Kulturfenster Nr. 06|2021 - Dezember 2021

infoatvsm.bz.it

BLASMUSIK

CHORWESEN

HEIMATPFLEGE

in Südtirol

Nr. 6

DEZ.

2021

Die stillen Beobachter des Wandels

Das Euregio-Jugendblasorchester

Die gute Konzertmoderation

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 71. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 73. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift


vorausgeschickt

Der Start ist geglückt – Danke!

Liebe Leserinnen

und Leser,

Sie halten nun

die letzte Ausgabe

des „KulturFensters“

dieses Jahres in

den Händen. Daher

möchte ich die Gelegenheit

nutzen, mich bei allen zu

bedanken, die uns seit unserem Start vor

einem Jahr tatkräftig unterstützt und damit

wesentlich zum Erfolg der Zeitschrift beigetragen

haben. Persönlich bedanke ich mich

bei den Redaktionsteams der drei Verbände

– allen voran den Verbandsvorsitzenden, die

uns das Vertrauen geschenkt haben, das

„KulturFenster“ in die Zukunft zu öffnen. Ein

großer Dank geht auch an alle Autor*innen,

die uns laufend Berichte der Mitgliedsvereinen

schicken. Erst dadurch wird das „KulturFenster“

bunt und vielfältig. Nicht vergessen

möchte ich den Grafiker Andreas

Rieder, der uns fachlich unterstützt und

mit viel Geduld unsere Wünsche umsetzt.

Zum Jahresabschluss schauen viele von

uns auf das abgelaufene Jahr zurück. Nicht

nur zum Jahresende, sondern das ganze

Jahr hindurch haben es sich die vielen

Chronist*innen in unserem Land zur Aufgabe

gemacht zurückzublicken und zu

dokumentieren, was geschieht. Der Heimatpflegeverband

widmet ihnen das Hauptthema

und zeigt viele Berührungspunkte

zwischen Heimatpflege und Chronikwesen

auf. Zudem gibt es mahnende Worte

in Richtung Politik, die zu einem klaren Bekenntnis

zum Schutz der Natur- und Kulturlandschaft

aufgefordert wird.

Die Blasmusikseiten stellen das Euregio-

Jugendblasorchester in den Fokus. Diese

grenzüberschreitende Zusammenarbeit

der drei Musikverbände ist nicht nur „totes

Papier“, sondern einmal mehr „gelebte

europäische Idee“.

Dass die Moderation eine tragende Säule

des Konzertes ist und damit wesentlich

zum Erfolg beitragen kann und muss, das

wissen Sänger*innen und Musikant*innen

nur zu gut. Wie eine gute Moderation gelingen

kann, das ist diesmal Hauptthema

des Chorverbandes.

Dazu gibt es die gewohnten Rubriken, in

denen die einzelnen Verbände ihre Tätigkeiten

dokumentieren, bereichsspezifische

Themen aufarbeiten und auch die Jugend

– die Zukunft unserer Vereine – in den Fokus

stellen. Ich wünsche Ihnen wiederum

eine unterhaltsame, aber auch informative

Lektüre und einen aufschlussreichen Blick

durch unser „KulturFenster“.

Stephan Niederegger

Frohe Weihnachten

Gedanken einer Kerze

„Jetzt habt ihr mich

entzündet und

schaut in mein

Licht. Ihr freut

euch an meiner

Helligkeit, an der

Wärme, die ich

spende. Und ich

freue mich, dass ich

für euch brennen darf.

Wäre dem nicht so, läge ich vielleicht

irgendwo in einem alten Karton - sinnlos,

nutzlos. Sinn bekomme ich erst dadurch,

dass ich brenne. Aber je länger ich brenne,

desto kürzer werde ich. Ich weiß, es gibt immer

beide Möglichkeiten für mich: Entweder

bleibe ich im Karton - unangerührt, vergessen,

im Dunkeln - oder aber ich brenne,

werde kürzer, gebe alles her, was ich habe,

zugunsten des Lichtes und der Wärme. Ich

fi nde es besser, etwas herzugeben zu dürfen,

als kalt zu bleiben und im düsteren Karton

zu liegen.... Schaut, so ist es auch mit

euch Menschen! Entweder ihr zieht euch

zurück, bleibt für euch - und es bleibt kalt

und leer-, oder ihr geht auf die Menschen

zu und schenkt ihnen von eurer Wärme und

Liebe, dann erhält euer Leben Sinn. Aber

dafür müsst ihr etwas in euch selbst hergeben,

etwas von eurer Freude, von eurer

Herzlichkeit, von eurem Lachen, vielleicht

auch von eurer Traurigkeit. Ich meine, nur

wer sich verschenkt, wird reicher. Nur wer

andere froh macht, wird selbst froh. Je mehr

ihr für andere brennt, um so heller wird es

in euch selbst. Ich glaube, bei vielen Menschen

ist es nur deswegen düster, weil sie

sich scheuen, anderen ein Licht zu sein. Ein

einziges Licht, das brennt, ist mehr wert als

alle Dunkelheit der Welt. Also, lasst euch ein

wenig Mut machen von mir, einer winzigen,

kleinen Kerze.“

(Autor unbekannt)

Mit diesen tiefsinnigen Gedanken richte

ich mich in dieser Zeit der Ungewissheit,

der Frustration und des Zwiespalts an euch

alle, liebe Musikant*innen und Marketenderinnen,

verehrte Funktionär*innen, wünsche

euch ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest

und einen guten Rutsch in das

Neue Jahr 2022, verbunden mit einem auf-

richtigen und herzlichen Dank für eure wertvolle

Tätigkeit.

Musik und Gemeinschaft sind unsere Flammen,

die immer brennen sollen! Wir können

durch sie sowohl uns gegenseitig als auch

unseren Freunden Mut, Licht, Freude und

Herzlichkeit schenken, die wir jetzt ganz besonders

brauchen

Euer Verbandsobmann

Pepi Fauster

KulturFenster

2 06/Dezember 2021


Inhalt

In dieser Ausgabe

Heimatpege

Chorwesen

Südtirols Chronist*innen begehen runden Geburtstag .......................4

Der Verein Geschichtswerkstatt Freienfeld .........................................7

Ausstellung „Baustelle Südtirol“ ........................................................8

Viele Berührungspunkte zwischen Heimatpflege und Chronikwesen ..9

Josef Rainer aus Trens im Porträt – Ein Leben für das Ehrenamt......10

Dinge des Alltags: Die Christbaumkugel...........................................12

Der alpine Raum steht unter Druck – mehr denn je.........................13

Alexander und Thomas Huber zur Nutzung des alpinen Raumes.....14

Flurnamen aus der Agrargeschichte (5) – Rodungsnamen (3. Teil) ...15

Das spricht gegen die Ski-WM 2029 in Gröden................................16

150 Jahre Pustertaler Bahn – Für eine nachhaltige Verkehrspolitik ..18

Projekt des Bildungsausschusses Niederdorf:

„Kennst du unsere Flurnamen?“ .....................................................19

Restaurierung der Egger-Platzer-Mühle am Birchberg in Naturns.....20

Oswald von Wolkenstein vor 600 Jahren in Prissian gefangen ..........21

Heimatschutzverein Lana bewahrt Kleindenkmaler vor Verfall ..........22

Bundestagung der Österreichischen Trachten- und Heimatverbände .... 23

61. Jahresvollversammlung der Arge Volkstanz in Terlan..................24

In memoriam Verena Mumelter .......................................................25

Moderierte Konzerte eröffnen neue Horizonte..................................60

Südtirol beim Festival der Landesjugendchöre im Burgenland .........63

In Erinnerung an Karl Hermann Vigl ................................................65

Seminar für Chorleiter*innen in der Cusanus-Akademie ..................66

„Holiness“ – Zwei Konzerte des Chors „Raindrops“ .........................67

Seminar für Kinder- und Jugendchorleiter*innen.............................68

Herbstkonzert des Landesjugendchors Südtirol ...............................69

Sängerwanderung – Klangwege in Völs............................................70

Silvesterlied – Gedanken zum abgelaufenen Jahr ............................71

Jugendchor Sexten im Porträt .........................................................72

Broadway-Flair mit dem Jugendchor Sexten....................................73

kurz notiert – Neues von den Chören...............................................74

Blasmusik

Das Euregio-Jugendblasorchester....................................................26

Kapellmeister-Coaching 2021..........................................................30

Obleute-Tagung 2021 .....................................................................31

7. Südtiroler Dirigentenwerkstatt......................................................33

Broschüre zum Leistungsabzeichen in Südtirol 1971–2021.............34

„Opus Blasmusik“ im Konservatorium Bozen ..................................35

Fortbildung „Alles Show“ mit der Stadtkapelle Meran ......................36

Flashmob der Jugendkapelle Lüsen/St.Andrä ..................................38

Holzblasorchester „HoBla-O“ reloaded ............................................39

Erfolg der Jugendkapelle Schnals in Grafenegg................................40

„The Rocket Monkeys“ – Partystimmung mit Blasmusik ..................42

Wenzel Heinrich Veit – ein anerkannter Komponist zu seiner Zeit.....44

Fit in 5 Minuten – Online-Videos zum Üben.....................................45

JuKa Schnals und MK Völs erfolgreich

beim ÖBV-Bundeswettbewerb.........................................................46

„Hopfnmusig“ gewinnt Grand Prix der Blasmusik ............................47

Gelungener Musiksommer in der Hofburg Brixen ............................48

Friedrich Weyermüller wird 85.........................................................50

Josef Oberschmied zum 80er..........................................................50

Neue CD der Unterinntaler Weihnachtsbläser..................................51

„Melodie der Freundschaft“ von Gottfried Veit .................................51

Der Komponist Christian Gamper im Porträt ....................................52

Es war einmal … eine Musikkapelle ................................................55

Blasmusik im Rundfunk..................................................................55

kurz notiert – Neues von den Musikkapellen....................................56

Impressum

Mitteilungsblatt

- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen

Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it

- des Südtiroler Chorverbandes

Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it

- des Heimatpflegeverbandes Südtirol

Redaktion: Florian Trojer, florian@hpv.bz.it

Anschrift:

Schlernstraße Nr. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen

Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it

Raiffeisen-Landesbank Bozen

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Jahresabonnement = 20,00 Euro

Ermächtigung Landesgericht Bozen Nr. 27/1948

presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, April, Juni, August, Oktober und

Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.

Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht

zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.

genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.

Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit

sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit

der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder

Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.

Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.

gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung

KulturFenster

3 06/Dezember 2021


Schlanders im Jahr 1888 und im Jahr 2020: Zum

Jubiläum haben Südtirols Chronist*innen die „Baustelle

Südtirol“ dokumentiert. Im Vergleich gut zu sehen ist

die Ausbreitung des Ortes. Er wächst im wörtlichen

Sinn über sich hinaus.

Fotos: Würthle & Spinnhirn/ Raimund Rechenmacher

KulturFenster

4 06/Dezember 2021


festgehalten

Die stillen Beobachter

des Wandels

Südtirols Chronist*innen begehen runden Geburtstag – Wer sind sie?

Mit einer eindrucksvollen Ausstellung,

die coronabedingt um ein Jahr verschoben

wurde, feiern Südtirols Chronist*innen

heuer „30 + 1“ Jahre. Grund genug für den

Heimatpflegeverband, die wertvolle Arbeit

dieser Ehrenamtlichen zu beleuchten.

Auch wenn sie im Hintergrund arbeiten

und daher von der Öffentlichkeit manchmal

kaum wahrgenommen werden, so

leisten die Chronist*innen durch die Dokumentation

von Ereignissen in Südtirols

Gemeinden einen wesentlichen Beitrag

zur Wertschätzung des Vergangenen und

zum sensible(re)n Umgang mit dem Bestehenden.

Es war Ende der 1980er- bzw. Anfang der

1990er-Jahre, als der Aufbau des Chronikwesens

in Südtirol begann. Damals setzte

sich das Tiroler Landesinstitut, das beim

Südtiroler Kulturinstitut angesiedelt war,

zum Ziel, das Chronikwesen in Südtirol

nach dem Vorbild von Nord- und Osttirol

aufzubauen. 1990 kann daher als inoffizielle

„Geburtsstunde“ der gemeinschaftlich

organisierten Chronist*innen

bezeichnet werden. 1994 ging die Betreuung

der Chronist*innen an das Südtiroler

Landesarchiv über. Im Jahr 2010

wurde Robert Kaserer zum ersten Landeschronisten

in Südtirol gewählt. Seit

2013 ist Rita Thaler Wieser aus Freienfeld

die Vorsitzende der Chronist*innen

in Südtirol.

„KulturFenster“: Wie viele Chronist*innen

gibt es in Südtirol?

Rita Thaler Wieser: Derzeit etwa 300 – leider

nicht in jeder Gemeinde. Es gibt sie

eher in den Dörfern und in kleineren Ortschaften,

da die Arbeit dort überschaubarer

ist als in den Städten. Schließlich

arbeiten alle Chronist*innen ehrenamtlich.

Da braucht es viel Zeit und vor allem

Idealismus, denn man muss gewissermaßen

ständig am Ball bleiben und die Bereitschaft

haben, auch eigene Freizeit zu

schenken, um einen wichtigen Beitrag für

die Gesellschaft zu leisten.

KF: Wie sind die Chronist*innen in Südtirol

organisiert?

Thaler Wieser: In Südtirol gibt es zehn

Bezirke, denen jeweils ein Bezirkschronist

oder eine -chronistin vorsteht. Die

Bezirkschronisten und ihre Stellvertreter

bilden mit der Amtsdirektorin

und der Chronikreferentin am

Landesarchiv den Landesbeirat der

Chronist*innen, dem wiederum der

Landeschronist oder die Landeschronistin

vorsteht. Es gibt auch eine gute Zusammenarbeit

mit den Kollegen in Nordtirol

und die Zeitschrift „Tiroler Chronist“

als gemeinsames Medium.

KF: Wer sind diese Chronisten? Was

tun sie?

Thaler Wieser: Sie sammeln zum einen Informationen

zu Ereignissen auf Orts- und

Gemeindeebene in Form von Zeitungsausschnitten,

Plakaten oder Einladungen

und dokumentieren die Entwicklung und

die Veränderungen ihrer unmittelbaren Lebenswelt

in Form von schriftlichen Beiträgen,

Fotos und/oder Filmen. Die Ergebnisse

münden in der Jahreschronik,

die für eine Gemeinde ein sehr wichtiges

Dokument darstellt. Diese wird über geeignete

Strukturen der Öffentlichkeit zugänglich

gemacht. Zwischen den Gemeindeverwaltungen

und den Chronist*innen

gibt es eine Mustervereinbarung, die die

Arbeit regelt.

KF: Warum ist diese Tätigkeit Ihrer Meinung

nach so wichtig für einen Ort, für

eine Gemeinde?

Thaler Wieser: Chronist*innen beobachten

und dokumentieren das Zeitgeschehen

oft über längere Zeiträume und machen

dadurch auf die großen Veränderungen

aufmerksam. Anhand der dabei entstehenden

Chronik-Dokumentationen wird

der Wandel von Natur- und Kulturlandschaft

augenscheinlich. Zu beobachten

sind u. a. auch die politische, technische,

bauliche und landwirtschaftliche

Entwicklung.

Seit 2013 ist Rita Thaler Wieser Landeschronistin.

Foto: Privat

KF: Welche Eigenschaften müssen

Chronist*innen mitbringen?

Thaler Wieser: Entscheidend sind das Interesse

für die Entwicklung und die Veränderungen

im eigenen Ort, eine gewisse

Neugierde, die Freude am Sammeln und

Dokumentieren, zugleich das Bemühen

um Distanz und Objektivität. Hilfreich sind

auch eine gute Beobachtungsgabe, fotografische

Kenntnisse und ein Talent beim

Schreiben und nicht zuletzt die Teamfähigkeit.

Denn eine gute Chronikarbeit kann

heutzutage fast nur noch im Team bewältigt

werden. Chronist*innen sollten auch

kontaktfreudig sein, denn sie suchen in

der Regel die Zusammenarbeit mit Vereinen,

Verbänden und Institutionen, die ihnen

Informationen liefern und somit die

Recherchearbeit erleichtern.

KF: Die Chronistenarbeit bleibt oft an den

älteren Menschen hängen, weil sie mehr

Zeit und vielleicht auch ein größeres Interesse

haben. Wie können Ihrer Meinung

nach neue, auch jüngere Chronisten gewonnen

werden?

Thaler Wieser: Aus Erfahrung weiß ich,

dass auch junge Leute die Entwicklung

KulturFenster

5 06/Dezember 2021


festgehalten


Chronist*innen beobachten und dokumentieren

das Zeitgeschehen oft über längere Zeiträume


und machen dadurch auf die großen Veränderungen

aufmerksam.

Rita Thaler Wieser

und die Veränderungen im Ort mit großem

Interesse mitverfolgen. Sie kommunizieren

ihre Ideen vielleicht anders als ältere

Menschen, weil sie eher die sozialen Medien

nutzen. Aber sie fotografieren, kommentieren,

und sie fordern auch Mitsprache,

wenn es um die Entwicklung ihres

Umfeldes geht. Partizipation ist in Mode

gekommen, und das kann durchaus positiv

sein. Denn die Mitarbeit in einem

Chronistenteam gibt ihnen die Möglichkeit,

sich zu entfalten. Besonders im digitalen

Bereich, der im Chronikwesen

immer wichtiger wird, können sie uns „älteren“

Chronist*innen eine wertvolle Unterstützung

sein.

KF: Stichwort Digitalisierung. Wie hat sich

die Arbeit der Chronisten im Vergleich zu

1990 verändert?

Thaler Wieser: Damals wurden Zeitungsartikel

ausgeschnitten, aufgeklebt und in

Ordnern gesammelt. Es wurde analog fotografiert,

Fotos wurden ebenso in Ordner

eingeklebt. Es war noch die Zeit der Einzelkämpfer,

Teamarbeit war ein „Fremdwort“.

Mittlerweile wird nicht nur digital

fotografiert, sondern auch dokumentiert.

Viele Chronist*innen haben Schulungen

besucht und sich dadurch weitergebildet.

Es besteht zudem die Möglichkeit, die digital

erstellten Jahreschroniken in einer

Cloud beim Südtiroler Gemeindenverband

zu sichern. Durch die Digitalisierung

lässt sich einiges beschleunigen. Weniger

geworden ist die Arbeit aber nicht, denn

die Informationsflut wird immer stärker.

KF: Was gefällt Ihnen persönlich an der

Chronikarbeit?

Thaler Wieser: Es ist eine umfassende und

äußerst interessante Aufgabe und zugleich

auch eine Herausforderung. Man braucht

den „Adlerblick“ auf das gesamte Geschehen

in einem Ort, in einer Gemeinde. Und

wenn dann mit Interesse eine Jahreschronik

durchgeblättert wird, die in aufwändiger

Arbeit in unserem Team entstanden

ist, wenn Aufzeichnungen bei wichtigen

Entscheidungen berücksichtigt werden,

erfüllt mich das mit Genugtuung. Außerdem

freue ich mich, wenn ich als Chronistin

Dorfrundgänge mit Schulklassen

machen kann.

Chronik und digitale Herausforderung:

Einst waren es ausschließlich dicke

Bücher, mittlerweile sind die Jahreschroniken

auch in digitaler Form für

die Nachwelt gespeichert.

Foto: Südtiroler Landesarchiv

KulturFenster

6 06/Dezember 2021


Heimatpege

KF: Welche Parallelen sehen Sie zwischen

Heimatpfleger*innen und Chronist*innen?

Thaler Wieser: Ich glaube, beide –

Heimatpfleger*innen und Chronist*innen –

verfolgen mit Interesse die Entwicklungen

und die Veränderungen im Ort. Durch das

längere Beobachten und Dokumentieren

schätzen sie historisch Gewachsenes. Sie

versuchen auf die Einzigartigkeiten im Ort

bzw. in der Gemeinde aufmerksam zu machen.

Ihre Arbeit ist identitätsstiftend, und

sie leisten eine wichtige Kulturarbeit zum

Wohl ihrer Heimatgemeinde.

KF: Inwieweit kann Chronikarbeit die Entwicklung

eines Ortes mit beeinflussen?

Thaler Wieser: Chronik-Dokumentationen

sind identitätsstiftend. Ortstypisches wird

durch historische Aufnahmen dokumentiert.

Auch Bauherren können dadurch angeregt

werden, den Ortsbildcharakter, das

Eigene zu erhalten und Altes und Neues

zu einer Synergie werden zu lassen. Dörfer

können davor bewahrt werden, von historisch

gewachsenen Siedlungen zu Allerweltsdörfern

zu werden.

Interview: Edith Runer

Der Verein Geschichtswerkstatt Freienfeld

Ein gutes Beispiel, wie die Geschichte

einer Gemeinde auf spannende Weise

erforscht und einer breiten Bevölkerung

nähergebracht werden kann, liefert

der Verein Geschichtswerkstatt

Freienfeld. Er erstellt auch die Chronik

der Gemeinde.

Bei Forschungsarbeiten für seine Diplomarbeit

im Pfarrarchiv von Stilfes

und Mauls fand der Historiker Oswald

Überegger Aufzeichnungen über die

Bombardierungen in den letzten beiden

Kriegsjahren 1944/45 in Freienfeld.

Eine kleine Gruppe Geschichtsinteressierter

aus Stilfes, Trens und

Mauls organisierte dazu 1996 Aktionstage.

Die Gruppe nahm später an einer

Fortbildung für Chronisten mit Bezirkschronist

Günther Ennemoser und Paul

Detomaso teil. Begeistert von den Anregungen

begann sie alsbald mit dem

Sammeln von Unterlagen, und 1999

wurden die ersten Chronikbände für

die Jahre 1997 und 1998 vorgestellt.

Die offi zielle Gründung des Vereines

Geschichtswerkstatt Freienfeld erfolgte

im September 1999.

Heute zählt der Verein 13 Mitglieder.

Sie erforschen die Geschichte der Gemeinde,

erstellen gemeinsam eine Jahreschronik,

schaffen ein historisch-kulturelles

Angebot für die Bevölkerung,

etwa mit Ausstellungen, Vorträgen und

Lehrfahrten – und nicht zuletzt befassen

sie sich in Zusammenarbeit mit

dem Heimatpflegeverband Südtirol mit

der Erhaltung der historischen Kulturgüter

in der Gemeinde.

Wichtige Aktionen

Josef Wieser ist seit der Gründung der Präsident

des Vereines. Er nennt die Vernetzung,

etwa mit den Bibliotheken und Bildungsausschüssen,

als wichtige Säule.

Die Gemeindeverwaltung ermögliche es

zudem, dass in den drei Bibliotheken die

Jahreschroniken aufliegen.

Unter den Veranstaltungen in den vergangenen

Jahren sind u. a. die Buchvorstellungen

von Oswald Überegger herausragend, die

Ausstellung „Reisezeit : Zeitreisen“, die die

Entwicklung von Verkehr, Gastwirtschaft

und Tourismus im 19. und 20. Jahrhundert

in Freienfeld, die Vorstellung der „Briefe

zwischen Front und Heimat von Josef und

Franziska Faistnauer (1915 – 1918)“ sowie

die Bücher „Lebensgeschichten aus

Freienfeld“ mit Interviews von den älteren

Mitbürgern und „Ruender, Mahder, Wasserler“

über die Flurnamen.

Im Sommer fanden im Rahmen des Projektes

„Natur (er)leben“ der drei Bildungsausschüsse

von Freienfeld in Zusammenarbeit

mit dem Heimatpflegeverband zwei

Ortsbegehungen in Mauls und Stilfes statt

(siehe KulturFenster 05/2021). Dabei wurden

wertvolle Anregungen zur Erhaltung

des Dorfbildcharakters gegeben.

KulturFenster

7 06/Dezember 2021


festgehalten

Ausstellung „Baustelle Südtirol“

Die Chronist*innen sammelten historisches Bildmaterial und

stellten dem jeweils ein aktuelles Bild gegenüber

Trens einst und heute: „Aus den Gästebüchern

entnehmen wir, dass die Besucher

vom Ausmaß der Entwicklung überrascht

sind“, sagt Rita Thaler Wieser über die

Ausstellung „Baustelle Südtirol“.

Foto: Archiv Thaler Wieser

Auch wenn sie nicht kommentieren, so zeigen

die Chronist*innen mit ihrer Arbeit dennoch

auf, wie es um Südtirols Natur und Kulturlandschaft

steht. Zum runden Geburtstag

organisierten sie die Ausstellung „Baustelle

Südtirol - Siedlungsgrenzen – grenzenlos?“

und sorgten damit für Staunen und Raunen

unter den Betrachtern.

Den Hintergrund der Jubiläumsausstellung

bildete das neue Gesetz zu Raum

und Landschaft und dabei insbesondere

der Bereich der Ausweisung der neuen

Siedlungsgrenzen in den Gemeinden. Die

Chronisten aus den Bezirken sammelten

historisches Bildmaterial und stellten den

Fotos jeweils ein aktuelles, aus derselben

Perspektive aufgenommenes Bild gegenüber.

Raimund Rechenmacher, der stellvertretende

Vorsitzende der Chronisten,

schlug vor, die Fotos auf Schaltafeln zu

präsentieren, um die „Baustelle Südtirol“

deutlich zu machen.

Und das ist offensichtlich gelungen: Der

Vergleich von älteren Aufnahmen zeigt,

wie Dörfer und Städte seit der Zwischenkriegszeit

und insbesondere ab den

1960er-Jahren kontinuierlich gewachsen

sind. „Die Ausstellung ist bisher gut

angekommen“, sagt die Vorsitzende Rita

Thaler Wieser. „Den Gästebüchern entnehmen

wir, dass die Besucher vom Ausmaß

der Entwicklung überrascht sind.“

Damit sei ein wesentliches Ziel schon

erreicht, denn: „Wenn sich die Betrachter

durch diese Bilder berühren lassen,

kann es gelingen, in den nächsten Jahren

die Bewahrung von Kultur und Tradition

mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen

und ökologischen Ansprüchen in

Einklang zu bringen.“ Rita Thaler Wieser

ist auch überzeugt, dass die Ausstellung

für die Gemeindeentwicklungspläne,

die demnächst erstellt werden,

eine Hilfe sein kann.

Zur Ausstellung – derzeit ist sie nur noch

bis zum 31. Dezember im Café „Milchbar“

in Sarnthein zu sehen – ist in mehreren

Orten auch eine Publikation erschienen,

die den Gemeinden, Schulen und

Bibliotheken zur Verfügung gestellt wird.

KulturFenster

8 06/Dezember 2021


Heimatpege

„Viele Berührungspunkte“

Für engere Zusammenarbeit zwischen

Heimatpfleger*innen und Chronist*innen

Heimatpflege und Chronikwesen haben

viele Berührungspunkte. Das stellte HPV-

Obfrau Claudia Plaikner bei einer Online-

Fortbildung für Chronist*innen fest. Und

sie legte dar, wo und wie beide Interessensgruppen

noch enger zusammenarbeiten

könnten.

„Naturgemäß haben wir in unseren Tätigkeiten

viele Schnittstellen. Es geht uns

um das historische und volkskundliche

Wissen über unsere Heimat, über die

Wahrnehmung von Veränderung in der

Heimat, es geht um Dokumentation und

um das Nachdenken darüber, wie sich

die Veränderungen auf das soziale, kulturelle

und ökonomische Verhältnis auswirken.

Nicht zuletzt geht es um die Frage,

welchen Beitrag wir mit unseren Verbänden

leisten können, um unsere Heimat

in eine gute Zukunft zu bringen.“ Dies

vorausgeschickt zeigte Claudia Plaikner

anhand der Info-Broschüre des Heimatpflegeverbandes

Südtirol auf, welche

Schwerpunkte dieser setzt, etwa in

Bezug auf die Baukultur, auf Kleindenkmäler,

auf das Brauchtum, aber auch auf

den Klimaschutz.

Durch ihre Recherchearbeit und das Festhalten

von aktuellen Ereignissen seien

auch die Chronisten mit diesen Themen

befasst. Es gebe viele Berührungspunkte:

„Chronist*innen sind oft in Personalunion

auch Heimatpfl eger*innen und umgekehrt“,

stellte Claudia Plaikner fest. „Beiden

geht es um die Wahrnehmung, die

Dokumentation und Wertschätzung des

soziokulturellen, historischen und natürlichen

Umfeldes in Dorf und Stadt und

um dessen sinnvolle Weiterentwicklung.“

Wo können beide Gruppen noch enger

zusammenarbeiten?

„Ich denke, dass es den Chronist*innen

eigen ist, dass sie aufmerksam und bedacht

Veränderungen in ihrem Dorf

wahrnehmen und dokumentieren. Wir

Heimatpfleger*innen haben leider nicht

in allen Dörfern Heimatpflegevereine bzw.

Ortsbeauftragte: Daher wäre es wünschenswert,

wenn Chronist*innen und

Ortsbeauftragte in Personalunion zusammengeführt

würden bzw. sich gegenseitig

unterstützen und ergänzen könnten.“

Mancherorts geschehe das bereits.

Ein gemeinsames Auftreten bei Anliegen

und Vorschlägen, die vor den örtlichen politischen

Entscheidungsträgern deponiert

werden sollten, würde sicher manchmal

auch Sinn machen,

so Claudia Plaikner:

„Generell können

wir uns beide dafür

einsetzen, dass lokale

Besonderheiten

wieder bewusst gemacht

werden und

deren Wert erkannt

wird. Ebenso können

wir uns für die Vertiefung des historischen

und volkskundlichen Wissens, für

einen bewussten Umgang mit unseren

Traditionen, unseren Dialekten, unseren

mündlichen Überlieferungen stark machen.

Dasselbe gilt für die Pflege unserer

historischen und aktuellen Baukultur sowie

unserer Naturlandschaft.“

Heimatpflegeverband

Südtirol


Generell können wir uns beide dafür einsetzen, dass


lokale Besonderheiten wieder bewusst gemacht werden

und deren Wert erkannt wird.

Claudia Plaikner

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Seiten des

Heimatpflegeverbandes senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter

folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)

Redaktionsschluss für

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Freitag, 14. Jänner 2022

KulturFenster

9 06/Dezember 2021


informiert & reektiert

„Das habe ich wohl geerbt“

Josef Rainer aus Trens setzt sich ehrenamtlich in vielen

Bereichen ein – Ein Porträt

Es gibt viele Anlässe, um Josef Rainer ein

Porträt zu widmen. In der Adventszeit ist

es bestimmt der Krippenbau, dem sich der

64-jährige Trenser seit 25 Jahren widmet.

Doch er engagiert sich ehrenamtlich in vielerlei

Hinsicht für seine Heimat, für Kirche,

Kultur und Natur.

Mit Josef Rainer am Stubentisch zu sitzen

und in Fotoalben und Aktenordnern zu stöbern

– dafür sollte man sich etwas länger

Zeit nehmen. Es ist ein wahrer Schatz, den

der pensionierte Eisenbahner und leidenschaftliche

Sammler darin hütet. Ein Album

enthält originale Postkarten aus Trens ab

dem Jahr 1890, fein sortiert, frankiert und

gestempelt. In einem anderen bewahrt er

rund 200 Andenkenbilder der weitum bekannten

Wallfahrtskirche Maria Trens auf:

„Die ältesten sind aus dem frühen 18. Jahrhundert.“

Erstanden hat Josef Rainer diese

einzigartigen Erinnerungsstücke vor allem

auf Floh- und Tauschmärkten oder im Internet.

Sie sind für ihn wertvolle Zeugnisse aus

der Geschichte und Kultur seines Heimatortes,

die ihn schon immer interessiert hat.

