei Verwandten. Ein Unwohlsein. Selber das Bett

hüten müssen.

Gut zu wissen:

Bei Ferienaufenthalt oder bei dauerhaftem Umzug in ein Heim

werden die Pflegekosten von der Krankenkasse übernommen

(exklusive Selbstbehalt und Franchise). Betreuungs- und Pensionskosten

werden aber in Rechnung gestellt.

Verschiedene Organisationen bieten für betreuungsbedürftige

Kinder, Jugendliche oder Erwachsene auch Ferien an

(Alzheimer Graubünden, MS-Gesellschaft, Krebsliga, Procap,

Behindertenorganisationen…). Ein Rettungsanker für Eltern

in Not kann beispielsweise auch die Kinderbetreuung vom

Schweizerischen Roten Kreuz Graubünden sein.

Lernt die auf Unterstützung angewiesene Person frühzeitig

mehrere Betreuende als «Normalzustand» kennen, gelingt

die Umstellung auf mehr externe Betreuung oder der Übertritt

in eine Institution für alle Beteiligten besser.

Miteinander sprechen, um einander

zu verstehen

Die Kommunikation mit allen beteiligten Fachpersonen ist

äusserst wichtig. Dennoch beinhaltet sie einige Fallstricke.

Was tun, um nicht hineinzutappen?

Natürlich kenne ich mein Kind am besten. Ich verstehe jede

minimale körperliche Veränderung und weiss, was ihm so

richtig gut tut. Im Grunde genommen bin ich ja Tag und

Nacht mit dem Lesen kleinster Zeichen beschäftigt. Allen

Therapeutinnen und Pflegehilfen, die bei uns ein- und ausgehen,

ist nur ein Bruchteil des Wesens meines Kindes bekannt.

Stimmt das? Ja und nein.

Betreuende Angehörige sind die engsten Vertrauten. Die sollen

sie bleiben. Sie kennen die pflegebedürftige Person am

besten. Sie machen Beobachtungen und bemerken Veränderungen

als Erste. Fachpersonen bringen grosses Fachwissen

und Erfahrungen mit und kennen die unterschiedlichsten

professionellen Techniken und Behandlungsmethoden, um

die Erkrankten und Hilfsbedürftigen spezifisch zu unterstützen.

Wenn Angehörige ihre Beobachtungen mitteilen, sie vielleicht

auch aufnotieren, leisten sie eine wertvolle Hilfe.

Angehörige und Fachpersonen sollen als Team zusammenarbeiten,

sich regelmässig austauschen. Dieser Austausch

hört nicht auf, wenn jemand teilweise oder ganz in einer

Pflegeeinrichtung betreut wird. Angehörige dürfen ruhig die

Haltung einnehmen, dass das Gespräch mit den Zuständigen

jeweils nur als unterbrochen betrachtet und regelmässig

wieder aufgenommen wird. Pflegende, Ärztinnen und weitere

Beteiligte schätzen den Angehörigenblick und lernen

ihrerseits durch diesen Austausch.

Fallstricke:

Wenn Angehörige auftreten, als ob sie alles besser wüssten,

führt das schnell zu Spannungen. Wenn sie therapeutische Ansätze

nicht verstehen, kann das hinderlich sein und lässt womöglich

wertvolle Zeit verstreichen.

Wichtige Brücken:

Äussern Sie Ihre Beobachtungen. Stellen Sie offen Fragen,

wenn etwas unklar ist oder nicht verstanden wurde. Das Hinterfragen

von Entscheidungen der Fachpersonen ist erlaubt:

Erzählen Sie, was Sie beschäftigt. Im vertrauensvollen Gespräch

lässt sich vieles klären.

In der Regel stellen betreuende Angehörige bei regelmässigem

Austausch fest, dass sich ihr Verhältnis zu den Fachpersonen

positiv verändert. Sie bemerken, dass diese bei

Fragen konkrete Antworten geben und sich auch Zeit für

Erklärungen nehmen. Spüren Angehörige bei Gesprächen,

dass sie nicht allein sind und dass sich ihre Last auf mehrere

Schultern verteilt, dann können sie ihre eigene Rolle – auch

ihre Grenzen – wieder klarer sehen. Als betreuende Angehörige

sind Sie Teil eines ganzen Teams, das für Ihren Nächsten

eigentlich nur das Beste will.

Reden hilft – Gerede schadet

Man kennt solche Sätze: «Also ich habe meinen Vater bis

zu seinem Tod zuhause gepflegt!» – «Mit wenigen Änderungen

in der Wohnung hätte sie sicher noch viel länger daheim

bleiben können. Waren die Bekannten dazu zu geizig?» –

«Die wollten doch einfach wieder ihre Freiheit und so wie

früher auf Reisen gehen können.» Was andere denken und

daherreden, sollte einem doch egal sein. Ist es aber nicht.

