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Heimat-Rundblick 138 - Herbst 2021

Regionnalmagazin für Niedersachsen und Bremen

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34. Jahrgang

ISSN 2191-4257 · Einzelpreis € 5,25

HEIMAT

Nr. 138 · Herbst 2021

RUNDBLICK

Geschichte · Kultur · Natur aus der Region Hamme, Oste, Wümme, Weser


Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit großen Schritten ist der Herbst zu uns gekommen

- die Tage sind kürzer geworden und die Bäume

haben sich ein buntes Laubkleid angelegt.

An den langen Abenden haben Sie nun vielleicht

Gelegenheit, sich der Lektüre des neuen „Heimat-Rundblick“

zu widmen und sich an den Berichten

unserer fleißigen Autoren zu erfreuen.

Zum ersten Mal nach langer Zeit konnte Ende

September eine Redaktionskonferenz durchgeführt

werden, bei der aktuelle Themen besprochen

und Pläne für die nächsten Ausgaben geschmiedet

wurden.

In dieser Ausgabe fangen wir mit den „Döntjes

ut´n Düwelsmoor“ an, die Peter Richter aus den

Werken von H. Lemmermann „rutfischt“ hat.

Wilhelm Berger hat sich wieder mit seinem Spezialgebiet

„Osterholz“ beschäftigt und viele Einzelheiten

über den dortigen Hafen zusammengetragen.

Trocken über die Hamme konnte man früher

mittels einer Fähre kommen – wie und wann erläutert

uns Gerhard Behrens.

Maren Arndt zeigt uns den Baum des Jahres –

die immergrüne Stechpalme (Ilex), während Dr.

Christiansen sich mit Heinrich Gräbke, dem Begründer

der Vogelbeobachtung auf Helgoland,

auseinandergesetzt hat.

Unsere Redakteurin Maren Arndt hat auch in diesem

Jahr zusammen mit dem Atelier im Bauernhaus

einen Kalender realisiert – beachten Sie bitte

die Werbung auf Seite 9. Wenn Sie mal ein paar

plattdeutsche Sprüche benötigen – Peter Richter

hat einige zusammengetragen.

„Spur der Steine“ – Lothar Tabery hat wieder einiges

aus dem Elbe-Weser-Dreieck zu berichten.

Hoffentlich singt auch in Ihrem Garten des Vogel

des Jahres, das Rotkehlchen? Maren Arndt hat

diesen kleinen Sänger fotografiert.

Peter Richter hat die Bauernregeln für das laufende

Vierteljahr aktualisiert – schauen wir einmal,

was davon so eintrifft!

Für die Freunde plattdeutscher Geschichten hat

Jan Brünjes einiges zu erzählen - über die „Kartuffelferien

un Scharmker Harvstmarkt“.

„Heimat“ und „Fridays for Future“ – wie paßt das

zuammen? Lothar Tabery hat sich ausführlich mit

der Problematik beschäftigt.

Nach dem Baum und dem Vogel des Jahres fehlt

noch die Heilpflanze des Jahres, der „Meerrettich“

– Susanne Eilers kennt die Vorzüge der Pflanze.

Eine Überraschung der besonderen Art konnte

Peter Richter in seinem Garten erleben – er fand

einen Stern, genauer gesagt einen „Erdstern“ – leider

nicht eßbar.

Herbert A. Peschel hat die Geschichte der „Niedersachsenmeute“

recherchiert – lassen Sie sich

informieren.

Zu guter Letzt beschreibt Haraldt Kühn die Schenkung

des Nachlasses des jüdischen Fotografen Julius

Frank, der 1936 in die USA flüchten mußte.

Ich meine, wir konnten wieder vielfältige Artikel

für Sie zusammentragen und wünschen Ihnen viel

Freude bei der Lektüre.

Ihr Jürgen Langenbruch

Impressum

2

Herausgeber und Verlag:

Druckerpresse-Verlag UG (haftungsbeschränkt),

Scheeren 12, 28865 Lilienthal,

Tel. 04298/46 99 09, Fax 04298/3 04 67,

E-Mail info@heimat-rundblick.de,

Geschäftsführer: Jürgen Langenbruch M.A.,

HRB Amtsgericht Walsrode 202140.

Für unverlangt zugesandte Manuskripte und Bilder

wird keine Haftung übernommen. Kürzungen vorbehalten.

Die veröffentlichten Beiträge werden von

den Autoren selbst verantwortet und geben nicht

unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Wir

behalten uns das Recht vor, Beiträge und auch Anzeigen

nicht zu veröffentlichen.

Leserservice:

Tel. 04298/46 99 09, Fax 04298/3 04 67

Korrektur: Helmut Strümpler

Erscheinungsweise: vierteljährlich

Bezugspreis: Einzelheft 5,25 €, Abonnement 21,– €

jährlich frei Haus. Bestellungen nimmt der Verlag

entgegen; bitte Abbuchungsermächtigung beifügen.

Kündigung drei Monate vor Ablauf des Jahresabonnements

möglich.

Der HEIMAT-RUNDBLICK ist erhältlich:

Worpswede: Buchhandlung Netzel,

Lilienthal: Buchhandlung Buchstäblich

OHZ: Museumsanlage

Bankverbindungen:

Für Abonnements:

Sparkasse Rotenburg Osterholz

IBAN: DE27 2915 2300 1410 0075 28

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Paypal: info@druckerpresse.de

Für Spenden und Fördervereins-Beiträge:

Volksbank Bremervörde Osterholz

IBAN: DE66 2916 2394 0732 7374 00

BIC: GENODEF1OHZ

Druck: Langenbruch Druck & Medien, Lilienthal

Erfüllungsort: Lilienthal,

Gerichtsstand Osterholz-Scharmbeck

Unser Redaktionsteam: Maren Arndt, Wilhelm

Berger, Johann Brünjes, Dr. Hans Christiansen, Susanne

Eilers, Wilko Jäger, Gabriele Jannowitz-Heumann,

Rupprecht Knoop, Harald Kühn, Jürgen Langenbruch

M.A., Herbert A. Peschel, Daniela Platz,

Johannes Rehder-Plümpe, Peter Richter, Manfred

Simmering, Harald Steinmann, Dr. Helmut Stelljes,

Helmut Strümpler, Prof. Jürgen Teumer

Titelbild: Blaubeerplantage im Moor

Foto: Maren Arndt

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


Jürgen Langenbruch M.A.

Vorwort Seite 2

Wilhelm Berger

Die Nutzung des Osterholzer Hafens Seiten 4–6

Gerhard Behrens

Die Hamme-Fähre Seite 6

Maren Arndt

Baum des Jahres 2021:

Die immergrüne Stechpalme Ilex Seite 7

Dr. Hans Christiansen

Heinrich Gätke der Urvater der

Vogelbeobachtung von Helgoland Seiten 8–10

Peter Richter

Plattdüütsche Snäcke Seite 10

Lothar Tabery

Spur der Steine Seiten 11–12

Maren Arndt

Der muntere Vogel,

der auch im Winter singt... Seite 13

Peter Richter

Bauernregeln Seite 13

Johann „Jan“ Brünjes

Kortuffelferien un

Scharmker Harvstmarkt Seite 14

Lothar Tabery

Was hat „Heimat“ mit „Friday for Future“

zu tun? Seiten 15–18

Susanne Eilers

Meerrettich (Armoracia rusticana) –

die Heilpflanze des Jahres 2021 Seite 18

Peter Richter

eine Überraschung im eigenen Garten... Seite 19

Herbert A. Peschel

„Niedersachsen Ross“ im Landeswappen

Die Geschichte der „Niedersachsenmeute“

im Spiegel der Zeit Seite 20–22

Harald Kühn

Fotografen Frank – Pioniere der Fotografie.

Schenkung ein ungeahnter Schatz Seite 23

Aus dem

INHALT

Döntjes ut’n Düwelsmoor

Nich‘ to bruken

Dat is all eenige Johr her, dor mell sik bi‘n Arbeitsamt mol‘n junge Deern ut de Stadt, de wull dat

Leben up‘n Land kenn‘n leern un geern bi‘n Moorbuurn `n Stellung annähmen. Nu worr se no een

Buurn henschickt, de een duchtige Hölpen woll bruken kunn. „Aber eines möchte ich Ihnen gleich

von Anfang an sagen, Herr Monsees,“ sä de Stadtdeern, „Feldarbeit kann ich nicht mitmachen, und

bei der Heuernte helfe ich auch nicht. Melken wird wohl nicht meine Sache sein, und beim Kochen

muss ich wohl Hilfe haben.“ De Buur schöv sien Priem von een‘ Back in de anner un meen denn:

„Se snackt jo frisch von de Läbber weg. Dat mag ick woll lier‘n, un Se kunn ick woll bruken. Ober

ik heff dor noch een Frog: Könt se ok Klavier späl‘n?“ - „Nein, das habe ich leider nicht gelernt.“ -

„So‘n Jammer,“ sä de Buur, „dat deiht mi jo bannig leed; wenn se keen Klavier spälen könt, denn

kann ik se leider nich instelln…“

Drievjagd

Hemmann weer‘n duchtigen Buur, ober nich ganz so‘n duchtigen Jäger. He wuss dat ok, un wenn

he mol woller vorbischoten harr, denn weer sien Snack jümmer: „De Hasen mussen lang wee‘n as‘n

Binneboom un langsom gohn as‘n melken Koh, denn kunn‘st se woll dropen“.

Nu weer bi de Drievjagd een Has woller mol to kort wesen un to gau lopen. De Ladung Schrot, de

em todacht weer, harr een von de Drievers just in de Büx kregen: Nobers Jan! Un de schree up un

lamenteer: „Hemmann! Hemmann! Du gleunige Hund – hest mi in‘n Mors schoten!“ Ober Hemmann

güng stracks wieter un nehm noch nich mol de Piep unt‘n Mund, as he segg‘n dä: „Jan, wenn

du keen Spoß verdrägen deihst – denn bliev doch in‘n Huus…“

(Rutfischt ut H. Lemmermann, Bookwetenpannkoken)

Peter Richter

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

3


Die Nutzung des Osterholzer Hafens

Die ersten Jahre nach seiner Fertigstellung

Ausschnitt aus der Karte

26 der Kurhannoverschen

Landesaufnahme

4

Nach vielen Mühen war der Osterholzer Hafen

Ende August 1766 fertig gestellt worden. 1) Man

setzte große Hoffnungen in ihn und erwartete, dass

durch die verbesserten Möglichkeiten des Schiffsverkehrs

eine dauerhafte wirtschaftliche Stärkung

der Region ausgelöst würde. Die Grundlagen hierfür

waren durch die existierende Ziegelei bereits gegeben.

Hinzukommen sollte ein vermehrter Transport

von Torf Richtung Bremen sowie günstiger abzuwickelnde

Lieferungen an Empfänger in Osterholz,

Scharmbeck und benachbarten Orten.

Während der Bau des Hafens und des ihn mit der

Hamme verbindenden Kanals in den Händen der

Regierung in Hannover lag, war es das Bestreben

des Amtes Osterholz – besonders in der Person des

Amtmanns (ab 1764 Oberamtmanns) Conrad Friedrich

Meiners – nahe am Hafen einen Anbau auf dem

Heidkamp zu errichten, mit dessen Planung er den

Amtsvoigt Jürgen Christian Findorff beauftragte. 2)

Hier sollten – mit Genehmigung von Hannover –

in erster Linie Schiffer angesiedelt werden, um den

Torftransport nach Bremen zu übernehmen. Dieser

wurde bisher durch die Bremer Eichenschiffer abgewickelt,

die sich bei diesem Handel ein Monopol

sowie etliche Vorrechte erworben hatten. Mit ihren

Schiffen, die etwa bis 20 Hundt 3) Torf laden konnten,

fuhren sie die Hamme aufwärts bis etwa zur

Einmündung der Beek. Hier war der Fluss breiter,

und zu der dortigen „Holtstelle“ brachten die Bauern

den Torf in kleinen Kähnen, wo die Eichenschiffer

diesen aufkauften, nach Bremen transportierten

und dort mit ansehnlichem Gewinn verkauften. 4)

Dieses Monopol sollten die anzusiedelnden Schiffer

brechen und dafür sorgen, dass die Gewinne dem

Amt Osterholz zugute kommen.

Meiners hatte eifrig für den neuen Anbau geworben

und konnte auch etliche Interessenten vorweisen,

denen zudem der König auch finanzielle Unterstützung

in Aussicht gestellt hatte. Doch zahlreiche

Schwierigkeiten machten alle Bemühungen zunichte,

sodass 1766 erst wenige Plätze vergeben und bebaut

waren.

Dies sorgte für erhebliche Verstimmungen in Hannover

und gipfelte in einem sehr deutlichen Pro Nota

vom 21. Dez. 1766, in dem sich C. F. Meiners etliche

sehr kritische Fragen gefallen lassen musste. Das

bisherige Scheitern des Projekts – trotz wohlwollender

Unterstützung von König und Regierung – stelle

sich nicht als unabwendbarer Schicksalsschlag dar,

sondern als eine Verkettung von Fehleinschätzungen

vor Ort. Ein Brief von C. P. Bacmeister an du

Plat vom 5. Feb. 1767 zeugt zudem von einem tiefen

Zerwürfnis, das deswegen zwischen dem Oberamtmann

und dem Amtschreiber herrschte. Meiners

scheint darauf nicht reagiert zu haben, denn die

Cammer rügte am 28. Juli 1767, dass er auf wiederholte

Mahnungen „ein völliges Stillschweigen“ und

somit ein nicht zu akzeptierendes Betragen an den

Tag gelegt habe. 4)

Hafen-Umschlag 1767

Wenn auch die Voraussetzungen für eine positive

Entwicklung nur teilweise gegeben waren, so konnten

dennoch im ersten Jahr nach Fertigstellung des

Hafens Erfolge vermeldet werden. In einem Brief

vom 7. Dez. 1767 teilten Meiners und Bacmeister

der Cammer in Hannover mit, wie viel Torf in jenem

Jahr mit „hiesigen großen Fahr-Zeugen nach Bremen

abgeschiffet“ worden ist.

