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Magazin Welli der Südtiroler Bauernjugend

04 2021

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Ausgabe 4 | erscheint vierteljährlich | Dezember 2021

Poste Italiane Spa, Versand im Postabonnement, D.L.

353/2003 (conv. in L. 27.02.2004 Nr. 46) Art. 1, Comma 1,

NE Bozen • Sonderheft Nr. 2 zur Nr. 21 „Südtiroler Landwirt“

vom 26.11.2021 • Gebühr bezahlt – Taxe Percue

DAS MAGAZIN

DER SÜDTIROLER

BAUERNJUGEND

Gemeinsam sind wir stark

Eine bei uns in Südtirol sehr

stark verbreitete Unternehmensstruktur

ist jene der Genossenschaft.

Sie wird nicht nur in

der Landwirtschaft angewandt,

sondern ist in fast allen Bereichen

der Wirtschaft zu finden.

Typisch für diese Struktur sind

die gemeinsamen Ziele bzw.

die gemeinsamen Interessen

jener, die der Genossenschaft

beitreten oder diese überhaupt

erst gründen. Die Grundidee

einer Genossenschaft kann mit

dem Motto: „Gemeinsam sind

wir stark“, beschrieben werden.

Von außen betrachtet ähnelt die

Struktur eines Vereines, wie es

die Südtiroler Bauernjugend ist,

sehr stark jener einer Genossenschaft,

denn auch in einem

Verein ist man nur „gemeinsam“

stark.

Lukas Paris

Landesobmannstellvertreter

Genossenschaftliches

Engagement

DAS GENOSSENSCHAFTS-

WESEN

Junge Menschen und Frauen sind

zunehmend gefragt.

Seite 2—5

ERFOLGSGESCHICHTE

Greta Oberhofer ist seit 2019

im Vorstand der Kellerei

Tramin.

Seite 6—7

AGRIALP

Der Innovationspreis und

der Jungbauernpreis wurden

vergeben.

Seite 8—11


Genossenschaftliches

Engagement ist gefragt!

Das Genossenschaftswesen hat in Südtirol eine große wirtschaftliche und gesellschaftliche

Bedeutung. Es leistet einen wesentlichen Anteil an der stabilen

Entwicklung im Land. Dabei wird in den Genossenschaften das Engagement der

jüngeren Generation und der Frauen immer wichtiger und ist zunehmend gefragt.

Die Genossenschaften tragen in

Südtirol maßgeblich zur Wirtschaftskraft

im Land bei. Das genossenschaftliche

Wirtschaften steht dabei

für Solidarität der Mitglieder, Subsidiarität,

regionale Verwurzelung und eine Vielzahl

von Kleinbetrieben, die für Südtirols Wirtschaft

und Gesellschaft prägend sind. Dies

gilt besonders auch für die Landwirtschaft.

Gerade in diesem Bereich trägt das Genossenschaftswesen

zur Unterstützung der

kleinstrukturierten Betriebe und zur Erhaltung

des ländlichen Raumes bei. Ähnliches

gilt für die Kreditgenossenschaften: Auch

diese sind auf der Grundlage von Bedürfnissen

lokaler Gemeinschaften entstanden,

um den Finanzierungsbedarf von Kleinbetrieben

zu decken. Im Laufe der Jahre sind

zu diesen historischen Genossenschaften

weitere hinzugekommen, beispielsweise

die Wohnbaugenossenschaften, verschiedene

Dienstleistungsgenossenschaften,

Energie- und Wassergenossenschaften,

Arbeitsgenossenschaften und Sozialgenossenschaften.

Landwirtschaftliche

Genossenschaften

Europaweit gibt es keine zweite Region,

in der die Landwirtschaft in einem so hohen

Ausmaß genossenschaftlich organisiert

ist wie in Südtirol. Dabei sind die

landwirtschaftlichen Genossenschaften

größtenteils dem Raiffeisenverband Südtirol

angeschlossen, dem Dachverband

der Südtiroler Genossenschaften und

deren Verbände, die nach dem „System

Raiffeisen“ errichtet sind. Dazu gehören

die Obst- und Saatbaugenossenschaften,

die Molkereigenossenschaften, die Kellereigenossenschaften,

die Viehwirtschaftsgenossenschaften,

eine Reihe sonstiger

70 %

„Die Bedeutung dieser

Genossenschaften zeigt

sich etwa daran, dass

rund 70 % der heimischen

Weinmenge aus

genossenschaftlicher

Produktion stammt, in

der Obstwirtschaft der genossenschaftliche

Anteil

fast 95 % beträgt und die

in Südtirol produzierte

Milch nahezu zu

100 % genossenschaftlich

verwertet und vermarktet

wird“, sagt Herbert

Von Leon, Obmann des

Raiffeisenverbandes.

landwirtschaftlicher Genossenschaften

und zahlreiche Genossenschaftsverbände

wie beispielsweise VOG Terlan oder VIP

Vinschgau.

Landwirtschaftliche Genossenschaften

werden von Landwirten gegründet und

kümmern sich um die Verarbeitung und

Vermarktung der von den Mitgliedern angelieferten

landwirtschaftlichen Erzeugnis-


Dezember 2021

3

se. „Die Bedeutung dieser Genossenschaften zeigt sich

etwa daran, dass rund 70 % der heimischen Weinmenge

aus genossenschaftlicher Produktion stammt, in der

Obstwirtschaft der genossenschaftliche Anteil fast 95 %

beträgt und die in Südtirol produzierte Milch nahezu zu

100 % genossenschaftlich verwertet und vermarktet wird“,

sagt Herbert Von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes.