Denn die Dinge sind meist viel komplexer und liegen viel näher

am Herzen. Oft fehlt die pointierte Antwort im jeweiligen

Moment. Eine Antwort, die alles sagt: «Ich will einfach

wieder die emotionale Beziehung zu meinem Partner pflegen

können und nicht weiter seine Krankenschwester sein, dazu

habe ich keine Kraft mehr. Weil ich ihn liebe und weiss, dass

er mich liebt. Darum.»

«Der Übertritt in eine Pflegeeinrichtung ist

nicht nur für die Betroffenen, sondern auch

für die Angehörigen oft mit viel Unsicherheit

– und schlechtem Gewissen – verbunden.

Eine offene und ehrliche Kommunikation

erscheint mir in diesem Zusammenhang zentral.

Ziel ist es, dass durch die Entlastung,

die eine Pflegeeinrichtung bringt, Angehörige

losgelöst von pflegerischen und medizinischen

Sorgen sich wieder mehr dem betreuten

Menschen widmen und ihn weiter im

Leben begleiten können.»

Dipl. med. Petra Hug, Heimärztin, Chur

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Fachpersonen und Selbsthilfegruppen leisten wertvolle Unterstützung

beim Einordnen und Finden von wirksamen

Strategien im Umgang mit solchen Situationen. Schlechtes

Gewissen überfällt hinterrücks. Rechtfertigungen kommen

schneller über die Lippen als ein liebevolles und ehrliches

Sich-auf-die Schulter-Klopfen, weil dieser Schritt der richtige

ist. Der Wunsch nach eigener Erholung oder wieder mehr

Freiraum wird von Aussenstehenden schnell verteufelt.

Hilfreicher Leitsatz:

Zeit, Kraft und Beharrlichkeit soll nicht in Erklärungen für Aussenstehende

investiert werden, sondern in einen gelingenden

neuen Abschnitt für Angehörige und Betreute.

Rollenwechsel – oder: Vertraut

in neuem Raum

Ruhe finden. Energie entdecken. Lust empfinden. Leere verspüren,

auch Trauer – und all dies zulassen.

Es ist gar nicht so leicht, wieder zu lernen, dass ich das Haus

spontan verlassen kann. Einfach mal nichts tun, nichts organisieren

müssen. Ein langes Vollbad nehmen. Ausschlafen.

Sorgfältig bereite ich mich auf den nächsten Besuch vor. Was

ziehe ich an? Was nehme ich mit? Ein Foto? Eine Wühlschachtel?

Ein Schneckenhaus? Ein Haarband? Es gibt so

viel, das ich gerne während der Besuchszeiten in kleinen

Happen mit meiner Schwester wieder erleben und beleben

möchte. Fenster öffnen. Licht hereinlassen. Gemeinsam lachen,

weinen. Türe wieder schliessen. Mich freuen auf das

nächste Zusammensein. Dazwischen das eigene Meer durchschwimmen.

In mein Leben eintauchen. Darin versinken.

Luft schnappen. Mich darin allein fühlen und gleichzeitig

neue Ufer entdecken, alte Häfen anpeilen. Wieder spüren,

was ich brauche und was mir gut tut.

Wenn Angehörige nicht mehr betreuen und pflegen, sondern

die emotionale Nähe und Verbundenheit ins Zentrum rücken

dürfen, weil die auf Hilfe angewiesene Person rundum

gut betreut ist, entsteht oft eine stressfreiere und von Erwartungshaltungen

und Erwartungsdruck befreitere Beziehung.

Quantitativ weniger gemeinsame Zeit, dafür innigere Qualität

in der Beziehung – und ja: Wir haben wieder eine Beziehung.

Ein Spaziergang zu zweit wird zum gemeinsamen Erlebnis

jenseits der mitschwingenden Verpflichtungen. Zusammen

hinausgehen.

Eine Strecke mit vielen Stationen

Wenn sich Angehörige auf die Reise «Betreuungsarbeit»

begeben, lassen sie sich auf eine weitestgehend unplanbare

Fahrt ein. Was heute gilt, ist morgen vielleicht schon nicht

mehr möglich oder nicht mehr passend. Das Reiseprogramm

könnte wie folgt zusammengefasst werden: Intensiv eingespannt

sein und trotzdem stets offen für Veränderungen bleiben.

Kleine Anpassungen und grössere Schritte werden sich

aneinanderreihen.

Es lohnt sich, von Anfang an verschiedene Szenarien für sich

selbst zu durchdenken und möglichst offen mit allen Beteiligten

zu besprechen. Wer kann was leisten? Wo ist die beste

Betreuung möglich? Die beste Betreuung bedeutet gleichzeitig

optimale Pflege und Begleitung für die darauf angewiesene

Person. Die beste Betreuung heisst aber auch: optimale

und realistische Machbarkeit für die Angehörigen.

