06.12.2021 Aufrufe

Die Kraft des Evangeliums 4/2021

- Gottes Volk soll ein heiliges Volk sein! (Niko Derksen) - Der Glaube an die Verheißungen (Niko Derksen) - Mit Versuchungen fertigwerden (John MacArthur) - Charles Haddon Spurgeon – Eine Biografie (Teil 1) - Wie bekommt man ein reines Herz? (Charles H. Spurgeon) - Ein Mann des Gebets (Donald S. Whitney) - Mit der Bibel beten (Buchempfehlung von Yvonne Thomas) - Die Entstehung und Entwicklung der ERB Frankfurt: Ein Portrait - Die göttliche Inspiration der Bibel (Arthur W. Pink)

- Gottes Volk soll ein heiliges Volk sein! (Niko Derksen)
- Der Glaube an die Verheißungen (Niko Derksen)
- Mit Versuchungen fertigwerden (John MacArthur)
- Charles Haddon Spurgeon – Eine Biografie (Teil 1)
- Wie bekommt man ein reines Herz? (Charles H. Spurgeon)
- Ein Mann des Gebets (Donald S. Whitney)
- Mit der Bibel beten (Buchempfehlung von Yvonne Thomas)
- Die Entstehung und Entwicklung der ERB Frankfurt: Ein Portrait
- Die göttliche Inspiration der Bibel (Arthur W. Pink)

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

DIE KRAFT DES

EVANGELIUMS

Eine Ausgabe des Missionswerks Voice of Hope • 4/2021

Predige das Wort, tritt

dafür ein, es sei gelegen oder

ungelegen. (2. Tim. 4,2)

• Der Glaube an die Verheißungen

• Mit Versuchungen fertigwerden

• Biografie: Charles Haddon Spurgeon

• Wie bekommt man ein reines Herz?

• Georg Müller – Ein Mann des Gebets

• Das Portrait einer Evangelisch-

Reformierte Baptistengemeinde

Die göttliche Inspiration der Bibel


INHALT

4

11

16

24

30

34

38

Der Glaube an die Verheißungen

Mit Versuchungen fertigwerden

Charles Haddon Spurgeon

Eine Biografie (Teil 1)

Wie bekommt

man ein reines Herz?

Matthäus 5,8

Ein Mann des Gebets

Ein Auszug aus dem Buch »Mit der Bibel beten«

Die Evangelisch-Reformierte

Baptistengemeinde Frankfurt

Ein Portrait

Die göttliche

Inspiration der Bibel

Coverbild: C. H. Spurgeon bei einer Predigt im Metropolitan Tabernacle


Gottes Volk soll

ein heiliges Volk sein!

Das Jahr 2021 geht zu Ende. Es war ein

sehr aufregendes Jahr. Wir alle erlebten

viele Veränderungen in der Gesellschaft

und Politik, aber auch in der Gemeinde Jesu.

Unsere Welt steuert immer weiter dem Tag des

Herrn entgegen, der kommen wird wie ein Dieb

in der Nacht (1.Thess. 5,2). Als erlöste Kinder Gottes

wissen wir, dass wir in einer gefallenen Welt

leben. Die einzige Hoffnung für diese Welt ist das

Evangelium der Gnade Gottes in Jesus Christus,

welches allen Menschen Rettung bringt, die aufrichtig

Buße tun und an den Sohn Gottes glauben.

Wenn wir wissen, dass der Tag des Herrn kommen

wird – wie sehr muss sich dann das auserwählte

Volk Gottes durch heiligen Wandel und

Gottesfurcht auszeichnen! Als der Apostel Petrus

seinen zweiten Brief an die Gläubigen schrieb,

wusste er, dass sie nach der Wiederkunft des

Herrn Ausschau hielten; deshalb betonte er: »Darum,

Geliebte, weil ihr dies erwartet, so seid eifrig darum

bemüht, dass ihr als unbefleckt und tadellos vor Ihm erfunden

werdet in Frieden!« (2.Pt. 3,14). Und der Apostel

Paulus ermahnte in seinem Brief die Thessalonicher

mit den Worten: »Denn das ist der Wille

Gottes, eure Heiligung« (1.Thess. 4,3).

In der ganzen Heiligen Schrift wird das Volk

Gottes zu einem heiligen Wandel aufgerufen.

Heiligung bezieht sich auf den Prozess, bei dem

Gottes Volk Ihm in Seinem heiligen Wesen mehr

und mehr gleichgestaltet wird. Thomas Watson

erklärte: »Ein geheiligter Mensch trägt nicht nur

Gottes Namen, sondern auch Sein Ebenbild.« Das

ist es, was Gott von allen Christen erwartet.

Wenn die Heiligung doch absolut grundlegend

für das Glaubensleben ist, warum wird in den

heutigen Gemeinden dann nicht mehr darüber

gesprochen und gepredigt? Liegt das an den Predigern

selbst, oder ist das der Geist unserer Zeit,

in der man politisch korrekt sein muss, die Menschen

nicht verletzen und nicht über Sünde sprechen

darf? Wenn wir es versäumen, über die Notwendigkeit

der Heiligung, der Gottesfurcht und

des Kampfes gegen die Sünde zu predigen, dann

werden die Christen der Welt ähnlicher – anstatt

Christus.

Sünde ist Gott ein Gräuel. Gottes »Augen sind so

rein, dass sie das Böse nicht ansehen können« (Hab. 1,13).

Sünde ist Seinem Wesen zutiefst zuwider. Sünde

hat auch eine ungeheuerliche Auswirkung auf

den Menschen. Sie befleckt die Seele, verfinstert

den Verstand und macht die Christen geistlich

blind, so dass sie kein geistliches Unterscheidungsvermögen

mehr haben.

Weil die Sünde uns so leicht umstrickt, lasst

uns wahrer Heiligung nachjagen. Denn Heiligung

war schon immer der Hauptschwerpunkt

in jeder bibeltreuen Gemeinde. Wenn wir ein

Volk Gottes sein wollen, das unseren heiligen

Gott repräsentiert, dann müssen wir uns gegen

die Weltförmigkeit stellen, Oberflächlichkeit verurteilen,

die Sünde tadeln, den Wert gesunder

Lehre verstehen, jede falsche Lehre widerlegen

und – gerade in dieser Zeit – unsere Gottesdienste

nicht vernachlässigen, keinen Gläubigen aus der

Gemeinschaft ausschließen und nichts anderes

als die Heilige Schrift – auch nicht die Obrigkeit –

bestimmen lassen, wie wir unseren heiligen und

gerechten Herrn anbeten.

Liebe Geschwister, wenn wir durch den Glauben

an Christus errettet sind, so lasst uns auch als

ein heiliges Volk zur Ehre unseres Herrn leben!

Wir sind mit Christus verbunden und geistlich

mit Ihm vereint. Der Heilige Geist wohnt in uns,

und deshalb befähigt Er uns, schenkt uns wirkliche

Freiheit von der Knechtschaft der Sünde und

verwandelt uns in das Bild Jesu Christi. »Ihm sei

die Ehre, sowohl jetzt als auch bis zum Tag der Ewigkeit!

Amen.«

Im Herrn verbunden,

Niko Derksen

voiceofhope.de | 3


Der Glaube an

die Verheißungen

Niko Derksen

4 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


»In der Welt habt ihr Bedrängnis.« So schloss unser Herr Jesus Seine letzte Gemeinschaft

mit den Jüngern ab, bevor Er sich auf den Weg in den Garten Gethsemane

und zu Seiner Gefangennahme machte (Joh. 16,33). Petrus, der diese Worte

hörte und deren Wahrheit erlebte, sagte in seinem ersten Brief: »Geliebte, lasst

euch durch die unter euch entstandene Feuerprobe nicht befremden, als widerführe euch

etwas Fremdartiges« (1.Pt. 4,12). Das ist etwas, was wahre Christen sehr schnell

erkennen: dass es viel Leid und Kummer in der Welt gibt. Und jeder von uns

wird das erleben, früher oder später – wenn wir nur lange genug leben.

Es ist wichtig für uns, wenn wir über den Glauben sprechen, wie es z. B. das

elfte Kapitel des Hebräerbriefes tut, uns dessen gewiss zu sein, dass Schwierigkeiten

kommen. Der Glaube wächst nicht nur auf dem Boden des Segens, nicht

nur, wenn die Sonne scheint. Wahrer Glaube entspricht nicht einem Glauben

an andere Menschen, der so leicht verdorrt, wenn sie uns enttäuschen. Was

den gottgegebenen Glauben so anders macht, ist, dass sein Gegenstand wirklich

und immer unseres Vertrauens würdig ist. Unser Glaube ist ein Glaube an

Gott; selbst in Sorgen und Prüfungen dürfen wir im Glauben sagen: »Der HERR

ist meine Stärke und mein Lied, und Er wurde mir zum Heil« (Ps. 118,14).

WOZU GIBT GOTT

UNS VERHEIẞUNGEN?

Gott tritt mit Seinen Kindern in dieser Welt hauptsächlich durch Verheißungen

in Beziehung. Im Alten Testament durften die Israeliten durch den Glauben

ein Volk sein, das über den Horizont hinausblickte und auf die Verheißung

wartete, die erst noch offenbar und erfüllt werden sollte. Dieses große Offenbarwerden

ist in der Person Jesu Christi eingetroffen. Und doch warten wir

noch auf ein großes Ereignis, das erst noch kommen wird – das zweite Kommen

unseres Herrn. Ein wahrer Gläubiger ist einer, der nach dem Ausschau

hält, was noch kommen soll, wovon die Verheißungen sprechen, die noch erfüllt

werden müssen. In 2. Petrus 1,4 heißt es: »Er [hat] uns die überaus großen und

kostbaren Verheißungen gegeben.«

Einer der größten Glaubensvorbilder in der Heiligen Schrift ist Abraham. Seine

Erfahrung legt mindestens zwei Gründe dar, warum Gott mit uns aufgrund

von Verheißungen handelt. Der erste Grund ist, dass Er dadurch unsere Augen

über den Bereich unserer Umstände erhebt, so wie Er Abrahams bzw. (damals

noch) Abrams Blick hoch zum Himmel emporhob. Durch unser ganzes Leben

hindurch heben Gottes Verheißungen unsere Bestrebungen höher. Auf uns allein

gestellt würden wir uns mit einigen glücklichen Beziehungen zufriedengeben;

Gott aber möchte, dass wir tiefe und echte Gemeinschaft mit Seinem

Sohn Jesus Christus haben. Wir streben oft nach irdischem Gelingen; Er aber

möchte, dass wir himmlische Herrlichkeit erlangen. Wir würden uns mit Gesundheit

und einem sorgenfreien Leben zufriedengeben; Er aber hat ewiges

Leben für uns bereitgestellt.

Das war auch bei Abram der Fall. Er wollte einen Sohn; aber Gott beabsichtigte,

dass er der Vater aller Erlösten werden sollte. Gott hatte Abram bereits

gesagt, dass Er durch ihn alle Völker segnen werde (1.Mo. 12,3). Aber Abrams

Verlangen war, wie das unsere im Allgemeinen, von seinen persönlichen Erfahrungen

geprägt – von seinen »gefühlten Bedürfnissen«, wie man es heute

voiceofhope.de | 5


nennt. Er wollte einfach kein Außenseiter sein. Er

wollte die menschliche Freude kennenlernen, in

die Augen eines Sohnes zu schauen. Er wollte Respekt

von Seiten der Mitmenschen; er wollte dazugehören;

er wollte sich gut fühlen. Das sind Dinge,

die wir auch wollen, nicht wahr?

Es sind durchaus gute Dinge, aber sie bleiben

weit hinter dem zurück, was Gott für uns vorgesehen

hat. Paulus erinnert uns daran: »Was kein Auge

gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins

Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die Ihn

lieben« (1.Kor. 2,9). Um uns davon abzuhalten, uns

mit geringeren Dingen zu begnügen, lässt Gott

uns in Umständen des Mangels zurück und gibt

uns gleichzeitig Verheißungen von großem Segen,

weit über unsere Vorstellungskraft hinaus.

Der zweite Grund, warum Gott mit uns aufgrund

von Verheißungen handelt, hängt mit dem

ersten zusammen und zeigt sich auch an Abrams

Beispiel. Gott leitet uns; Er weist uns den Weg in

eine bestimmte Richtung. Wenn man uns vor die

Wahl stellt, wollen wir uns alle in diesem Leben,

in dieser Welt, in dieser irdischen Existenz niederlassen.

Wir können sicher sein, dass Abram

nur allzu glücklich gewesen wäre, in einem stabilen

Haus neben einem guten, sauberen Brunnen

eine Reihe von Söhnen aufziehen zu können. Aber

diese Welt ist nicht unser Zuhause; sie ist nicht der

Ort, an dem Gott uns für immer ansiedeln möchte.

Wieder sagt uns Paulus: »Denn die [gegenwärtige]

Gestalt dieser Welt vergeht« (1.Kor. 7,31). Wir sind nicht

für diesen Ort bestimmt. Unsere Seelen wurden

nicht nur für dieses Leben geschaffen; deshalb benutzt

Gott die Kombination von Not und Verheißungen,

um uns aufzurichten und auf den rechten

Weg zu führen.

Wenn wir erkennen, dass Gott uns durch Verheißungen

leitet, und wenn wir anfangen, nach

ihrer Erfüllung zu suchen, beginnen wir bald, uns

wie Abram unter dem Sternenhimmel zu fühlen.

Die Verheißungen Gottes sind über alle Maßen

groß.

WAHRER GLAUBE

KANN WARTEN

Abram nahm die große Verheißung Gottes im

Glauben an; aber die kommenden Jahre erwiesen

sich dennoch als eine sehr schwere Prüfung. Seine

Frau scheint besonders unter ihrer Unfähigkeit,

Kinder zu bekommen, gelitten zu haben. In 1.

Mose 16 sehen wir, wie sie darauf reagierte: »Und

Sarai, Abrams Frau, gebar ihm keine Kinder; aber sie hatte

eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. Und Sarai sprach

zu Abram: Sieh doch, der HERR hat mich verschlossen,

dass ich keine Kinder gebären kann. Geh doch ein zu meiner

Magd; vielleicht werde ich durch sie Nachkommen

empfangen! Und Abram hörte auf die Stimme Sarais« (V.

1-2).

Schließlich wurde Hagar schwanger und gebar

ihm einen Sohn namens Ismael. Das mag ihm wie

eine Gebetserhörung vorgekommen sein – ein Segen

Gottes! –; aber diese Täuschung wurde ihm

bald zerschlagen. Das erste Ergebnis dieser seiner

Handlung war ein Aufruhr in Abrams Haus,

als Hagar und Sarai einen erbitterten Streit um

den Vorrang und die Autorität führten. Dies geschah,

als Abram sechsundachtzig Jahre alt war,

also zehn Jahre nach seiner Ankunft im Land.

Das zweite Problem tauchte dreizehn Jahre später

auf, als Abram neunundneunzig Jahre alt war.

Gott kam, um Seine ursprüngliche Verheißung zu

bekräftigen und Abram mitzuteilen, dass Ismael

nicht der Sohn der Verheißung sei.

Das Problem mit dem Vorschlag Sarais und

dem darauffolgenden Handeln Abrams war, dass

sie versuchten, Gottes Verheißung durch menschliche

Kraft in Erfüllung zu bringen. Abram war

über die vielen Jahre hinweg im Glauben müde

geworden, und die Entmutigung seiner Frau zermürbte

seine Entschlossenheit zum Glauben.

Schließlich gab er die Vorstellung auf, dass seine

Frau ein Kind bekommen könnte – so etwas ist

einfach menschlich gesehen unmöglich –, und er

beschloss, den Dingen nachzuhelfen.

Das ist die Art von Handlungen, die wir zu tun

bereit sind. Wir haben eine große Sehnsucht und

vertrauen darauf, dass Gott uns nach Seiner Weisheit

segnen wird. Aber um dem Segen nachzuhelfen,

nehmen wir die Dinge oft selbst in die Hand,

handeln nach unserer eigenen Weisheit und greifen

sogar zu sündigen Mitteln, um die gewünschten

Ziele zu erreichen. Wir sind es leid, z. B. auf

den von Gott bestimmten Ehepartner zu warten,

und lassen uns auf falsche Wege ein. In dem Bestreben,

gewisse Vorteile zu erreichen, die wir uns

so sehr wünschen, sagen wir nicht die Wahrheit

oder nutzen andere Menschen aus. Wir rechtfer-

6 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


tigen all das, indem wir sagen, es sei der Glaube,

dass wir so wie Abram und Sarai eigenmächtig

handeln, während es in Wirklichkeit der Unglaube

ist, der uns die Hände des Glaubens gebunden

hält. Indem wir an Gottes Macht bezüglich des

scheinbar Unmöglichen zweifeln, manipulieren

wir das Handeln Gottes mit dem, was uns möglich

erscheint, also mit unseren eigenen Mitteln.

Dies geschieht auch oft in den Gemeinden. Voller

Eifer, Gottes Werk zu verrichten, ohne die Bereitschaft,

auf Seinen Zeitplan zu warten, gehen

viele Gemeinden auf menschliche Art und Weise

vor. Sie verwenden psychologische Manipulation,

um den Anschein von Bekehrungen zu erwecken,

während in Wirklichkeit nur Gott eine Seele bekehren

kann. In dem Bestreben, die Gemeinde zu

füllen – und das ist doch sicher etwas, was Gott

will! –, greifen viele zu billigem Marketing und

anderen offenkundig unbiblischen Methoden.