Insgesamt konnten die Obst-, Kellerei- und Molkereigenossenschaften

im Jahr 2020 für die angelieferten

Waren in Summe 700 Mio. Euro (ohne Mwst.) an

ihre Mitglieder und Lieferanten ausbezahlen. Sie bilden

damit ein starkes Rückgrat der kleinstrukturierten

landwirtschaftlichen Betriebe. Zudem weisen diese

großen Warengenossenschaften aufgrund ihrer ständigen

Marktpräsenz eine enorme Innovationskraft auf.

„GEnossenschaften Schaffen Wohlstand,

sichern Arbeitsplätze und beleben und

erhalten den ländlichen Raum.“

Herbert Von Leon

» Michael Joas

ist 1. Obmannstellvertreter

der

Sennerei Drei

Zinnen

„Die genossenschaftlich organisierte Landwirtschaft

nimmt eine tragende Rolle für die Schaffung von Wohlstand,

die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Belebung

bzw. den Erhalt des ländlichen Raumes ein“, sagt Herbert

Von Leon.

Junge Mandatarinnen und Mandatare gefragt

Von den rund 700 gewählten Mandataren der verschiedenen

landwirtschaftlichen Genossenschaften und deren

Verbände sind an die 90 Mandatare unter 35 Jahre alt.

Einer von ihnen ist Michael Joas vom Stöfflerhof in

Vierschach.

Der 29-Jährige setzt sich seit mehreren Jahren als gewählter

Mandatar im Genossenschaftswesen ein. Der

Milchbauer im Vollerwerb ist 1. Obmannstellvertreter

der Sennerei Drei Zinnen – Schaukäserei und Verwaltungsrat

im Südtiroler Braunviehzuchtverband. „Es geht

um die Zukunft und den wirtschaftlichen Erfolg unserer

Betriebe, da ist es wichtig, dass auch die Jüngeren in Verantwortung

tätig sind“, sagt der jüngste Mandatar der

Sennerei. Joas betont den Stellenwert der Genossenschaft

für die Landwirte, die vorwiegend Milchbauern sind: „Die

Genossenschaft bildet einen großen Mehrwert für das

ganze Einzugsgebiet“.

Die Zahl der Mandatarinnen unter 35 Jahren in den

landwirtschaftlichen Genossenschaften ist noch sehr

gering und lässt sich an zwei Händen abzählen. Vorwiegend

handelt es sich um Verwaltungsrätinnen in Kellerei-,

Obst- und Viehwirtschaftsgenossenschaften.

Zu diesen „Exotinnen“ gehört auch Magdalena Matzneller

aus Tramin, die im familieneigenen Obst-, Weinbau- und

Rebschulbetrieb tätig ist. Vor zwei Jahren wurde sie als

erste Frau – und mit der zweithöchsten Stimmenanzahl

– in den Verwaltungsrat der Obstgenossenschaft ROEN

gewählt. Magdalena Matzneller: „Ich habe mich sehr

über dieses große Vertrauen gefreut“. Als einzige Frau in

einer Männerriege ist sie im Vorstand gut aufgenommen

worden, hat viel dazugelernt und einen Einblick in die

Abläufe der Genossenschaft und der Vermarktung erhalten,

wie ihn ein „normales“ Mitglied nicht so unmittelbar

bekommt. Die junge Mandatarin ist von den Vorteilen

der genossenschaftlichen Unternehmensform überzeugt:

„Die Obstgenossenschaft ermöglicht es erst, dass sich

die Bauern voll auf die Apfelproduktion konzentrieren

können, und nicht auch noch an die Lagerung und

Vermarktung denken müssen“.

Für den Landwirt stellt die Genossenschaft einen Hilfsund

Ergänzungsbetrieb zu seinem eigenen Unternehmen

dar. „Das heißt, der landwirtschaftliche Betrieb produziert

und die Genossenschaft besorgt in Ergänzung zum autonomen

Betrieb des Mitgliedes die Be- und Verarbeitung

und vor allem den Absatz der Produkte. Dadurch sind für

den Mitgliedsbetrieb eine größere wirtschaftliche Effizienz

und Sicherheit gegeben“, erklärt Johannes Stauder,

Ansprechpartner für die landwirtschaftlichen Genossenschaften

im Raiffeisenverband. Die Verwaltungsrätin

Magdalena Matzneller würde sich aber vor allem noch

eines wünschen. „Es wäre gut, wenn sich noch mehr

junge Frauen wählen lassen und sich damit aktiv in den

Genossenschaften einbringen“, ist Matzneller überzeugt.

» Magdalena

Matzneller aus

Tramin ist die

erste Frau mit der

zweithöchsten

Stimmenanzahl in

der Obstgenossenschaft

ROEN

WELLI


4

Sensibilisieren und motivieren

Um den Anteil der Frauen in der Führung

von Genossenschaften zu verstärken, hat

der Raiffeisenverband im Jahr 2015 den

Arbeitskreis „Frauen in der Führung von

Genossenschaften“ eingerichtet. Dabei

handelt es sich um ein wichtiges Thema,

das für das Genossenschaftswesen und für

die Verankerung der genossenschaftlichen

Idee in der Gesellschaft bedeutend ist. Davon

überzeugt ist auch Paulina Schwarz.

Die Verwaltungsrätin im Raiffeisenverband,

Vizeobfrau der Raiffeisenkasse

Etschtal und erfolgreiche Unternehmerin,

wurde erst kürzlich als Vorsitzende des

Arbeitskreises, dem übrigens Frauen und

Männer angehören, bestätigt. „Wir leisten

vor allem Sensibilisierungsarbeit, um

Frauen zu motivieren, für den Verwaltungsoder

Aufsichtsrat zu kandidieren, wir organisieren

Netzwerktreffen für Mandatarinnen

und interessierte Frauen, fördern

den Austausch untereinander und zeigen

Vorbilder auf, um weitere Frauen anzusprechen“,

sagt Schwarz. Dabei verweist sie

auch auf die enge Zusammenarbeit mit den

Organisationen im Bauernbund wie etwa

der Bauernjugend und den Bäuerinnen.

