Industrieanzeiger 20.2021
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07.12.2021 Ausgabe 20 | 2021 www.industrieanzeiger.de<br />
Asien-Pazifik<br />
Personalmanagement<br />
Künstliche Intelligenz<br />
Mobilität der Zukunft<br />
Deutsche Exporte in die Region<br />
Asien-Pazifik nehmen Fahrt auf<br />
» Seite 22<br />
Wie Mitarbeiterfluktuation<br />
verhindert werden kann<br />
» Seite 26<br />
Kollege Algorithmus verstärkt<br />
bald kleinere Fertigungsbetriebe<br />
» Seite 40<br />
Ausgeklügeltes DC- System<br />
ermöglicht schnelles E-Tanken<br />
» Seite 58<br />
TOPSTORY<br />
Qualitätssicherung<br />
Zeiss löst nach 175 Jahren<br />
das Problem der Tiefenschärfe<br />
in der Mikroskopie<br />
» Seite 28<br />
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2 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
» MEINUNG<br />
Spannende Zeiten<br />
Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sind auch in der Produk -<br />
tionstechnik Schlüsseltechnologien, um die Herausforderungen der Zukunft<br />
zu meistern. Clevere Algorithmen optimieren Prozesse, passen sie<br />
automatisch veränderten Rahmenbedingungen an, sorgen in komplexen<br />
Wertschöpfungsketten für Transparenz oder dokumentieren vielschichtige<br />
Lebenszyklen lückenlos. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos.<br />
Einige Maschinenbauer haben inzwischen praxistaugliche Anlagen in<br />
den Markt eingeführt, die KI-Elemente nutzen. Dennoch sind die meisten<br />
Systeme gerade für kleine und mittlere Betriebe noch immer schwer zu<br />
beherrschen und selten wirtschaftlich zu betreiben. Insofern ist es gut,<br />
dass eine ganze Reihe von Forschungsprojekten mittelstandstaugliche<br />
Lösungen zum Ziel hat. Beispiele dafür stellen wir Ihnen ab Seite 40 vor.<br />
Um das Vertrauen in die Technologie zu fördern, ist es wichtig, dass die<br />
Entscheidungen einer künstlichen Intelligenz transparent sind. Der Nutzer<br />
muss die Ergebnisse schnell prüfen und ihre Plausibilität einfach bewerten<br />
können – ohne ein Experte in Sachen Datenanalyse zu sein. Denn: Maschinelle<br />
Entscheidungen sind immer nur so gut, wie die Daten, auf denen sie<br />
basieren. Ebenso elementar sind regulatorische Rahmenbe dingungen,<br />
die die Rechte an den Daten und Informationen eindeutig klären und<br />
den Abgriff durch Dritte oder mächtige Player unterbinden.<br />
Gerade weil künstliche Intelligenz so viel möglich macht, sollten wir<br />
aber auch nicht vergessen: Manche mit den besten Absichten entwickelte<br />
Technologie wurde am Ende zum Schaden der Menschheit eingesetzt.<br />
Diese Gefahr besteht auch bei künstlicher Intelli genz. Deshalb sollten Wissenschaftler<br />
und die Industrie nicht nur danach streben, alles Machbare<br />
möglich zu machen, sondern auch danach, den Missbrauch zu verhindern.<br />
Wenn das gelingt, dann warten spannende Zeiten auf uns, die auch<br />
2022 wieder viel Stoff für interessante Artikel liefern werden. In diesem<br />
Sinne wünschen wir Ihnen eine besinnliche Weihnachtszeit und einen<br />
guten Start ins neue Jahr. Bleiben Sie gesund!<br />
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Redakteurin <strong>Industrieanzeiger</strong><br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 3<br />
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» INHALT 20 | 2021 143. JAHRGANG<br />
TOPSTORY<br />
Qualitätssicherung<br />
Zeiss schlägt neues Kapitel<br />
in der Mikroskopie auf<br />
» Seite 28<br />
Bild: Zeiss<br />
Ein Segen für das Prüfpersonal: Das Digitalmikroskop Visioner 1 von Zeiss<br />
liefert erstmals tiefenscharfe Bilder in Echtzeit.<br />
» Seite 28<br />
NEWS & MANAGEMENT<br />
Industrienews<br />
Wasserstoffbedarf wird nicht gedeckt 08<br />
Maschinenexporte aus Deutschland wachsen kräftig 10<br />
Roboter demontiert ausgediente Batterien 12<br />
Trumpf übernimmt Joint Venture 14<br />
Festo kündigt strategische Partnerschaft an 16<br />
Menschen 18<br />
Europa könnte Leitmarkt für das Batterierecycling werden 19<br />
Innovationen<br />
Auch kleine Investitionen in Forschung und<br />
Entwicklung steigern die Rendite 20<br />
» Export<br />
Deutsche Exporte in die Region Asien-Pazifik<br />
haben wieder Vorkrisen-Niveau erreicht 22<br />
bvik-Ratgeber-Serie<br />
Werden Online-Events klassische Präsenzmessen<br />
verdrängen? 6 Thesen zur Zukunft der Messe 24<br />
Personalmanagement<br />
Durch gezielte Motivation und Personalentwicklung<br />
Mitarbeiterfluktuation verhindern 26<br />
TECHNIK & WISSEN<br />
TOPSTORY<br />
» Qualiätssicherung<br />
Auch Zeiss kann die Gesetze der Optik nicht brechen,<br />
aber mit einer flexiblen Linse und Rechenpower umgehen 28<br />
Bionik<br />
Natur als Impulsgeber für mobile Roboteranwendungen 34<br />
Serie Industrie 4.0<br />
Zehn Jahre Industrie 4.0: ein Rück- und ein Ausblick 36<br />
Künstliche Intelligenz<br />
Forscher arbeiten daran, KI auch für den produzierenden<br />
Mittelstand beherrschbar zu machen 40<br />
Technologie-Netzwerk<br />
Das KI-Reallabor des Spitzenclusters It‘s OWL bietet Firmen<br />
eine sichere Spielwiese für KI-Anwendungen 43<br />
Interview<br />
Trends in der industriellen Fügetechnik 46<br />
Messtechnik<br />
Bei einer Weltumsegelung sammelte präzise Messtechnik<br />
eines automatisierten Labors wertvolle CO 2<br />
-Daten 48<br />
Technologietag Leichtbau 2021<br />
Zunehmend gehört die CO 2<br />
-Bilanz zum Leichtbau – dies ließ<br />
der Technologietag Leichtbau 2021 deutlich werden 51<br />
Leichtbau mit Stahl<br />
Tata Steel präsentiert seine Stahl-Lösungen speziell für<br />
die Elektromobilität 54<br />
» Elektromobilität<br />
Europas größter Ladepark an der A8 sorgt mit ausgeklügelter<br />
DC-Technik für schnelle Beladung der E-Fahrzeuge 58<br />
PRODUKTE & SERVICE<br />
Meinung 03<br />
Augenblicke der Technik 06<br />
Produkte 60<br />
Impressum 64<br />
Vorschau 65<br />
Zuletzt 66<br />
4 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Spezielle<br />
Bild: Kalyakan/stock.adobe.com<br />
Maschinenexporte Im ersten Halbjahr 2021 lieferten deutsche Exporteure<br />
Waren im Wert von mehr als 100 Mrd. Euro gen Fernost.<br />
» Seite 10<br />
Bild: eLoaded GmbH<br />
Elektromobilität An der A8 bei Augsburg wird Europas größte E-Ladestation<br />
weiter ausgebaut.<br />
» Seite 58<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 5
» Augenblicke<br />
der Technik<br />
6 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Der autonome Transportroboter MiR250 Hook von Mobile<br />
Industrial Robots (MiR) kann Transportwagen automatisch<br />
aufnehmen und mit einem Anhängersystem bis zu 500 kg bewegen.<br />
Der Anwender kann so seine Intralogistik optimieren und den<br />
Mitarbeitern aufwendige Transportgänge ersparen. Das Modell<br />
nimmt die Transportwagen nicht nur eigenständig auf, sondern<br />
bringt sie ohne menschliches Zutun an ihren Bestimmungsort. Die<br />
robuste Bauweise prädestiniert die Maschine für den Einsatz im industriellen<br />
Umfeld. Mit Unebenheiten oder kleineren Rampen<br />
kommt der Roboter zurecht. Dank einer maximalen Geschwindigkeit<br />
von 2 m/s erledigt er seine Aufträge auch auf langen Wegen<br />
zügig. Um die Technik zu nutzen, braucht es kaum Vorbereitung.<br />
Gängige Transportwägen oder Gebinde besitzen bereits einen QR<br />
Code oder Tags, sodass der Roboter sie erkennt. Vor dem ersten<br />
Einsatz fährt das Modell seine Umgebung einmal ab und zeichnet<br />
eine interne Karte auf. Alternativ lässt sich das Kartenmaterial mit<br />
wenigen Klicks auf den Roboter herunterladen. Bild: MiR.<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 7
» NACHRICHTEN<br />
Bundesregierung verschätzt sich<br />
bei Wasserstoffimporten bis 2030<br />
Um in den nächsten Jahren die Versorgung mit grünem Wasserstoff gemäß der<br />
nationalen Wasserstoffstrategie zu sichern, ist Deutschland auf Importe angewiesen.<br />
Allerdings können Lieferungen aus dem Ausland den deutschen Bedarf bis 2030<br />
nicht decken, so das Ergebnis einer aktuellen Gemeinschaftsstudie.<br />
Bild: peterschreiber.media/stock.adocbe.com<br />
Der Verbrauch von grünem Wasserstoff wird in Deutschland künftig steigen, so die Prognosen.<br />
Wasserstoff ist für die Energiewende<br />
unverzichtbar. Er ersetzt vor allem<br />
in der Industrie und in der Stromversorgung<br />
die Primärenergieträger Kohle und<br />
Gas. Neben dem Aspekt der Treibhausgasneutralität,<br />
bietet Wasserstoff auch ein<br />
wachsendes industriepolitisches<br />
Potenzial und damit verbundene<br />
volkswirtschaftliche Chancen. Daher<br />
hat die Bundesregierung im<br />
Rahmen des nationalen Innova -<br />
tionsprogramms Wasserstoff- und<br />
Brennstoffzellentechnologie (NIP)<br />
allein von 2006 bis 2016 rund 700<br />
Mio. Euro an Fördermitteln für die<br />
Technologie bewilligt, im Zeitraum<br />
2016 bis 2026 ergibt sich sogar ein<br />
Fördervolumen von bis zu 1,4 Mrd. Euro.<br />
Nachhaltig ist der Wasserstoff aber nur<br />
dann, wenn bei seiner Herstellung erneuerbare<br />
Energien eingesetzt werden. Da die<br />
nationale Erzeugung dieser erneuerbaren<br />
Energien in Deutschland allerdings nicht<br />
sicher ausreichen wird, setzt die Bundesregierung<br />
auf umfangreiche Importe aus<br />
» Wir sollten uns nicht zu stark<br />
von einzelnen Herstellungsländern<br />
abhängig machen, sondern unser<br />
Importportfolio von Anfang an<br />
breit aufstellen. «<br />
Malte Küper, IW-Studienautor<br />
wind- und sonnenreichen Regionen wie<br />
Nordafrika oder Chile.<br />
Eine gemeinschaftliche Studie vom<br />
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)<br />
Köln, des Fraunhofer-Instituts Umsicht<br />
und des Wuppertal-Instituts kommt jedoch<br />
zu einem ernüchternden Ergebnis:<br />
Selbst wenn die betrachteten Exportländer<br />
ihre Wasserstoffproduktionen nur<br />
nach Deutschland liefern würden, könnte<br />
der Bedarf an Wasserstoff bis 2030 nicht<br />
vollständig gedeckt werden.<br />
Denn aktuell geht der Ausbau von<br />
erneuerbaren Energien in Ländern wie<br />
Chile, Marokko, Spanien und den Niederlanden<br />
nur schleppend voran. Hinzu komme,<br />
dass der Transport großer Mengen<br />
Wasserstoffs per Pipeline oder Schiff<br />
noch in der Entwicklung beziehungsweise<br />
Genehmigung steckt und nicht schnell<br />
genug umgesetzt werden kann. Stand<br />
heute wäre der Transport nur über LKW<br />
denkbar, diese können jedoch nur geringe<br />
Mengen transportieren und stoßen dabei<br />
selbst CO 2 aus, wodurch die Nachhaltigkeit<br />
des Wasserstoffs beeinträchtigt werde,<br />
zeigt die Studie.<br />
Solange der Bedarf über Importe nicht<br />
gedeckt werden kann, muss die inlän -<br />
dische Wasserstoffproduktion aus erneuerbaren<br />
Energien massiv erhöht werden,<br />
schlussfolgern die Wissenschaftler. Dafür<br />
wiederum bräuchte es in den nächsten<br />
Jahren viel grünen Strom, dessen Erzeugung<br />
in den vergangenen Jahren vernachlässigt<br />
wurde, heißt es weiter. Zudem<br />
müssten Genehmigungsverfahren für die<br />
nötige Erzeugungs- und Transportinfrastruktur<br />
beschleunigt werden.<br />
Die Forscher empfehlen, Vorhaben<br />
im Zusammenhang mit Wasserstoff<br />
höher zu priorisieren.<br />
Sich von Importen abzuwenden<br />
wäre jedoch angesichts des hohen<br />
zukünftigen Wasserstoffverbrauchs<br />
auch ein Fehler: „Die bisherigen<br />
bilateralen Vereinbarungen sind<br />
sinnvoll, um erste Partnerschaften<br />
zu etablieren und gewisse Sicherheiten<br />
zu schaffen“, erklärt Studienautor Malte<br />
Küper vom IW Köln. „Dabei sollten wir uns<br />
aber nicht zu stark von einzelnen Herstellungsländern<br />
abhängig machen, sondern<br />
unser Importportfolio von Anfang an breit<br />
aufstellen“, empfiehlt der Experte weiter.<br />
(nu)<br />
8 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 9
» NACHRICHTEN<br />
390 Megatonnen fehlen<br />
Tech-Firmen schummeln bei CO 2 -Angaben<br />
Keine verbindlichen Bilanzierungsregeln,<br />
unvollständige<br />
Daten, Schönfärberei – all dies<br />
könnte hinter den Lücken in<br />
den Angaben stecken.<br />
Firmen der Digitaltechnologie-Branche<br />
geben die Treibhausgas-Emissionen, die<br />
entlang der Wertschöpfungskette ihrer<br />
Produkte entstehen, deutlich zu niedrig<br />
an. So zitiert „pressetext“, eine Information<br />
der Technischen Universität München<br />
(TUM). Demnach haben 56 große sogenannte<br />
Tech-Unternehmen mehr als die<br />
Hälfte dieser Emissionen im Jahre 2019<br />
nicht veröffentlicht. Das geht aus der<br />
TUM-Studie hervor. Mit rund 390 Megatonnen<br />
CO 2 -Äquivalenten handelt es sich<br />
um die Größenordnung des Carbon Footprint<br />
von Australien, so heißt es.<br />
Verbindliche Regeln, die Treibhausgas-<br />
Mengen umfassend zu bilanzieren und zu<br />
veröffentlichen, gibt es zwar nicht, dennoch<br />
bleibt bei unvollständigen Daten ein<br />
fader Beigeschmack. Frühere Studien haben<br />
den Experten nach bereits gezeigt,<br />
dass bei der Bilanzierung die meisten Lücken<br />
bestehen. Welche Dimensionen diese<br />
haben und wodurch sie zustande kommen,<br />
war aber bislang unklar. Laut der in<br />
„Nature Communications“ erschienenen<br />
Münchener Studie geben Unternehmen in<br />
ihren eigenen Berichten zumeist geringere<br />
Emissionen an. als in der Befragung<br />
durch die Non-Profit- Organisation CDP<br />
(http://cdp.net). Ein Grund könnte den<br />
Wissenschaftlern zufolge sein, dass CDP<br />
sich primär an Investoren richtet, während<br />
firmeneigene Berichte auch für die<br />
breitere Öffentlichkeit bestimmt sind.<br />
Zum anderen überlässt CDP es den Unternehmen,<br />
aus den 15 Kategorien des<br />
GHG Protocol – das Spektrum reicht von<br />
Dienstreisen bis zum Abfall – die für sie<br />
relevanten auszuwählen. Die TUM-Studie<br />
zeigt, dass diese Spielräume dazu führen,<br />
dass manche Unternehmen Kategorien<br />
ignorieren oder nur teilweise bilanzieren.<br />
Die meisten Unternehmen haben allein<br />
schon deshalb Reporting-Lücken, weil sie<br />
nicht von allen Zulieferern Emissionsdaten<br />
erhalten, die Leerstellen aber auch<br />
nicht mit Daten aus Sekundärquellen<br />
schließen, heißt es.<br />
Das TUM-Berechnungsverfahren zeigt,<br />
dass die analysierten Tech-Unternehmen<br />
2019 mehr als die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen<br />
entlang der Wertschöpfungskette<br />
in ihren eigenen Berichten<br />
und/oder bei CDP nicht angegeben hatten.<br />
Statt den veröffentlichten 360 Megatonnen<br />
CO 2 -Äquivalenten kommt die<br />
Studie auf eine Summe von rund 751 Megatonnen.<br />
Bild: HQUALITY / stock.adobe.com<br />
Statistisches Bundesamt<br />
Maschinenexporte aus Deutschland wachsen kräftig<br />
Die Ausfuhr deutscher Maschinen- und Anlagen<br />
steigt im dritten Quartal 2021 um 8,8 %, das<br />
Erreichen des Vorkrisenniveaus dürfte aufgrund<br />
von Material- und Logistikengpässen knapp verfehlt<br />
werden.<br />
Bild: moodboard/stock.adobe.com<br />
Das statistische Bundesamt hat die vorläufigen<br />
Quartalszahlen zu den Maschinenexporten<br />
aus Deutschland herausgegeben.<br />
Diese verzeichneten auch im dritten<br />
Quartal ein hohes Wachstum und stiegen<br />
im Vorjahresvergleich um 8,8 % auf 44,6<br />
Mrd. Euro, wie das Statistische Bundesamt<br />
anhand vorläufiger Zahlen mitteilte.<br />
Im ersten Quartal lagen die Ausfuhren um<br />
0,9 % und im zweiten Quartal sogar um<br />
24,5 % über Vorjahresniveau. Dabei ist allerdings<br />
zu berücksichtigen, dass die Maschinenexporte<br />
im zweiten Quartal 2020<br />
– dem Höhepunkt der Corona-Pandemie –<br />
um 21,1 % zurückgingen. Unterm Strich<br />
lagen die Maschinenausfuhren in den ersten<br />
drei Quartalen dieses Jahres mit<br />
133,2 Mrd. Euro 10,8 % über denen des<br />
Vorjahres. Im Gesamtjahr 2020 wurde dagegen<br />
ein Exportrückgang von 10,1 %<br />
verbucht.<br />
Im dritten Quartal lagen die Maschinenexporte<br />
aus Deutschland in die EU-27 um<br />
5,8 % über ihrem Vorjahresniveau. Das<br />
Exportgeschäft mit den drei wichtigsten<br />
Abnehmern aus der EU-27, Frankreich<br />
(minus 1,7 %), Italien (plus 17,3 %) und<br />
den Niederlanden (plus 11,3 %) entwi-<br />
ckelte sich dabei unterschiedlich. Die Maschinenexporte<br />
in das Vereinigte Königreich<br />
(UK) wuchsen auch im dritten Quartal<br />
mit 38,7 % deutlich im zweistelligen<br />
Bereich. Das hohe Wachstum sorgt dafür,<br />
dass sich das Land an den Niederlanden<br />
vorbei auf Platz 5 der Absatzländer geschoben<br />
hat. Im vergangenen Jahr lag UK<br />
noch auf Platz 8 in der Rangfolge.<br />
Die Maschinenexporte in die beiden größten<br />
Einzelmärkte USA und China zeigten<br />
auch im dritten Quartal eine unterschiedliche<br />
Dynamik. In die USA wurden 18 %<br />
mehr Maschinen und Anlagen aus<br />
Deutschland exportiert. Die Exporte nach<br />
China konnten hingegen nur noch um<br />
3 % gegenüber Vorjahr zulegen. Von<br />
Januar bis September lagen die Maschinenexporte<br />
in die USA und China 12,6 beziehungsweise<br />
10,8 % über Vorjahr.<br />
10 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
ANTRIEBSKETTEN UND KETTENRÄDER<br />
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Traditionshersteller KÖBO bietet maßgeschneiderte Förder- und Transportlösungen<br />
Innovative Kettentechnologie<br />
Seit über 125 Jahren entwickelt und produziert KÖBO in Wuppertal Spezial-Förder- und Transportketten für alle Industrien<br />
in allen erdenklichen Bauarten und Abmessungen.<br />
K<br />
eine Kette ist wie die andere, aber<br />
alle eint die hohe Qualität für<br />
lange Lebensdauer und rationellen Einsatz.<br />
KÖBO-Ketten stehen seit jeher<br />
für hohe Standzeiten, geringe Reibwerte<br />
und ein Maximum an Produktivität.<br />
Das nach DIN 9001 zertifizierte Qualitätsmanagement<br />
garantiert zudem die<br />
gleichbleibende Güteklasse der Produkte.<br />
Möglich wird dies durch den Einsatz von<br />
optimal geeigneten Werkstoffen und die<br />
kontinuierliche Weiterentwicklung der verschiedenen<br />
Kettenbestandteile. So konnte<br />
das Unternehmen z. B. durch die permanente<br />
Weiterentwicklung der Rolleneinheit<br />
eine Optimierung für das Back-Business<br />
schaffen. Im Vergleich zu herkömmlichen<br />
Gleitlagern stellt diese sich als deutlich<br />
wirtschaftlicher dar.<br />
Individuelle Kundenlösungen<br />
Jede Förder- und Transportlösung hat individuelle<br />
Anforderungen, die von den<br />
KÖBO-Ingenieuren detailliert analysiert und<br />
ausgewertet werden. Ob durch Maßaufnahmen<br />
vor Ort, anhand von Mustern in unserem<br />
Werk oder mit Koordination der lokalen<br />
Wartungsteams – das KÖBO-Team setzt<br />
alles daran, die optimale Kettenkonstruktion<br />
für den Kunden zu realisieren.<br />
Je nach Anforderung können für die Kettenproduktion<br />
korrosionsbeständige Werkstoffe<br />
und hochlegierte Stähle verwendet<br />
werden.<br />
Dabei setzt die KÖBO-Entwicklung alles daran,<br />
den Verschleiß zu minimieren. Durch<br />
eine Vergrößerung der Bolzen und Buchsen<br />
wird beispielsweise die Flächenpressung<br />
minimiert. Durch eine Veränderung der<br />
Dimensionen im Kettengelenk kann die<br />
Flächenpressung minimiert und somit eine<br />
längere Laufzeit der Kette erreicht werden.<br />
Immer die passenden Räder<br />
Erst die richtigen Kettenräder bringen die<br />
Ketten effizient ins Rollen, denn Ketten<br />
und Räder greifen ineinander. KÖBO fertigt<br />
Kettenräder in verschiedenen Ausführungen<br />
für alle Anforderungen.<br />
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KÖBO GmbH & Co.KG<br />
Hatzfelder Str. 115 • 42281 Wuppertal<br />
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Die Anwendungsbereiche der hochwertigen<br />
KÖBO Produkte sind breit gestreut<br />
und haben sich vielfach bewährt. Zu nennen<br />
wären beispielhaft:<br />
• Schüttgutindustrie<br />
• Stahlindustrie<br />
• Holzindustrie<br />
• Lebensmittelindustrie<br />
• Automobilindustrie<br />
• Papierindustrie<br />
• Fahrtreppenindustrie<br />
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Man sieht, KÖBO Ketten sind in allen Elementen<br />
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und nachhaltigen Einsatz.<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 11<br />
Lebensmittel • Fahrtreppen • Automobil • Stahl • Recycling • Schüttgut • Holz • Papier • Freizeitparks
» NACHRICHTEN<br />
Ticker<br />
Forschungsprojekt DeMoBat<br />
Roboter recycelt Batterien<br />
» Umsatz | Der Automobil- und<br />
Industriezulieferer Schaeffler berichtet<br />
für die ersten neun Monate<br />
des Jahres 2021 einen Gruppenumsatz<br />
von 10,3 Mrd. Euro gegenüber<br />
9 Mrd. Euro im Vorjahr und sieht<br />
insgesamt seine Ergebnisprognose<br />
für 2021 bestätigt. Der währungsbereinigte<br />
Anstieg um 15,9 % ist<br />
nach den vorgelegten Zahlen vor<br />
allem auf die deutliche Erholung im<br />
ersten Halbjahr zurückzuführen.<br />
» Beteiligung | Der japanische Automationskonzern<br />
Omron investiert<br />
in Techman Robot Inc. und beteiligt<br />
sich mit rund zehn Prozent an<br />
der taiwanesischen Cobot-Company.<br />
Die Investition wird voraussichtlich<br />
bis Dezember 2021 abgeschlossen.<br />
Omron hatte bereits<br />
Techmans TM-Cobots vertrieben.<br />
» Messe | Über 260 Unternehmen<br />
hatten sich mit Abschluss der Anmeldephase<br />
Ende September ihren<br />
Platz auf der GrindingHub 2022 gesichert.<br />
Nun startet das Team der<br />
neuen Messe für Schleiftechnik in<br />
die nächste Phase und beginnt mit<br />
der Aufplanung von mehr als<br />
14.500 Nettoquadratmetern Ausstellungsfläche<br />
auf dem Stuttgarter<br />
Messegelände.<br />
» Ausbildung | Die Zahl der Jugendlichen,<br />
die sich im Ausbildungsjahr<br />
2020/2021 um einen<br />
Ausbildungsplatz in maschinenbaurelevanten<br />
Berufen bewarben, ging<br />
durchschnittlich um 16 % zurück.<br />
Das zeigen die neuesten Zahlen der<br />
Bundesagentur für Arbeit für den<br />
Berichtszeitraum vom 01.10.2020<br />
bis 30.09.2021.<br />
Bild: Foto: Rainer Bez/Fraunhofer IPA<br />
Der Elektroantrieb gewinnt bei Autos<br />
an Bedeutung. Im letzten Jahr waren<br />
bereits rund 13 % der Neufahrzeuge<br />
mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet,<br />
teils in Kombination mit einem<br />
Verbrennungsmotor. Bis 2030<br />
könnten weltweit fast 50 Mio. E-Autos<br />
auf den Straßen unterwegs sein.<br />
Dieser Trend schafft ein Recycling-<br />
Problem: Es fallen immer mehr Batterien<br />
an, die aufgearbeitet werden<br />
müssen. Da ein Akku im Schnitt etwa<br />
zehn Jahre hält, wird das Problem von<br />
Jahr zu Jahr drängender. Ein Team aus<br />
Wissenschaftlern und Technikern verschiedener<br />
Institute sucht nun einen<br />
Weg, das Problem zu lösen.<br />
Das Forschungsprojekt „Industrielle<br />
Demontage von Batterien“ (DeMo-<br />
Bat), koordiniert vom Fraunhofer-Institut<br />
für Produktionstechnik und Automatisierung<br />
IPA, soll eine universelle<br />
Lösung liefern, die sich für alle<br />
Arbeitsschritte und Batterietypen<br />
eignet. Die Bestandteile einer Batteriezelle<br />
sollen sortenrein demontiert<br />
werden inklusive Prüfung, ob sie noch<br />
gut genug für eine direkte Wiederverwendung<br />
sind. So sollen Second-Life-<br />
Batterien aus genutzten Komponenten<br />
entstehen können. Wenn sich die<br />
gebrauchten Komponenten dafür<br />
nicht mehr eignen, sollen wenigstens<br />
ihre chemischen Bestandteile aufbereitet<br />
werden. Denn ausgediente Batterien<br />
enthalten viele weiterhin nutzbare<br />
Rohstoffe wie Nickel, Kobalt,<br />
Mangan oder Lithium.<br />
Im Forschungsprojekt<br />
„DeMoBat“ entsteht<br />
ein Industrieroboter,<br />
der die ausgedienten<br />
Batterien von Elektroautos<br />
sortenrein demontiert.<br />
Dazu muss er<br />
zunächst einmal das<br />
Gehäuse aufschrauben.<br />
Um an an diese Wertstoffe heranzukommen,<br />
muss man das Bauteil zunächst<br />
auseinandernehmen. Leitungen,<br />
Kabel, Stecker, Dichtungen,<br />
Schrauben, Batteriezellen, elektronische<br />
Komponenten und Halterungen<br />
müssen demontiert werden.<br />
Lorenz Halt von der Abteilung Roboter-<br />
und Assistenzsysteme am Fraunhofer<br />
IPA ist für diesen Part des Forschungsprojekts<br />
verantwortlich. Die<br />
Herausforderung dabei: Kein Arbeiter,<br />
sondern ein Industrieroboter soll die<br />
Arbeiten übernehmen. Das ist<br />
schwierig, weil Autobatterien nicht<br />
genormt sind. In verschiedenen Automarken<br />
und Modellen, stecken jeweils<br />
andere Stromspeicher. Deshalb<br />
muss das Demontagesystem flexibel<br />
sein. Lorenz Halt vergleicht es mit einem<br />
Schweizer Taschenmesser.<br />
Als Arbeitsplatte dient ein 2 mal 3 m<br />
großer Tisch mit einem flexiblen<br />
Spannsystem, das jeden Akku fest<br />
greifen kann. Dort öffnet der Roboter<br />
zunächst den Deckel, indem er die<br />
Schrauben aufdreht. Eine intelligente<br />
Bildverarbeitung weist ihm den Weg.<br />
Dank maschinellem Lernen erkennt<br />
der Roboter frühzeitig, ob er mit dem<br />
Schraubendreher ans Ziel kommt<br />
oder zur Fräse greifen muss. Bricht<br />
beim Fräsen ein Feuer aus, räumt ein<br />
Schieber kurzerhand sämtliche Teile,<br />
die auf dem Arbeitstisch liegen, in ein<br />
Löschbad.<br />
12 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Einzelfertiger<br />
ife vergibt Innovationspreis für Unternehmen der Losgröße 1+<br />
Die Heinz Berger Maschinenfabrik aus<br />
Wuppertal in der Kategorie Einzelfertigung<br />
sowie die Münchner RNA Digital<br />
Solutions in der Kategorie Projektdienstleistung<br />
sind die Preisträger des diesjährigen<br />
ife-Awards. Die mit Mitgliedern aus<br />
Praxis, Beratung und Wissenschaft besetzte<br />
Jury des ife-Kuratoriums honorierte<br />
die Innovationen in den Bereichen Maschinenumrüstung<br />
und digitalisierte Zuführtechnik<br />
mit dem Innovationspreis für<br />
Unternehmen der Losgröße 1+.<br />
Heinz Berger war mit einer Neuerung ins<br />
Rennen gegangen, die die Umrüstzeiten<br />
der Maschinen von 10 h auf 20 min reduziert.<br />
Das bergische Unternehmen präsentierte<br />
eine vollautomatisierte Schleifzelle<br />
inklusive robotergesteuerter Werkstückzuführung.<br />
Dank der verkürzten Abläufe<br />
arbeiten die Anlagen auch bei geringen<br />
Stückzahlen hocheffizient. Sensorik liefert<br />
zudem ständig Informationen zur<br />
Produktionssteuerung und minimiert so<br />
das Risiko von Maschinenstillständen.<br />
