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Unternehmen Österreich 04/2021

Das Magazin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband Österreich

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||<br />

OSTERREICH<br />

Das Magazin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes <strong>Österreich</strong><br />

www.wirtschaftsverband.at<br />

4 | <strong>2021</strong><br />

STEUERREFORM 2022<br />

GESCHENKE<br />

für<br />

GROSSBETRIEBE<br />

Reform für wen?<br />

Von der Senkung der<br />

KöSt bis hin zur kalten<br />

Progression: Warum wir<br />

unsere Steuerentlastung<br />

alle selbst bezahlen.<br />

Solidarität.<br />

Gehen wir jetzt impfen und<br />

schützen so uns und unsere<br />

Wirtschaft. Jeder Lockdown<br />

treibt weitere hunderte EPU<br />

und KMU in die Insolvenz!<br />

<strong>Österreich</strong>ische Post AG / Sponsoring.Post <strong>04</strong>Z035977<br />

„Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband <strong>Österreich</strong>, Mariahilfer Straße 47/5/5, 1070 Wien“


Arbeitsplätze<br />

schaffen.<br />

<strong>Österreich</strong>s Industrie sichert direkt und indirekt 2,4 Millionen Jobs. Ohne ehrliche<br />

und faire Strukturreformen, ohne Investitionen in Bildung, Infrastruktur sowie Forschung<br />

und Entwicklung stehen diese Arbeitsplätze auf dem Spiel. Handeln wir jetzt!<br />

Foto: dieindustrie.at/Mathias Kniepeiss<br />

www.iv-net.at


06<br />

iStock by Getty Images, Audio Aigner Sound<br />

Leere Versprechungen<br />

!<br />

WAS WIR WOLLEN<br />

Die von der Regierung hoch<br />

gejubelte Steuerreform, die<br />

schrittweise ab 1.1.2022 in Kraft<br />

treten soll, verspricht vieles<br />

und hält weniges. Die Senkung<br />

der Körperschaftssteuer bringt<br />

nur den großen <strong>Unternehmen</strong><br />

etwas, die Wirtschaftsleistung<br />

insgesamt wird nicht verbessert.<br />

Selbst unter den Kapitalgesellschaften<br />

bedeutet die Steuerreform:<br />

nur 3.000 <strong>Unternehmen</strong>,<br />

(das ist ein Fünfzigstel aller<br />

<strong>Unternehmen</strong>) erhalten drei<br />

Viertel des Steuersenkungs-Volumens.<br />

Einpersonenunternehmen,<br />

Einzelunternehmer:innen<br />

und Betriebe in Schwierigkeiten<br />

sehen von der Steuersenkung<br />

ohnehin nichts. Das Wort<br />

Steuersenkung lässt ja per se<br />

Positives vermuten, doch die<br />

Erkenntnis, dass eine Steuersenkung,<br />

die dazu führt, dass<br />

staatliche Leistungen eingeschränkt<br />

werden, für Gering- und<br />

Durchschnittsverdiener ganz<br />

schön teuer sein kann, folgt<br />

auf den Fuß. <strong>Österreich</strong>s große<br />

<strong>Unternehmen</strong> sollten sich an der<br />

Rückzahlung der Krisenkosten<br />

beteiligen; gerade auch jener Hilfen,<br />

die sie während der Pandemie<br />

erhalten haben. Leider gibt<br />

die Bundesregierung mit dieser<br />

KöSt-Senkung ein eindeutiges<br />

Signal: Wir wollen den großen,<br />

internationalen <strong>Unternehmen</strong><br />

geben und den EPU und Kleinbetrieben<br />

nehmen!<br />

> INHALT<br />

Aktuell Der SWV fordert Wirtschaftshilfen, die<br />

tatsächlich greifen, und den Rechtsanspruch für<br />

Kinder betreuung vom 1. Lebensjahr bis zum Ende<br />

der Schulpflicht ............................................................<strong>04</strong><br />

Steuerreform 2022. Eine Steuersenkung, die<br />

dazu führt, dass Gering- und Durchschnittsverdiener<br />

mehr verlieren als gewinnen, nutzt den kleinen<br />

Wirtschaftstreibenden nicht. Die Auswirkungen im<br />

Detail.................. ........................................................... .06<br />

Solidarität Gehen wir impfen und schützen so uns<br />

und unsere Wirtschaft. Jeder aufgrund hoher Inzidenzen<br />

nötige Lockdown treibt hunderte EPU und KMU<br />

in die Insolvenz! ........................................................... 14<br />

Durch die Decke Unternehmer Siegfried Wedl verzeichnet<br />

einen rasanten Anstieg der Lieferantenpreise<br />

in seiner Fenster-, Türen- & Sonnenschutzfirma .......18<br />

SWV-Verbandstag Mitte Oktober wurden am<br />

Verbands tag wieder die Weichen gestellt: Alles<br />

über die Vorhaben, Forderungen & das gewählte<br />

Präsidium .....................................................................20<br />

> 16<br />

Impressum | Herausgeber: Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband <strong>Österreich</strong>, Mariahilfer Straße 47/5/5, 1060 Wien, Gerichtsstand: Wien, ZVR-Zahl: 42108716 |<br />

Medien inhaber: echo medienhaus ges. m. b. h., FN 73819h, HG Wien, Windmühlgasse 26, 2. Stock, 1060 Wien, www.echo.at. Eigentümerin der echo medienhaus ges. m. b. h.<br />

ist die FFPG Beteiligungs GmbH. Gesellschafter der FFPG Beteiligungs GmbH sind KR Anton Feistl (25 %), Anton Feistl jr. (25 %) und Christian Pöttler (50 %) | Geschäftsführung:<br />

Mag. Thomas Strachota, Christian Pöttler | <strong>Unternehmen</strong>sgegenstand: Herausgabe diverser Publikationen und Periodika sowie allgemeine Verlags aktivitäten |<br />

Hersteller: echo medienhaus ges. m. b. h. | Redaktion: echo medienhaus ges. m. b. h., Dr. in Helga Häupl-Seitz (Chefredaktion), Lucia Grabetz. Windmühlgasse 26, 2. Stock, 1060 Wien<br />

| Grafik: Karim Hashem | Fotoredaktion: Mag. a Claudia Knöpfl er (Ltg.) | Lektorat: Nikolaus Horak (Ltg.), Mag. Angela Fux, Julia Gartner, MA, Agnes Unterbrunner, MA, Gilbert Waltl,<br />

BA | Coverfoto: iStock by Getty Images | Druckerei: Leykam Druck GmbH, Bickfordstraße 2, A-7201 Neudörfl | Verlags- & Herstellungs ort: Wien | Blattlinie: Informationen des<br />

Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes <strong>Österreich</strong>. Namentlich gekennzeichnete Beiträge und Gastkommentare müssen nicht mit der Meinung des Herausgebers übereinstimmen.<br />

Entgeltliche Einschaltungen werden mit „entgeltliche Einschaltung“ oder „bezahlte Anzeige“ gekennzeichnet.<br />

