2021/12 |Unternehmen #80 | Ausgabe Dezember 2021 | !

suedwest.presse

unternehmen [!] RESSORT 1

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 80 | Dezember 2021 | 3,00 €

Hier stimmt

die Chemie

E-Mobilität stellt andere Ansprüche: Der Chef von

Zeller+Gmelin Siegfried Müller über unnötige

Sorgen und umweltgerechte Produktion.

+16

Seiten

Illertal

BURNOUT IM BERUF

Wie sich mit gezielter Prävention

Stress und psychische Leiden

verhindern lassen.

Seite 20

KAMPF GEGEN KLIMAKRISE

Warum viele Unternehmen aufs

Tempo drücken, um ihren

CO 2

-Ausstoß zu senken.

Seite 34

UMFRAGE

Zehn Führungskräfte über

Herausforderungen – und

Vorsätze fürs Jahr 2022.

Seite 63


2

RESSORT unternehmen [!]

Jetzt der

Konkurrenz

eine Investition

voraus sein.

Sichern Sie Ihren Vorsprung:

mit der richtigen Finanzierung.

Bringen Sie Ihr Unternehmen einen Schritt nach

vorne. Denn Investitionen in digitale Prozesse,

nachhaltige Technologien oder globale Märkte

sind Ihr Wettbewerbsvorteil der Zukunft.

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Weil’s um mehr als Geld geht.


unternehmen [!] INHALT/EDITORIAL 3

Liebe Leserin, lieber Leser,

Corona hin oder her: Es ist der Aufbruch in eine

neue Zeit. Die neue Ampel-Bundesregierung

schickt sich mit Investitionsprogrammen für Klimaschutz

und digitale Infrastruktur an, Strukturen

neu zu gestalten und das Land zu modernisieren.

In dieser Ausgabe wird wie unter einem

Brennglas sichtbar, welche Wucht das Thema klimaneutrales

Wirtschaften entfaltet. Sie zeigt auch,

dass Wachstum und Klimaschutz sich nicht ausschließen

– im Gegenteil. Der Chef des Schmierstoffherstellers

Zeller+Gmelin Siegfried Müller

berichtet im Titelinterview (Seite 10), wie sich

aus einer vermeintlichen Bedrohung neue Möglichkeiten

entwickeln. Das wird auch deutlich in

unserem Finanz-Thema „Aus Kalkül Vorreiter in

Sachen Öko“ (Seite 6) und unserem Energie-Thema

„Mit Tempo aus der schmutzigen Ära“ (Seite

34). Weil die kommenden Monate herausfordernd

bleiben, ist es wichtig, andere große Themen im

Blick zu behalten: Wie halte ich als Arbeitgeber

meine Mitarbeitenden gesund (Seite 20), wie digitalisiere

ich die Fertigung (Seite 26) und was

kann ich von anderen lernen (Seite 63). Ich wünsche

Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter unternehmen [!]

FINANZIEREN

FINANZIEREN

6 Aus Kalkül Vorreiter in Sachen

Öko Warum Mittelständler auch ohne

gesetzliche Vorgaben Maßnahmen

zum Klimaschutz ergreifen

TITELTHEMA

10 Schmierstoff für die E-Mobilität

Zeller+Gmelin-Chef Siegfried Müller

im Gespräch

VERANTWORTEN

20 Alarm in Kopf und Körper

Gute Prävention kann Stress und

psychische Leiden verhindern

24 Klimaschutz mit sozialer Komponente

Ravensburger senkt den

CO 2

-Ausstoß mit Hilfe seiner Mitarbeiter

34 Mit Tempo aus schmutziger Ära

Wie Unternehmen vorangehen und

den Klimaschutz als Chance verstehen

MACHEN

26 Fahrerlose Zukunft der Fabrik

Kärcher hat eine Blaupause für eine

vollvernetzte Produktion geschaffen

32 Süßes Geschäft Michaela Krieg

und Marianne Sonnenfroh haben

mit über 60 die Kekserei gegründet

42 Mit Sicherheit an erster Stelle

Bei AST lernen Experten was

Arbeitssicherheit bedeutet

LEBEN

40

Genussvolle Verbindung

Wein und Kunst prägen das Leben

von Norbert Leins

63 2022 kann kommen

Umfrage unter Führungskräften

SPEZIAL

45 Standort im Porträt: Illertal

Innenstadt in neuem Glanz

NAMEN & NACHRICHTEN

4 Alles wieder auf Anfang

30 Vaude und Alpenverein kooperieren

44 Es tut sich was in Göppingen

62 Probe für den Ernstfall

66 Impressum

42

20

34 24

06


4

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Alles wieder auf Anfang

Sedelhöfe Das neue Quartier in der Ulmer Innenstadt kommt nicht zur Ruhe. Jetzt müssen

sich die Investoren auf die Suche nach einem neuen Käufer machen.

Innenstadt Die Kritik am neuen

Ulmer Vorzeigequartier, den

Sedelhöfen reißt nicht ab: Zu

wenig Grün auf den Plätzen, andauernde

Mängel in den Wohneinheiten

und eine überforderte

Verwaltung. Doch zumindest

die Zukunft des Innenstadtquartiers

schien bislang in trockenen

Tüchern. Doch weit gefehlt. Der

Investor DC Developments und

die Aachener Grund haben den

Kaufvertrag aufgelöst. Damit

bleibt DC vorerst Eigentümer

des neuen, gut 250 Millionen

Euro teuren Stadtquartiers mit

seinen 18 000 Quadratmetern

Gewerbeflächen, 8000 Quadratmeter

Büros und 114 Mietwohnungen.

Grund für die Vertragsauflösung

sei, dass das Projekt mittlerweile

„in zu vielen Parametern

vom abgeschlossenen

Kaufvertrag abweicht“, erklärte

Frank Wenzel, Geschäftsführer

der Aachener Grund. Die Bedürfnisse

der Nutzer haben sich

wie auch die Marktbedingungen

haben sich seit Vertragsabschluss

verändert – darauf

musste der Projektentwickler

reagieren, heißt es in einer gemeinsamen

Mitteilung

„Wir übergeben das Projekt

erst, wenn wir alles fertig haben“,

sagt DC-Geschäftsführer

Lothar Schubert. Vor 2022 werde

kein neuer Käufer für die Sedelhöfe

gesucht. Für die Stadt

ändert sich dadurch aber nichts.

„DC ist unser Vertragspartner“,

betont OB Gunter Czisch. DCs

wirtschaftliche Entscheidungen

„sind nicht unser Thema und

unser Geschäft. Unser Interesse

liegt darin, dass die Sedelhöfe

an einen langfristigen, nachhaltigen

Investor gehen.“ Und

dass DC das Projekt nun selber

länger halte, „zeigt doch auch,

dass sie selber sehr an die Sedelhöfe

glauben“.

Ursprünglich hatte DC das

Projekt nur bis zum Einzug der

Mieter finanzieren und verantworten

wollen – um es dann mit

Gewinn an einen „institutionellen

Bestandshalter“ weiterzuverkaufen.

[!]

jkl

Ulmer Prestigeobjekt mit Kratzern im Image: Manche Mieter

nennen die Sedelhöfe „Mängelhöfe“. Foto: Lars Schwerdtfeger

Erste Mieter für das „Agnes“

Göppingen Nun soll nichts

mehr dazwischen kommen: Im

Frühjahr 2022 eröffnet das neue

Einkaufszentrum „Agnes“ in der

Göppinger Bleichstraße. Neben

reinen Handelsflächen finden

auch Dienstleister und Gastronomen

in dem zentral gelegenen

Gebäude Platz. Center-Manager

Joachim Trender kündigt nun

den Einzug des Young-Fashion-Anbieters

„Olymp & Hades“

mit einer Fläche von mehr

als 1000 Quadratmetern an, darüber

hinaus werde ein „Apple

Reseller“ eine etwa 300 Quadratmeter

große Fläche anmieten.

Außerdem spricht Trender

noch von zwei „sehr namhaften

Mehr als ein Einkaufszentrum:

das „Agnes“. Foto: Staufenpress

Discountern aus den Bereichen

Lebensmittel und Kleinkaufhaus“.

Ergänzt werde der Mieter-Mix

des „Agnes“, das mittlerweile

nicht mehr als reines

Einkauftszentrum, sondern vielmehr

als multifunktionales

Stadtquartier vermarktet wird,

durch den zentralen Food-Court

mit etwa 300 Sitzplätzen und 11

unterschiedlichen Gastronomie-Anbietern

im ersten Obergeschoss

sowie das mehr als

1500 Quadratmeter große Fitness-Studio

„Easyfitness“.

Mit 700 Stellplätzen verfüge

das „Agnes“ über „das größte

und wichtigste innerstädtische

Parkhaus“ und sei für den Individualverkehr

„hervorragend

angebunden“, erklärt Trender

weiter.

Das neue Einkaufszentrum in

der Göppinger Innenstadt verfügt

insgesamt über eine Verkaufsfläche

von 21 000 Quadratmetern

auf drei Handelsebenen

– geplant waren zunächst vier.

Platz in dem Neubau ist für bis

zu 50 Shops, Restaurants und

Dienstleister.

Die Eigentümer-Familien,

darunter die Augsburger Familie

Schenavsky, investieren am

Standort Bleichstraße nach eigenen

Angaben rund 100 Millionen

Euro.[!]

rai


unternehmen [!] NAMEN & NACHRICHTEN 5

Gardena bekennt sich zu Ulm

Standort Der Gartengerätehersteller

Gardena hält am Firmensitz

im Ulmer Donautal fest und

will in das Gelände investieren.

Wie das Unternehmen mitteilt

habe es „mit dem bisherigen Eigentümer

ihres Betriebsgeländes

und Gebäudes am Standort

Ulm-Donautal einen Kaufvertrag

über den Erwerb geschlossen“.

Über den Kaufpreis wurde

Stillschweigen vereinbart.

Zuetzt war in der Belegschaft

Unruhe aufgekommen:

Denn der zur Husqvarna-Gruppe

gehörende Hersteller von

Gartengeräten expandiert in

Heuchlingen (Ostalbkreis). Es

gab Gerüchte, die Firma könnte

sogar komplett auf die Ostalb

umziehen. Denn zum einen gibt

es im Donautal keine Expansionsmöglichkeiten

mehr. Zum

anderen wollte sich der Eigentümer

von Gebäude und Grundstück

– die Kastner Verwaltungs

GmbH – nicht zur Zukunft des

Mietvertrags äußern.

Nun herrscht Klarheit: Der

Erwerb sei „ein wichtiger

Schritt, mit dem wir die Weichen

in Richtung Zukunft von

Gardena am Standort Ulm stellen“,

sagt Gardena-Chef Pär

Åström. „Nun können wir hier

selbst zusätzliche Investitionen

tätigen und attraktive Arbeitsplätze

gestalten.“

Gardena will nun den 103 000

Quadratmeter großen Standort

im Industriegebiet Donautal

modernisieren: Aufgrund der

guten Erfahrungen mit Homeoffice

in der Pandemie soll mobiles

Arbeiten auch langfristig

möglich sein, woraus sich andere

Anforderungen an die Büroräume

ergeben. [!] jkl

Die Gardena-Fertigung in Ulm ist gesichert – und damit auch die

Arbeitsplätze.

Foto: Armin Buhl/Gardena

Neue Chefin

übernimmt

IHK Ulm Führungswechsel an

der Spitze der IHK Ulm. Petra

Engstler-Karrasch hat Mitte November

offiziell das Amt der

Hauptgeschäftsführerin übernommen.

Damit soll in das Haus

der Wirtschaft nach dem turbulten

Weggang ihres Vorgängers

Max-Martin Deinhard sowie

von Ralf Börsig und Thomas

Krüger wieder Ruhe einkehren.

Engstler-Karrasch

sieht sich

gut gerüstet: Sie

hat BWL und

Psychologie

studiert und als

Beraterin gear-

Petra Engstler-Karrascbeitet.

„Lö-

folgt auf

sungsorientie-

rung ist das Instrument

Max-Martin

der

Deinhard. Wahl“, um sich

aus einer konfliktträchtigen

Situation zu lösen.

Zudem ist sie Kammer-erfahren,

war zuvor stellvertretende

Hauptgeschäftsführerin bei

der Handwerkskammer Stuttgart.

(Siehe Umfrage) [!] jkl

Iveco wird

unabhängig

Umstrukturierung Bei Iveco

beginnt ein neues Kapitel. Der

Mutterkonzern CNH Industrial

spaltet sich in zwei Unternehmen

auf, wie Iveco mitteilt: in

die Segmente On-Highway-Geschäft

und Off-Highway-Geschäft.

Die künftige Iveco Group

wird von Geschäftsführer Gerrit

Marx, bislang Nutzfahrzeug-Chef

von CNH Industrial,

als eigenständiges, börsennotierte

Unternehmen Anfang

2022 in die Unabhängigkeit geführt.

„Die beiden Unternehmen

sind völlig unabhängig voneinander,

unterhalten jedoch weiterhin

Geschäftsbeziehungen“,

erläutert Iveco-Pressesprecher

Patrick Wanner auf Anfrage.

„Wo es sinnvoll ist, werden

Dienste und Standorte gemeinsam

genutzt.“ So werde der

Off-Highway-Bereich weiterhin

Motoren des On-Highway-Unternehmen

beziehen, und beide

Unternehmen würden ihren jeweiligen

Kunden Dienstleistungen

von Financial Services anbieten.

[!]

jkl

Perspektive für Bucher

Kooperation Der Autozulieferer

Reinz/Dana in Neu-Ulm hat

einen langfristigen Kooperationsvertrag

mit dem Bosch unterschrieben

– dabei geht es um

die gemeinsame Entwicklung

und Herstellung von metallischen

Bipolarplatten für Brennstoffzellen-Stacks

der nächsten

Generation. Die Produktion solle

im Werk in Neu-Ulm stattfinden,

sagt Reinz-Unternehmenssprecherin

Carolin Sailer. „Das

Insolvenz Insolvenzverwalter

Michael Pluta sieht für das Eislinger

Maschinenbau-Unternehmen

Emil Bucher trotz der momentan

schwierigen Lage eine

Zukunft. „Das ist ein sauber geführter

Betrieb, alles sehr ordentlich

mit sehr guten Leuten.“

In einer Gläubigersitzung wurde

der Fortführung des Betriebs

für mindestens ein Jahr zugestimmt.

Laufende Projekte sollen

fortgeführt werden. Im Betrieb,

der Sondermaschinen für

die Automobilindustrie und

Flugzeughersteller produziert,

wird ganz normal weitergearbeitet.

Das Unternehmen, das

derzeit 193 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter beschäftigt,

musste aufgrund starker Auftragseinbrüche

infolge der Corona-Krise

im September Insolvenz

anmelden. [!] rai

Reinz sichert Standort

trägt natürlich zur Standortsicherung

bei.“ Weitere neue

Produkte seien bereits in der

Entwicklung: alles, was die Effizienz

von Batteriezellen und damit

von Elektrofahrzeugen verbessern

kann. Sailer nennt beispielhaft

eine innovative Dichtung

für Batteriegehäuse.

Aktuell beschäftigt Reinz/Dana

am Standort in Neu-Ulm rund

1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

[!]

jkl


6

FINANZIEREN unternehmen [!]

Aus Kalkül

Vorreiter in

Sachen Öko

Unternehmensstrategie Viele Mittelständler

ergreifen schon heute Maßnahmen zum

Klimaschutz, die noch nicht gesetzlich

vorgeschrieben sind. Das bringt ihnen auf

Dauer Wettbewerbsvorteile.

Der Strom kommt von

der eigenen Photovoltaik-Anlage,

eine ausgetüftelte

Software sorgt

bei der Erstellung von Entwürfen

und Konstruktionen dafür,

dass später der Verschnitt beim

Holz aus nachhaltiger Produktion

minimiert wird. Was noch

an Sägemehl und Spänen anfällt,

wird im eigenen Heizwerk verbrannt.

Das und einiges mehr

hat sich das Innenausbauunternehmen

Kiess einfallen lassen,

um den CO 2

-Ausstoß zu senken.

Für diesen Beitrag zum Klimaschutz

sind die Stuttgarter 2020

mit dem Umweltpreis für Unternehmen

in Baden-Württemberg

ausgezeichnet worden.

„Selbstverständlich haben

wir dafür investieren müssen.

Aber wir sparen auf der anderen

Seite dauerhaft zum Beispiel

bei unseren Energiekosten“,

sagt Geschäftsführer Wolfgang

Rosskopf. Dass sich der Mittelständler

bereits heute in Sachen

Nachhaltigkeit konsequent aufstellt,

obwohl er es von den gesetzlichen

Vorgaben her noch

gar nicht müsste, ist für Rosskopf

auch betriebswirtschaftliches

Kalkül: „Es hat keinen

Zweck zu warten. Große Auftraggeber

wie Daimler oder

Bosch haben bereits angekündigt,

dass sie ihre Zulieferer in

dieser Hinsicht immer stärker in

die Pflicht nehmen werden.“

Kiess ist zudem im vergangenen

Jahr dem Klimabündnis Baden-Württemberg

beigetreten

und will bis 2030 vollständig klimaneutral

wirtschaften. Im

Zuge dieser Selbstverpflichtung

bilanziert der Schreinerbetrieb

bereits seit 2019 jährlich seine

CO 2

-Emissionen.

Solche Maßnahmen von

Öko-Vorreitern kommen nicht

nur bei Kunden, sondern auch

ILLUSTRATIONEN: MAX MESCHKOWSKI


unternehmen [!] FINANZIEREN 7

bei deren Hausbanken gut an.

„Wir wollen unsere Firmenkunden

gezielt bei der Gestaltung

nachhaltiger Geschäftsmodelle

begleiten. Daher entwickeln wir

seit Jahren zum Beispiel spezielle

Finanzierungsprodukte, bei

denen sich die Einhaltung bestimmter

Nachhaltigkeitskriterien

auf die Konditionen auswirkt“,

sagt Oliver Graf, Key Account

Manager bei der BW-

Bank. „Je nachhaltiger ein

Unternehmen wirtschaftet, desto

kostengünstiger werden diese

Finanzmittel.“

Vor diesem Hintergrund handeln

Mittelständler wie Kiess

für Frank Immenga klug. „Der

Druck auf Unternehmen, nachhaltiger

zu agieren, wird in den

kommenden Jahren deutlich

steigen“, ist sich der geschäftsführende

Gründungsdirektor

des Instituts für Compliance

& Environmental

Der Druck auf

Unternehmen

wird wachsen,

klimagerecht zu

handeln.

Frank Imenga

Direktor ICESG-Institut

Social Governance (ICESG) sicher.

Aktuell sind nur kapitalmarktorientierte

Unternehmen,

die im Jahresdurchschnitt mehr

als 500 Mitarbeiter zählen, mindestens

40 Millionen Euro Umsatz

erwirtschaften oder eine Bilanzsumme

von mehr als 20 Millionen

Euro aufweisen, verpflichtet,

zusätzlich zu ihrem

Zahlenwerk über „nichtfinanzielle

Aspekte“ zu berichten.

Grob gesagt müssen betroffene

Firmen Auskunft zu Um-

Große Auftraggeber schauen schon heute sehr genau darauf,

wie ihre Lieferanten produzieren.

Danke

für bereits 5 Jahre Vertrauen in

unsere Expertise als Headhunter

technischer Fach- und Führungskräfte,

als Personalberater und als

Karriereberater.

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Die Klimawende gewinnt an

Tempo: Betriebe sind gezwungen,

sich neu auszurichten.

Jahre


8

FINANZIEREN unternehmen [!]

Förderprogramme für Investitionen

Vor allem junge

Bewerber

achten darauf, wie

nachhaltig orientiert

Arbeitgeber sind.

Für eine umweltschonende Unternehmensführung gibt es viele Ansätze.

Für Unternehmen, die ihre

Nachhaltigkeit mit Investitionen

und zuerst einmal mit einer

Beratung durch zertifizierte

Experten vorantreiben wollen,

gibt es eine Vielzahl an

Fördermitteln, die zu den unterschiedlichsten

Ansprüchen

passen. Die Bandbreite reicht

von Nachhaltigkeit bereits bei

der Existenzgründung über

welt-, Arbeitnehmer und Sozialbelangen

geben und sich zur Achtung

der Menschenrechte bekennen. Diese

Angaben können sie in ihren Lagebericht

aufnehmen, im „Bundesanzeiger“

veröffentlichen oder auf

ihrer Website bekannt machen. „Das

Thema wird zunehmend auch Mittelständler

und selbst Start-ups einholen.

Die Regulatorik entwickelt

sich sehr schnell“, sagt Andre Waßmann,

Mitglied der Geschäftsleitung

Helbling Business Advisors. Was

jetzt noch für einige Firmen eine Kür

sei, werde zur Pflicht. Durch die

Vorgaben der EU werden von 2024

an Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden

offenlegen müssen, was

sie in Sachen Nachhaltigkeit tun.

Energieberatung bis zu Investitionen

in die Entwicklung

neuer nachhaltiger Produkte

und Dienstleistungen oder

energiesparende Infrastruktur

und Prozessoptimierung im

Betrieb.

Eine interessante Auswahl

an Fördermöglichkeiten hat

der BNW Bundesverband

Zur Person

Prof. Dr. Frank Immenga

ist seit 1999

als Rechtsanwalt zugelassen.

Seit 2005

hat er die Professur

unter anderem für

für bürgerliches

Recht und Wettbewerbsrecht

an der

Hochschule Trier.

Nachhaltige Wirtschaft auf

seiner Homepage zusammengestellt

(https://www.

bnw-bundesverband.de/). Zusätzlich

gibt die Förderdatenbank

des Bundes (foerderdatenbank.de)

einen Überblick

über Förderprogramme und

Förderorganisationen des

Bundes, der Länder und der

Europäischen Union.

Das von 2023 an geltende Lieferkettengesetz

wird ebenfalls Folgen

haben. Unmittelbar betroffen sind

zwar zunächst nur Unternehmen

mit mehr als 3000 Mitarbeitern. Allerdings

sind diese verpflichtet, auch

die Geschäftsbereiche ihrer unmittelbaren

Zulieferer wie etwa Kiess

auf Nachhaltigkeitsrisiken zu durchleuchten.

Damit werden auch kleinere

Betriebe als Teil der Lieferkette

in Zugzwang geraten.

Immenga, der auch Professor an

der Hochschule Trier ist, empfiehlt

Mittelständlern, das Thema proaktiv

anzugehen. „Das sollten Unternehmensverantwortliche

als Chance

für das eigene Geschäftsmodell

begreifen. Wer schon heute Maßnahmen

ergreift, die noch nicht vom

Gesetz verlangt werden, erarbeitet

sich Wettbewerbsvorteile.“ Das bestätigt

im Kern auch eine Studie der

LBBW aus dem Jahre 2018. Demnach

können nachhaltig orientierte Unternehmen

vor allem bei privaten

Endkunden punkten. Wichtiges Instrument

dabei ist eine glaubwürdige,

authentische Kommunikation:

Intern, um die Mitarbeiter vom Wert

nachhaltigen Wirtschaftens zu überzeugen.

Aber auch extern – zum Beispiel,

um knapper werdende Fachkräfte

zu rekrutieren. Nach Beobachtung

der LBBW-Analysten ist es

vor allem jungen Bewerbern wichtig,

bei einem nachhaltig orientierten

Arbeitgeber beschäftigt zu sein.

Nicht zuletzt stärken Nachhaltigkeitsaktivitäten

das Firmenimage.

Auch gegenüber Investoren und

Banken sollten Firmen ihre ökologischen

und sozialen Bemühungen

und ihre Agilität immer wieder kommunizieren.

So bleiben sie attraktiv

für Geldgeber. „Noch schauen viele

Banken bei der Kreditvergabe auf

die Bonität und Finanzkennzahlen“,

beobachtet Finanzierungsexperte

Waßmann. „Doch hier findet ein

Umdenken auch auf Initiative der Finanzaufsicht

hin statt. Eine sorgfältige

Aufstellung in Richtung Nachhaltigkeit

wird auf Dauer zu einer

existenziellen Frage für Unternehmen“,

ist er daher überzeugt.

„Eine sorgfältige und vorausschauende

Geschäftsleitung muss

daher bereits heute das Thema

Nachhaltigkeit im Fokus haben, um

angesichts der drohenden immensen

Rechtsrisiken frühzeitig entsprechende

Compliance-Maßnahmen

umzusetzen und zu etablieren“,

ergänzt Immenga. Experten raten,

im Gesellschaftsvertrag festzuschreiben,

dass sich das Unternehmen

nachhaltigen Zielen verpflichtet.

So könnten Vorstände und Geschäftsführer

später schadensersatzpflichtig

gemacht werden, falls sie

Nachhaltigkeits standards missachten.[!]


Thomas Luther


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Schriftformverstöße in Miet- oder Pachtverträgen

– eine tickende Zeitbombe

„Wer schreibt, der bleibt.“ lautet ein Sprichwort.

Kann ein auf Papier gedruckter Miet-/

Pachtvertrag trotzdem nicht „schriftlich

genug“ sein? Ja, das geht! Zudem kann es

fatale wirtschaftliche Folgen für beide Vertragsparteien

haben.

Das gesetzliche Schriftformerfordernis gemäß

§§ 581 II, 578, 550 BGB ist das absolute Dauerthema,

insbesondere in langfristigen Miet-/

Pachtverträgen: Beispielsweise beim Abschluss

eines Mietvertrags, beim Ankauf einer

vermieteten Immobilie oder bei vorzeitiger Beendigungsabsicht

einer Vertragspartei. Was

die Vertragspartner üblicherweise unter

„schriftlich“ verstehen, reicht beim Mietvertrag

jedoch meist nicht aus. Die Vertragsparteien

können häufig nicht erkennen, dass oder

wann sie Schriftformverstöße verursachen.

Sicherheit für Investitionen

Miet-/Pachtverträge werden oft für eine Laufzeit

von mehreren Jahren abgeschlossen.

