Die Kraft des Evangeliums 4/2021
- Gottes Volk soll ein heiliges Volk sein! (Niko Derksen) - Der Glaube an die Verheißungen (Niko Derksen) - Mit Versuchungen fertigwerden (John MacArthur) - Charles Haddon Spurgeon – Eine Biografie (Teil 1) - Wie bekommt man ein reines Herz? (Charles H. Spurgeon) - Ein Mann des Gebets (Donald S. Whitney) - Mit der Bibel beten (Buchempfehlung von Yvonne Thomas) - Die Entstehung und Entwicklung der ERB Frankfurt: Ein Portrait - Die göttliche Inspiration der Bibel (Arthur W. Pink)
- Gottes Volk soll ein heiliges Volk sein! (Niko Derksen)
- Der Glaube an die Verheißungen (Niko Derksen)
- Mit Versuchungen fertigwerden (John MacArthur)
- Charles Haddon Spurgeon – Eine Biografie (Teil 1)
- Wie bekommt man ein reines Herz? (Charles H. Spurgeon)
- Ein Mann des Gebets (Donald S. Whitney)
- Mit der Bibel beten (Buchempfehlung von Yvonne Thomas)
- Die Entstehung und Entwicklung der ERB Frankfurt: Ein Portrait
- Die göttliche Inspiration der Bibel (Arthur W. Pink)
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DIE KRAFT DES<br />
EVANGELIUMS<br />
Eine Ausgabe <strong>des</strong> Missionswerks Voice of Hope • 4/<strong>2021</strong><br />
Predige das Wort, tritt<br />
dafür ein, es sei gelegen oder<br />
ungelegen. (2. Tim. 4,2)<br />
• Der Glaube an die Verheißungen<br />
• Mit Versuchungen fertigwerden<br />
• Biografie: Charles Haddon Spurgeon<br />
• Wie bekommt man ein reines Herz?<br />
• Georg Müller – Ein Mann <strong>des</strong> Gebets<br />
• Das Portrait einer Evangelisch-<br />
Reformierte Baptistengemeinde<br />
• <strong>Die</strong> göttliche Inspiration der Bibel
INHALT<br />
4<br />
11<br />
16<br />
24<br />
30<br />
34<br />
38<br />
Der Glaube an die Verheißungen<br />
Mit Versuchungen fertigwerden<br />
Charles Haddon Spurgeon<br />
Eine Biografie (Teil 1)<br />
Wie bekommt<br />
man ein reines Herz?<br />
Matthäus 5,8<br />
Ein Mann <strong>des</strong> Gebets<br />
Ein Auszug aus dem Buch »Mit der Bibel beten«<br />
<strong>Die</strong> Evangelisch-Reformierte<br />
Baptistengemeinde Frankfurt<br />
Ein Portrait<br />
<strong>Die</strong> göttliche<br />
Inspiration der Bibel<br />
Coverbild: C. H. Spurgeon bei einer Predigt im Metropolitan Tabernacle
Gottes Volk soll<br />
ein heiliges Volk sein!<br />
Das Jahr <strong>2021</strong> geht zu Ende. Es war ein<br />
sehr aufregen<strong>des</strong> Jahr. Wir alle erlebten<br />
viele Veränderungen in der Gesellschaft<br />
und Politik, aber auch in der Gemeinde Jesu.<br />
Unsere Welt steuert immer weiter dem Tag <strong>des</strong><br />
Herrn entgegen, der kommen wird wie ein <strong>Die</strong>b<br />
in der Nacht (1.Thess. 5,2). Als erlöste Kinder Gottes<br />
wissen wir, dass wir in einer gefallenen Welt<br />
leben. <strong>Die</strong> einzige Hoffnung für diese Welt ist das<br />
Evangelium der Gnade Gottes in Jesus Christus,<br />
welches allen Menschen Rettung bringt, die aufrichtig<br />
Buße tun und an den Sohn Gottes glauben.<br />
Wenn wir wissen, dass der Tag <strong>des</strong> Herrn kommen<br />
wird – wie sehr muss sich dann das auserwählte<br />
Volk Gottes durch heiligen Wandel und<br />
Gottesfurcht auszeichnen! Als der Apostel Petrus<br />
seinen zweiten Brief an die Gläubigen schrieb,<br />
wusste er, dass sie nach der Wiederkunft <strong>des</strong><br />
Herrn Ausschau hielten; <strong>des</strong>halb betonte er: »Darum,<br />
Geliebte, weil ihr dies erwartet, so seid eifrig darum<br />
bemüht, dass ihr als unbefleckt und tadellos vor Ihm erfunden<br />
werdet in Frieden!« (2.Pt. 3,14). Und der Apostel<br />
Paulus ermahnte in seinem Brief die Thessalonicher<br />
mit den Worten: »Denn das ist der Wille<br />
Gottes, eure Heiligung« (1.Thess. 4,3).<br />
In der ganzen Heiligen Schrift wird das Volk<br />
Gottes zu einem heiligen Wandel aufgerufen.<br />
Heiligung bezieht sich auf den Prozess, bei dem<br />
Gottes Volk Ihm in Seinem heiligen Wesen mehr<br />
und mehr gleichgestaltet wird. Thomas Watson<br />
erklärte: »Ein geheiligter Mensch trägt nicht nur<br />
Gottes Namen, sondern auch Sein Ebenbild.« Das<br />
ist es, was Gott von allen Christen erwartet.<br />
Wenn die Heiligung doch absolut grundlegend<br />
für das Glaubensleben ist, warum wird in den<br />
heutigen Gemeinden dann nicht mehr darüber<br />
gesprochen und gepredigt? Liegt das an den Predigern<br />
selbst, oder ist das der Geist unserer Zeit,<br />
in der man politisch korrekt sein muss, die Menschen<br />
nicht verletzen und nicht über Sünde sprechen<br />
darf? Wenn wir es versäumen, über die Notwendigkeit<br />
der Heiligung, der Gottesfurcht und<br />
<strong>des</strong> Kampfes gegen die Sünde zu predigen, dann<br />
werden die Christen der Welt ähnlicher – anstatt<br />
Christus.<br />
Sünde ist Gott ein Gräuel. Gottes »Augen sind so<br />
rein, dass sie das Böse nicht ansehen können« (Hab. 1,13).<br />
Sünde ist Seinem Wesen zutiefst zuwider. Sünde<br />
hat auch eine ungeheuerliche Auswirkung auf<br />
den Menschen. Sie befleckt die Seele, verfinstert<br />
den Verstand und macht die Christen geistlich<br />
blind, so dass sie kein geistliches Unterscheidungsvermögen<br />
mehr haben.<br />
Weil die Sünde uns so leicht umstrickt, lasst<br />
uns wahrer Heiligung nachjagen. Denn Heiligung<br />
war schon immer der Hauptschwerpunkt<br />
in jeder bibeltreuen Gemeinde. Wenn wir ein<br />
Volk Gottes sein wollen, das unseren heiligen<br />
Gott repräsentiert, dann müssen wir uns gegen<br />
die Weltförmigkeit stellen, Oberflächlichkeit verurteilen,<br />
die Sünde tadeln, den Wert gesunder<br />
Lehre verstehen, jede falsche Lehre widerlegen<br />
und – gerade in dieser Zeit – unsere Gottesdienste<br />
nicht vernachlässigen, keinen Gläubigen aus der<br />
Gemeinschaft ausschließen und nichts anderes<br />
als die Heilige Schrift – auch nicht die Obrigkeit –<br />
bestimmen lassen, wie wir unseren heiligen und<br />
gerechten Herrn anbeten.<br />
Liebe Geschwister, wenn wir durch den Glauben<br />
an Christus errettet sind, so lasst uns auch als<br />
ein heiliges Volk zur Ehre unseres Herrn leben!<br />
Wir sind mit Christus verbunden und geistlich<br />
mit Ihm vereint. Der Heilige Geist wohnt in uns,<br />
und <strong>des</strong>halb befähigt Er uns, schenkt uns wirkliche<br />
Freiheit von der Knechtschaft der Sünde und<br />
verwandelt uns in das Bild Jesu Christi. »Ihm sei<br />
die Ehre, sowohl jetzt als auch bis zum Tag der Ewigkeit!<br />
Amen.«<br />
Im Herrn verbunden,<br />
Niko Derksen<br />
voiceofhope.de | 3
Der Glaube an<br />
die Verheißungen<br />
Niko Derksen<br />
4 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
»In der Welt habt ihr Bedrängnis.« So schloss unser Herr Jesus Seine letzte Gemeinschaft<br />
mit den Jüngern ab, bevor Er sich auf den Weg in den Garten Gethsemane<br />
und zu Seiner Gefangennahme machte (Joh. 16,33). Petrus, der diese Worte<br />
hörte und deren Wahrheit erlebte, sagte in seinem ersten Brief: »Geliebte, lasst<br />
euch durch die unter euch entstandene Feuerprobe nicht befremden, als widerführe euch<br />
etwas Fremdartiges« (1.Pt. 4,12). Das ist etwas, was wahre Christen sehr schnell<br />
erkennen: dass es viel Leid und Kummer in der Welt gibt. Und jeder von uns<br />
wird das erleben, früher oder später – wenn wir nur lange genug leben.<br />
Es ist wichtig für uns, wenn wir über den Glauben sprechen, wie es z. B. das<br />
elfte Kapitel <strong>des</strong> Hebräerbriefes tut, uns <strong>des</strong>sen gewiss zu sein, dass Schwierigkeiten<br />
kommen. Der Glaube wächst nicht nur auf dem Boden <strong>des</strong> Segens, nicht<br />
nur, wenn die Sonne scheint. Wahrer Glaube entspricht nicht einem Glauben<br />
an andere Menschen, der so leicht verdorrt, wenn sie uns enttäuschen. Was<br />
den gottgegebenen Glauben so anders macht, ist, dass sein Gegenstand wirklich<br />
und immer unseres Vertrauens würdig ist. Unser Glaube ist ein Glaube an<br />
Gott; selbst in Sorgen und Prüfungen dürfen wir im Glauben sagen: »Der HERR<br />
ist meine Stärke und mein Lied, und Er wurde mir zum Heil« (Ps. 118,14).<br />
WOZU GIBT GOTT<br />
UNS VERHEIẞUNGEN?<br />
Gott tritt mit Seinen Kindern in dieser Welt hauptsächlich durch Verheißungen<br />
in Beziehung. Im Alten Testament durften die Israeliten durch den Glauben<br />
ein Volk sein, das über den Horizont hinausblickte und auf die Verheißung<br />
wartete, die erst noch offenbar und erfüllt werden sollte. <strong>Die</strong>ses große Offenbarwerden<br />
ist in der Person Jesu Christi eingetroffen. Und doch warten wir<br />
noch auf ein großes Ereignis, das erst noch kommen wird – das zweite Kommen<br />
unseres Herrn. Ein wahrer Gläubiger ist einer, der nach dem Ausschau<br />
hält, was noch kommen soll, wovon die Verheißungen sprechen, die noch erfüllt<br />
werden müssen. In 2. Petrus 1,4 heißt es: »Er [hat] uns die überaus großen und<br />
kostbaren Verheißungen gegeben.«<br />
Einer der größten Glaubensvorbilder in der Heiligen Schrift ist Abraham. Seine<br />
Erfahrung legt min<strong>des</strong>tens zwei Gründe dar, warum Gott mit uns aufgrund<br />
von Verheißungen handelt. Der erste Grund ist, dass Er dadurch unsere Augen<br />
über den Bereich unserer Umstände erhebt, so wie Er Abrahams bzw. (damals<br />
noch) Abrams Blick hoch zum Himmel emporhob. Durch unser ganzes Leben<br />
hindurch heben Gottes Verheißungen unsere Bestrebungen höher. Auf uns allein<br />
gestellt würden wir uns mit einigen glücklichen Beziehungen zufriedengeben;<br />
Gott aber möchte, dass wir tiefe und echte Gemeinschaft mit Seinem<br />
Sohn Jesus Christus haben. Wir streben oft nach irdischem Gelingen; Er aber<br />
möchte, dass wir himmlische Herrlichkeit erlangen. Wir würden uns mit Gesundheit<br />
und einem sorgenfreien Leben zufriedengeben; Er aber hat ewiges<br />
Leben für uns bereitgestellt.<br />
Das war auch bei Abram der Fall. Er wollte einen Sohn; aber Gott beabsichtigte,<br />
dass er der Vater aller Erlösten werden sollte. Gott hatte Abram bereits<br />
gesagt, dass Er durch ihn alle Völker segnen werde (1.Mo. 12,3). Aber Abrams<br />
Verlangen war, wie das unsere im Allgemeinen, von seinen persönlichen Erfahrungen<br />
geprägt – von seinen »gefühlten Bedürfnissen«, wie man es heute<br />
voiceofhope.de | 5
nennt. Er wollte einfach kein Außenseiter sein. Er<br />
wollte die menschliche Freude kennenlernen, in<br />
die Augen eines Sohnes zu schauen. Er wollte Respekt<br />
von Seiten der Mitmenschen; er wollte dazugehören;<br />
er wollte sich gut fühlen. Das sind Dinge,<br />
die wir auch wollen, nicht wahr?<br />
Es sind durchaus gute Dinge, aber sie bleiben<br />
weit hinter dem zurück, was Gott für uns vorgesehen<br />
hat. Paulus erinnert uns daran: »Was kein Auge<br />
gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins<br />
Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die Ihn<br />
lieben« (1.Kor. 2,9). Um uns davon abzuhalten, uns<br />
mit geringeren Dingen zu begnügen, lässt Gott<br />
uns in Umständen <strong>des</strong> Mangels zurück und gibt<br />
uns gleichzeitig Verheißungen von großem Segen,<br />
weit über unsere Vorstellungskraft hinaus.<br />
Der zweite Grund, warum Gott mit uns aufgrund<br />
von Verheißungen handelt, hängt mit dem<br />
ersten zusammen und zeigt sich auch an Abrams<br />
Beispiel. Gott leitet uns; Er weist uns den Weg in<br />
eine bestimmte Richtung. Wenn man uns vor die<br />
Wahl stellt, wollen wir uns alle in diesem Leben,<br />
in dieser Welt, in dieser irdischen Existenz niederlassen.<br />
Wir können sicher sein, dass Abram<br />
nur allzu glücklich gewesen wäre, in einem stabilen<br />
Haus neben einem guten, sauberen Brunnen<br />
eine Reihe von Söhnen aufziehen zu können. Aber<br />
diese Welt ist nicht unser Zuhause; sie ist nicht der<br />
Ort, an dem Gott uns für immer ansiedeln möchte.<br />
Wieder sagt uns Paulus: »Denn die [gegenwärtige]<br />
Gestalt dieser Welt vergeht« (1.Kor. 7,31). Wir sind nicht<br />
für diesen Ort bestimmt. Unsere Seelen wurden<br />
nicht nur für dieses Leben geschaffen; <strong>des</strong>halb benutzt<br />
Gott die Kombination von Not und Verheißungen,<br />
um uns aufzurichten und auf den rechten<br />
Weg zu führen.<br />
Wenn wir erkennen, dass Gott uns durch Verheißungen<br />
leitet, und wenn wir anfangen, nach<br />
ihrer Erfüllung zu suchen, beginnen wir bald, uns<br />
wie Abram unter dem Sternenhimmel zu fühlen.<br />
<strong>Die</strong> Verheißungen Gottes sind über alle Maßen<br />
groß.<br />
WAHRER GLAUBE<br />
KANN WARTEN<br />
Abram nahm die große Verheißung Gottes im<br />
Glauben an; aber die kommenden Jahre erwiesen<br />
sich dennoch als eine sehr schwere Prüfung. Seine<br />
Frau scheint besonders unter ihrer Unfähigkeit,<br />
Kinder zu bekommen, gelitten zu haben. In 1.<br />
Mose 16 sehen wir, wie sie darauf reagierte: »Und<br />
Sarai, Abrams Frau, gebar ihm keine Kinder; aber sie hatte<br />
eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. Und Sarai sprach<br />
zu Abram: Sieh doch, der HERR hat mich verschlossen,<br />
dass ich keine Kinder gebären kann. Geh doch ein zu meiner<br />
Magd; vielleicht werde ich durch sie Nachkommen<br />
empfangen! Und Abram hörte auf die Stimme Sarais« (V.<br />
1-2).<br />
Schließlich wurde Hagar schwanger und gebar<br />
ihm einen Sohn namens Ismael. Das mag ihm wie<br />
eine Gebetserhörung vorgekommen sein – ein Segen<br />
Gottes! –; aber diese Täuschung wurde ihm<br />
bald zerschlagen. Das erste Ergebnis dieser seiner<br />
Handlung war ein Aufruhr in Abrams Haus,<br />
als Hagar und Sarai einen erbitterten Streit um<br />
den Vorrang und die Autorität führten. <strong>Die</strong>s geschah,<br />
als Abram sechsundachtzig Jahre alt war,<br />
also zehn Jahre nach seiner Ankunft im Land.<br />
Das zweite Problem tauchte dreizehn Jahre später<br />
auf, als Abram neunundneunzig Jahre alt war.<br />
Gott kam, um Seine ursprüngliche Verheißung zu<br />
bekräftigen und Abram mitzuteilen, dass Ismael<br />
nicht der Sohn der Verheißung sei.<br />
Das Problem mit dem Vorschlag Sarais und<br />
dem darauffolgenden Handeln Abrams war, dass<br />
sie versuchten, Gottes Verheißung durch menschliche<br />
<strong>Kraft</strong> in Erfüllung zu bringen. Abram war<br />
über die vielen Jahre hinweg im Glauben müde<br />
geworden, und die Entmutigung seiner Frau zermürbte<br />
seine Entschlossenheit zum Glauben.<br />
Schließlich gab er die Vorstellung auf, dass seine<br />
Frau ein Kind bekommen könnte – so etwas ist<br />
einfach menschlich gesehen unmöglich –, und er<br />
beschloss, den Dingen nachzuhelfen.<br />
Das ist die Art von Handlungen, die wir zu tun<br />
bereit sind. Wir haben eine große Sehnsucht und<br />
vertrauen darauf, dass Gott uns nach Seiner Weisheit<br />
segnen wird. Aber um dem Segen nachzuhelfen,<br />
nehmen wir die Dinge oft selbst in die Hand,<br />
handeln nach unserer eigenen Weisheit und greifen<br />
sogar zu sündigen Mitteln, um die gewünschten<br />
Ziele zu erreichen. Wir sind es leid, z. B. auf<br />
den von Gott bestimmten Ehepartner zu warten,<br />
und lassen uns auf falsche Wege ein. In dem Bestreben,<br />
gewisse Vorteile zu erreichen, die wir uns<br />
so sehr wünschen, sagen wir nicht die Wahrheit<br />
oder nutzen andere Menschen aus. Wir rechtfer-<br />
6 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
tigen all das, indem wir sagen, es sei der Glaube,<br />
dass wir so wie Abram und Sarai eigenmächtig<br />
handeln, während es in Wirklichkeit der Unglaube<br />
ist, der uns die Hände <strong>des</strong> Glaubens gebunden<br />
hält. Indem wir an Gottes Macht bezüglich <strong>des</strong><br />
scheinbar Unmöglichen zweifeln, manipulieren<br />
wir das Handeln Gottes mit dem, was uns möglich<br />
erscheint, also mit unseren eigenen Mitteln.<br />
<strong>Die</strong>s geschieht auch oft in den Gemeinden. Voller<br />
Eifer, Gottes Werk zu verrichten, ohne die Bereitschaft,<br />
auf Seinen Zeitplan zu warten, gehen<br />
viele Gemeinden auf menschliche Art und Weise<br />
vor. Sie verwenden psychologische Manipulation,<br />
um den Anschein von Bekehrungen zu erwecken,<br />
während in Wirklichkeit nur Gott eine Seele bekehren<br />
kann. In dem Bestreben, die Gemeinde zu<br />
füllen – und das ist doch sicher etwas, was Gott<br />
will! –, greifen viele zu billigem Marketing und<br />
anderen offenkundig unbiblischen Methoden.<br />
Obwohl Gott sagt, dass Sein Wort für alle unsere<br />
Bedürfnisse ausreicht, verwerfen es viele Gemeinden<br />
allzu leicht, indem sie »die Hagar« – eine<br />
scheinbar fruchtbarere Frau – einsetzen. Wann<br />
immer Gemeinden dies tun, zeugen sie (wie Abram)<br />
uneheliche Kinder, denen (wie Ismael) der<br />