Obwohl Gott sagt, dass Sein Wort für alle unsere

Bedürfnisse ausreicht, verwerfen es viele Gemeinden

allzu leicht, indem sie »die Hagar« – eine

scheinbar fruchtbarere Frau – einsetzen. Wann

immer Gemeinden dies tun, zeugen sie (wie Abram)

uneheliche Kinder, denen (wie Ismael) der

Segen Gottes versagt bleibt.

In 1. Mose 17 wird uns von Gottes Erscheinen bei

Abram erzählt, als Ismael dreizehn Jahre alt war.

Gott forderte ihn heraus, auch wenn Er die Verheißung

erneuerte. Er sagte: »Ich bin Gott, der Allmächtige.

Wandle vor Mir und sei untadelig! Und Ich will

Meinen Bund schließen zwischen Mir und dir und will

dich über alle Maßen mehren!« (V. 1-2).

Gott konfrontierte Abram wegen seines Unglaubens

und seiner Sünde. »Ich bin Gott, der Allmächtige«,

sagte Er und erklärte eindringlich, dass

Er es wert sei, dass man Ihm absolut vertraue,

und dass Er allmächtig sei und alles vollbringen

könne, was Er versprochen habe. »Wandle vor Mir

und sei untadelig!«, befahl Er dann und stellte Seine

Forderung nach Gehorsam in den Vordergrund.

Gott tadelte Abrams Unglauben, ermutigte ihn

gleichzeitig zu neuem Glauben und fügte hinzu:

»Ich will Meinen Bund schließen [oder ›bestätigen‹] ...

und dich über alle Maßen mehren!«

Abram war neunundneunzig Jahre alt, aber sein

Handeln mit Hagar zeigte, dass er Kinder zeugen

konnte. Es musste für Abram eine große Ermutigung

gewesen sein, als Gott verkündete, dass Sein

Name fortan Abraham sein werde – nicht nur

Abram, was bedeutet: »erhabener oder hoher Vater«,

sondern Abraham, »Vater einer Menge«. In

1. Mose 17,5 lesen wir: »Denn Ich habe dich zum

Vater vieler Völker gemacht.« Sicherlich beabsichtigte

Gott, Abrahams Glauben durch diese Namensänderung

und deren Bedeutung zu stärken.

Abraham war in seinem Glauben gestrauchelt;

aber Gott stellte ihn mit einem noch größeren

Zeichen des Segens und einem Aufruf zu neuem

Vertrauen wieder auf die richtige Bahn.

Stellt euch den alten Abram vor, wie er von dieser

Begegnung nach Hause kommt, sein einziges

Kind neben sich stellt und verkündet, dass er einen

neuen Namen habe. Die Leute hätten wohl geflüstert:

»Er konnte es schlussendlich nicht mehr ertragen,

nur einen einzigen Sohn zu haben.« Er wird

jetzt Abraham heißen, »Vater der Menge«. Wie erstaunt

müssen sie gewesen sein, als der Mann des

Glaubens verkündete: »Mein Name ist nicht mehr

Abram, ›erhabener Vater‹, sondern Abraham,

›Vater der Menge‹« Das war die Art von absoluter

Überzeugung und Verpflichtung, die Gott Abraham

abverlangte und auch uns abverlangt.

Die Pointe ist, dass der Glaube auf den Herrn

warten muss. Abram war fünfundsiebzig Jahre

alt, als er nach Kanaan aufbrach; er war sechsundachtzig,

als sein Glaube schwankte und er ein Kind

mit Hagar zeugte, und neunundneunzig, als Gott

ihn mit einer neuen Verheißung und einem neuen

Namen wieder auf die Füße stellte. Der Glaube

empfängt Gottes Verheißung, und der Glaube

wartet auf Ihn, oft über sehr lange Zeit.

Die Psalmen betonen dieses Thema ständig. Psalm

27 endet so: »Harre auf den HERRN! Sei stark, und dein

Herz fasse Mut, und harre auf den HERRN!« (V. 14). In

Psalm 37 heißt es: »Halte still dem HERRN und warte

auf Ihn! ... Harre auf den HERRN und bewahre Seinen

Weg« (V. 7 und 34). Psalm 130 drückt es in Worten

aus, die unserem Herzen vielleicht am nächsten

kommen: »Ich harre auf den HERRN, meine Seele harrt,

und ich hoffe auf Sein Wort. Meine Seele harrt auf den

Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen, mehr als die

Wächter auf den Morgen« (V. 5-6).

Spurgeon kommentiert: »Dies ist ein höchst göttliches

Gebot, und es erfordert viel Gnade, es ausvoiceofhope.de

| 7


zuführen. Den Geist zu beruhigen, still zu sein vor

dem Herrn, in heiliger Geduld die Zeit abzuwarten,

in der die Schwierigkeiten der Vorsehung geklärt

werden – das ist es, was jedes gläubige Herz

anstreben sollte.« Auf den Herrn zu warten ist

schwierig, aber es ist das Anzeichen eines weisen

und gläubigen Herzens, das einem allmächtigen

und gnädigen Gott vertraut. Spurgeon schließt

mit den Worten: »Zeit ist nichts für Ihn, lass sie

auch nichts für dich sein. Gott ist es wert, auf Ihn

zu warten ... Warte im Gehorsam als Diener, in

der Hoffnung als Erbe, in der Erwartung als Gläubiger.«

Auf den Herrn zu warten bedeutet, sich auf

Ihn zu verlassen; es bedeutet, Seine Eigenschaften

zu studieren und Ihm zu vertrauen. Es bedeutet

zum Beispiel, zu wissen, dass Er treu ist – oft

auf eine Art und Weise, die wir nie in Betracht

gezogen hätten. Es bedeutet, sich Seiner Macht,

Seiner Güte und Seiner Weisheit anzuvertrauen,

da all diese sich vereinen, um die Angelegenheiten

unseres Lebens zu leiten, nicht nach unserem,

sondern nach Seinem Plan. Das sind die Dinge,

von denen die Psalmen sprechen, wenn sie uns ermahnen,

auf den Herrn zu warten. Psalm 27 zum

Beispiel beginnt mit Worten des Trostes, die darauf

basieren, wer und was Gott für die Gläubigen

ist: »Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem

sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens

Kraft, vor wem sollte mir grauen?« (V. 1).

ABRAHAMS GLAUBE

Trotz des Strauchelns in Unglauben und Sünde ist

Abraham ein großes Vorbild für das Warten auf

den Herrn im Glauben. Hebräer 11,11 verbindet

Abrahams Glauben zu Recht mit dem von Sarah

und sagt: »Durch Glauben erhielt auch Sarah selbst die

Kraft, schwanger zu werden, und sie gebar, obwohl sie

über das geeignete Alter hinaus war, weil sie Den für treu

achtete, der es verheißen hatte.«

Wir stellen die Frage: »Wie kam es, dass Abraham

noch in einem Alter, in dem man eigentlich

nicht mehr Vater werden kann, die Kraft erhielt,

mit seiner Frau Sarah, die selbst unfruchtbar war,

ein Kind zu zeugen? Die Antwort ist: Das bewirkte

der Glaube. Abraham war überzeugt, dass Der,

der ihm »einen Sohn« versprochen hatte, vertrauenswürdig

ist.

Römer 4,20-21 gibt eine weitere klassische Beschreibung

von Abrahams ausharrendem Glauben.

Über Abraham schreibt Paulus: »Er zweifelte

nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern

wurde stark durch den Glauben, indem er Gott die

Ehre gab und völlig überzeugt war, dass Er das, was Er

verheißen hat, auch zu tun vermag.«

Der Segen, den Gott Abraham verheißen hatte,

konnte nur zustande kommen, wenn eine unfruchtbare

und alte Frau schwanger werden und

gebären würde. Wenn es um Christus geht, stellen

wir fest, dass es nur dann eine Erlösung von

unseren Sünden geben konnte, wenn mit einem

jungfräulichen Mädchen das Gleiche geschehen

würde.

Dass Sarah schwanger wurde und gebar, und

dass es sich mit Maria ebenso verhielt, sagt uns,

dass die Rettung, auf die wir vertrauen, von Anfang

bis zum Ende von Gott kommt, zur Ehre Seines

Namens allein. Darum wollen wir uns diesem

Gott anvertrauen, der den Toten das Leben gibt

und aus dem unfruchtbaren Schoß Segen hervorbringt,

ja sogar das Heil durch den jungfräulichen

Leib, der unseren Herrn Jesus Christus geboren

hat.

Das ruft uns dazu auf, uns mit unserer ganzen

Not und mit all unseren Sehnsüchten an Gott zu

wenden, auf Seine Macht zu vertrauen und auf

all die kostbaren Verheißungen zu warten, die wir

in der Heiligen Schrift vorfinden. Jeremiah Burroughs

ermahnt uns: »Jedes Mal, wenn ein gottesfürchtiger

Mensch die Heilige Schrift liest ...

und dort auf eine Verheißung stößt, sollte er seine

Hand darauf legen und sagen: Das ist ein Teil meines

Erbes; es ist mein, und ich soll davon leben.«

Dann lasst uns auch erkennen, dass unser

größtes Erbe Gott Selbst ist; Seine größte Verheißung

ist: »Ich will … euer Gott sein, und ihr sollt Mein

Volk sein« (3.Mo. 26,12). Es ist Gott Selbst, den wir

als Erbe empfangen, wenn wir Seinen Verheißungen

vertrauen. Und es sind unsere Herzen, die

Er durch dieses lange und manchmal schwierige

Leben des Glaubens sucht, wenn Er uns aufruft,

auf Ihn zu warten. Durch den Glauben Abrahams

können auch wir die Worte des Segens empfangen:

»Fürchte dich nicht ... Ich bin dein Schild und dein

sehr großer Lohn!« (1.Mo. 15,1).

8 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


WIR STELLEN VOR:

UNSERE VOH-WEBSITE

Wir freuen uns, Dir unsere Voice of Hope-Webseite vorstellen zu können. Sie

enthält alle relevanten Informationen, um Dir ein Bild von unserer Gemeindeund

Missionsarbeit zu vermitteln: unser Glaubensbekenntnis, die aktuellen

Projekte, unseren Blog, VOH-Magazine und Spende-Möglichkeiten.

In unserem Blog findest Du:

• Artikel

Auslegungen von Bibeltexten, oder wichtige

Themen, von der Bibel her betrachtet

• Biografien

gottesfürchtiger Menschen, die Dich

sicher inspirieren oder ermutigen werden

• Rezensionen

die Dir bei der Auswahl von Büchern aus

unserem Shop helfen können

• Missionsberichte

wie Gott in Deutschland und im Ausland

durch Sein kraftvolles Evangelium wirkt

Wir beten dafür und arbeiten daran, dass überall klare reformierte biblische Lehre und

Berichte zu finden sind – ganz gleich, welche Artikel Du liest. Unser Ziel ist es, dass die

Gemeinde Jesu durch die biblische Lehre auferbaut und zum Dienst zugerüstet und Gott

dadurch verherrlicht wird. Also, herzlich willkommen auf unserer neuen, mobilfreundlichen

Website unter www.voh-missionswerk.de.


»Meine Brüder,

achtet es für lauter Freude,

wenn ihr in mancherlei

Anfechtungen geratet, da ihr

ja wisst, dass die Bewährung

eures Glaubens standhaftes

Ausharren bewirkt. Das

standhafte Ausharren aber soll

ein vollkommenes Werk haben,

damit ihr vollkommen und

vollständig seid und es euch

an nichts mangelt.«

Jakobus 1,2-4


Mit Versuchungen

fertigwerden

John MacArthur

Als Christen erkennen wir deutlich, dass

wir in einer Zivilisation leben, die von

Gott dahingegeben wurde, um in ihren

eigenen bösen Lüsten dahinzuvegetieren. Der

Mensch liebt seine Sünde. Er setzt alles daran, um

sie zu praktizieren und zu verteidigen.

Unser Leben als Christen darf jedoch nicht die

Werte unserer Gesellschaft widerspiegeln. Wir

dürfen nicht versuchen, Sünde zu entschuldigen

oder gar zu dulden. Die Sünde war es, die unseren

geliebten Retter ans Kreuz brachte, um dort zu

bluten und zu sterben. Die Sünde war es, die uns

in Feindschaft gegen Gott brachte. Jetzt, wo diese

Feindschaft aufgehoben worden ist, wollen wir

nichts mehr mit dem alten Leben zu tun haben.

Jetzt, da wir von der Sünde frei geworden sind,

wollen wir nicht wieder zurück in die Knechtschaft.

Und das brauchen wir auch nicht! Solches

dennoch zu wählen, würde bedeuten, unsern

Herrn zu verleugnen.

KÖNNEN WIR WIRKLICH

MIT DER VERSUCHUNG

FERTIG WERDEN?

Dennoch werden selbst wir, die wir Christen sind,

dauernd von der Versuchung zur Sünde bestürmt.

Manchmal scheint es so, als ob sie uns auch wirklich

überwältigen würde. Wir fragen uns dann

vielleicht: Ist es wirklich möglich, so über die

Versuchung Herr zu werden, dass man dies auch

tatsächlich ein Beherrschen der Versuchung nennen

kann? Wie können wir einen solchen Sieg erreichen?

Es sind drei Mächte, die gegen uns stehen:

Satan, die Welt und unser Fleisch – besteht

denn überhaupt irgendeine Hoffnung für uns,

dabei die Anziehungskraft der Sünde zu überwinden?

Unsere Feinde sind ja doch so heimtückisch,

und ihre Strategie ist so raffiniert; wie

können wir da gegen sie ankommen? Sehen wir

uns nicht manchmal Versuchungen gegenüber,

die so stark sind, dass für uns offen gestanden

keine Hoffnung besteht, ihnen zu widerstehen?

Ist Satan nicht so verschlagen, dass wir viele seiner

Intrigen einfach nicht überwinden können?

Und ist nicht selbst unser eigenes Herz so trügerisch

und bösartig (Jer. 17,9), dass wir eigentlich

ohne rechten Schutz vor der Sünde dastehen?

Ist es deshalb nicht wirklich eine große Torheit

von uns, überhaupt vom Sieg über die Sünde zu

träumen?

Aus der Heiligen Schrift wissen wir, dass wir in

einem geistlichen Kampf mit Dämonen stehen,

die wir nicht sehen können (Eph. 6,12). Wenn alle

Mächte der Hölle gegen uns aufstehen, können

wir es dann überhaupt mit ihnen aufnehmen?

Oder sind wir nur die Opfer von uns überwältigenden

Versuchungen, gegen die wir nicht an-

Ein Auszug aus »Das verlorene Gewissen« von John MacArthur

voiceofhope.de | 11


kommen können, da wir dazu nicht die nötigen

Hilfsmittel besitzen?

Die Heilige Schrift gibt hierzu eine klare Antwort

– eine Antwort, die all diese Fragen in einem

einzigen Vers beantwortet: »Es hat euch bisher nur

menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu; Er

wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht

werdet, sondern Er wird zugleich mit der Versuchung

auch den Ausgang schaffen, sodass ihr sie ertragen

könnt« (1.Kor. 10,13).

Dieser Vers ist ganz gewiss eine der herrlichsten

und trostreichsten Verheißungen in der ganzen

Heiligen Schrift. Keine Versuchung kann so

überwältigend sein, dass wir im Widerstand ihr

gegenüber ohne göttliche Hilfe wären. Satan hat

keine so große Macht, Dämonen keine derartige

Wirkungskraft, ihre böse Verschwörung ist nicht

derart klug ersonnen, dass wir ohne Hilfe von Seiten

Gottes der Versuchung preisgegeben wären;

und das, obwohl unser Fleisch schwach und unser

menschliches Herz arglistig ist.

Der obige Vers enthält Prinzipien, die uns zu

verstehen helfen, wie wir über bestimmte Versuchungen

Sieg haben können. Dieses Verständnis

erhalten wir nur durch einen besseren Einblick in

die Mittel und Wege der Versuchungen und durch

das Verstehen ihres Wesens und Ausmaßes.

DIE MITTEL

DER VERSUCHUNG

Zuerst sehen wir uns die Mittel und Wege der Versuchung

an. Versuchung will uns ergreifen und

uns gerade dann überfallen und nach Möglichkeit

auch beherrschen, wenn wir gar nicht darauf gefasst

sind.

Das griechische Wort für »Versuchung« ist

peirasmos. Es kann mit »Prüfung« oder »Versuchung«

übersetzt werden. Prüfungen und Versuchungen

sind zwei Aspekte derselben Sache. Das

Leben ist voller Prüfungen, und jede Prüfung ist

eine potenzielle Versuchung. Ein Beispiel kann

zeigen, wie das möglich ist: Ein Freund berichtete

mir einmal von seiner neuen Arbeitsstelle bei

einer bedeutenden Firma. Als er dort erst kurze

Zeit angestellt war, sah er eines Abends, nachdem

alle andern das Büro schon verlassen hatten, eine

große Geldsumme auf seinem Schreibtisch liegen.

Er nahm das Geld sofort an sich, steckte es

in seine Aktentasche und sagte sich: Das muss ich

zurückgeben. Er wickelte es ein, ging am nächsten

Morgen in das Büro des Chefs, legte es auf dessen

Schreibtisch und sagte: »Jemand hat dieses Geld

auf meinem Schreibtisch hinterlassen, und ich

weiß nicht, wer das war oder wem das Geld nun

fehlt; aber ich wollte es sobald wie möglich zurückgeben,

damit niemand über dessen Fehlen in

Bedrängnis gerät.«

Sein Chef schaute ihn geradeheraus an und

sagte: »Ich habe das Geld dort hinterlassen. Es war

ein Test. Sie haben ihn bestanden!«

Das Leben legt uns ähnliche Prüfungen auf. Je

nachdem, wie wir darauf reagieren, können sie zu

Versuchungen werden.