Das im Sommer 1767 durch Amts Osterholtzische Anbauer und Unterthanen

nach Bremen zum Verkauff geschiffeten Torffes

Braunen Schwartzen Summa

Flecken

Osterholtz Torff Hunte

Niclaus Laue 19 35 ¾ 54 ¾

Cornelius Johanssen Pott 14 16 30

Harm Gültzan 11 ¼ 15 26 ¼

Claus Peter Compan

Johan de Bour

} 57 57

Jacob Schoute

Hinrich Bötjer

} 12 9 21

Hinrich Pare 23 9 32

Otto Lütjen 15 98 113

Jürgen Oldenbüttel 6 6

Altenbrück

Johan Parneg 7 7

Hinrich Lüer 7 8 ½ 15 ½

Heissenbüttel

Hinrich Brünjes 332 ¼ 332 ¼

Teufelsmoohr

Gevert Gerken 20 20

Johan Gerken 40 40

Summa 107 ¼ 647 ½ 754 ¾

Quelle: NLA Stade, Rep. 40 Nr. 3034

Die Mengen werden als Erfolg bewertet und gäben

Zuversicht für die zukünftige Entwicklung. „Dieser

beträchtliche Anfang giebet uns die sichere Vermuthung,

daß in der Folge das Schiffs-Commerce mit

Torf, wo nicht gäntzlich anhero gezogen, doch größesten

Theils von hieraus betrieben und der Bremi-

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


schen Mohrfahrenden Societät einen nachtheiligen

Stoß beybringen, und also der Haubt-Endzweck des

hieselbst angelegeten Hafens erreichet werde.“ 5)

Auch der Hafen selbst sollte Einnahmen erzielen,

um die Aufwendungen wieder ausgleichen zu können.

Ein Gebühren-Verzeichnis gibt Auskunft darüber,

was an Abgaben für Winterquartier bzw. Einund

Ausladungen zu entrichten sein sollte.

Was die – in den Osterholtzschen Hafen überwinternde,

oder auch darin zum Löschen und befrachten in Selbigem

und dem Canal kommende Schiffe, an Hafengelde

zu erlegen haben.

1) für jeder floßholtz so in den

Hafen gebracht wird

3 thl.

2) Zur Winterlage von großen fahrzeugen

a) frembde 4 thl.

b) Einheimische 3 thl.

3) von Schiffen so zur Einladung oder Löschung im

Canal oder den Hafen kommen

a) von Eichen, Tyalcken und großen Kähnen

frembde

2 thl.

Einheimische

1 thl.

b) von kleinen Kähnen zu 4 last

frembde

1 thl.

Einheimische

36 g

c) von Ewers und kleinen fahrzeugen mit Victualien als

wurtzeln, Cartuffeln, Weißkohl

und dergleichen

12 g

d) von großen Diehlen Schiffen

mit torff

6 g

mit heu

2 g

e) von kleinen Diehlen Schiffen 1 g

Quelle: NLA Stade, Rep. 74 Osterholz Nr. 1943

Dazu musste eine Person gefunden werden, die die

Aufsicht über den Hafen ausübte und die festgesetzten

Gebühren zu kassieren hatte. Auf Empfehlung

von Oberamtmann Meiners wurde J. A. Kirchhoff,

der sich über Jahre als dessen Verwalter der hiesigen

Ziegelei bewährt habe, von Hannover mit dieser

Aufgabe betraut. Die dafür vereinbarte Entschädigung

betrug pro Monat 3 Thaler, zusätzlich erhielt

Kirchhoff 2 Prozent für Schreibmaterialien. Für seine

Tätigkeit als Hafen-Meister bekam er aber auch

weit reichende Instructionen, zu deren Erfüllung er

sich verpflichten musste. 6)

Einnahmen im ersten Jahr

Neben der Verpflichtung, Hafen und Kanal vor

Schäden zu bewahren, gehörte zu den Aufgaben des

Hafen-Meisters auch eine sorgfältige Buchführung.

So erfahren wir in detaillierten Aufstellungen die

Gebühren und somit auch die Schiffstypen und die

Art der Fracht. In einer ersten zusammenfassenden

Übersicht sind die Einnahmen für die Jahre 1767 (2.

Halbjahr) und 1768 zusammengefasst.

Demnach wurden jeweils im Juli und August die

höchsten Einnahmen erzielt. Eine Steigerung von

1767 auf 1768 ist noch nicht zu erkennen.

Kirchhoff hat für jeden Monat aufgelistet, an welchem

Tag welche Schiffe den Hafen genutzt haben,

wer der Eigner war, welche Art von Fracht umgeschlagen

und welche Gebühren bezahlt wurden.

Dadurch ergeben sich für jeden Monat recht umfangreiche

Listen.

Rechnung

Über dasjenige Hafen Geld so von denen in

Osterholtzischen Hafen angekommenen

Schiffen erhoben worden

Rthlr gr

1767 pro July 18 8

Aug. 19 12

Septbr. 11 22

Octobr. 4 3

Novbr. 51

Decbr. 43

1768 pro Jan. Febr. Marty & April 10 33

May 34

Juny 6 20

July 15 15

Aug. 25 2

Septbr. 7

Octobr. 6 2

Novbr. 4 46

Decbr. 46

Summa 129 49

Davon gehet ab

Meine Gage von Monath July 1767 bis Ulte Dec. 1768

sind 18 Monathe a 3 rt

54 rt

Von 129 rt 49 gr a 2 pro cent 2 rt 42 gr

An den Herrn Ober Amtman

abgelieffert 40 rt 42 gr 97 12

bleibt abzulieffern 32 37

Osterholtz d. 31. Dec. 1768

J A Kirchhoff

Quelle: NLA Stade, Rep. 74 Osterholz Nr. 1943

Als Beispiel sei der Juli 1768 gewählt. An nahezu

jedem Tag wurden Schiffsbewegungen registriert,

meist mehrere pro Tag, insgesamt 245 in dem Monat.

Die meisten der Schiffe, die mehrere Fahrten

pro Tag absolviert haben, gehörten Schiffern aus

Scharmbeck. Vielfach kamen Schiffe aus Waakhausen,

mehrfach wurde auch St. Jürgen genannt. Allein

214 Schiffe – also die große Mehrzahl – waren große

Dielenschiffe, die mit Heu beladen waren. Dazu kamen

noch 19 kleine Dielenschiffe. Nur 6 mussten je

6 gr für Torf zahlen, fielen also kaum ins Gewicht.

Größere Einnahmen wurden von den insgesamt 6

größeren Schiffen (Eichen, Kähne u. ä.) erzielt, deren

Gebühren mit zusammen 8 Rthl. 36 gr. deutlich

zu Buche schlagen und mehr als die Hälfte der gesamten

Einnahmen von 15 Rthl. 15 gr. ausmachen.

Deren Ladung wird nicht angegeben; es ist aber vorstellbar,

dass hier vorrangig Torf transportiert wurde.

Zwei von diesen waren aus Scharmbeck, je eins aus

Waakhausen, Osterholz und Bremen.

Fazit

Die Vielzahl der registrierten Schiffe scheint darauf

hinzudeuten, dass der Hafen erste Erfolge aufweisen

kann. Jedoch ist zu beachten, dass es nur wenige

Sommermonate waren, in denen reger Schiffsverkehr

herrschte. Bei der großen Mehrzahl der Schiffe

wurden Ladungen mit Heu registriert, d. h. dass die

Scharmbecker ihre Ernte von den Wiesen diesseits

und jenseits der Hamme eingebracht haben, wie sie

es auch bereits vor dem Bau des Hafens getan hatten.

In den Tabellen ist kein Lieferverkehr zur und von

der Ziegelei verzeichnet. Der hat sicherlich von den

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

5


besseren Bedingungen auf dem erweiterten Kanal

profitiert; die Schiffer aber mussten den Hafen selbst

nicht nutzen und ggf. keine Gebühren entrichten.

Da die Besiedlung des Heidkamps weiter stockte,

ergaben sich bisher kaum Impulse von Schiffern, an

deren Ansiedlung man hohe Erwartungen geknüpft

hatte.

Anmerkungen

1) Wilhelm Berger, Der Bau des Osterholzer Hafens…(VI);

in: HRB Nr. 3/2020, S. 13 – 18

2) Wilhelm Berger, Der Heidkamp – ein Schiffer-Anbau

nahe der Ziegelei; in: HRB 1/2019, S.

10 – 12 und 2/2019, S. 26 – 28

3) ein Hun(d)t: ein Raummaß, abgeleitet von einem

ehemaligen Flächenmaß. Genaue Menge

vermutlich zunächst örtlich verschieden, Anfang

des 19. Jahrhunderts ca. 13,6 m 3 . S. a.: Gerhard

Behrens, Ein Hunt sind keine 100 Körbe! in: HRB

1/2008, S. 12

4) NLA Stade, Rep. 95 Nr. 121, Sammlung 2

5) NLA Stade, Rep. 40 Nr. 3034

6) NLA Stade, Rep. 74 Osterholz Nr. 1943

Wilhelm Berger

Die Hamme-Fähre

Im Jahr 1921 wurde bei Tiejens Hütte, Osterholz-Scharmbeck,

eine Wagenfähre über die Hamne eingerichtet. An der gleichen

Stelle hatten die Scharmbecker Bauern im 18. Jahrhundert eine

Holzbrücke gebaut, um ihre linksseitig der Hamme gelegenen

Wiesen und Weiden erreichen zu können. Diese Brücke war

aber bei einem winterlichen Eisgang zerstört und nicht wieder

erneuert worden.

Die Fähre bildete jetzt eine vorteilhafte Abkürzung für die Einwohner

der heutigen Gemeinden Lilienthal und Worpswede,

die bis dahin für Fahrten nach Osterholz-Scharmbeck anlässlich

von Behördengängen, Einkäufen, Besuch des Herbstmarktes

usw. die Hammebrücken in Ritterhude oder Teufelsmoor

benutzen mussten. Hinzu kam, dass es seit 1914 die hochwasserfeste

Gaststätte „Tietjens Hütte“ gab. Vorher stand dort nur

in den Sommermonaten eine Hütte, die im Herbst wegen Hochwassers

und Eisgang abgebaut wurde.

Die eiserne Fähre war eine flache Prahmfähre mit beweglichen

Rampen. Zur Sicherheit war an den Seiten ein Geländer angebracht.

Über dem Wasserlauf war ein Seil gespannt, an dem ein

Fährmann oder die

Fahrgäste die Fähre

über den Fluss ziehen

mussten. Eine

derartige inzwischen

100 Jahre alte Fähre

verkehrt heute noch

über die Oste bei

Gräpel nördlich von

Bremervörde. Bei

Tietjens Hütte endete

der Fährbetrieb

1938 mit dem Bau

der Brücke im Zuge

des Straßenbaues

Worpswede- Osterholz-Scharmbeck.

Die Fähre wurde

dann übernommen

von Landwirten aus

den Moodörfern um

Worpswede, die auf

der anderen Hammeseite

Wiesen und

Weiden bewirtschafteten.

Bisher hatte

man das Heu per

Schiff transportiert

oder sich mit einer

behelfsmäßigen Fähre

aus zwei Torfkähnen mit quergelegten Brettern

beholfen. Neuer Standort der Prahmfähre war

nun Neu-Helgoland. Nach einiger Zeit wurde

der Fährbetrieb von der für die Hamme als Landesgewässer

zuständigen Behörde beanstandet.

Angeblich würde die Fähre sehr fahrlässig bedient, sodass es zu

Unfällen kommen könne. Daraufhin kam es hier 1948 zum Bau

einer hölzernen Klappbrücke, die 1958 durch die heutige massive

Klappbrücke ersetzt wurde.

Die Fähre wechselte noch einmal den Standort. 3 Bauern aus

Bergedorf und Südwede hatten im Dreieck zwischen Hamme-

Bahndamm und Kirchdammgraben Grundstücke ohne Wegeanschluss

in Nutzung. Sie übenahmen die Fähre zur Überquerung

der Hamme und hatten dann über Privatgrundstücke Anschluss

zur Waakhauser Straße.

Wegen der Zunahme des Bootsverkehrs durfte man hier kein

Seil mehr über den Fluss spannen. Die Fähre musste deshalb

gestakt werden. Allerdings war nach einigen Jahren der Boden

durchgerostet und sie versank im Kirchdammgraben. Da

das Wrack eine Gefahr für den Bootsverkehr bildete, wurde es

vom THW Osterholz im Rahmen einer Übung entfernt und verschrottet.

Quellen: K. von Düring, Chronik einer Landschaft, Archiv

des GLV Teufelsmoor

Gerhard Behrens

Oste-Fähre bei Gräpel.

Foto: G. Behrens

6

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


Baum des Jahres 2021 ist

die immergüne Stechpalme

Die Stechpalme ist auch als Ilex (Ilex aquifolium)

bekannt. Dunkelgrüne Blätter, kleine unscheinbar

weiße Blüten und leuchtend rote Beeren im Herbst,

das sind die Merkmale dieser Bäume, die nur alle 3

Jahre ihre Blätter verlieren. Diese Art ist ein waschechter

Europäer. Der immergrüne Baum mit den

glänzenden Blättern ist als attraktive Gartenpflanze

beliebt. Wild im Wald wachsende Exemplare sind

so selten, dass sie nach der geltenden Bundesartenschutzverordnung

unter strengem Naturschutz stehen.

Diese Baumart kann durchaus höhere Temperaturen

vertragen und könnte so vom Klimawandel profitieren.

