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Die Malteser-Zeitung 3/2021

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seine Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seine Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

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Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3/2021

Team Pflege: Arbeit mit Sinn

Ent-Fürchten wir uns: Leben im Alter

Wenn zwei gemeinsam Gutes tun


INHALT

IMFOKUS

04 Arbeit mit Sinn

07 Die Pflege muss männlicher werden

RELIGIONAKTUELL

11 #i check des

12 Ent-Fürchten wir uns!

KULTURGUT

08 Das Jahr des heiligen Josef

VORBILDER

10 Für Menschenwürde geradestehen

04

17

10

20

LEBENSWERT

16 Burnout – seien wir gut zu uns selbst!

17 Resilienz – Wenn Glaube Berge versetzen kann

MALTESERÖSTERREICH

20 Berichte aus den Bereichen:

vielfältige Initiativen und Dienste

MALTESERWELTWEIT

48 „Frei wie ein Vogel“ – Teil 2

49 Weil sie nicht vergessen sind

50 Papst Franziskus besuchte die Slowakei

51 Ordensempfang und feierliche Aufnahme

52 „Gebäude, Straßen, Wasser- und

Abwassersystem, eigentlich war alles weg.“

55 Hilfe sofort und vor Ort

MEDIZINAKTUELL

56 Klein, grün, wirksam

GELESENEMPFOHLEN

56 Interessante Neuerscheinungen

48 56

RUNDSCHAU

60 Das Schweigen überwinden

62 Wenn zwei gemeinsam Gutes tun

63 Hürden sichtbar machen, um sie zu beseitigen

65 Auszeichnungen

66 Wir trauern um

Spenden

Bitte verwenden

Sie den beiliegenden

Zahlschein!

2

DIE MALTESER 3/2021

IHRE SPENDE IST

STEUERLICH

ABSETZBAR


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

was wäre unser Leben, unsere Gesellschaft ohne das

Engagement von ehrenamtlichen Helfern? Die Malteser

zeigen immer wieder eindrucksvoll, welchen Unterschied

unsere Tätigkeit macht – sei es im Rettungs-, Sanitäts- und

Sozialdienst; sei es in der Pflege alter, kranker und einsamer

Menschen; sei es in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen

mit lebensverkürzenden Diagnosen. Unserem Auftrag

folgend, Dienst am Nächsten zu tun, sind unsere ehrenamtlichen

Helfer Tag für Tag im Einsatz. Dafür kann ihnen

nicht genug gedankt werden!

Zunehmend – und das freut mich außerordentlich – wächst

auch die Gemeinschaft der hauptamtlichen Pflegekräfte,

die bei den Maltesern ihren Dienst versehen. Aktuell gibt es

bereits drei Hilfswerke unter dem Schirm der Malteser, die

professionelle Pflege – mobil zu Hause, im Altenwohn- und

Pflegeheim und im Hilde-Umdasch-Haus anbieten. Die Betreuung

ist individuell und wird ebenso wie die ehrenamtliche

Tätigkeit der Malteser von Spiritualität, Gemeinschaftssinn

und Achtsamkeit getragen.

Warum das wichtig ist? Weil wir alle – insbesondere im Alter

und in Krankheit – das Recht auf Würde und ein wertschätzendes,

anteilnehmendes Miteinander haben. Auch auf

dem letzten Lebensweg wollen wir noch glückliche Momente

erleben und miteinander lachen. Gerade in Krankheit ist

es wichtig, sich anvertrauen zu können, Sorgen und Ängste

aussprechen und teilen zu dürfen; zu wissen, dass man nicht

alleine oder vergessen ist.

Diese Fürsorge für den Anderen ist Auftrag der Malteser im

Ehrenamt und in der Berufstätigkeit. Dabei dürfen wir nicht

übersehen, auch auf unsere eigenen Ressourcen zu achten.

Unsere Familie und unsere Freunde sind die Quellen, die uns

immer wieder die Kraft geben, für andere stark zu sein.

Mit Weihnachten steht das Fest der Geburt Jesu Christi

vor der Tür. Gott sendet uns seinen eigenen Sohn, um durch

seine barmherzige Liebe Licht und Freude in alle Herzen zu

bringen. Denken wir daran, dass auch wir, wenn wir Gutes

tun, Gottes Liebe weitertragen und gleichzeitig von ihr reich

beschenkt werden. So leuchtet das Licht in der Finsternis,

und keine Dunkelheit kann es überwinden.

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Ihren Freunden aus

tiefstem Herzen eine gesegnete Adventzeit. Kommen Sie gut

und gestärkt im Jahr 2022 an!

In großer Dankbarkeit für das unermüdliche Engagement

aller Malteser,

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden (Malteserorden),

Großpriorat Österreich, 1010 Wien, Johannesg. 2, T: +43 1 512 72 44,

E: presse@malteser.at

Chefredaktion: Katharina Stögner Mitarbeiter bzw. Autoren dieser

Ausgabe: Katharina Achammer, Tita Andras, Bernhard Bachna,

Wolfgang J. Bandion, Elena Becker, Peter und Birgit Canisius, Jutta

Jank Clarke, Hélène Cuenod, Gini Czernin, Felix Degeler, Theresa

Elverfeld, Anton F. Gatnar, Ulrich Glaunach, Aglaë Hagg, Daniela Harrison,

Christian Herrlich, Gregor Holfeld, Herwig Hösele, Jockl Huber,

Bartholomaeus Khevenhueller-Metsch, Thomas Kissich, Gloria Krenn,

Bernhard Küenburg, Fra`Gottfried Kühnelt-Leddihn, Stefanie Lanzdorf,

Jan Lédochowski, Monika Reitmeir, Mario Scheiber, Pfr. Konstantin

Spiegelfeld, Richard Steeb, Katharina Stögner, Udo Thianich-

Schwamberger, Angela Thierry, Manuel Weinberger, Susanne Wick, Pia

Winkler, Alexia Zwitkovits

Bildrechte: APA, Bank Austria/myAbility, shutterstock_1987689062

– Jesus Cervantes, Erzdiözese Wien, Erzdiözese Wien #I_check_des,

Foto Fischer, HBF/Carina Karlovits, KHM Museumsverband, Chris-

tian Ledl, Malteser Austria, Malteser Care, Malteser International,

Thomas Meyer, Matej Mihálik, Bruno Moriggl, Bezirksblätter

Salzburg/Franz Neumayr, P. Rudolf Schaffgotsch, Johanniter/Alex.

Schmidt, Martin Steiger, Fabian Steppan, Rotes Kreuz Innsbruck/

Stolz, Sulzer, Wolfgang Sünder, UNDOC, Joachim Wagner, Valentina

Walderdorff, Wilke, shutterstock_776878624 – Olena Yakobchuk,

Zingerle, Shutterstock 1641580108 - Dmytro Zinkevych

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige

Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei

Geschlecht.

Lektorat: Edith Holzer, Franziska Holzheimer Gestaltung: Karin

Mayer-Fischer, werbeproduktion.at Druck: Druckerei Robitschek,

Schlossgasse 10-12, 1050 Wien.

Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung über

nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und seiner Werke,

sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art. Namentlich

gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der Redaktion

entsprechen. Redaktionsschluss: November 2021

DIE MALTESER 3/2021 3


IMFOKUS

ARBEIT MIT SINN

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden ist nicht nur über seine jährlich wachsende Zahl an Ehrenamtlichen gesellschaftlich

engagiert. Im Rahmen seiner Hilfswerke ist er auch ein überaus attraktiver Arbeitgeber für Menschen in Pflegeberufen.

Den Grundstein für die heute tätigen Hilfswerke der

Malteser bildet das vom seligen Gerhard gegründete

Hospiz in Jerusalem. Dessen Bruderschaft schlossen sich

Von Katharina Stögner

1099 die ersten Ritter aus dem Abendland an. 1113 wurde

der Orden vom Papst bestätigt. Durch die Jahrhunderte

verlagerte sich der Hauptsitz über Rhodos nach Malta –

DAS ANGEBOT DER MALTESER ALS ARBEITGEBER IM ÜBERBLICK:

HAUS MALTA

Dienstort: 1060 Wien (ab 02/2022 1030 Wien)

Malteser Pflegewohnheim

Übersiedlung ins neuerrichtete Malteser Ordenshaus 02/2022

Kontakt: office@malteser-ordenshaus.at, www.hausmalta.at, www.malteser-ordenshaus.at

Kurzbeschreibung

Als Seniorenresidenz der Malteser ist das Haus

Malta ein traditionsreiches Haus mit einer sehr

offenen, liebevollen Atmosphäre. Anfang 2022

übersiedelt das Haus Malta in das neue Malteser

Ordenshaus in Wien-Mitte.

Das neue Malteser Ordenshaus ist ein katholisches

Haus mit Seele. Jeder Bewohner steht hier

mit seiner Biographie, seinen Bedürfnissen und

Möglichkeiten im Mittelpunkt. Der neue Standort

verfügt über eine hochmoderne Einrichtung,

die den aktuellen Standards von Pflege

und professioneller Betreuung entspricht.

Das neue Haus bietet mehr Bewohnern Platz

als das Haus Malta. Das bestehende Pflegeteam

wird daher bis Ende 2022 von rund 30 auf circa

60 Mitglieder aufgestockt.

Angebot/Leistungen für Mitarbeitende

• Christliches Leitbild

• Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeitenden vom Malteser

Hospitaldienst Burgenland, dem ehrenamtlichen Palliativteam

und dem Pastoralteam

• Flexible Arbeitszeiten und Mitsprache bei der Gestaltung des

Dienstplans

• Enge Zusammenarbeit mit Fachärzten (multiprofessionelles Team)

• Mentoring (insbesondere beim Onboarding), regelmäßige Feedbackgespräche

und bei Bedarf pastorale sowie psychotherapeutische

Begleitung

• Kostenloses Mittagessen

• Übernahme von Weiter- und Ausbildungskosten

• Kostenloses Fitnessstudio

• Ermäßigungen in Partnerapotheken

• Entlastung durch mehr Betreuungspersonal als im Personalschlüssel

der Stadt Wien gefordert

• Beschäftigungsmöglichkeiten auch für Zivildiener, Praktikanten

und Psychotherapeuten i. A. (Sigmund Freud Privatuniversität)

4

DIE MALTESER 3/2021


IMFOKUS

daher der Name „Malteser“ – und schließlich nach Rom.

Ab 1310 wurde ein Hospital- und Sanitätswesen aufgebaut,

das die weltweite Bekanntheit des Malteserordens

begründete. Der Leitsatz des Ordens: „Bezeugung des

Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“.

Lebensfreude, Gemeinschaft und Nächstenliebe

Den Ursprüngen des Ordens folgend hat neben dem großen

ehrenamtlichen Engagement die Pflege einen wesentlichen

Stellenwert. Pflegeeinrichtungen bzw. Pflegemodelle

zu schaffen, die Menschen – egal welchen Alters,

welcher Herkunft und Religion sowie unabhängig von

der Schwere oft multipler Erkrankungen – professionell

betreuen und ihnen Lebensfreude, Gemeinschaft und

Nächstenliebe vermitteln, ist eine wesentliche Säule der

Arbeit der Malteser in Österreich. Ehrenamtliche und

hauptamtliche Betreuungs- und Pflegetätigkeiten gehen

dabei Hand in Hand.

DAS ANGEBOT DER MALTESER ALS ARBEITGEBER IM ÜBERBLICK:

MALTESER CARE

Dienstort: Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg

Kontakt: office@malteser.care, www.malteser.care

Geriatrische Pflege und Betreuung bis hin zur Pflege von Kindern und

Jugendlichen sowie Betreuung zu Hause.

Kurzbeschreibung

Malteser Care wurde im Jahr 2010 gegründet und 2016 als vollständiges

Hilfswerk in die Struktur des Malteserordens integriert. Der Fokus liegt auf

einem individuellen Pflege- und Betreuungsmodell für die Pflege zu Hause.

Die Tätigkeitsbereiche und Leistungen von Malteser Care erstrecken sich

im geriatrischen Bereich von der 24-Stunden Pflege und Betreuung über

die mobilen Dienste, wie Hauskrankenpflege, Heimhilfe, Besuchsdienst

und mehrstündige Alltagsbegleitung bis zur Pflege und Betreuung von

Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen und schweren

Behinderungen. Auch eine Krisenunterbringung für Neugeborene bis dreijährige

Kinder bietet Malteser Care an.

Malteser Care ist mit dem ÖQZ-24, dem Qualitätszertifikat für die Organisation

von Personenbetreuung, ausgezeichnet. Aktuell beschäftigt Malteser

Care rund 80 Mitarbeitende, davon 13 Case und Care Managerinnen, 20

Pflege- und Betreuungsfachkräfte, 3 diplomierte Kinderkrankenpflegerinnen,

8 Familienbetreuerinnen, 20 Mitarbeitende in der Krisengruppe sowie 10

Mitarbeitende in der Zentrale in Wien. Für 2022 sind weitere 20 Stellen für

den Gesundheits- und Sozialbetreuungsbereich geplant.

Angebot/Leistungen

für Mitarbeitende

• Abwechslungsreiche Tätigkeiten in allen

Bereichen des gesamten Leistungsspektrums

von Malteser Care

• Einschulung und Begleitung durch erfahrene

Kollegen

• Regelmäßige Teamsitzungen zur gemeinsamen

Aussprache und Unterstützung

• Angebote für Supervision, Aus- und

Weiterbildung

• Beschäftigungsmöglichkeit für Praktikanten

in der sozialpädagogischen

Einrichtung der Krisengruppe und im

Bereich der mobilen Dienste

• Regelmäßige Teilnahme an Veranstaltungen

aus dem Pflege- und Betreuungsbereich.

DIE MALTESER 3/2021 5


IMFOKUS

Abwechslungsreiche Betätigungsfelder

Als Arbeitgeber bieten die Malteser hauptamtlich Beschäftigten,

aber auch Zivildienern, Praktikanten und

Auszubildenden erfüllende und abwechslungsreiche

Betätigungsfelder: Sei es in der stationären Alten- und

Krankenpflege in Wien oder in der mobilen Pflege von

Kindern, Jugendlichen oder alten Menschen mit Erkrankungen

in vielen weiteren Bundesländern. Darüber hinaus

finden professionelle Pflegekräfte in der stationären,

individuellen Pflege von Kindern und Jugendlichen mit

lebensverkürzenden Erkrankungen im Hilde Umdasch

Haus der Malteser Kinderhilfe in Amstetten eine sinnstiftende

Aufgabe.

DAS ANGEBOT DER MALTESER ALS ARBEITGEBER IM ÜBERBLICK:

MALTESER KINDERHILFE

Dienstort: Amstetten/NÖ

Kontakt: office@malteser-kinderhilfe.at, www.malteser-kinderhilfe.at

Malteser Kinderhospiz für Kinder und Jugendliche

mit lebensverkürzenden Erkrankungen.

Kurzbeschreibung

Als Pflegewohnhaus für Kinder und Jugendliche mit verkürzter

Lebenserwartung bietet die Malteser Kinderhilfe im Hilde

Umdasch Haus ein ganzheitliches Betreuungskonzept für junge

Menschen. Das Team vor Ort legt großen Wert darauf, dass das

Haus einen wohngemeinschaftlichen, familiären Charakter hat.

Dafür sorgen unter anderem viele gemeinsame und liebevoll begeleitete

Aktivitäten. So wird immer wieder aufs Neue ein Stück

Normalität hergestellt, auch wenn es sich bei den Kindern und

Jugendlichen um schwer pflegebedürftige Patienten handelt.

Die enge Zusammenarbeit von Pflegefachkräften und Pädagoginnen

ermöglicht die ganzheitliche Sichtweise und eine an die individuellen

Bedürfnisse angepasste Betreuung. Von pflegetheoretischer

Seite wird nach den Grundsätzen von Krohwinkel gearbeitet:

Die Pädagogik orientiert sich an den Prinzipien der Normalisierung,

der Partizipation und des Empowerments.

Aktuell sind im Hilde Umdasch Haus 19 Mitarbeitende in der Pflege,

drei in der Pädagogik und acht in der Verwaltung tätig. Zusätzliche

Hilfe kommt von neun ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Derzeit

suchen wir Unterstützung in der Medienarbeit sowie eine/n

freiberufliche/n Logotherapeuten/in.

Angebot/Leistungen für Mitarbeitende

• Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche im

Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres sowie

für Praktikanten aus den Bereichen Pflege, Pädagogik

sowie Hospiz- und Palliativ-Ausbildung

• Eigenverantwortliches Arbeiten im jeweiligen

Kompetenzbereich

• Vielfältige Möglichkeiten des Lernens von Anderen

• Gemeinsame Aktivitäten in einem modern und

freundlich gestalteten Haus mit großem Garten

• Sicherer Arbeitsplatz in einem stabilen Team

mit familiärer Atmosphäre

• Interdisziplinäre Zusammenarbeit auf Augenhöhe

• Gute Verkehrsanbindung (Pendlerpauschale

kann über das Finanzamt abgerechnet werden)

• Gut betreuter Onboarding-Prozess und regelmäßige

Feedbackgespräche

• Bei Bedarf Supervision und Coaching

• Familienfreundliche Dienstplangestaltung

6

DIE MALTESER 3/2021


IMFOKUS

DIE PFLEGE MUSS

MÄNNLICHER

WERDEN

Die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt stetig. Bleibt

die Pflege reine Frauensache, droht bald der Kollaps des

Systems. Pflegearbeit muss daher gesellschaftlich neu

definiert werden und Männer wie Frauen einbeziehen.

Von Susanne Wick

Eine Studie des Forschungs- und Planungsinstituts „Gesundheit

Österreich“ geht davon aus, dass bis zum Jahr

2030 zumindest 75.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt

werden. Setzt sich der Trend der vergangenen Jahrzehnte

fort, werden die Pflegebedürftigen weiterhin zu mehr

als 80 Prozent von Frauen betreut werden. Der Männeranteil

in diesem als „typischer Frauenjob“ angesehenen

Beruf ist gering. Laut Jahresbericht des Gesundheitsberuferegisters

2020 sind von den insgesamt 158.160 in

Gesundheits- und Krankenpflegeberufen tätigen Personen

134.378 Frauen und 23.782 Männer.

Fürsorge ist nicht unmännlich

Die Zeit der „rein weiblichen“ oder „rein männlichen“

Berufe ist längst Vergangenheit. Hier hat bereits in vielen

Bereichen eine Durchmischung stattgefunden. Warum

nicht also auch im Pflegebereich? Was der Pflege fehlt sind

männliche Vorbilder, die anderen Männern die Angst vor

dem Beruf nehmen, denn Pflege ist nicht unmännlich.

Grundsätzlich hängt eine Berufsentscheidung davon ab,

wie, wo und von wem man sozialisiert, ausgebildet und

erzogen wurde. Daher muss bereits in jungen Jahren den

Buben die Angst vor dieser Berufswahl genommen werden.

Das EU geförderte Projekt „Boys in care“, an dem sich mehrere

europäische Staaten wie auch Österreich und verschiedene

Institutionen beteiligt haben, will Vorurteile abbauen.

Beim jährlich im November stattfindenden Boys Day

können Burschen Workshops zum Thema Pflege besuchen

und in den Beruf hineinschnuppern. Trägt das Projekt

Früchte, würden sich in Zukunft auch mehr junge Männer

für einen Pflegeberuf entscheiden. So wie Tivo:

Tivo ist diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger und

seit 3 Jahren bei Malteser Care tätig. In der Pflege kann er

zwei Dinge, die er gerne tut, verbinden: Er pflegt gerne Menschen

und fährt gerne Auto. Pflege als Arbeit macht ihm

Freude, weil er von den Leuten die er betreut ein schönes

Feedback und Dankbarkeit bekommt.

Neuer Pflegestil durch Männer

Die Pflege bietet Burschen neue berufliche Chancen.

Diese Chancen können Männer bei Malteser Care bereits

nutzen“, so Geschäftsführer Helmut Lutz. „Wir

versuchen, ein attraktiver, für alle Seiten offener Arbeitgeber

zu sein und Männer davon zu überzeugen, dass

männlicher Fokus und hohe Professionalität einen neuen

Pflegestil ergeben können“, so Lutz. Derzeit sind bei Malteser

Care zwei männliche diplomierte Pflegefachkräfte

in der Hauskrankenpflege, drei Heimhelfer, ein Pflegefachassistent

und -betreuer, ein Pädagoge in der Krisengruppe

und 183 Personenbetreuer tätig. Der Pflegedienst

wird ebenfalls von einem Mann, Herrn DGKP Esmir Kavazovic

MBA, geleitet.

Werden Sie Teil unserer professionellen Teams!

Helfen Sie helfen, indem Sie sich hauptberuflich oder

auch ehrenamtlich in den vielfältigen Pflege- und Betreuungsbereichen

der Malteser engagieren! Wir freuen uns

über Ihr Interesse und Ihre Nachricht.

www.malteser.at, www.hausmalta.at,

www.malteser.care, www.malteser-kinderhilfe.at

DIE MALTESER 3/2021 7


KULTURGUT

DAS JAHR

DES HEILIGEN

JOSEF

Zur Fortsetzung der neuen Reihe „KunstGenuss“

und zum Abschluss des Jahres des heiligen Josef

präsentiert sich hier ein Werk, das die einst enge

Verbindung von Religion und Politik illustriert.

Von Wolfgang J. Bandion

Das Bild eines bis jetzt nicht näher bekannten

österreichischen Malers zeigt auf exemplarische

Weise eine barocke Darstellung der Pietas

Austriaca: Kaiser Leopold I. (1640-1705) stellt

die Erblande unter den Schutz des Heiligen

Josef und gelobt dies feierlich im Jahre 1675.

Deshalb ist Kaiser Leopold auch überaus prominent

ins Bild gestellt. Die Figur des Kaisers ist

eine spiegelverkehrte Version der plastischen

Ausführung an der im Jahre 1693 geweihten

Pestsäule am Graben in Wien.

Kaiser Leopold I. übergibt die Erblande dem Schutz des Hl. Josef

Schutz gegenüber feindlichen Mächten

Kaiser Leopold vertraut dem künftigen Schutzpatron

Österreichs die Insignien seiner Herrschaft

an: Hauskrone, Reichsapfel, Zepter und

Schwert. Unter seinem Schutz soll Österreich

Schild des Reiches gegenüber den Osmanen und

anderen feindlichen Mächten bleiben. Ein Putto

vor einem Schild verweist mit seiner Hand auf

diesen christlichen Auftrag. Ähnlich der Darstellung

an der Wiener Pestsäule betet Kaiser

Leopold nicht nur für sich und sein Haus, sondern

für seine Erblande und das gesamte Reich.