Wenn mein Freund das Geld mit nach Hause

genommen, es gezählt, es begehrt und seine Möglichkeiten

durchdacht hätte, dann hätte er sich

vielleicht sagen können: »Hm, niemand wird es

wissen.« In seinem Herzen wäre ein Kampf entstanden,

ob er es zurückgeben oder für sich behalten

sollte. Dann wäre der Test zu einer Versuchung

geworden. Wenn das Herz dazu verlockt wird, Böses

zu tun, dann ist es eine Versuchung.

Das Leben ist voller Tests, die potenziell zur

Versuchung werden können. Wenn Sie zum Beispiel

soeben einen finanziellen Rückschlag erlitten

haben und sich sagen: »Ich vertraue darauf, dass

Gott meinen Bedürfnissen nachkommen wird; ich

werde mich einschränken, sparsam leben, vorsichtig

haushalten und meinen Verpflichtungen treu

nachkommen; ich werde eben mit weniger leben

und dem Herrn vertrauen, dass Er mich versorgen

wird« – dann haben Sie die Prüfung bestanden.

Wenn Sie aber sagen: »Ich kann einfach Geld aus

der Kasse nehmen, und niemand wird es erfahren;

ich kann durch Steuerbetrug Geld zurückerhalten,

und ich kann Kosten sparen, wenn ich meine

Schulden nicht bezahle« – dann ist die Prüfung für

Sie zur Versuchung geworden, denn Ihr Herz hat

sich zum Bösen verlocken lassen.

Der Test kann aber auch darin bestehen, dass

Sie eine persönliche Enttäuschung erleben. Vielleicht

hatten Sie an jemanden irgendwelche Erwartungen

gestellt, der Ihre Hoffnungen nicht

erfüllte. Sie können dann entweder im Vertrauen

auf Gott Ihre Umstände akzeptieren und diese

Person trotz Ihrer Enttäuschung lieben, oder Sie

beginnen, sich Gefühlen der Abneigung und der

Bitterkeit im Herzen hinzugeben. In dem Mo-

12 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


ment, wo solche bösen Gedanken Einlass in Ihr

Herz fordern, wird Ihre Prüfung zur Versuchung.

Sie könnten sich auch durch eine Krankheit,

eine Verletzung oder eine unerwartete Katastrophe

einer Prüfung gegenübergestellt sehen. Vielleicht

stirbt jemand, den Sie lieben. Oder Ihre Pläne

werden zerschlagen; oder Sie können etwas,

wovon Sie schon seit langer Zeit geträumt haben,

nicht zur Ausführung bringen. Vielleicht sehen

Sie sich einem Problem gegenüber, für das es keine

offensichtliche Lösung gibt. Oder vielleicht

bittet ein Freund Sie um etwas, wovon Sie wissen,

dass es unrecht wäre. Solche Prüfungen begegnen

uns oft im Leben. Und wenn diese dann anfangen,

uns zum Bösen zu verlocken, werden sie zu Versuchungen.

Hiob sah sich jedem dieser Tests gleichzeitig

gegenübergestellt.

Jakobus erklärt sehr deutlich, auf welche Weise

Prüfungen zu Versuchungen werden. Er schreibt:

»Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in

mancherlei Anfechtungen geratet, da ihr ja wisst, dass

die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren

bewirkt. Das standhafte Ausharren aber soll ein vollkommenes

Werk haben, damit ihr vollkommen und vollständig

seid und es euch an nichts mangelt« (Jak. 1,2-4). Später

fügt er noch hinzu: »Glückselig ist der Mann, der

die Anfechtung erduldet; denn nachdem er sich bewährt

hat, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche der

Herr denen verheißen hat, die Ihn lieben« (V. 12).

Anders gesagt: Gott will uns erziehen, wenn Er

uns durch Prüfungen hindurchgehen lässt. Prüfungen

machen uns vollkommener, gestalten uns

um in das Bild Christi, bewirken in uns Geduld

und bringen uns zu geistlicher Reife. Ähnlich sagte

Petrus: »Der Gott aller Gnade aber, der uns berufen

hat zu Seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, Er

Selbst möge euch, nachdem ihr eine kurze Zeit gelitten

habt, völlig zubereiten, festigen, stärken, gründen!« (1.Pt.

5,10).

Gott schickt uns Prüfungen, aber keine Versuchungen.

Denn Jakobus schrieb diesbezüglich:

»Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von

Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden

zum Bösen, und Er Selbst versucht auch niemand« (Jak.

1,13). Gott Selbst ist nie verantwortlich für das Ansinnen

der Versuchung an uns, Böses zu tun.

Wie aber kommt Versuchung zustande? Jakobus

1 sagt uns: »Jeder Einzelne wird versucht, wenn er von

seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt wird. Danach,

wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde;

die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod«

(V. 14-15). Unsere eigene Lust ist es also, die das

Ansinnen zum Tun des Bösen an uns stellt. Gott

gibt nur gute Gaben: »Irrt euch nicht, meine geliebten

Brüder: Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk

kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei

dem keine Veränderung ist, noch ein Schatten infolge von

Wechsel« (V. 16-17). Gott ist vollkommen, unveränderlich,

unwandelbar. Er ist nicht verantwortlich

für unsere Versuchungen, obwohl Er uns Prüfungen

schickt, um uns auf die Probe zu stellen.

Der Sieg beginnt deshalb damit, dass wir verstehen,

wie Versuchung zustande kommt. Sie entsteht,

wenn wir falsch auf Prüfungen reagieren.

Sie entsteht, wenn wir von unserer eigenen Lust

fortgezogen werden. Durch die Versuchung wird

der Keim der Sünde gepflanzt, und wenn die Sünde

Frucht trägt, ist diese Frucht der Tod. Deshalb

müssen wir lernen, in rechter Weise auf Prüfungen

zu reagieren.

DER AUSWEG

AUS DER VERSUCHUNG

Das Schönste ist: Wenn Gott es erlaubt, dass wir

geprüft werden, schafft Er jedes Mal auch einen

Ausgang oder Ausweg. Es gibt immer einen Weg

zum Sieg. Es gibt immer einen »Notausstieg«. Das

griechische Wort für »Ausgang« in 1. Korinther

10,13 ist ekbasis; es bedeutet auch »Ausweg«.

Hier ist eine Wahrheit, die Sie vielleicht noch

nie in diesem Vers entdeckt haben. Paulus sagt

uns genau, was der Ausweg ist: Gott schafft »… mit

der Versuchung auch den Ausgang …, so dass ihr sie ertragen

könnt«. Der Weg aus der Versuchung heraus

führt durch sie hindurch. Der Weg aus der Versuchung

ist, diese als Prüfung zu ertragen, ohne

dass es so weit kommt, dass wir uns zum Bösen

verleiten lassen. Vielleicht hat man Ihnen Unrecht

getan. Vielleicht hat man Sie in falscher Weise beschuldigt.

Vielleicht hat man Sie verleumdet, Sie

unfreundlich oder ungerecht behandelt. Na und?

Finden Sie sich damit ab! Ertragen Sie es mit

Freuden (Jak. 1,2). Das ist der Ausweg. Gewöhnlich

suchen wir nach einem schnellen und leichten

Notausgang. Gottes Plan für uns ist anders.

voiceofhope.de | 13


Er will, dass wir es für lauter Freude achten. Und:

»Das Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben,

damit [wir] vollkommen und vollständig [sind] und es

[uns] an nichts mangelt« (V. 4). Gott gebraucht unsere

Prüfungen, um uns zur Reife zu bringen.

Wie können wir ausharren? Es gibt mehrere

praktische Antworten darauf. Ich will nur ein

paar erwähnen:

1. SINNEN Sie über das Wort Gottes NACH:

»Ich bewahre Dein Wort in meinem Herzen, damit ich

nicht gegen Dich sündige« (Ps. 119,11).

2. BETEN Sie: »… und führe uns nicht in Versuchung,

sondern errette uns von dem Bösen« (Mt. 6,13).

Das will besagen: Bitten Sie Gott darum, dass

die Prüfung nicht zur Versuchung wird.

3. WIDERSTEHEN Sie dem Satan, und liefern

Sie sich Gott aus: »So unterwerft euch nun Gott!

Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch« (Jak. 4,7).

Es gibt noch viele weitere praktische Antworten,

die ich erwähnen könnte; aber es sind genau die

gleichen Mittel, die wir für das Abtöten des Fleisches

benötigen. Man harrt dadurch in der Versuchung

aus, dass man die Handlungen des Fleisches

tötet.

Es gibt noch einen weiteren Schlüssel zum Ausharren,

auf den ich unser Augenmerk richten

möchte: es ist der Glaube. Hebräer 11 spricht von

den großen Glaubensvorbildern. Sie alle haben

bis ans Ende treu ausgeharrt, und die meisten

mussten durch unglaubliche Prüfungen gehen.

Wenn unser Glaube echt ist, ermöglicht er uns,

jeder Prüfung standzuhalten, die der Herr uns

widerfahren lässt. Falls Sie meinen, dass Ihre eigenen

Prüfungen besonders schwer wären, ruft

uns der Hebräerbriefschreiber Folgendes in Erinnerung:

»Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden

im Kampf gegen die (eigene) Sünde« (12,4).

Mittlerweile kennen wir diese Wahrheiten. Es

bedeutet: Wenn Prüfungen kommen, sollen wir

sie ohne Vorbehalte akzeptieren. Welch eine Ermutigung

ist es für unseren Glauben, zu wissen,

dass keine Prüfung uns begegnen kann, die größer

wäre, als dass wir sie ertragen könnten!

Wichtig ist zu beachten, dass wir unsere Sünde

fortlaufend in den Tod zu geben haben (Kol. 3,5).

Wir sollen beten und Gott darum bitten, uns von

Versuchungen zum Bösen zu erretten. Wir müssen

uns weigern, dem lustvollen Begehren unseres

eigenen Fleisches nachzugeben, und müssen uns

dabei immer wieder vor Augen halten, welches

Ziel Gott mit uns hat, wenn Er uns solche Prüfungen

sendet. Sein Ziel mit uns ist die Vollendung

unseres Glaubens, indem wir auszuharren lernen,

um dadurch zu geistlicher Reife zu gelangen.

In alledem können wir auf Christus schauen

und uns auf Ihn, unseren barmherzigen und treuen

Hohenpriester, stützen, der Mitleid mit unseren

Schwachheiten hat, der mit uns in unseren

Nöten mitfühlt und der in allem in gleicher Weise

wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde

(Hebr. 4,15).

Wie können wir »mit Ausdauer laufen in dem

Kampf, der vor uns liegt«? (Hebr. 12,1). »Indem wir hinschauen

auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens,

der um der vor Ihm liegenden Freude willen das

Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete,

und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.

Achtet doch auf Ihn, der solchen Widerspruch von den

Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht müde

werdet und den Mut verliert!« (Hebr. 12,2-3).

Wir leben in einer Kultur, die voller Versuchungen

ist. Unsere Gesellschaft verherrlicht die Sünde

und verachtet Gott. Es ist sicherlich kein Zeitalter,

in dem wir ohne Probleme leben können. Aber das

war das erste Jahrhundert der Christenheit auch

nicht. Denken Sie daran, dass wir noch nicht bis

aufs Blut widerstanden haben.

Eines Tages könnte Gott uns so prüfen, dass

wir in unserem Kampf gegen die Sünde leiblichen

Schaden nehmen oder sogar den Tod erleiden

müssen. Wenn dieser Tag wirklich käme, dann, so

versichert Er uns, wird Er uns durch alle Not hindurch

die notwendige Kraft geben. Indessen werden

wir durch unsere Prüfungen stärker. Sie bringen

uns Ihm näher, sie lassen uns im Ausharren

wachsen, und sie gestalten uns um in Sein Bild.

Welch eine Ermunterung ist es, zu wissen: Er

Selbst garantiert, dass unsere Versuchungen nicht

zu schwer für uns werden! Er gibt uns Kraft zum

Ausharren. Und Er Selbst hat gesagt: »›Ich will dich

nicht aufgeben und dich niemals verlassen!‹ So können

wir nun zuversichtlich sagen: ›Der Herr ist mein Helfer,

und deshalb fürchte ich mich nicht vor dem, was ein

Mensch mir antun könnte‹« (Hebr. 13,5-6).

14 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


GNADE FÜR DICH

John MacArthur

»Gnade für dich« erklärt die verborgene Dynamik von Jesu

bekanntestem Gleichnis, dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Es

gibt dir einen kurzen, aber eindrucksvollen Einblick in die Heimkehr

des Sohnes, die unvorstellbar gnädige Reaktion des Vaters und

die oft übersehene Wahrheit über den älteren Bruder, der seinen

zurückgekehrten Bruder verachtet. Auf diesen Seiten wirst

du die Tiefen der Errettung Gottes wiederentdecken.

BUCH: Bestell-Nr.: 875.260 • Hardcover • 72 Seiten • 5,90 €

CD: Bestell-Nr.: 875.278 • Audio-CD im Digipack • 62min • 5,90 €


TEIL 1

Charles Haddon

Spurgeon (1834-1892)

SEINE FAMILIE

Wahre Gottesfurcht in einem Hause

führt gewöhnlich zur Gottesfurcht in

den Herzen derer, die gemeinsam den

Haushalt bilden. Die Familie Spurgeon kann drei

Jahrhunderte hindurch ununterbrochen auf gläubige

Vorfahren zurückblicken. Der Einfluss der

aufeinanderfolgenden gottesfürchtigen Generationen

sowohl auf ihre Umgebung wie auch auf ihre

Nachkommen ist unberechenbar groß gewesen.

Was für ein Segen kann es sein, wenn in unserer

Zeit alle christlichen Familien auch wirklich gottesfürchtig

sind, und welch positive Auswirkung

kann das auf unsere Gemeinden und unsere Gesellschaft

haben?!

C.H. Spurgeon ist ein direkter Nachkomme der

Essexlinie, welche seit mehr als einem Jahrhundert

ihre Repräsentanten zu den Predigern des

göttlichen Wortes zählte. Spurgeons Großvater

James Spurgeon war ein ehrwürdiger Prediger

nach echt puritanischem Vorbild. Er wurde am

29. September 1776 in Halstead, Essex geboren

und war von seiner frühesten Jugend an ein gottesfürchtiges

Kind, das dem Vorbild seines Vaters

folgte.

Im Alter von 26 Jahren gelangte James Spurgeon

zur Überzeugung, dass Gott ihn ins Predigtamt

berief. Eine fast leblos gewordene unabhängige

Gemeinde aus Clare, Suffolk bat ihn, auf

ihrer Kanzel zu predigen, und er entsprach ihrer

Bitte. Durch Gottes Gnade blühte diese Gemeinde

unter Spurgeons Dienst wieder auf. Die Nachricht

über seine ernsten und bibeltreuen Predigten verbreitete

sich derart, dass er im Jahre 1810 zu dem

sehr verantwortungsvollen Amt nach Stambourn

in Essex berufen wurde, wohin er im nächsten

Jahr ging und wo er unter großem Segen über 50

Jahre lang wirken durfte. Als er in dieser Gemeinde

sein 50jähriges Prediger-Jubiläum feierte, war

es sein Enkel, der ihm eine denkwürdige Festpredigt

hielt. Sein guter Einfluss blieb bis an sein Lebensende

unvermindert. Er starb, geehrt und geliebt,

am 12. Januar 1864 im Alter von 87 Jahren.

16 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


voiceofhope.de | 17


John Spurgeon, der Vater von Charles, wurde

1811 geboren und überlebte seinen Sohn. Ein

hohes Alter ist ehrenvoll, besonders wenn es im

Dienste Gottes erreicht wird, und die Spurgeons

scheinen zu dieser Auszeichnung bestimmt zu

sein. John Spurgeon führte viele Jahre ein Geschäft;

aber 16 Jahre lang predigte er jeden Sonntag

in der unabhängigen Gemeinde in Tollesbury,

Essex. Dann gab er sein Geschäft auf und widmete

sich ganz der Sache des Herrn, insbesondere der

Arbeit unter Jugendlichen. Seine letzte Stellung

hatte er an einer Gemeinde in London inne, wo es

ihm oft vergönnt war, mit seinem ältesten Sohn

Charles zusammen zu sein.

Die Mutter von Charles Spurgeon zeichnete

sich ebenfalls durch ihre aufrichtige Frömmigkeit

und Demut aus und war wegen ihrer Hingabe im

Werk des Herrn allgemein bekannt und beliebt.

Ihr Sohn Charles schien von ihren ausgezeichneten

Charakterzügen wie Hingabe, Einfalt und

Gottesfurcht viel gelernt zu haben. John Spurgeon

und seine Frau brachten schon früh große

Opfer, um ihre 17 Kinder, von denen Charles das

älteste war, gut und gründlich in der Gottesfurcht

zu erziehen. Mrs. Spurgeons Sorgfalt hinsichtlich

ihres ältesten Sohnes war besonders rührend und

ernst. Nachdem Charles sich schon bekehrt hatte,

sagte sie eines Tages unter anderem zu ihm: »Ach,

Charlie, ich habe oft darum gebetet, dass du ein

wahrer Christ werden mögest, aber nie darum,

dass du ein Baptist würdest.« Charles antwortete

darauf: »Gott hat dein Gebet erhört, liebe Mutter,

und in Seiner wohlbekannten Freigebigkeit hat Er

dir mehr gegeben, als du von Ihm erbeten hast.«

GEBURT UND KINDHEIT

Charles Haddon Spurgeon wurde am 19. Juni 1834

in Kelvedon, Essex geboren, einem Dorf mit einer

Einwohnerzahl von etwa 2000 Menschen. In den

Dörfern Englands sind manche der ausgezeichnetsten

Männer des Landes geboren und erzogen

worden. Dort wurden ihre Fähigkeiten entwickelt

und das Fundament für ihre spätere Größe gelegt.

