Zukunft der österreichischen Bauwirtschaft

Mediaplanet.Oesterreich

EINE THEMENZEITUNG VON MEDIAPLANET

Ein umfassender Ratgeber rund um Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Lesen Sie die gesamte Kampagne auf zukunftindustrie.info

Zukunft der

österreichischen

Bauwirtschaft

FOTO: SHUTTERSTOCK/ADIKE

Building Information

Modeling SPEZIAL

Warum mit BIM nicht immer die Wiener

Straßenbahn gemeint ist

Gut, besser, menschlich!

Der legendäre Städteplaner

Jan Gehl im Interview

Keine Tulpe für London

Ein neuer Präzedenzfall für die

Immobilienwelt


2 | Lesen Sie mehr unter zukunftindustrie.info

IN DIESER AUSGABE

VORWORT

04

Professorin Iva Kovacic

Recycling von bereits gebauten

Gebäuden – Urban Mining

FOTO: ZVG

Der Weg zur

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Sie ist ein

komplexes Modell, bei dem viele Aspekte

miteinander in Verbindung stehen und zu Ende

gedacht werden müssen.

FOTO: ZVG

Project Manager: Alexander Meiners

Business Developer: Kerstin Köckenbauer

Senior Business Developer: Florian Rohm, BA

Content and Production Manager: Viktoria Pisker, BA

Lektorat: Sophie Müller, MA Layout: Juraj Príkopa

Managing Director: Bob Roemké

Medieninhaber: Mediaplanet GmbH, Bösendorferstraße

4/23, 1010 Wien, ATU 64759844 · FN 322799f FG Wien

Impressum: https://mediaplanet.com/at/impressum/

Distribution: Der Standard Verlagsgesellschaft m.b.H.

Druck: Mediaprint Zeitungsdruckerei Ges.m.b.H. &

Co.KG

Kontakt bei Mediaplanet: Tel: +43 676 847 785 110

E-Mail: alexander.meiners@mediaplanet.com

ET: 14.12.2021

Bleiben Sie in Kontakt:

@austriamediaplanet

06

Ing. Mag. Waschl

Die britische Regierung hatte

Bedenken hinsichtlich des

verkörperten Kohlenstoffs und der

Qualität des Designs.

14

Architekt und Städteplaner

Jan Gehl

Lösungsansätze für das Ladensterben

und eine Grätzl-Checklist

@Mediaplanet Austria

FOTO: S. HENNINGSSON/GEHLARCHITECTS

FOTO: CHRISTIAN KALSER

Mag. Peter Engert

Geschäftsführer der

Österreichischen

Gesellschaft für

Nachhaltige Immobilienwirtschaft

Gemeinsam mit unseren

europäischen Partnern

haben wir viele Punkte

hinsichtlich Nachhaltigkeit

diskutiert und messbar

gemacht. Diese Themen sind im

europäischen Qualitätszertifikat

DGNB verankert. Gebäude, die

nach diesem System auditiert wurden,

sind in Bezug auf sämtliche

Ausprägungen der Nachhaltigkeit

überprüft – und deren Ergebnisse

als zivilrechtliche Gutachten

bestätigt. Dieses Gutachten ist

weltweit anerkannt und entspricht

somit den Anforderungen der

SDG17 der UNO und der EU-Taxonomie.

Auch wenn wir Gebäude in

ökologischer, ökonomischer und

sozialer Nachhaltigkeit sehr genau

und umfassend bewerten, wissen

wir genau, dass die Weiterentwicklung

der Nachhaltigkeit an kein

Ende gelangt ist. Wir stehen vor

neuen Herausforderungen. Vor

allem die soziale Nachhaltigkeit,

die Wertung des Wohlbefindens

von Menschen in Gebäuden und

in den Freiräumen um Gebäude

herum ist noch nicht vollends

ausgeschöpft. Wie schaffen wir

wirtschaftlich argumentierbare

Begegnungszonen, die hohen

Qualitätsansprüchen genügen,

wie bringen wir die Vorteile von

Quartieren in dicht besiedelte

Wohngebiete? Wie können wir mit

Begrünungsmaßnahmen, die zur

Stärkung der Klimaresilienz verhelfen

sollen, das Wohlbefinden

der Menschen mess- und beweisbar

stärken?

Die fortschreitende Digitalisierung

ist in jedem Fall in die

Überlegungen zur Nachhaltigkeit

einzubauen. Wie können wir

Digitalisierung nutzen, um unsere

Nachhaltigkeitsziele besser als

bisher zu erreichen? Sie bietet

schon heute Antworten auf

viele ökologische Fragen, wie

beispielsweise zur Senkung des

Energieverbrauchs oder Reduktion

des Abfalls. All diese Aspekte

sind digital besser erfassbar und

können leichter analysiert und

verbessert werden.

Eines der größten Problemfelder,

um das sich die Nachhaltigkeitsdiskussion

derzeit dreht,

steckt diesbezüglich erst in den

Kinderschuhen. Unser immenser

Ressourcenverbrauch, der

dringend reduziert werden muss,

benötigt digitale Unterstützung.

Wir wissen momentan nicht, welche

Materialien in welchen Gebäuden

verbaut sind, außerdem ist die

Nutzung von Bestandsobjekten als

Rohstofflager noch nicht möglich.

Die Verwendung von Rohstoffen

aus Abbruchhäusern wäre jedoch

dringend notwendig, denn nach

wie vor wird bei Abbrüchen viel

zu viel Material umweltschädlich

deponiert und nicht recycelt. Erst

wenn es uns gelingt, Material wiederzuverwenden,

zu trennen und

erneut zu verwerten, können wir

den Ressourcenverbrauch in der

Immobilienwirtschaft reduzieren.

In allen Bereichen, in denen der

Nachhaltigkeitsaspekt wichtiger

und wichtiger wird, müssen

Ergebnisse durch Messungen und

Auswertungen immer belegbar

sein. Und sie müssen vor allem

den Mensch, auch in nachfolgenden

Generationen, zufrieden

machen, denn für ihn bauen wir

schließlich Häuser.


MEDIAPLANET | 3

Sponsored by Nevaris

FOTO: ART STOCK CREATIVE VIA SHUTTERSTOCK

Nachhaltigkeit und Digitalisierung

als Zukunft der Bauwirtschaft

Die Anforderungen an das Bauen ändern sich dramatisch. Wie wir nicht

nur adaptieren, sondern Nutzen daraus ziehen können, erklärt Ines

Mansfeld, Architektin und Produktmarketing Managerin bei NEVARIS.

Ines Mansfeld

Architektin und

Produktmarketing

Managerin

bei NEVARIS

Lesen Sie mehr

unter:

bausoftware.com

FOTO: RAINER WOLFSFELLNER

Lange Lebens-, Investitionsund

Innovationszyklen

sowie Ressourcenknappheit,

demografischer Wandel, mangelnder

Wohnraum und technologische

Entwicklungen fordern

die Branche. Gleichzeitig steigen

die Ansprüche der Gesellschaft

an Arbeiten und Wohnen; nicht

nur Zweckmäßigkeit, sondern

auch soziales und gesundheitliches

Wohlbefinden sind wichtig.

