ocean7 1/2022

Ocean7

Überwintern im Wasser. Worauf zu achten ist, um auch bei Schnee und Eis auf der sicheren Seite zu sein.
Boot Düsseldorf. Was uns im Jänner auf der bedeutendsten Wassersportmesse des Jahres erwartet. Direktor Petros Michelidakis im Interview.
Mini Transat 2021. Unwetter, Stromausfall, Sprach­barrieren: Christian Kargls abenteuerliche Transatlantikregatta.
Der Wrackjäger. Diplomat und Künstler und Fotograf Stefano Benazzo ist seit 40 Jahren dem Charme des Rosts verfallen.
Privilège Signature 580. Das neue Flaggschiff aus der Serie der hochseetauglichen Segelkatamarane – gebaut am Atlantik, gedacht für die Welt.
Ryck 280. Mit Ryck hat HanseYachts eine neue, sehr wandelbare Motorbootmarke auf den Markt gebracht. Die Top-Version des Außenborder-Weekenders im Test.
Norwegen. Mit OceanLife-Törns auf naturnaher Segelexpedition durch die Inselgruppe der Lofoten.
Im Land der Drachen. Weltumsegler Wolfgang Hausner auf Landgang in Komodo, dem besonders abenteuerlich geführten Jurassic Park Indonesiens.
Unterwasserwelt in der Nordadria. Der schleichende Niedergang eines einst so reichen Ökosystems.

YACHTING, REISEN UND MEER

1/2022 Jänner/Februar

www.ocean7.at

WINTER FEST

Wassersport zur kalten Jahreszeit? Auch das bringt der Klimawandel mit sich,

sodass immer mehr Eigner ihre Yachten im Wasser belassen möchten. Worauf

zu achten ist, um auch BEI SCHNEE UND EIS auf der sicheren Seite zu sein.

BOOT

Showtime in

Düsseldorf

Was uns 2022 auf

der Messe erwartet.

RYCK 280

Die Neue aus

Greifswald

Das erste Modell der

Motoryacht im Test.

PRIVILÈGE 580

Vom Atlantik

für jede See

So werden High-End-

Katamarane gebaut.

Mit News der österreichischen

Verbände YCA und MSVÖ


Photos by Alberto Cocchi

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Editorial

Zum Wohl!

2021, was für ein Jahr, so wenig wie in der vergangenen Saison war ich schon lange nicht mehr unter wegs.

Umso prägender waren die Einsichten, die ich im Zuge meiner Vor-Ort-Recherchen gemacht habe. Die

wichtigste: Vorurteile sind schneller da, als man sich selbst eingestehen will.

Im Rahmen einer Weinverkostung

verschlug es mich diesen

Sommer auf ein Weingut im

Norden Istriens. Mein Interesse an

kroatischen Weinen hatte sich aber

schon vor gut 20 Jahren sozusagen

verflüchtigt, die Vorfreude auf den

mir unbekannten Winzer hielt sich

also in Grenzen. Wie konnte mir

das geschehen, wo ich doch weiß,

dass Grenzen im Kopf absolut fehl

am Platz sind?! Der Malvazija 2018

war jedenfalls meine beste Weinentdeckung

der letzten Jahre.

Wechsel nach Deutschland.

Ich bin im November zur Media-

Präsentation der boot 2022 nach

Düsseldorf einge laden. Kurz davor

ist die 2G-Regel in Österreich in

Kraft getreten und in Anbetracht

der Umstände vor einem Jahr – da

wurde die boot 2021 offiziell abgesagt

– bin ich wenig zuversichtlich.

Beim gemeinsamen Abendessen

erzählt mir Direktor Petros

Michelidakis dann mit einer ganz

persönlichen Begeisterung von den

vielen Neuigkeiten und vom Einsatz

aller Beteiligten für die Vorbereitung

der Hallen für die Messe,

die mich völlig überrascht. Soll die

boot 2022 vielleicht doch sein?

Kurz vor Redaktionsschluss

dieser Ausgabe erreicht mich die

Nachricht, dass die für den Wassersport

international so bedeutende

Messe zu Jahresbeginn nun auch

auf höchster politischer Ebene abgesegnet

sei und unter Einhaltung

strenger Hygienemaßnahmen und

der 2G-Pflicht im Jänner über die

Bühne gehen wird. Und wieder

habe ich mich, obwohl ewiger

Optimist, in das Worst-Case­

Szenario ziehen lassen …

Anfang Dezember in Österreich.

Vor ein paar Tagen sind wieder

(rund 40.000) Demonstranten

durch Wien gezogen, um ihren

Unmut über den Lockdown und

die Impfpflicht kundzutun. Vor

ein paar Wochen noch wäre mein

Verständnis dafür „überschaubar“

gewesen. Hätte ich da nicht eine

persönliche E-Mail erhalten, in

der mir eine Leserin und bekennende

Impfgegnerin in bewegenden

Worten ihre Bedenken und

Ängste geschildert hat.

Erneut ärgerte ich mich über

mich selbst. Leben wir nicht in

einer Demokratie, in der jeder

eine eigene Meinung haben darf?

Gewalt hat natürlich keinen Platz,

Radikalisierung schon gar nicht.

Aber zum offenen Dialog sollten

wir alle bereit sein – zum Wohl

der Gesellschaft.

Tahsin Özen

redaktion@ocean7.at

„ Die niemals ihre Meinung zurücknehmen,

lieben sie mehr als die Wahrheit.“

Blaise Pascal (1623–1662), Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung

November 2021: Media-Präsentation der boot 2022 in Düsseldorf.

FOTO: ESZTER KONDOR

1/2022 3


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Unerwunschter ...

ILLUSTRATION: INGA BEITZ, WWW.INGABEITZ.JIMDO.COM

..

... Duseneffekt.

1/2022 5


Inhalt 1/2022

AM NORDRAND EUROPAS. Mit OceanLife-Törns auf der 18Inselgruppe der Lofoten: Ein norwegisches Natur- und Segelerlebnis.

FOTOS: CLEMENS STECHER, STEFANO BENAZZO, SHUTTERSTOCK

24

DIE FARBE ROSTROT hat es dem italienischen Fotografen Stefano Benazzo angetan.

Seine Suche nach Wracks, die man nicht vergessen sollte, führte ihn um die ganze Welt.

30

WELTUMSEGLER Wolfgang Hausner mit Tochter Vaitea auf der Insel Komodo –

dem besonders abenteuerlich geführten Jurassic Park Indonesiens.


Mit News der österreichischen

Verbände YCA und MSVÖ

FOTO: SHUTTERSTOCK

Rubrik

8 SCHAUFENSTER

Aug in Aug mit großen Haien.

53 IMPRESSUM

Kolumnen

12 BOBBY SCHENK

Halse oder Wende? Entscheidungshilfe

aus der Langfahrtpraxis.

16 OCEAN WOMAN

Edith und Karl aus Tirol: Er liebt das

Segeln, sie die Buchten.

29 ALLES WAS RECHT IST

Nur Diebstahl oder mehr? Was geschah

mit der Charteryacht Jess?

52 GOTTFRIED RIESER

Machen Handys den Seefunk überflüssig?

Ein Plädoyer für die Sprechtaste.

82 SAILING POETRY

Gilgamesch und Odysseus wollen nach

Hause. Umwege sind unvermeidbar.

Reisen

18 NORWEGEN/LOFOTEN

Mit Ocean Life-Törns auf Segel-

Expedition im wilden Norden.

30 INDONESIEN/NUSA TENGGARA

Weltumsegler Wolfgang Hausner

auf der Insel der giftigen Drachen.

Features

24 WRACK-FOTOGRAFIE

Diplomat und Künstler Stefano Benazzo

ist seit 40 Jahren dem Charme des Rosts

verfallen.

36 UNTERWASSERWELT DER

NORDADRIA

Der schleichende Niedergang eines

einst so reichen Ökosystems.

YACHTING, REISEN UND MEER

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42 BOOT DÜSSELDORF 2022

Interview mit Messe-Direktor

Petros Michelidakis.

48 ÜBERWINTERN IM WASSER

Tipps für jene Boote, die die kalten

Monate am Steg verbringen sollen.

Yachten

10 BEST OF BOATS AWARD

Zwei von sechs Gewinnerbooten

kommen aus Österreich.

54 PRIVILÈGE SIGNATURE 580

Das neue Flaggschiff aus der Serie

der hochseetauglichen Katamarane.

60 RYCK 280

Das erste Modell der neuen Motorbootmarke

von HanseYachts im Test.

Sport

66 MINI TRANSAT 2021

Unwetter, Stromausfall, Sprachbarrieren:

Christian Kargls

abenteuerliche Transatlantikregatta.

68 ALPE ADRIA SAILING WEEK

Überraschung beim großen Treffen:

Nach zwei Wettfahrten kam die

Schwarze Bora, und die Yachten

mussten weg.

72 ALPE ADRIA CHALLENGE

Die erste Ausgabe der Freundschafts ­

regatta des YCA mit dem OSYC.

74 GERMAN OPEN

Der Sieg österreichischer Revoluzzer

bei den deutschen Jollenkreuzer­

Meisterschaften auf dem Bodensee.

Im Verband

76 YACHT CLUB AUSTRIA

80 MOTORBOOTSPORT UND SEEFAHRTS

VERBAND ÖSTERREICH

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WINTER FEST

Wassersport zur kalten Jahreszeit? Auch das bringt der Klimawandel mit sich,

sodass immer mehr Eigner ihre Yachten im Wasser belassen möchten. Worauf

zu achten ist, um auch BEI SCHNEE UND EIS auf der sicheren Seite zu sein.

BOOT

Showtime in

Düsseldorf

Was uns 2022 auf

der Messe erwartet.

RYCK 280

Die Neue aus

Greifswald

Das erste Modell der

Motoryacht im Test.

PRIVILÈGE 580

Vom Atlantik

für jede See

So werden High-End-

Katamarane gebaut.

Cover: Yacht im Winter

in nördlichen Gefilden.

Tausend Gründe,

ein ParTner


Schaufenster

Hai

8 1/2022


käfigfrei

Text TAHSIN ÖZEN

Ralf Kiefner taucht seit 1975

und arbeitet seit Anfang der

1990er-Jahre erfolgreich als

Autor sowie als Tier- und Unterwasserfotograf,

Unterwasserkameramann

und Produzent. Seine Hai-

Doku „Beyond Fear“ über Interaktionen

mit großen Weißen Haien

ohne Käfig wurde weltweit bei

National Geographic ausgestrahlt.

In seinem neuen Buch „Haie

haben keine Hände“ erzählt er von

seinen einzigartigen Erlebnissen

mit diesen beeindruckenden Meeresräubern

und zeigt dazu fantastische

Fotos aus mehr als 25 Jahren

Taucherfahrung mit Haien. „Wir

versuchen, das natürliche Verhalten

der Tiere bei unserer Arbeit so

wenig wie möglich zu beeinflussen.

Dabei ist es uns wichtig, darauf hinzuweisen,

dass diese engen Interaktionen

und Berührungen mit

den Haien nur möglich waren, weil

die Tiere es uns gestattet haben!“,

so der Autor.

Haie haben keine Hände – spannende

Erlebnisse mit Haien. 176 Seiten

mit 150 Farbabbildungen, Verlag

Ludwig. Erhältlich im Buchhandel

und online um ca. € 30,–.

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verlost unter allen Teilnehmern drei Exemplare

des Buchs Haie haben keine Hände! Einfach eine E-Mail mit

Betreff-Zeile „Hai-Buch“ an gewinnen@ocean7.at senden

und mit etwas Glück gewinnen! Einsendeschluss: 17. Jänner

2022. Die Gewinner werden per E-Mail verständigt.

Mit Ihrer Teilnahme erklären

Sie sich einverstanden, den

-Newsletter (jederzeit

kündbar) per E-Mail zu

erhalten. Ihre Daten werden

nicht an Dritte weitergegeben.

Keine Bar ablöse. Der Rechtsweg

ist ausgeschlossen.

1/2022 9


Best of Boats Award 2021

Stille

Sieger

Mit

dem internationalen Best of Boats Award werden

die sechs besten Motor boote ausgezeichnet. Zwei davon

stammen 2021 aus heimischen Werften: Der solarelektrische

Silent 60 gewann in der Kategorie „Best for

Travel“, und die elektrische Frauscher TimeSquare 20

holte sich den „Best for Future Award“.

Text BERND HOFSTÄTTER

Mit einer Jury aus 16 Fachjournalisten

aus Europa, Russland

und den USA und rund

250 durchgeführten Bootstests ist der

Best of Boats Award einer der wichtigsten

Branchen-Events und, nach

Zahl der beteiligten Länder und Juroren,

die weltgrößte Auszeichnung für

Motorboote. Verliehen wurden die

Preise 2021 am 11. November auf

der Boot & Fun Berlin, dieses Mal –

nach der Solo-Online-Show 2020 –

wieder mit Publikum im Rahmen

eines Gala-Abends.

Unter den sechs Gewinnern, die

zur Preisverleihung auf die Bühne gebeten

wurden, waren zwei österreichische

Werften: Silent Yachts mit

Sitz in Kärnten am Wörthersee und

Frauscher Boote mit Sitz im oberösterreichischen

Ohlsdorf am Traunsee.

LEISE IST TRUMPF

Mit der Silent 60 setzte sich in der

Kategorie Best for Travel eine

Yacht durch, deren ältere Schwester –

die Silent 55 – sich 2019 den Titel

holen konnte. Der solar-elektrische

Katamaran bietet deutlich mehr

Platz und Leistung als das Vorgän ­

germodell. 42 Solarzellen sorgen

für 17 kWp, die Bat te rie kapazität

beträgt 286 kWh, Top-Speed bis

20 Knoten, und zwar dank des

umweltfreundlichen Antriebs

auf superleise Art.

INNOVATIV ZUM TITEL

Ebenfalls auf das elektrische Mo ­

torkonzept und erstmals auf zwei

Rümpfe setzte Boote Frauscher

mit der TimeSquare 20, die den

Best for Future Award gewann.

Der erst zum zweiten Mal verge bene

Sonderpreis wird an Motorboote

verliehen, die innovative Technolo ­

gien und neue Konzepte mit dem

Gedanken der Nachhaltigkeit zu ­

sammenbringen.

Und genau das macht die Frauscher

Time Square 20: Sie will das

Elektrobootfahren neu definieren,

indem sie Naturgenuss, Ruhe, Ge ­

selligkeit und Rücksichtnahme in

bisher nicht dagewesener Weise

vereint.

DIE VIER WEITEREN

SIEGERBOOTE

In der Kategorie Best for Beginners

holte sich die Axopar 22 Spyder

den Titel. Mit dem neuen Modell

rundet die finnische Werft ihre Flotte

nach unten ab. Auch die 22 hat den

charakteristischenAxopar-Stufenrumpf,

der von einem 115-PS-

Mercury-Außenbordmotor angetrieben

wird.

In der Kategorie Best for

Fishing setzte sich mit der Quicksilver

705 Pilothouse die neue, größere

Version des mit dem Best of

Boats Award 2020 ausgezeichneten

Pilothouse-Boots von Quicksilver

durch. Die Wahl war eine Bestätigung

des Trends zu multi funk tio ­

nalen Booten – die 705 kann sowohl

zum Angeln auf See genutzt

werden als auch als kleines Familienboot

für gemütliche Wochen end ­

ausflüge.

Die Marex 330 Scandinavia überzeugte

die internationale Jury in

der Kategorie Best for Family.

Das neue Modell der norwegischen

Werft ist eine familienfreundlich

weiterentwickelte Kombina tion aus

der Marex 375 und dem BoB-Sieger

Marex 360 CC, jedoch auf einem

33-Fuß-Rumpf.

Marex stattet den Salonbereich

und das Achterdeck mit einem großen

Verdeck aus. Je nach vorherr­

„ Der erst zum zweiten Mal vergebene Sonderpreis

wird an Motorboote verliehen, die innovative

Technologien und neue Konzepte mit dem

Gedanken der Nachhaltigkeit zusammenbringen.“

10 1/2022


Neu

2022

Cruise

Außenborder

Best of Boats Award 2021 – Preisverleihung

am 11. November auf der Boot & Fun Berlin.

CRUISE 3.0 T/R

CRUISE 6.0 T/R

CRUISE 12.0 R

Best for Travel: Silent 60.

Best for Future:

Frauscher TimeSquare 20.

Best for Beginners:

Axopar 22 Spyder.

6 PS

Äquivalent

25 PS

9,9 PS Äquivalent

Äquivalent

Cruise Pod

Antriebe

Best for Fishing:

Quicksilver 705 Pilothouse.

Best for Family:

Marex 330 Scandinavia.

Best for Fun:

Waterdream 52 California.

schender Wetterlage können die

Passagiere wählen, ob sie offen im

Cabrio oder geschützt im Salon

sitzen wollen.

Ein für nördliche Breiten Europas

nicht unbedeutendes Feature …

In der Kategorie Best for Fun

gewann die Waterdream 52 California

aus den Niederlanden.

Trotz ihrer fast 16 Meter Länge

und der großen Kabine im Vorschiff

ist die Yacht grundsätzlich

als Daycruiser konzipiert. Die

Rumpflinie ist klassisch, der zentral

gelegene Steuerstand garantiert

Fahrspaß auch bei Vollgas und das

Decks layout macht gute Laune an

Bord, sowohl bei Fahrt als auch

vor Anker.


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CRUISE 6.0 FP

CRUISE 12.0 FP

CRUISE 3.0 FP

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In den Wind gesprochen

Das Kreuz mit der Wende

Ich hab mich gewundert, warum die in dieser Kolumne zu erörternde Leserfrage nicht schon viel früher

gestellt worden ist, denn mit dem geschilderten Problem war jeder Hochseesegler schon konfrontiert.

Erlauben Sie mir, etwas zu

fragen, das normalerweise

nie gesprochen wird, das aber

beim Segeln von grundlegender

Bedeutung ist. Bei frischem Wind

ist es immer Zeit zu reffen. Theoretisch

ist alles einfach, tatsächlich

ändern sich die Dinge, wenn man

in rauer See segelt. Es scheint mir

ziemlich gefährlich, den Bug in den

Wind zu legen (wenn überhaupt

möglich). Meine Frage: Wie wird

das gemacht?“

Gleich vorweg: Meine Antwort

hierzu gilt vor allem den Langfahrtseglern,

definitiv nicht den Jollenseglern

und erst recht nicht den

Regattierern, wo jeder Meter Luv-

Gewinn zählt. In meinen Blauwasserseminaren

habe ich meinen sachkundigen

Zuhörern zum obigen

Foto links, das irgendwo in der

Arafura-See auf meinem Katamaran

aufgenommen wurde, oft folgende

Frage gestellt: Wie schätzen Sie die

Windstärke nach Beaufort ein, die

auf diesem Foto geherrscht hat?

Die meisten Schätzungen liefen auf

drei Windstärken hinaus. Anschließend

zeigte ich dem Publikum mit

der gleichen Frage das Foto oben

rechts – die Antworten pendelten

sich bei fünf bis sechs Beaufort ein.

Beide Fotos aber wurden im Abstand

von ein paar Sekunden gemacht –

einmal die Kamera nach vorne, und

dann nach achtern gehalten. Beide

Fotos erklären vieles und spielen

nachfolgend eine wichtige Rolle.

Fangen wir ganz von vorne an:

Wenden heißt mit dem Bug in den

Wind und dann mit der Restfahrt

auf den anderen Bug fahren. Halsen

ist genau das Gegenteil: Auf einem

Kurs vor dem Wind – oder nahezu

vor dem Wind – wird das Ruder

so gelegt, dass das Heck der Yacht

Zwei Fotos, aber nur eine Momentaufnahme innerhalb weniger Sekunden aus zwei unterschiedlichen Perspektiven.

BOBBY SCHENK

ist Weltumsegler,

Navigations-Experte

und Buchautor.

kolumne@ocean7.at

durch den Wind geht, also der

Wind auf dem neuen Bug nunmehr

von der anderen Bugseite in das

Großsegel bläst. Klar, das lernt man

schon in den ersten Sekunden jedes

Segel-, also auch Jollenkurses.

HALSE = GEFAHR?

Leider lernt der Segeleleve in der

Jolle aber auch, dass eine Wende

ungefährlich ist, nicht aber eine

Halse. Man wird es zwar nicht so

bezeichnen, aber im Hintergrund

schwingt „Halse = gefährlich“ im

gesamten Unterricht mit; z. B. bei

dem (richtigen) Hinweis, dass eine

Halse, wo also der achterliche Wind

plötzlich auf die andere Seite des

Großsegels einfällt, das Schifferl

zum Kentern bringen kann. Richtig

für den Anfänger in einer Jolle!

Falsch für den Dickschiff-Segler,

denn eine Einrumpf-Yacht sollte

unfähig sein zu kentern! Schon

deshalb bin ich kein Freund von

solchen Belehrungen. Nicht nur

können wir mit dem im Jollenkurs

gelehrten Anlegemanöver (Aufschießer)

nichts anfangen, weil

Sachschäden am Dickschiff und

Steg geradezu vorprogrammiert

wären. Gleiches gilt auch für die

Warnung vor der Halse.

Die Mär von der „gefährlichen

Halse“ setzt sich im Seglerleben oft

noch lange Zeit fort. Dabei ist die

richtige Ausführung einer Halse

auf dem offenen Meer – erfahrene

Fahrtensegler wissen das – bei weitem

nicht so gefährlich wie eine

Wende. Schon allein wegen der

maßgeblichen Windstärke. Ein einfaches

Rechenbeispiel zeigt das:

Nehmen wir an, eine Yacht segelt

am Wind, also fast gegenan, mit der

rechenüblichen Schiffsgeschwindigkeit

von 6 kn. Auf der Yacht zeigt

der Windmesser (zum Beispiel der

Verklicker, aber auch der Handwindmesser)

eine Windgeschwindigkeit

von ca 25 kn an. Da die

Yacht fast gegenan läuft, dürfte der

tatsächliche, oder auch der „wahre

Wind“, so um die 19 kn betragen,

denn die Schiffsgeschwindigkeit ist

ja allein für 6 kn Gegenwind gut.

Wir segeln sozusagen in den Wind

hinein.

Umgekehrter Fall: Wir laufen bei

gleichem Wind, der nunmehr von

achtern kommt, vor dem Wind ab.

Deshalb sind die 6 kn Fahrtwind

vom achterlichen (wahren) Wind

abzuziehen, sodass auf dem Schiff

nur mehr ein Wind von 13 kn zu

spüren ist, denn 6 kn „Luftzug“

bekommen wir von der Fahrt

durchs Wasser. Wir kennen das

auch aus der Tatsache, dass Segelschiffe

platt vor dem Laken niemals

schneller als der Wind segeln können

– auch nicht die schnellsten

Katamarane!

Sie ahnen schon, worauf ich hinauswill?

Gewissheit gebe ich Ihnen

gerne in der nächsten Ausgabe.

12 1/2022


Die Westen testen

PANORAMA

Tipps, Trends & Neuheiten

Automatikrettungswesten

sollten alle zwei Jahre

gewartet werden!

RETTUNGS-CHECK. Wo es um Sicherheit von

Menschenleben geht, ist die regelmäßige Inspektion

des entsprechenden Geräts unumgänglich.

Das gilt auch für Automatikrettungswesten,

die ja durch die lange Lagerung an Bord in

salzhaltig feuchtem Klima und mechanische

Belastungen beim Tragen besonders beansprucht

werden. Normalerweise ist ein Wartungsintervall

von jeweils zwei Jahren ab Kauf

empfohlen, wobei die Inspektion entweder

beim jeweiligen Hersteller oder bei autorisierten

Wartungsstationen vorgenommen wird.

Beim Bisamberger Zubehör-Spezialisten Maritimo

umfasst die Kon trolle die Überprüfung

des Schwimmkörpers auf Luftundurchlässigkeit,

einen 24-Std.- Drucktest, eine Funktionskontrolle

des vollautomatischen Aufblassystems

sowie eine Sichtkontrolle der Nahtverbindungen.

Nach erfolgreicher Wartung wird für

die Weste eine aktuelle Serviceplakette sowie

ein Wartungsprotokoll ausgestellt.

è www.maritimo.at

1a App

SUCHEN UND BUCHEN. Der deutsche

Charter-Vermittler 1a Yachtcharter setzt

wie viele Mitbewerber jetzt auch auf eine

eigene App, die im Apple App Store und

bei Google Play verfügbar ist. Mit nur wenigen

Klicks können Charterinteressierte

über verschiedenste Filterfunktionen in

Frage kommende Yachten ermitteln, Favoriten

in der Merkliste speichern, diese mit

der Crew teilen und eine unverbindliche

Buchungsanfrage stellen. Auswählen

kann man aus rund 10.000 Yachten in

250 Stützpunkten in über 40 Ländern.

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PANORAMA

Tipps, Trends & Neuheiten

Dreifuß

FLAGSCHIFF. Die Astus 22.5, das

neue Flaggschiff der Trimaranfamilie

aus Frankreich, wird nun mit einem

Jahr Corona-Verspätung produziert.

Österreich-Importeur Multihull

Sailing hat sich zur Präsentation

auf der Austrian Boat Show in Tulln

für Anfang März schon ein Vorführboot

sowie einige Produktionsslots

für das Frühjahr 2022 reservieren

können. Nach den Bootsmessen in

Paris, Düsseldorf und Tulln wird sich

die Lieferzeit allerdings drastisch

verlängern.

Der Astus 22.5 kann wahlweise

mit oder ohne Foilschwerter geliefert

werden. Der 6,95 Meter lange und

4,90 Meter breite Mehrrümpfer ist

leicht trailerbar und durch seine

große Kajüte mit vier Betten sowie

modularen Küchenelementen auch

zum Wandersegeln geeignet. Preis

inkl. 20 % USt. ab 49.800 Euro.

è www.multihull-sailing.net

Neues Oberhaupt

der Astus Trimarane.

Der Bilge-Sensor

von sense4boat.

Fernmeldetechnik

BOOTSÜBERWACHUNG. In der Marina Punat

auf Krk gehört die Überwachung von liegenden

Booten mittels Sensoren von sense4boat

bereits zum Standard. Die vom Bordnetz autarken

Sensoren kontrollieren Batterie, Bilge

und Temperatur. Wenn einer der eingestellten

Schwellenwerte über- oder unterschritten

wird, schlägt eine kostenlose App via SMS,

Telefon und E-Mail Alarm. Bestellt werden

kann das System – funktioniert weltweit ohne

Roaming – für Marinas und Yachtservicefirmen

direkt über den Importeur (sense4boat@

knop- instandhaltungstechnik.at) oder für

Eigner über die Website von sense4boat,

mit Promo-Code MK34E sogar verbilligt.

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BRANCHEN-REGATTA. Wer

noch nie etwas vom ISZ CUP

gehört hat, ist wahrscheinlich

kein Installateur. Seit 23 Jahren

organisiert das Installateur

Service Zentrum – eine Gruppe

von Fachmärkten für konzessionierte

Handwerker – alle

zwei Jahre die Regatta. Waren

beim ersten Cup 35 Schiffe am

Start, so nahmen bei den heurigen

Wettfahrten, die vom 25.

bis 29. September in Pula stattfanden,

68 Yachten teil! Organisiert

werden die Schiffe seit

Bestehen des Cups vom Tiroler

Yachtcharter-Spezialisten

Trend Travel & Yachting,

der mit dieser Ausgabe der

Regatta alle Register zog, da

sie wegen Corona dreimal umgebucht

werden musste. Einen

Sieger gab es heuer natürlich

auch wieder: Das Team ISZ

Strasshof gewann die Allgemeinklasse

sowie die Gesamtwertung

– und das sogar

bei seiner Cup-Premiere.

è www.isz-markt.at

è www.trend-travel-yachting.com

Geprüftes Segel-

Handwerk in Pula.