Charles und sein jüngerer Bruder James Archer

waren von sehr unterschiedlicher Statur und

auch in ihrer persönlichen Erscheinung einander

sehr ungleich. Charles war der kräftigere von beiden,

und die Jungen des Ortes pflegten ihnen recht

charakteristische Namen beizulegen. Von zweien

seiner sechs Schwestern wird gesagt, dass sie hinsichtlich

ihrer Figur und ihrer geistigen Energie

ihrem Bruder Charles ähnlich seien.

Als Charles alt genug war, um das elterliche Haus

verlassen zu können, wurde er der Obhut seines

Großvaters in Stambourn anvertraut. Dieser ehrwürdige

Herr liebte seinen Enkel sehr, und als

sich beide näher kennenlernten, war es schwer,

zu sagen, welcher von beiden den anderen mehr

liebte. Im Haus des Predigers war eine jugendliche

Tante, die sich des Jungen ganz besonders annahm,

und dieser entwickelte sich bald zu einem

gedankenvollen, ernsten Jungen, der Bücher mehr

liebte als das Spiel. Die außergewöhnliche Frühreife

des Kindes zog bald die Aufmerksamkeit

aller auf sich, die mit ihm in Berührung kamen.

Er versetzte die ernsten Brüder der Gemeinde, die

seinen Großvater besuchten, in Erstaunen durch

die verständigen Fragen, die er aufwarf, wie auch

durch die treffenden Bemerkungen, die er machte.

Im Alter von sieben Jahren kam Charles wieder

in das Haus seines Vaters zurück – damals in

Colchester –, wo sich eine bessere Gelegenheit zu

seiner Ausbildung bot.

SEINE BILDUNG

Als Spurgeon zu Hause war, brachte ihn sein Vater

in eine Schule in Colchester. Während seiner

vierjährigen Schulzeit erwarb sich Charles gute

Kenntnisse in der lateinischen, griechischen und

französischen Sprache. Bei den Schulprüfungen

war er ausnahmslos der Beste der Schule. Im

Jahre 1848 verbrachte er einige Monate in einem

landwirtschaftlichen Institut in Maidstone. Er

18 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


war noch keine 15 Jahre alt, als er im Jahr 1849 als

Hilfslehrer nach Newmarket kam, und während

er hier mit charakteristischer Gründlichkeit seinen

Berufspflichten nachging, gelang es ihm dennoch,

Fortschritte beim Lernen zu machen. Hier

war es auch, wo er heftige Kämpfe mit dem Unglauben

zu bestehen hatte; aber während er sich

unter viel Gebet um Hilfe an Gott wandte, überwand

er jene höchst gefährlichen Versuchungen.

Während seiner Zeit in Newmarket beteiligte er

sich auch an der Bewerbung um einen Preis. Seine

schriftliche Arbeit trug den Titel: »Der Antichrist

und seine Brut; oder: Das Papsttum entlarvt.« Es

gab nur drei Mitbewerber. Er gewann den Preis

zwar nicht, aber nach zwei Jahren wurde ihm seine

Arbeit neben einer schönen Geldspende zurückgesandt,

um ihn zu ermutigen, weiterhin zu

schreiben.

Gegen Ende des Jahres 1849 musste die Schule

wegen einer ausgebrochenen Fiebererkrankung

geschlossen werden, und Spurgeon kehrte nach

Colchester zurück. Die getroffenen Vorsichtsmaßregeln

waren jedoch nicht wirksam genug

gewesen, denn er wurde von Typhus ergriffen

und sehr krank. Aber Der, dessen Name Jahweh

ist, bewirkte nicht nur, dass Sein jugendlicher

Knecht sagen konnte: »Lobe den Herrn, meine Seele

... Der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine

Gebrechen«, sondern veranlasste ihn auch, dass er

mit besonderem Nachdruck hinzufügen konnte:

»Der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit

Gnade und Barmherzigkeit« (Ps. 103,1-4). Hier müssen

wir Spurgeon in seiner unnachahmlichen

Weise die Geschichte seiner Bekehrung selbst erzählen

lassen.

»Es gefiel Gott, mich in meiner frühen Jugend von

meiner Sünde zu überführen. Ich vegetierte als

ein elendes Geschöpf vor mich hin und fand keine

Hoffnung, keinen Trost. Mein Herz war zermalmt;

sechs Monate lang betete ich aus tiefstem Herzen,

unter großer Angst, fand jedoch keine Erhörung.

Ich war entschlossen, jede Gemeinde in Colchester

zu besuchen, um den Weg des Heils zu finden;

ich war zu allem bereit, was nötig wäre, wenn Gott

mir nur vergeben wollte.

Endlich kam die Erhörung. Es geschah an einem

Tag des Herrn; es tobte solch ein Schneesturm,

dass ich nicht dahin gehen konnte, wohin

ich zu gehen beabsichtigt hatte. Ich musste stillstehen

– und das war ein für mich reich gesegnetes

Stillstehen –, fand eine einsame Straße und

ging durch einen Hof, in dem eine kleine Kapelle

stand. Irgendwohin wollte ich zum Gottesdienst

gehen; aber diesen Ort kannte ich bis jetzt nicht.

Es war die Kapelle der Methodisten. Von diesen

Leuten hatte ich schon einiges gehört, unter anderem

auch, dass sie sehr laut singen; aber das

interessierte mich jetzt nicht, wenn ich nur erfahren

konnte, wie ich gerettet werden könne. Ich

ging hinein, und als ich dasaß, begann der Gottesdienst;

aber es kam kein Prediger. Endlich betrat

ein sehr kränklich aussehender Mann die Kanzel,

schlug seine Bibel auf und las diese Worte: ›Blicket

auf Mich, so werdet ihr gerettet, all ihr Enden der

Erde …!‹ (Jes. 45,22, KJV). Während er seine Augen

auf mich richtete, sagte er, als ob er mein ganzes

Herz durchschaue: ›Junger Mann, du bist bekümmert.‹

Gewiss war ich das. ›Du wirst nie deinen

Kummer verlieren, wenn du nicht auf Christus

blickst!‹ Und dann rief er, indem er seine Hände

emporhob, wie es nur ein Methodist tun kann:

›Blicke! Blicke! Blicke! Es ist nur nötig, zu blicken!‹

Da erkannte ich mit einem Mal den Weg

des Heils, und oh, wie mein Herz in jenem Augenblick

vor Freude hüpfte! Ich weiß nicht, was er

sonst noch sagte; ich achtete nicht besonders darauf,

da ich ganz von dem einen Gedanken erfüllt

war. Es erging mir wie den Israeliten damals, als

die eherne Schlange aufgerichtet war: Die unter

dem Schlangenbiss Leidenden blickten nur auf

und waren geheilt. Ich wäre bereit gewesen, fünfzig

verschiedene Werke zu verrichten; aber als ich

das eine Wort hörte: ›Blicke!‹ – oh, wie wundervoll

erschien es mir! Ich blickte immerzu zum Kreuz,

und noch im Himmel will ich mit unaussprechlicher

Freude weiter hinblicken.

Ich fühlte mich nun verpflichtet, niemals eine

Predigt zu halten, ohne die Sünder persönlich anzusprechen.

Wenn ein Prediger eine Predigt halten

kann, ohne die Sünder anzureden, dann weiß

ich nicht, wie er predigen kann.«

(Im Jahre 1856 predigte Spurgeon am Jahrestag

seiner Bekehrung vor seiner Gemeinde über denselben

Text, wobei er erzählte, was sechs Jahre zuvor

an demselben Tag geschah. Im Oktober 1864

predigte Spurgeon vor 500 Zuhörern in derselben

Kapelle, in welcher der Herr ihm Rettung geschenkt

hatte, ebenfalls über diesen Text.)

voiceofhope.de | 19


Erfüllt von seiner neu gefundenen Freude

kehrte Spurgeon nach Newmarket zurück und

widmete sich fortan dem Dienst seines Herrn und

Meisters. Es ist kaum nötig, zu betonen, dass er

die erstbeste Gelegenheit wahrnahm, um öffentlich

ein Bekenntnis seines Glaubens an Christus

abzulegen und sich mit dem Volk Gottes zu verbinden.

Von der Liebe Christi gedrängt, ergriff

Charles jede Möglichkeit, Seelen für den Heiland

zu gewinnen. Zur Erreichung dieses Zieles erschien

ihm die Verbreitung von Traktaten als das

beste Mittel.

Sehr bald zog die Sonntagsschule seine Aufmerksamkeit

auf sich. Seine Ansprachen an die

Kinder waren so interessant und lehrreich, dass

die Kinder ihren Eltern nicht genug davon erzählen

konnten, und bald kamen auch diese, um diesen

»Lehrer« zu sehen und zu hören.

Nach seiner Bekehrung beeinflusste seine

Überzeugung von der Schriftmäßigkeit der Glaubenstaufe

seine zukünftige Laufbahn. Er war bisher

ein Anhänger der Säuglingstaufe gewesen.

Sobald er es jedoch durch das Forschen im Wort

Gottes als seine Pflicht erkannte, sich durch Untertauchen

taufen zu lassen, beeilte er sich, auch

diesen Befehl seines Herrn zu erfüllen. Am 3. Mai

1850 wurde er somit in der Baptistengemeinde öffentlich

getauft. Er war damals noch nicht ganz 16

Jahre alt. An diesem für ihn so denkwürdigen Tag

schrieb er seinem Vater: »Es ist mir sehr lieb, dass

der Tag, an welchem ich öffentlich den Namen

Jesu bekenne, der Geburtstag meiner lieben Mutter

ist«, und er gab der Hoffnung Ausdruck, dass

diesem Tag viele herrliche und glückliche Tage folgen

werden.

SEINE ERFAHRUNG

BEI DER ERSTEN PREDIGT

In der Einleitung zu einer Predigt über 1. Petrus

2,7 im Jahre 1873 bemerkt Spurgeon:

»Ich erinnere mich sehr wohl, dass ich mich bei

meinem ersten Versuch zu predigen – vor mehr

als 22 Jahren – auf diesen Text bezog. Ich war gebeten

worden, einen jungen Mann nach Teversham,

nicht weit von Cambridge, zu begleiten. Ich

konnte nichts anderes vermuten, als dass dieser

junge Mann an jenem Abend die Predigt halten

werde, und so sagte ich unterwegs zu ihm, dass

ich hoffe, der Herr werde seine Worte segnen. ›Oh,

mein Lieber‹, entgegnete er, ›ich habe in meinem

ganzen Leben noch nie gepredigt und denke auch

nicht daran, es heute zu tun. Ich bin nur aufgefordert

worden, dich zu begleiten, und ich wünsche,

dass Gott in deiner Predigt mit dir sein und dich

segnen werde.‹ ›Nein‹, erwiderte ich, ›ich habe

noch nie gepredigt und glaube kaum, dass ich

dazu im Stande bin.‹ Wir gingen zusammen, bis

wir an den bestimmten Ort kamen, und innerlich

zitterte ich, wenn ich daran dachte, was nun werden

würde. Als wir miteinander die Versammlung

fanden und nun kein anderer da war, der

von Jesus sprechen konnte, und mir klar wurde,

dass man von mir erwartete, ich würde predigen,

obgleich ich erst 16 Jahre alt war, so predigte ich

eben, und der Text, den ich soeben verlesen habe,

war mein Text: ›Für euch nun, die ihr glaubt, ist Er

kostbar.‹«

Nach diesem einschneidenden Ereignis des jugendlichen

Spurgeon wurde er in den Dörfern

um Cambridge her bald durch seine Predigten

bekannt; große Scharen wurden angezogen, um

ihn zu hören; und obgleich er noch sehr jung war,

ergingen doch viele Einladungen aus benachbarten

Städten und Dörfern an ihn, bei besonderen

Gelegenheiten zu predigen. Die kleine Baptistengemeinde

in Waterbeach, einem Ort von ca. 1500

Einwohnern, sah in dem jungen Prediger einen

Mann, der ganz ihren Bedürfnissen entsprach,

und sie bat ihn, ihrer Gemeinde mit dem Wort

Gottes zu dienen.

20 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


DIE HOCHSCHUL-FRAGE

»Bald nachdem ich 1852 begonnen hatte, in Waterbeach

das Wort zu verkündigen, wurde mir von

meinem Vater und anderen entschieden geraten,

das Baptist College von Stepney (heute Regents

Park College) zu besuchen, um mich gründlicher

auf das Predigtamt vorzubereiten. Davon überzeugt,

dass die Wissenschaft kein Hindernis sei,

sondern nur brauchbarer machen könne, war ich

geneigt, mir diese Kenntnisse anzueignen, wenngleich

ich glaubte, dass ich auch ohne diese Ausbildung

nützlich sein könne. Ich stimmte also zu,

mich durch die Ausbildung nützlicher machen

zu lassen. Dr. Angus, der Vorsteher des College,

kam nach Cambridge, wo ich damals wohnte, und

es war vereinbart worden, dass wir uns im Haus

des Verlagsbuchhändlers, Herrn Macmillan, treffen

wollten. Indem ich über die Sache nachdachte

und darüber betete, trat ich genau zur vereinbarten

Zeit in das Haus ein und wurde in ein Zimmer

gewiesen, wo ich einige Stunden geduldig wartete.

Das Gefühl von meiner Niedrigkeit und der Größe

des Londoner Direktors hielt mich davon ab, zu

klingeln und nach der Ursache der ungewöhnlich

langen Verzögerung zu fragen.

Als meine Geduld endlich doch erschöpft war,

klingelte ich, und als das Hausmädchen erschien,

wurde dem wartenden 18-jährigen Jüngling gesagt,

dass Dr. Angus lange in einem anderen Zimmer

gewartet habe, dass er nicht länger habe warten

können und mit dem Zug bereits nach London

zurückgefahren sei. Das arglose Mädchen hatte

der Herrschaft nicht mitgeteilt, dass jemand gekommen

sei, den sie in das Wartezimmer geführt

habe. Infolgedessen fand die Unterredung nie

statt, obgleich sie von beiden Seiten beschlossen

worden war. Ich fühlte mich in jenem Augenblick

nicht wenig enttäuscht; aber seitdem habe ich

dem Herrn wohl viele Male von Herzen für die

seltsame Vorsehung gedankt, durch welche meine

Schritte auf einen anderen und viel besseren Weg

gelenkt wurden.«

Dieser Punkt der besseren Ausbildung war sowohl

von Spurgeon selbst als auch von seinen Eltern

sehr sorgfältig erwogen worden, wie das aus

verschiedenen Briefen aus jener Zeit hervorgeht.

In einem Brief, den er im November 1852 an seine

Mutter schrieb, sagt er: »Ich freue mich je länger

desto mehr darüber, dass ich nicht in das College

eingetreten bin«, und fügt noch hinzu: »Ich habe

alles, was das Herz sich nur wünschen kann; ja,

Gott gibt mehr, als ich wünsche. Unsere Gottesdienste

sind so gut besucht wie nie zuvor. Solange

ich in Waterbeach gewesen bin, habe ich jedes

Haus als mein Heim betrachten dürfen. Zweiundfünfzig

Familien haben mich aufgenommen, und

sechs weitere Einladungen konnte ich nicht mehr

annehmen.« Das alles war für den jungen 18-jährigen

Mann sehr ermutigend. Aber es bahnte sich

eine große Veränderung an, die für sein ganzes

spätere Leben entscheidend sein sollte.

Bei der Sonntagsschullehrer-Konferenz im

Jahre 1853 wurde der junge Prediger aus Waterbeach

aufgefordert, eine Ansprache zu halten. Unter

denen, auf deren Herzen diese Ansprache einen

bleibenden Eindruck machte, war Herr Gould von

Loughton. Dieser begegnete bald darauf in London

einem Diakon einer berühmten Baptistengemeinde

in Southwark, die zurzeit keinen Prediger

hatte, und sprach ihm gegenüber seine Meinung

dahingehend aus, dass der junge Evangelist sehr

wohl fähig sei, der Gemeinde in der New Park

Street Chapel zu dienen. Diese Gemeinde existierte

seit 1652, und unter ihren Predigern hatte

es hervorragende Männer Gottes gegeben. Zu der

Zeit aber, von welcher wir schreiben, war die Gemeinde

sehr heruntergekommen; ihre Herrlichkeit

schien dahin zu sein. Die Diakone erwogen

alles, was Herr Gould über den jungen Prediger

Spurgeon gesagt hatte, und so erging bald eine

Einladung an ihn, zu kommen und in der New

Park Street Chapel zu predigen.

Die Fortsetzung der Biografie folgt in der nächsten Ausgabe.

voiceofhope.de | 21


SEIN LEBEN

Titel: Der Fürst der Prediger

Charles Spurgeon war ein einfacher Bauernjunge, der später

einer der bekanntesten Prediger der Welt wurde. Er mischte sich

unter Adlige und Bettler, um seinen Auftrag von Gott, nämlich

Menschen das Evangelium zu predigen, auszuführen.

Voller Eifer, mit Liebe und Klarheit predigte er, um die Herzen

von Arm und Reich, von Groß und Klein gleichermaßen

mit dem Evangelium zu erreichen. Man sagt, dass sogar die

Königin kam, um dem »Fürsten der Prediger« zuzuhören.

Aber Charles größte Aufmerksamkeit galt dem König aller

Könige, Jesus Christus. – Für Ihn lebte er. Ihm diente er.

BUCH: Bestell-Nr.: 875.431 • Hardcover • 144 Seiten • 12,90 €

CD: Bestell-Nr.: 875.471 • MP3-CD im Jewelcase • 3h 27min • 12,90 €


SEINE BEKEHRUNG

Titel: »Meine Bekehrung«

»Wie kann ich Errettung erfahren?« Diese Frage

quälte Spurgeon für viele Jahre. Trotz seiner christlichen

Erziehung und eines Umfelds, in dem er alle

»Theorie« kennengelernt hatte, suchte er nach

einer Antwort, die er an einem schneereichen

Wintertag in einer unbekannten, kleinen Gemeindeversammlung

fand.