Denn die getätigten Investitionen des Vermieters

oder Mieters in das gewerblich genutzte

Mietobjekt amortisieren sich nur über eine

lange Laufzeit, z.B. für Um- und Ausbauten. Die

Vertragsparteien vertrauen daher auf eine lange

Nutzungsdauer aufgrund des Mietvertrags.

Wird die besondere Schriftform beim Abschluss

des Mietvertrags oder beim Abschluss

von Nachträgen zum Mietvertrag nicht beachtet,

kann das Mietverhältnis jederzeit vorzeitig

durch ordentliche Kündigung beendet werden.

Wenn sich eine Vertragspartei vor Ablauf der

Festmietzeit vom Mietvertrag lösen will, kann

sie sich den Schriftformverstoß zunutze machen.

Schriftformverstöße sind daher eine tickende

Zeitbombe.

Die getätigten Investitionen sind jedoch bei einer

vorzeitigen Kündigung des Mietverhältnisses

häufig verloren. Außerdem entstehen weitere

Kosten wegen Standortsuche und Umzug

Ihr Ansprechpartner:

Dr. Benjamin Riedel,

RA, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht

benjamin.riedel@sonntag-partner.de

Tel: +49 731 37958-0

beim Mieter sowie Leerstand und Neuvermietung

beim Vermieter.

Vorsorge durch fachkundige Beratung

Insbesondere die Beschreibung der Mietsache,

die Miete, die Vertragslaufzeit und andere

wesentliche Vertragsinhalte, sowie deren

Änderungen, unterliegen dem besonderen

Schriftformerfordernis. Die Schriftform ist bei

Abschluss des Mietvertrags wie auch bei späteren

Änderungen unbedingt zu beachten. Die

gesetzliche Schriftform ist aber nicht schon

dann eingehalten, wenn die Regelungen auf

irgendeinem Schriftstück fixiert wurden. Vielmehr

müssen zusätzlich bestimmte, inhaltliche

und formelle Anforderungen erfüllt werden.

Gerade rudimentäre Regelungen in einem

knappen Mietvertrag und v.a. ein Schriftwechsel

per E-Mail, Fax oder Post genügen nicht und

können auch im laufenden Miet-/Pachtverhältnis

zu den oben beschriebenen verheerenden

Folgen führen.

Eine fachkundige juristische Beratung und Begleitung

beim Abschluss von Miet-/Pachtverträgen

und bei Vereinbarung nachträglicher

Anpassungen und Änderungen ist daher dringend

erforderlich.

Schillerstraße 1/1 | 89077 Ulm

www.sonntag-partner.de


Siegfried Müller führt

den Mittelständler

Zeller+Gmelin seit

dem Jahr 2012.


unternehmen [!] TITELTHEMA 11

Schmierstoff

für die E-Mobilität

Zeller+Gmelin Von der Bedrohung zum Wachstumstreiber: Bei dem Eislinger

Chemieunternehmen sind die Sorgen vor dem Strukturwandel der Autoindustrie verflogen.

Doch die neue Zeit ist anders. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Siegfried Müller über

höhere Ansprüche, Umweltverträglichkeit und was er an der Politik am meisten vermisst.

Sie sind ein erfolgreiches Chemie-Unternehmen

mit rund 1000 Mitarbeiter, aber in der Öffentlichkeit

kaum bekannt. Stört Sie das?

Wir spielen die Rolle des Hidden Champions gerne.

Wir sind ein typisch schwäbischer Mittelständler –

mit rund 300 Millionen Euro Jahresumsatz. Das

heißt wir sind konservativ orientiert, investieren

vorsichtig und – ganz wichtig – wir denken in Dekaden,

nicht in Quartalsergebnissen. Alle Bausteine

zusammen führen zu einem tiefen Vertrauen auf

Kundenseite. Oft pflegen wir Kundenbeziehungen

über Jahrzehnte hinweg.

Welcher Ihrer Bereiche macht

Ihnen am meisten Freude?

Für uns ist es ein großer Vorteil,

mit vier Divisionen breit aufgestellt

zu sein. Wenn ein Standbein

schwächelt, haben wir die Chance,

das mit den anderen auszugleichen.

Dies hat bisher meist funktioniert.

Von all unseren Bereichen

fühle ich mich im Geschäftsfeld

„Schmierstoffe“ am wohlsten. Hier

produzieren wir für die Sektoren Automotive und

Non-Automotive. Mit den Schmierstoffen machen

wir rund zwei Drittel unseres Gesamtumsatzes.

Was sind das für Schmierstoffe?

Das sind vor allem Bearbeitungsflüssigkeiten im

Metallbereich. Wenn Sie beispielsweise einen Kolben

für den Motor bearbeiten wollen, brauchen Sie

dafür einen Schmierstoff. Das sind hochspezialisierte

Produkte, die wir in hunderten von Sorten vertreiben.

Aber auch Schmierstoffe, welche zum Beispiel

zur Lagerschmierung benötigt werden.

Wir wollen

ein Teil der

E-Mobilität werden

und neue Lösungen

bieten.

Jetzt werden Kolben in absehbarer Zukunft

nicht mehr in Motoren verbaut werden…

Das ist richtig. Die Elektromobilität ist in aller Munde,

seit die Bundesregierung beschlossen hat, dass

die deutsche Zukunft elektrisch sein wird. Wir haben

daher in einem ersten Schritt eine Studie zu

unserem Geschäft erstellt. In einer Art schwarzweiß

Szenario haben wir untersucht was passiert,

wenn wir nicht auf die Elektromobilität reagieren.

Was kam dabei heraus?

Das Ergebnis war überraschend. Uns würden etwa

zehn Prozent vom Umsatz wegbrechen.

Warum nur zehn Prozent?

Weil ein Auto nicht nur aus dem Motor besteht. Unsere

Produkte werden auch in der Produktion und

Bearbeitung von Fahrwerk, mechatronischen Bauteilen,

Karosserie und anderen Segmenten eingesetzt.

Unsere Geschäftsstrategie ist also durch den

Strukturwandel in der Autoindustrie

nicht gefährdet. Das hat uns

und unsere Eigentümer sehr beruhigt.

Uns geht es aber nicht darum

Schaden zu vermeiden, sondern

darum, neue Marktchancen für

uns zu nutzen. Wir wollen ein Teil

der E-Mobilität werden und auch

Lösungen für die Herstellung von

Batterien, Brennstoffzellen und

E-Motoren bieten.

Wie gehen Sie das an?

Die Fertigung von Batteriegehäusen etwa können

wir mit unseren bestehenden Produkten bewerkstelligen.

Darüber hinaus forschen und entwickeln

wir an Produkten, um neue Bereiche, die wir heute

noch nicht bedienen, künftig auch ins Portfolio aufnehmen

zu können. Beispielsweise weichen die

Kühlmedien für Batterien und Brennstoffzellen von

den bisher eingesetzten Kühlflüssigkeiten im Verbrennungsmotor

ab. Diese Flüssigkeiten entwickeln

wir in einem neuen Tätigkeitsfeld. Allgemein befassen

wir uns sehr konkret mit dem Thermomanagement,

ob dies ein entscheidender Schlüssel in der

E-Mobilität sein wird.

Machen Sie das am Stammsitz in Eislingen?

Ja. Von unseren 500 Mitarbeitenden dort arbeiten

mehr als zehn Prozent – also rund 50 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter – an Forschungs- und Entwick-

Zur Person

Siegfried Müller

(59) ist seit dem Jahr

2012 Geschäftsführer

bei Zeller+Gemelin in

Eislingen. Zuvor war er

unter anderem für

Branchenriesen wie

Aral (zehn Jahre) und

BP (sieben Jahre)

tätig, aber auch für

den australischen

Brambles-Konzern,

einem Spezialisten für

Dokumentenmanagement.

Aufgewachsen

ist Müller in der Nähe

von Amberg auf

einem Bauerhof. Er

studierte Verfahrenstechnik

in Nürnberg.

Der Diplom-Ingenieur

(verheiratet, drei

erwachsene Kinder)

engagiert sich in

verschiendenen

Verbänden. Müller ist

ein leidenschaftlicher

Motorradfahrer (BMW

R 1250 GS). Er segelt,

fährt Ski – und

entspannt bei der

Gartenarbeit.


12

TITELTHEMA unternehmen [!]

„Wir standen wie das

Kaninchen vor der

Schlange“, sagt Siegfried

Müller mit Blick aufs Jahr

2018. Heute ist klar:

Elektromobilität ist eine

Wachstumsoption für

Zeller+Gmelin.

lungsthemen. Diese Kolleginnen und Kollegen sind

natürlich im engen Austausch mit unseren Geschäftspartnern.

Das heißt, Zeller & Gmelin profitiert letztlich

von der Elektromobilität?

Genau, 2018 standen wir wie das Kaninchen vor der

Schlange und waren uns sicher, dass uns die Elektromobilität

stark zu schaffen machen wird. Nachdem

wir uns aber mit der Thematik auseinandergesetzt

haben, sehen wir sie heute als

Wachstumsoption für die Zukunft. Wir haben neue

Projekte gestartet, neue Planstellen geschaffen und

einen E-Mobilitätsmanager angestellt, der den

Überblick behält. Gleichzeitig arbeiten wir mit unseren

Projektpartnern und mit „dem“ Know-how-

Träger im Bereich E-Mobilität zusammen.

Wen meinen Sie?

Die PEM Motion ist ein Spin-Off der RWTH Aachen

und beschäftigt inzwischen 100 Menschen.

Viele Erstausrüster (OEM) und Tier-1 und Tier22,

also unsere Kunden, arbeiten mit diesem Partner

zusammen. Insgesamt kann man sagen, dass wir immer

entlang von Projekten unserer Kunden und

künftigen Kunden arbeiten. Das sind in aller Regel

die Automobilhersteller sowie deren Tier1- und

Tier2-Lieferanten.

Was heißt das für Zeller+Gmelin?

Wenn einer in dieser Kette ein Entwicklungsprojekt

startet, steigen wir direkt mit ein. Wir haben uns

eine Position erarbeitet, in der die Unternehmen

bereits im Entwicklungsstatus auf uns zukommen

und uns fragen, ob wir ihre Projekte begleiten. Wir

sind also im Projekt, bevor dieses beginnt. Der Kunde

hat keine Entwicklungskapazität für Schmierstoffe.

Dafür braucht er Fachleute wie uns.

Ändert das E-Zeitalter die Anforderungen an

Schmierstoffe?

Der Anspruch an Qualität und Verlässlichkeit

wächst. Wer in hoher Qualität, zu einem marktüblichen

Preis und zum bestellten Zeitpunkt liefern

kann, hat den Trumpf in der Hand. Zu den technischen

Parametern kommt aber jetzt vermehrt auch

die Frage nach dem CO 2

-Fußabdruck der Produkte

hinzu. Diesen müssen wir einerseits bestimmen

können und auf der anderen Seite reduzieren. Das

wird immer mehr zum Differenzierungsfaktor.

Wie reagieren Sie darauf?

Wir haben sehr früh, schon 2018, damit begonnen,

uns Know-how ins Haus zu holen. Seit 2020 sind

wir am Standort Eislingen klimaneutral zertifiziert.

Dafür braucht es mindestens ein, besser zwei Jahre

Vorlaufzeit. Schließlich müssen die Optimierungsmaßnahmen

umgesetzt werden. Beim Thema

CO 2

-Fußabdruck sind wir unseren Mitbewerbern

voraus.

Wie scannen Sie Ihre Umgebung, dass Sie früh

auf solche Themen aufmerksam werden?

Wenn Sie die Euro-Normen in den vergangenen

Jahren verfolgt haben, war klar sichtbar, dass die

Vorgaben bezüglich des CO 2

-Ausstoßes immer

strenger werden. Lange hat man die Werte mit

sinkendem Kraftstoffverbrauch erreicht. Aber es

war klar, dass der Tag kommt, an dem dies nicht

mehr möglich ist und dass wir uns damit auseinandersetzen

müssen, wie wir die Normen dann

erfüllen können. Wir schauen in Deutschland

häufig zu sehr auf uns selbst. Bei der europäischen

Schmierstoff-Vereinigung UEIL lag das

Thema CO 2

-Fußabdruck schon weit vor 2018 auf

dem Tisch. Da ich dort mitarbeite, war mir

klar, was kommt.

Ist die Chemieindustrie dadurch, dass

sie angreifbare Produkte herstellt, wacher,

wenn es um Anforderungen dieser

Art geht?

Ja, die Chemieindustrie ist es gewohnt, Einschränkungen

zu managen. In Deutschland

hat die Chemieindustrie kein sehr gutes

Image. Sie ist etwas, das keiner haben will,

aber jeder braucht. Wir sind daher besonders aufmerksam.

Ein Beispiel dafür ist die EU-Chemikalien-Richtlinie

Reach.


unternehmen [!] TITELTHEMA 13

Die ist doch schon 2007 in Kraft getreten?

Ja, und die Vorgaben werden immer strenger. Inzwischen

muss man selbst kleinste Mengen bestimmter

Stoffe melden. Wir als Mittelständler sind davon

voll betroffen. Das ist ein Beispiel dafür, wie

Deutschland und Europa in Bezug auf die Chemiebranche

denken. Natürlich brauchen wir Regeln,

wir wollen ja keine Menschen oder die Umwelt gefährden.

Ein gesunder, weniger bürokratischer Mittelweg

wäre aber besser.

Sie nennen ihre Produkte anwenderspezifisch,

was bedeutet das?

Wir entwickeln in vielen Fällen auf Kundenanforderung

Produkte, die speziell auf die jeweiligen Bedürfnisse

angepasst sind. Wir verkaufen keine

Me-too-Produkte, die es auf dem Markt schon gibt.

Unsere Produkte müssen immer einen technischen

oder wirtschaftlichen Mehrwert bieten. Meist liegt

dieser im funktionalen Bereich.

Was heißt das konkret?

Es geht beispielsweise darum, wie viel Schmierstoff

verbraucht wird, um 100 Zahnräder herzustellen.

Muss ich ihn nach 100 Zahnrädern wechseln oder

reicht er auch für 1000.

Bei einer ABC-Analyse wird Schmierstoff vermutlich

aber eher unter C eingestuft, weil er für

ihre Kunden von untergeordneter Bedeutung

ist.

Das ist richtig. Wir stehen nicht im Fokus – bis etwas

schiefgeht. Zumindest im Betrieb. Sehr wohl im

Fokus stehen wir aber im Entwicklungsbereich. Der

Konstrukteur weiß, dass seine Maschine nur funktioniert,

wenn er den richtigen Schmierstoff hat. Da

sind wir gefragt. Es gibt auch Produkte, die machen

technisch den Unterschied.

Wie zum Beispiel?

Unsere Flow-Grind-Produkte brauchen unsere

Kunden zur Herstellung eines Dieseleinspritzsystems.

Bei unserem Multicut-Flowgrind handelt es

sich um ein pastöses Medium, für das Hochdruck-Strömungsentgraten.

Die Besonderheit ist,

dass unter Druck aus einem zähflüssigen Medium

ein elastisches Medium entsteht. Da dieses Medium

so genannte abrasive Bestandteile enthält, wird das

Medium in der Innengeometrie des Bauteils zu einem

angepassten Schleifstein.

Wie funktioniert Innovation ansonsten in der

Chemieindustrie?

In der

chemischen

Industrie liegt

Innovation im

Detail.

making

places

functional

usm.com


14

TITELTHEMA unternehmen [!]

Die Anforderungen an

Schmierstoffe verändern

sich, sagt Zeller+Gmelin-Geschäftsführer

Müller.

Sie müssen unter anderem

umweltverträglich und

CO 2

-optimiert sein.

Innovation in der Chemie liegt im Detail. Heute geht

es beispielsweise um die Reduktion von CO 2

. Vor ein

paar Jahren ging es darum chemische Elemente, die

für Menschen schädlich sein könnten, zu vermeiden.

Ein gesunder Schmierstoff wäre Wasser. Der

schmiert nur halt nicht. Soll heißen: Ohne Einsatz

von Chemie gibt es keine leistungsfähigen Schmierstoffe.

Trotzdem verschieben sich die Anforderungen

immer mehr in Richtung gesund, umweltverträglich,

und nicht schädlich für den Menschen und

CO 2

-optimiert Dennoch die Leistungsfähigkeit zu

erhalten – das ist Innovationskraft. Zu Innovation

zählt auch neue Produkte zu entwickeln, die durch

positive Eigenschaften Standzeiten

verlängern oder neue Prozesse ermöglichen.

Verändert die Digitalisierung von

Fabriken die Anforderungen an

Industrieschmierstoffe?

Ein Stück weit schon. Digitalisierte

Fabrik heißt beispielsweise, dass

Sensoren und Computer die Zustände

von Schmierstoffen messen und bewerten.

Dabei muss klar sein, wie verhält sich der Schmierstoff

im Neuzustand, was sind Soll-Anforderungen

usw. sonst liefert das System falsche Daten. Der Qualitätsanspruch

steigt. Deshalb arbeiten wir daran,

den Zustand unserer Schmierstoffe digital überwachen

zu können.

Wie machen Sie das?

Bleiben wir bei dem Beispiel mit den Zahnrädern.

Der Schmierstoff wird für die Fertigung der 100

Zahnräder eingesetzt. Dabei wird er belastet und

verbraucht. Wir wollen durch elektronische Systeme

erfassen können, wann der Schmierstoff wirklich

Künftig prüfen

Sensoren, ob

der Schmierstoff

ersetzt werden

muss.

verbraucht ist und ersetzt werden muss. Unser Zukunftsszenario

ist, dass der Betreiber einer Fertigungsanlage

am Monitor sehen kann, wann er sein

Metallbearbeitungsöl wirklich austauschen muss.

Eines Ihrer Standbeine sind Druckfarben.

Die sind ein entscheidendes Standbein, auf das ein

Drittel unseres Umsatzes entfällt. Wir haben uns

insbesondere auf strahlungshärtende Druckfarben

im Lebensmittelbereich spezialisiert.

Wo kommen Verbraucher mit Ihren Druckfarben

in Kontakt?

Wenn Sie im Supermarkt Ihren

Wocheneinkauf machen, haben

Sie mehrmals unsere Farben in

der Hand. Beispielsweise auf Joghurtbechern,

Shampooflaschen,

auf Bierdeckeln oder der Verpackung

für Käse.

Und was bedeutet strahlungshärtend?

Das bedeutet, dass die Farbe nach dem Auftragen mit

UV-Licht bestrahlt wird und so innerhalb von Millisekunden

trocknet. Der Lebensmittelbereich ist ein

wachsendes Segment. Trotz der Diskussion um Verpackungsvermeidung

steigt der Bedarf an Verpackungen.

In Sachen Lebensmittelverträglichkeit sind

wir mit führend. Das dafür wichtige Prinzip nennen

wir „low migration“. Sprich: Wenn die Käseverpackung

bedruckt ist, würden normale Farben durch

das Plastik hindurch diffundieren und so auf dem Käse

landen. Das passiert mit unseren Farben nicht.

Werden die Vorschriften auch hier strikter?

Eindeutig ja. Unsere Aufgabe ist es, diese nicht nur


unternehmen [!] TITELTHEMA 15

einzuhalten, sondern besser noch einen Schritt voraus

zu sein, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu

erhalten. Unsere neueste Entwicklung sind Farben,

die unter LED-Lampen aushärten. Das spart einerseits

Energie und ersetzt andererseits die bisher

genutzten Quecksilberlampen. Eine Substanz, die

man im Produktionsprozess nicht haben möchte.

An welchen Entwicklungen arbeiten sie noch?

Am meisten investieren wir derzeit in die E-Mobilität,

das ist unsere erste Priorität. Wir arbeiten beispielsweise

an einer komplett neuen Technologie

für die Lagerschmierung von E-Motoren. Diese stellen

sehr hohe Anforderungen an Schmiermittel, was

Temperatur und Drehzahllevel angeht. Bei den

Druckfarben arbeiten wir neben den LED-Farben an

lebensmittelverträglichen Produkten für den Digitaldruck,

die mit der LED-Technik getrocknet werden

können. Denn Individualisierungen, wie sie

zum Beispiel Coca-Cola mit den Namen auf den

Flaschen anbietet, sind nur per Digitaldruck wirtschaftlich.

Wie sehr verändert Digitalisierung und Künstliche

Intelligenz die Entwicklung von Produkten?

In der Entwicklung probiert man ja immer viel aus.

Man hat eine Idee, versucht diese theoretisch zu untermauern

und geht ans Testen. In der Vergangenheit

hat man wurde das durch große Messreihen

gemacht. Hunderte verschiedene Mischverhältnisse

wurden erstellt. Heute sind es nur noch zehn bis

20. Deren Mischverhältnisse und Eigenschaften gibt

man dann in eine Software ein. Und diese verknüpft

die Daten intelligent und berechnet all die Zwischenpunkte,

die man nicht real gemischt hat. Dazu

brauchen wir einerseits die Software und die Rech-

Nur mit

Digitaldruck

sind individuelle

Etiketten

wirtschaftlich.


16

TITELTHEMA unternehmen [!]

Vier Produktionswerke und 17 Tochtergesellschaften

Stammwerk und Firmensitz in Eislingen sind seit dem vergangenen Jahr als klimaneutral zertifziert.

Die Wurzeln von Zeller + Gmelin reichen ins

Jahr 1866 zurück, als alles mit der Produktion

von Schieferöl begann. 155 Jahre später

erwirtschaftet die Zeller+Gmelin GmbH &

Co. KG (Eislingen) mit fast 1000 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern einen Jahresumsatz

von rund 300 Millionen Euro. Das sind 15

Prozent mehr als im Jahr zuvor und ein Rekordwert.

Zwei Drittel des Umsatzes entfallen

auf Schmierstoffe für Industrie, Fahrzeuge

und Maschinen, ein Drittel auf Druckfarben

und chemische Produkte.

Der konzernunabhängige Mittelständler

hat 17 Tochtergesellschaften, davon 13 im

Ausland. Er produziert in vier Werken. Mehr

als 80 Prozent der Waren werden in Eislingen

gefertigt. Daneben betreibt Zeller+Gmelin

Produktionsstätten in den USA, China und

Großbritannien. Pro Jahr investiert das Unternehmen

zwischen 8 und 15 Millionen Euro.

Wachstumschancen sieht Geschäftsführer

Siegfried Müller in Osteuropa und China. Seit

dem Jahr 2020 ist der Standort Eislingen als

klimaneutral zertifiziert und wurde 2019 mit

dem Umweltechnikpreis des Landes ausgezeichnet.

Das Motto

lautet: Go

east. Das neue

Werk in China

startet 2022.

nerleistung, vor allem aber den Menschen, der die

Software richtig füttert.

Wächst bei Ihnen auch daher die IT-Abteilung?

Die kann nie groß genug sein. Wir können gar

nicht alles in der Firma selbst ansiedeln, vieles

müssen wir auch als Dienstleistung zukaufen. Um

vollständig digitalisiert arbeiten zu können, brauchen

wir 50 Prozent mehr IT-Experten als zuvor.

Aktuell besteht die Abteilung aus zwölf bis 14 Personen.

Wo sehen Sie Wachstumschancen?

Neben den bereits besprochenen Geschäftsfeldern,

findet Wachstum vor allem durch Export gen Osten

statt. Das Erschließen von neuen Märkten im östlichen

Europa oder eben Asien. Go East heißt das

Motto. Jeder muss dahingehen, wo seine potenziellen

Märkte sind. Wir haben dieses Jahr ein neues

Werk in China bezogen und dort auch eine Entwicklungseinheit

untergebracht. Dafür haben wir einen

Millionenbetrag eingesetzt. Zukünftig wollen wir

vor Ort Produkte entwickeln, die wir aus chinesischen

Rohstoffen für den chinesischen Markt herstellen.

Das Werk bedient aber auch unsere klassischen

Geschäftsfelder. Aktuell befinden wir uns im

Testbetrieb. Der Produktionsstart ist für nächstes

Jahr geplant.

Wie groß sind die Schwierigkeiten in Ihren Lieferketten?

Durch die Verknappung von Rohstoffen sind

die Abhängigkeiten in unseren Lieferketten

sehr sichtbar geworden. Wir stellen dabei fest,

dass wir zwar selbst kein Single-Sourcing haben,

aber wenn unsere Lieferanten Basisrohstoffe

kaufen, kommen die eben doch von einem

einzigen, meist in China ansässigen

Hersteller.

Wie knapp ist Öl derzeit?

Das Thema war Ende 2020 bis Sommer 2021 aktuell.

Inzwischen hat sich das wieder eingependelt.

Zwar zu astronomischen Preisen, aber es

läuft. Schwierigkeiten gibt es aber bei Kleinstmengen

bestimmter Elemente. Hinzu kommt das

globale Logistikproblem. Containerschiffe stehen

noch immer im Stau, Lieferwege sind länger.

Leider spielt inzwischen auch eine politische

Komponente mit rein. Denn sowohl China als

auch die USA haben bemerkt, dass sie aus der

Situation Profit schlagen können. Das Interesse,

die Staus aufzulösen ist daher gering. Wir versuchen

gegenzusteuern, indem wir weitere Rohstofflieferanten

freigeben. Es ist ein langer Prozess,

bis ein Rohstoff oder ein Element zertifiziert

ist und wir es einsetzen können. Wir verbreitern


unternehmen [!]

TITELTHEMA

jetzt die Palette, damit unsere Einkaufsabteilung

ein breiteres Portfolio zur Verfügung hat.

Wie wirkt sich das auf Ihre Preise aus?

Uns bleibt nichts anderes übrig, als die höheren

Preise an unsere Kunden und letztlich den Endverbraucher

weiterzugeben. Wir sind nur ein

Glied in der Lieferkette.

Wie sehr trüben diese Schwierigkeiten die wirtschaftlichen

Perspektiven?

Ich sehe die mangelnde Verfügbarkeit von Rohstoffen

als größte Gefährdung fürs Wirtschaftsjahr

2022. Momentan laufen wir in eine Abschwächung

der Wirtschaftsleistung.

Wie beurteilen Sie die Situation am Standort

Deutschland?