Die weibliche Allegorie mit Erzherzogshut hinter

ihm symbolisiert Österreich. Zwei geharnischte

Figuren begleiten das Geschehen.

8

DIE MALTESER 3/2021


KULTURGUT

Barocke Josefsreliquie,

mit

Applikationen von

Werkzeugen, die ihn als

Zimmermann ausweisen.

Königliche Abstammung Josefs aus dem Hause Davids

Die auffallende Größe des Reichsapfels kann als Hinweis

auf die herausragende Bedeutung der weltumspannenden

Idee des römischen Kaisertums verstanden werden. Kaiser

Leopold trägt den grünen Lorbeerkranz, und sein Blick

begegnet dem Jesuskind, das vom heiligen Josef liebevoll

gehalten wird. In dieser Szene wird die königliche Abkunft

Josefs aus dem Hause Davids angesprochen. Ein kleiner Engel

zeigt eine Lilie, bisweilen auch Josefslilie genannt und

Sinnbild der Seelenreinheit. Ein anderer hält einen Kranz

weißer und hellfarbiger Rosen, die auf Maria hindeuten.

Jesuitische Trinität: Jesus, Maria und Josef

Es waren vor allem die Karmeliter, die heilige Teresa von

Avila und, ebenso vehement, die Jesuiten, die die Verehrung

des heiligen Josef verbreiteten. So sei auch die Jesuitische

Trinität erwähnt: Jesus, Maria und Josef als

Gegenpart zur Himmlischen Trinität. Das in zahlreichen

Kirchen überlieferte Bild vom Sterben Josefs im Beisein

von Jesus und Maria geht auf apokryphe Schriften zurück.

Nicht zuletzt die Bitte um ein friedliches Sterben machte

diese überlieferte Darstellung so populär. Dies ist biblisch

jedoch nicht gesichert, da seine letzte Erwähnung im Neuen

Testament anlässlich der Predigt von Jesus als Zwölfjährigem

im Tempel war.

Noch heute verehrter Landespatron

Der in allen altösterreichischen Ländern bis in unsere

Dekaden beliebte Vorname Josef zeigt sich in seinen

Variationen deutlich: Sepp, Jozi, Peppi, Joschi. Tatsächlich

ist Josef auch heute noch Landespatron von Tirol, der

Steiermark und Kärnten.

ERÖFFNUNG

FEBRUAR 2022

Jetzt anmelden!

MALTESER

ORDENSHAUS

Das neue MALTESER Ordenshaus wird als

Pflegewohnheim in 1030 Wien ab Februar

2022 die Aufgaben des derzeitigen Haus

Malta übernehmen.

Sie können sich ab sofort anmelden oder

voranmelden!

www.malteser-ordenshaus.at

DIE MALTESER 3/2021 9


VORBILDER

FÜR MENSCHENWÜRDE

GERADESTEHEN

Opfer, nicht Helden, haben für Waltraud Klasnic Priorität. In ihrem Engagement geht es der ehemals ersten weiblichen Landeschefin

Österreichs darum, die Würde der Menschen zu wahren und die Lebenschancen jedes Einzelnen zu verbessern.

„Seit Anbeginn wollte ich Dinge zum Guten beeinflussen

können. Deshalb habe ich mich 1970 als junge Mutter

entschieden, dem Gemeinderat meiner steirischen Heimatgemeinde

Weinitzen im Umland der Landeshauptstadt

Graz beizutreten. Damals waren Frauen so gut wie

nirgendwo politisch vertreten. Das empfand ich als Ungleichheit

in der Gesellschaft und wollte es ändern“, so

die ehemalige steirische „Frau Landeshauptmann“.

Von Herwig Hösele

Waltraud Klasnic wurde am 27. Oktober 1945 kurz nach

Kriegsende geboren und wuchs in einfachsten Verhältnissen

bei ihrer Adoptivmutter auf. „Meine Kindheit

war nicht materiell reich, aber schön und mit viel Liebe

von meiner Mutti ausgestattet.“ Aufgrund der schwierigen

finanziellen Situation musste Waltraud unmittelbar

nach Besuch der Pflichtschule im Fachhandel berufstätig

werden.

Gemeinsam mit ihrem Mann Simon, den sie 1963 heiratete,

baute sie ein kleines Transportunternehmen auf.

Der glücklichen Ehe, die zwei Jahre nach der Feier der

goldenen Hochzeit durch den Tod ihres Mannes 2015

endete, entsprossen drei Kinder. Heute freut sich Waltraud

Klasnic über fünf Enkelkinder – und ein erstes

Urenkerl ist auch schon da.

Von der Gemeinderätin zum Landeshauptmann

Klasnics politisches Engagement begann im Gemeinderat

und setzte sich in der Frauenbewegung, im Wirtschaftsbund

und dann 1977 im Bundesrat fort. Über

drei Jahrzehnte war sie in der Katastrophenhilfe Österreichischer

Frauen engagiert und führte in Graz viele

Jahre lang auch ein privates Pflegeheim. 1981 kam

Klasnic in den Landtag und wurde 1988 erste weibliche

Wirtschaftslandesrätin Österreichs. Das waren die Meilensteine

auf dem Weg zum Amt als Landeshauptmann

der Steiermark 1996.

„Rückblickend kann ich immer nur sagen: Es gibt keine

einzige Aufgabe auf dieser Welt, die eine Frau nicht

ebenso gut wie ein Mann machen kann. Einzige Voraussetzung

ist es, dann ‚ja‘ zu sagen, wenn sich eine Chance

auftut“, resümiert Waltraud Klasnic. „Nach Beendigung

meiner politischen Laufbahn wollte ich mich in Bereichen

einbringen, die mir stets wichtig waren – ehrenamtlich

selbstverständlich. Dazu gehört die Hospizbewegung. Jeder

von uns wird eines Tages sterben und sollte sich darauf

10

DIE MALTESER 3/2021


RELIGIONAKTUELL

verlassen können, dass dies in Würde passiert. Nicht zuletzt

aufgrund des Urteils des Verfassungsgerichtshofs assistierten

Suizid betreffend sind alle verantwortungsbewussten Kräfte

aufgerufen, alles zu tun, um durch den flächendeckenden und

leistbaren Ausbau der Hospiz- und Palliativeinrichtungen ein

Leben in Würde zu ermöglichen. Dafür einzutreten – von der

anonymen Geburt bis zur Forderung: Hospiz und Palliativ

müssen in die Regelfinanzierung kommen – das sehe ich als

meinen Auftrag als Vorsitzende der Hospizbewegung.

Der immer wieder zu hörende Hilferuf: ‚Ich möchte nicht

mehr leben!‘ lautet eigentlich: ‚Ich möchte so nicht mehr leben!‘.

Daher sind menschliche Zuwendung und bestmögliche

palliative Betreuung die wichtige Herausforderung. Der

große Kardinal Franz König hat es auf den Punkt gebracht:

‚Nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen

in Würde sterben können‘.“

Unabhängige Opferschutzanwältin

Menschenwürde im ursprünglichsten Sinne ist für Waltraud

Klasnic auch in einem anderen Bereich zu einer Lebensaufgabe

geworden. 2010 bat sie Kardinal Christoph Schönborn

im Zuge der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs innerhalb

der Kirche, das Amt einer unabhängigen Opferschutzanwältin

zu übernehmen. Klasnic stellte eine ehrenamtlich

wirkende Kommission aus renommierten und in Fragen des

Rechts, der Psychologie und Pädagogik angesehenen Persönlichkeiten

zusammen. Ihr gehörten unter anderem die erste

weibliche Verfassungsgerichtshofspräsidentin und Bundeskanzlerin

Brigitte Bierlein, die langjährigen Gerichtspräsidenten

Caroline List und Udo Jesionek, der frühere Wiener

Stadtschulratspräsident Kurt Scholz und der Psychiater

Reinhard Haller an. Auch der Österreichische Schiverband

sowie SOS-Kinderdorf-Österreich haben Klasnic in Opferund

Kinderschutzfragen um Unterstützung ersucht.

Besonders gerne übt Waltraud Klasnic ihre Funktionen als

Vorsitzende des Universitätsrats der Montanuniversität Leoben

und vor allem des Aufsichtsrats der Elisabethinen Graz

aus, wo auch die Malteser in der Steiermark ihren Stützpunkt

haben.

#I CHECK DES

Ein neues Videoformat für Kinder erklärt den Ablauf

der Heiligen Messe. Unter dem Titel #icheckdes steht

die zehnteilige Reihe ab sofort via YouTube kostenlos

zur Verfügung.

Bild: Shutterstock

Die Videoserie mit Gesichtern der Erzdiözese Wien

erklärt kindgerecht den Ablauf der Messfeier und

macht verständlich, was die einzelnen Teile bedeuten.

Für Engagierte in der Kinder- und Jugendpastoral,

die die Videoserie in Erstkommunionstunden,

Jungschargruppen oder Ministrantenstunden

einsetzen und für alle, die mehr über die

Feier der Messe erfahren möchten, ist diese Form

der Erklärung eine willkommene Unterstützung.

Sie kann auch während der coronabedingten Einschränkungen

von Unterricht und Präsenzveranstaltungen

gut eingesetzt werden. Neben Kindern

kommen ausgewählte Experten mit kurzen Statements

zu Wort. Die Videos sind jeweils nur wenige

Minuten lang und lassen sich einzeln oder als Serie

verwenden.

Nähere Infos: https://bit.ly/I_check_des

DIE MALTESER 3/2021 11


RELIGIONAKTUELL

Bild: Shutterstock

ENT-FÜRCHTEN WIR UNS!

Viele Menschen haben Angst vor dem Älterwerden und Sterben. Das ist natürlich und verständlich. Aber wir können es

uns auch leichter machen. Zwei Priester und Seelsorger geben Einblicke in ihre Arbeit und lassen uns teilhaben an ihren

Erfahrungen im Umgang mit dem Altern und dem Tod. Zwei Beiträge, die Sorgen nehmen und Mut machen!

Leben im Alter

Von Pfr. Konstantin Spiegelfeld

chen sich keine besonderen Gedanken, manche planen und

überlegen, andere sind hilflos. Insbesodere jenen, die sich zu

Letzteren zählen, möchte ich drei Gedanken ans Herz legen.

Sie werden helfen, einen guten Sinn im dritten Lebensabschnitt

zu finden.

Nach Kindheit und Jugend folgt die Zeit der Erwerbsarbeit

und oft die Gründung einer eigenen Familie.

Danach erleben wir Menschen einen dritten Lebensabschnitt:

zunächst das Altern, dann das Alter. Wie

lässt sich dieses Kapitel in unser aller Leben sinnvoll

gestalten?

Nach meiner Erfahrung bereiten sich die Menschen sehr unterschiedlich

auf den eigenen Lebensabend vor. Manche ma-

1. Ich bin gewollt und wichtig! Mein Leben ist mehr als

meine Leistung.

Sich das Selbstverständnis, mehr zu sein als die eigene Leistung,

zu erhalten, ist in unserer Gesellschaft nicht immer

leicht. Aber: Man sollte den Wert des Lebens, des eigenen

wie dem unserer Mitmenschen, nicht nur an der erbrachten

Leistung festmachen. Schließlich hat jeder Mensch Wert und

Würde von Gott geschenkt bekommen! Sollte einem etwas

Unangenehmes widerfahren, so ist es wünschenswert, über

sein Lebensschicksal nicht nur zu klagen, sondern auch immer

wieder neu zu entdecken, wozu es gut sein könnte. „Gott

ist die Liebe“ – in unserem christlichen Glauben steht dieses

Selbstverständnis an oberster Stelle. Es gilt, die Spuren

Seiner Liebe zu suchen, zu finden, Angst vor der Zukunft zu

überwinden und Widerstandskräfte aufzubauen, denn vielleicht

kann doch wieder etwas Gutes entstehen.

12

DIE MALTESER 3/2021


RELIGIONAKTUELL

2. Unscheinbares und Verborgenes kann viel wichtiger

sein, als wir gemeinhin denken!

Es ist sinnvoll, sich der Situation des Alters zu stellen.

Alles in der Natur kann altern und vergehen: Pflanzen

und Bäume, so auch der menschliche Körper und möglicherweise

der Geist. Natürlich versucht der Mensch heute,

den natürlichen Alterungsprozess aufzuhalten und zu

verlängern. Im Alter sind einem andere Dinge wichtig als

in der Jugend und im prallen Leben. Grenzen akzeptieren,

dem Alter Tribut zollen, umfassendes Maßhalten,

auch beim Essen und Genießen – all das fällt manchen

schwerer, manchen leichter. Sich an kleinen Dingen des

Lebens erfreuen, menschliche Begegnungen sehr bewusst

wahrnehmen, schöne Aussichten genießen und die

Wunder der Natur entdecken und wertschätzen – all das

und vieles mehr gilt es zu kultivieren. Man soll erkennen,

was einem gut tut, mehr Erholung als Anspannung suchen,

erleben dürfen, wie das Leben weitergeht. Aus dieser

Perspektive ist es wichtig, dass Kinder, Enkelkinder

und nachfolgende Generationen mit älteren Menschen in

Kontakt kommen.

3. Wie war mein bisheriges religiöses Leben? Kann ich

an einen liebenden Gott glauben?

Gerade ältere Menschen machen sich hierzu Gedanken:

Hilft Er mir, dass ich dankbar nach rückwärts schaue, mich

dort, wo es notwendig ist, mit Menschen oder Irrtümern,

Fehlern meines Lebens versöhne, auch Gott um Vergebung

bitte? Kann ich damit leben, dass manches unvollkommen

bleibt? Wie, mit welcher Einstellung, blicke ich nach vorne?

Glaube ich daran, dass Gott ewiges Leben schenken

kann und möchte? Eine große Sensibilität für die konfessionelle

und religiöse Bandbreite ist wünschenswert.

Besuche sind wichtig!

In Respekt vor dem Glauben der älteren Menschen

können und sollen Getaufte und Gefirmte den Segen zusprechen.

Wir können miteinander und füreinander beten,

das Kirchenjahr, Geburtstage, Jubiläen feiern. Die Zeit,

die sich jemand nimmt, die Anteilnahme an den Freuden,

Hoffnungen, Leiden und Herausforderungen des und der

Anderen, ist kostbar. Selbst zu erzählen, was alles in der

Familie, der Gemeinschaft und Welt passiert, hilft älteren

Menschen, nicht nur um das eigene Leben zu kreisen, sondern

interessiert und offen zu bleiben.

Im neuen Malteser Ordenshaus an der Landstraße werden

die Gemeinschaftsräume entsprechend den von mir

ausgeführten menschlichen und geistigen Zielen gestaltet.

Eine Kapelle wird immer zugänglich sein. Sowohl durch

die hauptamtlich Angestellten als auch durch Mitglieder

des Malteserordens und dessen Hilfswerke wird eine

Atmosphäre wachsen können, durch die Vieles konkret

erlebbar wird.

Besonderes von Gott erbitten

Ich lebe als katholischer Priester in Wien und darf durch

die Feier der Heiligen Messe, das Sakrament der Versöhnung,

die Heilige Beichte und die Krankensalbung Besonderes

von Gott erbitten. Dafür bin ich dankbar. Möge

die Seelsorge als hilfreich und segensreich erfahren werden!

Darum bemühen sich nicht nur ich, sondern auch

andere Priester, Diakone und viele Frauen und Männer.

„Beten wir um eine gute

Sterbestunde“

Von P. Rudolf Schaffgotsch

Seit drei Jahren arbeite ich

auf einer Palliativstation

als Priester. Davor liegen

17 Jahre im pfarrlichen

„Allround“-Dienst. Noch

immer fühle ich mich am

Anfang und bin dankbar

dafür, wie für alles, was

ich bisher hier lernen und

miterleben durfte.

Zu den schönsten Erfahrungen für mich gehört, Menschen

zu begegnen, die seit Jahrzehnten verheiratet

sind und einander treu beistehen seit 50, 60, ja neulich

sogar einmal über 70 Jahren. Die zweite, große Freude

ist das Zusammensein und auch -helfen mit dem Personal

im Spital von der Oberärztin bis zu den technischen

Kräften, ganz besonders aber mit dem Pflegeteam.

Das größte Aha-Erlebnis war für mich, zu lernen, dass

man auf die Palliativstation kommt, um zu leben. Wie

lange, ist offen, aber ist es das nicht immer? Vielleicht

DIE MALTESER 3/2021 13


RELIGIONAKTUELL

ist es hier etwas weniger offen. Natürlich kommt man ins

Spital, weil man nicht gesund ist, und auf die Palliativstation,

weil möglicherweise das Therapieziel nicht mehr ist, gesund

zu werden. Aber zu sterben, ist nur so weit und nicht mehr

das „Ziel“ als es auch sonst im Leben das „Ziel“ ist, in den

Himmel zu kommen – so man ihn erwartet.

Aufatmen und Aufblühen

Es geht vielmehr darum zu leben, gut zu leben, so gut es eben

geht,. Es geht darum, kleine Ziele zu erreichen, die gegebene

Zeit im Hier und Jetzt angenehm zu machen für den kranken

Menschen und für seine gesunde oder oft nur gesündere

Umgebung. Ich staune oft und freue mich, wie dankbar die

Patienten sind, wenn sie in unser vergleichsweise kleines,

familiäres Ordensspital kommen. Davor liegt vielleicht eine

Zeit der Überforderung zuhause oder eine intensive Behandlungsphase

in der Hochleistungsmedizin. Bei uns ist es ruhig

und herzlich – zum Aufatmen.

Nicht selten erlebe ich, wie ein „Neuankömmling“ binnen

weniger Tage aufblüht: weniger Schmerzen, klarerer Kopf,

eine neue Lebensqualität. Ich staune immer und freue mich

mit. Unsere Leute sind wirklich gut! Ein emeritierter Professor

der Wirtschaftsuniversität und erfolgreicher Manager

und Sanierer sagt mir begeistert: „Ihr müsst das bekanntmachen,

das ist ein Alleinstellungsmerkmal: Ich bin mit sieben

Medikamenten gekommen und gehe mit zweien!“

„Und gehe“...viele Patienten, der größere Teil, verlassen die

Palliativstation, um nach Hause zu gehen oder zurück in ihr

Pflegeheim, frisch medikamentös eingestellt, „aufgepäppelt“,

wenn ich das so sagen darf, nach der Chemotherapie

oder einer akuten Krise, während daheim mit Hilfe des Entlassungsmanagements

die Voraussetzungen für gute, häusliche

Pflege eingerichtet worden sind.

Wie ein gütiger Schutzmantel

Die geneigte Leserin, der geschätzte Leser wird merken: Ich

bin ein Fan der Palliativmedizin. „Palliativ“ heißt buchstäblich

„verschleiernd“. Ich empfinde sie nicht als „verschleiernd“,

was für mich wie „verunklärend“ klingt. Ich denke

lieber „bemäntelnd“. Ein gütiger Schutzmantel wird über

Wunden und Schmerzen gelegt, und der Mensch bekommt

die größtmögliche Freiheit, weitgehend ohne die Last von

Schmerzen und den Druck medizinischen Erfolgszwangs für

sein Leben frei zu sein – frei für die Angehörigen, für offene

Aufgaben oder zu rasten nach langen Jahren der Aktivität.

Wie begegnet mir der Glaube der Menschen? Es ist ähnlich

wie mit dem Leben und Sterben: Die eine spricht offen darüber,

der andere ist zurückhaltend. Am schönsten finde ich

natürlich, wenn jemand eingeübt ist. Es scheint mir, dass es

diesen Menschen auch am leichtesten fällt, die Stärkung der

Sakramente zu genießen. Wer in der Kirche zuhause ist, erschrickt

nicht vor dem Priester. Wer regelmäßig Kassasturz

mit sich selber und in der Beichte reinen Tisch gegenüber

Gott gemacht hat, versöhnt sich bereitwillig mit anderen und

oft auch mit seiner Situation. Wer ein sakramentales Leben

geführt hat, empfängt Stärkung durch die Gemeinschaft mit

Christus in der heiligen Kommunion und erkennt die Chance

auf Trost, Frieden und nicht selten auch körperliche Erleichterung

in der Krankensalbung. Aber auch wer unsicher

ist oder nicht glaubt, ist dankbar für ein freundliches Wort,

einen ermunternden Besuch und meistens auch für einen

Segen oder ein leises: „Ich schließe Sie in mein Abendgebet

ein.“

Krankheit als Geschenk

Für mich als Christen steht natürlich jeder Mensch unter

dem Blick des Vaterauge Gottes. Das hilft mir, weitherzig

zu sein, mit dem, was er oder sie selber wahrnimmt und

möchte. Gott ist nicht stolz. Er wird auch auf kleine Gesten

eingehen. Manchmal sind sie klein. Manchmal aber

auch überwältigend groß. Ich hoffe, ich werde nie die junge

Muslimin vergessen, die mir wenige Wochen vor ihrem

Sterben sagte: „Ich betrachte meine Krankheit wie ein

Geschenk, denn ich kann sie ja auch nicht zurückgeben.“

Oder den Rettungsfahrer, der nach einem bewegten Leben

mit Pankreaskrebs zu uns kommt und nach einigen

Wochen liebevoller Pflege durch unser Team, dem auch

eine Ordensschwester angehört – Gott sei Lob und Dank

für sie! –, zu einem tiefen Beter wird und, ich wage es mit

Überzeugung zu sagen, als ein Heiliger stirbt.

Bei meiner eigenen Tante konnte ich vor knapp zwei Jahren

sehen, wie viel auch ein dementer Mensch in seiner

letzten Phase noch innerlich arbeiten und wohl verarbeiten

kann. Sie hat alleine gelebt. Zweifellos Gott! – hat

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DIE MALTESER 3/2021


Bild: Shutterstock

(sich) gefügt, dass meine älteste Schwester ihre letzte Lebenswoche

bei ihr sein konnte. Es waren gerade Semesterferien.

Sie, die Tante, ist durch Phasen großer Unruhe

gegangen, innere Gespräche mit anderen Personen, Ausrufe

und dergleichen und hat erkennbar schwer gearbeitet.

Gestorben ist sie am Ende in tiefem Frieden und mit

frohem Gesicht.