Mit dem Beginn seiner Bekehrung im Alter von 15

Jahren entfaltete sich einer der größten Prediger

Englands. Sein lebendiger Predigtstil zog Massen

von Menschen an und viele kamen zu Christus. Im

Laufe seines Lebens predigte er zu einer geschätzten

Menge von 10 Millionen Menschen und er wurde

der »Prince of Preachers« genannt.

Bestell-Nr.: 863.988 • 108 Seiten • 8,90 €

SEINE AUSLEGUNG

Titel: Die Schatzkammer Davids

Über 20 Jahre hat C. H. Spurgeon an dieser

vollständigen Auslegung aller Psalmen

gearbeitet. Das Ergebnis dieser gewaltigen

Arbeit bietet nicht nur eine gründliche,

tiefschürfende Vers-für-Vers-Auslegung

aller Psalmen, sondern auch eine Fülle

ausgewählter Erläuterungen und Kernworte

anderer Ausleger. Zusätzlich sind

jeder Psalm-Auslegung »Homiletische

Winke« beigefügt, die jedem Prediger eine

Fülle wertvoller Anregungen und Hilfen für

die Vorbereitung von Predigten und Bibelarbeiten

über den jeweiligen Psalm bieten.

Bestell-Nr.: 256.372 • 5360 Seiten • 129 €


C. H. SPURGEON

Wie bekommt

man ein

reines Herz?

24 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


»Glückselig sind, die reinen Herzens sind,

denn sie werden Gott schauen!«

Matthäus 5,8

Es war ein herausragendes Merkmal unseres

Herrn Jesus Christus, dass Seine Lehre

ständig auf die Herzen der Menschen

abzielte. Andere Lehrer gaben sich mit äußerlicher

Sittenreform zufrieden; doch Er erforschte

den Ursprung allen Übels, so dass Er die Quelle,

der alle sündigen Gedanken, Worte und Taten

entspringen, reinigen konnte. Er betonte immer

wieder, dass das Leben erst dann gereinigt

sei, wenn das Herz rein ist. Die bemerkenswerte

Bergpredigt, der unsere Textstelle entnommen

ist, beginnt mit der Seligpreisung: »Glückselig sind

die geistlich Armen« bzw. »die Armen im Geist« (ELB),

denn Christus sprach vom »Geist«, d. h. von dem

inneren, geistlichen Wesen des Menschen. Das

war mehr oder weniger bei allen Seligpreisungen

der Fall, und diese trifft den Nagel auf den Kopf;

denn Jesus sagt nicht: »Glückselig sind die, deren

Sprache oder Taten rein sind«, und noch weniger:

»Glückselig sind die, deren Vorschriften, Kleidung

oder Speise rein sind«, sondern: »Glückselig

sind, die reinen Herzens sind!«

Während die heutige Christenheit sich mit einem

unreinen Herzen zufriedengibt, ist das beim

wahren Glauben nicht der Fall. Christi Botschaft

an alle Menschen lautet immer noch: »Ihr müsst

von Neuem geboren werden!« (Joh. 3,7); das heißt, das

Innere muss eine göttliche Erneuerung erfahren,

oder man kann das Reich Gottes, das Jesus

in dieser Welt aufzurichten kam, nicht sehen, geschweige

denn hineinkommen. Wenn eure Taten

den Anschein geben, rein zu sein, doch die Motive

hinter diesen Taten unrein sind, dann sind sie

nichtig. Wenn eure Sprache tugendhaft ist, aber

euer Herz sich in schmutzigen Fantasien ergeht,

dann entspricht eure Stellung vor Gott nicht euren

Worten, sondern euren Begierden. Ihr werdet

von Ihm gemäß der Neigung eurer Gefühle, der

wirklichen, inneren Vorlieben und Abneigungen

beurteilt werden. Äußerliche Reinheit ist alles,

was von Seiten der Menschen verlangt wird:

»… denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der

HERR aber sieht das Herz an« (1.Sam. 16,7). Die Verheißungen

und der Segen gehören denen, deren Herz

rein gemacht wurde, und sonst keinem.

Indem wir unsere Aufmerksamkeit dem Text

zuwenden, will ich euch zuerst aufzeigen, dass die

Unreinheit des Herzens die Ursache geistlicher

Blindheit ist. Als nächstes werde ich aufzeigen,

dass die Reinigung des Herzens uns einen herrlichen

Ausblick schenkt: »… die reinen Herzens sind,

... sie werden Gott schauen!« Dann werde ich noch

zu zeigen haben, dass die Reinigung des Herzens

durch das göttliche Wirken geschieht. Dieses Wirken

kann nicht durch uns selbst oder die Vermittlung

von Menschen vollbracht werden. Die Heiligung

unseres Lebens muss durch unseren heiligen

Gott geschehen.

UNREINHEIT DES HERZENS IST

DIE URSACHE GEISTLICHER BLINDHEIT

Ein Betrunkener kann nicht klar sehen. Er sieht

verschwommen oder doppelt. Es gibt noch andere

Getränke außer dem Alkohol, die das geistige

Auge in seiner Sicht behindern. Wer oft zu diesen

Getränken greift, wird geistlich blind.

Es gibt sittliche Schönheit und den unmoralischen

Schrecken, die von manchen Menschen aufgrund

der Unreinheit ihres Herzens nicht wahrgenommen

werden. Nehmt zum Beispiel einen

habgierigen Menschen, und ihr werdet schnell

entdecken, dass kein Staub so vollständig blendet

wie Goldstaub. Es gibt viele Geschäfte, die als

durch und durch unsauber gelten; doch wenn ein

Geschäft für jemanden einträglich ist und diese

voiceofhope.de | 25


Person habgierig ist, wird es fast unmöglich sein,

sie davon zu überzeugen, dass es sich um ein übles

Geschäft handelt, das einem Narren so ähnlich

ist, dass er leicht mit einem solchen verwechselt

werden könnte. Er bewundert das, was mit Leichtigkeit

erhascht werden kann. Je mehr er es für

sich sicherstellen kann, desto zufriedener ist er.

Wenn er einen schmutzigen Trick angewandt hat,

bei dem er alle Anstandsregeln verletzt hat, der

aber zu seinem Vorteil ist, spricht er zu sich: »Das

war ein kluger Schachzug!« Es wäre sinnlos, wenn

ich mit einem Habgierigen diskutieren wollte, um

ihm das Schöne an der Freigebigkeit aufzuzeigen.

Die wichtige, zentrale Lehre vom Sühneopfer

Jesu kann erst dann voll wertgeschätzt werden,

wenn das Herz gerechtfertigt worden ist. Die

Menschen mit dem reinsten Herzen, die es jemals

gab, sind diejenigen, die sich darüber freuen, dass

Gottes gerechtem Gesetz durch den Tod Christi

als Stellvertreter all derer, die an Ihn glauben, am

Kreuz Genüge getan und es dadurch erhöht wurde.

Dasselbe gilt bezüglich der gleichermaßen

wichtigen Wahrheit von der Wiedergeburt. Die

nicht reinen Herzens sind, können die Notwendigkeit

der Wiedergeburt nicht erkennen. Sie erkennen

nicht, dass unser menschliches Wesen

völlig verdorben ist. Ein Ungläubiger erkennt

nicht, dass sein Herz unrein ist und dass all seine

eifersüchtigen, rebellischen und unmoralischen

Gedanken böse sind. Er gesteht niemals seine Bedürftigkeit

ein, eine neue Kreatur in Christus Jesus

zu werden.

Ihr aber, die ihr reinen Herzens seid, ist es für

euch nicht die schwere Bürde, die ihr ständig mit

euch herumschleppt? Sind nicht die Qualen des

Herzens die schlimmsten Qualen unterm Himmel?

Empfindet ihr nicht schon den Hang zur

Sünde als ständiges Leid, und dass es für euch der

Himmel auf Erden wäre, wenn ihr diesen Hang

zur Sünde loswerden könntet? Die reinen Herzens

sind, erkennen also die Lehre von der Wiedergeburt

an, und diejenigen, die sie nicht anerkennen,

sind solche, die nicht reinen Herzens sind.

Es gibt eine Form der Unreinheit, die das Auge

mehr als alles andere für die geistliche Wahrheit

blind macht; es handelt sich um die Falschheit des

Herzens. Wer aufrichtig, ehrlich, kindlich ist, wird

ins Himmelreich eingehen, wenn ihm das Tor geöffnet

wird. Die Dinge des Reiches Gottes sind

den Doppelzüngigen und Unredlichen verborgen,

doch sie werden denen, die im Glauben kindlich

sind, den einfältigen Menschen, deutlich offenbart.

Mit ziemlicher Sicherheit wird ein Heuchler

Gott nie schauen, solange er weiterhin heuchelt.

Ja, er ist so blind, dass er nichts sieht, und schon

gar nicht sich selbst, wie er in Gottes Augen wirklich

ist. Wer sich mit der Bezeichnung »Christ«

zufriedengibt, ohne das Leben eines Christen

zu führen, wird Gott nicht schauen; er kann erst

dann etwas sehen, wenn seine Augen auf göttliche

Weise geöffnet werden.

Auch der Formalist wird Gott nicht schauen,

denn Formalismus schaut immer nur auf die

Schale, die äußere Form, und dringt nicht zum

Kern vor. Der Formalist leckt am Knochen und gelangt

nicht zum Mark. Er überhäuft sich mit religiösen

Vorschriften, die meistens seine eigene Erfindung

sind. Wenn er diesen nachkommt, rühmt

er sich, dass alles in Ordnung sei, auch wenn das

Herz noch nach der Sünde gelüstet. So ein Mensch

kann Gott nicht schauen.

Die Heilige Schrift kann in einer Weise gelesen

werden, dass sie einem Menschen nie dazu verhilft,

Gott zu schauen. Solch ein Mensch öffnet

die Bibel nicht, um zu entdecken, was in ihr steht,

sondern um seine eigene Ansicht und Meinung zu

untermauern. Wenn er die Bibelstellen nicht so

vorfindet, wie er sie lesen möchte, wird er andere

Stellen so hindrehen, bis sie irgendwie zu seinen

Gunsten sprechen. Er wird aber nur so viel glauben,

wie sich mit seiner vorgefassten Meinung in

Einklang bringen lässt. Er möchte die Bibel gern

wie einen Klumpen Wachs in ein ihm beliebiges

Gebilde umformen. So kann er die Wahrheit natürlich

nicht sehen. Er will sie ja auch gar nicht

sehen.

Schlaue und gerissene Menschen werden Gott

auch nie schauen. Ich habe um keinen so große

Befürchtungen wie um den Schlauen und Gerissenen,

dessen Leitmotiv ist, immer »eine reine

Weste« zu haben. Ich habe erlebt, wie sich grobschlächtige

Seeleute bekehrt und dann Gotteslästerer,

Huren und große Sünder fast jeden Kalibers

zum Erlöser geführt haben, so dass sie durch Seine

Gnade gerettet wurden. Sehr oft haben sie offen

und ehrlich ihre Sünde bekannt und die traurigen

Tatsachen ihrer Verdorbenheit auf sehr direkte

Weise und unvermittelt zum Ausdruck gebracht.

Wenn sie sich bekehren, denke ich schon oft, dass

sie wie der gute Herzensboden sind, von dem un-

26 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


ser Heiland sprach (Mt. 13,23). Sie haben trotz ihrer

Schlechtigkeit ein gutes und aufrichtiges Herz.

Doch mit Menschen, die wie Schlangen sind

und zu euch »Ja, ja« sagen, wenn ihr mit ihnen

über den Glauben sprechen wollt, aber es überhaupt

nicht so meinen – Menschen, denen man

nie trauen kann, wie Herr Aalglatt, Herr Schönredner

und diese ganze Sorte von Menschen –, mit

solchen tut selbst Gott nichts, sondern lässt sie in

Ruhe. Nach meiner Beobachtung kommt Gottes

Gnade selten zu den Unentschiedenen, die auf

allen ihren Wegen unschlüssig sind. Diese Menschen

werden Gott nicht schauen.

Es ist bemerkt worden, dass unser Herr in unserem

Vers wahrscheinlich auf diese Tatsache anspielte.

Im Orient bekam man den König selten zu

Gesicht. Er lebte zurückgezogen, und es war äußerst

schwierig, eine Audienz bei ihm zu bekommen.

Alle möglichen Arten von Plänen und Intrigen

und vielleicht sogar krumme Dinge wurden

geschmiedet, so dass man den König letztendlich

doch sprechen konnte. Aber Jesus Christus sagt:

»So kommt man nicht zu Gott.« Nein. Niemand

gelangt durch schlaue Schliche zu Ihm – durch

Pläne, Intrigen oder List. Der Einfältige jedoch,

der demütig so vor Ihn kommt, wie er ist, und

spricht: »Mein Gott, mich verlangt, Dich zu sehen.

Ich bin schuldig und bekenne meine Sünde. Ich

bitte Dich, sie um Deines lieben Sohnes willen zu

vergeben«, – dieser wird Gott schauen.

Ich glaube auch, dass es Christen gibt, die Gott

nie so gut erkennen können, wie es bei manchen

anderen der Fall ist. Einige Geschwister haben

von Natur aus einen kritischen Geist. Sie sind gewöhnlich

über die eine oder andere Lehrmeinung

verwirrt, und ihre Zeit wird zum Großteil zur

Abwendung von Einwänden und zur Beseitigung

von Zweifeln beansprucht. Eine demütige, nicht

sonderlich gebildete Frau hingegen, die im Gottesdienst

sitzt und nur weiß, dass ihre Bibel wahr

ist und Gott immer Seine Verheißungen einhält,

sieht eine ganze Menge mehr von Gott als ihr gelehrter,

spitzfindiger Bruder, der sich mit törichten

Fragen abquält, die keinem etwas bringen.

DIE REINIGUNG DES HERZENS

GIBT UNS EINEN HERRLICHEN AUSBLICK

»… die reinen Herzens sind, ... sie werden Gott schauen.«

Was bedeutet das? Zuerst, dass der Mensch,

dessen Herz rein ist, Gott schon in der Natur entdecken

kann. Er wird Gottes Stimme bei jeder

Predigt hören, wenn sie auf Gottes Wort basiert.

Außerdem entdecken diejenigen, die reinen Herzens

sind, Gott, wenn sie die Heilige Schrift lesen.

Unreine Herzen können in ihr keine Spur

von Gott erkennen. Sie finden sogar Gründe, die

biblische Echtheit des Johannes-Evangeliums

anzuzweifeln. Das ist alles, was sie in der Bibel

entdecken. Die aber reinen Herzens sind, entdecken

Gott auf jeder Seite dieses heiligen Buches.

Wenn sie es im Glauben und Gebet lesen, preisen

sie den Herrn, dass es Ihm gefallen hat, sich ihnen

so gnädig durch den Heiligen Geist zu offenbaren.

Sie erkennen dankbar, dass Er ihnen die

Gelegenheit und das Verlangen geschenkt hat,

sich an der Offenbarung Seines heiligen Willens

zu erfreuen.

Daneben entdecken diejenigen, die reinen

Herzens sind, Gott in Seiner Gemeinde. Die unreinen

Herzens sind, können ihn dort gar nicht

sehen. Für sie ist die Gemeinde Gottes nicht mehr

als ein Haufen schwacher Menschen. Wenn sie

auf diese Gruppe schauen, entdecken sie nichts

als Fehler, Versagen und Unvollkommenheit. Man

darf dabei nicht vergessen, dass man alles immer

nur entsprechend der eigenen Natur sieht. Wenn

der Geier in den Lüften schwebt, entdeckt er überall

Aas. Wenn die Taube mit ihren silbernen Flügeln

in den azurblauen Himmel steigt, sieht sie

überall das geworfelte Getreide. Der Löwe findet

seine Beute im Wald, und das Lamm findet seine

Nahrung auf der grünen Wiese. Unreine Herzen

entdecken wenig oder nichts Gutes unter Gottes

Volk; doch die reinen Herzens sind, erkennen Gott

in Seiner Gemeinde.

Gott zu erkennen bedeutet jedoch viel mehr,

als Spuren von Ihm in der Natur, der Heiligen

Schrift und der Gemeinde zu finden. Gott zu erkennen

bedeutet, dass diejenigen, die reinen

Herzens sind, etwas von Gottes wahrem Wesen

wahrnehmen. Wer in einem Gewittersturm ge-

voiceofhope.de | 27


fangen ist und den krachenden Donner hört, den

durch Blitzschläge angerichteten Schaden sieht,

der erkennt, dass Gott mächtig ist. Doch zu erkennen,

dass Gott ewig gerecht und doch unendlich

freundlich ist, dass Er sehr streng und doch unermesslich

gnädig ist – die verschiedenen Eigenschaften

der Gottheit zu erkennen, wie sie wie die

Farben des Regenbogens ineinander übergehen

und ein einheitliches Ganzes bilden –, das bleibt

den Menschen vorbehalten, deren geistliche Augen

zuvor durch Gottes Geist geöffnet wurden.

Nur diese Menschen erkennen, dass Gott immer

gut ist, und beten Ihn in jeder Hinsicht an. Sie sehen,

dass all Seine Eigenschaften vortrefflich ineinander

übergehen und sich ausgleichen und jede

Eigenschaft die anderen Qualitäten umso herrlicher

erstrahlen lässt. Die reinen Herzens sind,

werden Gott so schauen, denn sie werden Seine

Qualitäten schätzen und Sein Wesen verstehen,

wie die Ungläubigen es nicht können.