Die explodierenden Energiepreise schnüren uns

die Luft ab. Unsere Prozesse sind sehr energieintensiv,

da machen sich die Preissteigerungen

schnell bemerkbar. Außerdem brauchen wir eine

absolute Verlässlichkeit auf die Entscheidungen

der Regierungen. Gerade wenn es um größere

Investitionen geht.

Was meinen Sie damit?

Es kann nicht sein, dass Regelungen nur für fünf Jahre

gelten. Die müssen 25 Jahre lang verlässlich sein,

bis sich die neuen Maschinen amortisieren. Im Moment

ist da viel zu viel Bewegung drin. Zu jeder

neuen Investition gibt es zahlreiche Folgeinvestitionen,

die kurzfristig getätigt werden müssen. Die

Zu wenig Verlässlichkeit

bei rechtlichen Vorgaben

und viel zu lange Genehmigungsverfahren

belasten

die Unternehmen, kritisiert

Geschäftsführer Siegfried

Müller.

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18

TITELTHEMA unternehmen [!]

Selbst offene Stellen für

Staplerfahrer und Chemiewerker

sind schwierig zu

besetzen, sagt Zeller+Gmelin-Chef

Müller. Dabei zahlt

die Chemieindustrie gut.

Das Interview führte

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

Unternehmen [!]

Dokumentation:

Ronja Gysin

Fotos:

Giacinto Carlucci

Genehmigungsverfahren dauern generell viel zu

lang. Drei Jahre sind nichts bis sie beispielsweise

ein neues Verfahren genehmigt bekommen.

Wie stark bremst der Fachkräftemangel die

Entwicklung von Zeller+Gmelin?

Dieses Jahr hat sich die Situation weiter zugespitzt.

Gerade bei Jobs wie Staplerfahrern oder Chemiewerkern.

Früher konnten wir für diese Stellen innerhalb

einer Woche Personal akquirieren. Heute

finden wir niemanden mehr. Wie sich diese Situation

entwickelt, wird zu einem großen Teil mitbestimmen,

wie erfolgreich wir in Zukunft sind. Wir

brauchen qualifizierte Mitarbeitende, die gerne bei

uns arbeiten und das Unternehmen mit uns gemeinsam

weiterentwickeln wollen.

Dabei zahlt die Chemiebranche doch gut, besser

als viele andere Branchen.

Das stimmt. Aber wir müssen zum Teil Zuschläge

auf den Tarif bezahlen, um überhaupt Leute zu bekommen.

Was ist die drängendste Frage, die Sie derzeit

umtreibt?

Das ist das Thema der Veränderungsgeschwindigkeit.

Unsere Gesellschaft wandelt sich immer

schneller und damit auch die Märkte. Ich bin überzeugt,

dass unsere motivierte Belegschaft diesen

Wandel aktiv und so schnell wie möglich mitgeht.

Die Frage ist aber, ob wir die immer weitere Beschleunigung

des Wandels in den Köpfen, im Handeln

und der Einstellung der Mitarbeiter bewerkstelligen

können. Unsere Leute haben das

verstanden und ziehen mit, keine Frage. Aber es

wird eben immer schneller. Wie sich das in Zukunft

entwickelt wird spannend und entscheidet über

Erfolg und Misserfolg.


unternehmen [!] RESSORT 19

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20

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Bei Peter Weiß* war es

ein Burnout wie aus

dem Lehrbuch: Der Unternehmer,

der ein Unternehmen

mit etwa 30 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern

leitet, hatte Schlafstörungen, arbeitete

80 Stunden in der Woche,

verbrachte jede freie Minute

im Büro. Seine Frau konnte

keine Urlaube mehr planen,

ohne dass er sie wieder absagte.

Keine Zeit, keine Zeit. Immer

gab es noch so viel zu tun. Als

er in die Praxis der Offenburger

Psychologin Anke Precht kam,

da hatte er schon lange mit dem

Stress zu kämpfen: „Er kam mit

den klassischen Symptomen,

war schon kurz vor dem Zusammenklappen“,

erzählt Precht.

Im Allgemeinen ist der Weg

zum Burnout aber nicht ganz so

geradlinig: „Die meisten Menschen,

die Burnout entwickeln,

brennen weniger wegen der Arbeitslast

aus, sondern häufiger

wegen zwischenmenschlichen

Konflikten und Problemen“,

sagt Psychologin Precht.

Konflikte spielen eine Rolle

So war es zum Beispiel bei Anja

Schneider*, einer anderen Klientin

von ihr: Schneider, eine

Managerin der mittleren

Führungsebene, arbeitete

gerne für ihr Unternehmen

– bis sie einen

Konflikt mit ihrer

Chefin hatte. „Das

ging so weit, dass

die Chefin sie

dann irgendwann

geghosted

hat, wie man

heute sagen

würd“, so

Precht. Geghostet

– das

bedeutet, dass

Schneiders Chefin

sie nicht

mehr gegrüßt

hat, so getan hat,

als sei sie Luft. Belastend

war das;

nicht nur für das Arbeitsverhältnis,

sondern auch darüber

hinaus. „Sie

hat total darunter

gelitten“, erzählt

Precht.

Alarm in

Kopf und

Körper

Gesundheit Stress macht krank: Immer

mehr Menschen lassen sich wegen

psychischer Leiden krankschreiben. Dabei

könnte eine gute Prävention in den meisten

Fällen verhindern, dass es so weit kommt.

Stress führt zu körperlichen und

seelischen Symptomen. Diese

können chronisch werden.

Foto: fran_kie/shutterstock.com

Sehr verständlich: Denn gerade

die Wertschätzung durch

Vorgesetzte und Kolleginnen

und Kollegen ist ein wichtiger

Faktor, der präventiv vor Erkrankungen

schützt. Das sagt

auch Burn out-Experte Holger

Kracke, Vorsitzender des Deutschen

Bundesverbands für Burnout-Prophylaxe

und Prävention.

Kracke, der als „Mister Feelgood“

Vorträge hält und Unternehmen

in puncto psychische

Gesundheit der Mitarbeiter berät,

meint: „Wertschätzung zeigen:

Das geht mit einfachen Dinge

wie Bitte und Danke sagen

oder nachfragen, wenn jemand

krank war oder aus dem Urlaub

zurückkommt – so kann eine

Führungskraft ganz grundsätzlich

dafür sorgen, dass es Mitarbeitenden

gut geht.“

Solidarität ist gesund

„Ein gutes Team hat einen protektiven

Effekt“, sagt Professor

Harald Gündel, Ärztlicher Direktor

an der Klinik für psychosomatische

Medizin und Psychotherapie

am Universitätsklinikum

Ulm. „Wenn innerhalb eines

Teams eine gewisse

Solidarität und gegenseitiges

Vertrauen bestehen, dann können

gemeinsame Aufgaben

besser und für den Einzelnen

auch gesünder bewältigt

werden.“

Precht hat mit ihrer

Klientin Schneider

deswegen nicht

nur psychologisch

daran gearbeitet,

dass sich für diese

das Gefühl

des Ignoriert-werdens

nicht mehr so

schlimm angefühlt

hat. Sondern,

sie half

Schneider auch

dabei, einen eleganten

Weg zu finden,

den Konflikt zu

beenden: „Wir haben

dann gesagt, dass sie

ihrer Chefin, sobald

sie sich das nächste

Mal auf dem Gang

begegnen, mit einem

strahlenden

Lächeln die Hand


unternehmen [!] VERANTWORTEN 21

geben soll.“ Diese Strategie

nutzt ein Phänomen, das „emotionale

Ansteckung“ genannt

wird: Demnach übernehmen

Menschen die Gefühle von

ihrem Gegenüber. „Die Chefin

war quasi dazu gezwungen, auf

das Angebot einzugehen und hat

sich viel freundlicher verhalten“,

sagt Precht.

Führungskräfte sind Vorbilder

Allerdings: So weit sollte es eigentlich

nicht kommen. Schließlich

gehört es zu den Aufgaben

einer guten Führungskraft, auf

die psychische Gesundheit der

Mitarbeitenden acht zu geben –

da sind sich die

Expertinnen

Wertschätzung

zeigen, das

geht mit einfachen

Dinge wie Bitte und

Danke sagen .

und Experten

einig: „Eine

Führungskraft

ist bewusst

und unbewusst

jemand mit

Vorbildfunktion“,

sagt der Holger Kracke

Ulmer Arzt Burnout-Experte

Gündel. Dabei

sei es oft hilfreich, authentisch

und transparent mit eigenen

Schwächen umzugehen – „dann

ist die Wahrscheinlichkeit höher,

dass die Mitarbeiter das

auch können, und alle wissen,

woran sie sind.“

Nichtsdestotrotz sollten leitende

Angestellte aufpassen,

dass sie die Verantwortung für

eigene Probleme letztlich bei

sich behalten: „Das ist ein ganz

schmaler Grat: Wenn die Mitarbeiter

das Gefühl haben, sie

müssten jetzt auch noch den eigenen

Chef auffangen, ist das

eine zusätzliche Belastung“,

weiß Burnout-Experte Kracke.

„Es braucht irgendwo eine

Grenze, da muss man die Goldene

Mitte finden“, sagt auch

Gündel.

Umso wichtiger ist es, dass

Menschen mit Leitungsaufgaben

ein positives Beispiel hinsichtlich

der Selbstfürsorge

sind: „Grundvoraussetzung ist,

selbst etwas für die eigene psychische

Gesundheit zu tun“, so

Kracke, „Schwierig wird es,

wenn eine Führungskraft sagt:

Ich brauche das nicht, aber meine

Mitarbeitenden können das

gerne tun.“

Generell

gilt: Wie Menschen

mit

Stress und Belastung

umgehen,

ist sehr individuell.

„Das

hängt mit den

Genen zusammen,

aber auch

mit den Erfahrungen“,

erklärt Gündel, „Stressprävention

ist nicht ‚one size fits

all‘, da gibt es nicht ein Modell,

das für alle passt.“ Allgemeine

Aussagen darüber, was dabei

helfen kann, gesund zu bleiben,

kann man trotzdem treffen: „Arbeitsstressmodelle

zeigen, was

gesundheitsförderlich ist“, so

Gündel. „Wir wissen etwa: Mehr

eigenes Kontrollempfinden ist

gut für die Gesundheit, Kontrollverlust

macht eher krank –

das gilt übrigens für alle Säugetiere.“

Zu viel Arbeit ist meistens

nicht alleiniger Auslöser für

ein Burnout; Konflikte und

einseitige Belastung spielen

ebenfalls eine Rolle.

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22

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Das passiert, wenn Menschen ausbrennen

Zur Person

Holger Kracke ist

einer der renommiertesten

Experten

für mentale Gesundheit

in Unternehmen.

Der Trainer ist Bundesvorsitzender

des

Verbands für Burnout-Prophylaxe

und

Prävention.

Pausen sind wichtig: Um runterzukommen hilft oft Bewegung in der Natur.

Foto: © PKpix/shutterstock.com

„Burnout ist ein Prozess –

kein Krankheitsbild.“ Das sagt

Harald Gündel, Ärztlicher Direktor

der Klinik für Psychosomatik an der

Ulmer Uniklinik. Herrscht ein stressbedingtes

Ungleichgewicht im

menschlichen Organismus, dann

entstünden zunächst Störungen

der körperlichen Funktionen, so der

Entscheidend sei auch der sogenannte

Effort-Reward-Quotient. Er

gibt an, ob Anstrengung und Belohnung

miteinander übereinstimmen.

Wer sich für den Job verausgabt,

aber nur geringe Honorierung, etwa

in Form von Anerkennung, Gehalt,

Jobsicherheit oder Karrieremöglichkeiten

erhält, der hat ein höheres Risiko,

gestresst zu sein.

Menschliche Aktivitäten könnten

sich in vier Bereiche einteilen lassen:

Da wären zum einen die Pflichten,

berufliche wie private. Zum anderen

die gute Pflege für den Körper

– dazu zählt etwa Bewegung und

gute Ernährung. Dann die zwischenmenschlichen

Beziehungen. Und

schließlich die geistigen Herausforderungen.

Um langfristig gesund

und zufrieden zu bleiben, brauchen

Menschen regelmäßig Aktivitäten

aus allen vier Feldern. Dank Pandemie

nicht einfach: „Bei vielen Menschen

standen in den letzten Monaten

die Pflichten im Vordergrund“,

sagt Precht. „Die körperliche Bewegung

fehlt vielen, ebenso die zwischenmenschlichen

Begegnungen.“

Gut für die

Gesundheit ist

Kontrollempfinden,

Kontrollverlust

macht eher krank.

Harald Gündel

Ärztlicher Direktor

Professor. „Es ist ein Prozess, in

dessen Verlauf die funktionellen

Symptome immer stärker werden,

bis irgendwann eine strukturelle

Störung (z.B. Gefäßverkalkung,

Bandscheibenvorfall ...) auftritt.“

Wenn ein Mensch chronisch gestresst

ist, nicht mehr abschalten

kann, dann gehen entzündliche Botenstoffe

im Blut hoch; nahezu alle

Organe reagieren. „Im ganzen Körper

ist Alarm.“ Für die Betroffenen

sei es daher enorm wichtig, Pausen

zu machen, „Inseln in den Tag einzubauen“,

wie Gündel sagt: „Viele

Menschen mit Burnout berichten

später, das sei immer weniger geworden.“

Daher rät sie: Mit sympathischen

Menschen zusammen Sport machen

oder Spazieren gehen.

„Mit einer guten Prävention

könnten wir circa 80 Prozent aller

Ausfälle verhindern“, sagt Kracke.

Die sollte bei gesunden Mitarbeitern

beginnen; nicht erst dann, wenn etwas

im Argen liegt. Unternehmen

empfiehlt der Fachmann die Kombination

aus einem erfahrenen Trainer,

einem gut evaluierten

Stress-Präventionsprogramm und

der regelmäßigen Durchführung einer

individuellen Stressdiagnostik

zur Ermittlung des persönlichen

Burnout-Risikos. „Diese Kombi ist

das beste und effizienteste, was Unternehmen

ihren Mitarbeitenden anbieten

können“, ist Kracke sicher.

In Fällen wie bei Weiß, in denen

ganz klarer Auslöser des Burnouts

eine zu hohe Arbeitslast ist, hilft

aber auch: Reduzieren und delegieren.

„Er hat lernen müssen, Verantwortung

abzugeben“, erzählt Precht,

„So wurde es nach und nach besser.“

*Namen geändert

[!] Miri Watson

Zur Person

Anke Precht ist

Psychologin und interessiert

sich für

Krisen. Besser: Für

das Potential, das jeder

Krise innewohnt.

Sie berät Unternehmen

und Einzelpersonen

und hat Bücher

geschrieben.

Zur Person

Harald Gündel leitet

den Fachbereich

für psychosomatische

Medizin und

Psychotherapie am

Ulmer Uniklinikum.

Er hat sich spezialisiert

auf die Schnittstelle

von Berufsleben

und Gesundheit.


unternehmen [!] RESSORT Anzeige 23

Geschäftsführer Oliver Stockinger und Professor Dr. Nenad Vasić, Ärztlicher Direktor vor dem Klinikum Christophsbad. Die Klinikgruppe bietet als Akademisches

Lehrkrankenhaus von der Prävention über die Akutbehandlung bis zur Nachsorge, optimale Behandlungsansätze für Patienten an. Fotos: Klinikgruppe Christophsbad

Klinikgruppe Christophsbad:

Mit Kompetenz und Herz

Heilen, helfen und integrieren: Das sind die

Grundaufträge des Christophsbads, einem

Aktuplankrankenhaus mit Tradition. Zur

1852 gegründeten Christophsbad Klinikgruppe

gehören heute neun chefärztlich geleitete

Kliniken, die den vielfältigen Herausforderungen

im individuellen Umgang mit

Patienten umfassend, ganzheitlich und interdisziplinär

begegnen.

Seit 2021 ist das Klinikum Christophsbad

Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität

Ulm für die Fachbereiche Neurologie und

Psychiatrie, in Kooperation mit den

Alb-Fils-Kliniken. „Eine wichtige Errungenschaft“,

freut sich Professor Nenad Vasić.

„Jetzt können wir Medizinstudenten im letzen

Studienjahr in unterschiedlichen Bereichen

ausbilden und im universitären Umfeld gemeinsame

Forschungsprojekte realisieren.“

Seit Anfang des Jahres arbeiten angehende

Therapeuten an multizentrischen Forschungsprojekten

und in unterschiedlichen

Forschungssektionen – eng verzahnt mit Kooperationspartnern

in Wien und London.

„Acht bis zehn Doktoranden beschäftigen

sich in den einzelnen Forschungssektionen intensiv

mit Patienten, die unter Persönlichkeitsstörungen

wie selbstverletzendem Verhalten

oder Traumaerkrankungen wie Posttraumatischen

Belastungsstörungen leiden.

Dabei werden neuartige Imaginationsverfahren

angewandt, um das Trauma kognitiv langfristig

umzustrukturieren. Wie ein Film, der

immer wieder abläuft und allmählich umge-

schrieben wird“, veranschaulicht der Ärztliche

Direktor das neue Therapieverfahren. Natürlich

ginge es auch darum, die bisher

bewährten Therapiemethoden erfolgreich

fortzuführen. „Wir sind stets bestrebt, unseren

Patienten maßgeschneiderte Therapieansätze

zu bieten, die zur langfristigen Genesung

verhelfen.“

Sozialer Anschluss im Alter erforderlich

Ob ambulant oder stationär: Im Klinikum

Christophsbad profitieren Patienten vom

breiten Angebot vor Ort. Gerade in der Gerontopsychiatrie

unter Leitung von Dr. Karsten

Henkel finden ältere Menschen wieder Anschluss

an die Gesellschaft. „Wir sehen jetzt,

dass die anhaltende Corona-Pandemie mit

Kontaktbeschränkungen bei älteren Menschen

erhebliche Folgen mit sich bringen

kann. Alleinstehende Menschen hatten keine

sozialen Kontakte und trauten sich vielleicht

nicht zum Arzt. Einsamkeit kann Gedächtnisdefizite

sowie Depressionen verursachen und

sich demenzverstärkend auswirken.“ Wichtig

sei es, sein soziales Netzwerk so gut wie möglich

aufrecht zu erhalten, wie der Chefarzt verdeutlicht.

Persönliche Kontakte mit Angehörigen,

Bewegung in der freien Natur und eine

gesunde Ernährung können dabei unterstützen,

in den Alltag zurückzukehren.

Geschäftsührer Oliver Stockinger erklärt:

„Zur Verstärkung im Leitungsteam suchen wir

Ärzte und Pfleger, die mit uns die Zukunft des

Gesundheitswesens gestalten.“ Bewerbungen

unter karriere-mit-perspektive.de.

Dr. med. Karsten Henkel (links) ist Chefarzt

der Klinik für Gerontopsychiatrie, Facharzt für

Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für

Neurologie, Geriatrie, Spezielle Schmerztherapie,

Suchtmedizinische Grundversorgung.

Prof. Dr. med. Nenad Vasić, MHBA (rechts)

ist Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik

für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt

für Psychiatrie und Psychotherapie, Forensische

Psychiatrie, Zertifizierter Gutachter der

DGPPN.

Klinikum Göppingen

Faurndauer Straße 6-28

73035 Göppingen

Tel: 07161 601-0 (Info & Service)

Fax: 07161 601-9332

E-Mail: info@christophsbad.de

www. christophsbad.de


MACHEN unternehmen [!]

Nachhaltigkeit stärken. Mit

dieser Initiative des Vorstands

vom September

2019 ist beim Spielehersteller

Ravensburger ein Prozess in

Gang gekommen. Alle Fäden laufen

bei einem Projektteam rund um Philipp

Russ zusammen. Das Herausfordernde

dabei: Ravensburger

müsse einschätzen können, was ökonomisch

und ökologisch machbar

sei – von den Rohstoffen über die

Herstellung bis zum Vertrieb, erläutert

der Assistent des Vorstands. Angesichts

der wachsenden Bedrohung

durch den Klimawandel, der Belastung

der Weltmeere und des Verlustes

der Biodiversität sieht sich das

Unternehmen in der Pflicht, dem

entschlossen entgegenzutreten und

Nachhaltigkeit neu zu denken.

Wir müssen

einschätzen,

was ökonomisch

und ökologisch

machbar ist.

Philipp Russ

Projektleiter

FOTO: © JEJET/FAIRVENTURES WORLDWIDE

Zunächst nicht vermeidbare CO 2

-Emissionen gleicht Ravensburger durch Klimaschutzprojekte aus.

2020 wurden in Uganda und Indonesien mehr als 100 000 Bäume gepflanzt.

Klimaschutz mit

sozialer Komponente

Ravensburger Seit 2019 arbeitet der Spielehersteller konsequent

daran, seinen CO 2

-Ausstoß zu verringern. Projektleiter Philipp

Russ und sein Team setzen auf die Beteiligung von Mitarbeitern –

und die Kooperation mit Fairventures.

Vorrangiges Ziel ist es, die eigenen

CO 2

-Emissionen soweit wie

möglich zu verringern. Nicht vermeidbare

Emissionen werden durch

Klimaschutzprojekte, wie der Kooperation

mit der in Stuttgart ansässigen

Wiederaufforstungsorganisation

Fairventures kompensiert. Ravensburger

unterstützte die Fairventures

im Jahr 2020 mit 250 000 Euro

für die Aufforstung von mehr als

100 000 Bäumen in Uganda und Indonesien.

„Fairventures ist für uns

der ideale Partner“, sagt Russ.

Schnellwachsende Bäume werden

gepflanzt und Kleinbauern kümmern

sich darum, dass sie wachsen.

Außerdem können sie daraus auch

ein Einkommen erzielen. „Die soziale

Komponente liegt uns neben

dem Klimaschutz sehr am Herzen“,

betont Russ und merkt an: „Wir wollen

kein Greenwashing betreiben.“

Daher werde die Nachhaltigkeitsstrategie

mit Sorgfalt umgesetzt.

Auf einen Aufruf des Vorstands

hin haben sich rund 60 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter gemeldet, an

dieser Aufgabe mitzuwirken. Am

Ende wurde eine international besetzte

Arbeitsgruppe geschaffen. Im


unternehmen [!]

RESSORT

MACHEN

25

Starkes Wachstum in der Pandemie

In Pandemiezeiten halten sich

die Menschen stärker in den eigenen

vier Wänden auf – und

suchen teils nach Beschäftigungsmöglichkeiten.

Davon profitieren

Spielwarenhersteller

wie Ravensburger: 2300 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter erwirtschafteten

2020 einen Umsatz

von 632 Millionen Euro. Das

waren 20 Prozent mehr als im

Vorjahr. 28 Millionen Puzzles verkaufte

das Unternehmen weltweit

– rund 32 Prozent mehr als

im Jahr zuvor. Der Trend zum

Puzzeln sei aber auch schon vor

der Pandemie spürbar gewesen,

hatte Vorstandschef Clemens

Maier bei der Vorstellung der

Zahlen gesagt. 2020 seien Produktionen

im Drei-Schicht-Betrieb

nötig gewesen, um die

Nachfrage zu decken.

Die bedruckten Papierbögen werden auf Karton geklebt, um den Puzzles Stabilität zu verleihen.

FOTO: ANJA KOEHLER/RAVENSBURGER AG

Unternehmen sei so etwas wie

eine Nachhaltigkeits-Community

entstanden, freut sich Russ.

Zunächst wurden Maßnahmen

erarbeitet, die ohne große strukturelle

Änderungen umsetzbar

sind. Dazu gehörte die Umstellung

auf Ökostrom. Als nächstes

werden die Standorte mit

Photovoltaikanlagen ausgestattet.

Im Werk in Tschechien ist

das bereits erfolgt, für Ravensburg

ist es geplant. Zudem wurden

Ladesäulen für E-Autos installiert,

an denen kostenlos geladen

werden kann.

Unbürokratische Umsetzung

Derzeit wird ein Car-Pooling-System

eingeführt, damit

die Beschäftigten Autos gemeinsam

für die Fahrt zur Arbeit nutzen.

In der Kantine werden

mehr vegetarische und vegane

Speisen mit regionalen Zutaten

angeboten. Zudem gibt’s nun am

Stammsitz Wildblumenwiesen

für Insekten. Dies sind Ideen aus

der Belegschaft. „Die Vorschläge

werden unbürokratisch umgesetzt“,

sagt Russ.

Er leitet eine vierköpfige strategische

Projektgruppe, die alle

Maßnahmen zusammenführt.

Das Team hat eine Klimastrategie

entwickelt, die eine konsequente

Reduktion von CO 2

vorsieht.

Neben den eigenen Emissionen

des Unternehmens werden

auch die Lieferketten

einbezogen. Von Vorteil ist, dass

der größte Teil der Produkte –

rund zwei Drittel – in Eigenproduktion

hergestellt wird.

Pappe und Papier machen einen

Großteil der Rohstoffe aus

und sind prinzipiell klimafreundlicher

als Kunststoffe,

welche überwiegend noch mit

fossiler Energie erzeugt werden.

Gegenwärtig gehe man davon

aus, dass weltweit ein nicht unerheblicher

Teil aller Spielwaren

in der Müllverbrennung landet.

„Dies wollen wir ändern“,

sagt Russ. Das Unternehmen

möchte die Recyclingquote erhöhen.

Eine bedeutende Rolle

spielt bei Ravensburger weiterhin

Holz, wie bei den Brio-Produkten.

Wenn auch Kunststoff

meist kostengünstiger in der

Herstellung sei, werde bei Neuentwicklungen

gefragt, was aus

Holz gefertigt werden könne,

wie zum Beispiel beim Brettspiel

Minecraft. Aber das sei

nicht immer möglich.

Darüber hinaus sieht Ravensburger

eine besondere Chance

Erziehung ohne

erhobenen

Zeigefinger,

sondern spielerisch

und informativ.

Christian Bulla

Group Director Category

Construction / Arts & Crafts

Ausgezeichnet für Nachhaltigkeit:

Bastelset „EcoCreate“.

Foto: Ravensburger Verlag GmbH

im erzieherischen Bereich, nicht

mit erhobenem Zeigefinger, sondern

informativ und spielerisch.