Mehr

Plastik ­

müll durch

Corona

Stolz auf Holz

Laut einer von einem Team

von Wissenschaftlern aus

China im Fachmagazin PNAS

veröffent lichen Studie haben

Masken, Schutzausrüstungen

und andere Abfälle der Covid-

19-Pandemie zu 8,4 Millionen

Tonnen zusätz lichem Plastikmüll

geführt. Zum Vergleich:

Laut dem Umweltprogramm

der Vereinten Nationen (UNEP)

ALTERNATIVYACHT. Zattera, italienisch für

Floß, ist der Name eines sympathischen Projekts,

das derzeit in der Werft Castagnola in

Lavagna realisiert wird. Am Konzept haben

u. a. Stararchitekt Renzo Piano und das Nauta

Studio mit gearbeitet. Rumpf und Aufbauten

der bewusst schlicht gehaltenen, 24 Meter langen

3-Kabinen-Yacht sind aus Holz gefertigt,

das hybride Antriebssystem (Dieselgeneratoren

und zwei 135 kW starke E-Motoren)

stammt von Siemens. Die Yacht wird außerdem

mit Solarpaneelen ausgestattet, die den

Energieverbrauch weiter senken.

è www.castagnolayacht.it

Renzos Floß.

produziert die Menschheit insgesamt

rund 300 Millionen

Tonnen Kunststoffabfälle im

Jahr. Vom von der Pandemie

verursachten Plastikmüll sol-

Schlauer strömen

len mindestens 25.000 Tonnen

von Flüssen in die Ozeane gespült

worden sein. Fast 90

Prozent das Corona-Abfalls

entstand dabei in Krankenhäusern,

insbesondere in

asiatischen Ländern.

è www.pnas.org

YACHTSCHRAUBEN. Die in Mailand ansässige

Propeller-Schmiede Ewol hat sich auf für Segelyachten

konzipierte Drehflügelpropeller spezialisiert.

Neueste Entwicklung sind die Sword-

Blätter, deren Sichelform die Schraube leiser

und effizienter laufen lässt. Bei den aus Edelstahllegierungen

gefertigten Drehflügelmodellen

stellt sich der Propeller unter Segeln automatisch

so ein, dass er kaum Wider ­

stand erzeugt. Während der Motorfahrt

klappen die Blätter in die Höhe

und sorgen für bessere Fahrt. Erhältlich

sind die Ewol-Propeller z. B.

im Onlineshop von Sailtec ab

2.142 Euro.

è www.ewoltech.com

Drehflügelpropeller,

made in Mailand.


Ocean Woman

A guats Weiberleut –

Segeln auf Tirolerisch

Unsere Tiroler lernten wir kurz vor unserer Weltumsegelung kennen. Ijemanja, ihr Wharram-

Katamaran stand wenige Schiffe entfernt von uns auf dem Trockendock der Werft Marina

Stella. Karli, begeisterter Segler seit jeher, rief ein fröhliches „Griaß enk“ von Schiff zu Schiff.

Edith strahlte uns an und lud ohne Umschweife zu Kaffee und Kuchen ein.

FOTO: STEFAN HARING

ALEXANDRA SCHÖLER

ist Weltumseglerin,

Sängerin, Regisseurin,

Buchautorin und seit

2010 Ocean Woman.

kolumne@ocean7.at

Man muss dazusagen, das

Leben in einer Werft ist

hart, staubig, anstrengend

und die Vorbereitungen für eine

Weltumsegelung machen es auch

nicht gerade leichter.

Auf ein Schiff eingeladen zu werden

unter diesen Umständen ist

wirklich selten. Denn niemand

macht das – außer unsere Tiroler.

Wir klopften uns den Staub aus

der Kleidern, wuschen Gesicht und

Hände und kraxelten eine Stunde

später die Leiter rauf ins Cockpit

des Katamarans. Und staunten.

Der Cockpit-Tisch war mit weißem

Tischtuch und blauen Servietten

gedeckt. Blaue Porzellantassen

standen neben weißen Kuchentellern.

Edith stieg gerade aus dem

Niedergang hoch mit einem Tablett

voller köstlicher Nussschnecken.

„Ich hab ein bissl was da gehabt

und schnell was gezaubert!“

Genau so hatte sie auch Karli

verzaubert, denke ich, als die beiden

sich im Teenageralter kennenlernten.

Seine Bemerkung, dass

jemand, der so hübsch ist, sicher

kein Schnitzel backen kann, ließ

Edith nicht auf sich sitzen – und

so ging die Liebe wirklich durch

den Magen.

Edith andererseits wunderte

sich damals in der Werft ziemlich

über mich – wie sie kürzlich zugab.

Diese Seglerin, die tatsächlich

enthusiastisch davon sprach, bald

um die Welt zu segeln. „Ich wusste

nicht, ob ich dich bewundern oder

bedauern soll!“ Für Edith muss

jemand, der so leben will, „durchbeißen“

können, denn das Schönste

am Segeln für sie ist nach all den

Jahren „... das Ankommen!“ Sie

mag Gewitter nicht und dunkle

unruhige Nächte vor Anker, zu viel

Wind und Welle. Dennoch, an der

Seite von Karli war sie all die Jahre

und bis heute dabei. Karli segelt

die langen Strecken mit Freunden.

Entdeckt Griechenland und Albanien

und liebt sein Seebär-Dasein.

Edith kommt nach zum „Buchteln“.

DIE PERFEKTE SEEFRAU

Denn jeder Segeltag ist ein verlorener

Buchttag! Aber sie kann dem

Ganzen auch viele gute Seiten abgewinnen.

„Was ist schöner als ein

Abendessen bei Sonnenuntergang

vor Anker? So einen Luxusurlaub

muss man erst einmal haben – es

wird nie langweilig! Und dann die

Leute, die man trifft, das „Zammhocken“.

Da kommt kein Hotelurlaub

ran – auch wenn es dafür

Stress mit dem Wetter gibt!“

Ich finde, die Tiroler sind wie

viele Fahrtensegler, die wir auf unserer

Reise getroffen haben. Leutselig,

begeisterungsfähig, neugierig,

lustig und unglaublich positiv!

„Das würde dir dann also doch

ge fallen!“, sag ich der Edith. Sie

lacht und schlägt vor, zu dieser besonders

guten Bäckerei in Muzzana

zu fahren, nachdem wir am Markt

in Palazzolo Kaffee getrunken und

Einkäufe erledigt haben. Für mich

ist Edith eine perfekte Seefrau.

Dafür braucht man nicht die Welt

zu umsegeln. Stracchino-Käse mit

Roastbeef und Limette auf Pane

di Grano Duro anzurichten und

die Fähigkeit, überall sein Glück

zu finden, das ist, was man braucht

zum Segeln, egal wie viele Seemeilen

man auf dem Buckel hat.

FOTO: SHUTTERSTOCK

Edith in ihrem Reich auf

einem Wharram-Katamaran

mit Tiroler Spirit und italienisch

angehauchter Küche.

Pane di grano duro mit Stracchino-Käse,

Roastbeef und Limette

Zutaten: Stracchino (italienischer Frischkäse), Roastbeef

(dünn in Scheiben geschnitten), Rucola, Zwiebel in Scheiben,

Limette.

Zubereitung: Das Hartweizenbrot in Scheiben schneiden.

Jede Scheibe mit Stracchino bestreichen, Zwiebelscheiben

darauf verteilen. Rucola und eine Scheibe Roastbeef drauf.

Mit Limettensaft besprenkeln, mit Pfeffer verfeinern.

Buon appetito!

16 1/2022


GlobeSailor kauft Coolsailing

REVIER

Tipps, Trends & Neuheiten

Auf der Bootsmesse Nautic 2021 in Paris gab die weltweit aktive Online-Charteragentur

GlobeSailor offiziell die Übernahme des Mitbewerbers Coolsailing bekannt.

FRANKREICH. Coolsailing – wie

GlobeSailor mit Firmensitz in Paris –

ist seit über 20 Jahren auf dem Markt

etabliert und auf die Vermietung von

Segelbooten und Katamaranen mit

oder ohne Skipper in rund 80 Reisezielen

spezialisiert. Zudem wurden

spezielle Angebote für Firmenseminare

und Wassersportveranstaltungen

im gesamten Mittelmeerraum

entwickelt. 2014 wurde Coolsailing

von der Skiset-Gruppe gekauft, aktuell

ist die Agentur mit über 4.000

Kunden und einem Umsatz von über

zwei Millionen Euro pro Jahr ein beachtlicher

Player auf dem Markt.

Die Skiset-Gruppe will sich nach

der Pandemie wieder auf ihr Kerngeschäft

konzentrieren und trennte sich

daher von Coolsailing, wobei man

den Verkauf an GlobeSailor als beste

Option für das Unternehmen und

die Mitarbeiter bewertete.

GlobeSailor hat sich innerhalb der

letzten zehn Jahre zu einer der führenden

Agenturen in der Bootsvermietung

entwickelt und ist auf Yachtcharter

und Kreuzfahrten mit und

ohne Skipper in mehr als 180 Destinationen

spezialisiert. Mit dieser

Übernahme will das Unternehmen

seinen erfolgreichen Expansionskurs

fortsetzen.

„Trotz oder gerade wegen der

Pandemie stellt die Freizeitschifffahrt

ein attraktives Urlaubsangebot dar –

insbesondere für einen neuen Kundenstamm,

der eine alternative Urlaubsart

ausprobieren möchte“, sagt

Olivier Albahary, Gründer von

GlobeSailor. „Die Leistungen von

Coolsailing und seinem Team aus

Experten, die alle über viele Jahre

Erfahrung in der Branche verfügen,

haben uns von der Qualität der

Agentur und vom Mehrwert dieser

Übernahme überzeugt.“

è www.coolsailing.com

è www.globesailor.de

Coolsailing

gehört ab 2022

zu GlobeSailor.

Marina Punat

AUSGEZEICHNET. Zwei Mal in

den letzten fünf Jahren wurde die

Marina Punat auf der Insel Krk

mit dem Goldenen Anker der

Jutarnji-Liste als „beste kroatische

Marina“ geadelt, 2021 folgte ebenfalls

zum zweiten Mal die Auszeichnung

als „Mein Lieblingshafen“.

Für diese Auszeichnung

besucht die Jury etwa 30 Yachthäfen

und Ankerplätze und befragt

über 1.000 Segler vor Ort. Der

Weg zum Erfolg führt über die

Kombination der Bewertungen der

Fachjury mit den Bewertungen der

befragten Segler – so werden Sieger

gekürt!

è www.marina-punat.hr

Nicht nur die

Stimmen der Jury,

sondern auch die

Gäste zählen!

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Norwegen

Im wilden

Norden

Von entspannten Pottwalen, prächtigen Seeadlern,

sagenhaften Wasserwirbeln und hellen Sommernächten:

mit OceanLife-Törns auf Segel-Expedition durch die

Inselgruppe der Lofoten.

Text WERNER CONRADY | Fotos CLEMENS STECHER

Hey … da, da … auf 2 Uhr!

Seht ihr, was ist das?

Kann das ein Wal sein?“

Wie auf Kommando

schwenken sechs Ferngläser nach

Osten. Und, tatsächlich: Jetzt ist es

ganz klar. Wasser spritzt auf, schon

von weitem ist der weiße Gischtpilz

zu erkennen. Was wir sehen, nennt

sich Blas. Also die nach dem

Tauchvorgang ausgeatmete Atemluft

eines Pottwals, der jetzt seine

mehrere Meter breite Schwanzflosse

senkrecht in die Höhe stellt,

um sie Sekunden später auf die

Wasseroberfläche knallen zu lassen.

Wir schreiben den 3. August

2021 und befinden uns auf einem

OceanLife-Törn rund um die Lofoten

in Norwegen auf 67 ° nördlicher

Breite. Unser Schiff ist die stabile,

komfortable und für hohe Breiten

aus Aluminium gebaute Expeditionsyacht

Polaris, eine Garcia 52.

OceanLife, das sind Clemens

Stecher und seine Frau Barbara

Wirleitner, beide Profisegler und

18 1/2022


ausgebildete Biologen aus Österreich,

die Segeltörns in naturbelassenen

Revieren mit expeditionsähnlichem

Charakter anbieten.

Diese speziellen Törns sollen Mitsegler

nicht nur möglichst nahe an

die marine Fauna – Wale, Delfine,

Robben, Vögel – heranführen,

sondern auch das Wissen um

biologische Zusammenhänge

vertiefen.

Neben Biologie gibt es während

des einwöchigen Törns aber auch

ein zweites Unterrichtsfach. Barbara

ist RYA Yachtmaster Offshore,

Clemens sogar Yachtmaster Instructor,

und beide teilen – wenn gewünscht

– ihre Erfahrung in Navigation,

Revier kunde, Schiffsführung

oder Gezeitenberechnung gerne mit

den Passagieren. Bevor wir auf den

Pottwal gestoßen sind, hat Clemens

zum Beispiel demonstriert, wie

fachgerechtes Ausbaumen mit dem

Spinnakerbaum so funktioniert,

dass zügiges Reffen jederzeit ohne

allzu große Mühe möglich ist.

Ein Ausflug am frühen

Morgen belohnt die

Wanderer mit einem

atemberaubenden

Ausblick über Reine.

1/2022 19


Norwegen

„ Was wir sehen, ist das Blas eines Pottwals, der jetzt

seine mehrere Meter breite Schwanz flosse senkrecht

in die Höhe stellt, um sie Sekunden später auf die

Wasseroberfläche knallen zu lassen.“

Nach der Fahrt über den

Westfjord tauchen die

Lofoten wie eine Wand

aus Stein aus dem

Nordatlantik auf.

Der Pottwal

zeigt seine Fluke.

Selbst die härtesten Felsformationen

werden von Eis

und Wasser rund geschliffen.

Als der Wal in Sicht kommt,

können wir mit dem neu gelernten

Manöver schnell Geschwindigkeit

aus der Polaris nehmen. Der Wal

lässt sich Zeit, kommt sogar näher

und erst etliche Minuten später

taucht er ins tiefe, kalte Dunkel des

Westfjords ab. Wohl auf der Suche

nach Kalmaren …

Mit guten Freunden in der

nordischen Einsamkeit.

Balsam für die Seele.

AUG IN AUG MIT DEM SEEADLER

Unser Ziel für heute sind die südwestlich

gelegenen Archipele der

Lofoten. Die Hauptinsel Røst ist

bekannt als Ausgangspunkt für

Vogelexkursionen zu den berühmten

Felsen von Vedøa. Kaum woanders

auf der Nordhalbkugel ist

die Vogelwelt in dermaßen großer

Dichte und Diversität zu beobachten,

erklärt uns Barbara.

20 1/2022


ÜBER

JAHRE

Die Gelegenheit ist gut: Navigatorisch

durchaus gefordert, kreuzen

wir durch die aus 365 Klein- und

Kleinstinseln bestehende Welt aus

Wasser, Fels, grünen Rasenmatten

und guanoweißen Vogelkolonien

mit Tausenden von Papageientauchern,

Krabbentauchern, Trottellummen

und vielen anderen nordischen

Arten.

Auf Vedøa schlägt dann die Stunde

der Birdwatcher. Ausgerüstet

mit bester Fernoptik werden selbst

feinste Details wahrgenommen.

Highlight ist die Entdeckung eines

Seeadler-Horstes inklusive prächtigem

Jungvogel. Die Ferngläser lassen

uns quasi in die Augen unseres

Wappentieres schauen. Jetzt werden

wir ruhig und etwas ehrfürchtig.

Deswegen sind wir hier: Um die

nordische, archaische Natur hautnah

zu erleben.

gende Mælstrøm. Wir segeln unter

Vollzeug daran vorbei, spüren die

unregelmäßigen Turbulenzen als

Kabbelsee bzw. unerwartete Ausschläge

der Rechtvoraus-Richtung

und genießen gleichzeitig die Aussicht

auf die Lofotenwand, die sich

pittoresk als mehrere hundert Meter

hohe Reihe von Fels zacken aus

dem Wasser des West fjordes erhebt.

Die Segelschläge zwischen den

Inseln gehören natürlich zu den

Highlights des Lofotentörns.

Clemens und Barbara sorgen aber

auch abseits der nautischen Aktivitäten

für Kurzweil. Besonders

in Erinnerung geblieben sind beispielsweise

eine Raderkundungstour

mit Ferngläsern zur Vogelbeobachtung.

Oder die Fahrt in

Reine mit dem Beiboot zu

Anitas Seafood-Res­

Auf Røst im Nord -

westen der Lofoten,

bekannter Ausgangspunkt

für

Vogelexkursionen

zu den Felsen von

Vedøa.

TROMSØ

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SAGENHAFTER MÆLSTRØM

Die Route nach Reine führt uns am

nächsten Tag vorbei an Værøy und

vor allem am sagenumwo benen

Mælstrøm. Die Gezeiten pressen

das Wasser mit enormer Gewalt

zwischen den einzelnen Inseln hindurch,

sodass zum Teil gefährliche

Strudel entstehen.

Der bekannteste davon ist

eben der zwischen Moskenesøy

und Værøy lie­

Lofoten

REINE

MÆLSTRØM

Værøy

Røst

Nordmeer

LEKNES

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Norwegen

„ Die Gezeiten pressen das Wasser mit enormer Gewalt zwischen

den einzelnen Inseln hindurch, sodass zum Teil gefährliche

Strudel entstehen.“

taurant im ewig dauernden Sonnenuntergang,

um dort den weltbesten

Seafoodburger zu

verspeisen. Oder die morgendliche

Yoga-Einheit mit Skipperin Barbara

am Pier, umkreist von Möwen.

MYSTIK UND STILLE

Die zwei bezauberndsten Momente

Exportgut Stockfisch –

vor allem nach Italien,

Spanien und Afrika.

(nach der Walsichtung und Anitas

Seafoodburger) erleben wir nicht

an Bord der Polaris, sondern während

zweier Wanderungen auf den

Inseln.

Die eine führt uns auf etwa 500

Höhenmeter und gewährt uns

einen unvergesslichen Blick auf

den Sonnenaufgang, der um diese

Arkto-alpine Vegetation

knapp über Meereshöhe.

Zeit auf dieser nördlichen Breite

nach einer nie ganz dunklen, drei

Stunden dauernden Nacht um etwa

02:30 MESZ zu beobachten ist und

die Lofoten in märchenhaft-mystisches

Licht taucht. Die unzähligen

von den Gletschern nicht glattgeschliffenen

Inselgipfel ragen in

abenteuerlichsten Formen und

Spitzen in das Orange-Rot des

Morgen himmels.

Bei der anderen Wanderung gelangen

wir entlang der Küste und

einiger Hochmoore an einen weißen,

unberührten Strand voller

Muschelschalen und Korallen.

Ja, auch im Nordmeer gedeihen

Korallen. Selten zwar, aber doch.

Hier ist die Gegend weit und außer

dem Ruf der Möwen, der Brachvögel

und der Küstenseeschwalben

still. So still, dass man die in sich

selbst einkehrende Ruhe ganz bewusst

fühlen kann.


Mit der Polaris, einer Garcia 52,

auf OceanLife-Törn in Norwegen.

Vom Leben (in) der Natur

OceanLife-Törns ist sozusagen die Expeditionsabteilung der MCO-SailingAcademy, die

sich als österreichischer Anbieter der RYA-Segelausbildung mit Basis in Tirol (Theorie)

und im Solent (Praxis) angenommen hat. Mit einer Alu-Expeditionsyacht vom Typ Garcia

Exploration 52 segeln die beiden Yachtmaster Clemens Stecher und Barbara Wirleitner

mit bis zu sechs Passagieren in naturbelassenen und ursprünglichen Revieren, wie z. B. im

Atlantik westlich der Kanaren, aber auch in den Norden, in die Hebriden, nach Spitzbergen

oder eben in die Lofoten. Zielgruppen sind Naturliebhaber, Wissenschaftler, Fotografen

und natürlich Segelenthusiasten. Im Juni 2022 stehen die Hebriden auf dem Programm,

allerdings sind die Törns derzeit ausgebucht. Plätze gibt es hingegen noch für die drei

einwöchigen OceanLife-Törns durch die Lofoten im Juli und August 2022.

è www.mco-sailing.com

Der Sonnenuntergang zieht sich

über Stunden und taucht die Natur

in ein fantastisches Abendlicht.

22 1/2022


Bente in der Mitte

FAMILIENNACHWUCHS. Neues von

der Bente 28. Das Bindeglied zwischen

den aktuellen Modellen Bente

24 und 39 hätte ja ursprünglich schon

2020 Premiere feiern sollen, es folgten

allerdings die Fast-Insolvenz der

Werft und die Firmenübernahme

durch Ultramarin und anschließend

Corona – inzwischen wird ein Start

in der zweiten Jahreshälfte 2022 angepeilt.

Das neue Modell soll sich

zwischen großer und kleiner Schwester

platzieren, also den Wohnkomfort

der 39 haben, ohne auf das

schlicht-sportliche Format der 24

zu verzichten. Es wird eine feste

Nasszelle mit einem WC sowie ein

Druckwassersystem und eine Kochstelle

geben. Die Launch-Edition soll

segelfertig in der Grundausstattung

PANORAMA

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rund 100.000 Euro inkl. USt. kosten.

Geplant sind zwei Motorvarianten:

die klassische Diesel-Einbaumaschine

oder alternativ eine elektrische

Version mit Pod-Antrieb.

è www.segelschule.at/vertrieb/bente-24/

Noch eine Zeichnung,

aber ab 2022 Realität:

die Bente 28.

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ihre Vermittlungsdienste

an. Die Website hat rund

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Das Besondere des Startups: Das

junge Team rund um die Gründer

Lili und Ivo Naydenov arbeitet in

Wien. Die Newcomer wollen bei

ihren Kunden nicht nur mit dem

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Geisterschiffe

24 1/2022


Der

Seit 40 Jahren fotografiert Stefano Benazzo gestrandete Wracks

in den entlegensten Winkeln der Erde. Eine Möglichkeit, um

dafür zu sorgen, dass ihre Besatzungen nicht vergessen werden.

Text BRUNO CIANCI | Fotos STEFANO BENAZZO

Wrackjäger

La Famille Express, Turks- und

Caicosinseln, Aufnahme von 2018.


Geisterschiffe

„ Die Wracks bringen das

zum Vorschein, was in uns

reich, leidenschaftlich und

vielfältig ist …

Er fotografiert Wracks, damit

sie eine letzte Chance bekommen,

sich auszudrücken

– in Bildern, die

das Leben der Seeleute und ihre Erinnerungen

tragen.

„So bleiben ihre Träume lebendig

und existieren weiter (…). Indem ich

den Überresten von Schiffen meine

Aufmerksamkeit schenke, versuche

ich, sie wieder zum Leben zu erwecken

und diejenigen, die auf ihnen

ge segelt sind, wieder zurückzuholen.“

Mit diesen Worten beschreibt

Stefano Benazzo die Natur seiner

größten Leidenschaft, ein Hobby, das

1969 in Lateinamerika spontan geboren

wurde. In Chile und Peru, wo

sein Vater der italienische Botschafter

in Lima war, hatte Stefano die

Gelegenheit, die ersten Wracks am

Strand mit seiner ersten ana logen

Kamera, einer Nikon F, auf Film zu

verewigen.

1974, nachdem er sein Studium

abgeschlossen, seinen Wehrdienst

abgeleistet und zwei öffentliche

Wettbewerbe gewonnen hatte,

entschied sich Stefano Benazzo

für die diplomatische Laufbahn.

Ein Beruf, der sich nicht durch

viel Freizeit auszeichnet.

So kam es, dass Benazzo – zumindest

für eine Weile – den Zeitvertreib

aufgeben musste, der ihm in die

Wiege gelegt worden war, als er sich

zum ersten Mal jenen geheimnisvollen

und halb versunkenen Silhouetten

näherte, die von Seevögeln, Fischen

und den Seelen toter Seeleute

und Passagiere bewohnt wurden:

wirre Massen aus rostigem Eisen,

Guano und verrottendem Holz.

„Die Wracks bringen das zum

Vorschein, was in uns reich, leidenschaftlich

und vielfältig ist“, sagt

Stefano, „aber auch die Sedimentschichten,

die sich in unserem psychischen

Ozean abgelagert und verkrustet

haben. Eine Art zu sagen,

dass Leidenschaften, wenn sie geboren

werden, dies spontan tun; und

obwohl es kompliziert ist, sie auf

eine rationale Weise zu erklären,

verlassen sie uns im Laufe unseres

Lebens nie. Aus diesem Grund wurde

Benazzos Leidenschaft nicht geschmälert,

als er eine diploma tische

Karriere einschlug, sondern eher

„eingefroren“, während er auf bessere

Zeiten wartete.

In der Zwischenzeit konnte er

sich in den Nachtstunden (Stefano

Benazzo hat schon immer wenig ge­

Kaikia, Chios

Island, Griechenland,

Aufnahme von 2018.

schlafen) zwei seiner anderen Leidenschaften

widmen: der Bildhauerei

und den maßstabgetreuen

Modellen von Schiffen, Autos und

architektonischen Konstruktionen.

ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT

Nach 2012, dem Jahr seines Ausscheidens

aus dem diplomatischen

Leben, das in den Positionen des italienischen

Botschafters in Minsk und

Sofia gipfelte, nahm Stefano Benazzo

an Dutzenden von persönlichen und

kollektiven Aus stellungen teil, bei

denen er eine Auswahl seiner Modelle

präsentierte. Am wichtigsten war,

dass Benazzo 2013 endlich wieder

zu seiner ersten Liebe zurückkehren

konnte: der Fotografie.

Wie alle Lieben hat sich auch Stefano

Benazzos Liebe zu gestrandeten

Wracks weiterentwickelt und zu etwas

Höherem und Tieferem erhoben.

Die einzigen Vorteile,

die das Alter mit sich bringt, sind

wahrscheinlich eine größere Menge

an freier Zeit, eine größere Weisheit

und ein größeres Bewusstsein für

das, was uns umgibt; und gerade

Letzteres hat Benazzo erlaubt, die ­

selben Themen aus einer anderen

Perspektive zu betrachten.

26 1/2022


YACHTCHARTER

UND KREUZFAHRTEN

Milagre da Vida, Fischerboot,

Peniche, Portugal, Aufnahme von 2016.

Unser Team ist

für Sie da!

„Mit dem Alter“, sagt Stefano,

„ist ein Bewusstsein für meine persönliche

Schuld gegenüber Seeleuten

aller Altersgruppen und Länder

gereift, und mein tiefer Respekt vor

ihnen. Da es unmöglich ist, Wracks

in Museen auszustellen, von sehr

seltenen Ausnahmen abgesehen,

beschloss ich, sie für künftige Generationen

weiter zu fotografieren.

Ein Ziel, das ich zum Zeitpunkt der

ersten Bilder, die in Lateinamerika

entstanden sind, nicht vor Augen

hatte: Denn wer denkt schon über

Themen wie Tod, Vermächtnis

oder Erinnerung nach, wenn er

erst zwanzig Jahre alt ist?“

KUNST UND WERKZEUGE

Mit seinen

Foto grafien gibt

Stefano Benazzo

Wracks ein

neues Leben.

DES HANDWERKS

Heute wie damals verwendet

Benazzo Materialien von Nikon.

Es handelt sich natürlich nicht mehr

um eine analoge Kamera, sondern

um ein Z7-Modell. „Ich besitze

auch eine alte Hasselblad, aber ich

ver meide es, eine zu empfindliche

Ausrüstung zu benutzen, weil ich

oft unter sehr schwierigen bis extremen

Wetter- und Seebedingungen

fotografieren muss. Manchmal

kommt es vor, dass ich die ausgewählten

Wracks nach langer Fahrt in

einem Schlauchboot oder auf anderen

Booten, oft in rauer See, erreiche.“

Das war der Fall auf der Reise, die

ihn in Begleitung des französischen

Seglers Jérôme Poncet auf der Ketsch

Golden Fleece von den Falkland in ­

seln nach Südgeorgien führte: über

einen Monat lang segelte er, um rund

30 Schiffswracks in einer der unwirtlichsten

Ecken der Welt zu entdecken.