In den aktuell 366 Mitgliedsgenossenschaften

des Raiffeisenverbandes sind die Frauen

heute mit einem Anteil von 15 % in den

Verwaltungs- und Aufsichtsräten sowie

Kontrollausschüssen vertreten, aktuell sind

es rund 422 Frauen und 2.416 Männer.

„Es ist uns daher ein Anliegen, noch mehr

Frauen dazu zu bewegen, sich für die Wahl in den

Genossenschaftsgremien bereitzustellen“, betont

Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes.

Einiges konnte in den vergangenen

Jahren geleistet werden. Beispielsweise gibt es

in den Raiffeisenkassen nur mehr wenige Verwaltungsorgane,

in denen keine Frau vertreten

ist. Künftig sind für die Raiffeisenkassen eine

geschlechterausgewogene Vertretung und eine

Mindestanzahl von Frauen im Verwaltungs- und

Aufsichtsrat vorgeschrieben. Sehr ausgewogen

ist die Situation in den Gremien der Sozialgenossenschaften.

Passives Wahlrecht nutzen

Das Genossenschaftswesen hat in Südtirol eine große wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung.

Es leistet einen wesentlichen Anteil an der stabilen Entwicklung im Land. Dabei wird in den Genossenschaften

das Engagement der jüngeren Generation und der Frauen immer wichtiger und ist zunehmend

gefragt.

Ganz anders sieht es derzeit noch in den

landwirtschaftlichen Genossenschaften

aus. So sind in den gewählten Gremien

der Obst-, Kellerei- und Molkereigenossenschaften

insgesamt nur 5 % Frauen

vertreten – in Zahlen sind es 23 Frauen

und 487 Männer. Paulina Schwarz: „Das

ist sicherlich historisch und traditionell

bedingt, allerdings haben wir immer mehr

Frauen, die landwirtschaftliche Betriebe

übernehmen und dieses veränderte Bild

sollte sich auch auf die Führungsebene der

Genossenschaften auswirken.“

Etwa 13 % der landwirtschaftlichen Betriebe

in Südtirol sind heute in Frauenhand.

Doch auch wenn jemand nicht Betriebsinhaberin

oder Betriebsinhaber ist, kann er

sich der Wahl für die Gremien einer landwirtschaftlichen

Genossenschaft stellen.

Eine Alternative, die nicht immer hinlänglich

bekannt ist. „Das stimmt leider, dabei

ist das eine sehr interessante Möglichkeit,

ich muss also nicht unbedingt selbst als

Frau die Betriebsinhaberin sein, sondern

kann mir eine Vollmacht vom Mann als

Betriebsinhaber geben lassen“, sagt Paulina

Schwarz. Das Prinzip dabei ist, dass sich

der Einzelunternehmer, und in der Regel

ist der Landwirt ein solcher, in der Vollversammlung

vertreten lassen kann. „Und

zwar vom Ehepartner, von Verwandten bis

zum dritten Grad und von Verschwägerten

bis zum zweiten Grad. Voraussetzung

ist die Mitarbeit im Betrieb. Durch diese

Vollmacht kann der Inhaber oder die Inhaberin

sowohl wählen als auch gewählt

werden“, präzisiert Michael Obrist, Leiter

der Rechtsabteilung im Raiffeisenverband.

Sandra Lamp vom Großbühlhof in Obergummer,

hat diese Möglichkeit der Vertretungsvollmacht

genutzt. Die 34-Jährige

ist seit heuer im Verwaltungsrat der Bioregio.

Die Viehwirtschaftsgenossenschaft

vermarktet Bio-Jungrindfleisch, Sandra

Lamp ist die Ansprechpartnerin der Kunden

und übernimmt die Bestellungen der


Dezember 2021 Blickpunkt 5

Fleischpakete. Weil sie am Hof ihres

Mannes – ein Hof mit biologischer Mutterkuhhaltung

– mitarbeitet, konnte

sie im Herbst in der Bioregio zur Wahl

antreten und ist jetzt die erste Frau im

Vorstand der Genossenschaft. „Ich finde

es spannend, Einblick in die Arbeit der

Genossenschaft zu bekommen, am Erfolg

mitwirken zu können und es freut

mich, dass meine Ideen offen aufgenommen

werden“, sagt Sandra Lamp.

In ihrem Fall war es auch der Wunsch

seitens der Männer im Verwaltungsrat,

dass eine Frau im Gremium vertreten

ist. „Ich glaube, es ist heutzutage einfach

wichtig, dass beide Geschlechter präsent

sind“, meint die neue Verwaltungsrätin.

Frauen sollen sich mehr

zutrauen

Paulina Schwarz unterstreicht diese Meinung,

betont aber gleichzeitig: „Viele

Frauen sind aufgrund ihrer vielfachen

Aufgaben sei es in der Familie, in der

Kinderbetreuung und der Arbeit bereits

stark gefordert, das hält sie von einem

Engagement in einer Genossenschaft

oft zurück“. Häufig ist es aber einfach

auch die Scheu, sich eine solche Aufgabe

zuzutrauen. Daher sollten sich Frauen

einfach mehr getrauen und ihr Interesse

an einer Kandidatur für ein Gremium

bekunden. Der Arbeitskreis „Frauen in

der Führung von Genossenschaften“ will

weiterhin dafür sensibilisieren, dass sich

mehr Frauen in den genossenschaftlichen

Gremien engagieren. „Wir wollen bewusst

machen, dass Frauen dazu sehr gut in der

Lage sind“, sagt Schwarz. Denn viele Frauen

in den Genossenschaften verfügen heute

über die nötigen Voraussetzungen und über

eine gute Aus- und Weiterbildung und ihr

Engagement gereicht zum Vorteil der Genossenschaft.