Delikate Balance

Gottes Zeitplanung ist beachtlich: Meine Tante hatte offenbar

verarbeitet, was noch offen war, und der Herr hat

sie am Samstag vor dem Ferienende heimgeholt – jemanden,

die immer allein gelebt hatte, mit einer Nichte und

einem Neffen, unserem Cousin, an ihrem Bett. Ich glaube

nicht, dass wir in diese Zeitplanung eingreifen sollen.

Und die Balance ist sehr delikat. Ich habe auch miterlebt,

wie eine Palliativpatientin nach substanziellen Fortschritten

nach Hause entlassen werden sollte. Ein „Das

kommt nicht in Frage!“ ihres Kindes und sie verstarb binnen

20 Stunden.

Darf man sich das Sterben wünschen? Ich glaube ja. Ein

Mitbruder, der schon viel länger im Krankenhausdienst

ist, sagt darauf gerne: „Kommen Sie, beten wir um eine

gute Sterbestunde.“ Aber die Wahl dieser Stunde überlassen

wir dem, der den wahren Überblick hat. Neulich bin

ich wieder mit einem Kranken auf das Thema der Wünsche

zu sprechen gekommen. Wieder und wieder tritt da

eine Reife zutage, die mich still werden lässt: „Momentan

wünsche ich mir dieses und jenes. Aber wer weiß, was ich

mir wünschen werde, wenn ich an dem Punkt bin?“

Ein Werk der Barmherzigkeit

Dass das Sterben zum Leben gehört, weiß jeder Mensch.

Wir haben es nur aus den Augen verloren, buchstäblich.

Das lässt uns allerhand Vermutungen darüber anstellen,

die der Wirklichkeit nur zum kleinsten Teil standhalten.

„Das Sterben eines Christen ist nichts Schreckliches“,

sage ich gerne, auch wenn es traurig ist für die, denen er

dann eine Weile fehlt. Mit einem Mitmenschen auszuharren,

bis er oder sie sicher über die Schwelle ist, ist ein

schönes Werk der Barmherzigkeit und wir müssen alle

diesen Weg gehen, ohne ihn üben zu können. Dabei zu

sein, wie ein anderer es tut, ist unsere fast einzige Chance,

es – oder ein bisschen dafür – zu lernen.

Es ist schön, dass die Gegenwart Gottes durch die Sakramente

handfest hierher zu uns herüberreicht. Und es ist

tröstlich, dass die Gemeinschaft der Heiligen durch die

Schranke der Sichtbarkeit nicht unterbrochen wird. Die

Nähe des ungewissen Schrittes in den Tod fordert den

Menschen zur Höhe seiner personalen Reife heraus und

seine Mitmenschen, ihre schönsten Seiten zu zeigen. Es

scheint mir fast: Mehr Vertrautheit mit der Realität des

Sterbens als Tatsache und mit seiner Art und Weise kann

uns zu froheren Menschen machen!

DIE MALTESER 3/2021 15


LEBENSWERT

BURNOUT –

SEIEN WIR GUT ZU UNS SELBST!

Burnout trifft nicht nur gestresste Topmanager oder Politiker. Das Gefühl des Ausgebranntseins kann jeden treffen. Die beste

Prävention ist Selbstfürsorge.

Von Hélène Cuenod

Caroline ist immer für die anderen da, für ihre Familie,

ihre Freunde, und engagiert sich nebenbei ehrenamtlich.

Nach einer Kündigungswelle in ihrer Firma, die sie allerdings

nicht direkt getroffen hat, zweifelt sie zum ersten

Mal an ihren Fähigkeiten und erlebt eine allgemeine Überforderung

– auch für die kleinen Dinge im Alltag. Sie hat

Angst um ihren Job und wundert sich, dass sie leicht Dinge

vergisst und sich nur mit Mühe konzentrieren kann. Seit

einiger Zeit ist sie schnell gereizt und fühlt sich ständig

müde, da sie kaum mehr schlafen kann. Wo ist die starke

und fröhliche Caroline geblieben?

Als ob nichts wäre ...

Was kann man tun, wenn – so wie bei Caroline – die erste Anzeichen

eines Burnouts auftreten? Viele machen zunächst

weiter, als ob nichts wäre und klappen irgendwann zusammen.

Dabei wäre es so wichtig, in einer solchen Situation der

Überforderung nicht für sich zu bleiben, sondern mit jemandem

zu sprechen. Warum tun wir das nicht? Wir leben in einer

Gesellschaft, die stark von Leistung geprägt ist. Kommen

wir da nicht mehr mit, fürchten wir, als schwach abgestempelt

zu werden oder als jemand, der sein Leben nicht im Griff

hat – auch weil wir uns oft unbewusst selbst im Angesicht

der eigenen Antriebslosigkeit als faul wahrnehmen.

Das Gespräch mit einem professionellen Coach, Burnout-Berater

oder Therapeuten kann oft erstaunlich

schnell dabei helfen, alles in Ruhe zu sortieren und

einen Plan für eine eigene Wiederaufbauphase zu machen.

Eine gute Begleitung ermöglicht, Scham- und

Schuldgefühle zu beseitigen, sich realistische Ziele zu

setzen, die Ansprüche an sich selbst zu reduzieren und

sich zu erlauben, weniger als sonst zu leisten.

Lassen wir Gott für uns sorgen

Bald ist wieder Weihnachten. Schon in der Adventszeit

davor ist der Terminkalender voll mit Feiern und Verpflichtungen

aller Art. Der eigene Anspruch, eine perfekte

und womöglich konfliktfreie Familienfeier zu gestalten,

ist groß. Wie wäre es, wenn wir dieses Jahr den Mut und

die Kraft fänden, unsere Ansprüche zu reduzieren und

Gott unser Leben und alles, was damit zusammenhängt,

zu übergeben? Lassen wir ihn für uns sorgen! Versuchen

wir, ganz leise zu werden! Dann hören wir das Christkind

sprechen: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und

schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“

(Mt 11,28)

DAS BESTE MITTEL GEGEN BURN-

OUT IST PRÄVENTION

Das beste Mittel gegen Burnout ist Prävention:

• wissen, wie und wann man sich regenerieren kann

und soll

• die eigenen Grenzen identifizieren, akzeptieren und

gegenüber anderen klar kommunizieren

• die ersten Anzeichen eines Burnouts erkennen und

ernst nehmen

• das Gespräch mit Freunden oder mit Experten suchen

• bewusst eine Auszeit nehmen bzw. immer wieder

Pausen einlegen

Hélène Cuenod ist Karriere- und Businesscoach in

Wien. Die Optimierung von Energie und Motivation im

Beruf ist der Kern ihrer Arbeit. Sie hat www.goforimpact.com

und www.prayforaustria.at gegründet.

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DIE MALTESER 3/2021


LELEBENSWERT

RESILIENZ – WENN GLAUBE

BERGE VERSETZEN KANN

Warum Glaube eine Ressource für Resilienz sein kann.

Von Gini Czernin

In den letzten eineinhalb Jahren mussten wir alle die Herausforderungen,

die die Pandemie mit sich brachte, bewältigen.

Jeder musste Belastungen unterschiedlichster Art

standhalten. Für die einen waren es wirtschaftliche oder berufliche

Schwierigkeiten, für die anderen die Betreuung und

Bildung ihrer Kinder und auch die Sorge um Großeltern und

Verwandte. Einsamkeit, Angst und Ungewissheit haben zu

Verunsicherung und Stress geführt. Wie kann man solche

Krisen überstehen? Das Zauberwort heißt: Resilienz.

Resilienz, die innere Widerstandskraft: Was bedeutet

Resilienz und welche Rolle spielt unser Glaube

dabei? Wie können wir unsere Kinder für Herausforderungen

stärken?

Resilienz, die innere Widerstandskraft ist die Fähigkeit,

Krisen zu bewältigen. Ein resilienter Mensch nutzt seine

Ressourcen, um mit belastenden Ereignissen, Krisensituationen

oder schwierigen Rahmenbedingungen fertig

zu werden und diese gesund zu überstehen, daran zu

wachsen und sich weiter zu entwickeln. Wir sind in unterschiedlichen

Lebensphasen unterschiedlich resilient.

Wir können jedoch unsere innere Widerstandskraft über

unsere Schlüsselkompetenzen trainieren und stärken. Im

Wiener Resilienz-Modell werden sieben Schlüsselfaktoren

der Resilienz beschrieben:

Akzeptanz, Optimismus, Selbstwirksamkeit, Verantwortung,

Netzwerkorientierung, Lösungsorientierung und

Zukunfts- und Zielorientierung.

Anhand dieser 7 Schutzfaktoren möchte ich aufzeigen,

warum unser Glaube resilienzfördernd ist und wie unsere

Haltung als Vorbildfunktion unsere Kinder für schwierige

Lebenssituationen stärken und auf die Herausforderungen

des Lebens vorbereiten kann.

1. Akzeptanz

Resiliente Menschen akzeptieren eine Situation, wie sie

ist. Das Unabänderbare einer Krise zu akzeptieren hilft,

flexibel zu agieren. Es ist wichtig, unseren Kindern zu

vermitteln, dass es Bereiche im Leben gibt, die man nicht

verändern kann. Was man jedoch verändern kann, ist die

eigene Haltung zu dem Thema oder zu diesem Problem.

Gott hat uns Stärken und Talente gegeben, um Aufgaben

und Herausforderungen auf unserem Lebensweg zu

bewältigen. Der Glaube hilft, unsere Gegebenheiten, Fähigkeiten

und auch die schwierigen Lebenssituationen zu

akzeptieren und unseren Weg zu gehen.

2. Optimismus

Resiliente Menschen vertrauen darauf, dass eine Krise

zeitlich begrenzt ist. Sie legen ihren Fokus auf das, was gut

ist, und sind dankbar dafür. Sie schätzen wert, was funktioniert,

und stoppen so das negative Gedankenkarussell.

In unserem Glauben vertrauen wir auf Gott und auf den

Sinn hinter den Herausforderungen des Lebens. Ein

wichtiges Ritual, das die Verbundenheit stärkt und die

Resilienz fördert, ist gemeinsames Beten. Das Abendgebet

in der Familie, das Danke-Sagen für das, was gut war

an diesem Tag, fördert den Optimismus und lenkt den

Fokus auf das Positive des Erlebten.

3. Selbstwirksamkeit

Resiliente Menschen sind sich ihrer Fähigkeiten und

Stärken bewusst. Sie wissen, was sie bewirken. Ab einem

Alter von vier Jahren ist es sinnvoll, altersgemäße Märchen

mit positivem Ausgang in das Ritual vor dem Zubettgehen

miteinzubeziehen. In Grimms Märchen etwa

löst jeweils ein Held eine schwierige Aufgabe und das mit

sehr resilientem Verhalten: Der Held akzeptiert die Situation,

hat ein Ziel, denkt und handelt lösungsorientiert,

weiß, von wem er Hilfe bekommt, und nimmt diese an. Er

ist sich bewusst, was er mit seinen Fähigkeiten bewirken

kann. Kinder identifizieren sich gerne mit den Helden

DIE MALTESER 3/2021 17


LEBENSWERT

dieser Märchen. Dies verstärkt ihre Selbstwirksamkeit.

Sie lernen: „Ich kann etwas und ich bewirke

etwas damit.“ Das resiliente Verhalten der

Helden hat eine große Vorbildwirkung.

Neben Grimms Märchen eignen sich auch viele

Geschichten aus der Bibel zur Resilienzförderung.

Denken wir an David und Goliath. Erzählungen

aus der Bibel trösten und ermutigen auf

Gott und das Leben zu vertrauen.

Besonders wichtig ist, das gesamte Märchen

oder die gesamte biblische Geschichte zu lesen,

damit das Kind vor dem Einschlafen das positive Ende

erfährt und nicht mit seiner Phantasie alleine gelassen

wird. Danach sollte noch Zeit sein, mit dem Kind über die

Geschichte zu sprechen – idealerweise mit Hilfe von Fragen

wie: „Was hat Dir besonders gut gefallen?“, „Welche

Schritte könnte der Held tun?“, „Was hättest Du an seiner

Stelle unternommen?“, „Welche Deiner Stärken hättest

Du einsetzen können?“

4. Verantwortung

Resiliente Menschen übernehmen Verantwortung für ihr

eigenes Tun. Indem wir unseren Kindern vorleben, dass

wir ehrlich zu unseren Taten und deren Auswirkungen

stehen, übernehmen wir eine wichtige Vorbildfunktion.

Auch im Glauben sind wir dazu angehalten, Verantwortung

für unsere Taten zu übernehmen.

5. Netzwerkorientierung

Resiliente Menschen haben eine hohe soziale Kompetenz.

Sie wissen, wo sie sich Hilfe holen können und nehmen

diese auch an. Sie pflegen Kontakte und Freundschaften.

In einer Studie zur Resilienz bei Kindern auf der hawaiischen

Insel Kauai hat Emmy Werner die positive Wirkung

des Glaubens und der Mitgliedschaft in einer Gemeinde

feststellen können (Resilienz-Studie Emmy Werner

1955-1999). Pilgerreisen und heilige Messen sind eine

der vielen Möglichkeiten, im Glauben Gemeinschaft und

Fürsorge für den Nächsten zu leben.

6. Lösungsorientierung

Resiliente Menschen denken lösungsorientiert. Sie nutzen

alle Ressourcen und stecken ihre Kraft und Energie

in die Lösung und nicht in das Problem. Das Vertrauen

auf Gott und darauf, dass alles Sinn macht, hilft uns, den

Lösungsweg zu sehen.

7. Zukunfts- und Zielorientierung

Resiliente Menschen richten ihren Blick auf ihre Möglichkeiten.

Sie denken zukunftsorientiert und setzen sich realistische

Ziele. Wir Christen kennen unser Ziel: Gott nahe

sein.

Stress und warum Achtsamkeit wichtig ist

Stress findet nicht nur im Beruf oder bei Kindern in der

Schule statt. Auch die Überforderung in den verschiedenen

Lebensrollen führt zu Stress. Wir sind Mutter oder

Vater und oft gleichzeitig Chef oder Angestellter. Unsere

Kinder sind Sohn, Tochter oder Enkelkind und gleichzeitig

Schüler, Freunde, Sportler, Musiker. Die Spannung

zwischen diesen vielen Rollen und die permanente Erwartungshaltung

von uns selbst und von anderen, möglichst

rasch zu reagieren, zu antworten, verfügbar zu sein und

immer alles perfekt zu meistern, überfordert uns und unsere

Kinder und erzeugt Stress.

Die Schnelllebigkeit unserer Zeit, der Einsatz und die Nutzung

der verschiedenen digitalen Medien hat zwar viele

Vorteile, aber auch Schattenseiten. Selbst unsere Kinder

müssen immer und überall erreichbar sein und wir wissen,

wie sehr uns das manchmal selber stresst. Oft fehlt die Zeit

für Pausen. Es muss erlaubt sein, einfach nur in die Luft zu

schauen, die Seele baumeln und der Phantasie freien Lauf

zu lassen.

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DIE MALTESER 3/2021


LEBENSWERT

In Studien mit zwei Vergleichsgruppen mit unterschiedlicher

Haltung zu Stress – „Stress macht mich krank!“ oder

„Stress bringt mich weiter und macht mich produktiv!“ –

wurde gezeigt, dass sich die unterschiedlichen Haltungen

auf die Stressreaktion auswirkten und somit auch beeinflussten,

wie gesundheitsschädigend der Stress für die Probanden

war.

Um negative Stressreaktionen im Körper zu minimieren,

kann es unter anderem helfen, achtsam zu sein – im Hier

und Jetzt zu leben und

jeden Moment zu nehmen,

wie er ist. Wenn

wir mit angstvollen Gedanken

in die Zukunft

blicken oder immer

wieder an traumatische

Ereignisse in der

Vergangenheit denken,

schüttet unser Körper

Stresshormone aus. Auf

Dauer kann das gesundheitsschädigende Folgen haben, die

schlussendlich zum Burnout-Syndrom führen können.

Oft hilft es, eine gerade als stressig empfundene Situation

kurz zu unterbrechen: tief durchatmen, sich aus der

Situation herausbewegen oder – wenn man gerade sitzt

und sich über etwas ärgert – aufstehen und eine Pause

machen. Eltern, die in stressigen Situationen durchatmen

können und in Ruhe agieren, geben ihren Kindern

Sicherheit und Ruhe. Sie nutzen damit den natürlichen

Nachahmungstrieb der Kinder zum Positiven und legen

die Basis für ein achtsames Leben.

effektiv ist Meditation – aktiv und bewegt oder in Stille.

Auch singen, tanzen und manche Sportarten fördern

Achtsamkeit. Im Gebet, zum Beispiel beim Rosenkranzgebet,

sind wir ganz im Moment, im Hier und Jetzt.

Glaube als Ressource für Resilienz

Religion kann die Entwicklung von Resilienz fördern und

somit ein Schutzfaktor für Burnout sein. Unser Glaube

hilft uns zu sehen, dass das Leben Sinn hat und am Ende

alles Gut wird. Trotz aller Krisen und Verzweiflung haben

wir Hoffnung, wenn wir

auf Gott vertrauen.

„Mein Glaube stärkt mich und trägt mich durch Krisen.

Belastungen aller Art, Krankheiten oder der Verlust

eines geliebten Menschen können die seelische Widerstandskraft

auf eine harte Probe stellen. Die Hoffnung

und das Vertrauen auf Gott geben mir in schwierigen

Lebenssituationen Halt, Kraft und Zuversicht und lassen

mich oft einen Sinn hinter den Ereignissen sehen.

Gini Czernin

Das Gebot der Nächstenliebe

fördert den wertschätzenden

Umgang

miteinander und somit

die Beziehung zueinander.

Gemeinsame Rituale

und Gewohnheiten geben

Sicherheit und Orientierung.

Das gemeinsame Tischgebet, die Feier der Heilige

Messe oder Pilgereisen mit unseren Betreuten fördern

die Kommunikation mit- und die Beziehung zueinander.

Freundschaftliche und familiäre Bindungen vertiefen

sich und das für das Glücksgefühl mitverantwortliche

Bindungshormon Oxytocin wird ausgeschüttet.

Durch unseren Glauben können wir unsere Kinder, aber

auch uns als Erwachsene für schwierige Lebenssituationen

wappnen und die Widerstandskraft stärken, damit

wir voller Zuversicht und Freude unseren Weg gehen.

Babys sind richtige Achtsamkeitsexperten. Wenn sie atmen,

atmen sie, wenn sie liegen, liegen sie. Sie sind bei allem, was

sie tun, mit der Wahrnehmung und der Konzentration im

Hier und Jetzt, also genau in diesem Moment. Je älter man

wird, desto mehr neigt man dazu, mit den Gedanken in die

Zukunft oder in die Vergangenheit zu schweifen. Doch die

Vergangenheit kann man nicht mehr ändern und die Zukunft

lässt sich nur im Hier und Jetzt beeinflussen.

Wie gelingt Achtsamkeit?

Achtsamkeit lässt sich auf viele Weisen üben. Besonders

Gini Czernin ist Mitglied des

Malteser Hospitaldienstes,

psychologische Beraterin, Expertin

für Burnoutprävention

und Stressmanagement sowie

Supervisorin.

Nähere Infos:

www.giniczernin.com

DIE MALTESER 3/2021 19


MALTESERÖSTERREICH

MARIAZELL – ENDLICH!

Nach fast zwei Jahren der Pandemie mit Lockdowns, eingeschränkten Möglichkeiten für persönliche Begegnungen, Masken und

Abstandsregeln haben wir es geschafft. Nach zwei abgesagten Lourdes-Wallfahrten und zwei verschobenen Romreisen ist es

endlich gelungen: Wir waren in Mariazell!

Von Bernhard Küenburg

Wir, das sind die große Malteser-Familie. Betreute,

Malteser, Mitglieder des Malteserordens, Angehörige

und Freunde – insgesamt 160 Pilger, darunter knapp 40

Personen im Rollstuhl. In fünf Bussen kamen wir sternförmig

aus ganz Österreich nach Mariazell: Vorarlberger,

Tiroler, Salzburger, Ober- und Niederösterreicher, Steirer,

Burgenländer und Wiener.

Erster „Großeinsatz“ seit 2019

Was war das für eine Wiedersehensfreude nach gut zwei

Jahren! Freunde fielen sich nach Monaten, ja Jahren der

Einsamkeit um den Hals. Selbst in den vier Hotels, in denen

wir untergebracht waren, wurde diese fröhliche, offene,

herzliche und begeisterte Stimmung bemerkt, und so

wurden wir mehrfach darauf angesprochen.

Vier Hotels, eine Gemeinschaft

Zudem war es schon viele Jahre her, seit wir im Zentrum

von Mariazell in den wohlbekannten Hotels unser Quar-

tier bezogen – ein Team in den Drei Hasen, ein Team im

Goldenen Kreuz, zwei beim Weißen Hirschen, und die

Pilger beim Kirchenwirt. Nachdem wir alle vier Eigentümer

und deren Familien von früher gut kennen, gab es

auch mit ihnen große Wiedersehensfreude, selbst wenn

in einigen Hotels bereits die jüngere Generation übernommen

hat.

Eröffnungsmesse und Lichterprozession

Nach der Ankunft am frühen Nachmittag stand in allen

Hotels ein Willkommensbuffet bereit, bei dem sich jeder

nach den Anstrengungen der Reise laben konnte. Nachdem

die Zimmer bezogen und die ersten Begrüßungsrunden

erledigt waren, zogen wir um 16:00 Uhr zur Eröffnungsmesse

zum Gnadenaltar. Hier gab es für viele seit

Langem ein Wiedersehen mit der Mariazeller Muttergottes

und eine herzliche Begrüßung durch Pater Superior

Michael Staberl. Pater Clemens zelebrierte die Freudenmesse

und erläuterte das Motto der Wallfahrt: Magnificat

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DIE MALTESER 3/2021


XXXX

– meine Seele preist die Größe des Herrn! Bärbl Bauer und

ihre Großfamilie gestalteten die Messe musikalisch mit Gitarre,

Querflöte, Cajón und vielen wunderbaren Sängern.

Natürlich gedachten wir alle unseres Malteser Bundesseelsorgers

Pfarrer Koni Spiegelfeld, der durch einen Spitalsaufenthalt

leider nicht mitreisen konnte.