<strong>04</strong><br />

Porträt<br />

Langsam erschöpft<br />

Thomas Aigner kämpft<br />

wieder einmal um<br />

das Fortbestehen<br />

seiner Tontechnik- &<br />

Veranstaltungsfirma, die er<br />

mit Elan und Leidenschaft<br />

aufgebaut und mit der er<br />

sich bereits einen Namen in<br />

Graz gemacht hat.<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong> 03


aktuell<br />

JETZT Hilfe für Betriebe anbieten!<br />

Wirtschaftshilfen kommen auch im 4. Lockdown zu spät und<br />

sind wenig treffsicher!<br />

Die momentane Situation ist für Selbstständige<br />

in <strong>Österreich</strong> nicht nur unzumutbar, sondern<br />

drängt viele von ihnen in den finanziellen<br />

Ruin. Trotz Lockdown in der umsatzstärksten<br />

Zeit des Jahres lässt die Bundesregierung – allen<br />

voran Finanzminister Blümel – Zeit verstreichen und<br />

sieht zu, wie viele Betriebe auf den Abgrund zusteuern.<br />

SWV-Präsident Christoph Matznetter fordert daher ein<br />

Sofortmaßnahmenpaket, um die österreichischen EPU &<br />

KMU abzusichern:<br />

• sofortige Möglichkeit der Antragstellung für den Härtefallfonds<br />

und die Erhöhung der Auszahlungssumme auf<br />

€ 1.200,– pro Monat<br />

• Wiedereinführung eines treffsicheren Ausfallbonus<br />

• sofortige Stundungsmöglichkeit aller Steuerforderungen<br />

und Sozialversicherungsbeiträge<br />

• sofortige Akontozahlung von € 1.000,– pro MitarbeiterIn<br />

für Lockdown-betroffene Betriebe, um die Auszahlung des<br />

Weihnachtsgelds zu ermöglichen<br />

• steuerfreier Geschenkgutschein für MitarbeiterInnen, um<br />

meist abgesagte Weihnachtsfeiern zu kompensieren<br />

Die Gründe dafür liegen auf der Hand.<br />

Härtefallfonds sorfort wieder einrichten<br />

Trotz der Anträge des SWV auf Verlängerung des Härtefallfonds<br />

im Parlament ist dieser mit Ende September<br />

ersatzlos ausgelaufen. 1,5 Monate später muss der Härtefallfonds<br />

mit großer zeitlicher Verzögerung reaktiviert<br />

werden. Die Hilfen können lt. Homepage der WKÖ erst<br />

mit 16. 12. <strong>2021</strong> beantragt werden – also erst nach Ende<br />

des Lockdowns. Vor Weihnachten werden also viele Betriebe<br />

keinen Cent sehen. Die <strong>Unternehmen</strong> haben aber jetzt<br />

schon Einnahmeausfälle und es fehlt die Liquidität in vielen<br />

Betrieben, die noch immer unter den Folgen des vorherigen<br />

Lockdowns leiden.<br />

Wiedereinführung eines treffsicheren<br />

Ausfallbonus<br />

Auch der Ausfallbonus wurde als Instrument abgeschafft<br />

und muss nun wieder eingeführt werden – bis zum Zeitpunkt<br />

des Redaktionsschlusses Anfang Dezember wurde<br />

noch immer an der Ausarbeitung „gebastelt“, eine Antragsmöglichkeit<br />

deshalb unmöglich. Unklar ist auch, ob diese<br />

Hilfe weiterhin an eine Arbeitsplatzgarantie geknüpft ist –<br />

das wäre für die Beschäftigten wichtig. Im ersten Lockdown<br />

hat die Bundesregierung mit der Streichung der Entschädigungszahlungen<br />

binnen drei Wochen 200.000 Menschen<br />

arbeitslos gemacht.<br />

Besonders beunruhigend ist, dass der Ausfallbonus nur<br />

bei einem 40 %-igen Umsatzrückgang zum vergleichbaren<br />

Monat im Jahr 2019 gewährt werden soll. Nun dauert<br />

der Lockdown im November <strong>2021</strong> neun Tage, somit<br />

weni ger als 30 % der 30 Tage im November. Die überwiegende<br />

Mehrheit der Betriebe wird daher bei gleichmäßiger<br />

Umsatz verteilung über das Monat unter -40 % liegen und<br />

damit überhaupt keinen Ausfallbonus beziehen können!<br />

Sofortige Stundung aller Steuerforderungen<br />

Wir fordern die sofortige Stundung aller Steuerforderungen<br />

an die <strong>Unternehmen</strong>, um Liquidität im Betrieb zu halten.<br />

Zusätzlich braucht es sofortige Stundungen für alle Zahlungen<br />

an Sozialversicherungsträger. Beide Stundungen<br />

müssen bis Ende Februar 2022 gelten.<br />

Akontozahlung von 1.000 Euro pro<br />

MitarbeiterIn<br />

Wir fordern eine sofortige Akontozahlung von 1.000 Euro<br />

pro MitarbeiterIn an alle Betriebe, die vom Lockdown<br />

betrof fen sind. Nur so ist das Weihnachtsgeld für sie nicht<br />

in Gefahr. EPU sollen die 1.000 Euro für den/die UnternehmerIn<br />

selbst erhalten; das Akonto für den/die UnternehmerIn<br />

selbst kann mit der späteren Härtefallfondsförderung<br />

gegengerechnet werden.<br />

Steuerfreie Geschenkgutscheine<br />

Analog zu 2020 soll der steuerfreie Betrag für Weihnachtsgeschenke<br />

an ArbeitnehmerInnen um die bisher steuerfreien<br />

Beträge für die Weihnachtsfeiern erhöht werden.<br />

Gutscheine, die nur im stationären Handel einlösbar sind,<br />

könnten unsere Wirtschaft unterstützen. <br />

•<br />

iStock by Getty Images (2)<br />

<strong>04</strong> <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 |<strong>2021</strong>


Bildung.<br />

Die umfassende Kinderbetreuung<br />

hilft nicht<br />

nur den Eltern, sondern<br />

viel mehr den Kindern:<br />

Bildungsinhalte werden<br />

vermittelt, Hausauf gaben<br />

gemeinsam erledigt.<br />

Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung<br />

Vom ersten Geburtstag bis zum Ende der Schulpflicht: Das mangelnde<br />

Angebot stellt vor allem für Frauen ein großes Hindernis in der beruflichen<br />

Verwirk lichung als Unternehmerin oder beim Wiedereinstieg in den Job dar.<br />

Die Bundesregierung unter Kanzler<br />

Kern und Vizekanzler Mitterlehner<br />

wollte bereits im Juni 2016 1,2 Milliarden<br />

Euro in Schulen und Kinderbetreuung<br />

investieren. Damit sollte<br />

in ganz <strong>Österreich</strong> die kostenlose Nachmittagsbetreuung<br />

an Schulen eingeführt sowie der Ausbau<br />

der Kinderbetreuung vorangetrieben werden – inklusive<br />

Rechtsanspruch für jedes Kind. Aufgrund<br />

von türkisen Machtplänen ist davon bis heute<br />

nichts umgesetzt.<br />

Herausforderung für Frauen<br />

heute größer denn je<br />

Dabei ist die Herausforderung, Familie und Beruf<br />

zu vereinbaren, aktueller denn je. Kaum eine<br />

Familie kann es sich leisten, dass nur ein Elternteil<br />

arbeitet, oder hat genügend Unterstützung, etwa<br />

durch Großeltern, um die Kinderbetreuung über<br />

die ganze Woche abzudecken. Das trifft insbesondere<br />

Frauen, die noch immer den Löwen anteil<br />

der familiären Betreuungsarbeit übernehmen. Das<br />

mangelnde Angebot an Kinderbetreuung stellt für<br />

sie also ein wahres Hindernis in der beruflichen Verwirklichung<br />

als Unternehmerin oder dem Wiedereinstieg<br />

in den Job dar. Auch um mehr Frauen<br />

als Facharbeiterinnen zu gewinnen, ist der Ausbau<br />

der Kinderbetreuung ein Schlüsselelement.<br />

SWV fordert den Ausbau der Kinderbetreuung<br />

Um also sicherzustellen, dass Eltern – und hier<br />

vor allem die nach wie vor hauptbetroffenen Mütter<br />

– ihrer Erwerbs tätigkeit nachgehen können, fordert<br />

der SWV einen weiteren Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten<br />

ab dem ersten Geburtstag bis<br />

zum Ende der Schulpflicht des Kindes.<br />

Ziel muss sein, dass <strong>Österreich</strong> bei den Investitionen<br />

in Kinderbetreuung und Elementarpädagogik<br />

auf den EU-Durchschnitt von einem<br />

Prozent der Wirtschaftsleistung aufschließt, das<br />

entspricht einem Plus von mehr als einer Milliarde<br />

Euro. Diese Investition ist wichtig, um Beschäftigung<br />

zu schaffen und die Konjunktur zu beleben.<br />

Schließlich ist der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung<br />

auch eine Forderung der Sozialpartner.n<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong><br />

05


cover<br />

Geschenke<br />

für Großbetriebe<br />

iStock by Getty Images<br />

06 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong>


Weder öko noch sozial. Eine<br />

Steuersenkung, die dazu führt, dass<br />

Gering- und Durchschnittsverdiener<br />

mehr verlieren als gewinnen, nutzt<br />

kleinen Wirtschaftstreibenden nicht.<br />

Die Auswirkungen der Steuerreform<br />

2022 im Detail.<br />

›<br />

›<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong><br />

07


cover<br />

WAS ÜBRIG BLEIBT. Spätestens im Jahr 2027 hebt<br />

die kalte Progression die Entlastung durch die Steuersenkung<br />

auf. Wieder einmal gibt es für die kleinen<br />

Wirtschaftstreibenden nichts zu gewinnen.<br />

bedeutet die Steuerreform: Nur 3.000<br />

<strong>Unternehmen</strong> (das ist ein Fünfzigstel<br />

aller <strong>Unternehmen</strong>), erhalten drei Viertel<br />

des Steuersenkungs-Volumens.<br />

Warum?<br />

Nach der großen Begeisterung der Bundesregierung<br />

anlässlich der Präsentation der<br />

ökosozialen Steuerreform, die allen etwas<br />

bringen, Wirtschaftstreibende entlasten<br />

und zudem weitreichende Klimaziele<br />

verfolgen soll, macht sich nun zu Recht<br />

Ernüchterung breit. Die Steuerreform 2022 entlastet<br />

weder Gering- und Durchschnittsverdiener noch kleine<br />

Wirtschaftstreibende.<br />

<strong>Österreich</strong>s <strong>Unternehmen</strong> sollen künftig weniger<br />