Ausgeklügelte Raum-, Licht- und

Akustikkonzepte sind ebenso

gefragt wie Individualität und

Sicherheit. Konzepte müssen die

Anforderungen von morgen erfüllen

und schnelllebige Technologien

mit langfristiger Infrastruktur

vereinen. Schleppende Genehmigungsverfahren

und Interessenkonflikte

aller Beteiligten führen

oft zu konträren Anforderungen an

ein Gebäude. In unterschiedlichen

Bau- und Planungsphasen werden

immer mehr Informationen gefordert;

gesetzliche und technische

Regeln und Vertriebs- und Fertigungsprozesse

müssen berücksichtigt

werden.

Ressourcen- und Abfallmengen

geraten immer mehr in Kritik:

Die Baubranche ist eine der

energieintensivsten und Hauptverursacherin

schädlicher CO 2

-Emissionen,

die im Gebäudebetrieb und

BIM unterstützt

kostengünstiges,

ressourcenschonendes,

klimafreundliches

Bauen und steigert

Qualität und nachhaltige

Nutzung von Gebäuden.

aufgrund der „Grauen Energie“

anfallen, die bei der Herstellung

und Entsorgung von Materialen

entsteht. Grünere Bauwerke sollen

daher anhand von strengen (Klima-)Gesetzen

entstehen.

Neu gedachte Bauprozesse mit

bidirektionalen Informationsflüssen

und automatisierbaren

und/oder modularen Bauweisen

braucht es ebenso wie digitale

Planungs- Ausführungs-, Betriebsund

Rückbauprozesse. Hierfür ist

die integrale Planungsmethode

Building Information Modeling,

BIM, ideal, weil Ergebnisse aller

Planungen vor Ausführung

abgeglichen und Bauteilkollisionen

vermieden werden. Mit BIM als

digitaler Zwilling des Bauwerks

werden Bauwerkskennwerte über

Simulationen mit verschiedenen

Materialien und Abläufen für verschiedene

Konstruktionsvarianten

optimiert, Ökobilanzierungen

erstellt und Lebenszyklen mit

denen der Konstruktionsbauteile

abgeglichen und optimiert.

Auch die präzise Massen- und

Mengenermittlung aus dem

3D-Modell trägt zu einer Kostenreduktion

bei und vermeidet

Ressourcenverschwendungen.

Für eine ressourcenschonende

Architektur bietet BIM auch parametrische

Tools; so können über

mathematische Abhängigkeiten

parallel verschiedene Varianten

eines Tragwerks beschrieben und

wiederkehrende Planungsprozesse

automatisiert werden. Durch die

Voll-Digitalisierung des Bauprozesses

ist auch eine Integration von

automatisierten (Vor-)Fertigungsverfahren

möglich; z. B. additive

Fertigung oder Robotik begünstigen

die Realisierung komplexer

Bauteile bei gleichbleibend hoher

Qualität und verkürzten Montagezeiten.

Vorfertigung begünstigt

außerdem die intelligente Kombination

unterschiedlicher Werkstoffe

in Hybridbauteilen, was zu

neuen Einsatzmöglichkeiten und

neuer Wertschöpfung führt.

So wird Bauen kostengünstiger,

ressourcenschonender und

klimafreundlicher und steigert die

Qualität und nachhaltigere

Nutzung von Gebäuden.

Die NEVARIS Bausoftware

GmbH

(Sitz: Elixhausen

bei Salzburg) ist

marktführend, u.a.

mit dem Kernprodukt

Success X,

und beteiligt sich

als Teil der weltweit

agierenden Nemetschek-Gruppe

mit

ihrem Technologie-

Know-how aktiv

in Verbänden und

Vereinen, wie z.B. bei

buildingSMART oder

im Österreichischen

Normenausschuss,

bei der Optimierung

digitaler, offener und

nachhaltiger Bauprozesse.


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EXPERTISE

FOTO: SHUTTERSTOCK/ MELINDA NAGY

Digitales Urban Mining

Kataster als Smart City

Instrument

Das Ziel der Urban Mining Strategie ist es, urbane Lager langfristig

zu erhalten bzw. immer wieder zu recyceln, um den Verbrauch an

Primärressourcen und auch die Emissionen und den Energieverbrauch

für die Produktion von neuen Baustoffen deutlich zu minimieren.

Um den materiellen

Fußabdruck zu

verkleinern sowie

die Recyclingraten

zu erhöhen, sind

sowohl detailliertes Wissen über

die materielle Zusammensetzung

des Baubestandes, als auch neue

Methoden für die Erhebung,

Modellierung und Prädiktion von

aufkommenden Materialflüssen in

der Zukunft erforderlich. Der derzeitige

Kenntnisstand über diese

Zusammensetzung sowie über Baurestmassen

ist völlig unzureichend.

Obwohl bis 2020 70 Prozent des

Bauabfalls rezykliert oder wiederverwendet

hätte werden sollen

(EUP 2008), ist Ressourceneffizienz

nach wie vor kaum ein Kriterium in

der Planung. Somit sind Werkzeuge

notwendig, die die Optimierung

der Wiederverwendbarkeit und

-verwertbarkeit bereits in den frühen

Planungsphasen ermöglichen.

Ein materieller Gebäudepass

(MGP) ist die Dokumentation über

die materielle Zusammensetzung

eines Bauwerkes und gibt quantitative

und qualitative Auskunft über

die relevanten Rohstoffe in einem

Bauwerk.

Building Information Modeling

(BIM) bietet hier großes Potenzial

für die automatisierte

Generierung von materiellen

Gebäudepässen und auch für

die Nutzung eines Materiellen

Gebäudepasses als Optimierungswerkzeug

im Lebenszyklus.

Die Kopplung digitaler Technologien,

wie Laserscannen für die

Erfassung der Geometrie mit

Scannen mit GeoRadar für die

materielle Erfassung, erlaubt die

Generierung von informationsreichen

As-Built-BIM-Modellen.

Diese können wiederum in GIS

eingebettet werden und erlauben

somit prädiktive Modellierung und

ein Voraussagen der zukünftigen

Materialflüsse.

Für neue Geschäftsmodelle, die

nachhaltige Planungs- und Errichtungsprozesse

unter Berücksichtigung

der Wiederverwendung und

-verwertung der Materialien und

Komponenten unterstützen, bieten

Smart Contracts sowie Blockchain-

Technologie große Potentiale.

Letztendlich bilden As-Built-

BIM-Modelle und digitale Materielle

Gebäudepässe die Grundlage für

einen öffentlich zugänglichen

digitalen Material-Kataster als

Instrument für die Realisierung

einer Smart City.

FOTO: ZVG

Univ.-Prof. Dr. DI.