Wenn der teilweise oder vollständige Übertritt in eine Pflegeinstitution

ansteht, sollten sich Angehörige vor allem genügend

Zeit und Raum geben, sich mit den emotionalen

Veränderungen auseinanderzusetzen. Sie werden damit konfrontiert

sein. Und diese Auseinandersetzung trägt wesentlich

zum Gelingen dieser neuen Phase für alle Beteiligten bei.

SO NIMM DENN MEINE HÄNDE

«Mit den besten Wünschen für die Zukunft…!» Und dann:

Ballon geplatzt.

Kinder wissen, was sie werden wollen – Prinzessin oder Ritter.

Junge Erwachsene freuen sich auf die Weltreise nach der

abgeschlossenen Ausbildung. Werdende Eltern malen sich

ihr Familienleben aus und das Kinderzimmer an. Paare planen

die Zeit nach ihrer Pensionierung. Hobbys. Gemeinsame

Abenteuer. Wer mitten im Leben eingespannt ist, träumt

vom Sabbatical im nächsten Jahr.

Alles kommt anders als gedacht: Die Mutter erkrankt psychisch,

noch bevor ihr Kind in die Pubertät kommt und

schon nicht mehr Prinzessin werden will. Der Arbeitsunfall

im Lehrbetrieb macht aus der Weltreise eine lange Odyssee

durch Reha-Stufen. Und aus der Unabhängigkeit wird

ein langer Kampf zurück zu etwas Selbständigkeit. Ohne

Unterstützung der Eltern unmöglich. Die Tochter kommt

mit einem schweren Herzfehler zur Welt; wenn die Farbe

im Kinderzimmer nur das Herz heilen könnte. Die Partnerin

erkrankt noch vor der Pensionierung an Parkinson. Gerade

jetzt kommt die völlig unerwartete Diagnose Krebs im Endstadium

bei meinem Vater. Statt in italienische Kunstmetropolen

führt die Bildungsreise ins Zentrum der palliativen

Betreuung zuhause.

Mit den grössten Herausforderungen gilt es, die Zukunft

anzupacken. Die geplatzten Ballone wegkehren. Die Zukunft

neu denken. Pläne am Machbaren und Realistischen

ausrichten. Rollen überdenken und klären. Neue Wünsche

entdecken.

Wenn Angehörige damit konfrontiert werden, sich der Frage

zu stellen, ob sie Betreuungsarbeit übernehmen sollen, wollen

oder können, betreten sie in der Regel Neuland. Es ist ein

steter Prozess des Abschiednehmens – von Hoffnungen und

Plänen, von scheinbaren Gewissheiten.

Ein Hin und Her beginnt zwischen rationalen Entscheidungen

und spontanen Reaktionen, zwischen emotionaler Ebbe

und Flut. Hoffnung, begleitet von Sorge. Zwischen den Leitplanken

eigener Kräfte und Möglichkeiten. Einsamkeit spüren

inmitten von Mitmenschen.

Willkommen im Gefühlschaos

Professionelle Betreuungs- und Pflegekräfte lernen in der

Ausbildung, wie sie ihre emotionale Distanz bewahren

können. Diese Distanz heisst aber keinesfalls, dass Fachleute

ohne Wärme ihren Beruf ausüben. Im Gegenteil. Sie

schützen sich damit vor seelischer Überlastung und erhalten

sich so langfristig in ihrer Tätigkeit. Betreuende Angehörige

hingegen sind in der Regel dafür nicht ausgebildet und laufen

Gefahr, die seelische Last und psychische Überlastungen

nicht oder zu spät zu erkennen. Selbst dann, wenn Nahestehende

sie darauf hinweisen.

Selbsthilfegruppen, Mitarbeitende von Beratungsstellen, Begleitangebote

von Fachorganisationen wie z. B. die Psychoonkologische

Begleitung der Krebsliga Graubünden, Haus- und Fachärztinnen,

Psychologen: Sie alle sind wichtige Anlaufstellen.

Wenn Angehörige während der Betreuungsarbeit ablehnende

oder gar aggressive Gefühle der betreuten Person gegenüber

entwickeln, sind sie bestürzt. Ich möchte meinem betagten

Vater helfen, stattdessen bin ich ihm böse. Ich will

meine beeinträchtigte Tochter unterstützen, doch mit ihrer

Eigensinnigkeit treibt sie mich in den Wahnsinn. Darüber zu

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reden, erweist sich für betreuende Angehörige oft als schwierig,

weil diese Gefühle als Tabu empfunden werden. Sie sind

es nicht! Wut und Ärger sind menschliche Reaktionen. Der

jederzeit selbstlose Engel gehört ins Reich der Fantasie.