Somit würden auch unsere Wälder profitieren.

Die Stechpalme könnte also bei immer wärmer

werdendem Klima eine Gewinnerin des Klimawandels

werden. Je nach Lichtverhältnissen wächst die

Stechpalme als Baum, der bis zu 15 m hoch werden

kann, oder aber als weit verzweigtes dichtes Buschwerk.

Ilex kann gut Schatten vertragen und im dichten

Laubwald als Unterholz überleben. Für das Wild

sind diese Buschbestände ein guter Schutz. Die roten

Beeren sind beliebtes Winterfutter für heimische

Vögel, die bei uns überwintern.

Im Landkreis Osterholz gibt es im Staatsforst Elm

noch einige wild wachsende Ilexbestände, teils als

hohe Bäume, teils als dichtes Buschwerk. Von Hülseberg

aus führt die Straße „Am Steinkamp“ direkt

in den Elmforst. Wendet man sich an der ersten

Wegbiegung nach rechts, findet der Wanderer dort

unter mächtigen Buchen die dichten Bestände der

Stechpalme. Im Frühling tragen die Bäume ihre kleinen,

duftenden, weißen Blüten. Jetzt gegen Ende

des Sommers sind die daraus erwachsenen Früchte

noch grün, aber bald schon werden sie ihre leuchtend

rote Farbe tragen, rechtzeitig zu Weihnachten

und als Winterfutter für Vögel. Für Menschen sind

die Beeren giftig, also Vorsicht bei Kindern. Ilexzweige

mit roten Beeren sind als Schmuck zu Weihnachten

ganz besonders beliebt. Nach Überlieferungen

sollen schon Kelten und Germanen Ilexzweige

geschätzt haben.

Text und Fotos:

Maren Arndt

Nach langer Zeit war es Ende September wieder möglich,

sich zu einer Redaktionskonferenz in „Beckers Gasthaus“

zu treffen – allerdings ohne den Verleger Jürgen Langenbruch,

der wegen eines traurigen Ereignisses am Vortage

von der Teilnahme absehen musste.

Altverleger Manfred Simmering erklärte sich sofort bereit,

die Funktion des Veranstaltungsleiters zu übernehmen –

dafür sei ihm und auch dem Protokollanten Peter Richter

herzlich gedankt!

Nach einem Gedankenaustausch zur aktuellen Corona-Lage

und den Auswirkungen auf die Herausgabe des

„Heimat-Rundblick“ wurde das aktuelle Heft besprochen

– das Titelbild wurde laut Protokoll als „besonders interessant“

gelobt – was bei einem „Komplexbild“ von Heinrich

Vogeler sicher der Verdienst des Künstlers ist.

Ich zitiere aus dem Protokoll von Peter Richter: „Wilhelm

Berger informierte die Runde von der Initiative einer

Gruppe Interessierter im Kreis-Heimatmuseum, die die

Bedeutung und historische Zuordnung der großen Anzahl

an archäologischen Fundstücken des Landkreises werten

und dann eine Katalogisierung vornehmen wollen. Sein

Angebot: Berichte über den Stand der Arbeit jeweils im

„Heimat-Rundblick“. Gerhard Behrens übernimmt die

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

Rezension des Buches „Inmitten – Spuren des Nationalsozialismus

in Worpswede“ von Barbara Millies. Lothar

Tabery bietet an, in einer der nächsten Sitzungen digital

vom Projekt „Spur der Steine – Baukultur im Elbe-Weser-Dreieck“

zu berichten.“

Als nächster Termin für eine Redaktionssitzung wurde

Samstag, der 27. November, festgelegt – die Lokalität wird

noch bestimmt und bekanntgegeben.

Unser Dank geht auch die Gastgeberin, Frau Becker, die

mit ihrem Personal für leckeren Kuchen, Kaffee und Tee

gesorgt hat!

Redaktionskonferenz

7


Heinrich Gätke der Urvater der

Vogelbeobachtung von Helgoland

Heinrich Gätke,

Helgoland 1838,

Foto: gemeinfrei

Heinrich Gätke gilt als der Urvater der Vogelbeobachtung

von Helgoland und hat diese Insel zu dem

Mekka für Vogelbeobachtungen gemacht, so wie wir

Helgoland heute kennen. Name und Wirken dieses

Mannes sind heute jedoch nur noch Fachleuten auf

dem Gebiet der Ornithologie bekannt. Wer war dieser

Mann, der den Namen „Vogelwarte“ zu einem

deutschen Begriff machte?

Heinrich Gätke wurde am 19. Mai 1814 in Pritzwalk

im Brandenburgischen geboren. Er war der Sohn eines

Brauers und Bäckers und wurde mit 15 Jahren

von seinem Vater zu seinem Onkel August Fontane

nach Berlin geschickt, um dort eine Lehre in dem

Geschäft für Farben- und Kunstmalerutensilien zu

beginnen. Vorübergehend teilte er sich sein Zimmer

mit einem Verwandten, seinem Cousin Theodor

Fontane. Das Verkaufen lag Heinrich Gätke nicht

so sehr, er tendierte mehr zu Farben und zum Malen.

Theodor Fontane schrieb 1898: „So bekam er Lust

auf die Malerei“. Die Landschaftsmalerei konnte ihn

schon bald nicht mehr zufriedenstellen, er tendierte

zu See- und Schiffsbildern, und sein Ansehen als

Kunstmaler stieg. 1832 nahm er an einer Ausstellung

mit einem Bild an der Berliner Akademie- Ausstellung

teil. Die Vorliebe für die See kommt dort

bereits zum Ausdruck.

Das war für ihn der Grund, nach Helgoland zu gehen.

Das war im Jahr 1837. Der als vorübergehender

Aufenthalt geplante Ausflug zu der Insel wurde zu

einem endgültigen, als er die junge Helgoländerin

Anna Maria Tapp kennen und lieben gelernt hatte.

1841 wurde geheiratet. 10 Kinder wurden im Laufe

der kommenden Jahre geboren. Heinrich Gätke

blieb von da an bis zu seinem Tode 1897 auf der Insel.

Mehrere Schriftsteller seiner Zeit, wie Theodor

Fontane, Fanny Lewald oder Adolf Stahr verarbeiteten

die auffällige Figur Gätkes in ihren Werken. Auf

der Insel entwickelte er seine Persönlichkeit, die

durch seine körperliche Gestalt, sein Wissen und

seine Ausstrahlung auffiel. Das Leben auf der Insel

prägte seinen Charakter, seine äußere Erscheinung

und sein Auftreten. Diese Zeit hat ihn nicht zurückgeworfen,

sondern er ist geistig weitergekommen

und gereift. Trotzdem bezeichnete er sich gelegentlich

als „Crusoe-Ornithologe“

Gätke war von schöner, großer, kräftiger, aber

schlanker Gestalt mit einem ausgeprägtem Gesicht,

darin zwei schwarze Augen und ein prächtiger, starker,

schwarzer Bart mit leichter Grautönung sowie

langem Haupthaar. Sein Gesicht hatte lebensfrohe

und heitere Falten, sie ergaben trotz allem einen

ernsten Ausdruck und vielfältige Gesichtszüge,

gleich einem „Portrait der alten Meister wie zu

Zeiten von Michelangelo oder Leonardo da Vinci“

(Adolf Stahr 1855).

Seine künstlerische, malerische Tätigkeit hat er

während dieser ersten Jahre auf Helgoland als Autodidakt

vervollkommnet. Sein Interesse galt dabei

fast ausschließlich der Darstellung Helgolands, welches

er mit Akribie meisterlich mit Pinsel und Farbe

festhalten konnte. Leider gibt es aus seiner Schaffensperiode

nur wenige Bilder in Deutschland, die

meisten verkauften Gemälde sind sicherlich nach

England gelangt. In Deutschland besitzt das Altonaer

Museum den größten Teil, die Masse wird auf

viele Privatsammlungen verteilt sein, da Gätke seine

Gemälde an Gäste der Insel für Geld verkauft hat.

Auf dem Höhepunkt seines künstlerischen, malerischen

Schaffens wandte sich Gätke ab 1843 der

Vogelbeobachtung (Ornithologie) zu. Von da ab

galt sein Interesse nur noch der Vogelkunde. Auch

hierin war er ein Autodidakt, der durch beharrliches

Beobachten die Vogelwelt der Insel kennenlernte.

Geholfen haben ihm dabei die Helgoländer Jäger:

Carsten Peter Reimers und die drei Brüder Oelk, Jan

und Claus Aeuckens. Es war vor allem der Vogelzug,

welcher seine Hinwendung zur wissenschaftlichen

Vogelkunde erklärt und die letztendlich in einem

Werk von 600 Seiten mündete. Die Begegnung mit

8

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


dem Vogelzug und seine Jagdleidenschaft fesselten

den Mann an die gefiederten Durchzügler. Dabei

war Gätke allen irdischen Gaumenfreuden zugeneigt.

Er schreibt, dass man in einigen Stunden 10

bis 15 Schnepfen schießen könne. Wenn man diese

Zahl hochrechnet, so dürften 1000 erlegte Schnepfen

an einem Tag keine Seltenheit gewesen sein.

Eine Anekdote (oder ist sie echt?) berichtet, dass

sogar der Gottesdienst wegen Schnepfenzugs unterbrochen

wurde. Die Vogeljagd war zu seiner Zeit ein

wichtiger Erwerbszweig, wobei der tote Vogel gerne

zur eigenen Ernährung verwendet, andererseits aber

auch zur Beschaffung von Bargeld benötigt wurde.

Begriffe wie „Vogelschutz“ waren zu der Zeit völlig

unbekannt. Selbst der bekannte Ornithologe Naumann

besuchte Gaetke im Juni 1840 und ging mit

ihm auf Lummen- und Alken- Jagd und konnte sich

so einen guten Überblick über Gätkes Fähigkeiten

verschaffen. Das Töten des Verspeisens wegen genügte

ihm jedoch bald nicht mehr. Den Grund kennen

wir. Es war ein Grönländischer Jagdfalke, der

seinen Gesinnungswandel bewirkte und den er als

ersten Vogel in seinem Buch beschreibt. Besonders

das weiße Gefieder des Vogels hatte es ihm angetan.

Von da an sammelte und präparierte er Vögel, wobei

ihn besonders der Alt- Helgoländer Carsten Peter

Reimers unterstützte. Die Bücher von „Naumann“

und „Brehms Lehrbuch der Vögel Europas“ (Vater)

machten aus dem Sammler einen Forscher. Ab 1847

kamen zu seiner schriftstellerischen Arbeit die Führung

eines Tagebuches mit den aktuellen Wetterdaten,

um Gründe für eine Erscheinung festzuhalten.

1863 veröffentlichte das Journal für Ornithologie einen

Brief von ihm, in dem er über seltene Vögel auf

Helgoland berichtete. Deutsche und Briten wurden

dadurch und noch weitere Veröffentlichungen auf

die Insel Helgoland und Heinrich Gätke aufmerksam.

Der Ornithologe Eugen Ferdinand von Homeyer

hatte Gätkes Angaben 1857 angezweifelt. Sein Besuch

auf der Insel im Jahre 1880 überzeugte ihn jedoch

vom Gegenteil. Aus dem einstigen Gegner war

ein Bewunderer geworden.

Das Manuskript seines Buches war schon lange fertig.

Da er jedoch keinen Verleger fand, verzögerte

sich die Herausgabe. Endlich fand er 1891 in dem

Verleger R. Blasius aus Braunschweig den Menschen,

der sein Buch unter dem Namen „Die Vogelwarte

Helgoland“ herausbrachte, und das vor dem

Hintergrund eines permanenten Machtkampfes der

Berliner und Braunschweiger Linie der Ornithologie,

was die weitere Entwicklung behinderte. Wegen

seiner wortgewaltigen Ausdruckskraft und Schilderungen

war es schnell vergriffen. Inzwischen gibt es

eine Neuauflage und ebenfalls einen Reprint- Band.

Die Insel Helgoland war zu Lebzeiten Heinrich

Gätkes britisch. Davor, ab 1544 geriet sie in den

Schleswig- Gottorpschen Herrschaftsbereich des

Herzogs Adolph, ab 1684 erschien die dänische

Krone und verlangte die Übergabe. 1714 kam es

erneut zu militärischen Auseinandersetzungen, Dänemark

aber blieb und wurde schließlich während

der sog. „Kontinentalsperre“ Napoleons 1807 von

den Briten von der Insel vertrieben. Seit der Zeit,

1807, war Helgoland eine britische Kronkolonie,

wie Gibraltar. Die ersten Jahre dieser Blockadezeit

waren die glücklichsten der Insel. Pro Tag liefen

ca. 400 Schiffe die Insel an, um Schmuggelgut an

die deutschen Küsten bei Nacht und Nebel zu befördern.

Mit der Beendigung der Kontinentalsperre

hatten die Engländer das Interesse an Helgoland

verloren. Die wirtschaftliche Situation der Inselbewohner

verschlechterte sich zusehends. Gätke

war von 1858–1888 als Regierungssekretär der englischen

Verwaltung unterstellt. Für die beamtete

Stellung hatte er genügend Sprachkenntnisse und

die Engländer empfanden ihn „more English than

German“(Dresser 1897 im Nachruf). Gätke hat sich

jedoch nie als britischer Untertan verstanden, sondern

als Preuße. Während der englischen Besetzung

von 1807- 1890 gab es insgesamt 7 britische Gouverneure.

Gätke pflegte ein besonderes freundschaftliches

Verhältnis zu dem kunstsinnigen Gouverneur

Henry Fritzhardinge Maxse (1863- 1881), der viele

seiner Gemälde ankaufte. Während dieser Wirtschaftskrise

hat u.a. auch der Reeder Rickmer Clasen

Rickmers (1807- 1886) die Insel verlassen und

in Bremerhaven 1834 seine eigene Schiffbau- Firma

gegründet. Die Insel diente aber auch als Schlupfwinkel

für politisch Verfolgte: so dichtete Heinrich

Hoffmann von Fallersleben das „Deutschlandlied“

1841 im Exil, Heinrich Heine und Friedrich Oetker

waren auch vorübergehende Gäste und trugen so

zur Werbung der Insel bei.