In den Hotels wurden wir mit einem viergängigen Abendessen

derart verwöhnt, dass wir fast zur Lichterprozession

zu spät gekommen wären. Zum letzten Mal im

heurigen Jahr zogen wir unter Liedern und Marienrufen

über den Hauptplatz, und die Kerzen in unseren Händen

strahlten ihr warmes Licht in die spätherbstliche Dunkelheit.

Nach dem Nationalfeiertag geht auch die Lichterprozession

in die Winterpause.

Sonntagshochamt und Bergpartie

Endlich schönes Wetter! Wie oft schon sind wir in Mariazell

bei mehr oder weniger strömendem Regen und grauer

Wolkenstimmung durch die Walster gepilgert oder zur Kirche

gehastet, um nicht zu nass zu werden. Diesmal sollte es

auch vom Wetter her ein Jahrhundertwochenende werden:

Kühl, aber wolkenlos, pachtvolle Herbstfarben und glasklarer,

tiefblauer Himmel – einfach unglaublich! Bereits

zum Gruppenfoto vor der Basilika strahlte die Sonne mit

den Pilgern um die Wette, und der Fotograf, Herr Kuss,

der uns schon vor 40 Jahren fotografiert hatte, arrangierte

unsere Pilgergruppe gekonnt, stieg auf seine 150 Jahre

alte Fotografenleiter und hielt diesen Malteser-Glücksmoment

fest.

Es ist schon gut, einen Bischof in den eigenen Reihen

zu haben, besonders, wenn es sich um Bischof Stephan

handelt, der gemeinsam mit Pater Gottlieb aus Tirol und

Diakon Francisco das Sonntagshochamt leitet. 26 Ordensritter

und Damen zogen feierlich mit ein, und der

Organist ließ die große Orgel erschallen. Trotz FFP2-

Masken klangen die Lieder laut und feierlich.

Nach dem Schlusssegen ging es in den prachtvollen zweistöckigen

Hubertussaal beim Weißen Hirschen, wo wir

alle gemeinsam ein feierliches Mittagessen genießen

konnten.

DIE MALTESER 3/2021 21


MALTESERÖSTERREICH

Ausflug zur Bürgeralm

So lange schon wollten wir auf die Bürgeralm, aber es

musste erst eine neue Umlaufgondelbahn gebaut werden,

die diesen Traum mit über 30 Rollstuhlfahrern wahr werden

ließ. Alle kamen zur Gondel und fuhren hinauf in die

herrliche warme Nachmittagssonne und den wolkenlosen

Herbsthimmel.

Oben wurde die Holzerlebniswelt erkundet, mit der Bummelbahn

um den künstlichen See gefahren und bei fantastischem

Fernblick auf den Ötscher und die umliegenden Berge,

Kaffee und Kuchen im Berggasthof genossen.

Zurück im Tal ging es in der warmen Abendsonne zum

Pfarrsaal, einem wunderbaren überdachten Innenhof des

Mariazeller Pfarrhofs. Dort organisierte Diakon Francisco

einen Abend der Barmherzigkeit. Nach einigen Impulsen

und einer Bibellesung wurden zu wunderbar getragener

Musik die Sakramente der Buße und der Krankensalbung

von Bischof Stephan, Pater Clemens und Pater Gottlieb

gespendet. Kerzen wurden angezündet, Wünsche und

Bitten vor Gott getragen, und fast alle machten vom Angebot

einer persönlichen Segnung mit Gebet Gebrauch.

Die Zeit verging wie im Flug, und die Stimmung war so

emotional und dicht, dass so mancher kurz überlegte, ins

Freie zu gehen, um wieder Luft zu holen.

Highlight Wuchtelwirtin

Schon lange wollten wir einmal bei der berühmten Wuchtelwirtin

mittagessen und dann zu Fuß und bei Sonne

durch die Walster zurück nach Mariazell wandern.

Heuer war es endlich so weit! Nach der 10-Uhr-Messe

am Gnadenaltar warteten bereits die Busse auf uns. Als

alle an Bord waren, ging es durch herbstliche Wälder

übers Gscheid zur Wuchtelwirtin. Dort saßen wir in der

strahlenden Sonne im Garten und genossen Schnitzel,

Schweinsbraten, Wildragout und natürlich die riesigen

und köstlichen Wuchteln.

Fußwallfahrt durch die Walster

Ein kurzer Impuls von Bischof Stephan gab dann das Startsignal.

Danach brachen alle – wirklich alle auf, um sich auf

den mehrstündigen Weg entlang des Hubertussees und

durch die Walster zurück nach Mariazell zu machen. Nach

zwei Stunden gab es beim Kriegerdenkmal eine Stärkung:

Unser Lagerteam hatte dort eine kleine Jausenstation mit

Tischen und Bänken aufgebaut, und nach einigen Bananen,

Müsliriegeln und Wasser ging es weiter bis Mariazell.

Alle, die nicht die gesamte Strecke gehen wollten, wurden

durch ein Shuttleservice nach Mariazell gebracht. Vor

allem die letzten steilen Kurven hinauf zum Kreuzberg

wurden durch einen dort wartenden Bus erleichtert. Immerhin

schaffte es rund die Hälfte aller Rollstuhlfahrer

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DIE MALTESER 3/2021


XXXX

den steilen Berg hinauf und bis zur Basilika. Dort gab es

zum Abschluss einen Pilgersegen von Bischof Stephan und

dann das wohlverdiente Abendessen in den Hotels.

Abends wurde in den Hotels die Komplet gebetet und danach

gesungen und gefeiert. Schön, dass wir zusammen

sein konnten!

Am Dienstag mussten die Hotelzimmer geräumt werden.

Zwei Hotels schlossen überhaupt nach unserer Abreise

für den November, um erst im Dezember für den Mariazeller

Advent wieder zu öffnen. Um 11:15 Uhr gab es

in der Basilika am herrlichen Hochaltar von Fischer von

Erlach noch eine feierliche Abschlussmesse, in der uns Bischof

Stephan nochmals die Bedeutung des Magnificat,

unseres Mottos, näherbrachte:

Maria war nicht nur im Moment der übergroßen Freude

während ihres Besuchs bei Elisabeth gläubig, sondern

auch unter dem Kreuz im Moment der größten Trauer

und des größten Schmerzes. Magnificat – Maria nicht

nur als Schönwetter-Christin, sondern auch als ein Vorbild,

das selbst in Sturm und Not zu Christus stand. Zum

Abschluss orgelte nicht nur der Mariazeller Organist,

sondern auch unser Sebastian Thonhauser auf der großen

Orgel in der Basilika – was für ein Fest!

Abschied in Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen

Bei den Drei Hasen gab es noch ein wunderbares gemeinsames

Mittagessen, dann war die traurige Stunde des Abschieds

gekommen. Nach diesen wunderbaren Tagen in

Mariazell ging es wieder zurück nach Hause in alle Bundesländer.

Gott sei Dank – und ermöglicht durch sehr strenge Coronaregeln

– ist alles gut gegangen! Der großen Malteser-

Familie hat diese Wallfahrt nach zwei Jahren der Abstinenz

wirklich gut getan. Wir blicken zurück auf Tage des

Gesprächs, der Freude, der Gemeinschaft und der wunderbaren

Gastfreundschaft in Mariazell, seien es die Hotels,

die Pfarre, der Fotograf, die Seilbahn oder die Wuchtelwirtin

und ihr Personal. Danke!

Hoffentlich werden wir diese österreichweite Malteser-

Herbstwallfahrt nach Mariazell wieder regelmäßig durchführen.

Doch es wird schwer sein, die heurige Wallfahrt

bei traumhaftem Wetter und neuer Gemeinschaft nach

der Coronapause zu übertreffen!

So blicken wir in Dankbarkeit zurück und planen von 22.

bis 29. Oktober 2022 auf jeden Fall die große Pilgerfahrt

nach Rom.

DIE MALTESER 3/2021 23


Burgenland

MALTESERÖSTERREICH

FRONLEICHNAM

Der Malteserorden sowie die Malteser in den verschiedenen Bundesländern konnten heuer wieder

das Fronleichnamsfest feiern. Die Heilige Messe fand den gültigen COVID-19 Regelungen entsprechend

jeweils in kleinem Rahmen statt. In Graz war sogar ein ganz kleiner Fronleichnamsumzug

von der Grazer Bereichszentrale durch den Garten der Elisabethinen möglich. In Salzburg durften die Malteser für die

Messfeier auch den Ambulanzdienst stellen. In Wien feierte der Malteserorden Fronleichnam zusammen mit dem Deutschen

Orden und dem Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem im Hof des Deutschordenshauses. Der Heiligen Messe und der

Anbetung stand Hochmeister Generalabt P. Frank Bayard OT vor.

Wien

Steiermark

Tirol

Salzburg

24

DIE MALTESER 3/2021


MALTESERÖSTERREICH

Sommerwallfahrt: In den Sommermonaten

pilgerten die Malteser aus

Graz in die Wallfahrtskirche Maria

Himmelfahrt und St. Primus/

St. Felizian. Die kleine Pilgerfahrt ist

mittlerweile fast schon Tradition.

NEUES AUS DEM BEREICH

STEIERMARK

Moment Musik: Ein musikalisches

Highlight war diesen Sommer

der gemeinsame Besuch des

Musikfestivals „MOMENT MUSIK“

im Schloss Kainberg bei Kumberg.

Einprägsame Portraits: Gemeinsam mit den Betreuten begaben sich die Malteser auf eine farbintensive Weltreise

in die Gesichter unterschiedlichster Menschen. Die Fotoausstellung vom Atelier Christian Jungwirth in der Messe

Graz war ein unvergessliches Erlebnis für alle.

DIE MALTESER 3/2021 25


MALTESERÖSTERREICH

Fahrsicherheitstraining: Für die Einsatzfahrer ist es in schwierigen Situationen oft eine Herausforderung, die

Patienten möglichst schnell und sicher ans Ziel zu bringen. Mit regelmäßigen Fahrsicherheitstrainings bereiten sich

die Fahrer der Malteser Rettungsautos auf solche speziellen Situationen vor.

NEUES AUS DEM BEREICH

WIEN

Gruppenkommandantenkurs: Im Rahmen des aktuellen Gruppenkommandantenkurses in Zusammenarbeit mit

der Johanniter-Unfall-Hilfe wurde die Führung bei Einsätzen und Ambulanzen theoretisch und praktisch erlernt.

Drei Brüder, ein Team: Die

drei Geschwister und Medizinstudenten

Dominik, Johannes

und Tobias sind gemeinsam als

ehrenamtliche Sanitäter für die

Malteser tätig.

Außerplanmäßiger Einsatz: In diesem Quartal konnten

die Malteser mehrmals innerhalb von kurzer Zeit

außerplanmäßige Rettungsteams zusammenstellen.

Ganz nach dem Motto: „Malteser helfen dort, wo Not

ist“ waren unsere ehrenamtlichen Helfer auch dieses

Jahr immer einatzbereit!

26 DIE MALTESER 3/2021 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

Zu Besuch beim Bundespräsidenten:

Dr. Alexander Van der Bellen

und seine Frau Doris Schmidauer

luden Mitglieder der Malteser sowie

zwei von ihren Betreuten zu einem

Austausch in den Volksgarten ein,

um Eindrücke von den Tätigkeiten

und Erfahrungen während der Pandemie

zu bekommen.

NEUES AUS DEM BEREICH

WIEN

Katastrophenübung: An der Katastrophenübung der Johanniter-Unfall-Hilfe Österreich nahmen auch die Malteser

teil. Gemeinsam mit dem österreicheischen Bundesheer in Blumau wurde der Umgang mit dem Helikopter und das

Bergen von Patienten in schwierigen Situationen geübt.

DIE MALTESER 3/2021 27


Quartalsmesse: Mitglieder des Malteserordens und des Malteser Hospitaldienstes im Burgenland feierten gemeinsam

mit Pfarrer Johann Georg Herberstein die Heilige Messe im Schlosspark Rohrau.

NEUES AUS DEM BEREICH

BURGENLAND

Ausflug zur Rax: Gemeinsam mit den

Maltesern ging es für die Bewohner des

SeneCura Zentrums für einen Tagesausflug auf

die Rax. Die romantisch-wilde Landschaft und

der traumhafte Ausblick luden zum Entschleunigen

ein. Allen haben die abwechslungsreichen

Stunden sichtlich gut gefallen.

28 DIE MALTESER 4/2020


NEUES AUS DEM BEREICH

BURGENLAND

Kirchberg am Wechsel: Die Bewohner des SeneCura Sozialzentrums Kirchberg am Wechsel kamen gemeinsam mit

den Maltesern in den Genuss eines wunderbaren Konzertes des Organisten Walter Baco und der Querflötistin Stefanie

Lenzenweger.

Herbstausflug: Im September fand bei sonnigem Wetter der Herbstausflug des Alten- und Krankenbetreuungsdienstes

im Burgenland statt. Am Vormittag besuchte die Gruppe den Gottesdienst im Stift Göttweig und am Nachmittag

stand eine Führung durch das Schifffahrtsmuseum in Spitz an der Donau auf dem Programm.

INDIVIDUELLE PFLEGE

UND BETREUUNG

IM EIGENEN ZUHAUSE

MALTESER Care ist seit vielen Jahren als kompetenter

Partner für Familien in ganz Österreich tätig. Wir

bieten bestmögliche Pflege- und Betreuungsleistungen

zu Hause an. Unsere diplomierten Fachkräfte in der Gesundheits-

und Krankenpflege beraten Sie gerne.

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DIE MALTESER 4/2020

29


Gemeinsam besser: Zum dritten Mal fand heuer der Schulungstag der Innsbrucker Blaulichtorganisationen statt –

ein wichtiger Termin mit dem Ziel, die organisationsübergreifende Zusammenarbeit zu fördern und zu verbessern.

NEUES AUS DEM BEREICH

TIROL/VORARLBERG

Ausflug nach Patsch: Gleich die ersten schönen Maitage wurden von den Maltesern für einen Ausflug nach Patsch

genutzt. Mit roten Wangen, einem großen Lächeln und bunten Wiesenblumensträußen ging es wieder nach Hause.

Neuzugang: Im Hospitaldienst

dürfen wir die neue Rettungssanitäterin

Lea herzlich in unserem

Team begrüßen: Herzlichen

Glückwunsch zur bestandenen

Prüfung!

Heilige Messe: Nach einer langen

pandemiebedingten Pause fand im

Mai endliche wieder eine Heilige

Messe im „Ländle“ statt, am 2018

von Papst Franziskus zur Basilika erhoben

Wallfahrtsort Maria Bildstein.

30

DIE MALTESER 3/2021


Achensee: Unter dem Motto „Geht nicht, gibt’s nicht!“ sind die Malteser mit ihren Betreuten mit der Bahn zur

Delegationsmesse nach Stams gefahren. Trotz Hürden am nicht barrierefreien Bahnhof ließen sich weder die Betreuten

noch die Malteser aufhalten und meisterten die Anreise zum ersten größeren Ereignis des Sommers in Tirol.

NEUES AUS DEM BEREICH

TIROL/VORARLBERG

Stift Stams: Mitte Juli feierten die Malteser aus Tirol und Vorarlberg gemeinsam mit den Betreuten den Corona-

Bittgottesdienst im Stift Stams.

Besuch aus Deutschland: Der Auslandsbeauftragte des Fördervereins

Melitensia der deutschen Malteser, Thomas Antonius Hall de

Beuvink, besuchte die Zentrale der Malteser in Salzburg und wurde

von der Bereichsleitung herzlich empfangen.

NEUES AUS DEM BEREICH

SALZBURG

DIE MALTESER 3/2021 31


XXXXX

Monatsmesse im Juni: Die Messe wurde in diesem Jahr von wunderbarer Gitarrenmusik begleitet. Im Anschluss

trafen sich alle zu einer gemeinsamen Jause.

NEUES AUS DEM BEREICH

SALZBURG

Praxis auf Rändern: Der Virgilbus ist seit

2016 die rollende Praxis für Notreisende, Obdachlose

und Nichtversicherte in Salzburg.

Die Malteser stellen in Kooperation mit dem

Roten Kreuz und dem Samariterbund jeden

Sonntagabend ein Team von Freiwilligen, das

unter anderem aus Ärzten und Rettungssanitätern

besteht und voller Engagement auch

jene zur Sprechstunde empfängt, die sonst

durchs Raster fallen.

Hoher Besuch: Im Mai hatten die Salzburger Malteser die große

Ehre, S.E. Generalabt Frank Bayard, 66. Hochmeister des Deutschen

Ordens, für einen Besuch zu empfangen und seinen Erzählungen

über die Entstehungsgeschichte seines Ordens zu lauschen. Mit

dessen Gründung 1190 n. Chr. im Heiligen Land verbinden den

Deutschen Orden und die Malteser eine ähnliche Ursprungsgeschichte.

Sicher und süß: Beim Konzert von „Live

Music Now“ im Orchesterhaus haben die

Salzburger Malteser die 3G-Regeln kontrolliert

und im Anschluss Süßigkeiten

verteilt.

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DIE MALTESER 3/2021


XXXX

Altötting: Jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli findet die große Malteserwallfahrt aller bayerischen Diözesen statt,

bei der wie seit vielen Jahren auch heuer die österreichischen Malteser aus der Region um Altötting teilnahmen.

Einkleidung der Ausbildungs-Gruppe: Im Laufe der Ausbildung bei den Maltesern bekommen die Mitglieder der

Ausbildungsgruppen ihre Uniformen. Das erste Tragen der Uniform ist für alle immer ein besonderer Moment!

Unterstützung in Budapest: Zwei Malteser fuhren im September

nach Budapest, um die ungarischen Malteser bei Ihrem Ambulanzdienst

während des IEC (Internationaler Eucharistischer Kongress)

zu unterstützen.

NEUES AUS DEM BEREICH

SALZBURG

Vinzibus: Natürlich war auch der Vinzibus

in diesem Quartal wieder für hilfsbedürftige

Menschen unterwegs und

versorgte hinter dem Café Bellini in

Salzburg Menschen mit belegten Broten,

gefüllten Semmeln, warmem Tee und

Saft.

DIE MALTESER 3/2021 33


MALTESERÖSTERREICH

NEUES AUS DEM BEREICH

SALZBURG

Nach dem Dienst ist vor dem Dienst: Nach

der Beendigung eines Dienstes fahren die

Malteser nicht gleich in die Zentrale zurück.

Das Auto wird desinfiziert, vollgetankt und für

den nächsten Einsatz vorbereitet.

Sommerfest: Bei strahlendem Sonnenschein konnten die Malteser das alljährliche Salzburger Sommerfest im Park

von Schloss Arenberg feiern.

Spaziergang in Kuchl: Besuchsdienst mit

Abkühlung – in Kuchl gingen die Malteser mit

ihren Betreuten im Sommer Eis essen.

Nockstein Trophy 2021: Die Salzburger Malteser begleiteten mit

ihrer Ambulanz den Austria Youngsters Cup für Cross Country

Mountainbiker.

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DIE MALTESER 3/2021


MALTESERÖSTERREICH

Konzert: Bei wundervollem Wetter

fand das Konzert von „Vita Activa“

im Garten vom Haus Malta statt.

Die klassischen Klänge regten zum

Nachdenken und Entspannen an.

Eine tolle Abwechslung im Alltag!

HAUS MALTA/MALTESER ORDENSHAUS

Glückwunsch vom Bezirksvorsteher: Ihren

95. Geburtstag feierte heuer Frau Regius

im Haus Malta. Herzliche Glückwünsche gab

es vom ganzen Team und vom Bezirksvorsteher,

der Frau Regius bei einen Besuch persönlich

gratulierte.

Back To School: Jeden Mittwoch findet im Haus Malta, das bald zum Malteser Ordenshaus wird, ein Themennachmittag

statt. In der ersten Septemberwoche lautete dessen Motto: „Back to School“. Viele Geschichten und anregende

Gespräche über den ersten Schultag und die Schulzeit machten den Nachmittag zu einem besonderen Erlebnis.

Tag der Schokolade: Zum internationalen

Tag der Schokolade

stand nicht nur eine Schokoladenverkostung

auf dem Programm,

sondern auch ein interessanter

Vortrag von Frau Katzenberger. Sie

berichtete von den teuersten Pralinen

der Welt, den größten Schokobrunnen

und wie die Schokolade

nach Europa kam.

DIE MALTESER 3/2021 35


Mailberg: Im Rahmen eines festlichen Hochamtes wurden 17 neue Ordensmitglieder in das Großpriorat von Österreich

sowie sechs neue Mitglieder in den Malteser Hospitaldienst aufgenommen.

St. Rochus: Bei der Aufnahme

in der Kirche von St.

Rochus und St. Sebastian in

Wien konnte der Souveräne

Malteser-Ritter-Orden sieben

neue Ordensmitglieder

in das Großpriorat von Österreich

aufnehmen.

AUFNAHME NEUER MITGLIEDER

Innsbruck: S. Exz. Diözesanbischof Hermann Glettler zelebrierte das feierliche Hochamt in Innsbruck, bei dem fünf

Ordensmitglieder und 41 Mitglieder in den Malteser Hospitaldienst aufgenommen wurden.

36

DIE MALTESER 3/2021


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER INTEGRATIONSHILFE

IRINAS SCHWIERIGER

WEG

Immigranten zu ihrem Berufsziel begleiten – auch das gehört

zu den Tätigkeiten der Malteser. Ein Bericht über das

bewegende Schicksal einer ukrainischen Kinderärztin.

Von Bernhard Bachna

Dr. Irina Beloshitsky begann ihre Karriere in Russland

als Krankenschwester und absolvierte später ein komplettes

Medizinstudium. Nach Abschluss der Ausbildung

übernahm sie eine Stelle als Kinderärztin und Kinderorthopädin

in St. Petersburg. Sie schien im Leben angekommen,

doch ihre Familie wurde politisch verfolgt.

2014 flüchtete Irina mit ihren drei Kindern daher nach

Österreich. Hier erwartete die Familie zunächst die Unterbringung

unter teils widrigsten Umständen in verschiedenen

Auffanglagern.

Ärztezulassung in Österreich

Ihrem starken Willen und den mit Auszeichnung bestandenen

Deutschprüfungen ist es zu verdanken, dass

Irina 2021 die Nostrifizierung ihres Studiums an der

Medizinischen Universität Wien erlangte. Dann stand

die Zulassungsprüfung vor der Ärztekammer Wien an.

In der Vorbereitunggszeit wurde Irina von der Malteser

Integrationshilfe systematisch unterstützt und von

ihren teils schulpflichtigen Kindern stets gefordert. Im

August diesen Jahres bestand sie die wichtige Prüfung.