Viele von uns könnten von wahrer Gemeinschaft

mit Gott zeugen; doch man kann sie nur in

dem Maß genießen, wie man die Vorliebe zum Bösen

aufgibt. Man kann nicht mit Gott reden, nachdem

man schmutzige Worte gebraucht hat. Man

kann nicht mit Gott reden, wie ein Mann mit seinem

Freund spricht, wenn man Freude daran hat,

mit den Ungläubigen an einem Strang zu ziehen.

Die reinen Herzens sind, können Gott schauen.

Sie schauen Gott auch – aber nicht mit dem natürlichen

Auge. Vielmehr sehen sie den großen Gott,

der Geist ist, mit ihrem inneren, geistlichen Auge

und haben eine geistliche, aber überaus reale Gemeinschaft

mit dem Höchsten.

In Christus Jesus können die, die reinen Herzens

sind, voller Mut und Vertrauen zum Thron

der Gnade Zugang bekommen. Da sie durch das

kostbare Blut Jesu gewaschen wurden, sind sie

zu Dienern Gottes geworden, der sie als Seine

Botschafter einsetzt und zu hohen, ehrwürdigen

Missionstätigkeiten aussendet. Sie können Ihn

sehen, wie Er Sein Reich hier auf der Erde baut,

wie Sünder durch Sein Evangelium aus der Finsternis

befreit werden. Schließlich wird die Zeit

kommen, dass diejenigen, die Gott so auf Erden

geschaut haben, Ihn von Angesicht zu Angesicht

sehen werden, nämlich dann, wenn Jesus wiederkommt.

Welch eine brillante Aussicht!

REINIGUNG DES HERZENS GESCHIEHT

DURCH GÖTTLICHES WIRKEN

Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass dieses Wirken

nie umsonst ist. Kein Mensch (mit Ausnahme

von Jesus Christus) wurde je mit reinem Herzen

geboren. Alle haben gesündigt. »Da ist keiner, der

Gutes tut, da ist auch nicht einer!« (Röm. 3,12).

Ich möchte euch versichern, dass dieses Wirken

nie durch das Zelebrieren bestimmter religiöser

Formeln vollbracht wird. Man kann sagen,

was man will; aber keine Form der Taufe hat je

das Herz des Menschen gebessert. Das Herz kann

auch nicht durch äußerliche Reformen gereinigt

werden. Sündern ein reines Herz zu erschaffen ist

ein Wunder, das genauso gewaltig ist, als würde

Gott eine Marmorstatue zum Leben erwecken, so

dass sie atmen und gehen könnte.

Das Herz kann nur durch Gottes Heiligen Geist

gereinigt werden. Der Heilige Geist muss über uns

kommen und unser Wesen überschatten (vgl. Lk.

1,35). Wenn Er so über uns kommt, wird erst dann

unser Herz verändert, und nicht vorher. Wenn der

Geist Gottes über uns kommt, reinigt Er die Seele,

indem Er – um den Worten unseres Herrn in

Matthäus 5 zu folgen – unsere geistliche Armut

aufdeckt: »Glückselig sind die geistlich Armen!« Das

ist die erste Gnadentat Gottes: uns spüren zu lassen,

dass wir arm sind, dass wir nichts sind, dass

wir Sünder sind und nichts verdient haben als nur

den Zorn Gottes und die Hölle. Wenn der Geist

Gottes fortfährt, an uns zu wirken, bringt Er uns

als nächstes zum Trauern: »Glückselig sind die Trauernden!«

Wir trauern bei dem Gedanken, dass wir

so sehr gegen unseren Schöpfer gesündigt haben.

Das großartige Wirken, welches das Herz dann

reinigt, ist das Wirken des Blutes Jesu. Hier ist das

Heilmittel zu finden, das sowohl von Schuld, von

der Sünde, als auch von der Verdammnis befreit.

Wenn der Glaube auf Christus schaut, erkennt er

nicht nur die Vergebung für die Sünden der Vergangenheit,

sondern auch der Gegenwart.

Der Engel sprach zu Joseph, bevor Christus

28 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


geboren wurde: »Du sollst Ihm den Namen Jesus geben,

denn Er wird Sein Volk erretten von ihren Sünden«

(Mt. 1,21). Den gesamten Vorgang der Errettung

kann man kurz so erklären: Der Geist Gottes findet

uns mit verdorbenen Herzen vor. Er kommt

und leuchtet mit Seinem göttlichen Licht in uns

hinein, so dass wir unsere Verdorbenheit erkennen

können. Dann macht Er uns klar, dass wir als

Sünder verdient hätten, den Zorn Gottes zu ertragen;

und wir erkennen dann, dass es auch wirklich

so ist. Schlussendlich zeigt der Geist Gottes uns,

dass dieser Zorn schon von Jesus Christus getragen

worden ist. Er öffnet unsere Augen, und wir

erkennen, dass Christus für uns – an unserer Statt

– gestorben ist. Wir schauen auf Ihn und glauben,

dass Er stellvertretend für uns starb. Wir vertrauen

uns Ihm an. Wir wissen dann, dass unsere Sünden

um Seines Namens willen vergeben worden

sind. Die Freude über die Vergebung der Sünden

durchdringt uns, und wir erleben eine Freude wie

nie zuvor. Im nächsten Augenblick ruft der Sünder,

der Vergebung erfahren hat: »Jetzt, da ich gerettet

bin, jetzt, da ich Vergebung erfahren habe,

mein Herr Jesus Christus, werde ich für immer

Dein Diener sein. Ich werde die Sünden abtöten,

die Dich töteten. Wenn Du mir Kraft schenkst,

werde ich Dir dienen, solange ich lebe.«

Zuvor hatte die Seele die Tendenz zum Bösen

hin; doch in dem Moment, wo der Mensch erkennt,

dass Jesus Christus für ihn starb und dass

seine Sünden vergeben sind, fließt der ganze

Strom seiner Seele in die umgekehrte Richtung,

hin zu dem, was richtig ist. Obwohl der Mensch

weiterhin gegen seine alte Natur anzukämpfen

hat, ist er von jenem Tag an in seinem Herzen rein;

das heißt, sein Herz liebt die Reinheit, es strebt

nach Heiligung.

Jetzt kann der Mensch Gott schauen, Gott lieben,

sich an Gott erfreuen, sich danach sehnen,

wie Jesus zu sein. Er wartet ungeduldig auf den

Tag, an dem er bei Christus ist und Ihn von Angesicht

zu Angesicht schauen wird. Diesen Reinigungsprozess

könnt ihr tatsächlich durch das

Wirken des Heiligen Geistes erleben. Wenn ihr

euch in Wahrheit ein reines Herz und einen festen

Geist wünscht (Ps. 51,12), wird euch beides großzügig

gewährt. Wer die Toten mit einem Stoß in

die Auferstehungsposaune auferwecken kann,

kann auch euer Wesen allein durch Seinen gnädigen

Willen ändern. Er kann in euch ein neues

Herz und einen festen Geist schaffen und euch zu

einem neuen Menschen machen. Jemand meinte:

»Ach, wie ich mir wünsche, dass Er mein Herz

erneuert und mein Wesen verändert!« Wenn das

auch euer Herzenswunsch ist, dann wendet euch

jetzt im Gebet zum Herrn. Lasst diesen Wunsch

nicht in eurer Seele ersterben, sondern wandelt

ihn in ein Gebet um, mit dem ihr euch an Gott

wendet, und hört darauf, was Er euch zu sagen

hat: »Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du

gerettet werden …!« (Apg. 16,31). Ihr sollt von eurer

Liebe zur Sünde, von euren alten Gewohnheiten

errettet werden, ja, so gänzlich errettet werden,

dass ihr zu Menschen mit reinem Herzen werden

sollt, die Gott schauen werden.

Vielleicht fragt ihr euch: »Was bedeutet es, an

den Herrn Jesus Christus zu glauben?« Es bedeutet,

Ihm zu vertrauen, sich auf Ihn zu verlassen.

Ihr werdet eure Probleme erst dann los, wenn ihr

an Ihn glaubt. Auch wenn ihr vergeblich gegen

böse Gewohnheiten angekämpft habt, auch wenn

ihr euch damit auseinandergesetzt und euch dagegen

entschieden habt, nur um von euren großen

Sünden und schrecklichen Begierden wieder

besiegt zu werden, gibt es Einen, der alle Sünden

für euch überwinden kann. Es gibt Einen, der eure

bösen Begierden erwürgen kann, der eure Leidenschaften

abtöten kann, der eure verdorbene Natur

reinigen kann. Er kann euch innerlich rein machen

und rein halten.

Schaut auf Ihn! Er hing am Kreuz, von den

Menschen verflucht, von Gott für uns zur Sünde

gemacht, obwohl Er von keiner Sünde wusste, –

»damit wir in Ihm [zur] Gerechtigkeit Gottes würden«

(2.Kor. 5,21). Er wurde dazu verurteilt, als unser

Opfer für Sünde zu sterben, so dass wir ewig in

der Liebe Gottes leben könnten. Vertraut auf Ihn!

Er ist von den Toten auferstanden und in Seine

Herrlichkeit eingegangen. Er sitzt zur Rechten

Gottes und verwendet sich für die Übertreter. Ihr

könnt nicht zugrunde gehen, wenn ihr Ihm vertraut.

Ihr sollt leben, wie Millionen andere auch,

die alle aus Gnade gerettet wurden, um von einem

mächtigen Heiland zu singen, der alle ausnahmslos

retten kann, die durch den Glauben an Christus

zu Gott kommen. Gott schenke, dass ihr zu

denen gehören mögt, die reinen Herzens sind und

Gott schauen werden – zu denen, die nie aufhören

werden, Gott zu schauen. Ihm gebührt die Ehre!

Amen.

voiceofhope.de | 29


EIN MANN

DES GEBETS

Ein Auszug aus dem Buch

»Mit der Bibel beten« von Donald S. Whitney

Georg Müller (1805-1898) wird als einer

der größten Männer des Gebets und des

Glaubens betrachtet. Er lebte nahezu das

gesamte 19. Jahrhundert und zwei Drittel davon

in Bristol, England. Er hatte einige weitreichende,

einflussreiche Dienste, doch kennen wir ihn heute

am besten durch seine Waisenhäuser. Zu einer

Zeit, als in England die meisten Waisenkinder in

erbärmlichen Armenhäusern oder auf der Straße

leben mussten, nahm Müller sie auf, gab ihnen zu

essen, kleidete sie und unterrichtete sie in biblischen

Wahrheiten. Im Vertrauen auf Gottes Güte

und Führung übernahm Müller die Verantwortung

für bis zu 2 000 Waisenkinder gleichzeitig

– insgesamt für mehr als 10 000 während seines

gesamten Lebens in seinem Waisenhaus in Bristol.

Und doch machte er die Bedürfnisse für seinen

Dienst niemals jemand anderem bekannt als nur

Gott im Gebet. Erst durch seine Jahresberichte

erfuhren die Menschen im Nachhinein, was während

des vergangenen Jahres nötig gewesen war,

und wie Gott sie versorgt hatte.

Müller hatte über 50 000 spezifische Gebetserhörungen

in seinen Tagebüchern notiert; allein

30 000 davon wurden, wie er sagte, am selben Tag

oder noch zur selben Stunde, in der er dafür gebetet

hatte, beantwortet. Denk mal darüber nach: Das

sind fünfhundert konkrete Gebetserhörungen jedes

Jahr – mehr als eine pro Tag – an jedem einzelnen

Tag, und das sechzig Jahre lang! Gott schleuste

über eine halbe Milliarde Dollar (in heutigem

Wert) durch seine Hände, als Antwort auf Gebet.

MÜLLERS BEISPIEL

Wie hat Georg Müller gebetet? Er sagte, dass er

in den ersten zehn Jahren seines Glaubenslebens

oft darum kämpfte, in den Geist des Gebets zu gelangen,

mit anderen Worten: wirklich auch zum

Beten motiviert zu sein. Dabei bezog er sich nicht

auf die Zeit, als er noch unbekannt war, sondern

auf zehn Jahre des Vertrauens auf Gott und voller

bemerkenswerter Gebetserhörungen. Dies änder-

30 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


te sich erst, als er an seiner Methode eine kleine

Veränderung vorgenommen hat. Hier lesen wir,

wie er diese Veränderung beschrieb:

»Der Unterschied nun zwischen meiner vorherigen

Vorgehensweise und meiner jetzigen ist Folgender:

Früher begann ich, nachdem ich aufgestanden

war, so schnell wie möglich zu beten und

verbrachte im Allgemeinen meine gesamte oder

fast die gesamte Zeit bis zum Frühstück im Gebet.

Auf jeden Fall begann ich fast ausnahmslos mit

Gebet … Aber was war das Resultat? Ich verbrachte

oft eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde

oder sogar eine Stunde auf den Knien, bis ich mir

bewusst war, Trost, Ermutigung, Demütigung der

Seele usw. erlangt zu haben. Und oft begann ich

erst dann wirklich zu beten, nachdem ich in den

ersten zehn Minuten oder einer Viertelstunde

oder sogar einer halben Stunde viel durch das Abschweifen

der Gedanken gelitten hatte.

Damit quäle ich mich nun kaum noch herum.

Da mein Herz, das durch die Wahrheit genährt

wird, in Gemeinschaft mit Gott gebracht wurde,

die auf Experimenten [heute würden wir sagen:

auf Erfahrungen] mit Ihm beruht, spreche ich mit

meinem himmlischen Vater und meinem Freund

(obwohl ich abscheulich und dessen unwürdig bin)

über die Dinge, die Er in Seinem kostbaren Wort

vor mich gebracht hat. Jetzt erstaunt es mich oft,

dass ich diesen Punkt nicht schon früher gesehen

habe.« 1

Also mühte sich Müller manchmal eine halbe bis

ganze Stunde ab, versuchte zu beten und kämpfte

darum, seine Gedanken zu sammeln und ein Verlangen

nach Gebet in seinem Herzen zu erwecken.

Erst nach einem solch langen, entschlossenen

Kampf war er sich schlussendlich der Gemeinschaft

mit Gott bewusst. Aber sobald er es sich zur

Gewohnheit machte, mit Gott über das zu sprechen,

was er im Wort Gottes fand, hatte er »kaum

noch« diese Probleme während des Gebets.

Über eine Schriftstelle nachzudenken und zu

beten, während er durch die Felder spazierte, war

die unkomplizierte Methode, welche die tägliche

Erfahrung eines der berühmtesten Männer des

Gebets in der Geschichte veränderte. Und es kann

dein Gebetsleben genauso leicht verändern.

Charles H. Spurgeon (1834-1892), der englische

Baptistenprediger, der auch oft »der Fürst der Prediger«

2 genannt wird, sagte in Bezug auf das Gebet

Folgendes: »Wir sollen beten, wenn wir in einer

Gebetsstimmung sind, denn es wäre Sünde, eine

so gute Gelegenheit zu versäumen. Und wir sollen

beten, wenn wir nicht in der rechten Stimmung

sind, denn es wäre gefährlich, in einem so ungesunden

Zustand zu verharren.« Und er hat recht.

Wir sollten beten, wenn wir uns danach fühlen,

und wir sollten beten, wenn wir uns nicht danach

fühlen. Aber die Realität ist, so wie ich es in diesem

Buch dargelegt habe, dass wir uns meistens, wenn

wir ins Gebet gehen, nicht danach fühlen.

Wenn du beispielsweise morgens um 7:00 Uhr

aufstehst und betest, dann ist dir an den meisten

Tagen wahrscheinlich nicht nach Gebet zumute.

Warum nicht? Weil du schläfrig bist! Du hast in

den letzten paar Stunden nicht an Gott und die

Dinge Gottes gedacht. Wenn es dir morgens nur

im Entferntesten so geht wie mir, dann wachst

du nicht sofort mit einem für Gott und Seine Sache

brennenden Herzen auf. Ich persönlich neige

morgens nach dem Aufstehen eher dazu, gegen

die Türrahmen zu laufen. Wenn sogar Georg Müller

morgens nach dem Aufstehen nicht nach Beten

zumute war, dann sei nicht überrascht, dass dir

nicht danach ist.

Die gute Nachricht ist, dass wir nicht von diesen

Gefühlen beherrscht werden müssen. Gott

sagte zu Jeremia: »Ist Mein Wort nicht wie ein Feuer,

spricht der HERR?« (Jer. 23,29). Wenn du anfängst zu

beten und dein Herz fühlt sich geistlich gesehen

eiskalt an, kannst du das Feuer von Gottes Wort

nehmen und es in dein eisiges Herz hineinfallen

lassen, indem du es liest und anhand einer Schriftstelle

betest. Und schon sehr bald wird das Wort

Gottes dein Herz für die Dinge Gottes erwärmen,

und dir wird nach Gebet zumute sein.

Und nachdem ich nun seit mehr als dreißig Jahren

fast jeden Tag auf diese Art bete, kann ich bezeugen,

dass es in meinem Gebetsleben nichts gibt,

was mein permanent kaltes Herz schneller und

konsequenter entfacht, als das Beten mit der Bibel.

1

Roger Steer, »Georg Müller – Vertraut mit Gott«, CLV

2

C.H. Spurgeon »Der Fürst der Prediger«, VOH-Verlag, www.voh-shop.de

voiceofhope.de | 31


mit der

Bibel beten

Das Beten mit der Bibel kann Dein Gebetsleben völlig

verändern. Es lehrt Dich, Deine Probleme und Kämpfe, die

ständigen Veränderungen und Krisen in Deiner Umgebung

und in der Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Es lehrt Dich, im Gebet auf den souveränen Gott zu

schauen und Ihn anzubeten, weil uns die Schrift auf all

ihren Seiten zu genau dieser Haltung anleitet.