Eine Gegend, die die beiden

Abenteurer mit Windspitzen von

fast 90 Knoten empfing, was selbst

für einen Stahlrumpf viel ist.

Eines der Lieblingsfotos des Künstlers

stammt von dieser Reise: das des

Schleppers Samson, der auf den Falkland-Inseln

Schiffbruch erlitten hat.

Das Foto wurde für das Cover seines

ersten Buches („Wracks/ Relitti“, erschienen

bei Skira, 2017) ausgewählt

und drückt, wie der Autor selbst sagt,

„die ganze Entschlossenheit der Männer

und Schiffe aus, die in ihrer Arbeit

und aus höchstem Pflichtgefühl

unter schrecklichen Bedingungen gefahren

sind.“

Benazzo will nicht eine lebende Enzyklopädie

der auf der ganzen Welt

gestrandeten Wracks werden: „Ich recherchiere

in Lektüren, Reiseberich­

Reste der Fregatte

Amora, Portugal,

Aufnahme von

2016.

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Geisterschiffe

Typische Tonnara-Boote, Tonnara di

Bonagia, Sizilien, Italien, Aufnahme von 2016.

Dimitrios, Baujahr 1950, Griechenland. 1981 in Valtaki,

Laconia, Griechenland, gestrandet. Aufnahme von 2018.

Nave Bayard, Ocean

Harbour, Südgeorgien,

Aufnahme von 2016.

… aber auch die Sedimentschichten, die sich in unserem

psychischen Ozean abgelagert und verkrustet haben.“

ten, Zeugnissen derer, die vor mir

gegangen sind, und natürlich auch

auf Google Earth und im Internet.“

Seine Forschungen führten ihn ins

südliche und westliche Afrika, aber

auch in die Karibik und nach Europa

– dem Kontinent, der für ihn,

zumindest aus logistischer Sicht,

leichter zu erforschen war, wenn

auch mit einigen Ausnahmen.

In Island reiste Stefano Benazzo

zehn Tage lang in der Einsamkeit

über Land, mit einem Schlafsack

und einem gemieteten Auto als

Schlafplatz und Unterkunft. In

Griechenland war er 2018 insgesamt

dreimal, um auf die vielen

Arbeitsboote aufmerksam zu machen,

die jedes Jahr auf dem Altar

des „Fortschritts“ zerstört und geopfert

werden – oft zermalmt von

Bulldozern und Planierraupen.

KRIEGSGEFANGENE,

GEFANGENE DES COVID

Auch Covid-19 konnte den Geist

von Stefano Benazzo nicht bändigen,

obwohl die Pandemie seine

Existenz stark beeinträchtigt hat.

„Da ich nicht reisen konnte“,

so der Künstler, „habe ich 2020

vier Modelle von Kirchen gebaut,

die ich zusammen mit vierzehn

anderen Werken in der renommierten

Accademia delle Arti

del Disegno in Florenz ausstelle.

Darunter wird auch mein neues

maßstabgetreues Modell der italienischen

Kapelle sein, die von ita lie ­

nischen Kriegsgefangenen während

des Zweiten Weltkriegs auf den

Orkney-Inseln in Schottland gebaut

wurde. Architektonisch ist

die Kirche nicht von besonderem

Interesse, aber aus emotionaler

Sicht hat die Kirche einen immensen

Wert für mich, besonders in

Zeiten von Covid. Die Widerstandsfähigkeit

dieser Sol daten,

die die Kraft fanden zu reagieren,

ohne Kontakt zur Außenwelt und

ohne zu wissen, was die Zukunft

bringen würde, ließ mich an den

Zustand derer denken, die heute

mit der Pandemie leben. Deshalb

entschied ich mich, die italienische

Kapelle in der Ausstellung neben

Projekten von Leon Battista Alberti,

Bramante und Bernini zu zeigen.“

Was die Wracks betrifft, so wird

die Produktion neuer Fotos auf

bessere Zeiten verschoben, aber

Forschung und Ausstellungen gehen

weiter. 2021 wurde im Maritime

Museum von Vancouver eine

persönliche Fotoausstellung von

Benazzo mit dem Titel „Silent

Witness“ gezeigt. Die Pandemie

hat ihn daran gehindert, bei der

Eröffnung auf dem amerikanischen

Kontinent selbst dabei zu sein. Das

sehr zum Leidwesen des Künstlers,

wurden in Oregon doch vor kurzem

erst die Überreste des 1908 bei

Rockaway Beach gesunkenen Dreimasters

Emily G. Reed gefunden.

Eine weitere Aufnahme, um

noch ein Stück Geschichte der Seefahrt

für die

Nachwelt zu sichern.

Denn die

Erinnerungen an

Schiffe und

Crews am Leben

zu erhalten, ist

dem heute

72-jährigen

Wrackjäger Stefano

Benazzo nicht

nur ein Anliegen,

sondern Pflicht.

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Benazzos Buch „Relitti/Wracks“

ist z. B. über Amazon in englischer

Sprache erhältlich.

28 1/2022


Alles was Recht ist

Was geschah mit der Jess?

Leider kommt es immer wieder vor, dass Schiffe gestohlen werden. So auch die Charteryacht Jess im Oktober in

Kroatien, wie uns als Versicherer der Yacht gemeldet wurde. Zwar folgte auf unseren virtuellen Steckbrief rasch

eine heiße Spur, doch kurz vor Redaktionsschluss verhängten die ermittelnden Behörden einen Informationsstopp.

Sergej (Name geändert) hatte

schon früher mehrmals in

Kroatien und Montenegro

gebucht und war somit bei der

Charteragentur kein Unbekannter.

Er buchte für sich und zwei Familien,

die mit ihm als Skipper den

Charterurlaub verbringen wollten.

Nach der Buchung kam noch die

Anfrage, ob es ein Problem sei, ein

Baby mitzunehmen. Kein Problem.

Vor Antritt des Törns bekam der

Vercharterer dann die Nachricht,

dass aufgrund der Erkrankung des

Babys die Mutter und die zweite

Dame nicht kommen könnten.

Auch o.k. So erschien nun die

Gruppe bestehend aus zwei Herren

und dem ukrainischen Skipper,

checkte ein und lief während der

Nacht aus. So weit alles in Ordnung.

Problematisch wurde es, als das

Schiff nicht zum vereinbarten Zeitpunkt

am 7. Oktober zurückkehrte.

Diebstahl? Umgehend wurden

Yacht-Pool als Versicherer des

Schiffes und die Polizei informiert.

Adresse und Telefonnummer des

Skippers waren dem Vercharterer

bekannt, wir ließen umgehend über

unsere russischen Freunde die

Num mer anrufen. Es meldete sich

tatsächlich Sergej, der gebucht hatte,

und erzählte, dass er von einem ihm

unbekannten Mann gefragt wurde,

ob er mit seiner und einer befreundeten

Familie bereit wäre, einen

Charterurlaub als bezahlter Skipper

zu verbringen. Sergej wollte sich mit

ihnen in einem Hotel treffen. Als er

aber keine Nachricht mehr bekam,

flog er nach Hause in die Ukraine.

Alles Lug und Trug, denn Videoaufnahmen

zeigten, dass der Skipper

und seine russischen Freunde

gemeinsam eingecheckt hatten.

BEWAFFNETTE KRIMINELLE?

Am 10. Oktober informierten wir

unverzüglich etwa 50.000 unserer

Kunden, über den Blog „Unter Segeln“

und dessen soziales Netzwerk

weitere 49.000 Yachties. Tatsächlich:

Einer unserer Kunden war unterwegs

von Kroatien Richtung Montenegro

und wurde am 12. Oktober

von einem seiner Freunde über

unsere Suchaktion informiert.

Das passte ziemlich genau zu den

Beobachtungen, die er gemacht hatte.

Denn er hatte sich schon zwei

Tage davor gewundert über ein

Schiff, das bei herrlichem Segelwind

unter Motor Richtung Süden fuhr.

Noch mehr erstaunte ihn, als das

Schiff bei einbrechender Dunkelheit

in einer verbotenen Bucht ankerte.

Ein Notfall? Per Funk bot er Hilfe

an. Die Antwort: „No Problem, no

Problem, keep away, keep away!“,

FRIEDRICH SCHÖCHL

ist Skipper, Erfinder

der Skipper-Haftpflichtversicherung

und Gründer der Versicherungsgesellschaft

Yacht-Pool.

kolumne@ocean7.at

Die Charteryacht Jess,

eine Dufour 56, Baujahr

2019, verschwand am

7. Oktober spurlos.

FOTO: GERNOT WEILER

mit stark russischem Akzent. Er

fand es eigenartig, dass bereits in

montenegrinischen Gewässern vor

dem Einklarieren geankert wurde,

fuhr jedoch weiter und klarierte

am nächsten Tag in Kotor ein.

Die Marineros in der Marina

verneinten, dass ein Schiff dieser

Größenordnung mit wahrscheinlich

russischer Besatzung letzte Nacht

einklariert hätte. Ein Deutscher

Nachbarlieger aber erzählte ihm:

„In der Nacht kam eine 56 Dufour,

lag zwei Plätze neben mir. Die wohl

russische Crew meinte, dass sie um

5 Uhr morgens weiter nach Griechenland

segeln wollten.“

Aufgrund dieser Meldung verständigten

wir umgehend die kroatische,

montenegrinische und italienische

Polizei. Die Angaben waren

für sie ausreichend, um eine Position

der Jess zu ermitteln.

Am 14. Oktober wurden wir

angewiesen, keine Informationen

mehr weiterzugeben, da nicht auszuschließen

war, dass die Diebe bewaffnet

sind. Selbst die Polizei verzichtete

auf einen Zugriff, da es sich

möglicherweise um mehr handeln

könnte als um einen Yachtdiebstahl.

Bis Redaktionsschluss blieb alles

unter Verschluss. Wie es weiterging,

hoffen wir daher in der nächsten

Ausgabe berichten zu können.

1/2022 29


Im Land der

Indonesien/Nusa Tenggara

FOTO: SHUTTERSTOCK

30 1/2022


Drachen

Der indonesische Teil der Kleinen Sundainseln steckt voller

illustrer Lebewesen. Ob mürrische Hafenkapitäne, diebische

Brunnenwärter oder giftige Riesenechsen: Jedes Eiland hat

mindestens eine Überraschung für jeden Segler parat.

Text und Fotos WOLFGANG HAUSNER

Nusa Tenggara ist eine

Kette von Inseln, die

sich von Bali aus nach

dem Osten erstreckt –

und diese wollen wir erkunden.

Lombok ist die erste davon. Das

Ausklarieren in Bali war eine

ziemliche Prozedur, aber notwendig,

wie sich bald herausstellen

sollte. Gleich nach unserer

Ankunft wurden wir von

Hermanto, dem Hafenkapitän

für diesen Küstenabschnitt, besucht.

Während er umständlich

die Papiere überprüfte, erzählte

er uns gleich von einer Yacht,

die er an die Kette legte, weil sie

nicht ordnungsgemäß in Benoa

ausklariert hatte. Mit Taboo III

hatte er kein Glück, alle Dokumente

waren in Ordnung.

Mir kam seine Geschichte

etwas übertrieben vor, aber nur

zwei Tage später konnte er erneut

zuschlagen, als ein spanisches

Schiff kein C.A.I.T. besaß.

Dieses wichtige Stück Papier, abgestempelt

von vier Ministerien,

kostet über einen Agenten in

Jakarta um die 250 Dollar und

ist ab einem genau festgesetzten

Datum für drei Monate gültig.

Dieses hatten wir natürlich, aber

gleich für einen Aufenthalt von

sechs Monaten, was auch möglich,

aber nicht ganz so einfach

gewesen war.

Trotzdem ist es notwendig,

jeden Monat zu einem Immigration

Office zu pilgern, um unsere

Visa aufs Neue verlängern zu

lassen. Noch nie zuvor musste

ich für den Besuch eines Landes

so viel im Voraus und auch während

des Aufenthaltes planen.

1/2022 31


Indonesien/Nusa Tenggara

Traditionelle Fischerboote

am Strand von Lombok.

„ Die Dürre auf Lombok betraf auch uns,

in den letzten Wochen war kein einziger

Tropfen Regen gefallen.“

Komodowarane,

giftige Riesenechsen.

BANDITEN AM BRUNNEN

Während auf Bali die hohen Berge

für einen ständigen Regenfall sorgen,

beginnt sich in Lombok dieses

Bild zu ändern. Der Westen der

Insel ist noch grün, aber im Süden

säumen bereits braungebrannte

Hügel die vom Indischen Ozean

umspülten malerischen Buchten

und Strände ein. Je weiter wir später

in Nusa Tenggara nach dem Osten

vorstießen, desto trockener sollte

es werden.

Die allgemeine Dürre betraf auch

uns. Normalerweise hatten wir mit

dem aufgefangenen Regenwasser

mehr als genug, aber in den letzten

Wochen war kein einziger Tropfen

gefallen. In der Kombal-Bucht fanden

wir einen Brunnen, aber die

jungen Burschen dort wollten eine

Riesensumme, um die zehn Kanister

zu füllen.

Ich verzichtete auf das lachhafte

Angebot und fand ein paar Meilen

weiter freundliche Leute, die die

Behälter für eine angemessene

Bezahlung aus ihrem Brunnen

füllten. Danach sagten sie mir,

ich könnte mir selbst noch Wasser

holen, so viel ich wollte.

FRESSEN DIE AUCH

MENSCHEN?

An den steilen Hügeln und tiefen

Buchten von Sumbawa vorbei segelten

wir zu den Lagunen der flachen

Paternoster-Inseln in der Floressee.

Wie üblich in neuen Revieren, überprüften

wir die Riffe auf interessante

Schnecken und Muscheln. Nach

ihren Erfolgserlebnissen in Papua-

Neuguinea war Vaitea mit vollem

Eifer dabei und nicht zu bremsen.

Die Inseln selbst waren spärlich

besiedelt, nur ab und zu sahen wir

Paternoster-

Inseln

ein kleines Fischerboot. Bei Sonnenuntergang

erschien der Gipfel

des Agung-Vulkans auf Bali wie

eine in der Luft schwebende Fata

Morgana über dem Meer, immerhin

120 Seemeilen entfernt.

Danach segelten wir wieder südwärts,

um die Riesenechsen auf den

Komodo-Inseln zu sehen. Die erste

und auch interessanteste Begegnung

mit den sogenannten „Komodo

Dragons“ fand auf der Nordseite der

Insel Komodo statt. Vaitea und ich

kletterten einen kahlen Hügel hoch,

umrundeten einen riesigen Felsbrocken

und stolperten fast über

zwei dieser Tiere, die aber so schnell

flüchteten, dass es nur so staubte.

Eines war um die drei Meter lang,

das andere bedeutend kleiner.

Offensichtlich hatten wir die

Warane beim Sonnenbaden gestört,

noch dazu vor ihrer eigenen Haustür,

denn auf der anderen Seite des

Felsens befand sich ein ausgetretenes

Loch, der Eingang zu einer

WOLFGANG HAUSNER

ist Weltumsegler,

Schriftsteller und

ocean7-Autor. Derzeit

weilt er mit seiner

Taboo III, einem

18-Meter-Katamaran,

auf den Philippinen

und bietet individuelle

Mitsegel gelegenheiten

an.

wolfgang-hausner.com

Bali

Floressee

Moyo

119° 29’ E

Lombok

Komodo

Sumbawa

Rinca

8° 35’ S


Yachtcharter – Yachtverkauf

Batu Payung: der

„Regenschirm“-

Felsen von Lombok.

Traumhafte

Segeltörns

Mittelmeer – Fernreisen

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unsere Stärke

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Ihr Vorteil ist

unsere Erfahrung –

seit 35 Jahren!

Die Höhle

der Drachen.

Vaitea auf

Drachenjagd.

FOTOS: WOLFGANG HAUSNER (2), SHUTTERSTOCK (4)

Höhle. Zu sehen war nichts, nur

dumpfe Geräusche klangen aus

der Tiefe empor.

„Papi, fressen die auch Menschen?“,

fragte Vaitea, die mich jetzt etwas

fester an der Hand hielt. Daran hatte

ich gar nicht gedacht, aber für sie war

diese Überlegung vielleicht naheliegender,

da so ein Tier ja locker doppelt

so groß wie Vaitea ist. „Uns bestimmt

nicht, du hast ja gesehen, wie

die verschreckt waren und blitzartig

abgehauen sind“, versicherte ich ihr.

„Aber da kletterst du nicht rein,

Papi“, Vaitea deutete auf das große

Loch unter dem Felsen. „Keine Sorge,

so verrückt bin ich nicht.“

Soweit bekannt ist, ernähren sich

Komodowarane hauptsächlich von

Wild. Wir hatten schon öfter Rehe

auf den Berghängen bemerkt und

selbst welche aufgestöbert. Auch

schwarze Wildschweine beobachteten

wir, die täglich im Morgengrauen in

dem fast ausgetrockneten Flussbett

herumwühlten und auch den Strand

abtrabten auf der Suche nach etwas

Fressbaren.

FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR

Nach einigen Tagen besuchten wir

das Hauptquartier des Komodo

National Parks auf der anderen Seite

der Insel. Loh Liang liegt am Ende

einer großen Bucht und besteht aus

einem Verwaltungsgebäude sowie

Unterkünften für Touristen.

Bei unserem Antrittsbesuch wurden

wir gleich darauf aufmerksam

gemacht, dass ein Schweizer den

fresswütigen Echsen zum Opfer gefallen

war, außer seinem Fotoapparat

und einem abgelegten Kleidungsstück

wurde nichts mehr von ihm

gefunden. Schrecklich, auch wenn

sich diese blutige Tragödie schon vor

mehr als 20 Jahren ereignet hatte.

Aber dafür jagt sie sicherlich noch

immer vielen Touristen einen kalten

Schauer über den Rücken.

Dann wurde uns nahegelegt, nicht

ohne Begleitung eines Parkführers in

Bandasee

Kroatien:

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1/2022 33

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Indonesien/Nusa Tenggara

der Gegend herumzulaufen, denn für

eine so grobe Fahrlässigkeit wären

wir nicht versichert.

„Wir sind versichert?“, fragte ich,

„Wie kommt das?“„Ganz einfach“,

sagte der gute Mann, „das ist bei

jedem Parkbesuch inbegriffen und

eine ganze Woche lang gültig.“

Die Gebühren? 6.000 Rupien Eintritt,

somit also 2.000 pro Person,

2.000 Rupien für die Benutzung des

Außenborders, 2.000 Rupien für

die Benutzung der Schiffsmaschine,

3.000 Rupien für die Echsenbesichtigung

mit Führer und 600 Rupien

für die Versicherung.

Was insgesamt 13.600 Rupien ausmachte

und sehr viel teurer klang,

als es tatsächlich war – nämlich

kaum mehr als sechs Dollar. Was

würden die Verbliebenen wohl im

Todesfall ausbezahlt bekommen,

wenn die Prämie für eine dreiköpfige

Familie nur einen Vierteldollar

beträgt? Vielleicht die gewaltige

Summe von einer Viertelmillion

Rupien (= 112 Dollar).

RANGER JOHN’S DRACHEN

Auf dem Weg zum Pier lief uns eine

mittelgroße Echse entgegen. Wobei

„laufen“ sicherlich übertrieben war,

denn sie hätte sich nicht langsamer

fortbewegen können. Als das Reptil

uns sah, machte es eine vorsichtige

Kursänderung und torkelte im Zeitlupentempo

davon. Hier handelte

es sich eindeutig um ein Haustier.

„ Wahrscheinlich waren die Warane ent täuscht,

weil wir keine Ziege mitgebracht hatten.“

Am Strand sahen wir ein Wildschwein,

das sich zügiger entfernte.

Etwas weiter von der Station entfernt

bewegten sich die Reptilien

doch flotter. Als wir eines aufstöberten,

warf es sich sofort unter

ein Dickicht und beäugte uns argwöhnisch.

Ranger John begleitete uns am

nächsten Vormittag nach Banu

Nggulung, einem ausgetrockneten

Flussbett, in dem es immer „Drachen“

zu sehen gibt, wie er uns versicherte.

Das stimmte zwar, nur

handelte es sich um ein Dutzend

der lethargischen Sorte, die reglos

im Staub herumlagen. Ich war froh,

mit Vaitea die beiden Echsen in der

freien Wildbahn gesehen zu haben.

Das Duo war prall gewesen, hatte

eine glänzende Schuppenhaut und

bewegte sich lebhaft. Die faltigen

Tiere hier machten einen abgeschlafften

Eindruck und reagierten

auch nicht, als John sie mit seinem

gegabelten Stecken anstupste.

Panoramablick auf

die Insel Padar im

Nationalpark Komodo.

Heute zieren zwei Komodowarane

den Eingang.

Touristin am Pink Beach von Komodo.

Hirsche fressen die Rieseneidechsen

besonders gern.

Die Taboo III vor der Insel Komodo.

GEWALT, GIFT UND BAKTERIEN

Wahrscheinlich waren sie enttäuscht,

weil wir keine Ziege mitgebracht

hatten, wie das manchmal

bei anderen Gruppen der Fall ist.

„Dann werden sie aktiv“, erzählte

John. „Auch tote Echsen werden

von ihren Artgenossen restlos aufgefressen.

Nur bei den Hirschen

bleibt das Geweih übrig“, erklärte er.

Wie kommen diese trägen Reptilien

überhaupt an einen flinken

Hirsch? Mit List und Tücke. Noch

vor dem Morgengrauen liegen sie

neben einem Wildwechsel auf der

Lauer und brechen ihren Opfern

mit einem gewaltigen Schwanzhieb

ein oder mehrere Beine. Auch ein

einziger Biss genügt, um ihre Beute

mit Gift und Bakterien zur Strecke

zu bringen. Die Tiere verenden

qualvoll, ehe sie verspeist werden.

Zugegeben, die Riesenechsen der

Komodo-Insel waren zwar einmalig,

aber unser Bedarf an Reptilien

war bis auf weiteres gedeckt. Jetzt

war es wieder an der Zeit, in neue

Reviere aufzubrechen.


FOTOS: WOLFGANG HAUSNER (1), SHUTTERSTOCK (4)

34 1/2022


Mal Meer, mal weniger

BÜCHERSCHAPP

Tipps, Trends & Neuheiten

WILDE KÜSTE. Die Weite des Meers, die

Schwere des Schlicks, die Farbenvielfalt

am Himmel, der Geruch feuchter Frische,

der Geschmack von Salz und das Möwenkreischen

in den Ohren: Was immer die

menschlichen Sinne am Wattenmeer der

Nordsee wahrnehmen können, versucht

der sehr gelungene Bildband „Wunderwelt

Wattenmeer“ auf seinen zahlreichen Fotos

einzufangen. Eine pittoreske Exkursion in

eine beeindruckende Landschaft zwischen

Land und Meer.

Martin Stock/Tim Schröder: Wunderwelt

Wattenmeer – Das Weltnaturerbe neu entdecken.

De lius Klasing, 160 Seiten, € 20,–.

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Die Schären queren

ERZÄHLUNGEN. Volter Kilpi (1874–

1939) gilt als einer der bedeutendsten

finnischen Schriftsteller der Moderne

und wird gerade im deutschen

Sprachraum durch Neuübersetzungen

wie derentdeckt. Schauplatz seiner

Roma ne und Erzählungen ist

das finnische Schärenmeer, so auch

in dem Band „Der Wanderer auf

dem Eis“, der drei Erzählungen enthält,

die ein hochatmosphärisches

Bild dieser besonderen Insellandschaft

zeichnen.

Der Wanderer auf dem Eis. Mare

Verlag, 256 Seiten, € 20,–.

è www.mare.de

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und Segelboote

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Seegraswiesen und

Muschelbänke - wo

sind sie geblieben?

Die Nordadria ist das Hausmeer der Österreicher. Meine eigenen Erfahrungen sind wahrscheinlich

stellvertretend für viele Landsleute, die das Meer im Lauf ihres Lebens entdeckten und lieben lernten.

Italiens Sandstrände und die Felsküsten Kroatiens standen am Beginn. Als Kind lernte man dort

schnorcheln und erkundete die aufregende Unterwasserlandschaft mit ihren geheimnisvollen Bewohnern.

Jeder Rote Seestern wurde als sensationeller Fund gefeiert, mit letztem Einsatz hochgetaucht und leider

manchmal auch getrocknet. Das stinkende Exponat verlor rasch die Farbe und führte zur Erkenntnis,

dass man die Tiere in ihrem Lebensraum belassen muss.

Text REINHARD KIKINGER

FOTOS: SHUTTERSTOCK (3)

36 1/2022


Posidonia gedeiht am besten in sauberem, lichtdurchflutetem

Wasser und kommt auf Sedimentböden von 1 bis etwa 35 Meter,

in besonders klarem Wasser sogar bis 50 Meter Tiefe vor.

Der braune Teil ist das Rhizom, eine meist waagrechte Sprossachse, die

mit Wurzeln im Sediment verankert ist. Aus den darüber liegenden Blattscheiden

werden die grünen Blätter wie ein Förderband hervorgeschoben.

Das Seegras Posidonia oceanica, auch Neptunsgras

genannt, vereint in seinen Namen die Meeresgötter der

griechischen und römischen Mythologie. Leider nützt ihm

diese Verbindung zu höheren Mächten nichts, die Bestände

gehen in der Nordadria seit Jahren zurück.

Die dalmatinische Felsküste

wurde touristisch erschlossen,

Griechenland und die

Türkei waren die nächsten

Ziele, und schließlich kamen sogar

exotische Destinationen in tropischen

Meeren in Reichweite. Mit

der Artenfülle von Korallenriffen,

Mangrovenwäldern und indopazifischen

Inseln konnte die Nordadria

nicht mithalten. Doch in Erinnerung

blieben Seegras wiesen, Algenwälder,

interessante Fischarten und

eine reiche Fauna der Felsküsten.

Bei wiederholten Besuchen der

Nordadria verfestigte sich jedoch

der Eindruck, dass hier die Unterwasserwelt

immer mehr verarmt.

Subjektive Täuschung? Es besteht

immer die Gefahr, dass in der Erinnerung

alte Erfahrungen schöner

gespeichert sind, als sie tatsächlich

waren. Persönlich ist es schwierig zu

beurteilen, ob die Unterwasserwelt,

die man vor Jahrzehnten in der

Nordadria vorfand, wirklich gesünder

und artenreicher war, als sie es

heute ist. Objektive Antworten auf

diese Fragen können nur wissenschaftliche

Untersuchungen geben.

Die Ergebnisse eines aktuellen Forschungsprojektes

wurden kürzlich

von einem Team der Universität

Wien präsentiert. Die Kernaussage

der Studie bestätigt die persönliche

Beobachtung, dass die Nordadria

komplette Ökosysteme verliert.

MEERESBÖDEN IN

DER NORDADRIA

Die Studie untersuchte an acht Stationen

nordadriatische Meeresböden

in Kroatien, Slowenien und Italien,

um herauszufinden, ob sich die

Lebensgemeinschaften auf diesen

Sand- und Schlammböden in den

1/2022 37


Arme Nordadria

Die Rhizome sind vieljährig und können dadurch

riffähnliche Strukturen aufbauen. Ihr reichhaltiges

Lückenraumsystem bietet einer vielfältigen

Meeresfauna geeignete Lebensräume.

Im Lauf einer Saison werden die Posidonia-Blätter zunehmend von Algen besiedelt. Diese

Epiphyten wird Posidonia wieder los, indem sie ihre Blätter abwirft und neues Blattmaterial

bildet. Die abgeworfenen Blätter werden von Strömungen und Wellen an manchen Küstenabschnitten

an Land geworfen, wo sie zu imposanten Wällen aufgetürmt werden.