Wir freuen uns sehr herzlich für Irina und begleiten sie

weiter bis zur Anstellung als Turnusärztin.

Der Neustart ist gelungen

Irina bereut ihre Flucht nach Österreich nicht, auch

wenn sie hier noch einmal ganz von vorne anfangen

musste. „Der Neustart ist gelungen“, wie sie selbst sagt,

„die Kinder fühlen sich gut aufgehoben.“ Der mittlere

Sohn hat seine Berufung in der Gastronomie gefunden

und arbeitet motiviert als Koch. Der ältere Sohn hat

das Gymnasium absolviert und steht vor einer weiteren

Berufsausbildung. Der Kleinste hat mit der Volksschule

begonnen. „Mein Weg zu all dem Erreichten hätte länger

und schwerer sein können, wenn mich nicht solch

großzügige und kompetente Spezialisten wie Martina

Koja und Bernhard Bachna begleitet hätten, wobei sich

Martina auf den sprachlichen und Bernhard auf den medizinischen

Bereich fokussierten“, zeigt sich Irina dankbar.

Dankbar fühlen auch wir uns. Als Malteser haben

wir nicht nur gegeben, sondern fühlen uns auch sehr beschenkt.

Das Jobnetzwerk der Malteser Integrationshilfe:

Intergration durch Empowerment

Wir unterstützen Geflüchtete bei der beruflichen Neuorientierung

in Österreich mit folgenden Leistungen:

• Monatliche Malteser-Sprachkurse mit Jobnetzwerk-

Einheiten (aufgrund der Pandemie derzeit digital)

• Lebenslauf-Screening nach professionellem

Bewerbungs-Standard, Vorbereitung auf das

Bewerbungsgespräch

• Textvorlagen mit muttersprachlichen Erläuterungen

für Bewerbungsschreiben

• Begleitung zum Vorstellungstermin

Wenn Sie bei den Sprachkursen oder bei der Vorbereitung

und Begleitung von Bewerbungsprozessen ehrenamtlich

mithelfen wollen, kontaktieren Sie uns bitte.

Wir sind für jede Unterstützung dankbar! Wichtig ist

uns ein DSGVO-konformes Vorgehen auf ehrenamtlicher

Basis. Jederzeit stehen wir für Kooperationsanfragen

oder auch für interessierte Teilnehmer unter

jobnetzwerk@malteser.at zur Verfügung.

DIE MALTESER 3/2021 37


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER KINDERHILFE

HÄKELN, LACHEN, LAUFEN UND SPIELEN

Bei der Malteser Kinderhilfe tut sich laufend etwas – im wahrsten Sinne des Wortes! Anfang Oktober fand der 5. Amstettner

Kinderhilfelauf statt. Zusätzlich gab es während der Sommermonate spezielle Benefizveranstaltungen zugunsten der

Kinderhilfe. Die großzügige Hilfe durch Einzelspenden berührt uns immer wieder aufs Neue. Ein großes, sehr großes Dankeschön

an alle unsere Helfer, Unterstützer und Sponsoren!

Von Katharina Stögner

Wärme und Geborgenheit

Das war vielleicht eine Überraschung! Da stand doch eines Tages ein gigantisches Paket vor der Tür der Malteser

Kinderhilfe. Absender: die Wollweiber (www.diewollweiber.at). Wir staunten nicht schlecht! Zu den Wollweibern gehören

viele Frauen in ganz Österreich, die leidenschaftlich gerne häkeln und gleichzeitig etwas Gutes tun möchten.

Im Paket fanden wir viele bunte Patchworkdecken und Spielzeug aus Wolle. Jedes Kind wurde mit einer solchen handgemachten

Decke beschenkt. Die Decken werden zum Spielen, Kuscheln oder Umhängen an kühlen Tagen im Garten

verwendet. Vielen Dank, liebe Wollweiber, für die großartigen Geschenke! Wir freuen uns alle sehr!

Den Sommer feiern

2020 war es ja wegen Corona leider nicht möglich, unser traditionelles, liebgewonnenes Sommerfest für unsere

haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter zu veranstalten. Doch heuer war es wieder soweit: Gemeinsam warfen wir

den Griller an. Ein herzliches Danke an dieser Stelle an die Fleischerei Keusch aus Amstetten! Sie stellte uns alle

Fleischprodukte gratis zu Verfügung. Es war köstlich!

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DIE MALTESER 3/2021


MALTESERÖSTERREICH

Malteser Kinderhilfelauf 2021

Auf die Plätze, fertig, los! Bei herrlichem Herbstwetter

nahmen rund 640 Teilnehmer vom 30.9. bis 03.10.2021

am 5. Amstettner Kinderhilfelauf zugunsten der Malteser

teil. Die Läufer konnten sich sowohl bei einem Virtual

Run als auch beim Live-Laufevent im Hilde Umdasch

Stadion für die gute Sache ins Zeug legen. Über den

Gesamtsieg bei den Herren durfte sich Lokalmatador

Klaus Vogl vom LCA Umdasch Amstetten freuen. Gesamtsiegerin

bei den Damen wurde Gabriele Lehenbauer vom

LC Neufurth. Sieger in der AK-Behindertensportwertung

wurde Robert Wagner vom A3 ATUS Amstetten.

Laufend helfen bedeutet, den Kindern und Jugendlichen

vom Hilde Umdasch Haus ein Stück mehr Lebensqualität

und Lebensfreude zu schenken. Die Einnahmen des

Laufes ermöglichen den Kindern individuell angepasste

Therapien sowie maßgeschneiderte Förderprogramme.

Unterstützen Sie die Malteser Kinderhilfe zusätzlich

durch den Kauf unseres Kinderhilfelaufkalenders 2022!

Bestellungen und Details unter:

www.kinderhilfelauf.at

SCHON JETZT VORMERKEN!

VIRTUAL RUN von 29.09. - 2.10.2022

LAUFEVENT im Umdasch Stadion 2.10.2022

DIE MALTESER 3/2021 39


MALTESERÖSTERREICH

Spielend helfen

Eigentlich sollte das Benefizkabarett

mit anschließender

Tombola zugunsten

der Malteser Kinderhilfe

schon 2019 über die Bühne

gehen. Die COVID-19-

Pandemie machte allerdings

dieser wunderbaren

Idee von Gottfried Schuller, dem Club 41 und den Stockschützen der ESV Union Euratsfeld einen Strich durch die

Rechnung. Das Kabarett wurde auf April 2022 verschoben, die Tombola jedoch im Juli 2021 im Hochkogelstadion in

Euratsfeld durchgeführt.

Ein Motorradkorso in Gedenken an Gerhard „KA“ Kössler mit anschließendem Frühschoppen stimmte die Besucher

auf die Tombola ein, bei der es viele tolle Preise zu gewinnen gab – darunter eine Ballonfahrt, ein Rundflug, Gutscheine

von regionalen Unternehmen, eine Gartensitzgarnitur und ein E-Bike von Raab Werkzeuge. Als erster Preis wurde

etwas ganz Besonderes verlost: ein Golfcart von Clubcar24.at. Moderiert wurde die Tombola ehrenamtlich von den

Kabarettisten Walter Kammerhofer und Max Mayerhofer. Für das leibliche Wohl sorgte die Firma Schneckenleitner &

Resch mit Steckerlfisch. Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden und Spender!

Ein Geschenk für Anna

Dr. Richard Igler, Partner und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Gutmann

KAG, ersuchte zum Antritt seines Ruhestands, von Geschenken

abzusehen und bat stattdessen um Spenden für seine Tochter Anna.

Anna kam damals als erstes Kind der Malteser Kinderhilfe ins Hilde

Umdasch Haus. Heute ist sie 17 Jahre alt. Als gesundes Baby auf die

Welt gekommen erlitt Anna einen viral bedingten Herzstillstand und

ist seither körperlich und geistig sehr schwer eingeschränkt.

Mittlerweile ist Anna von einem Kind zu einer fröhlichen Teenagerin

herangewachsen, die es liebt, im Mittelpunkt zu stehen. Wenn Annas

Vater im Hilde Umdasch Haus zu Besuch kommt, ist die Freude groß.

Es wird immer viel gelacht, gespielt und geplaudert. Anna kann sich mit

ihrem Papa mittels Augensteuerung verständigen. Die einfachen, aber

dennoch besonderen Gespräche, sind ein schönes Ritual mit großem

Wert für Vater und Tochter.

Wir von der Malteser Kinderhilfe sind dankbar dafür, Anna ein erfülltes Leben ermöglichen zu können. Wir tun stets

unser Bestes, um die Lebensqualität und Lebensfreude unserer Kinder und Jugendlichen zu fördern. Ein besonderes

Dankeschön an Dr. Igler und sein Team sowie an alle Spender für die Unterstützung. Diese Spenden machen es uns

möglich, für unsere kleinen und größeren Gäste ein individuelles Förderprogramm und maßgeschneiderte Therapie

zu Verfügung zu stellen.

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DIE MALTESER 3/2021


MALTESERÖSTERREICH

Foto: Bezirksblätter Salzburg/Franz Neumayr

SALZBURG

VIRGILBUS ERHÄLT

DEN REGIONALITÄTS-

PREIS DER BEZIRKS-

BLÄTTER SALZBURG

Von Mario Scheiber

Der Regionalitätspreis 2021 der Bezirksblätter Salzburg

ging dieses Jahr an den Virgilbus. Die Auszeichnung ist

ein großes Zeichen der Wertschätzung für das ehrenamtliche

Engagement des Roten Kreuzes, des Samariterbunds

und der Malteser.

Seit bald sieben Jahren fährt der Virgilbus als rollende

Praxis unterschiedliche Plätze und Noteinrichtungen in

der Stadt Salzburg an und ermöglicht eine niederschwellige

medizinische Basisversorgung für Armutsmigranten

und Obdachlose. Die nicht versicherten Patienten

werden kostenlos und auf Wunsch anonym medizinisch

behandelt. In den vergangenen sieben Jahren wurden so

rund 5.000 Patienten aus vier Kontinenten behandelt.

Menschen aus Österreich bilden dabei die zweitgrößte

Gruppe. Pro Abend werden im Schnitt 16 Personen behandelt,

wobei das Durchschnittsalter zwischen 31 und

40 Jahren liegt. Die häufigsten Diagnosegruppen sind

chronische Schmerzen, akute Infekte und Zahnweh.

Der Virgilbus wird stark von freiwilligem Engagement

getragen. Die Ärzte und Sanitäter arbeiten alle ehrenamtlich.

Jeden Sonntag übernimmt abwechselnd eine

Rettungsorganisation (Malteser, Rotes Kreuz oder

Samariterbund) den Dienst am Virgilbus. Die Malteser

in Salzburg stellen dabei eigene ehrenamtliche Ärzte zur

Verfügung.

MALTESER KÄRNTEN UND

VINZENZGEMEINSCHAFT

EIN KLASSISCHER

FALL VON

WIN-WIN-SITUATION

Von Jutta Jank Clarke

Mitglieder des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens gibt es

heute rund um die Welt. Das

Hauptaugenmerk des Ordens

ist es, humanitäre Hilfe zu leisten

und sich im Kampf gegen

das achtfache Elend der Welt

einzusetzen. Freiwillige Helfer

tragen dazu bei, diese Leiden zu

lindern und im persönlichen Kontakt Menschen in herausfordernden

Lebenssituationen zur Seite zu stehen. Damit

besteht eine enge Verwandtschaft zwischen den Intentionen

und Zielen der Vinzenzgemeinschaft und jenen des

Malteserordens. Wir freuen uns deshalb sehr, dass das

Klagenfurter Vinzibus-Team uns Malteser so bereitwillig

in die Reihen seiner Unterstützer aufgenommen hat.

Bereicherung und Ermutigung

Für mich, die ich seit meinem Studium ehrenamtliches

Mitglied bei den Maltesern bin und drei Jahrzehnte im

Ausland gelebt habe, waren die Fahrten mit dem Vinzibus

eines der mir persönlich wichtigsten Elemente meiner Heimkehr

nach Kärnten. Der Austausch mit den Betreuten war

mir Bereicherung und Ermutigung in einer Lebensphase,

die ich als schwierig empfunden habe. Doch um wieviel

schwieriger haben es die Betreuten?

Dort helfen, wo sonst niemand da ist

Dass jetzt und künftig die Malteser regelmäßig mit dem

Vinzibus in Klagenfurt unterwegs sein werden, freut mich,

weil es so gut zu den Zielen und Aufgaben unserer Gemeinschaften

passt. Für mich heißt es aber auch, dass ich selbst

weniger oft dabei sein kann. Ich werde mich trotzdem weiter

bemühen, mit offenen Augen durch Klagenfurt zu gehen

und zu sehen, wo Hilfe gebraucht wird, damit ich dort helfen

kann, wo gerade sonst niemand da ist.

DIE MALTESER 3/2021 41


MALTESERÖSTERREICH

Herzenswunsch

„ICH MÖCHTE NOCH SO GERNE ...“

Wünsche bekommen eine ganz andere Dimension, wenn Menschen wissen, dass ihr Leben dem Ende zugeht. Auch für

Menschen, die gesundheitlich so sehr eingeschränkt sind, dass Vieles nicht mehr möglich ist, bleiben einige Wünsche

ohne Hilfe unerfüllt. Mit ihrem Dienst „Herzenswunsch“ helfen die Malteser, Träume wahr werden zu lassen.

ZU BESUCH BEIM BRUDER

Von Gloria Krenn

WUNSCHFAHRT ZU DEN ALPAKAS

Von Monika Reitmeir

Der Herzenswunsch von Schwester Johanna: noch einmal

ihren Bruder besuchen. Wie Schwester Johanna

liebevoll beschreibt, lebt ihr Bruder im wunderschönen

Oggau am Neusiedlersee. Sie hat uns viel über die gemeinsame

Zeit mit ihrem Bruder erzählt, über die Spaziergänge

durch die burgenländischen Ortschaften und das

gemeinsame Jausnen nach der Weintraubenernte mit

der Familie.

Die Geschwister sind auf Gehhilfen und den Rollstuhl

angewiesen und konnten sich aus diesem Grund lange

nicht persönlich treffen. Die Malteser machten nun das

lang ersehnte Wiedersehen möglich: Die gemeinsamen

Gespräche haben beiden sehr gefehlt. Man konnte die

Freude kaum übersehen, als sie sich nach langer Zeit

endlich wieder gegenüberstanden. Das Highlight des

Treffens war das gemeinsame Kochen und Mittagessen.

Bevor es wieder nach Hause ging, führten die zwei ein

längeres Gespräch ohne Anwesenheit der Malteser. Im

Auto hat Schwester Johanna zu uns gesagt: „Danke! Der

Ausflug war eine große Freude für mich.“

Gerlinde muss mit einer gesundheitlichen Herausforderung

leben, die ihr ganzes Leben verändert hat. Ausflüge in

die Natur sind da nicht mehr selbstverständlich. Um ihr

dennoch einen lang gehegten Herzenswunsch zu erfüllen,

organisierten die ehrenamtlichen Malteser in Tirol

eine Fahrt zu den Alpakas der Familie Egger-Hastelwanter

in Seefeld.

Bei strahlendem Sonnenschein an einem wundervollen

Spätsommertag ging es auf die barrierefreie Weide,

wo Lebensgefährte Norbert bereits auf seine Gerlinde

wartete. Es dauerte nicht lange, bis die neugierigen

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DIE MALTESER 3/2021


MALTESERÖSTERREICH

Alpakas herbeistolzierten, um die Besucher eingehend

zu beäugen, zu beschnuppern und sich ein paar

Streicheleinheiten abzuholen. Als Gerlinde ein Alpakajunges

auf den Schoß gesetzt wurde, ging für sie ein absoluter

Traum in Erfüllung. Gerlinde war nach diesem Tag

verzaubert. Die Begegnung mit den Alpakas, sagte sie, war

„wunderschön, berührend, einfach der Wahnsinn! Danke!“

40 JAHRE KIRCHENWEIHFEST

Von Susanne Wick

Am 27. Juni 2021 feierte die Salvatorkirche in Graz,

einst von Bischof Johann Weber eingeweiht, ihr 40-jähriges

Bestehen. Pater Elmar Kahofer kam mit 33 Jahren

als Pfarrverantwortlicher für ein riesiges Neubaugebiet

nach Graz. Zwischen 1970 und 1987 entstand unter seiner

aktiven Mitgestaltung ein großartiges Pfarrzentrum mit

einem regen Gemeindeleben und einer sehr schönen

Kirche. Sein Herz hängt an dieser Grazer Gründung und

so war es sein sehnlicher Wunsch, bei diesem besonderen

Kirchweihfest dabei sein zu dürfen.

mehr funktionieren?“, so Pater Elmar Kahofer. „Dank

der Malteser habe ich es geschafft, am 40. Jahrestag

der Kirchweihe das wunderschöne Fest in der Salvatorkirche,

dessen Gründer ich bin, mitzufeiern. Es war einzigartig,

im Geiste nochmals die Phase des Kirchenbaues

nachzuerleben, Mitarbeitende von früher und alte

Freunde nochmals zu treffen und über die gute, alte

Zeit zu plaudern. Den Maltesern sage ich von Herzen:

Danke, dass sie meinen Herzenswunsch erfüllt haben!“

NOCH EINMAL HEIMKOMMEN

Von Pia Winkler

Strahlender Sonnenschein und der Besuch der Heimat

können pures Glück bedeuten, wenn man es aus eigener

Kraft nicht mehr ermöglichen kann und sich nichts

sehnlicher wünscht, als noch einmal heimzukommen.

„Doch wie überwindet man im 85. Lebensjahre die 200

Kilometer von Wien nach Graz, wenn die Beine nicht

Die Malteser in der Steiermark haben diesen Herzenswunsch

erfüllen dürfen und damit diesen ergreifenden

Augenblick möglich gemacht.

Heimkommen in ein wundervolles Ambiente im liebevoll

gepflegten Garten, wo auch der Hund der Familie

nicht fehlen durfte, der sich geduldig durch sein samtiges,

rotbraunes Fell streichen ließ. Es waren berührende,

sehr schöne Augenblicke. Für die ehrenamtlichen

Malteser bestätigte sich einmal mehr: Herzenswunschfahrten

gleichen keinem anderen Ausflug.

DIE MALTESER 3/2021 43


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER BETREUUNGSDIENST

DIE LAST DER EINSAMKEIT DURCHBRECHEN

Die Erfahrungen aus mehr als 50 Jahren ehrenamtlicher Betreuungsdienste durch die Malteser zeigt, wie aufrichtiger

Einsatz das Leid vieler Menschen lindert und gleichzeitig den Helfenden hilft.

Von Tita Andras

„Ich fühle mich so einsam“, „Ich hätte so gerne jemanden

zum Reden“ oder „Ich wünsche mir jemanden, der mit mir

spazieren geht“ – Sätze wie diese hören wir regelmäßig,

wenn das Telefon beim Betreuungsdienst der Malteser

Austria klingelt. Der Wunsch nach Gemeinschaft und

der Bedarf an Begleitung sind groß, vor allem bei älteren

Menschen, die einsam oder krank sind.

Mit der Corona-Pandemie hat sich dieses Sehnen nach

Zuwendung und Austausch weiter verstärkt. Dabei geht

es nicht um die Betreuung rund um die Uhr oder eine

aufwändige Pflege. Jemandem einmal am Tag oder in der

Woche ein, zwei Stunden seiner Zeit zu schenken, ist oft

schon genug. Der Malteser Betreuungsdienst schnekt den

Menschen diese Zeit. Ein gutes Gespräch, ein kleiner Spaziergang,

eine gemeinsame Tasse Tee bringt auf andere

Gedanken, durchbricht die Last der Einsamkeit und zaubert

ein Lächeln auf die Gesichter der Betreuten.

„Sie fühlen sich gestärkt und das stärkt gleichzeitig uns

Betreuende. Außerdem macht das Gefühl, schon mit relativ

wenig Einsatz erstaunlich viel bewirken zu können, sehr

dankbar und lässt uns erkennen, wie gut es uns im Vergleich

zu unseren Betreuten geht“, sagt eine Malteserin, die schon

seit Jahren verschiedene Besuchsdienste für die Malteser

absolviert.

Qualifizierte Ausbildung

Mittlerweile besteht der Malteser Betreuungsdienst

seit mehr als 50 Jahren. Voraussetzung zur Mitarbeit

ist eine qualifizierte Ausbildung durch die Spezialisten

der Malteser. Sie dauert rund sechs Monate. Näheres

dazu unter: www.malteser.at/wer-wir-sind/ausbildungmitglied-werden

EHRENAMTLICHE GESUCHT!

Neue Mitarbeiter für den Besuchsdienst der Malteser sind

herzlich willkommen! Sie können gerne einen Termin für

ein Vorstellungsgespräch vereinbaren. Wir freuen uns auf

Bewerbungen sowohl von Mitgliedern aus der Malteserfamilie

als auch aus anderen qualifizierten Bereichen.

Kontakt: Tita Andras, Leitung MBD,

E: mbd@malteser.at, T: +43 664 100 24 05

44

DIE MALTESER 3/2021


Danke, liebe Helene!

Warum die Mitarbeit beim

Malteser Betreuungsdienst

so viel mehr bedeutet, als nur

zu helfen? Warum sie nicht

nur glücklich, sondern richtig

zufrieden macht? Hier

ein Beispiel von vielen und

gleichzeitig eine Erinnerung

an eine langjährige Betreute:

Von Angela Thierry

Helene Breith, geboren 1927, hat uns im August 2021

verlassen. Zuvor war sie mehr als 18 Jahre lang eine

überaus liebenswerte, von uns regelmäßig besuchte

und betreute Freundin. Ihre Lebensgeschichte war

abenteuerlich: Im Krieg in einem Keller verschüttet hat

sie ihren Mann sehr früh verloren. Was ihr blieb, war

ein schwer behinderter Sohn, um den sie sich ein Leben

lang rührend gekümmert hat. Sie ermöglichte ihm alles,

was ihm guttun könnte – unter anderem therapeutische

Badeaufenthalte im ungarischen Héviz, zu denen

sie über Vermittlung des Malteser Besuchsdienstes sogar

eine männliche Begleitung fand.

Leben für den Sohn

Ihr ganzes Leben verbrachte Helene Breith in einer

kleinen Wohnung im achten Wiener Gemeindebezirk.