Wenn Du den innigen Wunsch hast, im Gebet mehr

Zeit mit Deinem himmlischen Vater zu verbringen und Dich

an dieser Gemeinschaft zu erfreuen, wird sich Dir dieses

einfache Buch als unschätzbar wertvoll erweisen.

32 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021

Bestell-Nr.: 875.257 • Hardcover klein • 4-farbig

Leinen & Goldprägung • 130 Seiten • 14,90 €


Eine Buchempfehlung

von Yvonne Thomas

»HERR, LEHRE UNS BETEN!« (LK. 11,1)

Schon Jesu Jünger merkten am Vorbild

unseres Herrn, dass ein Leben in der

Kraft Gottes nicht ohne Gebet möglich

ist. Gebet ist wie die Luft, die wir zum Atmen

benötigen. Gebet ist wie die Flügel des Adlers,

der sich weit über die Dinge unter ihm emporschwingt.

Gebet bringt uns direkt dahin,

wo uns Kraft, Ermutigung und Geborgenheit

geschenkt wird – in die Gegenwart unseres

Vaters!

Es kann uns dann nicht wundern, dass dem

Feind am meisten daran gelegen ist, uns diese

Flügel zu stutzen, uns zu entmutigen, abzulenken

und davon abzuhalten, ja uns des

Segens zu berauben, den wir durch die Gemeinschaft

mit unserem Herrn Jesus im Gebet

erleben.

»Herr, lehre uns beten!«

Welcher ernsthafte Christ hat nicht schon diese

Worte, wie sie einst Jesu Jünger sprachen,

an unseren Herrn gerichtet?

Du wünschst dir, so zu beten, wie es dem

Herrn gefällt. Du hast das Verlangen danach –

aber schon nach kürzester Zeit fallen dir keine

Worte mehr ein? Oder hast du das Gefühl,

du wiederholst dich ständig? Bist du darüber

frustriert? Mein Griff zu diesem Buch war aus

dieser Verzweiflung und dem Verlangen geboren,

tiefere Gemeinschaft mit dem Herrn im

Gebet zu erleben und so zu beten wie Paulus,

Petrus und die frühe Gemeinde. Ich wollte sicher

sein, dass die Art und Weise, wie ich bete,

und die Worte, die ich verwende, wirklich dem

Willen Gottes entsprechen.

Der Herr ließ mich nicht allein in meiner

Not, und so fiel mir dieses kleine Büchlein von

Donald S. Whitney in die Hände. Welch ein Segen!

Er spricht in seinem Buch zu denen, die

über ihr Gebetsleben traurig sind; zu denen,

die sich selbst schon nicht mehr hören können;

zu denen, die entmutigt sind, und auch

zu denen, die aufgegeben haben.

Hier merkst du: Wenn du ein wiedergeborener

Christ bist, gibt es wirklich Hoffnung!

Donald S. Whitney versteht es auf wunderbare

Weise, dem Leser Mut zuzusprechen

und ihm mit diesem Buch nicht nur das rechte

Werkzeug – nämlich Gottes Wort – für ein

inniges Gebetsleben aufzuzeigen; er nimmt

ihn nun auch an die Hand, um ihn Schritt für

Schritt dahin zu führen, dieses Werkzeug auf

kraftvolle Art zu benutzen.

Lerne hiermit, Gottes Worte effektiv in deinen

Gebeten zu verwenden; du wirst merken, wie sich dein

Gebetsleben auf erstaunliche Weise verändert, so dass du

nicht mehr Frust, sondern Freude am Beten erlebst!

voiceofhope.de | 33


EIN PORTRAIT

www.erb-frankfurt.de

ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG

DER ERB FRANKFURT

Die Gemeindegründungsarbeit begann

offiziell an einem Samstagabend im April

2014. Peter Schild war kurz zuvor als

Missionar nach Frankfurt am Main gekommen,

um hier an der Gründung einer reformierten Baptistengemeinde

zu arbeiten. Er hatte für sich und

seine Familie eine Wohnung in Frankfurt gemietet,

in deren Wohnzimmer an diesem Abend zum

ersten Mal etwa ein Dutzend Interessierter zu einer

Bibelstunde zusammenkamen, von denen einige

bis heute Mitglieder der ERB Frankfurt sind.

Hierzu zählen auch Tobias Riemenschneider, der

zu jener Zeit noch als Rechtsanwalt in Frankfurt

arbeitete, mit seiner Frau und seiner Schwester.

Getragen und begleitet wurde diese Missionsarbeit

von Anfang an von der US-amerikanischen

Missionsgesellschaft HeartCry Missionary Society

unter der Leitung von Bruder Paul Washer, welcher

der Gemeinde stets mit Rat und Tat zur Seite

stand. Auch wenn es zu Beginn eine große Fluktuation

bei den Besuchern der Bibelstunden gab,

verfestigte sich doch schnell eine Kerngruppe,

und nach und nach kamen Menschen zum Glauben

an den Herrn Jesus Christus. Jeden Samstagnachmittag

verkündigte man auf den Straßen von

Frankfurt das Evangelium und verteilte Traktate,

und im Anschluss versammelte man sich, um Gottes

Wort zu hören und Gemeinschaft zu pflegen.

Da die Gruppe schnell wuchs, dauerte es nicht

lange, bis man auch mittwochabends zu Gebetstunden

bei Familie Schild zusammenkam. Das

Wohnzimmer wurde zu klein, und so mietete

man schließlich für sonntagabends ein Kirchengebäude

an, um gemeinsam Gottesdienste feiern

zu können. Die Räumlichkeiten waren recht

heruntergekommen; bei Regen tropfte es durch

die Decke. Dennoch waren alle erfüllt von Freude

und Dankbarkeit, dass Gott nun die Möglichkeit

34 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


geschenkt hatte, gemeinsam Ihn und Seinen geliebten

Sohn im Gottesdienst anzubeten und auf

Sein heiliges Wort zu hören. Die Gelegenheit dazu

währte an diesem Ort allerdings nicht lang. Mitten

im Winter fiel die alte Heizung immer wieder aus,

sodass sich die Temperaturen im Kirchengebäude

dem Gefrierpunkt näherten. Dennoch versammelten

sich die Gläubigen in dicken Wintermänteln.

Als die Heizung schließlich endgültig funktionsunfähig

wurde, versorgte der Herr die Seinen

umgehend mit einem neuen Kirchengebäude in

Oberursel, einer Stadt nördlich von Frankfurt, so

dass kein Gottesdienst ausfallen musste. In diesen

neuen Räumlichkeiten fand am Sonntag, den

13. November 2016, schließlich auch die offizielle

Gründung der ERB Frankfurt mit zunächst zwölf

Mitgliedern statt. In dem Gründungsgottesdienst

wurden Peter Schild und Tobias Riemenschneider

als Pastoren der neuen Gemeinde eingesetzt.

Seit ihrer Gründung feiert die ERB Frankfurt

auch sonntagmorgens Gottesdienste, in denen

jeden Sonntag das Mahl des Herrn gefeiert wird.

Die Morgengottesdienste fanden zunächst in

dem Haus des Diakons Dietmar Riemenschneider

in Bad Homburg statt, bis dieses die wachsende

Anzahl von Besuchern, die auch morgens am

Gottesdienst teilnehmen wollten, nicht mehr fassen

konnte und neue Räumlichkeiten gefunden

werden mussten. So durfte die kleine Gemeinde

die Wahrheit des Wortes Gottes aus 1. Korinther

3,6 bezeugen, dass es Gott ist, der das Wachstum

schenkt. Zurzeit liegt die Zahl der Gottesdienstbesucher

sowohl im Morgen- als auch im Abendgottesdienst

regelmäßig bei über hundert Personen,

die aus vielen verschiedenen Hintergründen und

aus vielen Nationen Europas, Afrikas, Asiens sowie

Nord- und Südamerikas kommen. Aufgrund

vieler junger Familien gibt es eine große Anzahl

von Kindern, die ebenfalls am Gottesdienst teilnehmen.

Neben den beiden Pastoren dienen derzeit

drei Brüder als Diakone der Gemeinde.

Die Krisenzeit seit März 2020 war für die ERB

Frankfurt eine bewegte, aber auch segensreiche

Zeit, in welcher der Herr bis hierher treu bewahrt

hat. Die Gemeinde durfte erleben, wie der Herr

diese Zeit gebrauchte, um die Einheit und Liebe

»Ihm sei die Ehre in der Gemeinde in Christus Jesus,

auf alle Geschlechter der Ewigkeit der Ewigkeiten! Amen.«

Epheser 3,21

voiceofhope.de | 35


unter den Geschwistern zu stärken und das Verständnis

dafür zu mehren, was es heißt, Ihm treu

nachzufolgen – auch unter schwierigen Umständen.

Zur Ehre Gottes darf gesagt werden, dass

sich die Geschwister beständig versammeln, um

dem Herrn gemeinsam Anbetung und Lobgesang

darzubringen. Von einem besonderen Gnadenerweis

Gottes aus dieser Zeit sei an dieser Stelle

berichtet: Nachdem sich die Gemeinde wegen der

Maßnahmen einen neuen Versammlungsort hatte

suchen müssen, war sich der neue Vermieter

plötzlich unsicher, ob er das »Risiko« einer christlichen

Versammlung in seinen Räumlichkeiten

wirklich eingehen wollte. Seine Bedenken hatte er

bereits mitgeteilt, und so rechnete die Gemeinde

damit, ihren Versammlungsort wieder zu verlieren.

An Heiligabend 2020, zur Vorabendzeit, erhielt

ein Diakon der Gemeinde dann einen Anruf

von dem Vermieter. Der Diakon rechnete schon

damit, dass der Vermieter das Mietverhältnis mit

sofortiger Wirkung kündigen wollte. Wieso sollte

er sonst an Heiligabend anrufen? Aber es kam

ganz anders. Der Vermieter hatte einen äthiopischen

Geschäftspartner in der Leitung, der ihn

ermahnt hatte, dass er ja die Gemeinde des Herrn

beherberge und deshalb aufpassen solle, wie er

diese behandle. Er selbst wolle »die Tankstelle«

der Gemeinde sein, indem er für ein Jahr die Miete

für die Räumlichkeiten übernehmen wolle. Die

Freude und Dankbarkeit der Gemeinde waren

überfließend. Wie groß ist die treue Fürsorge des

Herrn, der stets rechtzeitige Hilfe schafft!

MERKMALE UND DIENST

DER ERB FRANKFURT

Die ERB Frankfurt ist vor allem darum bemüht,

Gottes Wort in Reinheit und Klarheit zu verkündigen

und das Gemeindeleben sowie das persönliche

Leben in aller Gottesfurcht zu führen. Die

Lehre der ERB Frankfurt ist zusammengefasst im

Baptistischen Glaubensbekenntnis, welches im

Jahr 1689 von mehr als einhundert Baptistengemeinden

in London herausgegeben wurde. Dieses

Glaubensbekenntnis wurde unter anderem

auch von dem weltbekannten Baptistenpastor

Charles Haddon Spurgeon (1834-1892) für seine

Gemeinde verwendet. Spurgeon sagte dazu:

»Dieses alte Schriftstück ist eine ausgezeichnete

Zusammenfassung der Dinge, die von uns mit

größter Gewissheit geglaubt werden.« Die ERB

Frankfurt steht somit vor allem in der Tradition

der Reformation und der Puritaner. Dabei glaubt

sie an das Prinzip ecclesia semper reformanda, was

bedeutet, dass sich die Kirche stetig am Wort

Gottes reformieren muss. Einziger Maßstab für

alles Denken und Handeln ist somit das ewig bestehende

Wort Gottes. Nicht nur die Pastoren,

sondern jedes Mitglied der Gemeinde ist daher

dazu aufgerufen, ein Theologe, also ein Erforscher

des Wortes Gottes zu sein. Im Zentrum der

Lehre und Verkündigung steht das heilige Evangelium

der freien und souveränen Gnade Gottes

in Christus, welches allen Menschen Rettung

bringt, die Buße tun und an den Sohn Gottes

glauben.

Die Gemeinde ist darum bemüht, dem Herrn

Gottesdienste zu feiern, die geprägt sind von Gottesfurcht,

welche sich in würdigem Ernst, aber

auch in heiliger Freude äußert. Im Mittelpunkt der

Gottesdienste stehen die Anbetung Gottes und die

Verkündigung Seines Wortes. Die Gottesdienste

richten sich nach dem sogenannten Regulativen

Prinzip, d. h. der Gottesdienst besteht nur aus

den Elementen, die Gott Selbst in Seinem Wort

vorgeschrieben hat, nämlich dem Singen (vor allem

von Psalmen und klassischen Kirchenliedern,

die mit Musik begleitet werden), der Lesung aus

dem Alten und dem Neuen Testament, der Predigt

(zumeist in Form fortlaufender Auslegungspredigten

mit praktischen Anwendungen) und den

Gebeten (wobei sich gebührend Zeit genommen

wird, um Lob und Bitten vor Gott zu bringen und

Fürbitte etwa für die Regierung oder die verfolgten

Christen zu leisten). Auch das Geben von Almosen

sowie die Feier des Herrenmahls und ggf.

die Taufe sind Bestandteile des Gottesdienstes.

Neben dem öffentlichen Gottesdienst werden alle

Glieder dazu angeleitet, auch im privaten Bereich

dem Herrn die Ehre zu geben durch einen Wandel

in Heiligkeit und Liebe in guten Werken. Hierzu

gehören auch tägliche Familiengottesdienste in

36 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


den Häusern und Unterweisung der Kinder in den

Wegen des Herrn. Darüber hinaus ist es ein Anliegen

der Gemeinde, die Worte aus 2. Timotheus 2,2

umzusetzen, wo es heißt: »Und was du von mir gehört

hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an,

die fähig sein werden, auch andere zu lehren.« Die Pastoren

sind daher bemüht, Brüder zuzurüsten, damit

diese als Prediger, Pastoren oder Missionare dienen

können.

Neben den Diensten innerhalb der Gemeinde

verkündigt die ERB Frankfurt auch weiterhin jeden

Samstag die frohe Botschaft auf den Straßen

Frankfurts und der umliegenden Städte durch

Straßenpredigten, Gespräche und das Verteilen

von Traktaten. Daneben sendet die ERB Frankfurt

auch Prediger für Predigtdienste an andere

Orte aus und wendet sich z. B. durch Beiträge auf

ihrem YouTube-Kanal (ERB Frankfurt) an die Öffentlichkeit

mit dem Ziel, Christen in der Wahrheit

zu stärken. Darüber hinaus ist die Gemeinde

bemüht, die Liebe Christi auch durch gute Werke

an Menschen in Not zu zeigen. Eine besondere

Freude war es, im September 2021 die Gründung

der ERB Basel unterstützen und Sebastian Engelhardt

als Pastor der neugegründeten Gemeinde

einsetzen zu können. Es ist das Gebet der Gemeinde,

dass dies erst der Anfang war und noch

viele weitere Arbeiter in die Ernte gesendet werden

können, um das Evangelium zu verkündigen

und Gemeinden zu gründen.

Voller Dankbarkeit blickt die ERB Frankfurt

auf ihre kurze Geschichte zurück, die eine Geschichte

der Gnade Gottes ist. Auch für die Zukunft

vertraut die Gemeinde in allen Bedrängnissen,

die auf die Gläubigen zukommen mögen,

allein auf die Gnade und Treue des Herrn und

stimmt ein in die Bitten des alten Kirchenliedes:

Sieh Dein Volk in Gnaden an.

Hilf uns, segne, Herr, Dein Erbe;

leit es auf der rechten Bahn,

dass der Feind es nicht verderbe.

Führe es durch diese Zeit,

nimm es auf in Ewigkeit.

Herr, erbarm, erbarme Dich.

Lass uns Deine Güte schauen;

Deine Treue zeige sich,

wie wir fest auf Dich vertrauen.

Auf Dich hoffen wir allein:

Lass uns nicht verloren sein.

Dem Glückseligen und allein Gewaltigen, dem

König der Könige und dem Herrn der Herrschenden

sei Ehre und ewige Macht! Amen. (vgl. 1.Timotheus

6,15-16)

Pastor Peter Schild

Peter Schild ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er wuchs in großer

Gottlosigkeit auf, bis er sich als Jugendlicher durch das Lesen eines

Traktats bekehrte. Seither verkündigt er den Herrn Jesus Christus. Er studierte

evangelische Theologie und wurde im Jahr 2014 als Missionar nach

Frankfurt am Main ausgesandt, um dort eine Gemeinde zu gründen. Seit

der Gründung der Evangelisch-Reformierten Baptistengemeinde Frankfurt

im Jahr 2016 dient er als Pastor.

Pastor Tobias Riemenschneider

Tobias Riemenschneider ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er wurde

in die Neuapostolische Kirche hineingeboren. Als Schüler lernte er bei

einem Aufenthalt in den USA erstmals wiedergeborene Christen kennen

und bekehrte sich einige Zeit später durch eine Predigt von Paul Washer.

Er studierte Jura und arbeitete mehrere Jahre als Rechtsanwalt. Seit Gründung

der Evangelisch-Reformierten Baptistengemeinde Frankfurt im Jahr

2016 dient er als Pastor.

voiceofhope.de | 37


DIE GÖTTLICHE

Inspiration

der Bibel

38 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021

ARTHUR W. PINK


Welche Einstellung haben Sie gegenüber dem Wort Gottes? Die Erkenntnis,

dass die Bibel durch den Heiligen Geist inspiriert wurde, bringt bestimmte Verpflichtungen

mit sich. Unsere Auffassung hinsichtlich der Autorität der Bibel wird unsere

Einstellung und das Maß unserer Verantwortung bestimmen. Wenn die Bibel

tatsächlich eine göttliche Offenbarung ist, was werden Sie damit tun?