Besondere Beziehung zur

Wallfahrtskirche

In Trens in der Gemeinde Freienfeld ist

Josef Rainer aufgewachsen, dort ist er in die

Schule und in die Kirche gegangen. Mit acht

Jahren hat er erstmals am Altar ministriert.

Seither pflegt er eine besondere Beziehung

zur Wallfahrtskirche. Viele Jahre lang hat er

den hauptberuflichen Mesner ehrenamtlich

unterstützt, war Fahnen- und Himmelträger

bei Prozessionen, hat im Pfarrgemeinderat

mitgearbeitet. Oft kümmerte er sich

in seiner Freizeit um die große Muttergottes-Figur

in der Kirche. Das war aufwändig,

zumal die Figur nach den liturgischen

Farben im Kirchenjahr etwa zwölf Mal im

Jahr neu eingekleidet werden muss. Zudem

hat Josef Rainer über Jahrzehnte

die riesige, aus dem 17. Jahrhundert

stammende Kirchenkrippe betreut,

deren rund 50 Wachsfiguren besonderer

Umsicht bedürfen. Jedes

Jahr brachte er einige davon nach Meran,

wo sie von Hertha Aichner restauriert

wurden. „Auch sie hat das unentgeltlich

gemacht“, betont er. Gemeinsam mit Johann

Salcher brauchte er zwei volle Tage,

um die vier Meter breite Krippe aufzustellen

– das alles um Gottes Lohn.

Auch Josef Rainer selbst ist begeisterter

Krippenbauer. „1994 hat mich ein Bekannter

überredet, einen Krippenbaukurs zu besuchen“,

erinnert er sich. Später hielt er im

Auftrag des Verbandes der Krippenfreunde

über 20 Jahre lang Krippenbaukurse ab, vor

allem im Wipptal, wo dadurch zahlreiche

Tiroler Krippen entstanden sind. Bei Josef

Rainer daheim steht im Advent eine 2,4 Meter

breite „heimatliche Krippe“. So nennt

man die Krippen mit Motiven aus der Umgebung,

in diesem Fall etwa Schloss Sprechenstein

oder die bekannte Reiterkapelle.

Mehrere Jahre hat der detailverliebte Krippenbauer

an diesem Kunstwerk gearbeitet

und es auch auf Ausstellungen gezeigt. Mittlerweile

gibt Josef Rainer keine Kurse mehr,

übt sein Hobby aber nach wie vor aus und

stellt die Krippen zum Beispiel einem Verein

zur Verfügung, der sie für einen guten

Zweck verkauft.

Postkarten aus drei Jahrhunderten hat

Josef Rainer gesammelt. Alle zeigen

seinen Heimatort Trens – ein Stück Geschichte

mit mehr als nur

Sammlerwert.

Foto: Edith Runer

Ein Leben für das Ehrenamt

Josef Rainer lebt für das Ehrenamt, wie er

selber sagt. Er war nach seiner aktiven Zeit

als Freizeitfußballer 27 Jahre lang Schiedsrichter

bei den Jugendmannschaften und

ist nun seit 41 Jahren bei der Freiwilligen

Feuerwehr aktiv, davon war er sieben Jahre

Kommandant. Dabei hat er nicht nur Menschen

geholfen, sondern auch eine Chronik

des Vereines erstellt. „Aus einem Haus,

das abgebrochen werden sollte, habe ich

in letzter Minute Unterlagen gerettet“, erinnert

er sich. Daraus ist in minutiöser Kleinarbeit

eine Dokumentation entstanden, auf

die der Feuerwehrmann sichtlich stolz ist,

weil kaum eine Wehr in Südtirol geschichtlich

so gut erfasst ist.

KulturFenster

10 06/Dezember 2021


Heimatpege

Diese heimatliche Krippe hat Josef Rainer selbst gebaut. Unter anderem sind Schloss

Sprechenstein und die Reiterkapelle zu sehen.

Foto: Privat

Nicht große, aber klare Worte

Josef Rainer ist kein Mann der großen Worte,

aber er handelt, wenn er es für notwendig

empfindet. So hat er u. a. dafür gesorgt, dass

Bildstöcke sowie ein alter Weg zum Schloss

Sprechenstein restauriert bzw. instandgesetzt

wurden , und er hat mit anderen zusammen

auch selbst Hand angelegt, wo

es möglich war. Er beobachtet zudem mit

wachem Auge die Entwicklung in seinem

Heimatort Trens. Und er deponiert seine

Meinung und seine Vorschläge auch bei

der Politik, wenn er merkt, dass etwas in die

falsche Richtung geht. So finden sich zwischen

seinen Sammlerobjekten auch jede

Menge Fotos und Zeitungsausschnitte, die

er hervorholt, wenn er die Veränderungen

im Ort vor Augen führen möchte. Nicht immer

seien sie positiv, meint er. Er erzählt

vom Höfesterben und dem gleichzeitigen

Wachsen der Intensivlandwirtschaft, von

Neubauten, die das Ortsbild beeinträchtigen

oder vom Zweitwohnungstourismus, der

auf der Sonnenseite des Wipptales blühe.

„Ich bin absolut nicht gegen eine Entwicklung“,

unterstreicht er. „Aber sie soll zum

Wohl der Trenser und im Einklang mit der

Landschaft und dem Ortsbild sein.“ Leider

sei das immer seltener der Fall.

Engagement für die Heimat

für ihn kein Anlass, um sich zurückzuziehen.

Immerhin gebe es

auch einige Lichtblicke, die zeigen,

dass der Einsatz nicht ganz

umsonst ist, etwa die Tatsache, dass

der umstrittene Bau einiger Chalets in

unmittelbarer Umgebung der Wallfahrtskirche

nun vor Gericht behandelt werde.

„Den einzigartigen Blick auf die Kirche wird

ein Urteil zwar nicht mehr retten, aber zumindest

ist es ein Zeichen, dass nicht alles

möglich ist.“

Josef Rainer wird sich weiter für seinen

Heimatort Trens einsetzen. „Kultur, Landschaft

und Geschichte waren schon meinen

Vorfahren ein Anliegen. Ich habe das

wohl geerbt“, sagt er mit einem Schmunzeln

an den Lippen und zieht aus dem Regal

eine dicke Mappe hervor. Es ist die Hauschronik,

die er nach einer umfassenden

Recherche zusammengestellt hat und die

seine Familie bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen

lässt.

Sein Engagement für die Heimat ist Josef

Rainer ein großes Anliegen, auch wenn er

mittlerweile nicht mehr ganz so aktiv ist wie

früher. Leider habe er sich damit nicht nur

Freunde gemacht, gesteht er. Doch das ist

Die bekannte Reiterkapelle wurde auf Initiative

von Josef Rainer restauriert.

Foto: Privat

Viele Jahre lang hat Josef Rainer regelmäßig

die Muttergottes in der Wallfahrtskirche

von Trens neu eingekleidet. Foto: Privat

KulturFenster

11 06/Dezember 2021


informiert & reektiert

Alpiner Raum ohne Wert?

Schutz von Natur- und Kulturlandschaft: Verbände fordern

Politik zu klarem Bekenntnis auf

Scheinbar unscheinbar: der Moorkomplex

in Schnals

Fotos: AVS

Der alpine Raum steht unter Druck – mehr denn

je. Alpenverein Südtirol, Cai Alto Adige, Dachverband

für Natur- und Umweltschutz sowie

Heimatpflegeverband Südtirol beanstanden

die schwindende Wertschätzung der ursprünglichen,

alpinen Natur- und Kulturlandschaften.

An markanten Beispielen fehlt es nicht.

Thema Erschließung: Es scheint, als ob nur

durch eine massive (Über-)Erschließung und

(Über-)Nutzung ein gesellschaftlicher Wert

generiert werden könne. Anders ist es nicht

zu erklären, dass man beispielsweise beim

Neubau der Santnerpass-Hütte über die

architektonische Qualität diskutiert anstatt

festzustellen, dass die Kubatur im Vergleich

zum Bestand mehr als verachtfacht wurde.

Und dies obwohl die Schutzhütte aus alpinistischer

Sicht überhaupt keinen Nutzen

hat. Die einzig berechtigte Frage muss daher

nicht sein, wie, sondern ob Strukturen

wie die Santnerpass-Hütte überhaupt noch

neu gebaut werden sollen.

Ähnliches gilt für den Neubau der Kölner

Hütte, der laut Plan ein Luxushotel werden

soll, ohne Wertschätzung für historische

Bausubstanz und für das angrenzende

UNESCO-Weltnaturerbe. Und auch

das geplante „Hoteldorf“ im Talschluss von

Schnals sprengt nicht nur in seinen Dimensionen

die Grenzen jeder Verträglichkeit,

sondern zeugt auch von mangelnder Sensibilität

gegenüber dem alpinen Raum und

dessen landschaftlicher aber auch ökologischer

Wertigkeit.

Blechlawinen rollen wieder

Thema Verkehr: Nicht nur in den urbanen

Bereichen Südtirols droht mittlerweile kontinuierlich

der Verkehrskollaps, auch über

die Passstraßen wälzen sich die Blechlawinen

zunehmend zäher. Seit vielen Jahren

bemühen sich die Verbände um eine Beruhigung

des alpinen Raumes rund um die

Passstraßen. Passiert ist bisher wenig und

die Auszeichnung als UNESCO-Weltnaturerbe

hat sich vor allem als Marketing-Instrument

entpuppt, mit dem der Andrang auf

diese Gebiete erst richtig angeheizt wurde.

Schutzlose Schutzzonen

Thema Naturschutz: Weder die UNESCO-

Auszeichnung noch die Schutzkategorien

wie „Naturpark“ oder „Natura2000-Gebiet“

haben einen Wert, wenn es um Bauvorhaben

und andere Eingriffe in die Natur

geht. Bestes Beispiel hierzu ist der Fall

Antersasc, bei dem zuerst die Politik trotz

negativer Gutachten in einem dreifach geschützten

Gebiet die Erschließung mittels

Zufahrtsstraße beschließt und nach einem

Rechtsstreit das Projekt vom Staatsrat defi

nitiv genehmigt wird.

Alpenverein Südtirol, CAI Alto Adige, Dachverband

für Natur- und Umweltschutz sowie

Heimatpflegeverband fordern daher von

der Politik ein klares und eindeutiges Bekenntnis

zum Wert der alpinen Natur- und

über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft

und erwarten sich eine deutlich

kohärentere Politik mit konkreten Entscheidungen

in diesem Bereich.

Unterstützung von

alpinistischer Seite

Bei ihrem Einsatz für einen naturbelassenen

alpinen Raum werden die Südtiroler Umweltverbände

auch von den „Huberbuam“

(siehe Statements) und dem jungen Alpinisten

und Bergführer Alex Walpoth unterstützt.

Dieser sagt: „Es gilt die Gratwanderung

zu schaffen zwischen touristischer Nutzung

der Berge auf der einen Seite und größtmöglicher

Bewahrung von deren Ursprünglichkeit

auf der anderen Seite. Bei dieser Gratwanderung

frage ich mich schon seit längerer

Zeit: Klettern wir noch am Grat, oder sind

wir längst schon in die eine oder andere

Flanke hinabgestürzt?“ Walpoth plädiert dafür,

die bislang unberührten Gebiete auch

in Zukunft so zu belassen. Hoch oben auf

dem Berg brauche es keine ausgefallenen

Bauwerke, die mit der natürlichen, überragenden

Schönheit

der Berge ohnehin

nicht konkurrieren

könnten.



Klettern wir noch am Grat oder sind wir längst schon

in die eine oder andere Flanke hinabgestürzt?

Bergführer Alex Walpoth

KulturFenster

12 06/Dezember 2021


Heimatpege

„Ursprünglichkeit ist

größtes Kapital“

Was die bekannten Huberbuam zur Nutzung des alpinen Raumes sagen

Das sagt der Profibergsteiger und Natura-2000-Botschafter Alexander Huber:

„Wir müssen nachhaltiges Erleben in der Natur entwickeln, denn wir alle wissen, was wir mit den Alpen

hier in der Mitte von Europa geschenkt bekommen haben.“

Und zum Thema Glasturm unterm Rosengarten: „Das ist genau einer dieser Punkte, wo ich das Gefühl

habe, dass wir versuchen, aus den Alpen mehr zu machen als das, was sie sind. Dabei ist gerade die

Natur der großartigste Baumeister. Ich kann nichts damit anfangen, dass ein 22 Meter hoher Glasturm

dann eine Eventlocation in der Mitte der Alpen sein soll. Von mir ein klares Nein zu solchen Projekten.“

Das sagt sein Bruder, der Profibergsteiger Thomas Huber:

„Ich kämpfe für die Ursprünglichkeit der Berge, und zwar vor allem auch für unsere Kinder. Wir haben schon

einen großen Teil unseres Lebens hinter uns, aber unsere Kinder sollten genau diese Ursprünglichkeit leben

können. Wir müssen noch etwas für sie übriglassen.“

Sein Statement zu Rosengarten und Schnals: „Wenn diese Infrastruktur schon Bestand hat, wie ich es im

Schnalstal oder am Rosengarten gesehen habe, dann sollte doch einfach der Bestand verwendet und optimiert

werden. Wobei ich ganz ehrlich sagen muss: Im Schnalstal sollte man alles am besten die Ursprünglichkeit

zurückführen, aber diesen Mut haben wir Menschen leider nicht. Denn wir verbauen uns immer mehr

die Zukunft, weil wir nur kurzfristigen Gewinn im Blick haben. Wenn wir langfristig denken, ist die Ursprünglichkeit

das größte Kapital, das wir haben. Sie ist das, was die Menschen bei uns suchen.“

Bei ihrem Einsatz für einen naturbelassenen alpinen Raum werden die Südtiroler Umweltverbände auch von den Huberbuam unterstützt.

KulturFenster

13 06/Dezember 2021


informiert & reektiert

Dinge des Alltags

aus Geschichte und

Gegenwart

Die Christbaumkugel

Im 21. Jahrhundert ziert die Christbaumkugel

nicht mehr nur den Lichterbaum, der in

den Wohnzimmern oder in den Kirchen steht.

Auch Bäume, die keine Nadeln tragen, die

im Freien, auf Plätzen oder vor Geschäften

stehen, sind mit großen Kugeln geschmückt.

Sie sind in der Regel aus Kunststoff, meist in

China hergestellt, und unterscheiden sich in

vielerlei Hinsicht von den traditionellen, leicht

zerbrechlichen Christbaumkugeln aus Glas.

Einer der bekannten Herstellungsorte von

Weihnachtsschmuck im 19. Jahrhundert war

Lauscha, eine Stadt im Thüringer Wald, in der

die Menschen hauptsächlich von der Glasherstellung

lebten. Neben den Glaskugeln sind

damals auch Figuren wie Nüsse oder Äpfel als

Christbaumschmuck entstanden. Bis eine Kugel

fertiggestellt war, waren mehrere Arbeitsschritte

notwendig. Das Mundblasen erfolgte

in den Glashütten, die Bemalung und Verzierung

erledigten Familien in Heimarbeit.

Wertvolles Glas statt chinesischer Kunststoff

schmückte einst den Christbaum.

Foto: Hermann Maria Gasser

Im Laufe der Zeit änderten sich die Techniken.

Ab 1860 wurden die Kugeln mit einer

Silbersalzlösung von innen verspiegelt. Außen

wurde ein Leim aufgetragen und mit Gold- und

Silberstaub in verschiedenen Mustern versehen.

Der Kugelhals wurde mit einer kleinen

Säge abgeschnitten, damit der Verschluss befestigt

werden konnte. Damit eine Serie von

Kugeln die gleiche Größe erhielt, gab es Schablonen

aus Holz.

Zuerst war die Herstellung der Kugeln bescheiden,

doch ab 1870 nahm die Nachfrage nach

Christbaumschmuck rasant zu. Die Kugeln

zierten nicht nur Bäume in Europa, sondern

wurden auch nach Amerika exportiert. Lange

Zeit war Lauscha führend, vor dem Ersten

Weltkrieg bekam es Konkurrenz aus Gablonz,

im damaligen Böhmen gelegen. Dort wurden

nicht Kugeln, sondern Weihnachtsschmuck

aus kleinen Perlen hergestellt.

Barbara M. Stocker

Echter Gablonzer Weihnachtsschmuck ist

mittlerweile eine Rarität auf den Christbäumen.

Foto: Anita Augscheller

KulturFenster

14 06/Dezember 2021


Heimatpege

Schwendrodung, Brandrodung

und Räumung

Serie: Flurnamen aus der Agrargeschichte (5) – Rodungsnamen (3. Teil)

Waldflur Gschwenden in Verdins (Gemeinde

Schenna): Der Baum am linken Bildrand

„schwendet“ sich von selbst!

Im „KulturFenster“ 05/2021 wurden Flurnamen

wie Moas, Umas, Runa oder Grin vorgestellt,

die auf die Rodungsart der Schlagrodung

zurückgehen. Es gibt aber weitere

früher angewandte Rodungstechniken, um dem

Wald begehrtes Acker- oder Weideland abzutrotzen:

die Schwend- und die Brandrodung.

Schwendrodung

Bei der Schwendrodung werden die Bäume

geringelt, oder die Rinde wird gleich ganz

abgeschabt. Das dafür notwendige spezielle

eiserne Schabmesser wird Schepser genannt.

Das Entrinden führt zum allmählichen

Absterben bzw. Austrocknen des Baumes.

Das althochdeutsche Verb für das Entrinden

ist swintan „schwinden, abmagern,

welken“, als Kausativ (Veranlassungswort)

swenten „zum Schwinden bringen“. Als Ergebnis

liegt eine swende „durch Schwenden

gewonnenes Landstück“ vor, oder – falls es

sich um mehrere Grundstücke handelt – ein

geswende (Gschwend).

Räuten (= Ausreißen der Wurzelstöcke) und

Schwenden (Entrinden) wurden früher säuberlich

auseinander gehalten, wie eine Passage

aus der Salzburger Waldordnung von

1592 belegt: [...] sollen auch alle [...] innhaber

der gueter ire aigne gehaite haimbholzer

[...] wöder reuten, schwenndten noch

[...] zu grundten raumen, sonnder allain zu

irer hausnotturfft haien

Der Namentyp Gschwend, Gschwand oder

Schwand ist im Alpenraum bzw. in Südtirol

häufig, z. B. Gschwend (Alm im Sarntal/Trienbach;

Gehöft in Ratschings/Kalch;

Hof in Pichl/Gsies); weiters Schwånd (Wald

in St. Felix/Deutschnonsberg; Wald in Obereggen)

oder Gschwånt (Wald oberhalb von

Wans in Walten/Passeier).

In Villnöß gibt es fast ausschließlich alpenromanische

Hofnamen, darunter den

Hof Zerschnat (mda. Zerschnot). Dies ist

die romanische Entsprechung zum deutschen

Gschwend, nämlich alpenromanisch

*tširtšinada (area) „Gegend mit geringelten

Bäumen“; zugrunde liegt das lateinische

Verb circinare „Bäume kreisförmig

einschneiden“.

Brandrodung

Die Wiese Stuber-Brünst in Grissian (Gemeinde

Tisens)

Prominenter im Flurnamenbild vertreten ist

allerdings die Brandrodung. Bei entsprechenden

Witterungsverhältnissen wurden

Buschland, Hecken, aber eben auch

Wald abgebrannt: Der Asche bedeckte Boden

war für wenige Jahre sehr fruchtbar

(Mineraldüngung). Bis ins 19. Jahrhundert

wandte man in Ulten die Technik des

„Brandschlagens“ an. Auf dem niedergebrannten

Boden wurden sogleich Weizen

und Roggen eingesät. Das bezeugen Flurnamen

wie Weizbrand (mda. Woazprånt) in

Tscherms und in Ulten sowie Roggebrand

(mda. Roggeprånt) in Franzensfeste und

in Mühlwald.

Unzählig sind die Flurnamen Brand (mda.

Prånt), Brandl (mda. Prantl) und Brünst

(Hofname in Schenna sowie in Matatz/Passeier).

Außerdem gibt es in Franzensfeste

den Gebrünstegraben und in Grissian eine

Wiese namens Stuber-Brünst.

Weniger auffällig, aber gleichwohl auf einen

Brand zurückgehend, ist der Waldname

Absang (mda. Osånk), z. B. in Latzfons

oder in Weißenbach. Wie der Flurname

verrät, wurde der Wald „abgesengt“, also

abgebrannt. Auch die Familiennamen Singer

oder Senger gehen auf Männer zurück,

die eine Brandrodung durchgeführt haben.

Ursprung des Flurnamens Absang ist das

althochdeutsche Substantiv sengi, das seinerseits

auf das Verb sengên „versengen,

abbrennen“ zurückgeht.

Einen klaren Hinweis auf „Schwenden“ durch

Feuer liefert der Hofname Feuerschwend

(mda. Foischwente) in Sand in Taufers.

Räumung

Nach Schneebrüchen und Lawinenabgängen

müssen Weiden und Felder im

Frühjahr von Ästen und Steinen geräumt

werden, damit im Sommer überhaupt ein

Grasschnitt durchgefürt werden kann. Dafür

stehen die Vinschger Flurname Muntaditsch

(Matsch; 1380 Montadiz) und Maleditsches

(Taufers im Münstertal; 1416

Mundaditscha in Plan), die beide auf. Das

romanische Substantiv lautet "mundaditšja"

(Ort, wo man im Frühling – die Lawinenschaden

– wegräumen muss).

Johannes Ortner

KulturFenster

15 06/Dezember 2021


informiert & reektiert

Von wegen nachhaltig!

Gröden will für Ski-WM 2029 kandidieren – Das spricht dagegen

Der Vergleich zeigt die Entwicklung von Wolkenstein seit der Ski-WM.

Praktisch „im stillen Kämmerlein“ haben

die Gemeindeausschüsse von Wolkenstein

und St. Christina beschlossen, für die Austragung

der Ski-Weltmeisterschaft 2029 in

Gröden zu kandidieren. Die "Lia per Natura

y Usanzes", der Dachverband für Natur- und

Umweltschutz und der Heimatpflegeverband

sind enttäuscht über die Vorgehensweise

der politisch Verantwortlichen.


Eine Weltmeisterschaft kann niemals

nachhaltig sein, zumal sie in

den intensivsten Tagen der Hochsaison

ausgetragen wird und zu unvermeidlichen

Eingriffen in Natur

und Landschaft sowie zu unaufhaltsamem

Ausverkauf von Kultur- und


Baugrund führen wird.

Lia per Natura y Usanzes

Die Gemeindeausschüsse von Wolkenstein

und St. Christina haben im stillen Kämmerlein

beschlossen, für die Austragung der

Ski-Weltmeisterschaft 2029 in Gröden zu

kandidieren. Es gab kaum Diskussionen in

den Gemeindestuben, geschweige denn

Zeit, um Informationen über die positiven

bzw. negativen Folgen einer WM einzuholen,

die Bevölkerung wurde nicht befragt.

Die "Lia per Natura y Usanzes", der Dachverband

für Natur- und Umweltschutz und

der Heimatpflegeverband sind enttäuscht

über die Vorgehensweise der politisch Verantwortlichen.

Eine Entscheidung für ein

Megaevent von solcher Tragweite muss

mit der Partizipation der gesamten Bevölkerung

getroffen werden, denn sie trägt

auch die wirtschaftlichen, sozialen und

ökologischen Folgen.

In den 1990er-Jahren stimmte die Grödner

Bevölkerung bereits einmal mehrheitlich

gegen die Austragung einer weiteren

WM. Heute scheint es eine solche demokratische

Diskussionskultur nicht mehr zu geben,

die Bevölkerung wird zwangsbeglückt.

Die WM bringt mehr

Nachteile als Vorteile

Die Vorgaben für die WM werden von der

FIS diktiert, und selbst die Promotoren haben

wenig Mitspracherecht. Die finanziellen

Fördermittel können zu Fehlinvestitionen

führen, die das Tal noch lange nach dem

Ende des Events belasten. Erhöhter Energieund

Raumbedarf, zusätzliche Flächenver-

KulturFenster

16 06/Dezember 2021


Heimatpege

siegelung durch Beton und Asphalt, deformierte

Wohnräume durch die Errichtung

von entseelten Ferienlandschaften, Ausverkauf

von Natur und Landschaft und

das massive Problem des Durchgangsverkehrs,

der das Tal in der Hochsaison

verstopft, sind nur einige der Probleme,

die mit der WM auf Gröden zukommen.

Dabei werden die bereits bestehenden tatsächlichen

Probleme wie überbordender

Verkehr, CO 2

-Ausstoß, Luftverschmutzung

und Lärmbelastung, steigende Lebenshaltungskosten,

völlig überteuertes Wohnen

und Pandemie-Folgewirkungen noch zusätzlich

verschärft. Weitere Umfahrungsstraßen,

die mit WM-Geldern gebaut werden

könnten, lösen weder das Verkehrsproblem

im Tal, noch jenes auf den Pässen. Sie verschieben

es, zumal das Verkehrsaufkommen

im Grödental zunehmen würde. Zusätzliche

Infrastrukturen müssten noch

gebaut werden, deren Kosten von der öffentlichen

Hand getragen werden.

Alles nur ein Märchen

Die Ankündigung, dass man keine weiteren

Skipisten braucht, ist nicht glaubwürdig.

Außerdem wird die WM vielfach in einem

Atemzug mit der Abhaltung der Weltcuprennen

vor Weihnachten genannt. Der

Vergleich hinkt, da die Weltcuprennen in

der Nebensaison ausgetragen werden, in

einem Zeitraum, in dem sich wenige Touristen

im Tal aufhalten. Ganz anders sähe

die tatsächliche Bettenbelegung während

der WM aus, die mitten in die Hauptsaison

fällt. Wir wissen aus Erfahrung, dass

Sportevents dieser Größenordnung Überkapazitäten

in der Beherbergungsbranche

schaffen und Bergtäler im Hinblick

auf erhöhtes Verkehrsaufkommen und Sicherheitskosten

maßlos überfordern. Dazu

kommt ein massiv erhöhter Ressourcenverbrauch,

sprich Strom- und Wasserkonsum,

sowie eine Zunahme der Müllproduktion.

Eine Weltmeisterschaft kann niemals nachhaltig

sein, zumal sie in den intensivsten

Tagen der Hochsaison ausgetragen wird

und zu unvermeidlichen Eingriffen in Natur

und Landschaft sowie zu unaufhaltsamem

Ausverkauf von Kultur- und Baugrund führen

wird. Die steigenden Lebenshaltungs-,

Wohn- und Mietkosten zwingen die Jugend,

in erschwinglichere Gebiete abzuwandern.

Das bedeutet, dass eine gleichmäßige

Verteilung von Lebenschancen

nicht mehr garantiert werden kann. Bestes

Beispiel dafür ist Cortina. Man sollte

aus den Fehlern lernen, die die „Perle der

Dolomiten“ begangen hat.

Die Gemeinde Abtei

macht es vor

Der Gemeinderat in Abtei hat mit breiter

Mehrheit eine Ski-WM-Kandidatur abgelehnt.

Im Gadertal hat man sich darauf besonnen,

dass es an der Zeit ist umzudenken,

dass der „Overtourism“ langfristig keine

Vorteile bringt und Natur- und Kulturlandschaft

geschont werden müssen. Priorität

hat die Eindämmung des Klimawandels, der

sich auch in unseren Bergregionen durch

die Erderwärmung und die sich häufenden

Naturkatastrophen unübersehbar ankündigt.

Volksbefragung ist

notwendig

Die "Lia per Natura y Usanzes", der Dachverband

für Natur- und Umweltschutz und

der Heimatpflegeverband sprechen sich dafür

aus, eine Volksbefragung zum Thema

Ski-WM-Kandidatur 2029 zu machen. Die

Grödner Bevölkerung hat das Recht mitzuentscheiden.

Sie sollte über das Anliegen

der WM-Initiatoren und gleichzeitig über

die Auswirkungen einer derartigen Großveranstaltung

eingehend informiert werden,

bevor eine bindende Abstimmung

entscheidet.

Die Ankündigung, dass man keine weiteren Skipisten braucht, ist nicht glaubwürdig.

KulturFenster

17 06/Dezember 2021


hinausgeblickt

Feiern, aber auch weiterdenken

Memorandum anlässlich „150 Jahre Pustertaler Bahn“ –

Für nachhaltige Verkehrspolitik

Die Pustertaler Bahn ist 150 Jahre alt geworden.

Das ist ein Grund zum Feiern, aber

auch ein Anlass zum Weiterdenken, etwa

an eine nachhaltige Verkehrspolitik.

Im November 1871 wurde die Pustertaler

Bahn offiziell eröffnet. Der fast 200 Kilometer

lange Abschnitt von Villach nach

Franzensfeste, mit Anbindung an die Brennerbahn,

hat Wien mit Innsbruck verbunden.

Zahlreiche Organisationen, darunter

auch der Heimatpflegeverband Südtirol,

haben in einem Memorandum am Rande

der Jubiläumsfeierlichkeiten auf die positiven

Auswirkungen der Pustertaler Bahn

auf das Tal hingewiesen, aber auch ihre

Anliegen für eine nachhaltige Verkehrspolitik

vorgebracht. Die wichtigsten Punkte

zusammengefasst:

• Regional: Bislang lag das Hauptaugenmerk

der Ausbauten auf dem Regionalverkehr.

Das war richtig, aber bei den

nächsten Schritten sollte darauf geachtet

werden, die Verbindungen über längere

Strecken und in die anderen Landesteile

attraktiver zu machen: durch

kürzere Fahrtzeiten und neue Direktverbindungen.

Dafür sind vor allem gezielte

Ausbauten wie neue Kreuzungsstellen

bzw. zweigleisige Abschnitte erforderlich.

• Überregional: Damit kann die Pustertaler

Bahn auch ihrer überregionalen

Bedeutung besser gerecht werden,

z. B. für die Anbindung Osttirols und

Kärntens an die Brennerbahn und als

Zugang für das Cadore.

• Touristisch: Die Bedeutung der Bahn

für den Tourismus soll weiter steigen,

sowohl für die lokale Mobilität

als auch für die Anreise. Dafür muss

u. a. das Angebot an Langstrecken-,

Nacht- und Charterzügen

auf der Brennerbahn entwickelt

werden.

• Klimafreundlich: Der Güterverkehr

sollte beibehalten werden,

vor allem für Massengüter wie

Holz. Dazu sind Anlagen nötig,

vor allem aber passende Logistikkonzepte

und aktives Engagement.

In diesem Zusammenhang

ist die Eindämmung des

Lkw-Transitverkehrs entlang der

Pustertal- und Drautalachse vordringlich,

aber generell bedeutet

eine klimaverträgliche Verkehrspolitik,

den Verkehr in Grenzen zu

halten. Die Ausbauten entlang der Pustertaler

Straße, die u. a. im Zuge der

Olympia-Vorbereitung vorgesehen sind,

gehen in die falsche Richtung.

Mit vielen gut sichtbaren Plakaten und Hinweistafeln

machten die teilnehmenden Organisationen,

darunter auch der Heimatpflegeverband

Südtirol, auf ihre Anliegen

aufmerksam.

KulturFenster

18 06/Dezember 2021


Heimatpege

„Kennst du unsere Flurnamen?“

Projekt des Bildungsausschusses Niederdorf kommt sehr gut an

Oft sind die Flurnamen von Orten nur noch

alteingesessenen Bewohner*innen ein

Begriff. Der Bildungsausschuss Niederdorf

wollte das ändern und hat eine Broschüre

mit dem Titel „Kennst du deine

Flurnamen?“ herausgegeben. Projektleiter

Pepi Fauster über die Entstehung und

erste Erfahrungen.