Segen Gottes versagt bleibt.<br />
In 1. Mose 17 wird uns von Gottes Erscheinen bei<br />
Abram erzählt, als Ismael dreizehn Jahre alt war.<br />
Gott forderte ihn heraus, auch wenn Er die Verheißung<br />
erneuerte. Er sagte: »Ich bin Gott, der Allmächtige.<br />
Wandle vor Mir und sei untadelig! Und Ich will<br />
Meinen Bund schließen zwischen Mir und dir und will<br />
dich über alle Maßen mehren!« (V. 1-2).<br />
Gott konfrontierte Abram wegen seines Unglaubens<br />
und seiner Sünde. »Ich bin Gott, der Allmächtige«,<br />
sagte Er und erklärte eindringlich, dass<br />
Er es wert sei, dass man Ihm absolut vertraue,<br />
und dass Er allmächtig sei und alles vollbringen<br />
könne, was Er versprochen habe. »Wandle vor Mir<br />
und sei untadelig!«, befahl Er dann und stellte Seine<br />
Forderung nach Gehorsam in den Vordergrund.<br />
Gott tadelte Abrams Unglauben, ermutigte ihn<br />
gleichzeitig zu neuem Glauben und fügte hinzu:<br />
»Ich will Meinen Bund schließen [oder ›bestätigen‹] ...<br />
und dich über alle Maßen mehren!«<br />
Abram war neunundneunzig Jahre alt, aber sein<br />
Handeln mit Hagar zeigte, dass er Kinder zeugen<br />
konnte. Es musste für Abram eine große Ermutigung<br />
gewesen sein, als Gott verkündete, dass Sein<br />
Name fortan Abraham sein werde – nicht nur<br />
Abram, was bedeutet: »erhabener oder hoher Vater«,<br />
sondern Abraham, »Vater einer Menge«. In<br />
1. Mose 17,5 lesen wir: »Denn Ich habe dich zum<br />
Vater vieler Völker gemacht.« Sicherlich beabsichtigte<br />
Gott, Abrahams Glauben durch diese Namensänderung<br />
und deren Bedeutung zu stärken.<br />
Abraham war in seinem Glauben gestrauchelt;<br />
aber Gott stellte ihn mit einem noch größeren<br />
Zeichen <strong>des</strong> Segens und einem Aufruf zu neuem<br />
Vertrauen wieder auf die richtige Bahn.<br />
Stellt euch den alten Abram vor, wie er von dieser<br />
Begegnung nach Hause kommt, sein einziges<br />
Kind neben sich stellt und verkündet, dass er einen<br />
neuen Namen habe. <strong>Die</strong> Leute hätten wohl geflüstert:<br />
»Er konnte es schlussendlich nicht mehr ertragen,<br />
nur einen einzigen Sohn zu haben.« Er wird<br />
jetzt Abraham heißen, »Vater der Menge«. Wie erstaunt<br />
müssen sie gewesen sein, als der Mann <strong>des</strong><br />
Glaubens verkündete: »Mein Name ist nicht mehr<br />
Abram, ›erhabener Vater‹, sondern Abraham,<br />
›Vater der Menge‹« Das war die Art von absoluter<br />
Überzeugung und Verpflichtung, die Gott Abraham<br />
abverlangte und auch uns abverlangt.<br />
<strong>Die</strong> Pointe ist, dass der Glaube auf den Herrn<br />
warten muss. Abram war fünfundsiebzig Jahre<br />
alt, als er nach Kanaan aufbrach; er war sechsundachtzig,<br />
als sein Glaube schwankte und er ein Kind<br />
mit Hagar zeugte, und neunundneunzig, als Gott<br />
ihn mit einer neuen Verheißung und einem neuen<br />
Namen wieder auf die Füße stellte. Der Glaube<br />
empfängt Gottes Verheißung, und der Glaube<br />
wartet auf Ihn, oft über sehr lange Zeit.<br />
<strong>Die</strong> Psalmen betonen dieses Thema ständig. Psalm<br />
27 endet so: »Harre auf den HERRN! Sei stark, und dein<br />
Herz fasse Mut, und harre auf den HERRN!« (V. 14). In<br />
Psalm 37 heißt es: »Halte still dem HERRN und warte<br />
auf Ihn! ... Harre auf den HERRN und bewahre Seinen<br />
Weg« (V. 7 und 34). Psalm 130 drückt es in Worten<br />
aus, die unserem Herzen vielleicht am nächsten<br />
kommen: »Ich harre auf den HERRN, meine Seele harrt,<br />
und ich hoffe auf Sein Wort. Meine Seele harrt auf den<br />
Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen, mehr als die<br />
Wächter auf den Morgen« (V. 5-6).<br />
Spurgeon kommentiert: »<strong>Die</strong>s ist ein höchst göttliches<br />
Gebot, und es erfordert viel Gnade, es ausvoiceofhope.de<br />
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zuführen. Den Geist zu beruhigen, still zu sein vor<br />
dem Herrn, in heiliger Geduld die Zeit abzuwarten,<br />
in der die Schwierigkeiten der Vorsehung geklärt<br />
werden – das ist es, was je<strong>des</strong> gläubige Herz<br />
anstreben sollte.« Auf den Herrn zu warten ist<br />
schwierig, aber es ist das Anzeichen eines weisen<br />
und gläubigen Herzens, das einem allmächtigen<br />
und gnädigen Gott vertraut. Spurgeon schließt<br />
mit den Worten: »Zeit ist nichts für Ihn, lass sie<br />
auch nichts für dich sein. Gott ist es wert, auf Ihn<br />
zu warten ... Warte im Gehorsam als <strong>Die</strong>ner, in<br />
der Hoffnung als Erbe, in der Erwartung als Gläubiger.«<br />
Auf den Herrn zu warten bedeutet, sich auf<br />
Ihn zu verlassen; es bedeutet, Seine Eigenschaften<br />
zu studieren und Ihm zu vertrauen. Es bedeutet<br />
zum Beispiel, zu wissen, dass Er treu ist – oft<br />
auf eine Art und Weise, die wir nie in Betracht<br />
gezogen hätten. Es bedeutet, sich Seiner Macht,<br />
Seiner Güte und Seiner Weisheit anzuvertrauen,<br />
da all diese sich vereinen, um die Angelegenheiten<br />
unseres Lebens zu leiten, nicht nach unserem,<br />
sondern nach Seinem Plan. Das sind die Dinge,<br />
von denen die Psalmen sprechen, wenn sie uns ermahnen,<br />
auf den Herrn zu warten. Psalm 27 zum<br />
Beispiel beginnt mit Worten <strong>des</strong> Trostes, die darauf<br />
basieren, wer und was Gott für die Gläubigen<br />
ist: »Der HERR ist mein Licht und mein Heil, vor wem<br />
sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens<br />
<strong>Kraft</strong>, vor wem sollte mir grauen?« (V. 1).<br />
ABRAHAMS GLAUBE<br />
Trotz <strong>des</strong> Strauchelns in Unglauben und Sünde ist<br />
Abraham ein großes Vorbild für das Warten auf<br />
den Herrn im Glauben. Hebräer 11,11 verbindet<br />
Abrahams Glauben zu Recht mit dem von Sarah<br />
und sagt: »Durch Glauben erhielt auch Sarah selbst die<br />
<strong>Kraft</strong>, schwanger zu werden, und sie gebar, obwohl sie<br />
über das geeignete Alter hinaus war, weil sie Den für treu<br />
achtete, der es verheißen hatte.«<br />
Wir stellen die Frage: »Wie kam es, dass Abraham<br />
noch in einem Alter, in dem man eigentlich<br />
nicht mehr Vater werden kann, die <strong>Kraft</strong> erhielt,<br />
mit seiner Frau Sarah, die selbst unfruchtbar war,<br />
ein Kind zu zeugen? <strong>Die</strong> Antwort ist: Das bewirkte<br />
der Glaube. Abraham war überzeugt, dass Der,<br />
der ihm »einen Sohn« versprochen hatte, vertrauenswürdig<br />
ist.<br />
Römer 4,20-21 gibt eine weitere klassische Beschreibung<br />
von Abrahams ausharrendem Glauben.<br />
Über Abraham schreibt Paulus: »Er zweifelte<br />
nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern<br />
wurde stark durch den Glauben, indem er Gott die<br />
Ehre gab und völlig überzeugt war, dass Er das, was Er<br />
verheißen hat, auch zu tun vermag.«<br />
Der Segen, den Gott Abraham verheißen hatte,<br />
konnte nur zustande kommen, wenn eine unfruchtbare<br />
und alte Frau schwanger werden und<br />
gebären würde. Wenn es um Christus geht, stellen<br />
wir fest, dass es nur dann eine Erlösung von<br />
unseren Sünden geben konnte, wenn mit einem<br />
jungfräulichen Mädchen das Gleiche geschehen<br />
würde.<br />
Dass Sarah schwanger wurde und gebar, und<br />
dass es sich mit Maria ebenso verhielt, sagt uns,<br />
dass die Rettung, auf die wir vertrauen, von Anfang<br />
bis zum Ende von Gott kommt, zur Ehre Seines<br />
Namens allein. Darum wollen wir uns diesem<br />
Gott anvertrauen, der den Toten das Leben gibt<br />
und aus dem unfruchtbaren Schoß Segen hervorbringt,<br />
ja sogar das Heil durch den jungfräulichen<br />
Leib, der unseren Herrn Jesus Christus geboren<br />
hat.<br />
Das ruft uns dazu auf, uns mit unserer ganzen<br />
Not und mit all unseren Sehnsüchten an Gott zu<br />
wenden, auf Seine Macht zu vertrauen und auf<br />
all die kostbaren Verheißungen zu warten, die wir<br />
in der Heiligen Schrift vorfinden. Jeremiah Burroughs<br />
ermahnt uns: »Je<strong>des</strong> Mal, wenn ein gottesfürchtiger<br />
Mensch die Heilige Schrift liest ...<br />
und dort auf eine Verheißung stößt, sollte er seine<br />
Hand darauf legen und sagen: Das ist ein Teil meines<br />
Erbes; es ist mein, und ich soll davon leben.«<br />
Dann lasst uns auch erkennen, dass unser<br />
größtes Erbe Gott Selbst ist; Seine größte Verheißung<br />
ist: »Ich will … euer Gott sein, und ihr sollt Mein<br />
Volk sein« (3.Mo. 26,12). Es ist Gott Selbst, den wir<br />
als Erbe empfangen, wenn wir Seinen Verheißungen<br />
vertrauen. Und es sind unsere Herzen, die<br />
Er durch dieses lange und manchmal schwierige<br />
Leben <strong>des</strong> Glaubens sucht, wenn Er uns aufruft,<br />
auf Ihn zu warten. Durch den Glauben Abrahams<br />
können auch wir die Worte <strong>des</strong> Segens empfangen:<br />
»Fürchte dich nicht ... Ich bin dein Schild und dein<br />
sehr großer Lohn!« (1.Mo. 15,1).<br />
8 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
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Gemeinde Jesu durch die biblische Lehre auferbaut und zum <strong>Die</strong>nst zugerüstet und Gott<br />
dadurch verherrlicht wird. Also, herzlich willkommen auf unserer neuen, mobilfreundlichen<br />
Website unter www.voh-missionswerk.de.
»Meine Brüder,<br />
achtet es für lauter Freude,<br />
wenn ihr in mancherlei<br />
Anfechtungen geratet, da ihr<br />
ja wisst, dass die Bewährung<br />
eures Glaubens standhaftes<br />
Ausharren bewirkt. Das<br />
standhafte Ausharren aber soll<br />
ein vollkommenes Werk haben,<br />
damit ihr vollkommen und<br />
vollständig seid und es euch<br />
an nichts mangelt.«<br />
Jakobus 1,2-4
Mit Versuchungen<br />
fertigwerden<br />
John MacArthur<br />
Als Christen erkennen wir deutlich, dass<br />
wir in einer Zivilisation leben, die von<br />
Gott dahingegeben wurde, um in ihren<br />
eigenen bösen Lüsten dahinzuvegetieren. Der<br />
Mensch liebt seine Sünde. Er setzt alles daran, um<br />
sie zu praktizieren und zu verteidigen.<br />
Unser Leben als Christen darf jedoch nicht die<br />
Werte unserer Gesellschaft widerspiegeln. Wir<br />
dürfen nicht versuchen, Sünde zu entschuldigen<br />
oder gar zu dulden. <strong>Die</strong> Sünde war es, die unseren<br />
geliebten Retter ans Kreuz brachte, um dort zu<br />
bluten und zu sterben. <strong>Die</strong> Sünde war es, die uns<br />
in Feindschaft gegen Gott brachte. Jetzt, wo diese<br />
Feindschaft aufgehoben worden ist, wollen wir<br />
nichts mehr mit dem alten Leben zu tun haben.<br />
Jetzt, da wir von der Sünde frei geworden sind,<br />
wollen wir nicht wieder zurück in die Knechtschaft.<br />
Und das brauchen wir auch nicht! Solches<br />
dennoch zu wählen, würde bedeuten, unsern<br />
Herrn zu verleugnen.<br />
KÖNNEN WIR WIRKLICH<br />
MIT DER VERSUCHUNG<br />
FERTIG WERDEN?<br />
Dennoch werden selbst wir, die wir Christen sind,<br />
dauernd von der Versuchung zur Sünde bestürmt.<br />
Manchmal scheint es so, als ob sie uns auch wirklich<br />
überwältigen würde. Wir fragen uns dann<br />
vielleicht: Ist es wirklich möglich, so über die<br />
Versuchung Herr zu werden, dass man dies auch<br />
tatsächlich ein Beherrschen der Versuchung nennen<br />
kann? Wie können wir einen solchen Sieg erreichen?<br />
Es sind drei Mächte, die gegen uns stehen:<br />
Satan, die Welt und unser Fleisch – besteht<br />
denn überhaupt irgendeine Hoffnung für uns,<br />
dabei die Anziehungskraft der Sünde zu überwinden?<br />
Unsere Feinde sind ja doch so heimtückisch,<br />
und ihre Strategie ist so raffiniert; wie<br />
können wir da gegen sie ankommen? Sehen wir<br />
uns nicht manchmal Versuchungen gegenüber,<br />
die so stark sind, dass für uns offen gestanden<br />
keine Hoffnung besteht, ihnen zu widerstehen?<br />
Ist Satan nicht so verschlagen, dass wir viele seiner<br />
Intrigen einfach nicht überwinden können?<br />
Und ist nicht selbst unser eigenes Herz so trügerisch<br />
und bösartig (Jer. 17,9), dass wir eigentlich<br />
ohne rechten Schutz vor der Sünde dastehen?<br />
Ist es <strong>des</strong>halb nicht wirklich eine große Torheit<br />
von uns, überhaupt vom Sieg über die Sünde zu<br />
träumen?<br />
Aus der Heiligen Schrift wissen wir, dass wir in<br />
einem geistlichen Kampf mit Dämonen stehen,<br />
die wir nicht sehen können (Eph. 6,12). Wenn alle<br />
Mächte der Hölle gegen uns aufstehen, können<br />
wir es dann überhaupt mit ihnen aufnehmen?<br />
Oder sind wir nur die Opfer von uns überwältigenden<br />
Versuchungen, gegen die wir nicht an-<br />
Ein Auszug aus »Das verlorene Gewissen« von John MacArthur<br />
voiceofhope.de | 11
kommen können, da wir dazu nicht die nötigen<br />
Hilfsmittel besitzen?<br />
<strong>Die</strong> Heilige Schrift gibt hierzu eine klare Antwort<br />
– eine Antwort, die all diese Fragen in einem<br />
einzigen Vers beantwortet: »Es hat euch bisher nur<br />
menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu; Er<br />
wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht<br />
werdet, sondern Er wird zugleich mit der Versuchung<br />
auch den Ausgang schaffen, sodass ihr sie ertragen<br />
könnt« (1.Kor. 10,13).<br />
<strong>Die</strong>ser Vers ist ganz gewiss eine der herrlichsten<br />
und trostreichsten Verheißungen in der ganzen<br />
Heiligen Schrift. Keine Versuchung kann so<br />
überwältigend sein, dass wir im Widerstand ihr<br />
gegenüber ohne göttliche Hilfe wären. Satan hat<br />
keine so große Macht, Dämonen keine derartige<br />
Wirkungskraft, ihre böse Verschwörung ist nicht<br />
derart klug ersonnen, dass wir ohne Hilfe von Seiten<br />
Gottes der Versuchung preisgegeben wären;<br />
und das, obwohl unser Fleisch schwach und unser<br />
menschliches Herz arglistig ist.<br />
Der obige Vers enthält Prinzipien, die uns zu<br />
verstehen helfen, wie wir über bestimmte Versuchungen<br />
Sieg haben können. <strong>Die</strong>ses Verständnis<br />
erhalten wir nur durch einen besseren Einblick in<br />
die Mittel und Wege der Versuchungen und durch<br />
das Verstehen ihres Wesens und Ausmaßes.<br />
DIE MITTEL<br />
DER VERSUCHUNG<br />
Zuerst sehen wir uns die Mittel und Wege der Versuchung<br />
an. Versuchung will uns ergreifen und<br />
uns gerade dann überfallen und nach Möglichkeit<br />
auch beherrschen, wenn wir gar nicht darauf gefasst<br />
sind.<br />
Das griechische Wort für »Versuchung« ist<br />
peirasmos. Es kann mit »Prüfung« oder »Versuchung«<br />
übersetzt werden. Prüfungen und Versuchungen<br />
sind zwei Aspekte derselben Sache. Das<br />
Leben ist voller Prüfungen, und jede Prüfung ist<br />
eine potenzielle Versuchung. Ein Beispiel kann<br />
zeigen, wie das möglich ist: Ein Freund berichtete<br />
mir einmal von seiner neuen Arbeitsstelle bei<br />
einer bedeutenden Firma. Als er dort erst kurze<br />
Zeit angestellt war, sah er eines Abends, nachdem<br />
alle andern das Büro schon verlassen hatten, eine<br />
große Geldsumme auf seinem Schreibtisch liegen.<br />
Er nahm das Geld sofort an sich, steckte es<br />
in seine Aktentasche und sagte sich: Das muss ich<br />
zurückgeben. Er wickelte es ein, ging am nächsten<br />
Morgen in das Büro <strong>des</strong> Chefs, legte es auf <strong>des</strong>sen<br />
Schreibtisch und sagte: »Jemand hat dieses Geld<br />
auf meinem Schreibtisch hinterlassen, und ich<br />
weiß nicht, wer das war oder wem das Geld nun<br />
fehlt; aber ich wollte es sobald wie möglich zurückgeben,<br />
damit niemand über <strong>des</strong>sen Fehlen in<br />
Bedrängnis gerät.«<br />
Sein Chef schaute ihn geradeheraus an und<br />
sagte: »Ich habe das Geld dort hinterlassen. Es war<br />
ein Test. Sie haben ihn bestanden!«<br />
Das Leben legt uns ähnliche Prüfungen auf. Je<br />
nachdem, wie wir darauf reagieren, können sie zu<br />
Versuchungen werden.<br />
Wenn mein Freund das Geld mit nach Hause<br />
genommen, es gezählt, es begehrt und seine Möglichkeiten<br />
durchdacht hätte, dann hätte er sich<br />
vielleicht sagen können: »Hm, niemand wird es<br />
wissen.« In seinem Herzen wäre ein Kampf entstanden,<br />
ob er es zurückgeben oder für sich behalten<br />
sollte. Dann wäre der Test zu einer Versuchung<br />
geworden. Wenn das Herz dazu verlockt wird, Böses<br />
zu tun, dann ist es eine Versuchung.<br />
Das Leben ist voller Tests, die potenziell zur<br />
Versuchung werden können. Wenn Sie zum Beispiel<br />
soeben einen finanziellen Rückschlag erlitten<br />
haben und sich sagen: »Ich vertraue darauf, dass<br />
Gott meinen Bedürfnissen nachkommen wird; ich<br />
werde mich einschränken, sparsam leben, vorsichtig<br />
haushalten und meinen Verpflichtungen treu<br />
nachkommen; ich werde eben mit weniger leben<br />