1. BITTEN SIE GOTT UM VERGEBUNG

Sicher würde es einen gewaltigen Menschenauflauf

geben, wenn wir mit Bestimmtheit

wüssten, dass in naher Zukunft ein Engel

die Stadt New York besuchen würde, der eine

Predigt über die unsichtbare Welt, das Schicksal

der Menschheit und das Geheimnis der Erlösung

halten würde. Kein Gebäude in dieser Stadt wäre

groß genug für die Menge, die ihn hören möchte.

Würden am nächsten Tag die Zeitungen seine

Rede drucken, wie eifrig würde sie gelesen werden!

In der Heiligen Schrift befindet sich jedoch

nicht nur die Rede eines Engels, sondern eine Offenbarung

von Gott Selbst. Wie groß wäre unsere

Beschränktheit, wenn wir sie unterbewerten oder

gar verachten würden! Doch wie oft geschieht

dies!

Wir müssen Gott bekennen, dass wir Sein heiliges

Wort vernachlässigt haben. Wir finden genug

Zeit, um sie mit weltlicher Literatur zu verschwenden,

doch nur sehr wenig oder gar keine, um die

Heilige Schrift zu lesen. Die Bibel ist eine versiegelte

Sammlung von göttlichen Liebesbriefen;

doch viele Christen haben ihre Siegel nur spärlich

geöffnet. Seit langer Zeit klagt Gott: »Wenn Ich ihm

Mein Gesetz auch noch so oft vorschreiben würde, so halten

sie es doch für etwas Fremdes!« (Hos. 8,12). Gottes Geschenk

zu vernachlässigen bedeutet, dessen Geber

zu verachten. Wenn man Gottes Wort vernachlässigt,

so sagt man Ihm damit, dass es unnütz war,

es uns mitzuteilen. Die Bücher menschlicher Autoren

dem Wort Gottes vorzuziehen, heißt nichts

anderes, als den Allmächtigen zu beleidigen. Zu

behaupten, sie seien interessanter, bedeutet, die

Weisheit des Höchsten zu leugnen, und es zeigt

unsere innere Rebellion an. Gottes Wort zu vernachlässigen

bedeutet, gegen dessen Urheber zu

sündigen, denn Er hat uns geboten, es zu lesen, es

zu studieren und darüber nachzudenken.

2. WENN DIE BIBEL DAS WORT GOTTES IST,

DANN IST SIE DIE LETZTE INSTANZ

Es geht nicht um die Frage, was ich denke oder

was jemand anderes denkt, sondern es geht darum,

was die Heilige Schrift sagt. Es geht auch nicht

um die Frage, was eine Denomination oder die

Christenheit lehrt, sondern darum, was die Heilige

Schrift lehrt. Gott hat gesprochen, und somit

ist die Angelegenheit geklärt: »Auf ewig, o HERR,

steht Dein Wort fest in den Himmeln« (Ps. 119,89). Aus

diesem Grund muss ich mich unter Seine Autorität

und unter Sein Wort beugen, mit allen falschen

Ausreden Schluss machen und Ihm sagen: »Rede,

denn Dein Knecht hört!« (1.Sam. 3,10). Die Bibel ist das

Wort Gottes und somit letzte Instanz in Sachen

Lehre, Lebenswandel und Lebensinhalt.

Unser Herr besaß diese Einstellung. Als Er vom

Satan versucht wurde, weigerte Er sich, mit ihm zu

diskutieren oder ihn mit der Stärke Seiner überlegenen

Weisheit zu überwältigen. Er lehnte es ab,

ihn mit Seiner allmächtigen Kraft zu vernichten.

Mit einem »Es steht geschrieben!« wehrte Er jeden

Angriff ab. Als Er zu Beginn Seines öffentlichen

Wirkens in Seine Heimatstadt Nazareth ging, wo

Er 30 Jahre lang gelebt hatte, wirkte Er keine großen

Wunder, sondern ging in die Synagoge und las

aus dem Propheten Jesaja vor; anschließend sagte

Er: »Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt« (Lk.

4,21). In Seiner Predigt über den reichen Mann und

den armen Lazarus bestand Er darauf: »Wenn sie auf

voiceofhope.de | 39


Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich

auch nicht überzeugen lassen, wenn einer aus den Toten

auferstände« (Lk. 16,31). Das beweist, dass die Autorität

des geschriebenen Wortes größere Bedeutung

hat und von höherem Wert ist als die Wirkung von

Wundern. Als Er vor den Juden Seine Gottessohnschaft

verteidigte, bezog Er sich auf das Zeugnis

Johannes des Täufers, Seine eigenen Werke und

das Zeugnis des Vaters bei Seiner Taufe. Im Anschluss

gelangte Er zum Höhepunkt Seiner gesamten

Aussage: »Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint,

in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von

Mir Zeugnis geben« (Joh. 5,39; s. auch V. 32.36-38).

Welche Ansicht vertraten die Apostel bezüglich

der Heiligen Schrift? Das wollen wir kurz untersuchen.

Als Petrus seinen Landsleuten zeigen

wollte, warum die Gläubigen plötzlich in anderen

Sprachen redeten, zitierte er den Propheten Joel

(Apg. 2,16 ff). Als er ihnen erklären wollte, dass

Jesus ihr Messias und von den Toten auferstanden

sei, bezog er sich wiederum auf das Alte Testament

(Apg. 2,22 ff). Als sich Stephanus vor dem

Sanhedrin 1 verteidigte, tat er nichts weiter, als

die Geschichten von Mose und den Propheten zu

erzählen. Als Paulus und Barnabas auf ihre erste

Missionsreise gingen, »verkündigten sie das Wort

Gottes in den Synagogen der Juden« (Apg. 13, 5). In seinen

Briefen unterbricht sich der Apostel oft und

fragt: »Was sagt die Schrift?« (Röm. 4,3 ff). Denn wenn

sich die Bibel zu einer Sache klar äußert, ist alle

Diskussion beendet. Gegen ihr Zeugnis kann es

keinen Einspruch geben.

3. WENN DIE BIBEL DAS WORT

GOTTES IST, DANN IST SIE DER LETZTGÜLTIGE

MAẞSTAB FÜR UNSER VERHALTEN

Wie kann ein Mensch vor Gott gerecht sein? Wie

kann ein Mensch ein heiliges Leben führen? Was

muss ich tun, um gerettet zu werden? Wo findet

man echten Frieden und Erfüllung? Solche Fragen

muss sich jeder aufrichtige und um sein Seelenheil

besorgte Mensch stellen. Die Antwort ist

einfach: Suche in der Heiligen Schrift; suche und

finde! Wie nutze ich meine Zeit und meine Talente?

Wie soll ich herausfinden, was meinem Schöpfer

wohlgefällig ist? Wie soll ich wissen, was meine

Aufgaben sind? Und wieder lautet die Antwort:

Lies das Wort Gottes!

Niemand, der eine Bibel besitzt, kann über Gottes

Willen im Unklaren sein. Die Heilige Schrift

erlaubt uns keine Ausreden. Sie ist eine »Leuchte«

für unsere Füße (Ps. 119,105), die uns den Weg der

Gerechtigkeit klar zeigt. Den »Seefahrern« auf

dem Fluss der Zeit wurde also eine Karte mitgegeben,

und sie sind selbst schuld, wenn sie den Weg

in den himmlischen Hafen nicht finden. Am Tag

des Gerichts werden die Bücher geöffnet, und die

Menschen werden nach dem gerichtet, was darin

geschrieben steht.

In Seinem geschriebenen Wort hat Gott Seine

Absichten offenbart, Seinen Willen gezeigt und

Seine Forderungen mitgeteilt. Wehe allen Menschen,

die sich nicht die Zeit nehmen, diese Dinge

zu erforschen!

4. WENN DIE BIBEL DAS WORT GOTTES IST,

DANN IST SIE EINE FESTE GRUNDLAGE

FÜR UNSEREN GLAUBEN

Der Mensch sehnt sich nach Gewissheit. Wenn es

um ewige Belange geht, dann sind Spekulationen

und Hypothesen völlig fehl am Platz. Wenn ich

mich auf mein Sterbebett lege, brauche ich etwas

Konkreteres als nur ein »Vielleicht«, um sicher

entschlafen zu können. Gott sei Dank habe ich es!

1

Sanhedrin: der Hohe Rat der Juden, oberste religiöse und politische Instanz, das Gericht.

40 | Die Kraft des Evangeliums 4/2021


Wo? In der Bibel. »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt«

(Hi. 19,25). Ich weiß, dass ich »vom Tod zum Leben

hindurchgedrungen« bin (Joh. 5,24). Ich weiß, dass

ich Christus gleichgestaltet sein werde (1.Joh. 3,2)

und für alle Ewigkeit mit Ihm in der Herrlichkeit

wohnen werde. Wie kann man so etwas wissen?

Gottes Wort sagt es uns, und das genügt. Mehr

brauche ich nicht. Die Heilige Schrift ist in ihren

Äußerungen nicht vage, sondern klar und endgültig.

Ihre Verheißungen sind wahr; denn es sind

Verheißungen des Einen, der nicht lügen kann.

Ihr Zeugnis ist zuverlässig, denn es ist das unfehlbare

Wort des lebendigen Gottes. Ihre Lehren sind

glaubhaft, denn sie wurden vom Allmächtigen

eingegeben. Dadurch hat der Gläubige ein festes

Fundament, auf dem er stehen kann, einen unerschütterlichen

Felsen, auf den sich seine Hoffnung

gründet. Für den gegenwärtigen Frieden

und die unbekannte Zukunft hat er ein »So spricht

der Herr«, und das genügt.

5. WENN DIE BIBEL DAS WORT GOTTES IST,

DANN KANN SIE EINZIGARTIGE ANSPRÜCHE STELLEN

Ein einzigartiges Buch verdient einzigartige Beachtung.

Wir sollten wie Hiob in der Lage sein zu

sagen: »Die Worte Seines Mundes bewahrte ich mehr als

meine Grundsätze« (Hi. 23, 12). Wenn die Geschichte

uns etwas lehrt, dann die Tatsache, dass Nationen,

die Gottes Wort am meisten geehrt haben, auch

am meisten von Gott dafür gesegnet wurden. So

etwas trifft auch auf Familien und Einzelpersonen

zu. Die größten Intellektuellen haben ihre Inspiration

aus dem Buch der Bücher gezogen. Die bedeutendsten

Staatsmänner betonten die Wichtigkeit,

die Bibel zu studieren. Benjamin Franklin sagte:

»Junger Mann, ich rate dir, dass du dich mit der

Bibel vertraut machst und fest daran glaubst; denn

das muss dein oberstes Interesse sein.« Thomas

Jefferson brachte seine Meinung folgendermaßen

zum Ausdruck: »Ich habe gesagt – und werde es

immer wieder sagen –, dass das eifrige Lesen der

Heiligen Schrift aus Menschen bessere Bürger,

bessere Väter und bessere Ehemänner macht.«

Als Königin Victoria über das Geheimnis der

Größe Englands befragt wurde, nahm sie eine

Ausgabe der Bibel in die Hand, zeigte darauf und

sagte: »In diesem Buch steckt die Stärke Großbritanniens.«

Daniel Webster bekräftigt: »Wenn wir

uns an die Prinzipien halten, die in der Bibel gelehrt

werden, dann wird unser Land beständig gedeihen.

Doch wenn wir und unsere Nachkommen

ihre Anweisungen und ihre Autorität ignorieren,

dann kann niemand sagen, ob nicht plötzlich eine

Katastrophe uns überwältigen und unseren Glanz

unter tiefer Dunkelheit begraben kann. Die Heilige

Schrift eignet sich sowohl für Juristen als auch

für Theologen, und ich bemitleide Menschen, die

in ihr nicht eine Fülle an Erkenntnis und Verhaltensregeln

finden können.«

Als Sir Walter Scott im Sterben lag, wandte

er sich an seinen Diener und bat: »Lies mir etwas

aus dem Buch vor!« – »Welches Buch?«, entgegnete

der Diener. »Es gibt nur ein Buch – die Bibel!«,

antwortete der Sterbende. Die Bibel ist das Buch,

durch das man leben und sterben kann. Lesen Sie

es, um weise zu werden! Glauben Sie daran, um

gerettet zu werden! Leben Sie es aus, um heilig zu

werden! Jemand sagte: »Verstehen Sie es mit dem

Kopf, bewahren Sie es im Herzen, demonstrieren

Sie es in Ihrem Leben und verbreiten Sie es in der

Welt.«

»Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung,

zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz

zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet« (2.Tim. 3,16-17).

2

Daniel Webster (1782–1852): US-amerikanischer Politiker.

3

Sir Walter Scott, 1. Baronet von Abbotsford (1771–1832):

schottischer Dichter und Schriftsteller und einer der meistgelesenen Autoren seiner Zeit.

voiceofhope.de | 41


NEU

JESUS ALLEIN

John MacArthur

Was hat Jesus gemeint, als Er sagte: »Folge Mir nach!«?

In »Jesus allein« macht John MacArthur deutlich, dass das

von Jesus verkündete Evangelium ein Aufruf zur Selbstverleugnung,

zu radikalen Veränderungen und zum Dienst für Ihn ist. Schwierige

Forderungen? Menschlich gesehen unmöglich! Doch diese Lebensweise

ist erreichbar, wenn wir verstehen, dass echter Glaube ein Herz

hervorbringt, das sich völlig der Herrschaft Christi unterwirft.

»Jesus allein« beleuchtet das Evangelium, das Jesus Selbst gepredigt hat –

mit dem Ziel, ein gründliches und richtiges Verständnis des wahren Weges

zur Errettung zu erlangen. Er ist der Einzige, an den wir uns wenden

müssen, wenn wir Worte des ewigen Lebens erhalten wollen.


· IMPRESSUM ·

Herausgeber

MISSIONSWERK VOICE OF HOPE E. V.

Eckenhagener Str. 43

51580 Reichshof-Mittelagger

Tel.: +49 2265 99749-0

Fax: +49 2265 99749-29

E-Mail: info@voiceofhope.de

www.voiceofhope.de

CHRISTLICHER VERLAG VOICE OF HOPE

Tel.: +49 2265 99749-22

www.voh-shop.de

Über den Autor

John MacArthur ist seit 1969

leitender Pastor der Grace Community

Church in Sun Valley, Kalifornien. Sein

Dienst als Auslegungsprediger ist an

Reichweite und Einfluss unübertroffen: In

über 50 Dienstjahren auf derselben Kanzel

hat er Vers für Vers über das gesamte

Neue Testament (und viele Schlüsseltexte

des Alten Testaments) gepredigt.

Er ist Leiter der Master's University und

deren Predigerseminar und ist täglich in

der Radiosendung Grace to You

zu hören (übertragen von hunderten von

Radiosendern weltweit). Er ist Autor einer

Reihe von Büchern, darunter der MacArthur

Studienbibel, »Das kraftvolle Evangelium

(Band 1 & 2)«, »Wie man die Bibel studiert«

und »Gnade für dich«.

www.voh-shop.de

02265 9974922

15,90 € • Bestell-Nr.: 875.283

188 Seiten • Hardcover • Leineneinband

Goldprägung • 2-farbig

Bankverbindungen

DEUTSCHLAND:

Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt

Missionswerk Voice of Hope e. V.

IBAN: DE98 3845 0000 1000 1033 31

SWIFT-BIC: WELADED1GMB

Postbank Frankfurt am Main

Missionswerk Voice of Hope e. V.

IBAN: DE81 5001 0060 0092 2236 07

SWIFT-BIC: PBNKDEFF

SCHWEIZ:

PostFinance

Missionswerk Voice of Hope e. V.

DE-51580 Reichshof

IBAN: CH80 0900 0000 9152 1048 7

NIEDERLANDE:

Rabobank

Stichting Voice of Hope

IBAN: NL76 RABO 0323 1819 29

Hinweis

Zweckgebundene Spenden werden

grundsätzlich satzungsgemäß und für

den vom Spender bezeichneten Zweck

eingesetzt. Gehen für ein bestimmtes

Projekt mehr Spenden als erforderlich ein,

werden diese für einen ähnlichen satzungsgemäßen

Zweck verwendet.

Als gemeinnütziger Verein sind wir berechtigt,

Ihnen Spendenbescheinigungen auszustellen.

Diese können Sie dem Finanzamt

vorlegen, sodass Ihre Spende bei Ihrer

Steuererklärung Berücksichtigung findet.

© 2021 VOICE OF HOPE, Germany

Bildernachweis: Shutterstock, Alamy Stock,

Lightstock, Adobe Stock, Voice of Hope

Nachdruck oder Verwendung

der in diesem Heft veröffentlichten

Informationen sind nur mit ausdrücklicher

Genehmigung der Redaktion gestattet.


Missionswerk

Eckenhagener Str. 43

51580 Reichshof-Mittelagger

TEL.: +49 (0)2265 / 99 749-0

E-MAIL: info@voiceofhope.de

www.voiceofhope.de

Kinder Gottes, was euch auch mangeln

möge, ihr habt einen Gott, dessen ihr euch in

höchstem Maße rühmen dürft. Weil ihr Gott habt,

habt ihr mehr als alles; denn alle Dinge kommen von

Ihm. Und wenn alle Dinge plötzlich verschwänden,

könnte Er sie einfach wiederherstellen, wenn Er

will. Er spricht, und es geschieht; Er gebietet, und es

steht da. Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist,

dessen Hoffnung ruht auf dem HERRN, seinem Gott!

In dem Herrn haben wir Gerechtigkeit und Stärke.

Lasst die Zeiten kommen und gehen, sie können

unseren Gott nicht beeinflussen!

Charles Haddon Spurgeon

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!