1890 schließlich wurde Helgoland deutsch. Die

Engländer waren froh, die Insel losgeworden zu

sein, und die Deutschen feierten in Kaiserlaune. Mit

Nachbesserungen bei den deutschen kolonialen Be-

Der Verlag

„Atelier im Bauerhaus“

in Fischerhude hat einen Kalender

für das Jahr 2020 mit stimmungsvollen

Fotos aus jeder Jahreszeit

unserer Redakteurin Maren Arndt

herausgegeben. Sie kennen ihre

Arbeiten aus dem Artikeln und

Titelseiten unserer Zeitschrift –

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HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

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sitzungen in Afrika, hauptsächlich zugunsten Englands,

wurde vertraglich der Tausch besiegelt.

Während der britischen Zeit Helgolands war Gätke

Ehrenmitglied der „British Ornithologists Union“

und der entsprechenden amerikanischen Gesellschaft.

Die „Deutsche Ornithologische Gesellschaft“

verweigerte ihm die Anerkennung.

Gätke starb am 1. Jan. 1897 und wurde auf dem

Helgoländer Friedhof beerdigt. Von seinem Grab

und auch von den anderen Gräbern ist nach dem

Bombardement nichts mehr zu finden gewesen; sein

Grab wurde leider nicht rekonstruiert. Sein bester

englischen Freund von der Ostküste Englands, John

Cordeaux, sagte:“ Gätke hat Helgoland zu einem

klassischen Boden gemacht. So lange wie die Ornithologie

fortbesteht, wird sein Name verbunden

bleiben mit der alten, sturmumbrausten Klippe“.

Der Titel seines Buches „Die Vogelwarte Helgoland“

ist irreführend, denn tatsächlich handelt es sich um

die Bestandsaufnahme aller im Helgoländer Raum

gefangenen und bestimmten Vögel. Den Begriff

„Vogelwarte“ verwenden wir heute für eine Institution,

für ein ornithologisch arbeitendes Institut.

Gleichwohl ist das Wort „Vogelwarte“ im deutschsprachigen

Raum zu einem festen Begriff geworden.

Auf den ersten 160 Seiten seines Buches beschreibt

Gätke mit großer Ausführlichkeit den Vogelzug im

Allgemeinen, in der Richtung, in der Höhe und

Schnelligkeit, nach Alter und Geschlecht und was

den Vogel zum Aufbruch veranlasst. Die restlichen

440 Seiten beschreiben die verschiedenen Vogelarten.

Dabei kommt es im Vergleich zum heutigen

Sprachgebrauch manchmal zu unterschiedlichen

Schreibweisen, sowohl im Deutschen als auch im

Lateinischen. Gätke verwendet grundsätzlich angelsächsische

Maßeinheiten wie „fuss“ und erwähnt

Vögel oft nur mit ihrem lateinischen Gattungsnamen

„Frigillen, Charadrien , Tringen oder z.B. Sylvien“.

Gleichwohl ist die Beschreibung jeder Spezies

nie langweilig, sondern immer wortreich und farbig

vielseitig- ohne die heutige Sachlichkeit.

Quellen:

Heinrich Gätke: Die Vogelwarte Helgoland, 1890,

Herausgeber: Johann Heinrich Blasius, Braunschweig

1891, Reprint

Gottfried Vauk: Geschichte der Vogelwarte und

der Vogelforschung auf der Insel Helgoland, Niederelbe

Druck, Otterndorfer Verlagsdruckerei

H.Huster KG, 1977

Jochen Dierschke u.a. : Die Vogelwelt der Insel

Helgoland, 2011, OAG Helgoland

www.zobodat.at/pdf/Vogelwarte 39_1997_0014-

0033.pdf (Bernd Haubitz: Heinrich Gätke in der

Literatur und der bildenden Kunst des neunzehnten

Jahrhunderts, Die Vogelwarte 39, 1997: 14-33)

Fotos:

1. Geschichte des IfV auf Helgoland

2. Wikiwand.com heinrich gaetke

Dr. Hans Christiansen

Plattdüütsche

Snäcke

De kummt mi mol woller,

sä de Jäger,

dor harr he an‘ Hasen vörbischoten.

Ik heff keen Tiet,

sä de Voss,

dor seech he den Jäger komen.

Loot de Göös man ruhig up de Weid,

sä de Voss,

ik mag keen Gras.

Dat is aal‘ns een Öwergang,

sä de Voss,

dor trecken se em dat Fell öwer de Ohren.

Egal weg an‘ne Grund is ok nix,

sä de Heek, dar seet he an‘ne Angel.

Peter Richter

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HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


„Spur der Steine“

Baukultur und Tourismus im Elbe-Weser-Dreieck

Weißes Holz und rote Steine

Fachwerkbauten sind im mitteleuropäischen Raum

weit verbreitet und haben in den einzelnen Regionen

eigene Gestaltungsformen hervorgebracht. So

lassen sich Fachwerkhäuser aus Frankreich, England,

Nord- und Süddeutschland z.B. durch die Art

der Holzständer und -riegelanordnung, das Material

der Ausfachung zwischen den Hölzern und nicht

zuletzt durch die Farbgebung für die gesamten Fassaden

unterscheiden und teilweise recht genau sogar

einzelnen Regionen zuordnen.

Während beispielsweise im südlichen Niedersachsen

(u.a. Einbeck und Northeim) schwarz gestrichene

Hölzer mit weißgeputzten Ausfachungen

dominieren, hat sich im Elbe-Weser-Dreieck – und

hier besonders im Alten Land – eine ganz besondere

Variante der Farbgebung und Gefachausfüllung

entwickelt. Strahlendes Weiß für die Hölzer und

Ausmauerungen mit roten Steinen, teilweise in der

sehr kunstvollen Technik des sogenannten Buntmauerwerks

gibt es nur hier und in der näheren Umgebung.

Diese Bauten charakterisieren diese Landschaft

und geben ihr ein Alleinstellungsmerkmal.

Buntmauerwerk

Ortsmitte Jork

Die Ortsmitte von Jork, dem zentralen Ort im Alten

Land, einem der größten Obstanbaugebiete Europas,

be-steht aus einem kleinen Ensemble typisch

Altländer Fachwerkhäuser. Die weiß gestrichenen

Hölzer und die im sogenannten Buntmauerwerk

kunstvoll in den Gefachen vermauerten roten Backsteine

mit weißen Fugen zeigen eine Bautradition,

die es in dieser Form nur im Alten Land gibt. Bemerkenswert

sind auch die auf Knaggen auflagernden

Balken, über welche die Geschosse übereinander

auskragen und so u.a. den Witte-rungsschutz der

Fassade verbessern.

Fotos: Christian Burmester

Rathaus Jork

Auf dem Grundstück lassen sich Vorgängerhöfe bis

ins 12. Jahrhundert nachweisen. Nachdem Matthäus

von Haren 1645 Gräfe des Alten Landes geworden

war, kaufte er 1648 den 20 Morgen umfassenden

Hof an der Ecke zwischen Osterjorker Wettern und

Borsteler Fleth und ließ den Fachwerkbau auf T-förmigem

Grundriss errichten. Nach Osten schloss sich

als Wirtschaftsteil ein Zweiständerbau mit Kübbungen

an, der abgebrochen und 1974 bis 1978 durch

den Giebelteil des Hofes Westerjork 55 ersetzt wurde.

Doch bereits 1780 hatten einschneidende Veränderungen

stattgefunden. Der als Harenscher Hof

oder Gräfenhof bekannte Bau wurde 1978 saniert

und dient heute als Rathaus der Gemeinde Jork.

Architekt (Sanierung): Walter Ganske

Fotos: Christian Burmester

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

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heute der Giebel zur Straße zeigt. Dieser ist mit einem

ungewöhnlich großen gestalterischen Aufwand

gestaltet und durch Reihen von Fußwinkelhölzern

ausgesteift und akzentuiert. Wesentliche Merkmale

sind die unterschiedlich verzierten Knaggen, die mit

Schiffskehlen abgefassten Schwellen und Füllhölzer

sowie schmuckreichen Steinmuster in den Gefachen.

(nach Böker). Fotos: Christian Burmester

Guderhandviertel Nr. 50

Auf dem Grundstück des Wohnwirtschaftsgebäudes

Nr. 50 hat sich außer dem Gebäude aus der 1. Hälfte

des 17. Jahrhunderts auch das älteste bekannte

Bauwerk des Alten Landes, ein Altenteilerhaus von

1587 erhalten. Der im 18. Jahrhundert um zwei

Gefache erweiterte Bau ist 1937 von der Straße

zurückgesetzt und um 90° gedreht worden, sodass

Wohnhaus Osterjork 45

Das Haus Nr. 45 muss wohl als der älteste Zweiständerbau

Osterjorks angesehen werden, obwohl

das ange-gebene Baujahr 1750 nicht gesichert ist.

Typische Merkmale dieser Bauzeit sind die Vorkragungen

auf kräfti-gen, profilierten Konsolen im

Straßengiebel. Das Zwerchhaus über dem Seiteneingang

wurde erst 1936 ergänzt und in Form und

Material angepasst.

Fotos: Christian Burmester

Westerjork 45 /47/49

Die Häuser Nr. 45,47 und 49 in Westerjork bilden

mit dem gegenüberliegenden Gebäude Nr. 48 eine

außerordentliche Gruppe von reetgedeckten Zweiständerbauten.

Hier werden auf engstem Raum die

Entwicklungsstufen der Altländer Giebelkonstruktion

erlebbar. Während der Bau Nr. 47 ein schlichtes

Fachwerk und einen nur schwach vorkragenden

Giebel zeigt, wurde bei dem Gebäude Nr. 45 die in

der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts beliebte klassizistische

Spielart mit Doppelstielen und Auskragungen

auf zierlichem Stichgebälk ausgeführt.

Ähnlich ist auch die Erdgeschosszone des Hauses

Nr. 49, was auf eine Veränderung während der

Translokation von einem mehrere hundert Meter

entfernten Ort an diesen Standort im Jahre 1823

schließen lässt. Im darüber liegenden Giebeldreieck

haben sich dagegen noch die Schmuckformen

des 17. und 18. Jahrhunderts erhalten. Im Jahr 1990

wurde dieses Gebäude unter weit gehender Beibehaltung

der Raumstruktur zum Museum „;Altes

Land“ umgenutzt.

Rechts neben dem Haupthaus steht die Prunkpforte,

die mit ihren Öffnungen für Fuhrwerke die Auffahrt

zur Hofstelle eines wohlhabenden Bauern demonstriert.

Sie ist ein Nachbau einer barocken Pforte von

1683 des Hofes Quast in Ninkop. Das Original wurde

vermutlich von einem Gesellen des berühmten

Orgelbauers Arp Schnitger geschaffen.

Fotos: Christian Burmester

Diese Beschreibungen mit weiteren Abbildungen

sowie einer genauen Kartierung dieser und zahlreicher

wei-terer baukulturell interessanter Gebäude

aus dem Elbe-Weser-Dreieck findet man auf der

Website „Spur der Steine“ unter folgender Adresse:

https://baukultur-entdecken.museen-stade.de.

Lothar Tabery

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HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


Der muntere Vogel,

der auch im Winter singt…

Text und Fotos:

Maren Arndt

Das Rotkehlchen ist zum Vogel des Jahres 2021

gewählt worden. In diesem Jahr war die Wahl zum

ersten Mal öffentlich. Der NABU gab bekannt, dass

sich über 455 000 Menschen an der Wahl beteiligt

haben und sich das Rotkehlchen gegen Rauchschwalbe

und Kiebitz durchgesetzt hat.

Das zeigt einmal mehr, jeder kennt diesen kleinen,

lebhaften Vogel mit der roten Brust. Gar nicht scheu

zeigt er sich in unseren Gärten und macht sich somit

überall bekannt und beliebt. In Deutschland leben

bis zu 4,5 Millionen Brutpaare. Außer in Island ist

diese Art in ganz Europa beheimatet. In Deutschland

stehen rund 45 % der heimischen Vogelarten

auf der roten Liste, das Rotkehlchen ist zum Glück

bislang nicht darunter. Das Interesse an der heimischen

Vogelwelt ist groß bei den Menschen, dennoch

ist die intensive Landwirtschaft, die zunehmende

Bebauung und das Fehlen von Insekten eine

stetig wachsende Gefahr für unsere Vögel.

Das Rotkehlchen ist standorttreu und bleibt auch im

Winter hier in den Gärten und Parks. Und wenn wir

im Schnee oder gar zu Weihnachten draußen eine

liebliche, zarte Vogelstimme hören, so ist es dieser

kleine Vogel des Jahres 2021, der uns auch im Winter

ab und zu mit seinem Lied erfreut. Das ist von

keinem anderen Singvogel bekannt.

Bauernregeln:

von Peter Richter

Oktober

Wenn der Zugvogel im Oktober zeitig geht,

naher Winter vor der Türe steht.

Gewitter im Oktober künden,

dass du wirst nassen Winter finden.

November

Der Frost ist der beste Ackersmann.

Wer den Acker im Herbst nicht stürzt,

hat seine Ernte zur Hälfte gekürzt.

Dezember

Weht der Dezemberwind aus Ost,

bringt er den Kranken schlechten Trost.

Ist die heilige Christnacht klar,

dann hoffe auf ein gutes Jahr.