und dem Herrn vertrauen, dass Er mich versorgen<br />
wird« – dann haben Sie die Prüfung bestanden.<br />
Wenn Sie aber sagen: »Ich kann einfach Geld aus<br />
der Kasse nehmen, und niemand wird es erfahren;<br />
ich kann durch Steuerbetrug Geld zurückerhalten,<br />
und ich kann Kosten sparen, wenn ich meine<br />
Schulden nicht bezahle« – dann ist die Prüfung für<br />
Sie zur Versuchung geworden, denn Ihr Herz hat<br />
sich zum Bösen verlocken lassen.<br />
Der Test kann aber auch darin bestehen, dass<br />
Sie eine persönliche Enttäuschung erleben. Vielleicht<br />
hatten Sie an jemanden irgendwelche Erwartungen<br />
gestellt, der Ihre Hoffnungen nicht<br />
erfüllte. Sie können dann entweder im Vertrauen<br />
auf Gott Ihre Umstände akzeptieren und diese<br />
Person trotz Ihrer Enttäuschung lieben, oder Sie<br />
beginnen, sich Gefühlen der Abneigung und der<br />
Bitterkeit im Herzen hinzugeben. In dem Mo-<br />
12 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
ment, wo solche bösen Gedanken Einlass in Ihr<br />
Herz fordern, wird Ihre Prüfung zur Versuchung.<br />
Sie könnten sich auch durch eine Krankheit,<br />
eine Verletzung oder eine unerwartete Katastrophe<br />
einer Prüfung gegenübergestellt sehen. Vielleicht<br />
stirbt jemand, den Sie lieben. Oder Ihre Pläne<br />
werden zerschlagen; oder Sie können etwas,<br />
wovon Sie schon seit langer Zeit geträumt haben,<br />
nicht zur Ausführung bringen. Vielleicht sehen<br />
Sie sich einem Problem gegenüber, für das es keine<br />
offensichtliche Lösung gibt. Oder vielleicht<br />
bittet ein Freund Sie um etwas, wovon Sie wissen,<br />
dass es unrecht wäre. Solche Prüfungen begegnen<br />
uns oft im Leben. Und wenn diese dann anfangen,<br />
uns zum Bösen zu verlocken, werden sie zu Versuchungen.<br />
Hiob sah sich jedem dieser Tests gleichzeitig<br />
gegenübergestellt.<br />
Jakobus erklärt sehr deutlich, auf welche Weise<br />
Prüfungen zu Versuchungen werden. Er schreibt:<br />
»Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in<br />
mancherlei Anfechtungen geratet, da ihr ja wisst, dass<br />
die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren<br />
bewirkt. Das standhafte Ausharren aber soll ein vollkommenes<br />
Werk haben, damit ihr vollkommen und vollständig<br />
seid und es euch an nichts mangelt« (Jak. 1,2-4). Später<br />
fügt er noch hinzu: »Glückselig ist der Mann, der<br />
die Anfechtung erduldet; denn nachdem er sich bewährt<br />
hat, wird er die Krone <strong>des</strong> Lebens empfangen, welche der<br />
Herr denen verheißen hat, die Ihn lieben« (V. 12).<br />
Anders gesagt: Gott will uns erziehen, wenn Er<br />
uns durch Prüfungen hindurchgehen lässt. Prüfungen<br />
machen uns vollkommener, gestalten uns<br />
um in das Bild Christi, bewirken in uns Geduld<br />
und bringen uns zu geistlicher Reife. Ähnlich sagte<br />
Petrus: »Der Gott aller Gnade aber, der uns berufen<br />
hat zu Seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, Er<br />
Selbst möge euch, nachdem ihr eine kurze Zeit gelitten<br />
habt, völlig zubereiten, festigen, stärken, gründen!« (1.Pt.<br />
5,10).<br />
Gott schickt uns Prüfungen, aber keine Versuchungen.<br />
Denn Jakobus schrieb diesbezüglich:<br />
»Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von<br />
Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden<br />
zum Bösen, und Er Selbst versucht auch niemand« (Jak.<br />
1,13). Gott Selbst ist nie verantwortlich für das Ansinnen<br />
der Versuchung an uns, Böses zu tun.<br />
Wie aber kommt Versuchung zustande? Jakobus<br />
1 sagt uns: »Jeder Einzelne wird versucht, wenn er von<br />
seiner eigenen Begierde gereizt und gelockt wird. Danach,<br />
wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde;<br />
die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod«<br />
(V. 14-15). Unsere eigene Lust ist es also, die das<br />
Ansinnen zum Tun <strong>des</strong> Bösen an uns stellt. Gott<br />
gibt nur gute Gaben: »Irrt euch nicht, meine geliebten<br />
Brüder: Jede gute Gabe und je<strong>des</strong> vollkommene Geschenk<br />
kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei<br />
dem keine Veränderung ist, noch ein Schatten infolge von<br />
Wechsel« (V. 16-17). Gott ist vollkommen, unveränderlich,<br />
unwandelbar. Er ist nicht verantwortlich<br />
für unsere Versuchungen, obwohl Er uns Prüfungen<br />
schickt, um uns auf die Probe zu stellen.<br />
Der Sieg beginnt <strong>des</strong>halb damit, dass wir verstehen,<br />
wie Versuchung zustande kommt. Sie entsteht,<br />
wenn wir falsch auf Prüfungen reagieren.<br />
Sie entsteht, wenn wir von unserer eigenen Lust<br />
fortgezogen werden. Durch die Versuchung wird<br />
der Keim der Sünde gepflanzt, und wenn die Sünde<br />
Frucht trägt, ist diese Frucht der Tod. Deshalb<br />
müssen wir lernen, in rechter Weise auf Prüfungen<br />
zu reagieren.<br />
DER AUSWEG<br />
AUS DER VERSUCHUNG<br />
Das Schönste ist: Wenn Gott es erlaubt, dass wir<br />
geprüft werden, schafft Er je<strong>des</strong> Mal auch einen<br />
Ausgang oder Ausweg. Es gibt immer einen Weg<br />
zum Sieg. Es gibt immer einen »Notausstieg«. Das<br />
griechische Wort für »Ausgang« in 1. Korinther<br />
10,13 ist ekbasis; es bedeutet auch »Ausweg«.<br />
Hier ist eine Wahrheit, die Sie vielleicht noch<br />
nie in diesem Vers entdeckt haben. Paulus sagt<br />
uns genau, was der Ausweg ist: Gott schafft »… mit<br />
der Versuchung auch den Ausgang …, so dass ihr sie ertragen<br />
könnt«. Der Weg aus der Versuchung heraus<br />
führt durch sie hindurch. Der Weg aus der Versuchung<br />
ist, diese als Prüfung zu ertragen, ohne<br />
dass es so weit kommt, dass wir uns zum Bösen<br />
verleiten lassen. Vielleicht hat man Ihnen Unrecht<br />
getan. Vielleicht hat man Sie in falscher Weise beschuldigt.<br />
Vielleicht hat man Sie verleumdet, Sie<br />
unfreundlich oder ungerecht behandelt. Na und?<br />
Finden Sie sich damit ab! Ertragen Sie es mit<br />
Freuden (Jak. 1,2). Das ist der Ausweg. Gewöhnlich<br />
suchen wir nach einem schnellen und leichten<br />
Notausgang. Gottes Plan für uns ist anders.<br />
voiceofhope.de | 13
Er will, dass wir es für lauter Freude achten. Und:<br />
»Das Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben,<br />
damit [wir] vollkommen und vollständig [sind] und es<br />
[uns] an nichts mangelt« (V. 4). Gott gebraucht unsere<br />
Prüfungen, um uns zur Reife zu bringen.<br />
Wie können wir ausharren? Es gibt mehrere<br />
praktische Antworten darauf. Ich will nur ein<br />
paar erwähnen:<br />
1. SINNEN Sie über das Wort Gottes NACH:<br />
»Ich bewahre Dein Wort in meinem Herzen, damit ich<br />
nicht gegen Dich sündige« (Ps. 119,11).<br />
2. BETEN Sie: »… und führe uns nicht in Versuchung,<br />
sondern errette uns von dem Bösen« (Mt. 6,13).<br />
Das will besagen: Bitten Sie Gott darum, dass<br />
die Prüfung nicht zur Versuchung wird.<br />
3. WIDERSTEHEN Sie dem Satan, und liefern<br />
Sie sich Gott aus: »So unterwerft euch nun Gott!<br />
Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch« (Jak. 4,7).<br />
Es gibt noch viele weitere praktische Antworten,<br />
die ich erwähnen könnte; aber es sind genau die<br />
gleichen Mittel, die wir für das Abtöten <strong>des</strong> Fleisches<br />
benötigen. Man harrt dadurch in der Versuchung<br />
aus, dass man die Handlungen <strong>des</strong> Fleisches<br />
tötet.<br />
Es gibt noch einen weiteren Schlüssel zum Ausharren,<br />
auf den ich unser Augenmerk richten<br />
möchte: es ist der Glaube. Hebräer 11 spricht von<br />
den großen Glaubensvorbildern. Sie alle haben<br />
bis ans Ende treu ausgeharrt, und die meisten<br />
mussten durch unglaubliche Prüfungen gehen.<br />
Wenn unser Glaube echt ist, ermöglicht er uns,<br />
jeder Prüfung standzuhalten, die der Herr uns<br />
widerfahren lässt. Falls Sie meinen, dass Ihre eigenen<br />
Prüfungen besonders schwer wären, ruft<br />
uns der Hebräerbriefschreiber Folgen<strong>des</strong> in Erinnerung:<br />
»Ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden<br />
im Kampf gegen die (eigene) Sünde« (12,4).<br />
Mittlerweile kennen wir diese Wahrheiten. Es<br />
bedeutet: Wenn Prüfungen kommen, sollen wir<br />
sie ohne Vorbehalte akzeptieren. Welch eine Ermutigung<br />
ist es für unseren Glauben, zu wissen,<br />
dass keine Prüfung uns begegnen kann, die größer<br />
wäre, als dass wir sie ertragen könnten!<br />
Wichtig ist zu beachten, dass wir unsere Sünde<br />
fortlaufend in den Tod zu geben haben (Kol. 3,5).<br />
Wir sollen beten und Gott darum bitten, uns von<br />
Versuchungen zum Bösen zu erretten. Wir müssen<br />
uns weigern, dem lustvollen Begehren unseres<br />
eigenen Fleisches nachzugeben, und müssen uns<br />
dabei immer wieder vor Augen halten, welches<br />
Ziel Gott mit uns hat, wenn Er uns solche Prüfungen<br />
sendet. Sein Ziel mit uns ist die Vollendung<br />
unseres Glaubens, indem wir auszuharren lernen,<br />
um dadurch zu geistlicher Reife zu gelangen.<br />
In alledem können wir auf Christus schauen<br />
und uns auf Ihn, unseren barmherzigen und treuen<br />
Hohenpriester, stützen, der Mitleid mit unseren<br />
Schwachheiten hat, der mit uns in unseren<br />
Nöten mitfühlt und der in allem in gleicher Weise<br />
wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde<br />
(Hebr. 4,15).<br />
Wie können wir »mit Ausdauer laufen in dem<br />
Kampf, der vor uns liegt«? (Hebr. 12,1). »Indem wir hinschauen<br />
auf Jesus, den Anfänger und Vollender <strong>des</strong> Glaubens,<br />
der um der vor Ihm liegenden Freude willen das<br />
Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete,<br />
und der sich zur Rechten <strong>des</strong> Thrones Gottes gesetzt hat.<br />
Achtet doch auf Ihn, der solchen Widerspruch von den<br />
Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht müde<br />
werdet und den Mut verliert!« (Hebr. 12,2-3).<br />
Wir leben in einer Kultur, die voller Versuchungen<br />
ist. Unsere Gesellschaft verherrlicht die Sünde<br />
und verachtet Gott. Es ist sicherlich kein Zeitalter,<br />
in dem wir ohne Probleme leben können. Aber das<br />
war das erste Jahrhundert der Christenheit auch<br />
nicht. Denken Sie daran, dass wir noch nicht bis<br />
aufs Blut widerstanden haben.<br />
Eines Tages könnte Gott uns so prüfen, dass<br />
wir in unserem Kampf gegen die Sünde leiblichen<br />
Schaden nehmen oder sogar den Tod erleiden<br />
müssen. Wenn dieser Tag wirklich käme, dann, so<br />
versichert Er uns, wird Er uns durch alle Not hindurch<br />
die notwendige <strong>Kraft</strong> geben. In<strong>des</strong>sen werden<br />
wir durch unsere Prüfungen stärker. Sie bringen<br />
uns Ihm näher, sie lassen uns im Ausharren<br />
wachsen, und sie gestalten uns um in Sein Bild.<br />
Welch eine Ermunterung ist es, zu wissen: Er<br />
Selbst garantiert, dass unsere Versuchungen nicht<br />
zu schwer für uns werden! Er gibt uns <strong>Kraft</strong> zum<br />
Ausharren. Und Er Selbst hat gesagt: »›Ich will dich<br />
nicht aufgeben und dich niemals verlassen!‹ So können<br />
wir nun zuversichtlich sagen: ›Der Herr ist mein Helfer,<br />
und <strong>des</strong>halb fürchte ich mich nicht vor dem, was ein<br />
Mensch mir antun könnte‹« (Hebr. 13,5-6).<br />
14 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
GNADE FÜR DICH<br />
John MacArthur<br />
»Gnade für dich« erklärt die verborgene Dynamik von Jesu<br />
bekanntestem Gleichnis, dem Gleichnis vom verlorenen Sohn. Es<br />
gibt dir einen kurzen, aber eindrucksvollen Einblick in die Heimkehr<br />
<strong>des</strong> Sohnes, die unvorstellbar gnädige Reaktion <strong>des</strong> Vaters und<br />
die oft übersehene Wahrheit über den älteren Bruder, der seinen<br />
zurückgekehrten Bruder verachtet. Auf diesen Seiten wirst<br />
du die Tiefen der Errettung Gottes wiederentdecken.<br />
BUCH: Bestell-Nr.: 875.260 • Hardcover • 72 Seiten • 5,90 €<br />
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TEIL 1<br />
Charles Haddon<br />
Spurgeon (1834-1892)<br />
SEINE FAMILIE<br />
Wahre Gottesfurcht in einem Hause<br />
führt gewöhnlich zur Gottesfurcht in<br />
den Herzen derer, die gemeinsam den<br />
Haushalt bilden. <strong>Die</strong> Familie Spurgeon kann drei<br />
Jahrhunderte hindurch ununterbrochen auf gläubige<br />
Vorfahren zurückblicken. Der Einfluss der<br />
aufeinanderfolgenden gottesfürchtigen Generationen<br />
sowohl auf ihre Umgebung wie auch auf ihre<br />
Nachkommen ist unberechenbar groß gewesen.<br />
Was für ein Segen kann es sein, wenn in unserer<br />
Zeit alle christlichen Familien auch wirklich gottesfürchtig<br />
sind, und welch positive Auswirkung<br />
kann das auf unsere Gemeinden und unsere Gesellschaft<br />
haben?!<br />
C.H. Spurgeon ist ein direkter Nachkomme der<br />
Essexlinie, welche seit mehr als einem Jahrhundert<br />
ihre Repräsentanten zu den Predigern <strong>des</strong><br />
göttlichen Wortes zählte. Spurgeons Großvater<br />
James Spurgeon war ein ehrwürdiger Prediger<br />
nach echt puritanischem Vorbild. Er wurde am<br />
29. September 1776 in Halstead, Essex geboren<br />
und war von seiner frühesten Jugend an ein gottesfürchtiges<br />
Kind, das dem Vorbild seines Vaters<br />
folgte.<br />
Im Alter von 26 Jahren gelangte James Spurgeon<br />
zur Überzeugung, dass Gott ihn ins Predigtamt<br />
berief. Eine fast leblos gewordene unabhängige<br />
Gemeinde aus Clare, Suffolk bat ihn, auf<br />
ihrer Kanzel zu predigen, und er entsprach ihrer<br />
Bitte. Durch Gottes Gnade blühte diese Gemeinde<br />
unter Spurgeons <strong>Die</strong>nst wieder auf. <strong>Die</strong> Nachricht<br />
über seine ernsten und bibeltreuen Predigten verbreitete<br />
sich derart, dass er im Jahre 1810 zu dem<br />
sehr verantwortungsvollen Amt nach Stambourn<br />
in Essex berufen wurde, wohin er im nächsten<br />
Jahr ging und wo er unter großem Segen über 50<br />
Jahre lang wirken durfte. Als er in dieser Gemeinde<br />
sein 50jähriges Prediger-Jubiläum feierte, war<br />
es sein Enkel, der ihm eine denkwürdige Festpredigt<br />
hielt. Sein guter Einfluss blieb bis an sein Lebensende<br />
unvermindert. Er starb, geehrt und geliebt,<br />
am 12. Januar 1864 im Alter von 87 Jahren.<br />
16 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
voiceofhope.de | 17
John Spurgeon, der Vater von Charles, wurde<br />
1811 geboren und überlebte seinen Sohn. Ein<br />
hohes Alter ist ehrenvoll, besonders wenn es im<br />
<strong>Die</strong>nste Gottes erreicht wird, und die Spurgeons<br />
scheinen zu dieser Auszeichnung bestimmt zu<br />
sein. John Spurgeon führte viele Jahre ein Geschäft;<br />
aber 16 Jahre lang predigte er jeden Sonntag<br />
in der unabhängigen Gemeinde in Tollesbury,<br />
Essex. Dann gab er sein Geschäft auf und widmete<br />
sich ganz der Sache <strong>des</strong> Herrn, insbesondere der<br />
Arbeit unter Jugendlichen. Seine letzte Stellung<br />
hatte er an einer Gemeinde in London inne, wo es<br />
ihm oft vergönnt war, mit seinem ältesten Sohn<br />
Charles zusammen zu sein.<br />
<strong>Die</strong> Mutter von Charles Spurgeon zeichnete<br />
sich ebenfalls durch ihre aufrichtige Frömmigkeit<br />
und Demut aus und war wegen ihrer Hingabe im<br />
Werk <strong>des</strong> Herrn allgemein bekannt und beliebt.<br />
Ihr Sohn Charles schien von ihren ausgezeichneten<br />
Charakterzügen wie Hingabe, Einfalt und<br />
Gottesfurcht viel gelernt zu haben. John Spurgeon<br />
und seine Frau brachten schon früh große<br />
Opfer, um ihre 17 Kinder, von denen Charles das<br />
älteste war, gut und gründlich in der Gottesfurcht<br />
zu erziehen. Mrs. Spurgeons Sorgfalt hinsichtlich<br />
ihres ältesten Sohnes war besonders rührend und<br />
ernst. Nachdem Charles sich schon bekehrt hatte,<br />
sagte sie eines Tages unter anderem zu ihm: »Ach,<br />
Charlie, ich habe oft darum gebetet, dass du ein<br />
wahrer Christ werden mögest, aber nie darum,<br />
dass du ein Baptist wür<strong>des</strong>t.« Charles antwortete<br />
darauf: »Gott hat dein Gebet erhört, liebe Mutter,<br />
und in Seiner wohlbekannten Freigebigkeit hat Er<br />
dir mehr gegeben, als du von Ihm erbeten hast.«<br />
GEBURT UND KINDHEIT<br />
Charles Haddon Spurgeon wurde am 19. Juni 1834<br />
in Kelvedon, Essex geboren, einem Dorf mit einer<br />
Einwohnerzahl von etwa 2000 Menschen. In den<br />
Dörfern Englands sind manche der ausgezeichnetsten<br />
Männer <strong>des</strong> Lan<strong>des</strong> geboren und erzogen<br />
worden. Dort wurden ihre Fähigkeiten entwickelt<br />
und das Fundament für ihre spätere Größe gelegt.<br />
Charles und sein jüngerer Bruder James Archer<br />
waren von sehr unterschiedlicher Statur und<br />