Sie besaß kein Radio, keinen Fernseher und lehnte sowohl

Bücher als auch Zeitschriften kategorisch ab. Ihr

Tagesinhalt bestand in der Betreuung des Sohnes und

der Instandhaltung der Wohnung. Ging es um ihre eigene

Person, war Helene äußerst bescheiden. Es war ihr,

nach eigenen Worten, schier unerklärlich, dass wir alle

ausschließlich ehrenamtlich arbeiteten.

Danke an alle Betreuten!

Helenes Wertschätzung, Dankbarkeit und Freundschaft

bestätigen die Sinnhaftigkeit unserer Aufgabe

als Malteser. Sich ehrenamtlich zu engagieren und für

andere da zu sein, die auf Hilfe angewiesen sind, macht

glücklich und reich an Erfahrung. Zu erleben, was über

kleine Gesten und besondere Momente für den ehrenamtlichen

Einsatz zurückkommt, ist unbeschreiblich

und lässt sich nicht in Geld aufwiegen. Danke an alle

Betreuten!

BETEN UND IMPFEN

Von Christian Herrlich

Auf Initiative von Kardinal Christoph Schönborn und Bürgermeister

Michael Ludwig wurde im Wiener Stephansdom ein

Corona-Impfzentrum eingerichtet. Betreut wird die Impfstraße

von den Maltesern gemeinsam mit der Johanniter-

Unfallhilfe.

Der Stephansdom sei ein geeigneter Ort, um daran zu erinnern,

dass Impfen etwas mit Selbstschutz und Nächstenliebe

zu tun habe, so Kardinal Christoph Schönborn bei der

Eröffnung der Impfstraße. Auch gehe es darum, andere zu

schützen. Er appellierte an die Gläubigen und Kirchenbesucher,

sich die schützende Spritze gegen das COVID-19-Virus geben

zu lassen.

Auch Dompfarrer Toni Faber lud nachdrücklich dazu ein, die

Impfmöglichkeit in der Barbarakapelle zu nutzen: „Die Kirche

ist ein Ort, wo Menschen schon immer für Gesundheit gebetet

haben. Die Messfeierlichkeiten werden durch den Impfbetrieb

nicht beeinträchtigt oder eingeschränkt – ganz im Gegenteil:

Es kommen jetzt auch Menschen in die Kirche, die schon viele

Jahre nicht mehr hier waren und vielleicht genau über diesen

Weg wieder zur Kirche, zum Glauben zurückfinden.“

Serviceinfo

Neben Erwachsenen aller Altersgruppen können sich

auch Jugendliche ab zwölf Jahren impfen lassen. Die

Impfstraße ist von Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 21

Uhr geöffnet. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

DIE MALTESER 3/2021 45


MALTESERÖSTERREICH

GENERALVERSAMMLUNG

Generalversammlung des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens in Wien

Durch die COVID-19-Pandemie konnte 2020 keine Generalversammlung

des Großpriorates von Österreich stattfinden.

Heuer gelang es, natürlich unter Einhaltung der 3G-Regelungen,

wieder gemeinsam zusammenzukommen.

Vor der Versammlung gab es eine gemeinsame Heilige

Messe in St. Rochus. Im Anschluss konnte der Prokurator

den ao. u. bev. Botschafter unseres Ordens bei der Republik

Österreich, Sebastian Prinz Schoenaich-Carolath, das ihm

vom Großmeister-Statthalter bereits 2020 für seine jahrzehntelange

Mitarbeit im Orden verliehene Großkreuz

der Verdienstauszeichnung „pro Merito Melitensi“ überreichen.

Erstmals konnte die diesjährige Generalversammlung

im neuerrichteten Malteser Ordenshaus auf der Wiener

Landstraße stattfinden, obgleich das neue Gebäude teils

noch eine Baustelle ist. Fertigstellung und Übersiedelung

sind erst im Februar 2022 geplant. Dennoch konnten

die Ordensmitglieder einen ersten Eindruck vom neuen

Malteser Ordenshaus bekommen. Harmonisch eingebunden

in den Standort der Elisabethinen in Wien mit ihrer

Kirche, dem Konvent, dem Franziskusspital und den weiteren

Einrichtungen der geriatrischen Gesundheitsversorgung

entsteht ein Zentrum für unsere Herren Kranken

mitten in Wien.

Ergänzend zur Begehung des neuen Gebäudes hielt die

ehrwürdige Mutter Generaloberin der Elisabethinen,

Sr. Barbara Lehner, einen vielbeachteten Vortrag über die

jahrhundertelange, segensreiche Arbeit der Elisabethinen

in Wien und ihre Ziele für die Zukunft an diesem Standort.

Bei den darauffolgenden Wahlen wurden, wie alle drei

Jahre vorgesehen, der Hospitalier und die Vertreter

des II. und III. Standes in das Kapitel neu gewählt. Mit

Dr. Hemma Korinek wurde erstmals eine Dame in das Entscheidungsgremium

gewählt.

46

DIE MALTESER 3/2021


MALTESERÖSTERREICH

ACTIVITY REPORT 2021

UNODC

JUGENDINITIATIVE

Von Alexia Zwitkovits

Anlässlich des offiziellen Treffens mit der Generaldirektorin

des Büros der Vereinten Nationen in Wien

(UNOV) und Exekutivdirektorin des Büros der Vereinten

Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung

(UNODC), Ghada Waly, überreichte der Leiter der

Ständigen Vertretung des Malteserordens bei den Vereinten

Nationen in Wien, Hon. Prof. Dr. h.c. a.o. u. bev.

Botschafter Günther Granser, den neuesten Bericht

des Ordens für 2021. Dabei wurden zahlreiche Themen

diskutiert, wie zum Beispiel die vorherrschende internationale

Situation, die erhöhte humanitäre Zusammenarbeit

mit dem Orden sowie die Bekämpfung

von Menschenhandel, Sklaverei, Terrorismus und

Drogenkriminalität. Bei der Drogenbekämpfung hat

die Mission in Wien eine federführende Rolle bei der

Jugendinitiative der UNODC inne.

Wir suchen:

Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflege

Pflegefachassistenz (PFA)

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DIE MALTESER 3/2021 47


MALTESERWELTWEIT

„FREI WIE EIN VOGEL“ TEIL 2

In der Ausgabe 01/2021 von „Die Malteser“ hatte ich erstmals über den Botschafter des Malteserordens in Madrid,

Jean-Marie Musy, und seine Einsätze in Tschad berichtet. Dies ist die Fortsetzung einer Geschichte über einen

einzigartigen Menschen.

Von Aglaë Hagg

1991 hatte Jean-Marie Musy in der zentralafrikanischen

Republik Tschad seinen Dienst angetreten. Ein Jahr

später beschreibt er in einem Brief an seine Freunde, wie

er sich um jeden Schritt selber kümmern muss, damit die

Medikamentenlieferungen und großzügigen Hilfsgüter

des Malteserordens nicht nur ankommen, sondern in

diesem, „einem der ärmsten Länder des Planeten“ auch

weitertransportiert werden an jene Stellen, wo sie tatsächlich

gebraucht werden.

Musy hatte im ersten Jahr Notleidenden vor Ort Hilfe

zugesagt. Dieses Versprechen galt es nun zu halten. „Eine

riesengroße Aufgabe, eigentlich übermenschlich. Da muss

man einfach anders denken lernen und die pragmatische

Logik des europäischen Geschäftsmannes total vergessen“,

schrieb Musy. So tickte dieser Malteser, der bis heute – fast

unbemerkt von der Via dei Condotti und den Publikationen

des Ordens – einfach seine Arbeit macht.

Todesmutig im Kriegsgebiet

An die Front der Nächstenliebe hatte ihn die Vorsehung

geschickt. Musy lebte dort im Bürgerkrieg und im ständigen

Angesicht schrecklichster Armut und Entbehrung, weil

eben diese Vorsehung Tag für Tag an seiner Seite stand.

Musy erbettelte vom französischen Militär Transportflugzeuge

und brachte sich selbst auf unzähligen Wüstenfahrten

immer wieder in Gefahr. Auch sein kleines Team

fuhr im Konvoi mit den Militärtransportern todesmutig

und weiß beflaggt an den Minenfeldern vorbei, damit die

mühsam aufgetriebenen Hilfsgüter in jene abgelegenen Gegenden

gelangten, wo sie gebraucht wurden.

„Flehende, hoffnungsvolle Blicke“

Bald konnte sich Musy der Anfragen um Hilfe kaum mehr

erwehren. Auch in der Hauptstadt N`Dejamena bat das

staatliche Zentralspital um Unterstützung bei der Restaurierung

des zerstörten Krankenhauses. Im Bürgerkrieg

hatte selbst der Staat keine Einnahmen mehr und konnte

kaum seine Kampftruppen bezahlen. Soziales war einfach

kein Thema. Musy hatte gemeinsam mit Schwester Hélène

in einem Vorort die Sterberate unter den etwa 60.000 jährlichen

Patienten in kurzer Zeit senken können, indem er

Medikamente, Chirurgische Instrumente und Wundversorgungsmaterial

beschaffte. Also wandte sich das staatliche

Spital an ihn.

„Wisst ihr“, schreibt er seinen Freunden, „wenn dir die

Tränen beim Besuch einer Station mit Schwerverletzen –

bei 45 Grad Hitze – im Hals stecken, kriegst du selbst mit

größter Anstrengung kein Lächeln mehr auf dein Gesicht für

die Sterbenden und deren flehende, hoffnungsvolle Blicke.“

48

DIE MALTESER 3/2021


WEIL SIE NICHT VERGESSEN SIND

Der Botschafter des Malteserordens für die Republik Moldau unterstützt gemeinsam mit seiner Frau arme, einsame und

bedürftige Menschen in Chişinău – auch und gerade in Zeiten von Corona.

Seit 2014 besteht in Chişinău, der

Hauptstadt der Republik Moldau, eine

Suppenküche. Sie wurde von Botschafter

Peter Canisius gemeinsam mit

Bessere Versorgung und Schutz

für Frauen

Wenn kein Wunder geschehe, könne

er nicht mehr viel machen im nächsten

Jahr, meinte Musy Ende 1993.

Das Wunder geschah: Im Vorstadtspital

konnte dank der Hilfsgüter

die tägliche Zahl der Versorgten von

200 auf 300 erhöht werden. Im Zentralspital

wurden ein OP-Saal fertiggestellt

und eine Intensivstation

für Brandverletzungen eingerichtet.

Aber die unglaublichste Premiere

war die Krankenstation im Hauptgefängnis

der Stadt, wo Musy ein eigenes

Team von Maltesern installierte.

Erstmals konnte dort der Frauentrakt

abgesichert werden. Dies hatte

eine große Auswirkung auf den

Schutz der Frauen und deren Sicherheit

vor Übergriffen.

Und wieder flieht Musy auch 1955

nach Europa: „Glaubt nicht, er hätte

Afrika vergessen.“

seiner Frau Birgit dank großzügiger

Spenden aus Österreich eingerichtet.

Mehr als 78.000 warme Mahlzeiten

konnten seither an Bedürftige ausgegeben

werden. Zusätzlich wurden

jedes Jahr zu Weihnachten, Neujahr

und Ostern Pakete mit haltbaren Lebensmitteln,

Obst, Kaffee, Schokolade

und Hygieneartikeln an mittellose

alte Menschen verteilt.

Lebensmittelpakete zweimal pro

Monat

Mit Ausbruch der COVID-19-Pandemie

musste die Suppenküche vorerst

schließen. Um alte, einsame und bedürftige

Menschen vor Ort dennoch

zu unterstützen, wurde die mobile

Hilfe ausgebaut: Zwei Mal im Monat

wurden die Menschen zuhause mit

Lebensmitteln beliefert. Seit März

2020 konnten rund 1800 solcher

Hauszustellungen unter Einhaltung

aller entsprechenden Hygiene- und

Abstandsvorschriften durchgeführt

werden.

Dank an die Unterstützenden

Sobald es die Corona-Situation wieder

zulässt, wird die Suppenküche reaktiviert.

Botschafter Peter und Birgit von

Canisius danken herzlichst den großzügigen

und langjährigen Spendern

sowie den Unterstützern aus dem

privaten Freundeskreis im Namen der

alten und bedürftigen Menschen. Deren

Not konnte im Rahmen dieser caritativen

Initiative zumindest etwas gelindert

werden. Jedenfalls konnten sie

erfahren, dass sie nicht vergessen sind.

DIE MALTESER 3/2021 49


MALTESERWELTWEIT

PAPST FRANZISKUS

BESUCHTE DIE SLOWAKEI

Tatkräftige Unterstützung des Malteserordens für die Bischofskonferenz

Von Felix Degeler

Bereits während der Vorbereitung der apostolischen Reise

von Papst Franziskus vom 12. bis 15. September 2021

in der Slowakei unterstützten die Freiwilligen des Malteser

Hilfsdienstes die Bischofskonferenz des Landes

in einer Vielzahl von organisatorischen Tätigkeiten. So

wurde in der neuen nationalen Zentrale des Hilfsdienstes

in Bratislava kurzerhand eine Einsatzleit- und Koordinierungsstelle

eingerichtet, von wo aus sämtliche Belange

und organisatorischen Maßnahmen bezüglich des

Besuchs des Heiligen Vaters vorbereitet wurden. Dazu

zählten unter anderem die Registrierung, Einteilung

und Koordination Tausender Pilger, Teilnehmer und

freiwilliger Mitarbeiter, die für einen reibungslosen Ablauf

sorgten.

50

DIE MALTESER 3/2021


MALTESERWELTWEIT

SLOWAKEI, BRATISLAVA

ORDENSEMPFANG

UND FEIERLICHE AUFNAHME

20 neue Mitglieder wurden im slowakischen Hilfsdienst aufgenommen. Von Daniela Harrison

Am ersten Tag des Besuchs von Papst

Franziskus leisteten die Malteser in der

St. Martins-Kathedrale in Bratislava

Erste-Hilfe-Dienste, kümmerten sich

um die Koordiniereung der Menschenmenge

und betreuten Tausende Besucher

in der Hauptstadt. In Zusammenarbeit

mit dem medizinischen Team

des Krankenhauses der Barmherzigen

Brüder sorgten die Malteser während

der gesamten Veranstaltung für die

medizinische Betreuung aller Menschen

mit Behinderungen und stellten

Erste-Hilfe-Stationen für medizinische

Notfälle zur Verfügung. Während

der Abschlussmesse in Šaštín betreuten

mehr als 100 Freiwillige des

Malteserordens zusätzlich besondere

Bereiche für mehr als 700 Menschen

mit Behinderungen. Rückblickend war

es ein äußerst erfolgreicher Einsatz

mit sehr ereignisreichen und spannenden

Tagen für die Malteser und

Ihre Betreuten. Die vielen unvergesslichen

Erlebnisse mit dem Heiligen

Vater werden wohl noch lange in Erinnerung

bleiben.

Anlässlich des Ordensfeiertages am Johannistag, dem 24. Juni, wurde

in der ganz idyllisch direkt am Donauufer gelegenen Kirche des

Malteserordens in Bratislava, der Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit,

von S.E. Erzbischof Mons. Stanislav Zvolenský eine Heilige Messe gelesen.

Im Rahmen dieser Feierlichkeiten leisteten auch zwanzig neue Mitglieder

das Gelöbnis und wurden in den ehrenamtlichen Malteser Hilfsdienst

aufgenommen. Die jungen Mitglieder verstärken ein äußerst

engagiertes Freiwilligenkorps, welches unterschiedliche Hilfsdienste

verrichtet. Dazu zählen Suppenküchen, Essen auf Rändern und Armenausspeisungen,

Erste-Hilfe-Dienste, Pilgerfahrten, Nachmittagsbetreuung

von Romakindern sowie eine Vielzahl von Betreuungsprojekten für

ältere Mitbürger und Menschen mit Behinderungen.

Während der Messe überraschte der Präsident des slowakischen Hilfsdientest,

Dr. Július Brichta, den Botschafter des Malteserordens in der

Slowakischen Republik, S.D. Dr. Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein,

mit einem Dekret und verlieh ihm die erste Ehrenmitgliedschaft im

slowakischen Hilfsdienst.

Im Anschluss an die Messe lud Botschafter Alfred Prinz von Schönburg-

Hartenstein unter Einhaltung besonderer COVID-19-Maßnahmen zu

warmen Mahlzeiten und Erfrischungsgetränken in den Kirchenhof, wo

zahlreiche Ordensritter sowie kirchliche und weltliche Ehrengäste empfangen

werden konnten. Der Botschafter zeigte sich, ob der großen Anzahl

an neu aufgenommenen Maltesern, höchsterfreut und wünschte

den neuen Mitgliedern persönlich alles erdenklich Gute sowie schöne,

gemeinsame Erlebnisse im Zeichen des achtspitzigen Kreuzes.

DIE MALTESER 3/2021 51


Toni Gärtner, Referent im Nothilfe-Team von Malteser International, im Gespräch mit einer

betroffenen Familie in der Erdbebenregion in Haiti (Foto: Malteser International).

ERDBEBEN IN HAITI

„GEBÄUDE, STRASSEN,

WASSER- UND ABWASSERSYSTEM,

EIGENTLICH WAR ALLES WEG.“

© wikipedia

„Von oben mit Blick aus dem Flugzeug dachte ich noch: Warum sind wir eigentlich hier, das sieht doch ganz gut aus. Als

wir dann aber gelandet sind und je näher wir an das Epizentrum des Bebens kamen, desto gewaltiger waren die Schäden.

Ich würde sagen, dass teilweise bis zu 90 Prozent der Gebäude zerstört waren“, sagt Toni Gärtner, Nothilfe-Experte von

Malteser International.

Von Theresa Elverfeld und Elena Becker

Am Morgen des 14. Augusts wurde Haiti von einem

schweren Erdbeben der Stärke 7,2 erschüttert. Mehr

als 2.200 Menschen kamen dabei ums Leben. Etwa eine

halbe Million Menschen sind seitdem zusätzlich auf

Hilfe angewiesen. Wenige Tage nach dem Erdbeben fegte

zudem ein Tropensturm über das betroffene Gebiet.

Toni Gärtner reiste im August in die Krisenregion, um

das Team der Malteser vor Ort zu unterstützen und

den Bedarf für die akute Nothilfe zu ermitteln: „Vor Ort

bot sich uns ein wirklich katastrophales Bild. Allein die

Infrastruktur: Gebäude, Straßen, Wasser- und Abwassersystem

– da war eigentlich alles weg.“

Schnelle Hilfe trotz angespannter Sicherheitslage

Das Erdbeben hat vor allem das Département Nippes,

etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince

entfernt, hart getroffen. In dieser Region liegt seit vielen

Jahren der Schwerpunkt der Projektaktivitäten von

Malteser International. Über das Länderbüro konnte bereits

in den ersten Tagen nach dem Beben dringend benötigte

Hilfe zu den Menschen gebracht werden. „Dass

wir so schnell vor Ort helfen konnten, ist keine Selbstverständlichkeit.

Die Sicherheitslage im Land ist extrem

angespannt. Es war nicht leicht, in die betroffene Region

zu gelangen“, berichtet Gärtner.

Als Schutz vor dem nahenden Tropensturm verteilten

die Malteser Zeltplanen an die Betroffenen, außerdem

Lebensmittel und Bargeld, damit sie sich mit dem Nötigsten

versorgen konnten. Drei Gesundheitseinrichtungen

konnten zudem zeitnah mit neuem Verbrauchsmaterial

und Medikamenten ausgestattet werden. „Wir haben

52

DIE MALTESER 3/2021


MALTESERWELTWEIT

Das Erdbeben vom 14. August verursachte enorme Schäden. Besonders stark betroffen ist das Département Nippes etwa 150

Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt.

viele zerstörte Krankenhäuser und Gesundheitsstationen

gesehen – die erkennt man gut, weil sie in Haiti grün

und weiß angestrichen sind. Viele dieser Einrichtungen

sahen noch neu aus, sind erst vor ein paar Jahren aufgebaut

worden. Und nun ist wieder alles kaputt.“

Immer wieder Rückschläge beim Wiederaufbau

Entmutigen lassen sich die Helfer davon nicht: „Wir arbeiten

seit Jahren mit den Menschen in der Erdbebenregion

zusammen und werden nun konkret dabei helfen,

fünf Schulen und drei Gesundheitseinrichtungen

wiederaufzubauen. Ein weiterer Schwerpunkt unserer

Arbeit wird die dringend notwendige Instandsetzung

der Wasserversorgung sein und es wird weitere Bargeldhilfen

geben“, so Gärtner weiter. Der Wiederaufbau der

zerstörten Region wird schwierig: In Haiti koste der Bau

eines Hauses zwischen 15.000 und 18.000 Dollar und

könne zwischen zehn und 15 Jahre dauern. Das erneute

Erdbeben ist nur einer von vielen Rückschlägen für die

Menschen in Haiti.

Zuletzt hatte im Jahr 2010 ein massives Erdbeben die

Hauptstadt Port-au-Prince getroffen. Rund 200.000

Menschen kamen damals nach offiziellen Angaben ums

Leben. Die Wiederaufbauarbeiten im bitterarmen

Karibikstaat wurden zudem immer wieder von schweren

Tropenstürmen zurückgeworfen. Das Land befindet sich

in einer politischen Dauerkrise: Mehr als die Hälfte der

Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Hunger ist

ein alltägliches Problem. Schon vor dem erneuten Erdbeben

waren etwa 4,4 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen.

„Es erdet sehr, zu sehen, wie die Menschen mit

dieser für Außenstehende aussichtslos erscheinenden

Lage umgehen“, berichtet Gärtner. „Sie schauen nach

vorne, sagen: ‚Wir bauen wieder auf. Was sollen wir anderes

tun?‘.“

MALTESER INTERNATIONAL

IN HAITI

Malteser International ist seit dem Erdbeben im

Jahr 2010 in Haiti tätig. Der Standort des Teams

befindet sich in der Hauptstadt Port-au-Prince

mit Projekten in den Orten Petit Trou des Nippes,

Baradères, Cité Soleil und Belle Anse. Das Ziel der

Arbeit von Malteser International ist es, fortlaufend

die Infrastruktur im Land auszubauen und

für die Menschen Möglichkeiten für ein dauerhaftes

Einkommen und eine stabile Lebensgrundlage

zu schaffen. In den vergangenen elf Jahren haben

die Mitarbeiter von Malteser International unter

anderem Schulen, ein Gesundheitszentrum und

Sanitäranlagen erdbebensicher wiederaufgebaut.