Steuern zahlen. Die türkis/schwarz-grüne Bundesregierung<br />

hat im Zuge der ökosozialen Steuerreform<br />

eine Senkung der Körperschaftsteuer angekündigt.<br />

Gewinne von Aktiengesellschaften und GmbHs –<br />

jene <strong>Unternehmen</strong>, die der KöSt unterliegen –<br />

sollen ab 2023 nur noch mit 23 Prozent statt mit<br />

25 Prozent besteuert werden. Damit handelt sich<br />

<strong>Österreich</strong> ein dreifaches Verlustgeschäft ein: Die<br />

KöSt-Senkung kostet viel, bringt wenig und kommt<br />

vor allem den Reichsten im Land zugute.<br />

Die KöSt-Senkung nutzt nur den Großen<br />

Die Senkung der Körperschaftssteuer bringt nur den<br />

großen <strong>Unternehmen</strong> etwas, die Wirtschaftsleistung<br />

insgesamt wird nicht verbessert, urteilt das Momentum<br />

Institut. Selbst unter den Kapitalgesellschaften<br />

Vermögen ungleich verteilt<br />

Vermögen in Form von <strong>Unternehmen</strong>sbesitz<br />

ist in <strong>Österreich</strong> sehr ungleich verteilt. Erst<br />

ab dem obersten Zehntel der Vermögensverteilung<br />

ist <strong>Unternehmen</strong>sbesitz zu beobachten. Die reichsten<br />

Haushalte besitzen knapp über 70 Prozent Anteile<br />

an <strong>Unternehmen</strong>. Eine Senkung der Körperschaftsteuer<br />

kommt somit den Reichsten im Lande<br />

zugute und verteilt 800 Mio. Euro – die Kosten<br />

der Steuersenkung – von unten nach oben um, und<br />

zwar jedes Jahr aufs Neue. Genauer gesagt entsteht<br />

durch die KöSt-Senkung eine Steuerersparnis, die zu<br />

86 Prozent in den Taschen der reichsten 10 Prozent<br />

der österreichischen Haushalte landet.<br />

Einpersonenunternehmen, EinzelunternehmerInnen<br />

und Betriebe in Schwierigkeiten sehen hingegen<br />

von dieser Steuersenkung nichts. Für sie wären etwa<br />

ein Investitionsfreibetrag oder vorteilhafte Abschreibungsregeln<br />

einzuführen sowie die Abschaffung der<br />

Mindest-KöSt hilfreich (siehe auch Interview S. 12).<br />

Die Steuersenkung im Detail<br />

Auch die Einkommensteuerreform kommt vor allem<br />

mittleren und hohen Einkommen zugute. Die Senkung<br />

der Krankenversicherungsbeiträge und die<br />

Erhöhung des SV-Bonus erreichen zwar auch kleine<br />

Einkommen, absolut profitieren aber die reichsten<br />

10 % der Erwerbstätigen mit über 1.300 Euro<br />

08<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong>


cover<br />

Netto-Ersparnis pro Jahr am stärksten. Auch mit dem<br />

Familienbonus bekommen Kinder von einkommensstarken<br />

Eltern (trotz Erhöhung des Kindermehrbetrags)<br />

mehr als jene von Eltern mit niedrigem Einkommen.<br />

Eine Erhöhung des Familienbonus um rund 17 % wäre<br />

bei denselben Kosten wesentlich verteilungsgerechter,<br />

so das Momentum Institut. Die Senkung im Detail: Alle<br />

Einkommen zwischen 11.000 und 18.000 Euro pro Jahr,<br />

nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge, fallen in die<br />

erste Tarifstufe und werden künftig mit 23 Prozent (vorher:<br />

25 Prozent) besteuert. Die zweite und dritte Tarifstufe<br />

der Lohnsteuer werden von 35 auf 30 Prozent (mit<br />

Einkommen mit bis zu 31.000 Euro) bzw. darüber hinaus<br />

von 42 auf 40 Prozent gesenkt. Das bringt vor allem der<br />

oberen Mittelschicht bzw. hohen Einkommen etwas: Mit<br />

einem mittleren Einkommen von 2.100 Euro bekommt<br />

man durch die zweite Etappe gerade einmal 137 Euro<br />

pro Jahr mehr. Ab einem Bruttomonatseinkommen von<br />

6.000 Euro seien es dagegen jährlich 1.230 Euro mehr, so<br />

das Momentum Institut.<br />

Verlierer. Die Einkommenssteuerreform<br />

kommt vor allem mittleren und hohen Einkommen<br />

zugute. Einpersonenunternehmen, EinzelunternehmerInnen<br />

und Betriebe in Schwierigkeiten<br />

sehen von der Steuersenkung nichts.<br />

Steuern ermöglichen unseren Sozialstaat<br />

Eine Steuersenkung, die dazu führt, dass staatliche Leistungen<br />

eingeschränkt werden, kann Gering- und Durchschnittsverdienern<br />

teuer zu stehen kommen. Denn für<br />

die vielen, die es sich nicht mit Vermögen und großen<br />

Erbschaften richten können, liegt der Reichtum in<br />

einem Sozialstaat, der nicht nur vor existenziellen Risiken<br />

schützt, sondern die wichtigsten sozialen Dienstleistungen<br />

kostenlos oder ermäßigt anbietet. In der neuen<br />

Steuer reform kürzt die Bundesregierung die Abgaben an<br />

die Sozial versicherung – ohne einen alternativen Finanzierungsplan<br />

dafür aufzustellen (siehe auch Interview S. 11).<br />

Haushalte. Durch die KöSt-Senkung entsteht eine<br />

Steuer ersparnis, die zu 86 Prozent in den Taschen der<br />

reichsten 10 Prozent der österreichischen Haushalte landet.<br />

SWV Ö, iStock by Getty Images (4),<br />

KöSt-Senkung. Selbst unter den Kapitalgesellschaften<br />

bedeutet die geplante Steuerreform: Nur 3.000 Unter nehmen<br />

erhalten drei Viertel des Steuersenkungsvolumens.<br />

hohe Einkommen favorisiert. Die Senkung<br />

der Steuersätze der 2. und 3. Tarifstufe bringt vor allem<br />

der oberen Mittelschicht bzw. hohen Einkommen etwas.<br />

›<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong><br />

09


cover<br />

ungerecht. Laut WIFO tragen schon<br />

jetzt die privaten Haushalte 56 Prozent der<br />

Ökosteuern. 16 Prozent entfallen auf den<br />

öffentlichen und privaten Dienstleistungssektor<br />

und neun Prozent auf den Verkehr.<br />

Das wird mit der neuen CO 2-Steuer nicht<br />

verteilungsgerechter werden.<br />

Kalte Progression – was bedeutet sie?<br />

Warum wir unsere Steuerentlastung selbst bezahlen,<br />

hängt mit der kalten Progression zusammen. Einfach formuliert<br />

heißt das, dass die Bruttoverdienstgrenzen, die<br />

den einzelnen Steuertarifstufen zugrunde liegen, nicht<br />

an die Inflation angepasst werden. Die Folgen tragen wir<br />

alle.<br />

Die ArbeitnehmerInnen werden durch die Senkung der<br />

Lohnsteuer bis zum Jahr 2026 mit gut 4,5 Milliarden<br />

Euro entlastet. Bereits im ersten Jahr nach der Steuerreform<br />

wirken dieser Entlastung aber reale und kalte Progression<br />

entgegen. Während erstere in unserem Steuersystem<br />

erwünscht ist, erhöht die kalte Progression den<br />

persönlichen Steuersatz durch die Inflation. Spätestens<br />

im Jahr 2027 holt die kalte Progression die Entlastung<br />

durch die Steuerreform ein, so die Berechnungen des<br />

Momentum Institutes. Die durch die Senkung der ersten<br />

drei Tarifstufen verlorenen Staatseinnahmen sind bis<br />

dahin wieder kompensiert. Der Einnahmenverlust durch<br />

die KöSt-Senkung hingegen ist permanent, also ein<br />

Steuer geschenk für große <strong>Unternehmen</strong>. Die Finanzierung<br />

des Sozialstaates wird damit umso mehr dem Faktor<br />

Arbeit überlassen.<br />

Die in der Steuerreform geplante CO 2 -Steuer<br />

Eine CO 2 -Steuer kann als Instrument dienen, dies zu erreichen.<br />

„Doch es ist Vorsicht geboten“, sagt das Institut<br />

für Höhere Studien (IHS), denn „CO 2 -Steuern sind keine<br />

Zukunftsmusik. Sie existieren in <strong>Österreich</strong> implizit durch<br />

die bestehenden Energie- und Verkehrssteuern schon jetzt<br />

und summierten sich im Jahr 2018 auf fast 5,3 Mrd. Euro.<br />

So fallen beispielsweise bei der Zulassung von Neuwagen<br />

Steuern an, für jeden Liter Kraftstoff muss Mineralölsteuer<br />

10<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong>


cover<br />

KLIMABONUS<br />

EIN SCHNELLSCHUSS, der empört.<br />

Starten wird die CO 2-Bepreisung mit 1. Juli 2022. Auch wenn<br />

dadurch beispielsweise das Tanken pro Liter um acht Cent<br />

teurer wird, soll den Bürgerinnen und Bürgern dennoch mehr<br />

im Geldbörsel bleiben. Kommen wird der regionale Klimabonus,<br />

der für jeden – egal ob er arbeitet oder nicht – gelten<br />

wird. Die Höhe wird sich danach richten, wo man lebt. Wer auf<br />

dem Land lebt und eine schlechte Anbindung an öffentliche<br />

Verkehrsmittel hat, wird 200 Euro bekommen. Stadt bewohner<br />

mit exzellenter Anbindung bekommen 100 Euro. Ab Juli 2022<br />

soll der jeweilige Betrag einmal im Jahr vom Klimaschutzministerium<br />

überwiesen werden. Ein Jahr später soll der<br />

Klimabonus zudem proportional zu den Einnahmen durch die<br />

CO 2-Steuer steigen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren<br />

erhalten 50 Prozent des Bonus (Quelle: orf.at).<br />

iStock by Getty Images (3)<br />

bezahlt werden und ein Teil der <strong>Unternehmen</strong> muss<br />

sich mit CO 2 -Emissionszertifikaten eindecken“, so das<br />

Internationale Institut für Höhere Studien (IHS) in<br />

einer Publikation aus dem Frühjahr.<br />

In dieser Studie im Auftrag der AK Wien hat das<br />

IHS bereits vor der neuen Besteuerung die CO 2 -Steuern<br />

gesamthaft den österreichischen Wirtschaftssektoren<br />

und den Haushalten zugeordnet und ist dabei zu dem<br />

Schluss gekommen, dass die Haushalte pro ausgestoßener<br />

CO 2 -Tonne 157 Euro an Verkehrs- und Energiesteuern<br />

zahlen – das ist 35-mal so viel wie der Energiesektor<br />

für die gleiche Emission bezahlt. Ähnliche Daten hat<br />

auch das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO erhoben.<br />

Demnach tragen die privaten Haushalte 56 Prozent der<br />

Ökosteuern, 16 Prozent entfallen auf den öffentlichen<br />

und privaten Dienstleistungssektor, neun Prozent auf<br />

Verkehr und Nachrichtenübermittlung. Der Bausektor<br />

zahlt nur fünf Prozent der Ökosteuern, zwei Prozent<br />

trägt die Landwirtschaft.<br />

Haushalte die Leidtragenden<br />

„Bei einer zusätzlichen Steuer würden wieder die Haushalte<br />

die Hauptlast der Mehrbelastung stemmen müssen.<br />

Bei der Einführung einer neuen CO 2 -Steuer müsste<br />

daher auf eine Entlastung für die Haushalte geachtet<br />

werden“, so das IHS. Eine Steuer sollte zudem alle<br />

Emissionen gleich behandeln, egal von welchem Energieträger<br />

sie stammen. Im Moment wird Benzin pro<br />

Tonne CO 2 zehnmal so stark besteuert wie Kohle. Bei<br />

Einführung einer Steuer sollte also diskutiert werden,<br />

ob eine komplette Neugestaltung der Energiesteuern<br />

einer reinen „On-Top-Besteuerung“ vorzuziehen wäre,<br />

empfiehlt das IHS (Quelle: Salzburger Nachrichten).<br />

Das ist mit der Steuerreform 2022 nun vorbei.<br />

•<br />

„Stadtmalus“ eingeplant<br />

Die niedrigste Bonus-Stufe ist laut der<br />

von der Statistik Austria im Auftrag der<br />

Regierung erstellten Liste nur für Wien<br />

vorgesehen. Selbst große Städte wie<br />

Graz, Innsbruck und Linz fallen in die te Stufe, wo alle Erwachsenen 133 Euro jährlich erhalten sollen.<br />