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

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Kortuffelferien un Scharmker Harvstmarkt

Lach- und

Torfgeschichten

For veele Menschen in Stadt un Land sind de Wonnemoond

Mai, dat Vörjohr un de pralle Sommer jo de besten Tieten

in'n Johr, dat is sachts ok so, ik heff over all seit min Kinnerdoog

de Harvstsunn, de bunten Blöör, al de Appels, Beern un

Plummen, den Neveldook over de Moorweiden un de Spinnwubben

in de Heide, so besonners gern. De Sommer geiht so

sachte un sinnig un gifft al sine Früchte as rieke Oornt toon

Besten. Ik bin mitten in'n goldenen Oktober geborn, amangs

hett dat wat utmookt, wer weet dat?

Nun denk ik woller trüüch an min Kinnertiet in'n Harvst

1962 – min 10. Geburtsdag stünnt noch an. Wi Dorpskinner

harrn Kortuffelferien un opt Feld achtern Roder, Ploog

un Egen de goldgeelen Kortuffeln opsoch un in Säcke füllt.

De Säcke hebbt min Vadder Hinnerk un Opa Jan ovends

mit Peer un Wogen von't Feld holt un in us Schüün utkippt

toon Drögen. Domols weern noch overall op de Felder veele

Lüe, ganze Fomilien mit eer Kinner un ok Dagöhner tohoop

an arbeiten. De Arbeit weer nich jümmer licht, over in

Gemeenschft hett se Spoß mokt. De

Kaffeepausen an'n Feldrain op de

Kortuffelsäcke mit Stutenbrot un

Pottkoken wörn eensome Spitze,

dorbi wor snötert, lacht un vortellt.

Wer dat domols mitmoken kunn is

riek beschenkt wesen. Nun harrn wi

Oktober, vor use Schüün stünnt de

Sortiermoschien un de Kortuffeln rullen un kantappern over

den enkelten Siebe in vorschiedene Gröten in de Jutesäcke.

Ik wessel mi mit Mama Alwine oder Oma Line af, wi dreihen

over een Getriebe de Moschien von Hand. De Säcke mit de

Eetkortuffeln worn je 1 Zentner op de Dezimalwaag afwogen

un gliek op een Gummiwogen lood. Gummiwogen so nennen

wi use Ackerwogen, dor harr de Smitt Gerken an Bornriehe

de groten holten Ackerräder afnohmen un ieserne Assen mit

Gummiröder ünnerschroben von eenen „Opel Blitz“ Lieferwogen.

Dormit löpen de Wogen veel lieser un schüddelfree op

dat Koppsteenploster un de Klinkerstroten. Annern Dag, fröh

an'n Morgen, spann Papa Hinnerk us beiden Peer an, min

Swester Karla un ik klattern no boben op de Kortuffelsäcke,

Papa seet vorne mit dat Leid in'ne Hann, snalz kort un segg:

„Hüüh“. So zuckeln wi op de Düwelsmoorstroot no Osterholt

hen Dat wör eene sinnige Tour mit den proppenvullen Wogen,

so no tweeunhalf Stunnen kömen wi an de Bördestroot

bi Slachter Pankow an. Dor worn de meisten Säcke in'n Keller

sleept, domols worn jo noch veel Kortuffeln eten, over de

Slachtersfro mook ok noch veel Kortuffelsolot för eeren Loden.

Disse Utleverfohrten weern for us Kinner jümmer een Beleevnis

un de Pankows wörn jo so fründliche nette Lüe, toon

Schluss kregen wi jümmer eenen ganzen Ring Gekokte ut den

hitten Mannelpott. Dor hebbt wi us al so richtig den Buuk mit

vullslogen. De restlichen Kortuffeln worn noch bi vorschiedene

Fomilien in Schambeck in'n Keller drogen. Twee Föör

swatten Torf toon Hitten un een Föör witten Torf toon Rökern

harr Papa al vor dree Weeken bi Pankows aflevert. So kööm

denn in'n Harvst een Deel an Boorgeld in Papas Portmonee,

dat weer meiste Tiet selten un knapp. Satt, glücklich un

tofreer kömen wi an'n Nomdag mit den leddigen Wogen woller

op'n Hoff an. De Peer kömen in'n Stall un kregen Woter un

Hovern. De Wogen wor vor de Schüün woller mit Kortuffeln

vullpackt. Papa harr annern Morgen noch eene Tour, ditmol

over alleen. Ik harr keen Tiet. Opa Jan wull mi non Scharmker

Markt mitnehmen, dat geeft ok man bloos eenmol in'n

Johr - son Beleevnis. Morgens Klock

8 sind wi mit us Fohrröder op den

schmalen Padd an de Klinkerstroten

langföhrt. Dat weer nevelig un

de Luft kölig-frisch, se röök moorerdig

no Harvst. Dör Pemmbuddel un

den Knorrenbarg hoch gestrampelt

kömen wi op'n Marktplatz bi de St.

Willehadi Karken an un hebbt us Röder dor afstellt. Dor weer

jo eene bunte, luute un so ganz annere Welt, wi ik se op usen

Hoff achtern in Düwelsmoor nich kennen deer. Op de Marktweid

stünnen, so wie ik kieken kunn, Keuh, Kalver, Quenen,

Ossen, Peer, Ponys, Swien, Farken, Göös, Oonten, Höhner un

Küken. Un wat dor sonst noch al an Deerten rumlööp, over

dor wullen wi ik jo nich hanneln un wat köpen, Beester harrn

wi sülvst genog. Wi stünnen vorne an de Bude von den „Billigen

Jacob“ mit sine Melone op'n Kopp. De snack un sabbel

sin Publikum umto dumm un dämlich, se koffen emm alles

af. Opa koff ok Neihtüüg for Oma, Plünnengummis un eenige

blauwitte Böxendreger. Bi Teichmeier hett Opa Smuttool

un Schellfisch kofft, inwickelt in dick Zeitungspopier. Bratfisch

in Brötchen hebbt wi eten - echt lecker! Achtern op de

Weid stünnt een Lastwogen un bobenop een „Schreehals“ von

Mann de luuthals Bananen in de johlende Meute smeet. Wat

for een Spektokel, „Banana-Dieter“ de mook sin Geschäft. Un

dat röök un schnupper overall so lecker, bi Slachter Dohr-

Ein stiller Zeitzeuge

ist unser „Lanz“-Kartoffelroder

aus lange

vergangenen Tagen. Er

hat immer noch seinen

Platz auf dem Hof in

Teufelsmoor als Landmaschinendenkmal.

mann geef dat noch lüttje Peerwust to eten -

so lecker! An de Zuckerbude kömen de witten

Rullen Honigkoken, Zuckerstangen, Bremer

Kluten un Smoltkoken in de Tuten, alles för

de Leeven tohuus. An so eenen Dag wor ok

mol inkofft un Geld utgeven, dat geef nich

jeden Dat wat, de Tieten weern eenfacher un

genügsomer. Non Middag güng Opa noch mit

mi dör de Karkenstroot in den Plünnenloden

von „Mailand“. Hier koffen al de Lüe ut de

Dörper umto eer Tüüg in. Nun weer ik an'ne

Reeg, Opa koff mi eene Manchesterbox, een

blaukariert Hemd un eene lüttje blaue Schippermutz,

wat weer ik stolt, ik wör komplett

utstaffiert. Swor bepackt sind wi woller gemütlich

no Düwelsmoor rodelt. To Koffeetiet

weern wi woller in'n Huus un sind got opnohmen

worn mit al us Leckereen. Dat weer een

Dag no minen Smack - seitdem mach ik den

Harvst jümmer so gern.

Johann - Jan - Brünjes

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HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


Was hat „Heimat“ mit

„Fridays for Future“ zu tun?

Die Erörterung, ob Heimat etwas mit Fridays for Future

zu tun hatm erscheint vielleicht auf den ersten

Blick ungewöhnlich. Jedoch wird bei genauerer Betrachtung

deutlich, dass es gerade bei diesen beiden

Begriffen Zusammenhänge gibt, die eine enorme

Bedeutung für das Handeln aller Menschen haben.

Um diese Zusammenhänge zu verstehen, bedarf es

zunächst einer Klärung der Begriffe bzw. der Intentionen,

die dahinter stehen:

„Der Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung

zwischen Mensch und Raum (Territorium).

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort

angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird

und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse

stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität,

Einstellungen und Weltauffassungen prägen.

Er steht auch in einer speziellen Beziehung zum Begriff

der „Siedlung“; dieser bezieht sich, im Gegensatz

zum Wohnplatz, in der Regel auf eine sesshafte

Lebensform, d.h. auf ein dauerhaftes bzw. langfristiges

Sich-Niederlassen und Wohnen an einem Ort

bzw. in ei-ner Region. Der Heimatbegriff befindet

sich in ständiger Diskussion.“ 1)

„Fridays for Future ist eine globale soziale Bewegung,

ausgehend von Schülern und Studierenden,

welche sich für möglichst umfassende, schnelle

und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen einsetzen,

um das auf der Weltklimakonferenz in Paris 2015

(COP 21) im Weltklimaabkommen beschlossene

1,5-Grad-Ziel der Vereinten Nationen noch einhalten

zu können.“ 2)

Wenn nach o.g. Definition „ein dauerhaftes bzw.

langfristiges Sich-Niederlassen und Wohnen an einem

Orte bzw. in einer Region“ als ein Synonym

für „Heimat“ angesehen werden kann, so kann man

wohl davon ausgehen, dass dieses generell mit dem

Wunsch nach Sicherheit und Stabilität der Lebenssituation

an diesem Ort verbunden ist. Genau hier

liegt die Schnittstelle zu „Fridays for Future“, denn

durch die gegenwärtigen gravierenden Klimaveränderungen

mit ihren aktuellen Auswirkungen muss

man (Klima)Stabilität für die Zukunft wohl eher

ausschließen. Wenngleich auch in früheren Zeiten

wechselhafte klimatische Bedingungen auftraten,

stellt sich die Frage, ob und wie wir alle mit unserem

Verhalten auf die nunmehr deutlich gravierenderen

weltweiten Veränderungen reagieren können

oder müssen. Und hieraus wiederum ergeben sich

zahlreiche weitere Fragestellungen, die auch den

Umgang mit unserer Heimat betreffen, nach dem

Motto:„Global denken und lokal handeln“.

Welche Fragen sind das und gibt es hierauf bereits

Antworten, die unser Denken und Handeln beim

Umgang mit unserer unmittelbaren Umwelt bestimmen

sollten? Die nachstehenden Ausführungen

wollen keine apodiktische Haltung vermitteln,

sondern durch die aufgeworfenen Fragestellungen

zu eigenen Überlegungen und Diskussionen für adäquate,

nachhaltige und zukunftsorientierte, lokale

Maßnahmen anregen. Diese werden aller Wahrscheinlichkeit

nach auch die Orte unserer Heimat

verändern. Betroffen sind alle Bereiche, die jede Region

mitbestimmen und prägen: Geschichte, Kultur

und Natur.

Atmosphäre und CO²

Einer der wichtigsten Punkte im Hinblick auf das

Klimaziel der Weltklimakonferenz ist die Begrenzung

des allgemeinen Temperaturanstiegs, der in

weit überwiegendem Maße durch den zu hohen CO²

Gehalt in der Atmosphäre verursacht wird. Können

wir hiergegen lokal wirklich etwas unternehmen?

Sind die verstärkte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln,

Elektrofahrzeugen oder besser noch

des Fahrrads und der Verzicht auf Flugreisen (z.B.

Kurzstreckenflüge) nicht schon Maßnahmen, die

hier positive Ergebnisse liefern? Oder muss diesbezüglich

wirkungsvolles Handeln eventuell noch mit

anderen Maßstäben gemessen werden?

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

15


Was bedeutet es lokal, wenn feststeht, dass z.B. die

Produktion von Zement zur Betonherstellung weltweit

ca. 8% der gesamten CO² Emissionen verursacht

und damit rund dreimal mehr als der gesamte

Flugverkehr? 3) Sollten wir alle nicht weniger mit

Beton und mehr mit nachwachsenden Rohstoffen

bauen? Ist Beton beim Bauen gänzlich verzichtbar,

wenn bereits bis zu 60 m hohe Gebäude aus Holz

errichtet werden können? Sind ganze Holzbausiedlungen,

wie sie u.a. in den skandinavischen Ländern

bereits in früheren Zeiten errichtet wurden und heute

z.B. in München und anderen Städten moderne

Nachahmung finden, eine zukunftsorientierte Alternative?

Was bedeutet das für das Erscheinungsbild

eines Ortes?

Welchen Stellenwert muss man zukünftig einem

verstärkten Erhalt und nachhaltiger Umnutzung

vorhandener Gebäude zumessen, wenn man bedenkt,

dass in jedem Gebäude – vor allem im Rohbau

große Mengen „grauer Energie“ stecken? 4) Was

sagt uns die Tatsache, dass im gesamten Abfallsektor

der Bau- und Abbruchabfall als größter Faktor

ca. 54,7% 5) ausmacht und damit viel Herstellungsenergie

endgültig verloren geht? Was bedeutet es für

unser generelles Verhalten beim Bauen, wenn man

weiß, dass „...der Gebäudebereich laut Nachhaltigkeitsstrategie

der Bundesregierung 2021 einen Anteil

von etwa 40% an den Treibhausgasemissionen

der Bundesrepublik“ 6) hat, wenn man alle Emissionsketten

einbezieht?

Fängt lokales Handeln in diesem Zusammenhang

nicht bereits bei der kommunalen Planung für die

Orts- und Stadtentwicklung an? Hier werden Weichen

gestellt, die die Orte, die wir Heimat nennen,

nicht nur im Hinblick auf die Schaffung neuen

Wohnraums oder neuer Gewerbegebiete etc., sondern

auch in Bezug auf die baukulturelle Qualität

und die Effektivität von nachhaltigen Maßnahmen

für eine lebenswerte Zukunft in der Region prägen.

