CDU-Magazin Einblick (Ausgabe 14) - Thema: Alter
Das politische Magazin der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages
Das politische Magazin der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages
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MAGAZIN DER <strong>CDU</strong>-FRAKTION DES SÄCHSISCHEN LANDTAGES AUSGABE <strong>14</strong><br />
ÄLTER WERDEN<br />
Wie es um Senioren in Sachsen steht<br />
Alltagshelden<br />
Auf diese Rentner<br />
kommt es an<br />
Wirtschaft<br />
Chef sucht Nachfolger<br />
für seinen Betrieb<br />
Sicherheit<br />
Vorsicht vor dem<br />
fiesen Enkeltrick
Se|ni|o|ren, die<br />
Wortart: Plural von „Senior, der“; Substantiv, maskulin<br />
Wortherkunft: Abgeleitet vom lateinischen „senior“ = „älter“, „Ältere“, „Älteste“, „Altmeister“.<br />
Begriffsgeschichte und Bedeutungen: Schon im <strong>14</strong>. Jahrhundert war die Verwendung von „Senior“,<br />
vor allem als Gegenwort zu „Junior“ innerhalb eines Familienverbandes, üblich. Seit dem 18. Jahrhundert<br />
wurde Senior für das Oberhaupt (der Familie) geläufig, in der Kaufmannssprache auch für „älterer<br />
Teilhaber“ oder „Geschäftspartner“. Ab den 70er Jahren wandelte sich die Bedeutung hin zur generellen<br />
Bezeichnung von Menschen mit „höherem“ <strong>Alter</strong>.<br />
Der Begriff bezeichnet aber auch ältere Personen in einem Kreis oder Kollegium, die durch ihr fortgeschritteneres<br />
Leben über viel Erfahrung und Wissen verfügen. Im Marketing wird die Personengruppe<br />
auch gern als Best Ager (sinngemäß „im besten <strong>Alter</strong>“) bezeichnet.<br />
Senioren sind auch im sächsischen Koalitionsvertrag von 2019 ein <strong>Thema</strong>. Dort hat die <strong>CDU</strong> mit ihren<br />
Partner vereinbart, dass es eine eigene Senioren-Strategie der Staatsregierung geben wird. So sollen<br />
Kommunen Unterstützung bekommen, um „Angebote gegen Vereinsamung, <strong>Alter</strong>sdepression und Demenz“<br />
zu schaffen. Auch soll die Gründung von Senioren-WGs und die Entwicklung von barrierefreien<br />
Wohnquartieren unterstützt werden.<br />
EDITORIAL<br />
Es ist das vierte Gebot: Du sollst deinen<br />
Vater und deine Mutter ehren. So steht es<br />
im Alten Testament. Heute ist es aktueller<br />
denn je. Denn auch zwischen den Generationen<br />
zeigen sich immer mehr Risse<br />
und Konflikte. Insbesondere der Klimaschutz<br />
entwickelt sich zunehmend zum<br />
Reizthema, bei dem teilweise bewusst<br />
ein Keil zwischen die Generationen getrieben<br />
wird. Den Älteren wird vorgeworfen,<br />
auf Kosten der Jüngeren gelebt und<br />
Ein guter Dialog beginnt mit<br />
dem Zuhören und Verstehen<br />
der Sicht des Anderen.<br />
ihnen eine kaputte Umwelt überlassen<br />
zu haben. Die Oma als „Umweltsau“ im<br />
öffentlich-rechtlichen Fernsehen war ein<br />
trauriger Höhepunkt dieses heraufbeschworenen<br />
Generationenkonfliktes.<br />
Das Postulat der Generationengerechtigkeit<br />
zielt immer auch auf die Lebensbedingungen<br />
der noch nicht lebenden<br />
Generationen. Es ist richtig, dass eine<br />
Politik, die sozial verantwortlich und gerecht<br />
handeln will, auch die Bedürfnisse<br />
zukünftiger Generationen einbeziehen<br />
INHALT<br />
12<br />
18<br />
20<br />
26<br />
32<br />
„Unsere Gesellschaft wird älter“<br />
Svend-Gunnar Kirmes spricht über die Vorteile des <strong>Alter</strong>s<br />
Helden des Alltags<br />
Diese Senioren sind auch im Ruhestand aktiv<br />
Jung trifft alt – Alt trifft jung<br />
Ein Generationengespräch über Gemeinsamkeiten<br />
Nachfolge gesucht<br />
Sächsische Unternehmen bereiten sich auf die Zukunft vor<br />
Schöner wohnen im besten <strong>Alter</strong><br />
In Meißen wird ein neues Wohnkonzept erprobt<br />
und ihnen einen angemessenen Stellenwert<br />
einräumen muss. Sie darf den nachwachsenden<br />
Generationen keine Lasten<br />
aufbürden durch zu geringe Investitionen<br />
in gute Bildung, das Festhalten an einer<br />
jahrzehntelangen Schuldenpolitik, einer<br />
überbordenden Staatstätigkeit und die<br />
Vernachlässigung präventiver Sorge.<br />
Der Klimaschutz ist eine von vielen wichtigen<br />
Fragen der Generationsgerechtigkeit –<br />
sie ist aber bei Weitem nicht die einzige.<br />
Gerade in dieser Frage lohnt sich nämlich<br />
der genaue Blick auf die Älteren<br />
und ihr Engagement für<br />
eine bessere Zukunft. Hier gibt<br />
es zahllose Beispiele von Menschen,<br />
die in Sachsen und auch<br />
anderenorts nach der Friedlichen Revolution<br />
angepackt haben, um die massiven Umweltschäden,<br />
die der sozialistische Raubbau<br />
an Flüssen und Wäldern angerichtet hat, zu<br />
beseitigen. Heute kennen wir keinen sauren<br />
Regen mehr, die Elbe ist wieder sauber und<br />
längst ausgestorben geglaubte Tiere siedeln<br />
sich wieder an. Anstatt das Trennende zu<br />
betonen, wäre es vielleicht klüger, dass die<br />
Generationen voneinander lernen.<br />
Meines Erachtens geht das nur im offen<br />
und ehrlichen Dialog miteinander und<br />
über <strong>Alter</strong>sgrenzen hinweg. In diesem<br />
<strong>Magazin</strong> versuchen wir einen Beitrag dazu<br />
34<br />
40<br />
42<br />
48<br />
56<br />
zu leisten! Denn ein guter Dialog beginnt<br />
mit dem Zuhören und Verstehen der Sicht<br />
des Anderen. Deshalb haben wir mit vielen<br />
Senioren gesprochen. Ihre Lebenserfahrung<br />
spiegelt sich in diesem Heft wider.<br />
Zur Generationengerechtigkeit gehört übrigens<br />
auch, dass wir als heute handelnde<br />
Generation der nächsten keine Schuldenberge<br />
überlassen. Nur so kann die Jugend<br />
von heute auch morgen eine eigene Politik<br />
betreiben und wird nicht erdrückt von einer<br />
Schuldenlast der Väter und Mütter. Diesen<br />
Handlungsspielraum zu bewahren, ist uns<br />
als <strong>CDU</strong> ein wichtiges Anliegen. Auch wenn<br />
wir dafür in den einen oder anderen sauren<br />
Apfel beißen müssen. Das sind wir unseren<br />
Kindern schuldig!<br />
Ihr Christian Hartmann<br />
Fraktionsvorsitzender<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages<br />
Gut haushalten für meine Enkel<br />
Sachsen setzt auf eine nachhaltige Finanzpolitik<br />
Vorsicht, Enkeltrick!<br />
Senioren sind gegen Betrüger nicht hilflos<br />
Feuer kennt kein <strong>Alter</strong><br />
Falk Löffler ist mit 72 Jahren noch Feuerwehrmann<br />
Ich bringe Rentnern das Handy bei<br />
Rommy Koppmann leitet einen Smartphone-Grundkurs<br />
Landärzte gesucht<br />
Landärzte in Sachsen suchen Nachfolger für ihre Praxen<br />
IMPRESSUM Herausgeber: <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages, Bernhard-von-Lindenau-Platz 1, 01067 Dresden, Telefon 0351 493-5501, www.cdu-fraktion-sachsen.de Redaktion: Christian Fischer (V.i.S.d.P.), STAWOWY, Dr. Christopher M. Brinkmann<br />
Fotos: AdobeStock: sergign (Titel), rh2010 (U2), LianeM (16), Petair (16), Stockfotos-MG (34), picsfive (35), CameraCraft (37), lettas (40), Photographee.eu(41), lassedesignen (41), kasto (44-45), thodonal (52); Claudia Jaquemin (3); Alexander Fuhrmann (4-5, 6-7, 12-15,<br />
16–17, 18–19, 30–31, 36–39, 66–67); Anika Dollmeyer (8–9); Basti Winterscheid (10–11, 26–27, 29, 40, 48–49, 56–59, 61, 67); Detlev Müller (19); Eric Münch (20–22); acavi.com (23); PR Q-Hub (24–25); Jana Badstübner (28); Jan Hippold/privat (29); Claudia Hübschmann<br />
(32–33); Benjamin Jenak (39); Dietmar Held (46); Martin Schneider (47); GV Arzberg (50); SHIQ 2021 (50); Anke Jedermann/Seniorenhilfe (53); PR Klinikum St. Georg gGmbH (54–55); PR Seniorpartner in School – Landesverband Sachsen e.V. (60); picture alliance / Jan<br />
Woitas/dpa-Zentralbild/ZB | Jan Woitas (60); Martin Modschiedler/privat (62) Druck: Druckerei Oskar Görner GmbH, Melanchthonstraße 1–7, 09126 Chemnitz Veröffentlichung: November 2021 Diese Publikation dient der Information über die parlamentarische<br />
Arbeit der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages. Eine Verwendung für Parteienwerbung oder im Wahlkampf ist nicht zulässig.
FÜR DIE JUGEND<br />
Jeder kennt ihn in Freital: Candido Mahoche. Er ist 63 Jahre<br />
alt, Rentner, Fußballtrainer und <strong>CDU</strong>-Stadtrat. 1980 kam er<br />
aus Mosambik als Gastarbeiter in die DDR. Er machte eine<br />
Lehre als Brauer bei der Dresdner Feldschlößchen Brauerei<br />
und verliebte sich in seine zukünftige Frau. Nach der<br />
Friedlichen Revolution blieb er in Freital, nahm die deutsche<br />
Staatsbürgerschaft an und wurde Braumeister. Dem Fußball<br />
blieb er bis heute treu. „Ich habe ja schon immer gespielt,<br />
so lange ich denken kann“, sagt er. Bei seinem damaligen<br />
Verein, dem Hainsberger SV (heute SC Freital), hat er vor<br />
25 Jahren als Trainer angefangen. „Ich habe die ganz Kleinen<br />
übernommen, unsere Bambinis im <strong>Alter</strong> von 5 bis 12 Jahren.“<br />
Sein Verein machte ihn zum Integrationsbeauftragten. Wenn<br />
er auf den Platz kommt, rennt eine Kinderschar auf ihn zu:<br />
„Candido, Candido …!“ Da strahlen seine Augen. „Sport machen<br />
im <strong>Alter</strong> ist gut! Da wird es einem nicht langweilig<br />
und man bleibt in Bewegung“, verrät er und verspricht: „So<br />
lange die Kraft noch da ist, mache ich weiter!“ Sein <strong>CDU</strong>-Wahlkreisabgeordneter<br />
ist Sachsens Sportminister Roland Wöller.<br />
Er lobt: „Candidos Engagement für den Freitaler SC und die<br />
Nachwuchskicker ist wirklich beispielhaft.“<br />
4 5
FÜR BEWEGUNG<br />
Sport ist für Peter Gebauer sehr wichtig. Der 84-Jährige geht<br />
regelmäßig ins Fitnessstudio. Außerdem leitet er bei den<br />
Oelsnitzer Knappen eine Seniorengymnastikgruppe. Immer<br />
dienstags treffen sich die Senioren für eine Stunde zum gemeinsamen<br />
Sport: „Es kommen etwa 25 Senioren, die einfach<br />
noch aktiv sein wollen“, erzählt Trainer Gebauer. Wichtig ist<br />
dabei die Abwechslung, verrät er: „Neben der Gymnastik zur<br />
Musik machen wir auch Sportspiele oder Zumba“, sagt er.<br />
Außerdem hat sich die Gruppe ein ehrgeiziges Ziel gesetzt:<br />
„Wir wollen schon bald das Sportabzeichen ablegen“, sagt<br />
Gebauer. Es geht Gebauer und seiner Truppe aber nicht nur<br />
um Leistung: „Als Gruppe machen wir auch Ausfahrten oder<br />
organisieren eine Weihnachtsfeier“. Auch der sportpolitische<br />
Sprecher der <strong>CDU</strong>-Fraktion Wolf-Dietrich Rost sieht in dem<br />
ehrenamtlichen Engagement von Senioren in Sportvereinen<br />
eine große Bereicherung. Er sagt: „Sport ist nicht nur gesund,<br />
sondern einer unserer größten Motoren für gesellschaftlichen<br />
Zusammenhalt. Das Ehrenamt ist existenziell und<br />
muss, wo immer es geht, gefördert werden. Das ehrenamtliche<br />
Engagement besonders von älteren Mitbürgern ist die<br />
Garantie dafür, dass beispielsweise an jedem Wochenende<br />
Tausende Sportler im Freistaat Wettkämpfen oder dem regulären<br />
Spielbetrieb nachgehen können.“<br />
ZAHLEN & FAKTEN<br />
26,3 MIO. EURO<br />
beträgt die Summe, mit der der Sport im Jahr<br />
2022 vom Freistaat gefördert wird.<br />
1/3 RUND DER MITGLIEDER<br />
im Landessportbund Sachsen sind älter als 50<br />
Jahre. Der Verband hat 650.000 Mitglieder.<br />
4.000 ÜBER VEREINE<br />
der fast 4.500 Sportvereine in Sachsen haben<br />
Mitglieder, die älter als 50 Jahre sind.<br />
90 AB JAHRE<br />
ist die höchste <strong>Alter</strong>skategorie im Leistungskatalog<br />
des Deutschen Sportabzeichens.<br />
Wolf-Dietrich Rost<br />
<strong>CDU</strong>-Sportpolitiker<br />
EHRENAMT GANZ VORN<br />
„Sport ist nicht nur gesund, sondern<br />
einer unserer größten Motoren für<br />
gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das<br />
Ehrenamt ist existenziell und muss,<br />
wo immer es geht, gefördert werden.“<br />
6 7
FÜR DIE EINSAMEN<br />
Als Grüne Damen engagieren sich Annegret Schulze,<br />
Karin Schlebe, Ilona Döbler und Anneliese Duschek in den Muldentalkliniken<br />
Wurzen. Ihr Erkennungszeichen: die grünen<br />
Kittel, die sie vom regulären Krankenhauspersonal unterscheiden.<br />
Montags bis freitag besuchen sie ehrenamtlich Patienten,<br />
die sich einsam fühlen, sorgen für Unterhaltung und spenden<br />
Trost. Bis zu vier Stunden nehmen sie sich Zeit. „Die Grünen<br />
Damen leisten mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit auf den Stationen<br />
Herausragendes. Zuhören, da sein oder manchmal einfach<br />
nur ein Lächeln schenken, das gibt den Patienten auf dem<br />
Weg zur Genesung viel Kraft und wird auch besonders vom<br />
Personal in den Häusern sehr geschätzt. Auch mir sind die Damen<br />
besonders ans Herz gewachsen, deshalb unterstütze ich<br />
ihr Tun nach Kräften“, sagt der Abgeordnete Kay Ritter. Auch<br />
wenn das Engagement derzeit meist von Frauen übernommen<br />
wird: Männer sind im Team herzlich willkommen!<br />
8 9
SENIOREN<br />
1.058 61.018<br />
IN ZAHLEN<br />
*Datenquelle: Statistisches Bundesamt<br />
Durchschnittliche Lebenserwartung von<br />
Männern und Frauen in Sachsen<br />
78,2<br />
83,1<br />
Durchschnittliches <strong>Alter</strong> bei Eintritt<br />
in die <strong>Alter</strong>srente<br />
4 %<br />
61,1 63,8<br />
60,5 63,6<br />
2019 2020<br />
Nur 4 Prozent der Senioren leben in<br />
Alten- und Pflegeheimen oder anderen<br />
Gemeinschaftseinrichtungen.<br />
Anzahl der Pflegeeinrichtungen<br />
sowie die Anzahl<br />
der Plätze darin<br />
Anteil der Erwerbstätigen<br />
im Rentenalter (65–69)<br />
2000<br />
2010<br />
2019<br />
Mehr als ein Viertel der Bevölkerung<br />
in Sachsen ist 65 Jahre und älter.<br />
1.309<br />
Durchschnittlicher<br />
Rentenbetrag pro Monat<br />
10 11
ALLE REDEN IMMER<br />
NUR VON DER<br />
VERJÜNGUNG<br />
DER PARLAMENTE,<br />
ABER UNSERE<br />
GESELLSCHAFT<br />
WIRD<br />
ÄLTER<br />
„Ich merke an mir selber, dass ich mit dem <strong>Alter</strong> in manchen<br />
Situationen etwas gelassener und überlegter bin“,<br />
sagt Svend-Gunnar Kirmes. Jüngeren Kollegen rät er bei<br />
allen Auseinandersetzungen, immer auch nach Kompromissen<br />
zu suchen: „Die Bürger erwarten von uns zu<br />
Recht Lösungen“, sagt er.<br />
Svend-Gunnar Kirmes ist 71 Jahre alt und der<br />
<strong>Alter</strong>spräsident des Sächsischen Landtages.<br />
Dabei sitzt er erst seit 20<strong>14</strong> als Wahlkreisabgeordneter<br />
aus dem Muldental im Parlament. Ein<br />
Gespräch über den Vorteil, spät in die Politik<br />
berufen zu werden, und die Vorzüge des <strong>Alter</strong>s<br />
Wie wird man eigentlich <strong>Alter</strong>spräsident?<br />
Svend-Gunnar Kirmes: „Wie der Name schon sagt, muss man<br />
einfach das richtige <strong>Alter</strong> haben. Genauer gesagt: Man muss<br />
der älteste Politiker im Plenarsaal sein. Vielleicht meinte man<br />
früher, dass man dann besonders weise ist.“<br />
Was ist die Funktion eines <strong>Alter</strong>spräsidenten des<br />
Sächsischen Landtages?<br />
„Die wesentliche Funktion des <strong>Alter</strong>spräsidenten ist, dass er<br />
den Landtag auf der ersten Sitzung nach der Wahl eröffnet. Er<br />
hat dabei die Gelegenheit, ein paar persönliche Eindrücke oder<br />
Wünsche an die kommende Legislatur zu äußern. Er leitet die<br />
Sitzung, bis der Präsident gewählt ist.“<br />
Also ist es ist eine besondere Funktion, die aber am<br />
Ende nur einmalig ist?<br />
„Der Titel als solcher bleibt natürlich, man ist und bleibt der<br />
älteste Abgeordnete im Landtag. Aber die Funktion ist tatsächlich<br />
darauf beschränkt, den Landtag zu eröffnen und bis zur<br />
Wahl des Präsidenten zu leiten.“<br />
Hätten Sie jemals gedacht, <strong>Alter</strong>spräsident zu werden?<br />
„Nein, ich war erschrocken, als es hieß, dass ich womöglich<br />
<strong>Alter</strong>spräsident werden könnte. Ich steh ja mitten im Leben<br />
und fühle mich jung. Als ich 20<strong>14</strong> das erste Mal dieses Amt<br />
übernahm, war ich mit 64 Jahren wohl auch der jüngste <strong>Alter</strong>spräsident<br />
in Deutschland.“<br />
Sie sind recht spät in die Politik gegangen ...<br />
„ ... das stimmt! Ich bin Anwalt gewesen – mit Leib und Seele.<br />
Fast 35 Jahre in eigener Kanzlei. Natürlich habe ich mich gesellschaftspolitisch<br />
engagiert. Nach der Friedlichen Revolution<br />
habe ich den Leipziger Anwaltsverein mitgegründet, dessen Vorsitzender<br />
ich von 1994 bis 2002 war. Danach war ich bis 2009<br />
Präsident des Anwaltsverbandes Sachsen.“<br />
Sie waren 60, als Sie 2009 als Direktkandidat in den<br />
Landtag einzogen. Andere träumen da vom Ruhestand.<br />
(lacht) „Ich wollte einfach mal was Neues machen! Außerdem<br />
arbeitet man ja als Anwalt mit eigener Kanzlei sowieso solange<br />
einen die Mandanten brauchen und man selbst Kraft hat.“<br />
12 13
Zur Person<br />
„Mit dem <strong>Alter</strong> ist man etwas<br />
gelassener und überlegter.“<br />
Svend-Gunnar Kirmes, <strong>Alter</strong>spräsident des Sächsischen Landtages<br />
Svend-Gunnar Kirmes kam am 19. November 1949 in Altenburg<br />
zur Welt. Seit 2009 ist er Mitglied des Sächsischen Landtags.<br />
1969 absolvierte er sein Abitur an der Thomasschule zu Leipzig<br />