RNA Digital Solutions hatte sich mit einer<br />
Digitalisierungskomponente für Zuführ-<br />
Award-Übergabe durch Manfred<br />
Deues, Präsident des ife an<br />
Dr. Andreas Groß, Geschäftsführer<br />
der Heinz Berger Maschinenfabrik<br />
(3. und 2. v. l.)<br />
technik beworben. Während<br />
KI-Elemente für die Machbarkeitsanalyse<br />
sowie die Angebotserstellung<br />
zuständig sind<br />
und ein vollwertiges Angebot<br />
per Mausklick ermöglichen,<br />
bildet die Simulationssoftware<br />
alle relevanten physikalischen Vorgänge<br />
ab. Anhand eines Digitalen Zwillings lassen<br />
sich Zuführprozesse so virtuell prüfen.<br />
Mit dem „Innovationspreis Losgröße 1+“<br />
zeichnet das ife Unternehmen aus, die die<br />
Herausforderungen des Marktes mit einer<br />
Innovation erfolgreich gemeistert haben.<br />
Bild: ife<br />
Startklar für neue<br />
Mobilitätslösungen.<br />
Am besten auf<br />
rechtssicherem Boden.<br />
KRISTINA MARX, RECHTSANWÄLTIN<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 13
» NACHRICHTEN<br />
Additive Manufacturing<br />
Trumpf übernimmt Joint Venture komplett<br />
Trumpf stärkt seine Additive-Manufacturing-Sparte.<br />
Bild: Trumpf<br />
Trumpf stärkt seine Additive Manufacturing-Sparte:<br />
Wie bereits im vergangenen<br />
Jahr angekündigt, übernimmt das Ditzinger<br />
Unternehmen das gemeinsame Joint<br />
Venture Trumpf Sisma S.R.L. komplett von<br />
seinem italienischen Partner Sisma S.p.A.<br />
Bislang hielt Trumpf 55 % der Anteile.<br />
Darüber hinaus wird Trumpf das LMF-<br />
Geschäft (Laser Metal Fusion) von Sisma<br />
in der Industrie sowie dem Zahnmedizinund<br />
Medizintechnik-Markt fortführen.<br />
Eine entsprechende Vereinbarung haben<br />
beide Unternehmen unterzeichnet.<br />
Gleichzeitig mit der Veräußerung des<br />
Joint Ventures und der eigenen LMF-<br />
Sparte plant Sisma, sich künftig auf die<br />
Schmuck- und Modeindustrie zu kon -<br />
zentrieren und für diese Märkte LMF-<br />
Anzeige<br />
RFID-Kanban, eShop,<br />
EDI, eigenes Prüflabor,<br />
Lean Procurement<br />
Bis zu 50% im Einkauf sparen:<br />
C-Teile-Management<br />
www.lelog-supply.com<br />
Anlagen des Ditzinger Maschinenbauers<br />
zu vertreiben.<br />
Trumpf Sisma wurde als Joint Venture im<br />
Jahr 2014 gegründet und hat seinen Sitz<br />
im norditalienischen Schio. Dort arbeiten<br />
etwa 60 Mitarbeiter in Entwicklung<br />
und Produktion von Metall-3D-Druck-<br />
Maschinen mit der Laser-Metal-Fusion-<br />
Technologie.<br />
Die Transaktion soll bis Jahresende 2021<br />
vollzogen werden. Weitere Details nannten<br />
die beiden Unternehmen nicht.<br />
Kunststoffverarbeitung<br />
Arburg gründet Additiv-Tochter<br />
Lederer-Motiv_1, BA 2019.indd 1 29.01.20 15:26<br />
Bild: Dr. Roman privat<br />
Dr. Victor Roman hat 1. Dezember 2021 die Geschäftsführung<br />
der neu gegründeten Arburgadditive<br />
GmbH + Co KG übernommen.<br />
Arburg hat eine neue Tochtergesellschaft<br />
gegründet: die Arburgadditive GmbH +<br />
Co KG, die wie das Mutterunternehmen in<br />
Loßburg sitzt. Die neue Tochter bündelt<br />
alle Aktivitäten der additiven Fertigung.<br />
Geschäftsführer wird Dr. Victor Roman.<br />
Mit der Neugründung unterstreicht der<br />
Spritzgießmaschinenhersteller die Bedeutung<br />
und das Potenzial, das er in der additiven<br />
Fertigung als ergänzendes Fertigungsverfahren<br />
für die Kunststoffverarbeitung<br />
sieht. Nach Erfindung und Markteinführung<br />
des Freeformers und dem Kauf<br />
von German RepRap, inzwischen „InnovatiQ“,<br />
sei die Bündelung aller Aktivitäten<br />
der nächste Schritt, um das Geschäftsfeld<br />
erfolgreich in die Zukunft zu führen.<br />
Zum Produktportfolio der Arburgadditive<br />
gehören der Freeformer und die<br />
3D-Drucksysteme von InnovatiQ. Im Laufe<br />
des Jahres 2022 soll der Bereich Arburg<br />
Kunststoff-Freiformen in die neue Gesellschaft<br />
wechseln. InnovatiQ bleibt selbstständig,<br />
wird jedoch angegliedert an<br />
Arburgadditive.<br />
Weitere Infos: http://hier.pro/cbdmE<br />
Messe Metav 2022<br />
Veranstalter plant Präsenz mit digitalen Mehrwerten<br />
Im März kommenden Jahres soll die<br />
Metallbearbeitungsmesse Metav nach<br />
vierjähriger Pause (coronabedingt) wieder<br />
als Präsenzveranstaltung in Düsseldorf an<br />
den Start gehen. „Wir freuen uns sehr auf<br />
ein Wiedersehen mit unseren Ausstellern<br />
und Besuchern“, sagt Martin Göbel, Leiter<br />
Messen beim Veranstalter VDW (Verein<br />
Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken).<br />
„Ein großer Teil der aktuell rund 250 Aussteller<br />
aus mehr als 20 Ländern hat uns<br />
seit 2020 trotz Verschiebung und anschließender<br />
Umwidmung in Metav digi-<br />
tal die Treue gehalten“, so Göbel. Das<br />
Motto der Metav 2022 lautet: „Real &<br />
digital – The perfect match!“ Damit unterstreicht<br />
der VDW, dass seine Messen<br />
künftig hybrid sein werden. Nach den Erfahrungen<br />
mit der Corona-Krise ist der<br />
Verband überzeugt, dass die Präsenzmesse<br />
allein keine Zukunft hat, sondern auch<br />
ergänzende Formate braucht.<br />
Fürs kommende Jahr sind zum Beispiel so<br />
genannte Metav-Highlight-Wochen geplant.<br />
Sie starten im Februar mit einer<br />
Web-Sessions-Themenwoche, in der Aus-<br />
steller ihre Verfahren und Lösungen präsentieren.<br />
Im zweiten Teil der Highlight-<br />
Wochen veröffentlicht der VDW täglich in<br />
allen Social-Media-Kanälen der Metav<br />
Ausstellerportraits und Messehighlights<br />
in so genannten Elevator Pitches.<br />
Bild: Constanze Tillmann/Messe Düsseldorf<br />
14 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Geschäftsjahr 2021<br />
Siemens übertrifft Ergebnisprognose<br />
Siemens hat im abgelaufenen<br />
Geschäftsjahr 2021<br />
(30. September 2021) seine<br />
Ergebnisprognose mit<br />
einem Gewinn nach Steuern<br />
von 6,7 Mrd. Euro übertroffen.<br />
Das Unternehmen<br />
verzeichnete Zuwächse<br />
über alle vier Industriellen<br />
Geschäfte sowie alle Regionen<br />
hinweg. Weiterhin herausfordernde<br />
wirtschaftliche<br />
Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie<br />
und anhaltende Risiken in<br />
der Versorgungskette – überwiegend in<br />
Zusammenhang mit elektronischen Bauteilen<br />
und Rohmaterialien – konnten erfolgreich<br />
bewältigt werden, heißt es.<br />
Der Technologiekonzern steigerte im Ge-<br />
schäftsjahr 2021<br />
die Umsatzerlöse<br />
auf vergleichbarer<br />
Basis um 11,5 %<br />
auf 62,3 Mrd. Euro (GJ 2020: 55,3 Mrd.<br />
Euro). Der Auftragseingang stieg sogar<br />
um 21 % auf 71,4 Mrd. Euro (GJ 2020:<br />
58,0 Mrd. Euro). Das angepasste EBITA<br />
der industriellen Geschäfte erhöhte sich<br />
um 17 % auf 8,8 Mrd. Euro.<br />
www.siemens.com<br />
Bild: Siemens<br />
Roland Busch, Vorsitzender<br />
des Vorstands<br />
der Siemens AG, erläuterte<br />
in seiner Rede bei<br />
der Jahrespressekonferenz<br />
der Siemens AG<br />
die Finanzzahlen des<br />
abgelaufenen Geschäftsjahrs<br />
2021.<br />
Chipfertigung<br />
Bosch investiert 400 Millionen in Halbleiterstandorte<br />
Bild: Bosch<br />
Im Jahr 2022 will Bosch mehr als 400 Mio. Euro<br />
in den Ausbau seiner Halbleiterstandorte in Dresden,<br />
Reutlingen und im malaysischen Penang investieren.<br />
Bosch investiert weiter gegen die weltweite<br />
Halbleiter-Krise. Nur wenige Wochen<br />
nach der Eröffnung seiner neuen<br />
Waferfab in Dresden kündigt das Technologie-<br />
und Dienstleistungsunternehmen<br />
jetzt eine zusätzliche Investition in seine<br />
Chipfertigungen an. Allein im Jahr 2022<br />
plant Bosch, mehr als 400 Mio. Euro in<br />
den Ausbau seiner Halbleiterstandorte in<br />
Dresden, Reutlingen und im malaysischen<br />
Penang zu investieren. „Der Bedarf an<br />
Halbleitern wächst weiter rasant. Gerade<br />
in der aktuellen Lage bauen wir deshalb<br />
die Fertigung von Halbleitern konsequent<br />
aus, um unsere Kunden bestmöglich zu<br />
unterstützen“, sagt Dr. Volkmar Denner,<br />
Vorsitzender der Geschäftsführung der<br />
Robert Bosch GmbH.<br />
Mit einem Großteil der Investitionen sollen<br />
im Jahr 2022 Fertigungsflächen im<br />
neuen Halbleiterwerk in Dresden ausgebaut<br />
werden. Etwa 50 Mio. Euro der geplanten<br />
Summe fließen im kommenden<br />
Jahr zudem in das Halbleiterwerk in Reutlingen<br />
bei Stuttgart. Dort investiert Bosch<br />
von 2021 bis 2023 insgesamt 150 Mio.<br />
Euro für zusätzliche Reinraumflächen.<br />
Insgesamt wird in Reutlingen die Reinraumfläche<br />
von aktuell 35.000 m² in zwei<br />
Schritten um mehr als 4.000 m² vergrößert.<br />
Von Grund auf neu baut Bosch ein<br />
Testzentrum für Halbleiter in Penang,<br />
Malaysia. Ab 2023 sollen dort fertige<br />
Halbleiter-Chips und Sensoren getestet<br />
werden. „Die geplanten Investitionen belegen<br />
einmal mehr die strategische Bedeutung<br />
unserer eigenen Fertigungskapazitäten<br />
in der Schlüsseltechnologie der<br />
Halbleiter“, sagt Denner.<br />
Ein Gateway.<br />
Alle Protokolle.<br />
Biotech- und Pharma-<br />
Skids finden mit<br />
Turcks Multiprotokoll-<br />
Ethernet-I/O-Lösungen<br />
für Profinet, EtherNet/IP<br />
und Modbus-TCP<br />
Anschluss an jedes<br />
Kunden-Leitsystem<br />
– vollautomatisch!<br />
www.turck.de/pharma<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 15
» NACHRICHTEN<br />
Castforge 2022<br />
Fachmesse für Guss- und Schmiedeteile<br />
Bild: Landesmesse Stuttgart<br />
Knapp acht Monate vor Messebeginn verzeichnet<br />
die Messe Stuttgart bereits mehr<br />
als 240 Anmeldungen für die Castforge,<br />
Fachmesse für Guss- und Schmiedeteile.<br />
Auch im Ausland ist der Zuspruch ungebrochen<br />
groß. Um der großen Nachfrage<br />
nachkommen zu können, belegt die Castforge<br />
eine zusätzliche Halle auf dem<br />
Stuttgarter Messegelände. Die Veranstaltung<br />
zeigte erstmals 2018 die gesamte<br />
Wertschöpfungskette vom Guss- oder<br />
Schmiederohling über die maschinelle<br />
Bearbeitung bis hin zum finalen Bauteil<br />
und brachte damit Angebot und Nachfrage<br />
an einem Ort zusammen. Nach der<br />
Premiere musste die neue Branchenplattform<br />
wegen Corona zweimal verschoben<br />
werden. Das Projektteam beginnt nun mit<br />
der Aufplanung der beiden Messehallen<br />
und dem Gestalten des Rahmenprogramms.<br />
Geplant sind neben der Eisenguss-Konferenz<br />
des Bundesverbands der<br />
Deutschen Gießerei-Industrie sowie der<br />
Mitgliederversammlung des Industrieverbands<br />
Massivumformung auch tägliche<br />
Fachvorträge zu strategischen und tech-<br />
Ein hoher Anmeldestand zeigt den Bedarf<br />
nach persönlicher Begegnung rund um die<br />
Fachmesse für Guss- und Schmiedeteile mit<br />
Bearbeitung.<br />
nischen Aspekten des Einkaufs von Gussund<br />
Schmiedeteilen. Details dazu und<br />
weitere Programmhighlights sind für das<br />
Frühjahr 2022 angekündigt. Als Fachmesse<br />
legt die Castforge ihren Fokus auf<br />
Guss- und Schmiedeteile und deren Bearbeitung.<br />
Vom 21. bis 23. Juni 2022 trifft<br />
sich die Branche auf dem Stuttgarter<br />
Messegelände, um ihr Leistungsspektrum<br />
zu präsentieren.<br />
Strategische Partnerschaft<br />
Digital Production as a Service<br />
Bild: Festo<br />
Ziel der Partnerschaft von Festo und FlexFactory ist es,<br />
die Fertigung unterschiedlicher Produktvarianten flexibel<br />
und kosteneffizienter zu ermöglichen.<br />
Die Festo SE & Co. KG und das Joint Venture FlexFactory GmbH von MHP,<br />
Munich Re und Porsche festigen ihre strategische Partnerschaft und gehen<br />
mit einem gemeinsamen Angebot für Maschinen- und Anlagenbauer<br />
sowie Betreiber von Anlagen und Fabriken an den Markt. Ziel der Partnerschaft<br />
ist es, die Fertigung verschiedener Produktvarianten flexibler<br />
und kosteneffizienter zu ermöglichen. Kürzere Produktlebenszyklen benötigen<br />
flexible Maschinen- und Anlagenkonzepte. Nur so können betriebswirtschaftliche<br />
und operative Risiken bei der Investition und im<br />
Betrieb verringert werden. Festo und FlexFactory unterstützen den Aufbau<br />
einer flexiblen Produktion, realisiert in einem innovativen „as a Service“-Geschäftsmodell.<br />
„Maintenance as a Service“- oder „Equipment as<br />
a Service“-Modelle sind wesentliche Bausteine des Angebots.<br />
Anzeige<br />
Mit mehr als 50 Jahren Erfahrung in der „perfekten Verbindung“<br />
NIMAK in der industriellen Fügetechnik<br />
07.12.2021 Ausgabe 20 | 2021 www.industrieanzeiger.de<br />
NIMAK gilt bei Kunden und Anwendern<br />
als Innovationsführer. Als Erfinder der<br />
Roboter-Schweißzange hat NIMAK dieser<br />
Technologie zum Durchbruch verholfen<br />
und ist auf diesem Gebiet heute der größte<br />
deutsche und international einer der<br />
führenden Hersteller. Der Fügetechnik-<br />
Spezialist ist der einzige, der von allen<br />
Premium-Anbietern der Automobilindustrie<br />
die Freigabe hat, kundenspezifische<br />
Standards bei Schweißzangen zu erfüllen.<br />
Darüber hinaus gehören Hand-Schweißzangen,<br />
Schweißmaschinen sowie Klebeund<br />
Dosieranlagen zum Produktportfolio.<br />
Für Kunden aus den Branchen Automotive,<br />
Konsumgüter, Luft- und Raumfahrt<br />
und Metallverarbeitung entwickelt das<br />
Unternehmen individualisierte Automations-Lösungen.<br />
Seit Juli 2020 gehört das<br />
Unternehmen als eigenständige Marke zu<br />
der TÜNKERS Unternehmensgruppe.<br />
www.nimak.de<br />
Asien-Pazifik<br />
Deutsche Exporte in die Region<br />
Asien-Pazifik nehmen Fahrt auf<br />
» Seite 22<br />
TOPSTORY<br />
Qualitätssicherung<br />
Zeiss löst nach 175 Jahren<br />
das Problem der Tiefenschärfe<br />
in der Mikroskopie<br />
» Seite 28<br />
Personalmanagement<br />
Wie Mitarbeiterfluktuation<br />
verhindert werden kann<br />
» Seite 26<br />
Künstliche Intelligenz<br />
Kollege Algorithmus verstärkt<br />
bald kleinere Fertigungsbetriebe<br />
» Seite 40<br />
Wissen für Entscheider in der Produktion<br />
Mobilität der Zukunft<br />
Ausgeklügeltes DC- System<br />
ermöglicht schnelles E-Tanken<br />
» Seite 58<br />
Bild: Nimak<br />
16 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
ANZEIGE<br />
Foto: Chevron<br />
Stahlplatte eines Ölkühlers<br />
mit starken Ablagerungen<br />
Foto: Chevron<br />
Mit der neuen VARTECH-<br />
Technologie von Texaco<br />
gereinigte Stahlplatte<br />
Keine Chance für Ablagerungen<br />
Die neue VARTECH-Technologie von Texaco ist eine ganzheitliche, zweistufige Reinigungsund<br />
Kontrolllösung zur Entfernung von Ablagerungen. Mit ihrer Hilfe können Kosten gesenkt,<br />
die Belastung der Filtersysteme reduziert und die Lebensdauer des Öls verlängert werden.<br />
Das Ergebnis ist ein optimierter Betrieb der Turbine.<br />
Ablagerungen durch Alterung der Öle können in<br />
Industrieturbinen schwerwiegende Probleme<br />
und hohe Kosten durch Stillstandzeiten und Reparaturen<br />
verursachen. Verschiedene Verfahren wurden<br />
im Kampf gegen Ablagerungen entwickelt, darunter<br />
der Einsatz von Chemikalien und Filtrationssystemen<br />
oder die Erhitzung des Öls für bessere Löslichkeit.<br />
Diese Methoden sind jedoch nur bedingt effektiv und<br />
stellen den Nutzer vor Herausforderungen wie Wasserabscheide-Vermögen,<br />
Oxidationsstabilität und<br />
Dichtungsverträglichkeit.<br />
Die neue VARTECH-Technologie von Texaco übertrifft<br />
viele Standard-Reiniger in Bezug auf Effizienz,<br />
Wirksamkeit und Systemverträglichkeit. Sie reinigt<br />
ein laufendes System nicht nur, sondern hält es über<br />
einen längeren Zeitraum sauber und frei von Ablagerungen.<br />
Dieser ganzheitliche, zweistufige Ansatz beginnt<br />
mit dem VARTECH Industrial System Cleaner,<br />
der gegen Ende der Lebensdauer des Öls bei laufendem<br />
Betrieb hinzugegeben wird. Das frisch gereinigte<br />
System wird anschließend mit dem passenden GST<br />
Advantage-Turbinenöl befüllt. Die mit der VARTECH-<br />
Technologie formulierten Schmierstoffe tragen dazu<br />
bei, die Vorläuferstoffe zu begrenzen, die sich aus<br />
dem Öl absetzen und zur Bildung von Ablagerungen<br />
führen können.<br />
Mehr über die VARTECH-Technologie<br />
von Texaco erfahren Sie hier:<br />
qrstud.io/vartech<br />
KONTAKT<br />
International Fuels & Lubricants<br />
Chevron Deutschland GmbH<br />
Valentinskamp 88<br />
20355 Hamburg<br />
E-Mail: info-de@chevron.com<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 17
» MENSCHEN<br />
Führungswechsel<br />
bei Yaskawa Europe<br />
Bild: Yaskawa<br />
Bild: Stauff<br />
Internationales<br />
Wachstum bei Stauff<br />
Boris Melikyan übernimmt als Global Chief Financial<br />
Officer operative und strategische Verantwortung für<br />
die Finanzen der internationalen Stauff-Gruppe. Nachdem<br />
Stauff Russland unter seiner Regie ein kontinuierliches<br />
Wachstum zu verzeichnen hatte, ist sein Ziel, diese<br />
Dynamik nun auf globaler Ebene mitzugestalten. 16<br />
Jahre war Melikyan in verschiedenen Funktionen für<br />
Stauff Russland tätig und seit 2013 als Geschäftsführer.<br />
Unter seiner Leitung wurde Stauff zu einem großen<br />
Player für Hydraulikkomponenten und -systeme auf<br />
dem russischen Markt und vervierfachte seinen Umsatz<br />
bei ebenfalls steigender Profitabilität.<br />
Manfred Stern (Bild), Yaskawa<br />
Europe-Chef wechselte im September<br />
in den Ruhestand. Er kam 2008 mit<br />
einer klaren Vision zu Yaskawa: das japanische Technologieunternehmen<br />
als erfolgreichen europäischen Player zu etablieren.<br />
Dass ihm dies gelang, belegen die Zahlen: Verdopplung des Umsatzes<br />
auf heute 600 Mio. Euro und die Steigerung der Mitarbeiterzahl<br />
um 700 auf über 1.900 (davon mehr als 400 Ingenieure<br />
in Entwicklung und Applikation) sind nur einige Erfolge, die<br />
Manfred Stern in den 13 Jahren bei Yaskawa zusammen mit einem<br />
hochmotivierten Team erreicht hat. Die Nachfolge wurde in<br />
den vergangenen Jahren bereits schrittweise umgesetzt: Bruno<br />
Schnekenburger ist seit März 2019 CEO und Präsident von Yaskawa<br />
Europe, seit März 2020 Executive Officer der Yaskawa<br />
Electric Corporation Japan und seit September 2021 Chairman<br />
der Yaskawa Europe Holding.<br />
Geschäftsführerwechsel<br />
bei ITK Engineering<br />
Die Energienetze zu Smart Grids<br />
weiterentwickeln<br />
Bild: Westenergie<br />
Michael Englert (l.), Gründer und Geschäftsführer der ITK Engineering<br />
GmbH, wird zum Jahresende in den Ruhestand gehen<br />
und das Unternehmen nach 27 Jahren verlassen. Bereits im Oktober<br />
hat Dr. Frank Schmidt, bislang Mitglied der Geschäftsführung<br />
der Bosch Engineering GmbH, seine Nachfolge angetreten.<br />
Die langfristigen Unternehmensziele – internationales<br />
Wachstum, Erschließung neuer Branchen und Digitalisierung<br />
des Engineering – stehen weiter im Fokus. Vor 27 Jahren hat Michael<br />
Englert im südpfälzischen Kuhardt das Ingenieurbüro für<br />
technische Kybernetik, die heutige ITK Engineering GmbH, gegründet.<br />
Heute umfasst das Unternehmen rund 1.300 Mitarbeitende<br />
an mehreren internationalen Standorten. Sein Nachfolger<br />
ab dem 1. Oktober 2021 ist Dr. Frank Schmidt, seit 2016 Mitglied<br />
der Geschäftsführung der Bosch Engineering GmbH (BEG).<br />
Stefan Küppers (l.) hat vor wenigen Wochen die Position<br />
des Technikvorstands bei der Westenergie AG übernommen.<br />
Er folgt damit auf Harald Heß, der Senior Vice<br />
President Energy Networks Technology & Innovation im<br />
Netzressort der E.ON SE wird. Küppers ist seit 2013 Geschäftsführer<br />
des Ressorts Spezialtechnik und Digitalisierung<br />
bei der Westnetz GmbH, der Verteilnetz-Tochtergesellschaft<br />
der Westenergie. Seine Nachfolge bei<br />
Westnetz tritt Patrick Wittenberg an. Er war zuletzt<br />
Geschäftsführer der Wesernetz Bremen GmbH. Von<br />
2004 bis 2008 leitete Küppers das Regionalzentrum<br />
Neuss sowie den Bereich Operation 110 bis 380 kV.<br />
Bild: ITK Engineering<br />
18 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Studie des Fraunhofer ISI<br />
Europa kann Leitmarkt für Batterierecycling werden<br />
Die Elektromobilität wirft zunehmend<br />
Fragen nach einem effizienten Batterierecycling<br />
auf. Der Maschinen- und Anlagenbau<br />
kann hier maßgeblich dazu beitragen,<br />
neue und effiziente Verfahren in<br />
den Markt zu bringen. Eine Studie des<br />
Fraunhofer ISI, die im Auftrag der Impuls-<br />
Stiftung des VDMA durchgeführt wurde,<br />
kommt zu dem Schluss, dass sich Europa<br />
zu einem Leitmarkt für ein grünes und<br />
hocheffizientes Batterierecycling und für<br />
die dazugehörigen Technologien entwickeln<br />
kann. Bis zum Jahr 2030 ist in der<br />
EU von etwa 2,5 Megatonnen neuer Batterien<br />
auszugehen. Dies führt zu Fragen<br />
nach dem ökologischen Fußabdruck von<br />
Fahrzeugbatterien. Ein lokales Batterierecycling<br />
und die Rückführung der Rohstoffe<br />
sind in diesem Kontext wichtige Bau-<br />
steine für eine europäische Kreislaufwirtschaft.<br />
Besonders für Deutschland als traditionellem<br />
Maschinenbaustandort ist<br />
nicht nur die Entwicklung entlang der direkten<br />
Batterie-Wertschöpfungskette von<br />
großer Bedeutung. Die jetzt veröffentlichte<br />
Studie prognostiziert das Wachstum<br />
eines zukünftigen europäischen Batterierecycling-Marktes<br />
und quantifiziert<br />
die Effekte für den Maschinen- und Anlagenbau.<br />
Grundlage für die Prognosen sind<br />
Batteriemarkt-Modelle des Fraunhofer ISI<br />
und Interviews mit Experten aus dem Maschinen-<br />
und Anlagenbau, der Recyclingindustrie,<br />
Fahrzeugherstellung sowie Forschung<br />
und Entwicklung. Die Studienergebnisse<br />
zeigen: In Europa könnte das<br />
Volumen an zu recycelnden Lithium-Ionen-Altbatterien<br />
und Batteriekomponen-<br />
Ein lokales Batterierecycling und<br />
die Rückführung der Rohstoffe sind<br />
wichtige Bausteine für eine europäische<br />
Kreislaufwirtschaft.<br />
Bild: petovarga/stock.adobe.com<br />
ten ab dem Jahr 2030 etwa 230 Kilotonnen<br />
pro Jahr und ab 2040 etwa 1.500<br />
Kilotonnen pro Jahr ausmachen. Diese<br />
bereits um mögliche Fahrzeug- und Batterieexporte<br />
bereinigten Zahlen bedeuten<br />
ein jährliches Wachstum der Recyclingindustrie<br />
von mehr als 30 % in den nächsten<br />
Jahren. Der Rücklauf von Traktionsbatterien<br />
aus Elektrofahrzeugen spielt<br />
mittelfristig die Hauptrolle. Die Studie<br />
finden Sie unter: http://hier.pro/iuaMy<br />
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It’s a Linde.<br />
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Mehr Infos zu den NEUEN Linde Elektrostaplern X20 – X35 unter linde-mh.de/formula-free<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 19
» NEWS & MANAGEMENT<br />
Auch kleine Investitionen in F+E steigern die Rendite<br />
Zeit, mutig zu sein<br />
Innovationen sind heute bedeutsamer denn je für den wirtschaftlichen Erfolg. Dabei kommt es<br />
nicht auf die Höhe des F+E-Invests an, sondern auf den gezielten Einsatz von Mitteln. Beispiele<br />
zeigen, dass Unternehmen selbst mit knappen Budgets binnen kurzer Zeit hohe Renditen<br />
einfahren können. Verstärkt wird dabei auf externes Wissen zurückgegriffen. Aktuell geht der<br />
Trend zu sogenannten Start-ins – Innovationsteams, die in einem Co-Working-Space verortet<br />
sind und für das eigene Unternehmen neue Ideen, Produkte und Konzepte entwickeln.<br />
Bild: Gorodenkoff/stock.adobe.com<br />
Wenn keine eigene F+E-Abteilung vorhanden<br />
ist oder das Personal dafür fehlt,<br />
lohnt sich für Unternehmen jeder Größe<br />
eine Kooperation mit Forschungseinrichtungen<br />
oder -initiativen.<br />
Zum Autor<br />
Univ.-Prof. Dr. Michael Henke<br />
ist Sprecher des Vorstands der<br />
Graduate School of Logistics<br />
und Inhaber des Lehrstuhls für<br />
Unternehmenslogistik an der<br />
TU Dortmund.<br />
Forschung und Entwicklung (F+E) setzt<br />
sich mit dem Erwerb neuester Erkenntnisse<br />
und deren erstmaliger Implementierung<br />
in die Praxis auseinander und<br />
ist der Dreh- und Angelpunkt für Innovation<br />
und Wandel. In der Corona-Pandemie<br />
reduzierten über die Hälfte der Unternehmen<br />
ihren Invest in Forschung und Entwicklung<br />
oder strichen ihn komplett. Ein<br />
Trugschluss, denn besonders in pandemischen<br />
Zeiten ist Innovation der entscheidende<br />
Wettbewerbsvorteil. Die gute<br />
Nachricht: Bei Forschung und Entwicklung<br />
kommt es nicht auf die Höhe des<br />
Invests an, sondern auf den gezielten Einsatz<br />
von Mitteln.<br />
Wenn keine eigene F+E-Abteilung vorhanden<br />
ist oder schlichtweg das notwendige<br />
Personal fehlt, lohnt sich für Unternehmen<br />
jeder Größe eine Kooperation<br />
mit Forschungseinrichtungen oder -initiativen.<br />
Über diese Kooperation erhalten<br />
sie Zugang zu einzigartigen Testbeds,<br />
greifen auf technologisch versierte Expertinnen<br />
und Experten zurück, gewährleisten<br />
eine ehrliche externe Perspektive<br />
und bleiben up to date bezüglich neuester<br />
Trends und Entwicklungen. Die Kompetenzen<br />
müssen also nicht im eigenen<br />
Unternehmen vorhanden sein und hohe<br />
Investitionen in Hard- oder Software sind<br />
nicht notwendig.<br />
20 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
In den vergangenen Jahren sind vielfältige<br />
Angebote für Unternehmen im F+E-<br />
Bereich entstanden. Die anwendungsorientierte<br />
Forschung entwickelt nicht mehr<br />
nur für, sondern gleich mit Unternehmen,<br />
sodass ein Transfer der Ergebnisse unmittelbar<br />
stattfindet. Die Adaption zukunftsweisender<br />
Technologien, der Einsatz neuester<br />
Methoden und Konzepte erfolgt<br />
binnen kurzer Zeit, teilweise auch binnen<br />
weniger Monate. Für eine Kooperation<br />
mit der Forschung können gemeinsame<br />
Projektanträge gestellt werden, das heißt<br />
das gemeinsame Vorhaben wird von Ministerien,<br />
dem Bund, einem Land oder der<br />
EU gefördert. Überdies können Unternehmen<br />
an Enterprise Labs teilhaben. Hier<br />
werden in einem offenen Ökosystem, gekoppelt<br />
an die Forschung, unternehmensindividuelle<br />
Lösungen entwickelt und<br />
zeitnah auf den Markt gebracht.<br />
Für Einsteiger lohnt sich ein Blick auf<br />
die Nachwuchsförderung. Beispielsweise<br />
können an der TU Dortmund besonders<br />
talentierte Absolventen der Logistik, des<br />
Ingenieurwesens, der Wirtschaftswissenschaften<br />
oder der Informatik in Form von<br />
Promotionsstipendien für drei Jahre steuerfrei<br />
gefördert werden. Anhand einer<br />
konkreten Fragestellung aus dem Unternehmen<br />