„Ich finde, dass die Bauernjugend

da durchaus ein gutes Vorbild ist,

was die geschlechtergerechte Besetzung der

Gremien anbelangt“, meint die Vorsitzende

des Arbeitskreises Paulina Schwarz.

Genossenschaften in Südtirol

In mehr als hundert Ländern weltweit gibt es Genossenschaften.

Sie zählen rund eine Milliarde Mitglieder

und über 250 Millionen

Beschäftigte. In Südtirol

waren zum 31. Dezember

2020 im Landesregister der

genossenschaftlichen Körperschaften

insgesamt 909

Genossenschaften eingetragen.

Unter den vier, von

der Autonomen Provinz Bozen anerkannten, Genossenschaftsverbände

zählt der Raiffeisenverband Südtirol

die meisten Mitglieder. Ihm waren zum Stichtag 328

Mitgliedsgenossenschaften mit insgesamt 164.262 Einzelmitgliedern

sowie 34 Körperschaften ohne Revisionspflicht

angeschlossen. Der Genossenschaftsverband Cooperazione

Autonoma Dolomiti zählte 200, der Coopbund Alto Adige

Südtirol 141 und die Associazione Generale Cooperative

Italiane 88 Mitgliedsgenossenschaften. 152 Genossenschaften

waren keinem Verband angeschlossen.

Genossenschaftliche

Wurzeln in Südtirol

Die Wurzeln des Genossenschaftswesens

in Südtirol

reichen in die zweite

Hälfte des 19. Jahrhunderts

zurück. Das sozioökonomische

Umfeld befand sich in einer marktwirtschaftlichen

Schieflage und bedrohte vor allem den Bauernstand in

seiner Existenz. Die über Generationen hinweg praktizierten

Wirtschaftsweisen – Bergbauern verkauften ihre

Produkte vor allem an Nachbarn oder auf kleinen Märkten

– konnten sich in der wachsenden kapitalistischen

Konkurrenzwirtschaft nicht mehr behaupten. Die Gesetzmäßigkeiten

des Marktes trafen die Bauern an ihrer

schwächsten Stelle: an der unzureichenden finanziellen

Ausstattung der Höfe. Geldmittel für Investitionen

waren kaum vorhanden. Aber es gab Grund und Boden

für die Erzeugung von nachgefragten Gütern und Humankapital,

das eine vielversprechende Ausgangslage bot.

Den Schlüssel dazu lieferten das Genossenschaftswesen

und besonders das Genossenschaftskonzept Raiffeisens.

Gerade in der Landwirtschaft bestand die Notwendigkeit,

bei Ernte, Verarbeitung und Vermarktung der landwirtschaftlichen

Produkte zusammenzuarbeiten, sodass

die landwirtschaftlichen Genossenschaften zu Recht als

historischer Kern des Südtiroler Genossenschaftswesens

bezeichnet werden können.

1877/78 wurde die erste Sennereigenossenschaft im Pustertal,

1889 der erste Spar- und Darlehenskassenverein in

Welschellen im Gadertal und 1893 die erste Obstgenossenschaft

in Meran gegründet. In den folgenden Jahren und

Jahrzehnten verbreitete sich die „revolutionäre“ Idee des

deutschen Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen

trotz aller Herausforderungen im ganzen Land.

WELLI


6 Erfolgsgeschichte

Greta

Oberhofer

Greta ist Seit 2019

im Vorstand der

Kellerei Tramin.

Welchen Tipp würdest du einem

jungen Menschen geben,

der selbst als Vorstandsmitglied

kandidieren möchte?

Sich einfach trauen!

Mit dem Obmann oder

Vizeobmann vorab ein

Gespräch suchen, ist bestimmt

hilfreich und man sollte den

Mitgliedern auch nicht

gänzlich unbekannt sein.

Rückblickend, würdest du

noch einmal denselben Weg

gehen?

Auf jeden Fall.


Dezember 2021 Erfolgsgeschichte

7

Junge

Powerfrau

Greta Oberhofer Zanetti ist auf dem elterlichen Obst- und

Weinbaubetrieb in Söll aufgewachsen. Diesen baut die

31-Jährige zurzeit gemeinsam mit ihrem Mann und ihren

Eltern um. Greta ist glücklich verheiratet und erwartet

nächstes Jahr ihr erstes Kind.

Nach der Matura an der Oberschule für Landwirtschaft in

Auer hat sie an der BOKU (Universität für Bodenkultur) in

Wien Agrarwissenschaften studiert. Im Jahr 2016 begann

sie ihre Karriere als Obstbauberaterin beim Südtiroler Beratungsring.

„In der Mittelschule mussten wir für die Prüfung

eine Mappe erarbeiten, wo es unter anderem darum ging,

welche Oberschule man gewählt hat und warum. Dazu

habe ich ein Interview mit Maria Elsler geführt, die damals

Obstbauberaterin beim Beratungsring war. Wie es der Zufall

haben wollte, wurde dann genau zum richtigen Zeitpunkt,

als ich von Wien wieder nach Tramin übersiedelt bin, dort

eine Stelle frei“, erzählt Greta schmunzelnd.

Kandidatur im Vorstand der Kellerei

In der Kellerei Tramin war bis zu den Wahlen im Jahr 2019

Karoline Terleth im Vorstand, diese hat sich nicht mehr

der Wahl gestellt, somit wäre keine Frau mehr im Vorstand

gewesen. Ein guter Grund für Greta sich der Wahl zu stellen!