und wurde zunächst 1976 Ingenieur für Informationsverarbeitung.<br />
1976 begann er das Studium der Rechtswissenschaften<br />
in Berlin, das er 1982 abschloss. Ab 1984 arbeitete er als zugelassener<br />
Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Familienrecht.<br />
1990 war er Mitbegründer des Leipziger Anwaltvereins. Dort<br />
war er zunächst stellvertretender Vorsitzender, um von 1994<br />
bis 2002 den Vorsitz zu übernehmen. 2002 bis 2009 war Kirmes<br />
Präsident des Anwaltverbandes Sachsen. Er lebt in Leipzig,<br />
ist verheiratet und hat zwei Töchter.<br />
Sie wollten also nicht mit 67 in Rente gehen?<br />
„Nein, warum auch? Ich habe mir nie eine <strong>Alter</strong>sgrenze gesetzt<br />
und meinen Beruf wirklich geliebt. Ich hatte auch Mandate, die viel<br />
Freude gemacht haben. Manchmal waren sie sehr anstrengend,<br />
aber ich habe gesagt, ich mach den Beruf, solange ich mich fit fühle.“<br />
Warum haben Sie damals entschieden, Politik hauptberuflich<br />
zu machen? Das ist ja quasi eine zweite Karriere …<br />
„… für die man nie zu alt ist! Und ich glaube, es braucht neben<br />
Jüngeren viel mehr <strong>Alter</strong>sgenossen von mir, die bereit sind, diesen<br />
Und weil mein Wahlkreis im ländlichen Raum liegt, hat sich<br />
auch der neue Arbeitskreis Regionalentwicklung in der<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktion angeboten. Heute sitze ich deshalb auch in dem<br />
entsprechenden Ausschuss. Das <strong>Thema</strong> Regionalentwicklung<br />
ist extrem wichtig und für mich wieder einmal eine neue<br />
Aufgabe.“<br />
Als Sie das erste Mal in den Landtag gekommen sind,<br />
saßen mit Ihnen auch viele neue junge Kollegen in<br />
der <strong>CDU</strong>-Fraktion.<br />
Eine Frage zum Schluss: Was ist Ihr Rat als älterer<br />
Politiker an die Jüngeren?<br />
„Der Landtag ist ein kollektives Organ. Bei all den Auseinandersetzungen,<br />
die notwendig sind, erwarten die Bürger von uns zu Recht<br />
Lösungen. Man muss in der Debatte deutlich und kräftig seine<br />
Standpunkte vertreten, aber in einem kollegialen Umgang. Zuhören<br />
ist dabei sehr wichtig. Wenn man versucht zu verstehen, warum<br />
das Gegenüber etwas völlig anders sieht, kann das helfen. Entweder<br />
die eigene Entscheidung zu hinterfragen oder eben auch neue gute<br />
Gründe für sie zu finden. Nur so wird man am Ende schlau.“<br />
Schritt zu gehen. Alle reden immer nur von der Verjüngung der<br />
„Das ist richtig. Damals ist ja fast die halbe Fraktion neu besetzt<br />
Parlamente – aber unsere Gesellschaft wird älter. Menschen wie<br />
worden, da sind auch viele Jüngere reingekommen. Also deut-<br />
ich bringen viel Erfahrung mit und sind wesentlich unabhängiger.“<br />
lich jünger als ich in jedem Falle.“<br />
Wie kamen Sie auf die Idee, Politiker zu werden?<br />
Wie ging es dann mit Ihrem Anwaltsberuf weiter?<br />
„Ganz ehrlich: Es war nicht meine Idee. Ich bin gefragt worden.<br />
„In den ersten Legislaturperioden habe ich beides gemacht. Ich<br />
Als in meinem Wahlkreis kein Kandidat zur Verfügung stand,<br />
habe meine Kanzlei weitergeführt, weil es für mich wichtig war.<br />
kamen Parteifreunde zu mir und fragten, ob ich nicht<br />
Später wurde natürlich die Belastung zu hoch. Ich habe die<br />
kandidieren wolle. Und es wurden immer mehr. Und dann bin<br />
Kanzleiarbeit dann ausklingen lassen.“<br />
ich in mich gegangen und meinte zu meiner Frau: Warum soll ich<br />
auf die alten Tage nicht noch einmal eine völlig neue Erfahrung<br />
Und wie lange wollen Sie Politik machen?<br />
machen?“<br />
„Genauso wie mit meiner Arbeit als Anwalt: Solange ich mich<br />
Und wie hat sie reagiert?<br />
wirklich geistig und körperlich fit fühle – und die anderen das<br />
auch so empfinden –, solange kann ich auch arbeiten.“<br />
„Sie ahnte vielleicht mehr als ich, was auf mich zukommt.<br />
Deshalb hat sie mich von Anfang an unterstützt und mir Rückhalt<br />
Ganz konkret: Wie schaut es mit der nächsten Wahl aus?<br />
gegeben.“<br />
(lacht) „Also irgendwann sollte man auch sagen, jetzt ist Schluss.<br />
Was ist denn der Vorteil von Lebenserfahrung im<br />
politischen Alltag?<br />
„Ich merke an mir selber, dass ich mit dem <strong>Alter</strong> in manchen<br />
Ich will ja nicht auf der Bahre aus dem Landtag getragen werden.<br />
Für mich steht fest, dass ich nicht noch einmal antrete.“<br />
Was ist Ihr persönliches Fazit als <strong>Alter</strong>spräsident?<br />
Situationen etwas gelassener und überlegter bin. Man agiert<br />
„Die wichtigste Erkenntnis ist, dass man lernen muss, mit<br />
nicht sofort los. Man muss außerdem niemandem etwas bewei-<br />
Kompromissen zu leben, ohne sein eigenes Profil aufzuge-<br />
sen, weil man hofft, noch eine große Karriere zu machen. Ich<br />
ben. Besonders, wenn man wie unsere <strong>CDU</strong>-Fraktion in einer<br />
kann mich komplett auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren.“<br />
Koalition ist. Das ist nicht immer einfach. Ich denke, dass wir<br />
Was sind denn Ihre Schwerpunkte als Abgeordneter?<br />
noch deutlicher klarmachen müssen, wofür wir als <strong>CDU</strong> stehen<br />
– die kleinen Koalitionspartner machen das nämlich<br />
„Meine Schwerpunkte waren in den letzten beiden Legislaturen<br />
vollkommen ungeniert.“<br />
natürlich von Haus aus die Rechtspolitik. Das war mir wichtig.<br />
<strong>14</strong> 15
JUNG KAUFT ALT<br />
Der Freistaat Sachsen unterstützt Familien künftig<br />
noch stärker beim Kauf oder Bau von Wohneigentum.<br />
Familien erhalten jetzt ein Förderdarlehen von 50.000<br />
Euro pro Kind zu besonders günstigen Konditionen. Neu<br />
ist auch das Programm „ Jung kauft Alt“: Familien, die ein<br />
altes Gebäude von vor 1990 kaufen oder sanieren, können<br />
weitere 50.000 Euro als zinsgünstigen Kredit mit langer<br />
Laufzeit für den Kauf erhalten.<br />
HOLZ ALS BAUSTOFF<br />
Ein Besuch bei Familie Schumann-Rautenberg<br />
in Altmittweida<br />
ALLE UNTER<br />
EINEM DACH<br />
Sohn und Enkel Steve genießt<br />
die Zeit mit Eltern und Großeltern<br />
unter einem Dach, er hilft<br />
und kümmert sich um den Opa<br />
mit Pflegestufe 2. „Für mich ist<br />
das der Generationenvertrag“,<br />
sagt er.<br />
Danach kann die Uhr gestellt werden: Jeden Sonntag<br />
um 11:45 Uhr gibt es Mittagessen bei Familie Schumann-<br />
Rautenberg in Altmittweida. Die ganze Familie kommt<br />
dann zusammen. Alle drei Generationen. „Das gemeinsame<br />
Essen bedeutet für uns nicht nur Geselligkeit, sondern<br />
ist auch wichtig, um die kommende Woche zu planen“,<br />
sagt Steve Rautenberg, der Jüngste der Familie. Neben<br />
seinem Studium an der Hochschule in der Nachbarstadt<br />
Mittweida kümmert er sich um seine Großeltern. „Mein<br />
Opa hat Pflegestufe 2. Meine Oma keinen Führerschein. Da<br />
meine Eltern am Tag nicht zu Hause sind, übernehme ich<br />
Unterstützung und Pflege“, erklärt der Student.<br />
Beim Sonntagsessen werden die Fahrten zum Arzt, zu Geburtstagen<br />
oder zum Einkaufen geplant. „Außerdem machen<br />
wir aus, wann ich in der Woche für meine Großeltern<br />
koche“, erklärt der Enkel. Auch wenn er selbst viel unterwegs<br />
ist, nimmt er sich die Zeit. „Für mich ist das der Generationenvertrag.<br />
Meine Großeltern haben meine Eltern<br />
und mich großgezogen. Jetzt gebe ich meine Dankbarkeit<br />
zurück“, sagt Steve Rautenberg. Eigens dafür hat er auch<br />
einen Antrag gestellt, um Pflegeperson für seinen Großvater<br />
zu werden.<br />
Dass ihr Sohn zu Hause mithilft, darüber sind Vater Mario<br />
und Mutter Marion froh. „Ein Pflegeplatz ist teuer. Auch<br />
ein Pflegedienst kostet viel Geld. Das kann sich nicht jeder<br />
leisten“, sagt Mario Rautenberg. Die Unterstützung und<br />
Pflege durch Angehörige ist da eine naheliegende Lösung.<br />
„Die Großeltern haben ein ganzes Leben lang gearbeitet.<br />
Jetzt wollen wir ihnen auch einen schönen Ruhestand im<br />
eigenen Zuhause machen“, sagt Marion Rautenberg.<br />
während der Enkel laut Musik hört. „Ganz klar: Manchmal<br />
kriegen wir uns auch an die Köppe. Den Streit können wir<br />
aber immer schnell beiseite legen“, sagt Steve Rautenberg.<br />
Das Leben mit seinen Eltern und Großeltern gefällt ihm<br />
gut. Irgendwann der Region den Rücken zu kehren, ist für<br />
ihn zwar nicht ausgeschlossen. „Aber ich möchte zu Hause<br />
weiterhin Verantwortung übernehmen. Meine Familie ist<br />
mir wichtig. Ich möchte für sie da sein“, sagt er.<br />
Seine Großeltern nehmen diese Unterstützung gerne an<br />
– besonders, wenn es um digitale Medien geht. „Mit dem<br />
Internet haben wir beide gar nichts zu tun. Vieles lässt<br />
sich aber heute hier schneller erledigen. Wir lassen uns<br />
manchmal etwas bestellen, was es im Laden nicht gibt“,<br />
sagt Renate Schumann. Ihr Mann Rolf ergänzt: „Gemeinsames<br />
Fußballgucken mit dem Enkel ist besonders schön!“<br />
Fakt ist: Generationenübergreifendes Wohnen liegt wieder<br />
im Trend. Der <strong>CDU</strong>-Regionalpolitiker Ronny Wähner sieht<br />
darin auch eine Chance für den ländlichen Raum. Er sagt:<br />
„Die Jüngsten freuen sich, wenn immer jemand Zeit zum<br />
Spielen hat, berufstätige Eltern genießen die grundsätzliche<br />
Entlastung im Alltag und die Ältesten sind für Hilfe<br />
bei beschwerlichen Hausarbeiten dankbar. Die <strong>CDU</strong>-Fraktion<br />
setzt sich daher für den weiteren Ausbau dieser traditionellen<br />
Wohnsituation ein. Das gelebte Miteinander<br />
trägt aktiv zur Stärkung des ländlichen Raums bei.“<br />
Drei Generationen unter einem Dach – da kommt es auch<br />
zu Missverständnissen. Der eine will gerade schlafen,<br />
wenn der andere saugt. Oder die Großeltern lesen Zeitung,<br />
Ronny Wähner<br />
<strong>CDU</strong>-Regionalpolitiker<br />
Der Bau mit Holz hat in Sachsen eine lange Tradition. Außerdem<br />
ist Holz ein nachwachsender Rohstoff und das<br />
Bauen mit ihm fördert Nachhaltigkeit und Wirtschaft<br />
vor Ort. Deswegen hat die <strong>CDU</strong>-Landtagsfraktion einem<br />
Antrag zur Stärkung des Holzbaus zugestimmt. „Sachsen<br />
kann ein Vorbild beim Baustoff Holz werden“, sagt der<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordnete Ingo Flemming.<br />
16<br />
DIE RICHTIGE ADRESSE<br />
„Generationenübergreifendes Wohnen<br />
liegt wieder im Trend. Das gelebte Miteinander<br />
trägt aktiv zur Stärkung des<br />
ländlichen Raumes bei.“<br />
Opa und Enkel beim Spaziergang.<br />
Beim sonntäglichen Essen wird<br />
vorab die ganze Woche geplant.<br />
17
TEIL 1<br />
HELDEN DES ALLTAGS<br />
Ohne sie stände der Freistaat still: In unserer Serie stellen wir aktive Senioren aus Sachsen<br />
vor. Im ersten Teil schauen wir auf Vorstände und Sportbegeisterte<br />
Die Leidenschaft für ihren Garten fühlt Bärbel Labrenz seit beruflich zum Beispiel Ausfahrten und Weihnachtsfeiern<br />
Langem. Bereits 1992 übernahm sie einen Kleingarten in für Senioren. „Diese Seniorenbetreuung möchte ich ab<br />
der Nähe von Glauchau. „In meinem Garten mag ich die nächstes Jahr wieder aufleben lassen“, ist Bärbel Labrenz<br />
Sommerblumen.“ Nachdem sie erst die Schriftführerin bei entschlossen.<br />
den Gartenfreunden Remse war, übernahm sie die Position<br />
als Vorstand. „Mir ist die Geselligkeit und Zusammenarbeit<br />
im Verein wichtig“, sagt Labrenz. Neben ihrem En-<br />
nicht nur auf der Couch zu sitzen. Der sportliche Senior<br />
Den Ruhestand zu genießen, bedeutet für Frank Zetzsche<br />
gagement im Verein ist die aktive Gärtnerin auch in der ist vom Radfahren begeistert. „Mir ist wichtig, dass die<br />
Seniorenarbeit engagiert. Vor ihrer Rente organsierte sie Gesundheit erhalten bleibt“, sagt er. Aktuell besitzt Frank<br />
FRANK ZETZSCHE (69)<br />
Der sportliche Senior ist sich sicher: „Rente ist<br />
nicht Couch und Sessel.“ Um gesund und aktiv<br />
zu bleiben, schwingt er sich regelmäßig auf das<br />
Fahrrad. Zunächst fuhr er immer von Glauchau<br />
nach Chemnitz. Heute ist er bei Radgruppen in<br />
Meerane und Zwickau dabei. Auch Fahrradmessen<br />
besucht Frank Zetzsche und informiert sich<br />
hier über Neuheiten in seinem Lieblingssport.<br />
Zetzsche drei Fahrräder. Sein liebstes: <strong>14</strong> Kilo leicht und<br />
mit Getriebeschaltung. „Das ist ein ganz angenehmes Fahren“,<br />
erklärt er. Wenn er mit dem Rad unterwegs ist, dann<br />
häufig in Gruppenfahrten. Frank Zetzsche fährt beim Bürgerverein<br />
Meerane und beim ADFC Zwickau mit. „Je nachdem,<br />
was für Touren geplant werden, sind die Strecken 45<br />
bis 100 km lang. Wichtig ist immer das gesellige Zusammensein“,<br />
erzählt der sportliche Senior. „Frank Zetzsche ist<br />
für mich ein Vorbild, weil er sich über persönliche Belange<br />
hinaus für die Gesellschaft einsetzt“, sagt die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Ines Springer. „Genau wie Bärbel Labrenz: Sie wird<br />
nicht müde, anderen immer wieder Mut zu machen.“<br />
Als Landrat des Landkreises Marienberg und ab 1994 des<br />
Mittleren Erzgebirgskreises übernahm Albrecht Kohlsdorf<br />
lange Jahre politische Verantwortung. Als Geschäftsführer<br />
der Krankenhaus-Gesundheitsholding Erzgebirge war er<br />
danach weiterhin in leitender Position aktiv. Auch heute<br />
– im Rentenalter – kommt für ihn der Ruhestand im klassischen<br />
Sinn nicht in Frage. „Ich bin Vizepräsident des<br />
DRK-Kreisverbandes Erzgebirge und im Vorstand der Gebietsverkehrswacht<br />
Mittleres Erzgebirge“, erzählt er. „Albrecht<br />
Kohlsdorf ist außerdem Stadtrat in Marienberg“, lobt<br />
der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Jörg Markert. „Mit seinem Engagement<br />
gestaltet er unsere Region maßgeblich mit!“<br />
ALBRECHT KOHLSDORF (68)<br />
Der ehemalige Landrat genießt seinen Unruhestand.<br />
Als Vizepräsident des DRK-Kreisverbandes Erzgebirge,<br />
Vorstandmitglied der Gebietsverkehrswacht Mittleres<br />
Erzgebirge und Stadtrat in Marienberg übernimmt<br />
er weiterhin viel Verantwortung.<br />
BÄRBEL LABRENZ (68)<br />
Die aktive Seniorin ist im Vorstand der Gartenfreunde<br />
Remse. Als Vorsitzende setzt sie sich<br />
für den Zusammenhalt der Vereinsmitglieder<br />
ein. Im Beruf kümmerte sich Bärbel Labrenz<br />
um die Seniorenarbeit in der Region Glauchau.<br />
Das Engagement möchte sie nach der Corona-<br />
Pandemie wieder aufleben lassen.<br />
18<br />
19
JUNG TRIFFT ALT<br />
ALT TRIFFT JUNG<br />
Ingrid Petzold ist 70 Jahre alt, war Landtagsabgeordnete<br />
und ist heute ehrenamtliche Stadträtin<br />
in Radeberg und bei der Senioren Union. Tina<br />
Trompter ist 20, studiert in Leipzig und ist dort<br />
im Vorstand der Jungen Union und außerdem<br />
Stadtbezirksrätin. „Wir brauchen den Austausch<br />
der Generationen“, sind sich die beiden einig.<br />
Zwei Frauen, engagiert, mit Leidenschaft für<br />
Politik – zwischen ihnen liegen 50 Jahre. Ein<br />
Gespräch über Verbindendes, Motive und<br />
das, was man voneinander lernen kann<br />
Ingrid Petzold ist 70 Jahre alt. Sie war Gründungsmitglied<br />
der Frauen-Union der sächsischen <strong>CDU</strong> und lange Jahre<br />
ihre Vorsitzende. Von 1994 bis 2004 war Petzold Mitglied<br />
des Landtages. Heute ist sie ehrenamtlich Stadträtin in<br />
Radeberg und bei der Senioren-Union. Tina Trompter<br />
ist 20 Jahre alt, kommt aus Leipzig und studiert<br />
Wirtschaftspsychologie. Sie ist im Vorstand der<br />
Jungen Union in ihrer Heimatstadt und ehrenamtliche<br />
Stadtbezirksbeirätin.<br />
Wie kamen beide zur Politik? Ingrid Petzold erzählt, dass<br />
sie sich vor 1989 zwar schon politisch interessierte – aber in<br />
der DDR nie engagierte. „Mit der Wiedervereinigung habe<br />
ich gesagt: Jetzt mache ich mit! Ich wollte die Entwicklung<br />
Sachsens mitgestalten.“ Bei Tina Trompter wurde auch zu<br />
Hause viel über Politik diskutiert. „Ich war neugierig und<br />
habe mit 15 Jahren einfach meinem <strong>CDU</strong>-Landtagsabgeordneten<br />
Holger Gasse einen Brief geschrieben. Ich wollte<br />
ihn treffen und mir ein eigenes Bild von Politik machen.“<br />
20 21
Das darauffolgende Gespräch mit dem Abgeordneten<br />
habe sie überzeugt.<br />
Was war 1990 anders in der Politik? Petzold: „Wir hatten<br />
damals die Chance, in die Politik zu gehen, ohne dass wir<br />
Politik gelernt hatten. Wir haben unseren Beruf, unsere<br />
Lebenserfahrung mitgebracht.“ Und weil die Bürokratie<br />
sich erst entwickelt habe, konnte man viel leichter Sachen<br />
umsetzen. „Wo man heute als Bürgermeister den Staatsanwalt<br />
auf den Hals kriegen würde.“<br />
Was haben sie für Erfahrungen gemacht? Petzold machte<br />
sich als <strong>CDU</strong>-Abgeordnete im Landtag besonders für Frauen-<br />
und Sozialpolitik stark. „Frauenpolitik bedeutet aber<br />
auch Wirtschaftspolitik – diese Erkenntnis war damals<br />
schwer zu vermitteln. Ich war schon froh, als ich stellvertretendes<br />
Mitglied in dem Arbeitskreis Wirtschaft und<br />
„Es muss normal sein, dass es auf Parteitagen eine Kinderbetreuung gibt. Wir sind ja eine<br />