promovieren die Stipendiaten<br />
und transferieren die Erkenntnisse kontinuierlich<br />
in das Unternehmen. Ergebnisse<br />
sind, neben der wissenschaftlichen Dissertation,<br />
konkrete Prototypen angepasst<br />
an die eigene IT-Struktur, Vorgehens -<br />
modelle, die Implementierung neuer<br />
Technologien und die Umstellung ganzer<br />
Strukturen. Einen ersten Testlauf können<br />
Unternehmen auch starten, indem sie in<br />
Kooperation mit Lehrstühlen kostenfrei<br />
Abschlussarbeiten ausschreiben.<br />
Der Trend geht zu Start-ins<br />
Daneben geht der Trend aktuell zu Startins<br />
– Innovationsteams, die oft bei einem<br />
Accelerator oder, jenseits des Tagesgeschäfts,<br />
in einem Co-Working-Space verortet<br />
sind und für das eigene Unternehmen<br />
neue Ideen, Produkte und Konzepte entwickeln.<br />
Auch hier profitieren die Unternehmen<br />
von der engen Anbindung an Forschungsreinrichtungen,<br />
denn die Teams erhalten<br />
in der Regel einen Innovationsma-<br />
nager als Unterstützung<br />
aus der Forschung und<br />
haben die Möglichkeit,<br />
in Maker Spaces<br />
ihre Prototypen zu<br />
bauen und zu testen.<br />
Parallel findet ein intensiver<br />
Austausch mit<br />
Start-ups statt, die ebenfalls<br />
den Co-Working Space nutzen.<br />
Der Invest für die Unternehmen liegt<br />
dabei je nach Konzept bei lediglich circa<br />
40.000 bis 100.000 Euro im Jahr. Eine geringe<br />
Investition im Hinblick darauf, dass<br />
die Digitalisierung die Märkte globaler<br />
werden ließ und damit die Konkurrenz<br />
vergrößert hat. Innovationen sind heute<br />
noch viel bedeutsamer für den wirtschaftlichen<br />
Erfolg. Insbesondere die Pandemie<br />
machte sehr schnell deutlich, dass<br />
es gilt, sich agil auf die neue Situation<br />
einzustellen, Minimal Viable Products<br />
(MVP) oder Prototypen zu entwickeln und<br />
damit auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren.<br />
So konnten Unternehmen mit<br />
knappen Investitionsbudgets binnen kurzer<br />
Zeit hohe Renditen einfahren. Umso<br />
fragwürdiger erscheint die Nachricht,<br />
dass mit der Corona-Pandemie 56 % der<br />
Unternehmen ihren Invest in Forschung<br />
und Entwicklung reduzierten oder ganz<br />
gestrichen haben, so eine Studie von Bain<br />
& Company zu Investitionsstrategien.<br />
IM ÜBERBLICK<br />
Die anwendungsorientierte<br />
Forschung entwickelt nicht mehr<br />
nur für, sondern gleich mit Unternehmen,<br />
sodass ein Transfer<br />
der Ergebnisse unmittelbar<br />
statt findet.<br />
Mehr als jedes zweite<br />
Unternehmen bevorzugte<br />
es den klassischen<br />
Weg einzuschlagen,<br />
die Kosten<br />
radikal zu senken und<br />
die liquiden Mittel<br />
sparsam einzusetzen.<br />
Corona wird nicht die letzte<br />
Ursache für einen Wandel der<br />
Wirtschaft bleiben. Schauen wir auf den<br />
Klimawandel, den gesellschaftlichen Umbruch<br />
oder die steigende Erwartungshaltung<br />
von Kunden, werden Unternehmen<br />
zukünftig immer häufiger gezwungen<br />
sein, schnell zu reagieren und ihre Produktion,<br />
ihr Lager, ihren Service oder ihr<br />
Geschäftsmodell umzustellen. Um langfristig<br />
erfolgreich zu bleiben oder zu werden,<br />
müssen Unternehmen kontinuierlich<br />
in F-E investieren, denn die Kluft zwischen<br />
Vorreiterunternehmen und denen,<br />
die warten, bis sich die Innovation durchgesetzt<br />
hat, wird immer größer. Während<br />
letztere sich gezwungen sehen nachzuziehen,<br />
haben erstere bereits mehrere<br />
neue Innovationszyklen durchlaufen. Der<br />
Abstand wird sich nur schwer aufholen<br />
lassen. Es ist also jetzt an der Zeit, mutig<br />
nach vorn zu schauen. Dabei reichen kleine<br />
Investitionen aus, solange sie gezielt in<br />
Zukunftschancen fließen oder die Komplexität<br />
im Kerngeschäft reduzieren.<br />
Auftragsforschung mit leichtem Plus<br />
Während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 wurde in den Unternehmen<br />
weniger geforscht und entwickelt als in den Jahren zuvor. Erstmals seit<br />
sieben Jahren gingen nach Angaben des Stifterverbands für die Deutsche<br />
Wissenschaft e.V. die Ausgaben der Wirtschaft für Forschung und Entwicklung<br />
(F+E) zurück. Die Unternehmen in Deutschland investierten 71 Mrd.<br />
Euro in ihre eigene Forschung – ein Rückgang von 6,3 % im Vergleich<br />
zum Vorjahr. Lediglich die Ausgaben für Forschungsaufträge an andere<br />
Partner konnten ein leichtes Plus von 200 Mio. Euro verzeichnen (1,0 %).<br />
Sie erreichen mit 22,9 Mrd. Euro sogar einen neuen Höchstwert.<br />
Im Kfz-Bau wurden von 2019 auf 2020 die internen FuE-Aufwendungen<br />
um fast 4 Mrd. Euro gekürzt (-13,6 %). Der Maschinenbau reduzierte die<br />
Ausgaben um knapp 7 %, die chemische und diepharmazeutische Industrie<br />
jeweils um gut 3 %.<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 21
» NEWS & MANAGEMENT<br />
Warenhandel in die Asien-Pazifik-Region<br />
Deutsche Exporte nehmen Fahrt auf<br />
Die Region Asien-Pazifik ist für Deutschland ein wichtiger Handelspartner. Der Warenhandel hat<br />
bereits wieder Vorkrisen-Niveau erreicht. Rasch erholt haben sich vor allem die Exporte von<br />
Kraftfahrzeugen, Maschinen und chemischen Produkten. Sorgen macht den deutschen Exporteuren<br />
jedoch die Entwicklung in China, das sich weniger abhängig von Einfuhren machen will.<br />
» Dietmar Kieser, stv. Chefredakteur <strong>Industrieanzeiger</strong><br />
Ungeachtet der Lieferengpässe und<br />
Materialknappheit wird nach dem<br />
Corona-Schock wieder eingekauft, als<br />
gäbe es kein Morgen. Die deutlich über<br />
dem Vor-Pandemie-Niveau liegende<br />
Nachfrage lässt sich auf das veränderte<br />
Konsumverhalten aufgrund der Lockdown-Maßnahmen<br />
ebenso zurückführen<br />
wie die Aversion gegen Risiken. Überdies<br />
ist die chinesische Industrieproduktion<br />
seit Anfang 2020 um fast 5 % gestiegen<br />
und hat die globale Erholung spürbar angekurbelt.<br />
Hiervon haben nicht nur asiatische<br />
Industrieländer wie Südkorea profitiert,<br />
sondern die gesamte Region<br />
Im ersten Halbjahr 2021 lieferten<br />
deutsche Exporteure Waren im Wert<br />
von mehr als 100 Mrd. Euro gen<br />
Fernost – 13,3 % mehr als im<br />
vergleichbaren Vorjahreszeitraum.<br />
Bild: Kalyakan/stock.adobe.com<br />
Asien-Pazifik, die für den deutschen Außenhandel<br />
weiter an Bedeutung gewonnen<br />
hat. Südkorea kaufte 2020 zum zweiten<br />
Mal mehr Waren Made in Germany<br />
als Japan und stieg damit zum zweitgrößten<br />
Abnehmer deutscher Produkte<br />
im Großraum Asien auf.<br />
Laut der Wirtschaftsförderungsgesellschaft<br />
Germany Trade & Invest (GTAI)<br />
sanken zwar die deutschen Ausfuhren in<br />
die asiatisch-pazifische Region im Coronajahr<br />
2020 um 5,3 % gegenüber dem<br />
Vorjahr auf fast 190 Mrd. Euro. Doch der<br />
Rückgang fiel moderat aus, verglichen<br />
mit dem Minus von 9,3 %, das die deut-<br />
schen Gesamtexporte im selben Zeitraum<br />
verzeichneten. Doch bereits im ersten<br />
Halbjahr 2021 lieferten deutsche Exporteure<br />
laut der vorläufigen Daten des Statistischen<br />
Bundesamtes (Destatis) Waren<br />
im Wert von über 100 Mrd. Euro gen<br />
Fernost – 13,3 % mehr als im vergleichbaren<br />
Vorjahreszeitraum.<br />
Nach Regionen betrachtet schnitt<br />
Asien-Pazifik nach Angaben der GTAI-<br />
Statistiker besser ab als etwa Afrika,<br />
Nahost sowie die Gemeinschaft unabhängiger<br />
Staaten (GUS) samt Südosteuropa.<br />
Nur die deutschen Ausfuhren in die<br />
Schlüsselmärkte EU und Amerika liefen<br />
noch besser.<br />
USA, China und Frankreich<br />
wichtigste Abnehmerländer<br />
Wichtigstes Abnehmerland deutscher<br />
Waren im Jahr 2020 waren laut dem Statistischen<br />
Bundesamt wie bereits in den<br />
Vorjahren die Vereinigten Staaten. Güter<br />
im Wert von 103,5 Mrd. Euro wurden von<br />
Deutschland in die USA exportiert. Auf<br />
den Plätzen zwei und drei der bedeutendsten<br />
deutschen Exportländer lagen die<br />
Volksrepublik China (95,8 Mrd. Euro) und<br />
Frankreich (90,9 Mrd. Euro).<br />
Deutlich zugelegt im ersten Halbjahr<br />
2021 haben mit 23,4 % vor allem die Exporte<br />
nach Indien, einem Markt mit 1,4<br />
Mrd. Einwohnern. Der Subkontinent<br />
schickt sich an, in diesem Jahrzehnt China<br />
als das weltweit bevölkerungsreichste<br />
Land abzulösen. China wiederum war bereits<br />
im Vorjahr im Zuge der Coronakrise<br />
zum zweitwichtigsten Abnehmer deutscher<br />
Waren aufgestiegen. Mit einem<br />
Exportzuwachs von 19 % in den ersten<br />
sechs Monaten dieses Jahres verfestigt<br />
sich dieser Rang nochmals.<br />
22 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Allerdings schwächelt der chinesische<br />
Binnenmarkt seit wenigen Monaten. Aufgrund<br />
der seit September andauernden<br />
Energiekrise mussten wegen Stromausfällen<br />
in mehreren Provinzen etliche Produktionen<br />
gedrosselt werden, was die Abnahme<br />
von Gütern auch aus Deutschland<br />
hemmt. Wie den Handelszahlen des Zolls<br />
in Peking zu entnehmen ist, sind die<br />
Importe aus Deutschland im Oktober gegenüber<br />
dem Vorjahresmonat um 5,1 %<br />
gesunken.<br />
Vietnam in ASEAN treibende<br />
Kraft für deutsche Waren<br />
Einen kräftigen Erholungsverlauf nahmen<br />
die Ausfuhren nach Australien (20 %) und<br />
in die südostasiatische Staatengemeinschaft<br />
ASEAN (8,8 %). Innerhalb der<br />
Zehn-Staaten-Region, mit der Europa<br />
Ende letzten Jahres ein Freihandelsabkommen<br />
geschlossen hat, verzeichnete<br />
Vietnam zwischen Januar und Juni 2021<br />
ein Wachstum von rund 36 %. Der Export<br />
deutscher Waren von 1,9 Mrd. Euro dorthin<br />
sei sogar ein neuer Rekord für ein erstes<br />
Halbjahr, weiß die GTAI-Expertin Katharina<br />
Viklenko.<br />
Als Treiber der Entwicklung<br />
gilt die<br />
Ausfuhr von Flugzeugen<br />
und zugehöriger<br />
Ausrüstung,<br />
auf die fast<br />
20 % der Exporte<br />
nach Vietnam entfielen.<br />
Die stark gestiegenen<br />
Warenlieferungen<br />
nach<br />
» Mehr als ein Siebtel<br />
der gesamten deutschen<br />
Exporte gingen in der<br />
ersten Jahreshälfte in<br />
die Region Asien. «<br />
GTAI-Expertin Katharina Viklenko<br />
Vietnam, Thailand (18,9 %), Kambodscha<br />
(13,8 %) und Singapur (8,5 %) konnten<br />
laut der GTAI-Statistik die Rückgänge der<br />
Ausfuhren nach Laos (-43,9 %), Myanmar<br />
(-33,8 %), Brunei (-31,2 %), in die Philippinen<br />
(-14,1 %) sowie nach Indonesien<br />
(-6,4 %) mehr als kompensieren.<br />
In der ersten Jahreshälfte legten laut<br />
Angaben insbesondere deutsche Exporte<br />
von Luftfahrzeugen, Kraftfahrzeugen,<br />
chemischen Erzeugnissen, Arzneimitteln<br />
sowie Mess- und Regeltechnik zu.<br />
Vom Aufschwung in allen wichtigen Handelsregionen<br />
in Asien-Pazifik profitierte<br />
insbesondere die Autoindustrie. Ihre Gesamtexporte<br />
dorthin kletterten um ein<br />
Viertel gegenüber dem vergleichbaren<br />
Vorjahreszeitraum. Besonders stark zugenommen<br />
haben die Kfz-Lieferungen nach<br />
Hongkong (64,5 %), in die ASEAN-Region<br />
(36,2 %), nach Australien (33,2 %) und<br />
China (29,6 %).<br />
Maschinenbauexport in China<br />
mit zweistelligen Zuwachsraten<br />
Im Maschinenbau stiegen die Lieferungen<br />
laut GTAI-Angaben in den zweitgrößten<br />
Absatzmarkt China um einen zweistelligen<br />
Prozentsatz. Noch stärker legten die<br />
Exporte nach Taiwan, Australien und Indien<br />
zu. Gleichzeitig gab es Rückgänge im<br />
zweistelligen Bereich bei den deutschen<br />
Ausfuhren in die Philippinen, nach Hongkong<br />
sowie Japan.<br />
Eine explosionsartige Steigerung hätten<br />
Luftfahrzeuge erlebt, betont Katharina<br />
Viklenko. Während Ausfuhren nach<br />
Thailand, Vietnam, Singapur und China im<br />
hohen dreistelligen Prozentsatz zugelegt<br />
hätten, habe Japan hier sogar ein vierstelliges<br />
Wachstum verbucht. Die GTAI-<br />
Expertin weist aber auch darauf hin, dass<br />
die Exporte von<br />
Luftfahrzeugen<br />
sehr volatil wären,<br />
sodass Steigerungsraten<br />
bei einzelnen<br />
größeren<br />
Bestellungen stark<br />
nach oben ausschlagen<br />
würden.<br />
Warenausfuhren<br />
aus Deutschland<br />
im Bereich der<br />
Mess- und Regeltechnik nach Indien,<br />
Thailand, Taiwan und China wären überproportional<br />
gewachsen.<br />
In China selbst dürften exportorientierte<br />
Unternehmen auf Sicht vor besonderen<br />
Herausforderungen stehen. Auf Basis des<br />
14. chinesischen Fünfjahresplans (2021<br />
bis 2025) verfolgt die Volksrepublik das<br />
Ziel, die Wertschöpfungsketten zunehmend<br />
im eigenen Land zu integrieren, um<br />
eine höhere Wertschöpfung sicherzustellen.<br />
Damit will sich das Land weniger abhängig<br />
von Einfuhren machen, was manche<br />
Firmenchefs heute schon mit Sorge<br />
betrachten.<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 23
Bild: aia-orange_artwork<br />
Die Corona-Pandemie hat die Messewelt stark verändert. 6 Thesen<br />
von bvik-Experten geben eine Bewertung, wohin die Reise geht.<br />
bvik-Experten zur Zukunft der Messe<br />
Aufbruch in eine neue Messewelt<br />
Im B2B-Marketing-Mix galten Messen lange als unverzichtbar. Hier präsentierte man<br />
Innovationen, hier schloss man Verträge. Corona änderte dies schlagartig und zeigte:<br />
Leadgenerierung funktioniert auch digital. Werden Online-Events nun klassische<br />
Präsenzmessen verdrängen? 6 Thesen zur Zukunft der Messe.<br />
» Tanja Auernhamer, Leiterin Verbandskommunikation bvik<br />
Die Corona-Pandemie bescherte Messeveranstaltern<br />
massive Umsatzeinbußen<br />
und nahm Industrieunternehmen<br />
eines ihrer wichtigsten Instrumente für<br />
die Kundengewinnung. Auf der Suche<br />
nach Alternativen setzte man auf digitale<br />
und hybride Events, um mit Kunden in<br />
Kontakt zu bleiben und neue Produkte<br />
vorzustellen. Und das meist erfolgreich:<br />
Auch wenn die persönliche Interaktion<br />
fehlte, so konnten viele Unternehmen ihre<br />
Auftragsbücher füllen. Online-Events<br />
etablierten sich als fester Bestandteil der<br />
Messewelt. Doch wie nachhaltig ist dieser<br />
Wandel? Sind digitale Events wirklich die<br />
Zukunft oder nur ein vorübergehender<br />
Hype? Welche Rolle spielt künftig noch<br />
die reale Messe? Diese Fragen diskutierte<br />
der Bundesverband Industrie Kommunikation<br />
e. V. mit Vertretern aus Industrieunternehmen,<br />
Agenturen, Messegesellschaften<br />
und Verbänden. Die Ergebnisse<br />
bringt er in Form von sechs Thesen<br />
auf den Punkt:<br />
These 1 – Messen müssen<br />
sich neu erfinden<br />
Die Stärke der Präsenzmesse liegt darin,<br />
dass sie einen direkten, persönlichen Austausch<br />
von Besuchern und Ausstellern ermöglicht.<br />
Auch wenn Videokonferenzen<br />
mittlerweile zum Alltag gehören, ist dieser<br />
Kontakt von Angesicht zu Angesicht für die<br />
Kundengewinnung im B2B sehr wichtig.<br />
Daher gehen die Experten davon aus, dass<br />
Präsenzmessen auch künftig Bestand ha-<br />
24 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
NEWS & MANAGEMENT «<br />
ben. Doch sie werden sich angesichts der<br />
Online-Konkurrenz verändern und klare<br />
Mehrwerte bieten müssen, die digital nicht<br />
zu erreichen sind. Entscheidend sind hier<br />
besondere Erlebnisse, die im Kontrast zum<br />
digitalisierten Alltag stehen. Der Trend zur<br />
„Festivalisierung“ mit After-Show-Partys,<br />
spektakulären Vortragsprogrammen und<br />
Live-Acts wird sich deutlich verstärken.<br />
These 2 – Die Zukunft<br />
ist hybrid<br />
Präsenzmessen müssen sich zudem veränderten<br />
Bedürfnissen und Erwartungen<br />
der Menschen anpassen. Die Besucher<br />
haben gelernt, dass sie auch über digitale<br />
Formate die benötigten Informationen erhalten,<br />
Kontakt aufnehmen und dabei<br />
noch Zeit und Geld sparen können. Aussteller<br />
wiederum profitieren von zusätzlicher<br />
Reichweite und mehr Möglichkeiten,<br />
ihr Publikum bedarfsgerecht zu adressieren.<br />
Auf diese Vorteile werden beide Seiten<br />
nicht mehr verzichten wollen. Reale<br />
Messen müssen daher eine digitale Verlängerung<br />
bieten. Das heißt: Die Zukunft<br />
ist weder rein analog noch rein digital.<br />
Vielmehr werden hybride Events die Vorteile<br />
beider Welten vereinen.<br />
These 3 – Messen werden<br />
kleiner und lokaler<br />
Wenn Inhalte genauso gut digital erlebbar<br />
sind wie analog, wenn man auch über<br />
Chat und Videokonferenzen Kontakt zu<br />
Ausstellern aufnehmen kann, werden viele<br />
Unternehmen genauer abwägen, ob<br />
sich die Reise zu einer Messe lohnt oder<br />
ob es nicht ausreicht, digital teilzunehmen.<br />
Das gilt auch für die Aussteller, die<br />
Art und Umfang einer realen Messebeteiligung<br />
kritischer hinterfragen werden. Experten<br />
erwarten daher vor allem bei internationalen<br />
Messen einen Rückgang der<br />
Aussteller- und Besucherzahlen. Nationale<br />
und regionale Veranstaltungen könnten<br />
dagegen sogar gestärkt aus der Corona-<br />
Krise hervorgehen.<br />
These 4 – Nachhaltigkeit<br />
rückt stärker in den Fokus<br />
Auch wenn viele Aussteller bereits auf<br />
nachhaltige Standkonzepte setzen: Der<br />
ökologische Fußabdruck von Messen ist<br />
enorm. LKW-Transporte über weite Strecken,<br />
der Energieverbrauch von Messehallen,<br />
Flächenversiegelung, die Anreise der<br />
Besucher aus aller Welt und vor allem die<br />
Produktion der Messestände verursachen<br />
hohe CO 2<br />
-Emissionen. Das Bewusstsein<br />
für diese Problematik wächst, und für<br />
manchen Besucher wird das ein weiterer<br />
Grund sein, die digitale Teilnahme der<br />
analogen vorzuziehen. Wer sich für die<br />
Präsenzmesse entscheidet, erwartet dort<br />
kein Greenwashing, sondern glaubwürdige<br />
Messeauftritte in nachhaltigen Messezentren.<br />
Zertifizierungen werden an Bedeutung<br />
gewinnen.<br />
These 5 – Die Planung von<br />
Messen wird komplexer<br />
Digitale Messestände, Live-Streams von<br />
Vorträgen, Virtual Reality am Messetand,<br />
Matchmaking-Funktionen – bei hybriden<br />
Events müssen vielfältige Formate konzipiert,<br />
umgesetzt und zielgruppengerecht<br />
mit Inhalten befüllt werden. Dazu braucht<br />
es neben technischem Wissen vor allem<br />
ein durchdachtes Konzept: Es gilt, den Besuchern<br />
sowohl analog wie digital jeweils<br />
ein vollwertiges Messeerlebnis zu ermöglichen<br />
und dabei unterschiedliche Customer<br />
Journeys zu berücksichtigen. Dabei<br />
ist zu bedenken, dass die Messe nur einen<br />
Teil der 360°-Kommunikation ausmacht.<br />
These 6 – Mehr Investitionen<br />
in Technik und Personal nötig<br />
Mit der steigenden Komplexität fordert<br />
die Messe der Zukunft Veranstalter, Aussteller<br />
und Dienstleister gleichermaßen<br />
heraus. Sie müssen deutlich mehr Aufwand<br />
betreiben, um Messen zu planen,<br />
umzusetzen und zu vermarkten. Das erfordert<br />
nicht nur mehr Ressourcen, sondern<br />
auch andere Skills. Vertriebsmitarbeiter<br />
müssen fit gemacht werden für<br />
Produktpräsentationen vor der Kamera,<br />
digitale Tools und die technische Ausstattung<br />
müssen bedient, Content produziert<br />
und Daten ausgewertet werden.<br />
Download des bvik-<br />
Trendpapers 2022:<br />
bvik.org/b2b-trends/<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 25
» NEWS & MANAGEMENT<br />
Personalmanagement in Pandemiezeiten<br />
Wie Mitarbeiterfluktuation<br />
reduziert werden kann<br />
Die Pandemie hat Menschen dazu gebracht, vieles auf den Prüfstand zu stellen und<br />
neu zu bewerten. Sie haben erkannt, was ihnen wirklich wichtig ist. Das Arbeitsleben<br />
als zentraler Bestandteil der eigenen Identität gehört eindeutig dazu. Wie Mitarbeiter<br />
motiviert und so im Unternehmen gehalten werden können, zeigt dieser Beitrag.<br />
» Dr. Arne Sjöström, Senior People Scientist EMEA bei Culture Amp<br />
zu halten und damit die Auswirkungen einer möglichen<br />
Fluktuation zu verringern?<br />
Die Pandemie hat<br />
Menschen dazu gebracht,<br />
vieles auf den<br />
Prüfstand zu stellen.<br />
Auf viele Unternehmen<br />
rollt eine Kündigungswelle<br />
zu.<br />
Die Unsicherheit, die sich zunächst in Verbindung mit<br />
einer unbefriedigenden Tätigkeit oder innerhalb einer<br />
schlechten Unternehmenskultur eingestellt hatte, ist<br />
weitgehend verschwunden. Mitarbeiter haben intensiv<br />
darüber nachgedacht, was ihnen Arbeit bedeutet,<br />
was es heißt, Wertschätzung zu erfahren und wie sie<br />
Werte schaffen wollen für eine Zukunft, die herausfordernder<br />
nicht sein kann. Viele Arbeitnehmer resignieren,<br />
weil sie keine berufliche Perspektive in ihrem<br />
aktuellen Job sehen und nutzen den wirtschaftlichen<br />
Aufschwung für einen Wechsel.<br />
Kurzum – auf Unternehmen rollt aktuell eine Kündigungswelle<br />
zu. Die „große Resignation“ – (The<br />
Great Resignation) ein Begriff, den der Organisationspsychologe<br />
und Professor für Management Anthony<br />
Klotz geprägt hat – ist in den Unternehmen<br />
angekommen. Wie konnte es dazu kommen und was<br />
können Organisationen tun, um verbleibende Talente<br />
Bild: contrastwerkstatt/stock.adobe.com<br />
Resignierte und frustrierte Mitarbeiter<br />
Da ist zum einen der große Rückstau an Arbeitnehmern,<br />
die schon längerem den Wunsch nach einem<br />
Wechsel hatten, diesen aber aus Sicherheitsgründen<br />
während der Pandemie nicht verwirklicht haben. Laut<br />
einer Studie von Personio unter 2000 Arbeitnehmern<br />
und 500 HR-Managern in Deutschland, Österreich<br />
und Schweiz planen 45 % der Arbeitnehmer in den<br />
nächsten Monaten einen Jobwechsel. Das derzeitige<br />
Angebot spricht durchaus für dieses Vorhaben: 58 %<br />
der Unternehmen wollen innerhalb des nächsten<br />
Jahres neue Mitarbeiter einstellen. Diese Entwicklung<br />
ist weltweit zu beobachten, denn auch Microsoft<br />
kommt im Rahmen einer globalen Umfrage unter<br />
160.000 Teilnehmern zu ähnlichen Ergebnissen:<br />
41 % der Arbeitnehmer planen, ihren derzeitigen Arbeitgeber<br />
innerhalb des nächsten Jahres zu verlassen,<br />
wobei 46 % von ihnen einen Karriereschritt planen.<br />
Arbeitgeber dürfen demnach nicht erwarten,<br />
dass die Kündigungswelle in nächster Zeit abebbt.<br />
Wie können Talente gehalten werden?<br />
Die Meinung derer, die bereits auf dem Absprung<br />
sind oder gekündigt haben, lässt sich nicht mehr ändern.<br />
Umso mehr sollte das Augenmerk auf jenen<br />
Mitarbeitern liegen, die aktuell im Unternehmen<br />
sind. Hier gilt es, die Erfahrungen der Belegschaft<br />
nach Möglichkeit zu verbessern, um eventuellen<br />
Wechselgedanken entgegenzuwirken. Hier kommen<br />
einige Tipps, wie Unternehmen die Employee Experience<br />
ihrer Mitarbeiter besser gestalten können:<br />
• Mitarbeiterumfrage liefert Hinweise für sinnvolle<br />
Maßnahmen: Eine bessere Employee Experience<br />
beginnt mit einem Grundverständnis für die<br />
Mitarbeiter. Mit regelmäßigen Befragungen wer-<br />
26 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
den wichtige Erkenntnisse darüber erlangt, wo der<br />
Schuh drückt und was Mitarbeiter dazu bewegtt,<br />
das Unternehmen zu verlassen. Auch wenn damit<br />
nicht jeder gehalten werden kann, – Mitarbeiterfeedback<br />
ist ein wichtiger Barometer für die Stimmung<br />
im Unternehmen, denn es liefert eine datenbasierte<br />
Grundlage, um konkrete Gründe für<br />
Unzufriedenheit und Resignation zu analysieren.<br />
Die Erkenntnisse aus diesen Befragungen fließen<br />
anschließend in einen Maßnahmenkatalog. Dieser<br />
sollte sich auf Bereiche fokussieren, die das<br />
Potenzial für die größte Wirkung im Unternehmen<br />
haben. Derzeit dürfte das in vielen Organisationen<br />
der Bereich der flexiblen Arbeitsmodelle und<br />
Homeoffice-Regelungen sein.<br />
• Flexible Arbeitsmöglichkeiten: Standortunabhängige<br />
Arbeit funktioniert – das hat die Pandemie<br />
bewiesen. Daher halten es viele Mitarbeiter für<br />
angemessen, zumindest zeitweise von zu Hause<br />
aus arbeiten zu können. Einer neueren Studie von<br />
Ernst & Young zufolge wünschen sich 80 % der<br />
Mitarbeiter eine vollkommene Flexibilisierung der<br />
Arbeitszeit. Haben die Mitarbeiter das Gefühl,<br />
dass ihre Wünsche und Meinungen dazu nicht gehört<br />
werden, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit<br />
einer Fluktuation – insbesondere dann,<br />
wenn es kaum Argumente für eine vollständige<br />
Rückkehr zum Präsenzbüro gibt.<br />
• Gruppendynamik von Teams berücksichtigen:<br />
Die Vermischung von Mitarbeitern, die im Präsenzbüro<br />
arbeiten und jenen, die im Homeoffice<br />
arbeiten, bringt eine Gruppendynamik in Gang, die<br />
leicht zu einer „Wir-gegen-Sie“-Kultur führen<br />
kann. Deshalb sind entsprechende Anpassungen in<br />
hybriden Arbeitsumgebungen notwendig, damit<br />
sich eine positive Teamdynamik einstellt und<br />
etabliert. Es muss sichergestellt werden, dass sich<br />
auch die Remote-Mitarbeiter weiterhin mit allen<br />
Kollegen und dem gesamten Unternehmen verbunden<br />
fühlen. Führungskräfte müssen dies konkret<br />
ansprechen, um hybride Arbeitsmodelle<br />
erfolgreich umzusetzen.<br />
• Klare Kommunikation zur Rückkehr an den Arbeitsplatz:<br />
Wenn Unternehmen diesbezüglich ihre<br />
Pläne und Erwartungen nicht klar kommunizieren,<br />
kann auch dies zur Kündigung führen. Laut einer<br />
McKinsey-Umfrage hatten Mitarbeiter das Gefühl,<br />
nicht ausreichend über die Pläne ihrer Arbeitgeber<br />
für die Zeit nach der Pandemie informiert zu werden.<br />
Nur die allgemeine Absicht zu bekunden, in<br />
Zukunft hybride, virtuelle Arbeitsformen einzuführen<br />
reicht nicht aus. Mitarbeiter wünschen konkrete<br />
Aussagen über Leitlinien, Erwartungen und<br />
Vorgehensweisen. Der Mangel an Klarheit, den andere<br />
Unternehmen in diesem Punkt bieten, kann<br />
Arbeitnehmer dazu bringen, Unsicherheit gegen<br />
mehr Verbindlichkeit in Bezug auf künftige<br />
Arbeitsmodelle einzutauschen.<br />
• Mitarbeiterentwicklung als oberste Priorität: Um<br />
dem Gefühl vieler Mitarbeiter entgegenzuwirken,<br />
beruflich auf der Stelle zu treten und gleichzeitig<br />
jenen entgegenzukommen, die neugierig auf neue<br />
Herausforderungen sind, müssen proaktiv Möglichkeiten<br />
für die Weiterentwicklung der Mitarbeiter<br />
angeboten werden.<br />
www.cultureamp.com<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 27
TOPSTORY » Qualitätssicherung<br />