auch in ihrer persönlichen Erscheinung einander<br />
sehr ungleich. Charles war der kräftigere von beiden,<br />
und die Jungen <strong>des</strong> Ortes pflegten ihnen recht<br />
charakteristische Namen beizulegen. Von zweien<br />
seiner sechs Schwestern wird gesagt, dass sie hinsichtlich<br />
ihrer Figur und ihrer geistigen Energie<br />
ihrem Bruder Charles ähnlich seien.<br />
Als Charles alt genug war, um das elterliche Haus<br />
verlassen zu können, wurde er der Obhut seines<br />
Großvaters in Stambourn anvertraut. <strong>Die</strong>ser ehrwürdige<br />
Herr liebte seinen Enkel sehr, und als<br />
sich beide näher kennenlernten, war es schwer,<br />
zu sagen, welcher von beiden den anderen mehr<br />
liebte. Im Haus <strong>des</strong> Predigers war eine jugendliche<br />
Tante, die sich <strong>des</strong> Jungen ganz besonders annahm,<br />
und dieser entwickelte sich bald zu einem<br />
gedankenvollen, ernsten Jungen, der Bücher mehr<br />
liebte als das Spiel. <strong>Die</strong> außergewöhnliche Frühreife<br />
<strong>des</strong> Kin<strong>des</strong> zog bald die Aufmerksamkeit<br />
aller auf sich, die mit ihm in Berührung kamen.<br />
Er versetzte die ernsten Brüder der Gemeinde, die<br />
seinen Großvater besuchten, in Erstaunen durch<br />
die verständigen Fragen, die er aufwarf, wie auch<br />
durch die treffenden Bemerkungen, die er machte.<br />
Im Alter von sieben Jahren kam Charles wieder<br />
in das Haus seines Vaters zurück – damals in<br />
Colchester –, wo sich eine bessere Gelegenheit zu<br />
seiner Ausbildung bot.<br />
SEINE BILDUNG<br />
Als Spurgeon zu Hause war, brachte ihn sein Vater<br />
in eine Schule in Colchester. Während seiner<br />
vierjährigen Schulzeit erwarb sich Charles gute<br />
Kenntnisse in der lateinischen, griechischen und<br />
französischen Sprache. Bei den Schulprüfungen<br />
war er ausnahmslos der Beste der Schule. Im<br />
Jahre 1848 verbrachte er einige Monate in einem<br />
landwirtschaftlichen Institut in Maidstone. Er<br />
18 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
war noch keine 15 Jahre alt, als er im Jahr 1849 als<br />
Hilfslehrer nach Newmarket kam, und während<br />
er hier mit charakteristischer Gründlichkeit seinen<br />
Berufspflichten nachging, gelang es ihm dennoch,<br />
Fortschritte beim Lernen zu machen. Hier<br />
war es auch, wo er heftige Kämpfe mit dem Unglauben<br />
zu bestehen hatte; aber während er sich<br />
unter viel Gebet um Hilfe an Gott wandte, überwand<br />
er jene höchst gefährlichen Versuchungen.<br />
Während seiner Zeit in Newmarket beteiligte er<br />
sich auch an der Bewerbung um einen Preis. Seine<br />
schriftliche Arbeit trug den Titel: »Der Antichrist<br />
und seine Brut; oder: Das Papsttum entlarvt.« Es<br />
gab nur drei Mitbewerber. Er gewann den Preis<br />
zwar nicht, aber nach zwei Jahren wurde ihm seine<br />
Arbeit neben einer schönen Geldspende zurückgesandt,<br />
um ihn zu ermutigen, weiterhin zu<br />
schreiben.<br />
Gegen Ende <strong>des</strong> Jahres 1849 musste die Schule<br />
wegen einer ausgebrochenen Fiebererkrankung<br />
geschlossen werden, und Spurgeon kehrte nach<br />
Colchester zurück. <strong>Die</strong> getroffenen Vorsichtsmaßregeln<br />
waren jedoch nicht wirksam genug<br />
gewesen, denn er wurde von Typhus ergriffen<br />
und sehr krank. Aber Der, <strong>des</strong>sen Name Jahweh<br />
ist, bewirkte nicht nur, dass Sein jugendlicher<br />
Knecht sagen konnte: »Lobe den Herrn, meine Seele<br />
... Der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine<br />
Gebrechen«, sondern veranlasste ihn auch, dass er<br />
mit besonderem Nachdruck hinzufügen konnte:<br />
»Der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönt mit<br />
Gnade und Barmherzigkeit« (Ps. 103,1-4). Hier müssen<br />
wir Spurgeon in seiner unnachahmlichen<br />
Weise die Geschichte seiner Bekehrung selbst erzählen<br />
lassen.<br />
»Es gefiel Gott, mich in meiner frühen Jugend von<br />
meiner Sünde zu überführen. Ich vegetierte als<br />
ein elen<strong>des</strong> Geschöpf vor mich hin und fand keine<br />
Hoffnung, keinen Trost. Mein Herz war zermalmt;<br />
sechs Monate lang betete ich aus tiefstem Herzen,<br />
unter großer Angst, fand jedoch keine Erhörung.<br />
Ich war entschlossen, jede Gemeinde in Colchester<br />
zu besuchen, um den Weg <strong>des</strong> Heils zu finden;<br />
ich war zu allem bereit, was nötig wäre, wenn Gott<br />
mir nur vergeben wollte.<br />
Endlich kam die Erhörung. Es geschah an einem<br />
Tag <strong>des</strong> Herrn; es tobte solch ein Schneesturm,<br />
dass ich nicht dahin gehen konnte, wohin<br />
ich zu gehen beabsichtigt hatte. Ich musste stillstehen<br />
– und das war ein für mich reich gesegnetes<br />
Stillstehen –, fand eine einsame Straße und<br />
ging durch einen Hof, in dem eine kleine Kapelle<br />
stand. Irgendwohin wollte ich zum Gottesdienst<br />
gehen; aber diesen Ort kannte ich bis jetzt nicht.<br />
Es war die Kapelle der Methodisten. Von diesen<br />
Leuten hatte ich schon einiges gehört, unter anderem<br />
auch, dass sie sehr laut singen; aber das<br />
interessierte mich jetzt nicht, wenn ich nur erfahren<br />
konnte, wie ich gerettet werden könne. Ich<br />
ging hinein, und als ich dasaß, begann der Gottesdienst;<br />
aber es kam kein Prediger. Endlich betrat<br />
ein sehr kränklich aussehender Mann die Kanzel,<br />
schlug seine Bibel auf und las diese Worte: ›Blicket<br />
auf Mich, so werdet ihr gerettet, all ihr Enden der<br />
Erde …!‹ (Jes. 45,22, KJV). Während er seine Augen<br />
auf mich richtete, sagte er, als ob er mein ganzes<br />
Herz durchschaue: ›Junger Mann, du bist bekümmert.‹<br />
Gewiss war ich das. ›Du wirst nie deinen<br />
Kummer verlieren, wenn du nicht auf Christus<br />
blickst!‹ Und dann rief er, indem er seine Hände<br />
emporhob, wie es nur ein Methodist tun kann:<br />
›Blicke! Blicke! Blicke! Es ist nur nötig, zu blicken!‹<br />
Da erkannte ich mit einem Mal den Weg<br />
<strong>des</strong> Heils, und oh, wie mein Herz in jenem Augenblick<br />
vor Freude hüpfte! Ich weiß nicht, was er<br />
sonst noch sagte; ich achtete nicht besonders darauf,<br />
da ich ganz von dem einen Gedanken erfüllt<br />
war. Es erging mir wie den Israeliten damals, als<br />
die eherne Schlange aufgerichtet war: <strong>Die</strong> unter<br />
dem Schlangenbiss Leidenden blickten nur auf<br />
und waren geheilt. Ich wäre bereit gewesen, fünfzig<br />
verschiedene Werke zu verrichten; aber als ich<br />
das eine Wort hörte: ›Blicke!‹ – oh, wie wundervoll<br />
erschien es mir! Ich blickte immerzu zum Kreuz,<br />
und noch im Himmel will ich mit unaussprechlicher<br />
Freude weiter hinblicken.<br />
Ich fühlte mich nun verpflichtet, niemals eine<br />
Predigt zu halten, ohne die Sünder persönlich anzusprechen.<br />
Wenn ein Prediger eine Predigt halten<br />
kann, ohne die Sünder anzureden, dann weiß<br />
ich nicht, wie er predigen kann.«<br />
(Im Jahre 1856 predigte Spurgeon am Jahrestag<br />
seiner Bekehrung vor seiner Gemeinde über denselben<br />
Text, wobei er erzählte, was sechs Jahre zuvor<br />
an demselben Tag geschah. Im Oktober 1864<br />
predigte Spurgeon vor 500 Zuhörern in derselben<br />
Kapelle, in welcher der Herr ihm Rettung geschenkt<br />
hatte, ebenfalls über diesen Text.)<br />
voiceofhope.de | 19
Erfüllt von seiner neu gefundenen Freude<br />
kehrte Spurgeon nach Newmarket zurück und<br />
widmete sich fortan dem <strong>Die</strong>nst seines Herrn und<br />
Meisters. Es ist kaum nötig, zu betonen, dass er<br />
die erstbeste Gelegenheit wahrnahm, um öffentlich<br />
ein Bekenntnis seines Glaubens an Christus<br />
abzulegen und sich mit dem Volk Gottes zu verbinden.<br />
Von der Liebe Christi gedrängt, ergriff<br />
Charles jede Möglichkeit, Seelen für den Heiland<br />
zu gewinnen. Zur Erreichung dieses Zieles erschien<br />
ihm die Verbreitung von Traktaten als das<br />
beste Mittel.<br />
Sehr bald zog die Sonntagsschule seine Aufmerksamkeit<br />
auf sich. Seine Ansprachen an die<br />
Kinder waren so interessant und lehrreich, dass<br />
die Kinder ihren Eltern nicht genug davon erzählen<br />
konnten, und bald kamen auch diese, um diesen<br />
»Lehrer« zu sehen und zu hören.<br />
Nach seiner Bekehrung beeinflusste seine<br />
Überzeugung von der Schriftmäßigkeit der Glaubenstaufe<br />
seine zukünftige Laufbahn. Er war bisher<br />
ein Anhänger der Säuglingstaufe gewesen.<br />
Sobald er es jedoch durch das Forschen im Wort<br />
Gottes als seine Pflicht erkannte, sich durch Untertauchen<br />
taufen zu lassen, beeilte er sich, auch<br />
diesen Befehl seines Herrn zu erfüllen. Am 3. Mai<br />
1850 wurde er somit in der Baptistengemeinde öffentlich<br />
getauft. Er war damals noch nicht ganz 16<br />
Jahre alt. An diesem für ihn so denkwürdigen Tag<br />
schrieb er seinem Vater: »Es ist mir sehr lieb, dass<br />
der Tag, an welchem ich öffentlich den Namen<br />
Jesu bekenne, der Geburtstag meiner lieben Mutter<br />
ist«, und er gab der Hoffnung Ausdruck, dass<br />
diesem Tag viele herrliche und glückliche Tage folgen<br />
werden.<br />
SEINE ERFAHRUNG<br />
BEI DER ERSTEN PREDIGT<br />
In der Einleitung zu einer Predigt über 1. Petrus<br />
2,7 im Jahre 1873 bemerkt Spurgeon:<br />
»Ich erinnere mich sehr wohl, dass ich mich bei<br />
meinem ersten Versuch zu predigen – vor mehr<br />
als 22 Jahren – auf diesen Text bezog. Ich war gebeten<br />
worden, einen jungen Mann nach Teversham,<br />
nicht weit von Cambridge, zu begleiten. Ich<br />
konnte nichts anderes vermuten, als dass dieser<br />
junge Mann an jenem Abend die Predigt halten<br />
werde, und so sagte ich unterwegs zu ihm, dass<br />
ich hoffe, der Herr werde seine Worte segnen. ›Oh,<br />
mein Lieber‹, entgegnete er, ›ich habe in meinem<br />
ganzen Leben noch nie gepredigt und denke auch<br />
nicht daran, es heute zu tun. Ich bin nur aufgefordert<br />
worden, dich zu begleiten, und ich wünsche,<br />
dass Gott in deiner Predigt mit dir sein und dich<br />
segnen werde.‹ ›Nein‹, erwiderte ich, ›ich habe<br />
noch nie gepredigt und glaube kaum, dass ich<br />
dazu im Stande bin.‹ Wir gingen zusammen, bis<br />
wir an den bestimmten Ort kamen, und innerlich<br />
zitterte ich, wenn ich daran dachte, was nun werden<br />
würde. Als wir miteinander die Versammlung<br />
fanden und nun kein anderer da war, der<br />
von Jesus sprechen konnte, und mir klar wurde,<br />
dass man von mir erwartete, ich würde predigen,<br />
obgleich ich erst 16 Jahre alt war, so predigte ich<br />
eben, und der Text, den ich soeben verlesen habe,<br />
war mein Text: ›Für euch nun, die ihr glaubt, ist Er<br />
kostbar.‹«<br />
Nach diesem einschneidenden Ereignis <strong>des</strong> jugendlichen<br />
Spurgeon wurde er in den Dörfern<br />
um Cambridge her bald durch seine Predigten<br />
bekannt; große Scharen wurden angezogen, um<br />
ihn zu hören; und obgleich er noch sehr jung war,<br />
ergingen doch viele Einladungen aus benachbarten<br />
Städten und Dörfern an ihn, bei besonderen<br />
Gelegenheiten zu predigen. <strong>Die</strong> kleine Baptistengemeinde<br />
in Waterbeach, einem Ort von ca. 1500<br />
Einwohnern, sah in dem jungen Prediger einen<br />
Mann, der ganz ihren Bedürfnissen entsprach,<br />
und sie bat ihn, ihrer Gemeinde mit dem Wort<br />
Gottes zu dienen.<br />
20 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
DIE HOCHSCHUL-FRAGE<br />
»Bald nachdem ich 1852 begonnen hatte, in Waterbeach<br />
das Wort zu verkündigen, wurde mir von<br />
meinem Vater und anderen entschieden geraten,<br />
das Baptist College von Stepney (heute Regents<br />
Park College) zu besuchen, um mich gründlicher<br />
auf das Predigtamt vorzubereiten. Davon überzeugt,<br />
dass die Wissenschaft kein Hindernis sei,<br />
sondern nur brauchbarer machen könne, war ich<br />
geneigt, mir diese Kenntnisse anzueignen, wenngleich<br />
ich glaubte, dass ich auch ohne diese Ausbildung<br />
nützlich sein könne. Ich stimmte also zu,<br />
mich durch die Ausbildung nützlicher machen<br />
zu lassen. Dr. Angus, der Vorsteher <strong>des</strong> College,<br />
kam nach Cambridge, wo ich damals wohnte, und<br />
es war vereinbart worden, dass wir uns im Haus<br />
<strong>des</strong> Verlagsbuchhändlers, Herrn Macmillan, treffen<br />
wollten. Indem ich über die Sache nachdachte<br />
und darüber betete, trat ich genau zur vereinbarten<br />
Zeit in das Haus ein und wurde in ein Zimmer<br />
gewiesen, wo ich einige Stunden geduldig wartete.<br />
Das Gefühl von meiner Niedrigkeit und der Größe<br />
<strong>des</strong> Londoner Direktors hielt mich davon ab, zu<br />
klingeln und nach der Ursache der ungewöhnlich<br />
langen Verzögerung zu fragen.<br />
Als meine Geduld endlich doch erschöpft war,<br />
klingelte ich, und als das Hausmädchen erschien,<br />
wurde dem wartenden 18-jährigen Jüngling gesagt,<br />
dass Dr. Angus lange in einem anderen Zimmer<br />
gewartet habe, dass er nicht länger habe warten<br />
können und mit dem Zug bereits nach London<br />
zurückgefahren sei. Das arglose Mädchen hatte<br />
der Herrschaft nicht mitgeteilt, dass jemand gekommen<br />
sei, den sie in das Wartezimmer geführt<br />
habe. Infolge<strong>des</strong>sen fand die Unterredung nie<br />
statt, obgleich sie von beiden Seiten beschlossen<br />
worden war. Ich fühlte mich in jenem Augenblick<br />
nicht wenig enttäuscht; aber seitdem habe ich<br />
dem Herrn wohl viele Male von Herzen für die<br />
seltsame Vorsehung gedankt, durch welche meine<br />
Schritte auf einen anderen und viel besseren Weg<br />
gelenkt wurden.«<br />
<strong>Die</strong>ser Punkt der besseren Ausbildung war sowohl<br />
von Spurgeon selbst als auch von seinen Eltern<br />
sehr sorgfältig erwogen worden, wie das aus<br />
verschiedenen Briefen aus jener Zeit hervorgeht.<br />
In einem Brief, den er im November 1852 an seine<br />
Mutter schrieb, sagt er: »Ich freue mich je länger<br />
<strong>des</strong>to mehr darüber, dass ich nicht in das College<br />
eingetreten bin«, und fügt noch hinzu: »Ich habe<br />
alles, was das Herz sich nur wünschen kann; ja,<br />
Gott gibt mehr, als ich wünsche. Unsere Gottesdienste<br />
sind so gut besucht wie nie zuvor. Solange<br />
ich in Waterbeach gewesen bin, habe ich je<strong>des</strong><br />
Haus als mein Heim betrachten dürfen. Zweiundfünfzig<br />
Familien haben mich aufgenommen, und<br />
sechs weitere Einladungen konnte ich nicht mehr<br />
annehmen.« Das alles war für den jungen 18-jährigen<br />
Mann sehr ermutigend. Aber es bahnte sich<br />
eine große Veränderung an, die für sein ganzes<br />
spätere Leben entscheidend sein sollte.<br />
Bei der Sonntagsschullehrer-Konferenz im<br />
Jahre 1853 wurde der junge Prediger aus Waterbeach<br />
aufgefordert, eine Ansprache zu halten. Unter<br />
denen, auf deren Herzen diese Ansprache einen<br />
bleibenden Eindruck machte, war Herr Gould von<br />
Loughton. <strong>Die</strong>ser begegnete bald darauf in London<br />
einem Diakon einer berühmten Baptistengemeinde<br />
in Southwark, die zurzeit keinen Prediger<br />
hatte, und sprach ihm gegenüber seine Meinung<br />
dahingehend aus, dass der junge Evangelist sehr<br />
wohl fähig sei, der Gemeinde in der New Park<br />
Street Chapel zu dienen. <strong>Die</strong>se Gemeinde existierte<br />
seit 1652, und unter ihren Predigern hatte<br />
es hervorragende Männer Gottes gegeben. Zu der<br />
Zeit aber, von welcher wir schreiben, war die Gemeinde<br />
sehr heruntergekommen; ihre Herrlichkeit<br />
schien dahin zu sein. <strong>Die</strong> Diakone erwogen<br />
alles, was Herr Gould über den jungen Prediger<br />
Spurgeon gesagt hatte, und so erging bald eine<br />
Einladung an ihn, zu kommen und in der New<br />
Park Street Chapel zu predigen.<br />
<strong>Die</strong> Fortsetzung der Biografie folgt in der nächsten Ausgabe.<br />
voiceofhope.de | 21
SEIN LEBEN<br />
Titel: Der Fürst der Prediger<br />
Charles Spurgeon war ein einfacher Bauernjunge, der später<br />
einer der bekanntesten Prediger der Welt wurde. Er mischte sich<br />
unter Adlige und Bettler, um seinen Auftrag von Gott, nämlich<br />
Menschen das Evangelium zu predigen, auszuführen.<br />
Voller Eifer, mit Liebe und Klarheit predigte er, um die Herzen<br />
von Arm und Reich, von Groß und Klein gleichermaßen<br />
mit dem Evangelium zu erreichen. Man sagt, dass sogar die<br />
Königin kam, um dem »Fürsten der Prediger« zuzuhören.<br />
Aber Charles größte Aufmerksamkeit galt dem König aller<br />
Könige, Jesus Christus. – Für Ihn lebte er. Ihm diente er.<br />
BUCH: Bestell-Nr.: 875.431 • Hardcover • 144 Seiten • 12,90 €<br />