Volkspartei“, sagt Tina Trompter. „Und wenn bei uns Kinder rumlaufen, zeigt das auch,<br />
dass wir wirklich in der Mitte der Gesellschaft sind.“<br />
„Politik wird nicht nur für Junge oder nur die Älteren gemacht“, sagt Ingrid Petzold. „Es ist<br />
eine Symbiose. Nur die Erfahrung der Älteren reicht nicht, es braucht auch die Impulse der<br />
Jüngeren“, sagt die ehemalige <strong>CDU</strong>-Abgeordnete.<br />
Arbeit wurde.“ Für Tina Trompter ist das Engagement besonders<br />
wichtig. Sie sagt: „Ich finde, dass man sich wahnsinnig<br />
als Persönlichkeit weiterentwickeln kann.“<br />
Warum sind beide aktiv? Da sind sich beide Frauen einig:<br />
Weil man auch kleine Sachen bewirken und mitgestalten<br />
kann. „Weil Politik nicht nur für Junge oder nur die Älteren<br />
gemacht wird. Es ist eine Symbiose. Nur die Erfahrung der<br />
Älteren reicht nicht, es braucht auch die Impulse der Jüngeren“,<br />
sagt die ehemalige <strong>CDU</strong>-Abgeordnete.<br />
Welchen Rat würden sich beide geben? Ingrid Petzold<br />
empfiehlt den Jüngeren, sich den Spaß an der Politik zu erhalten<br />
– aber einen Ratschlag will sie nicht geben: „Die Erfahrungen,<br />
die wir als Ältere mitbringen, können wir versuchen<br />
weiterzugeben. Aber die junge Generation muss<br />
ihre eigenen Erfahrungen machen!“ Tina Trompter nickt<br />
und ist überzeugt, dass die ältere Generation aber von ihrer<br />
etwas lernen kann: Social Media. „Sie nutzen oft immer<br />
noch ausschließlich klassische Medien, wie das Fernsehen.<br />
Aber die Welt hat sich weiterentwickelt.“ Ingrid Petzold<br />
lacht und weist auf ihren eigenen Facebook-Kanal hin.<br />
Denn auch immer mehr Senioren sind heute im Netz unterwegs.<br />
Und was wünschen sich beide Frauen? Da sind sich<br />
Petzold und Trompter wieder einig: „Dass wir in der <strong>CDU</strong><br />
das Miteinander pflegen!“ Und dass Politik attraktiver<br />
wird für Frauen. „Es muss normal sein, dass es auf Parteitagen<br />
eine Kinderbetreuung gibt. Wir sind ja eine Volkspartei.<br />
Und wenn bei uns Kinder rumlaufen, zeigt das auch,<br />
dass wir wirklich in der Mitte der Gesellschaft sind“, sagt<br />
Tina Trompter.<br />
Wie kann man die unterschiedlichen Generationen zusammenbringen?<br />
Mit Respekt füreinander, sagen beide.<br />
Für die junge Generation sei Umweltschutz besonders<br />
wichtig. Ingrid Petzold sagt: „Aber es fehlt ihr an Wissen,<br />
was schon gemacht wurde! Ich erinnere mich noch, wie es<br />
in Leipzig 1989 aussah, und wie sauber jetzt unsere Flüsse<br />
und Seen sind.“ Das „Fridays for Future“-Argument, die<br />
ältere Generation raube den Jungen die Zukunft, will sie<br />
so nicht stehen lassen. Das sieht auch Tina Trompter so:<br />
„Wenn man sich überlegt, dass die Großeltern nach dem<br />
Krieg dieses Land erst aufgebaut haben und in welchem<br />
Wohlstand wir heute leben, muss man dankbar sein. Es ist<br />
auch wichtig, dass man die jungen Leute da vielleicht ein<br />
bisschen in die Schranken weist.“<br />
Das Fazit von beiden Frauen: „Wir brauchen den Austausch<br />
der Generationen, wie wir ihn hier gerade machen“,<br />
sagt Tina Trompter und Ingrid Petzold stimmt ihr zu, ergänzt:<br />
„Und ich wünsche mir, dass gerade wir in der <strong>CDU</strong>,<br />
das Miteinander der Generationen gut hinbekommen.“<br />
An dem Aufkleber „Notfalldose" erkennen<br />
die Retter, dass die grüne Dose im<br />
Kühlschrank zu finden ist. Der Aufkleber<br />
sollte gut sichtbar an der Eingangstür zur<br />
Wohnung angebracht werden.<br />
EINE DOSE FÜR<br />
DEN NOTFALL<br />
In Görlitz und Dresden sind sie schon<br />
eingeführt, Chemnitz hat im Frühjahr<br />
nachgezogen: Die grünen Notfalldosen.<br />
Sie retten im Ernstfall Leben. Denn Rettungssanitäter<br />
wissen: Hier sind alle<br />
wichtigen Informationen gesammelt.<br />
Die Dosen sind nicht größer als ein Gewürzstreuer<br />
und sollten möglichst in<br />
der Kühlschranktür aufbewahrt werden.<br />
Ein Aufkleber auf der Haustür informiert<br />
die Rettungssanitäter schon<br />
beim Eintreffen. Auf dem beigefügten<br />
Zettel sollten Informationen wie benötigte<br />
Medikamente, Kontaktdaten des<br />
Hausarztes, Blutgruppe und Allergien<br />
eingetragen werden. Die Stadt Chemnitz<br />
hat 6.000 Dosen im Rahmen eines<br />
Präventionsprojektes angeschafft und<br />
etwa an Pflegedienste, Begegnungsstätten<br />
und Krankenkassen verteilt. Vom<br />
Freistaat gab es Fördermittel in Höhe<br />
von 10.000 Euro dafür.<br />
22<br />
23
HIER TESTEN<br />
SENIOREN<br />
NEUE PRODUKTE<br />
Die Wirtschaft richtet sich auf eine älter werdende<br />
Gesellschaft ein. Der Chemnitzer Q-Hub baut dafür<br />
ein Netzwerk von Start-ups auf<br />
„Fast jeder zweite Chemnitzer ist heute 50 Jahre<br />
oder älter. Damit bietet Chemnitz schon heute ein<br />
Umfeld, das ab 2040 in ganz Deutschland vorhanden<br />
sein wird“, sagt Dr. Mario Geißler. Er ist Geschäftsführer<br />
des Q-Hub in Chemnitz. Geißler sieht<br />
in der <strong>Alter</strong>sentwicklung der Bundesrepublik und<br />
der aktuellen Entwicklung in Chemnitz eine große<br />
Chance. Denn sein Q-Hub konzentriert sich auf Unternehmen<br />
der sogenannten Silver Economy – dem<br />
Wirtschaftszweig mit Produkten und Dienstleistung<br />
für ältere Konsumenten. Denen bieten Geißler und<br />
sein Team Platz in ihrem Coworking-Space, Workshop-Räume<br />
und Zugang zu Personen aus der Zielgruppe<br />
sowie einem bundesweiten Netzwerk.<br />
„<strong>Alter</strong> ist einfach ein Perspektivwechsel mit neuen<br />
Chancen und Bedürfnissen. Das hat auch Einfluss<br />
auf die Wirtschaft. Unternehmen müssen die Produkte<br />
bieten, die die Zielgruppe ab 50 plus braucht“,<br />
sagt Geißler. Die Branche hat dabei bislang ein großes<br />
Problem: „Häufig entwickeln junge Menschen<br />
Produkte für Ältere.“ Durch diesen <strong>Alter</strong>sunterschied<br />
kommt es zu Missverständnissen: „Manche<br />
Start-ups entwickeln ihre Angebote oft ohne Berücksichtigung<br />
der Bedürfnisse und Lebenswelt der<br />
Zielgruppe“, beschreibt Geißler. Er will Brücken zwischen<br />
den Erfindern und den Anwendern von altersgerechten<br />
Produkten bauen.<br />
Im Rahmen der Age Tech Konferenz<br />
werden etwa Fragen<br />
diskutiert, wie zum Beispiel<br />
Technologie das selbstbestimmte<br />
Leben im <strong>Alter</strong> unterstützen<br />
kann.<br />
Mit dem Q-Hub-Team initiiert Dr. Geißler daher das<br />
„Age Tech Living Lab“ und die „Age Tech Konferenz“.<br />
„Hier geht es um Produkte, Dienstleistungen und<br />
Entwicklungen, die mit technischen und digitalen<br />
Komponenten Lebensfreude, eine hohe Lebensqualität<br />
und ein selbstbestimmtes Leben unterstützen“,<br />
erklärt er. Im „Lab“ kommen Entwickler und Anbieter<br />
der Silver Economy mit Vertretern aus ihrer Zielgruppe<br />
zusammen. Die Entwickler erhalten so frühzeitig<br />
Feedback zu ihren Ideen und Produkten und können<br />
ihre Geschäftsmodelle schneller marktfähig machen.<br />
Ein Element der Produkttests sind Gruppendiskussionen:<br />
Hier sprechen die Personen aus der Zielgruppe<br />
über ihre Erwartungen an ein Produkt, das sich in der<br />
Entwicklung befindet.<br />
Ines Saborowski<br />
<strong>CDU</strong>-Wirtschaftspolitikerin<br />
In Interviews geben die Testpersonen<br />
ihre Eindrücke<br />
wieder, die sie sich über die<br />
getesteten Produkte und Angebote<br />
gebildet haben. Die<br />
Ergebnisse helfen den Produktentwicklern.<br />
Auf der Konferenz erhalten die Teilnehmer Impulse<br />
von anderen Unternehmern der Silver Economy:<br />
„Durch seine <strong>Alter</strong>sstruktur ist Chemnitz ein idealer<br />
Testmarkt für altersbezogene Geschäftsmodelle“, ist<br />
sich Geißler sicher – und dass der Standort nur davon<br />
profitieren kann.<br />
STOLZ AUF DIE GRÜNDER<br />
„Chemnitz ist Vorreiter für solche innovativen<br />
Ansätze. Die Stadt gilt als<br />
eine mit der ältesten Bevölkerung Europas.<br />
Senioren sind heute eine nicht<br />
zu unterschätzende Kundengruppe.“<br />
24<br />
25
UNSERE GESCHICHTE<br />
1836 gründete Seilermeister<br />
Theodor Reis die Görlitzer Hanfund<br />
Drahtseilerei. Heute ist das<br />
Unternehmen in 8. Generation in<br />
Familienbesitz. Gerade erst hat Seilermeister<br />
Helmut Goltz den Betrieb<br />
an seine Tochter übergeben: „Für<br />
mich ist das die Krönung meines<br />
Unternehmerlebens“, sagt er.<br />
NACHFOLGE<br />
GESUCHT<br />
Für das eigene Unternehmen einen Nachfolger zu finden,<br />
ist nicht leicht. Diese zwei sächsischen Betriebe<br />
setzten auf eine familieninterne Lösung<br />
Tradition, die Bestand hat: Die Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei<br />
GmbH & Co. KG feierte gerade erst 185-jähriges<br />
Bestehen. Gegründet hat die Firma 1836 Seilermeister<br />
Theodor Reis. Seitdem befindet sich das Unternehmen in<br />
Familienbesitz. Helmut Goltz ist seit 1977 dabei und übernahm<br />
1990 die Leitung. „Außer unserem Namen und unserem<br />
Können hatten wir Anfang der 1990er Jahre nichts<br />
zu bieten, weder Kapital noch Grund und Boden“, schaut<br />
Goltz in die jüngere Unternehmensgeschichte zurück. Und<br />
fährt fort: „Uns ist es gelungen, Vertrauen aufzubauen und<br />
schnell Anschluss an die Märkte im deutschsprachigen<br />
Raum zu gewinnen“.<br />
Der Seilermeister ist über das Erreichte der vergangenen<br />
Jahre froh. Das Unternehmen wuchs unter seiner Leitung –<br />
von 100 stieg die Zahl auf 1000 betreute Kunden. Über fünf<br />
Millionen Euro investierte Goltz in den Ausbau der Hanf-<br />
und Drahtseilerei. „Wir setzen konsequent auf den eigenen<br />
Berufsnachwuchs. Dabei nutzen wir alle Möglichkeiten,<br />
junge Menschen für den Beruf zu begeistern. So können<br />
junge Leute im Rahmen von Praktika, Einstiegsqualifizierungen<br />
oder Ferienjobs das Handwerk näher kennenlernen.“,<br />
erklärt Goltz seine Strategie.<br />
Auch bei der Unternehmensnachfolge setzt er auf die<br />
nachkommende Generation. Die Görlitzer Hanf- und<br />
Drahtseilerei soll auch in Zukunft familiengeführt bleiben.<br />
Seilermeister Goltz holte daher bereits 2015 seine Tochter<br />
Claudia Peschel-Goltz in die Geschäftsleitung des Betriebs.<br />
So bereitete er sie darauf vor, in seine Fußstapfen zu treten.<br />
„Für mich ist es die Krönung meines Unternehmerlebens,<br />
den Betrieb in naher Zukunft komplett an meine Tochter<br />
übergeben zu können. Auch ihr Ehemann arbeitet seit geraumer<br />
Zeit im Unternehmen mit“, freut sich Goltz. Seine<br />
26 27
Tochter ergänzt: „Ich habe die Zeit genutzt, um von meinem<br />
Vater und den erfahrenen Mitarbeitern zu lernen“.<br />
Wenn Peschel-Goltz von ihrem Vater übernimmt, dann<br />
befindet sich die Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei in der<br />
achten Familiengeneration. An den alten Grundsätzen will<br />
die zukünftige Geschäftsführerin festhalten. „Ob vormals<br />
im Ladengeschäft am Demianiplatz oder im Firmensitz<br />
am Flugplatz – die Nähe zum Kunden und die Ausrichtung<br />
unserer Leistungen nach dessen Wünsche war stets der<br />
Schlüssel zum Erfolg. Diesen Weg werden wir weiterverfolgen.<br />
Denn das zeichnet uns seit 185 Jahren aus“, sagt Peschel-Goltz.<br />
„Dass dieses traditionsreiche Unternehmen in<br />
der achten Generation fortgeführt wird, ist ein toller Erfolg<br />
für Görlitz und auch Sachsen", sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Stephan Meyer. „Das zeigt einmal mehr, dass wir Sachsen<br />
Familienmenschen sind!"<br />
Während bei der Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei die Unternehmensübergabe<br />
weiter vorbereitet wird, ist sie bei<br />
Tommy Leidereiter und seiner Tante Martina Zeidler bereits<br />
erfolgreich verlaufen. Zeidler betrieb im Heinsdorfergrund<br />
eine Bäckerei. Anfang 2021 ging sie in den Ruhestand. Die<br />
Suche nach einem Nachfolger war zunächst eine Herausforderung<br />
und wurde dann ein glücklicher Zufall: Ihr Neffe<br />
Tommy Leidereiter befand sich in der Meisterausbildung<br />
und übernahm das Geschäft im vergangenen September.<br />
Damit ist Leidereiter jetzt der jüngste Bäckermeisters<br />
Im September 2021 übernahm<br />
Tommy Leidereiter die Bäckerei<br />
seiner Tante. Jetzt ist er der<br />
jüngste Bäckermeister Sachsens<br />
mit eigener Bäckerei.<br />
Sachsens mit eigener Bäckerei. Sein Team besteht aus einem<br />
Gesellen, einer Konditorin und vier Verkäuferinnen.<br />
„Ich freue mich sehr über die Weiterführung der Bäckerei<br />
Zeidler in Unterheinsdorf durch den jungen Bäckermeister<br />
Tommy Leidereiter. Mit seinem Engagement setzt er eine<br />
Tradition in fünfter Generation fort“ , sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Stephan Hösl. „Zu den Herausforderungen für das<br />
Handwerk in den letzten Monaten kommt hinzu: Es ist gerade<br />
im Bäckerhandwerk nicht selbstverständlich, durch<br />
eine geeignete Nachfolge ein Geschäft zu erhalten. Ich<br />
halte es für umso wichtiger als Politiker, diesen Einsatz zu<br />
unterstützen und Möglichkeiten statt Hürden zu schaffen.<br />
Ich wünsche Tommy und seinem ganzen Team viel Erfolg.“<br />
Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge wie bei der<br />
Görlitzer Hanf- und Drahtseilerei und der Bäckerei Zeidler<br />
muss gut vorbereitet werden. „Das kann fünf bis zehn<br />
Jahre dauern“, weiß Franca Heß, Referatsleiterin Starthilfe<br />
und Unternehmensförderung bei der Industrie- und Handelskammer<br />
Chemnitz. Sie empfiehlt Unternehmern, die<br />
eine Nachfolge suchen, frühzeitig damit zu beginnen. „Es<br />
muss auch immer der richtige Nachfolger gefunden werden,<br />
der das Unternehmen übernehmen will. Das ist von<br />
Branche zu Branche unterschiedlich“, weiß die Beraterin.<br />
Wer sich über Möglichkeiten einer Unternehmensnachfolge<br />
informieren will, der kann jederzeit unverbindlich Kontakt<br />
zur IHK aufnehmen.<br />
3 FRAGEN AN<br />
WIRTSCHAFTSPOLITIKER<br />
JAN HIPPOLD<br />
AB WANN SOLLTEN SICH UNTERNEHMER UM EINE<br />
NACHFOLGE KÜMMERN?<br />
„Wie in vielen Lebensbereichen gilt auch hier: Je früher<br />
man mit der Nachfolgeplanung beginnt, desto besser. Unternehmer<br />
sollten mindestens drei Jahre, besser fünf für<br />
diesen Prozess einplanen: Die Unternehmensbewertung,<br />
den Kaufpreis verhandeln, Verträge aufsetzen, den Nachfolger<br />
einarbeiten – all das kostet Zeit.“<br />
WAS KANN EIN UNTERNEHMER TUN, WENN ER<br />
NIEMANDEN FINDET?<br />
Für diesen speziellen Fall gibt es verschiedene Möglichkeiten:<br />
Der Firmeninhaber kann beispielsweise als Führung des<br />
Unternehmens angestellte oder teilbeteiligte Geschäftsführer<br />
einsetzen. Oder über die Errichtung einer Familienstiftung<br />
als generationsübergreifende Eigentümerin nachdenken,<br />
unter deren Kontrolle angestellte Geschäftsführer das<br />
Geschäft des Familienunternehmens leiten. Oder das Unternehmen<br />
wird an bewährte leitende Mitarbeiter in Form ei-<br />
WEITER AUF'M DACH<br />
Ruhestand ist keine Option: Friedemann<br />
Wendler bleibt seiner Arbeit treu<br />
Friedemann Wendler liebt seinen Beruf. Daher macht der<br />
Dachdecker aus Falkenstein im Vogtland auch mit 71 Jahren<br />
einfach weiter. „Ich würde heute wieder die gleiche<br />
Lehre machen. Ich mache weiter, solange es geht“, sagt<br />
er. Auf das Gerüst zu steigen und auf dem Dach zu arbeiten,<br />
ist für ihn kein Problem. „Der Tag ist mit einer sinnvollen<br />
Aufgabe ausgefüllt.“ Die Arbeit an der frischen Luft<br />
tut ihm gut. „Man kommt abends nach Hause und weiß,<br />
dass man was geschafft hat. Außerdem schmeckt das Essen<br />
ganz anders“, weiß der Dachdecker. Wenn Wendler<br />
nicht auf einer Baustelle ist, sitzt er im Stadtrat von Falkenstein.<br />
„Friedemann Wendler ist für mich ein richtiger<br />
,Macher'. Ein Mensch, der anpackt und sich einbringt –<br />
nicht nur auf den Dächern, sondern mindestens genauso<br />
im Stadtrat“, sagt Sören Voigt von der <strong>CDU</strong>-Fraktion.<br />
„Er ist eine Bereicherung für unsere Gesellschaft und die<br />
Stadt Falkenstein.“<br />
„Man weiß, dass man was<br />
geschafft hat.“ Dachdecker<br />
Friedemann Wendler ist mit<br />
71 Jahren immer noch auf der<br />
Baustelle unterwegs – und<br />
bringt sich im Stadtrat ein.<br />
Sören Voigt<br />
Parlamentarischer Geschäftsführer<br />
der <strong>CDU</strong>-Fraktion<br />
Stephan Hösl<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
GEMEINSAM AM BESTEN<br />
„Das Miteinander von Jung und Alt<br />
ist in Sachsen auch generationsübergreifend<br />
kein Problem.“<br />
nes Management-Buy-Out (MBO) weitergereicht.<br />
WIE KANN DIE POLITIK UNTERNEHMER UNTER-<br />
STÜTZEN?<br />
Die Politik hilft schon seit Jahren. Der Freistaat Sachsen<br />
unterstützt etwa die Idee, dass erfahrene Senioren kleine<br />
Unternehmen und junge Menschen beraten. Auch fördert<br />
der Freistaat die Konzepterstellung für Unternehmensnachfolgen.<br />
Außerdem sind Informationsangebote der<br />
Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern<br />
eingerichtet worden.<br />
28 29
TEIL 2<br />
HELDEN DES ALLTAGS<br />
Schulweghelfer, Lehrer und Gartenvorstand: In ihr Engagement bringen diese Senioren viel<br />
Lebenserfahrung ein<br />
Werner Niehle ist der älteste Schulweghelfer in Dresden.<br />
Er sei mit seinen 88 Jahren „Kult“, schrieb die Sächsische<br />
Zeitung erst kürzlich über ihn. Seit 13 Jahren steht er an<br />
Schultagen jeden Morgen ab 7 Uhr vor der 68. Grundschule<br />
an der Heiligenbornstraße. Dort regelt er den Verkehr und<br />
hilft den Kindern über die Straße. Werner Niehle ist einer<br />
von 33 Helfern bei der Verkehrswacht Dresden, die als ehrenamtliche<br />
Schülerlotsen für einen sicheren Start in den<br />
Schultag sorgen.<br />
Hubert Hiersemann ist seit drei Jahren in Rente. Aktiv<br />
zu sein gehört dabei für ihn zum Ruhestand dazu. Er ist<br />
langjähriger Vorsitzender des Fördervereins der Medizinischen<br />
Berufsfachschule der Universitätsklinik Leipzig und<br />
Mitglied des Meisterprüfungsausschusses der Handwerkskammer<br />
Leipzig. „Ich mag den Kontakt zu Leuten und<br />
möchte meine Lebenserfahrung weitergeben“, sagt er. Als<br />
ehemaliger Deutsch- und Geschichtslehrer setzt er sich für<br />
das deutsche Volksliedgut ein: Deswegen engagiert er sich<br />
HUBERT HIERSEMANN (69)<br />
Für sein Engagement ist Hiersemann viel unterwegs.<br />
Neben seinem Engagement in der Region<br />
Leipzig ist er auch im Deutsch-Israelischen Verein<br />
aktiv. Dieser hat seinen Sitz im hessischen<br />
Gießen. „Ich möchte mit meinem Engagement<br />
auch Beispiel sein und zeigen, dass man viel<br />
bewegen kann“, sagt er.<br />
als Chorleiter einer Leipziger Kirchgemeinde. „Wir singen<br />
häufig in Pflegeheimen. Die Bewohner dort kennen die Lieder.<br />
Es ist schön zu sehen, wenn Menschen mit Demenz<br />
sich an ihre Vergangenheit erinnern und mitsingen“, erklärt<br />
der Senior. Der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Wolf-Dietrich Rost<br />
schätzt den Einsatz sehr: „Mit seinen vielen kleinen und<br />
großen Ehrenämtern ist Hubert Hiersemann eine Bereicherung<br />
für unsere Gesellschaft“, lobt er.<br />
Als Mitarbeiter im Leipziger Jobcenter betreute Christian<br />
Krafczyk Hartz-IV-Empfänger. Für Maßnahmen vermittelte<br />
er hierbei 1-Euro-Jobber an Kleingärten. Als Rentner<br />
besitzt Krafczyk jetzt selbst einen Garten und setzt sich<br />
für die Interessen der Gartenbesitzer ein. Der aktive Senior<br />
ist unter anderem Präsidiumsmitglied im Regionalverband<br />
Muldental der Kleingärtner. Außerdem ist Krafczyk<br />
im Kleingartenverein Rappenberg Grimma aktiv. „Ich will<br />
meine Freizeit voll ausschöpfen“, sagt der Senior. Er genießt<br />
die Zeit an der frischen Luft. „Einen Garten zu haben<br />
macht Spaß. Besonders gefällt mir alles, was blüht“, sagt<br />
der Gärtner. Auch der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Svend-Gunnar<br />
Kirmes kennt Krafczyks Engagement im Wahlkreis. „Er tut<br />
viel für die Kommune, ein echter Aktivposten! Das Engagement<br />
ist lobenswert.“<br />
CHRISTIAN KRAFCZYK (73)<br />
WERNER NIEHLE (88)<br />
Früher, bis zur Wende, war Werner Niehle selbst Lehrer. Heute<br />
steht er vor der Schule und lotst die Schüler der 68. Grundschule<br />
in Dresden sicher über die Straße. Seit 13 Jahren ist er als<br />
Schulweghelfer aktiv. Trotz der beiden künstlichen Kniegelenke<br />
denkt er noch lange nicht ans Aufhören. „Wir brauchen die ehrenamtlichen<br />
Helfer, um die Schulwege sicher zu machen“, sagt<br />
Peter Samuel von der Verkehrswacht Dresden. Und ergänzt:<br />
„Über jeden, der sich freiwillig meldet, freuen wir uns.“ Wer<br />
selbst Schülerlotse werden will, soll sich unter 0351/4859810 bei<br />
Peter Samuel und der Verkehrswacht Dresden melden.<br />
Die Interessen der Kleingärtner liegen Christian<br />
Krafczyk am Herzen. Als Präsidiumsmitglied im<br />
Regionalverband Muldental der Kleingärtner<br />
und Mitglied im Kleingartenverein Rappenberg<br />
Grimma setzt er sich seit mehreren Jahren auch<br />
politisch ein. Krafczyk warb zum Beispiel in<br />
Grimma für einen Kleingartenbeirat, wie er aus<br />
Leipzig bekannt ist.<br />
30<br />
31
SCHÖNER WOHNEN<br />
IM BESTEN ALTER<br />
Neben dem Mietvertrag schließen<br />
die Senioren einen Betreuungsvetrag<br />
ab – mit Leistungen<br />
wie Einkaufsunterstützung, Essenslieferung<br />
oder Putzhilfe.<br />
Möglichst lange in der eigenen Wohnung bleiben,<br />
das wünschen sich viele Senioren. Der Freistaat<br />
hilft Kommunen, Wohnräume zu schaffen<br />
Selbstbestimmt, aber mit etwas Unterstützung – so sehen<br />
moderne Wohnkonzepte für Senioren aus. Auch die SEEG<br />
Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungsgesellschaft Meißen<br />
setzt auf dieses Modell. Gemeinsam mit der Stiftung<br />
Soziale Projekte (Sopro) bietet das städtische Wohnungsunternehmen<br />
das „Servicewohnen am Fellbacher Bogen“. 43<br />
senioren-freundliche und barrierefreie Wohnungen sind so<br />
entstanden. Unterstützung beim Einkaufen, eine tägliche<br />
Essenslieferung oder eine Putzhilfe können angefragt werden.<br />
„Der Mieter schließt einen normalen Mietvertrag mit<br />
uns ab. Parallel schließt er einen Vertrag mit dem Kooperationspartner<br />
Sopro über eine Betreuungspauschale – die individuell<br />
erweitert werden können“, erklärt David Császár von<br />
der SEEG. Beim Ausbau des Fellbacher Bogens wurde zudem<br />
eine Begegnungsstätte mit überdachter Terrasse eingerichtet.<br />
Hier kommen die Bewohner zum gemeinsamen Kaffeetrinken,<br />
Spielen und Quatschen zusammen.<br />
Die Wohnungen in der Fellbacher<br />
Straße 9–11 in Meißen<br />
waren kurz nach der barrierefreien<br />
Sanierung vermietet.<br />
Parallel zum Mietvertrag<br />
schließen die Senioren einen<br />
Vertrag ab mit ausgewählten<br />
Betreuungsleistungen.<br />
Der Freistaat Sachsen unterstützt solche Projekte. Kommunen<br />
können Fördermittel bekommen, um günstigen Miet-raum zu<br />
erstellen. Gefördert wird etwa die bessere Zugänglichkeit von<br />
Wohnungen, Gebäuden und Grundstücken, die Herrichtung<br />
zeitgemäßer Sanitärräume, der Einbau von Aufzugsanlagen<br />
oder der Einbruchschutz. Allein für dieses Programm stellt der<br />
der Landtag im Doppelhaushalt jährlich 24 Mio. Euro zur Verfügung.<br />
Dafür hat sie die <strong>CDU</strong> stark gemacht.<br />
Daniela Kuge<br />
<strong>CDU</strong>-Sozialpolitikerin<br />
Neben den Betreuungsmöglichkeiten<br />
besticht das Wohnkonzept<br />
vor allem durch die Gemeinschaft<br />
mit den Nachbarn.<br />
GEMEINSAM SCHÖNER<br />
„Niemand mag im <strong>Alter</strong> gern allein<br />
wohnen. Deshalb sind Projekte wie<br />
diese wichtig und unterstützenswert.“<br />
32 33
VEREINFACHTE STEUER-<br />
ERKLÄRUNG FÜR RENTNER<br />
Seit Mai 2019 kommen Rentnerinnen und Rentner im Freistaat<br />
Sachsen in den Genuss eines vereinfachten Steuerverfahrens:<br />
Dazu gibt es ein auf ihre Bedürfnisse besonders<br />
abgestimmtes Formular, das nur zwei Seiten umfasst.<br />
Und das kommt gut an: Im Jahr 2020 nutzten bereits ein<br />
Viertel aller Senioren im Freistaat diese Möglichkeit.<br />
Die vereinfachte Steuererklärung ist für alle möglich, die<br />
ausschließlich Rente oder Pension beziehen. Mit dem<br />
Papiervordruck können beispielsweise Spenden, haushaltsnahe<br />
Dienstleistungen und außergewöhnliche Belastungen<br />
wie hohe Arztrechnungen beim Finanzamt<br />
zur Berechnung der Steuer geltend zu machen. Daten, die<br />
der Steuerverwaltung bereits in elektronischer Form vorliegen,<br />
müssen in dem Formular nicht mehr extra erklärt<br />
werden. Das Finanzamt übernimmt beispielsweise die<br />
Renteneinkünfte oder Pensionen sowie Beiträge zur Kranken-<br />
und Pflegeversicherung automatisch.<br />
Die Steuererklärung auf zwei Seiten für Rentner ist ein<br />
groß angelegtes Modellprojekt und kann bislang nur in<br />
den Bundesländern Sachsen, Brandenburg, Bremen und<br />
Mecklenburg-Vorpommern genutzt werden. „Auch wenn<br />
das <strong>Thema</strong> Rente immer wieder sehr intensiv und viel diskutiert<br />
wird, freue ich mich, dass die sächsischen Rentner<br />
von diesem Modell der vereinfachten Steuererklärung profitieren“,<br />
sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Eric Dietrich. Und: „Wir<br />
brauchen viel mehr solche Ansätze, die Steuererklärungen<br />
einfacher und die Prozesse schneller zu gestalten. Dies gilt<br />
auch für die Digitalisierung der Staatsverwaltung generell.“<br />
Der Doppelhaushalt des Freistaats soll die<br />
bestehenden Strukturen sichern, ohne<br />
zukünftige Generationen zu sehr zu belasten<br />
„Den Staat und unsere Gesellschaft am Laufen zu halten,<br />
kostet Geld. Das ist nur begrenzt vorhanden. Das ist die einfache<br />
Wahrheit“, sagt <strong>CDU</strong>-Finanzpolitiker Georg Ludwig von<br />
Breitenbuch. „Das heißt, wir können nur so viel Geld ausgeben,<br />
wie wir einnehmen. Es zeugt also von Verantwortungsbewusstsein<br />
gegenüber dem Steuerzahler und künftigen<br />
Generationen, wenn wir an einer soliden Haushalts- und<br />
Finanzpolitik festhalten.“ Zumal Grundgesetz und die Sächsische<br />
Verfassung dazu klare Vorgaben machen, so der<br />
<strong>CDU</strong>-Finanzexperte.<br />
Die Koalition stand mit dem Doppelhaushalt 2021/2022 vor<br />
einer großen Herausforderung: Einerseits galt es, die wirtschaftlichen,<br />
sozialen und kulturellen Strukturen im Freistaat<br />
zu sichern. Andererseits war es wichtig, weiterhin eine<br />
solide Haushalts- und Finanzpolitik zu garantieren. „Das ist<br />
uns gelungen!“, so von Breitenbuch.<br />
„Die pandemiebedingten Schulden waren mit diesem Hintergrund<br />
notwendig. Aber wir werden sie verlässlich und<br />
möglichst zügig tilgen. Schließlich wollen wir zumindest in<br />
Sachsen die künftigen Generationen so wenig wie möglich<br />
belasten.“ Von Breitenbuch vergleicht das mit jedem Privatkredit:<br />
Eltern wollten die Abzahlung auch nicht ihren Kindern<br />
aufbürden. „Genauso haben wir als <strong>CDU</strong>-Fraktion den<br />
Anspruch, dass unsere Generation ihre eigenen Lasten abträgt,<br />
damit unsere Kinder über ihre Zukunft frei entscheiden<br />
können. Das nennt sich Generationengerechtigkeit.“<br />
GUT HAUSHALTEN<br />
FÜR MEINE ENKEL<br />
Georg-Ludwig von<br />
Breitenbuch<br />
<strong>CDU</strong>-Finanzpolitiker<br />
SCHULDEN ZÜGIG TILGEN<br />
„Wir wollen im Freistaat Sachsen die<br />
künftigen Generationen so wenig<br />
wie möglich belasten!“<br />
34<br />
35
Dr. Rotraud Sawatzki, 84,<br />
steht der Landesseniorenvertretung<br />
für Sachsen vor.<br />
SENIOREN IM EINSATZ<br />
„Es gibt einen Unterschied zwischen der tatsächlichen Bedrohungslage für Senioren und<br />
der gefühlten Sicherheit“, sagt der Sächsische Innenminister Roland Wöller. Denn tatsächlich:<br />
Senioren sind viel seltener von Kriminalität betroffen als gedacht.<br />
FÜR SENIOREN<br />
Wenn die Landesseniorenvertretung ruft,<br />
kommt auch der Innenminister<br />
Ob die Landesseniorenvertretung für Sachsen, kurz LSVfS, eine<br />
mächtige Organisation sei? Rotraut Sawatzki lacht. „Nein“,<br />
antwortet sie schließlich nach einiger Zeit, „mächtig sind wir<br />
nicht. Aber wirksam durchaus.“ Das hat auch etwas mit ihrer<br />
Amtsführung zu tun: Seit 2008 ist sie im Vorstand der LSVfS<br />
tätig, seit 2017 als Vorsitzende. Seitdem ist sehr viel passiert<br />
in der sächsischen Seniorenpolitik. Und wenn die Landesseniorenvertretung<br />
ruft, kommen auch gern die ganz Mächtigen.<br />
So hielt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete und sächsische Innenminister<br />
Roland Wöller den Eröffnungsvortrag auf einer Tagung<br />
der LVSfS Anfang September mit dem Titel: „Seniorensicherheit“.<br />
Wöller brachte beruhigende Worte zum <strong>Thema</strong> mit:<br />
„Es gibt einen Unterschied zwischen der tatsächlichen Bedrohungslage<br />
für Senioren und der gefühlten Sicherheit“,<br />
erklärte er. Tatsächlich ist die Zielgruppe 60+ mit 3.300 Opfern<br />
von Straftaten im Jahr 2020 in Sachsen nur in geringem<br />
Maße von Kriminalität betroffen. Gleichwohl sei der<br />
Wunsch nach gefühlter Sicherheit nicht zu unterschätzen,<br />
so Wöller, und der Staat müsse diesem Bedürfnis auch nachkommen.<br />
„Dafür braucht man eine gute Polizei, eine gute<br />
Ausstattung – und gern noch mehr Kompetenzen“, erklärte<br />
er. Offensiv warb der Minister darum, dass die Seniorenvertreter<br />
sich an der „Allianz sichere sächsische Kommunen<br />
(ASSKomm)“ beteiligen. Das ist eine Initiative des Landespräventionsrats<br />
Sachsen, die 2019 gegründet worden ist. Die<br />
Landesseniorenvertreter sind dem keineswegs abgeneigt.<br />
Sie haben aber noch eine andere Variante in den Blick genommen:<br />
Sie wünschen die flächendeckende Einführung<br />
sogenannter Seniorensicherheitsberater. Ein gutes Beispiel<br />
dafür gibt es in Leipzig: Dort werden seit zehn Jahren Senioren<br />
von Polizei und Präventionsrat zu Sicherheitsberatern<br />
ausgebildet. Sie gehen dann in die Vereine und sozialen Einrichtungen,<br />
um die älteren Mitbürger aufzuklären und so<br />
das Sicherheitsgefühl wie auch die tatsächliche Sicherheit<br />
der Senioren zu erhöhen.<br />
Aber ab welchem <strong>Alter</strong> kann man überhaupt Senioren sagen?<br />
„Senior ist man ab 60 Jahren“, sagt Rotraut Sawatzki<br />
bestimmt und wählt ihre Worte sehr überlegt und bewusst.<br />
Das bedeutet für sie auch, in ihrer Arbeit die älteren Arbeitnehmer<br />
mit in den Blick zu nehmen. Denn immer noch zu<br />
viele Menschen vernachlässigen die Vorbereitung der „nach-<br />
beruflichen Lebensphase“, wie Sawatzki es nennt. Vor allem<br />
Männer sollten sich mehr mit dem anstehenden „Lebensnachmittag“<br />
befassen, um nicht zu schnell den Anschluss<br />
zu verlieren und auch geistig zu altern. „Ich spreche bewusst<br />
von Lebensnachmittag und nicht Lebensabend“, sagt Sawatzki,<br />
„denn diese Lebensphase dauert ja oftmals auch<br />
noch mal 30 Jahre!“ Passend dazu hat der Seniorenbeitrat<br />
der Landeshauptstadt Dresden, in dem sie immer noch<br />
aktiv ist, eine Broschüre erarbeitet, die Ratschläge<br />
und Empfehlungen gibt, sich noch aus der tätigkeit heraus dem <strong>Thema</strong> zu nähern.<br />
Aber das ist nur ein <strong>Thema</strong> von vielen, die die<br />
Seniorenvertreter in Sachsen beschäftigen.<br />
2007 noch, als Sawatzki – damals in ihrer Funktion<br />
als Mitglied im Seniorenbeirat der Landeshauptstadt<br />
Dresden – zur Landesvertretung<br />
stieß, gehörte das <strong>Thema</strong> „Senioren“ im Berufszustän-<br />
AUS DEM EIN KÄMPFER ALLTAG EINER FÜR<br />
SENIOREBREAUFTRAGTEN<br />
MEHR BARRIEREFREIHEIT<br />
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schwerbehindert.<br />
Leipzig Vor an. seiner Für Rente sie liegt arbeitete in diesem er als Scheitern Bäcker auch und war aus die<br />
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daran, wenn ich kleine Sachen erreiche“, erzählt er. Klein<br />
Weicholdt ist immer relativ: ist einer So der sorgte Organisatoren Riedel dafür, dieser dass Veranstal-<br />
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Marco<br />
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dass meine<br />
dieser Frau immer Veranstaltung. schimpft,<br />
dass ich zu viel mache.“<br />
Konrad Riedel, 72, engagiert<br />
sich in Leipzig in vielen Ämtern<br />
Wer etwas mal so richtig vergeigt,<br />
der weiß es<br />
und ist stellvertretender Vorsitzender<br />
der Senioren Union.<br />
36<br />
37
„Viele ältere Opfer verlieren nach der Tat ihre Lebensfreude“, sagte Geerth Mackenroth,<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter und Landesvorsitzender des Vereins Weißer Ring e.V. Deswegen sei es<br />
wichtig, viel Kraft in die Prävention zu legen.<br />
Im Rahmen der Tagung „Seniorensicherheit“ diskutierten Seniorenvertreter aus ganz<br />
Sachsen, wie die tatsächliche Sicherheitslage, aber auch das Sicherheitsgefühl von älteren<br />
Mitbürgern verbessert werden kann.<br />
digen Sozialministerium ins Referat Pflege. Damals verfolgte<br />
das Ministerium das Ziel, die Bedarfe und Strukturen in<br />
Gesundheitszielen zu formulieren, Sawatzki leitete dort eine<br />
Arbeitsgruppe. Die Ergebnisse führten zum allmählichen<br />
Umdenken im Freistaat: Die Politik für die älteren Mitbürger<br />
wurde von der Pflegepolitik abgekoppelt. Heute ist das <strong>Thema</strong><br />
in einem anderen Referat des Ministeriums angesiedelt,<br />
nämlich dem für Familie, Jugend und Gesellschaft. Seitdem<br />
gibt es im Ministerium auch eine Stabstelle „Seniorenpolitik“.<br />
„Nein“, wiederholt Rotraut Sawatzki lächelnd, „mächtig<br />
sind wir nicht, auch noch nicht durchdringend. Aber steter<br />
Tropfen höhlt den Stein.“ Sawatzki betont: „Wir sind kein<br />
Verein, der laut die Stimme erhebt oder wütend auf den Boden<br />
stampft.“ Lieber arbeitet sie mit den anderen politischen<br />