„ Posidonia-Wiesen sind Kinderstube für zahlre

Fülle von Evertebraten. Auch Meeresschildkrö

Gehen die Wiesen verloren, dann verschwinde

Diese filzigen Kugeln

werden oft an Stränden

gefunden. Sie bestehen

aus Rhizomfasern der

Posidonia. Wellengang

hat die Fasern

zu Kugeln geformt und

schließlich an Land

geworfen. Sie werden

auch Meerbälle oder

Seebälle genannt.

letzten Jahrhunderten änderten

und wenn ja, in welche Richtung.

Wie kann diese Fragestellung über

einen Zeitraum von Jahrhunderten

methodisch und aussagekräftig

untersucht werden?

Dazu wurde ein natürliches

Archiv an Zeitzeugen ausgehoben,

nämlich Muschel- und Schneckenschalen,

die in den Böden als vergrabene

Relikte überdauerten. Diese

alten Totgemeinschaften sind Indizien

für die Lebensgemeinschaften

der damaligen Zeit. Der Vergleich

mit den heute an diesen Stationen

lebenden Muschel- und Schneckenarten

führte zu eindeu tigen Ergebnissen.

ARCHIV AM MEERESGRUND

Um von den alten Molluskenschalen

auf die ehemaligen Lebensräume

schließen zu können, waren

genaue Artbestimmungen erforderlich.

Es wurden hunderte Schalen

untersucht. Sobald die Arten bestimmt

waren, konnte durch ihre

bekannten Lebensraumansprüche

auf die damaligen Ökosysteme

geschlossen werden.

Um die Zeitspannen der Totgemeinschaften

zu erfassen, wurden

etwa 2.000 Schalen altersdatiert.

Diese rekonstruierten Daten wurden

mit den gegenwärtigen Tiergemeinschaften

verglichen und

zeigen den dramatischen Niedergang

dieses Lebensraums und den

Verlust seiner Artenvielfalt.

FOTOS: R. KIKINGER (1), SHUTTERSTOCK (4)

38 1/2022


iche Fischarten und Lebensraum für eine

ten halten sich gerne in Seegraswiesen auf.

n auch viele ihrer Bewohner.“

EINDEUTIGER TREND

In den letzten Jahrhunderten

wurden Arten, welche auf der

Oberfläche der Sedimentböden

leben, seltener. An Stelle

dieser reichhaltigen Epifauna

dominieren nun im Sand vergrabene

Arten, opportunistische

Kleinpartikel- und

Planktonfresser. Die einst

unterschiedlichen Gebiete

der Nordadria mit Seegraswiesen,

Muschelbänken und

den sie bewohnenden Lebensgemeinschaften

wurden

zunehmend durch eintönige

Sedimentflächen ersetzt.

Die Gründe dafür sind

vielfältig. Die Überdüngung

durch Abwässer ging in den

letzten Jahrzehnten durch

neue Kläranlagen zwar zurück,

aber andere anthropogene

Einflüsse belasten das

System nach wie vor. Katastrophal

wirkt sich die Bodenschleppnetzfischerei

aus, die

devastierte Meeresböden

hinterlässt.

Hinzu kommt der Klimawandel,

der mit steigenden

Wassertemperaturen die Bildung

von Meeresschleim

fördert und durch Sauerstoffkrisen

zum Massensterben

der Bodenorganismen führen

kann.

SCHLEICHENDE

VERÄNDERUNG

VERSUS KIPPPUNKT

Die Studie der Wiener Paläontologen

belegt eindrücklich

den ökologischen Wandel der

Nordadria während der letzten

Jahrhunderte. Unsere

persönlichen Beobachtungen

erstrecken sich bestenfalls

über einige Jahrzehnte, werden

durch den langfristigen

Trend aber bestätigt. Allerdings

nehmen wir langsame

Veränderungen nicht immer

wahr oder wir verdrängen

sie, wenn wir sie nicht wahrhaben

wollen.

Nicht mehr zu übersehen

sind dann die Folgen, wenn

Ökosysteme kippen. Im Sommer

2021 waren die Schleimplage

im türkischen Marmarameer

oder das Massensterben

im spanischen Mar

Menor, wo tonnenweise erstickte

Fische angeschwemmt

wurden, traurige Beispiele.

Nicht nur Seegraswiesen, auch die Bestände der

größten Muschel des Mittelmeeres, der Großen Steckmuschel

Pinna nobilis, brechen ein. Die komplexen

Ursachen des Pinna-Sterbens sind noch unbekannt,

möglicherweise ist eine Virusinfektion Mitverursacher.

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Quellen:

https://doi.org/10.3354/meps13759

https://science.orf.at/stories/3208004

https://www.sueddeutsche.de/wissen/umweltkatastrophefischsterben-mar-menor-salzwasserlaguneseepferdchen-1.5399148

Muschel-/Schneckenschalen

bleiben lange

erhalten und ermöglichen

Rückschlüsse

auf den Lebensraum,

den die jeweiligen

Arten besiedelten.

Wo sind sie geblieben? Algenwälder, Fische,

Krebse und all die anderen Bewohner des

Felslitorals fehlen an diesem von Seeigeln

kahl gefressenen Küstenabhang.

Die Schwerelosigkeit

ist zwar angenehm, der

Anblick dieser trostlos

leeren Landschaft ist

aber bedrückend.

Die Fotos von den Schleimschichten an der Oberfläche des

Marmarameeres gingen im Sommer 2021 durch die Presse.

Hier ist es nicht mehr möglich, eine Umweltkatastrophe zu

negieren. Die Versuche, den Meeresschleim einzusammeln,

waren vergeblich. Dieser Schlick sank in die Tiefe und legte

sich dort als Leichentuch über alles Leben.

UNTERSCHIEDLICHE

BEURTEILUNGSKRITERIEN

Wolkenloser Himmel, blaues Meer,

malerische Sonnenuntergänge, angenehme

Temperaturen, die Zikaden

zirpen, Quartier und mediterrane

Kost sind perfekt. Der Urlaub

am Meer ist wunderbar! Leergefischtes

Meer, jede Menge Müll

unter Wasser, von Seeigeln kahlgefressenes

Sublitoral, verschwundene

Seegraswiesen und fehlende Braunalgenwälder.

Der Urlaub am selben

Ort kann erschreckend sein, wenn

der Zustand der Unterwasserwelt

beurteilt wird.

Ortswechsel. Graue Riffhaie ziehen

den Korallenpfeiler entlang,

in der Ferne schweben zwei Adlerrochen

vorüber, ein großer Napoleonfisch

lässt sich von den Tauchern

fotografieren. Der Tauchplatz ist

fantastisch! Drei Safariboote sind

hier, ein Taucher hängt neben dem

anderen an der Riffkante, ihre Flossen

zerbröseln die letzten Korallen,

ein Tauchlehrer lockt den Napoleon

mit Futter vor die Kameraobjektive.

Ein zu Tode betauchter Platz, auf

dem die Baumeister des Thilas,

einstmals prächtige Korallen, zerstört

sind.

In beiden Beispielen fallen die

Beurteilungen derselben Destinationen

durch unterschiedliche Personen

sehr unterschiedlich aus.

Das vordergründig Spektakuläre

überdeckt meist das feine Netz ökologischer

Zusammenhänge. Es liegt

wie so oft im Auge des Betrachters.

Subjektives Empfinden und der

ökologische Systemzustand sind

leider selten deckungsgleich.

„ Das Meer war herrlich – ich höre das oft. Diese Beur teilung

stützt sich fast immer auf die Verpackung, die Atmo sphäre,

die Oberfläche. Der Inhalt, nämlich der oft erbärmliche

Zustand der marinen Ökosysteme, bleibt im Verborgenen.“

Reinhard Kikinger, Meeresbiologe, langjähriger Kursleiter an der Uni Wien, an Feldstationen im Mittelmeer und auf den Malediven.

FOTOS: REINHARD. KIKINGER (1), LILLY KIKINGER (2), SHUTTERSTOCK (2)

40 1/2022


Regenerativ gewassert

STAPELLAUF. Mit der LBV35 hätte

heuer das erste in Serie produzierte

vollständig recycelbare Freizeitschiff

auf den Markt kommen sollen. So

ganz konnte der ambitionierte Fahrplan

nicht eingehalten werden, aber

immerhin: Modellnummer 1 des

solar-elektrischen und mit Segeln

fahrbaren Katamarans konnte am

10. November gewassert werden.

Nun stehen umfangreiche Trials

mit Motorantrieb und unter Segel auf

dem Programm. Die LBV35 entsteht

in Zusammenarbeit von La Bella

Verde (LBV) und Innovation

Yachts, dem Projekt des Wiener

Weltum seglers Norbert Sedlacek, der

jene wiederverwertbare Vulkanfaser

ent wickelt hat, aus der der Rumpf des

Kats gefertigt ist.

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Grün sind das Boot

und das Konzept.

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Weil sicher das bessere

günstig ist!*

Max Power von Mag Power

FOTO: ANDREA MUSCATELLO

Bis zu 22 elektrische

Knoten!

MEHR LEISTUNG. Der italienisch-spanische

Hersteller Magonis bietet seinen

E-Daycruiser Wave e-550 jetzt auch mit

einem 30-kW-Motor von Mag Power an.

Bei den Testfahrten vor der Werft in

Sabaudia wurde damit eine Höchstgeschwindigkeit

von 22 Knoten gemessen.

Erhältlich ist der 5,5-m-Bowrider auch

mit schwächeren E-Motoren, die 4, 10

oder 18 kW leisten.

è www.magonisboats.com

Achten Sie auf

dieses Symbol.

Selbst ist

das Schiff

E-FRACHTER. Mitte November hat

mit der Yara Birkeland das weltweit

erste elektrisch betriebene und

selbstfahrende Containerschiff seine

Jungfernfahrt begangen. Der 80 m lange

Frachter soll in Zukunft bis zu 120

Container aus der norwegischen Stadt

Porsgrunn in den 7 sm entfernten

Hafen von Brevik befördern. Dadurch

sollen pro Jahr rund 40.000 Lkw-Fahrten

eingespart werden. Das Schiff verfügt

über Akkumulatoren mit 6.800

kWh und wird von zwei E-Motoren

mit insgesamt 1.800 kW angetrieben.

In einer zweijährigen Testphase ist eine

Crew an Bord, anschließend soll das

Schiff autonom fahren.

è www.yara.com

Bald als

Geisterschiff

unterwegs.

FOTO: KONGSBERG MARITIME

master-yachting.de

*Ausgewählte Yachten in ausgewählten Zeiträumen bis 60 Tage vor

Beginn der Charter. Bedingungen online auf master-yachting.de


Eintauchen 2022

„Wir sind stolz, grünes Licht für die kommende boot geben zu können, und ich freue mich sehr, die

österreichischen Wassersportler, Einkäufer und Bootsfans in Düsseldorf willkommen zu heißen – auch

die 25 Aussteller wie z. B. die Frauscher Bootswerft“, so begrüßte uns Direktor Petros Michelidakis bei der

Pressekonferenz in den heiligen Hallen am Rhein. Wir nutzten die Gelegenheit und baten ihn zum Interview.

Wird die boot 2022 sicher stattfinden,

wie sicher wird sie für Aussteller und

Besucher sein?

Nach der Veröffentlichung der

neuen Coronaschutzverordnung

des Landes NRW am 24. November

haben wir grünes Licht für die boot

Düsseldorf vom 22. bis 30. Januar

2022. Die Messe Düsseldorf hat

in den vergangenen Monaten sehr

deutlich gezeigt, dass sie ein hoch

professionelles, auf die Besonderheiten

von Messen abgestimmtes und

überzeugendes Hygienekonzept hat.

Unter dem Motto PRO Taction ist

dies an den Eingängen und in den

Hallen gut sichtbar und umgesetzt.

Orientiert an der NRW-Coronaschutzverordnung

wird es zur boot

2022 für Besucher die 2G-Regelung

geben. Damit und mit einer Abstandsregelung,

dem durchgängigen

Tragen von Masken sowie unserer

modernsten Luftaustauschtechnik

in den Hallen werden wir die boot

2022 unter bestmöglichen

Sicherheitsvorkehrungen für Aussteller

und Besucher durchführen.

2021 konnte die boot nicht stattfinden,

wird sie 2022 eine andere sein?

Die boot 2022 knüpft an unsere

2020er-Veranstaltung an. Die Hallenaufteilung

ist größtenteils gleichgeblieben

– also Motorboote aller

Größen und Klassen in den Hallen

1 bis 7a. Beginnend mit den beliebten

Motoryachten zwischen 30

und 60 Fuß in der Halle 1 über das

Einsteigersegment in der Halle 3

und die Halle 4 mit Tendern im

modernsten Design und unserem

E-Boote-Special zu unserer Superboat

Hall 5, die ein hervorragendes

Angebot unter anderem an hochpreisigen

und exklusiven Shadow

Boats zeigt. Sie mündet dann in die

Halle 6 mit unseren „Königinnen“,

den Luxusyachten, sowie in die

Halle 7a mit den Präsentationen

der Superyachthersteller. Action

pur zeigt die Halle 8b. Hier lädt

die WAVE zum Surfen auf der bis

zu 1,50 Meter hohen Welle ein und

der erweiterte und tiefere Pool wird

zum Eldorado der Wingfoiler und

-Surfer. Beide Pools sind mit chlorhaltigem

Wasser, wie im Schwimmbad,

gefüllt und schützen so vor

einer Virenübertragung während

des Sports. In der Halle 9 wird es

ein innovatives Zusatzangebot für

Fachbesucher geben. Im „blue

innovation dock“ sind international

renommierte Experten aus dem

Kreis der Her steller von alternativen

Antrieben, inno vativen Startups,

der europäischen Politik und internationalen

Bootsverbänden am

Start. Die Halle 12 wartet mit einem

neuen Glanzstück auf. Nachdem

unser alter Tauchturm mit über 40

Jahren auf dem Buckel in die Jahre

gekommen war, lädt nun ein neuer

Turm mit einer nahezu 360-Grad-

PETROS MICHELIDAKIS

ist leidenschaftlicher

Segler, Wassersportler

und Direktor der boot

Düsseldorf.

42 1/2022


monegassischen Fürst Albert II.

Stiftung und der Deutschen Meeresstiftung

seit vielen Jahren verleihen,

heben wir innovative Projekte im

Dienste der Meere auf eine international

viel beachtete Bühne. Diesmal

haben wir 27 Bewerbungen.

Die Jury hat fünf Nominierte ausgewählt,

für die die interessierte

Öffentlichkeit im Public Voting

abstimmen konnte. Der Gewinner

des Awards wird auf der boot blue

motion night am 24. Januar in Düsseldorf

bekanntgegeben. Detaillierte

Informationen über die Anwärter

haben wir zusammengefasst unter

è www.oceantributeaward.boot.de

Rundumsicht, vier Meter hoch und

acht Meter breit, die Tauchfreunde

zum Schnuppern ein. Die Hallen 13

und 14 sind weiterhin dem Urlaub

am und auf dem Wasser gewidmet.

Doch haben wir das für 2022 griffiger

und attraktiver für unsere Besucher

zusammengefasst. Unter dem

Motto „destination seaside“ werden

Regionen, Reviere und Charterunternehmen

ihre attraktiven Ziele

und Urlaubsformen vorstellen. In

den Hallen 15 bis 17 landen wir

mitten in der „Seele des Wassersports“,

dem Segeln. Hier gibt es

eine breite Palette an Booten sowohl

für den Rennsport als auch für ein

gemütliches Familiensegeln. Beeindruckend

sind natürlich die Großsegler,

die in der Halle 16 zu bewundern

sind.

Ein Teil der Wassersportbranche hat

unter der Pandemie gelitten …

Leider war die Zeit der Pandemie

für die Tauchbranche sehr schwierig.

Reisebeschränkungen und regionale

Lockdown-Maßnahmen haben ihr

sehr zugesetzt. Umso mehr freut es

uns, dass die Global Player nahezu

ausnahmslos auf die boot zurückgekehrt

sind. Mit dem „dive award“,

dem neuen Tauchturm, der mobilen

Tauchbasis und der neuen Medienlounge

in Halle 11 werden wir den

Tauchsport auch umfassend unterstützen.

Viele Hersteller kündigen

Premieren auf der boot an und kommen

mit einer großen Palette an

Yachten und Booten. So hat die britische

Princess-Werft angekündigt, die

Weltpremieren X80 und V50 auf der

boot in der Halle 6 zu präsentieren.

Zusätzlich wird sie die Award-Gewinnerinnen

X95 und Y72 erstmals

auf einer Messe vorstellen. Sunseeker

fährt die brandneue 100 auf. Und

bei den Segelyachten ist zum Beispiel

X-Yachts mit der neuentwickelten

X4³ ein echter Hingucker.

Nachweislich profitiert von den Lockdowns

haben die Ozeane, Covid-19 wird

aber wohl nicht für den Ocean Tribute

Award 2022 nominiert sein …

Die Bilder vom klaren Wasser in

den venezianischen Kanälen zum

Beispiel waren schon echt beeindruckend.

Mit dem Ocean Tribute

Award, den wir gemeinsam mit der

Die boot ist auch Schaufenster für neue

Trends, was ist 2022 angesagt?

Das Surfen mit einem Wing – einem

Flügel – ist seit einigen Jahren ein

Trend und wir haben ihm schon

2020 auf der boot eine große Präsentationsfläche

auf unserem Pool

gewidmet. Damals stellten wir allerdings

fest, dass der Flatwater Pool

leider ein wenig zu flach ist, um das

Foiling problemlos auszuprobieren.

Wir liefen immer Gefahr, dass der

Pool reißt. Nun haben wir etwas

investiert und den Pool sowohl

vertieft als auch verlängert, er ist

jetzt 65 Meter lang, So können auf

ihm jetzt spannende Wingfoiling-

Demonstrationen mit Loops gezeigt

werden, unsere Windmaschinen

am Ufer des Pools sorgen für die

nötige Brise. Für Einsteiger haben

wir zusätzlich einen Simulator eingerichtet,

auf dem man erst einmal

das richtige Gefühl für das Board

vermittelt bekommt.


boot Düsseldorf, 22.–30. Jänner 2022

Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr, e-Tickets online erhältlich.

Zutritt nur für Genesene und Geimpfte (2G-Regel).

Tipp: Mit der kostenlosen boot Düsseldorf App (für iOS

und Android-Geräte) lässt sich der Messebesuch optimal

vorbereiten. Der interaktive Gelände- und Hallenplan ist

eine sehr gute Orientierungshilfe auf dem Messegelände.

Per Touch kann man in die einzelnen Hallen springen,

dank stufenlosem Zoomen auf einzelne Stände gehen und

dann alle Informationen des Ausstellers sowie die von ihm

angebotenen Produkte einsehen. Per Volltextsuche lassen

sich alle Aussteller- und Produktdetails der gesamten

boot Düsseldorf-Datenbank finden.

è www.boot.de

1/2022 43


Boot Düsseldorf 2022

Big Pack

MODISCHE ARMADA. Die boot

Düsseldorf ist für Baotić Yachting

mit der Zentrale in Frankfurt

so etwas wie ein Heimspiel, der

Motorboot-Importeur reist daher

mit einer recht großen Flotte vom

Main an den Rhein. Mit der Absolute

60 Fly und der 48 Coupé (Vorstellung

in 6/2021) sind

die Vorboten der neuen Generation

der italienischen Edelwerft erstmals

im deutschsprachigen Raum zu sehen.

Ebenfalls Deutschlandpremiere

feiert der Verdränger Navetta 64

(Test 1/2021).

Sehr gespannt darf man auf den

Aufritt der Motor yachten von De

Antonio sein. Die vor zehn Jahren

gegründete Werft aus Barcelona, die

erst seit 2021 von Baotić Yachting

vertreten wird, ist für ihr stylisches,

ja fast kantiges Design bekannt. Auf

Absolut neuer Look:

Absolute 60 Fly.

der boot Düsseldorf ausgestellt

werden mit der D28 Cruiser das

Einstiegsmodell, mit der D42 Open

die Mitte und mit der D50 Open

das Flaggschiff des spanischen

Herstellers.

è www.baotic-yachting.de

De Antonio D50, das

Flaggschiff aus Barcelona.

Bayrische Motoren Werft

KOMFORT-CRUISER. Mit der

SR36 feiert Bavaria in Düsseldorf

eine Weltpremiere. Während

die vor zwei Jahren vorgestellte

große Schwester SR 41 eine Weiterentwicklung

der Sportreihe

war, ist die SR36 eine komplette

Neuentwicklung.

Neben der klassischen Hardtop-Version,

die optional mit

einer Tür verschlossen werden

kann, wird auch eine offene

Version mit einer flachen Windschutzscheibe

angeboten. Die

serienmäßige Badeplattform und

die hintere Sitzgruppe haben

schon fast Beach-Club-Charakter.

Unter Deck sorgen zwei gleichwertige

Kabinen und ein Bad für

Weekend-Komfort. Gewählt werden

kann unter vier Motorisierungen

(drei Benziner, ein Diesel)

ab 240 PS. Die gezeigte Baunr. 1

geht übrigens nach Kärnten zu

Boote Riedl und wird auch auf

der Messe in Tulln zu sehen sein.

è www.boote-riedl.com

è www.bavariayachts.com

Weltpremiere: Bavaria SR36.

Friaul am Rhein

MARINA-NETZWERK. Auf dem

Stand der Region Friaul-Julisch

Venetien sind auch die 20 Marinas

aus dem Netzwerk FVG Marinas

(insg. über 7.000 Liegeplätze in

der nördlichen Adria) vertreten.

Vorträge, Live-Interviews über

Küste und Boots-Lifestyle in

Friaul-Julisch Venetien und nicht

zuletzt die spannende Knotenrallye,

bei der die Standcrew und

bekannte Segler gegen Besucher

antreten, bringen dem Publikum

Region und Angebot einer der

interessantesten italienischen

Kooperationen im maritimen

Bereich nahe.

è www.fvgmarinas.com

44 1/2022


Fliegen für Anfänger

Foiler für 28.000 Euro.

FOILS-ZWERG. Weltneuheit in Düsseldorf:

Der französische Hersteller Foily

stellt mit der Peacoq eine Segeljolle mit

Foils vor, die vor allem Anfängern das

Segelfluggefühl näherbringen soll. 4,70 m

lang, 1,82 m breit, 140 kg schwer, kann

der Wasserhüpfer als Einhänder oder zu

zweit gesegelt werden, wobei Geschwindigkeiten

bis zu 25 Knoten erreichbar

sein sollen. Die beiden Foils können

leicht entfernt werden, was beim Trailern

ja doch sehr praktisch ist. 2022

will Foily mindestens zwölf Einheiten

bauen, sechs davon (Einstiegspreis rund

28.000 Euro) sind bereits verkauft.

è www.peacoq.fr

Auf dem Schirm

RADAR. Mit den GMR Fantom 18x

und 24x Radomen bringt Garmin

mit einer Sendeleistung von 50 Watt

besonders leistungsstarke Radargeräte

auf den Markt. Die Reichweite

beträgt bis zu 48 sm. Die Motion­

Scope-Technologie nutzt den Doppler-Effekt,

um Bewegungsrichtungen

von Zielen zu erkennen und

diese in unterschiedlichen

Farben zu markieren. Dank

des Power-Save­ Modus kann

der Stromverbrauch im Verhältnis

zur Leistung angepasst werden:

Im Bedarfsfall steht die eingesparte

Leistung zur Verfügung oder der

Stromverbrauch wird reduziert,

wenn keine Leistung nötig ist.

UVP ab € 2.499,–.

è www.garmin.com

Flüsterleiser Startschuss

Alles, was ein E-Kat

können muss.

SOLAR-ELEKTRISCH. Whisper (also

„flüstern“) ist ein beliebter Name für

Yachten, jetzt aber hat sich sogar ein

Hersteller danach benannt: Whisper

Yachts ist ein Projekt von Guy Marchal,

der mit seiner Firma Symphony

Marine bisher an großen Yachten

mitgearbeitet hat. Für seine eigene

Marke plant der Franzose solarelektrische

Katamarane mit 40 bis 60 Fuß.

Eine erste 50-Fuß Yacht wurde vollständig

entwickelt und ist sowohl

technisch (Deep Blue System von

Torqeedo) als auch ausstattungsmäßig

(große Fensterflächen, Salon und

Cockpit eine Einheit, große Badeplattform,

Flybridge) State of the Art.

è www.whisper-yachts.com

Sportlicher Weekender

AUSSENBORDER. Mit der GT320S

stattet die Werft Invictus schon das

dritte Modell ihrer Weekender-Serie

mit Außenborder-Motoren aus.

Vorteile der Motoren am Heck:

mehr Stauraum (man spart sich ja

den Motorraum), größere Benzinund

Wassertanks, höhere Leistung.

Seit letztem Jahr wird Invictus von

Yamaha mit Außenbordern beliefert,

in der GT320S sind es 2 x 300 PS bis

maximal 900 PS (bei den Einbaumotoren

sind es 860 PS). Was man

sonst noch bekommt: vier Schlafplätze

und ein komfortables Duschbad,

einen edlen Materialmix und

italienisches Premiumdesign.

è www.invictus-boote.de

Hecktriebler.

1/2022 45


Boot Düsseldorf 2022

55 Prozent Anzahlung, 5,5 Jahre Charter –

so wird man Eigner einer Dream Yacht

Beneteau und die tschechische Investorengruppe PPF haben sich im großen Stil bei Dream Yacht Charter eingekauft.

Welche Auswirkungen auf Chartergäste und Kaufcharter-Investoren wird das haben? Wir haben dazu Cengiz

Inceören, Gründer von Argos Yachtcharter, dem größten DYC-Partner für den DACH-Markt, befragt.

CENGIZ INCEÖREN

gründete 1979 Argos

Yachtcharter und ist

Experte für Kaufcharter.

60 Millionen Euro sollen für einen

Anteil von 85 Prozent an den Weltmarktführer

geflossen sein …

Wobei es in der Branche ein offenes

Geheimnis ist, dass Beneteau schon

vor dem Deal geplant haben soll,

ein eigenes Unternehmen als neuen

Player auf dem Chartermarkt zu

etablieren. Dann kam die Pandemie,

der Chartermarkt geriet ins Stocken

und die Gelegenheit war günstig,

um sich bei DYC einzukaufen und

die komplette bereits bestehende

Infrastruktur zu übernehmen.

So gesehen war dieser Kauf ein

Schnäppchen.

Welche Auswirkungen wird das

für die Chartergäste haben?

Sie dürfen sich im ersten Schwung

über rund 250 neue Charteryachten

freuen, mit denen die Flotte weltweit

verjüngt wird. Auf der anderen

Seite ist nicht zuletzt wegen der

Pandemie aber auch mit Verteuerungen

zu rechnen.

Beispiel Dream Partnership-Kaufcharterprogramm: Oceanis 40.1, Anzahlung 55 % (€ 153.658,–), 5,5 Jahre

Charterlaufzeit in Kroatien ohne Einnahmen, aber auch ohne Kosten, 12 Wochen freier Charter weltweit,

danach ist man ohne jegliche Schlusszahlung Eigner der Yacht (Neupreis: € 279.427,–).

Was sind die Auswirkungen für

In vestoren, Stichwort „Kaufcharter“?

Es gibt ja mehrere Kaufcharter­

Modelle im Angebot, an denen sich

vorläufig nichts ändern wird. Die

sind aber nicht in Stein gemeißelt,

das gilt vor allem für das Dream

Partnership-Programm: 55 % Anzahlung,

5,5 Jahre Charterlaufzeit

ohne Kosten, danach gehört die

Yacht dir – wo gibt es das noch?

Während der Laufzeit sind zudem

12 Wochen Charter auf einer beliebigen

Yacht gleicher Größe überall

auf der Welt inkludiert. Renditen

werden in dieser Zeit nicht ausbezahlt,

aber die müsste man ohnehin

zu einem hohen Prozentsatz

versteuern.

Gild das nur für Beneteau-Yachten?

Absolut nicht, der Werften-Mix

bleibt DYC ebenfalls weltweit erhalten.