Es war vor gut zehn Jahren, als in einer

Konferenz der Grundschule Niederdorf das

Bedauern darüber geäußert wurde, dass

die Kinder nicht einmal mehr das Dorf und

seine Umgebung kennen. Das Lehrkollegium

wollte die berechtigte Sorge nicht

ungehört verhallen lassen. So wurde beschlossen,

das Projekt „Flurnamen kennen

und verwenden“ in das Schulprogramm

aufzunehmen. Später ist daraus die Idee

einer Broschüre entstanden. Über den

Bildungsausschuss Niederdorf bildete

sich im Jahr 2020 eine Arbeitsgruppe,

die das Projekt mit der Unterstützung von

zwei Fachleuten, Albert Kamelger und Johannes

Ortner, umsetzte. Hubert Hilscher

übernahm das Fotografieren.

Aufbau der Broschüre


Die Broschüre soll vor allem Kinder

neugierig machen, die Flurnamen


kennenzulernen, sie beim Wandern

zu verwenden und sie sich einzuprägen.

Pepi Fauster

Die Broschüre enthält 16 Rundwanderungen

im Gemeindegebiet von Niederdorf,

die durch wichtige Fluren im Umkreis des

Dorfes führen. Zu jeder Wanderung gehören

ein Foto mit den jeweiligen Flurnamen,

eine Wegskizze, eine Wegbeschreibung

und eine Seite zum Selbergestalten.

Hinter den Flurnamen versteckt sich die

Geschichte unseres Dorfes, wie man in der

kurzen „Siedlungsgeschichte“ lesen kann.

Die Flurnamen selbst sind zum Schluss

noch einmal beschrieben.

Die Broschüre ist ansprechend

gestaltet

und richtet sich vor

allem an Kinder.

Die Broschüre soll vor allem

Kinder neugierig machen,

die Flurnamen kennenzulernen,

sie beim Wandern

zu verwenden und sie sich

einzuprägen. Sie wurde in

einer Auflage von 200 Stück gedruckt,

die bereits an alle Lehrkräfte und Kinder

der Grundschule ab der 2. Klasse als Geschenk

verteilt wurden. Jedes Jahr werden

die Kinder der 2. Klasse diese Broschüre

erhalten.

Nachdruck geplant

Die Arbeitsgruppe freut es sehr, dass die

Broschüre von den Kindern sehr gerne

angenommen wird. Sie schätzen das ansprechende

Layout und den klaren Aufbau

und fi nden sich im Heft gut zurecht.

Inzwischen sind zudem viele Erwachsene

des Dorfes auf das handliche Heft aufmerksam

geworden. Auch außerhalb von

Rundwanderung 3.2

Stöckl

Flurnamen

• Schattilepachl

• Noilånd

• Kåtznburg

• Stöckl

• Groaßo Putzaran

• Ålle

• Klanfeldile

• Maiståtta Prugge

• Zwato Gåtto

• Pifångo

• Lane

• Ersto Gåtto/Kiagåtto

• Roda-Platzl

Niederdorf hat man vom innovativen Projekt

erfahren. Mancheiner wollte die Broschüre

erwerben. Obwohl dies zunächst

nicht vorgesehen war, hat sich die Arbeitsgruppe

für einen Nachdruck entschieden.

Die Hefte können nun gegen

einen kleinen Unkostenbeitrag im Meldeamt

der Gemeinde, in der Raiffeisenkasse

und in der Öffentlichen Bibliothek sowie

bei den Mitgliedern der Arbeitsgruppe erworben

werden.

Der Spruch auf der Schlussseite der Broschüre

soll besonders einladen: „Nur wer

sich auf den Weg macht, wird neues Land

entdecken.“

Pepi Fauster

Projektleiter

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29

KulturFenster

19 06/Dezember 2021


hinausgeblickt

Wassermühle arbeitet wieder

Heimatpflegeverein Naturns – Plaus EO führt

aufwändige Restaurierung durch

Eine fast 250 Jahre alte Mühle am Birchberg

wurde dank des Heimatpflegevereines

Naturns-Plaus EO vor dem Verfall gerettet.

Am Melsbach in Plaus konnte man noch

bis vor 60 Jahren das Klappern gar einiger

Mühlen hören. Die Bauern mahlten dort

ihr Korn zu Mehl, mit dem sie daheim ihr

Brot backten. Von den fünf Mühlen am

Birchberg hat sich nur die Egger-Platzer-

Mühle in unsere Zeit gerettet, aber mit groben

Zerfallserscheinungen. Es hätte nicht

mehr lange gebraucht, und auch von dieser

fast 250 Jahre alten Mühle – auf der Originaltür

ist das Jahr 1776 eingeritzt – wären

nur mehr Mauerreste übriggeblieben.

Altes Handwerk

Der Heimatpflegeverein Naturns-Plaus EO

hatte es sich zum Ziel gesetzt, das bäuerliche

Handwerk des Kornmahlens der Bevölkerung,

vor allem Schülern und generell

Jugendlichen, aber auch den Touristen zu

zeigen. Deshalb sollte die Mühle vor dem

Verfall bewahrt und wieder aktiviert werden.

Dank der Unterstützung der beiden

Eigentümer des Platzer-und Eggerhofes,

aber auch vieler Freiwilliger und Sponsoren

ist dieses Vorhaben geglückt.

Schwierige Restaurierung

Die Restaurierungsarbeiten waren sehr

arbeitsintensiv, da Material und Baustoffe

nicht direkt zur Mühle transportiert werden

konnten. Ab einem bestimmten Punkt erfolgte

der Weitertransport der Holzdachkonstruktion

und der Steinplatten für den

Innenboden unter großem Kraftaufwand

und auf dem Rücken vieler Freiwilliger.

Handwerklich begabte Hände haben nicht

wenige Reparaturarbeiten an den Mahlmechanismen

ausführen müssen, die zum

Teil aus den Jahren um 1900 stammen,

wie die Jahreszahl 1902 auf dem Mehlkasten

beweist. Als Zeichen des Dankes hat

man eine Mutter-Gottes-Statue – sie war

ein Geschenk – an der Vorderseite unter

dem Giebel angebracht.

Die Egger-Platzer-Mühle vor und nach der Restaurierung

Im Sommer 2021 konnte der Abschluss

der Restaurierungsarbeiten mit einem kleinen

Mühlenfest gefeiert werden.

Erste Gäste

Vom Korn zum Brot – wie das geht, konnten

die Schüler*innen der 4. und 5. Klasse

der Grundschule Plaus bei einem Ausfl ug

zur Mühle bereits miterleben. Die Neugier,

wie so ein Mahlvorgang abläuft, war bei den

Kindern sehr groß. Sie durften immer wieder

das grob gemahlene Korn in die „Goss“

schütten, bis feines Mehl im Mehlkasten übrig

blieb. Das anschließend selbst gebackene

Stockbrot schmeckte natürlich ausgezeichnet.

Im Jahr 2022 sind weitere Mühlenführungen

geplant. Informationen hierzu gibt

es bei Heinrich Kainz, Tel. 342 8795559.

Heinrich Kainz, Ortsvertreter

In dieser Mühle kann nun wieder gemahlen

werden, im Vordergrund Mehlkasten,

Spindel und Kammrad.

Fotos: HPV Naturns-Plaus

KulturFenster

20 06/Dezember 2021


Heimatpege

Oswald von Wolkenstein

„in Gefangenschaft“

Kultur- und Heimatpflegeverein Tisens organisiert Veranstaltung mit

Im Herbst 1421 befand sich der berühmte

Oswald von Wolkenstein in Gefangenschaft

in der Fahlburg in Prissian. Dieser Anlass

bildete genau 600 Jahre später den Rahmen

für ein mittelalterliches Fest, zu dem

der Kultur- und Heimatpflegeverein Tisens,

der Tourismusverein Tisens–Prissian und

die Castellanin Karin Marchegger im Oktober

2021 in den Burghof luden.

Der Verein „Niedertor mit Gefolge“ begeisterte

mit authentischen Alltagsgegenständen

und Arbeitsriten des Mittelalters. Ein

Goldschmied fertigte vor einem Zelt einen

Silberring an, eine Köchin kochte nach

einem historischen Rezept eine Lauch-

Pilzsuppe, und Ritter Sigmund trat im

Kettenhemd auf.

Mit alten Weisen und Liedern versetzten

Irma und Markus Prieth die Besucher um

Jahrhunderte zurück, während die Vokalgruppe

„Cantori del Borgo“ mit Renaissance-Tänzen

und Liedern das Reenactment

umrahmte. Arnold Zöschg alias

Oswald von Wolkenstein mischte sich teils

stumm, dann wieder gesprächig, ins geschäftige

Treiben im Burghof.

Das „Fahlburg-Trauma“

Organisatoren und Gäste auf der Fahlburg: Heidi Siller, Karin Marchegger, Prof. Max Siller

sowie Elfriede Zöggeler Gabrieli (v. l.)

Den Tageshöhepunkt bildete der Gastvortrag

von Univ.-Prof. Max Siller zum Thema

„Oswald von Wolkenstein und das Fahlburg-Trauma“.

Über 50 Zuhörer*innen

lauschten seinen Ausführungen: Demnach

taten sich zwei Frauen und zwei

Männer zusammen, um Oswald von Wolkenstein

als Gefangenen auf die Fahlburg

zu bringen. Mittels Folter sollte er gezwungen

werden, zwei Drittel der Burg Hauenstein

abzutreten. In seinen Liedern erzählt

Oswald, dass er „in der Vall“, wohl

im Turm in der Vall (heutige Fahlburg), mit

den Füßen an einer Eisenstange an der

Decke aufgehängt (L55,7) und in „spanische

Stiefel“ gezwängt wurde (L 2,42),

die seine Schienbeine verletzte. Diese

traumatischen Erlebnisse verfolgten ihn

bis ins hohe Alter, weshalb Professor Siller

von einem „Fahlburg-Trauma“ sprach.

Am Sonntag nach dem Fest lud der Obmann

des Kultur- und Heimatpflegevereines

Tisens, Hubert Steiner, nach Seis.

Der Burgen- und Archäologie-Experte Ar-

Armin Torggler erklärt den Werdegang der Burg Hauenstein.

min Torggler führte durch die Burgruinen

Salegg und Hauenstein und ließ dabei die

Burgen sowie die Lebensgeschichte von

Oswald von Wolkenstein Revue passieren.

Elfriede Zöggeler Gabrieli

KulturFenster

21 06/Dezember 2021


geführt und an der linksseitigen Figur,

die den hl. Sebastian darstellt, Ergänzungen

bzw. Auffrischungen mit einer

Neubemalung vorgenommen. Die Fresken

mit dem hl. Florian und die Ölberghinausgeblickt

Bildstöcke beim Runstner

fertig restauriert

Heimatschutzverein Lana bewahrt Kleindenkmäler vor Verfall

Im Auftrag der Familie Günther Lobis und

des Heimatschutzvereins Lana wurden

heuer im Herbst die Restaurierungsarbeiten

an den zwei Bildstöcken beim Runstner

Hof fortgeführt und abgeschlossen.

Bereits 2020 waren die zwei Bildstockdächer

von der Firma Gamper Dach erneuert

bzw. ausgebessert worden. Nun

hat der Restaurator Karl Christanell am

ersten Bildstock, der direkt an der Weggabelung

am alten Völlaner Weg steht,

den Putzuntergrund gereinigt, salzdurchzogene

Putzstellen abgetragen

und anschließend die Verputzarbeiten

durchgeführt. Das relativ gut erhaltene

Maria-Hilf-Bild in der Bildstocknische

wurde mit Kalklasur retuschiert. Das

Eisengitter wurde abgeschliffen, gereinigt,

grundiert und mit Eisenglimmerlack

beschichtet. Einzelne Teile wurden

mit Blattgold versehen.

Beim zweiten Bildstock, der in der Wiese

und entlang des Wanderweges nach Völlan

steht, wurden zunächst einige Ausbesserungsarbeiten

am Verputz durch-

Sie laden zum Innehalten ein: die Bildstöcke in Rateis nach den Restaurierungsarbeiten.

Fotos: A. Innerhofer

szene sind noch gut erhalten und benötigten

keinerlei Eingriffe. Die Kosten

für diese Arbeiten teilen sich die Familie

Lobis und der Heimatschutzverein Lana.

Albert Innerhofer

Maridl Innerhofer: „A Liacht in dr Nocht“ – Gedichte zur Weihnachtszeit, 1991

KulturFenster

22 06/Dezember 2021


getragen

Als Nachbarn mit dabei

Bundestagung der Österreichischen Trachten- und Heimatverbände

sene den Blick und den Weg zu Traditions-,

Heimat- und Gemeinschaftspflege finden“,

wie sie es selbst definiert. Brauchtum und

Volksmusik stehen dabei im Vordergrund –

und natürlich das Tragen der Tracht.

Unser Brauch

Gruppenbild der Bundestagung

Foto: Hotel Glocknerhof

Als alle verbindendes Medium erscheint dreimal

im Jahr die Zeitschrift „Unser Brauch“,

die alle neun Landesverbände durch ihre

Beiträge stets interessant und informativ

gestalten. Besonders was die Tracht anbelangt

kann man sich aus den Fachartikeln

wertvolle Tipps holen.

Agnes Andergassen

ArGe Lebendige Tracht

Diese interessante Veranstaltung fand heuer

vom 15. bis zum 17. Oktober in Berg im Drautal

statt. Da jedes Jahr ein anderes Bundesland

zum Zug kommt, war diesmal Kärnten an der

Reihe. Agnes Andergassen und Helga Trenkwalder

waren mit dabei.

Gute Freunde

In diesem Bundesverband sind viele Fachbereiche

der Volkskultur vertreten: Volkstanz,

Volkslied und Volksmusik, Mundart,

Brauchtum, Volkskunst und – als alle verbindender

Teil – die Tracht. Und damit kommen

die freundschaftlichen Beziehungen

zur Arbeitsgemeinschaft Lebendige Tracht

in Südtirol ins Spiel. Schon seit vielen Jahren

werden wir als Gäste zu dieser Großveranstaltung

eingeladen, wofür wir auch von

dieser Stelle aus nochmals herzlich Danke

sagen möchten. Da auch Vertreter aus Bayern

und der Schweiz eingeladen werden,

kommt es zu einem netten Austausch unter

Trachtenfreunden und zur Knüpfung

guter Kontakte.

Trachtenreferentinnen

In jedem der neun österreichischen Landes-Trachtenverbände

gibt es ein eigenes

Trachtenreferat. Die Aufgaben der

Referent*innen sind vielfältig und nicht immer

einfach. Einen großen Teil machen dabei

die Trachtennähkurse aus, die

von allen Interessierten besucht

werden können. Sehr gefragt sind

auch die Spezialkurse, wo ganz

gezielt auf einzelne Trachtenteile

eingegangen wird. Egal ob Goldhaube

oder Juppe – das Ziel ist

immer die Weitergabe von Fachwissen

und der Erhalt der Tracht.

Gleiche Probleme

Wir sitzen alle im selben Boot,

die Trachtenschneider*innen aus

ganz Österreich, und eben auch

aus Südtirol. Die Anfertigung einer

Tracht wird immer schwieriger, vor allem

was das Finden des dazugehörigen Materials

anbelangt. Da ist die Bundestagung eine

willkommene Gelegenheit, sich nicht nur

schneidertechnisch auszutauschen, sondern

vor allem auch über gute Bezugsquellen.

Auffallend ist dabei die große Offenheit

und Bereitschaft aller, Wissen weiterzugeben

und sich gegenseitig zu unterstützen.

Österreichische

Trachtenjugend

Als selbständige Organisation vertritt sie die

volkskulturellen Interessen der Jugend im

Trachtenbund. Sie möchte dazu beitragen,

dass „Kinder, Jugendliche und junge Erwach-

Trachtenfachfrauen aus ganz Österreich –

und Südtirol

Foto: Agnes Andergassen

Agnes Andergassen, Vizepräsident Günther

Lippitz, Helga Trenkwalder, Präsident Rupert

Klein (v. l.)

Foto: Agnes Andergassen

KulturFenster

23 06/Dezember 2021


getanzt

Jubiläumsjahr (fast) ohne

Veranstaltungen

61. Jahresvollversammlung der Arge Volkstanz in Terlan

Broschüre „Fesch in Tracht“ vorstellte, sowie

Florian Mair als Pressevertreter.

Im Jahr 2020, das ein Jahr mit verschiedenen

Jubiläumsveranstaltungen werden

sollte, konnten aufgrund der Coronapandemie

nur drei Veranstaltungen stattfinden.

Alle anderen wurden abgesagt:

An der Messfeier in der Pfarrkirche nahmen zahlreiche Volkstänzer*innen teil.

„Es ist mir ein großes Anliegen, euch nach

so langer Zeit persönlich zu begrüßen und

diese Versammlung in Präsenz durchzuführen,

nachdem so viele Versammlungen

im digitalen Raum stattgefunden haben. Es

ist aber auch nachvollziehbar, wenn einige

dieser Einladung nicht gefolgt sind und somit

diese Veranstaltung in einem kleineren

Rahmen stattfindet.“

Hereinspaziert

Diese Sätze der Ersten Vorsitzenden der

Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in Südtirol,

Monika Rottensteiner, standen am

Beginn der 61. Jahresvollversammlung

am 23. Oktober in Terlan. Nach dem feierlichen

Gottesdienst, der von Don Paolo

Renner in der Pfarrkirche von Terlan zelebriert

und von den Musikantinnen Christine

Hübner (Harfe) und Valentina Resch

(Querflöte) feierlich umrahmt wurde, begaben

sich die Vertreter*innen der Volkstanzgruppen

zum Raiffeisensaal. Dort hatte

die Volkstanzgruppe Terlan einen kleinen

Umtrunk im Freien organisiert. Anschließend

fand im Raiffeisensaal die Vollversammlung

statt.

„Abgesagt!“

Auf die Einladung von Ehrengästen wurde

heuer bewusst verzichtet. Besonders begrüßt

wurden aber Agnes Andergassen,

Erste Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft

Lebendige Tracht, die später auch die neue

➤ 27. Dezember 2021 bis 1. Jänner 2022: Winterlehrgang im Haus der Familie

in Lichtenstern/ Ritten (Änderungen aufgrund der Covid-19-Pandemie

vorbehalten)

➤ 12. März 2022: Jahresvollversammlung in Kaltern mit Neuwahlen

Informationen: Büro der ArGe Volkstanz in Südtirol, Tel: 0471/970555 oder

info@arge-volkstanz.org

• Gesamttiroler Maitanz „60 Jahre Volkstanzgruppe

Kaltern-Eppan“ in Eppan –

zuerst verschoben, dann ABGESAGT!

• Sänger- und Musikantenhoangart auf

Schloss Tirol – ABGESAGT!

• Almtanz auf dem Würzjoch, organisiert

von der VTG Gadertal – ABGESAGT!

• Jubiläumskathreintanz im Kursaal von

Meran – ABGESAGT!

• Auch alle Weiterbildungsinitiativen, Kindertanzmodule

sowie die Tanzleiterausbildung

und der Winterlehrgang wurden

abgesagt.

Vorsichtige Planung

Nach langem Stillstand kann aber nun

wieder ein vorsichtiger Blick auf bevorstehende

Veranstaltungen gewagt werden.

Proben können nun (zwar mit Einschränkungen)

wieder stattfinden, Tanzfeste sind

aber auch weiterhin nicht gestattet.

Im Rahmen der Vollversammlung wurden

drei Ehrungen von langjährigen Volkstänzern

der Volkstanzgruppe Kaltern/Eppan

vorgenommen: Eduard Andreoli und Josef

„Luis“ Hofer wurden für 40 Jahre Mitgliedschaft

geehrt. Hubert Giuliani bekam die

Ehrung für 50 Jahre Mitgliedschaft.

Anschließend gab es einen Überblick über

die Veranstaltungen des Jahres 2021 bzw.

eine erste Vorschau auf 2022:

• 17. Februar 2021: Online-Pressekonferenz

„Aktion Verzicht“

• 15. Mai 2021: Gesamttiroler Maitanz

– Eppan – ABGESAGT

• 20. Juni 2021: Jubiläumshoangart „30

Jahre“ auf Schloss Tirol – ABGESAGT

• 18. Juli 2021: Almtanz auf dem Würzjoch

– VTG Gadertal – ABGESAGT

KulturFenster

24 06/Dezember 2021


Heimatpege

• 18. Juli 2021: Ausflug Vorstand ArGe

– Rittner Horn

• 23. Oktober 2021: 61. Jahresvollversammlung

der ArGe Volkstanz in Terlan

• 13. November 2021: Kathreintanz im

Kursaal von Meran – ABGESAGT

• 27. Dezember 2021 – 1.Jänner 2022:

Winterlehrgang im Haus der Familie in

Lichtenstern/ Ritten

• 12.März 2022: Jahresvollversammlung

in Kaltern mit Neuwahlen

Mit einem Dank an die Erste Vorsitzende der

ARGE Volkstanz in Südtirol, Monika Rottensteiner,

fand die Vollversammlung ihr Ende.

Anna Julia Spitaler, Pressereferentin der

ArGe Volkstanz in Südtirol

Vollversammlung unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften

Fotos: ArGe Volkstanz in Südtirol

So wollen wir dich, liebe Verena, in Erinnerung

behalten: mit deiner Ausstrahlung

und Liebenswürdigkeit, mit deinem

Kunstsinn und deiner einzigartigen Einfühlsamkeit

für wertbeständige kulturelle

Anliegen.

Du warst die Netzwerkerin, die uns zusammengeführt

hat – wir erinnern uns,

dass dir dieser Begriff, weil für dich zu

sehr mit der Assoziation der „Verfänglichkeit“

der modernen Welt behaftet, ursprünglich

gar nicht gefallen hat.

Auf der Trostburg im Oktober 2018 bei

einer wunderbaren Feier anlässlich des

Europäischen Kulturerbe-Jahres und

anlässlich des 25-jährigen Bestehens

des Verbandes der Restauratoren und

Konservatoren Südtirols, dessen Präsidentin

du warst, haben die vier Vereinigungen

– VRKS, FAI, SBI, HPV – einen

kulturellen Pakt geschlossen, um das

Kulturerbe-Jahr gemeinsam in die nächste

Dekade zu bringen.

In regelmäßigen Abständen haben wir

gedenken

Die Netzwerkerin

In memoriam Verena Mumelter

uns seitdem im „Stiegl“ unter den von dir

restaurierten Fresken der zwölf Monate zu

einem äußerst anregenden Gedankenaustausch

getroffen und Pläne geschmiedet.

Wie schmerzlich war es für uns alle, zu

erfahren, dass eine Krankheit nach

dir gegriffen hat; wie beeindruckend

war es zu sehen, wie mutig und zuversichtlich

du den Kampf gegen sie aufgenommen

hast; wie zutiefst erschüttert

waren und sind wir, dass du nun

nicht mehr bei uns bist!

Liebe Verena, du bist unserem Auge

fern, aber unserem Herzen so nah!

Wir werden in deinem Sinn am „netz.

werk.kultur.erbe“ weiterspinnen und

dir dabei immer ein ehrendes Andenken

bewahren!

Deine Netzwerker*innen: Simona,

Carlo, Carl Philipp, Claudia, Josef

Ein Foto aus guten Tagen: Claudia Plaikner (Heimatpflegeverband), Carl Philipp von

Hohenbühel (Südtiroler Burgeninstitut), Simona Kettmeir (Fondo Ambiente Italiano),

Verena Mumelter (Verband Südtiroler Restauratoren und Konservatoren), Josef Oberhofer

(Heimatpflegeverband) und Carlo Trentini (Fondo Ambiente Italiano) Foto: VRKS

KulturFenster

25 06/Dezember 2021


Promenadenkonzert 2017 im

vollbesetzten Innenhof der Hofburg in

Innsbruck

KulturFenster

26 06/Dezember 2021


vorgestellt

Das Euregio-

Jugendblasorchester

Eine europäische Idee seit 2015

Rückblick

Das erste Konzert des Euregio-Jugendblasorchesters fand 2015 in Auer statt – im Bild: VSM-

Verbandsobmann Pepi Fauster, Wolfram Rosenberger, Präsident der „Federazione Bande

Trentine“ Renzo Braus, Landesrat Philipp Achammer, Marco Somadossi, Meinhard Windisch.

Die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, kurz

„Euregio“ genannt, wurde am 14. Juni 2011

gegründet, um die Zusammenarbeit der drei

Regionen auf verschiedensten Ebenen und in

den unterschiedlichsten Bereichen zu stärken

und verstärken. Mobilität, Jugend, Forschung

und Innovation, Katastrophenschutz – die Liste

der Projekte und Initiativen ist lang. Seither

wurden insgesamt 354 Projekte umgesetzt.

Das Euregio-Jugendblasorchester ist eines

davon. Diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit

der drei Musikverbände ist

nicht nur „totes Papier“, sondern einmal

mehr „gelebte europäische Idee“, freut

sich VSM-Verbandsjugendleiter Hans Finatzer

anlässlich der heurigen bereits 6.

Auflage dieses grenzüberschreitenden

Jugendprojektes.

2015 trat das Euregio-JuBO zum ersten

Mal auf anlässlich des Gedenkaktes zum

„100. Jahrestag des Kriegseintritts Italiens“

in Innsbruck und beim Euregio-Fest

in Hall in Tirol, damals unter der Leitung

von Wolfram Rosenberger (Tirol), Marco

Somadossi (Trentino) und dem damaligen

VSM-Verbandsjugendleiter Meinhard

Windisch. Letzterer war es auch,

der die Idee zu diesem grenzübergreifenden

Projekt hatte. Neben dem gemeinsamen

Musizieren sei es toll, sich

gegenseitig auch über die musikalischen

Traditionen hinaus kennenzulernen, erklärte

seinerzeit Windisch und war überzeugt,

dass alle drei Länder stark daran

interessiert seien, „auch in Zukunft zusammenzuarbeiten,

in welcher Form wird

sich noch zeigen“.

Er sollte recht behalten: Mit dem seit

2016 vom gemeinsamen Büro der Europaregion

organisierten „Euregio Music

Camp“ wurde diese Zusammenarbeit

auf eine neue Ebene gehoben und als fixer

Bestandteil im Arbeitsjahr der Euregio

verankert: „Die Kultur verbindet die

Menschen, die Musik ganz besonders.“

Seither bekommen musikbegeisterten Ju-

Im Gustav-Mahler-Saal in Toblach gastierte das Euregio-Jugendblasorchester im Jahr 2016.

KulturFenster

27 06/Dezember 2021


vorgestellt

in einer nahegelegenen Jugendherberge

übernachtet. Die jungen Musiker*innen

freuten sich umso mehr, nach monatelangem

Fernunterricht abseits vom soziokulturellen

Leben endlich wieder in Gemeinschaft

musizieren zu können.

Die Konzerte 2021

Ein Konzert in besonderer Atmosphäre 2018 in Riva del Garda

gendliche jedes Jahr die Chance, gemeinsam

im Euregio-Jugendblasorchester zusammenzuspielen,

neue Freundschaften

zu knüpfen und im Rahmen einer kleinen

Euregio-Konzerttournee wertvolle Erfahrungen

zu sammeln.

Eine Orchesterwoche unter

besonderer Vorsicht

Weil dieses erfolgreiche Projekt 2020 aufgrund

der Pandemie kurzerhand abgesagt

werden musste, haben die Verantwortlichen

seit Jahresbeginn alles darangesetzt,

das Orchesterprojekt 2021 nicht wieder

ausfallen zu lassen. Sie beobachteten

die Situation im Vorfeld mit Argusaugen

und loteten Möglichkeiten und Alternativen

aus um in höchstmöglicher Sicher-

heit proben und arbeiten zu können. Wegen

der rechtlichen Rahmenbedingungen

in Österreich fand das heurige Music-

Camp nicht wie üblich im Kulturzentrum

in Toblach statt, sondern wurde kurzerhand

nach Steinach am Brenner verlegt.

Rund 60 Jugendliche im Alter zwischen

13 und 25 Jahren aus allen drei Landesteilen

folgten der Einladung. Alle Beteiligten

– auch Geimpfte – wurden alle 48

Stunden im Antigen-Screening getestet,

niemand hat die Gruppe während der Orchesterwoche

verlassen. „Gott sei Dank ist

keine Corona-Infektion aufgetreten, die alle

unsere Anstrengungen zunichte gemacht

und auch das heurige Konzertprojekt versenkt

hätte“, zeigt sich Finatzer heute erleichtert.

Im Gemeindesaal und in der Landesmusikschule

Wipptal wurde geprobt,

Die intensive Orchesterwoche vom 24.

Juli bis 1. August in Steinach am Brenner

wurde von den drei Dirigenten Wolfram

Rosenberger, Franco Puliafito und

Hans Finatzer geleitet, wiederum unterstützt

von einem fachmännischen Team

aus Referenten für die einzelnen Register.

Die Konzerttournee führte heuer nach

Pinzolo im Trentino, Eppan im Südtiroler

Überetsch und zu den Innsbrucker

Promenadenkonzerten. Eigentlich hätte

das Konzert in Südtirol auf dem Areal vor

dem Kulturzentrum von Toblach stattfinden

sollen, wurde allerdings wetterbedingt

auf den überdachten Festplatz von

St. Michael/Eppan verlegt. Der Wettergott

meinte es auch in Eppan nicht gut,

aber das Konzert konnte dennoch ohne

Unterbrechung durchgeführt werden, da

Musiker und das zahlreich erschienene

Publikum im Trockenen saßen. In Innsbruck

spielte man wie immer im Innenhof

der kaiserlichen Hofburg, der sich

aber aufgrund der miserablen Witterung

nicht wie gewohnt füllte. Dies tat der guten

Laune und der Spielfreunde keinen

Abbruch, im Gegenteil – die von der Pandemie

am meisten betroffenen Jugendlichen

freuten sich, endlich über ein unbeschwertes

Treffen in Präsenz und auf

das so wichtige Miteinander unter Gleichgesinnten.

In Cavalese war das Euregio-JuBO 2019 zu Gast.

KulturFenster

28 06/Dezember 2021


Blasmusik

Die bisherigen Dirigenten des

Euregio-Jugendblasorchesters:

➤ Südtirol: Meinhard Windisch (2015-

2019) und Hans Finatzer (seit

2020)

➤ Trentino: Marco Somadossi (2015-

2016) und Franco Puliafi to (seit

2017)

➤ Tirol: Wolfram Rosenberger (seit

2015)

Die bisherigen Auftrittsorte des

Euregio-Jugendblasorchesters:

➤ 2015: Innsbruck, Trient, Auer

2021 gastierten das „Südtiroler“ Konzert des Euregio-Jugendblasorchesters in St. Michael-Eppan

– im Vordergrund die drei Dirigenten: (v. l.) Wolfram Rosenberger, Hans Finatzer

und Franco Puliafito

➤ 2016: Toblach, Riva del Garda,

Innsbruck

➤ 2017: Riva del Garda, Toblach,

Innsbruck, Pergine

Kompositionswettbewerb -

Uraufführung

Am 20. Jänner 1972 trat das 2. Autonomiestatut

in Kraft. Anlässlich des 50-jährigen

Jubiläums dieses für Südtirol so geschichtsträchtigen

Datums hat der Südtiroler Landtag

einen Kompositionswettbewerb ausgeschrieben.

Die detaillierten Informationen

dazu wurden in der Oktoberausgabe des

KulturFensters (Seite 49) veröffentlicht.