Akteuren zusammen. Dabei legt sie großen Wert auf das generationenübergreifende<br />
Wirken: „Was für die ältere Dame<br />
lohnt, etwa die Beseitigung von Barrieren auf dem Gehsteig,<br />
davon profitiert auch die jüngere Frau mit Kinderwagen“,<br />
sagt sie. Und: „Wir stellen nicht einfach Forderungen auf, das<br />
ist nicht unser Stil. Wir sagen, was die Senioren brauchen –<br />
und beraten dann mit den Bürgermeistern und Landräten,<br />
was nötig und realisierbar ist.“<br />
Ihren kompromissorientierten und parteiübergreifenden Politikstil<br />
lernte sie spätestens, als sie 1990 in die ersten Stadt-<br />
verordnetenversammlung in Dresden gewählt wurde. In der<br />
DDR hatte sie durch ihre Geradlinigkeit einige Probleme gehabt<br />
und durfte trotz hervorragender Noten zunächst nicht<br />
Medizin studieren. Erst über Umwege und mit Unterstützung<br />
eines Prorektors der Universität durfte die Krankenschwester<br />
Sawatzki das Medizinstudium antreten – um anschließend<br />
40 Jahre als Ärztin zu arbeiten, zum Schluss als Oberärztin im<br />
Krankenhaus Dresden-Neustadt. Als 1990 die Friedliche Revolution<br />
das Land veränderte, sah sie ihre Chance gekommen<br />
und begann sich politisch zu engagieren. Und lernte viel über<br />
Politik: „Steter Tropfen ...“<br />
Sawatzki und ihr Team der Landesseniorenvertretung haben<br />
dabei immer auch die Zukunft fest im Blick. Die vier großen<br />
Themenfelder der LSVfS werden 2022 etwas angepasst. Neben<br />
den Themen altersgerechtes Wohnen und bürgerschaftliches<br />
Engagement werden die Bereiche Verbraucherschutz<br />
und Bildung verschmelzen. Wesentlich mehr in den Fokus<br />
rückt ab 2022 das <strong>Thema</strong> Pflege. „Basis sind die Ergebnisse<br />
der Enquete-Kommission Pflege, die jetzt vorliegen und einige<br />
Aufgaben mit sich bringen“, sagt Sawatzki. Und kommt ins<br />
Erzählen: Es geht darum, wirklich zu klären, wie das Wohnen<br />
auch im Eintritt des Pflegefalls aussieht – gerade aus Sicht<br />
der Kommunen. Und darum, die Öffnung der Pflegeeinrichtungen<br />
in Richtung des sozialen Lebens zu fördern, dass „die<br />
Bewohner nicht abgeschottet sind.“ Eine große Herausforderung<br />
bringe auch die Digitalisierung mit sich: Welche Vorteile<br />
können sich daraus für die häusliche oder stationäre Pflege<br />
ergeben? Welchen Einfluss hat auch das <strong>Thema</strong> Künstliche<br />
Intelligenz für das Leben im <strong>Alter</strong>? „Könnten etwa sprachgesteuerte<br />
Assistenten wie Alexa auch bei der Betreuuung von<br />
Demenzerkrankten helfen?“, fragt Sawatzki.<br />
Unterstützung bei der Klärung dieser Fragen wird sie auch<br />
aus der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Landtages bekommen. Einer, der<br />
gern unterstützt: Geerth Mackenroth, <strong>CDU</strong>-Landtagsabgeordneter,<br />
ehemaliger sächsischer Justizminister und amtierender<br />
Ausländerbeauftragter. Er steht dem sächsischen „Weißen<br />
Ring“, der bundesweit größten Opferberatungsorganisation,<br />
seit 2010 als Landesvorsitzender vor. Auch er kam auf<br />
Einladung der Landesseniorenvertretung zur Seniorensicherheits-Tagung<br />
und blieb bis zur anschließenden Diskussion.<br />
„Senioren stecken Verbrechen nicht so gut weg<br />
wie andere“, sensibilisierte Mackenroth für die besondere<br />
Opfergruppe Senioren. „Viele ziehen sich danach<br />
sehr zurück, verlieren die Lebensfreude und wollen<br />
nicht in ihre Wohnung zurück“, berichtete er. Hier könne<br />
Prävention sehr helfen.<br />
AUS DEM ALLTAG EINER<br />
SENIORENBREAUFTRAGTEN<br />
Heidrun Weigel ist genau die Richtige für den Job: „Ich<br />
gehöre ja zum Kreis der Betroffenen und weiß also, was<br />
so die Belange sind“, sagt sie. „Aber ich will das systematisch<br />
angehen!“ 2017 machte der Freitaler Stadtrat sie zur<br />
Seniorenbeauftragten, nachdem sich die Diplom-Ingenieurin<br />
schon jahrelang in Stadt- und Kreisrat engagiert<br />
hatte. Seitdem füllt sie die ehrenamtliche Aufgabe mit<br />
großer Leidenschaft aus und bringt einiges in Bewegung.<br />
Mit einer umfangreichen Befragung von Senioren aus<br />
der Stadt analysierte sie zuerst die Bedarfe. Die Ergebnisse<br />
der Befragung finden sich heute auf der Webseite der<br />
Stadt. Daraus ergaben sich drei Projekte: Viel Kraft in das<br />
seniorenpolitische Konzept der Stadt Freital investiert.<br />
Anfang Oktober ist außerdem ein Notfallratgeber für Senioren<br />
erschienen, mit<br />
vielen Infos und wichtigen<br />
Adressen. Das dritte<br />
und aktuelle Projekt<br />
betrifft die ÖPNV-Linie<br />
von<br />
Oberhermsdorf<br />
nach Pesterwitz, die das<br />
Einkaufen nur mit Umsteigen<br />
ermöglicht. Das<br />
will Weigel ändern. „Ein<br />
Glück habe ich mit meinem<br />
Mann einen sehr<br />
guten<br />
Hintergrund“,<br />
sagt sie über ihren unermüdlichen<br />
Einsatz.<br />
Heidrun Weigel, 73, Seniorenbeauftragte<br />
in Freital.<br />
38 39
VORSICHT ENKELTRICK<br />
Hermann Braunger war 20 Jahre<br />
Revierleiter der Polizei Riesa.<br />
Strafprävention ist für ihn<br />
wichtig. Jedoch weiß er auch:<br />
„Jede Straftat findet ihr Opfer“.<br />
Rentner und Senioren sollten<br />
niemals hohe Geldsummen an<br />
einen Bekannten der eigenen<br />
Enkel oder Kinder übergeben.<br />
Besser ist es, auf den persönlichen<br />
Kontakt zu bestehen.<br />
Hermann Braunger war 42 Jahre bei der Polizei. 20 Jahre lang<br />
leitete er das Revier in Riesa. Besonders aktiv war der heute<br />
64-Jährige in der Kinderstrafprävention. Aber auch Betrügereien<br />
wie Enkeltricks und Schockanrufe kamen auf seinen<br />
Tisch. „Meistens hat man in einer Region eine ganze Serie.<br />
Nach einer Zeit suchen sich die Betrüger dann eine neue<br />
Gegend. In der Zeitung liest man davon, wenn es eigentlich<br />
schon wieder vorbei ist“, weiß der ehemalige Polizist. Trotzdem<br />
sei es wichtig, immer wieder auf diese Art der Straftaten<br />
hinzuwiesen. „Wenn man meint, dass das einem nicht<br />
passieren kann, dann liegt man falsch“, sagt Braunger.<br />
Wichtig sei es, dass das gesamte Umfeld für das <strong>Thema</strong> sensibilisiert<br />
wird. „Auch Senioren haben nicht ihr gesamtes Geld<br />
zu Hause. Wenn einer also einen Schockanruf bekommt, dass<br />
der Enkel im Krankenhaus liegt und man müsse jetzt schnell<br />
viel Geld bezahlen, dann müssen sie auch erstmal zur Bank.<br />
Mittlerweile fragen die Bankmitarbeiter, wofür das Geld gedacht<br />
ist. So fallen Betrügereien bereits auf, bevor es zum<br />
Betrüger spekulieren darauf, dass ältere Menschen leichter auf<br />
ihre Tricks reinfallen. Dagegen hilft zuallererst gute Aufklärung<br />
Schaden gekommen ist“, erzählt der ehemalige Revierleiter.<br />
Trotzdem sei es wichtig für Rentner zu wissen, wie die Masche<br />
abläuft – um richtig reagieren zu können. Dazu gehört,<br />
dass die Täter nie den eigenen Namen angeben, sondern<br />
ihn entlocken mit Sprüchen wie: „Weißt du nicht, wer hier<br />
spricht?“ Dann werde hoher Druck aufgebaut, weil angeblich<br />
eine Notlage entstanden sei und kurzfristig Geld benötigt<br />
werde. Die Betrüger gehen dabei geschickt vor, erhöhen<br />
den Druck, weinen mitunter sogar am Telefon. Andere geben<br />
sich als Polizisten aus oder sprechen am Telefon von einem<br />
hohen Gewinn bei einem Wettbewerb – und brauchen nun<br />
nur noch die Verwaltungsgebühr. Der <strong>CDU</strong>-Innenpolitiker<br />
Rico Anton warnt: „Der Enkeltrick ist ebenso wie andere Betrügereien<br />
eine besonders abscheuliche Art, das Vertrauen<br />
von älteren Menschen zu missbrauchen. Prävention und<br />
Aufklärung sind deshalb besonders wichtige Bausteine der<br />
sächsischen Sicherheitsarchitektur, für deren Verbesserung<br />
wir uns kontinuierlich einsetzen.“<br />
Für mehr Informationen:<br />
Mit der zunehmenden Digitalisierung haben sich auch die<br />
Tricks der Betrüger geändert. „Als sich Computer und das<br />
Internet etablierten, hatten wir auch immer mehr mit dem<br />
sogenannten Phishing zu tun“, weiß Braunger. Dabei werden<br />
möglichst wie das Original aussehende Websites erstellt,<br />
etwa von Banken. Die Opfer sollen dadurch ausgetrickst werden,<br />
dass sie private Daten wie Passwörter oder Bankdaten<br />
weitergeben. „Ich habe auch mal so eine Phishing-Mail erhalten.<br />
In dieser behauptete ein Bekannter, dass er in einem Hotel<br />
festsitzt und bestohlen wurde. Ich sollte Geld überweisen,<br />
damit er seine Rechnungen bezahlen kann. Ich habe dann zunächst<br />
die Nummer des Hotels aus der Mail angerufen und<br />
wurde stutzig. Danach habe ich den Bekannten angerufen<br />
und es stellte sich heraus, dass die Mail ein Betrugsversuch<br />
war. Ein gesundes Misstrauen ist wichtig“,<br />
erzählt der ehemalige Polizist.<br />
DER BETRUG MIT DER LIEBE<br />
Versprochen wird die große Liebe, was bleibt, ist der finanzielle<br />
Verlust. Beim sogenannten Love- oder Romance-Scamming<br />
wird eine Beziehung vorgetäuscht, ohne dass es eine<br />
reale Begegnung gibt. Zunächst beginnt alles ganz harmlos<br />
mit einer Freundschaftsanfrage oder einer kurzen Nachricht<br />
in einem der sozialen Netzwerke. Die ersten Nachrichten<br />
zeigen, es gibt gemeinsame Interessen. Man verabredet sich<br />
zu gemeinsamen Telefonaten, die auch über einen längeren<br />
Zeitraum und regelmäßig erfolgen, um das Misstrauen<br />
schwinden zu lassen. Es gibt mitunter Heiratsversprechen,<br />
aber es kommt nie zum richtigen Treffen. Nach einer Weile<br />
dieser „Beziehungsführung“ kommt dann der Schockmoment:<br />
Die neue Partnerin oder der neue Partner ist überfallen<br />
worden oder hat seine Visa-Karte verloren, er oder sie<br />
braucht „nur mal kurz“ eine Finanzspritze. Um dann für immer<br />
zu verschwinden, wenn das Geld geflossen ist. Die Polizei<br />
rät, nicht nur bei Internetbekanntschaften ausgesprochen<br />
vorsichtig zu sein, wenn die Frage nach Geld kommt.<br />
Rico Anton<br />
<strong>CDU</strong>-Innenpolitiker<br />
40 41
FEUER<br />
KENNT<br />
KEIN<br />
Mit 72 Jahren denkt Falk Löffler<br />
noch nicht an den Ruhestand. In<br />
seiner Tischlerei ist er sehr aktiv.<br />
Auf Baustellen steigt er mit auf<br />
das Gerüst. Für seine Leidenschaft<br />
Feuerwehr bleibt dabei aber trotzdem<br />
Zeit. Auch hier ist er noch<br />
immer voll dabei<br />
ALTER<br />
Seitdem Falk Löffler bei der Feuerwehr ist, hat sich die Technik sehr<br />
verändert. Sie bietet heute viel mehr Sicherheit und Leistung.<br />
Vor über 50 Jahren trat Falk Löffler in die Freiwillige<br />
Feuerwehr ein. Und ist noch heute, mit 72 Jahren,<br />
aktiv dabei. „Ich fühle mich körperlich fit und<br />
mir würde ohne etwas fehlen“, sagt er.<br />
Immer noch gern am Steuer: Falk Löffler liebt es, die großen Trucks zu fahren.<br />
Seine Faszination für Technik ist nur einer von vielen Gründen, warum er bei<br />
der Freiwilligen Feuerwehr dabei ist.<br />
Langsam öffnet sich das Tor der Feuerwehr Neukirchen/<br />
Pleiße und die Augen von Falk Löffler, 72, beginnen zu<br />
leuchten. „Ich fahre gerne die großen Tanker“, freut er sich.<br />
Seit 1966 ist Löffler in der Freiwilligen Feuerwehr seines<br />
Wohnortes aktiv. „Ich fühle mich körperlich fit und mir würde<br />
ohne etwas fehlen“, sagt er. Und ergänzt: „Außerdem macht<br />
die Technik Spaß!“ Seit seinem Eintritt vor mehr als 50 Jahren<br />
hat sich einiges verändert. „Wenn ich sehe, mit welcher Ausrüstung<br />
wir früher ausgerückt sind, freue ich mich schon sehr über<br />
die moderne Ausstattung“, so Löffler. Einfache Leinenhosen<br />
und -jacken wurden zum Beispiel durch DIN-Norm-geprüfte<br />
Ausrüstung ersetzt. „Der Schutz der Feuerwehrleute<br />
ist damit viel besser.“ Auch die Art der Einsätze hat sich<br />
über die Jahre verändert. „Früher hatten wir viele Brände in<br />
der Landwirtschaft und der Industrie zu bekämpfen. Heute<br />
werden wir eher zu Unfällen gerufen“, erzählt er. Was er in<br />
seinen Jahren bei der Feuerwehr erlebt hat, geht auch oft<br />
an die Substanz. „Man sieht unschöne Dinge“, erzählt er. So<br />
war er zum Beispiel mit 23 Jahren bei einem der schwersten<br />
Zugunglücke der DDR als Lebensretter vor Ort. Im Oktober<br />
1972 fuhren auf der Strecke zwischen Werdau und Crimmitschau<br />
zwei Züge ineinander. Etwa 1000 Reisende waren<br />
betroffen, 28 starben. „Das werde ich nie vergessen“,<br />
sagt Falk Löffler heute.<br />
Die Bedeutung der Freiwilligen Feuerwehren für den Freistaat<br />
ist nicht zu unterschätzen. „Wir als <strong>CDU</strong> stehen auch<br />
an der Seite der alten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren“,<br />
sagt die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Kerstin Nicolaus, die selbst<br />
aktive Feuerwehrfrau ist. „Denn auch im <strong>Alter</strong> sind unsere<br />
Kameraden aktiv und ein fester Bestandteil vieler Ortswehren,<br />
um die Tageseinsatzbereitschaft sicherzustellen. Allein ihr<br />
Erfahrungsschatz ist eine unentbehrliche Stütze bei jedem<br />
Einsatz. Die <strong>CDU</strong> steht an der Seite der Freiwilligen Feuerwehren<br />
und unterstützt zum Beispiel, indem man im Freistaat Sachsen<br />
den LKW-Führerschein gefördert bekommt. Damit wird die<br />
Tageseinsatzbereitschaft vieler Ortswehren gestärkt."<br />
Tradition wird bei der Freiwilligen Feuerwehr Neukirchen/Pleiße großgegeschrieben.<br />
Dieser Einsatzwaagen ist von 1942 und damit nur wenig<br />
älter als Falk Löffler.<br />
Kerstin Nicolaus<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
42 43
LERNEN IM ALTER<br />
Auch Senioren sind an Hochschulen sehr willkommen. Die Teilnahme an<br />
Seniorenvorlesungen, -akademien oder -kollegs bereichert beide Seiten.<br />
Die Universitäten in Sachsen stehen nicht nur Forschern und Studenten offen. Auch Senioren<br />
können hier viel lernen. Die Hochschulen haben extra für sie besondere Angebote<br />
Seniorenkolleg, Seniorenakademie oder Universität des<br />
dritten Lebensalters – in Sachsen gibt es viele verschiedene<br />
Angebote für Senioren, um auch im fortgeschrittenen<br />
<strong>Alter</strong> nochmal Hörsaal-Luft zu schnuppern. An der Technischen<br />
Universität Chemnitz hat Prof. Roland Schöne 1993<br />
das Seniorenkolleg gegründet und ist auch heute – mit 80<br />
Jahren – noch als wissenschaftlicher Leiter dafür aktiv. „Es<br />
kommen zwar vor allem Senioren, unser Angebot ist allerdings<br />
für alle <strong>Alter</strong>sgruppen offen. Wir müssten von daher<br />
eigentlich Generationenkolleg heißen“, sagt er.<br />
Das Programm an der TU Chemnitz ist vielseitig. Neben<br />
Vorträgen und Workshops veranstaltet das Seniorenkolleg<br />
auch immer wieder Ausfahrten. „Vor der Pandemie hatten<br />
wir im Semester bis zu 900 Anmeldungen. Für unsere Bildungsexkursionen<br />
sind wir bis zu fünf Tage in ganz Europa<br />
unterwegs gewesen“, erzählt Professor Schöne. Mit<br />
dem derzeitigen Online-Angeboten sei es etwas schwierig,<br />
gibt er zu. Denn: „Für unsere Teilnehmer ist das Angebot<br />
50 Prozent Bildung und 50 Prozent soziale Begegnung. Da<br />
fehlt jetzt natürlich ein wichtiger Teil“, sagt er.<br />
Für die Zukunft hat Professor Schöne aber dennoch<br />
Zuversicht. Auch, weil die Teilnehmer im Seniorenkolleg<br />
immer sehr engagiert sind. Besonders die<br />
drei Arbeitsgruppen begeistern ihn: „In diesen kommen<br />
Jüngere mit den Älteren zusammen. Die Senioren können<br />
so ihre Lebenserfahrung weitergeben“, erzählt Schöne.<br />
Die erste Gruppe beschäftigt sich mit dem forschenden<br />
Lernen: Senioren entwickeln hier Produkte bis zur Patent-<br />
reife. „Wir haben zum Beispiel ein drehbares Einschubteil<br />
für den Kühlschrank erfunden. Mit diesem kommt<br />
man an alles gut ran“, berichtet der Professor. Die zweite<br />
Arbeitsgruppe ist das Generationenteam Technik. „Einige<br />
Senioren haben Angst, beim Bedienen von moderner<br />
Technik Fehler zu machen. Es kommt daher darauf an, die<br />
Geräte so zu gestalten, dass sie für Senioren verständlich<br />
zu bedienen sind.“<br />
Im Generationenteam Technik testen die Senioren auch<br />
neue Technik und geben Hinweise, wie diese verbessert<br />
werden kann. „Wir kooperieren hier mit der Firma emporia<br />
Telecom aus Linz, die seniorengerechte Handys herstellen“,<br />
erzählt Prof. Schöne. Und ergänzt: „Eine Empfehlung<br />
des Teams war zum Beispiel, Smartphones ganz<br />
einfach mit Sprachsteuerung und Spracheingabe bedienen<br />
zu können. Das würde die Nutzung des Gerätes<br />
für Senioren viel einfacher und niedrigschwelliger<br />
machen.“<br />
Peter Wilhelm Patt<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
Die dritte Arbeitsgruppe innerhalb des Seniorenkollegs beschäftigt<br />
sich mit der politischen Bildung von Senioren. „Wir<br />
veranstalten Wählerforen mit der Sächsischen Landeszentrale<br />
für politische Bildung. Es geht uns darum, Senioren mehr<br />
Informationen über Politik zu vermitteln. Sie sollen wissen,<br />
was in den vergangenen Jahren im Land für Senioren getan<br />
