Otto Zottmaier - Ehrenbürger von Simbach am Inn

vierlinger

Otto Zottmaier - Ehrenbürger von Simbach am Inn

15. September 2021

Simbacher Anzeiger

Nr. 18/2021

Simbacher

ehreNbÜrGer

Vom Bankkaufmann zum

Tiefbohr- und Spezialtiefbau-Unternehmen

Teil II

Otto Zottmaier

Von Marianne Madl

Auch der Brunnenbau war weiterhin ein

wichtiges Standbein der Firma und wurde

stetig weiterentwickelt. 1973 wurde sogar

ein Patent für den Großvertikalfilterbrunnen

angemeldet, der von Ing. Karl Meister (FAS)

und Prof. Dr. Kurt Ingerle (Uni Innsbruck)

entwickelt wurde. Bisher war es üblich aufwändige

Horizontalfilterbrunnen zu bauen.

Auf der Theresienwiese in München werden Probebohrungen für

den U-Bahnbau durchgeführt

In Simbach befestigen Aufschläger-Pfähle die Moosecker Straße

Durch die Ergiebigkeit der neuen Technik

konnte die Wassermenge von 20 Liter/Sekunde

auf 130 Liter/Sekunde gesteigert

werden. Der erste Brunnen dieser Bauart

wurde zufällig für die Stadt Simbach erstellt,

wobei der ursprünglich vorgesehene einfache

Bohrbrunnen auf Kosten der FAS zu

einem Sternfilterbrunnen erweitert wurde.

Später folgten München, Salzburg, Linz

und Großindustrie-Betriebe wie Siemens

oder ÖMV Schwechat. Teilweise erreichte

man bis zu 450 Liter/Sekunde in Bohrtiefen

bis zu 46 Metern.

Herausragend war 1973 der Staatsauftrag

für die Forschungsbohrung im Nördlinger

Ries. Vor 15 Millionen Jahren schlug

dort ein Meteorit mit der Wucht von

250.000 Hiroshima-Bomben ein. Zur genaueren

Erforschung bohrte man 1200 Meter

tief und entnahm den Bohrkern zur weiteren

Forschung.

Die Experten mit ihrer Ausrüstung waren

bis in den Nahen Osten gefragt und manch

abenteuerliche Begebenheit ist heute noch

in der Erinnerung von ehemaligen Mitarbeitern.

Unmittelbar vor der Haustür steckt die

Aufschläger-Technik in der Umgehungsstraße,

die 1978/79 gebaut wurde. Auf Höhe

des damaligen Autohauses Benninger

bei der Einschleifung

stützt eine 2000 m²

Pfahlwand die Moosecker

Straße ab. 1978

brachte man beim

Eisenbahn viadukt Pfähle

für die Verbreiterung

und Erhöhung der

Durchfahrt ein, als Vorbereitung

zum Bau einer

neuen Brücke, die allerdings

bis heute nicht errichtet

wurde.

In diese Zeit fällt auch

die Einweihung des

neuen Verwaltungsgebäudes

in der Herklithstraße,

das am 3. Mai

1978 in Betrieb genommen

wurde.

Anfang der 70er Jahre

hatte Otto Zottmaier

seinem Sohn Siegfried

die Führung von Familie

und Betrieb anvertraut.

Als Mehrheitsgesellschafter

war er weiterhin

an allen Entscheidungen

beteiligt.

Ende 1981 nahm

Siegfried Zottmaier Verhandlungen

mit einer

deutschen Großbaufirma

auf, um die Liquidität

zu verbessern. Durch den Neubau von

Werkstatt- und Bürogebäude sowie notwendige

Modernisierungsmaßnahmen waren

die Finanzen stark strapaziert. Die Verhandlungen

mit dem neuen Partner verliefen

sehr positiv und waren abgeschlossen,

als unerwartet 1983 die Nahostkrise ausbrach

und das Partnerunternehmen auf

Grund seines Engagements in Syrien in Gefahr

kam und sich zurückzog. Als Ersatz

wurden im September 1984 zwei Mehrheitsgesellschafter

aufgenommen, die allerdings

nicht in der Lage waren FAS ausreichend

zu stützen. Zusätzlich beschleunigten

sehr hohe Forderungsausfälle den

Gang zum Konkursgericht im März 1986.

Aus der Konkursmasse erstand eine

große deutsche Straßenbaufirma den Firmennamen,

das know how, die Patente und

übernahm einen Teil des Fachpersonals.

Aufschläger entwickelte sich gut, bis das Interesse

an der Spezialtiefbausparte erlosch

und Aufschläger Ende 1990 liquidiert wurde.

117 Jahre Firmengeschichte endeten mit

diesem Termin.

Zahlreiche Auszeichnungen

Doch noch einmal ein Blick zurück auf

das Wirken des lange erfolgreichen und innovativen

Unternehmers. Der gute Ruf von

Aufschläger in Person von Otto Zottmaier

wurde im In- und Ausland gewürdigt. Eine

der höchsten Auszeichnungen war das Bundesverdienstkreuz

1. Klasse, das ihm 1964

für großartige, unternehmerische Leistung

und Erhaltungs- und Aufbauarbeit verliehen

wurde. In Bescheidenheit erklärte er, dass er

diese Ehre für alle seine engagierten, fleißigen

und treuen Mitarbeiter sieht.

Nach dieser Würdigung traf Zottmaier ein

Schicksalsschlag, denn seine Ehefrau Jeanette

erkrankte 1965 schwer und starb am

29. Januar 1967 mit nur 59 Jahren. Sohn

Siegfried, der seit 1964 das Studium als

Dipl-Ing. abgeschlossen hatte, übernahm

als Stellvertreter des 63-jährigen Firmenchefs

ab 7. März 1967 die Firmenleitung,

denn nur langsam fand der Senior wieder

zurück zu seiner benötigten Kraft.

1974 erhielt Otto Zottmaier zu seinem

70. Geburtstag auf Grund seiner unermüdlichen

und erfolgreichen Aufbauarbeit den

Ehrenring der Stadt Simbach von Bürgermeister

Hans Murauer überreicht. Dabei erinnerte

Murauer auch die vielfältige Förderung

der Simbacher Vereine und Einrichtungen.

Darunter die Realschule, den ASC

und den TSV, der für seine Tennisanlage ein

Clubhaus spendiert bekam. Als Gönner erwies

er sich auch beim TC Heraklith, dem

Flugsportclub Kirchdorf-Simbach, der Studentenverbindung

Vindelicia und des Liederkranzes.

Mit dem Namen Zottmaier verbinden die

Mitglieder des Alpenvereins auch den Erwerb

der Simbacher Hütte, den sein Sohn

Otto Ferdinand anstieß. Aufschläger-

Trupps, allen voran Adi Rohrer, brachten die

Hütte auf Vordermann und stellten die Wasserversorgung

sicher.

Die größte Auszeichnung erhielt Otto

Zottmaier schließlich zu seinem 75. Geburtstag

mit der Verleihung der Ehrenbürger-Urkunde.

Stolz und glücklich nahm er

die Urkunde von Bürgermeister Hans Murauer

entgegen, folgte er doch mit dieser Anerkennung

dem „Alten Aufschläger“, der

sein Lehrmeister und Vorbild war.

Nach einigen beschwerlichen Jahren erlitt

Zottmaier am 5. Juli 1983 unerwartet

einen Schlaganfall und verstarb. Beigesetzt

wurde er auf dem Simbacher Friedhof in der

Familienkapelle, die er von Architekt Arnulf

Albinger für seine Frau Jeanette errichten

ließ.

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