„Ich wollte mich ohnehin schon länger politisch in der

Landwirtschaft engagieren. Dadurch, dass ich beruflich im

Obstbau tätig bin, wollte ich Überschneidungen vermeiden

und habe mich deshalb für den Weinbau entschieden. Weil

mir der Weinbau sowieso mindestens gleich am Herzen liegt,

hat sich die Kellerei Tramin, in der meine Mutter mit ihren

Weinbaugütern Mitglied ist, angeboten.“ Die Wahlen im

Jahr 2019 kamen also wie gerufen, Greta freute sich auf

die neue Herausforderung, die ihr dadurch geboten wurde.

Zuerst war es nur ein Gedanke, aber nach Absprache mit

ihrer Familie war es besiegelt: Greta wollte in den Vorstand

und bei wichtigen Entscheidungen selbst mitreden.

Das Allerwichtigste bei der Kandidatur möchte sie uns aber

nicht vorenthalten: „Ich denke, man muss sich vorher überlegen,

ob man mit einer Wahlniederlage umgehen könnte.

Bei den Wahlen 2019 haben sich auch mehr Kandidaten

» Greta ist in

der Kellerei

Tramin im

Vorstand

aufstellen lassen, als tatsächlich in den Vorstand gewählt

werden konnten. Natürlich muss man auch Interesse an

den Themen des Gremiums haben und sich die nötige

Zeit nehmen.“

Bei ihrer Kandidatur vor zwei Jahren wusste Greta noch

nicht, dass sie ihre Erfahrungen während der schwersten

Zeit für die Kellereien sammeln wird: Der Coronapandemie.

Die schönen Dinge wie Events sind in der Zeit leider

weggefallen. Es hat sich alles vor allem auf die Vorstandssitzungen

konzentriert, dort gilt es, Beschlüsse zu fassen,

Neuanschaffungen zu genehmigen und besonders auch

Mitgliederanliegen vorzubringen.

Bunte Vielfalt in den Vorständen

Greta findet, dass im Vorstand möglichst jede Mitgliederschicht

vertreten sein sollte. Die Kellerei hat junge und

ältere, vor allem aber weibliche und männliche Mitglieder.

Außerdem stammen die Mitglieder aus mehreren Gemeinden.

Natürlich kann dies nicht alles proportional perfekt

abgedeckt sein, das ist auch nicht notwendig, aber eine

gute Mischung macht durchaus Sinn.

So sind in der Kellerei Tramin mehrere jüngere Mitglieder

im Vorstand und sie selbst ist die einzige weibliche Vertretung.

„So bunt wie die Mitglieder sind, so bunt sollte

auch der Vorstand sein. Immer vorausgesetzt, dass jemand

mit Begeisterung und Interesse dabei ist“, erklärt Greta.

WELLI


8 Berichte

Innovativster Jungbauer ausgezeichnet:

Mobile Schlachtbox siegt

Alex Huber aus Gsies gewinnt den Innovationspreis „IM.PULS“ der Südtiroler Bauernjugend. Ulrich

Kager aus St. Pauls und Patrick Sanin aus Kurtatsch sichern sich den zweiten Platz. Platz drei geht

an Elisabeth Innerhofer vom Finkhof in Meran.

Die Südtiroler Bauernjugend ist begeistert:

Findige Jungbäuerinnen und Jungbauern

aus allen Landesteilen haben beim Innovationspreis

IM.PULS mitgemacht. Nach

einem harten Auswahlverfahren zeichnete

die Südtiroler Bauernjugend, am Samstag,

den 20. November um 15 Uhr auf der

Aktionsbühne der alpenländischen Landwirtschaftsschau

Agrialp die drei Gewinner

aus: Alex Huber mit seiner Schlachtbox

kann sich innovativster Jungbauer Südtirols

nennen.

Die erste in Südtirol zugelassene Schlachtbox

von Jungbauer Alex Huber aus Gsies

ermöglicht ein tierschonendes Schlachten

ohne Lebendtransporte und ohne Stress

und Angst auf dem Weg zum Schlachthof.

„Beim Gedanken an das Tierwohl, darf

man die Frage nach der Schlachtung nicht

ausklammern“, erklärt uns Alex. Die Box

ist eine erfolgreich eingesetzte Alternative:

Bei dieser Schlachtung werden die Tiere in

gewohnter Umgebung im Stall – während

sie fressen – durch einen Schuss in den

Kopf betäubt. Mit einer Seilwinde werden

sie gleich darauf in die Schlachtbox

gehoben, wo sie durch Blutentzug getötet

werden. Erst dann werden sie ins Schlachthaus

gebracht und dort verarbeitet. So weiß

auch der Bauer sein Tier in guten Händen.

Alex darf sich über einen Einkaufsgutschein

der landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft

(LHG) im Wert von

3.000 € freuen.

Auch Raffael Peer, SBJ-Landesobmann, ist

begeistert: „Letztendlich hat der Gedanke

ans Tierwohl die Jury und alle Interessierten,

die beim großen Online-Voting

mitgemacht haben, überzeugt.“ Über 2.000

Südtirolerinnen und Südtiroler haben für

ihr Lieblingsprojekt abgestimmt.

Hartes Auswahlverfahren

Die Punkte der Jury sowie das Ergebnis des

Online-Votings ergaben im Zusammenspiel

die Platzierung der drei Finalisten.

Keine leichte Aufgabe für die hochkarätige

Jury, bestehend aus Astrid Weiss, Mitarbeiterin

der Abteilung Innovation & Energie

im Südtiroler Bauernbund; Klaus Gasser,

Direktor der Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft;

Christian Gruber,

Unternehmensberater und Landwirt; Markus

Riedl, stellvertretender Institutsleiter

bei Fraunhofer Italia; Christian Fischer,

Professor an der Freien Universität Bozen

und Franz Schöpf, Direktor des Amtes für

Innovation und Technologie.

