The Red Bulletin DE

online.magazines

DEUTSCHLAND

JAN. / FEBR. 2022

€ 2,50

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

MADE

Wonder

Woman

Freestyle-Ski-Profi,

Model, Diplomatin:

wie Eileen Gu

die Sportwelt

auf den Kopf stellt

IN CHINA

EILEEN GU

Jesse Marsch sagt: „Neugier,

Chaos und Verletzlichkeit

sind Stärken.“

JETZT ABONNIEREN: GETREDBULLETIN.COM

BILLIE EILISH / VINZENZ GEIGER / STEFFEN FREUND / ANDREAS WELLINGER / CARRIE-ANNE MOSS


E D I T O R I A L

WILLKOMMEN

AUF DER

PISTE

CHRISTIAN ANWANDER (COVER), MARKUS MORIANZ, CATWALKPICTURES

AUF DEM

SNOWBOARD …

… steht Leon Vockensperger

zurzeit fast in

jeder freien Minute.

Zum Glück legt er aber

ab und zu einen Ruhetag

ein. Da hat er dann

Zeit für Gespräche wie

dieses: auf Seite 50.

Wie waren Sie eigentlich so mit achtzehn, liebe Leserinnen

und Leser? Freestyle-Skifahrerin Eileen Gu, 18,

hat in diesem Alter bereits die X Games gewonnen,

modelt für Victoria’s Secret, studiert

an der Elite-Universität Stanford –

und vereint ganz nebenbei auch noch

die Fans der Supermächte China und

USA. Die ganze beeindruckende Geschichte:

ab Seite 38. Und noch eine

tolle Frau: Carrie-Anne Moss, 54. Auf

Seite 32 erzählt die Schauspielerin,

die als Trinity in der „Matrix“-Kinotrilogie

berühmt wurde, warum sie

Meditation der digitalen Welt vorzieht.

Ruhig bleiben muss auch Dennis Zenz, 31. Der

Co-Pilot will die Rallye Dakar gewinnen – zusammen

mit dem erst 19 Jahren alten US-Fahrer Seth Quintero.

Ab Seite 60 erklärt er uns, warum dabei

gilt: Links lenkt, rechts denkt.

Gute Unterhaltung

mit der neuen Ausgabe

von The Red Bulletin!

Die Redaktion

FLORA MIRANDAS

MODE-VISIONEN

Designerin Flora Miranda (hier

eines ihrer Models) hat eine klare

Vorstellung von der Zukunft

der Mode. Science-Fiction ist

nichts dagegen: Seite 52.

GUTE

UNTERHALTUNG

Unsere Autorin Janina

Lebisz czak sprach mit

der Deutschrapperin

badmómzjay. Das Interview:

auf Seite 34.

25

Ringe von Cartier trug

Billie Eilish bei der Met

Gala 2021. Noch mehr

Zahlen zum Pop-Superstar:

auf Seite 12.

THE RED BULLETIN 3


INHALT

The Red Bulletin

im Januar / Februar 2022

COVERSTORY

38 DIE BOTSCHAFTERIN

Freestyle-Skifahrerin Eileen

Gu ist in den USA geboren

und startet für China. Ihr Ziel:

beide Welten zu vereinen.

PORTFOLIO

18 SIMPLY THE BEST

Der Wettbewerb Red Bull

Illume kürt die besten Action-

Fotos der Welt. Die Sieger.

FILM

32 DIE KULTFIGUR

Carrie-Anne Moss ist wieder

Trinity – wir freuen uns auf

Teil 4 der „Matrix“.

DEUTSCHRAP

34 GROSSE WORTE

Wie die Rapperin badmómzjay

mit erst 19 Jahren die

Deutschrap- Szene erobert.

FUSSBALL

36 EIN GUTER FREUND

Fußball-Legende Steffen

Freund über harte Zweikämpfe

und die Kunst der Kritik.

WINTERSPORT

46 UNSERE TOPSTARS

Vier Wintersport-Größen

verraten, was sie sich für diese

Saison vorgenommen haben.

6 GALLERY

12 ZAHLEN, BITTE!

14 FUNDSTÜCK

15 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW

16 MEIN ERSTES MAL

FASHION

52 ZUKUNFT DER MODE

Eine 31-jährige Österreicherin

als Mode-Visionärin:

Flora Miranda verwandelt

Fiktion in Realität.

RALLYE DAKAR

60 DER BEIFAHRER

Co-Pilot Dennis Zenz will

die härteste Rallye der Welt

gewinnen – mit dem erst

19-jährigen Seth Quintero.

GUIDE

Tipps für ein Leben

abseits des Alltäglichen

69 REISEN. Mit Rekordbergsteiger

Nims Purja auf den Mont Blanc

74 GAMING. Südkoreanische

K-Fashion für die Sims und die

Rückkehr eines Spiele-Klassikers

76 LESESTOFF. Fünf Geschichten mit

knallharten Helden – unsere Buchempfehlungen

für die kalten Tage

78 TIPPS & TRENDS. Richtig gutes

Zeug – mit besten Empfehlungen

der Redaktion

82 FROHES FEST. Was unter den

Christbaum passt – 14 Vorschläge

92 BOULEVARD DER HELDEN.

Ist der Literatur-Nobelpreisträger

Michail Scholochow ein Betrüger?

96 IMPRESSUM

98 CARTOON

38

STARKE FRAU Die Leichtigkeit des Seins –

Ski-Star Eileen Gu hebt als Luftakrobatin ab.

52

STARKE MODE Flora Miranda zeigt eine Modewelt,

in der Science-Fiction Realität wird.

60

STARKER MOTOR Rallye-Dakar-Beifahrer

Dennis Zenz und sein Kampf in der Wüste

MATT POWER, NORMAN KONRAD, MARCIN KIN/RED BULL CONTENT POOL, JAN KASL/RED BULL ILLUME

4 THE RED BULLETIN


18

STARKE BILDER

Die Sieger des Fotowettbewerbs

Red Bull Illume

– hier ein Geniestreich

des Tschechen Jan Kasl

THE RED BULLETIN 5


6

ANTONIN GRENIER


CAPBRETON,

FRANKREICH

Sie retten

um die

Wette

Diese vier Damen sind Freiwillige der

französischen Küstenwache, und der

Grund ihrer Eile ist gottlob kein Notfall.

Sie trainieren für einen Rettungsschwimmer-Wettkampf,

der seit 2019

im Südwesten Frankreichs ausgetragen

wird. Bei dem Mehrkampf (u. a. Sprint,

Schwimmen und Paddleboard) geht

es um alle Fähigkeiten, die nötig sind,

um im Ernstfall Leben zu retten.

Instagram: @antoningrenier


MIAMI, FLORIDA, USA

Breaking

News

Dürfen wir vorstellen? Das ist Logan Edra.

Die Amerikanerin mit philippinischen

Wurzeln ist erst achtzehn, hat aber

unter ihrem Künstlernamen „Logistx“

bereits eine beeindruckende Karriere

als B-Girl hinter sich. Das kommt daher,

dass sie schon mit sieben mit dem Tanzen

und mit zehn mit Breaking an gefangen

hat. Jetzt konzentriert sie sich ganz auf

die Olympischen Spiele in Paris 2024.

Da wird Breaking erstmals olympisch

sein – und Logan eine ganz heiße

Kandidatin auf eine Medaille.

Instagram: @logistx_ugf

8


YSA PEREZ, BRIAN LOWE

HOUSTON, TEXAS, USA

Volle Kraft

voraus

Wenn Weltklasse-Sprinter Elijah Hall

eine Schwäche hat, dann ist es der

Start. Darum übt er diese Phase auch

entsprechend ausdauernd – wie hier auf

dem Trainingsgelände der Universität

Houston, Texas. „Diese Bewegungen

müssen in Fleisch und Blut übergehen“,

sagt der US-Athlet, „im Rennen muss

das alles vollkommen automatisch

funktionieren. Das Einzige, was mich

aufhalten kann, bin ich selbst.“

Instagram: @_elihall


RICK GUEST

LONDON, ENGLAND

Flyin’ high

Morgan Lake, 24, gehört zu den besten

Hochspringerinnen Großbritanniens,

ihre Bestleistung liegt bei 1,97 Metern.

Fotograf Rick Guest – seine Spezialität

sind Bilder, die dynamische Bewegungen

im exakt richtigen Moment einfangen –

schwärmt von Lakes Körper als „perfektem

Werkzeug zur Überwindung der

Schwerkraft“. Bei diesem Sprung

hat sie sich die Latte allerdings

nicht besonders hoch gelegt –

so locker, wie sie da drüberspringt.

Der Fotograf: rg-e.com

11


Z A H L E N , B I T T E !

BILLIE EILISH

Frau der Ringe

Pop-Superstar Billie Eilish feiert im Dezember ihren 20. Geburtstag.

In welcher Tonart sie James Bond auf Touren bringt, wie viele Cartier-Ringe

sie bei der Met-Gala trug und was ihr erstes Auto kostete.

13

Jahre jung war die Sängerin, als

sie ihre erste Single „Ocean Eyes“

im November 2015 bei SoundCloud

hochlud – exakt ein Jahr vor

dem o∞ziellen Release des Songs.

53.000.000

Dollar verdiente Billie Eilish

2020 – Rang 43 als Jüngste

im Forbes-Ranking

der Top-100-Celebritys.

0

Menschen folgt Billie Eilish

auf Instagram – ihr Profil hingegen

hatten bei Redaktionsschluss

96,2 Millionen Fans abonniert.

1.200.000

Mal verkaufte sich 2019 ihr Debütalbum

„When We All Fall Asleep,

Where Do We Go?“.

74

Beats pro Minute tragen ihren

James-Bond-Titelsong „No Time

to Die“ in e-Moll voran.

24

Länder führten ihr aktuelles

Album „Happier Than Ever“

auf Rang 1 der Charts.

25.000.000

Dollar kassierte Billie Eilish

von Apple TV+ für die Doku

The World’s a Little Blurry“.

4

Grammys in den vier Hauptkategorien

Single, Song,

Album und New Artist hat sie

2020 gewonnen. Vor ihr

schaffte das noch keine Frau.

25

Ringe aus dem Hause Cartier

trug Billie Eilish am Red

Carpet der Met-Gala 2021.

49.736.031

Hörer pro Monat machten sie 2020 zur

meistgestreamten Künstlerin auf Spotify.

29.000

Dollar kostete ihr erstes Auto, ein

matt schwarzer Dodge Challenger –

ein Geschenk ihrer Plattenfirma

zum 17. Geburtstag.

2

ihrer vier Vornamen

ergeben den Künstlernamen

von Billie Eilish Pirate Baird

O’Connell.

GETTY IMAGES (2), ALAMY CLAUDIA MEITERT HANNES KROPIK

12 THE RED BULLETIN


REACH YOUR SUMMIT

Smartwatch mit Connected-Funktionen wie

Herzfrequenz-Messung, integriertes GPS, Aktivitätsanalyse,

Schlafanalyse.Wiederaufladbare Batterie. Wasserdicht 100M/300FT

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OFFIZIELLE UHR


F U N D S T Ü C K

Fabio Wibmer, 26,

Bike-Artist,

YouTube-King

FABIO WIBMER

Das 200-Millionen-Rad

Das Bike, mit dem der Österreicher 2019 „Wibmer’s Law“ drehte.

Jetzt durchbrach das Video auf YouTube eine magische Marke.

Räder: abmontiert. Sattel: verschwunden. Pedale: perdu. Dieses Rad hat schon bessere Zeiten gesehen.

Tatsächlich spielt es im Leben von Fabio Wibmer eine wichtige Rolle – hat er doch damit im September

2019 den YouTube-Hit „Wibmer’s Law“ gedreht. Das 8 Minuten und 23 Sekunden lange Video mit

Schauplätzen in Wien und Salzburg, Linz und Innsbruck hat auf YouTube vor kurzem die 200-Millionen-

Zuschauer-Marke geknackt. Fabio weiß das zu würdigen: Demnächst wird er das Ding als Trophäe

daheim an die Wand hängen. Mit Bike-Hersteller Canyon entwickelt er gerade ein neues Trial-Gerät.

PHIL PHAM, PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL

14 THE RED BULLETIN


D A S F I K T I V E P H I L O S O P H E N - I N T E R V I E W

NIETZSCHE SAGT:

„Die Vernunft gehört

in den Restmüll!“

DR. CHRISTOPH QUARCH BENE ROHLMANN

Gesundheit ist für viele Menschen das höchste Gut. Aber ist

sie wirklich das Wichtigste im Leben? Friedrich Nietzsche

war immer krank – und hat sich gerade deshalb viele Gedanken

über die Gesundheit gemacht. Was dabei herausgekommen

ist, erklärt er in unserem fiktiven Interview

mit dem Philosophen Christoph Quarch.

the red bulletin: Herr Nietzsche,

wie geht es Ihnen?

friedrich nietzsche: Danke, die

Kopfschmerzen haben etwas nachgelassen.

Obwohl ich mir nach wie

vor den Kopf über Ihre Zeitgenossen

zerbreche. Sehen Sie, es ist jetzt

bald 150 Jahre her, dass ich über

die Menschen der Moderne schrieb:

„Man hat sein Lüstchen für den Tag

und sein Lüstchen für die Nacht. Aber

man ehrt die Gesundheit.“ Daran hat

sich nichts geändert.

Mit diesen Worten aus „Also sprach

Zarathustra“ haben Sie diejenigen

verspottet, die Sie „die letzten

Menschen“ nannten. Was finden

Sie so problematisch daran, dass

Menschen die Gesundheit ehren?

Wir alle wollen gesund sein. Ich auch.

Meine Güte, Sie können sich nicht vorstellen, wie sehr

ich unter meinen Kopfschmerzen leide. Ich bin quer

durch Europa gereist, um Orte zu finden, an denen ich

es irgendwie aushalten konnte. Aber das heißt nicht,

dass ich alles meiner Gesundheit untergeordnet hätte.

Ich wollte gesund sein, um meine Arbeit machen zu

können: um etwas zu schaffen. Denn das, mein Freund,

ist es, worum es im Leben geht: schöpferisch sein und

etwas Eigenes hinterlassen.

Aber Sie sagen doch selbst, dass man dafür gesund

sein muss.

Sage ich nicht. Ich war nie gesund und habe trotzdem

Großes geschaffen. Wahrscheinlich wäre mir das nie

gelungen, wenn ich nicht meine Krankheit in eine

Energiequelle verwandelt hätte. Es ging mir immerzu

besch… bescheiden – ja, gerade deshalb habe ich wie

wahnsinnig gearbeitet; gerade deshalb habe ich mein

Bestes geben können. Ich wusste, was ich wollte – und

das war viel mehr, als mich um meine Gesundheit zu

kümmern, mir etwas Schönes zu gönnen oder im Spa

rumzuhängen. Unter uns, mein Freund: Dass ihr so

„Das ist es, worum

es im Leben geht:

schöpferisch sein

und etwas Eigenes

hinterlassen.“

viel um eure Gesundheit kreist und so viel Aufhebens

um eure Wehwehchen macht, verrät mir, dass ihr

klein geworden seid: Zwerge, die keine Idee mehr

davon haben, wofür sie leben wollen. Ihr lasst euch

treiben und macht, was alle machen.

Na ja, aber es können doch nicht alle

so große Autoren werden wie Sie …

Na und? Jeder kann in seinem Umfeld

etwas Großes schaffen. Jeder kann

seine verdammten Träume verwirklichen.

Jeder kann tanzen, wenn

er nur wollte. Aber ihr wollt nichts

– außer ein bisschen Spaß haben

und gesund sein! Und dann redet

ihr euch auch noch ein, dass ihr

vernünftig seid, wenn ihr alles diesen

Zielen unterordnet. Ich aber sage euch:

Genau diese „Vernunft“ könnt ihr getrost

in eure Restmülltonnen schmeißen.

Diese „Rationalität“ verhindert

nämlich, dass ihr wachst und große

Menschen werdet. Menschen, die

sich dem Leben stellen, die sich

dem Schmerz stellen – die ob ihrer

Schwäche lachen und der Stimme

ihres Herzens folgen.

Hm, und was müsste man Ihrer Ansicht nach tun,

um – wie Sie es ausdrücken – ein großer Mensch

zu werden?

Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden

Stern gebären zu können. Besser kann ich es

nicht sagen. Schluss mit der ewigen Nüchternheit und

dem Schonwaschgang! Mut zum Rausch statt ängstlich

herumdümpeln, wäre meine Devise. Was man dafür

braucht? Ein leidenschaftliches Herz, sonst nichts.

Und das wohnt sogar in deiner Brust, mein Freund.

FRIEDRICH NIETZSCHE (1844 – 1900) gilt als einer der schärfsten

Kritiker der technisch-rationalen Moderne. Mit seinem Werk

„Also sprach Zarathustra“ inspirierte er Generationen von

Künstlern und Denkern, neue Wege zu gehen. Dabei war Nietzsche

häufig krank, er litt an immer wiederkehrenden Migräneschüben.

Dennoch – oder gerade deshalb – schrieb er viel über

die leibliche und geistige Gesundheit des Menschen.

CHRISTOPH QUARCH, 57, ist Philosoph, Gründer der Neuen

Platonischen Akademie (akademie-3.org) und Autor zahlreicher

philosophischer Bücher, zuletzt: „Kann ich? Darf ich? Soll ich?

Philosophische Antworten auf alltägliche Fragen“, legenda Q,

2021.

THE RED BULLETIN 15


M E I N E R S T E S M A L

ANJA BLACHA

„Mein Reise-Guide sagte:

Anja, du bist verrückt!“

Von 2015 bis 2017 stieg Anja Blacha – als bislang jüngste Deutsche – auf den höchsten Gipfel

jedes Kontinents. Dabei hatte sie erst vier Jahre zuvor mit dem Bergsteigen an gefangen.

Uns erzählt die Abenteurerin von dem Peru-Trip, der ihre Wanderlust weckte.

Anja Blacha liebt die ganz großen Herausforderungen:

Mit 27 war sie als jüngste deutsche Kletterin auf dem

Mount Everest, bis heute ist sie die einzige Deutsche,

die den K2 bezwungen hat. Voriges Jahr schaffte sie

es als erste Frau auf Langlaufskiern

von der Küste der Antarktis

bis zum Südpol. 1400 Kilometer

in 58 Tagen. Ihren 100-Kilo-

Schlitten zog sie dabei selbst.

Dabei ist ihr die Lust am

Extremen nicht in die Wiege gelegt

worden. Ihre erste Bergtour

absolvierte sie 2013, nur vier

Jahre bevor sie den höchsten Berg

der Welt bestieg. Hier spricht die

31-Jährige unter anderem von

diesem Erweckungsmoment.

„Meine ersten Bergschuhe waren

eigentlich gar keine wirklichen

Bergschuhe, das waren Multifunktionsstiefel

der Marke Timberland,

von denen ich beim

Kaufen dachte: Damit kann ich

durch die Altstadt schlendern,

aber auch wandern gehen. Perfekt

auch für die anstehende

Peru-Reise mit meiner Schwester.

Ich bin in Bielefeld aufgewachsen.

Berge gibt es da nicht.

Meine gesamte Jugend war von

Strandurlauben und Städtetrips

geprägt. In Peru hab ich dann

zum ersten Mal einen Vulkan gesehen – mit 23. Auf

einem Berg war ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie,

aber ich wollte unbedingt rauf. Das Problem: Allein

konnte man da nicht hoch, und das Ticket für unsere

Weiterreise am nächsten Tag war schon gebucht. ‚Ihr

seid verrückt, wenn ihr da jetzt in einer Nacht und

in einem halben Tag raufwollt‘, sagten uns die Guides.

Geklappt hat es am Ende doch: vom Meeresspiegel

rauf auf 5800 Höhenmeter. Oben war ich so fertig, dass

ich den Ausblick gar nicht richtig genießen konnte.

Aber ich war so angefixt vom Spaß, den wir beim

Aufstieg hatten, und vom Glück, das Ziel erreicht zu

haben. Noch im gleichen Urlaub nahmen wir uns auch

noch den Machu Picchu vor. Dieses erste Mal Trekking

0:00–48:53

Anja Blacha

Mein erstes Mal – der Podcast

„Ich habe das Klettern

spät entdeckt, und das

war vielleicht gut so.“

Rekord-Frau Anja Blacha hat ihre erste

Bergtour erst mit 23 gemacht.

war so beeindruckend, dass ich mir damals schwor,

die Timberlands nicht verstauben zu lassen.

Vier Jahre später hatte ich dann die Seven Summits,

den jeweils höchsten Berg jedes Kontinents, geschafft

– als jüngste Deutsche überhaupt.

Ob ich es bereue, nicht schon

früher mit dem Bergsteigen begonnen

zu haben?

Nein. Denn mein Beispiel

zeigt: Unsere Vergangenheit

muss nicht bestimmen, was wir

in unserer Zukunft erreichen

können.

Ich habe das Klettern spät entdeckt,

und das war vielleicht

sogar gut so. Ich lebe heute in

der Schweiz, da gibt es Kletterer,

die sind technisch unendlich

versierter als ich, die kommen die

Eiger-Nordwand in Rekordzeit

hoch – und doch wagen sie sich

nicht an die großen Berge heran.