Arch. Iva Kovacic

Forschungsbereichs-

Leiterin Integrale

Bauplanung und

Industriebau

TU Wien


MEDIAPLANET | 5

Sponsored by Allplan

Nachhaltigkeitsinnovation

Made in Austria

„Überall wird von CO 2

-Einsparung gesprochen. Doch mit der Allplan-Funktionalität CO 2

Footprint wird dieses CO 2

-Einsparungspotenzial für unsere Anwender:innen transparent“

DI Alois Ehrreich

Consultant und

Produktmanager

ALLPLAN Österreich,

BIM-Experte,

zertifizierter Trainer

der buildingSMART

Österreich

FOTO: KUCHER

Dies erzählt der Projektverantwortliche

und

BIM Experte DI Alois

Ehrreich im Gespräch.

„Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung

in der „graphischen Mengenermittlung“

haben wir einen Zusammenhang

zwischen Nachhaltigkeit und

Kosten geschaffen.“

Bei ALLPLAN Österreich gibt

es in Allplan ab Anfang 2022 eine

neue Analysemöglichkeit, um den

CO 2

-Fußabdruck von Baustoffen

transparent aufzuzeigen. Allplan

entwickelt zusätzlich zu ihrer

Funktionalität, „der graphischen

Mengenermittlung direkt aus dem

CAD-Modell“, aus diesen Werten

mit Zuhilfenahme vorgegebener

Richtwerte seitens der Rohdichte

und GWP (Global Warming Potential)

auch den dementsprechenden

„CO 2

-Fußabdruck“.

Da die Nachhaltigkeit bei Bauprojekten

auch in einem wirtschaftlichen

Rahmen von Relevanz

ist, sollen aktuelle Prozesse neu

überdacht werden. Es ist wichtig,

im Bau- und Planungsprozess

früh das finanzielle Einsparungspotenzial

bei der Verwendung von

nachhaltigen Baustoff-Alternativen

zu erkennen.

Der Mehrwert des Projekts ist die

Transparenz von Kosten und des

CO 2

-Fußabdrucks. Unsere Kund:innen

und die Gesellschaft haben

die Verpflichtung, „grüne – nachhaltige“

– Gebäude zu erschaffen.

Geringe CO 2

-Belastungen und

FOTO: ALLPLAN

zusätzlich preisgünstigere Projekte

werden von der Gesellschaft positiv

aufgenommen. Dort, wo bisher keine

Baustoff-Alternativen eingesetzt

wurden, sieht der oder die Anwender:in

anhand des „CO 2

-Footprints“

sofort das Einsparungspotenzial

durch die Verwendung von Alternativen

und auch den damit verbundenen

Kostenunterschied. Das

bedeutet, eine stärkere Streuung

der Materialqualitäten lohnt sich.

Wenn das Allplan-Reporting

mit einer BI-Lösung („business

intelligence“ tool) in Verbindung

gebracht wird, sind Auswertungen

und Alternativen nachvollziehbarer.

Das Kosteneinsparungspotenzial

in Bezug auf gewisse Baustoffe

und die Verantwortung einem/

einer Finanzgeber:in gegenüber

wird dadurch äußerst transparent

gemacht. Diese Lösung wird

bei ALLPLAN Österreich ab der

Version Allplan V2022-1 (Frühjahr

2022) als Freemium-Lösung verfügbar

sein und kann auf Anfrage

auch für andere Länder verfügbar

gemacht bzw. angepasst werden.

Wobei die derzeitigen GWP-

Parameter ausschließlich auf in

Österreich verfügbare Materialien

von Herstellungsunternehmen, die

diese Werte auch zur Verfügung

stellen, beschränkt sind.

Das Projekt wurde im Juni

2021 gestartet und von ALLPLAN

Österreich selbständig mit dem

Projektverantwortlichen, Herrn

DI Alois Ehrreich, entwickelt.

Aktuell ist keine Forschungseinrichtung

aktiv am Projekt beteiligt;

wenn sich jedoch in Zukunft die

Forschungsschwerpunkte ändern

und für fehlende Parameter ein

Algorithmus gefunden oder neue

Bemessungsgrundlagen aufgebaut

werden,…

…dann steht ALLPLAN als

Knowhow-Lieferant gerne zur

Verfügung.

Lesen Sie mehr

unter:

allplan.com/at


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EXPERTISE

FOTO: DBOX FOR FOSTER + PARTNERS

Keine Tulpe

für London

Die britische Regierung hatte Bedenken hinsichtlich des

verkörperten Kohlenstoffs und der Qualität des Designs

Diese Entscheidung ist

bisher einzigartig in

Europa (Festland und

GB). Weil in einem

Planungsentscheidungsschreiben

der mit dem Tulip Tower

verkörperte Kohlenstoff, der ein

wichtiges Thema auf der COP26-

Klimakonferenz war, zitiert

wird. Doch was können wir in

Österreich daraus lernen?

Die Digitalisierung der österreichischen

Immobilienwirtschaft

(Planung, Errichtung, Betrieb)

geht voran, wiewohl der Respektabstand

des digitalen Wandels

zu anderen Ländern (Schweden,

Finnland, …) immer noch rund

zehn Jahre beträgt. Im Umfeld von

Punktwolken, Big Data, Drohnenflug,

Algorithmen, Internet of

Things, Sensorik, Neue Materialien,

Künstlicher Intelligenz, Blockchain,

ESG, Autonomes Fahren etc. ist die

Methodik BIM das Rückgrat für die

notwendige Datendurchgängigkeit.

Der Tulip Tower ist ein Beispiel

dafür, dass ein Entwurf (Gebäude,

Straße, Tunnel, Brücke, …) mehr als

eine kreative Meisterleistung sein

muss. Ein Planungsentwurf muss

belastbare Daten beinhalten, die

erläutern, wie sich eine Realisierung

dieses verbauten Wertes innerhalb

der einzelnen Lebenszyklen verhält.

Dazu gehören nicht nur die immer

lebhaft diskutierten Planungs- und

Baukosten. Sie machen nur 15-20 %

der Lebenszykluskosten aus.

Es geht darum, alle Daten der

Nachhaltigkeit, der Benutzer:innenanforderungen,

der Effizienz,

der Verlässlichkeit, der „predictive

Maintanance“ etc. belastbar zur

FOTO: ZVG

Ing. Mag. Alfred

Waschl

Geschäftsführer

buildingSMART

Austria


MEDIAPLANET | 7

Verfügung zu haben. Um diese

komplexen Zusammenhänge zu

simulieren, werden digitale Zwillinge

eingesetzt. (Digitale Zwillinge

sind im Schiffsbau, Anlagenbau

oder in der Formel 1 seit vielen

Jahren Usus.) Dies ist in Zukunft

auch ein wichtiges Tool für Architekturwettbewerbe

und ebenso

energetische Berechnungen. Der

Nutzen liegt auf der Hand: Mit der

Simulation hat man die Gelegenheit,

Qualität, Funktionalität und

Reaktionsverhalten unter jedem

möglichen Aspekt datengetrieben

zu belegen.