Das Euregio-Jugendblasorchester wird das

Sieger-Werk anlässlich des Europatages uraufführen,

der voraussichtlich am 7. und

8. Mai 2022 stattfindet.

Stephan Niederegger

➤ 2018: Innsbruck, Riva del Garda,

Toblach

➤ 2019: Cavalese, Sterzing, Innsbruck

➤ 2020: abgesagt!

2021: Pinzolo, St. Michael/Eppan,

Innsbruck

Euregio Music Camp 2022

Anmeldungen ab sofort möglich

nahme am Frühjahrsprogramm ist kostenlos,

für die Sommerwoche beträgt

die Teilnahmegebühr 150 Euro.

Ab sofort können sich junge

Musikant*innen zum Euregio Music Camp

anmelden, das vom 23. bis zum 31. August

stattfindet. Konzerte sind auch zum

Jubiläum "50 Jahre 2. Autonomiestatut"

und zum Europatag geplant.

Auch 2022 organisiert die Euregio Tirol-Südtirol-Trentino

in Zusammenarbeit

mit den Blasmusikverbänden

der drei Länder das Euregio Music

Camp. Die Sommerwoche für talentierte

Nachwuchsmusiker*innenfindet vom 23.

Juli bis zum 31. Juli 2022 statt. Als krönender

Abschluss der Orchesterwochen

sind wieder Konzerte in den drei Euregio-Landesteilen

geplant. Neben der klassischen

Sommerwoche und den drei Konzerten

gibt es im kommenden

Jahr weiterer Höhepunkt: So

wird das Jugendblasorchester

anlässlich des Europatags und

zum 50-jährigen Jubiläum des

Zweiten Autonomiestatuts Konzerte

geben. Die Proben dazu

werden im April aufgenommen.

Interessierte können sich neben

dem Euregio Music Camp

im Sommer auch für dieses Zusatzprogramm

vom 14. bis 16.

April 2022 und 5. bis zum zum

8. Mai 2022 anmelden. Die Teil-

Informationen:

➤ www.europaregion.info/musiccamp

Euregio-Jugendblasorchester 2019

Fotos: Wolfgang Alberty

KulturFenster

29 06/Dezember 2021


VSM intern

Auf Kontinuität gesetzt

Das Kapellmeister-Coaching in seiner sechsten Auflage

Seit den Anfängen des Kapellmeister-Coachings

steht die praxisnahe Begleitung

aktiver Kapellmeister*innen im Mittelpunkt

dieses Fortbildungsangebotes. Auch

für die heurigen sieben Teilnehmer*innen

ein abwechslungsreiches Programm geboten

werden.

Momentaufnahme einer Lehrprobe beim Kapellmeister-Coaching 2021

Annelies Gschließer, Monika Steger, Simon

Burger, Christof Grumer, Georg Plazza,

Joachim Schwingshackl und Tobias Tammerle

gingen mit Begeisterung und Motivation

in das Coaching. An insgesamt

sechs Wochenenden wurde an Dirigier- und

Schlagtechnik, Probenmethodik, Kommunikation,

Literatur und Programmgestaltung

und vielem mehr theoretisch und vor allem

praktisch gearbeitet. Abgerundet durch verschiedene

fachspezifische Referate externer

Referenten konnte das Erfolgskonzept

der vergangenen Jahre trotz Corona-Pandemie

erfolgreich weitergeführt werden.

Aus der Not entwickelte sich eine Tugend,

so war die praktische Probenarbeit

im Ensemble fester Bestandteil mehrerer

Kurseinheiten. Dabei wurde abermals

unter Beweis gestellt, dass die Herausforderungen

an den Dirigenten größtenteils

dieselben sind, ob im Ensemble oder im

großen Blasorchester. Dies wurde auch

von den Teilnehmer*innen in den regelmäßigen

Nachbesprechungen der Lehrproben

unterstrichen.

Das Lehrerteam, bestehend aus Philipp

Kufner, Sigisbert Mutschlechner, Meinhard

Windisch und Patrick Gruber, begleitete

die Kapellmeister*innen bei ihrer

Weiterentwicklung. Sowohl bei der

ersten Einheit im April, welche online

per Videokonferenz stattfand als auch an

den jeweiligen Standorten in den Musikschulen

Naturns, Klausen, Terlan, Bruneck

und Sterzing, ging es u.a. darum,

Raum für individuelle Bedürfnisse der

Kapellmeister*innen zu schaffen. Das gemeinsame

Erkennen und Weiterarbeiten

an individuellen Themenschwerpunkten

stellt nach wie vor einen wichtigen Baustein

dieser Fortbildung dar.

Den Kapellmeister*innen vergangener und

vor allem des diesjährigen Coachings spreche

ich an dieser Stelle ein großes Lob und

ein Kompliment aus! Sie haben sich dafür

entschieden, die immer größeren Herausforderungen

in der musikalischen Leitung

einer Musikkapelle anzunehmen, dem Stillstand

und damit einem Rückschritt durch

Weiterbildung entgegenzutreten.

Anmeldungen für das Kapellmeister-Coaching

2022 werden noch gerne entgegengenommen!

Patrick Gruber, Kursleiter

Philipp Kufner war auch diesmal

einer der Hauptreferenten des

Kapellmeister-Coachings.

Sigisbert Mutschlechner und Meinhard

Windisch gehörten ebenfalls zum Lehrerteam.

Patrick Gruber, Referent und

Kursleiter in „Personalunion“

KulturFenster

30 06/Dezember 2021


Blasmusik

Motivation in mehrerlei Hinsicht

Obleute-Tagung des Verbandes Südtiroler Musikkapellen 2021

Aufmerksame Zuhörer*innen im vorgeschriebenen Corona-Sicherheitsabstand in Bozen

Die Reform des sog. Dritten Sektors und

„Mit Motivation aus der Krise“ waren die

Themen des diesjährigen Obleute-Tages

des Verbandes Südtiroler Musikkapellen,

der am Samstag, 30. Oktober 2021,

im Waltherhaus in Bozen stattfand. Nach

einigen Online-Treffen war dies eine willkommene

Möglichkeit des lang ersehnten

direkten persönlichen Austausches. Rund

150 Obleute und Kassier*innen aus den

Mitgliedskapellen folgten der Einladung

und wurden von Verbandsobmann Pepi

Fauster willkommen geheißen.

„Corona hat sich auf die 210 Musikkapellen

in unserem Land unterschiedlich

ausgewirkt“, brachte es der Verbandsobmann

gleich zu Beginn in seiner Einführung

auf den Punkt. Die meisten Musikkapellen

hätten sich im Rahmen der

eigenen Möglichkeiten bemüht, trotz

der schwierigen Umstände ihre Vereinstätigkeit

aufrecht zu erhalten und seien

dabei teils sehr kreativ gewesen, so der

Verbandsobmann. Ihre Ideen und wie sie

es geschafft haben, nicht dem Corona-

Koller zu verfallen, stellten Verbandskapellmeister

Meinhard Windisch und

Pircher Andreas, Obmann der Musikkapelle

Naturns, im zweiten Teil der Tagung

vor.

Der Dritte Sektor als machbare

Herausforderung

Zunächst ging es aber um ein für viele Vereinsverantwortliche

sehr mühsames und leidiges

Thema: die Reform des Dritten Sektors

mit besonderem Augenmerk auf die

Buchführung im Rahmen der neuen gesetzlichen

Bestimmungen. Der Pusterer

Wirtschaftsprüfer Markus Hofer fasste die

Eckpunkte der Reform des Dritten Sektors

noch einmal in wenigen Worten zusammen.

Die Idee, die der gesetzlichen Neuregelung

zugrunde liegt, sei grundsätzlich

auch nicht schlecht: Was bis heute in unzähligen

Bestimmungen und Gesetzen geregelt

ist, wird nun in einem einzigen Maßnahmenpaket

zusammengefasst. So weit

so gut. Allerdings tragen die neuen staatlichen

Bestimmungen der Tatsache nicht

Rechnung, dass das Ehrenamt in Südtirol

eine ganz andere, viel umfassendere Rolle

einnimmt als im restlichen Staatsgebiet.

Gerade für kleinere Vereine stellt die Umstellung

auf die neuen Vorgaben eine Herausforderung

dar, die aber, wie Hofer bestätigte,

doch machbar sei.

Denn bereits heute ist jeder Verein dazu

verpflichtet, beispielsweise ein Kassabuch

zu führen und eine Jahresabschlussrechnung

zu erstellen, die den eigenen Mitgliedern,

öffentlichen Institutionen und Beitragsgewährern

vorgelegt werden muss.

Daran ändert sich auch in Zukunft nichts.

Was sich ändert, ist das Aussehen der Jahresabschlussrechnung:

neue Kapitel, Konten

und Positionen. Doch auch hier gilt der

bekannte Grundsatz: „Die Suppe wird nicht

so heiß gegessen, wie sie gekocht wird.“

Wie Wirtschaftsprüfer Hofer erläuterte, sei

für die korrekte Buchführung gewiss kein

Wirtschaftsberater nötig, sondern einfach

etwas Übung. Anhand der neuen Version

des Kassabuches im Programm VSM-Office

erklärte er, wie eine korrekte Buchführung

erfolgen kann. Alternativ gibt es auch weitere

Programm-Tools, die jedoch eher allgemein

gehalten und nicht spezifisch auf

die Tätigkeit der Musikkapellen zugeschnitten

sind. Verwendet werden können sie alle,

denn das Endprodukt, sprich die fertige Jahresabschlussrechnung,

sieht überall gleich

aus. Auch das sieht die Reform so vor.

KulturFenster

31 06/Dezember 2021


VSM intern

Mit guten Ideen durch die Krise

Der zweite Teil der Tagung stand unter dem

Motto: „Mit Motivation aus der Corona-Pandemie“.

Gespannt verfolgten die zahlreich

anwesenden Vertreter*innen der Musikkapellen

aus ganz Südtirol die Ausführungen

der Referenten Andreas Pircher und Meinhard

Windisch.

Die Musikkapelle Naturns zauberte mit ihren

Internet-Auftritten auf verschiedenen

Social-Media-Plattformen zahlreichen Blasmusikfreunden

ein Lächeln ins Gesicht. Videobeiträge

und sogar ein Film entstanden

in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Tourismusverein.

„Natürlich beschäftigt einen

Verein in dieser Zeit die Frage, wie man Mitglieder

halten kann. „Wir haben durch diese

Aktion sogar neue Mitglieder dazugewonnen“,

berichtet Obmann Andreas Pircher. Das

Projekt war für die Musikant*innen ein ganz

besonderer Anlass und die Vorführung des

Films ein Höhepunkt für das gesamte Dorf.

Verbandskapellmeister Meinhard Windisch,

seines Zeichens auch Kapellmeister der Musikkapelle

Terlan, berichtete vom Corona-

Management seiner Musikkapelle. Messgestaltungen

waren für lange Zeit die wenigen

Möglichkeiten, ausschließlich in kleinen Gruppen

gemeinsam zu musizieren. Dies nahm

die Musikkapelle Terlan zum Anlass und lud

ihre Mitglieder ein, sich zu bunt zusammengewürfelten

Bläsergruppen zusammenzutun.

Diese Gruppen haben in Terlan regelmäßig

die Gottesdienste in der Kirche musikalisch

gestaltet, sehr zur Freude der Dorfgemeinschaft.

Die Noten dazu wurden vom Kapellmeister

eigens bearbeitet, wenn nötig umgeschrieben

und den Musikant*innen vorab

– gemeinsam mit einer Audiodatei, die das

Üben zuhause leichter machte – übermittelt.

Es sei ihm und den Verantwortlichen

der Musikkapelle Terlan immer wichtig gewesen,

nach vorne zu blicken und nicht

den Kopf in den Sand zu stecken. Oft brauche

es nur gute Ideen und die richtige Einstellung,

so Windisch. Der Verbandsobmann

gab noch einige Informationen zur

SIAE, zu den Corona-Bestimmungen, zur

Mitglieder-Vollversammlung des VSM und

zum neu erschienenen Buch „In Treue fest

durch die Systeme“ weiter und meinte zum

Abschluss: „MOTIVATION kommt mit dem

TUN! Es gibt immer einen Weg!“ Mit vielen

Ideen und Anregungen endete die Obleute-

Tagung 2021 und die Anwesenden bedankten

sich mit einem kräftigen Applaus bei den

drei Referenten.

Florian Lahner, Obmann der MK Reischach

Wirtschaftsprüfer Markus Hofer

aus Bruneck vermochte mit

seinem Referat dem leidigen

Thema „Dritter Sektion“ etwas

an Schärfe zu nehmen.

Jahresabschluss 2021

Das neue Kassabuch

Gemäß den Vorschriften des Dritten Sektors muss bereits

für das Jahr 2021 die Jahresabschlussrechnung

nach den neuen Regeln erstellt werden: neue Kapitel,

Konten und Positionen. Dementsprechend wurde

das Kassabuch im Verwaltungsprogramm „VSM-Office“

entsprechend angepasst und ist ab 15. Dezember

in der neuen Form online verfügbar.

Andreas Bonell, VSM-Geschäftsführer

KulturFenster

32 06/Dezember 2021


Blasmusik

„Zwei unglaublich

lehrreiche Tage“

Lehrprobe mit der Bürgerkapelle Lana

Eigentlich wäre es bereits die 8. Auflage

gewesen. Coronabedingt musste im Vorjahr

die mit Björn Bus geplante Dirigentenwerkstatt

abgesagt werden. Somit lud der VSM

heuer zur 7. Südtiroler Dirigentenwerkstatt.

7. Südtiroler Dirigentenwerkstatt mit

Marco Somadossi

Oberstes Ziel dieser mittlerweile jährlich

Anfang November stattfindenden Werkstatt

ist es, aktiven Kapellmeister*innen

mit Hilfe externer Referent*innen Inputs

für ihre praktische musikalische Arbeit

mit der Musikkapelle zu geben. Für die

heurige Auflage ist es gelungen, den bekannten

Blasorchesterdirigenten, Komponisten

und Pädagogen Marco Somadossi

aus Rovereto zu verpflichten. Die Schlagtechnik,

das Klangbild und die Vorbereitung

einer Aufführung sind Schwerpunkte, die

angesprochen und vertieft wurden. Diese

Fortbildung umfasst Blasorchesterliteratur

in unterschiedlichen Stufen, die auch

in praktischen Lehrproben erarbeitet und

vertieft wird.

„Wir konnten zwei unglaublich lehrreiche

Tage mit unserem Referenten verbringen.

Grazie Marco!“, freute sich VSM-Verbandskapellmeister

Meinhard Windisch zum Abschluss.

Er bedankte sich bei den aktiven

und passiven Teilnehmern*innen, besonders

bei der Bürgerkapelle Lana, die sich

als Übungskapelle zur Verfügung stellte.

Stephan Niederegger

Verbandskapellmeister und Kursleiter

Meinhard Windisch zur

Dirigentenwerkstatt 2021:

„Taktschlagen kann jeder. Die Musik in

ein Dirigierbild umzuwandeln und effizient

und sinnvoll zu gestalten, dies benötigt

Übung und eine vertiefte Auseinandersetzung

mit der Partitur“, so Marco Somadossi,

der Referent der diesjährigen Dirigentenwerkstatt

am 5. und 6. November in Nals.

Marco Somadossi aus Rovereto lehrt am

Konservatorium von Udine Blasorchesterleitung,

Komposition, Instrumentierung für

Blasorchester und ist künstlerischer Leiter

des internationalen Wettbewerbs Flicorno

d´ Oro. Sein fundiertes Wissen konnte er in

einem Mix aus Praxis, theoretischen Ansätzen

und fundierten Einblicken in die Partituren

eindrucksvoll darstellen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Dirigentenwerkstatt

ist der praktische Teil mit einer

Übungskapelle. Für die heurige Dirigentenwerkstatt

stand die Bürgerkapelle Lana zur

Verfügung. Die aktiven Teilnehmer*innen

hatten so die Möglichkeit, in den zwei Lehrproben

Erlerntes gleich in die Praxis umzusetzen

und unter der Anleitung des Referenten

auch neue Wege zu beschreiten.

Dabei zeigte sich einmal mehr, dass kleine

Änderungen Großes bewirken können. Dass

die Lehrproben nicht nur für die Kursteilnehmer

interessant und lehrreich waren,

bestätigten die vielen Rückmeldungen der

Mitglieder der Bürgerkapelle Lana. Ich wünsche

allen Beteiligten, dass die Begeisterung

und Motivation aus diesen zwei Tagen

noch lange anhalten möge.

Die bisherigen Südt. Dirigenten-Werkstätten:

1. 2014 mit Miguel Etchecongelay

2. 2015 mit Isabelle Ruf-Weber

3. 2016 mit Alex Schillings

4. 2017 mit Jan Cober

5. 2018 mit Franco Cesarini

6. 2019 mit Walter Ratzek

- 2020 mit Björn Bus (abgesagt!)

7. 2021 mit Marco Somadossi

Zufriedene Gesichter bei der Dirigentenwerkstatt 2021: (v. l.) Meinhard Windisch (Kursleiter), Martin Knoll, Charlotte Rainer, Marco Somadossi

(Referent), Bernhard Reifer, Andreas Rechenmacher, Michael Vikoler – im Bild fehlen: Lukas Erb, Gerhard Eschgfäller, Tobias Tammerle

KulturFenster

33 06/Dezember 2021


VSM intern

50 Jahre Leistungsabzeichen

in Südtirol 1971–2021

Neue Broschüre erschienen

Vor 50 Jahren wurden die Leistungsabzeichen

vom damaligen Jugendleiter Karl Pramstaller

in 1971 Südtirol eingeführt.

Seit dieser Zeit waren es über 20.000

Musikant*innen, welche im Laufe ihrer Karriere

eines der begehrten Leistungsabzeichen

absolviert hatten. Die Beweggründe

für das Bronzeabzeichen sind in den meisten

Fällen die Aufnahme in die Musikkapelle

– bei Silber und Gold sind es persönlicher

Ehrgeiz und die Überzeugung, sich

auf dem Instrument weiterzubilden und

weiterzuentwickeln.

In mühevoller Kleinarbeit hat VSM-Verbandsjugendleiter

Hans Finatzer Informationen,

Unterlagen und Daten dieser 50-jährigen

Erfolgsgeschichte von den Anfängen

1971 bis zum Übergang der Prüfungen

an die Landesmusikschuldirektion im Juni

2021 zusammengetragen und daraus eine

neue, sehr informative Broschüre gestaltet.

Diese beschreibt die Vorbereitung und Prüfungen

von einst und jetzt und präsentiert

auch spannende Porträts Südtiroler Musikerpersönlichkeiten.

Die Broschüre wird an alle Musikkapellen

verteilt und liegt im Büro des VSM auf.

Stephan Niederegger

KulturFenster

34 06/Dezember 2021


Redaktionsschluss für

Blasmusik

„Opus Blasmusik“ im

Konservatorium Bozen

Ein neues Projekt in Zusammenarbeit mit dem VSM

„Opus Blasmusik“ ist eine neue Zusammenarbeit

zwischen dem Konservatorium

"Claudio Monteverdi" Bozen und dem Verband

Südtiroler Musikkapellen mit dem

Ziel, Studenten*innen in den Bereichen

Blasmusikleitung, Komposition und Bearbeitungen

für Blasorchester zu fördern.

Sie bekommen damit die Möglichkeit,

ihre Arbeiten im Rahmen ihres Studiums

– begleitet von ihren Professoren Thomas

Ludescher und Eduard Demetz – direkt

in die Praxis umzusetzen. Es entsteht dadurch

auch ein Mehrwert für die beteiligten

Musikkapellen, denn sie erhalten

neue Werke, die für sie komponiert oder

arrangiert bzw. den jeweiligen Gegebenheiten

angepasst werden.

Dabei reicht das Spektrum der Literatur

von Werken für Jugendkapellen und kammermusikalischen

Besetzungen bis hin

zur Besetzung für Blasorchester.

Für die erste Projektphase (zweites Studiensemester

2022) wird eine beschränkte

Anzahl von Musikkapellen zugelassen.

Interessierte Musikapellen können sich

bis 31. Dezember 2021 bei Meinhard

Windisch (Tel.: +39 335 6930006 –

meinhard.windisch@vsm.bz.it) melden.

Die Musikkapellen werden in der Reihenfolge

der Anmeldungen angenommen.

Die Werke werden auf der Homepage

des VSM und des Konservatoriums

veröffentlicht.

Meinhard Windisch

VSM-Verbandskapellmeister

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten

senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Freitag, 14. Jänner 2022

KulturFenster

35 06/Dezember 2021


hinausgeblickt

Funktionärsausbildung

2022

https://vsm.bz.it

LIVE DABEI

bewegt

Eine tolle Erfahrung

Fortbildung „Alles Show“ mit der

Stadtkapelle Meran

Die Stadtkapelle Meran beim Empfang anlässlich der Verleihung der Verdienstkreuze durch das Land Tirol am 10.10.2021

Zu einer guten Stabführerausbildung gehört

auch das Erlernen, Planen und Begreifen

einer Show. Dies alles gehörte zu unserer

Schwerpunktfortbildungen für 2021. Gestartet

mit den drei Online-Fortbildungen – darüber

bereits berichtet im KF Nr. 2/2021

fand am 25. September der praktische Teil

statt, welcher mit 8 Teilnehmern erfolgreich

durchgeführt wurde.

Da der vorgesehene Referent Gerhart Dopler,

Landessstabführer Oberösterreich, kurzfristig

absagen musste, übernahm ich die

Aufgabe, diesen Workshop zu leiten. Im Probelokal

der Stadtkapelle Meran wurde am

Vormittag der theoretische Teil absolviert.

Für das eigens arrangierte Marschmedley

des Kapellmeisters Martin Graber bereitete

ich vorab schon Elemente und Choreografie-Skizzen

vor. Großen Wert legte ich dabei

auf verschiedene Schwerpunkte, z. B.

Schwierigkeitsgrad und die Umsetzbarkeit

der Ideen in der Praxis.

Am Nachmittag fand der praktische Teil

statt. Die Stadtkapelle Meran hat sich dankenswerterweise

als Übungskapelle zur Verfügung

gestellt. Beginnend mit dem Marsch

„Mein Heimatland“ wurde das Erlernte vom

Vormittag umgesetzt. Die Teilnehmer waren

begeistert, konnten sie schon nach relativ

kurzer Zeit Erfolge sehen.

Ich erhielt auch sehr gutes Feedback von

Teilnehmern und auch von Musikant*innen,

was mich sehrt freute. Ich bin deshalb überzeugt,

dass Musik in Bewegung bei vielen

gut ankommt und begeistert.

Hiermit möchte ich allen noch danken,

die sich dieses Jahr für die Musik in Bewegung

eingesetzt haben, und ich wünsche

mir, dass die Begeisterung in den

Kapellen, bei den Stabführern, Kapellmeistern

und Obleuten weiterhin anhält und

somit mit vielen Ideen tolle Shows aufgeführt

werden.

Die einstudierte Show

Beginnend mit dem Marsch „Mein Heimatland”

schwenkten die einzelnen Glieder

diagonal und mit unterschiedlichen Zählzeiten

aus. Es folgte die 45° Schwenkung

mit anschließenden langsamen Schritten

und die Bildung der breiten Formation, welche

gleichmäßig und einheitlich über die

KulturFenster

36 06/Dezember 2021


Blasmusik

Reihen und Glieder erfolgte. Mit der Wiederholung

des 2. Teils erfolgte ein Durchfl

echten der Reihen 1+2 sowie 4+5, wobei

die verschiedenen Schrittwechsel und

die einheitliche Bewegung vorab langsam

ohne Spiel einstudiert wurden. Mit „YMCA“

ging es über in einfache Synchronbewegungen

bis hin zum Posaunensolo von „Cordula

Grün“, worauf sich der Marschblock

auflöste und ein Kreis gebildet wurde. Es

folgten verschiedene Bewegungselemente,

wie Durchfl echten, Doppelkreis und Bewegen

im Kreis, bis ab dem 16. Takt die

tiefen Register ausscherten, um die Eckpfeiler

für das darauffolgende Karree zu

bilden. An ihrem Platz angekommen folgte

eine 4-taktige solistische Einlage des Musikstücks

„Seven Nation Army“ durch das

tiefe Register, wobei der Kreis in sich zusammenfällt,

um das Karree zu bilden...

Klaus Fischnaller

VSM-Verbandsstabführer

Vorabinformation: Stabführertermine 2022 kurz notiert

Grundkurs Süd/West Beginn 10 Jänner (Obermais)

Beginn 17. Jänner ( Kaltern/Tschengls)

Grundkurs Nord/Ost

Aufbaukurs Nord/Ost

Aufbaukurs Süd/West

Coaching in 3 Einheiten

Marschmusikbewertung

Abschlusskurs

Beginn Sa. 05. März

Beginn Sa. 23. April

Beginn Mo. 02. Mai

Beginn 14. Mai - Bezirk Schlanders

Beginn 18. Mai - Bezirk Bozen

Beginn 27. Mai - Bezirk Brixen

Sonntag, 17. Juli Sand in Taufers (Bezirksmusikfest)

Sa. 10. und 17. September

Grundkurs für Stabführer Südwest

Alle vier Einheiten finden jeweils zeitgleich an folgenden Orten statt:

1. Einheit Montag, 10.01.2022 Obermais, Altes Rathaus 18:00-21:00 Uhr

1. Einheit Montag, 17.01.2022 19:00-22:00 Uhr

Zwei Teilnehmer haben uns ihr Feedback zur Stabführerfortbildung in Meran

zukommen lassen. Vielen Dank dafür!

Roman Tumler

Die Fortbildung „Alles Show“ hat mir sehr gut gefallen. Ich habe im letzten Jahr, noch bevor Corona

uns alle in einen musikalischen Tiefschlaf versetzt hatte, den Grundkurs der Stabführerausbildung

besucht. Mit dementsprechend wenig Erfahrung und praktischem Können als Stabführer habe

ich mich dennoch entschlossen, die Fortbildung zu besuchen. Nachdem der ursprünglich geplante

Referent leider absagen musste, ist unser Verbandsstabführer Klaus Fischnaller kurzfristig

und sehr professionell eingesprungen. Am Vormittag hat uns Klaus mit viel Leidenschaft

und fachlichem Wissen den Aufbau einer Marsch-Show aufgezeigt und erklärt, wie man eine

solche plant. Gemeinsam haben wir verschiedene Show-Elemente erarbeitet und besprochen.

Am Nachmittag ging es dann an das praktische Einlernen mit der Übungskapelle. Es war faszinierend

zu sehen, wie das am Vormittag theoretisch Besprochene in die Tat umgesetzt werden konnte

und bereits kleine, einfache Show-Elemente eine große Wirkung erzeugen können. Anhand solcher

einfacher Show-Elemente können Marschierproben in der eigenen Kapelle aufgelockert werden und die

Musikant*innen für Musik in Bewegung motiviert werden.

Mir persönlich hat die Fortbildung erneut bewusstgemacht, dass Musik in Bewegung etwas Schönes und Erhaltenswerts ist. Sowohl das

traditionelle Aufmarschieren bei Prozessionen und Umzügen, aber auch die Teilnahme an Marschmusikbewertungen oder Marsch-Shows

mit modernen innovativen Elementen sollte ein fi xer Bestandteil unserer Kapellen im Land und des Südtiroler Blasmusikwesens sein.

Stefan Ploner

Ich habe mich bisher nicht mit dem Thema Show befasst, wollte mir das mal anschauen,

ein paar Ideen einholen. Im theoretischen Teil war für mich einiges nicht leicht vorzustellen;

bei den praktischen Übungen wurde vieles verständlicher – ein Anstoß, mich mit diesem

Thema zu beschäftigen!

Ein großes Kompliment an den Referenten, Verbandsstabführer Klaus Fischnaller, der kurzfristig

für den vorgesehenen, aber schlussendlich verhinderten Referenten eingesprungen

ist! Klaus hat mit viel Energie und Fachwissen die Weiterbildung geleitet, Übungskapelle und

Kursteilnehmer begeistert!

KulturFenster

37 06/Dezember 2021


hinausgeblickt

bewegt

VSM-Jahresprogramm

2022

https://vsm.bz.it

LIVE DABEI

Geheime Proben für

einen Flashmob

Die Jugendkapelle Lüsen/St. Andrä überrascht mit

einem besonderen Auftritt

Ganz entspannt ging’s los, dann entwickelte

sich der Flashmob der Jugendkapelle

Lüsen/St. Andrä zu einer

Riesenüberraschung.

Nach über einem Jahr Stillstand hat die Jugendkapelle

Lüsen/St. Andrä Mut gefasst

und ein neues Musikjahr gestartet.

Geprobt wurde im Juli und August unter Einhaltung

aller Vorlagen in Kleingruppen und

vorzugsweise im Freien. Die Proben waren

sehr intensiv, zumal die Probenzeit knapp

bemessen und das Konzertprogramm für

die zwei Auftritte in St.Andrä und Lüsen

doch recht vielfältig war. Hinzu kam auch

die Idee, der Musik in Bewegung wieder einen

größeren Stellenwert beizumessen und

einen etwas anderen Konzertbeginn zu zeigen.

Schnell stand die Entscheidung fest,

dafür Verbandstabführer Klaus Fischnaller

ins Boot zu holen. Nach einigen organisatorischen

Treffen im Vorfeld lernten die

Jungmusikant*innen schließlich in zwei

Proben einen Flashmob ein. Musikalisch

unterlegt wurde dieser mit Ausschnitten

des Konzertprogramms, welche die Jugendkapelle

gleichzeitig zum Besten gab.

Dazu das Feedback

der Kinder:

Ganz gespannt haben wir auf Klaus gewartet,

der mit uns die Marschierprobe

für unseren Flashmob abhalten sollte. Unsere

Neugier war groß, und sobald Klaus

die ersten Schritte mit uns besprochen

hatte, waren wir alle positiv überrascht.

Er gab uns zu verstehen, dass es bei der

Musik in Bewegung um Freude am Bewegen

geht, und bezog bei der Zusammenstellung

des Flashmobs unsere eigenen

Ideen ein. Klaus war super vorbereitet und

konnte uns sofort von seiner Idee überzeugen.

Da wollten auch wir mit vollem Einsatz

unser Bestes geben. Die Idee, den

Flashmob vor unseren Eltern und Freunden

geheim zu halten, imponierte uns sofort.

Nach zwei intensiven Proben waren

wir dann bereit für unseren großen Auftritt.

Die Konzertbesucher*innen saßen

alle nichtsahnend auf dem Festplatz und

wunderten sich vielleicht schon, wieso wir

Jungmusikant*innen noch ganz entspannt

quatschten. Bis dann der eingängige Rhythmus

der großen Trommel erklang und der

Flashmob begann. Die Choreografie und

die Überraschung gelangen uns hervorragend

und die Besucher stimmten sogar

spontan ins Klatschen ein.

Wir, die Jugendkapelle Lüsen / St. Andrä,

bedanken uns herzlich bei Klaus und können

nur jeder Jugendkapelle den Tipp geben,

mit unserem Verbandstabführer für die

Musik in Bewegung zusammen zu arbeiten.

Die Jungmusikant*innen der

Jugendkapelle Lüsen/St. Andrä

Über diesen QR-Code kann

man mehr zum Flashmob

der Jugendkapelle Lüsen/

St. Andrä erfahren.

KulturFenster

38 06/Dezember 2021


jung musiziert

Das Holzblasorchester wird von Prof. Walter Ratzek dirigiert und am

Flügel begleitet.

Fotos: Konrad Pichler

Holzblasorchester

HoBla-O“ reloaded


Plattform für junge Musiker*innen

und Komponist*innen

Das „HoBla-O“ gibt Holzbläser*innen die

Möglichkeit, in dieser speziellen Besetzung

Orchestererfahrung zu sammeln.