Weil sie ständig vor Augen haben,

welche Skills ihnen vielleicht

noch fehlen, anstatt das große

Ziel anzugehen. Und so kann es

sein, dass ich vielleicht auch

stecken geblieben wäre in diesem

‚Ich muss noch lernen‘-Zyklus,

hätte ich früher oder in einem

bestimmten Umfeld begonnen.

Ich habe mit dem Bergsteigen

aus Spaß angefangen, aus Neugier, etwas Neues für

mich entdecken zu wollen. Es war einfach Teil meiner

Reiselust. Und genau diese Ungezwungenheit war

mein großer Vorteil.“

„MEIN ERSTES MAL“ IST DIE RED BULLETIN-PODCAST-SERIE,

in der Heldinnen über ihre Anfänge sprechen. Die Folge mit

Anja Blacha, in der sie auch verrät, warum

Excel- Tabellen für ihre Expeditionen

wichtiger sind als Muskelberge, gibt’s im

Podcast-Kanal von The Red

Bulletin. Zu finden auf

allen gängigen Platt formen

wie Spotify und auf

redbulletin.com/podcast

ANJA BLACHA

16 THE RED BULLETIN


Das Besondere an einem

Abenteuer ist nicht nur das Ziel,

sondern auch der Weg dahin.

Wir glauben fest an die Kraft von Träumen –

und dass es sich lohnt, ihnen zu folgen. Dreamers. On.

Mit Dominik Gührs, Corinna Schwiegershausen und Petra Klingler machen sich drei

Topathleten auf den Weg, einen lang bestehenden Traum wahr werden zu lassen.

Weitere spannende Träumer und ihre Geschichten finden Sie auf porsche.de/dreamerson

Taycan Cross Turismo Modelle: Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 29,4–28,1 (NEFZ); 26,4–22,4 (WLTP); CO₂-Emissionen

kombiniert in g/km: 0 (NEFZ); 0 (WLTP); elektrische Reichweite in km: 388–456 (WLTP) · 438–541 (WLTP innerorts); Stand 11/2021


P O R T F O L I O

Simply

the

Best

Red Bull Illume ist der

weltweit größte Wettbewerb

für Abenteuer- und Actionsportfotografie.

Vorhang auf

für die diesjährigen Sieger!

Text ANDREAS WOLLINGER

Rod Hill, 48

Plötzlich war das Licht perfekt

Sieger in der Kategorie

„Energy by Red Bull Photography“

Rod Hill hatte schon eingepackt. Doch dann

entschied sich Kanute River Mutton spontan für

eine letzte Fahrt über die Huka Falls des Waikato

River, Neuseeland. Also: Kamera wieder raus.

„Plötzlich war das Licht so, wie ich es noch nie

gesehen hatte“, sagt Hill. Glück des Tüchtigen.

Instagram: @rod_coffee

18 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 19


P O R T F O L I O

Will

Saunders, 27

Schöner fallen

Sieger in der Kategorie „Masterpiece by SanDisk Professional“

Einerseits: die majestätische Ruhe der Wüstenlandschaft des Indian Creek

im US-Bundesstaat Utah. Anderseits: die Dynamik eines Kletterers im freien Fall.

Ergibt: grandiose Spannung. Richtig, normalerweise fallen Kletterer anders. Aber

Fotograf Will Saunders bat Jake Talley um eine „kraftvolle Bewegung“ beim Sturz.

Check! Und den Gesamtsieg sicherte er sich mit diesem Genieblitz auch.

willsaundersphoto.com, Instagram: @willsaundersphoto

20 THE RED BULLETIN


„Jedes Mal, wenn ich rausgehe,

überwinde ich mich, etwas zu tun,

was ich noch nie versucht habe.“

Will Saunders

THE RED BULLETIN 21


P O R T F O L I O

22 THE RED BULLETIN


„Ich will, dass

die Betrachter tief

in Welten eintauchen,

in denen sie noch nie

zuvor waren.“

Carolin Unrath

Carolin

Unrath, 25

Wo geht’s hier zur Welle?

Siegerin in der Kategorie

„Lifestyle by COOPH“

In München lässt es sich mit der U-Bahn

zum Surfen fahren. Hier sehen wir Andi

Müllner auf dem Weg zur berühmten

Eisbachwelle, die sich im Englischen

Garten aufbaut. Die Vorfreude ist in

diesem Fall besonders groß: An dem

Tag öffnete die Eisbachwelle das

erste Mal nach dem Lockdown 2020.

carolinunrath.com

Instagram: @carounrath

THE RED BULLETIN 23


P O R T F O L I O

Thomas

Monsorno, 36

Es ist nicht,

wie es scheint

Sieger in der

Kategorie

„Innovation

by EyeEm“

Das ist der Schweizer

Eiskletterer Dani Arnold.

Er ist hier am Baikalsee

in Sibirien unterwegs,

dem tiefsten See der Erde.

Allerdings nicht von unten

nach oben, sondern in der

Horizontalen. Eine Illusion

vom Feinsten, erdacht

vom Südtiroler Fotografen

Thomas Monsorno.

thomasmonsorno.com

Instagram:

@ thomas.monsorno

24 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 25


P O R T F O L I O

„Mir macht es Spaß,

Menschen in Momenten der

Verletzlichkeit festzuhalten

– in oder vor einer Wand.“

Victoria Kohner-Flanagan

Bruno Long, 42

Phönix aus dem Staub

Sieger in der Kategorie „RAW by Leica“

Auf einer supersteilen Passage auf einem Trail in Fernie, British

Columbia, Kanada: Mountainbiker Dylan Siggers taucht aus dem

Staub auf wie Phönix aus der Asche. „Ich liebe es, mit Staub

und Licht zu spielen“, sagt Fotograf Long, „weil es so ein zufallsgesteuerter

Prozess ist.“ brunolong.com, Instagram: @eye_b_long

26 THE RED BULLETIN


Victoria Kohner-

Flanagan, 23

Und jetzt: Hände hoch!

Siegerin in der Kategorie „Emerging by Black Diamond“

Diese beängstigend glatte, 39 Meter hohe Wand im kalifornischen

Pine Creek Canyon heißt „Queen of Heartbreaks“ – Königin des Herzschmerzes.

Zu Recht: Fotografin Victoria Kohner-Flanagan blieb

schleierhaft, wo genau hier die nächsten Griffe sein sollten. Hier

gönnt Kletterer Jack Nugent seinen Händen eine kleine Pause.

victoriakohnerflanagan.com, Instagram: @vickyvicti

THE RED BULLETIN 27


P O R T F O L I O

„In einer Welt, die mit

Bildern überflutet wird,

musst du den Dingen

einen persönlichen Touch

geben. Dann werden sie

interessant.“

Markus Berger

Markus

Berger, 40

Im Bauch des Gletschers

Sieger in der Kategorie

„Playground by WhiteWall“

Tief im Berg, unter dem Hintertuxer

Gletscher im Tiroler Zillertal, befindet

sich ein märchenhafter Ort: der Natur

Eis Palast. Dort kann man schwimmen,

Kajak oder Schlauchboot fahren oder

eisklettern. Und: wakeboarden, wie Dominik

Hernler hier zeigt. Markus Berger

hat das für die Nachwelt festgehalten.

markusbergerphotography.com

Instagram:

@markus_berger_photography

28 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 29


P O R T F O L I O

Jan Kasl, 27

Yhabril

Moro, 42

Die wahren Abenteuer sind im Kopf

Sieger in der Kategorie „Creative by Skylum“

Sieht so aus, als hätte Skateboarder Fanda Šesták einen fabelhaften

Spielplatz gefunden: eine spiralförmige Bahn. Ist aber eine optische

Täuschung, die in der Welt der Fotografie „erzwungene Perspektive“

heißt. Der Trick ist, Dinge nahe der Kamera weiter weg erscheinen

zu lassen. Und umgekehrt. Der Tscheche Jan Kasl hat das hier perfekt

umgesetzt. jankaslphoto.com, Instagram: @jankaslphoto

Männer im Mond

Sieger in der Kategorie „Best of Instagram by Lenovo“

Was es für dieses Bild alles braucht: zwei Kicker, aufgebaut an

der richtigen Stelle am Pico Malacara, Spanien; einen perfekt synchronisierten

Sprung der beiden Freeskier Jaime Rico und Javi Diaz;

den Vollmond; natürlich klaren Himmel – und einen genialen Fotografen

wie Yhabril Moro. yhabril.com, Instagram: @yhabril

DER WETTBEWERB

RED BULL

ILLUME

Zwei Beobachtungen brachten

den Ex-Red Bull-Athleten und Fotografen

Ulrich Grill 2006 ins Grübeln.

Erstens: Der technologische

Fortschritt in der Lichtbildnerei

er öffnete Actionfotografen völlig

neue Möglichkeiten. Zweitens: Es

gab keinen Wettbewerb, der dieses

junge Genre entsprechend zelebrierte.

Also erfand Ulrich schlicht

einen solchen: Red Bull Illume.

Heute ist der Contest mit Zehntausenden

Einsendungen der weltweit

größte seiner Art. Die Sieger

werden von einer 50-köpfigen Fachjury

gekürt. Ein aufwendiger Prozess

mit hohem Qualitätsanspruch.

Daher findet der Wettbewerb ganz

bewusst nur alle zwei Jahre statt.

redbullillume.com

30 THE RED BULLETIN


EGAL, WIE HART DEIN

TAG AUCH WIRD.

Das Baustellenradio GML 50 von

Bosch Professional ist härter.

It’s in your hands. Bosch Professional.


Film

Carrie-Anne

Moss

bekämpft als Trinity die Matrix in schwarzem Latex.

Privat verbannt die Schauspielerin Smartphones aus

ihrem Alltag – und besiegt Algorithmen mit Meditation.

Interview RÜDIGER STURM

1999 sorgte der Kinohit „Matrix“

für eine Revolution des Actionkinos.

Carrie-Anne Moss zeigte Keanu

Reeves damals, dass alle Menschen

in einer gigantischen Computersimulation

gefangen sind – der

Matrix. 18 Jahre nach dem dritten

Teil geht der Kampf gegen die Illusion

in „The Matrix Resurrections“

weiter. Die heute 54-Jährige erläutert

exklusiv für The Red Bulletin, wie

sie der künstlichen Welt der Matrix

entkommt, mit welchen Methoden

sie ihre Stunts übt und welche Rolle

Meditation dabei spielt.

THE RED BULLETIN: Frau Moss,

hatten Sie jemals selbst das Gefühl,

dass wir nicht in der realen

Welt, sondern in der Matrix leben?

carrie-anne moss: Das habe ich

jeden Tag.

Wow. Wann hat das angefangen?

Zum ersten Mal brachte mich ein

Lehrer in der 10. Klasse auf den

Gedanken. Er fragte uns, ob es nicht

sein könnte, dass wir alle in einem

Traum leben. Damals dachte ich:

„Wie bitte?!“ Ich kann mich nicht an

viel aus meiner Schulzeit erinnern,

aber diese Frage ist mir präsent geblieben.

Sie hat eine Tür in meinem

Geist aufgestoßen. Ich habe viele

Jahre darüber nachgedacht, denn

der Lehrer gab uns keine Antwort.

Was ist denn Ihre Antwort?

Dass jeder Mensch in seiner eigenen

Realität lebt – abhängig von Algorithmen

in sozialen Medien oder

einfach nur von seinen persönlichen

Interessen. Du kannst dich in einem

Zimmer mit vier Personen aufhalten,

und jede davon bewegt sich in einer

komplett anderen Welt.

In den „Matrix“-Filmen geht es darum,

dass wir zur wahren Realität

vordringen. Gelingt Ihnen das?

Ich versuche auf jeden Fall, diese

Matrix aufzulösen. Ein ganz wichtiges

Werkzeug dabei ist für mich

Meditation. Sie gibt mir die Möglichkeit,

meinen Geist zu beruhigen.

Egal ob ich das nun drei Minuten

oder drei Stunden mache. Oder

meinetwegen auch nur ein paar

Atemzüge. Wenn ich meditiere, bin

ich komplett bei mir – ohne den

ganzen Lärm der Außenwelt. In der

Meditation trete ich sozusagen in

einen Raum voller Ruhe ein, darin

erlebe ich so etwas wie echte Realität,

und das beschert mir ein pures

Glücksgefühl.

Welche Techniken setzen Sie da

genau ein?

Ich habe lange Zeit Transzendentale

Meditation gemacht, jetzt ist es eine

Art Hybridform, die ich selbst entwickelt

habe und die ich auch anderen

Leuten beibringe. Wichtig dabei

ist, dass man das nicht wie eine lästige

Pflicht empfindet. Ich persönlich

freue mich auf jede Meditation.

Das heißt, im Grunde haben Sie

die illusionäre Welt der Matrix

schon hinter sich gelassen?

Einerseits ja, andererseits ist der

Weg aus der Matrix endlos. Sobald

du denkst, du hast sie entwirrt und

bist frei davon, denkst du dir: Moment,

vielleicht bin ich einfach nur

in der nächsten Matrix gelandet.

Wir werden auch durch die Algorithmen

der digitalen Welt manipuliert.

Wie schütteln Sie die ab?

Ich war nie von der digitalen Welt

begeistert. Ich habe eher eine Aversion

entwickelt, weil sie sich nicht

gut für mich anfühlt. Natürlich hänge

ich wie alle anderen am Smartphone,

aber ich sehe zu, dass ich

mich, sooft es geht, ausstöpsle. Und

ich habe diese Haltung auch meinen

Kindern zu vermitteln versucht. Sie

gingen auf eine Waldorfschule, wir

hatten keinen Fernseher. Irgendwann

kamen sie jedoch in ein Alter,

in dem sie aufs Smartphone nicht

verzichten wollten. Also habe ich

ihnen gesagt: „Der Technik ist euer

Wohlergehen egal, aber für mich

seid ihr das Wichtigste überhaupt.“

Zu einem freien Geist gehört auch

ein gesunder Körper. Was tun Sie

für den Ihren – etwa um die Stunts

in „Matrix“ zu meistern?

Das war eine große Herausforderung.

Ich war ja nicht mehr Anfang

dreißig wie bei den ersten Filmen.

Dazu gehört Training, gesundes

Essen mit Nahrungsergänzungen,

aber letztlich ist das auch eine

mentale Frage. Für die schwierigsten

Stunts half mir die Technik der

Visualisierung. Das Training des

Geistes ist das Wichtigste überhaupt.

„Matrix Resurrections“ läuft

ab 23. Dezember in den Kinos.

JSQUARED PHOTOGRAPHY/CONTOUR BY GETTY IMAGES

32 THE RED BULLETIN


„Ich habe

eine Aversion

gegen die

digitale Welt

entwickelt.“

Sci-Fi-Ikone Carrie-Anne Moss, 54,

schaltet gern ihr Handy ab.

THE RED BULLETIN 33


Deutschrap

badmómzjay

mischt mit 19 Deutschlands Rap-Szene auf, trägt gern

Goth-Outfit und steht offen zu ihrer Bisexualität. Wie sie

als junge Frau Hass im Netz kontert? Erzählt sie hier.

Interview JANINA LEBISZCZAK

Foto JESKO GORGAS

Früher hat mich das traurig gemacht.

Später habe ich gelernt, dass

ich lieber allein bin als mit Menschen,

die es nicht gut meinen mit

mir. Ich habe dadurch schnell verstanden,

wie die Menschen ticken

und die Welt funktioniert. Man muss

stark sein. Wenn man so aufgewachsen

ist, kratzt dich gar nichts mehr.

Es war doch alles nur ein Spaß!

2018 schrieb badmómzjay, die

Jordan Napieray heisst, auf dem

Handy ihren ersten Rap-Text und lud

ihn zu einem Beat von Nicki Minaj

auf Instagram hoch. Aus dem Spaß

wurde Ernst und der Song ein Hit.

Rapstars gratulierten, Plattenlabels

meldeten sich. Da war sie gerade

einmal 15 Jahre alt. Ihre erste EP

landete 2020 auf Platz 12 der Charts.

Bei den Hiphop.de Awards wurde

die bei Berlin lebende Rapperin als

„Beste New comerin national“ ausgezeichnet,

auf Spotify folgen ihr

über zwei Millionen Menschen, und

die Zeitschrift „Bunte“ verlieh ihr ein

paar Tage vor unserem Gespräch den

New Faces Award. Die Laune beim

Interview ist entsprechend prächtig.

THE RED BULLETIN: Erzähl mal,

wie fühlt sich die Wolke an,

auf der du gerade schwebst?

badmómzjay: Man hat gar nicht

die Zeit, um zu reflektieren. Natürlich

bin ich sehr glücklich und stolz.

Trotzdem würde ich mir einen

Moment wünschen, um das Ganze

einmal zu begreifen.

Wie ist es, Rapstar zu sein?

Ich kann tun, was ich liebe, ich bin

umgeben von talentierten Leuten, die

ähnlich ticken wie ich. Und ich würde

lügen, wenn ich sage, dass mich das

Geld nicht interessiert. Es macht

mich unabhängig. Ich kann meine

Familie unterstützen und muss nicht

mehr mit Sorgen einschlafen wie

früher. Was ich nicht mag, ist, dass

mich manche nicht mehr mit Respekt

behandeln, nur weil ich in der

Öffent lichkeit stehe. Man kann nichts

machen, ohne dass es beurteilt wird.

Ich bin noch ein Kind – für mich ist

das manchmal anstrengend.

In einer männerdominierten

Branche: Gibt es da einen weiblichen

Zugang zum Rap?

Ja, das Positive. Leute zu animieren,

dass sie machen können, was sie

wollen – egal wie sie aussehen, egal

wen sie lieben. Dieses Empowern

kommt in den Texten männlicher

Rapper selten vor.

Du bist ohne Vater aufgewachsen.

Wie hat dich das geprägt?

Sagen wir so: Ich lege mein prinzipielles

Misstrauen erst ab, wenn

ich vom Gegenteil überzeugt werde.

Reden kann man schnell viel, besonders

in meiner Branche.

Was hast du von deiner Mutter

lernen können?

Meine Mutter und ich sind ein Team.

Dass man Männer zum Überleben

braucht, den Gedanken gab es nie.

Ich kenne nur starke Frauen, die

alles selbst erledigen. Meine Mama

hat mir auch beigebracht, immer zu

sagen, was ich denke. In der Schule

waren die meisten von diesem Verhalten

eher abgeschreckt. Deshalb

hatte ich nicht viele Freunde.

Du wurdest wegen deiner Art und

dem finanziellen Hintergrund

deiner Familie in der Schule gemobbt.

Wie hat dich das geformt?

Heute setzt du dich für andere

ein. Du engagierst dich für die

LGBTQ-Community und stehst zu

deiner Bisexualität. Wie sind die

Reaktionen?

Hauptsächlich sehr positiv. Manchmal

gibt es auch Kommentare wie

„scheiß Lesbe“. Solche Leute ignoriere

ich. Sobald man sich äußert,

wird die Welle noch größer. Die

haben ein Problem mit sich selbst.

Ich kämpfe seit meinem 13. Lebensjahr

darum, dass Sexualität frei ausgelebt

werden kann, und gefühlt sind

wir keinen Schritt weiter. Wir haben

noch einen langen Weg vor uns.

Mal trägst du knallrote Haare und

gefühlt meterlange Fingernägel,

mal sieht man dich komplett ohne

Make-up. Was hat es mit deinem

Style auf sich?

Darüber denke ich nicht nach. Ich

bin ein sehr wandelbarer Mensch,

vom Girly zum Jogger-Style zu Goth

und zurück. Ich zeige mich auch oft

ungeschminkt. Ich mag so aussehen,

wie ich mich gerade fühle.

Welchen Rat hast du an die Nachwuchskünstlerinnen

da draußen?

Macht es wie ich: einfach anfangen!

Klar ist es schwierig. Aber lasst euch

von niemandem einreden, ihr würdet

das nicht schaffen.

Seit dem 26. November ist ihr Album

erhältlich: „badmómz“. badmómzjay auf

Instagram folgen: @badmomzjay

34 THE RED BULLETIN


„Ich mag

so aussehen,

wie ich mich

gerade fühle.“

Rapperin badmómzjay, 19,

steht zu ihrem Style.

THE RED BULLETIN 35


Fußball

Steffen Freund

war früher als aktiver Fußballer gefürchtet für seine

defensive Härte. Als Kommentator auf ServusTV

bevorzugt die Dortmund-Legende die Offensive.

Hier erklärt er, was Sieger auszeichnet.

Interview HANNES KROPIK

Als TV-Experte nehmen Sie sich

heute kein Blatt vor den Mund …

… ich verliere aber nie den Respekt

vor Spielern oder Trainern. Ich setze

bei den Zuschauern kein Basiswissen

voraus. Meine Aufgabe als Experte

ist es, das Gesehene so zu erklären,

dass man es als Laie nachvollziehen

kann und es am Ende einen Mehrwert

für alle gibt. Gleichzeitig will

ich die Zuschauer aber nicht mit

theoretischem Wissen zuschütten.

Als Fußballer war Steffen Freund

defensiver Mittelfeldspieler. Da hatte

er die Aufgabe, die Spielgestaltung

des Gegners möglichst effektiv zu

stören. 1996 wurde er mit Deutschland

Europameister. Mit Borussia

Dortmund gewann der nunmehr

51-Jährige zwei deutsche Meistertitel

sowie 1997 die Champions

League und den Weltpokal. Seine

viereinhalb Jahre bei Tottenham

Hotspur führten ihn in die Hall of

Fame des Londoner Spitzenklubs.

