Josef Nössing - Ehrenbürger von Simbach am Inn

vierlinger

Josef Nössing - Ehrenbürger von Simbach am Inn

1. Advent 2021

Simbacher Anzeiger

Nr. 23/2021

Simbacher

ehreNbÜrGer

Josef Nössing

– ein großer Gönner der Stadt

Im Jahr 1965 ernannte Bürgermeister

Ferdinand Lehner im Namen des Stadtrates

Josef Nössing, Vorstandsvorsitzenden der

Deutschen Heraklith AG, zum Ehrenbürger

der Stadt Simbach am Inn. Der Geehrte war

damals 65 Jahre alt.

Zu seinem 70. Geburtstag war in der PNP

zu lesen: „Am 29. April vollendet Direktor

Josef Nössing sein 70. Lebensjahr. Über

zwei Jahrzehnte – von 1945 bis 1967 –

stand er als Vorsitzender des Vorstandes

der Deutschen Heraklith AG an der Spitze

dieses Unternehmens. Harte Arbeit, zähe

Energie und Ausdauer charakterisieren seinen

erfolgreichen Berufsweg…“. Weiter erfährt

man, dass Nössing unter anderem

auch Vorstandsmitglied des bayerischen

Industrieverbandes Steine und Erden, des

Deutschen Leichtbauplattenverbandes, des

Güteschutzverbandes, Mitglied des Holzwirtschaftsrates,

Mitglied der Vollversammlung

der IHK Passau war. „Im Bereich der

kulturellen Förderung hat sich Direktor

Nössing besonders für die Stadt Simbach

verdient gemacht. Hier seien nur die vielen

kulturellen Veranstaltungen und der Aufbau

des heutigen Tassilo-Gymnasiums erwähnt.

In enger Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft

des Landkreises

Pfarrkirchen gab er die wichtigen Impulse

für die Errichtung zahlreicher Wohnungen.

Er förderte nachhaltig die Schaffung eines

neuen Wohnviertels westlich von Simbach“,

so im Bericht aus dem Jahr 1970.

Zahlreiche Förderungen

1957 hat er das Bundesverdienstkreuz

1. Klasse erhalten, 1953 ehrte ihn die Stadt

Simbach mit dem Ehrenring und ernannte

ihn, wie bereits erwähnt, 1965 zum Ehrenbürger.

Am 1. April 1967 ging Josef Nössing

in den Ruhestand und hatte nun mehr Zeit,

sich seinen Hobbys zu widmen, nämlich der

Musik, Literatur, Fotografie, dem Garten und

wie überliefert ist, unternahm er gerne ausgedehnte

Spaziergänge durch Wald und

Flur. Bürgermeister Lehner nannte viele seiner

Leistungen neben der beruflichen Tätigkeit

hier insbesondere den Einsatz für Simbach,

folgend die wichtigsten: Ausbau von

Straßen (Herakltih- und Ferdinand-Aufschläger-Straße),

die finanzielle Unterstützung

für den Kanalisationsausbau, unentgeltliche

Überlassung von Heraklithplatten

zur Erbauung des städtischen Altenheimes,

des städtischen Schwimmbades, für den

Bau des Simbacher Krankenhauses, Erbauung

und völlige Ausstattung der hiesigen

Oberrealschule (heute Gebäude der Staatlichen

Realschule am Kirchenplatz), Führung

der Verhandlungen zur Verstaatlichungen

der Oberrealschule, Ausbau des Rathausfestsaales

mit Einführung einer erlesenen

Konzertreihe. Weiter leistete Nössing alljährlich

zu Weihnachten einen beträchtlichen

Betrag für die Ärmsten der Stadt, die

zum Fest dann neben Sachpräsenten auch

Geldgeschenke erhalten konnten. Diese

Verdienste wurden anlässlich der Ehrenbürgerrechtsverleihung

an Direktor Nössing

am 7. Mai 1965 von der Stadtverwaltung

aufgelistet, unterzeichnet von Bürgermeister

Ferdinand Lehner.