Der Mitarbeiter muss<br />
sich keine Gedanken<br />
mehr machen, wie er<br />
das Bauteil führen<br />
muss, damit er alle<br />
Stellen scharf sieht.<br />
Mit dem neuen Mikroskop<br />
kann er sich auf<br />
seine eigentliche Aufgabe<br />
konzentrieren.<br />
Bild: Zeiss<br />
Zeiss schlägt ein neues Kapitel in der Mikroskopie auf<br />
Die Physik sauber<br />
ausgestrickst<br />
Die Gesetze der Optik kann auch Zeiss nicht brechen – aber umgehen.<br />
Mit dem Visioner 1 bringt das Unternehmen ein Digitalmikroskop auf den<br />
Markt, das tiefenscharfe Bilder in Echtzeit liefert. Dafür mussten die<br />
Spezialisten aus Jena allerdings ganz tief in die Entwicklungskiste greifen,<br />
denn physikalisch ist das eigentlich gar nicht möglich.<br />
» Uwe Schoppen, Redakteur <strong>Industrieanzeiger</strong><br />
28 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Die Mikroskopie ist das Herzstück von Zeiss“, sagt<br />
Dr. Robert Zarnetta, der das Geschäftsfeld<br />
Industrial Microscopy Solutions bei Zeiss Industrial<br />
Quality Solutions leitet. „Die Technik haben wir in der<br />
Vergangenheit immer wieder an neue Grenzen geführt.“<br />
Und diesmal sind die Spezialisten sogar noch<br />
ein Stückchen weiter gegangen.<br />
Bedarf am neuesten Wurf von Zeiss ist reichlich<br />
vorhanden, denn in der Mikroskopie gibt es schon<br />
immer ein Problem. Wenn der Anwender eine Probe<br />
vergrößert, um feine Details sehen zu können, nimmt<br />
die Tiefenschärfe des Bildes ab und er sieht immer<br />
nur einen kleinen Bereich deutlich. Beim Prüfen von<br />
Leiterplatten zum Beispiel ist das ein Problem, weil<br />
hier oft Merkmale in unterschiedlichen Höhen kontrolliert<br />
werden müssen. Aber auch bei anderen Anwendungen<br />
ist dieser physikalische Effekt hinderlich<br />
und die Gefahr groß, dass Defekte, Verunreinigungen<br />
oder Produktionsfehler übersehen werden und die Inspektion<br />
dadurch unvollständig ist. Bislang musste<br />
sich der Mitarbeiter zu Fuß aus der Misere helfen,<br />
immer wieder nachfokussieren und die verschiedenen<br />
Ebenen zusammenführen, um am Ende ein Bild<br />
mit erweiterter Tiefenschärfe zu bekommen. „Damit<br />
ist das Problem zwar gelöst, aber die praktische Vorgehensweise<br />
ist komplex und kostet viel Zeit“, stellt<br />
Zarnetta fest.<br />
Bild: Zeiss<br />
Anforderungen wachsen mit jedem Tag“, führt der<br />
Experte aus.<br />
Wegen der Corona-Pandemie fand die Produkteinführung<br />
im Herbst rein digital statt. Alle Eigenschaften<br />
des neuen Digitalmikroskops sind auf den Internetseiten<br />
von Zeiss verfügbar. Vor allem aus der Medizintechnik<br />
erreichten Zeiss viele Anfragen, denn in<br />
diesem Bereich sind die Anforderungen besonders<br />
hoch und Hundertprozent-Kontrollen keine Seltenheit.<br />
Jedes Bauteil, das im Körper implantiert wird –<br />
sei es ein Stent, ein Spinal Cord Implant für die<br />
Rückenmarkstimulation oder ein Hüftgelenk – wird<br />
Mit dem Digitalmikroskop<br />
Visioner 1 lassen<br />
sich Proben bis zu<br />
einer Tiefe von 69 mm<br />
inspizieren, ohne dabei<br />
das optische System<br />
verfahren oder die<br />
Probe erneut fokussieren<br />
zu müssen.<br />
Virtuelle Linse bietet neue<br />
Möglichkeiten in optischer Inspektion<br />
Die Lösung des Problems ist eine virtuelle Linse, die<br />
aus kleinen Spiegelelementen aufgebaut ist, die sich<br />
in alle Richtungen frei bewegen lassen (siehe auch<br />
Kasten auf Seite 32). In der Praxis wird die Linse permanent<br />
auf verschiedene Bereiche fokussiert und<br />
zwar so schnell, dass das menschliche Auge davon<br />
nichts merkt. Der Anwender schaltet das Mikroskop<br />
an, hat sofort ein tiefenscharfes Bild und kann frei<br />
über die Probe navigieren. „Ich kann das Werkstück<br />
drehen und kippen, auch mal bei Bedarf von der Seite<br />
drauf schauen und verliere dabei nie den Fokus“, versichert<br />
Zarnetta.<br />
Das ist eine ganz neue Herangehensweise an die<br />
optische Inspektion. Der Mitarbeiter muss sich keine<br />
Gedanken mehr machen, wie er das Bauteil führen<br />
muss, damit er alle entscheidenden Stellen scharf<br />
sieht, sondern er kann sich auf seine eigentliche Aufgabe<br />
konzentrieren.<br />
Das neue Digitalmikroskop kommt nach Ansicht<br />
von Zarnetta zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt,<br />
denn die Bauteile werden immer kleiner, die Beschichtungen<br />
filigraner und die Kombination aus<br />
verschiedenen Materialien komplexer. „Sei es die<br />
Gratbildung im Spitzguss oder Elektronikbauteile, die<br />
Bild: Tom Oettle<br />
Rechenpower bringt die Erlösung<br />
Wird eine Probe stark vergrößert, dann geht die Tiefenschärfe<br />
verloren. An diesem optischen Gesetz führt kein<br />
Weg vorbei. Deswegen ist dieses Problem auch so alt wie<br />
das Mikroskop, nämlich 175 Jahre. Zu spüren bekommen es<br />
die Mitarbeiter in der Qualitätssicherung, die im Akkord<br />
kleine Bauteile oder Platinen prüfen. Sie müssen entweder<br />
die Probe bewegen oder den Fokus des Mikroskops ändern,<br />
um ein vollständiges Bild des Prüflings zu bekommen. Das<br />
ist extrem aufwendig und ermüdend. Mit einer flexiblen<br />
Linse, die aus hunderten von Mikrospiegeln besteht, die<br />
einzeln angesteuert werden können, konnte Zeiss dieses<br />
Problem jetzt lösen. Aber warum<br />
mussten wir so lange warten? Ganz<br />
einfach: Erst mit den Rechnern der<br />
neuesten Generation lassen sich die<br />
enormen Datenmengen, die bei dieser<br />
Steuerungsaufgabe anfallen, schnell<br />
genug verarbeiten.<br />
Uwe Schoppen,<br />
Redakteur <strong>Industrieanzeiger</strong><br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 29
TOPSTORY » Qualitätssicherung<br />
„Die Technik ist ausgereift und sehr robust“<br />
Bild: Zeiss<br />
Dr. Robert Zarnetta<br />
leitet das Geschäftsfeld<br />
Industrial Microscopy<br />
Solutions<br />
bei Zeiss Industrial<br />
Quality Solutions.<br />
Herr Dr. Zarnetta, wie alt ist eigentlich<br />
das Problem der unzureichenden<br />
Tiefenschärfe?<br />
So alt wie die Mikroskopie, 175 Jahre.<br />
Der Konflikt ist begründet in den Gesetzen<br />
der Optik. Mit steigender Vergrößerung<br />
sinkt die Tiefenschärfe, das<br />
ist einfach so.<br />
Und warum mussten wir so lange<br />
warten, bis es endlich eine Lösung<br />
für dieses Problem gibt?<br />
Weil keiner die Gesetze der Optik brechen<br />
kann, wir können Sie nur umgehen.<br />
Und das erfordert in diesem Fall<br />
über 15 Jahre Forschung und Entwicklung,<br />
moderne Halbleiterfertigung<br />
und Rechner der neuesten Generation.<br />
Nur so lassen sich die immensen<br />
Datenmengen schnell genug<br />
verarbeiten.<br />
Was war die eigentliche Herausforderung<br />
bei der Lösung des Problems?<br />
Eindeutig die Hardware. Insbesondere<br />
die Herstellung der Mikro-Spiegel war<br />
eine Herausforderung. Diese müssen<br />
sich in alle Raumrichtungen bewegen<br />
können, also Drehen nach vorne und<br />
hinten, links und rechts und Verschieben<br />
nach oben und unten. Die Spiegelelemente<br />
müssen quasi freischwebend<br />
gelagert werden. Nur so lassen<br />
sie sich individuell ansteuern und bewegen.<br />
Wie viele Mikro-Spiegel sind es<br />
überhaupt?<br />
Das hängt vom Design ab, aber es<br />
sind Hunderte. Jeder Mikro-Spiegel<br />
hat nur eine Fläche von 0,1 mal 0,1<br />
Millimeter.<br />
Die schnelle Ansteuerung der einzelnen<br />
Spiegel ist sicher auch nicht<br />
einfach.<br />
Kann man so sagen. Damit die einzelnen<br />
Spiegelelemente verschiedene<br />
optische Oberflächen bilden können,<br />
die eine perfekte Abbildung der Probe<br />
ermöglichen, müssen diese präzise<br />
ausgerichtet werden. Kleinste<br />
Schwankungen im Produktionsprozess<br />
der Spiegel sind grundsätzlich nicht<br />
zu vermeiden, so dass jedes Element<br />
separat kalibriert und dann auch individuell<br />
angesteuert wird.<br />
Was ist das eigentlich Revolutionäre<br />
am Visioner 1?<br />
Es gibt schon lange die Möglichkeit,<br />
tiefenscharfe Bilder durch die Verrechnung<br />
von Bildern zu erhalten, die mit<br />
unterschiedlichen Fokusebenen aufgenommen<br />
wurden. Das dauert allerdings<br />
mehrere Sekunden bis Minuten,<br />
ist also für die Inspektion von Bauteilen<br />
nicht zu gebrauchen. Der Visioner<br />
1 ermöglicht nun zum ersten Mal die<br />
Inspektion von kleinen Bauteilen bei<br />
hoher Vergrößerung mit erweiterter<br />
Tiefenschärfe in Echtzeit inklusive instantaner<br />
Dokumentation. Das Nachfokussieren<br />
fällt weg und es werden<br />
potenziell weniger Fehler übersehen.<br />
Der Aufbau der virtuellen Linse<br />
macht in der Phantasie einen eher<br />
filigranen Eindruck. Ist die Technik<br />
denn anfällig?<br />
Nein, denn es gibt keine mechanisch<br />
bewegten Teile. Die Spiegel werden<br />
nur elektrostatisch ausgelenkt und<br />
dabei von einer sehr dünnen, aber<br />
stabilen Membran gehalten. Entsprechende<br />
Module sind seit Jahren rund<br />
um die Uhr in Inline-Anwendungen<br />
im Einsatz. Deswegen können wir sagen,<br />
dass die Technik ausgereift und<br />
sehr robust ist.<br />
Wie sieht es aus mit Erschütterung<br />
und Temperaturschwankungen? Das<br />
sind schließlich die typischen Bedingungen,<br />
wie sie im praktischen Umfeld<br />
auftreten können.<br />
Das ist alles kein Problem. Die Spiegelelemente<br />
sind sehr klein und deswegen<br />
auch sehr leicht. Es gibt also<br />
wenig bewegte Masse, die erschüttert<br />
werden könnte. Und damit auch wenig<br />
Material für thermische Ausdehnungsunterschiede.<br />
Daher zeigen die<br />
Systeme eine hervorragende Schockbeständigkeit<br />
und sind temperaturstabil.<br />
Sie können das Digitalmikroskop<br />
problemlos in der Produktion<br />
einsetzen.<br />
Wie haben die ersten Anwender auf<br />
die neue Technik reagiert?<br />
Es ist schon faszinierend zu sehen,<br />
dass sich viele Kunden sozusagen damit<br />
abgefunden hatten, mit den Limitierungen<br />
bestehender Mikroskop-<br />
Lösungen auf immer zu leben. Wir<br />
übrigens auch. Deswegen sind sie nun<br />
umso überraschter, dass es auf einmal<br />
eine Lösung für das Problem gibt. Damit<br />
hatte keiner wirklich gerechnet.<br />
Für viele ergeben sich plötzlich völlig<br />
neue Möglichkeiten, ihre Inspektionsaufgaben<br />
anzugehen und effektiver<br />
zu arbeiten.<br />
30 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
„Der Unterschied ist wirklich erstaunlich“<br />
Bild: Reliance Precision<br />
Das Digitalmikroskop Visioner 1 hat die Inspektion komplexer Teile bei Reliance Precision wesentlich<br />
vereinfacht und zugleich beschleunigt.<br />
Erste Pilotkunden konnten das neue Digitalmikroskop<br />
Visioner 1 bereits im täglichen Einsatz nutzen.<br />
Einer davon ist Reliance Precision mit Sitz im<br />
englischen Huddersfield. Das Engineering-Unternehmen<br />
versteht sich als zentrale Anlaufstelle für<br />
den Konstrukteur. Das Portfolio reicht von der einfachen<br />
Schraube bis hin zu kompletten Baugruppen<br />
für Dreh- und Linearbewegungen. In der täglichen<br />
Praxis werden dabei komplexe Formen bearbeitet.<br />
Die Produkte zeichnen sich aus durch Variantenvielfalt,<br />
geringe Stückzahlen und eine hohe Präzision.<br />
Die Anforderungen an die optische Inspektion sind<br />
hoch, denn nur so kann sichergestellt werden, dass<br />
keine Fremdkörper die Qualität der Produkte beeinträchtigen.<br />
Die Inspektion mit Stereomikroskopen<br />
war für die Mitarbeiter in der Vergangenheit mühsam<br />
und zeitintensiv, da verschiedene Abschnitte<br />
der Bauteile immer wieder neu fokussiert, einzeln<br />
abgebildet und schließlich zu Berichten zusammengefasst<br />
werden mussten.<br />
Während einer Produktpräsentation von Zeiss UK<br />
lernten die Engländer das neue Digitalmikroskop Visioner<br />
1 kennen und hatten auch die Gelegenheit,<br />
das Gerät ausgiebig zu testen. Das erste, was den<br />
Engländern dabei auffiel, war natürlich die durchgehende<br />
Tiefenschärfe. „Mit dem Visioner 1 können<br />
wir eine Inspektionsaufgabe manchmal mit einem<br />
einzigen Bild erledigen“, freut sich David Torr,<br />
Head of Metrology bei Reliance Precision. „Wenn<br />
man diese Technik zum ersten Mal bei Produkten<br />
nutzt, die man bisher nur durch ein übliches Stereomikroskop<br />
gesehen hat, dann ist der Unterschied<br />
wirklich erstaunlich. Und wenn wir einen interessanten<br />
Bereich identifiziert haben, können wir<br />
sogar grundlegende Messungen durchführen.“<br />
Mit dem neuen Digitalmikroskop von Zeiss haben<br />
die Spezialisten von Reliance Precision bislang gute<br />
Erfahrungen gesammelt. „Mit dem System können<br />
wir die Effizienz der visuellen Inspektionen<br />
und der qualitativen Beurteilungen enorm steigern“,<br />
fasst David Torr zusammen. „Wir erfassen<br />
mehr Details in einem Bild, können Routinen programmieren<br />
und profitieren nicht zuletzt von der<br />
besseren Bedienerergonomie.“<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 31
TOPSTORY » Qualitätssicherung<br />
Der Anwender schaltet<br />
das Mikroskop an,<br />
hat sofort ein tiefen -<br />
scharfes Bild und<br />
kann frei über die<br />
Probe navigieren.<br />
Bild: Zeiss<br />
Alles scharf<br />
bis in die letzte Ecke<br />
Mit dem neuen Digitalmikroskop Visioner 1 hebt Zeiss die<br />
Möglichkeiten der Inspektion auf ein neues Niveau, denn<br />
der Anwender kann damit bei der Qualitätskontrolle in der<br />
Fertigung erstmals die Probe dank einer erweiterten Tiefenschärfe<br />
erstmals vollständig in Echtzeit scharf sehen. Der<br />
Schlüssel für diesen Fortschritt liegt in einem mikro-elektro-mechanischen<br />
System, das aus einem Komplex kleiner<br />
Spiegel mit einer Größe von 100 x 100 µm besteht. Diese<br />
lassen sich individuell einstellen, um virtuelle Linsen mit<br />
verschiedenen Krümmungen und damit Fokussierebenen zu<br />
generieren. Dadurch kann das Digitalmikroskop jeden Punkt<br />
der Probe scharf abbilden. Das eigentlich revolutionäre daran<br />
ist, dass die Mikro-Spiegel so schnell eingestellt werden<br />
können, dass die Bilddarstellung für den Nutzer in Echtzeit<br />
abläuft. Das Ergebnis ist eine erweiterte Tiefenschärfe, mit<br />
der sich Proben bis zu einer Tiefe von 69 mm inspizieren<br />
lassen, ohne dabei das optische System verfahren oder die<br />
Probe erneut fokussieren zu müssen. Alle 3D-Informationen<br />
der Probe sind auf einen Blick sichtbar und ermöglichen so<br />
eine schnelle und zuverlässige Inspektion.<br />
Im direkten Vergleich wird deutlich, welche Erleichterung die<br />
erweiterte Tiefenschärfe dem Mitarbeiter beschert.<br />
Bild: Zeiss<br />
inspiziert und frei gegeben. „Für die Mitarbeiter wird<br />
der Alltag durch unsere neue Technik leichter und<br />
das führt automatisch zu einem höheren Durchsatz“,<br />
versichert Zarnetta.<br />
Software vereinfacht die Inspektion<br />
und Dokumentation zusätzlich<br />
Ein ganz aktueller Anwendungsfall ist die Inspek tion<br />
von Injektionsnadeln. „Jeder von uns wird hoffentlich<br />
bald Bekanntschaft mit so einer Nadel machen“, sagt<br />
Zarnetta. „Da ist uns allen daran gelegen, dass die<br />
sauber geschliffen sind und wir bei der Impfung keinen<br />
Schmerz verspüren.“ Die Nadeln werden deshalb<br />
einer stringenten Qualitätskontrolle unterzogen. Früher<br />
musste der Mitarbeiter die feine Probe immer so<br />
lange führen, bis er endlich jedes Detail scharf gesehen<br />
hatte und er sagen konnte, dass alles in Ordnung<br />
ist. „Beim Visioner 1 hält er die Nadel drunter, bekommt<br />
das komplette Bild und macht einen Haken<br />
dran“, fasst Zarnetta zusammen.<br />
Zum neuen Digitalmikroskop liefert Zeiss ein workflow-orientiertes<br />
Softwaresystem, das die Inspektion<br />
und Dokumentation deutlich vereinfachen soll. Das<br />
ist besonders relevant für stark regulierte Branchen<br />
mit umfangreichen Nachweispflichten wie der Automobilbau,<br />
die Luft- und Raumfahrt oder die Medizintechnik.<br />
Diese Branchen sind darauf angewiesen,<br />
dass GxP-Richtlinien eingehalten werden. „Mit unserem<br />
neuen Produkt lösen wir ein fundamentales<br />
Problem in der Mikroskopie“, fasst Robert Zarnetta<br />
zusammen. „Damit unmittelbar verbunden ist ein<br />
praktischer Nutzen für unsere Kunden, denn sie können<br />
mit der neuen Technik die Produktivität steigern<br />
und sie haben eine höhere Gewissheit bei ihren Inspektionsergebnissen.“<br />
32 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Industrie<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 33
» TECHNIK & WISSEN<br />
Bionik als Impulsgeber für mobile Roboteranwendungen<br />
Robotik zum Abheben<br />
Einblicke ins Bionik-Labor von Festo verdeutlichen, wie interessant die Natur als Vorbild für<br />
industrietaugliche Hightech-Entwicklungen und gerade auch für die mobile Robotik sein kann.<br />
Bionik liefert immer wieder Impulse zu Leichtbau, Aerodynamik, Energieeffizienz, Vernetzung<br />
und Kommunikation, Kollaboration, Lernmethoden und vielem mehr.<br />
» »Nico Schröder, Korrespondent <strong>Industrieanzeiger</strong>, Augsburg<br />
Robotervogel Bionic Swift:<br />
Seine Flügel sind dem<br />
Gefieder von Vögeln<br />
nachempfunden.<br />
Konzept: Beim Bionic<br />
Mobile Assistant balanciert<br />
der mit Bionic<br />
Soft Hand 2.0 ausgestattete<br />
Roboter auf<br />
einer Kugel, um seine<br />
Position zu ändern.<br />
Bild: Festo<br />
Bild: Festo<br />
Phänomene der Natur auf Technik zu<br />
übertragen, ist beim Automasierer<br />
Festo als Vorgehensweise seit längerem<br />
fest verankert. Immer wieder schaffen es<br />
Bionik-Entwicklungen hier bis zur Serienreife<br />
– mindestens aber liefern sie<br />
Erkenntnisse und Anregungen, um Serienprodukte<br />
beispielsweise leichter, kompakter<br />
und oftmals energieeffizienter zu<br />
machen. Aktuell gilt das gerade auch für<br />
Entwicklungen in der mobilen Robotik.<br />
Mit der Entwicklung von Bionic Swift hat<br />
Festo die Weiterentwicklung seiner bionischen<br />
Flugobjekte zuletzt 2020 auf ein<br />
neues Level gebracht. Der Fokus beim<br />
künstlichen Vogel lag auf Leichtbaustrukturen,<br />
denn in der Technik wie in der<br />
Natur gilt: Je weniger Gewicht zu bewe-<br />
gen ist, desto geringer sind der<br />
Materialaufwand und der Energieverbrauch.<br />
Und so kommt der Robotervogel<br />
bei einer Körperlänge von 44,5 cm und einer<br />
Flügelspannweite von 68 cm mit 42 g<br />
Gewicht aus. Bionic Swifts sind agil, wendig<br />
und können Loopings sowie enge Kurven<br />
fliegen. Durch das Zusammenspiel<br />
mit einem Indoor-Navigationssystem auf<br />
Funkbasis bewegen sich die Robotervögel<br />
dabei koordiniert und autonom in einem<br />
abgesteckten Luftraum. Um diese Manöver<br />
möglichst naturgetreu zu fliegen, sind<br />
die Flügel dem Gefieder von Vögeln nachempfunden.<br />
Die einzelnen Lamellen<br />
bestehen aus einem ultraleichten, biegsamen,<br />
aber sehr robusten Schaumstoff und<br />
liegen schindelartig übereinander.<br />
Impulse für die Fertigung<br />
Seine Agilität verdankt der künstliche<br />
Vogel, neben einer Leichtbauweise und der<br />
aerodynamischen Kinematik, einer konsequenten<br />
Funktionsintegration. Im Vogelkörper<br />
befinden sich die kompakte<br />
Konstruktion für den Schlagflügelmechanismus,<br />
die Kommunikationstechnik sowie<br />
die Steuerungskomponenten für Flügelschlag,<br />
Höhenruder und den Schwanz.<br />
Ein Indoor-GPS auf Funkbasis mit<br />
Ultra-Breitband-Technologie ermöglicht<br />
das koordinierte und sichere Fliegen der<br />
Robotervögel. Dazu werden mehrere<br />
Funkmodule in einem Raum angebracht.<br />
Anschließend lokalisieren sich diese<br />
Anker untereinander und definieren den<br />
kontrollierten Luftraum. Zudem ist jeder<br />
34 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Vogel mit einem Funkmarker ausgestattet.<br />
Dieser sendet Signale an die Anker,<br />
die dadurch die genaue Position des<br />
Vogels verorten können und die gesammelten<br />
Daten an einen zentralen Leitrechner<br />
schicken, der als Navigationssystem<br />
fungiert. Durch die intelligente Vernetzung<br />
von Flugobjekt und GPS-Route<br />
entsteht ein 3D-Navigationssystem, wie<br />
es in der vernetzten Fabrik der Zukunft<br />
eingesetzt werden könnte. Durch die<br />
genaue Lokalisierung von Material- und<br />
Warenflüssen ließen sich zum Beispiel<br />
Prozessabläufe verbessern und Engpässe<br />
vorhersehen. Zudem könnten autonome<br />
Flugroboter etwa für den Materialtransport<br />
eingesetzt werden und mit ihren<br />
Flugkorridoren die Flächennutzung einer<br />
Fabrik optimieren.<br />
Roboter und Werker<br />
Ein weiteres Anwendungsfeld, mit dem<br />
sich Festo intensiv befasst, ist das Zusammenspiel<br />
von Robotern und Werkern.<br />
Neue Robotersysteme wie der Bionic<br />
Mobile Assistant sollen Werker beispielsweise<br />
bei monotonen oder gefährdenden<br />
Tätigkeiten entlasten und gleichzeitig<br />
risikofrei für Menschen sein. Künstliche<br />
Intelligenz spielt hierbei eine zentrale<br />
Rolle. Mit dem Bionic Mobile Assistant ist<br />
ein Prototyp eines Robotersystems entstanden,<br />
das sich autark im Raum bewegt<br />
und Gegenstände erkennen, adaptiv greifen<br />
und gemeinsam mit dem Menschen<br />
bearbeiten kann. Das System besteht aus<br />
drei Subsystemen: einem mobilen Roboter,<br />
einem elektrischen Roboterarm und<br />
einer bionischen Hand. Diese Bionic Soft<br />
Hand 2.0 – nach dem Vorbild der menschlichen<br />
Hand – kann Bewegungen naturgetreu<br />
ausführen. Dafür sind kleinbauende<br />
Piezoventiltechnik, Sensorik, Elektronik<br />
und mechanische Komponenten integriert.<br />
Die Finger und der opponierbare<br />
Daumen bestehen aus flexiblen Balg -<br />
strukturen mit Luftkammern, umhüllt von<br />
einem festen und zugleich nachgiebigen<br />
Textilgestrick (siehe Abb. rechts oben).<br />
Dadurch ist die Hand leicht, anpassungsfähig<br />
und sensibel, aber dennoch in der<br />
Lage, starke Kräfte auszuüben. Um den<br />
Spielraum von Daumen und Zeigefinger<br />
zu erweitern, haben die Entwickler den<br />
seitlichen Schwenkbereich beider Finger<br />
deutlich vergrößert. Mittels 3D-gedrucktem<br />
Handgelenk mit zwei Freiheitsgraden<br />
kann sich die Hand sowohl vor und zurück<br />
Im Bionik-Labor von Festo erläutert Designer<br />
Sebastian Schrof Funktionen der Bionic Soft<br />
Hand 2.0.<br />
als auch nach links und nach rechts<br />
bewegen, um zu greifen.<br />
Serienreif und als Automatisierungslösung<br />
verfügbar sind aktuell beispielsweise<br />
adaptive Greifer wie der Greiffinger<br />
DHAS, inspiriert von der Fischflosse, oder<br />
der Formgreifer DHEF, der anpassungsfähig<br />
wie eine Chamäleonzunge agiert.<br />
Zudem sind Bionik-Entwicklungen Teil der<br />
Lernsysteme, die von Festo Didactic angeboten<br />
werden.<br />
Bild: Nico Schröder, Konradin Mediengruppe<br />
„Ein großer Themenblock betrifft die Digitalisierung“<br />
Bild: Festo<br />
Karoline von Häfen,<br />
Leiterin Corporate<br />
Bionic Projects bei<br />
Festo<br />
Frau von Häfen, welche industriellen<br />
Technologietrends spiegeln sich in<br />
aktuellen bionischen Entwicklungen<br />
wider?<br />
Ein großer Themenblock betrifft die<br />
Digitalisierung. Bezogen auf die<br />
Industrie stellt sich unter anderem die<br />
Frage, wie Maschinen untereinander<br />
kommunizieren können, also: Wie<br />
können sie sich verständigen? Wie<br />
wird drahtlose Kommunikation umgesetzt?<br />
Felder der künstlichen Intelligenz<br />
(KI) gehören in diesen Bereich.<br />
Haben Sie ein Beispiel dazu, wie Sie<br />
KI konkret nutzen?<br />
Unsere bionische Soft Hand hat gelernt,<br />
ein Objekt zu drehen, sodass die Parallele<br />
in der Natur das menschliche<br />
Gehirn oder das Lernen wie ein Mensch<br />
ist – und dies auf Maschinen zu übertragen,<br />
darum geht es uns. Im Fall dieser<br />
Hand führen die Maschinen Aufgaben<br />
aus, die so komplex sind, dass wir<br />
diese nicht mehr adäquat kontrollieren<br />
können. Also wir können keine einfache<br />
Software oder ein einfaches Programm<br />
dafür schreiben. Viel effizienter ist es,<br />
das Ergebnis und bestimmte Randbedingungen<br />
vorzugeben und die Maschine<br />
in die Lage zu versetzen, solche Prozesse<br />
selbst zu erlernen und effiziente<br />
Wege zu finden, Aufgaben zu lösen.<br />
In Hinblick auf Losgröße 1 ist Flexibilität<br />
in Produktionsanlagen gefragt,<br />
die immer häufiger umgerüstet werden<br />
und sich austauschen müssen –<br />
also betrifft das auch Fragen dazu,<br />
wem Daten in der Cloud gehören, wie<br />
sie zu schützen sind oder ob Daten<br />
nicht auf den Maschinen selbst verarbeitet<br />
werden sollten – On Premise.<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 35
Die meisten mittelständischen<br />
Unternehmen<br />
bewegen<br />
sich derzeit zwischen<br />
3.2 und 3.8.<br />
Bild: Martin Rettenberger/stock.adobe.com<br />
Zehn Jahre Industrie 4.0: Aller Anfang ist schwer<br />
10 x 4.0 = 34<br />
2011 war das erste Mal von Industrie 4.0 die Rede. Rund 1000 Projektkonsortien, circa<br />
10.000 Konferenzen und geschätzte 100.000 Publikationen später sehen zwar 95 % der<br />
deutschen Unternehmer dieses Konzept als Chance – aber nur 34 % treiben den digitalen<br />
Ausbau proaktiv voran. Ein Rück-, Über- und Ausblick.<br />
» Michael Grupp, freier Journalist in Stuttgart<br />
Im Vorfeld der Hannover Messe 2011 prognostizierten<br />
die Gründungsväter der damals neu ins<br />
Leben gerufenen „Initiative Industrie 4.0“ eine bevorstehende,<br />
vom Internet getriebene vierte industrielle<br />
Revolution. Der Grundgedanke bestand in der Kombination<br />
einer übergeordneten digitalen Welt mit realen<br />
Fertigungssystemen; der digitale Zwilling war geboren.<br />
Die dadurch entstehenden cyberphysikalischen<br />
Produktionssysteme sollten direkt zu höherer<br />
Produktivität und damit verbunden zu einer verbesserten<br />
Wettbewerbsfähigkeit führen. Schlagworte<br />
wie „Losgröße eins“, „Smart Factories“,<br />
„Mensch-Maschine-Kooperation“ und<br />
„atmende Produktion“ machten die<br />
Runde.<br />
Die Vision überzeugte, weil sie<br />
für Industrie und Gesellschaft erhebliche<br />
Fortschritte in Aussicht<br />
stellte: Angefangen von deutlich<br />
mehr Ressourcen- und Energie-<br />
Effizienz, über maßgeschneiderte<br />
IM ÜBERBLICK<br />
Industrie-4.0-Konzepte sind<br />
dann am erfolgreichsten,<br />
wenn IT-Architekturen<br />