Heute ist Steffen Freund, der mit

seiner Familie außerhalb von Berlin

lebt, ein gefragter TV-Analytiker.

Auf ServusTV bildet er – gemeinsam

mit dem Norweger Jan Åge Fjørtoft

– ein internationales Experten-

Duo, das den Zuschauern die UEFA

Champions League näherbringt.

THE RED BULLETIN: Was nimmt

man für sein weiteres Leben mit,

wenn auf der Visitenkarte „Champions-League-Sieger“

steht?

steffen freund: Man spürt,

dass die eigene Karriere weit oben

angekommen ist. Dass ich nach

dem EM-Titel auch die Champions

League gewinnen konnte, hat mich

sehr glücklich gemacht – aber ich

war nie der Typ Mensch, der nach

Erfolgen zufrieden wurde. Zufriedenheit

kann hinderlich sein. Das

Schwierige ist, errungene Erfolge

durch nachfolgende Leistungen

zu bestätigen.

Die UEFA Champions League ist

für jeden Fußballer das höchste

Ziel auf Vereinsebene. Blöde

Frage: Wie gewinnt man sie?

Unser Finalgegner Juventus Turin

war 1997 die beste Mannschaft der

Welt. Ich erinnere mich, wie mein

Kollege Jürgen Kohler vor dem Spiel

trotzdem gesagt hat: „Kommt, wir

holen uns den Pokal!“ Ich dachte:

Was ist denn mit dem los? Aber er

hatte natürlich recht: Du musst an

dich selbst die höchsten Ansprüche

stellen. Denn in einem Spiel kannst

du jeden schlagen.

Heute sind Sie gefragter TV-

Experte. Inwiefern hilft Ihnen

Ihre Vergangenheit als ehemaliger

Weltklasse-Fußballer?

„Weltklasse“ haben jetzt Sie gesagt!

Aber klar, das ist ein kleiner Vorteil

für mich: Ich habe es selbst wirklich

erlebt und kann meine Emotionen

wahrhaftig wiedergeben. Ich bin

sehr dankbar, dass ich in 17 Jahren

als Profi so viel erleben durfte.

Trotzdem habe ich nicht vergessen,

woher ich komme: aus dem Osten,

der armen Seite Deutschlands.

Als Aktiver galten Sie als

unangenehmer Gegenspieler …

… aber ich war meist fair! Ich habe

brenzlige Situationen sportlich

zu lösen versucht. Meine Aufgabe

war in der Regel, den gegnerischen

Spielmacher auszuschalten, also

Legenden wie Zinédine Zidane, Roberto

Baggio oder Andreas Herzog.

Ich habe es genossen, wenn ich dabei

an meine Grenzen gehen musste.

Wie sind Sie als Aktiver mit Kritik

umgegangen?

Ich habe sie mir am Anfang zu Herzen

genommen – manchmal vielleicht

sogar zu sehr. Aber letztendlich

war berechtigte Kritik immer

ein Schlüssel zum Erfolg. Aus Kritik

entsteht Ehrgeiz. Und Energie!

Worum geht es im modernen

Fußball – in einem Satz zusammen

gefasst?

Es geht um Flexibilität. Egal ob du

als Mannschaft mehr in Ballbesitz

bist oder nicht, egal ob in der Offensive

oder in der Defensive: Du musst

taktisch rasch reagieren können.

Manche Entscheidungen musst du

blitzschnell aus dem Bauch heraus

treffen. Aber es müssen Entscheidungen

sein, die du im Kopf schon

längst vorbereitet hast.

Sie haben mit Ihrem Kollegen Jan

Åge Fjørtoft eine Wette laufen:

Sie behaupten, Manchester City

gewinnt die aktuelle UEFA Champions

League. Warum?

Ihre Ausgangssituation erinnert mich

an unsere mit Borussia Dortmund:

Wir waren – wie jetzt Manchester

City – in den Jahren davor immer

knapp dran am großen Erfolg. Du

kommst dem Triumph immer näher

– und wirst schlussendlich für deine

Beharrlichkeit belohnt.

Weitere Infos: servustv.com

SERVUS TV/LEO NEUMAYR

36 THE RED BULLETIN


„Kritik ist

ein Schlüssel

zum Erfolg.

Daraus entsteht

Ehrgeiz.“

Steffen Freund, 51, über Ärger

als mögliche Energiequelle

THE RED BULLETIN 37


MULTITALENT

Eileen Gu beim Red

Bulletin-Fotoshooting

in Saas-Fee: Im Freestyle-Skifahren

zählt

sie in drei Disziplinen

zur Weltspitze.

Die

Beste

EILEEN GU, 18, ist der nächste

Wintersport‐Weltstar: Freestyle‐Ski‐

Kanone, Stanford‐Studentin,

gefragtes Model. Als in den USA

geborene Chinesin will sie die Fans

beider Supermächte vereinen.

Text EVELYN SPENCE

Fotos CHRISTIAN ANWANDER


Freestyle-Ski

zweier

Welten

39


Freestyle-Ski

E

ihre

ileen Gu ist 18 Jahre alt, dafür hat sie es ordentlich

weit gebracht: Sie ist Freestyle-Olympiahoffnung

für Peking, zweifache Goldmedaillen-Gewinnerin

bei den X Games, gehört in allen drei Freestyle-Disziplinen

– Halfpipe, Slopestyle und Big Air – zur Weltklasse,

sie ist Langstreckenläuferin, dazu gefragtes

Model, Feministin und angehende Diplomatin.

Es ist Ende Oktober, Gu hat einen Monat Halfpipe-Training

in Saas-Fee in der Schweiz absolviert

und ein Camp am Stubaier Gletscher in Österreich

vor sich. Im Herbst erwarten sie Kurse in Mikro- und

Makroökonomie.

Die Zeit zwischen den Trainingseinheiten verbringt

sie mit Vorträgen über Astrophysik und Fachbüchern

über Quantenmechanik. „Als ich vorigen

Winter das erste Mal bei den X Games war, wurden

mir die anderen vor gestellt als ‚… hat das und das

gewonnen‘, als ‚… ist so und so oft Olympiasieger

geworden‘ oder ‚… ist der erste Mensch, dem dieser

und jener Trick gelungen ist‘. Bei mir hieß es immer

nur: Das ist Eileen Gu, sie hat 1580 Punkte beim

SAT-Test (einem standardisierten US-Schulleistungstest;

das Durchschnittsergebnis liegt bei knapp über

1000 Punkten; Anm.) und wurde auf der Universität

von Stanford aufgenommen.“

Man könnte Eileen Gu als Ausnahmeerscheinung

abtun, als begnadetes Multitalent. Man täte ihr damit

Unrecht. Denn was Gu wirklich zu etwas Be sonderem

macht, ist ihre enorme Leidenschaft fürs Lernen. Sie

ist eine Musterschülerin des Lebens – im Sport genauso

wie in der Wissenschaft. „Sie geht an jeden einzelnen

Trick mit extremer Sorgfalt heran, visualisiert

ihn wieder und wieder, in jedem Detail, und sie weiß

Fähigkeiten unglaublich gut einzuschätzen“,

sagt ihr Trainer Misra Noto. Kaya Turski, acht fache

X Games-Gewinnerin im Slopestyle, beschreibt Gus

Art, Ski zu fahren, mit dem Attribut „kalkuliert“ –

nicht, weil ihr die Leidenschaft fehlen würde, sondern

weil sie so überlegt und so präzise vorgeht.

Dasselbe gilt für das Training abseits der Piste.

„Eileen versucht, jede einzelne Wiederholung einer

Übung noch perfekter zu machen als die davor“,

sagt Alex Bunt, Strength- & Conditioning-Coach bei

Red Bull. „Die meisten von uns finden zum Beispiel

Dehnübungen langweilig. Sie nicht. Sie möchte jede

Dehnung besser machen als die davor.“

In Saas-Fee trainierte Gu eine neue Pipe-Sequenz

mit drei neuen Tricks und einer neuen Kombination,

sie war jeden Tag von 10 bis 15 Uhr auf dem Berg –

konzentriert, effizient, keine Minute wurde verschwendet.

Misra Noto, ein ehemaliger Profi und

erfahrener Trainer, der früher das Schweizer Slopestyle-Team

coachte, sagt: „Von allen Riderinnen, die

ich kenne, arbeitet Eileen am härtesten.“

Dass Gu manchmal als ein wenig kompliziert gilt,

hat einen einfachen Grund: Ihr Leben ist kompliziert.

Manchmal besteht es aus zwei Leben (Profisportlerin

und Studentin), manchmal aus vier (zusätzlich

noch Läuferin und Model). Außerdem fühlt sie sich

sowohl als Amerikanerin wie auch als Chinesin.

Eileen Gu wurde in San Francisco geboren und

stand auf den Hängen des Skigebiets Northstar am

Lake Tahoe zum ersten Mal auf Skiern. Trotzdem

entschied sie sich im Alter von 15 Jahren, bei der

„Ich muss die Dinge

gut machen, sonst

würde ich ja meine

Zeit verschwenden.“

MATT POWER

40 THE RED BULLETIN


AIR CHINA

Gu beim Training

in der Halfpipe von

Copper Mountain,

Colorado. In Peking

startet sie für China.

THE RED BULLETIN 41


„Fashion ist

eine kreative Art,

der Welt zu zeigen,

wer du bist.“

Eileen Gu über die Vorzüge

ihrer Zweitkarriere als Model


Freestyle-Ski

Olympiade 2022 für China anzutreten. Ihre Mutter

Yan stammt aus Peking. Seit Gu zwei Jahre alt ist,

verbringt sie jeden Sommer dort. Sie spricht akzentfrei

Mandarin, ging in Peking zur Schule, hat dort

Freunde und ein Haus. „Wenn ich in Amerika bin,

bin ich Ame rikanerin“, sagt sie ganz oft, sodass es

wirkt wie ein Man tra, „in China bin ich Chinesin.“

Als Gu zehn Jahre alt war, überredete sie den

Betreiber eines Ski-Resorts in China dazu, den ersten

Freestyle-Ski-Contest des Landes zu veranstalten.

„Die Community war damals noch winzig, wir sind

gemeinsam gewachsen“, sagt sie. Seit Gu bekannt

gegeben hat, in Peking für China zu starten, sind

mehr als zwei Jahre vergangen. Heute wird Gu

in China auf der Straße erkannt. Aus dem kleinen

Mädchen wurde die bekannteste Skifahrerin im

bevölkerungsreichsten Land der Welt; sie wird als

„Schneeprinzessin“ oder „Ski-Genie“ bezeichnet.

„Eileen ist die perfekte Kombination aus Alter,

Talent und Charisma“, sagt Szene-Insiderin Kaya

Turski. „Sie hat das Zeug, die nächste Lindsey Vonn

oder Chloe Kim zu werden.“

Genau hundert Tage vor der Eröffnungszeremonie

veröffentlichte das Pekinger Organisationskomitee

einen aufwendigen Kurzfilm: „A Date with Snow

and Ice“. Darin trifft ein junger Mann (Megastar

Jackson Yee, einer der beliebtesten Sänger Chinas)

ein junges Mädchen (Gu). Die beiden besuchen

gemeinsam die Pekinger Sportstätten; es ist eine

Mischung aus Pop-Kultur und Sport. Am Ende des

Films ist wieder Gu zu sehen: Eine Fackel in der

Hand, läuft sie, begleitet von dramatischer Musik,

in Zeitlupe die Chinesische Mauer entlang.

Es ist schwer zu sagen, wann genau Gu den

Durchbruch geschafft hat. Aber ein Wettkampf

sticht heraus: Innerhalb von 36 Stunden

gewann sie im Januar 2021 drei Medaillen

bei den X Games, zwei in Gold und eine in

Bronze. Sie war die erste Debütantin, die Medaillen

in drei Wettbewerben gewann, und die erste chinesische

Athletin der Geschichte mit einer Goldmedaille.

Zu dem Zeitpunkt war sie keine Unbekannte mehr;

sie hatte bereits 2020 in Calgary, Kanada, und auf

der Seiser Alm in den Südtiroler Dolomiten Weltcup-Wettbewerbe

gewonnen. Bei den Jugend-

Winterspielen 2020 in Lausanne, Schweiz, gewann

sie zweimal Gold und einmal Silber.

Der Weg bis dahin verlief alles andere als gewöhnlich.

Gus Mutter kam in ihren Zwanzigern als

Migrantin in die USA, studierte Biochemie an der

Rockefeller-Universität in New York und stand das

erste Mal am Hunter Mountain im Osten der USA auf

Skiern. Dann zog sie in die Bay Area, in die Gegend

von San Francisco, und erwarb an der Stanford-Universität

den Titel Master of Business Administration.

Als Eileen drei Jahre alt war, meldete Yan sie bei

einem Skikurs in Tahoe an. Mit acht Jahren wurde

sie Teil des Freeskiing-Teams im Northstar California

Ski Resort – als einziges Mädchen –, weil Yan fand,

Skirennen seien zu gefährlich. Bald gewann Eileen

COVERSTAR

Eileen Gu auf den

Titel seiten der Modemagazine

„Vogue“,

„In Style“, und „Elle“

(alle China) sowie des

„V Magazine“ (US)

„Wenn ich in Amerika bin,

bin ich Ameri kanerin.

In China bin ich Chinesin.“

Contests der USASA (United States of America

Snowboard and Freeski Association), darunter einen

nationalen Wettbewerb für Neunjährige.

Egal wo sie hinging, ihre Mutter war immer

an ihrer Seite. Kaya Turski begegnete Gu zum ersten

Mal in Neuseeland, „als eine kleine Frau zu mir kam

und sagte: ‚Das ist meine Tochter.‘ Das war Eileen,

1,20 Meter pure Energie“, erinnert sie sich.

Daheim in San Francisco wohnte Gu mit ihrer

mittlerweile 86-jährigen Großmutter, Guo Zhenseng

– hier kommt sie manchmal immer noch vorbei.

„Meine Großmutter ist leidenschaftlich, sie ist die

ehrgeizigste Person, die ich kenne. Und das heißt

viel, wenn ich es sage“, sagt sie. Sie war vier, als ihre

Großmutter ihr beibrachte, dreistellige Zahlen miteinander

zu multiplizieren.

„Meine Mutter ist nicht so ehrgeizig wie meine

Oma“, sagt sie. „Ihr war wichtig, mir viele Möglichkeiten

zu eröffnen, meinem Leben ein breites Spektrum

zu geben: Klavier, Ballett, Fußball, Basketball,

Reiten, Bogenschießen, Klettern, Volleyball, Tennis.

Ich machte alles.“ Aber: Druck, besonders erfolgreich

zu sein, gab es nie. „Das war keine Eislaufmutti-

Situation“, sagt Gu. „Mein Ehrgeiz kommt

eher aus meiner Unfähigkeit, zu versagen. Wenn ich

etwas mache, dann mache ich das gut, dann muss

ich das gut machen, sonst würde ich ja meine Zeit

verschwenden. Das ist die Art meiner Großmutter,

die Dinge zu sehen, und indirekt auch meine Art.“

Was Gus Durchbruch bei den X Games auf

den ersten Blick besonders überraschend macht:

2020/21 war die erste Saison, in der sie nicht Vollzeit

zur Schule ging. Bis zu ihrem Schulabschluss

2020 – sie war die erste Schülerin in der Geschichte

ihrer Highschool, die in drei Jahren den Abschluss

schaffte statt in vier – fuhr sie höchstens 65 Tage

im Jahr Ski. Jedes Wochenende fuhr sie mit Yan nach

Tahoe; während der vierstündigen Fahrt lernte sie

im Auto für die Schule.

Andere Talente in ihrem Alter brachten es auf

250 Skitage pro Jahr.

Die Umstände zwangen sie zu einem beinharten

Arbeitseinsatz auf und abseits der Piste. Gleichzeitig

führte sie ein ganz normales Teenager-Leben. „Viele

meiner Ski-Kolleginnen waren Außenseiter, durften

nicht zum Abschlussball gehen und all das. Bei mir

war das anders. Niemand wusste, dass ich Ski fahre,

und es hat auch niemanden interessiert.“

Außerdem war Gu beim Geländelauf derart

schnell, dass sie sich fast dafür statt für das Ski fahren

entschieden hätte – unter anderem weil sie als Läuferin

an Colleges aufgenommen werden hätte können.

THE RED BULLETIN 43


Freestyle-Ski

Aber als ein Ski-Contest in Österreich und ein Rennen

für die nationalen Crosslauf-Meisterschaften

zur gleichen Zeit stattfanden, kaufte sie ein Last-

Minute-Ticket nach Europa.

Auf die Frage, was Gu von anderen unterscheidet,

hört man oft ähnliche Antworten. US-Freestyle-

Skifahrer Bobby Brown, der acht Medaillen bei den

X Games gewann, sagt: „Ich kenne sie, seit sie zehn

oder elf war und ihren lila Helm trug. Was sie auf

den Rails aufführte, war schon damals verrückt.“

Für Trainer Noto ist am beeindruckendsten, wie

hoch Gu bei ihren Tricks in der Pipe springt – bei den

X Games waren es im Schnitt 3,35 Meter. Für Freestyle-Kollegin

Turski ist es schlicht ihre Vielseitigkeit.

Egal wen man fragt: Eileen Gu verfügt schon jetzt

über eine gigantische Bandbreite an Fähigkeiten –

und immer noch ist jede Menge Potenzial für Verbesserungen

da. „Noch kann ich nicht sagen, dass sie

die erfolgreichste Skifahrerin aller Zeiten wird“, sagt

Noto, „aber sie hat alles, was man dazu braucht.“

China hat, was den Skisport angeht, überaus

ehr geizige Pläne: Tausend neue Ski-Resorts

sind bis zum Jahr 2030 geplant, fünfzig

Millionen Skifahrer sollen China zum größten

Ski-Markt der Welt machen.

„Ich erinnere mich noch an die Anfänge. Ich

kannte jede einzelne Person im Snowpark, weil es

im ganzen Land gerade zehn oder zwanzig gab“,

sagt Gu. „Jetzt ist ein Funpark der trendigste Ort,

an dem man sich in China aufhalten kann.“

Das enorme Wachstum der Ski-Branche verläuft

parallel zu Gus eigener Entwicklung. Sie ist ein

Symbol für den chinesischen Ski-Boom. Dennoch

fiel ihr die Entscheidung, für China anzutreten und

nicht für die USA, sehr schwer.

Also: Warum China? „In den USA bin ich mit all

diesen Vorbildern aufgewachsen. So ein Vorbild

wollte ich für jemand anderen sein“, sagt sie. Übersetzt:

In China, sagt sie, könne sie ein nationales

Bewusstsein für Freestyle schaffen und eine neue

Generation von Mädchen inspirieren.

„Wenn ich in Amerika bin, bin ich Amerikanerin“,

wiederholt sie ihr Mantra, „wenn ich in China bin,

bin ich Chinesin.“ Gu verfügt über die erstaunliche

Fähigkeit, sich unterschiedlichen Umständen nahtlos

anzupassen, die Stimmung im Raum intuitiv

zu erfassen, selbstverständlich zwischen Sprachen

„Ich spreche

fließend Englisch und

Mandarin, somit kann

ich beide Kulturen

in mich aufnehmen.“

zu wechseln. „Da ich fließend Englisch und Mandarin

spreche, hatte ich von klein auf die Möglichkeit,

Nuancen von beiden Kulturen in mich aufzunehmen“,

sagt sie. „Ich kann nicht nur in beiden Sprachen

sprechen, ich kann auch in beiden leben.“

Natürlich entspricht das auch dem, was man

den „olympischen Geist“ nennt – speziell wenn es

darum geht, eine Verbindung zwischen den beiden

großen Weltrivalen China und USA zu schaffen.

„Ich habe erkannt, welche Auswirkungen Sport

auf die Diplomatie haben kann“, sagt sie. „Sport ist

etwas Gemeinsames, unabhängig von Sprache, unabhängig

von Kultur, unabhängig von politischer

Zugehörigkeit.“

Vergangenen Sommer reiste Gu für eine Tour

voller Sponsoring-Verpflichtungen nach China. Die

Tournee begann pandemiebedingt mit Quarantäne:

fünf Wochen allein in einem Hotelzimmer, mit nicht

mehr als einem Laufband, einer Yogamatte und ein

paar leichten Gewichten. Gu sah es als Chance, sich

auf ihre Fitness und nur auf ihre Fitness zu konzentrieren,

bei täglichen drei- bis vierstündigen Zoom-

ÜBERFLIEGER

Eine von Gus Stärken

ist der Luftstand, den

sie, hier in den USA,

bei ihren Sprüngen

erreicht – im Schnitt

über drei Meter.

MATT POWER

44 THE RED BULLETIN


MENTAL STARK

Gu beim Equipment-

Check. Die Achtzehnjährige

steht oft unter

Druck. Aber sie geht

extrem souverän

damit um.