Wichtig ist jedoch, sich diese Gefühle einzugestehen, bevor

sie zu aggressiven Handlungen und Taten werden. Reden

Sie, bevor sich physische oder verbale Gewalt manifestiert.

Sprechen Sie mit jemandem.

Freundinnen oder Arbeitskollegen sind auch zum Zuhören

da. Wer sich traut, über seine Belastungen und die damit verbundenen

Empfindungen und Gefühle offen zu sprechen, ist

für die Mitmenschen nur selten eine Zumutung. Im Gegenteil:

Man bereichert sie, indem man ihnen Einblicke in einen

Alltag gibt, den sie so (noch) nicht kennen. Denn wer heute

nicht mit Angehörigenbetreuung konfrontiert ist, könnte es

morgen schon sein. Darüber reden bedeutet auch, ein Tabuthema

zu benennen und in die Gesellschaft einzubringen –

aus erster Hand.

Das Eingestehen von Schwierigkeiten ist kein Zeichen von

Schwäche. Es zeigt, dass jemand seine Aufgabe, aber auch sich

selber ernst nimmt.

Alles ist im Fluss

Welches Schicksal hat uns zusammengebracht? Ein spätes

Glück, für immer gedacht. Und dann doch nur auf Zeit geschmiedet.

Dass ich meinem Mann unspektakulär vor dem

Postschalter begegnet bin und er mir galant beim Weiterschieben

meiner Weihnachtspakete in der Warteschlange behilflich

war, hat zum Gespräch geführt und später vor den

Traualtar. Jetzt gibt er keine schönen Briefe mehr in den Versand,

sondern muss in rasantem Tempo seinen einst klaren

Verstand an Alzheimer abgeben. Und ich ihn nach Jahren

der Pflege zuhause im Altersheim.

Im Leben von uns allen gibt es Ereignisse und Wendungen,

die wir nicht steuern können, die aber trotzdem unser Leben

entscheidend bestimmen. Ist das Schicksal? Ein tragisches

womöglich? Will ich es annehmen oder nicht? Das ist nicht

die Frage. Es kommt. Es ist da. Es schreitet fort.

Menschen planen gern und hegen Zukunftsträume. Als mein

Mann sein Leben zusehends nicht mehr in der Hand halten

konnte, habe ich das für ihn übernommen. Selbstverständlich

und gerne. Aber es wurde eine immer grössere Belastung

für mich. Die Belastung habe ich ans Pflegeheim übergeben.

Nun stehe ich mit leeren Händen da und weiss nicht, womit

ich sie sinnvoll füllen kann. Abwechselnd wäge ich Wut und

Frust darin ab. Und ich finde nichts, was mir Freude machen

könnte. So elend habe ich mich noch nie gefühlt.

«Je schwieriger der Alltag wird, desto wichtiger

ist es für betreuende Angehörige, auch

für sich selbst zu sorgen. Sind aber die Kräfte

bald aufgebraucht, ist niemandem geholfen.

Zwar spüren die meisten, was ihrer Seele gut

tun würde. Doch oft braucht es ein offenes

Ohr und einen Blick von aussen, um im

überlasteten Alltag gute Prioritäten zu setzen.

Wir haben Zeit zum Zuhören, Mit-Aushalten,

Ordnen, Worte finden, um Platz für

die Seele zu schaffen und ganz konkret zu

unterstützen.»

Marianna Iberg Garcia, reformierte Pfarrerin, Grüsch, Spitalseelsorge,

Leiterin Ausbildung im Verein TECUM

Wie soll man das aushalten?

Es ist ganz natürlich, dass sich bei Angehörigen Wut über

das Verlassenwerden Bahn bricht. Auch Wut auf den anderen.

Die Demenz ist schuld, sie hat ihn mitgenommen, aber

er hat mich zurückgelassen! Wut ist eine Kraft, die nur dort

entstehen kann, wo es auch Leidenschaft und starke Emotionen

gibt. Das Gegenteil davon wäre Teilnahmslosigkeit.

Lieben heisst: innig Anteil nehmen am Schicksal eines Menschen.

Ich liebe ihn, und ich bin wütend. Auf ihn und auf

mich selber.

Ein Schicksal anzunehmen bedeutet, gleichzeitig einen Trauerprozess

zu durchlaufen. Der Trauerprozess wird zum Marathon

über Distanzen voller intensiver Gefühle.

1. Es nicht wahrhaben wollen. Vielleicht wendet sich noch

alles zum Guten. Fehldiagnose. Verwechslung.

2. Wut und Zorn stellen sich vor den Schmerz, sind ein

Schutzschild vor dem Unerträglichen, vor dem möglichen

Zusammenbruch.

3. Hadern mit dem Schicksal. Nach Möglichkeiten suchen,

das Unausweichliche zu beeinflussen. Aufbegehren. Dagegen

auflehnen. – Mit dem Schicksal lässt sich aber nicht

verhandeln.