Der Chef des Weltwirtschaftsforums,

Klaus Schwab, sagte 2016:

„Im Vergleich zu vorherigen industriellen

Revolutionen wirbelt die

vierte jeden Industriezweig in allen

Ländern durcheinander. Die Breite

und Tiefe dieser Veränderungen

kündigen die Erschaffung ganz

neuer Systeme an, was Produktion,

Management und Governance

betrifft.“ Im Bericht „The Future of

Construction“ des World Economic

Forums Davos 2018 wird die

Im Vergleich zu

vorherigen industriellen

Revolutionen wirbelt

die vierte jeden

Industriezweig in allen

Ländern durcheinander.

Die Breite und Tiefe

dieser Veränderungen

kündigen die Erschaffung

ganz neuer Systeme

an, was Produktion,

Management und

Governance betrifft.

Klaus Schwab

Methodik BIM als das wesentlichste

Tool des 21. Jahrhunderts für die

Immobilienbranche dargestellt.

Den Empfehlungen dieses Berichts

ist man in den DACH-Ländern seitens

der Politik kaum gefolgt. Dies

gilt für das Ausbildungssystem auf

den Ebenen der Berufsschulen,

Höheren Technischen Schulen und

Fachhochschulen sowie Universitäten.

Aber auch die Interessenvereinigungen

lassen nicht von ihrer

siloartigen Organisationsstruktur

ab und können sich nicht von

der veralteten Nomenklatur der

Berufsbilder trennen.

Die Immobilienbranche

versucht, für die junge Generation

interessant zu sein. Sie ermöglicht

eine Zusammenarbeit über

Plattformen (leistungsstarkes

5G-Internet ist in der DACH-Region

nur in der Schweiz vorhanden),

bildet Allrounder:innen nach

internationalen Standards aus und

beachtet die Agenda 2030 der

Vereinten Nationen mit ihren 17

Zielen für nachhaltige Entwicklung

(Sustainable Development Goals,

SDGs) immer mehr. In diesem

Zusammenhang ist auch der

Environment, Social and Governance

(ESG) Rechtsrahmen , zur

Bewertung wirtschaftlicher

Aktivitäten zu erwähnen, der für

das Vergabewesen markante

Elemente bereit hält, die von der

Legislative umzusetzen sind.

Sponsored by FCP

Digital Engineering erobert die Baubranche

IDE E N WERDEN WIRKLICHKEIT

Building Information Modeling (BIM) hat in vielen Planungsbüros bereits einen festen Platz, ist aber nur ein Aspekt von Digital

Engineering, wie Ing. DI Christian Nüssel, Geschäftsführender Gesellschafter beim Planungsbüro FCP, erläutert.

Wie verändert die Digitalisierung

das Bauen?

Das Bauen der Zukunft wird noch

stärker als bisher am Computer

stattfinden. Aber auch auf der

Baustelle werden vermehrt digitale

Hilfsmittel zum Einsatz kommen:

Das reicht von der Robotik bis zum

3D-Druck. Damit wird es noch einfacher,

aus der Planung direkt in

die Produktion zu gehen. Zukünftig

wird auch das Internet of Things

vermehrt in Form intelligenter

Gebäude Realität werden: Sensoren

werden bereits beim Errichten

eingebaut werden und uns Erhaltungszustand

oder notwendige

Wartungen mitteilen.

Welche Rolle spielt BIM für FCP?

Für die Umsetzung der Digitalisierung

im Bauwesen ist BIM ein

wichtiger Baustein, aber für uns nur

ein Aspekt von Digital Engineering.

Wir wollen alle Möglichkeiten

dieser Entwicklung nutzen, aber

auch selbst Lösungen finden, wo

das unser Knowhow nahelegt – etwa

an der Schnittstelle von Bauwesen

und Software-Engineering: Im

Zuge eines Ideenwettbewerbs bei

uns im Haus ist zum Beispiel eine

App entstanden, die es erlaubt, aus

unterschiedlichsten Datenquellen

ein 3D-Modell eines Objekts zu

generieren. Mithilfe dieser App können

wir Gebäude exakter erfassen,

was die Kommunikation mit den

Bauherren maßgeblich erleichtert.

Denn letztlich bauen wir ja alles

drei- und nicht zweidimensional.

Wie profitieren Ihre Kund:innen

von diesem Knowhow?

Insbesondere bei sehr komplexen

Bauvorhaben kommt unser

Knowhow voll zu tragen. Beim

ÖAMTC-Headquarter wäre es

beispielsweise nicht möglich

gewesen, dessen Geometrie

allumfassend in herkömmlichen

Plänen abzubilden. Unser Modell

hat es dagegen sogar erlaubt, dass

Teile des Stahlbaus unmittelbar

daraus produziert werden konnten

und so rasch auf der Baustelle

verfügbar waren. Modelle machen

es möglich, den Materialaufwand

exakt zu planen und daraus

optimierte Bauabläufe zu generieren,

was die Transportlogistik

erheblich vereinfacht. Das schont

Ressourcen – Material, Zeit und

nicht zuletzt Geld. Das gilt für

Groß- genauso wie für Einzel- und

Kleinaufträge, in die wir genauso

engagiert unsere gesamte Expertise

einbringen. Gerade in der Arbeit mit

Menschen oder KMU, die besonderes

Herzblut in ihre Projekte

stecken, entstehen häufig technologisch

spannende Lösungen.

FOTO: FCP

Christian Nüssel

Geschäftsführender

Gesellschafter und

Ingenieurkonsulent

für Bauingenieurwesen

beim Planungsbüro

FCP


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EXPERTISE

Warum

Digitalisierung

im Bau analog

beginnt

Bauprojekte müssen komplexe Anforderungen verschiedenster

Akteurinnen und Akteure erfüllen. Digitalisierung als Lösung

kommt aber erst nach der analogen Kommunikation.

Digitalisierung ist in vielerlei

Hinsicht ein Segen

für uns, weil sie uns als

Enabler die Möglichkeit

gibt, Gebäude im Bereich der

Nachhaltigkeit und Lebenszyklusorientierung

zu optimieren. Sie

birgt aber auch eine Gefahr in sich

– nämlich jene, dass reale zwischenmenschliche

Kommunikation

in den Hintergrund gedrängt

wird. Tatsächlich ist es jedoch so,

dass das Planen und Errichten von

Gebäuden ein sehr großer, umfassender

und vor allem sozialer

Teamprozess ist. Auf das Wesentliche

heruntergebrochen heißt das:

Um effizient und effektiv arbeiten

zu können, braucht es zuallererst

ein funktionierendes und stabiles

soziales System. Dieses System entsteht

nicht durch Zufall, sondern

ist ein Schlüsselelement, das durch

gezielte Maßnahmen im Projekt

aufgebaut, gestärkt und erhalten

werden muss. Dafür braucht es

nicht nur die Grundfähigkeit aller

am Projekt Beteiligten, im Team

„spielen zu können“, sondern auch

eine verantwortliche Person, die

die nötige Fachexpertise einbringt

und immer auf ein funktionierendes

Miteinander achtet.

Wie sehen nun diese konkreten

Maßnahmen aus, um das soziale

System im Projekt zu managen?