zwei-<br />

Die Stufe drei (167 Euro) umfasst etwa Neusiedl am See und<br />

Bad Ischl. Den höchsten Klimabonus von 200 Euro gibt es vorwiegend<br />

(aber nicht nur) am Land wie in Zwettl und Haag.<br />

Ein Schnellschuss, denn die Qualität der Anbindung an öffentliche<br />

Verkehrsmittel ist nur bedingt ein geeigneter Indikator für<br />

die Mehrbelastung durch die CO 2-Bepreisung. Denn von der<br />

neuen CO 2-Steuer sind auch die Emissionen der privaten Haushalte<br />

betroffen. So werden etwa in Städten lebende MieterInnen<br />

mit teurer Gasheizung und schlechter Dämmung potenziell<br />

als Verlierer aussteigen: Laut APA-Berechnungen auf Basis<br />

der Erdgasverbrauchsstatistik zufolge würde der CO 2-Preis für<br />

einen durchschnittlichen Haushalt um 90 Euro pro Jahr steigen.<br />

MieterInnen können zudem nicht direkt entscheiden, womit sie<br />

heizen wollen. Der Heizungstausch obliegt den VermieterInnen.<br />

Gleichzeitig müssen MieterInnen aber für die CO 2-Steuer aufkommen,<br />

während VermieterInnen nicht belastet werden und<br />

damit keinen Anreiz zum Heizungstausch bekommen.<br />

Wien wehrt sich<br />

Speziell in Wien ist man über den geringen Klimabonus von<br />

100 Euro verärgert: In der Bundeshauptstadt heizt die Hälfte der<br />

Haushalte mit Gas, österreichweit sind es laut Statistik Austria<br />

ein Viertel. Warum Wien in der niedrigsten Stufe landet: Die BewohnerInnen<br />

verfügen über ein ausgezeichnetes öffentliches<br />

Verkehrsnetz, das mit einer Jahreskarte von 365 Euro benutzt<br />

werden kann. „Die Steuerreform benachteiligt ganz stark den<br />

urbanen Raum und Wien besonders. Vor allem der Klimabonus<br />

ist unfair“, so Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Nötig sei,<br />

klimafreundliches Verhalten zu belohnen und nicht zu bestrafen.<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong> 11


Welche Maßnahmen würden Sie dann für den<br />

Wirtschaftsstandort <strong>Österreich</strong> setzen?<br />

<strong>Österreich</strong> ist aufgrund unserer funktionierenden<br />

Sozialpartnerschaft und unseres noch funkcover<br />

Gerecht wäre die Streichung<br />

der Mindest-KöSt<br />

Wer Verliert. SWV-Präsident Christoph Matznetter hat sich die<br />

Steuerreform 2022 im Detail vorgenommen.<br />

en<br />

znetter nur eine Lösung:<br />

harmonisierung über alle<br />

ngsträger hinweg muss<br />

ordern das Prinzip: gleiche<br />

e Leistungen!“<br />

b ist nur dann fair, wenn<br />

chen Regeln gelten!<br />

tbewerb ist nur dann genn<br />

alle unter denselben<br />

ungen arbeiten. Derzeit<br />

o. „Großkonzerne zahlen<br />

sogar gar keine Steuern.<br />

U und KMU systemaand<br />

gedrängt“, kritisiert<br />

ie Betreiberin eines einziffeehauses<br />

zahlt in Österern<br />

als eine internationale<br />

te. Dieses Beispiel zeigt<br />

eue Spielregeln 12 brauchen,<br />

MU im Wettbewerb auf<br />

llen“, so Matznetter wei-<br />

Gewinn gestaffelte Kör-<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong>: Herr Dr. Matznetter,<br />

die Steuerreform wird als die größte<br />

der 2. Republik tituliert. Die österreichischen<br />

<strong>Unternehmen</strong> ersparen sich durch die geplante<br />

KöSt-Senkung 800 Millionen Euro pro Jahr.<br />

Das müssten Sie als Wirtschaftsvertreter doch<br />

begrüßen!<br />

Christoph Matznetter: Nein. Die meisten<br />

öster reichischen UnternehmerInnen sind von ihrer<br />

eigenen Arbeitsleistung abhängig. Sie haben<br />

kaum etwas bis gar nichts von dieser Reform,<br />

zumal sie die Senkung der Einkommensteuer<br />

durch die kalte Progression zu einem großen Teil<br />

selbst finanzieren. Es sind nur wenige hundert<br />

Gesellschaften, die massiv von der Senkung der<br />

Körperschaftssteuer profitieren und 80 % der<br />

800 Millionen lukrieren. Die Mindest-KöSt wird<br />

übrigens weder gestrichen noch gesenkt. Diese<br />

1.750 Euro im Jahr bedeuten für kleine <strong>Unternehmen</strong>,<br />

die keinen oder nur einen geringen<br />

Gewinn erzielen, einen enormen bis unendlich<br />

hohen Satz. Hier würde ich ansetzen und diese<br />

Steuer ersatzlos streichen. wahl 2020 Damit könnten wir<br />

rund 80.000 Unter nehmen um 30 Mio. Euro entlasten.<br />

So kann um weitaus weniger Geld weitaus<br />

mehr UnternehmerInnen geholfen werden.<br />

Innerhalb der EU gibt es unterschiedliche<br />

Steuersätze für <strong>Unternehmen</strong> – in Ungarn<br />

beträgt die etwa 9 %. Ist <strong>Österreich</strong> da nicht<br />

gezwungen nachzuziehen, um als Wirtschaftsstandort<br />

attraktiv zu bleiben?<br />

Die Körperschaftssteuer (KöSt) beträgt in<br />

Öster reich derzeit nominell 25 %. Die effektive<br />

Körper schaftssteuer ist in <strong>Österreich</strong> aber weitaus<br />

geringer. Das ergibt sich aus diversen Möglichkeiten<br />

zur Reduktion der Bemessungsgrundlage.<br />

In <strong>Österreich</strong> können beispielsweise steuerschonend<br />

sehr viele Rücklagen gebildet werden, die<br />

in anderen Ländern für die Steuerbilanz nicht anrechenbar<br />

sind. Die effektive Körperschaftssteuer<br />

für <strong>Unternehmen</strong> sinkt mit zunehmender Größe<br />

sogar. Dies hängt damit zusammen, dass es größeren<br />

<strong>Unternehmen</strong> leichter fällt, sowohl nationale<br />

wie auch internationale Steuerschlupflöcher<br />

bzw. Steuerumgehungsmöglichkeiten zu nutzen.<br />

<strong>Österreich</strong> liegt damit innerhalb der EU bei der<br />

effektiven Körperschaftssteuer schon jetzt im<br />

unteren Drittel.<br />

fachmann. SWV-Präsident und<br />

WKO-Vizepräsident Christoph Matznetter<br />

ist beeideter Wirtschaftsprüfer, Steuerberater<br />

und Wirtschaftstreuhänder.<br />

Seine Forderung: „Im Sinne einer<br />

Steuer gerechtigkeit muss es EinzelunternehmerInnen<br />

und Personengesellschaften<br />

für zukünftige betriebliche<br />

Vorhaben und wirtschaftliche<br />

Krisenzeiten, genau so wie es für<br />

Kapital gesellschaften bereits der Fall ist,<br />

möglich sein, eine Investitionsrücklage<br />

steuer begünstigt anzusparen.“<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong>