Meetings mit Trainer Alex Bunt, der sich darauf konzentrierte,

an ihrer Explosivität und Sprungkraft zu

arbeiten, an ihrer Beweglichkeit und Flexibilität sowie

an ihrer Verletzungsresistenz. Sogar tausende

Kilometer entfernt war er überwältigt von ihren

motorischen und athletischen Fähigkeiten. „Ich

könnte Eileen sagen, sie soll die Haltung ihrer linken

kleinen Zehe korrigieren, und sie würde es gleich

schaffen“, sagt er. „Sie ist ein Bewegungsgenie.“

Als Gus geheime größte Stärke sieht Bunt ihre

Grundlagenausdauer. „Sie hat einen wirklich großen

Tank. Das heißt vor allem, dass sie mit den Schmerzen

und Belastungen eines hohen Trainingsvolumens

umgehen kann, physisch, aber auch mental. Fünf

Wochen allein im Hotelzimmer? Stell dir das vor.

Das ist irre. Ein unglaublicher Charakter.“

Nach der Quarantäne reiste Gu alle paar Tage

in unterschiedliche Städte. Skifahren, Schule, Klavier

und Laufen im Tag unterbringen zu müssen – so wie

früher – wirkt jetzt fast wie ein Kinderspiel. „Die vergangenen

zwei Jahre waren vom normalen Leben

eines Teenagers so weit weg, wie es überhaupt nur

weg sein kann“, sagt sie.

„Beim Tagebuchschreiben

finde ich

heraus, wie mein

Verstand funktioniert.“

Skifahren hat Gu bekannt gemacht, nun ist

das Modeln dazugekommen, das sie von

einer Nischen-Berühmtheit in einen Star

verwandelt hat. Mit fünfzehn wurde sie von

einer chinesischen Marke zur Paris Fashion Week eingeladen;

seither war sie mehrfach in den chinesischen

Editionen von „Elle“ und „Vogue“ zu sehen, wurde

von Luxusmarken wie Tiffany und Louis Vuitton

gebucht und nahm am Rebranding von Victoria’s

Secret teil – gemeinsam mit Megan Rapinoe, Valentina

Sampaio und Priyanka Chopra Jonas. „Ich stehe

für die Verbindung von zwei unterschiedlichen ethnischen

Gruppen, für eine Verbindung von Sport

und Kunst und für Körperbewusstsein“, sagt sie.

Für Gu ist das Modeln sowohl eine Ergänzung

zum Skifahren als auch eine Atempause davon.

„Fashion ist eine kreative Art, der Welt zu zeigen,

wer du bist“, sagt sie. „Es ist fast so wie beim Skifahren.

Erst wenn du deinen individuellen Style in

deine Tricks einbringst, wird es was Besonderes.“

Es gibt nicht nur diese Parallele zwischen Mode

und Wettkampf: Ein Fotoshooting erzeugt genauso

viel Adrenalin wie ein Run in der Halfpipe – die

Konzentration, das Im-Mittelpunkt-Stehen, das

Streben nach Perfektion.

All das klingt, als stünde Gu unter hohem Druck

– und der Eindruck stimmt natürlich. Der Druck

kommt von Sponsoren, von ihrem Land, von ihr

selbst. Aber sie geht souverän damit um. Sie weiß,

dass ihr niemand wegnehmen kann, was sie erreicht

hat. Sie weiß aber auch, dass sie sehr genau beobachtet

wird, vor allem in China, und dass sie im

Februar noch viel mehr Menschen noch viel genauer

beobachten werden. „Aber ich glaube nicht, dass

das meine Art, Ski zu fahren, beeinflusst hat“, sagt

sie. „Und wenn, dann hat es mich besser gemacht.“

Vielleicht ist es das, was Gu wirklich herausstechen

lässt: ihre mentalen Fähigkeiten. Wenn man

sie fragt, wie sie das macht, erwähnt sie Mutter und

Oma – und ihr Tagebuch. „Damit kann ich zurückblicken

und sehen, wie ich gewachsen bin. Mit dem

Tagebuch finde ich heraus, wie mein Verstand funktioniert.“

Eines Tages will sie ihre Aufzeichnungen

veröffentlichen. Dann könnte man, erste Reihe fußfrei,

miterleben, wie ein Star geboren wird.

Doch die Geschichte ist noch lange nicht fertig

erzählt, meint Kaya Turski. „Ich freue mich nicht nur

darauf, zu sehen, was sie im Skisport macht, sondern

auch, was sie für den Skisport macht. Wenn in China

alles für sie läuft, dann zündet die Rakete.“

THE RED BULLETIN 45


„Das Tempo

meines Körpers

zu akzeptieren

ist enorm wichtig.“

Andreas Wellinger

SKISPRINGEN

Diese Worte

sind Gold wert

„Ich habe auf

mein Herz

gehört, und es

funktioniert.“

Leon Vockensperger

SNOWBOARD

STEFAN HOBMAIER/RED BULL CONTENT POOL,HELGE ROESKE/RED BULL CONTENT POOL,

LORENZ RICHARD/RED BULL CONTENT POOL, HANS HERBIG/RED BULL CONTENT POOL

46 THE RED BULLETIN


Wintersport

„Angst um meinen Ruf?

Nein! Ich habe

nichts zu verlieren.“

Johanna Holzmann

SKI CROSS

Ein Angriff auf die Spitze, ein lang ersehntes

Comeback, ein junger Hoffnungsträger und ein

kompletter Neustart in einer anderen Disziplin:

vier radikal ehrliche Athleten-Gespräche

zum Start einer wilden Wintersport-Saison.

„Man will dem

anderen zeigen,

dass man

stärker ist.“

Vinzenz Geiger

NORDISCHE KOMBINATION

THE RED BULLETIN 47


Wintersport

„Seniorensport?

Auf der Loipe geht’s

Mann gegen Mann!“

In der vorigen Saison erreichte der Kombinierer

den sensationellen zweiten Platz im Gesamtweltcup.

Jetzt zählt er zu den Favoriten auf den Titel.

VINZENZ

GEIGER, 24

landete seit seinem

Debüt im Weltcup 2015

ganze 32 Mal auf dem

Podest (Einzel- und

Team-Wettbewerbe).

Die vorige Saison war

seine erfolgreichste:

Der Oberstdorfer überraschte

mit einem

sensationellen zweiten

Platz im Gesamtweltcup

hinter dem Norweger

Jarl Magnus Riiber.

NORDISCHE

KOMBINATION

Der Begriff Kombination

bezieht sich auf zwei

Disziplinen: Skispringen

und Langlaufen. Beim

Springen erhalten

die Athleten Punkte

für jeden Meter. Diese

werden in Zeitabstände

umgerechnet, mit

denen die Sportler

anschließend in den

10-Kilometer-Langlauf

starten.

THE RED BULLETIN: Von einer 100-Meter-

Schanze springen oder langlaufen,

bis die Beine brennen. Was macht mehr

Spaß?

Vinzenz Geiger: Mir macht beides Spaß.

Wenn es im Springen nicht läuft, kann das

ziemlich frustrierend sein. Dafür musst

du beim Langlaufen auch bei schlechtem

Wetter raus (lacht).

Was muss ein Athlet bei der Nordischen

Kombination mitbringen, um so erfolgreich

zu sein wie du?

Man muss aus beiden Disziplinen, dem Skispringen

und dem Langlaufen, das Beste

herausholen. Dafür braucht man eine gute

Ausdauer, Koordination und Spritzigkeit.

Die meisten in deinem Alter halten

Langlaufen eher für einen Seniorensport.

Worin liegt der Reiz für dich?

Als Kind habe ich es auch nicht gemocht

(lacht). Aber eigentlich ist Langlaufen

genial. Es ist eine der härtesten Sportarten,

für die du Kraft, Technik und Ausdauer

brauchst. Und ich mag die Mann-gegen-

Mann-Situationen. Zehn Kilometer, auf

denen es voll zur Sache geht. Da muss man

schon ordentlich leiden und denkt sich:

Wieso mach ich das?

Nordische Kombination, Teil 1: Vinzenz Geiger

beim Skisprung-Training in Oberstdorf 2020

Und? Wieso machst du das?

Ich will meinen Konkurrenten schlagen.

Man will dem anderen zeigen, dass man

der Stärkere ist.

Du bist letztes Jahr Zweiter im Weltcup

geworden. Zählst du dich diese Saison

zu den Favoriten?

Klar – es wäre ja komisch, wenn man

als Zweiter im Gesamtweltcup nicht

zu den Favoriten gehörte.

Spürst du Druck?

Nein. Aber wenn man so eine gute Vorsaison

hatte, will man das natürlich wiederholen.

Ein Erfolgsrezept von dir ist deine

Gelassenheit. Wie bleibst du so cool?

Ich nehme nicht alles so ernst wie andere.

Es ist ja nur ein Sport.

Worüber kannst du dich aufregen?

Wenn Schleicher auf der Autobahn

die linke Spur blockieren (lacht).

Nordische Kombination, Teil 2: Vinzenz Geiger

beim Langlaufen in Oberstdorf. Im Training laufen

die Sportler zum Teil 50 Kilometer.

HANS HERBIG/RED BULL CONTENT POOL (2), DOMINIK BERCHTOLD/RED BULL CONTENT POOL

48 THE RED BULLETIN


„Meine Mama fand

Ski Cross zuerst

gar nicht cool“

Im Telemark hat die Allgäuerin alles gewonnen. Nun will sie

in einer zweiten Disziplin voll angreifen: im Ski Cross.

JOHANNA

HOLZMANN, 26

musste als Kind wegen

Knieproblemen von Ski

Alpin zu Telemark wechseln.

Dort gewann sie

2018 den Gesamtweltcup

und zwölf Mal Gold bei

Junioren-Weltmeisterschaften.

In dieser Saison

wechselt sie wieder

in eine andere Disziplin:

zum Ski Cross.

Johanna Holzmann

(Mitte) beim Mannschaftstraining

am

Pitztaler Gletscher

in Österreich

HELGE ROESKE/RED BULL CONTENT POOL, RICHARD WALCH/RED BULL CONTENT POOL

SKI CROSS

ist eine noch junge

Wintersport-Disziplin.

Der erste Weltcup fand

erst 1998 statt. Dabei

brettern vier Fahrer

oder Fahrerinnen auf Ski

gleichzeitig einen Kurs

hinunter, der mit größeren

und kleineren Kickern

gespickt ist. Die ersten

zwei, die im Ziel ankommen,

qualifizieren sich

für die nächste Runde.

THE RED BULLETIN: Du willst dich jetzt

auf völlig neues Terrain begeben. Warum?

Johanna Holzmann: Das erste Mal kam

mir der Gedanke im vorigen Winter, als

ich wegen der Corona-Situation viel Zeit

hatte. Normalerweise betreibe ich dann

Alpin- Skifahren. Das war aber nicht möglich,

weil die Lifte für Privatpersonen nicht

offen waren. Deshalb habe ich mich den

Ski- Crossern angeschlossen. Das hat mir viel

Spaß gemacht (lacht).

Was reizt dich daran?

Es ist eine neue Disziplin und eine neue

Challenge. Da kann ich noch eine Menge

lernen.

Hast du keine Angst, zu verlieren und

deinen Ruf zu ruinieren?

Nein, überhaupt nicht. Ich komme als

Newcomerin in diese Sportart und habe

nichts zu verlieren.

Ist der Umstieg von Telemark auf

Ski Cross schwierig?

Ich habe schon als Kind viele Wintersportarten

ausgeübt, das ist auf jeden Fall ein

Vorteil. Und was das Wettkampfformat angeht,

profitiere ich von meinen Erfahrungen

beim Telemark. Der größte Unterschied

ist auf jeden Fall das Bindungssystem.

Beim Ski Cross ist der komplette Schuh

fest in der Bindung, beim Telemark ist

die Ferse hinten frei. Wie hast du dich

auf die Umstellung vorbereitet?

Im April habe ich mich mit den Trainern

zusammengesetzt und einen Plan ausgearbeitet,

wie das Ganze klappen könnte.

Dann ging es los mit viel Krafttraining. Im

Sommer bin ich dann auf den Gletscher

und in die Skihalle, um mich an das neue

Material zu gewöhnen.

Worauf kommt es bei Ski Cross an?

Auf Selbstvertrauen. Man darf nicht zurückziehen,

wenn man auf größere Sprünge

zufährt – erst recht nicht, wenn rechts und

links neben dir einer fährt.

Ski Cross gilt als eine der gefährlichsten

Disziplinen. Wie hat dein Umfeld

auf den Wechsel reagiert?

Meine Mama fand’s zuerst nicht so cool.

Aber als wir darüber gesprochen haben,

war sie dann beruhigt. Ich hatte schon

genug Verletzungen. Die Gesundheit ist

mein oberstes Ziel.

Und das Kniegelenk macht heute

keine Probleme mehr?

Nein. Mittlerweile sind beide Kniegelenke

durch je eine Operation stabilisiert.

THE RED BULLETIN 49


„Snowboarder können

mehr Spaß haben

als andere Athleten“

Vor neun Jahren sagten sie ihm, er sei zu schlecht. Heute ist

der Bayer einer der besten Snow boarder Deutschlands.

LEON VOCKENS­

PERGER, 22

stand schon als Dreijähriger

auf dem Snowboard.

Im Januar 2021

erreichte er beim Slopestyle-Finale

im Schweizer

Laax den zweiten Rang.

Es war bei den Herren

der erste Podestplatz

eines Deutschen in dieser

Disziplin überhaupt.

SNOWBOARD

FREESTYLE

Diese Sportart kennt

drei Disziplinen: Beim

Big Air springen die

Cracks über eine Rampe

und zeigen ihre besten

Tricks. Beim Slopestyle

müssen sie einen Hindernisparcours

bewältigen,

und in der Halfpipe-

Kategorie fahren und

springen sie möglichst

trickreich durch eine

nach oben offene

Schneeröhre.

THE RED BULLETIN: Du fährst Big Air und

Slopestyle. Welche Disziplin ist dir lieber?

Leon Vockensperger: Slopestyle, da ist

jeder Parcours anders. Ich habe keinen Bock,

jeden Tag vor demselben zu stehen. Ich bin

froh, dass ich nicht darauf gehört habe, dass

ich in anderen Disziplinen höhere Chancen

auf Erfolg hätte. Ich habe stattdessen auf

mein Herz gehört, und es funktioniert.

Wie übst du deine Tricks?

Früher habe ich mir einfach gedacht: Probieren

wir es mal. Das war nicht das beste

Risikomanagement. Heute baue ich meine

Tricks nach und nach auf und versuche mich

Umdrehung für Umdrehung hochzuarbeiten.

Wenn der 1080 im Schlaf funktioniert, dann

probiere ich den 1260 – und muss nur noch

einen 180 dranhängen.

Welchen Trick würdest du gerne mal

landen können?

Einen Cap Triple 18. Das sind 1800 Grad,

also eine fünffache Drehung. Der Trick ist bis

jetzt erst ganz wenigen Sportlern geglückt.

Dein Vater war früher selbst ein Spitzen-

Snowboarder. Hast du überhaupt je darüber

nachgedacht, lieber Ski zu fahren?

Nein, nie. Profi wollte ich zwar immer schon

werden, aber dass ich es auch schaffe, war

nicht immer klar. Als ich dreizehn war, hat

mein Trainer mir gesagt, dass ich zu alt und

zu schlecht sei. Erster Gedanke: alles fürn

Arsch. Aber ich hatte ein gutes Umfeld, das

mir Hoffnung gegeben hat. Ich habe außerdem

gelernt: Oft wirken Ziele weiter weg,

als sie eigentlich sind. Man muss nur einen

Schritt nach dem anderen machen.

Anfang 2021 gelang dir bei einem Weltcupbewerb

der erste Podestplatz eines

deutschen Slopestyle-Fahrers überhaupt.

Wie feierst du solche Erfolge?

Mit guten Leuten, viel tanzen und ab und

zu ein paar Drinks. Ich trainiere hart, aber

ich will mein Leben auch genießen. Deshalb

bin ich Snowboarder geworden und nicht

Leichtathlet.

Ist es also wahr, dass Snowboarder

die coolsten Sportler von allen sind?

Nicht cooler, aber Kraft spielt bei uns nur

eine Nebenrolle. Deshalb können wir es uns

erlauben, ein bisschen mehr Spaß zu haben.

Ich gehe sehr bewusst mit mir um, aber

ich kann auch mal feiern bis in die Puppen.

Wenn ein Leichtathlet Alkohol trinkt,

dann ist er nicht mehr konkurrenzfähig.

Wann hast du gemerkt, dass du das Zeug

hast, mit den Besten mitzuhalten?

Eigentlich erst jetzt. Selbst nach der vorigen

Saison hatte ich noch den Gedanken: was,

wenn das nur ein One-Hit-Wonder war?

Deswegen war der erste Wettkampf in dieser

Saison so wichtig für mich.

Worauf freust du dich in dieser Saison

am meisten?

Darauf, für den Weltcup nach Kanada und

in die USA zu fliegen.

Wann fängt der Winter für dich an?

Wenn ich das erste Mal wieder richtigen

Schnee unter den Füßen habe. Ende August

gehe ich zum ersten Mal snowboarden.

Und die Saison ist vorbei, wenn ich zum

ersten Mal wieder surfen gehe.

Leon Vockensperger beim Posen auf der Rail

in Saas-Fee in der Schweiz 2021

LORENZ RICHARD/RED BULL CONTENT POOL

50 THE RED BULLETIN


Wintersport

Höhenflug: Andreas

Wellinger bei der

Qualifikation für die

Vierschanzentournee

in Garmisch 2020

ANDREAS

WELLINGER, 26

gab mit 17 sein Debüt

im Weltcup. 2016 bei der

Skiflug-WM und 2017 bei

der Nordischen Ski-WM

gewann er jeweils Silber.

Wegen schwerer Verletzungen

ab 2019 konnte

er über ein Jahr keine

Wettkämpfe bestreiten.

„Ich trug die Mütze

meines Sport-Idols

beim Schlafen“

STEFAN HOBMAIER/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES

SKISPRINGEN

Nichts für Menschen

mit Höhenangst: Auf

einer fast 150 Meter

hohen Schanze nehmen

Skispringer mit etwa

90 km/h Anlauf, um

nach dem Absprung

bis zu 130 Meter weit

zu segeln. Punktrichter

vergeben eine Gesamtpunktzahl,

die sich aus

der erzielten Weite und

Haltungsnoten ergibt.

Nach langer Leidenszeit will sich

der Skiflug-Vizeweltmeister

von 2016 jetzt endlich wieder

zurückmelden.

THE RED BULLETIN: Wie kamst du

zum Skispringen?

Andreas Wellinger: Anfangs hab ich mich

als Kombinierer versucht, war aber immer

schon der bessere Skispringer. Also habe

ich mich 2011 aufs Springen konzentriert.

Mit 17 Jahren bin ich das erste Mal im Weltcup

gesprungen.

Wer waren deine Jugend-Idole?

2005 hat mir der Kombinierer Bernhard

Gruber seine Mütze geschenkt, mit der

habe ich als Kind lange Zeit geschlafen.

In meiner Anfangszeit als Skispringer

hat mich auch mein Teamkollege Severin

Freund extrem inspiriert.

Hinter dir liegen turbulente Jahre.

Was war dein Tiefpunkt?

Nach einer MRT im Jahr 2019, als der

Doktor mit Blick auf das Bild sagte, dass

neben dem gerissenen Kreuzband auch

der Knorpel kaputt ist und der ein viel

größeres Problem sei. Ein Kreuzbandriss

dauert ungefähr sechs Monate, bis man

wieder antreten kann – und der interessierte

den Arzt nicht mal …

Haben dich diese herben Rückschläge

verändert?

Ich musste 2020 anerkennen, dass ich

noch nicht die Performance liefern kann,

um ganz oben mitzumischen. Das Tempo

des eigenen Körpers zu akzeptieren ist

ein enorm wichtiger Schritt.

Du hast dich mit einem fünften Platz

beim Sommer-Grand-Prix in Hinzenbach

an der Spitze zurückgemeldet. Genau

dort, wo du dich 2019 so schwer verletzt

hattest. Wie hat sich das angefühlt?

Extrem gut! Jetzt gilt es, diese Leistung auf

Eis zu bringen. Bei meinen ersten Trainingssprüngen

in Hinzenbach im Juli saß ich

oben am Balken und hatte die Bilder vom

Sturz noch mal vor Augen. Aber nach ein

paar Sprüngen waren die alten Daten überschrieben,

und ich hatte das aus dem Kopf.

Welche Ziele hast du für dieses Jahr?

In der vorigen Saison waren auf meinem

Konto null Weltcuppunkte. Das gilt es

zu überbieten (lacht).

THE RED BULLETIN 51


AVANTGARDE

Designerin Flora

Miranda, 31, in ihrem

Modell „Avatar“. Das

Gitter dieser Kreation

aus Merinowolle lässt

sich auf Wunsch

verändern.


Fashion

Für ihre Kreationen

schreibt die österreichische

Designerin FLORA MIRANDA

Computer-Codes, lässt

Kleider aus Silikon wachsen

und malt Kunst auf Netze.

Hier erzählt die Visionärin,

warum wir bald alle Science-

Fiction auf der Haut tragen.