Grund und Boden

Der Umgang mit dem nicht vermehrbaren Grund

und Boden ist ein weiterer wichtiger Faktor für

eine nachhaltige Ortsentwicklung. In der früheren

Vergangenheit ist mit Grund und Boden meist

sparsam umgegangen worden. Dies hatte vor allem

ökonomische Gründe. Aber auch der Wunsch nach

Sicherheit, z.B. durch die Einfassung des örtlichen

Territoriums mit Hilfe einer Stadtmauer, ließ die

Menschen dichter zusammenrücken. Nachdem solche

Aspekte in den Hintergrund getreten sind und

steigender Wohlstand es immer mehr Menschen ermöglicht,

sich ein eigenes (freistehendes) Heim zu

bauen, scheint der sparsame Umgang mit Grund

und Boden in Vergessenheit geraten zu sein – und

das „trotz des regulativen Rahmens aus dem Innenentwicklungsgrundsatz

des Baugesetzbuches und

der Eingriffssystematik des Bundesnaturschutzgesetzes.“

7)

Vor allem in den letzten 30 Jahren wurden immer

neue Siedlungs- und Verkehrsflächen geschaffen,

mit „...einem täglichen Bauland-Verbrauch von

durchschnittlich 180 ha bzw. 252 Fußballfeldern“ 8) ,

und dies, obwohl die Bevölkerung nicht nennenswert

zugenommen hat. Dass sich diese enorme

zusätzliche Flächenversiegelung u.a. auf die lokale

Erwärmung und die verminderte natürliche Regenwasserversickerung

auswirkt, liegt auf der Hand.

Aber neben dem parallel entstehenden großen Kostenaufwand

für Erschließungsmaßnahmen gibt es

weitere Effekte: durch immer neue Ausweisung von

Baugebieten an den Ortsrändern „fressen“ sich auch

baukulturell historisch geprägte Orte immer tiefer in

die umliegende Natur, oftmals mit einer Bebauung,

die neben modischem Baumarkt-Gestaltungsverschnitt,

Toskana-Villen, osteuropäischen Blockhäusern,

Imitationen skandinavischer Holzbauten

oder anderen, weder regional noch wirklich modern

anmutenden Gebäuden, nicht in der Lage ist, einen

identitätsstiftenden Siedlungscharakter zu bilden.

Das alles geschieht meist vor dem politisch gewollten

Hintergrund, jeder soll so bauen können, wie

er will. Dass bei einem solchen Ansatz, der keinen

Wert auf Nachhaltigkeit und positiv ortsbildprägende

Abstimmungsmaßnahmen legt, nicht viel Gutes

herauskommen kann, müsste eigentlich jedem klar

sein. Oder nicht?

Ist das denn die Art von Heimat, die wir alle wollen?

Warum finden viele Menschen denn die alten und

behutsam modern erweiterten Dörfer und Städte in

Österreich, Skandinavien, Osteuropa, Italien, Griechenland

usw. aber auch in einigen deutschen Landen

so schön, dass sie dort gerne Urlaub machen?

Was haben diese Orte, was unsere neuen Wohngebiete

nicht haben? Ist es möglicherweise die Tatsache,

dass sie nicht wie ein überfrachteter Bauzirkus

Seldwyla bei Zürich

Beispiel für eine moderne flächensparende ver-dichtete

Flachbauweise mit 36 Wohneinheiten mit Dorfcharakter

und abgestimmter Gestaltung

9

16

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


wirken, sondern gerade diverse gemeinsame Gestaltungsmerkmale

ihre besondere Qualität ausmachen?

Gelingt es nicht dort sogar ohne die schablonenhafte

Wiederholung immer gleicher Haustypen

eine reizvolle und abwechslungsreiche Architektur

mit Ensemblewirkung zu erzeugen? Warum schaffen

oder wollen wir das nicht (mehr)?

Ist nicht auch die Tatsache des dichteren Zusammenrückens

hier eine entscheidende Größe, die neben

der ökologisch und ökonomisch bedeutsamen

Ersparnis von Bauland und Erschließungsfläche

(siehe Grafik 9 und Foto) zu einer Abstimmung

der Gebäudegestaltungen zwingt und damit bessere

Qualitäten erzeugen kann? Kann nicht hierdurch

für den eigenen Heimatort auch eine Verbesserung

des Images erzielt werden? Und ist letztlich nicht

diese Art mit Gebäuden umzugehen auch ein Nachhaltigkeitsfaktor,

weil früher oder später nicht so viel

abgerissen und neugebaut werden muss?

Müssen wir also bei unseren zukünftigen Baulandausweisungen

nicht nach alternativen Bau- und

Wohnformen suchen und endlich konsequenter innerörtliche

Baulücken mit der Geschichte des Ortes

und dem Umfeld angemessener Bebauung schließen,

bevor Flächen am Ortsrand ausgewiesen werden?

Und wenn das doch unumgänglich sein sollte,

müssen wir dann nicht mit der Beplanung von

Grund und Boden sehr viel bewusster umgehen und

dabei (neutrale) fachliche Beratung in Anspruch

nehmen, um den eigenen Wissenshorizont zu erweitern

und lokal nachhaltige Entscheidungen zu

treffen?

Ressourcennutzung

Wie bereits das o.g. Beispiel der Zementherstellung

zeigt, ist es zukünftig erforderlich, beim Planen und

Bauen in der Heimat deutlich breiter als bisher zu

denken und zu handeln. Dies ist letztlich auch eine

Forderung der Fridays for Future-Bewegung. Welche

Einflüsse sich hieraus auf unsere Städte und Dörfer

ergeben werden, ist in summa noch gar nicht absehbar.

Fest steht jedoch, dass es Veränderungen geben

muss und geben wird. Besonders sichtbar wird diese

Tatsache bei der Frage nach der Herkunft der in

Zukunft benötigten Energie, aber auch anderer Ressourcen,

da z.B. nur einzelne der heute noch verwendeten

Rohstoffe regenerierbar sind und andere

in berechenbarer Zeit erschöpft sein werden. Für die

Gestaltung der (Heimat)Orte sind dabei einige der

unterschiedlichen Möglichkeiten zur Energiegewinnung

von Bedeutung, z.B. aktive und/oder passive

Solarenergienutzung, die Nutzungen von Erdwärme

und auch von Wind- und Wasserkraft. Während

letztere im Regelfall außerhalb der Ortschaften mit

großen Anlagen gewonnen werden, die jedoch ggf.

Landschaft und Siedlungen, z.B. durch geringe

Abstände beeinträchtigen können, ist die Solarenergiegewinnung

durch jeden einzelnen Haus- und

Grundstücksbesitzer möglich.

Aber auch hier stellen sich zahlreiche Fragen, die

nach Antworten suchen: Was ist ökologisch und

ökonomisch sinnvoller: aktive Solarenergienutzung

durch industriell produzierte Solarzellen für Strom

oder Wärmeerzeugung oder passive Solarenergienutzung

durch möglichst genaue Südausrichtung

der transparenten Gebäudeteile? Wie effektiv ist

diese (uralte) lowtech Variante und wie wirkt sie

sich auf die Gestaltung der Häuser und Orte aus und

auf die Lage einzelner Gebäude zueinander?(siehe

Grafik 10) Wie bedeutsam sind die Vermeidung von

Verschattungen und die Anordnung der Verkehrserschließungen,

wenn durch Optimierung dieser

Faktoren bis zu 20% mehr Solarenergie genutzt

werden kann? Wie ist hierbei die politische Forderung,

jedes neugebaute Haus mit einer Fotovoltaikanlage

auf dem Dach zu versehen, einzuschätzen?

Wer optimiert hier Abstimmungsmaßnahmen, damit

bei unterschiedlichen Dachformen, Dachneigungen,

Dachausbauten, Dachdeckungen, Dachfarben

mit zusätzlicher Fotovoltaik das bereits bestehende

Gestaltungschaos nicht noch größer wird? Welche

Möglichkeiten sinnvoller Ausführungen gibt es?

Wie gehen wir in diesem Zusammenhang mit historischen

– ggf. denkmalgeschützten – oder anderweitig

intakten Gebäude- und Dachlandschaften um?

Wie muss eine sensible Auseinandersetzung mit der

Gestaltung der unsere Heimat ausmachenden alten

und neuen Gebäude aussehen? Oder sind diese Fragen

gar überflüssig und der Markt soll das regeln?

Wenn für das Bauen ein derzeit so umfangreich genutzter

Rohstoff wie Zement für Betonherstellung

zur Entkarbonisierung drastisch minimiert werden

bzw. durch (noch nicht ausentwickelte) alternative

Zuschlagsstoffe ersetzt werden muss, tauchen wiederum

Fragen auf: Lässt sich auf Beton, z.B. beim

Bauen mit erdberührten Bauteilen, überhaupt je-

10

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

17


mals ganz verzichten? Welche Stoffe können wo

und wie als Ersatz dienen? Gibt es beim nachwachsenden

Rohstoff Holz ausreichend Kapazitäten und

eine nachhaltige Forstwirtschaft, die auch in Zukunft

die Versorgung sicherstellt? Wie bringt man

die Bauinteressenten dazu, nachhaltige Baustoffe

einzusetzen? Wie wirkt sich der Einsatz dieser Materialalternativen

auf die Ortsbilder unserer Städte

und Dörfer aus? Wenngleich auch die Problematik

des Brandschutzes bei modernen Holzbauten –

selbst für Hochhäuser – gelöst ist, bleibt die Frage,

wie kann man das subjektive Angstgefühl der Bürger

hierbei nachhaltig ausräumen?

Müssen wir nicht in Zukunft auch viel stärker berücksichtigen,

welchen Energieverbrauch wir benötigen,

um ein Gebäude zu planen, die hierfür nötigen

Baustoffe herzustellen und zu transportieren, zu

verbauen und – falls erforderlich – am Ende seiner

Nutzung das Gebäude wieder abzubrechen? Muss

der sich hieraus ergebende ökologische (und ökonomische)

„Fußabdruck“ nicht ein Gradmesser für

zukünftiges Handeln überall beim Bauen sein?

Fragen über Fragen. Dies macht aber deutlich, dass

wir quasi vor unserer Haustür zuerst den allgemeinen

Wissensstand deutlich verbessern müssen, denn

mehr oder weniger kann jede oder jeder zu einer

nachhaltigen Gestaltung unserer Heimat beitragen.

Es kann sich unsere Gesellschaft nur durch verstärktes,

regelmäßiges Hinterfragen von angedachten

Veränderungen und durch die Bereitschaft zu

offener Diskussion und zum Erkenntnisaustausch

für positive Maßnahmenentscheidungen so weiter

entwickeln, dass die Orte, in denen auch noch unsere

Nachkommen wohnen sollen, lebenswert bleiben

und zum „Homeland for Future“ werden können.

Quellenangabe

1 Jäger 2017, zitiert nach Wikipedia

2 Wikipedia

3 Bundesstiftung Baukultur: Mit Freude sanieren,

S.20

4 Hegger, Manfred u.a. Energie Atlas, Nachhaltige

Architektur, Edition Detail, München 2007 (siehe

auch 3)

5 Statistisches Bundesamt 2020 (siehe auch 3)

6 Bundesstiftung Baukultur: Mit Freude sanieren,

S.21

7 Bundesstiftung Baukultur: Mit Freude sanieren,

S.21

8 Statistisches Bundesamt 2021 (siehe auch 3)

9 nach Göderitz, Rainer, Hoffmann: Die gegliederte

und aufgelockerte Stadt 1957

10 www.sonnenhausinstitut.de

Lothar Tabery

Dipl.Ing. Architekt BDA + Stadtplaner

Vorsitzender des Forum BauKultur Land zwischen

Elbe und Weser

Meerrettich (Armoracia rusticana) – die Heilpflanze des Jahres 2021

Meerrettich: Was für ein Wort: drei Mal

die Verdoppelung eines Buchstabens!

Und was für eine inhaltsreiche Heilpflanze!

Der Verein zur Förderung der naturgemäßen

Heilweisen nach Theophrastus Bombastus

von Hohenheim, genannt Paracelsus

(„Die Dosis macht das Gift!“) hat den

Meerrettich aufgrund seiner vielfältigen

Heilwirkungen zur Heilpflanze des Jahres

2021 gekürt. Dem Verein zufolge beweisen

„wissenschaftliche Studien für die

im Meerrettich enthaltenen Inhaltsstoffe

entzündungshemmende Eigenschaften,

beachtliche antivirale Effekte und starke

antibakterielle Wirkungen.“ In jüngeren

Studien verdichten sich Belege dafür, dass

die in der Meerrettichwurzel enthaltenen

Senföle vor allem bei Blasenentzündung

helfen – ein natürliches Antibiotikum

ohne die Risiken synthetischer Antibiotika.

Interessant ist, dass eine Kombination

aus Meerrettich mit der ebenfalls Senföle

enthaltenden Kapuzinerkresse seit Ende

der 1950er-Jahre erfolgreich in der Therapie

von Erkältungskrankheiten (Sinusitis

und Bronchitis) und Blasenentzündungen

eingesetzt wird.

Meerrettich ist ursprünglich in Südrussland

und der östlichen Ukraine heimisch,

gelangte um das Jahr 1.000 nach unserer

Zeitrechnung nach Mitteleuropa und wird

aufgrund seiner antibakteriellen und entzündungshemmenden

Inhaltsstoffe schon

seit Jahrhunderten als Heilpflanze eingesetzt.

Wegen seines hohen Vitamin-Gehalts

und seiner langen Haltbarkeit wurde

er in der Seefahrt gegen Skorbut verwendet

– eine Vitamin-C-Mangelkrankheit,

die insbesondere zu Zahnfleischbluten

und Zahnausfall führt.