cover<br />

Sozial? Die<br />

Bundesregierung<br />

kürzt die Abgaben für<br />

die Sozialversicherung<br />

und schenkt den<br />

größten <strong>Unternehmen</strong><br />

unsere Steuergelder.<br />

SWV Ö, iStock by Getty Images<br />

tionierenden Sozialstaats ein sehr attraktiver und<br />

vor allem sicherer Wirtschaftsstandort. So haben<br />

öster reichische <strong>Unternehmen</strong> eine hohe Stabilität<br />

bei den MitarbeiterInnen – durch unsere Sozialversicherung<br />

sind sie sehr gut abgesichert und<br />

durch sozialpartnerschaftliche Verhandlungen<br />

gibt es Streiks nur in Ausnahmefällen. Dieses<br />

System gilt es zu erhalten und zu finanzieren. Die<br />

Bundesregierung dagegen kürzt die Ab gaben<br />

für die Sozialversicherung – ohne einen alternativen<br />

Finanzierungsplan dafür aufzustellen – und<br />

schenkt den größten <strong>Unternehmen</strong> unseres Landes<br />

Steuergelder. Damit riskieren ÖVP und Grüne die<br />

Absicherung für Selbstständige und ArbeitnehmerInnen,<br />

die für ihr Einkommen arbeiten müssen,<br />

und spendieren <strong>Unternehmen</strong> wie KTM & Co<br />

ein schönes Steuerzuckerl auf ihren ohnehin schon<br />

riesengroßen Gewinnberg obendrauf.<br />

Eine allgemeine KöSt-Senkung halten Sie also<br />

nicht für den richtigen Ansatz. Wie würden<br />

Sie die Körperschaftssteuer für <strong>Unternehmen</strong><br />

gestalten?<br />

Ich will, dass die Körperschaftssteuer wie die<br />

Einkommenssteuer zukünftig progressiv gestaltet<br />

werden. Gemeinsam mit vielen UnternehmerInnen<br />

fordere ich eine nach Gewinn gestaffelte<br />

Körperschaftssteuer ein, die kleine <strong>Unternehmen</strong><br />

sowie NeugründerInnen entlastet und von<br />

den großen, profitablen <strong>Unternehmen</strong> einen angemessenen<br />

Beitrag einzieht. Hier sei etwa das<br />

Modell von a. Univ.-Prof. Matthias Petutschnig<br />

erwähnt, der eine KöSt von 20 % für Gewinne<br />

bis zu 200.000 Euro vorsieht, 25 % für Gewinne<br />

zwischen 200.000 und 2,5 Mio Euro und 30 %<br />

für Gewinne über 2,5 Mio Euro. Im Ergebnis<br />

sinkt beim Petutschnig-Vorschlag für 98 % der<br />

Körper schaften die Steuerzahlung. Die Mindest-<br />

KöSt muss außerdem, wie bereits erwähnt, ersatzlos<br />

gestrichen werden. Es ist nicht einzu sehen,<br />

warum eine Gesellschaft Gewinnsteuern zahlen<br />

muss, ohne dass sie Gewinne erwirtschaftet.<br />

Außer dem trifft diese Steuer hauptsächlich unbeschränkt<br />

steuerpflichtige inländische Kapitalgesellschaften.<br />

Erneut eine Schlechterstellung<br />

gegenüber international agierenden Konzernen.<br />

Sie fordern das Ansparen von Investitionsrücklagen<br />

und Aufbau von Eigenkapital für<br />

Einzelunternehmen. Warum?<br />

Im Sinne einer Steuergerechtigkeit muss es EinzelunternehmerInnen<br />

und Personengesellschaften<br />

für zukünftige betriebliche Vorhaben und<br />

wirtschaftliche Krisenzeiten, genau so wie es für<br />

Kapitalgesellschaften bereits der Fall ist, ermöglicht<br />

werden, eine Investitionsrücklage steuerbegünstigt<br />

anzusparen.<br />

Damit würden EPU<br />

sowie KMU im Wettbewerb<br />

und für Krisenzeiten<br />

gestärkt und eine<br />

steuerliche Benachteiligung<br />

dieser Betriebe<br />

endlich aus der Welt<br />

geschafft werden.<br />

„Ich will, dass die Körperschaftssteuer<br />

wie die<br />

Einkommenssteuer zukünftig<br />

progressiv gestaltet wird. Sie<br />

soll nach Gewinnen gestaffelt<br />

werden, damit kleine <strong>Unternehmen</strong><br />

sowie NeugründerInnen<br />

entlastet werden.“<br />

Christoph Matznetter<br />

Nicht alle Großunternehmen,<br />

die in <strong>Österreich</strong><br />

tätig sind und in <strong>Österreich</strong> Gewinne<br />

erwirtschaften, zahlen hier auch ihre Steuern.<br />

Von ihnen wird durch die progressive KöSt<br />

kein gerechter Anteil eingezogen.<br />

Digitalkonzerne wie Facebook und Amazon nutzen<br />

jedes Steuerschlupfloch, das sie finden können.<br />

Sie stecken unvorstellbar hohe Gewinne ein,<br />

ohne der Allgemeinheit davon etwas zurückzugeben.<br />

Sie profitieren davon, dass regionale<br />

<strong>Unternehmen</strong> während der Corona-Pandemie<br />

schließen mussten und trotzdem zahlen sie nichts<br />

ins System ein. Um „digitale <strong>Unternehmen</strong>“<br />

angemessen besteuern zu können, fordere ich<br />

deshalb die Einführung einer digitalen Betriebsstätte,<br />

um <strong>Unternehmen</strong> auch dort besteuern zu<br />

können, wo sie Gewinne erzielen. <br />

•<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong> 13


aktuell<br />

Gehen wir impfen. Nur impfen hilft gegen die Geißel Corona!<br />

Schützen wir uns &<br />

unsere Wirtschaft!<br />

SOLIDARITÄT GEFRAGT. Tausende Selbstständige – KMU und EPU – müssen<br />

seit dem ersten Lockdown 2020 nach und nach ihre Pforten für immer<br />

schließen. Sie haben ihre <strong>Unternehmen</strong> oft aus dem Nichts aufgebaut<br />