Text WOLFGANG WIESER

Fotos NORMAN KONRAD

ICH HABE DIE

ZUKUNFT

DER MODE

GESEHEN

ERINNERUNG

Auf diesem Bild trägt

Flora das Kleid „Memory“

aus der Kollektion

„Hyper real“. Es ist aus

schwarzem Baum wollsatin

geschneidert. Das

mit Silikon be strichene

Netzmaterial ist schleierartig

eingearbeitet.

53


NETZWERK

Flora Miranda bemalt

Netze mit Silikonfarbe.

„Diese Technik

habe ich selbst entwickelt“,

sagt sie.


Fashion

P

Prolog

Flora Miranda macht einen Schritt zurück. Noch einen.

Sie braucht Distanz, um sich näherzukommen. Sie betrachtet

das feinmaschige Netz, das in ihrem Atelier

hängt. Zweieinhalb Meter ist es hoch, eineinhalb breit.

Jetzt neigt sie den Kopf leicht nach links, tritt wieder

näher. Mit einer Spachtel streicht sie über die Fläche,

trägt mit Farbe vermischtes Silikon auf. „Diese Technik

habe ich selbst entwickelt“, sagt Flora.

Flora Miranda ist Modedesignerin von Beruf, aber

eigentlich ist sie Visionärin, zu Hause an der Schnittstelle

von Mode und Kunst. Sie ist 1990 in Salzburg in

eine Künstlerfamilie geboren worden, lebt aber jetzt im

belgischen Antwerpen. 2016 wurde sie bei den Austrian

Fashion Awards von einer internationalen Jury mit

dem „Outstandig Artist Award“ ausgezeichnet: „Sie

erschafft“, befand die Jury, „eine gänzlich neue, vom

Experiment mit Materialien, Produktionstechniken

und Verfahren inspirierte Mode-Utopie.“

Ihr Zugang sei eine Art interdisziplinäre künstlerische

Grundlagenforschung für die Zukunft der Mode:

„So bringt sie eine gänzlich neue Ästhetik mit überraschender

visueller Wirkung hervor, die in der vom

Zitat dominierten Modewelt eine originäre, eigenständige

Position einnimmt.“

Das Silikon tropft für einige Stunden. Alles fließt.

Sackt ein paar Zentimeter nach unten, findet seinen

Weg auf dem Netz, „ziemlich unkontrolliert“, sagt die

Künstlerin. Jetzt spachtelt sie ihr Gesicht, ein Selbst­

porträt. Sie sieht ernst aus. Noch aber ist sie nicht fertig.

„Den Mund musste ich dreimal malen. Weil alles fließt,

war er anfangs zehn Zentimeter unterhalb der Stelle, an

der er eigentlich sein sollte.“

Die Arbeit an dem Bild streamt Flora über Instagram.

„Es ist ein Ausdruck dieser Zeit, in der man mit sich

selbst konfrontiert ist wie niemals zuvor. Man sieht nur

sich selbst, gleichzeitig ist es eine Erinnerung an die

Außenwelt.“

Wochen später postet Flora ein Bild aus der arabischen

Ausgabe der Modezeitschrift „Harper’s Bazaar“.

Ihr Selbstporträt ist dort Teil einer sonnenuntergangsorangen

Fashion-Inszenierung, und Flora sieht darauf

aus wie eine selbstbewusste Fee aus einem futuristischen

Märchen.

Außerdem vereint das Bild alles, was der 31-jährigen

Designerin für ihre Arbeit wichtig ist: Mode und Kunst,

Vergangenheit und Zukunft, Kontinuität und Veränderung

– vor allem Veränderung oder präziser: Transformation,

Verwandlung. Wobei jeder dieser Begriffe die

anderen braucht, weil sie alle Floras Welt ausmachen.

Oder wie sie selbst sagt: „Meine Kleider sind die Sammlung

meiner Gedanken.“

Hier erzählt sie selbst ihre Geschichte; erklärt, warum

sie sich intensiv mit Programmieren beschäftigt,

und teilt eine Mode-Vision, die dermaßen Science­

Fiction zu sein scheint, dass man sie erst mit einem

ungläubigen Lächeln vernimmt, bevor man sich fasziniert

in Floras Fantasien wiederfindet.

Kapitel 1: Jeder ist ein Alien

„Ich habe schon mit vier Jahren bei Ausstellungen geholfen,

Keilrahmen für Bilder zusammenzuhämmern.

Später bin ich mit meinem Vater zu Künstlerresidenzen

(Plätze für kreatives Arbeiten; Anm.) gereist. Wir haben

dort gemeinsam viel Zeit verbracht. Aufgewachsen bin

ich in Salzburg – in einer Familie, in der Kunst ganz

wichtig ist. Ich bin sehr froh über diesen Reichtum,

den ich da mitbekommen habe.

Mein Vater (Wolfgang Seierl; Anm.) hat Gitarre und

Malerei studiert und organisiert seit Jahren das KomponistInnenforum

Mittersill – ein Festival, das dem

Komponisten Anton Webern gewidmet ist. Als Kind

habe ich dort Kabel getragen, als Jugendliche das Essen

„Meine Kleider sind die

Sammlung meiner Gedanken.“

THE RED BULLETIN 55


Fashion

„Ich stecke mein gesamtes Geld

in meine Mode-Kreationen.“

PRESS RESET

So heißt die Debüt-Kollektion

von Flora Miranda aus dem

Jahr 2016 – hier der Hosenanzug

„Delete Yourself“

und das Kleid „Spectral“,

beides aus Silikon.

serviert. Erst später bin ich draufgekommen, welch

wichtige Künstler da oft anwesend waren. Wahrscheinlich

fällt es mir deshalb noch heute leicht, mit Menschen

„aus der Kunst“ zu arbeiten. Zu der Zeit bin ich schon

ins Musische Gymnasium gegangen. Da gab es Zwölfjährige,

die am Mozarteum studiert haben. Ich habe gemalt,

ich war begabt, und ich wurde gefördert. Jeder

von uns Schülerinnen und Schülern war ein Charakter.

Die Kreativität hat uns einander aber nicht nähergebracht.

Man fühlt sich trotzdem wie ein Alien, wenn

man nicht die Dinge tut, die Zwölfjährige normalerweise

machen.

Ich bin immer noch sehr kontrolliert, aber ich versuche,

das aufzubrechen. Man wird in diesem künstlerischen

Bereich zum Individualisten geformt. Das ist

etwas, wo ich gemerkt habe, dass es nicht in jeder Situation

guttut. Um gemein sam mit anderen Leuten zu arbeiten,

ist es notwendig, sich einzugliedern. Beides ist

wichtig für mich. Aber es ist eine Herausforderung,

zu erkennen, dass man nicht immer der sein muss,

der speziell ist.

Heute besteht mein Alltag nur daraus, mit Menschen

zu arbeiten, deswegen ist diese Fähigkeit für mich ganz

entscheidend. Der Individualismus ist wichtig, um ein

stilistisches Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln und

sich so von anderen Designern weltweit abzuheben.

Es ist andererseits aber schon auch wichtig, dass

man das weiß, dass am Ende das Zusammensein am

schönsten ist. Ich mag in meiner Art eigen sein. Aber ich

bin sehr gerne mit Menschen zusammen.“

Flora Miranda geht zum Studium nach Antwerpen,

Belgien. Die Königliche Akademie der schönen Künste

gilt als Avantgarde-Hochburg. Deren bekannteste Absolventen

sind die „Antwerp Six“, allesamt weltberühmte

Modedesigner: Dries van Noten, Ann Demeulemeester,

Walter van Beirendonck, Dirk Bikkembergs, Marina Yee

und Dirk van Saene. Aber auch Martin Margiela, Haider

Ackermann und Kris Van Assche haben hier studiert.

Nach ihrem Abschluss arbeitet Flora für die niederländische

Designerin Iris van Herpen, später gründet

sie ihr eigenes Label.

56 THE RED BULLETIN


KREATIVER

KOPF

Flora Miranda mit

Selbstporträt

„Memories“:

daheim zwischen

Mode und Kunst

„Ich bin immer noch sehr kontrolliert,

aber ich versuche, das aufzubrechen.“


„Kunst regt dich an, dein

Leben zu hinterfragen.“

HEISSER STOFF

Flora experimentiert gern

mit Materialien (hier: ein

Silikonkleid), was ihren

Entwürfen anziehende

Sinnlichkeit verleiht.

Kapitel 2: Ins Extrem gehen

„Für mich hat die Kunst eine wichtige Rolle in der Gesellschaft.

Ihre Aufgabe ist es, Freiräume zu schaffen,

wo unsere Realität reflektiert wird. Wo man Zeit hat,

zu schauen, zu denken und seine eigenen Ansichten zu

entwickeln. Dafür darf der Künstler ins Extrem gehen,

das Gewohnte reizen, damit er mir die Gelegenheit gibt,

mein Leben zu hinterfragen.

Ich möchte solch einen Raum in der Mode schaffen.

Natürlich nicht immer. Mode kann auch sehr angewandt

sein, also einfach nur die Haut schützen. Es kommt

immer darauf an, wofür sie gedacht ist. Ich verfolge

verschiedene Richtungen. Einerseits will ich eben Freiräume

schaffen, und da denke ich schon, dass meine

Kreationen der Kunst nahe sind.

Andererseits habe ich auch Stücke, die einfach tragbar

sind. Für spezielle Gelegenheiten schlüpfe ich auch

in Couture-Stücke, nur meine skulpturalen Stücke trage

ich eher nicht, ich bin ja keine Performance-Künstlerin.

Ich trage übrigens sehr viel Kleidung, die mir gegeben

wurde. Wenn anderen Leuten ihre Kleidung nicht mehr

passt, finde ich es gut, sie zu tragen. Mein Fokus liegt

woanders. Ich stecke mein gesamtes Geld in meine Kreationen.

Mein Label habe ich gegründet, weil ich erkannt

habe, dass kaum jemand für die Avantgarde der Mode

steht. Deshalb habe ich auch in Antwerpen studiert,

weil ich mit meinem künstlerischen Hintergrund die

Kreativität in der Mode hochhalten wollte.

Ich arbeite sehr eklektisch, ich habe nicht diese eine

Arbeitsweise. Ausgangspunkt ist bei meinen Kreationen

immer ein Thema, ein Konzept. Das hat immer mit dem

digitalen Dasein des Menschen zu tun, gepaart mit

Materialstudien. Ich habe ständig Ideen, um die herum

sich Menschen, Bücher, Musik, visuelle Formen akkumulieren,

bis sie so etwas wie eine Traube bilden – und

auf einmal ist ein Thema bereit, umgesetzt zu werden.“

Das Ergebnis sind Kleider, die oft wie Skulpturen wirken.

Kreationen, die aus langwieriger Denkarbeit entstehen,

aus der Beschäftigung mit Mathematik und ihrer Übersetzung

in Computer-Codes. Sie sind aber keineswegs

ein ausschließlich intellektuelles Vergnügen, im Gegenteil:

Viele ihrer Arbeiten bergen eine anziehende Sinnlichkeit.

Flora Miranda zeigt sie seit 2018 bei den Haute-

Couture-Schauen in Paris, manche haben den Weg

in Museen gefunden, internationale Künstler-Stylisten

(etwa von Lady Gaga, Miley Cyrus, Sita Abellan, M.I.A.)

lieben ihre aufregenden Looks.

Kapitel 3: Wer programmieren kann,

gewinnt Freiheit

„Ich bin insgesamt eher chaotisch, deshalb versuche ich,

strukturiert zu arbeiten. Ich fange jeden Tag spätestens

um neun Uhr an. Ich arbeite den Großteil meines Lebens.

Erst während des Lockdowns habe ich herausgefunden,

dass ich auch etwas anderes kann als arbeiten. Vorher

gab es in meinem Hirn nicht die Möglichkeit, etwas

anderes zu tun.

Schon seit vielen Jahren frage ich mich, wo sich

unsere Gesellschaft hinbewegt mit all dem Produzieren,

Analysieren und dem Nutzen von Daten. Und ich finde,

um kreativ damit umzugehen, muss man die Sprache,

mit der diese Daten gemanagt werden, beherrschen.

Ich fühle mich machtlos, wenn ich nicht programmieren

kann. Indem man programmiert, gewinnt man

58 THE RED BULLETIN


Fashion

MUSEUMSREIF

Flora im Modemuseum Hasselt,

Belgien. Sie trägt ihre Kreation

„Memory“ und hält das Kleid

„Radiation“ im Arm. Im Hintergrund:

Museumsstücke

anderer Designer

„Mich fasziniert der Gedanke, dass etwas fluide ist,

dass ich ein Kleidungsstück morphen kann.“

MAKE-UP: LAURA NOBEN

Freiheit. Ich bin deshalb auch an Datenvisualisierung

interessiert, weil ich mir gerne vorstelle, dass der Körper

aus Daten besteht. Es erweitert die Fantasie, das Immaterielle

ist etwas, was den Menschen auf viele Arten

fasziniert. Wir sehnen uns danach, die Last des Körpers

hinter uns zu lassen.

Der Gedanke ist nichts Neues, das hat nichts mit Spiritualität

zu tun, sondern mit Wissenschaft. Mich interessiert,

was man mit den Daten anfangen kann.

Meine ‚IT Pieces‘ sind ein erster großer Schritt. Das

hat nichts mit It-Girls zu tun, sondern steht für Information

Technology. Es sind veränderbare Kleidungs stücke,

die auf persönliche Daten reagieren.

Konkretes Beispiel: Ich könnte beispielsweise diesen

Text analysieren und aus den Gefühlen, die darin vorkommen,

aus Tausenden von Liedern eine Songzeile für

ein T-Shirt destillieren.

Meine Kreation ‚Avatar‘, die es als Pullover, als Kleid

und als Abendkleid gibt, ist von den Avataren in ‚Second

Life‘ (einer virtuellen Welt, in der echte Menschen als

künstliche Figuren auftreten; Anm.) inspiriert. In meinem

Online-Shop lässt sich das Design, eine Gitterstruktur,

verändern. Diese veränderte Gitterstruktur wiederum

lässt den Körper anders aussehen – üppiger oder weniger

kurvig, ganz nach Belieben.

Ich habe eine ganz bestimmte Idee von der Zukunft

der Mode. Meine Vision ist, dass sich datengetriebene

Kleidungsstücke abhängig von Trägerin und Träger

ändern und dass es auch am Betrachter liegt, was er zu

sehen bekommt. Mich fasziniert, wenn etwas fluide ist

– dass ich ein Kleidungsstück morphen, es also fließend

verändern kann. Ich glaube, dass die digitale Welt uns

diesen Wunsch erfüllen kann.“

Epilog

Frage: Wirst du das noch erleben?

„Das kommt darauf an, wie hart ich arbeite.“

Mehr Flora Miranda in allen Lagen auf Instagram: @floramirandaofficial

oder auf ihrer Webseite: floramiranda.com

THE RED BULLETIN 59


Rallye Dakar


„Der Beifahrer hat

immer das Sagen“

Der Deutsche Co-Pilot DENNIS ZENZ, 31, will die Rallye Dakar

mit Seth Quintero, 19, gewinnen – dem jüngsten Fahrer im Feld.

Ein Gespräch über die Psychologie im Auto, gemeinsames

Weinen und Teamwork bei 180 km/h. Text WERNER JESSNER

ARIEL WOJCIECHOWSKI/RED BULL CONTENT POOL

ARBEITSPLATZ WÜSTE

Der Side-by-Side-Buggy von

Seth Quintero und Co-Pilot

Dennis Zenz in Marokko

61


Rallye Dakar

November 2021, eine Lagerhalle in Dubai.

Dieser Tage wird hier allerdings nicht gelagert,

sondern geschraubt. Die Crew des

Red Bull Offroad Junior Teams bereitet

Side-by-Side-Rennwagen (eine Art Dünen-

Buggy; Anm.) für die Piloten Cristina

Gutiérrez und Seth Quintero vor, Letzterer

ist der jüngste Etappensieger in der

Geschichte der Rallye Dakar. 2002 in

Kalifornien geboren, verbrachte der US-

Boy nahezu sein ganzes Leben auf vier

Rädern in der Wüste. Im Alter von zehn

Jahren fuhr er sein erstes Rennen, mit elf

war er Junioren-Weltmeister. Mit sechzehn

hatte er so gut wie alles gewonnen,

was es im amerikanischen Offroad-Sport

zu gewinnen gibt. Ab diesem Moment

gab es nur noch eine Steigerung: die

Dakar, die härteste Rallye der Welt, ausgetragen

in Saudi-Arabien. Gleich bei

seinem ersten Start im Januar 2021 gewann

der Teenager zwei Etappen und verpasste

den Gesamtsieg nur wegen eines

Getriebeschadens.

An der Seite von Seth sitzt einer, der

dafür zuständig ist, den Jungstar behutsam

zu lenken, einzubremsen oder anzutreiben:

der Deutsche Dennis Zenz. Er

hat 16 Jahre Erfahrung als Beifahrer. Die

Stimmung während unseres Interviews

ist blendend – was auch daran liegt, dass

Wirbelwind Seth durch die Halle tobt

und im Hintergrund allerhand Schabernack

treibt. „So ist er“, sagt Dennis grinsend,

bevor wir das Gespräch beginnen.

THE RED BULLETIN: Die meisten Motorsportler

wollen hinters Lenkrad. Warum

bist du Beifahrer geworden?

dennis zenz: Ich habe mit acht Jahren

begonnen, Kartrennen zu fahren. Ich

komme aus keinem reichen Elternhaus.

Meine Eltern haben getan, was ihnen

möglich war, aber für eine Profi-Karriere

hätte es nie gereicht. Ein Freund betrieb

neben einem Formel- auch ein Rallye-

Team. Er hat mich mit dreizehn auf den

Beifahrersitz gesetzt, damit ich lernen

konnte – um mit achtzehn dann nicht

von null starten zu müssen, falls ich es

selbst als Fahrer probieren wollte. Mit

fünfzehn darf man in Deutschland ganz

offiziell Rallye-Beifahrer sein. Das habe

ich gemacht, und weil es von Anfang an

gut geklappt hat, bin ich dabei geblieben.

Ab wann konntest du vom Beifahrer-

Sein leben?

Ende 2015 habe ich mich selbständig gemacht.

Zuvor habe ich meine Ausbildung

als Kfz-Mechatroniker abgeschlossen,

um Kompetenz ins Auto mitzubringen.

Meine Lehrer haben mich damals angefleht,

doch das Abi zu machen, aber

ich wollte die Technik der Rennautos verstehen.

Heute würde ich Abi und Studium

durchziehen, aber ich war damals so

beseelt vom Sport, dass nur die Lehre in

Frage kam. Ich hatte immer einen Plan,

von dem ich mich nie abbringen ließ.

Sieht man deine Karriere-Statistik an,

fällt auf, dass du selten mit Crash-

Piloten unterwegs warst, eventuell mit

Ausnahme der Saison 2017 in der deutschen

Rallye-Meisterschaft. Zufall?

In der Tat sehe ich den Job des Beifahrers

auch als den eines Psychologen. Ich kann

einem Fahrer aggressiv vorlesen und

ihn anstacheln oder aber ihn beruhigen.

Die Zwischentöne zu erspüren, das ist

Erfahrungssache; und etwas, was gutes

Teamwork ausmacht. Vermutlich ist es

auch das, was mich die letzten fünfzehn,

sechzehn Jahre hat weitestgehend unfallfrei

überstehen lassen.

Suchst du dir deine Fahrer danach aus,

wie gut sie sich lenken lassen?

Nein, in der Regel wird man zusammengesetzt

und baut danach eine Beziehung

zueinander auf. So war es auch mit Seth.

Man verbringt viel Zeit gemeinsam und

lernt einander kennen. So lernt man

Stärken wie Schwächen kennen und

weiß, wie man miteinander umgeht und

wo man den Partner piksen muss.

„Unsere Rollen

im Auto: Links lenkt,

rechts denkt.“

Vorbereitung auf die Rallye Marokko: Pilot Seth Quintero (im Auto) und Co-Pilot Dennis Zenz

62 THE RED BULLETIN


„Ein Beifahrer ist

immer auch Psychologe,

der seinen

Fahrer anstachelt

oder bremst.“

Im Rallye-Auto hast du sogenannte

Pace-Notes, in denen jede Kurve auf

der Strecke präzise vermerkt ist. Diese

Pace-Notes erstellst du selbst, indem du

die Strecke mit deinem Fahrer vorher

abfährst. Auf der Dakar bekommt du

15 Minuten vor dem Start eine grobe

Orientierung. Da kann durchaus auch

mal drinstehen: „20 Kilometer geradeaus“.

Wie geradeaus „geradeaus“ dann

wirklich ist, kannst du dir vor Ort mit

dem Kompass überlegen. Hier hat mir

Dirk Tricks und Kniffe beigebracht,

wie man das in der Praxis umsetzt.

ARIEL WOJCIECHOWSKI/RED BULL CONTENT POOL, MARCIN KIN/RED BULLL CONTENT POOL

Das heißt, du bist derjenige mit der

Kontrolle im Auto?

Der Beifahrer hat immer das Sagen.

Idealerweise konzentriert sich der Fahrer

nur aufs Fahren, um alles andere kümmere

ich mich. Links lenkt, rechts denkt.

Gilt das in jedem Fall? Du bist ja zum

Beispiel auch mit der deutschen Rallye-

Legende Armin Schwarz gefahren,

und dem muss man in diesem Sport

ja wirklich nichts mehr erklären.