Nach der covidbedingten Zwangspause

im Jahre 2020/21 startete das Holzblasorchester

mit dem Projekt „Orchestertage

HoBla-O 2021“ wieder durch und bot ausgewählten

jungen Musiker*innen eine

Bühne, auf der speziell für diese Besetzung

arrangierte Orchesterliteratur und

in Auftrag gegebene Werke zur Aufführung

gelangen.

Unter der bewährten Leitung von Prof. Walter

Ratzek (Berlin) sowie eines 8-köpfigen

Dozententeams wurde ein herausforderndes

Konzertprogramm einstudiert.

Die Orchestermitglieder stammen aus den

Südtiroler Landesmusikschulen, den Oberschulen

mit musikalischem Schwerpunkt,

aus dem Konservatorium „C. Monteverdi“

Bozen und aus dem Tiroler Landeskonservatorium.

Konzertmeister ist Luca Moranduzzo,

der derzeit sein Klarinettenstudium

an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“

in Berlin absolviert.

Im Jahre 2009 wurde vom damaligen Direktor

der Musikschule Unterland, Konrad

Pichler, und Alexandra Pedrotti, damals

Klarinettenlehrerin an der MuS Unterland

und jetzt deren Direktorin, die Idee geboren,

ein erweitertes Holzbläserensemble

mit Sitz an der Musikschuldirektion Unterland

zu gründen.

Den entscheidenden Impuls dafür gab ein

Konzertprojekt mit Prof. Hans Obkircher,

der das Orchester in den darauffolgenden 5

Jahren selbst geleitet und auch den Großteil

des Repertoires eigens arrangiert und dem

Orchester auf den Leib geschrieben hat.

Er ist am vergangenen 13. Februar überraschend

verstorben. In einer Schweigeminute

beim heurigen Konzert – Anfang November

in Auer – wurde seiner gedacht. Sein Vermächtnis

besteht darin, so Alexandra Pedrotti,

„an den Holzbläserklang im Sinne einer

modernen Orchestrierung geglaubt und

sie visionär entwickelt zu haben.“

Die Idee wurde im Rahmen der Sommerwoche

„Colour Wind“ aufgegriffen. Seitdem treffen

sich fortlaufend rund 50 Musiker*innen

aus dem gesamten Land, um ein bunt gefächertes

Programm auf hohem Niveau

aufzuführen. Ziel war und ist es, nicht

nur ein vielfältiges Orchester-Repertoire

aufzubauen, sondern auch motivierten

Musikstudenten*innen die Möglichkeit zu

geben, in dieser speziell für Holzbläser adaptierten

Besetzung Orchestererfahrungen

zu sammeln.

Eines der wichtigsten Grundprinzipien

dieses Projektes ist es auch, jungen

Komponist*innen eine Plattform für ihre

Werke zu bieten. So wurden mittlerweile

Stücke von Thomas Mahlknecht, Manuel

Zwerger, Helmuth Hödl, Andrea Götsch

u.a. uraufgeführt. Heuer erlebte das Werk

„Rhapsody für Holzblasorchester“ des Südtiroler

Komponisten Lukas M. Gasser seine

Uraufführung.

Einen zusätzlichen Höhepunkt bildete die

„Rhapsody in Blue“ von George Gershwin,

bei dem Prof. Ratzek selbst den Solopart

am Klavier übernommen hat.

Heidrun Mark

KulturFenster

39 06 Dezember 2021


Erfolgreiches Wochenende

in Grafenegg

Jugendkapelle Schnals begeistert beim Österreichischen

Jugendblasorchester-Wettbewerb

Freude über den riesigen Erfolg – die Jugendkapelle

Schnals hat Grafenegg mit

ihrer Musik und Begeisterung erobert.

Die Jugendkapelle Schnals – sie wurde im

Jahr 2004 gegründet – kann auf eine erfolgreiche

Teilnahme beim 10. Österreichischen

Jugendblasorchester-Wettbewerb in Grafenegg

(Niederösterreich) zurückblicken (s. eigener

Bericht S. 46): Die Jungmusikant*innen

unter der Leitung von Charlotte Rainer sicherten

sich den zweiten Platz in der Altersstufe

AJ. Dazu hat Verbandsjugendleiter-Stellvertreter

Hannes Schrötter der Dirigentin folgendes

Gespräch geführt:

Hannes Schrötter: Charlotte, mit welchen

Erfahrungen und Eindrücken seid ihr nach

Hause zurückgekehrt?

Charlotte Rainer: Gemeinsam etwas erlebt

zu haben, das unvergessen bleibt. Viele

wunderschöne Momente auf der Bühne,

beim Musizieren, aber auch als Gemeinschaft

an diesem Wochenende und in den

Monaten zuvor. Genau das haben wir so

vermisst und jetzt umso mehr genießen

dürfen. Ich bin sehr dankbar dafür, ein Teil

dieses Ganzen gewesen zu sein.

Schrötter: Wie verliefen die Vorbereitungen

auf den Wettbewerb?

Ch. Rainer: Für die Verwirklichung dieser

Reise wurde von jedem das Maximum

abverlangt. Ich habe die

Jungmusikant*innen bereits im Sommer

darauf vorbereitet, dass wir unter

sehr schwierigen Bedingungen an diesem

Wettbewerb teilnehmen werden. Schlussendlich

hat die Lust, endlich wieder gemeinsam

Musik zu machen und etwas

als Gruppe unternehmen zu können, den

Aufwand jedoch relativiert.

KulturFenster

40 06 Dezember 2021


Schrötter: Wie lief euer Auftritt bzw. der

Wettbewerbstag konkret ab?

Ch. Rainer: Der Auftritt war am Samstag,

23. Oktober um 9:50 Uhr eingeplant.

Nach dem Einspielen ging es auf die

Bühne. Nur einige wenige hatten bereits

zuvor einmal auf einer so großen Bühne

gestanden. Die Anspannung war kaum

zu übertreffen. Alle waren voll konzentriert,

gaben alles und haben mit Freude

musiziert. Unsere Begeisterung hat sich

wohl auf das Publikum und die Juroren

übertragen. Die durchaus positiven und

lobenden Kommentare im Feedbackbogen

bestätigen dies.

Der Wettbewerbstag lief mit einigen Konzertbesuchen,

der Teilnahme an mehreren

Workshops und vielfältigem Unterhaltungsprogramm

recht interessant

ab. Mit Spannung wurde die Bekanntgabe

der Ergebnisse erwartet. Als wir

als Zweitplatzierte auf die Bühne geholt

wurden, waren der Jubel und die

Freude riesengroß!

Schrötter: Wie zufrieden seid ihr mit dem

Endresultat?

Ch. Rainer: Nachdem der Erstplatzierte

ein Auswahlorchester aus mehreren Musikschulen

war, fühlte sich unser zweiter

Platz für uns wie ein Sieg an. Es gab nur

eins zu hören: „ES WAR SOOO COOOOL!“

Der krönende Abschluss dieser Reise

war ein Überraschungsempfang vieler

Eltern und Geschwister, welche sogar

einen roten Teppich vor dem Bus ausrollten

und uns mit tosendem Applaus,

Getränken und einem kleinen Imbiss erwarteten.

Wir haben für dieses einmalige

Ereignis enorm viel investiert und sind

dafür mit einem unvergesslichen Erlebnis

belohnt worden.

Schrötter: Welches ist euer persönliches

Rezept für solch eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit?

Ch. Rainer: Ich bin überzeugt, dass einerseits

die Kontinuität sehr wichtig ist,

man jedoch auch Mut zu Neuem haben

soll. Wenn man sich immer wieder

zu Proben und Auftritten trifft und dabei

Musik in der Gemeinschaft erlebt,

dann bleibt Musik attraktiv. Stillstand

heißt für mich Rückschritt. Das haben

wir im letzten Jahr erlebt. Mit der Arbeit

in den Sommermonaten und dem Mut,

sich in diesen Zeiten einem Wettbewerb

zu stellen, haben wir es geschafft, einen

Großteil der Jugend zu halten.

Ein Wort, um das Wochenende zu beschreiben: Cool (Sophie), Spaß (Marie),

flott (Paul), lustig (Anna)!

Nachgefragt...

bei den Jungs und Mädels der

Jugendkapelle Schnals

Sophie erzählt, dass die Vorbereitungen auf den Wettbewerb bereits im Sommer

begonnen haben: „Bei einem mehrtägigen Sommercamp wurden mehrere

Stücke, darunter auch die Wettbewerbsstücke, eingelernt. Natürlich blieb genug

Zeit für weitere Aktivitäten und tolle Spiele.“

Über die Gefühlslage vor dem Auftritt: „Vor dem Auftritt habe ich mich gut gefühlt,

natürlich war ich auch ein bisschen aufgeregt“, so Marie. Sophie und Anna

stimmen dem zu und erzählen, wie erleichtert und glücklich sie nach dem Auftritt

waren. Paul blieb cool und hat von der Aufregung nicht viel mitbekommen

– wie sollte es bei einem Tubisten auch anders sein?

Ob die Jungmusikant*innen in Hinblick auf den Wettbewerb mehr geübt haben?

Da fallen die Antworten unterschiedlich aus. Jedenfalls haben sich alle ausreichend

mit den beiden Stücken beschäftigt – sei es in der Musikschule, sei es

bei der Probe oder beim Üben zu Hause.

KulturFenster

41 06 Dezember 2021


Bereit zum Abheben -

The Rocket Monkeys“


Fünf junge Musikanten machen mit Blasmusik Partystimmung

„The Rocket Monkeys“ – die junge Band auf Erfolgskurs

Mit dem Gewinn des 1. Südtiroler Schulband-Contests

haben die „Rocket Monkeys“

vor zwei Jahren den ersten Meilenstein

in ihrer noch jungen Bandgeschichte

gesetzt und seither gezeigt: Wo immer sie

auch auftreten, da kommt Stimmung auf.

Nun ist die talentierte Band für weitere

große Auftritte bereit.

KulturFenster: Wer seid ihr und woher

kommt ihr?

Martin Lantschner: Wir, die „Rocket Monkeys“,

sind eine fünfköpfige Band, bestehend

aus Felix Mahlknecht (Trompete),

Markus Psenner (Saxophon), Peter Psaier

(Tuba), Samuel Tschager (Drums) und

mir (Posaune). Vier Mitglieder stammen

aus Steinegg, unser Tubist kommt aus

Villnöß. Wir sind allesamt zwischen 13

und 17 Jahre „jung“.

KF: Welcher musikalischen „Schublade“

ordnet ihr euch zu?

Lantschner: Wir spielen hauptsächlich

Party-Musik, so treffen in unserem Programm

verschiedene Genres (u.a. Pop,

Rock, Funk) aufeinander.

Seit unseren Anfängen orientieren wir

uns an den „Pamstiddn Kings“; unsere

größten Vorbilder sind zurzeit „LaBrass-

Banda“ und auch die „Lucky Chops“.

KF: Wie lange gibt es eure Band bereits

und wie seid ihr auf die Idee zur Gründung

gekommen?

Lantschner: Man mag es nicht glauben,

aber die Ursprünge der „Rocket Monkeys“

gehen gar einige Jahre zurück. Vor rund

sechs Jahren traten mein Bruder Fabian

sowie meine Cousins Felix, Samuel und

ich (damals noch an der Tuba) erstmals

zusammen auf. Wir konnten noch kaum

Noten lesen, haben uns aber grob über

den Ablauf der Stücke abgesprochen,

selbst einige Texte geschrieben und haben

dann wild drauf los gespielt. Diese

Auftritte fanden bei uns zuhause statt und

wir nannten uns die „Rockenden Schim-

KulturFenster

42 06 Dezember 2021


pansen“. Einige Jahre später waren Felix,

Samuel und ich auf der Geburtstagsfeier

unseres Großvaters und dort haben

wir ganz spontan einen Auftritt eingelegt.

Daraus ging der Entschluss hervor, eine

Band zu gründen. Wir holten Markus

mit ins Boot und somit waren die „Rocket

Monkeys“ geboren. Nach unserem

Sieg beim Schulband-Contest nahmen

wir noch einen Tubisten in unsere Gruppe

auf, um für den nötigen Schub im tiefen

Register zu sorgen. Wie vielleicht

schon bemerkt, wurden

aus den „rockenden

Affen“ aufgrund eines Übersetzungsfehlers

einfach die

„Raketen-Affen“, was unserer

Spielfreude aber keinen

Abbruch getan hat.

KF: Kannst du uns etwas

von eurer Teilnahme beim

Südtiroler Schulband-Contest

erzählen?

Lantschner: Knapp 15

Bands wurden zum Finale

der ersten Ausgabe des

Wettbewerbs „Musik macht

Schule“ ins Bozner Stadttheater

eingeladen. Natürlich

wurden wir lauthals

von unseren Mitschülern

der Mittelschule Blumau

unterstützt. Letzten Endes

konnten wir uns gegen eine

starke Konkurrenz durchsetzen und wurden

mit einem Geldpreis und einer Auftrittsmöglichkeit

beim „Rock im Ring“-

Festival belohnt.

KF: Dieser Auftritt am Ritten war sicherlich

ein weiterer Höhepunkt in eurer Geschichte?

Lantschner: Allerdings! Wir durften zu Beginn

des Festivals einen Auftritt einlegen,

doch das war noch nicht alles. Wir trafen

danach auf unsere großen Vorbilder der

„LaBrassBanda“, lernten sie persönlich

kennen und durften zur „Prime-Time“

nochmals vor und mit ihnen zusammen

auftreten: ein gewaltiges Erlebnis!

hatte. Mit unserer Interpretation ihres Hits

sicherten wir uns den Spezialpreis und

bekamen einen Auftritt als Vorband zugesichert.

Dieser hat sich aufgrund mehrerer

Umstände bisher leider noch nicht

verwirklicht. Wir hoffen, dass er bald stattfinden

kann.

KF: Woher bezieht ihr eure Stücke?

Lantschner: Den Großteil unserer Stücke

arrangieren wir selbst oder wir hören sie

von Aufnahmen im Internet ab - somit

drücken wir den meisten Songs gleich unseren

eigenen Stempel auf. Auch Michael

Lantschner, erfahrener Trompeter bei

den „Pamstiddn Kings“, ist uns in vielen

Situationen immer wieder eine Hilfe

- sei es musikalisch wie organisatorisch.

Und wenn wir während der Proben wieder

einmal zu viel Blödsinn treiben, holt

er uns wieder auf den Boden der Tatsachen

zurück. Sehr oft proben wir mittlerweile

aber auch eigenständig.

KF: Wie sieht euer perfekter Auftritt aus?

Lantschner: Im besten Falle brodelt die

Stimmung vor unserem Auftritt schon -

und wir bringen sie dann endgültig zum

Kochen. Gerade unsere Auftritte im heimischen

Steinegg, wo wir bereits mehrfach

im Rahmen des „Steinegg Live“-Festivals

aufgetreten sind, sind für uns von

unvergleichlichem Charakter. Deshalb bezeichnen

wir diesen Auftritt immer gerne

als „Rückkehr in die Heimat“.

KF: Nehmen wir an, euer Auftritt

steht kurz bevor und ihr

müsst ordentlich Stimmung

„in die Bude“ bringen. Welche

drei Stücke nehmt ihr mit auf

die Bühne?

Lantschner: Auf jeden Fall die

Hits „Autobahn“ und „Scheena

Dog“ von „LaBrassBanda“, sowie

„Take a Look around“ von

„Limp Bizkit“.

KF: Gibt es bereits feste Pläne

und Ziele für die Zukunft?

Lantschner: Einige Auftritte im

Winter sind bereits im Gespräch,

außerdem freuen wir uns auf

den Auftritt als Vorband der

„LaBrassBanda“, wenn auch

noch kein konkreter Termin feststeht.

Außerdem möchten wir

im nächsten Jahr unser fünfjähriges

Bestehen feiern - wir

müssen uns aber noch beraten, in welcher

Form das Jubiläum stattfinden soll.

Ansonsten hoffen wir in nächster Zukunft

natürlich auf zahlreiche Auftritte, um unseren

Bekanntheitsgrad schrittweise zu

steigern - wir freuen uns über jede Möglichkeit.

Und wer weiß, vielleicht können

wir eines Tages unseren Vorbildern folgen

und auch auf großen Events außerhalb

von Südtirol auftreten: Das ist auf jeden

Fall unser Traum.

Interview:

Hannes Schrötter

KF: Das sollte nicht euer letztes Aufeinandertreffen

mit dieser Band gewesen

sein, stimmt das?

Lantschner: Ganz genau, wir nahmen

im letzten Jahr an der „Discobauer-Challenge“

teil, welche die deutsche Band

in den sozialen Netzwerken ausgerufen

„Folgt uns auch auf Instagram: therocketmonkeys!“

KulturFenster

43 06 Dezember 2021


hinausgeblickt

BJBO Bruneck

23.12.2021

um 20 Uhr in St. Johann i. A.

26.12.2021

um 18 Uhr in Toblach

https://vsm.bz.it

hinausgeblickt

Wenzel Heinrich Veit

Leben und Werk eines zu seiner Zeit allgemein

anerkannten Komponisten

er regelmäßig bei den Schulgottesdiensten

die Orgel spielte. 1841 wirkte er kurze Zeit

als Musikdirektor des städtischen Orchesters

von Aachen. Das Angebot einer adäquaten

Anstellung in Augsburg lehnte er allerdings

ab. Vom Jahre 1850 an war er Rat

beim k. u. k. Oberlandesgericht in Prag und

von 1854 bis 1862 Präsident des Kreisgerichtes

in Eger, dem heutigen Cheb. 1862

wurde Wenzel Heinrich Veit sogar Kreisgerichtspräsident

in Leitmeritz. Dort leitete er

nicht nur die Organisten-, sondern auch

die Sängerschule. Zudem war er als Mitglied

tonangebender Prager Musikvereine

prägend für das Musikleben dieser bedeutenden

Stadt. 1847 erfolgte sogar seine Ernennung

zum Ehrenmitglied des „Dom-Musik-Vereins“

in Salzburg.

Das musikalische Schaffen

Wenzel Heinrich Veit (1806 – 1864) war zu seiner Zeit ein anerkannter Komponist.

Wenzel Heinrich Veit (Václav Jindrich Veit)

wurde am 19. Januar 1806 in Repnitz, einem

Ortsteil von Libochowan, im Kaisertum Österreich

geboren und starb am 16. Februar

1864 in Leitmeritz. Er war ein deutschböhmischer

Komponist und Jurist.

Biograsches

Der Sohn eines wohlhabenden Pachthofbesitzers

in Repnitz studierte von 1821 bis 1828

Jura und Philosophie an der Karls-Universität

in Prag und erhielt anschließend eine feste

Anstellung beim Magistrat der Stadt Prag.

Die Musikalität scheint Wenzel Heinrich Veit

von seinem Vater, Johann Wenzel Veit, vererbt

bekommen zu haben, denn dieser betätigte

sich zeit seines Lebens als Sänger und

Geiger. Als Musiker war Sohn Wenzel Heinrich

Veit mehr oder weniger Autodidakt. Eine

elementare Ausbildung auf diesem Gebiet

erhielt er bereits in seinem Geburtsort, wo

ihn sein Volksschullehrer Wenzel Bernd im

Klavierspiel und Musiklehre unterrichtete.

Später erlernte er auch das Orgel- und das

Violinspiel. Durch zielstrebige bzw. unaufhörliche

Pflege der Musik erreichte Veit aber

schon bald ein musikalisches Niveau, das

ihn den damaligen Fachmusikern ebenbürtig

machte. Wenzel Heinrich Veit kommt

1815 nach Leitmeritz ins Gymnasium, wo

Schon im Jahre 1835 gab Wenzel Heinrich

Veit drei Streichquintette beim Verlag Hofmeister

in Leipzig als op. 1 heraus, denen

bald als op. 20 ein viertes Quintett folgte.

1839 erschien sein erstes Streichquartett

op. 3 in Druck. Seinen eigentlichen Durchbruch

als Komponist erlebt Veit aber 1835,

als er auf Betreiben von Prof. Friedrich Pixis

- dem damaligen Direktor des Prager

Konservatoriums - mehrere seiner Werke

öffentlich präsentierte. 1838 nimmt sogar

Robert Schumann wohlwollende Notiz

von Kompositionen Veits, als er einige seiner

Werke bei einem sogenannten „Quartettmorgen“

spielte. Wenzel Heinrich Veit

komponierte im Laufe seines Lebens u.a.

zwei Sinfonien, mehrere Ouvertüren, ein

Violinkonzert, eine „Missa solemnis“, eine

„Große Festmesse“, Lieder und Männerquartette

sowie eine ganze Reihe von

Kammermusikwerken. Auch veröffentlichte

er ein „Leitmeritzer Gesangsbuch“.

Sein letztes Opus war das Auftragswerk

„Te Deum“, welches er für die Einweihung

der Karolinentaler Kirche in Prag komponierte.

Seine blasmusikalischen Beiträge

als Komponist sind einerseits das „Notturno“

op. 24 für sechs Hörner und andererseits

sein „Schlachtgesang“ für 16

KulturFenster

44 06/Dezember 2021


Blasmusik

Stimmen mit Blasinstrumenten.

Der gesamte Nachlass Veits wurde 1872

von seiner Familie an das Nationalarchiv

übergeben und in der Folge vom tschechischen

Archiv für nationales Schrifttum

übernommen. Am 14. September 1999

wurde im Rahmen einer ganztägigen Feier

zu Ehren Wenzel Heinrich Veits vor dem

Stadttheater in Leitmeritz eine überlebensgroße

Büste feierlich enthüllt.

Bedeutung für

die Nachwelt

Zu Lebzeiten wurde Wenzel Heinrich Veit

vor allem als Komponist von Kammermusikwerken

und Vokalmusik geschätzt. Diese

Tatsache spiegelt sich auch heute noch wider,

da fast ausnahmslos nur solche Kompositionen

gegenwärtig als Notenausgaben

oder Tonträgereinspielungen greifbar sind.

Wenzel Heinrich Veits Sohn, August Emanuel

Veit (1850 Prag – 1931 Brünn) besuchte

die Konservatorien von Prag und

Dresden. Er wandte sich dem Theater zu

und gelangte über Sondershausen, St.

Gallen, Teplitz, Magdeburg, Riga, Hannover

und Olmütz nach Brünn, wo er 1899 erster

Kapellmeister des Deutschen Theaters

wurde. Dort förderte er vor allem die Werke

von Richard Wagner und Anton Bruckner.

Er war auch Mitbegründer und Dirigent der

„Philharmonischen Konzerte“ von Brünn.

Das Werkverzeichnis gibt es im Internet-

Portal bei „Klassika: Startseite“.

Gottfried Veit

Ehrenkapellmeister des VSM

Ein Beispiel aus dem reichhaltigen Schaffen von Wenzel Heinrich Veit: die Vertonung der

Ballade „Der König in Thule“ von J. W. von Goethe

Fit in 5 Minuten

Der Steirische Blasmusikverband startet mit

einer neuen Serie: Fit in 5 Minuten.

Ziel der Serie ist es, den Musiker*innen in

kurzen Videos Tipps zur Spieltechnik zu

geben.

Die Beispiele sind dabei genau jenem Repertoire

entnommen, das uns alle trifft.

KulturFenster 45 06/Dezember 2021


hinausgeblickt

JuKa Schnals und MK Völs erfolgreich

beim ÖBV-Bundeswettbewerb

Blasmusikwettbewerb im Zeichen von

„70 Jahre Österreichischer Blasmusikverband“

Zufriedene Gesichter bei der Preisverleihung: Einen fabelhaften Platz in der Altersgruppe

AJ erspielte sich die Jugendkapelle Schnals mit Charlotte Rainer am Dirigentenpult.

Den Beginn des dreitägigen „Wettbewerb-

Marathons“ vom 23. bis 25. Oktober 2021

in Grafenegg (Niederösterreich) machte die

Österreichische Blasmusikjugend mit der

Durchführung des 10. Österreichischen Jugendblasorchester-Wettbewerbs,

an dem

zwölf Jugendorchester aus allen Bundesländern

teilnahmen.

Südtirol war durch die Jugendkapelle

Schnals unter der Leitung von Charlotte

Rainer vertreten und erreichte mit 87,90

von 100 Punkten das zweitbeste Ergebnis

in der Altersklasse AJ. Das Jugendblasorchester

Bad Leonfelden (Oberösterreich)

und Landeck Wind - das JBO der LMS

Landeck (Tirol) erspielten ex-aequo den

1. Platz. So bunt wie die vielen Jugendorchester

war auch das umfangreiche Rahmenprogramm

beim „Tag der Österreichischen

Blasmusikjugend“, unter anderem

mit einem gemeinsamen Konzert von Chris

Steger und dem JBO St. Rupert.

Im Rahmen des Österreichischen Blasorchesterwettbewerbs

der Stufe C traten zehn

Orchester aus Österreich und Südtirol an.

Den Tagessieg konnte sich die Musikkapelle

Trautmannsdorf vor der Stadtmusikkapelle

Amras (Tirol) sichern. Den dritten Platz erreichte

die Musikkapelle Völs am Schlern

mit Michael Vikoler als Dirigenten.

Höchste Ehren wurden dem ÖBV beim

Ein Treffen „auf höchster

Ebene“ gab es für Kapellmeister

Michael Vikoler (4.v.l.)

und Obmann Martin Rabensteiner

(6.v.l.) mit dem österreichischen

Bundespräsidenten Alexander

Van der Bellen (5.v.l.)

– VSM-Verbandskapellmeister

Meinhard Windisch (rechts)

freut sich über den Erfolg der

Völser.

abendlichen Festkonzert „70 Jahre Österreichischer

Blasmusikverband“ zuteil,

denn niemand geringerer als Bundespräsiden

Alexander Van der Bellen erwies der

österreichischen Blasmusik mit seiner Anwesenheit

die größte Wertschätzung, die er

auch in seiner Rede zum Ausdruck brachte.

Das Festkonzert wurde musikalisch vom SBO

Ried unter Prof. Karl Geroldinger gestaltet

und von Friedrich Anzenberger moderiert.

Dabei war auch die Uraufführung von „Van

Gogh“ des Komponisten Thomas Doss zu

hören. Am 1. Jänner 2022 wird im Stadttheater

Bozen auch seine Blasmusikoper

„Blasmusikpop“ uraufgeführt; das Werk ist

eine Auftragskomposition der Bürgerkapelle

Gries anlässlich ihres 200-Jahr-Jubiläums.

Im Rahmen des Festkonzerts wurde auch

die Chronik „70 Jahre Österreichischer

Blasmusikverband“ von Friedrich Anzenberger

sowie die Jubiläums-CD „Wir leben

Blasmusik“ mit den 15 besten Werken

des Marsch-Kompositionswettbewerbs

offiziell vorgestellt und auch dem Bundespräsidenten

sowie dem Landeshauptfrau-

Stellvertreter von Niederösterreich, Stephan

Pernkopf, überreicht. Chronik und

Jubiläums-CD können über die Homepage

des ÖBV (www.blasmusik.at/shop) bzw. per

Mail (office@blasmusik.at) bestellt werden.

Den Abschluss des einzigartigen Wochenendes

bildete der 2. Österreichische Bundeswettbewerb

der Höchststufe am 25.

Oktober, den das SBO Ried für sich entscheiden

konnte.

Friedrich Anzenberger

Für die Musikkapelle Völs war die Teilnahme

am Wettbewerb ein besonderes

Erlebnis, wie ihrem Bericht zu entnehmen

ist:

Die Musikantinnen und Musikanten hatten

diesen Tag mit Freude, aber auch mit

ein wenig Lampenfieber erwartet. Nach

einer Vorbereitungszeit von zirka 6 Wochen

fühlten sie sich bereit, ihr Bestes

zu geben.

KulturFenster

46 06/Dezember 2021


Blasmusik

Einen großen Erfolg

konnten Kapellmeister

Michael Vikoler

und die Musikkapelle

Völs am Schlern mit

dem 3. Platz (Stufe C)

für sich verbuchen.

Die Musikkapelle Völs hatte im Mai 2019

das Wertungsspiel des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen (VSM) in Auer mit

der Höchstpunktezahl abgeschlossen

und nominierte sich daher als Südtiroler

Vertretung am Blasmusikwettbewerb.

Neben dem Pflichtstück „Stratos“ von

Thomas Doss wurden die beiden Stücke

„Kyrill“ von Otto M. Schwarz und „Lord

Tullamore“ von Carl Wittrock gespielt. Die

beiden letzteren Musikstücke wurden von

Kapellmeister Michael Vikoler aus einer

vorgegebenen Liste des Veranstalters ausgewählt.

Die 4-köpfige Jury, der auch der

Komponist des Pflichtstückes angehörte,

gab nach jedem Stück ihre Bewertung ab.

Am Abend bei der Preisverteilung wurden

die Punkte bekanntgegeben. Obmann

Martin Rabensteiner und Kapellmeister

Michael Vikoler ließen sich die Preisverteilung

nicht entgehen, und umso mehr

Übergabe der Chronik und der

Jubiläums-CD, v. l. ÖBV-Präsident

Erich Riegler, Autor Friedrich

Anzenberger, Bundespräsident

Alexander van der Bellen

und Stephan Pernkopf, Landeshauptfrau-Stellvertreter

von

Niederösterreich

freuten sie sich über den erspielten Erfolg.

Die Musikkapelle Völs hatte nämlich

mit 91,29 Punkten den 3. Platz erreicht

– ein Superergebnis!

„Hopfnmusig“ gewinnt Grand Prix der Blasmusik

Zum zweiten Mal in

Folge geht der begehrte Preis nach Südtirol

War es 2018 die Gruppe „South Brass“, ist

es nun die Südtiroler „Hopfnmusig“, die am

31. Oktober 2021 den begehrten 1. Preis

des Grand Prix der Blasmusik – neben den

„Don Bosco Musikanten“ aus Bamberg und

der „Strawanzer Blasmusik“ aus Vorarlberg

– in der „Blackbox“ in Kempten für sich entscheiden

konnte.

Bereits zwei Mal in Folge konnte eine Südtiroler

Formation dieser Besetzung den

in der Szene begehrten Preis einheimsen,

was neben Fleiß und Ausdauer der

Gruppe auf eine lebendige Blasmusikkultur

und eine exzellente Ausbildung in Südtirol

schließen lässt.

Hans Finatzer

VSM-Verbandsjugendleiter

In Kempten im Allgäu erfolgreich: die „Hopfnmusig“ aus Südtirol

Foto: Facebook

KulturFenster

47 06/Dezember 2021


gehört & gesehen

Gelungener Musiksommer

in der Hofburg Brixen

Bürgerkapelle und Kulturverein Brixen mit vielfältigem

Programm von hoher Qualität

Tolle Atmosphäre und hohes musikalisches Niveau: die Bürgerkapelle Brixen und die Musikkapelle Villnöß im Innenhof der Brixner Hofburg

Das Wetter hat es nicht immer gut gemeint

mit dem heurigen Musiksommer

in der Hofburg; trotzdem ist er in jeder

Hinsicht gut gelungen. Die Vielfalt und

die Qualität der gebotenen Veranstaltungen

haben in diesem Jahr außerordentlich

viele Brixner und Gäste in den

wunderbaren Innenhof der Hofburg gelockt

– oder fallweise ins Forum Brixen,

das glücklicherweise als Schlecht-Wetter-Alternative

bereitstand.