Damit die Menschen sich selbst versorgen können,

legt Malteser International Nutzgärten an. Außerdem

werden Mangrovenwälder aufgeforstet.

DIE MALTESER 3/2021 53


MALTESERWELTWEIT

TONI GÄRTNER IM INTERVIEW

Toni Gärtner berichtet vom Nothilfe-Einsatz in Haiti: „Für

die Menschen wiegt besonders schwer, dass neben den

Häusern und der Infrastruktur auch wichtige Kulturdenkmäler

zerstört wurden.“

Als Referent in der Nothilfe: Wie läuft so ein Einsatz

im Krisengebiet ab und wie bereiten Sie sich

darauf vor?

Gärtner: Wir sind weltweit in entsprechenden Netzwerken

engagiert und erfahren in der Regel über Alarmsysteme

sehr schnell, wenn sich eine Katastrophe ereignet.

Dann gilt es, zunächst die Situation einzuschätzen: Wie

ist die Lage vor Ort? Wird internationale Hilfe angefordert?

Wie können wir helfen? Die Entscheidung über

einen Einsatz wird in Abstimmung mit allen betroffenen

Abteilungen und der Leitung von Malteser International

getroffen. Dann stellen wir ein für den jeweiligen Einsatz

passendes Team zusammen. Wir haben bei Malteser

International einen sogenannten „Pool of Experts“. Das

sind freiwillige Experten mit unterschiedlichen Kompetenzen,

die einen solchen Einsatz regelmäßig trainieren

und im Krisenfall angefragt werden.

Nach Haiti sind Sie gemeinsam mit einem Kollegen

aus dem „Pool of Experts“ geflogen. Wie kam es zu

dieser Teamkonstellation?

Gärtner: In Haiti haben wir ja ein Länderbüro, das in den

ersten Tagen nach der Katastrophe schnell helfen konnte.

Die Kollegen vor Ort haben allein aufgrund des Ausmaßes

dieser Katastrophe zusätzliche Unterstützung

insbesondere bei der Antragstellung und bei der Bedarfsanalyse

angefragt. Mein Kollege Bernd Körber hat

große Erfahrung in diesem Bereich. Es war aufgrund der

Sicherheitslage in Haiti zu keinem Zeitpunkt eine Option,

ein reines Team aus Ehrenamtlichen zu entsenden, daher

diese Konstellation mit mir als festangestelltem Mitarbeiter.

Nach dem Erdbeben im Jahr 2010 gab es massive Kritik,

insbesondere an der mangelnden Koordination

der internationalen Hilfe: Wie haben Sie diesen

Einsatz erlebt?

Toni Gärtner, Referent im Nothilfe-Team von Malteser International

mit seinem Kollegen Bernd Körber am Flughafen.

Gärtner: Ich war im Jahr 2010 zwar nicht vor Ort, aber

von allem, was ich gehört habe, lief die Koordination

diesmal insgesamt besser als im Jahr 2010. Es gab aber

schon Phasen, da kamen wir nicht weiter, weil wir lange

auf Rückmeldungen warten mussten und das frustriert

dann schon. Man darf allerdings auch nicht zu viel erwarten:

Haiti ist ein Land mit sehr geringen Ressourcen

und wir haben ja selbst in diesem Sommer bei der Hochwasserkatastrophe

in Deutschland – einem Land mit

ganz anderen finanziellen Möglichkeiten – erlebt, dass

im Katastrophenfall nicht alles reibungslos funktioniert.

Was hat Sie vor Ort am meisten beeindruckt und

wie gehen Sie mit den Erlebnissen im Alltag um?

Die Einsätze werden bei Malteser International sorgsam

vor- und nachbereitet und es gibt zusätzlich auch immer

die Möglichkeit, Unterstützung für die Verarbeitung

schwieriger Erlebnisse in Anspruch zu nehmen. Besonders

beeindruckt haben mich die Gespräche mit den Kolleginnen

und Kollegen vor Ort, die viel über die Kultur der Haitianer

berichtet haben. Für viele wiegt besonders schwer, dass

neben den Häusern und der Infrastruktur auch wichtige

Kulturdenkmäler zerstört wurden.

54

DIE MALTESER 3/2021


MALTESERWELTWEIT

MEDIZINAKTUELL

RUMÄNIEN – NEUES ROMAZENTRUM

HILFE SOFORT UND VOR ORT – WIE SPENDEN

DIREKT ANKOMMEN

In Rumänien konnte mithilfe der Malteser ein neues Romazentrum feierlich eröffnet werden. Damit haben weitere

100 Kinder Zugang zu professioneller Betreuung.

Von Stefanie Lanzdorf

Păuleasca ist ein kleines Dorf in einem Gebirgstal der südlichen

Karpaten. Es liegt in der Nähe der Industriestadt

Piteşti. Warum das wichtig ist? „Wir betreuen seit vielen

Jahren Romakinder aus Păuleasca“, erklärt Anca Simu, die

für die Malteser im Rahmen der Romaprojekte von Dr.

Franz Salm Reifferscheidt Sonderbotschafter des Malteserorden

für Roma, tätig ist. „Allerdings sind wir zuerst

in Österreich in der Stadt Salzburg auf sie aufmerksam

geworden. Uns ist aufgefallen, dass dort viele der Bettler

aus Păuleasca stammten. Sie hatten sich regelmäßig zu gemeinsamen

Fahrten organisiert.“

Im den Familien in ihrer Heimat vor Ort zu helfen, wurden

mithilfe großzügiger Spendengelder Sozialzentren

für junge Mütter und deren Kinder eingerichtet. Anca

Simu leitet sieben davon, ein achtes ist bereits in Planung.

„Das neue Zentrum steht auf einem großen Grundstück

mit viel Platz zum Spielen und Anbauen von Gemüse und

Obst. Hier können mehr als 100 Kinder betreut werden“,

so Stefanie Lanzdorf von den Maltesern, „letztens ist

eine Mutter zu mir gekommen und hat sich für die liebevolle

Betreuung ihrer Kinder bedankt. Jetzt müsse sie

nicht mehr zum Betteln nach Salzburg fahren.“ Wenn

das kein eindrucksvolles Beispiel für gelingende Hilfe

und den Dienst am Nächsten ist!

Einladung zum

GROSSEN ADVENTBASAR 2021 im HAUS MALTA

1060 Wien, Bürgerspitalgasse 1 Gartensalon (unter Einhaltung der 2G-Regel)

Freitag, 26. November 2021 von 9 bis 16 Uhr

Samstag, 27. November 2021 von 10 bis 16 Uhr

Sonntag, 28. November 2021 von 10 bis 16 Uhr

Es erwarten Sie zahlreiche von den Bewohnern gebastelte Geschenkideen

und auch für das leibliche Wohl wird gesorgt.

Das diesjährige Weihnachtsfest ist auch ein Abschiednehmen

von unserem derzeitigen Standort, da wir im Februar 2022

ins neuerrichtete MALTESER Ordenshaus übersiedeln.

Der Reinerlös kommt dem Haus Malta zugute.

DIE MALTESER 3/2021 55

www.hausmalta.at | www.malteser-ordenshaus.at


MEDIZINAKTUELL

Klein,

grün, wirksam

Chlorella-Algen sind Mikroalgen, deren Wirkung

auf die Gesundheit bisher wenig beachtet wurde.

Als Ernährungszusatz im Bedarfsfall und kombiniert

mit ausreichend Bewegung kann Chlorella

stärkend für das Immunsystem sein.

56

DIE MALTESER 3/2021

Von Dr. Joachim Huber

Das „kleine, junge Grün“, wie sich Chlorella frei

übersetzen lässt, wird bereits seit den 1950er-

Jahren vor allem in Südostasien und Amerika hergestellt.

Die Süßwasseralge wächst in tropischen

Regionen, kann aber auch in etwas kühleren Gebieten

gedeihen – sogar in Österreich (www.algevit.com).

Der Alge wird eine entgiftende Wirkung

zugeschrieben. Diese ist ebenso von der EFSA,

der obersten Lebensmittelbehörde der EU, wissenschaftlich

belegt wie die Reduktion des oxidativen

Stresses, die Stärkung der Immunkraft

sowie die Anregung des Fettstoffwechsels (Lipidprofil)

durch die Alge. Für all diese Wirkweisen

sorgt eine mehrschichtige Zellwand. Die Pflanze

ist reich an Antioxidantien, Vitamin E und Beta-

Carotin (Provitamin A). Außerdem besteht sie zu

60 Prozent aus pflanzlichen Proteinen und enthält

Omega‐3‐Fettsäuren, 18 verschiedene Aminosäuren,

Vitamin K sowie die Spurenelemente Zink,

Eisen, Mangan und Magnesium. Vor Einnahme

eines Chlorella-Algenpräparats empfiehlt sich die

Abklärung mit einem Arzt oder Apotheker.

Weiterführende Informationen unter

www.algaevit.com

HOCH HINAUS

Im vierten Band des Grundlagenwerks

„Österreichische Denkmaltopographie“ setzt

Autorin Hanna A. Liebich einen entscheidenden

Pionierschritt in der Erfassung der historischen

Dachstühle von Wien.

Auf den Gebäuden der Wiener Innenstadt haben sich Holzdachwerke

aus den vergangenen sieben Jahrhunderten erhalten.

Sie erzählen vom aufwändigen Transport des Baumaterials

nach Wien, dem händischen Zurichten und Kennzeichnen der

vielen hundert Hölzer, die für ein Dach notwendig waren, und

dem Aufrichtevorgang der Dächer in großen Höhen. Sie bewahren

das Wissen des von Generation zu Generation tradierten

Zimmererhandwerks und zeugen von der kontinuierlichen

Weiterentwicklung der Dachkonstruktionen.

Das Dach der Malteserkirche birgt einen „Wald“ aus Hölzern,

die mit ihren 900 Jahren so alt sind wie der Malteserorden

selbst, auch über diesen historischen Dachstuhl wird berichtet.

https://bit.ly/3c6rH5X

Mit mehr als 500 Fotos, 200 Zeichnungen und 100 Abbildungen

führt dieses Buch in die faszinierende Welt der historischen Dächer

von Wien ein und schafft eine Grundlage zur Beurteilung des

überlieferten Bestands. Der Band erscheint zugleich als E-Book, das

nach Erwerb des Buches gratis heruntergeladen werden kann.

Hanna A. Liebich. Dachwerke der Wiener Innenstadt. Konstruktion

- Typologie - Bestand. Verlag Berger (Horn), 2021, 460 Seiten, ISSN

2616-4957, 60 Euro.

MALTESER CHRISTBAUMKUGELN

(erhältlich in Rot oder Gold mit einem zweiseitigen Aufdruck des

Malteserkreuzes)

Dekorative und hochwertige MALTESER Glasweihnachtskugeln

schenken und gleich doppelte Freude bereiten: Beim Kauf einer

Weihnachtskugel zum Preis von 8,- Euro (inkl. MwSt.) kommen

2,- Euro MALTESER Hilfsprojekten zu Gute.

Erhältlich bei den MALTESERN, Johannesgasse 2/20, 1010 Wien

(ausschließlich gegen Selbstabholung). Mo.-Do. 8-17 Uhr, Fr. 8-14 Uhr

Ein herzliches Vergelt’s Gott für Ihre Unterstützung!


GELESENEMPFOHLEN

WEISSES KREUZ

AUF ROTEM GRUND

Das 50-jährige Bestehen des Malteser Hospitaldienstes in Tirol und das 900. Todesjahr des

Seligen Gerhard 2020 bildeten den Anlass für ein neues Buch von Gregor Gatscher-Riedl und

Fra‘ Ludwig Call über die Historie unserer Ordensgemeinschaft.

Der reich illustrierte Band bietet einen kompakten und

wohlinformierten Einstieg in die historische Entwicklung

des Malteserordens, der mit einer Geschichte von fast

1.000 Jahren die älteste humanitäre Organisation der

Welt ist. Auf rund 300 Seiten begleiten die Autoren – der

eine Historiker, der andere Professritter – den Weg von

Jerusalem nach Akkon, Zypern, Rhodos, Viterbo, Malta,

Triest und Rom und erzählen dabei die Geschichte aus

dem Blickwinkel der mitteleuropäischen Ordensorganisation

und ihrer Schicksale.

Verteidigung des Christentums

Unter dem Einfluss der Begegnung mit dem Islam und

parallel zur Entstehung des Ritterideals des Mittelalters

hatte sich die johannitische Gemeinschaft von einer

frommen Hospitalbruderschaft zu einer furchteinflößenden

Streitmacht gewandelt, die sich die Verteidigung

des Christentums zur Aufgabe machte. Entlang dieser

Geschichte werden wesentliche Begegnungen des christlichen

Europa mit dem arabischen und kleinasiatischen

Raum sichtbar.

Von Gregor Holfeld

Aufopfernde Pflege der Kranken und Bedürftigen

Begleiter dieses Weges waren auf Seiten der Ritter militärische

Kühnheit, weltliche Macht und Adelsstolz ebenso

wie aufopfernde Pflege der Kranken und Bedürftigen. Zu

einer Zeit, als der Ausdruck „Change Management“ noch

nicht erfunden war, erfand sich die Ordensgemeinschaft

vollkommen neu, indem sie sich ihrer ursprünglichen

Mission besann. Mehr als 100.000 Menschen rund um

den Erdball sind heute für den Malteserorden und seine

Werke tätig – in spektakulären Großeinsätzen ebenso

wie in der Stille des Krankenzimmers. Der Orden ist

damit wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und hat

damit eine der ganz großen Erfolgsgeschichten der katholischen

Kirche geschrieben.

Fra‘ Ludwig Call, Gregor Gatscher-Riedl. Weißes Kreuz auf rotem

Grund. Der Malteserorden zwischen Mittelmeer und Mittel-europa.

Tyrolia Verlagsanstalt, 2021, 280 Seiten, ISBN 978

370 223 8988, 29,95 Euro.

Die MALTESER

wünschen ein

gesegnetes Weihnachtsfest

und ein frohes neues Jahr!

DIE MALTESER 3/2021 57


GELESENEMPFOHLEN

WENN UNMÖGLICHES

MÖGLICH WIRD

Kindererziehung ist kein Kinderspiel. Wie sie mit Gottes Hilfe gelingen kann, beschreibt

Katharina Achammer vom Malteser Familiendienst in Salzburg in ihrem neuen Buch – viele

wertvolle Tipps inklusive.

Von Katharina Achammer

Die perfekten Eltern gibt es nicht, aber wenn du dich

entscheidest, dein Bestes als Vater und als Mutter zu geben,

wird Gott dir helfen. Du bist nicht allein, der Heilige

Geist steht an deiner Seite. Er erzieht dich und du erziehst

dein Kind. Durch seine Hilfe wird Unmögliches

plötzlich Wirklichkeit. Mit ihm versetzt du Berge.“ Mit

diesen Worten fasst faltershop.at präzise zusammen,

worum es in Katharina Achammers Werk geht: nicht

ums Gelingen-Müssen, sondern um Gelingen-Können,

wenn Vater- und Muttersein als persönliche Berufung

angenommen wird.

Wissen über Pädagogik und Psychologie, sind nicht

schlaue Bücher, sondern ist die Liebe selbst – der Heilige

Geist. So gelingt wahre Erziehung im Sinne von ‚in Beziehung

treten‘. Die Basis für eine gelingende Beziehung

zum Menschen ist unsere Beziehung zu Gott“, befindet

die Autorin.

Katharina Achammer. Berge versetzen. Erziehen gelingt mit

dem Heiligen Geist. Verlag Ehe Familie Buch, Mai 2021, 120

Seiten, ISBN 978-3-902336200, 12,20 Euro.

Gaben sind Aufgaben

Der Untertitel des Buches ist Programm: „Erziehen

gelingt mit dem Heiligen Geist.” Dieser wirkt wie ein

Strom, der durch die Eltern fließt – bereit, alle zu versorgen

und zu unterstützen; bereit anzubieten, was sie

für die Erziehung ihrer Kinder brauchen. Der Heilige

Geist schickt seine Gaben in Vater und Mutter, legt sie

in ihre Herzen. Die Eltern festigen und entwickeln diese

Gaben, indem sie sie nutzen. In der Folge werden sich

die Früchte einstellen. Diese wiederum können auch andere

Menschen von außen bemerken. Kinder profitieren

davon, wenn Eltern ihre Gaben und Früchte entstehen

lassen, wobei Gaben auch immer als Aufgaben zu verstehen

sind.

In Beziehung treten

Diese Hilfe Gottes veranschaulicht die Autorin in ihrem

Büchlein durch viele praktische Beispiele. Deutlich

spüren die Lesenden dabei den Ausdruck der Freude

über Kinder, verstehen deutlich das Geschenk an uns,

das ein Kind ist, und fassen (neuen) Mut zur Erziehung.

„Der beste Beistand in der Kindererziehung ist nicht

RECHT EIN

Unter dem Titel „Mama,

Papa, was ist Recht?“ legte

der renommierte Rechtswissenschafter

Rudolf

Welser ein überaus gelungenes, kurzweiliges

Kinderbuch in Reimform vor – bestens geeignet zum

Vor- und Nachlesen für die ganze Familie!

Das unterhaltsam illustrierte Büchlein bereitet einige

grundlegende Fragen über das Recht bzw. die Rechtsanwender

kindergerecht auf. So werden Fragen nach der

Herkunft des Rechts, dem Unterschied zwischen Recht

58

DIE MALTESER 3/2021


GELESENEMPFOHLEN

PANDEMIEN INMITTEN DER

APOKALYPSE

In Form eines fesselnden historischen Romans schildert Autor Georg Reichlin-Meldegg das

außergewöhnliche Schicksal der Stadt und Festung Przemyśl. Prädikat: absolut lesenswert!

Von Bernhard Bachna

Heute liegt Przemyśl auf polnischem Staatsgebiet im

äußersten Südosten des Landes. Zur Zeit der k.u.k.-

Monarchie gehörte dieser Landstrich zu Galizien, gleich

an der Grenze zu Russland. Von September 1914 bis

Juni 1915 hatte die Stadt gleich drei massive Belagerungen

zu überstehen. Historisch betrachtet waren

diese die heftigsten Kämpfe um eine Stadtfestung im

ersten Weltkrieg. Die gesamte zivile Bevölkerung –

rund 55.000 Menschen – waren damals unmittelbar in

Kampfhandlungen involviert. Entsprechend groß war

die Versorgungsnot in den Feldspitälern und -apotheken.

Der Nachschub an rettenden Medikamenten wurde

zu einem zentralen Problem.

Eindrucksvoll schildert der Autor den Alltag eines Lebens

in unmittelbarer Todesgefahr; einem Leben flankiert

von Cholera- und Typhus-Pandemien sowie einer

MAL ANDERS

und Gerechtigkeit, Gericht und Notar schnörkellos, aber

pointiert beantwortet. Professor Welser endet mit den

treffenden Worten: „Wenn ihr daraus was lernen wollt,

euch stets an dieses halten sollt: Was immer ihr auch

selber tut, fragt nicht nur, ob es für euch gut, denn wenn

es auch für euch nicht schlecht, gut ist es nur, wenn es

gerecht. Wenn sich ein jeder daran hält, wird es auch

besser auf der Welt.“

Rudolf Welser. Mama, Papa, was ist Recht? Manz Verlag Wien,

2020, 64 Seiten, ISBN 978 321 415 3540, 18,80 Euro.

unvorstellbaren Hungersnot. Kein Wunder, dass angesichts

dieser Umstände die Moral der Armee und der

Bevölkerung – in k.u.k-Zeiten stets hochgelobte Tugend –

zu erodieren begann. Das Zusammentreffen von mehr

als hunderttausend Soldaten mit jungen Frauen und

Mädchen aller Schichten in der Enge der noch nicht beschädigten

Häuser, war durch Familie und kirchliche Institutionen

nicht mehr zu kontrollieren. Zudem wurde

mit dem beinahe völligen Zusammenbrechen von industrieller

Produktion, Kleingewerbe und Gastgewerbe das

Überleben vieler Frauen zu einem echten Sicherheitsproblem,

wie Briefe und Niederschriften aus der Zeit

belegen.

Hoffnung in einer untergehenden Welt

Der Autor hebt aus all dem Elend eine leidenschaftliche

Beziehung hervor und zeigt, wie die schrecklichen

Umstände des Krieges und dessen Gewalt eine starke

Liebe erst in den Abgrund führen und wie nach dieser

Katastrophe eigene Wege folgen: Durch die Geburt eines

Kindes entsteht Hoffnung in einer untergehenden Welt.

Die Geschehnisse vor rund 100 Jahren zeigen in vielen

Details eine erstaunliche Aktualitätsnähe. Das Buch

ist ein im Erzählstil verfasstes, aber im Anhang belegtes

Zeitdokument, das heutigen Generationen, die sich

– auf hohem Lebensniveau – über aktuelle Zustände

entrüsten, eindrucksvoll das Durchhaltevermögen der

Großelterngeneration näherbringen kann.

Georg Reichlin-Meldegg. Erstürmte Festung. Krieg und Liebe

in Zeiten von Cholera und Typhus. Weishaupt-Verlag, Graz

2021, 336 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, ISBN 978-3-

7059-0536-8 1, 24,90 Euro.

DIE MALTESER 3/2021 59


RUNDSCHAU

DAS SCHWEIGEN

ÜBERWINDEN

Die gute Nachricht: In den vergangenen Jahren sind viele

Christen aus aller Welt nach Österreich gezogen. Aber:

Noch zu wenige engagieren sich für das öffentliche Leben

in ihrer neuen Heimat.

Von Jan Ledóchowski und Svetlana Kim-Pacher

Dies will die Plattform Christdemokratie ändern. Sie

setzt sich für die aktive Teilnahme von Christen am gesellschaftlichen

Leben in Österreich und in der Politik

ein. Dazu wurde 2019 ein eigener, innovativer Empowerment-Lehrgang

für junge Christen mit internationalem

Hintergrund gestartet. Finanzielle Unterstützung kommt

von den Maltesern Österreich. Im Oktober 2021 begann

der dritte Jahrgang. An insgesamt acht Wochenenden

gilt es, angeleitet von Top-Experten, die Grundlagen zu

Geschichte, Politik, Wirtschaft, Religion und Medien

kennenzulernen und sich in einem Rhetorik-Training auf

öffentliche Auftritte vorzubereiten.

mehr Macht über das menschliche Dasein gewinnen und

Gott dadurch in den Hintergrund gerückt wird. Man mag

sogar spüren, dass einige Neuerungen nicht dem Gesetz

Gottes entsprechen, aber im Alltag scheint man mit dieser

Meinung in einer marginalisierten, einsamen Position

zu sein – dann zieht man sich wieder in die Ohnmacht

und Indifferenz zurück, redet darüber nicht, und sieht

schweigend zu.