wurde“, erklärt Prof. Schöne. Für ihn ist das breite Angebot<br />
des Seniorenkollegs mit einer Botschaft verbunden. „Wir<br />
wollen lebenslanges Lernen praktisch umsetzen“, sagt er.<br />
„,Was du erlernst von deinen Eltern, verstehe es, um es zu besitzen‘“,<br />
sagt der Chemnitzer <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Peter Wilhelm<br />
Patt. Und lobt das ehrenamtliche Engagement für das Seniorenstudium:<br />
„Professor Schöne und das von ihm begründete Kolleg<br />
in Chemnitz aktivieren Wissen und Erfahrungen. So wird<br />
human capital nicht nur erweitert, sondern mit dem Anspruch<br />
der Vermittlung an Nachfolgegenerationen auch verjüngt.“ Für<br />
Patt geht damit auch ein langfristiger Plan auf: „Ministerpräsident<br />
Kurt Biedenkopfs Vermächtnis des lebenslangen Lernens<br />
hat in Chemnitz eine erfolgreiche Prägung. Ich bin unseren<br />
Vorfahren dankbar, dass unser Wohlstand durch gemeinsame<br />
Akkumulation von Wissen und Erfahrungen wächst.“<br />
Auch an anderen Standorten wie etwa in der Landeshauptstadt<br />
Dresden gibt es vergleichbare Angebote.<br />
Noch in seiner aktiven Zeit an der Technischen<br />
Universität Chemnitz gründete Professor Roland<br />
Schöne 1993 das Seniorenkolleg. Damals leitete<br />
er noch die Professur für Erwachsenenbildung<br />
und betriebliche Weiterbildung an der Philosophischen<br />
Fakultät der TU. Aber auch als er 2006<br />
in den Ruhestand ging und selbst Senior wurde,<br />
blieb er dem Programm treu. Seit seiner Pensionierung<br />
stellt er hier als wissenschaftlicher Leiter<br />
sein Wissen und seine Erfahrungen zur Verfügung.<br />
Darüber hinaus unterstützt er den Chemnitzer Seniorenbeirat<br />
als Mitglied.<br />
44 45
Dort mussten – wie die jungen Studenten – auch die<br />
älteren Semester in die digitale Lehre wechseln. Für viele<br />
Teilnehmer der Seniorenakademie Dresden war die<br />
Umstellung auf Videokonferenzen und E-Mails nicht<br />
so leicht. Umso größer ist jetzt die Freude, dass die<br />
strengen Regeln nun etwas gelockert werden: „Nach<br />
aktuellen Regelungen dürfen nun wieder ein paar Leute<br />
zu Präsenzveranstaltungen kommen“, freut sich<br />
Dieter Seyfarth von der Dresdner Seniorenakademie<br />
Wissenschaft und Kunst. Damit finden nicht nur<br />
wieder Vorlesung im Hygienemuseum statt, sondern<br />
auch Exkursionen. Das Programm im Wintersemester<br />
Die Teilnehmer sitzen nicht nur im Hörsaal. Die Dresdner Seniorenakademie<br />
bietet auch Führungen an. Sie sind beliebt, da hier Theoretisches in<br />
der Praxis erlebbar wird.<br />
2021/22 umfasst 300 Vorträge und Kurse.<br />
Das Seniorenkolleg in Leipzig besteht bereits seit über 40<br />
Jahren. Anfang April 1979 begann das erste Semester des<br />
damaligen „Veteranen-Kollegs“. Das Ziel: in Leipzig auch<br />
älteren Mitbürgern Bildung auf universitärem Niveau zu<br />
ermöglichen. Den Namen Seniorenkolleg erhielt das Angebot<br />
der Universität Leipzig 1990. „Bis heute erfreut sich<br />
das Seniorenkolleg, das seit 2016 zum Bildungsangebot<br />
der Seniorenakademie zählt, großer Resonanz. Als etablierte<br />
Größe in der sächsischen Bildungslandschaft trägt<br />
das Seniorenkolleg unverkennbar zum lebenslangen<br />
Lernen bei“, lobte Yvonne Weigert, Sachgebietsleiterin<br />
Wissenschaftliche Weiterbildung zum 40. Jubiläum des<br />
Seniorenkollegs.<br />
ZURÜCK<br />
IN DIE<br />
SCHULE<br />
Die Vorträge und Kurse im Leipziger Seniorenkolleg rich-<br />
Die Themenfelder an der Dresdner Seniorenakademie sind vielseitig. Es gibt<br />
Veranstaltungen zu Kunst und Kultur, aber auch zu Medizin und Technik.<br />
Zu den Führungen kommen die Teilnehmer auch an Orte, wo sonst für<br />
Normalbürger die Türen verschlossen bleiben. Die Ausflüge finden in<br />
Dresden statt oder als Bildungsreisen auch überregional.<br />
ten sich an Personen ab 50 Jahren. „Die Bedeutung von<br />
Wissen hat weiter zugenommen und wird zukünftig<br />
noch anwachsen. Nicht nur als berufliche Kompetenz<br />
ist Wissen unverzichtbar, sondern in gleicher Weise als<br />
Kompetenz, um aktiv an gesellschaftlichen Entwicklungen<br />
teilhaben zu können. Dies ist auch für Menschen im<br />
höheren Lebensalter sehr wichtig und erfordert einen<br />
weiteren Ausbau von an die Zielgruppe angepassten Bildungsmöglichkeiten“,<br />
betont Prof. Dr. Thomas Hofsäss,<br />
Prorektor für Bildung und Internationales der Universität<br />
Leipzig. Und sagt: „Die Universität Leipzig ist stolz auf die<br />
so große Nachfrage der Angebote im Seniorenkolleg.“<br />
Lehrerin Christine Rasche könnte seit 2018 im<br />
Ruhestand sein. Doch sie unterrichtet weiter<br />
Christine Rasche genießt ihren Unruhestand. „Der Beruf<br />
macht mir Spaß“, sagt die 68-Jährige. Für zehn Stunden im<br />
Monat unterrichtet sie am Beruflichen Schulzentrum Görlitz<br />
die Fächer Informatik und Deutsch. „Meinen Unterricht<br />
habe ich in den Klassen mit Migranten und bei den Schülern<br />
im Berufsvorbereitungsjahr“, sagt sie. „Meine Devise ist immer:<br />
Stelle dich auf deine Schüler ein.“ In ihrem Berufsleben<br />
sammelte Christine Rasche viel Erfahrung in der Arbeit mit<br />
Jugendlichen: Sie lehrte unter anderem am Görlitzer Berufsschulzentrum<br />
für Technik im Fach Textiltechnik, arbeitete<br />
als Schulleiterin und stellte als Referentin am Sächsischen<br />
Bildungsinstitut gemeinsam mit anderen Lehrpläne zusammen.<br />
„Solange ich gebraucht werde, gebe ich mein Wissen<br />
gerne weiter“, sagt die Lehrerin.<br />
„Die Lebens- und Berufserfahrung älterer<br />
Pädagogen stellt für unser Bildungssystem<br />
einen unschätzbaren Wert dar“, sagt der<br />
<strong>CDU</strong>-Bildungspolitiker Holger Gasse. „Ihre Bereitschaft, sich<br />
auch mit Blick auf den Lehrermangel über ihre normale<br />
Dienstzeit hinaus für die Bildung unserer Kinder einzusetzen,<br />
ist ein hohes gesellschaftliches Gut. Wir haben uns in<br />
den letzten Jahren sehr intensiv darum bemüht, die Leistungsbereitschaft<br />
der sächsischen Lehrkräfte durch gezielte<br />
Verbesserungen zu unterstützen. Wir sind sehr dankbar,<br />
dass unsere Lehrerinnen und Lehrer sich im Wissen um die<br />
Herausforderungen für bestmögliche Bildungsangebote im<br />
Rahmen ihres Dienstes und darüber hinaus derart engagieren“,<br />
so Gasse weiter.<br />
Holger Gasse<br />
<strong>CDU</strong>-Bildungspolitiker<br />
46<br />
47
Iris Firmenich<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Rommy Koppmann leitet den Smartphone-Grundkurs<br />
an der VHS Zwickau. Im Familienzentrum Kirchberg<br />
engagiert sie sich außerdem für das Mediencafé.<br />
SCHLÜSSELFUNKTION<br />
„Lebenslanges Lernen ist der Schlüssel<br />
für ein selbstbestimmtes Leben<br />
und gesellschaftliche Teilhabe, beispielsweise<br />
durch eherenamtliches<br />
Engagement.“<br />
Auf Augenhöhe: Rommy Koppmann (rechts) erklärt ihren Kursteilnehmen individuell, wie ihre Smartphones<br />
funktionieren. Frau Reuter gibt das das Gefühl „wenig falsch machen zu können“.<br />
ICH BRINGE RENTNERN<br />
DAS HANDY BEI<br />
Die Volkshochschulen in Sachsen stehen für lebenslanges Lernen. Smartphones und digitale<br />
Technik sind dort wichtige Themen auf dem Lehrplan<br />
„Ich wollte einfach wissen, wie es geht“, erzählt Rommy<br />
Koppmann. Also hat sie sich vor einigen Jahren den Umgang<br />
mit ihrem Smartphone selbst beigebracht. Auch<br />
wenn die 62-Jähige vorher wenig mit digitaler Technik zu<br />
tun hatte, fand sie sich schnell zurecht. „In der Zeitung habe<br />
ich dann gelesen, dass die VHS Zwickau Kursleiter sucht,<br />
die Leute in der Nutzung von Smartphones weiterbilden“,<br />
erinnert sie sich. Sie bekam nach einem Vorbereitungskurs<br />
2018 ihre erste eigene Gruppe. Seitdem erklärt sie Senioren<br />
regelmäßig, wie sie Smartphones bedienen. „Das ist nicht<br />
immer einfach. Jeder hat eine andere Auffassungsgabe, ein<br />
anderes Handy oder andere Vorkenntnisse“, erzählt Koppmann.<br />
Ihre Aufgabe macht ihr großen Spaß. „Besonders die<br />
Foto-Apps bereiten den Senioren viel Freude“, erzählt sie.<br />
Eine der sechs Seniorinnen im Smartphone-Grundkurs<br />
stellt sich selbst als Frau Reuter vor. „Ich wollte immer<br />
schon Urlaubsbilder von meinem Sohn empfangen“,<br />
freut sich die 74-Jähige. Zwar hat sie bereits seit Längerem<br />
ein Tablet und einen Internetanschluss. „Der Umgang<br />
mit dem Smartphone ist aber wieder anders.“ Die<br />
Volkshochschule Zwickau ist eine von 15 Volkhochschulen<br />
im Freistaat, die an insgesamt 48 Standorten aktiv<br />
sind. Rund 180.000 Teilnehmer konnten sie im Jahr 2019<br />
verzeichnen, die sich auf über 16.000 Kurse verteilen.<br />
„Die Seniorengeneration von heute ist aktiv, fit und interessiert.<br />
Sie will natürlich gesellschaftlich am Ball bleiben<br />
und mit der modernen, digitalen Welt mithalten, um ihr<br />
Leben selbstbestimmt und unabhängig führen zu können“,<br />
sagt die <strong>CDU</strong>-Landtagsabgeordnete Iris Firmenich.<br />
Dafür braucht es entsprechende Weiterbildungsangebote,<br />
die auch im ländlichen Raum erreichbar sein sollen. Die<br />
Volkshochschulen sind dabei neben zahlreichen anderen<br />
Bildungsanbietern unser wichtigster Partner.“ Gerade erst<br />
hat sich ihre Fraktion dafür eingesetzt, dass die Staatsregierung<br />
das Weiterbildungsgesetz erneuert und eine entsprechende<br />
Strategie auf den Weg bringt.<br />
Den Kurs von Rommy Koppmann findet Frau Reuter extrem<br />
hilfreich. Innerhalb von wenigen Wochen hat sie so<br />
den Umgang mit ihrem Smartphone gelernt. „Ich kann<br />
jetzt auch Bilder verschicken und weiß endlich, wie das mit<br />
der E-Mail geht. Frau Koppmann macht das mit sehr viel<br />
Geduld“, ist die Seniorin dankbar.<br />
48<br />
49
Der Bürgerbus in Arzberg lebt vom Einsatz<br />
ehrenamtlicher Fahrer und Telefonisten.<br />
Nordsachsen-Landrat Kai Emanuel selbst ist<br />
Ehren-Busfahrer für das Projekt.<br />
und zum Mehrgenerationenhaus. Da<br />
sich das Angebot vor allem an ältere<br />
und in ihrer Mobilität eingeschränkte<br />
Personen richtet, wurde beim Bus auch<br />
auf die Barrierefreiheit geachtet. Über<br />
eine Rampe können auch Fahrgäste<br />
mit Rollator einsteigen. Acht Fahrgäste<br />
haben in dem Kleinbus Platz.<br />
BEI ANRUF BUSFAHRT<br />
Seit mehreren Jahren fährt der Arzberger Bürgerbus ältere Bewohner<br />
zum Einkaufen, zum Frisör oder zum Arzt. Eine Erfolgsgeschichte<br />
Im ländlichen Raum stehen gerade ältere Mitbürger werden: „Wir wollen den ländlichen Raum stärken – das<br />
häufig vor der Frage, wie sie ihre Fahrten zum Arzt, zum schaffen wir mit dem Bürgerbus“.<br />
Einkaufen oder zur Bank organisieren. Der Öffentliche<br />
Nahverkehr fährt auf dem Dorf oftmals nur selten oder Das Konzept ist einfach. Etwa 20 ehrenamtliche Fahrer<br />
unregelmäßig, selbst mit dem Auto zu fahren fällt mittlerweile<br />
schwer und auch der Nachbar hat nicht immer Zeit. gerbus. Wer gefahren werden möchte, der muss vorab den<br />
und Telefonisten kümmern sich um den Arzberger Bür-<br />
<strong>Alter</strong>nativen müssen her.<br />
Bus telefonisch bestellen. Die Leitung ist jeweils montags<br />
und mittwochs von 15 bis 17 Uhr besetzt. Nach Bestellung<br />
Die Gemeinde Arzberg in Nordsachsen hat eine gefunden. kommt der Bus in der Regel dann bis zu Haustür, holt die<br />
In allen 18 Ortsteilen der Gemeinde fährt ein Bürgerbus – Fahrgäste ab, bringt sie zu ihrem Zielort und wieder zurück.<br />
Bevorzugt finden die Fahrten am Dienstag und<br />
und erfreut sich großer Beliebtheit. Bei der Übergabe<br />
des Fahrzeugs 2017 machte Landrat Kai Emanuel<br />
Freitag statt. Am Donnerstagnachmittag hat der<br />
deutlich, welche Ziele mit dem Projekt verfolgt<br />
Bus zudem eine feste Linienfahrt zum Einkaufen<br />
Das Angebot kommt gut an. Bereits<br />
kurz nach dem Start im Jahr 2017<br />
zählte das Team 100 Fahrten. In den<br />
vergangenen Jahren sind viele hunderte<br />
dazugekommen. Dass das Projekt<br />
so erfolgreich ist, dass freut den<br />
Arzberger Bürgermeister Holger Reinboth.<br />
„Wir lagen richtig mit unseren<br />
Einschätzungen“, sagt er. Er findet die<br />
Förderung der Region zudem wichtig.<br />
„Wir haben den Bürgerbus nicht<br />
erhalten, weil Arzberg ganz oben<br />
im Alphabet des Landkreises<br />
Nordsachsen steht. Vielmehr<br />
besteht bei uns die Notwendigkeit,<br />
die Mobilität für Senioren<br />
zu verbessern“, betont<br />
Reinboth. Partner des Projektes<br />
sind der Landkreis Nordsachsen,<br />
die Gemeinde Arzberg und der<br />
Ostelbienverein, der Verein zur<br />
Bewahrung und Förderung des<br />
ländlichen Raumes Ostelbien.<br />
„Die Modernisierung und der Ausbau<br />
des Öffentlichen Personennahverkehrs<br />
prägen den aktuellen<br />
Doppelhaushalt“, sagt der <strong>CDU</strong>-Verkehrspolitiker<br />
Andreas Nowak.<br />
„Das TaktBus-/PlusBus-Netz wird<br />
weiter mit zusätzlichen 27 Mio.<br />
Euro ausgebaut. Wir sind auf einem<br />
guten Weg, alte Baustellen durch<br />
die kontinuierliche Umsetzung der<br />
vorgeschlagenen Maßnahmen der<br />
Strategiekommission von 2017 umzusetzen“,<br />
freut er sich.<br />
Das E-Shuttle kann mit einem Klick oder Anruf bestellt<br />
werden. So können die Bewohner im Quartier<br />
der Wohnungsgenossenschaft „Glück auf“<br />
unabhängig vom Bus unterwegs sein.<br />
MIT EINEM KLICK<br />
Auch auf dem Land können neue technische Lösungen<br />
das Leben verbessern. Ein Beispiel dafür:<br />
das Shuttle im Quartier mit altersgerechten Assistenzdienstleistungen<br />
(SHIQ). In dem bis August<br />
2023 geförderten Projekt arbeiten eine ganze Reihe<br />
von Firmen, darunter der Verband Sächsischer<br />
Wohnungsgenossenschaften (VSWG) und eine<br />
Tochter der Deutschen Bahn, die ioki GmbH. Das<br />
gemeinsame Ziel ist es, die Mobilität vor Ort zu<br />
verbessern. So soll im Quartier der Wohnungsgenossenschaft<br />
„Glück auf“ Ehrenfriedersdorf<br />
ein E-Shuttle etabliert werden, der per App<br />
oder telefonisch bestellt werden kann. „On-demand-Mobilität“<br />
wird das genannt, was soviel<br />
heißt, wie auf Bestellung. „Gerade im ländlichen<br />
Raum ist eine gut funktionierende ÖP-<br />
NV-Anbindung an die notwendige Infrastruktur<br />
sowie weiterführende Verkehrsknoten<br />
wichtig. Die Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger<br />
Mobilitätsdienste für diesen Raum<br />
kann nachhaltig eine angespannte Situation<br />
in Ballungszentren entspannen“, betont der<br />
Projektleiter Daniel Tittel von der FI Freiberg<br />
Institut GmbH. Das Angebot richtet sich vor<br />
allem an Personen ab 65 Jahren. Ihnen soll in<br />
der Region die Mobilität erleichtert werden.<br />
50<br />
Andreas Nowak<br />
<strong>CDU</strong>-Verkehrspolitiker<br />
51
PFLEGE-ENQUETE<br />
Von 2015 bis 2019 entwickelte die eigens<br />
eingesetzte Enquete-Kommission<br />
des Sächsischen Landtags einen<br />
10-Punkte-Plan für die Qualität der<br />
Pflege. Der umfasst Punkte wie die<br />
Stärkung der Angehörigenpflege<br />
und der Versorgung im häuslichen<br />
Bereich sowie die Verringerung des<br />
finanziellen Risikos. Mehr Infos hier:<br />
Im <strong>Alter</strong> müssen sich Menschen auf<br />
neue Lebenssituationen einstellen<br />
Das Putzen fällt nicht mehr so leicht, das Einkaufen<br />
wird schwieriger und die Fahrt zum Arzt erfordert<br />
einige Organisation. Dennoch: Die meisten<br />
Senioren wollen möglichst lange zu Hause wohnen<br />
und nicht in ein Pflegeheim. Dabei hilft die<br />
Seniorenhilfe der Bürgerhilfe Sachsen. Seit 2009<br />
sind die Mitarbeiter Ansprechpartner für Senioren<br />
im Großraum Altenberg, Glashütte sowie<br />
Hermsdorf-Schmiedeberg. Neben einer kostenfreien<br />
Sozialberatung vermittelt die Seniorenhilfe<br />
ehrenamtliche Hilfspersonen. Diese unterstützen<br />
und begleiten die Senioren im Alltag. Neben Fahrten<br />
zum Arzt oder zum Friseur helfen sie beim<br />
Hausputz oder reparieren Kleinigkeiten in der<br />
Wohnung. Andrea Dombois ist <strong>CDU</strong>-Wahlkreisabgeordnete<br />
aus Dippoldiswalde und Vizepräsidentin<br />
des Landtages. Sie kennt die Bürgerhilfe<br />
Sachsen sehr gut und sagt: „Das Engagement der<br />
Ehrenamtlichen hilft vielen Senioren, am Leben<br />
teilhaben zu können. Besonders im ländlichen<br />
Raum sind Menschen mehr aufeinander angewiesen.“<br />
Eine der Ehrenamtlichen bei der Seniorenhilfe ist Frau Thiele. Sie<br />
unterstützt Frau Teichmann in ihrem Alltag.<br />
UNTERSTÜTZUNG IM<br />
SENIOREN-ALLTAG<br />
Aber auch der Freistaat ist aktiv, die Pflege zu verbessern.<br />
Ende 2018 hat eine Enquete-Kommission<br />
des Sächsischen Landtags Empfehlungen erarbeitet,<br />
wie die hochwertige Versorgung älterer Menschen<br />
auf Dauer sichergestellt werden kann. Dazu<br />
gehören die Sicherstellung der pflegerischen Versorgung<br />
– egal ob in der eigenen Häuslichkeit<br />
oder in einer Einrichtung –, die Unterstützung<br />
pflegender Angehöriger und die Gewinnung<br />