Die wirksamen und zu medizinischen

Zwecken genutzten Inhaltsstoffe stecken

nicht etwa in den Blättern, sondern in

den bis zu 50 cm langen und ca. 5 – 6 cm

dicken Wurzeln. Geerntet wird, wenn die

Blätter abzusterben beginnen. Dann ist

das Wurzelwachstum beendet. Da Meerrettich

winterhart ist, kann die Ernte vom

Herbst ab Oktober bis zum Frühjahr vor

dem erneuten Austreiben der Wurzelstöcke

stattfinden. Die Wurzel gibt aber nicht

sofort ihre wertvollen Inhaltsstoffe frei,

sondern beim Zerkleinern oder beim Reiben

werden erst die Senföle aktiviert.

Da die Wurzel des Meerrettichs leicht zu

lagern ist, kann sie über große Distanzen

transportiert und verkauft werden. Zum

Verkauf als Frischware wird die Wurzel

gewaschen und in Folie verpackt, um das

Austrocknen zu verhindern. Der größte

Teil geht jedoch als Industrieware in die

Verarbeitung. In unverarbeitetem Zustand

ist die Meerrettichwurzel geruchlos.

Wasabi: Der Japanische Meerrettich.

Wasabi wird traditionell auf einer Haifischhaut-Reibe

frisch gerieben und ist

sehr scharf. Frische Wasabiwurzeln (Eutrema

japonicum) sind bei uns nur sehr

schwer erhältlich und gehören wegen der

hohen Preise zu den exklusiven Genüssen.

Bei Wasabi-Paste oder Pulver aus dem Supermarkt

handelt es sich meist um Imitate

aus Meerrettichpulver und Farbstoff. Der

Wasabi-Anteil beträgt bei vielen Produkten

gerade einmal zwei Prozent. Wasabi

ist nur bedingt winterhart und deutlich

schärfer, als europäischer Meerrettich.

Auffällig ist seine attraktive hellgrüne Farbe.

Susanne Eilers

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HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


Eine Überraschung im eigenen Garten...

Wer Sterne sehen will, richtet seinen Blick eigentlich

nachts in Richtung Himmel. Dass aber auch auf

dem Erdboden wachsende Sterne zu finden sind,

die natürlich nicht leuchten, ist allerdings eine Überraschung.

Aber der Reihe nach…

In meinem „Toleranzgarten“ lasse ich neben den

gesäten oder auch beim Gärtner erworbenen Blühpflanzen

gern auch mal anderen Keimlingen eine

Chance zum Wachsen, damit sie ihr wahres Aussehen

präsentieren können. So führen schon länger

u.a. Schöllkraut, Gänsekohldistel, Wegerich oder

Klebkraut ein bewährtes Nischendasein und präsentieren

so die immer wieder erstaunliche Vielfalt

der Natur. Die damit verbundene Suche nach „Neuerscheinungen“

bringt dann hin und wieder eine

kleine Überraschung. Für den Naturliebhaber ein

freudiger Moment …

An einem Tag im August allerdings stellte eine Entdeckung

alles Bisherige für mich in den Schatten:

Nach dem Rückschnitt des winterharten Geißblattes

entdeckte ich am Boden ein für mich unbekanntes

Gebilde. Bei genauerer Betrachtung wuchsen

mehrere gleichartige Gewächse in einem Verbund,

irgendwie Bovisten mit Sternmanschetten ähnlich.

Schnell einige Fotos geschossen, den umgebenden

Erdboden als „trocken, sandig und leicht lehmig“

typisiert, und die große internationale Suchmaschine

(…) aufgerufen! Aber was sollte nun als Stichwort

eingegeben werden? Meine Fantasie führte zu

„Sternbovist“ – das könnte doch eventuell zielführend

sein! So war es auch, denn umgehend erschien

„E r d s t e r n “ als Angebot – und dieser Begriff traf

sein Aussehen auf den Punkt. Die Definition dazu

las sich so: „Erdsterne (Geastrum) sind eine Pilzgattung

aus der Familie der Erdsternverwandten.

Der Gattungsname leitet sich aus den griechischen

Wörtern ge für Erde und aster für Stern ab …“ Fotos

ergänzten die Erläuterung und bestätigten das

Aussehen meiner Entdeckung. Weitere Recherchen

im Internet ergaben ein umfangreiches Gesamtbild

dieser Pilzgattung:

„Die Erdsterne wachsen zunächst unterirdisch heran

und haben eine kugelige, geschlossene Form. Die

Außenhülle platzt schließlich auf; dabei biegen sich

die entstehenden Lappen sternförmig nach außen,

sodass sich die innere kugelige Hülle mit den darin

enthaltenen Sporen nach oben an die Erdoberfläche

hebt. Die meisten Erdsterne wachsen in Steppen

oder auf sandigem Boden; viele Arten mögen

außerdem trockene und warme Bedingungen (was

in unserem Fall ‚Terrasse Südlage, trockener Bereich

unter dem Geißblatt, sandiger Boden‘ vollkommen

zutrifft). Die Erdsterne leben von totem organischen

Material.“

In Deutschland gibt es ca. 12 bis 15 verschiedene

Arten von Erdsternen, etwa die Hälfte davon sind

äußerst selten, einige gefährdet. Vom Aussehen her

ist es schwierig, einige Erdsternarten voneinander

zu unterscheiden: „Mein“ Erdstern könnte der „rötenden“

oder der „gewimperten“ Art zugeordnet

werden. Als Speisepilze sind die Erdsterne nicht zu

verwenden, sie sind ungenießbar.

Zur botanischen Historie noch diese Anmerkungen:

Die früheste nachgewiesene Erwähnung von Erdsternen

erfolgte in einer Aufzählung und Beschreibung

von britischen Pflanzen im Jahre 1667.

Im „Lehrbuch für den Unterricht in der Botanik“,

erschienen 1901 in Leipzig, formuliert der Wissenschaftler

Dr. Waeber Folgendes: „Eine Gruppe von

Pilzen entwickelt Sporen im Innern der Fruchtkörper;

sie ‚verstäuben‘ nachher. Zu ihnen gehören (…)

und der Erdstern (Geaster), dessen Sporen oft von

Regentropfen aus der Blase herausgeklopft und vom

Winde fortgetragen werden.“

Aha!!

Fotos: Peter Richter

Quellen: u.a. „Wikipedia“ und „Google Suche“

Peter Richter

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

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„Niedersachsen Ross“ im Landeswappen

Die Geschichte der „Niedersachsenmeute“ im Spiegel der Zeit

Einladung_zur_Meutejagd

(©) Peschel

Dorfes Isernhagen bogen wir rechts ab in Richtung

auf Wietze zu. Ein kurzer Trab, dann sprachen die

Kopfhunde die Fährte an, und mit silberhellem Jubellaut

fiel der Chor ein. So verheißungsvoll beginnt

die Parforcejagd am 3. November 1905, beschrieben

von einem Zeitzeugen im Sattel, Rittmeister Freiherr

von Esebeck. Die königliche Meute des Militärreitinstituts

zu Hannover war es, die hier einem Wildschwein

nachjagte. Hundert Jahre später wird auf

diesem historischen Boden immer noch gejagt, nach

alten Traditionen und Gebräuchen und mit den direkten

Nachfahren der Hunde, von deren Spürsinn

Rittmeister von Esebeck so bewundernd berichtete.

Zwar ist die Meute-Jagd auf lebendes Wild seit 1934

in Deutschland verboten, aber auch als so genannte

Schleppjagd, also einer künstlichen Fährte folgend,

ist die Faszination der Jagd zu Pferde ungebrochen.

Wenn sich im Herbst langsam die Blätter färben,

können es begeisterte Jagdreiter nicht erwarten,

den „roten Rock“ 2) aus dem Schrank zu holen und

in den Sattel zu steigen. Hinter Camill Freiherr von

Dungern, einem der drei Master 3) der Niedersachsen-Meute,

folgen sie den Hunden in Isernhagen, in

Verden oder in der Lüneburger Heide und natürlich

in Dorfmark, dort, wo die Meute seit 1951 zu Hause

ist. Und wenn Carlo, der Kopfhund 4) , und Catie,

seine pfiffige Schwester, dann den Scent (Duftspur)

in die Nase bekommen und schnell wie der Wind

der Fährte folgen, dann heißt es nur noch reiten,

reiten, reiten – über klobige Hindernisse und breite

Gräben, über die Wiesen an Aller, Weser und Elbe

oder durch die dichten Forsten in Gartow und in

der Göhrde, dem traditionsreichen alten Jagdrevier

der Welfen.

Die Hunde schwimmen,

Reiter folgen (©) Niedersachsenmeute

2018

20

Unsere Leser werden das Niedersachsen-Ross im

Landeswappen Niedersachsens kennen, dem Land

welches auch das Elbe-Weser-Dreieck einschließt.

Dort wo das Landeswappen ein Ross zeigt, ist auch

Jagdreiten eine alte Tradition – der Verein „Niedersachsen-Meute“

pflegt noch heute die Tradition der

Jagd zu Pferde. Hier möchte ich versuchen unseren

Lesern ein wenig über die Jagdreiterei zu vermitteln,

einem Lebensgefühl und einer Liebhaberei welche

ich nach etwa 25 Jahren Mitgliedschaft in der Niedersachsen

Meute pflegte. Damals, nach 1970 trat

ich dem Meute-Verein bei und benötigte dafür drei

Bürgen aus den Reihen der bestehenden Mitglieder,

die dafür bürgten, dass ich als bürgerlicher Reitersmann

den Ansprüchen der häufig adeligen Reiterund

Jagdgenossen genügen würde. Oft wurde ich

gefragt, ob ich den auch adeliger Herkunft sei, und

antwortete darauf stets, im alphabetisch geordneten

Meutekalender stehe ich vor unserem Reiter-Kollegen

„Prinz von Preussen“, das würde doch hinreichen!

Zitat: 1) „Nahe an vierhundert Jagdreiter, unter ihnen

wohl ein Dutzend Damen, brachen bald nach 13

Uhr unter den Klängen der Ulanen-Trompeter vom

Gasthaus Hubertus auf, voran die achtzehn Koppeln

(Hundepaare) starke Meute. Vom Südausgang des

„Althannöversche Meute“

Die Foxhounds 5) der Niedersachsen-Meute, denen

die Reiter im scharfen Tempo folgen, sind die direkten

Nachkommen der alten Welfenmeute. Es sind

die Ahnen von Dunja und Diva, Justus und Olga,

die hier schon im Mittelalter gejagt haben. In historischen

Schriftstücken der Stadt Celle spielt die

Meute, die als „Althannöversche Meute“ oder „Parforce-Meute“

bezeichnet wird, eine bedeutende Rolle.

Sogar die Rechnungen für das Backen des Hundebrotes

sollen in den Archiven noch vorhanden

sein. Clemens Cassel schreibt in seiner „Geschichte

der Stadt Celle“ (1930/1934), dass im Jahr 1381 das

alte Hundehaus abgebrochen und ein neuer Jagdhof

für die Meute gebaut wurde. Daraus lässt sich schließen,

dass es bereits vorher eine Meutehaltung 6) gab.

Gejagt wurde rund um Celle und in den Gebieten

der herzoglichen Sommerhäuser Weyhausen, Ebstorf

und Garlstorf.

Mit dem Regierungsantritt von Herzog Georg Wilhelm

im Jahr 1665 begann die große Zeit der Parforcejagden

im Hofjagdrevier der Göhrde. Sein

Neffe Georg Ludwig, der spätere König Georg I.

von England, ließ in den Jahren 1706 bis 1709 anstelle

des alten Schlosses ein neues dreistöckiges

Jagdschloss errichten, das ausreichend Platz für

seine großen Jagdgesellschaften bot. Alljährlich, im

Herbst, traf man sich hier zur Jagd und fröhlicher

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


Geselligkeit, fernab vom steifen Hofzeremoniell.

700 Personen und 1000 Pferde konnten damals im

Schloss mit seinen Nebengebäuden und Stallungen

untergebracht werden. Kurfürstin Sophie, die

Mutter Georgs I., nahm bis ins hohe Alter an der

Hirschjagd und den herbstlichen Lustbarkeiten teil.

In ihren Briefen schwärmte sie vom Komfort und

den Bequemlichkeiten des neuen Schlosses. Ihr Enkelsohn

Georg II. setzte die Besuche in Göhrde fort,

aber im Jahre 1752 ritt er hier das letzte Mal eine

Parforcejagd.

Gründer Christian von Loesch

Im Königreich Hannover wurde jedoch weitergejagt,

bis zum Jahr 1806. Dann steckten die französischen

Besatzer die Meutehunde eher in den Kochtopf als

in den Zwinger, sodass im Jahr 1815 7) von 400 Hunden

nur 17 übrig geblieben waren. Das Jagdschloss

Göhrde und die Zwingeranlagen verfielen, da die

Franzosen aus den Bleidächern Patronen gegossen

hatten. 1826 wurde das Schloss ganz abgerissen.

Erst ab 1838 führte König Ernst August von Hannover

die Göhrde-Jagden wieder ein, ohne jedoch Interesse

an der königlichen Parforce-Jagd zu zeigen.

Der alte Marstall wurde als Jagdschloss eingerichtet

und steht noch heute. Im Jahr 2002 waren dort

die Reiter und Hunde der Niedersachsen-Meute zu

Gast, als die Tradition der Jagd in Rot in der Göhrde

nach 250 Jahren wiederbelebt wurde.

Dass es dazu jedoch kam, verdankt die Meute ihrem

Gründer Christian von Loesch 8) , der sie nach

dem Zweiten Weltkrieg wieder neu aufstellte. Der

1917 geborene Rittmeister aus Schlesien, Angehöriger

des Kavallerie-Regiments 8, landete nach der

Flucht mit Frau, Kind, zwei Zuchtstuten und Fohlen

auf einem Heidehof im Truppenübungsgelände

bei Dorfmark. Aber wer sein ganzes Leben im Sattel

verbracht hat, der nutzt seine Pferde nicht nur zum

Holztransport und in der Landwirtschaft, sondern

auch zum Reiten. So gründete Christian von Loesch

schon kurz nach dem Krieg den örtlichen Reitverein

[Dorfmark] und schloss Freundschaft mit den vor

Ort stationierten englischen Offizieren, die stets gut

beritten waren.