und stehen heute wieder davor.<br />

D<br />

ie Lage ist wieder dramatisch: Hohe<br />

Corona- Fallzahlen und die Überlastung<br />

der Intensivstationen ließen wenig anderen<br />

Handlungsspielraum. Der Lockdown<br />

für alle kostet die österreichische<br />

Wirtschaft rund 117 Millionen Euro täglich. Allein<br />

ein zweiwöchiger Lockdown verursacht bereits einen<br />

Verlust der Wirtschaftsleistung von rund 1,6 Milliarden<br />

Euro, so die Schätzung des Momentum Instituts.<br />

Weiters nicht verwunderlich: Der bundesweite Lockdown<br />

für alle trifft manche Branchen härter als andere.<br />

Dienstleistungen sowie Beherbergung und Gastronomie<br />

müssen mit den höchsten Ausfällen von bis zu<br />

67 Millionen Euro täglich rechnen, während die Industrie<br />

mit 4,9 Millionen Euro täglich nur eher geringfügig<br />

betroffen sei, so das Momentum Institut.<br />

Besonders betroffen: KMU und EPU<br />

Die Zahlen sind eines, die vielen persönlichen Schicksale<br />

während der letzten eineinhalb Jahre ein anderes.<br />

iStock by Getty Images (3)<br />

14 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong>


Seit dem ersten Lockdown im März 2020 haben<br />

viele KMU und EPU aufgeben müssen, weil versprochene<br />

Unterstützungen selbst nach einem halben<br />

Jahr noch nicht eingetroffen waren; Hilfspakete<br />

für sie – man denke nur an die freien Kulturschaffenden,<br />

die Eventbranche und die Marktstandler, die<br />

auf Kirtagen, Wochenmärken, Straßenfesten und<br />

Weihnachtsmärkten ihre Stände aufschlagen – erst<br />

gar nicht geschnürt bzw. nur zögerlich in Aussicht<br />

gestellt wurden. Die kurzfristigen Absagen der traditionellen<br />

Gelegenheits- und Anlassmärkte lassen<br />

beispielsweise viele Händler, die bereits im Vorfeld<br />

geplant und eingekauft haben, auf ihrer saisonalen<br />

Ware sitzen. Aber das ist ihr Einkommen und ihre<br />

Existenzgrundlage, für sie ist der Marktbetrieb kein<br />

Gelegenheitsjob.<br />

Kulturbranche völlig eingebrochen<br />

Ähnlich geht es den vielen freien Kulturschaffenden<br />

und allen, die selbstständig in der Eventbranche<br />

arbeiten. Sie waren die ersten, die nicht mehr arbeiten<br />

durften bzw. von Absagen betroffen waren und<br />

diejenigen, die am längsten im jeweilig verordneten<br />

Lockdown ausharren müssen – ohne Aussicht auf<br />

künftige Aufträge. Steuern und Sozialversicherung<br />

bleiben hingegen im alten Ausmaß für sie. Die<br />

zu bezahlen gilt es auch, wenn es keine Einkünfte<br />

gibt. Nur: Woher nehmen? Denn auch Stundungen<br />

und Überbrückungskredite müssen nach einer<br />

Frist zurückgezahlt werden. „Von einem Tag von<br />

Hundert auf Null, das hält selbst der stärkste Selbstständige<br />

auf Dauer nicht aus“, sagt auch Thomas<br />

Aigner, Chef seines EPU „audio aigner“.<br />

Solidarität gefragt<br />

Neben dem Verlust dessen, was man sich über Jahre<br />

hinweg mit unglaublichem Einsatz und Hingabe<br />

aufgebaut hat – dahinter der ursprüngliche Wunsch,<br />

selbstständig sein zu wollen –, liegen auch zutiefst<br />

persönliche Dramen: Familien, die nicht mehr<br />

wissen, wie sie das alles bewältigen sollen. Denn<br />

zusätzlich zu den unternehmerischen Fixkosten<br />

stehen die familiären Ausgaben, die ja auch monatlich<br />

bezahlt werden müssen. Wir alle sollten deshalb<br />

nicht nur für uns, sondern auch solidarisch für die<br />

Gemeinschaft, für alle KollegInnen in der Wirtschaft<br />

sein und impfen gehen – sich den Erst- &<br />

Zweitstich und die Boosterimpfung abholen!<br />

Impfstoffe sicher<br />

Dabei muss niemand Sorge haben: Die Impfstoffe<br />

erlangen EU-weit nur dann eine Zulassung und<br />

werden eingesetzt, wenn Sicherheit und Wirksamkeit<br />

überprüft wurden. Dafür gibt es klare gesetzliche<br />

und wissenschaftliche Vorgaben. Allein in den<br />

EU/EEA-Ländern wurden mit Stand 18. November<br />

<strong>2021</strong> mehr als 615 Millionen Covid-19-Impfungen<br />

verabreicht. Auch nach der Zulassung werden Sicherheit<br />

und Wirksamkeit der Corona-Schutz impfung<br />

laufend überwacht. Weltweit wurden bereits mehr<br />

als 40 Prozent der Bevölkerung geimpft. Es ist der<br />

einzige Weg aus der Geiselhaft Corona!<br />

WAS SPRICHT<br />

DAGEGEN?<br />

Erst mit einer durchgeimpften<br />

Bevölkerung<br />

können wir ein Leben<br />

„wie vorher“ haben:<br />

ohne Einschränkungen,<br />

reisen, Restaurants<br />

besuchen und die<br />

Kultur und ihre<br />

Events genießen.<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong><br />

15


porträt<br />

audio aigner<br />

Thomas Aigner veranstaltungstechnik<br />

studio live & more<br />

Fridolin-Rolke-Straße 30, 8561 Söding-St.Johann<br />

Mobil: +43/(0)676/496 62 40<br />

Mail: office@audioaigner.at<br />

audioaigner.at<br />

Der Lockdown im Advent trifft<br />

unsere Branche besonders hart<br />

DRAMATISCH. Vor acht Jahren<br />

gründete Thomas Aigner seinen<br />

Eventtechnik-Verleih und das<br />

Studio in Graz. Bereits zum<br />

vierten Mal muss er wieder um<br />

die Existenz seiner jungen Firma<br />

mangels Aufträgen bangen.<br />

Das Angebot aus dem Eventtechnik-Verleih<br />

und dem Tonstudio ist beeindruckend:<br />

„Wir bieten einen Rundum-Service für<br />

unsere Kunden. Dazu zählen ein hochwertiges<br />

Equipment, jahrelange Erfahrung<br />

und gut ausgebildete MitarbeiterInnen“,<br />

erzählt Studio-Chef Thomas Aigner. Der hohe Anspruch<br />

der Kunden ist seine Motivation. „Unsere<br />

Stärken sind professionelle Arbeit, eine schnelle<br />

Angebots legung sowie Feingefühl und Liebe zum<br />

Detail. Das wird von unseren Kunden hoch geschätzt“,<br />

so Aigner. Seine Firma bietet u. a. Präsentationen,<br />

Firmenfeiern, Versammlungen, Hochzeiten, Messen,<br />

Konferenzen, Kongresse, Konzerte, Bälle, Mitarbeiterund<br />

Kundenveranstaltungen, Feiern, Filmproduktionen<br />

und Werbevideos an.<br />

Tontechniker aus Leidenschaft<br />

Als ausgebildeter Elektrobetriebstechniker besuchte<br />

Thomas Aigner zusätzlich die HTL-Abendschule<br />

mit dem Schwerpunkt auf Automatisierungstechnik.<br />

Schlussendlich setzte bei dem leidenschaftlichen Musiker<br />

die Liebe zur Musik durch und er riskierte einen<br />

Neuanfang: Er ließ sich auf dem SAE Institute in Wien<br />

zum Tontechniker ausbilden. Seit acht Jahren besteht<br />

nun schon seine Firma. Sie bietet den Bühnenaufbau,<br />

Licht-Ton-Videotechnik, Streaming, Livestream &<br />

LICHTSPIELE. Die perfekte<br />

Mischung aus Veranstaltungstechnik<br />

und Tonstudio macht es<br />

möglich, ein Rundum- Service<br />

anbieten zu können. Im Angebot<br />

stehen Präsentationen, Firmenfeiern,<br />

Hochzeiten, Kon ferenzen,<br />

Kongresse, Messen, Mitarbeiterund<br />

Kundenveranstaltungen, Filmproduktionen<br />

und Werbevideos.<br />

16


Langsam erschöpft.<br />

Thomas Aigner kämpft wieder<br />

einmal um das Fortbestehen seiner<br />

Tontechnik & Veranstaltungs firma<br />

„audio aigner“, die er mit Elan<br />

und Leidenschaft aufgebaut und<br />

sich bereits einen Namen in Graz<br />

gemacht hat.<br />

Audio Aigner Sound<br />

Zoom-Konferenzen sowie Live-Übertragungen im Haus<br />

wie z. B. im Krankenhaus West in Graz. Zu Thomas<br />

Aigners Kunden zählen u. a. Philips, BMW und KAGes,<br />

die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft. Dazu<br />

kommen Kooperationen mit den schönsten Locations in<br />

Graz wie das Hotel Weitzer, das St. Veiter Schlössl, der Cursaal<br />

St. Radegund, das Hotel Wiesler, das NOVAPARK<br />

Hotel, das Hotel Daniel sowie der<br />

Steiermarkhof.<br />

„<br />

Schon zwei Wochen vor<br />

einem drohenden Lockdown<br />

werden wir nicht mehr<br />

gebucht, Stornos folgen.<br />

Keiner traut sich auch längerfristig<br />

mehr, Veranstaltungen<br />

im Voraus zu planen.“<br />

Thomas Aigner<br />

Alles in den Aufbau investiert<br />

„Seit 2013 hab ich jeden erzielten Euro ins Equipment<br />

investiert, mindestens doppelt so viele Stunden wie jeder<br />

Vollangestellte in der Woche gearbeitet und mir mit ein<br />

paar gut ausgebildeten Angestellten ein KMU aufgebaut.<br />

Wir waren sehr gut aufgestellt, sonst würde ich diesen<br />

vierten Lockdown nicht mehr überstehen“, so Thomas<br />

Aigner. Sein KMU ist mittlerweile zu einem EPU geworden.<br />

„Kurzarbeit war schwierig für uns, meine<br />

Angestellten haben mich verlassen, um neue, sicherere<br />

Jobs zu finden.“ In den letzten Monaten zwischen August<br />

und November war die Auftragslage wieder gut, nur:<br />

„Wie in der Gastronomie haben mir die ausgebildeten<br />

Fachkräfte gefehlt. Ich hatte das Equipment, habe aber<br />

nicht alle Aufträge annehmen können.“ Das alles ist jetzt<br />

wieder vorbei. Aigner: „Schon zwei Wochen vor einem<br />

drohenden Lockdown werden wir nicht mehr gebucht.<br />

Stornos folgen. Keiner traut sich<br />

auch längerfristig mehr, Veranstaltungen<br />

im Voraus zu planen. Und<br />

das, obwohl das traditionell unsere<br />

umsatzstärkste Jahreszeit ist.“<br />

Eventbranche ist immer die<br />

erste, die es trifft<br />

„Wir sind immer die ersten, die es<br />

trifft. Von hundert auf null innerhalb<br />

weniger Tage. Im Gegensatz<br />

zu anderen Branchen ist es für uns nicht einfach: Die<br />

Bemessung des Förderungsbetrages berechnet sich natürlich<br />

auf den Umsatz des jeweiligen Monats. Da unsere<br />

Kunden jedoch oftmals erst ein bis zwei Monate nach der<br />

Rechnungsstellung überweisen, werden die Förderungen<br />

entweder gemindert oder fallen ganz aus. Und: Während<br />

die Gastronomie nur 5 % Mehrwertsteuer zahlen muss,<br />

haben wir keinen solchen Bonus: Wir müssen nach wie<br />

vor 20 % abliefern. Ob der Härtefallfonds in Verbindung<br />

mit dem Ausfallbonus zum Überleben reicht, weiß ich<br />

derzeit nicht. Ich bin ja schon froh, wenn wir irgend etwas<br />

kriegen“, so Thomas Aigner. Um zukünftig „coronasicherer“<br />

zu werden, wie er sagt, rückt er den Fokus seines<br />

<strong>Unternehmen</strong>s nun verstärkt auf die Angebote, die bisher<br />

eher zusätzlich liefen: Musikaufnahmen, Musik- und<br />

Filmproduktionen für Bands und Privatveranstaltungen.<br />

Thomas Aigner: „Die Kapazitäten sind da, ich freue mich<br />

auf den neuen Schwerpunkt.“<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong> 17