und Qualifizierung von ausreichend Personal.<br />
Aber auch grundsätzliche Fragen wie die Weiterentwicklung<br />
der Pflegeversicherung und deren<br />
Finanzierung werden hier thematisiert. Erste<br />
Maßnahmen hat die Staatsregierung bereits eingeleitet,<br />
etwa eine „Ausbildungsoffensive Pflege“<br />
oder die Gründung eines landesweiten Netzwerks<br />
pflegender Angehöriger. „Ich bin der Kommission<br />
für die Vielzahl der Vorschläge sehr dankbar. Aber<br />
auch auf Bundesebene werden wir darauf dringen,<br />
die Rahmenbedingungen anzupassen“, sagt<br />
<strong>CDU</strong>-Gesundheitspolitiker Alexander Dierks.<br />
Zu begleiten heißt auch mit den Senioren mal Fahrten zum Arzt,<br />
zum Einkaufen oder zur Bank zu machen.<br />
Möglichst lange zu Hause wohnen wollen viele Senioren. Ein bisschen<br />
Unterstützung ist dabei nötig.<br />
52 53
DEM PFLEGEFALL<br />
VORBEUGEN<br />
Mit gezielten Übungen arbeiten Dr.<br />
Schinköthe und ihr Team darauf hin,<br />
dass verunfallte Senioren nicht so<br />
schnell zum Pflegefall werden.<br />
Die Akutgeriatrie soll dafür sorgen, dass ältere Patienten nach dem<br />
Krankenhausaufenthalt nicht bettlägrig und so etwa zum Pflegefall werden<br />
Wenn ältere und hochbetagte Menschen stürzen und<br />
einen Knochenbruch erleiden, droht nach dem Krankenhaus<br />
häufig der Pflegfall. Das will die Akutgeriaterie, ein<br />
Unterfach der inneren Medizin und der <strong>Alter</strong>sheilkunde,<br />
verhindern. „Eine besondere Aufgabe besteht in der Frührehabilitation<br />
im Krankenhaus nach Unfällen“, sagt Dr. Claudia<br />
Schinköthe. Sie ist Chefärztin an der Klinik für Akutgeriatrie<br />
des Klinikum St. Georg in Leipzig.<br />
Ziel ihrer Arbeit: bereits frühzeitig bei Patienten ab 70 Jahren<br />
mit Sport und gezielten Übungen mögliche chronische<br />
Leiden verhindern. „Unsere Aufgabe und unser Behandlungsziel<br />
ist es, die Alltags- und Selbsthilfekompetenz unserer<br />
Patienten wieder herzustellen, damit eine Pflegeabhängigkeit<br />
vermieden und die häusliche Selbständigkeit<br />
rückerlangt werden kann. Daran ist ein ganzes Team beteiligt:<br />
speziell qualifizierte Pflegekräfte, Ärztinnen, Physiound<br />
Ergotherapeuten, Logopädinnen, Sozialarbeiterinnen<br />
und Psychologen“, sagt Schinköthe.<br />
Selbst setzt sich Dr. Schinköthe für einen engen und vertrauensvollen<br />
Kontakt mit ihren Patienten ein. „Um wirklich<br />
zu helfen, müssen wir gut zuhören und anschließend<br />
ganz individuelle Therapieziele formulieren. Die ärztliche<br />
und menschliche Aufmerksamkeit darf nicht nachlassen,<br />
wenn jemand älter, schwächer oder kränker wird“, fordert<br />
die Medizinerin. Die Klinik für Akutgeriatrie des Klinikums<br />
St. Georg in Leipzig hat 30 Betten und behandelt Patienten<br />
sowohl stationär als auch teilstationär.<br />
„Einrichtungen für die Akutgeriatrie leisten eine wichtige<br />
Arbeit, um unter Umständen den Eintritt einer Pflegebedürftigkeit<br />
zu verringern oder sogar zu verhindern“, sagt<br />
der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Jörg Kiesewetter. „Bei der Frage der<br />
zukünftigen Ausgestaltung der medizinischen und pflegerischen<br />
Versorgung im Freistaat Sachsen wollen wir einen<br />
stärkeren Fokus auf die geriatrische Versorgung legen und<br />
unter anderem die Weiterentwicklung des Geriatriekonzeptes<br />
prüfen.“<br />
Jörg Kiesewetter<br />
<strong>CDU</strong>-Sozialpolitiker<br />
STÄRKERER FOKUS<br />
„Bei der Frage der Ausgestaltung<br />
der Versorgung in Sachsen wollen<br />
wir einen stärkeren Fokus auf die<br />
geriatrische Versorgung legen.“<br />
54 55
LANDÄRZTE<br />
GESUCHT<br />
Ältere Landärzte haben oftmals Probleme, Nachfolger<br />
zu finden. Doch eine Gesetzesänderung soll junge<br />
Mediziner aufs Land locken<br />
Dr. Hanzl leitet seit 1973 seine Hausarztpraxis.<br />
Er kann sich ein Leben als Rentner<br />
vorstellen – möchte aber vorher einen Nachfolger<br />
finden.<br />
Sprechzeit in der Praxis von Dr. Gottfried Hanzl: Das Wartezimmer ist wieder voll. Für<br />
Dr. Hanzl ein gewohnter Anblick. Seit 1973 hat er seine Praxis in Oderwitz im Landkreis<br />
Görlitz, in der er heute 2000 Patienten betreut. „Ich komme ursprünglich aus Zittau.<br />
Gleich in den ersten Wochen meiner Ausbildung wurde ich auf das Land geschickt.<br />
Auch damals gab es hier einen Ärztemangel“, erinnert sich der Mediziner. Der heute<br />
71-Jährige lernte schnell die Vorteile des Landarzt-Daseins kennen. „Schön ist, dass<br />
man Patienten von 0 bis 100 Jahren betreut. Das ganze Leben lang. Generationenweise“,<br />
erzählt er. Und ergänzt: „Damit kennt man dann schon die Krankheitsbilder der<br />
Großeltern und Eltern und kann bei den Enkeln besser reagieren.“ Ihm ist es ein wichtiges<br />
Anliegen, bei seinen Patienten bereits frühzeitig Gutes für die Gesundheit zu tun.<br />
„Wichtig ist, dass man sich für die Vorsorge einsetzt und auf das Gesundheitsverhalten<br />
seiner Patienten Einfluss nimmt. Das ist auch meine Aufgabe“, erklärt der Mediziner.<br />
Er engagiert sich daher auch ehrenamtlich. „Ich leite eine Herzsportgruppe, bin beim<br />
Fußball und beim Reiten aktiv“, erzählt der Mediziner.<br />
Auch wenn er seine Praxis, seine Patienten und seine Arbeit sehr schätzt, kann sich<br />
Dr. Hanzl gut vorstellen, in den Ruhestand zu gehen. Er sei dabei, über eine Nachfolge<br />
in den nächsten zwei bis drei Jahren nachzudenken. „Es ist allerdings schwer, einen<br />
Nachfolger für diese Form der Praxis zu finden. Die meisten möchten eine kleine Praxis<br />
mit bis zu 800 Patienten übernehmen. Wir betreuen hier allerdings jeden, der kommt<br />
– aktuell sind das 2000 Patienten“, sagt er.<br />
„Die Sicherung der medizinischen Versorgung ist für die Menschen eines der<br />
Topthemen“, sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete Stephan Meyer. „Neben der wichtigen<br />
Landarztquote brauchen wir kurzfristig wirksame Ansätze, um Mediziner zu entlasten<br />
und die Arbeit als Landärztin und Landarzt attraktiv zu gestalten. Sie sollen<br />
sich medizinisch um die Patienten kümmern können und weniger Zeit für Aktenverwaltung<br />
aufwenden müssen“, führt er aus. „Wir müssen in der Politik dafür sor-<br />
LANDARZT-<br />
QUOTE<br />
Ende September 2021 hat der Sächsische<br />
Landtag das Gesetz zur Stärkung<br />
der ärztlichen Versorgung im<br />
Freistaat Sachsen beschlossen. Damit<br />
führt Sachsen eine Landarztquote<br />
ein. Sie ermöglicht Bewerbern die<br />
Aufnahme eines Medizinstudiums<br />
ohne die sonst geltenden Numerus-<br />
clausus-Regeln. Voraussetzung: Sie<br />
müssen sich dazu verpflichten, nach<br />
Abschluss der fachärztlichen Weiterbildung<br />
für die Dauer von zehn<br />
Jahren in einem hausärztlich unterversorgten<br />
oder von der Unterversorgung<br />
bedrohten Gebiet im Freistaat<br />
zu praktizieren. Die Einführung der<br />
Landarztquote ist Teil des 20-Punkte-Programms<br />
zur medizinischen<br />
Versorgung, die das sächsische Kabinett<br />
im Juni 2019 beschlossen hat.<br />
56<br />
57
Dr. Schneider praktiziert immer noch. Er ist 1947 geboren und damit einer<br />
von vielen Ärzten, die auch noch im Rentenalter eine eigene Praxis haben.<br />
Oliver Fritzsche<br />
<strong>CDU</strong>-Abgeordneter<br />
DIE RICHTIGE ADRESSE<br />
„Wir stehen für gleichwertige<br />
Lebensverhältnisse in allen Regionen<br />
im Freistaat Sachsen. Dazu zählt<br />
für uns auch eine gute ärztliche<br />
Versorgung.“<br />
gen, dass Kassenärztliche Vereinigung als Selbstverwaltung<br />
gemeinsam mit Landesärztekammer und Landesdirektion<br />
Sachsen enger in der Lösungsfindung zusammenwirken. Als<br />
wichtig erachte ich dabei die schnellere und bürokratiearme<br />
Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, die Übertragung<br />
von Aufgaben an nichtmedizinisches Praxispersonal und<br />
die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Modelle wie<br />
ärztliche Versorgungszentren“, so Meyer weiter. Und ergänzt:<br />
„Grundsätzlich muss auch der Bund seine Hausaufgaben machen<br />
und die Standards zur Festlegung von Arztsitzen anpassen,<br />
da bereits jetzt Unterversorgungen spürbar sind, während<br />
die Statistik anderes ausweist.“<br />
Ähnliche Erfahrungen wie Dr. Hanzl macht auch Dr. Gunter<br />
Schneider im Erzgebirge. Der Mediziner ist 1947 geboren und<br />
führt weiterhin seine Hausarztpraxis im Kurort Seiffen. Auch<br />
er spürt den Ärztemangel auf dem Land. „Es fehlen die Leute.<br />
Es fehlt der Nachwuchs“, sagt er. Dass er noch in seiner Praxis<br />
ist, ist für ihn auch Verantwortung gegenüber seinen Patienten:<br />
„Ich fühle mich so, dass ich das noch gerne machen möchte. Außerdem<br />
haben wir es früher so gelernt“, sagt der Mediziner.<br />
Dass Ärzte auch über das Rentenalter hinaus praktizieren, findet<br />
sich in Sachsen häufiger: Laut der Sächsischen Landesärztekammer<br />
gab es Ende 2020 insgesamt 26.223 Ärzte in Sachsen.<br />
Von ihnen waren fast 6.500 mindestens 66 Jahre oder älter –<br />
die größte <strong>Alter</strong>sgruppe in der Statistik. Die <strong>Alter</strong>sstruktur lässt<br />
erwarten, dass sich dieses Problem in den nächsten 15 Jahren<br />
verstärken wird. Zudem ist die Anzahl der Ärzte, die im vertragsärztlichen<br />
Bereich nur in Teilzeit arbeiten, in den letzten<br />
20 Jahren von 0,5 auf etwa 20 Prozent (Stand 2018) gestiegen.<br />
Es werden folglich mehr Ärzte erforderlich sein, um eine gleichbleibende<br />
Versorgung zu sichern.<br />
Sachsen sucht also junge Ärzte. Ein Vorbild ist hier Dr. René<br />
Pfarr. Der Allgemeinmediziner übernahm vor zehn Jahren<br />
eine Praxis in Ottendorf bei Lichtenau. „Das war eigentlich ein<br />
großer Zufall. Ich war zuvor im Krankenhaus in Mittweida beschäftigt.<br />
Dann habe ich gehört, dass für die Praxis eine Nachfolge<br />
gesucht wird und habe die Chance ergriffen“, erinnert er<br />
sich. Der 42-Jährige betreut 2000 Patienten aus Ottendorf und<br />
Umgebung. „Im Quartal mache ich 250 Hausbesuche. Normal<br />
in meinem Berufsstand sind 50 Besuche“, erzählt er. Um etwas<br />
zu entlasten, nutzt er nun auch die sozialen Medien. „Ich bin als<br />
Person auf Facebook. Hier stelle ich Öffnungszeiten und Urlaube<br />
ein. Die Patienten melden sich auch per Chat und wir können<br />
kleinere Fragen direkt so klären“, sagt der Landarzt. Sein Beruf<br />
macht ihm Spaß. Die Dankbarkeit und Wertschätzung der<br />
Patienten sind für ihn das Schönste. Um den Job als Landarzt attraktiver<br />
zu machen, wünscht er sich ein paar Veränderungen.<br />
Besonders wichtig: der Abbau von Bürokratie. „Ich wünsche mir<br />
mehr Freiheiten und Rechte als Arzt. Meine Patienten kenne ich<br />
am besten und weiß, welche Medikamente und Behandlungen<br />
ich verschreiben sollte. Wenn diese dann allerdings von der<br />
Krankenkasse abgelehnt werden, dann muss ich lange Begründungen<br />
schreiben, warum es dennoch notwendig ist. Das kostest<br />
alles Zeit“, sagt Dr. Pfarr.<br />
Die Hausärzte sichern auf dem Land die medizinische Grundversorgung.<br />
Gerade ältere Einwohner profitieren, wenn die<br />
Wege zum Arzt möglichst kurz sind. Um dem Mangel an Nachwuchs<br />
zu begegnen, gibt es in Sachsen verschiedene Projekte.<br />
Eines davon ist das Medizin-Nachwuchsprogramm "Studieren<br />
in Europa – Zukunft in Sachsen". Das Projekt läuft seit 2013 und<br />
ermöglicht zukünftigen Hausärzten, die keinen Studienplatz in<br />
Deutschland bekommen haben, in Ungarn zu studieren und<br />
anschließend in Sachsen zu praktizieren. Seit dem Studienjahr<br />
20/21 werden 40 Studienplätze an der Universität Pécs gefördert.<br />
Die Teilnehmer des Programms erhalten für die Dauer<br />
der Regelstudienzeit ein Stipendium. Im Anschluss absolvieren<br />
sie eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in<br />
Sachsen. Mit der Teilnahme an dem Programm verpflichten<br />
sich die Studierenden nach Abschluss für mindestens fünf Jahre<br />
als Hausarzt in Sachsen außerhalb der Städte Leipzig/Markkleeberg<br />
sowie Dresden/Radebeul zu praktizieren.<br />
Eine weitere Verbesserung der Förderung des Landärzte-Nachwuchses<br />
brachte der Landtag Ende September auf den Weg. Mit<br />
dem Landarztgesetz werden 6,5 Prozent der der Medizinstudienplätze<br />
für Bewerber reserviert, die sich verpflichten, nach<br />
Abschluss des Studiums sowie der Weiterbildung zum Facharzt<br />
für zehn Jahre in von Unterversorgung betroffenen Gebieten<br />
Sachsens tätig zu sein.<br />
Der <strong>CDU</strong>-Hochschulpolitiker Oliver Fritzsche sagt: „Wir stehen<br />
für gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Regionen im<br />
Freistaat Sachsen. Dazu zählt für uns auch eine gute ärztliche<br />
Versorgung. Mit der Landarztquote leisten wir einen Beitrag<br />
zum Erhalt einer hochwertigen medizinischen Versorgung gerade<br />
im ländlichen Raum.“ Im Rahmen dieser Quote bilden die<br />
Universitäten in Leipzig und Dresden jedes Jahr rund 570 Mediziner<br />
aus. Weitere 50 Studienplätze stehen im Modellstudiengang<br />
Medizin in Chemnitz zur Verfügung. „Wir wollen damit<br />
denen ein Medizinstudium ermöglichen, die später gern in einer<br />
ländlichen Region Sachsens als Arzt oder Ärztin praktizieren<br />
wollen“, sagt Fritzsche.<br />
UND ICH BIN DER NEUE<br />
Dr. René Pfarr hat vor zehn Jahren eine Hausarztpraxis in<br />
Lichtenauer Ortsteil Ottendorf übernommen. Studiert hat<br />
er in Leipzig. „Ich komme aus der Großstadt und hatte natürlich<br />
im Vorfeld auch ein Bild vom Land und den Menschen<br />
dort“, sagt der Mediziner. „Das Bild hat sich überhaupt<br />
nicht bestätigt. Die Menschen sind offen, interessiert<br />
und vielseitig“. Die Übernahme in Ottendorf war eher Zufall.<br />
Nach dem Studium arbeitete er zunächst in Mittweida<br />
im Krankenhaus. Als das Krankenhaus nach Kriebstein zog<br />
und der Arzt, der die Praxis betrieb, seinen Abschied ankündigte,<br />
ergriff Pfarr seine Chance. Als Erstes habe er die Praxisräume<br />
gestrichen und neue Bilder aufgehängt, erzählt<br />
er lachend – vorher sei alles so grau gewesen. Wichtig ist<br />
für ihn der persönliche Kontakt zu seinen Patienten. Dennoch<br />
setzt er auch auf Digitalisierung. „Wir brauchen auf<br />
dem Land einen besseren Internetanschluss, damit auch<br />
die Ärzte gut arbeiten können“, sagt er. Aktuell bricht die<br />
Verbindung zum Internet bei ihm immer mal wieder ab.<br />
„Ein Anschluss an Glasfaserkabel wäre schon gut.“<br />
58 59
GEKOMMEN, UM<br />
ZU SCHLICHTEN<br />
WEIL ALTERSGRENZE<br />
VERALTET IST!<br />
ICH WILL<br />
Mobbing, Ausgrenzung, Cliquenkriege – im Schulalltag<br />
kommt es immer mal wieder zum Streit zwischen den<br />
Kindern. Die Probleme können sich dabei auf die Leistungen<br />
im Unterricht und das soziale Miteinander auswirken.<br />
Zwar unternehmen Schulträger, Lehrer und Erzieher<br />
einiges dagegen, aber ganz ohne Konflikte wird Schule<br />
wohl nie laufen. Hier kommen die Seniorpartner ins Spiel:<br />
„Im Schulalltag gelingt es nicht immer, individuell auf die<br />
Konflikte der Kinder einzugehen. Hier können unsere Seniorpartner<br />
helfen, denn sie haben die fehlende Zeit für<br />
die Kinder“, erklärt Wolfgang Engel, 1. Vorsitzender des<br />
Bundesverbandes der Seniorpartner in School.<br />
Seit 2001 bildet der Verein bundesweit ehrenamtliche<br />
Mediatoren aus, die im Schulalltag Streit schlichten. In<br />
Sachsen ist der Verein an 24 Schulen aktiv, bundesweit<br />
sind es über 300. Die Seniorpartner setzen dabei auf die<br />
Lebenserfahrung von Personen ab 55 Jahren. Vor ihrem<br />
Einsatz lernen die Freiwilligen in einem mehrtägigen<br />
Kurs das wichtige Handwerkszeug der Mediation kennen.<br />
Danach arbeitet jeder Seniorpartner etwa fünf Stunden<br />
in der Woche in einer Schule – über einen Zeitraum<br />
von 40 Schulwochen. Das Ziel: Streit zwischen Kindern<br />
und Jugendlichen gewaltfrei lösen. Der <strong>CDU</strong> Rechtspolitiker<br />
Martin Modschiedler sagt: „Es ist wirklich ein<br />
toller Einsatz der Seniorenpartner. Sie zeigen unserem<br />
Nachwuchs, dass Konflikte nicht ausarten müssen, sondern<br />
mit Empathie gelöst werden können. Wir brauchen<br />
mehr solches freiwilliges Engagement.“<br />
Viel Lebenserfahrung: Zwickauer fordert ein<br />
Umdenken beim Besetzen von Ämtern<br />
Seine Leidenschaft war Eckhard Leuschner lange klar. „Ich habe<br />
mich schon immer für Recht interessiert. Besonders das Strafrecht<br />
finde ich interessant“, erklärt er. Als langjähriger Schlichter<br />
der Schiedsstelle Zwickau-Nord, Friedensrichter in Aue,<br />
ehrenamtlicher Mitarbeiter im Weißen Ring und Hilfsschöffe<br />
kennt er sich in den Gesetzbüchern aus. „Es geht darum, dass<br />
ich meine Lebenserfahrung einbringen möchte. Als Hilfsschöffe<br />
braucht man zum Beispiel keine Fortbildung. Hier ist der<br />
gesunde Menschenverstand entscheidend“, weiß Eckhard Leuschner.<br />
Er findet es spannend bei Prozessen dabei zu sein. „Eine<br />