„So ist die Idee des EcoCreate

Bastelsets entstanden“, sagt

Christian Bulla, der die Kategorie

Construction, Arts & Crafts

verantwortet. Im Haushalt anfallende

Verpackungsmaterialien

aus Verbundstoffen, Papier,

Pappe oder Plastik werden mit

den im Spiel enthaltenen Bastelutensilien

in Accessoires, Spielzeug

sowie kleinere Gebrauchsund

Einrich tungsgegenstände

verwandelt. Die Resonanz auf

das vom Deutschen Award für

Nachhaltigkeitsprojekte 2021

preisgekrönte Produkt sei sehr

positiv, berichtet Bulla stolz.

Die jüngsten Initiativen bedeuten

nicht, dass Nachhaltigkeit

zuvor keine Rolle gespielt

hat. Wie kein anderer Hersteller

steht das 1883 gegründete Familienunternehmen

für qualitativ

hochwertiges Spielzeug und

Bücher. Zertifizierungen wie das

FSC-Siegel sind seit langem

selbstverständlich. „Die hohe

Qualität und Langlebigkeit der

Produkte ist Teil unserer DNA“,

sagt Russ, „diese werden wir

Zug um Zug noch nachhaltiger

machen.“ [!] Rainer Lang


26

MACHEN unternehmen [!]

Die fahrerlose

Zukunft der

Fabrik

Intralogistik Der Reinigungsgerätehersteller

Kärcher hat im Bühlertal die Blaupause für

eine vollvernetzte Produktion geschaffen.

Autonome Transportsysteme erobern nicht

nur dort die Fertigungshallen.

Ganz schön was los im

Kärcher-Werk Bühlertal.

Hunderte Mitarbeiter

und tausende fertig

verpackte Hochdruckreiniger

sind in den Hallen unterwegs.

Mittendrin: 20 FTS, fahrerlose

Transportsysteme. 17 davon sind

klassische Gabelstapler, aber

ohne Fahrer. Selbstständig rollen

die gelb-grauen Fahrzeuge

der Firma Jungheinrich über die

Gänge. Gebraucht werden sie

vor allem, um die fertig produzierten

Hochdruckreiniger vom

Ende der Fertigungslinien ins

300 Meter entfernte Auslieferungslager

zu bringen, den

längsten Teil davon über eine

Art FTS-Autobahn im breiten

Mittelgang, auf der auch mal ein

Dutzend Stapler gleichzeitig unterwegs

sind.

Transportbedarf gibt es

reichlich. Auf 48 000 Quadratmetern

produzieren hier 900

Mitarbeiter 1 Million Hochdruck-

und Dampfreiniger im

Jahr, die meisten davon Kärcher-gelb

für Privatleute, zudem

die anthrazit-grauen Hoch- und

Höchstdruckreiniger für den

professionellen Einsatz. Mehrere

Produktionslinien, 26 Spritzgussmaschinen,

Prüfstände für

die montierten Geräte, Material-

und Auslieferungslager, all

das will in möglichst zügigem

Takt dirigiert und orchestriert

werden.

Dirigenten sind Werkleiter

Matthias Wida und der für Logistik

und Materialwirtschaft

zuständige Tobias Kreher. Die

erste Geige spielen nicht die

FTS, sondern die Bits und Bytes

der Werks-Digitalisierung. Die

IT-Architektur des Standortes

ist für Werkorganisation und Intralogistik

– den innerbetrieblichen

Transport – die Grundlage,

sagt Kreher. Also durchgehende

Wlan-Abdeckung und

mehr als 350 Sensoren, nicht nur

für die Steuerung von FTS.

Denn vor dem passgenauen Materialfluss

kommt der Informationsfluss.

Die Architektur

der IT ist

die Grundlage für

die Organisation

des Werks.

Tobias Kreher

Logistik-Experte, Kärcher

Dabei ist es im Grunde ganz

einfach, sagt Kreher: „Logistik

ist banal, sie bringt irgendetwas

von A nach B.“ Trotzdem kann

eine gute Logistik den Unterschied

machen und zu einer besseren

Wertschöpfung beitragen.

Mit FTS, bei Kärcher aber auch

mit einem uralten Konzept: dem

Marktplatz. Dort wird frisch geliefertes

Material hingestellt

und, wenn Bedarf ist, sofort

dorthin gebracht, wo es gebraucht

wird und so die aufwän-

Im Werk Bühlertal fertigt Kärcher eine Millionen Hochdruckreiniger

pro Jahr.

Fotos: Christian Willner/Kärcher, Peter Buyer


unternehmen [!] MACHEN 27

ZWISCHEN

MÜNSTER

UND FISCHER

V I E R T E L

Menschen

machen Fehler,

Maschinen auch.

Nur die lassen sich

umprogrammieren.

Thomas Albrecht

Fraunhofer Institut Dortmund

dige Einlagerung gespart. Das

ist der Sinn der Intralogistik:

keine überflüssigen Materialbewegungen,

keine Über- oder

Unterbestände an den Fertigungslinien

und im Lager.

Und doch, trotz Marktplatz

und ausgefeilter Intralogistik,

Lager muss sein. So gibt es für

die Chassis‘ des größten Profi-Hochdruckreinigers

ein Zwischenlager.

Die von der Spritzgussmaschine

gleich nebenan

gefertigten Fahrgestelle werden

selbstständig vom Jungheinrich-FTS

eingelagert. Gebraucht

werden die Chassis‘, wenn die

Spritzgussmaschine für die Herstellung

eines anderen Teils umgerüstet

wird. Damit die Produktion

und Auslieferung des

Profi-Hochdruckreinigers ungestört

weiterläuft, bringen die

FTS die Chassis‘ dann aus dem

Zwischenlager an die Fertigungslinie.

Faustregel für Effizienz

Dafür machen sie das im Bühlertal,

sagt Wida: „Damit der

Kunde schneller sein Gerät bekommt“,

und damit immer mehr

Kunden ihre Geräte bekommen.

Von den FTS verspricht er sich

mehr Sicherheit und Effizienz.

Beides bekommt er, sagt

FTS-Experte Thomas Albrecht

vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss

und Logistik in Dortmund,

der Bücher über FTS und

auch den aktuellen Wikipedia-Beitrag

dazu geschrieben

hat. „Staplerunfälle passieren

immer“, sagt Albrecht. „Stapler

fahren Mitarbeitern in die Hacken

oder gegen einen Türrahmen.

Menschen machen Fehler,

Maschinen auch. Wenn die aber

umprogrammiert werden, tritt

der Fehler nicht mehr auf.“ Zum

Thema Effizienz nennt Albrecht

die „Faustregel“: Ein

Fünf-Tage-Dreischicht-Betrieb

braucht drei Fahrer

pro Gabelstapler und Tag,

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28

MACHEN unternehmen [!]

Vom Lager zur modernsten Fabrik der Kärcher-Gruppe

Kärcher im Bühlertal: Vor 21

Jahren geht es los: In Obersontheim

– 15 Kilometer südwestlich

von Schwäbisch Hall

– baut Kärcher am Standort

Bühlertal ein neues Lager. Kurz

darauf kommt eine Fertigungshalle

hinzu, 2013 und

2019 wird deutlich erweitert.

Heute ist das Werk Bühlertal

Zur Person

Matthias Wida (37)

studierte Technologiemanagement

in

Stuttgart. Seit 2010

arbeitet er bei Kärcher,

seit Juli 2019 ist

er Werkleiter.

der größte und modernste

Produktionsstandort von Kärcher.

Insgesamt investiert der

Reinigungsgerätehersteller in

den nächsten Jahren 60 Millionen

Euro im Südwesten.

2019 war das Werk

Bühlertal die „Fabrik des

Jahres“. Foto: Peter Buyer

Kärcher weltweit: 2020 hat

die weltweit agierende Alfred

Kärcher SE & Co. KG (Winnenden)

2,72 Milliarden Euro umgesetzt,

davon 85 Prozent im

Ausland. In 73 Ländern und

130 Gesellschaften beschäftigt

das Unternehmen 13 500

Mitarbeiter. Neben Hochdruckreinigern

baut Kärcher

auch Kehrmaschinen,

Kfz-Waschanlagen, Pumpen

und Bewässerungssysteme.

Automatisierung

und FTS sichern

Wachstum und sorgen

letztlich für mehr

Arbeitsplätze.

Matthias Wida

Werkleiter Bühlertal

vier Fahrer. „Die Rechnung geht immer

zugunsten der FTS auf“.

Auch bei Kärcher im Bühlertal.

Allerdings wuseln zwischen den

FTS auch klassische, von Fahrern gesteuerte

Gabelstapler durch die

Werkhallen, noch geht es nicht ohne.

Aber Werkleiter Wida hat eine Vision:

„Die staplerfreie Produktion“,

also die ohne die von Mitarbeitern

gelenkten Stapler. Weniger Jobs

gebe es deshalb im Bühlertal nicht.

Automatisierung und damit auch die

FTS sichern das Wachstum. „Das

sorgt letztlich für immer mehr Arbeitsplätze“,

sagt Wida. Nicht nur

bei Kärcher im Bühlertal wird in die

Technik investiert. „Seit 2017/18 hat

das Thema viel Fahrt aufgenommen“,

sagt Sascha Schmel, Geschäftsführer

des VDMA-Fachverbands

Fördertechnik und Intralogistik.

„Die FTS sind so etwas wie der

Heilige Gral der Branche.“ Die gesamte

Intralogistik-Branche, nicht

nur der Geschäftszweig FTS, wächst

rasant, die Auftragseingänge lagen

im ersten Quartal 2021 um 27 Prozent

über dem Vorjahreszeitraum,

in einigen Produktbereichen sogar

deutlich höher, sagen die aktuellen

Zahlen des VDMA-Fachverbands.

Kurz auf Kollisionskurs

Großes Thema unter den FTS-Herstellern

ist die Standardisierung von

Software und Schnittstellen, damit

die Fahrzeuge verschiedener Hersteller

im täglichen Einsatz miteinander

zurechtkommen, sagt Schmel.

Vorreiter ist hier die Autoindustrie,

die schon länger im großen Stil FTS

in ihren Fabrikhallen von Wolfsburg

bis Sindelfingen einsetzt, sagt

FTS-Experte Albrecht. Von den

FTS-Herstellern verlangt sie, dass es

eine gemeinsame Schnittstelle gibt,

mit der die verschiedenen Fahrzeuge

über einen Zentralrechner miteinander

kommunizieren können.

Bei Kärcher im Bühlertal funktioniert

das tadellos, neben den 17 fahrerlosen

Jungheinrich-Staplern sind

derzeit 3 „Unterfahr“-FTS der Marke

„Mir-ProLog“ im Einsatz. Sie

bringen die fertig montierten, großen

Profi-Hochdruckreiniger vom

Ende der Fertigungslinie auf den

Prüfstand und von dort zur Verpackungsstation.

Ein mit einem Profi-Hochdruckreiniger

beladener

„Mir-ProLog“, parkt gerade vor der

Verpackungsstation ein, der von

rechts heranrauschende Jungheinrich-FTS

ist kurz auf Kollisionskurs,

wird langsamer, schert aus und

überholt. Der Gegenverkehr, ein anderer

FTS-Stapler, stoppt kurz, lässt

den „Kollegen“ überholen und fährt

weiter.

Das Ganze läuft fast geräuschlos,

nur wenn plötzlich jemand dem FTS

zu nahe kommt, hupt und stoppt er.

„Pause“ machen die FTS auch. Wenn

sie nicht gebraucht werden, fahren

sie zur nächstgelegenen Ladestation

und füllen ihre Akkus für die

nächsten Fahrten durch die Bühlertaler

Hallen. [!] Peter Buyer


unternehmen [!] RESSORTAnzeige

29

Ott Ingenieure mit Sitz in Langenau bei Ulm, feiern dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen.

Das Leistungsangebot von Ott Ingenieure umfasst

eine ganzheitliche Planung der kompletten

technischen Gebäudeausrüstung – Heizung,

Lüftung, Sanitär und Elektro. Dabei erstreckt

sich das Aufgabengebiet über das

ganze Spektrum von der Planung, Ausschreibung,

Vergabe von Bauleistungen bis zur Bauleitung

und Kostenkontrolle. Die große Projektvielfalt

zeigt sich in unterschiedlichen Anforderungen

für verschiedene Bauvorhaben bei

Gewerbe-, Industrie- und Verwaltungsbauten,

Handel, kommunale Bauten bis hin zur Wohnbebauung.

Blickt man heute auf 50 Jahre Ott Ingenieure

zurück, erkennt man eine stetige und geradlinige

Entwicklung – eine Erfolgsgeschichte. Das

Unternehmen ist zu einem Personalstamm von

30 Mitarbeitern und 3.000 verwirklichten Projekten

gewachsen. Ein besonderer Motivationsmotor

für Geschäftsleitung und Mitarbeiter

sind die Herausforderungen der unterschiedlichen,

kom plexen Projekte. Das erfahrene Team

ver bindet bei allen Gewerken hohe Analysefähig

keiten mit technisch-handwerk licher Erfahrung

sowie Kompetenz mit den neuesten

Erkenntnissen aus dem Ingenieur-, Technikund

Umweltwissen.

Nachhaltig in die Zukunft

Ott Ingenieure sind sich ihrer Verantwortung

bewusst und setzen sich bei der Planung und

Realisierung ambitionierte Nachhaltigkeitsziele.

Wirtschaftliche und dabei ressourcenschonende

Lösungen sind die Antwort auf den

stetig fortschreitenden Klimawandel. Von Anfang

an wird bei der Gebäudetechnik stark auf

Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit gesetzt.

Inhabergeführtes Familienunternehmen

1971 wurde das Unternehmen Ott & Spiess von

den beiden Gesellschaftern Gerhard Ott, Horst

Spiess († 2017) in Langenau gegründet und 1972

durch den Einstieg von Wolfgang Mößle als

Gesellschafter erweitert.

Vor allem auf lange Sicht ist es wichtig, ein vernünftiges

Energiekonzept mit niedrigen Emissionswerten

zu schaffen.

Schöne Aussichten

Für die Zukunft sehen die Geschwister das

Unternehmen auf einem sehr guten Weg. Ziel

ist es, Hand in Hand mit Bauherren und Projektplanern,

neue Lösungen und Lösungswege

für technische Herausforderungen zu finden.

Inzwischen führen die Geschwister Tina

Ott-Schmidt (links) und Lothar Ott (rechts),

Kinder des Gründers Gerhard Ott, in der zweiten

Generation ihre heute gewerkübergreifende

Arbeit erfolgreich fort und bauen das Unternehmen

weiter auf.

„Was wir dabei stets erhalten möchten, ist das

menschliche Miteinander und den vertrauensvollen

Umgang, trotz der immer größeren Anforderungen

des Arbeitsalltages.“

Danke

Ein besonderer Dank geht an alle Kunden, Geschäftspartner,

Mitarbeiter und Freunde des

Hauses, mit denen gemeinsam diese Erfolgsgeschichte

erst möglich wurde.

Karriere bei Ott Ingenieure

Alle Stellenangebote finden Sie hier:

ott-ingenieure.de/karriere

Wir freuen uns auf Sie!

Ott Ingenieure

Kiesgräble 17 · 89129 Langenau

Fon: 07345 9608-0

ott_ingenieure

ott-ingenieure.de


30

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Auszeichnung

für Ravensburg

Fairtrade-Landkreis Ravensburg

ist der fünfte Landkreis in

Baden-Württemberg, der sich in

Zukunft „Fairtrade Landkreis“

nennen darf. Voraussetzung

hierfür ist die Erfüllung von fünf

Kriterien, unter anderem ein

Kreistagsbeschluss und die

Gründung einer Steuerungsgruppe.

39 Geschäfte und 20 Lokale

müssen mindestens zwei

faire Produkte anbieten. Bei allen

öffentlichen Sitzungen wird

fair gehandelter Kaffee angeboten.

Die Auszeichnung gilt für

zwei Jahre. Der Landkreis Ravensburg

hat rund 285 000 Einwohner

und 39 Gemeinden.

Preissprung

absehbar

Brauerei Leibinger Im Frühjahr

2022 wird es bei der Brauerei

Max Leibinger GmbH wahrscheinlich

zu Bier-Preissteigerungen

kommen. Grund sind gestiegene

Kosten zum Beispiel

für Gerste oder Gas, Öl und Benzin.

Trotzdem muss Leibinger

aller Voraussicht nach im Gegensatz

zu vielen Anderen nicht

mit Corona-bedingten Verlusten

rechnen. Die familiengeführte

Brauerei rechnet mit für das Jahr

2021 mit einem Umsatz von etwa

acht Millionen Euro.

Vetter Pharma

ist klimaneutral

Umweltschutz Die Vetter Pharma-Fertigung

GmbH ist über

alle Standorte hinweg klimaneutral.

In Deutschland wurde dieses

Ziel bereits 2020 erreicht.

Nun erfüllen auch die Niederlassungen

des Ravensburger

Herstellers von aseptisch vorgefüllten

Injektionssystemen in

Österreich, Amerika und Asien

die nötigen Richtlinien. Um diese

Ziele zu erreichen, wurden

etwa Blockheizkraftwerke und

Photovoltaikanlagen gebaut

oder der Kohlendioxidausstoß

reduziert. Vetter Pharma beschäftigt

weltweit rund 5500

Mitarbeiter. Der Umsatz lag zuletzt

bei 748 Millionen Euro.

Mode und Ausrüstung für Wanderer stellt Vaude bald klimaneutral her.

Vaude kooperiert weiter mit Alpenverein

Handtmann

erweitert

Gießerei Die Handtmann Gruppe

hat im slowakischen Kechnec

laut eigenen Angaben eine der

modernsten Gießereien mit mechanischer

Bearbeitung in Europa

in Betrieb genommen. Gerade

wurde der neue Standort

eingeweiht. In der ersten Ausbaustufe

entstand für 160 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter

eine Halle mit 210 Meter Länge

und 80 Meter Breite. Die 17 000

Quadratmeter Grundfläche sind

aufgeteilt in drei Hallenschiffe.

Die im Maschinenbau tätige Albert

Handtmann Holding GmbH

aus Biberach im Alb-Donau-

Kreis beschäftigte zuletzt rund

4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

2020 erwirtschaftete

das Unternehmen einen Umsatz

von über 800 Millionen Euro.

RRPS setzt auf

Wasserstoff

Kooperation Rolls-Royce Power

Systems (RRPS) und Cellcentric,

das Gemeinschaftsunternehmen

der Daimler Truck AG

und der Volvo Group AB, arbeiten

zusammen an Wasserstoff-Brennstoffzellen-Modulen

zur Notstromversorgung von

Rechenzentren. Erste Pilotanlagen

sollen nun 2023 installiert

werden. Die kommerzielle

Markteinführung solcher Module

plant das Unterenhmen für

das Jahr 2025. Rolls-Royce Power

Systems mit Hauptsitz in

Friedrichshafen am Bodensee

ist spezialisiert auf Motorenund

Antriebssysteme. Die AG

beschäftigt rund 9000 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter. Der

Umsatz lag zuletzt bei rund drei

Milliarden Euro.

Foto: Attenberger/Vaude

Das Outdoor-Unternehmen Vaude hat seine Partnerschaft

mit dem Deutschen Alpenverein verlängert

und bleibt bis Ende 2025 offizieller Ausrüster des

DAV. Im Rahmen der Kooperation, die bereits seit

2002 besteht, stattet das Unternehmen mit Sitz in

Tettnang im Bodenseekreis die acht DAV-Bundeslehrteams

und viele ehrenamtlichen Mitglieder aus.

Darüber hinaus arbeiten beide in Sachen Umweltschutz

zusammen. Das Unternehmen zählt zu den

führenden Bergsportmarken in Europa und arbeitet

eigenen Angaben zufolge am Firmensitz bereist seit

2012 klimaneutral. Von 2022 an sollen auch alle weltweit

hergestellten Produkte diesen Anspruch erfüllen,

teilte das Unternehmen zuletzt mit, das im Jahr

2020 eine Umsatz von über 110 Millionen Euro erwirtschaftete.

Boeringer plant

CO 2

-Neutralität

Pharma Bis zum Jahr 2030 will

Boehringer Ingelheim aus Biberach

in seinen gesamten Unternehmensabläufen

CO 2

-neutral

werden. Das Vorhaben des

Pharmaunternehmens ist Teil

der „More Green“-Strategie.

Dazu gehört ebenso, den Wasserverbrauch

und den Deponieabfall

zu verringern. 130 Millionen

Euro stellt das Unternehmen

insgesamt für grüne Projekte

bereit, die die neue

Strategie unterstützen. Boeringer

Ingelheim zählt zu den führenden

forschungsgetriebenen

biopharmazeutischen Unternehmen

mit weltweit 52 000 Beschäftigten.

Im Jahr 2020 erwirtschaftete

das Unternehmen in

Deutschland einen Umsatz von

1,7 Milliarden Euro. [!]


volksbank-goeppingen.de

unternehmen [!] RESSORT 31

Zum dritten Mal in Folge!

Neu mit

DIGITAL-

CHECK

Beste Bank vor Ort

Ihre qualifizierte Beratung ist uns wichtig.

Daher freut es uns sehr, dass wir von der

Gesellschaft für Qualitätsprüfung zum dritten

Mal in Folge als „Beste Bank vor Ort“ für unsere

Beratungsqualität ausgezeichnet wurden.


32

MACHEN unternehmen [!]

Gebacken und verpackt werden die

Plätzchen in einer Backstube in Lindau.

Foto: Elke Sckell/Die Kekserei

Süßes Geschäft

Kekserei Ungeplant, aber nicht ohne Plan haben Michaela Krieg und Marianne Sonnenfroh

eine Manufaktur gegründet. Mit über 60 backen sie nun gewerblich Plätzchen – mit Erfolg.

Eine Unternehmens-Gründung

rein

emotional, ohne

Businessplan und das

auch noch mit über 60 Jahren –

kann das wirklich klappen? Michaela

Krieg und Marianne Sonnenfroh

aus Lindau am Bodensee

haben das gewagt – ein bisschen

aus Versehen, aber mit

Leidenschaft und Einsatz. „Ja,

wir sind da irgendwie reingestolpert“,

sagt Krieg und lacht.

Es war während des ersten

Corona-Lockdowns im Frühjahr

2020. Mit ihrer Freundin backte

sie Kekse für Freunde und Familie

und verschickte diese. Einfach,

um einen kleinen Lichtblick

zu schicken. Eine einmalige

Aktion, dachten zunächst

alle. Mit was die zwei Ü60-Frauen

nie im Leben gerechnet hatten,

war die überwältigende Resonanz.

Die Folge: Nach einer

Beratung bei der Handwerkskammer

gründeten sie Die Kekserei

und planten einen Internet-Shop.

Ende Oktober 2020 war der

Shop online. „Und dann ging es

richtig ab“, sagt Krieg. „Was uns

Es verlässt kein

Päckchen das

Haus ohne einen

persönlichen Satz

von uns.

Michaela Krieg

Die Kekserei-Gründerin

im ersten Jahr sicher zugespielt

hat, war, dass die Weihnachtsmärkte

ausgefallen sind.“ Viele

haben da nach Alternativen

gesucht – und die Kekserei

gefunden. Zur Unternehmensgründung

gehört

eben auch das Glück, zur

richtigen Zeit das richtige

Angebot zu haben.

Über 800 Kilogramm

Gebäck, schätzen

beide, haben Sie

in der ersten Hauptsaison

von Oktober bis Dezember

2020 gebacken und


unternehmen [!] MACHEN 33

verschickt. „Es verlässt kein

Päckchen das Haus ohne persönliche

Sätze von uns. Das ist

ein immenser Aufwand“, erklärt

Krieg. Ebenso viel Aufwand sei

der Versand: „Unsere Kekse

müssen so sicher wie möglich

verschickt werden. Das sind ja

hochzerbrechliche Produkte.“

Gründen mit über 60 Jahren

ist keine Seltenheit mehr, erläutert

das RKW Kompetenzzentrum

der Deutschen Wirtschaft

zusammen. Aufgrund der immer

älter werdenden Bevölkerung

sei damit zu rechnen, „dass

künftig diese Zielgruppe eine

wesentliche Rolle im Gründungsgeschehen

spielen wird“.

Sonnenfroh und Krieg haben im

Nebenerwerb gegründet. Das ist

in den meisten Fällen so, erklärt

Christina Nahr-Ettl von der IHK

Heilbronn-Franken. „Gründungen

aus wirtschaftlicher Not

stellen die Ausnahme dar, zumal

Über-60-Jährige in der Regel

über eine entsprechende soziale

Absicherung verfügen.“

Gründen 60+

Wer eine Altersrente bezieht

darf ab Erreichen der

Regelaltersgrenze ohne Beschränkung

hinzuverdienen.

Auswirkungen haben die

Bezüge auf die zu zahlende

Einkommenssteuer und die

Krankenversicherungsbeiträge.

Es erfolgt keine Minderung

der Rentenzahlungen.

Bei vorgezogener Altersrente

ist bis zur Regelaltersgrenze

nur ein

Hinzuverdienst von 6300

Euro im Jahr möglich, ansonsten

würden Rentenkürzungen

erfolgen. Im Corona-Jahr

2021 gab es Sonderregelungen.

Ab 2022 gilt

voraussichtlich wieder die

ursprüngliche Grenze. Mehr

Infos zu „Senior Entrepreneurship“

bieten die örtlichen

IHK oder das RKW

Kompetenzzentrum e.V.

Ihre Hauptberufe aufzugeben

können sich die Damen nicht

vorstellen. „Die machen wir mit

ebenso viel Herzblut. Sie ernähren

uns nicht nur, sie nähren

uns“, sagen sie. Krieg ist Trauerrednerin

und gibt Seminare

für Gewaltfreie Kommunikation.

Sonnenfroh arbeitet als Systemische

Therapeutin und Supervisorin.

Nun gehe es darum,

das Fundament hinzuzufügen,

„damit wir gesund wachsen können“.

Dazu gehören auch erste

große Investitionen, etwa in

neue Räumlichkeiten und eine

professionelle Ausstattung. Gerade

haben sie die komplette

Backstuben-Ausstattung einer

stillgelegten Bäckerei gekauft.