Das ist auch ganz im Interesse

von Beneteau, man will ja die vereinbarten

Preisgarantien gerade in

dieser Teuerungswelle und bei den

vorherrschenden langen Wartezeiten

nicht verlieren. Mit 40 Jahren

Erfahrung empfehle ich meinen

Kunden als Revier das Mittelmeer.

Die Chartersaison dauert dort nur

rund sechs Monate, entsprechend

geringer ist auch der Verschleiß der

Yachten. Aktuell stehen in Griechenland

verschiedenste Kats und Monos

zur Wahl, in Kroatien Monos bis

40 Fuß. Andere Mittelmeer-Destinationen

gibt es auf Anfrage.

Argos Yachtcharter auf der boot Düsseldorf

Halle 13, Stand B09. Cengiz Inceören ist Gründer von Argos

Yachtcharter mit Sitz in Wiesbaden. Er betreut seit 2017

ausschließlich Kunden für das Kaufcharter-Programm und

wird auch auf der Messe gerne und unverbindlich Auskunft

geben. Kontakt/Terminreservierung: Tel. +49 171 4535496

è yachtsales@argos-yachtcharter.de

Sohn Bora führt seit 2017 die Charteragentur. Er wird

ebenfalls auf der boot präsent sein und interessierte

Chartergäste willkommen heißen. Zum Mitnehmen wird

es die druckfrischen Kataloge 2022 für Nah- und Ferndestinationen

geben. Schon jetzt verfügbar zum Download

oder auf Wunsch per Post über die Homepage bestellbar

ist die Ausgabe der europäischen Reviere. Bis zur Messe

folgen die Ferndestinationen in einem gesonderten Band.

è www.argos-yachtcharter.de

Druckfrisch: die

neuen Charterkataloge

für

nah und fern.

46 1/2022


Motormulti

PANORAMA

Tipps, Trends & Neuheiten

KAT-ERWEITERUNG. Der im Februar

auf der Miami Boatshow präsentierte

Leopard 46 Powercat

wird nach dem 53er-Modell der

zweite Motorcat von Robertson und

Caine sein, der keine Segelboot-DNA

besitzt. Deshalb kann der 46PC auch

mit einem eigenen Steuerstand im

Salon sowie einem großen Motorraum

aufwarten. Weitere Highlights:

Durch die Chines in den Seitenrümpfen

recht große Kabinen, Riesen-Reichweite

(bis zu 1.600 sm),

fließende Verbindung zwischen

Cockpit, Salon und Vorschiff

sowie toll ausgestattete Flybridge.

Erhältlich als Eignerversion

mit drei und als Charterversion

mit vier Kabinen.

è www.leopardcatamarans.de

Reine

Motor-DNA.

Sea Shepherd

Aus Zigarettenstummeln

für

Zigarettenstummel.

TASCHENASCHER. Im Zuge der

Baltic Sea Campaign 2021 von

Sea Sheperd wurden 90 km der

Ostseeküste gereinigt und dabei

von rund 35 Kilogramm Zigarettenstummeln

befreit. Im Online-Shop

der Meeresschutzorganisation gibt

es nun auch einen Taschenaschenbecher

zu kaufen, der aus recyceltem

Kunststoff – das verwendete Altplastik

stammt teilweise sogar aus

dem Meer oder wurde an Uferstellen

aufgesammelt – hergestellt ist. Der

Füllstoff besteht zu 5 % aus Stummel-

Granulat, die kleine Dose hat einen

Drehverschluss und Platz für 9 Zigarettenkippen.

Der Produzent Toba­

Cycle hat sich auf das Recycling von

Zigaretten spezialisiert. Preis: € 7,50.

è www.sea-shepherd.de

Mit Spannung

in die Zukunft

FOTO: SHUTTERSTOCK

MEHR STROM. Die Elektrobootsmotoren

der Cruise-Serie von

Torqeedo erhalten noch leistungsstärkere

Lithiumbatterien.

Die langlebige und robuste Kon s ­

truktion eignet sich für Segelund

Motorboote sowie gewerb ­

liche Boote bis zu 12 Tonnen Gewicht.

Erhältlich mit Ferngas ­

hebel- oder Pinnensteuerung mit

3, 6, 10 oder 12 kW. News auch zur

boot Düssseldorf: In Halle 9 wird

das „blue innovation dock“

für nachhaltige Antriebs ­

projekte zu sehen sein –

Torqeedo ist Hauptsponsor

der Initiative.

è www.torqeedo.com

Geldzurück-

Garantie

SICHER BUCHEN. Die Charteragentur

Master Yachting aus

Bayern präsentiert ihr neues

„Safe&Sound“-Package als Pandemie-Schutz

für 2022. Bei Yachten,

die als Teil des „Safe&Sound“-

Programms gekennzeichnet sind,

profitieren Charterkunden von

einer unkomplizierten Geld-zurück

Garantie: Bei Stornierung

aus welchem Grund auch immer

gibt es bis zu 60 Tage vor Abfahrt

das Geld zurück – garantiert.

CEO Michael Müller: „So wird

der Yachtcharterurlaub zur ganz

sicheren Nummer!“

Detaillierte Auskünfte geben

die Yachtcharterexperten unter

Tel. +49 931 465 99 999.

è www.master-yachting.de

1/2022 47


Boot im Winter

48 1/2022

FOTO: SHUTTERSTOCK


Überwintern

im Wasser

Viele Boote und Yachten sehen sich im Herbst ins Trockene manövriert. Warm anziehen

heißt es nun für jenen harten Kern, der die kalten Monate am Steg verbringt. Da der Liegeplatz

im Wasser an Beliebtheit gewinnt, ist eine sorgfältige Vorbereitung geboten.

Text HOLGER FLINDT

HOLGER FLINDT

ist Versicherungsexperte

und Leiter der

Schadensabteilung

bei Pantaenius

Yacht versicherungen.

è pantaenius.com

Immer mehr Eigner ziehen in

Erwägung, ihr Boot oder ihre

Yacht auch während der kalten

Wintermonate im Wasser zu

lassen. Kein Ein- und Auskranen,

mehr Flexi bilität und niedrige Liegeplatzkosten

– Vorteile, die bei dieser

Entscheidung eine bedeutende Rolle

spielen.

Diese Variante des Überwinterns

sollte jedoch gut überlegt sein.

Wer sich in der kalten Jahreszeit die

Option fürs Bootfahren offenhalten

möchte, ist regelmäßig am Steg vor

Ort und hat sein Schiff im Blick.

Ein Schiff, das jedoch nur aus Kostengründen

im Wasser verbleibt

und selten bis gar nicht besucht

wird, leidet sehr schnell unter den

äußeren Witterungs einflüssen.

EIN GEEIGNETER LIEGEPLATZ

Allgemein wiegt sich ein Boot im

Hafenbecken nicht unbedingt in

Sicherheit, denn auch ein milder

Winter kann phasenweise Sturm und

Frost mit sich bringen. Der gewählte

Liegeplatz sollte daher winterfest,

d. h. vor Wind und Wellen gut geschützt

sowie keinem Schwell, keiner

starken Strömung und vor allem

keinem Eisgang ausgesetzt sein.

Zudem bietet nicht jeder Hafen

Winterliegeplätze im Wasser an.

In einigen Häfen werden die Stege

während der kalten Jahreszeit so gar

aus dem Wasser geholt. Ob der jeweilige

Hafen also ganzjährig

ge öffnet hat und auf welche Häfen

alternativ ausgewichen werden

kann, gilt es vor der kalten Jahreszeit

herauszufinden.

Die Infrastruktur des gewählten

Hafens spielt beim Überwintern im

Wasser eine entscheidende Rolle.

Besonders wichtig ist das Vorhandensein

eines ganzjährigen Landstromanschlusses,

denn nur so

kann während besonders kalter

Perioden dauerhaft für Frostfreiheit

an Bord gesorgt werden.

In der Praxis kommt es immer

wieder vor, dass gefrierendes Wasser

Ventile beschädigt und Boote

sowie auch Yachten daraufhin sinken.

Armaturen, Rohrleitungen

und Ventile, die sich im Inneren

des Schiffes oberhalb der Außenwasseroberfläche

befinden, sind

besonders gefährdet. Soll ein Schiff

also für Törns oder gar zum Wohnen

einsatzbereit bleiben, dürfen

die Temperaturen an Bord nicht

unter den Gefrierpunkt fallen.

Der Einsatz eines Heizkörpers

wäre in diesem Zusammenhang

sinnvoll. Elektrische Radiatoren zum

Beispiel, die für den Dauerbetrieb

geeignet und mit einem Thermostat

ausgerüstet sind, verhindern bereits

auf niedriger Stufe, dass gefrierendes

Wasser Schläuche, Leitungen oder

Tanks beschädigt. Grundvoraussetzung

hierfür ist jedoch der Landstromanschluss,

und dieser wird

an Stegen kleinerer Marinas auch

gerne mal abgeschaltet. Eigner sollten

sich daher frühzeitig über die

Gegebenheiten vor Ort informieren

FROSTSCHUTZ

Für den Fall, dass keine Strom versorgung

vorhanden oder die Versorgung

unsicher ist, muss dafür gesorgt

werden, dass in Rohren oder Schläuchen

befindliches Wasser nicht gefrieren

kann und diese zum Platzen

bringt. Oberhalb der Wasserlinie

befindliche Schläuche empfiehlt es

sich im Zweifel abzunehmen, unterhalb

der Wasserlinie befindliche

mit (umweltfreund lichem!) Frostschutzmittel

zu befüllen. Auch die

Maschine sollte bei Minusgraden

zumindest ent wässert oder mit

Frostschutz gespült werden.

1/2022 49


Boot im Winter

Bestimmte Arbeiten am Schiff,

vor allem am Unterwasserschiff,

sind im Wasser nur eingeschränkt

möglich. Wer im Frühjahr also

einen neuen Antifouling-Anstrich

oder sonstige Wartungsarbeiten

plant, sollte sich nach Kran- oder

Slipmöglichkeiten auf dem gewählten

Hafengelände erkundigen.

Bei der Wahl des Winterhafens ist

darauf zu achten, dass ein ganzjähriger

Landstromanschluss vorhanden ist.

Es kommt immer wieder vor, dass gefrierendes

Wasser Ventile beschädigt und Boote

sowie auch Yachten daraufhin sinken.

RICHTIG EINWINTERN

Ist die Entscheidung für einen

Winterliegeplatz im Wasser einmal

gefallen, folgt die ordnungsgemäße

Vorbereitung des Schiffes. Wer in

regelmäßigen Abständen am Steg

vorbeischaut und sein Boot oder

seine Yacht den Winter über nutzt,

hat neben den allgemeinen Sorgfaltspflichten

zunächst keine größeren

Vorbereitungen zu treffen, als

das Schiff am Liegeplatz mit ausreichend

Fendern, Leinen und einer

Plane zu sichern und die Wetterprognosen

im Blick zu behalten.

Anders sieht es jedoch aus, wenn

das Boot oder die Yacht den ganzen

Winter über am Steg verbleibt und

erst im Frühjahr wieder zum Einsatz

kommen soll. In diesem Fall

sollte das Schiff gründlich eingewintert

werden. Nicht nur, um Langfingern

einen Strich durch die Rechnung

zu machen, sondern auch

um Schimmel vorzubeugen und

empfindliche Geräte wie Elek tronik

oder Außenbordmotoren vor niedrigen

Temperaturen zu schützen.

Sämtliche Ausrüstung, die nicht

niet- und nagelfest ist, sollte deshalb

demontiert, von Bord genommen

und frostsicher gelagert werden.

Feuchte Luft in Kombination

mit Frost lässt nichts unbeschadet

und jegliche Ausrüstungsgegenstände,

ob Segel, Persenninge oder

die Sprayhood, erfahren unter freiem

Himmel einen deutlich schnelleren

Verschleiß.

Einwintern heißt weiterhin, den

Anker und die Kette zu reinigen,

empfindliche Holzgegenstände an

Deck mit einer Plane zu schützen

und unter Deck befindliche Polster

aufzustellen oder trocken an Land

zu deponieren. Auch die Bilge sollte

entleert, Schrank- und Schapptüren

geöffnet sowie an Bord befindliche

Batterien vollständig aufgeladen

werden.

„ Wenn es kälter wird, lauert ein großer Feind

des Bootes in der Luft. Feuchtigkeit kann große

Schäden unter Deck anrichten und sogar die

Gesundheit gefährden!“

ACHTUNG, TROPFSTEINHÖHLE!

Wenn es kälter wird, lauert ein großer

Feind des Bootes in der Luft.

Feuchtigkeit kann große Schäden

unter Deck anrichten und sogar die

Gesundheit gefährden!

Ob und wie viel Feuchtigkeit sich

unter Deck sammelt, hängt von

mehreren Faktoren ab. Schimmel,

Spark und Muff sind schlimmstenfalls

die Folge, weshalb es wichtig

ist, entsprechend vorzusorgen. In

der Praxis bewähren sich hierfür

verschiedene Methoden.

Die einen verriegeln ihr Schiff

nahezu wasserundurchlässig und

bringen unter Deck zahlreiche Luftentfeuchter

in Stellung, andere wiederum

erachten eine durchgängige

Zwangsbelüftung an Bord für sinnvoller.

Ähnlich wie beim Stoßlüften

50 1/2022


Soll ein Schiff im Winter für Törns oder

gar zum Wohnen einsatzbereit bleiben,

dürfen die Temperaturen an Bord nicht

unter den Gefrierpunkt fallen.

FOTOS: SHUTTERSTOCK (5), ISTOCK (1)

in der Wohnung oder im Haus bleiben

in diesem Fall möglichst viele

Luken einen Spalt geöffnet, sodass

Luft unter Deck ausreichend zirkulieren

kann. Der ungünstige Nebeneffekt

hierbei ist jedoch, dass stetig

neue Feuchtigkeit in das Innere des

Schiffes gelangen kann.

Wer Feuchtigkeit filtert und

gleichzeitig für einen möglichst

großen Luftaustausch sorgt, sollte

die Behälter des Luftentfeuchters

auf jeden Fall regelmäßig leeren.

Ansonsten kann es passieren, dass

Wasser dann doch irgendwann an

der kalten Rumpfwand kondensiert,

ungehalten in die Bilge fließt

und Schimmel nach sich zieht. Natürlich

kann auch auf ein Heizgerät

zurückgegriffen werden, um zu verhindern,

dass sich Luftfeuchtigkeit

an den Oberflächen absetzt. Der

Energieaufwand bei diesem Vorhaben

sprengt jedoch jegliche

Dimensionen.

Tipp: Beobachten Sie die Wassermenge

im Frühjahr und ändern Sie,

falls nötig, Ihre Strategie zur Reduktion

von Feuchtigkeit an Bord im

kommenden Winter. Spätestens

wenn sich eine länger anhaltende

Frostperiode ankündigt, empfiehlt

es sich, die Maschine einzuwintern,

sämtliche Ventile mit Frostschutz

zu versehen und alle Wassertanks

zu leeren.

Gerade auch in Hinblick auf die

Versicherung ist es ratsam, Sorgfalt

walten zu lassen. Zu den Obliegenheitspflichten

des Schiffseigners

zählt, ausreichende Schutzmaßnahmen

vor Eintritt der Frostperiode

Sämtliche Ausrüstung,

die nicht niet- und

nagelfest ist, sollte

demontiert, von Bord

genommen und frostsicher

gelagert werden.

zu ergreifen. Passiert dies nicht und

ein Schaden tritt ein, kann das eigene

Handeln als grob fahrlässig bewertet

und die Schadenregulierung

infolgedessen entsprechend gemindert

werden.

Wer einen Winterlagerplatz im

Wasser anstrebt, sollte daher rechtzeitig

mit seiner Versicherung über

das Vorhaben sprechen und klären,

ob diese Form der Überwinterung

wie bei Pantaenius im Deckungsschutz

inbegriffen oder samt möglichen

Folgeschäden hiervon ausgeschlossen

ist.

BEHALTEN SIE IHR SCHIFF

IM BLICK!

Das bedeutet, entweder hin und

wieder selbst vorbeischauen, in der

Nähe wohnende Bekannte darum

zu bitten oder mit dem Hafenmeister

zu klären, ob auch im Winter

regelmäßige Kontrollen durchgeführt

werden.

Bei Sturmwarnungen ist ebenfalls

schnelles Handeln gefragt.

Das Schiff sollte ordentlich vertäut,

Festmacher auf Scheuer- und

Schamfilstellen überprüft und

gegebenenfalls ausgetauscht werden

sowie zusätzliche Leinen und

Fender bereitstehen.


1/2022 51


Wissen und Meer

Over, Roger, Out

„Funken ist veraltet, das macht man doch nicht mehr in Zeiten von Handy, E-Mails und Internet.“

Das oder Ähnliches höre ich immer wieder in Gesprächen mit Gleichgesinnten.

Tatsächlich, da ist schon was

Wahres dran, die Zeit und

die Technik bringen immer

wieder neue Entwicklungen mit

sich: Denken wir nur an die Seekarten,

an die Positionsbestimmungen,

an die Features auf un seren

Yachten.

„Ich nehme mein Mobiltelefon

und rufe in der Marina an, da habe

ich meinen Platz reserviert und

auch gleich im Restaurant die

Ćevapčići bestellt!“

Auch richtig und voll praktisch,

da möchte ich gar nichts dagegen

sagen. Als gut vorbereiteter Skipper

habe ich im Vorfeld die Adressenliste

samt Kontaktdaten im Handy

abgespeichert und bin dadurch up

to date.

YOU’RE ON COLLISION COURSE!

Beim Verfassen dieses Artikels höre

ich im Radio (sinngemäß) folgende

Meldung: „Blackout-Übung für

Mitte November geplant – die

Übung geht von der Annahme aus,

dass es zu massiven Einschränkungen

in der Stromerzeugung

kommt. Die Telekommunikation

bricht zusammen, die Koordinierung

der Hilfsmaßnahmen wird

über Funk aufgebaut.“

Aha, dachte ich mir, jetzt wird’s

auch für mich als begeisterten

Funker spannend.

Aber schauen wir uns die Angelegenheit

doch etwas genauer an:

Szenario 1: Es wird Abend, ich

möchte mich in der Marina, im

Hafen etc. anmelden. Ich nehme

mein Mobiltelefon zur Hand und

muss feststellen, dass kein Empfang

vorhanden ist. Damit sind auch

sämtliche Handys meiner Mitsegler,

das Internet, die Versendung

von E-Mails ziemlich auf Eis gelegt.

Das ist ja noch die problemloseste

Variante, denn bitte für die Ćevapčići-Reservierung

brauche ich nun

wirklich kein Netz. Aber was ist,

wenn ein Notfall eintritt?

Szenario 2: Herrlicher

Vorwind­ Kurs, der Yugo baut eine

lange Welle auf, auf dem Wellenkamm

dreht das Heck nach Luv,

ich schrei noch „Ducken!“ – doch

zu spät, der Großbaum kommt

über und erwischt einen Mitsegler

breitseits am Kopf. Er blutet stark

aus einer Platzwunde, kollabiert,

dringende Hilfe ist angesagt. Ich

greife zum Handy und muss feststellen,

dass … siehe oben.

Szenario 3: Wir sind auf Clubtörn,

fünf Yachten sind als Flotte

unterwegs. Wir wollen uns für den

Abend verabreden: Wo wollen wir

anlegen? Wo ist wer? Wer braucht

was? Mit dem Handy ist es schon

etwas mühsam, weil ich als Flottillenverantwortlicher

alle fünf Skipper

durchrufen muss und wehe, es

entsteht eine Diskussion (nein, in

diese Bucht möchte ich nicht, da

weiß ich ganz was Anderes, Besseres

etc.).

Szenario 4: Die Crew segelt die

Regatta, perfekt, wir sind gut unterwegs,

wir hängen aber dann

doch in der Flaute, auf einmal

kommen uns die „Gegner“ entgegen,

was ist da los? Haben wir was

übersehen? Am Abend erfahren

wir, die Regatta wurde für diesen

Tag abgesagt, die Meldung wurde

über den vereinbarten Kanal verlautbart.

Szenario 5: Ich segle bei Nacht

durchs östliche Mittelmeer, Kurs

Alexandria. Plötzlich knarrt es im

Funkgerät, ich höre „Sailing Ship

Adventure, please change your

course five degrees to the west,

GOTTFRIED

TITZL RIESER

ist Ausbildungsreferent

des Yacht Club Austria.

Er ist passionierter

Fahrtensegler und hat

insgesamt so um die

20.000 Seemeilen in

seinen Logbüchern

dokumentiert.

Sein Motto: „Die See ist

der beste Lehrmeister!“

kolumne@ocean7.at

An alle Skipper, Wachführer

und Na vigatoren

auf den Yachten: Nehmt

die Funksprechtaste

in die Hand!

you’re on collision course.“ Ich

habe tatsächlich den neuen Kurs

angelegt, nach einer Viertelstunde

meldet sich die Funke wieder:

„Thank you, Sir, fair winds!“

NO FUNK, NO FUN!

Ich habe hier beispielsweise Szenarien

beschrieben, die das Funken

unerlässlich machen, und bin

überzeugt, es gibt noch eine Reihe

anderer Einsatzmöglichkeiten für

dieses Sicherheits-Feature an Bord.

Die Grundvoraussetzung für die

Bedienung des Funkgeräts ist natürlich,

dass ich es kann. Da hilft

der kurze SRC-Kurs wenig, da lernt

man zwar die Grundbegriffe, das

war es aber schon. Funken lernt

man durch üben, üben und nochmals

üben. Ich empfehle allen Skippern,

Wachführern und Navigatoren

auf den Yachten: Bitte nehmt

die Sprechtaste in die Hand – ihr

verliert die Scheu vorm Gerät.

Übrigens bietet ein namhafter

Yacht Club in Österreich Funkkurse

als Weiterbildung an – Nachahmung

empfohlen!


52 1/2022


SEGELYACHTEN

Tipps, Trends & Neuheiten

Neue Ausgewogenheit

SPORTLICHE MITTELKLASSE. Fast

vier Jahre hat es gebraucht, bis die

Beneteau First 36 von den ersten

Ankündigungen bis zum Modell

Nr. 1 realisiert wurde, aber jetzt

(genauer: im Jänner auf der Boot

in Düsseldorf) soll endlich die Weltpremiere

gefeiert werden. Zur Erinnerung:

Beneteau hat die First-Reihe

2018 von der slowenischen Werft

Seascape übernommen. Grund für

die Verzögerung der First 36 dürfte

gewesen sein, dass sich die Teams

der beiden Unternehmen erst zusammenfinden

mussten, herausgekommen

ist aber ein feiner Kompromiss

zwischen Cruising und Racing.

Die neue, bei Seascape gebaute

First soll nur 4,8 Tonnen wiegen

und über rund 80 m 2 Segelfläche

am Wind verfügen. Das Cockpit

lässt sich dem Einsatzzweck anpassen,

sprich Bänke und Tisch lassen

sich für Wettfahrten leicht entfernen.

Nettopreis: ab ca. 200.000 Euro.

è www.masteryachting.com

Die neue First

von Beneteau.

Macht sie leicht!

SUPERSEGLER. Nachlese von der

Monaco Yacht Show: Die Baunummer

4 der SW 105 aus der südafrikanischen

Werft Southern Wind

trägt den Namen Taniwha. E

xzessive Nutzung von Kohlefasern

im Rumpf und beim stehenden Gut

sorgen dafür, dass die 35,39 Meter

lange Blauwasserslup rund vier Tonnen

leichter als die bereits gebauten

Schwesterschiffe ist. Deck und Interieur

wurden vom Mailänder Studio

Nauta Yacht Design entworfen, wobei

auch beim Innenausbau leicht ­

gewichtige Werkstoffe dominieren.

Ruhepause gibt es für die Werft

keine: Eine Baunummer 5 der SW

105 befindet sich in Kapstadt schon

in Bau.

è www.sws-yachts.com

Blauwasser ist ihr Element: Taniwha.

IMPRESSUM

MEDIENINHABER: Satz- und Druck-Team

GmbH, Feschnig straße 232, 9020 Klagenfurt,

+43 463/461 90 25, www.ocean7.at, redaktion@

ocean7.at, office@ocean7.at, Firmenbuchnummer

105347 y, Landes gericht Klagenfurt, UID

ATU 25773801 · ANWENDBARE VOR-

SCHRIFT: Österreichische Gewerbeordnung,

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GESCHÄFTS FÜHRER: Wolfgang Forobosko ·

CHEF REDAKTION: Tahsin Özen, 1180 Wien,

redaktion@ocean7.at · ART-DIREKTION:

Catharina Pichler · GRAFISCHES KONZEPT:

Thomas Frik, www.viertelbogen.at · MIT-

ARBEITER DIESER AUSGABE: Fritz Abl,

Inga Beitz, Bruno Cianci, Mag. Werner Conrady,

Holger Flindt, Mag. Wolfgang Gemünd,

Wolfgang Hausner, Bernd Hofstätter, Ralf

Kiefner, Dr. Reinhard Kikinger, Mag. Eszter

Kondor, Vincent Olivaud, Günter Pachschwöll,

Roland Regnemer, Dr. Udo Reichmann,

Arek Rejs, Gottfried Titzl Rieser, Dr.

Bobby Schenk, Conny Schifter, Dr. Friedrich

Schöchl, Alexandra Schöler-Haring, Prof. Clemens

Stecher, Dr. Alfred Zellinger · PRODUK-

TION UND DRUCK: Satz- und Druck-Team

GmbH · ANZEIGEN: Bernd Hofstätter

+43 664/ 552 09 32, b.hof staetter@ocean7.at ·

EINZELVERKAUFSPREIS: Österreich € 4,90 ·

ABO-PREISE: Bezugs preis Inland für sechs

JURY

Ausgaben: € 29,– · ABO- BE STELLUNG: abo@

ocean7.at, www.ocean7.at · VERTRIEB: Presse

Großvertrieb Austria Trunk GmbH, St. Leonharder

Straße 10, 5081 Anif/Salzburg · Diese

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Arbeits friedens bestehen keine Ansprüche gegenüber

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Verantwortlich für die Mitteilungen des

YCA: Yacht Club Austria, Generalsekretariat

4020 Linz, Lederer gasse 88, www.yca.at ·

Verantwortlich für die Mitteilungen des

MSVÖ: Motor bootsport und Seefahrts Verband

Österreich, Forchheimergasse 34/118,

1230 Wien, www.msvoe.at

„ Gottes sind Wogen und Wind,

Segel aber und Steuer, dass ihr

den Hafen gewinnt, sind euer.“

Gorch Fock (1880–1916, gefallen in der Skagerrak-Seeschlacht),

eigentlich Johann Wilhelm Kinau, niederdeutscher Erzähler, Lyriker,

Elbfischer und Marinesoldat.

Werner Ober GmbH Werner & Werner Co Ober KG

GmbH Ober & GmbH Co KG& Co

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Privilège Signature 580

Erbgut,

alles gut

Mit der Übernahme von Privilège hat die Hanse-Gruppe, der Welt zweitgrößter

Yachthersteller, den Markt der luxuriösen Katamarane betreten. Die Signature-

Reihe, die erste Zusammenarbeit der französischen Werft mit der deutschen

Leitung, soll die sehr spezielle DNA der Zweirümpfer aus Les Sables d’Olonne

weiterführen. Das neue Flaggschiff der Reihe, die Signature 580, hält das

Versprechen jedenfalls ein.

Text WOLFGANG GEMÜND | Fotos WERFT

Es ist kein Zufall, dass in

Les Sables d’Olonne, einem

Städtchen an der französischen

Atlantikküste, sowohl

die Katamarane von Privilège

hergestellt werden als auch die

Vendée Globe gestartet wird. Beides

– die Werft und die Regatta –

geht nämlich auf Philippe Jeantot

zurück. Der zweifache Weltmeister

im Einhandsegeln ließ Anfang

der 1980er-Jahre einen Katamaran

für seine Familie bauen, der für

ein Leben an Bord während ihrer

Besuche gedacht war. Komfort,

Sicherheit und Hochseetauglichkeit

waren die Hauptkriterien der Einzelanfertigung

und sollten sich,

nachdem das Interesse an dem

Katamaran immer größer wurde

und Jeantot 1985 beschloss, ihn in

54 1/2022


Serie zu bauen, fest in die DNA

der neuen, in Les Sables d’Olonne

beheimateten Werft brennen.