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SEINE BEKEHRUNG<br />
Titel: »Meine Bekehrung«<br />
»Wie kann ich Errettung erfahren?« <strong>Die</strong>se Frage<br />
quälte Spurgeon für viele Jahre. Trotz seiner christlichen<br />
Erziehung und eines Umfelds, in dem er alle<br />
»Theorie« kennengelernt hatte, suchte er nach<br />
einer Antwort, die er an einem schneereichen<br />
Wintertag in einer unbekannten, kleinen Gemeindeversammlung<br />
fand.<br />
Mit dem Beginn seiner Bekehrung im Alter von 15<br />
Jahren entfaltete sich einer der größten Prediger<br />
Englands. Sein lebendiger Predigtstil zog Massen<br />
von Menschen an und viele kamen zu Christus. Im<br />
Laufe seines Lebens predigte er zu einer geschätzten<br />
Menge von 10 Millionen Menschen und er wurde<br />
der »Prince of Preachers« genannt.<br />
Bestell-Nr.: 863.988 • 108 Seiten • 8,90 €<br />
SEINE AUSLEGUNG<br />
Titel: <strong>Die</strong> Schatzkammer Davids<br />
Über 20 Jahre hat C. H. Spurgeon an dieser<br />
vollständigen Auslegung aller Psalmen<br />
gearbeitet. Das Ergebnis dieser gewaltigen<br />
Arbeit bietet nicht nur eine gründliche,<br />
tiefschürfende Vers-für-Vers-Auslegung<br />
aller Psalmen, sondern auch eine Fülle<br />
ausgewählter Erläuterungen und Kernworte<br />
anderer Ausleger. Zusätzlich sind<br />
jeder Psalm-Auslegung »Homiletische<br />
Winke« beigefügt, die jedem Prediger eine<br />
Fülle wertvoller Anregungen und Hilfen für<br />
die Vorbereitung von Predigten und Bibelarbeiten<br />
über den jeweiligen Psalm bieten.<br />
Bestell-Nr.: 256.372 • 5360 Seiten • 129 €
C. H. SPURGEON<br />
Wie bekommt<br />
man ein<br />
reines Herz?<br />
24 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
»Glückselig sind, die reinen Herzens sind,<br />
denn sie werden Gott schauen!«<br />
Matthäus 5,8<br />
Es war ein herausragen<strong>des</strong> Merkmal unseres<br />
Herrn Jesus Christus, dass Seine Lehre<br />
ständig auf die Herzen der Menschen<br />
abzielte. Andere Lehrer gaben sich mit äußerlicher<br />
Sittenreform zufrieden; doch Er erforschte<br />
den Ursprung allen Übels, so dass Er die Quelle,<br />
der alle sündigen Gedanken, Worte und Taten<br />
entspringen, reinigen konnte. Er betonte immer<br />
wieder, dass das Leben erst dann gereinigt<br />
sei, wenn das Herz rein ist. <strong>Die</strong> bemerkenswerte<br />
Bergpredigt, der unsere Textstelle entnommen<br />
ist, beginnt mit der Seligpreisung: »Glückselig sind<br />
die geistlich Armen« bzw. »die Armen im Geist« (ELB),<br />
denn Christus sprach vom »Geist«, d. h. von dem<br />
inneren, geistlichen Wesen <strong>des</strong> Menschen. Das<br />
war mehr oder weniger bei allen Seligpreisungen<br />
der Fall, und diese trifft den Nagel auf den Kopf;<br />
denn Jesus sagt nicht: »Glückselig sind die, deren<br />
Sprache oder Taten rein sind«, und noch weniger:<br />
»Glückselig sind die, deren Vorschriften, Kleidung<br />
oder Speise rein sind«, sondern: »Glückselig<br />
sind, die reinen Herzens sind!«<br />
Während die heutige Christenheit sich mit einem<br />
unreinen Herzen zufriedengibt, ist das beim<br />
wahren Glauben nicht der Fall. Christi Botschaft<br />
an alle Menschen lautet immer noch: »Ihr müsst<br />
von Neuem geboren werden!« (Joh. 3,7); das heißt, das<br />
Innere muss eine göttliche Erneuerung erfahren,<br />
oder man kann das Reich Gottes, das Jesus<br />
in dieser Welt aufzurichten kam, nicht sehen, geschweige<br />
denn hineinkommen. Wenn eure Taten<br />
den Anschein geben, rein zu sein, doch die Motive<br />
hinter diesen Taten unrein sind, dann sind sie<br />
nichtig. Wenn eure Sprache tugendhaft ist, aber<br />
euer Herz sich in schmutzigen Fantasien ergeht,<br />
dann entspricht eure Stellung vor Gott nicht euren<br />
Worten, sondern euren Begierden. Ihr werdet<br />
von Ihm gemäß der Neigung eurer Gefühle, der<br />
wirklichen, inneren Vorlieben und Abneigungen<br />
beurteilt werden. Äußerliche Reinheit ist alles,<br />
was von Seiten der Menschen verlangt wird:<br />
»… denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der<br />
HERR aber sieht das Herz an« (1.Sam. 16,7). <strong>Die</strong> Verheißungen<br />
und der Segen gehören denen, deren Herz<br />
rein gemacht wurde, und sonst keinem.<br />
Indem wir unsere Aufmerksamkeit dem Text<br />
zuwenden, will ich euch zuerst aufzeigen, dass die<br />
Unreinheit <strong>des</strong> Herzens die Ursache geistlicher<br />
Blindheit ist. Als nächstes werde ich aufzeigen,<br />
dass die Reinigung <strong>des</strong> Herzens uns einen herrlichen<br />
Ausblick schenkt: »… die reinen Herzens sind,<br />
... sie werden Gott schauen!« Dann werde ich noch<br />
zu zeigen haben, dass die Reinigung <strong>des</strong> Herzens<br />
durch das göttliche Wirken geschieht. <strong>Die</strong>ses Wirken<br />
kann nicht durch uns selbst oder die Vermittlung<br />
von Menschen vollbracht werden. <strong>Die</strong> Heiligung<br />
unseres Lebens muss durch unseren heiligen<br />
Gott geschehen.<br />
UNREINHEIT DES HERZENS IST<br />
DIE URSACHE GEISTLICHER BLINDHEIT<br />
Ein Betrunkener kann nicht klar sehen. Er sieht<br />
verschwommen oder doppelt. Es gibt noch andere<br />
Getränke außer dem Alkohol, die das geistige<br />
Auge in seiner Sicht behindern. Wer oft zu diesen<br />
Getränken greift, wird geistlich blind.<br />
Es gibt sittliche Schönheit und den unmoralischen<br />
Schrecken, die von manchen Menschen aufgrund<br />
der Unreinheit ihres Herzens nicht wahrgenommen<br />
werden. Nehmt zum Beispiel einen<br />
habgierigen Menschen, und ihr werdet schnell<br />
entdecken, dass kein Staub so vollständig blendet<br />
wie Goldstaub. Es gibt viele Geschäfte, die als<br />
durch und durch unsauber gelten; doch wenn ein<br />
Geschäft für jemanden einträglich ist und diese<br />
voiceofhope.de | 25
Person habgierig ist, wird es fast unmöglich sein,<br />
sie davon zu überzeugen, dass es sich um ein übles<br />
Geschäft handelt, das einem Narren so ähnlich<br />
ist, dass er leicht mit einem solchen verwechselt<br />
werden könnte. Er bewundert das, was mit Leichtigkeit<br />
erhascht werden kann. Je mehr er es für<br />
sich sicherstellen kann, <strong>des</strong>to zufriedener ist er.<br />
Wenn er einen schmutzigen Trick angewandt hat,<br />
bei dem er alle Anstandsregeln verletzt hat, der<br />
aber zu seinem Vorteil ist, spricht er zu sich: »Das<br />
war ein kluger Schachzug!« Es wäre sinnlos, wenn<br />
ich mit einem Habgierigen diskutieren wollte, um<br />
ihm das Schöne an der Freigebigkeit aufzuzeigen.<br />
<strong>Die</strong> wichtige, zentrale Lehre vom Sühneopfer<br />
Jesu kann erst dann voll wertgeschätzt werden,<br />
wenn das Herz gerechtfertigt worden ist. <strong>Die</strong><br />
Menschen mit dem reinsten Herzen, die es jemals<br />
gab, sind diejenigen, die sich darüber freuen, dass<br />
Gottes gerechtem Gesetz durch den Tod Christi<br />
als Stellvertreter all derer, die an Ihn glauben, am<br />
Kreuz Genüge getan und es dadurch erhöht wurde.<br />
Dasselbe gilt bezüglich der gleichermaßen<br />
wichtigen Wahrheit von der Wiedergeburt. <strong>Die</strong><br />
nicht reinen Herzens sind, können die Notwendigkeit<br />
der Wiedergeburt nicht erkennen. Sie erkennen<br />
nicht, dass unser menschliches Wesen<br />
völlig verdorben ist. Ein Ungläubiger erkennt<br />
nicht, dass sein Herz unrein ist und dass all seine<br />
eifersüchtigen, rebellischen und unmoralischen<br />
Gedanken böse sind. Er gesteht niemals seine Bedürftigkeit<br />
ein, eine neue Kreatur in Christus Jesus<br />
zu werden.<br />
Ihr aber, die ihr reinen Herzens seid, ist es für<br />
euch nicht die schwere Bürde, die ihr ständig mit<br />
euch herumschleppt? Sind nicht die Qualen <strong>des</strong><br />
Herzens die schlimmsten Qualen unterm Himmel?<br />
Empfindet ihr nicht schon den Hang zur<br />
Sünde als ständiges Leid, und dass es für euch der<br />
Himmel auf Erden wäre, wenn ihr diesen Hang<br />
zur Sünde loswerden könntet? <strong>Die</strong> reinen Herzens<br />
sind, erkennen also die Lehre von der Wiedergeburt<br />
an, und diejenigen, die sie nicht anerkennen,<br />
sind solche, die nicht reinen Herzens sind.<br />
Es gibt eine Form der Unreinheit, die das Auge<br />
mehr als alles andere für die geistliche Wahrheit<br />
blind macht; es handelt sich um die Falschheit <strong>des</strong><br />
Herzens. Wer aufrichtig, ehrlich, kindlich ist, wird<br />
ins Himmelreich eingehen, wenn ihm das Tor geöffnet<br />
wird. <strong>Die</strong> Dinge <strong>des</strong> Reiches Gottes sind<br />
den Doppelzüngigen und Unredlichen verborgen,<br />
doch sie werden denen, die im Glauben kindlich<br />
sind, den einfältigen Menschen, deutlich offenbart.<br />
Mit ziemlicher Sicherheit wird ein Heuchler<br />
Gott nie schauen, solange er weiterhin heuchelt.<br />
Ja, er ist so blind, dass er nichts sieht, und schon<br />
gar nicht sich selbst, wie er in Gottes Augen wirklich<br />
ist. Wer sich mit der Bezeichnung »Christ«<br />
zufriedengibt, ohne das Leben eines Christen<br />
zu führen, wird Gott nicht schauen; er kann erst<br />
dann etwas sehen, wenn seine Augen auf göttliche<br />
Weise geöffnet werden.<br />
Auch der Formalist wird Gott nicht schauen,<br />
denn Formalismus schaut immer nur auf die<br />
Schale, die äußere Form, und dringt nicht zum<br />
Kern vor. Der Formalist leckt am Knochen und gelangt<br />
nicht zum Mark. Er überhäuft sich mit religiösen<br />
Vorschriften, die meistens seine eigene Erfindung<br />
sind. Wenn er diesen nachkommt, rühmt<br />
er sich, dass alles in Ordnung sei, auch wenn das<br />
Herz noch nach der Sünde gelüstet. So ein Mensch<br />
kann Gott nicht schauen.<br />
<strong>Die</strong> Heilige Schrift kann in einer Weise gelesen<br />
werden, dass sie einem Menschen nie dazu verhilft,<br />
Gott zu schauen. Solch ein Mensch öffnet<br />
die Bibel nicht, um zu entdecken, was in ihr steht,<br />
sondern um seine eigene Ansicht und Meinung zu<br />
untermauern. Wenn er die Bibelstellen nicht so<br />
vorfindet, wie er sie lesen möchte, wird er andere<br />
Stellen so hindrehen, bis sie irgendwie zu seinen<br />
Gunsten sprechen. Er wird aber nur so viel glauben,<br />
wie sich mit seiner vorgefassten Meinung in<br />
Einklang bringen lässt. Er möchte die Bibel gern<br />
wie einen Klumpen Wachs in ein ihm beliebiges<br />
Gebilde umformen. So kann er die Wahrheit natürlich<br />
nicht sehen. Er will sie ja auch gar nicht<br />
sehen.<br />
Schlaue und gerissene Menschen werden Gott<br />
auch nie schauen. Ich habe um keinen so große<br />
Befürchtungen wie um den Schlauen und Gerissenen,<br />
<strong>des</strong>sen Leitmotiv ist, immer »eine reine<br />
Weste« zu haben. Ich habe erlebt, wie sich grobschlächtige<br />
Seeleute bekehrt und dann Gotteslästerer,<br />
Huren und große Sünder fast jeden Kalibers<br />
zum Erlöser geführt haben, so dass sie durch Seine<br />
Gnade gerettet wurden. Sehr oft haben sie offen<br />
und ehrlich ihre Sünde bekannt und die traurigen<br />
Tatsachen ihrer Verdorbenheit auf sehr direkte<br />
Weise und unvermittelt zum Ausdruck gebracht.<br />
Wenn sie sich bekehren, denke ich schon oft, dass<br />
sie wie der gute Herzensboden sind, von dem un-<br />
26 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
ser Heiland sprach (Mt. 13,23). Sie haben trotz ihrer<br />
Schlechtigkeit ein gutes und aufrichtiges Herz.<br />
Doch mit Menschen, die wie Schlangen sind<br />
und zu euch »Ja, ja« sagen, wenn ihr mit ihnen<br />
über den Glauben sprechen wollt, aber es überhaupt<br />
nicht so meinen – Menschen, denen man<br />
nie trauen kann, wie Herr Aalglatt, Herr Schönredner<br />
und diese ganze Sorte von Menschen –, mit<br />
solchen tut selbst Gott nichts, sondern lässt sie in<br />
Ruhe. Nach meiner Beobachtung kommt Gottes<br />
Gnade selten zu den Unentschiedenen, die auf<br />
allen ihren Wegen unschlüssig sind. <strong>Die</strong>se Menschen<br />
werden Gott nicht schauen.<br />
Es ist bemerkt worden, dass unser Herr in unserem<br />
Vers wahrscheinlich auf diese Tatsache anspielte.<br />
Im Orient bekam man den König selten zu<br />
Gesicht. Er lebte zurückgezogen, und es war äußerst<br />
schwierig, eine Audienz bei ihm zu bekommen.<br />
Alle möglichen Arten von Plänen und Intrigen<br />
und vielleicht sogar krumme Dinge wurden<br />
geschmiedet, so dass man den König letztendlich<br />
doch sprechen konnte. Aber Jesus Christus sagt:<br />
»So kommt man nicht zu Gott.« Nein. Niemand<br />
gelangt durch schlaue Schliche zu Ihm – durch<br />
Pläne, Intrigen oder List. Der Einfältige jedoch,<br />
der demütig so vor Ihn kommt, wie er ist, und<br />
spricht: »Mein Gott, mich verlangt, Dich zu sehen.<br />
Ich bin schuldig und bekenne meine Sünde. Ich<br />
bitte Dich, sie um Deines lieben Sohnes willen zu<br />
vergeben«, – dieser wird Gott schauen.<br />
Ich glaube auch, dass es Christen gibt, die Gott<br />
nie so gut erkennen können, wie es bei manchen<br />
anderen der Fall ist. Einige Geschwister haben<br />
von Natur aus einen kritischen Geist. Sie sind gewöhnlich<br />
über die eine oder andere Lehrmeinung<br />
verwirrt, und ihre Zeit wird zum Großteil zur<br />
Abwendung von Einwänden und zur Beseitigung<br />
von Zweifeln beansprucht. Eine demütige, nicht<br />
sonderlich gebildete Frau hingegen, die im Gottesdienst<br />
sitzt und nur weiß, dass ihre Bibel wahr<br />
ist und Gott immer Seine Verheißungen einhält,<br />
sieht eine ganze Menge mehr von Gott als ihr gelehrter,<br />
spitzfindiger Bruder, der sich mit törichten<br />
Fragen abquält, die keinem etwas bringen.<br />
DIE REINIGUNG DES HERZENS<br />
GIBT UNS EINEN HERRLICHEN AUSBLICK<br />
»… die reinen Herzens sind, ... sie werden Gott schauen.«<br />
Was bedeutet das? Zuerst, dass der Mensch,<br />
<strong>des</strong>sen Herz rein ist, Gott schon in der Natur entdecken<br />
kann. Er wird Gottes Stimme bei jeder<br />
Predigt hören, wenn sie auf Gottes Wort basiert.<br />
Außerdem entdecken diejenigen, die reinen Herzens<br />
sind, Gott, wenn sie die Heilige Schrift lesen.<br />
Unreine Herzen können in ihr keine Spur<br />
von Gott erkennen. Sie finden sogar Gründe, die<br />
biblische Echtheit <strong>des</strong> Johannes-<strong>Evangeliums</strong><br />
anzuzweifeln. Das ist alles, was sie in der Bibel<br />
entdecken. <strong>Die</strong> aber reinen Herzens sind, entdecken<br />
Gott auf jeder Seite dieses heiligen Buches.<br />
Wenn sie es im Glauben und Gebet lesen, preisen<br />
sie den Herrn, dass es Ihm gefallen hat, sich ihnen<br />
so gnädig durch den Heiligen Geist zu offenbaren.<br />
Sie erkennen dankbar, dass Er ihnen die<br />
Gelegenheit und das Verlangen geschenkt hat,<br />
sich an der Offenbarung Seines heiligen Willens<br />
zu erfreuen.<br />
Daneben entdecken diejenigen, die reinen<br />
Herzens sind, Gott in Seiner Gemeinde. <strong>Die</strong> unreinen<br />
Herzens sind, können ihn dort gar nicht<br />
sehen. Für sie ist die Gemeinde Gottes nicht mehr<br />
als ein Haufen schwacher Menschen. Wenn sie<br />
auf diese Gruppe schauen, entdecken sie nichts<br />
als Fehler, Versagen und Unvollkommenheit. Man<br />
darf dabei nicht vergessen, dass man alles immer<br />
nur entsprechend der eigenen Natur sieht. Wenn<br />
der Geier in den Lüften schwebt, entdeckt er überall<br />
Aas. Wenn die Taube mit ihren silbernen Flügeln<br />
in den azurblauen Himmel steigt, sieht sie<br />
überall das geworfelte Getreide. Der Löwe findet<br />
seine Beute im Wald, und das Lamm findet seine<br />
Nahrung auf der grünen Wiese. Unreine Herzen<br />
entdecken wenig oder nichts Gutes unter Gottes<br />
Volk; doch die reinen Herzens sind, erkennen Gott<br />
in Seiner Gemeinde.<br />
Gott zu erkennen bedeutet jedoch viel mehr,<br />
als Spuren von Ihm in der Natur, der Heiligen<br />
Schrift und der Gemeinde zu finden. Gott zu erkennen<br />
bedeutet, dass diejenigen, die reinen<br />
Herzens sind, etwas von Gottes wahrem Wesen<br />
wahrnehmen. Wer in einem Gewittersturm ge-<br />
voiceofhope.de | 27
fangen ist und den krachenden Donner hört, den<br />
durch Blitzschläge angerichteten Schaden sieht,<br />
der erkennt, dass Gott mächtig ist. Doch zu erkennen,<br />
dass Gott ewig gerecht und doch unendlich<br />
freundlich ist, dass Er sehr streng und doch unermesslich<br />
gnädig ist – die verschiedenen Eigenschaften<br />
der Gottheit zu erkennen, wie sie wie die<br />
Farben <strong>des</strong> Regenbogens ineinander übergehen<br />
und ein einheitliches Ganzes bilden –, das bleibt<br />
den Menschen vorbehalten, deren geistliche Augen<br />
zuvor durch Gottes Geist geöffnet wurden.<br />
Nur diese Menschen erkennen, dass Gott immer<br />