der wichtigsten Aufgaben als Hilfsschöffe ist es, die Verhandlung<br />
aufmerksam zu verfolgen und bei der Urteilsfindung zu<br />
beraten“, erklärt Leuschner seine derzeitige Aufgabe. Der aktive<br />
Senior würde sich gerne nach den fünf Jahren zu einer weiteren<br />
Amtsperiode als Hilfsschöffe aufstellen. Das Problem: sein<br />
<strong>Alter</strong>. Eckhard Leuschner wird bald 70 und erreicht damit die<br />
beim Gericht erlaubte <strong>Alter</strong>sgrenze. „Das ist <strong>Alter</strong>sdiskriminierung",<br />
schimpft er. Zustimmung bekommt er von <strong>CDU</strong>-Rechtspolitikerin<br />
Susann Leithoff: „Die starre <strong>Alter</strong>sgrenze des 70.<br />
Lebensjahres erscheint 46 Jahre nach der Schaffung des Gerichtsverfassungsgerichts<br />
nicht mehr zeitgemäß. Gerade vor<br />
dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und eines<br />
sich hierdurch verändernden <strong>Alter</strong>sgefüges, insbesondere<br />
auch der sächsischen Bevölkerung, ist ein Umdenken erforderlich.“<br />
Erst im Oktober hat der Sächsische Landtag einen Antrag<br />
der Koalitionsfraktionen zur Anpassung der <strong>Alter</strong>sgrenze<br />
für Schöffen beschlossen.<br />
Susann Leithoff<br />
<strong>CDU</strong>-Rechtspolitikerin<br />
ALTERSDISKRIMINIERUNG<br />
Der Ausdruck <strong>Alter</strong>sdiskriminierung<br />
bezeichnet eine soziale und<br />
ökonomische Benachteiligung von<br />
Personen oder Gruppen aufgrund<br />
ihres Lebensalters. Sie kann in Form<br />
von Ausgrenzung, Benachteiligung,<br />
Geringschätzung oder Herabsetzung<br />
erfolgen und ist laut Allgemeinen<br />
SCHÖFFE BLEIBEN<br />
Gleichbehandlungsgesetz<br />
(AGG) in Deutschland verboten.<br />
Eckhard Leuschner arbeitet seit Jahren ehrenamtlich<br />
als Schöffe. Wegen der <strong>Alter</strong>sgrenze<br />
von 70 Jahren müsste er jetzt eigentlich<br />
aufhören. Die <strong>CDU</strong>-Fraktion macht sich<br />
für eine Änderung dieser Regel stark.<br />
60 61
DARF ICH VORSTELLEN,<br />
MEIN VORBILD<br />
Malte Martin (79), Lehrer mit Herz und Seele. Auch zwei Jahrzehnten nach seinem Ausscheiden<br />
aus dem aktiven Schuldienst ist er nicht nur bei den ehemaligen Gymnasiasten sehr<br />
beliebt. Auch sein Engagement als Stadtrat in Grimma seit 1994 verdient aller Achtung.<br />
#<strong>Einblick</strong> #meinVorbild<br />
Für unseren 86-jährigen Heinz Langer ist das Ehrenamt Ehrensache. Nach seiner langen<br />
Karriere als Sportler und Schwimmmeister betreut er jetzt Schwimmkurse für Kinder und<br />
Frauen mit Krebs und macht sogar nach wie vor Schwimmaufsicht im Johannisbad. Für mich<br />
ein Vorbild. #einblick #meinVorbild<br />
Was habt ihr für Vorbilder?<br />
Eines meiner Vorbilder ist mein Schwiegervater Manfred Kuge.<br />
Einerseits ist er ein anerkannter Handwerksmeister und Stadtrat in Riesa, anderseits ist er<br />
immer für uns da.<br />
Mit seinen fast 80 Jahren kann er locker mit der Jugend mithalten – er arbeitet noch immer mit<br />
Freude als Uhrmacher, verreist gern und hat natürlich ein Smartphone.<br />
Ich bin dankbar, dass es ihn in meinem Leben gibt!<br />
#einblick #meinvorbild #meissen #riesa #familie #kuge #danielakuge #uhrmacher #uhrmachermeister<br />
#uhrmacherei #dankbar #family #best<br />
Für meinen Großvater war der Tag der Deutschen Einheit wichtiger als sein eigener Geburtstag!<br />
Daran musste ich in den letzten Tagen sehr oft denken. Kein Mensch hat mich, nach meinen<br />
Eltern, mehr geprägt. Er hat mich bestärkt auf all meinen Wegen, hat mich gefordert und<br />
gefördert, hat mir Werte wie Durchsetzungskraft, Stärke, Einfühlungsvermögen und soziales<br />
Engagement vorgelebt und wusste immer auch mein Temperament in den entscheidenden<br />
Momente zu bremsen.<br />
Als Familienoberhaupt hat er uns alle immer mit Strenge und Liebe gleichermaßen geführt. So<br />
hat er nicht nur mich geprägt, sondern alle seine Enkelkinder. Umso mehr erfüllt es mich mit<br />
Stolz, dass mein Cousin Kurt in diesen Tagen Schützenkönig geworden ist und damit Opas<br />
lang gehegten Traum erfüllen konnte! Und mit den Hosenträgern unseres Opas, als sein persönlicher<br />
Glücksbringer, konnte er ihn sogar ein Stück teilhaben lassen! Großartig Kleiner!!!<br />
#<strong>Einblick</strong> #meinVorbild<br />
Ingeborg Reinacher ist mein Vorbild – nicht nur weil sie mich in den Landkreis Meißen geholt hat,<br />
sondern weil sie trotz Ruhestand noch engagiert ist und sich um jegliche Belange und Sorgen<br />
kümmert. Stets informiert hat sie schon die passenden Lösungen parat.#meinvorbild #einblick<br />
Wir haben die Abgeordneten der <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages gebeten, auf ihren<br />
Facebook-Seiten ihre Vorbilder vorzustellen. Hashtag: #meinVorbild<br />
Martin Modschiedler wählte Evelyn Müller aus. „Nach der<br />
ersten freien Kommunalwahl in der DDR im Mai 1990 wurde<br />
Evelyn Müller zur Präsidentin der Dresdner Stadtverordnetenversammlung<br />
gewählt. Mit Fingerspitzengefühl, diplomatischem<br />
Geschick und Durchsetzungsvermögen hat<br />
sie in dieser bewegten und bewegenden Zeit die Politik in<br />
der Landeshauptstadt mitgestaltet“, schreibt Modschiedler<br />
über Müller. Nach dem Ende der Wahlperiode 1994 war<br />
Müller bis 1999 als Stadträtin aktiv. Heute engagiert sie sich<br />
im Förderverein des Lingnerschloss e.V. und in der Dresdener<br />
Senioren Union und als Beisitzerin im <strong>CDU</strong>-Ortsverband<br />
Blasewitz/Striesen. „Hier steht sie uns mit Rat und Tat<br />
zur Seite: herzlich, humorvoll, lebenserfahren. Vielen Dank<br />
dafür, liebe Evelyn“, so Modschiedler über sein Vorbild.<br />
62 63
Anfang September durfte ich Gudrun Andrich aus Coswig zu 65 Jahren Mitgliedschaft in der<br />
<strong>CDU</strong> gratulieren und sie ehren. Es bedurfte eines großen Mutes, in der DDR der 50er Jahre<br />
in die <strong>CDU</strong> einzutreten und sich darüber hinaus noch im kirchlichen Rahmen stark zu engagieren.<br />
Das bewundere ich an Frau Andrich, die fest im christlichen Glauben verwurzelt ist<br />
und daraus Kraft schöpfte, Verantwortung für ihre Mitmenschen zu übernehmen. Zum Beispiel<br />
als langjährige Stadträtin für Coswig nach der Friedlichen Revolution oder als Leiterin eines<br />
Seniorentreffs. Damit ist Gudrun Andrich ein Vorbild für mich im Hinblick darauf, wie eine gute<br />
soziale Gemeinschaft in einer Kommune gelingen kann.<br />
#<strong>Einblick</strong> #meinVorbild #matthiasroessler #cdu #mitglied #jubiläum #ehrung #coswig #stadtrat<br />
Vorbilder<br />
Mein Vorbild ist Uta Windisch. Nach der friedlichen Revolution wurde sie in den ersten Kreistag<br />
und zu dessen Präsidentin gewählt, obwohl sie nie ein politisches Amt angestrebt hat.<br />
20 Jahre hat sie den Wahlkreis im Sächsischen Landtag vertreten und mich an die politische<br />
Arbeit herangeführt. Auch heute ist sie nach wie vor gesellschaftlich engagiert und arbeitet<br />
ehrenamtlich im Kreistag. Ihr Rat ist bis heute wertvoll für mich.<br />
#<strong>Einblick</strong> #meinVorbild<br />
Foto: Büro Rico Anton<br />
Rico Anton mit Uta Windisch im Jahr 2009 und heute<br />
Es gibt viele Vorbilder und viele, die mich auf meinem politischen Weg begleitet haben<br />
- die drei Senioren stehen für alle, denen ich unendlich dankbar bin, dass sie ihre Kraft für<br />
unsere Arbeit einsetzen.<br />
• Hannelore Kleindienst – hat eine offene und einnehmende Art, ist fest verwurzelt in der Region<br />
und war im Verkauf in der privaten Fleischerei ihres Mannes tätig. Mit ihrem Optimismus<br />
schafft sie es, viele für die Arbeit des Glauchauer Seniorenbeirates zu begeistern. Ihr direkter<br />
Weg zu den Menschen, ihr Engagement in der Region und der Stadt im Bereich der Seniorenarbeit<br />
schätze ich sehr – sie ist für mich ein Vorbild.<br />
• Bärbel Labrenz – ist eine Frau die fest im Leben steht und nicht müde wird, anderen immer<br />
wieder Mut zu geben, gerade in den Zeiten des Hochwassers und eigener gesundheitlicher<br />
Einschränkungen. Ihr besonderer Einsatz gilt in Remse dem Seniorenverein und dem Kleingartenverband.<br />
Dort ist sie aktives Vorstandsmitglied, Ansprechpartnerin für viele Belange der<br />
Kleingärtner und Organisationstalent. Ihre absolute Verlässlichkeit und besonderes Engagement<br />
im Ehrenamt machen sie für mich zu einem Vorbild.<br />
• Frank Zetzsche – engagiert sich für individuelle Mobilität auf Vereinsebene. Er ist immer für<br />
andere da, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, macht sich für die Radwege stark und setzt<br />
sich mit Sachverstand für die Infrastruktur ein. Er organisiert und begleitet Radtouren weit<br />
über Glauchau hinaus und ist im Seniorenbeirat der Stadt Glauchau aktiv. Er ist für mich ein<br />
Vorbild, weil er sich über persönliche Belange hinaus für die Gesellschaft einsetzt.<br />
#<strong>Einblick</strong> #meinVorbild<br />
26 Jahre darf ich nun schon als Stadtrat die Geschicke meiner Heimatstadt Zwickau mitgestalten<br />
und dabei hat mir auch die Lebenserfahrung Älterer sehr geholfen. Deswegen möchte ich<br />
mich bei all denen und gerade gegenwärtig bei unserem langjährigen Fraktionsvorsitzenden Dr.<br />
Thomas Beierlein herzlich bedanken!!! Er leitete als Bauingenieur und Prüfstatiker über 40 Jahre<br />
sein Ingenieurbüro und nun im Ruhestand unsere <strong>CDU</strong>-Ratsfraktion. #<strong>Einblick</strong> #meinVorbild<br />
Eines meiner Vorbilder ist Angelika Liu, weil sie ihre zahlreichen Ehrenämter neben Familie<br />
und Beruf seit über 30 Jahren stets mit voller Hingabe, Charme und einem lieben Lächeln<br />
ausübt und sie die nächsten Generationen an ihren zahlreichen Erfahrungen durch gewitzte<br />
Anekdoten teilhaben lässt.<br />
#<strong>Einblick</strong> #meinVorbild<br />
Oft ist es im Leben so, dass man Förderer und Vorbilder hat, die einem die Möglichkeit geben,<br />
sich zu entwickeln, die man in schwierigen Situationen um Rat fragen kann und die über<br />
entsprechende Erfahrungen verfügen.<br />
Arndt Rauchalles ist für mich so ein Mensch. Mit 19 Jahren gab er mir die Möglichkeit, im<br />
Rathaus der Stadt Falkenstein/ Vogtland meine ersten Schritte in der #Kommunalpolitik zu<br />
machen. Ein Chef, der forderte und förderte und der Anfang der 1990er-Jahre auch Mitglied<br />
im Sächsischen #Landtag war. Wir arbeiteten 24 Jahre zusammen.<br />
Er ist aber auch jemand, der mich bei meinen weiteren beruflichen und politischen Schritten<br />
beraten und ermutigt hat. Wir stehen noch heute im regelmäßigen engen Kontakt. Danke<br />
dafür und für alle Unterstützung. #Vorbild #Förderer #<strong>Einblick</strong> <strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen<br />
Landtages <strong>CDU</strong>-Vogtland<br />
Rolf Seidel steht seit vielen Jahren als Präsident an der Spitze des Anglerverbandes Leipzig<br />
und kümmert sich ehrenamtlich um die Interessen der immerhin etwa <strong>14</strong>.000 Petrijünger in der<br />
Leipziger Region.<br />
Er war auch maßgeblich an der Entstehung der „Leipziger Fischwelt“, einem Bildungs- und Informationszentrum<br />
zu den Themen „Angeln“, „Fische“ und „Gewässer“ beteiligt. Dieser außerschulische<br />
Lernort wird fast täglich von Schulklassen aus der Region besucht.<br />
Vor seinem Ruhestand hat er 20 Jahre lang die Interessen der Leipziger im Sächsischen Landtag<br />
vertreten. Dabei hatte er stets ein offenes Ohr auch für die kleinen Probleme vor Ort. Aus diesem<br />
Grund ist er eines meiner Vorbilder.<br />
#<strong>Einblick</strong> #meinVorbild<br />
Gute #Politik muss #nachhaltig sein.<br />
Dabei ist es für mich, gerade in unserer schnelllebigen Zeit, von großer Bedeutung, beim<br />
Wirken für unsere Region auf die Erfahrungen von #Vorgängern zurückgreifen zu können.<br />
Die #S289 „#Westtrasse“, als eine zentrale #Lebensader unserer Region zwischen #A4 und<br />
#A72, ist dafür ein gutes Beispiel. In fünf Bauabschnitte unterteilt, und mit #Unterstützung von<br />
meinem #Kollege Georg Hamburger begonnen, steht nun, mehr als 20 Jahre nach den ersten<br />
#Vorplanungen, der letzte #Bauabschnitt im Fokus. Im Trassenbereich „#Verlegung #Römersgrün“<br />
finden seit Oktober 2021 die #Baugrunduntersuchungen statt.<br />
www.jan-loeffler.info<br />
#<strong>Einblick</strong> #meinVorbild<br />
<strong>CDU</strong>-Fraktion des Sächsischen Landtages<br />
64 65
TEIL 3<br />
HELDEN DES ALLTAGS<br />
Gesellschaft, Naturschutz und Geschichte – mit ihrem Engagement setzen sich diese<br />
Senioren für uns alle ein und leisten dabei Heldenhaftes<br />
„Mir ist das Wohlbefinden der Menschen wichtig“, sagt mus schafft sie es, viele für die Arbeit des Glauchauer Seniorenbeirates<br />
zu begeistern“, sagt die <strong>CDU</strong>-Abgeordnete<br />
Hannelore Kleindienst. Gleich mit der Rente begann sie<br />
ihr Engagement im Seniorenbeirat der Stadt Glauchau. Ines Springer. „Ihr direkter Weg zu den Menschen, ihr Engagement<br />
in der Region und der Stadt im Bereich der Seni-<br />
Hier organsiert sie Wanderausflüge, Computerlehrgänge,<br />
Rechtsberatungen und Sportveranstaltungen. „Außerdem orenarbeit schätze ich sehr – sie ist für mich ein Vorbild.“<br />
bringen wir einen Seniorenwegweiser für Glauchau raus“,<br />
erzählt sie. Derzeit arbeitet sie daran, eine Seniorenakademie<br />
in Glauchau aufzubauen: „Die ersten Termine planen Bauingenieur und spätere Kioskbesitzer kam 2015 durch<br />
Reiner Pietzner ist im Naturschutz aktiv. Der ehemalige<br />
wir für diesen November“, verrät sie. „Mit ihrem Optimis-<br />
einen Zeitungsartikel zum Naturpark Dübener Heide. „Da<br />
REINER PIETZNER (70)<br />
Ehrenamtliche sind das Rückgrat des Naturschutzes.<br />
Das weiß auch Reiner Pietzner. Der<br />
aktive Senior setzt sich seit mehreren Jahren<br />
für die Biber und Wildkatzen im Naturpark<br />
Dübener Heide ein. „Wir brauchen immer neue<br />
Freiwillige. Dazu hat der Naturpark eine Regiocrowd-Website<br />
eingerichtet, wo Interessierte<br />
ein Naturschutzprojekt in ihrer Nähe finden“,<br />
erklärt er.<br />
habe ich von einem Wildkatzenfund in der Region gelesen.<br />
Das war etwas Besonders, da es die Tiere vorher nicht gab.<br />
Hier ist vor allem der Biber verbreitet“, erinnert er sich.<br />
Das Interesse war geweckt: Reiner Pietzner nahm Kontakt<br />
zum Naturpark auf. In der Gruppe Delitzsch-Eilenburg ist<br />
er heute mit 30 bis 40 Personen für das Monitoring der<br />
Bieber und Wildkatzen verantwortlich. Er würde sich freuen,<br />
wenn er andere Freiwillige für das Engagement gewinnen<br />
kann. „Die Natur ist jetzt mein drittes Leben“, sagt er.<br />
Zum 130. Jubiläum des Burgstädter Wettinhains durchsuchte<br />
Dr. Wolfgang Scheffel Archive, sichtete alte Unterlagen<br />
und verfasste eine Festschrift. „Mir gefällt es, Ereignisse<br />
aus der Vergangenheit zu rekonstruieren und dabei<br />
Entdeckungen zu machen“, erzählt der ehemalige Chirurg,<br />
der auch für die <strong>CDU</strong> als Stadtrat in Burgstädt aktiv ist. Und<br />
ergänzt: „Die Recherche ist immer eine Puzzlearbeit, die<br />
am Ende ein Bild ergibt.“ Und das kann sich sehen lassen:<br />
Aktuell sind Teile von Scheffels Festschrift gemeinsam mit<br />
großen Fotos in der Burgstädter Innenstadt ausgestellt.<br />
„Vom Arzt am Krankenhaus Burgstädt zum Historiker und<br />
Autor – das Engagement von Dr. Wolfgang Scheffel ist vorbildlich“,<br />
sagt der <strong>CDU</strong>-Abgeordnete und sächsische Regionalminister<br />
Thomas Schmidt.<br />
DR. WOLFGANG SCHEFFEL (67)<br />
HANNELORE KLEINDIENST (70)<br />
Wenn er nicht in Archiven forscht oder am Schreibtisch<br />
sitzt, dann geht Dr. Wolfgang Scheffel wandern.<br />
Sein Ziel: einmal das Grüne Band – die ehemalige<br />
innerdeutsche Grenze – ablaufen. „Am Anfang habe<br />
ich Tagestouren gemacht. Heute sind es Urlaube zum<br />
Wandern und Radfahren. Ich habe es bald geschafft“,<br />
erzählt er.<br />
„Ich habe schon immer gern mit Menschen zu tun gehabt“,<br />
sagt die aktive Seniorin. Im Seniorenbeirat von<br />
Glauchau ist ihr auch das Miteinander mit nachfolgenden<br />
Generationen wichtig. Hannelore Kleindienst<br />
will Brücken bauen: „Wir streben eine Zusammenarbeit<br />
mit dem Jugendbeirat an“, sagt sie. Im Austausch<br />
der Generationen sollen alle voneinander lernen.<br />
66<br />
67
„Alles, was Spaß macht, hält jung.“<br />
Curd Jürgens<br />
„Älter werden heißt auch besser werden.“<br />
Jack Nicholson<br />
„<strong>Alter</strong>nde Menschen sind wie Museen:<br />
Nicht auf die Fassade kommt es an,<br />
sondern auf die Schätze im Innern.“<br />
Jeanne Moreau<br />
„Nimm die Erfahrung und die Urteilskraft<br />
der Menschen über 50 heraus aus<br />
der Welt, und es wird nicht genug übrigbleiben,<br />
um ihren Bestand zu sichern.“<br />
Henry Ford<br />
„Vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen<br />
und die Alten ehren.“<br />
Bibel, 3.Mose 19, 32<br />
„Mit den späten Jahren kommt die<br />
Erfahrung.“<br />
Ovid<br />
cdu-fraktion-sachsen.de<br />
Tacheles! Politik im Klartext<br />
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