Eine Option für die Zukunft:

„Wir bleiben Herz und Hirn,

aber die Arbeit wird auf mehr

Füße und Hände verteilt“, sagt

Sonnenfroh. Als nächsten

Schritt denken sie an eine Konditorin

in Teilzeit. Blauäugig

sind die beiden ihr Projekt jedenfalls

nicht angegangen: „Wir

haben von Anfang an an Branding

gedacht“, sagt Krieg, die ursprünglich

aus der Werbung

kommt. Ein Logo, ein Look, ein

einheitlicher Duktus bei den

Keksnamen, passende Schürzen

– alles durchdacht.

Backen als Team-Building

Erste Unternehmen sind schon

auf die Kekserei aufmerksam geworden

und haben Kunden-Präsente

geordert. „Unsere Kekse

sind halt etwas anderes als eine

Flasche Wein“, erklärt Sonnenfroh.

„Persönlicher. Der Bankdirektor

bringt die Kekse nach

Hause, packt sie aus und genießt

sie mit der ganzen Familie. Mit

Wein geht das nicht.“

Auch Anfragen zum Kekse

backen als Teambuilding-Maßnahme

gab es bereits. Eine tolle

Idee, fanden die Gründerinnen

– doch leider fehlte der Platz.

Das soll sich nun in größeren

Räumlichkeiten ändern. Die Finanzierung

für die Zukunft steht

jedenfalls. [!] Julia Rizzolo

Wir bleiben

Herz und Hirn,

aber die Arbeit wird

auf mehr Füße und

Hände verteilt.

Marianne Sonnenfroh

Die Kekserei-Gründerin

Bislang stehen Michaela

Krieg (links) und Marianne

Sonnenfroh alleine in der

Backstube und fertigen die

Kekse. Das soll sich ändern.

Die beiden Gründerinnen

wollen expandieren.


Foto: Die Kekserei

FOTOS: DIE KEKSEREI


34

VERANTWORTEN unternehmen [!]

Die Senkung des CO 2

-Ausstoßes

trägt zum Klimaschutz bei.

Foto: Bilanol/shutterstock.com

Mit Tempo aus der

schmutzigen Ära

Nachhaltigkeit Viele Unternehmen sehen den Klimaschutz nicht

mehr als Last, sondern als Chance. Der Stuttgarter Professor

Alexander Sauer erläutert, wie die Pioniere vorgehen.


unternehmen [!] VERANTWORTEN 35

Die Klimaziele von Europäischer

Union und

Deutschland sind ehrgeizig.

Das Bundes-Klimaschutzgesetz

etwa

schreibt Minderungsziele von

65 Prozent bis 2030 und 88

Prozent bis 2040 vor. Aber

schon jetzt steht fest: Sofern

nicht zusätzliche Maßnahmen

zur Senkung der klimaschädlichen

Treibhausgasemissionen

getroffen werden, können

diese Schadstoffsenkungen

nicht erreicht werden. Dabei

ist die Industrie ein Sektor, der

mit am stärksten für CO 2

-Emissionen

verantwortlich ist.

Unternehmen und Konzerne

stehen in der Verantwortung.

Das Ziel ist klar: Mittelund

langfristig muss die Produktion

CO 2

-neutral werden.

In den vergangen Monaten haben

verschiedene Beispiele

aufhorchen lassen: Zum Beispiel

als im Spätsommer die

schwedische Stahlschmiede

SSAB den ersten fossilfreien

Stahl der Welt hergestellt und

an den Autohersteller

Volvo

geliefert

hat. Deutschlands

größter

Stahlkonzern

Thyssen setzt

ebenfalls auf

Wasserstoff

und will in Zu-

Bei Lieferanten

achten wir

darauf, dass sie

klimaneutral

arbeiten.

Johann Konrad

Fischer Automotive

kunft vermehrt

in Wasserelektrolyse

investieren und

sich so langfristig vom Hochofen

verabschieden.

Ebenfalls für Furore sorgte

aktuell der Start der weltweit

ersten Anlage zur klimaneutralen

Produktion des Flugzeugtreibstoffs

Kerosin im

Emsland. Zu den ersten Kunden

gehört die Lufthansa. Der

Betreiber der Anlage im niedersächsischen

Werlt, die gemeinnützige

Umweltorganisation

Atmosfair,

verkündete,

dass

es zum ersten

Mal möglich

sei, im industriellen

Maßstab

synthetisches

Kerosin

herzustellen.

Die Produktionskapazität soll

nach dem Erreichen des Regelbetriebs

im kommenden Jahr

bei einer Tonne oder acht Fässern

Rohkerosin pro Tag liegen.

Auch für Mittelständler wie

den Befestigungsspezialisten

Fischer aus Waldachtal steht

Klimaschutz ganz oben auf der

Agenda. Bei den Fischer Automotive

Werken in Tschechien

und Serbien zum Beispiel wurde

unter anderem auf die Verwendung

von Regranulaten

umgestellt. „Das sind Kunststoffgranulate,

die aus Überschüssen,

die im Spritzguss

entstehen, recycelt werden

und in den regulären Fertigungsprozessen

wieder zum

Einsatz kommen“, sagt Johannes

Konrad, Sprecher der Geschäftsführung

von Fischer

Automotive. Darüber hinaus

nutze die gesamte Unternehmensgruppe

seit 2018 Ökostrom

und gewinne Wärme mit

regenerativen Energien. „Bei

der Auswahl von Lieferanten,

Energiekonzepte von Gaiser –

fortschrittlich in die Zukunft

Von der Alb bis an den Bodensee versorgen wir seit 1928 Industrie, Gewerbe und

Wohnbau mit innovativer und ressourcenschonender Technik rund um Wärme,

Kälte, Energie, Sanitär, Lüftung und Klima. Als Energiedienstleister planen und

bauen wir Komplettanlagen aller Größen, finanzieren diese und betreiben sie im

Rahmen unserer Contracting-Modelle.

Julius Gaiser GmbH & Co. KG

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Niederlassung Heidenheim

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36

RESSORT VERANTWORTEN unternehmen [!]

die uns Energie und Material

zur Verfügung stellen, achten

wir darauf, dass diese klimaneutral

arbeiten“, ergänzt er.

Druck in der Zulieferkette

Das Umdenken in der Wirtschaft

ist spürbar. Das bestätigt

auch Alexander Sauer. Der Leiter

des Fraunhofer-Instituts für

Produktionstechnik und Automatisierung

IPA und des Instituts

für Energieeffizienz in der

Produktion EEP der Universität

Stuttgart sieht das Jahr 2019 als

Wendepunkt: „Das Interesse bei

den Unternehmen, CO 2

- neutral

zu werden, ist stark und glaubhaft

gestiegen.“

Das sei auch durch die Hersteller

getrieben, die perspektivisch

von ihren Zulieferern einen

entsprechenden Fußabdruck

erwarten: „Aber es ist

nicht nur der Druck in der Zuliefererkette,

sondern auch die

gefühlte gesellschaftliche Verantwortung

in den Unternehmen.

Es gibt die Bereitschaft, gewohnte

Prozesse in Frage zu

stellen.“ Üblicherweise würden

bei Investitionen in Energieeffizienz

Amortisationszeitspannen

von einem bis drei Jahre in Kauf

genommen. Inzwischen seien es

fünf bis sieben Jahre.

Das belegen ebenfalls die Ergebnisse

der Erhebungen des

Energieeffizienz-Index der deutschen

Industrie. Von rund 850

Unternehmen streben 489 Klimaneutralität

an, zwei Drittel

davon bereits für 2025. Die Hälfte

der Dekarbonisierungsaktivitäten

der nächsten 30 Jahre soll

Investitionen von einer Billion Euro

Thyssenkrupp erprobt den Einsatz von Wasserstoff in der

Stahlproduktion.

Foto: thyssenkrupp Steel Europe

Die Umstellung

auf eine CO 2

-freie

Produktion ist

volkswirtschaftlich

eine Riesenherausforderung.

Die Bundesregierung

hat

zwar hohe Förderungen

angekündigt,

doch gelten

sie eher als „Tropfen

auf den heißen

Stein“. Der Bundesverband

der Deutschen

Industrie

etwa prognostiziert,

dass die Unternehmen

eine

Billion Euro investieren

müssen, um

eine klimafreundliche

Produktion zu

realisieren. „Ich

habe das Gefühl,

dass die Machtverhältnisse

und Anspruchshaltungen

sich umkehren“,

sagt der Wissenschaftler

Alexander

Sauer. Bisher hatte

er den Eindruck, die

Regierung sei treibende

Kraft gewesen.

Doch nun stelle

die Industrie

selbst verstärkt

Forderungen, etwa

nach Hinweisen zur

Beziehung von

CO 2-

neutralem

Strom.

in den nächsten fünf Jahren

stattfinden. Andererseits gibt es

noch einen hohen Informationsund

Lernbedarf: So habe beispielsweise

die Mehrheit der

Unternehmen keine genaue

Kenntnis über ihre Energieeinsparpotentiale

bei den eingesetzten

Technologien – mit Ausnahme

bei der Beleuchtung.

Mit Blick auf die Strategie unterscheidet

Sauer zwei Bereiche:

„Zum einen geht es um die

Vermeidung von CO 2

-Emissionen

in der Produktion, etwa

durch den Rückgriff auf erneuerbaren

Strom oder Wasserstoff,

und zum anderen, um den energiebedingten

Ausstoß an CO 2

,

was 90 Prozent aller Unternehmen

betrifft.“

Mehr Autarkie angestrebt

Hier richtet sich nach seinen

Worten der Blick auf einige klassische

Stellhebel: darunter Effizienzmaßnahmen

und Reduktion

des Verbrauchs oder die lokale

Erzeugung von erneuerbaren

Energien: „Bei den

erneuerbaren Energien besteht

die Herausforderung, einen höheren

Autarkiegrad zu erreichen,

also mehr Strom direkt

vor Ort zu produzieren.“

Eine weitere Möglichkeit sei

der Bezug von erneuerbarem

Strom aus dem Netz: „Da muss

man aufpassen. Denn wie viele

Unternehmen können erneuerbaren

Strom aus dem Netz ziehen?

60 Prozent des Stroms sind

immer noch nicht erneuerbar.

Aber manchen Unternehmen

bleibt nichts anderes übrig, als

Gemeinsam

ulm.ihk24.de

IHK

Regionale Wirtschaft

Marktdaten- und Standortinformationen


unternehmen [!] RESSORTAnzeige

37

Verantwortungsvoll investieren und rund

225,5 Tonnen CO 2 im Jahr einsparen

Dank energieeffizienter Beleuchtung und technischer Optimierung bares Geld sparen –

mit den Energieeffizienz-Profis Wintermayr Energiekonzepte Systemtechnik GmbH aus Ulm.

LUDO FACT in Jettingen-Scheppach zeigt,

wie es geht und setzt seine Unternehmensphilosophie

auch in die Tat um – „LUDO FACT

goes Green!“.

Die Firma hat es sich als Ziel gesetzt nachhaltig,

verantwortungsbewusst und ökologisch zu

handeln. Mit der Optimierung ihrer Beleuchtungsanlage

geht das Unternehmen wieder einen

weiteren Schritt in die richtige Richtung.

Ökologie und Ökonomie lässt sich so einfach

ergänzen.

Nach den ersten Begehungen, der Einschätzung

des Einsparpotenzials sowie einer

Potenzial ermittlung nebst Investitionsbedarf,

er stellten die Energieeffizienz-Profis aus Ulm

ein maßgeschneidertes Beleuchtungskonzept,

welches in einem Zeitraum von ca. vier

Monaten umgesetzt wurde und das während

des laufenden Betriebs. Die bestehende Beleuchtungstechnik

in den Bereichen Produktion,

Konfektionshalle, Versand, Kommissionierung,

Lager, Hochregallager, Wareneingang sowie

die Außenbeleuchtung wurde durch eine

umweltfreundliche und energiesparende LED-

Technik ersetzt und das auf einer Fläche von

ca. 20.500 m 2 .

Mit dieser Optimierung spart das Unternehmen

nun 419.561 kWh Strom pro Jahr ein,

welches einem CO 2 Ausstoß von fast 225,5

Tonnen entspricht. Diesem positiven Beispiel

LED-Beleuchtungsprojekt

Ergebnis in Zahlen

· Energieeinsparung: 62,3%

· Einsparung Strom: 419.561 kWh/Jahr

· CO2-Reduzierung: 225,5 Tonnen/Jahr

· Durchschnittliche Lichtverbesserung: 66%

Foto: Nicole Fleissner

Auf dem Bild sind zu sehen von links: Florian Werdich (Projektleiter), Jürgen Wintermayr (Key Account

Manager) der Wintermayr Gruppe, Fabian Walz (Geschäftsführer) der LUDO FACT GmbH und

René Bergander (Autarkieberater, Vertriebsaußendienst) der meistro ENERGIE GmbH.

der CO 2 Footprint Senkung sollten viel mehr

folgen. Insgesamt wurden bei der Firma LUDO

FACT auf einer Fläche von ca. 20.500 m 2

knapp 1.215 LED-Leuchten neu verbaut.

Investitionen die sich rechnen

„Mit der durchdachten und punktgenauen sowie

an die Bedürfnisse des Kunden angepassten

Optimierung der Beleuchtung mittels LED,

spart die LUDO FACT GmbH Energie und Kosten

und schont damit auch die Umwelt“, so

Berndt Wintermayr, Geschäftsführer der

Wintermayr Energiekonzepte Systemtechnik

GmbH.

Fabian Walz, Geschäftsführer der LUDO

FACT GmbH: „Wir sind sehr zufrieden mit der

Um setzung der Firma Wintermayr Energiekonzepte

Systemtechnik GmbH aus Ulm. Besonders

positiv fand ich die Flexibilität der Mitarbeiter

von Wintermayr. Sie legten ihre Arbeitszeiten

in enger Rücksprache mit uns, so

dass die Produktion im laufenden Betrieb nicht

beeinträchtigt wurde. Mit dieser Effizienzmaßnahme

für Beleuchtung werden wir nicht nur

unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt

gerecht, sondern bieten unseren Mitarbeitern

durch eine bessere Ausleuchtung auch mehr

Sicherheit am Arbeitsplatz.“

Wintermayr Energiekonzepte

Systemtechnik GmbH

Hörvelsinger Weg 11 · 89081 Ulm

T +49 731 96273-0 · F +49 731 96273-11

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38

VERANTWORTEN unternehmen [!]

FOTOS: FEEL GOOD STUDIO/SHUTTERSTOCK.COM; FISCHER GROUP; MEAW_STOCKER/SHUTTERSTOCK.COM

Ob erneuerbare Energie vom Firmendach, Dübel aus nachwachsenden

Rohstoffen oder Recycling-Granulat: Firmen investieren viel in Klimaschutz.

Zur Person

Der Universitätsprofessor

Alexander

Sauer studierte Maschinenbau

und Betriebswirtschaftslehre.

Seit 2015 leitet er das

Institut für Energieeffizienz

in der Produktion

der Universität

Stuttgart sowie seit

2020 das Fraunhofer

Institut für Produktionstechnik

und Automatisierung.

das zu tun, weil sie nicht genügend

lokale Kapazitäten haben.“ Als letzten

Punkt sieht der Leiter des Fraunhofer-Instituts,

nicht vermeidebare

Emissionen durch den Kauf von

CO 2

-Zertifikaten auszugleichen: Das

machten derzeit noch fast alle.

„Aber gerade die weniger energieintensiven

Unternehmen hätten die

Chance, über lokale Zulieferung tatsächlich

CO 2

-neutral zu werden.“

Sauer schätzt, dass noch mindestens

20 Jahre vergehen, bis die Unternehmen

wirklich CO 2

-emissionsfrei

arbeiten. Der limitierende Faktor

ist die Verfügbarkeit von erneuerbarer

Energie. Sie ist nicht in dem

Maße vorhanden, wie sie abgenommen

würde. Auch Wasserstoff ist

kaum verfügbar: „Es wird einen Verteilungskampf

um das knappe Gut

der CO 2

-neutralen Energie geben.“

Wir arbeiten an

Verfahren für die

Produktion, damit

Firmen energetisch

flexibel werden.

Alexander Sauer

Institut für Energieeffizienz

Fragt sich, wie sinnvoll dann der

aktuelle Aufwand ist. Zumal in vielen

Regionen der Welt das Thema

CO 2

-Reduktion noch kaum eine Rolle

spielt. Genau hier möchte der

Wissenschaftler ansetzen. An den

Instituten, die er leitet, werden auch

Technologien entwickelt, die exportiert

werden können: „Wir arbeiten

an Produktionsverfahren, um energetische

Flexibilisierung zu gewährleisten.“

Für einen Gießereibetrieb

etwa werden Schmelzöfen entwickelt,

die sowohl mit Gas als auch

mit Strom betrieben werden. Sollte

beispielsweise Strom knapp oder

sehr teuer werden, kann kurz- oder

langfristig auf Gas umgestellt werden.

Für Regionen mit unsteter

Stromversorgung wäre das eine

praktikable Lösung.

Ein Beispiel für eine CO 2-

neutrale

Fabrik ist die Firma Alois Müller

in Ungerhausen. Die neue Anlage

zur Metallverarbeitung ist mit Photovoltaik

ausgestattet und wird mit

Biogas betrieben. Bei überschüssiger

Energieproduktion speist das

Unternehmen sogar Strom ins lokale

Netz ein. [!] Wilfried Urbe


unternehmen [!] RESSORTAnzeige

39

Klimaneutral in die Zukunft mit

Photovoltaik und Wasserstoff

e.systeme21 GmbH - der Spezialist für Solarstrom in Kombination mit Wasserstoffanlagen zeigt am

Standort in Ulm-Donautal, wie ein Gewerbebetrieb CO 2 -frei und energetisch autark werden kann.

Deutschland soll spätestens 2050 klimaneutral

sein und deshalb muss die Umstellung

der gesamten Energieversorgung für alle Sektoren

(Strom, Wärme, Mobilität) auf grünen

Strom bzw. grünes Gas in den kommenden 30

Jahren erfolgen. Dazu müssen ca. 80% des

Energiebedarfs umgestellt werden.

Deshalb wird im Moment das eigene Firmengebäude

in der Boschstraße 28 energetisch saniert.

Zielsetzung dabei ist, dass der gesamte

Energiebedarf des Gewerbebetriebes mit 15

Mitarbeitern für die Stromversorgung inklusive

Klimaanlage, Aufladung der Gabelstapler und

E-Fahrzeuge sowie die Beheizung der Büros und

des Lagers ganzjährig durch selbst erzeugten

Grünstrom gedeckt wird.

Die benötigte Energie wird durch eine Photovoltaikanlage

in Kombination mit kurzfristiger

Energiespeicherung in Lithium-Ionen-Batterien

und langfristiger Energiespeicherung in Form

von Wasserstoff erzeugt. Der Wasserstoff wiederum

wird aus dem Überschuss-Strom der

Photovoltaikanlage im Sommer gewonnen.

CO 2-freie Energieversorgung

Wasserstoffanlagen werden zurzeit stark gefördert,

damit sie wirtschaftlich betrieben werden

können und die Ziele der „Nationalen Wasserstoffstrategie“

erreicht werden. Die Markteinführung

von Wasserstoffanlagen wird durch die

CO 2-Bepreisung von fossilen Energieträgern

stark unterstützt. Elektrolyseanlagen und

Brennstoffzellen / KWK-Anlagen beruhen auf

dem gleichen technologischen Prinzip und werden

zukünftig in großen Stückzahlen produziert,

wodurch die Herstellkosten deutlich sinken

werden.

Nur durch die Kombination von grünem Strom

z.B. aus Photovoltaikanlagen mit Wasserstoff

als Energiespeicher ist eine dezentrale und CO 2-

freie Energieversorgung aller drei Sektoren

Strom, Wärme und Verkehr und damit eine

wirkliche Energiewende möglich.

Living-Lab

Der CO 2-freie und energieautarke Gewerbebetrieb

e.systeme21 wurde von der Initiative „Donautal

Connect – klimaneutraler Gewerbepark“

als Pilotprojekt ausgewählt, um anhand dieses

„Living Lab“ zu untersuchen, unter welchen

Bedingungen und mit welchen energietechnischen

Lösungen das gesamte Gewerbegebiet

Ulm-Donautal mit rund 140 Unternehmen und

ca. 23.000 Arbeitnehmern künftig klimaneutral

beziehungsweise CO 2-frei werden kann. Diese

Untersuchung wird von der Hochschule Aalen

und der Universität Ulm im Rahmen der Initiative

begleitet.

Seit 2013 plant, installiert und wartet e.systeme21

Photovoltaikanlagen in jeder Größe. Das

Angebotsspektrum wird durch Energieeffizienz-Maßnahmen

bei Gewerbekunden sowie

Wasserstoff-Erzeugung und –Speicherung abgerundet.

e.systeme21 GmbH

Boschstraße 38

89079 Ulm

Tel.: 0731 206538-0

www.esysteme21.de

© e.systeme21

Die e.systeme21 GmbH

bietet komplette Lösungen bestehend aus:

· Erzeugung von grünem Strom aus

Photovoltaikanlagen

· Optimierung des Energie verbrauchs durch

Energie-Effizienz-Maßnahmen

· Speicherung von Überschuss-Strom

(im Sommer) in Form von Wasserstoff

Foto: Losberger Modular Systems GmbH, Mannheim

Jens und Norbert Unterharnscheidt. Foto: e.systeme21 Das Energie-autarke und CO2-freie Gebäude


40

LEBEN unternehmen [!]

In seinem Weinkeller lagert Norbert Leins neben großen Namen auch Flaschen unbekannter Weingüter.

Genussvolle Verbindung

Die private Seite Über die Kunst kam er zum Wein. Mittlerweile gehört beides für Norbert

Leins untrennbar zusammen. Der ehemalige Liebherr-Geschäftsführer setzt in seiner

Sammlung bewusst auf unbekannte Weine – aber nicht wegen der Wertsteigerung.

Norbert Leins sammelt

Kunst und Wein. Der

frühere Unternehmer

sieht darin keinen Widerspruch,

vielmehr sei es eine

Kunst guten Wein herzustellen

und beides verbinde Menschen.

Eine weitere Gemeinsamkeit:

die Betrachtung von Kunst und

der Genuss eines edlen Tropfens

ist oft Auslöser für ein gutes

Gespräch. Nicht zuletzt lässt

sich über die Frage des Geschmacks

bekanntlich trefflich

diskutieren.

Vor zwanzig Jahren begann

Leins’ Sammelleidenschaft mit

Bordeauxwein, der Benchmark

aller Sammler. Heute hat er unterschiedliche

Weine in seiner

Sammlung und somit umso

mehr Gesprächsstoff. Zunächst

Der Anspruch

an den Wein

steigt mit der

Bekanntheit der

Künstler.

Norbert Leins

Wein- und Kunstsammler

sammelte Leins die Jahrgänge

von Familienmitgliedern. Inzwischen

lagern auch ausgewählte

Spanier, Italiener und besondere

Weine aus der Neuen Welt in

seinem Gewölbekeller. In Lagerräumen

liegen weitere Flaschen.

Gut 1000 sind es insgesamt,

sorgfältig archiviert um etwa

den richtigen Zeitpunkt für das

Öffnen der Flaschen nicht zu

verpassen. Das kann aber dauern,

und nicht jeder Wein erlebe

das Datum seiner maximalen

Lagerzeit.

Leins sieht „Wein und Kunst

als kongeniale Verbindung“, und

das nicht nur, weil in seiner

Sammlung zahlreiche Flaschenetiketten

von bekannten Künstlern

gestaltet wurden. Leins ist

in Rottweil aufgewachsen, engagierte

sich im dortigen Kunstverein

Forum Kunst und knüpfte

Kontakte in der Kunstszene

der Stadt, etwa zu Erich Hauser

oder Jürgen Knubben. Man traf

sich in den Ateliers, philosophierte

über Wein und Kunst

und wusste die Arbeit zu schätzen,

die beides erfordert.

„Tranken wir anfangs einfachen,

authentischen Wein, stieg

der Anspruch mit der Bekanntheit

der Künstler.“ Davon inspiriert,

ließ ihn das Thema Wein

nicht mehr los, und die Sammelleidenschaft

begann. Den Austausch

mit den Künstlern bei einem

guten Tropfen gibt es nach

wie vor, nur besuchen diese den

Sammler inzwischen auch in

seinem Haus in Langenau. Seine

Frau Christine und er sind


unternehmen [!] LEBEN 41

Zur Person

Norbert Leins war mehr

als 15 Jahre Geschäftsführer

der Liebherr Werksvertretungen

in Langenau,

Berlin und Nürnberg. Die

Gründung der Liebherr

Hausgeräte-und Service

GmbH 2018 und die damit

verbundene Auflösung der

Werksvertretungen begleitete

er aktiv. Anschließend

schied er

aus dem Unternehmen

aus. Leins ist

heute Art-Consultant

der Venet

Galerien.

FOTOS: MARC HÖRGER

leidenschaftliche Gastgeber und

nie abgeneigt, gemeinsam mit

Freunden einen guten Tropfen

zu probieren und darüber zu

diskutieren. Umgeben von

Kunst – im Haus wie im Skulpturengarten,

wo Werke von

Thomas Röthel, Erich Hauser,

Jeff Koons, Willi Siber, Mack,

Piene und Uecker, Otmar Hörl

und anderer namhafter Künstler

zu finden sind.

So selbstverständlich wie die

Kunst zu seinem Leben gehört,

so unprätentiös ist sein Umgang

mit Wein, der für Leins ein Genuss-

und kein Renditeobjekt

ist. Wohl wissend, dass einige

Flaschen seiner Sammlung inzwischen

erheblich an Wert gewonnen

haben. „Die Nachfrage

vor allem aus China, Russland

und den USA ist immens. Neben

Namen, Weingut und Jahrgang

ein wesentlicher Grund für

teils völlig überzogene Preise“,

sagt Leins, der mittlerweile

als Berater

der Venet-Haus

Galerie tätig ist.