optimierte Geschäfts -<br />
modelle und -prozesse<br />
abbilden.<br />
Produkte bis hin zur Arbeitsentlastung des Menschen,<br />
dessen schweißtreibende Jobs in Zukunft autonome<br />
Systeme übernehmen sollten. Nicht nur<br />
Deutschland und Europa, die gesamte industrielle<br />
Welt stand von heute auf morgen im Zeichen der<br />
vierten industriellen Revolution.<br />
Andere Länder, andere Bytes<br />
Was in den nächsten Jahren zu unterschiedlichen<br />
Reaktionen führte. 2015 hat China als Antwort auf<br />
Industrie 4.0 das Zehn-Jahres-Programm „Made in<br />
China 2025“ vorgestellt. Allerdings mit dem<br />
Unterschied, dass der europäische Ansatz<br />
den technischen Fortschritt<br />
eines Unternehmens oder eines<br />
Workflows in den Vordergrund<br />
stellt. Das chinesische Pendant<br />
fokussiert dagegen die gesamte<br />
Industrielandschaft. Fortschritte<br />
in der Produktionstechnologie<br />
zählen dabei nur als ein Puzzlestein<br />
36 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
TECHNIK & WISSEN «<br />
Nürnberg, Germany<br />
18.– 20.1.2022<br />
von vielen. Auch die USA sind einen eigenständigen<br />
Weg gegangen. Amerikanische Unternehmen wie<br />
Amazon, Facebook, Apple, Google und Microsoft haben<br />
vor allem Business-to-Consumer-Technologien<br />
vorangetrieben – und damit verbunden neue Geschäftsmodelle<br />
aufgesetzt. Industrie 4.0 im eigentlichen<br />
Sinne und als technologischer Ansatz besetzt in<br />
den USA unter der Bezeichnung „Industrial Internet“<br />
eher eine Nebenrolle. Mit welcher Zielrichtung auch<br />
immer: Der Begriff „Industrie 4.0“ hat sich international<br />
durchgesetzt und wird rund um den Globus als<br />
innovatives Konzept aus Deutschland assoziiert.<br />
Nach Erhebungen der Bitkom setzen mittlerweile<br />
62 % der deutschen Unternehmen Industrie-4.0-Anwendungen<br />
ein – besitzen demnach zumindest teilweise<br />
vernetzte Produktionsanlagen. Mit unterschiedlichen<br />
Erwartungen und Erfahrungen. So verweisen<br />
die Gründungsväter auf bereits erzielte Erfolge.<br />
Und in der Tat wurden in bestimmten Anwendungsbereichen<br />
bereits handfeste Fortschritte<br />
erzielt: angefangen bei Predictive Maintenance und<br />
Retrofit über vernetzte Logistik- und Beschaffungskonzepte<br />
bis hin zu unternehmensübergreifenden<br />
Workflows.<br />
Zwei Drittel Nachzügler<br />
Doch trotz der punktuellen Verbreitung von Industrie<br />
4.0-Lösungen stufen sich laut Bitkom aktuell zwei<br />
Drittel der Unternehmen (66 %) als Nachzügler oder<br />
als bereits abgehängt ein. Als Gründe nennt der<br />
Branchenverband in einer aktuellen Erhebung vor<br />
allem fehlende finanzielle Mittel (77 %), sowie<br />
Anforderungen an den Datenschutz (61 %) und an<br />
die IT-Sicherheit (57 %).<br />
Die breite Masse der Unternehmen ist demzufolge<br />
bislang nur schrittweise vorangekommen. Vor allem<br />
die angepeilte Steigerung der Arbeitsproduktivität<br />
konnte dabei nicht in dem erwarteten Umfang<br />
erreicht werden. Die Zahlen sind ernüchternd: Das<br />
Statistische Bundesamt weist in seiner Fachserie 18<br />
aus dem Jahr 2020 nach, dass die Produktivität der<br />
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Bild: tadamichi/stock.adobe.com<br />
Ohne optimierte Prozesse laufen IT-basierte 4.0-Lösungen ins Leere.<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 37
Das Urteilsvermögen<br />
des Menschen ist KI<br />
weiterhin überlegen.<br />
Bild: Halfpoint/stock.adobe.com<br />
deutschen Industrie zwischen 2011 und 2017 nur um<br />
etwa fünf Prozent gestiegen ist. In der darauf einsetzenden<br />
Industrierezession wurde dieses Ergebnis<br />
dann wieder ganz zunichte gemacht. Das Produktivitätsniveau<br />
der deutschen Industrielandschaft bewegt<br />
sich damit derzeit wieder auf dem Niveau von 2011.<br />
Davon betroffen sind auch erfolgreiche Branchen wie<br />
der Maschinenbau. Eine vom VDMA bereits im Jahr<br />
2016 beauftragte Studie kommt zu dem Ergebnis:<br />
„Die rasche Verbreitung einer umfassenden, intensiven<br />
Digitalisierung trägt aktuell nicht zu Produktivitätsgewinnen<br />
in der Produktion des Maschinenbaus<br />
bei. Für Investitionen in Software zeigt sich im<br />
Gegenteil sogar ein negativer Produktivitätseffekt.“<br />
Industrie 4.0 rechnet sich (noch) nicht<br />
Mehrere Institute und Hochschulen beschäftigen<br />
sich mit Ursachenforschung: so zum Beispiel das Institut<br />
für Lernen und Innovation in Netzwerken (ILIN)<br />
in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für<br />
System- und Innovationsforschung (ISI) und der<br />
Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft. Die<br />
gemeinsame Studie „Wertschöpfungspotenziale 4.0“<br />
kommt unter dem Strich zu dem Ergebnis: „...dass in<br />
der Vergangenheit zu einseitig auf IT-Lösungen gesetzt<br />
wurde, obwohl Produktivitätsfortschritte aller<br />
Erfahrung nach zuerst einmal auf Prozessverbesserungen<br />
beruhten. Die Digitalisierung der Produktion<br />
führe nicht zwangsläufig zu Produktivitätszuwächsen.“<br />
Oder wie es Thorsten Dirks, CEO von Telefónica<br />
Deutschland, ungleich drastischer ausdrückte:<br />
„Wenn sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann<br />
haben sie einen scheiß digitalen Prozess.“<br />
Booster für 4.0<br />
Die Studienautoren empfehlen als initialen Schritt<br />
zuerst eine Vereinfachung der physischen Prozesslandschaft.<br />
Sie empfehlen damit bei der Digitalisierung<br />
eine ähnliche Vorgehensweise wie bei nachgewiesen<br />
erfolgreichen Automatisierungsprojekten:<br />
Erst die Prozesse strukturieren, um darauf aufbauend<br />
physische Abläufe mit dem Fokus Kundenorientierung<br />
zu optimieren. Erst im dritten Schritt kann dann<br />
die Automatisierung beziehungsweise die Digitalisierung<br />
folgen. ISI und ILIN rechnen vor, dass im verarbeitenden<br />
Gewerbe ein Wertschöpfungspotenzial<br />
von etwa 95 Mrd. Euro steckt. Das entspricht einer<br />
Arbeitsproduktivitätsverbesserung von knapp 15 %,<br />
die bis dato brach liegen. Der Schlüssel dazu liegt im<br />
Lean-Management, welches damit gleichberechtigt<br />
neben die Digitalisierung tritt.<br />
Die kommenden Ausbaustufen von 4.0 basieren auf künstlicher Intelligenz.<br />
Bild: Olivier Le Moal/stock.adobe.com<br />
Experimente statt Masterplan<br />
Prof. Dr. Henning Kagermann, einer der Gründerväter<br />
von Industrie 4.0 und Vorsitzender des Acatech Kuratoriums,<br />
ist überzeugt: „Es gibt keinen Masterplan<br />
zur Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt. Der Weg<br />
der Transformation führt vor allem über Experimente.“<br />
Das erfordert ein konzertiertes Miteinander aller<br />
Beteiligten. Dazu muss zum Beispiel die Politik Subventionen<br />
und Fördermodelle auflegen, welche die<br />
Experimentalkosten der Industrie abfedern. Dazu<br />
müssen aber auch die Entscheider Industrie 4.0 als<br />
38 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
TECHNIK & WISSEN «<br />
übergreifendes Unternehmens-Konzept begreifen<br />
und behandeln – und nicht nur als komplexes Datenerfassungs-<br />
und Datenverarbeitungs-System. Gewerkschaften<br />
und Mitarbeiter müssen sich ebenfalls<br />
auf die Folgen der Digitalisierung einlassen. Und Gesellschaft<br />
und Verbraucher sollten Unternehmen<br />
nicht nur anhand ihres Kohlendioxid-Ausstoßes bewerten,<br />
sondern auch daran, was die jeweilige Marke<br />
an Zukunftssicherheit und Wohlstand für die Gesellschaft<br />
und die Arbeitskräfte bietet.<br />
Wie sieht 4.1 aus?<br />
Corona wirkt derzeit als Treiber der Digitalisierung.<br />
Laut einer Studie von Bitkom Research haben 81 %<br />
der deutschen Unternehmen während der Krise ihr<br />
Produktportfolio angepasst, 42 % haben neue Geschäftsmodelle<br />
aufgesetzt. 62 % verzeichnen einen<br />
Innovationsschub für ihr Unternehmen. Die Krise<br />
wird zur Chance. Dabei zeichnen sich drei technologische<br />
Trends ab: der Einsatz von IoT-Plattformen,<br />
3-D-Druck und 5G. IoT-Plattformen sind Voraussetzung<br />
für digitale Mehrwertdienste von Predictive<br />
Maintenance bis hin zur Just-in-Sequence-Logistik.<br />
Der Erfolg von 3-D-Druck hängt indes linear von der<br />
Entwicklung neuer Materialien ab – wobei inzwischen<br />
nicht nur Werkzeuge, sondern auch Werkzeugformen<br />
additiv hergestellt werden können. 5G ist dagegen<br />
die Voraussetzung einer latenzfreien Kommunikation<br />
zwischen einer nahezu unbegrenzten Anzahl<br />
von beteiligten Instanzen. Für 4.1 und folgende<br />
sehen Experten die KI in Kombination mit Robotik als<br />
kommender Megatrend. Wobei die Forscher uneins<br />
sind, ob Künstliche Intelligenz den Menschen ersetzen<br />
oder ergänzen wird.<br />
Tesla-CEO Elon Musk hat die „exzessive Automatisierung“<br />
in seinem Unternehmen unlängst als Fehler<br />
bezeichnet und in Teilbereichen der Produktion den<br />
Einsatz von Robotern wieder reduziert. Er twitterte:<br />
„Yes, excessive automation at Tesla was a mistake. To<br />
be precise, my mistake. Humans are underrated“. Mit<br />
dieser Einsicht und der daraus resultierenden korrigierten<br />
Produktionsstrategie ist Musk nach Einschätzung<br />
des US-Autoexperten Sandy Munro seinen<br />
Wettbewerbern erneut um Jahre voraus.<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 39
» TECHNIK & WISSEN<br />
Forscher arbeiten daran, KI auch für den Mittelstand beherrschbar zu machen<br />
Kollege Algorithmus verstärkt bald<br />
auch kleinere Fertigungsbetriebe<br />
Maschinelles Lernen und KI-Lösungen erfolgreich einzusetzen, stellt besonders kleinere<br />
und mittlere Produktionsbetriebe noch vor einige Herausforderungen. In verschiedenen<br />
Forschungsprojekten arbeiten Wissenschaftler und deren Industriepartner daran, die Systeme<br />
handhabbar zu machen sowie rechtliche und regulatorische Unsicherheiten zu eliminieren.<br />
» Mona Willrett, Redakteurin <strong>Industrieanzeiger</strong><br />
Für kleinere und mittlere Produktionsbetriebe<br />
ist der Einsatz von<br />
KI-Systemen mit vielen offenen<br />
Fragen verbunden und in seiner<br />
Komplexität allein kaum zu stemmen.<br />
Verschiedene Forschungsprojekte<br />
sollen den Weg ebnen.<br />
Wir erleben spannende Zeiten. Corona<br />
und der Klimawandel haben die<br />
Welt und unsere Werte verändert. Auf<br />
dem Weg in die Zukunft spielt künstliche<br />
Intelligenz an vielen Stellen eine entscheidende<br />
Rolle. Als Schlüsseltechnologie<br />
birgt KI enormes Innovationspoten -<br />
zial. Auch in der produzierenden Industrie<br />
sind Algorithmen und sich selbst optimierende<br />
Prozesse wichtige Voraussetzungen<br />
für den künftigen Erfolg.<br />
Doch bislang wird maschinelles Lernen<br />
in der Produktion – insbesondere im Mittelstand<br />
– wenig genutzt. Unsicherheiten<br />
bestehen vielerorts noch hinsichtlich des<br />
wirtschaftlichen Nutzens, der Anwendbarkeit<br />
im eigenen Produktionsumfeld sowie<br />
der Datensicherheit und der Rechteverteilung.<br />
Zu den Hemmnissen für den<br />
Einsatz von KI gehört mitunter aber auch<br />
Bild: Poobest/stock.adobe.com<br />
das Alter der Produktionsmaschinen. Die<br />
nötigen Daten lassen sich mitunter nicht<br />
oder nur mit großem Aufwand erfassen.<br />
Laut dem Stuttgarter Fraunhofer-Institut<br />
für Produktionstechnik und Automatisierung<br />
(IPA) fehlt in vielen produzierenden<br />
Unternehmen nach wie vor der digitale<br />
Unterbau. Maschinen seien nicht ausreichend<br />
vernetzt, Datenerfassung nicht im<br />
erforderlichen Maß vorhanden. Hinzu<br />
komme, dass die IT-Infrastruktur oft heterogen<br />
und schwer zu warten sei.<br />
Viele KMU fürchten deshalb inzwischen,<br />
in Sachen Industrie 4.0 und KI den<br />
Anschluss zu verpassen. Manche Betriebe<br />
zeigen sich besorgt darüber, dass Forscher<br />
und Unternehmensförderung sie aus den<br />
Augen verlieren könnten und sie in der<br />
Folge keine Chance mehr haben, relevante<br />
Entwicklungen mitzugestalten.<br />
Der Einsatz künstlicher Intelligenz in der<br />
Produktion gleicht oft noch einer Einbahnstraße.<br />
Zwischen dem lernenden KI-System<br />
und dem Nutzer fehlt in der Regel eine<br />
Rückkopplung, die über die reine Bewertung<br />
der errechneten Lösungen hinausgeht.<br />
Und noch zwei weitere wichtige Hürden<br />
haben mit den am KI-Prozess beteiligten<br />
Menschen zu tun: Neben der Transformation<br />
der Arbeit, wo es zu signifikanten<br />
Verschiebungen der Aufgaben zwischen<br />
Mensch und Maschine kommen wird, erfordern<br />
KI-Systeme mehr Fachkräfte, die<br />
gut ausgebildet sind und entsprechend geschult<br />
werden müssen. Diese Experten sind<br />
die Voraussetzung, um intelligente Systeme<br />
zu entwickeln, zu betreiben und zu<br />
warten sowie die Fehlersuche und fortlaufende<br />
Verbesserungen voranzubringen.<br />
Spielte menschliches Wissen bislang<br />
hauptsächlich als Datenquelle beim Anlernen<br />
künstlicher Intelligenz eine zentrale<br />
Rolle, gehen die Forscher am Aachener<br />
Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie<br />
(IPT) nun im Projekt „GeMeKI –<br />
Generalisierung von menschzentrierten<br />
KI-Applikationen für die Produktionsoptimierung“<br />
einen Schritt weiter: Gemeinsam<br />
mit Industriepartnern entwickeln sie<br />
zu drei ausgewählten Fertigungsverfahren<br />
die Komponenten für ein bedienerfreund-<br />
40 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
liches Expertensystem, das den Menschen<br />
und nicht die Softwareanwendung in den<br />
Mittelpunkt stellt. Ziel ist es, die Mensch-<br />
Maschine-Interaktion in beide Richtungen<br />
zu verbessern und auf diese Weise auch<br />
die Akzeptanz digitaler Assistenzsysteme<br />
im betrieblichen Alltag zu steigern. Im<br />
BMBF-geförderten Projekt entsteht ein<br />
Gesamtsystem aus KI, Sensorik und Produktionstechnik,<br />
das sich – im Gegensatz<br />
zu den bisherigen Insellösungen – nahtlos<br />
in die Wertschöpfungskette einfügen<br />
kann und sich an beliebige weitere Anwendungsfelder<br />
anpassen lässt.<br />
Für die Nutzer gibt es in diesem System<br />
stets mehrere Schnittstellen zur Interaktion:<br />
An die Stelle des gängigen unidirektionalen<br />
Ablaufs, bei dem der Mensch die<br />
von der KI gefundenen Lösungswege bewertet,<br />
selbst aber kein Feedback erhält,<br />
soll ein dynamischer, bidirektionaler Prozess<br />
treten. Das bedeutet, dass Nutzer in<br />
der Anwendung der gefundenen Lösungen<br />
aktiver als bisher ins Geschehen eingreifen<br />
und selbstständig korrigieren können.<br />
Zudem erzeugen sie mithilfe von<br />
Sensorik neue, verbesserte Rohdaten, die<br />
die KI-Modelle mit weiteren Informationen<br />
anreichern. Wie das funktionieren<br />
kann, erproben die Wissenschaftler anhand<br />
dreier Beispielprozesse, dem Fügen,<br />
dem Trennen und dem Umformen.<br />
Hilfe beim Fehlermanagement<br />
Kürzer werdende Innovationszyklen bei<br />
hochwertigen und komplexen Produkten<br />
sowie die steigende Zahl an Modell- und<br />
Ausstattungsvarianten lassen die Herausforderungen<br />
für Hersteller und Zulieferer<br />
erahnen. Hier kann der Einsatz künstlicher<br />
Intelligenz den Weg zu Wirtschaftlichkeitsreserven<br />
ebnen. Um dieses Potenzial<br />
zu erschließen, hat das am Werkzeugmaschinenlabor<br />
WZL der RWTH Aachen gestartete<br />
Forschungsprojekt „value chAIn“<br />
ein ganzheitliches, intelligentes Fehlermanagement<br />
entlang der Wertschöpfungskette<br />
zum Ziel. Durch die Rückkopplung<br />
von Produktions- und Felddaten und<br />
eine aufbauende, KI-basierte Datenana -<br />
lyse sollen Verfügbarkeit und Leistung sowie<br />
das frühzeitige Identifizieren und<br />
nachhaltige Abstellen von Prozess- und<br />
Produktfehlern optimiert werden. Um<br />
Fehler in der Produktion proaktiv abzustellen,<br />
Wartungen in der Nutzungsphase<br />
vorausschauend durchzuführen oder die<br />
Entwicklung von Produkten zu optimieren,<br />
wollen die Forscher intelligente Analysemethoden<br />
zur Entscheidungsunterstützung<br />
entwickeln und implementieren.<br />
Wesentliche Voraussetzung dafür ist das<br />
organisationsübergreifende Bereitstellen<br />
von Produktions- und Nutzungsdaten.<br />
Und auch Dr. Alexander Broos, Leiter<br />
Forschung und Technik beim Verein<br />
Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken<br />
(VDW), betont: „Die partnerschaftliche<br />
Zusammenarbeit über Disziplingrenzen<br />
hinweg ist essenziell für die Sicherung<br />
eines Wettbewerbsvorteils in den klassischen<br />
wirtschaftsstarken Disziplinen.“<br />
Chance, sich zu beteiligen<br />
Mit dem Ziel, den Einsatz von KI in der<br />
Produktion zu beschleunigen, unterstützt<br />
der VDW das vom Bundeswirtschafts -<br />
ministerium geförderte Innovationsprojekt<br />
„Next Level Ecosphere for Intelligent Industrial<br />
Production“, kurz IIP-Ecosphere.<br />
Das Projekt vernetzt Akteure aus Wirtschaft<br />
und Wissenschaft in einem Ökosystem<br />
der intelligenten Produktion und entwickelt<br />
anwendungsorientierte KI-Methoden<br />
und innovative Geschäftsmodelle für<br />
die nächste Generation der Industrie 4.0.<br />
Die Wettbewerbsfähigkeit soll durch eine<br />
sich selbst optimierende Produktion gestärkt<br />
werden. Das Ökosystem mit 18 Konsortial-<br />
und 57 assoziierten Partnern ent-<br />
Bild: IIP Ecosphere<br />
wickelt unter anderem einen KI-Lösungskatalog,<br />
der Unternehmen einen schnelleren<br />
Überblick über verfügbare Lösungen<br />
und deren Anwendungen bieten soll, sowie<br />
eine virtuelle Plattform. Besonderes<br />
Augenmerk genießt dabei die Nutz- und<br />
Anwendbarkeit im industriellen Umfeld.<br />
Zudem werden rechtliche, organisatorische<br />
und technische Rahmenbedingungen<br />
erarbeitet, damit Daten einfacher und sicherer<br />
geteilt werden können. Das soll helfen,<br />
neue Dienste zu entwickeln und zu<br />
verbessern. Letztlich will man so vor allem<br />
Mittelständler und Start-ups in die Lage<br />
versetzen, KI-Methoden zur intelligenten<br />
Produktion selbst anzuwenden und weiterzuentwickeln.<br />
Der offene Ökosystemansatz<br />
von IIP-Ecosphere mit vielen Beteiligungsmöglichkeiten<br />
bietet den Unternehmen<br />
die Möglichkeit, Herausforderungen<br />
gemeinsam anzugehen und technologische<br />
Alternativen zu entwickeln, die KI für<br />
viele Unternehmen zugänglich machen.<br />
Umfrage zum Status quo<br />
Im Rahmen von IIP-Ecosphere führten die<br />
Forscher auch eine Online-Umfrage durch,<br />
deren Ziel es war, den aktuellen Stand in<br />
den Unternehmen sowie die praktischen<br />
Herausforderungen in Bezug auf den Einsatz<br />
von KI und damit verbundenen Themen<br />
zu ermitteln. „Wir wollten notwen -<br />
dige Handlungsfelder aufzeigen, in denen<br />
IIP-Ecosphere die Nutzbarmachung von<br />
KI-Methoden aktiv beschleunigen kann“,<br />
erklärt Projektleiterin Dr. Claudia Niederée<br />
Das Projekt IIP-Ecosphere lebt von Kooperation und Dialog. Der Austausch über Erkenntnisse, Anforderungen,<br />
Hemmnisse, Erfahrungen und Best Practices ist ein entscheidendes Erfolgskriterium fürs Funktionieren<br />
des Ökosystems.<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 41
» TECHNIK & WISSEN<br />
Bild: WZL<br />
Im Projekt „value chAIn“<br />
wollen Forscher des<br />
Werkzeugmaschinen -<br />
labors WZL der RWTH<br />
Aachen gemeinsam mit<br />
Industriepartnern ein<br />
ganzheitliches, intelligentes<br />
Fehlermanagement<br />
entlang der Wertschöpfungskette<br />
ent -<br />
wickeln.<br />
Um die mit KI verbundenen Risiken zu<br />
handhaben, eine sichere Nutzung zu gewährleisten<br />
und die Kompatibilität zu ermöglichen,<br />
sind behördliche Richtlinien<br />
und internationale Standards notwendig,<br />
an denen sich Unternehmen und andere<br />
Organisationen bei der Nutzung und Entwicklung<br />
neuer KI-Technologien orientieren<br />
können. Normierte Managementsysteme<br />
wie sie aus anderen Unternehmensbereichen<br />
geläufig sind, befinden sich im<br />
KI-Umfeld aber noch in der Entwicklung.<br />
Ein internationaler Standard für KI-<br />
Managementsysteme wird aktuell von<br />
einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der<br />
Normungsorganisationen ISO und IEC erarbeitet.<br />
Derzeit besteht er als Arbeitsentwurf,<br />
den das Fraunhofer IAIS in einer<br />
Studie untersucht hat. Dabei ging es darum,<br />
inwieweit der Standard Unternehmen<br />
und Organisationen dabei unterstütvom<br />
Forschungszentrum L3S in Hannover.<br />
An der Umfrage nahmen 75 Unternehmen<br />
teil, zwei Drittel davon aus der Werkzeugmaschinenindustrie.<br />
Auffällig war die mit 70 % hohe Beteiligung<br />
größerer Unternehmen. Hintergrund<br />
könnte laut Niederée eine im Vergleich zu<br />
mittelständischen Betrieben stärkere Beschäftigung<br />
mit KI-Themen sein. Mit über<br />
37 % gab ein recht hoher Anteil der Befragten<br />
an, bereits in KI-basierte Lösungen<br />
involviert zu sein. Demgegenüber finden<br />
über die Hälfte der Befragten das Thema<br />
zwar spannend, hatten aber noch keine<br />
Gelegenheit, sich damit zu beschäftigen.<br />
Überwiegend einig sind sich die Befragten,<br />
dass KI zur Unterstützung und nicht als<br />
Ersatz für Menschen in der Produktion<br />
eingesetzt werden soll.<br />
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass<br />
über 90 % der Unternehmen bereits Produktionsdaten<br />
erfassen. Jedoch gibt fast<br />
die Hälfte der Befragten an, dass das Erfassen<br />
der relevanten Daten sie vor Probleme<br />
stellt. Ein zwiespältiges Bild ergab<br />
Studie zum Status quo<br />
Im Rahmen des Projekts IIP-Eco -<br />
sphere führten Forscher eine<br />
Industrieumfrage zu Erwartungen,<br />
Erfahrungen und Herausforderungen<br />
beim Einsatz von KI-Systemen in<br />
der Produktion durch. Die Studie ist<br />
als White Paper mit dem Titel „KI in<br />
der Produktion – quo vadis?“ zu<br />
finden unter: http://hier.pro/b0YgA<br />
sich beim Thema Data Sharing. Auf der<br />
einen Seite denken 57 % der Befragten,<br />
dass sie von den Daten anderer Unter -<br />
nehmen profitieren könnten, andererseits<br />
würden nur 16 % unternehmensfremde<br />
Daten erwerben. Und 59 % sehen noch<br />
Klärungsbedarf bei rechtlichen Fragen.<br />
In der industriellen Produktion werden<br />
vermehrt IIoT-Plattformen eingesetzt, die<br />
das koordinierte Steuern von Maschinen<br />
und das zentralisierte Sammeln von Daten<br />
unterstützen. Fast ein Drittel der befragten<br />
Unternehmen setzt bereits eine solche<br />
Software-Lösung ein. Dem gegenüber haben<br />
knapp 45 % keinen Einsatz geplant.<br />
Laut der Umfrage sind es vorrangig größere<br />
Unternehmen, die bereits aktiv von<br />
IIoT-Plattformen Gebrauch machen.<br />
KI-Managementsysteme helfen<br />
zen kann, KI- Technologien auf vertrauenswürdige<br />
Weise zu nutzen und zu entwickeln.<br />
Die IAIS-Studie „Management<br />
System Support for Trustworthy Artificial<br />
Intelligence“ zeigt, dass ein KI-Managementsystem<br />
für Unternehmen künftig ein<br />
wichtiger Schritt sein kann, um geeignete<br />
Strategien und Prozesse zu definieren.<br />
„Für Organisationen, die KI einsetzen,<br />
sollte das Ziel, verantwortungsvoll, vertrauenswürdig<br />
und rechtskonform zu<br />
sein, in ihrer Governance-, Risk- und<br />
Compliance-Strategie deutlich zum Ausdruck<br />
kommen“, empfiehlt Dr. Michael<br />
Mock, Co-Autor der Studie. KI-Managementsysteme<br />
könnten Unternehmen und<br />
Entwickler auch langfristig beim Einhalten<br />
aktueller und kommender Richtlinien<br />
und Gesetze unterstützen.<br />
Darüber hinaus ist das IAIS etwa im<br />
Projekt „Zertifizierte KI“ an der Definition<br />
praxistauglicher Prüfgrundlagen und Kriterien<br />
für die Vertrauenswürdigkeit und<br />
Zuverlässigkeit von KI-Systemen beteiligt.<br />
Mehr KI-Know-how erforderlich<br />
Dass das KI-Wissen auch bei den Verantwortlichen<br />
und Entscheidern in der Industrie<br />
wachsen müsse, betont Prof. Jörg<br />
Krüger, Leiter des Instituts für Werkzeugmaschinen<br />
und Fabrikbetrieb (IWF) der TU<br />
Berlin. Der Leitautor des Standpunktpapiers<br />
„KI in der Produktion“ der Wissenschaftlichen<br />
Gesellschaft für Produktionstechnik<br />
(WGP) sagt: „Um KI voranzubringen,<br />
braucht es noch mehr Verständnis<br />
für Machine Learning.“ Wenn Verantwortliche<br />
in Unternehmen mehr über maschinelles<br />
Lernen wüssten, können sie<br />
Entscheidungen der Systeme auch besser<br />
nachvollziehen und akzeptieren.<br />
42 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Technologie-Netzwerk It‘s OWL feiert 2022 Jubiläum<br />
Neue Wege für die Industrie von morgen<br />
Seit zehn Jahren arbeiten über 200 Partner in Projekten im Spitzencluster It‘s OWL in<br />
Ost-Westfalen-Lippe an zukunftsweisender Technologie. Im neuen KI-Reallabor in der<br />
Smart-Factory-OWL treiben Unternehmen und Forschungseinrichtungen die Entwicklung<br />
und Erprobung von KI-Anwendungen in der Industrie voran: So unterstützt eine App<br />
Maschinenbauer, Fehler automatisiert zu finden – und das fünf Mal schneller als bisher.<br />
» Christina Makowski, PR- und Marketingreferentin bei It‘s OWL, Paderborn<br />
Die Wettbewerbsfähigkeit des industriellen<br />
Mittelstands stärken – mit<br />
diesem Ziel ist das Netzwerk Intelligente<br />
Technische Systeme Ost-Westfalen-Lippe<br />
(It‘s OWL) 2012 im Spitzencluster-Wettbewerb<br />
des Bundes angetreten und ausgezeichnet<br />
worden. Mehr als 200 Unternehmen<br />
und Forschungseinrichtungen<br />
entwickeln seitdem gemeinsam im Spitzencluster<br />
neue Ansätze und Lösungen<br />
mit dem Ziel, eine Innovationsplattform<br />
für den industriellen Mittelstand aufzubauen.<br />
Dazu dienen im Wesentlichen<br />
Innovations- und Transferprojekte.<br />
Der Erfolg der vergangenen Jahre hat<br />
der Marke It‘s OWL einen hohen Bekanntheitsgrad<br />
verschafft. Darum wird seit<br />
2018 diese positive Entwicklung und<br />
Etablierung des Clusters genutzt, um<br />
wegweisende strategische Initiativen<br />
gezielt umzusetzen. Dabei handelt es sich<br />
um Aktivitäten und Projekte, die deutlich<br />
über die regionalen Grenzen Ost-West -<br />
falen-Lippes hinauswirken. Der inhalt -<br />
liche Fokus liegt zunehmend darauf, die<br />
Potenziale künstlicher Intelligenz (KI) in<br />
den verschieden Kontexten der produzierenden<br />
Industrie zu erschließen.<br />
„KI hat enorme Potenziale, um Maschinen<br />