Stimmt genau! Mit Armin habe ich seit

2016 zusammengearbeitet, da durfte ich

viel lernen. In Stress-Situationen denke

ich noch heute an ihn: wie er cool und auf

das Wesentliche fokussiert bleibt. Aber

auch er hat seine heißblütigen Momente.

Sobald er den Helm aufhat, wird er zum

Rennfahrer, für den es nur Vollgas gibt.

GUTER GUIDE

Dennis Zenz, Jahr gang 1990,

steht 2022 am Start seiner erst

zweiten Rallye Dakar – und ge hört

doch schon zu den Favoriten.

Gerade auf der Rallye Dakar hat

Deutschland eine schöne Tradition

erfolgreicher Beifahrer von Siegern,

von Dirk von Zitzewitz über Timo

Gottschalk bis zu dir. Gibt es da ein

geheimes Netzwerk?

Mein erster Kontakt war tatsächlich Dirk.

Bis voriges Jahr hatte ich keine Berührungspunkte

mit der Dakar oder dem

Rallye-Raid-Sport (Offroad-Langstreckenrennen;

Anm.) generell. Er hat mich als

Mentor an der Hand genommen und mir

erklärt, worauf es ankommt. Er wohnt

hinter Hamburg, da haben wir ein Sideby-Side-Buggy

geschnappt, und ich habe

von ihm in der Praxis gelernt.

Kannst du erklären, wie sich die Arbeit

eines Beifahrers auf der Dakar von

jener im Rallye-Auto unterscheidet?

Wie schaltet man um zwischen

180 km/h im Wald auf präzise Orientierung

zwischen Geröllbrocken und

in Dünenfeldern?

Der Umstieg vom Rallye- ins Dakar-Auto

ist leichter, weil die Geschwindigkeit

geringer ist. In der anderen Richtung

braucht es ein paar Kilometer, um sich

an den Speed zu gewöhnen.

Du bist 2021 deine erste Dakar gefahren.

Wie viel Erfahrung mit Navigation

im offenen Gelände hattest du?

Null.

Wie „null“?

Die Rallye Dakar 2021 war mein zweiter

Rallye Raid überhaupt. Und da wir in der

Vorbereitung technische Probleme hatten,

war mein tatsächlicher Erfahrungsschatz

minimal. Ende September kam der Anruf

mit der Anfrage, eine Woche später saß

ich mit Seth im Auto und fuhr meinen

ersten Rallye Raid in Andalusien. Danach

kam schon die Dakar. Ich wusste

nicht, wie Dünen aussehen, ich kannte

die Organisation nicht, und ich musste

erst lernen, wie die ganzen Instrumente

funktionieren.

Und trotzdem habt ihr dann

zwei Etappen gewonnen.

THE RED BULLETIN 63


Rallye Dakar

Ich erinnere mich an den ersten Tag. Ich

war so überfordert, dass ich Seth einfach

gesagt habe, er soll den Spuren der vor

uns Gestarteten folgen. Aber am Ende

haben wir das gut gemeistert.

Moment mal: Gerade hast du gesagt,

der Beifahrer ist der Chef im Auto.

Und wenn der Chef keine Ahnung hat?

Seth hatte ja auch keine Ahnung, darum

ist das nicht aufgefallen (grinst). Wir sind

gemeinsam gewachsen und haben uns gut

reingearbeitet. Bis zu unserem Getriebeschaden

lagen wir solide in den Top drei

– der gerade erst 18 Jahre alt gewordene

US-Boy und das Beifahrer-Greenhorn.

Musstest du eigentlich schlucken,

als sich herausgestellt hat, dass Seth

Quintero dein Fahrer ist? Ein offensichtlich

völlig durchgeknallter Teenager,

und du neben ihm?

Ich bin schon neben dem 13 Jahre alten

Fabio Schwarz im R5-Rallye-Auto gefahren.

Ich habe immer viel mit Jungen

gearbeitet. Ich bin zwar mittlerweile

31 Jahre alt, fühle mich aber wie Anfang

20. Ich sehe den Altersunterschied nicht

so dramatisch. Junge Leute lernen rasch

und setzen es direkt um. Insofern musste

ich nicht lang überlegen, als das Angebot

mit Seth kam. Er ist schnell, wahnsinnig

talentiert und die große Hoffnung in den

Staaten. Insofern ist es eine Ehre, mit

ihm arbeiten zu dürfen.

Wie ist er außerhalb des Autos?

Er albert ständig rum und kann keine

Sekunde stillsitzen.

Wie zur Bestätigung Jubel im Hintergrund:

Seth hat es geschafft, eine volle

Wasserflasche so auf einen Balken in der

Halle zu werfen, dass sie oben stehen

bleibt. Im Stil eines Football-Spielers,

der einen Touchdown geschafft hat, lässt

er sich von imaginären Massen feiern.

Genau so ist er. Genau so. Ein verrückter

Hund. Lässt sich nicht verbiegen. Ein

super Typ durch und durch.

Hast du keine Angst am Beifahrersitz?

Nein, gar nicht. Bei Rallye Raids in

der Wüste fühle ich mich sehr sicher.

Bei normalen Rallyes fahren wir mit

180 km/h auf Asphalt oder Schotter

zwischen Bäumen. Das halte ich für

deutlich gefährlicher.

„In der Wüste fühle

ich mich sicher.

180 km/h zwischen

Bäumen sind deutlich

gefährlicher.“

Der Mann mit dem Plan: Dennis ist

schon sein halbes Leben lang Beifahrer.

Gerade bei der Dakar sind es aber

doch oft Beifahrer, die sich verletzen

– wie zum Beispiel Daniel Elena

am heißen Sitz der Rallye-Legende

Sébastien Loeb.

Wir Beifahrer sind in der Wüste so mit

unseren Instrumenten beschäftigt, dass

wir viele Gefahrenmomente gar nicht

erkennen und den Körper im Ernstfall

nicht auf den Einschlag vorbereiten können.

Das ist in der Tat ein Problem. Wir

Beifahrer sind die potenziellen Schwachstellen.

Aber jeder, der ins Auto steigt,

weiß und akzeptiert das.

Warum machst du das?

Jeden Tag sterben mehr Menschen im

Bett als im Auto. Und trotzdem legen wir

uns jeden Tag wieder in die Kiste.

Neben der reinen Navigation sollst du

also auch noch Psychologe sein und

den Fahrer kontrollieren. Das stelle

ich mir anstrengend vor.

Tatsächlich kontrollieren muss ich Seth

selten. In der Praxis ist es eher so, dass

ich nach vier, fünf Stunden im Auto bemerke,

dass sich Routine einschleicht,

MARCIN KIN/RED BULLL CONTENT POOL

64 THE RED BULLETIN


SHAKEDOWN

In der Wüste Marokkos fahren

Seth und Dennis die entscheiden

den Material-Tests für die

Rallye Dakar im Januar 2022.

THE RED BULLETIN 65


Rallye Dakar

und ich ihn auffordere, für die letzten

70, 80 Kilometer besonders achtzugeben.

Konzentriert zu fahren, keinen

Reifenschaden zu riskieren. Ich drücke

quasi auf den Reset-Knopf und signalisiere

ihm, dass der Tag gerade neu

begonnen hat. Dakar ist kein Rennen, es

ist ein Abenteuer. Zuallererst geht es ums

Durchkommen. Je weniger Probleme du

unterwegs hast, desto weiter vorne wirst

du sein.

Bei Problemen: Wer wirft zuerst die

Nerven weg?

Wir hatten bei der letzten Dakar leider

viele technische Probleme, die in diesem

Jahr hoffentlich aussortiert sein sollten.

Nach jeder schlechten Zeit kommt eine

gute. Wir verlieren als Team, und wir gewinnen

als Team. Nerven wegschmeißen

bringt nix.

Als voriges Jahr, in Führung liegend,

bei euch das Getriebe eingegangen ist:

Was habt ihr gemacht?

Geweint (lacht). Wir hatten gerade

unseren härtesten Gegner überholt, der

mit einem Reifenschaden in der Wüste

stand. Zehn Kilometer später gab es

einen riesigen Knall im Fahrzeug, und

wir standen. Der Traum war geplatzt.

Nach der ersten Frustration haben wir

uns daran gemacht, alles vorzubereiten,

bis der Lkw kam, der uns abschleppte.

Wie waren 14 Stunden hinterm Lkw?

Schweigsam. Trotzdem haben wir uns

auf den nächsten Tag vorbereitet und

unsere Ziele neu definiert. Der Druck

des Gesamtsieges war weg. In dieser

Nacht hatten wir zwei Stunden Schlaf.

Wir starteten dann ganz hinten, mitten

in den Staubfahnen der anderen. Es war

eine wunderschöne Etappe mit Steinformationen

wie Pilzen. Wir konnten das

wirklich genießen. Am Tag darauf haben

wir beschlossen, volle Attacke zu gehen.

Es war die härteste Etappe der Rallye,

und wir haben sie überlegen gewonnen.

„Wir haben die

härteste Etappe

überlegen gewon nen.

Das war psychologisch

wichtig.“

Das war psychologisch wichtig: Wir

können es, wir sind die Schnellsten,

auch wenn wir in der Gesamtwertung

nirgendwo liegen.

Spürt man als Beifahrer, wenn der

Fahrer im Flow ist?

Du bist gemeinsam im Flow, als Team.

Ja, das spürst du. Im Auto herrscht eine

innere Ruhe. Jede Ansage von mir, jede

Bewegung von Seth sitzt. Härter ist es,

wenn du spürst, dass wenig zusammenpasst.

An diesen Tagen wenig Fehler

zu machen ist oft entscheidender, als es

an den guten Tagen fliegen zu lassen.

Welche Sorte von Tag es wird, spüre ich

schon auf den ersten Metern.

Sagen wir, dir unterläuft ein Fehler,

und ihr habt euch um fünf Kilometer

verirrt …

Dann musst du ruhig bleiben. Schauen,

wo der Fehler passiert ist und wie wir

wieder auf die richtige Route zurückkommen,

ohne zu viel Zeit liegen zu

lassen. Panik bringt da gar nix. Positiv

bleiben, weitermachen.

Wie reagiert Seth da?

Der bleibt ganz cool. Rallye Raid ist

ein klassischer Teamsport. Mal macht

der eine einen Fehler, mal der andere.

Wir gewinnen und verlieren als Team.

Vorwürfe wären kontraproduktiv. In der

Rallye heißt es: Der Fahrer gewinnt, der

Beifahrer verliert. Im Rallye Raid ist klar,

dass vier Augen mehr sehen als zwei.

Im Unterschied zu den Motorradfahrern,

die bei der Dakar als Erste

starten und sich in der unverspurten

Wüste zurechtfinden müssen, ist euer

Problem wohl eher die Vielzahl an

Fährten. Wie unterscheidet man die

guten von den weniger guten?

Zu 80 Prozent stimmen die Spuren.

Zu 20 Prozent musst du hart an der

Navi gation bleiben und dich auf das

verlassen, was im Aufschrieb steht. Gerade

wenn wir hinter den Lkw starten,

wird es schwierig, weil die über alles

drüber fahren und der Sand völlig zerwühlt

ist. Die Navigation ist eher dort

ein Thema, wo es weniger Reifenspuren

gibt, zum Beispiel im Geröll.

ARIEL WOJCIECHOWSKI/RED BULL CONTENT POOL

66 THE RED BULLETIN


Seth Quintero steht mittlerweile hinter

Dennis und schneidet Grimassen. Das

bleibt dem nicht verborgen: „Wie soll man

sich neben so einem konzentrieren?“,

fragt er rhetorisch und schneidet eine

Grimasse zurück. Die beiden verstehen

einander offenbar blendend.

Wie entsteht der Plan für den

jeweiligen Tag?

Der kommt in der Regel von mir, weil

ich weiß, welches Gelände uns erwartet.

Seth hat einen Mega-Speed in den

Dünen, auf Sand ist er extraklasse. Das

ver suchen wir natürlich auszunutzen.

Ich sage dann zum Beispiel: Lass uns bei

Kilometer 80 etwas langsamer machen,

denn da ist die Navigation besonders

schwierig. Wenn es die Möglichkeit

gibt, zu pushen, dann macht er das

ganz von selbst. Mein Job ist eher, ihn

taktisch zu zügeln, wenn ich meinen

Pace-Notes entnehme, dass eine potenzielle

Gefahr droht.

Wie leitet er dich?

Gar nicht. Er fährt einfach.

„An schlechten

Tagen wenig Fehler

zu machen ist

oft entscheidender,

als an guten

zu brillieren.“

GASFUSS

Dennis (li.) und Seth

entspannt vor dem

Start zur Rallye

Marokko in Zaghura

Kannst du die Emotionen nach eurem

ersten Etappensieg beschreiben?

Seth Quintero war immerhin jüngster

Sieger der Dakar-Geschichte …

Kann ich in der Tat. Wir sind auf Khalifa

al-Attiyah aufgelaufen, den Bruder des

Dakar-Siegers Nasser. Der ist immer flott,

darum wussten wir, dass unsere Pace

gut war. Beim Tankstopp bemerkten wir,

dass wir einen schleichenden Plattfuß

hatten. So haben wir die gewonnene

Zeit wieder verloren. Dann haben wir

das Loch abermals zugefahren und ihn

ein zweites Mal überholt. Schließlich

haben wir mit 23 Sekunden Vorsprung

gewonnen. Da war schon auch ein bisschen

Wut im Bauch dabei. Seth wollte

auf seiner ersten Dakar unbedingt einen

Etappensieg, und das war dann entfesselte

Freude.

War es der Höhepunkt eurer gemeinsamen

Karriere?

Nein, unseren zweiten Etappensieg

am Tag elf schätze ich noch höher ein,

weil er so dominant ausfiel.

Wie populär ist Seth in Amerika?

Ich war noch nicht mit ihm in den USA,

aber was man so mitkriegt und liest, ist

er schon ein kleiner Star. Er hat in seinen

Kategorien sämtliche Titel gewonnen,

die er gewinnen konnte. Was ich am Beifahrersitz

sehe: dass er ein unglaubliches

Talent ist, mit einem Mega-Grundspeed.

So chaotisch er außerhalb des Cockpits

ist, so fokussiert ist er drinnen.

Mittlerweile albert Seth offensiv rund

um Dennis rum, was der mit der Drohung

quittiert, ihm das Handy wegzunehmen.

Später an diesem Tag beginnt der abschließende

Test mit dem neuen, sequenziellen

Getriebe, das deutlich haltbarer

sein sollte als das bisher verwendete. Seth

Quintero kann es offensichtlich kaum

erwarten, hinter das Lenkrad zu dürfen,

und lässt seine Umwelt das spüren.

Das heißt, das Ziel für die Saison 2022

ist eindeutig.

Gewinnen, ja.

Der nächste Schritt liegt ja ebenfalls

auf der Hand.

Klar, der Aufstieg in die T1-Klasse – zu

den richtigen Autos. Das muss das Ziel

sein. Ich staple gern tief, aber schon

im ersten Jahr so knapp am Sieg dran

ge wesen zu sein, das zeigt unser großes

Potenzial.

Manche Fahrer – auch Legenden wie

Sébastien Loeb – rennen jahrelang

vergebens gegen die Dakar an, während

es bei anderen anscheinend wie

von selbst funktioniert. Hast du eine

Erklärung dafür?

Nein, habe ich nicht. Es muss so viel

zusammenpassen, um eine Chance zu

haben. Und dann braucht es auch noch

Glück. Sébastien habe ich bei der letzten

Dakar auf der gesamten Rallye dreimal

gesehen. Dreimal sind wir an ihm

vorbeigefahren, weil er mit technischen

Problemen im Sand steckte. Die Dakar

ist ein Überlebenskampf, jeden Tag

aufs Neue.

Beschreibe bitte die Rallye Dakar

in einem Satz.

Ein Wort reicht: „alles“. Die Dakar ist

alles. Ich hätte zuvor nie gedacht, welche

Ausmaße das hat, aber es ist tatsächlich

so, dass du nach der Zieldurchfahrt

gleich an den nächsten Start denkst. Hier

einmal – oder natürlich auch mehrmals

– zu gewinnen wäre das Allergrößte für

mich. Schon die Zielankunft bei der letzten

Dakar hat sich wie ein kleiner Sieg

angefühlt. Die Dakar zu gewinnen würde

mir alles bedeuten. Wirklich alles.

Die Rallye Dakar 2022 findet von 2. bis 14. Januar

in Saudi-Arabien statt. Alle Infos: Instagram:

#redbulldesertwings oder: dakar.com

THE RED BULLETIN 67


Spitz

die Ohren

The Red Bulletin gibt’s nun auch zum

Anhören: inspirierende Interviews, scharfe

Porträts, abenteuerliche Reportagen.

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MICHAEL KÖHLMEIERS

Kolumne

Boulevard der Helden

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GUIDE

Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

NIMM NIMS!

Mit dem nepalesischen

Rekordbergsteiger

Nirmal „Nims“ Purja

auf den Mont Blanc

SANDRO BAEBLER

69


GUIDE

Reisen

„Ich liebe das,

was ich tue, aus

tiefstem Herzen.“

Der nepalesische Alpinist Nims Purja, 38, hat die

vierzehn Achttausender in Rekordzeit bestiegen – und

sich die Gipfel auf seinen Rücken tätowieren lassen.

Bei seiner Destination Red Bull-Reise begleitet er dich

auf den Mont Blanc.

N

etflix hat ihm eine eigene Doku

gewidmet („14 Peaks: Nothing Is

Impossible“), unter Kollegen der Extrembergsteiger-Szene

ist er aktuell der unbestritten

Größte, und sein Rekord wird

wohl noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte

halten: In unfassbaren sechs Monaten

und sechs Tagen bestieg der 1983 im

nepalesischen Flachland geborene Nirmal

„Nims“ Purja alle 14 Achttausender auf

diesem Planeten und unterbot den damals

gültigen Rekord dabei um sieben Jahre

und vier Monate. Was für andere eine

Lebensaufgabe ist, ist für Nims ein besserer

Wochenendausflug: Mount Everest

(8848 m), Lhotse (8516 m) und Makalu

(8463 m) bezwang der mittlerweile von

der Queen zum Ritter geschlagene ehemalige

Elitesoldat der britischen Royal

Navy in 48 Stunden und 30 Minuten.

„Project Possible“ taufte er das Projekt,

das für jeden anderen wohl eine Mission

Impossible gewesen wäre.

Die Frau an Nims’ Seite

Isabelle Santoire kam vor über 20 Jahren

aus dem kanadischen Montréal in die

Schweiz. Ihr damaliger Freund, ein Eishockeyspieler,

hatte in Genf einen Vertrag

bekommen, und sie folgte ihm. Selbst als

er weiterzog, blieb sie da. Sie hatte sich

erneut verliebt, und zwar in die Schweizer

Berge. „Ich beendete mein Studium und

ließ mich zur Bergführerin ausbilden.

Heute bin ich eine von nur 16 Profi-

Bergführerinnen in ganz Frankreich.“

Rekord-Bergsteiger Purja, hier bei einem Besuch am Großglockner, bereist mit dir die Alpen.

Nims Purja beim Aufstieg

auf den Großglocker:

Der Nepalese

ist ein wahres Wunder

in Sachen Ausdauer und

gibt seine Tipps gern

an seine Gäste weiter.

70 THE RED BULLETIN


Anreise

Chamonix, korrekt:

Chamonix-Mont-Blanc,

liegt im Dreiländereck Frankreich

– Schweiz – Italien auf

der französischen Seite.

Mit dem Flugzeug: Der

nächstgelegene Flughafen

ist Genf, danach sind es

über die A40 und N205 noch

rund 90 Minuten mit dem

Auto. Wahlweise gibt es auch

einen direkten Bus ab dem

Flug hafen Genf.

Mit dem Auto: Aus Österreich

oder Deutschland kommend

über die Schweizer

Autobahnen 1 und 12 bis nach

Montreux, danach über die

Chamonix

Genf

Frankreich

A9 bis Martigny. Dann wird

es spektakulär: Der weitere

Weg führt über die Route de

la Forclaz bei Châtelard über

die französische Grenze und

weiter nach Chamonix.

destination.redbull.com

Schweiz

Mont Blanc

Italien

Zwischenziel: Refuge du Goûter, die höchstgelegene Hütte im Mont-Blanc-Massiv

STEFAN VOITL/RED BULL CONTENT POOL, SHUTTERSTOCK, ADOBE STOCK

WERNER JESSNER

Isabelle hat Expeditionen auf der ganzen

Welt geleitet und Chamonix am Fuß des

Mont Blanc zu ihrer Heimat gemacht.

Wie oft sie schon auf dem Gipfel war? Die

zweifache Mutter lacht: „Keine Ahnung.

Ich zähle da nicht mehr mit.“ Der höchste

Berg der Alpen ist ihr Hausberg: „Er mag

zwar technisch nicht sonderlich schwierig

sein, aber jedes Mal, wenn ich nach Hause

komme und ihn sehe, bin ich von seiner

Schönheit fasziniert.“

Für eine exklusive Destination Red Bull-

Reise arbeiten Nims und Isabelle erstmals

zusammen. Hier die perfekt organisierte –

ja, doch – Einheimische, da jener Mann,

der das Bergsteigen auf ein neues Level gehoben

hat. Welche Fragen hat Isabelle an

Nims Purja? „Viele! Doch am allermeisten

Beim Aufstieg wird Nims die Seilschaften

wechseln. So kommt jeder in den Genuss,

mit dieser Legende geklettert zu sein.