„Jeder will den

Ferrari oder Lamborghini

unter den

Weinen.“

Kunstpfad

im eigenen

Garten:

Skulpturen

verschiedener

Künstler

finden hier

ihren Platz.

In seinem Keller liegen

Château Mouton Rothschild,

Château Palmer oder die großen

Ikonen aus Italien wie Ornellaia

oder Sassicaia. Der Reiz liegt für

ihn aber inzwischen im Aufspüren

bezahlbarer Spitzenweine.

„Kleine noch unbekannte Weingüter,

die fantastische Weine

machen überraschen hier vielmals.“

Die zu erkennen, erfordere

Übung, Recherche und die Beschäftigung

mit Anbaugebieten

und Rebsorten. „Dafür habe ich

jetzt mehr Zeit. Wenn ich dann

einen Wein entdecke der einem

Spitzenwein mit Preisen von

mehreren hundert Euro sehr nahekommt,

ist das die Faszination,

die mich umtreibt.“ [!]


Sigrid Balke


Am Baugerüst, bei Waldarbeiten, am Fließband oder vor dem PC: Die Anforderungen an die Arbeitssicherheit sind vielfältig.

Sicherheitsmanagement

zählt in vielen Unternehmen

nicht zu den

beliebtesten Aufgaben.

Etwaige Schwachstellen müssen

ermittelt und behoben werden.

Das erfordert Zeit. In kleineren

Betrieben wird es als notwendiges

Muss meist mehr nebenbei

erledigt. In größeren Unternehmen

wird die Aufgabe häufig einer

Sicherheitsfachkraft übertragen

oder an einen Dienstleister

ausgelagert. Letztlich müssen

alle Unternehmen sich

kümmern, denn Sicherheitsmanagement

ist von staatlicher Seite

verpflichtend vorgeschrieben.

Unzureichende Strukturen in

Betrieben sind Matthias Müller

als gelerntem Zimmermann und

Bau- und Sicherheitsingenieur

schon lange nur allzu gut bekannt.

Bereits 2003 wollte er

daran etwas ändern und gründete

das Unternehmen AST Arbeitssicherheit

& Technik. Sein

Ansatz: ein theoretisches, praktisches

und digitales Angebot

rund um das Thema Sicherheit

in Betrieben, Kommunen, Institutionen,

der Landwirtschaft

und auf Baustellen. Mittlerweile

bietet AST Aus- und Weiterbildungen

an, ist als Dienstleister

in Sachen Arbeitssicherheit

tätig und Prüfungsstätte für verschiedene

Verbände.

Um die Schulungen noch praxisnaher

gestalten zu können ist

Mit Sicherheit an

erster Stelle

AST Egal, ob auf Baustellen oder in Betrieben: Die Arbeitssicherheit

muss gewährleistet sein. Das nötige Wissen dafür vermitteln

Matthias und Angelika Müller in ihrem Unternehmen in Blaustein.

Der Eindruck täuscht: Das Ausbildungszentrum Campus M ist längst fertig gestellt. Der Kran und das

Baugerüst kommen bei den praxisnahen Schulungen zum Einsatz.

FOTOS: MARC HÖRGER


unternehmen [!] MACHEN 43

seit 2020 das Ausbildungszentrum

„Campus M“ am Firmensitz

in Blaustein in Betrieb. Von

weitem erweckt das 4500 Quadratmeter

große Schulungszentrum

den Eindruck einer dauerhaften

Baustelle. Nicht ohne

Grund, denn Gerüste, ein Kran,

ein Hochbehälter, Hochregallager,

Stapler und weitere Baumaschinen

gehören zum Inventar,

an dem sich etwa Krankführer

oder Mitarbeiter von städtischen

Bauhöfen zertifizieren

lassen können. „Spezialmaschinen

werden bei Bedarf angemietet,

und für komplexe Ausbildungen

setzen wir unsere Virtual

Reality Simulatoren ein“,

erklärt Müller.

Bedarf an Schulungen ist da

Trainiert wird zudem in einer

Halle an Hochregallagern oder

Steigleitern. Die Schulung sei

wichtig, betont Müller. „Geschätzte

80 Prozent der Kranführer

in Deutschland fahren

ohne rechtskonforme Ausbildung“,

sagt der Unternehmer,

der den Betrieb zusammen mit

seiner Frau Angelika führt. Auch

sie kommt als Maurerin und

Bau- und Sicherheitsingenieurin

aus der Praxis. Der Bedarf nach

Schulungen ist wohl da. Am

Campus M lernen mittlerweile

die Teilnehmer aus dem gesamten

deutschsprachigen Raum.

Unternehmen mit vergleichbar

umfassenden Sicherheitsdienstleistungen

für alle Branchen

und einem dem ausgesprochen

hohen Digitalisierungsgrad

wie die AST GmbH, gibt es

Müller, zufolge nur wenige. Neben

dem Bereich E-Learning als

Ergänzung zu den Präsenz-Schulungen

setzt der Unternehmer

auf die selbst entwickelte Betriebssoftware

„Safety Go“. Dabei

werden Schulungen und

Qualifikationen in einem digitalen

Logbuch dokumentiert, ihre

Aktualität wird kontinuierlich

überprüft und alle Nachweise

sind sowohl für den Mitarbeiter,

als auch für den Betrieb über

mobile Geräte abrufbar.

Über eine Tracking-Funktion

sind zudem entsprechend ausgerüstete

Maschinen mit der jeweiligen

Qualifikation der Mitarbeiter

verknüpft. So soll je-

Branche mit Wachstumspotenzial

Die im Blausteiner

Teilort Dietingen

ansässige AST

GmbH betreibt mit

dem Campus M

„Home of Safety“.

eines der innovativsten

Ausbildungszentren

für

Arbeitssicherheit

hierzulande. Zuletzt

erwirtschaftete

das vor 18 Jahren

gegründete Unternehmen

einen Jahresumsatz

von

Matthias und Angelika Müller haben das

Unternehmen in den vergangenen

18 Jahren auf- und ausgebaut.

etwa 1,5 Millionen

Euro.

In Unternehmen

nimmt der Bedarf

an Experten in diesem

Bereich in

Deutschland immer

weiter zu. Waren

im Jahr 2012

noch rund 30 600

Beschäftigte in der

Arbeitssicherheit

und Sicherheitstechnik

tätig, arbeiten

mittlerweile

knapp 48 500

Frauen und Männer

laut einer Erhebung

der Bundesagentur

hervorgeht in der

Branche. Die Zahl

der gemeldeten Arbeitsunfälle

sank

im gleichen Zeitraum

dagegen um

knapp 125 000 auf

zuletzt 760 492 im

Jahr 2020, wie die

Deutsche Gesetzliche

Unfallversicherung

mitteilte.

weils der passende Mitarbeiter

für die Bedienung der Maschine

gefunden werden oder durch

eine entsprechende Filterung

der Daten, den am besten qualifizierten

Mitarbeiter für eine

spezielle Anforderung.

Zu den Kunden zählen Unternehmen

unterschiedlichster

Größe. Während manche punktuelle

Dienstleistungen als Ergänzung

zum betriebsinternen

Sicherheitskonzept buchen, liefert

AST für andere das gesamte

Sicherheitsmanagement des

Unternehmens. Dazu gehören

neben der regelmäßigen Überprüfung

und Anpassung der Sicherheitskonzepte

auch Unternehmenszertifizierungen,

sowie

Weiterbildung und Schulungen

in den Betrieben.

Für komplexere

Ausbildungen

kommen auch

VR-Simulatoren

zum Einsatz.

Matthias Müller

AST Geschäftsleitung

Die 15 Mitarbeiter im AST

Team sind überwiegend Quereinsteiger

mit Praxiserfahrung

aus unterschiedlichen Branchen.

Als Partner der Dualen

Hochschule Karlsruhe bietet

das Team künftig auch angehenden

Ingenieuren und Ingenieurinnen

für Arbeitssicherheit die

Möglichkeitent, ihre praktische

Ausbildung in Blaustein zu absolvieren.

Zu den jungen Leuten

im Unternehmen gehören auch

die drei Kinder des Unternehmerehepaares.

Sie sind zwar

noch in der Ausbildung und im

Studium, sichern aber bereits

die Unternehmensnachfolge.

Um stets neueste Technik

anbieten zu können, setzt Müller

auf die Kooperation mit

Herstellern für Sicherheitsequipment

und Betrieben aus

der Baubranche. „Wir geben

dann ein Feedback in Hinblick

auf die Praxistauglichkeit.“ Aktuell

habe sich eine VR-Brille

für die Erprobung modernster

Feuerlöschgeräte bewährt. [!]


Sigrid Balke


44

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Erneut Wechsel

bei Teamviewer

Software Die Marketing-Chefin

Lisa Agona, die im April in

den Vorstand bestellt wurde,

wird das Göppinger Unternehmen

Teamviewer „in gegenseitigem

Einvernehmen“ bereits

wieder verlassen. Auch die

Trennung von dem bisherigen

Finanzvorstand Stefan Gaiser

wurde nach Angaben des im

MDax notierten Unternehmens

„im besten gegenseitigen Einvernehmen“

getroffen. Gaiser

war mehr als vier Jahre Finanzvorstand

des Gööpinger Unternehmens

und wird Teamviewer

mit Ablauf seines Vertrags im

Jahr 2022 verlassen. Sein Nachfolger

soll auch die Zuständigkeit

für das Marketing übernehmen

und Teamviewer zu einer

globalen Tech-Marke machen.

Kein Göppinger

Advent

Pandemie Corona macht den

Göppingern erneut einen Strich

durch die Rechnung. Der„Göppinger

Advent“ mit Bewirtungsständen

an mehreren Stellen in

der Innenstadt wurde abgesagt.

Der Citymarketing-Verein sei

„in engem Austausch mit der

Stadtverwaltung und den anderen

beteiligten Stellen“ übereingekommen,

dass ein komprimiertes

Marktgebiet wie in den

vergangenen Jahren nicht die

ideale Lösung ist“, erklärte Oliver

Sihler, Geschäftsführer des

Marketingvereins „Göppinger

City“.

Schuler setzt

auf Kooperation

Bipolarplatten Das Göppinger

Unternehmen Schuler Pressen,

Thyssenkrupp Automation Engineering

sowie Andritz Soutec

kooperieren künftig, um durchgängige

Produktionsanlagen zur

Großserienfertigung von metallischen

Bipolarplatten anzubieten.

In der Zusammenarbeit soll

die gesamte Wertschöpfungskette

von der Fertigung bis zur

Montage einer Brennstoffzelle

abgedeckt werden.

Seit der Schließung im Herbst 2020 steht das ehemalige Kaufhof-Gebäude

in der Göppinger Innenstadt leer. Foto: Staufenpress

Es tut sich was im

ehemaligen Kaufhof

In der Göppinger Innenstadt tut sich etwas. In der ehemaligen Kaufhof-Filiale,

die den Investoren des angrenzenden Agnes-Einkaufszentrums

gehört, soll im März kommenden Jahres ein Modehaus eröffnen.

Das Unternehmen ist Teil einer neuen Modekette, die Friedrich- Wilhelm

Göbel zurzeit bundesweit aufbaut. Der in der Textilbranche bekannte

Unternehmer Friedrich-Wilhelm Göbel will vom März kommenden Jahres

an auf drei Stockwerken ein Mode im gehobenem Preissegment anbieten.

Die Göppinger Kaufhof-Filiale hatte im Oktober vergangenen

Jahres geschlossen. Unter welchem Namen die neue Kette firmiert,

steht noch nicht fest. In unmittelbarer Nachbarschaft zum „Agnes“ soll

das Geschäft zur Attraktivität des Standorts beitragen.

Diesel-Lkw

umrüsten

Kooperation Ingenieure aus

Energie-, Fahrzeugtechnik, Maschinenbau

und Mechatronik

arbeiten in Göppingen unter der

Leitung von Professor Ralf Wörner

an der Umrüstung von Diesel-betriebenen

Lkw und Radladern

auf Wasserstoff aus Brennstoffzellen.

Dies erfolgt in Kooperation

mit dem

Fahrzeugumrüster EFA-S in Zell

unter Aicherlberg, der seit Jahren

Fahrzeuge auf Elektroantrieb

umrüstet. Speditionen und

Bauunternehmen wie Leonhard

Weiss, Fischer aus Weilheim

oder Feess aus Kirchheim sind

Projektpartner, die ihre Fahrzeuge

umrüsten lassen wollen.

Wörner ist Leiter des Instituts

für nachhaltige Energietechnik

und Mobilität.

Ziegler und

Schenk wächst

Neuausrichtung Der Göppinger

Maschinenbauer Ziegler

und Schenk setzt seine Konzentration

auf Zukunftsthemen und

die damit verbundene Neuausrichtung

hinsichtlich der Kundenstruktur

fort und hat sowohl

Belegschaft als auch Maschinenpark

ausgebaut. „2021 war

ein sehr investitionsreiches

Jahr“, erklärt Geschäftsführer

Christian Jaissle. Vor allem die

Digitalisierung und Automatisierung

wurde vorangetrieben.

Das Unternehmen mit 80 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern

baut etwa Prüfstände zur Ermittlung

der Lebenszyklen von

Batterien sowie vollautomatisierte

Anlagen zur Montage von

Elektromotoren inklusive Prüfung

aller relevanten Parameter.

Gärtnerhof

überzeugt

Auszeichnung Der Göppinger

Gärtnerhof Jeutter ist ein Gewinner

des Landeswettbewerbs

„Baden-Württemberg blüht

2020“. Da der Festakt durch die

Pandemie bedingt ausgefallen

war, wurde die Auszeichnung

der Preisträger nun jeweils Ort

vorgenommen. Dazu besuchte

Staatssekretärin Sabine Kurtz

den Gärtnerhof in Faurndau.

Der Betrieb von Nicole und Johannes

Jeutter war in der Kategorie

„Unternehmen“ des vom

Ministerium für Ernährung,

ländlichen Raum und Forsten

seit 2019 ausgelobten Preises

von einer Fachjury als Gewinner

ausgewählt worden. Überzeugt

hatte das Projekt „Wildobstlehrpfad

und Schaugelände“

des im Marbachtal gelegenen

Gärtnerhofes.

Jung-Koch

überzeugt

Wettbewerb Anton Lebersorger

darf sich zu den besten

Jung-Köchen Europas zählen.

Der 24-Jährige hat sich den

zweiten Platz beim Kochwettbewerb

„Junge Wilde“ erkämpft.

Der Chef de Partie im Zwei-Sterne-Restaurant

Goldberg in Fellbach

maß sich dabei mit 6500

Kolleginnen und Kollegen. Einzige

Voraussetzung für alle Teilnehmer:

Sie durften noch keine

30 Jahre alt sein. Seine Ausbildung

absolvierte Lebersorger

bei Bernd Huber im Hotel Rebstöckle

in Hagnau, arbeitete

dann im Castello in Donzdorf

und im Restaurant Schloss

Filseck in Uhingen. [!]


+16

EXTRA-

SEITEN

spezial

Wirtschaft im

unteren Illertal

Unternehmer und Dienstleister aus dem

Illertal stellen sich vor.

DIETENHEIM

Ein Unterzentrum mit einer

bedeutenden Rolle für das

württembergische Umland.

Seite 46


46

SPEZIAL unternehmen [!]

Innenstadt in

neuem Glanz

Dietenheim Ein Unterzentrum, aber mit einer bedeutenden Rolle für das württembergische

Umland, ist die kleine Stadt im unteren Illertal. Und sie hat einiges zu bieten.

Dietenheim hat sich herausgeputzt

in den vergangenen

Jahren. Einen

wesentlichen Anteil

daran hat die Stadtkernsanierung,

die seit 2013 an und rund

um die Königsstraße in der kleinen

Stadt im südlichen Zipfel

des Alb-Donau-Kreises läuft. Bis

auf einen kleineren Abschnitt ist

diese im Kernbereich nun abgeschlossen,

aber an den Randbereichen

geht die Sanierung mit

Hilfe staatlicher Fördermittel

noch bis 2024 weiter. Dann

kommt der vierte Sanierungsabschnitt

der Königsstraße.

Dietenheims Bürgermeister

Christopher Eh freut es, dass

zum einen die Bürger und auch

Hausbesitzer im Sanierungsgebiet

mitziehen und mitgemacht

haben: „Es gibt eine große Bereitschaft

der Hauseigentümer

ihre Gebäude mit zu sanieren“,

sagt er. Zum anderen habe man

es durch die Stadtkernsanierung

geschafft „eine gewisse Frequenz

in die Innenstadt zu bringen.

Es ist wieder Bewegung im

Ort. In Dietenheim ist es nicht

langweilig.“

Leerstände wieder gefüllt

Vor rund acht Jahren gab es

noch sehr viele Leerstände im

Innenstadtbereich, ein Problem,

mit dem viele Gemeinden dieser

Größenordnung kämpfen.

Die seien aber mittlerweile gefüllt

worden, beispielsweise

durch soziale und andere

Dienstleister, Frisöre, Gastronomie

und mehr. Wünschen würde

sich der Bürgermeister, dass

man auch einen Einzelhandels-Grundversorger

Innenstadt-nah

ansiedeln könne – auf

nicht ganz so großer Fläche,

Das Wahrzeichen der Stadt im unteren Illertal: Der markante

Kirchturm von St. Martin ist weithin zu sehen.

FOTO: WERNER GALLBRONNER

aber fußläufig schnell erreichbar

für die Dietenheimer.

„Wir sind ein Unterzentrum“,

sagt Bürgermeister Eh, „aber mit

einer bedeutenden Rolle für das

württembergische Umland.“

Die Aufgabe der Gemeindeverwaltung

und des Rates sieht er

darin, diese Rolle der Gemeinde,

die ziemlich in der Mitte

zwischen Ulm und Memmingen

liegt, zu stärken und herauszuarbeiten.

„In Dietenheim bekommt

man, was man zum täglichen

Leben braucht.“ Und mit

der bayerischen Nachbarstadt

In Dietenheim

bekommt man,

was man zum

täglichen Leben

braucht.

Christopher Eh

Bürgermeister Stadt Dietenheim

Illertissen, nur wenige hundert

Meter jenseits der Iller, pflege

man ein sehr gutes Verhältnis.

Stolz ist Eh darauf, dass Dietenheim

in puncto Ganztagsbetreuung

in Kindergarten und

Schule im ländlichen Bereich

eine Vorreiterrolle einnimmt.

Und damit für die Vereinbarkeit

von Schule und Beruf – ein

wichtiges Kriterium für ansiedlungswillige

und ansässige Firmen

– sehr gute Voraussetzungen

geschaffen hat. Über den

Gesetzesanspruch auf Ganztagesschule

werde immer viel geredet,

meint er. In Dietenheim

seien alle vier Schulen, auch das

sozialpädagogische Bildungsund

Beratungszentrum, auf

Ganztagesbetreuung ausgerich-


SPITZENPLATZ FÜR

IHR UNTERNEHMEN

unternehmen [!] RESSORT 47

Oberschwaben zwischen Ulm und Memmingen und entlang der B 30 bis zum

Bodensee ist eine der Wachstumsregionen in Deutschland mit der geringsten

Arbeitslosigkeit und höchsten Wertschöpfung. Der Gemeindeverwaltungsverband

Dietenheim liegt inmitten dieser Innovationsregion und leistet aktiv seinen Beitrag.

BM Christopher Eh, Dietenheim BM Maximilian Hartleitner, Balzheim BM Jens Kaiser, Illerrieden

Grußwort der drei Bürgermeister

Die Mitgliedsgemeinden Dietenheim, Illerrieden und Balzheim des Gemeindeverwaltungsverbands Dietenheim (zusammen ca.

12.500 Einwohner) messen der wirtschaftlichen Entwicklung der Region einen hohen Stellenwert bei. Hier bewahrheitet sich der

Spruch „Arbeiten und Wohnen im Grünen“. Der Verband und die Mitgliedsgemeinden sind bestrebt den vorhandenen Betrieben

gute Entwicklungschancen zu bieten sowie neue Firmen anzusiedeln. Dies geschieht durch die Erschließung neuer attraktiver

Gewerbe- und Wohngebiete und den stetigen Ausbau der Infrastruktur, wie z. B. schnelles Internet.

Insbesondere in den Ausbau der Kinderbetreuung sowie der Schulinfrastruktur wurde in den letzten Jahren viel investiert, so

dass Familien hier auf optimale Bedingungen vertrauen können. Im Verbandsgebiet ist ebenso eine gute Versorgung mit Allgemein-,

Zahn- und Fachärzten sowie Apotheken gewährleistet. Der Einzelhandel ist gut ausgebaut. Alle Besorgungen und Dienstleistungen

fürs tägliche Leben können im Verbandsgebiet erledigt werden.

Durch die Lage an der Autobahn A7 ist eine optimale Verkehrserschließung gegeben und der Anschluss an die Schiene ist im

unmittelbar benachbarten Illertissen oder Vöhringen und Altenstadt gewährleistet. Dies und die räumliche Nähe zu den großen

Tourismusgebieten ermöglicht auch, dass das Allgäu, die Alpen, der Bodensee und die schwäbische Alb schnell und unkompliziert

erreicht werden.

Touristisch haben die Verbandsgemeinden einiges zu bieten. Dietenheim, Illerrieden und Balzheim liegen an der idyllischen Iller

mit dem zertifizierten Iller-Radwanderweg und bieten viele Wanderwege inmitten einer artenreichen und intakten Natur. Besonders

erwähnenswert ist der staatlich anerkannte Erholungsort Regglisweiler mit dem Kloster Brandenburg, das ein Exerzitien- und

Tagungshaus betreibt und der für seine Spirituosen weithin berühmt ist. Das Gastronomie- und Übernachtungsangebot lässt

keine Wünsche offen und lädt zum Verweilen im Verbandsgebiet ein.

In den drei Gemeinden blüht ein reges und vielfältiges Vereinsangebot, das jedem etwas bietet und das gesellschaftliche Leben

bereichert. Hier kann sich jeder ehrenamtlich engagieren oder einfach seinem Hobby nachgehen.

Kulturell ist ebenfalls einiges geboten mit Volkshochschule, Musikschule und vielen musikalischen oder kabarettistischen Highlights.

Publikumsmagnete im Jahreskalender sind u.a. die weit über die Region hinaus bekannte Fasnet (Fasching) in Dietenheim,

die historische Bürgerwehr Dietenheim und das „Heilige Grab“ immer in den drei Wochen vor Ostern in der Kirche Dietenheim.

Besuchen Sie uns und überzeugen Sie sich selbst: Hier lässt es sich hervorragend wohnen, leben und arbeiten!

Kontakt:

Stadtverwaltung Dietenheim

Bürgermeister Christopher Eh

Königstraße 63

89165 Dietenheim

Telefon: 07347 9696-0

Telefax: 07347 9696-96

stadtverwaltung@dietenheim.de

www.dietenheim.de

Kontakt:

Gemeinde Balzheim

Bürgermeister Maximilian Hartleitner

Am Dorfplatz 8

88481 Balzheim

Telefon: 07347 95 78-0

Telefax: 07347 95 78-16

info@gemeinde.balzheim.de

www.balzheim.de

Kontakt:

Gemeinde Illerrieden

Bürgermeister Jens Kaiser

Wochenauer Straße 1

89186 Illerrieden

Telefon: 07306 9696-0

Telefax: 07306 9696-50

buergermeister@illerrieden.de

www.illerrieden.de


48

SPEZIAL unternehmen [!]

Zwei Schüler der Gemeinschaftsschule stellen die neuen technischen Möglichkeiten vor: Nicht nur saniert, sondern auch digitalisiert sind

mittlerweile die Schulen in Dietenheim.

Foto: Beate Reuter-Manz

tet, an der Grundschule jedoch

nicht verpflichtend.

„Wir haben unsere Schulen

saniert und digitalisiert, da sind

wir auf einem guten Stand.“ Der

Dietenheimer Bürgermeister

gilt als Verfechter der Gemeinschaftsschule,

in der Kinder von

der fünften Klasse an individuell

und nach Leistungsstand gefördert

werden. Christopher Eh

sieht in dieser Schulform einen

Standortvorteil für den ländlichen

Raum. Aus diesem Grund

bewilligen der Rathaus-Chef

und sein Gemeinderat immer

wieder große Summen, um die

„Gemeinschaftsschule im Illertal“

gut auszustatten. Zuletzt hat

sich die Stadt eine energetische,

technische und räumliche Modernisierung

1,8 Millionen Euro

kosten lassen. Für dieses Geld

gab es unter anderem den heutigen

Schultechniken angepasste

Verwaltungs- und Lehrerräume

und, ganz wichtig, eine Komplettverkabelung

der IT- und

Kommunikationstechnik im gesamten

Haus.

Moderates Wachstum

Soweit die Schulen in der Digitalisierung

sind – bei schnellem

Internet gibt es noch ein paar

weiße Flecken in Dietenheim

und Regglisweiler. Doch neben

den Telekommunikationsunternehmen

ist die Stadt selbst dabei,

das Netz dafür fit zu machen.

Förderanträge sind gestellt,

manche Dinge verzögern

sich aber, da es nur eine begrenzte

Anzahl ausführender

Fachfirmen gibt. „Wir sind in

diesem Bereich aber nicht

schlecht aufgestellt“, sagt der

Bürgermeister.

Wir haben

unsere Schulen

digitalisiert, da

sind wir auf einem

guten Stand.

Christopher Eh

Bürgermeister Stadt Dietenheim

Attraktive Rahmenbedingungen

will die Kommune zum einen

für ihre Firmen und Gewerbetreibenden,

aber auch vor allem

für ihre Einwohner schaffen,

der jungen Generation eine

Zukunft bieten. Ihn freue es,

wenn Dietenheimer nach dem

Studium wieder in ihre Heimatstadt

zurück kommen, um dort

zu arbeiten, nennt er als Beispiel.

Oder wenn andere neu

dorthin ziehen. Das Wachstum

der Kleinstadt von 6500 auf

rund 6800 Einwohner in den

vergangenen fünf Jahren zeugt

davon, dass dies funktioniert.