Wie dieses Bildungsformat bei jungen Menschen ankommt,

beschreibt eindrucksvoll Svetlana Kim-Pacher,

eine Teilnehmerin des ersten Durchgangs:

Wer nach Österreich einwandert, denkt vielleicht nicht

viel über Innenpolitik nach. Vielmehr dominieren im Alltag

die täglichen Pflichten im Studium und in der Arbeit.

Man akzeptiert dann ohne weiteres die in Österreich bestehenden

Gesetze und Systeme. Sie sind unumstößliche

Prämissen. Man fragt nicht, wie sie zustande kamen und

wer eigentlich dahinter stand. Im eigenen Freundes- und

Familienkreis redet man möglicherweise niemals über all

diese Themen, jedoch mag man indirekt auf aktuelle Entwicklungen

aufmerksam werden.

Es kann eine neue Genderreform sein, die mit der Zeit

verpflichtend wird, oder eine Mediendiskussion über die

Legalisierung der Sterbehilfe in Österreich. Vieles davon

mag einen nicht direkt betreffen, doch als Christ bemerkt

man, dass manche Dynamiken in der Gesellschaft immer

All dies änderte sich schlagartig nach der ersten Begegnung

mit den Teilnehmern und Gründern des politischen

Empowerment-Lehrgangs für junge Christen mit

Migrationshintergrund der Plattform Christdemokratie.

Das Treffen, das von den Gründern Jan Ledóchowski und

Caroline Hungerländer geleitet wurde, erfüllte mich mit großer

Freude – denn ich merkte sofort, dass wir gleiche Werte

teilten und von gemeinsamen, überkonfessionellen und

überparteilichen Interessen ausgingen.

Plötzlich sahen wir, dass wir doch nicht schweigend und

machtlos zusehen müssen. Im Gegenteil: Wir können selber

mitreden, unsere Meinungen austauschen, sie im Dialog

vertiefen und argumentativ ausbauen. Und all dies

geschieht nicht nur in Gruppendiskussionen unter den Teil-

60

DIE MALTESER 3/2021


RUNDSCHAU

nehmern, sondern bei Vorträgen und Führungen merkten

wir, dass sogar Mitmenschen in Elitepositionen, die genau

wissen, wie die juristischen und politischen Mechanismen

in Österreich funktionieren, unsere Werte teilen können.

oder in gemeinsamen Großkampagnen die Gesellschaft

grundlegend mitgestalten können.

All die inspirierenden Geschichten und Vorträge, in deren

Genuss wir über mehrere Monate kamen, und die ebenso

lehrreich wie bewegend waren – sei es von P. Karl Wallner

OCist. oder von der Nationalratsabgeordneten Gudrun

Kugler, sei es vom serbisch-orthodoxen Bischof in Wien

Andrej Ćilerdžić oder vom Gewerkschafter Stefan Stöger

– all diese Begegnungen verhalfen uns zu einem wahrhaftigen

Empowerment.

Diese Erfahrung, nicht mehr stumm auf Pflichten bedacht

zu sein, sondern in tieferem Austausch gemeinsame

Werte zu artikulieren, entspricht den Versen des Korintherbriefs:

„Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet.

Auch wir glauben und darum reden wir. Denn wir wissen,

dass der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch

uns mit Jesus auferwecken und uns zusammen mit euch

vor sein Angesicht stellen wird. Alles tun wir euretwegen,

damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen

Gnade den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre.“

Auf dieser Basis konnten wir – teilweise erstmals – mit

prominenten Persönlichkeiten auf Augenhöhe reden. Es

wurde nun klar, dass meine Meinung doch keine marginalisierte,

schweigsame war, sondern Teil einer lauten,

geeinten Stimme, die sich auch von aktiven christlichen

Politikern nährt – sei es im Parlament, im Bundeskanzleramt

oder in den EU-Organen. Ich erinnere mich etwa an

eine Diskussion mit Bernhard Bonelli, dem Kabinettschef

des Bundeskanzlers. Diese begann mit einer interessanten,

aber distanzierten Ausführung sachlicher Aspekte,

aber sobald die Rede auf die persönliche Glaubensbiografie

kam, fielen alle weltlichen Schranken. Wir alle fühlten

uns voneinander verstanden und geistig nahe.

Wir, die wir als Immigranten einst in eine gesellschaftlich

schweigsame, geradezu entmündigte Rolle

geschlüpft waren; wir, die wir einst passiv alles hinnahmen,

fanden mit dem Lehrgang der Plattform

Christdemokratie allmählich eine neue Sprache. Damit

ist nicht nur – aber gewiss auch – der Rhetorikkurs gemeint,

den wir während des Lehrgangs genossen, und

auch nicht nur – aber gewiss auch– der Workshop über

die effektive Nutzung von Social Media. Wir lernten

nun, dass wir nicht nur Pflichten haben, sondern auch

Mitspracherechte; dass wir Gesetzesinitiativen nicht

einfach hinnehmen müssen, sondern selber im Dialog

Jan Ledóchowski ist Mitglied im

Malteserorden, Jurist, vierfacher

Vater sowie Gründer und Leiter

des politischen Empowerment-

Lehrgangs für junge Christen mit

Migrationshintergrund.

www.christdemokratie.at

Svetlana Kim-Pacher stammt

ursprünglich aus Usbekistan, ist

Doktor der Philosophie, Mitglied

der CIG – Christlich Internationalen

Gemeinde Wien und hat am Empowerment-Lehrgang

teilgenommen.

Beim nächsten Lehrgang ist sie Mitglied

des Leitungsteams.

DIE MALTESER 3/2021 61


RUNDSCHAU

60 JAHRE WIENER ROTES KREUZ

WENN ZWEI

GEMEINSAM GUTES TUN

Das Wiener Rote Kreuz feierte heuer seinen 60. Geburtstag. Der Malteser Hospitaldienst gratuliert

herzlich und dankt seinem Gründungshelfer und Partner für die hervorragende Zusammenarbeit.

Es war im Mai 1956, noch vor der Ungarn-Hilfe im Herbst,

als im Nachrichtenblatt des St. Johanns Clubs folgende

Notiz erschien: „Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden

hat alle aktiven Ordensritter zu einem Hilfsdienst zusammengefasst.

Zweck dieses Dienstes ist die Pflege und

Betreuung von Kranken. Für eine zusätzliche Ausbildung

des Katastrophendienstes wurde mit dem Landesverband

für Wien und Niederösterreich vom Roten Kreuz ein Kurs

für Erste Hilfe vereinbart.“

Geburtsstunde der Einsatzstaffel

Dies war die Geburtsstunde der Zusammenarbeit der

Malteser mit dem Roten Kreuz. Im Frühjahr 1957 wurde

die Malteser Einsatzstaffel gegründet. Eine erste, detailreiche

Bilanz über deren Arbeit zog Ferdinand Piatti

1959: „Ärzte des Roten Kreuzes bildeten in drei Erste-

Hilfe-Kursen junge Damen und Herren im Sanitätsdienst

aus. Nach Absolvierung der Kurse erfolgte der Eintritt in

die Malteser Einsatzstaffel. Ein Kommandant mit Stellvertreter

und Dienstführenden leitet die in fünf Gruppen

gegliederte Einsatzstaffel, die derzeit 26 Herren und 16

Damen im aktiven Dienst und weitere 18 in Ausbildung

befindliche Damen und Herren umfasst.

Auf der grauen Rotkreuz-Uniform der Herren wird

ebenso wie auf der Schwesterntracht das Malteserkreuz

getragen. Zwei geländegängige Wagen, der eine als Sanitätswagen

umgebaut und mit Sprechfunkanlage versehen

sowie ein Stationswagen, stehen zur Verfügung und führen

neben dem Malteser Embleme die Aufschrift „Malteser

Hilfsdienst“: Die Staffel kann in der kurzen Zeit ihres

Bestandes schon auf eine sehr beachtliche Zahl verschiedenster

Dienstleistungen zurückblicken.

Von Anton F. Gatnar

Besonders ist zu erwähnen, dass Mitglieder der Malteser

Einsatzstaffel in 153 freiwilligen Diensten mit insgesamt

1740 Dienststunden bei der Rettungskolonne des Roten

Kreuzes in Wien Unfall- und Krankentransportdienst

versahen.“

Zu diesen umfassenden Leistungen kamen Großeinsätze

und Übungen gemeinsam mit dem Bundesheer, beim Katholikentag

und zahlreichen Großveranstaltungen hinzu.

In den 1960er Jahren wurden die Dienste mit dem Roten

Kreuz ausgeweitet. Malteser Rettungsautos standen regelmäßig

in der Station Spallartgasse des Roten Kreuzes im

Tag- und Nachtdienst im Einsatz.

Katastropheneinsätze und Flüchtlingshilfe

Trotz der Übersiedlung der Malteser Krankentransportdienste

zu den Johannitern in den 1970er Jahren blieb

der Kontakt mit dem Roten Kreuz Wien eng und freundschaftlich.

Gemeinsame Einsätze bei den Papstbesuchen

1983, 1988, 1998 und 2007, bei denen die Malteser vom

Roten Kreuz unterstützt wurden, waren die logische Folge

dieser Zusammenarbeit. LKWs des Roten Kreuzes waren

regelmäßige Begleiter bei Katastrophenübungen. Der

gemeinsame Einsatz des Roten Kreuzes und der Malteser

bei der Errichtung des großen Flüchtlingslagers in Shkodra

in Albanien 1999 nach dem Kosovo-Krieg ist bis heute

ein Beispiel gelungener Kooperation.

Die Veteranen aus der Gründungszeit genießen heute den

wohlverdienten Ruhestand – aber ohne Hilfe des Roten

Kreuzes wäre die Entwicklung der Malteser zur bundesweiten

Rettungsorganisation mit Stützpunkten in Wien,

Graz, Salzburg und Innsbruck nicht möglich gewesen.

62

DIE MALTESER 3/2021


RUNDSCHAU

AUSWIRKUNGEN DER PANDEMIE AUF MENSCHEN MIT BEHINDERUNG

HÜRDEN SICHTBAR MACHEN, UM SIE

ZU BESEITIGEN

In Österreich leben 1,4 Millionen Menschen mit Behinderungen. Wie ist es ihnen während der Corona-Pandemie zuhause

und am Arbeitsplatz ergangen? Eine Umfrage gibt Antworten.

80 Prozent der befragten Menschen mit Behinderungen

befanden sich während der Pandemie in einem aufrechten

Beschäftigungsverhältnis. 82 Prozent gaben an, dass

ihre finanzielle Situation durch die Coronakrise nicht

gelitten habe. Trotzdem empfanden 45 Prozent der Befragten,

dass sich ihre Gesamtsituation durch die Krise

verschlechtert habe.

Als Hauptgründe wurden fehlende soziale Kontakte, psychische

Belastungen und fehlende Freizeit- und Kulturangebote

genannt. Menschen mit Behinderungen

haben die coronabedingten

Einschränkungen stärker zu spüren bekommen

als der Rest der Bevölkerung.

Mund-Nasenschutz, Abstandsregeln, verstärkter

Eigenschutz und Intoleranz waren

die Hauptherausforderungen.

ten, sie zu beseitigen“, ist Robert Zadrazil, Vorstandsvorsitzender

der UniCredit Bank Austria, überzeugt.

Mitdenken und Mitfühlen

Verbesserungspotenzial ortete die Umfrage unter anderem

in den für Testzwecke aufgestellten Schnupfenboxen,

die barrierefrei zugänglich sein müssen. Ebenso

dürfen sich die Wartezeiten für notwendige Arzt- und

Behandlungstermine nicht erhöhen. Für Blinde und sehbehinderte

Menschen ist zu bedenken, dass die ohnehin

„Für Menschen mit Behinderungen gab es

durch die Pandemie zusätzliche Barrieren,

an die jemand, der diese Einschränkung

nicht hat, vielleicht gar nicht denkt: So

war etwa durch das Tragen von Masken

ein Lippenablesen unmöglich. Zudem

wurde bei den rasch eingeleiteten Maßnahmen

und der aufgebauten Infrastruktur

zur Bekämpfung der Pandemie oft

auf die Barrierefreiheit vergessen“, sagt

Gregor Demblin, Gründer von myAbility.

„Umso wichtiger ist es, Hürden dieser Art

für Menschen mit Behinderungen sichtbar

zu machen und diese zu benennen,

denn nur, wenn wir uns diese Barrieren

bewusst machen, können wir daran arbei-

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DIE MALTESER 3/2021 63


RUNDSCHAU

schon herausfordernde Fortbewegung unter Einhaltung

der Sicherheitsabstände noch weiter erschwert ist und

dass mangelnde Bewegungsmöglichkeiten und Isolierung

die körperlichen und seelischen Zustände der Menschen

mit Behinderungen in besonderem Maße verschlechtern

können.

Für mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit

Ein weiterer Punkt in der Umfrage war das Thema Home-

Office. Fast alle Unternehmen in Österreich haben während

der Pandemie Home-Office angeboten und gut zwei

Drittel der Befragten haben dieses Angebot auch genutzt.

Rund die Hälfte der Befragten fühlte sich vom Arbeitgeber

gut bei der Einrichtung des Heimarbeitsplatzes unterstützt,

doch zehn Prozent haben von ihren Unternehmen

gar keine Unterstützung erfahren.

Gregor Demblin: „Es ist für uns von höchster Bedeutung, die

Barrieren für Menschen mit Behinderungen aufzuzeigen,

Bewusstseinsarbeit zu leisten und damit einen gesellschaftlichen

und wirtschaftlichen Wandel hin zu mehr Teilhabe,

Chancengerechtigkeit und Barrierefreiheit einzuleiten. Das

ist eines unserer Hauptanliegen, für das wir kämpfen.“

Quelle: Presseaussendung vom 26.05.2021 Bank Austria/myAbility

AUSZEICHNUNGEN

IN DEN HÖCHSTEN

EHRENRANG

ERHOBEN

Für seine zahlreichen Verdienste um die

Kirche, den Malteserorden und dessen

Hilfswerke wurde Dr. Victor Freiherr

von Baillou der Titel eines „Bailli“ verliehen.

„Danke für Deine Treue zu Glauben und

Kirche. Danke für Dein Vorbild als Aristokrat

und als treuer Ehemann, als Malteser und Ordensritter.

Danke für Deine immerwährende, große Hilfe und

Unterstützung für den Orden und seine Werke. Danke

für Deinen Einsatz für den Nächsten! Du bist uns wahrlich

ein Beispiel, wie man seine Berufung als Christ und

Malteserritter in der heutigen Zeit leben soll und wie

man Zeugnis für den Glauben und die Liebe Christi gibt“,

hieß es am 27. Juni 2021 in der Laudatio des Prokurators

für den Hochdekorierten. Wir können uns diesem

Lob und dieser Wertschätzung nur anschließen und gratulieren

von ganzem Herzen!

Der Bailli ist heute ein Ehrenrang im Orden und wird nur

sehr selten verliehen.Ursprünglich stand ein „Bailli“ einer

Ballei, einer Ordensprovinz, vor, die wiederum aus

mehreren Kommenden, also Verwaltungseinheiten, bestand.

Mehrere Balleien waren dann in Priorate zusammengefasst.

64

DIE MALTESER 3/2021


RUNDSCHAU

AUSZEICHNUNGEN

GOLDENES EHRENZEICHEN DES

LANDES STEIERMARK

Obermedizinalrat und Malteser Dr. Winfried Muhri erhielt

die Landesauszeichnung für seine jahrzehntelangen,

weitgehend ehrenamtlichen Dienste und Verdienste im

Gesundheitsbereich.

Das goldene Ehrenzeichen wurde, so war in der Laudatio

des Landeshauptmanns der Steiermark zu hören, wegen

der „umfassenden Bemühungen und Mitarbeit in der

katholischen Aktion, in der Notfall- und Katastrophenmedizin,

in zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften,

bei den Maltesern seit 50 Jahren, der ebenfalls ehrenamtlichen

Mitarbeit im Hospiz- und Palliativ-Bereich

sowie der jahrzehntelangen, ebenso ehrenamtlichen Betreuung

des Klerus und der Schwestern in der Diözese

Graz-Seckau“ verliehen. Danke, Winfried! Wir gratulieren

sehr herzlich!

GESCHÄTZTER KULTURVERMITTLER

Von Udo Thianich-Schwamberger

Anlässlich seines 70. Geburtstags wurde „Polyhistor“

Professor Wolfgang Johannes Bandion mit einer

Festschrift von Freunden und Weggefährten geehrt.

Unter dem Titel der vier Kardinaltugenden „Sapientia,

Temperantia, Fortitudo und Iustitia“ beleuchten

die Beiträge der Festschrift Wolfgang Bandions außergewöhnlichen

Kosmos des Denkens, Betrachtens und

Schauens – von der Pietas Austriaca über die Spiritualität

geistlicher Ritterorden bis zur Erinnerung der

Shoah. Literatur und bildende Kunst werden dabei

nicht ausgeblendet. Als Kulturvermittler und Volksbildner

im besten Sinn des Wortes hat sich der Jubilar

in der Welt den Ruf als Herold des österreichischen

Wesens erworben. Sehr klar in der katholischen

Kirche und der christlich-sozialen

Bewegung beheimatet, sprengt er

lustvoll Grenzen und ist mit allen im

Gespräch, die etwas zu sagen haben.

DIE MALTESER 3/2021 65


RUNDSCHAU

AUSZEICHNUNG

„PRO MERITO MELITENSI“

Carolath und zahlreichen Repräsentanten aus den Bereichen

Finanz, Wirtschaft, Diplomatie und Kunst statt.

Präsident Leonardo Gambo hat in seinen zahlreichen

Funktionen und als Präsident der ANCEP (Ass. Nazionale

Cerimonialisti Enti Pubblici) viele Jahre hindurch die

Aktivitäten des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens in

Italien und vielen anderen Ländern, in denen der Orden

aktiv ist, unterstützt.

Botschafter Hon. Prof. Dr. h.c. Günther Granser, Ständiger

Vertreter des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

bei den Vereinten Nationen und anderen Internationalen

Organisationen in Wien, lud zum Empfang anlässlich der

Ordensüberreichung des Kommandeurskreuzes der Verdienstauszeichung

„pro Merito Melitensi“ an den

Präsidenten der ANCEP, Leonardo Gambo. Die Zeremonie

fand im festlichen Rahmen am Sitz der UN-Mission

des Ordens in Wien in Anwesenheit des Ordensbotschafters

in Österreich Sebastian Prinz von Schoenaich-

VERDIENSTMEDAILLE

Im Rahmen einer feierlichen Übergabe im St. Johanns

Club verlieh der Malteser Hospitaldienst Austria die

Goldene Verdienstmedaille an Ralf-Wolfgang

Lothert, Mitglied der Geschäftsleitung von JTI Austria,

für dessen Engagement. JTI unterstützt seit vielen

Jahren die Tätigkeiten der Malteser im Bereich der

Barrierefreiheit und der Armutsbekämpfung. „Ich nehme

diese Auszeichnung im Namen von JTI Austria und

all unseren Mitarbeiterinnen sehr gerne entgegen. Wir

sehen uns als Ermöglicher und möchten in diesem Be-

+ 12.11.2021

Titular-Bailli-Grossprior Fra‘ Matthew Festing

79. Fürst und Großmeister (2008-2017)

+ 28.09.2021

Mag. Christian Kriegelstein-Sternfeld

Mitglied des Malteser Hospitaldienstes

+ 02.09.2021

Anna Elisabeth Prinzessin zu Hohenlohe-

Oehringen, geb. Freiin von Gabelstein

Ehren- und Devotionsdame des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens

WIR TRAUERN UM

+ 21.08.2021

Marie Fürstin von und zu Liechtenstein

geb. Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau

Ehren- und Devotions-Großkreuzdame des

Souveränen Malteser-Ritter-Ordens

+ 18.08.2021

Maria Magdalena Freifrau von Holzhausen,

Erzherzogin von Österreich

Ehren- und Devotionsdame des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens


R.I.P.

R.I.P.

66

DIE MALTESER 3/2021


RUNDSCHAU

wusstsein einen Beitrag leisten. Es

ist mir daher auch ein großes Anliegen,

mich bei JTI Austria für die

Möglichkeit zu bedanken, solch ein

Programm aufzubauen, mit den Institutionen

wie die Malteser bei ihrer

so wichtigen Arbeit unterstützt

werden können“, so Lothert.

©Wilke

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

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I: www.malteserorden.at

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Liebe Leserinnen

und Leser,

Die MALTESER“ ist traditionell gratis und soll es auch

bleiben. Denn es ist uns ein Anliegen, Sie über unsere

Arbeit umfassend zu informieren. Doch die Produktion

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informiert werden wollen, senden wir Ihnen die Zeitung gerne

regelmäßig zu. Scheiben Sie an: presse@malteser.at.

Die

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KulturGut, Heiligen begegnen

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MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar.

Ausgabe 2/2021

MalteserZeitung 2 ok.indd 1 25.06.21 08:51

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Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)

E: office@malteser.care

I: www.malteser.care

MALTESER Kinderhilfe

Olivier Loudon, Mag. Petra Hellmich, MA

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

Haus Malta

Dir. Mag. (FH) Thomas Kissich

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at

I: www.hausmalta.at

MALTESER Johannesgemeinschaft

Priv.-Doz. Dr. Johannes Holfeld

T: +43 1 512 72 44

E: mjg@malteser.at

I: www.malteserorden.at/mjg

DIE MALTESER 3/2021 67


Karitativer MALTESER

Weihnachtsbasar

17. Dezember 2021 14 – 19 Uhr

18. Dezember 2021 11 – 18 Uhr

Börseplatz 6 | 1010 Wien

www.malteser.at | wien@malteser.at

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Katharina Stögner

T: +43 1 512 72 44, F: +43 1 513 92 90

presse@malteser.at

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MALTESER Austria

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Österreichische Post AG

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Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2, 1010 Wien

68

DIE MALTESER 3/2021

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