Gut zu wissen

Ob man den 1786 erstbestiegenen

Mont Blanc den höchsten Berg

Europas nennen kann, ist Interpretationssache

und tatsächlich

nicht ausgemacht. Zählt man nämlich

den Kaukasus noch zu Europa,

wäre der 5642 Meter hohe Elbrus

in Russland Europas höchster Berg.

Unbestritten ist der Mont Blanc

immerhin der höchste Berg Frankreichs.

Allerdings reklamieren ihn

die Italiener ebenfalls als ihren

höchsten Berg, denn sie ziehen die

Grenze genau über den Gipfel (was

die Franzosen wiederum nicht so

stehen lassen wollen). Auf gesichertem

Terrain bewegen wir uns, wenn

wir sagen: Der Mont Blanc ist der

höchste Berg der Alpen.

THE RED BULLETIN 71


TRAVEL EDITION

DANIEL

BÆKKEGÅRD

Mit Dänemarks Ironman

ins Gute-Laune-

Triathlon-Camp auf

Fuerteventura

AUSGABE 4

SAISON 2022/23

TRAILRUNNING | SURFEN | MOUNTAINBIKEN | SEGELN

FREERIDE SKIING | KAJAK | FOTOGRAFIE | FORMEL 1 | FOILING

001_TRB01-TRB- 1 18.10.2021 15:31:35

GUIDE

Reisen

Das Ziel: Der Mont Blanc liegt an der Grenze zwischen Italien und Frankreich und ist mit seinen 4810 Metern der höchste Berg der Alpen.

interessiert mich, wie er sich so schnell

regeneriert. Gerade gestern habe ich an

einem Berglauf teilgenommen, heute bin

ich völlig zerstört. Nims scheint dieses

Problem nicht zu kennen – wie sonst kann

man drei Achttausender innerhalb von

zwei Tagen schaffen?“

Das Gipfel-Rezept

Damit es bei der Destination Red Bull-

Reise auf den Mont Blanc zu keinen Anpassungsschwierigkeiten

kommt, werden

die Gäste von Isabelle und Nims Tritt für

Tritt an die Höhe herangeführt – etwa mit

einer Wanderung auf die 3540 Meter hohe

Aiguille du Tour. Am Arête des Cosmiques

üben die Gipfelstürmer in spe den Umgang

mit Pickel und Steigeisen in Fels und

Eis, außerdem frischen sie Wissen über

Berge- und Seiltechnik auf.

Eben weil der Mont Blanc keine besonderen

technischen Schwierigkeiten

aufweist, ist er auch für Sportler machbar,

die keine ausgewiesenen Alpinisten sind.

Santoire: „Fehlende Bergroutine kann

man auf diesem Berg durch exzellente

Kondition ausgleichen. Geübte, trittsichere

Bergläufer haben auf dem Mont Blanc

ebenso eine Chance auf einen Gipfelsieg

wie klassische Bergsteiger.“

„Wann hat man

schon die

Gelegenheit, mit

einer echten Berg-

Legende eine

Seilschaft zu bilden?“

Isabelle Santoire, 53,

Bergführerin in Chamonix, begleitet mit

Nims Purja die Gäste auf der Reise.

Die Tour wird den Teilnehmern unvergesslich

bleiben, ist sich Isabelle Santoire

sicher: „Wann hat man schon die Gelegenheit,

mit einer echten Berg- Legende eine

Seilschaft zu bilden?“ Nims Purja wird

während des Aufstiegs Seilschaften wechseln.

So kommt jeder der fünf Teilnehmer

in den Genuss, mit Nims persönlich aufzusteigen.

Übernachtet wird dabei auf

Hütten, etwa der höchstgelegenen bewirtschafteten

im Mont-Blanc-Massiv,

dem Refuge du Goûter auf 3835 Metern.

Was auf der für August 2022 geplanten

Tour sicher nicht passieren wird: „Selbst

wenn wir mit dem schnellsten Bergsteiger

von allen unterwegs sind, werden wir nicht

auf den Mont Blanc rennen“, sagt Santoire.

„Die Reise ist als Naturaben teuer

angelegt, nicht als Wettbewerb.“

KOMM,

FAHR MIT!

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abseits des Alltäg lichen

mit Red Bull-Athleten

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im neuen Destination

Red Bull-Magazin. Alle

Infos zum Programm:

destination.redbull.com

GETTY IMAGES, ANGELA PERCIVAL

72 THE RED BULLETIN


Das Tirol Gefühl

www.tirol.at


GUIDE

Gaming

GAMING & STYLE

Digitaler

Runway

Fashion-Guru Jazzy Cho

erklärt die Mode-Trends

im Spielerfolg „Die Sims 4“.

Flughäfen sind nicht gerade

für ihre Modeszene bekannt.

Eine Ausnahme ist der

Incheon International Airport

in Südkorea. Der futuristische

Umschlagplatz mit Casino

und Golfplatz entspricht dem

Ruf eines Landes mit vollvernetzten

Smart Citys und

einer welt bekannten Popkultur.

Von der K-Fashion, also

der koreanischen Mode, ganz

zu schweigen. Kein Wunder

also, dass dieser Flughafen

seine eigene Modelinie hervorgebracht

hat: die „gonghang

fashion“, deutsch: Flughafen-

Mode. Entstanden ist sie aus

den Schnappschüssen der

Paparazzi, die aus Übersee

ankommende top gestylte

Prominente ablichteten.

„Die Südkoreaner sind stolz

auf ihren Incheon Airport,

weil hier die Touristen einen

ersten Eindruck vom Land

gewinnen“, erklärt Jazzy Cho,

US-Mode-Influencerin mit

koreanischen Wurzeln. Ihre

Mission: der Welt die Kultur

ihres Ursprungslands zu vermitteln.

Deshalb kuratiert Cho

das „Incheon Arrivals Kit“,

eine Zusammenstellung von

gonghang-Outfits für das

Social-Simulation-Spiel „Die

Sims 4“. Hier erklärt sie, was

es mit K-Fashion auf sich hat.

Spielfiguren aus dem Gaming-Hit „Die Sims 4“: koreanische Airport-Mode in digitaler Form

Lockere Klassik

„Die K-Fashion ist geprägt von

Stickereien, kräftigen Farben

und fließenden Stoffen, die

beim hanbok, der traditionellen

koreanischen Kleidung,

üblich sind“, sagt Cho. Heute

erlebt hanbok eine Neuinterpretation

im modernen Street-

Style. „Lockere baji-Hosen

„Die Modestile in

Korea entwickeln

sich permanent.“

US-Mode-Expertin Jazzy Cho

(traditionell für Männer; Anm.)

werden von Frauen in maßgeschneiderter

Form getragen,

und das bodenlange

chima-Hemd gibt es in einem

kürzeren, leichteren Stil, aber

immer noch mit Volumen.

Früher galt: Je mehr, desto

angesehener war man.“ Das

Incheon Arrivals Kit zelebriert

dies mit einer modernen Version

des „durumagi“, eines

Herren mantels. Die für hanbok

typische Liebe zum Detail

erstreckt sich auf alle Aspekte

des Lebens: „Es gibt Restaurants,

die bieten Schürzen für

ihre Gäste!“

Fast Fashion

Südkoreas Modewelt hält

Schritt mit dem rasenden

Fortschritt des Landes. „Die

Stile entwickeln sich permanent“,

so Cho. „Seine eigene

Farbe zu haben ist gerade

total angesagt. Es gibt Läden,

die schauen sich deinen Hautton

an und suchen dann die

passenden Farbnuancen

dazu. Diese Mode hat also

einen Wiedererkennungswert,

ist aber nie homogen.“

Mehr Romantik, bitte!

Der Airport-Style mit seiner

kosmopolitischen Sichtweise

passt perfekt zu Chos Hintergrund.

„Ich sehe mich als

Koreanerin, betrachte diese

Kultur aber durch die amerikanische

Brille. Was mir als

US-Bürgerin zum Beispiel aufgefallen

ist: Die koreanische

Kultur – vom K-Pop bis hin zur

Küche – ist äußerst romantisch.

Die Liebe und Glücksgefühle

rund um eine funktionierende

Beziehung werden

unglaublich gefeiert. Viele

Marken verkaufen Mode im

Paket für Paare, sodass sie

zusammenpasst. Wir spielen

darauf auch im Incheon

Arrivals Kit an: Einige Teile

ergänzen einander.“

Das „Incheon Arrivals Kit“ für

„Sims 4“ ist jetzt auf PlayStation,

Xbox, PC und macOS verfügbar;

ea.com. Mehr zu Jazzy Cho auf

youtube.com/jazzycho und TikTok:

@thejazzycho

ELECTRONIC ARTS ALEXANDRA ZAGALSKY

74 THE RED BULLETIN


KONSOLE

Ping-Pong

Zwei Striche als Schläger, ein hinund

hersausender Punkt als Ball:

„Pong“, Mitte der 1970er die Mutter

aller Videospiele, ist zurück: als

witzige Retro-Version für unterwegs.

Premiere feierte „Pong“ am 29. November

1972 in der Kneipe „Andy Capp’s Tavern“

im kalifornischen Sunnyvale: Ein gelber

Kasten mit der Aufschrift „Pong“ und

einem Bildschirm, aufgestellt neben dem

Flipperautomaten, erregte die Aufmerksamkeit

der mehrheitlich Bier trinkenden

und Billard spielenden Gäste.

Die schlichte Grafik und den simplen

Spielablauf – ein Punkt springt zwischen

zwei Linien hin und her und simuliert ein

Tennis- oder Tischtennismatch – hatte

Allan Alcorn von der Firma Atari entwickelt.

Das Spiel sollte ein derartiges

Suchtpotenzial entwickeln, dass in den

USA bald mehr als 35.000 Automaten

aufgestellt waren. Eine Version für daheim

– eine der ältesten Spielkonsolen überhaupt

– kam 1975 auf den Markt.

Jetzt, fast ein halbes Jahrhundert

später, lässt sich das Originalspiel wiederentdecken

– in Form der Handheld-

Konsole Atari Mini PONG Jr. Zu spielen

allein oder zu zweit, aufgepeppt mit

Retro-Sound effekten und kultiger Grafik

auf 30-Zentimeter-Flüssigkristallbildschirmen.

arcade1up.com

Genau wie der ursprüngliche

Spiel-Automat hat

der Atari Mini PONG Jr.

drehbare Steuerköpfe, um

den „Schläger“ nach links

und rechts zu steuern.

TOM GUISE

THE RED BULLETIN 75


GUIDE

Lesestoff

ACTION-THRILLER

Der unbarmherzige

Samariter

US-Thrillerautor Gregg Hurwitz hat mit Evan Smoak einen Helden erschaffen,

der es gnadenlos krachen lässt. Doch das ist gar nicht so einfach, wie es klingt.

Text JAKOB HÜBNER

An den richtig harten

Typen haben sich

schon viele Autoren

die Zähne ausgebissen.

Dabei möchte man

ja meinen, es wäre eine vergleichsweise

leichte Übung,

einen Helden für einen Actionthriller

zu erschaffen. Man

nehme einen kantigen Kerl,

tunke ihn tief in eine elitäre

militärische Vergangenheit,

füge eine großkalibrige Knarre

hinzu, einmal durchladen,

und los geht’s! Aber so funktioniert

das nicht.

Tatsächlich sind sogenannte

„One Man Army“­

Thriller eine ziemlich heikle

Herausforderung, da sie sich

formal auf einem extrem

schmalen Grat bewegen.

Anders gesagt: Die Lächerlichkeit

ist dabei immer nur

einen Schritt weit entfernt.

Die Kunst besteht darin,

eine notwendigerweise überzeichnete

Figur mit genügend

Tiefgang auszustatten, um sie

in einem realistischen Setting

zu verankern. Gelingt das

nicht, wird sie zur Karikatur.

Auf der anderen Seite lauert

der heimtückische Psycho-

Treibsand. Denn kaum eine

Romanfigur ist nervtötender

als ein Actionheld, der ständig

erklärt werden muss. Das

geht gar nicht. Man nimmt so

ein Buch ja schließlich nicht

aus dem Regal, weil gerade

kein Dostojewski zur Hand ist.

Nein, ein guter Thrillerheld

ist wie ein gutes Steak, nur

umgekehrt: innen scharf angebraten

und außen blutig.

Evan Smoak ist so ein Typ.

Er war einst Teil eines streng

geheimen US-Regierungsprogramms,

in dem Waisenkinder

rekrutiert und zu hocheffizienten

Killermaschinen

ausgebildet wurden. Ausgestattet

mit wasserdichten

Identitäten und nahezu grenzenlosen

finanziellen Mitteln,

räumen die „Orphans“ dort

auf, wo dem Staat die eigenen

VINZ SCHWARZBAUER

76 THE RED BULLETIN


Erster Absatz

aus „Rache der Orphans“

Das RoamZone ans Ohr gepresst, trat Evan rasch durch

die Tür seiner Penthousewohnung im Apartmenthochhaus

Castle Heights. Das Handy mit dem Gehäuse aus gehärtetem

Gummi und dem Display aus Gorilla Glass war so widerstandsfähig

wie ein Hockeypuck und im Prinzip nicht zurückzuverfolgen.

Jeder Anruf auf 1-855-2-NOWHERE wurde digitalisiert

und über ein Labyrinth von verschlüsselten VPN-Tunneln

über das Internet verschickt. Erst nachdem er per Software

von Vermittlungsstelle zu Vermittlungsstelle einmal rund

um den Globus geleitet worden war, kam er auf dem Roam­

Zone an. Evan meldete sich immer mit demselben Satz.

Brauchen Sie meine Hilfe?

BUCHTIPPS

Helden in Serie

Vier Thriller-Autoren, die keine Gefangenen

machen – außer bei den Lesern.

Gesetze im Weg stehen.

Als jedoch sein ehemaliger

Ausbildner und Mentor in Ungnade

fällt, steigt Evan aus

und verschwindet vom Radar.

Er leidet unter schlechtem Gewissen

und sehnt sich nach

Buße. Er wird zum „Nowhere

Man“, einer Art unsichtbarem

Schutzengel für Menschen,

die in Not geraten sind, sich

aber – aus welchen Gründen

auch immer – nicht an die Polizei

wenden können. Aus dem

Sünder wird ein Samariter –

allerdings einer ohne jede

Barmherzigkeit, dafür aber

mit einer spezialangefertigten

Wilson Combat im Kydex-

Hüftholster.

In der „Orphan“-Zentrale

haben sie freilich wenig Freude

mit einem freischaffenden

Profikiller aus den eigenen

Reihen und blasen zum großen

Halali – allen voran die

emotional nahe am Gefrierpunkt

angesiedelte Candy

McClure, die mit Evan noch

eine ganz persönliche Rechnung

offen hat …

Der US-Amerikaner Gregg

Hurwitz, 48, ist nicht nur als

Romanautor und Comictexter

(Marvel, DC) sehr erfolgreich,

sondern auch als Drehbuchschreiber.

Das merkt man.

Seine Evan-Smoak-Reihe –

„Orphan X“ (2016), „Projekt

Orphan“ (2017), „Die Rache

der Orphans“ (2018), „Die

Spur der Orphans“ (2019)

und „Das Vermächtnis der

Orphans“ (2021) – kommt wie

ein Hollywood­ Blockbuster

daher und überzeugt mit

einem wirklich guten Spannungsbogen.

Hurwitz hat ein

feines Gespür dafür, wann er

das Visier runterklappen und

Vollgas geben muss und wann

er Tempo rausnimmt, um den

Leser mit ein paar Hintergrundhappen

zu füttern.

Das ist umso bemerkenswerter,

als der Autor quer

durch alle fünf Bände mit

zwei parallel laufenden Storys

jongliert – auf der einen Seite

der jeweilige Auftrag des

„Nowhere Man“ und die

in terne Jagd gesellschaft der

„ Orphans“ auf der anderen.

Die beiden Handlungsstränge

kommen einander zwar nur

selten in die Quere, aber wenn,

dann mit mächtig Zunder.

Stilistische Brillanz darf

man sich von einer Romanserie

dieser Gattung natürlich

nicht erwarten, wohl aber eine

präzise sprachliche Fokussierung

auf das Wesentliche:

Spannung bis zum Abwinken.

GREGG HURWITZ

„Evan Smoak“-Reihe

Deutsch von Mirga Nekvedavicius

HarperCollins

LEE CHILD

Der alljährliche Feiertag

für Thriller-Fans fiel 2021

auf den 26. Juli. Da erschien

der 23. Band der unwiderstehlichen

Jack-Reacher-

Reihe des britischen

Bestseller autors Lee Child.

Diesmal nimmt der härteste

Bluthund des Genres die

Fährte seines verstorbenen

Vaters auf, die ihn direkt

ins Fadenkreuz skrupelloser

Männer führt, die nicht

nur sprichwörtlich

über Leichen gehen …

„Der Spezialist“

(Blanvalet)

CHRIS LANDOW

Die bisher dreiteilige Romanreihe

rund um den Ex-Bundespolizisten

Ralf Parceval ist

eine echte Rarität. Denn hinter

dem Pseudonym Chris

Landow versteckt sich ein

deutscher Autor, der es offensichtlich

darauf anlegt, mit

voller Härte in ein englischsprachiges

Hoheitsgebiet

der Unterhaltungsliteratur

zu grätschen: den kompromisslosen

Action-Thriller.

Band 4 ist für Februar 2022

angekündigt.

„Ralf Parceval“-Serie

(Blanvalet)

STEPHEN HUNTER

Trotz erfolgreicher Hollywood-Verfilmung

von Teil 1

der Buchserie („Shooter“ mit

Mark Wahlberg in der Hauptrolle)

fristet Bob Lee Swagger

hierzulande ein Schattendasein

unter den Helden

der Hochspannungsliteratur.

Völlig zu Unrecht. Insgesamt

brachte US-Autor und

Pulitzer-Preisträger Stephen

Hunter den ehemaligen

Scharfschützen neunmal

in Stellung – und traf dabei

stets ins Schwarze.

„Bob Lee Swagger“-Serie

(Festa)

DAVID BALDACCI

Wenn es um knallharte

Einzelkämpfer geht, darf

David Baldacci nicht fehlen.

Mit einer Gesamtauflage

von über 40 Millionen

platzierte der Vielschreiber

aus Richmond, Virginia,

gleich mehrere einschlägige

Romanfiguren in den internationalen

Bestsellercharts.

Als Einstieg bietet sich

die „Will Robie“-Reihe an,

deren erster Teil den

nahe liegenden Titel

„Der Killer“ trägt.

„Will Robie“-Serie

(Bastei Lübbe)

THE RED BULLETIN 77


BACK TO BLACK

FABER-CASTELL PITT GRAPHITE MATT

Schwarzsehen als Innovation: Anders als andere

Blei stifte, die bei genauer Betrachtung nur graue Farbe

liefern, kann dieser Stift von Faber-Castell so richtig

schwarz, so richtig matt und so richtig hart

(von HB bis 14 B). faber-castell.de

VIELSEITIG

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dass es wie ein Tablet verwendet werden kann. Mit

IntelCore-Prozessoren der 10. Generation lässt es sich

nicht nur gut streamen, das Gerät ist auch für Fotound

Videobearbeitung geeignet. lenovo.com

Richtig gutes Zeug

Wie duftet die Nacht deines Lebens, kannst du zeichnen,

und wie viel Schwarz ist nötig? Hier sind die Antworten.

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Flakon im Art-déco-

Stil: Er soll Ralph’s

Club in Manhattan

widerspiegeln.

PROBIEREN, NICHT STUDIEREN

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Was du schon immer übers Zeichnen wissen wolltest,

aber nicht zu fragen wagtest. Peng, preisgekrönter

Cartoonist aus Österreich, zeigt vor, wie’s geht.

Ungewöhnlich, witzig und ungeheuer ansteckend!

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NIGHT FEVER

RALPH’S CLUB

So könnte die Nacht deines

Lebens duften, meint Ralph

Lauren – nach Lavandin (einer

speziellen Lavendel-Kreuzung),

Muskatellersalbei und dem

Süßgras Vetiver.

ralphlauren.de

78 THE RED BULLETIN


GUIDE

Tipps & Trends

SEELE INKLUSIVE

LEICA SL2

In ihrem Metallgehäuse (aus

Magnesium und Aluminium)

steckt alles, was das Fotografenherz

begehrt – sogar

eine Seele, wie Leica uns wissen

lässt. Abgesehen davon

wird die spiegellose Vollformat-

Systemkamera hierzulande

hergestellt.

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Ergebniszentriert:

lichtstarkes

Leica-Objektiv

„Mir ist, als sei mein Leib

dort stehengeblieben, wo er ihn

zum letzten Mal umarmte.“

Ein Satz zum Auf-der-Zunge-zergehen-Lassen von Botho Strauß.