gut ist, und beten Ihn in jeder Hinsicht an. Sie sehen,<br />
dass all Seine Eigenschaften vortrefflich ineinander<br />
übergehen und sich ausgleichen und jede<br />
Eigenschaft die anderen Qualitäten umso herrlicher<br />
erstrahlen lässt. <strong>Die</strong> reinen Herzens sind,<br />
werden Gott so schauen, denn sie werden Seine<br />
Qualitäten schätzen und Sein Wesen verstehen,<br />
wie die Ungläubigen es nicht können.<br />
Viele von uns könnten von wahrer Gemeinschaft<br />
mit Gott zeugen; doch man kann sie nur in<br />
dem Maß genießen, wie man die Vorliebe zum Bösen<br />
aufgibt. Man kann nicht mit Gott reden, nachdem<br />
man schmutzige Worte gebraucht hat. Man<br />
kann nicht mit Gott reden, wie ein Mann mit seinem<br />
Freund spricht, wenn man Freude daran hat,<br />
mit den Ungläubigen an einem Strang zu ziehen.<br />
<strong>Die</strong> reinen Herzens sind, können Gott schauen.<br />
Sie schauen Gott auch – aber nicht mit dem natürlichen<br />
Auge. Vielmehr sehen sie den großen Gott,<br />
der Geist ist, mit ihrem inneren, geistlichen Auge<br />
und haben eine geistliche, aber überaus reale Gemeinschaft<br />
mit dem Höchsten.<br />
In Christus Jesus können die, die reinen Herzens<br />
sind, voller Mut und Vertrauen zum Thron<br />
der Gnade Zugang bekommen. Da sie durch das<br />
kostbare Blut Jesu gewaschen wurden, sind sie<br />
zu <strong>Die</strong>nern Gottes geworden, der sie als Seine<br />
Botschafter einsetzt und zu hohen, ehrwürdigen<br />
Missionstätigkeiten aussendet. Sie können Ihn<br />
sehen, wie Er Sein Reich hier auf der Erde baut,<br />
wie Sünder durch Sein Evangelium aus der Finsternis<br />
befreit werden. Schließlich wird die Zeit<br />
kommen, dass diejenigen, die Gott so auf Erden<br />
geschaut haben, Ihn von Angesicht zu Angesicht<br />
sehen werden, nämlich dann, wenn Jesus wiederkommt.<br />
Welch eine brillante Aussicht!<br />
REINIGUNG DES HERZENS GESCHIEHT<br />
DURCH GÖTTLICHES WIRKEN<br />
Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass dieses Wirken<br />
nie umsonst ist. Kein Mensch (mit Ausnahme<br />
von Jesus Christus) wurde je mit reinem Herzen<br />
geboren. Alle haben gesündigt. »Da ist keiner, der<br />
Gutes tut, da ist auch nicht einer!« (Röm. 3,12).<br />
Ich möchte euch versichern, dass dieses Wirken<br />
nie durch das Zelebrieren bestimmter religiöser<br />
Formeln vollbracht wird. Man kann sagen,<br />
was man will; aber keine Form der Taufe hat je<br />
das Herz <strong>des</strong> Menschen gebessert. Das Herz kann<br />
auch nicht durch äußerliche Reformen gereinigt<br />
werden. Sündern ein reines Herz zu erschaffen ist<br />
ein Wunder, das genauso gewaltig ist, als würde<br />
Gott eine Marmorstatue zum Leben erwecken, so<br />
dass sie atmen und gehen könnte.<br />
Das Herz kann nur durch Gottes Heiligen Geist<br />
gereinigt werden. Der Heilige Geist muss über uns<br />
kommen und unser Wesen überschatten (vgl. Lk.<br />
1,35). Wenn Er so über uns kommt, wird erst dann<br />
unser Herz verändert, und nicht vorher. Wenn der<br />
Geist Gottes über uns kommt, reinigt Er die Seele,<br />
indem Er – um den Worten unseres Herrn in<br />
Matthäus 5 zu folgen – unsere geistliche Armut<br />
aufdeckt: »Glückselig sind die geistlich Armen!« Das<br />
ist die erste Gnadentat Gottes: uns spüren zu lassen,<br />
dass wir arm sind, dass wir nichts sind, dass<br />
wir Sünder sind und nichts verdient haben als nur<br />
den Zorn Gottes und die Hölle. Wenn der Geist<br />
Gottes fortfährt, an uns zu wirken, bringt Er uns<br />
als nächstes zum Trauern: »Glückselig sind die Trauernden!«<br />
Wir trauern bei dem Gedanken, dass wir<br />
so sehr gegen unseren Schöpfer gesündigt haben.<br />
Das großartige Wirken, welches das Herz dann<br />
reinigt, ist das Wirken <strong>des</strong> Blutes Jesu. Hier ist das<br />
Heilmittel zu finden, das sowohl von Schuld, von<br />
der Sünde, als auch von der Verdammnis befreit.<br />
Wenn der Glaube auf Christus schaut, erkennt er<br />
nicht nur die Vergebung für die Sünden der Vergangenheit,<br />
sondern auch der Gegenwart.<br />
Der Engel sprach zu Joseph, bevor Christus<br />
28 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
geboren wurde: »Du sollst Ihm den Namen Jesus geben,<br />
denn Er wird Sein Volk erretten von ihren Sünden«<br />
(Mt. 1,21). Den gesamten Vorgang der Errettung<br />
kann man kurz so erklären: Der Geist Gottes findet<br />
uns mit verdorbenen Herzen vor. Er kommt<br />
und leuchtet mit Seinem göttlichen Licht in uns<br />
hinein, so dass wir unsere Verdorbenheit erkennen<br />
können. Dann macht Er uns klar, dass wir als<br />
Sünder verdient hätten, den Zorn Gottes zu ertragen;<br />
und wir erkennen dann, dass es auch wirklich<br />
so ist. Schlussendlich zeigt der Geist Gottes uns,<br />
dass dieser Zorn schon von Jesus Christus getragen<br />
worden ist. Er öffnet unsere Augen, und wir<br />
erkennen, dass Christus für uns – an unserer Statt<br />
– gestorben ist. Wir schauen auf Ihn und glauben,<br />
dass Er stellvertretend für uns starb. Wir vertrauen<br />
uns Ihm an. Wir wissen dann, dass unsere Sünden<br />
um Seines Namens willen vergeben worden<br />
sind. <strong>Die</strong> Freude über die Vergebung der Sünden<br />
durchdringt uns, und wir erleben eine Freude wie<br />
nie zuvor. Im nächsten Augenblick ruft der Sünder,<br />
der Vergebung erfahren hat: »Jetzt, da ich gerettet<br />
bin, jetzt, da ich Vergebung erfahren habe,<br />
mein Herr Jesus Christus, werde ich für immer<br />
Dein <strong>Die</strong>ner sein. Ich werde die Sünden abtöten,<br />
die Dich töteten. Wenn Du mir <strong>Kraft</strong> schenkst,<br />
werde ich Dir dienen, solange ich lebe.«<br />
Zuvor hatte die Seele die Tendenz zum Bösen<br />
hin; doch in dem Moment, wo der Mensch erkennt,<br />
dass Jesus Christus für ihn starb und dass<br />
seine Sünden vergeben sind, fließt der ganze<br />
Strom seiner Seele in die umgekehrte Richtung,<br />
hin zu dem, was richtig ist. Obwohl der Mensch<br />
weiterhin gegen seine alte Natur anzukämpfen<br />
hat, ist er von jenem Tag an in seinem Herzen rein;<br />
das heißt, sein Herz liebt die Reinheit, es strebt<br />
nach Heiligung.<br />
Jetzt kann der Mensch Gott schauen, Gott lieben,<br />
sich an Gott erfreuen, sich danach sehnen,<br />
wie Jesus zu sein. Er wartet ungeduldig auf den<br />
Tag, an dem er bei Christus ist und Ihn von Angesicht<br />
zu Angesicht schauen wird. <strong>Die</strong>sen Reinigungsprozess<br />
könnt ihr tatsächlich durch das<br />
Wirken <strong>des</strong> Heiligen Geistes erleben. Wenn ihr<br />
euch in Wahrheit ein reines Herz und einen festen<br />
Geist wünscht (Ps. 51,12), wird euch bei<strong>des</strong> großzügig<br />
gewährt. Wer die Toten mit einem Stoß in<br />
die Auferstehungsposaune auferwecken kann,<br />
kann auch euer Wesen allein durch Seinen gnädigen<br />
Willen ändern. Er kann in euch ein neues<br />
Herz und einen festen Geist schaffen und euch zu<br />
einem neuen Menschen machen. Jemand meinte:<br />
»Ach, wie ich mir wünsche, dass Er mein Herz<br />
erneuert und mein Wesen verändert!« Wenn das<br />
auch euer Herzenswunsch ist, dann wendet euch<br />
jetzt im Gebet zum Herrn. Lasst diesen Wunsch<br />
nicht in eurer Seele ersterben, sondern wandelt<br />
ihn in ein Gebet um, mit dem ihr euch an Gott<br />
wendet, und hört darauf, was Er euch zu sagen<br />
hat: »Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du<br />
gerettet werden …!« (Apg. 16,31). Ihr sollt von eurer<br />
Liebe zur Sünde, von euren alten Gewohnheiten<br />
errettet werden, ja, so gänzlich errettet werden,<br />
dass ihr zu Menschen mit reinem Herzen werden<br />
sollt, die Gott schauen werden.<br />
Vielleicht fragt ihr euch: »Was bedeutet es, an<br />
den Herrn Jesus Christus zu glauben?« Es bedeutet,<br />
Ihm zu vertrauen, sich auf Ihn zu verlassen.<br />
Ihr werdet eure Probleme erst dann los, wenn ihr<br />
an Ihn glaubt. Auch wenn ihr vergeblich gegen<br />
böse Gewohnheiten angekämpft habt, auch wenn<br />
ihr euch damit auseinandergesetzt und euch dagegen<br />
entschieden habt, nur um von euren großen<br />
Sünden und schrecklichen Begierden wieder<br />
besiegt zu werden, gibt es Einen, der alle Sünden<br />
für euch überwinden kann. Es gibt Einen, der eure<br />
bösen Begierden erwürgen kann, der eure Leidenschaften<br />
abtöten kann, der eure verdorbene Natur<br />
reinigen kann. Er kann euch innerlich rein machen<br />
und rein halten.<br />
Schaut auf Ihn! Er hing am Kreuz, von den<br />
Menschen verflucht, von Gott für uns zur Sünde<br />
gemacht, obwohl Er von keiner Sünde wusste, –<br />
»damit wir in Ihm [zur] Gerechtigkeit Gottes würden«<br />
(2.Kor. 5,21). Er wurde dazu verurteilt, als unser<br />
Opfer für Sünde zu sterben, so dass wir ewig in<br />
der Liebe Gottes leben könnten. Vertraut auf Ihn!<br />
Er ist von den Toten auferstanden und in Seine<br />
Herrlichkeit eingegangen. Er sitzt zur Rechten<br />
Gottes und verwendet sich für die Übertreter. Ihr<br />
könnt nicht zugrunde gehen, wenn ihr Ihm vertraut.<br />
Ihr sollt leben, wie Millionen andere auch,<br />
die alle aus Gnade gerettet wurden, um von einem<br />
mächtigen Heiland zu singen, der alle ausnahmslos<br />
retten kann, die durch den Glauben an Christus<br />
zu Gott kommen. Gott schenke, dass ihr zu<br />
denen gehören mögt, die reinen Herzens sind und<br />
Gott schauen werden – zu denen, die nie aufhören<br />
werden, Gott zu schauen. Ihm gebührt die Ehre!<br />
Amen.<br />
voiceofhope.de | 29
EIN MANN<br />
DES GEBETS<br />
Ein Auszug aus dem Buch<br />
»Mit der Bibel beten« von Donald S. Whitney<br />
Georg Müller (1805-1898) wird als einer<br />
der größten Männer <strong>des</strong> Gebets und <strong>des</strong><br />
Glaubens betrachtet. Er lebte nahezu das<br />
gesamte 19. Jahrhundert und zwei Drittel davon<br />
in Bristol, England. Er hatte einige weitreichende,<br />
einflussreiche <strong>Die</strong>nste, doch kennen wir ihn heute<br />
am besten durch seine Waisenhäuser. Zu einer<br />
Zeit, als in England die meisten Waisenkinder in<br />
erbärmlichen Armenhäusern oder auf der Straße<br />
leben mussten, nahm Müller sie auf, gab ihnen zu<br />
essen, kleidete sie und unterrichtete sie in biblischen<br />
Wahrheiten. Im Vertrauen auf Gottes Güte<br />
und Führung übernahm Müller die Verantwortung<br />
für bis zu 2 000 Waisenkinder gleichzeitig<br />
– insgesamt für mehr als 10 000 während seines<br />
gesamten Lebens in seinem Waisenhaus in Bristol.<br />
Und doch machte er die Bedürfnisse für seinen<br />
<strong>Die</strong>nst niemals jemand anderem bekannt als nur<br />
Gott im Gebet. Erst durch seine Jahresberichte<br />
erfuhren die Menschen im Nachhinein, was während<br />
<strong>des</strong> vergangenen Jahres nötig gewesen war,<br />
und wie Gott sie versorgt hatte.<br />
Müller hatte über 50 000 spezifische Gebetserhörungen<br />
in seinen Tagebüchern notiert; allein<br />
30 000 davon wurden, wie er sagte, am selben Tag<br />
oder noch zur selben Stunde, in der er dafür gebetet<br />
hatte, beantwortet. Denk mal darüber nach: Das<br />
sind fünfhundert konkrete Gebetserhörungen je<strong>des</strong><br />
Jahr – mehr als eine pro Tag – an jedem einzelnen<br />
Tag, und das sechzig Jahre lang! Gott schleuste<br />
über eine halbe Milliarde Dollar (in heutigem<br />
Wert) durch seine Hände, als Antwort auf Gebet.<br />
MÜLLERS BEISPIEL<br />
Wie hat Georg Müller gebetet? Er sagte, dass er<br />
in den ersten zehn Jahren seines Glaubenslebens<br />
oft darum kämpfte, in den Geist <strong>des</strong> Gebets zu gelangen,<br />
mit anderen Worten: wirklich auch zum<br />
Beten motiviert zu sein. Dabei bezog er sich nicht<br />
auf die Zeit, als er noch unbekannt war, sondern<br />
auf zehn Jahre <strong>des</strong> Vertrauens auf Gott und voller<br />
bemerkenswerter Gebetserhörungen. <strong>Die</strong>s änder-<br />
30 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
te sich erst, als er an seiner Methode eine kleine<br />
Veränderung vorgenommen hat. Hier lesen wir,<br />
wie er diese Veränderung beschrieb:<br />
»Der Unterschied nun zwischen meiner vorherigen<br />
Vorgehensweise und meiner jetzigen ist Folgender:<br />
Früher begann ich, nachdem ich aufgestanden<br />
war, so schnell wie möglich zu beten und<br />
verbrachte im Allgemeinen meine gesamte oder<br />
fast die gesamte Zeit bis zum Frühstück im Gebet.<br />
Auf jeden Fall begann ich fast ausnahmslos mit<br />
Gebet … Aber was war das Resultat? Ich verbrachte<br />
oft eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde<br />
oder sogar eine Stunde auf den Knien, bis ich mir<br />
bewusst war, Trost, Ermutigung, Demütigung der<br />
Seele usw. erlangt zu haben. Und oft begann ich<br />
erst dann wirklich zu beten, nachdem ich in den<br />
ersten zehn Minuten oder einer Viertelstunde<br />
oder sogar einer halben Stunde viel durch das Abschweifen<br />
der Gedanken gelitten hatte.<br />
Damit quäle ich mich nun kaum noch herum.<br />
Da mein Herz, das durch die Wahrheit genährt<br />
wird, in Gemeinschaft mit Gott gebracht wurde,<br />
die auf Experimenten [heute würden wir sagen:<br />
auf Erfahrungen] mit Ihm beruht, spreche ich mit<br />
meinem himmlischen Vater und meinem Freund<br />
(obwohl ich abscheulich und <strong>des</strong>sen unwürdig bin)<br />
über die Dinge, die Er in Seinem kostbaren Wort<br />
vor mich gebracht hat. Jetzt erstaunt es mich oft,<br />
dass ich diesen Punkt nicht schon früher gesehen<br />
habe.« 1<br />
Also mühte sich Müller manchmal eine halbe bis<br />
ganze Stunde ab, versuchte zu beten und kämpfte<br />
darum, seine Gedanken zu sammeln und ein Verlangen<br />
nach Gebet in seinem Herzen zu erwecken.<br />
Erst nach einem solch langen, entschlossenen<br />
Kampf war er sich schlussendlich der Gemeinschaft<br />
mit Gott bewusst. Aber sobald er es sich zur<br />
Gewohnheit machte, mit Gott über das zu sprechen,<br />
was er im Wort Gottes fand, hatte er »kaum<br />
noch« diese Probleme während <strong>des</strong> Gebets.<br />
Über eine Schriftstelle nachzudenken und zu<br />
beten, während er durch die Felder spazierte, war<br />
die unkomplizierte Methode, welche die tägliche<br />
Erfahrung eines der berühmtesten Männer <strong>des</strong><br />
Gebets in der Geschichte veränderte. Und es kann<br />
dein Gebetsleben genauso leicht verändern.<br />
Charles H. Spurgeon (1834-1892), der englische<br />
Baptistenprediger, der auch oft »der Fürst der Prediger«<br />
2 genannt wird, sagte in Bezug auf das Gebet<br />
Folgen<strong>des</strong>: »Wir sollen beten, wenn wir in einer<br />
Gebetsstimmung sind, denn es wäre Sünde, eine<br />
so gute Gelegenheit zu versäumen. Und wir sollen<br />
beten, wenn wir nicht in der rechten Stimmung<br />
sind, denn es wäre gefährlich, in einem so ungesunden<br />
Zustand zu verharren.« Und er hat recht.<br />
Wir sollten beten, wenn wir uns danach fühlen,<br />
und wir sollten beten, wenn wir uns nicht danach<br />
fühlen. Aber die Realität ist, so wie ich es in diesem<br />
Buch dargelegt habe, dass wir uns meistens, wenn<br />
wir ins Gebet gehen, nicht danach fühlen.<br />
Wenn du beispielsweise morgens um 7:00 Uhr<br />
aufstehst und betest, dann ist dir an den meisten<br />
Tagen wahrscheinlich nicht nach Gebet zumute.<br />
Warum nicht? Weil du schläfrig bist! Du hast in<br />
den letzten paar Stunden nicht an Gott und die<br />
Dinge Gottes gedacht. Wenn es dir morgens nur<br />
im Entferntesten so geht wie mir, dann wachst<br />
du nicht sofort mit einem für Gott und Seine Sache<br />
brennenden Herzen auf. Ich persönlich neige<br />
morgens nach dem Aufstehen eher dazu, gegen<br />
die Türrahmen zu laufen. Wenn sogar Georg Müller<br />
morgens nach dem Aufstehen nicht nach Beten<br />
zumute war, dann sei nicht überrascht, dass dir<br />
nicht danach ist.<br />
<strong>Die</strong> gute Nachricht ist, dass wir nicht von diesen<br />
Gefühlen beherrscht werden müssen. Gott<br />
sagte zu Jeremia: »Ist Mein Wort nicht wie ein Feuer,<br />
spricht der HERR?« (Jer. 23,29). Wenn du anfängst zu<br />
beten und dein Herz fühlt sich geistlich gesehen<br />
eiskalt an, kannst du das Feuer von Gottes Wort<br />
nehmen und es in dein eisiges Herz hineinfallen<br />
lassen, indem du es liest und anhand einer Schriftstelle<br />
betest. Und schon sehr bald wird das Wort<br />
Gottes dein Herz für die Dinge Gottes erwärmen,<br />
und dir wird nach Gebet zumute sein.<br />
Und nachdem ich nun seit mehr als dreißig Jahren<br />
fast jeden Tag auf diese Art bete, kann ich bezeugen,<br />
dass es in meinem Gebetsleben nichts gibt,<br />
was mein permanent kaltes Herz schneller und<br />