Aus „Jeantot Marine“ wurde

1989 „Privilège Marine“, und im

selben Jahr dachte sich Jeantot

auch die Vendée Globe aus,

die spektakuläre Non-Stop-Regatta

für Einhandsegler, bei deren erster

Ausgabe er mitsegelte und Vierter

wurde. Start des Rennens, das einmal

um den Globus führt, war und

ist natürlich Jeantots Heimatstadt

Les Sables d’Olonne.

NEUE MODELLE, ALTE WERTE

Wir galoppieren jetzt durch die

Geschichte, wechseln dreimal den

Besitzer der französischen Werft

und kommen in die Gegenwart.

2017 erwarb die HanseYachts AG

die Mehrheitsanteile von Privilège

1/2022 55


Privilège Signature 580

Katamarane von Privilège muss

man locker doppelt so tief in die

Tasche greifen wie bei den ebenfalls

aus Frankreich kommenden

Mitbe werbern in der Mittelklasse.

Auffällig die flache

Silhouette dank Verzicht

auf eine hoch

gesetzte Flybridge.

und schon ein Jahr später kündigte

man die Entwicklung von drei neuen

Modellen an. Der erste Motorkat

des Herstellers – die Privilège

Euphorie 5 – wurde 2018 präsentiert.

Vor zwei Jahren schaffte es die

Signature 510 ins Wasser, und heuer

im Frühjahr war Baunummer 1

der Signature 580 dran.

Mit der Signature-Reihe möchte

Privilège seine Position als Premiumhersteller

von hochseetauglichen

Katamaranen festigen. Die

Rümpfe und das Brückendeck

werden aufwendig in Sandwichbauweise

in modernstem Laminat-

Verfahren hergestellt, was rund

einen Monat dauert.

Die Modelle sind grundsätzlich

in zwei Kabinenlayouts erhältlich,

können aber darüber hinaus maßgefertigt

werden. Ausstattung,

Rigg, Polster, Holz, Farbe – das

alles kann der zukünftige Eigner

frei wählen. Der technische Aufwand

bei der Produktion, die

hochwertige Ausstattung bei Rigg,

Beschlägen und Interieur sowie

die Semi-Custom-Bauweise haben

natürlich ihren Preis – für die

FLACH UND LUFTIG

Die 580 also. Mit den durchgehenden

Fensterfronten an beiden

Rümpfen und den negativen Vorsteven

macht der Kat eine sehr

sportliche und moderne Figur.

Auffällig ist die flache Silhouette

durch den Verzicht auf die im

Trend stehenden, hoch bauenden

Flybridges. Zwar thront auf dem

Sonnendach eine Sitzgruppe, die

aber nicht wie ein eigenes, drittes

Stockwerk, sondern eher wie eine

luftige Dachterrasse wirkt.

Während die Signature 510 eine

Weiterentwicklung der bewährten

Série 5 ist und hauptsächlich eine

modernere Innenausstattung erhalten

hat, ist die 580 ein kompletter

Neuentwurf.

Konzipiert wurde die Yacht dabei

von innen nach außen – es lagen

also zuerst die Vorschläge des

Innendesigners Franck Darnet für

das Interieur vor, danach erst durfte

Schiffsdesigner Marc Lombard

ran, der schon in den Anfangsjahren

mit Philippe Jeantot zusammengearbeitet

hat.

Auf einem 18-Meter-Katamaran

lässt es sich für sechs bis zehn Personen

eh schon recht komfor tabel

segeln und leben, aber das Raumgefühl

der 580, die Sitzgelegenheiten,

die Größe der Kabinen und

ihre Stehhöhen sowie die Sicht

nach außen sorgen für einen ge ­

wissen Wow-Effekt.

„ Die Privilège 580 Signature ist der erste Katamaran

unter 60 Fuß mit einem direkten Zugang von der

Eignerkabine zum Vorschiffs-Cockpit.“

Jens Gerhardt, Vertriebsvorstand Hanse

56 1/2022


Das Cockpit als gefällige

Wohlfühloase, auf

einem Zwischendeck

thront der Steuerstand.

Die Flybridge: eine

luxuriöse Wohnlandschaft

unter freiem

Himmel.

STEUERN VOM

Privilège Signature 580

Länge ü. a.

Breite

Tiefgang

Verdrängung

max. Zuladung

Frischwasser

Tank

18,65 m

9,18 m

1,75 m

29 t

6 t

1.000 l

1.000 l

Segel

Großsegel 121 m 2

Genua 92 m 2

Stagsegel (optional) 51 m 2

Gennaker (optional) 176 m 2

Motor

Yanmar, 2 x 75 PS

Kabinen 3 oder 4

CE-Kategorie A-12

Preis exkl. USt. ab € 1.740.000,–

Händler: Hanse (Deutschland) Vertriebs GmbH & Co. KG,

D-83233 Bernau am Chiemsee, Chiemseestraße 65

è www.hanseyachtsvertrieb.de

ZWISCHENDECK

Erhältlich ist die 580 in zwei

Innenraum-Versionen. Beim für

den Chartereinsatz gedachten

4-Kabiner befindet sich die große

U-förmige Küche im Salon, der

außerdem über eine große Sitzgruppe

mit verstellbarem Tisch

und eine separate Navigationsecke

verfügt. In der 3-Kabinen-

Version ist die Kombüse längsseits

im Steuerbordrumpf verbaut,

wodurch im Salon Platz für eine

zusätzliche Eckcouch ist.

Der Salon geht bündig in das

hintere Cockpit über, das ebenfalls

über eine Sitzgruppe und

eine Sofa-Liegelandschaft verfügt.

Sehr elegant sind die geschwungenen

Stufen hinunter zu den beiden

Badeplattformen. Optional ist im

Heck ein Tenderlift für ein Beiboot

und zusätzlichen Platz auf

dem Achterdeck erhältlich. Ein

zweites Cockpit befindet sich vor

dem Salon im Vorschiff. Auch

hier finden sich Sitzgelegenheiten,

aber auch ein direkter Zugang zur

Eignerkabine – sehr innovativ!

Durchgehende Fensterfronten

an beiden Rümpfen.

Steuerstand

auf Backbord.

Sportlich-elegant

der negative Steven.

1/2022 57


Privilège Signature 580

Wo aber ist der Steuerstand? Der

befindet sich um drei Stufen erhöht

auf der Backbordseite des hinteren

Cockpits, sozusagen auf einer Art

Podest zwischen Cockpit und Flydeck.

Der Vorteil: Man genießt

nicht nur einen hervorragenden

Überblick über die Umgebung und

die Segel, sondern ist auch ständig

auf Tuchfühlung mit den Gästen

im Cockpit und auf dem Flydeck.

Der Nachteil: Bei Schlechtwetter

ist man durch die erhöhte Position

trotz verglaster Sprayhood vermehrt

den Elementen ausgesetzt.

Der Steuerstand kann aber mit

versenkbaren Abdeckungen mit

Fenstern – wie übrigens das gesamte

hintere Cockpit – geschlossen

werden.

BLICK ZURÜCK NACH VORN

Was Philippe Jeantot zur neuen

Privilège 580 sagen würde? Der

hohe Komfort würde ihm sicher

gefallen. Und dass das Thema

Sicherheit sich in vielen Details

(z. B. die breiten Gangways mit der

hohen Reling und den zahlreichen

Griffen oder der bündige Abschluss

der Decksluken) widerspiegelt,

würde auch seinen Beifall finden.

Geradezu entzückt wäre er vom

Steuerstand, wo alle Fallen, Reffleinen

und Schoten zentral zusammenlaufen,

sodass der Katamaran

auch für zwei Personen leicht zu

handhaben ist. Wobei man wohl

davon ausgehen kann, dass Jeantot

diesen Katamaran wohl auch al leine

segeln könnte.


Edle Materialien – hochwertig verarbeitet: Konzipiert wurde die Signature 580

von innen nach außen – es lagen also zuerst die Vorschläge des Innendesigners

Franck Darnet für das Interieur vor, danach erst durfte Schiffsdesigner Marc

Lombard ans Werk.

Kleinere Schwester:

Privilège Signature 510.

58 1/2022


MOTORYACHTEN

Tipps, Trends & Neuheiten

(T)Raumschiff

Viel Raum auf 27 Meter.

GLASPALAST. Das erste Modell der

futuristischen Superyacht Wally

WHY 200 konnte beim Cannes

Yachting Festival besichtigt werden.

Durch den Verzicht auf Seitendecks

bietet das 27 Meter lange Raumschiff

auf drei Decks verteilte 200 m 2

Wohnfläche für bis zu zwölf Gäste.

Die Highlights der bei Ferretti gebauten

Yacht finden sich ganz vorne

und hinten. Die Eignersuite im Bug

ist mit einer riesigen, durchgehenden

Verglasung ausgestattet, die eine

200°-Sicht bietet. Und der Beach

Club am Heck lässt sich mit Hilfe

hydraulisch aufklappender Seitenwände

erweitern.

è www.wally.com

Sonnenkräftig

HYBRIDYACHT. Mit der 58 Fly will die

auf Hybridmotoryachten spezialisierte

slowenische Werft Greenline nächsten

Herbst ihr zweitgrößtes Modell auf den

Markt bringen. Wie gehabt finden sich

auf der Flybridge und dem Hardtop

zahlreiche Solarpaneele, die 3,6 kW

Strom produzieren können. Angetrieben

wird die 58 Fly entweder als Hybridantrieb

mit zwei Cummins-Dieselmotoren

(610 oder 715 PS) und zwei 25 kW starken

E-Motoren oder als reiner Diesel

mit zwei 1.000 PS leistenden Caterpillar-

Diesel. Unter Deck gibt es drei Kabinen

und zwei Nasszellen, wobei der begehbare

Kleiderschrank der VIP-Kabine durch

ein drittes Bad ersetzt werden kann.

è www.greenlinehybrid.com

Stromert im nächsten

Herbst durch Wasser.

Pool zum Bett

Light Metal

NEUE MARKE. Der Boom bei

Motorkatamaranen macht so

mancher Werft Mut, am wachsenden

Markt mitzunaschen.

StellarCat mit Sitz in Fort

Lauderdale, USA, ist so eine

Neugründung, die mit Motorkats

komplett aus Aluminium

reüssieren möchte.

Die Vorteile des Materials:

Leichtigkeit, Langlebigkeit und

Hier ist alles Alu, was man sieht.

Korrosionsbeständigkeit. Geplant

sind Modelle mit 20 und

25 Meter Länge, großzügigen

Decksflächen, viel Wohnraum

und verschiedenen Motorkonfigurationen

der Volvo

IPS-Serie, die Geschwindigkeiten

von bis zu 30 Knoten

und Reichweiten von bis zu

3.600 sm zulassen.

è www.stellarcat.global

LUXUSSTUDIE. Noch ist die

T760 Apache nur eine Studie

der italienischen Nobelwerft

Tankoa. Aber wer

weiß: Vielleicht inspiriert

das Konzept der Superyacht

aus Stahl (Rumpf) und Alu

(Aufbauten) den einen oder

anderen Käufer. Highlights:

drei Swimmingpools (der

im Bug reicht bis in die

Für Leute, die gern schwimmen.

Eignerkabine hinein), aufklappbare

Seitenwände zur

Vergrößerung des Beachclubs,

120 m 2 Salon am

Hauptdeck.

Motorisiert wird der 76­

Meter-Luxuskreuzer mit bis

zu 2 x 2.500 PS starken Dieseln,

die für einen Topspeed

von 16,5 Knoten sorgen.

è www.tankoa.it

1/2022 59


Ryck 280

60 1/2022


Vorwärts

zu Ryck

HanseYachts hat seine Motor bootpalette

um eine dritte, komplett neue

Marke erweitert. Das erste Boot, die

Ryck 280, gibt einen Vor ge schmack

auf die frisch geschaffene Linie:

Sportliche Weekender mit offenem

Deck, die sehr variabel zu konfigurieren

sind. machte

sich bei den ersten Testfahrten

an der Cote d’Azur mit dem neuen

Angebot vertraut.

Text AREK REJS

Fotos AREK REJS, WERFT

1/2022 61


RYCK Ryck 280

In den vergangenen Jahren hat

die HanseYachts AG ihr Portfolio

um zwei Motorbootmarken

erweitert: Fjord im Jahr 2005

und Sealine im Jahr 2017. Beide

Marken waren allerdings schon

weltweit bekannt und bewährt,

HanseYachts musste sie nur

wieder profitabel machen.

Ryck ist eine ganz andere Geschichte.

Ryck ist eine komplett

neue Marke, die die Werft von

Grund auf aufbauen und vermarkten

muss. Natürlich haben unsere

deutschen Nachbarn dank eines

umfangreichen Händlernetzes

und der langjährigen Zusammenarbeit

mit namhaften Bootsdesignern

und Marketing-Spezialisten

gute Voraussetzungen, allzu leicht

wird es trotzdem nicht. Vor allem,

weil die Konkurrenz in dem Segment,

in dem Ryck debütiert, sehr

stark ist!

MADE IN GERMANY?

Der Name der Marke leitet sich

vom Namen des Flusses ab, der

durch Greifswald fließt, die Stadt,

in der sich der Hauptsitz der

HanseYachts befindet. Die Werft

liegt am Nordufer des Ryck, der

den Produktionsstandort mit der

Ostsee verbindet. Doch obwohl als

„Made in Germany“ bezeichnet,

steht die Ryck 280, das 9,5 Meter

lange Debüt der neuen Marke,

mehr für den multinationalen

Zugang, der auch die alte Hansestadt

Greifswald auszeichnet.

Das Grundkonzept für das neue

Boot – offenes Deck, Außenborder-

Antrieb, mittiger Steuerstand, recht

große Kabine unter Deck – stammt

aus Greifswald, federführend am

Zeichenbrett war aber der britische

Designer Bill Dixon.

Der in Italien geborene Produktmanager

Andrea Zambonini ist für

den Erfolg des gesamten Projekts

verantwortlich, und die Yacht selbst

wird in der Werft der Gruppe in

Polen gebaut.

JEDER, WIE ER MAG

In der Basisversion handelt es sich

bei der Ryck 280 um ein einfaches,

schlicht eingerichtetes Boot mit

offenem Deck, einer L-Bank am

Heck und zwei Sitzen am Steuerstand.

In dieser Version gibt es in

der Kajüte nur eine Toilette und

einen (sehr großen) Stauraum,

die Liege am Heck hat keine Matratzen.

Doch die Basisversion lässt sich

vielfältig aufwerten. Ein Online-

Tool für die individuelle Konfiguration

findet sich auf der Website

der Marke. Mit dem passenden

Zubehör wird aus der Ryck 280 je

nach Wunsch ein familienfreundlicher

Weekender, ein wassersporttauglicher

Flitzer oder ein komfortables

Fischerboot.

Motoren gibt es von 250 bis 350

PS. In der Basisversion ohne Motor

kommt die Yacht auf 69.841 Euro,

inkl. 20 Prozent Umsatzsteuer!

Natürlich kann sich der Preis nach

Hinzufügen aller Extras leicht

verdoppeln, aber wenn man kein

besonders anspruchsvoller Bootsbesitzer

ist, kann man für relativ

wenig Geld ein sehr gutes, modernes

und gut aussehendes Boot

erstehen.

Der Stufenrumpf mit

scharfem V und der

sehr markante negative

Steven sorgen sicher

für Fahrvergnügen.

62 1/2022


In der Basisversion

eine L-Bank, in der Top-

Version eine L-Couch.

Motoren gibt es von

250 bis 350 PS, im Bild

die 300 PS-Version.

Sonnendeck.

Steuerstand

mit zwei Sitzen.

Cruising Speed: 26 Knoten bei

4.500 bis 5.000 U/min, der Verbrauch

liegt dann bei ca. 50 l/h.

„ Die Ryck 280 als Multitalent mit herausragendem

Design ist leicht zu manövrieren und zudem trailerbar,

was sie zu einem flexiblen Weekender in nahen und

fernen Revieren macht.“

Andrea Zambonini, Produktmanager

GETESTETES TOP-MODELL

Die Ryck 280, die wir testen durften,

war eine ziemlich üppig ausgestattete

Version. Die Yacht wurde von einem

Mercury Verado-Motor mit 300 PS

angetrieben. Auf dem Boot gab es ein

bequemes L-förmiges Achter-Sofa,

unter dem sich neben einem großen

Staufach zwei Schubladenkühlschränke

befanden, außerdem ein Klapptisch

und eine sehr bequeme Sonnenliege für

zwei Personen im Bugbereich. Hinter

den Sitzen am Steuerstand befand sich

eine Wetbar mit einem zweiflammigen

Gaskocher und einer Spüle. Ein solides

T-Top schützte uns vor Regen oder

übermäßigem Sonnenschein.

Auf dem getesteten Boot hatten wir

auch eine Wohnkabine für zwei Personen.

Die Kajüte ist geräumig, hell und

erstaunlich hoch, mit einem sehr breiten

und über zwei Meter langen Doppelbett,

auf dem man bequem sitzen

kann, ohne Gefahr zu laufen, mit dem

Kopf an die Decke zu stoßen. An der

Steuerbordseite der Kabine befindet

sich eine separate Toilette mit Waschbecken

und Schränken, auf der Backbordseite

gibt es Kleiderschränke, man

könnte hier aber auch eine Miniküche

mit Mikrowellenherd einrichten.

SICHER AN DECK

Auf dem Deck der Yacht kann man sich

bequem und geschützt bewegen. Die

Bordwände sind hoch genug (0,6 m),

um mit Kindern sicher zu reisen. Am

Bug sind die Seitenwände niedriger,

Ryck 280

Gesamtlänge

Breite

Tiefgang

Verdrängung

Kraftstofftank

Wassertank

Motoren

CE-Kategorie

9,51 m

2,81 m

0,91 m

2.070 kg

300 l

88 l

Mercury Verado 250/300/350 PS

Max. Personenanzahl 8

Basispreis ohne Motor exkl. USt. 58.690,–

Händler: Hanse (Deutschland) Vertriebs GmbH & Co. KG,

D-83233 Bernau am Chiemsee, Chiemseestraße 65

è www.hanseyachtsvertrieb.de

C

1/2022 63


Ryck 280

„ Die Kajüte ist geräumig, hell und erstaunlich

hoch, mit einem sehr breiten und

über zwei Meter langen Doppelbett.“

aber dort ist das gesamte Deck von

hohen, soliden Geländern umgeben.

Sehr angenehm: Der gesamte Cockpitbereich

befindet sich auf einer

Ebene. Die einzigen Stufen auf der

Yacht sind die, die zur Kabine führen,

eine niedrige Stufe von der

Badeplattform zum Cockpit und

zwei Stufen, die sich auf beiden

Seiten des Steuerstands befinden

und vom Cockpit zum Bug führen.

RUHIG BIS ZU 40 KNOTEN

Bei den Testfahrten bei kabbeliger

See wurden der Stufenrumpf mit

scharfem V und der sehr markante

negative Steven auf eine harte Probe

gestellt. Die Befürchtungen, mit dem

geraden Bug bei großen Wellen

Wasser aufzunehmen, zerstreuten

sich rasch.

Die Ryck ist sehr manövrierfreudig

und kommt dank des gestuften

Rumpfs rasch und fast unmerklich

ins Gleiten. Bei unserem Test haben

wir eine Höchstgeschwindigkeit von

37 Knoten bei 5.800 U/min erreicht.

Bei ruhiger See wären wohl auch

40 Knoten zu schaffen. Die angenehmste

Reisegeschwindigkeit liegt

bei etwa 26 Knoten, somit bei etwa

4.500 bis 5.000 U/min. Die Ryck ist

dann leise unterwegs, und der Kraftstoffverbrauch

liegt bei 50 l/h. Bei

Höchstgeschwindigkeit verbraucht

sie etwa 94 l/h.

FAZIT

Mit der Ryck 280 reiht sich die HanseYachts

AG in die wachsende und

immer beliebter werdende Familie

der Wochenend-Familienboote ein.

In diesem Segment ist die Konkurrenz

ziemlich stark, aber die neue

Marke besitzt einen starken technischen

und Marketing-Background.

Auch das Boot selbst hebt sich

mit seiner interessanten Linienführung,

dem negativen Steven und der

Möglichkeit, aus vielen individuellen

Optionen zu wählen, von den Mitbewerbern

ab. Natürlich lockt es

auch mit seinem attraktiven Preis.

Man kann also davon ausgehen, dass

sich Ryck ein ordentliches Stück

vom Kuchen abschneiden wird.

Mit dem passenden Zubehör wird aus der

Ryck 280 ein familienfreund licher Weekender,

ein wassersporttauglicher Flitzer

oder ein komfortables Fischerboot.

64 1/2022


PANORAMA

Tipps, Trends & Neuheiten

Solarhaupt

Die Silent 100 Explorer

mit geöffnetem Hardtop.

E-KAT. Nachdem das neue Flaggschiff, die

100 Explorer, auf dem Cannes Yachting

Festival vorgestellt wurde, hat die in Kärnten

beheimatete Werft Silent Yachts bereits

das erste Exemplar des solarelektrischen

Katamarans mit einer geplanten

Auslieferung im Jahr 2023 verkauft. Der

31-Meter-Kat besitzt Solarzellen, die bis zu

40 kWp produzieren und die gemeinsam

mit zwei bis drei Dieselgeneratoren Batterien

mit einer Kapazität von 800 kWh laden.

Zwei 340 kW-Elektromotoren bringen

14–16 Knoten Fahrt. Einmalig: Das mit

Solarpaneelen bestückte Hardtop kann geöffnet

werden und gibt ein Flydeck frei, das

als Sonnendeck oder Hubschrauberlandeplatz

genutzt werden kann.

è www.silent-yachts.com

Auf den Spuren der Möwen

RADAR. Mit den Cyclone-Radarsystemen

hat Raymarine neue High-

End-Geräte vorgestellt, die sich haupt ­

sächlich an Fischer-, aber auch Powerboot-Besitzer

richten. Die Form der

Antenne wurde von Flugzeugflügeln

inspiriert und sorgt für die höchste

Windwiderstands fähigkeit (bis 100

Knoten!) dieser Geräteklasse. Die

RangeFusion-Tech nologie liefert eine

überragende Auflösung von Radar ­

echos sowohl im Nah- als auch im

Fernbereich. Ein verstärkter „Bird-Mode“

erkennt Seevögel auf große Distanzen,

womit sich Fischschwärme leichter

finden lassen. Die Sendeleistung bei

den Cyclone-Antennen

liegt bei 55 Watt und bei

den CyclonePro Antennen bei 110

Watt. Alle Cyclone-Geräte arbeiten

mit den Axiom, Axiom+, AxiomPro

und den AxiomXL-Multifunktions­

Bildschirmen.

è www.yachtelektronik.at

Cyclone: Kann trotz

Flügelform nicht fliegen,

sonst aber fast alles.

Markenzuwachs

Galeon 500 Fly.

ÖSTERREICH-VERTRETUNG. Neben

der Werftvertretung für Sunreef Katamarane

hat Florian Zimmermann mit

seiner Firma Promare nun auch die

österreichische Vertretung für Galeon

und Greenline ins Portfolio genommen.

Möglich wurde das durch eine

Koopera tion mit Atal Nautica und

Aventure Boats aus Slowenien, die

diese Marken seit Jahrzehnten sehr

erfolgreich repräsentieren. Die Modelle

der Greenline-Werft können jederzeit

im Testcenter in Izola besichtigt

werden. Von der Marke Galeon

stehen Promare sogar noch einige

wenige Slots für die Saison 2022 zur

Verfügung. Darunter die Bestseller

500 Fly und 510 Skydeck und ebenfalls

die 440 Fly.

è www.pro-mare.com

Wärmespeicher

MID-LAYER. Die neue Cell-Isolationsjacke

von Zhik soll beim Wassersport

und an Land warm halten.

Dank der schmalen Passform und

der atmungsaktiven Konstruktion

ist die Jacke ideal als Zwischenschicht

unter einer Shell-Jacke. Die

verschweißte Beschichtung sorgt

dafür, dass weder Wind noch Wasser

durch die Nähte eindringen kann.

Gefüttert ist die Jacke mit Repreve,

einer recycelten Faser, die nur wenig

Wasser aufnimmt und schnell

trocknet. In Schwarz oder Platin zu

einem UVP von € 169,95 erhältlich.

è www.zhik.com

Wärmt, ohne

dick aufzutragen.

SIND SIE BEREIT

FÜR MEER?

MEHR BERATUNG,

MEHR SERVICE,

MEHR KOMPETENZ.


Mini Transat 2021

Ich hab

gebetet

Mit der Teilnahme am Mini Transat 2021 stellte

sich Christan Kargl erneut einer französischen

Übermacht. Er trotzte mit seinem 6,5-Meter-Boot

nicht nur Unwettern, Stromproblemen und

Sprachbarrieren, sondern sicherte sich nach

all den psychischen und physischen Strapazen

auch noch einen Platz im Spitzenfeld.

Interview TAHSIN ÖZEN | Fotos VINCENT OLIVAUD

Sechster im Gesamt-Ranking – wie

fühlst du dich nach all den Strapazen?

Bin auf mich selbst mächtig stolz

und hab vor allem auf der ersten

Etappe gezeigt, was mit einer doch

heiklen Wettersituation schaffbar

ist. Ich hab glaub ich die Situation

am besten genutzt und mit dem

Stopover im südlichsten Hafen eine

taktisch gute Leistung abgeliefert.

Jetzt in Guadeloupe ist die Erleichterung

sehr groß und vor allem die

letzten Tage vor dem Ziel waren

voll von Unsicherheit und Selbstzweifel.

Umso größer ist die Last,

die im Ziel von den Schultern gefallen

ist. Das Gefühl ist unbeschreiblich,

auch wenn die Umstände hier

in Guadeloupe nicht viel Partystimmung

aufkommen lassen.

Sturmwarnung noch in spanischen

Gewässern, und dann bricht auch noch

die Stromversorgung zusammen.

Wie heikel war die Lage tatsächlich?

Ich habe mich recht eng mit Melwin

Fink abgesprochen und den südlichsten

Hafen als Stopover in den

Büchern gesucht. Das erschien uns

taktisch sinnvoll und wir waren

sehr verwundert, als wir gehört

haben, dass alle schon 36 Stunden

vor der Front zügig in die Häfen

fahren. Von einer Absprache zwischen

den Seglern und einem

geordneten Neustart haben wir

aufgrund der fehlenden Info auf

Englisch nichts mitbekommen.

Die Sturmwarnung selbst war eindringlich

und nachvollziehbar. Kap

Finisterre ist bei aktiven Kaltfronten

sicher einer der Plätze, wo man

definitiv nicht sein möchte. Die von

der Küste reflektierte Welle und das

vorgelagerte Unterwassergebirge

erzeugen un geheure Kreuzseen und

massive Brecher – kein guter Platz

für Minis. Wir wussten, dass die

Fronten im Süden deutlich schwächer

sein würden, und wurden

durch den spanischen Wetterbericht

um 15 UTC bestätigt. Der

Ausfall der Batterie war ein ziemlich

blöder Zeitpunkt, am Anfang

der Nacht. Das hieß kein Schlaf

und keine Möglichkeit, Segel zu

wechseln oder zu reffen. In der

darauffolgenden Nacht noch eine

Front ohne Autopiloten abzuwettern,

war keine Option und vor

allem in einer der meistbefah renen

Schifffahrtsrouten Europas nicht

ratsam. Somit war der Stop, um zu

schlafen, auch taktisch sinnvoll.

Sturmwind, hohe Wellen, kein Schutz –

haben dich die Geister von 2005 an

Bord heimgesucht?