Auch der Ortsteil Regglisweiler,

seit 1972 mit Dietenheim fusioniert,

ist gewachsen. Mit der

rund 2000 Einwohner zählenden

Gemeinde hat Dietenheim

einen staatlich anerkannten Erholungsort,

der mehrfach Preis-


unternehmen [!] RESSORT 49


50

SPEZIAL unternehmen [!]

träger beim Wettbewerb „Unser

Dorf soll schöner werden“ war.

Der Bürgermeister legt großen

Wert darauf, dass es dort eine

Ortsverwaltung mit breiten Öffnungszeiten

gibt, wo Bürger viele

ihrer Anliegen erledigen können,

ohne ins benachbarte Dietenheim

fahren zu müssen. Auch

er selbst ist regelmäßig vor Ort.

Außenwirkung bringt der

Kommune das Kloster Brandenburg,

Sitz der Generalleitung

und des Noviziats der „Immakulataschwestern

der Seraphischen

Kongregation“. Das Kloster

betreibt ein

Attraktiv

bleiben,um

ein interessanter

Wohn- und

Arbeitsort zu sein.

Exerzitien- und

Tagungshaus

mit Klosterladen,

die

Schwestern

sind in sozialen

Einrichtungen

in der Jugend-,

Behindertenund

Altenhilfe

tätig.

Mit etwa 1900 sozialversicherungspflichtigen

Arbeitsplätzen

liegt Dietenheim im gehobenen

Durchschnitt, wie Eh meint. Mit

seinem traditionellen Handwerk

und verschiedenen Industriebetrieben

ist die Kommune breit

aufgestellt. Um Betrieben auch

weiterhin Flächen zur Neuansiedlung

oder Erweiterung anbieten

zu können, will die Gemeinde

im kommenden Jahr

zwei neue Gewerbegebiete erschließen:

zum einen das brachliegende

Amann-Areal – ein

ehemaliges Textilunternehmen

– im Dietenheimer Norden, das

Christopher Eh

Bürgermeister Stadt Dietenheim

die Stadt gekauft hat, zum anderen

1,8 Hektar im Süden, direkt

am Autobahnzubringer. Die Flächen

sind begehrt, es gebe schon

viele Nachfragen, sagt Eh.

Um dem Bedarf an neuen

Wohnungen nachzukommen,

setzt die Stadt nicht nur auf

Neubaugebiete, sondern vor allem

auch auf die Schließung von

Baulücken durch Geschosswohnungsbau.

Ihn freut es, dass die

Kommune es geschafft hat, Investoren

anzuziehen, die solche

Vorhaben umsetzen. Ein Paradebeispiel

dafür ist das neue

Ärztehaus mit

fünf Praxen

verschiedener

Fachrichtungen,

Apotheke,

Physiotherapie

und zwölf

Wohnungen.

„Wenn heute

Ärzte eine

Chance haben

wollen, einmal

einen Nachfolger zu finden,

brauchen sie moderne Praxisräume“,

betont der Bürgermeister

die Wichtigkeit dieses Projekts,

das von der Kreisbaugesellschaft

Alb-Donau umgesetzt

wurde.

„Man muss attraktiv bleiben,um

ein interessanter Wohnund

Arbeitsort zu sein“, sagt Eh,

der es selbst genießt, in seinem

Heimatort arbeiten zu können.

Das will er möglichst vielen Dietenheimern

ermöglichen. Deshalb

gelte es zu schauen, dass

die vorhandenen Arbeitsplätze

auch gehalten werden. [!]

Zur Person

Christopher Eh macht seine Aufgaben als Bürgermeister gern, wie

er sagt. 2020 wurde er mit knapp 99 Prozent wiedergewählt.

FOTO: WERNER GALLBRONNER

Christopher Eh

ist 55 Jahre alt, verheiratet

und Vater

zweier erwachsener

Kinder. Seit

2012 ist er Dietenheims

Bürgermeister,

einen Beruf,

den er gern mache,

wie er sagt. Im

Frühjahr 2020 wurde

er mit knapp 99

Prozent der Stimmen

im Amt bestätigt.

Als Kind der Verwaltung

bezeichnet

sich Christopher

Eh. Der Dietenheimer

hatte

nach seinem Fachhochschulstudium

als Verwaltungsund

Betriebswirt in

der Stadtverwaltung

in Ulm von

1995 bis 2012 verschiedene

Führungspositionen

inne, stieg bis zum

Kämmerer auf.

Schon vor seiner

Wahl zum Bürgermeister

war Christopher

Eh acht

Jahre lang im Dietenheimer

Gemeinderat.


unternehmen [!] RESSORT 51

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52

SPEZIAL unternehmen [!]

In der Fasnet wird Dietenheim zu Ranzenburg. Der Ranzenburger ist bei Umzügen als Maskengruppe

und als Pappmaché-Figur dabei.

Ursprung im

Handwerk?

Ranzenburg Wieder leiden die Narren unter den Einschränkungen

durch die Pandemie. Zeit für einen Blick in die Geschichte, um zu

erfahren, woher Dietenheim seinen närrischen Namen hat.

Dietenheim alias Ranzenburg

ist eine Fasnachtshochburg

des Illertals,

das sehen nicht

nur eingefleischte Narren so.

Und das mit Tradition: Im Jahr

2017 wurde das Jubiläum „125

Jahre Fasnet in Ranzenburg“ gefeiert.

Dass die Stadt ihren Namen

in der fünften Jahreszeit –

zumindest nach einer Erzählweise

– ihrer traditionell starken

Handwerkerschaft zu

verdanken hat, ist nicht gemeinhin

bekannt. Ein Mitglied des Elferrats

der Narrenzunft hat

Nachforschungen angestellt und

ist zu keinem ganz klaren Ergebnis

gekommen. Es gebe keine

eindeutigen Hinweise, sondern

lediglich zwei

Versionen.

Eine geht auf

das Handwerk

zurück: Dietenheim

hatte seit

jeher viele Gewerbebetriebe

innerhalb seiner

Stadtmauern. Um

ihre Erzeugnisse

verkaufen zu können,

suchten die

Handwerker die Orte in

der Region auf und boten

ihre Produkte an. Dabei

verwendeten sie einen

Ranzen zum Transport der

Ware. Dieser Ranzen könnte

Pate für den späteren Namen

sein. Einer zweiten These zufolge

sollen die Dietenheimer Bürger

jener Zeit deutliche Körperverformungen

gehabt haben.

Eine eindeutige Klärung ist

wohl nicht mehr möglich.

Kein Zufall ist jedoch, dass

die Fasnacht in Dietenheim eine

Heimat fand, nicht alleine wegen

der katholischen Urwurzeln,

sondern auch, um mit diesem

Umtrieb zu Beginn des 20.

Jahrhunderts den damals vorhandenen

Bürgersinn und Bürgerstolz

zum Ausdruck der Freiheit

zu nutzen. Eine Besonderheit

ist, dass es in Dietenheim

keine klare Zuteilung in der historischen

Ausrichtung der Fasnet

gibt, also entweder alemannischer

oder rheinischer Richtung.

In Ranzenburg gibt es Elemente

von beiden. Zum einen

Hästräger wie Hexen und Gri-

FOTO: MARTIN DAMBACHER


unternehmen [!] RESSORTAnzeige

53

Andreas Merkel (links) leitet das inhabergeführte

Familienunternehmen in vierter Generation.

Fotos: Ralph Koch (links), Judith Engel (unten)

120 Jahre Gebr. Otto: Beständigkeit

jenseits von Mode und Zeitgeist

Die Baumwollfeinzwirnerei Gebr. Otto feiert in

diesem Jahr ihren 120. Geburtstag: Seit 1901

ist das Familienunternehmen in Dietenheim

zu Hause. Zu seinen Spezialitäten zählen feine

Baumwollgarne und -zwirne sowie Fasern für

technische Textilien.

Damit gehört Gebr. Otto in die Kategorie Unternehmen,

die es in Deutschland eigentlich gar

nicht mehr geben dürfte. Das zumindest findet

Andreas Merkel. Er leitet das Textilunternehmen

in vierter Generation und sagt: „Bei meinen Vorträgen

vergleiche ich uns manchmal mit Asterix

und seinem Dorf unbeugsamer Gallier. Wir leisten

natürlich nicht den Römern erfolgreich Widerstand,

sondern dem Trend, alles dem Preis zu

unterwerfen.“

Qualität, Nachhaltigkeit, Regionalität

Über die Zutaten ihres „Zaubertranks“ sprechen

die Dietenheimer im Gegensatz zu den unbeugsamen

Galliern ganz offen. „Qualität, Nachhaltigkeit

und Regionalität sind die wichtigsten Essenzen“,

verrät Andreas Merkel. Um diesem Anspruch

ein Gesicht zu geben, hat Gebr. Otto im

letzten Jahr seinen Klassiker, die feinen Baumwollgarne

aus Dietenheim, mit einer eigenen

Marke versehen: „Cotton since 1901“. Das Produkt

steht für eine nachvollziehbare Lieferkette,

die nachhaltige Produktion in Deutschland und

die hohe Qualität des fertigen Produkts. Die Kunden

wüssten diese Eigenschaften zu schätzen:

„Das Wie und Woher eines Kleidungsstücks wird

zunehmend relevant für die Kaufentscheidung.“

Textile Herausforderungen der Zukunft

Daneben haben die Dietenheimer Spinner ein sicheres

Gespür für textile Herausforderungen

der Zukunft. Das zeigt sich an Produkten wie

dem Garn recot², das zu einem Viertel aus Prozessabgängen,

sprich Resten aus der Produktion,

besteht. Mit dieser Garninnovation arbeitet

Otto daran, Kreisläufe zu schließen. Gleichzeitig

verringert sich durch das Recycling-Garn der

Öko-Abdruck des entsprechenden textilen Endproduktes

– und zwar ordentlich: Das Einsparpotenzial

liegt bei bis zu 5 000 Litern Wasser pro

Kilogramm. Mit Piumafil wiederum gelang es

Gebr. Otto, eine scheinbar unverspinnbare Naturfaser

– nämlich Kapok – zusammen mit

Baumwolle in ein hochwertiges, nachhaltiges

Garn zu bändigen.

Wir sind Spinner in den verschiedenen

Bedeutungen des Wortes und

können es uns erlauben, neue Wege

zu verfolgen Andreas Merkel

Am Puls der Zeit

Das macht die Dietenheimer zu einem geschätzten

und gesuchten Entwicklungspartner in der

Branche; die Zusammenarbeit reicht vom Textilmaschinenbau

bis hin zu Hochschulen. „Für uns

bedeutet das wiederum, dass wir am Puls der Zeit

sind und viele wertvolle Anstöße bekommen.“ Die

Angst, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen

könnte, kennen die Dietenheimer Spinner deshalb

nicht. Im Gegenteil: „Wir stellen fest, dass unsere

Produkte gefragter sind denn je.“

Garne und Zwirne –

Made in Germany seit 1901

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54

SPEZIAL unternehmen [!]

Die Planungen

für den Hofball

laufen, so dass

wir kurzfristig

reagieren können.

Jürgen Peter

Präsident der Narrenzunft

asmolle und andere, zum anderen

einen Hofstaat mit Prinzenpaar,

Garden und Elferrat.

Einen sogenannten Bürgerball

gab es bereits anno 1892.

Unter der Narrenkappe konnte

man den Herrschenden die

Wahrheit sagen, ohne gleich ins

Kittchen wandern zu müssen.

Auch heute noch müssen sich

die „Mächtigen“ von Dietenheim

allerhand anhören. Die

ersten bekannt gewordenen

Fachnachtsumzüge in Dietenheim

fanden um die Wende zum

20. Jahrhundert statt: Im Illertal-Bote

vom 1. Februar 1906

wurde von Fasnachtsattraktionen

wie einer Altweibermühle

und einer Kameruner Eisenbahn,

möglicherweise ein Bezug

zur deutschen Kolonie in Afrika,

berichtet. Der Bürgerstolz

fand schon in diesem Jahr seine

Ausprägung im Abhalten eines

Fasnachtsballes gleichen Namens.

Die frühen Umzüge waren

meist am Fasnachtsdienstag.

Originell dargestellt wurden dabei

die Sieben Schwaben ebenso

wie eine Riesenorgel, nach

Recherche der Narrenzunft womöglich

eine Replik auf ein

kirchliches Kaufvorhaben.

Nach der Zwangspause der

vergangenen Saison hofften die

Ranzenburger, dieses Jahr wieder

durchstarten zu können.

Doch zumindest der närrische

Auftakt am 13. November –

schon von vornherein als

2G-Veranstaltung geplant – wurde

von den stark steigenden Infektionszahlen

in der Pandemie

ein weiteres Mal ausgebremst.

Narrenzunft-Präsident Jürgen

Peter hat aber die Hoffnung

noch nicht aufgegeben, dass im

Februar gefeiert werden kann.

Peter: „Die Planungen für den

Hofball laufen, so dass wir kurzfristig

reagieren können.“[!]

Mit Tradition

Historische Bürgerwehr

Dietenheim gehört zu den

wenigen Städten der Region,

die eine Historische

Bürgerwehr besitzen – mit

Spielmannszug und Böllerschützen.

In heutiger Zeit

ist die Bürgerwehr vor allem

bei kirchlichen und kulturellen

Veranstaltungen präsent,

aber auch bei Umzügen,

Stadt- und Vereinsfesten.

Auch als Altpapiersammler

engagieren sich

die Mitglieder. Nach der

Wahl von Christopher Eh

zum Bürgermeister 2012

wurde sogar Ulms Oberbürgermeister

neidisch, als die

Bürgerwehr den Frischgewählten,

bis dahin Kämmerer

in Ulm, abholte.

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Bild entsteht.

Individuelle Fotokunst aus dem Photo-Atelier

Schlieper in der Sendener Hauptstraße 40

erzählt interessante Geschichten und verleiht

tristen Geschäftsräumen inspirierende

Stimmungen, motivierende Emotionen sowie

eine nachhaltig positive Atmosphäre. Ulli

Schlieper und sein Team entwickeln stimmige

Bildkonzepte und unvergessliche

Eyecatcher für Unternehmen, Praxen, Kanzleien

und private Wohnlandschaften. Die auf

das jeweilige Innenraumdesign abgestimmten

Bildwelten visualisieren die Markenidentität,

Philosophie und Werte eines Unternehmens

oder einer Familie. Das Photo-Atelier

Schlieper erstellt ein harmonisches Gesamtkonzept,

spannende Bilderserien oder auch

individuelle Fotos passend zu den Vorstellungen,

Visionen und dem Image jenseits der

üblichen Standardmotive.

Eine ehemalige Apotheke

wurde zur Spielwiese der Kreativität

Im Herzen von Senden entstand in der Hauptstraße

40 im Jahr 2002 das Photo-Atelier

Schlieper. Dieses Haus der Photographie verfügt

auf rund 300 Quadratmetern über ver-

Ulli Schlieper.

schiedene Studios mit genügend Platz für

Aufnahmen aller Art und eine ansprechenden

Ladenfläche. „Hier fertigen wir für Sie bleibende

Erinnerungen die in unserer hauseigenen

Werkstatt veredelt werden“, bestätigt Ulli

Schlieper.

Unterschiedliche Studios für

verschiedenste Anforderungen

Im Tageslichtstudio mit variabler Wohnzimmer-Atmosphäre

sind den Lichtstimmungen

und ruckzuck austauschbaren Hintergründen

kaum Grenzen gesetzt. Die diversen Fotosets

bieten jede Menge kreative Möglichkeiten.

Freundliche Menschen schaffen ein gemütliches

Ambiente mit guter Musik und umsorgen

die Kunden, damit sie entspannt sind, für

die allerbesten Aufnahmen. Hier, im weiteren

Inside- und im Outside-Studio mit eigenem

Garten, kreieren die „Menschenbildner“ gelungene

Portraits, stimmungsvolle Familienfotos

sowie bezaubernde Schwangerschaftsund

Babybilder. Aber auch Gruppen bis zu 25

Personen finden ausreichend Platz.

Weil es für den ersten Eindruck keine zweite

Chance gibt, sind die Businessbilder für Bewerbungen

und Präsentationen aus dem Ausbildungsbetrieb

Schlieper so ausgerichtet,

dass sie garantiert aus der breiten Masse herausstechen

und den gewünschten Effekt erzielen.

Ähnliches gilt auch für die Werbefotografie:

Seit 14 Jahren Haus- und Hoffotograf der Basketballer

von Ratiopharm Ulm, gelingen Ulli

Schlieper mit seinem Know-how aus zwei

Jahrzehnten stets Industrie-, Produkt- und

Objektfotos, die ins Auge fallen und einen

nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

„Passt keines unserer Studios, dann stellt das

auch kein Problem dar“, versichert Ulli

Schlieper, „dann kommen wir für das Fotoshooting

einfach zu Ihnen.“

Um den Fotos den angemessenen Rahmen zu

geben, bietet das Atelier Schlieper zudem eine

breite Auswahl hochwertiger Bilderrahmen

und maßgefertigter Passepartouts an – abgerundet

durch fachmännische Einrahmungen.

Photo-Atelier Schlieper

89250 Senden

Hauptstraße 40

Tel.: 07307 929130

www.atelierschlieper.de


56

SPEZIAL unternehmen [!]

Dynamische Gemeinde

Illerrieden Ein Wohn- und Arbeitsort mit Mehrwert ist die Gemeinde im unteren Illertal.

Das liegt nicht nur an der verkehrsgünstigen Lage.

Die Gemeinde Illerrieden mit ihren Teilorten Dorndorf und Wangen

hat einiges zu bieten.

Foto: Werner Gallbronner

Eine dynamische Gemeinde,

in der man sich rundum

wohl fühlt, so beschreibt

sich die Gemeinde

Illerrieden mit ihren

Teilorten Dorndorf und Wangen

auf ihrer Homepage. Das 3360

Einwohner zählende Illerrieden

mit Bürgermeister Jens Kaiser

an der Spitze liegt im unteren

Illertal. „Eingebettet zwischen

Flussaue und Wäldern ist die

Gemeinde ein idealer Wohnund

Arbeitsort mit verkehrsgünstiger

Lage“, wie es auf der

Homepage heißt. Das stimmt:

Die Autobahn A7 in Vöhringen

ist nicht weit, ebenso der Anschluss

ans Schienennetz in der

bayerischen Nachbarstadt. Wie

attraktiv der Ort mit vielfältigem

Vereins- und Kulturleben

ist, zeigt auch, dass Bauplätze

für Gewerbe und Wohnen derzeit

rar sind: Für Wohnbauplätze

kann man sich in einer Interessentenliste

eintragen. Ein Baugebiet

in Wangen ist in Planung.

Ausgezeichnete Betreuung

Einkaufsmöglichkeiten für den

täglichen Bedarf und die medizinische

Grundversorgung sind

vorhanden. Der Ort ist Sitz der

Sozialstation Iller-Weihung und

verfügt über eine Seniorenwohnanlage.

Mit einem ersten

Platz im IHK-Familienatlas ausgezeichnet

wurde die Gemeinde

für das Kinderbetreuungsangebot.

Zum Kindergarten mit

Kinderkrippe gibt es aus Dorndorf

und Wangen einen kostenlosen

Bustransfer zu den Regelöffnungszeiten.

Illerrieden hat

eine Grundschule, ein weiterführendes

Schulangebot gibt es

rund um die Gemeinde.[!] gal

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unternehmen [!] SPEZIAL 57

Geschichtlich geprägt

Balzheim Eine Wurst, eine Patrizier- und eine Adelsfamilie spielen bis heute eine Rolle in der

kleinen Industriegemeinde.

Eine Balzheimer ist keine

Bürgerin der Gemeinde

im unteren Illertal, bei

der man das „in“ am

Schluss vergessen hat. Vielmehr

ist sie fast schon Sinnbild für das

Zusammenleben im Ort. Denn

es handelt sich um eine Wurstspezialität,

die der Balzheimer

selbst „Luthrische“ nennt. Vor

350 Jahren sind evangelische

Glaubensflüchtlinge aus Kärnten

und der Steiermark eingewandert

und haben die Spezialität

mitgebracht – die auch katholische

Balzheimer essen.

Prägend war für die mittlerweile

rund 2100 Einwohner von

Ober- und Unterbalzheim die

Grundherrschaft der Ulmer Patrizierfamilie

Ehinger und der

Adelsfamilie von Palm. Von der

Grundherrschaft ist das Rittergut

Balzheim geblieben, auf

Sie prägen das Ortsbild und zeugen von der Geschichte: die

Schlösser in Oberbalzheim

Foto: Werner Gallbronner

Imre Freiherr von Palm geht die

Stiftung Oberbalzheim zurück.

Verkehrsgünstig gelegen

Die beiden Dörfer haben eine

lange gemeinsame Geschichte,

verbunden sind sie auch durch

viele Vereine. Aus Balzheim ist

eine Industriegemeinde mit

mehreren hundert Arbeitsplätzen

geworden. Über die nahe

Autobahn A7 und den Bahnhof

Illertissen ist Balzheim verkehrsgünstig

gelegen. Mit dem

Schul- und Sportgelände gibt es

ein gemeinsames Zentrum, jeder

Ort hat einen eigenen Kindergarten.

Trotz der kontinuierlichen

Ausweisung von Neubaugebieten

sind Bauplätze rar. Die

Gemeinde sei jedoch bemüht,

zusätzliche Flächen zu erschließen,

sagt Bürgermeister Maximilian

Hartleitner.[!] gal

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SPEZIAL unternehmen [!]

Das Illertal zieht an

Textilwerkstatt Das Illertal und die Textilwirtschaft. Seit jeher sind sie eng miteinander

verwoben. Auch heute noch strickt man in der Region an kreativen Ideen.

Am Anfang war die

Handarbeit. Die Fingerfertigkeit

vieler

Frauen und Männer

machte Dietenheim im Illertal

bereits im 16. Jahrhundert zu einem

Zentrum handwerklich betriebener

Leinenwebereien. Das

dafür erforderliche Garn wurde

in kleinbäuerlichen Anwesen

handgesponnen und über einen

wöchentlich stattfindenden

Markt an die Webereien im Ort

verkauft. Ein lohnendes Geschäft,

das der Branche Masche

für Masche Auftrieb gab. 1874

wurde an einem Seitenarm der

Iller bereits die erste mechanisch

betriebene Weberei mit

Zwirnerei betrieben – die Wasserkraft

machte es möglich.

Der Durchbruch für die Entwicklung

einer zukunftsfähigen

Textilindustrie kam für den Ort

zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

1901 siedelte sich hier mit den

Firmen Nähfaden Müller und

Gebrüder Otto zwei Zwirnereien

an. Gute Gründe gab es genug:

Durch den Erwerb einer

Mühle am Gießenbach konnte

die elektrische Energie selbst

produziert werden, zudem waren

die Preise für Grundstücke

im damals ausschließlich landwirtschaftlich

geprägten Illertal

mehr als attraktiv.

Die Textilindustrie hat

Dietenheim geprägt. Ein Ort,

an dem neue Einfälle

entstehen, ist das Nähcafé.

Foto: © OLEKSANDR SHEV-

CHENKO/shutterstock.com

Durch das

Reallabor

konnten wir

Aufmerksamkeit

gewinnen.

Christopher Eh

Bürgermeister Stadt Dietenheim

Dietenheim als Reallabor

Schnell folgten weitere Betriebe.

Schon vor dem zweiten

Weltkrieg standen hier nahezu

500 Menschen in Lohn und Brot.

Mitte der 1960er-Jahre gab es

rund 800 Arbeitsplätze. Doch

gegen Ende des vorigen Jahrhunderts

kam der Einbruch. Die

Konkurrenz aus dem Ausland

wurde stärker, der Kostendruck

wuchs. Viele baden-württembergische

Unternehmen gaben

auf oder verlagerten die Produktion

ins Ausland. Auch in der

Region verlor der Industriezweig

an Bedeutung.

Vor ein paar Jahren erfolgte

eine Wiederbelebung: Die Stadt

Dietenheim strebte gläserne

Produktionen und Design-Werkstätten

statt leerstehender Verkaufsflächen

an und setzte dabei

auf die Vernetzung von

Wirtschaft und Wissenschaft.

Gefördert wurde das Ansinnen

vom Land Baden-Württemberg,

das ein gemeinsames Forschungsprojekt

finanziell unterstützte.

Fast eine Million Euro

flossen seit Ende 2014 in ein so

genanntes Reallabor. Mit ihm

wollten Forscher der Universität

Ulm und der Hochschule

Reutlingen unter Einbeziehung

der Bevölkerung Lösungen und

Wege für die Zukunft erarbeiten.

Ziel war es unter anderem,

die gesamte Wertschöpfungskette

für den Verbraucher transparent

und erfahrbar zu machen.

Im Mittelpunkt stand die

Präsentation von Ideen, innovativen

Konzepten und Geschäftsmodellen

der nachhaltigen Textilproduktion

und des bewussteren

Textilkonsums.

Beliebte Messe

Das Interesse der Menschen war

groß. Im Juni 2018 fand die Messe

„Dietenheim zieht an“ zum

dritten Mal statt. Die beliebte

Verkaufs- und Informationsveranstaltung,

bei der die Besucher

entspannt nachhaltig hergestellte

Kleidung erwerben und sich

umfassend über die Angebote

der textilen Produktionskette

informieren konnten, öffnete

aufgrund der großen Nachfrage

in der Sporthalle Dietenheim

ihre Pforten. Über 30 lokale und

überregionale Aussteller präsentierten

einen Tag lang auf

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SPEZIAL unternehmen [!]

Geplanter

Schulterschluss

Wer weiß, wie viele Arbeitsschritte

nötig sind, um

ein T-Shirt oder ein Spannbetttuch

zu produzieren?

Diese Fragen rund um Wert

und Wertschätzung ihrer

Erzeugnisse beschäftigen

viele Textilbetriebe in

Deutschland. Nur: Eine Lösung

hat keiner, schon gar

nicht für sich allein. Dabei

eint die Firmen vieles: Sie

sind oft inhabergeführt und

verwurzelt in der Region.

Deshalb sucht „Gebr. Otto“

aus Dietenheim den Schulterschluss

mit anderen Betrieben.