Platz zwei sicherten sich Ulrich

Kager und Patrick Sanin

Über den zweiten Platz und den Einkaufsgutschein

der LHG von 1.500 € jubelten

Ulrich Kager aus St. Pauls und Patrick Sanin

aus Kurtatsch. Die beiden überaus

klugen Burschen bauen in ihrer eigenen

Vertical Farm besonders vitaminreiche

Microgreens an. Das Ziel der Beiden ist

es, großartige landwirtschaftliche Produkte

regional und nachhaltig anzubauen, und

somit entwickelten sie die erste Vertical

Farm in Südtirol.

Die Bio Microgreens sind geerntete Pflänzchen

unterschiedlicher Gemüse- und

Kräutersorten, die fest verwurzelt in einem

Substrat aus Südtiroler Schafwolle

oder Bio-Hanffasern geerntet und in abbaubarem

Karton verpackt werden. Die

Microgreens verwendet man für das individuelle

Garnieren von Vor-, Haupt- und

Nachspeisen, aber auch zum Würzen und

geschmacklichen Aufpeppen verschiedenster

Gerichte.

Platz drei ging an Elisabeth Innerhofer

Die Jungbäuerin Elisabeth Innerhofer und

ihre Familie vom Finkhof in Meran realisierten

sich einen Traum: einen eigenen

Bauernladen in Meran. Eine bunte Vielfalt

an heimischen Produkten erwartet

die Kunden im Bauernladen. „Direkt vom

Bauernhof. Ohne lange Wege, ohne Zwischenhändler

und ohne Qualitätsverlust

kommen die Produkte zu uns in den Laden“,

betont Elisabeth. Neben den eigenen

Weinen des Weinbaubetriebs der Familie

Innerhofer werden im Bauernladen noch

frische und natürliche heimische Produkte

von 44 Bauern aus der näheren Umgebung

verkauft. Der Meraner Bauernladen lädt die

Konsumenten ein, immer wieder Neues zu

entdecken und zu verkosten.

Elisabeth Innerhofer freute sich über den

dritten Platz und den Einkaufsgutschein

der LHG im Wert von 500 €.

Angelika Springeth, SBJ-Landesleiterin

unterstrich: „Alle Teilnehmerinnen und

Teilnehmer des Wettbewerbs haben gezeigt,

wie mutig und ideenreich Südtirols Landwirtschaft

ist. Sie sind mit ganzem Herzen

dabei. Wir sind stolz auf sie.“


Dezember 2021

9

MwSt.-Schuld

16. Februar 2022

Mitgliedsbeitrag 2022

Jedes Mitglied hat die Pflicht, den SBJ-Jahresbeitrag innerhalb des

vorgeschriebenen Termins zu zahlen. Die Landesleitung legt für das

Jahr 2022 eine Empfehlung in Höhe von 6 € fest.

Steuererklärung

Das SBJ-Landessekretariat bietet den Ortsgruppen auch heuer wieder

den Service an, die Steuererklärungen REDDITI EnC 2020 für das

Geschäftsjahr vom 1. September 2020 bis 31. August 2021 auszuarbeiten.

Die SBJ-Ortsgruppen können die Unterlagen bis spätestens

Freitag, 7. Jänner 2022 im SBJ-Landessekretariat abgeben.

Alle Ortsgruppen, die zwischen

1. Oktober und 31. Dezember eine

Veranstaltung organisiert und damit

gewerbliche Einnahmen erwirtschaftet

haben, müssen die MwSt.-Schuld am

16. Februar mittels F24 elektronisch

einzahlen. Wenn das SBJ-Landessekretariat

die Zahlung vornehmen soll,

ist der Auftrag dazu von den Ortsgruppen

schriftlich, mittels F24 Formular

bis zum 5. Februar zu erteilen.

Es gilt der Steuerkodex 6034.

Online-Formular: sbj.it/service

WELLI


10 Berichte

Junge bäuerliche Familie

ausgezeichnet

Stiftung Frick – Heimat Südtirol vergibt in Partnerschaft mit der Südtiroler Bauernjugend den „Jungbauernpreis zur

Förderung der Südtiroler Identität“

bieten. „Man merkt, dass die leidenschaftliche

Führung des Hofes auch an die Kinder

weitergegeben wird. Die enge Bindung der

Kinder zum Hof konnten wir spüren, als

sie uns jedes der Tiere vorstellten“, erklärte

die SBJ-Bezirksleiterin Katharina Gruber.

Thomas und seine Frau Martina entschieden

sich nach ihrer Ausbildung mit ihren

zwei Töchtern den elterlichen Hof von

Thomas zu übernehmen und von Lana

zurück auf den Hof ins Ultental zu ziehen.

Die Familie baute sich dort, neben dem

alten Wirtschaftsgebäude, ein neues Haus.

Die deutsche Volksgruppe in ihrer Tradition

und Identität stärken: Dieses Ziel

verfolgt die „Stiftung Frick – Heimat

Südtirol“. In Partnerschaft mit der Südtiroler

Bauernjugend wurde einer jungen

bäuerlichen Familie auf der Agrialp 2021

der „Jungbauernpreis zur Förderung der

Südtiroler Identität“ verliehen. Er ging an

die Familie Thomas Schwienbacher vom

Riemhof in St. Walburg, Ulten.