4. Die Wucht dieser Erkenntnis löst Resignation aus. Tiefste

Traurigkeit. Hilflosigkeit. Alleinsein. Bis zur Depression.

5. Frieden schliessen mit dem Schicksal. Das Leben wieder

schätzen lernen mit dem, was es ist. Am Schicksal reifen.

Trost finden und Trost geben können.

Trauer beginnt vor der letzten Stunde

Es ist nicht so, dass ein Trauerprozess einfach über einen

hinwegrollt und dann abgeschlossen ist. Nein, er ist wie ein

Ozean, der durchschwommen werden will. Mit stetem Wellengang

– die eine Welle stärker, die andere schwächer.

Irgendwann aber wird man feststellen, dass sich die Wogen

langsam glätten, dass die Trauer schwächer geworden ist.

Dass die Wut nicht mehr dieselbe Macht hat und das Leben

wieder Farbe bekommt. Zunächst noch blass vielleicht, dann

wieder mit dem einen oder anderen leuchtenden Farbtupfer

in Gestalt neuer freudiger Augenblicke. Es braucht Zeit.

Die Krebsdiagnose meiner liebsten Freundin hat sie und

mich zunächst wie mit der Faust getroffen. Mitten ins Gesicht.

Sprachlosigkeit. Sie und ich wussten es: Jeder Kampf

war zwecklos. Sie musste sterben. Bald. Uns blieb nur eine

begrenzte Zeit, das gemeinsame Leben wertzuschätzen. Die

Trauer mit all ihren Phasen rollte unablässig über mich herein.

Jetzt musst du kämpfen. Stark sein. Solche Sätze von aussen

versuchte ich weitestmöglich von ihr fernzuhalten. Zu unser

beider Schutz. Die Hoffnung loderte anfangs in uns beiden.

Dann nur noch in mir. Nun nicht mehr. Weit vor ihrem Tod

trauerten wir. Laut. Leise. Gemeinsam. Einsam. Hielten uns

die Hände, die sich bald nicht mehr hatten. Nur noch voneinander

wussten.

Wie oft hat sie mir gezeigt und gesagt, wie dankbar sie für

unsere schöne gemeinsame Zeit sei. Jetzt warte ich, dass

Dankbarkeit mir hilft, die ungestümen Wogen der Trauer

zu glätten. Ich weiss, dass diese Dankbarkeit irgendwo tief

in mir wohnt. Etwas verstört und verunsichert, ob ich auch

jeden Augenblick unserer gemeinsamen Zeit ausgekostet

habe; etwas verärgert, weil ich weiss, dass ich das niemals

getan habe; schon etwas versöhnt, weil ich weiss, dass das

auch kein Mensch je könnte – in dieser Form spüre ich jene

Dankbarkeit zuweilen schon. Sie ganz in mein Leben einzulassen,

gelingt mir wohl nur allmählich. Es braucht Zeit.

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Wege zurück ins Leben

In der Regel schaffen es Trauernde nur langsam, unter der

schweren Glocke ihrer Trauer hervorzukriechen. Wieder den

Himmel über sich zu entdecken. Dankbarkeit für das eigene

Leben zu empfinden. Erinnerungen zulassen. Dicke Mauern

durchstossen und hohe Zäune überwinden. Unsicherheit,

Selbstzweifel, Wut, Frustration und Perspektivlosigkeit abstreifen.

Endlich aufleben.

Jeder Mensch muss seine eigenen Wege zurück ins Leben

finden, falsche gibt es nicht. Das Leben – es wird kein vollkommen

neues sein, aber es fällt ein neues Licht darauf.

Manches ändert sich, aber nicht alles. – Schweigen. Reden.

Ablenkung. Zeit. – Professionelle Begleitung. Neue Begegnungen.

Austausch mit Gleichgesinnten. Sport. Zeit. – Reisen.

Schreiben. Umziehen. Ärztliche Unterstützung. Zeit. –

Zeit geben und nehmen. Tagebuch. Briefe schreiben an den

Menschen, um den man trauert.

Seelsorgedienste in Anspruch nehmen, in Selbsthilfegruppen

gehen, ein Trauercafé besuchen. Sich in Erinnerung rufen,

was sich mein Partner für mein Leben nach seinem Tod gewünscht

hätte.

Trauer muss nicht überwunden werden. Es geht darum, sie

anzunehmen, mit ihr leben zu lernen. Sie darf sein. Jederzeit.

In jeder Form. Überall. Gepaart mit wieder entdeckter

Freude. Die Trauer ist Teil unseres neuen Lebens. Sie wird

zur Lebensbegleiterin. Sie gehört jetzt dazu.

«Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was

wir erleben, macht unser Schicksal aus.»