konsequenter entfacht, als das Beten mit der Bibel.<br />
1<br />
Roger Steer, »Georg Müller – Vertraut mit Gott«, CLV<br />
2<br />
C.H. Spurgeon »Der Fürst der Prediger«, VOH-Verlag, www.voh-shop.de<br />
voiceofhope.de | 31
mit der<br />
Bibel beten<br />
Das Beten mit der Bibel kann Dein Gebetsleben völlig<br />
verändern. Es lehrt Dich, Deine Probleme und Kämpfe, die<br />
ständigen Veränderungen und Krisen in Deiner Umgebung<br />
und in der Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten.<br />
Es lehrt Dich, im Gebet auf den souveränen Gott zu<br />
schauen und Ihn anzubeten, weil uns die Schrift auf all<br />
ihren Seiten zu genau dieser Haltung anleitet.<br />
Wenn Du den innigen Wunsch hast, im Gebet mehr<br />
Zeit mit Deinem himmlischen Vater zu verbringen und Dich<br />
an dieser Gemeinschaft zu erfreuen, wird sich Dir dieses<br />
einfache Buch als unschätzbar wertvoll erweisen.<br />
32 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong><br />
Bestell-Nr.: 875.257 • Hardcover klein • 4-farbig<br />
Leinen & Goldprägung • 130 Seiten • 14,90 €
Eine Buchempfehlung<br />
von Yvonne Thomas<br />
»HERR, LEHRE UNS BETEN!« (LK. 11,1)<br />
Schon Jesu Jünger merkten am Vorbild<br />
unseres Herrn, dass ein Leben in der<br />
<strong>Kraft</strong> Gottes nicht ohne Gebet möglich<br />
ist. Gebet ist wie die Luft, die wir zum Atmen<br />
benötigen. Gebet ist wie die Flügel <strong>des</strong> Adlers,<br />
der sich weit über die Dinge unter ihm emporschwingt.<br />
Gebet bringt uns direkt dahin,<br />
wo uns <strong>Kraft</strong>, Ermutigung und Geborgenheit<br />
geschenkt wird – in die Gegenwart unseres<br />
Vaters!<br />
Es kann uns dann nicht wundern, dass dem<br />
Feind am meisten daran gelegen ist, uns diese<br />
Flügel zu stutzen, uns zu entmutigen, abzulenken<br />
und davon abzuhalten, ja uns <strong>des</strong><br />
Segens zu berauben, den wir durch die Gemeinschaft<br />
mit unserem Herrn Jesus im Gebet<br />
erleben.<br />
»Herr, lehre uns beten!«<br />
Welcher ernsthafte Christ hat nicht schon diese<br />
Worte, wie sie einst Jesu Jünger sprachen,<br />
an unseren Herrn gerichtet?<br />
Du wünschst dir, so zu beten, wie es dem<br />
Herrn gefällt. Du hast das Verlangen danach –<br />
aber schon nach kürzester Zeit fallen dir keine<br />
Worte mehr ein? Oder hast du das Gefühl,<br />
du wiederholst dich ständig? Bist du darüber<br />
frustriert? Mein Griff zu diesem Buch war aus<br />
dieser Verzweiflung und dem Verlangen geboren,<br />
tiefere Gemeinschaft mit dem Herrn im<br />
Gebet zu erleben und so zu beten wie Paulus,<br />
Petrus und die frühe Gemeinde. Ich wollte sicher<br />
sein, dass die Art und Weise, wie ich bete,<br />
und die Worte, die ich verwende, wirklich dem<br />
Willen Gottes entsprechen.<br />
Der Herr ließ mich nicht allein in meiner<br />
Not, und so fiel mir dieses kleine Büchlein von<br />
Donald S. Whitney in die Hände. Welch ein Segen!<br />
Er spricht in seinem Buch zu denen, die<br />
über ihr Gebetsleben traurig sind; zu denen,<br />
die sich selbst schon nicht mehr hören können;<br />
zu denen, die entmutigt sind, und auch<br />
zu denen, die aufgegeben haben.<br />
Hier merkst du: Wenn du ein wiedergeborener<br />
Christ bist, gibt es wirklich Hoffnung!<br />
Donald S. Whitney versteht es auf wunderbare<br />
Weise, dem Leser Mut zuzusprechen<br />
und ihm mit diesem Buch nicht nur das rechte<br />
Werkzeug – nämlich Gottes Wort – für ein<br />
inniges Gebetsleben aufzuzeigen; er nimmt<br />
ihn nun auch an die Hand, um ihn Schritt für<br />
Schritt dahin zu führen, dieses Werkzeug auf<br />
kraftvolle Art zu benutzen.<br />
Lerne hiermit, Gottes Worte effektiv in deinen<br />
Gebeten zu verwenden; du wirst merken, wie sich dein<br />
Gebetsleben auf erstaunliche Weise verändert, so dass du<br />
nicht mehr Frust, sondern Freude am Beten erlebst!<br />
voiceofhope.de | 33
EIN PORTRAIT<br />
www.erb-frankfurt.de<br />
ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG<br />
DER ERB FRANKFURT<br />
<strong>Die</strong> Gemeindegründungsarbeit begann<br />
offiziell an einem Samstagabend im April<br />
2014. Peter Schild war kurz zuvor als<br />
Missionar nach Frankfurt am Main gekommen,<br />
um hier an der Gründung einer reformierten Baptistengemeinde<br />
zu arbeiten. Er hatte für sich und<br />
seine Familie eine Wohnung in Frankfurt gemietet,<br />
in deren Wohnzimmer an diesem Abend zum<br />
ersten Mal etwa ein Dutzend Interessierter zu einer<br />
Bibelstunde zusammenkamen, von denen einige<br />
bis heute Mitglieder der ERB Frankfurt sind.<br />
Hierzu zählen auch Tobias Riemenschneider, der<br />
zu jener Zeit noch als Rechtsanwalt in Frankfurt<br />
arbeitete, mit seiner Frau und seiner Schwester.<br />
Getragen und begleitet wurde diese Missionsarbeit<br />
von Anfang an von der US-amerikanischen<br />
Missionsgesellschaft HeartCry Missionary Society<br />
unter der Leitung von Bruder Paul Washer, welcher<br />
der Gemeinde stets mit Rat und Tat zur Seite<br />
stand. Auch wenn es zu Beginn eine große Fluktuation<br />
bei den Besuchern der Bibelstunden gab,<br />
verfestigte sich doch schnell eine Kerngruppe,<br />
und nach und nach kamen Menschen zum Glauben<br />
an den Herrn Jesus Christus. Jeden Samstagnachmittag<br />
verkündigte man auf den Straßen von<br />
Frankfurt das Evangelium und verteilte Traktate,<br />
und im Anschluss versammelte man sich, um Gottes<br />
Wort zu hören und Gemeinschaft zu pflegen.<br />
Da die Gruppe schnell wuchs, dauerte es nicht<br />
lange, bis man auch mittwochabends zu Gebetstunden<br />
bei Familie Schild zusammenkam. Das<br />
Wohnzimmer wurde zu klein, und so mietete<br />
man schließlich für sonntagabends ein Kirchengebäude<br />
an, um gemeinsam Gottesdienste feiern<br />
zu können. <strong>Die</strong> Räumlichkeiten waren recht<br />
heruntergekommen; bei Regen tropfte es durch<br />
die Decke. Dennoch waren alle erfüllt von Freude<br />
und Dankbarkeit, dass Gott nun die Möglichkeit<br />
34 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
geschenkt hatte, gemeinsam Ihn und Seinen geliebten<br />
Sohn im Gottesdienst anzubeten und auf<br />
Sein heiliges Wort zu hören. <strong>Die</strong> Gelegenheit dazu<br />
währte an diesem Ort allerdings nicht lang. Mitten<br />
im Winter fiel die alte Heizung immer wieder aus,<br />
sodass sich die Temperaturen im Kirchengebäude<br />
dem Gefrierpunkt näherten. Dennoch versammelten<br />
sich die Gläubigen in dicken Wintermänteln.<br />
Als die Heizung schließlich endgültig funktionsunfähig<br />
wurde, versorgte der Herr die Seinen<br />
umgehend mit einem neuen Kirchengebäude in<br />
Oberursel, einer Stadt nördlich von Frankfurt, so<br />
dass kein Gottesdienst ausfallen musste. In diesen<br />
neuen Räumlichkeiten fand am Sonntag, den<br />
13. November 2016, schließlich auch die offizielle<br />
Gründung der ERB Frankfurt mit zunächst zwölf<br />
Mitgliedern statt. In dem Gründungsgottesdienst<br />
wurden Peter Schild und Tobias Riemenschneider<br />
als Pastoren der neuen Gemeinde eingesetzt.<br />
Seit ihrer Gründung feiert die ERB Frankfurt<br />
auch sonntagmorgens Gottesdienste, in denen<br />
jeden Sonntag das Mahl <strong>des</strong> Herrn gefeiert wird.<br />
<strong>Die</strong> Morgengottesdienste fanden zunächst in<br />
dem Haus <strong>des</strong> Diakons <strong>Die</strong>tmar Riemenschneider<br />
in Bad Homburg statt, bis dieses die wachsende<br />
Anzahl von Besuchern, die auch morgens am<br />
Gottesdienst teilnehmen wollten, nicht mehr fassen<br />
konnte und neue Räumlichkeiten gefunden<br />
werden mussten. So durfte die kleine Gemeinde<br />
die Wahrheit <strong>des</strong> Wortes Gottes aus 1. Korinther<br />
3,6 bezeugen, dass es Gott ist, der das Wachstum<br />
schenkt. Zurzeit liegt die Zahl der Gottesdienstbesucher<br />
sowohl im Morgen- als auch im Abendgottesdienst<br />
regelmäßig bei über hundert Personen,<br />
die aus vielen verschiedenen Hintergründen und<br />
aus vielen Nationen Europas, Afrikas, Asiens sowie<br />
Nord- und Südamerikas kommen. Aufgrund<br />
vieler junger Familien gibt es eine große Anzahl<br />
von Kindern, die ebenfalls am Gottesdienst teilnehmen.<br />
Neben den beiden Pastoren dienen derzeit<br />
drei Brüder als Diakone der Gemeinde.<br />
<strong>Die</strong> Krisenzeit seit März 2020 war für die ERB<br />
Frankfurt eine bewegte, aber auch segensreiche<br />
Zeit, in welcher der Herr bis hierher treu bewahrt<br />
hat. <strong>Die</strong> Gemeinde durfte erleben, wie der Herr<br />
diese Zeit gebrauchte, um die Einheit und Liebe<br />
»Ihm sei die Ehre in der Gemeinde in Christus Jesus,<br />
auf alle Geschlechter der Ewigkeit der Ewigkeiten! Amen.«<br />
Epheser 3,21<br />
voiceofhope.de | 35
unter den Geschwistern zu stärken und das Verständnis<br />
dafür zu mehren, was es heißt, Ihm treu<br />
nachzufolgen – auch unter schwierigen Umständen.<br />
Zur Ehre Gottes darf gesagt werden, dass<br />
sich die Geschwister beständig versammeln, um<br />
dem Herrn gemeinsam Anbetung und Lobgesang<br />
darzubringen. Von einem besonderen Gnadenerweis<br />
Gottes aus dieser Zeit sei an dieser Stelle<br />
berichtet: Nachdem sich die Gemeinde wegen der<br />
Maßnahmen einen neuen Versammlungsort hatte<br />
suchen müssen, war sich der neue Vermieter<br />
plötzlich unsicher, ob er das »Risiko« einer christlichen<br />
Versammlung in seinen Räumlichkeiten<br />
wirklich eingehen wollte. Seine Bedenken hatte er<br />
bereits mitgeteilt, und so rechnete die Gemeinde<br />
damit, ihren Versammlungsort wieder zu verlieren.<br />
An Heiligabend 2020, zur Vorabendzeit, erhielt<br />
ein Diakon der Gemeinde dann einen Anruf<br />
von dem Vermieter. Der Diakon rechnete schon<br />
damit, dass der Vermieter das Mietverhältnis mit<br />
sofortiger Wirkung kündigen wollte. Wieso sollte<br />
er sonst an Heiligabend anrufen? Aber es kam<br />
ganz anders. Der Vermieter hatte einen äthiopischen<br />
Geschäftspartner in der Leitung, der ihn<br />
ermahnt hatte, dass er ja die Gemeinde <strong>des</strong> Herrn<br />
beherberge und <strong>des</strong>halb aufpassen solle, wie er<br />
diese behandle. Er selbst wolle »die Tankstelle«<br />
der Gemeinde sein, indem er für ein Jahr die Miete<br />
für die Räumlichkeiten übernehmen wolle. <strong>Die</strong><br />
Freude und Dankbarkeit der Gemeinde waren<br />
überfließend. Wie groß ist die treue Fürsorge <strong>des</strong><br />
Herrn, der stets rechtzeitige Hilfe schafft!<br />
MERKMALE UND DIENST<br />
DER ERB FRANKFURT<br />
<strong>Die</strong> ERB Frankfurt ist vor allem darum bemüht,<br />
Gottes Wort in Reinheit und Klarheit zu verkündigen<br />
und das Gemeindeleben sowie das persönliche<br />
Leben in aller Gottesfurcht zu führen. <strong>Die</strong><br />
Lehre der ERB Frankfurt ist zusammengefasst im<br />
Baptistischen Glaubensbekenntnis, welches im<br />
Jahr 1689 von mehr als einhundert Baptistengemeinden<br />
in London herausgegeben wurde. <strong>Die</strong>ses<br />
Glaubensbekenntnis wurde unter anderem<br />
auch von dem weltbekannten Baptistenpastor<br />
Charles Haddon Spurgeon (1834-1892) für seine<br />
Gemeinde verwendet. Spurgeon sagte dazu:<br />
»<strong>Die</strong>ses alte Schriftstück ist eine ausgezeichnete<br />
Zusammenfassung der Dinge, die von uns mit<br />
größter Gewissheit geglaubt werden.« <strong>Die</strong> ERB<br />
Frankfurt steht somit vor allem in der Tradition<br />
der Reformation und der Puritaner. Dabei glaubt<br />
sie an das Prinzip ecclesia semper reformanda, was<br />
bedeutet, dass sich die Kirche stetig am Wort<br />
Gottes reformieren muss. Einziger Maßstab für<br />
alles Denken und Handeln ist somit das ewig bestehende<br />
Wort Gottes. Nicht nur die Pastoren,<br />
sondern je<strong>des</strong> Mitglied der Gemeinde ist daher<br />
dazu aufgerufen, ein Theologe, also ein Erforscher<br />
<strong>des</strong> Wortes Gottes zu sein. Im Zentrum der<br />
Lehre und Verkündigung steht das heilige Evangelium<br />
der freien und souveränen Gnade Gottes<br />
in Christus, welches allen Menschen Rettung<br />
bringt, die Buße tun und an den Sohn Gottes<br />
glauben.<br />
<strong>Die</strong> Gemeinde ist darum bemüht, dem Herrn<br />
Gottesdienste zu feiern, die geprägt sind von Gottesfurcht,<br />
welche sich in würdigem Ernst, aber<br />
auch in heiliger Freude äußert. Im Mittelpunkt der<br />
Gottesdienste stehen die Anbetung Gottes und die<br />
Verkündigung Seines Wortes. <strong>Die</strong> Gottesdienste<br />
richten sich nach dem sogenannten Regulativen<br />
Prinzip, d. h. der Gottesdienst besteht nur aus<br />
den Elementen, die Gott Selbst in Seinem Wort<br />
vorgeschrieben hat, nämlich dem Singen (vor allem<br />
von Psalmen und klassischen Kirchenliedern,<br />
die mit Musik begleitet werden), der Lesung aus<br />
dem Alten und dem Neuen Testament, der Predigt<br />
(zumeist in Form fortlaufender Auslegungspredigten<br />
mit praktischen Anwendungen) und den<br />
Gebeten (wobei sich gebührend Zeit genommen<br />
wird, um Lob und Bitten vor Gott zu bringen und<br />
Fürbitte etwa für die Regierung oder die verfolgten<br />
Christen zu leisten). Auch das Geben von Almosen<br />
sowie die Feier <strong>des</strong> Herrenmahls und ggf.<br />
die Taufe sind Bestandteile <strong>des</strong> Gottesdienstes.<br />
Neben dem öffentlichen Gottesdienst werden alle<br />
Glieder dazu angeleitet, auch im privaten Bereich<br />
dem Herrn die Ehre zu geben durch einen Wandel<br />
in Heiligkeit und Liebe in guten Werken. Hierzu<br />
gehören auch tägliche Familiengottesdienste in<br />
36 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
den Häusern und Unterweisung der Kinder in den<br />
Wegen <strong>des</strong> Herrn. Darüber hinaus ist es ein Anliegen<br />
der Gemeinde, die Worte aus 2. Timotheus 2,2<br />
umzusetzen, wo es heißt: »Und was du von mir gehört<br />
hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an,<br />
die fähig sein werden, auch andere zu lehren.« <strong>Die</strong> Pastoren<br />
sind daher bemüht, Brüder zuzurüsten, damit<br />
diese als Prediger, Pastoren oder Missionare dienen<br />
können.<br />
Neben den <strong>Die</strong>nsten innerhalb der Gemeinde<br />
verkündigt die ERB Frankfurt auch weiterhin jeden<br />
Samstag die frohe Botschaft auf den Straßen<br />
Frankfurts und der umliegenden Städte durch<br />
Straßenpredigten, Gespräche und das Verteilen<br />
von Traktaten. Daneben sendet die ERB Frankfurt<br />
auch Prediger für Predigtdienste an andere<br />
Orte aus und wendet sich z. B. durch Beiträge auf<br />
ihrem YouTube-Kanal (ERB Frankfurt) an die Öffentlichkeit<br />
mit dem Ziel, Christen in der Wahrheit<br />
zu stärken. Darüber hinaus ist die Gemeinde<br />
bemüht, die Liebe Christi auch durch gute Werke<br />
an Menschen in Not zu zeigen. Eine besondere<br />
Freude war es, im September <strong>2021</strong> die Gründung<br />
der ERB Basel unterstützen und Sebastian Engelhardt<br />
als Pastor der neugegründeten Gemeinde<br />
einsetzen zu können. Es ist das Gebet der Gemeinde,<br />
dass dies erst der Anfang war und noch<br />
viele weitere Arbeiter in die Ernte gesendet werden<br />
können, um das Evangelium zu verkündigen<br />
und Gemeinden zu gründen.<br />
Voller Dankbarkeit blickt die ERB Frankfurt<br />
auf ihre kurze Geschichte zurück, die eine Geschichte<br />
der Gnade Gottes ist. Auch für die Zukunft<br />
vertraut die Gemeinde in allen Bedrängnissen,<br />
die auf die Gläubigen zukommen mögen,<br />
allein auf die Gnade und Treue <strong>des</strong> Herrn und<br />
stimmt ein in die Bitten <strong>des</strong> alten Kirchenlie<strong>des</strong>:<br />
Sieh Dein Volk in Gnaden an.<br />
Hilf uns, segne, Herr, Dein Erbe;<br />
leit es auf der rechten Bahn,<br />
dass der Feind es nicht verderbe.<br />
Führe es durch diese Zeit,<br />
nimm es auf in Ewigkeit.<br />
Herr, erbarm, erbarme Dich.<br />
Lass uns Deine Güte schauen;<br />
Deine Treue zeige sich,<br />
wie wir fest auf Dich vertrauen.<br />
Auf Dich hoffen wir allein:<br />
Lass uns nicht verloren sein.<br />
Dem Glückseligen und allein Gewaltigen, dem<br />
König der Könige und dem Herrn der Herrschenden<br />
sei Ehre und ewige Macht! Amen. (vgl. 1.Timotheus<br />
6,15-16)<br />
Pastor Peter Schild<br />
Peter Schild ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er wuchs in großer<br />
Gottlosigkeit auf, bis er sich als Jugendlicher durch das Lesen eines<br />
Traktats bekehrte. Seither verkündigt er den Herrn Jesus Christus. Er studierte<br />
evangelische Theologie und wurde im Jahr 2014 als Missionar nach<br />
Frankfurt am Main ausgesandt, um dort eine Gemeinde zu gründen. Seit<br />