und Anlagen effizienter und produktiver<br />
zu fertigen. Von den Ergebnissen und<br />
Erfahrungen können produzierende Unternehmen<br />
in ganz OWL profitieren“, erklärt<br />
Günter Korder, Geschäftsführer der<br />
It‘s OWL Clustermanagement GmbH.<br />
Der Einsatz von KI verspricht ein hohes<br />
Nutzenpotenzial in der industriellen Anwendung<br />
und neue Geschäftsmodelle. Sie<br />
unterliegt jedoch häufig vielen Beschränkungen:<br />
Zum einen haben aktuelle KI-<br />
KI birgt große Nutzenpotenziale für die Industrie, gleichzeitig bedarf sie einer sinnvollen Regulierung.<br />
Das KI-Reallabor des Spitzenclusters It‘s OWL bietet Unternehmen eine sichere Spielwiese.<br />
Technologien oftmals keinen direkten<br />
Bezug zu den praktischen Problemstellungen<br />
der Industrie, zum anderen fehlt<br />
zum Testen der Zugang zu nutzbaren industriellen<br />
Infrastrukturen und realen<br />
Produktionsanlagen. Eine sinnvolle Regulierung<br />
und rechtliche Rahmenbedingungen<br />
gestalten sich als schwierig.<br />
KI-Reallabor gestaltet die<br />
industrielle Datenwirtschaft<br />
Sogenannte Reallabore können diese Diskrepanz<br />
zwischen Forschung und Praxis<br />
überbrücken, indem sie einen offenen und<br />
gleichzeitig geschützten Kollaborationsraum<br />
für Mensch und Technik schaffen<br />
und mit möglichst wenigen Regulierungen<br />
Innovationsprozesse zulassen, um<br />
Potenziale und Auswirkungen von KI in<br />
enger Kooperation zwischen Wissen-<br />
schaft und Industrie in realer Industrieumgebung<br />
zu erforschen.<br />
Ein solches Reallabor mit Schwerpunkt<br />
KI entsteht seit Anfang 2020 unter der<br />
Leitung des Fraunhofer-Instituts IOSB-<br />
INA in der Smart-Factory-OWL in Lemgo.<br />
Es ist als Projekt des Bundesministeriums<br />
der Wirtschaft (BMWi) mit einem Volumen<br />
von 2,24 Mio. Euro bis Ende 2022<br />
angelegt. Im Reallabor kommen Unternehmen<br />
und Forschungseinrichtungen<br />
zusammen, um die Entwicklung und Erprobung<br />
von KI-Anwendungen in der<br />
Industrie zu beschleunigen. Die zentrale<br />
Frage ist, wie KI-Technologien unter den<br />
Rahmenbedingungen der Industrie 4.0<br />
gewinnbringend und menschenzentriert<br />
eingesetzt werden können. Die Ergebnisse<br />
von umgesetzten Anwendungsfällen<br />
dienen als Beispiele für die Nutzung in<br />
Bild: fotomek/stock.adobe.com<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 43
» TECHNIK & WISSEN<br />
der betrieblichen Praxis der Partnerunternehmen.<br />
Industrieunternehmen generieren in<br />
ihren Produktionen große Datenmengen.<br />
Doch wie können sie diese effektiv nutzen?<br />
Mit KI lassen sich Informationen aus<br />
aufbereiteten Daten analysieren und ein<br />
Mehrwert daraus aufzeigen. Dadurch beschleunigt<br />
sich die Entwicklung neuer<br />
Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle.<br />
Das KI-Reallabor unterstützt<br />
Firmen dabei, Daten langfristig<br />
gewinnbringend einzusetzen und stärkt<br />
den vertrauensvollen und sicheren Datenaustausch<br />
in der Industrie.<br />
Gleichzeitig sind Data Scientists immer<br />
auf der Suche nach guten Daten für das<br />
Training eigens entwickelter Algorithmen.<br />
Dafür stellt das KI-Reallabor hochwertige<br />
Daten künftig auf dem KI-Datenportal<br />
bereit. Diese Daten stammen aus realen<br />
Produktionssystemen – etwa aus der<br />
Cuna-Realproduktion der Smart-Factory-<br />
OWL oder von kooperierenden Industriebetrieben.<br />
Die Daten können von objektorientierten<br />
Bilddaten aus Montagevorgängen<br />
über Anlagenparameter wie Temperatur<br />
oder Druckluft stammen.<br />
Die Daten werden unstrukturiert, strukturiert<br />
oder in der Industrie-4.0-Verwaltungsschale<br />
gelabelled und mit Meta -<br />
informationen zur Verfügung gestellt. So<br />
können sie ohne aufwendiges Data Engineering<br />
verwendet werden.<br />
Um die Potenziale für die Industrie<br />
nutzbar zu machen, werden Freiräume<br />
Bild: It‘s OWL<br />
Aus einer Blitzidee<br />
wird ein Millionenprojekt:<br />
Sina Kämmerling<br />
von der Unity AG (auf<br />
dem Bild) und ihr Team<br />
arbeiten seit diesem<br />
Jahr an der App Service<br />
Navigator. Die Idee<br />
dazu entstand im It’s<br />
OWL-Makeathon.<br />
benötigt – Freiräume, in denen Anwendungen<br />
erprobt werden können und<br />
menschliche Intelligenz zusammenkommen<br />
kann, um künstliche Intelligenz so zu<br />
gestalten, dass sie interoperabel, souverän<br />
und nachhaltig ist. Mit diesen Zielsetzungen<br />
werden Use Cases aus der Plattform<br />
Industrie 4.0 im KI-Reallabor unter<br />
realen Voraussetzungen an der Cuna-<br />
Realproduktion in der Smart-Factory-<br />
OWL erprobt. Experten vom Fraunhofer<br />
IOSB-INA entwickeln Technologien und<br />
wenden diese an. Industrieunternehmen<br />
reichen ihre Anforderungen ein und bringen<br />
eigene Geschäfts- und Fertigungsprozesse<br />
in das KI-Reallabor ein.<br />
Ein Anwendungsbeispiel‘ ist etwa ‚Collaborative<br />
Condition Monitoring‘ (CCM).<br />
Durch einen unternehmensübergreifenden<br />
Datenaustausch innerhalb der Wertschöpfungskette,<br />
bestehend aus Komponenten-<br />
und Maschinenlieferanten sowie<br />
Fabrikbetreiber, soll die Zuverlässigkeit<br />
und Lebensdauer von Komponenten, Maschinen<br />
und Anlagen verbessert werden.<br />
Auf dem Weg zu einer industriellen Datenwirtschaft<br />
ist das Ziel, weitere servicebasierte<br />
Geschäftsmodelle zu erproben.<br />
Während die Entwicklung der strate -<br />
gischen Initiativen im Spitzencluster<br />
langfristig und evidenzbasiert passierte,<br />
sind es manchmal die unerwarteten Einflüsse<br />
von außen, die disruptiv zu neuen<br />
Wegen führen. Ohne die Einschränkungen<br />
der Corona-Pandemie wäre es nicht zum<br />
It’s OWL-Makeathon #horizonteOWL ge-<br />
kommen und aus einer Blitzidee kein<br />
Millionenprojekt.<br />
Das Cluster organisierte im Mai 2020<br />
den Makeathon in Kooperation mit dem<br />
Fraunhofer-Institut IEM und der Ost-<br />
Westfalen-Lippe GmbH, um während der<br />
Corona-Zeit neue Impulse für die Wirtschaft<br />
zu entwickeln. Bei der Online-Veranstaltung<br />
ging es darum, Lösungen für<br />
konkrete Herausforderungen zu erarbeiten,<br />
denen sich Unternehmen durch die<br />
Krise stellen müssen. Knapp 200 Teilnehmende<br />
waren dem Aufruf gefolgt und<br />
haben in 31 Teams insgesamt 15 Herausforderungen<br />
aus Unternehmen bearbeitet.<br />
Sechs Studierende und Experten aus<br />
Forschungseinrichtungen und Unternehmen<br />
hatten sich im Mai vergangenen<br />
Jahres mit ihrer Idee zum Service Navigator<br />
durchgesetzt. 2021 wurde daraus ein<br />
einjähriges It‘s OWL-Innovationsprojekt<br />
mit einer Förderung des Landes NRW von<br />
rund 1 Mio. Euro. Ziel ist die Entwicklung<br />
einer App und die Gründung eines Startups,<br />
das die App vertreibt und wartet.<br />
Beteiligt sind die Fraunhofer-Institute<br />
ENAS, IEM und IOSB-INA sowie die<br />
Unternehmen Unity, G. Kraft Maschinenbau,<br />
GEA und WP Kemper.<br />
App soll Maschinenprobleme<br />
automatisiert lösen<br />
Der Service Navigator ist eine App, die<br />
Maschinenbauer und -betreiber unterstützt,<br />
Fehler automatisiert zu finden und<br />
zu beheben. Und das bis zu fünfmal<br />
schneller als bisher. Die App bietet ein<br />
automatisiertes Diagnosetool, das beim<br />
Auftreten eines Maschinenfehlers die<br />
Ursachenfindung und -behebung systematisiert.<br />
Sie soll Service-Technikern<br />
dabei helfen, ihren Einsatz effizienter zu<br />
gestalten und ihr Wissen nachhaltig zu<br />
dokumentieren und zu klassifizieren. Für<br />
den Fall, dass Service-Techniker – wie<br />
derzeit durch die Pandemie – mal nicht<br />
verfügbar sind, hilft das Tool den Betreibenden<br />
sogar zur Selbsthilfe. Neben der<br />
Automatisierung von ‚Diagnosen‘ bietet<br />
die App auch die sogenannter ‚Routinen‘<br />
an. Diese assistieren nach der Ursachenfindung<br />
auch bei deren Behebung –<br />
Schritt für Schritt und mit visueller<br />
Unterstützung.<br />
44 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Jubiläum: Zehn Jahre It’s OWL<br />
Schutz für<br />
Mensch und<br />
Maschine<br />
Individuelle Faltenbälge, Abdeckungen, Unfallschutz:<br />
2022 feiert der Spitzencluster It’s OWL zehnjähriges Jubi -<br />
läum. Die Bilanz bisher: rund 70 Innovationsprojekte, hunderte<br />
Transferprojekte, zahlreiche internationale Projekte in<br />
Europa und Kanada sowie bundesweit aktive strategische<br />
Initiativen wurden erfolgreich durchgeführt. Und mit neuen<br />
Ansätzen, Formaten und Entwicklungen geht es stetig weiter.<br />
Als inhaltlicher Schwerpunkt fokussiert sich die Anwendung<br />
von künstlicher Intelligenz – KI in der Produktentstehung,<br />
KI in der Arbeitswelt und KI in der Produktionsumgebung.<br />
Das Technologienetzwerk treibt das Motto: Wir<br />
machen den Mittelstand fit für die digitale Transformation.<br />
• Faltenbälge<br />
• Gleitbahnschützer<br />
• Kastenbälge<br />
• Jalousien<br />
• Gummiformteile<br />
• Rollbandabdeckungen<br />
• Spiralfedern<br />
• Schürzen<br />
• Kompensatoren<br />
• Manschetten<br />
Mehr Infos unter: www.its-owl.de<br />
Die App wird in zwei Stufen ausgebaut.<br />
Zuerst motiviert sie erfahrene und immer<br />
rarere Fachkräfte, über eine einfache<br />
Nutzbarkeit und unterstützende Trainings-<br />
und Support-Funktionen zur<br />
Dokumentation von Service-Wissen. Die<br />
Systematik und Integration ermöglichen<br />
schließlich die Verwertbarkeit der Daten<br />
durch einen zugrundeliegenden Algorithmus.<br />
Dieser verarbeitet das Wissen, stellt<br />
es Technikern sowie Bedienern im Diagnose-Tool<br />
zur Verfügung und optimiert<br />
sich durch die regelmäßige Nutzung<br />
selbst.<br />
Durch den ‚API-First-Ansatz‘ der eigens<br />
entwickelten, technologischen Basis,<br />
funktioniert der Service Navigator als<br />
eigenständige Software, ist aber auch integrierbar<br />
in bereits bestehende digitale<br />
Portale und Ökosysteme.<br />
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Smart-Factory-OWL<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 45<br />
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TECHNIK & WISSEN » Interview<br />
Klebe- und Dosiersysteme<br />
„Kleben ist die naheliegendste Lösung“<br />
IM INTERVIEW<br />
Marco Moro,<br />
Nimak-Produktmanager<br />
für Dosiersysteme, und<br />
Kay Nagel, Vertriebsleiter<br />
bei Nimak<br />
Welche Klebe- und Dosiertechnik für gute Verbindungen sorgt, worum es<br />
Kunden bei Klebenähten letztlich geht und welche Fügetrends eine Rolle<br />
spielen, erläutern Marco Moro, Nimak-Produktmanager für Dosiersysteme,<br />
und Kay Nagel, Vertriebsleiter bei Nimak, im Interview.<br />
» Interview: Nico Schröder, Korrespondent <strong>Industrieanzeiger</strong>, Augsburg<br />
Kay Nagel, links, und Marco Moro am neuen Smart-Dosing-System, das im Verbund Tünkers-Nimak entwickelt worden ist.<br />
Bild: Nimak<br />
Eine komplett neue Entwicklung, die im<br />
Verbund Tünkers-Nimak entwickelt<br />
worden ist, stellt Smart Dosing dar. Um<br />
welche Art des Dosierens geht es dabei?<br />
Und welche technischen Features sind<br />
nutzbar?<br />
Marco Moro: Sie sehen schon an den Komponenten,<br />
die beim Smart Dosing eingesetzt<br />
werden, dass es sich um eine neue<br />
Entwicklung im Verbund handelt. Aus dem<br />
kompletten Tünkers-Verbund sind Komponenten<br />
in die Konstruktion der Anlage<br />
eingeflossen. Für die Pumpenständerkon-<br />
struktion sind beispielsweise Teile der Tünkers-Förderbänder<br />
genutzt worden. Der<br />
große Unterschied zu anderen Systemen<br />
ist, dass wir keinen eigentlichen Dosierer<br />
nutzen, also keinen Standarddosierer mit<br />
Kammer, die gefüllt wird, und bei der ein<br />
Dosierer wiederum das Material aufs Blech<br />
aufbringt. Wir nutzen nur noch einen Auftragskopf<br />
verbunden mit einer Pumpe. Mit<br />
diesen beiden Komponenten sind wir in der<br />
Lage, das Material aufs Blech zu applizieren.<br />
Das ist der große Vorteil. Das heißt, der<br />
kostspielige Dosierer entfällt, was sich<br />
sowohl in der Anschaffung als auch aus<br />
Wartungssicht im Betrieb auswirkt. Smart<br />
Dosing arbeitet mit einem neu entwickelten<br />
elektrischen Pumpenständer, also ohne<br />
Druckluft. Das spart Geld während der<br />
Laufzeit der Anlage, da keine Druckluftaufbereitung<br />
mehr notwendig ist.<br />
Kay Nagel: Der druckluftfreie Karosserierohbau<br />
ist ein Trend. Die OEMs haben<br />
Druckluft teilweise aus ihren Fabriken<br />
verbannt, weshalb rein elektrische Systeme<br />
wie Smart Dosing gefordert sind.<br />
46 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
An welchen Stellen spielt ein System<br />
mit Dosierer seine Vorteile aus?<br />
Moro: Beim Dosierer arbeitet direkt<br />
dahinter die Lineareinheit mit Servomotor,<br />
wodurch der Übergang von breiten auf<br />
dünnere Nähte oder andersherum mit<br />
einer schnelleren Reaktionsgeschwindigkeit<br />
realisiert wird. Bei Smart Dosing hingegen<br />
arbeiten wir mit der Pumpe an sich,<br />
die einen gewissen Druck zur Verfügung<br />
stellt, und die über einen Schlauch mit<br />
einem Applikationskopf verbunden ist. Im<br />
Kopf sind wir aber nochmals in der Lage,<br />
den Durchfluss zu regulieren. Eines ist –<br />
vereinfacht dargestellt – aber auch klar:<br />
Letztlich kommt ein Blech auf eine Klebenaht,<br />
es wird gefügt und<br />
kleine Unterschiede der Klebenaht<br />
sind mitunter bis zum<br />
gewissen Grad zu vernachlässigen.<br />
Smart Dosing ist<br />
neu und wir sind überzeugt,<br />
mit dieser kostengünstigeren<br />
Lösung in vielen Applikationen eine ähnlich<br />
angemessene Qualität wie mit unserem<br />
Standard-Dosierer bieten zu können.<br />
Klebenähte werden unter bestimmten<br />
Anforderungsprofilen ausgelegt. Wie<br />
bestimmen diese Anforderungen wiederum<br />
Ihre Anlagen zum Dosieren und<br />
Kleben mit?<br />
Moro: Prinzipiell legt der Kunde die Klebenaht<br />
aus. Er definiert einen bestimmten<br />
Bereich, wo die Klebenaht liegen soll, und<br />
weiß, welche Anforderungen die Klebenaht<br />
erfüllen soll – zum Beispiel in Hinblick auf<br />
Crash-Festigkeit, also beim Strukturrelevanzkleben.<br />
Andere Anforderungen können<br />
Dichtigkeit, also Dichtigkeitsauftrag, oder<br />
Akustikmaterial sein. Unser Dosiersystem<br />
muss in der Lage sein, die Naht innerhalb<br />
der vom Anwender vorgegebenen Prozesse<br />
und in geforderter Qualität aufzutragen –<br />
und das immer und immer wieder sowie<br />
mit einer möglichst hohen Anlagenverfügbarkeit.<br />
Im OEM-Bereich müssen wir teilweise<br />
eine Verfügbar von mindestens<br />
99,5 % garantieren. Es bedarf also einer<br />
guten Entwicklung unserer Dosiersysteme,<br />
wenn Sie sich überlegen, dass wir in<br />
Dosiersystemen permanent in Druckbereichen<br />
bis 300 bar mit beheizten Materialien<br />
oder abrasiven Klebstoffen arbeiten.<br />
Was sind Ihre wichtigsten Stellschrauben,<br />
um zu solch hoher Verfügbarkeit<br />
zu kommen?<br />
Moro: Von der Mechanik her steht alles<br />
im Fokus, was beim Dosiersystem mit der<br />
Dichtung zu tun hat – einfach aufgrund<br />
der hohen Drücke sowie der Abrasivität<br />
der Materialien, die gefördert werden,<br />
kommt es auf die richtige Dichtungswahl<br />
sowie auf die richtige Beschichtung aller<br />
materialführenden Teile und Kolben an.<br />
»Der kostspielige Dosierer entfällt, was<br />
sich sowohl in der Anschaffung als auch<br />
aus Wartungssicht im Betrieb auswirkt.«<br />
Nagel: Dies untermauern wir mit<br />
24/7-Probeläufen, indem wir bei uns im<br />
Haus einen Kreislauf aufgebaut haben und<br />
Klebstoffe darin immer wieder zurückpumpen.<br />
Wir machen Standfestigkeitsversuche<br />
und probieren unterschiedliche<br />
Materialien für Dichtungen, Beschichtungen<br />
und so weiter aus, um diese wiederum<br />
statistisch auswerten. Dadurch erfahren<br />
wir zum Beispiel, welche Kombination aus<br />
Beschichtung der Kolbenstange und Dichtung<br />
den größten Langzeiteffekt ergibt.<br />
Dies entwickeln wir stetig weiter, denn<br />
neue Klebstoffe sind zunehmend abrasiver.<br />
Mit solch hoher Verfügbarkeit dürften<br />
Sie auch in anderen Industrien punkten<br />
Nagel: Wenn wir im Karosserierohbau<br />
und bei den OEMs Freigaben haben, lässt<br />
sich ein solches Dosiersystem getrost in<br />
vielen anderen Industrien einsetzen.<br />
Höhere Ansprüche haben wir nur noch in<br />
der Luft- und Raumfahrtindustrie.<br />
Welche neuen Möglichkeiten eröffnen<br />
Ihre Fügeverfahren zu Leichtbauweisen,<br />
beispielsweise mit Carbon-Verbindungen?<br />
Moro: Altbewährte Fügeverfahren stoßen<br />
an ihre Grenzen, wenn wir beispielsweise<br />
Carbon verkleben. Mit Dosieren/Kleben ist<br />
das hingegen möglich. Wir bieten daher<br />
geeignete Applikationen und Equipment,<br />
um zum Beispiel 2K-Klebstoff für Carbonmaterialien<br />
auftragen zu können.<br />
Welche Marktrelevanz stellt der Karosserierohbau<br />
zu Verbindungstechnologien<br />
rund ums Dosieren/Kleben derweil<br />
für Nimak dar?<br />
Nagel: Die Kerntechnologie im Karosserierohbau<br />
– das Widerstandspunktschweißen<br />
– ist ein rückläufiger Markt.<br />
Aufgewogen wird diese Entwicklung<br />
durch eine starke Zunahme der Dosierund<br />
Klebtechnik, die sich gerade durch<br />
Multimaterialmixe in der Fertigung<br />
moderner Premiumautos ergibt. Die<br />
Leichtbauweisen bedingen einfach anderer<br />
Fügeverfahren. Und das Kleben ist die<br />
naheliegendste Lösung. Das sehen wir von<br />
Projektausschreibung zu Projektausschreibung<br />
– oder plakativ<br />
formuliert: Die Anzahl der<br />
Schweißpunkte geht mit<br />
jedem neuen Fahrzeugmodell<br />
runter und die Länge der<br />
kompletten Dosier- beziehungsweise<br />
Klebenähte geht<br />
mit jedem neuen Modell massiv nach<br />
oben. Dieser Trend hat vor Jahren begonnen<br />
und setzt sich fort.<br />
Sehen Sie weitere Fügetrends?<br />
Nagel: Verstärkt sehen wir Verbindungen<br />
aus Aluminium und Kupfer, die sich insbesondere<br />
aus der E-Motorisierung und<br />
der Energieführung des Batteriebaus<br />
ergeben. Hier erleben wir viele Anfragen<br />
und haben laufende Forschungsprojekte –<br />
unter anderem mit der Uni Bochum. Ein<br />
neues Verfahren im Bereich Widerstandsschweißen,<br />
das Kupfer mit Aluminium<br />
verschweißt, haben wir kürzlich vorgestellt.<br />
Das Widerstandsschweißen ist immer<br />
noch das günstigste und schnellste<br />
Verfahren an der Stelle.<br />
Video-Tipp<br />
Mehr zum Prinzip des<br />
Dosiersystems Smart Dosing<br />
im Youtube-Video, unter:<br />
hier.pro/egu06<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 47
Bild: Jean-Marie Liot/Malizia<br />
Präzise Messtechnik sammelt einzigartigen Datenschatz für den Klimaschutz<br />
Ein Rennen um und für den Planeten<br />
Einmal um die Welt in 80 Tagen – das gelang Solo-Segler Boris Herrmann Anfang 2021 bei der<br />
weltweit härtesten Hochsee-Regatta: der Vendée Globe. Allen Widerständen trotzend ins Ziel zu<br />
kommen, fordert Mensch und Material – bis in die kleinsten Zellen und Komponenten. Präzise<br />
und robuste Technologie des Meerestechnikanbieters SubCtech und des Pneumatikspezialisten<br />
SMC sorgte dabei für einen einzigartigen ökologischen Nutzen: Bei der Weltumsegelung von<br />
Herrmanns „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“ sammelte ein automatisiertes Labor unter<br />
anderem wertvolle CO 2 -Daten auf bislang wenig befahrenen Meeresrouten.<br />
» Klaus Semik, Sales Engineer IFC bei SMC Deutschland in Egelsbach<br />
Bild: SubCtech<br />
Der OceanPack Cube ist ein robustes<br />
und benutzerfreundliches Instrument<br />
für wissenschaftliche Umweltbeobachtungen<br />
im kompakten 19“-Format.<br />
A<br />
lle möglichen Klima-, Wind- und<br />
Wetterbedingungen, mehr als 45.000<br />
Kilometer Atlantik und Südpolarmeer vor<br />
sich – all das nonstop und ganz allein in<br />
einer Hochsee-Segeljacht: Das waren<br />
Ende 2020 die Startbedingungen der<br />
weltweit härtesten Regatta Vendée Globe.<br />
Ein fesselndes Ereignis auch wegen<br />
des Deutschen Boris Herrmann, der den<br />
Start- und Zielhafen im französischen Les<br />
Sables-d‘Olonne im Januar nach exakt 80<br />
Tagen, 14 Stunden, 59 Minuten und 45<br />
Sekunden erreichte.<br />
Damit lag er fast gleichauf mit dem<br />
Helden in Jules Vernes Roman. Während<br />
diesen beinahe die Zeitzonen vom Erfolg<br />
abhielten, verhinderte bei Herrmann nur<br />
die Kollision mit einem Fischtrawler eine<br />
Podestplatzierung. Dennoch sind neben<br />
Segelfans auch Forscher begeistert: Der<br />
Fünftplatzierte übermittelte wertvolle<br />
CO 2 -Daten – aufgezeichnet vom System<br />
OceanPack Race des Kieler Meerestechnikunternehmens<br />
SubCtech, in dem Komponenten<br />
des Automatisierungs- und<br />
Pneumatikspezialisten SMC Deutschland<br />
integriert sind.<br />
CO 2 -Datenschatz aus<br />
den Weltmeeren<br />
Das automatisierte Labor misst permanent<br />
Temperatur, Leitfähigkeit, Salzgehalt<br />
und CO 2 -Konzentration des Wassers und<br />
sendet diese per Satellit an eine Daten-<br />
48 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
TECHNIK & WISSEN «<br />
Während der Hochsee-Regatta<br />
Vendée Globe segelte Boris<br />
Herrmann solo nonstop um die<br />
Welt. Nebenbei sammelte eine<br />
wissenschaftliche Messanlage<br />
Daten, mit deren Hilfe der<br />
CO 2 -Gehalt des Meerwassers auf<br />
der Route bestimmt wurde.<br />
bank, die unter anderem vom Max-<br />
Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg<br />
und dem Geomar Helmholtz-Zentrum<br />
für Ozeanforschung in Kiel ausgewertet<br />
wird.<br />
Gerade CO 2 -Messdaten sind schwierig<br />
zu bekommen: Auch wenn diesbezüglich<br />
die Datendichte von nahen Meeresgebieten<br />
heutzutage bereits erstaunlich hoch<br />
ist, sind vor allem die weniger befahrenen<br />
südlichen Weltmeere noch weitestgehend<br />
unerforscht. Das Messsystem sei laut<br />
Herrmann daher von „sehr großem Nutzen“<br />
für die Wissenschaft. Es habe ihn auf<br />
der Fahrt aufgrund der automatisierten<br />
Funktionsweise zudem in keiner Weise<br />
beeinträchtigt. Damit er CO 2 -neutral segeln<br />
kann, wird die Energieversorgung<br />
seiner Jacht übrigens mit Photovoltaik<br />
und Hydrogeneratoren für Schlechtwetterphasen<br />
sichergestellt.<br />
Meeresspezialisten treffen<br />
Pneumatikprofis<br />
Erstmals sei es gelungen, „die Daten permanent<br />
über die gesamte Fahrt zu sammeln<br />
– und das einmal um die Welt“, bestätigt<br />
SubCtech-Produktmanagerin Jana<br />
Fahning. Das Unternehmen, gegründet<br />
vom Geschäftsführer Stefan Marx, liefert<br />
das Messlabor namens OceanPack Race.<br />
Was es so einzigartig macht: Im Gegensatz<br />
zu großen und schweren Systemen<br />
für Forschungsschiffe sind die Instrumente<br />
in diesem Gerät von SubCtech für<br />
Rennjachten optimiert. So konnte dank<br />
Kohlefaser das Gewicht des Systems fast<br />
halbiert sowie kompakter und robuster<br />
gemacht werden. Darüber hinaus führte<br />
die optimierte Technik zu einer deutlichen<br />
Reduzierung des Stromverbrauchs. Kurzum:<br />
Mit dem OceanPack Race-System<br />
wurden alle wesentlichen Komponenten<br />
für Qualitätsmessungen realisiert.<br />
Vor allem aber behielt SubCtech die<br />
wissenschaftlichen Anforderungen im<br />
SMC-Bauteile der Analysetechnik an Bord<br />
Die im OceanPack Race verbauten Komponenten von SMC für die CO 2<br />
-Messung<br />
reichen vom<br />
• Magnetventil (LVM205RY-6A-6-Q) über<br />
• Leitungsfilter für Druckluft-/Vakuumanwendungen (ZFC53-X15) und<br />
• Drosselrückschlagventil (AS1211F-M5–04A) bis hin zu<br />
• Verbindungslösungen (Schott-Steckverbindung KQ2D, S-Koppler<br />
KK2S/P-04L).<br />
Dahinter verbergen sich Standardkomponenten, die jedoch generell in Hochleistungsbranchen<br />
wie zum Beispiel Automotive oder Medizintechnik erfolgreich<br />
eingesetzt werden.<br />
Blick. Alle Sensoren erfüllen die hohen<br />
Ansprüche der Forschung – und alle Komponenten<br />
darüber hinaus den Einsatz<br />
unter widrigen Umgebungen. Denn auf<br />
hoher See sind große Maschinen und<br />
kleinste Bauteile enormen Erschütterungen<br />
ausgesetzt und müssen extremen<br />
Temperaturschwankungen standhalten.<br />
So herrschten im Außenbereich Temperaturen<br />
zwischen -5 bis 35 °C. Auch kleine,<br />
elementare Komponenten – wie etwa die<br />
von SMC für den CO 2 -Analysator zur Kalibrierung<br />
von Analysewegen – genügen<br />
den hohen Ansprüchen an Flexibilität,<br />
Energieeffizienz und Langlebigkeit. Das<br />
Unternehmen weiß es zu schätzen, für ein<br />
so wichtiges Forschungsprojekt zuverlässige<br />
Komponenten zu liefern, die den<br />
extrem widrigen Bedingungen auf hoher<br />
See standgehalten haben.<br />
Der Erfolg steckt (auch)<br />
im kleinsten Bauteil<br />
Demnach sind Hightech-Lösungen nicht<br />
nur an der unmittelbar sichtbaren Ober-<br />
fläche der Hochleistungs-Segeljacht zu<br />
finden, sondern auch in den kleinsten<br />
Bauteilen der Analysetechnik beim<br />
OceanPack Race – den Komponenten von<br />
SMC für die CO 2 -Messung (siehe Kasten).<br />
Das Grundprinzip im Falle des CO 2 -Analysators<br />
im OceanPack Race auf der „Seaexplorer<br />
– Yacht Club de Monaco“: Eine<br />
semipermeable Membran bildet eine Barriere<br />
zwischen Wasser und gasförmigem<br />
Analysekreislauf. CO 2 und andere Gase<br />
können diese Membran passieren, das<br />
Wasser jedoch nicht. Hinter der Membran<br />
findet die Messung des CO 2 -Gehalts statt,<br />
da dieses nicht direkt in Wasser messbar<br />
ist. Um besonders genaue Daten zu erhalten,<br />
wird der Sensor täglich kalibriert. Dabei<br />
steuert die Drossel von SMC den Gasfluss<br />
(circa 0,5-1,0 l/min), der Filter wiederum<br />
dient dem Schutz der Messzelle<br />
vor Verunreinigungen aus dem Gas. Während<br />
andere Modelle für einen Filterwechsel<br />
aufgeschraubt werden müssen,<br />
kann der Filtereinsatz bei diesem SMC-<br />
Modell einfach per Bajonettverschluss<br />
Bild: SubCtech<br />
OceanPack Race mit<br />
externem Bedienfeld<br />
zur innovativen Klimadatenerfassung<br />
an der<br />
Schnittstelle zwischen<br />
Ozean und Atmosphäre.<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 49
» TECHNIK & WISSEN<br />
Bild: Peter Landschützer, Max-Planck-Institut<br />
für Meteorologie, Hamburg<br />
CO 2 -Daten vom Vendeé Globe 2020/2021, aufgezeichnet vom OceanPack Race<br />