Marie Ebner-Eschenbach (19. Jh.)

WAS NOCH ZU SAGEN

BLEIBT

Wir alle lassen uns von starren Rollenbildern leiten,

denen wir unterliegen. Meist überschätzen wir das Müssen

und unterschätzen manchmal unser Können. Zum betreuenden

oder zur betreuenden Angehörigen zu werden, ist ein

schwieriger Moment, mehr noch: ein verwirrender Prozess.

Es geht um individuelle Entscheidungen, um gewichtige

Dinge, deren Gewicht uns bisweilen fast erdrückt.

Es geht um Fürsorge, Vertrauen und Mündigkeit, um sehr

Persönliches in privaten und damit intimen Zusammenhängen.

Rechtfertigen Sie Ihre Entscheidungen weniger vor

anderen, sondern in erster Linie vor sich selbst und Ihren

Nächsten. Und bleiben Sie vor allem eines: Ihren Nächsten

angehörig. Ein Angehöriger, der mitfühlt und mitdenkt –

eine Angehörige, die handelt und entscheidet. Zum Wohl

der Betroffenen und zu Ihrem eigenen Wohl.

BETREUENDE ANGEHÖRIGE ZEIGEN

TÄGLICH STÄRKE. MACHEN WIR UNS

STARK FÜR SIE. Tag der pflegenden und

betreuenden Angehörigen,

jährlich am 30. Oktober

Angehörige

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Betreuende und Betreute

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tragen Sorge.

Wer trägt sie?

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Tgi porta els?

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curanti – chi

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Pflege und Betreuung –

ein Räderwerk und wie es läuft

Betreuende und Betreute

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Was betreuende Angehörige leisten, soll nicht nur an

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Verein für betreuende Angehörige

Wir engagieren uns für betreuende Angehörige.

Werden auch Sie Mitglied.

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Betreuende und pflegende Angehörige

erhalten ein politisches Gewicht

Rund 15´000 Bündnerinnen und Bündner betreuen, begleiten oder pflegen ihre erkrankten Angehörigen.

Sie sind nicht nur emotional wichtige Stützen für die Betroffenen, sondern bilden auch eine wichtige

finanzielle und personelle Entlastung des Gesundheitswesens.

Angehörige erbringen unzählige Stunden

Betreuungs- und Pflegearbeiten. Sie

unterstützen die erkrankten Familienmitglieder

psychisch und sozial, helfen im

Haushalt, kaufen ein und organisieren

Transporte. Diese Unterstützungen sind

wesentlich, damit eine erkrankte Person

möglichst lange zuhause bleiben kann.

Da immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen, ist es wichtig,

die Betreuung pflegebedürftiger Menschen sicherzustellen –

eine grosse Herausforderung für die Gesundheitsversorgung.

Doch die Last ist gross: Betreuende und pflegende Angehörige

sind oft berufstätig. Gleichzeitig Familienmitglieder zu pflegen

und berufstätig zu sein, ist eine immense Herausforderung. Es

ist ein Spagat zwischen Familie, Beruf und Pflege. Neben der

zeitlichen Präsenz sind die pflegenden Familienmitglieder auch

einem sozialen Druck beziehungsweise Erwartungen ausgesetzt.

Die körperlichen, finanziellen und emotionalen Belastungen bei

betreuenden und pflegenden Angehörigen können sich negativ auf

die Gesundheit auswirken.

Der Kanton sieht es als seine Aufgabe, die Rahmenbedingungen

für Angehörige zu verbessern.

Mit einem Bündner Aktionsplan, welcher im Rahmen des Regierungsprogramms

2021–2024 erstellt wird, möchte der Kanton eine

politische Grundlage für die Unterstützung und Entlastung von

Angehörigen schaffen.

Die kantonale Strategie orientiert sich hierbei am Aktionsplan des

Bundes. Neben der Schaffung der politischen Grundlage sowie

kantonalen Zuständigkeit geht es insbesondere um die Bereitstellung

von Informationen, Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie

die enge Zusammenarbeit und Austausch mit den Fachorganisationen,

wenn es um bedürfnisgerechte Bereitstellung von Beratungsund

Entlastungsangeboten geht.

Peter Peyer, Regierungsrat

Vorsteher des Departements für Justiz,

Sicherheit und Gesundheit

I familiari assistenti e curanti ricevono un peso politico

Circa 15´000 cittadini grigionesi assistono, accompagnano o curano

i propri parenti soggetti a malattie. Non si tratta solo di aiuti

emotivamente importanti per le persone interessate, bensì anche

di un importante sgravio finanziario e di personale per il sistema

sanitario.

I familiari forniscono innumerevoli ore di assistenza e di cura.

Sostengono psicologicamente e socialmente i familiari malati,

aiutano nei lavori domestici, fanno la spesa e organizzano i trasporti.