Aus seinem neuen Buch „Nicht mehr. Mehr nicht“. hanser.de

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THE RED BULLETIN 79


„Anzeige“

Adrenalinkick in den Dolomiten

Nicht nur imposante Naturkulisse: Die Dolomiten

UNESCO Welterbe sorgen mit sportlichen

Abenteuern für einen Anstieg des Adrenalinspiegels.

Frischer Schnee, schroffe Felswände

und blauer Himmel – was

wie die Beschreibung einer Postkarte

klingt, ist in den Südtiroler

Dolomiten Realität. Ein Naturparadies,

das für ruhigen, sanften und

einfühlsamen Tourismus weltweit

bekannt ist. Die imposanten Berggipfel

haben aber noch viel mehr zu

bieten – vor allem Adrenalinjunkies

und Skifans kommen hier auf ihre

Kosten: Skitourengeher können

sich in der Dolomitenregion Drei

Zinnen verausgaben, Skifahrer- und

Freestyleherzen schlagen hingegen

in der Dolomitenregion Seiser Alm

höher.

DOLOMITENREGION SEISER ALM

Sport, Spaß und Adrenalin gibt es im

westlicheren Part der Südtiroler Dolomiten

– genauer gesagt in der Dolomitenregion

Seiser Alm. Dieses Hochplateau

wird als Freestyle-Paradies in den Alpen

bezeichnet. Was wie ein Werbeslogan

klingt, kann mit knallharten Fakten belegt

werden: Kein anderer Snowpark in den

Dolomiten kann nämlich mit einer 1,5 Kilometer

langen Parkline und 70 Obstacles

punkten. Zudem ist der Snowpark einer

der größten in Europa.

Die Seiser Alm hat sich mit Rails, Kicker,

Boxen und Whoops den Freestylern verschrieben

– egal ob Anfänger oder Profis.

Letztere treffen sich im Seiser Alm Snowpark

regelmäßig zu Contests und Shows,

die mittlerweile internationale Bekanntheit

erlangt haben – ebenso wie das gesamte

Skigebiet. An Superlativen ist auch dieses

kaum zu übertreffen: Das Skigebiet Seiser

Alm/Val Gardena wurde mehrfach preisgekrönt

und zählt zu den familienfreundlichsten

in den Alpen. Ganz abgesehen vom

atemberaubenden Ausblick auf die Dolomiten

samt Schlern, Langkofel, Plattkofel und

Rosengarten, hat das Skigebiet auch ganze

175 Pistenkilometer zu bieten. Wer den Kick

sucht, wird hier fündig: Auf der Goldknopf

Piste befindet sich eine Geschwindigkeitsmessanlage,

die sogenannte Speedtrap.

Auf 260 Metern und einem Höhenunterschied

von 73 Metern wird die Geschwindigkeit

der Abfahrer mittels Lichtschranken

gemessen. 116,41 Stundenkilometer wurden

dabei bereits als Rekord angeschrieben.

Wer mit seiner Leistung auf der Speedtrap

nicht zufrieden sein sollte, kann der Ursache

mittels Videoanalyse auf den Grund

gehen. Auf der Skimovie-Strecke hat jeder

die Möglichkeit, sein ganz persönliches

Rennvideo zu drehen. Einfach anmelden,

online abrufen, analysieren und mit weiteren

Versuchen den Wettkampfhunger

stillen.

Nur Piste herunter wedeln war gestern, in

der Dolomitenregion Seiser Alm ist ganz

klar Action geboten! Egal ob Skifahrer,

Snowboarder, Freestyler oder Wanderer –

jeder Einzelne kommt in dieser atemberaubenden

Bergkulisse auf seine Kosten.

Nach einem abwechslungsreichen Skitag

werden in den Ruhepolen der Dolomitenregion,

nämlich in den Dörfern Kastelruth,

Seis am Schlern, Völs am Schlern und Tiers

am Rosengarten, die Batterien wieder aufgeladen.

Und schon hat man Energie für

einen weiteren adrenalingeladenen Skitag

auf der Seiser Alm.

3 ZINNEN DOLOMITEN

Markante Gipfel, schneebedeckte Weiten.


„Anzeige“

© Seiser Alm Marketing/F-Tech, © Harald Wisthaler, © Dalpiaz Fabian

Eine andere Art von Nervenkitzel können

Skitourengeher in der Dolomitenregion 3

Zinnen erleben: bei einer aufregenden Skitour

auf einem der unzähligen Aufstiegshänge

rund um die Drei Zinnen.

Der berühmte Gebirgsstock, der im

Westen Südtirols unweit der österreichischen

Grenze in den Sextner Dolomiten

liegt, gilt als markantes Wahrzeichen der

gesamten Gebirgsgruppe. Hier haben

Skitourengeher die Qual der Wahl – aber

auch ein doppeltes Erlebnis. Während sich

der Körper bei sportlicher Betätigung auspowert,

freut sich der Geist mit allen Sinnen

über paradiesische Rahmenbedingungen:

knirschendes Schneegeräusch in den

Ohren, den Duft von frischer Schneeluft

in der Nase und vor seinen Augen atemberaubende

Felswände zum Anfassen

fernab vom Tal. Die Anstrengung rückt

angesichts der imposanten Naturkulisse

fast in den Hintergrund. Nach dem Aufstieg

ist einem die Belohnung sicher: ein

tiefes Gefühl der Zufriedenheit und eine

Erinnerung, die sich im Inneren festhakt

– und dort auch bleibt. Und die größte

Belohnung ist wohl die Abfahrt durch den

Pulverschnee.

Die Dolomitenregion 3 Zinnen ist ein Ort,

an dem Alpingeschichte geschrieben wurde

und bis heute spürbar ist. Auch Bergsteiger-Legende

Reinhold Messner hatte

wohl die spektakulären Felsformationen

im Kopf, als er die Südtiroler Bergwelt mit

den Worten beschrieb: „Es sind nicht die

höchsten Berge der Welt, auch nicht die

gefährlichsten, aber bestimmt sind es die

schönsten.“ Eine Aussage, die den Nagel

auf den Kopf trifft – wer es nicht glaubt,

der muss sich selbst davon überzeugen!

Diese einzigartige Berglandschaft mit ihren

Ortschaften Sexten, Innichen, Toblach,

Niederdorf und Prags wurde 2009 nicht

umsonst zum UNESCO Welterbe ernannt.

Die Dolomitenregion 3 Zinnen ist schon

allein deshalb eine (Ski-)Tour wert!

Eines muss auch den erfahrensten Tourengehern

hierbei aber bewusst sein: Respekt

vor der Natur und ihren Kräften steht an

erster Stelle. Wer in der eindrucksvollen

Bergwelt unterwegs ist, benötigt eine gute

Kondition, skifahrerisches Können und passende

Ausrüstung. Kenntnisse über Wetter-

und Schneeverhältnisse sind in den

Bergen ebenfalls unabdingbar. Deshalb ist

es wichtig, vor dem Start den Wetter- und

Lawinenbericht zu konsultieren und nur

mit entsprechendem Equipment zu starten

– im besten Fall in Begleitung eines Bergführers.

Und dann: Mitten hinein ins echte,

unverfälschte Dolomitenerlebnis!

Die Seiser Alm bietet ein

einzigartiges Bergpanorama mit

dem unverwechselbaren Profil

des Schlerns und der größten

Hochalm Europas.

seiseralm.it

Im Winter verwandelt sich

die Gegend rund um die

markanten Drei Zinnen in ein

Skitourenparadies inmitten der

Dolomiten UNESCO Welterbe.

dreizinnen.com


GUIDE

Geschenke

Kaffee wie vom Barista

DeLonghi La Specialista Maestro

Das richtige Mahlen, die optimale Dosierung, die ideale

Temperatur: Die perfekte Tasse Kaffee gelingt auf Knopf ­

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82 THE RED BULLETIN


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THE RED BULLETIN 83


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84 THE RED BULLETIN


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Brillanz, und Casio weiß das mit seiner Partnerschaft mit

dem Rennteam Scuderia AlphaTauri zu nutzen: Für die

neue Uhr werden die 6K-Carbonfasern der Rennwagen

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THE RED BULLETIN 85


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FOTO: GREGOR KUNTSCHER // ASA12


FOTO: GREGOR KUNTSCHER // ASA12

DIE SCHÖNHEIT DER NATUR ENTDECKEN


ZEIT FÜR EIN GUTES LEBEN

FOTO: GREGOR KUNTSCHER // ASA12


DIE WELT ENTDECKEN UND BEGREIFEN

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FOTO: GETTY IMAGES

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B O U L E V A R D D E R H E L D E N

MICHAIL SCHOLOCHOW

DAS VERSPRECHEN

Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten

inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit.

Folge 9: Ein Literatur-Nobelpreisträger und seine heldenhafte Lebenslüge.

Es gibt einfaches Heldentum und kompliziertes;

diese Geschichte berichtet

von kompliziertem. Angenommen,

es war so, wie ich es hier erzählen

möchte, dann wäre der Schriftsteller

Michail Alexandrowitsch Scholochow ein

selbstloser und aufopferungsvoller Held

gewesen. Seine Geschichte gehört allemal

zu den spannendsten der Schriftstellerei

im 20. Jahrhundert und er selbst zu jenen

widersprüchlichen Persönlichkeiten, wie

sie nur Diktaturen hervorbringen. Ich weiß,

man kann die Geschichte dieses russischen

Schriftstellers auch ganz anders erzählen,

nämlich als die Geschichte eines abgefeimten

Diebes von geistigem Eigentum, eines Plagiators,

eines Mannes, der sich viel Ehre und Ruhm ergaunert

hat, indem er das Werk eines anderen als das seine

ausgab. Lange Zeit wurden die Vorkommnisse auf diese

Weise dargestellt. Der Mann war immerhin ein Günstling

Stalins; ihm etwas Gutes zu lassen wäre in den

Augen vieler gewesen, als würde man ein mörderisches

System gutheißen. Inzwischen ist sich die Wissenschaft

ziemlich sicher, dass der Spott und die Verdammung,

denen der Künstler lange Zeit, vor allem im Westen,

ausgesetzt war, auf falschen Informationen beruhten.

Ich nehme mir die Freiheit, die Geschichte als eine

Heldengeschichte zu erzählen – was ist Wahrheit …

Der Nobelpreis für Literatur 1965 wurde Michail

Scholochow für seinen Roman „Der stille Don“ verliehen.

In den meisten Fällen vergibt das Komitee

den Preis für das Lebenswerk eines Autors, diesmal

stand in der Urkunde, dass die Ehrung ausschließlich

das genannte vierbändige Werk meine. Der Roman

entstand zwischen 1927 und 1940, das Erscheinen des

MICHAEL KÖHLMEIER

Der Vorarlberger

Bestsellerautor gilt

als bester Erzähler

deutscher Zunge.

Zuletzt erschienen:

der Roman „Matou“,

960 Seiten,

Hanser Verlag.

letzten Bandes lag also schon fünfundzwanzig

Jahre zurück. Auch den Mitgliedern des Komitees

war die Diskussion über die Autorenschaft

des Werkes bekannt. Noch bevor der

Roman zur Gänze der Öffentlichkeit vorlag

– entweder weil er noch nicht geschrieben

oder noch nicht vollständig herausgegeben

war –, kursierten Gerüchte, Scholochow

sei nicht, könne nicht der Autor sein. In

dem Buch wird auf unvergleichlich sinnliche

Weise das Leben der Donkosaken beschrieben,

besonders im ersten Teil, sodass

alle Kritiker überzeugt waren, das könne,

erstens, nur jemand schreiben, der selbst

in diesem Teil der Welt lebte oder lange

dort gelebt hatte; zweitens, einer, der ein

lebenserfahre ner Mann ist, denn was beschrieben wird

und wie es beschrieben wird, zeuge von großer Weisheit

und gefestigter Lebenssicht.

Scholochow war, als der erste Band erschien, ge rade

einmal dreiundzwanzig Jahre alt, und unter den

Donkosaken hatte er nie gelebt. Seine Mutter war

die Witwe eines Kosaken, ja, aber ob das ausreichte,

um ein solch breites Panorama zu entwerfen? Scholochow

hatte kaum die Schule besucht, eine genügende

literarische Bildung durfte also auch nicht vorausgesetzt

werden. Mit dreizehn Jahren bereits schloss er sich den

Bolschewiki an und zog in den Bürgerkrieg. Nach dem

Krieg arbeitete er in verschiedenen Häfen und Steinbrüchen,

vorübergehend als Buchhalter, was damals

jeder werden konnte, der alle Buchstaben kannte. Mit

einundzwanzig Jahren heiratete er die Tochter eines

Kosakenführers. Viel Gelegenheit, sich mit dem Leben

der Menschen zu beschäftigen, die in seinem Buch so

plastisch beschrieben werden, hatte er also nicht.

MICHAEL KÖHLMEIER BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT GETTY IMAGES (3)

92 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 93


B O U L E V A R D D E R H E L D E N

Die Heldengeschichte geht so: Im Jahr 1920 trifft

der gerade einmal fünfzehnjährige Michail Scholochow

in einem Lazarett Fjodor Dmitrijewitsch

Krjukow. Der Mann ist schwer verwundet und hat

zudem Typhus. Außerdem war er Offizier der Weißen

Armee, die im Bürgerkrieg gegen die Bolschewiki, also

die Rote Armee, gekämpft hatte. Um so einen sorgt man

sich in einem roten Lazarett nicht. Im Zivilberuf ist

Krjukow Schriftsteller. Die beiden unterhalten sich, sie

sind sich sympathisch, Krjukow soll einen mächtigen

Eindruck auf den jungen Scholochow ausgeübt haben,

dieser habe zu ihm aufgeblickt wie zu einem Vater.

Manche glauben, erst die Begegnung mit Krjukow habe

in dem späteren Nobelpreisträger den Wunsch geweckt,

selbst Schriftsteller zu werden.

Andere gehen noch weiter: Fjodor Krjukow wusste,

dass er bald sterben wird. Er hatte Vertrauen in den

jungen Mann, mit dem er sich in den Nächten unterhielt.

Krjukow hatte viele Jahre an einem Roman geschrieben,

hatte ihn noch nicht beendet, er war glücklich über sein

Werk, es war sein Lebenswerk. Aber er wusste, dass der

Roman eines Weißen niemals der Öffentlichkeit übergeben

würde, nicht in einem Land, in dem die Kommunisten

regierten. Krjukow – so diese Version der

Geschichte – übergab das Manuskript seinem jungen

Freund, er vertraute ihm das Manuskript an mit der

Bitte eines Sterbenden, dafür zu sorgen, dass es veröffentlicht

wird. Ja, es wurde sogar spekuliert, es sei

Krjukows Idee gewesen, dass Scholochow das Werk

zu einem Ende führe, sie hatten ja intensiv darüber

gesprochen, und dass er es dann unter seinem Namen,

dem Namen eines Soldaten der Roten Armee, veröffentliche.

Krjukow habe sein Werk über seinen Namen gestellt.

Und Scholochow habe am Sterbebett des Dichters

geschworen, dessen letzten Wunsch zu erfüllen.

Bleiben wir bei dieser Version. Scholochow war zu

jung und zu ungebildet, um die Qualität des Werkes

beurteilen zu können. Er hatte auch keine Ahnung,

wie das Verlagswesen funktionierte. Wahrscheinlich

hatte er damals noch kein einziges Buch gelesen. Vielleicht

sogar noch nie ein Buch in der Hand gehabt. Fjodor

Krjukow starb. Sein Manuskript verwahrte Scholochow.

Was sollte er tun? Krjukow hatte recht, niemand würde

das Buch eines Weißen verlegen. Also gab er sich, wie

ihm Krjukow geraten hatte, als der Autor aus.

Er glaubte nicht, dass der Schummel irgendwelche

Folgen haben würde. Wer interessierte sich in diesen

Zeiten schon für einen Roman! Also trug er den ersten

Teil des Manuskripts zu einem kleinen Provinzverlag

und gab sich als der Autor aus. Er meinte, damit habe er

Es war ihm klar, dass

ein Leben, das auf einer

Lüge aufbaut, jederzeit

zusammenbrechen kann.

sein Versprechen eingelöst. In dem Verlag aber war ein

Lektor, der die Qualität des Romans erkannte. Dieser

Lektor hatte selbst Ambitionen, eine kleine Provinzdruckerei

war ihm nicht genug. Und er meinte auch,

für diese Entdeckung sei nur ein großer, potenter Verlag

in der Hauptstadt das Richtige. Er bewarb sich beim

größten Verlag in Moskau um die Stelle des Leiters,

bekam sie und verlegte als sein erstes Buch „Der stille

Don“ von Michail Alexandrowitsch Scholochow. Das

Buch wurde ein sensationeller Erfolg.

Nun befand sich der junge Scholochow in einem

seelischen und in einem öffentlichen Konflikt – worüber

zu befinden viel Einfühlungsvermögen nötig

ist, um nicht ein vorschnelles Urteil zu fällen. Er, Scholochow,

war ein verdienstvoller Genosse, inzwischen

nicht nur Mitglied der KPdSU, sondern auch ein Funktionär.

Wenn einer wie er ein Buch schrieb, dann wurde

es auch verlegt. Also war „Der stille Don“ veröffentlicht

worden. Er hatte sein Versprechen eingelöst, er hatte

dafür gesorgt, dass der Roman seines Freundes verlegt

wurde. Dazu war es notwendig gewesen, zu lügen.

Was hätte er weiter tun sollen? Was, nun, nach dem

großen Erfolg? Sich stellen? Zugeben, dass nicht er der

Autor ist, sondern ein ehemaliger Offizier der Weißen

Garde, der gegen die Rote Armee gekämpft hatte?

Damit hätte er nicht nur erreicht, dass die Auflage

eingestampft worden und der Roman für alle Zeiten

verschwunden wäre, sondern er hätte auch sein eigenes

Leben in Gefahr gebracht, als unzuverlässiger Kollaborateur

wäre er womöglich hingerichtet worden.

Er spielte das Spiel weiter. Vielleicht glaubte er, ein

zweiter Band würde nicht mehr so viel Aufsehen erregen,

das ist ja oft der Fall. Das Gegenteil trat ein.

Der zweite und dann auch der dritte Band waren noch

größere literarische Sensationen. Und nicht nur das.

Stalin und seine Funktionäre stilisierten Scholochow

zum Idealbild des sozialistisch-realistischen Schriftstellers

sowjetischer Prägung.

Im vierten und letzten Band fand diese Tendenz

ihren Ausdruck – und die Literaturkenner waren enttäuscht.

Mehr als enttäuscht. Das Gerücht sagt, diesen

Band habe Scholochow selbst geschrieben oder nach

den inhaltlichen Maßgaben Krjukows vollendet, allerdings

ohne dessen Genie.

Was das Nobelkomitee in Stockholm trotz aller

Gerüchte dazu veranlasste, den Preis an Michail

Scholochow zu vergeben, auch darüber kann

man nur spekulieren. 1965 war der Kalte Krieg an seinem

Höhepunkt. Die Kubakrise lag gerade erst drei

Jahre zurück, der Schrecken eines Atomkriegs zwischen

den USA und der UdSSR saß noch tief. Vielleicht meinten

die Mitglieder des Komitees, mit ihrem Entscheid zur

Entspannung beitragen zu können. Wir wissen es nicht.

Michail Scholochow hatte ein Versprechen gegeben,

und er hatte das Versprechen gehalten. Sehr früh war ihm

bewusst, dass dieses Versprechen sein ganzes eigenes

Leben bestimmen wird. Und ihm wird auch klar

gewesen sein, dass ein Leben, das auf einer Lüge auf­

94 THE RED BULLETIN


Vielleicht bekam er den

Nobelpreis nur, weil 1965

der Kalte Krieg an seinem

Höhepunkt war.

baut, jederzeit in sich zusammenbrechen kann. Mit

Fluch und Schmach. Zehn Jahre nach der Vergabe des

Nobelpreises wurde Scholochow vor laufender Kamera

hart mit dem Vorwurf des Plagiats konfrontiert. Da

brach er zusammen, weinte und sagte: „Richten Sie

bitte Ataman Glaskow aus, wie sehr ich mich schäme.

Ich bitte die Kosaken, mir zu verzeihen.“

Die Sache ist dennoch nicht eindeutig. Alles bleibt

immer Gerücht. Die Aufnahmen könnten getürkt

sein, den Frager sieht man nicht. Und so weiter.

Die Wissenschaft der literarischen Stilanalyse kam zu

konträren Urteilen. Die einen sagten, nein, Scholochow

hat nicht gelogen, er ist der Autor von „Der stille Don“,

seine späteren, spärlichen Werke sind zwar unvergleichlich

schlechter, aber er ist nicht der einzige Autor, den

das Talent schon in jungen Jahren verlassen hat. Andere

Spezialisten glaubten zu wissen, dass Scholochow sich

alles erschlichen hat: die Ehre, das Geld, den Preis.

Wie auch immer. Den Roman gibt es. „Der stille Don“

gehört zu den ganz großen literarischen Werken des

20. Jahrhunderts. Gleich, wer ihn geschrieben hat,

gleich, wie er gerettet wurde, er ist da, wir dürfen ihn

lesen. Ich möchte sagen: Michail Alexandrowitsch

Scholochow ist ein Held. Er hat uns etwas Schönes gegeben

– oder an uns weitergegeben –, und er hat dafür

sein Leben auf die Waage gelegt.

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