Die erste Front in der Biskaya war

hart und deutlich intensiver als in

unseren Meteo-Briefings angekündigt.

Ich bin mit Fock und zwei

Reffs mehrmals bei Hagel und

Regenschauern flach am Wasser

gelegen. Ich hab gebetet, dass die

OneSails-Wäsche das unbeschadet

überstehen wird, und konnte erst

in den frühen Morgenstunden aufatmen,

als die kleinen Cumulus-

Wolken die Rückseite der Front

angekündigt haben. Ich war tatsächlich

recht angespannt, an Schlaf

war ohnehin nicht zu denken. Die

Geister von 2005 hab ich nicht

ge sehen und die restliche Transat-

Regatta war auch kein Sturm mehr

in unserem Fahrwasser.

66 1/2022


Mit Skipper Melwin Fink scheinst du

nun auch einen Sohn gefunden zu

haben …

Ich denke, dass die gesamte deutsche

Truppe mit Lina, Melwin, Lennart

und Marc sehr gut zusammengehalten

hat. Wir haben natürlich

auch Informationen ausgetauscht

und uns gegenseitig gepusht. Ganz

ehrlich, diesen Gegenpol zur französischen

Clique brauchten wir und

haben immer wieder auf englische

Übersetzungen gedrängt. Mit den

Protesten und Anträgen auf Wiedergutmachung

mussten vor allem

Melwin und ich ganz eng

zusammenrücken. Wir haben in

akribischer Kleinarbeit Daten über

die Stopovers der Konkurrenz gesammelt

und ausgewertet und viele

Argumente gegen die Entscheidung

des Protestkomittees zusammengetragen.

Leider kam es nie zu einer

vernünftigen Anhörung, aber zusammengeschweißt

hat das natürlich

ganz enorm. Ich sehe Melwin

nicht als Sohn, aber 44 Lebensjahre

entspannen dann doch ein wenig

und diese Gelassenheit habe ich

versucht, an Melwin weiterzugeben.

Das Mini-Transat gilt auch als Teststrecke

für Innovationen. Womit warst

du an Bord der All Hands on Deck sehr

zufrieden, was wäre noch ausbaufähig

oder neu zu denken gewesen?

Als Serienboot sind die Innovationen

nicht ganz so offensichtlich

und beschränken sich auf Details

in der Ausrüstung. Die geklebten

Solarpaneele von Solbian sowie

zwei Hochleistungs-Flex-Paneele

waren eine perfekte Lösung für

mehr als genug Energie auf der

zweiten Etappe und extrem zuverlässig.

Auch die akribische Suche

nach der leichtesten Ausrüstung

(Paddel, Ankerkette …) hat sich

definitiv ausgezahlt. Die spannendsten

Innovationen bei den

Prototypen waren unter anderem

Teleskop-Kiele und aufblasbare

Segel, wie das in ähnlicher Weise

beim America’s Cup umgesetzt

wurde, sowie neue Foils, die tatsächlich

auch die 6,5 Meter langen

Offshore-Flitzer aus dem Wasser

heben.

Ist das Minitransat 2021 wirklich dein

letztes großes Hochseerennen, wie du

vor der Regatta schon verkündet hast?

Das ist eine echt schwierige Frage,

aber vorrangig ist nach dem dreijährigen

Projekt nun mal meine Familie.

Die ist während dieser psychisch wie

physisch fordernden Zeit definitiv zu

kurz gekommen. Im Moment sacken

gerade die Erlebnisse und ich bin

sicher, dass in ein oder zwei Monaten

irgendwas Spannendes auftaucht –

mal schauen …

Die All Hands on Deck ist verkauft

und ich bin sehr stolz, dass Lisa

Berger mit meinem Maxi eine weitere

Kampagne für das Mini Transat 2023

startet. Dafür stehe ich natürlich mit

all meinem Wissen zur Verfügung

und freue mich, Lisa bei der Erfüllung

ihres Traumes zu unterstützen.

Es gibt noch zwei weitere Projekte

von Martin und Roland. Beide haben

bereits Minis gekauft und starten

ebenfalls im Frühjahr mit dem Projekt

Mini Transat 2023 bzw. 2025.

Ich bin daher sehr stolz, dass unsere

recht kleine Segel-Community in

Österreich noch weitere „verrückte“

Solosegler hervorbringt.


26 Tage, 23 Stunden und

58,5 Minuten benötigte

Christian Kargl für den

Mini Transat EuroChef

2021 und belegte den

6. Platz im Gesamtranking.

Der 19-jährige

Deutsche Melwin Fink

wurde Dritter, sein

Landsmann Lennart

Burke 20. Auf Platz 1

segelte Favorit Hugo

Dhallenne in 26 Tagen

und 2 Stunden.

è www.minitransat.fr

„ Der Ausfall der Batterie war ein blöder Zeitpunkt,

am Anfang der Nacht. Das hieß kein Schlaf und

keine Möglichkeit, Segel zu wechseln oder zu reffen.“

1/2022 67


Alpe Adria Sailing Week

Abenteuer

und Meer

Nachdem sie zweimal verschoben werden musste, wurde die 14. Alpe Adria Sailing

Week im Oktober doch noch gestartet. Die Freude war da, dann kam aber auch

die Schwarze Bora: Aufgrund der Gefahr musste die Regatta vorzeitig beendet

werden. Womit die eigentliche Herausforderung begann – die Yachten in der Nacht

in Sicherheit in ihre Heimathäfen zurückzubringen. Ein Erfahrungsbericht von

Profiseglerin Conny Schifter, die sich ihre fünfte Teilnahme an der Regatta wohl

etwas anders vorgestellt hatte.

Text CONNY SCHIFTER | Fotos UDO REICHMANN

Die 14. Alpe Adria Sailing

Week (AASW) hatte keinen

leichten Start. Letztes Jahr

aufgrund der Pandemie abgesagt,

musste die Regatta heuer aus

demselben Grund von Mai auf

Oktober verschoben werden. Am

3. Oktober dann endlich das „Go“

in der Marina Punat auf der Insel

Krk. Am ersten Tag nach dem

ersten „Staberl“ zu wenig Wind

für weitere Wettfahrten, am zweiten

Tag zu viel Wind, am dritten

Tag eine verkürzte Wettfahrt. Und

dann begannen die Probleme erst

so richtig.

DIE VORBEREITUNGEN

Der Wetterbericht hatte für die

nächsten Tage eine Schwarze Bora

vorausgesagt, weitere Wettfahrten

waren keine Option mehr. Vorrangiges

Ziel war es jetzt, die Segelyachten

von Punat möglichst

schnell in Sicherheit in ihren Heimathafen

nach Murter zu bringen.

Bei einer kurzen Skipperbesprechung

wurde genau das abgeklärt.

Die Veranstalter organisierten

Pizza am Steg, während die Crews

die Boote klar für den Starkwind

machten. Spibäume wurden verräumt,

die doppelten Schoten

aufgeschossen – es war offensichtlich,

sie würden in den nächsten

zwölf Stunden nicht zum Einsatz

kommen.

Das Tape auf den Beschlägen

und Klampen und die Protestflagge

am Achterstag wurden entfernt.

So verwandelten sich die

Schiffe langsam von Regattabooten

wieder in Fahrtenyachten.

Bald war eine gewisse Anspannung

unter den Crews bemerkbar,

am Steg wurden Diskussionen geführt.

Tipps und Routenoptionen

wurden ausgetauscht. Wo würde

der Wind schwächer oder die

CONNY SCHIFTER

ist Fahrtenseglerin,

Regattaseglerin und als

Ausbildnerin für den

Yacht Club Austria tätig.

68 1/2022


Richtung vorteilhafter sein?

Am Abend ging es dann los.

STURMFAHRT

An Bord unserer Leo waren wir

zu viert. Alle hatten ausreichend

Erfahrung, was die Wacheinteilung

recht einfach machte: jeweils

zwei Personen zu je drei Stunden.

Kurz nach dem Auslaufen blies

bereits ein angenehmer Wind,

der uns volle Segel setzen ließ.

Es war ein wunderschöner Abend,

die ersten Sterne waren schon zu

sehen, und das Schiff rauschte am

Wind dahin.

Während meiner Wache, zwei

Stunden waren bereits vergangen,

begrüßte uns die Schwarze Bora

mit all ihrer Kraft. Als bei maximal

gerefftem Segel, 30 Knoten

Böen und einer besetzten Großschot

wie im Regattamodus unsere

Leo trotzdem noch zu luvgierig

war, beschlossen wir, das Großsegel

ganz zu bergen und nur

mehr mit stark gereffter Genua

weiterzusegeln.

Schiff und Crew waren sofort

wieder entspannt und ruhig. Mit

dem Ende meiner Wache setzte

der Regen ein und der Wind ließ

nach. Während meine Crew-Kollegen

das Ölzeug fester um sich

wickelten und den Motor starteten,

kroch ich müde ins Bett.

Zu meiner nächsten Wache war

der Regen zwar noch da, die Bora

dafür aber auch wieder zurück.

Nur mit Vorsegel erkundeten wir

mit dem Fernglas unsere Gegend,

identifizierten Leuchtfeuer, beobachteten

andere Boote.

Der Sonnenaufgang zauberte

ein Lächeln in unsere vor Kälte

ganz rot gewordenen Gesichter

und als der Regen dann auch noch

aufhörte, waren wir überglücklich.

1/2022 69


Alpe Adria Sailing Week

Alles neu macht der

Mai: Die Einheitsklasse

wird ab 2022 auf Elan

E4-Yachten gesegelt.

HAPPY END

In Murter angekommen, trafen

wir auf unsere Segelkollegen.

Alle waren müde und durchgefroren,

aber wohlauf. Die Verwunderung

war groß, als wir

erfuhren, dass die Busse aus Krk

Verspätung hatten, weil die Brücke

zum Festland gesperrt war.

Anscheinend darf sie ab einer

Windgeschwindigkeit von

120 km/h nicht mehr befahren

werden. Während wir Richtung

Süden dem wirklich starken

Wind davongesegelt waren, hatte

die Bora mit all ihrer Wucht in

Punat zugeschlagen. Einige

wurden bei dieser Information

etwas bleich um die Nase.

Als wir abends gesund und

sicher zurück in Punat waren,

konnte man die Erleichterung

in den Gesichtern der Veranstalter

sehen. Auch wenn die diesjährige

Alpe Adria Sailing Week

ganz anders als erwartet ablief,

passte das Motto „Segeln unter

Freunden“ wie immer.

Der Einsatz und die Hilfsbereitschaft

jedes Einzelnen und

die Zusammenarbeit aller ist

nicht nur gelebte Seemannschaft,

sondern zugleich Motivation der

Veranstaltung. So stelle ich mir

„Segeln unter Freunden“ vor

und genau das ist es, was die

Alpe Adria Sailing Week so besonders

macht. Freu mich schon

auf das Wiedersehen 2022!

Mit Elan ins nächste Jahr

Neue Regatta, neue Flotte, neues Glück: Organisator Fritz Abl

über die letzte und nächste Ausgabe der Alpe Adria Sailing Week.

Die herannahende Schwarze

Bora und die ständigen

Wetterwarnungen der

offiziellen Wetterdienste ließen

keinen Gedanken an weitere

Wettfahrten mehr zu“, erklärt

AASW-Organisator Fritz Abl im

Nachhinein noch einmal das Ende

der Regatta nach nur zwei Wettfahrten

und erzählt, wie erleichtert

er war, dass es dann noch alle

Crews geschafft hatten, die Nachtund

Sturmfahrten in die Heimathäfen

gesund und ohne Schäden

an den Yachten zu überstehen.

„Das war große Seemannschaft

genau nach unserem Motto ,Segeln

unter Freunden‘, auch wenn’s

einmal richtig hart wird!“ Genau

unter diesem Motto wird auch die

15. Alpe Adria Sailing Week stehen.

Starttermin ist der 22. Mai

2022, Ort des Geschehens wieder

die Marina Punat auf Krk.

Ein neues Highlight kann Fritz

Abl, Crew-Commander des YCA

Kärnten, schon jetzt ankündigen:

„Wir haben uns entschlossen, die

Einheitsklasse-Flotte nach sechs

Jahren auf den Beneteau First 35

zu wechseln, und können im Mai

2022 mit neueren und schnittigeren

Elan E4-Yachten um den

32. Austria Cup segeln.“

15. Pantaenius Alpe Adria

Sailing Week, 22.–26. Mai 2022,

Information und Anmeldung

unter

è www.aasw.at

FRITZ ABL

ist Crew-Commander

des YCA Kärnten.

Die traditionsreiche Alpe Adria Sailing Week

kommt auch bei den Nachwuchs-Talenten des

Yacht Club Austria besonders gut an.

70 1/2022


MARINA PUNAT — THE LARGEST MARINA OF NORTHERN ADRIATIC

A FAVORITE DESTINATION AND HOME PORT OF MANY BOATERS

Restaurants | Hotel & Resort | Pool & Lounge | Bungalows

Surrounded by nature for carefree stay with complete privacy

#marinapunat

www.marina—punat.hr


Alpe Adria Challenge

Vereint segeln

Ende September fand in Kroatien die erste Freundschaftsregatta von YCA

und OSYC, den zwei mitgliederstärksten Hochseevereinen Österreichs, statt.

Resümee: abwechslungsreiche Bedingungen, dramatisches Finale und viel Spaß.

Text WOLFGANG GEMÜND | Fotos VERANSTALTER

Am 27. September fiel in

Biograd der Startschuss

zur ersten Alpe Adria

Challenge. Schon 2017

überlegten sich der Yacht Club

Austria (YCA) und der Austrian

Offshore Yacht Club (OSYC)

eine gemeinsam auszutragende

Langstreckenregatta, aber bis zur

Durchführung sollte es – auch

Covid-19-bedingt – fünf Jahre

lang dauern.

Ende September trafen sich

schließlich jeweils drei Teams der

beiden Hochseevereine zur freundschaftlichen

Wettfahrt. Die Strecke

führte nonstop 160 Seemeilen von

Biograd über Hvar nach Vis und

über Žirje wieder retour nach Biograd.

Gesegelt wurde mit sechs

Bavaria Cruiser 46 OD. Für einige

Teilnehmer war dies die erste Regattaluft

überhaupt, und so freuten

sich alle auf spannende zwei bzw.

drei Tage/Nächte auf hoher See

unter Segel.

Es war alles dabei: von Windflaute

bis Bora, Ententeich und Kreuzsee,

Rennzicken und Stehpartien,

von wunderschönen Sonnenaufund

-untergängen unter Segeln,

Hochs und Tiefs, Seekrankheit und

verkühlten Teilnehmern bis zu

gutem Essen und wärmendem Tee,

Schwitzen und Frieren und einem

schlussendlich spannenden Finale.

JEDE SEKUNDE ZÄHLTE

Nach 32 Stunden konnte die

Evodia unter Skipper Manfred

Strobl (OSYC) das Rennen mit nur

50 Sekunden Vorsprung auf die

Bella III (Skipper Helmut Pleischl,

OSYC) für sich entscheiden.

Die Enigma (Skipper Bernhard

Nestinger, OSYC) erreichte vier

Stunden später das Ziel, noch länger

brauchten die Cara (Skipper

Christian Köhler, YCA) und die

Neo Star V (Skipper Franz Schalk,

YCA). Leider Pech hatte die Crew

72 1/2022


der Sirius (Skipper Harald Schwanzer,

YCA), die mit technischem Schaden

( lockere Innenwant und somit instabiler

Mast) aufgeben musste. In der Gesamtwertung

gewann damit natürlich der

OSYC erstmalig und verdient den Alpe

Adria-Challenge-Wanderpokal und auch

das Blaue Band für das schnellste Schiff.

Gemeinsamer Tenor: Der Testlauf war

ein Erfolg, man freut sich auf die nächste

Langstreckenregatta! Die einen, weil sie

die ersten Plätze verteidigen, und die

anderen, weil sie sich den Wanderpokal

auch holen wollen.

Der Termin für die zweite Alpe Adria

Challenge steht schon fest: 1. bis 8. Ok tober

2022! Das Starterfeld dürfte deut lich

größer ausfallen, denn geplant ist, viele

weitere österreichische Clubs mit an Bord

zu holen.


è www.aasw.at

Die erste Alpe Adria

Challenge wurde

zwischen dem YCA und

dem OSYC ausgesegelt.

Die Flotte wächst

Die fünf Bavaria 46 Cruiser der AAC

(Beitrag links) wurden von Pitter

Yachtcharter gestellt. Die Flotte des

Kroatien-Experten wird 2022 mit

36 neuen Yachten glänzen.

BEST OF. Klaus Pitter freut sich über den großen CEO KLAUS PITTER

freut sich über Nachwuchs

in der Pitter

Nachwuchs in der Familie: Yachten der Werften

Bavaria, Dufour, Jeanneau, Beneteau, Fountaine Yachtcharter-Flotte.

Pajot, Bali und Lagoon – allesamt Baujahr 2022

werden für die Gäste bereitstehen. Doch welche

sind die persönlichen Favoriten des begeisterten

Regatta- und Fahrtenseglers?

„Bei den Bavaria Yachten ist es

eindeutig die Bavaria Cruiser 46.

Sie ist die ideale Urlaubsyacht für

Familien und größere Freundesrunden,

ein bewährtes Konzept

von Bavaria mit bestmöglicher

Raumausnutzung und einfachem

Handling. Ein wirklich schönes

Schiff mit guten Segeleigenschaften,

großer Badeplattform und Bavaria 46 Cruiser.

den größten und breitesten Vorschiffskabinen

in ihrer Klasse.

Bei den Dufour Yachten beliebt

sind die 470, die 430 und die 390.

Mir gefällt die goldene Mitte, denn

die 430 ist ein sehr komfortables

Schiff mit besten Segeleigenschaften.

Aber auch ein elegantes Urlaubsschiff

mit 4 Kabinen, wobei Dufour 430.

die Stockbettkabine als zusätzlicher

Stauraum genutzt werden kann.

Bei den Katamaranen ist die

Astréa 42 von Fountaine Pajot

mein Favorit. Sie hat ein modernes

Erscheinungsbild mit riesigem

Cockpit und jede der vier Kabinen

verfügt über ein eigenes WC. Im

Gesamten ein sehr großzügiges

Astréa 42.

Konzept mit viel Komfort, sie hat

alles, was man sich für einen tollen

Segelurlaub auf einem Katamaran wünscht. Sie hat

viel Platz für bis zu zehn Personen und auch der Steuermann

bzw. die Steuerfrau ist dank des halbhohen

Steuerstandes beim Bordleben stets aktiv dabei und

hat dennoch immer einen optimalen Rundumblick.

Natürlich bin ich auch schon gespannt auf die neue

Isla 40, das Nachfolgermodell der Lucia 40, weil sie

ein ideales Einsteigermodell und auch für kleinere

Gruppen eine tolle Option ist.“ Alle neuen Yachten:

è www.pitter-yachting.com

1/2022 73


German Open

Die „German Open“ sind seit jeher einer der

Höhepunkte der Jollenkreuzer-Segelszene und,

wie der Name schon sagt, fest in deutscher

Erfolgshand. Bis, ja, bis zu diesem Jahr.

Text ROLAND REGNEMER

Fotos MEDIAART/PACHSCHWÖLL

Die Gallier aus

dem Burgenland

Wer Andreas Zethner aus

Mörbisch kennt, weiß, der

41-jährige Burgenländer

ist kein Mann der lauten und großen

Worte. Aber einer, der Taten setzt.

Auf dem Wasser und auch zu Lande.

Auf heimischen Gewässern im Allgemeinen

und dem Neusiedler See

im Speziellen gilt er seit Jahren als

einer der Großen der Regattaszene.

Mit dem ersten Sieg eines rotweiß-roten

Teams bei den Internationalen

Deutschen Meisterschaften

2021 auf dem Bodensee trug er sich

gemeinsam mit Erich Zethner und

Günter Stagl in die Jollenkreuzer­

Geschichtsbücher ein.

ZEICHEN DER ZEIT?

Dabei ist vor allem der Weg zum internationalen

Titel bezeichnend. Im

Rückspiegel der letzten zehn Jahre,

aber auch im Zerrbild der aktuellen

gesellschaftlichen Ereignisse.Vor

knapp zehn Jahren entschloss sich

Zethner zum Kauf eines neuen Jollenkreuzers.

Die besten und schnellsten

Rümpfe kamen auch damals

schon aus Deutschland. Doch entgegen

der Gepflogenheit, sich ein zwar

maßgeschneidertes, aber doch fertig

gebautes Schiff zu kaufen, holte sich

der Burgenländer eine gerade einmal

zusammengeklebte Skizze einer fertigen

Rennyacht. Ober- und Unterdeck

waren verleimt, aber selbst die

Abdichtungs- und Lackierarbeiten

nahm er mit seinem Team selbst vor.

„Wir haben jede Schraube, jede

Klemme, jeden Block und jedes

System neu gedacht, geplant und

verbaut. Auch der Mast war bei

Lieferung nur ein Stück passendes

Aluminium“, so der Mörbischer.

Über den Winter wurde geschraubt,

gefeilt, gesägt und getüftelt. Unter

anderem auch mit OneSails-Mastermind

Christian Binder, der selbst die

eine oder andere Seemeile mit dem

Jollenkreuzer an Erfahrung einzubringen

hatte. Für die erste Saison

mit dem Eigenbau zeigte man mit

neuen Trimmsystemen, zahlreichen

Mo di fikationen in der Bedienung

und einem „Leinen-Klavier“ auf, das

auch im Cockpit so mancher Hochsee-Rennyacht

für Kopfzerbrechen

gesorgt hätte.

REDUZIERT AUFS MAXIMUM

Man muss in der Regattageschichte

schon bis ins Jahr 2013 zurückblättern,

um die Zethner-Truppe nicht

an der Spitze der heimischen Jahresrangliste

zu finden. Interessant ist

allerdings, wie Steuermann Andreas

Zethner die Etablierung dort erklärt

und auch die Parallelen zum Erfolg

bei den „German Open“ dazu zieht:

„Wir haben unser Boot über die Jahre

sukzessive zurückgebaut. Das Motto

war und ist „weniger ist mehr“. Weni­

74 1/2022


ger Trimmmöglichkeiten, einfachere Systeme

und Konzentration auf das Wesentliche – also

die Auseinandersetzung mit Wind, Wasser

und Gegnern. Unsere Erfahrungen waren,

dass Trimmeinrichtungen, die man nicht

ständig mitfährt, mehr Performance kosten,

als wenn sie gar nicht erst vorhanden sind.“

Den vorläufig finalen Beweis dazu haben sie

Ende der heurigen Saison auf dem Bodensee

angetreten. Der Sieg zum Internationalen

Deutschen Meistertitel führte über Konstanz

und die geringste Anzahl an Fehlern, letztendlich

ohne Wettfahrtsieg, aber mit drei

zweiten Plätzen in vier Wettfahrten.

„Wir haben uns in dem für uns Österreicher

doch ungewohnt großen und natürlich unglaublich

starken Feld durch Besinnung auf

unsere Stärken behauptet. Beim Start haben

wir uns aus dem Trubel rausgehalten, das eine

oder andere Mal auf die vermeintlich bessere

Position auf der besseren Seite verzichtet. Dafür

konnten wir unseren Stil durchziehen. Die

typischen Bodensee-Leichtwindbedingungen

sind eigentlich gar nicht unsere Stärke, umso

mehr stolz sind wir auf unseren Sieg.“

Ergebnis der German Open der 20 qm Jollenkreuzer

WV Friedrichshafen-Fischbach e.V., Bodensee/GER

1. Zethner/Zethner/Stagl (AUT) / 12 Pkt. (2, 6, 2, 2)

2. Magdanz/Madicke/Sekura (GER) / 14 Pkt. (3, 4, 4, 3)

3. Wendel/Diedering/Schaale (GER) / 15 Pkt. (10, 1, 3, 1)

10. Gottwald/Klenner/Kristen (AUT) / 35 Pkt. (13, 11, 6, 5)

Das siegreiche Trio

aus dem Burgenland:

Andreas Zethner, Erich

Zethner und Günther

Stagl zu Wasser,

im sicheren Hafen

und unter Spinnaker.

AUF INS PARADIES.

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IPS-Touchscreen-Display sorgt für breitere Betrachtungswinkel und

eine gestochen scharfe Anzeige. So ist der Bildschirm auch bei Wind

und Wetter optimal ablesbar. Die 7 und 9 Zoll Kartenplotter kommen

jetzt mit beinahe doppelter Prozessorleistung. Bei der Navigation

unterstützt dich die Auto Guidance Technologie und unsere

optionalen BlueChart g3 Seekarten.

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YACHT CLUB AUSTRIA

News Jänner/Februar 2022

FOTO: SHUTTERSTOCK

YCA-AUSBILDUNG

Die Straße von Messina

Bei der RYA Yachtmaster-Ausbildung steht vor allem die Praxis im Vordergrund. Sie ist eine spannende

Herausforderung und bringt viel Erfahrung in nicht alltäglichen Revieren und unter nicht alltäglichen

Bedingungen. Wenn zum Beispiel das Wasser kocht, Wirbel und brechende Wellen toben, täglich stark

wechselnde Strömungen herrschen – wie in der Straße von Messina.

Links: In der Straße von

Messina. Oben: Halt in

Riposto mit Besuch auf

dem Fischmarkt.

Text und Fotos CHRISTIAN SPERNER, RYA YACHTMASTER-AUSBILDNER

Von Nordwesten kommend

signalisiert uns der „Pilone

di Torre“ Faro von weitem

schon, dass wir auf einen besonders

interessanten Teil unseres Törns

zusteuern. Die Sonne scheint, der

Wind lässt uns im Stich, was aber

nichts ausmacht, die Straße von

Messina wollten wir sowieso unter

Motor passieren.

Mit Hilfe der App bereiten wir

uns darauf vor, was uns erwartet:

Strömungen bis zu 5 kn Richtung

SW nahe dem Festland, beim Punta

Pezzo im Verkehrstrennungsgebiet

etwas weniger, steuerbords, nahe

der Küste von Sizilien, wieder um

die 4 kn Richtung W. Diese unterschiedlichen

Strömungsgeschwindigkeiten

und -richtungen sind

auch Auslöser für die starken

Wirbel und brechenden Wellen.

Sechs Stunden später hätten wir

all das gegen uns gehabt.

Wenn das Wasser wieder etwas

ruhiger wird, nähern wir uns einem

interessanten navigatorischen Bereich.

Das Verkehrstrennungsgebiet

wird, bedingt durch den starken

Fährverkehr zwischen Festland und

Messina, mit einem „Kreisverkehr“

unterbrochen. Hier heißt es wirklich

aufpassen: Fähren, Frachter,

eine Menge kleiner Fischerboote

und manchmal auch Schwertfischerboote.

Mit Glück sieht man so ein echt

beeindruckendes Schwertfischfangboot

in Aktion. Der Bugspriet

ist bis zu 15 m lang, im Mast sitzt

der Kapitän und gibt die Befehle.

Schwertfische schlafen am Tag nahe

der Oberfläche, bei Leichtwind und

glattem Meer können sie leicht harpuniert

werden.

Nächste Station ist Riposto, eine

gut ausgebaute und gut geschützte

Marina, nördlich von Catania. Es

fällt schwer, an den Fischgeschäften

vorbeizugehen, ohne zumindest

einen ausgedehnten Blick auf das

reiche Angebot zu machen. Ebenfalls

dabei: Schwertfischsteaks.

Eine Überraschung bescherte uns

der Ätna. Als wir am Morgen aufwachten,

erkannten wir unser Boot

nicht mehr. Der Vulkan war in der

Nacht aktiv und hat unser Boot mit

einer schwarzen Aschenschicht bedeckt.

Glücklicherweise nur grobkörnige

Asche, die sich mit Wasser

leicht abspülen ließ.

Im Rahmen der RYA Yachtmaster-Ausbildung

im YCA wird man

auf solche und ähnliche Routen

und Reviere bestens vorbereitet.