Engagierte Kavalleristen

Auch erste Jagden gab es schon, allerdings ohne

Hunde, wie sich Sigrid von Loesch, Christians Witwe,

erinnert: „Meine erste Jagd ritt ich noch mit dem

Fuchsschwanz 8) an der Schulter.“ Wo waren die berühmten

Foxhounds geblieben, hinter denen Freiherr

von Esebeck noch 1905 hergejagt hatte? Dazu

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

ein kurzer Rückblick in das 19. Jahrhundert. Als

die entbehrungsreiche Franzosenzeit endlich vorbei

war, begann sich auch die Welfenmeute wieder zu

erholen, sodass rund um Celle und Walsrode unter

der Leitung engagierter Kavalleristen gejagt wurde.

Nach 1866 erkannten die Preußenkönige den Wert

und die Bedeutung der Meute. Wilhelm I. setzte

sich persönlich dafür ein, dass die Althannöversche

Meute vom königlich-preußischen Militär-Reitinstitut

in Hannover, der späteren Kavallerie-Schule

Hannover, übernommen wurde.

Er (Wilhelm I.) hatte den erzieherischen Wert der

Jagdreiterei für die Kavallerie-Ausbildung erkannt,

eine Bedeutung, die heute neben Sport, Passion

und Lebensart 10) oft vergessen wird. Vor dem Ersten

Weltkrieg und danach, bis 1938, jagte die Meute im

Raum Isernhagen, Fuhrberg, Bergen und Munster.

Die Jagden waren in ganz Europa bekannt, und es

herrschte enger Kontakt zu der Verdener Meute.

1938 wurde die hannoversche Meute mit der Kavallerieschule

nach Krampnitz bei Potsdam verlegt.

1945, so schreibt Christian von Loesch in seinen

Aufzeichnungen, marschierten 60 Koppeln, das sind

120 Hunde, unter Führung des Oberpikeurs Mergen

nach Westen und gerieten bei Uelzen in englische

Gefangenschaft. Anders als die Franzosen 150 Jahre

früher, setzten die Engländer als passionierte Jagdreiter

die Hunde natürlich nicht auf die Speisekarte,

sondern wussten den Wert ihrer Kriegsbeute wohl zu

schätzen. Ein Teil der Hunde wurde dem Regiment

der Queens Bays übergeben, und wie die Geschichte

weiterging, hat Christian von Loesch auf einem kleinen

Zettel handschriftlich vermerkt, den Sigrid von

Loesch in ihrem Fotoalbum sorgfältig aufbewahrt“.

An dieser Stelle sei meiner ehemaligen Jagdreiter

Kollegin Beate Roßbach gedankt, die es auf sich

genommen hat, die Loesch’sche Zettelwirtschaft

zu ordnen und den vorstehenden als Zitat gekennzeichneten

Text zusammentrug und verfasste. Jahre

ist es her, als ich sie um ein Copyright bat um als

Redakteur bei Bremen-Online darüber zu berichten.

Aus meiner fünfundzwanzigjährigen aktiven Zeit als

Mitglied der Niedersachsenmeute möchte ich noch

anmerken, dass die Niedersachsenmeute in meiner

aktiven Zeit etwa 250 zahlende Meutevereins-Mitglieder

hatte. Ein verschworene Reitergemeinschaft,

deren Bestreben es war, dass Reiter und Pferde heil

am Halali-Platz ankommen. Es gab keine Gewinner,

nur Überlebende, und vom Jagdherren oder dessen

Gemahlin ein Zweiglein (Bruch) der Bäume unter

denen geritten wurde. Der Belohnung der Hunde,

also das Curée, war abgesessen und mit abgenommener

Reitkappe andächtig beizuwohnen. Jagden

bei Schneegestöber, die wir abbrechen mussten. Jagden

bei Eis und Schnee in den überfluteten Elbwiesen

bei Gartow, wobei der Grundeigentümer Graf

Andreas von Bernstorff in einen seiner eigenen Ent-

Jagdreiten ist keine Spielerei

(©) Niedersachsenmeute

2018

Curée Belohnung der

Meute (©) Niedersachsenmeute

21


Meutekalender 2009 (©)

Peschel 2009

22

wässerungsgräben samt Pferd versank. Hier in den

gräflichen Wäldern lernten wir das „digitale“ Reiten,

Treibjagd in breiter Front durch die Wälder. Je

schneller die Hatz, die Hunde bestimmen das Tempo

und den Weg, desto enger stehen die Bäume im

Wald und dichtes Unterholz mag auch im Wege sein.

In eigener Erinnerung sind Jagden in Hambergen,

Schwanewede, Wohlde bei Harpstedt (unsere eigene

Hausjagd), Nordwohlde bei Bassum, Hatten,

Oldenburg, Verden, Völkersen bei Verden, Bomlitz

bei Walsrode, Dorfmark, Isernhagen bei Hannover,

Schlosspark Bückeburg, Amelinghausen, Göhrde,

Gartow bei Lüchow und womöglich habe ich noch

ein paar Orte vergessen.

Für interessierte Leser kann ich kostenlos anbieten,

eine Film im MP4 Format (980 MB) über die Arbeit

der Meute über das Jahr 2018. Interessenten mögen

sich über den Verlag des Heimat-Rundblicks melden.

Herbert A. Peschel

1) Auszüge aus der Historie der NIEDERSACH-

SEN-MEUTE aus der Website der Meute.

2) Nach der alten Tradition ist der „rote Rock“

nur den männlichen Mitgliedern vorbehalten,

weibliche tragen andersfarbige Jagdröcke. „Mann“

erwirbt auch keinen roten Rock käuflich, der

Tradition folgend muss er dem Reiter geschenkt

(verliehen wegen Verdienste um die Reiterei) worden

sein. Der rote Rock darf wegen Schmutzflecken

nicht in die Reinigung, nur ausbürsten ist

erlaubt, es sind Ehrenflecken, die vom Regen nach

unten gewaschen werden. Sobald sie den unteren

Saum erreicht haben, wird der Saum abgeschnitten

und neu gesäumt!

3) Master ist der „Master of Hounds gemeint“

4) Ein Kopf-Hound ist der Führungs-Hound einer

Koppel, bestehend aus je 2 Tieren, die auch gemeinsam

in einem Zwinger gehalten werden.

5) Auch im Englischen besteht der Unterschied

zwischen einem HOUND (Jagdhund) und einem

gewöhnlichen DOG (Hund). Merke: ein Hound

„läutet“, wogegen ein Hund „bellt“!.

6) Die Gründung des Landgestüts in Celle wurde

mit Erlass vom 27. Juli 1735 durch Georg II.,

König von England und Kurfürst von Hannover,

angeordnet. Damit wurde der Königliche Marstall

aufgelöst der davor auch die Meute beinhaltete.

7) Ende der napoleonischen Zeit.

8) Hier sei dem Interessierten Reiter verwiesen

auf das Buch „Jagdreiten“, Verfasser Christian von

Lösch, im Nymphenburger Verlag. ISBN 3-485-

01735-3. Vermutlich wird man im Antiquariat stöbern

müssen, um ein Exemplar zu ergattern.

9) Fuchsschwanzjagd ist meist eine dörfliche Jagd

per Pferd in der statt des Fuchses ein Reiter mit einem

anhängendem Fuchsschwanz gejagt wird und

abgeklatscht werden muss.

10) Es war und ist immer noch eine gehobene gesellschaftliche

Veranstaltung, sauber gestriegeltes

Pferd mit bester Ausbildung, hierbei wird korrekte

Kleidung, saubere schwarze Stiefel mit roter oder

brauner Stulpe, weiße oder gelbe Hose, weißes

Hemd mit Plastron (ähnlich einem Schlips), Weste,

weiße Handschuhe, roter oder schwarzer Reitrock

(Damen tragen nie rot), sturzfeste Reitkappe und

in neuerer Zeit eine Schutzweste gegen Verletzungen

beim Sturz, erwartet. Man meldet sich beim

Jagdherren und seiner Equipage (Pikeure) an und

trägt sich ins Jagdbuch ein, und zahlt selbstverständlich

sein Jagdgeld unaufgefordert.

Verwendete Quellen:

- Auszüge aus der Historie der NIEDERSACH-

SEN-MEUTE von Beate Roßbach.

- Buch „Jagdreiten“, Verfasser Christian von

Lösch, im Nymphenburger Verlag, 1975. ISBN

3-485-01735-3.

- Meute-Kalender der Jahre 2008 und 2009 der

Niedersachsenmeute.

- „Jagdreiten“, FN-Verlag 1987, Verf. Hubert Stegmann,

Referent Zucht beim deutschen FN Reitund

Fahrverband, Warendorf, ISBN 3-88542-039-

2.

- Eigenes Archiv Peschel in 28755 Bremen.

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021


Fotografen Frank – Pioniere der Fotografie

Schenkung ein ungeahnter Schatz

Ein „ungeahnter Schatz“, freut sich Dr. Karin Walter,

hat das Focke-Museum im Herbst 2020 erreicht.

Es handelt sich um den Nachlass des jüdischen Fotografen

Julius Frank, der sein Atelier in Lilienthal

aufgeben musste und 1936 vor den Nationalsozialisten

in die USA flüchtete.

Damit endete eine

Fotodynastie in Lilienthal,

die mit dem

Großvater 1872 begonnen

hatte und

von Sohn und Enkel

weitergeführt worden

war. 2019 entschlossen

sich Julius

Franks Kinder, Mike

und Barbara Frank,

die Dokumente der

Fotografie-Geschichte

dem Bremer Landesmuseum

und dem

Heimatverein Lilienthal

zu überlassen.

Der Nachlass entpuppte sich als ein ungeahnter

Schatz. Neben ca. 1.000 Originalabzügen in unterschiedlichen

Formaten, Negativen und Dias befanden

sich auch viele private Familienunterlagen in der

Kiste. Diese zeigen das Schicksal der Familie Frank

in Deutschland und Amerika und belegen ihre erfolglosen

Bemühungen um Wiedergutmachung im

Nachkriegsdeutschland. Der fotografische Nachlass

dokumentiert das vielschichtige Werk von Julius

Frank und seinen Vorfahren. Das Motivspektrum

und ob Angehörige noch leben. Erst die Spurensuche

des Heimatvereins Lilienthal änderte dies. Der

Verein nahm 2004 mit der Witwe Hildegard und den

Kindern Mike und Barbara in Amerika Kontakt auf.

2005 publizierten die Autoren Peter Richter und

Harald Kühn das Schicksal der Familie, versehen

mit einigen prämierten künstlerischen Fotografien,

in dem vom Heimatverein herausgegebenen familien-

und zeitgeschichtlichen Buch „Als die Hoffnung

starb…“.

„Dank der großzügigen Übergabe des gesamten

Nachlasses der Fotodynastie Frank wird es erstmals

möglich sein, ihr Wirken umfassend zu erforschen

und in einer Ausstellung zu würdigen“, so die Kuratorin

des Focke-Museums Dr. Karin Walter.

Vom Focke-Museum geplant sind für nächstes Jahr

eine Frank-Ausstellung sowie eine Begleitpublikation.

In diesem Kunstbuch wird neben den künstlerischen

Fotografien auch die wechselvolle Familiengeschichte

thematisiert. Da das Buch „Als die

Hoffnung starb…“ seit langem vergriffen ist, können

sich viele Interessierte auf die neue Publikation freuen.

Auch der Heimatverein Lilienthal bereitet eine kleine

Frank-Ausstellung mit einigen prämierten Original-Fotografien

aus der Schenkung vor.

Harald Kühn

„Morgenarbeit“, mit

dieser noch in Deutschland

entstandenen

Aufnahme hatte Julius

Frank in Amerika großen

Erfolg. Auf der Rückseite

informieren Aufkleber darüber,

das dieses Bild bei

Fotoausstellungen u. a.

1945 in Pennsylvania und

Houston, Texas präsentiert

wurde. Foto: Julius

Frank©Focke-Museum

Julius Frank bei seiner

Flucht 1936 auf der „President

Harding“ auf dem

Weg nach New York.

Schaufensterauslage des

Geschäftshauses in Lilienthal,

Hauptstraße 44,

das der Großvater Julius

Frank (1845-1896) 1897

bauen ließ. Foto: Julius

Frank©Focke-Museum

reicht von Mensch- und Landschaftsaufnahmen

aus seiner deutschen Herkunft, über Bilder aus dem

Arbeitsleben der amerikanischen Autoindustrie, bis

hin zu Werbe- und Architekturfotografien. Kurz vor

seinem plötzlichen Tod im Jahr 1959 erhielt Julius

Frank den Titel „Master“, eine Auszeichnung, die zu

dem Zeitpunkt erst 375 der etwa 25000 Fotografen

in Amerika zuteil geworden war.

Heimatverein stellt

Kontakt zur Familie her

Der frühe Tod des Fotografen Julius Frank 1959 trug

dazu bei, dass sein Wirken in Vergessenheit geriet.

Auch in Lilienthal wusste man nicht, wo die Familie

Frank nach der Flucht im Jahre 1936 verblieben ist

HEIMAT RUNDBLICK Herbst 2021

Landschaftsbild aus dem

Teufelsmoor, das wohl

noch von Henry Frank

stammt und das von

Julius Frank mit englischem

Titel versehen auf

Fotoausstellungen gezeigt

und zum Kauf angeboten

wurde. Foto: Henry

Frank©Focke-Museum

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