porträt<br />

SONNENSCHUTZ.<br />

Diese robuste und<br />

kreative Pergola passt<br />

perfekt zum Gebäude<br />

und besticht durch<br />

einen flexiblen textilen<br />

Sonnenschutz, der je<br />

nach Bedarf einzeln<br />

in jede beliebige<br />

Tiefe herunter -<br />

gelassen<br />

werden kann.<br />

Die Teuerung<br />

ist spürbar<br />

DURCH DIE DECKE. Rasante Preiserhöhungen der Lieferanten machen<br />

auch den erfolgreichen Unternehmer Siegfried Wedl nachdenklich.<br />

Häuslbauer und Sanierungen halten sich mit Aufträgen zurück.<br />

Die Pandemie hat die Wirtschaft weiter fest<br />

im Griff. Ein rasanter Anstieg der Lieferantenpreise<br />

um 10 bis 25 Prozent sowie<br />

drei Preiserhöhungen allein zwischen<br />

2020 und <strong>2021</strong> sind auch ein Novum<br />

für Siegfried Wedl. Sein <strong>Unternehmen</strong><br />

im niederösterreichischen Krumbach<br />

bietet seit mittlerweile 25 Jahren das<br />

nötige Know-how für die Planung<br />

und Durchführung von Fenstern und<br />

Türen. Fünf Jahre später erweiterte er<br />

sein Firmenangebot, das heute zum<br />

erfolgreichsten Zweig des <strong>Unternehmen</strong>s<br />

geworden ist: die Sonnentechnik.<br />

„Häuser und Wohnungen werden<br />

immer mehr mit viel Glas bzw.<br />

transparenten Elementen gebaut. Die moderne Sonnenschutztechnik<br />

ist daher mehr denn je ein wichtiger<br />

Bestandteil zeitgemäßer und energieeffizienter<br />

Gebäudehüllen.“ Geregelte Verschattungen managen<br />

den Energieeintrag der Sonne. „Als integraler Teil der<br />

Gebäudetechnik sind sie in der Lage, passiv zu kühlen<br />

und passiv zu heizen. Damit<br />

„<br />

Die Jungen sind verunsichert<br />

und warten ab, wie es für<br />

sie finanziell weitergeht,<br />

bevor sie investieren<br />

wollen oder können. Das<br />

ist vernünftig: Sie sind die<br />

wirklich Leidtragenden der<br />

Pandemie.“<br />

vermeidet man die Übererwärmung<br />

im Sommer und<br />

kann sich so eine energiefressende<br />

Klimaanlage ersparen“,<br />

so Siegfried Wedl.<br />

Auftragslage bis jetzt gut<br />

Bis jetzt lief es für seine Firma<br />

gut. Er musste nur für den<br />

Morgenbesser, wedl-sonnenschutz.at<br />

18<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong>


INDIVIDUELL. Sonnensegel<br />

ersetzen die traditionellen Sonnenschirme,<br />

wenn der Sitzbereich beispielsweise<br />

windig ist. Die jeweils<br />

individuelle Anfertigung – auf allen<br />

Seiten fest verankert – kommt<br />

sehr luftig daher und besticht<br />

durch mediterranes Flair. Der Blick<br />

in den Garten bleibt erhalten.<br />

1. Lockdown Kurzarbeit anmelden. Seitdem wird streng nach<br />

den Corona-Regeln gearbeitet. „Unser Team ist abwechselnd<br />

anwesend. Meine Frau hat die notwendigen Umbauten –<br />

Schiebetüren, Sichtschutze, Rollos etc. – ganz nach den Vorgaben<br />

installieren lassen, damit jeder seinen eigenen Bereich<br />

hat. Wir haben auch laufend Betrieb – im Außenbereich können<br />

wir arbeiten, indoor die neuen Bestellungen und Planungen<br />

vorbereiten.“<br />

Enorme Preissteigerungen & Lieferengpässe<br />

Was ihn nachdenklich macht: Seit 2020/<strong>2021</strong> gab es drei<br />

Preisanstiege von Lieferanten in der Höhe von 10 bis 25 Prozent.<br />

Für manche Produkte wie Terrassendächer bzw. Funksender<br />

für deren elektronische Betätigung gibt es wochenlange<br />

Lieferschwierigkeiten. Ein Ende ist nicht abzusehen. „Alles ist<br />

erheblich teurer geworden. Die Kunden, die einen Sonnenschutz<br />

wollen, sind zum Großteil rücksichtsvoll und geduldig.<br />

Sie warten und sagen sich: Es ist nicht wichtig, wann ich es<br />

bekomme, sondern ob ich es überhaupt erhalte“, so der Firmenchef.<br />

Anders sieht das bei Fenster- und Türbestellungen<br />

aus: „Seit Anfang Oktober ist die Nachfrage komplett in den<br />

Keller gerasselt. Jeder Häuslbauer oder diejenigen, die ihre<br />

Häuser und Wohnungen nur sanieren wollen, stoppen jetzt<br />

ihre Vorhaben. Die Jungen sind verunsichert und warten ab,<br />

wie es finanziell für sie weitergeht, bevor sie investieren wollen<br />

oder können. Das ist vernünftig: Sie sind die wirklich Leidtragenden<br />

der Pandemie.“<br />

•<br />

Fenster Türen Sonnenschutz<br />

Siegfried Wedl<br />

Badgasse 2/1, 2851 Krumbach<br />

Tel.: 02647/429 82<br />

Mobil: 0664/233 80 78<br />

Mail: office@siegfried-wedl.at<br />

wedl-sonnenschutz.at<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong> 19