Die Bürgerkapelle Brixen setzte zusammen

mit der Musikkapelle Villnöss den

markanten Auftakt. Kapellmeister Hans

Pircher ließ in kluger Art zuerst die Blechbläser,

dann die Holzbläser und schließlich

ein spezielles Ensemble mit der herausragenden

Solistin Yishu Jiang am Violoncello

in Aktion treten. Im Forum boten

die Blechbläser brillante Eröffnungsmusik

und als Kontrapunkt einen Choral und

das Solostück für Flügelhorn „Share my

yoke“ von Joy Webb. Anschließend ließen

die Holzbläser ihre Klangfarben in einer

Ouvertüre und in „Poeme Blue“ von Fritz

Neuböck spielen. Höhepunkt des Abends

war wohl das Konzert für Violoncello und

Ensemble (Bläser, Gitarre, Drumset, Bass)

von Friedrich Gulda. Das Stück verfehlte

seine Wirkung auch beim Brixner Publikum

nicht, sei es durch die grenzüberschreitende

stilistische Vielfalt vom Jazz

bis zur Volksmusik, sei es durch das pa-

KulturFenster

48 06/Dezember 2021


Blasmusik

Das speziell zusammengestelltes Ensemble mit der Solistin Yishu Jiang am Violoncello und Dirigent Hans Pircher

ckende Spiel der Solistin oder die subtile

musikalische Leitung des Kapellmeisters.

Das Bayerische Landesjugendorchester

unter dem umsichtig und motivierend

agierenden Dirigenten Radoslaw Szulc

spielte ein Fagottkonzert von Mozart in stilsicherer

Manier. Darauf stand die Symphonie

Nr. 4 von Johannes Brahms auf dem

Programm. Streicher wie Bläser konnten

ihre instrumentalen und musikalischen

Qualitäten zweifellos unter Beweis stellen

und das Publikum begeistern.

Das Orchester der Studienstiftung des

Deutschen Volkes präsentierte unter der


Die organisatorische Zusammenarbeit

zwischen Bürgerkapelle Brixen

und Kulturverein Brixen Musik hat

sich wiederum sehr bewährt und


Brixen eine vielfältige und qualitätsvolle

Reihe von sommerlichen

Musikabenden geschenkt.

Leitung von Martin Wettges sommerliche

„Traumbilder“. In der durch dezente Beleuchtung

verfeinerten Atmosphäre des

Hofburg-Innenhofes führte das anspruchsvolle

Programm von Händels „Sinfonia“

aus „Belshazzar“ über Bellini bis zu Mahler,

Richard Wagner und Arnold Schönberg.

Darauf folgte das Haydn Orchester mit

Marco Pierobon an der Trompete und

am Dirigentenpult mit dem Programm

„Black Music“. Mit gekonnten Arrangements

von Scott Joplin, Louis Armstrong,

Ella Fitzgerald, Dizzie Gillespie in Orchesterfassung

begeisterte er das zahlreiche

Publikum im Brixner Forum.

Das zweite Konzert der Bürgerkapelle

Brixen und der Musikkapelle Villnöss

konnte nun in der Hofburg stattfinden und

fand sehr großen Publikumszuspruch. Die

einzigartige Atmosphäre im Innenhof mit

klug eingesetzter Beleuchtung von Fassaden

und Arkadenbögen gab der Aufführung

eine zusätzliche Dimension.

Staunen riefen die beiden jugendlichen

Ensembles „Monteverdi Wind Quintet“ und

„Oktakis“ hervor. Erlesene Kammermusik

ließ sommerliche Stimmung aufkommen,

wenn Mozarts Serenade KV 388 oder Rinaldo

Mirandas Quintett sehr kultiviert und

engagiert musiziert wurden. Das Publikum

ließ sich von der musikalisch durchwegs

überzeugenden Interpretation und dem

jugendlichen Elan der Musiker buchstäblich

mitreißen.

Den Abschluss des Musiksommers in der

Hofburg bildete ein Abend mit Solitst*innen

der Südtiroler Operettenspiele, u. a. mit

Roman Pichler, Clara Sattler, Georg Hasler

und Leo Ploner. In lockerer Folge waren

Arien und Duetten zu hören, begleitet

von Othmar Trenner am Klavier. Die

zahlreichen Operetten-Fans sind jedenfalls

auf ihre Kosten gekommen.

Die organisatorische Zusammenarbeit zwischen

Bürgerkapelle Brixen und Kulturverein

Brixen Musik hat sich wiederum

sehr bewährt und Brixen eine vielfältige

und qualitätsvolle Reihe von sommerlichen

Musikabenden geschenkt.

Nathan Vikoler

KulturFenster

49 06/Dezember 2021


persönlich

Einem treuen Freund und besonderen

„Altvorderen“ zum Geburtstag

ÖBV Ehrenpräsident Univ. Prof. Hofrat Dr. Friedrich Weyermüller wird 85

Wenn man von Blasmusik spricht, kann

man den Namen „Weyermüller“ nicht unerwähnt

lassen.

Über die Blasmusik hinaus freundschaftlich verbunden: Friedrich Weyermüller (rechts)

und VSM-Ehrenobmann Gottfried Furgler

Friedrich Weyermüller, von seinen Freunden

„Fritz“ genannt, prägt seit vielen Jahren

das Blasmusikwesen in Österreich und

darüber hinaus.

Am 28. Dezember 2021 feiert er seinen

85. Geburtstag – Anlass genug, um aufrichtig

Dank und Anerkennung auszusprechen.

Unvergessen sind seine beeindruckenden

Festansprachen bei Jubiläen, von

Musikkapellen geschätzt und gefragt seine

Motivationsseminare, bei welchen er mit

fundiertem Wissen und viel Humor den

Teilnehmern Verantwortungsbewusstsein

und Einsatzbereitschaft vermittelte. Sein

organisatorisches Geschick konnte er als

Präsident des Österreichischen Blasmusikverbandes

(1980-2002) und des Internationalen

Musikbundes CISM (1980-1992)

eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Das freundschaftliche Verhältnis unter den

Landesverbänden lag ihm sehr am Herzen.

So regte er den Partnerschaftsvertrag zwischen

dem ÖBV und den Landesverbänden

von Südtirol und Liechtenstein an und

rief den Freundeskreis „Altvordere“ (ehemalige

Funktionäre und Ehrenmitglieder

des ÖBV) ins Leben.

Vom Direktor des Pädagogischen Instituts

des Landes Tirol bis zum Landesschulinspektor

für die Pflichtschulen Tirols war

seine berufliche Laufbahn vielseitig und

erfolgreich.

Der Verband Südtiroler Musikkapellen

schließt sich den zahlreichen Gratulanten

an und wünscht dem Jubilar, seines Zeichens

Träger des VSM-Verdienststerns, viele

glückliche und gesunde Jahre mit seiner Lieben

Gattin „Otti“ und den beiden Töchtern

Barbara und Veronika: Ad multos annos!

Gottfried Furgler

VSM-Ehrenobmann

Der Sepp, ein 80er

Josef „Sepp“ Oberschmied, Ehrenmitglied

des VSM-Bezirks Bruneck, feierte am vergangenen

30. November seinen 80. Geburtstag.

Dies nahmen Bezirksobmann Johann

Hilber und Bezirksstabführer Franz

Plangger zum Anlass, dem rüstigen Jubilar

die herzlichsten Glückwünsche des Bezirksvorstandes

sowie der Pusterer Musikkapellen

zu überbringen.

1968 wurde Josef Oberschmied als Jugendleiterstellvertreter

in den Bezirksvorstand

von Bruneck gewählt. Später bekleidete er

mehrmals das Amt des Bezirksjugendleiters,

Bezirkskapellmeisters und über viele

Jahre des Bezirkskapellmeister-Stellvertreters.

Gleichzeitig saß er auch mehrmals im

Vorstand des VSM, unter anderem als Verbandskapellmeister-Stellvertreter.

Neben dieser jahrzehntelangen Arbeit im

Bezirk und Verband war er Kapellmeister

in St. Georgen, Bruneck, Reischach und

Percha und hat dort besondere Spuren hinterlassen.

Zudem war er auch ein sehr beliebter

Klarinettenlehrer an der Musikschule

der Rienzstadt und hat Generationen von

Musikant*innen begleitet und gefördert.

Sein Augenmerk galt stets einer gediegenen

Ausbildung der Jugend sowie die

Weiter- und Fortbildung der Kapellmeister.

„Mit vollem Einsatz, ohne Mühen zu

scheuen, setzte er sich 33 Jahre lang für

das Wohl der Blasmusik ein!“, hob Hilber

hervor: „Unsere Wertschätzung sowie

die besten Glückwünsche zu deinem

80. Geburtstag!“

Stephan Niederegger

Alles Gute zum runden Geburtstag!

KulturFenster

50 06/Dezember 2021


entdeckt

Weihnachtsweisen für guten Zweck

Neue CD „Advent in Tirol“ der Unterinntaler Weihnachtsbläser

Jedes Jahr produzieren die Unterinntaler

Weihnachtsbläser gemeinsam mit professionellen

Musikern eine Weihnachts-CD.

Der Erlös geht traditionell an einen guten

Zweck. Auch das Notenmaterial der eingespielten

Stücke, die bei Edition-Rinner

erhältlich sind, werden gespendet.

Heuer kommen die Einnahmen aus den

CD-Verkäufen in Not geratenen Familien,

der Kinderkrebshilfe und anderen sozialen

Einrichtungen zugute.

Ganz nach dem Motto „Es geschieht nichts

Gutes, außer man tut es“ stellen die Unterinntaler

Weihnachtsbläser die Verbindung

zwischen Musik und sozialem Engagement

her. Koordiniert wird das Projekt

von Peter Obrist und Erwin Feiß mit Unterstützung

vom Eltern-Kind-Zentrum Schwaz.

Die CD kann bei Peter Obrist um 15 Euro,

entweder über telefonische Bestellung unter

+43 676/ 4851151 oder per Mail (peterobrist@ymail.com)

erworben werden.

Notensätze der eingespielten Weihnachtslieder

sind beim Musikverlag Edition Rinner

per Mail (office@edition-rinner.at) erhältlich.

Peter Obrist

Unter dem Titel „Advent in Tirol“ haben die Unterinntaler Weihnachtsbläser ihre neue CD

herausgebracht

Foto Cover: Peter Manninger

„Melodie der Freundschaft“ von Gottfried Veit

Ein nicht alltägliches Konzertstück für Alphorn und Blasorchester

Eine nicht alltägliche Komposition von

Gottfried Veit ist soeben beim Musikverlag

Tatzer erschienen. Eine ausführliche

Werksbeschreibung über die Bauweise

und die traditionellen Einsatzmöglichkeiten

des Alphorns fi ndet man in der

Einführung. Das Konzertstück „Melodie

der Freundschaft“ ist als kleine Rondo-

Form (ABACA) mit kurzem Vor- sowie

Nachspiel angelegt. Die gefällige Hauptmelodie

wird zweimal durch einen Tutti-

Teil ergänzt. Charakteristisch für dieses

Konzertstück ist, dass es trotz des naturtönigen

Soloinstruments eine bemerkenswerte

harmonische Mannigfaltigkeit

aufweist.

Die Komposition hat Gottfried Veit der

allseits bekannten Schweizer Alphornistin

Lisa Stoll gewidmet. Das rund dreiminütige

Konzertstück stellt an die Musiker

des Blasorchesters spieltechnisch keine

besonderen Anforderungen. Die Solostimme

kann, laut Angabe des Komponisten,

auch von einem Tenorhorn oder

einer Posaune gespielt werden. Mit der

vorliegenden Notenausgabe kann die

„Melodie der Freundschaft“ zudem in

vier verschiedenen Versionen dargeboten

werden: Alphorn solo, Alphorn und

Klavier, Alphorn und Orgel, Alphorn und

Blasorchester.

Melodie der Freundschaft – für Alphorn

in F und Blasorchester von Gottfried Veit

– Musikverlag TATZER

Walter Cazzanelli

KulturFenster

51 06/Dezember 2021


komponiert

„Neue Musik“ als Chance

für die Blasmusik

Christian Gamper, Komponist und Dirigent aus dem Ultental

„NEUE Musik“, nicht zu verwechseln mit

zeitgenössischer Musik, die speziell in der

Blasmusik für eine sehr neoromantische Tonsprache

steht, kann für die diese auch eine

Chance sein. Neue Perspektiven, neue Spieltechniken,

neue Klänge/Klangvorstellungen

können neue Horizonte schaffen und auch

das Verständnis für das traditionelle Musizieren

befruchten und folglich verbessern.

Zwischen rebellierenden

Welten

Liest man die Titel der ersten Kompositionen

von Christian Gamper, „Voiles Boarischer“

(2009), mi.n(i)atürlich (2009)

oder „Das Rauschen of the al.men in His

(2010), so spiegelt sich darin von Anfang

an eine klare Vorstellung des persönlichen

Komponierstils wider: die große Liebe zur

alpenländischen Volksmusik, die Emanzipation

von Geräuschen als Stilmittel, subtile

Seitenhiebe gegenüber dem Pseudointelektuellem

und der große Mut, das „Alte“

wieder mit ins Boot zu nehmen. In diesem

Spannungsfeld entstehen die Kompositionen

von Christian Gamper und sind deswegen

schwer einzuordnen, weil sie weder

radikal avantgardistisch sind, noch naiv

rückwärtsgewandt. Die Werke sind mit

der Intention geschrieben, publikumsgefällig

zu sein, was im extremsten Sinn der

„Neuen Musik“ nicht unbedingt als ein legitimes

Kriterium gilt, sie eröffnen aber im

Kompostionsprozess eine große Herausforderung

im Brückenschlag zwischen rebellierenden

Welten.


Wer Mut zum „Alten“ hat, wird beschenkt

mit noch mehr Mut zu

„„Neuem“.

Christian Gamper

Zur Person

Christian Gamper wird 1978 in Bozen

geboren und wächst in St. Nikolaus im

Ultental auf. Sein Vater spielt in der Musikkapelle;

dadurch kommt es sehr früh

zum Kontakt mit Blasmusik und Volksmusik.

Mit bereits 18 Jahren übernimmt

er die Leitung der Kapelle und beginnt

zugleich die 3-jährige Kapellmeisterausbildung

an der Musikschule Meran bei

Prof. Hans Obkircher, Dietrich Oberdörfer

und Christian Graf. Diese Ausbildung

sollte den Start in seine professionelle

Musikerlaufbahn markieren.

Im Alter von 23 Jahren beginnt er seine

Ausbildung am Tiroler Landeskonservatorium

in Innsbruck. Das Studium im Konzertfach

Dirigieren bei Prof. Edgar Seipenbusch

und Tito Ceccherini kann Christian

Gamper im November erfolgreich mit der

Diplomprüfung beenden. Zugleich beginnt

er im Wintersemester 2007 das Studium

im Fach Komposition und Musiktheorie

bei Prof. Dr. Martin Lichtfuss und Franz

Baur. Im Juni 2012 schließt er dieses

Studium mit Auszeichnung ab. Es folgen

zwei Meisterjahre und zahlreiche Uraufführungen,

auch unter seiner Leitung.

Neben Uraufführungen im ORF und im

Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

kommt es zur Uraufführung einer Auftragskomposition

bei den Gustav Mahler

Musikwochen in Toblach; der Auftrag

kommt vom Südtiroler Künstlerbund, deren

Mitglied Christian Gamper seit 2011

ist und für den er bereits einige Werke

schreiben durfte. Seine Werke werden,

neben den unten genannten, auch von

der Akademie St. Blasius, vom Leonhard

Lechner Chor und vom Kammerchor „NovoCanto“

uraufgeführt. Vom letztgenannten

wurde das Werk „Iod.ler fantastique“

auf CD eingesungen, die in Zusammenarbeit

mit dem Tiroler Sängerbund und

dem Konservatorium entstand.

Inspiriert sind seine Werke durch die große

Leidenschaft, den Sommer auf der Alm

zu verbringen und die innige Wertschätzung

musikalischer Vorfahren.

Auf den Spuren von Dufay,

Bartok und Ligeti

Eine große Nähe spüre er, so sagt Christian

Gamper, zur Vokalpolyphonie der Renaissance,

am bevorzugtesten zu der des

späten Mittelalters bzw. der frühen Renaissance

(Dufay), zur von der Volksmusik beeinflussten

Musik Bartoks und zur Klang-/

Klangflächenkomposition Ligetis.

Sie sind deswegen Inspiration und Muse, auf

deren Ästhetik aufbauend mutig „Neues“ zu

schaffen. Dabei spielt, wie auch schon erwähnt,

die Aleatorik, also die Hereinnahme

des Zufalls und die Verwendung neuer auch

teilweise selbst entwickelter Spieltechniken

oder allgemein musikalischer Materialien

eine große Rolle; wie z.B. die hexatonische

Tonleiter („Hexatonik“) in seinem Werk für

Brassband „Alpesmande through falling angels“.

(Seite 1 der Partitur)

Gamper gelingt es – trotz Neuem und teilweise

Irritierendem in seinen Werken – mit

seiner doch noch moderaten Tonsprache

ein spannendes Hörerlebnis zu schaffen.

KulturFenster

52 06/Dezember 2021


123

123

123



F123

F123

**) o fen

= einmalige Repition der markierten Figur


sim.

sim.

sim.

Blasmusik

22

Picc.

154

M Ohne Zeitmaß (aleatorisch)

Dauer bis N : ca. 60 '



PARTITUR

Piccolo

1.Flöte

2.Flöte

1./2.Oboe

(2.auch Englischhorn)

Fagott

1.Klarinette in B

div.a3

2.Klarinette in B

div.a3

3.Klarinette in B

div.a2

Altklarinette in Es

Bassklarinette in B

Kontrabasskl. in B

1./2.Altsaxophon in Es

Tenorsaxophon in B

Baritonsaxophon in Es

Kontrabass

1./3.Horn in F

2./4.Horn in F

1.Trompete in B

2.Trompete in B

3.Trompete in B

1.Posaune in C

2.Posaune in C

3.Posaune in C

Pauken

Percussion 1

(kl./gr.Trommel)

Percussion 2

(kl.Trommel/Becken)

Percussion 3

(kl.Trommel/Tambourin)

Röhrenglocken,Tamtam

Vibraphon, Tamtam

Harfe

1./2.Flügelhorn in B

Tenorhorn in B

Bariton/

Euphonium in C

1./2.Tuba in C

Lento q = 60





"Multiphonic"








pp









ppp





ppp




pp


















pp















pp

snares on


im Uhrzeigersinn (Freq. 0.25 : 1)



ppp

pp

snares on

im Uhrzeigersinn (Freq. : 1 U/Viertel)






ppp

pp






















ppp





nach Philippe de Vitry's isorhytmischer Motette "IN ARBORIS" (1317)

Meraner Festmotette

Auftragskomposition der Bürgerkapelle Untermais anlässlich der 700-Jahrfeier der Stadt Meran

INTRODUKTION












ppp








ppp










pizz.




pp


*) nur Luft hineinblasen




*)


pp





*) nur Luft hineinblasen

*)



pp





*) nur Luft hineinblasen

*)

ppp





*) nur Luft hineinblasen

*)

ppp





*) nur Luft hineinblasen

*)

ppp









glis.









Lento q = 60

pp















gliss.

gliss.

gliss.

gliss.



gliss.




ppp

gliss.

Christian Gamper


gliss.



Fl.1

Fl.2

Ob.1/2

Fag.

1.Kl.

2.Kl.

3.Kl.

Alt Kl.

B. Kl.

Kb. Kl.

1./2. A.Sax.

T. Sax.

Bar. Sax.

Kb.

Hn.1/3

Hn.2/4

1.Tpt.

2.Tpt.

3.Tpt.

Pk.

Perc.1

Röhrengl.

Vib.

Hfe.

Flgh.1/2

Tenh.







> 6 Sekunden >

pp

pp

> 3 Sekunden > sim.

> > 6 Sekunden

















> 6 Sekunden > > 3 Sekunden >

pp p





*)





pp p

> 6 Sekunden >

>


> 6 Sekunden


>

pp


> 6 Sekunden > 6 Sekunden >


> 3 Sekunden >

sim.


> 6 Sekunden >


> 6 Sekunden >




> 3 Sekunden > sim.

pp

> 6 Sekunden >



> 3 Sekunden > sim.

> 6 Sekunden >


sim.



> 3 Sekunden > >

pp


> 6 Sekunden ppp

ppp

pp

kl .Tr

Tamtam

M

ppp

F123

f ff

*)

ppp

*)

pp

pp

Ohne Zeitmaß (aleatorisch)

Dauer bis N : ca. 60 '

ppp

ppp

(Flöten und Klarinetten)

> 6 Sekunden >

pp

pp

pp

pp

(Flöten und Klarinetten)





a2

*) nur Luft hineinblasen

a2

*)

+

B123


*) + o

*)

*) nur Luft hineinblasen

**) **) halb offen

*) nur Luft hineinblasen





snares on

im Uhrzeigersinn (Freq. : 0.5 U/sek)

**) **) halb offen

*) nur Luft hineinblasen

10 Sekunden >

**) **) halb offen

o

*) nur Luft hineinblasen




10 Sekunden >




> 3 Sekunden >

> 3 Sekunden >

= fortlaufende Repition der markierten Figur bis zum 3. Signal (Vibraphon)


10 Sekunden >




> 3 Sekunden > sim.

= fortlaufende Repition der markierten Figur bis zum nächsten Signal (Vibraphon)


= fortlaufende Repition der markierten Figur bis zum dri ten Signal (Vibraphon)



= fortlaufende Repition der markierten Figur bis zum dri ten Signal (Vibraphon)


= fortlaufende Repition der markierten Figur

bis zum zweiten Signal (Vibraphon)

= fortlaufende Repition der markierten Figur bis zum dri ten Signal (Vibraphon)

*)mit 2 Kontrabassbögen













**)

o

*) nur Luft hineinblasen

*)






**) **) halb offen



*) nur Luft hineinblasen


10 Sekunden >



10 Sekunden >











= fortlaufende Repition der markierten Figur bis zum 3. Signal (Vibraphon)

= fortlaufende Repition der markierten Figur bis zum 3. Signal (Vibraphon)

*) 1.


Einblick in die Partitur der

„Meraner Festmotette“

f


Englischhorn

Meraner Festmotette


Angeregt durch die Gemeinde Meran und

die Bürgerkapelle Untermais, entstand im

Auftrag letzterer anlässlich der 700–Jahrfeier

der Stadt Meran die „Meraner Festmotette“

und wurde am 19. März 2017

durch die Bürgerkapelle im Meraner Kursaal

uraufgeführt.

Typisch für den Kompositionsstil Gampers

dient dem Werk als interaktiver Transmitter

die isorhythmische Motette „IN ARBO-

RIS“ von Philippe de Vitry. Sie ist Brückenbauer

ins spätmittelalterliche Jahr 1317, in

dem die Motette entstanden sein könnte,

und vor allem ins Jahr, in dem Meran sein

Stadtrecht erhält. Thematisch/motivisches

Fundament bildet der „cantus firmus“ aus

Vitry’s Motette und wird auch in der Exposition

von den Musikanten als solcher gesungen,

und in das polyphone Geflecht

verwoben.

Die Introduktion und der pastorale Mittelteil

sind klanglich sehr reizvoll gestaltet;

Multiphonics in den Flöten, Clusterklänge,

Emanzipation des Geräusches

und z.B. die Hereinnahme des Zufalls Für mich als Komponist und Dirigent

ist es immer wieder eine große

(Aleatorik) als kompositorisches Mittel

(in diesen Teilen gibt es keine Taktstriche Ehre, dem Wesen der Musik dienen

und kein Metrum) geben dem Werk einen

klanglichen und gestalterischen Reiz,

Christian Gamper


zu dürfen.

neben der lebendigen polyphonen Motette

(siehe Beispiel S. 22 aus der Partitur

oben rechts)

KulturFenster

53 06/Dezember 2021


NATURTONREIHE F Horn

Bezeichnung des Tons in der Normalnotation

+Abweichung zur temperierten Stimmung in cent

Griffe :

Zug1: ca.2cm

Zug2: ca.6mm

Zug3: ca.1.8cm ausgezogen

Teilton

*)

F0

as1

-50

Bezeichnung des Tons in der Normalnotation

+Abweichung zur temperierten Stimmung in cent

b1

-31

c2

-50

23 1

I.

123 23

0 123

Oktave

1 0

7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14.

cis2

+36

-31 +4 -14 -49 +2 +40

Griffe : 23 1 123 23

F Horn >Zug1: ca.4.5cm

I.

Zug2: ca.2.5cm

Zug3: ca.2cm ausgezogen

as

-50

b

-31

c1

-50

cis1

+36

0 123

Oktave

e2

-14

-31

1 0

fis2

-19

2

2

as2

-62

1

1

b2

-31 c3

*) Abweichung von der temperierten Stimmung in cent

e1

-14

fis1

-19

as1

-62

0

b1

-31

0

0

c2

0















komponiert

Wichtige Stationen im Schaffen des

Komponisten Christian Gamper

2009: erste Kompositionen: „Voiles–Boarischer“

für Hackbrett und Klavier;

„mi.n(i)atürlich“ – 4 Minia-




1.Trompete in B

(hexatonic scale)

2.Trompete in B

turen für Blockflöte, Gitarre und

(hexatonic scale)

3.Trompete in B

(hexatonic scale)

Streichquartett – Uraufführung im

4.Trompete in B

(hexatonic scale)

Konservatorium

2011: Aufnahme in den Südtiroler Künstlerbund

F0

1.Horn in F

2.Horn in F

2015: „L’anima of the al.men in Deses.

(hexatonic scale)

Preludio concertante“ – Uraufführung

durch das Hayden Orchester

Vibraphon


von Bozen und Trient


Tam tam

-31cent

2015: „Niklaser Parodiemesse“ für Dorfkapelle

– Uraufführung durch die

2.Posaune

3

1.Posaune

2


MK St. Nikolaus/Ulten im Rahmen

des Festgottesdienstes zum

-31cent

3.Posaune


Bass-Posaune


1.Tuba

17. Landesmusikfest in der Stadtpfarrkirche

St. Nikolaus in Meran


2.Tuba

2016: „Das Paradies im Tod“ – Symphonische

Skizze für Kammerorchester

und Frauenchor – Uraufführung und

Einspielung auf CD durch das Kammerorchester

„Innstrumenti“ (Link: www.helbling.com)

2017: „Meraner Festmotette“ für Blasorchester –

Auftragskomposition der Bürgerkapelle Untermais

anlässlich der 700-Jahrfeier der Stadt

Meran (Link: www.christiangamper.com)

2018: 1. Streichquartett „Tumpfer Klasele“ in Fis-Moll

– Uraufführung durch das „Cedag Quartett“

2018: „Concertino“ für Steirische Harmonika und

Streichquartett - Uraufführung durch Franz

Posch und das „Cedag Quartett“

2018: „Muattr Maria“ – Motette für gemischten

Chor, Text: Maridl Innerhofer – Uraufführung

durch den „New Liszt Ferenc

Chamber Choir“ aus Budapest

im Rahmen des Festivals

MUSICA SACRA in Pordenone

(bereits 2017 für Sopran und

Streichquartett geschrieben, Uraufführung

durch Martina Bortolotti

und das „Amarida“ Quartett)

2021: „Solem ruaus“ – Larghetto für Klarinette

und Streichquartett – Uraufführung

durch Andrea Götsch

Klarinette in B

und das „Amarida“ Quartett


2021: „O SOLE VERO“ für Männerchor,

Violine 1

erscheint im November 2021 in

einem Sammelband unter dem Titel

„Nativitas Domini“, mit Werken

Violine 2

für die Weihnachtszeit von Komponisten

aus allen 20 Regionen

Viola

Italiens. Auftraggeber ist der nationale

Chorverband FENIARCO,

Violoncello

dessen Partner auch der Südtiroler

Chorverband ist.


Christian Gamper

Tempo di Allemande e=67

"HEXATONIK" (Trp.1-4)

II.

gliss.

III.

IV.

V.

VI.

VII.











f ff p pp













gliss.


"HEXATONIK"(2.HN.)

f

ff












f ff p espress. mf ppp

gliss.

II.

III.

gewidmet allen Schutzengeln

TÄÑxáÅtÇwx à{ÜÉâz{ ytÄÄ|Çz tÇzxÄá

IV.

V.

VI.

VII.



Tempo di Allemande e=67



I.ALLEMANDE

("falling angels")



(2+2+3)











f p pp








f ff ppp









f ff ppp






(2+2+3)



ppp

p f p

-31 cent





7

gliss. (sehr langsam)

(Lippen am Mundstück)




pp

fp f p

Aah

-31cent

-31 cent





7 (Lippen am Mundstück)


gliss. (sehr langsam)


pp

fp f p

Aah

-31 cent


(Lippen am Mundstück)

3



gliss. (sehr langsam) 7





fp f p

pp

Aah








ff


p

sim.





ff








mp






ff

p

Larghetto e = 60





Solem ruaus

"Feierliche Ruhe"

LARGHETTO FÜR KLARINETTENQUINTETT









3


p 3

ppp

3 p pp

3

3 3

con sord.














3

p 3

3

ppp p

con sord.

3




3

3




con sord.


3






3


3



con sord.






3

3



3

p ppp p




Christian Gamper









Christian Gamper




Christian Gamper, der Komponist

und Dirigent, mit dem Mut zu

Neuem und der innigen Wertschätzung

der musikalischen Vorfahren

KulturFenster

54 06/Dezember 2021


Blasmusik

Es war einmal …

eine Musikkapelle

Bitte um Mitarbeit bei der Suche nach verschollenen Musikkapellen

Es hat in der Vergangenheit in unserm Land gar einige Musikkapellen

gegeben, die im Laufe der Zeit von der Bildfläche verschwunden

sind und vielfach erinnern nur mehr lückenhafte

Notizen von deren vormaliger Existenz.

Nun soll der Versuch gemacht werden, ein vom Vergessen bedrohtes

Kapitel Südtiroler Blasmusikgeschichte zu dokumentieren

und für die Zukunft zu sichern.

Deshalb ersuchen wir alle, die vom Bestand ehemals existierender

und heute verschwundener Musikkapellen oder selbstständiger

Bläserformationen Kenntnis haben, dies mitzuteilen.

Vor allem bitten wir, auch ältere Musikanten oder ältere Menschen

aus der Dorfgemeinschaft anzusprechen und sie nach ihren

diesbezüglichen Erinnerungen zu befragen.

Wenn es neben den bloßen Erinnerungen auch noch konkrete

Unterlagen (Dokumente, Fotos, Zeitungsmeldungen etc.) zu den

verschwundenen Musikkapellen geben sollte, so wären wir für

deren leihweise Überlassung natürlich sehr dankbar. Jeder noch

so kleine Hinweis ist bei der Recherche hilfreich!

Hinweise und Infos bitte direkt an den Verband Südtiroler Musikkapellen,

Schlernstraße 1, 39100 Bozen oder info@vsm.bz.it

GESUCHT!

Erinnerungen, Dokumente,

Fotos, Zeitungsmeldungen etc.

Stephan Niederegger

BLASMUSIK IM RUNDFUNK

jeden Montag

von 17 bis 18 Uhr

„Dur und Schräg“

Traditionelle und neue

Blasmusik mit Norbert Rabanser

jeden Freitag

von 18 bis 19 Uhr

„Blasmusik“ mit Dieter Scoz

jeden Samstag

von 18 bis 19 Uhr

„Faszination Blasmusik“

mit Arnold Leimgruber

(Wiederholung

am Sonntag um 10 Uhr)

jeden Freitag

von 18 bis 19 Uhr

„Das Platzkonzert“

mit Peter Kostner

KulturFenster

55 06/Dezember 2021


kurz notiert

kurz notiert –

das neue „Musikpanorama“

… für Nachrichten aus den Musikkapellen

Nachdem durch diverse Lockerungen

nun wieder Proben, Auftritte und Veranstaltungen

von Musikkapellen „erlaubt“

sind, laden wir auch wieder ein,

uns Berichte davon zukommen zu lassen.