auf der „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco“ von Boris Herrmann.<br />
getauscht werden. Druckregler reduzieren<br />
zudem den hohen Gasflaschendruck von<br />
hierbei circa 200/250 bar auf einen Arbeitsdruck<br />
von 0,5 bar.<br />
Ökologische Messung mit<br />
ökonomischen Lösungen<br />
Alle Komponenten müssen zudem hocheffizient<br />
in Sachen Funktionalität, Gehäusedesign<br />
und Energieverbrauch sein. So<br />
etwa die Ventile (6er-Baugruppe mit<br />
selbst gefertigter Mehrfachanschlussplatte<br />
oder Grundplatte) zur Schaltung von<br />
Umgebungsluft und Gas. Während ein<br />
Standardventil etwa 2,5 W verbraucht,<br />
benötigt dieses Ventil in Energiesparausführung<br />
im Haltemodus nur 0,6 W. Ein<br />
winziges Detail, aber in Summe vorteilhaft<br />
bei einer möglichst energieeffizienten<br />
Segeljacht. Wie sich gezeigt hat, erfüllt<br />
es auch unter schwierigen Bedingungen<br />
wie wechselnden Temperaturen und<br />
hohen Stoßbelastungen seine Funktion.<br />
Die Lösungen des seit 1978 auf dem<br />
deutschen Markt tätigen Anbieters für<br />
pneumatische und elektrische Automatisierung<br />
SMC zeigen zum einen, dass sich<br />
die Forschungs- und Entwicklungsarbeit<br />
auch in den kleinsten Bauteilen erfolgreich<br />
widerspiegelt. Zum anderen stehen<br />
sie für das breite Einsatzspektrum von<br />
überaus zuverlässigen Komponenten für<br />
viele Pneumatik- und Automatisierungsanwendungen.<br />
Salzgehalt in den Weltmeeren<br />
schwankt<br />
Schon vor der Zieleinfahrt bestätigte<br />
Herrmann, dass Datengüte und Genauigkeit<br />
von internationalen Datenbanken mit<br />
höchsten Quality Flags akzeptiert wurden.<br />
Erste Ergebnisse zeigen zusätzlich, dass<br />
der Salzgehalt in den Weltmeeren<br />
schwankt: So ist er am Äquator auch im<br />
Atlantik, der normalerweise den höchsten<br />
Salzgehalt aufweist, niedrig. Grund ist die<br />
dortige Konvergenzzone, in der viel Regen<br />
das Oberflächenwasser verdünnt. Mit<br />
dem Franzosen Fabrice Amedeo war übrigens<br />
eine weitere Jacht mit OceanPack<br />
Die nächste Vendée Globe startet im September<br />
2022. Auch dann wieder mit Messtechnologie<br />
„Made in Germany“ an Bord des Solo-Seglers<br />
Boris Herrmann.<br />
Bild: Jean-Marie Liot/Malizia<br />
Ventilinsel/Pneumatikmodul zur Schaltung zwischen<br />
verschiedenen Messphasen sowie zur automatischen<br />
Kalibrierung des CO 2 -Sensors.<br />
Race – und einer zusätzlichen Mikroplastik-Probennahmeeinheit<br />
– ausgestattet,<br />
die jedoch das Ziel nicht erreichte. Nach<br />
dem Rennen sei vor dem Rennen, so der<br />
erfolgreiche Herrmann mit Blick auf die<br />
nächste Vendée Globe und das Ocean<br />
Race, das im September 2022 startet.<br />
Auch dann wieder mit Messtechnologie<br />
„Made in Germany“. Herrmann hofft jedenfalls,<br />
das Engagement für das Projekt<br />
stärke das Bemühen, die Erderwärmung<br />
zu begrenzen. „Das ist ein Rennen, das wir<br />
gewinnen können und müssen.“<br />
Weiterführende<br />
Informationen<br />
Video des NDR mit<br />
Boris Herrmann auf der<br />
Seaexplorer zur Erhebung<br />
der Co 2<br />
-Mess daten<br />
http://hier.pro/JaYdB<br />
Vendée Globe – Ein Rennen<br />
für die Wissenschaft: Zahlen,<br />
Daten, Fakten<br />
http://hier.pro/bTxRR<br />
Technologie aus Kiel.<br />
Reportage des Schleswig-<br />
Holsteinischen Zeitungsverlags<br />
http://hier.pro/YtRC5<br />
Klimaschutz mit an Bord:<br />
Reportage der Deutschen Welle<br />
http://hier.pro/Z1OmC<br />
Bild: SubCtech<br />
50 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Technologietag Leichtbau BW: Das Bilanzieren kommt<br />
Leichtbau – nicht ohne CO 2 -Bilanz<br />
Der „Technologietag Leichtbau 2021“ im November deutete eine Trendwende an:<br />
Es geht im Leichtbau nicht mehr nur um Gewichtsreduktion. Künftig hinterfragt<br />
sich der Leichtbau selbst und prüft über Bilanzen, ob er wirklich CO 2 reduziert.<br />
Wo ihm dies nachweislich gelingt, hat er unschlagbare Argumente in der Hand.<br />
» Olaf Stauß, Redakteur Konradin Industrie<br />
In diesem Jahr fand<br />
der Technologietag<br />
Leichtbau hybride und<br />
erstmalig als Global<br />
Lightweight Summit<br />
statt. Rund 130 Interessierte<br />
nahmen am<br />
Kongress teil.<br />
Bild: Leichtbau BW GmbH<br />
Nachhaltigkeit durch Leichtbau“ war der Leit -<br />
gedanke des achten Technologietags der Leichtbau<br />
BW GmbH. Das Thema ließ erahnen, dass die<br />
immensen Potenziale von Gewichtsminimierungen<br />
zur Sprache kommen. Und Geschäftsführer Dr. Wolfgang<br />
Seeliger ließ sich nicht nehmen, dafür Impulse<br />
zu liefern, indem er die Teilnehmer mit einer Hochrechnung<br />
begrüßte: Fünf ausgewählte Unternehmen<br />
aus dem baden-württembergischen Netzwerk könnten<br />
mit ihren Leichtbau-Lösungen jährlich etwa<br />
36 Mio. t CO 2 einsparen, um Klimaschutzziele zu verwirklichen.<br />
„Das ist vergleichbar mit den nationalen<br />
Treibhausgas-Emissionen von Ländern wie Schweden<br />
oder der Schweiz“, so Seeliger.<br />
Dennoch bestimmten nicht Begriffe wie Gewichtseinsparung<br />
oder Massereduktion das Vokabular der<br />
Tagung, das Buzzword war „Bilanz“. CO 2 -Bilanzen<br />
tauchten an allen Ecken und Enden auf, in Vorträgen<br />
und in Fachgesprächen. „Bilanzen für mehr Nach -<br />
haltigkeit sind alltäglich in unserer Forschungsarbeit<br />
und auch in Industrieprojekten“, bestätigte etwa<br />
Felix Baumgärtner vom Institut für Kunststofftechnik<br />
IKT die Situation in der Forschung.<br />
Für die VDMA-AG Hybrider Leichtbau sagte ihr<br />
Vorsitzender Marc Kirchhoff, die Arbeitsgemeinschaft<br />
habe dieses Jahr ihre Aktivitäten auf das Thema<br />
Nachhaltigkeit fokussiert. Der Maschinenbau sei<br />
technologisch in der Lage, klimafreundliche Lösun-<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 51
» TECHNIK & WISSEN<br />
Bild: Dipl.-Ingenieure<br />
Rainer & Oliver Puls GmbH<br />
Auf nur ein Fünftel der Masse eines herkömmlichen Nutzfahrzeugmotors kommt der E-Antrieb, den Puls in Karlsruhe entwickelt hat.<br />
Die CO 2 -Bilanz bescheinigt den Ingenieuren eine Treibhausgas-Reduktion in Herstell- und Nutzungsphase von insgesamt 8733 kg.<br />
gen zu forcieren. Aber auch er sieht als zentral an:<br />
„Der CO 2 -Fußabdruck muss messbar und vergleichbar<br />
sein, am besten weltweit.“<br />
Zum Kronzeugen für diese Notwendigkeit wurde<br />
Prof. Frank Henning, Leiter des Fraunhofer ICT, in der<br />
Session „Produktion für den kreislauffähigen Leichtbau“.<br />
Wo Schmerzpunkte liegen, erklärte er in seinem<br />
Beitrag „Hybrider Leichtbau als Instrument zu mehr<br />
Nachhaltigkeit – wenn da nicht das Recycling wäre“.<br />
Hybride Systeme bieten ein großes Potenzial zur<br />
Gewichtsreduktion durch Kombinieren von Faser -<br />
verbundkunststoff-, Vlies-, Schaum- und/oder<br />
Metallstrukturen. Doch das schwierige Entsorgen<br />
und Wiederverwerten stellen ihre Nachhaltigkeit in<br />
Frage. Das Fraunhofer ICT erstellte dafür Bilanzen. So<br />
zeige sich bei Hightech-Komponenten, dass ihr<br />
Transport und ihre Herstellung nur unter -<br />
geordnet ins Gewicht fielen. „Die Nutzungsphase<br />
steht im Vordergrund“,<br />
fasst Henning die Erfahrungen am<br />
ICT zusammen. „Wir müssen die<br />
Systeme ganzheitlich bewerten<br />
und bemessen.“<br />
Eine hybride Flugzeugsitzstruktur<br />
auf Basis von Carbonfaserverstärktem<br />
Kunststoff (CFK)<br />
schneidet zum Beispiel schlechter ab<br />
als eine mit Aluminium, solange nur<br />
der Herstell- und (teils chemische)<br />
Recycling-Prozess betrachtet wird.<br />
Geht die achtjährige Nutzungsphase<br />
in die Rechnung mit ein,<br />
Bild: LKT<br />
Die Doppelroboter-<br />
Anlage am LKT zielt<br />
auf eine additiv<br />
subtraktive Komplettherstellung<br />
von Leichtbauteilen.<br />
Roboter eins<br />
im Bild übernimmt die<br />
additive Fertigung<br />
und ist mit viel<br />
Forschungs- Equipment<br />
ausgestattet.<br />
sieht es anders aus: Die Sprit-Ersparnisse durch das<br />
reduzierte Gewicht gleichen das Manko mehr als aus<br />
und sorgen für einen besseren CO 2 -Footprint. Noch<br />
günstiger fällt die Bilanz bei einer Blattfeder aus<br />
Glas faser-verstärktem Kunststoff (GFK) aus, die eine<br />
Metallfeder ersetzt. Im Projektbeispiel des Fraun -<br />
hofer ICT senkt sie das Gewicht um 60 % und kann<br />
durch mechanisches Recycling zusätzlich neuwertiges<br />
Spritzguss-Granulat aufmischen, wenn das<br />
Lebensdauer-Ende erreicht ist.<br />
Erst die Bilanzierung bringt Licht in die komplexen<br />
Zusammenhänge. Sie deckt auch Probleme auf. „Das<br />
muss immer mehr in die Köpfe der Ingenieure gelangen“,<br />
sagte Prof. Henning. Doch dieser Prozess ist<br />
schon im Gange. Das bestätigte Dr. Marco Schneider,<br />
der die Session moderierte, Leiter Leichtbautech -<br />
nologien am Fraunhofer IPA. „Die Zielgrößen und<br />
-kriterien ändern sich“, konstatierte er. Seien es<br />
gestern Wirkungsgrade (und dafür reduzierte Massen)<br />
gewesen, ist es heute der CO 2 -Fußabdruck – als<br />
eine umfassendere Bilanz.<br />
Leichtbau braucht Bilanzen<br />
Für diesen Ansatz steht auf dem Technologietag kein<br />
zweiter wie Dr. Matthias Harsch. Harsch hat mit dem<br />
Bilanzieren vor 28 Jahren begonnen und sich vor<br />
20 Jahren mit der LCS Life Cycle Simulation GmbH<br />
selbständig gemacht. „Die Forstwirtschaft ist der<br />
einzige Zweig, der einen negativen CO 2 -Fußabdruck<br />
hat“, sagte er. „Deswegen müssen wir Kreisläufe<br />
schließen und Bilanzen erstellen.“ Mit Öko-Bilanzen<br />
könnten Unternehmen viel mehr erreichen als mit<br />
Kostenbetrachtungen – nicht nur wegen des CO 2 -<br />
Emissionspreises. Denn sie eröffneten Einblicke in die<br />
Nutzungsphase beim Kunden und damit die Chance,<br />
auf Defizite zu reagieren. „Wir haben alle Technologien<br />
dafür verfügbar. Wir müssen es nur tun.“ Will<br />
der Leichtbau die CO 2 -Emissionen wirklich verringern,<br />
kommt er am Bilanzieren nicht vorbei.<br />
LCS liefert Software-Tools als Kundenlösungen, um<br />
Bilanzen zu erstellen. Oft führen sie zu überraschenden<br />
Erkenntnissen. Leichtbau BW hat Harsch zum<br />
Beispiel beauftragt, die „ThinKing“-Leichtbaupreise<br />
zu bewerten. Als Highlight entpuppte sich eine addi-<br />
52 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
tiv gefertigte Ausblasdüse, mit der Burgmaier Technologies<br />
störende Späne beim Drehen beseitigt. Die<br />
geniale Düse beendet häufige Maschinenstillstände<br />
und kann so in ihrer Nutzungsphase 9147 kg CO 2<br />
einsparen. Im Vergleich dazu: Die Dipl.-Ingenieure<br />
Rainer & Oliver Puls GmbH entwarf einen Elektro -<br />
antrieb für Nutzfahrzeuge, der durch Funktionsintegration<br />
um 80 % leichter ist. Diese beeindruckende<br />
Innovation reduziert CO 2 -Emissionen in der Herstellung<br />
und noch mehr in der Nutzung. Sie spart laut<br />
Bilanz 8733 kg CO 2 ein – ein tolles Ergebnis, aber in<br />
der Summe weniger als die unscheinbare Düse.<br />
Auch eine schlechte Bilanz hilft<br />
Selbst wenn eine Bilanz zu einem ungünstigen<br />
Ergebnis führt, sei sie von Vorteil, argumentiert<br />
Dr. Harsch. Denn dann dient sie zur Warnung, einen<br />
Ansatz nicht oder anders weiter zu verfolgen. Den<br />
CO 2 -Preis von zurzeit 25 Euro/t hält er für viel zu<br />
niedrig, um Veränderungen für das Klima zu erreichen.<br />
100 Euro/t würde er für sinnvoller erachten.<br />
Doch er glaubt, dass die Entwicklung sich beschleunigt.<br />
Sein Tipp: „Warten Sie nicht darauf, bis es<br />
soweit ist. Seien Sie Vorreiter.“<br />
Bosch gilt schon seit 2020 als klimaneutral. 46 %<br />
der Firmen in Deutschland haben laut Bitcom angegeben,<br />
wann sie klimaneutral werden wollen. Die<br />
Hälfte unter ihnen will es bis spätestens 2030 schaffen.<br />
Auch ihre Zulieferer werden betroffen sein. Dies<br />
setzt eine Dynamik in Gang, die CO 2 -Bilanzen unverzichtbar<br />
macht. Über kurz oder lang gehören sie zum<br />
Grund-Handwerkszeug eines jeden Ingenieurs.<br />
Für den Leichtbau bedeutet<br />
dies, dass er sich selbst<br />
hinterfragt, ob er wirklich<br />
CO 2 reduziert, um so eine<br />
höhere Stufe zu erklimmen – mit<br />
dann unschlagbaren Argumenten. Das<br />
machte die ELA-Session (European Lightweight<br />
Association) auf dem Technologietag deutlich.<br />
Drei der vier vorgestellten Projekte nutzen den<br />
3D-Druck für den Leichtbau. Doch auch additive Verfahren<br />
könnten nachhaltiger werden: Ihr Prozess ist<br />
energieintensiv und teils landet nur ein Bruchteil des<br />
Rohmaterials im Bauteil.<br />
Umso mehr mühen sich die Forscher und Ingenieure,<br />
den Prozess so nahe wie möglich an reale Fertigungsbedingungen<br />
heranzuholen. Für Bayern Innovativ<br />
stellte der Lehrstuhl für Kunststofftechnik (LKT)<br />
Erlangen beispielsweise eine „Dual Robot Machine“<br />
vor. Der erste Roboter kann additiv Granulat mit<br />
Extrudern verarbeiten und eine Endlosfaser oder<br />
Draht verlegen. Der zweite Roboter übernimmt die<br />
subtraktive Nachbearbeitung. Die Forschungsanlage<br />
arbeitet mit einer Sinumerik-Steuerung und ist mit<br />
unzähligen Stellhebeln ausgestattet, um den Prozess<br />
für Anwendungen maßschneidern zu können. Dazu<br />
gehören variable Materialien und Temperaturen bis<br />
400 °C, diverse Hitzezonen, das Schäumen, das Positionieren<br />
von Einlegeteilen, ein offenes Datensystem<br />
und mehr. Machbar wäre etwa die Produktion einer<br />
leichten B-Säule. Das Projekt ist DFG-gefördert. Ob<br />
Leichtbauteile eines Tages so produziert werden?<br />
Es könnte auch eine Frage der Bilanz werden.<br />
Bild: Burgmaier Technologies<br />
Einen noch höheren<br />
Effekt erzielt diese<br />
additiv hergestellte<br />
Ausblasdüse, die Späne<br />
beim Drehen beseitigt.<br />
Sie verhindert Maschinenstillstände<br />
und<br />
damit CO 2<br />
-Emissionen<br />
in Höhe von 9147 kg<br />
in ihrer Nutzungs -<br />
phase.<br />
WE ENABLE E-MOBILITY<br />
Innovative Antriebstechnologien erfordern innovative<br />
Produktionstechnologien.<br />
Mit unseren Lösungen in den Bereichen Dichtheitsprüfung,<br />
Laseranwendungen und automatisierter Montage schaffen<br />
wir die Basis für Effizienz, Qualität und Sicherheit in der<br />
Produktion und im Einsatz von Brennstoffzellenstacks,<br />
Batteriesystemen und E-Maschinen.<br />
+ Speziell entwickelte Dichtheitsprüfsysteme<br />
mit Luft und Nachweisgasen<br />
+ Modulare Systeme für Laserprozesse,<br />
z. B. Laserschweißen von Hairpins<br />
+ Skalierbare, vernetzte Montage- und Prüfsysteme<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> ZELTWANGER.DE<br />
» 20 | 2021 53
» TECHNIK & WISSEN<br />
Tata Steel präsentiert Lösungen<br />
E-Mobilität fordert Stahl ganz neu<br />
Die Elektrifizierung von Fahrzeugen lässt Stahl verstärkt an Bedeutung gewinnen. Aus dieser<br />
Sicht heraus hat Tata Steel eine Reihe von Werkstofflösungen gezielt für den Automobilbau<br />
entwickelt. Sie reduzieren Gewichte, dienen dem Crash-Management, verbessern die Nach -<br />
haltigkeit von Elektromotoren und schützen die Batterie: Stahl erobert neue Einsatzgebiete.<br />
» Basjan Berkhout, Electrification Transition Manager bei Tata Steel Europe<br />
Stahl spielt seit jeher eine wichtige Rolle im Automobilbau.<br />
In einem typischen Kleinwagen mit<br />
einem Leergewicht von etwa 1 t finden sich heute<br />
rund 600 kg Stahl – das sind also etwa 60 % des<br />
Gesamtgewichts –, jedoch nur 90 kg Aluminium und<br />
10 kg Gusseisen. Aluminium hat in den letzten Jahrzehnten<br />
aufgrund seiner Leichtbaueigenschaften<br />
zunehmend an Bedeutung gewonnen. Spätestens mit<br />
der Wende hin zur Elektromobilität kommt Stahl<br />
aber wieder verstärkt ins Rennen – vor allem mit<br />
vernickelten Stählen für Batteriezellen, nicht kornorientierten<br />
Stählen für Elektromotoren oder hochfestem<br />
Stahl für Batteriekästen und Crash-Management-Komponenten.<br />
Die besonderen Eigenschaften von Stahl lassen<br />
sich dabei nicht nur in der Karosserie oder im Fahrwerk<br />
des E-Mobils nutzen. Spezielle Stahlsorten<br />
tragen auch dazu bei, die Leistung, das Gewicht und<br />
die Kosten anderer Komponenten wie des Batteriesystems<br />
und des Elektromotors zu optimieren. Ein<br />
Fahrgast- und Batterieschutz<br />
durch hochfeste Leichtbau -<br />
elemente aus Stahl.<br />
Bild: Tata Steel<br />
54 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
weiterer Vorteil von Stahl: Stahl ist der am meisten<br />
recycelte Werkstoff der Welt und kann zu einem<br />
Anteil von über 95 % fast unendlich wiederverwendet<br />
werden, ohne an Qualität einzubüßen. Recyceltes<br />
Aluminium ist hingegen nicht so ohne Weiteres für<br />
den Automobilbau wiedereinsetzbar. Nur wenn<br />
Aluminiumschrott in einem geschlossenen Kreislaufsystem<br />
recycelt wird, ist dies möglich.<br />
Tata Steel Europe zählt sich zu den weltweit<br />
führenden Anbietern anspruchsvoller Spezialstähle<br />
für die Automobilindustrie und zeigt, dass das Entwicklungspotenzial<br />
dieses Werkstoffs – vor allem<br />
durch das angestrebte schnelle Wachstum der Elektromobilität<br />
– noch lange nicht ausgeschöpft ist. So<br />
hat das unter anderem in den Niederlanden, Groß -<br />
britannien und Deutschland ansässige Unternehmen<br />
in den letzten Jahren mittels zahlreicher neuer<br />
Beschichtungs- und Bearbeitungsmethoden sein<br />
Portfolio um eine Vielzahl von hochfesten Stahl -<br />
sorten erweitert, die eine Zugfestigkeit von bis zu<br />
1.500 MPa aufweisen.<br />
Zum Vergleich: Die Zugfestigkeit einer Standard-<br />
Stahlsorte bewegt sich zwischen 200 und 500 MPa.<br />
Hochfeste Stähle können das Gewicht des verwendeten<br />
Stahls gegenüber konventionellen Stahl -<br />
sorten – wie hochfestem niedrig legiertem Stahl der<br />
Sorte HX340LAD – um bis zu 20 % reduzieren. Tata<br />
Steel liefert diese Art fortschrittlicher Stähle für<br />
Strukturbauteile unter anderem an einige deutsche<br />
Premium-OEM und für einen Elektrofahrzeug -<br />
hersteller.<br />
Crash-Sicherheit durch Leichtbau<br />
Eine der wichtigsten Anforderungen an batterieelektrische<br />
Fahrzeuge ist die maximale Gewichtsreduktion.<br />
Hier sind Leichtbauteile gefragt, die – insbesondere<br />
bei Crash-relevanten Strukturen zum Schutz der<br />
Insassen – hohe Festigkeiten aufweisen müssen. Tata<br />
Steel hat kalt- und warmgewalzte hoch- und ultrahochfeste<br />
Stähle (AHSS und UHSS) speziell für die<br />
Autoindustrie entwickelt, die leichte Crash-Strukturen<br />
für die Frontelemente und den Fahrgastraum von<br />
E-Fahrzeugen ermöglichen.<br />
So liefert Tata Steel unter den Produktbezeichnungen<br />
XPF und HyperForm beschichtete Stähle für eine<br />
verbesserte Umformbarkeit beim Aufprall. Ihre Festigkeit<br />
liegt zwischen 800 und 1.000 MPa, und sie<br />
sind bis zu 2,4 mm dick, um eine kompakte Front -<br />
gestaltung zu ermöglichen. Frontaufprallschutz-<br />
Strukturen aus den Stahlgüten DP800 HyperForm<br />
sowie XPF800 und XPF1000 in Kombination mit<br />
einem sekundären Lastpfad verkürzen die Eindringtiefe<br />
im Falle eines Crashs. Gleichzeitig können sie<br />
höhere Lastspitzen absorbieren.<br />
Im Vergleich zu marktüblichen kaltgewalzten<br />
DP800– oder DP1000-Stahlgüten verfügen sie über<br />
eine bessere Verformbarkeit. Da XPF warmgewalzt<br />
wird, bietet es die zusätzliche Möglichkeit, in höheren<br />
Materialstärken verwendet zu werden. Das kann<br />
dann nützlich sein, wenn der Fahrzeughersteller aufgrund<br />
des höheren Gewichts eines E-Autos dickere<br />
Strukturen zur besseren Energieabsorption benötigt.<br />
In puncto Batteriesicherheit besteht hoher Bedarf<br />
an geeigneten Materialien für sichere und effiziente,<br />
aber gleichzeitig leichte Seitenaufprallstrukturen.<br />
Hierzu wurden die warmgeformten Stahlgüten<br />
HQ1000HE-GI und HQ1900-UC entwickelt, die die<br />
Herstellung von kompakten, leichten und kostengünstigen<br />
Seitenaufprall-Strukturen ermöglichen.<br />
Mit Festigkeiten über 1.900 MPa werden zum<br />
Beispiel Querträger extrem steif, während die<br />
1.000-MPa-Stähle eine Duktilität von 15 % aufweisen<br />
und eine sehr hohe Energieaufnahme im Falle<br />
eines Crashs ermöglichen.<br />
Bild: Tata Steel<br />
Tata Steel<br />
Mit einer jährlichen Produktionskapazität von 33 Mio. t<br />
Rohstahl zählt die Tata Steel Gruppe zu den weltweit<br />
größten Stahlproduzenten. In Europa wird an Standorten<br />
in den Niederlanden und Großbritannien produziert sowie<br />
in weiterverarbeitenden Werken in Deutschland und anderen<br />
Ländern. Aktuell nahm Tata Steel im niederländischen<br />
Ijmuiden die dritte Stranggießanlage in Betrieb – mit<br />
220 Mio. Euro die bisher größte Investition am Standort<br />
seit der Jahrtausendwende.<br />
Frontmodul mit verbessertem<br />
Aufprallschutz durch<br />
sekundäre Lastpfade.<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 55
» TECHNIK & WISSEN<br />
Mehr Platz und<br />
Volumen für die<br />
Batterie und gleich -<br />
zeitig mehr Sicherheit<br />
für die Insassen dank<br />
warmgeformter<br />
Spezialstähle.<br />
Bild: Tata Steel<br />
Bei der Simulation des Seitenaufpralls eines Elektrofahrzeugs<br />
mit den neuen HQ-Stählen von Tata<br />
Steel im Vergleich zu herkömmlichen Materialien (wie<br />
einem üblichen DP1000) wurde der Bedarf besonders<br />
deutlich. Gefordert sind hohe Festigkeit und Steifigkeit<br />
in Kombination mit einem Energieabbau auf kurzem<br />
Weg. Bei der Verwendung herkömmlicher Materialien<br />
zeigte sich das Risiko einer Beschädigung der<br />
Batterie, was eine Gefahr für die Insassen darstellt.<br />
Höhere Volumeneffizienz von Batterien<br />
Die Effizienz von Batterien und damit ihre Reichweite<br />
gehören zu den maßgeblichen Schlüsselfaktoren<br />
für den Erfolg von E-Fahrzeugen. Hohe Energiedichte,<br />
Volumeneffizienz, Kosteneffektivität und Sicherheit<br />
sind wesentliche Anforderungen. Es hat sich<br />
gezeigt, dass zylindrische Zellen viele Vorteile gegenüber<br />
Pouch- und prismatischen Batteriezellen haben,<br />
beispielsweise bezüglich der Temperaturbeständigkeit.<br />
Daher wächst das Interesse an Stahllösungen in<br />
diesem Bereich.<br />
Für die zylindrischen Batteriezellen moderner<br />
Elektrofahrzeuge hat Tata Steel mit Hilumin einen<br />
hochrein veredelten Stahl entwickelt, der sich in<br />
effizienten Hochgeschwindigkeits-Tiefziehprozessen<br />
reibungslos weiterverarbeiten lässt. Das vernickelte,<br />
diffusionsgeglühte Band eignet sich speziell für die<br />
Großserien- und Hochgeschwindigkeitsproduktion<br />
von wiederaufladbaren Qualitätsbatterien.<br />
Batteriedosen aus Hilumin bieten ein besonders<br />
hohes Innenvolumen, weil durch ihre speziellen<br />
Materialeigenschaften die Wanddicke bei gleichen<br />
Außenabmessungen verringert werden kann. Da die<br />
Stahlzylinder außerdem die strukturelle Steifigkeit<br />
ohne zusätzliche Stützstrukturen im Batteriegehäuse<br />
gewährleisten, erhöht sich auch das Volumen der<br />
aktiven Masse im Batteriesystem.<br />
Darüber hinaus bietet Hilumin die im Vergleich zu<br />
anderen Substraten höchste thermische Stabilität<br />
und hält höheren Druckbelastungen stand als Pouchund<br />
prismatische Zellen auf Aluminiumbasis. Die<br />
Stahllösung ermöglicht somit eine höhere Energiedichte<br />
und volumeneffizientere Batteriepacks.<br />
Mehr Leistung für Elektromotoren<br />
Der langfristige Erfolg der E-Mobility hängt insbesondere<br />
von der Leistung der Elektromotoren ab. Daher<br />
sind vor allem kompakte und effiziente E-Motoren<br />
gefragt, die bei geringem Gewicht eine hohe<br />
Leistung bringen. Nicht nur spezielle Materialien,<br />
sondern auch neue Designkonzepte helfen dabei, die<br />
Entwicklung von leistungsstärkeren, effizienten Elektromotoren<br />
zu beschleunigen. Für diesen Bereich hat<br />
Tata Steel seinen ultradünnen Elektrostahl Hi-Lite<br />
entwickelt. Er gehört zur Highend-Produktpalette<br />
nicht kornorientierter Elektrobandstähle.<br />
Ultradünne Stähle für Elektromotoren.<br />
Bild: Tata Steel<br />
56 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
Dünne Elektrostähle ermöglichen es, Elektromotoren<br />
und Generatoren mit sehr hohen Drehzahlen<br />
herzustellen. Ein 2-poliger Standardmotor mit einem<br />
50-Hz-Netzanschluss dreht sich je nach Motortyp<br />
mit ungefähr 3.000 U/min. Mit 10.000 U/min oder<br />
mehr sind viel höhere Leistungen bei einem Motor<br />
möglich, der dieselbe Größe wie ein Standard -<br />
frequenzmotor hat. Gleichzeitig ermöglichen diese<br />
höheren Drehzahlen die Entwicklung eines viel kleineren<br />
Motors mit derselben Leistung.<br />
Um 60 % leichtere E-Motoren<br />
Aufgrund seiner hohen Materialfestigkeit können mit<br />
Hi-Lite kompakte und gleichzeitig stabile Motor -<br />
designs mit hohem Leistungsoutput umgesetzt<br />
werden. Mit der Stahlgüte Hi-Lite NO20 lässt sich<br />
das Gewicht eines E-Motors – im Vergleich zum<br />
Einsatz der marktüblichen Stahlgüte M270 35A – um<br />
60 % reduzieren und seine Größe um 30 % verringern.<br />
Außerdem zeichnet sich der ultradünne Elektrostahl<br />
durch geringe magnetische Leistungsverluste<br />
am Stator bei hohen Drehzahlen aus.<br />
Das Hi-Lite-Sortiment verwendet je nach Anwendung<br />
unterschiedliche schnellbindende lsolations -<br />
beschichtungen, die sowohl für mittlere bis hohe<br />
Grundfrequenzen (200 bis 2.500 Hz) als auch für<br />
Oberschwingungen bis zu 25 kHz optimiert wurden<br />
und für ein verbessertes NVH-Verhalten sorgen.<br />
Mithilfe von Elektrobandstählen können Hersteller<br />
eine eigene, einzigartige DNA für ihre Elektromotoren<br />
erschaffen, wenn die Materialien und ihr Einsatz<br />
speziell auf ihre Bedürfnisse angepasst werden. Daher<br />
arbeitet Tata Steel in diesem Bereich besonderes<br />
eng mit Kunden zusammen. Zudem unterstützt das<br />
Unternehmen dabei, die nötigen Lieferketten für das<br />
schnelle Wachstum in der Elektromotorenfertigung<br />
aufzubauen. Aktuell arbeitet Tata Steel mit vielen<br />
OEM, Tier-1-Zulieferern und Presswerken in Europa,<br />
Nordamerika und China an Projekten, die in neuen<br />
Elektrofahrzeugen auf den Markt kommen sollen.<br />
Die Innovationen bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen<br />
schreiten weiterhin rasant voran. Das ist<br />
auch dringend nötig, denn Elektrofahrzeuge müssen<br />
erschwinglicher und nachhaltiger werden, wenn sie<br />