Questi aiuti sono essenziali per permettere a una persona

malata di rimanere a casa il più a lungo possibile. Poiché sempre

più p ersone raggiungono un’età avanzata, è importante garantire

l´assistenza alle persone bisognose di cure – una grande sfida per

l‘assistenza sanitaria.

Ma il peso è grande: i familiari assistenti e curanti esercitano spesso

una professione. Occuparsi dei membri della famiglia e allo

stesso tempo lavorare è una sfida immensa. È un difficile gioco

di equilibrio tra famiglia, lavoro e assistenza. Oltre al tempo richiesto

per la presenza concreta, i familiari che prestano assistenza

sono anche esposti a una pressione sociale e a delle aspettative.

La pressione fisica, finanziaria ed emotiva sui familiari assistenti

e curanti può avere un´influenza negativa sulla loro salute.

Il Cantone vede come suo compito il miglioramento delle

condizioni quadro per i familiari.

Con un piano d´azione grigionese, che viene elaborato nell´ambito

del programma governativo 2021–2024, il Cantone vuole

creare una base politica per il sostegno e lo sgravio dei familiari.

La strategia cantonale si orienta sul piano d´azione federale. Oltre

alla creazione della base politica e della responsabilità cantonale,

quando si tratta di fornire servizi di consulenza e di sgravio in

linea con i bisogni è particolarmente importante informare e sensibilizzare

l´opinione pubblica, senza tralasciare la stretta cooperazione

e lo scambio con le organizzazioni professionali.

Persunas che assistan e tgiran confamigliars

survegnan sustegn politic

Var 15’000 Grischunas e Grischuns assistan, accumpognan u

tgiran confamigliars malsauns. Ellas ed els n’èn betg mo in’impurtanta

pitga emoziunala per las pertutgadas ed ils pertutgads,

mabain er ina gronda distgargia finanziala e persunala per il sectur

da la sanadad.

Nundumbraivlas uras assistan e tgiran persunas lur confamigliars.

Ellas dattan sustegn psichic e social a parentas malsaunas e

parents malsauns, gidan en il tegnairchasa, fan cumissiuns ed organiseschan

transports. Per ch’ina persuna malsauna possia restar

uschè ditg sco pussaivel a chasa, è quest sustegn essenzial. Adina

dapli persunas vegnan fitg veglias. Per il provediment da la sanadad

signifitga quai ina gronda sfida per pudair garantir l’assistenza

d’umans che dovran tgira.

La chargia è però gronda: las persunas che assistan e tgiran confamigliars

èn savens activas en ina professiun. Tgirar confamigliars

ed il medem mument avair in’activitad professiunala è in’immensa

sfida. Igl è in spagat tranter famiglia, plaz da lavur e tgira. Ultra

dal temp da preschientscha èn las persunas che assistan e tgiran

confamigliars er expostas ad in squitsch social resp. a spetgas. Las

chargias corporalas, finanzialas ed emoziunalas pon avair effects

negativs sin lur sanadad.

Il Chantun sa senta obligà da meglierar las circumstanzas per las

persunas che assistan e tgiran confamigliars.

«Mir selber und anderen

Gutes tun» – eine Broschüre für

betreuende Angehörige

Vielleicht kümmern Sie sich intensiv

oder schon länger um eine Person, die

Ihnen nahesteht. Diese Person braucht

Ihre Hilfe, weil sie alt oder krank ist.

Sie kümmern sich zum Beispiel um

Ihren Vater oder um Ihre Frau. Sie

helfen der Person mehrmals in der

Woche, ganz praktisch oder auf der

emotionalen Ebene. Vielleicht müssen

Sie immer mehr für diese Person übernehmen

und müssen mit der Zeit sogar

den ganzen Tag und die ganze Nacht

da sein.

Vielleicht ist all das selbstverständlich

für Sie. Sie machen das gerne für die

andere Person. Aber möglicherweise

merken Sie auch, dass Sie immer weniger

Kraft haben. Sie werden schneller

ungeduldig oder ärgern sich immer

öfter. Manchmal haben Sie das Gefühl,

dass Sie es nicht mehr schaffen.

Damit sind Sie nicht alleine. So geht es

vielen anderen Menschen in ähnlichen

Situationen. In der Fachwelt spricht

man von Menschen wie Ihnen oft als

«betreuende Angehörige».

Sie tun, was Sie können, und dafür

gehört Ihnen Respekt und Anerkennung.

Wichtig ist, dass Sie auch immer

zu sich selbst schauen! Es ist wichtig,

dass es Ihnen gut geht! So können Sie

der nahestehenden Person noch lange

helfen. Wenn es Ihnen gut geht, kommt

das auch der anderen Person zugute.

Darum geht es in dieser

Broschüre

• Was tut Ihnen gut?