Weitere Informationen gibt es

auf unserer Homepage mit der

Blog-Serie „Tides & Streams“!

Interessenten melden sich bei

è christian.sperner@yca.at

è www.yca.at

76 1/2022


YCA-AUSBILDUNG

Zwei neue RYA Yachtmaster

Die Vorbereitung begann bereits im November 2020. Angepasst an die Covid-Situation,

startete der Theoriekurs mit acht Teilnehmern. Der umfangreiche Stoff wurde dabei in

mehreren Zoom-Meetings und an einem Präsenz-Wochenende abgehandelt.

Text und Fotos CHRISTIAN SPERNER, RYA YACHTMASTER-AUSBILDNER

YACHT CLUB AUSTRIA

GENERALSEKRETARIAT

Estermannstraße 6, 4020 Linz

+43(0)732 781086, office@yca.at

www.yca.at

COMMODORE

Christian Schifter

+43(0)664 5315353

cschifter@yca.at

Tides, Streams, Secundary Ports,

Weather, Pilotage, Passage Planning

und vieles mehr wurde

durchgeackert und vertieft. Das eine

oder andere Thema aus den zurück ­

liegenden FB2/3-Kursen war natürlich

dabei. Um zur Prüfung antreten zu

können, müssen einige Praxisvoraussetzungen

erfüllt sein: vor allem die geforderten

Tidenmeilen und die 60 nm-

Passagen sind für manche noch eine

Hürde. Die beiden neuen RYA Yachtmaster

Offshore Chris G. und Christian

K. hatten diese bereits in der Tasche,

sodass sie prompt antreten konnten.

Nach einem Workshop zur Vorbereitung

ging es zum Tidal Training in den

Solent. Der Solent bietet alles, was an

Anforderungen beim Segeln gestellt

werden kann, und ist das ideale Revier,

um sich gezielt auf das Yachtmaster­

Examen vorzubereiten. Wir sehen diese

Trainingstage direkt vor dem Prüfungswochenende

auch als Perfektionstraining

für einen erfolgreichen Abschluss.

Der RYA Prüfer kommt für zwei Tage

an Bord. Er möchte dabei natürlich

wissen, wo die Grenzen des theoretischen

und praktischen Könnens der

zukünftigen Yachtmaster liegen. Ein

umfangreiches und faires Feedback

schließt die Prüfung ab.

Unsere beiden Kandidaten konnten

den Prüfer mit Bravour überzeugen.

Ein willkommener Anlass für eine

kleine Feier an Bord. Herzlichen

Glückwunsch!

Christian und Trainer

Gottfried bei der Tiden-

Planung vor der Passage.

Unsere beiden neuen

RYA Yachtmaster

Offshore: Chris

(l. vorne) und

Christian (r. hinten),

Tim (RYA-Prüfer

vorne Mitte) mit

der Crew Josef

und Rupert sowie

Trainer Gottfried

(r. vorne).

Josef meint: Das muss

doch gefeiert werden!

CREW WIEN, NÖ, BURGENLAND

Crew-Commander

Günther Holzinger

+43(0)664 2108020

guenther.holzinger@yca.at

CREW SALZBURG

Crew-Commander

Hubert Kraft

+43(0)664 9645011

hubert.kraft@yca.at

CREW OBERÖSTERREICH

Crew-Commander,

Generalsekretär

Thomas Hickersberger

+43(0)676 3067224

thomas.hickersberger@yca.at

CREW TIROL UND VORARLBERG

Crew-Commander

Johannes Lindig

+43(0)660 5208136

j.lindig@tsn.at

CREW KÄRNTEN

Crew-Commander

Fritz Abl

+43(0)664 2436871

office@yca-crew-ktn.at

www.yca-crew-ktn.at

Leuchtfeuerverzeichnis Adria

Text DR. HANS SCHMIDT

CREW STEIERMARK

Crew-Commander

Mike Hecker

+43/(0)0676 6086035

mike.hecker@yca.at

Die einzige deutschsprachige und

aktuellste Ausgabe des LFZ

ADRIA „von Capo Spartivento

bis zur griechischen Westküste“ ist ab

sofort KOSTENLOS als Online-Ausgabe

abrufbar. Dr. Hans Schmidt ist YCA-

Ehrenmitglied und Verfasser einer ganzen

Reihe nautischer Publikationen.

Nach 25 Jahren wurde die LFZ-Buch-

Ausgabe vom Verlag eingestellt, nachdem

das Buch mit den laufenden Nachträgen

zu einer „flatternden“ Ausgabe

angewachsen war. Auf vielfachen

Wunsch hat sich Dr. Hans Schmidt bereit

erklärt, die Online-Ausgabe mit den

aktuellsten amtlichen Mitteilungen der

hydrographischen Institute der Mittelmeer-Länder

weiterzuführen: „Und zwar

kostenlos, so lange dies möglich ist.“

Gratisbestellung einfach per E-Mail

an Dr. Hans Schmidt:

è nautik.schmidt@t-online.de

AUSBILDUNG

YCA-Ausbildungsleiter

Gottfried „Titzl“ Rieser

+43(0)664 3706027

gottfried.rieser@yca.at

NAUTISCHES

KOMPETENZ-ZENTRUM

Wolfgang Hurch

+43 (0)732 781086

wolfgang.hurch@yca.at

1/2022 77


YACHT CLUB AUSTRIA

News Jänner/Februar 2022

YCA-CLUBABEND

Endlich nach langer Zwangspause wieder

der erste Clubabend in voller Präsenz in

unserem bewährten Innsbrucker Stammlokal!

Wir knüpften Knoten und kochten Knödel –

live statt virtuell – und mit wachsender

Begeisterung.

Text INGRID KRISMER, FRANZ VOGLER

Fotos ANDREA STEIDL, INGRID KRISMER,

FRANZ VOGLER

Knoten knüpfen &

Knödel kochen

Knoten und Knödel

waren beim YCA-

Clubabend in Innsbruck

Programm.

Noch hielt sich der Andrang

in Grenzen, war es das

regnerische Wetter oder

doch die Angst vor Corona? Alle

Teilnehmer waren jedenfalls voll

motiviert. Birgit, Gabi, Claudia

und Ingrid finalisierten ihre mitgebrachten

Rohnen-, Kaspress-,

Leber- und Pizzaknödel vor Ort.

Die Leberknödelsuppe samt Krautsalat

ging als Sieger aus dem Kochduell

hervor und erhielt dafür das

Kochbuch „Kochen nach Beaufort“.

Nachdem der Hunger mittels

köstlicher und reichlich vorhandener

Knödel gestillt werden konnte,

ging es ans Knotenknüpfen. Ingrid

und Franz zeigten anhand der von

ihnen produzierten PowerPoint-

Präsentation neben den gängigen

Knoten auch eine „Affenfaust“,

den „Fancyknoten“ und den „Diamant-

oder Hohenzollernknoten“.

Diese wurden von allen auch

gleichermaßen erfolgreich nachgeknüpft.

Unser Ausbildungsleiter Günter

überraschte uns dann noch mit einer

„Schmetterlings-Schlaufe“ und

unser Crew Commander Johannes

mit der „langen Trompete“ (ein

Entlastungsknoten). Da der „beste

Knotenknüpfer“ nicht eindeutig zu

ermitteln war, ging der Preis – ein

kunstvolles „Knotenbrett“ – an die

Vortragenden Ingrid und Franz.

Herzlichen Dank an alle Knödelkocher

und Knotenknüpfer, die

zu diesem lustigen und genussvollen

YCA-Clubabend beigetragen

haben. Großen Applaus gab es

natürlich auch für unsere beiden

Veranstalter Ingrid und Franz für

diese originelle und äußerst lehrreiche

Präsentation!

78 2/2021 1/2022


YCA-AUSBILDUNG

Mein erster

Überstell-Törn

Ich bin Ivona, 22 Jahre alt und

habe im September 2020 die

FB2-Ausbildung beim Yacht

Club Austria begonnen. Der

Trainingstörn mit Trainer

Rupert Hutterer in Izola

hat mir die Augen geöffnet:

Ich muss noch viel lernen.

Text und Foto I V O N A B I L A N D Z I C ,

FB2 TRAINEE

Da kam mir das „Special

Offer“ des YCA gerade

recht. Wir Trainees haben

bekanntlich Vorrang bei Überstellungen

der Regatta-Yachten,

wie diesmal zum Austria-Cup in

Punat auf der Insel Krk.

Über die Nachtfahrt und das

reibungslose An- und Ablegen

des Segelbootes im Hafenbereich

machte ich mir schon gewisse

Sorgen. Dies änderte sich jedoch

rasch, als ich meinen Skipper

Gottfried „Titzl“ Rieser und den

Rest meiner Übersteller-Crew

kennenlernte. Die Crew kam am

Samstag in Jezera an. Um 15 Uhr

hieß es „Leinen los“. Ich hatte

gemeinsam mit Titzl die erste

Wache bis 21 Uhr und die zweite

Wache ab 3 Uhr mit der Hafenansteuerung

frühmorgens um

7 Uhr auf Punat.

Am besten gefallen hat mir

natürlich der großartige Sonnenuntergang

am Meer. Ein heißer

Kaffee mit Kuchen, eine sternenklare

Nacht, in der ich vieles über

die Sternbilder erfahren konnte.

Kurz vor der Hafeneinfahrt fragte

ich Titzl nach dem besten Tipp

für mich als Segel-Anfängerin,

wo raufhin ich die Antwort bekam,

dass Übung den Meister macht.

Dass man lernen muss, Ruhe zu

bewahren (er meinte „keep cool“),

und dass selbst die erfahrensten

Skipper immer noch Fehler machen.

Diesen Tipp nahm ich mir

beim Anlegen der Leo zu Herzen.

Ich war überhaupt nicht nervös

und legte das Segelboot einwandfrei,

rückwärts fahrend, allen üblichen

Unannehmlichkeiten zum

Trotz mit dem Heck – also „römisch-katholisch“

– an den Steg.

Dies war für mich der krönende

Abschluss eines lehrreichen und

spannenden Überstellungsörns.

Bei dieser Gelegenheit möchte

ich gerne junge engagierte Personen,

insbesondere Damen, dazu

motivieren, über den eigenen

Schatten zu springen und sich

dem Segelsport zu widmen. Um

vor allem eine neue, herausfordernde

Leidenschaft mit viel

„ Action, Sightseeing und Adventure“

zu entdecken.

Ich bedanke mich bei meinen

Crew-Mitgliedern Titzl, Thomas

und Ralf und freue mich schon

jetzt auf die nächsten spannenden

Törns mit dem YCA!

YCA-Services und

-Vorteilspartner

Wir bauen laufend unser Netzwerk zu starken

Partnern aus. Damit können wir unseren YCA-

Mitgliedern attraktivste Konditionen in vielen Bereichen

anbieten, siehe unsere Service-/Vorteils -

partner auf è www.yca.at

Marinas: Sondertarif für Tages- bzw. Jahres-

Liegeplätze. Italien: Marina Certosa (Venedig),

Marina Aprilia Marittima (Lignano*). Kroa tien:

Marina Vrsar, Marina Funtana, Marina Punat,

Marina Frapa in Rogoznica und Dubrovnik. Spanien:

Marine Project Iberia (Barcelona).

Charter: Müller Yachtcharter, Pitter Yachtcharter,

My SeaTime Yachtcharter d.o.o. (Kroa tien), Ionian

Charter (Griechenland), four seasons yachting

GmbH (Deutschland).

Service: MEC-Energietechnik, SeaHelp, Seemannsladen.at,

Thomas Pernsteiner, Schiffs-Sachverständiger,

ocean7-Magazin, Marina-Buchungsplattform

seasy.at

Versicherung: Pantaenius.

YCA-Stützpunkte: Alle Marinas wie oben angeführt

+ Ionian Charter.

Interessierten Sponsoren und Partnern bieten wir

gerne attraktivste Kooperationsformen und Möglichkeiten

für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Wir freuen uns auf Ihre Anfragen und Vorschläge:

è marketing@yca.at

* In Kooperation mit der Agenzia Adrianautica und

Agenzia Immobiliare-Nautica & Yachting San Marco.

YCA-Events und -Veranstaltungen

7. Jänner Online-Meeting OÖ Vorbereitung für FB3-Kartenarbeit

10. Jänner Online-Meeting FB3-Kurs Theorie Ausbildung

14. Jänner Online/Präsenz FB3 Kurs Theorie Ausbildung

18. Jänner Online Meeting Seminar für Sailing Apps – Jimdo

22. Jänner Ansfelden OÖ „Praxis des Funkens und GMDSS“

25. Jänner Linz-Dornach OÖ Clubabend: Kroatien und Konoba Guide

31. Jänner Online-Kurs Stmk. FB4-Kurs Theorie Ausbildung

4. Februar Graz SRC Short Range Certificate, 2 Tage

8. Februar Online-Workshop Radar-Plotting-Praxis

9. Februar Linz Seminar über Regattasegeln , 4 Abende

12. Februar Ansfelden OÖ „Navigation Apps analog/digital“

22. Februar Linz-Dornach OÖ „Rund Europa” D. u R. Pötschner

22. Februar Online Meeting Seminar für Sailing Apps – MS Excel

26. Februar Seiersberg Erste Hilfe-Kurs

Allfällige Änderungen vorbehalten.

Clubabende

Sämtliche YCA-Clubabende (online oder real), Aus- und Weiterbildungs-Möglichkeiten

tagesaktuell abrufbar unter è www.yca.at/vereinonline

Crew Kärnten: Clubabende 14-tägig, siehe è www.yca-crew-ktn.at

Gäste und Freunde sind an den YCA-Clubabenden ebenfalls willkommen!

1/2022 79


M

V

S

Ö

MOTORBOOTSPORT UND SEEFAHRTS VERBAND ÖSTERREICH

News Jänner/Februar 2022

Boralana 53 – Aqua! Aqua!

Heuer erreichten uns einige spektakuläre Bilder und Videos aus der Nordadria. Die SY Portopiccolo

touchierte die SY Joker und brachte eine kontroversielle Diskussion in Gang. Immerhin meldeten

einige Crews Windspitzen zwischen 30 und 40 Knoten. Ist eine Regatta unter diesen Bedingungen

Seemannschaft oder Wahnsinn?

Text HARALD SCHWANZER | Fotos BIRGIT MACHTINGER

Alljährlich am zweiten Oktoberwochenende

richtet sich

der Fokus der Segelszene

auf Triest. Die weltgrößte Regatta

startet genau vor den Toren der altehrwürdigen

Stadt. So sind Regattafelder

von 1.500 Schiffen Normalität.

Kleine Jolle bis zum schnittigen

Racer – an der „Molo Audace“ ist

alles vertreten. Sehen und gesehen

werden lautet die Devise.

Man promeniert entlang der

Stände und Zelte, findet regionale

Köstlichkeiten, Segelsportgeschäfte

und die neuesten Merchandisingartikel.

Trauben von Menschen

sammeln sich, wenn ein neuer Racer

aus einem fernen Land anlegt.

Skijet-Shows und kleine Klassenregatten

bieten Gelegenheit zum

Staunen. Ein Leckerbissen für Segler

vor einer wundervollen Kulisse.

Abseits des Barcolana Village sind

die Gassen ebenso voll. Man genießt

im Sonnenschein seine italienische

Kaffeespezialität oder einen

Aperol Spritz. Wer Glück hat,

ergattert noch einen Tisch am

Canal Grande di Trieste auf der

Via Gioacchino Rossini in einem

der zahlreichen Straßencafés.

Einzig der kalte Wind lässt einen

die Haube tiefer ins Gesicht rutschen.

Die Bora weht nun schon

den zweiten Tag. Kalt, böig, schneidend.

Und Triest ist eine ihrer beliebtesten

Einfallsschneisen, tobt

dort oft besonders wild. Der Wetterbericht

lässt für das morgige

Rennen keinen Zweifel entstehen!

Es wird eine windige Regatta. Die

einen munkeln von einer Absage

Die Barcolana in Triest

ist die größte Regatta

der Welt und als solche

auch im Guinness-Buch

der Weltrekorde eingetragen.

Die 53. Auflage

war wetterbedingt auch

eine der herausforderndsten

des Jahres.

der großen Regatta. Andere warten

geduldig auf eine offizielle Nachricht.

Noch ist keine Entscheidung

gefallen und die Registrierung läuft

planmäßig weiter?

NAHE DEM SONNENSCHUSS

Es ist Sonntag, der Tag des großen

Rennens. Das Bulletin des Race

Committee verlautbart um 08:37

Uhr: Heute Morgen fand die Wetterbesprechung

bei der Hafenbehörde

statt. Die Wettfahrtleitung

bestätigt auf Basis der OSMER-

Prognosen und der mit dem Hafenmeisteramt

geteilten Einschätzungen

die Abfahrt um 10:30 Uhr und

schließt Boote der Kategorien

Flunder, Meteor, IX und VIII vom

Start aus. Die Auswahl ergibt sich

aus der Vorhersage von deutlich

Nicht alle Crews hatten Stress.

Der Respekt fuhr mit – deutlich

mehr Abstand als üblich.

80 1/2022


HARALD SCHWANZER

ist Ausbildungsreferent

im Yacht Club Austria

der Crew Steiermark.

ansteigenden Bora-Böen auf der

Rennstrecke ab 12 Uhr mittags.

Wer die Barcolana schon einmal

erlebt hat, der kennt diesen ergreifenden

Moment. Man fährt allein

aus dem Hafen, nimmt Kurs auf

den Startbereich. Ein weiteres

Schiff gesellt sich hinzu, ein drittes

Schiff, ein viertes Schiff. Je näher

man dem Faro della Vittoria

kommt, dem beeindruckenden

Leuchtturm von Triest, an dessen

„ Einige Schiffe kommen

sichtlich in Schwierigkeiten.

Teilweise auch gravierende

Schwierigkeiten.“

BIRGIT MACHTINGER

ist Fotografin für

Business-Reportagen,

Reise- und Landschaftsfotografie.

Segeln ist

ihre Leidenschaft.

Gekentert – mitten im Teilnehmerfeld,

wenig Platz zum Ausweichen.

Antagonistisch – Unter Spi

am gebrochen Mast vorbei.

Fuß die Startlinie liegt, umso enger

werden die Reihen der Boote. Backbord,

Steuerbord oder achteraus:

Eine ungeheuerlich große Anzahl

an Booten ist gekommen, um dieses

Fest zu feiern. Die Bora hält

an diesem Vormittag noch Siesta.

Die Windanzeiger bleiben ruhig,

erste Segel werden gesetzt, der

Funk wird abgehört.

Der Start ist planmäßig und spektakulär

wie immer. Es ist schwer, die

Boje zwischen all den Booten auszumachen.

Irgendwo da vorne muss

sie sein. Aufgeregt sucht man den

Horizont ab, versucht anhand der

anderen Boote Orientierung zu finden,

blickt zwischen den Segeln

hindurch – vielleicht erhascht man

einen Blick auf die Boje, um Gewissheit

zu erlangen.

Kurz vor der ersten Boje fängt

das Spektakel an, die Böen werden

härter, die Windanzeige fängt an zu

tanzen. Man spürt, dass jederzeit

ein Sonnenschuss drohen kann.

Viele Boote fahren dennoch mit

Vollzeug, die Großschot ist ständig

besetzt. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt

dürfte auch das Video der

SY Portopiccolo entstanden sein.

Wer es noch nicht kennt: Zu finden

auf Youtube unter „Barcolana 53,

Il momento della rottura della

randa di Portopiccolo in fase di

partenza“ (Der Moment, als der

Portopiccolo das Großsegel reißt).

Oder kurz auch zu finden unter

„Portopiccolo crash“.

Die Böen nehmen entsprechend

den Prognosen deutlich zu. Einige

Schiffe kommen sichtlich in Schwierigkeiten.

Teilweise auch gravierende

Schwierigkeiten. Birgit Machtinger

ist als Fotografin mittendrin. Fängt

einige dramatischen Szenen mit der

Kamera ein. Um 11:23 Uhr wird

eine Verkürzung verkündet. Nur

30 Minuten später wird die nächste

Meldung verlautbart. Für die Kategorien

2, 3, 4, 5, 6 und 7 wird das

Rennen abgebrochen, verkündet

das Race Committee um 11:54 Uhr.

Die Verkürzung bei Marke 3 steht

für die Kategorien Mega Yacht,

Super Maxi, Maxi, 0 und 1.

Damit endet die 53. Barcolana für

die meisten Schiffe vorzeitig. Währenddessen

entzünden sich schon

die ersten Diskussionen: War es

fahrlässig, die Regatta zu starten?

MEHR WIND, MEHR TRAINING

An diesem Morgen waren die Entscheidungen,

die das Rennkomitee

treffen musste, wohl nicht einfach.

Die Lage wurde aufgrund des Ausschlusses

bestimmter Bootsklassen

wohl richtig eingeschätzt. Teilnehmer

berichten aber, dass dennoch

Boote dieser Klassen im Startfeld

gesichtet wurden. Die SY Noami

unter Skipper Gernot Rom (YCA),

die den beachtlichen 24. Platz in

der Klasse und den 76. Platz in der

Gesamtwertung erreichte, hatte ein

Erlebnis der besonderen Art. So

berichtet Steuermann Thomas

Hecker, dass eine Schwertjolle

knapp vor dem Bug kenterte und

er nur mit größter Mühe ausweichen

konnte.

Auf der SY Styria war Mike

Hecker (YCA), der in seiner Klasse

als 17. und Gesamt-57. das Rennen

beendete, Augenzeuge der oben

geschilderten Kollision der Portopiccolo

mit der SY Joker. Dennoch

berichtete er von einer „beherrschbaren

Lage“ und sah sich selbst nie

in einer kritischen Situation.

Am Ende muss wohl jeder Skipper

selbst entscheiden, ob er den

Bedingungen vor Ort gewachsen

ist. Ist die Crew fähig, Starkwindsituationen

zu meistern? Habe ich

an den neuralgischen Punkten die

besten Crewmitglieder positioniert?

Eines ist allerdings wohl unbestritten:

Um solche Bedingungen

zu beherrschen, bedarf es einer

fundierten Ausbildung, welche die

Trainees auch behutsam an ihre

Leistungsgrenzen bringt. Dazu gehören

auch Ausfahrten bei mehr

als 25 Knoten in Trainingswochen.

Natürlich nur, soweit es der jeweilige

Skipper verantworten kann.

Schwerwettertrainingseinheiten

sind eine Gratwanderung. „Man

fährt doch nicht mehr aus“, hört

man meistens.

Es ist einerseits gute Seemannschaft,

unnötige Risiken und Starkwind

zu vermeiden. Es ist andererseits

aber auch unabdingbar, dass

gute Seemannschaft auch mit

schwierigen Wetterbedingungen

fertig wird, damit die Sicherheit für

Crew und Boot zu keiner Zeit gefährdet

ist.

1/2022 81


Sailing Poetry

Gilgamesch trifft

auf Odysseus

Gilgamesch und Odysseus begegnen einander am Tor der Unterwelt; zwei Könige der Antike; auf

der Suche nach Unsterblichkeit der eine, nach dem glücklichen Leben eines Sterblichen der andere.

Gilgamesch, dem in der Unterwelt

Boot und Fährmann

abhanden gekommen sind,

bittet Odysseus, an Bord kommen

zu dürfen – was ihm gewährt wird.

Die Herren stellen einander vor:

Gilgamesch, König von Uruk,

Odysseus, König von Ithaka. Zwei

Könige der Antike, die Antworten

suchen. Ich suchte die Unsterblichkeit,

sagt Gilgamesch, und ich habe

die Pflanze des ewigen Lebens gefunden,

jetzt will ich heimkehren

nach Uruk. Du bist auf meinem

Boot willkommen, sagt Odysseus;

auch ich will heimkehren, nach

Ithaka. Von dort lasse ich dich

aufs Festland übersetzen, auf dem

Landweg gelangst du dann nach

Uruk … Bald heben die Herren an

Bord gemeinsam Nestors Becher.

Circe hat mir die Kurse nach

Ithaka beschrieben, erzählt Odysseus:

nach der Insel des rauchenden

Vulkans, den man das Leuchtfeuer

des Mittelmeeres nennt, Kurs

ALFRED ZELLINGER

ist Schriftsteller und

erlernte das Segeln in

der O-Jolle des Vaters

auf dem Traunsee. Dort

segelt er heute einen

30er-Schärenkreuzer,

auf dem Meer eine

46er Grand Soleil.

kolumne@ocean7.at

Der Stromboli, auch

„Leuchtfeuer des

Mittelmeeres“ genannt.

Süd, um Sizilien zu runden, was

der längere, aber sichere Weg wäre,

oder den kürzeren Weg, Kurs Südost,

durch zwischen den tödlichen

Strudeln der Charybdis auf der

einen und der mörderischen Scylla

auf der anderen Seite. Ich werde

den kürzeren Weg wählen …

Man löst die Leinen, die Männer

sitzen in Reihn und schlagen die

Wellen mit Riemen.

DIE LIEBHABER

Die Durchfahrt zwischen Scylla

und Charybdis gelingt, doch an

das vielköpfige Ungeheuer verlieren

sie sechs Seeleute. Dann bricht ein

Sturm los und das Schiff strandet

auf der Insel Ogygia. Dessen Herrin,

Kalypso, bewirtet die Herren,

verliebt sich in Odysseus, will ihn

zum Bleiben überreden mit dem

Versprechen des ewigen Lebens.

Doch Odysseus lehnt das Angebot

letztlich ab. Das ewige Leben erscheint

ihm weniger attraktiv als

das glückliche Leben eines Sterblichen.

Er lässt sein Boot instand setzen

und legt ab. Doch wieder zieht

ein Sturm auf, des Odysseus Boot

kentert, Gilgamesch und Odysseus

werden an den Strand gespült, verkriechen

sich im Gebüsch, schlafen

erschöpft ein. Die Pflanze des ewigen

Lebens jedoch ist verloren.

Geweckt werden sie vom Lachen

junger Frauen, die eben ihre Wäsche

an der Flussmündung gewaschen

haben und sich nun dem

Ballspiel widmen. Die Herren bedecken

ihre Blößen mit Zweigen,

treten heraus aus den Büschen und

stellen sich vor. Eine der Frauen, es

ist Nausikaa, Königstochter in

Scheria, nimmt sich der Schiffbrüchigen

an, gibt ihnen Kleider

und Nahrung, führt sie an den Hof

ihres Vaters Alkinoos, wo sie ihre

Geschichte erzählen. Nausikaa

beginnt, sich in die beiden zu verlieben.

Sie sind zwar älter, aber

sie sind jung genug; immer sind

Männer jung genug, wenn sie einer

jungen Frau gefallen, lässt Homer

sie sagen.

Sie bedeutet den beiden, dass

sie bleiben könnten, geachtet am

Hof des Königs, als ihre offiziellen

Liebhaber (warum gibt es das Wort

Mätresse eigentlich nur in seiner

weiblichen Form?). Die Herren

fühlen sich geschmeichelt und

lassen sich gern in Nausikaas

Gemächer führen; nach einiger

Zeit ziehen sie es jedoch vor, trotz

Nausikaas Schönheit, Klugheit

und herzlichen Wesens ein Schiff

zu rüsten, Mast und Segel an Bord

zu tragen und die Ruder in die

Dollen zu hängen.

Es ist der Wille der Götter, sagt

Odysseus, dass ich zurückfahre

nach Ithaka. Es ist der Wille der

Götter, dass ich zurückfahre nach

Uruk, sagt Gilgamesch. Sie lösen

die Leinen, wieder sitzen die Männer

in Reihn und schlagen die

Wellen mit Riemen; Kurs Ithaka.

Im nächsten Sailing Poetry,

meine Damen und Herren, begleiten

wir Odysseus und Gilgamesch bis

Ithaka – doch Penelope ist nicht mehr

da. Die ist des Wartens überdrüssig

geworden und hat ein Schiff gerüstet,

ihren Herumtreiber zu suchen.

82 1/2022


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