Am Anfang eines Projektes werden

die Erwartungen des Projektteams,

aber auch mögliche Herausforderungen

und Lösungsansätze von

allen frühzeitig definiert, kommuniziert

und berücksichtigt. Daraus

entstehen gemeinsame Spielregeln

einer partnerschaftlichen Projektkultur

im Team, zu deren verbindlicher

Einhaltung sich das gesamte

Projektteam committet. Eine

positive Arbeitskultur zu schaffen

ist ein kontinuierlicher und

andauernder Prozess, der aktiv

reflektiert und gepflegt werden

muss. Und erst im nächsten

Schritt, wenn alle Beteiligten ein

zusammengeschweißtes Team sind

und ein gemeinsames Ziel vor

Augen haben, können digitale

Tools eingesetzt werden und für

mehr Erfolg sorgen.

FOTO: LEO HAGEN/ IG LEBENSZYKLUS BAU

Woflgang

Kradischnig

Vorstandssprecher

IG LEBENSZYKLUS

BAU

EMPFEHLUNG

BUCHTIPP

Eines der besten Werke

von J.G. Ballard

beschreibt ein dystopisches

Leben in einem

Hochhaus, das die

Bewohner:innen nie

verlassen müssen, denn

jeglicher Konsumwille

kann im Gebäude selbst

gestillt werden. Was

sich in diesem Mittel-

Oberklasse-Ghetto

entwickelt, spricht

nicht nur für die Thesen von Jan Gehl, sondern auch

für die Hybris der Immobilienentwickler:innen, die

nach dem Standard „Bigger Is Better“ leben.

EVENTKALENDER

7. SOLID BIM Konferenz:

20.09.2022

solidkonferenz.at

5. TGA Konferenz

18.10.2022

tga-konferenz.at

Bauprozesse erfolgreich

digitalisieren

25.01. – 26.01.2022

imh.at/bau-digital

Bau & Betrieb von

Bildungseinrichtungen

02.02. – 03.02.2022

imh.at/bildungseinrichtungen

Immobilieninvestitionsrechnung

21.02. – 22.02.2022

imh.at/immobilieninvestition


MEDIAPLANET | 9

EXPERTISE

Drei Thesen für die

Zukunft der Bauwirtschaft

TextAlexander Meiners

1. Bildung beginnt in den Kinderschuhen

Damit Kinder nicht damit aufwachsen,

dass alles Gekaufte neu sein

muss, sollten im Lehrplan Themen

wie Recycling und Kreislaufwirtschaft

ein fester Bestandteil sein.

Genauso brauchen wir in den

weiterbildenden Instituten, vor

allem im technischen Bereich, ein

zusätzliches Pflichtfach. Building

Information Modeling (BIM) sollte

allen Menschen, die eine höhere

Schule oder Ausbildung im technischen

Bereich abschließen, ein

Begriff sein.

2. BIM für alle

Wir brauchen Open-BIM, damit

nicht notwendige Softwarebeschränkungen

nicht die interdisziplinäre

Zusammenarbeit

verhindern. Genauso ist es nötig,

das Thema BIM für kleine und

mittlere Unternehmen verständlich

und nutzbar zu machen.

Deshalb sind hier bessere Zusatzbildungswege

nötig. Darüber

hinaus sollen nicht nur die BIM-

Expert:innen im Unternehmen

verstehen was sie tun, sondern

auch die restliche Belegschaft.

3. Nachhaltigkeit klingt gut, muss

aber nachverfolgbar sein

Überall spricht man von Nachhaltigkeit,

liest die Recyclingquoten und

freut sich über den großen Wandel

in der Industrie. Damit dies nicht

nur gute Publicity bleibt, benötigen

wir eine komplette Digitalisierung

des gesamten Gebäudelebenszyklus –

ansonsten ist Greenwashing noch

auf der Agenda. Auch wenn

Transparenz in der Baubranche

noch nie die Maxime war, gibt es hier

viel Potenzial, vor allem mit neuen

Technologien, wie z. B. Blockchain.

So wäre die komplette Digitalisierung

nicht nur für das Klima ehrlich

und gut, sondern langfristig auch für

den Geldbeutel.

SUCCESS X:

BIM FÜR ÖSTERREICH

Starten Sie Ihr BIM Projekt mit dem

Marktführer für Bausoftware.

Hungerburgbahn – Foto: Günther Egger

www.success-x.at


10 | Lesen Sie mehr unter zukunftindustrie.info

EXPERTISE

FOTO: SHUTTERSTOCK/ LP-STUDIO

EU-Taxonomie: Fundament

für eine nachhaltige Bauund

Immobilienwirtschaft

Mit der EU-Taxonomie wurde das Fundament für mehr Nachhaltigkeit in

der Wirtschaft gelegt. Doch was kommt dadurch auf Unternehmen zu?

Stefan Rufera

Vorstand und

Arbeitsgruppenleiter

EU Taxonomy der

IG LEBENSZYKLUS

BAU

FOTO: LEO HAGEN/ IG LEBENSZYKLUS BAU

Mit der Verabschiedung

der

EU-Taxonomie-

Verordnung (VO)

wurde ein Meilenstein

zur Umsetzung des EU-

Aktionsplans Sustainable Finance

gesetzt. Für Unternehmen, die zu

einer nichtfinanziellen Erklärung

verpflichtet sind, ergeben sich

weitere Vorgaben, um die Transparenz

der Wirtschaftsaktivitäten

zu erhöhen.

Taxonomie-Verordnung als verbindliche

Rechtsnorm

Am 18. Juni 2020 wurde das

Gesetzgebungsverfahren zur

Taxonomie-VO formal abgeschlossen;

Mitte Juli 2020 trat sie in Kraft.

Die EU-Taxonomie ist ein Klassifizierungssystem

für ökologisch

nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten.

Inhalt der EU-Taxonomie ist eine

Liste spezifischer Sektoren, die

nach und nach erweitert werden,

um sechs spezifische Umweltziele

bestmöglich zu erreichen.

Nebenbedingung ist außerdem die

Einhaltung bestimmter sozialer

Mindeststandards. Erst kürzlich

sind die technischen Bewertungskriterien

für betroffene Sektoren

hinsichtlich der ersten beiden

Umweltziele – Klimaschutz und

Anpassung an den Klimawandel –

veröffentlicht worden. Für die

weiteren vier Umweltziele ist die

Veröffentlichung bis Ende 2021

geplant.

Erweiterung der nichtfinanziellen

Berichterstattung

Von der Taxonomie betroffen sind

Finanzmarktteilnehmer:innen,

die Finanzprodukte im EU-Raum

anbieten, und Unternehmen, für

die die Verpflichtung gilt, eine

nichtfinanzielle Erklärung abzugeben

(gemäß Nachhaltigkeits- und

Diversitätsverbesserungsgesetz).

Dieser Adressat:innenkreis wird

durch die Nichtfinanziellen Richtlinie

(Corporate Sustainability

Reporting Directive, CSRD) in den

nächsten Jahren voraussichtlich

wesentlich erweitert.