• Auf was können Sie stolz sein?

• Wie können andere Menschen

Sie unterstützen?

Cun agid d’in plan d’acziun grischun, che vegn elavurà en il rom

dal program da la regenza 2021–2024, vul il Chantun stgaffir ina

basa politica per sustegnair e distgargiar persunas che assistan e

tgiran confamigliars.

La strategia chantunala s’orientescha al plan d’acziun da la Confederaziun.

Ultra da stgaffir la basa politica e la cumpetenza chantunala

vai en spezial per metter a disposiziun infurmaziuns, sensibilisar

la publicitad e collavurar stretgamain cun las organisaziuns

professiunalas en connex cun l’offerta confurma als basegns da

purschidas da cussegliaziun e da distgargia.

«Mi prendo cura di me e

dei miei cari» – Un opuscolo per

gli assistenti familiari

forse ti prendi cura intensamente o da

molto tempo di una persona che ti sta

vicino. Questa persona ha bisogno del

tuo aiuto perché è anziana o malata. La

persona che assisti può essere tuo padre

o tua madre, tuo marito o tua moglie

oppure un’altra persona

a te cara.

Aiuti questa persona più volte alla

settimana, sia nelle cose pratiche sia

sul piano emotivo. Con il passare del

tempo ti devi occupare di sempre più

cose. Forse ha bisogno diassistenza

costante, sia di giorno che di notte.

Può darsi che tutto questo sia naturale

per te e lo fai volentieri. Ma magari ti

rendi conto che cominciano a mancarti

le forze. Perdi più in fretta la pazienza o

ti arrabbi sempre più spesso. A volte ti

sembra di non farcela più.

Non sei l’unica persona ad avere questi

pensieri e questi sentimenti.

Ci sono molte altre persone in situazioni

simili alla tua. Tra gli addetti ai

lavori, le persone come te sono

chiamate «familiari curanti».

Tu fai tutto quello che puoi e per questo

meriti rispetto e riconoscenza. Ma devi

pensare anche a te stessa o a te stesso.

È importante che tu stia bene! Solo così

potrai aiutare

la persona a te cara ancora per molto

tempo. Se tu stai bene, ne trae vantaggio

anche la persona che assisti.

Questo opuscolo tratta proprio

questi temi

• Cosa ti fa stare bene?

• Di cosa puoi essere orgogliosa

o orgoglioso?

• Come ti possono aiutare gli altri?

Die Broschüre finden Sie

als Download unter:

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15



Ältere Angehörige

betreuen und pflegen

Ein Handbuch für Graubünden

Pflege kann nur gut gehen,

wenn es den Pflegenden selbst

gut geht.

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1

Weil Pro Senectute Graubünden diese Erkenntnis

aus der Pflegewissenschaft ernst

nimmt, rückt sie in diesem Handbuch die

betreuenden und pflegenden Angehörigen

sowie ihre Anliegen in den Vordergrund.

Pflegende und betreuende Angehörige

stellen sich selbst oft an den Rand des

Geschehens und Interesses. Gerade sie

sind in der häuslichen Betreuung und

Pflege jedoch die zentralen Akteure. Ihr

praktischer und menschlicher Beistand,

unterstützt von einer guten medizinischen

und pflegerischen Versorgung, trägt

entscheidend zum Wohlbefinden ihrer

pflegebedürftigen Mitmenschen bei.

Mit diesem Handbuch ermutigt Pro

Senectute Graubünden (Ehe-)Partner und Partnerinnen, Familienangehörige und nahe Bekannte

pflegebedürftiger Menschen, zu ihrem eigenen Wohlbefinden Sorge zu tragen. Das Handbuch informiert

in Frage-Antwort-Form zu wesentlichen Belangen der häuslichen Pflege und Betreuung. Das Handbuch

eröffnet die Möglichkeit, sich die Entlastung zu suchen, die sowohl der betreuten Person als auch den betreuenden

Angehörigen optimale Lebensqualität bietet.

Das Kompetenzzentrum fürs Alter(n) in Graubünden

Pro Senectute Graubünden ist die führende Hilfs-, Dienstleistungs- und Fachorganisation für ältere Menschen

im Kanton Graubünden. Mit Beratungsstellen in Chur, Davos, Ilanz, Samedan, Susch und Thusis

sind wir vernetzt und regional verankert.

Wir beraten unentgeltlich und vertraulich zu allen Fragen rund ums Alter(n) und bieten eine Vielzahl an

kostengünstigen Entlastungs- und Unterstützungsangeboten. Auf Ihrer regionalen Beratungsstelle oder

unter 081 300 35 35 erhalten Sie weitere Informationen.

Pro Senectute Graubünden | Geschäftsstelle | Alexanderstrasse 2 | 7000 Chur PC-Konto 70-850-8

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