der Gründung der Evangelisch-Reformierten Baptistengemeinde Frankfurt<br />
im Jahr 2016 dient er als Pastor.<br />
Pastor Tobias Riemenschneider<br />
Tobias Riemenschneider ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er wurde<br />
in die Neuapostolische Kirche hineingeboren. Als Schüler lernte er bei<br />
einem Aufenthalt in den USA erstmals wiedergeborene Christen kennen<br />
und bekehrte sich einige Zeit später durch eine Predigt von Paul Washer.<br />
Er studierte Jura und arbeitete mehrere Jahre als Rechtsanwalt. Seit Gründung<br />
der Evangelisch-Reformierten Baptistengemeinde Frankfurt im Jahr<br />
2016 dient er als Pastor.<br />
voiceofhope.de | 37
DIE GÖTTLICHE<br />
Inspiration<br />
der Bibel<br />
38 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong><br />
ARTHUR W. PINK
Welche Einstellung haben Sie gegenüber dem Wort Gottes? <strong>Die</strong> Erkenntnis,<br />
dass die Bibel durch den Heiligen Geist inspiriert wurde, bringt bestimmte Verpflichtungen<br />
mit sich. Unsere Auffassung hinsichtlich der Autorität der Bibel wird unsere<br />
Einstellung und das Maß unserer Verantwortung bestimmen. Wenn die Bibel<br />
tatsächlich eine göttliche Offenbarung ist, was werden Sie damit tun?<br />
1. BITTEN SIE GOTT UM VERGEBUNG<br />
Sicher würde es einen gewaltigen Menschenauflauf<br />
geben, wenn wir mit Bestimmtheit<br />
wüssten, dass in naher Zukunft ein Engel<br />
die Stadt New York besuchen würde, der eine<br />
Predigt über die unsichtbare Welt, das Schicksal<br />
der Menschheit und das Geheimnis der Erlösung<br />
halten würde. Kein Gebäude in dieser Stadt wäre<br />
groß genug für die Menge, die ihn hören möchte.<br />
Würden am nächsten Tag die Zeitungen seine<br />
Rede drucken, wie eifrig würde sie gelesen werden!<br />
In der Heiligen Schrift befindet sich jedoch<br />
nicht nur die Rede eines Engels, sondern eine Offenbarung<br />
von Gott Selbst. Wie groß wäre unsere<br />
Beschränktheit, wenn wir sie unterbewerten oder<br />
gar verachten würden! Doch wie oft geschieht<br />
dies!<br />
Wir müssen Gott bekennen, dass wir Sein heiliges<br />
Wort vernachlässigt haben. Wir finden genug<br />
Zeit, um sie mit weltlicher Literatur zu verschwenden,<br />
doch nur sehr wenig oder gar keine, um die<br />
Heilige Schrift zu lesen. <strong>Die</strong> Bibel ist eine versiegelte<br />
Sammlung von göttlichen Liebesbriefen;<br />
doch viele Christen haben ihre Siegel nur spärlich<br />
geöffnet. Seit langer Zeit klagt Gott: »Wenn Ich ihm<br />
Mein Gesetz auch noch so oft vorschreiben würde, so halten<br />
sie es doch für etwas Frem<strong>des</strong>!« (Hos. 8,12). Gottes Geschenk<br />
zu vernachlässigen bedeutet, <strong>des</strong>sen Geber<br />
zu verachten. Wenn man Gottes Wort vernachlässigt,<br />
so sagt man Ihm damit, dass es unnütz war,<br />
es uns mitzuteilen. <strong>Die</strong> Bücher menschlicher Autoren<br />
dem Wort Gottes vorzuziehen, heißt nichts<br />
anderes, als den Allmächtigen zu beleidigen. Zu<br />
behaupten, sie seien interessanter, bedeutet, die<br />
Weisheit <strong>des</strong> Höchsten zu leugnen, und es zeigt<br />
unsere innere Rebellion an. Gottes Wort zu vernachlässigen<br />
bedeutet, gegen <strong>des</strong>sen Urheber zu<br />
sündigen, denn Er hat uns geboten, es zu lesen, es<br />
zu studieren und darüber nachzudenken.<br />
2. WENN DIE BIBEL DAS WORT GOTTES IST,<br />
DANN IST SIE DIE LETZTE INSTANZ<br />
Es geht nicht um die Frage, was ich denke oder<br />
was jemand anderes denkt, sondern es geht darum,<br />
was die Heilige Schrift sagt. Es geht auch nicht<br />
um die Frage, was eine Denomination oder die<br />
Christenheit lehrt, sondern darum, was die Heilige<br />
Schrift lehrt. Gott hat gesprochen, und somit<br />
ist die Angelegenheit geklärt: »Auf ewig, o HERR,<br />
steht Dein Wort fest in den Himmeln« (Ps. 119,89). Aus<br />
diesem Grund muss ich mich unter Seine Autorität<br />
und unter Sein Wort beugen, mit allen falschen<br />
Ausreden Schluss machen und Ihm sagen: »Rede,<br />
denn Dein Knecht hört!« (1.Sam. 3,10). <strong>Die</strong> Bibel ist das<br />
Wort Gottes und somit letzte Instanz in Sachen<br />
Lehre, Lebenswandel und Lebensinhalt.<br />
Unser Herr besaß diese Einstellung. Als Er vom<br />
Satan versucht wurde, weigerte Er sich, mit ihm zu<br />
diskutieren oder ihn mit der Stärke Seiner überlegenen<br />
Weisheit zu überwältigen. Er lehnte es ab,<br />
ihn mit Seiner allmächtigen <strong>Kraft</strong> zu vernichten.<br />
Mit einem »Es steht geschrieben!« wehrte Er jeden<br />
Angriff ab. Als Er zu Beginn Seines öffentlichen<br />
Wirkens in Seine Heimatstadt Nazareth ging, wo<br />
Er 30 Jahre lang gelebt hatte, wirkte Er keine großen<br />
Wunder, sondern ging in die Synagoge und las<br />
aus dem Propheten Jesaja vor; anschließend sagte<br />
Er: »Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt« (Lk.<br />
4,21). In Seiner Predigt über den reichen Mann und<br />
den armen Lazarus bestand Er darauf: »Wenn sie auf<br />
voiceofhope.de | 39
Mose und die Propheten nicht hören, so würden sie sich<br />
auch nicht überzeugen lassen, wenn einer aus den Toten<br />
auferstände« (Lk. 16,31). Das beweist, dass die Autorität<br />
<strong>des</strong> geschriebenen Wortes größere Bedeutung<br />
hat und von höherem Wert ist als die Wirkung von<br />
Wundern. Als Er vor den Juden Seine Gottessohnschaft<br />
verteidigte, bezog Er sich auf das Zeugnis<br />
Johannes <strong>des</strong> Täufers, Seine eigenen Werke und<br />
das Zeugnis <strong>des</strong> Vaters bei Seiner Taufe. Im Anschluss<br />
gelangte Er zum Höhepunkt Seiner gesamten<br />
Aussage: »Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint,<br />
in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von<br />
Mir Zeugnis geben« (Joh. 5,39; s. auch V. 32.36-38).<br />
Welche Ansicht vertraten die Apostel bezüglich<br />
der Heiligen Schrift? Das wollen wir kurz untersuchen.<br />
Als Petrus seinen Landsleuten zeigen<br />
wollte, warum die Gläubigen plötzlich in anderen<br />
Sprachen redeten, zitierte er den Propheten Joel<br />
(Apg. 2,16 ff). Als er ihnen erklären wollte, dass<br />
Jesus ihr Messias und von den Toten auferstanden<br />
sei, bezog er sich wiederum auf das Alte Testament<br />
(Apg. 2,22 ff). Als sich Stephanus vor dem<br />
Sanhedrin 1 verteidigte, tat er nichts weiter, als<br />
die Geschichten von Mose und den Propheten zu<br />
erzählen. Als Paulus und Barnabas auf ihre erste<br />
Missionsreise gingen, »verkündigten sie das Wort<br />
Gottes in den Synagogen der Juden« (Apg. 13, 5). In seinen<br />
Briefen unterbricht sich der Apostel oft und<br />
fragt: »Was sagt die Schrift?« (Röm. 4,3 ff). Denn wenn<br />
sich die Bibel zu einer Sache klar äußert, ist alle<br />
Diskussion beendet. Gegen ihr Zeugnis kann es<br />
keinen Einspruch geben.<br />
3. WENN DIE BIBEL DAS WORT<br />
GOTTES IST, DANN IST SIE DER LETZTGÜLTIGE<br />
MAẞSTAB FÜR UNSER VERHALTEN<br />
Wie kann ein Mensch vor Gott gerecht sein? Wie<br />
kann ein Mensch ein heiliges Leben führen? Was<br />
muss ich tun, um gerettet zu werden? Wo findet<br />
man echten Frieden und Erfüllung? Solche Fragen<br />
muss sich jeder aufrichtige und um sein Seelenheil<br />
besorgte Mensch stellen. <strong>Die</strong> Antwort ist<br />
einfach: Suche in der Heiligen Schrift; suche und<br />
finde! Wie nutze ich meine Zeit und meine Talente?<br />
Wie soll ich herausfinden, was meinem Schöpfer<br />
wohlgefällig ist? Wie soll ich wissen, was meine<br />
Aufgaben sind? Und wieder lautet die Antwort:<br />
Lies das Wort Gottes!<br />
Niemand, der eine Bibel besitzt, kann über Gottes<br />
Willen im Unklaren sein. <strong>Die</strong> Heilige Schrift<br />
erlaubt uns keine Ausreden. Sie ist eine »Leuchte«<br />
für unsere Füße (Ps. 119,105), die uns den Weg der<br />
Gerechtigkeit klar zeigt. Den »Seefahrern« auf<br />
dem Fluss der Zeit wurde also eine Karte mitgegeben,<br />
und sie sind selbst schuld, wenn sie den Weg<br />
in den himmlischen Hafen nicht finden. Am Tag<br />
<strong>des</strong> Gerichts werden die Bücher geöffnet, und die<br />
Menschen werden nach dem gerichtet, was darin<br />
geschrieben steht.<br />
In Seinem geschriebenen Wort hat Gott Seine<br />
Absichten offenbart, Seinen Willen gezeigt und<br />
Seine Forderungen mitgeteilt. Wehe allen Menschen,<br />
die sich nicht die Zeit nehmen, diese Dinge<br />
zu erforschen!<br />
4. WENN DIE BIBEL DAS WORT GOTTES IST,<br />
DANN IST SIE EINE FESTE GRUNDLAGE<br />
FÜR UNSEREN GLAUBEN<br />
Der Mensch sehnt sich nach Gewissheit. Wenn es<br />
um ewige Belange geht, dann sind Spekulationen<br />
und Hypothesen völlig fehl am Platz. Wenn ich<br />
mich auf mein Sterbebett lege, brauche ich etwas<br />
Konkreteres als nur ein »Vielleicht«, um sicher<br />
entschlafen zu können. Gott sei Dank habe ich es!<br />
1<br />
Sanhedrin: der Hohe Rat der Juden, oberste religiöse und politische Instanz, das Gericht.<br />
40 | <strong>Die</strong> <strong>Kraft</strong> <strong>des</strong> <strong>Evangeliums</strong> 4/<strong>2021</strong>
Wo? In der Bibel. »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt«<br />
(Hi. 19,25). Ich weiß, dass ich »vom Tod zum Leben<br />
hindurchgedrungen« bin (Joh. 5,24). Ich weiß, dass<br />
ich Christus gleichgestaltet sein werde (1.Joh. 3,2)<br />
und für alle Ewigkeit mit Ihm in der Herrlichkeit<br />
wohnen werde. Wie kann man so etwas wissen?<br />
Gottes Wort sagt es uns, und das genügt. Mehr<br />
brauche ich nicht. <strong>Die</strong> Heilige Schrift ist in ihren<br />
Äußerungen nicht vage, sondern klar und endgültig.<br />
Ihre Verheißungen sind wahr; denn es sind<br />
Verheißungen <strong>des</strong> Einen, der nicht lügen kann.<br />
Ihr Zeugnis ist zuverlässig, denn es ist das unfehlbare<br />
Wort <strong>des</strong> lebendigen Gottes. Ihre Lehren sind<br />
glaubhaft, denn sie wurden vom Allmächtigen<br />
eingegeben. Dadurch hat der Gläubige ein festes<br />
Fundament, auf dem er stehen kann, einen unerschütterlichen<br />
Felsen, auf den sich seine Hoffnung<br />
gründet. Für den gegenwärtigen Frieden<br />
und die unbekannte Zukunft hat er ein »So spricht<br />
der Herr«, und das genügt.<br />
5. WENN DIE BIBEL DAS WORT GOTTES IST,<br />
DANN KANN SIE EINZIGARTIGE ANSPRÜCHE STELLEN<br />
Ein einzigartiges Buch verdient einzigartige Beachtung.<br />
Wir sollten wie Hiob in der Lage sein zu<br />
sagen: »<strong>Die</strong> Worte Seines Mun<strong>des</strong> bewahrte ich mehr als<br />
meine Grundsätze« (Hi. 23, 12). Wenn die Geschichte<br />
uns etwas lehrt, dann die Tatsache, dass Nationen,<br />
die Gottes Wort am meisten geehrt haben, auch<br />
am meisten von Gott dafür gesegnet wurden. So<br />
etwas trifft auch auf Familien und Einzelpersonen<br />
zu. <strong>Die</strong> größten Intellektuellen haben ihre Inspiration<br />
aus dem Buch der Bücher gezogen. <strong>Die</strong> bedeutendsten<br />
Staatsmänner betonten die Wichtigkeit,<br />
die Bibel zu studieren. Benjamin Franklin sagte:<br />
»Junger Mann, ich rate dir, dass du dich mit der<br />
Bibel vertraut machst und fest daran glaubst; denn<br />
das muss dein oberstes Interesse sein.« Thomas<br />
Jefferson brachte seine Meinung folgendermaßen<br />
zum Ausdruck: »Ich habe gesagt – und werde es<br />
immer wieder sagen –, dass das eifrige Lesen der<br />
Heiligen Schrift aus Menschen bessere Bürger,<br />
bessere Väter und bessere Ehemänner macht.«<br />
Als Königin Victoria über das Geheimnis der<br />
Größe Englands befragt wurde, nahm sie eine<br />
Ausgabe der Bibel in die Hand, zeigte darauf und<br />
sagte: »In diesem Buch steckt die Stärke Großbritanniens.«<br />
Daniel Webster bekräftigt: »Wenn wir<br />
uns an die Prinzipien halten, die in der Bibel gelehrt<br />
werden, dann wird unser Land beständig gedeihen.<br />
Doch wenn wir und unsere Nachkommen<br />
ihre Anweisungen und ihre Autorität ignorieren,<br />
dann kann niemand sagen, ob nicht plötzlich eine<br />
Katastrophe uns überwältigen und unseren Glanz<br />
unter tiefer Dunkelheit begraben kann. <strong>Die</strong> Heilige<br />
Schrift eignet sich sowohl für Juristen als auch<br />
für Theologen, und ich bemitleide Menschen, die<br />
in ihr nicht eine Fülle an Erkenntnis und Verhaltensregeln<br />
finden können.«<br />
Als Sir Walter Scott im Sterben lag, wandte<br />
er sich an seinen <strong>Die</strong>ner und bat: »Lies mir etwas<br />
aus dem Buch vor!« – »Welches Buch?«, entgegnete<br />
der <strong>Die</strong>ner. »Es gibt nur ein Buch – die Bibel!«,<br />
antwortete der Sterbende. <strong>Die</strong> Bibel ist das Buch,<br />
durch das man leben und sterben kann. Lesen Sie<br />
es, um weise zu werden! Glauben Sie daran, um<br />
gerettet zu werden! Leben Sie es aus, um heilig zu<br />
werden! Jemand sagte: »Verstehen Sie es mit dem<br />
Kopf, bewahren Sie es im Herzen, demonstrieren<br />
Sie es in Ihrem Leben und verbreiten Sie es in der<br />
Welt.«<br />
»Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung,<br />
zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz<br />
zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet« (2.Tim. 3,16-17).<br />
2<br />
Daniel Webster (1782–1852): US-amerikanischer Politiker.<br />
3<br />
Sir Walter Scott, 1. Baronet von Abbotsford (1771–1832):<br />
schottischer Dichter und Schriftsteller und einer der meistgelesenen Autoren seiner Zeit.<br />
voiceofhope.de | 41
NEU<br />
JESUS ALLEIN<br />
John MacArthur<br />
Was hat Jesus gemeint, als Er sagte: »Folge Mir nach!«?<br />
In »Jesus allein« macht John MacArthur deutlich, dass das<br />
von Jesus verkündete Evangelium ein Aufruf zur Selbstverleugnung,<br />
zu radikalen Veränderungen und zum <strong>Die</strong>nst für Ihn ist. Schwierige<br />
Forderungen? Menschlich gesehen unmöglich! Doch diese Lebensweise<br />
ist erreichbar, wenn wir verstehen, dass echter Glaube ein Herz<br />
hervorbringt, das sich völlig der Herrschaft Christi unterwirft.<br />
»Jesus allein« beleuchtet das Evangelium, das Jesus Selbst gepredigt hat –<br />
mit dem Ziel, ein gründliches und richtiges Verständnis <strong>des</strong> wahren Weges<br />
zur Errettung zu erlangen. Er ist der Einzige, an den wir uns wenden<br />
müssen, wenn wir Worte <strong>des</strong> ewigen Lebens erhalten wollen.
· IMPRESSUM ·<br />
Herausgeber<br />
MISSIONSWERK VOICE OF HOPE E. V.<br />
Eckenhagener Str. 43<br />
51580 Reichshof-Mittelagger<br />
Tel.: +49 2265 99749-0<br />
Fax: +49 2265 99749-29<br />
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CHRISTLICHER VERLAG VOICE OF HOPE<br />
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www.voh-shop.de<br />
Über den Autor<br />
John MacArthur ist seit 1969<br />
leitender Pastor der Grace Community<br />
Church in Sun Valley, Kalifornien. Sein<br />
<strong>Die</strong>nst als Auslegungsprediger ist an<br />
Reichweite und Einfluss unübertroffen: In<br />
über 50 <strong>Die</strong>nstjahren auf derselben Kanzel<br />
hat er Vers für Vers über das gesamte<br />
Neue Testament (und viele Schlüsseltexte<br />
<strong>des</strong> Alten Testaments) gepredigt.<br />
Er ist Leiter der Master's University und<br />
deren Predigerseminar und ist täglich in<br />
der Radiosendung Grace to You<br />
zu hören (übertragen von hunderten von<br />
Radiosendern weltweit). Er ist Autor einer<br />
Reihe von Büchern, darunter der MacArthur<br />
Studienbibel, »Das kraftvolle Evangelium<br />
(Band 1 & 2)«, »Wie man die Bibel studiert«<br />
und »Gnade für dich«.<br />
www.voh-shop.de<br />
02265 9974922<br />
15,90 € • Bestell-Nr.: 875.283<br />
188 Seiten • Hardcover • Leineneinband<br />
Goldprägung • 2-farbig<br />
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DEUTSCHLAND:<br />
Sparkasse Gummersbach-Bergneustadt<br />
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<strong>Die</strong>se können Sie dem Finanzamt<br />
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Kinder Gottes, was euch auch mangeln<br />
möge, ihr habt einen Gott, <strong>des</strong>sen ihr euch in<br />
höchstem Maße rühmen dürft. Weil ihr Gott habt,<br />
habt ihr mehr als alles; denn alle Dinge kommen von<br />
Ihm. Und wenn alle Dinge plötzlich verschwänden,<br />
könnte Er sie einfach wiederherstellen, wenn Er<br />
will. Er spricht, und es geschieht; Er gebietet, und es<br />
steht da. Wohl dem, <strong>des</strong>sen Hilfe der Gott Jakobs ist,<br />
<strong>des</strong>sen Hoffnung ruht auf dem HERRN, seinem Gott!<br />
In dem Herrn haben wir Gerechtigkeit und Stärke.<br />
Lasst die Zeiten kommen und gehen, sie können<br />
unseren Gott nicht beeinflussen!<br />
Charles Haddon Spurgeon