Im Rahmen der nichtfinanziellen

Erklärung müssen Angaben zu Art

und Umfang der Wirtschaftstätigkeiten

hinsichtlich deren ökologisch

nachhaltiger Einordnung im

Sinne der EU-Taxonomie gemacht

werden.

Im nächsten Schritt muss

analysiert werden, ob die Wirtschaftsaktivitäten

diese Kriterien

einhalten können. Da die neuen

Anforderungen an die Berichterstattung

somit mehrere Herausforderungen

mit sich bringen, ist

eine frühzeitige Auseinandersetzung

mit der Analyse in Bezug auf

die EU-Taxonomie-Konformität

jedenfalls notwendig.

FOTO: ARTHUR MICHALEK

Christian Plas

Arbeitsgruppenleiter

EU Taxonomy der

IG LEBENSZYKLUS

BAU


MEDIAPLANET | 11

Sponsored by RUBBLE MASTER

Gerald Hanisch

Gründer und

Geschäftsführer der

RUBBLE MASTER

HMH GmbH

Die Baustelle

der Zukunft

Staub, Lärm, Schutt – diese Begriffe

verbindet man unweigerlich mit einer

Baustelle. Doch neue Technologien führen

hier zu signifkanten Verbesserungen.

FOTO: RUBBLE MASTERLiest man über

die Baustelle der

Zukunft, wird

oft das Bild von

urbanen Baustellen

gezeichnet bei denen

Begriffe wie autonomes Fahren,

Digitalisierung und Zero Emission

dominieren. Lassen sich diese

Entwicklungen bereits heute in

ein stichhaltiges Zukunftsmodell

zusammenfassen? Versuchen wir es.

• Vernetzte und womöglich auch

(teil-)autonome Baumaschinenkonzepte

werden zukünftige Bauprozesse

prägen und den Output

steigern.

• Während im urbanen Raum Themen

wie die Reduktion von Lärm, Emissionen

und Staub sehr wichtig sind,

liegt der Fokus in entlegenen Gegenden

auf der Energieversorgung oder

Predictive Maintenance, Energieeinsparung

und Energieoptimierung.

• Daten werden die neuen Rohstoffe für

die Baustelle der Zukunft sein. Das

optimale Datenmanagement

sämtlicher wichtiger Parameter im

Vorfeld sowie deren Einsatz in der

Planung werden neue Möglichkeiten

bieten, um Prozesse ebenso optimal

auszuschöpfen. Durchgängige

Datenkonsistenz sowie interdisziplinäres

Datenmanagement werden außerdem

(noch) essenziell(er), um die

digitale Bauplanung voranzutreiben.

Lesen Sie mehr

unter:

rubblemaster.com

FOTO: RUBBLE MASTER

INNOVATION

DAYS

Zwei Tage an inspirierenden

Vorträgen, namhafter Speaker

und Ideen für Siebe und Brecher

des oberösterreichischen

Weltmarktführers RUBBLE

MASTER.

Was war für Sie der Grund die

Innovation Days durchzuführen?

Gerald Hanisch: Die Innovation

ist ein fester Bestandteil in der

DNA von RUBBLE MASTER. Dazu

braucht es Mut, Leidenschaft aber

auch eine gute Fehlerkultur. Und

nicht zuletzt die Vernetzung von

Ideen. Mit den Innovation Days

haben wir all das vereint. Das

2-tägige Event wurde auch räumlich

aufgeteilt, um im wahrsten

Sinne des Wortes neue Perspektiven

zu gewinnen. Der erste Tag

samt Großveranstaltung fand

bei uns in-house statt, der zweite

Tag mit Workshops wurde in der

Tabakfabrik Linz abgehalten. Mit

unserem Partner Pioneers konnten

wir ein interessantes Programm für

unsere Mitarbeiter:innen gestalten,

wo ich auch sehr viel entdecken

und mitnehmen konnte.

Sie sind mit Ihrem Unternehmen

bereits 30 Jahre erfolgreich im

Bauwesen tätig, Sie haben sehr

viele Entwicklungen miterlebt

und mitgeprägt. Hatten Sie bei

diesen Innovation Days auch

AHA Erlebnisse?

GH: Dass wir einmal ein Patent im

Bereich Künstliche Intelligenz und

Digitalisierung anmelden werden,

hätte ich mir bei der Gründung von

RUBBLE MASTER vor 30 Jahren im

Jahr 1991 auch nicht gedacht.

Weiterentwicklung des Status-Quo

mit State-of-the-Art-Technologien

prägen unser Geschäft seit je her.

Die Energieversorgung ist ein

großes Thema, um den hohen

Leistungsbedarf von Baumaschinen

abzudecken. Aber ganz besonders

gefreut hat mich der Drive der FH

Wels beim extra veranstalteten

Hackathon, wo Lösungen anhand

aktueller Anforderungen erarbeitet

wurden. Innovation lebt vom

Austausch und mit unserem Motto

#keepinnovating sind wir gut auf

die Zukunft vorbereitet.


12 | Lesen Sie mehr unter zukunftindustrie.info

EXPERTISE

FOTO: SHUTTERSTOCK/ GORODENKOFF

Facility Management

(FM) und seine

permanent wachsende

Bedeutung

Klimaschutz und Energieeffizienz im Fokus

Klimaschutz und

Energieeffizienz sind

die großen Herausforderungen

unserer

Zeit. Nun haben

auch die politischen Verantwortungsträger:innen,

allen voran

die Europäische Union (EU), klare

Schritte hin zu einem nachhaltigen

Wandel unserer Gesellschaft eingeleitet.

Mit dem European Green

Deal will die EU nicht weniger als

die Umgestaltung der europäischen

Wirtschaft für eine nachhaltige

Zukunft und ein klimaneutrales

Europa bis 2050 erreichen. Auch

die neue Europäische Richtlinie

für Energieeffizienz von Gebäuden

(EPBD, Energy Performance of

Buildings Directive) und das österreichische

Regierungsprogramm

2020 enthalten bereits konkrete

Vorgaben dazu.

Die aus dem European Green

Deal, der Europäischen Richtlinie

für Energieeffizienz von Gebäuden

und dem österreichischen Regierungsprogramm

2020 resultierenden

Vorgaben, Maßnahmen und

Rahmenbedingungen werden auch

unmittelbare Auswirkungen auf

Errichtung, Sanierung, Nutzung

und den Betrieb von Gebäuden

und Infrastrukturen und damit auf

das Facility Management haben.

Bereits heute ist effektives

Facility Management ohne digitale

Unterstützung nicht mehr denkbar.

Schon sehr früh hat man daher im

Facility Management eigene IT-

Tools und Werkzeuge für Arbeitsplatzmanagement,

Gebäudebetrieb

und Instandhaltungs- und Servicemanagement

eingesetzt. Sensorik,

Smarte Gebäude und BIM-Datenmodelle

werden zudem einen noch

höheren Digitalisierungs- und

Automatisierungsgrad ermöglichen

und damit die Nutzungseffizienz

von Gebäuden weiter steigern.

Intelligente Energiesysteme und

Gebäudesteuerungen werden

zudem den Energieeinsatz reduzieren

und somit zur Erreichung der

europäischen Klimaziele beitragen!