Staat will Schulhaus-Neubau nicht geschenkt

Kurioses ist in Punkto heutige Realschule

am Kirchenplatz erhalten, zum Beispiel ein

Bericht, der 1956 in der Zeitschrift „Stern“

erschienen ist und zwar unter der Überschrift:

„Neue Schule zu verschenken“. Darin

heißt es: „Direktor Josef Nössing von

den Heraklithwerken des bayerischen

Grenzstädtchens Simbach greift sich an den

Kopf. Für eine Million Mark hat er den 200

Realschülern der Gemeinde ein mit allen

Raffinessen ausgestattetes Schulhaus gebaut,

nachdem die Regierung von Bayern

die Industrie aufgefordert hatte, dem Staat

bei der Beseitigung der himmelschreienden

Schulraumnot finanziell unter die Arme zu

greifen. Und diese Not war für die Simbacher

besonders groß, denn seit 1945 war die

Realschule im gegenüberliegenden österreichischen

Braunau, die sie bisher besuchten,

für Deutsche gesperrt. In einem alten

Gasthof (Grainer) musste der Unterricht

stattfinden. Der Zustand war unhaltbar. Direktor

Nössing griff zum Scheckbuch. Voller

Freude teilte er München mit, seine Firma

schenke dem Land den neuen Bau. Aber die

Regierung winkte ab! Die Begründung haarsträubend:

Für die vier Putzfrauen, den

Hausmeister und die zwölf Lehrer sind keine

Planstellen frei. Auch noch den Schulbetrieb

finanzieren – das wäre zuviel“, so im

„Stern“. Nössing war im Treppenhaus der

Schule abgebildet. Die Bildunterschrift lautete:

„Wie ein Hausierer kommt sich Direktor

Von Christina Schmid

Nössing vor…“. Aus der beschriebenen privaten

Realschule, gegründet von Dr. Güldenapfel,

ging das Tassilo-Gymnasium, das

sich inzwischen seit Jahrzehnten im Schulzentrum

befindet, hervor. Viel Leben gibt es

nach wie vor in der von Nössing und der Heraklith

AG errichteten Schule am Kirchenplatz,

wo die Staatliche Realschule Simbach

beheimatet ist. Das Gebäude wurde

modernisiert und erweitert, doch das „Gesicht“

seiner Entstehung hat es behalten.

Kulturelle Veranstaltungen mit Niveau

Die Belebung des kulturellen Lebens der

Stadt lag Nössing zudem am Herzen. Diesbezüglich

schrieb Heimatchronist Rudolf

Vierlinger in seinem Buch „Stadt Simbach

am Inn“ 1975: „Vollbesetzt war auch stets

der große Rathausfestsaal bei den monatlichen

„Kulturellen Veranstaltungen“ der

Deutschen Herakltih AG. Direktor Josef

Nössing, der Vater derselben, ließ es sich

nicht nehmen, das Programm selbst zu

wählen und brachte Spitzenkräfte aller -

ers ten Ranges nach Simbach. Sängerinnen

und Sänger, Solistenvorträge und Orchesterauftritte

wechselten mit wissenschaftlichen

Vorträgen aus erster Hand. Diese kulturellen

Abende waren nicht nur für die Angestellten

des Werkes, sondern auch für

den interessierten Kreis der Stadt zugänglich,

der dankbar die Gelegenheit wahrnahm,

hatte doch sonst nur der Großstädter

die Möglichkeit, solch erstrangige Vorträge

zu besuchen. Die erste Veranstaltung dieser

Art fand am 26. November 1953 statt“. Viel

hat der gebürtige Österreicher für das Heraklithwerk

(heute Knauf-Insulation) und

Simbach geleistet.

Noch gut kann sich der frühere 2. Bürgermeister

von Simbach und Rechtsanwalt

Fritz Wachtveitl an ihn erinnern. Frank Nössing,

der Sohn des Direktors, war ein Schulkamerad

von ihm, mit dem er zum Beispiel

auf den Tennisplätzen des TC-Heraklith, die

ebenfalls unter der Ära Nössing errichtet

wurden, um den sportlichen Sieg kämpfte.

„Direktor Nössing war ein sehr höflicher

Mensch, ein Gentleman vom Scheitel bis zur

Sohle. Ging er durch die Stadt, so trug er immer

einen Hut und mit diesem grüßte er auf

elegante Weise“, so Wachtveitl. Im Internet

findet man unter Wikipedia unter anderem:

Nössing war nach Ende des Zweiten Weltkrieges

zunächst Treuhänder, dann Vorstandsvorsitzender

der Deutschen Heraklith

AG. Er baute das Unternehmen wieder

auf und führte es rasch zum größten seiner

Branche in der Bundesrepublik… Im Alter

von 70 Jahren ist der am 29. April 1900 in

Innsbruck geborene Simbacher Ehrenbürger

Josef Nössing am 29. September 1970

verstorben.

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