neuer Standard für Mobilität werden sollen. Es zeigt<br />
sich, dass erschwingliche und nachhaltige E-Mobile<br />
nicht ohne hochmoderne Stähle auskommen, um<br />
Leistung, Kosten und Gewicht von Energiespeicher -<br />
systemen, Elektromotoren und Crash-Management-<br />
Strukturen zu verbessern. Die neuesten Entwicklungen<br />
der Stahlindustrie ermöglichen all dies: mit<br />
höherer Festigkeit, besserer Umform- und Verarbeitbarkeit,<br />
weniger magnetischen Verlusten und insgesamt<br />
einer geringeren Umweltbelastung.<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 57
» TECHNIK & WISSEN<br />
An der A8 entsteht Europas größter Ladepark für Elektroautos<br />
Schneller laden mit Gleichstrom<br />
In Zusmarshausen bei Augsburg wurde vergangenen August die größte und innovativste<br />
Ladestation für Elektroautos in Europa eröffnet. Für das visionäre Projekt, das die<br />
Herausforderungen an die Mobilität der Zukunft lösen könnte, hat der Verbindungstechnikspezialist<br />
Lapp eine Sonderleitung entwickelt, die auf Gleichstrom-Nutzung basiert.<br />
» Irmgard Nille, freie Journalistin im Auftrag der U.I. Lapp GmbH, Stuttgart<br />
Der Sortimo-Innova -<br />
tionspark Zusmarshausen<br />
an der A8 vereint<br />
Nutzen und Komfort:<br />
144 Ladepunkte<br />
ermöglichen schnelle<br />
Beladung von E-Fahrzeugen,<br />
die Wartezeit<br />
kann in Läden und<br />
Cafés verkürzt werden.<br />
Der Sortimo-Innovationspark Zusmarshausen (SIZ)<br />
befindet sich an der Autobahn A8 zwischen München<br />
und Stuttgart. In der ersten Ausbaustufe wurden<br />
72 Ladepunkte in Betrieb genommen, im Endausbau<br />
soll der Park über 144 Ladepunkte verfügen. Neben der<br />
Möglichkeit zur Beladung von E-Fahrzeugen bietet der<br />
SIZ seinen Besuchern auf rund 35.000 m² Fläche<br />
attraktive Rast- und Einkaufsmöglichkeiten, um die<br />
Wartezeit angenehm zu gestalten. Eine Besonderheit<br />
des Ladeparks ist: 60 der 72 Ladepunkte sind mit moderner<br />
Gleichstrom- (DC-)Ladetechnik ausgestattet.<br />
So können die Fahrzeuge schnell und unkompliziert<br />
beladen werden. Je nach Fahrzeug kann aus unterschiedlichen<br />
Leistungsstufen von 35 bis zu 475 kW<br />
gewählt werden. Der Ladevorgang dauert zwischen<br />
15 und 45 Minuten. Für Tesla-Fahrer stehen zudem<br />
zwölf V3-Supercharger bereit. Ein ausgeklügeltes<br />
DC-Energieleitsystem bringt die gewünschte Ladeleistung<br />
an die Ladesäule des Kunden.<br />
„Die Deutschen müssten viel mehr Mut haben, in<br />
neue Technologien zu investieren. Mit der erhöhten<br />
Förderung von Elektrofahrzeugen in Deutschland<br />
erhoffe ich mir, dass die Elektromobilität als wich -<br />
tiger Teil der Energiewende endlich stimuliert und<br />
beschleunigt wird“, erklärt Frank Steinbacher, Geschäftsführer<br />
und Gesellschafter von der eLoaded<br />
GmbH und Steinbacher-Consult. Er ist Ideengeber<br />
und Planer des Sortimo-Innovationsparks Zusmarshausen.<br />
„Am Standort können täglich bis zu 4.000 Autos<br />
aufgeladen werden“, rechnet Steinbacher vor: „Das<br />
entspricht, aufs Jahr gerechnet, einer Fahrleistung<br />
von über 400 Millionen Kilometern“. Dies sei jedoch<br />
nur der erste Schritt: Durch ihr modulares Aufbau-<br />
Bild: eLoaded GmbH<br />
58 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
und Stromversorgungskonzept<br />
sind die 140 kW-Schnelllader<br />
ohne weitere Infrastruktureingriffe<br />
auf 475 kW erweiterbar.<br />
Auf dem Gelände des Sortimo-<br />
Innovationsparks sind neben Gastronomie,<br />
Café und kleinen Läden<br />
im nächsten Bauabschnitt auch Büros<br />
sowie elektroaffine Betriebe und Wirkungsstätten<br />
für Forschung und Innovation geplant.<br />
Jeder sollte die Zeit während des Ladens so<br />
optimal wie möglich nutzen können, heißt es. Auch<br />
ein Spaziergang in den renaturierten Rothauen ist<br />
möglich. Das Unternehmen investiert im ersten<br />
Schritt einen zweistelligen Millionenbetrag. Die weitere<br />
Entwicklung des Areals hänge auch davon ab,<br />
wie sich die Elektromobilität entwickele. Für Sortimo<br />
könnte sich die Investition bald amortisieren: Der<br />
Ladepark wird für den eigenen den Fuhrpark von<br />
Kunden genutzt, etwa auch den ÖPNV. 2021 ging die<br />
erste E-Schnellbusroute zwischen Zusmarshausen<br />
und der Stadt Augsburg an den Start. Der Energiebezug<br />
im Fahrplan wird dynamisch auf die tagesaktuelle<br />
erneuerbare regionale Erzeugung angepasst. Betreiber<br />
benötigen keinen Depotstandort oder kostenintensives<br />
Laden in der Nachtstunde. Auch für den<br />
Individualverkehr steht der Ladepark zur Verfügung.<br />
Nutzung von regionaler PV-Energie<br />
Bei Sortimo lädt man erneuerbaren Strom, vor allem<br />
aus einer regionalen Photovoltaikanlage. Die Energieverteilung<br />
ist über ein DC-Versorgungsnetz aufgebaut.<br />
Im Bereich Gleichstrom hat Frank Steinbacher<br />
die Stuttgarter Firma Lapp mit ins Boot geholt.<br />
Für das innovative Projekt hat Lapp eine DC-Sonderleitung<br />
entwickelt, mit der auch kurzfristig größere<br />
Leistung möglich ist und die parallel die Kontrolle der<br />
Wärmeentwicklung in der Leitung ermöglicht.<br />
Hierfür hat der Hersteller den kompletten DC-Bus<br />
zum Anschluss der Ladestationen, einschließlich<br />
Hybrid-DC-Kabel zur Steuerung und Online-Überwachung<br />
entwickelt. Der Kabelaufbau ist sehr anspruchsvoll:<br />
Das speziell für eLoaded designte Kabel<br />
besteht aus einem Aluminiumleiter mit 630 mm 2<br />
Querschnitt. Die Aderisolierung ist strahlenvernetzt<br />
und besteht aus Polyethylen. Die Schirmung wird<br />
über spiralförmig über den Kern aufgetragene Kupferdrähte<br />
erreicht. Das Besondere: Der Aufbau wird<br />
ergänzt durch zwei Edelstahlrohre bestückt mit jeweils<br />
sechs Lichtwellenleitern. Diese dienen zur Temperaturmessung<br />
und schlagen Alarm, wenn die Temperatur<br />
an den Ladepunkten zu groß wird. Über den<br />
BUS wird dann gesteuert, wo alternativ entsprechend<br />
freie Ladekapazitäten zur Verfügung stehen.<br />
IM ÜBERBLICK<br />
Mit der Nutzung von Gleichstrom<br />
(DC) reduzieren sich Umwandlungsverluste,<br />
was die Effizienz<br />
steigert und Komponenten<br />
reduziert. Der E-Motor wird<br />
so zum Generator.<br />
Der Außenmantel ist aus PVC<br />
gemäß der IEC-Norm 60502.<br />
Die Nutzung von Gleichstrom<br />
spielt bei den Projekten von<br />
eLoaded eine zentrale Rolle. „Wir<br />
wollen nicht mehr in der AC-Welt,<br />
sondern in der DC-Welt denken.<br />
Durch diese Umstellung sind allein 20<br />
bis 25 Prozent Einsparung bei der Energieeffizienz<br />
möglich“, betont Steinbacher. Der Grund:<br />
Photovoltaik- und Windkraftanlagen sind reine DC-<br />
Erzeuger. Bei Gleichstrom fallen die Verluste weg, die<br />
heute bei der Umwandlung zwischen Wechselstrom<br />
(AC) und Gleichstrom (DC) und umgekehrt entstehen.<br />
Ein konsequent auf Gleichstrom ausgelegtes Energienetz<br />
käme auf einen Gesamtwirkungsgrad von<br />
90 %– gegenüber heute 56 %.<br />
Im Sortimo-Innovationspark wird die Energieverteilung<br />
exakt auf den Ladebetrieb abgestimmt. Das<br />
ausgeklügelte Energiemanagement hat aber nicht<br />
nur die Ladeprozesse im Blick, sondern auch die<br />
unmittelbar angebundene Produktion – nur so kann<br />
ein kosteneffizienter Betrieb zwischen Strommenge<br />
und Leistung realisiert werden. Den Schwerpunkt<br />
legt eLoaded auf die Reduzierung der Betriebskosten<br />
und eine multifunktionale Nutzung von Infrastruktur.<br />
Steinbacher ist davon überzeugt, „wer Energie und<br />
die damit verbundene Infrastruktur möglichst vielseitig<br />
und flexibel nutzen kann, realisiert erhebliche<br />
finanzielle Vorteile gegenüber Insellösungen. Die<br />
Kapazität des Innovationsparks erspart etwa 30 Mio.<br />
Liter Kraftstoff und 60.000 Tonnen klimaschädliches<br />
Kohlendioxid (CO 2 ) pro Jahr allein auf Grund der<br />
darüber abwickelbaren Mobilität.<br />
Bild: eLoaded GmbH<br />
Eigens entwickelte<br />
Gleichstrom-Sonderleitungen<br />
von Lapp<br />
ermöglichen die direkte<br />
Nutzung von lokaler<br />
erneuerbarer Energie.<br />
<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 59
» PRODUKTE<br />
Werkzeugverwaltung als SaaS<br />
Cloudbasierte Einstiegslösung für kleine Unternehmen<br />
Die Cloud Werkzeugverwaltung TDM<br />
Cloud Essentials wurde speziell für kleine<br />
Unternehmen entwickelt, die den Einstieg<br />
in das digitale Werkzeugmanagement<br />
bisher scheuten. Die Lösung braucht kein<br />
Projektmanagement und keine IT-Installation,<br />
eine Registrierung reicht aus. Mit<br />
der cloudbasierten Software gewinnen<br />
Unternehmen den Überblick über ihre<br />
Werkzeuge zurück und treiben die Digitalisierung<br />
in ihrer Fertigung voran, verspricht<br />
der Anbieter. TDM Cloud Essentials<br />
wird als SaaS (Software-as-a-Service)<br />
angeboten, das heißt, die Anwender<br />
nutzen die Software im zeitlichen<br />
Abonnement. Mit den Monatsbeiträgen<br />
sind alle IT-Services, wie Updates<br />
und Datensicherung, abgegolten.<br />
Wächst die Firma können neue Abonnements<br />
gebucht werden. Die Software<br />
erfasst nur die essentiellen Daten, die<br />
direkten Nutzen für die Werkzeugverwaltung<br />
bringen und bietet die Möglichkeiten<br />
des Datenimports an. Dazu zählt<br />
auch der kostenlose Zugriff auf den TDM<br />
Webcatalog mit über 250.000 Datensätzen<br />
führender Hersteller. So legen die Anwender<br />
die Basis für einen späteren Datenexport<br />
in ein CAM-System.<br />
www.tdmsystems.com<br />
Bild: TDM Systems GmbH<br />
Edge Computing<br />
Softing integriert CNC-Daten<br />
Bild: Softing Industrial Automation GmbH<br />
Softing erweitert seine auf Docker-Technologie basierende Datafeed EdgeConnector-Produktfamilie:<br />
Der Container 840D unterstützt den Zugriff auf Daten<br />
aus Sinumerik 840D-Steuerungen von Siemens und unterstützt das Auslesen aller<br />
Prozessparameter und Antriebsdaten. Dazu ist kein Eingriff in die Konfiguration<br />
der Werkzeugmaschine notwendig. Der Baustein erlaubt die nahtlose Einbindung<br />
von bis zu fünf CNC-Steuerungen in eine Cloud-Umgebung wie Azure<br />
IoT Edge oder AWS IoT Greengrass. Die Konfiguration kann lokal über einen Internetbrowser<br />
oder remote über die REST-Schnittstelle erfolgen. Ein zentrales<br />
Deployment aller angeschlossenen Edge-Geräte mit ihren Containern, zum Beispiel<br />
für Updates oder Sicherheitspatches, kann über ein optionales Device<br />
Management System realisiert werden. Dieses Device Management System kann<br />
sowohl für lokale wie auch für globale Anwendungen konfiguriert werden.<br />
www.softing.com<br />
Smart Factory – Vollständige No-Code IIoT-Plattform<br />
Unicloud erleichtert die Konfiguration von IIoT-Anwendungen<br />
Unicloud von Spectra ist eine vollständige<br />
No-Code IIoT-Plattform für Hersteller und<br />
Betreiber von Geräten, Maschinen und<br />
Automaten. Das neue Online-Portal bietet<br />
die Möglichkeit zur Visualisierung, Speicherung<br />
und Analyse aller Prozessdaten,<br />
die an beliebigen Orten auf Unitronics-<br />
Steuerungen verarbeitet werden.<br />
Der Charme liegt in der einfachen Konfiguration<br />
der eigenen IIoT-Anwendung,<br />
die keinerlei Programmierkenntnisse oder<br />
Expertise von Cloud-Professionals erfordert.<br />
Mit einfachem „Click-and-Select“<br />
kann man eine eigene, auf die<br />
spezifischen Bedürfnisse abgestimmte<br />
Cloud-Applikation erstellen<br />
und so zum Beispiel Maschinen<br />
beziehungsweise deren Daten<br />
online präsentieren, verwalten<br />
und weiterverarbeiten. Attraktive<br />
Dashboards werden durch einfache<br />
Konfiguration vorgefertigter<br />
Objekte wie etwa Graphen, Tabellen und<br />
Landkarten erstellt und zeigen aktuelle,<br />
historische oder aggregierte Daten aus<br />
einer oder mehreren Maschinen an.<br />
www.spectra.de<br />
Bild: Spectra GmbH & Co. KG<br />
60 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
M2M-Kommunikation<br />
Visualisierung per Drag&Drop<br />
Die webbasierte Lösung für Maschinenvisualisierung<br />
von Lenze vereint die Anforderungen von Anwendern<br />
und OEMs. Die Nutzer erwarten die gleiche intuitive<br />
Nutzerführung und Features wie Gestensteuerung, Multi-Touch-Funktionalität<br />
und Mehrsprachigkeit, die sie<br />
aus ihrem privaten Bereich kennen. Für Anlagenbetreiber<br />
ist zudem die Zukunftssicherheit ihrer Investitionen<br />
wichtig. Der Easy UI Designer ist eine Anwendung für<br />
Windows-Rechner, die vorgefertigte Bedienelemente<br />
sowie Vorlagen für komplette Seiten enthält. Die Bedienelemente<br />
können per Drag&Drop in die Visualisierung<br />
eingefügt und dort mit SPS-Variablen verknüpft<br />
werden. Der OEM braucht also keine speziell ausgebildeten<br />
Web-Entwickler, um die Oberfläche zu entwickeln.<br />
www.lenze.com<br />
INDIVIDUELLE<br />
TRANSPORTRÄDER<br />
D-33330 Gütersloh<br />
www.wulfhorst.de<br />
Tel.: 05241/98680<br />
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Bild: Lenze SE<br />
Cloudspeicherung<br />
Industrial-Edge-Lösung von Nokia<br />
Mit unseren<br />
interface-Lösungen<br />
Werden MessWerte<br />
zu ergebnissen.<br />
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Für alle gängigen Messmittel, für<br />
nahezu jede PC-Software und mit<br />
USB, RS232 oder Funk.<br />
Nokia hat eine cloudnative Industrial-Edge-Lösung auf<br />
den Markt gebracht, mit der Unternehmen ihre Digitalisierungsinitiativen<br />
im Bereich der Operational Technology<br />
(OT) beschleunigen können. Bei Nokia MX Industrial<br />
Edge handelt es sich um eine skalierbare Netzwerkplattform,<br />
die speziell für die Anforderungen der digitalen<br />
Transformation in industriellen Branchen wie Produktion,<br />
Energiewirtschaft und Transportwesen entwickelt<br />
wurde. Sie kombiniert Rechenleistung, Speicherkapazität,<br />
kabelgebundene und drahtlose Vernetzung,<br />
industrielle Anwendungen und automatisiertes<br />
Management in einer vor Ort installierten Digitalisierungsplattform.<br />
Mit Nokia MX Industrial<br />
Edge können Unternehmen<br />
von einer lokalen<br />
Cloud-Architektur<br />
vor Ort profitieren.<br />
www.nokia.com/de_int<br />
Bild: Nokia<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 61
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der Industrie!<br />
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Spanende Fertigung Spanlose Fertigung<br />
Montage-, Handhabungstechnik Kunststoffverarbeitung<br />
Lasertechnik Mikrosystemtechnik/Nanotechnologie<br />
Smart Energy Oberflächentechnik Qualitätssicherung<br />
Verbindungstechnik Verpackungstechnik<br />
Werkstoffe Werkzeug-/Formenbau<br />
Werkzeugmaschinen Schmiermittel Zulieferung<br />
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C-TEILE-MANAGEMENT<br />
Ferdinand Gross GmbH & Co. KG<br />
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und C-Teile-Management und bietet Kunden und<br />
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& Co., ist Lederer Ihr Partner: Norm- und Standardteile,<br />
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Kanban etc.). Lederer übernimmt für Sie die Lieferantensuche,<br />
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62 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
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Zertifizierungen:<br />
ISO 9001 und ISO 14001, Werkseigene PK nach EN 1090,<br />
Mat.-Kennz. nach RL 2014/68/EU.<br />
Schweizer GmbH & Co. KG<br />
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www.rct-online.de<br />
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Verbindungselemente, Durchflusstechnik,<br />
Labor technik, Halbzeuge, Befestigungselemente,<br />
Filtration und Antriebstechnik stammen.<br />
Reichelt Chemietechnik GmbH + Co.<br />
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vier Laufringe haben wir im Laufe der Jahre kontinuierlich<br />
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Darüber hinaus sind wir mit zahlreichen Vertretungen<br />
weltweit präsent. Die von Erich Franke entwickelte<br />
Vier-Punkt-Geometrie bildet die ideale<br />
Voraussetzung für individuelle Produktlösungen, denn<br />
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haben die freie Wahl bezüglich Werkstoff, Geometrie,<br />
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Weder Mangelschmierung noch Überfettung<br />
erscheint dienstags ISSN 0019–9036<br />
Organ des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung e.V.<br />
(WSM), Düsseldorf, Hagen. Die Mitglieder des Verbandes erhalten<br />
den <strong>Industrieanzeiger</strong> im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Zusammenarbeit<br />
im Fachbereich der Gießereitechnik mit der Zentrale für<br />
Gussverwendung, Düsseldorf.<br />
Herausgeberin: Katja Kohlhammer<br />
Mitherausgeber: Prof. Dr.-Ing. Christian Brecher (Werkzeug -<br />
maschinen); Prof. Dr.-Ing. Thomas Bergs (Technologie der<br />
Fertigungsverfahren); Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt (Fertigungsmesstechnik<br />
und Qualitätsmanagement); Prof. Dr.-Ing.<br />
Dipl.-Wirt.-Ing. Günther Schuh (Produktions systematik),<br />
WZL RWTH Aachen<br />
Verlag: Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,<br />
Ernst-Mey-Straße 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen, Germany<br />
Geschäftsführer: Peter Dilger<br />
Verlagsleiter: Peter Dilger<br />
Chefredaktion:<br />
B. A. Alexander Gölz (ag), Phone +49 711 7594–438;<br />
Stellv. Chefredakteur: Dipl.-Betriebswirt (FH) Dietmar Kieser (dk),<br />
Phone +49 711 7594–454<br />
Redaktion:<br />
Kyra Kutter (kk), Phone +49 711 7594–475;<br />
B. A. (FH) Nora Nuissl (nu), Phone +49 711 7594–391;<br />
Frederick Rindle (fr), Phone +49 711 7594–539;<br />
Dipl.-Inf. (FH) Uwe Schoppen (us), Phone +49 711 7594–458;<br />
M. A. Nico Schröder (sc), Phone +49 170 6401879;<br />
Dipl.-Ing. Olaf Stauß (os), Phone +49 711 7594–495;<br />
Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Infowirtin (FH) Mona Willrett (mw),<br />
Phone +49 711 7594–285<br />
Ständige freie Mitarbeiter:<br />
Dipl.-Ing. Volker Albrecht, Karin Faulstroh (kf),<br />
Michael Grupp (mg), Sabine Koll (sk), Markus Strehlitz (ms),<br />
Henriette Steuer (hs)<br />
Redaktionsassistenz: Daniela Engel, Phone +49 711 7594–452,<br />
Fax –1452, E-Mail: daniela.engel@konradin.de<br />
Layout: Laura Gehring, Jonas Groshaupt, Michael Kienzle,<br />
Ana Turina<br />
Gesamtanzeigenleiter:<br />
Joachim Linckh, Phone +49 711 7594–565, Fax –1565<br />
Auftragsmanagement:<br />
Matthias Rath, Phone +49 711 7594–323, Fax –1323<br />
Zurzeit gilt Preisliste Nr. 81 vom 1.10.2021.<br />
Leserservice: <strong>Industrieanzeiger</strong> +49 711 7252–209,<br />
konradinversand@zenit-presse.de<br />
Erscheinungsweise: dienstags (20 x jährlich)<br />
Bezugspreis: Inland jährlich 208,60 € inkl. Versandkosten und<br />
MwSt; Ausland 208,60 € inkl. Versandkosten. Einzelpreis 7,55 €<br />
(inkl. MwSt, zzgl. Versandkosten).<br />
Bestellungen erbitten wir an den Verlag. Sofern die Lieferung nicht<br />
für einen bestimmten Zeitraum ausdrücklich bestellt war, läuft das<br />
Abonnement bis auf Widerruf. Bezugszeit: Das Abonnement kann<br />
erstmals vier Wochen zum Ende des ersten Bezugsjahres gekündigt<br />
werden. Nach Ablauf des ersten Jahres gilt eine Kündigungsfrist<br />
von jeweils vier Wochen zum Quartalsende.<br />
Bei Nichterscheinen aus technischen Gründen oder höherer Gewalt<br />
entsteht kein Anspruch auf Ersatz.<br />
Auslandsvertretungen:<br />
Großbritannien/Irland: Jens Smith Partnership, The Court,<br />
Long Sutton, GB-Hook, Hampshire RG 29 1TA, Phone 01256<br />
862589, Fax 01256 862182, E-Mail: jsp@trademedia.info;<br />
USA: D.A. Fox Advertising Sales, Inc. Detlef Fox, 5 Penn Plaza,<br />
19th Floor, New York, NY 10001, Phone +1 212 8963881,<br />
Fax +1 212 6293988, detleffox@comcast.net<br />
Gekennzeichnete Artikel stellen die Meinung des Autors, nicht<br />
unbedingt die der Redaktion dar. Für unverlangt eingesandte<br />
Manuskripte keine Gewähr. Alle im <strong>Industrieanzeiger</strong> erscheinenden<br />
Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch<br />
Übersetzungen, vorbehalten. Reproduktionen gleich welcher Art<br />
nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.<br />
Erfüllungsort und Gerichtsstand ist Stuttgart.<br />
Druck: Konradin Druck, Leinfelden-Echterdingen<br />
Printed in Germany<br />
© 2021 by Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH,<br />
Leinfelden-Echterdingen<br />
Bild: Krups Automation GmbH<br />
Mit Durasense hat Schaeffler eine<br />
Überwachungslösung für Profilschienenführungen<br />
entwickelt. Die optional<br />
orderbare Ausstattung bietet<br />
dem Maschinenbau geringere Herstellungskosten<br />
und Betreibern niedrigere<br />
Betriebskosten sowie eine höhere<br />
Verfügbarkeit. So kann Durasense<br />
beispielsweise zur Überwachung<br />
und Bewertung einer manuellen<br />
Nachschmierung eingesetzt werden.<br />
Dadurch kann auf eine teure<br />
Zentralschmieranlage zugunsten einer<br />
manuellen, überwachten Nachschmierung<br />
verzichtet werden. Ist<br />
Bild: Schaeffler Technologies AG & Co. KG<br />
eine Schmieranlage installiert, werden<br />
alle Fehler, die zu einem<br />
Schmierstoffmangel führen, frühzeitig<br />
erkannt. Neben der Mangelschmierung<br />
wird auch Überfettung<br />
vermieden.<br />
Schaeffler Durasense stellt eine bedarfsgerechte<br />
Schmierung sicher<br />
und erspart in der Praxis bis zu 30 %<br />
Schmierstoff. Besonders vorteilhaft<br />
wirkt sich dies bei Maschinen mit<br />
Kühlschmiermitteleinsatz aus, da der<br />
Aufwand für die spätere Ölabscheidung<br />
signifikant geringer wird.<br />
www.schaeffler.de<br />
Handling<br />
Breitere Spurweite für große und<br />
schwere Produkte bis 2000 kg<br />
Das neue eCart 900 von Krups ist nun<br />
mit einer breiteren Spurweite für<br />
große und schwere Produkte bis<br />
2000 kg pro Cart verfügbar. Verstärkte<br />
Komponenten machen dies möglich,<br />
wobei die Handhabung, das Verhalten<br />
und die Steuerung gleichbleiben.<br />
Neu ist auch die im eCart integrierte<br />
Hubplattform.<br />
Die integrierte Hubplattform bietet<br />
eine Hubhöhe von bis zu 300 mm.<br />
Die Anwendungen und der Nutzen<br />
gehen weit über die ergonomische<br />
Höhenanpassung hinaus. Das Absetzen<br />
von Bauteilen auf eine externe<br />
Struktur mit Indexierpunkten kann<br />
gerade in Automatikstationen zur<br />
genauen Positionierung oder zur<br />
Kraftaufnahme genutzt werden.<br />
Kostspielige Bodenspanntechniken<br />
beziehungsweise Ausheber sind somit<br />
nicht mehr nötig. Auch ein Ablagepuffer<br />
von Bauteilen ist möglich,<br />
indem das jeweilige eCart unter den<br />
gepufferten Bauteilen hindurchfährt<br />
und das letzte Bauteil durch eine Angleichung<br />
der Höhe entsprechend<br />
wieder aufnimmt.<br />
www.krups-automation.com<br />
64 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
VORSCHAU «<br />
TOPSTORY<br />
Woodward L’Orange, ein Spezialist für Großmotoren-Komponenten,<br />
suchte eine Messmaschine<br />
für Pumpenkolben und hat mit der OGP Messtechnik<br />
den richtigen Partner gefunden.<br />
ROBOTICS KONGRESS<br />
Am 9. Februar 2022 findet die elfte Auflage des Robotics<br />
Kongress auf dem Hannover Messegelände statt. Kernthema<br />
der etablierten Veranstaltung ist die Zusammenarbeit<br />
zwischen Mensch und Maschine. Für die Keynote konnten<br />
wir mit Dr. Christoph Keplinger, Direktor am Max-Planck-<br />
Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart, einen Spitzenforscher<br />
gewinnen. In seinem Vortrag gibt er Einblicke in<br />
das Zukunftsthema Soft-Robotics.<br />
Bild: Uwe Schoppen<br />
AUTOMATISIERUNG<br />
Beim chinesischen Automobilzulieferer BH Sens werden<br />
Reifendrucksensoren im Sechs-Sekunden-Takt montiert.<br />
Der Anlagenhersteller MMS Modular Molding Systems hat<br />
die komplexe Linie konstruiert und gebaut. Drei Scara-<br />
Roboter des Herstellers Stäubli gewährleisten zusammen<br />
mit einer aufwendigen Qualitätssicherung, sprich einer<br />
Hundertprozent-Prüfung am laufenden Band, eine Null-<br />
Fehler-Montage der Produkte.<br />
Der <strong>Industrieanzeiger</strong> 01/2022 erscheint am 18.01.2022<br />
2021-06_LT4U_188x32mm_<strong>Industrieanzeiger</strong>_4c_Pulvern.pdf - November 17, 2021 x<br />
NT22_188x65mm_industrienzeiger_SATZSPIEGEL_high.pdf - November 18, 2021 x<br />
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Endlich wieder live: die Produktionsbranche im<br />
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<strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021 65
» ZULETZT<br />
Auf den Hund<br />
gekommen<br />
Was für ein Dasein. Einfach in den Tag hinein<br />
leben mit der Sorge, wo es was zu (fr)essen<br />
gibt – und vielleicht noch, wo Herrchen oder Frauchen<br />
ist, sonst nichts. Das wäre doch was, zumindest<br />
ab und zu. Wie Reinhard Mey singt:<br />
„Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund“.<br />
An so einem Tag flattert diese Pressemitteilung rein:<br />
„Fressnapf Tracker für Hunde beliebt wie<br />
nie“. Wow, was für eine Empathie für das liebe Tier!<br />
Ein Tracker, der den Hund direkt zum Trog führt –<br />
das Navi zum Fressnapf ohne Suchen. „Gerade mal<br />
Bild: Fressnapf<br />
43 Gramm im schicken Kästchen“ wiegt das Träckerchen. Schickes Hundeleben. Warum<br />
machen wir es uns als Menschen nicht genauso bequem bei unseren Angelegenheiten?<br />
Die Antwort kommt beim Weiterlesen, ein Affront: Der „Fressnapf“ ist gar kein Trog,<br />
sondern eine Firma. Sie liefert den Tracker. Der Tracker macht Hundehalter<br />
glücklich, nicht Hunde. Er ortet den Vierbeiner auf 3 m genau mit GPS, checkt<br />
seine Bewegungsaktivität und seinen Kalorienverbrauch und verlinkt bei Soll-Ist-<br />
Abweichungen zur „Video-Beratung von Dr. Fressnapf“. Au Backe. Ich will’s doch nicht<br />
wie ein Hund. Das hieße ja: Der Chef ortet den Mitarbeiter beim Gang in die Kantine,<br />
checkt Beweglichkeit und tatsächlichen Kalorienbedarf und verlinkt bei Soll-Ist-<br />
Abweichungen zur passendes Diät-Auswahl durch den Koch – Digitalisierung sei Dank.<br />
Was für ein Hundeleben. Und weiß Gott bin ich froh, dass es die DSGVO gibt!<br />
(os)<br />
Wer es genau wissen will: https://tracker.fressnapf.de<br />
66 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021
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68 <strong>Industrieanzeiger</strong> » 20 | 2021