„In Österreich ist Facility

Management eine Branche mit

über 200.000 Beschäftigten und

einem Umsatz von über 18 Mrd.

EUR, das für rund 5 % des Bruttoinlandsproduktes

verantwortlich

zeichnet 1 . Jeden Tag sorgt Facility

Management für das Wohlergehen

von mehr als 2,5 Mio. Kund:innen

und Nutzerinnen und Nutzern.

Facility Manager:innen haben aber

auch einen wesentlichen Einfluss

auf die effiziente Nutzung und den

Betrieb von Gebäuden und auf die

betriebliche Infrastruktur. Eine

Hochrechnung in Deutschland

zeigt, dass etwa 30 % der CO 2

-Emissionen

beim Betrieb von Gebäuden

entstehen 2 , wenn zu den direkten

Emissionen (10–14 %) auch die

indirekten Emissionen, die bei der

Versorgung mit Strom und Wärme

(wie etwa Fernwärme) durch

Unternehmen der öffentlichen

Versorgung entstehen, hinzugerechnet

werden“, so Doris Bele,

MSc, Vorstandsvorsitzende FMA.

1

Statistik Austria Leistungsstatistik 2018

vom 30.06.2020

2

www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/

Broschueren/klimaschutz_zahlen_2020_

broschuere_bf.pdf

FOTO: DREES&SOMMER

DI (FH) Georg Stadlhofer,

MSc

Präsident IFMA

Austria

FOTO: J. MADZIGON

Doris Bele, MSc

Vorstandsvorsitzende

FMA


MEDIAPLANET | 13

Sponsored by UniCredit Leasing + Takeda

FOTO: LOVE ARCHITECTURE AND URBANISM ZT GMBH, LORENZ CONSULTING

Wo die Zukunft blüht!

Leasen statt Kaufen wird auch bei Unternehmen zunehmend beliebter. Erich

Schramek (CSO, UniCredit Leasing) sowie Manfred Rieger (R&D Site Head

Takeda Austria) sprechen über die Vorteile von Leasing und ihr gemeinsames

Projekt – den Neubau des F&E-Standortes von Takeda.

Manfred Rieger

R&D Site Head

Takeda Austria

Erich Schramek

CSO der

UniCredit Leasing

FOTO: LISI SPECHT

FOTO: UNICREDIT LEASING AUSTRIA

Wie entstand die Zusammenarbeit

zwischen der UniCredit

Leasing und Takeda?

Manfred Rieger (MR): Wir sind

langjährige Kundin der UniCredit

Group und ein Neugebäude zu

leasen anstatt zu kaufen war für

uns eine attraktive Option. Als

forschungsgetriebenes Unternehmen

gewinnen wir dadurch noch

mehr finanzielle Flexibilität. Der

Gebäudebestand ist aus rechtlichen

Gründen auf 20 Jahre, die

Inneneinrichtung sowie die Laborausstattung

sind auf zehn Jahre

geleast. Am neuen Standort in der

Seestadt werden ab 2025 rund 250

Forscher:innen tätig sein.

Erich Schramek (ES): Auch wenn

diese Finanzierungsmethode, also

Immobilien-Leasing, bei Neugebäuden

in Österreich verstärkt

in Anspruch genommen wird, gibt

es meines Wissens am heimischen

Markt kaum ein Projekt in dieser

Größenordnung. Für uns als

UniCredit Leasing ist es eines der

größten Projektfinanzierungen der

letzten zehn Jahre. Mit Takeda verbindet

uns eine langjährige und vertrauensvolle

Geschäftsbeziehung,

weshalb wir uns sehr freuen, dieses

Projekt nun gemeinsam aus der

Taufe gehoben zu haben.

Welche Vorteile ergeben sich

durch die Leasing-Finanzierung?

ES: Es ergeben sich drei wesentliche

Vorteile für Unternehmen:

Liquiditätsentlastung sowie

Ertragsoptimierung des Unternehmens,

größtmögliche Flexibilität

in der Finanzierung und auch

die steuerlichen Vorteile dieser

Finanzierungsform.

Wie ist der neue Standort, mit

dem Nachhaltigkeitsansatz von

Takeda vereinbar?

MR: Das Gebäude wird als Total

Quality Building (TQB) zertifiziert.

Das umfasst Ansprüche auf

Barrierefreiheit und Komfort; aber

vor allem auch viele ökologische

Gesichtspunkte – wie ressourcensparende

Energieeffizienz oder

Begrünungen und offene Gartenräume.

Dass das neue Gebäude

ein Green Building wird, trägt

auch zu unseren Nachhaltigkeitszielen

bei. Bis 2040 will Takeda

CO 2

emissionsfrei entlang der

gesamten Wertschöpfungskette

sein. Um in der Seestadt Aspern

bauen zu dürfen, müssen hohe

Umweltstandards erfüllt werden.

Für die Seestadt Aspern spricht

außerdem ein weiterer Aspekt: Es

entwickelt sich hier zunehmend ein

tolles Biotech-Ecosystem mit einem

spannenden Netzwerk an Technologie-

und Spitzenforschungs-Playern.

Alles in allem ist sie ein idealer

Standort, um zukunftsweisende

Forschung weiterhin auf höchstem

Niveau zu betreiben.

ES: Uns als Finanzinstitut ist

bewusst, dass wir mit unseren

Entscheidungen eine große

Hebelwirkung in Richtung

nachhaltiges Wirtschaften haben.

Dieses Projekt schafft auch

Arbeitsplätze für hochqualifizierte

Forscher:innen und setzt somit

einen wichtigen Impuls für Wien

als Forschungs- und Wirtschaftsstandort.

Wenn uns die letzte Zeit

etwas gelehrt hat, dann, wie

wichtig Forschung und Entwicklung

nicht nur für die Wirtschaft

sind, sondern für uns alle als eine

Gesellschaft. Wir freuen uns, einen

Teil dazu beitragen zu können.

Lesen Sie mehr

unter:

zukunft

industrie.info


14 | Lesen Sie mehr unter zukunftindustrie.info

EXPERTISE

Gut, besser, menschlich!

Jan Gehl war ein Radikaler. Er hat in den 70er-Jahren angefangen, den

Menschen als Ausgangs- und Endpunkt für jedes Architektur- und

Städtebauprojekt zu sehen. Seine Einstellung hat sich seitdem nicht geändert,

wir haben nur langsam angefangen aufzuholen.

FOTO: SANDRA HENNINGSSON/GEHLARCHITECTS

Text

Alexander

Meiners

Viele neue Bauprojekte in Wien

sind überdimensionierte Komplexe

mit oft auch überdimensionierten

Parks, wo aber erstaunlicherweise

wenige Leute sitzen.

Deshalb meine Frage: Wie zeigt

man Menschen mit gigantischen

Visionen und Plänen, dass einer

der wichtigen Aspekte beim Bauen

der menschliche Maßstab ist?