Mit dem Arbeitgeberverband

Südwesttextil

und der Nachhaltigkeitsberatung

Sustainable Thinking

hat es das Projekt „Regio:Tex“

ins Leben gerufen,

über das größeres Bewusstsein

für regional hergestellte

Textilien geschaffen

werden soll.

Bio-Bekleidungen, Lederwaren

aus der Region und nachhaltig

hergestellte Accessoires sowie

neueste Trends aus den Bereichen

Mieten, Leihen und Tauschen

von Kleidungen. Auch der

baden-württembergische Umweltminister

Franz Untersteller

wandte sich mit einem Grußwort

an das Publikum. Mit dabei

war auch der Unternehmer

Wolfgang Grupp. Der Geschäftsführer

und Inhaber des Textilunternehmens

Trigema aus dem

schwäbischen Burladingen

sprach über die Bedeutung von

Werten in der Unternehmensführung.

Besucher der Messe „Dietenheim zieht an“.

Grenzenlose Aufmerksamkeit

Auch wenn das Reallabor nun

seit drei Jahren abgeschlossen

ist, so profitiert Bürgermeister

Christopher Eh mit seiner Gemeinde

noch heute von den damals

kreierten Ideen und Angeboten:

„Durch das Reallabor

konnten wir überregionale Aufmerksamkeit

gewinnen“, sagt er.

Und noch etwas ist geblieben.

Unter dem Dach der örtlichen

Volkshochschule werden noch

heute neue Projekte angestoßen,

die sich zum Beispiel mit der

Wiederverwendung von Stoffen

beschäftigen. Treffpunkt ist das

Foto: Dave Stonies

Nähcafé, das eben im Rahmen

des Realexperiments der beiden

Hochschulen ins Leben gerufen

worden war und nun auch den

uralten Geist der Textilwirtschaft

im Illertal weiterleben

lässt. Und dies wie in den frühesten

Anfängen eben auch mit

sehr viel Handarbeit.[!]


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62

NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

In Kempten wird

clever zerspant

Künstliche Intelligenz Qualität

am laufenden Band. Das ist das

Ziel des Projekts KI-Span der

Hochschule Kempten. Mit Hilfe

künstlicher Intelligenz wollen

die Forschenden Standzeiten

von Zerspanungswerkzeugen

optimieren und die Qualität

der Bauteile überwachen. Dazu

werden Daten rund um den

Fräsprozess erfasst und ausgewertet.

Mittels KI-gestützter

Lernverfahren erstellt das Team

dann einen digitalen Zwilling,

an dem sich verschiedene Modelle

erproben lassen. Ziel ist es,

die Wettbewerbsfähigkeit des

Standorts Bayern zu stärken.

Eine Bank mit

Geschmack

Restaurant-Guide Die Suche

nach einem Restaurant ist oft

kompliziert. Studierende der

Hochschule Ravensburg-Weingarten

wollen Abhilfe schaffen.

Und zwar mithilfe einer Bank

am Weingartner Münsterplatz.

Diese ist mit einem sogenannten

„Recommender System“

ausgestattet, das mit Passanten

in Interaktion tritt. Nach einigen

grundlegenden Fragen, etwa

zum gewünschten Standort und

der Preisklasse des Restaurants,

macht das System Vorschläge.

Eine Kamera scannt die Gesichter

der Suchenden und interpretiert

deren Mimik mit Hilfe

künstlicher Intelligenz. Noch ist

der Prototyp nur zu Testzwecken

aktiv. Ein dauerhafter Einsatz

sei durchaus vorstellbar.

Transport

per Drohne

Luftmobilität Die Hochschule

Kempten wird Teil des internationalen

Forschungsprojekts

AiRMOUR, das sich mit der

Umsetzbarkeit von nachhaltiger

Luftmobilität, insbesondere für

medizinische Dienste, beschäftigt.

„Drohnen können zu behandelnde

Personen, medizinisches

Personal und Equipment

schneller, sicherer und emissionsärmer

transportieren als her-

Das Trainingshospital steht auf dem Campus am Oberen Eselsberg.


Foto: Matthias Kessler

An der Uni Ulm wird der

Ernstfall geprobt

Bundesweit einmalige Bedingungen bietet die Universität Ulm seit diesem

Semester ihren Medizinstudenten. In dem 3100 Quadratmeter großen

Trainingshospital „To Train U“ (TTU) wird der Medizinernachwuchs

auf dem Campus ab sofort praxisnah ausgebildet. Schon im vorklinischen

Teil ihres Studiums können die Studierenden so risikofrei üben.

„Damit wird eine ganz neue Ära der medizinischen Ausbildung eingeleitet“,

sagte Uni-Präsident Prof. Michael Weber. Herzstück des Trainingshospitals

sind ein Schock raum, eine Intensivstation und ein OP-Saal,

wo vornehmlich Dummy-Puppen behandelt werden. Die Gesamtkosten

inklusive Erstausstattung von 26 Millionen Euro tragen das Land Baden-

Württemberg und die Medizinische Fakultät der Universität.

kömmliche Verkehrsmittel“, erklärt

Projektmitarbeiter Denis

Spiess. Gemeinsam mit den europäischen

Partnern wird das

Kemptener Forschungsteam

hierfür eine Toolbox entwickeln.

Diese soll europäische

Regionen beim Aufbau von Urban-Air-Mobility-Diensten

unterstützen.

Kooperation mit

Hochschule

Sponsoring Der Elektrowerkzeughersteller

Festool aus

Wendlingen engagiert sich als

Sponsor an der Hochschule für

Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen

(HFWU). Studierende

können künftig im neu

benannten „Festool Group Hörsaal“

Platz nehmen. Von den

rund einhundert studentischen

Mitarbeitenden bei Festool

kommt ein Fünftel von der

HFWU.

Plan für mehr

Nachhaltigkeit

Gemeinwohl Sieben Unternehmen,

darunter die Allgäu GmbH,

wissen jetzt, wo sie in Punkto

Nachhaltigkeit ansetzen können.

Zusammen mit dem Wissenstransferzentrum

Innovative

und nachhaltige Tourismusentwicklung

(WTZ Füssen) und

der Fakultät Tourismus-Management

an der Hochschule

Kempten haben sie jeweils einen

Gemeinwohlbericht erstellt.

Dazu wurden Lieferanten, Eigentümer,

Mitarbeitende, Kunden

sowie Mitunternehmen

durchleuchtet und alle damit

verbundenen Prozesse, Vorhaben

sowie potenziellen Verbesserungen

festgehalten. Das Projekt

war so erfolgreich, dass es

wiederholt wird.

So kreativ sind

Pferde

Studie Pferde zeigen oft ein erstaunlich

innovatives Verhalten,

etwa wenn es um das Öffnen von

Schlössern oder Verschlüssen

geht. Eine Studie der Hochschule

für Wirtschaft und Umwelt

Nürtingen-Geislingen und der

St. Andrews University in

Schottland hat jetzt herausgefunden,

dass die Tiere dann kreativ

werden, wenn alle Grundbedürfnisse

gedeckt sind. So berichten

Besitzer, dass ihre Pferde

sich bequeme Heulager

aufschichten, sich gegenseitig

bürsten oder das Licht an- und

ausschalten.

Arbeit

mit Mehrwert

Auszeichnung Wenn Wissenschaft

und Praxis Hand in Hand

gehen, kann Großes entstehen.

Sina Manske, Studierende an der

Hochschule Ravensburg-Weingarten,

hat in ihrer Abschlussarbeit

das Thema „Streetwork

mit Marginalisierten“ untersucht.

Dafür erhielt die Bachelorantin

den Preis der Stadt Ravensburg.

Unter „Marginalisierten“

versteht man Bevölkerungsgruppen,

die im

gesellschaftlichen Abseits stehen.

Im Rahmen einer Studie ermittelte

Manske Bedarfe und

Probleme von Menschen der

Szene rund um den Ravensburger

Bahnhof. Eine Untersuchung

mit hoher Relevanz, wie Gemeinderätin

Ingrid Brobeil-Wolber

erklärte. [!]


unternehmen [!] RESSORT 63

2022

kann kommen!

Umfrage Puh, geschafft! 2021 liegt fast hinter uns. Bloß: Die Corona-Pandemie ist weiterhin

da und die ersehnte Rückkehr zur Normalität in weiter Ferne. Zehn Führungskräfte werfen

einen Blick zurück und verraten, was sie sich vorgenommen haben.

FOTO: SIRTRAVELALOT/SHUTTERSTOCK.COM

1) Was war für Sie die größte berufliche

Herausforderung 2021 und wie sind

Sie damit umgegangen?

2) Was haben Sie sich für das Jahr

2022 vorgenommen – beruflich und

privat?

Seit dem 15. November ist

Petra Engstler-Karrasch,

offiziell neue Hauptgeschäftsführerin

der IHK Ulm.

2022 möchte sie positive

Impulse setzen.

1Eine äußerst spannende

Phase war für mich die

Rückkehr aus dem Lockdown

im Sommer – privat

wie beruflich. Ich frage mich:

Welche der Angewohnheiten

aus der zwangsweise ruhigeren

und weniger von der üblichen

Dynamik geprägten

Zeit haben mir gutgetan?

Welche will ich unbedingt

beibehalten?

22022 steht für mich beruflich

unter dem Motto

„Gutes beibehalten, positive

neue Impulse setzen.“ Ich

freue mich darauf, mit dem

Team der Geschäftsleitung

und in gutem Einvernehmen

mit dem Ehrenamt dafür zu

sorgen, dass die Mitarbeitenden

stolz auf unsere Organisation

sind und somit hervorragende

Leistungen für die

rund 38 000 Mitglieder der

IHK Ulm erbringen. Privat

freue ich mich darauf, durch

meinen nun deutlich kürzeren

Arbeitsweg mehr Zeit für

Enkel, Sport und Hund zu finden.

Für Joachim Burger,

Geschäftsführer der

Autohaus Burger GmbH &

Co. KG in Blaubeuren, ist der

stetige Dialog mit seiner

Belegschaft wichtig.

1Die größte berufliche

Herausforderung 2021

war sicherlich das Management

der schon überstanden

geglaubten Pandemie mit

gesundem Menschenverstand

– angefangen mit den

Lockdowns, der Kurzarbeit

und den jetzt aktuellen Verwerfungen

bei der Produktion

und den Lieferzeiten.

Dabei war mir der Dialog

mit meinen Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern

immer sehr

wichtig, da sie das

höchste Gut für unser

Unternehmen sind.

2Beruflich: Unsere

Top-Platzierung

bei der „Auto

Bild“-Kampagne

„Deutschlands

beste Werkstätten“

halten. Privat

plane ich

eine Skitour

vom Nova-Tal

über die Heimspitze

nach

Gargellen.

FOTO: BORIS MEDVEDEV/SHUTTERSTOCK.COM


64

LEBEN unternehmen [!]

Michael Wägerle, Geschäftsführer

der Objekta Real Estate

Solutions GmbH, setzt auf

mutige Entscheidungen.

Für Alexander Kern, Geschäftsführer

des Gloria Kinocenters in

Geislingen, steckt in jeder Krise

auch eine Chance.

FOTO: ML/SHUTTERSTOCK.COM

Für Rainer Frey, Geschäftsführer

der Frey Mode und Textil

GmbH in Uhingen, ist und bleibt

die Familie das höchste Gut.

1Das zu Ende gehende Jahr

2021 war stets spannend. Es

galt und gilt, die richtige Balance

zwischen unternehmerischer

Weitsicht und akutem Krisenmanagement

zu finden. Die über

viele Jahre gewohnte Planbarkeit

wurde durch einen neuen

Mix ersetzt: Rasche Handlungsfähigkeit

gepaart mit stetem

Ausblick in die Zukunft und damit

in die „neue Normalität“ –

sprich, das Leben mit dem Corona-Virus.

2Beruflich werden wir diesen

Weg weitergehen. Das Wichtigste

sind gerade jetzt unsere

Mitarbeiter. Diese haben weiterhin

unsere ganze Unterstützung,

wie und wo es nur geht. Neben

allen anderen Themen ist und

bleibt die Familie das wichtigste

Gut. Dies zu schützen und zu

bewahren, gilt für mich und alle

Mitarbeiter. Persönlich nehme

ich mir mehr Zeit für meine vier

Enkelkinder, die Oldtimerei und

verschiedene Ehrenämter.

Diana und Thomas Eder von

der Settele Event & Catering

Company treiben die Digitalisierung

ihres Unternehmens voran.

1Das Corona-Berufsverbot.

Wir mussten für einige Mitarbeitende

Kurzarbeit anmelden,

da keine Veranstaltung

mehr durchgeführt werden

durfte. Doch unsere Betriebskantinen

waren nie komplett geschlossen

und wir konnten dadurch

viele unserer Mitarbeitenden

in anderen Bereichen

einsetzen. Wir haben einen Onlineshop

eingerichtet und unsere

Digitalisierung angeschoben.

2Wir werden unser Unternehmen

weiter digitalisieren.

Es wird ein modernes Warenwirtschaftssystem

ausgerollt,

um alle unsere Standorte

im süddeutschen Raum zu vernetzen.

Zudem bauen wir unsere

Regadi-App aus, mit der man

bargeldlos bezahlen kann. Auch

streben wir eine Bio-Zertifizierung

und eine Mitarbeiter-App

an. Privatleben und Beruf sind

eng miteinander verbunden,

aber wir planen einen kleinen

Urlaub mit unseren Kindern.

1Als unabhängiger Vermittler

von Gewerbeflächen sind wir

seit 2006 auf unseren täglichen,

in Euro und Cent messbaren Erfolg

angewiesen. Auch 2021 waren

einmal getroffene Entscheidungen

„durchzuziehen“. Beauftragte

Flächen, egal ob im Bestand

oder im Bau, waren zu

vermarkten – auch bei sinkender

Nachfrage und größerem

Leerstand. Wir haben noch nie

gewartet, bis das Telefon klingelt,

sondern greifen auch jetzt

zum Hörer und auf unser Netzwerk

zurück und sprechen potentielle

Nutzer direkt an.

2In 2022 werden sich negative

Entwicklungen weiter

verstärken. Materialengpässe

führen weiter zu steigenden

Preisen, die Inflation kehrt zurück.

Angesichts dessen gilt

mehr denn je: Augen auf und

durch, das heißt: Entscheiden!

Der so geschaffene Freiraum

lässt sich dann privat umso

mehr genießen.

1Corona! Die Kinobranche ist

hart von den Auswirkungen

der Pandemie getroffen worden.

Wir haben versucht unsere Betriebskosten

auf ein minimales

Maß zu senken, haben aber

gleichzeitig auch die Zeit der

Schließung genutzt und Modernisierungsmaßnahmen

im Kino

umgesetzt.

2Beruflich sehe ich es so, dass

in jeder Krise auch eine

Chance steckt. Ich bin weiterhin

von der Zukunft des Kinos überzeugt.

Deshalb bin ich auch weiter

mit Herzblut dabei. Ich will

für unsere Besucherinnen und

Besucher da sein, ihnen eine

Flucht aus dem Alltag ermöglichen

und sie in andere Welten

entführen. Privat liegt die größte

Aufmerksamkeit bei meiner

neugeborenen Tochter. Es tut

sehr gut, hier einen schönen

Ausgleich zum Arbeitsalltag zu

haben und die Unbeschwertheit

eines Kindes beobachten zu

können.

FOTO: IRINA ROGOVA/SHUTTERSTOCK.COM


unternehmen [!] LEBEN 65

Edith Ehrhardt, Direktorin der

Theaterei Herrlingen, brachte

nach der Schließung als erstes

das fröhlichen Stück „Glückspilze“

auf die Bühne.

Prof. Dr. Katarina Bader,

Professorin an der Hochschule

der Medien in Stuttgart, möchte

die Dinge auf sich zukommen

lassen.

FOTO: MEGA PIXEL/SHUTTERSTOCK.COM

Harry Schweizer, Geschäftsführer

der Schweizer Gebäudereinigung

GmbH, möchte sein

Unternehmen noch nachhaltiger

aufstellen.

Obwohl die Pandemie auch

1 eine große Herausforderung

war, ist für mich an erster Stelle

die brancheninterne Problematik

Personal- und Fachkräftemangel

zu nennen. Eine Herausforderung,

die sich leider schon

früher angebahnt und aktuell

ihren bisherigen Höhepunkt erreicht

hat. Wir sind zuversichtlich,

dass wir alle Hürden, die

uns auch im Jahr 2022 begleiten

werden, weiterhin meistern.

2Dazu gehört die Umgestaltung

unseres Firmenbrandings.

Außerdem streben wir

die WIN-Charta an, ein Management-System

für eine möglichst

nachhaltige Wirtschaftsweise.

Neben dem Thema Umweltschutz

konzentrieren wir uns

auf die Zufriedenheit unserer

Belegschaft, damit diese sich

mit dem Unternehmen identifizieren

und sich wohlfühlen

kann. Ich habe mit meiner Ehefrau

Karin und meinen vier Kindern

eine tolle Familie. Mit ihr

und meinen langjährigen Freunden

möchte ich so viel Freizeit

wie möglich genießen.

Alina Bebrout, Inhaberin des

Ulmer Restaurants „Bibraud“,

startet mit einem neuen Team

und positivem Gefühl ins neue

Jahr.

1Wir haben bereits im Lockdown

2020 neue Gerichte

kreiert, damit unsere Gäste wenigstens

ein Stückchen „Bibraud“

zuhause genießen konnten.

In diesem Jahr haben wir

das Angebot erweitert und jede

Woche ein 3- bis 5-Gänge-Menü

in unseren Online-Shop gestellt.

Außerdem konnten wir viele

neue Dinge ausprobieren wie

Brot backen, Pralinen herstellen

oder mal einen gesunden Mittagstisch

anbieten – Dinge für

die wir sonst vielleicht gar keine

Zeit gehabt hätten. Wichtig

war für uns trotz der Umstände

weiter zu arbeiten, um den

Drive und die Kreativität

nicht zu verlieren.

2Ich möchte ganz bewusst

mit positiven Gedanken

in das neue Jahr starten.

Wir sind motiviert und

freuen uns auf viele schöne

Abende und Veranstaltungen

mit unseren Gästen. Mein frisches

Team in der Küche brennt

für neue Kreationen und spannende

Menüs. Das neue Jahr

kann kommen.

12021 war durch die Schließung

ein hartes Jahr. Da wir

ja auch schon 2020 betroffen waren,

trafen uns diese erneuten

Monate ohne Theater wirklich

schwer. Wir haben aber immer

weiter geprobt und Theaterstücke

vorbereitet, unter den jeweils

möglichen Umständen, so

dass wir Ende Juni 2021 mit dem

fröhlichen Stück „Glückspilze“

sofort wieder etwas bieten

konnten. Da wir durch unseren

Förderverein viele Spenden und

auch staatliche Hilfen erhalten

haben, konnte sich die Theaterei

Herrlingen bisher gut durch

die Pandemie retten.

2In 2022 wollen wir weiterhin

anspruchsvolle und beste

Unterhaltung bieten: tolle Theaterstücke,

mal ernst, mal heiter,

hervorragende Schauspieler

und herausragende Konzerte.

Privat habe ich mich entschieden,

ab jetzt das Leben jeden

Tag zu genießen und Lücken

oder Unterbrechungen aufgrund

der Pandemie als wertvolle

Pausen anzunehmen.

1Die größte berufliche und private

Herausforderung 2021

war nicht nur Professorin, sondern

zugleich auch noch Grundschullehrerin

für meine Tochter

zu sein. Und das in einer Zeit,

in der die Studierenden völlig

zu Recht ganz besonders viel

gute Betreuung brauchten.

Letztlich half da nur Augen zu

und durch – oder besser gesagt,

Augen schon um fünf Uhr morgens

auf, von fünf bis sieben

Uhr Vorlesungen aufzeichnen

und Feedbacks verschicken,

dann Homeschooling, dann wieder

Uni auf Zoom.

2Aktuell denke ich, dass es

Sinn macht, Dinge auf sich

zukommen zu lassen. Ganz hinter

uns haben wir die Pandemie

ja leider noch nicht. Sehr am

Herzen liegt mir aber unser neues,

großes Forschungsprojekt

zum Thema Desinformation auf

Messengern „Dynamo“. Wichtig

ist mir dabei auch, Menschen

mit ganz anderen Mediennutzungspraktiken

zuzuhören: Was

rezipieren sie? Und warum?

FOTO: NEW AFRICA/SHUTTERSTOCK.COM


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NAMEN & NACHRICHTEN unternehmen [!]

Biopharma-

Center eröffnet

Sartorius Der Biopharma-Konzern

Sartorius hat im Ulmer

Science Park III sein Cell Culture

Technology Center eröffnet.

Rund 30 Millionen Euro hat

Sartorius in das 6000 Quadratmeter

große Center investiert in

dem mittlerweile 120 Beschäftigte

arbeiten. Herzstück sind

die Labore für die Entwicklung

von Zelllinien und die Optimierung

von Zellkulturmedien. Diese

verwenden Biologika-Hersteller

zur Produktion moderner

Medikamente und Impfstoffe.

Cannabis aus

Leipheim

Bavaria Weed Die Diskussion

um die Legalisierung ist in vollem

Gange. Einen Schub für das

eigene Geschäft erhofft sich dadurch

auch Bavaria Weed aus

Leipheim (Kreis Neu-Ulm). Das

Unternehmen produziert medizinisches

Cannabis in einem

ehemaligen Bunker. Momentan

werden pro Monat werden ein

paar hundert Kilo Medizinalhanf

abgefüllt.

BED hofft auf

Pharma

Investitionen Veränderung

beim Businesspark Ehingen Donau

(BED): Die Donau-Iller

Bank hat 39 Prozent der Antei-

Historischer Charme mit moderner Ausstattung: Das soll den Gästen ab kommenden Frühjahr wieder

im Burghotel geboten werden.

Foto: Giacinto Carlucci

Neuer Glanz fürs Staufeneck

Die Aushubarbeiten haben bereits begonnen: Das

Salacher Burghotel Staufeneck setzt seine wegen

Corona auf Eis gelegten Umbaupläne nun in die Tat

um. Nach Angaben der Betreiber soll ein „modernes,

exklusiven aber dennoch gemütlichen 5-Sterne-Superior

Hotel“ entstehen. Um die Einschränkungen

le von der Fakt AG in Essen

übernommen. Von der Finanzstärke

der Bank erhofft sich die

BED-Gesellschaft Investitionen

um etwa Pharma-Unternehmen

als künftige Mieter für die ehemalige

Schlecker-Zentrale zu

gewinnen. Die Büroflächen sind

momentan zu 90 Prozent ausgelastet.

2022 werden jedoch mit

dem Auszug des Pharma-Verpackungsherstellers

Uhlmann

5000 Quadratmeter frei, fast ein

Drittel der Gesamtfläche.

Südwestmetall

plant Neubau

während der Bau- und Renovierungsphase für Gäste

so gering wie möglich zu halten, wird das Hotel zeitweise

geschlossen. Ende März 2022 sollen dann die

neuen Zimmer sowie der erweiterte Wellnessbereich

fertig sein. Das Bild zeigt die „Night of Light“ im Sommer

vergangenen Jahres.

Investition Der Arbeitgeberverband

Südwestmetall plant an

im Ulmer Theaterviertel einen

neuen Verbandssitz. Der jetzige

Standort direkt am Münsterplatz

sei mittlerweile zu klein,

erklärte Geschäftsführer Götz

Maier. Der Neubau soll auf dem

Grundstück an der Ecke Neutorstraße/Zeitblomstraße

entstehen.

Die Fläche gehört der Stadt,

soll aber für das Projekt an Südwestmetall

verkauft werden.

Um wie geplant ein reines Geschäftsgebäude

errichten zu

können, bedarf es jedoch einer

Ausnahmeregelung. Denn seit

einem Gemeinderatsbeschluss

aus dem Jahr 2017 müssen alle

Bauvorhaben dieser Größe in

der Kernstadt, für die städtischer

Grund nötig ist, mindestens

20 Prozent Wohnungen

enthalten. [!]

Impressum

Verlag & Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77

89073 Ulm

Redaktion

Alexander Bögelein (verantwortlich)

Julia Kling

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Stefan Schaumburg (verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Max Meschkowski

(Layout & Illustration)

Astrid Müllerleile (Bild)

Fotos Giacinto Carlucci (Titel +

Titelinterview), Volkmar Könneke

Werkfotos, PR, Archiv

Druck

Druckerei R. le Roux GmbH

Daimlerstraße 4

89155 Erbach

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

Christine Blum

Telefon 0731 156-500

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

unternehmen.vertrieb@swp.de

Den Datenschutzbeauftragten

erreichen Sie unter:

datenschutz@swp.de

Nächste Ausgabe: 12.03.2022

Die Themen

E-Mobilität für Dienstwagen und

Fuhrpark. Was Unternehmen

beachten müssen.

Trends in Architektur und Bauwirtschaft:

Nachhaltig und digital.

Wirtschaftsraum Günzburg

Family Offices Wechsel an der

Spitze - die nächste Generation

will anders investieren

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Anzeigenschluss: 09.02.2022

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Stand 11/2021. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. 1 Ein Angebot der Volkswagen Leasing GmbH, Gifhorner Str. 57, 38112 Braunschweig. Für gewerbliche Einzelabnehmer

mit Ausnahme von Sonderkunden. Inklusive Selbstabholung in der Autostadt Wolfsburg und zzgl. MwSt. Bonität vorausgesetzt. 2 Ein Angebot der Volkswagen

Leasing GmbH, Gifhorner Straße 57, 38112 Braunschweig, für gewerbliche Einzelabnehmer (ohne Sonderabnehmer), nur in Verbindung mit GeschäftsfahrzeugLeasing

der Volkswagen Leasing. 3 Über die Auszahlung des Bundesanteils entscheidet ausschließlich das BAFA nach Ihrem Antrag anhand der Förderbedingungen. Anträge auf

Förderung mit einem verdoppelten Bundesanteil („Innovationsprämie“) können beim BAFA bis zum 31.12.2021 gestellt werden. Die Gewährung des Umweltbonus mit

gleichen Bundes- und Herstelleranteilen endet spätestens am 31.12.2025.

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