Vorstandsmitglied der Stiftung Frick Georg

Mayr übergab am Sonntag um 15 Uhr die

handgeschriebene Urkunde an die Familie

Schwienbacher. In seiner Ansprache erzählte

er über die Gründung der Stiftung

und über die Familie Frick. Aufgrund des

sozialen Hintergrundes der Preisträgerfamilie

entschied der Stiftungsvorstand, den

Preis um 2.000 € zu erhöhen, somit ist der

Preis heuer mit 7.000 € dotiert.

Der Bezirk Meran der Südtiroler Bauernjugend

hat die Familie Thomas

Schwienbacher als Preisträger ausgewählt.

Die Bezirksleiterin Katharina Gruber erklärte

in ihrer Rede ihre Intension, warum

die Familie ausgewählt wurde: „Der Bezirk

Meran sieht die Familie vom Riemhof als

besonders geeignet für den heurigen Jungbauernpreis

zur Förderung der Südtiroler

Identität. Aus unserer Sicht erfüllt sie alle

Kriterien und wir stehen voll und ganz hinter

ihr und sehen sie als Vorbildfamilie.“

„Wir sehen sie als

vorbildfamilie.“

Katharina Gruber

Leidenschaft am Hof

Der Riemhof liegt auf 1.700 Metern

Meereshöhe und ist ca. sieben Kilometer

vom Dorf entfernt. Der Hof und das

Wohnhaus liegen getrennt voneinander

und gehören zur Gemeinde St. Walburg im

Ultental. Auf dem geschlossenen Hof leben

der 38-jährige Thomas mit seinen Kindern

Jana, 9 Jahre alt, und Emma, 5 Jahre alt.

Im alten Bauernhaus leben die Eltern von

Thomas, Oskar und Elsa Schwienbacher.

Der geschlossene Hof ist ein Milchviehbetrieb,

auf ihm werden vorwiegend Kühe

der Rasse Fleckvieh gehalten. Ebenfalls

leben auf dem Hof mehrere Hühner und

ein Hahn, zwei Schafe, drei Ziegen, zwei

Schweine, ein Pony, zwei Meerschweinchen

und mehrere Katzen. Jana und Emma bemühen

sich besonders den vielen Tieren

ein liebevolles zu Hause auf dem Hof zu

Tragischer Schicksalsschlag und

Umweltkatastrophe

Im Jahr 2020 traf die Familie ein Schicksalsschlag:

Martina wurde nach kurzer

schwerer Krankheit aus der Mitte ihrer

Liebsten gerissen. Seitdem kümmert sich

Thomas gemeinsam mit seinen Eltern

und seinen Schwiegereltern um seine zwei

Töchter und den Hof.

Das Jahr 2020 war noch nicht vorbei, da

lösten sich zwei Muren über dem Hof, eine

oberhalb des Hauses und eine unmittelbar

oberhalb des Stalles, welche auch einige

Maschinen beschädigten. Doch auch davon

ließ sich die Familie nicht unterkriegen

und richtete alles wieder her.

Thomas hat viele weitere Ideen und Projekte,

welche er gerne umsetzen würde,

zum Beispiel die Errichtung eines neuen

Stalles und Stadels. Ein altes Haus, welches

auch zum Hof gehört, wird zu Ferienwohnungen

für Urlaub auf dem Bauernhof

umgebaut. „Es ist erstaunlich, wie sich

die Familie für den Erhalt des Hofes, das

bäuerliche Leben und somit für die Weitergabe

der traditionellen Werte einsetzt.

Die Arbeit auf dem Hof ist nicht immer

einfach, nicht umsonst wurde der Hof mit

130 Erschwernispunkten gekennzeichnet“,

erklärt SBJ-Bezirksobmann Daniel Sprenger.

„Wir wünschen der Familie alles Gute

für die Zukunft und viel Erfolg bei der

Umsetzung ihrer Projekte“, so Sprenger.


Dezember 2021

Berichte 11

Fahrt in die historische

Stadt Bologna

44 Mitglieder der Südtiroler Bauernjugend fuhren am Wochenende von 12. bis 14. November

gemeinsam nach Bologna, um die Kultur und die Landwirtschaft vor Ort kennenzulernen.

Den ersten Halt machte die Gruppe am Freitag bereits entlang

der Reisestrecke beim Kiwi-Betrieb „Casetta dei Monti“ in

Bussolengo in Verona. Die Kiwis benötigen ein mildes und

warmes Klima, das man vor allem im Gebiet um den Gardasee

findet. Dort konnten die interessierten Jungbäuerinnen

und Jungbauern die Anbaufläche der Kiwifrüchte besichtigen.

Wie die Kiwi-Pflanzen zurückgeschnitten, bestäubt, gedüngt,

geschützt und geerntet werden, wurde im Rahmen der Betriebsführung

erklärt.

Anschließend ging es mit dem Bus zu der Prosecco Kellerei Ca.

Salina, die sich auf einem Hügel im Herzen des Valdobbiadene

Gebiets befindet. Die Kellerei hatte ein beeindruckendes

Panorama zu bieten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

verkosteten acht verschiedene Prosecchi und erfuhren mehr

über die genaue Herstellung und Geschichte des Schaumweins.

Nach einer zweistündigen Fahrt ging es direkt ins Zentrum

von Bologna.

Nudelmanufaktur und Parmesankäserei

am zweiten Tag

Am nächsten Morgen fuhr die Gruppe zu einer Nudelmanufaktur

namens „la Casa del Tortellino“, die sich außerhalb von

Bologna befindet. Dort werden die Tortellini in Handarbeit

gemacht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten zusehen,

wie die Tortellini vor Ort gefertigt werden. Alle waren

sehr interessiert und aufmerksam. In Kleingruppen konnte

dann jeder selbst sein Geschick testen und Ravioli anfertigen.

Für das gemeinsame Mittagessen ging es weiter zum Restaurant

„Azienda Agricola Ca ‚Berti“. Der Familienbetrieb produziert

selbst Wein und Prosecco, den die Gruppe, während des

traditionellen Essens verkosten konnte.