Jan Gehl: Ich kenne das Problem

so gut, dass ich ihm einen Namen

gegeben habe: zu viel Raum für

zu wenige Leute. Heutzutage gibt

es wenige Bewohner:innen pro

Quadratmeter. Vor 120 Jahren

fiel die neunfache Anzahl von

Menschen auf einen Quadratmeter.

Aus den damals prävalenten

Großfamilien sind vermehrt

Single-Haushalte geworden. (Zum

Vergleich: In Kopenhagen gibt es

50 % Single-Haushalte.) Außerdem

bauen wir zu viele Außenbereiche:

Dachterrassen, Balkone,

Innen- und Außenhöfe, Parks und

Fitnessbereiche.

Es gibt jedoch nur eine gewisse

Menge an Menschen, weswegen

es sich mehr lohnt, seine metaphorischen

Eier eher in wenige

Körbe zu legen. Der beste Wohnbereich

in Kopenhagen präsentiert

sich durch die Reihenhäuser von

1905. Zwei bis fünf Stockwerke

hoch, mit Vorgärten und nur

einer Zugangsstraße für alles:

Eingang, Freizeit und Spielen. Es

funktioniert wunderbar und hat

die höchsten Grundstückwerte der

ganzen Stadt.

Gibt es in einer Welt, in der alle

Waren, sogar Lebensmittel, geliefert

werden und lokale Läden

und Innenstädte aussterben,

eine Möglichkeit, dass eine Nachbarschaft

ihr wirtschaftliches

und soziales Zentrum bewahren

kann?

Dieses Problem gibt es in allen

wirtschaftlich entwickelten

Ländern der Welt. Die Corona-Einschränkungen

haben diese Tendenzen

stark beschleunigt: weniger

Geschäfte in den Einkaufsstraßen,

mehrere Shoppingcenter am Stadtrand,

und in der Nachbarschaft

mehr LieferfahrzeugeIn vielen

Städten wird deshalb versucht,

das Leben zurück in die Straßen

zu bringen. Die Menschen sollten

gehen, anstatt sich von Lieferwagen

beliefern zu lassen.

Ich sehe hier zwei verschiedene

Lösungsansätze:

1. Die leeren Ladenlokale werden

kommunalen Einrichtungen zur

Verfügung gestellt, wie beispielsweise

Büchereien, Musikschulen,

Kindergärten, Altenheimen und

Kitas.

2. Die Orte werden zur Freizeitgestaltung

genutzt; für

Sportvereine, Musikstudios,

Jugendorganisationen, NGOs,

das Rote Kreuz oder andere

Hilfsorganisationen.

Wir werden unsere alten Läden

nicht zurückerhalten – deshalb

brauchen wir neue Lösungen

für die Hauptstraßen und

Stadtzentren.

Städteplaner:innen wie Robert

Moses haben Straßen und Parks

genutzt, um das Design von

ganzen Metropolen wie New York

zu prägen. Brauchen wir solche

Strippenzieher:innen für Fahrräder,

das Zu-Fuß-Gehen und den

menschlichen Maßstab?

Lassen wir bitte den brutalen Technokraten

Robert Moses aus dieser

Diskussion außen vor.

Hier gibt es ein sehr interessantes

Muster auf der ganzen Welt zu

beobachten. Oft sind einzelne

Persönlichkeiten die treibende

Kraft bei großen städtebaulichen

Verbesserungen. Zu nennen sind

zum Beispiel Bürgermeister:innen

wie Enrique Penalosa (Bogotá),

Michel Bloomberg (New York),

Anne Hildalgo (Paris) oder Clover

Moore (Sydney). Eine oder mehrere

Personen können Bauwelten

bewegen.


MEDIAPLANET | 15

ZWÖLF KRITERIEN

Grätzl-Check

In seinem 2010 in deutscher Sprache erschienenen Buch Städte für Menschen

hat Jan Gehl ein praktisches Tool für Expert:innen aber auch Lai:innen publiziert,

womit man die Lebensqualität eines Ortes analysieren kann. So können wir alle die

stadtplanerische Perspektive einnehmen und unseren Lieblingsort, Wohnort oder

potenziellen Wohnort bewerten. Deswegen unsere Aufforderung: Gehen Sie nach

draußen und schauen Sie sich Ihre Umwelt aus einem neuen Blickwinkel an. Bewerten

Sie alle zwölf Kategorien mit einem traurigen, neutralen oder lachenden Smiley.

= JA

= NAJA

= NEIN

Nachfolgend die zwölf Kriterien für eine qualitätvolle Stadt

nach menschlichem Maß:

SCHUTZ

SCHUTZ VOR VERKEHR

UND UNFÄLLEN –

SICHERHEITSGEFÜHL

• Schutz für Fußgänger:innen

• die Angst vor dem Verkehr nehmen

SCHUTZ VOR

VERBRECHEN –

SICHERHEITSGEFÜHL

• belebter öffentlicher Raum

• Augen auf zur Straße

• überlappende Funktionen zwischen

Tag und Nacht

• gute Beleuchtung

SCHUTZ VOR

UNANGENEHMEN SIN-

NESWAHRNEHMUNGEN

• Wind

• Regen/Schnee

• Kälte/Hitze

• Luftverschmutzung

• Staub, Lärm, blendendes Licht

ANGEBOTE FÜR

FUSSGÄNGER

AUFENTHALTS-

GELEGENHEITEN

SITZGELEGENHEITEN

• genug Platz zum Gehen

• Randeffekt/attraktive Wartezonen

• spezielle Sitzbereiche

KOMFORT

• keine Hindernisse

• gute Bodenbeläge

• für alle zugänglich

• interessante Fassaden

SEHENSWÜRDIGES

• Stützelemente

ORTE FÜR

KOMMUNIKATION

• Vorteile nutzen: Aussicht, Sonne,

Menschen

• gute Sitzplätze

• Ruhebänke

ORTE FÜR SPIEL UND

SPORT

• vernünftige Betrachtungsabstände

• freie Sichtachsen

• interessante Ausblicke

• gute Beleuchtung bei Dunkelheit

• niedrige Lärmpegel

• Straßenmöbel als „gesprächsfördernde

Sitzlandschaften“

• bauliche Einladungen für kreative

Aktivitäten, Bewegung, Sport und

Spiel

• bei Tag und bei Nacht

• im Sommer wie im Winter

BEGLÜCKENDES

GRÖSSEN-

VERHÄLTNISSE

• Bauten und Räume nach menschlichem

Maß

ANGENEHME KLIMATI-

SCHE VERHÄLTNISSE

• Sonne/Schatten

• Wärme/Kühlung

• leichte Brise

POSITIVE SINNES-

EINDRÜCKE

• gutes Design, gute Details

• gute Materialien

• schöne Aussichten

• Bäume, Grünanlagen, Wasser


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BIM MACHT‘S MÖGLICH!

Früher war ich rund um die Uhr auf der Baustelle.

Heute habe ich mehr Zeit für die Familie und trotzdem alles

unter Kontrolle. Schön, wenn Verantwortung leicht wiegt.

BAUSOFTWARE, DIE VERNETZT. | BAU-MIT-BLUEBEAM.DE

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