aktuell<br />

DER SWV Ö VERBANDSTAG <strong>2021</strong><br />

Starke Partner in der Krise<br />

Das Team. Christoph Matznetter<br />

(M.), Katarina Pokorny (r.),<br />

Alexander Safferthal (ganz l.)<br />

und die drei Neuen.<br />

Christian Freitag.<br />

Der Transportunternehmer<br />

trägt<br />

Verantwortung für<br />

40 Mitarbeiter und<br />

vertritt die Interessen<br />

der KMU in<br />

der Wirtschaftskammer.<br />

Tarik Mete.<br />

Der Gründer<br />

des LernProfi<br />

Bildungungszentrums,<br />

ein<br />

Social-Business-<br />

<strong>Unternehmen</strong>,<br />

ist GR in Salzburg.<br />

Petra Oberrauner.<br />

Als Selbstständige<br />

beriet sie Firmen<br />

und Regierungen<br />

zu ihrer Wirtschaftspolitik,<br />

heute ist sie<br />

SPÖ-Sprecherin für<br />

Forschung, Innovation<br />

und Digitalisierung.<br />

GEMEINSAM. An seinem ordentlichen Verbandstag<br />

Mitte Oktober in St. Pölten stellte der SWV die<br />

Weichen für die nächsten vier Jahre. Alle Infos<br />

zum künftigen Leitantrag und zu den drei neuen<br />

VizepräsidentInnen im Präsidium.<br />

D<br />

ie Pandemie und ihre<br />

Folgen haben die Sorgen<br />

und Probleme der UnternehmerInnen<br />

wie durch ein<br />

Brennglas verstärkt. Die staatlichen<br />

Hilfen sind wenig treffsicher und mit<br />

einem immensen bürokratischen Aufwand<br />

verbunden. Das unzulängliche<br />

Krisenmanagement der Bundesregierung<br />

gefährdet die Existenzgrundlage<br />

tausender UnternehmerInnen.<br />

Weichen gestellt. Deshalb hat der<br />

Verbandstag neue Weichen gestellt,<br />

deren Forderungen in einem Leitantrag<br />

zusammengefasst wurden. Diese<br />

betreffen u. a. die Bereiche Steuergerechtigkeit<br />

und soziale Absicherung.<br />

Dazu zählen:<br />

✖ eine nach Gewinn gestaffelte Körperschaftssteuer,<br />

die kleine <strong>Unternehmen</strong><br />

entlastet und von großen <strong>Unternehmen</strong><br />

einen angemessenen Beitrag<br />

einfordert<br />

✖ die Abschaffung der Mindest-KöSt<br />

✖ die Anerkennung von Wohnraum<br />

als Betriebsstätte, auch wenn dies<br />

nicht klar abgetrennt werden kann<br />

✖ die Einführung einer digitalen<br />

Betriebsstätte<br />

✖ das Krankengeld ab dem 4. Tag im<br />

Krankheitsfall, insbesondere für EPU<br />

✖ die Abschaffung des 20%igen<br />

Selbstbehaltes beim Arztbesuch<br />

✖ die Leistungsharmonisierung über<br />

alle Sozialversicherungsträger hinweg<br />

– gleiche Beiträge, gleiche Leistung<br />

Neues Präsidium gewählt. SWV-<br />

Präsident Dr. Christoph Matznetter<br />

und die engagierten VizepräsidentInnen<br />

Katarina Pokorny (Obfrau Transport<br />

& Verkehr) und Dipl.-Ing. Alexander<br />

Safferthal (Obmann Bauwirtschaft)<br />

wurden in ihren Funktionen bestätigt.<br />

Auch die drei neuen VizepräsidentInnen<br />

bereichern das Team um herausragende<br />

Kompetenzen. Mag. Dr. Tarik Mete<br />

ist Salzburger Gemeinderat und SWV-<br />

Quereinsteiger, er will sein Wissen im<br />

Bildungsbereich einbringen. Mag. a<br />

Dr. in Petra Oberrauner war Villacher<br />

Vizebürgermeisterin und begleitete<br />

große Projekte wie die Infi neon-<br />

Produktionsstandort-Erweiterung,<br />

den Technologiepark Villach mit<br />

den Silicon Austria Labs u. v. m. Ing.<br />

Christian Freitag ist Unternehmer in<br />

2. Generation und Kollektivvertragsverhandlungsleiter<br />

für Kleintransport-<br />

Arbeiter sowie für Fahrradboten. ■<br />

20<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong>


aus den bundesländern<br />

BGLD: Wirtschaftsparlament fand im Burgenland statt<br />

Das Wirtschaftsparlament hat<br />

bei seiner Sitzung am 10. November<br />

<strong>2021</strong> von fünf Anträgen des Wirtschaftsverbands<br />

Burgenland drei<br />

angenommen. Damit kann sich nun<br />

die Wirtschaftskammer bei den zuständigen<br />

Stellen für die gestellten<br />

Forderungen einsetzen.<br />

Einer der zentralen Punkte ist<br />

die Abschaffung der Mindestkörperschaftssteuer.<br />

Die Mindest-KöSt ist<br />

unabhängig von Gewinn und Größe<br />

des <strong>Unternehmen</strong>s und beträgt<br />

1.750 Euro pro Jahr. Besonders kleine<br />

<strong>Unternehmen</strong>, die kaum Gewinne<br />

erzielen, zahlen dadurch einen<br />

hohen Satz. SWV-Präsident Gerald<br />

Schwentenwein stellte den Antrag,<br />

dass die Mindest-KöSt gestrichen<br />

wird, um damit rund 80.000 <strong>Unternehmen</strong><br />

zu entlasten. Der Antrag<br />

wurde einstimmig angenommen.<br />

In einem gemeinsamen Antrag mit<br />

dem Wirtschaftsbund wird im Hinblick<br />

auf die Vereinbarkeit von Beruf<br />

und Familie ein flächendeckender<br />

Ausbau der Kinderbetreuung sowie<br />

die Umsetzung eines Rechtsanspruchs<br />

auf einen Kinderbetreuungsplatz<br />

ab dem 1. Geburtstag und die<br />

Anpassung der Betreuungszeiten an<br />

die Arbeitszeitrealitäten gefordert.<br />

SWV-Delegierte: Mag. Rene Kummer (l.) und SWV Burgenland-<br />

Präsident Dipl.-HTL-Ing. Gerald Schwentenwein<br />

Der gemeinsame Antrag wurde einstimmig<br />

angenommen.<br />

Weiters wurde gemeinsam mit<br />

dem Wirtschaftsbund ein Dringlichkeitsantrag<br />

bezüglich der geplanten<br />

2,5-G-Regelung am Arbeitsplatz<br />

gestellt. Die WKO wird mit<br />

dem Beschluss aufgefordert, sich bei<br />

der Bundesregierung dafür einzusetzen,<br />

von der Einführung so lange<br />

abzusehen, bis im Burgenland eine<br />

flächendeckende und für Arbeitgeber<br />

sowie Arbeitnehmer kostenlose<br />

PCR-Test-Infrastruktur geschaffen<br />

ist. Außerdem sollen dreimalige<br />

Impfungen, zuletzt mit einem in<br />

<strong>Österreich</strong> anerkannten Impfstoff,<br />

als 3-G- bzw. 2,5-G-Nachweis gültig<br />

sein. Dies soll auch für einen Antikörpernachweis<br />

in Kombination mit<br />

einer Impfung eines in <strong>Österreich</strong><br />

anerkannten Impfstoffes gelten. Der<br />

Antrag wurde einstimmig angenommen.<br />

Zwei weitere Anträge – „ Erweiterte<br />

Öffnungszeiten für Verkaufsstellen<br />

mit touristischer Ausrichtung“ sowie<br />

„Tourismuskasse: Rettungsanker<br />

und Beschäftigungsturbo für Betriebe“<br />

– wurden mehrheitlich abgelehnt.<br />

Wir, der SWV Burgenland,<br />

werden aber trotzdem weiter diese<br />

beiden Themen verfolgen.<br />

SWV Burgenland, NÖ / Stift<br />

NÖ: Rückständige Steuerreform<br />

Ungerecht. „Die kleinen<br />

und mittleren Betriebe und<br />

die EPU leisten einen wesentlich<br />

höheren Beitrag zum<br />

Steueraufkommen als Konzerne<br />

und Großunternehmen.<br />

Mit der nun präsentierten<br />

Steuerreform der Regierung<br />

wird das auch in den nächsten<br />

Jahren so bleiben“, kritisiert<br />

der Präsident des SWV<br />

NÖ, Thomas Schaden, und<br />

meint dazu außerdem: „Mit<br />

der Senkung der Einkommens-<br />

und Lohnsteuer ist für<br />

EinzelunternehmerInnen und<br />

ArbeitnehmerInnen gerade<br />

einmal die kalte Progression<br />

abgedeckt, also jene Steuern,<br />

die sie durch das automatische<br />

Vorrücken in höhere Steuerstufen<br />

und die Inflation in<br />

den letzten Jahren bezahlen<br />

mussten.“<br />

Thomas<br />

Schaden,<br />

Präsident des<br />

Sozialdemokratischen<br />

Wirtschaftsverbandes<br />

(SWV) NÖ<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong><br />

21


aus den bundesländern<br />

NÖ: Erster Schritt für mehr Steuergerechtigkeit<br />

Globale Mindeststeuer.<br />

„International tätige Konzerne<br />

sollen nun – unabhängig von<br />

ihrem Hauptsitz – bis spätestens<br />

2023 mindestens 15 Prozent<br />

Steuern zahlen, was die<br />

Verlagerung von <strong>Unternehmen</strong>sgewinnen<br />

in Steuer-<br />

Dumping-Länder verhindern<br />

soll. Es ist erfreulich, dass hier<br />

so gut wie alle 140 Länder der<br />

OECD an einem Strang ziehen<br />

und zugestimmt haben. Wenn<br />

ein <strong>Unternehmen</strong> im Ausland<br />

mit einer Tochterfirma<br />

weniger Steuern zahlt, muss<br />

es die Differenz nun in seinem<br />

Heimatland zahlen“, so<br />

SWV NÖ-Präsident Thomas<br />

Schaden. Und: „Auch Konzerne<br />

und Internet-Giganten müssen<br />

ihre Steuern künftig dort bezahlen,<br />

wo sie ihre Gewinne erwirtschaften.<br />

Das ist für KMU<br />

und EPU täg liche Realität.“<br />

Damit sei ein erster wichtiger<br />

Schritt in Richtung mehr<br />

Steuergerechtigkeit erfolgt,<br />

dem weitere folgen müssten,<br />

so Schaden.<br />

Das Maßnahmenpaket des SWV NÖ<br />

Um Benachteiligungen zu beseitigen. Der<br />

Wirtschaftsverband NÖ hat ein wichtiges Maßnahmenpaket<br />

vorgelegt, das kleine und mittlere <strong>Unternehmen</strong><br />

(KMU) und Einpersonenunternehmen (EPU)<br />

unterstützen soll. Es reicht von verbesserten Corona-<br />

Hilfsmaßnahmen über Steuerentlastungen, einen<br />

leichteren Zugang zu Förderungen bis hin zu fairen<br />

Bedingungen in der Zusammenarbeit mit öffentlichen<br />

Auftraggebern und mehr sozialer Sicherheit.<br />

✖ Verlängerung der Garantien bei Überbrückungskrediten:<br />

„Garantien bei Überbrückungskrediten müssen verlängert<br />

werden – und zwar über die gegebenen fünf<br />

Jahre hinaus“, forderte Präsident Thomas Schaden.<br />

✖ Ansparen von Investitionsrücklagen:<br />

„Im Sinne einer Steuergerechtigkeit muss es EPU<br />

und KMU ermöglicht werden, steuer begünstigt eine<br />

Investitionsrücklage anzu sparen“, erklärte Vizepräsidentin<br />

Monika Retl.<br />

✖ Faire Liefer- und Geschäftsbedingungen bei öffentlichen<br />

Aufträgen:<br />

„Für viele EPU und KMU sind Aufträge der öffentlichen<br />

Hand ein wesentlicher Teil ihrer Tätigkeit.<br />

Das ist oft mit einem hohen Risiko verbunden.<br />

Das muss aufhören – es sollen keine unverhältnismäßigen<br />

Auflagen und Haftungen mehr in Geschäftsund<br />

Lieferbedingungen enthalten sein“, so Margit<br />

Katzengruber, Spartenvorsitzende des SWV NÖ im<br />

Handel.<br />

✖ „Der Mindestinvestitionsbetrag für Kleinstbetriebe<br />

muss gesenkt werden. Um für Betriebe aller Größen<br />

einen gerechten Anteil an Fördermitteln sicherzustellen,<br />

sollten bei allen Zuschüssen auf Bundes- und<br />

Landesebene die zur Verfügung stehenden Mittel nach<br />

Förderklassen aufgeteilt werden“, so Vizepräsidentin<br />

Martina Klengl.<br />

✖ Krank sein für Kleine existenzbedrohend:<br />

„KMU und EPU brauchen ein Krankengeld ab dem<br />

vierten Tag der Erwerbsunfähigkeit. Selbstständige<br />

können nicht sechs Wochen ohne Einkommen auskommen“,<br />

fordert SWV NÖ-Spartenvorsitzender im<br />

Transport und Verkehr Christian Freitag.<br />

SWV NÖ, Steiermark, iStock by Getty Images<br />

22<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong>


STEIERMARK: WK-MandatarInnen-Treffen<br />

Bei den Wirtschaftskammerwahlen 2020<br />

war der SWV Steiermark so erfolgreich wie noch<br />

nie. Nur leider konnte dieser großartige Wahlsieg<br />

lange nicht gefeiert werden.<br />

Zum Zeitpunkt, als die Pandemie besiegt zu<br />

sein schien, lud der SWV Steiermark seine vielen<br />

WK-MandatarInnen zu einem gemeinsamen<br />

Abendessen. Unter dem Motto „Dankeschön“<br />

trafen sich die FunktionärInnen<br />

zum Kennenlernen<br />

und Netzwerken<br />

im völlig neu gestalteten<br />

Restaurant „Das<br />

Eggenberg“ in Graz,<br />

das übrigens von einem<br />

SWV-Mitglied geführt<br />

wird.<br />

Bei bester Stimmung<br />

und feinem Essen wurde<br />

die Zeit zum Meinungsaustausch<br />

und für viele<br />

politische Diskussionen<br />

genutzt. SWV Steiermark-Präsident<br />

Karlheinz Winkler dazu: „Der<br />

große Erfolg dieses Treffens und das überaus<br />

positive Feedback der MandatarInnen machen<br />

eines klar: Soweit es die Covid-19-Lage zulässt,<br />

werden weitere derartige Veranstaltungen mit<br />

unterschiedlichen Schwerpunkten und Settings<br />

folgen.“<br />

NÖ: Hermann Adlitzer ausgezeichnet<br />

SWV Steiermark, NÖ<br />

Geehrt.<br />

Jubilar<br />

Hermann<br />

Adlitzer<br />

(l.) mit<br />

Thomas<br />

Schaden,<br />

Vizepräsident<br />

der Wirtschaftskammer<br />

NÖ.<br />

In Anerkennung der Verdienste für die Wirtschaft<br />

Niederösterreichs übergab WKNÖ-<br />

Vizepräsident KommR Thomas Schaden die<br />

Große Silberne Ehrenmedaille der WKNÖ an<br />

KommR Hermann Adlitzer.<br />

Hermann Adlitzer, der Geschäftsführer von<br />

Buch-Papier Adlitzer in Traiskirchen, das seit<br />

1968 besteht, ist immer noch als Unternehmer<br />

aktiv: Dabei feierte er heuer seinen 80. Geburtstag.<br />

Thomas Schaden besuchte den Jubilar in<br />

seinem Geschäft – aber nicht nur, um ihm zum<br />

„Runden“ zu gratulieren, sondern er überreichte<br />

ihm auch die hohe Auszeichnung der WKNÖ.<br />

„Es ist etwas Besonderes, einem Menschen, der so<br />

viele Jahre nicht nur für seinen eigenen Betrieb<br />

alles gegeben, sondern auch für die niederösterreichische<br />

Wirtschaft so viel getan hat,<br />

die Große Silberne Ehrenmedaille der WKNÖ<br />

zu überreichen. Dafür, dass er immer noch sein<br />

Geschäft leitet, gebühren ihm höchster Respekt<br />

und unsere größte Bewunderung. Seine wertvollen<br />

Ideen und sein innovatives Denken inspirieren<br />

alle UnternehmerInnen in diesem Land“,<br />

so Thomas Schaden.<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 4 | <strong>2021</strong> 23


Frohe Festtage<br />

und alles Gute<br />

2022<br />

wünscht<br />

das SWV-Team!

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