Im Zuge der Neugestaltung des

„KulturFensters“ ist die ehemalige Rubrik

„Musikpanorama“ in „kurz notiert“

unbenannt worden; sie soll aber weiterhin

als Plattform für die Berichterstattung

aus den Musikkapellen und

damit zu einem regen Erfahrungsaustausch

genutzt werden.

Damit aber alle Artikel Platz fi nden

können, ist es notwendig, dass die jeweiligen

Texte nicht mehr als 1.500

Zeichen (inkl. Leerzeichen) umfassen.

Die Berichterstatter*innen der Musikkapellen

sind gebeten, diese Vorgabe

einzuhalten. Ein aussagekräftiges und

vor allem drucktaugliches Foto – in

entsprechend guter Auflösung und mit

Bildtext – ist ebenfalls immer sehr willkommen.

Bitte auch immer den Redaktionsschluss

beachten!

Wir freuen uns auf viele „kurz notierte“

Meldungen!

Die Redaktion

Fest der hl. Cäcilia 2021

Nicht einfach waren die vergangenen zwei Vereinsjahre für die Bürgerkapelle Schlanders

Nach einer weiteren Corona bedingten

Durststrecke von Herbst 2020 bis ins

späte Frühjahr 2021 konnte die Bürgerkapelle

ihre Vereinstätigkeit, wenn auch

mit Einschränkungen, endlich wieder

aufnehmen.

Die Hoffnung, diesen Herbst nun die traditionelle

Cäcilienfeier mit Mittagessen abhalten

zu können, schwand leider durch

das Covid19-Infektionsgeschehen der

vergangenen Wochen. Die Vereinsführung

hat daher kurzfristig entschieden,

die heurigen Cäcilienfeierlichkeiten nur

in eingeschränktem Rahmen abzuhalten.

Die Musikant*innen trafen sich zur Gestaltung

des Sonntagsgottesdienstes in

der Pfarrkirche, bei dem Hochwürden Sebastian

Egger in seiner Predigt anerkennende

und wertschätzende Worte für den

Verein fand.

Beim anschließenden offiziellen Teil für

die Mitglieder im Probelokal mit kurzen

Ansprachen des Obmanns und des Kapellmeisters

überbrachte Bürgermeister

Dieter Pinggera die Grußworte der Gemeindeverwaltung.

Er dankte jedem einzelnen

Vereinsmitglied für den großen Zusammenhalt

und das Verantwortungs- und

Gemeinschaftsbewusstsein im Verein in

diesen schwierigen Zeiten.

Höhepunkt und zugleich Abschluss der

Feierlichkeiten waren die Ehrungen verdienter

Mitglieder der beiden Vereinsjahre

2020 (Verbandsehrenzeichen in Bronze für

15 Jahre: Julia Horrer, Julia Tappeiner, Johannes

Ziernheld; Verbandsehrenzeichen

in Silber für 25 Jahre: Martin Ohrwalder,

Walburg Gamper; Verbandsehrenzeichen

in Gold für 40 Jahre: Stephan Horrer) und

2021 (Verbandsehrenzeichen in Bronze für

15 Jahre: Sandra Gutgsell, Kurt Gufler; Verbandsehrenzeichen

in Silber für 25 Jahre:

Manuel Regensburger, Martin Ratschiller).

Die Bürgerkapelle hofft, ihre Probentätigkeit

mit der bisherigen Disziplin weiterführen

zu können, und freut sich bereits jetzt

darauf, nach der letztjährigen Pause am

kommenden 30. Dezember wieder musikalische

Glückwünsche für das Jahr 2022

überbringen zu dürfen.

KulturFenster

56 06/Dezember 2021


Blasmusik

Fünf 40er und ein 60er bei der MK St. Peter

Richard Federer zum Ehrenmitglied ernannt

Da auch heuer aufgrund der unsicheren

Lage das traditionelle Cäcilienkonzert der

MK St. Peter nicht stattfand und somit auch

die Ehrungen nicht vorgenommen werden

konnten, wurden diese im Rahmen eines

Konzertes im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst

vorgenommen. Das Goldene

Ehrenzeichen für 40 Jahre Vereinstätigkeit

gab es für Gabi Rabanser, Georg Solderer,

Manfred Federer, Stefan Kerschbaumer

und Thomas Rabanser. Das große Ehrenzeichen

in Gold am Bande für 60 Jahre

Mitgliedschaft wäre eigentlich schon letztes

Jahr fällig gewesen, musste aber aus hinlänglich

bekannten Gründen heuer nachgeholt

werden.

Diese nicht alltägliche Ehrung ging an den

Klarinettisten Karl Rabanser, der zudem

12 Jahre als Kapellmeister tätig war und

noch viel länger als Stabführer die Musikkapelle

auf Umzüge und Prozessionen vorbereitete.

Den „krönenden“ Höhepunkt bildete

die Ernennung von Richard Federer

zum Ehrenmitglied der Kapelle. Er war 64

Jahre lang aktiv dabei, spielte Flügelhorn

und war Obmann von 1965 bis 1970. Unter

seiner Führung wurden die heutigen

Trachten angekauft.

Weiters wurden den beiden Jung-Musikantinnen

Laura und Sandra Solderer (Klarinette)

das Leistungsabzeichen in Bronze

verliehen und schließlich konnte mit Katharina

Brugger (Klarinette) eine neue Musikantin

vorgestellt werden.

Obmann Christian Schenk dankte allen

Geehrten sowie allen Musikant*innen für

ihren unermüdlichen, ehrenamtlichen

Einsatz, gerade auch in diesen schwierigen

Zeiten.

Christian Schenk

Ehrungen bei der Musikkapelle St. Peter: (v. l.) Obmann Christian Schenk, Manfred Federer,

Stefan Kerschbaumer, Gabi Rabanser, Ehrenmitglied Richard Federer, Georg Solderer,

Thomas Rabanser, Kapellmeister Helmuth Valersi und Karl Rabanser

Eine „verdiente Heimat“ für die Musikkapelle Jenesien

Übergabe und Segnung des neuen Musikprobelokals

Am 10. Oktober war es endlich soweit.

Das neue Jenesier Musikhaus konnte im

Rahmen eines Festaktes seiner Bestimmung

übergeben werden.

Gerhard Hofer, der Obmann der Musikkapelle

Jenesien, begrüßte neben den Mitgliedern

der Kapelle die Vertreter der Dorfvereine

und der benachbarten Musikkapellen

sowie viele Ehrengäste vor dem Neubau.

Den musikalischen Gruß überbrachten die

Fanfarenbläser der Musikkapelle Jenesien.

Bereits unter Obmann Thomas Wieser war

mit dem Neubau begonnen worden, nachdem

das alte Probelokal nach 30 Jahren

zu klein für die stetig wachsende Musikkapelle

geworden war. Im neuen zweistöckigen

Gebäude entstanden neben anderen

Räumlichkeiten ein großes Probelokal

und ein Gemeinschaftsraum. Thomas

Wieser bedankte sich nicht nur bei Bürgermeister

Paul Romen, der das Projekt

tatkräftig unterstützte, sondern auch bei

den Musikant*innen, die vieles in Eigenleistung

erledigten. In seinen Grußworten

betonte der Bürgermeister, dass „die verdiente

Heimat“ für die Musikkapelle vor

allem „als Zeichen des Respekts vor dem

Dienst, den ihr jahrein, jahraus für unser

Dorf leistet“ zu sehen sei. In diesem

Sinne äußerten sich auch der Kulturlandesrat

Philipp Achammer und Christian

Schwarz, der die Glückwünsche des Ver-

bandes Südtiroler Musikkapellen überbrachte.

Der Höhepunkt war die Segnung

der Räumlichkeiten des neuen Musikhauses

durch Pater Peter Stuefer OSB,

den Prior des Klosters Muri Gries. Musikalisch

umrahmt wurde die Feierstunde

von der Musikkapelle Jenesien.

MK Jenesien

Die Musikkapelle Jenesien umrahmte den Festakt zur Einweihung ihres neuen Musikhauses.

KulturFenster

57 06/Dezember 2021


kurz notiert

Am 15. Oktober fand im vereinseigenen

Probelokal im Premstallerhof am Bozner

Boden die Generalversammlung der Musikkapelle

Zwölfmalgreien statt.

85. Generalversammlung der

Musikkapelle Zwölfmalgreien

Neustart mit Kurs auf das traditionelle Cäcilienkonzert

Die neu aufgenommenen Musikant*innen Silvia Baumgartner, Sabine Staffler, Patrick Florio

und Alex Kleinrubatscher mit Obmann Stefan Declara und Kapellmeister Stefan Aichner

(© MK Zwölfmalgreien/Oliver Oppitz)

Nach der Begrüßung durch Obmann

Stefan Declara und dem Totengedenken

folgten die Berichte der verschiedenen

Funktionäre über das Vereinsjahr 2020.

Infolge der Coronapandemie und der damit

zusammenhängenden Einschränkungen

war das Vereinsleben im Jahr

2020 stark eingeschränkt. Leider mussten

auch sämtliche geplanten Veranstaltungen

zum 100-jährigen Bestehen der

Musikkapelle abgesagt werden. Lediglich

ein Platzkonzert in Bozen und das traditionelle

Jugendcamp im Sarntal konnten

abgehalten werden. Außerdem wurden einige

kirchliche Feiern mit kleineren Gruppen

musikalisch umrahmt.

Obmann Stefan Declara und Kapellmeister

Stefan Aichner bedankten sich bei

den Anwesenden für ihr Durchhaltevermögen,

den Einsatz und die Motivation

beim Neustart. Im Rahmen der Versammlung

konnten fünf neue Mitglieder

und zwei neue Marketenderinnen in den

Verein aufgenommen werden. Drei ehemalige

Musikanten, welche jeweils über

50 Jahre lang aktiv in den Reihen der

Musikkapelle mitgewirkt hatten, wurden

als Ehrenmitglieder in den Verein aufgenommen.

Stefan Declara

Die Musikkapelle Niederdorf erschließt neue Horizonte

Stephan Niederegger übergibt Taktstock an Simon Burger - Ehrungen

Im Frühjahr konnte auch die MK Niederdorf

allmählich wieder ihre Tätigkeit aufnehmen.

Mit einer nötigen Portion Optimismus

wurde nach einem kleinen Sommerprogramm

ein Herbstkonzert geplant. Damit

erfüllte sich die Kapelle den lang gehegten

Wunsch, im Gustav-Mahler-Saal von Toblach

zu spielen.

Mit der „Fanfare for a New Horizon“ von

Thomas Doss übergab Stephan Niederegger

offiziell den Taktstock im fliegenden

Wechsel und bei klingendem Spiel an seinen

Nachfolger Simon Burger, der die Kapelle

bereits seit Anfang des Jahres leitet.

Die bekannte Fantasie „Oregon“ (Jacob

de Haan) wurde in Niederdorf erstmals

1990 von der Speckbacher Stadtmusik

Hall in Tirol unter der Leitung von Herbert

Ebenbichler aufgeführt. Sie war Gast beim

140-jährigen Jubiläum der Niederdorfer.

Damit spannte sich der Bogen zum 170.

Geburtstag, der 2020 sehr still und leise

gefeiert werden musste. Tanzers „Festtag“,

neu arrangiert von Dietmar Rainer, leitete

schließlich zum Höhepunkt des Abends:

Walter Kamelger und Toni Fauster wurden

zu Ehrenmitgliedern ernannt – als Dank und

Anerkennung für 44 bzw. 65 Jahre aktive

Mitgliedschaft. Für sie dirigierte der scheidende

Kapellmeister Stephan Niederegger

den Alte-Kameraden-Marsch.

Die „Austrian Fantasy“ (Gerald Oswald),

„You Raise Me Up“ (Rolf Løvland, arr.

Bert Appermont) und das Medley „80er

KULT(tour)“ von Thiemo Kraas ergänzten

das Konzert. Mit zwei Zugaben bedankte

sich die Kapelle beim Publikum.

Alois Fauster

Ehrungen bei der MK Niederdorf: (v. l.) Simon Burger, Stephan Niederegger, Toni Fauster,

Walter Kamelger, Musikobmann Robert Burger und Vizeobmann Florian Tschurtschenthaler

KulturFenster

58 06/Dezember 2021


Blasmusik

MK St. Lorenzen schließt ungewöhnliche Musiksaison ab

Cäcilienfeier im kleinen Rahmen mit Verabschiedung zweier „Powerfrauen“

Wegen der Corona-Regeln verzichtete die

Kapelle auch heuer auf eine traditionelle

Cäcilienfeier mit Familienangehörigen,

wollte aber diesmal die Feier nicht wie im

Vorjahr ganz ausfallen lassen. Nach dem

Festgottesdienst, den Kapellmeister Jakob

Augschöll mit zwei Blechbläser- und

einem Holzbläserensemble musikalisch

gestaltete, trafen sich die Musikant*innen

im Probelokal zu einer kleinen Jahresabschlussfeier.

Diese bot auch den gebührenden

Rahmen, um zwei „Powerfrauen“

– wie es Obmann Philipp Kofler formulierte

– zu verabschieden, da sie die Kapelle

nun verlassen.

Die Marketenderin Andrea „Andi“ Wisthaler

ist seit 2010 Marketenderin, führt seit 2016

die Vereinschronik und war „unsere Grafikerin

und die Frau für fast alles“. Die Flötistin

Viktoria „Vicky“ Erlacher spielt seit

1999 in der Kapelle, war 2010 bis 2015 im

Vorstand und ist die dienstälteste Frau in

der Kapelle. Gemeinsam mit Fabian Frenner

gründete sie 2010 die Jugendkapelle

„JuKaStL“ – heute ein nicht mehr wegzudenkender

Grundstein für den musikalischen

Nachwuchs im Verein. Mit einem

Erinnerungsfoto und einem Blumenstrauß

Cäcilienfeier bei der MK

St. Lorenzen: Musikobmann

Philipp Kofler bedankte

sich bei der Marketenderin

Andrea Wisthaler (links) und

der Flötistin und ehemaligen

Jugendleiterin Viktoria

Erlacher (rechts).

bedankte sich der Obmann bei beiden für

ihre langjährige Tätigkeit und wünschte

ihnen Alles Beste für die Zukunft. Die

Musikant*innen schlossen sich mit anhaltendem

Applaus diesem Dank und den

Glückwünschen an.

Stephan Niederegger

Musikkapelle Gufidaun ehrt treue Mitglieder

Anlass zum Dank für großen Einsatz bei der Cäcilienfeier

Am Samstag, 13. November 2021, fand in

Gufidaun die alljährliche Cäcilienfeier der

Musikkapelle Gufidaun statt.

Dabei wurden neun Mitglieder der Musikkapelle

für ihre langjährige Vereinstreue

ausgezeichnet. Kathrin Prader, Ruth Grünfelder

und Marco Lamber wurden für ihre

15-jährige Mitgliedschaft in der Musikkapelle

geehrt. Walter Santin und Karl Vorhauser

nahmen das Ehrenzeichen in Gold

für ihre 40-jährige Tätigkeit entgegen. Ausgezeichnet

für 50-jährige Mitgliedschaft

wurden Albert Thaler, Klaus Messner und

Alois Gruber. Otto Schenk wurde für seine

60-jährige Mitgliedschaft bei der Musikkapelle

mit dem Großen Ehrenzeichen in

Gold am Bande ausgezeichnet.

Obmann Roman Pramstrahler hob besonders

die Gewissenhaftigkeit und Verlässlichkeit

als Stütze und Vorbild für den gesamten

Verein hervor und bedankte sich bei den

geehrten Mitgliedern für ihren Einsatz, Fleiß

und ihre Sorgfalt. Der Bezirksobmann des

VSM, Josef Ploner, und Fraktionsvorsteher

Arthur Unterfrauner überreichten die Ehrenurkunden

und schlossen sich den Dankesworten

des Obmannes an. Anschließend

richtete Obmann Pramstrahler seinen Dank

an alle Musikanten und wünschte ihnen weiterhin

viel Erfolg und Freude an der Musik.

Ein ganz besonderer Dank galt dem sehr

engagierten Kapellmeister Christian Unterhofer.

Auch Vizeobmann Roman Oberrauch

nutzte die Gelegenheit, um dem Obmann

im Namen aller Musikanten herzlichst für

seinen immensen Einsatz für die Musikkapelle

zu danken.

MK Gufidaun

Nicht weniger als neun Musikanten wurden bei der Cäcilienfeier der MK Gufidaun von

VSM-Bezirksobmann Josef Ploner (Bildmitte) und Fraktionsvorsteher Arthur Unterfrauner

(links) für ihren langjährigen Einsatz geehrt.

Foto: Markus Mantinger

KulturFenster

59 06/Dezember 2021


Das Erleben und der Genuss von Musik …

… kann durch eine gute Moderation verstärkt und intensiviert

werden. Sie muss aber, wie alles was auf der Bühne geschieht,

gut vorbereitet sein. Sie ist Teil der Aufführung und ermöglicht

es, die Barriere zwischen Bühne und Publikum zu verringern.

KulturFenster

60 06/Dezember 2021


hinausgeblickt

„Dem Publikum Brücken bauen“

Die Moderation ist eine tragende Säule des Konzerts

Auch wenn die vierte Pandemie-Welle momentan

kaum Konzerte zulässt, so wird doch

wieder die Zeit kommen, dass ein Chor

ein Konzert gestalten wird. Dass ein Konzert

mehr ist als nur irgendwelche Lieder

zu singen, sondern ein sinnvolles Konzept

braucht, vielleicht auch ein Thema

oder einen inneren Zusammenhang – dies

ist den meisten Konzertveranstaltern bewusst.

Viele Konzerte sehen auch eine Moderation

vor. Dieser Teil des Konzerts ist

in seiner Wichtigkeit nicht zu unterschätzen,

macht doch die Hinführung des Publikums

zu den aufgeführten Werken einen

wesentlichen Bestandteil aus, wenn

das Konzert gelingen soll.

Die deutsche Zeitschrift „Chorzeit“ beschäftigt

sich in ihrer Novemberausgabe gerade

mit diesem wichtigen Thema. Der Musikjournalist

Arne Sonntag erwähnt gleich zu

Beginn seiner Ausführungen, wie es zum

Teil immer noch abläuft: „Mit Programmzettel

in der Hand verfolgt das Publikum

mehr oder weniger aufmerksam den abgedruckten

Ablauf.“ Wer viele Konzerte besucht

und dabei auch das Publikum beobachtet

hat, kann dies wohl bestätigen:

Manchmal leidet die Aufmerksamkeit und

auch die Begeisterung, wenn man nicht

„geführt“ wird. Deshalb hat der Autor wohl

recht, wenn er schreibt: „Moderierte Konzerte

eröffnen neue Horizonte.“

„Chorzeit“ bringt das Beispiel des Stuttgarter

Theaterpädagogen Hannes Michl, der

mit verschiedenen Chören unterschiedliche

Formen der Moderation ausprobiert

hat. Dabei kamen auch so kreative Ansätze

vor wie etwa szenische Umsetzungen. Es

muss nicht gleich eine „Theateraufführung“

werden, aber dem Publikum „Brücken

zu bauen“ zum Werk sei wesentlich,

betont Michl: So könne man etwa die

Zuhörer*innen auf bestimmte Momente

und Passagen der Komposition hinweisen

oder natürlich Hintergrundinformationen

zum Werk geben. Wichtig ist, dass

eine Verbindung zwischen Sänger*innen,

Werk und Publikum hergestellt wird. Das

sei oft auch eine Chance, einem Publikum

weniger bekannte Werke näher zu

bringen. Dabei sollte man weniger auf abstrakte

Werkerklärungen als auf Geschichten

und Anekdoten setzen. Dadurch entsteht

eine emotionale Gemeinschaft von

Chor und Publikum. Was viele Südtiroler

Chöre bereits umsetzen, ist die Moderation

durch die Sänger*innen selbst. Dies

wirkt besonders authentisch und sympathisch.

Michl betont, dass die Moderation

eine wesentliche Säule des Konzerts ist:

„Man sollte eine Moderation nicht auf die

leichte Schulter nehmen.“ Der Moderator

bzw. die Moderatorin sollten sich mit ihrer

Aufgabe identifizieren, also gerne vor

dem Publikum sprechen. Die Moderation

braucht abgesehen von dieser Bereitschaft

und „Begabung“ auch eine gute Vorbereitung.

Viele Konzerte leiden darunter, dass

die Moderation nicht gut vorbereitet ist. Dabei

sollte man nach Michl etwa 80 Prozent

der Moderation vorbereiten. Freilich muss

man auch offen sein für situationsbezogene

Moderation, also sich nicht stur an einen

vorgeschriebenen Text halten. Doch es ist

wichtig „dramaturgisch vorauszudenken“,

wie es Michl nennt.

Moderationstipps

Michl empfiehlt dabei, die erste Anmoderation

mit einem sogenannten „Attention

Grabber“ zu beginnen, um die Aufmerksamkeit

des Publikums auf sich zu

ziehen. Dies ist eine Grundregel, die allgemein

in der Rhetorik von Bedeutung

ist. Wie viele Rhetorik-Experten betonen,

kann man am Anfang das Publikum gewinnen,

wenn man etwas erzählt, das aus

dem Leben des Publikums, mit seiner Umwelt

und Gegenwart zu tun hat, wenn man

die Zuhörer*innen direkt anspricht, wenn

man einen interessanten oder auch provokanten

Gedanken formuliert oder einen

Kontrast aufbaut. Dies kann in Form einer

kleinen Erzählung, einer Anekdote aus dem

Alltag oder aber auch aus dem Leben des

Komponisten geschehen. Wichtig ist, dass

diese erste Anmoderation gut vorbereitet

und überlegt ist – und nicht dem Zufall

überlassen wird. Dazu muss man sich

auch überlegen, wer das Zielpublikum ist,

was der Anlass des Konzerts ist, was wohl

KulturFenster

61 06/Dezember 2021

61


hinausgeblickt


Wie bei jedem Vortrag ist der erste

Eindruck entscheidend. Es zahlt sich

also aus, einige Zeit in eine gute Anmoderation

zu investieren, anstatt

nur mit einer klassischen Begrüßung

zu beginnen und Informationen zum

Werk vorzulesen.

Arne Sonntag


die Erwartungen an das Konzert sind, was

das Thema des Konzerts ist. Die Anmoderation

sollte dabei nicht beliebig oder „an

den Haaren herbeigezogen“ wirken. Wie

bei jedem Vortrag ist der erste Eindruck

entscheidend. Es zahlt sich also aus, einige

Zeit in eine gute Anmoderation zu investieren,

anstatt nur mit einer klassischen

Begrüßung zu beginnen und Informationen

zum Werk vorzulesen.

Was allgemein für Vorträge und Präsentationen

gilt, muss auch für die Moderation

gelten: Es wird nicht abgelesen, Moderationskärtchen

dienen höchstens dazu mit

wichtigen Stichworten ein Leitfaden für

das freie Sprechen zu bieten. Die Grundregel,

dass der Blickkontakt zum Publikum

gehalten werden muss, ist dabei selbstverständlich.

Michl betont in diesem Zusammenhang,

dass „mindestens in jeder

Moderation einmal die Personengruppen,

die ja oft auch in unterschiedlichen Richtungen

sitzen, fokussiert werden müssen“.

Der Moderator bzw. die Moderatorin sollen

daher frei über ihren Stoff verfügen, eine

zum Publikum offene Haltung haben. Dazu

braucht es vor allem innere Ruhe. Michl

empfiehlt daher vor dem ersten Satz: „Ankommen,

Ausatmen, Anschauen, Anfangen.“

Ruhe, Präsenz und Fokus auf das

Publikum sind das Um und Auf in jeder

Präsentation, so auch bei der Konzertmoderation.

Diese Ruhe bekommt man vor

allem durch eine gute Vorbereitung. „Man

kann das auch üben“, ist Michl überzeugt.

Dabei kann es helfen, wenn andere (Sänger

und Sängerinnen) auch ein Feedback

geben. Ein ganz wichtiger Tipp, den der

Theaterpädagoge mitgibt, ist der Hinweis,

dass man auf der Bühne sich nicht verstellen

darf: „Ich darf auch ich sein.“ Das

ist besser als Perfektionismus. Zu viel Perfektionismus

und Routine sind auch nicht

gut: „Einen Funken von Nervosität oder ein

bisschen Ungewissheit gehört einfach dazu.

Das ist das Salz in der Suppe!“ Michl hat

mit dieser Beobachtung sicher recht: Gerade

dieser Funken „Menschlichkeit“ und

„Gefühl“ lässt eben auch den Funken beim

Publikum überspringen. Was für den Chor

und seine „Leistung“ gilt, gilt auch für den

Moderator oder die Moderatorin: Authentizität,

Begeisterung und Präsenz wiegen

so manchen „Fehler“ auf!

Natürlich gelten bei der Moderation auch

weitere allgemeine Regeln des Vortragens

vor Publikum: Einfache Sätze statt langer

Satzgebilde, langsames und deutliches

Sprechen – und vor allem sollte man sich

bei jedem Moderationsteil überlegen: Wie

wirkt das auf das Publikum? Wie würde

ich reagieren, wenn ich das jetzt höre? Ist

es zu langatmig, zu kompliziert? Versteht

man die Zusammenhänge? Grundsätzlich

muss gelten: Wesentliches satt Unwichtigem

sagen, Kompliziertes einfach

sagen, darauf achten, „kurz“ zu bleiben

statt langatmig zu werden!

Mut zur Kreativität

Hat man einmal diese Grundregeln verinnerlicht

– womit man schon eine ordentliche

Moderation gestalten könnte – darf

man ruhig auch den Mut zu kreativeren

Moderationen entwickeln. Hier hat die

Theaterpädagogik viele Vorschläge, was

uns auch bewusst macht, dass ein Konzert

eben nicht nur Musik, sondern auch

„Theater“ ist! Ein mutiger Ansatz wäre etwa,

dass sich der Moderator in die Rolle des

Komponisten oder des Textautors versetzt

und aus dieser Perspektive zum Publikum

spricht. Michl bringt das Beispiel von einem

Konzert mit Vertonungen von Eduard Mörike.

Hier könnte der Moderator auch als

Mörike verkleidet auftreten – und aus seiner

Perspektive die Werke vorstellen. Das

Einbauen von Erlebnissen und Gedanken

des Dichters fällt so leichter und wirkt unmittelbar

und spannend. Es könnten auch

mehrere Personen aus den Liedern oder

aus dem Leben des Dichters auftreten

und die Moderation kann so zu einer szenischen

Gestaltung des Liedes ausgebaut

werden. Hier spricht Michl indirekt etwas

Wichtiges an. Noch immer vernachlässigen

viele Konzertaufführungen die Tatsache,

dass Chorkonzerte immer Texte und

Inhalte haben, oft auf Dichtungen basieren,

die das Publikum beim Zuhören gar

nicht vollständig versteht. Die Moderation

kann hier mit kreativen Ansätzen den Text

in den Mittelpunkt rücken. Traditionellere

Ansätze sind das Erzählen von „Geschichten“:

sei es zu den Werken, zu den Komponisten

oder auch zum Chor selbst – wie es

ihm bei der Auseinandersetzung mit den

Werken gegangen ist.

Ein weiterer kreativer Ansatz wäre das

Moderieren mit Perspektivenwechsel innerhalb

des Konzerts, etwa die Kommentierung

der Werke aus der Sicht des Dichters,

des Komponisten oder aus der Sicht

einer Zuhörerin. Oder man überlegt sich,

wie man mit dem Publikum in Interaktion

treten könnte, dass also der „Erzähler“

das Publikum direkt anspricht. Für solche

Ansätze braucht es natürlich eine gewisse

Souveränität. Wenn man sich nicht zu solchen

szenischen Darbietungen vorwagen

möchte – so ist doch eines immer eine Garantie

für eine gute Moderation, wie auch

Michl betont: Humor. Tatsächlich ist eine

gewisse, natürlich nicht künstlich aufgesetzte

humorvolle Haltung wohl das beste

Mittel, das Publikum für die Schönheit des

Chorgesangs zu gewinnen.

Paul Bertagnolli

KulturFenster

62 06/Dezember 2021


Chorwesen

Ein Gemeinschaftserlebnis der

besonderen Art

Südtirol beim Festival der Landesjugendchöre im Burgenland

„Wir CHÖRN z´sam“ – unter diesem Motto

fand vom 23. bis zum 24. Oktober im Burgenland

das Festival der Landesjugendchöre

statt. Rund 400 junge Sängerinnen

und Sänger aus allen Bundesländern und

Südtirol waren zu Gast. Es gab Workshops

und Platzkonzerte, Höhepunkt war ein gemeinsames

Konzert im Kulturzentrum Eisenstadt.

Wie die Landesjugendchöre der österreichischen

Bundesländer hat auch der Landesjugendchor

Südtirol sich zum Ziel gesetzt,

mit jungen begabten Sänger*innen

auf hohem Niveau anspruchsvolle Werke

zu erarbeiten und aufzuführen – und so

auch als musikalischer Botschafter des

Landes zu wirken. Die Chormitgliederim

Alter zwischen 16 und 28 aus allen Landesteilen

erarbeiten an mehreren Probenwochenenden

ein breitgefächertes Konzertprogramm

und treten regelmäßig in

Südtirol, aber auch außerhalb der Landesgrenzen

auf. Ein besonderes Ereignis

war das Festival der Landesjugendchöre

im Burgenland, das alle drei Jahre

in einem anderen Bundesland stattfindet.

Die Sänger*innen zeigten sich beeindruckt

vom Gemeinschaftserlebnis.

„Die Jugendlichen brauchen das, dass

sie sich vernetzen, zusammenkommen

und zusammen singen“, erklärte Ingrid

Puschautz-Meidl, Präsidentin vom Chorverband

Burgenland.

Um den Austausch zwischen den Chören

zu fördern und die Möglichkeit zur

musikalischen Fortbildung zu bieten,

fanden im Rahmen des Festivals auch

Workshops statt. Hier konnten die Teilnehmer

und Teilnehmerinnen neue Leute

kennenlernen und neues Programm erarbeiten.

„Vom Inhalt her war das schon

sehr spannend, sowas macht man ja normalerweise

nicht und das war eine super

Gelegenheit“, zeigte sich etwa Sängerin

Marie-Theres Zingerle vom Landesjugendchor

Südtirol begeistert.

Krönender Abschluss des Chorfestivals

war ein Festkonzert im Kulturzentrum

von Eisenstadt.

KulturFenster

63 06/Dezember 2021


Einige Impressionen zum Festival der

Landesjugendchöre im Burgenland

KulturFenster

64 06/Dezember 2021


gedenken

Für eine moderne Volkskultur

Im Gedenken an Karl H. Vigl

Am 26. September verstarb in Meran

82-jährig der Komponist, Chorleiter, Kapellmeister,

Lehrer und Kulturpublizist

Karl H. Vigl. (siehe auch KulturFenster

Nr.5/2021, S.71)

Wie viele Kulturschaffende im Lande

möchte auch der Südtiroler Chorverband

sein ehrendes Gedenken zum

Ausdruck bringen: Karl H. Vigl hat sich

nicht nur um die Blasmusik, sondern

auch um die Chorkultur bedeutende

Verdienste erworben. Vigl war von 1963

bis 1977 Bundeschorleiter des Südtiroler

Sängerbunds.

Er war Träger des Goldenen Ehrenzeichens

des Südtiroler Chorverbands.