Gleich danach ging es zur Besichtigung der Parmesankäserei

„4 Madonne“. Dort konnten die Teilnehmerinnen und

Teilnehmer hautnah miterleben, wie der originale Parmigiano

Reggiano hergestellt wird. Die kleine Verkostung im

Anschluss regte die Lust auf den Käse an und füllte die

Taschen der Gruppe.

Eindrücke der Stadt Bologna

Vor der Rückreise am dritten Tag gab es noch eine interessante

Stadtführung durch die historische Stadt Bologna.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschrieben daraufhin

Bologna als quicklebendig, voller Sehenswürdigkeiten

und nach dem gemeinsamen Mittagessen als eine der

besten Küchen Italiens.

Nach dem Essen ging es mit dem Bus zur Kellerei „Gavioli

Antica Cantina“. Dort wurde der Gruppe nicht nur die

Kellerei gezeigt, sondern auch das historische Museum, in

dem die früheren Produktionsmaterialien für den Wein

zur Schau gestellt werden.

Die Gruppe kehrte am Sonntagabend mit vielen neuen

Eindrücken und neuen Freundschaften nach Südtirol

zurück.

» Die Gruppe kehrte am Sonntagabend mit vielen neuen Eindrücken

und neuen Freundschaften nach Südtirol zurück.

WELLI


Und nicht zuletzt…

Bauernjugend-

Seminar

Gespräch zwischen

Zündholz und Kerze

Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: „Ich habe den

Auftrag, dich anzuzünden.“

„Oh nein“, erschrak die Kerze, „nur das nicht. Wenn ich brenne,

sind meine Tage gezählt. Niemand mehr wird meine Schönheit

bewundern.“

Das Zündholz fragte: „Aber willst du denn ein Leben lang kalt

und hart bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?“

„Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften“, flüstert

die Kerze unsicher und voller Angst.

„Es ist wahr“, entgegnete das Zündholz. „Aber das ist doch das

Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen, Licht zu sein.

Was ich tun kann, ist wenig. Zünde ich dich nicht an, so verpasse

ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, Feuer zu

entfachen. Du bist eine Kerze. Du sollst für andere leuchten und

Wärme schenken. Alles, was du an Schmerz und Leid und Kraft

hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nicht verloren,

wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weitertragen.

Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben...“

Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung:

„Ich bitte dich, zünde mich an ...“

Für die kommende Zeit wünschen wir besinnliche

Stunden, ein frohes

Weihnachtsfest, Gesundheit, Glück und

viel Erfolg für das Jahr 2022!

» Bauernjugend filzt „Potschn“

Filzschuhe sind robust und halten die Füße auch bei

großer Kälte wohlig warm. Passend für die kommende

kalte Jahreszeit hat die Südtiroler Bauernjugend mithilfe

von Referentin Maria Anna Ganthaler Hofer gleich zwei

Termine angeboten, um warme „Potschn“ zu filzen.

Aus einer Wolle, einem Stück Seife und einem Kübel Wasser

kann man vieles zaubern. Referentin für Handarbeits- und

Dekorationskurse Maria Anna aus Mareit zeigte den interessierten

Teilnehmerinnen und Teilnehmern am letzten

Wochenende im Oktober im Südtiroler Bauernbund in Bozen

eine einfache Möglichkeit, aus farbiger Wolle wunderbare

Hausschuhe herzustellen.

Nach der Einführung durften die freudigen Teilnehmerinnen

selbst Hand anlegen, Marianne hat ihnen dafür die Anleitung

zum Filzen ausgeteilt. Jeder konnte sich eine Wollfarbe

aussuchen und sich entscheiden, Schlüpfer oder Patschen zu

filzen. Es brauchte nicht viele Hilfsmittel, um die „Potschn“ zu

fertigen: ein Kübel mit warmem Wasser, eine spitzige Schere,

eine Kernseife und einen Schwamm. Als ersten Schritt wurde

die Wolle genau ausgemessen und nach Gramm gewogen,

um für die richtige Schuhgröße genug Filz zu haben. Durch

Schablonen konnte der Schuh geformt und somit genau

gefilzt werden. Es stellte sich heraus, dass die Schwierigkeit

beim Filzen, die Falten waren, die sich während des Reibens

bildeten. Um dies zu vermeiden, erklärte Marianne, dass es

wichtig sei, den nassen „Potsch“ immer wieder von allen

Seiten zu bearbeiten.

Zum Schluss wurden die „Potschn“ gründlich ausgewaschen,

in eine Leiste gegeben und durch Schläge mit einem Brett

stabilisiert. Nach dem Trocknen können die „Potschn“ nun

zum Einsatz kommen. Die selbstgemachten Hausschuhe sind

nicht nur passend für die kalte Jahreszeit, sondern auch eine

schöne und einzigartige Geschenkidee für geliebte Menschen.

Impressum

Eigentümer und Herausgeber:

Südtiroler Bauernbundgenossenschaft

Kanonikus-Michael-Gamper-Straße 5, 39100 Bozen

Druck: Longo AG • SpA

Schriftleitung:

Kanonikus-Michael-Gamper-Straße 5, 39100 Bozen

Tel.: 0471 999401

E-Mail: bauernjugend@sbb.it

Chefredakteur: Bernhard Christanell

Redaktion: Evi Andergassen, Sandra Scarizuola und Anna Schenk

Grafisches Konzept: Effekt GmbH

R.O.C.: 006699

Fotos: Marco Parisi, Raffeisen und SBJ

Erscheint viermal jährlich. Namentlich gekennzeichnete Beiträge

geben die Meinung des Autors wieder.

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