Sein Wirken für die Chorkultur umfasste

die verschiedensten Bereiche:

Durch seinen Einsatz für den Sängerbund

wie auch als Kulturpublizist und

Komponist, aber auch als Chorleiter hat

Vigl das Chorleben in Südtirol entscheidend

mitgeprägt. Neben seiner Tätigkeit

als Lehrer leitete Vigl mehrere Chöre,

von 1959 bis 1961 den Kirchenchor

Tiers, von 1961 bis 1971 den Männergesangverein

(MGV) Gries, von 1965

bis 1977 den Singkreis J. E. Ploner in

Leifers, von 1968 bis 1973 den Lehrersingkreis

Bozen, von 1974 bis 1977

den MGV Meran, von 1977 bis 1983

den Frauenchor Tramin und schließlich

auch den Kirchenchor Neumarkt.

Als jüngster Bundeschorleiter

des Südtiroler Sängerbundes war

er bestrebt, den Chören die einheimische

Musikkultur näher zu bringen,

ihnen aber auch die Möglichkeit

zu bieten an Fortbildungskursen

und Seminaren im In- und Ausland

teilzunehmen.

Immer wieder fi el er bei Konzerten

in verschiedenen Ländern mit seiner

anspruchsvollen und gekonnt

aufgeführten Literatur auf. Besonders

das Zusammenwirken von Singstimmen

und Bläsern war ihm ein

großes Anliegen. Karl H. Vigl hinterlässt

nicht nur zahlreiche Musikrezensionen,

die ein Bild von der

Musikkultur in Südtirol geben, sondern

auch zahlreiche weltliche wie

geistliche Kompositionen für Chöre

und Musikkapellen.

Der Südtiroler Chorverband wird Karl

H. Vigls Wirken für die Volkskultur

in Südtirol in ehrendem Gedenken

bewahren.

Aus der Redaktion

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Chorwesen

senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter

folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)

Redaktionsschluss für

die nächste Ausgabe des

„KulturFensters“ ist:

Freitag, 14. Jänner 2022

KulturFenster

65 06/Dezember 2021


SCV-Intern

Es singt immer der

ganze Mensch

Seminar für Chorleiter*innen in der Cusanus-Akademie

„Das Instrument ´Singen´ ist nicht nur der

Kehlkopf, sondern der ganze Mensch mit

Leib und Seele.“

Mit diesem Satz brachte Referent Roland

Büchner beim Chorleiter*innenseminar

in Brixen seine Haltung zum Chorgesang

auf den Punkt. Am Seminar in der Cusanus-Akademie

am 23. Oktober nahmen 34

Chorleiter und Chorleiterinnen teil. Der deutsche

Kirchenmusiker und Chorleiter Roland

Büchner war von 1994 bis 2019 Domkapellmeister

am Regensburger Dom und somit

Chorleiter der Regensburger Domspatzen.

Er ist in Südtirol bei vielen Sänger*innen als

hervorragender Referent und Chorleiter bekannt,

betonte Verbandschorleiterin Renate

Unterthiner und freute sich über die rege

Teilnahme am Seminar. „Es war eine sehr

lehrreiche und interessante Fortbildung, in

der es vor allem um die Stimme und den

Chorklang ging“, erklärt Unterthiner. Ziel

war es, den Chorleiter*innen das Instrument

Stimme näher zu bringen und ihnen

Tipps und Tricks für die Chorproben bzw.

den Choralltag mitzugeben. In diesem Sinne

ging der Referent auf wichtige Punkte ein,

wie Körperhaltung, Atmung, Artikulation,

Tonansatz, Resonanz, Vokalausgleich sowie

Lagen- und Registerausgleich. Außerdem

erarbeiteten die Teilnehmer*innen gemeinsam

vier Lieder und versuchten dabei,

das Gelernte umzusetzen.

KulturFenster

66 06/Dezember 2021


Chorwesen

Chor Raindrops gibt

Konzert „Holiness“

Zwei Abende im Zeichen der Romantik und

der zeitgenössischen Chormusik

Der Chor „„Raindrops““ unter der Leitung von Michela Virgadaula sang in Niederlana

und Dorf Tirol neben der Delibes-Messe mit Orgelbegleitung auch Werke aus der modernen

Chormusik.

Foto: Chor „Raindrops“

folgte ein Wechsel traditioneller

amerikanischer

Melodien und zeitgenössischer

Chormusik

– etwas von John

Rutter, einem der bedeutendsten

lebenden

Komponisten für Chorund

Kirchenmusik, der

sich durch seinen Erfindungsreichtum

an Melodien

auszeichnet, die

er aus verschiedensten

Epochen und Kulturen

zusammenfügt, bis hin

zur federleichten Komposition

von Eric Whitacre

oder einer ergreifend

schönen Liebeserklärung

aus der Filmmusik

Ennio Morricones.

Wenn auch keine klassischen

Adventkonzerte, so waren die beiden

Abende doch ein wunderbarer Auftakt

für die besinnliche Zeit im Jahr.

Klare Stimmen, wunderschöne Melodien und

eine magisch in Szene gesetzte Kulisse: nach

über zwei Jahren Konzertpause lud der Lananer

Chor „Raindrops“ im November zum

Konzert „Holiness“ in die Pfarrkirche Niederlana

und in die Pfarrkirche Dorf Tirol.

Wenn wir Musik hören oder selbst singen,

ist unser gesamtes Hirnareal aktiviert und

lässt aus einfachen Tonwellen ein ganzes

Feuerwerk an Musik entstehen. Während

Melodieverarbeitung in der rechten Hemisphäre

geschieht, liegt die Rhythmusverarbeitung

in der linken. Beide werden durch

Musik aufeinander abgestimmt und verbunden.

Man stelle sich vor, welche Energie am

Werk ist, wenn Menschen gemeinsam singen.

Nach zwei Jahren ohne Auftrittsmöglichkeit

konnte der Chor „Raindrops“ diese

Energie und die Freude am Gesang endlich

wieder teilen – natürlich unter Einhaltung

aller notwendigen Sicherheitsmaßnahmen

für Chor und Publikum. Die 13 Sängerinnen

aus dem Burggrafenamt wurden dabei von

Michaela Virgadaula geleitet. Für die Begleitung

an Orgel und Klavier zeichnete Johanna

Innerhofer verantwortlich, während

Roman Winkler den Chor und die Kulisse

mit Lichteffekten in Szene setzte.

Im Mittelpunkt des Konzertes stand zunächst

die Musik von Lèo Delibes, ein

Komponist der französischen Romantik,

mit seiner Messe brève, arrangiert für

zweistimmigen Frauenchor. Anschließend

Der Chor „Raindrops“

Die „Raindrops“ sind eine Gruppe Sängerinnen,

die sich für jedes Genre begeistern

- egal ob Klassik, Jazz, Gospel, Musical,

Pop oder Volkslieder, bei Konzerten,

Hochzeiten oder anderen Festen. Im Jahr

2000 von Heidi Nock gegründet, entwickelten

sich die „Raindrops“ von einem

kleinen Ensemble aus sechs Lananer Sängerinnen

zu einem gefragten Konzertchor

mit mittlerweile 25 jungen Frauen aus dem

ganzen Burggrafenamt. Seit 2014 leitet Michela

Virgadaula, Professorin für Gesang

und Musik am Gymme Meran mit Landesschwerpunkt

Musik, den Chor. Als Obfrau

schwingt auch Julia Zöschg ab und an die

Stimmgabel. Während der Proben werden

die Sängerinnen meist von Sandra Giovinazzo

am Klavier begleitet.

KulturFenster

67 06/Dezember 2021


SCV-Intern

Eine Frage der Haltung

Seminar für Kinder- und Jugendchorleiter*innen mit Y. M. Kinoshita

Chorleiter*innen und Lehrer*innen, die mit

Kindern im Grund- und Mittelschulalter arbeiten,

hatten am 9. Oktober im Kolpinghaus

in Bozen Gelegenheit, an einem Workshop

zum Thema „Chorleitung" mit Yoshihisa Matthais

Kinoshita teilzunehmen. Er ist Dozent

für Kinderchorleitung an der Hochschule

für Musik und Theater in München.

Im Mittelpunkt des Seminars standen Literatur

für Kinder- und Jugendchöre, Stimmbildung

mit Kindern sowie das Thema Persönlichkeitsentwicklung

der Kinder über

das Singen. Elf Interessierte nahmen an

diesem Seminar teil und erhielten vom

Referenten wertvolle Anregungen für die

Chorarbeit mit Kindern. Kinoshita ist vor

allem für die Leitung des Wolfratshauser

Kinderchors bekannt, der sich unter seiner

Leitung zu einem der führenden Kinderchöre

Bayerns und Deutschlands entwickelte.

Besonderes Merkmal dieses Chores

ist es, dass keine Auslese bei den Kindern

stattfindet und auch scheinbar stimmlich

nicht begabte Kinder durch eine intensive

Stimmbildung an die hohen Ansprüche herangeführt

werden. 1998 wurde Y.M. Kinoshita

mit dem Wolfratshauser Kinderchor

Sieger in der Kategorie Kinderchöre beim

Deutschen Chorwettbewerb in Regensburg.

Er sagt über seine Erfahrungen mit

dem Chor: „Es sind viele Kinder, die am

Anfang kommen und keine Melodie grade

singen können, überhaupt nicht singen

können, die Stimmung nicht halten können,

gar nix.“ Und gerade das scheint für

ihn eine große Herausforderung zu sein,

aber auch eine Frage der Haltung, nämlich

das Kind nicht aufgrund seiner „Begabung“

zu beurteilen, sondern seine Persönlichkeit

zu sehen, einfach mit ihm zu

arbeiten, an das Potential zu glauben. So

mag man wohl das Geheimnis guter Kinderchorleitung

in einer gewissen Liebe zu

den Kindern und ihrer Weiterentwicklung

sehen, ein Ernstnehmen jedes Einzelnen:

„Wie schafft man es, jedes Kind zu sehen?

Das hat etwas mit meiner Haltung zu tun.

Und dann, dass ich den Kindern das Gefühl

gebe, egal wie viel sie können, in dem

Moment, wo sie in den Chor reinkommen,

dass sie die Möglichkeit haben, da immer

mitzumischen, was wir machen, auch

wenn das Niveau sehr hoch ist, zwischendurch.“

Zugleich aber will er die Kinder in

neue Welten führen, sie auch herausfordern,

etwa in der Auswahl der Werke. Ein

Chorleiter muss nicht nur Lieder bringen,

die den Kindern von vorneherein gefallen,

er setzt auf einen Mix, wobei Renaissancelieder

und Pop gleichermaßen vorkommen:

„Und wenn ich ein neues Stück auflege,

dann sag ich den Kindern: Eure Kommentare

will ich gar nicht hören. Wir machen

das einfach, und wenn wir´s können, dann

singen wir´s vor und dann können wir immer

noch überlegen, ob wir´s im Repertoire

behalten, weil es gibt, natürlich auch

manchmal Stücke, wo ich mich vertue.“

Aus dieser Haltung – Ernstnehmen und Akzeptanz

eines jeden und zugleich die Förderung

und das Fordern – ergibt sich dann

die Freude am Singen, für den Chorleiter

wie für die jungen Sänger*innen, die am

liebsten seinen Chor nicht mehr verlassen

würden: „Wer hat schon die Möglichkeit

mit Kindern und Jugendlichen solange zusammenzuarbeiten?

Die sind dann ja fünf,

sechs, sieben, neun oder zehn Jahre bei

mir gewesen. Das ist eigentlich eine unglaubliche

Freude und ein unheimlicher

Gewinn, so lange mit Kindern arbeiten zu

können, wenn sie wollen.“ Ein guter Kinderchorleiter

ist also wie ein guter Lehrer:

Hinter der Leistung muss der Kinderchorleiter

bzw. die Kinderchorleiterin immer das

Kind als Menschen sehen und ihn als solchen

akzeptieren.

KulturFenster

68 06/Dezember 2021


Chorwesen

„Eine Stille sucht mich heim“

Herbstkonzert des Landesjugendchors Südtirol

Unter dem Motto „Peace, Light, Love“ gestalteten

die 36 Sänger und Sängerinnen

des Landesjugendchors Südtirol unter der

Leitung von Johann van der Sandt im November

in Meran und Bruneck ein Konzert.

Im Zentrum des Konzertprogramms von

insgesamt 13 Liedern stand dabei das

Werk „A Silence haunts me“ von Jake

Runestad (*1986), um das sich thematisch

die anderen Werke gruppierten. Wie

der Chor im Programm schreibt, lädt das

Werk mit dem Titel „Eine Stille sucht mich

heim“ ein, „uns auf das zu besinnen,

was wir haben und dankbar für unsere

Gesundheit zu sein“. Das Werk basiert

nämlich auf dem Schicksal von Beethoven,

der nach und nach das Gehör verlor

und daran verzweifelt. In einem Brief

an seine Brüder, der heute als „Heiligenstädter

Testament“ bekannt ist, schildert

Beethoven seinen Hörverlust, die Selbstmordgedanken

und die Hoffnung, es doch

irgendwie zu schaffen. Der Brief wurde

nie abgeschickt. Todd Boss adaptierte

das Heiligenstädter Testament zu einem

poetischen Monolog, der den Kummer

Beethovens besonders deutlich macht.

Jake Runestad vertonte diesen Monolog

mit Verweis auf Beethovens Ballette, die

Kreaturen des Prometheus und einige

andere bekannte Kompositionen. Gegen

Ende beschreiben die kurzen Glocken alles,

was bleibt: Tinnitus, dann kurze Hoffnung,

und schließlich vollkommene Stille.

Außerdem führten der Landesjugendchor,

der am Klavier von Bea de Wit begleitet

wurde, folgende Werke auf: „Verleih

uns Frieden“ von Felix Mendelssohn-

Bartholdy, „Ubi caritas“ von Ola Gjeilo,

„Jerusalem luminosa“ von Abby Betinis

(*1980), „O nata lux“ von Guy Forbes,

„Ndisondela kuwe“ (isiXhosa/Südafrikanisches

Gebet), „Ndikhokhele“ (isiZulu/

Südafrikanisches Gebet), „Ritornar!“ von

Pieter Bezuidenhout (*1987), „Der Erlkönig“

von Ludwig von Beethoven, arr.:

Jaakko Mäntyjärvi, „Sing gently“ von Eric

Whitacre (*1970) , „Love of my life“ von

Freddie Mercury, arr.: Mia Makaroff, „Underneath

the stars“ von Kate Rusby, arr.:

Jim Clements, und „Didn’t my Lord deliver

Daniel“, ein African American spiritual,

arr.: Mia Makaroff. Der Dank des Chors

galt der Stimmbildnerin Petra Sölva sowie

dem achtköpfigen Moderationsteam, den

freiwilligen Helfer*innen, dem Südtiroler

Chorverband, dem Verband der Kirchenmusik

Südtirol und der Landesdirektion

der deutschen und ladinischen Musikschulen

sowie der Landesregierung für

die finanzielle Unterstützung.

KulturFenster

69

05/Oktober 2021


SCV-Intern

Klangwege in

Völs am Schlern

Sängerwanderung des Bezirks Bozen

Gute Laune und angenehmes Herbstwetter

waren die richtigen Zutaten, um Gesang

mit einer Wanderung unter Südtirols Symbolberg,

dem Schlern, zu verbinden. Geplant

war diese Unternehmung des Bezirks

Bozen eigentlich für das Frühjahr 2020,

was aber pandemiebedingt nicht durchführbar

war. Deshalb wurde sie am 2. Oktober

2021 nachgeholt.

Ausgangspunkt für die „Klangwege in Völs

am Schlern“ war die prähistorische Anhöhe

am Peter Bühl oberhalb des Hauptortes.

Bezirksobmann Josef Vieider hieß

die motivierteren Teilnehmer mit einem

herzlichen Gruß willkommen. Die ausgedehnte

Rundwanderung führte durch eine

reizvolle Landschaft, zunächst in das Tal

des Schlernbaches. Bei der historischen

Moarmüller Mühle überraschten Vertreter

des Jugendchores Völs am Schlern mit

einem frischen Aperitif. Nach einem Abstecher

zum Huber Weiher gab es eine

gemütliche Mittagspause am Völser Weiher.

Weiter ging es zum sog. „Hexen-

stein“, einem eiszeitlichen Findling im

nahegelegenen Wald. Sagenerzählerin

„Hexe Marta“ begleitete die Gruppe und

fesselte mit ihren Erzählungen. Bei jeder

Gelegenheit stimmte Bezirkschorleiterin

Sibille Huber ein passendes Lied an. Im

leichten Abstieg nach St. Konstantin vorbei

an der namengebenden, idyllischen

Kirche erreichte die Gruppe den im Wald

versteckt liegenden Konstantiner Weiher.

Auch hier wusste „Hexe Marta“ von allerhand

seltsamen Wesen zu erzählen und

mit einem Lied wurde das „Rasterle“ abgerundet.

Nach einer abschließenden

halben Stunde Fußmarsch erreichten

Sängerinnen und Sänger am späteren

Nachmittag wieder den Hauptort Völs

am Schlern, wo der Wandertag des Bezirks

Bozen mit einigen abschließenden

Liedern den Ausklang fand.

KulturFenster

70 06/Dezember 2021


Chorwesen

Silvesterlied

Gedanken zum abgelaufenen Jahr

Anna Steinacher aus Verdings bei Klausen

ist eine im deutschen Sprachraum bekannte

Mundartdichterin, die wunderbare Texte und

Gedichte zu kirchlichen und weltlichen An-

lässen verfasst. Beim „Silvesterlied“ hat sie

ihre Gedanken zum abgelaufenen Jahr zu

Papier gebracht. Florin Pallhuber, ebenfalls

aus Verdings, hat den Text vertont.




























































































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KulturFenster

71 06/Dezember 2021


Jung+

Stimmgewaltig

Jugendchor Sexten

Kurz und knapp

Wir sind 28 Sängerinnen und drei Sänger

im Alter von 15-25 Jahren.

Unser Motto lautet:

Zusammenbringen, zusammen singen,

zusammen sein.

Wer wir sind

Wir sind eine junge und motivierte Gruppe

Jugendlicher, die sich in Ihrer Freizeit treffen,

um ihr gemeinsame Passion, die Musik,

zu teilen und zu leben.

Was uns motiviert

Wir wollen Menschen mit unserer Musik

bewegen.

Uns gibt es seit…

2005. Der Chor wurde von Hannes Tschurtschenthaler

gegründet. Die Idee war, in

Sexten einen Jugendchor auf die Beine

zu stellen und junge Leute zu motivieren,

zusammen Musik zu machen.

Unsere Highlights

Unsere Highlights waren mit Sicherheit unsere

Musicals in den Jahren 2010, 2017,

2019 und im heurigen Herbst 2021. Diese

Aufführungen haben uns die Möglichkeit

gegeben unsere Leidenschaft mit allen

zu teilen, und das Feedback von den Zuschauern

hat uns gezeigt, dass auch ein bescheidener

Jugendchor aus einem kleinen

Dorf Leute begeistern und bewegen kann.

Pläne für die Zukunft…

Weiter wie bisher! Mit viel Freude singen!

Wer kann bei uns mitmachen?

Sangesfreudige Sextner*innen mit Vorstufe

im Kinderchor!

Hannes

Tschurtschenthaler

Jahrgang 1987 –

er ist seit vielen

Jahren begeisterter

Chorsänger

bei verschiedenen

Chören und

Ensembles. Er hat

einen Abschluss

der Kirchenmusikschule

in Brixen

und das Gesangsstudium

am Tiroler

Landeskonservatorium

in Innsbruck absolviert. Heute ist er

Gesangslehrer am SOWI-Gymnasium

in Bruneck.

KulturFenster

72 06 Dezember 2021


Broadway-Flair in Sexten

Jugendchor Sexten begeistert mit „Everybody needs somebody“.

Mit dem Musical „Everybody needs

somebody“ hat der Jugendchor

Sexten wieder mal ins Schwarze

getroffen und für seine Darbietung

viel Lob und Anerkennung geerntet.

Die 30-köpfige Truppe um

Chorleiter Hannes Tschurtschenthaler

hat sich den Sommer über intensiv

auf das Musical vorbereitet

und konnte am 1. Oktober zu seiner

Premiere laden. Die jungen Talente

begeisterten das Publikum mit

ihren Stimmen sowohl als Solisten

als auch im Chor. Mit viel Witz und

schwungvollen Szenen, einstudiert

von Katharina Gspahn Thaler Hofer,

konnten die jungen Sextner*innen

auch als Schauspieler*innen voll überzeugen.

Sie vermittelten so dem Publikum die

Geschichte rund um die etwas kriminellen

Blue Sisters, die das Waisenhaus

retten wollen, in dem zwei

von ihnen selbst aufgewachsen

sind. Die Sänger*innen verzauberten

das Publikum mit dem

selbstarrangierten Stück und

mit vielen Ohrwürmern von

Elvis Presley, Aretha Franklin,

Dolly Parton, Ray Charles oder

den Blues Brothers. Viele fleißige

Hände unterstützten das

Projekt bravourös, auch hinter

der Bühne und an der Tonund

Licht-Technik. Das Musical

hat dem Jugendchor viel

Freude und Spaß bereitet und

wohl auch die Lust entfacht,

sich bald wieder an ein solches Projekt zu wagen. Neben

den gemeinsamen Auftritten auf der Bühne vermag ein solches

Projekt auch einen starken Zusammenhalt und tiefe

Freundschaften zu schaffen.

Instagram:

www.instagram.com/

jugendchor_sexten/

Die Sänger*innen des Jugendchors

Sexten begeisterten als

Schauspieler*innen und verzauberten

das Publikum mit tollen

Musical-Ohrwürmern.

Facebook:

www.facebook.com/Jugendchor-

Sexten-1870800679809170

KulturFenster

73 06 Dezember 2021


kurz notiert

Treue Mitglieder

Kirchenchor Gufidaun

Am Samstag, 13. November 2021 fand in

Gufidaun die alljährliche Cäcilienfeier statt.

Die Mitglieder der Musikkapelle und des

Kirchenchores, deren Angehörige und Ehrengäste

trafen sich im Josef-Telfner-Haus

zum gemeinsamen Abendessen. In fröhlicher

Runde stellten Jungmusikanten ihr

Können unter Beweis und der Kirchenchor

begeisterte mit passenden volkstümlichen

Gesängen. Für den Kirchenchor Gufidaun

überreichten die Obfrau Emanuela Degan

Prader und der Bezirksobmann des Verbandes

der Südtiroler Chöre Gottfried Gläserer

die Ehrenurkunden an Frau Andrea

Oberpertinger Weifner für ihre zehnjährige

Mitgliedschaft. Anerkennung und Dankesworte

gab es auch für ihre 6-jährige Tätigkeit

als Obfrau. Die Sängerin Johanna

Vorhauser wurde für ihre 25-jährige Mitgliedschaft

im Verein das Ehrenzeichen in

Silber verliehen. Sie hatte über acht Jahre

die Vereinskasse über und ihr wurde dafür

gedankt. Und die letzte Ehrenurkunde

erhielt die geschätzte Sängerin Rosmarie

Pramsohler Messner. Für ihre 40-jährige

Mitgliedschaft im Verein wurde ihr

das goldene Ehrenabzeichen verliehen.

Sie war zudem über zehn Jahre im Ausschuss

tätig und ein Jahr stand sie dem

Kirchenchor als Obfrau vor. Abschließend

bedankte sich Herr Gläserer für den wertvollen

musikalischen Einsatz aller Sänger

und Musikanten.

Nach den Ehrungen und den anerkennenden

Worten der Ehrengäste bedankte

sich die Chorobfrau Emanuela Degan Prader

bei allen Chormitgliedern und dem Ausschuss.Die

Chorobfrau selbst erntete viele

wertschätzende Worte durch die Vizeobfrau

Margareth Leitner Vorhauser.

Ein ganz besonderer Dank galt dem sehr

engagierten Kapellmeister, Chorleiter und

Organist Christian Unterhofer. Er ist eine

große Bereicherung für die gesamte Dorfgemeinschaft.

Ihm gelingt es immer wieder

mit seiner schwungvollen, professionellen

und frischen Art den Chor und die

Musikkapelle zu hervorragenden Leistungen

zu bringen.

Mariella Christanell

Bezirksobmann Gottfried Gläserer mit den geehrten Chormitgliedern

Foto: Markus Mantinger

Für langjährigen Einsatz geehrt

Zum Fest der heiligen Cäcilia, Patronin

der Kirchenmusik, gestaltete der Kirchenchor

Elvas die Messfeier musikalisch

mit. Im Anschluss verlieh Obfrau

Verena Profanter drei Personen aus dem

Chor eine Urkunde für ihre 15-jährige

Mitgliedschaft beim Chor. Stefanie Tauber

ist seit 15 Jahren mit Einsatz und

Fleiß dabei und gestaltet kirchliche wie

weltliche Feiern mit. „Auf dich kann

man immer zählen“, betonte Obfrau

Profanter. Geehrte wurde auch Hannes

Auer. „Du bereicherst unseren Chor mit

deiner satten Bass-Stimme und bist immer

vorne mit dabei“, sagte Verena Profanter.

2006 übernahm Benedikt Baldauf

mit 15 Jahren den Kirchenchor Elvas

als Chorleiter. Seitdem spielt er auch an

der Orgel in Elvas. „Trotz Studium, Arbeit

und vielen anderen Projekten bist

du uns nie von der Seite gewichen“,

Kirchenchor Elvas

freute sich Profanter. Auch Pfarrer Christian

Breunig gratulierte den Jubilaren

und betonte in der Predigt die Wich-

tigkeit der Musik für die Botschaft des

Evangeliums. „Die Musik hilft, die Frohe

Botschaft nicht nur mit dem Verstand,

sondern mit ganzem Herzen aufzunehmen“,

sagte er. Mit einem Dank an Pfarrer

Christian Breunig, dem Pfarrgemeinderat

und der Pfarrgemeinde endete die

gemeinsame Feier.

Obfrau Verena Profanter, Benedikt Baldauf, Stefanie Tauber, Hannes Auer und Pfarrer

Christian Breunig (v.l.)

KulturFenster

74 06/Dezember 2021


Chorwesen

Im Gedenken an die Opfer der Pandemie

Domchor Bozen lädt zu besonderem Konzert

Der Domchor Bozen lud am 29. Oktober

zu einer Gedenkfeier in den Bozner Dom

„für die vielen Menschen, die in der Zeit

der Pandemie verstorben sind“, wie der

Domchor in seiner Einladung schreibt. Das

Gedenken sei auch „den Hinterbliebenen

gewidmet, die ihre Lieben nicht begleiten

konnten.“ Unter der Leitung von Domkapellmeister

Tobias Chizzali führte der Domchor

gemeinsam mit vier Gesangssolisten

und dem Domorchester mit Orgel das „Requiem

in c moll“ von Michael Haydn auf.

Nach einleitenden Orgelklängen von Bach

gedachte Dekan Bernhard Holzer in seiner

Ansprache der Verstorbenen und sprach

den Hinterbliebenen Trost zu. Er betonte,

wie wichtig es sei, richtig Abschied nehmen

zu können. Danach wurde die Osterkerze

entzündet. „Auch wenn die Pandemie

noch nicht überwunden ist, sollte dies

ein Moment des Innehaltens sein, der unsere

solidarische Verbundenheit zum Ausdruck

bringt und zeigt, dass wir als Glaubensgemeinschaft

Anteil nehmen und die

Toten und das Leid der Angehörigen nicht

vergessen“, sagte der Dekan.

Der Domchor hatte sich für das „Requiem

in c moll“ von Michael Haydn entschieden,

da dieses Werk mit seiner bewegenden

Geschichte auch in dieser schweren Zeit

der Pandemie Menschen Trost und Hoffnung

spenden und sie im Glauben stärken

kann. Das Requiem entstand vor genau

250 Jahren. In nur zwei Wochen komponiert,

wurde es anlässlich des Todes des

Salzburger Fürsterzbischofs Sigismund

Graf Schrattenbach, einem im Volk sehr

beliebten Bischof und großen Mäzen der

Kunst, im Dezember 1771 uraufgeführt. Es

war Michael Haydns erste große kirchenmusikalische

Komposition für seinen verstorbenen

ersten Dienstherrn in Salzburg.

Bei der Erstaufführung wirkten sehr wahrscheinlich

auch der 15jährige W.A. Mozart

und dessen Vater mit. Das Werk entstand

aber auch unter dem Eindruck der persönlichen

Trauer: Haydns einziges Kind, Aloisia

Josepha, starb im Januar 1771 noch

vor Vollendung des ersten Lebensjahres.

Teile aus dem Requiem erklangen auch

bei Michael Haydns eigener Totenmesse,

aber auch bei den Trauerfeierlichkeiten

für seinen Bruder Joseph Haydn in Wien.

Der Domchor bat als Zeichen des Gedenkens

die Zuhörer, nach dem Konzert auf

den Applaus zu verzichten, um Raum

zu geben für Besinnung und Innehalten.

Dazu ertönten auch kurz die Glocken als

Zeichen, dass dieses Konzert in erster Linie

eine Andacht war, ganz im Zeichen des

Gedenkens und der Trauer.

Kirchenchor von Dorf Tirol ehrt langjährige Mitglieder

Chöre waren wie viele andere Vereine hart

von der Pandemie betroffen. Durch Probenund

Auftrittsverbote waren sie zu monatelanger

Untätigkeit gezwungen. Im Herbst

war jedoch ein langsames Herantasten an

das gemeinsame Singen wieder möglich.

Der Kirchenchor von Dorf Tirol hat den

21. November, den so genannten Cäciliensonntag

zum Anlass genommen, langjährigen

Mitgliedern zu danken und ihnen

die gemeinsamen Ehrenurkunden des Verbands

der Kirchenmusik und des Chorverbands

zu überreichen. Das Engagement in

einem Verein wie dem Kirchenchor ist nicht

nur ein schöner und erfüllender Dienst an

der Pfarrgemeinde, sondern ist auch mit

großem zeitlichen Aufwand ein mal in der

Woche geprobt und schließlich Sonntags die

Messe musikalisch umrahmt wird. So galt

der aufrichtige Dank in diesem Jahr ganz

besonders Christine Lang (für 25 Jahre),

Sabine Gstrein und Ulrike Hasler (für 40

Jahre) und Franz Lang (für 70 Jahre) chormusikalische

Tätigkeit. Eine traurige Note

erhielt die Feier insofern, als dass die Ehrung

für Trudi Kofler (für 60 Jahre), leider

nur posthum erfolgen konnte.

Karl Werner (Chorverband Bezirk Burggrafenamt/Vinschgau),

Martha Pircher (Obfrau mit

der Urkunde für Trudi Kofler), Mag. Edmund

Ungerer (Pfarrer), Stefan Gstrein (Chorleiter

mit der Madonnenplakette für Trudi Kofler),

Franz Lang, Christine Lang – es fehlen

Sabine Gstrein und Ulrike Hasler.

KulturFenster

75 06/Dezember 2021


www.hpv.bz.it

Termine

Kontakt: Tel. 0471 973693, E-Mail:

info@hpv.bz.it

Facebook: https://www.facebook.com/HPV.Suedtirol

Veranstaltungen und andere Videos auf unserem youtube-Kanal:

https://www.youtube.com/c/heimatpflegeverbandsudtirol

hpv.bz.it

12.02.2022

Musik in kleinen Gruppen

13. Landeswettbewerb in Auer

Infos unter:

https://vsm.bz.it/

19.03.2022

73. Vollversammlung

mit Neuwahlen des SCV

im Vereinshaus Nals – Beginn: 16 Uhr

Infos unter:

https://scv.bz.it/vollversammlung

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